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VION

AMERIKA DIENST
4

Sonderdienst

15. Juni 1987

BERLINER MAUER NIEDERREISSEN FÜR DIE SACHE DES FRIEDENS
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor in
Berlin gehaltenen Rede forderte Präsident Reagan den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow auf, dieses Tor zu öffnen und die Mauer niederzureißen.
Er erklärte: "Nur' Freiheit führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt den Völkerhaß durch Einvernehmen und Frieden".
Reagan schlug darüber hinaus vor, Berlin wieder zu einem Zentrum der Luftfahrt zu machen, in der Stadt verstärkt internationale Konferenzen abzuhalten
und beide Teile der Stadt als Veranstaltungsort für eine Olympiade in Betracht
zu ziehen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr Bundeskanzler Kohl, Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, meine Damen und Herren.
Vor 24 Jahren hat Präsident John
F. Kennedy Berlin besucht und vor dem
Rathaus zu den Menschen dieser Stadt
und
der
ganzen
Welt
gesprochen.
Seitdem sind zwei Präsidenten in ihrer jeweiligen Amtszeit nach Berlin
gekommen. ich selbst unternehme heute meinen zweiten Besuch in diese
Stadt.
Wir

amerikanischen

Präsidenten

kommen nach Berlin, weil wir gerade
an diesem Ort von der Freiheit sprechen sollten. Aber ich muß gestehen,
daß es noch andere Dinge sind, die
uns hierhergeführt haben: das Gefühl
für Geschichte in dieser Stadt, die
mehr als 500 Jahre älter ist als unsere eigene Nation.
Die Schönheit
des Grunewalds und des Tiergartens.
Am meisten aber Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit .
Vielleicht hat der Komponist Paul
Lincke die amerikanischen Präsidenten
richtig eingeschätzt.
Wissen Sie,

�ich komme heute hierher wie so viele
Präsidenten vor mir, weil, wo ich
auch hingehe und was ich auch tue:
"ich hab' noch einen Koffer in Berlin"
Unsere heutige Veranstaltung wird
in ganz Westeuropa und Nordamerika
ausgestrahlt.
ich denke, daß sie
auch im Ostblock zu hören und zu sehen sein wird.
ich möchte auch den Zuhörern in
Osteuropa
meine herzlichsten
Grüße
und die besten Wünsche des amerikanischen Volkes aussprechen. Denen,
die in Ost-Berlin zuhören, gebühren
einige besondere Worte.
Obwohl ich
nicht bei ihnen sein kann, richte ich
meine
Ansprache
selbstverständlich
ebenso an Sie wie an meine unmittelbaren Zuhörer. Ich stehe genauso zu
Ihnen wie zu ihren Landsleuten im Westen in dem festen, unerschütterlichen Glauben:
Es gibt nur ein
Berlin.
Hinter mir steht eine Mauer, die
die freien Sektoren dieser Stadt umschließt,
ein
Teil
der
massiven
Schranken, die den gesamten Kontinent
Europa spalten.
Südlich der Ostsee
schneiden
diese
Schranken
durch
Deutschland hindurch einen Riß aus
Stacheldraht, Beton, Hundelaufanlagen
und Wachtürmen. Weiter im Süden mag
es keine sichtbare, augenfällige Mauer geben.
Aber es bleiben trotzdem
noch die bewaffneten Wachposten und
Kontrolltürme - immer noch eine Einschränkung der Freizügigkeit, immer
noch ein Instrument, Menschen den
Willen eines totalitären Staates aufzuzwingen.
Es ist jedoch gerade in Berlin,
wo die Mauer am sichtbarsten aufragt;
sie spaltet die Stadt genau an der
Stelle, wo Zeitungsphotos und Fernsehschirme
diese
brutale
Teilung
eines Kontinents für das Bewußtsein

der Welt festhalten. Jeder Deutsche,
der vor dem Brandenburger Tor steht,
ist ein Mensch, der von seinen Landsleuten getrennt ist.
Jeder dieser
Menschen ist ein Berliner, der gezwungen ist, diese sichtbare Wunde zu
ertragen.
Präsident von Weizsäcker hat einmal gesagt:
Die deutsche Frage ist
so lange offen, wie das Brandenburger
Tor zu ist. Heute sage ich: solange
das Tor zu ist, solange wird diese
Mauer als Wunde forbestehen; es ist
nicht die deutsche Frage allein, die
offen bleibt, sondern die Frage der
Freiheit für die gesamte Menschheit.
ich komme jedoch nicht hierher,
um zu klagen.
Denn ich erkenne in
Berlin ein Signal der Hoffnung - im
Schatten dieser Mauer sogar ein Signal des Triumphes.
im Frühjahr 1945, als die Berliner aus ihren Luftschutzbunkern heraustraten, fanden sie Verwüstung vor.
Tausende von Kilometern entfernt bot
das Volk der Vereinigten Staaten seine Hilfe an; und im Jahr 1947 verkündete
Außenminister
George
Marshall
die
Schaffung
dessen,
was
als
Marshall-Plan bekannt werden sollte.
In diesem Monat vor genau vierzig
Jahren erklärte er: "Unsere Politik
richtet sich nicht gegen irgendein
Land oder irgendeine Doktrin, sondern
gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos".
Gerade sah ich im Reichstag eine
Tafel, die an diesen 40. Jahrestag
des
Marshall-Plans erinnerte.
Ich
war beeindruckt von diesem Schild auf
einem alten, verfallenen Gebäudeteil,
der
gerade
wiederaufgebaut
wurde.
Ich weiß, daß Berliner meiner Generation sich daran erinnern können, solche Schilder im gesamten Westsektor
der Stadt gesehen zu haben.
Auf dem

- 2 -

�Schild
steht
ganz
einfach:
hilft der Marshall-Plan.
Zur
kung der freien Welt".

"Hier
Stär-

Eine starke und freie Welt - im
Westen ist dieser Traum Wirklichkeit
geworden.
Japan erhob sich aus den
Trümmern zu einer gigantischen Wirtschaftsmacht.
Frankreich,
Italien,
Belgien - nahezu jede Nation Westeuropas erlebte eine politische und
wirtschaftliche
Wiedergeburt.
Die
Europäische
Gemeinschaft wurde gegründet.
Im Westen Deutschlands und hier
in Berlin wurden Wunder vollbracht,
das "Wirtschaftswunder" fand statt.
Adenauer, Erhard, Reuter und andere
Politiker wußten um die praktische
Bedeutung der Freiheit - daß nur,
wenn
dem Journalisten
Redefreiheit
eingeräumt wird, die Wahrheit gedeihen kann, nur wenn Landwirte und Geschäftsleute wirtschaftliche Freiheit
genießen, kann Wohlstand entstehen.
Die deutschen Politiker setzten die
Zölle herab, entwickelten den freien
Handel und senkten die Steuern. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 verdoppelte sich der Lebensstandard in
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Berlin.

Aus der Zerstörung - aus bloßen
Ruinen - haben Sie, die Berliner, in
Freiheit eine Stadt wiederaufgebaut,
die wiederum als eine der großartigsten der Erde einzuordnen ist.
Die
Sowjets mögen andere Pläne gehabt haben. Aber meine Freunde, es gab einige Dinge, die die Sowjets nicht berücksichtigten: Berliner Herz, Berliner Humor und Berliner Schnauze.
In den fünfziger Jahren prophezeite
Chruschtschow:
"Wir
werden
Euch begraben". Aber heute erblicken
wir im Westen eine freie Welt, die
ein Niveau an Wohlstand und Wohlergehen erlangt hat, die in der Geschichte ihresgleichen suchen.
Die kommunistische Welt leidet unter Fehlschlägen,
technologischer
Rückständigkeit, einer Verschlechterung des
allgemeinen
Gesundheitszustandes.
Sogar eines der wichtigsten Grundbedürfnisse wird nicht befriedigt - Lebensmittel. Noch heute kann sich die
Sowjetunion nicht selbst ernähren.
Nach vier Jahrzehnten ist nun für
die
gesamte
Welt
klar:
Freiheit
führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt
den Völkerhaß durch Einvernehmen und
Frieden.
Freiheit siegt.

Wo vor vier Jahrzehnten nur Trümmer lagen, haben jetzt die Westsektoren Berlins die umfangreichste industrielle Produktion aller Städte in
Deutschland; Bürotürme, schöne Wohnanlagen
und
Siedlungen;
prächtige
Straßen und ausgedehnten Parks.
Wo
die Kultur einer Stadt zerstört zu
sein schien, gibt es heute zwei große
Universitäten,
Orchester
und
eine
Oper, zahllose Theater und Museen.
Wo einst Bedarf bestand, herrscht
heute Fülle - Lebensmittel, Kleider,
Autos, die wunderbare Warenwelt des
Ku'dämm.

Jetzt wird den Sowjets auch allmählich die Bedeutung der Freiheit
klar. Aus Moskau ist viel von einer
neuen Politik der Reform und Offenheit zu vernehmen. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden.
Bestimmte
ausländische
Nachrichtensendungen werden nicht länger gestört. Manche Wirtschaftsunternehmen
können jetzt freier von staatlicher
Kontrolle operieren.
Sind dies die Anfänge tiefgreifender Veränderungen im Sowjetstaat?
Oder sind es Scheingesten, die im

- 3 -

�Westen falsche Hoffnungen wecken oder
das sowjetische System festigen sollen, ohne es zu verändern? Wir sind
der Ansicht, daß Freiheit und Sicherheit zusammengehen - daß das Vorrükken der Menschenrechte die Sache des
Friedens nur vorantreiben kann. Die
Sowjets würden damit ein unmißverständliches Zeichen setzen, das die
Sache von Freiheit und Frieden dramatisch vorantreiben würde.
Generalsekretär Gorbatschow, wenn
Sie nach Frieden streben - wenn Sie
Wohlstand für die Sowjetunion und für
Osteuropa wünschen - wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie
hierher zu diesem Tor.
Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.
Ich weiß um die Angst vor einem
Krieg und das Leid der Teilung, die
diesen Kontinent heimsuchen - und ich
verbürge mich für die Bemühungen meines Landes zur Überwindung dieser
Bürde.
Freilich bleibt es weiterhin
notwendig, uns der sowjetischen Expansion zu widersetzen.
Das heißt,
wir im Westen müssen eine starke Verteidigung aufrechterhalten.
Dennoch
streben wir nach Frieden.
Deshalb
werden wir darum ringen, die Waffen
auf beiden Seiten zu reduzieren.
Vor zehn Jahren begannen die Sowjets, das westliche Bündnis mit einer neuerlichen schwerwiegenden Bedrohung
herauszufordern:
zahllose
neue und gefährliche Nuklearraketen
des Typs SS-20, die in der Lage sind,
jede Hauptstadt in Europa zu treffen.
Das westliche Bündnis reagierte, indem es sich für eine Gegenstationierung einsetzte, bis daß die Sowjets
Verhandlungen über eine bessere Lö-

sung zustimmten - besonders der Abschaffung solcher Waffen auf beiden
Seiten. Viele Monate lang haben sich
die Sowjets geweigert, ernsthaft zu
verhandeln.
Als das Bündnis sich
darauf vorbereitete, seine Gegenstationierung
fortzuführen,
gab
es
schwierige Augenblicke - Augenblicke
heftiger Proteste wie die anläßlich
meines Besuches in dieser Stadt im
Jahr 1982 - und später zogen sich die
Sowjets vom Verhandlungstisch zurück.
Aber das Bündnis stand fest zusammen.
Und ich fordere diejenigen,
die damals protestierten - und die
heutigen Demonstranten - auf, sich
diese Tatsache zu merken:
Weil wir
stark blieben, sind die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Weil wir stark geblieben sind, besteht heute die Möglichkeit, nicht
nur die Zunahme der Waffen einzuschränken, sondern zum ersten Mal
eine gesamte Klasse nuklearer Waffen
von der Erdoberfläche zu beseitigen.
Gerade treffen sich die NATO-Minister in Island, um die jüngsten
Fortschritte zu überprüfen, die unsere Vorschläge hervorgebracht haben.
Ferner haben wir bei den Verhandlungen in Genf einschneidende Reduzierungen
strategische
Offensivwaffen
vorgeschlagen.
Und die westlichen
Verbündeten
haben
ihrerseits weitreichende Vorschläge zum Abbau der
Gefahr eines konventionellen Krieges
und vollständigen Abschaffung aller
chemischen Waffen unterbreitet.
Als
Teil
dieser
Anstrengungen
verbürge ich mich für die Aufrechterhaltung unserer
Fähigkeit zur Abschreckung
einer
möglichen
sowjetischen Aggression, auf welchem Niveau sie auch stattfinden mag.
Und
in Zusammenarbeit mit einigen unserer
Verbündeten betreiben die Vereinigten
Staaten
weiterhin die
Strategische

- 4 -

�Verteidigungsinitiative
- ein Forschungsprojekt,
das
Abschreckung
nicht auf die Androhung einer offensiven Vergeltung stützt, sondern auf
eine Verteidigung, die wahrhaft abwehrt; kurz gesagt, auf Systeme, die
die Bevölkerung nicht angreifen, sondern sie schützen.
Auf diesem Weg versuchen wir die
Sicherheit
Europas und der ganzen
Welt zu erhöhen.
Aber eins dürfen
wir nicht vergessen:
Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauung. Als Präsident Kennedy vor
24 Jahren seine Ansprache vor dem
Rathaus hielt, war das freie Berlin
bedroht und belagert. Trotzdem kann
Berlin heute seiner Freiheit sicher
sein, trotz all des Drucks, der auf
dieser Stadt lastet.
Und die Idee
dieser Freiheit verwandelt die Erde.
Auf den Philippinen sowie in Südund Mittelamerika hat es eine Wiedergeburt der Demokratie gegeben.
Der
gesamte pazifische Raum bringt mit
Hilfe seiner Märkte ein Wunderwerk
nach dem anderen an wirtschaftlichem
Wachstum hervor. In den Industrienationen findet eine technologische Revolution statt - eine Revolution, die
von
schnellen,
dramatischen
Fortschritten im Bereich der Computertechnik und Telekommunikation geprägt
ist.
In Europa verweigert nur eine Nation den Beitritt zur freien Welt.
Der Weg ist auch anderen Ostblockstaaten versperrt...
Aber in diesem
Zeitalter des doppelten Wirtschaftswachstums, der Informationen und Innovation hat die Sowjetunion immer
noch die Wahl. Sie muß grundlegende
Veränderungen vornehmen oder sie wird

sich überleben.
Daher
besteht
heute
Hoffnung.
Wir im Westen sind bereit, gemeinsam
mit dem Osten an einer wahren Offenheit zu arbeiten - die Schranken niederzureißen, die die Menschen trennen, eine sicherere und freiere Welt
zu schaffen. Und sicherlich gibt es
keinen besseren Ort als Berlin, den
Angelpunkt von Ost und West, um damit
anzufangen.
Freie Berliner:
Heute vertreten
die Vereinigten Staaten wie in der
Vergangenheit die strikte Einhaltung
und volle Anwendung aller Teile des
Viermächte-Abkommens von 1971.
Lassen Sie uns diese Gelegenheit, den
750. Jahrestag dieser Stadt, zum Anlaß nehmen, um in ein neues Zeitalter
aufzubrechen - um nach einem noch
ausgefüllteren, reicheren Leben für
das Berlin der Zukunft zu streben.
Lassen Sie uns gemeinsam die Bindungen
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
den
Westsektoren
Berlins aufrechterhalten und entwikkeln, wie dies im Abkommen von 1971
vorgesehen ist.
Und ich unterbreite Herrn Gorbatschow folgenden Vorschlag:
Bringen
wir die Ost- und Westteile der Stadt
enger zusammen.
Alle Bewohner der
gesamten Stadt Berlin sollen die Vorzüge genießen, die das Leben in einer
der größten Städte der Welt mit sich
bringt.
öffnen wir Berlin dem gesamten
Europa, Ost und West, gegenüber noch
weiter.
Durch eine Erweiterung des
lebenswichtigen
Zugangs
zu
dieser
Stadt auf dem Luftweg finden wir Wege,
den
kommerziellen
Luftverkehr
nach Berlin bequemer, vorteilhafter
und wirtschaftlicher zu machen. Wir
sehen dem Tag entgegen, an dem WestBerlin eines der wichtigsten Zentren

- 5 -

�der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden kann.
Gemeinsam mit ihren französischen
und britischen Partnern möchten die
Vereinigten Staaten es ermöglichen,
zusätzliche internationale Konferenzen in Berlin abzuhalten.
Es wäre
für Berlin nur angemessen, als Veranstaltungsort für die Konferenzen der
Vereinten Nationen zu dienen, oder
für Konferenzen über Menschenrechte
und
Rüstungskontrolle
oder
andere
Problemkreise, die eine internationale Zusammenarbeit verlangen.
Wenn wir den Horizont junger Menschen erweitern, dienen wir auch der
Stärkung der Hoffnung für die Zukunft.
Zur Erlangung dieses Ziels
möchten wir Sommeraustauschprogramme,
kulturelle Veranstaltungen und Programme für junge Berliner aus dem
Osten fördern.
Ich bin sicher, daß
unsere französischen und britischen
Freunde dasselbe tun werden. Und ich
hege die Hoffnung, daß in Ost-Berlin
eine entsprechende
Stelle gefunden
werden kann, die Besuche junger Menschen aus den Westsektoren ausweitet.
Und nun zu einem letzten Vorschlag, der mir sehr am Herzen liegt.
Der Sport stellt eine Quelle der
Freude und Weiterentwicklung dar, und
Sie werden bemerkt haben, daß die Republik Korea - Südkorea - ihre Zustimmung erteilt hat, daß einige Veranstaltungen der Olympiade von 1988
im Norden des Landes stattfinden können. Warum können nicht internationale sportliche Wettbewerbe verschiedenster Art in beiden Teilen dieser
Stadt abgehalten werden?
Und wie
könnte man besser die Offenheit dieser Stadt dokumentieren als durch das
Angebot, in naher Zukunft die Olympischen Spiele hier in Berlin, im Osten
und im Westen, abzuhalten?

Wie ich bereits erwähnt habe, haben Sie, die Berliner, in diesen vier
Jahrzehnten
eine
großartige
Stadt
wiederaufgebaut. Sie haben das trotz
vieler Bedrohungen getan:
Die Sowjets versuchten, zum Beispiel bei
Ihnen die Ostmark als Währung einzuführen. Es gab die Blockade. Trotz
der Herausforderungen der Mauer blüht
diese Stadt heute.
Was hält Sie hier?
Sicherlich läßt sich viel über
Ihre Stärke und Ihre Entschlossenheit
sagen.
Aber
ich glaube, dahinter
steht noch etwas anderes. Der gesamte Charakter Berlins, sein Lebensgefühl und seine Lebensart. Nicht nur
Idealismus - niemand könnte lange in
Berlin leben, ohne seiner Illusionen
völlig beraubt zu werden. Sie haben
die Schwierigkeiten
des Lebens in
Berlin erkannt, aber dennoch die Entscheidung getroffen, sie zu akzeptieren.
Dadurch wird diese großartige
und stolze Stadt ständig weiterentwickelt. Welch ein Gegensatz zu einer totalitären Umgebung, die keine
menschlichen Kräfte oder Hoffnungen
freisetzt.
Sie sprechen mit einer
mächtigen Stimme der Zustimmung - die
diese Stadt und ihre Zukunft bejaht,
ein "ja" zur Freiheit.
Das heißt,
das, was Sie in Berlin hält, ist die
Liebe - eine tiefe und aufrichtige
Liebe.
Hier treffen wir den Kern der Sache, den grundlegendsten Unterschied
zwischen Ost und West. Die totalitäre Welt bringt Rückständigkeit hervor, weil sie dem Geist Gewalt antut,
dem menschlichen Drang zuwiderläuft,
zu schaffen, zu genießen und zu verehren.
Für die totalitäre Welt stellen
sogar die Symbole der Liebe und des
Glaubens eine Herausforderung dar.

- 6 -

�Bevor die Ost-Berliner ihre Kirchen
wiederaufbauten, haben sie ein weitliches Monument errichtet, das die
Stadt dominiert - den Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Seither haben die
Behörden daran gearbeitet, um das zu
korrigieren, was sie als den wesentlichsten Mangel des Turms ansagen;
sie behandelten den oberen Glasbereich mit verschiedenen Farben und
Chemikalien.
Dennoch erstrahlt dieser Bereich - der sich über das gesamte Berlin erhebt - auch heute noch
beim Sonneneinfall
im Zeichen des
Kreuzes. Dort in Berlin können Symbole der Liebe und des Glaubens genauso wie die Stadt selbst nicht unterdrückt werden.
Als ich gerade aus dem Reichstag
blickte
- dieser Verkörperung der
deutschen Einheit - fielen mir diese
an die Mauer gesprühten Worte auf,
die vielleicht von einem jungen Berliner stammen und eine Antwort auf
die deutsche Frage darstellen: "Diese Mauer wird fallen.
Glaube wird
Wirklichkeit".
Ja, quer durch Europa wird die
Mauer fallen.
Denn sie kann dem
Glauben nicht standhalten. Sie kann
der Wahrheit nicht standhalten.
Die Mauer wird der Freiheit nicht
standhalten können.
Vielen Dank.

* * * * * *
- 7 -

�</text>
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DOKUMENTATION&#13;
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Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
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zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
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Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats -&#13;
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WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
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Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen&#13;
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&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24. Juni 19ö7&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
GÜTE AMERIKANISCH-DEUTSCHE BEZIEHUNGEN BEKRÄFTIGT&#13;
Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - In seiner Ansprache auf dem Köln-Bonner Flughafen vom 12.&#13;
Juni 1987 erklärte Präsident Reagan zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in&#13;
Venedig, es "sei allein schon damit viel ereicht, daß wir zusammenkommen und&#13;
miteinander sprechen - denn wir sind enge Freunde gev.ori.ieii".&#13;
Reagan wies ferner auf das mit Bundeskanzler Kohl erzielte Einvernehmen im&#13;
Bereich der Sicherheitspolitik hin und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß&#13;
noch vor Ende des Jahres ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion erzielt werden könnte.&#13;
Nachfolgend die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut:&#13;
&#13;
Meine Gespräche mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seinen Kollegen haben alle meine Erwartungen erfüllt.&#13;
Sie sind eine Bestätigung dafür, daß&#13;
die Beziehungen&#13;
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland so gestaltet sind&#13;
wie die zwischen engen Verbündeten&#13;
und Freunden.&#13;
Bundeskanzler Kohl und ich haben&#13;
zusammen mit den anderen Verbündeten&#13;
und Partnern in Venedig bereits die&#13;
Gelegenheit zur Erörterung der wichtigsten&#13;
Themenkomplexe gehabt, mit&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
denen die Welt sich heute konfrontiert sieht. In Venedig sind bedeutende Schritte in die Wege geleitet&#13;
worden, um anhaltenden wirtschaftlichen Fortschritt und die Freiheit&#13;
für unsere Nationen sicherzustellen.&#13;
Hier in Bonn haben wir insbesondere&#13;
über Fortschritte in der Abrüstung&#13;
und die Ost-West-Beziehungen gesprochen.&#13;
Herr Bundeskanzler Kohl und ich&#13;
befinden uns in völligem Einvernehmen&#13;
über die Notwendigkeit der Fortführung unserer engen Konsultationen bei&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
der Verfolgung&#13;
unseres gemeinsames&#13;
Ziels, die durch die Politik der Bedrohung und militärische Macht des&#13;
Warschauer&#13;
Pakts bestehende Gefahr&#13;
für Europa abzuwenden. wir empfinden&#13;
beide große Genugtuung über den NATODoppelbeschluß von 1979 bezüglich der&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF).&#13;
Als das&#13;
Bündnis sich auf diesen Beschluß einigte, war er zunächst umstritten,&#13;
doch in der Zwischenzeit hat er eindeutigen Erfolg gezeitigt. wir hoffen, noch vor Ende des Jahres 1987&#13;
ein Abkommen mit der Sowjetunion erzielen zu können, durch das eine Kategorie&#13;
nuklearer&#13;
Waffen drastisch&#13;
reduziert&#13;
und möglicherweise&#13;
vollständig abgebaut werden könnte, die&#13;
für unsere Freunde und Verbündeten in&#13;
Europa und Asien eine besondere Bedrohung darstellt.&#13;
Bei unserem Streben nach einem&#13;
noch sichereren und stabileren Frieden sehe ich der weiteren engen Zusammenarbeit und den Konsultationen&#13;
mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seiner Regierung gerne entgegen.&#13;
und ich möchte nier noch etwas&#13;
hinzufügen.&#13;
Über Weltwirtschaftsgipfel&#13;
und&#13;
die&#13;
Zusammenkünfte&#13;
der&#13;
Staats- und Regierungschefs der sieben Nationen wird in jedem Jahr viel&#13;
berichtet und die Frage gestellt, ob&#13;
damit tatsächlich etwas erreicht wird&#13;
oder nicht.&#13;
Ich darf Ihnen versichern, daß allein schon damit sehr&#13;
viel erreicht würde, wenn wir einfach&#13;
nur&#13;
zusammenkommen&#13;
und miteinander&#13;
sprechen - denn wir sind enge Freunde&#13;
geworden.&#13;
in der Öffentlichkeit gebrauchen wir unsere Titel, wie es das&#13;
Protokoll vorschreibt. Aber bei unseren Begegnungen reden wir uns mit&#13;
dem Vornamen an und versammeln uns&#13;
nicht so sehr als Staats- und Regierungschefs, sondern vielmehr als enge&#13;
persönlich Freunde, die einer Erneuerung ihrer Freundschaft dank dieser&#13;
&#13;
Treffen untereinander und gegebenenfalls mit anderen, sofern wir dies&#13;
ermöglichen können, gerne entgegensehen.&#13;
Die vergangenen Tage waren besonders schön für uns, zunächst in Venedig, heute vormittag in Berlin und&#13;
nun hier in Bonn - und dies in dem&#13;
Bewußtsein, daß man mit liebgewordenen Freunden zusammen ist. Daher sagen wir ihnen allen heute auf Wiedersehen und verabschieden uns ganz persönlich von unseren lieben Freunden,&#13;
Herrn Bundeskanzler&#13;
Kohl und Frau&#13;
Kohl und allen anderen, denen wir&#13;
hier begegnet sind.&#13;
Gott schütze Sie alle und hoffentlich sehen wir uns bald wieder.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
4-7&#13;
&#13;
C$&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZUNEHMENDER KONSENS ÜBER GERINGERE STAATLICHE EINGRIFFE&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens von Venedig WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen Fernsehansprache&#13;
erklärte Präsident Reagan am 15. Juni 1987 zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig, die offiziellen Gespräche hätten unter anderem die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Hilfe für Millionen von Menschen&#13;
in den Entwicklungsländern zum Thema gehabt, damit diese zu einem höheren Lebensstandard und produktiveren Volkswirtschaften gelangen könnten.&#13;
Reagan wies ferner auf die "überwältigenden Anhaltspunkte" beim Gipfeltreffen in Venedig hin, die den Schluß zulassen, daß ein Konsens für geringere&#13;
staatliche Eingriffe und mehr persönliche Freiheit auf der ganzen Welt erzielt&#13;
werden kann.&#13;
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
Ich komme gerade aus Venedig zurück, wo ich mit den Staats- und Regierungchefs der anderen sechs demokratischen Industrieländer zu unserem&#13;
jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel zusammengekommen bin. Sie haben Berichte gehört und gelesen, wonach bei diesem Gipfel keine wirklichen Ergebnisse erzielt wurden und&#13;
daß&#13;
insbesondere&#13;
die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten mit leeren Händen nach Hause&#13;
zurückgekehrt sind.&#13;
Dies war mein siebter Gipfel, und&#13;
zum siebten Mal höre ich jetzt diesen&#13;
Spruch.&#13;
Tatsache ist, daß wir von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
diesem Gipfel nach Hause gekommen&#13;
sind mit all dem, was wir uns vorgenommen hatten, zu erreichen.&#13;
Und&#13;
heute abend möchte ich Ihnen von den&#13;
dort getroffenen Entscheidungen berichten, die Ihre wirtschaftliche Zukunft und die Ihrer Kinder direkt betreffen.&#13;
Ich habe auch eine besondere Botschaft, die unsere eigene Volkswirtschaft betrifft und auch die Handlungen, die sowohl die Art der von uns&#13;
in der vergangenen Woche in Venedig&#13;
erzielten&#13;
Fortschritte in Richtung&#13;
&#13;
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&#13;
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&#13;
�auf&#13;
eine wirtschaftliche&#13;
Gesundung&#13;
als&#13;
auch&#13;
den&#13;
Wohlstand&#13;
gefährden&#13;
könnten, an dessen Erlangung wir alle&#13;
hier in Amerika in den vergangenen&#13;
sechs Jahren so hart gearbeitet haben.&#13;
Aber bevor ich beginne, möchte&#13;
ich eine persönliche Bemerkung über&#13;
etwas machen, das wir am letzten Tag&#13;
unserer Reise gesehen haben, als wir&#13;
uns in Berlin aufhielten, um den 750.&#13;
Jahrestag&#13;
dieser&#13;
großartigen&#13;
Stadt&#13;
mitzufeiern. Ich weiß, daß viele von&#13;
Ihnen über die Jahre hinweg Bilder&#13;
und Filmberichte über die Mauer gesehen haben, die Berlin teilt.&#13;
Aber&#13;
glauben Sie mir, daß kein Amerikaner,&#13;
der sie vor sich sieht - den Beton&#13;
und Zement, die Posten und Wachtürme,&#13;
die Hundelaufanlagen und den Stacheldraht - jemals wieder seine Freiheit&#13;
oder das wertvolle Geschenk, das Amerika heißt, als selbstverständlich&#13;
hinnehmen kann.&#13;
Das Geschenk der&#13;
Freiheit ist wirklich das Geburtsrecht der gesamten Menschheit - und&#13;
deshalb habe ich dort den sowjetischen Staatschef Herrn Gorbatschow&#13;
aufgefordert, der Welt ein neues Zeichen der Offenheit zu setzen, indem&#13;
er diese Mauer niederreißt.&#13;
ich kann Ihnen heute abend berichten, daß der diesjährige Weltwirtschaftsgipfel&#13;
in Venedig nicht&#13;
nur in einer Reihe von einzelnen Problembereichen&#13;
erfolgreich,&#13;
sondern&#13;
daß der von den führenden Politikern&#13;
der Welt bekundete Geist der Übereinstimmung besonders stark war. Sicher&#13;
werden Sie sich daran erinnern, daß&#13;
sich noch im Jahr 1981, als ich an&#13;
meinem ersten Gipfel teilnahm, unsere&#13;
eigene Volkswirtschaft wie auch die&#13;
Weltwirtschaft in ernster Gefahr befanden.&#13;
In den Industrieländern belief sich die Inflationsrate auf zehn&#13;
Prozent und mehr, ganz zu schweigen&#13;
von den hohen Zinssätzen, der überhöhten Steuerlast, zu vielen staat-&#13;
&#13;
lichen Reglementierungen und Eingriffen. Schlimmer als all dies wog, daß&#13;
es praktisch keine Übereinkünfte unter den Politikern der Welt gab, wie&#13;
man mit dieser drohenden Krise fertigwerden sollte.&#13;
Mittlerweile&#13;
haben&#13;
wir&#13;
jedoch&#13;
Fortschritte erzielt. Mit der amerikanischen&#13;
Volkswirtschaft&#13;
an&#13;
der&#13;
Spitze haben wir eine internationale&#13;
Bewegung&#13;
für mehr Wirtschaftswachstum, bessere Möglichkeiten für den&#13;
Einzelnen durch Steuersenkung und Abbau der staatlichen Reglementierung&#13;
eingeleitet. Wir haben die Zinssätze&#13;
gesenkt, der Inflation Einhalt geboten, die Arbeitslosigkeit&#13;
abgebaut&#13;
und Fachleute verblüfft, indem wir&#13;
gezeigt haben, daß das Wirtschaftswachstum nicht nur für ein oder zwei&#13;
Jahre, sondern dauernd aufrechterhalten werden kann - seit mehr als vier&#13;
Jahren.&#13;
in der vergangenen Woche habe ich&#13;
in Venedig überwältigende Anhaltspunkte dafür wahrgenommen, daß dieser&#13;
Konsens&#13;
über&#13;
geringere&#13;
staatliche&#13;
Einflußnahme und stärkere persönliche&#13;
Freiheit weiterhin auf der ganzen&#13;
Welt zunimmt.&#13;
Tatsächlich befaßten&#13;
sich unsere offiziellen Gespräche unter anderem mit der Förderung der&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung in den&#13;
weniger wohlhabenden Ländern der Welt&#13;
und der Unterstützung der Millionen&#13;
Menschen in den Entwicklungsländern,&#13;
damit diese einen höheren Lebensstandard und produktivere Volkswirtschaften erlangen.&#13;
Erinnern wir uns daran, daß diese&#13;
internationale&#13;
Bewegung&#13;
zur&#13;
wirtschaftlichen Freiheit für das tägliche Leben eines jeden von uns hier&#13;
in Amerika einschneidend&#13;
verändert&#13;
hat. jeder von uns erinnert sich an&#13;
die Zeit vor einigen Jahren, als die&#13;
Steuern der Regierung genau zu dem&#13;
&#13;
�Zeitpunkt immer mehr vom Einkommen&#13;
der amerikanischen Arbeiter vereinnahmten, als eine zweistellige Inflationsrate die Ersparnisse aufzehrte&#13;
und so zu einer besonderen Bürde für&#13;
die armen und älteren Mitbürger wurde.&#13;
Im Gegensatz dazu befinden wir&#13;
uns heute in unserem 54. Monat des&#13;
wirtschaftlichen Wachstums, das Realeinkommen der Familien steigt, die&#13;
Armut ist auf dem Rückzug, und wir&#13;
haben in diesem Land die erstaunliche&#13;
Zahl von 250 000 Arbeitsplätzen pro&#13;
Monat geschaffen.&#13;
Das bedeutet mehr&#13;
als 13 Millionen Arbeitsplätze in etwas über vier Jahren.&#13;
&#13;
schaftlicher&#13;
Produkte&#13;
und&#13;
einen&#13;
schrumpfenden Markt für amerikanische&#13;
Güter&#13;
hervorbringen.&#13;
Unser&#13;
Ziel&#13;
sollte darin bestehen, Subventionen&#13;
für die Landwirtschaft bis zum Jahr&#13;
2000 abzuschaffen.&#13;
Und ich werde&#13;
weiterhin&#13;
auf&#13;
diese&#13;
Verpflichtung&#13;
dringen.&#13;
&#13;
Sicherlich hatte ich in Venedig&#13;
auch diese Art von Fortschritten bei&#13;
uns im Inland im Sinn. Deshalb habe&#13;
ich mich auch über viele der dort getroffenen&#13;
Entscheidungen&#13;
gefreut:&#13;
zusätzlich zur Bestätigung des allgemeinen Konsens über wirtschaftliches&#13;
Wachstum haben wir vereinbart, weiterhin gegen Handelsschranken wie etwa hohe Zölle anzutreten, die langfristig Weltmärkte schrumpfen lassen,&#13;
das Wachstum anhalten und die Anzahl&#13;
neuer Arbeitsplätze verringern.&#13;
&#13;
Aber es war bereits ein Schritt&#13;
nach vorn, dieses Problem beim Gipfel&#13;
auf den Tisch zu bringen, und ich&#13;
glaube, daß sich die Tatsache der Beachtung unserer Aufforderungen in den&#13;
Reaktionen zeigt, die unsere Gipfelpartner den amerikanischen Belangen&#13;
gegenüber bekundet haben.&#13;
Sie wissen, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und sind sich bewußt, wie&#13;
sehr ihre eigene Zukunft davon abhängt, was wir hier in den Vereinigten Staaten tun; wie wichtig es für&#13;
sie ist, Amerika wirtschaftlich gesund und stark zu erhalten. Sie wissen auch, daß der von uns gemeinsam&#13;
erzielte wirtschaftliche Fortschritt&#13;
die Demokratien in die Lage versetzt&#13;
hat, ihre Verteidigung wiederaufzubauen, den Frieden in der Welt zu erhalten und unser Bündnis zu stärken.&#13;
&#13;
Wir haben ebenfalls im Bereich&#13;
der Subventionen für die Landwirtschaft&#13;
erhebliche&#13;
Fortschritte erzielt, ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, aber jetzt ist es an&#13;
der Zeit, Spekulanten, die nur ihren&#13;
Vorteil aus den staatlichen Subventionen erzielen wollen, aus dem Geschäft mit der Landwirtschaft zu vertreiben - und die Landwirtschaft den&#13;
Landwirten zurückzugeben. Meiner Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß&#13;
heute so viele amerikanische Landwirte die Landwirtschaft der Vereinigten&#13;
Staten und des Auslands gern wieder&#13;
auf die Grundlage freier Märkte stellen wollen.&#13;
Sie wissen, daß staatliche Subventionen in anderen Ländern&#13;
eine&#13;
weltweite&#13;
Schwemme&#13;
landwirt-&#13;
&#13;
Ich war zum Beispiel besonders&#13;
erfreut über die Unterstützung, die&#13;
unsere Verbündeten unserer Politik im&#13;
Persischen Golf erwiesen haben; sie&#13;
wurde ohne Zögern auch weiterhin gewährt.&#13;
Unsere Verbündeten wissen um&#13;
den strategischen Wert dieser Region&#13;
und arbeiten zu den gleichen Zwecken&#13;
wie wir daran. Tatsächlich hat Großbritannien einen größeren Teil seiner&#13;
Flotte in den Golf entsandt als wir&#13;
und gewährt seit Januar über 100 britischen Flaggschiffen Schutz. Frankreich hat ebenfalls die Stärke seiner&#13;
Marine im Golf zur Verfügung gestellt.&#13;
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan können aufgrund ihrer&#13;
Verfassung keine Streitkräfte stationieren, arbeiten aber aktiv an ande-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ren Mitteln zur Hilfeleistung.&#13;
Unsere eigene Rolle im Golf ist&#13;
von existentieller&#13;
Bedeutung.&#13;
Sie&#13;
besteht darin, unsere Interessen zu&#13;
schützen und unseren Freunden in der&#13;
Region dabei zu helfen, die ihren zu&#13;
bewahren. unsere unmittelbare Aufgabe im Golf ist eindeutig - und sollte&#13;
nicht übertrieben werden.&#13;
Sie besteht darin, amerikanischen&#13;
Flaggschiffe das Geleit zu gewähren, einer&#13;
traditionellen&#13;
Aufgabe der Marine;&#13;
eine Aufgabe, die sie sowohl im Golf&#13;
als auch in anderen Regionen ausgeübt&#13;
hat. in jüngster Zeit hat es einige&#13;
Kontroversen über elf neue amerikanische Flaggschiffe gegeben, die zu&#13;
unserer&#13;
Handelsflotte&#13;
hinzugekommen&#13;
sind.&#13;
Damit keine Mißverständnisse&#13;
aufkommen: wir werden unsere Verantwortung für diese Schiffe angesichts&#13;
von Bedrohungen durch den Iran oder&#13;
irgendjemand anders übernehmen. Wenn&#13;
wir dabei versagen - einfach, weil&#13;
diese Schiffe bisher unter kuwaitischer Flagge fuhren - würden wir&#13;
unsere Rolle als Seemacht aufgeben.&#13;
Und wir würden den Sowjets Möglichkeiten eröffnen, in diesen Engpaß des&#13;
ölflusses der freien Welt zu stoßen.&#13;
Kurz gesagt: Wenn wir diese Aufgabe&#13;
nicht übernehmen, werden das die Sowjets tun.&#13;
Und damit würde unsere&#13;
eigene nationale Sicherheit wie auch&#13;
die unserer verbündeten gefährdet.&#13;
In Venedig wurden auch unsere gegenwärtigen Verhandlungen mit der Sowjetunion besprochen - und ich glaube, jeder Amerikaner kann sich über&#13;
die&#13;
Einmütigkeit&#13;
und&#13;
Unterstützung&#13;
freuen, die unsere Verbündeten bekundet haben. Wie die meisten von Ihnen&#13;
wissen, befinden wir uns im Augenblick in äußerst heiklen Verhandlungen mit den Sowjets, die zu einem&#13;
historischen&#13;
Abrüstungsvertrag&#13;
über&#13;
den Abbau der&#13;
Mittelstreckenwaffen&#13;
(INF) führen könnten. über diese An-&#13;
&#13;
gelegenheit wurde in der vergangenen&#13;
Woche&#13;
ebenfalls&#13;
beim&#13;
Treffen&#13;
der&#13;
NATO-Außenminister in Island gesprochen, ich habe Außenminister Shultz1&#13;
Bericht über dieses NATO-Treffen erhalten, und ich freue mich, Ihnen&#13;
mitteilen zu können, daß wir und unsere Verbündeten zu unserer Verhandlungsposition&#13;
volle&#13;
Übereinstimmung&#13;
erzielt haben.&#13;
Vor sechs Jahren schlugen die&#13;
Vereinigten Staaten mit der sogenannten "Null-Lösung" eine Maßnahme vor,&#13;
die auf den vollständigen Abbau amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (INF) abzielte. Viele&#13;
bezeichneten sie damals als lächerlich und wiesen darauf hin, daß die&#13;
Sowjets dieser Maßnahme niemals zustimmen würden. Wir sind jedoch fest&#13;
geblieben, und in diesem Jahr haben&#13;
die Sowjets eine vergleichbare Position eingenommen.&#13;
Heute abend kann&#13;
ich Ihnen daher mitteilen, daß die&#13;
Vereinigten Staaten, mit der Unterstützung ihrer Verbündeten, der Sowjetunion ebenfalls formell die weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen landgestützten&#13;
INF-Raketen kürzerer Reichweite vorschlagen wird&#13;
- bei&#13;
gleichzeitigen&#13;
einschneidenden Reduzierungen - und,&#13;
so hoffen wir, dem endgültigen Abbau&#13;
- der INF-Raketen längerer Reichweite,&#13;
ich habe unseren INF-Unterhändler angewiesen, der Sowjetunion diesen neuen Vorschlag als integralen&#13;
Bestandteil des INF-Vertrages zu unterbreiten, den die Vereinigten Staaten in Genf bereits auf den Verhandlungstisch gelegt haben.&#13;
Während wir und unsere Verbündeten&#13;
diese&#13;
historische&#13;
Gelegenheit&#13;
wahrnehmen, sollten wir uns an das&#13;
Lieblingswort eines großen Gesetzgebers und bedeutenden Mitglieds der&#13;
Demokratischen Partei, des verstürbe-&#13;
&#13;
�nen&#13;
&#13;
Senators Scoop Jackson, erinnern&#13;
an&#13;
das Wort&#13;
"Zweiparteientum".&#13;
Denn nur mit der Unterstützung des&#13;
Kongresses und der Hilfe unserer Verbündeten wird es uns gelingen, diese&#13;
historischen Abrüstungsbemühungen zu&#13;
vollenden.&#13;
In Venedig wurde auch vollständige Übereinstimmung über die Bedeutsamkeit erzielt, die Sowjetunion zu&#13;
Fortschritten bei anderen wichtigen&#13;
Rüstungsverhandlungen zu drängen, wie&#13;
zum Beispiel bei unseren Bestrebungen&#13;
um eine 50prozentigen Kürzung der&#13;
strategischen Waffen. Auch bezüglich&#13;
der Notwendigkeit sowjetischer Fortschritte im Bereich der Menschenrechte und bei regionalen Konflikten, vor&#13;
allem im Falle Afghanistans, waren&#13;
wir uns einig. Und während wir die&#13;
neuen Äußerungen der Offenheit von&#13;
sowjetischer Seite begrüßten, ist es&#13;
unserer Meinung nach an der Zeit, zu&#13;
sehen, ob ihre Taten ihren Worten gerecht werden.&#13;
Während ich ihnen heute abend berichten kann, daß unsere Arbeit an&#13;
diesen&#13;
Themenkomplexen&#13;
in&#13;
Venedig&#13;
fruchtbar war, sehe ich mich jedoch&#13;
aufrichtigerweise dazu verpflichtet,&#13;
Ihnen auch das eine beunruhigende&#13;
Thema unserer Gespräche mitzuteilen:&#13;
nämlich die anhaltende Bedrohung der&#13;
öffentlichen Verschuldung. Offen gesagt muß ich Sie auch wissen lassen,&#13;
daß ich bei den anderen sechs Gipfelteilnehmern ein Gefühl der Beunruhigung über Amerikas Verpflichtung zu&#13;
einem konsequenten, praktikablen Plan&#13;
zum Abbau&#13;
unseres Defizits spüren&#13;
konnte.&#13;
Diese Besorgnis wurde von&#13;
den Gipfelpartnern weder auf aufdringliche noch auf offensive Art und&#13;
Weise vorgebracht - sie sind sich nur&#13;
alle bewußt, wie wechselseitig abhängig unsere Wirtschaften sind - und&#13;
sie wissen, daß eine geschwächte amerikanische Wirtschaft eine Bedrohung&#13;
&#13;
ihres anhaltenden Wachstums darstellt.&#13;
Ich teile ihre Besorgnis.&#13;
Mißverstehen Sie mich nicht: Wir alle,&#13;
die wir voll Stolz auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Errungenschaften&#13;
blikken, sind uns der Bemühungen bewußt,&#13;
die wir zur Eindämmung der öffentlichen Verschuldung unternommen haben, im Jahr 1983 machte die öffentliche Verschuldung insgesamt 6,3 Prozent&#13;
unseres&#13;
Bruttosozialprodukts&#13;
aus; heute beläuft sie sich auf 3,9&#13;
Prozent - ein nahezu 40prozentiger&#13;
Rückgang in nur vier Jahren. Auch in&#13;
diesem Jahr wird unser Defizit um&#13;
fast 48 Milliarden Dollar&#13;
gekürzt&#13;
werden, was einer Verringerung um&#13;
mehr als 20 Prozent entspricht. Dieser Rückgang ist das Ergebnis harter&#13;
Arbeit; harte Arbeit, die bereits vor&#13;
einigen Jahren verrichtet wurde, als&#13;
der Kongreß - angespornt von vielen&#13;
unter uns, die für eine zurückhaltende Steuerpolitik kämpften - zusammenkam und das sogenannte Gramm-RudmanHollings Gesetz verabschiedete, mit&#13;
dem ein Programm zur allmählichen&#13;
Verringerung unseres Defizits und zum&#13;
langfristigen Haushaltsausgleich eingeführt wurde.&#13;
Das alles sind gute Nachrichten.&#13;
Oder zumindest waren es gute Nachrichten. Sie sehen, daß wir in der&#13;
kritischen&#13;
Entscheidungsphase&#13;
zwischen denjenigen, die weiterhin Ihr&#13;
Geld ausgeben und Ihre Steuern erhöhen wollen und denen unter uns, die&#13;
einer Rückkehr zu der veralteten Politik des "Steuern über Steuern, Ausgaben&#13;
über&#13;
Ausgaben"&#13;
widerstehen,&#13;
jetzt die Zerreißgrenze erreicht haben. Daher habe ich eine persönliche&#13;
Entscheidung getroffen, etwas zu tun,&#13;
was jeder Präsident ohne zu Zögern&#13;
tun sollte, wenn er es tun muß. Und&#13;
das ist, sich an Sie, das amerikanische Volk, zu wenden und Ihnen die&#13;
Fakten vorzulegen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�findet.&#13;
Das verfahren zur Verabschiedung&#13;
des Haushalts durch den Kongreß, das&#13;
angeblich im Jahr 1974 und nochmals&#13;
im Jahr&#13;
1985&#13;
überarbeitet&#13;
wurde,&#13;
funktioniert nicht. Vor Monaten habe&#13;
ich dem Kongreß einen soliden Haushalt unterbreitet, der die diesjährige Verschuldungsgrenze berücksichtigte und gleichzeitig unseren nationalen&#13;
Sicherheitsbedürfnissen&#13;
gerecht&#13;
wurde, ich habe zusätzliche Mittel&#13;
für entscheidende Probleme im Inland&#13;
wie zum Beispiel AIDS und die Sicherheit der Luftfahrt zur Verfügung gestellt und die Neigung zu weiteren&#13;
Bundesausgaben unter Kontrolle gehalten. Aber anstatt auf der Grundlage&#13;
dieses Haushaltsentwurfes vorzugehen,&#13;
verwarf der Kongreß den Vorschlag und&#13;
erwägt einen Plan, der, im Verhältnis&#13;
zu unserem Bruttosozialprodukt, die&#13;
Verteidigungsausgaben in den nächsten&#13;
Jahren drastisch bis auf das gefährliche Niveau der späten siebziger&#13;
Jahre reduziert, ein Plan, der auch&#13;
unsere Sicherheitsleistungen und Bestrebungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit&#13;
im&#13;
Ausland&#13;
zunichte&#13;
macht. Und was ist aus dieser unter&#13;
dem Gramm-Rudman-Hollings Gesetz feierlich verkündeten Zurückhaltung bei&#13;
kostspieligen Inlandsausgaben geworden? Sie hat sich in Luft aufgelöst.&#13;
Und um diesen Abfall vom Glauben zu&#13;
bezahlen, wird Ihnen, den Steuerzahlern, in den nächsten vier Jahren&#13;
eine Rechnung von ungefähr 100 Milliarden Dollar aufgebürdet werden.&#13;
Wenn diese Tendenz nicht aufgehalten wird - und zwar jetzt - laufen&#13;
wir Gefahr, alle an der Wirtschaftsfront erzielten Fortschritte zu verlieren.&#13;
Wenn unsere Bemühungen um&#13;
eine Verringerung des Haushaltsdefizits nicht konsequent und glaubwürdig&#13;
sind, werden wir der Welt signalisieren, daß die amerikanische Wirtschaft&#13;
sich wieder in Schwierigkeiten be-&#13;
&#13;
Die Optionen sind auf folgende&#13;
Alternativen reduziert:&#13;
Mehr staatliche&#13;
Einflußnahme,&#13;
mehr&#13;
Steuern,&#13;
mehr Reglementierungen und ein Rückfall in die alten Zeiten der wirtschaftlichen&#13;
Inflation und Stagnation.&#13;
Oder, andererseits:&#13;
Zusätzliches Wachstum, mehr Chancen, angemessene nationale Sicherheit - und&#13;
mehr für das Familienbudget, nicht&#13;
für den Bundeshaushalt.&#13;
Die Entscheidung liegt bei uns wie ich bereits ausgeführt habe, ist&#13;
die Zerreißgrenze erreicht, die Zeit&#13;
für Entscheidungen gekommen.&#13;
Folgendes müssen wir also tun.&#13;
Erstens müssen wir zusammen mit dem&#13;
Kongreß das verfahren zur Verabschiedung des Haushalt erneuern und alle&#13;
diese&#13;
Verzögerungen&#13;
und&#13;
verpaßten&#13;
Termine und gebrochenen Versprechen&#13;
beenden. Wir können damit beginnen,&#13;
indem wir den Kongreß dazu bringen,&#13;
über einen Zusatzartikel zur Verfassung - mit ja oder nein, dafür oder&#13;
dagegen - abzustimmen, der die öffentliche Verschuldung jetzt und für&#13;
immer beendet, ein Zusatzartikel, der&#13;
per Gesetz einen ausgewogenen Haushalts herbeiführt.&#13;
Zweitens, benötige ich Ihre direkte Hilfe bei der Einflußnahme auf&#13;
Ihre Vertreter im Kongreß, einem Paket zum zuverlässigen Abbau des Defizits zuzustimmen und daran festzuhalten.&#13;
Ich verpflichte mich, von meinem Veto-Recht Gebrauch zu machen, um&#13;
große Ausgaben aufzuhalten, die über&#13;
die&#13;
im&#13;
Gramm-Rudman-Hollings&#13;
Plan&#13;
festgesetzten&#13;
Ziele&#13;
hinausgehen.&#13;
Aber wir müssen noch weiter gehen.&#13;
Sie können versichert sein, daß es&#13;
viele Kongreßmitglieder gibt, mit denen wir zusammenarbeiten können, und&#13;
wenn Sie diese wissen lassen, wie Sie&#13;
&#13;
�denken, können wir einen Konsens über&#13;
den Etat erarbeiten, um die Ausgaben&#13;
in diesem Jahr niedrig zu halten.&#13;
Einige sprechen sogar von einem Haushaltsgipfeltreffen - nun, wir sind&#13;
jederzeit zu Gesprächen und Konsultationen bereit, aber nicht, wenn das&#13;
Ziel&#13;
zusätzliche&#13;
Ausgaben,&#13;
höhere&#13;
Steuern und weniger Verteidigung ist.&#13;
Was wir wollen sind weniger Ausgaben,&#13;
Punkt. Und ich glaube, auch Sie wollen das.&#13;
Und drittens gibt es noch etwas,&#13;
das Sie hoffentlich fordern werden nämlich das selektive Veto. Der Präsident sollte die Möglichkeit haben,&#13;
von der die Gouverneure von 43 Staaten Gebrauch machen, um diese Art von&#13;
Steuerunfug zu beenden - die Möglichkeit, die ich in Kalifornien hatte,&#13;
als ich dort Gouverneur war:&#13;
Die&#13;
Möglichkeit, in diesen riesigen Ausgabentopf zu greifen und jegliche&#13;
Verschwendung&#13;
auszumerzen.&#13;
Es ist&#13;
Zeit für Taten, und ich beschwöre den&#13;
Kongreß nachdrücklich, Schritte zu&#13;
unternehmen und mit einem Reformpaket&#13;
aufzuwarten, das einige der himmelschreienden&#13;
Mängel&#13;
des derzeitigen&#13;
Haushaltsverfahrens beseitigt.&#13;
In der&#13;
Zwischenzeit werde ich&#13;
meine persönliche, öffentliche Verpflichtung&#13;
dieser&#13;
Sache&#13;
gegenüber&#13;
noch weiter ausbauen.&#13;
Ich werde Ihnen, dem amerikanischen Volk, den&#13;
Fall vorlegen.&#13;
Denn, glauben Sie&#13;
mir, wenn der Kongreß nicht in der&#13;
Lage ist, das Licht zu sehen, so bin&#13;
ich davon überzeugt, daß Sie ihn die&#13;
Hitze spüren lassen. Bei dieser ganzen Angelegenheit ist unser Einsatz&#13;
sehr hoch: Nichts Geringeres als unsere wirtschaftliche&#13;
Zukunft steht&#13;
auf dem Spiel.&#13;
&#13;
Meinung nach die Amerikaner zunehmend&#13;
der Tatsache bewußt werden, daß unser&#13;
in der Verfassung verbrieftes Recht&#13;
auf freie Wahlen, Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und alle&#13;
anderen Formen politischer Freiheit&#13;
eine ebenso bedeutende wirtschaftliche Entsprechung haben. Das Recht,&#13;
nicht über Gebühr von zuviel staatlicher&#13;
Einflußnahme,&#13;
übermäßigen&#13;
Steuern, haushoher Inflation und hohen Zinssätzen belastet zu werden.&#13;
Das Recht auf eine Zukunft, in der&#13;
Sie und Ihre Kinder so weit gehen und&#13;
so hoch hinaufreichen können, wie Ihre jeweiligen Talente und Energien&#13;
Sie beflügeln werden - eine an Freiheit, Chancen und Wachstum reiche Zukunft - die Wirtschaft betreffende&#13;
Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung.&#13;
Die&#13;
Einzelheiten werde ich in den nächsten Wochen ausführen.&#13;
Lassen Sie uns also weiter vorwärts gehen. Alle diese bedeutenden&#13;
Entwicklungen im Ausland, die ich bereits erwähnt habe, die neue Stärke&#13;
der demokratischen Verbündeten in der&#13;
Welt - eine Stärke, die Ihre und meine und die Zukunft unserer Kinder zu&#13;
einer sicheren und freien Zukunft machen wird. Diese Zukunft ist in Gefahr, solange wir hier zu Hause nicht&#13;
verantwortungsbewußt handeln.&#13;
Und dafür benötige ich Ihre Hilfe.&#13;
Lassen Sie uns in den vor uns&#13;
liegenden Wochen und Monaten gemeinsam daran arbeiten, Amerika wirtschaftlich stark zu erhalten, damit&#13;
es wie bisher siegreich für Frieden&#13;
und Freiheit in der Welt auftreten&#13;
kann.&#13;
&#13;
Daher bitte ich Sie heute abend&#13;
um Ihre Unterstützung.&#13;
Ich bitte um&#13;
Ihre Unterstützung, weil sich meiner&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
.*e° sr&#13;
&#13;
\GN&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZIMMERMANN LOBT ERGEBNISSE DER NATO-KONFERENZ&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats WIEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) pries die Ergebnisse der Juni-Sitzung&#13;
der NATO in Island und erklärte "die Tagung hat entscheidend zu unserer Arbeit&#13;
in Wien beigetragen". Warren Zimmermann, Leiter der amerikanischen KSZE-Delegation, oetonte in einer Pressekonferenz am 16. Juni, daß die jüngste Sitzung&#13;
der NATO-Auuenminister des Nordatlantikrats (NAC) - die zweimal im Jahr zusammenkommen, um politische Richtlinien für die Organisation der 15 Mitglieder&#13;
auszuarbeiten - die Arbeit der KSZE in zwei bedeutenden Bereichen beeinflußt&#13;
habe. Laut Botschafter Zimmermann Detonte das Schlußkommunique des Nordatlantikrats insbesondere: - "ein stabiles Gefüge von Frieden und Sicherheit kann&#13;
nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen werden... wodurch dem KSZEProzeß außerordentliche Bedeutung zukommt".&#13;
N'achfolgena drucken wir die Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann im&#13;
Wortlaut.&#13;
Ich möchte gleich zu Beginn einige Worte zu der Reykjavik-Sitzung sagen, da ich der Überzeugung bin, daß&#13;
diese Sitzung für unsere Arbeit in&#13;
Wien von besonderer Bedeutung war.&#13;
Diejenigen von Ihnen, die das Schlußdokument noch nicht gelesen haben,&#13;
möchte ich auffordern, dies zu tun.&#13;
Meiner Meinung nach enthält es zwei&#13;
Dedeutende Aspekte für den KSZE-Prozeß und das Treffen in Wien. Der erste Aspekt ist, daß es dem KSZE-Prozeß wirklich außerordentliche Bedeutung verleiht.&#13;
Das Dokument stellt&#13;
fest, daß ein stabiles Gefüge von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Frieden und Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen&#13;
werden kann. Und dies ist natürlich&#13;
die Feststellung, die wir hier in&#13;
Wien&#13;
stets besonders&#13;
unterstrichen&#13;
haoen.&#13;
Das Dokument weist weiterhin&#13;
darauf&#13;
hin, daß&#13;
die&#13;
vollständige&#13;
Durchführung&#13;
aller Verfügungen&#13;
des&#13;
Helsinki-Prozesses&#13;
erforderlich&#13;
ist&#13;
und bezieht sich hier im besonderen&#13;
auf die Menschenrechte und menschliche Kontakte, die - und ich möchte&#13;
hier ein Zitat anführen:&#13;
"...das&#13;
fundamentale&#13;
Ziel&#13;
des&#13;
Bündnisses&#13;
bleiben". Das Dokument fordert eben-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�falls ein substantielles und zeitgerechtes Ergebnis des Treffens von&#13;
Wien. Der zweite Aspekt, dem meiner&#13;
Meinung nach gleichrangige Bedeutung&#13;
zukommt, ist, daß das Dokument die&#13;
Übereinstimmung der NATO bei der Behandlung des komplexen Problems konventioneller&#13;
Waffen&#13;
widerspiegelt.&#13;
Es sind zwei Verhandlungsrunden auf&#13;
untergeordneter Ebene vorgesehen, mit&#13;
jeweils eigenem Mandat, und die im&#13;
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden.&#13;
Die erste Verhandlungsrunde besteht aus einer Gruppe der 35 und bezieht die in Stockholm begonnene Arbeit&#13;
über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
ein.&#13;
Die&#13;
zweite Verhandlungsrunde würde einen&#13;
StaDilitätsabbau&#13;
im&#13;
konventionellen&#13;
Bereich umfassen und aus der Gruppe&#13;
der 23 zusammengesetzt sein. Die 23&#13;
haben autonomen Status im Hinblick&#13;
auf die Themenkomplexe ihrer Verhandlungen, bezüglich der Teilnahme sowie&#13;
des Verhandlungsverfahrens. Die NATO&#13;
befaßt sich zur Zeit vordringlich mit&#13;
der Erarbeitung von Mandatsentwürfen,&#13;
die hier in Wien vorgelegt werden&#13;
können, und wir hoffen, daß dies so&#13;
bald wie möglich geschehen kann. Ich&#13;
bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen&#13;
&#13;
zu beantworten,&#13;
FRAGE:&#13;
Wie weit sind Sie genau&#13;
bei der Formulierung der westlichen&#13;
Vorschläge gekommen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Diese Arbeit wird von&#13;
der aus hochrangigen Vertretern bestehenden Arbeitsgruppe bei der NATO&#13;
in Brüssel wahrgenommen, die sich mit&#13;
diesen Themen von Anfang an befaßt&#13;
hat.&#13;
Natürlich stützt sich die Arbeitsgruppe&#13;
auf Informationen, Empfehlungen und Eingaben, die hier von&#13;
'Wien aus zur Verfügung gestellt werden, aber die Hauptarbeit findet in&#13;
Brüssel statt.&#13;
FRAGE:&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
erwähnten,&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
23 Unterhändler im Hinblick auf die&#13;
Themenkomplexe, Teilnahme&#13;
und Verfahrensweisen autonomen Status haben&#13;
werden - worin besteht die Verbindung&#13;
zur KSZE?&#13;
Wie ist der Rahmen gesteckt?&#13;
ANTWORT:&#13;
Nun, ein Rahmen beinhaltet zweifelsohne die Anerkennung&#13;
seitens der NATO-Staaten, daß die Sicherheit aller 35 Teilnehmer im KSZEProzeß von Bedeutung ist. Ich möchte&#13;
zum Sinn des Wortes Rahmen nicht zu&#13;
sehr ins Detail gehen, da die Einzelheiten Bestandteil der beiden Mandate&#13;
sein werden, die gerade in Brüssel&#13;
erarbeitet werden.&#13;
ich kann jedoch&#13;
sagen, daß für die neutralen und&#13;
blockfreien Länder, also die Länder,&#13;
die&#13;
an&#13;
den&#13;
anderen&#13;
Verhandlungen&#13;
nicht teilnehmen, ausreichende Möglichkeiten zur Information über diese&#13;
Verhandlungen und Artikulierung ihrer&#13;
eigenen Ansichten gegeben sein wird.&#13;
Ein weiterer Aspekt des Arbeitsrahmens, der zusammenhänge, ist ein von&#13;
uns schon sehr lange vorgebrachtes&#13;
Argument, das auch von Außenminister&#13;
Schultz bei der letzten NATO-Sitzung&#13;
angeführt&#13;
wurde, die&#13;
im&#13;
Dezember&#13;
stattfand.&#13;
Das heißt, wir berücksichtigen, während das Mandat für die&#13;
Abrüstungsverhandlungen ausgearbeitet&#13;
wird auch die anderen Aspekte der Sicherheit mit größter Sorgfalt sowie&#13;
deren Einhaltung oder Nicht-Einhaltung seitens der Mitgliedsländer des&#13;
Warschauer Pakts. Dies wird bei der&#13;
Erarbeitung des Mandats über Reduzierungen ebenfalls eine Rolle spielen.&#13;
FRAGE:&#13;
Können Sie uns ein ungefähres Datum nennen, zu dem wir&#13;
konkrete Vorschläge in Brüssel erwarten können, und wie weit ist das Konferenzprogramm bereits in Verzug geraten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann Ihnen nicht&#13;
genau sagen, wann die Vorschläge un-&#13;
&#13;
�terbreitet&#13;
werden;&#13;
sie werden in&#13;
Brüssel vordringlich behandelt.&#13;
Wir&#13;
hoffen, daß wir nicht sehr viel länger darauf warten müssen.&#13;
Bezüglich&#13;
Ihrer zweiten Frage, des allgemeinen&#13;
Zeitplans der Konferenz, würde ich&#13;
sagen, wenn wir den 31. Juli als Datum für die Fertigstellung annehmen,&#13;
dürfte es meiner Meinung nach schwierig sein, diesen Termin einzuhalten.&#13;
Andererseits habe ich nicht das Gefühl, daß wir mit unserer Arbeit tatsächlich so sehr im Verzug sind angesichts der enormen zahl von Vorschlägen, mit denen wir uns befassen müssen, nämlich nahezu doppelt so vielen&#13;
wie wir in Madrid zu bewältigen hatten. Ich finde also nicht, daß wir falls überhaupt - allzusehr im Rückstand sind.&#13;
Auf jeden Fall möchte&#13;
ich&#13;
die&#13;
von&#13;
Botschafter&#13;
Kaschlew&#13;
letzte Woche gemachte Andeutung zurückweisen, daß die NATO-Verbündeten&#13;
sich allzuviel zeit lassen. Das ist&#13;
absolut unrichtig.&#13;
FRAGE:&#13;
Besteht eventuell eine&#13;
Möglichkeit, daß die westlichen Vorschläge über Vertrauensbildende Maßnahmen zu einem früheren Zeitpunkt&#13;
vorgelegt werden als die über konventionelle Waffen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das&#13;
ist bisher noch&#13;
nicht besprochen worden, daher kann&#13;
ich Ihnen darauf keine Antwort geben.&#13;
FRAGE:&#13;
Wie sieht die NATO die&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsoildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)? Vielehe Themen werden behandelt?&#13;
Wo wird sie&#13;
stattfinden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich nehme an, sie beziehen sich auf die Sitzung über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen der 35er-Gruppe.&#13;
Wir wissen&#13;
nicht, wo sie stattfinden wird; dies&#13;
muß noch entschieden werden. Natür-&#13;
&#13;
lich wird dies Thema der Verhandlungen in dieser Sitzung sein. Auch das&#13;
Thema bleibt noch zu entscheiden.&#13;
Der allgemeine Themenkomplex sollte&#13;
unserer Meinung nach jedoch die Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen&#13;
behanaeln,&#13;
die&#13;
entweder&#13;
nicht umfassend in Stockholm diskutiert oder&#13;
in Stockholm&#13;
überhaupt&#13;
nicht vorgelegt wurden.&#13;
Wir haben&#13;
das Gefühl, daß die Arbeit in Stockholm nicht im voller. Umfang ausgeschöpft wurde, trotz der Tatsache,&#13;
daß in Stockholm ganz beträchtliche&#13;
Erfolge erzielt wurden.&#13;
In diesem&#13;
Bereich bleibt also noch einiges zu&#13;
tun und wir gehen von der Annahme&#13;
aus, daß die im Anschluß an die&#13;
Wiener Sitzung stattfindende Tagung&#13;
sich mit den Themen befassen wird,&#13;
die in Stockholm nicht abschließend&#13;
behandelt werden konnten.&#13;
FRAGE:&#13;
Glauben&#13;
Sie, daß&#13;
die&#13;
Meinungsverschiedenheiten&#13;
zwischen&#13;
Frankreich und der NATO nach Reyjavik&#13;
vollständig&#13;
ausgeräumt&#13;
sind?&#13;
Wenn&#13;
ja, warum?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ja,&#13;
ich&#13;
bin&#13;
davon&#13;
überzeugt. Denn jetzt haben wir eine&#13;
NATO-Position.&#13;
Es bedurfte einiger&#13;
Zeit, sie zu erarbeiten; sie wurde&#13;
mit&#13;
größter&#13;
Sorgfalt&#13;
und&#13;
einigen&#13;
Schwierigkeiten ausgearbeitet.&#13;
Aber&#13;
wie gewöhnlich in solchen Situationen, in denen die NATO eine Position&#13;
bezieht, ist es eine Position, zu der&#13;
wir alle stehen. ich habe keinerlei&#13;
Zweifel, daß wir zu diesem Thema völlige Einigung erzielt haben und uns&#13;
weiterhin einig sein werden.&#13;
FRAGE:&#13;
Diese&#13;
Frage&#13;
bezieht&#13;
sich nur auf die Konferenz im allgemeinen. Ich habe gehört, daß die Sowjets und der warschauer Pakt in der&#13;
letzten Woche vorläufige Arbeitspapiere vorgelegt haben.&#13;
Könnten sie&#13;
dazu einige Ausführungen machen?&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ANTWORT:&#13;
Vorläufige&#13;
Arbeitspapiere sind informelle Papiere, die&#13;
auch in aen vorherigen KKSZE-Sitzungen aufgetaucht sind, normalerweise&#13;
zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt&#13;
- dies war zum Beispiel in Madrid der&#13;
Fall. Vorläufige Arbeitspapiere sind&#13;
ein Instrumentarium zur informellen&#13;
Behandlung von Problemen.&#13;
Es gibt&#13;
natürlich noch viele andere Instrumentarien, um Probleme informell abzuhandeln, und wir haben diese gemeinsam&#13;
mit unsreren&#13;
Koordinatoren&#13;
aus den neutralen Ländern angewandt,&#13;
indem wir die Vorschläge auf gleiche&#13;
und unterschiedliche Elemente durchgesehen haben. unserer Meinung nach&#13;
hat sich dieses Vorgehen in der Vergangenheit&#13;
als produktiv erwiesen.&#13;
Und vor allem darauf konzentrieren&#13;
wir uns auch jetzt.&#13;
Vorläufige Arbeitspapiere könnten&#13;
eine Alternative hierzu darstellen.&#13;
Sie sind nicht das Manna vom Himmel,&#13;
wie sie von einigen Vertretern des&#13;
Ostblocks&#13;
bezeichnet&#13;
wurden.&#13;
sie&#13;
stellen vielmehr ein Instrumentarium&#13;
unter vielen dar, wie man sich auf&#13;
informelle Weise mit dem Problem befassen könnte. Ich erwarte, daß wir&#13;
zur gegebenen zeit selbst solche vorläufigen Arbeitspapiere haben werden.&#13;
Aber ich möchte sie davor warnen, der&#13;
Vermutung zu erliegen, daß das eine&#13;
oder andere Instrumentarium zwangsläufig alle Unklarheiten bei der Konferenz beseitigt&#13;
und ein Ergebnis&#13;
hervorbringt.&#13;
Dazu ist politischer&#13;
Wille und der Wunsch zur Lösung politischer Differenzen notwendig.&#13;
Dieser Wille ist nicht so offen zutage&#13;
getreten wie ich das gehofft hätte.&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
die&#13;
Übereinkunft&#13;
von&#13;
Reykjavik&#13;
die&#13;
hiesigen&#13;
Fortschritte beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
&#13;
Das denke ich doch.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Befürwortet&#13;
die&#13;
NATO,&#13;
daß beide Verhandlungen in derselben&#13;
Stadt angehalten werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das ist die Frage und ein wichtiges Problem - aber es&#13;
handelt sich hier um eine Detailfrage, auf die beim Treffen zu einem&#13;
späteren Zeitpunkt eingegangen werden&#13;
wird. Ich kann dazu an diesem Punkt&#13;
nichts sagen.&#13;
FRAGE:&#13;
Überwiegt der Eindruck,&#13;
daß Vorschläge&#13;
nur langsam eingebracht wurden?&#13;
Wird sich das beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich habe die Ansicht,&#13;
daß nur sehr langsame Fortschritte&#13;
erzielt werden, nie geteilt. Es gibt&#13;
immer Zeitspannen bei KSZE-Treffen,&#13;
bei denen kein Fortschritt sichtbar&#13;
wird. Aber das trifft häufig zu, und&#13;
hier ist es der Fall, weil schwierige&#13;
und harte Arbeit am Text der Vorschläge geleistet wird. Ich haDe bereits darauf hingeweisen, daß dies&#13;
bei diesem Treffen komplizierter ist&#13;
als bei vorherigen Treffen, weil es&#13;
so viele Vorschläge gibt. Ich glaube&#13;
nicht, daß wir hier zeit verschwendet&#13;
haben, und ich trete den Anschuldigungen entgegen, die wir wiederholt&#13;
von Seiten des Ostblocks vernehmen&#13;
und die besagen, daß künstliche Erfolge&#13;
als Verzögerungstaktik&#13;
angewandt werden.&#13;
Ich glaube, daß es&#13;
sich hier nur um Bestrebungen handelt, die westliche Position als böse&#13;
Absicht hinzustellen, was sie ganz&#13;
sicher nicht ist. Das NATO-Kommunique zeigt eindeutig, daß wir das&#13;
Wiener Treffen erfolgreich und in angemessener zeit beenden wollten und&#13;
dies auch immer noch wünschen.&#13;
FRAGE:&#13;
Könnten Sie sich etwas&#13;
näher zu den Verfahrensweisen äußern?&#13;
Der Ostblock erwartet vom Westen ei-&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�nen Vorschlag zum Bereich der militärischen Sicherheit. Kommt man hier&#13;
voran?&#13;
ANTWORT:&#13;
Es stimmt&#13;
natürlich,&#13;
was Botschafter Turovski (der österreichische Chefdelegierte) sagte, daß&#13;
das&#13;
Fehlen&#13;
eines&#13;
westlichen&#13;
Vorschlags zum Bereich der militärischen&#13;
Sicherheit Fortschritte in eben diesem Bereich schwierig gemacht hat.&#13;
Wir haben jedoch in diesem Bereich&#13;
einiges erreicht. Wir haben die Anwendung der sicherheitsoildenden Maßnahmen von Stockholm überprüft. Aber&#13;
wir hatten keinen eigenen Vorschlag.&#13;
Die Situation wird sich jedoch sehr&#13;
bald ändern, und wir werden in diesem&#13;
Bereich in der Lage sein, uns auf der&#13;
Basis eines westlichen und eines östlichen&#13;
Vorschlags&#13;
zu&#13;
engagieren.&#13;
Aber das ist nur die eine Hälfte des&#13;
Korbes bei diesem Treffen.&#13;
Es gibt&#13;
noch einen anderen Teil von Korb I,&#13;
der Grundsätzliches betrifft, es gibt&#13;
Korb II für wirtschaftliche Fragen,&#13;
und es gibt Korb III.&#13;
Es Desteht&#13;
überhaupt kein Grund, warum sich in&#13;
all diesen Bereichen keine Bewegung&#13;
zeigen sollte. Ich glaube, daß angesichts der Schwierigkeiten, über die&#13;
ich hier gesprochen habe, in all diesen Körben nützliche Arbeit geleistet&#13;
worden ist. und es bewies zweifelsohne eine starke westliche Haltung,&#13;
daß mit der Arbeit begonnen wurde,&#13;
als damit begonnen werden sollte, daß&#13;
diese fortgesetzt werden soll und daß&#13;
sie nicht an Probleme im Bereich der&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
geknüpft&#13;
werden sollte, die sich auf dem Weg&#13;
zu ihrer Lösung befinden.&#13;
&#13;
Mandat für die Gruppe zu Korb I, den&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen, darstellen, und das wird&#13;
in Brüssel erfolgen.&#13;
FRAGE:&#13;
Was denken Sie über die&#13;
gerade von Ihnen erwähnte Tatsache,&#13;
daß die Sowjetunion und die Länder&#13;
des Warschauer Paktes ihre Arbeit zu&#13;
den Körben I und II verlangsamen und&#13;
auf Vorschläge im militärischen Bereich warten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann nicht sagen,&#13;
daß sie ihre Arbeit verlangsamen.&#13;
Was ich zu ihrer Tätigkeit&#13;
sagen&#13;
kann, ist, daß sie mit ihren vorläufigen Arbeitspapieren ihrerseits den&#13;
Anschein von Aktivität zu geben suchen, um den Westen zu beschuldigen,&#13;
daß er seine Arbeit verlangsamt. und&#13;
wie ich bereits sagte, weise ich diese Einschätzung voll und ganz zurück.&#13;
Der Westen arbeitet hart in allen&#13;
Körben und wird das auch weiterhin&#13;
tun.&#13;
Vielen Dank&#13;
keit.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
dieser&#13;
Vorschlag&#13;
zur&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
hier&#13;
oder in Brüssel ausgearbeitet werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
In&#13;
Brüssel.&#13;
Diese&#13;
Vorschläge werden Vorschläge für ein&#13;
Mandat an die Gruppe der 23 und ein&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
für&#13;
&#13;
Ihre Aufmerksam-&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
SUPRALEITFÄHIGKEIT - DIE ANWENDUNG RÜCKT NÄHER&#13;
Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen -&#13;
&#13;
- (AD) - Noch bis vor etwa einem&#13;
Jahr&#13;
galt&#13;
Supraleitfähigkeit&#13;
zwar&#13;
nicht mehr als Kuriosum, aber als&#13;
viel zu teuer für eine breite technische Anwendung.&#13;
Denn die Temperaturen der verwendeten Metalle, bei&#13;
denen sie ihren elektrischen Widerstand verloren und Strom ohne jeden&#13;
Energieverlust leiteten ("Sprungtemperaturen"), lagen in der Nähe des&#13;
absoluten Nullpunktes.&#13;
Dieser entspricht minus 273 Grad Celsius bzw.&#13;
Null Grad Kelvin.&#13;
Eine Kühlung auf&#13;
so tiefe Temperaturen ist nur mit&#13;
flüssigem Helium möglich, das bei 4,2&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Grad Kelvin (minus 269 Grad Celsius)&#13;
vom gasförmigen in den flüssigen zustand&#13;
übergeht.&#13;
Dieser&#13;
Kühlprozeß&#13;
ist ungemein kostspielig.&#13;
Seit 1911, dem Jahr der Entdekkung des Phänomens der Supraleitfähigkeit an Quecksilber durch den holländischen Physiker Heike Kammerlingh&#13;
Onnes,&#13;
waren&#13;
die&#13;
erforderlichen&#13;
"Weltraumtemperaturen"&#13;
die&#13;
größte&#13;
Hürde.&#13;
Einen gewissen&#13;
Fortschritt&#13;
gab es in den fünfziger Jahren durch&#13;
die Entwicklung einer Legierung aus&#13;
Niob und Titan, die nicht nur eine um&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ein paar Grad höhere Sprungtemperatur&#13;
aufwies, sondern auch, im Gegensatz&#13;
zu den bis dahin getesteten Metallen,&#13;
in Anwesenheit starker Magnetfelder&#13;
ihre Supraleitfähigkeit nicht verlor.&#13;
So war wenigstens ein Weg zur Entwicklung großer superleitender Magnete gefunden.&#13;
Diese sind seit Ende&#13;
der sechziger Jahre in Gebrauch - zu&#13;
Beginn fast nur in Speziallaboratorien der physikalischen Forschung,&#13;
neuerdings auch bei technischen Versuchsanlagen&#13;
und bei medizinischen&#13;
Großgeräten&#13;
wie&#13;
dem&#13;
Kernspintomographen. Anfang der siebziger Jahre&#13;
fand man eine Niob-Legierung, die&#13;
schon bei minus 251 Grad Celsius (23&#13;
Grad&#13;
Kelvin)&#13;
superleitend&#13;
wurde.&#13;
Aber damit kam man an die Verflüssigungstemperatur von Stickstoff (minus&#13;
194 Grad Celsius), dessen Verwenaung&#13;
die supraleittechnik ganz zerheblich&#13;
hätte verbilligen können, noch lange&#13;
nicht heran.&#13;
Die Einstellung&#13;
der&#13;
Ingenieure&#13;
und der technischen Fachwelt zu dem&#13;
gesamten Gebiet&#13;
änderte sich aber&#13;
grundlegend&#13;
im&#13;
letzten&#13;
Jahr.&#13;
K.&#13;
Müller und Mitarbeiter bei IBM in&#13;
Zürich hatten 1983 mit Metalloxyden&#13;
zu experimentieren begonnen und entdeckten unter Hunderten eine Probe,&#13;
die schon bei 35 Grad Kelvin (minus&#13;
238 Grad Celsius) superleitfähig wurde. Es handelte sich um eine Verbindung von Barium, Lanthan, Kupfer und&#13;
Sauerstoff.&#13;
Im April 1986 erschien&#13;
der Bericht der Forscher in der deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift&#13;
"Zeitschrift für Physik". Nun begann&#13;
in den großen Laboratorien der Welt&#13;
ein regelrechter Wettlauf, um Materialien mit immer höheren Sprungtemperaturen nicht nur zu finden, sondern sogar&#13;
zu "konstruieren", die&#13;
elektrischen Strom, d.h. den Strom&#13;
von Elektronen, ohne Wärmeentwicklung&#13;
und damit ohne Energieverlust bei&#13;
möglichst hohen Temperaturen trans- 2&#13;
&#13;
portieren.&#13;
"Hohe Temperatur" ist angesichts&#13;
der tatsächlichen Kältegrade allerdings ein relativer Begriff.&#13;
immerhin ist in der jüngsten Meldung, die&#13;
von&#13;
der&#13;
Wayne&#13;
State&#13;
University&#13;
(Detroit, Michigan) kommt, bereits&#13;
von 240 Grad Kelvin die Rede.&#13;
Das&#13;
entspricht minus 33 Grad Celsius, was&#13;
in bezug auf das Kühlverfahren für&#13;
das Material weder in technischer&#13;
noch in finanzieller Hinsicht Probleme bedeutete.&#13;
Aber es geht ja auch um den Nutzeffekt des Stromtransports in Supraleitern.&#13;
Und dabei scheinen sich&#13;
ebenfalls&#13;
Fortschritte&#13;
anzubahnen.&#13;
So wurde kürzlich bei IBM (International Business Machines) in den USA&#13;
demonstriert, daß Dünnfilme aus einem&#13;
der neuen Materialien in der Lage&#13;
sind, hundertmal mehr Strom zu leiten&#13;
als früher gemessen wurde. Damit ist&#13;
eine wichtige technische Barriere für&#13;
die künftige Anwendung in der Elektronik-Industrie&#13;
aus dem Wege geräumt. Auf der jüngsten Jahrestagung&#13;
der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft in New York war u.a. zu&#13;
hören, daß das Ziel, Supraleiter zu&#13;
finden, die Elektrizität verlustfrei&#13;
bei praktisch jeder Temperatur transportieren, vielleicht schon sehr bald&#13;
realisiert werden könnte.&#13;
Dann wären die Anwendungsmöglichkeiten fast grenzenlos. Manches wird&#13;
bereits anvisiert: Die Pläne reichen&#13;
von kleineren, schnelleren Computern&#13;
bis zur Speicherung von Elektrizität&#13;
in riesigen Magnet-Zellen, von leistungsfähigen Elektromotoren, die nur&#13;
ein zehntel so groß sind wie die von&#13;
heute, bis zu magnetischen Schwebebahnen&#13;
und&#13;
selbst&#13;
zu Autos, die&#13;
schweben und ohne Reifen fahren.&#13;
Das&#13;
&#13;
Argonne&#13;
&#13;
National&#13;
&#13;
Laboratory,&#13;
&#13;
�ein großes Kernforschungszentrum in&#13;
der Nähe von Chicago, meldete kürzlich eine Verbesserung der Stromleitfähigkeit eines neuen superleitenden&#13;
Drahtmaterials um das Dreißigfache.&#13;
Entwicklung und Ausbau der Technik,&#13;
aus spröden superleitfähigen Keramikmassen elektrische Drähte zu formen,&#13;
verspricht zu ganz wichtigen technologischen Durchbrüchen zu führen, die&#13;
vielleicht&#13;
auch&#13;
den&#13;
verlustfreien&#13;
Stromtransport&#13;
in&#13;
Überlandleitungen&#13;
ermöglichen.&#13;
Technische&#13;
Daten für&#13;
die&#13;
jüngsten&#13;
Argonne-Versuche:&#13;
Stromstärke 191 Ampere pro Quadratzentimeter gegenüber sechs Ampere/qcm&#13;
bei der vorangegangenen Serie von Experimenten.&#13;
Der&#13;
Draht&#13;
hat&#13;
einen&#13;
Durchmesser von 0,18 mm und wird mit&#13;
flüssigem Stickstoff gekühlt.&#13;
Zwar&#13;
sei es noch ein weiter Weg bis zu&#13;
einer&#13;
sinnvollen Anwendung, meinte&#13;
Roger Poeppel von Argonne, aber die&#13;
bisherigen Ergebnisse zeigten deutlich, daß das&#13;
Material&#13;
zu einem&#13;
brauchbaren Draht verarbeitet werden&#13;
könne.&#13;
Möglicherweise&#13;
ließen sich&#13;
superleitende Kabel eines Tages auch&#13;
in Fusionsreaktoren einsetzen. Auch&#13;
dürften&#13;
sie die Entwicklung einer&#13;
neuen Generation&#13;
von medizinischen&#13;
Kernspintomographen begünstigen.&#13;
Viele Forscher sind zwar überzeugt, daß erste praktische Anwendungen der Supraleitfähigkeit, etwa in&#13;
der Elektronik für Stromkreise und&#13;
Verbindungen&#13;
zwischen Computer&#13;
und&#13;
Chip, schon in einem Jahr auf dem&#13;
Markt sein werden. Bis zu einer Anwendung in der Großtechnik aber, beispielsweise&#13;
bei&#13;
Überlandleitungen,&#13;
wird sehr viel mehr zeit vergehen.&#13;
Laut Praveen Chaudhari, einem der&#13;
Forschungsdirektoren von IBM, stehen&#13;
die technischen Probleme, aus sprödem&#13;
superleitendem Keramikmaterial Werkstoffe zu produzieren, die geschmeidige elektrische Drähte und Bauteile&#13;
&#13;
ersetzen, ein wesentliches Hindernis&#13;
für die kommerzielle Anwendung dar.&#13;
So dürfte es mindestens fünf Jahre,&#13;
vielleicht auch erheblich länger dauern, bis Keramik-Draht zur Verfügung&#13;
steht, der in superleitenden Magneten&#13;
zu verwenden wäre.&#13;
Zu Forschungszwecken bemüht man&#13;
sich bei IBM um die Herstellung von&#13;
Einkristallen aus dem neuen Material,&#13;
um dessen physikalische Eigenschaften&#13;
besser&#13;
studieren&#13;
zu können.&#13;
Beispielsweise ist die Festigkeit noch&#13;
ein Problem.&#13;
Mit wachsender stärke&#13;
der Magnetkraft nehmen nämlich auch&#13;
die Kräfte zu, die dem zusammenhält&#13;
des Magneten entgegenwirken. Deshalb&#13;
muß das superleitende Kabel sowohl&#13;
biegsam genug sein, um eine Spule damit zu wickeln, als auch fest genug,&#13;
um den Drücken sehr starker magnetischer Felder standzuhalten.&#13;
Die vom US-Kongreß ins Leben gerufene&#13;
Studienkonferenz&#13;
für Umwelt&#13;
und Energie, die die Öffentlichkeit&#13;
über einschlägige Fragen informiert,&#13;
spricht bereits davon, daß superleitende Elektromagnete&#13;
zum Bau sehr&#13;
kleiner, hochleistungsfähiger und weniger kostspieliger Elektromotren für&#13;
Autos und Schiffe führen könnten.&#13;
Die verbreitete Einführung von Elektrofahrzeugen&#13;
würde&#13;
riesige&#13;
neue&#13;
Märkte eröffnen und angesichts der&#13;
Tatsache, daß der Verkehrssektor in&#13;
den USA der größte Ölverbraucher ist,&#13;
die Abhängigkeit vom Öl wesentlich&#13;
verringern.&#13;
Als eine Reaktion auf die wachsende&#13;
internationale Konkurrenz&#13;
in&#13;
der&#13;
Entwicklung&#13;
von&#13;
Supraleitern&#13;
brachten Abgeordnete beider Parteien&#13;
im Repräsentantenhaus und Senat einen&#13;
Gesetzesentwurf über die Einsetzung&#13;
einer&#13;
Nationalen&#13;
Kommission&#13;
für&#13;
Supraleiter ein. Die Kommission, der&#13;
führende Persönlichkeiten aus Regie-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�rung, Industrie und von Universitäten&#13;
angehören würden, soll Wege zur beschleunigten Entwicklung von Supraleitern empfehlen. Außerdem soll sie&#13;
sich mit Möglichkeiten befassen, Privatfirmen wenigstens teilweise von&#13;
den Verpflichtungen der Antitrust-Gesetze zu entbinden, damit Forschung&#13;
und&#13;
Produktentwicklung&#13;
koordiniert&#13;
werden können. Die Nationale Akademie der Wissenschaften wurde vom USKongreß inzwischen gebeten, zu dem&#13;
Vorschlag Stellung zu nehmen, die&#13;
Verwendung von Forschungsgeldern des&#13;
Bundes in Höhe von 100 Millionen Dollar von einer einzigen Regierungsbehörde koordinieren anstatt, wie bisher, von mehreren Ministerien getrennt verwalten zu lassen.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>1 DOKUMENTATION&#13;
- Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen &#13;
- zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
- Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats &#13;
&#13;
2 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

Sonderdienst

^

25. Juni 1987

DER MARSHALL-PLAN:

POLITIK DER VISION

Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt in Berlin

SPERRFRIST:

25. Juni 1987, 16.00 Uhr (MESZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des Marshall-Plans erklärte Botschafter Burt am 25. Juni 1987 in Berlin,
der Westen müsse "zu einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden Probleme gelangen", um sich die Möglichkeiten zunutze zu machen, die Glasnost für die
Teilung Europas eröffnen kann.
Burt verwies ferner darauf, daß sich angesichts einer bevorstehenden Rüstungskontrollvereinbarung und heraufziehender Verhandlungen über konventionelle Waffen besonders die Ost-West Beziehungen an einem Scheideweg befänden.
Es sei deshalb "von vorrangiger Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem
neuen Zeitalter angemessene sicherheitspolitische Maßnahmen einigen und Abrüstungenverhandlungen jeglicher Art gemeinsam angehen".
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr
Regierender
Bürgermeister
Diepgen,
Herr
Minister
Bangemann,
Herr
Bundestagsvizepräsident
Cronenberg,
Frau
staatssekretärin
Berger, meine Damen und Herren.
Jahrestage bieten eine gute Gelegenheit,
die
Errungenschaften
der
Vergangenheit zu feiern. Wir sollten
solche Augenblicke nutzen, um uns zu
vergegenwärtigen, wie wir uns den
Herausforderungen der Gegenwart und
der Zukunft stellen können.
Es ist
ganz einfach unsere Pflicht, aus der
Geschichte jede nur mögliche Lehre zu

ziehen, so
sein mag.

riskant

diese Übung

auch

Die Welt von 1947 war das Produkt
eines
Viertel Jahrhunderts,
in
dem
Kirchturmpolitik, wechselweise in Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
grenzenlosem Protektionismus das internationale Staatengefüge zerrüttete. Jahre der Aggression, Beschwichtigungspolitik, der engstirnigen und
eigennützigen
politischen
Entscheidungsfindung und der Wirtschaftspolitik des einseitigen Vorteils gipfel-

�ten in sinnlosem Gemetzel und Zerstörung.
Amerika war
verhältnismäßig
unversehrt
daraus
hervorgegangen,
seine Selbstherrlichkeit war jedoch
schwer angeschlagen und die traditionelle
Politik
des
Isolationismus
zweifelhaft geworden.
Das zerstörte
und erschöpfte Europa sah einer Zukunft
wirtschaftlichen
und
politischen Zusammenbruchs, sozialer Zerrüttung und der scheinbar unweigerlichen Ausbreitung eines neuen totalitären Regimes entgegen.
Aber die Nationen der westlichen
Welt hatten doch etwas aus ihren Fehlern gelernt.
Ungeachtet der Verzweiflung
schuf diese außergewöhnliche Generation zum ersten Mal eine
funktionsfähige internationale Politik und ebensolche Institutionen
die Vereinten Nationen, Punkt Vier
des Abkommens von Bretton Woods und
als bemerkenswerteste
Leistung das
Programm
zum Wiederaufbau Europas,
das in diesem Monat vor 40 Jahren von
Außenminister George c. Marshall ins
Leben gerufen wurde.
Wie Außenminister Shultz es formulierte, liegt dem Marshall-Plan die
- im Jahre 1947 gewagte - Ansicht zugrunde, daß "wir nicht immer unsere
existentiellen
Eigeninteressen
auf
Kosten anderer Länder verfolgen sollten. Im Gegenteil besteht der effektivste
Weg
zur
Erlangung
unserer
grundlegenden Ziele darin, mit anderen an der Durchsetzung ihrer grundlegenden Ziele zusammenzuarbeiten".
Wir schweben heute meiner Ansicht
nach in Gefahr, diese einfache - zu
einem solch hohen Preis erfahrene Wahrheit zu vergessen.
Die Herausforderungen, denen wir uns im Jahre
1987
gegenübersehen,
unterscheiden
sich von denen des Jahres 1947. Aber
Kirchturmdenken
herrscht
nach
wie
vor, und damit sind unsere Probleme

heute so wenig zu lösen wie vor 40
Jahren. Es ist ungemein wichtig, daß
wir dieselbe Kreativität, großzügige
Gesinnung und denselben Weitblick an
den Tag legen, wie sie George C.
Marshall und seine Zeitgenossen bewiesen haben.
Ein kurzer Blick zurück mag uns
einigen Aufschluß darüber geben, wie
wir die Herausforderungen von heute
angehen könnten. Im Europa der Nachkriegszeit verfolgten Amerikaner und
Sowjets völlig unterschiedliche Ziele.
Die Amerikaner waren nicht an
einem eigenen Weltreich interessiert,
rüsteten schnell ab und zogen ihre
Streitkräfte nahezu vollständig aus
Europa zurück. Amerikanische Politiker hatten die Vorstellung von einem
Europa
der
unabhängigen,
demokratischen Nationen, das seine eigenen
Angelegenheiten untereinander und mit
dem Rest der Welt partnerschaftlich
bewältigt.
Die Vereinten Nationen
sollten dabei die Sicherheit der internationalen
Gemeinschaft
gewährleisten.
Ein freies
Handelssystem
sollte wieder für Wohlstand sorgen.
Genau
dieses
Denken
brachte
den
Marshall-Plan,
das
Abkommen
von
Bretton Woods und später die NATO und
die Europäische Gemeinschaft hervor.
Das ziel der Sowjets bestand darin, ein geschlossenes, stark zentralisiertes Weltreich zu schaffen, das
mit so weit wie möglich gezogenen
Grenzen die Sicherheit Rußlands garantieren würde.
Im Jahre 1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, daß "jeder
mit seinem System herrscht, soweit
seine Armee
reichen kann.
Anders
kann es nicht sein". Mit ihrem Streben nach absoluter Sicherheit für
sich selbst zwang die Sowjetunion ihren Nachbarn absolute Unsicherheit
auf.
Die sowjetischen Absichten in
Ost- und Südeuropa waren offensicht-

�lieh expansionistischer Art. Die Sowjetunion behielt ihr großes stehendes Heer bei und zwang damit die
Westeuropäer, die Gründung der NATO
und das erneute Engagement der Amerikaner in Europa voranzutreiben.
Der Gegensatz zwischen amerikanischer und sowjetischer Wirtschaftspolitik
ist
ebenso
bemerkenswert.
Der Plan von Marshall zielte, seinen
eigenen Worten zufolge, auf "die Wiederbelebung
einer
funktionierenden
Weltwirtschaft ab, damit die Entstehung politischer und sozialer Bedingungen ermöglicht wird, unter denen
freie Institutionen existieren können".
Die
amerikanische
Politik
trachtete
danach, die
europäischen
Volkswirtschaften
wiederaufzubauen,
ein offenes Handelssystem zu schaffen
sowie wirtschaftliche Gesundung und
allgemeinen Wohlstand zu fördern und
nicht etwa danach, der amerikanischen
Wirtschaft Vorteile
zu verschaffen
oder ein amerikanisches Imperium zu
errichten.
Ein offenes internationales Handelssystem war mit der sowjetischen
Politik
unvereinbar.
Die
Sowjets
hatten vielmehr bereits in den ersten
Monaten des Jahres 1945 damit begonnen, ihren osteuropäischen Satelliten
einschließlich der deutschen Ostzone
geschlossene, autark regierte Volkswirtschaften aufzuzwingen.
Die Sowjets verweigerten ihre Beteiligung
am Marshall-Plan und am Internationalen Währungsfonds und zogen es vor,
Osteuropa von der Weltwirtschaft zu
isolieren und ihm erhebliche Reparationen abzufordern.
Nichts
entspricht
weniger
der
Wahrheit als die weithin verbreitete
Ansicht, im Europa der Nachkriegszeit
hätten Amerika und die Sowjetunion
das gleiche
Ziel verfolgt
- die
Schaffung von Einflußbereichen.
Re-

visionistische Historiker können sicher auf Fehler und verpaßte Gelegenheiten verweisen. Aber die Tatsachen
sprechen für sich. Mit den amerikanischen, durch den Marshall-Plan belegten Verbindungen zum Europa der
Nachkriegszeit wurde nicht die Absicht verfolgt, ein Imperium oder
Einflußbereiche zu schaffen oder etwa
Europa zu teilen, sondern es sollte
eine offene, pluralistische und demokratische internationale Ordnung hervorgebracht werden.
Es war die Sowjetunion, die Europa und Deutschland teilte.
Es war
die sowjetische Politik, die amerikanische Truppen nach Westeuropa zurückbrachte, damit sie den Erhalt der
europäischen Selbstbestimmung unterstützen.
Sie werden abziehen, wenn
die Europäer ihre Anwesenheit nicht
länger wünschen.
Russische Truppen
werden Osteuropa dagegen nur dann
verlassen, wenn die Sowjets entscheiden, daß sie abziehen sollten.
Wie
durch die Breschnew-Doktrin und wiederholte militärische Interventionen
in Osteuropa verdeutlicht wird, besteht seit 40 Jahren das Ziel der Sowjetunion darin, ihr Weltreich mittels der Teilung Europas vollständig
zu erhalten.
Es ist das beständige
Ziel der amerikanischen Politik, diese Teilung Europas, Deutschlands und
Berlins zu überwinden.
Die Bedingungen, denen sich die
Europäer heute gegenübersehen - konkurrierende Bündnissysteme, die Präsenz amerikanischer Truppen in Europa, der Rüstungswettlauf - ergeben
sich aus der erzwungenen Teilung dieses Kontinents und dieses Landes.
Diejenigen, die Waffen als einzige
Bedrohung des Friedens betrachten und
den Rüstungswettlauf auf den Wettstreit der Supermächte in Europa zurückführen,
erliegen
dem
Trugbild
einer "Europäisierung Europas", die

- 3 -

�diesen Kontinent womöglich aus den
Klauen der Supermächte befreien könnte.
Weil Europa geteilt ist, besteht
das Problem der Sicherheit. Wie Präsident Reagan Anfang des Monats in
Berlin ausführte, liegt die Lösung
für dieses Problem in der Überwindung
der
Teilung
dieses
Kontinents.
Gorbatschows
neue
Glasnost-Politik
könnte Möglichkeiten für einen Aufbruch in die richtige Richtung bedeuten. Es ist kaum anzunehmen, daß er
versuchen wird, die Sowjetunion in
eine Demokratie nach westlichem Muster umzuformen. Henry Kissinger hat
sicherlich recht mit seinen Xußerungen, daß Gorbatschow danach strebt,
die sowjetische Gesellschaft stabiler
und leistungsfähiger zu machen, damit
die Sowjetunion eher mit dem Westen
konkurrieren kann. wir haben offensichtlich noch keinen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjets
wahrgenommen.
Dennoch ist es jetzt an der Zeit,
darüber nachzudenken, wie der Westen
die sich durch Glasnost eröffnenden
Möglichkeiten zur Beendigung der Teilung Europas am besten nutzen kann.
Um dies zu erreichen, müssen wir zu
einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden
Probleme gelangen, einer
Bewertung, die sich auf das Verständnis der historischen Gegebenheiten
gründet.
Auf der Grundlage dieser
Bewertung
und
einer
zuverlässigen
Analyse westlicher Interessen müssen
wir eine gemeinsame Strategie entwikkeln. Wir sollten zu einer Einigung
über unsere Zielsetzungen und Taktiken gelangen und einen Konsens bezüglich ihrer Durchführung erarbeiten.
Aber bevor wir all dies in die Wege
leiten können, ist die Beilegung unserer Differenzen in Sicherheits- und
Wirtschaftspolitik
unbedingt
erforderlich, weil diese die westliche Zu-

sammenarbeit schwächen und untergraben. In einer zeit der Hoffnung können wir uns Kirchturmpolitik, Provinzialismus und Protektionismus nicht
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.
Das trifft besonders angesichts
der Diskussion über Mittelstreckenwaffen und Rüstungskontrolle zu. Wir
stehen jetzt kurz vor einem historischen Abkommen über diese umstrittene Waffenkategorie, und zu meiner
Überraschung
und
leichten
Enttäuschung betrachten manche Beobachter auf beiden Seiten des Atlantiks
dieses Abkommen bereits als eine Niederlage für das Bündnis und die militärische Strategie des Westens.
In
Wirklichkeit
wäre ein
INF-Abkommen
für den Westen ein entscheidender Erfolg mit Verstärkungsfunktion für das
Prinzip, daß Rüstungskontrolle
nur
durch die Solidarität des Bündnisses
und dessen entschlossene Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts Erfolge zeitigen kann.
Sicher würde ein INF-Abkommen für
die Strategie und die militärische
Doktrin des Bündnisses wichtige Fragen aufwerfen.
Aber unbedachtes Gerede
über
"Entnuklearisierung"
und
"Abkopplung" dient nicht unseren gemeinsamen Interessen.
Wenn wir uns
nicht in acht nehmen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu zermürben und die
Leistungen des Westens in einen sieg
für die Sowjetunion umzumünzen.
Wir dürfen daher die Grundregel
der Rüstungskontrolle im Bereich der
Mittelstreckenraketen nicht ignorieren: Solidarität im Bündnis und insbesondere deutsch-amerikanischer Zusammenhalt - und nicht die Vorschläge
von Herrn Gorbatschow - haben ein Abkommen möglich gemacht.

- 4 -

�Mit einer Rüstungskontrollvereinbarung vor Augen und heraufziehenden
neuen Verhandlungen über konventionelle Waffen stehen wir an einem
Scheideweg.
Es ist von vorrangiger
Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem neuen Zeitalter angemessene
sicherheitspolitische
Maßnahmen
einigen
und
Abrüstungsverhandlungen
jeglicher Art gemeinsam angehen. Die
Strategie des Bündnisses umfaßt fünf
wesentliche Prinzipien, auf die sich
jedwede von uns erarbeitete Politik
gründen muß:
Erstens muß amerikanische stärke
weiterhin mit einem Engagement auf
dem europäischen Kontinent verbunden
sein.
Die Strategie des Bündnisses
ist grundsätzlich vom Engagement der
amerikanischen Streitkräfte abhängig.
Zweitens
bleibt
nukleare
Abschreckung ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie. Dazu gehört
die andauernde Präsenz von Nuklearwaffen auf europäischem Boden ebenso
wie die Beibehaltung funktionsfähiger
Nuklearstreitkräfte
der
Vereinigten
Staaten.
Drittens werden die Vereinigten
Staaten wie auch die europäischen
Bündnispartner
weiterhin
an
einer
Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der konventionellen Streitkräfte arbeiten müssen.
in einer Zeit,
in der wir zunehmend vom alleinigen
Vertrauen auf Nuklearwaffen abrücken,
muß unsere konventionelle Verteidigung gestärkt werden.
Viertens muß das Prinzip des gemeinsam getragenen Risikos erhalten
bleiben. Im Rahmen unserer Strategie
darf es nicht dazu kommen, daß irgendein
Bündnispartner
oder
eine
Gruppe von Verbündeten beträchtlich
größere Risiken auf sich nimmt als

die anderen tragen müssen. Die Vereinigten Staaten können von ihren europäischen Verbündeten nicht verlangen, einer Situation zuzustimmen, in
der ein nuklearer oder konventioneller Krieg allein auf ihrem Territorium ausgetragen würde.
Und fünftens müssen wir die besondere Bedeutung der Bundesrepublik
Deutschland innerhalb der Strategie
des Bündnisses erkennen.
In vieler
Hinsicht ist sie das verwundbarste
Land der NATO.
Durch ihre Lage an
der Trennungslinie zwischen Ost und
West ist die Bundesrepublik im geographischen Sinne direkt bedroht. Im
Gegensatz
zu
Großbritannien
und
Frankreich besitzt dieses Land keine
Nuklearwaffen.
Darüberhinaus ist es
ein geteiltes Land. Aus allen diesen
Gründen
ist
die
Bundesrepublik
Deutschland
für
Druck
von
sowjetischer Seite besonders anfällig und
daher vielleicht in stärkerem Maße
von ihren Freunden abhängig als jedes
andere Land innerhalb der NATO.
Heute
wird
die
Fähigkeit
des
Westens, einen Konsens über anwendbare politische Richtlinien in Bereichen von absolut vorrangiger Bedeutung zu erzielen, durch die wachsende
Neigung zu amerikanischem Alleingang
und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Die Amerikaner
akzeptieren
die weltweiten Verpflichtungen ihres
Landes, sind jedoch häufig um schnelle Lösungen bemüht und vielfach ungeduldig angesichts der mit kooperativen
Vorgehensweisen
einhergehenden
Verzögerungen und komplexen zusammenhänge. Die Europäer arbeiten im Bereich des Handels und der Kultur untereinander und mit den anderen Nationen der Welt gut zusammen.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bestrebungen zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Probleme auf Europa zu
beschränken und andernorts auftreten-

- 5 -

�de unangenehme Probleme anderen zu
überlassen - für gewöhnlich den Vereinigten Staaten.
Diese Tendenzen nähren sich gegenseitig.
Während
Europa
danach
trachtet, sich außenpolitischen Verpflichtungen zu entziehen, versucht
Amerika, Maßnahmen ohne angemessene
Konsultation und Kooperation zu ergreifen. Anstatt kreative neue politische Richtlinien und Programme hervorzubringen, verkümmerte unser Dialog zu amerikanischen Klagen über
"europäische Schwächlinge" und europäischer Verärgerung über amerikanische
"Rambomanie".
Die Neoneutralisten fordern die "Europäisierung"
und Entnuklearisierung Europas, während Amerikas Neoisolationisten endlose
Serien
außenpolitischer
Vorschläge entwickeln, die ebenso weit
von den Realitäten einer interdependenten Welt entfernt sind.
Verhaltensweisen wie diese gründen sich auf Unkenntnis der Geschichte und unzutreffende
Vorstellungen
von der Zukunft.
Wie ich versucht
habe auszuführen, können wir zu deren
Bekämpfung beitragen, indem wir zurückblicken, um herauszufinden, wie
unsere Vorgänger auf die damalige,
zugegebenermaßen andersartige, Krise
in der Geschichte der westlichen Welt
reagiert haben.
Der Marschall-Plan
und die anderen zu jener Zeit entworfenen
politischen
Richtlinen
und
Programme erkannten unser gemeinsames
Interesse
an
unserem
gemeinsamem
Wohlergehen. Ihr Ansatz war internationalistisch
im besten Sinne des
Wortes und gründete sich auf Partnerschaft statt auf Kirchturmpolitik, um
sowohl Europa als auch Amerika stark
und wohlhabend zu machen.

Amerika einen zentralen Platz ein.
Die
Nachkriegszeit
ist
vorüber.
Größtenteils dank des Marschall-Plans
hat sich Europa vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht ist wieder zu einer
führenden Kraft in der Welt geworden.
Die
europäische
Verteidigungsfähigkeit entspricht der einer Supermacht.
Europäische
Entscheidungen
haben
starken
Einfluß
auf
die
Menschen
überall in der Welt, nicht nur die
Europäer.
Wenn es also wirklich eine "reife
Partnerschaft"
zwischen
Amerikanern
und Europäern geben soll, müssen beide die Lektion neu lernen, daß sie
gemeinsam sehr viel mehr erreichen
können
als
allein.
Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa muß sich auf einen Konsens
gründen - den Konsens darüber, wie
Sicherheit aufrechterhalten, die Beendigung der Teilung Europas herbeigeführt, wie ein offenes internationales Handelssystem im Zeitalter neuer Technologien und Konkurrenten beibehalten und ausgebaut und wie in der
Dritten Welt und überall auf der Erde
zusammengearbeitet werden kann.
Lassen sie uns ebenso kreative
Lösungen zur Bewältigung unserer Probleme suchen, wie sie unsere Vorfahren in der Nachkriegszeit fanden.
Lassen sie uns diese Lösungen gemeinsam suchen. Wenn uns dies gelingt,
werden sich vielleicht in 40 Jahren
unsere
Nachfahren,
die
Vertreter
eines wahrhaft geeinten Westens, hier
versammeln, in einem wiedervereinigten Berlin, im Herzen eines ungeteilten Europa, um dessen feierlich zu
gedenken, was wir erreicht haben.

Meine Vision der Zukunft - und
ich hoffe, auch die Ihre - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
- 6 -

+ + + + + +

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
^7&#13;
&#13;
C*&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1 . J u l i 1987&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
INFORMATION&#13;
&#13;
zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
&#13;
Neuester Stand der amerikanischen Rflstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Neue Normen fOr Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Information&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
ZUM TODE VON ARTHUR F. BURNS&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Aus Anlaß des Todes von Arthur F. Burns am 26. Juni 1987,&#13;
dem ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, veröffentlichen wir im folgenden den Nachruf von Botschafter Burt.&#13;
&#13;
Gemeinsam mit Millionen Deutschen&#13;
und Amerikanern trauere ich um Arthur&#13;
F. Burns, den außergewöhnlichen Botschafter&#13;
in&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
und großen Staatsmann.&#13;
Er war ein persönlicher Freund und&#13;
Mentor.&#13;
Als&#13;
kluger&#13;
Ratgeber&#13;
war&#13;
mir&#13;
Arthur Burns während meiner Dienstzeit als Unterstaatssekretär für Europäische&#13;
Angelegenheiten&#13;
in&#13;
Washington in hohem Maße behilflich.&#13;
Als ich zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik er-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
nannt wurde, habe ich ihn viele Male&#13;
um Rat ersucht.&#13;
Arthur Burns war in allem, was er&#13;
während seines langen und erfüllten&#13;
Lebens vollbrachte, stets ein herausragendes Vorbild. Am 27. April 1904&#13;
in Stanislau im damaligen Kaiserreich&#13;
Österreich-Ungarn geboren, emigrierte&#13;
er im Mai 1914 mit seinen Eltern in&#13;
die Vereinigten Staaten.&#13;
Er begann&#13;
bereits im Alter von zehn Jahren zu&#13;
arbeiten und im Verlauf seines Lebens&#13;
wurde er ein überragender Gelehrter,&#13;
Wirtschaftswissenschaftler, Präsiden-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tenberater und Diplomat.&#13;
Kurz bevor er im Jahr 1985 seinen&#13;
Abschied von Bonn nahm, wurde Botschafter Burns in einem interview gefragt, ob er vorhabe, sich in den&#13;
Ruhestand zurückzuziehen. Er antwortete, daß er sich niemals zur Ruhe&#13;
setzen würde, daß er seit seinem&#13;
zehnten Lebensjahr&#13;
gearbeitet habe&#13;
und daß er sicherlich "mitten in der&#13;
Arbeit aus dem Leben gerissen" werde.&#13;
In der Tat sagte er häufig, daß seine&#13;
Arbeit ihm Kraft verleihe. Nicht zuletzt gelang ihm dies dank Helen&#13;
Burns Unterstützung und Ermutigung.&#13;
3ie war der wichtigste Mensch in seinem Leben.&#13;
Arthur Burns liebte die Deutschen&#13;
und ihr Land und er war ein großer&#13;
Bewunderer&#13;
ihres&#13;
Charakters,&#13;
der&#13;
Strebsamkeit&#13;
und des unermüdlichen&#13;
Fleißes der Deutschen. Und sie verehrten ihn.&#13;
Während&#13;
seiner Jahre als Botschafter in Bonn hat Arthur Burns&#13;
sich viele Male zu bedeutenden bilateralen und internationalen Themenkomplexen geäußert.&#13;
In einer Rede&#13;
vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München im November 1983 sprach&#13;
Botschafter&#13;
Burns&#13;
einmal&#13;
von&#13;
den&#13;
"Herausforderungen der Demokratie in&#13;
Deutschland und Amerika".&#13;
&#13;
"die Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
in&#13;
den vergangenen 35 Jahren bewiesen&#13;
hat, daß ihre Bürger eine Gesellschaft zu würdigen wissen, die sich&#13;
fest auf das Prinzip der Demokratie&#13;
gründet". Er rief die Menschen ebenfalls dazu auf, die starke deutschamerikanische Partnerschaft zu pflegen. Er erklärte: "Ich betrachte sie&#13;
als entscheidend für das überleben&#13;
unserer jeweiligen Gesellschaften&#13;
für unser Leben als freie Menschen".&#13;
Diese weisen Worte sind ein bedeutendes Vermächtnis, das wir alle&#13;
im Gedächtnis bewahren sollten.&#13;
Er war ein enger Freund und Lehrmeister und Gahl und ich sind über&#13;
sein Dahinscheiden von tiefer Trauer&#13;
erfüllt. In dieser Zeit des schmerzlichen Verlustes möchten wir Helen&#13;
Burns&#13;
unser&#13;
aufrichtiges&#13;
Beileid&#13;
übermitteln. Wir alle haben den Verlust&#13;
eines&#13;
großen&#13;
amerikanischen&#13;
Staatsmannes und wahren Freundes der&#13;
Deutschen und ihres Landes zu beklagen.&#13;
&#13;
Er erklärte, daß "jede Generation&#13;
sich den Themen und Problemen, mit&#13;
denen sie sich in ihrer Zeit konfrontiert sieht, stellen muß... Eine der&#13;
Lektionen, die uns die Geschichte&#13;
lehrt, ist, daß in einer reifen Demokratie Extremismus dahin tendiert,&#13;
die Menschen abzustoßen". Er forderte die jungen Menschen in Amerika und&#13;
Deutschland&#13;
auf, den&#13;
Lehren, die&#13;
durch die Geschichte vermittelt werden können, mehr Aufmerksamkeit zu&#13;
widmen.&#13;
Und er verwies darauf, daß&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
AMERIKANER GEDENKEN DES HÖCHSTEN GUTES DER FREIHEIT&#13;
Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag •&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte, daß die Amerikaner am 4.&#13;
Juli "des höchsten Gutes der Freiheit gedenken werden - ein Gut, das unsere&#13;
Mitbürger stets verfochten und verteidigt haben.&#13;
"Dieses&#13;
Gut der Freiheit&#13;
ist eindrucksvoll&#13;
und weise&#13;
durch die&#13;
Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen&#13;
wir in diesem Jahr begehen" erläuterte der Präsident in seiner jährlichen&#13;
Ansprache zum Unabhängigkeitstag.&#13;
Nachfolgend drucken wir die am 29. Juni vom Weißen Haus veröffentlichte&#13;
Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
An diesem 4. Juli werden die Amerikaner wie in den vergangenen Jahren&#13;
die Unabhängigkeitserklärung und den&#13;
211. Jahrestag der Gründung unserer&#13;
Nation feiern. Aus diesem Anlaß werden Paraden im Stadtzentrum, Feiern&#13;
in den Rathäusern sowie Gedenkgottesdienste in Kirchen und Synagogen abgehalten, und unsere Bürger werden&#13;
ihre patriotische Gesinnung bei Picknicks, Feuerwerken und Baseballspielen unter Beweis stellen. Die Amerikaner im Ausland gedenken ihrer Heimat und dessen, was unser Land ihnen&#13;
bedeutet. wir alle sind von Staunen&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
erfüllt und erinnern uns voller Dankbarkeit, daß wir des höchsten Gutes&#13;
der Freiheit gedenken - ein Gut, das&#13;
unsere Mitbürger stets verfochten und&#13;
verteidigt haben.&#13;
Dieses Gut der Freiheit ist eindrucksvoll und weise durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen wir in diesem Jahr begehen. Die&#13;
Unabhängigkeitserklärung&#13;
bestätigt&#13;
unseren feste Überzeugung, daß es die&#13;
vornehmste Pflicht einer jeden Regierung ist, uns das von Gott gegebene&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'Sr,oN^&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
l.Juli 1987&#13;
STRAFVERFAHREN GEGEN HAMADEI WIRD TATKRÄFTIG BETRIEBEN&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HAMBURG - (AD) - Nach der Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland,&#13;
Mohammed Hamadei statt seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten vor&#13;
deutschen Gerichten wegen Flugzeugentführung, Mordes und anderer Vergehen anzuklagen, gab der amerikanische Justizminister Meese am 24. Juni eine Pressekonferenz in Hamburg.&#13;
Meese erklärte, ihm sei von bundesdeutscher Seite versichert worden, Hamadei "würde im vollem Umfang und mit Nachdruck aller Punkte angeklagt, für die&#13;
er auch in den Vereinigten Staaten vor Gericht gestellt worden wäre". Der Justizminister&#13;
bemerkte&#13;
ferner,&#13;
"diese&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende Verpflichtung dieser Regierung gegenüber&#13;
dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei&#13;
der Terror ismusbekämpfung".&#13;
Nachfolgend drucken wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:&#13;
&#13;
Justizminister Meese: Guten Tag,&#13;
meine Damen und Herren.&#13;
Nach einer&#13;
kurzen Stellungnahme werde ich gern&#13;
auf ihre Fragen eingehen.&#13;
Die Regierung der Bundesrepublik&#13;
Deutschland hat heute erklärt, daß&#13;
Mohammed Hamadei in der Bundesrepublik wegen Flugzeugentführung, Mordes&#13;
und anderer Vergehen vor Gericht gestellt werden wird. Mit dieser Entscheidung&#13;
nimmt die&#13;
Bundesrepublik&#13;
ihre gesetzmäßigen Rechte wahr, die&#13;
unter diesen Umständen verlangen, daß&#13;
ein Angeklagter entweder hier vor Ge-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
richt gestellt oder an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird.&#13;
Von&#13;
der Bundesregierung wurde versichert,&#13;
Hamadei würde im vollem Umfang und&#13;
mit Nachdruck aller Punkte angeklagt,&#13;
für die er auch in den Vereinigten&#13;
Staaten vor Gericht gestellt worden&#13;
wäre, einschließlich&#13;
einer&#13;
Anklage&#13;
wegen Besitzes von Sprengstoff, die&#13;
nur&#13;
nach&#13;
deutscher&#13;
Rechtsprechung&#13;
möglich ist. Wir haben der Staatsanwaltschaft seitens der Regierung der&#13;
Vereinigten Staaten und besonders von&#13;
Seiten des Justizministeriums unsere&#13;
volle Unterstützung bei der Vorberei-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tung&#13;
ihres Falles&#13;
zugesagt.&#13;
Die&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende&#13;
Verpflichtung dieser Regierung gegenüber dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung.&#13;
Ich möchte&#13;
antworten.&#13;
&#13;
jetzt ihre Fragen be-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie&#13;
haben&#13;
gestern&#13;
in&#13;
Bonn erklärt, die amerikanische Regierung sei in der Lage, eindeutige&#13;
Beweise gegen Hamadei vorzulegen. Um&#13;
welche Art von Beweisen handelt es&#13;
sich, und wann würden Sie diese unterbreiten?&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
werden alle uns&#13;
vorliegenden&#13;
Beweise&#13;
zur Verfügung&#13;
stellen, einschließlich der&#13;
Zeugen&#13;
und aller Unterlagen, mit denen wir&#13;
einen Beitrag leisten können, und wir&#13;
werden diese dann unterbreiten, wenn&#13;
die Staatsanwaltschaft sie zur Vorbereitung und Verhandlung ihres Falles&#13;
benötigen.&#13;
Frage:&#13;
Sprechen Sie&#13;
gieren des TWA-Fluges?&#13;
&#13;
von&#13;
&#13;
Passa-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Da es sich&#13;
um ein&#13;
schwebendes Verfahren handelt, möchte&#13;
ich über den spezifischen Charakter&#13;
der Beweise nichts sagen. Wir haben&#13;
unsere volle Unterstützung bei der&#13;
Beweisaufnahme zugesagt.&#13;
Frage:&#13;
Glauben Sie, daß dies&#13;
einen politischen Schatten auf die&#13;
Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington werfen wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ganz und gar nicht.&#13;
Wie Präsident Reagan erklärte, sind&#13;
wir über die Tatsache erfreut, daß&#13;
die Bundesrepublik Deutschland sich&#13;
&#13;
durch&#13;
ihre Verpflichtung&#13;
auf&#13;
das&#13;
Recht ausgezeichnet hat; das Recht&#13;
stellt es in das Ermessen der Bundesrepublik, ob sie den Fall hier verhandeln oder den Angeklagten an die&#13;
Vereinigten Staaten übergeben will,&#13;
damit dort das Verfahren gegen ihn&#13;
eröffnet wird.&#13;
In diesem Fall hat&#13;
man entschlossen, ihn - wie ich bereits erwähnte - hier wegen all der&#13;
Anklagepunkte vor Gericht zu stellen,&#13;
wegen derer wir ihn auch in den Vereinigten Staaten hätten belangen können, einschließlich der zusätzlichen&#13;
Anklage hier in der Bundesrepublik&#13;
wegen des Besitzes von Sprengstoff.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
wie würden die Vereinigten Staaten&#13;
reagieren, wenn Hamadei schon kurz&#13;
nach dem Prozeß freigelassen würde?&#13;
Es kursieren bereits Gerüchte, daß er&#13;
nur einen Teil seiner Strafe verbüssen könnte. Wie würden die Vereinigten Staaten dann reagieren?&#13;
Antwort:&#13;
Die Zusagen, die wir&#13;
von der Bundesrepublik Deuschland erhalten haben - und ich glaube auch&#13;
die im Rahmen der heute abgehaltenen&#13;
Pressekonferenz abgegebene Erklärung&#13;
- besagt, daß eine solche Situation&#13;
in keiner Weise in Erwägung gezogen&#13;
wird.&#13;
Frage: Sind Sie mit&#13;
gerung zufrieden?&#13;
&#13;
dieser&#13;
&#13;
Fol-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
sind&#13;
zufrieden,&#13;
daß von der Bundesregierung die Bestimmungen des Gesetzes vollständig&#13;
erfüllt und die Zusammenarbeit bei&#13;
der Terrorismusbekämpfung vollständig&#13;
verwirklicht worden ist.&#13;
Frage:&#13;
Können Sie die letzten&#13;
24 Stunde der Verhandlungen in Bonn&#13;
beschreiben?&#13;
&#13;
- ? -&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
handelte&#13;
&#13;
sich&#13;
&#13;
�nicht um Verhandlungen, sondern vielmehr um Diskussionen, die uns die in&#13;
Erwägung gezogene Absicht und inzwischen&#13;
getroffene&#13;
Entscheidung&#13;
der&#13;
Bundesrepublik Deutschland umfassend&#13;
erläutern&#13;
sollten.&#13;
Entsprechend&#13;
sollte ihr unsere Haltung verständlich gemacht werden und insbesondere&#13;
die Tatsache, daß wir auf jede nur&#13;
mögliche Art und Weise mit allen Beweisen zur Unterstützung bereit sind,&#13;
die sich in der Obhut der amerikanischen Behörden befinden.&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ihr persönliches&#13;
gewinnen?&#13;
&#13;
hofften 3ie durch&#13;
Erscheinen hier zu&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
handelt&#13;
sich&#13;
um&#13;
eine&#13;
langfristig&#13;
geplante&#13;
Reise.&#13;
Seit einigen Wochen hatte ich hier&#13;
ein Gespräch mit Regierungsvertretern&#13;
vorgesehen. Zum ersten Mal hatte ich&#13;
die Gelegenheit, in Bonn mit meinem&#13;
Kollegen,&#13;
Innenminister&#13;
Zimmermann,&#13;
zusammenzutreffen und natürlich auch&#13;
mit Minister Engelhard, der in seinem&#13;
Amt als Justizminister noch relativ&#13;
neu ist.&#13;
Frage:&#13;
Bestand in diesen vergangenen Tagen Hoffnung auf eine Auslieferung?&#13;
Antwort:&#13;
Die&#13;
Absicht&#13;
bestand&#13;
darin, die von der Bundesregierung zu&#13;
treffende Entscheidung zu erörtern.&#13;
Mein Vorhaben bestand darin, sicherzustellen, daß - wie Präsident Reagan&#13;
es formulierte - Hamadei in allen&#13;
Punkten angeklagt wird. Ich bin der&#13;
Überzeugung, daß dies erfolgen wird,&#13;
und deshalb sind wir mit dem Ergebnis&#13;
sehr zufrieden.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
haben sie von der Regierung in Bonn&#13;
irgendwelche Garantien erhalten, daß&#13;
Hamadei nicht kurz nach dem Gerichtsverfahren freigelassen wird? Gibt es&#13;
&#13;
irgendwelche Garantien, die Sie...&#13;
Antwort:&#13;
ich glaube, wir müssen hier einen Schritt nach dem anderen betrachten.&#13;
Er wird mit aller&#13;
Kraft&#13;
des&#13;
Gesetzes&#13;
strafrechtlich&#13;
verfolgt werden.&#13;
Ich bin der Überzeugung, daß Herr Schäuble dies zweifelsohne&#13;
heute&#13;
bereits&#13;
ausgeführt&#13;
hat, und es wurde uns wiederholt die&#13;
Zusage gegeben, daß in allen Punkten&#13;
und mit Nachdruck Anklage gegen ihn&#13;
erhoben wird.&#13;
Ich erwarte demnach&#13;
nicht, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt&#13;
freigelassen&#13;
wird,&#13;
und&#13;
ich&#13;
glaube, daß ihm nach deutschem Recht&#13;
bei einer Verurteilung eine lebenslange&#13;
Freiheitsstrafe&#13;
bevorstünde.&#13;
Ich bin also nicht der Ansicht, daß&#13;
der von Ihnen angesprochene Fall eintreten wird.&#13;
Frage:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
gehört, Sie&#13;
haben an einer Konferenz der Polizeichefs hier in Hamburg teilgenommen.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ja.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ist mit&#13;
der Abschreckung, über die Sie immer wieder&#13;
gesprochen haben, daß nur Abrchrekkung eine Waffe zur Bekämpfung der&#13;
Terroristen sein könnte.&#13;
Wenn Sie&#13;
diese Art von Handel eingehen...&#13;
Antwort:&#13;
Einen&#13;
Moment&#13;
mal.&#13;
Hier gibt es überhaupt keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Doch, es gibt einen...&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Nein, es gibt keinen&#13;
Handel, gleich welcher Art. Absolut&#13;
keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
Aber das heißt,&#13;
nicht ausgeliefert wird...&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
er&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Das Gesetz sieht zwei&#13;
Alternativen vor. Und diese Alternative liegt einzig im Ermessen der Re-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�gierung, gleichgültig, um welche Regierung es sich handelt - in diesem&#13;
Fall ist es die Bundesrepublik Deutschland.&#13;
Der Regierung, in deren&#13;
Gewahrsam sich der Häftling befindet,&#13;
obliegt die Entscheidungsbefugnis darüber, wo ihm der Prozeß gemacht&#13;
wird. Hier, wenn die Regierung über&#13;
eine angemessene Rechtsprechung verfügt - was sie tut - oder ob das Verfahren gegen ihn in den Vereinigten&#13;
Staaten eröffnet wird. Es gibt hier&#13;
absolut keinen Handel.&#13;
In der Tat&#13;
wurde seitens der Bundesregierung die&#13;
bindende Zusage gegeben, daß es keinen Handel mit irgendjemandem geben&#13;
wird.&#13;
Frage:&#13;
Sie sind also nicht darüber besorgt, daß die Deutschen zu&#13;
irgendeinem Zeitpunkt Hamadei im Gegenzug für die Freilassung der deutschen Geiseln austauschen werden?&#13;
Antwort:&#13;
Ich mache mir keine&#13;
Sorgen.&#13;
Sie haben uns die bindende&#13;
Zusage gegeben, daß sie mit der Anklageerhebung beginnen werden.&#13;
Frage:&#13;
Verstehen Sie die&#13;
lungsweise der Bundesregierung?&#13;
Antwort:&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Hand-&#13;
&#13;
Ob ich sie verstehe?&#13;
Politisch gesehen.&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich verstehe das Vorgehen, denn wenn wir in den Vereinigten Staaten&#13;
in derselben Position&#13;
wären, mit einem Häftling, der unserer&#13;
Gerichtsbarkeit&#13;
unterliegt und&#13;
gegen den wir tatsächlich in mehr&#13;
Punkten Anklage erheben könnten als&#13;
das andere Land, würden wir uns wahrscheinlich für ein Verfahren bei unseren Gerichten in den Vereinigten&#13;
Staaten entscheiden. Deswegen möchte&#13;
ich nochmals betonen, daß dieses Vorgehen in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes steht.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie&#13;
Problem&#13;
mit dem Kongreß wegen dieser Vorgehensweise&#13;
bei der Bewältigung&#13;
des&#13;
Problems?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, der Kongreß hat&#13;
mit dieser Angelegenheit nichts zu&#13;
tun.&#13;
Dies ist ausschließlich eine&#13;
Regierungsangelegenheit, die im hochsten Ermessen des Präsidenten und der&#13;
offiziellen&#13;
Behörden der&#13;
Exekutive&#13;
liegt.&#13;
ich sehe also nicht, welche&#13;
Rolle der Kongreß hier spielen sollte.&#13;
Frage:&#13;
Wie Sie wissen, wurden&#13;
im Kongreß zahlreiche Stimmen laut,&#13;
daß Hamadei ausgeliefert werden sollte.&#13;
Antwort:&#13;
Das&#13;
entscheidende&#13;
Kriterium&#13;
für diejenigen, die mit&#13;
diesen Rechtsangelegenheiten vertraut&#13;
sind, ist offensichtlich, daß Anklage&#13;
gegen ihn erhoben und er verurteilt&#13;
werden muß, und das ist genau das,&#13;
was hier geschieht.&#13;
Frage:&#13;
Haben Sie bereits&#13;
Präsident Reagan gesprochen?&#13;
&#13;
mit&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
nicht&#13;
mit&#13;
Präsident Reagan gesprochen. Ich habe im Verlauf des heutigen Tages mit&#13;
anderen Vertretern im Weißen Haus gesprochen. Es ist noch ziemlich früh&#13;
in Washington...&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Was haben sie gesagt?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
...und wir haben das&#13;
vollständige Einverständnis aller Regierungsvertreter, denen eine Verantwortung in dieser Angelegenheit zukommt, ja?&#13;
Frage:&#13;
Inwieweit&#13;
entsprechen&#13;
die Vermutungen der Wahrheit, daß die&#13;
Entführung von Charles Glass mit diesem Fall in Verbindung stehen könnte?&#13;
&#13;
l&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
ich habe hierzu überhaupt keinen Kommentar abzugeben und&#13;
auch keinen Grund zu irgendwelchen&#13;
Vermutungen. Noch weitere Fragen?&#13;
&#13;
«&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ihrer Ansicht nach gibt&#13;
es also überhaupt keine Mißstimmungen&#13;
in den Beziehungen zwischen Bonn und&#13;
Washington soweit es diesen Fall betrifft?&#13;
Antwort:&#13;
Die Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington sind immer&#13;
gut gewesen, und ich bin davon überzeugt, daß die Offenheit und das&#13;
vollständige Vertrauen, von denen unser Meinungsaustausch gekennzeichnet&#13;
war, diesen Beziehungen im Verlauf&#13;
der vergangenen Tage nur zuträglich&#13;
gewesen&#13;
ist.&#13;
Und natürlich trägt&#13;
diese Vorgehensweise, die in vollem&#13;
Einklang mit dem Gesetz steht, noch&#13;
dazu bei. Vielen Dank.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'4-&#13;
&#13;
-""•&#13;
&#13;
ck&#13;
&#13;
Hintergrundmaterial&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUESTER STAND DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN&#13;
- Sonderveröffentlichung des Außenministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Sonderveröffentlichung "Neuester Stand&#13;
der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen" wurde jetzt vom amerikanischen&#13;
Außenministerium herausgegeben.&#13;
Nachfolgend drucken wir den Bericht im Wortlaut:&#13;
Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Oktober in Reykjavik ÜberStrategische Offensivwaffen&#13;
einstimmung erzielt hatten, sieht auf&#13;
beiden Seiten den 50prozentigen Abbau&#13;
Am 8. Mai 1987 legten die Verbis auf 1 600 strategische Trägersyeinigten Staaten bei den Verhandlunsteme und 6 000 Gefechtsköpfe vor,&#13;
gen über Kern- und Weltraumwaffen in&#13;
mit angemessenen Untergrenzen und in&#13;
Genf den Entwurf zu einem Vertragseinem Zeitraum von sieben Jahren nach&#13;
text für Verhandlungen über die VerInkrafttreten des Vertrages.&#13;
ringerung&#13;
strategischer&#13;
Rüstungen&#13;
(START) vor, der einen 50prozentigen&#13;
Der amerikanische Vertragsentwurf&#13;
Abbau amerikanischer und sowjetischer&#13;
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen&#13;
strategischer&#13;
Offensivwaffen&#13;
vorbestimmte Beschränkungen bei den desieht.&#13;
Der&#13;
Vertragsentwurf, der&#13;
stabilisierendsten und gefährlichsten&#13;
grundsätzlich die Bereiche widerspieNuklearsystemen fest - den schnell&#13;
gelt, in denen Präsident Reagan und&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen&#13;
(ICBMs).&#13;
in&#13;
diesem Bereich haben wir Grenzen und&#13;
Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf&#13;
ballistischen Raketen, Raketen-Wurfgewichte und schwere ICBMs vorgeschlagen. Unser Vorschlag umfaßt detaillierte Bestimmungen, die darauf&#13;
abzielen, jeden Zweifelsfall bei den&#13;
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen zur Verifizierung, einschließlich Inspektionen vor Ort, mit denen&#13;
sichergestellt werden soll, daß jede&#13;
Seite auf die vollständige Einhaltung&#13;
des Abkommens durch den Vertragspartner vertrauen kann.&#13;
Mit der Vorlage dieses Vertragsentwurfs versuchen die Vereinigten&#13;
Staaten auf den bei START bereits erzielten&#13;
erheblichen&#13;
Fortschritten&#13;
aufzubauen und die Lösung noch ausstehender Fragen, besonders zur Notwendigkeit - zum Zweck der Sicherung&#13;
strategischer Stabilität - von Untergrenzen bei Gefechtsköpfen auf ballistischen&#13;
Raketen&#13;
voranzutreiben.&#13;
Leider wurde der Fortschritt durch&#13;
die beharrliche sowjetische Haltung&#13;
verzögert, ein Abkommen bei START mit&#13;
Maßnahmen koppeln zu wollen, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative&#13;
(SDI) effektiv beendet&#13;
würde. Die Vereinigten Staaten werden keinerlei Maßnahmen akzeptieren,&#13;
die das SDI-Programm lähmen oder zunichte machen würden. Das SDI-Programm ist aufgrund der von ihm gebotenen Aussicht auf ein sichereres&#13;
Mittel zur Abschreckung lebenswichtig&#13;
für die zukünftige Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der&#13;
Ansicht, daß der Vertragsentwurf für&#13;
START eine solide Grundlage für die&#13;
Schaffung eines gerechten und dauer- 2&#13;
&#13;
haften Abkommen bietet, das - zum&#13;
ersten Mal in der Geschichte - einschneidende Reduzierungen in den Arsenalen strategischer Waffen sowohl&#13;
der Vereinigten Staaten als auch der&#13;
Sowjetunion herbeiführen würde. Die&#13;
Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zur Erreichung eines solchen Abkommens zu leisten und hoffen,&#13;
daß die Sowjets die gleiche Entschlossenheit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF)&#13;
Die Entschlossenheit des Westens,&#13;
zu dem als Reaktion auf die sowjetische Stationierung der SS-20 getroffenen "Doppelbeschluß" der NATO&#13;
von 1979 zu stehen, zahlt sich jetzt&#13;
aus. Der Entschluß der NATO, das bei&#13;
INF bestehende Ungleichgewicht durch&#13;
eine&#13;
Stationierung&#13;
amerikanischer&#13;
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite&#13;
(LRINF)&#13;
zu beseitigen und&#13;
gleichzeitig zu versuchen, mit den&#13;
Sowjets Verhandlungen über die Erlangung eines Gleichgewichts bei INF auf&#13;
dem niedrigsten möglichen Niveau anzustreben, hat uns zu dem Punkt geführt, an dem gute Aussichten für ein&#13;
amerikanisch-sowjetisches&#13;
Abkommen&#13;
über bedeutende Reduzierungen von INF&#13;
bestehen.&#13;
Am 4. März 1987 haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen&#13;
(NST) in Genf einen Entwurf für einen&#13;
Vertragstext über INF vorgelegt. Die&#13;
Grundstruktur eines INF-Abkommens&#13;
die Art und das Niveau der Reduzierungen bei LRINF - wurden von Präsident&#13;
Reagan&#13;
und&#13;
Generalsekretär&#13;
Gorbatschow im vergangenen Oktober in&#13;
Reykjavik vereinbart und findet auch&#13;
im amerikanischen Vertragstext ihren&#13;
Niederschlag.&#13;
Dieser fordert Reduzierungen auf eine vorläufige weltweite obergrenze von jeweils 100 Ge-&#13;
&#13;
�fechtsköpfen auf LRINF auf amerikanischem und sowjetischem Territorium&#13;
- wovon sich keine in Europa befinden&#13;
sollen. Die Vereinigten Staaten und&#13;
unsere NATO-Verbündeten ziehen jedoch&#13;
weiterhin eine Null-Lösung bei LRINF&#13;
vor - die weltweite Abschaffung dieser gesamten Kategorie von Raketen und werden weiterhin die Sowjetunion&#13;
zur Aufgabe ihrer beharrlichen Haltung bei der Beibehaltung der verbleibenden LRINF drängen.&#13;
Als Reaktion darauf legte die Sowjetunion am 27. April ihren Vertragsentwurf zu INF vor, der die in&#13;
Reykjavik&#13;
zur&#13;
LRINF&#13;
vereinbarten&#13;
Punkte grundsätzlich aufnimmt.&#13;
Eine&#13;
Reihe von Kernproblemen müssen noch&#13;
gelöst werden. Das wichtigste dieser&#13;
Probleme betrifft die Verifizierung.&#13;
Jedes INF-Abkommen muß wirksam verifizierbar sein, wenn es die Stabilität verbessern und die Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhöhen soll.&#13;
Die Vereinigten&#13;
Staaten haben umfassende Verifizierungsmaßnahmen zur Verbesserung der&#13;
Einhaltung&#13;
vorgeschlagen.&#13;
Die Sowjets haben angemerkt, daß sie in&#13;
einigen grundlegenden Bereichen eine&#13;
Verifizierung anstreben, in denen wir&#13;
eine solche gefordert haben und die&#13;
Herr Gorbatschow im Prinzip in Reykjavik akzeptiert hat.&#13;
Dazu zählen&#13;
zum Beispiel der Austausch von Zahlenmaterial, Vor-Ort-Beobachtung der&#13;
Zerstörung, wirkungsvolle Überwachung&#13;
der verbleibenden Bestände von LRINF&#13;
und der dafür erforderlichen Einrichtungen&#13;
sowie&#13;
Vor-Ort-Inspektionen.&#13;
Sie müssten jedoch noch die notwendigen Einzelheiten vorlegen.&#13;
&#13;
einem ersten INF-Abkommen stehen sowie wirksam verifizierbar sein muß&#13;
und einen weltweiten Gleichstand hervorbringen sollte.&#13;
Sowjetische Bestrebungen zur Einbeziehung der Systeme anderer Länder außer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion&#13;
in ein INF-Abkommen sind nicht akzeptabel.&#13;
Die Lösung dieser&#13;
und anderer&#13;
noch ausstehender Probleme wird sehr&#13;
harte Verhandlungen erfordern.&#13;
Die&#13;
Vereinigten Staaten leisten auch weiterhin ihren Beitrag, um diese Probleme zu lösen und sich einem INF-Abkommen anzunähern.&#13;
Es ist jetzt an&#13;
der Sowjetunion, dasselbe Engagement&#13;
für wahrhafte Fortschritte zu demonstrieren.&#13;
&#13;
Verteidigung im Weltraum&#13;
Sowohl bei den im April abgehaltenen&#13;
Treffen&#13;
von&#13;
Außenminister&#13;
Shultz in Moskau als auch im Anschluß&#13;
daran&#13;
bei&#13;
den&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen in Genf legten die Vereinigten Staaten einen&#13;
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.&#13;
Dieser&#13;
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:&#13;
&#13;
Ein weiteres Problem betrifft die&#13;
Kurzstreckensysteme (3RINF). Wir beharren gemeinsam mit unseren Verbündeten auch weiterhin darauf, daß ein&#13;
Abkommen über diese Systeme bilateralen Charakter haben, im Einklang mit&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
- die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion würden die Verpflichtung&#13;
eingehen, sich&#13;
bis&#13;
1994&#13;
nicht vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.&#13;
- Diese Verpflichtung wäre abhängig&#13;
von der Anwendung der bei START&#13;
vereinbarten&#13;
Reduzierungen, das&#13;
heißt einem 50prozentigen Abbau&#13;
zum Gleichstand von 1 600 strategischen Trägersystemen und 6 000&#13;
Gefechtsköpfen&#13;
mit&#13;
angemessenen&#13;
Untergrenzen.&#13;
&#13;
�- Das Abkommen würde nicht die Souveränitätsrechte der Parteien abändern, wie sie nach internationalem Gewohnheitsrecht bestehen.&#13;
Die Vertragspartner könnten sich&#13;
im Falle eines erheblichen Bruchs&#13;
des Abkommens oder bei Gefährung&#13;
ihrer entscheidenden Interessen&#13;
zurückziehen.&#13;
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme&#13;
eigener&#13;
Wahl&#13;
stationieren, sofern nicht anders&#13;
vereinbart.&#13;
Um gegenseitiges Vertrauen durch&#13;
eine Verbesserung der Vorhersehbarkeit im Bereich der strategischen&#13;
Verteidigung aufzubauen und als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen schlugen die Vereinigten Staaten ferner vor, daß sie&#13;
selbst und die Sowjetunion jährlich&#13;
Zahlen über ihre geplanten Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns darum,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion&#13;
gegenseitige&#13;
Informationsgespräche über ihre jeweiligen&#13;
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies&#13;
bereits mit unserer Initiative der&#13;
offenen Labors vorgeschlagen haben.&#13;
Schließlich haben wir vorschlagen,&#13;
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung&#13;
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.&#13;
&#13;
wicklung, Herstellung, des Gebrauchs,&#13;
Transfers und der Lagerung chemischer&#13;
Waffen mit verschiedenen Mitteln zu&#13;
verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische Vor-Ort-Inspektionen in Zweifelsfällen verbindet.&#13;
Beim Genfer Gipfeltreffen vom November&#13;
1985&#13;
vereinbarten&#13;
Präsident&#13;
Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler&#13;
Gespräche über alle Aspekte eines umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir fünf Runden&#13;
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten. Eine sechste Runde ist für den&#13;
Sommer 1987 vorgesehen.&#13;
&#13;
Chemische Waffen&#13;
&#13;
Obwohl die bilateralen Vertragsgespräche einige Meinungsverschiedenheiten&#13;
abgebaut&#13;
und die Sowjets&#13;
schließlich im März 1987 den Besitz&#13;
chemischer Waffen zugegeben haben,&#13;
bestehen bei einer Reihe von Kernproblemen noch große Differenzen. Zum&#13;
Beispiel haben die Vereinigten Staaten bei der wesentlichen Frage einer&#13;
Verifizierung der Einhaltung des Vertrages obligatorische "lnspektionen&#13;
in Zweifelsfällen" gefordert, um vermutete Verletzungen zu untersuchen.&#13;
Die Sowjets bestehen weiterhin darauf, daß die Zustimmung zu solchen&#13;
Inspektionen freiwillig erfolgen müßte.&#13;
Trotz ihres jüngst erfolgten&#13;
Hinweises, daß die Durchführung obligatorischer Inspektionen im Zweifelsfalle bei bestimmten Fällen zutreffen&#13;
könnte, bestehen sie weiterhin auf&#13;
einem Verweigerungsrecht, das eine&#13;
Konvention&#13;
über&#13;
chemische&#13;
Waffen&#13;
schwächen und die Möglichkeit zur Irreführung erhöhen würde.&#13;
&#13;
Im April 1984 haben die Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40 Nationen&#13;
teilnahmen, einen umfassenden Vertrag&#13;
vorgelegt, der das Verbot der Ent-&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und&#13;
anderen befreundeten Nationen sowie&#13;
mit den Sowjets zusammen, um die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�verhindern.&#13;
Besonders als Reaktion&#13;
auf die andauernde Verwendung chemischer Waffen im Krieg zwischen Iran&#13;
und Irak haben die Vereinigten Staaten und 17 andere westliche Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen&#13;
für mit chemischen Waffen in Verbindung zu bringenden Artikeln abzustimmen und andere Mechanismen zu entwikkeln, die der illegalen Verwendung&#13;
chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in anderen Ländern&#13;
Einhalt zu gebieten. Wir haben ebenfalls in den beiden mit den Sowjets&#13;
im Jahr 1986 abgehaltenen bilateralen&#13;
Gesprächen Exportkontrollen und politische Schritte&#13;
überprüft, um die&#13;
Verbreitung chemischer Waffen einzuschränken.&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
verpflichten&#13;
sich weiterhin voll und&#13;
ganz zu Bestrebungen um wirkungsvolle&#13;
und verifizierbare Abkommen mit der&#13;
Sowjetunion&#13;
über die Einschränkung&#13;
von Atomtests.&#13;
Dazu hat der Präsident ein praktisches, Schritt für&#13;
Schritt durchführbares Verfahren vorgeschlagen.&#13;
Sein Vorschlag besagt,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen sollten. Die Tagesordnung dieser Verhandlungen bestünde&#13;
zunächst&#13;
darin,&#13;
im&#13;
bestehenden&#13;
Schwellenvertrag (TTBT) und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen&#13;
Zwecken&#13;
(PNET) Bestimmungen&#13;
zur Verifizierung zu verbessern. Sobald diesem Anliegen der Verifizierung entsprochen worden ist und die&#13;
Verträge ratifiziert sind, würden die&#13;
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sofort in Verhandlungen über&#13;
Möglichkeiten eintreten, um Schritt&#13;
für Schritt - in Zusammenhang mit&#13;
einem Programm zum Abbau und zur&#13;
&#13;
letztlichen Abschaffung aller Atomwaffen - ein parallel laufendes Programm anzuwenden, das auf die Begrenzung und letztlich die Beendigung von&#13;
Atomtests abzielt.&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
haben&#13;
konkrete&#13;
und praktische Vorschläge&#13;
unterbreitet, um Fortschritte bei den&#13;
Begrenzungen von Atomtests zu erzielen.&#13;
Im Juli 1985 lud der Präsident&#13;
sowjetische Experten zu einem Besuch&#13;
amerikanischer Testgelände ein, damit&#13;
sie bei den dort durchgeführten Erprobungen&#13;
den&#13;
Detonationswert&#13;
mit&#13;
jeglichen, ihnen notwendig erscheinenden Geräten messen.&#13;
Im Dezember&#13;
1985 schlug er ein Treffen für offizielle amerikanische und sowjetische&#13;
Techniker vor, bei dem über Verifizierung gesprochen werden sollte. Im&#13;
März 1986 lud er sowjetische Experten&#13;
nach Nevada ein, um die CORRTEX-Methode (Continuous Reflectrometry for&#13;
Radius versus Time Experiment - hydrodynamische Meßmethode zur Bestimmung des atomaren Detonantionswertes,&#13;
der die Ausbreitung der unterirdischen&#13;
Druckwelle&#13;
einer&#13;
Explosion&#13;
mißt) zur Messung des Detonationswerts zu untersuchen, einer Präsentation des Systems CORRTEX beizuwohnen&#13;
und einen amerikanischen Test zu messen.&#13;
Schließlich haben die Sowjets im&#13;
Sommer 1986 zugestimmt, daß Experten&#13;
beider Seiten zu Diskussionen zusammenkommen&#13;
sollten, um&#13;
das&#13;
breite&#13;
Spektrum der sich im Bereich von&#13;
Atomtests ergebenden Fragen ohne Vorbedingungen zu besprechen.&#13;
Die Experten trafen sich im Juli, September&#13;
und November 1986 und im Januar und&#13;
Mai 1987 in Genf. Die Gespräche beschäftigten&#13;
sich hauptsächlich&#13;
mit&#13;
Verfahrensweisen der Verifizierung besonders bei CORRTEX - und auch mit&#13;
der Tagesordnung für formelle Verhandlungen über Atomtests.&#13;
Während&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�des Besuchs von Außenminister Shultz&#13;
im April in Moskau vereinbarte er mit&#13;
dem&#13;
sowjetischen&#13;
Außenminister&#13;
Schewardnadse, daß die Experten gemeinsame Aktivitäten zur Verifizierung untersuchen sollten, die möglicherweise eine Bewertung der Wirksamkeit von Verfahrensweisen unterstützen könnten.&#13;
&#13;
samen Vertragsentwurf zur Errichtung&#13;
von Zentren zur nukleren Risikoverringerung in ihren jeweiligen Hauptstädten. Dieses Abkommen stellt als&#13;
direktes Ergebnis amerikanischer Initiative eine praktische Maßnahme zur&#13;
Stärkung der internationalen Sicherheit dar und baut gleichzeitig das&#13;
sich durch Zufälle, Fehlinterpretationen oder falsche Berechnung möglicherweise&#13;
ergebende Risiko eines&#13;
Konflikts&#13;
zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Sowjetunion ab. Die&#13;
Zentren würden beim Austausch von Informationen&#13;
und&#13;
Benachrichtigungen,&#13;
wie sie bestehende und in der Zukunft&#13;
mögliche Abkommen&#13;
zur Rüstungskontrolle&#13;
und&#13;
für&#13;
vertrauensbildende&#13;
Maßnahmen erfordern, eine Rolle spielen.&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa (KVAE)&#13;
Die&#13;
Stockholmer&#13;
KVAE-Konferenz&#13;
mit&#13;
35&#13;
Teilnehmerstaaten&#13;
fand&#13;
schließlich&#13;
am 22. September&#13;
1986&#13;
statt. Es wurden eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die Offenheit&#13;
und Vorhersehbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa verbessern sollten. Diese auf Vorschläge der NATO zurückgehenden Maßnahmen&#13;
sehen die vorherige Benachrichtigung&#13;
über alle militärischen Aktivitäten&#13;
oberhalb&#13;
einer&#13;
Größenordnung&#13;
von&#13;
13 000 Soldaten oder 300 Panzern vor,&#13;
sowie die Beobachtung militärischer&#13;
Aktivitäten oberhalb einer Grenze von&#13;
17 000 Soldaten und die jährliche&#13;
Vorhersage&#13;
bevorstehender&#13;
militärischer&#13;
Aktivitäten.&#13;
Das&#13;
Abkommen&#13;
enthält&#13;
ebenfalls Bestimmungen&#13;
für&#13;
Vor-Ort-Inspektionen in der Luft und&#13;
auf der Erde zwecks Verifizierung.&#13;
Trotz&#13;
ihres&#13;
bescheidenen&#13;
Umfangs&#13;
stimmen die Sowjets damit zum ersten&#13;
Mal einer Inspektion auf ihrem eigenen&#13;
Territorium&#13;
zur&#13;
Verifizierung&#13;
eines internationalen Sicherheitsabkommens zu.&#13;
&#13;
Bilaterale Vertrauensbildende Maßnahmen&#13;
Am 4. Mai 1987 erzielten amerikanische und sowjetische Unterhändler&#13;
eine Übereinkunft über einen gemein-&#13;
&#13;
Beiderseitige und Ausgewogene&#13;
penreduzierungen (MBFR)&#13;
&#13;
Trup-&#13;
&#13;
Am 5. Dezember 1985 legte die&#13;
NATO eine neue Initiative vor, die&#13;
auf Anliegen des Ostblocks eingeht.&#13;
Der Vorschlag stellt den Wunsch des&#13;
Westens nach einer Übereinkunft über&#13;
den&#13;
augenblicklichen&#13;
zahlenmäßigen&#13;
Stand der Streitkräfte noch vor Unterzeichnung&#13;
des Vertrages&#13;
zurück.&#13;
Die Sowjets hatten geltend gemacht,&#13;
daß diese westliche Forderung das&#13;
Haupthemmnis für ein Abkommen sei.&#13;
Der Vorschlag forderte ferner einen&#13;
zeitlich begrenzten, in einer ersten&#13;
Phase durchgeführten Abzug von 5 000&#13;
amerikanischen&#13;
und&#13;
11 000&#13;
sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen&#13;
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.&#13;
Im diesem Zeitraum würden die&#13;
Reststreitkräfte&#13;
durch&#13;
nationale&#13;
technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Ein- und Ausgangspunkte, den Austausch von Zahlen&#13;
und 20 jährliche Vor-Ort-Inspektio-&#13;
&#13;
- 6-&#13;
&#13;
�nen.&#13;
Bis jetzt haben die Sowjets&#13;
nicht konstruktiv auf die Initiative&#13;
des Westens reagiert.&#13;
&#13;
NATO-Arbeltsgruppe auf höchster&#13;
Ebene für konventionelle Rüstungskontrolle&#13;
Diese&#13;
Arbeitsgruppe&#13;
legte&#13;
dem&#13;
Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986&#13;
ihren Bericht über Tendenzen der konventionellen&#13;
Rüstungskontrollpolitik&#13;
der NATO vor.&#13;
Bei dieser Sitzung&#13;
verabschiedeten die NATO-Minister die&#13;
"Erklärung von Brüssel", in der die&#13;
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt&#13;
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht&#13;
konventioneller&#13;
Streitkräfte&#13;
auf&#13;
niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom&#13;
Atlantik bis zum Ural herzustellen.&#13;
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche zur Erarbeitung eines Mandats für&#13;
neue Verhandlungen auf.&#13;
Die Erklärung von Brüssel fordert ebenfalls&#13;
getrennte Verhandlungen, die sich auf&#13;
die Ergebnisse der Konferenz über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
und Abrüstung&#13;
in Europa&#13;
(KVAE) stützen und diese erweitern&#13;
sollen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrages sowie des&#13;
beiderseitigen Wunsches der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.&#13;
Diese Konsultationen sind&#13;
keine Verhandlungen sondern eher Gespräche&#13;
zur&#13;
Überarbeitung&#13;
unterschiedlicher Themen, die zu gemeinsamer Besorgnis Anlaß geben. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion&#13;
sind beide außerordentlich daran interessiert, die gefährliche Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern&#13;
und haben sich darauf geeinigt, diese&#13;
Konsultationen als Forum für Gespräche und einen Meinungsaustausch zu&#13;
benutzen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrag&#13;
Vom 15. - 18. Dezember 1986 kamen&#13;
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Washington zur achten&#13;
Runde einer&#13;
andauernden Serie von&#13;
Konsultationen über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen zusammen, die&#13;
im Dezember&#13;
1982 begonnen hatten.&#13;
Diese Konsultationen&#13;
umfassten ein&#13;
breites Spektrum von Themenkomplexen&#13;
einschließlich der vorgesehenen Förderung der internationalen Nichtverbreitungstheorie,&#13;
Unterstützung&#13;
des&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Chronologie:&#13;
&#13;
1. Januar 1986 - 1. Juni 1987&#13;
&#13;
AMERIKANI3CH-30WJETI3CHE RÜ3TUNG3KONTROLLVERHANDUJNGEN&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
Rande&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IV&#13;
V&#13;
VI&#13;
VII&#13;
&#13;
Runde VIII&#13;
&#13;
16. Januar - 4. März 1986&#13;
8. Mai - 26. Juni 1986&#13;
18. 3eptember - 13. November 1986&#13;
15. Januar - 6. März 1987&#13;
(INF dauerten bis 26. März)&#13;
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987&#13;
(3TART und Gespräche über Verteidigung im&#13;
Weltraum)&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen&#13;
und Abrüstung in Europa (multilateral)&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IX:&#13;
X:&#13;
XI:&#13;
XII:&#13;
&#13;
28.&#13;
15.&#13;
10.&#13;
19.&#13;
ein&#13;
&#13;
Januar April Juni&#13;
August Abkommen&#13;
&#13;
15. März 1986&#13;
23. Mai 1986&#13;
18. Juli 1986&#13;
19. September 1986 wurde geschlossen&#13;
&#13;
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&#13;
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. November - 20. Dezember 1986&#13;
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
27. Januar&#13;
- 11. April 1987&#13;
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. Mai&#13;
- 23. Juli 1987&#13;
(vorgesehener Abschlußtermin)&#13;
&#13;
Abrüstungskonferenz&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
13. - 31. Januar 1986&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
4. Februar - 25. April 1986&#13;
Sommersitzung:&#13;
10. Juni&#13;
- 29. August 1986&#13;
Konsultationen der Vorsitzenden des Ausschusses für&#13;
chemische Waffen:&#13;
24. November - 17. Dezember 1986&#13;
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
6. - 30. Januar 1987&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
2. Februar - 30. April 1987&#13;
&#13;
- 8-&#13;
&#13;
�Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
38&#13;
39&#13;
40&#13;
41&#13;
42&#13;
&#13;
30. Januar&#13;
15. Mai&#13;
25. September&#13;
29. Januar&#13;
14. Mai&#13;
(vorgesehener&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
- 20. März 1986&#13;
- 3. Juli 1986&#13;
- 4. Dezember 1986&#13;
- 19. März 1987&#13;
- 2. Juli 1987&#13;
Abschlußterminj&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
Runde I:&#13;
Runde II:&#13;
&#13;
13. Januar 1987&#13;
3. - 4. Mai 1987 ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen&#13;
&#13;
AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RUSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF&#13;
EXPERTENEBENE&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
11. - 12. August 1986 in Moskau&#13;
5. - 6. September 1986 in Washington&#13;
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene&#13;
&#13;
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
6. - 7. August 1986 in Moskau&#13;
10. - 11. September 1986 in Washington&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa&#13;
14. - 15. August 1986 in Stockholm&#13;
&#13;
Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen&#13;
28.&#13;
15.&#13;
1.&#13;
28.&#13;
16.&#13;
&#13;
Januar - 3. Februar 1986 in Genf&#13;
- 25. April in Genf&#13;
- 18. Juli 1986 in Genf&#13;
Oktober - 18. November 1986 in New York&#13;
Februar - 5. März 1987 in Genf&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Konvention über biologische und toxische Waffen&#13;
Expertensitzung: 31. März - 15. April 1987 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen&#13;
5. 4. -&#13;
&#13;
6. März 1986 in Bern&#13;
5. September 1986 in Bern&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Erste Sitzung:&#13;
Zweite Sitzung:&#13;
Dritte Sitzung:&#13;
Vierte Sitzung:&#13;
&#13;
Fünfte Sitzung:&#13;
&#13;
25. Juli - 1. August 1986 in Genf&#13;
4. - 18. September 1986 in Genf&#13;
13. - 25. November 1986 in Genf&#13;
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,&#13;
am 16. März wieder aufgenommen, am 20. März&#13;
in Genf beendet&#13;
18. - 29. Mai 1987 in Genf&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
5. - 6. Mai 1986 in Genf&#13;
25. August 1986 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen&#13;
15. - 18. Dezember 1986 in Washington&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�«fc° s *&lt;&#13;
&#13;
%^ON&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
^&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUE NORMEN FÜR PESTIZIDANWENDUNG GESUCHT&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Zur Ausschaltung&#13;
von durch&#13;
landwirtschaftliche&#13;
Pestizide in Nahrungsmitteln verursachte Krebsrisiken, sind einem Bericht des Nationalen Forschungsrates&#13;
(NRC) zufolge striktere Vorschriften&#13;
der&#13;
US-Bundesregierung&#13;
notwendig.&#13;
Zwar seien im Vergleich zu anderen&#13;
bekannten krebsverursachenden Faktoren diese Gefahren überaus gering.&#13;
Jedoch gebe es wegen der weitverbreiteten Anwendung von Insektiziden bei&#13;
Getreide und anderen agrarwirtschaftlichen Nutzpflanzen, von Herbiziden&#13;
zur Unkrautvernichtung und von Fungi-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ziden zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten immer größere Bedenken.&#13;
In dem 270 Seiten umfassenden Bericht&#13;
an&#13;
die&#13;
US-Umweltschutzbehörde&#13;
EPA&#13;
wird die einheitliche Einführung einer Norm für einen "unerheblichen Risikofaktor" gefordert.&#13;
Dieser Risikofaktor soll bei Frisch- und Fertigprodukten sowie alten und neuen Pestiziden Anwendung finden, die bei der&#13;
Erzeugung&#13;
von&#13;
Nahrungsmitteln&#13;
und&#13;
Tierfutter benutzt werden.&#13;
&#13;
wird&#13;
&#13;
Der&#13;
"unerhebliche&#13;
Risikofaktor"&#13;
in der Weise definiert, daß un-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ter je einer Million Menschen, die&#13;
der&#13;
chemischen&#13;
Substanz&#13;
ausgesetzt&#13;
sind, nicht mehr als ein zusätzlicher&#13;
Fall von Krebs auftreten dürfe. NRC&#13;
empfahl, jedes Pestizid zu verbieten,&#13;
durch dessen Anwendung bei Nahrungsmitteln&#13;
diese&#13;
Risikogrenze&#13;
überschritten werde.&#13;
Vor Journalisten erläuterte der&#13;
Präsident&#13;
der Universität Arkansas&#13;
und Vorsitzender des 17köpfigen NRCGremiums, Ray Thornton, das gegenwärtig gültige Gesetz. Dieses bewertet&#13;
Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln&#13;
im Rohzustand nach weniger strengen&#13;
Maßstäben&#13;
als bei Fertigprodukten.&#13;
Jedoch sei seine praktische Anwendung&#13;
schwierig und biete nicht den besten&#13;
Schutz für die Gesundheit der Bevölkerung, erklärte Thornton.&#13;
Das Bundesgesetz vom Jahr 1954&#13;
für Nahrungs- und Arzneimittel&#13;
und&#13;
für kosmetische Präparate läßt onkogene (krebsverursachende) Rückstände&#13;
in Frischnahrungsmitteln nur zu, wenn&#13;
die Vorteile&#13;
der&#13;
Pestizidanwendung&#13;
schwerer&#13;
wiegen&#13;
als&#13;
die&#13;
Risiken.&#13;
Gleichzeitig&#13;
ist&#13;
es&#13;
aufgrund&#13;
der&#13;
"Delaney-Klausel" im Gesetz der Regierung untersagt, Toleranzwerte oder&#13;
zulässige&#13;
Höchstkonzentrationen&#13;
für&#13;
Pestizide festzusetzen, die sich in&#13;
verarbeiteten Nahrungsmitteln anreichern und bei Mensch und Tier krebsauslösend wirken können.&#13;
Thornton&#13;
zufolge gebe es aber&#13;
keinen wissenschaftlichen Grund, Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
unverarbeiteten&#13;
Nahrungsmitteln rechtlich anders zu&#13;
behandeln&#13;
als&#13;
in&#13;
Fertigprodukten.&#13;
Hielte&#13;
man&#13;
sich&#13;
strikt&#13;
an&#13;
die&#13;
Delaney-Klausel, würde man nur etwa&#13;
die Hälfte der potentiellen onkogenen&#13;
Risiken ausschalten, die von den 28&#13;
von der Kommission untersuchten Pestiziden ausgehen könnten. Im Gegensatz dazu eliminierte man bei Anwen- 2&#13;
&#13;
dung einer einheitlichen "Norm für&#13;
den unerheblichen Risikofaktor" fast&#13;
alle potentiell krebsauslösenden Gefahren&#13;
durch&#13;
Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
der Nahrung. Allerdings seien Fungizide (Präparate gegen Pilzbefall) ein&#13;
Sonderfall.&#13;
Wie Thornton erklärte,&#13;
erwiesen sich bei Tierversuchen im&#13;
Labor fast alle als onkogen. Jedoch&#13;
seien sie für eine wirtschaftliche&#13;
Erzeugung vieler Obst- und Gemüsearten von großer Bedeutung, und zur&#13;
Zeit würden nur wenige wirksame Alternativpräparate&#13;
entwickelt.&#13;
Die&#13;
NRC-Kommission empfiehlt, daß die EPA&#13;
über&#13;
Fungizide&#13;
als&#13;
Präparatgruppe&#13;
nach&#13;
Getreideart&#13;
entscheidet,&#13;
anstatt, wie bisher, von Fall zu Fall&#13;
Einzelpräparate&#13;
zu genehmigen oder&#13;
abzulehnen.&#13;
Alles in allem ist die Gefahr,&#13;
durch Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln an Krebs zu erkranken, außerordentlich&#13;
gering.&#13;
Darauf verwies&#13;
das NRC-Mitglied Arthur Upton vom&#13;
Klinikum der Universität New York.&#13;
In den Vereinigten Staaten sterben&#13;
jährlich&#13;
etwa 450 000 Menschen an&#13;
Krebs, verursacht durch andere onkogene&#13;
Faktoren&#13;
- allein&#13;
mehr&#13;
als&#13;
100 000 an Krebs als Folge von Zigarettenrauchen.&#13;
Demgegenüber&#13;
ergebe&#13;
"eine grobe Schätzung des kumulativen&#13;
Risikos&#13;
durch&#13;
Pestizide&#13;
vielleicht&#13;
einen&#13;
Fall&#13;
auf&#13;
1000&#13;
als&#13;
obere&#13;
Grenze", meinte Upton. Ohnehin seien&#13;
die Schätzungen im Bericht zum Krebsrisiko wegen der vielen Unsicherheiten beim onkogenen Potential von Pestiziden, den Gewohnheiten beim Nahrungsmittelkonsum und der gegenwärtigen&#13;
Pestizidtoleranz&#13;
hypothetischer&#13;
Art. Jedoch gelte es, den Umfang der&#13;
Schädlingsbekämpfung mit nichtchemischen Mitteln immer mehr auszuweiten,&#13;
sofern sich dies als praktikabel erweise.&#13;
Mit dem Bericht wurde eine&#13;
&#13;
zwei-&#13;
&#13;
�jährige Studie abgeschlossen, an der&#13;
Toxikologen,&#13;
Juristen,&#13;
Mediziner,&#13;
Wirtschaftler und Agrarexperten mitarbeiteten.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>1 INFORMATION&#13;
- zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt &#13;
&#13;
2 DOKUMENTATION&#13;
- Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg &#13;
&#13;
3 HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
- Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums&#13;
&#13;
4 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Neue Normen for Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors </text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Tode von Arthur P. Burns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderveröffentlichung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Normen für Pestizidanwendung gesucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1-7

^

C0

8. J u l i

25

1987

I N H A L T

WIRTSCHAFT
Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

*

8. Juli 1987

25

REAGAN FORDERT ABSCHAFFUNG VON HANDELSSCHRANKEN IN DER LANDWIRTSCHAFT
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge besteht das zentrale Ziel der
von den Vereinigten Staaten in Genf vorgelegten Vorschläge zum Handel mit Agrarprodukten in der Abschaffung aller Subventionen, Zölle, Quoten und anderen
Beschränkungen des freien Welthandels im Agrarbereich innnerhalb der nächsten
zehn Jahre. Bei der Ankündigung der Vorschläge am 6. Juli 1987 räumte Reagan
ein, daß die Verwirklichung dieses Ziels in der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen nicht leicht sein werde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vorigen Monat habe ich zusammen
mit den Führern der anderen sechs
führenden Industrieländer in Venedig
eine durchgreifende Reform des Weltagrarhandels gefordert. Wir alle haben anerkannt, daß wir die jedes unserer Länder betreffenden Probleme in
der Landwirtschaft nur durch Zusammenarbeit lösen können.
In Genf werden die amerikanischen
Unterhändler
vom Landwirtschaftsministerium und vom Büro des amerikanischen
Handelsbeauftragten
heute
den ehrgeizigsten Vorschlag zur Re-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

form des Welthandels mit Agrarprodukten unterbreiten, der jemals vorgelegt wurde. Die Vereinigten Staaten
werden den totalen Abbau sämtlicher
Maßnahmen, die den Handel mit Agrarprodukten verzerren, bis zum Jahr
2000 fordern.
Es ist deutlich geworden, daß
letztlich niemand von den gegenwärtig
weltweit angewandten Praktiken in der
Landwirtschaft profitiert - nicht die
Landwirte, nicht die Verbraucher und
auch nicht die Steuerzahler. Es ist
ebenso klar, daß kein Land einseitig

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die gegenwärtigen Maßnahmen abschaffen kann, ohne durch die Politik der
anderen Länder ruiniert zu werden.
Die einzige Hoffnung besteht in einem
durchgreifenden
internationalen
Abkommen, durch das alle Länder zu
gleichgerichteten
Handlungen
und
Zeitplänen verpflichtet werden.
Der Kern unseres Vorschlages besteht in der Abschaffung aller Exportsubventionen, aller Beschränkungen unserer Märkte
(einschließlich
Zöllen und Quoten) und aller Binnensubventionen, die sich auf den Handel
auswirken, innerhalb von zehn Jahren.
Maßnahmen im Agrarbereich, die Zahlungen an Landwirte vorsehen und keine Auswirkungen auf Preisgestaltung
oder Produktionsentscheidungen haben,
wären davon nicht betroffen. Schließlich fordert unser Vorschlag die Einführung einheitlicher Nahrungsmittelvorschriften in der ganzen Welt, um
nichttarifäre Hemmnisse im Agrarhandel zu verhindern.
Ich bin mir der Tatsache vollkommen bewußt, daß dieser Vorschlag ehrgeizig
ist, daß die Verhandlungen
nicht leicht sein werden und daß ein
jegliches Abkommen nicht schmerzlos
ein wird. Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann wird die Landwirtschaft in
der ganzen Welt nach der Befreiung
vom Joch staatlicher Eingriffe blühen
und Landwirten und Verbrauchern aller
Länder Vorteile bringen.
Ich erneuere heute meine Verpflichtung, die
ich zusammen mit unseren Handelspartnern in Venedig eingegangen bin, nämlich das Ziel freier Agrarmärkte in
der ganzen Welt bis zum Jahr 2000 zu
verwirklichen.

+ + + + + +

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V,oN*&lt;

8. Juli 1987

25

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum vom Dezember 1986 bis Mitte Mai
1987.

8. Dezember

19. Dezember

Berichten
zufolge
werden
in
Kandahar etwa 600 Menschen - Zivilisten sowie Vertreter des Regimes
und der Miliz - getötet, als zwei sowjetisch-afghanische MiGs versehentlich einen Stadtteil bombardierten.
Der Überfall soll geschehen sein,
nachdem Mujahedin in Mahalajat, einer
kleinen
Stadt
45
Kilometer
von
Kandahar, aus einem Hinterhalt eine
sowjetische Panzerkolonne angriffen.

Sieben
Mitglieder
einer
Hochzeitsgesellschaft, unter ihnen drei
Frauen, werden getötet, als vier sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge
zehn Meilen nördlich von parachinar
in der pakistanischen Provinz Kurram
zwei Dörfer bombardieren.
Die Toten
gehören dem Stamm der Mangal an, der
sich bis in die afghanische Provinz
Paktia erstreckt.

20. Dezember

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In Kabul findet eine Trauerfeier
für einen bei Kämpfen in der Nähe von
Kandahar getöteten afghanischen General statt. Alle Straßen, die zum Ort
des Begräbnisses
führen, sind gesperrt.

23. Dezember
Berichten zufolge hat das Regime
in der Nähe von Sherkhana auf der
Straße von Kabul nach Jalalabad neue
militärische
Stützpunkte
errichtet.
Hierzu zählen auch zehn neue Posten
in der Nähe von Dakka.
Der zivile
Flugverkehr zwischen Kabul und Jalalabad bleibt weiterhin unterbrochen.

24. Dezember
Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß Najibullah
die Stammesältesten und Vertreter der
Provinzen Nangarhar, Kunar, Laghman,
Paktia und der Region Khost zur nationalen Aussöhnung und zu einem Ende
des Blutvergießens und Brudermordes
aufgerufen hat.

27. Dezember
Mujahedin
der
Hisb-e-Islami
(Gulbuddin Hekmatyar-Gruppierung) berichten von ihren Kämpfen gegen acht
militärische Stützpunkte, die sowjetisch-afghanische
Truppen
bei
der
strategisch wichtigen Garnison Barikot in der Provinz Kunar nur drei
Meilen von Pakistan entfernt halten.
Sie erklären, die Operation sei zum
Gedenken an den 7. Jahrestag der sowjetischen
Besetzung
Afghanistans
durchgeführt worden.

Berichten zufolge werden zwei sowjetisch-afghanische Hubschrauber bei
einem Raketenangriff der Mujahedin
auf den Flughafen von Jalalabad zerstört.
Etwa 4 000 von den Sowjets unterstützte afghanische Soldaten mit 600
Fahrzeugen
kämpfen gegen Mujahedin
der Jamiat-e-Islami-Gruppierung, die
im westlichen Teil der Stadt Herat
operieren.
Mitgliedern
der
Jamiat
zufolge halten die schweren Kämpfe
einige Tage an.

30. Dezember
Eine hochexplosive Autobombe zerstört eine Polizeistation in Peshawar
(Pakistan), dabei werden zwei Polizeibeamte getötet und einer verletzt,
als sie das in einem anderen Teil der
Stadt abgestellte Fahrzeug untersuchen. Für die Explosion werden Agenten des Kabuler Regimes verantwortlich gemacht.
Bei einer außerordentlichen Sitzung des Zentralkomitees der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) erläutert Najibullah Einzelheiten des Programms zur nationalen
Aussöhnung, das eine ab 15. Januar in
Kraft tretende einseitige Waffenruhe
einschließt. Najibullah zufolge soll
die Feuerpause sechs Monate dauern,
und Streitkräfte des Regimes würden
nur als Reaktion auf "offene und direkte" Angriffe der Oppositionstruppen schießen. Er erklärt ferner die
Verhängung einer landesweiten Generalamnestie sowie die Verkündung des
Islam als Religion Afghanistans.

1. Januar
28. Dezember

Der amtierende

Sprecher

der Sie-

�ben-Parteien-Allianz
mit
Sitz
in
Peshawar
(Pakistan) lehnt die von
Najibullah vorgeschlagene einseitige
Feuerpause ab und nennt sie eine
"Falle".
Er betont, die Mujahedin
würden
weiterhin
kämpfen,
bis
Najibullah abgesetzt und eine islamische Regierung in Afghanistan eingesetzt ist.

2. Januar

gergebäude der Regierung beschädigt.

5. Januar
Der
Generalsekretär
der
PDPA,
Najibullah, empfängt den sowjetischen
Außenminister
Eduard
Schewardnadse
und den Generalsekretät des Zentralkomitees der KPdSU, Anatoli Dobrynin,
die auf Einladung der afghanischen
Regierung zu einem Arbeitsbesuch nach
Kabul gekommen sind.

In einer Worldnet-Videokonferenz
mit Journalisten in Kuwait erklärt
ein Vertreter des US-Außenministeriums, die Mujahedin würden trotz des
seit 1983 zunehmenden militärischen
und politischen Drucks der Sowjets
diese langfristig besiegen. Ein Mitglied des politischen Planungsstabes,
Zalmay Khalilzad, erklärt, die Mujahedin würden aufgrund ihrer "Ausdauer
und zunehmenden Stärke" gewinnen.

Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß 1 000 Mujahedin unter Leitung von Sayed Ahmad
in der Region Gozareh (Provinz Herat)
als Reaktion auf Najibullahs Aufruf
zur nationalen Aussöhnung ihre Waffen
niederlegen.

3. Januar

7. Januar

Die auf diese Sitzung folgende
Zusammenkunft
des
Revolutionsrates
des Kabuler Regimes verkündet eine
Erweiterung seines Programms zur nationalen Aussöhnung. Damit soll eine
offene Einladung an bewaffnete Oppositionsführer
außerhalb des Landes
einhergehen; diese sollen an Gesprächen mit der Regierung teilnehmen.
Das Regime garantiert den Oppositionsführern sicheres Geleit zu den
Gesprächen.

Der
sowjetische
Außenminister
Eduard Schewardnadse und der Generalsekretär
des Zentralkommittees der
KPdSU, Anatoli Dobrynin verlassen Kabul, um nach zweitägigen Gesprächen,
in deren Verlauf sie den Aufruf des
afghanischen
Staatschefs
Najibullah
zur nationalen Aussöhnung und das Angebot einer ab 15. Januar in Kraft
tretenden Feuerpause unterstützen.

6. Januar

8. Januar
Zehn sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum.
Sie überfliegen Pakistan etwa
zwei Kilometer weit und werfen 15
Bomben auf das Dorf Arandu in der Region Chitral. Dabei werden drei Männer und zwei Frauen getötet und 14
weitere
Personen verletzt.
Ferner
werden 30 Privathäuser und drei La- 3

Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die an der pakistanischen Grenze
ansässigen Stämme für eine Kampagne
gegen die von ihrem Territorium aus
operierenden
Mujahedin
angeworben
wurden.
Der linke pakistanische Politiker Abdul Wali Khan vom Stamm der
Pashtun erklärte sich Berichten zu-

�folge bei seinem Besuch in Kabul im
vergangenen September bereit, solch
eine Mission zu den an der Grenze ansässigen Pashtun-Stämmen zu unternehmen.

Herbert Haggerty, wird im USIA-eigenen
Wordnet-Fernsehen
von
Journalisten in Caracas und Guatemala-Stadt
interviewt.

Das Regime behauptet, es habe in
den Provinzen Herat, Balkh, Paktia,
Badakhshan, Baghlan, Jowzjan, Faryab,
Nangarhar, Bamian und Samangan Kommissionen für die nationale Aussöhnung eingesetzt.
Es werden Einführungssitzungen abgehalten, bei denen
- nach Rezitiation von Koranversen Vertreter des Regimes und der Stämme
sowie Ulemas zur nationalen Aussöhnungspolitik sprechen.

15. Januar

11. Januar
Eine Gruppe von 50 prominenten,
nicht dem Regime zuzurechnenden Afghanen nimmt Berichten zufolge an dem
Treffen der Kommission zur nationalen
Aussöhnung in Kabul teil. Sie legen
ihre eigenen Bedingungen für eine
Aussöhnung vor, die den Abzug aller
sowjetischen Truppen umfassen sowie
die Freilassung aller politischen Gefangenen und ein Ende des Einsatzes
von Druck ausübenden Banden und des
erzwungenen Wehrdienstes. Najibullah
nimmt die Liste ihrer Bedingungen zur
Überprüfung entgegen.

Der stellvertretende Sprecher des
US-Außenministeriums, Charles Redman,
erklärt, das "Haupthindernis für eine
Regelung" in Afghanistan sei die andauernde Präsenz von 115 000 Soldaten
im Land.
Er beantwortete Fragen zu
der am 15. Januar in Kraft getretenen
einseitigen
Feuerpause des Kabuler
Regimes.
Der stellvertretende Pressesprecher
des
Weißen
Hauses,
Albert
Brashear, erklärt, die einzige Lösung
der Situation in Afghanistan bestehe
darin, daß die sowjetischen Truppen
vollständig abgezogen werden und das
afghanische
Volk
sein
Recht
auf
Selbstbestimmung ausüben kann.
Am ersten Tag des angeblichen
Waffenstillstands
wird eine sowjetische Panzerkolonne an einer schmalen Stelle der Salang-Paßstraße nördlich von Jabal-es-Seraj von Mujahedin
überfallen. Berichten zufolge werden
bei dem Angriff eine unbekannte Zahl
sowjetischer
Soldaten getötet oder
verwundet sowie mehrere Panzerfahrzeuge zerstört.

14. Januar
Ein Beamter des US-Außenministeriums bezeichnet die Forderung des
afghanischen Regimes nach einer einseitigen Feuerpause als "schlimmste
Art von Effekthascherei" und "Propagandageste", die nicht zur Wurzel des
Problems, dem sofortigen Abzug der
sowjetischen Truppen aus Afghanistan,
vordringt.
Der regionale Leiter der
Abteilung für den Nahen Osten und
Südasien
im
US-Außenministerium,

16* Januar
Der
amerikanische
Außenminister
George Shultz betont, eine kurzfristige Übereinkunft für den Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
sei das fehlende "wesentliche Kriterium" für eine Regelung in Afghanistan, und wenn das geschehen sollte,
seien die Vereinigten Staaten "zu
einer Reaktion bereit".

�Westliche Journalisten - die einer Einladung nach Kabul folgten, um
die Feuerpause
und Veranstaltungen
zur nationalen Aussöhnung zu beobachten - bemerken das plötzliche Auftauchen einer großen Anzahl sowjetischer
Panzerfahrzeuge in den Straßen, was
zu Spekulationen darüber Anlaß gibt,
daß die Sowjets möglicherweise Angriffe von gegnerischen Gruppen im
Regime fürchten.
Gerüchten zufolge
wurde von Anhängern des entmachteten
Staatschefs Karmal ein Staatsstreich
gegen Najibullah versucht.
Bei
ihrer
streng
überwachten
Fahrt durch die Hauptstadt werden die
westlichen
Journalisten
wiederholt
daran
gehindert,
das
sowjetische
Kriegsgerät zu photographieren, und
bei einer Gelegenheit werden sie dabei von sowjetischen Soldaten beschossen.
Auf ihrem Flug nach Jalalabad erklären die Journalisten, sie hätten
eine große Anzahl sowjetischer Soldaten beobachtet, die zur Verteidigung
des Flughafens von Jalalabad eingesetzt worden seien.

werden, wenn sie unser Land verlassen, ohne Bedingungen zu stellen".
Die
Mujahedin-Führer
erklären
ferner
ihre
Übereinstimmung,
"daß
eine
Kommission
eingerichtet
wird,
die Rechte und Pflichten für eine
Ubergangsregierung ausarbeitet".
Das
Gremium will seine Arbeit am 1. Februar aufnehmen und der Führungsspitze
der Allianz innerhalb eines Monats
seine Vorschläge unterbreiten.
Die
Führer
verkünden,
daß
allgemeine
freie und gerechte Wahlen abgehalten
und unter Aufsicht der Ubergangsregierung ein Parlament eingesetzt würde. Eine Verfassung soll ausgearbeitet werden, um die Ausübung des Islam
in allen Lebensbereichen zu garantieren.

18. Januar
Westlichen Diplomaten liegen Berichte vor, daß die Polizeiakademie
des Regimes einige Afghanen heimlich
zu Agenten ausbildet. Sie werden bei
den von Pakistan aus operierenden
Mujahedin und in den Flüchtlingslagern einzugeschleust, um für der Plan
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
werben.

17. Januar
Mujahedin-Führer der Sieben-Parteien-Allianz halten eine große öffentliche Zusammenkunft in Peshawar
ab, um formell mitzuteilen, daß sie
trotz der Aufforderung der Regierung
zur nationalen Aussöhnung und ihres
einseitigen Angebots einer am 15. Januar beginnenden Feuerpause den bewaffneten Kampf gegen das sowjetischafghanische Regime fortsetzen werden.
Sie weisen die Angebote als "Trick"
und "weiteres Komplott" zurück und
erklären, "der Vorschlag eines Waffenstillstands
mit
den
russischen
Streitkräften
kann
nur
diskutiert

Beim zweiten Kongreß der Bewegung
Nationales Vaterland (jetzt: Nationale Front) sollen Vertreter der linken
pakistanischen
Awami
Nationalpartei
des Wali Khan, der Ersten Kongreßpartei Rajiv Ghandis und der kommunistischen Tudeh-Partei Irans zu den
Teilnehmern gehört haben.

20. Januar
Der Erste Stellvertretende Außenminister
der
Sowjetunion,
Anatoli
Kowalew, trifft sich zu formellen Gesprächen über Afghanistan mit paki-

- 5 -

�stanischen
Politikern, unter
ihnen
Premierminister Mohammed Khan Junejo,
Außenminister
Sahibzada Yagub Khan
und der Staatssekretär im Außenministerium Abdus Sattar.
Er besucht
ferner Präsident Zia ul-Haq und übergibt diesem eine Botschaft des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow.
Der stellvertretende sowjetische Minister unternimmt einen viertägigen
offiziellen Besuch.
Die Nachrichtenagentur des Regimes in Kabul, Bakhtar, berichtet, daß
eine 600 Mann starke Gruppe, unter
ihnen 200 bewaffnete Mujahedin, in
der Provinz Jowzjan den Aufruf zur
nationalen Aussöhnung begrüßten und
sich dort zur Zusammenarbeit mit den
Vertretungen des Regimes bereit erklärten.

21. Januar

kündet.
Die Anmestie soll auch Afghanen einschließen, die vor dem 15.
Januar in regierungsfeindliche Aktivitäten verwickelt waren und würde
auch bestimmte vom Regime inhaftierte
Gruppen von Gefangenen einbeziehen.

25. Januar
Nach
Informationen
westlicher
Diplomaten
fälscht
das
Regime
in
Kabul Berichte über
zurückkehrende
Mujahedin, die sich Beamten der Regierung als Reaktion auf deren Aufforderung zur nationalen Aussöhnung
ergeben haben sollen. Die Diplomaten
sprechen von verschiedenen Augenzeugenberichten, denen zufolge Angehörige der Dorfmiliz nach Kabul gebracht
wurden, um sich im staalichen Fernsehen "zu ergeben". Einem anderen Bericht zufolge handelte es sich bei
einer
Gruppe
von
im
regimetreuen
Fernsehen
gezeigten
"Bekehrten" um
genau dieselben Personen, die sich
bereits vor einigen Monaten ergeben
hatten.

Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, trifft
am 18. Januar in Pakistan ein, wo er
mit pakistanischen Politikern Gespräche über die Probleme Afghanistans
und die bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan führt. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums erklärt,
der Besuch bestätige die anhaltende
amerikanische Unterstützung der Bemühungen Pakistans, eine baldige Beilegung des Problems Afghanistan auf der
Basis vereinbarter Grundsätze zu erlangen.

Das Regime in Kabul behauptet,
Kontakt zu pakistanischen und iranischen Diplomaten in Kabul aufgenommen und deren Genehmigung für Charterflüge eingeholt zu haben, um rückkehrwillige Flüchtlinge nach Afghanistan
zurückzubringen.
Pakistan
vertritt jedoch die Auffassung, daß
sich
internationale
Organisationen
wie der Hohe Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen um die Rückführung
etwaiger Flüchtlinge kümmert.

24. Januar

26. Januar

Auf einer außerordentlichen Sitzung des Präsidiums des DRA-Revolutionsrates wird als Bestandteil des
staatlichen Programms zur nationalen
Aussöhnung eine Generalamnestie ver-

Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge behauptet das Regime
in Kabul, in Daulatabad in der Provinz Faryab hätte sich eine weitere
Gruppe von 186 bewaffneten Mujahedin

- 6

�ergeben. Insgesamt sollen sich damit
mehr als 4 000 bewaffnete Mujahedin
dem Regime zufolge seit dessen Aufruf
zu einer einseitigen Feuerpause ab
dem 15. Januar ergeben haben.

27. Januar
In der Provinz Parwan nehmen Mujahedin Berichten zufolge eine 14köpfige Delegation der Regierung gefangen, die sich dort zu einer Mission
der Versöhnung aufhält. Sie berichten, die Delegation des Komitees zur
Nationalen Aussöhnung sei von dem aus
der Region stammenden stellvertretenden
Minister
für
Fernmeldewesen,
Khalilullah Kohistani, angeführt gewesen. Wie verlautet, wurde die Delegation von einem lokalen Anführer
der Mujahedin, Farid, gefangengenommen.
Kohistani wird mit der Nachricht zurück nach Kabul gesandt, bis
die
Sowjets
Afghanistan
verlassen
hätten, könnten keine Vereinbarungen
mit dem Regime getroffen werden.

29. Januar
Ein hochrangiger Beamter des afghanischen Regimes in der Provinz
Kunduz wird von Mujahedin ermordet.
Abdul Ahad Arzbegi war ein Mitglied
des Vorstandes im Zentralrat der Nationalen Front des Regimes, Vorsitzender des Rates der Nationalen Front
für die Provinz Kunduz sowie Vorsitzender
des
Außerordentlichen
Ausschusses für die nationale Aussöhnung
in der Provinz Kunduz. Er wird bei
dem Versuch erschossen, mit den Mujahedin Bedingungen für eine nationale
Aussöhnung auszuhandeln.

30. Januar
Der

stellvertretende

UN-General-

sekretär Diego Cordovez verkündet in
seiner Eigenschaft als Hauptvermittler bei den unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehenden Afghanistan-Gesprächen, die nächste Runde der Annäherungsgespräche in
Genf würde "im Interesse einer Verbesserung der Erfolgschancen" um zwei
Wochen verschoben - vom 11. auf den
25. Februar.

1. Februar
Eine Autobombe explodiert in der
Nähe eines Büros und Vernehmungszentrums des Ministeriums für Staatssicherheit
(KHAD) in Kabul.
Dabei
werden 28 Personen verletzt oder getötet.
Ferner entstehen Schäden an
der indischen Botschaft, einem großen
sowjetischen Militärhospital und den
etwa 30 Meter enfernten Residenzen
der indonesischen und amerikanischen
Geschäftsträger.
Im Umkreis von 500
Metern bersten die Fensterscheiben.
Dreizehn Personen werden, vermutlich auf der Straße, getötet und 15
weitere in der indischen Botschaft
verletzt.
Obwohl
der
afghanische
Staatschef Najibullah die Expiosion
als Werk der Mujahedin verurteilt,
die die engen Beziehungen des Regimes
zu Indien zerstören wollen, schließen
westliche Diplomaten die Möglichkeit
nicht aus, daß zunehmende Spannungen
innerhalb der Regierung für die Explosion verantwortlich sein könnten.
Andere Quellen behaupten, die Mujahedin hätten die Bombe in der Nähe
der indischen Botschaft gelegt, weil
sie keinen günstigeren Zugang zu den
Büros der afghanischen Geheimpolizei
(KHAD) hatten.
Zwei Bombenexplosionen unterbrechen die Gaszufuhr nach Quetta, der
Hauptstadt der Grenzprovinz Baluchi-

- 7 -

�stan im Südosten Afghanistans.
Die
Explosion zerstört eine 22 Kilometer
von der Stadt enfernte Rohrleitung.
Bei
einer
dritten
Bombenexplosion
werden Eisenbahnschienen im 80 Kilometer von Quetta gelegenen Qila Abdullah zerstört.
Pakistanische Behörden machen dem Regime in Kabul ergebene Saboteure für die Explosion
verantwortlich.

2. Februar
Mujahedin berichten, sie hätten
bei Kämpfen in der Provinz Paktia 100
Soldaten des Regimes getötet.
Vier
Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge werden beschädigt und eine erhebliche Menge Waffen erbeutet.
Mujahedin greifen den Flughafen
von Kandahar an und zerstören Berichten zufolge vier Militärhubschrauber.

3. Februar
Das
internationale Komitee des
Roten Kreuzes erhält zum ersten Mal
seit vier Jahren die Erlaubnis, nach
Afghanistan
zurückzukehren,
nachdem
Ende Januar eine Übereinkunft mit der
afghanischen Regierung erzielt worden
war. Die Einreise ist beschränkt auf
Besuche von Gefangenen; zunächst finden im Februar Besuche im Pul-i-Charki Gefängnis in Kabul statt. Ferner
wird mit dem afghanischen Roten Halbmond ein Abkommen zur Entwicklung
eines Programms
zur
orthopädischen
Versorgung für Kriegsversehrte unterzeichnet.

4. Februar
In Jalalabad explodiert eine Autobombe.
Westlichen Diplomaten zufolge berichten Augenzeugen, daß die
- 8

gegen
das
Rundfunk- und
Fernsehzentrum gerichtete Bombe mehr als 50
umliegende Geschäfte
und ein Kino
zerstörte und in einem weiten Umkreis
Fenster und Türen herausriß. Etwa 35
Personen werden dabei getötet und
mehr als 200 verletzt.

6. Februar
Im Kabuler Stadtteil Chehelsitoon
explodiert eine Bombe.
Dabei werden
drei Afghanen getötet sowie zwei militärische und ein ziviles Fahrzeug
zerstört.
Am 2. Februar wird eine
große Bombe im Shahr-e-Nau Park gefunden und entschärft; am 4. Februar
findet und entschärft man eine kleinere Bombe nahe der Residenz eines
Beamten der Vereinten Nationen im
Stadteil
Wazir
Akhbar
Khan.
Die
willkürliche
Plazierung der Bomben
sowie die Tatsache, daß damit keine
wichtigen
Einrichtungen des sowjetischen oder afghanischen Regimes getroffen wurden, veranlassen westliche
Diplomaten
zu der
Schlußfolgerung,
daß die Bombenserie möglicherwiese
das Ergebnis zunehmender Zersetzung
innerhalb des Regimes selbst sowie in
der Demokratischen Volkspartei Ai.ghanistans (PDPA) sei.
Zwei Bomben explodieren in zwei
Hotels in Quetta.
Dabei werden 28
Menschen verletzt, von denen einer
später seinen Verletzungen erliegt;
zehn weitere Personen befinden sich
in einem kritischen Zustand.

8. Februar
In einem belebten Bazar in Peshawar explodiert eine Paketbombe. Drei
Personen, darunter ein Polizeibeamter, werden getötet und 26 weitere
verletzt.
Nach
der
Explosion
im
Stadtteil Ghantaghar
Chawk
in der

�Altstadt bricht nach der
einer Gasleitung Feuer aus.

Explosion

9. Februar
Mujahedin schießen mit einer Rakete in der Region Khost ein militärisches Transportflugzeug ab. Berichten zufolge werden dabei 30 afghanische Soldaten getötet.
Das Regime
berichtet in allen Medien ausführlich
von dem Vorfall und behauptet, es habe sich um ein nicht-militärisches
Flugzeug mit Zivilisten an Bord gehandelt.

11. Februar
Soldaten des afghanischen Regimes
feuern im Bezirk Chaman in der pakistanischen
Provinz Baluchistan
150
Artillerie-Salven ab.
Dabei werden
drei Personen getötet und zwei weitere verletzt.

14. Februar
Zwei sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum und werfen sechs Bomben auf Dosh
im Bezirk Chitral ab. Dabei wird ein
Angehöriger der Grenzmannschaft getötet und sieben weitere, unter ihnen
zwei Zivilisten, verletzt.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert in einem Autobus in
Bannu, einer Provinz an der nordwestlichen Grenze Pakistans.
Ein Kind
wird getötet und sechs weitere Personen verletzt.

17. Februar

vor der gemeinsamen Afghanistan-Arbeitsgruppe im Kongreß, die jüngste
Friedensoffensive der Sowjetunion sei
ein "schwach verbrämter Täuschungsversuch", weil sie nicht auf das Problem eines baldigen Truppenabzugs aus
Afghanistan eingeht.

18. Februar
Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, erklärt bei einem von USIAs Worldnet
übertragenen interview mit europäischen Journalisten, nur ein schneller
Rückzug sowjetischer Truppen und die
Bildung einer für die afghanischen
Flüchtlinge
annehmbaren
Regierung
könne den Frieden in Afghanistan herbeiführen.

19. Februar
Vor einer Grundschule in der Nähe
von Peshawar in Pakistan explodiert
eine von Terroristen in einem Lastwagen gelegte Bombe. Dreizehn Personen
werden getötet und mehr als 50 verwundet. Die Opfer sind hauptsächlich
pakistanische Kinder.
Schüler eines
nahegelegenen
Gymnasiums
verwüsten
das Büro der Jamiat-e-lslami, einer
afghanischen
Widerstandsgruppe,
bei
deren Büro der Lkw abgestellt worden
war. Die Schüler rufen gegen die afghanischen Flüchtlinge gerichtete Parolen und stecken zwölf Fahrzeuge der
Gruppe in Brand.
Sie plündern ein
weiteres Jamiat-Büro, bevor sie von
den bedrängten afghanischen Flüchtlingen, die Warnschüsse in die Luft
feuern, zurückgetrieben werden.
Das
rechtzeitige Eintreffen der pakistanischen Polizei verhindert eine Eskalation der Situation.

Ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums, Fred Ikle, berichtet
- 9 -

�21. Februar
In Peshawar in Pakistan werden
die Geschäfte geschlossen, als Schülergruppen gegen den Mord der bei dem
Bombenanschlag der Terroristen am 19.
Februar getöteten Schulkinder demonstrieren und auf die Straße gehen, um
die
Ausweisung
der
afghanischen
Flüchtlinge zu fordern. Die Zahl der
Toten bei dieser Explosion steigt auf
14.
70 weitere Personen, meist Kinder, befinden sich noch in stationärer Behandlung.
Der Zustand einiger
Kinder ist als ernst zu bezeichnen.
Obwohl die pakistanische Regierung den Familien der Opfer eine Entschädigung zusagt, ist die Stimmung
in der Stadt von Wut geprägt, und zu
ersten Mal in acht Jahren gibt es Zusammenstöße zwischen Pakistanis und
afghanischen
Flüchtlingen.
Zwei
Flüchtlinge werden bei einem Feuergefecht in der Nähe des Explosionsortes
verletzt.
Die Demonstranten fordern
die Rückkehr der Flüchtlinge und den
Rücktritt
der Provinzregierung, da
diese nicht imstande sei, Sicherheit
zu garantieren.
Alle Universitäten
und die ihnen angeschlossenen Fakultäten in peshawar sowie alle Bildungseinrichtungen
in
der
Region
Peshawar werden auf unbestimmte Zeit
geschlossen.

22. Februar
Das afghanische Regime und die
Sowjetunion
unterzeichnen
in Kabul
ein Abkommen über die Zusammenarbeit
bei
Bewässerungsprojekten
für
den
Zeitraum 1986 bis 1989. Die Sowjetunion wird bei der Errichtung eines
Staudamms am Fluß Kokcha, dem Bau eines Kanals und der Bohrung tiefer
Brunnen mitarbeiten.
Die

Sowjetunion

wird

ferner

die

Instandsetzung
des
Bewässerungssystems im Norden des Landes und den
Bau von Pumpstationen beim Fluß Kunduz unterstützen.

24. Februar
Berichten der Mujahedin zufolge
wurden in den vergangenen drei Wochen
insgesamt 20 Flugzeuge sowjetischer
Herkunft abgeschossen, während
die
Kampfhandlungen eskalierten, weil die
Mujahedin den von der Regierung einseitig
verhängten
Waffenstillstand,
der angeblich am 15. Januar in Kraft
getreten war, nicht eingehalten hatten.
Sie behaupten weiterhin, 1 400
sowjetisch-afghanische
Soldaten
in
diesem gleichen Zeitraum getötet oder
verletzt zu haben.

25. Februar
Bei einer Pressekonferenz unmittelbar vor Wiederaufnahme der Annäherungsgespräche
zwischen
Afghanistan
und Pakistan erklärt der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen bei den Verhandlungen, Diego Cordovez, daß der Zeiuplan
für
den
Rückzug
der
sowjetischen
Truppen der einzige, noch anstehende
Themenkomplex sei.
Die Vereinten Nationen veröffentlichen ihren dritten Bericht über die
Menschenrechtssituation
in Afghanistan und kommen zu der Schlußfolgerung, daß nach dem Waffenstillstand
und dem im Januar von dem Regime in
Kabul
verkündeten
Amnestie-Programm
"keine
entscheidende
Änderung"
zu
verzeichnen ist.
Der 12 Seiten umfassende Bericht
wurde vom Sonderberichterstatter der
Kommission, Felix Ermacora, für die
Menschenrechtskommission der Verein-

- 10 -

�ten Nationen erstellt.
Dem Bericht
zufolge dauern die Kämpfe in den
Grenzgebieten an, und die Zahl der
nach Pakistan strömenden Flüchtlinge
nimmt ständig zu.
Das internationale Kommitee des
Roten Kreuzes
(ICRC) erklärt, daß
seine Vertreter vom 4. März an afghanische Gefängnisse besuchen werden.

26. Februar
Bei einem Bombenangriff sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf
drei pakistanische Grenzdörfer in der
Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan werden mindestens 58
Menschen getötet und 190 verletzt.
Dreißig Minuten lang bombardieren 16
Flugzeuge
in zwei Formationen das
Dorf Moza Qilli Ghulam Khan, als die
meisten der afghanischen Flüchtlinge
auf dem belebten Bazar einkaufen.

27. Februar
Mindestens 25 Menschen werden getötet oder verletzt, als sowjetischafghanische Flugzeuge Dörfer in der
Region
Parachinar
(Provinz Kurram)
bombardieren.
Die
Bomben
treffen
Menschen, die gerade nach dem Freitagmittagsgebet auseinandergehen sowie ein Krankenhaus für afghanische
Flüchtlinge.

3. März
Bei einem Bombenangriff von vier
sowjetisch-afghanischen
Flugzeugen
auf ein Flüchtlingslager in der Nähe
von Chitral in Nordwest-Pakistan sind
zwei Tote und fünf Schwerverletzte zu
beklagen.

4. März
In Quetta, Pakistan, wird durch
eine von Terroristen gelegte Bombe
eine Person getötet und drei weitere
verletzt.

9. März
Berichten der afghanisch-islamischen Nachrichtenagentur
zufolge
einer
für gewöhnlich
zuverlässigen
Quelle, die der Widerstandsbewegung
zugeneigt ist - haben die Mujahedin
im Januar und Februar insgesamt 130
sowjetisch-afghanische Flugzeuge und
Hubschrauber abgeschossen.
Wie verlautet, wurden davon 77 im Januar und
26 im Februar über dem Gebiet von Afganistan abgeschossen.
Die meisten
dieser Behauptungen können nicht belegt werden.
Den Agenturmeldungen zufolge wird
außerdem am 4. März in der Nähe des
sowjetisch-afghanischen
Luftwaffenstützpunktes in Bagram, westlich von
Kabul,
ein
viermotoriges
militärisches Transportflugzeug
von einer
Rakete der Mujahedin
abgeschossen.
In dem Flugzeug befinden sich L5 Angehörige des afghanischen und sowjetischen Militärs.
Der Strom afghanischer Flüchtlinge nach Pakistan hält weiterhin an
und beläuft sich auf ca. 8 000 pro
Monat, berichtet der Flüchtlingskommissar der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans in einer Fernsehansprache.
Die Mujahedin starten vom Gebiet
der Grenzstadt Emam Saheb in der Provinz Kunduz aus einen Raketenangriff
auf
sowjetisches Territorium.
Der
Angriff hat Vergeltungsmaßnahmen sowjetischer Truppen zur Folge, die direkt aus der zentralasiatischen Pro-

- 11 -

�vinz Tadzhikistan entsandt werden.

10. März
Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen
für die Annäherungsgespräche, Diego
Cordovez, berichtet Journalisten in
Genf, daß die letzte Runde der zweiwöchigen Gespräche im Hinblick auf
den
vorgeschlagenen
Zeitraum
des
Rückzugs eine "entscheidende Verringerung der Kluft" zwischen den beiden
Gesprächsteilnehmern
- Pakistan
und
Afghanistan
- erbrachte.
Er
führt
aus, daß der Zeitraum jetzt "weniger
als ein Jahr" beträgt.
Berichten zufolge werden mehr als
100 sowjetische und afghanische Soldaten getötet und zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört, als die Mujahedin
eine sowjetisch-afghanische Offensive
in der Provinz Kandahar zurückschlagen.
Bei einer weiteren Operation in
der Provinz Herat töten die Mujahedin
angeblich 54 sowjetische und afghanische Soldaten und zerstören drei
Panzer.

Gründung einer mit Funkgeräten und
hochentwickelten Waffen ausgerüsteten
Sondereinheit zum Einsatz gegen Agenten der afghanischen
Geheimpolizei
(KHAD), die
in Pakistan Terroranschlägen mit Bomben verüben. Er berichtet von mehr als 150 Bombenexplosionen im Jahr 1986 zumeist in den
nördlichen
Gebieten Pakistans, vor
allem in Peshawar.
Die Mujahedin verüben einen Raketenanschlag
auf den Flughafen von
Kandahar, feuern aus kürzester Entfernung mehr als 100 Raketen ab und
bringen den sowjetischen Truppen, die
vor kurzem von ihren Stützpunkten in
Herat und Shindand zum Flughafen verlegt worden waren, schwere Verluste
bei. Diese sowjetischen Soldaten waren an Operationen im südlichen Teil
der Provinz an der pakistanischen
Grenze beteiligt.

13. März
Westliche Diplomaten bestätigen,
daß die Landwirtschafts- und Gesundheitsminister des Regimes in Kabul
entsprechend einem im vergangenen November
begonnenen
Entlassungssohema
auf Ministerebene ihres Amtes enthoben werden.

Raketen beschädigen drei Häuser
in der außerhalb von Peshawar an der
Straße nach Khyber gelegenen Gemeinde
Hayatabad.
Mindestens fünf Raketen,
die offensichtlich von den Bergen um
den Khyber Paß aus abgeschossen wurden, treffen die Gemeinde. Vor diesem Zwischenfall war die Gemeinde bereits zweimal Raketenangriffen ausgesetzt, dieses Mal verursachen die Raketen jedoch ernsthaften Schaden.

Nach Aussagen westlicher Diplomaten werden drei Hubschrauber von Mujahedin in der Provinz Nangarhar abgeschossen.
Unbestätigten Meldungen
zufolge greifen sie ebenfalls den
Flughafen von Jalalabad an.

12. März

18. März

Der
erklärt

pakistanische
Innenminister
der Nationalversammlung die

15. März

Medien des Regimes in Kabul berichten, daß die Sowjetunion und das

- 12 -

�Regime einen 21 Millionen Rubel Vertrag zur Erschließung des Yateem-Tao
Erdgasfeldes
unterzeichnet
haben.
Die Erschließungsarbeiten sollen im
Juni aufgenommen werden und binnen 14
Monaten abgeschlossen sein.
Die Sowjets steuern 15 Millionen Rubel bei,
der restliche Betrag wird aus dem
Haushalt des Regimes finanziert.

20. März
Bei einer im Weißen Haus abgehaltenen besonderen Feierstunde aus Anlaß des Afghanistan-Gedenktages erklärt Präsident Reagan: "Ein Waffenstillstand, der nicht mit dem Abzug
der sowjetischen Truppen einhergeht,
ist bedeutungslos". Er verweist ferner darauf, daß die weitere Unterstützung
der
afghanischen
Widerstandsbewegung durch die internationale Gemeinschaft von entscheidender
Bedeutung ist, da deren Erfolge die
Sowjets bereits veranlaßt haben, offensichtliches Interesse an einer politischen Lösung zu zeigen.
Charles Dunbar, der Sonderberater
für Afghanistan im US-Außenministerium, erklärt bei einer Pressekonferenz
im Foreign
Press Center
in
Washington, D.C. , daß sich der Krieg
in Afghanistan zu einer nationalen
Bewegung entwickelt hat, die von einer neuen Generation von Intellektuellen und politisch bewußten Führungskräften angeführt wird.

23. März
10 bis 12 sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Kurram und bombardieren Teri Mangal.
Bei diesem Zwischenfall werden mindestens 51 Menschen getötet und mehr
als 100 verletzt.
Ungefähr 60 Ge-

schäfte, einige Häuser und eine Schule werden beschädigt.
Sechs
sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Waziristan, und bei einem Bombenangriff auf Angur werden 22 Tote und 26
Verletzte gezählt.
Unter den Toten
sind elf Pakistani.
Am darauffolgenden Tag, dem 24.
März, verurteilt
der Sprecher des
Außenministeriums Charles Redman die
Angriffe und bezeichnet sie als "brutale Versuche, einen Wandel in der
Afhanistan-Politik Pakistans zu erzwingen" .

25. März
80 Menschen, die meisten von ihnen afghanische Mujahedin, finden bei
einem
Bombenanschlag
sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf Dörfer
in der Region Rabat an der gemeinsamen Grenze von Iran, Pakistan und Afghanistan den Tod, und mehr als 60
Personen werden verletzt.
Die der
Widerstandsbewegung zugeneigte afghanische islamische Presse berichtet,
daß 12 Düsenjäger Bomben über dem Gebiet abgeworfen haben, die auf das
Territorium aller drei Länder fielen.
Iranische Truppen nehmen die Flugzeuge unter Beschuß, ohne sie jedoch zu
treffen.
Das vorwiegend von Mujahedin und Flüchtlingen bewohnte Rabat
wird als einer der wichtigsten Luftkorridore von Afghanistan nach Iran
und Pakistan angesehen.

26. März
Der stellvertretende Generalsekretär und offizielle Beauftragte der
Vereinten Nationen für die Durchführung der Annäherungsgespräche, Diego

- 13 -

�Cordovez, betont während einer Pressekonferenz in New York, daß die in
Genf abgehaltenen Gespräche nur bestimmte, zu einer Aussöhnung führende
Voraussetzungen schaffen können und,
daß alle Afghanen mit dem Entwurf einer "Pax Afghana" für eine innenpolitische Lösung beginnen müssen.
Sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge bombardieren Kotri in der Nähe
von Teri Mangal in der pakistanischen
Provinz Kurram, wobei fünf afghanische Flüchtlinge getötet und acht
verletzt werden

27. März
Richard Murphy, Staatssekretär im
US-AuBenministerium
für Nahost und
Südasiatische Angelegenheiten erklärt
in einem Worldnet-Interview mit europäischen Journalisten, daß die Gefahr
einer Ausweitung des Krieges in Afghanistan besteht und daß dieser zu
einer
direkten Bedrohung
Pakistans
werden könnte. •

31. März
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die Mujahedin in den vorausgegangenen zehn Tagen 14 sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge sowie am 23.
März in der Nähe von Khost in der
Provinz Paktia drei, und in der Nähe
von Kandahar vier Hubschrauber abgeschossen haben.

2. April
Ein sowjetisch-afghanischer Hubschrauber wird abgeschossen, und in
Kandahar werden 14 Soldaten und ein
Offizier des afghanischen Regimes getötet. Berichten zufolge kam es zum
Ausbruch der Kampfhandlungen, als die
Ortsbewohner sich weigerten, von den
Sowjets zur Verfügung gestellte Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter anzunehmen.

7. April
30. März
Zwei F-16 Flugzeuge der pakistanischen Luftwaffe schießen ein afghanisches Aufklärungsflugzeug ab, das
zusammen mit anderen Flugzeugen den
pakistanischen Luftraum bis in eine
Tiefe von 10 Meilen verletzt hat. Es
wird beobachtet, wie das sowjetischafghanische Flugzeug an einem Berg im
Norden von Parachinar im Zentrum der
Provinz Kurram zerschellt.
Später behauptet das Regime in
Kabul, daß es sich um ein ziviles
AN-26 Flugzeug mit 40 Passagieren an
Bord auf dem Flug von Kabul nach
Khost handelte, aber Pakistan besteht
darauf, daß das Flugzeug eine militärische Kennung hatte.

Ein mit 70 Mann besetzter sowjetischer Posten wird in der Näh~ von
Khinjan an der Autostraße im Norden
des Salang Tunnels von einer gewaltigen Lawine verschüttet. Nach Aussagen westlicher Diplomaten wird die
gesamte
sowjetische
Besetzung
des
Stützpunktes getötet und sowjetische
Streitkräfte müssen
zum Freiräumen
der
von
Schneemassen
blockierten
Straße Artillerie einsetzen.

8. April
Mujahedin
greifen mit Brandanschlägen die Stadt Pyandzh im sowjetischen Tadzhikistan an, wobei den
sowjetischen Medien zufolge zahlreiche sowjetische Bürger den Tod finden

- 14 -

�oder verletzt werden.
Der Angriff
wird
angeblich
vom KGB-Grenzschutz
zurückgeschlagen.
In Logar wird eine im Hinterhalt
liegende Mujahedin-Truppe von sowjetisch-afghanischen
Einheiten
angegriffen. Während der darauf folgenden heftigen Kämpfe werden angeblich
50 bis 60 sowjetische und afghanische
Soldaten getötet und vier gepanzerte
Fahrzeuge
zerstört.
Die Mujahedin
verlieren 17 Mann.

9. April
Bei einem terroristischen Bombenanschlag auf den Kashmiri Bazar in
Rawalpindi in Pakistan finden acht
Menschen den Tod, und nahezu 40 werden verletzt, sechs von ihnen schwer.
Die Bombe war angeblich von Agenten
des Regimes in Kabul gelegt worden.

12. April
Vier
sowjetisch-afghanische
Düsenjäger verletzen den pakistanischen
Luftraum und bombardieren den Westen
der Provinz Bajaur.
Sie kehren um,
als zwei pakistanische F-16 auftauchen.
Die
afghanische
Artillerie
nimmt ferner ein Dorf dieser Provinz
mit Granatfeuer unter Beschuß, wobei
eine Person getötet und eine weitere
verletzt wird.

15. April
Die Medien in Kabul beschuldigen
die Mujahedin, 13 Raketen auf Gardez,
die Provinzhauptstadt von Paktia, abgeschossen zu haben.
Die Mujahedin
behaupten, mehr als 50 Soldatn des
afghanischen Regimes in der Umgebung
dieses Gebietes getötet zu haben.

19. April
In einer Ansprache vor Investoren
der Privatwirtschaft in Kabul betont
Staatschef Najibullah, daß er eine
Isolierung
der
afghanischen
Wirtschaft von den internationalen Handels- und
Kapitalmärkten
bedauern
würde. Er erklärt, auch er wolle vom
gesamten Nutzen der "internationalen
Arbeitsteilung" profitieren und hoffe, ausländische
Investitionen
ins
Land bringen zu können.
Er betont,
daß das außerordentliche Plenum des
PDPA-Zentralausschuses
besonderen
Wert auf die politische Bedeutung der
wirtschaftlichen Aspekte der nationalen Aussöhnung legt.

21. April
Bakhtar, die
Nachrichtenagentur
des Regimes in Kabul, berichtet von
der Aufdeckung einer Verschwörung zur
Ermordung von Najibullah, an der sowohl der pakistanische Geheimdienst
als auch "Feinde des nationalen Aussöhnungsprozesses in Afghanistan" beteiligt
sind.
Spekulationen westlicher Diplomaten zufolge könn en an
der angeblichen Verschwörung Anhänger
der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) oder des Regimes beteiligt gewesen sein, die gegen Najibullah und sein nationales Aussöhnungsprogramm sind.
Seit der Aufdeckung der Verschwörung trat Najibullah zweimal, von acht sowjetischen
Sicherheitskräften
umringt, in der
Öffentlichkeit auf.

22. April
Der Vorsitzende des Staatskommitees für Auswärtige Beziehungen der
UdSSR, K. F. Katuschew, beendet einen
offiziellen Besuch in Afghanistan.

- 15 -

�Während
seines Aufenthaltes unterzeichnet er ein Protokoll über afghanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
verschiedenen Projekten.
Technische
und
wirtschaftliche
Durchführbarkeitsstudien werden für 171 der von
Afghanistan vorgeschlagenen Projekte
erstellt werden, dazu zählen 38 Projekte im privaten und gemischtwirtschaftlichen Bereich sowie 12 gemeinsame afghanisch-sowjetische Projekte
für den Privatsektor.
Die pakistanische Polizei berichtet, daß sie in einem Dorf in der Nähe von Peshawar drei KHAD-Agenten ergriffen und verhaftet sowie fünf andere Verdächtige zur weiteren Ermittlung
in Gewahrsam genommen haben.
Die Polizei kann eine als Spielzeug
getarnte
Streubombe
sicherstellen.
Die Agenten geben zu, daß die Bombe
aus Afghanistan stammt und an einem
dicht
bevölkerten
Platz
deponiert
werden sollte. Die Verhafteten sagen
aus, ihnen seien hohe Belohnungen
versprochen worden, wenn durch die
Bombenexplosion so viele Menschen wie
möglich umkommen würden.

24. April
Mujahedin berichten, daß sie vom
14. bis 25. April 14 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge abgeschossen haben.
Westliche Diplomaten stellen anhaltende Vergeltungsschläge
in der
nördlichen Provinz Kunduz fest - vor
allem im Gebiet von Emam Sahib, wo
die sowjetische Artillerie vorsätzlich Dörfer zerstört - und schlagen
vor, daß die Bevölkerung aus dem an
die Sowjetrepublik Tadzhikistan angrenzenden
Gebiet evakuiert werden
sollte, wo die Mujahedin vor kurzem
erfolgreiche
Überfälle
durchgeführt
hat.

27. April
Das Regime in Kabul feiert den
neunten Jahrestag der kommunistischen
Machtübernahme in Afghanistan wie gewöhnlich
mit
Militärparaden
und
scharfen
SicherheitsVorkehrungen.
Die diesjährigen Gedenkfeier der Säur
Revolution steht im Zeichen von Najibullahs
nationalem
Aussöhnungsprogramm.
Es herrscht Unklarheit über die
Zahl der Flüchtlinge, die dem Aufruf
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
Folge geleistet haben und nach Afghanistan
zurückgekehrt
sind.
Der
Außenminister
des
Regimes,
Abdul
Wakil, erklärt im Verlauf der Jubiläumsfeier, "nahezu 35 000" seien zurückgekehrt.
Im Gegensatz dazu berichtet die Kabul New Times in ihrer
Sonderbeilage zur Säur Revolution vom
26. April, "44 000 Flüchtlinge" seien
in ihre Heimat zurückgekommen, wohingegen in der Ausgabe vom 16. April
von "mehr als 52 000" Heimkehrern die
Rede war.
In einer Ansprache verkündet Najibullah, in 1 681 Dörfern seien nationale Aussöhnungskomitees gegründet
worden.
Die offiziellen, jährlich
vom Regime veröffentlichten Statistiken führen insgesamt 31 413 Dörfer in
Afghanistan mit dem Hinweis auf, daß
davon bisher erst 6 Prozent über solche Komitees verfügen.
Auf Einladung des Regimes besichtigen 25 in Moskau und drei in Neu
Dehli akkredidierte westliche Journalisten die Grenzstadt Khost, in der
schwere Kämpfe stattgefunden hatten.
Die offiziellen Vertreter des Regimes
zeigen ihnen das Wrack eines Transportflugzeuges, das ihren Aussagen
zufolge Zivilpersonen an Bord hatte,

- 16 -

�als es von einer STINGER-Rakete der
Mujahedin
abgeschossen wurde.
Die
Journalisten können deutlich die militärische Kennung auf dem Flugzeug
ausmachen.

28. April
Burhanuddin Rabbani, Anführer der
Jamiat-e-Islami
WiderStandsgruppe,
die der Sieben-Parteien-Allianz angehört, erklärt den in einer Moschee in
Peshawar versammelten Gläubigen, daß
die Sowjetunion das Thema von Ex-König Zahir erneuter Machtübernahme absichtlich zur Sprache gebracht habe,
um in den Reihen der afghanischen Mujahedin Zwietracht zu sähen.

29. April
Pakistan
berichtet vom Abschuß
eines pakistanischen Flugzeugs auf
Patrouillenflug
entlang der Grenze
durch eindringende sowjetisch-afghanische Düsenjäger.
Der Pilot kann
sich jedoch mit dem Schleudersitz in
der Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan retten.

4. Mai
Der indische Minister für Auswärtige
Angelegenheiten,
Narain
Dutt
Tiwari, erklärt anläßlich eines offiziellen Besuches in Kabul, daß sein
Land eine vertraglich ausgehandelte
politische Beilegung des AfghanistanProblems fordert, damit dauerhafter
Frieden in Asien geschaffen werden
kann. Er führt aus, daß es keine militärische Lösung für dieses Problem
geben kann und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Initiative der
Vereinten Nationen in den kommenden
Monaten weitere Fortschritte machen
werde.

Unbestätigten diplomatischen Berichten zufolge gibt der Außenminister des Regimes, Abdul Wakil, seinem indischen Amtskollegen gegenüber
zu, daß seit der Erklärung des einseitigen Waffenstillstands durch das
Regime, der mit Datum vom 15. Januar
für sechs Monate in Kraft ist, vermehrte Aktivitäten der Mujahedin zu
beobachten sind.
Der Minister räumt
ein, daß die Mujahedin einen Großteil
des Landes kontrollieren, droht jedoch mit "massiven" Vergeltungsschlägen, falls dies bei Beendigung des
sogenannten Waffenstillstands am 15.
Juli immer noch der Fall sei.
Den Berichten zufolge gelingt es
Wakil ferner nicht, Tiwari zur Zustimmung zu einer Mittlerrolle zwischen dem Regime und Ex-König Zahir
Shah zu gewinnen, der sich im Exil in
Rom befindet.
Der
abgesetzte
afghanische
Staatschef Babrak Karmal begibt sich
auf Einladung der sowjetischen Regierung und auf Anraten seiner Arzte zur
medizinischen Behandlung und Erholung
nach Moskau.
Während des Frühgebets explodiert
in einer Moschee in der Stadt Miranshah in der pakistanischen Provinz
Nord-Waziristan eine Bombe, der sieben Tote und elf Verwundete zum Opfer
fallen.
Eine weitere Bombe explodiert im Büro des Verwalters der afghanischen Flüchtlinge; es wird jedoch niemand verletzt.
Eine dritte
Bombe kommt in einem nahegelegenen
Park
zur Explosion.
Dabei werden
zwei Menschen verletzt.
Mehr als ein Dutzend sowjetischafghanischer
Kampfflugzeuge
werfen
Bomben über drei pakistanischen Dörfern in der Provinz Nord-Waziristan
ab, in denen sich zahlreiche afgha-

- 17 -

�nische
Flüchtlingslager
befinden.
Die Bomben
zerstören acht Häuser,
auch das Haus des Flüchtlingsvertreters am Ort. Zwei pakistanische Kinder sterben, und sieben weitere werden ernsthaft verwundet.

8. Mai
Zalmay Khalilzad, ein Mitglied
des
politischen
Planungsrates
des
Außenministeriums für dieses Gebiet,
erklärt, daß die Vereinigten Staaten
Afghanistan bei der Behandlung anderer Ost-West Themen mit der Sowjetunion nicht aufgeben werden. Er betont, daß Afghanistan das bedeutendste der regionalen Probleme zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellt und eine Lösung
dieses Problems entscheidend zu einer
Verbesserung der Beziehungen zwischen
den
beiden
Supermächten
beitragen
würde.
Seine Ausführungen macht er
anläßlich eines von der "Stimme Amerikas"
und
der
Universität
von
Pennsylvania veranstalteten eintägigen
Afghanistan-Seminars
in
Washington, D.C.
Berichten
westlicher
Diplomaten
zufolge
demonstrieren
studentische
Anhänger
des
entmachteten
afghanischen Staatschefs Babrak Karmal der angeblich am 4. Mai nach Moskau
"ins Exil geschickt" wurde - vor dem
Innenministerium, bis sie von der Obrigkeit gewaltsam auseinandergetrieben werden. Ferner werden drei Bomben, die im Kabuler Stadtteil Microrayon
explodieren,
Karmal-Anhängern
zugeschrieben.
Andere Berichte deuten an, daß einige der Karmal-Anhänger verhaftet worden sein könnten.

9. Mai
Die

Kabul

New

Times

daß eine Delegation von Vertretern
der Parteien und des Staates aus
Balkh, Jauzjan und Samangan im Rahmen
der wachsenden wirtschaftlichen Verpflichtungen zwischen den nordafghanischen Provinzen und den angrenzenden
sowjetischen
zentralasiatischen
Republiken zu Gesprächen mit den Regionalbehörden von Surkhandarinskaya
Oblast, Samarkand, Tashkent und Ferghana in die Sowjetrepublik Uzbekistan
gereist ist.
Entsprechende Delegationen waren am 26. April von Uzbekistan nach Afghanistan gereist.

11. Mai
Dreiundsechzig Soldaten des afghanischen Regimes, die sich angeblich gegen ihre Offiziere auflehnten
und diese in ihren Kasernen ermordeten, entkamen nach Miranshah in der
Provinz Nord-Waziristan.

14. Mai
Vier Menschen finden bei der Explosion einer Paketbombe in einem Bus
im Busbahnhof in Peshawar den Tod,
und 32 weitere werden verletzt. Der
Bus fängt Feuer und brennt vollständig aus. Einige in der Nähe befindliche Busse werden beschädigt.
Der
Bombenanschlag
wird Saboteuren des
Regimes in Kabul zugeschrieben.

15. Mai
Die Mujahedin behaupten, in den
vorangegangenen 10 Tagen drei Hubschrauber über dem Gebiet von Kabul
abgeschossen
und damit die sowjetisch-afghanischen
Militärflugzeuge
zu verstärkten Nachtflügen veranlaßt
zu haben.

berichtet,
- 18 -

�16. Mai
Während der Kämpfe im Gebiet von
Charikar in der Provinz Parwan in den
vergangenen drei Tagen wird der strategisch wichtige Salang-Tunnel auf
der Hauptstraße zwischen Kabul und
der Sowjetunion für zwei Tage geschlossen.

21. Mai
Ein Beamter des US-Außenministeriums erklärt die Sowjetunion wegen
ihren Versuchen, in Kabul ein Vasallenregime zu gründen, zum Verursacher
der Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan.
James Montgomery, stellvertretender Staatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten bezeugt bei der Anhörung des
Kongresses die Mißachtung der Menschenrechte in Afghanistan.
Seinen Aussagen nach können zunehmende Repressalien gegen Zivilisten beobachtet werden, einschließlich der "taktischen und strategischen Evakuierung von Gebieten" wie
zum Beispiel in den Provinzen NordKunduz und Takhar und "Vergeltungmaßnahmen sicherheitshalber" wie in den
Dörfern nördlich von Kabul und andernorts.
Montgomery erwähnt die Anwendung
"blinder Gewalt" entlang der Straßen,
die nicht nur die Zerstörung von
Wohnhäusern sondern sogar von Obstgärten und Weinbergen zum Ziel hat.
Laut Montgomery werden unbestätigten
Meldungen zufolge im Gebiet von Herat
chemische Waffen eingesetzt.
Der
Regierungsvertreter
beendet
seine Ausführungen mit der Schlußfolgerung, daß die einzige Lösung des
Menschenrechtsproblems im Rückzug der
Sowjets aus Afghanistan liegt.
- 19 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1987) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1

Mittelamerika

7, 17

Südafrika

8

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Iran/Geiseln - Waffenaustausch
Tower-Kommission
45. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-Plan
Nominierungen

2
4
5
9, 11
9
9
21, 22
10, 21

Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22
5, 6, 7, 8
14
16
11
11, 23
9, 12, 15, 18
10, 13, 19
18
23

Strategie zur Nat. Sicherheit
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
START
Reagan-Besuch in Bonn
- 1 -

�Internationale Probleme
Wirtschaft
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4,, 22
2
8, 9, 20, 21
10
17
21, 22

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

2, 4, 15, 22
5, 21
3, 7, 23
12, 13, 16, 21
11, 14

- 2 -

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 1987
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(Industrie-Club, Düsseldorf)

1. A p r i l 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
( A r t i k e l für New York Times, 18. März 1987)

8. April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5. Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�Sonderdienste

März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dezember 1986 bis Mai 1987 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^°s^&lt;

AMERIKA DIENST

26

2 2 . J u l i 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf
- US-Außenminister Shultz vor dem Weltsicherheitsrat -

Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter -

HINTERGRUNDMATERIAL

Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?
•

- Von Kenneth L. Adelman -

HINWEIS: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion
* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. Juli 1987

26

UN-RESOLUTION FÜR GERECHTEN UND DAUERHAFTEN FRIEDEN AM GOLF
- US-Außenminister Shultz vor dem UN-Sicherheitsrat VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen Außenminister
Shultz zufolge strebt die internationale Staatengemeinschaft nach einem gerechten und dauerhaften Frieden am Persischen Golf, "ohne Sieger und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers".
In seinen Ausführungen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur
Erklärung der amerikanischen Haltung gegenüber der Resolution zum Konflikt
zwischen Iran und Irak erklärte Shultz am 20. Juli 1987 außerdem, daß der
Krieg "neue und ernste Gefahren für die regionale Stabilität, für das Wohlergehen der nicht am Krieg beteiligten Staaten und in der Tat für den Weltfrieden darstellt".
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin heute aus einem zwingenden Grund zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gekommen: um mich an
seiner entschlossenen Aktion zur Beendigung
des
verheerenden
Krieges
zwischen Iran und Irak zu beteiligen.
Dieser Konflikt hätte niemals begonnen werden dürfen.
Sein Andauern
sollte nicht gestattet werden. Meine
Regierung kann einfach nicht erkennen, wie den Interessen des Irak oder
des Iran oder der internationalen
Staatengemeinschaft durch die Verlängerung dieses gefährlichen und zerstörerischen Konflikts gedient sein

United States Information Service
Embassy of the United States of America

könnte.
Im September wird dieser Krieg in
sein achtes Jahr gehen. Die blutigen
Kämpfe dauern nun schon länger als
der Erste oder der Zweite Weltkrieg.
Sie haben einen außergewöhnlich hohen
Tribut
an Menschenleben gefordert,
über eine Million Menschen - Zivilisten wie auch Soldaten - sind getötet oder verwundet worden.
Städte
sind durch Artillerie und Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht worden.
Chemische Waffen wurden benutzt, und
diese machen keinen Unterschied zwi-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sehen Kombattanten und Nichtkombattanten,
wodurch
dem
unendlichen
menschlichen Leid ein weiteres grauenhaftes Element hinzugefügt wird.
Die wirtschaftliche Infrastruktur
beider Länder wurde verwüstet.
Der
Konflikt hat das soziale und kulturelle Gefüge erschüttert, das die Lebensweise der Völker des Irak und des
Iran bestimmt. Dem reichen kulturellen Vermächtnis beider Nationen wurde
schwerer
Schaden
zugefügt.
Keiner
der Kriegführenden kann diesen Krieg
gewinnen, und beide Seiten zerstören
ihren wertvollsten Reichtum, ihre Jugend.
Trotz
jahrelangen
erbitterten
Kampfes kann keine Seite dieses zermürbende Patt durchbrechen. Sein Andauern und die Gefahr einer weiteren
Eskalation bedrohen auch die internationale Staatengemeinschaft im weiteren Sinne. . Der Konflikt stellt neue
und ernste Gefahren für die regionale
Stabilität, das Wohlergehen der nicht
am Krieg beteiligten Staaten und in
der Tat für den Weltfrieden dar.
Denken Sie nur an die zunehmende Zahl
von Angriffen auf die internationale
Schiffahrt im Golf.
Denken Sie an
die vermehrten Terrorangriffe und andere Formen der Aggression, die sich
gegen nichtkriegführende Staaten in
der Region richten.
Diese um sich
greifende Bedrohung darf nicht begünstigt werden.
Zu viele haben gelitten, und zu
viel steht auf dem Spiel. Im Namen
der Menschlichkeit, im Interesse der
kriegführenden und der nichtkriegführende Staaten der Region, im Namen
des Weltfriedens und der Sicherheit
hat sich die internationale Staatengemeinschaft
zusammengefunden,
um
Einhalt
zu gebieten.
Stoppt
den
Krieg jetzt.

- 2

Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen wurde ins Leben gerufen, um
gerade diese Art von Konflikten zu
unterdrücken.
Die heute zur Verabschiedung
vorliegende
Resolution
stellt eine wirkungsvolle Aktion der
internationalen
Staatengemeinschaft
dar, um einen sofortigen Waffenstillstand zu bewirken und den Rahmen für
einen
Friedensschluß
zu
schaffen.
Der Generalsekretär hat bei der Beschleunigung des beispiellosen Prozesses, der zur Verabschiedung dieser
Resolution gemäß den Bestimmungen von
Kapitel VII der UN-Charta führte,
eine
entscheidende Rolle gespielt.
Er hat die ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates aufgefordert, ihrer
besonderen Verantwortung gerecht zu
werden.
Dies haben wir getan, und
der Rat als Ganzes hat in dem kollegialen Geist gearbeitet, wie er den
Vorstellungen der Begründer der Vereinten Nationen bei deren Schaffung
entsprach.
Mit dieser bindenden Resolution
strebt die internationale Staatengemeinschaft
danach,
einen
systematischen Rahmen für einen gerechten
und dauerhaften Frieden ohne Sieger
und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers zu schaffen. Die Resolution ist peinlich ausgewogen.
Deshalb fordere ich die Regierungen der
Republik Irak und der Islamischen Republik Iran auf, ihre Bestimmungen
vollständig und umgehend einzuhalten
- in ihrem eigenen Interesse und in
Erwiderung
des eindeutigen
Mandats
der
internationalen
Staatengemeinschaft.
Die Resolution verlangt einen sofortigen Waffenstillstand, die Einstellung aller militärischen Handlungen und den unverzüglichen Abzug aller Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen. Die Re-

�Solution leitet außerdem einen Heilungsprozeß ein, indem sie den baldigen Austausch von Gefangenen und internationale
Bemühungen
zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem
Krieg fordert. Die Resolution überträgt dem Generalsekretär eine besondere Verantwortung beim Zustandekommen des Waffenstillstandes und des
Truppenrückzuges, der Entsendung einer Beobachtergruppe zur Bestätigung
und Überwachung von Waffenstillstand
und Rückzug sowie zur Beaufsichtigung
der Durchführung anderer Bestimmungen
der Resolution.
Es ist bedeutsam,
daß die Resolution die Entscheidung
des Rats enthält, sich wieder zu
treffen, um weitere Schritte zur Sicherstellung ihrer Befolgung in Betracht zu ziehen.
Als Erstes und
Vornehmstes muß das Töten aufhören.
Sofort.
Die Resolution wird gemäß den
strengsten Verfügungen der Charta der
Vereinten Nationen - Kapitel VII, Artikel 39 und 40 - verabschiedet. Im
Rahmen des Völkerrechts ist ihre Einhaltung daher
bindend.
Schon die
Verabschiedung dieser rechtsverbindlichen Entschließung ist ein historischer Schritt an sich. Und dennoch
ist ihre Annahme erst der Beginn.
Die Verantwortung für die Einhaltung
liegt
grundsätzlich
bei
Irak
und
Iran.
Unterstützt von den Mitgliedern des Sicherheitsrates und allen
anderen Organen der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär - dem
wir volles Vertrauen entgegenbringen
- wirksame Maßnahmen zur Erleichterung
ihrer Durchsetzung
ergreifen.
Präsident Reagan hat dem Generalsekretär
seinen persönlichen Beistand
für die vor uns liegenden entscheidenden Wochen zugesagt. Die amerikanische Regierung ist bereit, sich mit
anderen zur Unterstützung seiner Bemühungen zusammenzutun.

Meine Regierung ist entschlossen,
diese bindende Resolution nicht zu
einer inhaltslosen Hülle werden zu
lassen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinten Nationen als Organisation für den Frieden aufkommen
läßt.
Wir sind voller Hoffnung und
Vertrauen, daß die heutige Entscheidung respektiert wird.
Gleichzeitig
unterstützen wir jedoch auch die entschiedene Anwendung von Maßnahmen zur
Durchsetzung
dieser
Entscheidung,
sollte die eine oder andere Partei
der
Aufforderung
dieses
Gremiums
nicht Folge leisten.
Die Regierungen von Irak und Iran
sind es ihren Völkern, ihren Kindern
und der übrigen Welt eher schuldig,
einen Weg zur Annahme dieser umfassenden Verfügung zu finden als diese
abzulehnen. Wenn sie diese befürworten, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten bis hin zur Rolle der Vereinten Nationen bei der Bewahrung des
Friedens in der Region. Meine Regierung
unterstützt
in vollem Umfang
diese mögliche Rolle der Vereinten
Nationen sowie andere internationale
Bestrebungen, die den Abbau von Gewalt und die Wiederherstellung von
Frieden, Stabilität und der gucen Beziehungen in dieser lebenswichtigen
Region der Welt zum Ziel haben.
Lassen Sie mich hier einige Worte
zur Haltung meiner Regierung gegenüber den sich im Konflikt befindlichen Parteien hinzufügen.
In der
Vergangenheit hatten wir sowohl mit
Irak als auch mit Iran gravierende
Meinungsverschiedenheiten.
Heute
pflegen wir gute Beziehungen mit dem
Irak.
über die von der iranischen
Regierung außerhalb ihrer Grenzen angewandte Politik und Praxis sind wir
ernsthaft besorgt. Zwar respektieren
wir das Recht des iranischen Volkes
zur Bestimmung
der eigenen Regierungsform, aber die Handlungsweise

- 3 -

�der Regierung in Teheran - bis hin
zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten - läuft den Interessen unseres Landes und unserer Bürger ebenso zuwider wie den Interessen anderer
Länder und deren Bürger.
Wir sind
nach wie vor zur Diskussion mit dem
Iran über die gravierenden Probleme
bereit, die uns weiterhin trennen.
Eine positive Antwort des Iran auf
diese Resolution und eine Beendigung
der Aggressionen gegenüber
anderen
Staaten und deren Bürger würden viel
dazu beitragen, zukünftig bilaterale
Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen
zu ermöglichen.

und für den Frieden.
beendet werden.
Der
muß beginnen,

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat die
internationale
Gemeinschaft
einen
kühnen Schritt nach vorne getan. Gemeinsam müssen wir jetzt weitere entscheidende
Schritte
folgen lassen,
bis unsere Ziele - Frieden und Stabilität am Golf - erreicht worden sind.
Wenn je die Notwendigkeit für den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen bestand, Maßnahmen zu ergreifen,
so ist es jetzt an der Zeit. Wir haben die Möglichkeit, das vornehmste
Ziel zu verwirklichen, für das das
System der Vereinten Nationen geschaffen worden ist:
Einen schwerwiegenden
Friedensbruch
beizulegen,
der die Stabilität und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer internationalen Völkergemeinschaft gefährden.
Abschließend möchte ich betonen,
Herr Präsident, daß wir die vorliegende Entschließung unterstützen, da
wir als Ständiges Mitglied des Sicherheitrates die Verantwortung dafür
tragen, eine friedliche Beilegung gewaltsamer Konflikte anzustreben. Wir
unterstützen die Resolution, da sie
die Interessen des Iran wie auch des
Irak gerecht und umfassend anspricht.
Diese Resolution ist gegen den Krieg
r

- 4 -

Der Krieg muß
Heilungsprozeß

Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

22. Juli 1987

26

VERIFIZIERUNG GRUNDLEGEND FÜR REFORM DES AGRARHANDELS
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge ist die Verifizierung des Abbaus von Produktionssubventionen ein
grundlegender Bestandteil der von Präsident Reagan vorgeschlagenen weltweiten
Reform des Agrarhandels.
In einer am 16. Juli 1987 über Worldnet ausgestrahlten Fernseh-Pressekonferenz mit europäischen Journalisten erklärte Yeutter: "Ich bin davon überzeugt, daß wir dazu eine zumindest ausreichend genaue Meßmethode entwickeln
können."
Wir veröffentlichen die Pressekonferenz des US-Handelsbeauftragten in Auszügen :

Auf eine einleitende Frage zur
Bedeutung des am 6. Juli bei den
GATT-Verhandlungen eingebrachten amerikanischen Vorschlags, der den totalen Abbau aller Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich bis zum
Jahr 2000 vorsieht, antwortete Botschafter Yeutter:
"Nun, er ist bedeutend, weil die
Welt des Agrarhandels heute völlig
aus den Fugen geraten ist. Das ist
bedauerlich, aber in einem evolutionären Prozeß hat sich dies in den
vergangenen 20 bis 30 Jahren so ent-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wickelt.
In vielen Ländern, darunter den
Vereinigten Staaten, hat es sich ergeben, daß Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie andere Arten von
Verzerrungen so weit in den Vordergrund getreten sind, daß bei den meisten Produkten auch nicht annähernd
ein freier und offener Handel besteht.
Dies ist nicht nur eine unglückliche Verzerrung der grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen sondern es fügt außerdem solchen Ländern
großen Schaden zu, die sich dies

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wirklich nicht leisten können.
Wie Sie wissen, sind die meisten
weniger entwickelten Länder Agrargesellschaften, in denen die Landwirtschaft einen bedeutenden Stellenwert
einnimmt.
Diese Länder müssen landwirtschaftliche Produkte exportieren,
wenn
sie wirtschaftliches Wachstum
erzeugen wollen. Und sie können einfach nicht mit den Staatskassen der
Vereinigten Staaten, der Europäischen
Gemeinschaft und anderer konkurrieren, denen all diese enormen Subventionen zur Verfügung stehen. Von unserem Standpunkt aus betrachtet - dem
der Vereinigten Staaten, der EG und
anderer -, nehmen die Kosten dafür
astronomische Ausmaße an, und das ergibt keinen Sinn.
Zusätzlich zahlen
unsere Konsumenten die Zeche in vielfältiger Weise dadurch, daß Agrarprodukte viel teurer sind als sie sein
müßten, wenn wir einen freien und offenen Handel hätten."
Zum Thema des Abbaus von Unterstützungsmaßnahmen zur Erzielung von
Produktionseinschränkungen und deren
Folgen
für die Landwirte erklärte
Yeutter, daß relativ gesehen die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht
mehr unternehmen als die EG. Solche
Veränderungen seien auch nicht notwendigerweise schädlich für die Landwirte:
"Sie könnten kurzfristig gesehen nachteilig sein, aber ich bin
überzeugt, daß eine
durchgreifende
Reform landwirtschaftlicher Programme
nicht nur für die europäischen Steuerzahler und die europäischen Verbraucher, sondern
langfristig
auch
für viele europäische Landwirte gut
wären."
"Was die Vereinigten Staaten angeht, so werden wir im Jahr 1987 die
Anbauflächen erheblich einschränken weit mehr als in der EG an Anbauflächen eingespart wird.
Deshalb sage

ich, daß
die
Vereinigten
Staaten
schon jetzt einen erheblichen Beitrag
leisten."
Auf die Frage nach der Verifizierung von Subventionen, insbesondere
der versteckten, erklärte Yeutter:
'
"...dies wird
sicher eine der
großen
Herausforderungen
bei
der
Schaffung eines funktionsfähigen Systems
sein.
Mit
anderen
Worten:
Wenn wir eine durchgreifende Reform
der
landwirtschaftlichen
Produktion
in der weltweiten Handelspolitik erzielen wollen, dann bildet die Verifizierung oder die Meßmethode, wenn
Sie so wollen, einen wichtigen Teil
des Gesamtbildes."
Dabei habe die OECD schon einige
Meßmethoden entwickelt und die Regierungen Frankreichs und anderer Länder
befaßten
sich gegenwärtig
intensiv
mit diesem Problem.
Ferner beschäftigten sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium
sowie
einige
akademische Institutionen in den Vereinigten Staaten eingehend mit der
Analyse dieser Frage.
"Ich
bin
überzeugt,
daß
wir
schließlich
zumindest eine hinreichend
genaue Meßmethode
entwickeln
können.
Zugegebenermaßen sind einige
Subventionen
schwierig
auszumachen
und zu quantifizieren.
Wir werden
eben das Beste in unserer Macht Stehende tun müssen.
Die Alternative
ist, gar nichts zu tun, und meiner
Meinung nach ist das einfach eine unannehmbare Lösung."
Auf die Frage, ob er eine Übereinkunft
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und den Europäern über den
Abbau landwirtschaftlicher Subventionen für durchführbar halte, solange
die Preise garantiert blieben, antwortete Yeutter:

�sten kann."
"Nein. Diese Art von Lösung ist
über die Jahre hinweg immer wieder
vorgelegt worden, hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird dies auch
niemals tun.
Ich bin persönlich davon überzeugt, daß wir uns nicht nur mit den
Randgebieten dieses Problems beschäftigen können.
Das Problem ist zu
ernst und zu wichtig für die gesamte
Welt. Wie ich in einer Reihe von Reden gesagt habe, müssen wir bei der
Handhabung des Agrarhandels einen Quantensprung nach vorn machen.
Wenn wir also etwas tun, das lediglich marginale, nominelle oder geringfügige Auswirkungen auf die Lage
hat, dann ist das einfach nicht gut
genug. Ich kann verstehen, warum einige Besorgnis über die Auswirkungen
eines drastischeren Vorschlages bestehen, weil dies offensichtlich in
allen
Ländern,
einschließlich
der
Vereinigten Staaten, eine politisch
sensible Frage.ist. Tatsache ist jedoch, daß es an der Zeit ist, das
Problem am Schopf zu packen.
Und
deshalb ist unser Vorschlag so durchgreifend und revolutionär.
Unserer
Meinung nach ist das, was wir heute
in der Landwirtschaft benötigen."
"Diejenigen in Europa, die sich
heute über den von uns unterbreiteten
Vorschlag Sorgen machen werden noch
viel größere Sorgen wegen des Wirtschaftskrieges haben, der stattfinden
wird, falls wir diese Situation nicht
energisch in den Griff bekommen. Was
nämlich geschehen wird ist, daß wir
in einen Subventionskrieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und vielleicht
anderen
Ländern
eintreten
werden.
Ich glaube nicht, daß die Welt sich
eine Verschlechterung dieser Situation anstatt einer Verbesserung lei-

Auf die Frage nach der Bewertung
der EG-Entscheidung, die Sondersteuer
auf Fette und öle nicht einzuführen,
sowie nach möglichen Gegenleistungen
der Vereinigten Staaten erwiderte der
Handelsbeauftragte:
"Nun, sicherlich begrüßen wir die
Entscheidung...
weil dies zu einer
enormen Konfrontation
zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten
Staaten geführt hätte,
und eine solche Konfrontation liegt
in niemandes
Interesse.
Die Entscheidung, diesen Vorschlag auf den
Tisch zu legen, war also richtig richtig sowohl vom Standpunkt des europäischen Eigeninteresses betrachtet
als auch vom Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Wir sollten diese Art von Programmen einfach nicht anwenden, um
die finanziellen Lasten unserer Agrarsysteme jemand anderem aufzuladen.
Ich wäre ebenso unglücklich, wenn die
Vereinigten Staaten versuchten, die
Last ihrer landwirtschaftlichen Programme auf den europäischen oder den
japanischen Steuerzahler oder ai ? jemand anderen abzuwälzen, wie ich es
über den Versuch der europäischen Regierungen bin, die Last den amerikanischen, brasilianischen oder argentinischen Exporteuren aufzuladen.
Dies ist einfach nicht der Weg,
die Agrarpolitik zu behandeln.
Es
ist ein Symbol für die in diesem gesamten Bereich bestehenden
krassen
Verzerrungen und ein klassisches Beispiel dafür, warum wir eine Agrarreform benötigen.
Die eigentliche Antwort besteht
für die EG darin, den Versuch zu unternehmen, ihren Finanzbedarf irgendwie aus ihren internen Ressourcen zu

- 3 -

�bestreiten bis wir mit Hilfe der Verhandlungen in der Uruguay-Runde zu
einer verbesserten weltweiten Agrarsituation gelangen können... Die EG
muß eine vorübergehende Lösung für
ihre Finanzprobleme finden, während
wir verhandeln.
Was wir tun sollten, ist, diese
Probleme langfristig am Verhandlungstisch zu lösen, so daß die Gemeinschaft es nicht mehr nötig hat, diese
Arten von Einnahmen zu erzielen, um
eine
Reihe
ungesunder
politischer
Maßnahmen zufrecht zu erhalten.
Niemand nimmt für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über jeden
Zweifel erhaben zu sein.
Ich meine
wahrhaftig nicht, daß unsere eigene
Agrarpolitik perfekt ist.
Ganz im
Gegenteil: Ich stehe dem, was in den
Vereinigten Staaten unternommen wird,
genauso kritisch gegenüber wie dem,
was in Europa getan wird. Ich möchte
Reformen überall erleben.
Das ist
die wahre Herausforderung, vor der
wir stehen."
Auf die Frage nach dem wachsenden
protektionistischen Druck in den Vereinigten Staaten antwortete Yeutter:

persönlich vorschlagen."
"Außerdem bin ich nicht so sicher,
daß
der
protektionistische
Druck wahrscheinlich zunehmen wird.
Dies hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Ausmaß von den Handelszahlen ab.
Leider scheinen die
von uns vor zwei Tagen bekanntgegebenen Zahlen für den vergangenen Monat
anzudeuten, daß sich unsere Handelssituation wieder verschlechtert hat.
Ich messe monatlichen Zahlen jedoch
nicht allzu viel Bedeutung bei, weil
sie oft verzerrt sind."
"Das im Senat behandelte Handelsgesetz hat sicherlich eine Reihe von
Mängeln und, würde es in seiner jetzigen Form verabschiedet, würde der
Präsident dagegen sein Veto einlegen.
Ich muß aber sagen, daß ein ermutigender Aspekt des Gesamtbildes darin
besteht, daß die Teile des Gesetzes,
die den Handel betreffen - und dieses
Gesetz enthält eine Menge Vorschläge
von Ausschüssen, die relativ wenig
mit Handel zu tun haben - aufgrund
der Debatte im Senat sogar verbessert
worden sind, woraus ich entnehme, daß
der Protektionismus in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht so
üppig wuchert, wie viele glauben."

"Man sollte den amerikanischen
Protektionismus nicht auf der Grundlage von Vorschlägen im Kongreß bewerten.
Diese Vorschläge sind noch
nicht Gesetz, und wir hoffen, daß
diejenigen,
die
protektionistisch
sind, niemals Gesetz werden."

Auf die Frage nach einer Reaktion
auf die mögliche Abschaffung aller
Subventionen und deren Substitution
durch
untragbare
Zollbeschränkungen
auf ausländische Produkte antwortete
Yeutter:

"Ich bin jedoch hoffnungsvoll,
daß wir jeglichem protektionistischem
Druck aus dem Kongreß widerstehen
können und daß sich letztlich eine
verantwortungsvolle Gesetzgebung herauskristallisiert.
Ist dies nicht
der Fall, dann hoffe ich, daß der
Präsident gegen solche Gesetze sein
Veto einlegen wird.
Ich werde dies

Unser Vorschlag behandelt Importbeschränkungen,
Exportsubventionen
und alle anderen Verzerrungen im Handel und zielt darauf ab, diese allmählich abzuschaffen. Was die Sicherung der Nahrungsmittel betrifft, so
haben daran offensichtlich alle Nationen
ein berechtigtes
Interesse.
Aber es stellt sich die Frage, an

- 4

�welchem Punkt man die Grenze zur unerläßlichen Sicherung der Nahrungsmittel ziehen soll und auf welche Art
und Weise diese erzielt werden soll.
Eine Methode besteht sicherlich
darin, alles im Inland zu produzieren
- auch wenn man dazu enorme Geldsummen in Form von Subventionen bereitstellen muß. Japan mit seinem Reis
liefert ein Beispiel für diese besondere Situation.
Die andere Methode
wäre, sie dort zu kaufen, wo sie rationeller
hergestellt, das Prinzip
des
verhältnismäßigen Vorteils genutzt und gelagert werden können.
Programme zur Lagerung können sicherlich ein Ersatz für die Produktion
sein, oder es wäre eine Verbindung
von Produktion und Lagerung möglich,
die durch langfristige vertragliche
Verpflichtungen ergänzt werden kann.
Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet aber auch: In welchem
Umfang sollte es einem Land gestattet
werden, auf internationaler Ebene die
Produktion und die Regeln des Handels
zu verzerren, um auf einem ihm angemessenen Niveau die Nahrungsmittel zu
sichern?
über dieses wichtige Thema
und darüber, wie und zu welchem Preis
die Sicherung der Nahrungsmittel erlangt werden kann, sollte auch bei
den Verhandlungen gesprochen werden.
Zu den von Botschafter Yeutter
hier angesprochenen Vorschlägen wurde
die Frage gestellt, ob amerikanische
Senatoren im Getreideanbaugebiet der
Vereinigten Staaten diese Vorschläge
so wohl akzeptieren oder ob sie ihre
Annahme ablehnen würden.
Es wurde
ferner die generelle Flexibilität der
Vorschläge angesprochen.
Botschafter
Yeutter
antwortete
darauf, für solche Prognosen sei es
zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh
und gab zu bedenken, die Verhandlungen nähmen eine beträchtliche Zeit-

spanne in Anspruch. "Wir hoffen, sie
in einigen Jahren abschließen zu können - je eher, desto besser.
Die
Welt braucht einen Abschluß bei dieser Art von Verhandlungen.
Je eher
wir auf internationaler Ebene ein Abkommen schließen und mit seiner Anwendung beginnen können, desto besser
für uns und speziell für die Entwicklungsländer, die Verbraucher auf der
ganzen Welt und natürlich für die
Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa".
"Wir wollen
ernsthafte, eingehende und umfassende
Verhandlungen abhalten. Aber ein Urteil können wir erst beim Abschluß
abgeben.
Der Senator
irgendwo in
Iowa wird auf der Grundlage entscheiden, was wir, die Vereinigten Staaten, als Gegenleistung für in diesem
Bereich erbrachte Konzessionen erhalten ."
Zur Flexibilität der Haltung der
Vereinigten Staaten erklärte Yeutter,
es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch zu früh, um diesen Punkt vor der
Welt preiszugeben, die Position sei
jedoch realistisch.
"Wenn wir, das
heißt die ganze Welt, bereit sind,
viel weniger zu akzeptieren als ein
freies
und
offenes
Handelssystem,
können wir ebenso gut bei unserer
jetzigen Position bleiben. Es stellt
sich die Frage, welche Zwischenlösung
es gibt. Mir scheint, daß alle davon
profitieren, wenn wir uns im Bereich
der Landwirtschaft einem freieren und
offenerem
Handelssystem
annähern
könnten".
Botschafter Yeutter ging in seinen weiteren Ausführungen auf die
Rolle des Programms PL-480 ein; das
Programm
'Nahrungsmittel
für
den
Frieden', im Rahmen dessen den Entwicklungsländern
landwirtschaftliche
Produkte als humanitäre Hilfsleistung
zur Verfügung gestellt werden, entweder als Zuwendung - das heißt, sie

- 5 -

�werden kostenlos gewährt - oder als
langfristige Kredite mit sehr niedrigen Zinssätzen, die sicher als Subvention gelten können.

die Europäische Gemeinschaft und andere über die Einstellung ihrer jeweiligen Programme zu verhandeln bereit sind.

Yeutter erklärte hierzu, die Vereinigten Staaten seien nicht bereit,
dieses Programm aufzugeben, weil es
so wichtig für die Entwicklungsländer
ist.
"Wir ermutigen vielmehr andere
Länder dazu, ihre Programme auszubauen. Es heißt, daß einige europäische
Länder wie etwa Frankreich dies tun
wollen, und das würden wir ermutigen". Von den in Genf unterbreiteten
Vorschlägen sind bona fide Hilfsprogramme
ausgenommen.
"Wir glauben,
daß diese angesichts des heute in der
Welt herrschenden Hungers immer noch
einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamtbildes ausmachen.
Man möchte
hoffen, daß sie in 20 oder 30 Jahren,
in einem halben oder einem ganzen
Jahrhundert überflüssig werden. sicherlich sind sie heute notwendig.
Sie sollten ermutigt, angemessen definiert und von dem von uns in Genf
ausgearbeiteten Programm ausgenommen
werden.
Wir sind natürlich bereit,
ähnliche Programme Japans, der Europäischen Gemeinschaft und anderer Industrienationen auszunehmen".

Zur Frage, ob die Vereinigten
Staaten
ihr erhebliches Handelsbilanzdefizit abbauen können, indem sie
nur auf der Exportseite etwas unternehmen, erklärte Yeutter, "der Aufwärtstrend bei den Importen kann meiner Ansicht nach nicht länger anhalten.
Ich glaube, wir werden letztlich eine Verbesserung auf der Importseite erfahren, das heißt, einen
Rückgang beim Dollar-Wert der Importe
in die Vereinigten Staaten.
In den
Statistiken dieses letzten Monats war
dies jedoch nicht der Fall. Die Zeit
wird die Antwort auf diese Frage
bringen..."

Yeutter wurde weiter befragt, ob
man bereit sei, Programme zur Exportförderung
subventionierter
Exporte
nach Nordafrika und Osteuropa aufzugeben, worauf er erwiderte, man sei
bereit, alle Programme, die in irgendeiner Weise den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten verzerren,
aufzugeben, mit Ausnahme von Zahlungen, die nichts mit der Produktion zu
tun haben und die den Bauern ein Sicherheitsnetz bieten sollen sowie mit
Ausnahme
der bereits
beschriebenen
bona fide Hilfsprogramme.
Im Rahmen
der Verhandlungen über die Einstellung von Subventionsprogrammen wird
Yeutter zufolge erwartet, daß auch

Zum
Export
hingegen
erklärte
Yeutter, "im letzten Monat weisen die
Statistiken einen erheblichen Anstieg
der Exporte auf.
Hier zeigt sich,
daß es auf der Importseite noch erheblich mehr Verkrustungen gibt. Das
heißt, daß Japan und andere Hauptimporteure in die Vereinigten Staaten
die Wechselkursanpassung
absorbieren
und hartnäckig Marktanteile zu gewahren suchen". Zu den zusätzlichen Bemühungen
seitens
der
Vereinigten
Staaten gehören Botschafter Yeutter
zufolge der Abbau des Haushaltsdefizits, während die anderen Industrienationen in ihren jeweiligen Ländern
das Wirtschaftswachstum anfachen müssen. All diese Faktoren sind miteinander verknüpft.
Solange nicht wenigstens eine erhebliche Verbesserung
im
Handelsdefizit
hervorgebracht
wird, werden
sich die Vereinigten
Staaten, so Yeutter, ernsthaftem politischen Druck ausgesetzt sehen, der
eine protektionistische Richtung einnimmt. Man nehme in den nächsten Monaten eine Verbesserung an, die jedoch nicht sehr dramatisch sein wird.

- 6 -

�Auf die Frage, welche praktischen
Schritte zur Anwendung der Politik
Präsident Reagans unternommen werden
sollen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Kontrollen abzuschaffen,
verweist Yeutter auf die gegenwärtig
laufenden Verhandlungen, "wir sollten
das Programm in Genf bei den Verhandlungen der Uruguay-Runde auf den Verhandlungstisch
bringen.
Der
Vorschlag sieht definitive Auslauf-Pläne
für alle Teilnehmerstaaten vor, die
von Produkt zu Produkt oder von Land
zu
Land
unterschiedlich
ausfallen
können. Es gibt Flexibilität bei der
Organisation dessen in einem bestimmten europäischen Land, in Japan, den
Vereinigten Staaten, Kanada oder anderswo, und das muß durch Verhandlungen erzielt werden. Wenn jedoch ein
Abkommen erzielt wird, sollen dieses
Programm oder diese Verpflichtungen
für den Zeitraum einiger Jahre verbindlich sein.
Sie müßten dann dem
Kongreß zur Billigung vorgelegt werden, so daß sie dann etwa im nächsten
Jahrzehnt angewendet und ausgeführt
werden können. Natürlich müßte dies
dann auch bei den europäischen und
allen anderen sich daran beteiligenden Ländern der Welt der Fall sein.
Der Botschafter
wurde befragt,
wie die Vereinigten Staaten vorschlagen könnten, daß die Europäische Gemeinschaft ihre Subventionen an euopäischen
Bauern
einstellen sollte,
wenn der Betrag, den die Vereinigten
Staaten
investieren, um ihre zwei
Millionen Farmer zu subventionieren,
genau dem entspricht, den die EG zur
Finanzierung
ihrer
zehn
Millionen
Bauern ausgibt.
Yeutter bezeichnete
diesen Vergleich
als
bedeutungslos
und erklärte, das Problem bestehe
vielmehr darin, daß beide Seiten zuviel für landwirtschaftliche Programme ausgeben und damit den Welthandel
erheblich verzerren.
Die Korrektur

dessen müsse sich am Verhandlungstisch vollziehen, und beide Seiten
müßten diese Situation erheblich verbessern. Wenn sich eine dramatische
Bewegung
zur
Reformierung
dieser
Praktiken vollziehen soll, müsse diese herbeigeführt werden, weil es im
allseitigen Interesse liege.
Yeutter erklärte, "dies beinhaltet einen schmerzhaften Anpassungsprozeß.
Der Kern unseres Problems
weist darauf hin, daß wir bereits einen größeren Teil dieser Anpassung
vollzogen haben als Westeuropa. Wir
haben in den vergangenen Jahrzehnten
einen großen Teil unserer Farmer zur
Aufgabe ihrer Farmen und Annahme von
Beschäftigungsverhältnissen
in
der
Stadt bewegen können.
Unsere Farmen sind größer und rationeller
geworden.
In Westeuropa
und in einigen anderen Ländern hat
eine geringere Anpassung stattgefunden.
Aber diese Anpassung muß bei
uns allen stattfinden, wenn wir eine
ausreichend effiziente und rationelle
landwirtschaftliche Produktion haben
wollen. Wir erwarten nicht, daß sich
dies in Europa über Nacht vollzieht.
Aus diesem Grund sind wir bereit, den
entsprechenden Zeitrahmen zu diskutieren und darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Wir glauben ganz
einfach, daß es wenig Sinn hat, Millionen von Dollar für landwirtschaftliche Produkte auszugeben, die niemand kaufen will und Millionen Dollar, die die internationalen Handelspraktiken stark verzerren und unseren
weniger
entwickelten
Partnerländern
großen Schaden zufügen".
Der Botschafter wurde weiter befragt, ob die Verhandlungen im Bereich der Landwirtschaft mit anderen
Verhandlungen in anderen Bereichen zu
einem 'Paket' verbunden werden könnten. Yeutter äußerte sich dazu posi-

- 7 -

�tiv und erklärte, "wir würden im Verhandlungsprozeß nicht so viel erreichen, wie ich wünschte, daß wir erreichen würden, wenn die Landwirtschaft von allem anderen abgekoppelt
wird.
Als praktisches Verfahren bestünde der beste Weg und ein Weg, etwas wirklich historisches zu tun und
etwas wahrhaft bedeutungsvolles im
Bereich der Landwirtschaft herbeizuführen, darin, den Bereich mit anderen Bestandteilen der Verhandlungen
zu verbinden. Es wird möglich sein,
ein
Paket
zusammenzustellen,
das
drei, vier oder fünf dieser Verhandlungsgruppen beteiligt und ein bestimmtes Gleichgewicht
unter
allen
Hauptteilnehmern schafft.
Zur Frage der Kontrolle eines
vereinbarten Systems verwies Yeutter
darauf, daß eine solche Kontrolle im
Rahmen des Verhandlungsprozesses erarbeitet werden müsse und teilweise
vom Wohlwollen der Regierungen abhängt.
"Wir hoffen, daß alle von uns in
der entwickelten Welt über Gesellschaften mit ausreichend hohem Entwicklungsstand und Integrität verfügen und daß wir uns mit Hilfe von
Programmen dieser Art auf unsere Verpflichtungen vorbereiten.

könnte kompliziert und eventuell auch
schwierig werden, aber genau das ist
es ja, was den internationalen Handel
eigentlich
ausmacht.
Aus
diesem
Grunde haben wir ja Regierungen und
deshalb entwickeln wir internationale
Organisationen zur Erreichung dieser
Ziele. "
Der Frage, warum die Vereinigten
Staaten
im Textilbereich
Maßnahmen
ergriffen haben, die insbesondere die
Produktion der Europäischen Gemeinschaft und Italiens betreffen, wurde
mit dem Argument widersprochen, daß
die Vereinigten Staaten keine Maßnahmen verabschiedet haben, die Westeuropa Restriktionen auferlegen.
Für
diesen Bereich gebe es Vorschläge des
Kongresses
oder
andere
rechtliche
Verfügungen, von denen jedoch bisher
keine als Gesetz verabschiedet worden
sind.
"Das derzeitige Textilprogramm
betrifft Westeuropa oder die Nationen
der Europäischen Gemeinschaft überhaupt nicht, daher können hier im Moment auch keinerlei Probleme ausgemacht werden."

Aber
abgesehen davon
benötigen
wir eine Art offizieller Berichterstattung - vielleicht Berechnungen auf jährlicher Basis im Hinblick auf
die erzielten Resultate und darauf,
ob die ausgehandelten Abkommen die
Zielsetzungen Jahr für Jahr über einen Zeitraum von 10 oder 12 Jahren
hinweg erfüllen.

"In bezug auf die Halbleiter haben wir Sanktionen verhängt, da Japan
ein mit uns im letzten Herbst geschlossenes Abkommen nicht eingehalten hat.
Unserer Meinung nach ist
ein Abkommen ein Abkommen und wenn
unsere japanischen Freunde sich verpflichten, kein Dumping von Halbleitern gleichgültig auf welchen Märkten
vorzunehmen, dann sollten sie sich
auch daran halten.
Da sie aber das
Dumping von Halbleitern auf Drittmärkten fortgesetzt haben, sahen wir
uns zur Verhängung von Sanktionen gezwungen. "

Im Rahmen des GATT wird ein Mechanismus zur Überwachung dieses Prozesses in der Anpassungsphase erarbeitet werden müssen. Ich sehe hierin keinen beunruhigenden Aspekt. Es

Bezüglich der Maßnahmen zur Lösung des Exportproblems von Nudeln
erklärte Yeutter, daß sich diese noch
im
Verhandlungsstadium
befinden.
Nach dem Besuch seines Amtskollegen

�Kommissar Leclerq und des Landwirtschaf tsskommissars
bei der Gemeinschaft,
Kommissar
Andriesen,
in
Washington, hoffe er, die begonnenen
Verhandlungen sehr bald, das heißt im
Verlauf der nächsten Woche, wieder
aufnehmen und diesen Themenkomplex zu
einem befriedigenden Abschluß bringen
zu können.
"Bedauerlicherweise sind
wir noch sehr weit voneinander entfernt und ich kann zu diesem Zeitpunkt höchstens vorsichtig optimistisch sein."
Auf die Frage nach dem Stand der
amerikanischen
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit
erklärte
der
Botschafter:
"Sicherlich
ist
die
Wettbewerbsfähigkeit eine Herausforderung für die Vereinigten Staaten vor allem in bestimmten Produktbereichen". Einige der amerikanischen Industrien seien Ende der siebziger und
zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Vereinigten Staaten einen großen
Handelsüberschuß hatten, doch etwas
selbstgefällig geworden.
"Der Dollar
war schwach und wir nahmen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als
selbstverständlich hin."
"All dies hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet.
Der Dollar stieg drastisch im Wert
und wir mußten sozusagen über Nacht
feststellen, daß wir
international
bei weitem nicht so konkurrenzfähig
waren, wie wir angenommen hatten zumindest nicht bei diesen Wechselkursen.
Natürlich
verschlechterte
sich unsere Handelssituation gravierend.
Nun stellt sich die Frage:
Können wir all dies rückgängig machen?
Und wenn ja, wie stellen wir
es an?
In gewissem Maße spielen
makroökonomische
Faktorn
wie
die
Steuer- und Währungspolitik eine Rolle"...
"und unsere Regierung oder
die europäischen Regierungen müssen
Antworten
zur
Verfügung
stellen.

Dies ist international gesehen Teil
des
wirtschaftlichen
Umfelds."...
"Wir alle müssen daran mitarbeiten,
zum Nutzen aller Geschäftsleute zusätzliche Stabilität in diesem Bereich zu schaffen...
Niemandem, der
mit internationalen Geschäften befaßt
ist,
gefallen
diese
gigantischen
Wechselkursfluktuationen,
die
Entscheidungen im Hinblick auf internationale Investitionen schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich machen." Trotz
all dieser wichtigen Faktoren müsse
die langfristige Konkurrenzfähigkeit
gewährleistet sein.
"Meiner Meinung nach haben viele
amerikanische Unternehmen in den vergangenen drei oder vier Jahren auf
diese Herausforderung
reagiert und
ihre
Produktivität
enorm
gesteigert."...
"Meine Botschaft an Westeuropa und alle anderen Länder ist
daher: In der Zukunft werdet Ihr mit
sehr viel stärkerer Konkurrenz unserer
Geschäftsleute
rechnen müssen,
denn... wir in den Vereinigten Staaten sind heute sehr viel konkurrenzfähiger, als wir es noch vor zwei
oder drei Jahren waren. Wir in der
Regierung werden dabei so weit wie
möglich behilflich sein, ah r dies
ist eine Herausforderung für den Privatsektor, der meiner Meinung nach
bereits
auf
diese
Herausforderung
reagiert."
Die Frage, ob die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zu Agrarhandelsreformen aus der Überzeugung heraus vorgelegt haben, den Weltagrarhandel dadurch in einigen Bereichen
besser dominieren zu können, wurde
mit dem offenen Bekenntnis beantwortet, daß die Vereinigten Staaten sicherlich keine für sie nachteiligen
Vorschläge vorlegen würden. Alle Beteiligten müßten ihr Eigeninteresse
bei solchen Verhandlungen wahren, von
denen alle Länder in vielerlei Hin-

- 9 -

�Sicht profitieren könnten. Im Zusammenhang mit Agrarreformen solle man
nicht in schwarz-weiß Schemata denken
oder nur von Gewinnern und Verlierern
ausgehen. Von einer umfassenden Agrarreform
würden
Konsumenten
und
Steuerzahler sowie die international
konkurrenzfähigen Bauern - und auch
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen - profitieren, "wenn unsere
Bauern auf die sich bietenden Möglichkeiten reagieren und sich auf das
Verhalten der Bauern in anderen Ländern der Welt einstellen." Der Markt
und die Bauern sollten die Entscheidungen, zum Beispiel über den Standort für Agrarerzeugnisse einer bestimmten
Produktkategorie,
treffen
und nicht die Regierungen, deren Beschlüsse zu der gegenwärtigen verzerrten Situation beigetragen haben.
Auf die Bemerkung, daß diese äussert überzeugende Begründung für eine
landwirtschaftliche
Null-Lösung
jedoch alle Handelsnationen und insbesondere die EG vor unüberwindliche
politische Probleme stellen würde und
die daran anschließende Frage, ob
dieser Vorschlag vor allem in Europa
nicht schlicht als Schachzug bei den
Verhandlungen angesehen werde, antwortete Botschafter Yeutter:
"Wenn
dieser Ansicht in Europa Glauben geschenkt würde, wäre es eine bedauerliche
Fehlinterpretation
unserer
Überzeugungen".
Er sei sich jedoch
dessen bewußt, wie brisant dieses
Thema überall, auch in den Vereinigten Staaten sei, da er selbst sein
ganzes Leben lang mit Landwirtschaft
befaßt gewesen sei und in den vergangenen 15 Jahren Tausende von Gesprächen mit Landwirtschafts- und Handelsministern sowie Agrarfirmen geführt und Europa häufig genug besucht
habe, um mit diesen politischen Problemen vertraut zu sein.
Daher unterschätze er die mit einer Reform
dieser
Größenordnung
einhergehenden

politischen Schwierigkeiten in keiner
Weise. Die Herausforderung liege daher darin, kreative und einfallsreiche Wege zur Überwindung dieser zweifelsohne bestehenden enormen Probleme
zu finden und sich nicht mit halben
Lösungen
zufrieden
zu geben.
Die
Probleme müßten mit Optimismus angegangen werden und es sei keine Zeit
für defätistische Einstellungen, da
in den vergangenen 30 Jahren am Agrarsektor
stets nur
herumgenörgelt
worden sei und die Situation sich
enorm verschlechtert habe. Wir alle,
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft hätten uns dieser Herausforderung bereits vor mehr
als einem Jahrzehnt stellen müssen,
denn damals wäre es einfacher als
heute gewesen. "Dies ist umso bedauerlicher, da wir vor zehn Jahren dieselben Gründe anführten, weshalb wir
die Probleme nicht in Angriff nehmen
konnten - nämlich, daß es politisch
zu schwierig sei. Wenn wir uns jetzt
wieder drücken, dann werden wir in
zehn Jahren zu hören bekommen: 'Wie
sind wir in dieses Chaos geraten?
Warum hat nicht bereits vor einem
Jahrzehnt jemand etwas dagegen unternommen? ' "
Auf die in diesem Zusammenhang
gestellte Frage nach bestimmten Terminen antwortete der Botschafter, daß
definitiv in dieser Woche keine Sanktionen verhängt würden, da dem Verhandlungsprozeß zunächst jede mögliche Chance eingeräumt werden müsse.
Sanktionen würden erst dann verhängt,
wenn die Verhandlungen offensichtlich
aussichtslos erschienen.
Als Termin
sei zunächst der 1. Juli festgesetzt
worden, dann habe man gehofft, in der
vergangenen Woche zu einer Einigung
zu kommen, als die beiden EG-Kommissare in Washington waren, und jetzt
wolle man einen weiteren Versuch unternehmen.
Bezüglich
des
genauen
Termins wolle er keine Angaben ma-

- 10 -

�chen, da er dies persönlich mit Kommissar Leclerq besprechen wolle und
nicht wünsche, daß dies durch die Medien gehe.
Auf die Bemerkung, daß die Beendigung der Subventionen sich vorteilhaft für den Steuerzahler auswirken,
dagegen die mit dieser Politik einhergehenen
unvermeidbaren
Soziallasten den Steuerzahler belasten würden, verwies der Botschafter darauf,
daß man je nach Art der Soziallasten
unterscheiden
müsse,
jedoch
jede
Strukturanpassung soziale Kosten mit
sich bringe, die realistischerweise
in den politischen Entscheidungsprozeß eingebracht werden müßten.
"Unser Vorschlag bietet eine Möglichkeit, diese besonderen Soziallasten in den Verhandlungsprozeß einzubinden.
Daher wurde auch ein Sicherheitsnetz, das nicht an die Produktion gebunden
ist, von unserem
Vorschlag ausgenommen."
Die erforderliche Strukturanpassung "wird sich
nicht über Nacht vornehmen lassen und
sie wird Geld kosten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß in allen Ländern ein Sicherheitsnetz geschaffen
wird, durch das die Soziallasten in
das System eingebracht werden."

* * * * * *
- 11

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

22. Juli 1987

26

WIRD MOSKAU DIE "ECHTE NULL-LÖSUNG" AKZEPTIEREN?
- Von Kenneth L. Adelman -

(Der Autor dieses am 9. Juli 1987 in der New York Times veröffentlichten
Artikels ist Leiter des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. )

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat öffentlich vom Abschluß
eines Abkommens über atomare Mittelstreckenraketen
gesprochen,
das
rechtzeitig zu einem möglichen Gipfeltreffen im kommenden Herbst Zustandekommen solle. Wenn die Sowjets
es mit diesem Zeitplan ernst meinen,
können sie zu dessen Verwirklichung
insbesondere eines tun: mit uns zusammen auf die weltweite Beseitigung
sowjetischer SS-20 und SS-4 Raketen
und amerikanischer Pershing II und
landgestützter Marschflugkörper hinarbeiten.
Diese "echte Null-Lösung"

United States Information Service
Embassy of the United States of America

würde die Verhandlungen beträchtlich
beschleunigen und die Verifizierung
erheblich vereinfachen.
Wie die Dinge heute stehen, würde
es der INF-Vertrag, über den gegenwärtig verhandelt wird, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlauben, 100 Gefechtsköpfe auf diesen
Raketen zu behalten - auf unseren Raketen in den Vereinigten Staaten und
denen der Sowjetunion im asiatischen
Teil
dieses Landes.
Darauf haben
sich Präsident Reagan und Generalsekretär Michail S. Gorbatschow in Reyk-

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�javik im vergangenen Herbst verstandigt.
Ein solches Resultat wäre gegenüber der heutigen Situation, insbesondere unter dem zahlenmäßigen Gesichtspunkt, eine erhebliche Verbesserung. Die Bedrohung durch die SS20 würde radikal vermindert, wobei
die Sowjetunion über 400 dieser Raketen mit über 1 200 Gefechtsköpfen
vernichten müßte, die gegenwärtig Europa und Asien bedrohen, sowie über
100 SS-4 (mit je einem Gefechtskopf).
Das ist mehr als das Sechsfache
der Gefechtsköpfe, die auf den von
uns zu beseitigenden Pershing II und
langestützten Marschflugkörpern stationiert sind. Es übertrifft die Anzahl der 572 Gefechtsköpfe, die wir
ursprünglich
nach Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses zu stationieren geplant hatten, um mehr als das
Doppelte.
Außerdem wäre dies das erste Abkommen, durch das die offensiven Nuklearwaffen
beträchtlich
reduziert
würden.
Berücksichtigt man die Tatsache, daß noch vor sechs Jahren Reduzierungen
dieses
Ausmaßes
als
"nicht
verhandlungsfähig"
abgetan
wurden, dann ist der heutige Portschritt ein Verdienst westlicher Entschlossenheit.
"Fast Null" ist gut, und wir sind
bereit, dies als Zwischenschritt zu
akzeptieren. Aber die echte Null-Lösung - die totale weltweite Abschaffung der Raketen - wäre weit besser.
Warum?
Erstens wäre die echte Null-Lösung einfacher zu verifizieren und,
was ebenso wichtig
ist, einfacher
durchzusetzen.
Im allgemeinen

sind Verbote ein-

facher zu verifizieren als Begrenzungen.
Wenn Moskau also der totalen
Abschaffung
der
Raketen
zustimmt,
dann könnte die Verifizierung vereinfacht werden. Insbesondere wären einige der im Falle einer vertraglich
erlaubten Beibehaltung einer geringen
Anzahl von Raketen und Abschußvorrichtungen erforderlichen einschneidenderen
Verifizierungsbestimmungen
in unserem Vertragsentwurf unnötig,
wenn
Produktion, Stationierung
und
Lagerung verboten würden.
Ein totales Verbot würde außerdem
das Vertrauen erhöhen, indem es das
Problem der Vertragseinhaltung vereinfacht. Bei fast Null können immer
wieder Frage auftauchen, ob entdeckte
mobile Raketen zulässig oder unzulässig sind. Bei der echten Null-Lösung
läge jedoch eine eindeutige, jedem
Bürger einleuchtende Vertragsverletzung vor, wenn wir eine Mittelstrekkenrakete
entdecken
würde.
Dies
könnte uns dabei helfen, endlose Kontroversen über die Frage sowjetischer
Betrügereien zu vermeiden. Es sollte
ebenfalls weniger Druck geben - wie
den Druck, dem wir heute aus gewissen
Kreisen ausgesetzt
sind -, sowjetische Vertragsverletzungen zu ignorieren oder hinzunehmen.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Shultz vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;dem Weltsicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?&lt;br /&gt; &lt;em&gt;von Kenneth L. Adelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"V

^

c$

29. J u l i 1987

27

I N H A L T

INFORMATION

Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige
- Erklärung von Präsident Reagan -

DOKUMENTATION

Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für
Null-Lösung
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

Die INF-Verhandlungen - Eine Antwort an Moskau
- V o n Max Kampelman -

* * * * * *

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1»

""""'

Information

A&lt;

29. Juli 1987

27

ZUM TODE VON HANDELSMINISTER MALCOLM BALDRIGE
- Erklärung von Präsident Reagan -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige, der am
25. Juli 1987 an den Folgen eines Unfalls verstarb, veröffentlichte das Weiße
Haus die folgende Erklärung des amerikanischen Präsidenten:

Die Nation hat durch den tragischen und viel zu frühen Tod von Minister Baldrige einen schweren Verlust erlitten.
Als erfahrener Geschäftsmann und
anerkannte Führungspersönlichkeit war
er ein begabter und engagierter Diener des Staates, dem nichts wichtiger
war als seinen Beitrag für Amerika zu
leisten, und genau das tat er auch.
Unter seiner Leitung spielte das Handelsministerium
eine
Schlüsselrolle
bei der Wiedergeburt unseres Wohlstandes, und wir alle schulden Mac
Baldrige dafür großen Dank.

Er war ein loyales Mitglied des
Kabinetts, dessen von gesundem Menschenverstand geprägte Erfahrung ich
oft vertraut und sehr geschätzt habe.
Mac und ich teilten eine besondere
Affinität für den Westen, und ich
werde seine Freundschaft sehr vermissen.
Nancy und ich sind ehrlich betrübt, und wir möchten Midge und der
Familie Baldrige unser tiefstes Beileid aussprechen. Sie werden in der
nächsten zeit in unseren Gedanken und
Gebeten bei uns weilen.

* * * * * *

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V,DN

*

Dokumentation

29. Juli 1987

27

VEREINIGTE STAATEN "BEFRIEDIGT" ÜBER SOWJETISCHE UNTERSTÜTZUNG
FÜR NULL-LÖSUNG
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorstellung des amerikanischen Vorschlages,
die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl längerer als auch kürzerer Reichweite abzubauen, verlieh der amerikanische Präsident seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß "die Sowjets nun ihre Unterstützung für beide Konzepte bekundet haben".
Im Rahmen einer Ansprache in Washington führte der Präsident zu diesem
Vorschlag, der am 28. Juli 1987 bei den Genfer Verhandlungen eingebracht wurde, folgendes aus:

Heute unterbreitet unsere Delegation bei den Genfer Gesprächen über
nukleare Mittelstreckenraketen einen
formellen
amerikanischen
Vorschlag,
der zwei schon früher von den Vereinigten
Staaten gemachte Vorschläge
enthält.
Im November 1981 versprachen wir die Abschaffung der gesamten
Kategorie
von Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite.
Am 15. Juni
schlugen wir dann formell vor, auch
die
Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite abzuschaffen.
Wie einige
unter Ihnen vielleicht wissen, hat
die Sowjetunion bis zur vergangenen

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Woche auf einem möglicherweise wesentlichen Hindernis für unseren Vorschlag der doppelten Null-Lösung bestanden - auf dem Recht, einige ihrer
gegenwärtig
in Asien
stationierten
INF-Raketen zu behalten.
Vorigen Mittwoch verkündete Generalsekretär Gorbatschow jedoch, daß
er bereit sei, diese Forderung fallenzulassen.
Der von uns heute unterbreitete Vorschlag würde die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl
längerer als auch kürzerer Reichweite
auf Null reduzieren, und wir sind be-

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�friedigt darüber, daß die Sowjets nun
ihre Unterstützung für beide Konzepte
bekundet haben.
Zwei lebenswichtige Elemente sind
ebenfalls darin eingeschlossen:
Die
Zerstörung der von diesem Vertrag erfaßten Raketen und Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung
dieser Systeme und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten.
In Genf bleibt noch vieles zu
tun, aber ich fühle mich durch die
Tatsache
ermutigt, daß
das
Klima
jetzt
für einen historischen Vorschlag dieser Art aufnahmefähig ist.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, daß sie in der Lage sind,
diesen Vorschlag zu unterbreiten.
Ich kann nur noch hinzufügen, daß
auch noch andere Abrüstungsverhandlungen stattfinden, die strategische
und nukleare Langstreckenwaffen betreffen. Wir haben unseren Vorschlag
in Form eines Vertragsentwurfs zu
START auf den Verhandlungstisch gelegt.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion desgleichen tun wird und ihre
Ansichten zu diesem Thema formell zum
Ausdruck bringt. Wie Sie sehen können, besteht unser Ziel nicht in Rüstungskontrolle, sondern in Rüstungsreduzierung,
und trotz der Skepsis,
auf die wir bei der Ankündigung dieser Pläne stießen, bewegen wir uns in
diese Richtung.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

29. Juli 1987

27

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER NUKLEARE MITTELSTRECKENRAKETEN
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - (Der folgende Sonderbericht zu den Verhandlungen über
nukleare Mittelstreckenraketen (INF) wurde im Juli 1987 vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlicht.)

Abkürzungen
INF - Nukleare Mittelstreckenraketen
GLCM - Landgestützte Marschflugkörper
NST - Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen
LRINF - INF längerer Reichweite
SRINF - INF kürzerer Reichweite

Einleitung
Auf

dem

Weg

zu

einem

ameri-

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kanisch-sowjetischen
INF-Abkommen,
das den Sicherheitskriterien der NATO
genügen würde, sind bedeutende Fortschritte erzielt worden. Ein solches
Abkommen würde - zum ersten Mal in
der Geschichte - ganze Kategorien nuklearer Raketensysteme drastisch reduzieren
oder gänzlich
abschaffen.
Trotz dieser Fortschritte bleiben jedoch noch mehrere schwierige Probleme
bestehen.
Die Lösung dieser Probleme, darunter das der Verifizierung,
wird noch sehr harte Verhandlungen
erfordern.
Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihr Teil zur Lösung

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�dieser Probleme beitragen, jedoch muß
die Sowjetunion erst noch ein gleiches Maß an Engagement zeigen.

27. April 1987 ihren eigenen Vertragsentwurf vor, der viele gleichgeartete Elemente enthielt.

Diese Fortschritte sind durch die
energische und einheitliche Antwort
der NATO auf die im Jahr 1977 begonnene destabilisierende Stationierung
der SS 20-Raketen in Europa durch die
Sowjets ermöglicht worden.
im Jahr
1979 beschloß die NATO den "Doppelbeschluß" als Antwort auf das wachsende
Ungleichgewicht im INF-Bereich:
(1)
Stufenweise
Stationierung
amerikanischer LRINF-Raketen in Europa und
(2) gleichzeitige Verhandlungen mit
den Sowjets zur Schaffung eines weltweiten Gleichgewichts bei diesen Raketen auf dem niedrigstmöglichen Niveau. Trotz erheblicher sowjetischer
Anstrengungen
zur Aushölung
dieses
Beschlusses blieb die NATO standhaft.
Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit der NATO haben entscheidend
dazu beigetragen, die Sowjets davon
zu überzeugen, ernsthaft über INF zu
verhandeln.

Mitte April 1987 traf Außenminister Shultz in Moskau mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse
zusammen.
Im
Verlauf dieser Treffen schlug Herr
Gorbatschow die weltweite Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer INFRaketen
kürzerer
Reichweite
vor.
(Die Vereinigten Staaten haben keine
SRINF-Raketen
stationiert; die Sowjetunion besitzt über 100 dieser Raketen. )

Jüngste Entwicklungen
Im Anschluß an eine Ankündigung
von Präsident Reagan vom 3. März 1987
legten die Vereinigten Staaten bei
den Gesprächen über Kern- und Weltraumwaffen in Genf einen Vertragsentwurf zu INF vor.
Der amerikanische
Entwurf reflektierte die grundlegende
Struktur der Obereinkunft, die vom
Präsidenten
und
Generalsekretär
Gorbatschow während ihres Treffens in
Reykjavik vom Oktober 1986 erzielt
worden war - eine gleiche weltweite
Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf
LRINF-Raketen
für
die
Vereinigten
Staaten und die UdSSR, wovon keine in
Europa stationiert sein dürften, sowie Beschränkungen für SRINF-Raketen
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens.
Die Sowjetunion legte am

Die Vereinigten Staaten führten
daraufhin
intensive
Konsultationen
mit
ihren NATO-Verbündeten
zu den
möglichen Auswirkungen einer Null-Lösung bei den SRINF durch. im Rahmen
des Treffens des Nordatlantikrats vom
11. bis 12. Juni 1987 unterstützten
die Außenminister der NATO die verifizierbare, weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
SRINF-Raketen,
vorausgesetzt,
diese
sei wirksam zu verifizieren, bilde
den integralen Bestandteil eines bilateralen INF-Abkommens und schlösse
die sowjetischen SS-12 und SS-23 Raketen ein.
Die Vereinigten Staaten
unterbreiteten diesen SRINF-Vorschlag
am 16. Juni bei NST in Genf und betonten darüberhinaus die weiterbestehende Präferenz der Vereinigten Staaten für die weltweite Abschaffung der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen.

Der amerikanische Vertragsentwurf
Der
Text dieses
amerikanischen
Vertragsentwurfs, den die Vereinigten
Staaten am 4. März 1987 den Sowjets
in Genf zu unterbreiten begannen,
sieht gegenwärtig vor:

- 2 -

�Die stufenweise Reduzierung der
LRINF-Raketensysteme
auf
eine
temporäre
weltweite
Obergrenze
von
jeweils
100 Gefechtsköpfen
auf LRINF-Raketen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - wovon keine in Europa
stationiert sein dürfen - bis zum
Jahr
1991.
Die amerikanischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären
auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaska, erlaubt, die
sowjetischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären im asiatischen Teil der Sowjetunion zulässig.

haben von Beginn der Verhandlungen an
betont, daß jedes INF-Abkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität
verbessern und das
Kriegsrisiko verringern soll.
Die
Vereinigten Staaten verfolgen in dieser Hinsicht drei Ziele:
- Stärkung des Vertrauens in das
Abkommen, das an sich schon zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen
wird.
- Abschreckung
von
Verletzungen
durch erhöhte Wahrscheinlichkeit
ihrer Aufdeckung.

Die
weltweite
Abschaffung
der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen (einschließlich der
sowjetischen SS-23 und SS-12) als
integraler Bestandteil eines INFAbkommens.

- Die Möglichkeit einer schnellen
Entdeckung von Vertragsverletzungen, wodurch eine
zeitgerechte
Warnung
vor einer
potentiellen
oder realen Bedrohung der Sicherheit der Verbündeten ermöglicht
wird.

Eine umfassende Verifizierungsregelung. Die Vereinigten Staaten haben mit voller Unterstützung ihrer Verbündeten - seit Beginn der INF-Verhandlungen im Jahr 1981 betont, daß
sie die weltweite Abschaffung aller
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen vorziehen würden. Dies
würde die Verifizierung eines INF-Abkommens sehr erleichtern. Zusätzlich
betonen die Vereinigten Staaten, daß
die INF-Verhandlungen bilateral sind
und keine Systeme von Drittländern
beinhalten oder die Kooperation der
Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten betreffen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten eine Verifizierung sregelung
vorgeschlagen,
durch die die Einhaltung der Vertragsbestimmungen gefördert ur1 die
verbotene Produktion, Lagerung oder
Stationierung
von
vertraglich
beschränkten Systemen und damit in Verbindung stehender Ausrüstung entdeckt
werden sollen. Diese Verifizierungsregelung besteht aus sechs Grundelementen:

Verifizierung
Eine Reihe wichtiger Fragen muß
vor dem Abschluß eines INF-Abkommens
gelöst werden. Eine der wichtigsten
betrifft die Verifizierung. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
- 3 -

- Bestimmung von Gebieten und Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag beschränkte Raketensysteme untergebracht sein müssen mit
einem Verbot, sie andernorts zu
stationieren.
(Dies ist zwingend
erforderlich, da die durch einen
INF-Vertrag zu beschränkenden Systeme mobil sind und sonst praktisch überall stationiert werden
könnten.)

�- Gegenseitiger Austausch von spezifiziertem, umfassendem Zahlenmaterial
über
vertraglich
begrenzte Systeme sowie der dazugehörigen Einrichtungen und Geräte
vor Inkrafttreten des Vertrages.
- Einvernehmliche
dieser Daten.

Fortschreibung

- Spezielle Verfahren zur Verifizierung
von Vernichtung, Abbau
und Umrüstung von LRINF Systemen,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen.
- Vor-Ort-Inspektionen/Uberwachung.
Dieser Bestandteil beinhaltet 1.)
eine einmalige, umfassende Inspektion kurz nach Inkrafttreten
des Vertrages zur Bestätigung der
Grunddaten über vertraglich begrenzte Systeme; 2.) Inspektionen
zur Verifizierung des Abbaus von
Systemen, die gemäß der Verfügungen des Vertrages reduziert werden sollen; 3.) kurzfristig anberaumte Inspektionen entsprechend
"deklarierter"
Einrichtungen
in
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion; 4.) kurzfristig anberaumte
Inspektionen
anderer
amerikanischer
und
sowjetischer
Einrichtungen; und 5.) kontinuierliche
Überwachung
bestimmter
kritischer Einrichtungen zur Produktion,
Endmontage,
Reparatur
und Lagerung von vertraglich begrenzten Systemen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Anwendung
und
Nichtbehinderung
von nationalen technischen Verifikationsmaßnahmen,
eine Bedingung zur Übertragung der technischen Meßdaten von Raketenflügen;
Verbot
der Verschlüsselung
und
das Verbot von Täuschungsmaßnah-

men, die der Verifizierung
derlaufen.

zuwi-

Die Vereinigten Staaten sind sich
bewußt, daß
Verifizierungsmaßnahmen
nie lOOprozentig sicher sind, glauben
jedoch,
daß
umfassende
Verifizierungsmaßnahmen
mit klar
umrissenen
und
zwingenden
Verifizierungsverpflichtungen - wie sie im amerikanischen
Vertragsentwurf
enthalten
sind - das beste Mittel der Gewährleistung dafür bilden, daß die Sowjets die Verfügungen des Vertrages
nicht verletzen.
Die Sowjetunion hat einigen der
von den Vereinigten Staaten geforderten grundsätzlichen Bestandteile des
Verifizierungspakets prinzipiell zugestimmt, einschließlich des Datenaustauschs,
der
Vor-Ort-Inspektion
bei Abbau und Vernichtung sowie VorOrt-Inspektionen
der
LRINF-Bestände
und dazugehörigen Einrichtungen. sie
muß jedoch noch zahlreiche wichtige
Einzeldaten zur Verfügung stellen sowie Vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Gelände zustimmen.

Die deutschen Pershing IA
Die Sowjets haben kürzlich zum
ersten Mal die Forderung aufgestellt,
daß amerikanische Gefechtsköpfe auf
deutschen Pershing IA-Raketensystemen
Bestandteil eines amerikanisch-sowjetischen Abkommens über den Abbau von
SRINF-Raketen sein müssen.
Die amerikanische
Position
ist eindeutig:
Die INF-Verhandlungen sind bilaterale
Verhandlungen und erstrecken sich daher ausschließlich auf amerikanische
und sowjetische Raketen und betreffen
nicht Systeme von Drittländern oder
bestehende Muster der Zusammenarbeit
mit den Verbündeten. Die NATO-Partner unterstützen diese Position voll
und ganz. Die Sowjets haben das The-

&gt;

�ma
der
deutschen
Pershing
bisher
nicht angeschnitten; zu einem solch
späten Zeitpunkt legen sie damit die
Vermutung nahe, sie versuchten, dem
erfolgreichen Abschluß der INF-Verhandlungen künstlich neue Hindernisse
in den Weg zu legen.

Vorausschau
Die Lösung dieser und anderer
ausstehender Probleme wird sich als
schwierig erweisen.
Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ihren Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten, aber die Sowjetunion muß noch
unter Beweis stellen, daß sie es
ebenso ernst meint.

Hintergrund

die sowjetische Entwicklung der SS-20
Raketen - trugen in den siebziger
Jahren zur Verlagerung der Situation
bei.
Die im Jahre 1977 begonnene Stationierung der SS-20 stellte sowohl
einen qualitativen und quantitativen
Wandel für die europäische Sicherheit
als auch eine Bedrohung für die Sicherheit unserer asiatischen Freunde
und Verbündeten dar.
Die SS-20 ist
zielgenauer als die SS-4 und die
SS-5. Ferner ist die SS-20 mobil und
kann schnell neu disloziert werden.
Schließlich trägt die SS-20 drei unabhängig steuerbare Gefechtsköpfe im
Gegensatz zu dem Einzelgefechtskopf
der Vormodelle, ihre Abschußeinrichtungen
können
schnell
nachgeladen
werden und zusätzliche Raketen abfeuern.
Bis Juli 1987 hatten die Sowjets weltweit 441 Raketen des Typs
SS-20 mit einer Gesamtzahl von 1 323
Gefechtsköpfen stationiert.
Darüber
hinaus haben die Sowjets weiterhin
112 Raketen des Typs SS-4 disloziert.

Nukleare Aufrüstung der Sowjetunion,
in den fünfziger und frühen
sechziger
Jahren
stationierte
die
UdSSR
gegen
Westeuropa
gerichtete
SS-4 und SS-5 Raketen. Bis Mitte des
Jahres 1977 waren ca. 575 in Stellung
gebracht.
Im Verlauf der fünfziger
Jahre dislozierten die Vereinigten
Staaten eine geringere Anzahl ungefähr entsprechender Raketen - Mace,
Thor und Jupiter - in Großbritannien,
Italien, der Bundesrepublik und der
Türkei.
Anfang der sechziger Jahre
zogen die Vereinigten Staaten diese
Systeme jedoch einseitig ab und motteten sie ein. Wir waren dazu aufgrund der überlegenen amerikanischen
strategischen Streitkräfte in der Lage, die eine angemessene Abschreckung
gegen
sowjetische Aggressionen und
Einschüchterung Westeuropas darstellte.

Mit dem Anwachsen der Zahl sowjetischer SS-20, denen keine in Europa
stationierten amerikanischen Raketen
gegenüberstanden, nahm die Besorgnis
der
europäischen
NATO-Staaten
zu,
Moskau könne - fälschlicherweise
glauben, die amerikanischen strategischen Streitkräfte könnten von der
Verteidigung des Bündnisses in Europa
abgekoppelt werden.
Solch ein Fehlschluß könnte die NATO-Strategie der
nuklearen Abschreckung und der flexiblen Reaktion in Frage stellen, die
seit vier jarhzehnten den Frieden in
Europa bewahrt hat.
Westeuropäische
Politiker betonten die Notwendigkeit
einer starken Reaktion der NATO.

Zwei
kritische
Entwicklungen
das Erlangen eines ungefähren strategischen
Gleichgewichts der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten und

Reaktion der NATO.
Nach intensiven Konsultationen mit dem gesamten
Bündnis entschied sich die NATO im
Dezember
1979
für
eine
simultan

- 5 -

�durchgeführte
"zweigleisige"
tion, den Doppeibschluß.

Reak-

- Ein "Gleis" bestand in der Umkehr
des bei INF bestehenden Ungleichgewichts durch die im Jahr 1983
einsetzende Stationierung von 572
amerikanischen
INF
längerer
Reichweite in Westeuropa - 108
Pershing II-Raketen und 464 bodengestützte
Marschflugkörper
(GLCM) - über einen Zeitraum von
fünf Jahren.
Obwohl diese Zahl
nicht genau der Anzahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe
bei
den
SS-20 entspricht, wäre dies eine
Reaktion, die ausreicht, um eine
glaubwürdige
Abschreckung
aufrechtzuerhalten.
Im
Dezember
1986 hatten die Vereinigten Staaten 316 LRINF - 108 Pershing II
und 208 GLCM - stationiert.
- Das zweite "Gleis" verlangte von
den Vereinigten Staaten, mit den
Sowjets Verhandlungen zur Errichtung eines weltweiten Gleichgewichts bei den amerikanischen und
sowjetischen
LRINF
auf
dem
kleinstmöglichen
Stand
durchzuführen.
Ein jegliches Abkkommen
über LRINF müßte außerdem amerikanische
und sowjetische
SRINF
weltweit auf einem gleichen Stand
beschränken, um die Umgehung eines Abkommens über LRINF durch
Aufrüsten bei den Kurzstreckensystemen zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und die NATOVerbündeten betonten, sie seien
bereit, die Stationierungen amerikanischer LRINF einzuschränken,
zu ändern oder sogar umzukehren,
wenn das Ergebnis der Verhandlungen dies rechtfertigt.
Das
"Zweite
Gleis".
Die Sowjets weigerten sich anfangs, zu verhandeln und stellten die Bedingung,
die NATO müsse zunächst ihre Pläne

zur Stationierung der LRINF aufgeben.
Die Sowjets schlugen dann ein "Moratorium" zur Stationierung von INF in
Europa vor.
Damit wäre ihr Monopol
bei den LRINF bestätigt worden, das
die NATO gerade als unannehmbar zurückgewiesen hatte. Nur nachdem Moskau erkannt hatte, daß die NATO entschlossen war, in Ermangelung verhandelter Beschränkungen mit den Stationierungen fortzufahren, stimmten die
Sowjets schließlich
im Herbst des
Jahres 1981 Verhandlungen über INF zu.
Prinzipien
der
amerikanischen
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen.
Die
amerikanische
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen
hat sich auf der Grundlage weitreichender Konsultationen mit den Bündnispartnern
entwickelt
und
basiert
auf fünf grundlegenden Prinzipien:
- Ein Abkommen muß für den Gleichstand von Rechten und Begrenzungen
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sorgen.
- Das Abkommen darf nur amerikanische
und sowjetische
Systeme
betreffen.
- Begrenzungen müssen weltweit gelten und damit das Übergreifen der
Bedrohung von einer Region auf
eine andere verhindern.
- Die konventionelle Verteidigungsfähigkeit der NATO darf nicht geschwächt werden.
- Jedes Abkommen muß wirksam
fizierbar sein.

veri-

Verhandlungen.
Die
formellen
Gespräche mit der Sowjetunion wurden
im November
1981 aufgenommen.
Zu
diesem Zeitpunkt schlugen die Vereinigten Staaten vor, daß alle ameri-

�kanischen
und
sowjetischen
LRINF,
einschließlich
der
sowjetischen
SS-20, SS-4 und SS-5 sowie der amerikanischen Pershing II und GLCM verboten oder abgeschafft werden sollten.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag
zurück.
Obwohl
diese
weltweite
"Null-Lösung" weiterhin das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten
ist, haben wir im im März 1983 ein
Interimsabkommen für die beiderseitige weltweite Begrenzung aller Gefechtsköpfe auf LRINF vorgeschlagen,
die
unter
dem
geplanten
amerikanischen Dislozierungsniveau von 572
liegen.
Die Sowjets haben die INF-Verhandlungen im November 1983 verlassen
und damit gegen die Stationierung der
ersten
amerikanischen
LRINF-Raketen
in Europa protestiert, obwohl sie im
Verhandlungszeitraum
die
Stationierung ihrer SS-20 fortgesetzt hatten.
Vom Beginn der Verhandlungen bis zu
dem Punkt, an dem die Sowjets den
Verhandlungstisch verließen, zielten
die
sowjetischen Vorschläge darauf
ab, die Stationierung einer einzigen
amerikanischen Pershing II oder GLCM
zu verhindern und gleichzeitig den
Sowjets die Aufrechterhaltung eines
umfangreichen Arsenals von SS-20 im
westlichen
Militärgebiet der UdSSR
zuzugestehen und mit der Aufrüstung
bei den SS-20 in Asien fortzufahren.
Im Rahmen der sowjetischen Vorschläge
wären Hunderte amerikanischer Flugzeuge aus Europa abgezogen worden,
die für die konventionelle Verteidigung der NATO unerläßlich sind.
Als Vorwand für dieses unausgewogene Ergebnis behaupteten die Sowjets, ihre SS-20 schafften den Ausgleich für die unabhängigen Nuklearstreitkräfte
Großbritanniens
und
Frankreichs. Zusammen mit der sowjetischen Weigerung, die im asiatischen
Teil der Sowjetunion
stationierten

SS-20 in die Verhandlungen einzubeziehen, steigerte sich dies zur Berufung auf das Recht seitens der Sowjetunion, mit den gesamten Streitkräften
aller
anderen
Atomstaaten
gleichzuziehen und somit die nukleare
Überlegenheit über sie alle zu erlangen. Die NATO hat diese sowjetische
Forderung wiederholt zurückgewiesen.
Im Januar 1985 erklärten sich die
Sowjets zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit.
Im März 1985 haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion mit einer neuen Serie von
Rüstungskontrollverhandlungen
- den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen - begonnen, zu denen auch
INF zählt.
Im November 1985 haben die Vereinigten Staaten angeboten, ihre in
Europa stationierten Pershing II und
GLCM auf 140 Abschußvorrichtungen der zum 31. Dezember 1985 stationierten Anzahl - zu begrenzen, wenn die
Sowjets die Zahl der in Reichweite
der europäischen NATO-Staaten stationierten Abschußvorrichtungen für die
SS-20 auf 140 begrenzen würden und
wenn
sie gleichzeitig
proportional
einen Abbau der in Asien stationierten SS-20 vornehmen würden.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag zurück.
Beim Gipfeltreffen
im November
1985 in Genf kamen Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow überein, die Erarbeitung eines Interimabkommens
für
INF zu beschleunigen.
Bei ihrer Zusammenkunft im Oktober
1986 in Reykjavik haben sich die beiden Staatschefs im Prinzip auf eine
beiderseitige
weltweite
Begrenzung
von 100 Gefechtsköpfen auf LRINF-Raketen für jede Seite geeinigt, von
denen keine
in Europa stationiert
sein
sollten.
Die
verbleibenden
LRINF-Raketen würden jeweils im asiatischen Teil der Sowjetunion und auf

- 7 -

�amerikanischem
Territorium
stationiert werden. Damit wäre Europa zum
ersten Mal seit den fünfziger Jahren
frei von LRINF-Raketen.
In Reykjavik gaben die Sowjets
ferner ausdrücklich ihr seit langem
bestehendes Ansinnen auf, daß britische und französische Streitkräfte in
ein
INF-Abkommen einbezogen werden
sollten. Darüber hinaus vereinbarten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
grundsätzlich, Kurzstrekkensysteme als integralen Bestandteil
eines
INF-Abkommens
einzubeziehen.
Trotzdem
bestand
Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik auf einem
"Pakef'-Abkommen, bei dem INF an den
Abbau strategischer Waffen sowie an
Bereiche der Verteidigung im Weltraum, besonders an die Strategische
Verteidigungsinitiative,
gekoppelt
wird.
im Nachgang zum Treffen in Reykjavik unterbreiteten die Vereinigten
Staaten in Genf einen Vorschlag, der
die in Reykjavik vereinbarte gemeinsame Basis zur Grundlage nahm.
Im
November 1986 unternahmen auch die
Sowjets weitere Schritte, indem sie
einen Vorschlag
vorlegten, der in
Teilen die in Reykjavik erzielten
Fortschritte widerspiegelt.
Dennoch
bestanden die Sowjets bis Ende Februar 1987 weiterhin darauf, daß es im
Bereich von INF kein einzelnes Abkommen geben könne. Am 28. Februar 1987
änderte Generalsekretär
Gorbatschow
den Kurs und verkündete, daß die Sowjetunion jetzt zu einem separaten
INF-Abkommen bereit sei - eine Abkehr
von der seit dem Treffen in Reykjavik
von Oktober 1986 gehaltenen sowjetischen Position.
Die Vereinigten
Staaten nutzten diese Entwicklung und
unterbreiteten im März in Genf einen
Vertragsentwurf zu INF.
Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt die
Grundstruktur eines INF-Abkommen wi-

der, wie es von den beiden Staatschefs in Reykjavik vereinbart wurde.
Die Sowjetunion legte ihren eigenen
Entwurf am 27. April vor. Auf der
Basis dieser beiden Texte erarbeiten
amerikanische und sowjetische Unterhändler in Genf gegenwärtig einen gemeinsamen Vertragsentwurf.

* * *

�Reichweiten von Raketen

Waffenkategorie

Reichweite
über 5 500 km

Strategische Nuklearstreitkräfte

500 - 5 500 km
1 000 - 5 500 km
500 - 1 000 km

Nukleare Mittelstreckenwaffen
INF-Raketen längerer Reichweite
INF-Raketen kürzerer Reichweite

unter 500 km

Nukleare Kurzstreckensysteme

Stationierte Mittelstreckenraketen
Stand: 31. Dezember 1986

System

Ungefähre
Reichweite

Abschußanlagen
(Raketen)

Gefechtsköpfe

SS-20
SS-4

5 000 km
2 000 km

441 (441)
112 (112)

1 323

Pershing II
GLCM

1 800 km
2 500 km

108 (108)
52 (208)

108
208

LRINF
UdSSR

USA

112

SRI NF
UdSSR

SS-12
SS-23

USA

keine

900 km
500 km

* * * * *

- 9 -

100 (mehr)
100 (mehr)
werden gegenwärtig stationiert

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

29. Juli 1987

27

DIE INF-VERHANDLUNGEN - EINE ANTWORT AN MOSKAU
- Von Max Kampelman -

Der Autor ist Berater des amerikanischen Außenministeriums und Leiter der
amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über Kernwaffen im
Weltraum. Der nachfolgende Artikel erschien erstmalig am 21. Juli in der "New
York Times".

WASHINGTON - (AD) - In jüngster
Zeit haben einige sowjetische Regierungsvertreter,
hauptsächlich
mein
sowjetischer Kollege Juli M. Woronzow
die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie würden kurz vor dem Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen (INF) immer wieder Hindernisse
aufwerfen. Es gibt neue Hindernisse,
aber sie sind nicht auf die amerikanische Haltung zurückzuführen. Unsere Haltung befindet sich im Einklang mit den von uns seit der Aufnahme der INF-Verhandlungen im Jahre
1981 vertretenen Grundsätzen, und sie

United States Information Service
Embassy of the United States of America

repräsentiert eine gerechte ur.J ausgewogene Behandlung der Rechte und
Interessen beider Seiten,
Das Problem ist vielmehr die unerklärliche
sowjetische Entscheidung, ein Abkommen zu verzögern.
Nach den 28 Monaten der andauernden Verhandlungen haben sich unsere
Differenzen
erheblich
verringert.
Wir haben Übereinstimmung über die
Grundlinie eines Abkommens erzielt einen beiderseitigen Abbau auf 100
Gefechtsköpfe auf LRINF, von denen
keine in Europa stationiert werden

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sollen.
Amerika ist bereit, solch einem
ersten
Schritt
zuzustimmen, obwohl
wir es vorziehen würden, diese Raketen völlig abzuschaffen.
Wir haben
ferner dem Vorschlag von Generalsekretär Michael S. Gorbatschow zugestimmt, die amerikanischen und sowjetischen Kurzstreckenraketen weltweit
abzuschaffen.
Die jüngsten Anstrengungen um einen Aufbau auf dieser gemeinsamen Basis waren bis vor einigen Wochen produktiv.
Seitdem
sind
die
sowjetischen Bemühungen in Genf faktisch
zum Stillstand gekommen.
Das trifft
nicht nur auf INF zu, sondern auch
auf die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
(START).
Herr Gorbatschow erklärte den Bereich der strategischen Waffen zur
"Wurzel des Problems", und wir stimmen dem zu. Herr Gorbatschow ist mit
Präsident Reagan bei den Gipfeltreffen in Genf und danach in Reykjavik
übereingekommen, daß ein Abbau von 50
Prozent erfolgen sollte. Obwohl wir
vor neun Wochen in Genf bei START einen Vertrag unterbreitet haben, müssen uns die Sowjets noch ihren eigenen Vertrag vorlegen, und wir fragen
uns, ob Herr Gorbatschow etwa seine
Meinung geändert hat oder erwartet,
daß die Welt sich mit seinen Worten
statt mit seinen Taten zufrieden gibt.
Das verbleibende Problem in allen
Bereichen unserer Verhandlungen kann
gelöst werden, nicht jedoch durch
Krittelei
oder
Schuldzuweisungen.
Die Sowjets sollten wieder zur Sache
kommen.
Ein von den Sowjets erwähntes
"Hindernis"
bei
INF
betrifft
die
Pershing 1A-Raketen der Bundesrepu-

blik Deutschland.
Seit fast zwei
Jahrzehnten
führen die Vereinigten
Staaten
ein
gemeinsames
Programm
durch, im Rahmen dessen die Deutsche
Luftwaffe 72 Pershing lA-Raketen stationiert, deren nukleare Gefechtsköpfe von amerikanischen Einheiten verwaltet werden.
Seit Anbeginn der INF-Verhandlungen vertraten die Vereinigten Staaten
die Ansicht (der die Sowjets nun im
Prinzip zustimmen), daß die Verhandlungen
aufgrund
ihres
bilateralen
Charakters keine Systeme von Drittländern abdecken können.
Sie können
offensichtlich auch keine mit unseren
Verbündeten
eingegangenen
Bereiche
der Kooperation betreffen. Die NATOVerbündeten haben diese Haltung voll
und ganz unterstützt.
Während der fünf Verhandlungsjahre haben die Sowjets niemals Begrenzungen
bei
den
bundesdeutschen
Pershing
lA-Raketen und deren Gefechtsköpfen vorgeschlagen.
Sie haben eine solche Forderung auch weder
1985 beim Gipfeltreffen in Genf noch
beim Treffen in Reykjavik 1986 oder
kürzlich im April beim Besuch von
Außenminister
George P. Shult 7. in
Moskau
erhoben.
Jetzt
plötzlich
stellen sie diese Forderung, fünf vor
zwölf. Man muß sich fragen, wer hier
Hindernisse gegen ein Abkommen in
letzter Minute aufbaut?
Ein weiteres sowjetisches "Hindernis" betrifft die Umrüstung - die
Umwandlung einer vertraglich begrenzten Rakete in einen anderen Raketentyp. Hierzu möchte ich zunächst bemerken, daß eine wichtige Art und
Weise der Umrüstung unmöglich wird,
wenn die Sowjets unserem Vorschlag
einer
weltweiten Abschaffung
aller
INF-Raketen
(längerer
und
kürzerer
Reichweite)
zustimmen:
die amerikanischen Pershing lB kürzerer Reich-

�weite, zu denen die Pershing II umgerüstet werden könnten, würden verboten.
Da die Sowjets diesem Vorschlag
noch nicht zugestimmt haben, sieht
unser Vertragsentwurf vor, daß die
zur Abschaffung vorgesehenen INF-Raketen zerstört oder umgerüstet werden
sollen.
Beide
Seiten
hätten
das
Recht, zu wählen, wie sie ihre Raketen abbauen würden. Dadurch würde es
keine Raketensysteme mehr geben und
die jeweils andere Seite könnte dies
durch Vor-Ort-Inspektionen verifizieren.
Umrüstung ist ein seit langem
anerkanntes Mittel
zur Verwirklung
von Rüstungskontrollbegrenzungen und
eines, das die Sowjets früher selbst
vorgeschlagen
und angewandt haben.
Aber wenn die Sowjets in diesem Fall
aus verschiedenen Gründen keine Umrüstung zulassen wollen, können wir das
Problem auch lösen, indem wir bis auf
Null gehen. .
Ein drittes "Hindernis" betrifft
den Standort, d.h. wo die Vereinigten
Staaten
nach Vertragsabschluß
ihre
verbleibenden 100 LRINF stationieren
würden (angenommen, wir gehen nicht
bis auf Null).
Die Sowjets wollen
die
amerikanische
Stationierung
in
Alaska verhindern, von wo aus die Raketen
sowjetisches Territorium erreichen
könnten.
Dieses
Problem
stellt sich natürlich nur, weil die
Sowjets darauf bestehen, daß beide
Seiten 100 Gefechtsköpfen auf ihren
Raketen behalten anstatt sie abzuschaffen, wie
es
die
Vereinigten
Staaten und praktisch jedes andere
Land außerhalb des Warschauer Paktes
vorziehen würde. Bei einer Null-Lösung würde das Problem verschwinden.
Wegen der Reichweite, Mobilität
und
Transportfähigkeit
der
sowjetischen SS-20 stellt die Stationierung dieser Raketen irgendwo im asia-

tischen Teil der Sowjetunion eine Bedrohung
für unsere Verbündeten in
Asien und Europa dar, die wir als
gleichbedeutend mit einer gegen uns
selbst gerichteten Bedrohung betrachten.
Wir können nicht akzeptieren,
daß die Vereinigten Staaten davon absehen
werden,
solch
einer
sowjetischen
Bedrohung
entgegenzutreten.
Herr Gorbatschow hat mit seinem in
Reykjavik
unterbreiteten
Vorschlag,
unsere 100 Gefechtsköpfe sollten sich
in den Vereinigten Staaten befinden,
Alaska überhaupt nicht erwähnt.
Es
stellt sich also wiederum die Frage,
wer hier Hindernisse in letzter Minute aufwirft.
Herr Gorbatschow hat kürzlich erklärt, daß die Sowjetunion tatsächlich bereit ist, die letzten 100 Gefechtsköpfe auf INF abzuschaffen und
die "Null-Lösung" zu verwirklichen,
aber nur, wenn die Vereinigten Staaten ihre Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten aus dem Fernen Osten abziehen. Aber der Verhandlungsgegenstand
sind Mittelstreckenraketen, und die
Vereinigten Staaten haben keine Mittelstreckenraketen im Fernen Osten.
Die Flugzeuge mit nukleren Fähigkeiten, die wir seiner Ansicht nach abschaffen sollten, werden zahlenmäßig
von sowjetischen Flugzeugen mit nuklearen Fähigkeiten übertroffen, die
Herr Gorbatschow mit seinem Vorschlag
nicht begrenzen will.
Die Vereinigten Staaten bleiben bereit und würden
es vielmehr vorziehen, all ihre INFRaketen weltweit abzuschaffen, wenn
die Sowjets das auch tun würden.
Und schließlich behaupten die Sowjets, die NATO versuche ein INF-Abkommen in zweifacher Hinsicht zu untergraben - indem sie ihren verbleibenden Kernwaffenbestand modernisiere
und gleichzeitig ein Junktim von INF
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen und
konventionellen Streitkräften fordere.

- 3 -

�In bezug auf das erste Argument
entschied die NATO im Jahr 1983 ihren
Bestand an Nuklearwaffen in Europa
einseitig auf das seit Jahrzehnten
niedrigste Niveau von 4 600 zu reduzieren und das verbleibende Arsenal
zu modernisieren, um die Aufrechterhaltung einer wirksamen Verteidigung
der NATO sicherzustellen. Daher entschied sich die Nato nicht - wie die
Sowjets geltend machen - für die Aufrüstung, sondern die Abrüstung, wie
wir seit vier Jahren immer wieder betonen.
Was das Junktim anbetrifft, so
sind es die Sowjets, die mehrmals auf
dem Junktim eines INF-Abkommens mit
Übereinkünften in anderen Bereichen
bestanden haben und es war Amerika,
das für den Abschluß eines INF-Vertrages
ohne
irgendeine
Art
von
Junktim plädierte.
Und dies bleibt
auch weiterhin unsere Position.
Die Vereinigten Staaten sind immer wieder die Seite gewesen, die
diese
Verhandlungen
vorangetrieben
haben. wir waren es, die als erste
Verhandlungen
einberufen haben und
wir haben den ersten Vorschlag unterbreitet als die Verhandlungen im Jahr
1981 eröffnet wurden. Wir haben wiederum den ersten Vorschlag vorgelegt,
als die Verhandlungen im
Jahr 1985
wieder
aufgenommen wurden, nachdem
die Sowjets die Verhandlungstisch unter Protest verlassen hatten.
Wir
waren die Seite, die als erste einen
INF-Vertragsentwurf auf der Grundlage
der in Reykjavik erarbeiteten Richtlinien unterbreiteten, und wir werden
die Arbeit unserer beiden Seiten bei
der
endgültigen Formulierung
eines
gemeinsamen
Vertragstextes
weiter
vorantreiben.
Bedauerlicherweise
scheinen
Sowjets die Bremsen anzuziehen.

letzter Minute haben sie das Thema
der deutschen Pershings angeschnitten, sie haben entscheidende Einzelheiten über ihre Position zur Verifizierung zurückgehalten.
Und sie haben es nicht nur abgelehnt, sich den
wichtigsten noch verbleibenden Problemen bei INF zu stellen, sondern
sie behandeln auch weder die START
Reduzierungen noch die anderen zentralen Bestandteile unserer Beziehung
wie zum Beispiel die Menschenrechte
oder Probleme auf regionaler Ebene.
Wir stehen zu unserer Verpflichtung, in Genf so bald wie möglich verifizierbare Rüstungskontrollabkommen
auszuhandeln.
Wir sind bereit, die
verbleibenden Themenkomplexe in konstruktiver Weise anzusprechen.
Aber
wir müssen bei unserem Wunsch nach
Abkommen sicherstellen, daß wir nicht
den Taktiken der Sowjets der letzten
Minute erliegen, die darauf ausgerichtet sind, Abkommen hervorzubringen, die unseren sicherheitsinteressen zuwiderlaufen. Die Sowjets sollten
sich
keinen
Fehlkalkulationen
hingeben.
unsere Position gründet
sich auf wohlüberlegte und traditionelle Prinzipien. sie ist das Ergebnis enger Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten.
Trotz der
von den Sowjets in den Weg gelegten
neuen Hindernisse werden wir von unserem Ansatz nicht abweichen.
Es hat mich gefreut, daß mein sowjetischer
Kollege seine Ansichten
vor einem amerikanischen Publikum zur
Diskussion gestellt hat und daß unsere Presse seine Meinung gedruckt hat.
Ich habe vor, der sowjetischen Presse
meine Ansichten zur Veröffentlichung
anzubieten und hoffe, daß sie ebenso
verfahren wird.

die
in

* * * * *

4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Reagan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für Null-Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan zum amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;INF-Vorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderbericht des amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die INF-Verhandlungen - eine Antwort an Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Max Kampelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oH *
1 2 . August

28

1987

I N H A L T

INFORMATION

Reagan ernennt Verity zum neuen Handelsminister
- Kurzbiographie von C. William Verity -

DOKUMENTATION

Reagan;

Sowjets sollen Berliner Mauer niederreißen

Demokratie als Ziel in Mittelamerika
- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Information
12. August 1987

28

REAGAN ERNENNT VERITY ZUM NEUEN HANDELSMINISTER
Kurzbiographie von C. William Verity

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den ehemaligen Geschäftsleiter
eines
Stahlunternehmens,
C.
William
Verity,
zum
Handelsminister
der
Vereinigten Staaten und damit Nachfolger von Malcolm Baldrige ernannt.
Bei Bekanntgabe der Nominierung am 10. August 1987 im Weißen Haus erklärte
der Präsident, Verity "teilt meine Verpflichtung zu freiem und fairem Handel"
und drängte auf eine schnelle Bestätigung durch den Senat, sobald der Kongreß
nach der Sommerpause wieder zusammenkommt.

"Seine reiche Erfahrung im Geschäftsleben und Überseehandel macht
ihn zu einem außerordentlich qualifizierten Anwärter für die Leitung des
Handelsministeriums in diesen schwierigen Zeiten", fügte Reagan hinzu.
Der Präsident verlieh seiner Erwartung Ausdruck, daß verity die von
Baldrige
gespielte
"entscheidende
Rolle als einer der führenden Gestalter der amerikanischen internationalen
Wirtschaftspolitik"
fortführen
und protektionistische Maßnahmen ablehnen werde.

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Embassy of the United States of America

Veritys Ernennung beendete zweiwöchige Spekulationen über Baldriges
Nachfolge.
Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wird er die
Leitung des Handelsministeriums vom
Stellvertretenden
Handelsminister
Clarence Brown übernehmen.
"Ich freue mich besonders über
diese Gelegenheit zu einem, meiner
Meinung nach, historischen Zeitpunkt
im internationalen Handel, an dem ein
Handelsgesetz
die einzelnen
Häuser
durchläuft", erklärte Verity anläß-

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�lieh
seiner
Ernennung.
"Und
ich
möchte ganz klarstellen, Herr Präsident, daß
ich
Ihren
Ausführungen
vollständig beipflichte.
Ich freue
mich darauf, Ihnen bei der Aufgabe,
dieses
Land
wettbewerbsfähiger
zu
machen, behilflich sein zu können".
Ebenso wie Baldrige blickt der
siebzigjährige Verity auf eine Laufbahn in der Wirtschaft zurück.
In
Middletown, Ohio, gebürtig begann er
seinen Berufsweg 1940, ein Jahr nachdem er sein Studium an der Yale Universität mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen hatte, bei Armco Incorporated, einem ortsansässigen Stahlunternehmen mit breitangelegtem Produktionsprogramm.
Im Anschluß an seinen Dienst bei
der US-Marine von 1942-46 nahm er
seine Tätigkeit bei Armco wieder auf,
um im Verlauf der Jahre 1965 zum Präsidenten und von 1971 bis 1982 zum
Vorstandsvorsitzenden
dieses
Unternehmens aufzusteigen.
Von 1980 bis 1981 hatte er das
Amt des Vorsitzenden der amerikanischen Handelskammer inne, das er aufgab, um die Leitung von Präsident
Reagans Beratergruppe für Initiativen
zur Belebung
des Privatsektors im
Jahr 1981 zu übernehmen.
Seit 1983
ist er Mitglied des Konsultativausschusses dieser Gruppe.
Im Jahr 1984 wurde Verity zum
Zweiten
Vorsitzenden
des
amerikanisch-sowjetischen Handels- und Wirtschaftsrates ernannt, einer von den
jeweiligen
Regierungsvertretern
zur
Ausweitung des Handels zwischen diesen beiden Ländern gegründeten Privatorganisation.
Seit jener Zeit hat
er seiner Besorgnis darüber Ausdruck
verliehen, daß amerikanische Firmen
aufgrund der strengen Exportkontrollen Millionen von Dollar bei mögli-

chen Verkäufen an die Sowjets verlieren könnten.
Als Vertreter der Stahlindustrie
kritisierte Verity die US-Regierung
dafür, diesem Industriezweig einerseits kostenintensive Umweltschutzgesetze aufgezwungen und andererseits
nicht stärkere Maßnahmen gegen ausländisches "Dumping" von Stahlprodukten auf amerikanischen Märkten und
unterhalb der Produktionskosten angesiedelte Preise ergriffen zu haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

12. August 1987

28

REAGAN:

SOWJETS SOLLEN BERLINER MAUER NIEDERREISSEN

WASHINGTON - (AD) In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache forderte
Präsident Reagan am 8. August 1987 die Sowjets auf, im Geiste echter "Glasnost" die Berliner Mauer niederzureißen, freie Wahlen zuzulassen sowie alle
politischen Gefangenen zu befreien.
Reagan erklärte, diese Offenheit solle ferner ein Ende des sowjetischen
Imperialismus in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba und Nicaragua bedeuten.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
in dieser Woche wird auf der Welt ein
düsterer Gedenktag begangen. Am Donnerstag vor 26 Jahren marschierten
eine Minute nach Mitternacht Tausende
von ostdeutschen Soldaten aus ihren
Kasernen und errichteten im Schutz
der Nacht und mit Unterstützung der
sowjetischen Truppen die Mauer in
Berlin.
Die heutige Berliner Mauer unterscheidet sich sehr von dem groben
Stacheldraht, den die Berliner vor 26
Jahren am Morgen des folgenden Tages

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vor sich sahen. Zu den Veränderungen
zählen zusätzliche Wachtürme, Panzersperren, rasiermesserscharfe Metallzäune, Flutlicht, Gräben und Hundelaufanlagen.
Die Mauer selbst ist
nunmehr vier Meter hoch und besteht
aus weiß angestrichenem Beton, so daß
jeder, der an ihr hochklettern will,
eine gute Zielscheibe bietet.
Eins hat sich jedoch über die
Jahre hinweg nicht verändert: Obwohl
die Mauer West-Berlin umgibt, sind
nicht die Westberliner die Gefangenen.
Eine
westdeutsche
Zeitung

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�drückte es am Morgen nach der Errichtung der Mauer so aus, "gestern wurde
Ost-Berlin offiziell in ein riesiges
Konzentrationslager verwandelt".

echte
Offenheit, zu
sprechen, zu
schreiben, zu reisen oder etwa zu
kaufen und zu verkaufen?
Oder ist
das eher ein Werbefeldzug?

Es ist mehr nötig als Mauern und
Gewehre, um den menschlichen Geist
einzusperren.
In den vergangenen 26
Jahren haben fast 5 000 Menschen diese Barriere überwunden und sind in
die Freiheit geflüchtet.
Einige haben Tunnel unter der Mauer hindurch
gegraben, andere haben sie mit Hilfe
von Tauen und Seilwinden überwunden,
manche mit Lastwagen die Checkpoints
durchbrochen, andere sind einfach zu
Fuß über das gelaufen, was sowjetische Regierungsvertreter des Ostblocks als "moderne Grenze" und die
Menschen in Berlin als "Todesstreifen" bezeichnen. Bei diesem Wettlauf
um die Freiheit haben wenigstens 74
Männer und Frauen ihr Leben gelassen.

Wie ich im Juni in Berlin erklärt
habe, wäre das Niederreißen der Mauer
eine Möglichkeit, mit der die Sowjets
Engagement für echte Offenheit demonstrieren könnten.
Aber sie könnten
noch mehr tun. Am Ende des Zweiten
Weltkrieges haben die Sowjets Osteuropa freie Wahlen versprochen.
Offenheit sollte die Erfüllung dieses
Versprechens bedeuten.

Im Juni habe ich auf meiner Rückreise vom - Weltwirtschaftsgipfel
in
Venedig Berlin besucht und die Mauer
wiedergesehen.
Wie
früher
bereits
habe ich gesehen, daß die Menschen
auf die frei zugängliche Seite der
Mauer kleine Kreuze gezeichnet haben
- im Gedenken an jene, die beim Versuch, sie zu überwinden, ums Leben
kamen.
Auf der einen Seite Todesstreifen, auf der anderen Andenken an die
bei der Überwindung Getöteten.
An
keinem Ort der Erde ist der Gegensatz
zwischen dem Gefängnis, das der Kommunismus darstellt und dem Geist der
Freiheit, der in der gesamten Menschheit
verwurzelt
ist,
deutlicher
sichtbar.
In den vergangenen Monaten haben
wir aus dem sowjetischen Einflußbereich viel über "Glasnost" gehört.
Glasnost ist ein russisches Wort, das
"Offenheit" heißt.
Aber bedeutet es

Offenheit
sollte ebenfalls die
Befreiung von politischen Gefangenen,
Regimegegnern und anderen Gefangenen
aus Gewissensgründen
bedeuten.
Es
sollte ein Ende des sowjetischen Imperialismus sein, sei es in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba oder
Nicaragua, kurz gesagt, sollte es Offenheit für alle unter sowjetischer
Herrschaft stehenden Nationen geben.
Im Juni habe ich in Berlin erklärt, daß wir in den Vereinigten
Staaten bereit sind, gemeinsam mit
den Sowjets der geteilten Stadt echte
Offenheit zu bringen.
Ich habe Diskussionen über vier
Vorschläge angeregt. Erstens sollten
Wege erforscht werden, um den Zugang
der Zivilluftfahrt nach Berlin auszubauen, so daß die Stadt eines Tages
zu einem Luftkreuz für den Luftverkehr Mitteleuropas werden kann. Zweitens sollten mehr internationale Zusammenkünfte und Konferenzen in Berlin stattfinden, zum Beispiel die
Versammlungen der Vereinten Nationen.
Drittens habe ich ein Austauschprogramm angeregt, so daß junge Ost- und
Westberliner sich leichter besuchen
und kennenlernen können.
Und viertens habe ich vorgeschlagen, daß irgendwann in der Zukunft die Olymp-

- 2 -

�ischen Spiele
sollten.

in

Berlin

stattfinden

Zusammengenommen würden all diese
Vorschläge mehr Offenheit in das Leben nicht nur der Berliner, sondern
auch der Menschen in Osteuropa und
der Sowjetunion bringen.
Wir
sollten daran denken, wie
wichtig dies für jeden von uns als
Amerikaner ist, als ein Volk, das den
Frieden unter den Nationen anstrebt.
Aufgrund
unserer
wiedergewonnenen
Stärke haben wir in den vergangenen
Jahren große Fortschritte in Richtung
auf den Frieden erzielt, besonders im
Bereich der Rüstungskontrollgespräche
mit der Sowjetunion.
Aber so ermutigend dies auch sein
mag, sollten wir doch nicht die Warnung
des tschechischen
Dissidenten
und Schriftstellers Wazlaw Hawel vergessen, der uns vor einiger Zeit
mahnte, daß "Respektierung der Menschenrechte die grundlegende Bedingung und einzig echte Garantie des
wahren Friedens darstellt.
Ein dauerhaften Frieden kann nur das Werk
freier Menschen sein".
Lassen Sie uns an diesem 26. Gedenktag der Berliner Mauer den Entschluß fassen, alles uns Mögliche zu
tun, um den Tag herbeizuführen, an
dem die Mauer niedergerissen und Berlin nicht nur zu einem Sinnbild für
Konfrontation, sondern für Zusammenarbeit zwischen den Völkern Europas
und der ganzen Welt geworden ist.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott segne Sie.

- 3

�^£°s^

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

*

12. August 1987

28
DEMOKRATIE ALS ZIEL IN MITTELAMERIKA

- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Am 5. August 1987 wurde von Präsident Reagan ein Plan
vorgelegt, der darauf abzielt, mit Hilfe erneuter diplomatischer Bemühungen
die Kämpfe zwischen der sandinistischen Regierung und den demokratischen Widerstandskämpfern in Nicaragua zu beenden.
Der Präsident erklärte in diesem Zusammenhang, die vereinigten Staaten
verfolgten
in Mittelamerika mit der "Errichtung wahrhaft demokratischer
Staatsformen" dasselbe Ziel wie auch die Staaten in der Region und die nicaraguanischen Widerstandskämpfer.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans und die Pressekonferenz mit Außenminister Shultz im Wortlaut:

Präsident
Reagan:
Guten
Morgen.
Ich möchte hier eine kurze
Stellungnahme verlesen, nach der ich
mich verabschieden muß. Der Außenminister wird dann Fragen dazu beantworten.
Ich habe gerade eine Zusammenkunft mit den Vorsitzenden der beiden
Parteien des Kongresses beendet und
freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir Einigung über eine erneute
diplomatische
Initiative
in
Mittelamerika erzielt haben, die sich
im Einklang mit dem gemeinsam mit dem

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Sprecher und den Parteivorsitzenden
im Kongreß ausgearbeiteten Friedensplan befindet. Demgemäß habe ich den
Außenminister angewiesen, dieses Dokument
den Staats- und Regierungschefs der fünf Länder Mittelamerikas
zu übergeben, die morgen in Guatemala-Stadt
zusammenkommen, damit
sie
diese Ansichten bei ihren Überlegungen berücksichtigen.
Wie ich bereits vor einigen Monaten auf Ellis Island ausgeführt habe,
hat diese Administration immer auf
Frieden und Demokratie ausgerichtete

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�regionale
diplomatische
Initiativen
unterstützt:
Die Bestrebungen unserer Nachbarn in Mittelamerika, der
demokratischen Widerstandskämpfer in
Nicaragua
und des
nicaraguanischen
Volkes gleichen sich in einem Hoffnungen - der Errichtung wahrhaft demokratischer Staatsformen in der Region mit den verbrieften Rechten der
Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit und dem einfachen Prinzip der
Selbstbestimmung.
Ich begrüße diese Bemühungen beider Parteien im Kongreß und ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß damit eine friedliche Lösung
des Konfliktes in Nicaragua herbeigeführt wird. Ich fordere die anderen
Nationen der Welt auf, diese Bemühungen ebenfalls
zu unterstützen und
keine Aktivitäten zu unternehmen, die
sie gefährden würden.
Frage:
Haben Sie Ihre Meinung
über die Sandinisten geändert, Herr
Präsident?
Frage:
Herr
Präsident,
warum
sind Sie jetzt bereit, den Sandinisten zu vertrauen und sich mit Ihnen
an den Verhandlungstisch zu setzen?
Trauen Sie Ihnen zu, daß sie ihren
Verpflichtungen nachkommen werden?
Antwort:
George
(Shultz)
diese Frage beantworten.

wird

Shultz:
Der
Präsident
war
stets
bereit, sich
für
regionale
Friedensinitiativen
einzusetzen
und
stellt sich voll und ganz hinter diesen Plan, zumal morgen in Guatemala
Stadt die Präsidenten Mittelamerikas
zusammentreffen sowie angesichts der
interessanten Entwicklung der Diskussionen zwischen den beiden Parteivorsitzenden im Kongreß über das, was
wir glauben und was wir vertreten
sollten.
Dies ist also keine Mei-

nungsänderung, sondern
sitive Entwicklung.

eine

sehr po-

Frage:
In
diesem
Plan
haben
wir Änderungen zum Arias-Friedensplan
vorgeschlagen - was wird geschehen,
wenn die Staatschefs einschließlich
Nicaragua übereinkommen, daß sie dem
Arias-Friedensplan zustimmen können?
Würden wir ihn dann unterstützen?
Antwort:
Wir unterbreiten hier
Ideen, die sich in zahlreichen Diskussionen, unter anderem unter der
Leitung
des
Sprechers
des
Repräsentantenhauses, Jim Wright, entwikkelt haben, und woran wir arbeiten
werden, ist der Erfolg.
Mit Erfolg
ist hier die Möglichkeit eines echten
regionalen Friedensabkommen in Mittelamerika
gemeint.
Darauf
zielen
wir ab.
Frage:
Das war aber nicht meine Frage.
Könnten - oder würden wir den Arias-Plan unterstützen, wenn
die Staatschefs ihn voll akzeptieren?
Antwort:
Dieser
jetzt
vom
Sprecher vorgelegte und von uns allen
erarbeitete Plan enthält im wesentlichen dieselben Bestandteile wie der
Arias-Plan, so wie ich ihn verstehe,
nämlich die Absicht, in ganz Mittelamerika
demokratische
Regierungen
einzuführen. Bezüglich des Zeitplans
gibt es noch einige Probleme, die für
alle Beteiligten sehr wichtig sind.
Wir sollten jedoch zunächst abwarten,
was die Diskussionen ergeben.
Frage:
Herr Außenminister, besteht Grund zu der Annahme - die
Sandinisten haben solche Vorschläge
früher oft in Betracht gezogen und
dann abgelehnt.
Was hat sich jetzt
geändert? Warum sollten wir glauben,
daß sie jetzt mehr Interesse dafür
zeigen?

�Antwort:
Natürlich möchte
ich
nicht versuchen, für sie einzutreten,
aber das, was hier vorgelegt wird,
ist vernünftig - es ist von vielen
Leuten hier unter vielen verschiedenen Aspekten diskutiert worden.
Es
befindet sich im Einklang mit den in
der
Region diskutierten
Problemen,
und ich glaube, wir sollten jetzt
einfach sagen, wofür wir sind; die
anderen müssen ihre Meinung vertreten.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Region und besonders in
Nicaragua sind schrecklich, so daß im
Namen der Menschen in der Region noch
viel getan werden muß.
Frage:
Herr
Außenminister,
seitens der Demokraten
im Kongreß
herrscht großes Mißtrauen, daß die
Administration dies in Erwartung der
ablehnenden Haltung der Sandinisten
tut, und daß Ihnen damit für den Rest
dieser Präsidentschaft weitere Hilfe
für die Contras zugesichert wird.
Antwort:
Sie haben hier
Erklärung abgegeben.
Gibt es
auch eine Frage?

eine
dazu

Frage:
Ich
sage, daß
dieses
Mißtrauen bei vielen Demokraten im
Kongreß besteht. Was sagen Sie dazu?
Antwort:
Bei vielen Leuten mit
sehr
unterschiedlichen
Meinungen
herrscht Mißtrauen demgegenüber, und
ich glaube, daß wir die Bemühungen
beider
Parteien als Basis unserer
starken diplomatischen Bemühungen zugrunde legen und alles daransetzen
müssen, um das Ergebnis hervorzubringen, daß meiner Meinung nach jeder
anstrebt.
Frage:
Aber ist das nicht nur
ein Schachzug, um mehr Hilfe für die
Contras zu bekommen?
Frage:

Warum

haben

Sie

die

Führer der Contras nicht gefragt?...
Antwort:
Es
ist kein Schachzug, es handelt sich hier um ernsthafte Bemühungen. Und der Präsident,
der Sprecher und auch andere Diskussionsteilnehmer glauben daran.
Sie
sind heute morgen hierher gekommen
und haben offen gesprochen. Sie hatten eine fruchtbare und ernsthafte
Diskussion. Und wir werden dazu erhebliche Bemühungen unternehmen.
Frage:
Können
Sie
sagen, ob
bereits seitens der nicaraguanischen
Regierung irgendeine Reaktion erfolgt
ist?
Der Sprecher, Mr. Wright, hat
uns einen Brief gezeigt, in dem der
Botschafter, auch wenn er dies nicht
unterschrieben
hat, wenigstens auf
einige positive Reaktionen
zu den
Vorschlägen hinwies. Können Sie uns
sagen, ob Sie dasselbe gehört haben?
Antwort:
Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden
hat gerade erst stattgefunden, und
das Dokument wurde abgesegnet.
Es
wird gerade, so schnell es die Bürokratie
im Außenministerium
zuläßt,
verteilt, so daß jeder den Text vorliegen hat. Die Vorsitzenden werden
sich nach Guatemala-Stadt begeben und
sich dort auf ihre Umgebung einstellen. Aber wir haben weder eine Reaktion vorbereitet noch waren wir in
der Lage, mit ihnen darüber zu sprechen, weil es noch nichts gab, über
das man hätte sprechen können.
Frage:
Was denken die Contras
darüber?
Sie sind Ihnen böse, weil
Sie nicht bereits gestern zu ihnen
gesprochen haben.
Antwort:
Sie treffen gegenwärtig mit dem Präsidenten zusammen, und
ich möchte dabeisein.
Aber meiner
Ansicht nach werden sie so weitermachen wie bisher - sie werden Frie-

- 3 -

�den, Demokratie und Freiheit in Nicaragua anstreben.
Dafür kämpfen sie.
Und wenn es einen Weg gibt, der dorthin führt, werden sie ihn einschlagen.
Frage

Warum haben sie nicht ...

Antwort:
Sie werden für
selbst sprechen, und sie sind
wohl in der Lage, das zu tun.

sich
sehr

Frage:
Wäre der Präsident
einem Waffenstillstand
bereit,
Contra-Hilfe einzustellen?

bei
die

Antwort:
Ist
verteilt worden?
Frage:
Ja, wir
de bekommen.
Antwort:
hier...

der

Friedensplan

haben

Lesen

ihn gera-

Sie

bitte

Frage:
Aber es ist unklar, was
angesichts
eines
Waffenstillstandes
passieren würde.
Antwort:
Das, was
vorgesehen
ist.
Im Hinblick auf Ihre Frage ist
der wichtigste Absatz...
Frage:

Frage:
Was ist, wenn militärische Hilfe erneut gewährt wird ...
Antwort:
Dort steht - humanitäre Hilfe würde weiterhin gewährt.
Frage:
Herr Außenminister, wie
steht es mit erneuten Lieferungen an
die
Contras
in
diesem
Zeitraum?
Strebt die Regierung das Recht an,
mit erneuten Lieferungen fortzufahren?
Antwort:
Es
heißt
hier, daß
Militärhilfe unter diesen auszuarbeitenden
Bedingungen
eingestellt
und
humanitäre Hilfe weiterhin geleistet
würde.
Wenn dies funktioniert, und
wenn die Leute wirklich bereit sind,
sich dafür einzusetzen, sehen wir einen Prozeß voraus, der einen Wandel
im Sinne einer Steuerung hervorbringen wird, so daß es Offenheit, Freiheit und eine Wahlkommission geben
wird, die Empfehlungen ausspricht.
Das ist ist diesem Zusammenhang
vorgesehen. Es sind allgemeine Prinzipien. Ich muß jetzt zu dieser Besprechung gehen.

Punkt Eins.

Antwort:
Unter
Punkt
Eins
steht: "Wir schlagen folgendes vor",
und sie sehen, daß ein Waffenstillstand für alle beteiligten Parteien
annehmenbare Bedingungen haben muß.
Dazu gehört auch die nicaraguanische
Widerstandsbewegung.
Und es ist vorgesehen, daß eine Reihe von Dingen
gleichzeitig
ablaufen würde.
Eins
davon
- wenn
all dies
überhaupt
gleichzeitig erfolgen kann - ist ein
Waffenstillstand,
und dann erfolgt
die Einstellung militärischer Hilfe.
Frage:
Aber
humanitäre
würde weiterhin geleistet?

Hilfe

* * * * *

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                <text>Amerikadienst 12.08.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ernennt Verity zum neuen Handelsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie von C. William Verity&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets sollen Berliner Mauer niederreißen &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokratie als Ziel in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Sonderdienst&#13;
&#13;
&#13;
14. August 1987&#13;
&#13;
REAGAN OPTIMISTISCH ÜBER ABSCHLUSS EINES ABRÜSTUNGSABKOMMENS&#13;
&#13;
- Fernsehansprache des Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist "optimistisch", daß die Welt&#13;
"bald Zeuge" der Vernichtung einiger amerikanischer und sowjetischer Kernwaffen sein wird.&#13;
In einet am 12. August 1987 landesweit übertragenenen Fernsehansprache&#13;
setzte der Präsident die Prioritäten für seine noch verbleibende Amtszeit und&#13;
erklärte, das bevorstehende Abkommen über den Abbau aller Mittelstreckenwaffen&#13;
unterscheide sich insofern erheblich von früheren Rüstungskontrollvereinbarungen, als bisher "lediglich obergrenzen für Waffensysteme festgelegt wurden".&#13;
Die Ansprache Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe bei&#13;
verschiedenen&#13;
Gelegenheiten&#13;
darauf&#13;
hingewiesen, daß ich vor Beendigung&#13;
der Anhörungen im Kongreß zur iranContra-Affäre keinen Kommentar dazu&#13;
abgeben würde. Diese Zeit ist jetzt&#13;
gekommen, und ich möchte heute abend&#13;
mit Ihnen über die Lehren sprechen,&#13;
die wir daraus gezogen haben.&#13;
&#13;
Diese vergangenen neun Monate waren&#13;
für&#13;
das Land&#13;
verwirrend&#13;
und&#13;
schmerzlich.&#13;
Ich weiß von ihren ureigensten Zweifeln an dem, was hier&#13;
geschehen ist. Ich hoffe jedoch, Sie&#13;
hegen keine Zweifel an meinem Engagement bei den Untersuchungen selbst.&#13;
&#13;
Seien Sie jedoch versichert, daß&#13;
dies heute abend nicht mein einziges&#13;
Thema sein wird. Ich möchte mit Ihnen auch über die Zukunft und unsere&#13;
Pläne sprechen, weil die Menschen&#13;
jetzt darauf warten.&#13;
&#13;
Bis jetzt hat es vier Untersuchungen gegeben - vom Justizministerium, der Tower-Kommission, der unabhängigen Beratergruppe und dem Kongreß. Ich habe drei dieser Untersuchungen gefordert, und die vierte -&#13;
&#13;
�die Anhörungen im Kongreß - voll und&#13;
ganz befürwortet und unterstützt, indem ich mehr als 250 000 Seiten der&#13;
Akten des Weißen Hauses zur Verfügung&#13;
gestellt habe, darunter meine eigenen&#13;
Terminkalender. Als mir bewußt wurde, daß ich nicht ausreichend informiert worden war, habe ich mich um&#13;
Aufklärung bemüht.&#13;
Einige&#13;
Antworten&#13;
gefallen&#13;
mir&#13;
nicht.&#13;
Berichten der Tower-Kommission und auch meinen Bemerkungen vom&#13;
vergangenen März zufolge hat sich unsere ursprüngliche Initiative mit den&#13;
Waffenverkäufen verkettet, und darauf&#13;
folgte die Verwicklung der Waffenverkäufe mit den Geiseln. Außenminister&#13;
Shultz&#13;
und&#13;
Verteidigungsminister&#13;
Weinberger haben beide vorausgesagt,&#13;
das amerikanische Volk würde sofort&#13;
annehmen, bei diesem gesamten Plan&#13;
handle es sich um ein Geschäft von&#13;
Waffen gegen Geiseln und um nichts&#13;
weiter. Leider sind ihre Vorhersagen&#13;
eingetroffen-.&#13;
Wie ich ihnen bereits im März&#13;
sagte, hat meine Sorge um die Geiseln&#13;
auf Bereiche übergegriffen, die davon&#13;
hätten unberührt bleiben sollen. Die&#13;
Vorstellung - das heißt, die Realität&#13;
- von gefangengehaltenen Amerikanern,&#13;
die ihrer Freiheit beraubt und ihren&#13;
Familien entrissen sind, hat meine&#13;
Gedanken belastet. Das war ein Fehler.&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe lange&#13;
und oft darüber nachgedacht, wie ich&#13;
Ihnen erklären kann, welches Ziel ich&#13;
vor Augen hatte, aber ich habe zu&#13;
großen Respekt vor Ihnen, um Ausflüchte zu suchen. Tatsache ist, daß&#13;
ich nichts sagen kann, was die Situation zurechtrücken könnte.&#13;
Ich habe&#13;
eigensinnig&#13;
eine Politik verfolgt,&#13;
die fehlgeschlagen ist.&#13;
Das andere wichtige Thema der An-&#13;
&#13;
hörungen war natürlich die Umleitung&#13;
von Geldern für die Contras in Nicarauga.&#13;
Oberstleutnant North und Admiral&#13;
Poindexter glaubten, in meinem Sinne&#13;
zu handeln - und die demokratiche Widerstandsbewegung in Nicaragua am Leben zu erhalten. Ich war damals wie&#13;
heute der Überzeugung, daß die Sowjets daran gehindert werden müssen,&#13;
in Mittelamerika einen Brückenkopf zu&#13;
errichten.&#13;
Da ich mir die Sache der Contras&#13;
so sehr zu eigen gemacht hatte, war&#13;
die große Frage bei den Anhörungen,&#13;
ob ich von der Umleitung der Gelder&#13;
Kenntnis hatte.&#13;
Es war mir bewußt,&#13;
daß&#13;
die&#13;
Widerstandsbewegung&#13;
von&#13;
Drittländern und über Privatinitiativen direkt Gelder erhielt, und ich&#13;
befürwortete&#13;
diese&#13;
Bemühungen&#13;
von&#13;
ganzem Herzen, aber - und das möchte&#13;
ich ganz klar und deutlich sagen ich wußte nichts von der Umleitung&#13;
der Gelder.&#13;
Ich wußte noch nicht&#13;
einmal von der Existenz überschüssiger Gelder.&#13;
Aber&#13;
der&#13;
Schwarze&#13;
Peter&#13;
darf&#13;
nicht Admiral Poindexter zugeschoben&#13;
werden, wie er das in seiner Zeugenaussage vorschlug: er geht an mich.&#13;
Ich bin derjenige, der dem amerikanischen Volk gegenüber letztlich Rechenschaft ablegen muß. Der Admiral&#13;
hat bezeugt, mich schützen zu wollen,&#13;
aber kein Präsident sollte jemals vor&#13;
der Wahrheit geschützt werden.&#13;
Kein&#13;
Unternehmen ist so geheim, daß es dem&#13;
Obersten&#13;
Befehlshaber&#13;
vorenthalten&#13;
werden muß. Ich hatte das Recht und&#13;
die Pflicht, meine eigene Entscheidung zu treffen.&#13;
Kürzlich hat jemand gefragt, warum ich nicht entrüstet war. Manchmal war ich natürlich sehr verärgert.&#13;
Das wäre jeder - angesichts des ange-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�richteten Schadens und der verlorenen&#13;
Zeit.&#13;
Aber ich war immer der Ansicht, das beste Mittel gegen Wut und&#13;
Arger seien Taten.&#13;
Ich habe versucht, Maßnahmen zu&#13;
ergreifen, so daß sich diese Ereignisse weder in meiner noch in einer&#13;
zukünftigen Administration wiederholen können. Aber ich kann mich sehr&#13;
gut an den im vergangenen Februar&#13;
veröffentlichten Bericht der TowerKommission erinnern, demzufolge der&#13;
Fehler eher bei den Menschen als bei&#13;
den Verfahrensweisen lag.&#13;
Wir können jede der Welt bekannte&#13;
Vorsichtsmaßnahme ergreifen, das beste jemals von Menschen geschaffene&#13;
System aufbauen, aber am Ende sind es&#13;
die Menschen, die es in Betrieb nehmen müssen. Und wir werden nie frei&#13;
sein&#13;
von&#13;
Hoffnungen,&#13;
Eifer&#13;
und&#13;
menschlichen Schwächen.&#13;
Ich möchte Ihnen sagen, was ich&#13;
getan habe, um sowohl das System als&#13;
auch die damit arbeitenden Menschen&#13;
zu verändern.&#13;
Erstens habe ich eine neue erfahrene Arbeitsgruppe eingesetzt.&#13;
Ich&#13;
habe einen neuen Nationalen Sicherheitsberater, einen neuen CIA-Direktor und einen neuen Stabschef im&#13;
Weißen Haus.&#13;
Und diesen habe ich&#13;
mitgeteilt, daß&#13;
ich&#13;
informiert&#13;
vollständig informiert - werden muß.&#13;
Darüber hinaus habe ich das von&#13;
der&#13;
Tower-Kommission&#13;
vorgeschlagene&#13;
Modell übernommen, wie im Nationalen&#13;
Sicherheitsrat (NSC) die Organisation&#13;
ablaufen und das Personal arbeiten&#13;
soll, und ich habe jede aktive Beteiligung des NSC-Personals an verdeckten Aktivitäten untersagt.&#13;
Der von mir in Auftrag gegebene&#13;
Bericht über die geheimen Operationen&#13;
- 3&#13;
&#13;
unserer&#13;
Nation&#13;
ist&#13;
fertiggestellt&#13;
worden.&#13;
Es gab darin keine Überraschungen.&#13;
Einige Operationen werden weitergeführt und andere wegen&#13;
mangelder&#13;
Zweckdienlichkeit&#13;
eingestellt.&#13;
Ich&#13;
werde&#13;
ebenfalls&#13;
neue&#13;
und&#13;
strengere vorgehensweisen einführen,&#13;
wenn es um Beratungen mit dem Kongreß&#13;
und dessen Unterrichtung&#13;
über Erkenntnisse&#13;
künftiger&#13;
Geheimoperationen geht.&#13;
Wir werden, falls notwendig, weiterhin verdeckte Operationen durchführen, die jedoch alle legal und einem bestimmten politischen Ziel dienlich sein müssen.&#13;
Das Problem geht jedoch über Politik und Personalfragen hinaus. Die&#13;
wahrscheinlich&#13;
wichtigste&#13;
Lektion,&#13;
die wir aus den Anhörungen ziehen&#13;
können, besteht darin, daß Exekutive&#13;
und Legislative das gegenseitige Vertrauen aufbauen müssen.&#13;
Die Folgen&#13;
des Mißtrauens sind in Form von Lügen, Indiskretionen, Uneinigkeit und&#13;
Fehlern offen zutage getreten.&#13;
Wir&#13;
müssen Wege zur Zusammenarbeit finden&#13;
und uns darüber&#13;
klar werden, daß&#13;
Außenpolitik nicht in Ausschüssen gemacht werden kann.&#13;
Und meiner Ansicht nach kann man jetzt das zunehmende Bewußtsein beobachten, daß man&#13;
gemeinsam mehr erreichen kann.&#13;
Und darin könnte schließlich der&#13;
mögliche Segen der Iran-Contra-Verwicklungen bestehen.&#13;
Ich möchte mich jetzt jedoch dem&#13;
anderen Thema zuwenden, auf das ich&#13;
heute abend hier eingehen möchte die&#13;
Zukunft.&#13;
Diese Administration&#13;
hat noch 17 Monate vor sich, von denen ich möchte, daß es glückliche und&#13;
produktive Monate für das amerikanische Volk werden.&#13;
&#13;
�f&#13;
*&#13;
&#13;
Als Sie mich zum ersten Mal in&#13;
dieses Amt wählten, taten Sie das,&#13;
damit Amerika eine neue und andere&#13;
Richtung einschlagen sollte. Als Sie&#13;
mich zum zweiten Mal wählten, haben&#13;
Sie damit Ihren Wunsch nach einer&#13;
Fortsetzung dieses Kurses bestätigt.&#13;
Ich hege heute so leidenschaftliche&#13;
Hoffnungen für dieses Land wie 1981.&#13;
Bis zu dem Tag, an dem ich das Weiße&#13;
Haus verlasse, werde ich das tun, zu&#13;
dem Sie mich gewählt haben - die Nation zu den bei meiner Wahl vereinbarten Zielen zu führen.&#13;
Ich möchte Ihnen erklären, worauf&#13;
ich mich und meine Energie für den&#13;
Rest meiner Amtszeit konzentrieren&#13;
werde.&#13;
In meiner gesamten politischen&#13;
Laufbahn habe ich betont, wie notwendig es ist, daß der Oberste Gerichtshof das Gesetz interpretiert, nicht&#13;
aber das Gesetz macht. Während meiner Präsidentschaft habe ich mit&#13;
Stolz zwei neue Richter ernannt, die&#13;
diesen wichtigen Grundsatz verstehen,&#13;
Richterin Sandra Day O'Connor und&#13;
Richter Antonin Scalia.&#13;
Ich habe jetzt einen dritten&#13;
Richter ernannt - Robert Bork. Als&#13;
ich ihn für das Berufungsgericht der&#13;
Vereinigten Staaten benannt habe, hat&#13;
die amerikanische Anwaltskammer nur&#13;
die allerbesten Beurteilungen über&#13;
Richter Bork, einen hervorragenden&#13;
Wissenschaftler und Juristen, abgegeben.&#13;
Als Mitglied dieses Gerichts&#13;
hat Richter Bork mehr als 100 herrschende Meinungen begründet und an&#13;
weiteren 300 mitgewirkt. Der Oberste&#13;
Gerichtshof hat keiner einzigen dieser 400 Meinungen jemals widersprochen.&#13;
Es gibt einigen Widerstand gegen&#13;
seine Ernennung, da er juristische&#13;
&#13;
Zurückhaltung übt.&#13;
Das heißt, er&#13;
stellt weder eigene noch andere Meinungen über das Gesetz. Und so sollte es sein. Richter Bork wäre eine&#13;
bedeutende&#13;
intellektuelle Bereicherung für das Gericht, und ich werde&#13;
mich für ihn einsetzen, weil ich an&#13;
das glaube, was er vertritt.&#13;
Sobald der Senat im nächsten Monat aus der Sommerpause zurückkehrt,&#13;
sollte er Richter Borks Qualifikation&#13;
erwägen und dann über seine Bewerbung&#13;
abstimmen.&#13;
Diese Nation und ihre&#13;
Bürger verdienen eine mit neun Richtern vollbesetzte Richterbank, wenn&#13;
das Gericht sich im Oktober wieder&#13;
versammelt.&#13;
In den kommenden Monaten hoffe&#13;
ich ferner, ein umfassendes und verifizierbares Abkommen mit der Sowjetunion über die Reduzierung der Nuklearwaffen zu erreichen.&#13;
wir machen&#13;
echte Fortschritte beim weltweiten&#13;
Abbau einer ganzen Kategorie nuklearer Waffen - nämlich der amerikanischen und der sowjetischen Mittelstreckenraketen (INF).&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
den&#13;
Sowjets&#13;
diese&#13;
Absicht erstmals im Jahr 1981 vorgetragen. Sie sind nicht weiter darauf&#13;
eingegangen und haben an einem Punkt&#13;
sogar den Verhandlungstisch verlassen. Aber wir haben uns nicht beirren lassen. Bis vor kurzem hat die&#13;
Sowjetunion darauf bestanden, einige&#13;
ihrer INF-Raketen zu behalten. Aber&#13;
Mitte Juli erklärte Generalsekretär&#13;
Gorbatschow seine Bereitschaft zum&#13;
Verzicht auf diese Forderung. Diese&#13;
Nachricht war uns in der Tat sehr&#13;
willkommen.&#13;
Wir sind so weit gekommen, weil&#13;
Sie mir im Jahr 1980 den Auftrag gegeben haben, unsere Streitkräfte wieder aufzubauen.&#13;
Ich habe dies getan. Heute sehen wir die Resultate.&#13;
&#13;
�Die Sowjets verhandeln jetzt mit uns,&#13;
weil wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln.&#13;
&#13;
r&#13;
&#13;
Dies wäre ein historisches Abkommen.&#13;
Bisherige&#13;
Rüstungskontrollabkommen haben nur eine Obergrenze für&#13;
Waffen festgelegt und sogar einen Zuwachs erlaubt; dieses Abkommen würde&#13;
die Anzahl nuklearer Waffen verrringern. Ich bin optimistisch, daß wir&#13;
bald Zeugen einer weltgeschichtlichen&#13;
Premiere werden - des Anblicks zweier&#13;
Länder, die tatsächlich Nuklearwaffen&#13;
in ihren Arsenalen zerstören.&#13;
Stellen sie sich vor, wohin das führen&#13;
könnte.&#13;
Wir sind auch bereit zu Fortschritten bei einem START-Abkommen,&#13;
das die interkontinentalen nuklearen&#13;
Streitkräfte um 50 Prozent reduzieren&#13;
und damit Tausende von Nuklearraketen&#13;
beseitigen würde.&#13;
Ich fordere die&#13;
Sowjets dringend auf, mit uns vorwärts zu gehen. Und ich sage zu Generalsekretär&#13;
Gorbatschow:&#13;
unsere&#13;
beiden Nationen könnten neue Beziehungen einleiten, indem sie umfassene&#13;
Abkommen über den Abbau nuklearer und&#13;
konventioneller Waffen unterzeichnen.&#13;
Was wir in unserem Verhältnis mit&#13;
der Sowjetunion suchen, sind Frieden&#13;
und Stabilität. Das ist es auch, was&#13;
wir im Persischen Golf und im Nahen&#13;
Osten insgesamt anstreben.&#13;
Stabilität in diese unruhige Region zu bringen, bleibt eines der wichtigsten&#13;
Ziele meiner Präsidentschaft.&#13;
&#13;
s&#13;
&#13;
In den vor uns liegenden 17 Monaten werde ich ferner eine verbindliche Gesetzgebung zur wirtschaftlichen&#13;
Gesundung empfehlen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach hat das amerikanische Volk ein&#13;
Recht darauf, daß die Finanzen der&#13;
Nation verantwortungsbewußt verwaltet&#13;
werden.&#13;
Und dennoch herrscht bei&#13;
Vergabe&#13;
der&#13;
Haushaltshaltsmittel&#13;
&#13;
Chaos vor.&#13;
In den vergangenen Monaten gab es&#13;
zahlreiche Diskussionen darüber, daß&#13;
unsere Finanzen in Ordnung gebracht&#13;
werden müssen, aber gleichwohl war&#13;
das Ergebnis wie immer Untätigkeit.&#13;
Die Etatfestsetzung durch den Kongreß&#13;
ist weder zuverlässig noch glaubwürdig - mit anderen Worten - sie muß&#13;
korrigiert werden.&#13;
Wir müssen uns der Realität stellen - das einzige Mittel, diesen massiv defizitären Haushalt in den Griff&#13;
zu bekommen, ist die Verfassung. Nur&#13;
die Verfassung - das Dokument, aus&#13;
dem alle Regierungsgewalt entstammt,&#13;
das Dokument, das uns die moralische&#13;
Autorität als Nation verleiht - nur&#13;
die Verfassung kann Verantwortungsbewußtsein hervorbringen.&#13;
Wir benötigen dringend die Ermächtigung durch einen Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung, der uns beim Ausgleich des Haushalts behilflich ist.&#13;
Mehr als 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen diesen Zusatzartikel. Sie wollen damit der amerikanischen&#13;
Regierung&#13;
das verleihen,&#13;
was die 44 Regierungen der Bundesstaaten bereits besitzen - Disziplin.&#13;
Um geeignete Schritte in die Wege&#13;
leiten zu können, möchte ich Ihnen&#13;
heute abend folgenden Vorschlag unterbreiten:&#13;
Wenn der Kongreß einer&#13;
Abstimmung über unseren Haushaltsausgleich noch in diesem Jahr zustimmt,&#13;
erkläre ich mich bereit, jeden Punkt&#13;
auf der Liste der Ausgaben einzeln&#13;
auszuhandeln.&#13;
Wenn der Kongreß weiterhin den&#13;
Wünschen des Volkes zuwiderhandelt,&#13;
indem er eine Abstimmung über den Zusatzartikel&#13;
für&#13;
den&#13;
Haushaltsausgleich verhindert, dann wird der Ruf&#13;
nach&#13;
einer&#13;
verfassunggebenden&#13;
Ver-&#13;
&#13;
�Sammlung lauter werden. Für die Genehmigung zur Einberufung der verfassunggebenden Versammlung fehlen uns&#13;
nur noch die Stimmen zweier Staaten,&#13;
und in jedem Fall wird es der Wille&#13;
des Volkes sein, der ausschlaggebend&#13;
ist.&#13;
Und es gibt ein weiteres Gebiet,&#13;
dem ich mich und meine Zeit voll und&#13;
ganz widmen werde - die Sache der Demokratie.&#13;
Es gibt Amerikaner, die&#13;
immer&#13;
noch brennend nach Freiheit&#13;
verlangen&#13;
Mittelamerikaner,&#13;
das&#13;
Volk von Nicaragua. Seit zehn Jahren&#13;
sind überall auf der Welt Demokratien&#13;
im Entstehen begriffen.&#13;
Allein in&#13;
Mittel- und Südamerika sind zehn Länder hinzugekommen.&#13;
Die Frage ist wird Nicaragua je auf dieser Ehrenliste stehen?&#13;
Wie Sie wissen, bin ich dem demokratischen Widerstand - den Freiheitskämpfern&#13;
- und ihrem Streben&#13;
nach Demokratie in Nicaragua voll und&#13;
ganz verpflichtet.&#13;
Kürzlich hat es&#13;
wichtige Fortschritte an der diplomatischen Front gegeben - sowohl hier&#13;
in Washington als auch in der Region&#13;
selbst.&#13;
Meine Administration und die Vorsitzenden im Kongreß haben eine Initiative der beiden im Kongreß vertretenen Parteien vorgelegt, mit der&#13;
Schritte zur Beendigung des Konfliktes in dieser Region vorgeschlagen&#13;
werden. unser Hauptargument war, daß&#13;
das kommunistische Regime in Nicaragua endlich das tun sollte, zu dem es&#13;
sich im Jahr 1979 formell verpflichtet hatte - die Grundrechte des nicaraguanischen Volkes auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, freie&#13;
Wahlen und freie Wahl der Religionszugehörigkeit&#13;
zu&#13;
respektieren.&#13;
Stattdessen haben es die Machthaber&#13;
in Nicaragua vorgezogen, ihr Land der&#13;
Sowjetunion als Stützpunkt kommunist-&#13;
&#13;
ischer Expansion auf dem amerikanischen Festland zu überlassen.&#13;
Die Notwendigkeit für Demokratie&#13;
in Nicaragua wurde auch in dem Abkommen betont, das die fünf mittelamerikanischen Präsidenten am vergangenen&#13;
Freitag in Guatemala unterzeichneten.&#13;
Wir begrüßen diese Entwicklung und&#13;
versprechen der Demokratie und jenen,&#13;
die für diese Freiheit kämpfen, unsere Unterstützung.&#13;
Wir waren stets&#13;
bereit zu verhandeln - wir waren niemals bereit, jene im Stich zu lassen,&#13;
die für Demokratie und Freiheit kämpfen.&#13;
Es erfüllt mich mit besonderer&#13;
Freude, daß die diplomatische Initiative der Vereinigten Staaten wiederum&#13;
die Anfänge, gleich mit welchem Ausgang, einer auf zwei Parteien gegründeten&#13;
Außenpolitik&#13;
widerspiegelt.&#13;
Die jüngsten Anhörungen haben die&#13;
Notwendigkeit einer solchen Zweiparteienlandschaft&#13;
unterstrichen,&#13;
und&#13;
ich hoffe, daß dieser vorsichtige Anfang wachsen und gedeihen wird.&#13;
Dies sind einige der von mir gesteckten Ziele für meine noch verbleibende Amtsperiode als Präsident.&#13;
Ich bin der festen Überzeugung, daß&#13;
diese Zielsetzungen Sicherheit, Wohlstand und die Zukunft unseres Volkes&#13;
verbessern werden. Ich beschwöre den&#13;
Kongreß, bei der Verwirklichung dieser Ziele ebenso gründlich und energisch vorzugehen, wie er bei den&#13;
jüngsten&#13;
Untersuchungen&#13;
vorgegangen&#13;
ist.&#13;
Meine lieben Mitbürger, mir verbleiben noch anderthalb Jahre, bevor&#13;
ich diesen Schreibtisch räumen muß.&#13;
Ich werde nicht zulassen, daß sich&#13;
auf den Möbeln dieses Büros oder gar&#13;
an mir Staub und Spinnweben ausbreiten.&#13;
Es gibt noch viel zu tun, und&#13;
mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>Reagan optimistisch über Abschluss eines Abrüstungsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7

^

"&amp;

2 6 . A u g u s t 1987

29

I N H A L T

DOKUMENTATION

Nitze warnt:

Viele INF-Probleme noch ungelöst

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze -

NATO Botschafter Keel fordert Bekenntnis zum Bündnis
- Interview mit "Avianews international"

HINTERGRUNDMATERIAL

Probleme der Rüstungskontrolle
- Von Edward L. Rowny -

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung
- Interview mit Richter Clifford Wallace -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

\oN^

26. August 1987

29
NITZE WARNT:

VIELE INF-PROBLEME NOCH UNGELÖST

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben "beträchtliche Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) erzielt, "dennoch sind einige bedeutende Themenkomplexe noch nicht
gelöst", erklärte Botschafter Nitze.
In einem am 19. August 1987 mit USA Today gegebenen Interview warnte der
Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers der Vereinigten Staaten
zu Fragen der Rüstungskontrolle: "Bei zahlreichen Themen sind wir noch sehr
weit voneinander entfernt".
Nitze verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß gute Chancen für ein Abkommen über eine 50prozentige Kürzung der strategischen Waffen im Verlauf der
noch verbleibenden 17 Monate der Amtszeit Präsident Reagans bestünden.
Nachfolgend drucken wir das Interview im Wortlaut.
Frage:
Ein
Rüstungskontrollabkommen mit den Sowjets scheint in
greifbare Nähe gerückt zu sein, aber
es gibt noch ein Hindernis: Wie können wir sicherstellen, daß sie uns
nicht hintergehen?
Antwort:
Einige bestimmte Bereiche sind von der Verifizierung
ausgenommen - bestimmte Orte, die
nicht unter Vor-Ort-Inspektionen fallen.
Der springende Punkt bei der
Verifizierung ist, daß sie von beiden
Seiten sehr viel leichter akzeptiert
werden kann, wenn sie an bestimmten

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Orten und zu besonders abgestimmten
Zeiten
stattfindet.
Bestimmte gefährdete Orte hätte man hiervon gerne
ausgenommen.
Frage:
Wollen Sie damit andeuten, daß wir uns auch mit etwas weniger als der perfekten Verifizierung
zufriedengeben würden?
Antwort:
Ich denke, das trifft
zu.
Keine Verifizierung
ist perfekt. Aber der wichtigste Punkt ist,
eine von vollständigem Vertrauen getragene Verifizierung in den Berei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�chen zu erreichen, die von Bedeutung
sind.
Frage:

Zum Beispiel?

Antwort:
Ich glaube nicht, daß
irgend jemand Ihnen garantieren kann,
daß niemand einfach eine Rakete hinter einem Baum mitten in Sibirien
versteckt hat. Aber falls sich eine
Rakete hinter einem Baum in Sibirien
befindet, wie wird man sie je einsetzen?
Man benötigt ausgebildetes
Personal, um sie zu bedienen; man benötigt
Unterbr ingungsmöglichkeiten
für dieses Personal. Man muß die Raketen erproben und man benötigt Ersatzteile.
Frage:
Und
zungseinrichtungen
gemacht werden?

diese
UnterStütkönnen
ausfindig

Antwort:
Wir
hoffen, daß das
Abkommen
über
Mittelstreckenraketen
zum vollständigen Abbau der amerikanischen
und
sowjetischen
Raketensysteme mittlerer und kürzerer Reichweite sowie der Lager- und Erprobungseinrichtungen in Europa führen
wird.
Sollte dies geschehen, dann
wäre jegliche Erprobung, Produktion
und Truppenausbildung zu diesem Zweck
- der verifizierbar wäre - eine Verletzung des Vertrages.
Frage:
Nehmen wir einmal an,
die Sowjets sagen, sie hätten einige
illegale Gefechtsköpfe in Belgien gesichtet.
Oder nehmen wir an, wir
hätten in einem Staat des Warschauer
Pakts Gefechtsköpfe geortet, die wir
inspizieren wollten.
Was wäre dann
zu tun?
Antwort:
über
genau
dieses
Problem diskutieren wir zur Zeit mit
unseren Verbündeten. Ähnlich gestaltete Vereinbarungen wie die zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten
- 2

Staaten könnten auch auf die Orte in
Ländern der NATO und des Warschauer
Pakts Anwendung finden, wo diese Waffensysteme zur Zeit stationiert sind.
Frage:
Sobald
der Vertrag
in
Kraft getreten ist, wird jede Seite
eine Inspektion vornehmen, um herauszufinden, wieviele Raketen vernichtet
werden müssen. Woher können sie wissen, daß ihre erste Inspektion alles
ausfindig macht?
Antwort:
Man
kann nie sicher
sein, daß alles ausfindig gemacht
wird, aber wir können uns heute auf
ein ziemlich ausgereiftes Nachrichtenwesen verlassen.
Jahrelang haben
wir immer wieder gesagt, die Sowjets
haben soundso viele SS-20 und soundso
viele SS-22, usw. Wir wissen ziemlich genau, wo sich diese Raketen befinden, wo die Wartungsdepots sind
und wo sie produziert werden.
Sie
werden uns eine Regierungsvereinbarung vorlegen müssen, in der in allen
Einzelheiten beschrieben ist, was sie
haben und wo es sich befindet. Dann
hätten wir das Recht zur Inspektion.

y

*

Frage:
Vor
kurzem
haben
die
Sowjets gesagt, daß sie sich zu VorOrt-Inspektionen
chemischer
Waffenfabriken bereit erklären würden. Sehen
Sie
darin
einen
ermutigenden
Fortschritt?
Antwort:
Ja, auf jeden Fall.
Aber damit wird das Problem nicht gelöst. Das Problem ist, daß chemische
Waffen in sehr kleinen Anlagen hergestellt werden können. Hier haben wir
also ein Problem, das zu berechtigter
Sorge darüber Anlaß gibt, wie man
wirklich vollständig darauf vertrauen
kann, daß
chemische
Waffen
nicht
heimlich hergestellt werden.
Frage:
Wenn
dieses
Abkommen
einmal in Kraft getreten ist, wieviel

t

�Zeit
benötigen
die
beiden
Seiten
dann, um alle betroffenen Raketensysteme zu vernichten?
Antwort:
Sie
können
relativ
schnell verschrottet werden. im Hinblick auf die Mittelstreckensysteme
glauben wir, daß dies binnen eines
Jahres geschehen könnte.
Frage:
Senator
Richard
Lugar
hat vor einigen Tagen gesagt, daß
seiner Meinung nach die Sowjets einen
Zeitraum von fünf Jahren anstreben,
während wir drei Jahre ins Auge gefaßt haben.
Antwort:
Ja, so sieht es zumindest derzeit aus. Aber Sie fragten nach der Zeitspanne, in der dies
meiner Auffassung nach erledigt werden könnte.
Frage:
Wie
greifbar
ist
ein
Abkommen über Mittelstreckenwaffen?
Antwort:
Bei
zahlreichen Themen sind wir noch sehr weit voneinander entfernt.
obwohl wir beträchtliche Fortschritte erzielen konnten,
sind einige bedeutende Themenkomplexe
noch nicht gelöst.
Frage:
Im
vergangenen
April
haben die Sowjets die Frage der amerikanischen
nuklearen
Gefechtsköpfe
auf den Pershing lA-Raketen aufgeworfen, die der Bundesrepublik Deutschland gehören. Wenn sie an einem Abkommen so sehr interessiert sind, warum haben sie dieses Thema kurz vor
Zwölf angesprochen?
Antwort:
Wenn sie geglaubt haben, mit diesem Thema, Uneinigkeit
zwischen den NATO-Ländern und den
Vereinigten Staaten zu stiften, könnten sie versuchen, dieses Thema geschickt dafür auszunutzen, daß man zu
der Aussage verleitet wird, der We-

sten wolle den Sowjets in dieser Frage nachgeben.
Ich glaube, es wäre
ein großer Fehler, dieses Thema dafür
zu benutzen.
Frage:

Warum?

Antwort:
Wir haben bei diesem
Thema seit Jahren auf dem Prinzip der
bilateralen
Verhandlungen
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bestanden. wir werden über
die Systeme anderer Länder, wie der
britischen und französischen, die unabhängig
voneinander
über Nuklearstreitkräfte verfügen, nicht verhandeln, und wir werden die bestehenden
Regeln der Kooperation mit Verbündeten nicht durcheinanderbringen.
Die
Pershing lA-Raketen gehören den Deutschen, und die Gefechtsköpfe werden
entsprechend der seit langem bestehenden Regeln der Kooperation von uns
instand gehalten.
Frage:
Der
frühere NATO-Oberbefehlshaber General Bernard Rogers
hat gesagt, ein Mittelstreckenabkommen würde uns wegen der überlegenen
konventionelle Streitkräfte der Sowjets die Fähigkeit zur Abschreckung
nehmen.
Müssen wir daher in erheblichem
Umfang
konventionell
aufrüsten?
Antwort:
Wir haben immer schon
die Auffassung vertreten, daß eine
Verbesserung
des
konventionellen
Gleichgewichts erforderlich ist. Daran hat die NATO seit vielen, vielen
Jahren
gearbeitet.
Unsere Politik
war unbeirrbar auf dieses Ziel ausgerichtet, und dabei sollte es bleiben.
Ich glaube nicht, daß sich hieran
durch die jetzt angestrebten Abkommen
viel ändert.
Diese Abkommen werden
das nukleare Gleichgewicht und daher
auch die allgemeine Lage im Hinblick
auf die Sicherheit Europas verbessern.

- 3 -

�Frage:
Kommt es auf dieses Abkommen wirklich an? Die Sowjets können nun so viele Waffen größerer
Reichweite wie sie wollen hinzufügen,
und diese können auf Ziele in Europa
ausgerichtet sein.
Antwort:
Nun, das
ist wahr.
Aber wir arbeiten ebenfalls intensiv
an einem Abkommen, das nicht nur einen Zuwachs der interkontinentalstrategischen Waffen auf beiden Seiten
verhindern, sondern auch zu einer wesentlichen Verringerung
der Anzahl
der Systeme und der Gefechtsköpfe
führen würde.
Frage:
Besteht noch eine realistische Chance, in den verbleibenden 17 Monaten von Präsident Reagans
Amtszeit zu einem Abkommen über den
vorgesehenen
50prozentigen
Abbau
strategischer Waffen zu gelangen?
Antwort:

Wir glauben schon.

Frage:
Gibt es in Anbetracht
der Wahlen im kommenden Jahr einen
Stichtag, ab dem der Versuch zwecklos
wäre, ein Abkommen auszuhandeln?
Antwort:
Unserer
Auffassung
nach ist es wichtig zu versuchen, die
Verträge in eine endgültige Fassung
zu bringen, so daß sie dem Kongreß im
Februar oder März vorgelegt werden
können und noch genug Zeit für eine
Ratifizierung bleibt.
Im Jahr 1972
haben wir das SALT I-Abkommen im Mai
ausgehandelt, und es wurde noch vor
den Wahlen ratifiziert.
Frage:
Vor
kurzem legten die
Sowjets einen neuen Entwurf für ein
Abkommen über die strategischen Waffen vor. Unterschied es sich wesentlich von früheren Angeboten?

Vertragsform, und daher waren die Details in ihrer Meinung nach angemessenen
Formulierungen
ausgearbeitet.
Dies bietet uns die Gelegenheit, unseren seit einiger Zeit auf dem Verhandlungstisch liegenden Vertragsentwurf heranzuziehen und Arbeitsstäbe
damit zu beauftragen, die Formulierungen miteinander
zu vergleichen,
damit wir sehen, wo wir übereinstimmen und wo nicht. Daran arbeiten unsere Arbeitsstäbe derzeit.
Frage:
Die Sowjets
verknüpfen
SDI, also den "Krieg der Sterne", mit
jedem START Abkommen, also dem Abbau
strategischer Raketen. Kann das eine
ohne eine Übereinkunft über das andere erreicht werden?
Antwort:
Wir
hoffen
schon.
Wir würden es vorziehen, ausgereifte
Verträge sowohl in bezug auf die Verteidigung im Weltraum als auch auf
START vorzulegen. Diese sind um einiges schwieriger
auszuhandeln
als
ein Mittelstreckenabkommen.
Und sogar beim Mittelstreckenabkommen haben
wir noch immer Probleme.
Frage:

Was kann getan werden?

Antwort:
Außer
harter
Arbeit
und Arbeit mit einem gewissen Maß an
Optimismus im vollen Bewußtsein der
wirklichen Probleme, mit denen wir
uns
konfrontiert
sehen, weiß
ich
nicht, was zu tun ist, weil wir es
nämlich mit echten Problemen zu tun
haben.
Die Menschen neigen zu vorschnellem und übermäßigem Optimismus.
Sie glauben, daß alles schon erledigt
ist, wenn dies noch gar nicht der
Fall ist. Und es ist eben nicht der
Fall.

* * * * *
Antwort:

Nein.

Aber

es war

in

'

,

,

�v^°S?&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
26. August 1987

29

NATO BOTSCHAFTER KEEL FORDERT BEKENNTNIS ZUM BÜNDNIS
- Interview mit "Avianews International" BRÜSSEL - (AD) - Dem amerikanischen Botschafter bei der NATO, Alton G.
Keel, Jr., zufolge sollten die politisch Verantwortlichen in Europa und den
Vereinigten Staaten ihren Bürgern erneut versichern, daß die NATO Garant des
Friedens in Europa ist. In einem in der Juli/August-Ausgabe von "Avianews International" veröffentlichtem Interview bekräftigte Keel, "die Menschen müssen
Rückschau halten und aus dem Vermächtnis der Vergangenheit lernen... daß dieses Bündnis bei der Bewahrung des Friedens" und der Abschreckung von Aggression und Krieg "außerordentlich erfolgreich war". Im Lichte der derzeitigen
amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsgespräche über die Reduzierung von Nuklearwaffen mittlerer Reichweite (INF), ist es für die Europäer wichtig zu begreifen, daß "die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen, alle Nuklearwaffen
aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, die als Abkoppelung oder eine
Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden werden könnten", erklärte der amerikanische Botschafter und fügte hinzu "und die Sowjets müssen diese Botschaft
vernehmen".
Frage:
Jetzt, da die Nuklearwaffen mittlerer Reichweite in Europa
vollständig abgebaut werden, scheint
die NATO keine Pläne für erhöhte Rüstungsausgaben im konventionellen Bereich zu haben oder trotz jüngster
Eingaben auf Ministerebene Kürzungen
solcher Waffensysteme aushandeln zu
wollen. Haben Jahrzehnte der Abhängigkeit von Nuklearwaffen die NATO
unfähig zur Wahrung des Friedens gemacht?

ich

Antwort:
Diese Auffassung kann
in keiner Weise teilen.
Meiner

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Embassy of the United States of America

Meinung nach müssen wir uns als erstes daran erinnern, daß die Erweiterung
konventioneller
Rüstungen
nie
eine Voraussetzung unserer Rüstungskontrollabkommen über Mittelstreckensysteme war. Es erübrigt sich zu sagen, daß es stets in unserem Interesse gelegen hat, die konventionellen
Streitkräfte zu verbessern und wir
haben es sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa öffentlich
immer wieder zu unserem Anliegen gemacht, daß für konventionelle Streitkräfte mehr ausgegeben werden muß.
Dies ist eine Tatsache, unabhängig

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�von einem Rüstungskontrollabkommen also einem Abkommen über Mittelstrekkensysteme (INF).
Wir
sind auf die Rüstungskontrollvorschläge für die sogenannten
INF eingegangen, da wir das Gefühl
hatten, daß es in unserem Sicherheitsinteresse lag. Wir, die Vereinigten Staaten, sind davon überzeugt
und wir, das Bündnis, sind davon
überzeugt. Das Bündnis hat natürlich
seit jeher den Abbau der SS-20 durch
die Sowjets und der älteren Generation der SS-40 ähnlicher Reichweite
befürwortet und von Anfang an angedeutet, daß wir zum Abbau der amerikanischen
Pershings
oder
GLCMs
(ground-launched
cruise missiles
landgestützte
Marschflugkörper)
bereit sind, wenn die Sowjets tatsächlich diese Streitkräfte mit ähnlichen
Fähigkeiten
abziehen
und
abbauen.
Schon lange vor der Stationierung haben wir diese Position vertreten, es
ist also eine seit langer Zeit bestehende Position des Bündnisses.
Aus
amerikanischer Sicht haben wir den
Abbau dieser Waffenkategorien vorgezogen.
Der in den vergangenen Monaten
erarbeitete neue Teil dieses Abkommens enthält nun den Konsens des
Bündnisses,
eine
Waffenkategorie,
nämlich die ausschließlich von den
Sowjets stationierten Mittelstreckensysteme kürzerer Reichweite - die sogenannten SRINF - abzubauen.
Diese
Ankoppelung an unsere bisherige Position bezüglich INF macht es unserer
Ansicht nach noch wichtiger für unsere Sicherheitsinteressen.
Ich möchte also nochmals betonen,
daß meiner Meinung nach zur Zeit
überhaupt keine Voraussetzungen für
eine
umfassende Modernisierung
der
konventionellen
Streitkräfte
bestehen. Ich denke, daß schon immer der

Wunsch und die Notwendigkeit zu einer
anhaltenden Verbesserung der konventionellen
wie
auch
der
nuklearen
Streitkräfte bestanden hat.
Dieses
Rüstungskontrollabkommen
beeinträchtigt dies in keiner Weise. Es macht
es aber auch nicht dringlicher oder
bedenklicher.
Frage:
Während
der
letzten
Sitzung
der
Verteidigungsplanungsgruppe hat General Altenburg, der
Vorsitzende
des
Militärausschusses
der NATO, die massive Modernisierung
konventioneller Rüstungen gefordert.
Er sagte, es sei dringend.
Glauben
Sie, daß er in seiner Eigenschaft als
echter
Militär
hierbei
übertrieben
hat und seine Bitte um mehr Geld nur
so effektvoll wie möglich vortragen
wollte?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß
er massive Verbesserungen gefordert
hat. Meiner Meinung nach hat er gefordert, daß die NATO, dieses Bündnis, die westlichen Demokratien, die
Notwendigkeit
für
eine
anhaltende
Verbesserung
der
konventionellen
Streitkräfte erkennen müssen, ebenso
wie das krasse Ungleichgewicht, mit
dem wir uns in bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Pakts konfrontiert sehen.
Aus diesem Grund
müssen wir weiter modernisieren, müssen wir weiterhin für die Zuwendung
von Mitteln zur Modernisierung konventioneller Streitkräfte sorgen, und
wir müssen mehr als bisher tun. Die
Notwendigkeit
bestand
vor dem Rüstungskontrollabkommen und sie wird
auch nach dem Rüstungskontrollabkommen bestehen bleiben. Das Rüstungskontrollabkommen verbessert die Stabilität insgesamt.
Frage:
Ich möchte nochmals zur
Frage der Stabilität
zurückkommen.
Der
ehemalige Oberbefehlshaber
der

�NATO, General Rogers, hat kürzlich in
seiner letzten Pressekonferenz davor
gewarnt, die NATO-Partner würden im
Falle der Unterzeichnung eines INFAbkommens, wie er sich ausdrückte,
"den gefährlichen Weg der Entnuklearisierung einschlagen". Enthält dies
ein Körnchen Wahrheit, wo doch die
NATO also ihre einzige in Europa stationierte Rakete verschrotten wird,
die in der Lage ist, sowjetisches
Territorium zu erreichen?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
wir mit diesem Abkommen den gefährlichen
Weg
der
Entnuklearisierung
oder
Abkoppelung
beschreiten.
Ich
meine jedoch, daß wir dieser Einschätzung gewahr sein sollten, sowohl
aus der Sicht der Europäer als auch
aus der Sicht der Sowjets, da solche
Einschätzungen aus der Sicht der Abschreckung
außerordentlich
wichtig
sind.
Wir müssen Maßnahmen vermeiden, die sich auf diese Einschätzung
gründen könnten.
Aus diesem Grund
sollten wir jetzt eine Verschnaufpause einlegen und nachdenken und entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen, vor allem im nuklearen Bereich. Für die Europäer ist es
wichtig zu begreifen, daß die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen,
alle Nuklearwaffen aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder
irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen,
die als Abkoppelung oder eine Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden
werden könnten. Und die Sowjets müssen diese Botschaft vernehmen.
Ich
glaube daher nicht, daß dieses INFAbkommen uns auf einen gefährlichen
Weg geführt hat.
Frage:
Herr
Botschafter,
um
nochmals auf die amerikanisch-europäischen
Sicherheitsbeziehungen
zurückzukommen:
Ich würde gerne von
Ihnen hören, wie sich diese Ihrer

Meinung nach entwickeln werden.
Ist
es nicht ein unvermeidliches Resultat
eines INF-Abkommens, daß die Westeuropäer mehr für ihre Verteidigung
ausgeben müssen? Ich würde auch gerne von Ihnen einige Bemerkungen über
die
jüngsten
Vorschläge
zu
einer
deutsch-französischen Brigade hören.
Antwort:
Auch hier denke ich
nicht, daß die Europäer als Ergebnis
eines
INF-Abkommens
mehr
ausgeben
müssen.
Ich glaube, die Europäer
müssen unabhängig von einem INF-Abkommen mehr ausgeben.
Und meiner
Meinung nach befindet sich die Welt
in einer Lage, in der die Vereinigten
Staaten, die offensichtlich eine Supermacht sind, weltweite Verpflichtungen haben, und die Kosten dieser
Verpflichtungen steigen mit der Zeit
und werden sicherlich nicht geringer.
Die sowjetische Bedrohung nimmt
in keiner Weise ab, und vor allem
nimmt
sie
nicht
in
Europa
ab.
Schlicht und einfach heißt dies alles:
Ja - die Europäer werden mehr
tun müssen, aber nicht wegen des INFAbkommens.
Sie werden aufgund der
sich wandelnden Gegebenheiten auf der
Welt mehr tun müssen.
Einen nicht
unerheblichen Bestandteil dieser Gegebenheiten
bildet die
sowjetische
militärische Bedrohung und insbesondere die Bedrohung Europas. Die Vereinigten Staaten müssen mehr tun und
offensichtlich ist dies die Absicht
Präsident Reagans, der während seiner
gesamten Amtszeit dieses Ziel verfolgt hat.
Und dabei wird es auch
bleiben.
Bezüglich des Vorschlags für eine
deutsch-französische Brigade wird jede Art der militärischen Zusammenarbeit
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Frankreich
eine
deutsch-französische
Entscheidung
sein. Meiner Meinung nach wären die

- 3 -

�Sorgen des Bündnisses solche Befürchtungen, die bereits von den deutschen
und
französischen
Regierungsvertretern bei der Erörterung dieses Themenkomplexes
zum Ausdruck
gebracht
werden, oder zumindest dann, wenn sie
dieses zur Zeit nur in der Konzeption
bestehende Thema in der Öffentlichkeit diskutieren.
Diese Befürchtungen beziehen sich einerseits auf die
Tatsache, daß man aus der Sicht der
westlichen Sicherheit davon profitieren könnte, wenn sich die Franzosen
enger in das NATO-Bündnis einbeziehen
ließen. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einer Integration in die
NATO-Struktur, da die Franzosen nicht
integriert sind und in jüngster Zeit
auch kein Interesse an einer Änderung
dieser seit langen bezogenen Position
gezeigt haben. Es erübrigt sich jedoch zu sagen, daß das Bündnis meiner
Meinung nach Verständnis dafür aufbringen würde, daß man von einer engeren Einbeziehung der französischen
Streitkräfte in diejenigen der NATO,
einschließlich der deutschen Streitkräfte, profitieren würde.
Frage:
Eines der von europäischer Seite gegen ein Mittelstrekkenabkommen
vorgetragenen
Argumente
besagt, es handele sich eigentlich
nicht um echte Abrüstung, wo doch
mehr als 4 000 amerikanische taktische Nuklearwaffen der Vereinigten
Staaten in Europa verbleiben werden.
Wie würden Sie hierauf antworten?
Antwort:
Wenn man eine offensichtlich im eigenen Sicherheitsinteresse
liegende
Initiative vorantreibt, denken einige, dies würde die
Sicherheit untergraben. und infolgedessen geht dies zu weit.
Auf der
anderen Seite gibt es die Denkrichtung, die besagt, dies ginge nicht
weit genug und sei keine echte Abrüstung. Meine Antwort an diese beiden
Denkrichtungen
lautet,
daß
Abrü- 4

stungsvorschläge letztlich am Schauplatz
der
Abrüstungsverhandlungen
formuliert, formell vorgeschlagen und
gebilligt werden und dort auch ihre
Zustimmung
erfahren.
Dies
trifft
insbesondere
auf die Nuklearwaffen
zu, weil hier Einigkeit darüber besteht, daß diese die Stabilität in
der Welt und die Aussichten auf Frieden verbessern und im Sicherheitsinteresse des Bündnisses insgesamt liegen. Dies gilt für die Mittelstrekkenwaffen.
Hier
wird
tatsächlich
über die Beseitigung von Waffensystemen aus Europa verhandelt, bei denen
das größte Ungleichgewicht herrscht nämlich die ballistischen Langstrekkenraketen für den unmittelbaren Vergeltungsschlag, die Westeuropa bedrohen.
Ein objektiver Beobachter muß
ganz einfach zu dem Schluß zu kommen,
daß dies die Stabilität festigt.
Frage:
Viele
Regierungen
in
Westeuropa
sind über die doppelte
Null-Lösung beunruhigt.
Vor kurzem
haben sie die Null-Lösung widerwillig
gebilligt, obwohl sie doch diejenigen
waren, die sie ursprünglich als eine
politisch ansprechende Idee willkommen hießen, die von den Sowjets nie
akzeptiert würde. Was sagt dies über
die Glaubwürdigkeit der NATO und die
Glaubwürdigkeit
ihrer
strategischen
Position aus?
Antwort:
Ich würde nicht behaupten, daß viele Regierungen über
die doppelte Null-Lösung beunruhigt
waren. Man muß fairerweise zugeben,
daß es einige qualvolle Debatten innerhalb
des
Bündnisses
gab,
die
schließlich in einer gemeinsamen Haltung zur sogenannten doppelten NullLösung mündeten, und es gab sicher
einen offenen Gedankenaustausch.
Im
Prinzip konzentrierte sich der Gedankenaustausch jedoch auf die Frage, ob
aus einer bestimmten Sicht von einer
Abkoppelung gesprochen werden konnte,

&lt;

»

�und ob es eine Bewegung oder einen
Trend gab, der nicht so sehr auf eine
Entnuklearisierung
Europas
hinauslief, als vielmehr auf einen Abbau
von amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa.
Und die Europäer
sollten
hiervon durchaus auch betroffen sein.
Dies ist verständlich, weil wir uns
nicht nur vor solchen Betrachtungsweisen hüten müssen, sondern offensichtlich vor jedem derartigen Trend.
Man muß den Europäern zunächst
versichern, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse - jedenfalls nicht
in absehbarer Zukunft - an einem Abzug ihrer Nuklearwaffen aus Europa
haben.
Ferner muß man ihnen versichern, daß dies von entscheidender
Bedeutung für unsere Strategie der
flexiblen Reaktion und besonders für
die nukleare Abschreckungsoption innerhalb dieser Strategie ist.
Ich
würde daher nicht sagen, die Europäer
hätten die doppelte Null-Lösung widerwillig akzeptiert.
Ich würde sagen, daß man die weitere Entwicklung
mit Sorge beobachtete, und das war
auch richtig so.
Darum müssen wir
jetzt Zeit für eine Verschnaufpause
einlegen und die Dinge noch einmal
überdenken.
Frage:
Um noch einmal auf diesen Punkt zurückzukommen, wollte ich
Sie fragen, ob Ihrer Meinung nach die
NATO durch Gorbatschow in die Defensive geraten ist? Während des Außenministertreffens im Juni in Reykjavik
sagte Lord Carrington, der Westen habe etwas besseres zu tun, als nur auf
die sowjetischen Vorschläge zu antworten. Und dennoch sieht es so aus,
als ob die NATO nach einer Strategie
sucht.
Sie ist auch mit Haushaltsengpässen konfrontiert.
Sehen Sie dies als eine beunruhigende Zeit für die NATO oder eine
Zeit, in der die Menschen - wie Sie

es ausdrückten - innehalten und die
Dinge noch einmal überdenken müssen?
Viele Leute glauben, die NATO sei
derzeit in keiner guten Verfassung.
Antwort:
Nun, diese Schlußfolgerung würde ich auf gar keinen Fall
ziehen. Ich würde sogar sagen, daß wenn Sie das einmal historisch betrachten - die NATO heute wahrscheinlich in einer besseren Position ist,
als im Verlauf ihrer Geschichte. Und
ich würde das keine beunruhigende
Zeit für das Bündnis nennen.
Ich
würde es eher als eine schwierige
Zeit für das Bündnis bezeichnen.
Die
Menschen
müssen
Rückschau
halten und aus dem Vermächtnis der
Vergangenheit lernen und sich selbst
und der Öffentlichkeit die Tatsache
vergegenwärtigen, daß dieses Bündnis
bei der Bewahrung des Friedens außerordentlich erfolgreich war, und daß
es Aggression und Krieg abschrecken
kann.
Daher müssen wir der Öffentlichkeit erneut versichern, wie die
amerikanischen Haltung aussieht. Die
Europäer müssen ferner zu erkennen
geben, daß sie die Bedeutung dieses
Bündnisses und die Bedeutung der amerikanischen Rolle in diesem Bündnis
verstehen.
Aus europäischer Sicht müssen die
Vereinigten
Staaten
den
Europäern
versichern, welche Bedeutung sie dem
Bündnis verleihen.
Ich glaube also
nicht, daß wir an einem kritischen
Punkt im Bündnis angelangt sind, wenn
man es unter dem Gesichtspunkt betrachtet, inwiefern die Frage ernsthaft in Erwägung gezogen wird, ob wir
eine Alternative zum Bündnis brauchen
oder nicht. Ich glaube, wir sind an
einem kritischen Punkt in der Geschichte angelangt, an dem unsere
Überzeugungen auf die Probe gestellt
werden.
Dies ist die beste Art, es
auszudrücken. Wir müssen für unsere

- 5 -

�Überzeugungen
eintreten.
Dieses
Bündnis hat seine Aufgaben erfüllt,
es hat den Frieden bewahrt und den
Krieg verhindert. Und wir, die politisch Verantwortlichen in Europa und
den Vereinigten Staaten, müssen die
Aufgabe
übernehmen, dieses Bündnis
unseren Bürgern gegenüber zu erklären, zu verteidigen und zu rechtfertigen.
Frage:
Eine letzte Frage, Herr
Botschafter.
Ich würde Ihnen gerne
eine grundsätzliche
Frage stellen,
die sich mit der sogenannten Zweibahnstraße
der
Rüstungskooperation
beschäftigt.
Es scheint, als ob es
während der vergangenen zwei Jahre
viel fruchtbarere Bemühungen innerhalb des Bündnisses gegeben hat, die
Produktion miteinander im Einklang zu
bringen.
Außerdem liegt die Gesetzesvorlage des Senators Nunn vor.
Sehen Sie auf diesem Gebiet raschen
Fortschritte oder glauben Sie, daß
die Westeuropäer immer noch wegen der
zweigleisigen
Produktion
und
ähnlichen Problemen dieser Art gelähmt
sind?
Antwort:
Ich
würde
nicht
so
weit gehen, von "raschen Fortschritten" zu sprechen, aber ich kann sagen, daß wir vorankommen, und hiervon
bin ich überzeugt.
Ich glaube, die
Europäer wissen die dringende Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit
ebenso zu schätzen wie die Amerikaner, und zwar nicht nur bei der Forschung und Entwicklung sondern letztlich auch bei der Produktion von Waffensystemen.
Damit würde die Zweigleisigkeit durchgängig von der Forschungs- und
Entwicklungsphase
bis
hin
zur
Produktions- und
Beschaffungsphase nahezu vermieden.
Sollte
es uns tatsächlich gelingen, das Ungleichgewicht bei der konventionellen
Rüstung auszugleichen, über die wir
zuvor gesprochen haben, werden wir,
- 6

das Bündnis, die vorhandenen Mittel
wirkungsvoller
und
wirtschaftlicher
nutzen müssen.
Es ist derzeit ganz deutlich, daß
der Warschauer Pakt uns bedauerlicherweise
in der Produktion übertrifft.
Aber das sollte nicht der
Fall sein.
Technisch sind wir ganz
klar überlegen. Wir sind in der Fertigung überlegen. Wir sind personell
in bezug auf Ausbildung, Einsatzfreudigkeit
und
Engagement
überlegen.
Daher
sollten
sie
uns
eigentlich
nicht in der Produktion übertreffen.
Und der Grund hierfür ist das Fehlen
einer gemeinsamen Vorgehensweise, die
vorhanden sein könnte. In der Konsequenz kommt es zu unnötiger und unwirtschaftlicher
Doppelarbeit.
Ich
glaube, man hat das inzwischen erkannt.
Die NATO-Verbündeten
haben
dies akzeptiert.
Es ist jedoch schwierig, die Erkenntnis und Akzeptanz dessen in die
Tat umzusetzen, weil letztlich jeder
von uns mit seinem eigenen Verwaltungsapparat zu tun hat.
Wir sind
souveräne
Staaten.
Wir
verfolgen
ganz sicher individuelle Interessen,
und die wirtschaftlichen sind nicht
die unbedeutensten. Es gibt innenpolitische,
industrielle
und
wirtschaftliche
Zwänge, die von jedem
Einzelnen von uns getragen werden
müssen. Die Vereinigten Staaten sind
davor nicht gefeit.
Es ist daher
nicht einfach, diese Erkenntnis in
die Tat umzusetzen.
Aber es geschieht bereits und meiner Meinung
nach wird dies fortgesetzt, und ich
glaube, Sie werden zunehmend Beispiele für diese Zusammenarbeit sehen.
Frage:
Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, wo Ihrer Meinung nach gute Fortschritte zu erwarten sind?

�Antwort:
Derzeit gibt es zwei
oder drei Forschungsprogramme.
Das
deutlichste Beispiel ist eine mögliche Luft-Boden Rakete, die in ein
Kooperationsprogramm
münden
könnte.
Ich glaube, die Entwicklung von Flugzeugen ist ein Gebiet, das man jetzt
beobachten muß. Wir haben ganz sicher eine Chance zu mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Flugzeugbaus.
Es
gibt
ungefähr
drei
Luft-LuftKampfflugzeuge, die derzeit von verschiedenen
europäischen
Regierungen
geprüft werden. Dies wird ein Gebiet
sein, wo - offen gesagt - der Zusammenarbeit
mehr
Aufmerksamkeit
geschenkt werden muß.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

26. August 1987

29

PROBLEME DER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Edward L. Rowny -

WASHINGTON -(AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Stellungnahme von
Edward L. Rowny zu Problemen der Rüstungskontrolle. Der Verfasser ist Sonderberater von Präsident Reagan und des Außenministers der Vereinigten Staaten zu
Fragen der Rüstungskontrolle.

Der Wirbel um die sowjetischen
Rüstungskontrollmaßnahmen der vergangenen Wochen ist ein Anzeichen für
Michail Gorbatschows scheinbare Bereitschaft zu Fortschritten beim Abbau nuklearer Mittelstreckensysteme.
Es bestehen jedoch noch immer Zweifel, ob er wirklich am Abschluß eines
Abkommens
zur Begrenzung
strategischer Offensivwaffen - also der Waffensysteme mit der höchsten Schlagkraft - interessiert ist.

wjetunion zu bestimmten obergrenzen
bei Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen,
müssen
noch
ausgehandelt
werden.
Aber das größte Hindernis,
das einem Fortschritt in Richtung auf
einschneidende
Reduzierungen
bei
strategischen Offensivwaffen im Wege
steht, ist, daß die Sowjets auf einem
Junktim zwischen dem Abkommen und Begrenzungen bei der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten bestehen.

Zahlreiche
kritische
Themenbereiche, wie die Zustimmung der So-

Die Sowjets haben im vergangenen
Monat in Genf zwei Entwürfe zu einem

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Abkommen
auf den Verhandlungstisch
gelegt:
Zum einen ihre Antwort auf
den
amerikanischen
Vertragsentwurf
zur Begrenzung strategischer Rüstungen und zum anderen eine Erläuterung
der sowjetischen Position bei den Gesprächen über die Verteidigung
im
Weltraum.
Sollten die Sowjets einen
Vertragsentwurf zu Verhandlungen über
die Verringerung
strategischer
Rüstung (START) vorlegen, könnten Fortschritte
erzielt
werden.
Ob
die
START-Verhandlungen jedoch zu einem
Abkommen führen werden, hängt noch
davon ab, ob die Sowjets ihre starre
Position
aufrechterhalten,
wonach
einschneidenden
Reduzierungen
der
strategischen Nukleararsenale nur zugestimmt werden kann, wenn die amerikanische Seite sich zu entschieden
größeren Kürzungen bei SDI bereit erklärt, als diejenigen, die bereits im
ABM-Vertrag enthalten sind.

Die sowjetische Verzögerungstaktik
Warum verfolgen die Sowjets gerade bei dem Thema immer noch eine Hinhaltetaktik,
das
Herr
Gorbatschow
treffenderweise als die "Wurzel des
Problems"
der
amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen
bezeichnet hat? Warum setzen sie es
weiterhin als Pfand für ein amerikanischen Programm ein, das die Durchführbarkeit von Verteidigungssystemen
prüft, die bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt sind?
Die Sowjets berufen sich gerne
darauf, daß das Problem die "Waffen
im Weltraum" sind.
Die Amerikaner
halten dem entgegen, daß das vordringlichste Problem darin besteht,
die strategische Stabilität wiederherzustellen und zwar durch die Reduzierung der ungeheueren Anzahl der
Nuklearwaffen mit der größten Durchschlagkraft, die heutzutage existie-

ren.
Es gibt keine Waffen im Weltraum,
in den Arsenalen der Supermächte befinden sich mehr als 20 000
Nuklearwaffen.
Es
liegt
auf
der
Hand, daß dieses Problem ohne weitere
Verzögerungen
angesprochen
werden
sollte.
Wenn die begründete Sorge der Sowjets der Entwicklungsrichtung
und
Geschwindigkeit zukünftiger Verteidigungstechnologien gilt, so haben die
Amerikaner bereits Schritte zur Berücksichtigung dieses Anliegens unternommen,
wir haben Maßnahmen zur
"Vorhersehbarkeit" vorgeschlagen, mit
denen sichergestellt würde, daß weder
die Vereinigten
Staaten
noch
die
UdSSR
vom
strategischen
Verteidigungsprogramm des anderen überrascht
wird.
Im Hinblick auf die sowjetische Sorge, daß die Vereinigten Staaten aus der Stationierung strategischer Verteidigungssysteme einen einseitigen Vorteil ziehen könnten, haben wir vorgeschlagen, daß die Ubergangsphase zu einer primär auf Verteidigung
beruhenden
strategischen
Beziehung gemeinsam verwaltet werden
soll.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten tun alles in ihrer Macht
stehende
zur
Berücksichtigung
der
sowjetischen Belange - das heißt alles, außer dem Verzicht auf SDI. Wir
werden aus einem höchst einfachen
Grund unsere Erprobung fortgeschrittener ballistischer Raketenabwehrsysteme nicht aufgeben: Eine wirksame
strategische Verteidigung könnte die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und die Welt sicherer machen.
Wenn das wahre Interesse der Sowjets darin besteht, das strategische
Verteidigungsprogramm der Vereinigten
Staaten zu durchkreuzen, so werden
wir ihnen diesen Gefallen nicht tun.
Präsident Reagan hat dies in Reykja-

- 2 -

�vik
klargemacht.
Obwohl sie sich
verhalten, als ob sie kein eigenes
strategisches
Verteidigungsprogramm
hätten, unternehmen die Sowjets umfassende Anstrengungen in diesem Bereich, die sich auf die gleichen
fortgeschrittenenen Technologien erstrecken, die im Rahmen von SDI erforscht werden. Das sowjetische Programm wurde lange vor unserem ins Leben gerufen und hat enorme Investitionen an Zeit und Geld verschlungen.
Offensichtlich gilt der sowjetische Einwand nicht der Verteidigung
an sich, sondern dem amerikanischen
strategischen Verteidigungsprogramm.
Die Sowjets fordern, daß die Vereinigten Staaten weiteren Kürzungen
der strategischen Verteidigungsaufgaben zustimmen, bevor jede Seite von
dem 50prozentigen Abbau der strategischen
Offensivwaffen
profitieren
kann, den Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bereits bei
dem Gipfeltreffen in Genf im Jahr
1985 vorbehaltlos gebilligt haben.
Objektiv besteht kein Grund zur Unterstützung der sowjetischen Forderung nach einem Junktim dieser bedeutenden Reduzierungen mit größeren Begrenzungen bei der Verteidigung.
Die Vereinigten Staaten haben den
ABM-Vertrag
nicht der
Orwell'schen
Theorie
zufolge: "Verteidigung
ist
schlecht, Angriff
ist gut" unterschrieben.
Sie haben ihn vielmehr
aus dem Grund unterschrieben, weil
eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen zu jener Zeit technisch nicht durchführbar war und die
Stabilität verbessert werden könnte,
wenn beide Seiten drastische Kürzungen der Offensivwaffen vornehmen würden.
Die Vereinigten Staaten haben
den ABM-Vertrag in der Erwartung unterzeichnet, daß ein neuer Vertrag
mit einem wesentlichen Abbau der Offensivwaffen dieses "Ubergangsabkom-

men" von SALT I aufheben und
strategische Offensive umfassend
langfrisitig begrenzen würde.

die
und

Die
Vereinigten
Staaten
haben
dies damals mit dem Argument verdeutlicht, daß das NichtZustandekommen
eines solchen Abkommens im Verlauf
von fünf Jahren unsere höchsten nationalen Interessen gefährden und damit den Grund für einen Rücktritt vom
ABM-Vertrag liefern könnte. In Wirklichkeit hingen die im ABM-Vertrag
festgelegten Obergrenzen bei der Verteidigung von den obergrenzen bei der
strategischen
Offensive
ab
und
nicht umgekehrt.
Ein Vertrag zur Reduzierung von
Offensivwaffen wurde nie geschlossen
und somit sind die Erwartungen des
ABM-Vertrages in den vergangenen 15
Jahren nicht erfüllt worden.
Und
während die Vereinigten Staaten bei
ihren Offensiv- und Defensivprogrammen Zurückhaltung übten, begann die
UdSSR mit einem ungeheuerlichen Aufrüstungsprogramm
für
Offensivwaffen
und verfolgte eine aggressive strategische Verteidigung.
Heute
besitzt
die
Sowjetunion
grob geschätzt viermal so viele strategische Nuklearwaffen wie im Jahr
1972, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde. Und dennoch bestehen die
Sowjets mit Blick auf SDI darauf, daß
sie diese Waffen nicht reduzieren
können, ohne den ABM-Vertrag zu "verstärken", was eine Beschönigung dafür
ist, den Vertrag noch restriktiver zu
machen, als er ohnehin schon ist.
Die Vereinigten Staaten halten den
ABM-Vertrag ein. Es ist das Verhalten der Sowjetunion - zum Beispiel
ihre offensive Aufrüstung
und die
Vertragsverletzung mit dem Radar von
Krasnojarsk - das den ABM-Vertrag unterläuft.

- 3 -

�SDI wird
im Einklang mit dem
ABM-Vertrag
durchgeführt.
Darüberhinaus haben die Vereinigten Staaten
den Vorschlag unterbreitet, daß im
Zusammenhang mit einer 50prozentigen
START-Kürzung bis zum Jahr 1994 keine
Seite vom ABM-Vertrag
zurücktreten
darf. Das amerikanische SDI-Programm
ist darauf ausgerichtet, festzustellen, ob eine Verbesserung der Stabilität durch eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen erzielt werden kann. Man kann sich nur
fragen, wieviele Offensivwaffen die
Sowjetunion benötigt, um sich gegen
das amerikanische Programm zu "verteidigen".
Obwohl wir über das sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramm
besorgt sind, hält es die Vereinigten
Staaten nicht davon ab, in stabilisierender Weise einschneidende Reduzierungen bei strategischen Offensivwaffen anzustreben. Eine 50prozentige START-Kürzung kann sowohl den Interessen der Vereinigten Staaten als
auch der Sowjetunion dienen.
Die
Vereinigten Staaten messen diesen Reduzierungen vorrangige Bedeutung bei.

Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden

men durchgeführt werden, das Vorhersehbarkeit und Vertrauen im Bereich
der strategischen Verteidigung schaffen würde.
Sie könnten vorgenommen
werden, ohne den potentiellen Beitrag
zu beschneiden, den strategische Verteidigung zur strategischen Stabilität leisten und somit zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten und auch der UdSSR beitragen
könnte.
I
Sollte Herr Gorbatschow wirklich
die Absicht haben, die mit Präsident
Reagan ausgehandelten Abkommen über
Rüstungskontrolle mit einzubeziehen,
so steht ihm der Weg offen, nicht nur
in Richtung auf den Abbau der gesamten Kategorie nuklearer Mittelstrekkenraketen, sondern auch in Richtung
auf die Bewältigung des zentralen
Problems der
strategischen Waffen.
Um jedoch das Ziel der Reduzierung
strategischer
Waffen
erreichen
zu
können, wird er den Druck aufgeben
müssen, den er auf die Vereinigten
Staaten auszuüben versucht, um diese
zur Aufgabe ihres legitimen Anspruchs
auf Schutz vor einem ballistischen
Raketenangriff zu bewegen.

i

* * * * *

Es besteht eine Möglichkeit, das
Versprechen einschneidender Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen beider Länder einzulösen.
Seit dem 8. Mai haben die Vereinigten
Staaten
einen
START-Vertragsentwurf
auf dem Verhandlungstisch liegen, der
auf die in Reykjavik gemachten Fortschritte aufbauen und Vorkehrungen
für die Halbierung der strategischen
Offensivwaffen
treffen würde.
Die
Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden. Sollten sich die Sowjets bereit erklären, können die Reduzierungen im Zusammenhang mit einen Abkom- 4

i

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

26. August 1987

29

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung

interview mit Richter Clifford Wallace

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Berufungsrichter Clifford Wallace
zufolge ist einer der Hauptgründe für die Beständigkeit der amerikanischen
Verfassung die Tatsache, daß sie der Regierungsgewalt Grenzen auferlegt.

In einem kürzlich veröffentlichten Interview bemerkte der amerikanische Bundesrichter:
"Die Verfassung,
die zur Förderung der Demokratie in
unserem Lande beigetragen hat, ist
ein
Dokument
der
Einschränkungen.
Dies ist eines ihrer Hauptgrundsätze. "
Wallace war fünfzehn Jahre lang
am Neunten Berufungsgericht
tätig.
In den Vereinigten Staaten gibt es
zwölf
regionale
Berufungsgerichte,
die auf einer Ebene der Gerichtsbarkeit liegen, über der nur noch das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Oberste Bundesgericht als höchste Instanz steht.
"Sie werden bei der Betrachtung
zahlreicher
Verfassungen
der
Welt
feststellen," fuhr Wallace fort, "daß
diese mit bestimmten Rechten, wie dem
Recht auf Bildung oder Arbeit, überladen sind."
"Es gibt auch in der amerikanischen Verfassung mit ihren Zusatzartikeln bestimmte Rechte, aber unsere
Verfassung ist in erster Linie darauf
ausgerichtet,
die
Regierungsgewalt

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzugrenzen, mit anderen Worten, die
Regierung zu kontrollieren und sie
nicht zum Instrument der Beherrschung
des Lebens der Menschen zu machen.
Gerade diese Begrenzungen sind besonders wichtig geworden."
Wallace verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Gewaltenteilung zwischen der Legislative, Exekutive und Jurisdiktion bei der Eingrenzung
der
Regierungsgewalt
von
allergrößter Bedeutung war. Die Verfassung, fuhr er fort, "sorgt dafür,
daß keine dieser Gewalten zu mächtig
wird und somit diktatorisch über das
Leben der Menschen herrschen kann."
"Die Regierung erfüllt ihre Aufgaben immer dann am besten, wenn sie
genau überwacht wird, damit die Menschen mehr Macht haben, ihre Rechte
im demokratischen Prozeß auszuüben.
Dies scheint mir eine wichtige Lektion zu sein, die erlernt werden
muß. "
"Sobald die Exekutive übermächtig
wird, wie dies in vielen Nationen der
Fall ist, leidet der demokratische
Prozeß darunter," erklärte Wallace.
Wallace vertrat ferner die Auffassung, Gerichte sollten nicht Sozialpolitik machen, sondern die Gesetze
auslegen.
Er
fügte
hinzu:
"Ich bin etwas besorgt über Wissenschaftler, die glauben, daß auf Lebenszeit ernannte und dem Wähler gegenüber nicht verantwortliche Richter
einen Sozialplan entwickeln sollen."
Wallace betonte, daß der Föderalismus, also die Trennung von Macht
zwischen der Bundes -, Landes und der
kommunalen
Regierung, ein weiteres
besonderes Merkmal der amerikanischen
Demokratie
ist.
Der Richter
fuhr
fort: "Die ursprüngliche Theorie sah
die
Einschränkung
der
Regierungs- 2

gewalt auf Bundesebene und den Verbleib der größten Machtbefugnisse bei
den Einzelstaaten vor. In dem Maße,
in dem dies immer noch geschieht, haben wir wieder eine Kontrolle, eine
vorherrschende Macht aus jedem Bereich fernzuhalten."
Wallace hob hervor, daß es in der
Geschichte der Menschheit kein Dokument zur Regierungsbildung gibt, das
länger seine Gültigkeit bewahrt hat
als die amerikanische Verfassung. Er
verwies auf den Erfolg der Verfassung, die in der Einflußnahme auf den
Versuch anderer Regierungen, eine Demokratie zu schaffen, ihren Niederschlag gefunden hat.
Gleichzeitig
warnte er davor, das politische System irgendeines Landes als uneingeschränktes Vorbild für ein anderes
Land anzusehen.
Wallace fügte hinzu:
"Ich zögere, das Wort Vorbild zu benutzen, da
ich aus meiner Erfahrung von den Besuchen anderer Länder weiß, daß diese
tatsächlich
ganz anders
entstanden
sind als wir. Sie haben eine andere
Vorgeschichte
und Philosophie.
Es
ist sehr schwierig, eine Gesellschaft
vollständig zu einer anderen zu verlagern, oder das Regierungssystem der
einen Gesellschaft auf eine andere zu
übertragen."
Wallace verwies darauf, daß es
mehr als eines Stücks Papier bedarf,
um die Verfassung zur Anwendung zu
bringen. Er fuhr fort: "Es ist die
Art und Weise, wie die Menschen verfassungsmäßig
konstituiert
werden,
und wir konstituierten uns, um etwas
ganz bestimmtes zu tun, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Wir waren von einer bestimmten Motivation
und einem Enthusiasmus geleitet, die
sich in über 200 Jahren nicht nennenswert
verringert
haben.
Diese
Motivation
und
Begeisterung
haben

&gt;

&lt;

�entscheidend zum Erfolg
fassung beigetragen."

unserer Ver-

"Dieses Dokument unserer Gründung
ist kein historisches Relikt geworden, sondern ist heute genauso lebendig bei der Leitung des Lebens unseres Volkes wie damals."
Wallace fügte hinzu, die Verfassung erfülle wegen der Beständigkeit
ihrer Ideen auch weiterhin ihre Aufgaben.
"Die Verfassung bildet als
Dokument ein Fundament von Prinzipien, und in dem Maße, wie wir uns
als
Land
verändern,
können
diese
Prinzipien auf neue faktische Gegebenheiten angewandt werden."
Der Richter äußerte die Auffassung, der demokratische Prozeß sei
keineswegs
ein amerikanisches oder
auch westliches Monopol, denn auf der
Basis
kultureller
und historischer
Vorbedingungen werde jedes Land seinen eigenen Weg bei der Konstituierung gehen. "Meiner Meinung nach ist
die Freiheit ein grundlegender Wert,"
fuhr Wallace fort. "Es ist eine Tatsache, daß in jedem Kulturkreis, wo
Menschen aus welchen Lebensumständen
und Überzeugungen auch immer eine Regierungsform entwickeln, eine bessere
Lebensqualität
erfahren,
wenn
sie
frei sind und wenn sie ein Interesse
an der Freiheit haben.
Es ist der
demokratische Prozeß, der dieses Ergebnis am besten gewährleistet."
"Es kommt nicht darauf an, ob eine andere Art von Verfassung ebenso
erfolgreich sein könnte. Ganz gleich
ob sie etwas auf die gleiche oder eine andere Art zustande bringen kann,
es kommt nur auf das Endresultat an,
nämlich die größtmögliche Summe von
Freiheiten für den Einzelnen durch
den demokratischen Prozeß."
+ + + + + +
- 3

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 26.08.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nitze warnt: viele INF-Probleme noch ungelöst&lt;br /&gt; &lt;em&gt;USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;NATO Botschafter Keel fordert Bekenntnis zum Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit "Avianews international" &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Edward L. Rowny&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Richter Clifford Wallace&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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