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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst
27. August 1987

REAGAN:

OFFENHEIT BEI SOWJETISCHEN MILITÄRANGELEGENHEITEN

- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat die sowjetische Führung zu mehr
"Glasnost" im militärischen Bereich aufgefordert und auf Schritte gedrängt,
die zum guten Willen des Kreml bei "seinen eigenen Entscheidungen bezüglich
der schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der militärischen Position"
wie auch zu größerem Verständnis der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
beitragen würden.
In seiner am 26. August 1987 in Los Angeles gehaltenen Ansprache drängte
der Präsident die Sowjets unter anderem, das sowjetische Volk und die Welt
insgesamt über Umfang und Zusammensetzung der sowjetischen Streitkräfte zu informieren und im Obersten Sowjet die Diskussion über Militärpolitik und Waffensysteme zu eröffnen.
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen heute abend bei Ihnen
zu sein. Ich danke Ihnen für diese
Gelegenheit, vor der Versammlung der
Town Hall of California sprechen zu
können, und es freut mich, daß meine
Ausführungen
gleichzeitig
bei
der
Chautauqua Konferenz in New York vernommen werden können, an der Bürger
der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion teilnehmen.
Ostküste oder
Westküste - wir alle verfolgen das
gleiche Ziel:
Einen von mehr Freiheit und Offenheit gekennzeichneten
Dialog zwischen den Völkern aller Na-

tionen zu fördern und gemeinsam die
Sache des Friedens und der Freiheit
in der Welt voranzutreiben.
Im Februar 1945, bei seinen ersten Begegnungen mit Roosevelt und
Stalin
in
Jalta,
war
Winston
Churchill von eben diesen Beweggründen geleitet.
Er hatte das Gefühl,
daß die Zeit drängte und sagte zu
seiner Tochter:
"Ich kann mir nicht
vorstellen, daß zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit der Schmerz der Welt je so groß
und so weitverbreitet gewesen ist.

�Heute abend wird die Sonne über grösserem Leid untergehen als die Welt je
zuvor gesehen hat."
Es sei nicht nur das Elend des
Zweiten Weltkriegs, das ihn entsetze,
erklärte Churchill, sondern er hege
auch große Angst, daß "...neue Kämpfe
sich aus denen ergeben könnten, die
wir erfolgreich beenden".
in bezug
auf das Treffen der Großmächte in
Jalta fügte er hinzu:
"Wenn (wir)
streiten, werden unsere Kinder zugrunde gerichtet."
Heute wissen wir, daß die Großmächte in Jalta eine Einigung erzielten; schwierige Themenkomplexe wurden
aufgeworfen und gelöst; Abkommen wurden earbeitet; im engeren Sinne war
die Gipfelkonferenz erfolgreich und
die Treffen brachten greifbare diplomatische Ergebnisse hervor.
Eines
dieser Ergebnisse war die Durchsetzung der in der Atlantik-Charta verankerten Rechte, die "die Gewähr dafür bieten wird, daß alle Menschen in
allen Ländern
ihr Leben frei von
Furcht und Not führen können". Auch
das Recht auf Selbstbestimmung der
osteuropäischen Nationen wie zum Beispiel Polen wurde so - zumindest auf
dem Papier - garantiert.
Aber nur
wenige Monate später bewahrheiteten
sich Churchills schlimmste Befürchtungen: die in Jalta verabschiedeten
Garantien für Freiheit und Menschenrechte in Osteuropa wurden zunichte
gemacht, und mit dem Ende der Demokratie in Polen wurde auch die fira
der
Zusammenarbeit
der Verbündeten
beendet.
Was darauf folgte, ist uns als
die
Nachkriegszeit
bekannt.
Eine
Zeit der Spannungen und häufig gefährlichen
Konfrontationen
zwischen
Ost und West - unser "langer Kampf im
Zwielicht der Dämmerung", wie Präsident Kennedy es bezeichnete.

Und
so traten die Großmächte,
weit davon entfernt, den Hader und
das menschliche Leid auf der Welt zu
beenden, die so große Betroffenheit
bei Churchill verursacht hatten, vor
40 Jahren in das Zeitalter des Kalten
Krieges
ein.
in
Erkenntnis
der
ernsthaften Bedrohung unserer eigenen
Sicherheit und der Freiheit unserer
Verbündeten in Westeuropa entwarf das
Volk
der
Vereinigten
Staaten
die
Hauptbestandteile der amerikanischen
vom
Zweiparteiensystem
getragenen
Außenpolitik für die kommenden vier
Jahrzehnte.
Im Jahr 1947 wurde mit
dem Marshall-Plan der Wiederaufbau
Europas in die Wege geleitet; ebenfalls im Jahr 1947 wurde dank der
Truman-Doktrin
die
Unabhängigkeit
Griechenlands und der Türkei hergestellt und das Prinzip des Beistands
für Nationen geschaffen, die sich im
Kampf für die Demokratie und gegen
das Aufzwingen totalitärer Regime befinden.
In den seither vergangenen 40
Jahren war die Außenpolitik von acht
amerikanischen
Regierungen
und
20
Kongressen stets von einem Prinzip
geleitet: Ablehnung von Totalitarismus, Befürwortung demokratischer Reformen und der Menschenrechte sowie
der Förderung von weltweitem Wohlstand und Freiheit - und dies alles
gegründet auf eine starke Verteidigung und das entschiedene Eintreten
für unsere Verbündeten und Freunde.
Als diese Regierung ihr Amt antrat, waren wir uns dieser seit langem bestehenden ziele gewahr.
Aber
wir waren uns auch bewußt, daß sehr
viel getan werden mußte, um deren
Wirksamkeit und Resonanz wiederherzustellen.
Struktur und Zweck der
amerikanischen
Außenpolitik
waren
seit den siebziger Jahren in Auflösung begriffen.

- 2 -

�Aber während wir am Wiederaufbau
der
herkömmlichen
geradlinigen
und
mächtigen
Position der Vereinigten
Staaten in der Welt arbeiteten und
einer Außenpolitik, die mehr als 40
Jahre lang die Sicherheit der Verbündeten
gewährleistet
hatte, erneute
Wirksamkeit verleihen wollten, versuchten wir auch das Patt des Kalten
Krieges zu durchbrechen. Wir wollten
mit
neuen
Initiativen
Fortschritte
erzielen, die dazu beitragen könnten,
die Welt der Nachkriegszeit zu gestalten, wir suchten mehr als einen
unsicheren Weltfrieden auf der Spitze
des Vulkans potentieller
nuklearer
Zerstörung.
Wir suchten nach etwas
jenseits der anerkannten Einflußbereiche und spannungsgeladenen Distanz
zwischen der totalitären und der demokratischen Welt. Mit anderen Worten, wir suchten Mittel und Wege, um
die großen, die Nachkriegszeit verdunkelnden
Wolken
zu
vertreiben,
statt sie hinzunehmen:
der Gefahr
des nuklearen Holocaust und der Ausweitung der totalitären Herrschaft.
Bei der Auseinandersetzung
mit
der
nuklearen Bedrohung haben die
Vereinigten Staaten erklärt, sie verfolgten nicht länger reine Rüstungskontrolle - die Verwaltung, Begrenzung oder das kontrollierte Wachstum
bestehender Arsenale.
Anstelle dessen streben die Vereinigten Staaten
zusammen mit den NATO-Partnern einschneidende
verifizierbare
Reduzierungen dieser Arsenale an - also einen Abbau von Rüstungen und nicht nur
Rüstungskontrolle. Um dieses Ziel zu
erreichen, sind wir über den Status
quo hinausgegangen
- einen reinen
modus vivendi der Rüstungskontrolle.
Zusätzlich zur Eröffnung der Verhandlungen über den Abbau bestimmter
Waffenkategorien haben wir einen völlig neuen Weg zur Überwindung der

Angst vor einem Atomkrieg beschritten.
Wir haben ein neues Programm
verabschiedet,
um defensive
Mittel
der Abwehr eines ballistischen Raketenangriffs zu erforschen. Damit haben wir versucht, die Abschreckung
aufrechtzuerhalten, während wir uns
gleichzeitig von dem Konzept der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
hinwegbewegen wollten, die veraltet
ist. Wir wollten nicht länger einen
Vorteil daraus ziehen, immer mehr Offensivwaffen und immer mehr Gefechtsköpfe zu bauen, sondern die Welt von
dem Alptraum der militärischen Großmächte befreien, die sich gegenseitig
als Faustpfand nuklearer Vergeltung
in Schach halten.
Mit anderen Worten, wir haben versucht, einen Verteidigungsschild aufzubauen, der den
Einsatz
ballistischer
Raketen wirkungslos machen
soll.
Dies stand
hinter unserer Entscheidung, das SDIProgramm voranzutreiben, und ich bin
davon übereugt, es war die richtige
Entscheidung zur richtigen Zeit.
Aber bei unserem Streben nach Rüstungskontrolle
und defensiver Abschreckung haben wir niemals die Tatsache außer acht gelassen, daß Nationen nicht geteilter Meinung
sind,
weil sie bewaffnet sind; sie sind bewaffnet, weil sie bezüglich außerordentlich
wichtiger
Angelegenheiten
des menschlichen Lebens und der Freiheit geteilter
Meinung sind.
Die
grundlegenden
Unterschiede
zwischen
totalitärer und demokratischer Herrschaft sind bestehen geblieben. Wir
konnten sie weder beschönigen noch
konnten wir uns weiterhin mit den anerkannten Einflußsphären zufriedengeben, mit einer nur zur Hälfte freien
Welt.
Deshalb haben wir versucht,
die Sache der persönlichen Freiheit
bei jeder sich bietenden Gelegenheit
voranzutreiben.
Gelegentlich bedeutete dies Unterstützung der Liberalisierung, gelegentlich
Unterstützung

- 3 -

�der Befreiung.
Bei regionalen Konflikten haben
wir zum Beispiel eine neue Politik
der Unterstützung demokratischer Rebellen bei ihrem Kampf zur Durchsetzung der Selbstbestimmung und Menschenrechte in ihren Ländern ausgearbeitet - diese Theorie wurde erstmals
mit unserer Entscheidung in die Tat
umgesetzt, dem Volk von Afghanistan
bei seinem Kampf gegen die sowjetische Invasion
und Besetzung zur
Seite zu stehen.
Auf diese Theorie gründete sich
auch unsere Entscheidung, dem Volk
von Nicaragua bei seinem Kampf für
die Ziele der Revolution von 1979 zu
helfen und diese Regierung zur Einhaltung
ihres
Versprechens
zu
veranlassen,
eine
Demokratie
herbeizufüh- ren. Unsere derzeitigen
Bemühungen, die Freiheitskämpfer in
Angola zu un- terstützen, sind das
jüngste Beispiel dieser Politik.
Im Bereich der Menschenrechte haben wir direkt an die Sowjetunion appelliert.
Im Fall Andreij Sacharow
konnten wir beobachten, daß wahrer
Frieden auf der Welt nur geschaffen
werden kann, wenn die Regierungen die
Menschenrechte ihrer Bürger einhalten
und anerkennen.
In ähnlicher Weise
haben wir im Rahmen der bilateralen
Beziehungen - kulturellen und politischen Austauschprogrammen zum Beispiel - versucht, die Sowjets zu einer
Öffnung
dieser
Programme
für
größere und unterschiedlichere Gruppierungen zu bewegen.
Allen diesen Bestrebungen lag unsere Verpflichtung
gegenüber
einer
unvoreingenommenen
Bevölkerung
zum
Wesen der totalitären Herrschaft und
für das vornehmste Ziel der amerikanischen Außenpolitik zu Grunde: Frieden - ja - aber auch Weltfrieden.

Wir weigerten uns zu glauben, es käme
einer kriegerischen Handlung gleich,
den entscheidenden moralischen Unterschied zwischen Demokratie und Totalitarismus öffentlich zu verkünden.
Und in meiner Ansprache vor dem britischen Parlament im Jahr 1982, als
ich die friedliche Verbreitung der
menschlichen Freiheit zum vornehmsten
Ziel der amerikanischen Außenpolitik
erklärte, betonte ich auch, daß die
Geschichte ihre Impulse aus der Sache
der Demokratie und der Freiheit auf
der Welt herleitet. Und ich verlieh
meiner
Hoffnung Ausdruck, daß das
vermehrte
Scheitern
dirigistischer
Volkswirtschaften den Ruf nach politischen Wandel mit sich bringen würde. Mit anderen Worten, ich forderte
einen "Kreuzzug für die Freiheit",
der die Demokratie verbreiten und demokratische
Institutionen
auf
der
ganzen Welt fördern würde.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
sind wir der Meinung, daß Bekräftigungen dieser Art in der Öffentlichkeit für die Wahrung und Verbreitung
des Friedens nicht nur vonnöten waren, sondern entscheidend zur Verringerung der Spannungen auf der Welt keineswegs deren Vergrößerung - und
der Verwirklichung des Friedens beitragen.
Unvoreingenommenheit
und
Realismus bezüglich der Sowjets haben
zum Friedensprozeß beigetragen; sie
dienten als Signal für unsere sowjetischen Gegenspieler, jeder Versuchung zur Ausnutzung westlicher Illusionen zu widerstehen, da solche Illusionen nicht länger vorhanden sind.
Unsere Außenpolitik ist also der
Versuch gewesen, sowohl die herkömmlichen Elemente der
amerikanischen
Nachkriegsstrategie erneut zu bekräftigen als auch die Theorien der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
oder Eindämmung zu überwinden - es
war unser Ziel, den toten Punkt, an

- 4 -

�dem wir angelangt waren, zu überwinden und eine Vorwärtsstrategie zu erarbeiten - eine Vorwärtsstrategie für
den Weltfrieden und für die Freiheit
auf der Welt.
Wir haben die Abschreckung oder
Eindämmung nicht aufgegeben - aber in
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten haben wir etwas gesucht, das noch
über diese Theorien hinausgeht. Wir
haben die Abschaffung der nuklearen
Bedrohung und das Ende der Bedrohung
durch den Totalitärismus angestrebt.
Heute können wir beobachten, wie
diese Strategie - eine Stratgie der
Hoffnung - in der Praxis Anwendung
findet. Die Reduzierung von Nuklearwaffen rückt in greifbare Nähe. Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) nimmt Gestalt an, und unser Angebot, den Nutzen der strategischen
Verteidigung zu teilen, bleibt für
alle bestehen, einschließlich der Sowjetunion. Bei regionalen Konflikten
wie in Afghanistan und Mittelamerika
haben die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten bisher allzuwenig echte
Bereitschaft zum Frieden mit wahrhafter Selbstbestimmung für ihre Völker
gezeigt.
Aber die Freiheitskräfte
nehmen beständig an Stärke zu und
üben immer größeren Druck auf die totalitären Kräfte aus. Der Weg zu einem von Freiheit getragenen Frieden
steht offen, wenn Moskau sich dazu
entschließt, anderen keine sogenannten Revolutionen mehr aufzuzwingen.
In einem anderen Bereich teilen
wir das Interesse der Sowjetunion an
einer politischen Beilegung des Krieges zwischen Iran und Irak; wir hoffen, daß wir trotz unserer Differenzen gemeinsam darauf aufbauen können.
Und schließlich können wir in der Sowjetunion
selbst
eine
Tendenz
zu
größerer Offenheit beobachten, vielleicht sogar zu Fortschritten bei der

Wahrung der Menschenrechte
wirtschaftlichen Reformen.

und

zu

All diese Entwicklungen beschäftigen uns; wir denken über Ihre Bedeutung nach; wir fragen uns, ob wir
tatsächlich in eine neue Phase der
Ost-West-Beziehungen eintreten.
Ist
eine
weitreichende
und
dauerhafte
Veränderung
der
spannungsgeladenen
Distanz der Nachkriegszeit jetzt möglich?
Haben wir endlich jene Gelegenheit zur Beendigung der Leiden des
20. Jahrhunderts, die Churchill stets
vor Augen hatte?
Dies
sind
zweifelsohne
unsere
Hoffnungen.
Ehrlicherweise
müssen
wir jedoch zuzugeben, daß wir auch
von Ängsten und tiefen Sorgen erfüllt
sind.
Und während wir die interessanten Veränderungen in der Sowjetunion anerkennen, wissen wir auch,
wie weit die Sowjets noch immer von
jedwedem westlichen Vorbild der Demokratie entfernt sind.
Wir wissen,
was eine echte Demokratie ausmacht;
wir verstehen deren eigentliche Bedeutung.
Demokratie beinhaltet das Prinzip
der Rechtsstaatlichkeit für die politisch Verantwortlichen ebenso wie für
die Bürger.
Hierzu gehört die Begrenzung der Macht des Staates über
das Volk. Unter Demokratie verstehen
wir geordnete Diskussionen und bedeutungsvolle Abstimmungen.
Demokratie bedeutet Befreiung für die Gefangenen aus der Leibeigenschaft einer herrschenden Elite, die von sich
behauptet, die Wünsche des Volkes
besser zu kennen als das Volk selbst.
Trotz
der
derzeit
bestehenden
Hoffnung gibt es immer noch Unsicherheiten. Daher sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir uns mit der
Sowjetunion auseinandersetzen müssen,
so wie sie war und wie sie heute ist,

- 5 -

�und nicht, wie wir sie uns wünschen.
Und dennoch können wir uns damit
nicht zufrieden geben. Die sich uns
bietende Gelegenheit ist zu großartig, um sie einfach verstreichen zu
lassen.
Darum haben wir im vergangenen Jahr unsere eigenen Erwartungen
zur Herausforderung für die Sowjets
gemacht - als Mittel, uns und der
Welt zu beweisen, wie ernst sie es
mit den grundlegenden Verbesserungen
meinen.
Aus diesem Grund haben wir
Wegweiser
und
Hinweisschilder
für
bessere Beziehungen mit der Sowjetunion aufgestellt.
Seit zwei Jahren haben wir die
Sowjets gedrängt, sich an Diskussionen über ein gemeinsames Vorgehen bei
der Umrüstung auf eine defensive Abschreckung zu beteiligen, die niemand
bedroht. Im April dieses Jahres haben wir dazu aufgerufen, einen Termin
für den raschen und vollständigen Abzug aus Afghanistan noch in diesem
Jahr festzusetzen; im Juni forderten
wir die Sowjets auf, gemeinsam mit
uns die Teilung Berlins erträglicher
zu machen und mit dem Abriß der Mauer
zu beginnen; im Juli drängten wir die
Sowjets,
die
Selbstbestimmung
der
Völker in Osteuropa anzustreben und
die
Breschnew-Doktrin
aufzuheben.
Dies sind natürlich bedeutsame demokratische
Schritte.
Aber
Schritte
wie diese sind für eine grundlegende
Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ost und West unerläßlich.
Heute möchte ich der sowjetischen
Führung einen weiteren Schritt vorschlagen,
einen
realistischen
Schritt, der unseren Bemühungen um
einen Abbau der Rüstungen sehr förderlich wäre.
Wir stehen kurz vor
einem historischen Abkommen, das eine
ganze
Waffenkategorie
abschaffen
könnte. Wenn es unterzeichnet wird,
werden wir uns nicht auf Vertrauen

verlassen, sondern darauf, was wir
mit unseren eigenen Augen über dessen
Verwirklichung sehen können. Wie die
Russen sagen, "Dowerjai no Prowerjai"
- vertraue, aber prüfe. Und das werden wir tun.
Aber wirksame Verifikation erfordert mehr als ausschließlich technische Mittel.
Selbst Vor-Ort-Inspektionen sind kein Allheilmittel, besonders jetzt, da wir uns mit dem
ehrgeizigen Vorhaben der Rüstungskontrolle befassen. Wir müssen die Einhaltung bestehender Abkommen anstreben, die allzu häufig von der Sowjetunion verletzt werden. Wir benötigen
auch mehr Offenheit, eine Abkehr von
der Geheimniskrämerei, von der die
sowjetischen
Militärangelegenheiten
so lange gekennzeichnet waren.
Ich sage der sowjetischen Führung: Es ist an der Zeit, für etwas
"Glasnost" in Ihrem militärischen Bereich.
Veröffentlichen sie erstens
eine genaue Aufstellung Ihrer Militärausgaben, ebenso wie wir das tun.
Geben Sie zweitens dem sowjetischen
Volk und der Welt den Umfang und die
Zusammensetzung
der
sowjetischen
Streitkräfte
bekannt.
Stellen Sie
drittens im Obersten Sowjet die grossen Fragen der Militärpolitik
und
Waffensysteme zur Diskussion, genau
wir wir das tun. Diese Schritte würden
zu einem besseren Verständnis
zwischen uns beitragen, und auch zu
einer
positiven
Bewertung
unserer
Entscheidungen über die schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der
militärischen Position führen.
Das
unmittelbare
Abrüstungsprogramm ist klar. Wir können eine Vereinbarung über Mittelstreckenraketen
zügig unter Dach und Fach bringen.
Es gibt Fragen, die noch geklärt werden müssen.
Unsere Delegation in
Genf hat bereits den Weg zur Verein-

- 6 -

�fachung der Verifikationsbestimmungen
geebnet, nachdem wir uns auf die
vollständige
Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer Mittelstrekkenwaffen verständigt haben.
Wir
haben ebenfalls wiederholt
darauf hingewiesen, daß die in letzter Minute nachgeschobene Forderung
der Sowjets bezüglich der deutschen
Pershing lA-Raketen jeder Grundlage
entbehrten.
Bundeskanzler Kohl hat
heute sogar dieses künstliche Hindernis beseitigt. Wir haben deshalb die
Hoffnung, daß die Sowjetunion den Beweis antreten wird, ob hinter der in
letzter Zeit so oft wiederholten Rhetorik Substanz steckt - und sie wirklich eine stabilisierende Vereinbarung über Mittelstreckenwaffen will.
Falls dem so ist, wird sie auf unsere
Vorschläge
konstruktiv
antworten,
statt vor einer Vereinbarung zusätzliche Hindernisse in den Weg zu legen.
Wir müssen ferner zügig auf das
Ziel einer 50prozentigen Reduzierung
der strategischen Nuklearwaffen hinarbeiten, worauf Herr Gorbatschow und
ich uns im vergangenen Herbst in
Reykjavik geeinigt haben.
Das wäre
eine großartige Leistung.
Lassen Sie mich kurz auf etwas
eingehen, das die Sache all dieser
Verhandlungen voranbringt. Ich glaube, es ist von vorangiger Bedeutung,
daß sich westliche Berichterstatter
und Redakteure die wirkliche Leistung
dieser Verhandlungen vor Augen führen.
Ich möchte zum Beispiel darauf
hinweisen, daß das Wirtschaftsmagazin
"The Economist" kürzlich einen Artikel nach dem Motto "Ob Sie das glauben wollen oder nicht" veröffentlichte, in dem es seine Leser daran erinnerte, daß es ja die Vereinigten
Staaten waren, die als erste die
Null-Lösung
bei
den
Verhandlungen
- 7

über Mittelstreckenwaffen und den 50prozentigen Abbau der strategischen
Waffen vorschlugen.
Ich würde ganz
einfach sagen:
Je eher die Sowjets
begreifen, daß ihre Versuche, die Medien in bezug auf diese Verhandlungen
zu manipulieren, zum Scheitern verurteilt sind, umso größer sind die
Chancen, schließlich zu einer Unterzeichnung
der Vertragsdokumente
zu
kommen.
Wie den meisten von Ihnen bekannt
sein wird, stehen daher bei unseren
Verhandlungen mit den Sowjets vier
Punkte auf unserer Tagesordnung: Menschenrechte, Rüstungskontrolle, Lösung regionaler Konflikte, und bilaterale Themenkomplexe. Wir müssen in
allen Punkten Fortschritte erzielen,
wenn sich die Beziehungen insgesamt
fortschrittlich
entwickeln
sollen.
Lassen sie mich auf unsere ernste
Sorge über die sowjetischen Aktionen
in einem dieser Bereiche hinweisen:
regionale Konflikte.
Es ist eine
Tatsache, daß die sowjetischen Besatzungstruppen
in
Afghanistan
immer
noch einen Krieg der wahllosen Bombardierung und des Massakers an der
Zivilbevölkerung
gegen
ein
moslemisches Volk führen, dessen einziges
Verbrechen in der Liebe zu ihrem Land
und ihrem Glauben besteht.
In Mittelamerika wurden die Waffenlieferungen aus Ländern des Ostblocks im vergangenen Jahr rapide gesteigert, und
zwar um mehr als 100 Prozent.
Während also die Sowjetunion über
Reformen im eigenen Land spricht, hat
sie ihre Bemühungen verdoppelt, anderen ein zum Scheitern verurteiltes
System aufzuzwingen.
Ich möchte betonen, daß es eine Gewissensfrage gegenüber dem Westen ist, solche Aktionen klar und deutlich anzusprechen,
und daß die sowjetischen Aktionen in
diesem Bereichen der Politik mit der
allergrößten Sorge beobachtet werden.

�Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
Aber lassen Sie mich nochmals unterstreichen, daß der Fortschritt,
den wir in den Ost-West-Beziehungen
beobachten konnten, von der neuen in
die amerikanische Außenpolitik eingebrachten Stärke und Entschlossenheit
sowie
der
Geradlinigkeit
unserer
Friedensinitiativen
herrührt.
Wir
beobachten
ferner
eine
sowjetische
Führung, die eher bereit zu sein
scheint, die Probleme anzusprechen,
die Ost und West seit so langer Zeit
getrennt haben, und die Abkommen zum
beiserseitigen Nutzen anstrebt.
Vielleicht ist das Wachstum der
Demokratien in der ganzen Welt das
endscheidende Maß
für diese neuen
Entschlossenheit.
Noch
vor
einem
Jahrzehnt wurde die Demokratie in
ganz Lateinamerika angegriffen - heute leben mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner in Staaten, die bereits demokratisch
sind oder sich
entschlossen darauf zubewegen.
Eine kürzliche Sitzung der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
über Afrika rief zu mehr persönlicher
Freiheit und einer Verminderung der
Regierungsgewalt auf, um den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. In den vergangenen Jahren konnten wir ebenfalls erhebliche Fortschritte in Richtung auf eine Demokratisierung
in Nationen
wie
den
Philippinen und Süd-Korea beobachten.
Sogar ein Land wie China hat Offenheit für wirtschaftliche Reformen gezeigt.
Vor allem sind die althergebrachten Lösungensvorschläge des 20. Jahrhunderts zur Minderung der Leiden in
der Welt - Lösungen, die nach immer
mehr Regierungsgewalt in den Händen
einer immer kleineren Elite rufen -

überall unter Beschuß geraten, besonders bei den Intellektuellen.
Die
neue Idee eines Zusammenhangs zwischen
wirtschaftlicher
und
politischer Freiheit als dem Hauptinstrument des sozialen Fortschritts findet
immer mehr Anklang.
Wenn
ich
auf
die
verangenen
sechseinhalb Jahre zurückblicke, muß
ich mir einfach die tiefgreifenste
Veränderung vor Augen führen, die ich
beobachten konnte:
die aufregenden
und neuen Aussichten für die Sache
der Demokratie. Es überwiegt ein Gefühl der Stärke und Hoffnung; die
Planwirtschaft hat bei den Intellektuellen
an Attraktivität verloren;
und überall streben die Nationen und
Völker nach der Erfüllung ihres jahrhundertealten Strebens nach Selbstverwaltung und Selbstbestimmung.
Vielleicht werden wir uns endlich
über das Stadium der spannungsgeladenen Distanz der Nachkriegszeit hinaus
entwickeln, und das in Jalta zwar
eingegangene aber nie gehaltene Versprechen erfüllen. Vielleicht ist es
nicht zu viel verlangt, einen ersten
Schritt hin zu demokratischer Herrschaft und freien Wahlen zu verlangen. Und ich hoffe, dieses Thema bei
der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch ausführlicher vortragen
zu können.
Wir könnten dann den Augenblick
erleben, den Churchill damals vorhergesehen hat; den Augenblick, in dem
die Welt die Gelegenheit wahrnehmen
könnte, die sie vor vier Jahrzehnten
versäumt hat; die grenzenlose Freiheit zu erlangen; eine Gelegenheit,
die
schrecklichen
Leiden
des 20.
Jahrhunderts und die zweifache Bedrohung eines nuklearen Krieges und der
totalitären
Ideologie
zu
beenden.
Vor
allem
die
Gelegenheit,
die
Menschheit wachsen und gedeihen zu

- 8 -

�sehen in einer Regierungsform, die
Churchill von allen schlechten Regierungsformen als die beste bezeichnete: Demokratie.
Dies
ist die Gelegenheit, die
sich uns bietet; wir müssen sie jetzt
ergreifen, für uns und für zukünftige
Generationen.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 9 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 27.08.1987 - Sonderdienst</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

30

2 . September 1987

i
I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan:

Unterstützung für demokratischen Widerstand in Nicaragua

- Ansprache Präsident Reagans in Radio Liberacion -

Reagan;

UdSSR muß sich zum Weltfrieden bekennen

- Rundfunkansprache Präsident Reagans -

Neuester Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Rede von Fritz W. Ermarth vor der Chautauqua-Konferenz

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

2. September 1987

30

REAGAN:

UNTERSTÜTZUNG FÜR DEMOKRATISCHEN WIDERSTAND IN NICARAGUA
- Ansprache Präsident Reagans in Radio Liberacion -

SANTA BARBARA - (AD) - Präsident Reagan hat der demokratischen Widerstandsbewegung Nicaraguas gegenüber sein Versprechen der Unterstützung durch
die Vereinigten Staaten erneuert, da "wir das gleiche Ziel anstreben - die Demokratie" .
Der Präsident gab diese feste Zusage in einer von Radio Liberacion am 25.
August 1987 in Nicaragua gesendeten Rundfunkansprache. Die Anführer der Widerstandsbewegung hatten diese Botschaft bei ihrem Treffen mit dem Präsidenten
am 5. August gefordert.
Nachfolgend drucken wir die Ausführungen Präsident Reagans im Wortlaut.
Die vier Präsidenten der demokratisch regierten Länder Mittelamerikas
haben sich mit den kommunistischen
Herrschern Nicaraguas
in Guatemala
zusammengesetzt, um einen Friedensplan für Mittelamerika auszuhandeln.
Das Gipfeltreffen wurde mit einem vom
Versprechen der Demokratie getragenen
Abkommen für den regionalen Frieden
beendet. Dieser Friedensplan fordert
tiefgreifenden politischen und sozialen Wandel in Nicaragua.
In den vor uns liegenden Wochen
werden wir unsere Hoffenungen an der

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Realität messen, und Versprechen werden an Taten gemessen werden.
Die
Unterzeichnung des Friedensplans von
Guatemala war ein bedeutsamer Akt des
Vertrauens. Aber unser Vertrauen muß
durch
Realismus
gemäßigt
werden.
Denn Vertrauen ohne Realismus wird
nicht zu Frieden führen, sondern zu
Desillusionierung und der ständigen
kommunistischen Herrschaft, die eine
Bedrohung für die anderen, im Entstehen begriffenen, Demokratien in Mittelamerika darstellt.
Die

Sandinisten

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haben

ihr Ver-

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Telex: 8-85432

�sprechen zur Wahrung Ihrer Rechte gegeben, als Sie diesen Friedensplan
unterzeichnet haben - Rechte, die Sie
Ihnen in den vergangenen acht Jahren
verweigert haben.
Sie versprachen,
Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung
und das Recht auf Versammlungfreiheit
zu wahren.
Sie versprachen politische und religiöse Freiheit und die
Pressefreiheit.
Sie versprachen den
Zugang aller politischen Parteien und
Meinungsträger zu den Kommunikationsmitteln. Sie versprachen freie Wahlen.
Die Sandinisten haben Ihnen jetzt
das Versprechen der Demokratie gegeben - und die Welt ist Zeuge. Ebenso
wie Sie hoffe ich, daß sie dieses
Versprechen halten werden. Aber wie
Sie weiß auch ich, daß der Bürgerkrieg in Nicaragua begann, als die
Sandinistas Ihnen Demokratie versprachen, diesem Versprechen jedoch nicht
nachgekommen sind. Dieser Kampf wird
ein Ende finden, wenn dieses Versprechen erfüllt worden ist.
Eine der im Plan von Guatemala
festgelegten Vorbedingungen für die
Beendigung
der Kampfhandlungen
ist
Demokratie für Nicaragua. Dies wird
als
"GLeichzeitigkeit"
bezeichnet.
Mit ihrer Zustimmung zum Plan von
Guatemala haben die Sandinistas ihre
Zustimmung zur Beendigung der Unterdrückung
gegeben, die gleichzeitig
mit dem Ende der Kampfhandlungen verwirklicht werden muß.
Die Sandinistas haben uns dies schon früher
versichert und daher schenkt ihnen
niemand mehr Glauben.
"Gleichzeitigkeit" muß
Freiheit
an
vorderster
Front bedeuten, oder es ist kein reeller Handel.
Wir werden die demokratischen Anführer
Mittelamerikas
und
unsere
Landsleute in Nicaragua bei ihrer Suche nach einer diplomatischen Lösung

des Krieges unterstützen, der Ihr
Land heimgesucht hat. Aber wir werden an unserer Politik festhalten.
Unsere Zielsetzungen sind unverändert
- Frieden und Demokratie für Nicaragua.
Unsere Verpflichtung zu Freiheit und Demokratie hat eine politische Bewegung und die Hoffnung auf
Befreiung
ausgelöst.
Aus
diesem
Grunde stehen das Volk Nicaraguas und
das Volk
Mittelamerikas
in
Ihrer
Schuld.
Ich weiß, es ist Ihr sehnlichster Wunsch, in ein befreites Nicaragua
heimzukehren.
Sie
können
sich der Unterstützung Ihres Kampfes
durch uns jetzt und in der Zukunft
gewiß sein, da wir das gleiche Ziel
anstreben - die Demokratie.
Bis dem nicaraguanischen Volk die
Grundfreiheiten gewährt worden sind,
werden Sie Ihren Kampf fortsetzen dessen bin ich mir bewußt. Und die
Vereinigten Staaten werden Ihnen zur
Seite stehen. Das Ziel der Reise ist
"Nicaragua libre". Wir dürfen nicht
rasten, bevor wir dieses Ziel erreicht haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
2. September 1987

30
REAGAN:

UdSSR MUSS SICH ZUM WELTFRIEDEN BEKENNEN

- Rundfunkansprache Präsident Reagans -

LOS ANGELES - (AD) - Die Sowjetunion "muß (ihre) imperialen Abenteuer aufgeben, wenn die Welt wahren Frieden erleben soll", erklärte Präsident Reagan
am 29. August. 1987
In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation appellierte der
Präsident erneut an die Sowjetunion, ihre Aufwendungen für militärische Zwecke
allgemein bekanntzugeben und die neuen Waffensysteme offen zu diskutieren. In
Anlehnung an einige der in seiner Ansprache vom 26. August über den Stand der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen zum Ausdruck gebrachten Gedankengänge
verwies Präsident Reagan darauf, daß Washington und Moskau Gegner seien, weil
der Kreml dies so gewollt habe.
Er forderte den sowjetischen Parteichef
Gorbatchow erneut auf, seine innenpolitische Kampagne der "Glasnost" oder Offenheit mit größerer Flexibilität bei der Außenpolitik einhergehen zu lassen.
Nachfolgend drucken wir die Ausführungen Präsident Reagans im Wortlaut.
Meine lieben Mitbürger, in diesem
Sommer würden wir alle am liebsten
die Arbeit vergessen, frei nehmen und
uns erholen.
Vielleicht ergeht es
Ihnen jedoch so wie mir, und Sie setzen sich während Ihres Urlaubs gedanklich mit größeren Problemen auseinander als den alltäglichen - zum
Beispiel dem Problem, welche Richtung
wir
langfristig
einschlagen
sollen
und wie wir dieses Ziel erreichen
wollen.

über eines der vordringlichsten Probleme zu sprechen:
Den Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein wird, hatte ich bereits vor einigen Tagen Gelegenheit,
vor einer Versammlung in Los Angeles
und über Satelliten-Übertragung vor
einer anderen Tagung in New York Ausführungen zu diesem Thema machen zu
können.
Ich möchte jedoch auch zu
Ihnen darüber sprechen.

Ich hoffe, Sie gestatten mir einige Minuten Ihrer Zeit, um zu Ihnen

Heute stehen sich Amerika und die
Sowjetunion als Gegner gegenüber, wie

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�bereits seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs.
Amerikaner haben diese
Feindschaft nicht gewollt. Vor seinem Tode sprach Präsident Franklin D.
Roseveit für alle Amerikaner, als er
seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, daß
die Sowjets nach Beendigung des Krieges mit uns an der Gestaltung einer
Welt in Demokratie und Frieden zusammenarbeiten würden.
Von diesem Gedanken geleitet begab sich Roosevelt
im Jahr 1945 zur Konferenz von Jalta,
um mit Stalin zusammenzutreffen. Die
Sowjets nährten dort seine Hoffnungen
mit der Zustimmung, freie und unbehinderte Wahlen
in osteuropäischen
Ländern wie Polen abzuhalten, sobald
der Frieden eingetreten sei.
Innerhalb von zwei Jahren brachen
sie ihr Versprechen.
Dann begannen
sie, freie Länder wie Griechenland
und die Türkei zu unterwandern. Erst
danach gaben die Vereinigten Staaten
widerstrebend zu, daß die Sowjets ihre Gegner sind.
Die
Ziele
unserer
Außenpolitk
sind heute noch die gleichen wie in
den
vergangenen
vier
Jahrzehnten.
Wir lehnen Totalitärismus, insbesondere
imperialistisch-expansionistischen Totalitärismus ab. Wir treten
für Demokratie und Menschenrechte ein
und wir sind für weltweiten Wohlstand, der nur durch freie Volkswirtschaften entstehen kann und die Verwirklichung
menschlichen
Wohlergehens, das nur durch politische Freiheit hervorgebracht werden kann.
Als meine Regierung die Amtsgeschäfte vor sechseinhalb Jahren übernahm, mußten wir feststellen, daß die
amerikanische Politik diese vornehmsten Ziele in einigen entscheidenden
Bereichen aus dem Blick verloren hatte. Der massiven sowjetischen Aufrüstung im Verlauf der siebziger Jahre
stand Untätigkeit seitens der Ameri-

kaner gegenüber.
Die Sowjets hatten
einige Tausend Gefechtsköpfe hinzugefügt, moderne Mittelstreckenwaffen in
Europa eingeführt und ihre vierte Generation von Interkontinentalraketen
stationiert - während wir nur zusahen.
In der Zwischenzeit erstrecken
sich die sowjetischen Machenschaften
in der Dritten Welt bis auf Länder
wie Afghanistan, Kambodscha, Angola
und Nicaragua.
Vieles davon hat sich heute geändert. Wir haben unser Militär aufgerüstet, und die Sowjets haben mit einer neuen Bereitschaft zu ernsthaften
Gesprächen über Abrüstung auf unsere
neue Stärke reagiert. In der Vergangenheit haben Rüstungskontrollabkommen lediglich die Regeln dafür festgelegt, wie schnell unsere beiden
Länder die Anzahl ihrer Nuklearwaffen
steigern konnten.
Vor sechs Jahren haben wir erklärt,
Rüstungskontrollgespräche
müßten ein anderes Ziel verfolgen.
Wir sollten versuchen, die Zahl der
Nuklearwaffen zu verringern. Auf dem
Gebiet
der
bodengestützten Mittelstreckenraketen schlug ich vor, diese
einfach völlig abzuschaffen.
Heute stehen wir kurz vor einem
Vertragsabschluß mit den Sowjets, um
genau dies zu tun. Gleichzeitig haben wir mit der Entwicklung von Technologien begonnen, die der ganzen
Menschheit die Furcht vor Nuklearraketen nehmen könnte:
Eine strategische Verteidigung zur Abwehr nuklearer ballistischer Raketen.
In den vergangenen sechseinhalb
Jahren haben wir ferner einen neuen
Ansatz gegenüber den sowjetischen Machenschaften entwickelt.
Wir haben
erklärt, Amerika habe eine moralische
Verpflichtung,
denjenigen
beizustehen, die tapfer für die Freiheit und

�gegen die von den Sowjets geschürte
Unterdrückung in ihren Heimatländern
kämpfen. Wenn die Welt wahren Frieden erleben soll, müssen die Sowjets
diese imperialen Abenteuer aufgeben.

samkeit.

Gott schütze Sie.

* * * * *

,

\

'

Diese Woche schlug ich eine Reihe
von Maßnahmen vor, die von den Sowjets unternommen werden können, um
die Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu verbessern.
Sie können
ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, die Berliner Mauer niederreißen
und freie Wahlen in Osteuropa zulassen.
Und da in diesem Monat die
freie polnische Gewerkschaft "Solidarität" ihren siebten Jahrestag feiert
und dies gleichzeitig der 19. Jahrestag des Einmarschs der Sowjetunion in
die Tschechoslowakei ist, haben die
Sowjets eine besonders gute Gelegenheit, der Gewalt als einem Mittel zur
Verhinderung der Liberalisierung Osteuropas abzuschwören. Nach den gleichen
Prinzipien
könnten
sie
ihre
Hilfsmaßnahmen für das sandinistische
Regime in Nicaragua beenden, das dessen Nachbarn subversiv unterwandert.
Die Sowjets könnten ferner ihre
Verteidigungsausgaben offenlegen, damit die Weltöffentlichkeit eine Überprüfung vornehmen kann.
Sie können
einen gültigen und umfassenden Verteidigungshaushalt vorlegen und Stärke und Zusammensetzung ihrer Streitkräfte veröffentlichen.
Sie können
Diskussionen
über
die
wichtigsten
neuen militärischen Programme in ihrem Parlament, dem Obersten Sowjet,
gestatten.
Bei uns in der Heimat müssen wir
uns an die Lektion der vergangenen 40
Jahre erinnern:
Amerika muß stark
und entschlossen bleiben, wenn die
Welt echten Frieden erfahren will und
sich die Freiheit durchsetzen soll.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerk- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

Dokumentation
2. September 1987

30

NEUESTER STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN

BEZIEHUNGEN

- Rede von Fritz W. Ermarth vor der Chautauqua-Konferenz -

CHAUTAUQUA, NEW YORK - (AD) - Im folgenden drucken wir den Wortlaut der
von Fritz w. Ermarth, Fachberater des Präsidenten und Leitender Direktor für
europäische und sowjetische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat, am
25. August 1987 vor der III. Chautauqua-Konferenz über sowjetisch-amerikanische Beziehungen gehaltenen Rede.
Es ist mir eine besondere Ehre,
an dieser außergewöhnlichen Zusammenkunft teilnehmen zu dürfen.
Solche
Versammlungen stellen den Wunsch der
politisch Verantwortlichen und Völker
unserer beiden Länder unter Beweis,
einen Kurs des besseren Verständnisses zu verfolgen. Sie sind ein Ausdruck des guten Willens, der Hoffnung
auf die Zukunft unserer Länder und
der Menschheit an sich und des Vertrauens darauf, daß der offene Dialog
zwischen den Bürgern einen der Bestandteile bildet, die diese Zukunft
vielversprechender machen können.

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Embassy of the United States of America

Das Menschengeschlecht hat in der
Tat eine vielversprechende
Zukunft
vor sich.
Ungeachtet der Probleme,
die es häufig für uns birgt, der verblüffenden Fortschritte der Wissenschaft, der Verbreitung wirtschaftlicher
Eigendynamik, der Menschen,
Gedanken und Informationen, die um
die Welt reisen - ist die Menschheit
der Ursprung unseres großen Optimismus für eine gemeinsame Zukunft.
Wir
sehen uns mit zahlreichen
gleichgelagerten
Problemen
konfron-

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�tiert.
Aber
wir
sehen
uns auch
grundlegenden
Unterschieden
gegenüber, die die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion nun seit mehreren Generationen trennen.
Es sind politische Kontroversen darüber, wie die
menschliche Gemeinschaft sich verwalten und miteinander
in Verbindung
treten sollte.
Es sind die Themenkomplexe Krieg und Frieden, bei denen
der Rüstungswettlauf nur Symptom und
Wirkung ist.
Wir müssen diese Konflikte unvoreingenommen diskutieren, denn sonst
werden wir kein Einverständnis erzielen.
Eine
oberflächliche
Freundschaft birgt die Aussicht auf übertriebene Enttäuschung in sich - eine
Tatsache, die wir mehr als einmal in
der
Geschichte unserer
Beziehungen
beobachten konnten.
In meinem Ausführungen werde ich mich vorwiegend
auf Beschwerden konzentrieren.
Aber
der wahre Zweck dieser Bestandsaufnahme ist, die vielversprechenden Ansätze in unseren Beziehungen voranzutreiben. Obwohl überall auf der Welt
gefährliche Krisenherde bestehen, von
denen wir aufgesogen werden könnten,
scheinen die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion, insgesamt gesehen,
eher bestrebt, Konfrontationen vermeiden zu wollen, denn auf diese aus
zu sein.
Eines der wichtigsten Abkommen
über
nukleare
Abrüstung
scheint in greifbare Nähe gerückt zu
sein. Die ihm zugrundeliegenden Geschehnisse und Neuerungen können jedoch von niemandem unter uns in ihrem
vollen Umfang verstanden werden, ohne
eine Rückschau vorzunehmen.
Die Sowjetunion befindet sich in einem faszinierenden Prozeß der Selbstüberprüfung und Erneuerung, der tiefgreifende Auswirkungen auf uns alle haben
könnte.
Und schließlich möchte ich
noch hinzufügen, daß wir uns derzeit
nicht mit einem solchen Vorfall wie
der Verhaftung des Journalisten Nick

Daniloff konfrontiert sehen, der zu
einem
plötzlichen
Abbruch
unseres
Dialogs führen kann.
Im vergangenen Jahr hat mein Vorgänger,
der
jetzige
amerikanische
Botschafter in Moskau, Jack Matlock,
bei
der
amerikanisch-sowjetischen
Chautauqua-Konferenz in Latvia einen
umfassenen Bericht der amerikanischen
Sicht des großen politischen Wettstreits zwichen Ost und West vorgelegt, der einmal als der Kalte Krieg
bezeichnet worden war.
ich möchte
Ihnen diese Rede auch heute noch wegen ihrer Tragweite, Objektivität und
Gegewartsbezogenheit
empfehlen.
In
seinen Ausführungen erklärte Matlock,
wie die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion als Reaktion auf
die fremdenfeindliche und hegemonistische Vorgehensweise der UdSSR in
der Stalin-Sra entstand - einer Ära,
deren Vermächtnis noch heute andauert.
Er beschrieb die vier Punkte
umfassende
Tagesordnung
Präsident
Reagans für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen: Abrüstung, Lösung
regionaler
Konflikte,
Fortschritte bei der Wahrung der Menschenrechte und Verbesserung unserer
bilateralen Verhandlungen.
Man muß sich hierbei vor Augen
halten, wir lebenswichtig diese Tagesordnung als Ganzes für die allgemeine Verbesserung
der
Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern ist.
Jeder Bereich dieser Tagesordnung ist
von wesentlicher Bedeutung. Mit jedem dieser Bereiche nimmt unsere Einschätzung des sowjetischen Verhaltens
und dessen Auswirkungen auf die von
uns geäußerte Besorgnis Gestalt an.
Daher ist es uns unmöglich, die vollständige politische und militärische
Bedeutung
eines
Rüstungskontrollabkommens zu beurteilen - vor allem,
wenn es sich um ein sehr ehrgeiziges
handelt - ohne einen Bezug zu den Er-

- 2 -

�eignissen in Afghanistan, zu den Büros, wo über die Schicksale der Verweigerer
und
Dissidenten
befunden
wird, und zu den Ereignissen um unsere Botschaft in Moskau herzustellen.
"An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen." Mit diesem Gesetz müssen alle
Regierungen leben.

Afghanistan und andere regionale
Konflikte
Von all den Konflikten, die eine
Belastung für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen darstellen, ist
keiner schmerzlicher und gefährlicher
als der sowjetische Versuch der Eroberung
Afghanistans.
Dieser Krieg
dauert nun schon nahezu ein Jahrzehnt
an; die Verluste an Menschenleben
sind fast die höchsten, die seit dem
Zweiten Weltkrieg in einem Konflikt
je zu beklagen waren.
Die sowjetische Entschlossenheit, diesen Krieg
zu gewinnen, bringt mutwillige Zerstörung entlang der Grenzen zu Pakistan und Terrorismus im Lande mit
sich, der durch die vom Geheimdienst
des Regimes in Kabul begangenen Verbrechen noch verschärft wird.
Es
liegen bereits öffentliche Berichte
vor, wonach der Krieg auf sowjetisches Territorium
ausufert.
Die
sowjetische Strategie ist also eindeutig auf eine Ausweitung des Krieges ausgerichtet.
Was sollen wir zweieinhalb Jahre
nach Beginn des Zeitalters "der neuen
Denkweise" von diesem Beispiel sowjetischer Führungskraft halten?
Zweifelsohne können wir neue Taktiken beobachten, wir vernehmen neue Worte.
Aber was wir beobachten, ist nicht
neu:
das Bestreben, unter unterschiedlichsten Deckmänteln ein kommunistisch beherrschtes, Moskau gegenüber loyales Regime aufzuzwingen,
das offensichtlich den Willen des af- 3

ghanischen Volkes mißachtet.
In Privatunterhaltungen wird uns
versichert, daß das Najib Regime in
Kabul nicht kommunistisch sei. Nun,
ich überlasse es anderen, eine Charakterisierung vorzunehmen, aber ich
weiß, daß es nicht unabhängig oder
repräsentativ
für
das
afghanische
Volk ist. Uns wird versichert, eine
Koalitionsregierung sei möglich und
diese Koalition benötige keine kommunistische Mehrheit - natürlich so
lange das Heer und die Geheimpolizei
in den Händen der Machthaber verbleiben.
Wir werden aufgefordert, die
sogenannte
nationale Aussöhnung
zu
akzeptieren, Pakistan von einer Beendigung seiner Unterstützung und Offenheit
gegenüber
dem
afghanischen
Widerstand zu überzeugen und unsere
Unterstützung
beider
Gruppierungen
abzubrechen.
Damit würden wir den
Fremdmächten das Argument an die Hand
geben, den Besetzern politisch den
Sieg zu gewähren, den sie dem afghanischen Volk nicht mit Gewalt abringen können.
Die Vereinigten Staaten
und die ganze Welt können dem nicht
zustimmen.
Einige
der
sowjetischen Regierungssprecher äußern sich, ausnahmslos in privaten Kreisen, dahingehend,
daß das ganze Unternehmen ein großer
Fehlschlag war, in der Tat war...und
immer noch ist.
Das einzig angebrachte bei einem solchen gescheiterten Unterfangen ist, es aufzugeben.
Sobald die sowjetische Regierung eine
überzeugende Entscheidung trifft, Afghanistan ohne Vorbehalte bezüglich
der Kontrolle über das Land sich
selbst zu überlassen, sind Lösungen
möglich, mit denen die Würde des sowjetischen Staates und seiner legitimen Sicherheitsinteressen respektiert
werden.
Frieden und Freiheit für das Volk

�von Afghanistan sind Grund genug für
eine solche sowjetische Entscheidung.
Hinzu kommt eine Verringerung der
Möglichkeiten für einen Konflikt noch
größeren Ausmaßes in der Region. Vor
allem würde jedoch die sowjetische
Entscheidung zur Beendigung ihrer kolonialen
Machenschaften
in Afghanistan mehr bewirken, als irgendeine
Maßnahme die Welt - die muslemische
Welt, die westliche Welt, Sie und
mich - überzeugen könnte, daß die
UdSSR von Menschen regiert wird, die
die Rechte und Freiheiten anderer respektieren können.
Weiter westlich, in Südasien, waren wir bei der Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte etwas erfolgreicher.
Wir haben gleichlaufende Interessen
an einer politischen Beendigung des
Krieges zwischen Iran und Irak festgestellt.
Auf diese gleichlaufenden
Interessen aufbauend haben wir gemeinsam mit allen anderen Mitgliedern
des Weltsicherheitsrates
über eine
Resolution abgestimmt, die einen Waffenstillstand und den Rückzug zu den
festgesetzten Grenzen fordert.
Bis
zu diesem Punkt sind wir einer Meinung.
Wir möchten jedoch noch weitergehende
Gemeinsamkeiten
erarbeiten.
Wir sind der Meinung, daß es
jetzt an der Zeit für eine zweite Resolution des UN-Sicherheitsrates ist,
eine Resolution, die Sanktionen in
Form eines Waffenembargos für jedwede
Partei in dem Konflikt verhängt, die
zur Zustimmung
zu einem gerechten
Frieden
nicht
gewillt
zu
sein
scheint.
Andere Nationen sind bereit, solch eine Resolution zu unterstützen.
Bedauerlicherweise scheint
die Sowjetunion
noch abgeneigt zu
sein, sich uns anzuschließen.
Statt
dessen benutzt sie ihren diplomatischen Einfluß in der Region - bis hin
zum Dialog mit dem Iran - um Feindseligkeiten gegen unsere außerordentlich gemäßigten Schritte zu schüren,

die wir zur Abwendung von Angriffen,
Beruhigung exponierter Regionalstaaten und zum Schutz lebenswichtiger
Seewege unter beträchtlichem Risiko
für uns selbst unternommen haben.
Bei dem Versuch, alle die komplexen
politischen und militärischen Nuancen
einzuordnen, stoßen wir auf eine beunruhigende Frage:
Ist die Sowjetunion wirklich an Frieden und Stabilität an ihrer südlichen Grenze interessiert?
Oder ist sie auf eine
neue
Runde
des
jahrhundertealten
Spiels um Südasien aus, das unweigerlich zu Instabilität, Spannung und
möglicher Konfrontation führen wird?
Können wir hier wirklich "neue Denkweisen" beobachten oder sind es eher
alte Gewohnheiten?
Die gleiche Frage stellt sich etwas umfassender im Mittleren Osten.
Im vergangenen Jahr konnten wir einige verhaltene Gesten Moskaus an Israel wahrnehmen.
Gleichzeitig
hat
Moskau seine Bestrebungen verdoppelt,
seine Rolle
im Friedensprozeß sicherzustellen.
Unserer Meinung nach
demonstriert Moskau mit der Sicherstellung
einer
solchen Rolle konstruktive Absichten, den Worten auch
Taten folgen zu lassen. Moskau sollte die israelische Besorgnis über die
diplomatischen
Beziehungen
und die
jüdische
Auswanderung
beschwichtigen.
Und ganz allgemein sollte
Moskau seine Verbündeten, die eine
ablehnende
Haltung
einnehmen,
zum
friedlichen Dialog bewegen.
Sowjetische Machthaber beanspruchen aufgrund der geographischen Nähe
häufig
Einflußnahme
im
Mittleren
Osten.
Gelegentlich beschweren sie
sich über die Vereinigten Staaten,
die nicht zur Anerkennung der UdSSR
als gleichberechtigte Supermacht in
diesem und anderen Gebieten bereit
sind.
Diese Behauptungen und Proteste sind unangebracht. Tatsache ist,

,

i

�daß echter und rechtmäßiger Einfluß
in einer vielschichtigen, aber zusammenwachsenden Welt sich nicht aus
geographischer Nähe und noch weniger
aus
militärischer
Macht
ableitet.
Letzten Endes leitet er sich aus konstruktivem Verhalten ab, das auf die
Erfüllung der legitimen Bestrebungen
der Völker in der fraglichen Region
ausgerichtet ist, ebenso wie auf die
Erstickung
ihrer
gefährlichen Konflikte.
In den seit dem Zweiten
Weltkrieg vergangenen Jahren konnten
wir feststellen, daß die sowjetische
Politik gegenüber der Dritten Welt
insgesamt gesehen eine eher destabilisierende als stabilisierende Wirkung hatte, revolutionären Autoritarismus eher förderte als demokratische Entwicklung
und unverantwortliche Akteure freigebig mit Waffen
versorgte.
offizielle
sowjetische
Ankündigungen der "neuen Denkweise"
und gemeinsames Sicherheitsdenken geben zu Hoffnungen Anlaß, daß dies ein
Wandel zum Besseren hin sein wird.
Aber wir warten noch immer auf konkrete Beweise hierfür.

zur Sicherstellung des Vertrauens bei
der Einhaltung
würden völlig neue
Formen
der
Vor-Ort-Inspektion
der
Einrichtungen
beider
Parteien einschließen.

Rüstungskontrolle

Die UdSSR hat dieses mögliche Abkommen jetzt grundlos und böswillig
über den Haufen geworfen, indem sie
plötzlich auf der Einbeziehung der
nuklearen Gefechtsköpfe beharrt, die
den Vereinigten Staaten gehören, ihrer Kontrolle unterliegen und für die
72 Pershing lA-Raketen zur Verfügung
gestellt werden, die sich im Besitz
der Bundesrepublik Deutschland befinden und von ihr betrieben werden.
Dieses Kooperationsprogramm mit einem
der wichtigsten Verbündeten ist mehr
als 20 Jahre alt und datiert aus der
Zeit lange vor den sowjetischen SS-20
und amerikanischen INF-Raketen, die
den Anlaß für diese Verhandlungen gegeben haben. Es stammt aus der Zeit
des
Nichtverbreitungsvertrages
von
1967 und entspricht ihm inhaltlich.
Wir haben seit langem eindeutig klar
gemacht, daß diese bestehenden Regeln
der Kooperation mit unseren Verbündeten nicht Bestandteil der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen sind.

In Genf ist ein wahrhaft historisches Abkommen über nukleare Abrüstung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in greifbare
Nähre gerückt. Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Partner haben in
der Vergangenheit ihre Nukleararsenale einseitig abgebaut, während die
Sowjetunion ihre kontinuierlich vergrößert hat.
In den 20 Jahren der
Verhandlungen
über
nukleare
Abrüstung haben wir jedoch noch nie eine
Reduzierung der Nuklearwaffen mittels
eines Abkommens zwischen den Supermächten erzielt. Dies wäre eine signifikante
Errungenschaft.
Ungefähr
1 000 amerikanische und sowjetische
Raketen würden abgebaut.
Maßnahmen

Sowjetische
Regierungsvertreter
versichern
uns, daß
die mit
den
Pershing lA-Raketen verbundenen Probleme militärisch irrelevant seien.
Die gleichen Regierungsvertreter bestehen jedoch darauf, daß sie von
politischer Bedeutung sind. Dies ist
zweifelsohne richtig. Aber sie sind
politisch
von entschieden
größerer
Bedeutung für die NATO als für die
UdSSR, es sei denn, die Sowjets hätten ein Interesse daran, die Abrüstungsverhandlungen eher dazu zu benutzen, der NATO politischen Schaden
zuzufügen, als vielmehr stabilisierende Abkommen zu erzielen. Je länger die sowjetische Seite an ihren
realitätsfernen
und
unannehmbaren

- 5 -

�Forderungen bezüglich der Pershing 1A
festhalten, desto zwingender ergibt
sich die Schlußfolgerung, daß sie Ärger und nicht Fortschritte machen
will.
Das Vorgehen bei den Rüstungskontrollverhandlungen
ist
einfach.
Erstens müßten wir ein INF-Abkommen
erfolgreich zu Ende bringen. Weiterhin sollten wir Fortschritte bei der
50prozentigen Kürzung der interkontinentalstrategischen Waffen bis hin zu
einem START-Abkommen mit wirksamer
Verifizierung und angemessenen Untergrenzen zur Sicherstellung des strategischen
Gleichgewichts
erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind dazu bereit.
Wir
hoffen, die UdSSR ist
ebenso
bereit.
Es
besteht
kein
Grund, warum ein START-Abkommen eine
Überarbeitung des ABM-Vertrages zum
Abblocken unseres SDI-Programms erforderlich machen sollte, wie die Sowjets, die über den größten strategischen Verteidigungsapparat der Welt
verfügen, weiterhin fordern.
Obwohl
noch sehr viel getan werden muß, ist
ein wirksames weltweites Verbot chemischer Waffen erreichbar.
Dann, so
scheint mir, werden alle weiteren Bestrebungen, eine Reduzierung der Nuklearstreitkräfte auszuhandeln, nicht
nur theoretisch, sondern auch praktisch zweifelsohne äußerst sorgfältig
überprüft werden, während wir beobachten, wie die INFund START-Vereinbarungen ihrer Aufgaben gerecht werden und wir uns dem außerordentlich
schwierigen nächsten Thema auf der
umfassenden
strategischen
Tagesordnung der Rüstungskontrolle zuwenden:
der Reduzierung des Ungleichgewichts
bei den konventionellen Streitkräften
und dem Abbau der drohenden Aggression in Europa. Obwohl sie vage formuliert und leicht propagandistisch
sind, bekräftigen die jüngsten Ankündigungen des Warschauer Pakts die Bereitschaft zu einer Beseitigung des
- 6

Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa, das
den Warschauer Pakt eindeutig bevorzugt und eine der Hauptursachen des
gesamten strategischen Rüstungswettlaufs sind.
Lassen Sie mich dies
ganz klar sagen: Technisch und politisch wird diese Aufgabe sehr schwer
durchführbar sein, da die bedrohende
offensive Schlagkraft der Streitkräfte, auf deren Reduzierung solche Verhandlungen abzielen, in die komplexen
Zusammenhänge von Truppenstärke, Gerätebestand, Stationierung, Doktrin,
Führung sowie die geographischen Gegebenheiten zahlreicher Länder eingebettet sind. Guter Wille, Ernsthaftigkeit und das Vermeiden windiger
Ankündigungen werden für einen Erfolg
unabdingbar sein.
Und schließlich können wir Rüstungskontrolle nicht ohne die Notwendigkeit einer vollständigen Einhaltung
der
Abkommen
diskutieren.
Das Verhalten der sowjetischen Seite
in der Vergangenheit gibt hier zu
ernsthafter Besorgnis Anlaß. Die politisch
anspruchsvolle
Tagesordnung
der Rüstungskontrolle macht es erforderlich, daß der Verhandlungsprozeß von der Last bestehender Vertragsverletzungen befreit wird.
Um
eines der wichtigsten Beispiele zu
zitieren bedeutet dies, daß das Radar
von Krasnojarsk, das eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
darstellt, abgebaut werden muß.

Menschenrechte
Das Thema Menschenrechte
steht
aus ganz offensichtlichen Gründen auf
der
Tagesordnung
der
amerikanischsowjetischen
Gespräche.
Es
geht
hierbei um eine moralische Verpflichtung.
Es ist ein politisches Thema
bei unserer eigenen Innenpolitik, und
dazu stehen wir. In den internatio-

�nalen Beziehungen befaßt man sich mit
der Frage der Menschenrechte im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
und der Abkommen von Helsinki.
Am
wichtigsten aber ist, daß es sich um
ein Thema der Friedens- und Sicherheitspolitik handelt, denn mächtige
Staaten wahren die Rechte ihrer Nachbarn fast genauso wie die Rechte ihrer eigenen Bürger.
Die sowjetische Führung hat sich
ganz klar dazu entschlossen, in bezug
auf Menschenrechte "aus der Defensive
herauszukommen", um es einmal so auszudrücken.
Und wir bergrüßen dies,
denn dadurch sind willkommene Verbesserungen zustande gekommen. Außerdem
fühlen wir uns durch die direkten und
offenen Angriffe von Sprechern der
Sowjetunion zur Situation der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten nicht beleidigt. Kein Staat ruht
wie eine Insel in sich selbst. Auch
wenn wir die von allen als positiv
bewerteten Schritte der Sowjetunion
im einzelnen analysieren, muß dennoch
die Bedeutung
dessen
unterstrichen
werden, was noch vor uns liegt. Über
150 politische Gefangene sind freigelassen worden; doch viele Hunderte
bleiben inhaftiert, und ihre Freilassung ist von moralisch verwerflichen
Versprechungen des Häftlings abhängig
gemacht worden.
Religiös Andersdenkende erfahren auch weiterhin eine
außerordentlich
grobe
Behandlung.
Die Sowjetunion hat größere Bereitschaft zur Bewilligung von Auswanderungen gezeigt und könnte die Mehrzahl der zur Zeit inhaftierten jüdischen Minderheiten freilassen.
Aber
es werden auch weiterhin Anträge aufgrund
fälschlicher
Annahmen
abgelehnt, wie etwa Zugang des Anwärters
zu geheimen Unterlagen. Und man befürchtet, sobald diese Minderheiten
freigelassen sind, könnte neuen Anwärtern die Tür vor der Nase zugeschlagen werden. Zahlreiche getrenn-

te Familien müssen immer noch zusammengeführt werden; kein rechtmäßiges
Interesse des Staates oder des Gesetzes sollte einem solchen Vorgehen im
Wege stehen.
Es erübrigt sich, an dieser Stelle auf Verbesserungen der Menschenrechtssituation
hinzuweisen.
Aber
wir suchen nach Fortschritten beim
gesamten Klima der Menschenrechte und
nach
überzeugenden
Beweisen dafür,
daß der Ursprung dieser Verbesserungen nicht nur in diplomatischem Geschick, sondern im Streben nach Gerechtigkeit an sich liegt.
Letzten
Endes sind Menschenrechte politische
Rechte; dazu gehört das Recht, die
eigene politische Meinung auszudrükken, genauso wie das aktive Handeln
der Bürger, der ethnischen und religiösen Minderheiten, und ebenso das
Handeln abhängiger Staaten, und zwar
nach gerechten und demokratischen Gesetzen.

Bilaterale Fragen
Lassen Sie mich zwei wichtige bilaterale Fragen ansprechen. Erstens,
die diplomatische Vertretung.
Die
Vereinigten Staaten haben seit Jahren
unannehmbare
Bedingungen
toleriert,
unter denen unser Land in der Sowjetunion und die Sowjetunion in den Vereinigten Staaten diplomatisch vertreten war.
Diese Vertretung war dem
schamlosen Mißbrauch von Seiten der
Sowjets ausgesetzt und stand im Widerspruch zu unserer Sicherheit und
Selbstachtung.
wir haben auf eine
Beseitigung dieser Ungerechtigkeiten
hingearbeitet.
Mittlerweile sind anhaltende Bestrebungen der Sowjets zu Tage getreten, unsere diplomatischen Einrichtungen in der Sowjetunion lahm zu legen, bis hin zum tatsächlichen Ein-

- 7 -

�dringen in unser neues Botschaftsgebäude in Moskau. Dies sprengt jedes
Vorstellungsvermögen.
Solche
Entwicklungen werfen die Frage auf, mit
der wir uns überall konfrontiert sehen:
Was für ein Land ist die Sowjetunion, und ist sie bereit, internationale Beziehungen in zivilisierter Weise zu gestalten?
Die Regierung und der Kongreß der Vereinigten
Staaten
haben
sich
nachdrücklich
verpflichtet
sicherzustellen,
die
Voraussetzungen für unsere diplomatische Vertretung in der Sowjetunion
so sicher, erträglich, modern und
bequem zu gestalten wie die, welche
die Sowjetunion in unserem Land genießt - ungeachtet der deutlichen
Unterschiede
unserer
Gesellschaftsformen. Wir werden Phantasie, Arbeit
und Geld brauchen, um wirklich bequeme und nützliche Bedingungen für
eine kreative Diplomatie zu gewährleisten. Wir werden ferner ein ungewöhliches Maß an Geduld und Zusammenarbeit im Umgang mit der sowjetischen Seite brauchen, wenn wir zu
der
Verbesserung
der
Beziehungen
kommen wollen, die wir beide anstreben.
Das zweite bilaterale Thema, das
ich hier ansprechen möchte, hat mit
Informationspolitik
einschließlich
der Propaganda zu tun.
Es hat bereits positive Entwicklungen auf diesem Gebiet gegeben. Die Sowjetunion
hat ihre Störungen der in Landessprache
ausgestrahlten
Sendungen
der
"Stimme Amerikas" (VOA = Voice of
America) beendet. Sie hat ihre Störsender jedoch auf andere Sendeanstalten gerichtet, insbesondere auf "Radio Liberty". Wir drängen auf eine
Beendigung sämtlicher im Rahmen der
internationalen
Abkommen
illegalen
Störungen, Die Sowjetunion sendet in
beträchtlichem Umfang auf Kurzwellenfrequenzen in die Vereinigten Staaten, strebt aber nach einem Zugang zu
dem viel umfangreicheren Mittelwel- 8

lenbereich.
Im Einklang mit unseren
eigenen Rechtsvorschriften suchen wir
nach Wegen, dies zu ermöglichen. Bis
es soweit ist, warnen wir die Sowjetunion
und
ihren Verbündeten
Kuba
nachdrücklich vor der Benutzung kubanischer
Mittelwellensender
derart,
daß die legitimen kommerziellen Rechte amerikanischer Stationen verletzt
und diese im Ergebnis gestört werden.
Wir haben erlebt, wie gedeihlich sich
Austauschprogramme
zwischen
unseren
Ländern entwickelt haben, wofür dieses Treffen ein Beispiel ist.
Es
gibt wieder
mehr
wissenschaftliche
Austauschprogramme; ihr Nutzen liegt
in den menschlichen Kontakten sowie
in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Der Austausch von Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen
ist im Aufschwung. In unseren jeweiligen Medien werden viel wahrheitsgemäßere und interessantere Informationen über unsere beiden Länder vermittelt. Es kann noch viel mehr getan werden, aber man kann auf beiden
Seiten eine gesteigerte Handlungsbereitschaft beobachten.
Aus diesem Grund ist es besonders
bedauerlich, eine beachtliche Eskalation böswilliger offizieller Propaganda der Sowjetunion über die Vereinigten Staaten feststellen zu müssen.
In den vergangenen Monaten haben die
offiziellen sowjetischen Medien die
Vereinigten Staaten direkt oder unterschwellig beschuldigt,
- AIDS in amerikanischen militärischen Labors zu entwickeln;
- an sogenannten ethnischen Waffen
zu arbeiten, die alle Rassen mit
Ausnahme
der Weißen
vernichten
können;
- Friedensdemonstranten
in
Europa
gefährlicher Mikrowellen-Bestrah-

,

t

�lung auszusetzen;
- sich
an
dem
Joneston-Massaker
beteiligt zu haben;
- Olaf Palme ermordet zu haben;
Ein besonders widerliches Beispiel dieser Art von Propaganda ist
die Veröffentlichung von Falschmeldungen
in
der
"Prawda",
der
"Iswestia" und der "Sowjetskaja Kultura", wonach Amerikaner Kinder aus
Latein-Amerika unter dem Vorwand der
Adoption abgeholt und dann in Wirklichkeit als Organspender mißbraucht
und getötet haben.
Diese Art von Propagandaaktivitäten folgt einem generellen Muster.
Zunächst wird ein Gerücht in speziell
zu diesem Zweck betriebenen Medien in
die Welt gesetzt, um dann von offiziellen sowjetischen Organen aufgegriffen und von sowjetischen Nachrichtendiensten zur Weiterverbreitung
verarbeitet zu werden.

nen, wie ihr Land in unseren Medien
dargestellt wird.
Es handelt sich
hierbei um private kommerzielle Unternehmen, auf die von Seiten der
amerikanischen Regierung auf keinen
Fall Einfluß genommen werden darf.
Solchen
Darstellungen
stehen
zahlreiche Veröffentlichungen in sowjetischen Büchern und Filmen mit antiamerikanischen Themen gegenüber, in
einem Land, wo sämtliche Veröffentlichungen
in
Regierungshand
liegen.
Man muß jedoch sehr stark unterscheiden
zwischen ganz offensichtlicher
Fiktion, ob nun zu Unterhaltungszwekken oder zur Indoktr ination, ob geschmacklos oder künstlerisch, und einer blanken Lüge, die von Organen der
Regierung als Tatsache verkauft wird.
Die Autoren solchen Materials mögen
unsere
Beschwerden
beachten
oder
nicht. Aber sie sollen weder bei ihrer Arbeit anonym bleiben, noch soll
unser
politisches Verhältnis davon
unberührt bleiben.

Schlußbemerkungen
Amerikaner fühlen sich durch eine
derartige offizielle, wenngleich verdeckte,
sowjetische
Propaganda
zu
Recht beleidigt. Dies könnte uns sogar Schaden zufügen, insbesondere in
Teilen der Dritten Welt, obwohl das
schwer meßbar ist. Am bedeutendsten
ist hierbei nicht die Frage, was über
die Vereinigten Staaten gesagt oder
ihnen zugefügt wird, sondern was dies
über die Sowjetunion aussagt und daher ihr zufügt. Dieser offiziell abgesegnete Unfug stammt aus denselben
Büros, sogar von denselben hochrangigen Personen, die uns glauben machen
wollen, daß im Kreml eine neue Denkweise verbreitet sei. Was sollen wir
mit solchen Anschuldigungen anfangen?
Ich bin davon überzeugt, daß viele sowjetische Bürger die Art ableh-

Ich bezweifle nicht, daß unsere
sowjetischen Gäste viele der von mir
vorgebrachten Klagen zurückweisen und
ihrerseits
einige
Beschwerden
und
Einwände vortragen werden.
Und in
der anschließenden Debatte werden wir
zu einer korrekten Beurteilung des
derzeitigen
Stands der
sowjetischamerikanischen Beziehungen gelangen.
Beobachter auf beiden Seiten werden
behaupten, eine solche gegenseitige
Kritik würde die Stimmung verderben
und unsere Bemühungen um Verständnis
behindern. Doch ich möchte wiederholen, was ich bereits ausgeführt habe:
wir müssen offen ansprechen, was uns
beunruhigt und trennt, sonst werden
wir keine Verbesserung des Verständnisses erzielen.

- 9 -

�Der derzeitige Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist so
uneinheitlich, wie schon seit langem
- eine Mischung aus Konflikten und
unseren Bemühungen zur Vermeidung von
Konfrontationen;
dem
Streben
nach
Verständnis für die Unterschiede zwischen uns und dem Aufbau engerer Zusammenarbeit.
Was die amerikanische
Sicht der Tendenzen und zukünftiger
Entwicklungen
betrifft, möchte ich
auf den Präsidenten verweisen, der
morgen zu Ihnen sprechen wird, und
auf den stellvertretenden Außenminister Whitehead, der im Lauf der Woche
das Wort an Sie richtet.
Es erscheint mir angebracht, mit
einigen Bemerkungen über die bedeutsamen
Entwicklungen
innerhalb
der
Sowjetunion abzuschließen.
Sie können gelegentlich
lesen,
einige
amerikanische
Regierungsvertreter seien skeptisch über die innenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion,
über
"Glasnost"
und
"Perestroika". Lassen Sie mich Ihnen
versichern, sie zweifeln nicht daran,
daß etwas wichtiges und vielleicht
vielversprechendes
geschieht.
Aber
sie sind skeptisch darüber, was es
wirklich ist, wie weit es gehen wird,
und was es letztlich für das Verhalten der Sowjetnuion gegenüber der
Welt bedeuten wird. Rußland und die
Sowjetunion haben schon vorher Perioden der Reform erlebt, und diese
Epochen waren unmittelbar von Stagnation und Unterdrückung gefolgt. Gelegentlich waren die Phasen der Reform von gefährlichen Aktionen in der
Außenpolitik begleitet.
Ist "Perestroika" ein Prozeß, der
die Sowjetunion
zu neuen Anstrengungen ermutigt, die Kontrolle über
andere anzustreben?
Oder wird dies
zu einer neuen Aussöhnung und Freund- 10

schaft mit den Nachbarn führen? Wir
wissen es nicht, und soweit ich das
sagen kann, wissen auch die meisten
Sowjetbürger dies nicht.
Die wahre
Absicht
politisch
Verantwortlicher
kann nicht immer zwangsläufig aus dem
geschlossen werden, was sie sagen.
Außerdem liegen die Ergebnisse großer
historischer Entwicklungen nicht allein in den Händen der Politiker.
Generalsekretär
Gorbatschow
hat
vernünftigerweise
festgestellt, daß
echte "Perestroika", also eine andauernde Wiederbelebung
der sowjetischen Gesellschaft, Kraft von unten
benötigt, neue Wege des Denkens und
Handelns der Menschen.
Im Gegenzug
wird dies neue Formen der Toleranz
und des Antriebs von den politisch
Verantwortlichen erfordern.
Die daraus resultierende Unruhe, so wird
uns
versichert,
wird
für
viele
furchterregend und für alle ungewiß
sein. Das Ergebnis steht nicht fest.
Und die Außenpolitik der führenden
westlichen Nationen kann nicht auf
ein ganz bestimmtes Ergebnis setzen.
Die Politik muß von Skepsis und
Vorsicht geprägt sein. Aber sie muß
auch von Hoffnungen und Visionen inspiriert sein.
Damit ist die Hoffnung des amerikanischen Volkes und
seiner politisch Verantwortlichen gemeint, daß
"Perestroika"
bei
der
Schaffung
eines größeren Maßes an
Wohlstand und Freiheit in der Sowjetunion und in Osteuropa erfolgreich
sein wird. Erfüllt von unseren eigenen Werten und unserer langen Erfahrung glauben wir, daß die Sowjetunion
ein toleranteres und freieres Land
werden muß, wenn sie wohlhabender und
produktiver werden will.
Dann wird
sie auch ein umgänglicher Nachbar in
der Welt sein.
Es erfordert nicht allzu viel
Phantasie, sich eine Sowjetunion vor-

t

»
K

�zustellen, in der etwas erreicht wurde, das unserem Verständnis von Gerechtigkeit und Freiheit, von Toleranz zwischen Staat und Bürgern, zwischen Nationalitäten und religiösen
Gruppen
und
zwischen Nationen und
Nachbarn näher
kommt.
Auf dieser
Aussicht, so unsicher sie auch sein
mag, gründet sich die Vision eines
wahren und dauerhaften Friedens zwischen unseren Ländern, ein Friede getragen von Harmonie und Freundschaft.
Bis dahin arbeiten wir gemeinsam
an der schwierigen und widersprüchlichen Beziehung, die wir zueinander
haben.
Die Vereinigten Staaten sind
auf diese Arbeit mit der Sowjetunion
vorbereitet. Wir werden jedoch auch
weiter darauf bestehen, daß Frieden
und Freiheit Hand in Hand gehen müssen.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Unterstützung für demokratischen Widerstand in Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Reagans in Radio Liberacion&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: UDSSR muß sich zum Weltfrieden bekennen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rundfunkansprache Präsident Reagans&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuester Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Fritz W. Ermarth vor der Chautauqua-Konferenz&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

09.

31

September

I N H A L T

Dokumentat ion

Reagan

gründet

- Ansprache

Privatisierungskommission

des Präsidenten

Reagan;
Wir werden unsere
nicht im Stich lassen
- Ansprache

vor

-

Freunde

in

Nicaragua

Regierungsbeauftragten

Hintergrundmaterial

Amerikanische

Öffentlichkeit

- Jüngste Analysen

unterstützt

und M e i n u n g s u m f r a g e n

NATO
-

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

1987

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
9. September 1987

31

REAGAN GRÜNDET PRIVATISIERUNGSKOMMISSION
- Ansprache des Präsidenten -

Washington - (AD) - Präsident Reagan hat eine Kommission zur Privatisierung ernannt, die seinen Worten zufolge Empfehlungen erarbeiten wird, "wie wir
bestimmte hierfür geeignete Bundesaufgaben wieder in die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können".
Reagan gab seine Absicht zur Ernennung des überparteilichen Gremiums am 3.
September bekannt und erklärte, dessen Aufgabe bestünde in der Überprüfung
sämtlicher Bundesaufgaben und der Vorlage eines Berichts darüber, "welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise
ein Teil der Privatwirtschaft sind".

Nachfolgend geben wir den Text der Verlautbarung wieder
Heute gebe ich meine Absicht zur
Ernennung der 13 Mitglieder meiner
Privatisierungskommission
bekannt.
Die Kommission wird zur Erfüllung der
Verpflichtung beitragen, die ich mit
meiner Vorlage eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik eingegangen bin, um den ungerechten Wettbewerb mit der Regierung zu beenden
und Regierungsprogramme und -guthaben
an das amerikanische Volk zurückzugeben.
Die Privatisierung folgt der
großen Tradition von freiem Unternehmertum und Privateigentum, die seit
langem ein Teil der amerikanischen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Geschichte ist - vom damaligen Verkauf von Regierungsland gemäß der
Nordwestlichen Verfügung bis hin zu
jenem
Parzellierungsprogramm
der
Grundstücke, durch das vor über 100
Jahren den Pionieren die Besiedlung
des amerikanischen Westens ermöglicht
wurde.
Es gibt zahlreiche Aktivitäten,
die bei der Bundesregierung
keine
passende Funktion haben und daher
einfach der Privatwirtschaft überlassen werden sollten.
Die amerikanischen Bürger wissen, daß die Regie-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�rung bei der Erbringung bestimmter
Dienstleistungen in vielen Fällen weniger leistungsfähig ist als private
Firmen.
Regierungsbehörden
haben
nicht die gleichen Anreize und Interessen, die es der Privatwirtschaft
erlauben, Güter und Dienstleistungen
effektiver und wirtschaftlicher anzubieten.
Privatisierungsprogramme
bieten
die Gelegenheit, allen Teilen der Gesellschaft große Nutzen zu bringen Arbeiter können am Besitz neu geschaffener Privatfirmen teilweise beteiligt werden und erhalten häufig
Lohnerhöhungen,
die
Öffentlichkeit
erhält bessere Dienstleistungen, die
Firmenleitung kann auf eventuelle Anreize unabhängig reagieren, um ein
Geschäft erfolgreich aufbauen zu können, und der Wettbewerb in der freien
Wirtschaft gibt anderen die Möglichkeit, an dem Aufschwung teilzuhaben.
Wie die jüngste Erfahrung in Großbritannien zeigt, wächst durch die
Privatisierung auch die Teilnahme der
öffentlichen Hand am Marktgeschehen durch den Verkauf von regierungseigenen Firmen stieg die Zahl der Haushalte mit Aktienbesitz sprunghaft.
In den Vereinigten Staaten ist
die Privatisierung in den Einzelstaaten und Städten viel energischer als
auf Bundesebene verfolgt worden. Eine der vielen Erfolgsmeldungen kommt
gerade hier aus dem Süden Kaliforniens.
Die vom Bezirk Los Angeles
geleitete medizinische Fakultät der
Universität
von Südkalifornien
hat
die Nahrungsmittelversorgung an ein
Unternehmen außer Haus vergeben und
herausgefunden, daß sie über sechs
Millionen Dollar in vier Jahren einsparen konnte. Die meisten der von
dieser
Veränderung
betroffenen Arbeitnehmer des Bezirks wurden von dem
privaten Arbeitgeber übernommen, und
90 Prozent von ihnen erhielten eine

Lohnerhöhung, als die Dienstleistung
in Privathände überging.
Professor David Linowes von der
Universität Illinois wird den Vorsitz
der Kommission führen.
Die anderen
Mitglieder werden ein breites Spektrum von Fachkenntnissen in die Kommission einbringen.
Die
überparteiliche
Kommission
wird sämtliche Aufgaben der Bundesregierung überprüfen und einen Bericht
darüber vorlegen, welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise ein
Teil der Privatwirtschaft sind. Ausserdem wird von der Kommission erwartet, daß sie sich einen Überblick
über die wissenschaftlichen Arbeiten
zur Privatisierung verschafft und die
Errungenschaften anderer Länder sowie
der Staatsund Stadtregierungen prüft.
Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse
wird die Kommission Vorschläge unterbreiten, wie wir bestimmte hierfür
geeignete
Bundesaufgaben
wieder
in
die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können - durch den Verkauf
von Regierungsanlagen
und -werten,
die Beteiligung von Privatfirmen an
Dienstleistungen für Regierungsbehörden, oder den Gebrauch von Gutscheinen, um der Öffentlichkeit Dienstleistungen durch die Privatwirtschaft
zukommen zu lassen.
Ich werde Privatisierungsinitiativen im Gesetzgebungsverfahren vorschlagen.
Bis dahin wird meine Regierung unsere derzeitigen
Privatisierungsinitiativen
weiter energisch verfolgen.
Ich habe die Hoffnung, daß meine
Kommission zur Privatisierung in der
Lage sein wird, die Politisierung aus
den Privatisierungsbemühungen herauszunehmen und eine nationale Politik
vorzuschlagen - eine Politik, die die
Lehren
aus unseren
zurückliegenden
Erfolgen
zieht, wie
beispielsweise

�aus
dem
Parzellierungsprogramm
im
Westen, das die amerikanische Wirtschaft in die größte und beste verwandelt hat, die es jemals auf der
Welt gegeben hat - und eine Politik,
die an die Genialität unseres Systems
des freien Unternehmertums zum Nutzen
aller Amerikaner appelliert.

* * * * *

- 3 -

4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

9. September 1987

31

REAGAN: WIR WERDEN UNSERE FREUNDE IN NICARAGUA NICHT IM STICH LASSEN
- Ansprache vor Regierungsbeauftragten WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor hochrangigen Regierungsbeauftragten am 8. September im Weißen Haus erneuerte Präsident Reagan seine Zusage
für eine Unterstützung der nicaraguanischen Freiheitskämpfer und erklärte,
"wir werden unsere nicaraguanischen Freunde nicht im Stich lassen".
Reagan ging ferner auf die noch verbleibenden 16 Monate seiner Amtszeit
ein und verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß die Probleme in Mittelamerika "manchmal verwirrend geworden sind", sich der Kernpunkt jedoch niemals
verändert hat. Dieser Kernpunkt besteht Reagan zufolge in "Frieden und Freiheit für Mittelamerika" und in der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache im Wortlaut:
Vielen Dank.
Ich danke Ihnen,
denke aber, daß George (Bush) und ich
Ihnen applaudieren sollten.
Ich war
der Ansicht, es sei gut, nach den erholsamen Sommerferien hier zusammenzukommen - obwohl es stimmt, daß Sommerferien nicht immer erholsam sind und dazu gibt es eine Anekdote.

ihm hatte:
"Beruhigen Sie sich, es
ist kein so großer Verstoß", worauf
der Fahrer erwiderte:
"Es mag für
Sie kaum von Bedeutung sein, aber für
mich bedeutet es, daß ich den Anhänger, meine Frau und meine vier Kinder
verloren habe".

Ein Verkehrsteilnehmer wurde auf
seinem Weg zu seinem Ferienziel in
den Bergen von einem Polizisten gestoppt: "Wissen Sie, daß Sie ohne
Rücklicht fahren?" Der Fahrer sprang
aus dem Wagen.
Er war derart bestürzt, daß der Polizist Mitleid mit

Es ist gut, angesichts der bevorstehenden sechzehn Monate zusammenzukommen.
Es sind nur noch sechzehn
Monate.
Ab jetzt müssen wir jede
neue Aufgabe mit demselben Bewußtsein
für Dringlichkeit angehen, mit dem
wir 1981 nach Washington kamen. Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Herausforderung
und die Ziele
Reichweite.

ist nicht geringer,
sind immer noch in

Hier möchte ich etwas einfügen.
Die Politik hat mich immer ein wenig
an meine frühere Karriere erinnert:
dort lautete das Motto: Eröffne eine
Show immer mit einem großartigen Auftakt. Jetzt ist es an der Zeit für
ein noch besseres Finale und einen
guten Vorhang.
Im Rahmen der Innenpolitik steht
uns noch eine wichtige Aufgabe bevor,
oder vielleicht sollte ich sagen,
keine geringere Aufgabe als die Bestätigung
des
Obersten
Richters
Robert Bork.
Richter Bork ist seit
seiner Nominierung in die Schußlinie
geraten, weil er ein rechtsgerichteter Ideologe sein soll. Wir wissen,
daß diese Vorwürfe nicht stimmen.
Richter Bork glaubt an juristisches Maßhalten.
Und das bedeutet,
Gesetze so zu interpretieren, wie gewählte Vertretern dies gewollt haben,
und sie auch so anzuerkennen, und
nicht etwa, sie nach juristischem
Gutdünken auszulegen. In den Fällen,
in denen Gesetze moralische Probleme
behandeln, hat Richter Bork erklärt,
und ich zitiere hier, "der moralische
Bestandteil von Gesetzen muß sich auf
die Moral seines Verfassers oder des
Gesetzgebers stützen, niemals auf die
Moral des Richters".
Bedenken Sie die folgende Ironie.
Es gibt Gesetzgeber, die sich einem
Richter widersetzen, der sich nach
ihnen richten will und der vertrauensvoll an der Zielsetzung der von
ihnen verabschiedeten Gesetze festhält.
Das Land will und verdient
einen Obersten Gerichtshof, der die
Gesetze nicht formuliert, sondern sie
auslegt.

- 2

Richter Bork bringt die besten
Qualifikationen mit - er ist einer
der
ausgezeichnetsten
Juristen des
Landes und ein Richter, wie er im Buche steht.
Er ist ebenfalls ein
Richter des Volkes, der voll und ganz
an die Verfassung glaubt, die die
Rechte der Menschen schützt, und an
die
Regierungsgewalt
des
Volkes
selbst. Ich bin davon überzeugt, daß
er schließlich bestätigt wird, aber
es ist nicht zu leugnen, daß es ein
harter Kampf werden wird.
Ich brauche die Hilfe jeder Person in diesem
Raum, besonders derjenigen, die regelmäßig mit dem Kongreß umgehen.
Ich wollte an dieser Stelle eine
Frage stellen, aber als ich seinen
Namen erwähnte, brauchte ich die Frage nicht mehr zu stellen. Ich möchte
Sie bitten, sich bereit zu halten:
wenn es zur Wiederherstellung des juristischen Maßes als dem Leitprinzip
amerikanischer Gerichte und zur wohlverdienten
Bestätigung
von Richter
Bork beim Obersten Gerichtshof kommt,
kann ich dann auf Sie zählen?
Sie
haben diese Frage bereits beantwortet.
Nun zum Haushaltsverfahren, oder
man sollte besser sagen, zum sogenannten Haushaltsverfahren.
Es gibt
eine Verzögerung nach der anderen,
einen überschrittenen Termin nach dem
anderen - das Verfahren ist also weder verläßlich noch glaubwürdig.
Und betrachten
sie, was dabei
herauskommt.
Im Rahmen des Bundesprogramms werden Millionen ausgegeben, um Luxushotels, Restaurants und
Wohneinheiten zu bauen. Vor kurzem
habe ich bereits in Indiana gesagt,
daß ich kaum Zeit hatte, herauszufinden, was 'Yuppies' waren, als der
Kongreß schon begann, sie zu unterstützen. Und da gibt es fragwürdige
Projekte für öffentliche Bauten; die
landwirtschaftlichen
Programme, die

�für den kleinen Farmer kaum etwas abwerfen, die vielmehr einem bereits
wohlhabenen Farmer mehr als 13 Millionen Dollar bereitgestellt haben;
die acht Millionen Dollar, die der
Kongreß in diesem Jahr zur Errichtung
eines Zentrums für - stellen Sie sich
vor - Unkrautforschung bewilligt hat.
Es wird Zeit, das alljährliche
Haushaltsfiasko zu beenden - es wird
Zeit, die Maßnahmen in Kraft treten
zu lassen, die wir im Rahmen unseres
Vorschlags eines Verfassungszusatzes
zur Wirtschaftspolitik vorgelegt haben. Und lassen Sie mich hinzufügen,
daß wir auf einigen Gebieten nicht
warten, bis der Kongreß handelt. Die
Privatisierung ist eine neue Initiative, die ich als Teil eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik
angekündigt habe.
Vergangene Woche
habe ich eine private - oder besser
überparteiliche - Kommission ernannt,
die mir über Möglichkeiten berichten
soll, wie wir den Umfang der Bundesregierung
dauerhaft
kürzen
können,
indem
wir
die
hierfür
geeigneten
Bundesaufgaben wieder in die Hände
der Privatwirtschaft zurückführen.
Der zentrale Punkt bei all unseren Bemühungen zur Erlangung eines
disziplinierten Haushalts, wird die
Verabschiedung eines selektiven Vetos
und des Zusatzartikels für einen ausgeglichenen Haushalt sein.
Ich möchte noch etwas hinzufügen,
was diesen
Zusatzartikel betrifft.
32 Bundesstaaten haben bereits eine
Resolution angenommen, die die Einsetzung
einer
verfassungsgebenden
Versammlung zum Zweck der Ausarbeitung eines Zusatzartikels für einen
ausgeglichenen Haushalt fordert. Das
sind 32 Bundesstaaten von insgesamt
34, die gebraucht werden, bevor eine
solche Versammlung tatsächlich einberufen werden kann. Und ich kann Ih-

nen versichern, daß jedesmal, wenn
ich draußen im Lande einen ausgeglichenen Haushalt erwähnt habe - in Ansprachen zu nicht weniger als 30 000
Menschen
während
einer
Versammlung
unter freien Himmel - erhalte ich
stürmischen Applaus, wenn
ich nur
diesen Begriff erwähne.
Und meines
Erachtens sollte hier in Washington
der Kongress die Disziplin an den Tag
legen, einen eigenen
Zusatzartikel
für einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden.
Wenn
der
Kongress
sich jedoch weigert, dies zu tun,
dann sollten wir meines Erachtens alle darin übereinstimmen, daß diese
Angelegenheit direkt den Gesetzgebern
in den Bundesstaaten übergeben werden
muß.
Sie wissen, daß ich es beinahe
genieße, darüber nochmals in Sakramento zu sprechen.
Am 12. August habe ich den Kongreß dazu aufgerufen, über unseren
Verfassungszusatz für einen ausgeglichenen Haushalt klar und deutlich abzustimmen. Dieses Angebot steht noch
immer.
Im Rahmen der Außenpolitik stehen
wir, wie Sie wissen, mit der Sowjetunion in engen Verhandlungen über Rüstungskontrolle.
Dies sind Verhandlungen, die die Hoffnung auf einen
wirklichen Abbau der beiderseitigen
nuklearen Arsenale in Aussicht stellen. Und in Nicaragua ist die dringenste und entscheidenste Aufgabe der
Aufbau der Demokratie.
In den vergangenen Wochen schien
das Thema Mittelamerika manchmal verwirrend geworden
zu sein.
Fragen
häuften sich auf:
wer schlug was
vor, und mit wie vielen möglichen
Stimmen kann für dies oder jenes auf
dem Kapitol gerechnet werden.
Der
Kernpunkt jedoch hat sich nie geändert.
Dieser Kernpunkt ist Frieden
und Demokratie in Mittelamerika und

- 3 -

�nationale
Staaten.

Sicherheit

der

Vereinigten

Wie schon der Präsident von Costa
Rica, Arias, erklärt hat, wird es
niemals Frieden in Mittelamerika geben, bis Nicaragua eine "echte Demokratie" hervorgebracht hat.
Wenn die andere Seite Frieden
will, gibt es keinen Grund zu zögern.
Laßt sie jetzt zu einer Demokratisierung kommen.
Die Demokratie erfordert einen sofortigen Waffenstillstand mit den Freiheitskämpfern, eine
Generalamnestie, und die ausgehandelte Freilassung von Tausenden politischer Gefangener aus den Gefängnissen der Sandinisten, ein festgelegtes
Datum für freie, faire und international überwachte nationale Wahlen,
und die sofortige Anerkennung der
elementarsten
Menschenrechte,
einschließlich
der Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit.
Die Zeit ist gekommen, sich auf das Ziel zu konzentrieren, Frieden und Demokratie nach
ganz Mittelamerika und insbesondere
Nicaragua zu bringen.
Wir müssen uns über eines im klaren sein. Wir werden unsere Freunde
in Nicaragua nicht im Stich lassen.
Gott schütze sie. Wir teilen ihren
Wunsch nach Frieden, Wohlstand und
Demokratie.
Und wir werden sie in
ihrem Streben genauso unterstützen,
wie wir das in der Vergangenheit getan haben. Ein System, das einer Demokratie lediglich ähnlich ist, werden wir nicht akzeptieren.
Bis zu
diesem Punkt sind wir nur durch die
Bemühungen der über 15 000 Freiheitskämpfer gelangt, die für Freiheit in
ihrem Land kämpfen oder sogar, wie
manche von ihnen, dafür sterben. Es
ist ihr Land, ihre Zukunft. Und wenn
das
jüngste Friedensabkommen
seine
Aufgaben nicht erfüllt, sollen sie
sich weiter auf unsere Unterstützung

verlassen können, bis Nicaragua eine
echte Demokratie ist. Vielen Dank.
Sie haben klar gemacht, daß wir heute
wie stets jenen tapferen Männern und
Frauen beistehen, die für die Freiheit des Menschen arbeiten, beten und
sogar kämpfen.
Nun blicken wir auf mehr als
sechs Jahre zurück, und gerade noch
weitere 16 Monate liegen vor uns.
Ich möchte Sie wissen lassen, wie
sehr ich Ihnen für alles danke, was
jeder von Ihnen getan hat. Für all
ihre Zeugenaussagen auf dem Kapitol,
für all ihre Reisen, ihre Reden und
Interviews, für
ihre Unterstützung
und Hingabe.
Ich weiß, diese vergangenen Monate sind nicht einfach gewesen. Glauben Sie mir, ich weiß es. Und vielleicht war das schlimmste von allem
die Tatsache, daß es zeitweise so
aussah, als ob uns die Ereignisse
einfach überrollen.
Jemand hat die
Geschichte einmal so definiert, daß
er sagte, es passiert einfach eine
verdammte Sache nach der anderen.
Aber Geschichte geschieht nicht
einfach so - sie wird gemacht. Und
sogar in den schwierigsten Momenten
dieser zurückliegenden Monate haben
wir weiter Geschichte gemacht, haben
wir geradlinig danach gestrebt, unsere Vision von Amerika Wirklichkeit
werden zu lassen.
c

Und was wir tatsächlich sehen,
ist eine intensive Sorge für die Sache der Freiheit des Menschen in unserer eigenen Hemisphäre. Wir sehen
eine sich ausbreitende Demokratie vom
Rand des Pazifiks bis nach Südamerika
und darüber hinaus. Es gibt mehr beschäftigte Amerikaner in besseren Positionen als jemals zuvor. Das Volk
erhält mehr und Regierungsgewalt wird

»

�abgebaut.
Aber wir dürfen jetzt nicht damit
aufhören.
Es muß noch viel getan
werden, um an jenen Schutzmaßnahmen
zu arbeiten, die eine niedrige Inflation, niedrige Zinsen und steigende
Produktivität
bringen.
Wir
stehen
heute am Scheideweg, und das Land
wartet darauf zu sehen, welchen Weg
wir einschlagen.
Laßt uns in den verbleibenden 16
Monaten für unsere eigene Generation
und vor allem für unsere Kinder und
Enkel gemeinsam damit fortfahren, Geschichte zu machen.
Lassen Sie mich vielleicht mit
einem kleinen irischen Gebet zum Abschluß kommen, obwohl ich glaube, daß
manche es für einen Fluch halten.
Mögen jene uns lieben, die uns lieben. Und jenen, die uns nicht lieben, möge Gott die Herzen umkehren.
Und wenn Gott ihre Herzen nicht umkehrt, möge er ihnen ihre Knöchel
verrenken, damit wir sie an ihrem
Humpeln erkennen können.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.
Ich weiß nicht, was Sie heute
noch vorhaben, aber George und ich
werden wohl an die Arbeit zurückkehren.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
"4-

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

9. September 1987

31

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT UNTERSTÜTZT NATO
- Jüngste Analysen und Meinungsumfragen -

WASHINGTON - (AD) - Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten lassen einem hochrangigen Meinungsforscher der Regierung zufolge weiterhin ein starkes amerikanisches Engagement für die Verteidigung
Europas erkennen.
Der Meinungsforschungsexperte des US-Außenministeriums, Alvin Richman, erklärte, die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Einsatz amerikanischer
Truppen zur Verteidigung Westeuropas sei gegen Ende der siebziger Jahre stark
gestiegen.
Richman wies insbesondere auf die
Dauerhaftigkeit
des
amerikanischen
Engagements in Europa hin und zitierte eine von Roper durchgeführte Umfrage, bei der 54 Prozent der Befragten auf die folgende Frage eine positive Antwort gaben:
"Würden sie es
unterstützen,
wenn
amerikanische
Truppen Europa gegen einen Angriff
der Sowjets verteidigten".
Richman
erklärte, die Antwort hätte nicht wesentlich unter ihrem im Jahre 1980 nach der sowjetischen Besetzung Afghanistans - erzielten Höhepunkt von
60 Prozent gelegen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
Meinungsforschungsexperte
verwies auf eine andere im Jahre 1986
durchgeführte Umfrage der G. Lawrence
Co. in Philadelphia, die auf dieselbe
Frage 59 Prozent zustimmender Antworten erhielt, auch wenn in ihrer Frage
die mangelnde Bereitschaft der europäischen Verbündeten zur Unterstützung
amerikanischer
Aktionen
gegen
Libyen erwähnt wurde.
Die Verteidigung Europas als anhaltendes
amerikanisches
Anliegen
zeigte
sich
Richman
zufolge
erst

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Telex: 8-85432

�kürzlich in den Ergebnissen einer vom
Chicagoer Rat für Auswärtige Beziehungen in Auftrag gegebenen Umfrage.
Der im Jahre 1922 gegründete Rat hat
sich der Förderung von Pflege und
besserem Verständnis
amerikanischer
Außenpolitik verschrieben.
Der von Gallup durchgeführten Umfrage des Rates von September 1986
zufolge glauben 70 Prozent der amerikanischen Öffentlichkeit und 85 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
-prominente
außenpolitische
Experten-, die Vereinigten
Staaten
sollten entweder ihr Niveau militärischen Engagements für die NATO verstärken oder zumindest das derzeitige
aufrechterhalten.
Die im Jahre 1949 gegründete NATO
bildet das Bollwerk der westlichen
Verteidigung gegen einen sowjetischen
Expansionismus in Europa. Dem Bündnis gehören die Vereinigten Staaten,
Kanada und
14 weitere europäische
Staaten an.
Der
Meinungsforschungsexperte
ging auch auf die allgemeine Hinwendung zur internationalen Politik in
den Vereinigten Staaten ein und berichtete:
"Zum ersten Mal seit dem
Vietnamkrieg stellte die amerikanische Öffentlichkeit unsere Beziehungen zu anderen Ländern an die Spitze
ihrer Liste von 13 persönlichen Anliegen" .
Er verwies auf die Ergebnisse
jüngster Umfragen der Fernsehgesellschaft CBS und der New York Times,
denen zufolge im Jahre 1986 in der
Öffentlichkeit drei Hauptthemen vorherrschten:
Terror ismusbekämpfung,
Kontrolle über Nuklearwaffen und die
Iran-Contra-Affäre.
Trotz mancher regelmäßig wiederkehrender Forderungen, auch von Kon-

greßabgeordneten,
die
Truppenstarke
in Europa abzubauen - es sind gegenwärtig
über
325 000 Soldaten dort
stationiert - zeigt die Umfrage des
Chicagoer Rates ein überwältigendes
amerikanisches
Engagement
für
die
Beibehaltung amerikanischer nuklearer
und konventioneller Streitkräfte auf
den bestehenden Niveaus im Atlantischen Bündnis.
In einem Begleitbericht zu den
Ergebnissen der Umfrage weist der Rat
darauf hin, die Untersuchung "zeigt
bei der amerikanischen Öffentlichkeit
und der meinungsbildenden Schicht eine anhaltende Vorrangstellung für die
Beziehung der NATO zu den westeuropäischen Ländern".
Auf europäischer Seite lag eine
Hauptsorge in der Furcht vor einer
amerikanischen Abkopplung von der Politik der NATO, die ein Gegengewicht
zur sowjetischen Truppenstärke bildet, zum Beispiel durch einen einseitigen amerikanischen Abbau der Truppen oder der vollständigen Beseitigung der Nuklearwaffen in Europa.
Der Meinungsumfrage zufolge sind
für die Verbündeten sowohl in Europa
als auch im Fernen Osten die Ergebnisse von erheblicher Bedeutung, die
eine klare Mehrheit zugunsten eines
Kampfeinsatzes im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa oder
Japan aufweisen.
Die Gallup-Umfrage des Rates ging
mit ihrer Frage an amerikanische Meinungsführer auf dieses Problem ein:
"Glauben sie, die Vereinigten Staaten
sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt
die amerikanischen Truppen in Europa
belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für
Westeuropa
aufrechterhalten?"
82 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
antworteten
mit 'Ja'.

�Eine interessante Tatsache ist,
daß einer 1987 durchgeführten britischen Meinungsumfrage
zufolge beim
Vertrauen in die amerikanische nukleare Unterstützung des Bündnisses
eine Wechselbeziehung
besteht.
56
Prozent der Befragten erklärten ihre
Überzeugung, die Vereinigten Staaten
würden zur Verteidigung Westeuropas
gegen eine sowjetische Invasion von
Nuklearwaffen Gebrauch machen.
Von besonderer Bedeutung sollte
für Europäer, die etwa eine Tagesreise von den Truppen des Warschauer
Paktes entfernt leben und in sehr direktem Maße betroffen sind, das Wissen darum sein, daß der Umfrage des
Chicagoer Rates zufolge 68 Prozent
der amerikanischen Öffentlichkeit und
93
Prozent
der
meinungsbildenden
Schicht dem Kampfeinsatz amerikanischer Truppen im Falle einer sowjetischen Invasion Westeuropas positiv
gegenüberstünden.
Eine Anzahl von Kritikern des
Bündnisses haben den Abbau der Stärke
amerikanischer Truppen in Europa gefordert und sich auf die mangelnde
europäische Bereitschaft bezogen, ihren Anteil der zur Verbesserung konventioneller Streitkräfte notwendigen
Ausgaben zu übernehmen.
Trotz dieser Kritik erkennen die
Amerikaner in zunehmendem Maße die
von den Europäern im Bündnis geleisteten Beiträge an. Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
schrieb
kürzlich in einem Artikel: "Wir müssen erkennen, daß unsere Verbündeten,
einzeln
und
zusammengenommen
einen
größeren Beitrag zur allgemeinen Verteidigung leisten als sich das viele
Leute vorstellen".
Als Beispiel
führte Weinberger
an, daß die Mitglieder des Bündnisses

3,5 Millionen Soldaten unter Waffen
haben, verglichen mit ewa 2 Millionen
in
den
Vereinigten
Staaten.
Weinberger zufolge würden im Falle
eines Krieges 60 Prozent aller Bodenund
Luftstreitkräfte
von
nichtamerikanischen Mitgliedern des Bündnisses bereitgestellt.
Sogar zu einer Zeit der angespannten Haushaltslage in den Vereinigten Staten, wo Unterstützung für
die Beschneidung der Verteidigungsausgaben um sich greift, wollen 62
Prozent der Öffentlichkeit und 77
Prozent der meinungsbildenden Schicht
der Umfrage des Chicagoer Rates zufolge eine amerikanische Beteiligung
an der Verteidigung Europas "auf dem
gegenwärtigen Stand" fortsetzen.
Richman erklärte, die Statistik
beweise, daß "Truppen zu einem großen
Teil die amerikanischen Bindungen zu
Westeuropa symbolisieren und ein anhaltendes Engagement in der Region
dokumentieren".
Trotz der Kritik des Kongresses
fand die Umfrage des Chicagoer Rates
heraus, daß von den Vertretern der
meinungsbildenden Schicht 96 Prozent
der Kongreßabgeordneten mit 'Ja' auf
die Frage antworteten:
"Würden Sie
zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Truppen in Europa belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für Westeuropa aufrechterhalten?"
Im Bericht des Chicagoer Rates
heißt es:
"Obwohl die meinungsbildende Gruppe
in Amerika einzelnen
europäischen Maßnahmen oft kritisch
gegenübersteht und verschiedene Alternativen zu den gegenwärtigen Sicherheitsabsprachen
offen
erörtert,
bleibt der Konsens erhalten, daß die
Vereinigten Staaten sich nicht militärisch aus Europa zurückziehen sollten".

- 3 -

�In bezug auf kulturelle Gemeinsamkeiten zeigt die Umfrage des Rates, daß Europa weiterhin einen positiven Platz in der amerikanischen öffentlichen Meinung einnimmt. Auf die
Frage des Rates:
"Wenn Sie einen
Sohn oder eine Tochter hätten, und
ihn oder sie zu einem Studienaufenthalt ins Ausland schicken würden,
welchen Aufenthaltsort würden Sie ihm
oder ihr raten?" 70 Prozent antworteten 'Europa1.

* * * * *

- 4

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

1 6 . September

32

1987

I N H A L T

Dokumentation
Regierung übergibt Kongress Bericht über ABM
- Zusammenfassung einer Studie -

Neuer Amerikanischer INF-Vorschlag hat schärfste
Überprüfungsbestimmungen
- Erklärung von Präsident Reagen -

Hintergrundmaterial
Wichtigste Problemkreise für INF-Abkommen sind abgehandelt
- Pressekonferenz mit Botschafter Paul Nitze -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'^7

^

Dokumentation

Ä&lt;

16. September 1987

32

REGIERUNG ÜBERGIBT KONGRESS BERICHT ÜBER ABM
- Zusammenfassung der Studie -

Washington - (AD) - Die Regierung Präsident Reagans ist an eine enge Auslegung des ABM-Vertrages (Anti Ballistic Missile Treaty = Vertrag über die Raketenabwehr) von 1972 nicht gebunden.
Dies geht aus einer geheimen Studie
über amerikanische und sowjetische Verfahrensweisen hervor, die dem amerikanischen Senat am 9. September 1987 übergeben wurde.
Eine weitere zur Veröffentlichung freigegebene Fassung des Berichts und
seiner Ergebnisse kommt zu dem Schluß, daß "die Unterlagen über die Verfahrensweisen nach Unterzeichnung des Vertrages keine innenpolitischen oder internationalen juristischen Verpflichtungen begründet, wonach die Vereinigten
Staaten an eine enge Auslegung des ABM-Vertrages gebunden wären".
Nachfolgend drucken wir eine Zusammenfassung des Berichts:
EINFÜHRUNG
DER ERGEBNISSE

UND

ZUSAMMENFASSUNG

Hiermit liegt der dritte von insgesamt drei Teilen einer Studie über
die Anwendung des ABM-Vertrages auf
sogenannte
"zukünftige"
ABM-Systeme
vor.
Der Zweck dieser dreiteiligen
Studie ist die Ermittlung der Bedeutung des Vertrages für dieses Problem. Der erste, zunächst im Oktober
1985 ausgearbeitete und schließlich
im Mai 1987 abgeschlossene Teil der
Studie untersuchte die Formulierung
des Vertrages und den historischen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ablauf der Verhandlungen. Er kam zu
dem Ergebnis, daß der Vertragstext
problematisch ist, und daß aus den
Verhandlungsprotokollen
die
sowjetische Weigerung hervorgeht, dem Verbot der Entwicklung und Erprobung von
beweglichen ABM-Vorichtungen auf der
Basis
von
anderen
physikalischen
Prinzipien
(OPP = other
physical
principles) zuzustimmen.
Im zweiten ebenfalls im Mai 1987
ausgearbeiteten Teil wurden die Ratifizierungsprotokolle
des
Vertrages
geprüft. Daraus ging hervor, daß ir-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gendwelche
Bedingungen, Vorbehalte,
oder Verständnisfragen keine Änderung
der im Vertrag eingegangenen internationalen Verpflichtungen nach sich
gezogen haben.
Ferner
fanden die
Verfasser
in den
Senatsprotokollen
keine Belege für die Schlußfolgerung,
wonach die Zustimmung des Senats zur
Ratifizierung die allgemeine Absicht
postulierte, daß der Vertrag die Entwicklung und Erprobung von beweglichen
OPP-Vorrichtungen
verbieten
sollte, oder daß der Senat irgendwelche Schritte unternommen hätte, die
den Präsidenten an die "enge" Auslegung
im Rahmen des amerikanischen
Rechts binden würde. Die Studie fand
jedoch heraus, daß die Senatsunterlagen Vorlagen von leitenden Beamten
beim Senat beinhalten, wonach die enge Auslegung zu unterstützen wäre,
auf die sich die Senatoren bei der
Erteilung von Rat und Zustimmung zu
Recht verlassen haben könnten.
Sie
kam zu dem Schluß, daß der Präsident
diesen Vorlagen und allen aus den Ratifizierungsunterlagen
ersichtlichen
Verständisproblemen ein angemessenes
Gewicht verleihen sollte, obwohl diese unter gesetzlichen Gesichtspunkten
keinen bindenden Charakter gehabt haben mögen.
Dieser dritte und abschließende
Teil der Studie über ABM prüft die
Vereinbarungen
und
Verfahrensweisen
der Parteien nach der Ratifizierung
des Vertrages. Danach beschreibt es
die kontrollierenden Prinzipien der
internationalen und inländischen Gesetze und setzt diese in Bezug zu den
Unterlagen über die Praktiken nach
der Unterzeichnung.
Dieser Teil umfasst alle Arten
der Verfahrensweisen nach der Unterzeichnung, die möglicherweise für die
Zielsetzungen der Parteien unter Berücksichtigung der Bestimmungen für
OPP-Systeme als Beweis dienen.
Er
- 2

beginnt mit der Phase unmittelbar
nach der Ratifizierung des Vertrages
und fährt mit der Verlautbarung des
Präsidenten über die Ergebnisse einer
nochmaligen Überprüfung vom Oktober
1985 fort, die in Anbetracht der Verhandlungsunterlagen und der Bedeutung
des ABM-Vertrages für die Anwendung
auf ABM-Systeme und auf Teile der
OPPs erfolgte. Eine Analyse der Dokumente nach dem Oktober 1985 wäre
allgemein weniger brauchbar gewesen,
weil diese Dokumente weit verbreitet
worden sind und weil nach diesem
Zeitraum
die relevanten
Unterlagen
größtenteils aus Rechtfertigungen der
derzeitig strittigen Auslegungen bestehen. Es ist jedoch bemerkenswert,
daß die seit Oktober 1985 vorgetragene sowjetische Haltung sich in materieller Hinsicht von der engen Auslegung unterschied, die von den Vereinigten Staaten vor dieser Zeit vertreten wurde.
Diese Fassung der Studie ist in
seiner
Gesamtheit
zur Veröffentlichung freigegeben. Es ist ferner eine geheime Version ausgearbeitet worden, einschließlich Unterlagen
und
Zusätzen, die wegen des notwendigen
Schutzes von nachrichtendienstlichen
Quellen und Methoden und der Vertraulichkeit
bestimmter
diplomatischer
Schriftwechsel
nicht
veröffentlicht
werden konnten. Die gesamte geheime
Fassung wurde dem Senat unter angemessenen Vorkehrungen zur Begutachtung durch die Senatoren zur Verfügung gestellt.

A.
Bericht über die Praktiken
der Vertragsunterzeichnung

nach

Eine Bewertung der Bedeutung aller besonderen Beweise für die Praktiken nach der Vertragsunterzeichnung
muß auf legalen Steuerungsprinzipien
basieren, die nachstehend
erörtert

�werden. Ein Umstand verdient jedoch
schon hier Beachtung. Im allgemeinen
kommt der tatsächlichen Handlungsweise der Parteien, die ein gemeinsames
Verständnis der Vertragsverpflichtungen widerspiegelt, ein viel größeres
Gewicht zu als bloße Stellungnahmen
ohne Bezug zu der eigentlichen Handhabung. In ähnlicher Weise hat eine
Durchführung
auf
der
Basis
eines
durchgängigen
gemeinsamen
Verständnisses der Verpflichtungen ein viel
größeres Gewicht als Aktionen, die
vertraglichen Erwägungen nicht deutlich
zugeschrieben
werden
können,
oder die auf einem wechselnden, vagen
oder inkonsistenten Verständnis beruhen.
Trotz der umfassenden Sammlung
von relevanten Daten in dieser Studie
gibt es wenig Beweise für eine Struktur der Durchführung, die auf einem
konsistenten
und
gemeinsamen
Verständnis der vertraglichen Verpflichtungen basiert. Die meisten Beweise
in dieser Studie bestehen aus Stellungnahmen, meist losgelöst von irgendwelchen Aktionen von beweisdienlichem Wert. Ein Hauptgrund hierfür
war die Tatsache, daß die Parteien
für einen längeren Zeitraum nicht den
programmatischen
Bedarf
oder
die
technologische Kapazität hatten, ABMtaugliche OPP-Systeme oder Komponenten zu entwickeln oder zu testen.
Außerdem war es oftmals unmöglich
festzustellen,
ob
die
Vereinigten
Staaten den Vertrag wie die Sowjets
durchführten.
Sowjetische
Verfahrensweisen können nicht auf die gleiche Weise wie amerikanische analysiert oder bewertet werden. Die sowjetische
Regierung
veröffentlicht
keine Berichte über ihre Raketenabwehr-Aktivitäten, und interne Diskussionen über den Umfang der sowjetischen Verpflichtungen werden, wenn
solche überhaupt stattfinden, niemals
veröffentlicht.
Amerikanische Regierungsbeamte vertreten eine Vielzahl

von Ansichten über das sowjetische
Verhalten in bezug auf die Auslegung
von Verträgen. Einer Ansicht zufolge
sind die Sowjets entschlossen, einerseits ihre vertraglichen Verpflichtungen im engen Rahmen auszulegen,
andererseits diese Verpflichtungen zu
umgehen oder zu ignorieren, wann immer das möglich ist.
Dies spiegelt
sich
in dem Bau des Radars von
Krasnojarsk
wider.
Darüber
hinaus
müssen die sowjetischen Stellungnahmen bezüglich des ABM-Vertrages immer
im Hinblick auf die Tatsache bewertet
werden, daß sich darin möglicherweise
die jeweiligen sowjetischen Interessen in der Weise widerspiegeln, wie
sie diese bei der Abgabe einer jeden
Stellungnahme gerade aufgefaßt haben.
Dies wird durch die Vielzahl inkonsistenter Positionen sowjetischer Unterhändler
zwischen
1972 und 1985
deutlich vor Augen geführt.
Zum Zwecke der Analyse ist die
Auflistung der Verfahrensweisen nach
der Vertragsunterzeichnung
in vier
Phasen unterteilt worden: 1.: 1972 1974, als die Parteien die Einhaltung
des Vertrages in die Wege leiteten
und sich über die wesentlichen Probleme Klarheit verschafften; 2.: 1974
- 1978, als die Parteien ihren ersten
formellen
Fünf-Jahres-Rückblick
durchgeführt
und wichtige
klärende
Auslegungen einiger Bestimmungen vorgenommen haben; 3.: 1978 - 1983, als
die Exekutive damit begann, die enge
Betrachtungsweise des Vertrages öffentlich zu äußern und dessen Anwendbarkeit auf das zeitlich vorgelagerte
SDI-Forschungsprogramm einer Verteidigung
mit
ballistischen
Raketen
feststellte; und 4.: 1983 - 1985, als
der Präsident das SDI-Programm verkündete und die Vereinigten Staaten
betonten, daß die enge Auslegung auch
auf die
zunehmenden
amerikanischen
Anstrengungen Anwendung findet, während die Sowjetunion begann, SDI we-

- 3 -

�gen der verschiedensten juristischen
Gesichtspunkte und Zweifel im Hinblick auf die Tatsache anzugreifen,
daß die Gültigkeit der engen Auslegung innerhalb der amerikanischen Regierung auf breiterer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.
Zwischen 1972 und 1974 gaben beide Regierungen nur wenige öffentliche
Stellungnahmen
zum ABM-Vertrag
ab.
Während des Ablaufs der sowjetischen
Ratifizierung
erklärte
der
sowjetische
Verteidigungsminister
Greschkow, daß der ABM-Vertrag die
Forschung und Erprobung mit dem Ziel
einer Lösung des Problems der Verteidigung des Landes gegen Angriffe mit
Nuklearraketen nicht ausschloß. Andere sowjetische Stellungnahmen betonten das vertragliche Verbot der
Stationierung neuer Systeme, und dementierten jede bindende Wirkung von
einseitigen amerikanischen Auslegungen.
Im Rahmen der Formulierung einer
internen Direktive über die Einhaltung des Vertrages durch die amerikanische Regierung wurde innerhalb der
Exekutive eine erhebliche Kontroverse
über eine angemessene Auslegung ausgetragen.
Von dieser Direktive lag
zunächst ein Entwurf vor, der in einigen bedenklichen Bestimmungen die
enge
Auslegung
beinhaltet
hätte.
Dann wurde sie zur endgültigen Fassung weiterentwickelt, die mit beiden
Meinungen im Einklang stand und das
Problem der Entwicklung und Erprobung
beweglicher OPP-Vorrichtungen so lange zur Entscheidung auf der politischen Ebene ließ, bis ein OPP-System für Erprobungszwecke zur Verfügung steht.
Diese Änderungen waren
das Ergebnis von Meinungsverschiedenheiten oder Bedenken über die enge
Auslegung, die aus einigen Abteilungen
des
Verteidigungsministeriums
laut wurden. Insbesondere drei Mili-

tärabteilungen äußerten die Auffassung, die enge Auslegung sei von den
Vereinigten Staaten einseitig vorausgesetzt worden. Gleichzeitig betonte
der Gemeinsame Stab, die Anweisung
mache "einen einschränkenderen Eindruck, als dies in den Vereinbarungen
vorgesehen sei. Außerdem schien sie
auf anderen Ebenen ziemlich zweideutig zu sein".
Die Erklärungen von
Regierungsbeamten der Exekutive dem
Kongress gegenüber
waren in jenem
Zeitraum
recht unterschiedlich, im
wesentlichen jedoch unklar. Der frühere Rechtsberater in der SALT-I Delegation, John Rhinelander, sprach
sich in einem inoffiziell veröffentlichten Kommentar deutlich für die
enge Auslegung aus.
Zwischen 1974 und 1978 haben beide Seiten in verschiedenem Zusammenhang bilaterale Fragen erörtert, bei
denen
die
Meinungsverschiedenheiten
und Unsicherheiten deutlich wurden,
die immer noch in bezug auf die Frage
nach den OPPs bestanden. Während der
Frühphase von SALT II haben die Sowjets einen Vorschlag bezüglich neuer
strategischer Offensivsysteme auf der
Basis
von
anderen
physikalischen
Prinzipien auf den Tisch gelegt. Der
amerikanische
Vertreter
berichtete
(nach umfassenden Diskussionen), er
könne nicht feststellen, ob die Sowjets der Ansicht waren, daß all diese
Waffen mangels einer Vereinbarung,
diese zu erlauben, verboten werden
sollten, oder mangels einer Vereinbarung, diese zu verbieten, erlaubt
werden sollten. Der Vorschlag wurde
von der Sowjets später fallen gelassen. Im Verlaufe dieser Erörterungen
riefen die amerikanischen Vertreter
in Erinnerung, daß Übereinkunft D die
Stationierung von OPP-Systemen mangels einer entgegenstehenden Vereinbarung verbieten würde, der sowjetische Vertreter (Semjonow, der die
sowjetische Delegation für den ABM-

�Vertrag
anführte) vertrat hingegen
die
Auffassung,
dies
könne
keine
richtige Interpretation des Vertrages
sein.
Während
der
Verhandlungen
zum
SALT Il-Abkommen über die Definition
von unabhängig zielgerichteten Wiedereintritts-Flugkörpern akzeptierten
die Sowjets die Formulierung "andere
Vorrichtungen", um in die Durchführungsmaßnahmen der Bestimmungen zukünftige und unbekannte Vorrichtungen
einbeziehen zu können, die hiervon
betroffene Funktionen erfüllen konnten. Die Sowjets hatten die von den
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagene
gleichlautende Sprachregelung für den
ABM-Vertrag zurückgewiesen, und erklärten damals, sie lehnten die Einbeziehung von unbekannten zukünftigen
Vorrichtungen in den ABM-Vertragstext
ab.
Der sowjetische SALT II-Unterhändler
erklärte, die Einbeziehung
von derzeitigen und zukünftigen ABMVorrichtungen in den ABM-Vertrag sei
durch eine Kombination von Artikel II
(1) und die Übereinkunft D erzielt.
Die Vorbereitungen der amerikanischen Regierung für die erste Konferenz zur formellen Überprüfung des
ABM-Vertrages im Jahr 1977 liefen auf
umfassende zwischenbehördliche Überlegungen hinaus, sich von den Sowjets
über die Frage der OPPs während der
Konferenz
Klarheit
zu verschaffen.
Die Unterlagen
über die Entscheidungsprozesse bei diesen Bemühungen
zeigen, erstens, daß innerhalb der
amerikanischen Regierung keine einheitliche
Auslegung
des
Vertrages
vorlag, wobei die Rüstungskontrollbehörde (Arms Control and Disarmament
Agency = ACDA) die enge Auslegung
vertrat, der Direktor des Nachrichtendienstes (Director of Central Intelligence = DCI) und der Vorsitzende
der
Gemeinsamen
Stabschefs
(Joint
Chief of Staff = JCS) solche Ein- 5

schränkungen in Frage stellten oder
zurückwiesen, und das Büro des Verteidigungsministers
(Office of the
Secretary of Defense = OSD) seine Unsicherheit über die Frage zum Ausdruck brachte, wozu die Sowjets ihre
Zustimmung gegeben hatten; und zweitens, daß es den Vereinigten Staaten
weiterhin unklar blieb, ob die Sowjetunion mit dem "Verständnis" der
ACDA
über
die
vertraglichen
Beschränkungen zukünftiger ABM-Systeme
übereinstimmte.
Die
amerikanische
Regierung entschied sich gegen eine
Diskussion dieses Themas mit den Sowjets während der Konferenz. Das Problem zukünftiger Systeme wurde informell durch eine Unterrichtung des
sowjetischen Unterhändlers aufgeworfen.
Dieser Unterhändler konnte jedoch nicht bestätigen, daß bezüglich
zukünftiger Systeme irgendeine vertragliche Verpflichtung bestünde, die
darüber hinausginge, diese innerhalb
der
Ständigen
Konsultativkommission
(Standing Consultative Commission =
SCC ) zu erörtern.
1978 beschlossen die beiden Parteien klarstellende Interpretationen,
die sich unter anderem mit der Bedeutung des Terminus "nach dem ABM-Modus
erprobt" in Artikel II (1) des Vertrages befaßten. In dieser Vereinbarung und in zahlreichen früheren Gesprächen
unterstrichen
die Sowjets
ihre Auffassung, daß die mit dem Vertrag erfaßten ABM-Systeme ausschließlich die drei in Artikel II aufgelisteten
konventionellen
Bestandteile
umfaßt.
In
einer
Bestimmung
der
klarstellenden Interpretation stimmten die Parteien darin überein, daß
die Anwendung des Terminus "nach dem
ABM-Modus erprobt" Gegenstand weiterer Diskussionen und Vereinbarungen
innerhalb des SCC sei, wenn eine
ABM- Abfangrakete die Fähigkeit erhielte, ein Abfangmanöver ohne den
Gebrauch
von
ABM-Radargeräten
zur

�Lenkung durchzuführen. Aus den Protokollen über die Erörterung dieser
Bestimmung geht nicht deutlich hervor, ob ein beiderseitiges Verständnis der Parteien über deren Auswirkungen vorlag:
die Sowjets machten
deutlich, daß eine ABM-Abfangrakete
Teil eines Systems auf der Basis eines OPP sei, wenn diesem eine solche
Fähigkeit verliehen würde.
Die Interpretation rechnet damit, daß die
Herstellung eines solchen Systems erlaubt würde, obwohl das Problem der
Anwendung
des Terminus
"nach
dem
ABM- Modus erprobt" Gegenstand weiterer Diskussionen und Vereinbarungen
sein würde.
(Nach jeder Auslegung
des Vertrages wäre die Herstellung
erlaubt, aber nach der engen Auslegung wäre die Erprobung bis zu einer
genau
festgelegten
landgestützten
Wirkungsweise begrenzt.)
Drei
ehemalige
amerikanische
SALT-I
Unterhändler
gaben
während
dieser Phase Erklärungen ab, welche
die enge Auslegung in einer schriftlichen öffentlichen Debatte über dieses Thema unterstützten oder andeuteten; Hauptvertreter des Hudson-Institutes und der Rand Corporation stimmten damit nicht überein.
Die offiziellen Veröffentlichungen der amerikanischen Regierung im Zeitraum vor
1978, einschließlich der Rüstungskontroll- und
Abrüstungsvereinbarungen
des ACDA, sind zweideutig, und beziehen sich auf die Behandlung der OPPs
in der Übereinkunft D als einer Angelegenheit, die von der Behandlung beweglicher und weltraumgestützter Systeme nach Artikel V zu trennen ist.
Zwischen 1978 und 1983 legte die
Exekutive ihre Haltung zur Auslegung
des ABM-Vertrages in zahlreichen während
dieser
Zeit
veröffentlichten
Stellungnahmen über die Auswirkungen
der Abrüstung
(Arms Control Impact
Statements = ACIS) dar. Die ACIS von

1979 (vorgelegt am 28. Februar 1978)
wurde im ACDA ausgearbeitet und vertrat die enge Auslegung des Vertrages. Es gab keine juristische Studie
oder ein Memorandum bezüglich dieses
Vertrages oder seines Verhandlungsablaufs, die dieses Ergebnis gestützt
hätte; ein Vorschlag des Verteidigungsministeriums, wonach die Schlußfolgerung nur eine "amerikanische Position" darstellte
(und wahrscheinlich nicht unbedingt die Haltung der
Sowjets) wurde zurückgewiesen, da eine öffentliche Anregung, die die Sowjets nicht binden würde, irreführend
und unnütz sei.
Einige zusätzliche
ACIS - insbesondere die zwischen 1981
und 1983 vorgelegten - unterstützen
ebenfalls die enge Auslegung in verschiedenen Abstufungen, genau wie andere Berichte der Exekutive an den
Kongress und einige juristische Memoranda im Außenministerium. Mitarbeiter beim Institut für Verteidigungsanalysen trugen gegen frühere ACIS
Entwürfe wegen der Einbeziehung der
engen Auslegung Einwände vor.
Das
Verteidigungsministerium
unterstützte
diese Einwände in geringem Maße, aber
1981 bereitete ein Regierungsbeamter
auf Stabsebene im Verteidigungsministerium einen internen Bericht vor,
der die enge Auslegung bestätigte.
Dieser Bericht wurde von anderen Beamten auf Stabsebene des Ministeriums
genehmigt. Es wurde entschieden, das
Thema nicht an die hierfür zuständigen ranghöheren Regierungsbeamten auf
der politischen Ebene zur weiteren
Prüfung weiterzuleiten.
Das interne
Memorandum
im Verteidigungsministerium von 1981 basierte auf unvollständigen Untersuchungen der Verhandlungsunterlagen.
In ähnlicher Weise
stützten sich die juristischen Studien im Außenministerium auf unvollständige Auszüge aus den Verhandlungsunterlagen, die bei der ACDA im
Jahr 1980 zusammengetragen wurden und
in zentralen Fragen sehr aufschluß-

�reich waren.
Während dieser Zeit registrierten
sowjetische Unterhändler öffentliche
Berichte über amerikanische ABM-Aktivitäten sowie Kommentare über mögliche Pläne für die Zukunft.
Sie beschwerten
sich, solche Aktivitäten
und Pläne seien unerwünscht. Sie haben
jedoch
keine
zusammenhängende
Meinung über den Vertrag zum Ausdruck
gebracht, die mit der engen Auslegung
im Einklang stand.
In seiner Ankündigung des SDIProgramms im März 1983 versprach Präsident Reagan die Durchführung des
Programms innerhalb der Bestimmungen
des Vertrages, ging dabei aber nicht
auf die Frage ein, welche über die
Forschung hinausgehenden Aktivitäten
- außer der Stationierung - rechtmäßig seien. Einige nach der SDI Ankündigung
abgegebene
Stellungnahmen
von seiten der Exekutive unterstützten die enge Auslegung. Diese Stellungnahmen deuteten an, daß sich die
Exekutive an die enge Auslegung hielt
und daß das SDI-Programm damit im
Einklang steht. Andere Berichte und
Stellungnahmen der Exekutive im gleichen Zeitraum waren zweideutig.
Die von den Vereinigten Staaten
im Rahmen des SDI-Programms durchgeführten Maßnahmen standen bis zum Oktober 1985 mit der engen Auslegung im
Einklang. Während dieser Zeit betonten die Vereinigten Staaten, daß ihre
Entwicklungs- und Erprobungsmaßnahmen
so angelegt waren, daß sie mit dieser
Auslegung übereinstimmten.
Die mit
der
Durchführung
des
SDI-Programms
betrauten Personen fanden heraus, daß
die
geplanten
oder
durchgeführten
Tests keiner Änderung aufgrund des
Vertrags bedurften, weil die benutzten Vorrichtungen
entweder
so beschaffen waren, daß sie keine Erweiterung der engen Auslegung erforder-

lich machten oder weil sie keine ABMKomponenten waren (ihnen fehlte die
ABM-Fähigkeit und sie wurden nicht im
Rahmen
eines
ABM-Modus
getestet).
Sie fanden weiter heraus, daß die
Ziele des SDI-Programms während dieser Zeit innerhalb der engen Auslegung erreicht werden konnten, und daß
die Vereinigten Staaten auf keinen
Fall zu dieser Zeit technisch in der
Lage waren, das Testprogramm in einer
Weise zu ändern, die über die enge
Auslegung hinausginge und gleichzeitig bedeutende Vorteile im Programm
anböte.
Vor dem Oktober 1985 hat nur eine
SDI-Testserie ein ABM-System oder eine auf den OPPs basierende Vorrichtung berührt (nämlich das Zielüberlappungs-Experiment;
Homing
Overlay
Experiement = HOE); dieser Test wäre
nach der weiten Auslegung des ABMVertrages
nicht
anders
verlaufen,
weil er die Erprobung eines feststehenden landgestützten ABM-Systems betraf.
Ansonsten war während dieses
Zeitraums nur die Planung von zukünftigen Tests (wie beispielsweise der
Delta-180 Test im September 1986) von
der engen Auslegung berührt.
1984 und 1985 führten bestimmte
Entwicklungen zu einem Entscheidungsprozeß innerhalb der Exekutive, der
Frage nach den OPPs mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken.
Mit
SDI-Aufgaben betraute Regierungsbeamte aus dem Verteidigungsministerium
wünschten Klarheit über den Umfang
des Vertrages und erhielten widersprüchliche
Mitteilungen.
Die mit
den Sowjets konferierenden amerikanischen Unterhändler
waren über bestimmte sowjetische Positionen verwirrt und rieten zu einer weiteren
Überprüfung der Verhandlungsunterlagen.
Diese und andere Aktivitäten
führten zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten in der Exekutive und

- 7 -

�veranlaßten Außenminister Shultz, den
Rechtsberater anzuweisen, einen Bericht zu diesem Thema zu erstellen.
Der Überprüfung von Vertragstext und
Verhandlungsprotokollen
seitens
des
Rechtsberaters im Oktober 1985 und
die Ansichten aller beteiligten Regierungsbeamten mit politischer Entscheidungsbefugnis
bildeten
die
Grundlage der von Präsident Reagan im
Oktober
1985 getroffenen Entscheidung, daß eine breitere Interpretation des ABM-Vertrages voll und ganz
gerechtfertigt
sei.
Der
Präsident
entschied ferner, daß es grundsätzlich nicht notwendig sei, das SDIProgramm auf eine mit der weiten Interpretation des ABM-Vertrages einhergehende Art und Weise umzustrukturieren.
Der Kongreß reagierte auf die
Strategische
Verteidigungsinitiative
des Präsidenten, indem er Gesetzesvorlagen zum SDI-Programm bewilligte,
die nicht an eine bestimmte Interpretation des Vertrages gebunden waren.
Der Kongreß hat jedoch Mittel genehmigt und bewilligt, nachdem die Exekutive dargelegt hatte, daß sich das
Programm im Einklang mit der engen
Interpretation befände.
Die Präsentation von SDI ließ das
Interesse der Sowjets am Problem der
OPPs dramatisch zunehmen. Sie formulierten ihre Haltung zum ABM-Vertrag
neu und legten einige andere Argumente vor, mit denen sie das SDI-Programm angreifen wollten.
Mit ihrer
Haltung unterstützten sie konsequent
eine noch engere Auslegung als die
restriktive Interpretation.
Sie haben zum Beispiel erklärt, daß Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
weltraumgestützter
OPP-Systeme
und
Komponenten sich nicht im Einklang
mit dem Vertrag befinden. Sie haben
weitere, noch engere Interpretationen
vorgelegt, die den Umfang der bei

weltraumgestützten
OPP-Systemen
erlaubten
Forschung
auf
verschiedene
Art und Weise einschränken und jegliche Forschung, Entwicklung und Erprobung, die letztlich auf die Errichtung einer territorialen Verteidigung
abzielt verbieten würde.
Diese
unterschiedlichen
Standpunkte wurden im Rahmen bilateraler
Gespräche ausführlich diskutiert, jedoch niemals gelöst. Die Sowjets haben zu keiner Zeit die enge Auslegung
befürwortet.
Obwohl die sowjetische
Haltung darüber hinaus auf ein Verbot
der Entwicklung und Erprobung weltraumgestützter OPP-Systeme hinauslaufen würde, befand sich die sowjetische Einstellung zu Artikel II (1)
im Einklang mit der weiten Auslegung,
und ihre Haltung zu Artikel V (1) war
vor Oktober 1985 mit allen von amerikanischen Regierungsbeamten vertretenen Meinungen unvereinbar und entbehrt jeder Grundlage im Vertragstext
oder im Verhandlungsabiauf. Seit Oktober 1985 haben die Sowjets eine
zweckbetonte Definition für ABM-Systeme eingeführt, die sich im Einklang mit der restriktiven Interpretation von Artikel II (1) befindet.
Trotzdem ist ihre Auslegung der Bestimmungen von Artikel V (1) enger
als die restriktive Interpretation.
Es konnten bisher keine eindeutigen
Erkenntnisse
darüber
gewonnen
werden,
welche
Interpretation
die
Sowjets bei ihren eigenen Programmen
zur Abwehr ballistischer Raketen tatsächlich anwenden.
Die vorliegenden
Erkenntnisse weisen nicht überzeugend
darauf hin, daß die Sowjets bei ihren
mobilen, auf OPP basierenden ABM-Systemen die Entwicklungsphase erreicht
haben;
angesichts
bestehender
Beschränkungen
ist ein
zuverlässiges
Urteil zu diesem Problem zum gegenwärtigen Zeitpunkt unmöglich.
Vorliegende Erkenntnisse weisen jedoch

�eindeutig darauf hin, daß sowjetische
Aktivitäten
zur
Raketenabwehr
die
Forschung, Entwicklung und Erprobung
von Modellen umfassen, die sie als
unvereinbar mit dem Vertrag bezeichnet haben.
Die Sowjets haben ebenfalls mit ihrer fortschreitenden Dislozierung des Radars von Krasnojarsk
den Vertrag verletzt.

diesem Problem zu verschiedenen Zeitpunkten sowie über die Entwicklung
dieser Ansichten. Diese Übereinkünfte müssen in Betracht gezogen werden,
wenn es zu einem endgültigen Urteil
über die Interpretation des Vertrages
kommen soll.

Das Völkerrecht verlangt die Berücksichtigung
aufeinanderfolgender
Verträge und Handlungsweisen der vertragsdeutenden
Parteien,
besonders
bei der Lösung von Zweifelsfällen.
Der Wirkungsgrad, der einer solchen
Praxis beigemessen wird, hängt von
dem Beweiswert einer bestimmten Aktivität bei dem untersuchten Problem
ab.
Im
allgemeinen
wird
einem
gleichberechtigtem
Verhalten,
das
vereinbarte
Abmachungen
widerspiegelt, ein größeres Gewicht beigemessen als einseitigen Stellungnahmen,
die von der einen zur anderen Partei
übermittelt werden; interne Verhandlungsprotokolle werden bei der Ermittlung eines Abkommens wenig oder
garnicht
gewichtet.
Schriftliche
Übereinkünfte
sind
eine
besonders
wertvolle
Quelle der
nachfolgenden
Handlungsweisen,
und dem Verhalten
scheint ein größeres Gewicht zuzufallen, wenn es zeitlich näher an dem zu
deutenden Abkommen liegt.

Während
der Verhandlungen
über
die Klärung der Interpretation und zu
anderen Zeiten zwischen 1972 und 1978
haben die Sowjets wiederholt die Meinung geäußert, daß mit dem Vertrag
Regelungen für konventionelle ABM-Systeme beabsichtigt seien. Die amerikanischen Unterhändler teilten diese
Ansicht
nicht, akzeptierten
jedoch
den Text der Sowjets zum Zwecke der
Interpretation.
Die
Unterhändler
stimmten darin überein, die Bestimmungen könnten so ausgelegt werden,
als ob sie die weite Interpretation
unterstützten und bei der Interpretation
des
Vertrages
erhebliches
Gewicht erhalten müssten.
Eine der
Interpretationen enthält eine Bestimmung, bei der es um eine ABM-Rakete
geht, die ohne ABM-Radar gesteuert
wird.
Die Sowjets bestanden darauf,
das Ersatzsteuersystem
genauso wie
OPPs zu behandeln und die Erprobung
eines solchen Systems in einem ABMModus in Gespräche und Übereinkünfte
einzubeziehen.
Diese
Übereinkünfte
beziehen sich jedoch nur auf bestimmte Aspekte des Problems mit den OPPs
und liefern keine definitive Interpretation, wie der Vertrag auf Entwicklung und Erprobung von mobilen
auf OPPs basierenden ABM-Vorrichtungen anzuwenden ist.

Die Protokolle des Folgeverhaltens der Parteien des ABM-Vertrages
lassen nicht erkennen, daß die Parteien im Jahre 1972 beabsichtigt hatten, die Entwicklung und Erpobung mobiler OPP-Vorrichtungen zu verbieten.
Sie liefern jedoch wichtige Einblicke
über die Ansichten der Parteien zu

Abgesehen von den formalen Übereinkünften der Parteien zeigen ihr
Meinungsaustausch,
ihre
Erklärungen
und ihr Verhalten bei den mit der
OPP-Frage in Zusammenhang stehenden
Angelegenheiten kein gemeinsames und
konsequentes Verständnis des Problems
der
Vertragsinterpretation.
Die

B.

Die Rechtslage

1. Internationale
pflichtungen

rechtliche

Ver-

- 9 -

�amerikanische Haltung bei den bilateralen Gesprächen vor Oktober
1985
scheint sich im Verlauf dieses Zeitraums mit der engen Auslegung im Einklang befunden zu haben; amerikanische Unterhändler haben bei verschiedenen
Anlässen
Ansichten
erkennen
lassen, die sich mit der Lesart von
Artikel II (1) und dem Vertrag im
Einklang befindet, der für OPP-gestützte Systeme und Komponenten geeignet ist.
Zur Frage der OPPs wurden dennoch
innerhalb der US-Regierung zu verschiedenen Zeitpunkten in dieser Phase erhebliche Zweifel und Widersprüche laut. Diese internen Zweifel und
Widersprüche zeigen, daß im gesamten
Zeitraum positive Haltungen zur weiteren Interpretation von Experten unterstützt
wurden.
Die
geäußerten
Zweifel zur restriktiven Interpretation traten vornehmlich in Gestalt
von Fragen dazu auf, ob die Sowjets
dazu ihre Zustimmung erteilten. Sowjetische Erklärungen und Behauptungen
besonders im Zeitabschnitt von 1972
bis 1979 unterstützten diese aus der
amerikanischen
Regierung
geäußerten
Zweifel glaubwürdig, weil die Erklärungen darauf hinwiesen, daß die Sowjets sich der engen Auslegung nicht
anschlössen. Internen Beweisen kommt
nach dem Völkerrecht jedoch nur ein
geringes oder gar kein Gewicht zu,
weil sie nicht als allgemeines odar
einmütiges Verhalten betrachtet werden können, das ein Abkommen in dem
Sinne hervorbringt, wie es die Parteien 1972 im Hinblick auf die Interpretation des Vertrages beabsichtigt
hatten. Aber die intern bestehenden
Zweifel spiegeln zusammen mit einer
fehlenden Bestätigung von seiten der
Sowjets
keine gemeinsam
vertretene
Ansicht wider.
Die sowjetische Haltung bei den
bilateralen Gesprächen hat sich in

den Jahren 1973 bis 1985 erheblich
verändert, offensichtlich als Reaktion auf die sowjetische Vorstellung
von ihren nationalen Interessen. Im
Zeitraum von 1972 bis 1978 vertraten
sowjetische
Unterhändler
wiederholt
die Auffassung, Artikel II (1) des
Vertrages
definiere ABM-Systeme
im
Vertragstext nur als solche, die aus
ABM-Abwehrflugkörpern,
Abschußeinrichtungen und Radaranlagen bestehen;
sie drückten in diesem Zeitraum niemals ihre Übereinstimmung mit der restriktiven
Betrachtungsweise
aus.
Bei mindestens zwei Anlässen reagierten sie nicht auf die Möglichkeit, zu
bestätigen, daß sogar die Dislozierung von OPP-Vorrichtungen verboten
war.
Die sowjetischen
Erklärungen
wandelten sich erst etwa 1979, als
die Vereinigten Staaten ausführliche
Beschreibungen ihrer erweiterten Aktivitäten und Pläne zur Raketenabwehr
veröffentlichten.
Nachdem Präsident
Reagan SDI verkündet hatte, änderten
sich im Jahr 1983 die sowjetischen
Ansichten ganz erheblich und sowjetische Unterhändler vertraten nun eine Meinung zum ABM-Vertrag, die sich
vor allem auf Artikel I (2) stützte
und in materieller Hinsicht restriktiver war als die der Vereinigten
Staaten. Ihre Interpretation von Artikel V (1) entbehrte jeder Grundlage
im Vertrag oder in den Protokollen.
Die im Verlauf des Monats Oktober
1985 von den Vereinigten Staaten unternommenen Maßnahmen bei der Raketenabwehr
(einschließlich
des SDIProgramms) befanden sich im Einklang
mit der engen Auslegung. Diese Tatsache weist nicht
notwendigerweise
auf eine Vereinbarung der Parteien im
Hinblick
auf
eine
Verfahrensweise
nach Vertragsabschluß hin.
Während
dieses Zeitraums haben die Vereinigten Staaten ausdrücklich erklärt, daß
ihre Aktivitäten zur Entwicklung und
Erprobung
auf eine Übereinstimmung

- 10 -

�mit der restriktiven Interpretation
hin angelegt war. Diese Erprobungen
mußten nicht aus Gründen, die mit dem
Vertrag in Zusammenhang stehen, angepaßt werden, sondern weil es sich bei
den Geräten entweder um Modelle handelte, mit denen die restriktive Interpretation nicht überschritten wurde, oder es handelte sich nicht um
ABM-Komponenten
(sie besaßen
keine
ABM-Fähigkeit
und wurden nicht im
ABM-Modus erprobt).
Die Ziele des
SDI-Programms konnten in diesem Zeitraum meist innerhalb des Rahmens der
restriktiven Interpretation erreicht
werden, und die Vereinigten Staatne
waren auf jeden Fall zu dem Zeitpunkt
nach Ansicht der mit SDI befassten
Beamten technisch nicht in der Lage,
das Testprogramm auf eine Art und
Weise zu verändern, die über die enge
Auslegung hinausgehen und gleichzeitig bedeutende Vorteile für das Programm bieten würde. Vor Oktober 1985
waren nur die Planungen für zukünftige Erprobungen von der restriktiven
Interpretation betroffen.
Letztlich
wurden diese Aktivitäten im Einklang
mit der restriktiven Interpretation
durchgeführt, weil sich diese Sichtweise des Vertrages im ACIS des Finanzjahres
1979 widerspiegelte
und
ohne ausreichende Untersuchungen auch
in darauffolgenden ACIS auftauchte.
Im Hinblick auf den Aufbau der
sowjetischen Programme zur Verteidigung gegen ballistische Raketen gibt
es keine vergleichbaren Aufzeichnungen.
Uns liegen keine ausreichenden
Beweise vor, um zu bestimmen, ob die
Sowjets das Stadium erreicht haben,
in dem Aktivitäten zur Entwicklung
und Erprobung, die sich nicht im Einklang mit der restriktiven Interpretation befinden, anwendbar und nützlich wären, aber aus Gründen der Einhaltung des Vertrages nicht unternommen werden. Die Sowjets könnten darüber hinaus eine Erprobung moderner

Geräte durchgeführt haben, ohne daß
die Amerikaner dies entdeckt hätten.
Die sowjetischen Aktivitäten zur Verteidigung gegen ballistische Raketen,
wozu auch Aktivitäten wie Forschung
und Erprobung im Hinblick auf mögliche mobile OPP-Systeme der Zukunft
zählen, befinden sich sicher nicht im
Einklang mit den engeren Auslegungen,
wie sie die sowjetische Seite seit
der Verkündung des SDI-Programms vorgebracht hat (zum Beispiel, daß der
Vertrag die Forschung von ABM-Vorrichtungen
verbietet, deren Dislozierung nicht erlaubt ist). Sie haben ferner ein Radar an einem Standort errichtet, an dem solche Radaranlagen nach allen Interpretationen des
Vertrages verboten sind.
Diese Abfolge der Praktiken nach
Vertragsunterzeichnung begründet keine bindende internationale rechtliche
Verpflichtung der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion sich der engen
Auslegung zu unterwerfen.
Zu keiner
Zeit stimmten amerikanische und sowjetische Ansichten über die Anwendung
des Vertrages auf OPP-Systeme überein. Obwohl sich die Erklärungen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf unterschiedliche Grundlagen
stützten, hatten sie von 1983 bis
1985 die Verhinderung der Entwicklung
und Erprobung weltraumgestützter (und
wahrscheinlich anderer mobiler) auf
OPPs basierender Systeme zum Ergebnis, trotz ihrer mangelnden Übereinstimmung mit anderen Aspekten des
Problems. Die sowjetische Meinung in
diesem Zeitraum stützte sich jedoch
auf eine Lesart des Artikels II (1) ,
die im Widerspruch zur restriktiven
Interpretation steht und unterstützt
vielmehr die weitere Auslegung sowie
auf eine Lesart von Artikel V (1) ,
die sich von allen Interpretationsvorschlägen der Vereinigten Staaten
radikal unterscheidet und die durch
die Vertragssprache oder die Verhand-

- 11 -

�lungsgeschichte
nicht
unterstützt
wird. Erst nach Oktober 1985, nachdem die weite Interpretation von der
amerikanischen
Regierung
Unterstützung erfahren hatte, haben die Sowjets einer
zweckbetonte Definition
des Artikels II (1) zugestimmt. Dennoch bleibt ihre Interpretation der
in Artikel V (1) ausgesprochenen Verbote enger als die restriktive Interpretation.
Darüber hinaus umspannt
dieser Zeitraum weniger als drei der
fünfzehn Jahre seit Inkrafttreten des
Vertrages.
Schließlich gibt es nur
unzureichende Beweise dafür, daß die
Parteien ein die restriktive Auslegung stützendes Verhalten an den Tag
legten, das konsequent und einmütig
war. Die Parteien scheinen im größten Teil oder unter Umständen im gesamten Zeitraum von 1972 bis 1985
nicht zu den beweisdienlichen Verhaltensweisen
fähig gewesen zu sein.
Uns liegen in jedem Fall keine ausreichenden Beweise vor, um zu beurteilen, ob das sowjetische Verhalten
sich tatsächlich im Einklang mit der
restriktiven Sichtweise befand.

2. Nationale
tungen

rechtliche

Verpflich-

Die Interpretation eines Vertrages im Hinblick auf die nationale Gesetzgebung stützt sich zunächst einmal auf die Prinzipien des Völkerrechts, die die Auslegung von Verträgen regeln. In mancher Hinsicht können jedoch die nach amerikanischem
Recht bestehenden Verpflichtungen des
Präsidenten zur Auslegung eines Vertrages zusätzliche Überlegungen erforderlich machen, die von der Verteilung der Regierungsgewalt, wie sie
in der amerikanischen Verfassung niedergelegt ist, abhängen.
Nach dem Völkerrecht wird den
Auslegungen eines von Regierungsbe-

hörden der jeweiligen Parteien erarbeiteten
Vertrages
kein
besonderer
Vorzug eingeräumt. Bei der Anwendung
der Vertragsbestimmungen im Sinne der
nationalen Gesetzgebung jedoch werden
amerikanische
Gerichte
naturgemäß
jeder vernünftigen Interpretation der
Exekutive
der
Vereinigten
Staaten
großes Gewicht beimessen.
Dies ergibt sich sowohl aus der normalen
Achtung, mit der die Behörden der
Exekutive Bundesgesetze auslegen sowie aus der besonderen Achtung, die
dem Präsidenten bei der Auslegung von
Verträgen als einem Aspekt der Außenpolitik des Landes entgegengebracht
wird. Während den alten Auslegungen
der Exekutive ein großes Gewicht beigemessen werden muß, hat der Oberste
Gerichtshof eine Auslegung ebenfalls
hoch
bewertet, obwohl
sie
vorher
nicht von der Exekutive unterstützt
worden war.
Der Präsident ist nach amerikanischem Gesetz verpflichtet, eine nach
der Verfassung gültige Gesetzgebung
einzuhalten, die nach der Ratifizierung eines Vertrages verfügt wurde.
In ähnlicher Weise wird der Verständigung zwischen der Exekutive und dem
Kongreß nach einer Ratifizierung, die
dem Völkerrecht zufolge normalerweise
von geringer Bedeutung ist, von amerikanischen Gerichten bei der Auslegung von Vertragsbestimmungen im Hinblick auf die nationale Gesetzgebung
eine geringe Bedeutung beigemessen.
Das Interesse an der Vermeidung
entgegenstehender
internationaler
Verpflichtungen sollte gegen die Erkenntnis abgewogen werden, daß der
Präsident Verpflichtungen im Hinblick
auf die nationale Gesetzgebung hat,
die sich von denen des anderen Vertragspartners unterscheidet.
Darüber
hinaus sollte die Macht des Präsidenten zur Auslegung von Verträgen und
Durchführung der Außenpolitik nicht

- 12 -

�eingeschränkt werden, wenn es keine
eindeutigen Hinweise darauf gibt, daß
solche
Beschränkungen
ausdrücklich
beabsichtigt waren. Andererseits muß
der Präsident der Ausübung
seiner
Machtbefugnisse bei allen anstehenden
Angelegenheiten
und
Erkenntnissen,
einschließlich der Darstellungen der
Exekutive an den Kongreß und Hinweise
auf die gesetzliche Glaubwürdigkeit
solcher Darstellungen, ein angemessenes
Gewicht
zubilligen,
obwohl
rechtsverbindliche
Einschränkungen
der
Verfügungsfreiheit
mißbilligt
werden.
In den Protokollen über die nach
der Vertragsunterzeichnung angewandten Praktiken beim ABM-Vertrag ist
der Präsident nicht durch eine nationale Gesetzgebung an die enge Auslegung gebunden.
Trotzdem sind dem
Kongreß eine größere Anzahl von Berichten der Exekutive vorgelegt worden, deren Anfang der ACIS im Jahr
1979 machte, und die bis ins Jahr
1985 unterbreitet wurden, was auf die
eine oder andere Art und Weise die
restriktive
Interpretation
unterstützt.
Entsprechende
Erklärungen
umfassen die von der Organisation für
die Strategische Verteidigungsinitiative SDIO (Strategie Defense Initiative Organisation) mit ihrem Bericht
von 1985 vorgelegten Stellungnahmen
(der
Bericht
wurde
abgeschlossen,
während die Exekutive ihre erste umfassende Prüfung der Verhandlungsprotokolle vornahm).
Die vom Kongreß
für SDI im Finanzjahr 1985-86 bereitgestellten Mittel waren nicht ausdrücklich an eine Auslegung des Vertrages gebunden; trotzdem hat der
Kongreß Mittel genehmigt und bereitgestellt, als er die entsprechenden
Vorlagen zu den Akten genommen hatte,
und damit die Erwartung geweckt, daß
weiterhin die enge Auslegung befolgt
wurde.
Seit dem Monat Oktober 1985
hat der Kongreß Mittel für das Jahr

1987 bewilligt, deren Verwendung aber
nicht an die fortdauernde Befolgung
der restriktiven Interpretation gebunden ist. Die meisten der maßgeblichen Beweise zur Unterstützung der
weiteren Auslegung hatten im wesentlichen internen Charakter, und erst
nach Abschluß einer rechtlichen Prüfung im Oktber 1985 hat die Exekutive
die weite Auslegung ausdrücklich formuliert und dem Kongreß die Erkenntnisse und Argumente vorgelegt, die
diese unterstützen.
Der Präsident sollte den dem Kongreß von der Exekutive vorgelegten
Berichten
ein angemessenes Gewicht
beimessen, und von seiten der Gesetzgeber entwickelten sich im Zeitraum
nach
der Ratifizierung
Erwartungen
zur Festlegung und Ausführung seines
im Rahmen des Gesetzes bestehenden
Ermessenspielraums zur Auslegung des
ABM-Vertrages. Auf der anderen Seite
ist der Kongreß ebenfalls aufgrund
der Verfassung zur Ausübung seiner in
der Verfassung gewährten Machtbefugnisse verpflichtet, in gutem Glauben
alle Erkenntnisse, die sich auf die
gesetzmäßige Auslegung des ABM-Vertrages beziehen, abzuwägen und im
Hinblick auf die Bedeutung solcher
Erkenntnisse, einschließlich
derer
über das Verhalten nach der Vertragsunterzeichnung, das vernünftige Urteil der Exekutive zu achten.

- 13 -

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

Ä&lt;

16. September 1987

32

NEUER AMERIKANISCHER INF-VORSCHLAG HAT
SCHÄRFSTE UBERPRUFUNGSBESTIMMUNGEN
- Erklärung von Präsident Reagan -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten legen die "schärfsten Überprüfungsregeln" in der Geschichte der Verhandlungen über nukleare Mittelstrekkenwaffen (INF) vor, erklärte Präsident Reagan am 14. September 1987.
Der formell bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen vorgelegte Vertragsentwurf sieht die Zerstörung von zwei Arten von Mittelstreckenraketen vor, bei
den Raketen längerer Reichweite in drei Jahren und bei den Raketen kürzerer
Reichweite in einem Jahr. Der Vertragsentwurf verbietet die Modernisierung
und Herstellung sämtlicher INF-Raketensysteme sowie die Durchführung von Testflügen.
Nachstehend
Wortlaut:

drucken wir den Text der Verlautbarung Präsident Reagans im

Ich habe den amerikanischen INF
Unterhändler bei den Genfer Gesprächen über nukleare und Weltraumwaffen
angewiesen, der Sowjetunion beim heutigen Treffen der INF-Verhandlungsgruppe
unseren Vertragsentwurf
zur
Durchführung einer doppelten weltweiten Null-Lösung vorzulegen, der alle
amerikanischen und sowjetischen landgestützten
INF-Raketen
beseitigt.
Unser Unterhändler wird auch ein Inspektionsprotokoll mit detaillierten
Verfahrensvorschriften vorlegen, das
wir für erforderlich halten, um die
Einhaltung des Vertrages wirkungsvoll
zu überprüfen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unser jetzt vorgelegter Entwurf
ist die konsequente Weiterentwicklung
des Textentwurfs, der den Abbau von
INF-Raketen auf einem bestimmten Niveau vorsah, zu einem Vertragsentwurf, der eine ganze Kategorie amerikanischer
und
sowjetischer
Raketen
beseitigen würde.
Die zentralen Punkte unseres Vorschlags einer Durchführung der doppelten weltweiten Null-Lösung sind:
- Die Beseitigung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

aller

amerika-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nischen und sowjetischen INF-Raketen
und der Abschußvorrichtungen.
INFRaketen längerer Reichweite und deren
Startvorrichtungen
würden
innerhalb
von drei Jahren beseitigt, die mit
kürzerer Reichweite innerhalb eines
Jahres;
- Das Verbot der Modernisierung
und Produktion sämtlicher INF-Raketensysteme oder der Durchführung von
Testflügen;
- Eine umfassende und wirkungsvolle Überprüfung, die auf das Ergebnis einer doppelten weltweiten NullLösung zugeschnitten ist.
Ich habe stets meiner Überzeugung
Nachdruck verliehen, daß es besser
ist,
überhaupt
keinen
Vertrag
zu
schließen, als einen, der nicht wirkungsvoll
überprüft
werden
kann.
Folglich
legen wir die schärfsten
Uberprüfungsregeln aller Abrüstungsabkommen in der Geschichte vor. Die
wirkungsvollste
und
bestmögliche
Überprüfung ist entscheidend für die
Gewährleistung
eines
INF-Abkommens,
das
einen
dauerhaften
Beitrag
zu
Frieden und Stabilität leistet. Wir
werden uns nicht mit weniger zufrieden geben.
Wir sind bei unseren Bemühungen
um
die
Beseitigung
der
Bedrohung
durch sowjetische INF-Raketen einen
weiten Weg gegangen. Die Entschlossenheit der NATO, amerikanische INFRaketen als Erwiderung der grundlosen
sowjetischen Bedrohung zu stationieren und gleichzeitig
Verhandlungen
mit den Sowjets anzustreben, hat die
Grundlage für das historische Abkommen gelegt, das nun in Reichweite
ist.
•

Schwierige Probleme müssen noch
gelöst werden, und eines davon ist
die Verifizierung.
Wir haben umfas-

sende und wirkungsvolle Uberprüfungsregeln vorgelegt. Die Sowjets haben
erklärt, sie stimmten prinzipiell mit
der Anzahl unserer Verifizierungserfordernisse überein, sie müssen aber
noch einige entscheidende Einzelheiten liefern. Außerdem hat sich bei
einigen der von den Sowjets bereits
dargelegten Details gezeigt, daß sie
weder eine Verifizierung garantieren,
noch das Vertrauen in ihre Einhaltung
herstellen können.
Es liegt jetzt bei der Sowjetunion, zu demonstrieren, ob sie unsere
Entschlossenheit teilt, einen Vertrag
über die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen zu schließen.
Ich rufe
die Sowjets ferner dazu auf, mit uns
ernsthaft zur Sache zu kommen, um
ebenfalls ein Abkommen über einen
fünfzig-prozentigen Abbau amerikanischer und sowjetischer strategischer
Waffen abzuschließen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
16. September 1987

32

WICHTIGSTE PROBLEMKREISE FÜR INF-ABKOMMEN SIND ABGEHANDELT
- Pressekonferenz mit Botschafter Paul Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans und Außenminister Shultz' Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Botschafter Paul Nitze, erklärte am 10. September auf einer Pressekonferenz zum Abschluß eines Treffens des Nordatlantikrates in Brüssel, alle wichtigen Problemkreise, die sich im Zusammenhang mit
den Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen (INF) ergeben haben, seien abgehandelt worden, Einzelheiten müßten aber noch erarbeitet werden. "Es gibt immer noch einige Punkte, denen die Sowjets zustimmen müssen, und unserer Ansicht nach haben sie einige künstliche Probleme aufgeworfen, die ausgeräumt
werden sollten. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß wir diese Probleme beilegen können, vorausgesetzt, die Sowjets wollen dies ebenfalls."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:
Botschafter
Nitze:
Guten Morgen.
Wir
sind
heute morgen
aus
Washington zurückgekehrt, wo wir erneut die Möglichkeit zu Konsultationen mit dem Nordatlantikrat hatten.
Dies
ist Teil eines fortlaufenden
Prozesses, den wir sehr schätzen: in
der Lage zu sein, mit dem Rat vor
Aufnahme wichtiger Verhandlungen mit
der Sowjetunion zu Konsultationen zusammenzutreffen.
Der
Außenminister
und der Präsident werden nächste Woche mit Herrn Schewardnadse zusammentreffen, und hier bietet sich für uns
die Gelegenheit, mit dem Rat alle unterschiedlichen Aspekte, insbesondere

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der
RüstungskontrollVerhandlungen,
aber auch der weitreichenden Tagesordnung von Herrn Shultz und Herrn
Schewardnadse zu prüfen.
Ich will
meine Ausführungen hier beenden, und
Sie sollten ihre Fragen stellen, auf
die ich dann nach bestem Wissen eingehen möchte.
Frage:
Können Sie uns sagen,
ob Sie noch besondere Stolpersteine
für ein INF-Abkommen sehen?
Könnten
Sie ferner jüngste optimistische Berichte aus Genf kommentieren, denen
zufolge ein START-Vertrag bis zum En-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�de des
könnte?

Jahres

abgeschlossen

werden

Antwort:
Was das
INF-Abkommen
angeht, bin ich der Ansicht, daß wir
wirklich alle wichtigen Probleme gelöst haben, die bei den INF-Verhandlungen aufkamen.
Ich glaube, angesichts der Tatsache, daß Herr Kohl
seine Erklärung abgegeben hat und angesichts der verschiedenen Schritte,
die wir unternommen haben, um den sowjetischen Bedingungen entgegenzukommen, sind alle wichtigen Problemkreise abgehandelt worden.
Es müssen
aber
noch
Einzelheiten
erarbeitet
werden. Wir sind bereit, so schnell
wie möglich Fortschritte zu erzielen,
und wir denken, daß wir uns darüber
im klaren sind, wie wir diese Fortschritte erreichen und ein konkretes
Abkommen in einer angemessenen Frist
aushandeln können, trotz des Arbeitspensums, das wir noch bewältigen müssen.
Aber dies hängt wirklich von
den Sowjets ab. Es gibt immer noch
einige Dinge, denen die Sowjets zustimmen müssen, und unserer Ansicht
nach haben sie einige künstliche Probleme
aufgeworfen,
die
ausgeräumt
werden sollten. Wir sind jedoch optimistisch, daß wir diese beilegen
können, vorausgesetzt, die Sowjets
wollen dies ebenfalls.
Im Hinblick
auf START sind ebenfalls erhebliche
Fortschritte
erzielt worden.
Wenn
die Sowjets ein START-Abkommen wünschen, kann man sich sehr leicht vorstellen, wie die
Hauptbestimmungen
eines solchen Abkommens aussehen würden.
Bei vielen Problemkreisen sind
wir nicht sehr weit voneinander entfernt.
Aber es gibt bestimmte Probleme, die gelöst werden müssen, wenn
wir ein lohnendes Abkommen schließen
wollen, und das sind primär die Untergrenzen, zu denen wir seit langem
um die Zustimmung der Sowjets ringen.
Wir glauben, daß diese Untergrenzen
unbedingt notwendig sind, um sicher-

-2

zugehen, daß ein START-Abkommen die
Stabilität
tatsächlich
erhöhen und
nicht verringern soll.
Verringerungen sind gut und schön und sicher
wünschenswert. Aber sie müssen sich
auf die richtigen Systeme beziehen,
um zu gewährleisten, daß eine erhöhte
Stabilität aufrechterhalten wird und
daß nichts getan wurde, das die Risiken eher erhöhen als verringern würde. Und diese Dinge müssen wir mit
der Sowjetunion lösen. Aber wir sind
nicht so weit von ihnen entfernt,
vorausgesetzt, sie kommen uns etwas
entgegen.
Frage:
Sie haben erwähnt, die
Sowjets hätten
künstliche
Probleme
geschaffen.
Ich weiß nicht, ob ich
Sie richtig verstanden habe - handelt
sich hier um neu aufgeworfene Probleme?
In diesem Zusammenhang würde
ich gern Ihre Meinung zu Erklärungen
hören, die Herr Karpow erst kürzlich
in einer Tageszeitung
zu den Gefechtsköpfen
der
Pershing-Raketen,
der Zerstörung dieser Gefechtsköpfe,
abgegeben hat. Können Sie etwas dazu
sagen, ob es sich dabei um einen
Stolperstein
oder
ein
künstliches
Problem handelt?
Antwort:
Offen gesagt bin ich
nicht der Ansicht, daß die im Hinblick auf die deutschen Pershing 1A
aufgeworfenen
Probleme
künstlich
sind.
Ich glaube, Herr Kohl hat
jetzt angekündigt, daß die Deutschen
die Pershing 1A nicht modernisieren,
sondern vielmehr die Raketensysteme
und die Abschußvorrichtungen zerstören und beseitigen werden, wenn die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein INF-Abkommen schließen und
dieses
Abkommen
auch
durchführen.
Ich glaube, damit ist dieses Problem
erledigt. Aber die Sowjets bestehen
darauf, daß auf irgendeine Art und
Weise mehr getan wird. Sie bestehen
darauf, daß die bilateralen Verhand-

�lungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf die deutschen Pershing 1A Bezug nehmen. Wir
haben seit Jahren die unbeirrbare Position
vertreten,
bei
bilateralen
Verhandlungen zwischen den vereinigten Staaten und der Sowjetunion keine
Drittstaatensysteme zu behandeln, und
wir werden die bestehenden Strukturen
der
Zusammenarbeit
mit Verbündeten
nicht ändern.
Aber ich sehe keinen
Sinn in der derzeitigen Äußerung weiterer Bedenken durch die Sowjets,
nachdem
ihre
mögliche
Hauptsorge
durch die Erklärung von Herrn Kohl
ausgeräumt wurde.
Was die Zerstörung von Gefechtsköpfen angeht, glaube ich, daß es
sich hierbei um ein völlig falsches
Problem handelt. Die Sowjets wollen
sicher genausowenig wie wir, daß die
andere Seite sich unsere Bomben und
die Konstruktion der
Gefechtsköpfe
ansieht. Keine der beiden Seiten hat
jemals die Position vertreten, daß
man die eigentlichen
Gefechtsköpfe
zerstören wollte. Man würde also die
Raketen zerstören und damit gewährleisten, daß sie nicht zum Zweck der
Bewaffnung von INF-Raketen und SRINFRaketen verwendbar sind.
Daher bin
ich der Ansicht, daß es sich hierbei
um ein falsches Problem handelt.
Frage:
Wie
ich weiß,
werden
Sie von hier nach Bonn fahren. Tun
Sie das, um sich bei Bundeskanzler
Kohl zu bedanken oder um zu versuchen, einige der andauernden, in der
Bundesrepublik immer noch geäußerten
Sorgen
über
das
INF-Abkommen, zu
dämpfen?
Antwort:
Nein, es handelt sich
hier um eine meiner regulären Gepflogenheiten, wenn ich zu den Treffen
des Nordatlantikrates gehe. Ich bin
sehr häufig - ich glaube sogar, fast
immer - nach Bonn gegangen, um meine

Freunde dort aufzusuchen.
Die speziellen Probleme, die derzeit mit der
Sowjetunion ausgehandelt werden, betreffen sie in diesem Fall ganz besonders, und ich möchte mit ihnen
gerne am Rande der Beratungen des
Nordatlantikrates Konsultationen aufnehmen.
Frage:
Verstehe ich Sie richtig, wenn ich sage, daß im Falle einer Zerstörung der deutschen Startvorrichtungen im Anschluß an ein INFAbkommen dies bedeuten würde, daß die
Sprengköpfe logischerweise - um nicht
zu sagen, konseguenterweise - von
deutschem Boden abgezogen würden?
Antwort:

Das ist richtig.

Frage:
Ich würde mich freuen,
wenn Sie über das bevorstehende Treffen zwischen Herrn Shultz und Herrn
Schewardnadse zum Thema Mittelstrekkenwaffen einige weitere Details nennen und uns sagen könnten, ob sie immer noch einige zentrale politische
Probleme in bezug auf die Mittelstreckenwaffen lösen müssen. Könnten
Sie uns ferner einen kleinen Überblick über die ungefähre Tagesordnung
geben, von der Sie sprachen?
Antwort:
Im Hinblick auf INF
gibt es immer noch eine Vielzahl von
Problemen, die detailliert ausgearbeitet werden müssen. Eines hiervon
ist natürlich die Frage der Überwachung, also der Verifizierung.
Und
der größte Teil dieser Arbeit muß von
den beiden Delegationen in Genf erledigt werden, aber ich bin sicher, daß
Herr Shultz und Herr Schewardnadse
dieses Problem in ihren Diskussionen
ebenfalls ansprechen werden.
Hinzu
kommt das Problem des Zeitplans bei
der Beseitigung der Mittelstreckenraketen auf beiden Seiten. Ich glaube,
Herr Shultz und Herr Schewardnadse
werden dieses Thema ganz zweifellos

- 3 -

�diskutieren wollen.
Ihre Frage bezog sich meines Erachtens insbesondere auf die Mittelstreckenwaffen.
Natürlich
ist die
Tagesordnung
für die
Zusammenkunft
zwischen
Herrn
Shultz
und
Herrn
Schewardnadse viel breiter angelegt.
Wie ich schon zuvor erläutert habe,
werden die Gespräche wie gewöhnlich
ablaufen. Dieses Mal wird die Tagesordnung
aus vier Teilen bestehen:
der Frage nach den Menschenrechten,
den regionalen Problemen, bilateralen
Fragen und schließlich der Rüstungskontrollproblematik.
Frage:
Sie haben die Verbündeten über all diese von Ihnen erwähnten Themen konsultiert, einschließlich der Menschenrechte und der regionalen Probleme, die auch Afghanistan und möglicherweise den Golf oder
den Mittleren Osten umfassen. Können
Sie uns ein wenig darüber berichten,
was sie den Verbündeten mitteilten
und welche Antworten Sie erhielten?
Antwort:
Die
meisten
Diskussionen heute Morgen bezogen sich auf
Rüstungskontrollfragen.
Wir
haben
primär die Themen Mittelstreckenwaffen, die START-Verhandlungen, und die
Verteidigung
im Weltraum
erörtert.
Die
Menschenrechtsproblematik
und
auch der Mittlere Osten wurde kurz
erwähnt, heute Morgen aber nicht detailliert diskutiert.

findet.
Es könnte angesprochen werden, aber ich weiß nicht, ob dies
tatsächlich der Fall sein wird.
Frage:
Könnten sie einige Andeutungen machen, wie aus Ihrer Sicht
der derzeitige Zeitplan für ein mögliches INF-Abkommen aussieht?
Antwort:
Wir
würden gerne so
schnell wie möglich Fortschritte sehen, aber wie schnell dies der Fall
ist - wie ich bereits erläutert habe,
bleibt noch eine Menge Arbeit zu tun.
Es gibt noch einige politische Probleme, bei denen ich die Hoffnung habe, daß sie verhältnismäßig zügig gelöst werden können. Es handelt sich
hierbei um wesentliche Probleme, die
wir hier schon erörtert haben. Aber
wenn es wirklich um die Ausarbeitung
der vollständigen Details des Vertrages geht, der für beide Seiten annehmbar ist, wird noch viel Arbeit
erforderlich sein. Die beiden Delegationen haben an einem gemeinsamen
Textentwurf gearbeitet und versuchen,
diesen
fertigzustellen.
Aber
es
bleibt noch eine Menge Feinarbeit zu
tun. Es ist mir daher unmöglich, genau vorherzusagen, wann all dies unter Dach und Fach sein wird.

* * * * *

Frage:
Glauben
Sie, daß
bei
der Besprechung von regionalen Konflikten das Thema Cypern angeschnitten wird, und könnte dies ein Thema
sein, bei dem sich beide Seiten auf
vergleichbare
Aktionen
verständigen
könnten?

Der NATO-Pressedienst veröffentlichte die folgende Presseerklärung
im Anschluß an das Treffen des Nordatlantikrates:

Antwort:
Mir
ist
nicht
bekannt, daß sich dieses Thema auf
der Tagesordnung der Diskussionen be-

Botschafter Paul Nitze, der ranghöchste
Rüstungskontrollberater
Präsident Reagans, und drei amerika-

- 4

PRESSEERKLÄRUNG

i

�nische
Rüstungskontroll-Unterhändler
aus Genf haben heute den Nordatlantikrat über die jüngste Entwicklung
bei den Verhandlungen und Vorbereitungen für das kommende Woche stattfindende Treffen zwischen Außenminister Shultz und dem sowjetischen Aussenminister Schewardnadse in Kenntnis
gesetzt.
NATO-Generalsekretär
Lord
Carrington erklärte zum Abschluß der
heutigen Beratungen im Nordatlantikrat:
Ich bin sicher, der Rat wird mir
zustimmen, wenn ich Botschafter Nitze, der eine besondere Reise aus
Washington angetreten hat, und den
drei amerikanischen Unterhändlern aus
Genf Dank und Anerkennung ausspreche.
Seit den letzten Konsultationen mit
amerikanischen
Unterhändlern
sind
viele Fortschritte in Richtung auf
ein Abkommen erzielt worden, durch
das die nuklearen Mittelstreckenraketen nicht nur aus Europa, sondern
weltweit beseitigt würden.
Das Treffen zwischen Außenminister Shultz und dem sowjetischen Aussenminister Schewardnadse in der kommenden Woche wird zeigen, ob ein solches INF-Abkommen jetzt in Reichweite
ist.
Aus unseren Diskussionen vom
heutigen Morgen schließe ich,daß Aussenminister Shultz die Gespräche mit
der vollen Unterstützung des Bündnisses fortführen wird.

- 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regierung übergibt Kongress Bericht über ABM&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung einer Studie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Amerikanischer INF-Vorschlag hat schärfste&lt;br /&gt;Überprüfungsbestimmungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Reagen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtigste Problemkreise für INF-Abkommen sind abgehandelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit Botschafter Paul Nitze&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

23. September 1987

33

INHALT

DOKUMENTATION
Aussichten für bessere Amerikanisch-Sowjestische Beziehungen
ermutigend
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinigten Nationen Abkommen über Zentren zur Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges
unterzeichnet
- Erklärung von Reagan und Schewardnadse Reagan: Amerikanische Verfassung bringt friedliche Revolution hervor
- Proklamation des Präsidenten Reagan: Amerika braucht tatkräftige und informierte Bürger
- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag Supermächte erzielen Grundsatzvereinbarung über INF
- Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse HINTERGRUNDMATERIAL

INF-Abkommen hat keinen Einfluss auf flexible Reaktion der NATO
- Artikel über Anhörung im Senat -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

23. September 1987

33

AUSSICHTEN FÜR BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN ERMUTIGEND
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinten Nationen

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In seiner anläßlich der 42. Sitzung der Generalversammlung der vereinten Nationen gehaltenen Rede erklärte Präsident
Reagan am 21. September, geduldige Diplomatie könne zu einer Welt beitragen,
in der sowohl Frieden als auch Freiheit gedeihen und die Vereinigten Staaten
seien "durch neue Aussichten auf eine Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses ermutigt".
Der Präsident verwies darauf, daß es zwischen Washington und Moskau wahrscheinlich immer Meinungsverschiedenheiten geben werde, daß dies "uns jedoch
eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege aufzuzeigen (...)
und der Welt
die Möglichkeit friedlicher Lösungen für politische Probleme zu geben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste und Delegierte, ich möchte zunächst den von seiner Friedensmission in den Mittleren
Osten zurückgekehrten Generalsekretär
willkommen
heißen.
Hunderttausende
sind bereits in dem blutigen Kampf
zwischen Iran und Irak gefallen. Alle Menschen, die das Gute lieben,
werden dafür beten, daß dieses Blutbad bald ein Ende findet. Wir wünschen uns, daß der Generalsekretär
nicht nur ein Reisender in Sachen
Frieden, sondern auch der Mitbegründer eines andauernden Friedens zwi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen diesen beiden Nationen sein
wird. Herr Generalsekretär, sie haben die volle Unterstützung der Vereinten Nationen.
Möge Gott Sie bei
Ihrer bevorstehenden Arbeit leiten.
Ebenso wie der
Generalsekretär
befinden sich die heute hier Versammelten auf einer Art Reise. Aus jedem Kontinent, von jeder Rasse und
aus fast allen Religionen kommen wir
in diesem großen Saal der Hoffnung
zusammen, um im Namen des Friedens
mit Diplomatie vorzugehen.
Diplomatie
ist natürlich ein schwieriges

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Handwerk mit vielen Schattierungen und dies so sehr, daß Diplomaten beim
Tode eines der listigsten Diplomaten
des 19. Jahrhunderts die Frage stellten:
"Was glauben Sie hat der alte
Fuchs damit gemeint?"
Aber wahre Führungsqualitäten als
Staatsmann erfordern nicht nur Geschick, sondern viel mehr - so etwas
wie Weitblick, der die Gegenwart und
die Möglichkeiten der Zukunft erfasst. ich bin heute hierher gekommen, um Ihnen meine eigene Sichtweise
der Zukunft dieser Welt darzulegen,
die, wie ich glaube, in ihren Grundzügen von allen Amerikanern geteilt
wird. Und ich hoffe, daß Andersdenkende es mir nicht übel nehmen, wenn
ich sage, wir in den vereinigten
Staaten glauben, der Ort, an dem man
zunächst mit der Gestaltung der Zukunft beginnen sollte, sei nicht auf
den Kontinenten und Meeren zu suchen
- obwohl Geographie natürlich eine
bedeutende Rolle spielt. Er befindet
sich auch nicht bei den nationalen
Reserven von Menschenleben und Maschinerie oder, auf der anderen Seite, auf dem finanziellen Sektor und
bei den Industriekapazitäten - obwohl
militärische
und
wirtschaftliche
Stärke natürlich entscheidend sind.
Wir beginnen mit etwas viel einfacherem und gleichzeitig viel tiefgreifenderem - dem Herzen der Menschen.
Auf der ganzen Welt lenkte das
Verlangen
des menschlichen
Herzens
die Richtung internationaler Politik
und straften den Mythos von Materialismus und historischem Determinismus
Lügen. Wir brauchen nur die Augen zu
öffnen, um die schlichten Hoffnungen
der Menschen wahrzunehmen, wie sie
unsere Zeit niederschreibt.
Im vergangenen Jahr waren es die
Menschen auf den Philippinen, die den
Geist der Demokratie wiederbelebt und

den Wahlprozeß neu eingeleitet haben.
Man sagt, sie hätten ein Wunder vollbracht, und wenn dies so ist, findet
gerade ein ähnliches Wunder - der
Übergang zur Demokratie - in der Republik Korea statt.
Haiti befindet
sich ebenfalls in der Ubergangsphase.
Manche
verzweifeln
angesichts
der
Konflikte oder Herausforderungen dieser
jungen, aufstrebenden
Demokratien, aber zunehmendes Leid gehört zu
jeder
Demokratie.
Die Vereinigten
Staaten haben es gespürt - wie auch
jede andere Demokratie auf der Erde.
Auch in Lateinamerika sind die
Stimmen der Freiheit zu vernehmen.
Es ist das Lied des nicht in Uniform
oder militärisch in Reih und Glied
marschierenden
Volkes, sondern
des
Volkes, das sich in seiner einfachen
Arbeitskleidung zu den Wahlen begibt.
Vor zehn Jahren lebte nur ein Drittel
der
Bevölkerung
Lateinamerikas und
der Karibischen Inseln in Demokratien
oder in Ländern, die sich im Ubergangsstadium befanden. Heute sind es
90 Prozent.
Aber diese weltweite Hinwendung
zur Demokratie ist nicht der einzige
Weg, auf den uns einfache Menschen uns, die wir als Gestalter der Geschichte bezeichnet werden - in die
Zukunft führen. Auf der ganzen Welt
entstehen
neue
Unternehmen,
neues
Wirtschaftswachtum und neue Technologien
in den Werkstätten einfacher
Menschen mit außergewöhnlichen Träumen.
Hier in den Vereinigten Staaten
hat der - durch Steuererleichterungen
und den Abbau von Vorschriften - wiederbelebte Unternehmergeist dem gegenwärtigen Wirtschaftswachstum neuen
Auftrieb verliehen.
Wissenschaftlern
am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zufolge entstanden dreiviertel der seit dem Beginn unseres

�Aufschwungs
geschaffenen
mehr
als
13,5 Millionen neuen stellen in unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten - Unternehmen, die von
Menschen gegründet wurden, die ein
Risiko auf sich genommen haben. Und
vieles im Bereich unserer neuen Hochtechnologie wurde zuerst in den Garagen
aufstrebender
Jungunternehmer
entwickelt.
Aber Amerika ist weder
das einzige noch das beste Beispiel
für die Dynamik und die Träume, die
eine Befreiung der Märkte Wirklichkeit werden läßt.
In Indien und China haben freiere
Agrarmärkte zu einer Produktionsexplosion geführt.
In Afrika überdenken die Regierungen ihre Politik, und
wo sie den Bauern größere wirtschaftliche Freiheiten einräumen, hat sich
die
Getreideproduktion
erhöht.
Gleichzeitig haben in den Schwellenländern des pazifischen Raums freie
Märkte auf dem Dienstleistungs- und
Fertigungssektor sowie im Bereich der
Landwirtschaft zu erhöhtem Wachstum
und einem besseren Lebensstandard geführt.
Die
ASEAN-Länder,
Japan,
Korea und Taiwan, haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein wahres
Wirtschaftswunder vollbracht, und in
jedem dieser Länder ging die magische
Kraft von den Menschen aus, die als
Unternehmer erfolgreich waren.
In Lateinamerika
wird
dieselbe
Lektion der freien Märkte, besseren
Möglichkeiten und des Wachstums gelernt und angewandt. Der brasilianische Staatspräsident Sarney hat für
viele andere gesprochen, als er sagte:
"privatinitative
ist die Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung, in Brasilien haben wir gelernt, daß mit jedem Mal, mit dem der
Staat
zunehmend
in die Wirtschaft
eingreift, unsere Freiheit abnimmt".
Eine Politik, die die Träume der Menschen Wirklichkeit werden läßt, fin-

det also auf der ganzen Welt Verbreitung. Von Kolumbien über die Türkei
bis hin zu Indonesien senken Regierungen die Steuern, überprüfen ihre
Vorschriften und eröffnen Initiativen
neue Möglichkeiten.
In den Sälen dieses Gebäudes wurde viel über das "Recht auf Entwicklung" gesprochen. Aber es tritt immer klarer zutage, daß Entwicklung
selbst kein Recht ist. Sie ist ein
Produkt von Rechten - des Rechts auf
Eigentum, des Rechts auf den freien
Warenumschlag, auf Vertragsabschlüsse, des Rechts auf Befreiung
von
überhöhten
Steuern,
übertriebenen
Vorschriften und zuviel Regierungsgewalt.
Untersuchungen haben gezeigt,
daß in Staaten mit geringeren Steuern
ein größeres Wachstum hervorgebracht
wird als in solchen mit hohen Steuersätzen.
Das Phänomen der "schwarzen Wirtschaft" ist uns allen bekannt.
Der
Wissenschaftler Hernando de Soto und
seine Kollegen haben die Situation
eines Landes - Perus - untersucht und
ein Wirtschaftssystem der Armen beschrieben, das erdrückende
Steuern
und Vorschriften umgeht. Diese "inoffizielle Wirtschaft", wie sie von
den Wissenschaftlern
genannt wird,
ist der Hauptlieferant vieler Güter
und Dienstleistungen und oftmals die
einzige Möglichkeit zum Aufstieg. in
der Hauptstadt organisiert sie den
öffentlichen Nahverkehr und fast alle
Straßenmärkte. Und die Wissenschaftler kommen zu dem Schluß, daß dank
der inoffiziellen Wirtschaft "die Armen arbeiten und reisen können und
ein Dach über dem Kopf haben". sie
hätten hinzufügen können, daß die Armen durch ihre Tätigkeit als oder für
schwarze Unternehmer weniger arm geworden sind und die Nation selbst
reicher geworden ist.

- 3 -

�Die Anhänger dirigistischer Lösungen für die Entwicklung sollten
sich merken, daß der freie Markt den
anderen Weg zu einer Entwicklung eröffnet und zwar den einzig richtigen.
Es ist der Weg des Volkes. und im
Gegensatz zu anderen Wegen führt er
zum Ziel.
Hier ist meiner Ansicht
nach der Plan für die Zukunft der
Welt zu finden - in den Herzen der
Menschen, ihren Hoffnungen für sich
selbst und ihre Kinder, in ihren
Nachtgebeten und denen ihrer Familien.
Diese einfachen Menschen beherrschen die Erde, sie sind die wahren Erbauer der Welt und gestalten
die vor uns liegende Zukunft.
und
wenn sie letztlich triumphieren, was
sie meiner Ansicht nach tun werden,
werden wir schließlich eine Welt der
Demokratie kennenlernen - eine Welt,
in der
der
Geist der
Menschheit
schließlich die altbekannten Feinde
von Hunger, Krankeit, Tyrannei und
Krieg besiegt.

Tages ihre Schwerter zu Pflugscharen
macht, die Hoffnung auf den Frieden.
In keinem Teil der Erde braucht
der Frieden heute mehr Freunde als im
Mittleren Osten.
Dort wächst die
Sehnsucht der Menschen nach Frieden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin den Parteien ein aktiver Partner bei ihren Bemühungen sein, zusammenzufinden, um ihre Differenzen beizulegen und einen gerechten und dauerhaften Frieden aufzubauen.
Dieser Monat erinnert an den Beginn des Krieges zwischen Iran und
Irak vor acht Jahren. Vor zwei Monaten hat der Sicherheitsrat eine verbindliche
Resolution
verabschiedet,
die einen Waffenstillstand, Rückzug
der Truppen und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges fordert.
Die
Vereinigten Staaten unterstützen die
Durchführung der Resolution 598 ebenso sehr wie wir die jüngste Mission
des
Generalsekretärs
unterstützen.
Wir haben die Annahme der Resolution
durch den Irak begrüßt und sind weiterhin enttäuscht über die mangelnde
Breitschaft des Iran, diese zu akzeptieren.

Dies ist meine Vision und Amerikas Vision. Ich weiß, daß einige in
diesem
Saal vertretene
Regierungen
anderer
Auffassung
sind.
Manche
glauben nicht an Demokratie oder an
politische, wirtschaftliche und religiöse Freiheit.
Einige glauben an
Diktatur - eines Mannes, einer Partei, Klasse, Rasse oder einer Führungselite.
Diesen Regierungen will
ich nur sagen, daß der Preis für Unterdrückung klar ist.
Ihre Volkswirtschaften werden immer mehr zurückfallen. Ihr Volk wird immer unruhiger werden. ist es nicht besser,
jetzt den Hoffnungen des Volkes Gehör
zu schenken als später
ihre Verwünschungen anhören zu müssen?

Ich
weiß,
daß
der
iranische
Staatspräsident morgen zu Ihnen darüber sprechen wird.
Ich möchte ihn
bei dieser Gelegenheit klar und unzweideutig auffordern, sich dazu zu
äußern, ob der Iran 598 akzeptiert
oder nicht. Wenn die Antwort positiv
ausfällt, wäre dies ein willkommener
Schritt und ein wichtiger Durchbruch.
Wenn sie negativ ausfällt, bleibt dem
Rat keine Wahl als die Verabschiedung
von Zwangsmaßnahmen.

Und dennoch besteht trotz unserer
Verschiedenartigkeit eine gemeinsame
Hoffnung, die uns alle auf diese gemeinsame Reise geschickt hat - die
Hoffnung, daß die Menschheit eines

Seit vierzig Jahren haben die
Vereinigten Staaten ihr lebenswichtiges Interesse an der Sicherheit im
Persischen Golf und in den angrenzenden Ländern klar herausgestellt. Die

�dort befindlichen ölvorräte sind für
die Volkswirtschaften der freien Welt
von
strategischer
Bedeutung.
Wir
setzen uns für den freien Verkehr
dieses Öls ein sowie dafür, daß die
Vorherrschaft
jedweder
feindlichen
Macht in der Region verhindert wird.
Wir streben keine Konfrontation
mit dem Iran oder irgendjemand anders
an. Unser Ziel besteht darin - und
es hat zu jedem Zeitpunkt darin bestanden - ein Mittel zu finden, um
den Krieg ohne Sieger und Besiegte zu
beenden. Die zunehmende Präsenz unserer Marine im Golf stellt keine
Parteiergreifung für die eine oder
andere Seite dar. Es ist eine Reaktion auf die erhöhten Spannungen und
eine Folge der Konsultationen mit unseren Freunden in der Region. Wenn
die Spannungen abnehmen, werden wir
auch unsere Präsenz abbauen.
Die Vereinigten Staaten sind mit
vielen
diplomatischen
Entwicklungen
der jüngsten Zeit zufrieden - der
einstimmigen Verabschiedung von Resolution 598, der Stellungnahme der
Arabischen Liga bei ihrem jüngsten
Treffen in Tunis und dem Besuch des
Generalsekretärs.
Trotzdem gibt es
weiterhin Probleme.
Die Sowjetunion hat bei der Ausarbeitung
und der Erzielung einer
Übereinkunft zu Resolution 598 Unterstützung geleistet.
Aber außerhalb
des Sicherheitsrates haben sich die
Sowjets anders verhalten.
Sie haben
den Abzug unserer Marine aus dem Golf
gefordert, obwohl sie seit 40 Jahren
dort präsent ist. Sie haben die falsche Anschuldigung erhoben, daß die
Vereinigten Staaten - und nicht der
Krieg selbst - auf irgendeine Weise
die Quelle der Spannungen im Golf
sind. Solche Behauptungen sind wenig
hilfreich.
Sie lenken die Aufmerksamkeit von der sich uns stellenden

Herausforderung
Krieges.

ab

-

dem

Ende

des

Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Sowjets gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates ernsthaft ein Ende des Konfliktes
anstreben werden, der niemals hätte
beginnen dürfen, seit langem beendet
sein sollte und inzwischen zu einer
der größten Tragödien der Nachkriegszeit geworden ist.
In einer anderen Region beobachten wir die andauernde sowjetische
Besetzung
Afghanistans.
Nach
fast
acht Jahren, einer Million Opfern,
fast vier Millionen ins Exil gezwungenen Menschen und heftigeren Kämpfhandlungen als jemals zuvor ist es
jetzt an der Zeit, daß die Sowjets
abziehen.
Das
afghanische
Volk
muß
das
Recht erhalten, seine eigene Zukunft
frei von ausländischem Zwang selbst
zu bestimmen.
Es gibt keine Entschuldigung für die Fortführung eines
brutalen Krieges oder die Einsetzung
eines Regimes, dessen Tage zweifelsohne gezählt sind.
Dieses Regime
bietet politische Vorschläge an, die
nur scheinbar Kompromisse sind, in
Wirklichkeit jedoch die Fortdauer der
Macht des Regimes sichern würden.
Solche Vorschläge haben die wichtigste Probe nicht bestanden: sie sind
vom afghanischen Volk zurückgewiesen
worden.
Die
Widerstandsbewegung
wird mit jedem Tag stärker. Sie ist
bei der Suche nach einer auf dem Verhandlungswege zu erzielenden Lösung
eine unentbehrliche Partei.
Die Völkergemeinschaft muß weiterhin
auf echter
Selbstbestimmung
beharren - auf unverzüglichem und
vollständigem sowjetischen Truppenabzug und der sicheren und ehrenvollen
Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Hei-

- 5 -

�mat. Es könnte der Versuch unternommen werden, in diesem Jahr einige wenige Länder zu einem geänderten Abstimmungsverhalten bewegen zu wollen,
aber ich bin davon überzeugt, daß
dieses Gremium wie in allen vorherigen Jahren mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit und Freiheit des afghanischen Volkes stimmen
wird.
Wir
haben
Generalsekretär
Gorbatschows
Bereitschaftserklärung
zum Truppenabzug zur Kenntnis genommen.
Im April habe ich die Sowjetunion aufgefordert, ein Datum in diesem Jahr für den Beginn des Abzugs zu
bestimmen. Ich wiederhole diese Forderung jetzt vor diesem Friedensforum. Sobald die Sowjetunion überzeugende Beweise für ihre Bereitschaft
zu einer echten politischen Beilegung
des Konflikts vorbringt, werden die
Vereinigten Staaten unverzüglich behilflich sein. Dies kann ich Ihnen
versichern.
Lassen Sie mich in dieser Angelegenheit eine abschließende Bemerkung
anführen.
Ungeachtet des ungeheuren
Drucks und der Einschüchterung, denen
sich Pakistan gegenübersah, hat es
afghanischen
Flüchtlingen
Zuflucht
gewährt.
Wir sind von Hochachtung
für den Mut Pakistans und des pakistanischen Volkes erfüllt.
Es verdient unsere volle Unterstützung.
Wie wir alle wissen, erschüttert
ein weiterer regionaler Konflikt Zentralamerika: Nicaragua.
An die heute hier anwesende sandinistische Delegation wende ich mich
mit den Worten:
Ihr Volk kennt den
wahren Charakter Ihres Regimes. Ihr
Volk mußte erleben, wie seine Freiheit unterdrückt wurde. Es mußte erleben, wie die Versprechungen von
1979 unerfüllt blieben. Es mußte er-

leben, daß die Reallöhne und Einkommen seit 1979 um die Hälfte - ja, in
der Tat um die Hälfte - gekürzt wurden, während sich Ihre Parteielite
einem Leben voller Privilegien und
Luxus hingibt.
Aus diesem Grund sehen Sie sich,
trotz der - alleine im vergangenen
Jahr - von sowjetischer Seite geleisteten Hilfe in Höhe von 1 Milliarde
Dollar und trotz der größten und am
besten ausgerüsteten Armee in Zentralamerika im eigenen Land mit einer
Volksrevolution
konfrontiert.
Aus
diesem Grund ist der demokratische
Widerstand in der Lage, tief im Innersten Ihres Landes ungehindert zu
operieren.
Aber
diese
Revolution
sollte keine Überraschung
für Sie
sein, denn es ist die Revolution, die
Sie dem Volk versprochen hatten, dem
Volk, an dem Sie dann verrat begangen
haben.
Das ziel der amerikanischen Politik in Nicaragua ist eindeutig.
Es
deckt sich mit dem Ziel des nicaraguanischen Volkes und der Freiheitskämpfer:
Demokratie - echte, freie,
pluralistische, konstitutionelle Demokratie.
Sie müssen begreifen, daß
weder wir noch die Völkergemeinschaft
eine "Scheindemokratisierung" akzeptieren werden, die darauf ausgerichtet ist, die Fortsetzung der Diktatur
zu verschleiern.
Dieses zweihundertste Jahr unserer eigenen Verfassung begehen wir in
dem Bewußtsein, daß echte Demokratie
von den Schutzvorrichtungen institutioneller Strukturen abhängt, die eine
Machtkonzentration
verhindern.
Das ist es, womit Rechte gesichert
werden. Die vorübergehende Lockerung
von Kontrollen - die später wieder
verschärft werden können - ist keine
Demokratisierung.

�Wiederum an die Sandinisten gerichtet, sage ich: Wir geben unsere
Hoffnung
nicht auf, daß Nicaragua
Teil des wahren demokratischen Wandels wird, den wir im Verlauf dieses
Jahrzehnts in ganz Zentralamerika beobachten konnten.
Unseren uneingeschränkten Beifall finden die im Abkommen
von
Guatemala
verankerten
Grundsätze, mit denen die Sicherheit
der zentralamerikanischen Demokratien
an demokratische Reformen in Nicaragua gekoppelt wird. Jetzt ist es für
Sie an der Zeit, die Militärmaschinerie zu verschrotten, die Ihre Nachbarn bedroht und Ihr eigenes Volk angreift.
Sie müssen ihre Unterdrükkung der politischen Aktivitäten im
Inland aufheben.
sie müssen freie
und gerechte Nationalwahlen abhalten.
Die Medien müssen wirklich frei sein
und nicht durch indirekte Maßnahmen
wie die Verweigerung von Zeitungspapier oder Bedrohung von Journalisten
und deren Familien zensiert oder eingeschüchtert oder lahmgelegt werden.
Exilanten muß die Rückkehr gestattet
werden, damit sie in ihrem Land ihre
Religion ausüben, leben, arbeiten und
sich politisch organisieren können.
Dann erst, wenn die religiöse Verfolgung beendet und in den Gefängnissen
nicht länger politisch Gefangene inhaftiert sein werden, wird nationale
Aussöhnung
und
Demokratie
nu'glich
sein.
Solange
dies
nicht
geschieht,
wird
"Demokratisierung" ein Betrug
bleiben.
Und
bis dies geschieht,
werden wir auf echte Demokratie drängen, indem wir diejenigen unterstützen, die dafür kämpfen.
Freiheit
in Nicaragua, Angola,
Afghanistan, Kambodscha, Osteuropa,
Südafrika oder sonstwo auf der Welt
ist nicht nur eine innenpolitische
Angelegenheit. Vor einiger Zeit hat
der tschechische Schriftsteller und

Regimekritiker Wazlaw Hawel die Welt
mit den Worten gewarnt: "Die Respektierung der Menschenrechte ist die
Grundvoraussetzung und einzig wahre
Garantie
für
den
Frieden".
Und
Andrej Sacharow erklärte in seiner
Ansprache
anläßlich
der
Verleihung
des Friedensnobelpreises:
"Ich bin
davon überzeugt, daß internationales
Vertrauen, gegenseitiges Verständnis,
Abrüstung und internationale Sicherheit ohne eine auf Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, das Recht zu
veröffentlichen, zu reisen und das
Land zu wählen, in dem man leben
möchte,
gegründete
offene
Gesellschaft undenkbar sind."
Freiheit dient dem Frieden.
Das
Streben nach Frieden muß der Sache
der Freiheit dienen.
Geduldige Diplomatie kann zu einer Welt beitragen, in der Frieden und Freiheit gedeihen können. Wir fühlen uns durch
neue Aussichten auf eine Verbesserung
der Ost-West-Beziehungen und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen
Verhältnisses ermutigt.
In der vergangenen Woche kam der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse zu Gesprächen mit mir
und Außenminister Shultz in Washington zusammen.
Wir haben die ganze
Bandbreite der Themen diskutiert, bis
hin zu den fortgesetzten Bemühungen,
erstmalig einschneidende Reduzierungen bei den Nuklearwaffen auf amerikanischer und sowjetischer Seite zu
erzielen. Zum Beispiel habe ich bereits vor sechs Jahren die "Null-Lösung" für amerikanische und sowjetische Nuklearraketen
längerer
und
mittlerer
Reichweite
vorgeschlagen.
Ich bin sehr erfreut, daß wir nun
grundsätzliche
Einigung
über
einen
wahrhaft historischen Vertrag erzielt
haben, mit dem eine ganze Kategorie
von Nuklearwaffen auf amerikanischer
und sowjetischer Seite abgebaut wird.

- 7 -

�Ferner haben wir uns auf eine Intensivierung unserer diplomatischen Bemühungen in allen Bereichen von gegenseitigem Interesse geeinigt.
Mit diesem Ziel vor Augen werden
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse in einem Monat wiederum
in Moskau
zusammenkommen, und ich
werde mich in diesem Herbst erneut
mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wir haben noch immer Meinungsverschiedenheiten,
die
wahrscheinlich
stets bestehen bleiben werden. Aber
dadurch wird uns eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege - realistische Wege - aufzuzeigen, mit denen
unser
Konkurrenzkampf
ausgewogener
gestaltet werden könnte und mittels
derer wir der Welt ein konstruktives
Beispiel des unschätzbaren Wertes der
Kommunikation und der Möglichkeit zu
friedlichen Lösungen für politische
Probleme geben können.
In diesem Zusammenhang möchte ich
hinzufügen, daß wir mit unserer Strategischen
Verteidigungsinitiative
versuchen, einen Weg zur Bewahrung
des Friedens zu schaffen, indem wir
uns bei der Abschreckung auf Verteidigung - und nicht Angriff - stützen
und dafür eintreten, ballistische Raketen eines Tages zu verschrotten.
SDI hat die Aussichten auf echte Waffenreduzierungen
entscheidend
vergrößert.
SDI bildet einen wesentlichen Bestandteil unserer Bestrebungen
zur Gewährleistung
einer Welt mit
mehr Sicherheit und eines stabileren
strategischen Gleichgewichts.
Wir werden das Ziel der Waffenreduzierungen stets verfolgen, insbesondere das Ziel, auf das sich der
Generalsekretär und ich geeinigt haben - einen 50prozentigen Abbau unserer strategischen Nuklearwaffen. Wir
- 8

werden die Sowjets weiterhin zu einem
konstruktiveren
Verhalten
bei
der
Beilegung regionaler Konflikte drängen. Wir hoffen auf die Einhaltung
der Abkommen von Helsinki durch die
Sowjets.
Wir
hoffen
auf
größere
Freiheit für das sowjetische Volk in
seinem eigenen Land und auf vermehrten Austausch zwischen den Menschen
in ihren und unserem Land sowie die
tatsächliche Anerkennung
der
Freiheitsrechtes durch die Sowjets.
Wir sehen der Zeit entgegen, in
der die Dinge, die wir heute als
Quelle von Spannungen und sogar Gefahr ansehen, für die Zusammenarbeit
zwischen uns und der Sowjetunion beispielhaft werden können. So habe ich
zum Beispiel Zusammenarbeit beim Abbau der Schranken zwischen Ost und
West in Berlinund im weiteren Sinne
in ganz Europa vorgeschlagen. Lassen
Sie uns gemeinsam ein Europa schaffen, in dem Gewalt oder die Androhung
von Gewalt, etwa in Form von Mauern
oder Gewehren, nicht länger ein Hindernis für die freie Wahl des Einzelnen und ganzer Nationen darstellen.
Ich habe ferner von der Sowjetunion
offenere Informationen über ihre militärische Stärke, Politik und Programme gefordert, so daß unsere Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen
mit größerem Vertrauen
fortgeführt
werden können.
Wir hören viel über den Wandel,
der sich in der Sowjetunion vollzieht. Wir sind an diesem Wandel ausserordentlich interessiert. Wir vernehmen das Wort "Glasnost", das mit
"Offenheit" übersetzt wird.
Im Englischen ist "Offenheit" ein weitgefaßter Begriff. Er bedeutet freien,
ungehinderten Austausch von Informationen, Gedanken und Menschen.
Er
beinhaltet politische und intellektuelle Freiheit in all ihren Dimensionen. Wir hoffen, zum Wohle der Men-

�sehen in der UdSSR, daß sich ein solcher Wandel vollziehen wird. Und wir
hoffen, zum Wohle der Sache des Friedens, daß er eine Außenpolitik mit
sich bringt, dank derer die Freiheit
und Unabhängigkeit anderer Völker geachtet wird.
Kein Ort könnte besser für Friedensdiskussionen
geeignet
sein als
dieser Saal. Der erste Generalsekretär, Trygve Lie, sagte über die Vereinten Nationen: "Angesichts der Gefahr eines Feuers und in Ermangelung
einer organisierten Feuerwehr zeugt
es nur von gesundem Menschenverstand,
wenn
sich
die
Nachbarn
zusammenschließen und ihre eigene Feuerwehr
aufbauen."
Sich zusammenzuschließen, um die
Flammen des Krieges zu ersticken dies war, gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
das Gründungsideal der Vereinten Nationen. Es ist die ständige Herausforderung
an uns, sicherzustellen,
daß die Vereinten Nationen diesen
Hoffnungen gerecht werden.
Wie der Generalsekretär vor einiger Zeit feststellte, hat sich das
Risiko der Anarchie auf der Welt vergrößert, da die Grundregeln der Charta der vereinten Nationen verletzt
worden sind. Die Vollversammlung hat
dies wiederholt im Hinblick auf die
Besetzung
Afghanistans
bestätigt.
Der Charta kommt auch heute noch konkrete praktische Bedeutung zu, da sie
sich auf alle Dimensionen der Hoffnungen des Menschen erstreckt, die
ich bereits angeführt habe - das Sehnen nach Demokratie und Freiheit,
nach weltweitem Frieden und Wohlstand.
Aus diesem Grund müssen wir die
Allgemeine
Erklärung
der Menschenrechte vor Entwürdigung wie im Falle
der unrühmlichen Resolution "Zionis- 9

mus ist Rassismus" schützen.
Wir
dürfen versuche zur Kontrolle der Medien und verschärfter Zensur unter
dem
Deckmantel
einer
sogenannten
"Neuen Weltinformationsordnung" nicht
zulassen.
Wir müssen
Bestrebungen
unterbinden, umstrittene und irrelevante Themenkomplexe in die Arbeit
spezialisierter und technischer Behörden einzubringen, in denen wir
Fortschritte bei den vordringlichen
Problemen des Terrorismus bis hin zu
Drogenschmuggel
und nuklearer
Verbreitung zu erzielen suchen, von denen wir uns alle bedroht sehen. Solche
Bestrebungen
untergraben
die
Charta und schwächen die Vereinten
Nationen.
Es sind bedeutende Reformen in
der
Verwaltung
und
beim
Haushalt
durchgeführt worden.
Sie haben geholfen.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, in dem Maße
wie die Reformen voranschreiten, ihren Beitrag wieder zu entrichten. Es
bleibt jedoch noch sehr viel zu tun.
Die Vereinten Nationen wurden auf
große Träume und große Ideale gegründet. Gelegentlich sind sie vom rechten Weg abgekommen.
Nun ist es an
der Zeit, daß sie nach Hause zurückkehren.
Es war Dag Hammar skjold, der sagte:
"Am Ende aller politischen Bestrebungen muß das Wohlergehen des
Einzelnen in einem Leben in Sicherheit und Freiheit stehen."
Sollte
dies nicht unser Glaubensbekenntnis
für die vor uns liegenden Jahre sein?
Heute habe ich von einer Vision
und den ihrer Verwirklichung im Wege
stehenden
Hindernissen
gesprochen.
Vor mehr als einem Jahrhundert stattete der junge Franzose Alexis de
Tocqueville Amerika einen Besuch ab.
Nach diesem Besuch prophezeite er,
daß die Großmächte der Zukunft einer-

�seits die Vereinigten Staaten sein
würden, die, seinen Worten zufolge,
"mit der Pflugschar" geschaffen würden und andererseits Rußland, das,
wiederum in seinen Worten, "mit dem
Schwert" vorangehen werde.
Muß es
jedoch so sein?
Können Schwerter
nicht zu Pflugscharen werden? Können
wir und alle Nationen nicht in Frieden leben?

Spektrum des Willens und Einverständnisses der Menschheit und das ganze
menschliche Herz umfassen

Bei unserer besessen Auseinandersetzung mit den Antagonismen der Gegenwart vergessen wir häufig, wieviel
die Menschheit verbindet. Vielleicht
benötigen wir eine weltweite Bedrohung von außen, um uns dieses gemeinsame Bindeglied erkennen zu lassen.
Gelegentlich denke ich, wie rasch unsere weltweiten Meinungsverschiedenheiten sich in Luft auflösen würden,
wenn wir
uns mit einer
fremden,
außerirdischen Bedrohung konfrontiert
sähen. Und ich frage Sie, weilt diese fremde Macht nicht bereits unter
uns?
Was könnte für das weltweite
Streben unserer Völker abwegiger sein
als Krieg und die Bedrohung durch
Krieg?
Vor zwei Jahrhunderten versammelten sich die Amerikaner in Philadelphia, in einem wesentlich kleineren
Saal als diesem, um eine Verfassung
zu entwerfen. im Verlauf ihrer Erörterungen sagte einer von ihnen, daß
die neue Regierung, wenn ihr Erfolg
beschieden sein solle, auf die breiteste Grundlage gegründet werden müsse:
den Willen und die Zustimmung
des Volkes. Und so geschah es. und
so ist es bis heute geblieben.
Die Botschaft, die ich Ihnen heute vermitteln möchte, heißt, daß die
Träume des einfachen Volkes sich in
erstaunliche Höhen aufschwingen können. Wenn wir diplomatischen Pilger
ebensolche
Höhen erreichen wollen,
muß alles, was wir tun, das gesamte
- 10 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

23. September 1987

33

ABKOMMEN ÜBER
ZENTREN ZUR VERRINGERUNG DER GEFAHR EINES ATOMKRIEGES UNTERZEICHNET
- Erklärungen von Reagan und Schewardnadse -

Washington - (AD) - Präsident Reagan zufolge ergänzt das mit der Sowjetunion am 15. September 1987 unterzeichnete Abkommen zur Errichtung von Zentren
zur Risiko-Verringerung "unsere anhaltenden und vielversprechenden Bemühungen
in Genf, zum ersten Mal einen einschneidenden, ausgewogenen und wirkungsvoll
verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale
zu erreichen".
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Reagan und
Außenminister Schewardnadse im Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Ich
bin
hocherfreut darüber, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
heute ein Abkommen zur Errichtung von
Zentren zur Risiko-Verringerung unterzeichnen werden.
Dieses Abkommen
ist ein weiterer nützlicher Schritt
bei unseren Bemühungen zur Verminderung der Gefahren eines Konflikts,
der andernfalls durch Zufall, Fehlkalkulation
oder
Mißverständnisse
ausbrechen
könnte.
Seit der Einrichtung des "heißen Drahts" im Jahr
1963 übertrifft das heutige Abkommen
bestehende Strukturen durch den Auf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bau des völlig neuartigen
ten
Kommunikationswegs
Washington und Moskau.

und direkzwischen

Zentren
zur
Risiko-Verringerung
werden beim weiteren Abbau von Konfliktpotentialen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
eine wichtige Rolle spielen. Sie geben uns die Möglichkeit, die nach den
bestehenden vertrauensbildenden Maßnahmen erforderlichen Mitteilungen zu
übermitteln. Sie könnten ferner eine
Schlüsselrolle beim Austausch von Informationen
spielen, die für eine

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wirkungsvolle Überprüfung
Rüstungskontrollabkommen
sind.

zukünftiger
notwendig

Was die Vereinigten Staaten betrifft, ist dieses Abkommen das Ergebnis
einer
engen
Zusammenarbeit
zwischen Exekutive, Kongreß und privaten Verbänden und Personen, um ein
pragmatisches Abkommen hervorzubringen, das uns dem gemeinsamen Ziel von
Frieden und Sicherheit näherbringt.
Ich möchte die uns durch die Senatoren John Warner und Sam Nunn seit
mehreren Jahren in Fragen der RisikoVerringerung zuteil gewordene hervorragende Beratung
und Verantwortung
ganz besonders hervorheben.
Ich möchte ebenfalls der amerikanischen Delegation bei den Zentren
zur Risiko-Verringerung Dank und Anerkennung
aussprechen,
insbesondere
dem Zweiten Vorsitzenden, dem früheren Stellvertretenden Verteidigungsminister Richard Perle, und meinem
Berater
für Sonderaufgaben, Robert
Linhard.
Ferner danke ich der sowjetischen Delegation
unter
Leitung
von Botschafter Alexej Obukow für Ihre Sachkenntnis und ihr Engagement
beim erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen.
Dieses Abkommen ergänzt unsere
anhaltenden
und
vielversprechenden
Bemühungen in Genf, um zum ersten Mal
einen
einschneidenden,
ausgewogenen
und wirkungsvoll verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale zu erreichen.
Sehr geehrter Herr Außenminister,
ich bin hocherfreut, daß Sie heute
dieses Abkommen unterschreiben, und
ich freue mich auf den Tag, an dem
Generalsekretär Gorbatschow und ich
bei unserem gemeinsamen Streben nach
Frieden sogar noch mehr Abkommen un-

terzeichnen können.

Außenminister
Schewardnadse:
Sehr geehrter Herr Präsident, meine
Damen und Herren, Genossen.
In den
jüngsten
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
kommen
Ereignisse
wie
dieses nicht sehr häufig vor.
Das
Jahr 1987 erweist sich jedoch als ein
sehr fruchtbares Jahr.
Während des
Besuchs von Außenminister Shultz in
Moskau im vergangenen April haben wir
ein Abkommen über die friedliche Zusammenarbeit im Weltraum unterzeichnet. Heute unterzeichnen wir ein Abkommen zur Errichtung von Zentren zur
Risiko-Verringerung.
Unsere
heutigen
Unterschriften
unter
dieses Abkommen
kennzeichnen
einen klaren Schritt in der praktischen Durchführung der Übereinkunft,
den Mikhail Gorbatschow und Sie, Herr
Präsident, in Genf erzielt haben.
Sie beide erklärten, ein Atomkrieg
dürfe niemals geführt werden.
Wir
wollen hoffen, daß unser heute unterzeichnetes Abkommen uns diesem historischen Ziel näher bringt.
Dies ist ein Signal, das einen
Auftakt zu weiteren wichtigen Abkommen bilden könnte.
Ich meine damit
insbesondere Abkommen über den Abbau
der nuklearen Arsenale, worauf sich
der Generalsekretär des Zentralkommittees der KPdSU und der Präsident
der Vereinigten Staaten in Reykjavik
geeinigt haben. Die wichtigste Aufgabe ist nun, das möglichste zu tun,
damit es zum Segen unserer Völker und
der Menschen in der ganzen Welt hierzu kommt.

sto
beit
den
auch

- 2 -

Je schneller dies geschieht, debesser. Wenn wir dann gute Arin der uns zur Verfügung stehenZeit geleistet haben, werden wir
die Hoffnung haben können, daß

�die Zeit für uns arbeitet. Heute haben wir den Versuch unternommen, die
erdrückende Last der Angst, Unsicherheit und Sorge, derer die Menschen
müde geworden sind, ein wenig zu verringern.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, all denen herzlich zu
danken, die seit zwei Jahren mit Beharrlichkeit und Hingabe an den Vorbereitungen zu diesem Abkommen gearbeitet haben.
Ich möchte allen Diplomaten und
Experten meine Anerkennung aussprechen, desgleichen den Mitgliedern des
amerikanischen
Senats,
insbesondere
den Senatoren Nunn und Warner, die
mit viel Kraft und Ausdauer an der
Umsetzung dieser Idee gearbeitet haben.
Ich würde mir wünschen, daß
dieses kleine Stück Hoffnung der Auftakt zu Anstrengungen ist, den Durst
der Menschheit nach Frieden und Sicherheit zu löschen. Vielen Dank.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN: AMERIKANISCHE VERFASSUNG
BRINGT FRIEDLICHE REVOLUTION HERVOR
- Proklamation des Präsidenten zum Tag der Staatsbürgerschaft

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Proklamation zum Tag der
Staatsbürgerschaft und der amerikanischen Verfassungswoche verkündet, die Verfassung erweise sich "weiterhin als friedliche Revolution bei der Gestaltung
von Freiheit und Wohlstand für die gesamte Menschheit".
Nachfolgend drucken wir den vom Weißen Haus am 13. August 1987 veröffentlichten Wortlaut der Proklamation, die den 17. September 1987 zum Tag der
Staatsbürgerschaft und die an diesem Tag beginnende Woche zur Woche der Verfassung erklärt.
Seit über drei Jahrzehnten haben
wir Amerikaner unsere verfassungsmässigen
Rechte
und
Pflichten
als
Staatsbürger der Vereinigten Staaten
jedes Jahr gefeiert, indem wir den
Tag der Staatsbürgerschaft und die
Woche der Verfassung begingen. Diese
traditionellen
Feiern
gewinnen
im
Jahr 1987 eine besondere Bedeutung,
da am 17. September vor 200 Jahren
die Verfassung unterzeichnet wurde.
In Erwartung dieses Ereignisses
wird die Kommission für das zweihundertjährige Jubiläum der amerikani-

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schen Verfassung den 16. September
1987 im Rahmen einer Staatsbürgerschaftsfeier besonders begehen.
An
diesem Tag werden sich Millionen von
Schülern Gedanken über die Segnungen
der durch unsere Verfassung verliehenen Freiheiten machen.
Eltern und
Erwachsene
können
sich
ihnen
anschließen, indem sie den Vätern der
Verfassung ihre Hochachtung erweisen
und sich in Dankbarkeit der durch die
Verfassung garantierten Vorrechte und
Pflichten
erinnern.
Um 13.00 Uhr
amerikanischer Zeit wird eine landesweite und internationale Radio- und

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fernsehsendung
alle Amerikaner
zum
Treuegelöbnis vereinen.
In der Sendung wird auch die Präambel der Verfassung verlesen. Ich hoffe, daß alle Amerikaner diese Gelegenheit wahrnehmen, sich der unschätzbaren Werte
unseres
Regierungsdokumentes
aufs
neue bewußt zu werden.
Diese Verfassungsgrundsätze haben
manch unruhige Zeit überstanden. Im
Jahr 1787 waren wir eine Nation von
mehr als vier Millionen Menschen in
13 unabhängigen Staaten, die sich an
der Ostküste aneinanderreihten. Diese Staaten waren nur dem Namen nach
"vereinigt"; ein loser Zusammenhalt
durch die Bestimmungen der Konföderation, einer während des Revolutionskrieges ausgearbeiteten Übereinkunft
gemeinsamer
Interessen der 13 ursprünglichen Kolonien.
Als schließlich der gemeinsame Feind besiegt
war, begann sich die allgemeine Konföderation aufzulösen. Viele Staaten
unterhielten
eine
eigene
Armee,
druckten
ihre eigene Währung, und
verlangten von anderen Staaten Gebühren für die Benutzung von Häfen und
Straßen.
Im Mai 1787 wurde in Philadelphia
eine
Konferenz
zu dem
alleinigen
Zweck
einberufen, die Bestimmungen
der Konföderation den "Anforderungen
der Regierung und dem Erhalt der
Union anzupassen".
Zahlreiche politisch
Verantwortliche
der
Nation
fürchteten, daß im Falle des Verzichts auf die Schaffung einer stärkeren Nationalregierung
die Nation
zusammenbrechen könnte, was zur Entwicklung von unabhängigen Republiken
oder zum Wiedereintritt ausländischer
Mächte
geführt
hätte.
Trotz
der
schlechten Ausgangsposition
war es
den Gründungsvätern durch zahlreiche
Zugeständnisse möglich, den Entwurf
für eine neue Nation auszuarbeiten.
In
dieser
friedlichen
Revolution

überantworteten die Staaten ihr lokkeres politisches Bündnis einer konföderierten Union unter der ersten
schriftlich niedergelegten nationalen
Verfassung
der
Geschichte.
Diese
Verfassung ist noch heute, 200 Jahre
später, der Welt ältestes angewandtes
Dokument
der demokratischen Regierungsform. Es erweist sich weiterhin
als friedliche Revolution bei der Gestaltung von Freiheit und Wohlstand
für die gesamte Menschheit.
In einer gemeinsam verfaßten Resolution hat der Kongreß am 29. Februar 1952 (36 U.S.C. 153) den 17.
September zum Tag der Staatsbürgerschaft erklärt. Er tat dies im Gedenken an die Unterzeichung der Verfassung und in Anerkennung all jener,
die durch Volljährigkeit oder Einbürgerung
Staatsbürger
geworden
sind.
Der Kongress hat den Präsidenten dazu
ermächtigt, alljährlich in einer Erklärung alle Regierungsbeamten aufzurufen, an diesem Tag die Flagge auf
allen Regierungsgebäuden zu hissen.
Der Kongreß hat ferner am 2. August
1956 (36 U.S.C. 159) in einer gemeinsam verfaßten Resolution beschlossen,
daß in jedem Jahr die am 17. September beginnende und am 23. September
endende Woche in Anerkennung der historischen Bedeutung der Verfassung
und ihrer entscheidenden Rolle in unserem Leben als Woche eben dieser
Verfassung begangen wird.
Daher erkläre ich, Ronald Reagan,
Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, hiermit den 17. September
1987 zum Tag der Staatsbürgerschaft
und appelliere an die zuständigen Regierungsbeamten, die Fahne der Vereinigten Staaten an allen Regierungsgebäuden zu hissen. Ich fordere die
Regierungsbeamten
des
Bundes, der
Einzelstaaten und in den Kommunen sowie die Leiter von städtischen, erzieherischen und religiösen Organisa-

- 2 -

�tionen dazu auf, an diesem Tag Feiern
und Veranstaltungen durchzuführen, um
diesen Anlaß zu begehen.
Darüberhinaus erkläre ich die Woche vom 17. bis 23. September 1987
zur Woche der Verfassung und rufe alle Amerikaner auf, jene Woche mit angemessenen Feiern und Aktivitäten in
ihren Schulen, Kirchen und anderen
geeigneten Orten zu begehen.
Unterzeichnet am dreizehnten Tag
des August, im Jahre des Herrn neunzehnhundertundsiebenundachtzig und im
Jahre zweihundertundzwölf der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten
von Amerika.
Ronald Reagan

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN:

AMERIKA BRAUCHT TATKRÄFTIGE UND INFORMIERTE BÜRGER

- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag -

WASHINGTON - (AD) - Am Rande einer Feier zum zweihundertsten Jahrestag der
amerikanischen Verfassung erklärte Präsident Reagan am 16. September 1987,
"tatkräftige und informierte Bürger seien entscheidend für die wirkungsvolle
Erfüllung" der Aufgaben des amerikanischen Regierungssystems.
Der zum eigentlichen Jahrestag am 17. September nach Philadelphia - dem
Ort, an dem die Verfassung begründet wurde angereiste Präsident unterstrich, alle Amerikaner seien verpflichtet, die Verfügungen der Verfassung zu
studieren und "sich aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen".
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:
Als George Washington zum ersten
Präsidenten der Vereinigten Staaten
gewählt worden war, belief sich die
Gesamtbevölkerung des Landes auf ungefähr vier Millionen. Heute gibt es
mehr als fünf Millionen Bundesbedienstete.
Die Zeiten haben sich geändert.
Die Hauptgrundsätze der Verfassung jedoch sind die gleichen geblieben. Sie ist immer noch unser Entwurf für die Freiheit.
Einer unser
fähigsten Staatsmänner, der Verfassungsrechtler
Daniel
Webster,
hat

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einmal geschrieben: "Selbst wenn wir
mitten in den Ozean geworfen würden,
wo wir kein Land oder vielleicht noch
nicht einmal die Sonne oder die Sterne sehen könnten, gäbe es eine Landkarte und einen Kompaß, die wir zu
Rate ziehen, prüfen und denen wir gehorchen können. Diese Landkarte ist
die Verfassung."
Vor zweihundert Jahren war die
bloße Vorstellung freier Selbstverwaltung
ein
neuer
Gedanke.
Aber
James Madison - ein Mann, den viele
als den "Vater der Verfassung" be-

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�zeichnen - drängte seine Mitbürger
dazu, sich dieser Idee nicht zu widersetzen, nur. weil sie neu war.
Seiner Argumentation zufolge gereichte es den Amerikanern zur Ehre, daß
sie nicht blindlings auf die Vergangenheit vertrauten, sondern bereit
waren, sich auf ihren "eigenen gesunden Menschenverstand" und ihre Erfahrung bei der Gestaltung der Zukunft
zu verlassen.
Es ist interessant, daß Madison
neben anderen die Verfassung verteidigen mußte, weil sie neu war. Die
Zeiten haben sich geändert.
Seit
mehr als 200 Jahren haben wir in gesetzlich verbriefter Freiheit gelebt
und vielleicht sind wir darüber zu
selbstzufrieden geworden.
Wir sollten niemals vergessen, wie selten und
wertvoll die Freiheit ist.
Tatkräftige und informierte Bürger sind entscheidend für die wirkungsvolle Erfüllung der Aufgaben des
amerikanischen
RegierungsSystems.
Wir alle haben eine Verpflichtung,
die Verfassung zu studieren und uns
aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen.
Diese Verpflichtung schulden
wir nicht nur uns selbst, sondern
auch unseren Kindern und Kindeskindern. Und es gibt keine bessere Gelegenheit als sich gerade jetzt - aus
Anlaß der Zweihundertjahrfeier - der
Verfassung und der darin enthaltenen
Werte erneut zu besinnen.
Wir
sollten niemals vergessen,
daß die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung "im festen Vertrauen
auf die Wahrung der göttlichen Vorsehung" handelten. Vor hundert Jahren
wurde
einem
anderen
Präsidenten,
Grover Cleveland, anläßlich der Einhundert jahrfeier der Verfassung die
gleiche Ehre zuteil wie mir heute:
die Verfassung zu ehren. Und seine
- 2

Worte haben heute die gleiche Gültigkeit wie damals.
Er erklärte: "Wenn wir auf jene
hundert Jahre zurückblicken und uns
die Ursprünge unserer Verfassung vor
Augen führen, wenn wir alle ihre Prüfungen und Triumphe betrachten, wenn
wir erkennen, wie vollständig die ihr
zugrundeliegenden
Grundsätze
jedem
nationalen Bedürfnis und jeder nationalen Gefahr gerecht werden, wie inbrünstig müßten wir mit Franklin ausrufen:
'Gott lenkt die Geschicke der
Menschheit'".

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
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"V"

Dokumentation

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23. September 1987

33

SUPERMÄCHTE ERZIELEN GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER INF
Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse -

WASHINGTON - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse am 18. September 1987 ihre erzielte Grundsatzvereinbarung über den Abschluß eines INF-Vertrages.
Der vom Weißen Haus und dem amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Verlautbarung zufolge haben die beiden Außenminister drei Tage "gründlicher und fruchtbarer Erörterungen aller Aspekte" der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen beendet. Die Erklärung enthielt ferner die Ankündigung, "ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow findet im
Herbst 1987 statt" - der endgültige Termin müsse jedoch noch festgelegt werden.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärung.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse haben drei Tage gründlicher und fruchtbarer Erörterungen
aller Aspekte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beendet.
Die beiden Außenminister überarbeiteten das gesamte Spektrum von
Fragen bezüglich der Rüstungskontrolle
nuklearer,
konventioneller
und
chemischer Waffen. Gemeinsam mit ihren Beratern führten die beiden Aussenminister insbesondere ausführliche
Verhandlungen zur Frage der Raketen
mittlerer
und kürzerer
Reichweite.
Im Verlauf dieser Verhandlungen wurde

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Embassy of the United States of America

die
Grundsatzvereinbarung
zum
Abschluß
eines Vertrages erarbeitet.
Die Genfer Delegationen beider Seiten
wurden angewiesen, intensiv auf die
Lösung der verbleibenden technischen
Probleme hinzuarbeiten und unverzüglich einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die beiden Außenminister waren
sich einig, daß ähnlich intensive Bemühungen zur Erarbeitung eines Vertrages über den 50-prozentigen Abbau
der strategischen Offensivwaffen im
Rahmen der Genfer Verhandlungen über
Kern -und Weltraumwaffen unternommen
werden sollten.

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�Im Anschluß an die Erörterung von
Fragen bezüglich der nuklearen Erprobung waren sich beide Seiten einig,
noch vor dem 1. Dezember 1987 mit umfassenden, schrittweisen Verhandlungen zu beginnen, die ausschließlich
in einem Forum geführt werden sollen.
Sie verabschiedeten getrennte Erklärung zu diesem Thema.
Die beiden Außenminister erörterten ferner regionale Themenkomplexe.
Beide
Seiten diskutierten eine
breitgefächerte Palette von Problemen
der bilateralen Beziehungen, E S wurde Einigung über ein von 1987 bis
1988 durchzuführendes Arbeitsprogramm
erzielt, das auf eine Intensivierung
der gemeinsamen Bestrebungen in einzelnen Bereichen der amerikanischsowjetischen
Zusammenarbeit
ausgerichtet ist.
Weiterhin
fand eine
fruchtbare
Erörterung von Themen zur Lage der
Menschenrechte und humanitärer Fragen
statt.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse waren sich einig, daß
ein zusätzliches Treffen zur Überarbeitung der in allen diesen Bereichen
erzielten
Ergebnisse
erforderlich
sei, einschließlich
der Bemühungen
der Delegationen bei den Genfer Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen.
Sie einigten sich darauf, daß
dieses Treffen in der zweite Oktoberhälfte in Moskau stattfinden soll.
Um einen Vertrag über Raketen
mittlerer und kürzerer Reichweite zu
unterzeichnen und um den gesamten Bereich von Themen zu den Beziehungen
zwischen den beiden Ländern abzudekken, wird ein Gipfeltreffen zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow stattfinden. Das Gipfel- 2

treffen wird im Herbst 1987 abgehalten, wobei der endgültige Termin während der Gespräche zwischen den beiden Außenministern im Oktober in Moskau festgelegt werden soll.

* * * * *

�«fc° s *&lt;

AMERIKA DIENST
4

Hintergrundmaterial

23. September 1987

33

INF-ABKOMMEN HAT KEINEN EINFLUSS AUF FLEXIBLE REAKTION DER NATO
- Artikel über Anhörungen im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Senator Stephen J. Ledogar erklärte bei einer Senatsanhörung am 16. September, ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur weltweiten Abschaffung aller Mittelstreckenwaffen würde "in keinem Fall" die Fähigkeit der NATO ausschalten, gegenüber einer sowjetischen Aggression eine flexible Reaktion aufrechtzuerhalten.
Ledogar ging auf die gerade zwischen den Außenministern shultz und
Schewardnadse in Washington über INF abgehaltenen Gespräche ein und erklärte,
mit solch einem Abkommen würden auf sowjetischer Seite etwa 1 400 Gefechtsköpfe und auf seiten der NATO etwa 572 der bereits stationierten Gefechtsköpfe
abgeschafft. Im Bereich der taktischen Nuklearwaffen befänden sich im Arsenal
der NATO immer noch etwa 4 600 Gefechtsköpfe.
Ledogar, stellvertretender Ständiger Vertreter und Gesandter an der
amerikanischen
Vertretung
bei
der
NATO, ist von Präsident Reagan zum
Botschafter bei den Gesprächen über
konventionelle Waffen in Europa und
zum amerikanischen Vertreter bei den
in
Wien
stattfindenden
Gesprächen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
(MBFR) nominiert worden.
Bei der Anhörung anläßlich seiner
Bestätigung im Auswärtigen Ausschuß
des Senats erklärte Ledogar, die neu

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Embassy of the United States of America

aufgenommenen Gespräche über konventionelle Waffen befänden sich in ihrer Vorbereitungsphase und würden innerhalb des durch die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) gesteckten Rahmens nach
der von den NATO-Außenministern aufgestellten
Vorgabe
stattfinden,
gleichzeitig jedoch "unabhängig und
autonom" sein.
Ledogars Prognosen zufolge wird
"die Zustimmung zu neuen Gesprächen
möglicherweise etwa gleichzeitig mit
dem Abschluß der gegenwärtig statt-

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�findenden
Wiener
ferenz erfolgen".

KSZE-Revisionskon-

Der Vorsitzende des Komitees, Senator Claiborne Pell, fragte Ledogar,
wie er sich die Überlegenheit des
Warschauer Paktes bei den konventionellen Waffen erkläre, wenn die Bevölkerung der NATO-Staaten, die Vereinigten Staaten ausgenommen, die der
Länder des Warschauer Paktes einschließlich
der Sowjetunion, übertrifft und wie er sich erkläre, daß
das
Bruttosozialprodukt
der
NATOStaaten, außer den Vereinigten Staaten, doppelt so hoch ist wie das der
Länder der Sowjetunion und des Warschauer Paktes.
Ledogar antwortete darauf, "der
Unterschied liegt in den freien und
totalitären Gesellschaften, weil totalitäre
Gesellschaftsformen
ihre
Neigung
demonstriert
haben,
einen
außergewöhnlichen Anteil ihres nationalen Wohlstandes für die Verteidigung und für militärische Zwecke aufzuwenden" .
"Der Warschauer Pakt produziert
in den meisten Waffenkategorien mehr
als wir, weil er den Vorteil zentralistisch organisierter Industriezweige hat. Trotzdem beginnt die NATO,
Fortschritte bei diesem Problem der
Rationalisierung unserer eigenen Beschaffungsprogramme zu erzielen, aber
ich sehe, offen gesagt, kaum Aussichten, daß die NATO-Staaten bei ihren
Verteidigungsausgaben einen bedeutenden Schritt nach vorn machen werden."
Pell erwog die Möglichkeit, ob
der Abzug von 100 000 amerikanischen
Soldaten der
"NATO Auftrieb geben
könne".
Ledogar antwortete darauf, "Ich
bin nicht sicher, daß dies ein Antriebsmittel. Man könnte argumentie-

ren, daß die NATO dadurch entmutigt,
zur Verzweiflung getrieben und dann
zu
Entgegenkommen
veranlaßt
wird.
Meiner Erfahrung nach ist dies keine
produktive Art und Weise der Behandlung unserer Verbündeten. Eine Möglichkeit zur Erhöhung gemeinsamer Bemühungen im Bereich der Verteidigung
läge bei gemeinsamen Programmen, die
unter Berücksichtigung von Prioritäten definitiv ausgearbeitet
werden
und in den politischen Hauptstädten
Unterstützung erfahren würden sowie
in gemeinsamen Schritten nach vorn;
nicht
in
gegenseitiger
Beschämung
oder gegenseitigem zwang".
Der Senator des Staates Rhode Island erklärte Ledogar, daß er im Anschluß an seine Bestätigung "darauf
aufmerksam machen müsse", daß viele
Menschen in Amerika "genug" von der
Tatsache haben, daß zahlreiche europäische Länder, die sich in einer
besseren wirtschaftlichen Lage befinden
als
die
Vereinigten
Staaten,
trotzdem auf die Vereinigten Staaten
vertrauen, wenn es darum geht, sich
zu schützen.
Der Kandidat antwortete, "diese
Botschaft dringt langsam zu unseren
Verbündeten durch".
Senator Daniel J. Evans bemerkte,
daß die MBFR-Gespräche in Genf in ihr
15. Jahr gehen.
Er fragte Ledogar,
ob wir im Hinblick auf 1988 "einen
höheren Gang einlegen oder Verhandlungen abhalten werden, die wirklich
zu etwas führen"?
Ledogar
antwortete,
"ich
sehe
keinen Grund für Optimismus im Forum
der
gegenwärtigen
MBFR-Gespräche".
Er erklärte weiter, er stimme Kritiken zu, die behaupten, es gäbe bei
der Organisation der MBFR-Gespräche
gewisse "Mängel".
Es besteht insofern ein geographisches Ungleichge-

- 2 -

�wicht im Bereich des Abbaus - besonders in Mitteleuropa -, als daß amerikanische Streitkräfte 6 000 Kilometer weiter nach Westen zurückweichen
müßten, die sowjetischen Truppen hingegen nur einige hundert Kilometer.
Ledogar verwies darauf, daß "es aussergewöhnlich
schwierig
war, einen
Vorschlag zu unterbreiten, der mit
unseren Sicherheitsinteressen im Einklang stand und trotzdem verhandelbar
war".
Er erklärte, es bestünde Hoffnung, daß die neuen Verhandlungen
über konventionelle Waffen - die von
einem
viel größeren
geographischen
Gebiet, dem gesamten Kontinent Europa, ausgehen und Frankreich und Spanien als Teilnehmer haben - "ihre
eigene Dynamik entwickeln werden, so
daß es möglich sein wird, das Ungleichgewicht so zu behandeln, entweder auf Europa-übergreifender Basis
oder je nach Region, und daß damit
eine verhandelbarere Formel hervorgebracht wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Ledogar prognostizierte, daß bei
einem Erfolg der Vorbereitungskonferenz im Frühjahr 1988 neue Verhandlungen
im
Bereich
konventioneller
Waffen aufgenommen würden.
Ledogar
erklärte dem Komitee ferner, das Verhältnis dieser neuen Verhandlungen zu
den MBFR-Gesprächen gebe uns für die
Zukunft Fragen auf.

* * * * *
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aussichten für bessere amerikanisch-sowjestische Beziehungen ermutigend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor den &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Abkommen über Zentren zur Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Reagan und Schewardnadse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: amerikanische Verfassung bringt friedliche Revolution hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerika braucht tatkräftige und informierte Bürger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Supermächte erzielen Grundsatzvereinbarung über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;INF-Abkommen hat keinen Einfluss auf flexible Reaktion der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über Anhörung im Senat&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VON *

30. September

34

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Freie Märkte stärken offenes Handeslsystem
- Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und
Weltbank INF-Abkommen dient Sicherheitsinteressen der Verbündeten
- Rede von Botschafter Paul Nitze vor der AAAS Frieden und Stabilität vorrangiges Ziel in der Golf-Region
- Präsident Reagans Erklärung zur Lage am Golf WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Brenntest mit voller Leistung
- Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in der
Erprobung -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
' V ^

Dokumentation

34

30. September 1987

FREIE MÄRKTE STÄRKEN OFFENES HANDELSSYSTEM
- Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und Weltbank -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich seiner Rede bei der Eröffnung der Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank erneuerte
Präsident Reagan am 29. September seinen Aufruf zur Unterstützung der Prinzipien freier Marktwirtschaft und freien Handels.
Reagan äußerte die eindringliche Bitte um Öffnung des internationalen Handels mit Agrargütern. Er formulierte erneut die Zielsetzung eines "offenen
und freien Handelssystems mit landwirtschaftlichen Produkten" bis zum Ende des
Jahrhunderts, die "einen tiefgreifenden Wandel in der Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln" mit sich bringen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Ich freue mich darüber, heute zu
Ihnen sprechen zu können. Ich erinnere mich an unser erstes Zusammentreffen kurz nach meiner Ankunft in
Washington. Damals sprachen wir über
eine Revolution im ökonomischen Denken, eine Revolution, deren Inhalte
sich seit der Zeit bewährt haben.
Trotz der Fortschritte stehen wir immer noch vor erheblichen Herausforderungen.
Daher bietet sich jetzt,
beim
bevorstehenden
Eintritt
der
Menschheit ins 21. Jahrhundert, die
Gelegenheit, eine Beurteilung vorzunehmen und unsere Vorstellungen vom

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wirtschaftspotential der Welt darzulegen.
Eine Beurteilung und die Erarbeitung von Zielsetzungen sind natürlich
mit gutem Management gleichzusetzen.
Wenn es etwas gibt, auf dem die erwerbstätige Bevölkerung, die mit ihren Steuern zur Unterstützung unserer
Institutionen beiträgt, zu Recht bestehen kann, ist es genau das: gutes
Management. Die Welt blickt auf uns,
damit wir eine Führungsrolle übernehmen und durch Ehrlichkeit, Verantwortungsbewußtsein und vernünftige Ent-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Scheidungen Maßstäbe setzen.
Ich möchte diese Gelegenheit zum
Anlaß nehmen, um Ihnen allen für die
von Ihnen geleistete beispielhafte
Arbeit zu danken, und um besonders
Barber Conable und Michel Camdessus
meinen Dank für ihre hervorragende
Arbeit auszusprechen.
Als ich zum ersten Mal vor sechs
Jahren vor dieser Institution sprach,
litten die Vereinigten Staaten unter
wirtschaftspolitischen
Entscheidungen, die nur als schlechtes Management bezeichnet werden können. Inflation, Stagnation und Zinssätze von
21 Prozent waren an der Tagesordnung.
Gutes Management muß auf eine solide Grundlage gestellt werden. Und
vor
unserem
wirtschaftlichen
Umschwung haben Entscheidungsträger an
Lösungen geglaubt, die trotz bester
Absichten nicht praktikabel waren.
Statt einer Ermutigung für Unternehmertum und Produktion lag der Schwerpunkt auf bürokratischer Planung und
Umverteilung. Statt Forderungen nach
meßbaren Ergebnissen und präziser
Kalkulation der öffentlichen Ausgaben
wurden die Schleusen bei den Bundesausgaben geöffnet.
Im Privatsektor
wurden den produktiven, Arbeitsplätze
schaffenden Unternehmen Mittel verweigert und diese in fragwürdige, wenig wirkungsvolle und oft produktionshemmende Regierungsprogramme investiert. Dezentralisierte Entscheidungsprozesse im Privatsektor und in
den Verwaltungen der Städte und Einzelstaaten wurden durch Planungen auf
Bundesebene verdrängt und mehr Macht
und Ressourcen in der Bundesbürokratie zentralisiert.
Aber wie wir zu unserem Nachteil
herausfanden, sollte gutes Management
niemals mit erweiterter Kontrolle und
Macht der Regierung über die Wirt-

schaft einhergehen. Wenn gutes Management Bedeutung haben soll, muß es
ein Land näher an die Entfaltung all
seiner Möglichkeiten heranführen und
das Wohlergehen seiner Bevölkerung
verbessern.
Genau das ist offensichtlich Ende
der siebziger Jahre in den Vereinigten Staaten nicht geschehen. Die damals angewandte Politik führte zu
einem Rückgang der Produktivität,
einem Verfall des BSP, niedrigeren
Netto-Einkommen und einem dramatischen Anstieg der Armut. Im Jahr
1980 forderte das amerikanische Volk
einen grundlegenden Wandel und Reformen, die dieses Land wieder zurück
auf den Weg des Wachstums, der Expansion und
langfristigen Stabilität
führen sollten.
Unser Ziel bestand in der Steigerung wirtschaftlicher Aktivitäten
von Grund auf. Gutes Management hat
in diesem Zusammenhang nicht die Bedeutung zusätzlicher Kontrolle und
Autorität. Es bedeutet vielmehr das
Aufzeigen von Wegen zur Erlangung der
Zielsetzungen.
Für die Volkswirtschaft bedeutet es, Menschen Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen Anreize
zu schaffen, effizienter zu arbeiten
und in Projekte zu investieren, die
die Volkswirtshaft aufbauen sowie in
Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen. Es muß sichergestellt werden,
daß übertriebene Vorschriften nicht
die Unternehmen abwürgen; es bedeutet, daß dem Privatsektor genügend
Mittel zur Verfügung stehen müssen,
um den Investitionsbedarf zu decken;
es bedeutet Wettbewerb auch mit ausländischen Firmen, und mehr als all
dies bedeutet es die Entfaltung von
Freiheiten und Möglichkeiten für den
Einzelnen und nicht mehr Macht für
den Staat.
Sie wissen sicher, daß ein Wirt-

�Schaftswissenschaftler als der einzige Akademiker bezeichnet wird, der
etwas in der Praxis funktionieren
sieht und sich dann ernsthaft darüber
Gedanken macht, ob es sich auch in
der Theorie durchführen läßt. Ob man
der Theorie zustimmt oder nicht - die
Ergebnisse lassen sich nicht leugnen.
Das Volk der Vereinigten Staaten
konnte jetzt 57 Monate anhaltenden
Wachstums miterleben, die bald den
längsten Zeitraum einer Expansion in
Friedenszeiten nach dem Krieg darstellen. Die Inflation, die im Jahr
1980 noch der Feind Nummer Eins war,
ist um etwa zwei Drittel abgebaut
worden.
Die Arbeitslosenquote ist
gefallen, und die Beschäftigungsrate
befindet sich auf dem höchsten Stand
in der Geschichte.
Die Zinssätze
sind niedrig. Die Produktivität ist
gestiegen und ebenso die Realeinkommen. Und wir haben schließlich den
im Jahr 1979 einsetzenden Anstieg der
Armut abgebaut.
Das Lob für diese Leistungen gebührt dem amerikanischen Volk, selbst,
weil - wie so oft - das Beste, was
die Regierung tun kann, darin besteht, sich nicht einzumischen. Und
genau das haben wir versucht.
Durch die expandierende Volkswirtschaft ist nicht nur das Wohlergehen unserer Bürger verbessert worden, sondern sie hat auch als Impuls
für den Fortschritt auf der ganzen
Welt gedient. Die in den vergangenen
sechs Jahren erfolgte Expansion des
Handels und der internationalen Geschäftsbeziehungen hat dazu beigetragen, unsere Preise niedrig, unsere
Industrie und den Fertigungsbereich
wettbewerbsfähig und unsere Volkswirtschaft aufstrebend
zu halten.
Gleichzeitig hat der expandierende
Handel mit den Vereinigten Staaten
vielen Ländern geholfen, einem wirtschaftlichen Sturm zu trotzen. Die

Exporterlöse der Vereinigten Staaten
haben in einigen Fällen die Sachlage
völlig verändert. Kernstück unserer
Beziehungen insbesondere mit den Entwicklungsländern
war bisher stets
Handel anstatt Entwicklungshilfe, gegenseitiger Nutzen anstatt Wohltätigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Almosen.
Natürlich gibt es noch das Handelsdefizit - Anlaß zu berechtigter
Besorgnis sowohl hier als auch im
Ausland. Hier sind Korrekturen notwendig, und es gibt eindeutige Anzeichen dafür, daß sie im'Gange sind.
Es ist jedoch von wesentlicher Bedeutung, daß Politiker nicht auf selbstzerstörerische Maßnahmen verfallen.
Es gab eine Gruppe von amerikanischen
Politikern, die sich die Angst der
arbeitenden Bevölkerung zunutze machten, Protektionismus
befürworteten
und den Vorwurf erhoben, als Ergebnis
des Handelsdefizits würden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, die Arbeitslosenquote steigen und die Vereinigten Staaten entindustrialisiert
würden.
Das hört sich in einer Wahlkampfrede gut an, aber wie es einmal ein
Rechtsanwalt aus Virginia gegenüber
den Geschworenen seiner Heimatstadt
formulierte: "tain't so". Seit Ende
des Jahres 1982 ist die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten, sogar bei steigendem Handelsdefizit, um
vierzig Prozent gefallen. In Ländern
mit hohen Handelsüberschüssen, wie
etwa Japan und der Bundesrepublik
Deutschland, ist die Arbeitslosigkeit
angestiegen. Und eine Langzeitanalyse zeigt, daß wir uns in der verarbeitenden Industrie behaupten können.
Dabei muß berücksichtigt werden, daß
von Ende des Jahres 1982 bis heute
die Zahl der Arbeitsplätze in der
verarbeitenden Industrie in den Vereinigten Staaten in einer Zeit enor-

- 3 -

�mer Handelsdefizite um mehr als eine
Million gestiegen ist. Darüber hinaus sind die Reallöhne in der verarbeitenden Industrie, die in den Jahren 1977 bis 1981 um 7 Prozent gefallen waren, im Zeitraum von 1981 bis
1986 um 2,5 Prozent angestiegen.
Das Handelsdefizit ist für genau
die strukturellen Probleme symptomatisch, die wir als Manager angehen
müssen.
Selbstzerstörerischer Protektionismus ist darauf jedoch keine
Antwort. Ich versichere Ihnen, daß
jede protektionistische Gesetzgebung,
die auf meinen Schreibtisch gelangt,
mit einem Veto versehen an den Kongreß zurückgeschickt wird.
Ein Teil der Antwort ist hier im
Inland zu suchen. Wie ich bereits
beim Weltwirtschaftsgipfel in Venedig
im vergangenen Juni äußerte, ist es
unumgänglich, daß die Vereinigten
Staaten ihr Defizit im Bundeshaushalt
verringern. Heute werde ich eine Gesetzesvorlage unterzeichnen, in der
unsere Zielsetzungen zum Abbau des
Defizits als Teil einer erhöhten
Schuldengrenze der amerikanischen Regierung ihren Niederschlag findet.
Das war keine leichte Entscheidung.
Auf der einen Seite haben wir die
Verantwortung, unsere 200 Jahre währende Geschichte der Pflichterfüllung, Glaubwürdigkeit und des Verantwortungsbewußtseins gegenüber unseren
eigenen Bürgern und der Welt insgesamt fortzuführen.
Auf der anderen Seite wurden politische Debatten zwischen den Befürwortern einer Steueranhebung oder
eines Abbau der Verteidigungsausgaben
- oder beides - und denjenigen geführt, die sich für einen weiteren
Abbau der nationalen Ausgaben einsetzen, der das Defizit verringern und
unsere Wirtschaft stärken wird.

Wie ich bereits sagte, war dies
eine schwierige Entscheidung.
Sie
sollte als Zeichen dafür verstanden
werden, daß Amerika sich nicht seiner
Verantwortung entzieht. Aber jetzt,
nachdem die Entscheidung getroffen
ist, fordere ich die Länder mit einem
Handelsüberschuß auf, dasselbe zu tun
- den politischen Schneid zur Stimulierung ihrer Volkswirtschaften zu
haben, ohne das Feuer der Inflation
wieder anzufachen.
Es muß erkannt
werden, daß die Gesundung der Weltwirtschaft nicht nur von der amerikanischen Haushaltspolitik abhängt. So
wie das amerikanische Haushalts- und
Handelsbilanzdefizit abnimmt, müssen
andere Länder die Zügel in die Hand
nehmen, besonders im Hinblick auf Importe aus Entwicklungsländern.
Wir müssen unser Augenmerk auf
die
Erlangung
eines
ausgewogenen
Wachstums und auf offenere Volkswirtschaften
richten.
Finanzminister
Baker und die Finanzminister der anderen Industrieländer haben hart an
der Erschließung von Möglichkeiten
gearbeitet, um diese beiden Ziele zu
verwirklichen. Dies ist die wahre
Probe unserer Fähigkeit, die internationale Wirtschaft zu organisieren.
Sicherlich können wir ohne ein
offenes und gerechtes Welthandelssystem nicht erfolgreich sein. Mit dem
zunehmenden Tempo, in dem der Wandel
stattfindet, wird es wichtig, daß die
Richtlinien für den Handel und die
Spielregeln des internationalen Geschäftslebens dem letzten Stand entsprechen und daß wiederauftretende
Spannungsgebiete
bewältigt
werden.
Aus diesem Grund setzt sich unsere
Regierung außerordentlich für den Erfolg der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen ein. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat GATT ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Ex-

- 4 -

�pansion von Welthandel und Wirtschaftswachstum gespielt. Jetzt müssen neue Bereiche angesprochen werden, da Technologie und sich wandelnde Gegebenheiten das Potential und
den Umfang der Wirtschaftsbeziehungen
zwischen den Völkern der Welt erheblich vergrößern.
Dienstleistungen,
Investitionen und der Schutz geistigen Eigentums, die bisher nur das Inland betrafen, werden jetzt wirtschaftspolitische Aktivitäten, damit
zu einem Teil des Welthandels und
müssen in einem übergreifenden Handelsabkommen ihren Niederschlag finden.
Die
Management-Entscheidungen
müssen wir selbst treffen. Dies ist
eine Zeit immenser Möglichkeiten zur
Schaffung einer Welthandelsstruktur,
die die Menschheit zu neuen Höhen des
Unternehmertums, der Chancen und des
Wohlergehens führen wird. Einen guten Ansatzpunkt zur Erlangung dieses
lobenswerten Ziels bilden die umfassenden Vorschläge der Vereinigten
Staaten im Bereich der Landwirtschaft.
Seit allzulanger Zeit haben uns
unsere Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft beherrscht und nicht umgekehrt.
Wenn keine einschneidenden
gemeinsamen Maßnahmen erfolgen, könnte uns diese wachsende Last möglicherweise erdrücken. In den führenden Volkswirtschaften des Westens
sind die Subventionen in der Landwirtschaft von 10 bis 15 Milliarden
Dollar im Jahr 1970 auf 100 Milliarden Dollar im Jahr 1986 angestiegen.
Und das sind nur die direkten Kosten.
Milliarden Dollar werden von Regierungen für Kapitalinvestitionen in
der Landwirtschaft ausgegeben, die
innerhalb eines offenen Handelssystems völlig unnötig wären. Verbraucher in den Ländern mit Beschränkungen auf landwirtschaftlichen Importen
sind gezwungen, höhere Preise zu zah-

len und dabei die Einnahmen der Familie aufzuwenden, die einem besseren
Zweck zugeführt werden könnten.
Die unnötigen Kosten, Marktverzerrungen und die mangelnde Wirksamkeit
der
gegenwärtigen
Landwirtschaftspolitik bilden in den meisten
Ländern der westlichen Welt einen
Teil der wirtschaftspolitischen Landschaft. Aus genau diesem Grund, der
weiten Verbreitung des Problems, sind
wir der Auffassung, daß eine breit
angelegte, gemeinsame internationale
Lösung die einzige Antwort ist.
Wir bitten die Weltbevölkerung,
keine stückweisen Reformen sondern
einen tiefgreifenden Wandel in der
Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln und Faserstoffen zu erwägen. Wir schlagen vor, daß in den
nächsten zehn Jahren AgrarexportSubventionen,
Quoten,
nicht-tarifäre
Handelshemmnisse auslaufen und alle
Verzerrungen auf den kgrarmärkten abgebaut werden. Damit würden die Kosten für Nahrungsmittel verringert,
der Regierungshaushalt geschont, verschwenderische Praktiken abgeschafft
und das Wirtschaftswachstum auf einer
breitangelegten internationalen Ebene
angefacht. Zum Ende des Jahrhunderts
sehen wir ein weltweites offenes und
freies Handelssystems im Bereich der
Landwirtschaft voraus: die Menschen
aller Länder sollten sich verständigen, zusammenarbeiten und konkurrieren können, kaufen und verkaufen,
produzieren und vertreiben, wirksamere Möglichkeiten finden, um der weltweiten Herausforderung zu stellen,
wie wir unsere Nahrungsmittel sichern
können.
Unsere Leistungen im Bereich der
Landwirtschaft könnten eines Tages
als Vorbild dafür dienen, wie auf dem
gesamten Planeten die Grenzen für den
Handel aller Länder untereinander ge-

- 5-

�öffnet werden können - für ein weltweites freies und gerechtes Handelssystem, das die Menschheit vereint
und emporhebt. Wenn wir diese Zielsetzungen heute bekräftigen, sollten
wir betonen, daß wir gemeinsam - als
Menschheit - voranschreiten.
Kein
Land wird ausgenommen, kein Volk zurückgelassen werden.
Die Vereinigten
Staaten
verpflichten sich auch weiterhin darauf,
ihren Teil zur Zusammenarbeit mit den
Entwicklungsländern in ihrem Kampf um
das bessere Wohlergehen ihrer Völker
zu leisten.
Die Überwindung der dem Fortschritt in diesen ärmeren Ländern im
Wege stehenden Hindernissen ist vielleicht die größte Herausforderung an
unser Management, die sich uns heute
in der Welt stellt. Eine gemeinsame
Lösung für das Schuldenproblem ist
hier die einzig richtige Antwort.
Dazu gehören Partnerschaft unter den
Entwicklungsländern,
Handelsbanken
und internationale Finanzorganisationen.
Die immense von der Dritten Welt
getragene Schuldenlast ist nicht nur
ihr Problem; sie ist ebensosehr unser
Problem. Und heute wollen wir geloben: wir werden es gemeinsam lösen.
Zunächst sollten wir uns vor Augen halten, daß es dafür keine einfache Antwort oder schnelle Lösung
gibt. Diejenigen, die etwas anderes
raten, erliegen einem Fehlschluß oder
sagen nicht die Wahrheit. Jetzt ist
es an der Zeit für vernünftige Entscheidungsprozesse
und
verantwortungsvolles Management. Diejenigen,
die falschen Propheten folgen wollen
und Illusionen nachhängen statt eine
Lösung zu suchen, werden die Konseguenzen ihrer Taten zu spüren bekommen.

Die Vereinigten Staaten haben ein
konstruktives Programm vorgeschlagen,
mit dem die Schulden nicht beglichen
werden sollen, indem den Nationen der
Wohlstand entzogen wird, die bereits
arm sind, sondern durch eine Steigerung wirtschaftlicher Aktivitäten sowie durch Begleichung der Schulden
aus neuerworbenem Wohlstand. Vergangene Woche kündigte Finanzminister
Baker an, die Vereinigten Staaten
würden dieses Programm unterstützen
und erklärte, die Mittel der Weltbank
müßten aufgestockt werden. In Kürze
wird eine Reihe von Vorschlägen zur
Stärkung des IWF vorgelegt werden,
mit deren Hilfe wachstumsorientierte
Reformen gefördert werden sollen.
Aber dies allein wird nicht genügen.
Die Staatsoberhäupter der Schuldnerländer müssen schwierige Entscheidungen treffen.
Unser Motto muß
heißen: Wir können es schaffen.
Niemand sollte die Ansicht vertreten, manche Völker seien aufgrund
ihrer Kultur oder Rasse zu Armut und
Benachteiligung verurteilt.
Victor
Hugo schrieb dazu: "Den Menschen
fehlt nicht die Kraft, sondern der
Wille". Und der "Wille" entsteht aus
der Erkenntnis, daß man erreichen
kann, was man sich vornimmt und daß
große Taten möglich sind.
Was wir brauchen, sind Engagement
und wie bei jedem guten Management,
ein funktionsfähiges Modell. Solche
Modelle gibt es auf der Welt durchaus. In den vergangenen dreißig Jahren fanden außergewöhnliches Wachstum
und wirtschaftliche Fortschritte in
den Entwicklungsländern des Pazifischen Beckens statt, von denen es
einigen an allen wichtigen Bodenschätzen und auch an einer angemessenen geographischen
Lage mangelt.
Diese Völker haben große Schwierig-

�keiten überwunden, ihren Lebensstandard verbessert und sind zu einer
treibenden Kraft in der Weltwirtschaft geworden.
Sie haben dies
durch die Anwendung wirtschaftlicher
Konzepte erreicht, wie sie Amerikas
Wirtschaft in diesen vergangenen fünf
Jahren wiederbelebt haben. Steuerliche Maßnahmen und Regeln, mit deren
Hilfe Investitionen und Unternehmergeist ermutigt werden, sind das Geheimnis hinter diesem Wunder.
Und Schulden waren dementsprechend kein so ernsthaftes Hindernis
für das Wachstum im Pazifischen Bekken wie anderswo.
Der Erfolg, über den ich hier
spreche, steht völlig im Gegensatz zu
der Armut und dem Verfall, wie er in
den Ländern mit dirigistischen Entwicklungsmodellen sichtbar wurde. In
vielen Teilen Afrikas hat Kollektivismus sogar in den Ländern zu einem
Konjunkturrückgang geführt, die reich
an Bodenschätzen sind. Es besteht
jedoch Grund zu der Hoffnung, daß
sich das Blatt in Afrika gewendet
hat. Ein zunehmendes Engagement für
wirtschaftliche Reformen stellt eine
der vielversprechendsten Entwicklungen seit Jahren dar. Der Senegal,
Ghana, Kamerun und Malawi sind einige
der Länder, in denen marktorientierte
Reformen Anwendung finden. Diese Bemühungen werden vom IWF und der Weltbank unterstützt.
Die Vereinigten
Staaten tun, was sie können. Unsere
Bemühungen um die Wirtschaft der
afrikanischen Länder südlich der Sahara zielen darauf ab, dem Hunger
durch wirtschaftliches Wachstum, politische Reformen und die Entwicklung
des Privatsektors ein Ende zu bereiten. Ich hoffe, daß mit Hilfe gemeinsamer Unterstützung für die politischen Reformen in Afrika - einschließlich aktiver Teilnahme anderer
Geberländer und Institutionen - bis

zum Ende des Jahrhunderts dem Hunger
in Afrika ein Ende bereitet werden
kann.
Die guten Aussichten in einigen
afrikanischen Ländern stehen völlig
im Gegensatz zu der anhaltenden Misere in Äthiopien. Wir müssen zugeben,
daß Dirigismus und Dürre die Ursachen
einer menschlichen Tragödie waren,
die das Herz der Menschen auf der
ganzen Welt rührte. Trotz der Spenden an Nahrungsmitteln, Medikamenten
und anderen Hilfsprojekten für Äthiopien - die von hilfsbereiten Menschen
in den westlichen Ländern gegeben
wurden - hat die dortige marxistische
Regierung mit Unterstützung der Sowjetunion eine Richtung eingeschlagen,
die Hoffnungen für die Zukunft zunichte macht. Leider kehrt der Hunger in das Land zurück und es wird
immer klarer, daß ein tiefgreifender
Wandel stattfinden muß, wenn die
2 000 Jahre alte Gesellschaft überleben soll.
Äthiopien ist natürlich ein extremes Beispiel. Trotzdem besteht in
jedem Teil der Welt eine nicht zu
leugnende Beziehung zwischen Freiheit
und den Fortschritten der Menschen.
Je repressiver die Regierung, je mehr
Kontrolle durch die Regierung stattfindet, je ruinöser das Steuersystem,
umso eher wird eine Gesellschaft in
Armut
und
Verzweiflung
absinken.
John Dos Passos hatte nur zu recht
mit seiner Äußerung: "Der Marxismus
hat nicht nur bei bei der Förderung
der Freiheit des Menschen versagt.
Er hat bei der Produktion von Nahrungsmitteln versagt".
Chinesische Politiker haben das
verstanden, als sie ihrem Land den
Übergang zu einem freieren Wirtschaftssystem ebneten. In China finden jetzt weitverbreitete und umwälzende Reformen statt. Von 1979 bis

- 7 -

�1985 ist der Wert der Agrarproduktion
in China um das Doppelte des Wertes
der vergangenen fünfzehn Jahre gestiegen. Das Pro-Kopf-Einkommen der
Landbevölkerung hat sich mehr als
verdoppelt. Die gesamte Getreideernte ist von 300 Millionen Tonnen im
Jahr 1978 auf über 400 Millionen Tonnen im Jahr 1984 angestiegen.
Im
Jahr 1985 ist China zum ersten Mal in
25 Jahren zu einem Getreideexporteur
geworden. Ähnliche Fortschritte werden in anderen Teilen der Wirtschaft
verzeichnet, wo Reformen eingeführt
worden sind.
Auf der ganzen Welt erkennen die
Menschen, daß der Fortschritt ihre
Loslösung von rigider Kontrolle, hohen Steuern und von der Last stark
subventionierter
Staatsunternehmen
erfordert. In zahlreichen Industrie
und vielen Entwicklungsländern ist
die Abschaffung staatlicher Einflußnahme jetzt an der Tagesordnung. Anstatt Privatunternehmen als Gegner
anzusehen, betrachten die Regierungen
sie jetzt als große Hoffnung für
Fortschritt und Entwicklung. Steuersätze werden von Neuseeland bis
Frankreich, von Indien bis England
abgebaut. Regierungsunternehmen werden von Ghana bis Argentinien, von
den Philippinen bis Mexiko wieder in
die Privatwirtschaft überführt uri
von Subventionen befreit.
Der Antrieb zur Privatisierung
bildet eine unmittelbare Ergänzung
der Bemühungen zum Abbau der Schuldenlast. Die Umwandlung von Kreditforderungen in Beteiligungen kann
eine Methode zur Umgestaltung von
Verluste
bringenden
staatlichen
Dienstleistungsbetrieben in steuerzahlende
Privatunternehmen
bieten.
Die Schulden werden abgebaut und eine
Leistung der öffentlichen Haushalte
entfällt. Dem Staat steht es somit
frei, seine Mittel und Aufmerksamkeit

anderen Angelegenheiten zuzuwenden.
Meine von Botschafter William
Middendorf geleitete Präsidialkommission für wirtschaftliche Gerechtigkeit hat empfohlen, diese Methode
könne nicht nur zur Verringerung der
Schulden und Ankurbelung der Privatisierung angewandt werden, sondern
auch zur Ausweitung der Unternehmensbeteiligung von Arbeitnehmern. Kühne, innovative Ideen wie diese stehen
im Einklang mit der GesamtschuldenStrategie der Vereinigten Staaten und
verdienen es, ernsthaft erwogen zu
werden. Was wir heute nicht benötigen ist eine Haltung des Business-asusual. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin mit all jenen zusammenarbeiten, die ehrliche Anstrengungen
zur Lösung des Schuldendilemmas unternehmen.
So bedrückend
unsere Probleme
auch sind: Niemand sollte daran zweifeln, daß die Demokratie funktioniert.
Die ungezügelte Schaffenskraft freier Menschen ist die mächtigste, schöpferischste und moralischste Kraft auf unserem Planeten.
Und durch all die politischen Manöver
und öffentlichen Debatten hindurch,
durch die mühsamen Verhandlungen,
Kompromisse und Abstimmungen fühlt
jeder der Beteiligten, daß er oder
sie Teil von etwas viel Größerem, von
etwas Historischem ist. An jedem Tag
verdichten sich die Hinweise darauf,
daß die Zukunft auf Seiten der Freien
ist.
In der westlichen Hemisphäre
hat sich in den achtziger Jahren eine
Wende zur Demokratie vollzogen. Heute leben 90 Prozent der Bevölkerung
dieser Hemisphäre in Ländern, die
entweder demokratisch regiert werden
oder sich im Übergang zur Demokratie
befinden.
All jenen, die die Freiheit lieben, schlägt aufgrund der Rückkehr

�zur Demokratie auf den Philippinen
und der jüngsten Ereignisse in Südkorea das Herz höher. All dies sind
Gründe, darauf zu vertrauen, daß die
Menschheit sich wirklich auf dem Weg
in eine neue Sra der Freiheit und des
Wohlstandes, jener zwei sich gegenseitig verstärkenden Ziele, befindet.
Andres Bello, einer der großen
Denker des vergangenen Jahrhunderts,
hat einmal geschrieben: "Alle Wahrheiten berühren einander, von denen,
die den Weg der Planeten im Weltall
beherrschen ... bis hin zu jenen, die
die Aktionen und Reaktionen der politischen Kräfte betreffen. ... Fortschritte in einer Sparte ziehen Fortschritte in allen anderen nach sich,
alle sind verbunden und treiben sich
gegenseitig vorwärts."
Heute sind wir Teil dieses von
freien Männern und Frauen eingeleiteten Prozesses, der die Menschheit
vorwärts treibt. Die Weltbank, der
Weltwährungsfonds und jeder von Ihnen
spielen eine lebenswichtige Rolle und
es war eine Ehre für mich, heute zu
Ihnen zu sprechen.

* * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

30. September 1987

34

INF-ABKOMMEN DIENT SICHERHEITSINTERESSEN DER VERBÜNDETEN
- Rede von Botschafter Paul Nitze vor der M A S -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans und Außenminister Shultz1 Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Botschafter Paul Nitze, sprach am 28. September anläßlich eines vom amerikanischen Verband zur Förderung der Wissenschaft (American Association for the Advancement of Science - AAAS) veranstalteten Kolloguiums über Wissenschaft, Rüstungskontrolle und nationale Sicherheit zum Thema "Die INF-Verhandlungen und die Sicherheit Europas".
Nachfolgend veröffentlichen wir seine Rede im Wortlaut:

Vor zwei Wochen gelang es den
Außenministern Shultz und Schewardnadse, erhebliche Hindernisse für
einen Rüstungskontrollvertrag mit der
Sowjetunion über Mittelstreckenwaffen
(INF) abzubauen. Bei dieser Zusammenkunft wurden die letzten grundsätzlichen Probleme gelöst. Das bedeutet noch kein Ende der Arbeit; die
entscheidenden
Verifizierungsmaßnahmen müssen noch ausgearbeitet werden,
und ganz zum Schluß könnten immer
noch Hindernisse auftreten.
Aber
wenn es uns gelingt, einen Vertrag
über
Mittelstreckenwaffen
abzu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schließen, zu ratifizieren und anzuwenden, wird er von erheblichem Nutzen für die Sicherheit unserer Verbündeten in Europa und in Asien und
damit auch für unsere eigene Sicherheit sein. Ich möchte Ihnen im folgenden den Stand der INF-Verhandlungen, die Aussichten für ihren Abschluß und die von uns angestrebten
Auswirkungen des Abkommens auf die
Sicherheit darlegen.
Historischer Hintergrund
Um die gegenwärtige Situation in

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die richtige Perspektive zu rücken,
empfiehlt sich ein Rückblick auf den
Stand der INF-Verhandlungen vor viereinhalb Jahren.
Im Frühjahr 1983
legte die amerikanische Delegation in
Genf die fünf folgenden Kriterien
vor, die die Vereinigten Staaten als
grundlegend
für die Annehmbarkeit
eines Vorschlags zu den Mittelstrekkenwaffen betrachten:
Erstens müßte der Vorschlag gleiche Rechte und Begrenzungen für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vorsehen.
Zweitens müßten die Begrenzungen
bilateralen Charakter haben und nicht
durch Drittstaatensysteme kompensiert
werden können.
Drittens sollten sich die Begrenzungen auch auf Mittelstreckenwaffen
längerer Reichweite beziehen, wo immer diese auch stationiert sein mögen, um sicherzustellen, daß das Problem der Sicherheit nicht von Europa
in den Fernen Osten verlagert wird.
Viertens dürfte der Vorschlag
keine Schwächung des amerikanischen
Beitrags zur Abschreckung und Verteidigung im konventionellen Bereich der
NATO mit sich bringen,
Schließlich müßten alle Bestimmungen des Vertrages wirksam verifizierbar sein.
Keines dieser Kriterien wurde mit
dem damaligen sowjetischen Vorschlag
erfüllt. Die Sowjets schlugen vor,
britische und französische untersebootgestützte
ballistische
Raketen
(SLBMs), Mittelstreckenwaffen (IRBMs)
und Flugzeuge "mittlerer Reichweite"
sollten gemeinsam mit den amerikanischen Streitkräften in die Begrenzungen unserer Seite eingeschlossen
werden; die Einschränkungen wären al-

so nicht bilateraler Natur gewesen.
Aufgrund dieser sogenannten "Kompensierung" wären die Begrenzungen nicht
gleichwertig
gewesen;
sowjetischen
Kalkulationen zufolge wären den Vereinigten Staaten überhaupt keine Mitte Istreckenwaffen längerer Reichweite
zugestanden worden, während die Sowjets umfangreiche Streitkräfte behalten hätten. Die Null-Lösung hätte
nur auf unserer Seite stattgefunden.
Die Sowjets schlugen vor, das
INF-Abkommen sollte nur in Europa Anwendung finden; das Problem der Sicherheit hätte so in den Fernen Osten
verlagert werden können und aufgrund
der Reichweite, Mobilität und Transportfähigkeit der SS-20 wäre Europa
weiterhin einer nicht unerheblichen
Bedrohung ausgesetzt gewesen.
Die
Sowjets schlugen Reduzierungen bei
Mehrzweckflugzeugen vor; damit wäre
der amerikanische Beitrag im konventionellen Bereich der NATO verringert
worden. Schließlich mußten noch Problem der Verifizierung gelöst werden.
Heute,
vier
Jahre
später,
herrscht auf beiden Seiten Übereinstimmung über die Grundzüge eines Pakets, das vier dieser fünf Kriterien
erfüllt. Britische und französische
Systeme sind von diesem Paket ausgenommen.
Beiderseitige Begrenzungen
bei Null sind für amerikanische und
sowjetische INF längerer und kürzerer
Reichweite festgelegt worden. Diese
Systeme sind weltweit beschränkt, und
Mehrzweckflugzeuge sind von den Begrenzungen ausgenommen.
Zum fünften Kriterium der Verifizierbarkeit sind wir uns mit den Sowjets über die generellen Prinzipien
der Verifizierung einig, einschließlich der Vor-Ort-Inspektion, es bleiben jedoch noch Einzelfragen offen.
Daraus ist zu folgern, daß wir bei
INF bereits einen weiten Weg zurück-

- 2 -

�gelegt haben, es aber immer noch eine
Strecke zu bewältigen gilt.
Der gegenwärtige Stand
Das Paket, auf das sich beide
Seiten grundsätzlich geeinigt haben,
ähnelt der "Null-Lösung", wie sie von
Präsident Reagan zum ersten Mal im
Jahr 1981 vorgeschlagen wurde. Es
umfaßt die folgenden Vereinbarungen:
Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (zwischen
1 000 und 5 500 Kilometern) weltweit.
Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite (zwischen 500
und 1 000 Kilometern) weltweit.
Vernichtung aller abgebauten Raketen, das heißt, keine dieser Raketen wird in einen anderen Typ umgewandelt oder an ein anderes Land weitergegeben,
Verbot der Produktion, Modernisierung und Erprobungsflüge von Mittelstreckenraketen,
Verifizierung unter anderem durch
umfassenden Datenaustausch, Vor-OrtBeobachtung der Abschaffung von INFRaketen, wirksame Überwachung einschließlich Vor-Ort-Inspektion verbleibender INF-Raketen bis zu deren
Abschaffung sowie Beobachtung aller
angeschlossenen Einrichtungen.
Beide Seiten haben für den Vertrag
Formulierungen
vorgeschlagen,
die auf die weltweite Abschaffung von
Mittelstreckenraketen sowie auf andere Bestandteile ihrer jeweiligen
Position eingehen und einen gemeinsamen Vertragsentwurf erarbeitet. Bei
nicht beigelegten Meinungsverschiedenheiten zwichen beiden Seiten steht

der von der anderen Seite bevorzugte
Text in Klammern.
Im Verlauf der
Verhandlungen wird man sich mit der
Lösung dieser Meinungsverschiedenheiten befassen, so daß die Klammern
ausgelassen und ein vollständig ausgehandelter
Vertrag
hervorgebracht
werden kann.
Die Pershing
Deutschland

1A

der

Bundesrepublik

Das Haupthindernis beim Zusammentreffen Shultz-Schewardnadse betraf
die Pershing lA-Raketen der Bundesrepublik Deutschland und die Gefechtsköpfe der Vereinigten Staaten für
diese Raketen, die sich im Rahmen
einer festgelegten gemeinsamen Kooperationsstruktur mit der Bundesrepublik Deutschland in unserem Besitz
befinden.
Nachdem die Sowjets im
Verlauf von über fünf Jahren der INFVerhandlungen keine Begrenzungen dieser Systeme vorgeschlagen haben, forderten sie plötzlich im vergangenen
Frühjahr, diese amerikanischen Gefechtsköpfe sollten als abzuschaffende Systeme im Vertrag Niederschlag
finden. Dazu waren wir nicht bereit.
Während der zwei Jahrzehnte währenden Rüstungskontrollgespräche mit
den Sowjets vertraten die Vereinigten
Staaten die Auffassung, amerikanischsowjetische
Verhandlungen
beträfen
weder Drittstaatensysteme noch mit
unseren Verbündeten bestehende Kooperationsprogramme.
Unsere Gefechtsköpfe auf den Pershing-Raketen der
Bundesrepublik sind Teil dieses Kooperationsprogramms. Demzufolge werden wir mit den Sowjets keine Begrenzungen aushandeln, die Bedingungen
dieses amerikanischen-deutschen Vertrages verändern.
Obwohl wir diese kurzfristige
Forderung der Sowjets als künstliches
Hindernis betrachteten, mit dem Zwie-

- 3-

�tracht unter den NATOVerbündeten gesät werden sollte, wurde eine praktische Lösung durch eine im vergangenen
Monat abgegebene Stellungnahme Bundeskanzler Kohls möglich. Er erklärte, die Bundesrepublik würde ihre
Pershing-Raketen abbauen, wenn die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen verifizierbaren INF-Vertrag abschließen und anwenden werden
und die Abschaffung amerikanischer
und sowjetischer Mittelstreckenraketen gemäß dem vereinbarten Zeitplan
durchgeführt würde.
Wir haben den Sowjets erklärt,
daß bei Erfüllung der von Bundeskanzler Kohl geäußerten Bedingungen seiner Aussage nach das Kooperationsprogramm im Bereich der Pershing-Raketen
beendet sein wird. Zu dem Zeitpunkt
werden die Gefechtsköpfe der Vereinigten Staaten für die deutschen Pershing-Raketen in Gefechtsköpfe umgewandelt werden, die keinem bestehenden Kooperationsprogramm unterliegen,
und sie werden abgezogen werden. Wir
sind mit den Sowjets übereingekommen,
daß die abgezogenen Gefechtsköpfe mit
Hilfe derselben Verfahrensweisen abgeschafft werden, wie sie für amerikanische und sowjetische Gefechtsköpfe von Mittelstreckenraketen Anwendung finden. Die Vorrichtungen für
die Kernexplosion und das Lenksystem
werden entfernt und den nationalen
Behörden übergeben werden; der verbleibende Gefechtskopf wird zerstört.
Dieses Ergebnis dient eindeutig
der Wahrung unseres Prinzips, bestehende Regeln der Zusammenarbeit nicht
durch ein bilaterales amerikanischsowjetisches Abkommen einzuschränken.
Die Sowjets haben erkannt, daß eine
Beendigung des amerikanisch-deutschen
Kooperationsprogramms
das Ergebnis
einer einseitigen Entscheidung wäre.
Wir haben im gesamten Verlauf der
Verhandlungen in engen Konsultationen

mit der Bundesrepublik Deutschland
gestanden, die dieses Ergebnis unterstützt.
Amerikanische
Verifizierung

Haltung

zur

Die vordringlichsten noch im Detail zu erörternden Themenkomplexe
sind der Zeitpunkt der Reduzierungen
sowie der entscheidende Bereich der
Verifizierung. Bei den Treffen zwischen Shultz und Schewardnadse haben
beide Seiten die Probleme der Verifizierung nicht in allen Einzelheiten
besprochen, da die Sowjets mehr Zeit
zur Prüfung der detaillierten, von
uns einige Tage zuvor in Genf unterbreiteten Vorschläge zur Verfügung
haben wollten.
Beide Seiten waren
sich jedoch über die Notwendigkeit
rascher Fortschritte in dieser Frage
einig.
Die jüngsten amerikanischen Vorschläge zur Verifizierung unterscheiden sich von den vorherigen, da sich
die verifizierbaren Begrenzungen verändert haben. Lassen Sie mich also
eine kritische Analyse des amerikanischen
Ansatzes
zur Verifizierung
eines zukünftigen INF-Abkommens vornehmen.
So nützlich das INF-Abkommen erscheinen mag und so erfolgreich wir
dabei vorgegangen sind, die Sowjets
zu einem Ergebnis zu bringen, das unserer ursprünglichen Zielsetzung entspricht, wäre das Abkommen dennoch
das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist, wenn es nicht wirksam
verifizierbar wäre. Wirksame Verifizierung ist die unabdingbare Gewährleistung für den nachhaltigen Beitrag
eines jedweden Abkommens zu Frieden
und Stabilität.
Vor einigen Monaten unterbreiteten die Vereinigten Staaten in Genf

�einen detaillierten Verifizierungsvorschlag zur Sicherstellung umfangreicher und wirksamer Maßnahmen für
die Verifizierung der INF-Obergrenzen, auf die man sich zu diesem Zeitpunkt geeinigt hatte - 100 Gefechtsköpfe auf INF-Raketen längerer Reichweite weltweit, von denen keine in
Europa
stationiert
sein
sollten.
Gleichzeitig teilten wir den Sowjets
mit, ein Abkommen zur Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
INF-Raketen würde die Verifizierungsmaßnahmen vereinfachen.
Schließlich
würde mit solch einem Abkommen die
gesamte INF-Infrastruktur abgebaut,
und die Entdeckung nur einer einzigen
Rakete nach Beendigung der Reduzierungen würde den Beweis für die
Nichteinhaltung des Vertrages erbringen.
Nachdem die Sowjets der weltweiten Beseitigung dieser Raketen zugestimmt hatten, schlugen wir solch
einen vereinfachten Verifizierungsansatz vor. Wir teilten den Sowjets
mit, daß sich unser neuer Verifizierungsvorschlag auf folgende Annahmen
gründete:
Abbau aller INF-Raketen kürzerer
Reichweite innerhalb eines Jahres.
Abbau aller INF-Raketen längerer
Reichweite innerhalb von drei Jahren
und
Verbot der Modernizierung, Produktion und Erprobungsflüge von INFRaketen.
Vorbehaltlich der Zustimmung zu
diesen Bedingungen würden unsere vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
folgende Bestandteile enthalten:
Detaillierten und - sofern erforderlich - aktualisierten Austausch
von Daten über den Standort der Rake-

tenunterstützungseinrichtungen,
die
Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in diesen Einrichtungen
sowie technische Parameter dieser Raketensysteme.
Benachrichtigung über den Transport von Raketen und AbschußVorrichtungen zwischen bekanntgemachten Einrichtungen.
Eine Grundinspektion zur Verifizierung der Anzahl von Raketen und
Abschußvorrichtungen
in bekanntgemachten Einrichtungen.
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung der Vernichtung von Raketen
und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Inspektion
offengelegter Einrichtungen und
kurzfristig anberaumte Inspektion
bestimmter Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion,
in denen dem Vertrag zuwiderlaufende
Raketenaktivitäten vermutet werden.
Mit
diesem
Verifizierungspaket
würden die einschneidendsten Verifizierungsmaßnahmen in der Geschichte
der Rüstungskontrolle in die Wege geleitet.
Von den Sowjets erwarten
wir, daß sie ihre Verpflichtung zur
intensiven Zusammenarbeit mit uns bei
der Erarbeitung einer Grundlage für
die wirksame Verifizierung des INFVertrages einhalten.
Aussichten für einen Vertragsabschluß
Wie stehen die Aussichten für
einen Vertragsabschluß? Es ist vielversprechend, daß keine Grundsatzprobleme offen geblieben sind. Dennoch sollte man nicht vergessen, daß
der Teufel häufig im Detail steckt.

- 5-

Auf dem Gebiet der Verifizierung

�bleibt noch sehr viel zu tun. Beide
Seiten müssen sich noch auf den Zeitplan der Reduzierungen einigen. Auch
hier scheint jedoch die offen gebliebene Frage technischen Charakter zu
haben - zum Beispiel, wie schnell
beide Seiten ihre Raketen sicher vernichten können - und wir sind übereingekommen, unseren INF-Delegationen
die erforderlichen Experten zur raschen Lösung dieser Frage zur Seite
zu stellen.
Der vielleicht vielversprechendste Aspekt ist, daß die Sowjets ebenso entschlossen zu sein scheinen wie
wir, so schnell wie möglich ein von
beiden Seiten akzeptiertes Abkommen
zu schließen. Wir haben uns dahingehend
geeinigt,
daß Außenminister
Shultz in der zweiten Oktoberhälfte
zur Erörterung noch verbleibenden
Fragen sowie aller anderen Themenkomplexe auf der breitgefächerten
amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung nach Moskau reisen wird. Ferner
haben wir uns auf ein Gipfeltreffen
zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow zwecks Unterzeichnung
eines
INF-Vertrages
im
Herbst dieses Jahres geeinigt. Unsere seit April letzten Jahres ohne
Unterbrechung in Genf tagende Delegation wird intensiv auf die Einhaltung
dieses Zeitplans hinarbeiten und hat
sich in eben dieser Woche zu einem
vorgezogenen Sitzungsplan bereit erklärt.
Auswirkung des Vertrages
Abschließend möchte ich eine immer häufiger erörterte Frage ansprechen: Würde ein INF-Vertrag in dem
von mir umrissenen Rahmen im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und der NATO liegen?
Seine Kritiker lassen zwei Hauptargumente unberücksichtigt. Das er-

ste von ihnen vorgebrachte Argument
ist, daß der Abzug amerikanischer
INF-Raketen aus Europa die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion untergraben und die amerikanische Verteidigung von der NATO-Abschreckung abkoppeln würde.
Dieses Argument ist schwer zu akzeptieren, wenn man die Fähigkeiten
berücksichtigt, die der NATO verbleiben würden.
In Europa würden die
Vereinigten Staaten mehr als 4 000
nukleare Gefechtsköpfe für eine Vielzahl amerikanischer und bündniseigener Trägersysteme aufrechterhalten wie zum Beispiel Flugzeuge mit nuklearer Fähigkeit, bis hin zur F-III
mit einer größeren Reichweite als die
Pershing II, Kurzstreckenraketen und
nukleare Artillerie.
Ferner würden
der NATO weiterhin mehrere Hundert
SLBM-Gefechtsköpfe zur Verfügung stehen. Die britischen und französischen
Systeme
würden
stationiert
bleiben und die Modernisierungsprogramme könnten planmäßig durchgeführt
werden.
Und natürlich würden die
amerikanischen strategischen Streitkräfte weiterhin eine solide Grundlage der nuklearen Abschreckung darstellen.
Würden die Vereinigten Staaten
also von der NATO abgekoppelt? Angesichts der in Europa verbleibenden
Systeme sowie unserem umfassenden
Beitrag zur konventionellen Verteidigung der NATO, einschließlich der
mehr als 300 000 in Westeuropa stationierten
amerikanischen
Truppen,
scheint mir das Gerede von der Abkoppelung ungerechtfertigt.
Es erscheint nützlich, sich als
erstes die logische Grundlage für die
NATO-Entscheidung zur Stationierung
von LRINF-Raketen ins Gedächtnis zu
rufen. Mit seinem Doppelbeschluß von
1979 sprach sich das Bündnis zunächst

�für die Notwendigkeit kriegsschauplatzgebundener Raketen mit der Fähigkeit zur Bedrohung von Zielen auf
sowjetischem Territorium aus, als Reaktion auf die sowjetische Stationierung von Raketen mit geringerer
Reichweite als die der Interkontinentalraketen, d.h., der SS-20, die eine
Bedrohung der NATO-Länder von sowjetischem Territorium her darstellen.
Zweitens beschloß das Bündnis,
daß der Abbau der SS-20 und anderer
sowjetischer Raketen dieser Kategorie
Stationierungen der NATO unnötig machen würde. Mit anderen Worten, die
amerikanischen INF-Raketen waren dazu
gedacht, die Verbündeten der andauernden Wirksamkeit der Abschreckungsstrategie der NATO gegenüber den
SS-20 zu versichern. Wie die Verbündeten selbst klarstellten, wäre eine
solche Rückversicherung
angesichts
der anderen Beiträge der Vereinigten
Staaten zur Verteidigung der NATO
überflüssig, wenn die SS-20 entsprechend der Null-Lösung abgebaut würden.

gerückte INF-Vertrag weder die flexible Reaktion untergraben, noch die
Vereinigten Staaten von der NATO abkoppeln, noch zur Entnuklearisierung
Europas führen. Dagegen würde dieser
Vertrag das beträchtliche Ungleichgewicht der nuklearen Fähigkeiten abbauen, wie es von den Verbündeten Ende der siebziger Jahre erkannt wurde
und das Ungleichgewicht der von den
Bündnispartnern vorgeschlagenen Mittel beheben. Bis zum Abschluß dieses
Vertrages müssen wir noch einen weiten Weg zurücklegen, aber wenn es uns
gelingt, dieses Ziel zu erreichen,
wird damit den Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten und des Bündnisses gedient sein.

Das zweite, von Kritikern des zukünftigen
Vertrages
vorgebrachte
Hauptargument ist, daß er unaufhaltsam die vollständige Entnuklearisierung Europas anstreben würde. In der
Tat hat das Bündnis zugestimmt, daß
Nuklearwaffen weiterhin entscheidend
zur NATO-Strategie der Abschreckung
beitragen werden. Hochrangige NATOOffiziere sind sich angesichts des
weiterhin bestehenden beträchtlichen
Ungleichgewichts bei konventionellen
und chemischen Waffen der Fallstricke
weiterer Reduzierungen von Kernwaffen
in Europa wohl bewußt.
Sie sind
übereingekommen, daß Umfang und Wirksamkeit der Nuklearreserven des Bündnisses sich mit der Aufgabe der Abschreckung auf der niedrigstmöglichen
Ebene decken müssen.
Daher würde der in greifbare Nähe

- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
30. September 1987

34

FRIEDEN UND STABILITXT VORRANGIGES ZIEL IN DER GOLF-REGION
- Präsident Reagans Erklärung zur Lage im Golf -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer schriftlichen Erklärung forderte Präsident
Reagan die Sowjetunion am 24. September auf, die Verwirklichung des mit der
Sicherheitsresolution 598 des Vereinten Nationen geforderten Waffenstillstandes zu unterstützen.
Reagan erklärte ferner Frieden und Sicherheit zum "vorrangigen" Ziel der
Vereinigten Staaten in der Golf-Region. "Es liegt nicht in unserem Interesse,
den Iran oder irgendjemand anders zu provozieren", betonte der Präsident, verwies jedoch darauf, daß Washington weiterhin Druck für einen Waffenstillstand
ausüben, die Freiheit der Seefahrt in der Region verteidigen und den amerikanischen Verbündeten bei der Abwehr der iranischen Bedrohung helfen will.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Ich habe heute den beigefügten
Brief über die von unseren Streitkräften am 21. und 22. September 1987
gegen das iranische Schiff 'Iran Ajr'
unternommenen
Verteidigungsaktionen
an den Kongreß übermittelt. Wir betrachten diesen Zwischenfall als erledigt, und es werden gegenwärtig
Schritte zur Rückführung der 26 überlebenden Iraner sowie zur Überführung
der drei bei dem Zwischenfall getöteten Personen unternommen.
In den letzten vier Jahrzehnten
haben acht Präsidenten erkannt, daß
es im vorrangigen Interesse der Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einigten Staaten liegt, der freien
Welt den Zugang zu den Energiequellen
des Persischen Golfs zu sichern und
eine feindliche Vorherrschaft in der
Golf-Region zu verhindern. Diese Interessen sind jetzt durch den iranisch-irakischen Krieg und durch das
anhaltend aggressive Verhalten des
Iran in der Region bedroht.
Der Irak hat seine Bereitschaft
erklärt, ohne Vorbedingungen eine gerechte Beilegung des Krieges auszuhandeln und die Sicherheitsresolution
598 der Vereinten Nationen anzuneh-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�men. Bis heute hat der Iran diese
Annahme verweigert. In der Zwischenzeit hat der Iran mit Hilfe militärischer Aktionen und terroristischer
Übergriffe seine Anstrengungen fortgesetzt, die friedlichen Nationen am
Golf einzuschüchtern, die Gewässer
für den neutralen Schiffsverkehr unpassierbar zu machen und eine zersetzende Mischung aus Religion und Politik in und außerhalb der Region zu
verbreiten.
Die Politik des Iran
schafft eine Bedrohung, durch die die
freie Schiffahrt und der freie Öltransport im Golf ernsthaft behindert
werden könnte.
Angesichts dieser Tatsachen müssen wir weiterhin konsequent unsere
begründete Politik der drei Schritte
im Golf verfolgen. Wir wollen
1.

zunehmend internationalen Druck
ausüben, um auf dem Verhandlungswege ein Ende des Krieges zu erlangen und seine Ausbreitung zu
verhindern;

2. weiterhin unerschütterlich unsere
Freunde, die friedlichen Nationen
am Golf, bei ihrer Verteidigung
gegen die Bedrohung aus dem Iran
unterstützen;
3.

auf vernünftige Art und Weise gemeinsame Bemühungen mit den Staaten des Rates für Zusammenarbeit
am Golf (Gulf Cooperation Council
- GCC) und anderen befreundeten
Ländern unternehmen, um Schiffe
unter amerikanischer Flagge zu
schützen und den Iran davon abzuhalten, die Freiheit der friedlichen Seefahrt ernsthaft zu gefährden.

Unser vorrangiges Ziel sind Frieden und Freiheit in der Region. Es
liegt nicht in unserem Interesse, den
Iran oder irgendjemand anders zu pro-

vozieren, obwohl wir uns bei Bedarf
verteidigen werden. Die Vereinigten
Staaten hoffen vielmehr, daß sich
normalere Beziehungen mit dem Iran
ergeben, wenn die Aggressivität des
Iran abnimmt und damit die Spannungen
in der Region abgebaut werden. Wir
haben diese Punkte wiederholt dem
Iran sowohl auf diplomatischem Wege
als auch mit öffentlichen Erklärungen
übermittelt.
Die Fortsetzung des iranisch-irakischen Krieges ist die Hauptursache
der zunehmenden Spannungen im Golf,
auf die unsere Streitkräfte und die
anderer Nationen reagiert haben. Wir
hoffen, daß der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen durch die baldige
Verwirklichung
von Resolution 598
eine auf dem Verhandlungswege erzielte
vollständige
Beilegung
dieses
Krieges hervorbringen kann. Wir hoffen, daß die Sowjetunion gemeinsam
mit dem Rat daraufhin arbeiten wird,
eine weitere Resolution anzunehmen
und daß sie den Prozeß nicht verzögert oder Möglichkeiten zur Erweiterung ihres Einflußbereiches auf Kosten des Friedens in der Region sucht.
Der Erfolg unserer Politik wird
zu einem großen Teil von der Konsequenz und Sorgfalt abhängen, mit der
wir diese durchführen. Unsere bisherige Entschlossenheit hat sich ausgezahlt - durch einen höheren europäischen Beitrag zum Schutz der freien Schiffahrt im Golf, durch die
stille, aber wichtige und wirkungsvolle Unterstützung der Bemühungen
unserer Marine und der anderer Nationen durch den GCC, mittels diplomatischer Bemühungen im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen und durch eine
Abschreckung noch rücksichtsloserer
iranischer Übergriffe.
Wir müssen
weiterhin unser Bestes tun, um unsere
Interessen zu schützen und mit uns
befreundete Nationen - wie auch unse-

- 2 -

�re Gegner - der anhaltenden Entschlossenheit
und
Führungsposition
der Vereinigten Staaten zu versichern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

BRENNTEST MIT VOLLER LEISTUNG
- Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in
der Erprobung -

Das Ergebnis des ersten Brennversuchs bei voller Leistung mit der umkonstruierten Feststoffrakete, die dem Raumtransporter beim Start zusätzlichen
Antrieb gibt, bezeichnete John Thomas, der Leiter des zuständigen NASA-Konstruktionsteams, als sehr befriedigend.
Die Inspektion des ersten Verbindungsteiles für die Hauptsegmente habe gezeigt, daß sich die Veränderungen bewähren. Am Verbindungsteil ("field Joint') waren keine heißen Gase durch die
neuartige Isoliermasse gedrungen. Die Dreifach-Ringdichtung hatte ebenfalls
ihre Funktion erfüllt. Und mit Ausnahme der Stellen, an denen sich heiße Aluminiumschlacke aus dem Treibstoff abgelagert hatte, hatte die Isoliermasse sogar ihre ursprüngliche Farbe. Zu derartigen Ablagerungen kommt es beim Start
eines Raumtransporters jedoch nicht, weil in diesem Fall die Schlacke mit den
Treibgasen ausgestoßen wird.
Der Brenntest war am 30. August
1987 auf einem Versuchsgelände der
Firma Morton-Thiokol in der Wüste des
US-Bundesstaates
Utah
durchgeführt
worden. Zwei Minuten lang, d.h. mit
der bei einem Start üblichen Dauer
und den dafür erforderlichen Mengen
an festem Treibstoff, brannte die horizontal montierte, 38 m lange Feststoffrakete mit einem riesigen Feuerschweif. Damit werde die erste Hürde
der für Juni 1988 geplanten Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
überwunden.
Drei bis vier weitere
volle Brennversuche sollen folgen -

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Embassy of the United States of America

der nächste Ende November.
Projektmanager Royce Mitchell bezeichnete den Versuch als den "kritischsten Test" seit Beginn des Programms zur Umkonstruktion, das nach
dem
CHALLENGER-Unglück
vom
Januar
1986 auf Vorschlag der Rogers-Kommission in Angriff genommen wurde. Die
in der Zwischenzeit erarbeiteten Änderungen
waren
in dem
getesteten
Feststoff-Booster zu 90 Prozent verwirklicht. So wurde z.B. die Abdichtung aus Synthesegummi zwischen den
großen Raketensegmenten von zwei auf

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�drei O-Ringe verstärkt und die Isolierung zwischen Brennkammer und Mantel verbessert. Es wurden Heizdrähte
eingebaut, um das Verbindungsteil bis
zum Start von außen her auf einer
Temperatur von 24 Grad Celsius zu
halten. Bei stärkerer Abkühlung besteht die Gefahr, daß das Dichtungsmaterial brüchig wird. Außerdem wurde das System der beim Zusammenfügen
der Segmente ineinandergreifenden Metallzungen und Metallklauen verbessert und mit zusätzlichen Sicherungen
versehen.

versuche
entsprechende
Belastungskomponenten eingeführt werden.
Der NASA-Direktor für bemannten
Raumflug, Richard Truly, betonte die
Bedeutung des jetzt erzielten Resultats, verwies aber zugleich darauf,
"Raumflug ohne Risiko" sei nicht realisierbar.
Er drückte ferner sein
großes Vertrauen in die im Rahmen des
gegenwärtigen Programms vorgenommen,
technischen Veränderungen aus.

* * * * *
Jede der beiden Feststoffraketen,
mit denen der Raumtransporter für den
Start ausgerüstet ist, besteht aus 11
Elementen. Sie werden im Herstellerwerk paarweise zu größeren - insgesamt vier - Segmenten zusammengebaut.
Ihre
Verbindungsstellen
bezeichnet
man als "factory joints".
Bei den
"field joints" handelt es sich um jene Verbindungen, die normalerweise
erst beim Zusammenbau der vier Hauptsegmente in Kap Canaveral entstehen.
Für den Ende August durchgeführten
Brenntest waren diese Montagearbeiten
in Utah ausgeführt worden. Und gegenwärtig
werden
"factory" wie
"field" -Verbindungsteile sehr gründlich untersucht.
Mit
insgesamt
520
Instrumenten
wurde der Ablauf des Versuchs in allen Einzelheiten
beobachtet.
Erst
nach Auswertung aller Meßdaten
wird
man darüber entscheiden, welche Art
von "künstlichen Pannen" beim nächsten Brenntest eventuell vorgegeben
werden sollen, um Aufschluß über weitere mögliche Gefahrensituationen zu
erhalten. NASA-Mitarbeiter verweisen
außerdem
darauf, daß beim letzten
Test bestimmte Belastungen , die sich
normalerweise durch das Gewicht von
Orbiter und externem Treibstofftank
ergeben,
nicht
auftraten.
Jedoch
sollen bei einem der nächsten Brenn- 2 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 30.09.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Freie Märkte stärken offenes Handeslsystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und Weltbank&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; INF-Abkommen dient Sicherheitsinteressen der Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Paul Nitze vor der AAAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Stabilität vorrangiges Ziel in der Golf-Region&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zur Lage am Golf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brenntest mit voller Leistung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

7. Oktober 1987

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan;

Kreative Diplomatie für Südafrika

- Zusammenfassung des Berichts an den Kongreß -

Die Geschichte der INF-Verhandlungen

»

- Eine Chronologie der amerikanischen Rüstungskontrollbehörde (ACDA)

Verhandlungen über Kern- und

Weltraumwaffen

- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge -

* * * * * *

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Dokumentation

7 . O k t o b e r 1987

35

&lt;

PRXSIDENT REAGANS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER

WASHINGTON - (AD) - In einer Feierstunde am 2. Oktober 1987 hat Präsident
Reagan den 6. Oktober 1987 zum Tag der Deutsch-Amerikaner erklärt. Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Mehr Amerikaner führen ihr Erbe
auf eine deutsche Abstammung zurück
als auf irgendeine andere Nationalität,
über sieben Millionen Deutsche
landeten in all den Jahren an unseren
Gestaden, und heute sind über 60 Millionen Amerikaner - jeder vierte
deutscher Herkunft. Nur wenige haben
sich so vollständig in das multikulturelle Gefüge der amerikanischen Gesellschaft integriert und dabei doch
so einzigartige wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Beiträge
zum Wachsen und Gedeihen dieser Ver-

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einigten Staaten geleistet wie
Amerikaner deutscher Abstammung.

die

Die
Vereinigten
Staaten
haben
sich eine Fülle deutscher Traditionen, Institutionen und Einflüsse zu
eigen gemacht.
Ihr ethnischer Ursprung ist vielfach in Vergessenheit
geraten.
Beispielsweise sind Weihnachtsbäume
und
Broadway-Musicals
alltägliche Bestandteile der amerikanischen Gesellschaft.
Unsere Kindergärten, Universitäten, das System
der
Sozialversicherung
und Gewerkschaften gründen alle auf Modellen,

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�die ihren Ursprung in Deutschland haben.
Deutsche Lehrer, Musiker und enthusiastische Amateure haben klassischer Musik, Kirchenliedern, Chorgesang und Marschmusik in unserem Land
unauslöschlich ihren Stempel aufgedrückt,
zu den deutschen Beiträgen
in Architektur und Design gehören die
moderne Hängebrücke, Bauhaus und Jugendstil. Deutsch-amerikanische Wissenschaftler haben dazu beigetragen,
die Vereinigten Staaten in der Welt
zur Pioniernation in Forschung und
Entwicklung zu machen.
Die amerikanische Arbeitsmoral, ein wesentlicher Faktor beim schnellen Aufstieg
der Vereinigten
Staaten
zu
ihrer
überragenden
Stellung in Landwirtschaft und Industrie, hat dem Engagement der Deutsch-Amerikaner für hervorragende Leistungen viel zu verdanken.
Seit mehr als drei Jahrhunderten
haben Deutsche zum Aufbau, zur Kräftigung und Stärkung dieses Landes
beigetragen.
Aber in dem Maße, wie
sie genommen haben, haben die Vereinigten Staaten auch gegeben.
Es
ist gerade eine Generation her, daß
die Vereinigten Staaten den MarshallPlan entwarfen und umgehend in die
Tat umsetzten, der der neuen deutschen Demokratie dabei half, aus dem
Schutt des Krieges zu erstehen und zu
einem Leuchtfeuer der Demokratie in
Mitteleuropa zu werden. Die Berliner
Luftbrücke stellte die amerikanische
Verpflichtung
zur Verteidigung der
Freiheit unter Beweis, als Berlin,
das noch im Begriff war, sich vom
Krieg zu erholen, von den Sowjets mit
Abschnürung bedroht wurde.
Heute
ist
die
Bundesrepublik
Deutschland ein Bollwerk der Demokratie im Herzen des geteilten Europa.
Deutsche und Amerikaner sind zurecht

stolz auf unsere gemeinsamen Werte
wie auch auf unser gemeinsames Erbe.
Seit über drei Jahrzehnten ist die
deutsch-amerikanische
Partnerschaft
ein Eckpfeiler des westlichen Bündnisses, ihm ist es zu verdanken, daß
eine ganze Generation von Amerikanern
und Europäern in Freiheit aufwachsen
konnte, um die Früchte dieser Freiheit zu genießen.
Unsere Geschichte ist auf diese
Weise ineinander verflochten.
Heute
leisten wir gegenseitig Beiträge zu
unserem Handel, erfreuen wir uns gegenseitig an unseren Kulturen und
lernen wir aus den Erfahrungen des
anderen.
Der
deutsch-amerikanische
Freundschaftsgarten, der in naher Zukunft im District of Columbia eingeweiht werden wird, steht als Symbol
für die engen und freundschaftlichen
Beziehungen
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten.
Durch Gesetz Nr. 100-104 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1987, das 304.
Jubiläum der Ankunft der ersten deutschen
Einwanderer
in Philadelphia,
zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" bestimmt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, eine Proklamation zur
Feier dieses Tages zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit
Dienstag, den 6. Oktober 1987, zum
Tag der Deutsch-Amerikaner. ich bitte alle Amerikaner, mehr über die
Beiträge der deutschen Einwanderer zu
Leben
und
Kultur
der
Vereinigten
Staaten in Erfahrung zu bringen und
diesen Tag mit angemessenen Feiern
und Veranstaltungen zu begehen.
* * * * * *

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%

^

Hintergrundmaterial

r&lt;o

7. Oktober 1987

35
REAGAN:

KREATIVE DIPLOMATIE FÜR SÜDAFRIKA

Zusammenfassung des Berichts an den Kongreß

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht an den Kongreß am 2. Oktober 1987
erklärte Präsident Reagan, die Vereinigten Staaten benötigten eine Zeit der
aktiven und kreativen Diplomatie gegenüber Südafrika, damit die südafrikanischen Völker zu konstruktiven Verhandlungen zusammenkommen könnten, deren
Ziel die Schaffung einer demokratischen Gesellschaft sein müsse. Dem Präsidenten zufolge hätten weitere Sanktionen eine gegenläufige Wirkung.
Die folgenden Auszüge sind einem 3 000 Worte umfassenden Bericht entnommen, den der Präsident dem Kongreß gemäß dem Allgemeinen Anti-Apartheid-Gesetz
von 1986 vorlegte. Laut der dem Bericht beigefügten Zusammenfassung erklärte
der Präsident, seit der Verabschiedung des Gesetzes "sind keine entscheidenden
Fortschritte in Richtung auf eine Beendigung der Apartheid gemacht worden".
Nachfolgend drucken wir die Zusammenfassung im Wortlaut.
Gemäß Sektion 501 des Allgemeinen
Anti-Apartheid-Gesetzes von 1986 (im
folgenden das Gesetz genannt) legte
Präsident Reagan dem Sprecher des Repräsentantenhauses und dem Vorsitzenden des Senatsausschusses für Auswärtige Beziehungen einen Bericht über
das Ausmaß vor, in dem entscheidende
Fortschritte in Richtung auf eine Beendigung
des Apartheid-Systems
und
die Gründung einer nicht nach Rassen
unterscheidenden Demokratie in diesem
Land erzielt worden sind.
Der Bericht enthält ferner die Empfehlung
des Präsidenten bezüglich möglicher,
gegenüber Südafrika zu verhängender

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zusätzlicher Maßnahmen.
Der
Bericht
gelangt
zu
der
Schlußfolgerung,
daß
seit
Oktober
1986 keine entscheidenden Fortschritte zur Beendigung der Apartheid gemacht und keines der in Titel I des
Gesetzes umrissenen Ziele - die von
der Administration und dem Kongreß
geteilt
werden
- erreicht
worden
sind.
Ferner gibt die Reaktion der
südafrikanischen
Regierung
auf das
Gesetz
im
vergangenen
Jahr
wenig
Grund zu der Hoffnung auf eine baldige Umkehrung dieser Tendenz oder auf

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�bessere Ergebnisse
Maßnahmen.

durch

zusätzliche

Der Bericht nimmt eine Überprüfung der seit der Verabschiedung des
Gesetzes vergangenen zwölf Monate vor
und beschreibt die anhaltende düstere
Lage der Schwarzen in Südafrika, die
sich wachsenden Repressalien, Schikanierungen und - sogar im Falle einer
beträchtlichen Anzahl Jugendlicher Verhaftungen ausgesetzt sehen.
Die
Pressezensur wurde verschärft und illegale Überfälle südafrikanischer Sicherheitskräfte über die Grenzen hinweg auf die Nachbarländer führten zum
Verlust unschuldiger Menschleben.
Im wirtschaftlichen Bereich haben
die Sanktionen dem Bericht zufolge
nur minimal auf eine Unterbrechung
des
südafrikanischen
Außenhandels
hingewirkt, da es Südafrika immer
wieder gelungen ist, Ersatzmärkte für
seine Produkte außerhalb der Vereinigten Staaten zu erschließen.
In
den Bereichen, in denen einschneidende
Auswirkungen
beobachtet
werden
konnten, insbesondere in der Kohleund Zuckerindustrie, verursachte der
Verlust von Absatzmärkten in den Vereinigten Staaten zusätzliches Elend
unter den schwarzen Arbeitern, die
sich
zunehmender
Arbeitslosigkeit
ausgesetzt sehen.
Insgesamt war die
Wirtschaftsleistung
Südafrikas
aufgrund der geringen Investitionstätigkeit, ungünstiger internationaler Bedingungen und Dürren in den landwirtschaftlich
genutzten Gebieten eher
schwach.
Die Sanktionen haben ein
bereits bestehendes Problem nur verschärft.
Der Bericht beobachtet weiterhin
seit Beginn der jüngsten Unruhen in
Südafrika einen beträchtlichen Investitionsrückgang
amerikanischer
Unternehmen. Der Bericht verweist darauf, daß die schmerzlichste Auswir-

kung dieser Tendenz zum Abzug des Anlagekapitals im Verschwinden der von
den Unternehmen finanzierten Sozialhilfe-, Wohnungsbau-,
Bildungs- und
Ausbildungsprogramme
zu sehen ist,
die darauf ausgerichtet waren, den
Lebensstandard
und
die beruflichen
Möglichkeiten der schwarzen Südafrikaner zu verbessern.
Im politischen Sinne vermittelte
das Gesetz von 1986, das auf durch
Exekutiverlaß im Jahr 1985 verhängte
selektive Maßnahmen folgte, eine eindringliche Botschaft der Verabscheuung von Apartheid durch das amerikanische Volk.
Das unmittelbare Ergebnis war jedoch eine merkliche Verringerung
unserer
Fähigkeiten, die
südafrikanische Regierung von verantwortlichem Verhalten bei Menschenrechtsthemen und Zurückhaltung in der
Region zu überzeugen. Der vielleicht
einzige Hoffnungsschimmer während des
beobachteten Zeitraums war die schwelende Unruhe unter den Afrikanern, wo
das Thema der "Gewaltenteilung" zunehmend öffentlich diskutiert wird.
Während
dieses und andere zur
Diskussion stehende Themen noch meßbarer Ergebnisse entbehren, könnten
sie doch zum Vorläufer eventueller
Verhandlungen zwischen der südafrikanischen Regierung und der schwarzen
Führung werden, ein Ziel, das die
amerikanische Regierung zu unterstützen trachtet.
Aufgrund der Schlußfolgerung des
Präsidenten, daß die im Gesetz von
1986 verankerten Wirtschaftssanktionen zur Durchsetzung der vom Kongreß
und der Administration vereinbarten
Ziele
keine
ausreichende
Wirkung
zeigten sowie seiner Überzeugung, daß
zusätzliche Maßnahmen einen gegenläufigen Effekt haben würden, empfiehlt
der
Präsident,
zum
gegenwärtigen
Zeitpunkt von der Verhängung zusätz-

- 2 -

�licher Maßnahmen - einschließlich der
in Sektion 501(c) des Gesetzes erwähnten - abzusehen und ist weiterhin
der Überzeugung, daß die derzeitigen
StrafSanktionen gegen Südafrika nicht
den besten Weg darstellen, diesem
Land die Freiheit zu bringen.
Was die Vereinigten Staaten jetzt
benötigen, ist eine Zeit aktiver und
kreativer Diplomatie - sowohl bilateral als auch in Konsultationen mit
unseren Verbündeten und mit unseren
Freunden im südlichen Afrika -, die
auf die Ausschöpfung aller Möglichkeiten ausgerichtet sein sollte, um
die Völker Südafrikas zu konstruktiven Verhandlungen zusammenzubringen,
deren Ziel die Schaffung einer demokratischen
Gesellschaft
sein
muß.
Wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses ist die klare Aussage, für
welche Zielsetzungen und Werte sich
der Westen einsetzt, anstelle der
steten Wiederholungen derjenigen, die
er ablehnt. Dies war auch der Zweck
der von Außenminister Shultz am 29.
September 1987 öffentlich vorgenommenen Formulierung der Konzepte, die
von allen Südafrikanern angesprochen
werden müssen, um die Beilegung der
politischen Mißstände und die Schaffung einer gerechten, konstitutionellen und demokratischen Ordnung in
Südafrika
zu
unterstützen.
Diese
Aussage ist eine genaue Beschreibung
der Werte, für die der Westen eintritt und die er von den Südafrikanern bei der Gestaltung einer Zukunft
ohne
Apartheid
ausgehandelt
sehen
möchte.

* * * * *

- 3 -

�v-^os^

^7

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

C$

7. Oktober 1987

35

DIE GESCHICHTE DER INF-VERHANDLUNGEN
- Eine Chronologie der amerikanischen Rüstungskontrollbehörde

(ACDA) -

WASHINGTON - (AD) - Die nach dem Zusammentreffen der Außenminister Shultz
und Schewardnadse vom 15. - 17. September angekündigte "Grundsatzvereinbarung"
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zum Abschluß eines Vertrages über die Abschaffung von Mittel- und Kurzstreckenraketen bildet den
letzten Schritt in einer langen Folge von Maßnahmen und Verhandlungen beider
Länder zu den Mittelstreckenwaffen.
Die amerikanische Rüstungskontrollbehörde (ACDA) hat die nachfolgede Chronologie der mit INF im Zusammenhang stehenden Ereignisse veröffentlicht, die
zu den Gesprächen zwischen Shultz und Schewardnadse geführt haben.
Der historische Hintergrund
sowjetischen SS-20

Die

In den fünfziger und frühen sechziger Jahren stationierte die Sowjetunion gegen Westeuropa gerichtete Raketen der Typen SS-4 und SS-5. Bis
Mitte 1977 waren etwa 575 stationiert. Im Verlauf der fünfziger Jahre dislozierten die Vereinigten Staaten
eine
geringere
Anzahl
etwa
gleichwertiger Raketen - die Typen
Mace, Thor und Jupiter - in Großbritannien, Italien, der Bundesrepublik
Deutschland und der Türkei. Die Ver-

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einigten Staaten zogen diese Systeme
jedoch in den frühen sechziger Jahren
ab und verschrotteten sie. Wir waren
dazu
aufgrund
unserer
überlegenen
strategischen Streitkräfte in der Lage, die ein geeignetes Mittel zur Abschreckung sowjetischer Agression und
der Einschüchterung Westeuropas darstellten.
In den siebziger Jahren fanden
zwei
entscheidende
Entwicklungen
statt - die Sowjetunion erlangte nahezu ein strategisches Gleichgewicht
mit den Vereinigten Staaten und sta-

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�tionierte die SS-20 - durch die sich
die Lage veränderte.
Die im Jahr 1977 begonnene Stationierung der SS-20 bedeutete einen
qualitativen und quantitativen Wandel
für die Sicherheit Europas und ferner
eine Bedrohung für die Sicherheit unserer asiatischen Freunde und Verbündeten. Die SS-20 ist zielgenauer als
die SS-4 und die SS-5. Darüber hinaus ist die SS-20 mobil und kann
schnell
erneut stationiert werden.
Schließlich trägt die SS-20, im Gegensatz zu dem einzelnen Gefechtskopf
der früheren Raketen, drei unabhängig
zielgesteuerte
Gefechtsköpfe.
Bis
Juli 1987 hatten die Sowjets weltweit
441
Abschußvorrichtungen
für
ihre
SS-20 mit einer Gesamtzahl von 1 323
Gefechtsköpfen disloziert. Weiterhin
hatten die Sowjets 112 ihrer SS-4
stationiert.
Mit der wachsenden Zahl sowjetischer SS-20 und den zu deren Ausgleich fehlenden in Europa stationierten amerikanischen Raketen äußerten die europäischen Mitglieder der
NATO ihre Besorgnis, Moskau könne wenn auch fälschlicherweise - zu der
Auffassung
gelangen,
strategische
Streitkräfte der Vereinigten Staaten
würden von der Verteidigung des Bündnisses in Europa abgekoppelt.
Eine
solche Fehleinschätzung
könnte die
NATO-Strategien
der
nuklearen
Abschreckung und der flexiblen Reaktion
in Frage
stellen.
Die
Politiker
Westeuropas betonten die Notwendigkeit einer eindeutigen Reaktion der
NATO.

Auf einem "Gleis" sollte das Ungleichgewicht im Bereich der nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) durch
Stationierungen in Westeuropa behoben
werden. Ab 1983 sollten im Verlauf
der nächsten fünf Jahre 572 amerikanische Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite
(LRINF) - 108 Pershing
II-Raketen
und
464
landgestützte
Marschflugkörper (GLCM) - stationiert
werden.
Obwohl damit gegenüber den
sowjetischen SS-20 kein Ausgleich an
Gefechtsköpfen geschaffen würde, war
dies eine Reaktion, mit der sich eine
glaubwürdige Abschreckung aufrechterhalten ließ. Bis Dezember 1986 hatten die Vereinigten Staaten 316 LRINF
stationiert - 108 Pershing II-Raketen
und 208 GLCMs.
Auf dem zweiten "Gleis" wurden
die Vereinigten Staaten aufgefordert,
mit den Sowjets Verhandlungen aufzunehmen, um auf dem niedrigstmöglichen
Niveau
weltweit
ein
Gleichgewicht
amerikanischer und sowjetischer LRINF
zu erlangen. Ein Abkommen über LRINF
müßte
ebenfalls
amerikanische
und
sowjetische
Kurzstreckenraketen
(SRINF) auf weltweit gleiche Niveaus
beschränken, um eine Umgehung des Abkommens über LRINF durch eine Aufrüstung mit SRINF zu verhindern.
18. November 1981 Die doppelte Null-Lösung

12. Dezember 1979 Der NATO-Doppelbeschluß

In einer Ansprache zur Darlegung
der Grundzüge seiner Politik schlägt
Präsident Reagan einen Rahmen für erneute
Rüstungskontrollverhandlungen
vor, die sich auf die Notwendigkeit
eines einschneidenden Abbaus aller
Waffenarten konzentrieren.

Nach
eingehenden
Konsultationen
mit dem gesamten Bündnis einigte sich
die NATO im Dezember 1979 auf eine
"zweigleisige" Reaktion.

Als ersten Schritt fordert Präsident Reagan bilaterale Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über INF. Der Präsident

�verkündet seine doppelte Null-Lösung,
der zufolge die Vereinigten Staaten
und die NATO bereit sind, die Stationierung der Pershing II und GLCMs in
Westeuropa rückgängig zu machen, wenn
die Sowjets ihre SS-20, SS-4 und SS-5
verschrotten und damit eine gesamte
Kategorie nuklearer Waffen abschaffen. Der Präsident weist darauf hin,
daB die Sowjets in den vergangenen
sechs Jahren 750 Gefechtsköpfe auf
mobilen, zielgenauen
SS-20 stationiert haben, während die Vereinigten
Staaten keine neuen Mittelstreckenwaffen stationierten und 1 000 Gefechtsköpfe aus Europa abzogen.
November 1981 Die Sowjets stimmen
INF zu

Gesprächen

über

Vorschlag
INF

bei

22. September 1983 Vorschläge zu INF
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten drei neue Punkte zu ihrem
vorgeschlagenen Inter imsabkommen:
Die Vereinigten Staaten wären bereit, nicht alle weltweiten sowjetischen
Stationierungen
von
LRINF mit amerikanischen Stationierungen in Europa zu kompensieren; sie würden sich jedoch das
Recht vorbehalten, zur Erlangung
eines gleichen weltweiten Niveaus
anderswo Dislozierungen vorzunehmen.
Die Vereinigten Staaten wären bereit, den Abbau der Pershing IIRaketen und GLCMs auf angemessene
Art und Weise zu verteilen, und
die Vereinigten
Staaten
würden
Vorschläge
zu
landgestützten
Flugzeugen in Betracht ziehen.
15. November 1983 Das INF-Angebot

In Genf werden zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen
aufgenommen.
Die
Vereinigten
Staaten
unterbreiten
ihre doppelte
Null-Lösung.
29. März 1983 -

Interimslösung

Bei den INF-Verhandlungen schlagen die Vereinigten Staaten ein Interimsabkommen vor, dem zufolge die
NATO ihre geplante Stationierung der
LRINF-Raketen auf ein Niveau zwischen
Null und 572 verringern würde, wenn
die Sowjets weltweit ihre Stationierung von LRINF auf ein gleiches Niveau reduzieren.

Zunächst verweigerten die Sowjets
Verhandlungen
unter der Bedingung,
die NATO müsse erst ihre Pläne zur
Stationierung
der
LRINF
aufgeben.
Die Sowjets schlugen dann ein "Moratorium" für die Stationierung von INF
in Europa vor. Damit wäre ihr gerade
erst von der NATO als unannehmbar abgelehntes Monopol bei den LRINF-Raketen bestätigt worden. Die NATO lehnte diesen Schachzug ab. Erst nachdem
Moskau die Entschlossenheit der NATO
erkannte, bei fehlenden ausgehandelten Begrenzungen mit ihren Stationierungen fortzufahren, stimmen die Sowjets schließlich Verhandlungen über
INF zu.
30. November 1981 Aufnahme formeller INF-Gespräche

einer

In Genf unterbreiten die Vereinigten Staaten trotz ihrer weiterhin
geäußerten Präferenz für die Abschaffung aller LRINF das Angebot, beide
Seiten sollten sich weltweit auf eine
gleiche Obergrenze von 420 Gefechtsköpfen auf diesen Raketen einigen.

- 3 -

�November 1983 Beginn der Stationierungen der NATO
Die ersten INF-Systeme längerer
Reichweite treffen zur Stationierung
in Europa ein.
23. November 1983 - Die Sowjets verlassen die INF-Verhandlungen
Die Sowjetunion zieht sich von
den
INF-Verhandlungen
zurück;
die
Vereinigten Staaten bieten die Wiederaufnahme der Gespräche an, wenn
die Sowjets zurückkehren wollen.
22. November 1984 Neue Gespräche über Waffensysteme
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
verkünden
ihre Bereitschaft,
erneut
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen aufzunehmen.
Sie erklären weiter, die Außenminister Shultz und Gromyko würden am 7.
und 8. Januar 1985 in Genf zusammentreffen, um "eine Einigung über das
Thema und die Zielsetzungen dieser
Verhandlungen" zu erzielen.
12. März 1985 Die Genfer Abrüstungsgespräche
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen geheime Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
auf.
Neben
anderen
Zielsetzungen
streben die Vereinigten Staaten die
Abschaffung oder den Abbau von LRINF
auf ihre kleinstmögliche Anzahl mit
weltweit und für beide Seiten geltenden Beschränkungen an.
1. November 1985 Amer ikanischer
Rüstungskontrollvorschlag
Als Reaktion auf einen kürzlich
unterbreiteten sowjetischen Gegenvor-

schlag legen die Vereinigten Staaten
bei
den
amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen in Genf eine neue Reihe von
Vorschlägen zur einschneidenden, ausgewogenen und verifizierbaren nuklearen Rüstungskontrolle vor.
Nachfolgende Punkte sind Hauptbestandteil
der
amerikanischen
Vorschläge zu INF:
Die Vereinigten
Staaten
treten
weiterhin für die vollständige Beseitigung
amerikanischer
und sowjetischer Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite ein.
Als Interimslösung
schlagen die Vereinigten Staaten eine
Obergrenze für die Stationierung von
Abschußvorrichtungen
für
amerikanische LRINF in Europa von 140 Pershing
II und landgestützten Marschflugkörpern vor - die Anzahl, die bis zum
31. Dezember 1985 stationiert würde sowie einen Abbau der Abschußvorrichtungen für SS-20 innerhalb der Reichweite der NATO in Europa auf 140. Im
Rahmen dieser begrenzten Anzahl von
Raketenwerfern könnten die Vereinigten Staaten und die UdSSR über die
gleiche Anzahl von 420 bis 450 verfügen. Um ausgewogene weltweite amerikanische und sowjetische Obergrenzen
für Gefechtsköpfe längerer Reichweite
zu erzielen, reduzieren die Sowjets
die
SS-20
Abschußvorrichtungen
in
Asien - außerhalb der Reichweite der
europäischen NATO - in demselben Verhältnis wie die Abschußvorrichtungen
innerhalb der Reichweite der NATO in
Europa.
Angemessene
Einschränkungen
bei
Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite.
21. November 1985 Gipfeltreffen in Genf
Präsident

Reagan

und

Generalse-

�kretär Gorbatschow geben in Genf im
Anschluß
an
zweitägige
eingehende
Verhandlungen eine gemeinsame Erklärung ab. Zum Thema Rüstungskontrolle
vereinbaren sie die Verpflichtung ihrer
jeweiligen
Länder
zu
raschen
Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen
über Kernund
Weltraumwaffen
und die vordringliche Beschäftigung
mit Bereichen, in denen Übereinstimmung erzielt wurde bis hin zu dem
"Gedanken eines Interimsabkommens zu
INF".
15. Januar 1986 Sowjetische Abrüstungsvorschläge
Präsident Reagan antwortet auf
den
Brief
von
Generalsekretär
Gorbatschow, der die jüngsten sowjetischen Abrüstungsvorschläge enthält:
Ich begrüße diese jüngste Entwicklung
und hoffe, daß sie einen hilfreichen
weiteren Schritt im Abrüstungsprozeß
darstellt".
Der sowjetische Vorschlag beinhaltet die Forderung nach einer Beseitigung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen längerer Reichweite in Europa im Verlauf
der nächsten fünf bis acht Jahre.
Die
britischen
und
französischen
Kernwaffenarsenale würden nicht gegen
amerikanische Waffensysteme in Eur~&gt;oa
aufgerechnet, sondern auf dem derzeitigen Stand eingefroren. Keine amerikanischen Nuklearsysteme können an
Dritte weitergegeben werden.
In einigen Bereichen dieses Plans
wird die bisherige sowjetische Position wiederholt:
Die Beseitigung der Nukleararsenale bleibt abhängig vom Verbot der
Forschung, Entwicklung und Erprobung
der von Moskau so genannten "Waffen
für einen Schlag im All", das auf die
Forschung der amerikanischen Vertei-

digungsinitiative in Technologien zur
Abwehr eines ballistischen Raketenangriffs ausgerichtet ist.
Der Vorschlag zur Verschrottung
der sowjetischen in Europa stationierten SS-20 umfaßt weder Begrenzungen für Systeme kürzerer Reichweite
noch das Problem der östlich des
Urals stationierten Raketen.
Diese
Raketen stellen eine direkte Bedrohung der amerikanischen Freunde und
Verbündeten in Asien dar und da diese
Raketen mobil sind, könnten sie rasch
auf europäisches Gelände
verlagert
werden.
24. Februar 1986 Erklärung des Präsidenten
Präsident Reagan gibt im Anschluß
an Konsultationen mit amerikanischen
Freunden und Verbündeten in Europa
und Asien
folgende
Erklärung
ab:
"Ein Bereich, in dem wir hoffentlich
unmittelbare
Forschritte
erzielen
können
sind die INF-Verhandlungen.
Heute haben unsere Unterhändler in
Genf einen konkreten Plan auf den
Verhandlungstisch gelegt, in dem die
Beseitigung der amerikanischen Pershing II, landgestützten Marschflugkörper und der sowjetischen SS-20 Raketen nicht nur in Europa, sondern
auch in Asien gefordert wird und mit
dessen Hilfe alle Raketensysteme dieser Art bis zum Ende des Jahrzehnts
von der Erdoberfläche entfernt werden
sollen."
2. März 1986 INF-Waffensysteme
In München erklärt der Sonderberater
für
Rüstungskontrollfragen,
Paul Nitze, der sowjetische Plan zum
Abbau von Mittelstreckenraketen längerer Reichweite in Europa würde das
französische und britische nukleare
Abschreckungspotential zunächst ein-

- 5 -

�frieren und dann beseitigen. Ferner
würde eine Klausel zur Unterbindung
der Weitergabe die bestehenden Kooperationsprogramme der Amerikaner mit
ihren Verbündeten unterlaufen.
Der
sowjetische Plan spricht weiterhin
weder die Stationierung der SS-20 in
Asien an, noch die Obergrenzen für
Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite, die zur Umgehung des Abbaus
von
Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite benutzt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten lehnen,
Nitze zufolge, alle sowjetischen Bestimmungen über französische und britische Nuklearstreitkräfte ab, da es
sich bei den Genfer Gesprächen um bilaterale Verhandlungen zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten handelt. Der amerikanische Vorschlag fordert weltweit ausgewogene
Obergrenzen für Waffensysteme längerer Reichweite, um den Sicherheitsinteressen der asiatischen wie europäischen Verbündeten und Freunde und der
Einbeziehung
der
Begrenzungen
für
Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite gerecht zu werden. Als erster
Schritt wird die Reduzierung in Europa auf 140 Raketenabschußvorrichtungen für Systeme längerer Reichweite
jeder Seite gefordert, zusammen mit
entsprechenden
Reduzierungen
in
Asien. Die Vereinigten Staaten würden daraufhin ihre Mittelstreckenraketen längerer Reichweite parallel zu
entsprechenden Reduzierungen auf sowjetischer Seite abbauen.
11.
12.
Oktober
Gipfeltreffen in Reykjavik

1986

Bei ihrem Treffen im Oktober 1986
in Reykjavik
erzielen
die
beiden
Staatsoberhäupter
grundsätzliche
Einigung über die ausgewogene weltweite Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite für beide Seiten, von

denen keine
in Europa
stationiert
sein sollen. Die verbleibenden Mittelstreckenraketen längerer Reichweite würden im asiatischen Teil der
Sowjetunion, beziehungsweise auf amerikanischem Territorium stationiert.
Somit wäre Europa zum ersten Mal seit
den fünfziger Jahren frei von MittelStreckenraketen längerer Reichweite.
Die Sowjets rücken ferner ausdrücklich von ihrem bisherigen Beharren auf einer Einbeziehung der britischen und französischen Streitkräfte
in ein INF-Abkommen ab. Darüber hinaus erzielen die Vereinigten Staaten
und
die
Sowjetunion
grundsätzlich
Einigung über die Begrenzung von Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite als einem intergralen Bestandteil
eines INF-Abkommens. Generalsekretär
Gorbatschow besteht jedoch auf einem
"Paketabkommen", das ein Junktim zwischen INF und Reduzierungen strategischer Waffen sowie der Verteidigung
im Weltraum - insbesondere der Strategischen
Verteidigungsinitiative
herstellt.
Winter 1986 In Genf unterbreitete Vorschläge
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten in Genf einen Vorschlag, der
die in Reykjavik bereits erzielten
Bereiche der Übereinkunft einbezieht.
Im November 1986 ergreifen die Sowjets ebenfalls erneut Schritte und
bringen einen Vorschlag ein, in dem
die
in Reykjavik
gemachten
Fortschritte teilweise ihren Niederschlag
finden. Die Sowjets bestehen jedoch
weiterhin darauf, daß es ein getrenntes Abkommen über INF nicht geben
darf.
28. Februar 1987 Gorbatschow koppelt SDI von INF ab
Generalsekretär

Gorbatschow

nimmt

�einen Kurswechsel vor und verkündet
die Bereitschaft der UdSSR zu einem
getrennten INF-Abkommen - eine Umkehr
der sowjetischen Position seit dem
Treffen im Oktober 1986 in Reykjavik.
4. März 1987 Amerika legt INF-Vertragsentwurf vor
Nach
der Ankündigung
Präsident
Reagans am 3. März 1987 unterbreiten
die Vereinigten Staaten einen INFVertragsentwur f bei den Verhandlungen
über Kernund Weltraumwaffen in Genf.
Der
amerikanische
Vertragsentwurf
spiegelt die Grundstruktur des von
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow bei ihrem Treffen im Oktober 1986 in Reykjavik erzielten Abkommens
wider
eine
ausgewogene
weltweite
obergrenze
von
100 Gefechtsköpfen auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite für die Vereinigten Staaten und die UdSSR, von
denen
keine
in Europa
stationiert
sein sollen sowie Begrenzungen für
Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite als einem integralen Bestandteil eines INF-Abkommens.
Die Sowjetunion legt am 27. April 1987 einen
eigenen Vertragsentwurf vor, der viele dieser Bestandteile beinhaltet.
12.
15.
April
Ministergespräche in Moskau

1987

Mitte April des Jahres 1987 kommt
Außenminister Shultz zu Treffen mit
Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau
zusammen.
Im Verlauf dieser Zusammenkünfte
schlägt Herr
Gorbatschow
die weltweite Beseitigung der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen kürzerer Reichweite vor.
(Die
Vereinigten Staaten haben keine Raketen kürzerer Reichweite stationiert;
die Sowjetunion besitzt mehr als 100
dieser Raketen).

Die Vereinigten
Staaten
ziehen
sich daraufhin zu eingehenden Beratungen mit ihren NATO-Partnern über
die Auswirkungen
einer
Null-Lösung
für
Mittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite auf die Sicherheit zurück.
Bei der Sitzung des Nordatlantikrats
am 11. und 12. Juni 1987 unterstützen
die NATO-Außenminister
den verifizierbaren
weltweiten
Abbau
aller
amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite.
16. Juni 1987 Amerika schlägt formell Null-Lösung
für
Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite vor
Am
15. Juni kündigt Präsident
Reagan die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die weltweite Beseitigung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite an, vorausgesetzt sie
sei wirksam verifizierbar, integraler
Bestandteil eines bilateralen INF-Abkommens
und
beinhalte
die sowjetischen SS-12 und SS-23. Die Vereinigten
Staaten
unterbreiten
diesen
Vorschlag
zu
Mittelstreckensystemen
kürzerer Reichweite am 16. Juni in
Genf und bekräftigen erneut, daß die
Vereinigten
Staaten dem weltweiten
Abbau der amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen längerer Reichweite den Vorzug geben würden.
22. Juli 1987 Gorbatschow
akzeptiert
Null-Lösung
für
Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
Als Reaktion auf Gorbatschows Andeutung in einem Interview, die Sowjetunion gebe jetzt ihre Zustimmung
zum Abbau aller Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
einschließlich
der 100 Gefechtsköpfe, auf deren Bei-

- 7 -

�behaltung sie zunächst beharrt hatte,
veröffentlicht das Weiße Haus eine
Erklärung, in der "Berichte über die
sowjetische Zustimmung zum erstmals
im November 1981 unterbreiteten Vorschlag des Präsidenten über die weltweite Beseitigung amerikanischer und
sowjetischer
Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite" begrüßt werden.
Derzeitiger stand Verhandlungen
gelangen
dium

ins

Endsta-

Amerikanische und sowjetische Unterhändler setzen in Genf ihre Arbeit
an den Vertragsbestimmungen fort, mit
dem amerikanische und sowjetische Systeme kürzerer und längerer Reichweite weltweit abgebaut würden. Die Unterhändler richten ihre Aufmerksamkeit auf die Erlangung einer Verinbarung
über
die
gemeinsame
Sprache
eines
INF-Vertrages
einschließlich
der
erforderlichen
Maßnahmen
zur
wirksamen Verifizierung.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

^7

"V""

Ä

Hintergrundmaterial

&lt;

7. Oktober 1987

35

VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAÜMWAFFEN
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge

- (AD) - Der folgende Abriß amerikanischer und sowjetischer Vorschläge bei
den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen gibt den Stand vom 1. Oktober
1987 wieder.

Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Rüstungen - START

von der Lösung anderer Probleme ausserhalb der START-Verhandlungen.

Vereinigte Staaten

Sowjetunion
Allgemeine Haltung

Allgemeine Haltung
50prozentige stufenweise Reduzierung strategischer Offensivwaffen bis
auf einen beiderseitigen Gleichstand,
im Zeitraum von sieben Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrages.
Das

Abkommen

ist

nicht

abhängig

United States Information Service
Embassy of the United States of America

50prozentiger Abbau strategischer
Offensivwaffen im Zeitraum von fünf
Jahren, mit nachfolgenden Verhandlungen über zusätzliche Reduzierungen.
Ein Abkommen über die 50prozenige
Reduzierung innerhalb von fünf Jahren

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ist abhängig von Problemlösungen
der Verteidigung im Weltraum.

bei
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen

Vereinigte Staaten
Trägersysteme
Eine Obergrenze von 1 600 für die
Anzahl der stationierten Interkontinentalraketen
(ICBMs), der stationierten
unterseebootgestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) und schweren Bomber.

Untergrenzen von 4 800 Gefechtsköpfen
auf
ballistischen
Raketen,
3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs und
1 650 Gefechtsköpfen
auf erlaubten
ICBMs, außer silo-gestützten leichten
und mittleren ICBMs mit sechs oder
weniger Gefechtsköpfen.

Sowjetunion
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen

Sowjetunion
Trägersysteme
Eine Obergrenze von 1 600 bei den
stationierten
AbschußVorrichtungen
für ICBMs und SLBMs und stationierte
schwere Bomber.

Eine Beschränkung von nicht mehr
als 60 Prozent der 6 000 Gefechtsköpfe, die in einem Bereich der Triade
vereinigt sind (Triade bezieht sich
auf ICBMs, SLBMs und schwere Bomber.

Vereinigte Staaten
Schwere ICBMs

Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe
Eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der Gefechtsköpfe
auf
ICBMs, SLBMs
und
luftgestützten Marschflugkörpern längerer Reichweite (ALCMs); und jeder
mit Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite (SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt wie ein
Gefechtskopf.

Sowjetunion

Bei schweren ICBMs müssen erhebliche Reduzierungen vorgenommen werden.
Die Gefechtsköpfe der schweren
ICBMs würden in die Untergrenze von
1 650 einbezogen.

Sowjetunion
Schwere ICBMs
Ein 50prozentiger Abbau vom gegenwärtigen Stand der Abschußvorrichtungen für schwere ICBMs, was den Sowjets zufolge 1 540 Gefechtsköpfe bedeutet.

Gefechtsköpfe
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Position

der

Vereinigte Staaten
Wurfgewichte

Vereinigte Staaten

Ein

50prozentiger

Abbau

des

ge-

�genwäctigen Stands sowjetischer Wurfgewichte, durch direkte oder indirekte Begrenzungen zu kodifizieren.

Schwere Bomber
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Position

der

Sowjetunion
Wurfgewichte
Die Sowjets haben erklärt, daß
sich eine 50prozentige
Reduzierung
beim Stand ihrer Wurfgewichte aus ihrem umfassenden Vorschlag zum Abbau
strategischer Waffen um 50 Prozent
ergeben würde und daß ihre Wurfgewichte dementsprechend nicht zunehmen
würden. sie weigern sich, diese Verpflichtung vertraglich festzulegen.

Vereinigte Staaten

Vereinigte Staaten
Verifizierung der Einhaltung
Sowohl vor als auch nach den Reduzierungen findet ein Datenaustausch
statt sowie Vor-Ort-Inspektionen zur
Verifizierung des Datenaustauschs und
zur Beobachtung der Beseitigung von
Waffen ebenso wie die Veranlassung
von Vor-Ort-Uberwachungen im Anschluß
an die Beseitigung der Waffen. Unbeschränkter
Gebrauch
von
nationalen
technischen Hilfsmitteln (NTM).

Mobile ICBMS

Sowjetunion
Verbot dieser Raketen
Verifizierung der Einhaltung
Sowjetunion
Mobile ICBMs
Diese Raketen sollen erlaubt sein.

Es herrscht grundsätzlich Übereinstimmung mit vielen Punkten des
amerikanischen Vorschlags zur Verifizierung der Einhaltung, aber die Sowjets müssen noch ihre Position zu
einigen wichtigen Detailfragen darlegen.

Vereinigte Staaten
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als
ein
Trägersystem
für
strategische
Nuklearwaffen
(SNDV).
Jeder
mit
Freifallbomben und SRAMs ausgerüstete
schwere Bomber
zählt als ein Gefechtskopf im Rahmen der Begrenzung
auf 6 000. Jede ALCM längerer Reichweite zählt als ein Gefechtskopf im
Rahmen der Obergrenze von 6 000.

Sowjetunion

Mittelstreckenwaffen - INF

Vereinigte Staaten
Mittelstreckenraketen
Reichweite - LRINF

lägerer

Weltweite
Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer landgestützter LRINF (Reichweite: 1 000 - 5 500
Kilometer) durch einen stufenweisen

�Abbau im Zeitraum von drei Jahren
nach Inkrafttreten des Vertrages.

Sowjetunion
LRINF
Weltweiter
Abbau
amerikanischer
und
sowjetischer
LRINF
(Reichweite
1 000 - 5 500 Kilometer) durch einen
stufenweisen Abbau.
Die Sowjets bevorzugen Reduzierungen in einem Zeitraum von fünf Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages, schlagen jedoch
vor, vorbehaltlich technischer Überlegungen
und
Umweltgesichtspunkte
würden sie einen Dreijahreszeitraum
akzeptieren.

SRINF
Weltweite
Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer SRINF (mit
einer Reichweite von 500 bis 1 000
Kilometern,
einschließlich
sowjetischer SS-23 und Scaleboard-Raketen)
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens. (Die Vereinigten Staaten
haben keine Raketen dieser Reichweite
stationiert).
Die Sowjets bevorzugen
einen Abbau innerhalb von zwei Jahren
nach
Inkrafttreten
des Vertrages,
schlagen jedoch vor, unter Berücksichtigung
technischer
Überlegungen
und Umweltgesichtspunkte einen Einjahreszeitraum zu akzeptieren.

Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten
SRINF
Weltweite
Beseitigung
innerhalb
eines Jahres nach Inkrafttreten des
Vertrages von amerikanischen und sowjetischen
landgestützten
Mittelstreckenwaffen
kürzerer
Reichweite
(SRINF) (mit einer Reichweite von 500
1 000 Kilometern, einschließlich
sowjetischer
SS-23 und
Scaleboard)
als
intergraler
Bestandteil
eines
INF-Abkommens.
(Die
Vereinigten
Staaten haben keine Raketen dieser
Reichweite stationiert).
Diese Verhandlungen haben bilateralen Charakter, und es ist unannehmbar,
Drittstaatensysteme
in
einen
amer ikanisch-sowjetischen
Vertrag
Dr ittstaatensysteme
einzubeziehen
oder bestehende Kooperationsprogramm
der Vereinigten
Staaten mit ihren
Verbündeten zu beeinträchtigen.

Beseitigung der Gefechtsköpfe
Vor dem Abbau ballistischer INFRaketen werden Kernwaffen und Lenksysteme vom Wiedereintrittskörper entfernt und den nationalen Behörden zurückgegeben.
Der verbleibende Teil
des Wiedereintrittskörpers wird gemäß
den vereinbarten Verfahrensweisen beseitigt.
Solche Verfahren
sollten
auf alle restlichen Wiedereintrittskörper Anwendung finden, einschließlich derjenigen, die durch einseitigen Beschluß aus bestehenden Kooperationsprogrammen
ausgenommen
worden
sind.

Sowjetunion
Beseitigung der Gefechtsköpfe
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Position

Vereinigte Staaten
Sowjetunion
Verifizierung der Einhaltung

der

�Detaillierter Datenaustausch über
INF-Raketen und Abschußvorrichtungen
und die dazugehörigen Unterstützungseinrichtungen; Benachrichtigung über
Transporte von Raketen und Abschußvorrichtungen;
Grundinspektion
zur
Verifizierung der Anzahl von Raketen
und Abschußvorrichtungen; Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung der Beseitigung von Raketen und Abschußvorrichtungen;
kurzfristig
anberaumte
Inspektion bekanntgegebener Einrichtungen bis die Raketen abgebaut sind;
Abschlußinspektion
zur
Sicherstellung, daß alle mit INF verbundenen
Aktivitäten in den bekanntgegebenen
Einrichtungen
beendet
worden
sind;
kurzfristig anberaumte Inspektion bestimmter Raketeneinrichtungen in den
Vereinigten Staaten und der UdSSR, in
denen
illegale
Raketenaktivitäten
vermutet werden.

Sowjetunion
Verifizierung der Einhaltung
Grundsätzliche
Übereinstimmung
mit zahlreichen Aspekten des amerikanischen Vorschlags zur Verifizierung der Einhaltung, bis hin zum Datenaustausch,
Grundinspektion
und
Vor-Ort-lnspektion, mit denen die Beseitigung der Systeme bestätigt wird.
Einzelheiten müssen jedoch noch vorgelegt werden.

Verteidigung im Weltraum

Vereinigte Staaten
Strategische Verteidigung:
Die Vereinigten Staaten haben den
- 5

Vorschlag
zur
gegenseitigen
Verpflichtung
unterbreitet,
sich
zum
Zwecke der Stationierung von im Rahmen des ABM-Vertrages nicht gestatteten strategischen Verteidigungssystemen bis zum Jahr 1994 nicht vom ABMVertrag zurückzuziehen; und im Verlauf dieses Zeitraums alle ABM-Verfügungen genau einzuhalten, während die
im ABM-Vertrag genehmigte Forschung,
Entwicklung und Erprobung fortgesetzt
werden kann.
Keine Einschränkungen
bezüglich SDI über die tatsächlich im
ABM-Vertrag vereinbarten hinaus.
Eine
solche Verpflichtung
wäre
abhängig von der Verwirklichung der
50prozentigen Reduzierungen auf 1 600
SNDVs/6 000
Gefechtsköpfe
mit
den
entsprechenden Untergrenzen bei strategischen Offensivwaffen im Verlauf
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
des START-Abkommens.
Jede Seite hat nach 1994 das
Recht zur Stationierung fortschrittlicher strategischer Verteidigungssysteme, sofern sie dies wünscht, es
sei denn, die Parteien verständigen
sich anderweitig.
Jede Seite hat das Recht, sich
aus Gründen höchster Interessen oder
des materiellen Bruchs dieses, des
START- oder des ABM-Vertrages von dem
vorgeschlagenen
Vertrag
zurückzuziehen.
Um die Berechenbarkeit in Bereichen der strategischen Verteidigung
zu erweitern, haben die Vereinigten
Staaten ferner den jährlichen Austausch von Daten über vorgesehene
strategische
Verteidigungsaktivitäten, gegenseitige
Information
über
die jeweiligen strategischen Verteidigungsbemühungen, Besuche der angeschlossenen
Forschungseinrichtungen
und die Entwicklung von Verfahren zur
gegenseitigen Beobachtung der Erpro-

�bung
strategischer
Verteidigungssysteme
vorgeschlagen.
Alternativ
bleiben zwei der bisher von amerikanischer Seite vorgelegten Vorschläge auf dem Verhandlungstisch:
in
Reykjavik schlug Präsident Reagan die
gegenseitige Verpflichtung vor, sich
bis zum Jahr 1996 nicht vom ABM-Vertrag
zurückzuziehen.
Diese
Verpflichtung wäre abhängig von der 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen bis Ende des
Jahres 1991 und dem vollständigen Abbau
aller
verbleibenden
amerikanischen
und
sowjetischen
ballistischen Offensivraketen bis zum Ende
des Jahres 1996. Jeder Seite stünde
es nach 1996 frei, fortschrittliche
strategische
Verteidigungssyteme
zu
stationieren,
sofern
sie
dies
wünscht, es sei denn, die Parteien
entscheiden anderweitig.
In seinem Schreiben an Generalsekretär
Gorbatschow vom 25. Juli
1986 unterbreitete Präsident Reagan
den Vorschlag, beide Seiten sollten
sich auf den Verzicht der Stationierung fortschrittlicher strategischer
Verteidigungssysteme
bis
zum
Jahr
1991 einigen.
Sollte die jeweilige
Seite nach Ablauf dieses Zeitraums
die Stationierung solcher Verteidigungssysteme wünschen, würde sie einen Plan ausarbeiten, wie beide Seiten vom Nutzen der strategischen Verteidigung und dem Abbau ballistischer
Raketen
profitieren
könnten.
über
den Plan würde zwei Jahre lang verhandelt werden. Sollten beide Seiten
nach Ablauf der zwei Jahre keine Einigung erzielt haben, stünde es jeder
Seite- frei, nach einer sechsmonatigen
Vorankündigungsfrist solche Verteidigungssysteme zu stationieren.

Sowjetunion
Strategische Verteidigung

Verpflichtung
auf
Gegenseitigkeit, sich nach Inkrafttreten dieses
Abkommens zehn Jahre lang nicht vom
ABM-Vertrag
zurückzuziehen
bei
gleichzeitiger genauer Einhaltung aller Verfügungen des Vertrages; beide
Seiten würden sich auf eine Liste
weltraumgestützter Vorrichtungen einigen, die bei Überschreitung bestimmter Leistungsparameter nicht im
Weltraum stationiert werden dürften.
Die in der Liste aufgeführten Vorrichtungen könnten aus jedem Grund im
Weltraum stationiert werden, wenn sie
diese Parameter nicht überschreiten.
Alle anderen, weltraumbezogenen Forschungsarbeiten müßten auf bodengestützte Labors begrenzt bleiben.
(Nach amerikanischer
Ansicht würde
dieser Vorschlag
Begrenzungen über
die tatsächlich im ABM-Vertrag vereinbarten hinaus vornehmen).
Als Alternative zu dem Verbot,
Vorrichtungen im Weltraum zu stationieren, die bestimmte Leistungsparameter überschreiten, haben die Sowjets die genaue Einhaltung des ABMVertrages so wie er "im Jahr 1972 unterzeichnet
und
ratifiziert wurde"
vorgeschlagen; die sowjetische Seite
hat keine Einzelheiten dieses Alternativvorschlags
angeboten.
Frühere
sowjetische Aussagen spiegeln jedoch
die Ansicht wieder, der ABM-Vertrag
nehme Begrenzungen bei SDI vor, die
entschieden
restriktiver
seien als
die von den Parteien im Vertrag von
1972 tatsächlich vereinbarten.
Einigung bei der Verteidigung im
Weltraum ist eine Voraussetzung für
Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen.
Wenn eine Seite den
ABM-Vertrag nicht genau einhält, würde die andere Seite von den Verpflichtungen des START-Verträges entbunden.

�Vor Ablauf der zehnjährigen Verpflichtung, sich nicht vom ABM-Vertrag
zurückzuziehen,
würden
beide
Seiten Verhandlungen zur Erarbeitung
einer
gegenseitig
akzeptablen
Entscheidung über die zukünftige Vorgehensweise aufnehmen; die sowjetische
Position sieht ein Recht zur Stationierung ohne ein Abkommen nicht vor.

* * * * *

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt; Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: kreative Diplomatie für Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung des Berichts an den Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte der INF-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Chronologie der amerikanischen Rüstungskontrollbehörde (ACDA)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

&amp;

14. Oktober

36

1987

I N H A L T

INFORMATION
Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt
- Reagan ernennt Burnley -

DOKUMENTATION
OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für
Nicaragua
- Ansprache Päsident Reagans vor der OAS -

Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses
- Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

14. Oktober 1987

36

ZWEITER MANN DES VERKEHRSMINISTERIUMS ZUM MINISTER ERNANNT
- Reagan ernennt Burnley -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den zweiten Mann des Verkehrsministeriums, James H. Burnley IV, zu dessen neuem Leiter ernannt. Das Ministerium hat 100 000 Mitarbeiter und verfügt über einen Haushalt von 26,5 Milliarden Dollar.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burnley Nachfolger
von Elizabeth Dole, die am 1. Oktober
zurücktrat, um beim Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes, dem Führer
der Republikaner
im Senat, Robert
Dole, mitzuarbeiten.
In einer Feier im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan am 8. Oktober
1987, der 39jährige Stellvertretende
Verkehrsminister sei ein tadelloser
Politiker
und
exzellenter
Verwaltungsfachmann.
"In nur wenigen Jahren ist Jim von einem prominenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Prozeßanwalt in North Carolina zum
designierten Mitglied des Kabinetts
der Vereinigten Staaten aufgestiegen,
und für diesen Erfolg gibt es sicherlich Gründe. Jim hat ein langjähriges Interesse an und ein solides Verständnis der öffentlichen Politik",
sagte Reagan.
Bei seiner Dankadresse an den
Präsidenten für die Nominierung erklärte Burnley, 20 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts würden
im Bereich Verkehr geschaffen.
Das
Wirtschaftswachstum des Landes hänge

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von einem
ab.

dynamischen

Verkehrssektor

"Die einzige Konstante im Verkehrsbereich war in den vergangenen
Jahren das schnelle Tempo des Wandels" , sagte er.
Burnley amtierte seit Doles Rücktritt kommissarisch als Minister und
seit 1983 Stellvertretender Minister.
1983 diente er dem Ministerium als
Berater. Von 1982 bis 1983 war er
Abteilungsleiter
im
Justizministerium.
Nach Washington kam er 1981
als Direktor der Organisation Volunteers in Service to America (VISTA) .
Er erhielt 1970 seinen Bakkalaureus der philosophischen Fakultät der
Universität Yale und schloß 1973 sein
Jurastudium
an
der
Universität
Harvard ab.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
36

14. Oktober 1987
OAS TRSGT VERANTWORTUNG ZUR GEWÄHRLEISTUNG DER FREIHEIT FÜR NICARAGUA
- Ansprache Präsident Reagans vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) trägt
die Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für das Volk Nicaraguas, erklärte Präsident Reagan in seiner Ansprache vor der OAS am 7. Oktober 1987.
Unter Berufung auf die Aktionen der OAS im Jahr 1979, die zur Machtergreifung des sandinistischen Regimes beitrugen, bekräftigte der Präsident der
Gruppe gegenüber, die Mitgliedsstaaten müßten Vorsorge tragen, daß die Verfügungen des Friedensplans von Guatemala von der Regierung in Managua wortgetreu
in die Tat umgesetzt werden. Dem Präsidenten zufolge stelle das Verfahren,
die Einhaltung des Plans sicherzustellen, die gesamte Hemisphäre vor "eine
(ihrer) ernsthaftesten Herausforderungen", nämlich die Bestrebungen, "das Tor
der Freiheit für Nicaragua zu öffnen, seine Bande mit der Sowjetunion zu lösen
sowie die Erfüllung der von der OAS im Jahr 1979 gemachten Versprechen der Demokratie und Menschenrechte".
Nachfolgend geben wir die Ausführungen des Präsidenten wieder,
das gesprochene Wort.
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Ihre Exzellenzen, meine Damen
und Herren.
Es ist eine große Ehre für mich,
bei dieser Sitzung der Organisation
Amerikanischer Staaten zu Ihnen zu
sprechen.
Ich gestehe, daß es mich
mit großem Stolz erfüllt, heute hier
sein zu dürfen. Denn dies ist nicht
eine gewöhnliche diplomatische Veranstaltung, sondern die wohl zahlreichste Versammlung von Botschaftern aus
demokratischen
Ländern
in der Geschichte der Hemisphäre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Es gilt

Während wir heute hier versammelt
sind, waren die Hoffnungen und Träume, die zur Erbauung dieses Saales
und
Schaffung
dieser
Organisation
führten, ihrer Erfüllung nie so nahe.
Das Werk unserer Vorväter, dessen im
Saal der Helden gedacht wird, stand
nie zuvor so kurz vor seiner Vollendung. Wir haben uns hier versammelt,
nicht als die Vertreter eines Landes,
eines
einzigen Kontinents, sondern
einer Hemisphäre, die sich der Sache
der menschlichen Freiheit und demokratischen Regierung verschrieben haben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieses vergangene Jahrzehnt war
Zeuge des Triumphs der Freiheit in
beiden Teilen Amerikas.
Noch vor
zehn Jahren lebte die große Mehrheit
der Völker Lateinamerikas in Unterdrückung. Bis heute haben 90 Prozent
die Freiheit und Würde einer demokratischen
Regierung
kennengelernt.
Die Geschichte dieses demokratischen
Wandels ist eines der stolzesten Kapitel in der Geschichte der Menschheit.
Viele der heute hier Versammelten haben an dieser Geschichte
mitgeschrieben.
Es
ist
eine Geschichte von Mut, Staatskunst, Ausdauer, Heldentum und - ja, gelegentlich auch des Martyriums.
Es ist die Geschichte von Männern
wie Victor Paz Estenssoro, der Terroristen,
Drogenschmuggel
und
die
nackte Armut bekämpfte, um Boliviens
Freiheit zu erhalten.
Es ist die Geschichte von Raul
Alfonsin, der Argentinien aus Niederlage und Diktatur zu einer neuen Demokratie emporgehoben hat.
Es ist die Geschichte von Jose
Napoleon Duarte - inhaftiert, gefoltert und ins Exil verbannt, nachdem
er die Präsidentschaftswahlen in El
Salvador im Jahr 1972 gewonnen hatte.
Er hatte den Mut, nach Hause zurückzukehren und die Machtprobe zu bestehen.
Es ist die Geschichte all der
tapferen
Staatsmänner
Mittel- und
Südamerikas, die für die Einführung
und Aufechterhaltung der Demokratie
in ihren Ländern kämpfen.
Es ist auch die Geschichte des
einfachen Volkes, wie der Frau in El
Salvador, die bei ihrem Gang zur Wahl
in den Kugelhagel der Guerrilla geriet und verletzt wurde.
Stunde um
Stunde stand sie in der Schlange vor

der Wahlurne und wich nicht, um ihre
Wunden verbinden zu lassen, bevor sie
ihre Stimme abgegeben hatte.
Oder
der Großmutter, die von den Kommunisten gewarnt worden war, wenn sie
es wagen würde zu wählen, würde sie
bei ihrer Rückkehr vom Wahllokal umgebracht.
"Ihr könnt mich töten",
war ihre trotzige Antwort, "Ihr könnt
meine Familie töten, meine Nachbarn
töten, aber ihr könnt nicht uns alle
töten."
Das ist die Stimme des amerikanischen Kontinents, die stolze Stimme
der Nachfahren von Simon Bolivar, die
Freiheit als ihr Geburtsrecht fordern.
"Der Schleier ist zerrissen
worden",
schrieb
Bolivar
einmal.
"Wir haben das Licht bereits gesehen
und wir möchten nicht zurück in die
Finsternis gestoßen werden."
Ja,
der
gesamte
amerikanische
Kontinent ist weit in das Licht der
Freiheit
vorangeschritten, und wir
haben nicht vor, in die Schatten von
Unterdrückung und Tyrannei zurückzufallen. Aber bei allem Heldentum und
Durchhaltevermögen ist unsere Reise
noch nicht beendet.
Heute sind wir
aufgerufen, uns der
ernsthaftesten
Herausforderung zu stellen, mit der
sich unsere Hemisphäre je konfrontiert sah.
Diese Aufgabe wird von
all unseren Nationen dieselbe Staatskunst, denselben Mut und die uneingeschränkte Verpflichtung zur Freiheit
verlangen, die uns so weit gebracht
haben.
Ich spreche von den Bestrebungen
der demokratischen Nationen Mittel-,
Süd- und Nordamerikas, das Tor der
Freiheit
für Nicaragua zu öffnen,
seine Bande mit einer expansionistischen Kolonialmacht zu lösen und für
das nicaraguanische Volk die Erfüllung des vor der OAS im Jahr 1979 gegebenen Versprechens der Demokratie
und Menschenrechte sicherzustellen.

�Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Die Friedensvereinbarung
von Guatemala, ein von den fünf Präsidenten Mittelamerikas am 7. August
1987 unterzeichnetes historisches Abkommen, enthält viele der Bestandteile, die für anhaltenden Frieden und
dauerhafte Demokratie in der Region
erforderlich
sind.
Diese Übereinkunft ruft alle Parteien auf, die
Kampfhandlungen einzustellen und auf
echter Demokratie und Menschenrechten
in Nicaragua zu bestehen, einschließlich der Pressefreiheit, Religionsfreiheit, des Rechts, politische Vereinigungen zu bilden sowie umfassende, freie und gerechte Wahlen.
Die
Vereinbarung stellt eindeutig fest:
Demokratie ist die Grundlinie.
In
diesem Punkt kann es keinen Kompromiß
geben.
Aber während es Grund zur Hoff
nung gibt, besteht auch Anlaß zu
großer Vorsicht. Präsident Arias hat
erklärt, der Frieden
in Nicaragua
wird nur mit echter Demokratie überleben. "Wenn die Demokratie in Nicaragua nicht Fuß faßt", bekräftigte
er, "wird die bewaffnete Auseinandersetzung andauern." Und über die Sandinisten sagte er:
"Es trifft zu,
daß sie Marxisten sind.
Es trifft
zu, daß sie - sollte es ihnen gelingen, sich zu konsolidieren - versuchen werden, die Revolution zu exportieren, Costa Rica zu unterwandern
und den Versuch unternehmen werden,
in diesem Land subversiv tätig zu
werden."
Wir teilen die Hoffnungen und Bestrebungen
Präsident
Arias,
aber
ebenso seine Skepsis gegenüber den
kommunistischen
Sandinisten
- eine
aus einer
langen Liste sandinistischer Täuschungsmanöver und gebrochener Versprechen geborene Skepsis.
Meiner Meinung nach kann man es den
Skeptikern nicht verdenken, wenn sie

die Frage stellen:
Wo wird Daniel
Ortega denn am 7. November sein - dem
Tag, an dem die Vereinbarung in Kraft
trifft?
Wir dürfen nicht vergessen, daß
bereits eine mit den Sandinisten vertraglich
ausgehandelte
Übereinkunft
exisitiert, die noch vor dem Guatemala-Plan entstand - die Übereinkunft
aus dem Jahr 1979, mit der diese Organisation
in beispielloser
Vorgehensweise einer amtierenden Regierung
die Anerkennung entzog, nämlich der
Regierung von Anastasio Somoza, und
damit zur Machtergreifung der Sandinisten beitrug. Als Teil dieser Vereinbarung
stimmten
die
Sandinisten
zu, wahrhafte Demokratie mit freien
Wahlen und allen bürgerlichen Freiheiten einzuführen.
Jede der hier
versammelten Nationen ist als Mitglied der Organisation Amerikanischer
Staaten Vertragspartei dieser Vereinbarung.
Wir wissen, daß die Sandinisten
nie gewillt waren, diese Versprechen
einzulösen.
Und nur einige Monate
später beriefen die Sandinisten eine
Geheimversammlung ein und entwarfen
das unter dem Namen "Das 72-Stunden
Dokument" bekanntgewordene Papier, in
dem sie ihre Pläne zur Schaffung eines zweiten Kuba in Nicaragua darlegten. Und selbst als die Vereinigten
Staaten
der neuen
nicaraguanischen
Regierung
Millionen von Dollar an
Hilfsleistungen zukommen ließen, mehr
Hilfe als je einer anderen Nation gewährt wurde, waren die Sandinisten
eifrig mit dem Schmuggel von Waffen
an die kommunistischen Guerrillas in
El Salvador beschäftigt.
Aber obwohl die Sandinisten ihre
Verpflichtung für diese ausgehandelte
Übereinkunft nicht eingehalten haben,
muß
diese
Organisation
nicht
das
gleiche tun.
Diese Versprechen von

- 3 -

�Demokratie und Frieden waren auch unsere Versprechen - Versprechen an das
Volk von Nicaragua, daß seine Hoffnungen auf Frieden nicht enttäuscht
werden würden.
Wir gaben unser Ehrenwort, und dem können wir uns nicht
entziehen.
Diese Versprechen bilden
weiterhin die absolute Grundlage jeder ausgehandelten Regelung mit den
sandinistischen
Kommunisten.
Vollständige, freie und faire Wahlen und
die offene Gesellschaft, durch die
allein diese ermöglicht werden können, einschließlich aller Menschenrechte und der Ausweisung aller sowjetischen
und kubanischen Streitkräfte - dies müssen die unveräußerlichen Grundlagen
sein, auf denen
jedwedes weitere Abkommen mit den
Sandinisten aufzubauen hat.
Aus diesem Grund müssen wir, während wir weiterhin weiterhin auf Verhandlungen drängen, fest zu unserer
Verpflichtung stehen, Nicaragua eine
wahrhafte Demokratie zu bringen sowie
scharfsichtig und realistisch sein,
was den wahren Charakter der Sandinisten angeht.
Als Reaktion auf die
Übereinkunft von Guatemala haben die
Sandinisten einige wenige anfängliche
Schritte zu deren Einhaltung unternommen
diese
begrüßenswerten
Schritte sind jedoch nur ein Anfang.
La Prensa und Radio Catolica wurde
die Wiederaufnahme
ihrer Tätigkeit
gestattet, aber die anderen unabhängigen Zeitungen bleiben weiter geschlossen. Einem Dutzend anderer Radiostationen bleibt die Sendetätigkeit weiterhin untersagt.
Unlängst feierte die ChristlichSoziale Partei in Managua ihr 30jähriges Bestehen. Bei einer Demonstration innenpolitischer Opposition gegen die Sandinisten nahmen etwa 4 000
Personen an einer Versammlung teil.
Die Sandinisten gestatteten die Versammlung, aber sie nahmen sofort 18

Mitglieder
der
christlich-Sozialen
Partei aufgrund falscher Anschuldigungen fest. Der ehemalige Präsident
Venezuelas, Luis Herrera Campins, der
als Ehrengast daran teilnahm, nannte
die Festnahmen einen "eklatanten Akt
politischer Schikane".
Die
sandinisten
müssen
lernen,
daß Demokratie nicht heißt, eine Versammlung zu gestatten und dann die
Teilnehmer zu verhaften - sie bedeutet Hunderte solcher Versammlungen,
und zwar frei von Schikanierung, sei
es durch die Geheimpolizei oder durch
das, was von den Sandinisten als
"göttlicher
Mob"
bezeichnet
wird.
Demokratie bedeutet nicht, eine Zeitung oder eine Radiostation zu öffnen, sondern sie alle zu öffnen. Demokratie bedeutet nicht die Freilassung einiger politischer Gefangener,
sondern die Freilassung aller 10 000,
von denen einige schon seit acht Jahren im Gefängnis sitzen.
Demokratie
bedeutet nicht die selektive Gewährung einiger befristeter Freiheiten,
um die Weltmeinung zu besänftigen,
sondern dauernd gültige, umfassende
Menschenrechte, die von einer Verfassung garantiert und durch das System
der "checks and balances" einer demokratischen
Regierungsform
geschützt
werden.
Letztlich - und dies ist die
wichtigste Lehre von allen - heißt
Demokratie Rückgabe der Macht an das
Volk. Die Sandinisten müssen verstehen, daß sie nicht die Option besitzen, Diktatoren zu sein. Ihre einzige Option besteht darin, eine politische Partei zu führen und in begrenzten Amtszeiten zu dienen, wenn
das Volk sie in freien und fairen
Wahlen dazu bestimmt hat.
Was im nächsten Monat geschieht,
wird entscheidend sein - und wir alle
in der OAS sind dafür verantwortlich,

- 4 -

�darauf zu bestehen, daß die Sandinisten dem Frieden dadurch eine Chance
geben, daß
sie
ihre
Gesellschaft
wirklich öffnen. Mehr als jeder andere tragen die Mitglieder der OAS
eine besondere Verantwortung, um die
Führungsrolle bei der Verifizierung
der Vereinbarungen von Guatemala zu
übernehmen.
Wir
können nicht mit
Fassaden der Freiheit zufrieden sein,
die zu dem Zweck errichtet wurden,
die internationale Meinung irrezuführen, um dann schnell wieder abgebaut
zu werden, wenn der Druck nachgelassen hat. Wir müssen auf einer echten
Demokratie in Nicaragua bestehen nicht für eine Woche, nicht für einen
Monat oder ein Jahr -,sondern für immer.
Alles, was wir möchten, ist eine
echte Demokratie. Jeder, der weniger
verlangt, dient nicht der Sache des
Friedens in Nicaragua..
Und lassen
Sie mich noch sagen, daß hier keine
neuen
Forderungen
erhoben
werden.
All dies wird ja schon in der Übereinkunft von Guatemala und im WrightReagan-Friedensplan ausgeführt.
Sagen Sie - wie kann es Demokratie geben, wenn Tausende aus politischen
Gründen verhaftet werden?
Wie kann
es Demokratie geben, wenn Menschen,
die das Mißfallen der Sandinisten erregen, dadurch bestraft werden, daß
ihnen die Rationierungskarten vorenthalten werden, auf die sie Nahrungsmittel und andere Bedarfsartikel erwerben können? wie kann es Demokratie geben mit einer von überzeugten
Leninisten geleiteten Geheimpolizei,
die jeden Bürger mit Hilfe der sogenannten
"Blockkomitees"
überwacht?
Wie kann es Demokratie geben, wenn
die
gesamte Gesellschaft militarisiert wird, wobei das Militär von einer politischen Partei und ihren kubanischen und sowjetischen "Beratern"
kontrolliert wird?

Zur Demokratie gehören ganz bestimmte Charakteristika.
Alltägliche
Freiheiten - genauso wie die Tyrannei
aus alltäglicher
Unterdrückung besteht,
ist es aufrichtig, von Demokratie zu sprechen und gleichzeitig
die spezifischen Merkmale zu ignorieren, aufgrund derer wir sagen können,
ob
eine
Demokratie
wirklich
existiert?
Ich glaube nicht. Und deshalb muß der Marsch zur Demokratie in
Mittelamerika eben ein Marsch sein Schritt für Schritt vielleicht, aber
unaufhaltsam - hin zu demokratischer
Freiheit.
Einhergehend
mit
demokratischen
Reformen
fordert das Abkommen von
Guatemala die nationale Aussöhnung in
Nicaragua durch einen ausgehandelten
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie.
Gerade hat in dieser
Woche Präsident Duarte den Geist der
nationalen Aussöhnung in seinem Lande
beschworen
und
alle
Salvadorianer
folgendermaßen
dazu
aufgerufen:
"Vergebt all denen, deren Taten unseren Herzen Schmerz zugefügt haben."
Trotz der ihm und seiner Familie von
den Guerrillas zugefügten Gewalt hat
er Verhandlungen mit ihnen aufgenommen. Ebenso hat Guatemalas Präsident
Cerezo auf den Ruf zur Aussöhnung geantwortet, und seine Regierung wird
schon bald ein Treffen mit den dortigen Guerrillas abhalten.
Sie haben
dies getan, weil sie möchten, daß das
Abkommen von Guatemala funktioniert.
Wenn die Sandinisten wirklich die
Funktionsfähigkeit
dieses
Abkommens
wünschen, wäre es dann nicht an der
Zeit, daß sie mit den nicaraguanischen Freiheitskämpfern verhandelten?
Ich würde mich gern einen Augenblick lang an die Damen und Herren
von der Presse wenden. Während der
Prozeß der nationalen Aussöhnung voranschreitet,
trägt Ihr
Berufsstand
eine besondere Verantwortung dafür,

- 5 -

�daß die Regelungen des Friedensprozesses vollständig durchgeführt werden und die Demokratie eine dauerhafte Heimat in Nicaragua findet.
In
der Vergangenheit sind die Medien einige Male dafür kritisiert worden,
daß sie mit zweierlei Maß gemessen
haben.
Im Hinblick auf die weitere
Entwicklung
in
Nicaragua
kann
es
zweierlei Maß nicht geben, sondern
nur ein einziges und absolutes Maß die Demokratie. Sie müssen den Fortschritt der Demokratie in Nicaragua
aufmerksam beobachten.
Konzentrieren
Sie all Ihre ermittlerischen Fähigkeiten, all Ihre Skepsis auf die Regierung der Sandinisten.
Verlangen
Sie vollständige Aufdeckung.
Sehen
Sie zu, daß sie ihren Versprechungen
gerecht werden.
Dies könnte eine
Sternstunde des Journalismus werden,
wenn Sie mit Hilfe der Wahrheit zur
Befreiung eines Volkes beitrügen.
Wie ich schon sagte, bedeutet das
Abkommen von Guatemala eine positive
Bewegung in dem anhaltenden Bemühen
für Demokratie und Frieden in Nicaragua, das mit der von der OAS ausgehandelten Regelung im Jahr 1979 begann.
Aber obwohl das Abkommen ein
Schritt in die richtige Richtung ist,
behandelt es nicht die Sicherheitsbelange der Vereinigten Staaten in der
Region - die wachsende sowjetisch-kubanische Präsenz, die die Errichtung
eines Brückenkopfes auf dem amerikanischen Festland anstrebt und das
schnelle
und destabilisierende Anwachsen der sandinistischen Streitkräfte, die die demokratischen Nachbarn Nicaraguas bedrohen.
Diese
Sicherheitsbelange
werden
jedoch im Wright-Reagan-Friedensplan
angesprochen.
Die ersten Abschnitte
dieses Planes sehen ganz klar vor,
"daß es keine sowjetischen, kubanischen oder Qstblockstützpunkte in
Nicaragua gibt", und "daß Nicaragua
- 6

weder eine Bedrohung für seine Nachbarstaaten darstellt noch ein Aufmarschgebiet für Subversion in der
Hemisphäre bietet".
Das heißt, die sowjetischen und
kubanischen Streitkräfte müssen abziehen. Wir werden keine kommunistische Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents dulden.
Freiheit
in Nicaragua, Befreiung von allen
einheimischen und ausländischen Tyrannen - dafür setzen sich die Vereinigten Staaten ein, mit einem Konsens beider Parteien über die Bedingungen, die im Sicherheitsinteresse
der Vereinigten Staaten liegen.
Und ich möchte hinzufügen, daß
diese Sicherheitsinteressen von allen
demokratischen Nationen unserer Hemisphäre geteilt werden. Ab dem ersten, von Simon Bolivar einberufenen
Kongreß der amerikanischen
Staaten
und seit dem Vertrag der ewigen Einheit, des Bundes und der Konföderation haben die Völker der amerikanischen Hemisphäre auf der Souveränität und Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten gegenüber ausländischem Imperialismus bestanden.
Heute gibt es
nur zwei kolonialistische Diktaturen
in den beiden Teilen Amerikas. über
eine von ihnen sagte John F. Kennedy
vor mehr als 20 Jahren, "Kräfte ausserhalb der Hemisphäre haben Kuba zum
Opfer des ausländischen Imperialismus
werden lassen, einem Instrument der
Politik anderer, einer Waffe in einem
von ausländischen Mächten diktierten
Bestreben zur Unterwanderung der anderen
amerikanischen
Republiken."
Heute ergreifen eben diese Kräfte Besitz von Nicaragua, aber der Kampf
gegen die Kolonialherrschaft ist angefacht, der das imperalistische Joch
abschütteln kann.
Tatsache
Grund gibt,

ist, daß es nur einen
aus dem die kommunist-

�ische Subversion der mittelamerikanischen
Demokratien
im
Augenblick
aufgehalten worden ist. Es gibt nur
einen Grund, warum für den im Friedensplan von Guatemala propagierten
Demokratisierungsprozeß noch Hoffnung
auf Erfolg besteht, und den liefern
die tapferen nicaraguanischen Freiheitskämpfer, die ihr Leben für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat opfern.
Die meisten sind junge Männer von
kaum
20
Jahren,
die
beim
Sturz
Somozas noch Kinder waren. Sie haben
die Versprechungen des Jahres 1979 von Freiheit und Menschenrechten
vernommen, aber sie kennen nur Tyrannei und erleben ihre Gesellschaft im
sich
verstärkenden
Würgegriff
der
neuen Diktatoren.
Sie mußten erleben, wie ihre Freiheit nach und nach
beschnitten, ihre Bauernhöfe konfisziert und ihre Priester verfolgt wurden. Sie haben miterlebt, daß willkürliche Verhaftungen, Schläge und
Mord im Namen des Regimes an der Tagesordnung sind.
Sie haben erlebt,
wie andere
junge Nicaraguaner
zum
Dienst unter sogenannten sowjetischen
und kubanischen "Beratern" verpflichtet und zu bloßen Schachfiguren in
einem Krieg wurden, der dem amerikanischen Kontinent ausländische Tyrannei aufzwingen sollte.
Diese Nicaraguaner haben wahrhaftig nur Tyrannei erlebt.
Sie haben
einen Diktator stürzen sehen, der von
neun Commandantes abgelöst wurde, die
viel schlimmer sind - und sie haben
sich dagegen aufgelehnt. Ihre Herzen
fordern Freiheit.
Im Geist der amerikanischen Freiheitskämpfer vergangener Jahrhunderte kämpfen sie für
Freiheit und Unabhängigkeit.
Es
gibt
inzwischen
mehr
als
15 000 nicaraguanische Freiheitskämpfer - dreimal soviele wie beim Sturz
Somozas - die flächendeckend in Nica-

ragua operieren.
Ohne die Freundschaft und Unterstützung des nicaraguanischen Volkes hätten sie nicht
überlebt.
Seit sieben Jahren haben
die Freiheitskämpfer die Konsolidierung des totalitären Regimes in Nicaragua verhindert.
Bis jetzt zielen
die
Milliarden
Dollar
sowjetischer
Militärhilfe an Managua hauptsächlich
darauf ab, die Freiheitskämpfer zu
besiegen und dann später die umliegenden Demokratien angreifen zu können.
Alle, die im öffentlichen Leben
stehen, sollten sich vor Augen führen, daß die Freiheitskämpfer - die
meisten von ihnen arme Bauern, die in
den Urwäldern Nicaraguas gegen eine
riesige Übermacht ankämpfen - mit ihrem Leben und ihrem Mut die Flut kommunistischer Expansion in Mittelamerika abgewehrt haben. Ohne die Freiheitskämpfer hätten die Sandinisten
niemals das Abkommen von Guatemala
unterzeichnet, und sähen sich keinem
Druck zur Durchführung von Reformen
ausgesetzt.
Ihr totalitärer Zugriff auf Nicaragua würde nur fester werden und sobald der Widerstand im Inland erstickt wäre, würden die Sandinisten
ihr Augenmerk bald auf ihre Nachbarn
richten.
Die ungeheure von kubanischen
und
sowjetischen
Beratern
ausgerüstete und personell besetzte
Militärmaschinerie würde ihre Schatten über ganz Mittelamerika werfen.
Ihre
nachweisliche,
nur
zeitweise
eingedämmte, Subversion der umliegenden Demokratien würde kontinuierlich
vorangetrieben.
Sogar jetzt, mitten
im Friedensprozeß, wo sich das Augenmerk der ganzen Welt auf die Sandinisten richtet, liefern sie weiterhin
Waffen an die kommunistischen Guerillas in El Salvador.

- 7 -

Wir

werden nicht einfach mit den

�Achseln zucken und zusehen, wie abertausende tapferer Männer und ihre Familien zu Flüchtlingen gemacht werden. Wir wollen die Aussöhnung dieser Nation erleben. Wir wollen, daß
die Freiheitskämpfer nach Hause zurückkehren und in Nicaragua in Frieden und Freiheit leben zu können.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten
hat diesen Menschen gegenüber eine
moralische Verpflichtung, der er sich
nicht entziehen kann. Ich bin diesen
Menschen gegenüber eine persönliche
Verpflichtung eingegangen und werde
mich ihr nicht entziehen. Sie kämpfen in den Urwäldern Nicaraguas nicht
nur für ihre eigene, sondern auch für
Ihre und meine Freiheit.
Ich möchte
feierlich geloben - so lange ich atme, werde ich für die Sache der nicaraguanischen Freiheitskämpfer eintreten, arbeiten und kämpfen.
Aber die anhaltende Unterstützung
des demokratischen Widerstandes ist
nicht nur eine moralische Verpflichtung - sie ist die wesentliche Garantie, daß die Sandinisten sich an die
demokratischen Bedingungen des Abkommens von Guatemala halten und daß die
demokratischen Länder der beiden Teile Amerikas vor sandinistischer Unterwanderung sichr sein werden. Wir
sollten uns fragen: Hätten die Sandinisten das Abkommen unterzeichnet,
wenn wir nicht zu den Freiheitskämpfern hielten? Wenn der amerikanische
Kongreß
im vergangenen Jahr gegen
Hilfsleistungen
für die Freiheitskämpfer gestimmt hätte, würden wir
dann heute über demokratische Reformen in Nicaragua sprechen? Die Antwort darauf lautet eindeutig "Nein".
Aus diesen Gründen werde ich ein
über einen Zeitraum von 18 Monaten
gestaffeltes 270 Millionen Dollar-Paket an neuer militärischer und humanitärer Hilfe für die Freiheitskämpfer fordern und erkämpfen.
Diese

neue Unterstützung wird so lange gewährt werden, wie die mit den Freiheitskämpfern in Verhandlungen stehenden Sandinisten ein Abkommen für
einen Waffenstillstand schließen und
bis in Nicaragua vollständige Demokratie herrscht. Sobald die Waffenruhe in Kraft getreten ist, wird nur
noch die zur Erhaltung der Freiheitskämpfer
als einer
funktionsfähigen
Einheit notwendige Unterstützung geleistet werden.
Dann werden wir und sie - erleben, ob die demokratischen Reformen in Nicaragua echt
sind.
Der beste Indikator hierfür
ist der Tag, an dem es den Freiheitskämpfern gestattet sein wird, straffrei für politische Macht zu kandidieren statt mit Hilfe von Waffen.
Wenn dies geschieht, werden unsere
Hilfsleistungen an die Widerstandsbewegung
entsprechend
abnehmen.
Und
die
finanzielle
Unterstützung
wird
dann zur Stärkung des sich im Gange
befindlichen Demokratisierungsprozesses umgeleitet werden.
In den kommenden entscheidenden
Monaten müssen die freien Länder der
beiden Teile Amerikas höchste Reaktionsbereitschaft zeigen. Wir müssen
unerschütterlich darauf beharren, daß
Demokratie die einzige Garantie für
den Frieden ist.
Aber der amerikanische Kontinent wäre nicht so weit
gekommen ohne den Mut, die Ausdauer
und den Einsatz für Freiheit, von denen ich bereits gesprochen habe. Ich
zweifle nicht daran, daß Freiheit
herrschen wird. Der große kubanische
Fürsprecher der Freiheit, Jose Marti
hat einmal gesagt, "Es gibt auf dieser Welt zwei Seiten: auf der einen
Seite stehen die, die Freiheit hassen, weil sie diese ausschließlich
für sich allein wollen; auf der anderen die, die Freiheit für sich selbst
und alle anderen wünschen".

- 8 -

�Freiheit für alle - das könnte
das Motto dieser Organisation sein.
Bei der Grundsteinlegung für dieses
Gebäude
sprach
der
brasilianische
Staatsmann Joaquim Nabuco vom besonderen
Schicksal der
amerikanischen
Hemisphäre und vom einzigartigen Auftrag der OAS: "Es scheint, daß eine
Fügung des Schicksals das westliche
Ufer des Atlantiks zu einem späten
Zeitpunkt der Geschichte zum gelobten
Land für eine großartige Neubelebung
der Menschheit werden läßt." Das ist
die feierliche Verpflichtung dieser
Organisation - Wache über dieses auserwählte Land zu halten, es von fremden
Mächten
und
kolonialistischem
Despotismus zu bewahren, so daß die
Menschen hier in Freiheit Wiederaufleben können.
Aus diesem Grund haben sich im
Jahr 1979 diese Organisation und viele amerikanische Länder an das nicaraguanische Volk gewandt und ihnen
echte Freiheit und die Wahrung der
Menschenrechte
versprochen.
Jetzt
müssen wir zu diesem Versprechen stehen, wie wir auch zu unserer Freiheitsliebe stehen - nicht nur für
einige wenige, sondern, um mit Jose
Marti zu sprechen: Freiheit für alle.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *
- 9 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
14. Oktober 1987

36

SHULTZ BETONT BEDEUTUNG DES FREIEN INFORMATIONSFLUSSES
Rede von Außenminister Shultz vor dem Internationalen Rat -

WASHINGTON - (AD) Außenminister Shultz zufolge liegen dem raschen technologischen Wandel der modernen Welt "die Auswirkungen der sogenannten 'Informationsrevolution' zugrunde" und diese Revolution wiederum gründet sich auf den
freien Informationsfluß.
Außenminister Shultz machte seine Ausführungen am
ersten Sitzungstag des internationalen Rats des Informationsamts der amerikanischen Regierung (U.S. Information Agency - USIA) am 8. Oktober 1987. Der
Rat setzt sich aus Meinungsbildnern aus der ganzen Welt zusammen, die zu einer
Erörterung der Auswirkungen der amerikanischen Politik und Maßnahmen im Ausland zusammenkamen.
Nachfolgend geben wir die Rede von Außenminister Shultz sowie die anschließende Diskussion mit den Teilnehmern des Rats im Wortlaut wieder.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit zu einigen Ausführungen meinerseits und anschließender Diskussion mit solch einem erlesenen Publikum wie den heute hier Anwesenden.

lungen?
Warum nehmen sie möglicherweise die Richtung, die sie meiner
Meinung nach einschlagen werden? Was
bedeutet dies für unsere eigene Handlungsweise?

Ich habe mir überlegt nicht mit
einer Abhandlung der derzeitigen Ereignisse zu beginnen, sondern zunächst einige Worte über die Perspektiven zu sagen, die sich dieser Welt
meiner Ansicht nach aufzeigen - für
uns, die Vereinigten Staaten und die
anderen Länder der Welt. Welcher Art
sind die sich abzeichnenden Entwick-

Meinem Gefühl nach und aus meiner
Sicht haben wir heute im Vergleich zu
früher in gewisser Weise mehr Chancen, mehr Dinge befinden sich im Wandel, bieten sich mehr Möglichkeiten
für grundsätzlich positive, aber unterschiedliche Entwicklungen für das
kommende oder die nächsten fünf oder
zehn Jahre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich einige Anzeichen
dafür nennen, wie diese Entwicklungen
sich aus meiner Sicht vollziehen.
Zunächst bestehen keine Zweifel an
der Tatsache, daß das revolutionäre
Wort in diesen Tagen, politisch gesehen, Freiheit heißt. Seine Bedeutung
ist sehr umfassend. In mehr als einem Land findet es seinen Ausdruck in
konstitutionellen
Vereinbarungen,
aber in einem sehr weiten Rahmen findet es seinen Niederschlag in der anerkannten Notwendigkeit für größere
Offenheit und mehr Raum zur freien
Meinungsäußerung der Menschen, wenn
eine Gesellschaft besser oder überhaupt gut funktionieren soll.
Ich denke, hierbei handelt es
sich um eine sehr tiefgreifende Entwicklung, die sich von dem unterscheidet, wie man die Dinge vor ungefähr fünf oder zehn Jahren charakterisiert hat.
Des weiteren kann man meiner Meinung nach dieselbe Beobachtung anstellen, wenn von wirtschaftlichen
Belangen die Rede ist. Die Menschen
beziehen nicht notwendigerweise einen
von ideologischer Einsicht geprägten
Standpunkt, sondern vielleicht eher
einen objektiven, praktischen, der
auch praktikabel ist.
Sie haben beobachtet, daß der
Versuch meist zum Scheitern verurteilt ist, ein Land wirtschaftlich
zentral zu lenken. Wenn man dezentralisiert und den Menschen individuell, in der Familie oder auf Unternehmensebene
Anreize
bietet
und
Marktsignale
setzt,
können
dramatische Ergebnisse erzielt werden.
Die Gegensätze sind überwältigend,
in diesen Tagen beschäftigt
uns Korea, da die Aussicht auf ein
politisches Wunder besteht, das mit
dem wirtschaftlichen Wunder in Süd-

korea einhergehen könnte. Weiterhin
besteht einer der schärfsten kleinen
Gegensätze.
Wenn ein Student der
Wirtschaftspolitik ein Experiment zur
Veranschaulichung der Ereignisse angestellt hätte, so hätte ihm dies
nicht besser gelingen können, als
Nord- und Südkorea vor einigen Jahrzehnten mit im Großen und Ganzen demselben
Bevölkerungshintergrund
und
einer ähnlichen Ausgangssituation nebeneinander zu stellen und dann das
weitere Geschehen abzuwarten.
Die Macht einer zunehmend auf
Marktsignale und Unternehmertum ausgerichteten, freieren Art der Organisation von Wirtschaftsaktivitäten hat
allem ihren Stempel aufgeprägt. Wir
können dies also als weitere Charakterisierung der Gegenwart, um nicht
zu sagen, Welle der Zukunft ansehen.
Wenn wir auf der Welt um uns
blicken, Rückschau halten und im Hinblick auf eine grobe Einschätzung des
Bruttosozialprodukts
der
Welt
und
dessen Verteilung durch die jeweiligen Länder vorausschauen, dann ist
natürlich das erste, dessen wir gewahr werden, daß es sehr viel mehr
Länder sind als vor 40 Jahren.
Wir können also die immer größere
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt beobachten.
Damit möchte
ich nicht andeuten, daß unser Bruttosozialprodukt
in
den
Vereinigten
Staaten
nicht
zunimmt
und
andere
große Länder wie die Sowjetunion oder
Japan oder sonst ein Land kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen haben,
aber andere Länder wachsen schneller,
sicherlich weil sie einen weiteren
Weg zurückzulegen und sehr viel haben, bei dem sie sich einfach dranhängen können.
Wir können
breitung
des

- 2 -

also die WeiterverBruttosozialproduktes

�der Welt beobachten und immer mehr
Länder, die Kapazitäten zur Verfügung
haben, um die wirtschaftlichen Grössenverhältnisse mit dem Pro-Kopf-Einkommen hervorzubringen, das etwas von
Bedeutung
unterstützen
kann.
Die
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt geht also einher mit der
Verbreitung von Kapazitäten, um Maßnahmen in die Wege zu leiten.
Ich glaube, es ist von besonderer
Bedeutung, daß diese Verbreitung anhand der geistigen Kapazitäten gemessen wird.
Eines versuche ich immer
wieder, wenn ich eine Reise unternehme - ich habe es versucht, bevor ich
in der Regierung tätig war, und ich
bin darauf
zurückgekommen, seitdem
ich in der Regierung bin, nämlich wohin ich auch reise, mir etwas Zeit
zu nehmen und etwas von kulturellem,
historischem
oder
architektonischem
Interesse in dem Land zu besichtigen,
das ich gerade besuche.
Eines, was man daraus natürlich
ableiten kann ist, daß die Menschen
vor langer Zeit schon intelligent waren und viele Dinge vollbracht haben,
von denen man sich fragt, ob sie uns
heute gelingen würden und auch, daß
diese intelligenten Menschen überall
auf der Welt zu finden sind.
Was wir heute beobachten können
ist, daß die weit verbreiteten natürlichen intellektuellen Gaben weiter
ausgebildet und beruflich verwertet
werden, und die Menschen sich zunehmend bewußt werden, daß im modernen
Zeitalter die intellektuellen Fähigkeiten - das Wissen - von vorrangiger
Bedeutung sind.
Dieses wissen erlangt man nicht nur durch Intelligenz, sondern indem man sich weiterbildet.

Welt

Wir können also überall auf der
und besonders in der sich im

Entwicklungsstadium befindlichen Welt
eine große Betonung der intellektuellen Kenntnisse beobachten, Diese Art
von Fähigkeiten sind also weit verbreitet.
Zum Thema der Supraleitfähigkeit
habe ich eine interessante schematische Darstellung gesehen. Auf der
Achse dieser Graphik ist die Temperatur angegeben und Ihnen ist sicherlich bekannt, daß man ein desto besseres Ergebnis erzielt, je höher die
Temperatur ist, bei der man die Supraleitfähigkeit erreicht.
Auf dieser Achse hier ist die
Zeit angegeben. Wir können hier also
eine Progression der Punkte beobachten.
Irgendjemand hat etwas entdeckt
und neben jedem Punkt ist ein Land
angegeben. Zu meiner Freude kann ich
feststellen,
daß
die
Vereinigten
Staaten an zahlreichen stellen in
Klammern aufgeführt sind. Das interessante an dieser Graphik ist jedoch,
wie viele Länder auf dieser schematischen Darstellung insgesamt genannt
sind.
Sie können also aus dieser
Graphik die Verbreitung von Fähigkeiten und Kapazitäten auf der Welt ableiten.
Ich lege auf die Wissenskomponente hier besonderen Wert, da ich das
Gefühl habe und dies natürlich durch
das menschliche Wissen unter Beweis
gestellt wird, daß Initiative und
Energie stets den Schlüssel zur Entwicklung eines jeden Landes darstellten. Dies erfährt umso mehr an Gültigkeit, wenn wir um uns blicken und
die Geschehnisse beobachten.
Wenn wir den Bereich der Nahrungsmittelversorgung betrachten, sehen wir natürlich etwas, das die Nahrungsmittelproduktion
unerschöpflich
macht, nämlich die reichlich verschwenderischen Subventionen in den

- 3 -

�Entwicklungsländern, die zu übermäßiger Produktion in den Ländern führen,
in denen die Menschen wissen, wie
produziert wird.
Man kann jedoch einerseits auch
Veränderungen bei der Art und Weise
feststellen, in der die Agrarökonomie
in Afrika, China und vielleicht auch
in anderen Ländern wirtschaftlicher
organisiert wird, wohingegen die bisherige Philosophie darin bestand, den
Preis aufgrund des Nahrungsmittelbedarfs ganz unten zu halten, sogar unter den Produktionskosten.
Es überrascht niemanden, der je
ein
Lehrbuch
der
grundlegendsten
Wirtschaftszusammenhänge gelesen hat,
daß diese Formel nachteilig für die
Produktion ist.
Also wurde die revolutionäre Idee geboren, den Preis
oberhalb der Produktionskosten festzusetzen.
Dies hat
einschneidende
und unmittelbare Auswirkungen auf die
Produktion.

könnte zu einem Problem werden. Sicherlich wird es Regionen der Dürre
und ähnliche Dinge geben, mit denen
wir fertigwerden müssen, aber grundsätzlich ist es möglich, eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln zu
produzieren.
Wenn sie den Bereich der Rohstoffe betrachten, besteht seit Jahrzehnten und vielleicht seit Jahrhunderten
die Auffassung, daß man reich ist,
wenn man über viele Rohstoffe verfügt. Ich bin nicht gegen den Besitz
von Rohstoffen, aber ich denke, wir
haben in den vergangenen zwei Jahren
zunehmend eine Substitution von Rohstoffen durch Intellekt beobachtet.
Das heißt, die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erdenken, mit deren Hilfe
Dinge zusammengefügt werden, die den
Grundstoff für etwas bilden, das man
statt
des traditionellen
Materials
verwendet. Das wird nicht getan, um
den Rohstoff als Grundlage abzuschaffen, aber es hat diese Auswirkung.

Aus diesem Grund können wir also
tiefgreifende Veränderungen beobachten, aber ich wollte auf folgenden
Punkt abzielen:
So, wie ich Forschung im Bereich der Landwirtschaft
verstehe, und es finden eine ganze
Reihe von Veränderungen beim Anbau
und der Widerstandsfähigkeit von Nahrungsmitteln gegen alle möglichen Bedrohungen statt sowie der Fähigkeit,
das Angebaute zu nutzen, wirtschaftlich weiterzuverarbeiten und anzubieten, stellt dies alles einen gigantischen Wandel dar.

Die Kunststoffindustrie ist uns
vertraut, ihre Entwicklung und die
Wunder, die sie vollbracht hat sowie
der Ersatz, den sie jetzt für Metalle
bietet.
Ich denke, wir sind nicht
damit vertraut, daß Kupfer in vielen
Anwendungszweigen durch Glasfaseroptik ersetzt wird.

Man kann also ohne Übertreibung
annehmen, daß Malthus hier auf den
Kopf gestellt wird. Durch die Anwendung unseres Wissens haben wir jetzt,
und auch in Zukunft, denke ich, eine
Welt, in der die Fähigkeit, uns zu
ernähren,
kein
Problem
darstellt.
Die
Verteilung
der
Nahrungsmittel

Aus dem Gesundheitswesen und der
Biotechnik
lassen
sich
zahlreiche
weitere Beispiele anführen.
Meiner
Ansicht nach liegt all dem die sogenannte Revolution des Informationswesens zugrunde, die Fähigkeit, Informationen und Meinungen in einer dagewesenen Art und Weise aufzunehmen, zu

- &lt;

Ich glaube, daß sich unsere Denkweise über Rohstoffe verändert, und
das hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Art des Aufbaus unserer Weltwirtschaft.

�ordnen und zu analysieren. Das wird
überall
auf
vielfältige
Weise
in
zahlreichen Anwendungsbereichen verwirklicht.
Wie Diplomatie durchgeführt wird,
wie Finanzmärkte funktionieren, die
Art und Weise eines Herstellungsprozesses in der verarbeitenden Industrie, die Art der Organisation eines
Unternehmens - all dies ist davon betroffen.
Bei diesem Spiel muß man
entweder mitspielen oder man bleibt
auf der Strecke.

damit nicht nur bestimmte Artikel
ferngehalten, sondern die gesamte Art
und Weise der Verarbeitung von Produkten im eigenen Land ist betroffen,
weil dann keine Teile mehr ins Land
gelangen, die fast zu einem normalen
Bestandteil der Funktionsweise unseres Handelssystems geworden sind.
Diese zusammenhänge werden komplexer mit den zunehmenden Ausdrucksmöglichkeiten von Märkten und Unternehmen, die nach der günstigsten Produktionsweise streben.

Ich denke nicht, daß hierbei um
Punkte gespielt wird, aber grundsätzlich ist es ein Spiel, das Regeln zugunsten des freien Informationsflusses aufstellt und sich von einem System unterscheidet, das Information
einschränken will, den Fluß hemmt und
Geheimnisse bewahrt.

Ich bin der Auffassung, daß diese
Revolution im Informationswesen die
Dinge grundsätzlich verändert und generell Auswirkungen auf mein eingangs
angesprochenes Thema "Freiheit" hat.
Das stimmt jedoch nicht ganz, weil
damit viele schwierige Probleme verbunden sind.

Die Macht dessen zeigt sich in
der Tatsache, daß es nicht angebracht
ist, über einen New Yorker Finanzmarkt, und erst recht nicht über andere Finanzmärkte zu sprechen.
Ich
will damit nicht sagen, daß sie keine
Bedeutung haben; sie sind große, bedeutende und wesentliche Bestandteile
- aber eindeutiger als jemals zuvor
sind sie Bestandteile eines Weltfinanzsystems.

Vom Standpunkt des Westens aus
betrachtet, messen wir dieser Technologie in vielen militärischen Anwendungsgebieten eine grundlegende Bedeutung bei.
Das soll so bleiben,
und wir wollen sie nicht an unsere
Gegner weitergeben.
Auf wirtschaftlicher Ebene findet dies in der Runde
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) seinen Niederschlag,
wo das Thema Rechte an geistigem Eigentum eine zunehmende Bedeutung erlangt.

Wenn sie die Art der Herstellung
von Produkten betrachten, ist es nahezu
unmöglich, herauszufinden, wo
sie hergestellt werden, weil sie aus
Einzelteilen
aus
den
unterschiedlichsten Ländern zusammengefügt sind,
unabhängig davon, was ein modernes
Produkt ausmacht. Bedenken Sie hierzu bitte die Auswirkungen einer sogenannten "protektionistischen Gesetzgebung" .
Wenn der Zugang von Produkten in
irgendein Land behindert wird, werden

Wir beobachten, daß Menschen ihr
geistiges Eigentum nicht in ein Land
einbringen wollen, in dem das Recht
an geistigem Eigentum nicht gewahrt
wird. Hiermit gibt es ein neues Element im Handelssystem, das sich von
allem unterscheidet, worüber in frühen Wirtschaftsverhandlungen gesprochen wurde.
Es soll hier nur die
Probleme des Informationsflusses verdeutlichen.

- 5 -

�Zusammenfassend läßt sich an dieser Stelle sagen, daß die Welt und
die Vereinigten Staaten als ein Teil
dieser Welt ihre Richtung in einer
Weise ändern, die unsere werte und
Ideen und die unserer Freunde in der
westlichen Welt grundsätzlich bejahen.
Es ist an uns, diese Vorschläge
zu prüfen, und wir sollten unser
Bestes tun; sehen, was die Zukunft
für uns bereithält und uns fragen,
welche Haltung wir einnehmen sollten,
um daraus für uns und für die Menschheit insgesamt das Beste zu machen.
Natürlich bilden die Dinge, mit
denen wir uns in jüngster Zeit beschäftigt
haben, einen Bestandteil
dessen.
Diese Dinge betreffen die
langandauernden Bemühungen des Präsidenten um einen Abbau der Nuklearwaffen und um das Aufzeigen einer sicheren und wirkungsvollen
Möglichkeit
der
Abwehr
ballistischer
Raketen.
Generell
streben
wir
nach
einer
friedlicheren Welt, die in der Lage
ist, diese allzu häufig beobachteten
regionalen Spannungen zu lösen, die
die Atmosphäre vergiften und etwas
bedrohen können, das im weiteren Sinne eine Ursache der mangelnden Stabilität sein könnte.
Viele dieser Probleme bekämpfen
wir jeden Tag, aber ich dachte, durch
mein Erscheinen hier und meine Rede
vor dieser hochrangigen Gruppe nehme
ich die Möglichkeit wahr, ihnen wenigstens einige der Dinge darzulegen,
von denen ich glaube, daß sie eine
Zukunft betreffen, die teilweise genau hier beginnt, die uns aber noch
mehr dazu herausfordert, etwas vorauszudenken.
Ich habe mich über diese Gelegenheit gefreut, und werde gern auf Ihre
Fragen eingehen.
* * *

Frage:
Ich hege große Bewunderung für die moralischen Wertvorstellungen und die wohlwollende strategische Perspektive der
Vereinigten
Staaten, und jedes Mal, wenn ich Sie
sehe und höre, verstärkt sich dieses
Gefühl...
Im Jahr 1960 habe ich mir
die Frage gestellt, ob Amerika im
Hinblick
auf seine
internationalen
Belange unregierbar geworden ist, und
damals habe ich die Frage mit "Nein"
beantwortet.
Das stelle ich jetzt in Frage.
Ich bin besorgt darüber, daß Amerikas
Fähigkeit, ein Gleichgewicht zwischen
dem idealen und dem realen zustand
herzustellen, untergraben ist.

(

»

Antwort:
Das ist eine berechtigte Frage. Ich glaube, daß wir in
den meisten Augenblicken einen unglaublich
unorganisierten
Eindruck
bieten,
zumal
viele
Diskussionen
stattfinden und viel Kritik vorgebracht wird.
Wenn sie diese Details mit einem
gewissen Abstand betrachten und uns
über ein, zwei oder fünf Jahre hinweg
betrachten, scheinen wir doch meiner
Ansicht nach wenigstens eine im weitesten Sinne vernünftige Politik zustande gebracht zu haben.
Ich möchte hier ein Beispiel anführen, das gleichzeitig Vergangenes
aufgreift und sich auf die gegenwärtige Interessenlage bezieht.
In den
siebziger Jahren begann die Sowjetunion mit der Stationierung von auf
Europa gerichteten Mittelstreckenraketen und dislozierte daraufhin noch
mehr Raketen, die auf die asiatischen
Länder zielten.
Das rief in Europa und hier Besorgnis hervor und gab Anlaß zu vielen Diskussionen.
Schließlich traf
die NATO ihre Entscheidung, diesen

(

»

�sowjetischen Anstrengungen auf zweifache Art zu begegnen. Einmal sollten die eigenen Raketen entwickelt
und zur Abschreckung der sowjetischen
Bedrohung stationiert werden.
Ebenfalls sollte versucht werden, zu verhandeln, um die sowjetischen Raketen
abzuschaffen.
Natürlich werden wir
sie abschaffen, darin besteht unser
Ziel.
Diese
Entscheidung
und
ihre
Durchführung gaben seitdem Anlaß zu
Kontroversen, sowohl in unserem Land
wie auch bei unseren Verbündeten.
Diese Entscheidung wurde in ihren
wesentlichen Punkten von der CarterAdministration getroffen.
Sie wurde
von der Regierung Reagan aufgegriffen
und durchgeführt, hat Zeitabschnitte
großer Erschütterungen und Diskussionen hier erlebt, der Argumentation
darüber, ob die Einstellung des Präsidenten zur Rüstungskontrolle, die
besagt, wir sollen auf Null gehen,
vernünftig oder nur eine Entschuldigung sei, um überhaupt keine Rüstungskontrollabkommen
hervorzubringen, wie viele in diesem Land und
auch in Europa behaupteten.
Jedenfalls haben wir dazu gestanden, und die Stationierungen fanden
trotz großen Drucks und starker Opposition statt. Schließlich wurden die
Verhandlungen wiederaufgenommen, und
heute stehen wir vor ihrem erfolgreichen Abschluß.
Ich glaube immer daran, daß man
ein Abkommen nicht in der Hand hat
bevor es endgültig steht, und wir haben kein Abkommen. Aber wir sind ihm
sehr nahe. Wenn Sie in einem beliebigen Augenblick der heutigen zeit
eine Momentaufnahme machten, würden
Sie ein gewaltiges Maß an unterschiedlichen Meinungen beobachten.

Schauen Sie sich die heutigen
Meinungsverschiedenheiten an: Jetzt,
da wir bekommen, was wir von Anfang
an zu erreichen suchten, gibt es Leute, die behaupten, daß wir von Anfang
an das Falsche erreichen wollten.
Trotzdem genießen dieses mögliche Abkommen und der Beginn einer Reduzierung des nuklearen Waffenarsenals im
Großen und Ganzen breite Unterstützung.
Auf eine etwas merkwürdige Art
und Weise und mit vielerlei Debatten
während dieser ganzen Zeit haben wir
es doch geschafft, soweit zu kommen.
Wenn Sie unsere Wirtschaft betrachten, so gibt es viele Leute, die
sie andauernd kritisieren, obwohl sie
sicherlich
neue
Arbeitsplätze
schafft. Die Inflation ist weiterhin
niedrig, und unser Bruttosozialprodukt wächst trotz all der Nervosität
weiter.
Sie können dies in fast allen Bereichen feststellen. Natürlich neige
ich gegenwärtig fast dazu, mit Ihnen
einer Meinung zu sein aufgrund der
brutalen Maßnahmen, die gegenwärtig
von Senat und Kongreß gegen den auswärtigen Haushalt des Präsidenten unternommen werden, trotz der neuen Art
und Weise, mit der man uns jede Kleinigkeit vorschreiben will, die wir
unternehmen sollen.
Trotzdem werden
wir alle irgendwie tief durchatmen.
Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen
um uns, wir werden unser Ziel erreichen.
Frage:
Herr Außenminister, ich
komme aus der Türkei... als Entwicklungsland haben wir viele Probleme.
Zwischen beiden Ländern - ist ein
wirtschaftlicher
Durchbruch
notwendig, in unseren Beziehungen, bei der
Begrenzung der Textilquoten und in
anderen Bereichen. Ich will auf diese Frage nicht nochmals eingehen.

�Meine Frage bezieht sich auf die
Nachbarn der Türkei, Iran und Irak?
Seit acht Jahren herrscht Krieg mit
der Technologie des 20. Jahrhunderts,
der Krieg geht weiter mit Hilfe der
Rüstungsindustrie, und die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion liefern Waffen. Der Krieg geht weiter,
wer wird diesen Krieg beenden? Wann
wird dieser Krieg aufhören?
Während
des Mittagessens gab es nette Gespräche über besseres Verständnis, eine
glückliche Welt, lächelnde Menschen,
gute Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten,
aber der Krieg geht weiter.
Antwort:
Ich
bin
fast
versucht, zu sagen, daß dies ihre Nachbarn sind und Sie etwas dazu unternehmen sollten (Gelächter). Ich denke aber an die Tatsache, daß sie in
dieser kleinen Welt, in der wir leben, jedermanns Nachbarn sind.
Was unternehmen wir also?
Nun,
natürlich besitzen wir auf diplomatischem Wege wenig Einfluß im Iran.
Trotzdem sind wir daran interessiert
und versuchen seit langem, eine konstruktive Kraft zu sein.
Grundsätzlich haben wir dem Iran
den Zugriff auf Waffen aus den Vereinigten Staaten verweigert. Es gab
wenige, von höchster publizistischer
Aufmerksamkeit
begleitete
Ausnahmen
von dieser Politik (Gelächter); aber
im Gesamtrahmen waren diese sehr geringfügig.
Ich denke, daß die jüngsten Bemühungen in den Vereinten Nationen die
in der ganzen Welt bestehende Haltung
des "wir haben genug" unterstreichen,
und vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten waren wir froh, für diese Resolution stimmen zu können.

Wir würden diese Resolution gern
durchgeführt sehen. Wir unterstützen
die Bemühungen des Generalsekretärs.
Wenn sie nicht bald von Erfolg gekrönt werden, werden wir Zwangsmaßnahmen unterstützen. Wir hoffen, daß
andere dies ebenfalls tun werden, so
daß sie einstimmig beschlossen werden.
Einstimmig beschlossen werden
sie wirksamer sein.
Wir sind uns der Tatsache vollkommen bewußt, daß Embargos niemals
vollständig wirksam sind.
sie funktionieren nicht vollständig. Ich bin
jedoch ganz zuversichtlich, daß ein
breit unterstütztes Waffenembargo eine große Wirkung haben würde, obwohl
in einer Welt mit einem großen Waffenmarkt Leute mit viel Geld immer
etwas zu kaufen finden.
Es wird den Fluß stören, den Fluß
von Ersatzteilen, es wird zu einer
Verteuerung führen, sie werden nicht
zu dem Zeitpunkt dort eintreffen, an
dem sie benötigt werden usw. Es ist
also nicht inkonsequent, und dies ist
zweifellos der Grund, warum der Iran
darüber besorgt ist.
in der Zwischenzeit
haben die
Vereinigten Staaten die Probleme erkannt, die der Iran für seine Nachbarn darstellt, insbesondere im Golf,
und wir helfen unseren Freunden dort
durch unsere Präsenz der Einschüchterungstaktik des Iran zu widerstehen.
Der Präsident hat diese Entscheidung
getroffen, und unsere Marine hat dort
Stellung bezogen.
Eine Zeit lang wurden wir rhetorisch unterstützt, nicht auf andere
Weise.
Heute ist die Klugheit der
Entscheidung
des
Präsidenten
auf
breitere Anerkennung gestoßen. Großbritannien hat seine Präsenz verstärkt.
Frankreich hat seine Kräfte
verstärkt. Belgien ist dort präsent.
Ebenso Holland und Italien.

�Andere Länder überlegen sich gegenwärtig, wie sie helfen können.
Die diplomatischen Bemühungen dauern
an. Der Krieg ist nicht zu Ende, wir
haben ihn nicht ausgelöst, aber wir
tun unseren Teil.
Frage:
Herr Außenminister, die
ganze Welt applaudiert ihnen und der
Haltung der Vereinigten Staaten, wenn
Sie dem Sicherheitsrat sagen:
Wenn
Sie den Generalsekretär nicht unterstützen, werden die Vereinigten Staaten ein Embargo gegen den Iran und
angeblich auch gegen den Irak fordern.
Könnten Sie uns mitteilen, ob Sie
dazu bereit und in der Lage sind, bei
Ihrem nächsten Besuch in Moskau Ihren
Standpunkt
nachdrücklich
gegenüber
Schewardnadse klarzumachen?
Und schließlich, was das Wichtigste ist, wären die Vereinigten Staaten bereit, nach dessen Annahme ihre
mächtige Flotte zur Erzwingung eines
solchen Embargos einzusetzen? Vielen
Dank, Herr Außenminister.
Antwort:
Nun, über den Krieg
zwischen Iran und Irak haben wir viele Male mit den Sowjets gesprochen.
Fast in jedem Treffen, das ich mit
Herrn Schewardnadse hatte, haben wir
darüber
diskutiert.
Ich
zweifle
nicht daran, daß wir über dieses Thema sprechen werden, wenn ich diesen
Monat Moskau besuchen werde.
ich weiß natürlich nicht, wie genau sich die Situation zu jenem Zeitpunkt darstellen wird; es sollte aber
bis dahin dem Generalsekretär sicherlich möglich gewesen sein, die Instruktionen entgegenzunehmen, die wir
diese Woche hoffentlich
entwickeln
werden, sie eingehend zu untersuchen
und uns einen Bericht vorzulegen.

Dann werden wir sehen müssen,
welche Konsequenzen diesem Bericht zu
entnehmen sind. Wir hoffen, daß er
positiv sein wird, wenn aber nicht,
dann können wir meiner Meinung nach
nicht - das Image, daß der Sicherheitsrat einfach mitgezogen wird, wäre jedenfalls schlecht.
Ich denke,
jeder ist sich der möglichen Bedeutung vereinter Bemühungen bewußt.
Wenn man an die beträchtlichen
Bemühungen denkt, die die Sowjetunion
zur Stärkung der Vereinten Nationen
beschlossen hat, dann würde sie meiner Meinung nach dieses ziel untergraben, wenn sie diese Bemühungen
nicht unterstützt.
Deshalb schließe
ich die Möglichkeit, daß wir Fortschritte erzielen, nicht aus.
Nun, wie ein Waffenembargo durchgesetzt wird, hängt natürlich grundsätzlich von denjenigen ab, die verkaufen, usw.
Es hat keinerlei Diskussion über eine einseitige Blockade
seitens der Vereinigten Staaten oder
irgend etwas ähnliches gegeben.
Natürlich gibt es in den Iran
noch eine Menge anderer Wege außer
durch den Persischen Golf.
Waffen
werden also weiterhin fließen, wie
ich schon sagte, aber der Fluß wird
beträchtlich gestört werden.
Nun, ich glaube, ich muß mich
wieder an meinen Zeitplan halten.
Ich muß jedoch leider feststellen,
daß - wie im Fall der meisten Zuhörergruppen, und dies ist auch bei
noch kleineren Gruppen sehr frustrierend für mich - ich nicht jeden dazu
bringen kann, über die Tagespolitik
ein wenig hinauszuschauen, etwas in
die Zukunft zu blicken in bezug auf
das, was in unserer Welt geschieht,
und wie wir versuchen sollten, an
diese Ereignisse heranzugehen und was
dies für uns bedeuten würde.

�Aber
ich
werde
weitermachen,
trotz der Frustration, daß ich keinen
derartigen Eindruck bei Ihnen erwekken konnte, wie dies durch Ihre Fragen unterstrichen wurde. ich danke
Ihnen.

* * * * *

- 10 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reagan ernennt Burnley&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Päsident Reagans vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

•
2 1 . O k t o b e r 1987

37

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan lobt amerikanische Bundesbank und internationale Kooperation
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten Reagan: Operation der Vereinigten Staaten "überlegte und gemäßigte
Antwort* an den Iran
- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag
im Golf Shultz: Friedenspläne müssen in Nicaragua verwirklicht werden
- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses Rowny: SDI "kein Verhandlungsgegenstand"
- Rede vor Ehemaligen des National War College -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle wichtigstes Thema bei Shultz-Besuch in Moskau
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze Begrenzungen von Atomwaffentests
- Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r/

u

•""-

Dokumentation

Ä&lt;

21. Oktober 1987

37

REAGAN LOBT AMERIKANISCHE BUNDESBANK UND INTERNATIONALE KOOPERATION
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan sprach sowohl der amerikanischen
Zentralbank als auch hochrangigen bundesdeutschen und japanischen Regierungsvertretern am 20. Oktober sein Lob aus für ihre feste Zusage, sich auf den Finanz- und Devisenmärkten für Stabilität einzusetzen.
Er befürwortete ferner Diskussionen mit den Führern beider
Kongreß über eine Paketlösung zum Abbau des Haushaltsdefizits.

Parteien

im

Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:

Ich möchte Ihnen meine Stellungnahme verlesen.
ich denke, Sie alle
wissen, daß die Börse mit einem Zuwachs von 102,27 Punkten schloß und
604 Millionen Aktien gehandelt wurden.
Ich komme gerade von einem
Treffen
mit meinen Finanzberatern,
und wir haben die Entwicklungen der
letzten Tage auf den Finanzmärkten
sowie die bisher von uns unternommenen Aktionen und Optionen für zusätzliche Maßnahmen eingehend geprüft.
Wir standen in ständigem Kontakt
mit den Wirtschaftspolitikern beider

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Embassy of the United States of America

Länder, den Börsen der Welt und ihren
Teilnehmern.
Trotz anhaltender Besorgnis freue ich mich, daß die von
der Bundesbank unternommenen Maßnahmen einen heilsamen Effekt auf die
Börsen hatten.
Die Zinssätze sind
allgemein gefallen.
Ich freue mich
ebenfalls über die heute von zwei
Banken
unternommenen
wichtigen
Schritte zur Senkung ihrer PrimaRaten.
Ich bin der Ansicht, daß auf den
Märkten noch Spielraum für einen weiteren Rückgang der Zinssätze besteht

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�und ich bin besonders erfreut darüber, daß der Rentenmarkt fest und
die Devisenkurse stabil sind.
Gestern
haben
Finanzminister
Baker und sein bundesdeutscher Kollege Stoltenberg erneut unsere Übereinkunft mit der Bundesrepublik bestätigt, zur Schaffung nicht-inflationären Wachstums und stabiler Wechselkurse die Wirtschaftspolitik zu koordinieren.
Finanzminister
Miyazawa
gab eine Erklärung in gleichem Sinne
ab, in der er die Absicht Japans bekräftigte, mit anderen Industrieländern wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und eine Wirtschaftspolitik zu
verfolgen, die ein anhaltendes Wachstum der japanischen Wirtschaft hervorbringen wird.
In einem Telefongespräch mit dem
designierten japanischen Ministerpräsidenten Takeshita hat dieser heute
morgen erklärt, seine höchste Priorität sei die Erhaltung stabiler Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich weiterhin auf das
Louvre-Abkommen, und heute habe ich
die erste Sequestrationsverfügung unter dem Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
unterzeichnet.
Trotzdem glaube ich, daß es vorzuziehen ist, wenn sich nach Möglichkeit die Exekutive und die Legislative über eine Paketlösung zum Abbau
des Haushaltsdefizits einigen.
Demgemäß verfüge ich, daß zu diesem
Zweck Gespräche mit den Führern beider Parteien im Kongreß unternommen
werden.
Die wirtschaftliche
Basis
dieses Landes bleibt solide, und unsere Bürger sollten nicht in Panik
verfallen. Ich habe großes Vertrauen
in die Zukunft.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
-4-

^

Ä«

Dokumentation
21. Oktober 1987

37
REAGAN: OPERATION DER VEREINIGTEN STAATEN
"ÜBERLEGTE UND GEMÄSSIGTE ANTWORT" AN DEN IRAN

- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag im Golf WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge sind die am 19. Oktober 1987
gegen eine zu militärischen Zwecken genutzte iranische Bohrinsel im Persischen
Golf gerichteten Operationen der Vereingten Staaten "eine überlegte und zugleich gemäßigte Antwort" auf die "rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen
die Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen" durch den Iran.
In einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident
darauf, daß die unverfrorenen Attacken des Iran... auf unter amerikanischer
Flagge fahrende Schiffe "trotz zahlreicher Botschaften seitens der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Regierung Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde", erfolgte.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut.
Kraft meines Amtes als Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte
haben
amerikanische Kriegsschiffe um 7.00
Uhr Washingtoner Ortszeit einen Angriff auf eine zu militärischen Zwekken genutzte iranische Bohrinsel
in
internationalen
Gewässern
im Persischen Golf ausgeführt. Diese Bohrinsel ist zu mehreren iranischen Angriffen gegen die nicht am Krieg beteiligte Schiffahrt genutzt worden.
Die durch keinerlei Provokation ausgelösten Anschläge auf amerikanische
und andere Schiffe friedlicher Nationen und insbesondere das vorsätzliche

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Embassy of the United States of America

Legen von Minen und Abfeuern von Seidenraupen-Raketen, die unter amerikanischer
Flagge
fahrende
Schiffe
trafen, erfolgten trotz zahlreicher
Botschaften seitens der Regierung der
Vereinigten Staaten an die Regierung
Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde.
Die Operation gegen die zu militärischen Zwecken genutzte iranische
Bohrinsel erfolgte im Anschluß an Beratungen mit führenden Kongreßabgeordneten und befreundeten Regierungen. Sie ist eine überlegte und an-

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�gemessene Antwort auf die rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen die
Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen. Sie ist die im
Einklang mit dem Gesetz stehende Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung, das in Artikel 51 der Charta
der Vereinten Nationen verbrieft ist
und in diesem Sinne haben wir den
Präsidenten des Weltsicherheitsrates
informiert.
Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran, die Regierung Irans sollte
sich jedoch keinen Illusionen bezüglich unserer Entschlossenheit und Fähigkeit, unsere Schiffe und Interessen gegen nicht provozierte Angriffe
zu schützen, hingeben. Wir haben die
Regierung Irans von unserem Wunsch
nach einer unverzüglichen Beendigung
der Spannungen in der Region und der
Beendigung des Krieges zwischen Iran
und Irak durch die unverzügliche Anwendung von Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
informiert.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

21. Oktober 1987

37

SHULTZ:

FRIEDENSPLXNE MÜSSEN IN NICARAGUA VERWIRKLICHT WERDEN

- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge müssen die Vereinigten
Staaten "sicherstellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala" in Nicaragua verwirklicht werden. Dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses gegenüber erklärte Shultz am 13. Oktober 1987
ferner, es dürfe "keine sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua geben" und das Land solle "keine militärische oder subversive Bedrohung
für seine Nachbarn oder die Region darstellen.
Nachfolgend geben wir den Wortlaut der Rede wieder.

Ich bin froh über diese Gelegenheit zu einer gemeinsamen kritischen
Würdigung der Entwicklungen in Mittelamerika.
Bevor ich mich jedoch
den Einzelheiten widme, möchte ich
unsere Botschaft klar zum Ausdruck
bringen. Es ist eine eindeutige und
einfache Botschaft:
- Die Vereinigten Staaten befürworten Frieden
und Demokratie in
Mittelamerika.
Präsident Reagan
hat sich dort entschlossen und
sehr geschickt für Frieden und
Demokratie eingesetzt.
Und als

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Embassy of the United States of America

Ergebnis haben wir einige bemerkenswerte
Fortschritte
festgestellt.
Im August wurde in Guatemala von
den fünf Präsidenten Mittelamerikas eine Vereinbarung getroffen.
Diese Vereinbarung eröffnet eine
Chance für weitere Fortschritte.
Es besteht immer noch eine Bedrohung für die Demokratie, und unsere nationalen Sicherheitsinteressen sind weiterhin sehr groß.
Deshalb ist es umso wichtiger,
daß wir zur Durchführung dieser

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�Vereinbarung einen
trag leisten.

soliden

Bei-

- Die bis heute erzielten Fortschritte wurden erreicht, weil
die Diplomatie auf stärke beruhte.
Heute steht sie an vorderster Front. Wenn wir jedoch weiterhin Fortschritte machen wollen, dann ist es wichtig, den
Druck und die Anreize, die uns
überhaupt erst so weit gebracht
haben, aufrecht zu erhalten.

Fortschritte in Mittelamerika
Manchmal frage ich mich, wieviele
Menschen sich noch daran erinnern,
daß in den Jahren 1980/81 die meisten
Experten der Meinung waren, es sei zu
spät, um die Gewalt in El Salvador
und den Aufruhr in Nicaragua zu beenden. Die Sowjetunion und Kuba zogen
direkten Nutzen aus diesen, unseren
Gestaden so nahen Konflikten.
Meinungen wurden laut, die Vereinigten
Staaten
könnten
letztlich vor die
Wahl gestellt werden, entweder Truppen einzusetzen, um den Kommunismus
in Mittelamerika zu stoppen - oder
die Sowjetunion nach und nach zur beherrschenden
Macht zwischen Panama
und Mexiko werden zu lassen.
Diese Geschichte
und Gegenbehauptungen
hörungen vor diesem
send dokumentiert.
damals gedacht wurde
stehen.

von Behauptungen
ist mit den AnAusschuß umfasSie zeigt, wie
und wo wir heute

Der Präsident verstand, der Kommunismus könne Mittelamerika genauso
wenig Freiheit oder Wohlstand bringen, wie er dies in Kuba vermochte.
Deshalb beschloß er, die Mittelamerikaner zu unterstützen, die willens
waren, für Demokratie und Menschenwürde zu arbeiten und, falls nötig,
- 2

zu kämpfen.
Durch unsere Unterstützung der Bemühungen
Mittelamerikas
zur Erlangung von Freiheit und Wohlstand würden wir auch unsere eigene
Sicherheit schützen.
Diese Entscheidung war der erste
Schritt, um das Steuer in Mittelamerika herumzuwerfen.
Ein Land nach
dem anderen erlebte zu Beginn dieses
Jahrzehnts eine bemerkenswerte Erholung aus fast katastrophalen Verhältnissen.
Heute bieten
demokratisch
gewählte Regierungen in El Salvador,
Honduras und unlängst in Guatemala
ihren Bürgern die Aussicht auf eine
bessere Zukunft. Costa Rica genießt
weiterhin Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, wie dies schon seit Jahrzehnten der Fall ist.
Wir können auf die Rolle unseres
Landes bei diesen Fortschritten stolz
sein. Und ich meine genau dies: Die
Amerikaner insgesamt, Demokraten und
Republikaner, können stolz auf die
Beiträge unseres Landes sein. Unsere
Strategie bestand darin, Reformen und
Freiheit zu unterstützen, sie genoß
bedeutende überparteiliche Unterstützung, und sie hat funktioniert.
Denken Sie an das, was in El Salvador
geschehen
ist:
Konfrontiert
mit der Guerrilla-Offensive des Jahres 1981 hat diese Administration die
amerikanische Militärhilfe erhöht
aber wir haben ebenso die amerikanische Unterstützung für die Initiativen der Carter-Administration zur
Förderung der Landreform und der Menschenrechte fortgeführt.
Wir haben
Entwicklung,
Demokratie,
Diplomatie
und Verteidigung als Teile eines zusammenhängenden
Ganzen
unterstützt.
Viele Probleme bleiben bestehen, aber
heute wissen die salvadoranischen Demokraten, daß sie auf die politische
und materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten zählen können.

�Die
Nationale
Überparteiliche
Kommission hat dieses umfassende Konzept für ganz Mittelamerika weiterentwickelt.
In den letzten Jahren
haben überparteiliche Mehrheiten im
Kongreß konsequent die erhöhten Mittel bewilligt, die für das Funktionieren dieser demokratischen Entwicklung unabdingbar waren.

Hinter den Friedensmaßnahmen
Vor
diesem allgemeinen Hintergrund haben drei Entwicklungen eine
bedeutende Chance für den Frieden
hervorgebracht.

Während die Vereinigten Staaten
und ihre Nachbarn ihre Zusammenarbeit
für die Demokratie aufnahmen, wurde
es zunehmend augenfällig, daß Nicaragua an einer Zusammenarbeit nicht interessiert war. Der Grund war damals
derselbe wie heute:
Die kommunistischen Sandinisten bilden bei diesem
demokratischen Trend eine eklatante
Ausnahme.
Als Somoza im Jahr 1979 floh,
wurde in intensiven Verhandlungen unter Mitwirkung der OAS eine Koalitionsregierung gebildet, die der Demokratie verpflichtet war. Aber die
Demokraten Nicaraguas sahen sich bald
einer neuen Diktatur ausgesetzt, die
dieses Mal von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit
gesteuert
wurde. Heute ist die Hilfe des Ostblocks an die nicaraguanischen Kommunisten höher als die gesamte amerikanische Hilfe an ganz Mittelamerika
und zehn mal so hoch, wie die amerikanische
Hilfe an
den
nicaraguanischen Widerstand.
Die Geschichte verzeichnet also
Fortschritte wie auch anhaltende Gefahr. Die mittelamerikanischen Demokratien haben an Zusammenhalt und
Entschlossenheit
zugenommen.
Aber
Nicaragua bleibt ein Hindernis für
die Einheit Mittelamerikas, ein Hemmschuh für die regionale Entwicklung
und ein Mittel, um die Rivalität zwischen Ost und West auf das amerikanische Festland zu tragen.
- 3 -

- Die erste besteht im Erfolg der
demokratischen Kräfte des nicaraguanischen
Widerstandes.
Seit
Januar sind sie durch ihre verbesserte militärische Leistungsfähigkeit zu einer ernsten Herausforderung für die Kommunisten
geworden. Im Mai wurde durch ihre erweiterte politische Führung
bestätigt, daß sie eine Kraft für
wahre
Demokratie
in
Nicaragua
sind.
- Die zweite ist der Wright-ReaganFriedensplan.
Am
5.
August
stellten Präsident Reagan und der
Sprecher des Repräsentantenhauses
Wright
klar, die
grundlegenden
amerikanischen
Sicherheitsziele
in Mittelamerika seien keine Angelegenheit parteilicher Auseinandersetzungen.
Sie
stimmten
überein, daß die amerikanischen
Interessen ein demokratisches Nicaragua erfordern, das keine militärische Bedrohung seiner Nachbarn oder eine Basis für sowjetische und kubanische Aktivitäten
darstellt, die der Sicherheit unseres Landes abträglich sind.
- Die dritte ist die Vereinbarung
von Guatemala. Am 7. August trafen sich die Präsidenten Arias
von Costa Rica, Azcona von Honduras, Cerezo von Guatemala und
Duarte von El Salvador mit Nicaraguas Präsident Ortega in Guatemala,
um
über
ein
regionales
Friedensabkommen
zu
sprechen.
Gedrängt durch den Konsens unter
seinen Nachbarn und die Realitäten der
sich
verschlechternden

�inneren Lage Nicaraguas unterzeichnete Ortega zusammen mit den
demokratischen Präsidenten.

Die Vereinbarung von Guatemala
Die Vereinbarung
von Guatemala
verleiht einer auf Freiheit gegründeten Vision regionalen Friedens Ausdruck. Diese Vision hängt entscheidend von der gleichzeitigen Durchführung einer Reihe gegenseitiger Verpflichtungen ab.
Wie Präsident Reagan am 7. Oktober vor der OAS sagte, ist "Demokratie die Grundlinie" dieser Verpflichtungen.
Die Vereinbarung von Guatemala verpflichtet
die fünf Unterzeichnerstaaten Mittelamerikas, einschließlich Nicaraguas, innerhalb von
90 Tagen nach der Unterzeichnung, also bis zum 7. November, zur Demokratisierung.
Ihr zufolge muß Demokratisierung
vollständige
Pressefreiheit, vollständigen politischen Pluralismus und die Aufhebung jedweder
Ausnahmezustände enthalten.
Jede Regierung muß gleichermaßen
alle notwendigen Schritte zur Erlangung
eines
wirksam
ausgehandelten
Waffenstillstands und des Prozesses
der nationalen Aussöhnung unternehmen.
Jede Regierung muß ein Amnestiegesetz erlassen, das sich auf bewaffnete und unbewaffnete politische
Oppositionsgruppen erstreckt.
Die
Unterzeichner
verpflichten
sich, die Nutzung ihres nationalen
Territoriums zur militärischen Versorgung von Streitkräften zu verweigern, die andere Regierungen zu destabilisieren trachten.
Die Unterstützung irregulärer Truppen ist zu
beenden, mit Ausnahme der für die Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückführung von Flüchlin-

gen erforderlichen Hilfsleistungen.
Die Einhaltung der Vereinbarung
ist von einer internationalen Kommission zu überprüfen (die aus den Generalsekretären der Organisation Amerikanischer Staaten und der Vereinten
Nationen sowie den Außenministern der
fünf
Mittelamerikanischen
Nationen
und den acht Nationen der CONTADORAund der Unterstützungsgruppe zusammengesetzt ist). Die endgültige Entscheidung bleibt jedoch Mittelamerika
selbst vorbehalten.
Die im Friedensplan festgelegten
Schlüsseldaten sind der 7. November
1987, an dem der Demokratisierungsprozeß und die Feuereinstellung vollständig in Kraft treten sollen und
der 7. Januar 1988, an dem deren Ergebnisse ausgewertet werden sollen.
Die Vereinbarung
von Guatemala
besteht nicht aus einer Reihe isolierter unilateraler Verpflichtungen,
sondern ist vielmehr ein Regionalplan
mit überlappenden und sich gegenseitig verstärkenden bindenden Zusagen.
Um zu gewährleisten, daß deren Anwendung sich nicht einseitig vollzieht,
sind diese Verpflichtungen von allen
Vertragsparteien gleichzeitig durchzuführen.
Wenn ein Teil scheitert,
bricht die gesamte Struktur zusammen.
Wenn kein Waffenstillstand ausgehandelt und keine umfassende Amnestie
erlassen wird, bleiben alle anderen
Maßnahmen in der Schwebe. Wenn der
Plan erfolgreich verwirklicht werden
soll müssen wir sicher sein, daß für
die komplexen Prozesse der Demokratisierung und der nationalen Aussöhnung
feste aber durchführbare
Kriterien
bestehen, die Fortschrittsbestrebungen zeitlich ernsthaft begrenzt werden und das Bewußtsein für die Kosten
eines Scheiterns der Vereinbarung geschärft wird.

�Mit anderen Worten, die Vereinbarung von Guatemala ist ein sehr ehrgeiziges Dokument.
Ihr Erfolg ist
nicht
von
vorneherein
garantiert.
Aber sie ist ein kühner Schritt in
die richtige Richtung.

Diplomatische Bemühungen der Vereinigten Staaten
Können
die Vereinigten
Staaten
zur Verwirklichung der Vereinbarung
von Guatemala beitragen? Die Antwort
darauf ist, daß es zweifelsohne in
unserem
Interesse
liegt, zumindest
den Versuch zu unternehmen. Wir werden und müssen diese Vereinbarung in
vollem Umfang und mit aller Kraft unterstützen.
Als Demokratien haben wir und die
freien
Nationen
Mittelamerikas
gleichgerichtete
SicherheitSinteressen. Gemeinsam sehen wir uns der Bedrohung des Kommunismus auf dem Kontinent ausgesetzt.
Die Vereinbarung
von Guatemala behandelt diese strategischen Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich.
Aber wir dürfen nicht
vergessen, daß das
nicaraguanische
Regime von der Sowjetunion bewaffnet
wird, daß seine Sicherheit im Inland
von
Tausenden militärischer, nachrichtendienstlicher und polizeilicher
Berater aus Kuba und den Ostblockstaaten abhängt und Nicaragua nur 900
Meilen von unserer südlichen Grenze
und 300 Meilen vom Panamakanal entfernt liegt.
Die sowjetischen und
kubanischen
militärischen
Verflechtungen mit Nicaragua - militärische
Einrichtungen, Berater, Hilfsleistungen, Entwicklungsstand der Waffen sind Themen von vordringlichem und
direktem Interesse für uns, und sie
müssen bewältigt werden.
Politische Demokratie in Nicarague würde unsere Besorgnis fast gänz-

lich ausräumen, da keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn
angreifen oder die militärische Nutzung ihres Territoriums durch die Sowjetunion gestatten würde. Wir können jedoch unsere strategischen Interessen nicht in der bloßen Hoffnung
aufs Spiel setzen, daß sich in Nicaragua ein positiver innenpolitischer
Wandel vollziehen wird.
Es liegt in
unserer Verantwortung, sicherzustellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala verwirklicht werden, daß die sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua abgebaut wird und
Nicaragua
keine
militärische
oder
subversive Bedrohung für seine Nachbarn oder die Region darstellt.
Zur Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala und des WrightReagan-Plans haben wir unsere diplomatischen Konsultationen in Mittelamerika intensiviert.
Der Präsident
hat Botschafter Morris Busby, einen
herausragendeden
Karierrediplomaten
im Auswärtigen Dienst zum Sondergesandten für die Region ernannt.
In
Zusammenarbeit mit dem Staatssekretär
für Inneramerikanische Angelegenheiten, Elliot Abrams, steht er in ständigem Kontakt mit den Hauptbeteiligten dieser Verhandlungen.
Zur Gewährleistung
der
in der
Vereinbarung
geforderten
demokratischen Reformen haben wir ferner eine Reihe diplomatischer Verbindungen
in Lateinamerika und Europa geknüpft.
Ich bin bei der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit meinen Kollegen aus Lateinamerika zusammengekommen.
In den kommenden Wochen sind
mehrere hochrangige bilaterale Besuche vorgesehen.
Die Generalversammlung der Organisation Amerikanischer
Staaten wird im nächsten Monat tagen.
Und wenn die Zeit gekommen ist, werden sie auch mich in Mittelamerika

- 5 -

�und als er sich weigerte, zu gehen, wurde er inhaftiert.

sehen.

Überwachung des Demokratisierungsprozesses

- Vor zwei Sonntagen, am 27. September 1987, wurden 18 meist jugendliche Mitglieder der Christlich-Sozialen Partei von der regimetreuen Polizei auf dem Weg zu
einer Feier anläßlich des Jahrestages der Parteigründung verhaftet.
Die Polizei erklärte, sie
seien wegen "Umgehung des Militärdienstes"
in
Haft
genommen
worden, aber der ehemalige Präsident von Venezuela, Luis Herrera,
bezeichnete es als einen "offenkundigen Akt politischer Verfolgung".

Die Sandinisten tragen die Verantwortung für die rapide Ausbreitung
des bewaffneten Widerstands, da sie
dem nicaraguanischen Volk nicht gestatteten, in Frieden zu leben. Dies
ist das Kernstück der Realität, die
es zu verändern gilt. Wenn es Frieden und Demokratie in Nicaragua und
regionale Stabilität und Ruhe in Mittelamerika geben soll, müssen alle
Nicaraguaner
in politischer, wirtschaftlicher und religiöser Freiheit
leben können.
Daß eine Umkehrung dieser Größenordnung ohne Kampf stattfindet, ist
unwahrscheinlich.
Das Regime in Nicaragua hat keinerlei Verständnis dafür gezeigt, daß Proteste und aktive
politische Organisierung und Mitgliederwerbung normale Bestandteile dessen sind, was eine Demokratie ausmacht.
Diejenigen, die sich in Nicaragua für die Demokratie einsetzen,
gehen damit ein persönliches Risiko
ein, wie der nachfolgenden Chronologie von Ereignissen entnommen werden
kann.
- Am 15. August 1987, nur acht Tage
nach der Unterzeichnung der Vereinbarung
von Guatemala, löste
die Polizei des Ortega Regimes
einen friedlichen Marsch in Managua auf.
Dr. Alberto Saborio,
Präsident
der
nicaraguanischen
Anwaltskammer wurde verhaftet und
mißhandelt, weil er gegen den
Einsatz von Polizeihunden gegen
die Marschierer protestiert hatte. Dr. Lino Hernandez, dem Leiter
der unabhängigen Menschenrechtskommission wurde ein Viehtreiberstock in den Magen gerammt

- Und dann dürfen wir das Erbe der
Vergangenheit
nicht
vergessen.
Im Juni 1985 wurde der Generalsekretär der Sozialdemokratischen
Jugendorganisation eines absurden
Vergehens bezichtigt:
Er allein
habe gleichzeitig 16 Männer der
Polizei
Ortegas
angegriffen.
Nach
seiner Verurteilung
durch
ein politisches Gericht befindet
er sich zur Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe immer noch im
Gefängnis.
Das Risiko der Verfolgung und
noch schlimmerer Verbrechen ist nicht
auf aktive Politiker beschränkt. Ich
möchte nur zwei von all denen nennen,
die es gewagt haben, eine führende
Rolle bei der Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala zu übernehmen:

- 6 -

- Pablo Antonio Cuadra, im Jahr
1912 in Managua geboren, ist seit
mehr als 50 Jahren einer der führenden
Dichter
Nicaraguas
und
spielt seit 30 Jahren eine Rolle
als Förderer
jüngerer Schriftsteller.
Unter Somoza wurde er
zweimal in Haft genommen.

�viel Tamtam wieder in den Äther
ging. Sein Sender ist jedoch in
solch einem schlechten zustand,
daß der Ton fast überall in Managua nicht gehört werden konnte,
ganz zu schweigen vom übrigen
Land.

- Bismarck Carballo ist ein 1950 in
der Provinz Masaya geborener nicaraguanischer
Priester,
der
Sprecher der Erzdiözese von Managua war und zum ersten Mal an die
Öffentlichkeit trat, als er von
der Entscheidung der Bischofskonferenz las, Angehörige einer proSomoza Kundgebung im Jahr 1977 zu
exkommunizieren.

- Oder sie kann auch in Form eines
falschen Eindrucks von Offenheit
auftreten. Wieviel Wahrheit enthält die Überschrift "Regierung
läßt politische Häftlinge frei",
wenn die Regierung, wie im heutigen Nicaragua, noch immer neunoder zehntausend politische Gefangene
festhält?
Und
welche
Auswirkungen hat dies auf die Demokratie, wenn die Regierung immer noch das Recht für sich in
Anspruch nimmt, sie willkürlich
wieder gefangen zu nehmen?

Das
Ortega-Regime
verweigerte
diesen beiden Männenr ihre Stimme in
der Öffentlichkeit:
Cuadra, als La
Prensa, deren Mitherausgeber er war,
geschlossen wurde: und Carballo, als
er öffentlich diskredidiert und gezwungen wurde, mehr als ein Jahr im
Exil zu leben.
Seit dem 1. Oktober 1987 schreibt
Cuadra wieder - beflügelt von dem
neuerwachten Geist der Freiheit, die
er für sein geliebtes Nicaragua erhofft.
Auch Carballo ist zurück und
leitet Radio Catolica.
Daß diesen
beiden Männern nun die Freiheit gewährt worden ist, zu publizieren und
zu
senden
ist
ein
entschiedener
Schritt nach vorne.
Einzelne Schritte wie diese sind
jedoch leicht rückgängig zu machen,
besonders in einem totalitären System, in dem Gewalt viele Formen annimmt:
Sie kann in der Form auftreten,
daß die Anführer einer Organisation in Freiheit belassen, aber
ihre Anhänger inhaftiert werden.
Wie im Falle der Unabhängigen Liberalen Partei, deren Hauptanführer frei, 200 der aktiven Parteimitglieder aber im Gefängnis sind.
- Sie kann in Form der verdeckten
Zensur auftreten. Wie es mit Radio Catolica geschehen ist, das
am 2. Oktober 1987 mittags mit

Das Verhalten des Ortega-Regimes
bei der Erfüllung seiner Verpflichtung zur Freiheit
kann nicht nur
daran gemessen werden, was mit einigen wenigen geschieht, unabhängig davon, wie prominent sie sind.
Die
Einhaltung der Verpflichtungen muß an
der
Rückkehr
18
ausgewiesener
Priester
gemessen werden und zwar
nicht
nur
der
bekanntesten,
wie
Carballo; an der Freilassung aller
der Tausenden Nicaraguaner, die aus
politischen Gründen inhaftiert sind,
nicht nur Hernandez und saborio. Bis
dies geschieht, steht das Regime in
Nicaragua nur an zweiter Stelle hinter Kuba, was Niederträchtigkeit und
die Verweigerung der Freiheit für
seine Bürger anbetrifft.
in der Tat
befinden sich, abgesehen von Kuba, in
Nicaragua mehr
Menschen aus politischen Gründen im Gefängnis als in
allen anderen Ländern der westlichen
Hemisphäre zusammengenommen.
Wenn die Bereitschaft des OrtegaRegimes ernst gemeint ist, muß sie an

- 7 -

�der Abschaffung jeglicher Zensur und
jeglichen auf Radio, Fernsehen und
gedruckte Medien ausgeübten versteckten Drucks, nicht nur bei der bekannten Zeitung
La Prensa
und
Radio
Catolica, gemessen werden. Es reicht
nicht aus, das Recht auf Widerspruch
den Buchstaben nach zu bestätigen:
das Regime muß auch die Störung von
Radiosendungen beenden, neue Lizenzen
an Radiostationen und Zeitungen vergeben, die darum ersuchen und den Erwerb oder Import von Druckmaschinen,
Papier, Druckerschwärze und anderen
zur Ausübung der Meinungsfreiheit unerläßlichen Materialien erlauben.
In der
Vergangenheit
hat
das
Ortega-Regime all diese grundlegenden
Notwendigkeiten
des
demokratischen
Lebens durch anhaltende Unterdrückung
in Gestalt von Legalismus und Bürokratie direkt oder indirekt verweigert.
Das Risiko besteht nunmehr
darin, daß das Regime diese verstekkte Kontrolle dazu benutzt, die Unklarheiten im Zeitplan für den Frieden, im amerikanischen Haushalt und
im Sitzungskalender
des Kongresses
auszunutzen, in dem Versuch, den Widerstand
zu vernichten, ohne eine
echte Hinwendung zur Demokratie in
Nicaragua zuzulassen.

Nationale Aussöhnung
Der entscheidende Prüfstein der
Vereinbarung von Guatemala wird daher
in der Bereitschaft des Ortega-Regimes bestehen, den Widerstand und die
politischen
Oppositionsparteien
in
einen Dialog einzubeziehen, der zu
einer unumstößlichen politischen Öffnung führt, die nicht willkürlich zunichte gemacht werden kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
ist vernünftigerweise von der Erkenntnis getragen, daß zwei Voraus-

setzungen erfüllt werden müssen, um
die Kämpfe zu beenden und bewaffnete
Gegner in friedliche politische Rivalen zu verwandeln: ein ausgehandelter
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie. Beides gemeinsam garantiert den Rebellen garantiert, daß
sie in ihre Heimat zurückkehren und
am demokratischen politischen Leben
ihrer Länder teilnehmen können. Aus
diesem Grund forderte La Prensa in
einem am Tag ihres Wiedererscheinens
(1. Oktober) veröffentlichten Leitartikel eine
"vollständige Amnestie,
Aussöhnung durch einen Dialog mit den
bewaffneten
Rebellen
und
uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustands,
der
seit
1982
im
Lande
herrscht".
Um der Vereinbarung von Guatemala
Folge zu leisten, haben Präsident
Duarte und Präsident Cerezo direkte
Verhandlungen mit den Führern der Rebellen in deren Ländern aufgenommen.
Die in dieser Woche in Spanien stattfindenden Gespräche sind seit Jahren
die ersten offiziellen Kontakte zwischen der Regierung Guatemalas und
den Rebellen. in El Salvador hat die
Regierung gemeinsam mit den Guerillas
zwei gemischte Kommissionen gebildet.
In einer von ihnen soll der Waffenstillstand
ausgehandelt werden, in
der anderen wird über Anmestie und
nationale Aussöhnung diskutiert.
Am vergangenen Dienstag erklärte
Präsident Duarte nach einem persönlichen zusammentreffen mit den Führern der salvadorianischen Guerilla,
ein zentraler Gedanke der Vereinbarung von Guatemala bestehe darin, daß
die Länder Mittelamerikas ihre Meinungsverschiedenheiten
unter
sich
beilegen.
"Wir Salvadorianer dürfen
nicht als Entschuldigung für fehlende
Gespräche mit den Rebellen in El Salvador anführen, es sei besser, mit
Kuba oder der Sowjetunion zu verhan-

�Macht zur Unterstützung der
Diplomatie

dein", stellte er fest.
Präsident Duarte erklärte weiter,
"darüber hinaus sollte Nicaragua keine Entschuldigungen der Art vorbringen, das Land werde nur mit den Vereinigten Staaten verhandeln und nicht
mit den nicaraguanischen Rebellen,
die in Nicaragua kämpfen... Die Entscheidung liegt nicht bei den Vereinigten Staaten... Die Nicaraguaner
müssen
die
Entscheidung
treffen.
Deshalb
fordere
ich
(Präsident
Ortega) auf, einen Dialog mit allen
Nicaraguanern aufzunehmen".
Wenn Präsident Ortega bereit ist,
die Vereinbarung von Guatemala sowohl
mit Worten als auch mit Taten zu verwirklichen, sollte er eine vollständige Anmestie gewähren; er sollte direkt mit der Widerstandsbewegung einen Waffenstillstand aushandeln; und
er sollte mit seinen Politikern vertrauensbildende Maßnahmen entwerfen,
damit
der
Waffenstillstand
einer
vollständigen und friedlichen politischen Wiedereingliederung des Widerstands in ein freies Nicaragua den
Weg bahnen kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
fordert
Waffenstillstand,
Amnestie
und
Demokratie
als
gleichzeitig
durchzuführende Maßnahmen.
In einfachen Worten bedeutet dieser komplizierte Prozeß, daß
Kugeln
eingetauscht werden, aber nur gegen verbriefte politische Rechte und Wahlen.
Wenn die Regierung Ortega es dem Widerstand nicht ermöglicht, auf offenem Wege nach Nicaragua zurückzukehren und sich frei zur Teilnahme an
der Politik zusammenzuschließen, dann
bedeuten
gleichzeitig
anzuwendende
Maßnahmen auch, daß Nicaraguas Nachbarn nicht verpflichtet sind, dem Widerstand militärische und politische
Unterstützungsaktivitäten
in
ihren
Ländern zu verweigern.

Vor weniger als einem Jahr bewilligte der
Kongreß dem
nicaraguanischen Widerstand 100 Millionen Dollar an Hilfsleistungen.
Durch vorsichtige und wohlüberlegte Verwendung
dieser Gelder - unter Aufsicht des
Kongresses und insbesondere der beiden Geheimdienstausschüsse - hat die
Widerstandsbewegung
erhebliche
Vorteile erlangt.
ihre Kampfeinheiten
sind in der Lage, auf der gesamten
nicaraguanischen Landfläche zu operieren. Sie haben die Verwundbarkeit
dieses
angeschlagenen
Regimes
und
seiner modernen sowjetischen Ausrüstung demonstriert.
Die öffentliche
Unterstützung ist für die Guerillas
in manchen Gebieten so groß, daß das
Regime ganze Dörfer gewaltsam umgesiedelt hat, um sie an der Unterstützung der Widerstandsbewegung zu hindern.
Der Widerstand hat die Vereinbarung von Guatemala begrüßt und ist
bereit, einen Waffenstillstand auszuhandeln.
Das Ortega-Regime hat sich
bis
jetzt
geweigert
und
versucht
statt dessen, die Kämpfer mit ihren
politischen
Führern
zu
entzweien.
Wenn
der
Waffenstillstand
Wirkung
zeigen soll, kann er nicht einfach
ausgerufen
werden;
die
Kämpfenden
selbst müssen sich über die Bedingungen einigen.
Aber die Regierung Ortega stellt
nicht das einzige Hindernis für eine
wirksame Durchführung der Vereinbarung von Guatemala dar. Der Zeitplan
ist ein weiteres Problem.
Die Vereinbarung
fordert die Durchführung
des Waffenstillstandes und der Regelungen für den Demokratisierungsprozeß im November, die Auswertung der
Ergebnisse soll hingegen erst im kommenden Januar erfolgen. Wenn der Wi-

- 9 -

�derstand keine neuen Gelder erhält,
wird dieser Zeitplan zugunsten der
Kommunisten
arbeiten.
Irgendwann
wird sich die Widerstandsbewegung einem modernen sowjetischen Waffenarsenal und kubanischen Beratern gegenübersehen und gleichzeitig seine Ressourcen erschöpft haben.
Wenn dies
geschieht, werden die von den Sowjets
weiterhin in wachsender Zahl gelieferten Kampfhubschrauber, Raketenwerfer, Langstreckenartillerie und Minen
die Hoffnung auf Demokratie zerstören
und den Kommunisten einen militärischen Sieg sichern.
Deshalb sind fortdauernde Hilfsleistungen an die
Freiheitskämpfer
der
Schlüssel
zur
Demokratisierung
und vollständigen Verwirklichung der
Vereinbarung von Guatemala.
Unsere
Unterstützung der Widerstandsbewegung
hat die Vereinbarung erst möglich gemacht.
Ihre weitere Verfügbarkeit
dieser Mittel ist ebenso unerläßlich,
um sicherzustellen, daß die Vereinbarung von Guatemala auf eine Art und
Weise durchgeführt wird, die einen
ausgehandelten
Waffenstillstand
und
eine Hinwendung zur Demokratie in Nicaragua sichert.
Aus diesen Grunde wird der Präsident vor dem Erntedankfest eine Abstimmung über zusätzliche Hilfsleistungen für die Widerstandsbewegung
fordern. Diese Hilfe, die über einen
Zeitraum von 18 Monaten hinweg gewährt und 270 Millinonn Dollar betragen soll, ist zur Unterstützung des
Abkommens und zur Sicherung seiner
Dauerhaftigkeit notwendig.
Wie der
Präsident am 7. Oktober vor der OAS
erklärte, wird "diese Hilfe fortgeführt, bis die Sandinisten in Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern
eine Übereinkunft für einen Waffenstillstand erzielen und in Nicaragua
echte Demokratie
hergestellt ist".
Die Form unserer Hilfe wird aus-

schließlich von den Ereignissen bei
der Durchführung der Vereinbarung abhängen. Wenn die Vereinbarung erwartungsgemäß funktioniert, wird sie auf
die
friedliche
Wiedereingliederung
des Widerstands in ein freies Nicaragua abzielen; wenn nicht, wird sie
die Fortdauer des Kampfes für die
Freiheit bis zu seinem Erfolg fortzuführen.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten haben es
in der Vergangenheit allzu häufig
versäumt, sich mit den Hoffnungen der
Menschen in Mittelamerika auf Freiheit und ein besseres Leben zu identifizieren.
Allzu häufig schien unsere Regierung gleichgültig, wenn demokratische Werte auf dem Spiel standen.
Jetzt ist ein Prozeß gegenseitiger Maßnahmen in Gang gesetzt worden,
der das Ortega-Regime zu einem tiefgreifenden sozialen und politischen
Wandel
in
Nicaragua
verpflichtet.
Wir wissen jedoch noch nicht, ob Erwartungen realistisch sind, daß sich
dieser Wandel vollzieht.
Aber wir
werden ganz entschieden unseren Teil
dazu betragen.
Wir müssen zweifeln
und Unsicherheit an der Fähigkeit und
dem Engagement der Vereinigten Staaten ein Ende machen, die durch die
wiederkehrende Folge wechselnder politischer
Entscheidungen
und durch
zögerliche und uneinige Debatten noch
verschärft werden.
Es liegt nicht in unserem nationalen
Interesse,
aufgrund
einer
bloßen Hoffnung oder Vermutung dem
durch eine glaubwürdige Widerstandsbewegung auf die Regierung Ortega
ausgeübten Druck ein Ende zu bereiten.
Es wäre unverantwortlich, der
Demokratisierung in Nicaragua Tür und

- 10 -

�Tor zu öffnen und dann zuzulassen,
daß diese wieder zugeschlagen werden.
Wir können Nicaragua nicht ohne die
notwendigen Mittel für einen friedlichen politischen Kampf gegen seine
kommunistischen Gegner überlassen.
Wenn in Nicaragua eine Demokratisierung stattfindet, so deshalb, weil
tapfere Nicaraguaner es wagten, sich
der Sache der Freiheit zu verpflichten.
Wir haben ihre Sache unterstützt; sie ist auch zu unserer Sache
geworden. Wenn das Regime in Nicaragua seinen Verpflichtungen im Hinblick auf eine Demokratisierung nicht
in gutem Glauben nachkommt, müssen
wir sicherstellen, daß unsere Freunde
sich selbst überlassen bleiben. Unsere
anhaltende
Unterstützung
ist
notwendig, wenn Diplomatie Erfolg haben soll.
Deshalb sollten wir über alle
Parteigrenzen hinaus die vollständige
Durchführung
der
Vereinbarung
von
Guatemala fordern, und wir sollten
tun, was wir tun müssen, um die existentiellen Interessen in dieser Region zu schützen.
Laßt uns nach
Frieden und Freiheit streben, und wir
wollen denen, die dafür in Nicaragua
kämpfen, unsere anhaltende Unterstützung gewähren, bis ihr Kampf zu Ende
ist. Wir wollen unsere Macht hi ter
die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua stellen, damit unsere Sicherheitsinteressen
und unsere moralischen und politischen Zielsetzungen
sich in diesem Resultat vereinigen.

* * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

37

21. Oktober 1987

ROWNY:

SDI "KEIN VERHANDLUNGSGEGENSTAND"

Rede vor Ehemaligen des National War College

COLORADO SPRINGS - (AD) - Dem amerikanischen Berater für Rüstungskontrollfragen, Edward Rowny, zufolge können Fortschritte bei der Reduzierung offensiver Atomwaffen erzielt werden, "sobald die Sowjets einsehen, daß die Bestrebungen der Freien Welt zum Schutz vor einem Angriff mit ballistischen Raketen
kein 'Verhandlungsgegenstand' sind".
Vor ehemaligen Studenten des National
War College in Colorado Springs erklärte Rowny am 16. Oktober 1987, der sowjetische Außenminister Schewardnadse habe unlängst vorgeschlagen, den ABM-Vertrag strikt einzuhalten. "Dies würde tatsächlich bedeuten, daß wir SDI aufgrund jeglicher von den Sowjets gewählten Interpretation des ABM-Vertrages begrenzen müßten."
Nachfolgend bringen wir Rownys Äußerungen im Wortlaut:
Während das Treffen zwischen den
Außenministern
Shultz
und
Schewardnadse in der kommenden Woche
immer näher rückt bietet sich dieser
Zeitpunkt an, um eine Bestandsaufnahme des Erreichten und noch zu Erreichenden in der Rüstungskontrolle vorzunehmen. Meiner Meinung nach haben
wir mit harter Arbeit bereits viel
erreicht.

ersten Mal eine ganze Kategorie von
Atomwaffen nicht nur begrenzen, sondern wirklich beseitigen würde. Nach
seiner Fertigstellung wird dieses Abkommen eine bedeutende politische und
diplomatische Errungenschaft darstellen, wenn wir seine Endphase mit den
gleichen realistischen Leitprinzipien
angehen, die uns zu dem derzeitigen
Stand geführt haben.

Durch amerikanische Entschlossenheit, unterstützt von der Solidarität
der Verbündeten, ist ein INF-Abkommen
in greifbare Nähe gerückt, das zum

Auf dem Weg zur Fertigstellung
eines INF-Abkommens können wir uns
auf beide Enden der Rüstungskontrollskala konzentrieren.
Selbst während

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir noch an einem INF-Abkommen arbeiten, müssen wir unsere Bemühungen zur
Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts verdoppeln.
Außerdem
genießen
erhebliche
Verringerungen
der strategischen Offensivwaffen weiterhin unsere höchste Priorität.

Verstärkte Aufmerksamkeit für konventionelles Ungleichgewicht
Das
konventionelle
Ungleichgewicht bildet weiterhin eine wichtige
Quelle der militärischen Instabilität
zwischen Ost und West. In Mitteleuropa haben die Sowjets 30 Divisionen
in vorgeschobenen Stellungen stationiert, die mit Panzern, Artillerie
und gepanzerten Fahrzeugen für offensive
Operationen
vorgesehen
sind.
Das konventionelle Ungleichgewicht in
Europa leitet sich nicht allein von
großen
quantitativen
Vorteilen
in
Schlüsselbereichen der Kampffähigkeit
der Sowjets und des Warschauer Pakts
her,
sondern
ebenso
von
geographischen Asymmetrien; die Streitkräfte des Warschauer Pakts können
leicht durch Truppen aus der Sowjetunion verstärkt werden.
Die
massive
Aufrüstung
der
Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Pakts, durch die Westeuropa bedroht wird, läßt sich weder
durch politische noch durch militärische Gründe rechtfertigen. Die Sowjets behaupten, daß zwischen Ost und
West
ein
stabiles
konventionelles
Gleichgewicht herrscht.
In besonderen Gebieten und bei bestimmten Waffensystemen
genießt der Warschauer
Pakt jedoch eine Überlegenheit von
bis zu 3:1 gegenüber den konventionellen Streitkräften des Westens.
Keine Handlung der Sowjets könnte
eine skeptische Welt mehr von einer
Xnderung
der
sowjetischen
strate-

gischen ziele überzeugen als erhebliche Reduzierungen dieser massiven
Streitkräfte und ernsthafte Bemühungen der Sowjets, auf unsere Besorgnisse bezüglich der konventionellen
Stabilität einzugehen.
Im Bemühen um konstruktive Verhandlungen
über
konventionelle
Streitkräfte hat die NATO vor kurzem
die Einrichtung zweier Verhandlungen
ausschließlich
über
konventionelle
Sicherheit gefordert, die im Rahmen
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa
stattfinden
sollen.
Eine dieser Verhandlungen,
an der alle 35 KSZE-Teilnehmerstaaten
beteiligt sein sollen, würde die Arbeit der Stockholmer Konferenz über
sicherheits- und
vertrauensbildende
Maßnahmen
fortsetzen.
Die andere,
auf die 23 Mitgliedsstaaten von NATO
und Warschauer Pakt begrenzte, würde
die Schaffung eines stabileren konventionellen Gleichgewichts zwischen
den beiden Bündnissystemen zum Ziel
haben. Sie würde die Beendigung destabilisierender
militärischer
Ungleichgewichte sowie die Verringerung
der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und ausgedehnten Offensivoperationen anstreben.
Die Reaktion der NATO auf die
Herausforderung durch die konventionelle Macht der Sowjets und des Warschauer Pakts muß darin bestehen, ihre konventionelle Verteidigungsfähigkeit zu stärken und zu verbessern.
Zu diesem Zweck hat das Bündnis eine
Initiative zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung (CDI) unternommen.
Falls
diese
energisch
verfolgt wird, könnte CDI ebenso wie
die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten zu erheblichen Verbesserungen der Verteidigungsfähigkeit durch technologische
Entwicklungen führen.

�Der Westen
besitzt mit seinem
freien Ideenaustausch und der Mobilität von Kapital und Facharbeitskräften einen unübertroffenen vorteil.
Koordinierte
und
höchst
effektive
Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen könnten die Wirksamkeit der
konventionellen Streitkräfte der NATO
revolutionieren.
Ohne eine wesentliche Erweiterung der Personalstärke
- der teuersten Komponente der westlichen Streitkräfte - könnten solche
Anstrengungen uns bei der Beseitigung
des gegenwärtig bestehenden konventionellen Ungleichgewichts unterstützen.

Die Bedeutung eines START-Abkommens
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) besteht nunmehr die Möglichkeit, offensive strategische Nukleararsenale einschneidend zu verringern.
Bei ihrer Zusammenkunft im vergangenen Monat bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse erneut ihren Einsatz für einen 50prozentigen Abbau strategischer Waffen.
Dieser Problemkreis hat für Präsident
Reagan höchste Priorität und wurde
von Generalsekretär Gorbatschow als
"Kernproblem"
der
Rüstungskontrolle
bezeichnet.
Wenn diese Bestätigung in ein
wirkungsvolles
START-Abkommen
umgesetzt werden soll, müssen die Sowjets
bei zwei wichtigen Punkten Entgegenkommen zeigen.
Erstens im Bereich der Untergrenzen.
Ein Abkommen über einen einschneidenden Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent allein das heißt, 1 600 Trägersysteme und
6 000 Gefechtsköpfe - wird kein stabiles strategisches Verhältnis garantieren. Demgemäß enthält der von

uns in Genf zu START vorgelegte Vertragsentwurf zusätzlich zu der Gesamtgrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
drei Untergrenzen.
Mit diesen Maßnahmen würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
auf 4 800 begrenzt, Gefechtsköpfe auf
ICBMs auf 3 300, und es gäbe 1 650
Gefechtsköpfe
auf erlaubten ICBMs,
außer
denen
auf
silo-gestützten
leichten
und
mittleren
ICBMs
mit
sechs oder weniger Gefechtsköpfen.
Diese Untergrenzen würden den gegenwärtig
bestehenden,
bedeutenden
Vorteil der Sowjets bei ballistischen
Raketen verringern, besonders bei den
bei
einem
Erstschlag
wirkungsvoll
einsetzbaren großen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen.
Die Untergrenzen
würden nach den Verringerungen bei
den Streitkräften ein Gleichgewicht
herstellen.
Darüber hinaus würden
sie zukünftige nachteilige Veränderungen beim Aufbau der Streitkräfte
verhindern.
Der wichtigste Faktor ist, daß
Untergrenzen benötigt werden, um sicherzustellen, daß Verringerungen bei
strategischen
Waffen
stabilisierend
sind und zu verhindern, daß bei den
Arsenalen der Zukunft eine Konzentration auf ballistische Raketen erfolgt.
Als Reaktion auf unsere geplanten Untergrenzen haben die Sowjets vorgeschlagen, jeden Bereich
der Triade auf 60 Prozent des Gesamtumfangs abzubauen.
Aber ohne eine
zusätzlich Obergrenze auf Gefechtsköpfe ballistischer Raketen ist diese
Methode in höchsten Maße unangemessen.
Damit würde den Sowjets nach
generellen 50prozentigen Verringerungen bei START die Beibehaltung strategischer Streitkräfte gestattet, die
sich ausschließlich aus ballistischen
Raketen zusammensetzt.
Darüber hinaus würde damit der Sowjetunion die
Beibehaltung einer hohen Konzentra-

- 3 -

�tion von Gefechtsköpfen auf mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgestatteten
ICBMs erlaubt. Ein Vertrag, der solche eine Zusammensetzung der Streitkräfte nach erfolgten Verringerungen
zuläßt, würde nicht die strategische
Stabilität stärken.

Warum SDI nicht eingetauscht werden
sollte
Ein zweiter Bereich sowjetischer
Unnachgiebigkeit gegen wirkungsvolle
Verringerungen bei strategischen Rüstungen ist das sowjetische Beharren
auf einem Junktim. Sie bestehen weiterhin darauf, ein mögliches STARTAbkommen zum Faustpfand für eine amerikanische Zustimmung zur Beschränkung unserer Erforschung von Systemen
zur Verteidigung gegen einen Angriff
ballistischer
Raketen
zu
machen.
Diese Kopplung ist ungerechtfertigt.
Sie macht die Abschaffung oder zumindest die ernsthafte Beschneidung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative zu einer Bedingung für ein START-Abkommen.
Trotzdem ziehen sowohl wir als auch die
Sowjets großen Nutzen aus einem wohlformulierten Abkommen mit 50prozentigen Verringerungen bei START.
Bei
50prozentigen
Verringerungen
würden
wir die strategischen Nuklearwaffen,
die den Sowjets Anlaß zur Besorgnis
geben, abbauen. Sie müßten dann ihre
ICBM-Streitkräfte, die uns Grund zur
Sorge bieten, verringern.
Da damit
beide Seite einen Vorteil erzielen
würden, gibt es keinen Grund, ein
START-Abkommen
als
Faustpfand
für
Einschränkungen unseres SDI-Programms
zu benutzen.
Bei der Zusammenkunft im September stellte uns der um "Flexibilität"
bestrebte Außenminister Schewardnadse
vor zwei Alternativen.
Wir könnten
entweder zehn Jahre lang am ABM-Ver-

trag
"strikt
festhalten", wie
er
"1972 unterzeichnet und ratifiziert"
worden sei oder einer Anzahl von Vorrichtungen zustimmen, die nicht in
den Weltraum gebracht würden, wenn
sie
bestimmte
"Leistungsparameter"
überschritten, wir sind besorgt darüber, daß die Sowjets hier alten Wein
in neue Schläuche gegossen haben.
Obwohl wir den sowjetischen Vorschlag
noch nicht eindeutig beurteilen können, können wir keine Alternative akzeptieren, die uns auf ein SDI-Programm nach sowjetischen Bedingungen
beschränken würde.
Ebensowenig können wir unsere Forschung in höchstem
Maße restriktiven und nicht-verifizierbaren Beschränkungen unterwerfen,
die enger gefaßt sind als der ABMVertrag,
in diesem
Vertrag
wird
"Forschung" weder erwähnt noch eingeschränkt.
Bei den Problemen der strategischen Offensivwaffen und der Verteidigung gegen ballistische Raketen
ist die Politik Präsident Reagans
eindeutig. Wir müssen weiterhin bei
den Sowjets darauf dringen, daß einschneidende Verringerungen bei strategischen
Offensivwaffen,
besonders
bei den am meisten destabilisierenden, Vorteile in sich bergen.
Die
Sowjetunion würde gern über bestimmte
Beschränkungen bei der SDI-Forschung
im Austausch gegen ein START-Abkommen
verhandeln.
Wenn wir uns auf solch
ein Manöver mit den Sowjets einlassen, gingen wir das Risiko ein, SDI
zu lähmen.
SDI ist und bleibt ein zielgerichtetes Programm, mit dem das Problem der Verteidigung gegen ballistische Raketen untersucht wird, das
die Basis für einen gemeinsamen Übergang
zu
einem
stabileren
strategischen Verhältnis liefern könnte.
Wir müssen die Sowjets von dem Irrtum
befreien, daß sie ihr Ziel erreichen

�können.
Wir sollten nicht vergessen, daß
es zusammen mit der Entschlossenheit
der NATO zu INF SDI war, das die Sowjets im Januar 1985 wieder zurück zu
den Verhandlungen über Nuklearwaffen
gebracht hat, nachdem sie den Verhandlungstisch im Dezember 1983 verlassen hatten. Lassen sie uns klarstellen, daß SDI kein Verhandlungsgegenstand ist, sondern ein Programm,
zu dessen Fortsetzung wir fest entschlossen sind.
Als solches bietet
es den Sowjets einen starken Anreiz,
einschneidenden
Verringerungen
bei
strategischen
Waffen
zuzustimmen.
Sogar wenn die jetzt bei START zur
Verhandlung
stehenden
SOprozentigen
Reduzierungen erzielt sind, wird SDI
ein wesentlicher Anreiz für die Sowjets
sein, weitere Verringerungen
vorzunehmen.
Darüber
hinaus würde
SDI die Integrität neuer Rüstungsabkommen unterstreichen, indem es den
Sowjets
den
Anreiz
zur
Täuschung
nimmt.
Wir wollen auch die Funktion von
SDI als Absicherung gegen das starke
sowjetische Engagement bei ihrer eigenen
strategischen
Verteidigung
nicht außer acht lassen.
Wenn wir
ihnen das Monopol bei der Verteidigung lassen, würde damit der Frieden
und die Freiheit des Westens durch
Aushöhlung der Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung bedroht.
Entgegen
sowjetischer Propaganda sollte klar
sein, daß es keine Wahl gibt zwischen
einer Welt mit oder ohne strategische
Verteidigungssysteme.
Die freie Welt
muß sich entscheiden, ob sie den Sowjets gestatten will, die einzige
Macht mit einer Verteidigung gegen
ballistische Raketen zu sein.

Wie kann eine genaue Verifizierung
der Reduzierung von INF grantiert
werden?
Die Sowjets sind Meister von Verhandlungen kurz vor Toresschluß. Im
Verlauf der kommenden Wochen könnten
sie mit dem Versuch enormen Druck
ausüben, uns zu einem voreiligen Verzicht auf die noch ausstehenden Einzelheiten eines INF-Vertrages und dabei insbesondere der bedeutenden Verifizierungsbestimmungen zu bringen.
Sie werden den Versuch unternehmen,
uns zu einem Kompromiß unserer Position zu bewegen, um den "Prozeß" in
Gang zu halten.
Wir werden unser Möglichstes tun,
damit sich diese Erwartung für die
Sowjets nicht erfüllt.
Einer der
schlüssigsten Grundsätze der Außenpolitik Präsident Reagans besagt, daß
jedes Rüstungskontrollabkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität verbessern und einen
anhaltenden Beitrag zu Frieden und
Sicherheit leisten soll.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß
er sich nicht mit weniger begnügen
wird.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
bei der Verifizierung eines INF-Rüstungsbegrenzungsabkommens
drei
grundlegende Ziele:
Erstens, Vertrauen
men zu gewährleisten.

in das Abkom-

Zweitens, die Sowjets von Verletzungen des Vertrages abzuhalten, indem die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung solcher Vertragsverletzungen
erhöht wird.
Drittens, schnelle und eindeutige
Aufdeckung
jeglicher
sowjetischer
Verletzungen zu gestatten und damit
die frühzeitige Warnung vor einer

- 5 -

�möglichen oder tatsächlichen Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten zu verbinden.

- Detaillierter und - falls erforderlich
aktualisierter
Austausch von Daten über den Standort der Raketenunterstützungseinrichtungen und Raketenstellungen
sowie die Anzahl der Raketen und
Abschußvorrichtungen
auf
diesen
Einrichtungen und Stützpunkten.

Am 14. September 1987 haben wir
in Genf ein Inspektionsprotokoll mit
den Einzelheiten der von uns für die
Verifizierung der wirksamen Einhaltung eines INF-Vertrages für notwendig erachteten Vorgehensweise vorgelegt, eine Übereinkunft, die den Abbau aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vorsieht - die
"weltweite
doppelte
Null-Lösung".
Unser
Verifizierungsvorschlag
würde
die
überzeugendsten
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Täuschungsversuche
in
der Geschichte der Rüstungskontrolle
verwirklichen.
Die Sowjets haben ihre Zustimmung
zu unserem Verifizierungsplan einschließlich der bisher nie dagewesenen Vor-Ort-Insepktion in groben Zügen
erklärt.
Aber
bekanntlich
"steckt der Teufel im Detail".
im
weiteren Verlauf der
Verhandlungen
werden wir darauf bestehen, daß sich
die Sowjets zu wirksamen, in allen
Einzelheiten und schriftlich vorgelegten
Verifizierungsmaßnahmen
verpflichten.
Selbst mit einem Abkommen über
den
vollständigen weltweiten Abbau
der
INF-Raketen
verlangen
Vorbeugungsmaßnahmen
gegen
Täuschungsversuche eine anspruchsvolle Serie von
Verifizierungsmaßnahmen.
Lassen Sie
mich Ihnen die Kernstücke des in Genf
vorgelegten Plans nennen:
- Die Voraussetzung, daß alle INFRaketen und Abschußvorrichtungen
geographisch in vereinbarten Gebieten
stationiert würden oder
sich während des Abzugszeitraums
auf dem Transport zwischen diesen
Gebieten befinden.

- Ankündigung
der Transporte
von
Raketen und Abschußvorrichtungen
zwischen
den
bekanntgegebenen
Einrichtungen.
- Eine grundlegende Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen auf bekanntgegebenen Raketenunterstützungseinrichtungen
und Raketenstellungen.
-

Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Vernichtung von Raketen
und Abschußvorrichtungen.
- Nachfolgende,
kurzfristig
anberaumte Inspektion der bekenntgegebenen Einrichtungen während des
Reduzierungszeitraums zur Verifizierung
restlicher
Systeme bis
zum vollständigen Abbau aller Raketen.

- Kurzfristig
anberaumte, obligatorische
ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, auf denen vertragswidrige Raketenaktivitäten durchgeführt werden könnten.
- Voraussetzung einer unabhängigen
"Abschlußinspektion" zur Gewährleistung, daß in der Tat alle mit
INF-Raketen verbundenen Aktivitäten beendet worden sind, wenn ein
Standort stillgelegt und von der
Liste der bekanntgegebenen Einrichtungen gestrichen worden ist.

�Sobald die Sowjets erkennen, daß
das amerikanische Volk fest hinter
einer wirksamen Verifizierung steht,
werden wir meiner Meinung nach rasch
ein Ende der Verzögerungstaktik in
letzter Minute seitens der Sowjets
beobachten können. Die Verifizierung
ist der endgültige Prüfstein dafür,
ob die sowjetische Seite sich einem
lohnenden INF-Abkommen wirklich verpflichtet fühlt.

Schlußfolgerung
Wir nähern uns der nächsten entscheidenen Phase in unserer Beziehung
zur Sowjetunion in der klaren Erkenntnis unserer grundlegenden ziele.
Wir haben umfassenden Einblick in die
sowjetischen
Verhandlungspraktiken
gewonnen und sind uns bewußt, daß wir
die Risiken und Möglichkeiten sorgfältig gegeneinander abwägen müssen.
Vielleicht werden wir tatsächlich ein
Abkommen erzielen können, das zu einer stabileren, weniger gefährlichen
Welt führt. Aber selbst wenn wir so
erfolgreich zusammenkommen, muß unser
Volk verstehen, daß dies kein Grund
zur Euphorie ist.
Angesichts eines
fast
fertigen INF-Abkommens
dürfen
wir die Hände nicht in den Schoß legen. Wir befinden uns erst am Anfang
unserer Aufgabe, die sowjetische militärische Bedrohung abzubauen - es
gilt noch ein großes Stück Arbeit zu
bewältigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

21. Oktober 1987

37

RÜSTUNGSKONTROLLE WICHTIGSTES THEMA BEI SHÜLTZ-BESÜCH IN MOSKAU
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Bei seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister
Schewardnadse in Moskau am 22. und 23. Oktober 1987 wird Außenminister Shultz
hauptsächlich "die gesamte Skala der Rüstungskontrollfragen" ansprechen. Botschafter Paul Nitze zufolge werden Menschenrechtsfragen sowie bilaterale und
regionale Probleme weitere Themen sein.
Der Sonderberater von Präsident
Reagan und Shultz in Rüstungskontrollfragen erklärte am 14. Oktober
im
amerikanischen
Außenministerium
ausländischen Journalisten gegenüber,
die amerikanischen und sowjetischen
Delegationen arbeiteten in Genf an
der Vervollkommnung eines vereinbarten Vertragsentwurfs zu INF (Mittelstreckenraketen).
Die
Unterhändler
hofften, bis zum Besuch von Außenminister Shultz in Moskau ihre Meinungsverschiedenheiten über die vorgeschlagene Sprachregelung des Vertrages "weitgehend ausgeräumt" zu ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben. Die große Hoffnung, so erklärte
Nitze, "bestünde darin, daß sie bis
dahin gänzlich ausgeräumt werden können" .
Auf
Fragen
zur Struktur
eines
INF-Abkommens sagte er, dieses würde
den Haupttext und mehrere Zusatzprotokolle umfassen, wovon eines die
Frage
der
Verifizierung
behandeln
würde.
Nitze
räumte
ein,
daß
die
Pershing lA-Raketen der Bundesrepublik Deutschland eine der Fragen sei-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�en, die von den Unterhändlern noch
gelöst werden müßten.
Dazu gehöre
insbesondere die Erzielung einer Vereinbarung
"über das Verfahren zur
endgültigen Vernichtung der INF-Raketen" auf amerikanischer und sowjetischer Seite, erklärte der Botschafter, sowie auch "der Gefechtsköpfe,
die wir gegenwärtig für die deutschen
Pershing 1A bereit halten".
Was den "zeitlichen Rahmen" zur
endgültigen Beseitigung der Wiedereintrittsflugkörper (RVs) auf beiden
Seiten, einschließlich der RVs für
die deutschen Pershing IA-Raketen angehe, so versuchten beide Seiten "die
definitiven Einzelheiten der Durchführung" zu erarbeiten, erklärte er.
Die Sowjets seien nicht der Ansicht,
die Pershing IA-Raketen bildeten ein
"unüberwindliches
Problem",
fügte
Nitze hinzu.
Die Sprachregelung des Vertrages
wird auf die Beseitigung der amerikanischen
Gefechtsköpfe
verweisen,
"einschließlich
der
amerikanischen
Gefechtsköpfe
für
die
deutschen
Pershings, jedoch nur dann, wenn die
von Bundeskanzler Kohl genannten Bedingungen erfüllt sind".
Falls noch verbleibende Fragen zu
INF während des kommenden Treffens in
Moskau zu lösen seien, erklärte der
Botschafter, so hoffe man, daß diese
"schnell" gelöst würden, so daß eine
Vereinbarung über Zeit und Ort eines
Gipfeltreffens Reagan-Gorbatschow erreicht werden kann. Dies würde dann
den Weg für die beiden politisch Verantwortlichen
ebnen, um
sich
auf
Fortschritte für ein START-Abkommen
zu konzentrieren.
Botschafter Nitze, der den Außenminister in die Sowjetunion begleiten
wird, erklärte, "Wenn wir das INF-Abkommen bald abhandeln, könnten wir

uns auf die verbleibenden Probleme
konzentrieren, bei denen wir im Hinblick auf die Erlangung eines STARTAbkommens
unterschiedlicher
Meinung
sind". Auf die Frage, ob ein STARTAbkommen
vor
Ende
der
Regierung
Reagan
geschlossen
werden
könnte,
antwortete Nitze: "Daran glaube ich.
Genau daran arbeiten wir".
Nitze verwies darauf, "die nächste größere Aufgabe ist die Erlangung
eines START-Abkommens" und fügte hinzu, "die Sowjets stimmen zu, daß dies
wichtig ist". Er erklärte, er glaube
nicht daran, daß die verbleibenden
Probleme "unlösbar" sind.
Beim
Treffen
von
Shultz
und
Schewardnadse vom 15. bis 17. September in Washington stimmten die Sowjets laut Nitze dem 50prozentigen
Abbau vom gegenwärtigen Stand der
Wurfgewichte auf ihren schweren Raketen zu. Die Vereinigten Staaten warten jedoch noch darauf, daß sie dies
formell in einem Brief oder einer Erklärung vorlegen.
Nitze verwies auf drei Bereiche,
in denen zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die Sowjets glauben Nitze zufolge zum Beispiel nicht daran, daß Untergrenzen
bei Gefechtsköpfen
notwendig
sind.
Die Haltung der Vereinigten Staaten
fordert eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, mit Untergrenzen
von
4 800
Gefechtsköpfen
auf
ballistischen Raketen.
Innerhalb dieser Untergrenze von
4 800 haben die Vereinigten Staaten
weiterhin 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
vorgeschlagen
sowie eine weitere Untergrenze von
1 650 "auf die erlaubten Gefechtsköpfe von schweren Raketen und solchen
Systemen mit mehr als sechs Gefechts-

- 2 -

�köpfen", erklärte Nitze. Die Vereinigten Staaten e*rachten solche Untergrenzen als "notwendig, um sicherzustellen, daß ein Abbau wirklich zunehmende Stabilität nach sich zieht".
Obwohl sich die beiden Supermächte im Prinzip über Regelungen zur Verifizierung einig sind, müssen sie
dennoch, so betonte der Botschafter,
"Details ausarbeiten, wie diese auf
eine Art und Weise konzipiert werden
können, so daß man überzeugt sein
kann, daß beide Seiten die Durchführung des Abkommens mit großem Vertrauen überwachen können".
Die im September in Washington
abgehaltenen Gespräche gaben den Sowjets eine Möglichkeit, ihre Haltung
im Hinblick auf die strategische Verteidigung
und den ABM-Vertrag von
1972 eindeutig darzulegen, erklärte
Nitze, aber es gab keinen Fortschritt
bei "einer Lösung unserer Meinungsverschiedenheiten".
Da die Sowjets
weiterhin ein START-Abkommen mit Problemen der Verteidigung im Weltraum
koppeln,
"bestehen zwischen
beiden
Seiten Meinungsverschiedenheiten".
Nach den Gesprächen in Moskau
wird
Außenminister
Shultz
nach
Brüssel reisen, um mit den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses
zusammenzutreffen, wie er es auch in
der Vergangenheit nach einer wichtigen Zusammenkunft getan hat.
Nitze
nannte dies einen Prozeß der Konsultationen, nicht eine Bestrebung, die
Zustimmung
der NATO-Verbündeten
zu
INF zu erlangen. Nitze fügte hinzu,
"die Folge von Konsultationen zwischen den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses war äußerst hilfreich und stellt ein wichtiges Element der Stärke des Bündnisses dar".
* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C&amp;

21. Oktober 1987

37

BEGRENZUNGEN VON ATOMWAFFENTESTS
Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung

- (AD) - In den vergangenen vier Jahrzehnten hat ein starkes nukleares Abschreckungspotential die Sicherheit der Vereinigten Staaten garantiert und dazu beigetragen, die Freiheit ihrer Verbündeten und Freunde zu erhalten. Solange die Vereinigten Staaten sich zu ihrer Sicherheit auf Atomwaffen verlassen müssen, müssen sie gewährleisten, daß diese Waffen betriebssicher, geschützt, verläßlich, wirksam und überlebensfähig sind - mit anderen Worten:
daß das Abschreckungspotential der Vereinigten Staaten glaubwürdig ist. Dies
erfordert ein gewisses Maß an unterirdischen Tests.
Insbesondere und in Übereinstimmung mit bestehenden Verträgen führen die
Vereinigten Staaten solche Tests zu folgenden Zwecken durch:
- Um die Wirksamkeit unseres nuklearen Abschreckungspotentials sicherzustellen.
Durch Tests wird
die Fortführung unseres Programms
zur Modernisierung dieser Waffen
ermöglicht, die aufgrund der andauernden Ausweitung und Verbesserung sowjetischer strategischer
Offensivsysteme und der Tatsache
erforderlich ist, daß die älteren
strategischen Waffen der Vereinigten Staaten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
- Um deren Verläßlichkeit

aufrecht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu
erhalten.
Atomwaffentests
sind notwendig, um Verschlechterungen oder andere Probleme zu
erkennen, die bei gelagerten Waffen auftreten können.
zum Beispiel wurde es den Vereinigten
Staaten durch Tests ermöglicht,
Probleme beim Gefechtskopf
der
von Polaris-U-Booten abgefeuerten
ballistischen
Raketen
auszumerzen, die unser seegestütztes Abschreckungspotential
neutralisiert haben könnten, wenn wir sie
nicht behoben hätten. Tests von
gelagerten Waffen sind erforder-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lieh, um zu bestätigen, daß die
Waffen, auf die wir zur Erhaltung
des
Friedens
angewiesen
sind,
weiterhin
ein verläßliches und
glaubwürdiges Abschreckungspotential bilden.
- Um die Uberlebensfähigkeit zu sichern. Atomwaffentests gestatten
es den Vereinigten Staaten, ihre
militärischen und Führungsmittel
echter atomarer Wirkung auszusetzen. Dies ermöglicht es den Vereinigten Staaten, die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Ausrüstung
zu
verbessern und damit die Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckung zu
erhöhen.
- Um Betriebssicherheit und Schutz
zu
verbessern.
Atomwaffentests
gestatten
es
den
Vereinigten
Staaten, die Charakteristika bezüglich
Betriebssicherheit
und
Schutz weiter zu verbessern, die
Explosionen aus Versehen oder die
unbefugte Anwendung von Atomwaffen
verhindern.
Beispielsweise
haben
Atomwaffentests
zu
Konstruktionen geführt, die modernste Vorrichtungen gegen die Benutzung durch Terroristen beinhalten sowie gegen die Verseuchung durch radioaktives Material
im unwahrscheinlichen Fall eines
Unfalls.
Ein Umfassendes Testverbot (CTB)
bleibt das langfristige Ziel der Vereinigten Staaten.
Solange die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und
Verbündeten sich jedoch zur Abschrekkung von Aggressionen auf Atomwaffen
verlassen müssen, wird weiterhin ein
gewisses Maß an Atomwaffentests erforderlich sein.
Wir glauben, daß
ein solches Verbot im Kontext einer
Zeit gesehen werden muß, in der wir
uns nicht auf die atomare Abschrekkung verlassen müssen, um die welt-

weite Sicherheit und Stabilität zu
garantieren und in der wir breite,
einschneidende und verifizierbare Rüstungsreduzierungen,
erheblich
verbesserte
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterte vertrauensbildende Maßnahmen und ein stabileres Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften
erreicht haben werden.
Die vordringlichste Priorität der
Vereinigten Staaten bei der Begrenzung von Atomwaffentests gilt den
notwendigen
Verbesserungen
bei der
Verifizierung des nichtratifizierten
Schwellenvertrags (TTBT) und des Vertrags über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET) . In den vergangenen Jahren hat der Präsident die
folgenden Initiativen in die Wege geleitet, um dieses Ziel zu verwirklichen:
- Im Jahr 1983 versuchen die Vereinigten Staaten mehrmals erfolglos, die Sowjetunion in Gespräche
zur
Verbesserung
grundlegender
Verifizierungsverfahren von TTBT
und PNET einzubinden.
- September
1984.
Der
Präsident
schlägt direkte Messungen der Explosionskraft amerikanischer und
sowjetischer Atomwaffentests vor
Ort, d.h. in den jeweiligen Testgebieten, vor.
- Juli 1985.
Der Präsident lädt
sowjetische Experten - ohne Vorbedingungen - ein, das amerikanische Testgelände zu besuchen
und dort die Sprengkraft eines
amerikanischen
Tests zu messen
und zu diesem Zweck beliebige Instrumente mitzubringen, die der
UdSSR zur Erfüllung dieser Aufgabe erforderlich erscheinen.
- Dezember
1985.
Der
Präsident
schlägt ein Treffen technischer

�Experten
vor, um
amerikanische
und sowjetische Ansätze zum Thema
Verifizierung zu diskutieren.
- März 1986.
Der Präsident lädt
die Sowjets ein, das Testgebiet
in Nevada zu besuchen, um mit
amerikanischen Experten die Verifizierung zu diskutieren, CORRTEX
- ein direktes, hydrodynamisches
System zur Messung der Sprengkraft vor Ort, das von den Vereinigten Staaten vorgezogen wird
- zu prüfen und um einen Test zu
beobachten.
Seit Juli 1986 haben amerikanische und sowjetische Experten in
Genf sechs Sitzungsrunden zu Fragen
in Zusammenhang mit Atomwaffentests
abgehalten, die letzte fand vom 13.
bis 20. Juli 1987 statt.
In diesen
Expertentreffen
zu
Atomwaffentests
haben die Vereinigten Staaten ihre
Sorgen zur Verifizierung von TTBT und
PNET vorgetragen.
Wir haben ferner
die CORRTEX-Technik und ihre Anwendung für Sprengkraftmessungen vor Ort
beschrieben. Die UdSSR hat ihre Ansichten zu einem umfassenden Verbot
von Atomwaffentests unii zu seismischen Techniken der Sprengkraftschätzung vorgetragen.
Unlängst hat sie
ihren Vorschlag für gemeinsame Experimente in Atomtestgebieten zur Verbesserung der Verifizierung vorgetragen.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für wirkungsvolle und verifizierbare Abkommen mit der Sowjetunion über die Begrenzung von Atomwaffentests, mit deren Hilfe die Sicherheit
aller Nationen verbessert
werden könnte. Aus diesem Grunde hat
der Präsident einen praktischen stufenweisen Prozeß vorgeschlagen.
Er
schlug vor, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sollten unmittelbar Verhandlungen
über Atomwaffen-

tests aufnehmen, um zunächst Probleme
der Verifizierung von zwei bestehenden, aber nicht ratifizierten Verträgen, dem Schwellenvertrag
und dem
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen zwecken, zu lösen. Wenn
unser Anliegen der Verifizierung berücksichtigt wird und die Verträge
zur Ratifizierung
gelangen, werden
die Vereinigten Staaten vorschlagen,
daß wir gemeinsam mit der Sowjetunion
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur Durchführung eines stufenweisen
gleichlaufenden Programms - zusammen
mit einem Programm zum Abbau und der
letztlichen Abschaffung aller Nuklearwaffen zur Begrenzung und als
Endziel der Beendigung von Nukleartests eintreten.
Beim Abschluß der Zusammenkünfte
vom 15 bis 17. September erklärten
Außenminister Shultz und der sowjetische
Außenminister
Schewardnadse:
"Die amerikanische
und die sowjetische
Seite sind übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
stufenweise Verhandlungen über Atomwaffentests aufzunehmen, die in einem
einzelnen Forum durchgeführt werden.
Als ersten Schritt werden sich beide
Seiten bei diesen Verhandlungen auf
wirksame Verifizierungsmaßnahmen einigen, die eine Ratifizierung
des
amerikanisch-sowjetischen
Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken
von
1976
ermöglichen
und
daranzugehen, weitere mittelfristige
Begrenzungen über Atomtests auszuhandeln, die dann zur endgültigen Zielsetzung
einer
völligen Abschaffung
von Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen.
Mit diesem Prozeß würde unter
anderem als erste Priorität das Ziel
eines Abbaus von Nuklearwaffen und
letztlich deren Abschaffung verfolgt.
Zum zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die

- 3 -

�amerikanisch-sowjetischen
Vertrage
von 1974 und 1976 beabsichtigen beide
Seiten die Konzeption und Durchführung gemeinsamer Experimente zur Verifizierung auf dem Testgelände der
jeweils anderen Seite. Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Maße bei nachfolgenden Abkommen
über die Begrenzung von Atomwaffentests angewandt werden."

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan lobt amerikanische Bundesbank und internationale Kooperation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Operation der Vereinigten Staaten "überlegte und gemäßigte&lt;br /&gt;Antwort" an den Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag im Golf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Friedenspläne müssen in Nicaragua verwirklicht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rowny: SDI "kein Verhandlungsgegenstand"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Ehemaligen des National War College &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle wichtigstes Thema bei Shultz-Besuch in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationsgespräch mit Botschafter Nitze&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrenzungen von Atomwaffentests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^ON

*

28 O k t o b e r 1987

38

I N H A L T

Dokumentation
Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran
- Erklärung des Präsidenten Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig*
- Pressekonferenz im Weißen Haus Reagan; Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der
Außenpolitik Shultz: Führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei
INF-Gesprächen
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

Hintergrundmaterial
Handelssanktionen gegen Iran
- Eine Übersicht des Weißen Hauses Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST

\ %

VON

e

Dokumentation
28. Oktober 1987

38

REAGAN VERHÄNGT HANDELSEMBARGO GEGEN IRAN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer am 26. Oktober veröffentlichten Erklärung
verfügte Präsident Reagan ein Embargo für alle amerikanischen Importe aus dem
Iran sowie ein Verbot für den Export von 14 amerikanischen Produktkategorien,
die möglicherweise militärische Verwendung finden könnten, in den Iran. Der
Präsident erklärte, diese wirtschaftlichen Maßnahmen würden "nach erfolglosen
Versuchen zum Abbau der Spannungen" mit dieser Nation getroffen.
Reagan verwies weiter darauf, die "von mir eingeleiteten Maßnahmen sind
ein direktes Ergebnis von Aktionen der iranischen Regierung, einschließlich
ihrer unprovozierten Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
bot
für
iranische Waren
wird
so
schnell wie möglich in Kraft gesetzt
Ich habe den Finanzminister und
werden.
Die zusätzlichen Kontrollen
den Außenminister angewiesen, Maßnahfür Exporte in den Iran werden in etmen für ein Embargo auf alle amerikanischen Importe aus dem Iran zu erwa einer Woche bis zu zehn Tagen in
greifen.
Gleichzeitig verfügen wir
Kraft treten.
ein Exportverbot von vierzehn umfassenden amerikanischen ProduktkategoDer Kongreß selbst ist in diesem
rien, die möglicherweise militärische
wichtigen Bereich schnell und entVerwendung finden könnten.
Wie es
schlossen vorangekommen, und die Addas Gesetz erfordert, haben wir den
ministration sieht einer engen ZusamKongreß zu diesen Aktionen konsulmenarbeit mit dem Kongreß gerne enttiert, und im Augenblick wird der
gegen, um sicherzustellen, daß jegliKongreß von uns über diese Maßnahmen
che zukünftige Gesetzgebung unserem
formell unterrichtet. Das Importverallgemeinen Ziel dient, die Sicher-

United States Information Service
D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�heitsresolution 598 der Vereinten Nationen anzuwenden
und Frieden und
Stabilität in der Golf-Region wiederherzustellen.

Worten eindeutig ablehnend.

* * * * *
Die von mir eingeleiteten Maßnahmen sind ein direktes Ergebnis von
Aktionen
der
iranischen Regierung,
einschließlich
ihrer
unprovozierten
Angriffe
auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe, ihrer Verweigerung einer Annahme der UN-Sicherheitsresolution 598, ihrer fortgesetzten Aggression gegen friedliche
Nationen im Persischen Golf und ihrer
Unterstützung
des Terrorismus dort
und in anderen Teilen der Welt. Diese Maßnahmen werden so lange in Kraft
bleiben, wie der Iran auf seiner aggressiven Mißachtung der grundlegendsten internationalen Verhaltensnormen
besteht.
Ich möchte besonders betonen, daß
wir diese wirtschaftlichen Maßnahmen
lediglich nach wiederholten, aber erfolglosen Versuchen
zum Abbau der
Spannungen mit dem Iran und als Reaktion auf das anhaltende und zunehmend
kriegerische Verhalten der iranischen
Regierung treffen. Sie bedeuten keine Auseinandersetzung mit dem iranischen Volk. Wie ich bereits vielfach
erwähnt habe, nehmen die Vereinigten
Staten die Revolution im Iran als
Tatsache hin und respektieren das
Recht des iranischen Volkes auf die
Wahl der von ihm gewünschten Regierung.
Die Vereinigten
Staaten
hoffen
auf normalere Beziehungen mit dem
Iran, wenn die Aggressivität des Iran
und die Spannnungen in der Region abnehmen.
Wir haben dem Iran diese
Punkte wiederholt auf diplomatischem
Wege und auch mit öffentlichen Erklärungen zur Kenntnis gebracht. Leider
war die Reaktion der iranischen Regierung bis heute in Taten wie in
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

38

28. Oktober 1987
REAGAN:

US-STREITKRÄFTE BLEIBEN IM GOLF "SOLANGE WIE NÖTIG"
- Pressekonferenz im Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Oktober 1987 während einer
vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, daß die
amerikanischen Seestreitkräfte zur Sicherung der freien Schiffahrt im Golf
bleiben werden "solange dies nötig ist". Er warnte gleichzeitig die Iraner
vor "provokativen Akten gegen uns oder andere".
Zu den Aussichten eines Gipfeltreffens mit Generalsekretär Gorbatschow zur
Unterzeichnung eines INF-Abkommens sagte der Präsident, "wir haben weder Informationen darüber noch ein Datum, zu dem er nach Washington kommen wird".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Präsident:
Ich
möchte
zunächst
eine Erklärung abgeben.
Ich möchte
mit der Erklärung beginnen, daß ich
wirklich froh bin, daß Nancy wieder
zuhause ist und es ihr wirklich gut
geht.
In den vergangenen Tagen haben
wir Amerikaner die Turbulenzen an der
Börse beobachtet. Es ist wichtig für
uns zu verstehen, was geschieht und
daß wir darauf ruhig und besonnen reagieren.
Obwohl wir nach mehreren
Tagen der Kursverluste zwei Tage mit
Kurssteigerungen erlebt haben, können

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wir nicht davon ausgehen, daß die
übermäßige
Unbeständigkeit
an der
Börse vorüber ist. Es scheint jedoch, daß das System funktioniert.
Obwohl
einiger
Grund
zur
Sorge
bleibt, besteht auch ein Handlungsbedarf.
Und heute abend plane ich die
folgenden Schritte, um dieser Herausforderung zu begegnen.
Erstens werde ich mich mit den
Führern beider Parteien im Kongreß
treffen, um ein Verfahren für die Gespräche zur Reduzierung des Defizits
auszuarbeiten, das sowohl produktiv

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�als auch konstruktiv ist. Ich ernenne Stabschef Howard Baker und meinen
Finanzminister Jim Baker zusammen mit
dem Direktor meines Haushaltsbüros,
Jim Miller, zu Leitern der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses.
Und ich
ersuche
Sprecher
Jim
Wright, den
Mehrheitsführer im Senat Robert Byrd,
den Minderheitsführer Bob Dole sowie
den Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Bob Michel, ihre Vertreter
zu benennen, so daß dieses Verfahren
unverzüglich beginnen kann.
Zweitens stelle ich alle Bereiche
zur Diskussion, ausgenommen die Sozialversicherung, und zwar ohne weitere Vorbedingungen.
ich appelliere
an die Führer im Kongreß, das gleiche
zu tun.
Um diesem Verfahren Erfolg zu bescheren, wird in dieser Situation von
allen Seiten ein Beitrag verlangt.
Es muß ein Paket erarbeitet werden,
das Steuern und Ausgaben so niedrig
wie möglich hält.
Ich kann heute
abend die endgültigen Zahlen für das
Defizit des Haushaltsjahres 1987 verkünden, die eine Reduzierung von 228
Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf
148 Miliarden Dollar in diesem Jahr
anzeigen, was einen Defizitrückgang
um 73 Milliarden Dollar bedeutet.
Dieser Wandel hat sich nicht lediglich aufgrund eines einmaligen Anstiegs der Steuereinnahmen vollzogen,
sondern aufgrund
einer Reduzierung
der Ausgaben.
Drittens appelliere ich an die
Mitglieder des Kongresses, sich mir
anzuschließen
und
unseren
Wirtschaftspartnern deutlich zu signalisieren, daß die Handelsmärkte offenbleiben und nicht geschlossen werden
sollten und daß die Vereinigten Staaten allen Rufen nach protektionistischen Maßnahmen widerstehen werden.
- 2

Und viertens setze ich eine Projektgruppe ein, die in den kommenden
30-60 Tagen die Verfahren an den Börsen untersuchen und Empfehlungen für
möglicherweise notwendige Änderungen
unterbreiten wird - diese Dreiergruppe wird von Senator Nick Brady geleitet.
In früheren Zeiten hat dieses
Land, wenn es sich mit Herausforderungen konfrontiert sah, diese dadurch gelöst, daß es sich zusammenschloß, und auch jetzt sollten wir
alle genau prüfen, wo wir stehen, als
Land und als Einzelpersonen. Es können und werden weiterhin Anpassungen
vorgenommen werden, damit dieses Land
auf dem Weg der fiskalischen Vernunft
und
anhaltenden
wirtschaftlichen
Stärke bleibt.
Frage:
Der
Kurseinbruch
an
den
Börsen zeigt, daß eine Vertrauenskrise
bezüglich
der
wirtschaftlichen
Stabilität und der Führung unserer
Regierung besteht.
Ist diese Furcht
berechtigt, und wie ernst ist die Gefahr einer Rezession oder etwas noch
schlimmerem?
Antwort:
Nun, zunächst waren alle
Indices - der Index, der dazu benutzt
wird, um zu beurteilen, ob wir wirtschaftlich gesund sind etc. - in 10
der vergangenen 11 Monate aufwärts
und auf weiteres Wachstum gerichtet.
Und mit unserer großen Beschäftigungsquote, der Tatsache, daß wir
eine zweistellige Inflationsrate gesenkt haben und mit dem bei uns bestehenden Wohlstand könnte bei diesen
Ereignissen an der Börse eine Rezession nur dann zustande kommen, wenn
genügend Leute, ohne die Situation zu
verstehen, in Panik verfielen und
sich dazu entschließen würden, Käufe
von Dingen zurückzustellen, die sie
normalerweise tätigen würden.
Dies

�könnte zu einer Rezession führen.
etwas ist schon einmal geschehen.

So

Aber ich glaube nicht, daß für so
etwas ein echter Grund besteht. Meiner Meinung nach war dies eine seit
langem überfällige Korrektur, und ich
weiß nicht, welche Faktoren zu diesem
gewissermaßen
panikartigen
Stadium
geführt haben. Wir werden dies jedoch eingehend beobachten.
Ich bin
sehr mit dem einverstanden, was die
Börsenleitung in den nächsten drei
Tagen unternehmen wird - der Handel
wird weitergehen, aber die Zeiten
werden um zwei Stunden gekürzt werden, um jedermann die Chance zu geben, die große Zahl an Aufträgen zu
verarbeiten.
Aber dies ist meiner Meinung nach
nur eine Angelegenheit der Börse und
überhaupt kein Anzeichen für eine Rezession oder schwere Zeiten.
Frage:
Ich möchte Sie noch fragen,
warum Sie ihre Ansicht zu Steuererhöhungen von "nur über meine Leiche" zu
"jede Erhöhung so niedrig wie möglich
halten" geändert haben?
Antwort:
Nun, ich werde mich mit
den Führern des Senats treffen, weil
es nach über sechseinhalb Jahren der
Bemühungen - meinerseits -, das Defizit zu senken und den Weg für einen
ausgeglichenen Haushalt zu ebnen, wie
dies vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
vorgesehen war, höchste Zeit dc&lt;iür
ist.
Und falls dies ein Faktor bei
der Bildung von Vertrauen seitens des
Bürgers war, dann werde ich ihnen dabei entgegenkommen.
Nun, sie werden
ihre Tagesordnung haben. Sie werden
ihr Programm haben.
Aber ich habe
meine eigenen.
Ich habe zu Beginn
des Jahres ein Haushaltsprogramm vorgelegt, und wie sie dies jedes Jahr
seit meinem Amtsantritt getan haben,
haben sie es einfach beiseite gelegt

und sich geweigert,
berücksichtigen.

es

auch

nur

zu

Mein Programm enthielt jedoch 22
Milliarden
Dollar
an
zusätzlichen
Steuereinnahmen.
Ich sagte: zusätzliche Steuereinnahmen. Es gibt andere Wege, die man beschreiten kann und
die nicht abschreckend auf die Wirtschaft wirken, wie dies bei Steuern
der Fall sein kann.
Aber ich habe
gesagt: nun gut, ich werde ihnen zuhören, was ihnen als Antwort auf dieses Problem vorschwebt.
Ich erwarte
jedoch von ihnen auch, daß sie sich
anhören, was mir vorschwebt. Und die
Masse dieser 22 Milliarden Dollar hat
nichts mit Steuern zu tun. Tatsächlich könnte ich heute schon behaupten, daß wir 5,5 Milliarden dieser 22
Milliarden Dollar schon haben, und
der Kongreß hat erklärt, ich könnte
sie nicht zur Senkung des Defizits
verwenden.
Das ist das Spektrum von
Aktivposten und Schulden, die wir nur
in den letzten Wochen erreicht haben.
Frage:
Herr Präsident, Ihre Politik im Persischen Golf hat zu verbreiteter
Unsicherheit
und
Furcht
beigetragen, daß Vergeltung auf beiden Seiten zu einer Eskalation von
Feindseligkeiten und mehr Terrorismus
führen wird.
Haben sie sich verschätzt? Und gibt es für diese Politik eine Grenze? Ich möchte nach Ihrer Antwort noch eine Frage stellen.
Antwort:
Ich meine, wir haben uns
keineswegs
verschätzt.
Wir
sind
nicht dort, um einen Krieg vom Zaun
zu brechen.
Und wir sind dort, um
die Schiffahrt neutraler Nationen in
internationalen Gewässern zu schützen, die dem Völkerrecht zufolge für
jeglichen Verkehr offen sein sollen.
Andererseits haben die Iraner in
ihrem irrationalen Verhalten Angriffe
- wie dies auch bei dem jüngsten Vor3 -

�fall geschah -, gegen Kuwait durchgeführt und eine ölverladeplattform vor
der Küste, auf die sie offensichtlich
eine
Seidenraupen-Rakete
abgefeuert
haben, dadurch beschädigt. Wir haben
gesagt, daß wir uns im Falle eines
gegen uns gerichteten Angriffs verteidigen werden. Und wir werden uns
dieser Aufgabe sicherlich weiterhin
widmen.
inzwischen haben sich eine
Reihe anderer Staaten mit uns zusammengetan, um die Seewege offenzuhalten. Ich sehe jedoch nicht, das dies
zu einem Krieg oder ähnlichem führt.
Und ich denke nicht, daß es irgendeinen Grund zur Panik gibt.
Meiner
Meinung nach haben wir sehr gut gehandelt.
Frage:
Herr Präsident, sie haben
erklärt, daß Ihrer Meinung nach das
Gesetz über die Kriegsvollmachten des
Präsidenten (War Powers Act) nicht
verfassungskonform
ist.
Sind
Sie
denn der Meinung, daß Sie das Recht
haben, nur die von Ihnen ausgesuchten
Gesetze zu befolgen?
Antwort:
Nun,
andere
Präsidenten
haben dies auch so gehalten. Tatsache ist, daß wir einen Teil dieses
Gesetzes einhalten - obwohl wir das
nicht so nennen -, aber wir haben
Konsultationen mit dem Kongreß abgehalten, ihm Bericht erstattet und
mitgeteilt, was wir unternehmen - und
dies im voraus, wie im Falle dieses
jüngsten Schlages.
Aber es gehören
noch andere Teile zu diesem Gesetz,
die unserer Meinung zu sehr in unsere
Rechte und Strategien etc. eingreifen
würden.
Lassen sie mich ausführen, daß es
seit dem Jahr 1798 über 200 militärische Aktionen der Vereinigten Staaten
im Ausland gegeben hat.
In unserer
gesamten Geschichte waren wir jedoch
lediglich in fünf erklärte Kriege
verwickelt.
In 62 dieser über 200

Fälle handelte der Kongreß - entweder
durch die Bewilligung von Mitteln für
diese Aktionen oder die Verabschiedung von Resolutionen oder die Ratifizierung von Verträgen durch den Senat oder ähnliches.
Aber in der
Mehrheit - etwa 140 - dieser Fälle
handelten
amerikanische
Präsidenten
eigenständig, indem sie amerikanische
Truppen einsetzten, weil sie der Meinung waren, daß dies für unsere nationale Sicherheit und unser Wohlergehen nötig war.
Frage:
Herr Präsident, trotz ihrer
vorhergehenden Antwort - Sie und Ihre
Berater haben klargestellt, daß neue
Steuern möglich sind, wenn sie diese
Verhandlungen mit dem Kongreß aufnehmen.
Und viele unter uns sind nun
erstaunt.
Im Jahr 1984 versprachen
Sie, die Steuern nicht zu erhöhen,
und Sie werden sich erinnern, daß in
dem gleichen Jahr Walter Mondale erklärte, es sei an der Zeit, dem amerikanischen Volk reinen Wein einzuschenken.
Er sagte, Mr. Reagan und
ich werden beide die Steuern erhöhen,
der
Unterschied
bestehe darin, so
sagte er, daß Sie dies niemandem sagen
würden.
Verstoßen
Sie
jetzt
nicht gegen Ihr eigenes Wahlkampfversprechen, wenn Sie über neue Steuern
verhandeln?
Antwort:
Nein.
Und ich stehe nun
an einem Platz, wo ich meiner Meinung
nach diese Dinge oder künftige Maßnahmen nicht weiter besprechen kann,
weil ich ungefähr ein Viertel Jahrhundert lang Verhandlungen für eine Gewerkschaft gegen die Arbeitgeber geführt habe. Und man redet nicht vorher über seine Strategie oder darüber, was man tun wird und was nicht,
sonst ist es müßig, überhaupt an Verhandlungen teilzunehmen.
Ich werde
Ihnen also nur sagen, daß ich in diesen Verhandlungen
darauf
hinweisen
werde, daß ich, wie ich eben schon

�sagte, auf meiner Seite 22 Milliarden
Dollar habe.
Nun, die gesamte von
uns allen angestrebte Reduzierung beträgt 23 Milliarden Dollar. Und der
Großteil meiner
Summe besteht aus
Einnahmen, die nicht von steuern oder
ähnlichem herrühren. Lassen Sie mich
aber noch etwas erklären, das wir alle, wie ich denke, verstehen sollten
- warum ich eine so starke Überzeugung
bezüglich
der
Steuersituation
und der Zuflucht zu Steuererhöhungen
zur Beseitigung eines Defizits besitze, wenn dies nichts dazu beitragen
wird.
In all diesen Jahren, in diesen
59
Monaten
des
Wirtschaftsaufschwungs, sind unsere Einnahmen - also, meiner Meinung nach rührt dieser
Aufschwung
hauptsächlich
von
den
Steuersenkungen her, die wir zu Anfang meiner Administration durchgeführt haben. Aber in diesem gesamten
Zeitraum betrug der Anteil der Einnahmen am Bruttosozialprodukt Jahr
für Jahr etwa 19 Prozent. Dabei ist
das BSP in dieser Zeit enorm angestiegen. Wenn wir also heute Einnahmen erzielen, die immer noch 19 Prozent dieses größeren BSP betragen,
würde dies anzeigen, daß die Einnahmen ausreichend sind.
Das Problem
besteht jedoch darin, daß das Defizit
- nun, vielleicht sollte ich besser
sagen, daß
der
Ausgabenanteil
am
Bruttosozialprodukt ungefähr 23 bis
24 Prozent beträgt, so daß dies also
ansteigt, während die Einnahmen anteilsmäßig gleich bleiben. Und dies
ist etwas, was wir in Betracht ziehen
sollten, wenn wir den Wohlstand aufrecht erhalten wollen.
Ich sage dies im Hinblick
Steuern
und
Einnahmequellen.
dürfen keine nachteilige Wirkung
die Wirtschaft haben.
Frage:

Daran

anschließend,

auf
Sie
auf

Herr

Präsident, sind Ihrer Meinung nach
einige
Arten
von
Steuern
weniger
schädlich
als
andere?
Sagen
wir
"Sündensteuern" - auf Alkohol und Tabak?
Sind diese für die Wirtschaft
weniger schädlich als vielleicht eine
Erhöhung der Einkommensteuer?
Antwort:
Lassen Sie mich nur antworten, daß es einige Steuern gibt,
wie etwa die Einkommensteuer, die
eine direktere Wirkung auf die Wirtschaft haben als andere Steuern. Ich
werde aber nicht weiter darüber sprechen, was wir in dieser Hinsicht tun
werden.
Frage:
Herr Präsident, lassen Sie
uns bei diesen Thema bleiben, wenn
dies möglich ist. Am Montag (dem 19.
Oktober) sagten Sie, daß trotz des
Kurseinbruchs an der Börse die Wirtschaft gesund sei. Am Mittwoch (dem
21. Oktober) sagten Sie, daß sich die
Entwicklung umgekehrt habe. Nun sind
Sie heute bereit, sich mit dem Kongreß zu treffen.
Worauf ist diese
Kehrtwendung nach Monaten der Zurückweisung
eines Haushaltsgipfels zurückzuführen?
Antwort:
Nein, ich habe mich nicht
geweigert.
Wir haben, wie übrigens
in jedem Jahr, wie dies gesetzlich
vorgeschrieben
ist, einen Haushalt
vorgelegt.
Und dieser Haushalt hat
Einnahmen vorgesehen, wie ich eben
erläutert habe.
Der Kongreß wollte
sich diesen Haushalt noch nicht einmal ansehen. Und die Art und Weise,
in der wir unseren Haushalt entwikkeln unterscheidet sich von der Arbeitsweise des Kongresses.
Mit den
Männern und Frauen, die die Programme
durchführen müssen, den Abteilungsleitern
und
Kabinettsmitgliedern,
verbringen wir Wochen und täglich
Stunden und schöpfen aus ihrem Detailwissen, um zu entscheiden, wiviel
Geld sie benötigen, um die Aufgaben

- 5 -

�zu erfüllen, die uns der Kongreß mit
dem Programm auferlegt hat.
Dann
leiten wir dies an den Kongreß weiter.
Und diese Kongreßabgeordneten,
die von der Durchführeung dieser Programme keine Ahnung haben, haben gerade abgestimmt, um ein Programm für
eine bestimmte Aufgabe zu verabschieden. Dann drehen sie sich um und sagen, oh nein, Sie brauchen ja Millionen Dollar mehr zur Erreichung des
Ziels als Sie beantragt haben.
Nun, meiner Meinung nach ist dies
schlecht organisiert, und wir bemühen
uns seit langem darum, Wege zu finden, um die Ausgaben zu reduzieren.
Mit
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Programm, mit der verabschiedeten Sequestrationsvorschrift
müssen wir uns
nun zusammensetzen und eine Entscheidung fällen.
Frage:
Wenn ich daran anschließen
dürfte - ich frage mich, ob es erst
einer Krise bedurfte, um Sie zu der
Bereitschaft zu bringen, sich mit dem
Kongreß zu treffen und ob Sie, wenn
Sie sich schon früher getroffen hätten, nicht die Marktkrise dieser Woche hätten abwenden können?
Antwort:
Nein, ich denke, daß die
Krise schon solange besteht, wie ich
Haushaltsentwürfe
vorlege, die sie
noch nicht einmal anschauen.
Wenn
sie unsere Haushaltsentwürfe geprüft
hätten, dann hätte im vergangenen
Jahr das kumulative Defizit - wenn
sie unseren Haushalt
verabschiedet
hätten - 207 Milliarden Dollar weniger betragen als schließlich der Fall
war.
Frage: Zurück zum Golf, Herr Präsident.
Wieviel Kooperation erhalten
Sie von der Sowjetunion bei der Wiederherstellung von Stabilität im Golf
und bei der Beendigung des Kriegs
zwischen Iran und Irak?

Antwort:
Nun, die Sowjetunion hat
mit uns zusammen die Resolution 598
verabschiedet. Das war, wie Sie wissen, die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.
Sie
haben sie mit uns zusammen unterstützt. Nun, der Iran ist der einzige von beiden, der sich bis heute
weigert, diese Resolution anzuerkennen.
Wir bemühen uns immer noch
energisch für ihre Durchführung, bevor wir uns dem zweiten Schritt zuwenden - nämlich, was wir tun werden,
falls sie nicht akzeptieren.
Wir
halten uns da noch zurück, weil der
Generalsekretär der UNO sich immer
noch bemüht, den Iran zur Zusammenarbeit zu bewegen. Wenn der Iran dazu
nicht bereit ist, dann werden wir im
Sicherheitsrat die Verabschiedung der
zweiten Bestimmung, einem Waffenembargo gegen den Iran, zu gewärtigen
haben.
Aber sie waren kooperativ und haben die Resolution anerkannt.
Frage:
Und welches sind die Aussichten für eine von den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gemeinsam
geförderte Friedenskonferenz?
Antwort:
Nun, lange Zeit haben wir
die Meinung anderer geteilt, wonach
sich die arabischen Staaten technisch
immer noch mit Israel im Kriegszustand befinden, daß diese und Israel
sich an einen Tisch setzen könnten
und sollten. Einige haben große Anstrengungen unternommen, wie z. B.
König Hussein von Jordanien - wie
weit ist er gegangen, um dies zustande zu bringen. Aber es hat einfach
nicht
funktioniert.
Und
zunehmen
wurde die Ansicht vorgebracht, wir
sollten
eine
internationale
Gruppe
bilden, um ihnen dabei zu helfen,
sich
an einen Tisch zu setzen und
Frieden zu bringen. Und schließlich

�sind wir dazu übergegangen, dies zu
sondieren. Das hat der Außenminister
gerade im Nahen Osten getan. Und bis
jetzt zieht Israel es vor, diesen weg
nicht einzuschlagen.
Frage:
Zu Beginn dieser Woche haben die Vereinigten Staaten eine iranische Bohrinsel im Golf angegriffen.
Trotzdem feuerte der Iran wiederum
eine Seidenraupen-Rakete auf Kuwait.
Glauben Sie wirklich, daß Sie den
Ayatollah aufhalten können?
Antwort:
Nun, der Ayatollah befindet sich im Krieg, und wenn er seine
provokativen Akte gegen uns oder andere fortsetzt, dann nimmt er ein
großes Risiko in Kauf, weil wir reagieren werden. Wir werden nicht ruhig dort sitzen und sind der Überzeugung, auf der Grundlage von all dem,
was er gesagt und getan hat, daß er
das noch einmal getan hätte, was er
das erste Mal tat, wenn wir nicht zurückgeschlagen hätten, wie wir dies
unlängst getan haben.
Wir werden
versuchen, ihm klarzumachen, daß es
ein bißchen zu teuer ist, wenn er so
weitermacht.
Frage:
Herr Präsident, daran anschließend - als diese ganze Operation begann, hatten die Vereinigten
Staaten fünf Schiffe im Golf. Heute
haben Sie mehr als 30 in diesem Gebiet.
Können Sie irgendeine Grenze
des
amerikanischen
Engagements
im
Persischen Golf nennen und uns sagen,
wie lange diese Begleitaktion weitergehen soll?
Antwort:
Nein,
ich
kann
Ihnen
nicht sagen, wie lange dies noch dauern wird, aber ich kann Ihnen sagen,
daß wir genauso eine Flotte im Mittelmeer und in der Karibik unterhalten - wie auch an anderen Orten. Wir
unterhalten dort eine Flottenpräsenz
seit 1949.
Und wir müssen daran

festhalten solange es nötig ist, zu
handeln, um internationale Gewässer
für Handel und Wirtschaft offenzuhalten.
Und keine Nation besitzt das
Recht, diese zu schließen, insbesondere wenn es sich bei den Beteiligten
nicht um Feinde handelt, mit denen
sie sich im Kriege befindet, sondern
um neutrale Staaten.
Frage:
Glauben Sie, es wäre eine
gute Idee, wenn Sie mehr Banken dazu
bewegen könnten, ihre Zinssätze zu
senken, wie einige das diese Woche
getan haben, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft wiederherzustellen?
Antwort:
Nun, ich denke, sie haben
das eigenständig getan, und ich denke, daß dies eine sehr weise Entscheidung war.
Frage:
Was ist mit den Unternehmen
- glauben Sie, daß die Unternehmen
einige Preise senken und etwas weniger Gewinn machen sollten, um den
Verkauf zu stimulieren und damit unsere Wirtschaft anzukurbeln?
Antwort;.
Ich werde keinerlei solche Vorschläge machen.
Ich denke,
daß das die Aufgabe der Unternehmen
selbst ist. Und wie ich schon sagte,
es bestehen keinerlei Anzeichen einer
sich verschlechternden Wirtschaftslage.
Wir haben heute die höchste Beschäftigungsquote in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten.
Frage:
Herr
Präsident,
ich
habe
gehört, was Sie heute abend mitzuteilen hatten, und es ist mir immer noch
nicht klar, ob Sie einem Kompromißpaket zum Haushalt zustimmen werden,
das höhere Steuern beinhaltet. Werden Sie dies tun?

- 7 -

�Antwort:
Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, kann ich nicht im vorhinein diskutieren, was ich tun werde
oder nicht, aber ich kann Ihnen sagen, daß ich meine Meinung nicht geändert habe, niemals steuern hinzunehmen, die schädliche Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden. Und
die meisten Steuererhöhungen
haben
eine solche Wirkung.
Steuern sind nicht die politische
Maßnahme - oder das Problem - des Defizits. Das Defizit ist auf zu hohe
Ausgaben zurückzuführen.
Jeder einzelne Dollar zusätzlicher Staatseinnahmen seit 1980 - und das heißt,
einschließlich unserer Steuersenkungen
jedem
Dollar
zusätzlicher
Staatseinnahmen
stehen 1,25
Dollar
zusätzlicher Ausgaben gegenüber.
Frage:
Offensichtlich
liegt
ihnen
diese Angelegenheit sehr am Herzen.
Antwort:

Ja.

Frage:
Sie waren einer der stärksten Befürworter der angebotsorientierten Wirtschaft.
Was ist falsch
gelaufen?
Antwort:
Was ist wo falsch gelaufen?
Bei der
angebotsorientierten
Wirtschaft?
Frage:
Warum befinden wir uns dann
in solch einem wirtschaftlichen Chaos?
Antwort:
Weil mehr als ein halbes
Jahrhundert lang, das ausschließlich
von Kongreß bestimmt war - und zwar
beide Häuser des Kongresses von einer
Partei - man das Prinzip der öffentlichen Verschuldung, ausgehend
von
der
sogenannten
"Keynesianischen
Theorie" verfolgt hat - offene öffentliche Verschuldung auf der Grundlage der Behauptung, daß dies zur
Aufrechterhaltung des Wohlstands er-

forderlich gewesen sei - und es nicht
schädlich sei, da wir unsere eigenen
Schuldner waren. Und einige von uns
sagten Jahr um Jahr, daß es so lange
weitergehen würde, bis die Dinge ausser Kontrolle gerieten. Und sie müssen ihren Glauben daran aufgeben,
ich glaube, ich muß ihnen verdeutlichen, daß Maynard Keynes nicht einmal
einen Abschluß in Wirtschaftswissenschaften hatte.
Frage:
Antwort:

Die Demokraten Was?

Frage:
Waren
es
die
Demokraten,
die dafür verantwortlich waren?
Antwort:
Nun, Sie können nachsehen, wer in beiden Häusern des Kongresses in den vergangenen 50 Jahren
die Mehrheit hatte.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
sich in den vergangenen sechs Monaten
bei
ihren
öffentlichen
Auftritten
stets ein Vergnügen daraus gemacht zu
sagen, daß Sie gegen jegliche Steuererhöhung, die über Ihren Schreibtisch
geht, ein klares Veto einlegen werden.
Sie haben das in dieser oder
jener
Form zum Ausdruck gebracht.
Werden Sie es nun, angesichts der
Krise in der Wall Street in dieser
Woche, nicht mehr sagen?
Antwort:
Sie versuchen alle, mich
zu der Aussage zu bewegen, was ich
machen werde, wenn ich mich mit den
anderen an den Tisch setze. Und ich
werde Ihnen sagen, welche Schritte
meiner Meinung nach für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten unbedingt erforderlich sind. Zufälligerweise bin ich immer noch davon überzeugt, daß die Besteuerung die ganzen
Probleme verursacht hat, die wir hatten, als ich mein Amt übernahm.

�Frage:
Aber es klingt, als seien
Sie grundsätzlich immer noch gegen
eine
Steuererhöhung
eingestellt,
gleichgültig, ob Sie es nun Anhebung
der Staatseinnahmen oder Steuererhöhungen nennen.
Antwort:
Nein.
Es gibt zahlreiche
Quellen für Staatseinnahmen, die wir
angeführt haben.
Ich befürworte die
Bezahlung
bestimmter
Dienstleistungen, daß es Dinge gibt, die von der
Regierung für, sagen wir, eine bestimmte Gruppe von Menschen getan
werden, eine Dienstleistung, die erbracht wird.
ich finde nicht, daß
die Steuerzahler für die Dienstleistung zahlen sollten, wenn sie auf
eine bestimmte Gruppe begrenzt ist.
Diese Gruppen sollten einen Beitrag
für diese Dienstleistung entrichten.
Frage:
Sind Sie
Steuererhöhungen?

immer

noch

gegen

Antwort:
Sie werden es herausfinden, wenn ich mich dort hinsetzen
werde.
Frage:
Während Ihre Kommentare zur
Haushaltslage in den vergangenen Tagen und auch heute abend eher versöhnlich waren, haben Sie zu Beginn
der Woche dem Kongreß draußen auf dem
Rasen hinter dem Weißen Haus eindeutig die Schuld an dem Defizit zugewiesen.
Trägt das Weiße Haus nicht
auch seinen Teil an diesem Chaos?
Antwort:
Einen
Moment
mal.
Der
Präsident
der
Vereinigten
Staaten
kann keinen Pfennig ausgeben.
Nur
der Kongreß kann die Ausgabe von Geldern bewilligen.
Und seit nunmher
sechs Jahren habe ich den Kongreß
wiederholt um weniger Geld gebeten
und er hat im Gegenzug mehr bewilligt
- mehr Geld zum Ausgeben und zwar auf
solche Weise, daß ich dagegen kein
Veto einlegen kann, wenn sie alles in

einen Topf werfen anstelle von Zuwendungen in Haushaltsfortschreibungen wir hatten seitdem ich hier bin kein
Defizit - oder einen Haushalt. Nein
- dem Kongreß obliegt die Befugnis
und wir müssen ihn überzeugen, daß
die von uns angeforderten Mittel ausreichen, um die Programme so zweckmäßig zu unterstützen, wie von denjenigen vorgesehen, die sie ausarbeiten und durchführen. Und jeder Haushaltsplan, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, wurde von ihm auf die lange Bank geschoben und mit wurde gesagt, er sei ein totgeborenes Kind.
Und kurz nach dem Ersten eines Fiskaljahres sehen wir uns dann mit Resolutionen konfrontiert, die ungefähr
13 Haushaltsvorlagen enthalten.
Ich
bin der Überzeugung, daß es absolut
gerechtfertigt ist, wenn ich sage,
daß der Präsident nicht dafür verantwortlich ist.
Sie können bis ins
Jahr 1931 zurückgehen - seitdem haben
wir immer defizitär gewirtschaftet.
Frage:
über
Ihren
AIDS-Ausschuß
sind Kontroversen und Unmut laut geworden.
Selbst
Kardinal O'Connor,
eines der prominentesten Mitglieder
dieses Ausschusses hat erklärt, daß
er seine Zeit im Kampf gegen diese
Seuche besser damit verbringen könnte, auf lokaler Ebene dagegen anzukämpfen.
Was werden Sie in diesem
Zusammenhang unternehmen?
Antwort:
Nun, die paar, die abgesprungen sind, werden wir ersetzen.
Wir haben einen neuen Vorsitzenden
für die Kommission ernannt. Wir sind
der Auffassung, daß die Kommission
eine Vielzahl von Fähigkeiten besitzen sollte, da sie sich mit einem
außerorentlich komplexen Problem befaßt. Daher versuchen wir, so viele
Vertreter wie möglich aus dem Geschäftsleben, dem medizinischen Bereich, aus dem Gesundheitswesen und
so weiter für unsere Sache zu gewin-

- 9 -

�nen.
Und es sind noch zwei Stellen
offen.
Ich gebe mich noch immer der
Hoffnung hin, daß wir Neues hinzulernen und herausfinden, was wir bei der
Bekämpfung dieser schrecklichen Seuche noch tun und besser tun können.
Wir haben unser Mittel zur Bekämpfung von AIDS in jedem Jahr neu
aufgestockt. Und im nächsten Jahr das heißt, im derzeitigen Fiskaljahr,
da der 1. Oktober ja bereits verstrichen ist - werden wir mehr als 1 Milliarde Dollar
für AIDS aufwenden.
Daher benötigen wir meiner Meinung
nach eine Kommission - jemanden, der
uns behilflich ist und uns berät, wie
wir diese Mittel am besten verwenden.
Frage:
Glauben Sie, daß der Ausschuß
seinen Bericht
termingerecht
vorlegen wird?
Antwort:
Ich hoffe
aus, daß er es kann.

und

gehe

Frage:
Wären Sie im Anschluß daran
bereit, wieder nach Kanada zu gehen
und einige der kanandischen Gesetzgeber zusammenzurufen und mit ihnen zu
sprechen, wie Sie das gerade jetzt
hier getan haben?

davon

Frage:
zurück
zu Wirtschaft
und
Handel und
Ihren Ausführungen des
heutigen Abends zum Thema Handel.
Viele Wirtschaftswissenschaftler sind
der Auffassung, daß ein rascher, todsicherer Weg, der Wirtschaft zu einem
starken Aufschwung zu verhelfen, in
der Schaffung eines tatsächlich gemeinsamen Marktes für Nordamerika läge. Sie haben jetzt diese Gespräche
mit Premierminister Mulroney in die
Wege
geleitet
und
Finanzminister
Baker hat die Verhandlungen kürzlich
zu Ende gebracht, aber das Abkommen das kanadisch-amerikanische Handelsabkommen wird vehement abgelehnt
insbesondere in Kanada und in einigen
Teilen der Vereinigten Staaten. Besteht eine Möglichkeit, daß sich Ihr
Büro dahinterstellt und den notwendigen Druck ausübt?
Antwort:
daß ich

besteht darin, daß es zur Zeit ein
Parlament in Kanada gibt, das auch
noch darüber entscheiden muß.
Und
soweit ich das verstehe, ist es bezüglich einiger weniger Punkte etwas
zurückhaltend.
Meiner Meinung nach
ist das Handelsabkommen, das wir mit
diesem Land erzielt haben, einer der
größten Meilensteine der Geschichte
in diesem Bereich.
Wir sind zwei
großartige Partner - und wir sind die
Größten - wir sind^ vom Volumen her
gesehen
die größten
Handelspartner
der Welt. Und dies wäre ein außerordentlicher Schritt nach vorne für alle von uns.

Sie können darauf wetten,
dahinterstehe.
Das Problem
- 10

Antwort:
Ich bin nicht so sicher,
ob es mir mit ausländischen Gesetzgebern besser gelingt als mit unseren
eigenen.
Frage:
Jetzt, wo das INF-Abkommen
unmittelbar
vor
seinem
Abschluß
steht, wären die strategischen Waffen
an der Reihe. Die Sowjets haben ihre
Bereitschaft erklärt, diese Raketen
in dem von uns gewünschten Maße abzubauen, wenn Sie einigen Begrenzungen
bei der Erprobung strategischer Verteidigungswaffen
zustimmen
würden.
Zahlreiche
Experten
haben erklärt,
daß dafür
keine Verlangsamung des
Programms
in unmittelbarer
Zukunft
erforderlich sei.
Warum haben Sie
ihre Unterhändler angewiesen, daß sie
dieses Problem mit den Sowjets nicht
einmal diskutieren sollten?
Antwort:
Wenn man es zum Verhandlungsgegenstand macht, wird es ein
Verhandlungsgegenstand.
Und wir haben gesagt, daß dies, eine wahre Ver-

�teidigung
gegen Nuklearwaffen, den
wichtigsten Faktor darstellen kann,
der hoffentlich
eines Tages diese
Waffen überflüssig werden läßt - ich
habe meine eigenen Worte kürzlich aus
dem Munde von Herrn Schewardnadse gehört, als er mir gegenüber das erwähnte, was ich bereits unzählige Male in den Parlamenten und gesetzgebenden Gremien der Welt geäußert habe
- ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals gekämpft werden.
Und das Beste zur Erlangung dieses
Ziels ist die Perfektionierung dieses
Plans, von dem wir glauben, daß er
perfektioniert werden kann, und dann
der Welt sagen zu können: wir haben
eine Verteidigung gegen Nuklearraketen und werden sie der Welt zugänglich machen, wenn die Welt ihre Nuklearwaffen aufgibt.
Frage:
Angesichts der Wahrscheir.
lichkeit eines Gipfels hier in d^n
Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstrekkenraketen - welche Art von Gipfeltreffen
sehen
Sie
mit
Herrn
Gorbatschow voraus? was soll er von
diesem Land sehen, was wollen Sie ihm
zeigen und auf welche Weise denken
Sie, daß dadurch die Beziehungen der
Supermächte beeinflußt werden?
Antwort:
Uns liegen weder Einzelheiten oder Termine vor noch wissen
wir, ob er kommt. Wir glauben, daß
es dazu kommen wird, und ich wünsche
es mir sehr. Ich hoffe auch, daü er
dann Zeit haben wird, sich viel von
Amerika anzusehen - er war nie zuvor
in diesem Land.
Und ich glaube, es
wäre gut, wenn er Dinge sehen könnte,
deren Inszenierung er uns nicht vorwerfen könnte. Er soll alles sehen.
Ich habe daran gedacht, es wäre
nett - nach dem was ich über ihre
Häuser am Strand weiß - ihn in unsere, im Jahr 1872 erbaute 1 500 Fuß

große Lehmhütte einzuladen, um ihm zu
zeigen, wie ein Kapitalist seine Ferien verbringt.
Frage:
Bitte nehmen Sie zur Bestätigung von Bork Stellung. Sie haben
gesagt, sie werden dem Senat, wenn er
Bork zurückweist, jemanden geben, den
sie genausowenig mögen. Das scheint
mir eine herausfordernde Bemerkung.
Sowohl Sie als auch der Senat haben
ihre verfassungsmäßigen Pflichten erfüllt.
Die Menschen üben mit ihrer
Meinungsäußerung ihre demokratischen
Privilegien aus.
Die Mehrheit der
Senatoren
und den
Meinungsumfragen
zufolge auch die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Bork zurückgewiesen.
Obwohl es schien, daß ihre
Herausforderung auf den Senat abzielte, haben Sie nicht in Wirklichkeit
die
funktionierende
Demokratie
in
Amerika herausgefordert, während sie
überall auf der Welt Demokratie postulieren?
Antwort:
Meiner Ansicht nach gab
es bei dieser Wahl eines Richters und
dem, was sie hier als Demokratie bezeichnet haben, keine Verfahrensweisen, wie sie hätten sein sollen. Wir
haben
keinen politischen
Vertreter
gewählt, der mit Wählerstimmen aus
seinem Amt entfernt werden könnte.
Zum ersten Mal in der Geschichte gab
es
private
Interessengruppen
von
vielfältiger
Schattierung, die auf
Einzelne Druck ausgeübt haben, eine
bestimmte Wahl zu treffen.
Ich habe
damit gemeint, ich werde versuchen,
jemand anderes zu finden, wenn er bei
der Wahl verliert.
Die fähigsten
Köpfe der Rechtsprechung, unter ihnen
der ehemalige Justizminister, haben
Borks Qualifikationen bezeugt.
Ich
werde versuchen, jemanden zu finden,
der ebenso qualifiziert ist.
Meiner Ansicht nach wurde
Angelegenheit politisiert, und

- 11 -

diese
Rich-

�ter Bork war einer der ersten, der
erklärte, abgesehen von seiner Person
sollten wir sicherstellen, daß dieser
Prozeß der Bestätigung eines vom Präsidenten
vorgeschlagenen
Kandidaten
durch den Senat nicht in einen politischen Wettbewerb verwandelt und so
getan wird, als ob das Volk darüber
abstimmen sollte.
Und ich glaube,
wenn sie die Qualifikationen der Personen, die sich für ihn ausgesprochen
haben mit denen seiner Gegner vergleichen, schneiden die Befürworter
weit besser ab.

ist sehr frustrierend für mich, weil
ich in diesem Kampf auf der anderen
Seite stand, lange, bevor es ein
Kampf wurde. Und ich möchte noch betonen, daß der Vorsitzende von CORE des Komitees zur Rassengleichheit einer der Zeugen war, die sich für
Richter Bork ausgesprochen haben.
Frage:

Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *
Frage:
Sie sagen, die Sache wurde
politisiert. Sie wurde nicht von Anfang an politisiert, weil ich mich an
den Fall von vor zwei Jahren erinnere, als Senator Paul Trible den Verband schwarzer Rechtsanwälte in Virginia bat, einen Schwarzen als obersten Richter vorzuschlagen.
Und ich
zitiere hier
den Brief
von Paul
Trible, "schlagen Sie jemanden vor,
der die konservative Auffassung Präsident Reagans teilt".
Und wie Sie
wissen,
ist
es
schwierig,
einen
Schwarzen zu finden, der das tut.
Und dann sagen Sie, Interessengruppen
hätten Druck ausgeübt - macht das
nicht Amerika aus, die Interessengruppen? Ich weiß nicht, ob Sie über
die Bürgerrechtsbewegung, Frauen oder
wen auch immer sprechen - sie sind
amerikanische Bürger, und stehen ihnen nicht gewisse Rechte zu? Beantworten Sie mir bitte diese Frage.
Antwort:
Wenn das so wäre, hätten
wir bereits früher entschieden, Richter mittels einer öffentlichen Wahl
zu wählen. und man hat entschieden,
daß dies wahrscheinlich nicht der Weg
sei, um diejenigen mit den besten
Qualifikationen zu finden. Zur Frage
der Rassengleichheit bin ich mir darüber im klaren, daß manche glauben,
ich hätte in dieser Hinsicht Vorurteile und sei ein Rassist. Und das
- 12 -

�AMERIKA DIENST
V,oN

4

Dokumentation

28. Oktober 1987

38

REAGAN: WIRTSCHAFTSHILFE FÖRDERT DEMOKRATIE UND PLURALISMUS
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 21. Oktober, amerikanische Wirtschaftshilfe helfe den Entwicklungsländern dabei, "dem Unternehmertum
und den Chancen der eigenen Bevölkerung den Weg zu ebnen".
Der Präsident griff den Kongreß vor allem wegen dessen anhaltender Kürzungen seiner Forderungen für den Bereich Auslandshilfe im Haushalt an und erklärte, daß wirtschaftliche Hilfsleistungen den Ländern dabei helfen, "ihre
eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu schaffen" und sich
damit gegen Subversion und Aggression zu schützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
In diesem Jahr gedenken wir der
42 Jahre andauernden Friedens in der
Welt; das heißt nicht, daß keine Konflikte stattgefunden hätten - natürlich gab es die. Aber es bedeutet,
daß die Menschheit seit 42 Jahre keine Weltkriege mehr von der Art erfahren hat, wie sie in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts zweimal die zivilisierten Völker heimgesucht haben.
Dieser Frieden ist nicht ohne Opfer zustande gekommen. Junge Amerikaner haben für seine Erhaltung gekämpft und ihr Leben gegeben, und er

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ist auch nicht ohne Entschlußkraft
hervorgebracht worden.
Er ist entstanden, weil Amerika bereit war, die
Verantwortung einer Führungsrolle auf
sich zu nehmen.
Niemand als die hier heute Anwesenden hat ein besseres Verständnis
davon, daß wir - ob es uns gefällt
oder nicht - in der freien Welt die
Führung übernehmen, und daß dies keine von uns erbetene Rolle ist.
Es
ist eine Rolle, die uns durch die Geschichte und die Hoffnungen all jener
auferlegt worden ist, die auf der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel • 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ganzen Welt nach Frieden streben. Es
heißt, daß geographische Lage das
Schicksal bestimmt, aber ich möchte
behaupten, daß mehr als dies das
Schicksal ausmacht.
Wir sind eine
Weltmacht mit weltweiten Interessen
und weltweiter
Verantwortung.
Wir
können diese Grundwahrheit ignorieren, ihr aber nicht entrinnen, und
jeglicher Rückzug von unseren Pflichten gefährdet sowohl unsere nationalen Ideale als auch unsere nationalen
Interessen.
Alle Amerikaner sind sich über
die grundlegenden Zielsetzungen unserer Außenpolitik einig.
Wir wollen
die Demokratie fördern, weil sie das
Richtige ist, und weil es bei demokratischen Regierungen weniger wahrscheinlich ist, daß sie in Aggressionen verwickelt werden.
Wir wollen
eine wachsende Weltwirtschaft, in der
das
freie
Unternehmertum
funktioniert, weil dies genau die Welt ist,
in der die Menschen das beste und,
ich würde sagen, in materieller und
geistiger Hinsicht das annehmbarste
Leben führen. Und wir wollen mit unseren Freunden und Verbündeten dafür
arbeiten, regionale Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit befreundeter Nationen zu verbessern. •
Diese Ziele stehen mit etwas in
Zusammenhang, das dauerhafter ist als
die täglich veraltenden Schlagzeilen
oder engstirnige Politik der Sonderinteressen, die allzu oft die Tagesordnung
in
Washington
beherrscht.
Sie stehen mit dem in Zusammenhang,
was wir das nationale Interesse nennen - das jeden Amerikaner angeht.
Dennoch ist in den vergangenen Jahren
jede alte und vielfach vorgebrachte
Ausrede, um keine Hilfe für diese
Ziele zu gewähren, mit zunehmender
Sympathie im Kongreß angehört worden.
Diese Ausreden kennen sie.

Wir können uns keine Auslandshilfe mehr leisten.
Es ist Verschwendung, Geld in
diese armen Länder zu pumpen, oder
Freunde kann man nicht kaufen andere Länder nehmen das Geld und
verachten uns dafür.
Diese Ausreden machen ihrem Namen
Ehre - sie sind völlig falsch.
Geld geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erhalten?
Die Wahrheit
ist, daß wir gegenwärtig, wie auch in
der Vergangenheit, sehr wenig für die
Auslandshilfe ausgeben, wenn man den
gesamten Regierungshaushalt zugrundelegt.
In den späten vierziger und
frühen fünfziger Jahren haben wir zu
Zeiten des Marshall-Planes 11 Cents
eines jeden Dollar im Bundeshaushalt
für Auslandshilfe ausgegeben.
Diese Zahl ist vor zwanzig Jahren
bereits auf 4 Cents pro Dollar gefallen und weiter zurückgegangen bis in
die jüngste Zeit, in der wir weniger
als 2 Cents jedes Dollars zur Unterstützung unserer Außenpolitik ausgeben.
Und es ist genau dieses Geld, das
sich besonders auszahlt. Gibt es jemanden, der die Ansicht vertritt, wir
in Amerika würden dasselbe Leben und
ebensolche Sicherheit genießen, wenn
wir die Uhr zurückdrehen und den
Marshall-Plan ungeschehen machen würden?
Heute geht unsere Hilfe für die
wirtschaftliche
Entwicklung an die
Länder der Dritten Welt, die 35 Prozent unserer Exportgüter aufnehmen mehr als der Gesamtumfang amerikanischer Waren, die von West- und Osteuropa, der Sowjetunion und China zusammen importiert werden.
Und mit
jeder exportierten Milliarde Dollar
erhalten wir den Amerikanern 26 000

- 2 -

�auch - Demokratie. Wahre, volle und
sichtbare Demokratie.

Arbeitsplätze.
Ebensolche Bedeutung hat Lateinamerika, das im nächsten Jahrhundert
die Schlüsselrolle für unseren Frieden und Wohlstand einnehmen wird, die
Europa in diesem Jahrhundert zufällt.
Wenn wir das jetzt außer acht lassen,
werden wir später dafür zahlen müssen.
Wir steht es daher mit dem Vorwurf, wir verschwendeten unser Geld
mit dem Versuch, Freunde zu kaufen?
Die Wahrheit ist, daß das von uns für
die Förderung der Sicherheit ausgegebene Geld bedeutet, daß unsere Verbündeten auf der ganzen Welt wie auch
wir nicht nur die eigene, sondern unsere gemeinsame Sicherheit verteidigen können.
Und wir sollten nicht vergessen,
daß wir keine Freunde kaufen.
Wir
helfen unseren Freunden. Wir helfen
ihnen, dem Unternehmertum
und den
Chancen der eigenen Bevölkerung den
Weg zu ebnen, ihre eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu errichten, und wir helfen
ihnen, sich gegen von außen angefachten Druck und Subversion zu verteidigen.
Und jeder, der Zweifel darüber
hegt, wie etwa die Völker Mittelamerikas dazu stehen, hätte vergangene
Woche hier im Weißen Haus sein sollen, als Präsident Duarte aus El Salvador im Namen der Menschen seines
Landes von der Tribüne stieg, an der
Fahnenwache
vorbei
über den Rasen
ging, um die amerikanische Flagge zu
ehren und zu küssen. Oder vielleicht
hätten sie mit unserer früheren UN Botschafterin
Jeane
Kirkpartrick
letzte Woche in Managua sein sollen,
als diese dort von der jubelnden Menge begrüßt wurde. Jemand sagte dazu:
"Wir wollen das, was sie für Nicaragua fordert". Und genau das will ich

In den letzten Wochen hat der
Kongreß die Finanzierung der Außenpolitik soweit eingeschränkt, daß damit
jetzt das Interesse und die Sicherheit unserer Nation geschädigt werden. Wir mußten bereits unsere Beziehungen zu den Verbündeten im Bereich der wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung
drastisch
einschränken.
Und das geschieht angesichts erhöhter Ausgaben für nationale Programme.
Zum Beispiel stieg
der gesamte Bundeshaushalt im Jahr
1987 um fast 2 Prozent; im Gegensatz
dazu wurde die Auslandshilfe 1986 um
29 Prozent und 1987 um weitere 11
Prozent abgebaut.
Der Kongreß setzt bei der Verteilung des Geldes seine eigenen Prioritäten, läßt hingegen die Prioritäten
und Verpflichtungen, die diese Nation
bei der Gestaltung der nationalen
Sicherheit hat, außer acht. Wenn besondere
Interessen berührt werden,
verhält sich der Kongreß nur allzu
oft wie Annie in dem Musical 'Oklahoma' - er kann nicht nein sagen.
Für das in diesem Oktober beginnende Finanzjahr habe ich einen sehr
bescheidenen
Vorschlag
eingebracht,
mit dessen Hilfe wir immer noch den
in vergangenen Jahren durch Kürzungen
verursachten Schaden wettmachen und
auf einen Finanzierungsstand zurückkehren könnten, der unsere Sicherheit
nicht gefährdet.
Aber der Kongreß
kürzt jetzt wiederum, und die von den
Ausschüssen
sowohl des Senats als
auch des Repräsentantenhauses bewilligten Beträge - die jetzt dem Ausschuß zur Bewilligung des Verteidigungshaushaltes vorliegen - sind um
15 Prozent niedriger als der Betrag,
den wir zur notwendigen Durchführung
unserer Arbeit als Minimum fordern.

- 3 -

�Wie es jetzt steht, ist der für
die Auslandshilfe
vorgesehene Teil
des Haushalts einer der wenigen, die
zurückgegangen sind; alle anderen Titel sind angestiegen.
Und erst in
jüngster Zeit wurde noch mehr Schaden
angerichtet, als der Senat dem Gesetz
über die Genehmigung der Gelder für
das Außenministerium 86 Zusatzartikel
hinzufügte.
Es ist Zeit, daß der
Kongreß
die
besonderen
Interessen
beiseite schiebt und das nationale
Interesse zum Maß aller Dinge erhebt.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen, um Ihnen allen für das zu
danken, was Sie tun. Wenn wir diese
Botschaft
übermitteln,
können
wir
einige
Ansichten
ändern.
Es
ist
nicht so, daß man auf dem Capitol
Hill nicht das Richtige tun will.
Die meisten tun es. Aber sie brauchen manchmal eine Ermutigung.
Und
wie ich oft gesagt habe: Um sie zu
erleuchten, muß man ihnen zuvor kräftig einheizen.
Ich könnte mit diesem Thema und
einigen anderen Punkten fortfahren,
aber ich möchte hier nur einige Zahlen der letzten Jahre anführen, die
für Sie von Interesse sein könnten.
Für jeden Dollar, den sie im Verteidigungshaushalt gekürzt haben, sind
zwei Dollar zusätzlich in nationale
Programme geflossen.
Und bei der
Verteidigung sind etwa 125 Milliarden
Dollar gekürzt worden.
250 Milliarden Dollar sind zusätzlich in die nationalen Ausgaben geflossen.
Ich denke, wir sind zu diesem
Thema einer Meinung. Und ich möchte
Ihnen sagen, daß es mir jetzt viel
besser geht, wo ich mich bei Ihnen
bedanke und Ihnen wünsche, daß Gott
Sie bei dem schützen möge, was Sie
tun. Vielen Dank.

- 4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

38

28. Oktober 1987
SHULTZ:

FÜHRENDE NATO-POLITIKER SEHEN FORTSCHRITTE BEI INF-GESPRXCHEN
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Shultz hat anläßlich einer Pressekonferenz im Brüsseler NATO-Hauptquartier am 24. Oktober 1987 mitgeteilt, er habe
am Vortage führenden Politikern des Bündnisses über seine Moskauer Gespräche
berichtet. Die NATO-Politiker "teilen den Eindruck andauernder Fortschritte"
bei den INF-Verhandlungen, erklärte er. "Wir sehen dem Abschluß eines INFVertrages entgegen."
Nachfolgend geben wir die Pressekonferenz im Wortlaut wieder:
Ich komme gerade von mehr als
zweieinhalbstündigen
Konsultationen
mit meinen NATO-Kollegen. Generalsekretär Carrington teilte uns zu Anfang dieses Treffens mit, dies sei
das 56. Konsultationstreffen speziell
zu INF und damit zusammenhängenden
Fragen seit Beginn dieser Verhandlungen.
Ich sagte ihm, manchmal fühlte
ich mich, als ob ich an 75 dieser
Treffen teilgenommen hätte. Trotzdem
hat es sich wie immer gelohnt.
Ich
gab meinen Kollegen eine vollständige
Beschreibung der Treffen in Moskau,
und ich denke, daß jeder dazu Stellung nahm und seine Einschätzung aussprach. Meiner Meinung nach kann gesagt werden, daß wir alle den Eindruck andauernder Fortschritte teilen. Dies ist sehr erfreulich, ins-

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Embassy of the United States of America

besondere deshalb, weil wir alle den
Grund dafür erkennen können - nämlich
unsere Strategie, die bis zum HarmelBericht zurückgeht, und die wir, in
den Worten eines der Mitglieder, mit
"aktiver
Geduld"
umgesetzt
haben.
Wir werden diesen Kurs weiterverfolgen.
Es ist eine Frage der Beständigkeit, und wir sehen dem Abschluß
eines INF-Vertrages entgegen. Dieser
scheint klar erkennbar zu sein, und
gleichzeitig sehen wir, wie andere
Bereiche damit in Einklang kommen.
Ich würde sagen, daß die Beteiligten
ihr Interesse an der Entwicklung im

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�Bereich der Menschenrechte sowie auf
regionaler Ebene und selbstverständlich im Bereich der Rüstungskontrolle
zum Ausdruck brachten.
Es war also
ein sehr fruchtbarer Morgen, und ich
möchte allen meinen Kollegen hiermit
danken - fast alle nahmen an diesem
Treffen teil. Wir hatten einen guten
Austausch.
Frage:
Sind die Vereinigten Staaten bereit, ein INP-Abkommen ohne ein
Gipfeltreffen zu unterzeichnen?
Antwort:
ich
meine, wir
wollen,
daß es unterzeichnet wird, und ich
meine auch, es wäre gut, wenn dies im
Rahmen eines Gipfeltreffens geschähe.
Wenn aber auf absehbare Zeit kein
Gipfeltreffen
stattfindet, um dies
zeitgerecht zu tun, werden wir uns
nach anderen Wegen dafür umsehen.
Die Betonung liegt hier auf der Substanz und auf der Ausführung, aber es
ist ein sehr bedeutendes Abkommen,
und meiner Meinung nach ist es wünschenswert, wenn dies überhaupt möglich ist, es in Gegenwart der zwei
höchsten Politiker zu tun, die letztlich dafür verantwortlich sind.
Frage:
Bedeutet
dies, daß
Ihrer
Meinung nach die Sowjets ein INF-Abkommen nicht verzögern würden, bis
sie ihrer Ansicht zur strategischen
Verteidigungsinitiative
zum
Durchbruch verholfen haben?
Antwort:
Ich glaube, es gibt dafür
keine Anzeichen. Ich habe mir flüchtig das Protokoll der Pressekonferenz
angesehen,
die
Herr
Schewardnadse
nach meiner Abreise in Moskau gegeben
hat. Jemand fragte ihn etwas ähnliches, und er gab darauf etwa die
gleiche Antwort, die ich gerade gegeben habe.
Frage:
Gibt
es
Anzeichen
dafür,
daß
Herr
Gorbatschow
eventuell

Schwierigkeiten mit seinem Politbüro
und führenden Kräften innerhalb der
Sowjetunion haben könnte?
Antwort:
Ich kann dazu eigentlich
nichts Substantielles sagen.
Er ist
ein sehr eindrucksvoller, starker und
energischer
Mann,
wenn
man
ihn
trifft.
Soweit ich dies beurteilen
kann, scheiden weiterhin Mitglieder
des Politbüros aus demselben aus, die
schon lange vor ihm dazugehörten.
Ich kann dazu nichts sagen.
Er hat
viel von seiner Zeit für das Gespräch
mit mir verwendet.
Wir haben verschiedene Fragen erörtert.
Er hat
sehr vertraulich darüber gesprochen.
Frage:
Seit Sie Moskau verließen,
haben die Sowjets eine Tass-Nachricht
zu dem gestrigen Treffen veröffentlicht.
Darin sind zwei Vorschläge
enthalten, auf die Sie vielleicht reagieren könnten.
Der eine ist ein
Vorschlag Herrn Gorbatschows, wonach
ab 1. November ein Moratorium für Arbeiten in Verbindung mit Produktion,
Erprobung und Stationierung von Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer
Reichweite
verkündet
werden
soll.
Der andere ist ebenfalls ein
Vorschlag von ihm, wonach - Tass zufolge - ein einseitiges einjähriges
Moratorium bezüglich aller Arbeiten
am Radarsystem
von Krasnojarsk
in
Kraft treten soll. Als Gegenleistung
würde er einen ähnlichen Schritt in
bezug auf das amerikanische Radar in
Schottland akzeptieren.
Könnten Sie
zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen?
Antwort:
Ja, das kann ich.
Der
erste ist natürlich von der Art, daß
kein Fisch anbeißen würde.
Und es
ist der andauernde Prozeß, mit dem
man zu sehen versucht, ob man das Ergebnis, das wir mit Hilfe des Vertrages zu erreichen versuchen, nicht
auch erreichen kann, bevor der Vertrag vereinbart ist. Wir werden wei-

�teemachen bis wir ein Abkommen haben,
das wir gegenseitig erarbeitet haben,
und dann werden wir entsprechend handeln.
Was nun das Radar von Krasnojarsk
angeht, so stellt es eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
dar.
Wir sprechen weiter über die Einhaltung des ABM-Vertrages.
Es bedeutet
eine klare Verletzung.
Der Vertrag
stipuliert, daß solch ein phasengesteuertes Radar, wenn ein neues gebaut wird, an der Peripherie eines
Landes erbaut und nach außen gerichtet sein muß.
Dieses System jedoch
steht im Landesinneren und ist nach
innen gerichtet.
Was immer man zu
seinem Zweck behaupten mag, es ist
eine Verletzung. Die Einstellung der
Arbeiten sind nicht das Entscheidende. Der entscheidende Punkt ist, daß
es nicht dort stehen sollte. Was nun
unsere beiden von ihm erwähnten Radar Systeme angeht, so besagt der ABMVertrag eindeutig, daß bestehende Radarsysteme zulässig sind und daß diese modernisiert werden können. Genau
dies tun wir.
Ich kann also diese
Gleichstellung nicht akzeptieren.
Frage:
Haben die europäischen Verbündeten enttäuscht darüber reagiert,
daß Ihre Treffen in Moskau nicht zu
einem Gipfeltreffen
geführt haben,
und haben sie die Position der Administration zu SDI unterstützt, das
wieder einmal den Weg zu versperren
scheint?
Antwort:
Natürlich
sind
alle an
der Frage des Gipfeltreffens interessiert.
Meiner Meinung nach ist es
mehr die Tatsache, daß Fragen gestellt werden, wie dieser Umschwung
der Ereignisse zu erklären ist, wenn
man bedenkt, daß es auf die sowjetische Initiative in Washington zurückzuführen ist, ein Gipfeltreffen für
den Herbst dieses Jahres anzukündi-

gen.
Die Voraussetzungen haben sich
nicht so entscheidend geändert, abgesehen von der Tatsache, daß ein INFAbkommen in noch greifbarere Nähe gerückt ist und bei START weitere Fortschritte erzielt worden sind. Meiner
Meinung nach konzentrierten sich die
Diskussionen mehr auf Inhalt und Substanz der stattfindenden Verhandlungen und hier herrschte die generelle
Ansicht vor, daß die Entwicklungen,
von denen ich berichtet habe und die
Herr Schewardnadse in seiner gut besuchten
Pressekonferenz
erläuterte,
entsprechend verliefen und sich Fortschritte abzeichneten.
Und auf eben
dies konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit.
Bei
unserem
Treffen
sind wir kaum auf die Strategische
Verteidigungsinitiative
eingegangen,
aber ich habe im großen und ganzen
das Gefühl, wenn wir lernen, wie wir
uns gegen ballistische Raketen verteidigen können, dann ist damit schon
viel erreicht. Und sicherlich ist es
für den Präsidenten ein Anliegen, daß
ein stabileres Gleichgewicht von Angriff und Verteidigung höchst wünschenswert ist. Was ist denn letztlich so gut an einer Welt, in der unsere Sich'theit von unserer Fähigkeit
abhängt, uns gegenseitig in 30 Minuten auszuradieren?
Ich glaube, wir
können Besseres leisten, und eben das
versucht der Präsident.
Frage:
In Moskau hätten bei INF
Fortschritte erzielt werden können;
die Sowjets sind jedoch nicht erschienen.
Können Sie uns Ihre Ansicht erläutern, warum sie nicht darauf eingegangen sind?
Antwort:
Gestern morgen fand die
Sitzung
einer Arbeitsgruppe statt;
man hatte sich auf eine bestimmte
Zeit für den Beginn der Sitzung geeinigt und die sowjetische Seite ist
nicht erschienen.
Im Verlauf der
zweitägigen Sitzungen in Moskau, ein-

- 3 -

�schließlich der allerletzten, die wir
im Anschluß an mein Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow hatten, haben
wir selbst dort weiterhin Fortschritte bei INF und einer Vielzahl von
Themen erreicht, durch die wir uns in
Moskau
hindurchgearbeitet
hatten.
Wir haben einige sehr wichtige Themenkomplexe erledigt und ich glaube,
beide Seiten hatten das Gefühl, daß
wir die Anzahl der verbleibenden Themen ganz allmählich, aber entscheidend verringert haben.
Es ist nur
noch eine Frage von Wochen, diese
Probleme ganz vom Tisch zu schaffen.
Frage:
ist das Thema der deutschen
PIA erneut angeschnitten worden?

teidigung
im
haben,
die
deckten...

Weltraum
unterbreitet
sich
jedoch
nicht

Antwort:
Ich habe gesagt, daß unsere Vorschläge offensichtlich unterschiedlich sind. Aber wenn wir unsere Fähigkeit, in anderen Bereichen
eine Einigung oder Annäherung zu erzielen, in Gegensatz dazu stellen, so
liegt es vielleicht daran, daß wir
unterschiedliche Zielsetzungen haben.
Das erschwert den Kompromiß, der zur
Erlangung eines Abkommens erforderlich ist. Das heißt natürlich nicht,
daß wir das nicht können und wir werden es weiter versuchen.
Aber ich
habe dies nur als eine mögliche Erklärung dafür vorgebracht, warum es
dort schwieriger war.

Antwort:
Wir haben eine zufriedenstellende Lösung zur Bewältigung dieses Themas ausgearbeitet und die zufriedenstellende
Lösung
beinhaltet,
daß dieses Thema in dem Vertrag nicht
erwähnt wird.
Wir sehen dies als
eine Angelegenheit zwischen uns und
der Bundesrepublik Deutschland. Aber
auf der Grundlage der von Bundeskanzler Kohl einseitig abgegebenen
Erklärung konnten wir eine Verfahrensweise ausarbeiten, mittels derer man
sich mit den Gefechtsköpfen in amerikanischem
Besitz dann auseinandersetzten wird, wenn sie sozusagen unbelastet von ihrer Beziehung zu dem
zugehörigen System sind.
Man wirr*
mit ihnen genauso verfahren wie mit
anderen
ähnlichen
Gefechtsköpfen.
Wie genau dies geschehen soll habt.i
wir
sehr sorgfältig
ausgearbeitet,
und meiner Meinung nach ist das Ergebnis offensichtlich zur Zufriedenheit der Sowjets ausgefallen, zu unserer Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Problem ist also bewältigt.

Antwort:
Ich weiß
nicht, ob es
eine Voraussetzung für ein Gipfeltreffen ist oder nicht. Ich weiß jedoch, daß sich Herr Gorbatschow offensichtlich zu dem Zeitpunkt, als
wir die einzelnen Probleme und die
Lage besprachen, nicht auf die Festsetzung eines Termins einlassen wollte. Wir schienen beide die Möglichkeit eines Gipfeltreffens in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr unbedingt offen halten zu wollen und haben während unserer Unterredung die
Möglichkeit
eines
Nachfolgetreffens
in Moskau im Frühjahr oder im weiteren Verlauf des Jahres 1988 erörtert.
Herr Gorbatschow ist sich also der
Termine vollständig gewahr und wir
werden einfach abwarten müssen.

Frage:
In Moskau haben Sie gesagt,
daß beide Seiten Vorschläge zur Ver-

Frage:
Gestern abend sagte
Fitzwater, der Sprecher des

- 4

Frage:
Werden
irgendwelche
neuen
Verteidigungsinitiativen erforderlich
sein, um die unterschiedlichen Zielsetzungen harmonisieren zu können, da
dies jetzt eine der Voraussetzungen
für ein Gipfeltreffen ist?

Marl in
Weißen

�Hauses, daß Herrn Gorbatschows Gesinnungswandel und die gescheiterte
Festsetzung des Termins Fragen über
die von ihm verfolgten Absichten laut
werden lassen. Würden Sie mit dieser
Bewertung übereinstimmen und sind Sie
jetzt alle besorgt, daß der Gesinnungswandel von Herrn Gorbatschow die
Verfolgung des sowjetischen Dialogs
erschwert?
Antwort:
Für Spekulationen
dieser
Art habe ich nicht sehr viel übrig.
Ich berichte Tatsachen und Tatsache
ist, daß wir uns getroffen haben und
bei der ganzen Bandbreite entscheidender Probleme beträchtliche Fortschritte erzielt worden sind.
Dies
ist von besonderem Interesse.
Seit
die Sowjets ihren Vorschlag zu einem
Gipfeltreffen im Herbst 1987 unterbreiteten und dem gestrigen Treffen
mit Herrn Gorbatschow scheint sich
einiges verändert
zu haben.
Wenn
überhaupt, so sind die gestern vorgelegten Bedingungen günstiger, könnte
man sagen, als noch vor einem Monat
oder so in Washington.
Worauf das
gestrige
Verhalten
zurückzuführen
ist, weiß ich auch nicht. Ich werde
es also einfach dabei belassen.
Frage:
Zwei Fragen zur Verifizierung. Erstens, sind sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im
Hinblick auf den Zeitplan für den Abbau von Mittelstreckenraketen kürzerer und längerer Reichweite nähergekommen?
Und die zweite Frage ist,
haben Sie bei Ihrem heutigen Treffen
mit den NATO-Ministern mit den Ländern
gesprochen, die
amerikanische
INF-Streitkräfte aufnehmen, wie Sie
die Inspektionsrechte der Sowjets in
der Praxis handhaben werden, wenn und
falls ein Abkommen erzielt wird?
Antwort:
Zur ersten Frage lautet
die Antwort ja, wir haben uns auf das
sogenannte schrittweise Vorgehen ge-

einigt.
Das
ist
definitiv.
Zur
zweiten Frage möchte ich sagen, daß
wir uns durch das Inspektionsverfahren und die Vor-Ort-Inspektion bekanntgegebener und ehemals bekanntgegebener Einrichtungen hindurcharbeiten, die natürlich die Einrichtungen
der Stationierungsländer einschliessen. Das alles ist in der NATO ausgearbeitet worden und wir diskutieren
die Frage, wieviele Inspektionen jede
Seite forden kann.
Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, sie haben einen Vorschlag
entgegengehalten, und daran arbeiten
wir jetzt. Verhandlungen durchlaufen
solch einen Prozeß. Er wird auf eine
professionelle und gute Art und Weise
durchgeführt.
Wir befinden uns natürlich in engen Konsultationen mit
den Regierungen der Länder, in denen
Stützpunkte bestehen, und es werden
keine Schritte ohne deren Einwilligung unternommen.
Frage:
Zwei Fragen.
Erstens, wie
stehen die Aussichten für einen Gipfel zwischen Präsident Reagan und den
Verbündeten in Brüssel oder anderswo,
der von dem Gipfeltreffen mit Gorbatschow abhängt; und zweitens, glauben
Sie, Herr Gorbatschow ist sich der
Tatsache bewußt, daß im kommenden
Jahr in den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden?
Antwort:
Ich denke, er weiß, daß
diese stattfinden werden.
Trotzdem
deuten alle von mir wahrgenommenen
Anzeichen - und ich habe seine Erklärungen wohl richtig wiedergegeben darauf hin, daß wir beide auf den Abschluß eines INF-Abkommens drängen.
Ich für meinen Teil sehe Bestandteile
eines
Abkommens
über
strategische
Waffen sich abzeichnen, dem eine ungeheure Bedeutung zukäme.
Natürlich
muß ich sagen, daß die damit in Zusammenhang stehenden Probleme der Ve5 -

�rifizierung im Vergleich die B e g e bungen zur Verifizierung bei INF wie
ein Kinderspiel aussehen lassen. Das
wird sehr viel schwieriger werden,
aber die Bestandteile liegen vor uns,
und der Generalsekretär scheint bereit zu sein, daran zu arbeiten.
Frage:
Was INF betrifft, besteht
bereits Übereinstimmung mit der anderen Seite, wann die weitere Stationierung
zusätzlicher
NATO-Mittelstreckenwaf fen eingestellt wird, nach
der Unterzeichnung oder nach der Ratifizierung des INF-Vertrages?
Die
zweite Frage lautet: haben Sie in
Moskau auch Fortschritte zur Frage
weiterer Verhandlungen beider Seiten
über den Abbau konventioneller Waffen
in Europa erzielt?
Antwort:
Ich habe darauf bereits
im Hinblick auf den vom Generalsekretär am 1. November
unterbreiteten
Vorschlag geantwortet.
Es wäre sehr
unklug von uns - und ich bin sicher,
er versteht das - uns nach dem mutmaßlichen Vertrag zu richten, bevor
er auch nur unterzeichnet oder ratifiziert ist. So kann man nicht verhandeln. Und natürlich wird der Vertrag Bestimmungen enthalten, die sich
mit der Frage der stufenweisen Durchführung der Reduzierungen befassen.
Ob die Verbündeten nach der Unterzeichnung dazu eine bestimmte Position beziehen wollen, bleibt abzuwarten. Darüber wird zur Stunde diskutiert.
So stehen also die Dinge.
Wie lautete Ihre zweite Frage?
Frage:
Ob Sie in Moskau ebenfalls
Fortschritte bei den künftigen Verhandlungen beider Seiten über einen
Abbau der konventionellen Streitkräfte erzielt haben.
Antwort:
Dieses Thema wurde diskutiert. Die Sowjets wollen weiterhin
den Bereich der Nuklearwaffen in die-

se Gespräche einbeziehen, was die
Bündnispartner zurückgewiesen haben,
und wir lehnen dies ebenfalls ab.
Aber grundsätzlich handelt es sich
hier um eine Angelegenheit des Bündnisses, nicht um ein bilaterales Problem.
Wir
sind natürlich bereit,
diese Probleme zu besprechen, aber
darüber wird man in Wien diskutieren.
Unser
Botschafter
Ledogar
und die
Botschafter der anderen NATO-Staaten
und ihre Kollegen des Warschauer Paktes diskutieren darüber, und das ist
der Stand der Dinge.
Frage:
Wie
sehen
Ihre
nächsten
Schritte zu INF und Gipfel aus?
Antwort:
Die nächsten Schritte zu
INF werden in Genf unternommen werden.
Ich bin bereits heute morgen,
vor dieser Pressekonferenz, mit Botschafter
Glitman
zusammengetroffen,
und wir haben weitere Vorgehensweisen
besprochen; es gibt viele Impulse.
Wir werden diese Probleme bearbeiten,
und ich erwarte von ihm regelmäßig
neueste Berichte über den Verlauf der
Verhandlungen.
Herr
Schewardnadse
und ich sind gestern abend vor meiner
Abreise aus Moskau übereingekommen,
daß wir unsere beiden Chef-Unterhändler bitten werden, uns zum Ende dieser und dann wieder zum Ende der
nächsten Woche einen Bericht vorzulegen. Mit anderen Worten, wir drängen
auf ein Ende hin, wollen uns aber natürlich die Zeit nehmen, um sicherzustellen, daß die Dinge auf eine befriedigende
Art und Weise beendet
werden.
Soviel zum Stand der Dinge
bei INF.
Und wir werden weiterhin an Fortschritten im Bereich der strategischen Waffen arbeiten.
wir wollen
den Prozeß der Überprüfung des Themas
Verifizierung anheizen, so daß wir
später nicht das Gefühl haben müssen,
zwar ein Abkommen zu haben, aber den-

�noch Frustration über die Verifizierung aufkommt, weil wir uns nicht
früh genug damit beschäftigt haben.
Wir müssen das jetzt angehen.
Das
werden wir tun und auch an anderen
Bereichen arbeiten, die ich hier erwähnt habe.
Was die Frage des Gipfels betrifft, so stehen die Dinge so, daß
eine Übereinkunft zwischen den beiden
Staatsoberhäuptern
in Genf
erzielt
wurde, man wolle sich gegenseitig sozusagen zu Hause besuchen.
Es ist
eine Einladung an Herrn Gorbatschow
ergangen, und wenn er bereit ist, sie
anzunehmen, werden wir bereit sein,
ihn zu empfangen.
Frage:
Ich weiß, daß Ihre Besprechungen mit dem Präsidenten vertraulich sind, trotzdem verlautete gestern abend aus Washington, Sie und
Botschafter Nitze hätten den Präsidenten gedrängt, beim Problem SDI
flexibler zu sein...
Antwort:
Dieser
Bericht
entbehrt
jeder realistischen Grundlage.
Ich
habe während meines Aufenthalts in
Moskau zweimal mit dem Präsidenten
gesprochen, ihm Bericht erstattet und
mir seine Ansichten angehört. Darüber fanden jedoch keine Diskussionen
statt. Sowohl Botschafter Nitze - er
nickt mit dem Kopf, weil er meinen
Aufführungen zustimmt, und weil er
weiß, was ich sagen will - als auch
ich sind einhellige Verfechter der
Idee, daß es wichtig für die Vereinigten Staaten und für unsere Freunde
ist, zu lernen, wie wir uns gegen
ballistische
Raketen
verteidigen,
wenn wir das können.

ven Fragen, aber wenn sich die Möglichkeit
herausstellen
sollte, ein
INF-Abkommen
bei
einem
Gipfel
in
einem Drittland, an einem Ort wie
Genf etwa, zu unterzeichnen, wäre das
möglich?
Antwort:
Ich glaube, es ist vordringlich, das INF-Abkommen hervorzubringen.
Und wir müssen abwarten,
was sich im Hinblick auf ein Gipfeltreffen ergibt - ich habe die Situation so gut ich kann, beschrieben und angesichts dessen müssen wir sehen, was zusätzlich benötigt wird,
damit es von den beiden Staatsoberhäuptern oder anderen auf irgendeine
Weise unterzeichnet wird.
Auf jeden
Fall stellt sich diese Frage erst in
der Zukunft.
Die maßgebenden Dinge
des Augenblicks sind: erstens, etwas
zustande zu bringen, das unterzeichnet werden kann; zweitens, wir werden
sehen, wie sich die Geschichte im
Hinblick auf ein Gipfeltreffen entwickelt. Aber wir wollen es zu Ende
bringen, und das will auch die Sowjetunion allem Anschein nach, und ich
bin sicher, wir werden einen Weg finden, um das zu tun.

Frage::
Sie haben angedeutet, es
bestünde im Hinblick
auf künftige
Gipfeltreffen
ein
Abkommen,
sich
wechselseitig zu Hause zu besuchen.
Ich weiß, sie mögen keine spekulati- 7 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
I7

Hintergrundmaterial

et

28. Oktober 1987

38

HANDELSSANKTIONEN GEGEN IRAN

Eine Übersicht des Weißen Hauses (Die folgende Übersicht über die Handelssanktionen gegen Iran wurde am 26. Oktober 1987 vom Weißen Haus veröffentlicht.)

Neue Sanktionen
Als Reaktion auf die fortgesetzte
Unterstützung
terroristischer
Anschläge durch den Iran und dessen unprovozierte Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und unter amerikanischer Flagge fahrende Schiffe sowie
die neutrale Schiffahrt im Golf allgemein benutzt der Präsident die ihm
durch Abschnitt 505 des Gesetzes über
internationale Sicherheit und Zusammenarbeit (international Security and
Cooperation Development Act) verliehenen Befugnisse zum Verbot jeglicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Importe aus dem Iran. Durchführungsbestimmungen zu diesem Beschluß werden
vom Finanzministerium
erlassen
werden.
Diese Maßnahmen werden
genden Gründen ergriffen:

aus

fol-

- Die Regierung des Iran hat die
Resolution
598 des
Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen nicht befolgt
und hält weiterhin an der Führung des
Krieges gegen den Irak fest.
-

Der

Großteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

der

Exporterlöse

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Iran wird durch Rohöl erzielt,
während Kaviar, Pistazien und einige
Textilprodukte geringere Erträge erbringen.
- Die amerikanischen Importe aus
dem Iran erreichten im Jahr 1986 insgesamt einen Wert von 600 Millionen
Dollar, und zwar 500 Milionen Dollar
für öl und 100 Millionen Dollar für
andere Importe.
Der vom Iran im
Zeitraum von Januar bis Juli 1987
durch den Verkauf von öl an die Vereinigten Staaten erzielte Erlös wird
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt.
- Die Importe iranischen Rohöls
in die Vereinigten Staaten und ihre
Territorien betrugen im Jahr 1986
durchschnittlich 90 000 Faß pro Tag
(bpd); in den ersten sieben Monaten
des Jahres 1987 schnellten sie auf
durchschnittlich
250 000 bpd empor
(allein im Juli 1987 620 000 bpd).
Für den August werden die Einfuhren
auf 4 68 000 bpd und für September auf
345 000 bpd geschätzt.
Dieser Anstieg laßt sich teilweise durch die
gestiegene iranische Produktion zur
Erzielung höherer Einnahmen für die
Kriegsanstrengungen erklären.
Der
Präsident
verkündet
heute
(26. Oktober 1987) seine Absicht, zusätzliche
Exportkontrollen
für
14
weitergefaßte Kategorien von militärisch nutzbaren Artikeln einzuführen.
Dadurch erhöht sich die Zahl derjenigen Artikel, deren Export in den Iran
schon heute laut Exportverwaltungsgesetz kontrolliert wird (siehe Liste
am Ende dieser Übersicht).
Am 23. Januar 1984 stufte der
amerikanische Außenminister den Iran
als einen Staat ein, der wiederholt
den internationalen Terrorismus unterstützt hat. Deshalb wurden gemäß
Abschnitt 6 des Exportverwaltungsgesetzes von 1979 (EAA) und seiner Zu- 2

satzartikel außenpolitisch begründete
Exportkontrollen gegen den Iran verhängt.
Diese erstreckten sich auf
Flugzeuge, Hubschrauber sowie dazugehörige Teile und Komponenten, Außenbordmotoren mit 45 oder mehr PS,
Grundstoffe für die Herstellung chemischer Waffen, Artikel zur Verbrechensbekämpfung sowie alle Güter und
technischen Daten, die der nationalen
Sicherheitskontrolle
unterliegen,
wenn sie für einen militärischen Endverbraucher
oder
zum militärischen
Endverbrauch bestimmt sind.
Zusätzlich wurden am 25. September 1987
Atemgeräte und dazugehörige Tauchausrüstungen
der Liste
kontrollierter
Exportartikel
hinzugefügt.
Vorschriften
verschiedener
Statuten
schließen jegliche nukleare Zusammenarbeit größeren ümfangs mit dem Iran
aus.
Diesen Kontrollen, wie auch den
heute neu verkündeten Kontrollen liegen Ereignisse
zugrunde, die sich
nach den Vereinbarungen von Algier
aus dem Jahr 1981 zugetragen haben.
Sie stehen nicht mit den Handelskontrollen und der Einfrierung iranischer Vermögenswerte
zusammen, die
während
des Geiseldramas
im Jahr
1979-1980 gegen den Iran verhängt
wurden.
Diese frühreren Exportkontrollen wurden im Anschluß an die
Übereinkunft von Algier im Jahr 1981
aufgehoben.
Aufgrund unserer Politik der Neutralität im Krieg zwischen Iran und
Irak besteht weiterhin ein Embargo
für militärische Güter.
Weiterhin unterliegen die folgenden Produktkategorien Exportkontrollen für den Iran:
Mobile Kommunikationsausrüstungen
Boote,

einschließlich

Schlauch-

�booten
Radgetriebene,
Zugmaschinen

geländegängige

Große Dieselmotoren
Nichtstrategische
und -komponenten

Flugzeugteile

Tragbare Elektrogeneratoren
Alle Bootsmotoren (Außen- und Innenbordmotoren jeglicher Leistung)
Andere
Bootsausrüstungen
(Oberflächen- und
Tragflügelboote
sowie
akustische ünterwasserdetektoren)
Ausrüstungen
tographie

zur

Unterwasserpho-

Tauchfähige Systeme
Atemgeräte
Druckkabine

für

Flugzeuge

mit

Sonarausrüstungen
Elektronische Testgeräte
Verschlüsselungsgeräte

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

28. Oktober 1987

38

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums (Die folgende Übersicht über die Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten
Staaten wurde am 20. Oktober 1987 vom US-Außenministerium veröffentlicht.)
Verhandlungen
zur
Verringerung
der Rüstungen bilden einen Hauptbestandteil der Strategie dieser Administration, um einen sicheren Frieden
zu schaffen und die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Mit Rüstungsreduzierungen streben wir danach, die
strategische Stabilität auf niedrigeren Niveaus der militärischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch das
Konfliktrisiko zu senken. Die Vereinigten Staaten versuchen, solche Verringerungen
bei
den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (START,
INF sowie Verteidigung im Weltraum)
in Genf sowie in anderen Verhandlungsforen zu erreichen.
In diesen
Foren haben die Vereinigten Staaten
Initiativen unterbreitet, um die Welt
zu einem sichereren Ort zu machen.
Strategische
Offensivwaffen:
Die
Vereinigten Staaten messen ihren Bemühungen zur Erzielung eines gleichgewichtigen und wirksam verifizierba-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Abkommens mit der Sowjetunion
über
einschneidende
Reduzierungen
strategischer
Atomwaffen
höchste
Priorität bei. Als einen konkreten
Schritt zu diesem Ziel haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in Genf am 8.
Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt. Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt grundsätzlich die Bereiche
wider,
in denen
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
im vergangenen
Oktober
in
Reykjavik
Übereinstimmung
erzielt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hatten.
Er sieht den 50prozentigen
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen bis auf eine
Höchstgrenze von 1 600 stationierten
Interkontinentalraketen und schweren
Bombern mit bis zu 6 000 auf beiden
Seiten Gefechtsköpfen vor, mit angemessenen Untergrenzen und in einem
Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages.
Der amerikanische Vertragsentwurf
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen
bestimmte Beschränkungen bei den destabilisierendsten und gefährlichsten
Nuklearsystemen fest - den schnell
fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBMs).
Deshalb haben wir Grenzen und Untergrenzen für bestimmte Typen von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
eine Grenze für Wurfgewichte ballistischer Raketen vorgeschlagen.
Unser Vorschlag umfaßt außerdem detaillierte Bestimmungen, die darauf abzielen, jeden Zweifelsfall bei den
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen
zur
Verifizierung
einschließlich Inspektionen vor Ort -,
mit denen sichergestellt werden soll,
daß jede Seite auf die vollständige
Einhaltung des Abkommens durch den
Vertragspartner vertrauen kann.
Am 31. Juli haben die Sowjets
einen Vertragsentwurf vorgelegt, der
in seinem Aufbau dem amerikanischen
ähnlich ist und der einige gemeinsame
Sprachregelungen
enthält.
Dieser
sowjetische Entwurf hat jedoch bei
den wichtigsten, noch
ausstehenden
Problemen keinerlei Bewegung angeboten; dazu gehören auch die Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme.
Er machte weiterhin Verringerungen strategischer Offensivwaffen
von Beschränkungen für die strategische Verteidigung abhängig, die über
- 2

die im bereits bestehenden ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Im
Rahmen
ihrer
Washingtoner
Treffen
im September
verständigten
sich die Außenminister
Shultz und
Schewardnadse darauf, die Bemühungen
bei den Genfer Verhandlungen zu intensivieren,
um
eine
Übereinkunft
über
die
50prozentige
Reduzierung
strategischer Offensivwaffen zu erlangen.
Die Minister kamen außerdem
überein, daß solche Reduzierungen ein
wichtiges Thema
ihrer Rüstungskontrollgespräche im Rahmen ihres im Oktober in Moskau stattfindenden Treffens bilden solle. Während des Ministertreffens - und seither bei den
Genfer Verhandlungen - wurden bei den
ausstehenden Problemen einige Fortschritte erzielt; beispielsweise haben die Sowjets nun eine Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf schweren
ICBMs vorgeschlagen.
Trotzdem
bleiben
grundlegende
Probleme bestehen, darunter die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Untergrenze für die Gesamtzahl der
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen, die vertraglich festgelegte Begrenzung der Wurfgewichte sowie das
Verbot mobiler ICBMs.
Ein weiteres
Problem ist das andauernde sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen
START-Verringerungen
und der
amerikanischen Zustimmung zu weiteren
Beschränkungen
für
Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen. In
diesem Bereich werden die Vereinigten
Staaten keinerlei Maßnahmen akzeptieren, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI)
gelähmt
oder gänzlich beseitigt würde. Aufgrund der Aussichten, die sie als
sichereres
Mittel der
Abschreckung
bietet, ist SDI für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten unverzichtbar.

�Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ihr Vertragsentwurf zu
START eine solide Grundlage für die
Schaffung eines faireren und dauerhaften Abkommens liefert, um zum ersten Mal in der Geschichte einschneidende Verringerungen
der strategischen
Atomarsenale der
Vereinigten
Staaten und der UdSSR zu erlangen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein START-Vertrag kurzfristig verwirklicht werden könnte, wenn
die Sowjets bereit wären, sich diesem
Ziel ebenso ernsthaft zu widmen wie
die Vereinigten Staaten.
Mittelstreckenwaffen
(INF):
Während
der Septembertreffen
zwischen
den Außenministern Shultz und Schewardnadse in Washington haben sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion grundsätzlich auf den Abschluß
eines Vertrags verständigt,
der eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF (Reichweite: 500 - 5 500 Kilometer) beseitigen
würde.
Die Genfer Unterhändler beider Seiten wurden angewiesen, intensiv an der Lösung noch verbleibender
technischer Fragen zu arbeiten und
alsbald einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die Minister werden sich am
22. und 23. Oktober in Moskau treffen, um die Fortschritte für ein INFAbkommen sowie andere Elemente der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
Ein INF-Abkommen könnte
diesen Herbst im Rahmen eines Gipfeltreffens
zwischen
Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow unterzeichnet werden.
Diese Fortschritte wurden durch
die westliche Entschlossenheit ermöglicht,
am
NATO-Doppelbeschluß
von
1979 festzuhalten, der eine Reaktion
auf die Stationierung von SS-20 Raketen durch die Sowjets darstellte.
Die Entschlossenheit der NATO zur Um-

kehrung des Ungleichgewichts im INFBereich durch die Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
längerer
Reichweite bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Sowjets, um ein Gleichgewicht bei INF
auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu
erreichen, zahlt sich heute aus.
Das voraussichtliche INF-Abkommen
stimmt in den Hauptbereichen der Verhandlungen mit den seit langem von
den Vereinigten Staaten vertretenen
Positionen
überein.
Dieser
Erfolg
ist eine direkte Konsequenz des unerschütterlichen Einsatzes des Präsidenten für wahre Rüstungsreduzierungen und der Solidarität der Verbündeten bei der Unterstützung dieser Ziele:
Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite (LRINF): Seit der Aufnahme formeller Gespräche mit der Sowjetunion im November 1981 haben die
Vereinigten Staaten die Abschaffung
aller amerikanischen und sowjetischen
LRINF-Systeme angestrebt.
Dies entsprach dem ursprünglichen Vorschlag
des Präsidenten einer "Null-Lösung",
der zuerst im Jahr 1981 erfolgte. Im
Juli
1987
stimmten
die
Sowjets
schließlich
der Beseitigung
dieser
Systeme zu.
Mittelstreckenraketen kürzerer
Reichweite
(SRINF):
Seit
Aufnahme
der Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß ein
INF-Abkommen die SRINF begrenzen müsse, um die Umgehung einer Übereinkunft zu den LRINF durch eine sowjetische Aufrüstung mit Systemen kürzerer Reichweite zu verhindern.
Die
Vereinbarung
der Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen SRINF
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens erfüllt diese amerikanische
Forderung.

- 3 -

�Reduzierungen
weltweit:
Die
Vereinigten
Staaten
bestehen
seit
langem darauf, daß jegliche Begrenzung von INF-Systemen weltweit gelten
muß, um eine Verlagerung der Bedrohung von einer Region in eine andere
zu verhindern.
Die Sowjets haben
dies im Kontext der weltweiten Beseitigung beider Kategorien amerikanischer
und sowjetischer
INF akzeptiert, die unter dem Terminus "weltweite doppelte Null-Lösung" bekannt
ist.
Während diese und weitere Grundsatzvereinbarungen
mit den Sowjets
erreicht wurden, haben die Vereinigten Staaten jedoch klargestellt, daß
bilaterale Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR weder
die Streitkräfte von Drittstaaten begrenzen noch bestehende Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten beeinträchtigen können.
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sich prinzipiell
auf den Abschluß eines INF-Abkommens
verständigt haben, bedürfen bedeutende Fragen weiterhin einer Lösung,
insbesondere die wichtigen Einzelheiten der Verifizierungsverfahren und
des Zeitplans für die Reduzierungen.
Die wirksame Verifizierung ist unentbehrlich, um sicherzustellen, daß ein
INF-Abkommen dauerhaft zu Frieden und
Stabilität beiträgt.
Demgemäß haben
wir die strengste Verifizierungsregelung vorgeschlagen, die jemals für
ein Rüstungskontrollabkommen angewendet wurde.
Die Genfer Delegationen
beider Seiten sind sehr darum bemüht,
verbleibende Probleme zu lösen.
Probleme der Verteidigung im Weltraum:
Während
ihrer
Washingtoner
Treffen im September haben die Außenminister Shultz und Schewardnadse sowie Experten beider Seiten ihre Positionen zu Fragen der Weltraumvertei-

digung entwickelt, wobei die Kluft
zwischen ihnen nicht verringert werden konnte. Sowohl bei den im April
1987 abgehaltenen Treffen von Außenminister Shultz in Moskau als auch im
Anschluß daran bei den Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen in Genf
legten die Vereinigten Staaten einen
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.
Dieser
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion würden die Verpflichtung
eingehen, sich bis 1994 nicht vom
ABM-Vertrag zurückzuziehen.
- Während dieses Zeitraums würden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alle Vorschriften des ABMVertrags strikt einhalten und gleichzeitig die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Tests weiterführen, die dem ABM-Vertrag zufolge erlaubt sind.
- Diese Verpflichtung wäre abhängig von der Anwendung 50prozentiger
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen auf gleiche Niveaus innerhalb
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.
- Jede Seite hat das Recht, sich
aus Gründen höchster Interessen oder
des materiellen Bruchs dieses, des
START- oder
des
ABM-Vertrags, den
vorgeschlagenen Vertrag zu kündigen.
- Nach 1994 hätte jede Seite das
Recht, moderne
Verteidigungssysteme
zu stationieren, sofern die Vertragsparteien keine anderweitige Regelung
beschließen.
Als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen haben die
Vereinigten
Staaten
außerdem
Vorschläge unterbreitet, um gegenseitig

- 4 -

�das Vertrauen und die Berechenbarkeit
der
Erforschung
moderner
strategischer
Verteidigungstechnologien
zu
stärken.
In dieser Hinsicht haben
die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß sie selbst und die Sowjetunion jährlich Daten über geplante
Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns
darum, daß die Vereinigten Staaten
und die UdSSR gegenseitige Informationsgespräche über ihre jeweiligen
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies
bereits mit unserer Initiative der
Offenen Labors vorgeschlagen haben.
Schließlich haben wir vorgeschlagen,
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.
Atomtests:
Im Rahmen des Washingtoner Ministertreffens im September
1987
vereinbarten
die
Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, am 1.
Dezember 1987 umfassende und stufenweise Verhandlungen
über Atomtests
aufzunehmen. Als ersten Schritt werden beide Seiten wirksame Verifizierungsmaßnahmen
vereinbaren, die es
ermöglichen sollen, den Schwellenvertrag sowie den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken zu
ratifizieren.
Nach Erfüllung dieser
Verifizierungsanliegen und Ratifizierung der Verträge würden die Vereinigten Staaten und die UdSSR umgehend
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur schrittweisen Durchführung eines
Parallelprogramms - in Zusammenhang
mit einem Programm zur Reduzierung
und
letztlichen
Beseitigung
aller
Atomwaffen - eintreten, um Atomtests
zu begrenzen und schließlich ganz abzuschaffen.

Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos:
Am 15. September 1987
unterzeichneten
die
Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
zur Errichtung von Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos in ihren jeweiligen Hauptstädten.
Dieses
Abkommen, das unmittelbar auf eine
amerikanische Initiative zurückgeht,
stellt eine praktische Maßnahme dar,
die
die
internationale
Sicherheit
durch die Verringerung des Konfliktrisikos
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion erhöhen
wird, das durch Zufälle, Fehlinterpretation oder falsche Berechnungen
entstehen könnte. Die Zentren werden
eine Rolle beim Austausch von Informationen und Ankündigungen spielen,
die gemäß den bestehenden und möglichen zukünftigen Rüstungskontrollabkommen und Vereinbarungen vertrauensbildender Maßnahmen erforderlich sind.
Nichtverbreitungsvertrag:
Vom
28.
- 30. Juli 1987 hielten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
neunte Rund der andauernden Konsultationsserie zur Nichtverbreitung von
Atomwaffen ab, die im Dezember 1982
begonnen hatte. Diese Konsultationen
deckten ein breites Spektrum von Fragen ab, einschließlich der Aussichten
auf
Stärkung
der
internationalen
Nichtverbreitungsregelung, Unterstützung
des
Nichtverbreitungsvertrags
und des beiderseitigen Wunsches der
Vereinigten Staaten und der UdSSR zur
Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.
Diese Konsultationen
sind keine Verhandlungen sondern eher
Gespräche
zur
Überprüfung
unterschiedlicher Themen gemeinsamen Interesses.
Die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sind beide außerordentlich
daran
interessiert, die
gefährliche Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich darauf geeinigt, diese Konsultationen
als Forum
für Gespräche und einen

- 5 -

�Meinungsaustausch zu benutzen.
Die
nächste Gesprächsrunde ist vorläufig
für Januar 1988 in Washington angesetzt.
Chemische
Waffen:
Im April
1984
haben die Vereinigten Staaten bei der
Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40
Nationen teilnahmen, einen umfassenden Vertrag vorgelegt, der das Verbot
der Entwicklung, Herstellung, des Gebrauchs, Transfers und der Lagerung
chemischer Waffen mit verschiedenen
Mitteln zu verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische VorOrt-Inspektionen
in
Zweifelsfällen
verbindet. Beim Genfer Gipfeltreffen
vom November 1985 vereinbarten Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler Gespräche über alle Aspekte eines
umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir sechs Runden
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten.
Eine siebte Runde ist für Dezember 1987 anberaumt.
Die bilateralen Vertragsgespräche
haben einige Meinungsverschiedenheiten abgebaut, und die Sowjets gaben
schließlich im März 1987 den Besitz
chemischer Waffen zu.
(Tatsächlich
besitzen die Sowjets das bei weitem
größte Arsenal an chemischen Wafen,
das sie zudem auch regelmäßig modernisiert haben.) Trotzdem bleiben bedeutende Meinungsverschiedenheiten in
wichtigen
Bereichen bestehen, einschließlich der Beseitigung von Produktionsstätten für chemische Waffen,
der Überwachung der chemischen Industrie zum Schutz vor Aktivitäten, die
einem solchen Vertrag zufolge verboten sind, der Verfahren für unangemeldete Inspektionen in Verdachtsfällen,
Durchführungsbestimmungen
zum
Vertrag, Kostenverteilung und technischer Unterstützung.

Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und
anderen befreundeten Nationen sowie
mit den Sowjets zusammen, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern.
Besonders als Reaktion auf die andauernde Verwendung
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak haben die Vereinigten
Staaten und siebzehn andere westliche
Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen für mit chemischen waffen in Verbindung zu bringende Artikel abzustimmen und andere Mechanismen zu
entwickeln, die der illegalen Verwendung chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in andere Länder
Einhalt
gebieten.
Wir
haben
ebenfalls in bilateralen Gesprächen
mit den Sowjets über die Weiterverbreitung chemischer Waffen Exportkontrollen und politische Schritte geprüft, um die Verbreitung chemischer
Waffen einzudämmen.
Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE):
Nach fast
dreijährigen
Verhandlungen
hat die
Stockholmer
KVAE-Konferenz
mit
35
Teilnehmerstaaten im September 1986
eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die der Verbesserung von
Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa dienen
sollten.
Diese auf Vorschläge der
NATO zurückgehenden Maßnahmen sehen
die vorherige Benachrichtigung über
alle militärischen Aktivitäten oberhalb einer Größenordnung von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, sowie
die Beobachtung militärischer Aktivitäten oberhalb einer Grenzevon 17 000
Soldaten und die jährliche Vorankündigung
bevorstehender
militärischer
Aktivitäten.
Das Abkommen
enthält
ebenfalls Bestimmungen für Vor-Ortinspektionen in der Luft und am Boden

�zwecks Verifizierung.
Trotz
ihres
bescheidenen
Umfangs
stimmten
die
Sowjets damit zum ersten Mal einer
Inspektion auf ihrem eigenen Staatsgebiet zur Verifizierung eines internationalen
Sicherheitsabkommens
zu.
Die Vereinigten Staaten sehen sich
durch die bis zu diesem Zeitpunkt demonstrierte Art der Durchführung ermutigt, in der sich insgesamt sowohl
Buchstaben als auch Geist des Stockholmer Dokuments widerspiegeln.
Am 30. August 1987 haben die Vereinigten Staaten - unter den Bestimmungen des Stockholmer Dokuments
erfolgreich die erste jemals durchgeführte Vor-Ort-lnspektion eines sowjetischen
Manövers
abgeschlossen.
Die Vereinigten
Staaten
betrachten
den erfolgreichen Abschluß dieser Inspektion als Schritt im Prozeß der
Verbesserung von Offenheit sowie bei
der Bildung von Vertrauen und Sicherheit in Europa.
Im September hat
Großbritannien ein Manöver in der DDR
inspiziert, an dem sowjetische und
DDR-Truppen teilnahmen; Anfang Oktober führte die Sowjetunion eine ähnliche Inspektion bei einem Manöver in
der Türkei durch, an dem US-Truppen
beteiligt waren.
Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR):
Am 5. Dezember 1985 legte die NATO bei de t
MBFR-Verhandlungen eine wichtige neue
Initiative vor, die auf Anliegen des
Ostblocks
eingeht.
Der
Vorschlag
stellte den Wunsch des Westens nach
einer Datenübereinkunft über den augenblicklichen Stand der Streitkräfte
noch vor Unterzeichnung des Vertrages
zurück.
Die Sowjets hatten geltend gemacht, daß diese westliche Forderung
das Haupthemmnis
für ein Abkommen
sei.
Der Vorschlag forderte ferner
einen zeitlich begrenzten, in einer

ersten Phase durchgeführten Abzug von
5 000 amerikanischen und 11 500 sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.
In diesem Zeitraum würden die
verbleibenden Streitkräfte durch nationale technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Einund Auslaßpunkte, den Austausch von
Daten und 30 jährliche Vor-Ort-Inspektionen. Bis jetzt haben die Sowjets nicht konstruktiv auf die Initiative des Westens reagiert.
NATO-Arbeitsgruppe auf höchster Ebene für konventionelle
Rüstungskontrolle:
Diese Arbeitsgruppe
legte
dem Nordatlantikrat am 11. Dezember
1986 ihren Bericht über Tendenzen der
konventionellen Rüstungskontrollpolitik der NATO vor. Bei dieser Sitzung
verabschiedeten die NATO-Minister die
"Erklärung von Brüssel", in der die
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht
konventio.oller Streitkräfte auf niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural herzustellen.
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche mit dem Warschauer Pakt zur Erarbeitung eines Mandats für neue Verhandlungen auf.
Im Juli legten Vertreter der NATO den Entwurf eines
Mandats für Verhandlungen vor, das
die 23 Nationen von NATO und Warschauer Pakt direkt einschließen und
sich auf ihre konventionellen Streitkräfte zu Lande in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural erstrecken würde.
Diese Verhandlungen würden im
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden, aber in bezug auf Themen, Teilnahme und Verfahren eigenständig sein.

- 7 -

�Chronologie:

1. Januar 1986 bis 20. Oktober 1987

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
Runde
Runde
Runde
Runde

IV
V
VI
VII

Runde

VIII

16. Januar
- 4. März
1986
8. Mai
- 26. Juni
1986
18. September - 13. November
1986
15. Januar
- 6. März
1987
(INF dauerten bis 26. März)
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987
(START und Gespräche über Verteidigung im Weltraum)

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (multilateral)
Runde
Runde
Runde
Runde

IX
X
XI
XII

- 15. März
1986
Januar
April
- 23. Mai
1986
Juni
- 18. Juli
1986
- 19. September 1986
August
Ein Abkommen wurde geschlossen

28.
15.
10.
19.

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:
4. November - 20. Dezember 1986
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:
27. Januar
- 11. April
1987
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:
4. Mai
- 31. Juli
1987
Vierte Runde der Nachfolgekonferenz:
22. September - 21. November 1987
(voraussichtlicher Abschlußtermin)

Abrüstungskonferenz (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
13. Januar
- 31. Januar
1986
Früh Jahrssitzung:
4. Februar
- 25. April
1986
Sommersitzung:
10. Juni
- 29. August
1986
Konsultationen der Vorsitzenden des Auschusses für chemische Waffen:
24. November
- 17. Dezember 1986
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
6. Januar
- 30. Januar
1987
Früh Jahrssitzung:
2. Februar
- 30. April
1987
Sommersitzung:
8. Juni
- 26. August
1987
- 8

�Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde

38
39
40
41
42
43

(multilateral)

- 20. März
1986
30. Januar
1986
15. Mai
3 Juli
25. September - 4 Dezember 1986
1987
- 19. März
29. Januar
- 2. Juli
1987
14. Mai
24. September - 3 Dezember 1987
(voraussichtlicher AbSchlußtermin)

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
Runde I:
Runde II:

13. Januar
1987
3. - 4. Mai 1987
(ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen)
Das Abkommen wurde am 15. September 1987 in Washington unterzeichnet

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF EXPERTENEBENE

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
11. - 12. August
1986 in Moskau
5. - 6. September 1986 in Washington
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
6. 11. -

7. August
1986 in Moskau
12. September 1986 in Washington

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa
14. - 15. August

1986 in Stockholm

Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen
28.
15.
1.
28.
16.
20.

Januar
April
Juli
Oktober
Februar
Juli

- 3. Februar
- 25. April
- 18. Juli
- 18. November
- 5. März
- 7. August

1986
1986
1986
1986
1987
1987

in
in
in
in
in
in

Gen
Genf
Genf
New York
Genf
Genf

Konvention über biologische und toxische Waffen
Expertensitzung :

31. März - 15. April 1987 in Genf

- 9 -

�Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
5. 4. 7. -

6. März
1986 in Bern
5. September 1986 in Bern
8. Oktober
1987 in Bern

Atomtests
Erste Sitzung
Zweite Sitzung
Dritte Sitzung
Vierte Sitzung

Fünfte Sitzung :
Sechste Sitzung:

25. Juli
- 1. August
1986 in Genf
4. September
- 18. September 1986 in Genf
13. November
- 25. November 1986 in Genf
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,
am 16. März wiederaufgenommen, am 20. März in
Genf beendet
18. Mai
- 29. Mai
1987 in Genf
13. Juli
- 20. Juli
1987 in Genf

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
5. - 6. Mai 1986 in Genf
25. August 1986 in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen
15. - 18. Dezember 1986 in Washington
28. - 30. Juli
1987 in Moskau

- 10 -

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