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                    <text>«fc°s^

VON

AMERIKA DIENST
4

2 1 . J a n u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -

HINTERGRUNDMATERIAL

Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Bericht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre
- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der
Spur -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

21. Januar 1987

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND:
MODERNE GESELLSCHAFTSSYSTEME UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis BONN - (AD) - In einer am 18. Januar 1986 vor dem Tönnissteiner Kreis in
Maria Laach gehaltenen Rede ging der amerikanische Botschafter besonders auf
drei wichtige Herausforderungen der modernen demokratischen Gesellschaften
ein: die Herausforderung des moralischen und geistigen Relativismus für unsere
Grundwerte, die Herausforderung des Provinzialismus für die internationale Zusammenarbeit und die Herausforderung der zunehmenden Verkrustung innerhalb der
modernen Gesellschaft. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen wies Botschafter Burt den Medien eine besondere Rolle zu.
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich freue
mich, heute morgen bei Ihnen sein zu
dürfen.
Christoph Bertram hat mir
von der wichtigen Arbeit berichtet,
die der Tönissteiner Kreis leistet,
um jüngere Akademiker wie Sie auf ihre Tätigkeit im Umfeld internationaler Beziehungen vorzubereiten - auf
den höchsten Ebenen der Regierung, in
multinationalen
Organisationen, dem
Bankenwesen, im Handel und im Hochschulbereich.
Heute bilden internationale Probleme größere Herausforderungen, sie

sind komplexer und haben eine unmittelbarere Bedeutung für unseren Alltag als jemals zuvor. Die Verantwortung für die Behandlung dieser Probleme wird zunehmend Ihnen und Ihrer
Generation in der gesamten westlichen
Welt
zufallen.
Ihre Verantwortung
wird schwer wiegen.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland sind von besonderer
Bedeutung.
Unsere Beziehungen sind
komplexer und intensiver Natur, weil
zwischen unseren Ländern ein reger

- 1-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Austausch besteht. Wir arbeiten eng
zusammen für den Fortschritt in einer
Reihe von Bereichen, die uns beide
gleichermaßen angehen - an der Erhaltung und Verbesserung unserer Verteidigung, der Suche nach echter Rüstungskontrolle, an der Stärkung unseres offenen Handelssystems, am Umweltschutz und an der Förderung des
weltweiten Wirtschaftswachstums.
Es
ist dies die reife Partnerschaft, von
der ich so oft gesprochen habe.
Angesichts der in der nächsten
Woche in der Bundesrepublik anstehenden Wahlen werde ich mich wohl besser
wie ein guter Diplomat verhalten und
nicht allzu sehr auf tagespolitische
Fragen eingehen.
Ich möchte diese
Gelegenheit vielmehr dazu benutzen,
einige der langfristigeren Probleme
zu untersuchen, denen sich unsere Gesellschaftssysteme
stellen
müssen,
wenn
sie
die
heute
anstehenden
schwierigen internationalen Probleme
erfolgreich lösen wollen.
Einige von Ihnen haben vielleicht
den Artikel gelesen, den ich kürzlich
für 'Die Zeit' geschrieben habe und
in dem ich die Meinung vertrat, daß
unsere
Gesellschaftssysteme
keineswegs
identisch
sind.
Es bestehen
zwischen uns bedeutende Unterschiede
an historischer Erfahrung, geographischer Lage, im sozialen, wirtschaftlichen und politischen System
und in der Denkweise.
Und trotzdem sehen wir uns, obschon wir keine Zwillinge sind, als
moderne
Demokratien
vielfach
den
gleichen Problemen und Herausforderungen gegenüber.
Heute möchte ich
eher näher auf unsere Gemeinsamkeiten
als auf unsere Unterschiede eingehen.
Ich glaube, daß es im einzelnen drei
grundlegende Herausforderungen sind,
denen sich unsere beiden Länder und
auch andere moderne Gesellschaftssy-

steme stellen müssen, wenn wir die
Probleme von heute und morgen bewältigen wollen.
Die erste Herausforderung liegt
im moralischen und geistigen Relativismus.
Es scheint in unseren Gesellschaftssystemen zunehmend Verwirrung über Grundwerte zu bestehen.
Wir sind
unsicher darüber, welche
Maßstäbe uns bei unseren Versuchen
leiten sollen, Entwicklungen im Inland zu bewältigen, und zu beurteilen, wie unsere Länder am besten zum
internationalen Frieden und zur internationalen
Stabilität
beitragen
können.
Zweitens stellt sich uns die Herausforderung
des
Provinzialismus.
Unsere Generation hat ein internationales System geerbt, in dem die westlichen Länder bereit sind, Probleme
aus einer gemeinsamen globalen Perspektive
zu betrachten.
Aber
ich
fürchte, daß wir zunehmend in unsere
alte Gewohnheit zurückverfallen, jedes Problem aus dem Blickwinkel eines
eng gefassten nationalen Standpunktes
zu betrachten.
Drittens sehen wir uns der Herausforderung einer zunehmenden Verkrustung unserer jeweiligen Gesellschaft
gegenüber.
Flexibität
und
Kreativität, die notwendig sind, um
mit neuen Problemen fertigzuwerden,
werden
allzu
oft
durch
zunehmend
starre Einrichtungen in den Bereichen
Politik, Wirtschaft und im Bildungswesen erstickt.
Es gibt auf die Frage, wie wir
die Denkweise angehen sollen, die
solche Herausforderungen hervorbringt
keine leichten Antworten.
Sie kehrt
in der Geschichte unseres Jahrhunderts immer wieder. zeitweise schien
es, als ob der Schock des Zweiten
Weltkrieges uns im Westen letztlich

2 -

�gelehrt hätte, daß bestimmte Werte
fundamentaler Art sind, daß eine auf
engem nationalen Eigeninteresse aufgebaute Politik sich selbst ausschaltet und daß Gesellschaften nur blühen
können, wenn sie neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind.
Aber mit
der auf den Erfolg folgenden Selbstzufriedenheit
und
dem
Schock
der
jüngsten Vergangenheit haben sich die
alten Ansichten wieder
eingeschlichen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um ihnen entgegenzutreten, Maßnahmen, die sich vor allem auf Offenheit gründen. Heute möchte ich Ihnen
in groben Zügen einige mögliche Maßnahmen vorstellen und dabei auch besonders auf die Medien eingehen, denen bei der Sicherung dieser Offenheit eine besondere Verantwortung zukommt.
Lassen Sie mich dennoch zunächst
auf jede dieser grundsätzlichen Herausforderungen im einzelnen eingehen.

Moralischer Relativismus
Zunächst möchte ich über den moralischen und geistigen Relativismus
sprechen. In einer Welt der Veränderungen bringt jeder Tag neue Ideen,
neue Ideologien und neue Werkzeuge,
mit deren Hilfe wir mit den uralten
Problemen
des menschlichen
Daseins
fertigwerden können. Aber der soziale und technologische Wandel führt
auch zu Störungen und stellt unsere
traditionellen Wertmaßstäbe in Frage.
Der scharfsinnige britische Schriftsteller Paul Johnson hat in seinem
Buch "Modern Times" herausgestellt,
daß Philosophen, Psychologen und Politikwissenschaftler
zu Anfang des
20. Jahrhunderts die Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts hinwegfegten, ohne etwas von vergleichbarem
Wert an ihre Stelle zu setzen.
Es
war das von ihnen geschaffene "mo-

ralische Vakuum", das uns
in die
schrecklichen Zeiten zu Anfang und in
der Mitte des 20. Jahrhunderts geführt hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr
die gesamte westliche Welt eine erneute Bestätigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Aber der
Erfolg der demokratischen Wiedergeburt Europas brachte Gleichgültigkeit
mit sich und letztendlich eine neue
Verwirrung der Werte.
Diese Verwirrung wurde durch den Aufruhr reflektiert und verstärkt, den alle westlichen Gesellschaften in den späten
sechziger und frühen siebziger Jahren
erfuhren.
Der amerikanische Erziehungsminister William J. Bennett sagte, "wir haben es unseren sozialen
und kulturellen Institutionen gestattet, sich von ihrer ursprünglichen
Bestimmung zu entfernen; wir haben es
versäumt, Klarheit über die von uns
vertretenen Normen und die Grundlagen
für unser Urteil zu schaffen, oder
wenn wir uns selbst eine Meinung gebildet hatten, haben wir das Umfeld
öffentlicher Diskussionen den Kräften
des moralischen und geistigen Relativismus überlassen".
Sowohl in Amerika als auch in
Europa hatte der Druck des schnellen
Wandels einen auflösenden Einfluß auf
zwei für die Ausprägung von Werten
und moralischen Grundsätzen wichtige
Institutionen - die Familie und das
Bildungssystem.
Die dritte hierzu
zählende Institution, die Kirche, hat
Anzeichen
von Unsicherheit
gezeigt
und einzelne
religiöse Führer und
Gruppen
sind
zuweilen
relativistischen Trugschlüssen erlegen.
Sowohl in Amerika als auch in Europa ist man zunehmend besorgt über
das, was viele als Zerfall der Familie ansehen. Heute lassen sich weniger als zehn Prozent aller amerikan-

- 3-

�ischen
Haushalte
der
sogenannten
"traditionellen
Familie" mit einem
verdienenden Ehemann, einer Hausfrau
und Mutter und ein oder zwei Kindern
zuordnen.
Teilweise
spiegelt dies
die zunehmende Emanzipation der Frau
wider, nachteilig aber ist, daß eine
von zwei Ehen mit einer Scheidung endet und die Zahl der Familien mit einem
alleinerziehenden
Elternteil
ständig steigt. In Europa haben wir
niedrige Geburtenraten und nehmen die
zunehmende Tendenz der sozialen Einrichtungen wahr, verstärkt Funktionen
der Familie zu übernehmen.
Diese
Veränderungen gefährden die Fähigkeit
der
Gesellschaft, wichtige
soziale
Werte von einer Generation an die
nächste weiterzugeben. Solche Sorgen
bestehen nicht nur im konservativen
Feld der politischen Landschaft. Die
Grünen und die Anhänger ihrer Politik
sprechen ebenfalls von der "Auflösung
der Gesellschaft".
Der
Zerfall der
traditionellen
Familie erlegt unseren formalen Bildungseinrichtungen eine große zusätzliche Verantwortung auf. Leider sind
auch diese ins Wanken geraten.
in
den Vereinigten Staaten gab es bis
vor kurzem einen stetigen Qualitätsrückgang bei der Bildung an Grundschulen und weiterführenden Schulen,
ein Ergebnis von zu vielen fruchtlosen Bildungsexperimenten und zu wenig
Hinwendung
zu
den
Grundlagen.
William Bennett betonte, was Schulen
bieten sollten: "einen systematischer
Zugang zu unserer westlichen Erfahrungswelt mit ihrem klassischen und
christlich-jüdischen Erbe, den Ereignissen der amerikanischen und europäischen Geschichte, der politischen
Struktur
westlicher
Gesellschaften,
den großen Werken westlicher Kunst
und Literatur, den wichtigsten Leistungen der Naturwissenschaften...".
Er glaubt, daß Schulen dies nur allzu
häufig nicht bieten.

Es mag in Europa, wo die Ausbildung der Grund- und der weiterführenden
Schulen
geringeren
Belastungen
ausgesetzt ist als in den Vereinigten
Staaten, weniger Anlaß für eine Bewegung "Zurück zu den Grundlagen" geben.
Aber ich glaube, daß Europa
sehr wohl Probleme mit der Struktar
des weiter führerenden Bildungssystems
hat.
In der Bundesrepublik und anderswo bedeutet der rapide Anstieg
von Studenten an Universitäten einen
Qualitätsverlust.
Viele
Studenten
und ihre Eltern glauben einfach immer
noch, daß eine Universitätsausbilduig
die Mitgliedschaft in einer gesellschaftlichen und wirtchaftlichen Elite garantiert, und diese Einstellung
ermutigt sicher nicht zu harter Arbeit oder wirlichkeitsnaher Auswahl.
Wie wir kürzlich in Frankreich sahen,
haben Regierungen mit schwerwiegenden
Problemen zu kämpfen, wenn sie versuchen, mit den Problemen fertigzjwerden, wenn sie den Zugang zur Universität kontrollieren, von Studenten
verlangen, sich an den Ausbildungskosten zu beteiligen oder strengere
Leistungsmaßstäbe anlegen wollen. In
der
Bundesrepublik
begünstigt
die
akademische Mode, alle sozialen Einrichten "kritisch" zu untersuchen genau das, was eigentlich
vermieden
werden soll - Verwirrung und moralischen
Relativismus.
Dem "kritischen" Wissenschaftler wird so vermittelt das zu betonen, was an unseren Werten und Institutionen falsch
ist und niemals, was richtig ist.
Wie Paul Johnson überzeugend ausführt, war es die Zunahme von moralischem Relativismus, die den Aufstieg des Faschismus und Bolschewismus mit ihren grandiosen Projekten
der sozialen Reorganisation, die Millionen Leid und Tod brachten, erst
ermöglichte.
Diese Erfahrung können
wir
nicht
selbstgefällig
auf
die

�staubigen Seiten unserer Geschichtsschreibung zurückverweisen. Wie auch
immer unser Engagement für Frieden
und Demokratie aussehen mag, der geistige Relativismus macht es manchmal
unmöglich, sich auf vernünftige Urteilskriterien zu einigen, nach denen
wir unsere Politik im In- und Ausland
gestalten können.
Der französische
Schriftsteller
Jean-Francois
Revel
schreibt:
"Einer
Zivilisation, die
sich wegen ihrer Eigenarten und Taten
schuldig fühlt, wird die Energie und
Überzeugung fehlen, sich selbst zu
verteidigen".
Zahlreiche
Europäer
und einige
Amerikaner glauben, daß es die einzig
wichtige Wahrheit über die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sei,
daß beide eine ungeheure und zahlenmäßig etwa gleich große Militärmacht
beherrschen.
Nachdem sie diesen augenfälligen Punkt bemerkt haben, fühlen sich diese Leute geistig dazu berechtigt, die Tatsache außer Acht zu
lassen, daß militärische Macht eine
der wenigen diesen beiden Gesellschaften
gemeinsamen
Eigenschaften
ist.
Manche Europäer ziehen besonders in diesem Land den bequemen,
aber gefährlichen Schluß, die beste
Politik sei eine "Äquidistanz" zwischen diesen beiden gleichermaßen unmoralischen - oder
amoralischen
Ländern.
Solche Ansichten sind ein
besonders zerstörerisches Produkt der
durch moralischen
Relativismus bedingten fehlenden festen Maßstäbe.
Das grundlegende Hindernis
für
den Frieden in Europa besteht heute
meiner Ansicht nach in der Teilung
Europas.
Diese Teilung hat nicht
stattgefunden, weil zwei gleichmaßen
machthungrige Supermächte Europa in
klassische
Einflußgebiete
aufteilten;
vielmehr
bestehen
Spannungen
und Konflikte weiter fort, weil Europa in freie und unfreie Staaten ge-

teilt ist. Wie das jüngste spanische
Referendum über die Mitgliedschaft in
der NATO zeigt, ist die NATO ein Verteidigungsbündnis für freie Nationen,
mit freiwilliger Mitgliedschaft. Wie
die wiederholten Aufstände
in der
DDR, in Ungarn, der Tschechoslowakei
und Polen zeigen, ist der Warschauer
Pakt eine Einrichtung der gewaltsamen
Knechtschaft der Völker Mittel- und
Osteuropas
im Dienste des sowjetischen Imperialismus.
Sicherheitsvereinbarungen und Rüstungskontrollabkommen
sind
sehr
wichtig.
Aber sie werden nicht in
dem Maße zum Frieden beitragen, wie
Maßnahmen, die darauf abzielen, die
Teilung Europas stufenweise zu überwinden, indem sie in östlichen Gesellschaftssystemen Veränderungen im
Hinblick auf größere Offenheit und
eine erhöhte Beachtung der Menschenrechte herbeiführen.
Der moralische
Relativismus kann uns jedoch blind
machen für die Tatsache, daß die Teilung zwischen Ost und West im wesentlichen in unterschiedlichen menschlichen
und politischen Werten besteht, nicht im geopolitischen Wettbewerb.
Es ist noch einfacher - und dabei
genauso gefährlich - im Hinblick auf
die Dritte Welt dem moralischen und
geistigen Relativismus in die Falle
zu gehen. Wir wissen zum Beispiel,
daß Demokratie für uns am besten ist.
Aber wir denken vielleicht, daß Diktatur für andere gut genug sei, weil
wir daran zweifeln, daß sie für die
Demokratie gerüstet sind, oder weil
wir glauben, daß Demokratie nichts
weiter als eine Schöpfung der westlichen Kultur ist. In Wahrheit glauben Millionen von Asiaten, Afrikanern
und Lateinamerikanern
rund um die
Welt, von Indien bis nach Argentinien, von den Philippinen bis nach
Costa Rica, daß sie das gleiche Recht

- 5-

�auf Freiheit und eine pluralistische
Demokratie haben wie wir.
Wenn wir unsere Maßstäbe auf die
Dritte Welt anwenden, tun wir dies
oft auf erstaunlich widersprüchliche
Art und Weise. Ein großer Teil der
westlichen
Intellektuellen
fordert,
daß gegen Südafrika wegen der dort
herrschenden offensichtlichen Verletzungen
der Menschenrechte
härteste
Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Aber in anderen Fällen - Uganda in
den siebziger Jahren unter Amin liefert ein hervorstechendes Beispiel ist es für den Westen leicht, über
Massenmord und eine krasse Verletzung
der Menschenrechte hinwegzusehen.
Diese doppelte Moral, die mangelnde Bereitschaft oder Unfähigkeit,
moralische Unterscheidungen zu treffen, führt zu groben außenpolitischen
Fehlern, die auf Vorurteile und Eigeninteresse zurückzuführen sind. So
weigern sich viele, zu unterscheiden
zwischen den amerikanischen Bemühungen zur Wiederherstellung der Demokratie in Grenada und dem kontinuierlichen Drang der Sowjetunion, den
Wunsch des afghanischen Volkes nach
Unabhängigkeit und nationaler Selbstbestimmung zu unterdrücken. Dieselben Menschen, die die Regierung Chiles verurteilen, gewähren dem gleichermaßen
gewalttätigen
und unterdrückerischen Regime in Nicaragua ihre Unterstützung.
Werte und Normen sind ein unerläßlicher Bestandteil der Außenpolitik.
Wir müssen wissen, wofür wir
stehen, was wir verteidigen und was
unsere Zielsetzungen sind.
Die Erlangung von Frieden und Stabilität in
Europa fordert zunächst einmal die
Beachtung
von
Menschenrechten
und
Werten. Die Förderung der Menschenrechte und des politischen Wandels im
Osten ist für den Helsinki-Prozeß le-

benswichtig.
Wir
dürfen
die
Rüstungskontrolle nicht außer acht lassen, aber es kann keine wirkungsvolle
Rüstungskontrollpolitik
geben,
die
nicht Teil einer weiter gefaßten politische Strategie ist, mit der die
Menschenrechte gefördert werden.

Provinzialismus
Die zweite Herausforderung, der
wir uns gegenübersehen, ist ein wiederauflebender Provinzialismus.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
brach im Westen der pragmatische Internationalismus in großem Stil aus.
Eine begabte Generation von Amerikanern und Europäern erkannte, daß eine
auf bloßem nationalem Eigeninteresse
begründete Politik nicht länger wirkungsvoll war und man sich eine solche nicht leisten könne. Wir hatten
gelernt, daß wir die Interessen aller
westlichen Länder berücksichtigen und
unterstützen mußten - ebenso wie die
der Dritten Welt.
Daher haben wir gemeinsame Sicherheitsvereinbarungen und Bündnisse
entwickelt, um uns alle zu schützen.
Wir
haben die
selbstzerstörerische
protektionistische Handelspolitik der
zwanziger und dreißiger Jahre in neue
Zusammenschlüsse wie GATT und die Europäische
Gemeinschaft
umgewandelt,
mit deren Hilfe ein offenes internationales
Handelssystem
geschaffen
werden soll.
Wir haben vergleichsweise neutrale internationale Hilfsprogramme zum Wiederaufbau und später
zur Wirtschaftshilfe ins Leben gerufen.
Wir haben neue Austauschprogramme entwickelt, um Wissenschaftler, Studenten etc zusammenzuführen,
die das Grundwissen und Verständnis
für eine offenere Welt vermitteln
konnten.
Aber

in den letzten Jahren konn-

�ten wir weniger Bereitschaft zur Zusammenarbeit
an gemeinsamen
Zielen
erkennen.
Dieser neue Provinzialismus ist sowohl auf unsere Erfolge wie
auch auf unsere Niderlagen zurückzuführen. Für Amerikaner und Europäer
waren die
fünfziger
und sechziger
Jahre eine Zeit, in der wir wußten,
daß wir bei der Lösung großer Probleme zusammenarbeiten mußten - aber wir
waren optimistisch, daß wir uns dadurch
grundlegende
Sicherheit
und
dauerhaften Wohlstand sichern konnten.
Wir hatten mehr Erfolg als erwartet. Aber mit zunehmendem Wohlstand
und - wie wir dachten - zunehmender
Sicherheit, mit der heranwachsenden
Generation, die keine persönliche Erinnerung mehr mit den Kriegsjahren
verband, empfanden wir das internationale System zunehmend als selbstverständlich. Wir haben es versäumt,
zu sehen, daß es sich an die neuen
Erfordernisse eines neuen Zeitalters
anpassen mußte.
Dann gab es die
wirtschaftlichen und politischen Erschütterungen der sechziger und siebziger Jahre. Diese ließen unsere alten Ängste und Unsicherheiten wieder
aufleben und haben manchen vom Fehlschlag
der
internationalen
Politik
überzeugt.
Die alte Mentalität des
"jeder für sich" kam wieder auf und
brachte die Gefahr eines neuen Zeitalters des nationalen Egoismus mit
sich.
Unterschiedliche Einstellungen in
Europa und Amerika haben ebenfalls
zum neuen Provinzialismus beigetragen.
Wir haben das 20. Jahrhundert
auf sehr
unterschiedliche Art und
Weise erlebt.
Obwohl Europa heute
freier und wohlhabender ist als jemals
zuvor,
so
haben
doch
die
schrecklichen
Erfahrungen
dieses
Jahrhunderts viele Bürger pessimistisch, mißtrauisch und skeptisch werden lassen, was ihre Fähigkeit zur

Gestaltung der Zukunft betrifft. Europäer tendieren daher zu einer Politik, die europäische Interessen von
den
Auswirkungen
der
Ereignisse
trennt, bei deren Beeinflussung sie
sich machtlos fühlen.
Das 20. Jahrhundert war freundlicher zu den Amerikanern, die teilweise durch ihre geographische Lage
von den über Europa hinwegfegenden
Stürmen geschützt waren.
Für die
Vereinigten Staatn war dies hauptsächlich ein Jahrhundert der Errungenschaften und Siege. Unser manchmal
angeschlagenes
Selbstbewußtsein
ist immer noch stark.
Daher ist es
ein amerikanischer Drang, sich überall auf der Welt aktiv mit internationalen Problemen zu beschäftigen.
Genau diese Verschiedenheit hat
zu der emotional geführten Diskussion
über den Angriff auf Libyen geführt,
um ein Beispiel aus jüngster Zeit zu
verwenden.
Die in Europa vorherrschende Tendenz bestand darin, sich
von libyschem Terrorismus zu isolieren während Amerika die libysche Kampagne des Terrorismus überall auf der
Welt zu verhindern suchte.
In diesem, wie auch in anderen Fällen hat
der europäische Provinzialismus den
amerikanischen
Unilateralismus
geschürt, und umgekehrt.
Der
neue
Provinzialismus
kann
sich immer des geistigen Relativismus
bedienen, um zu "beweisen", daß es
richtig ist, das zu tun, was durch
das
Eigeninteresse
diktiert
wird.
Wir sehen dies besonders deutlich,
wenn wir an die wachsende Neigung zum
wirtschaftlichen Protektionismus denken. Amerikaner, Europäer und Japaner stimmen darin überein, daß der
freie Handel
uns wohlhabender
und
stärker macht.
Wir scheinen jedoch
alle unsere eigenen nationalen Entschuldigungen bei der Hand zu haben,

- 7-

�um Entscheidungen zu treffen, die zusammengenommen
das offene Welthandelssystem untergraben könnten.
Europa
kritisiert
amerikanische
Maßnahmen, die darauf abzielen, unsere Werkzeugmaschinenindustrie zu erhalten,
nennt
sie
"protektionistisch", während es gleichzeitig energisch den europäischen Schutz für die
Montanindustrie, Werften, Stahlwerke,
Rüstungsindustrie,
Fluglinien,
den
Airbus sowie die verwirrenden und
übertriebenen Bestimmungen, die den
freien Handel mit Telekommunikationsausrüstungen unmöglich machen, verteidigt. Die gemeinsame Agrarpolitik
der Europäischen Gemeinschaft ist für
das offene Handelssystem des Westens
sogar noch bedrohlicher. Von den Europäern als notwendig gerechtfertigt,
um die Zerrüttung ihrer Gesellschaften zu verhindern, verzerrt die gemeinsame Agrarpolitik den Weltmarkt
und schädigt insbesondere die amerikanischen Landwirte.
Aus denselben
Gründen
werden
die
amerikanischen
Subventionen für die Landwirtschaft
von den Amerikanern
gerechtfertigt
und von den Europäern verurteilt.
Die Japaner bezeichnen es wiederum als unfair, wenn die Vereinigten
Staaten
die
Automobilimporte
oder
Frankreich die Importe von Videorecordern
beschränken
während
sie
selbst es als ganz richtig empfinden,
die meisten im Ausland hergestellten
industriellen
und
landwirtschaftlichen Produkte durch komplexe und
undurchsichtige
nichttarifäre
Handelsschranken von ihren Märkten auszuschließen,
obwohl Amerikaner berechtigterweise
stolz darauf sind,
daß ihre Wirtschaft Importen gegenüber offener ist als jede andere,
sind sie trotzdem allzu bereit, dem
Sirenengesang des Protektionismus Beachtung zu schenken. In letzter Zeit
ist es Präsident Reagan zum Beispiel

nur unter großen Anstrengungen gelungen, Vorschläge zum Schutz der amerikanischen Schuh- und Textilhersteller
abzuwenden.
Wir sind im Begriff, in einen
Teufelskreis einzutreten, der, wenn
er nicht durchbrochen wird, unsere
Budgets sprengen, die Europäische Gemeinschaft in den Bankrott treiben
und einen neuen Handelskrieg entfachen wird.
Und wir sind in diesem Spiel ja
nicht die einzigen Teilnehmer.
Die
meisten Europäer, vielleicht besonders die Deutschen, stimmen uns zu,
daß Europa und die Vereinigten Stciaten eine moralische Verpflichtung zur
Förderung politischer und wirtschaftlicher Entwicklung unter den ärmeren
Nationen der Dritten Welt haben. Es
ist aber der Handel, viel mehr noch
als Entwicklungshilfe, der der Dritten Welt hilft, und nur zu oft schadet unser Protektionismus am meisten
den Entwicklungsländern.
Den Provinzialismus zu vermeiden,
bedeutet nicht, daß wir die Welt immer aus demselben Blickwinkel betrachten müssen.
wir haben unterschiedliche geschichtliche Traditionen, wir leben in verschiedenen Teilen der Welt. Wir müssen unseren jeweiligen regional bestimmten Anliegen
sensibel gegenüberstehen und den Provinzialismus überwinden, um sie in
Betracht zu ziehen.
Es ist zum Beispiel wichtig J'ür
die Europäer, zu erkennen, daß Entwicklungen in der Karibik und in M:.ttelamerika für die Vereinigten Staaten
von
lebenswichtigem
Interesse
sind - so wie die Amerikaner verstehen müssen, wie wichtig die innerdeutschen Beziehungen für die Deutschen sind. Niemand unter uns sollte
zulassen, daß diese regionalen Anlie-

8-

�gen unsere Aufmerksamkeit so sehr in
Anspruch nehmen, daß darüber Fragen
von größerer Bedeutung ausgeschlossen
oder unsere politischen Haltungen gegenüber der restlichen Welt verzerrt
dargestellt werden. Aber wir benötigen und verdienen unsere gegenseitige
Hilfe bei der Behandlung dieser Fragen.

Gesellschaftliche Verkrustung
Die dritte und besonders komplexe
Herausforderung, die es von uns zu
bewältigen gilt, ist die der gesellschaftlichen
Verkrustungen.
Starre
gesellschaftliche,
politische
und
wirtschaftliche Institutionen können
die Flexibilität und Kreativität lähmen, die zur Bewältigung neuer Probleme notwendig sind.

gend und scheint durch eine Vielzahl
von Beweisen unterstützt zu werden.
Wir können seine Aussagen leicht auf
die
politische
Entscheidungsfindung
bei internationalen Fragen anwenden.
Um auf ein bekanntes Beispiel zurückzukommen:
sowohl
wirtschaftliche
Theorie wie auch praktische Erfahrung
haben immer wieder bewiesen, daß der
freie Handel mehr zu unserem Wohlstand beiträgt als der Protektionismus.
Dies spielt jedoch kaum eine
Rolle, wenn diejenigen, die für die
Handelspolitik
verantwortlich
sind,
zu kämpfen haben mit

Selbst unsere modernen westlichen
Gesellschaften, die so sehr auf Wandel eingestellt sind, verändern sich
nicht so einfach. In seinem wichtigen,
im Jahr
1982 veröffentlichen
Werk "Aufstieg und Niedergang von Nationen" vertritt Mancur Olson die Ansicht, dies beruhe darauf, daß stabile, erfolgreiche Gesellschaftssysteme
ein Netz zunehmend mächtiger Interessengruppen
hervorbringen.
Diese
Gruppen sind darum bemüht, jede Veränderung zu ersticken, die die Position der von ihnen Repräsentierten
bedrohen könnte.
Diese Gruppen, so
behauptet Olson, "verringern die Effizienz und das Gesamteinkommen der
Gesellschaften, in denen sie am Werk
sind....". Sie "verlangsamen die Fähigkeit
einer
Gesellschaft,
neue
Technologien einzuführen als Reaktion
auf sich verändernde Bedingungen Ressourcen neu zu verteilen und verringern so die wirtschaftliche Wachstumsrate".
Olsons

These

ist

intuitiv

zwin-

- 9-

- politisch aktiven Landwirten und
Arbeitnehmern
verfallender
Industriezweige
(zum Beispiel
in
der
Stahl- und
Automobilindustrie), die Schutz vor internationalem
Wettbewerb
verlangen,
der sie aus ihren Arbeitsplätzen,
ihren Wohnungen und ihrem geregelten Lebensablauf zu vertreiben
droht;
- Politikern, Beamten und Militärs,
die den Handel für nicht-wirtschaftliche Ziele benutzen wollen, die ihren eigenen Interessen
dienen, wie etwa dem Gewinn einer
Wahl oder der Erhaltung der nationalen Rüstungsindustrie;
- Managern, die nicht bereit sind,
Kosten und Risiken bei der Einführung
neuer
Technologien
zu
tragen oder neue Methoden auszuprobieren.
Im November hat der
stellvertretende
amerikanische
Finanzminister Richard Darman
kein Gegner des freien Handels klar seine Meinung zum Ausdruck
gebracht, daß die Manager in den
Vereinigten
Staaten einen Teil
der Schuld für den schlechten Exporterfolg unseres Landes tragen.
Er beschuldigte sie, eine "industrielle Bürokratie" geschaffen

�zu haben. Dies, so erklärte er,
ist "die Neigung der amerikanischen Industrie, so zu sein wie
die Regierungsbürokratie, die so
gern
von
Führungskräften
der
Wirtschaft beschimpft wird: aufgebläht, risikofeindlich, ineffizient und einfallslos". Und diese industrielle Bürokratie
ist
kein amerikanisches Monopol.
Mancur
Olson konzentriert sich
auf
wirtschaftliche
Verkrustungen,
aber neben Geld und wirtschaftlicher
Macht gibt es noch andere Dinge, die
Menschen
schützen wollen.
Beamte,
die das Telekommunikationsnetz, die
öffentlichen
Transportmittel
eines
Landes
oder
das
Gesundheitssystem
kontrollieren, werden beispielsweise
nicht gern ihre eigene Macht und ihr
eigenes Prestige schädigen, indem sie
diese Institutionen dezentralisieren
und von einschränkenden Bestimmungen
befreien. Journalisten, die das öffentliche
Rundfunkund
Fernsehwesen
beherrschen, werden versuchen, private
Anbieter
auszuschließen,
deren
Wettbewerb ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung schmälern könnte.
Die Art der menschlichen Natur
wird immer eine Tendenz fördern, daß
sich in unseren Gesellschaften Netze
von Interessengruppen
bilden.
ist
eine zunehmende Verkrustung deshalb
unausweichlich?
olson führt aus, daß
in der Bundesrepublik und Japan unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
ein enormes Maß an Kreativität freigesetzt wurde. Das physische und soziale Gefüge beider Länder war zerschlagen.
Die traditionellen Interessengruppen
waren
zeitweilig
zu
schwach, um das Hervortreten neuer
gesellschaftlicher
und
wirtschaftlicher Kräfte zu verhindern.

be

In geringerem Umfang galt dasselauch für den Westen insgesamt.

All unsere Gesellschaften waren durch
den Krieg zerrüttet.
Deshalb waren
in den Vereinigten Staaten die ersten
beiden
Nachkriegs Jahrzehnte
sicherlich eine Zeit der Kreativität in der
Innen- und Außenpolitik.
Es war :.n
diesem Zeitraum, daß wir die gesetzliche Grundlage der Rassendiskriminierung beseitigten, die Frauen zu
vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft befreiten, Millionen unserer
Mitbürger aus der Armut emporhoben
und eine neue Revolution in Technologie und Informationswesen einleiteten.
Aber müssen wir wirklich erst
Krieg, Revolution und soziales Chaos
durchmachen,
um
gesellschaftliche
Verkrustungen aufzubrechen?
Das ist
die entscheidende Frage.
Und angesichts
unserer
jüngeren Geschichte
ist dies eine Frage, die wir zu allen
drei grundlegenden Herausforderungen
stellen müssen, über die ich heute
gesprochen habe.
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts hat uns der moralische Relötivismus gegenüber den unbegrenzten
Ambitionen des Totalitärismus in geistiger Wehrlosigkeit belassen.
Der
Provinzialismus
hat abwechselnd
in
Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
ungezügeltem
Protektionismus
zweimal das internationale Staatensystem
zerschlagen.
Unfähig
zur
Überwindung
gesellschaftlicher
Verkrustungen erfuhr eine Nation nach
der anderen den politischen, wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen
Zusammenbruch - und erlag dem einfachen Ausweg der Diktatur.
Das Ergebnis zeigte sich in einigen der schlimmsten Ereignisse in der
Geschichte der Menschheit, die im
Zweiten
Weltkrieg
kulminierten.
Aber, wie ich schon sagte, hat der
Schock jenes Krieges dem Westen die

10 -

�Tatsache bewußt gemacht, daß sein
überleben auf dem Spiel stand.
Wir
haben wieder gelernt, daß es Werte
gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen und zu sterben.
Wir haben erkannt, daß wir nur durch gemeinsame,
enge nationale Interessen überwindende Bemühungen hoffen konnten, eine
Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Und unserer Gesellschaften,
ob zerschlagen
oder
lediglich erschüttert, waren genügend aufgelokkert worden, um einen außergewöhnlichen
Kreativitätsschub
zu ermöglichen, eine neue Fähigkeit, politische Grundsätze zu entwickeln, um
sich mit innen- und außenpolitischen
Problemen auseinanderzusetzen.
Aber die Jahre vergingen und wir
nahmen unsere Erfolge zunehmend als
selbstverständlich hin. Für zu viele
Angehörige
der
Nachkriegsgeneration
scheinen die Grundwerte des Westens
heute
wenig
mehr
als
langweilige
Phrasen des Establishments zu sein.
Was als innovative gesellschaftliche,
bildungspolitische
und
wirtschaftliche
Institutionen
seinen
Anfang
nahm ist heute zu neuen Netzen spezieller
Interessengruppen
herangewachsen, die unsere Gesellschaften
immer stärker umklammern.
Egoismus
und Provinzialismus scheinen wieder
legitim geworden zu sein.
Sind wir deshalb dazu verdammt,
die düstere Geschichte der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts zu wiederholen? Nun, wenn dies der Fall ist,
können wir in diesem nuklearen Zeitalter sicherlich nicht erwarten, daß
der Krieg unsere Werte wiederherstellen, unsere Lebensanschauung erweitern oder eine neue Welle der Kreativität freisetzen wird.
Ich kann Ihnen für dieses Dilemma
keine endgültigen Lösungen anbieten.
Es bleibt jedoch noch viel zu tun.

Wir können die Bedeutung von Werten in unseren eigenen Gesellschaften
bekräftigen. Wir können unsere Bildungsinstitutionen
so
umgestalten,
daß sie jungen Menschen eine solide
Grundlage geben, um die den unserer
westlichen Zivilisation zugrundeliegenden traditionellen Werte zu verstehen und sie umfassend mit neuen
Ideen vertraut machen, die sich zur
Bewältigung einer sich verändernden
Welt entwickeln. Wir können bewußte
Anstrengungen unternehmen, um unsere
grundlegenden Werte und Normen konsequent auf die Gestaltung der Innenund
Außenpolitik
anzuwenden.
Wir
können unsere Werte auf internationalem Gebiet in die Tat umsetzen, indem
wir denjenigen Ländern helfen und mit
ihnen zusammenarbeiten, die echte Bemühungen zur Enwicklung freier, demokratischer,
pluralistischer
Gesellschaften zu unternehmen, in denen die
Menschenrechte respektiert werden
selbst wenn sie noch nicht perfekt
sind. Was vielleicht das Wichtigste
ist, wir können und müssen Offenheit
in den
internationalen
Beziehungen
unterstützen, und wir müssen uns Plänen wie etwa der "neuen Weltinformationsordnung" energisch widersetzen,
die die offene Kommunikation zwischen
den Völkern ersticken würden. In einem
freien und offenen Wettbewerb
werden sich unsere westlichen Werte
des Friedens, der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte durchsetzen.
Offenheit
kann uns auch dabei
helfen, die steigende Flut des Provinzialismus zurückzudrängen. Egoismus kann nicht bei Licht gedeihen.
Wenn wir bereit sind, wirtschaftliche
und
politische
Risiken einzugehen,
können
wir
tragfähige
Kompromisse
beim Handel finden, durch die das offene Welthandelssystem
auf solider
Grundlage
wiederhergestellt
wird.
Die kommende GATT-Runde wird uns eine

11 -

�wichtige Möglichkeit geben, dies zu
tun. Wir können in unseren eigenen
Gesellschaften politische Grundsätze
entwickeln, die wirksamere Antworten
für die durch unsere fortschreitende
wissenschaftlich-technische
Revolution geschaffenen sozialen und wirtschaftlichen
Herausforderungen
liefern können als der Protektionismus.
Sowohl die Europäer als auch die Amerikaner können und müssen erkennen,
daß Europa tatsächlich eine der unentbehrlichen Säulen des Weltfriedens
ist, dessen Rolle und Verantwortung
sich weit über die Grenzen Europas
hinaus erstreckt. Die Europäer müssen Amerika in seinen Bemühungen unterstützen, mit seinen drückenden regionalen
Problemen
fertigzuwerden,
und die Amerikaner müssen dasselbe
tun - und mehr, weil die Teilung Europas nicht einfach ein regionales
europäisches
Problem,
sondern
die
grundlegende Quelle der Spannungen in
der Welt von heute darstellt.
Und wir können sicherlich eine
Menge tun, um unsere Gesellschaftlich
flexibel und kreativ zu erhalten, um
ein institutionelles Umfeld zu entwickeln, in dem es für Interessengruppen schwierig ist, Veränderungen
zu verhindern.
In den Vereinigten
Staaten haben wir für diese Bemühungen eine Vielzahl von Instrumenten
geschaffen:
- Abschaffung
einschränkender
Bestimmungen, indem wir die staatlichen Kontrollen in allen Sektoren der Gesellschaft auf ein Minimum beschränken, da solche Kontrollen einen besonders starken
Schutz für Monopole bieten;
- Privatisierung vieler staatlicher
Funktionen,
einschließlich
der
Medien, um die Bereiche möglichst
gering zu halten, in denen die
Einmischung des Staates zu Ver-

krustungen führen kann;
- Maßnahmen, um ein Höchstmaß an
freiem Wettbewerb und die Bereitstellung
von Risikokapital
für
neue experimentelle Projekte :ÜU
ermutigen;
- Schaffung von Strukturen im Bildungswesen, die die besten und
kreativsten
Studenten, Forscher
und Lehrer belohnen und ermutigen;
- Liberalisierung des internationalen
Handels,
da
ausländischer
Wettbewerb eine der mächtigsten
Kräfte des Wandels darstellt.

Die modernen Medien
Als ich darüber gesprochen habe,
was zur Bewältigung der grundlegenden
Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, getan werden kann,
habe ich sehr viel Betonung auf Offenheit gelegt.
In der Tat denke
ich, daß Offenheit wahrscheinlich der
Schlüssel zu all diesen Problemen
ist. Und die Institution, die in wie
auch zwischen unseren Gesellschaften
potentiell den größten Beitrag zur
Offenheit zu leisten vermag, sind die
Medien. Aus diesem Grunde möchte ich
noch einige besondere Bemerkungen ;su
den Medien machen. Die Medien sollten Teil
der
Problemlösung
sein,
nicht Teil des Problems selbst.
Dies gilt besonders für diejenigen unter uns, die sich mit internationalen Fragen befassen. Wie in der
Vergangenheit
verwehren
Entfernung,
unzureichende
Sprachkenntnisse
oder
willkürliche Zensur den meisten Menschen den direkten Zugang zu Informationen darüber, was in anderen Ländern vor
sich
geht.
Der
Durchschnittsbürger
in
den
Vereinigton
Staaten und Europa ist jedoch heute

- 12 -

�bemerkenswert gut informiert, selbst
im Vergleich zu seinen Eltern. Dafür
können wir uns bei den modernen Medien bedanken, die durch die von der
modernen Technik geschaffenen mächtigen neuen Instrumente zur Beschaffung
und
Übermittlung
von
Informationen
revolutioniert wurden.
Paradoxerweise haben die Medien
jedoch nicht nur unseren Informationsstand über internationale Angelegenheiten verbessert, sondern auch
zu
unserer Verwirrung
beigetragen.
Die reine Masse der uns von den Medien gelieferten Informationen, die
Geschwindigkeit, mit der sie diese
übermitteln können und ihr intensiver
Wettbewerb untereinander führen allzuoft zu einer Art von Berichterstattung, die
trivialisiert und oberflächlich wie auch paradoxerweise extrem konformistisch ist.
Insbesondere
das Fernsehen hat
größere Auswirkungen gehabt als wir
normalerweise annehmen.
Die "Fernsehgeneration" hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.
Sie wird meist
durch Berichte von 15 bis 30 Sekunden
Dauer in den Abendnachrichten über
internationale Fragen informiert. Da
die ihnen zur Verfügung stehende Zeit
heutzutage so vielfältig in Anspruch
genommen wird, sind die meisten Menschen
glücklich
darüber, daß
das
Fernsehen die scheinbar wichtigsten
Tatsachen schnell präsentieren kann.
Die gedruckten Medien mögen zur eingehenden
Information
besser ausgerüstet sein, aber auch sie müssen den
Stil des Fernsehens imitieren, um mit
dem Fernsehen um die begrenzte Aufmerksamkeit
der
Öffentlichkeit
zu
konkurrieren.
Meine eigene Erfahrung als Journalist hat mich davon überzeugt, daß
das Fernsehen all die traditionellen
Probleme akzentuiert, unter denen der

Journalismus leidet.
Mehr denn je
müssen
die Journalisten
versuchen,
sich
gegenseitig
auszustechen.
Da
ist keine Zeit für ernsthafte Analysen. Den Reporter einer anderen Station bei der Übermittlung einer Story
zu schlagen, und sei es nur um wenige
Minuten, kann für den ersten bedeuten, daß er in die Nachrichten kommt
und der andere nicht. Der erste erntet die Lorbeeren und dem anderen ergeht es schlecht.
Das Resultat besteht darin, daß der Journalismus als
Beruf nicht diejenigen anzieht, die
sich tiefer mit komplexen Problemen
befassen möchten.
Die Mehrzahl der
Journalisten, die über internationale
Angelegenheiten berichten, sind intelligent und gebildet, lassen aber
oft die Sachkenntnis vermissen, um
über diese Fragen zusammhängend zu
schreiben.
Schlagzeilen Journalismus ist ein
weiteres Problem.
Journalisten versuchen, sich vor gegenseitigem Druck
zu schützen, indem sie sich zusammentun und unter sich tage- und wochenweise abmachen, was als wichtigste
Story gebracht werden soll.
Jeder
beschäftigt sich dann nur noch mit
diesem Thema - bis zur nächsten Woche, wenn sie sich alle auf eine neue
Story stürzen. In Amerika können wir
unter einer Menge von Fernsehkanälen
auswählen, aber nur zu oft wird dieselbe große Story auf jedem Kanal gebracht und sonst kaum etwas. Deshalb
ist ein Problem, das heute noch die
Welt erschüttert, morgen schon vergessen.
Schlagzeilen Journalismus bedeutet, daß die Öffentlichkeit keine
Möglichkeit hat, bedeutende Fragen so
wie sie im Fernsehen präsentiert werden, in eine Perspektive zu stellen wer kann den Zusammenhang zwischen
dem heutigen Aufmacher und irgendeinem
anderen
Ereignis, das
vorige
Woche 30 Sekunden lang über den Bildschirm flimmerte, verstehen?

- 13 -

�Das Fernsehen verstärkt außerdem
die traditionelle Tendenz des Journalismus zur Uberdramatisierung.
Reporter haben immer gewußt, daß Geschichten mit "menschlichem Interesse" benötigt werden, um Zeitungen und
Zeitschriften
zu
verkaufen.
Das
Fernsehen bringt jedoch die Nachrichten mit nie gekannter Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend für Abend leben wir mit den Schrecken von Vietnam, mit der Furcht der TWA-Geiseln,
mit apokalyptischen Visionen darüber,
was mit uns geschehen wird wegen
Tschernobyl; weil Chemikalien in den
Rhein geleitet werden; weil die Amerikaner
einen
Schlag gegen Libyen
durchgeführt haben. Die außergewöhnliche Fähigkeit des Fernsehens, jede
Nachricht
zu dramatisieren, zwingt
uns dazu, zu überdenken, ob es die
Zuschauer informierter macht - oder
lediglich emotionaler, mit oberflächlichem Verständnis komplexer Ereignisse, die oft nur als Aufeinanderprallen von Gut und Böse aufgefaßt
werden und sich vom neuesten Produkt
aus Hollywood nicht unterscheidet.
Offensichtlich sind die Probleme
des Medien in Europa und Amerika
nicht identisch.
Die Oberflächlichkeit ist vielleicht charakteristisch
für Amerika. Aber während unsere Medien vielleicht zu sehr auf Wettbewerb und Dramen ausgerichtet sind,
werden Sie meiner Meinung nach hierzulande zu wenig damit konfrontiert.
Das Ergebnis ist eine Konformität der
Medien - die Öffentlichkeit bekommt
bisweilen nur die eine Seite einer
Geschichte und nur einen Teil der
Tatsachen zu hören, insbesondere im
Fernsehen.
Wir
außenpolitischen
Experten
neigen dazu, die Auswirkungen der Medien auf die Gestaltung der Politik
zu unterschätzen.
Tatsächlich ver-

bringen führende Regierungsvertreter
und
Spitzenkräfte
der
Wirtschaft
enorm viel Zeit damit, sich Sorgen zu
machen, was über sie und die von ihnen getroffenen Entscheidungen in der
Presse berichtet wird.
Wegen des
großen Interesses, das eine Regierung
ihrer Darstellung in der Presse beimißt, haben die Medien großen Einfluß
auf die Entscheidungsfindung innerhalb der Regierung gewonnen.
überdies sind es oft die Medien
selbst, die die außenpolitische Tagesordnung bestimmen, indem sie die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
bestimmte Themen lenken.
Oft legen
die Medien die Parameter von Handlungen zu diesen Fragen fest, indem sie
bestimmte politische Ansätze als gut
und andere als schlecht definieren.
Und sogar wir Experten werden mehr
davon beeinflußt, was wir im Fernsehen sehen und in der populären presse
lesen, als von dem, was wir glauben
möchten.
Ja, wir müssen davon beeinflußt werden - anders als die sowjetischen Politiker arbeiten wir in
Demokratien. Wir müssen der öffentlichen Meinung Beachtung
schenken,
und es sind die Medien, die die öffentliche Meinung bilden oder zumindest in bestimmte Kanäle lenken.
All dies bedeutet, daß außenpolitische Experten aktiv an der Erziehung der Öffentlichkeit zu diesen
komplexen Fragen beteiligt sein müssen. Wir müssen in die öffentliche
Debatte eingreifen, anstatt sie als
trivial abzutun. Wenn man den Einfluß der Medien auf den Entscheidungsfindungsprozeß
berücksichtigt,
dann kann die Trivialisierung von
Nachrichten auch zu einer Trivialisierung bei der Gestaltung staatlicher Politik führen.
Wir müssen verstehen, daß der
Journalismus - wie Diplomatie, Handel

14 -

•

,

�und akademische Forschung - einer der
grundlegenden Berufe der internationalen Angelegenheiten ist, und wir
müssen den Journalisten deshalb als
Kollegen behandeln. Gleichzeitig haben wir aber auch das Recht, von den
Medien bessere Leistungen zu verlangen. Die Medien gehören zu den mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft. Wie jede andere mächtige Institution müssen sie dem Rest der Gesellschaft
gegenüber
rechenschaftspflichtig sein.

Schlußfolgerungen
Sicherlich sind die Medien nur
eine unter vielen Institutionen, die
effektiv funktionieren müssen, wenn
wir den Herausforderungen des moralischen Relativismus, des Provinzialismus und der gesellschaftlichen Verkrustung begegnen sollen. Da es auf
diese grundsätzlichen Herausforderungen keine einfachen Antworten gibt,
müssen wir unsere gesamte Politik und
all unsere Institutionen einer eingehenden Überprüfung öffnen. Wir müssen im positivsten Sinn dieses Wortes
"kritisch" sein - nicht davor Angst
haben, zu ändern, was geändert werden
muß oder zu erhalten und bestätigen,
was erhaltenswert ist.
Wir können
dies am besten in einer offenen Welt
tun, wie ich sie schon oft zu früheren Anlässen beschrieben habe.
Je
mehr wir uns auf eine solche Welt zu
bewegen, desto größer wird unsere
Chance sein, vernünftige und wirksame
Antworten auf die zentralen Probleme
der Handhabung einer modernen Demokratie zu formulieren.

- 15

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

21. Januar 1987

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 12. Januar 1987 den nachfolgend
abgedruckten Bericht veröffentlicht, in dem amerikanische und westliche Initiativen in zehn verschiedenen Bereichen der Rüstungskontrolle beschrieben
werden.

Strategische Offensivwaffen

(START)

Bei
ihren
Zusammenkünften
in
Reykjavik im vergangenen Oktober sind
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow
grundsätzlch
übereingekommen, in den nächsten fünf Jahren
eine 50prozentige Reduzierung strategischer Nuklearwaffen auf 1 600 nukleare Trägersysteme mit 6 000 Gefechtsköpfen auf diesen Trägersystemen herbeizuführen. Beide Seiten haben bei der Aufstellung eines Zählmodus für Bomber wichtige Fortschritte
gemacht und grundsätzlich eine Über-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einkunft über die Notwendigkeit "erheblicher Verringerungen" bei sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBM) erzielt, die zu den Raketen zählen, die die Stabilität am
meisten untergraben.
Unsere Unterhändler in Genf haben
daraufhin sofort einen neuen amerikanischen Vorschlag zu START vorgelegt,
der die in Reykjavik akzeptierten gemeinsamen
Bereiche
berücksichtigt.
Ferner hat die Sowjetunion am 7. November einige weitere Schritte unternommen, indem sie Vorschläge unter-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�breitete, die
teilweise die Fortschritte von Reykjavik widerspiegelten. - Wir hoffen, daß diese Bereiche
der Übereinstimmung als Ausgangspunkt
dienen können, von dem aus amerikanische
und sowjetische Unterhändler
bedeutungsvolle
Verträge
für einen
Rüstungsabbau erarbeiten können.

Kern- und Weltraumwaffen
(NST) wird
es unsere Aufgabe sein, auf den in
Reykjavik erreichten Leistungen und
auf den bei der letzten NST-Runde in
Genf vorgelegten Vorschlägen aufzubauen.

Mittelstreckenwaffen (INF)
Leider koppeln die Sowjets ein
Abkommen zu START an die amerikanische
Zustimmung
zum
sowjetischen
Vorschlag
über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen, der letztendlich SDI
zunichte machen würde. Das ist nicht
akzeptabel und läuft den von Generalsekretär Gorbatschow im November 1985
in Genf eingegangenen Verpflichtungen
zuwider, in den Bereichen, in denen
eine gemeinsame Grundlage vorhanden
ist, voranzugehen, wozu auch das Konzept eines 50prozentigen Abbaus strategischer Offensivwaffen gehört. Die
Sowjets machen ihr Abkommen über einen 50prozentigen Abbau strategischer
Waffen ferner von der grundsätzlichen
amerikanischen Zustimmung zur völligen Abschaffung aller strategischen
Offensivwaffen
bis
1996
abhängig.
Dies ist ebenfalls zur Zeit nicht annehmbar; wenn man die massiven sowjetischen Investitionen bei konventionellen
Streitkräften
betrachtet,
sind Nuklearwaffen
unerläßlich
für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Anfang Dezember haben sich Unterhändler beider Seiten zu Gesprächen
zwischen den Runden in Genf getroffen. Obwohl es bei den unterschiedlichen Standpunkten keine Annäherung
gab, glauben wir doch, daß diese Gespräche zu unseren Vorbereitungen für
die nächste Runde beitragen, weil
durch sie begrenzter, aber nützlicher
Fortschritt bei der Klärung von Punkten der Übereinstimmung und des Gegensatzes erzielt worden ist. In der
nächsten
Runde der Gespräche über

In Reykjavik gäbe es bedeutsame
Fortschritte beim Abbau der Differenzen über Mittelstreckenwaffen.
Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben in Reykjavik grundsätzlich einer weltweiten Begrenzung von
100 Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite
(LRINF) zugestimmt, von denen keine
in Europa stationiert sein sollen.
Die verbleibenden Raketen würden im
asiatischen Teil der Sowjetunion und
auf amerikanischem Territorium stationiert werden.
Die Sowjets haben
ihre hartnäckige Haltung aufgegeben,
daß britische und französische Nuklearwaffen in solch ein Abkommen eingeschlossen werden sollten. Beide Seiten kamen ferner grundsätzlich überein, INF-Systeme kürzerer Reichweite
zu begrenzen und für deren Abbau in
Genf
Folgeverhandlungen
abzuhalten.
Nach dem Treffen in Reykjavik haben
unsere Unterhändler in Genf umgehend
einen neuen amerikanischen Vorschlag
unterbreitet, der die Bereiche, bei
denen im Prinzip Übereinstimmung besteht wie auch andere Elemente, die
notwendig wären, um ein annehmbares
INF-Abkommen
zu
erlangen,
einschließt. Obwohl die Sowjets daraufhin einen neuen, auf ihrer Sichtweise
der Ereignisse in Reykjavik beruhenden Vorschlag auf den Verhandlungstisch legten, sind sie von dem bei
diesem Treffen erzielten Fortschritt
beträchtlich zurückgetreten.
Darüber
hinaus haben sich die Sowjets von ihrer beim Genfer Gipfeltreffen eingegangenen Verpflichtung zurückgezogen,

�ein separates
INF-Abkommen
zu beschließen. Sie versuchen nun, INF an
andere Bereiche der Rüstungskontrolle
zu koppeln und bestehen darauf, daß
ihre
Rüstungskontrollvorschläge
ein
"Paket" seien und nicht getrennt werden können.

Probleme der Verteidigung im Weltraum
In Reykjavik haben die Vereinigten Staaten als Antwort auf den sowjetischen Vorschlag, sie sollten eine zehnjährige Verpflichtung eingehen
und sich nicht aus dem ABM-Vertrag
zurückzuziehen, angeboten, solch eine
Zehnjahresverpflichtung bis 1996 einzugehen.
In diesem Zeitraum würde
die im ABM-Vertrag gestattete Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
weitergeführt. Die Vereinigten Staaten verbinden ihre Zustimmung mit:
- einem
50prozentigen
Abbau
der
strategischen Offensivwaffen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren,
- Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen offensiven ballistischen Raketen in den folgenden fünf Jahren, und
- einem Abkommen, wonach beide Seiten nach
1996 moderne strategische Verteidigungssysteme stationieren könnten, wenn sie nicht
andere Vereinbarungen treffen.
Die Sowjets haben
jedoch versucht, den ABM-Vertrag einzuschränken, indem sie die Erprobung von im
Weltraum befindlichen "Bestandteilen"
eines Raketenabwehrsystems außerhalb
von Labors verbieten.
Damit würde
das amerikanische
SDI-Programm zunichte gemacht - für den Präsidenten

unannehmbar.
Vorher
hatten
die
Vereinigten
Staaten auch eine Initiative der Offenen Labors vorgeschlagen - ein vertrauensbildendes Programm gegenseitiger Informationen
und Besuchen in
Einrichtungen
für die
strategische
Verteidigung.
Im Hinblick auf AntiSatelliten-Systeme
(ASAT) haben die
Vereinigten Staaten noch keine Begrenzungsvorschläge
ausgearbeitet,
die wirklich verifizierbar wären und
im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten lägen. Wir haben angeboten, Vorschläge
für bestimmte Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ASAT in
Betracht zu ziehen, wenn solche Maßnahmen mit der nationalen Sicherheit
der
Vereinigten
Staaten
vereinbar
sind.

Chemische Waffen (CW)
Im April 1984 haben die Vereinigten
Staaten
bei
der
Genfer
Abrüstungskonferenz (CD) mit 40 Teilnehmerstaaten einen umfassenden Vertrag vorgeschlagen, mit dem Entwicklung, Herstellung, Gebrauch, Transfer
und die Lagerung chemischer Waffen
verboten werden. Dies wäre mit Hilfe
verschiedener Maßnahmen zu verifizieren, zu denen in Zweifelsfällen obligatorische
Überprüfungen
vor Ort
kämen. Beim Gipfeltreffen im November 1985 sind Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow übereingekommen, die bilateralen Gespräche
zu allen Aspekten des umfassenden
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren, die auch bei der CD verhandelt werden. Im Jahr 1986 haben wir
vier Runden von Geprächen zu einem
bilateralen
Vertrag
über
chemische
Waffen abgehalten, und für Februar
1987 ist eine fünfte Runde geplant.
Die Gespräche

für einen bilatera-

�len Vertrag haben Differenzen über
eine Abschaffung von Produktionsstätten für chemische Waffen und über von
einem möglichen Vertrag
abgedeckte
chemische
Substanzen
abgebaut.
Trotzdem bestehen darüber und in einer Anzahl anderer wichtiger Bereiche
immer noch Meinungsverschiedenheiten,
besonders in solchen, die sich mit
einer Verifizierung der Vertragseinhaltung beschäftigen. Um die Einhaltung
sicherzustellen,
fordern
die
Vereinigten Staaten systematische Beobachtung vor Ort und obligatorische
"Inspektionen bei Zweifelsfällen", um
mögliche Verletzungen zu untersuchen.
Die Sowjets haben in der Vergangenheit immer wieder darauf bestanden,
daß die Annahme der Inspektionen in
Zweifelsfällen freiwillig sei.
Obwohl sie kürzlich darauf hingewiesen
haben, daß bei bestimmten Zweifelsfällen strengere Verfahrensweisen angewandt werden sollten, so müssen sie
noch im einzelnen erklären, wie diese
genau aussehen sollen.
Darüber hinaus haben wir einen
Dialog mit den Sowjets eröffnet, wie
die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern sei. Wir haben in
diesem Zusammenhang Exportkontrollen
und politische Schritte zur Beschränkung der Ausbreitung chemischer Waffen überarbeitet.

Atomtests
Die
Priorität
der
Vereinigten
Staaten im Bereich der Atomtests besteht in der Verbesserung der Verifizierungsprotokolle
des
bestehenden
Schwellenvertrages
(TTBT)
und
des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken (PNET). Bei den
Treffen in Reykjavik zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow haben wir vorgeschlagen,
daß die Vereinigten Staaten und die

Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen. Das Programm dieser
Verhandlungen würde zunächst in der
Lösung anstehender Fragen zur Verifikation von in TTBT und PNET definierten
Zusammenhängen
bestehen.
Wenn
diese Probleme der Verifizierung aus
der Welt geschafft und die Verträge
ratifiziert sind, würden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sofort Verhandlungen darüber aufnehmen, wie ein schrittweises, paralleles Programm - in Zusammenhang mit
einem Programm
zur Begrenzung und
letztendlich
zur Abschaffung
aller
Kernwaffen
durchgeführt
werden
kann, das Atomtests einschränkt und
schließlich ganz beendet.
Obwohl Anzeichen
bestehen, daß
die Sowjets sich zur Behandlung unserer Anliegen einverstanden erklären
könnten, hat es bis heute noch keine
Übereinkunft
über
die
Prioritäten
dieser Verhandlungen gegeben.
Während der dritten Runde von Experte:igesprächen zur Frage der Atomtests
ist die sowjetische Delegation von
einem ordentlichen schrittweisen Ansatz
für
Verhandlungen
abgerückt.
Wir
haben
die
Fortsetzung
dieser
Treffen im Januar vorgeschlagen.
In
Island
hat
der
Präsident
Gorbatschow gegenüber außerdem angedeutet, daß er nach Zusammentreten
des 100. Kongresses vom Senat Ratschläge und die Zustimmung zur Ratifizierung des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken erbitten werde,
jedoch mit dem angemessenen Vorbehalt, daß diese Verträge nicht vor
einer Regelung der Verifikationsfrage
in Kraft treten würden. Wie versprochen, hat der Präsident dieses Ersuchen am 13. Januar 1987 dem Kongreß
zugeleitet.

�Konferenz über Vertrauensbildung
Abrüstung in Europa (KVAE)

und

Die aus 35 Teilnehmerstaaten bestehende
Stockholmer
KVAE-Konferenz
wurde am 22. September mit Annahme
einer Reihe konkreter Maßnahmen vertagt, die dazu bestimmt sind, die Offenheit und Berechenbarkeit von militärischen Aktivitäten in Europa zu
stärken.
Diese Maßnahmen, die die
Vorschläge der NATO-Staaten einbeziehen, sehen die frühzeitige Notifizierung aller militärischen Aktivitäten
oberhalb einer Schwelle von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, die
Beobachtung von militärischen Aktivitäten oberhalb einer Schwelle von
17 000 Mann sowie jährliche Vorschauen auf geplante militärische Aktivitäten.
Die Übereinkunft enthält außerdem Vereinbarungen über Inspektionen vor Ort aus der Luft und zu Land
zur Verifizierung. Obwohl bescheiden
im Ausmaß, hat die Sowjetunion mit
diesen Bestimmungen zum ersten Mal
Inspektionen auf ihrem eigenen Territorium zur Verifizierung einer internationalen
sicherheitsvereinbarung
zugestimmt.

Bilaterale vertrauensbildende Maßnahmen
Der
Vorschlag
der
Vereinigten
Staaten zur Verbesserung der Kommunikation über den heißen Draht wurde
von der Sowjetunion angenommen und
wird gegenwärtig durchgeführt.
Der
amerikanische Vorschlag für Zentren
zur Verminderung des atomaren Risikos
wird gegenwärtig von der Sowjetunion
geprüft.
Vertrauensbildungsinitiativen über einen Informationsaustausch
zwischen den Militärs und zur Notifizierung bei Abschüssen von ballistischen Raketen sowie über strategische Manöver wurden ebenfalls von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagen.

Gegenseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(MBFR)
Am 5. Dezember 1985 hat die NATO
eine neue Initiative mit dem Ziel der
Berücksichtigung
östlicher
Anliegen
vorgeschlagen. Der Vorschlag hat die
westliche Forderung über eine vorherige Einigung bei der Datenfrage in
bezug auf die Truppen des Ostens fallengelassen.
Die Sowjets hatten behauptet, diese westliche Forderung
stelle das primäre Hindernis auf dem
Weg zu einer Einigung dar. Der Vorschlag forderte außerdem eine zeitlich befristete erste Phase für den
Rückzug von 5 000 amerikanischen und
11 500 sowjetischen Soldaten, die von
einer dreijährigen Verpflichtung zur
NichtVerstärkung der Truppen gefolgt
sein würde, die von allen Parteien
mit Streitkräften in dieser Zone mit
dem Ziel eingegangen werden sollte,
die Stärke der verbleibenden Streitkräfte zu verifizieren. Die verbleibenden
Truppenstärken
würden
durch
nationale technische Mittel, vereinbarte Ein- und Ausreisepunkte sowie
30 jährliche Inspektionen vor Ort verifiziert werden.
Bis heute haben
die Sowjets der westlichen Initiative
noch keine konstruktive Antwort erteilt.

Die hochrangige Arbeitsgruppe der
NATO zur Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
Die Arbeitsgruppe hat dem Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986 ihren
Bericht über die zukünftige Richtung
der NATO-Rüstungskontrollpolitik vorgelegt. Bei diesem Treffen gaben die
NATO-Minister ihre Annahme der "Brüsseler Erklärung" bekannt, in der die
Bereitschaft der NATO erklärt wird,

�neue Verhandlungen mit dem Warschauer
Pakt aufzunehmen mit dem Ziel, ein
"verifizierbares,
umfassendes
und
stabiles Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem
Niveau" in ganz Europa vom Atlantik
bis zum Ural zu schaffen. Die NATO
hofft, Anfang des Jahres 1987 mit Gesprächen beginnen zu können, um ein
Mandat für neue Verhandlungen zu entwickeln.
Die
Brüsseler
Erklärung
fordert außerdem getrennte Verhandlungen, um die Ergebnisse der KVAE
auszubauen und zu erweitern.

Der vertrag
Kernwaffen

zur Nichtverbreitung

folgende Chronologie amerikanisch-sowjetischer
Rüstungskontrollverhandlungen im Jahr 1986 veröffentlicht:

von

Vom 15.-18. Dezember 1986 hielten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
in Washington die achte
Runde einer andauernden Serie von
Konsultationen
zur
Nichtverbreitung
von Kernwaffen ab, die im Dezember
1982 begonnen hatte. Diese Konsultationen erstreckten sich auf ein breites Spektrum von Fragen, einschließlich der Aussichten für eine Stärkung
der
internationalen
Regelungen zur
Nichtverbreitung,
der
Unterstützung
des Vertrages
zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen und des gegenseitigen
Wunsches der Vereinigten Staaten und
der UdSSR, die Internationale Atomenergieorganisation
(IAEO) zu stärken. Diese Konsultationen sind keine
Verhandlungen sondern eher Gespräche
zur Überprüfung verschiedener Fragen
beiderseitigen Interesses.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
haben beide ein starkes Interesse,
die gefährliche Ausbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich
darauf verständigt, diese Konsultationen als ein Forum der Diskussion
und des Meinungsaustauschs zu benutzen.
Das Weiße

Haus

hat außerdem

die
- 6 -

�Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen 1986
Nuklear- und Weltraumgespräche
Runde IV - 16. Januar - 4. März
Runde V - 8. Mai - 26. Juni
Runde VI - 18. September - 13. November
Konferenz
Runde
Runde
Runde
Runde

über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (multilateral)
IX - 28. Januar - 15. März
X - 15. April - 23. Mai
XI - 10. Juni - 18. Juli
XII - 19. August - 19. September

Konferenz über Abrüstung (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen - 13.-31. Januar
Frühlingssitzung - 4. Februar - 25. April
Sommersitzung - 10. Juni - 29. August
Konsultationen des Vorsitzenden des Ausschusses für chemische Waffen
- 24. November - 17. Dezember
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(multilateral)
Runde 38 - 30. Januar - 20. März
Runde 39 - 15. Mai - 3. Juli
Runde 40 - 25. September - 4. Dezember
Amerikanisch-sowjetische Expertengespräche über Rüstungskontrolle
Nuklear- und Weltraumgespräche (NST)
- 11.-12. August in Moskau
- 5.-6. September in Washington
- 2.-5. Dezember in Genf auf Verhandlungsführerebene
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR)
- 6.-7. August in Moskau
- 10.-11. September in Moskau
Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (KVAE)
- 14.-15. August in Stockholm
Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen
- 28. Januar - 3. Februar in Genf
- 15.-25. April in Genf
- 1.-18. Juli in Genf
- 28. Oktober - 18. November in New York
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
- 5.-6. März in Bern
- 4.-5. September in Bern

- 7-

�Atomtests
- 25. Juli - 1. August in Genf
- 4.-18. September in Genf
- 13.-25. November in Genf
Zentren zur Verringerung des atomaren Risikos
- 5.-6. Mai in Genf
- 25. August in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT]
- 15.-18. Dezember in Washington

* * * * * *

- 8~

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

21. Januar 1987

ANALYSE DES "STOFFWECHSELS" IN DER STRATOSPHÄRE
Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -

WASHINGTON - (AD) - Ein nach Art
und Umfang bisher einzigartiges Forschungsprojekt, organisiert von mehr
als 50 Wissenschaftlern der NASA (USBehörde für Luft- und Raumfahrt) und
NOAA (US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) , begann am 15.
Januar
1987 auf der Südhalbkugel,
über der Nordregion Australiens werden von Bord des amerikanischen Spezialflugzeuges ER-2
(ER steht für
"Earth Resources") in 18 000 m Höhe
und mehr, jedenfalls über den mächtigen Gewitterwolken, Luftproben genommen und im Flugzeug automatisch er-

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faßt, zum Teil auch bereits analysiert.
Zur gleichen Zeit sondieren
niedriger
fliegende
Flugzeuge
die
tieferen Schichten der amboßförmigen
Gewitterwolken.
Ziel der Experimente
ist es, nicht nur die Mengen von Wasserdampf sowie Art und Konzentrationen der Schwebstoffe in der Luft zu
bestimmen, sondern auch den Weg von
Luft, Gasen und Aerosolen aus niedrigen in höhere atmosphärische Schichten sowie chemische Umsetzungen bei
diesen Vorgängen
aufzudecken.
Man
hofft, dadurch Prozesse besser als
bisher erfassen zu können, die die

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�Ozonschicht zerstören.
Die wissenschaftliche Nutzlast im
ER-2-Flugzeug, 16 speziell für dieses
Projekt entwickelte und vollautomatisch
arbeitende Instrumente, mißt
auch den Ozongehalt der durchflogenen
unteren Stratosphäre.
ER-2 ist der
einzige Flugzeugtyp, mit dem bei Unterschallgeschwindigkeit in so großen
Höhen geflogen werden kann.
Fünf
Jahre Vorbereitung hat das jetzt in
Angriff genommene Projekt gekostet.
Die Instrumente sind so ausgelegt,
daß der Pilot nur einen Schalter zu
bedienen braucht, um sie zu aktivieren.
Alles übrige - Kalibrieren,
Überprüfen, Erfassen und Aufzeichnen
von Daten - geschieht vollautomatisch
und wartungsfrei.
Diese erste Meßperiode soll ca.
einen Monat dauern.
Später ist geplant, mit einem ähnlichen Projekt
das berüchtigte "Ozonloch" über der
Antarktis näher zu untersuchen. Dabei handelt es sich um einen Bereich
in der Stratosphäre von der Ausdehnung Nordamerikas, in dem in den Monaten September und Oktober der Ozongehalt bis um 40 Prozent absinkt.
Das bedeutet eine erhebliche Störung
des natürlichen Gleichgewichts
für
den Auf- und Abbau der Ozonschicht,
die wegen ihrer Filterfunktion gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlung
von der Sonne wichtig für das Gedeihen, ja die Erhaltung allen Lebens
auf der Erde ist. In Hunderten von
Millionen Jahren hat sich eine bestimmte Konzentration an Ozonmolekülen (dreiatomiger Sauerstoff) in der
Stratosphäre eingependelt. Schon eine Verdünnung um ein Prozent könnte,
wie Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA schätzen, unter anderem die Zahl der Erkrankungen an Hautkrebs um jährlich
20 000
allein
in
den
Vereinigten
Staaten erhöhen.

Eine Anreicherung von Ozon in bodennahen Luftschichten, unterhalb der
Stratosphäre, der dort durch photochemische Reaktionen bestimmter Luftschadstoffe entsteht, stört ebenfalls
das ökologische Gleichgewicht.
Die
Untersuchung der Auswirkungen dieses
"Tiefen''-Ozons steht noch ziemlich am
Anfang.
Jedenfalls erweist er sich
als Umweltgift, vor allem für Pflanzen.
Eine genaue Kenntnis von Transport- und Umsetzungsvorgängen für Gase und Aerosole in den Luftschichten
bis etwa 2 0 oder 25 km Höhe könnte
helfen, Antworten auf die Frage zu
finden, wie denn bestimmte Stoffe und
Verbindungen
in
die
oberen
Luftschichten gelangen - Stoffe, zu denen
zum Beispiel auch die an der Ozonschicht nagenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe
gehören.
Einer
ziemlich
verbreiteten Theorie zufolge werden
Luftmassen, Wasserdampf und chemische
Stoffe durch die Wolken in den Tropen
in die Atmosphäre getragen: Die oberen Wolkenschichten kühlen vom Weltraum her ab, während die unteren
Schichten von der Erde her erwärmt
werden.
Das
erzeugt
aufsteigende
Konvektionsströmungen.
Ob oder inwieweit solche Vorgänge mit Veränderungen der Ozonschicht in Zusammenhang gebracht werden können, ist noch
unklar.
Die amerikanische Forschergruppe, die im Herbst 1986 in der
Antarktis eine Studie speziell zur
Aufklärung der Ursachen für das seit
1979 regelmäßig beobachtete "Ozonloch" durchführte, vermochte
keine
definitive Antwort zu geben.
Aber
sie ist überzeugt, triftige Gegenbeweise gegen Theorien zu haben, denenzufolge Aufwinde oder starke Sonnenaktivität den Abbau der Ozonschicht
bewirkten. Sie vermute vielmehr, daß
in erster Linie ein chemischer Prozeß
dafür verantwortlich sei.

�Dem steht die Hypothese einer anderen
NASA-Gruppe
entgegen.
Sie
glaubt auf Grund von Satellitenbeobachtungen
herausgefunden
zu haben,
daß die Sonne, nicht Chemikalien,
Ozonabbau bewirke.
Durch ungewöhnlich starke Sonnenaktivität, die Ende
1979 ihren Höhepunkt hatte, seien die
Konzentrationen
an
Stickstoffdioxyd
in der Stratosphäre zwischen 1979 und
198 4 um 75 Prozent gestiegen.
Das
habe zu einem weltweiten Rückgang der
atmosphärischen
Ozonkonzentrationen
und einem deutlichen Abbau über der
Antarktis geführt, heißt es in ihrer
Studie. Eine weitere Hypothese hatten einige Wissenschaftler der Universität Colorado auf einer Tagung
der Amerikanischen Geophysikalischen
Gesellschaft im Dezember 1986 in San
Francisco parat:
Sie vermuten, daß
durch Aschewolken von Vulkanausbrüchen in den Jahren 1978 bis 1982 Meßdaten, die Forschungssatelliten zur
Erde
schickten, verfälscht wurden,
weil die Instrumente an Bord der Satelliten
für solche Phänomene gar
nicht eingerichtet waren und sie deshalb nicht "verarbeiten" konnten. So
könnte zum Beispiel eine durch Sulfate vulkanischen Ursprungs verursachte
Streuung
elektromagnetischer
Strahlung bei Beobachtungen aus dem Weltraum fälschlicherweise als Anzeichen
für eine Ausdünnung der Ozonschicht
interpretiert werden.

* * * * * *
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland: Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

2 8 . J a n u a r 1987

I N HA LT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation
- 27. Januar 1987 -

Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung
des Terrorismus unternehmen
- Ansprache von Justizminister Meese -

Anhaltender Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus
- NorIdnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug ohne Risiko gibt es nicht
- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Fluren
im Jahr 1988 -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ZUR LAGE DER NATION
- 27. Januar 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Januar 1987 vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgesehene Botschaft zur Lage der Nation - "State of the Union Address" - verlesen.
Präsident Reagan erklärte, die Erde sei jetzt aufgrund der Bemühungen seiner Administration um die Wiederherstellung der Stärke Amerikas, ein sicherer
Ort, aber "obwohl die Welt sicherer ist, so ist sie doch nicht sicher".
Reagan drückte sein "Bedauern über eine Sache aus. Ich bin bei unserer Aktion
im Iran ein Risiko eingegangen. Es hat nicht geklappt, und ich übernehme dafür die volle Verantwortung".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihnen allen, den Mitgliedern
dieses
historischen
100.
Kongresses
der Vereinigten
Staaten
von Amerika, gratulieren.
In diesem
200. Jahr unserer Verfassung werden
Sie und ich von starken Säulen getragen - von den Menschen, deren Worte
und Taten Wind in die Segel der Freiheit geblasen haben.
Wir müssen dennoch immer daran
denken, daß unsere Verfassung nicht
gefeiert werden sollte, weil sie so
alt, sondern weil sie so modern ist modern wegen derselben Energie, des-

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selben Geistes und der Versprechen,
die jeden ereignisreichen Tag im Parlamentsgebäude von Philadelphia erfüllten. Wir werden uns heute abend
von ihren Taten leiten lassen, aber
ihre Worte werden uns immer lenken.
Bitte sehen Sie es mir nach, wenn
ich Ihnen eine Geschichte aus jenen
Tagen erzählen möchte.
Philadelphia
war im Frühjahr 1787 vom Stolz aller
Bürger erfüllt und die Zeitungen begannen, anläßlich der Ankunft der Delegierten der Versammlung deren Namen
mit Titeln auszuschmücken.

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�Die
Gouverneure
der
einzelnen
Staaten wurden "Exzellenz" genannt.
Richtern und Kanzlern war die Bezeichnung "Honorable" mit groGem "H"
vorbehalten, Kongreßabgeordneten dagegen waren "honorable" mit kleinem
"h". Alle anderen Mitglieder wurden
"die folgenden ehrwürdigen Herrschaften" genannt.
Bei diesem 100. Kongreß berufe
ich mich auf meine besonderen Befugnisse als Präsident und erkläre, daß
jedem von Ihnen kein geringerer Titel
als "Honorable" mit großem "H" zusteht.
Wir sehen heute abend an diesem
ehrwürdigen Ort ein neues Gesicht.
Bitte gratulieren Sie mit mir zusammen dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Jim Wright. Mr. Speaker, sie
werden sich an eine ähnliche Situation bei ihrer ersten Sitzung im
Kongreß vor 32 Jahren erinnern. Dort
war wie heute der Platz des Sprechers
neu vergeben worden und ein anderer
bedeutender
Sohn
von
Texas,
Sam
Rayburn, - "Mr. Sam" - saß auf Ihrem
Platz.
ich könnte
keine besseren
Worte finden, als die, die Präsident
Eisenhower an jenem Abend benutzte:
"Wir werden zusammen noch viel zu tun
haben; ich bin sicher, daß wir es
schaffen werden - und daß wir es in
Eintracht und mit Wohlwollen angehen
werden".
Heute abend möchte
ich diesen
Wunsch wiederholen, und Ihnen, Mr.
Speaker wie auch dem Mehrheitsführer
des Senats, Bob Byrd, der 34 Jahre
hervorragenden
Dienstes
in
den
Kongreß einbringt, sagen: obwohl es
Veränderungen in diesem Kongreß gibt,
bleiben
Amerikas
Interessen
doch
gleich.
Ich bin zuversichtlich, daß
dieser Kongreß zusammen mit den Führern der Republikaner, Bob Michel und

Bob Dole, in die Geschichte
wird.

eingehen

Vor sechs Jahren habe ich an dieser Stelle den Kongreß gebeten, gemeinsam mit mir in Amerika einen neuen Anfang zu machen.
Auf das Ergebnis können wir stolz
sein.
Unsere
Inflationsrate
ist
jetzt die niedrigste seit einem Vierteljahrhundert. Der Leitzins ist von
21,5 Prozent vor unserem Amtsantritt
auf heute 7,5 Prozent gefallen, und
diese Zahlen haben den größten Zuwachs an Hausneubauten der letzten
acht Jahre hervorgerufen.
Die - immer noch zu hohe - Arbeitslosenquote
ist die niedrigste
seit nahezu sieben Jahren, und es
sind etwa 13 Millionen neuer Stellen
geschaffen worden. Mehr als 61 Prozent aller Personen über 16 Jahre,
Männer wie Frauen, sind berufstätig der höchste jemals verzeichnete Prozentsatz .
Lassen sie uns die Ärmel hochkrempeln, an die Arbeit gehen und
Amerikas wirtschaftlichem Motor wieder Vollgas geben.
Auch unsere in der ganzen Welt
erzielten
Fortschritte
sollten
uns
Mut
machen.
Das Wichtigste
ist:
Amerika lebt in Frieden und die Freiheit ist auf dem Vormarsch. Wir haben in den vergangenen Jahren viel
getan, um unsere Verteidigung, unsere
Bündnisse und unsere Führungsrolle in
der Welt wiederherzustellen.
Unsere
Söhne und Töchter in den Streitkräften tragen wieder mit Stolz ihre Uniformen .
Aber
obwohl
wir
soviel
Fortschritt erzielt haben, so möchte ich
doch zu einer Sache mein Bedauern
ausdrücken. Ich bin bei unserer Ak-

- 2 -

�tion im Iran ein Risiko eingegangen.
Es hat nicht geklappt und ich übernehme dafür die volle Verantwortung.
Die Ziele waren ehrenwert.
Ich
glaube nicht, daß es falsch war, zu
versuchen, Kontakte zu einem Land von
strategischer Bedeutung herzustellen
oder zu versuchen, Leben zu retten.
Und ganz sicher war es nicht falsch,
zu versuchen, Freiheit für unsere in
barbarischer Gefangenschaft gehaltenen Mitbürger zu erlangen. Aber wir
haben nicht das erreicht, was wir
wollten, und bei dem Versuch selbst
wurden
ernstliche
Fehler
begangen.
Aber wir werden der Sache auf den
Grund gehen, und ich werde alle hierzu notwendigen Aktionen unternehmen.
Aber wenn wir über die Vergangenheit sprechen, dürfen wir nicht die
Erfolge der Zukunft außer acht lassen. Es darf nie von dieser Generation von Amerikanern gesagt werden,
sie sei so sehr von ihrem Versagen
besessen gewesen, daß wir uns geweigert hätten, Risiken einzugehen, die
die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt hätten vorantreiben
könnten.
Es steht
eine Menge
auf dem
Spiel, und unser Land und die ganze
Welt blicken auf uns - um zu sehen,
ob wir weiterhin gemeinsam im nationalen Interessen vorangehen oder uns
durch Parteilichkeit schwächen lassen.
Und damit über die amerikanische
Politik keine Mißverständnisse aufkommen: Wir werden weder untätig zusehen, wenn unsere Interessen oder
unsere Freunde im Mittleren Osten bedroht werden, noch werden wir terroristischer Erpressung nachgeben.
Also, meine Damen und Herren des
Kongresses, lassen Sie uns an die Arbeit gehen.

Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß unsere Bemühungen zur Wiedererrichtung der stärke Amerikas dazu geführt haben, daß die Welt ein
sichererer Ort ist. Anfang des Monats habe ich einen Haushalt vorgelegt, mit dem Amerika verteidigt und
unsere Schwungkraft aufrechterhalten
wird, um die Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnt wettzumachen.
Ich
bitte Sie, für eine Verteidigung und
für ein Budget der Außenpolitik abzustimen, das "Ja" sagt zum Schutz unseres Landes.
Obwohl die Welt sicherer
ist sie doch nicht sicher.

ist, so

Seit 1970 haben die Sowjets 500
Milliarden
Dollar
mehr
in
ihre
Streitkräfte investiert als wir. Sogar heutzutage, wo eine von drei sowjetischen Familien immer noch kein
fließend warmes Wasser hat und die
Durchschnittsfamilie
zwei
Stunden
täglich damit beschäftigt ist, für
ihre
Grundbedürfnisse
einzukaufen,
stellte die Regierung die Mittel bereit, um in den vergangenen fünf Jahren Waffen im Wert von 75 Milliarden
Dollar an ihre Satellitenstaaten zu
liefern - an solche Länder wie Syrien, Vietnam, Kuba, Libyen, Angola,
Äthiopien, Afghanistan und Nicaragua.
Wie könnte jemand angesichts der
120 000 Mann an Kampftruppen und Militärpersonal und 15 000 Militärberater in Asien, Afrika und Lateinamerika noch an der einseitigen sowjetischen Entschlossenheit zweifeln, ihren Machtbereich auszuweiten?
Trotzdem hat der Kongreß meine Forderung
nach
der
wichtigen
amerikanischen
Hilfe für die Sicherheit freier Länder dieses Jahr um 21 Prozent gekürzt, und die von mir in den vergangenen drei Jahren beantragten Mittel
für die Verteidigung wurden ebenfalls

- 3 -

�um 85 Milliarden Dollar beschnitten.
Diese Hilfsprogramme dienen unserem nationalen Interesse genauso wie
unseren gegenseitigen Interessen, und
wenn die Programme vernichtet werden,
wird dadurch amerikanischen Interessen Schaden zugefügt. Meine Freunde,
es ist meine Pflicht als Präsident,
Ihnen heute abend nochmals zu sagen,
daß es keinen sichereren Weg gibt,
die Freiheit zu verlieren als unsere
Entschlossenheit aufzugeben.
Heute zeigen die tapferen Menschen in Afghanistan genau diese Entschlossenheit.
Die Sowjetunion will
angeblich eine friedliche Einigung in
Afghanistan, setzt aber dennoch ihren
brutalen Krieg fort und unterstützt
ein Regime, dessen Tage ganz eindeutig gezählt sind.
Wir sind bereit,
eine politische Lösung zu unterstützen, die den schnellen Rückzug aller
sowjetischen Truppen und die wahre
Selbstbestimmung
des
afghanischen
Volkes herbeiführt.
In Mittelamerika
befindet sich
die Sache der Freiheit ebenfalls auf
dem Prüfstand. Und unsere Entschlossenheit wird auch dort auf die Probe
gestellt. Ganz besonders hier schaut
die Welt zu, wie diese Nation reagiert.
Heute leben über 90 Prozent
der Völker Lateinamerikas in Demokratien.
Die Demokratie befindet sich
in Mittel- wie auch in Südamerika auf
dem Vormarsch.
Das
kommunistische
Nicaragua fällt hier aus dem Rahmen es unterdrückt die Kirche, die Presse
wie auch die Befürworter der Demokratie und leistet der Subversion in
dieser Region Vorschub.
Wir unterstützen
diplomatische
Bemühungen,
aber diese Anstrengungen können niemals erfolgreich sein, wenn die Sandinisten ihren Krieg gegen das nicaraguanische Volk gewinnen.

Unser Engagement für eine westliche Welt, die vor Agression sicher
ist, ist nicht spontan bei unserem
Amtsantritt entstanden.
Es geht auf
die Monroe-Doktrin von 1823 zurück
und lebt in unserer historisch gewachsenen,
überparteilichen
amerikanischen
Politik
fort.
Franklin
Roosevelt erklärte, wir "sind entschlossen, alles zu tun, um den Frieden in dieser Hemisphäre zu erhalten". Präsident Truman sagte es noch
deutlicher:
"internationaler Terrorismus... versucht, in allen Teilen
Amerikas
die
Unabhängigkeit...
zu
zertreten, zu unterminieren und zu
zerstören. Wir dürfen das hier nicht
zulassen".
Und John
F. Kennedy erklärte,
"...über eine Vorherrschaft des Kommunismus in dieser Hemisphäre kann
niemals verhandelt werden".
Vielleicht werden einige von Ihnen von diesem historischen Engagement abrücken, aber ich werde dies
nicht tun .
In diesem Jahr feiern wir das
zweite Jahrhundert unserer Verfassung. Die Sandinisten haben ihre vor
erst zwei Wochen unterzeichnet - und
sie
dann
ausgesetzt.
Wir
wissen
nicht, wie dort über meine Worte von
heute abend berichtet werden wird,
und das aus einem einfachen Grund:
Es gibt keine Pressefreiheit in Nicaragua .
Die
nicaraguanischen
Freiheitskämpfer haben uns niemals gebeten,
für sie zu kämpfen, aber ich werde
mit allen Mitteln dagegen kämpfen,
daß ihnen das Blut entzogen wird und
werde sie nicht dem Tod, der Niederlage oder einem Leben ohne Freiheit
überlassen.
Es darf keinen sowjetischen Brückenkopf in Mittelamerika
geben.

�Wir Amerikaner haben den Dialog
immer der Auseinandersetzung vorgezogen, und wir bleiben immer offen für
konstruktivere
Beziehungen
zur Sowjetunion.
Aber ein verantwortungsvolleres verhalten der Sowjets auf
der ganzen Welt bildet einen wesentlichen Bestandteil im amerikanischsowjetischen
Verhandlungsprogramm.
Auch bei den anderen Verhandlungspunkten sind Fortschritte notwendig wie
die vollständige
Respektierung
der Menschenrechte und offenere Kontakte zwischen unseren Gesellschaften
und natürlich Abrüstung.
Im vergangenen Oktober bot sich
in Island eine kurze Gelegenheit, die
die Sowjets zunichte machten, weil
sie
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI) lähmen wollten.
Das habe ich ihnen damals nicht gestattet.
Und das werde ich auch
jetzt und in Zukunft nicht zulassen.
Es bildet unser positivstes und vielversprechenstes
Verteidigungsprogramm.
Es ist - für beide Seiten der Weg zu einer sichereren Zukunft,
hin
zu
einer
Struktur,
die
das
menschliche Leben verteidigt anstatt
es zu bedrohen.
SDI wird weiter
fortgesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten haben der
Sowjetunion ernsthafte, gerechte und
weitreichende Vorschläge unterbreite,
und dies ist ein Augenblick der seltenen Gelegenheit für die Abrüstung.
Aber ich und auch die amerikanischen
Unterhändler in Genf werden die Unterstützung des Kongresses benötigen.
Die
Einarbeitung
der
sowjetischen
Verhandlungsposition
in das amerikanische Gesetz wäre nicht die richtige Methode zur Erzielung einer guten
Übereinkunft.
Ich
muß
den
Kongreß darauf hinweisen, daß ich gegen jede Bemühung zur Beschneidung
unserer nationalen Sicherheit und un-

serer Verhandlungsposition
einlegen werde.

mein

Veto

Heute spielen wir auch eine Rolle
bei der Ausweitung des friedlichen
Handels in der ganzen Welt. Wir werden daran arbeiten, um unsere Möglichkeiten auf internationalen Märkten bei der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen zu erweitern und um
ein Handelsabkommen zwischen den beiden größten Handelspartnern der Welt,
den Vereinigten Staaten und Kanada,
abzuschließen, das in die Geschichte
eingehen wird.
Unsere grundlegende Handelspolitik bleibt bestehen: Wir sind nach
wie vor gegen Protektionismus, weil
Amerikas Wachstum und seine Zukunft
vom Handel abhängen. Aber wir werden
auf gerechtem und freien Handel bestehen. Wir wollen immer Partner im
Handel bleiben, aber dabei niemals
ein schwacher Partner sein.
Lassen Sie uns nun vom Ausland
ins Inland zurückkehren, weil Amerika
im Ausland nur so stark ist wie im
Inland.
Dieser 100. Kongreß hat eine große Verantwortung.
Ich möchte nur
leise
daran
erinnern, daß
vieles
hiervon
unerfüllte
Verpflichtungen
der Vergangenheit sind.
Das amerikanische Volk muß ungeduldig sein,
wenn wir keine Ordnung in den öffentlichen Einrichtungen herstellen.
Wir haben erheblichen Erfolg bei
der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Integrität zu verzeichnen, und wir haben unsere Nation vor
dem
schlimmsten
wirtschaftlichen
Durcheinander seit der Depression bewahrt .
Aber es gibt noch mehr zu tun.
Zunächst ist das Bundesdefizit enorm.

- 5 -

�Seit Jahren habe ich darum gebeten, daß wir die Ausschweifungen unserer Regierung nicht an unsere Kinder weitergeben. Was dem Kongreß zu
tun bleibt, ist die Verabschiedung
eines Zusatzes zur Verfassung, durch
den ein ausgewogener Haushalt obligatorisch wird und der die Regierung
zwingt, mit ihren Mitteln hauszuhalten.
Die Bundesstaaten, die Städte
und die Familien Amerikas gleichen
ihren Haushalt aus. Warum können wir
das nicht?
Zum nächsten Punkt - das Budgetverfahren bietet einen traurigen Anblick. Das Fehlen von Stichtagen und
der Alptraum von monströsen Haushaltsfortschreibungen, bei denen Hunderte von Milliarden Dollar in eine
einzige Vorlage gepackt werden, muß
beendet werden.
Wir bitten den Kongreß noch einmal:
Geben Sie uns das gleiche Instrument, das 43 Gouverneuren zur
Verfügung steht - ein selektives Veto, um sinnlose und unnötige Projekte, die allein niemals überleben würden, beseitigen können.
Ich werde
dem Kongreß breitgefächerte Empfehlungen zum Haushalt zuleiten, aber
zuerst möchte ich Ihre Vorschläge sehen.
Lassen Sie uns an die Arbeit
gehen und dies zusammen bewältigen.
Lassen Sie mich jetzt über das
diesjährige Budget sprechen.
Obwohl
ich einen Haushalt vorgelegt habe,
der sich innerhalb der von GrammRudman-Hollings gesetzten Zielvorgaben für die Reduzierung des Defizits
bewegt, sind mir Vorschläge bekannt
geworden, um diesen Fahrplan zu verlängern. Nun, ich denke, das amerikanische Volk hat genug davon, dieselben alten Entschuldigungen zu hören.
Gemeinsam sind wir eine Verpflichtung eingegangen, den Haushalt

auszugleichen; lassen Sie uns dieses
Versprechen jetzt einhalten.
Was nun Vorschläge betrifft, denen zufolge die Antwort in höheren
Steuern
liegt:
Das
amerikanische
Volk
hat diesen angestaubten Vorschlag wiederholt zurückgewiesen. Es
weiß, daß wir nicht deshalb Defizite
haben, weil die Menschen zu wenig
Steuern bezahlen; wir haben Defizite,
weil der umfangreiche Regierungsapparat zu viel Geld ausgibt.
Im nächsten Monat werde ich dem
Kongreß
zwei
zusätzliche
Reformen
vorlegen.
Wir haben ein Ungeheuer von Sozialhilf esystem
herangezüchtet, das
eine
schockierende Anklage
unseres
Sinnes
für
Prioritäten
darstellt.
Unser
nationales
Sozialhilfesystem
besteht aus ca. 59 größeren Programmen und über 6 000 Seiten an Gesetzen
und Vorschriften. Im Jahr 1985 wurden dafür 132 Milliarden Dollar ausgegeben .
Ich werde eine neue Sozialhilfestrategie vorschlagen - ein Programm
der Sozialhilfereform durch staatlich
geförderte Vorhaben zur Durchführung
in der Gemeinde. Es ist jetzt an der
Zeit, diesen unzeitgemäßen sozialen
Dinosaurier zu reformieren und endlich die Falle der Armut zu zerbrechen. Wir werden diejenigen, die ohne eigenes Verschulden unsere Hilfe
brauchen,
niemals
ihrem
Schicksal
überlassen. Aber lassen Sie uns daran arbeiten, herauszufinden, wie viele Menschen aus der Abhängigkeit von
Sozialhilfe befreit werden können, um
wieder selbst für ihren Unterhalt zu
sorgen; denn dies ist das, was die
große Mehrheit der Sozialhilfeempfänger mehr als alles andere will.
Und dann

lassen

Sie uns ein fi-

�nanzielles Gespenst beseitigen, das
vor allem den älteren Amerikanern zusetzt - die Furcht vor einer Krankheit, die so teuer ist, daß sie zu
einer
unerträglichen
Wahl
zwischen
Bankrott oder Tod führen kann. Ich
werde in Kürze einen Gesetzentwurf
vorlegen, der dazu beitragen soll,
die Alten von der Furcht vor katastrophalen Krankheiten zu befreien.

Zu dieser Gesetzesvorlage werden
Reformen im rechtlichen Bereich zum
Abbau von Vorschriften sowie Waffen
zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken
gehören.
Wettbewerbsfähikeit
bedeutet auch, unseren Landwirten die
Chance zu geben, fair und umfassend
an einem sich verändernden Weltmarkt
teilzuhaben.

Wie immer muß die Vorbereitung
auf die Zukunft bei unseren Kindern
beginnen. Wir müssen ihnen neue und
anspruchsvollere Ziele setzen.
Wir
Es wird vielfach behauptet, Amemüssen von uns selbst und unseren
rika sei im Begriff, seinen Wettbe- I Kindern mehr verlangen, indem wir das
werbsvorteil zu verlieren.
Das wird
Analphabetentum bis zum Jahr 2 000
nicht geschehen, wenn wir jetzt handrastisch
abbauen.
Unsere
Kinder
deln. Wie gut sind wir auf den Einsollten die Grundlagen von Mathematik
tritt in das 21. Jahrhundert vorbeund Naturwissenschaften beherrschen,
reitet?
Zeit meines Lebens hat Ameund wir sollten darauf bestehen, daß
rika der Welt die Maßstäbe gesetzt.^ die Schüler beim Verlassen der High
Jetzt ist es Zeit, zu entscheiden,
School die grundlegenden Texte unsedaß wir auf einem so außergewöhnres nationalen
Erbes studiert und
lichen Leistungsniveau in das nächste
verstanden haben.
Jahrhundert eintreten sollten, wie es
in der Geschichte niemals zuvor dage
Und da ist noch eine Sache, bei
wesen ist.
der
wir
nicht
nachlassen
können.
Lassen Sie uns unsere persönlichen
Anstrengungen verdoppeln, jedem Kind
Wir werden dies erreichen:
Erein sicheres und drogenfreies Lernumstens, indem wir sicherstellen, daß
feld zu schaffen. Wenn der Kreuzzug
der Staat alles nur Mögliche untergegen Drogen bei unseren Kindern Ernimmt, um Amerikas Wettbewerbsfähigfolg hat, werden wir diese Geißel im
keit zu fördern.
Zweitens muß jedera
ganzen Land besiegen.
Einzelne nach außergewöhnlichen Leistungen streben, die sich nicht in
neuen
Vorschlägen
oder
Milliarden
Und schließlich:
Laßt uns damit
neuer öffentlicher Mittel ausdrücken.
aufhören, die geistigen Wurzeln unseStattdessen gehört dazu ein Aufwand
rer nationalen Identität zu verleugan amerikanischem Geist und einfach
nen. Ohne göttliche Hilfe hätte ungeradlinigem amerikanischen Mumm.
sere Nation nicht entstehen können.
Wie ist es möglich, daß wir eine Nation mit Gebeten aufbauen, aber ein
Der Kongreß wird in Kürze meine
Klassenzimmer nicht zum freiwilligen
umfassenden Vorschläge zur VerbesseGebet
benutzen
können?
Der
100.
rung unserer Wettbewerbsfähigkeit erKongreß der Vereinigten Staaten sollhalten - einschließlich neuer Wissente in Erinnerung bleiben als derjenischafts- und
Technologiezentren
und
ge, der die Vertreibung Gottes aus
erheblicher zusätzlicher Mittel für
amerikanischen
Klassenzimmern
beendie Grundlagenforschung.
dete .
Lassen Sie uns nun in die Zukunft
blicken.

- 7

�Das
Streben
nach
außergewöhnlichen Leistungen im 21. Jahrhundert
beginnt in den Klassenzimmern und muß
sich dann am Arbeitsplatz fortsetzen.
Über 20 Millionen neue Arbeitsplätze
werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts geschaffen werden. Dann müßte
unsere Wirtschaft in der Lage sein,
jedem einen Arbeitsplatz zu geben,
der arbeiten möchte.
Wir müssen
unsere Arbeitnehmer
auch dazu befähigen, sich an die
schnellen
Veränderungen
ihrer
Arbeitsplätze anzupassen, und ich werde
ein beträchtliches neues, auf Umschulung und Arbeitsplatzmobilität ausgerichtetes Engagement des Bundes vorschlagen.
In den nächsten Wochen werde ich
dem Kongreß eine Reihe von Sonderbotschaften zuleiten - zu Haushaltsreform, Reform der Sozialhilfe, katastrophalen Krankheiten, Wettbewerbsfähigkeit, einschließlich Bildungswesen, Handel, Ausbildung und Unterstützung
von Arbeitskräften, Landwirtschaft und zu anderen Themen.
Der Kongreß kann uns diese Instrumente geben, aber um sie funktionsfähig zu machen, müssen wir alle
unser Bestes geben. Das ist der Kern
amerikanischer Größe.
Die Verantwortung
der
Freiheit
treibt uns zu höherem Wissen und, wie
ich glaube, zu moralischer und geistiger Größe. Durch niedrigere Steuern und einen kleineren Regierungsapparat besitzt der Staat Mittel, um
den Geist der Menschen zu befreien.
Aber nur wir, jeder Einzelne von uns,
können dafür sorgen, daß sich der
Geist an unseren eigenen Maßstäben
emporschwingt.
Es

ist die Vortrefflichkeit, die

der Freiheit ihren Glanz verleiht.
Und ist es nicht das, was wir am
besten tun?
Wir treten jetzt in das dritte
Jahrhundert
unseres Bestehens ein,
aber es ist falsch, eine Nation nach
Jahren zu beurteilen.
Amerika kann
nicht am Kalender gemessen werden,
weil wir dazu bestimmt sind, ein endloses Experiment der Freiheit zu sein
- mit uneingeschränktem Horizont, ohne Grenzen für das, was wir zu tun
vermögen, ohne Endpunkt für unsere
Hoffnungen.
Die amerikanische Verfassung ist
unser leidenschaftlicher und begeisternder Begleiter auf unserem Weg
durch die Geschichte.
Sie erwuchs
aus der grundlegendsten Eingebung in
unserer Existenz: Daß wir hier sind,
um Gott zu dienen, indem wir als
freie Menschen leben - daß das Leben
in Freiheit in uns die erhabensten
Regungen und die besten Fähigkeiten
erweckt. Daß wir diese Gaben für gute und edle Zwecke benutzen und sie
nicht nur für uns selbst und unsere
Kinder,
sondern
für
die
gesamte
Menschheit sichern würden.
Über die Jahre hat mich nichts so
berührt, wie das Gespräch mit der
amerikanischen Jugend. Und insbesondere die ganz Kleinen - mit ihren
frischen Gesichtern und ihrem Wissensdurst - werden von Zeit zu Zeit
Fragen nach unserer Verfassung stellen.
Ich hoffe, daß Sie als Mitglieder
des Kongresses es nicht als Bruch des
Protokolls auffassen, wenn Sie es mir
erlauben, diese Gedanken wiederum mit
den jungen Menschen zu teilen, die
heute abend zusehen oder zuhören mögen .
Ich

habe

die

Verfassungen

einer

�Reihe von Ländern gelesen - darunter
die der Sowjetunion. Einige Menschen
sind überrascht, wenn sie hören, daß
sie eine Verfassung haben, die dem
Volk angeblich eine Reihe von Freiheiten gewährt.
Viele Länder haben
in ihre Verfassungen Bestimmungen für
Rede- und Versammlungsfreiheit eingefügt.
Wenn dies stimmt, warum ist
dann die Verfassung der Vereinigten
Staaten so außergewöhnlich?
Der Unterschied ist so klein, daß
er fast unserer Aufmerksamkeit entgeht - aber er ist so großartig, daß
er uns die ganze Geschichte in nur
drei Worten erzählt: WIR, DAS VOLK.
In diesen
anderen
Verfassungen
teilt die Regierung den Völkern dieser Länder mit, was ihnen zu tun erlaubt
ist.
In unserer Verfassung
teilen wir, das Volk, der Regierung
mit, was ihr erlaubt ist und daß sie
nur die: Dinge tun kann, die in diesem
Dokument aufgezählt werden und sonst
nichts.
Praktisch alle anderen Revolutionen in der Geschichte haben nur einen
Kreis von Herrschern durch einen anderen ersetzt. Unsere Revolution ist
die erste, die besagt, daß das Volk
der Herr ist und die Regierung sein
Diener .
Vergessen Sie das niemals. Eines
Tages könnten Sie in diesem Zimmer
sitzen - aber wo immer Sie auch sind,
Amerika verläßt sich darauf, daß Sie
Ihr Bestes tun - weil hier in Amerika
das Volk herrscht.
Nur drei Worte.
Wir, das Volk. Dazu gehören die
Jungs, die an Weihnachten in klirrender Kälte auf einem Wachtposten am
38. Breitengrad in Korea oder an Bord
eines Flugzeugträgers im Mittelmeer
- 9

Dienst tun. Viele Meilen von zuhause
entfernt. Aber sie tun ihre Pflicht.
Wir, das Volk.
Dazu gehören die
rmherzi gen, deren Zahl wir nicht
Stimmeri können, die den Tag mit eim kurzen Gebet für Geiseln, die sie
emals kennenlernen werden und für
e Familien vermißter Soldaten, den sie nie begegnen werden, beginnen. Warum? Weil wir so sind, dieser einzigartige Menschenschlag, den
wir als Amerikaner bezeichnen.
Wir, das Volk. Das sind Landwirte in harten Zeiten, die aber niemals
damit aufhören, eine hungrige Welt zu
ernähren. Das sind die Freiwilligen
in Krankenhäusern, die ihre Tränen
zurückhalten, während sie um das Leben eines Säuglings kämpfen, dessen
Mutter Drogen nahm. Und, bitte vergeben Sie mir diese persönliche Reminiszenz - das sind Millionen von Müttern wie Nelle Reagan, für die es
niemals einen Fremden gab und die
niemals
einen
Hungrigen
an
ihrer
Küchentür abwiesen.
Wir, das Volk.
Sie widerlegen
den
Fernsehkommentar
der
vorigen
Woche, der
unseren Optimismus und
Idealismus herabwürdigte.
Das sind
die Unternehmer, die Baumeister, Pioniere und eine Menge normaler Leute die wahren Helden unseres Landes, die
die ungewöhnlichste Nation von tatkräftigen Menschen in der Geschichte
bilden. Man weiß, daß sie Amerikaner
sind, denn ihr Geist ist so groß wie
das Universum und ihre Herzen sind
größer als ihr Geist.
Wir, das Volk. Wir gehen in das
dritte Jahrhundert eines Traums und
wehren uns gegen Zyniker , die behaupten,
daß
wir
keine
Fortschritte
machen werden.
Sind

wir

am

Ende?

Oder

stehen

�wir am Anfang?
Nun, ich kann es
nicht besser sagen, als eine wahre
Geschichte zu erzählen - eine Geschichte, die von James Madison am
17. September 1787, ganz am Ende der
verfassunggebenden Versammlung aufgezeichnet wurde. Als die letzten Mitglieder das Dokument unterzeichneten,
blickte Benjamin Franklin - mit 81
Jahren der älteste Delegierte und von
schwacher Gesundheit - auf den Stuhl,
auf dem George Washington täglich den
Vorsitz hatte.
Hinter diesem Stuhl
befand sich ein Gemälde der Sonne,
die über dem Horizont steht.
Indem
er sich den ihm zunächst Sitzenden
zuwandte, befand Franklin, daß es für
den Künstler schwierig sei, beim Malen von Bildern zwischen einer aufgehenden und einer untergehenden Sonne
zu unterscheiden.
Ich weiß, daß wir, wenn wir dort
wären, diese um Franklin herum sitzenden Delegierten
sehen würden
sich zu ihm hinbeugend, um ihm besser
zuhören zu können.
Dann begann Dr.
Franklin, ihnen seine innersten Hoffnungen und Ängste über das Resultat
ihrer Bemühungen mitzuteilen, und er
sagte dabei folgendes:
"Ich habe oft... das Bild hinter
dem Präsidenten betrachtet, ohne in
der Lage zu sein, zu entscheiden, ob
sie auf- oder untergeht:
Heute jedoch habe ich nach langer Zeit das
Glücksgefühl, zu wissen, daß es eine
aufgehende und nicht eine untergehende Sonne ist. "
Sie können jede Wette eingehen,
daß sie aufgeht, denn, meine Mitbürger, Amerika ist nicht am Ende; seine
besten Tage haben gerade erst begonnen .

+ + + +++

�AMERIKA DIENST
V l o N **

Dokumentation

28. Januar 1987

ALLE STAATEN MÜSSEN DIE NOTWENDIGEN SCHRITTE ZUR BEENDIGUNG DES
TERRORISMUS UNTERNEHMEN
- Ansprache von Justizminister Meese WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor einer Konferenz zum Thema "Terrorismus in einer technologischen Welt" erklärte der amerikanische Justizminister Edwin Meese am 21. Januar 1987, Staaten müßten den "politischen Willen"
besitzen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Während er seine besondere Unterstützung für die Anwendung juristischer Verfahren im Kampf gegen den Terrorismus betonte, erklärte der Minister aber auch, daß es Fälle gebe, in denen "wir
bereit sein müssen, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer".
Die Ausführungen von Justizminister Meese haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute das Thema Terorismus unter dem Gesichtspunkt der
Herrschaft des Gesetzes beleuchten.
Dafür gibt es vielleicht kein besseres Beispiel als die Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die in
dieser
Woche
die
Nachrichten
beherrscht. Ich spiele damit natürlich
auf unsere Bemühungen in der amerikanischen Regierung und insbesondere
im Justizministerium an, eine derjenigen Personen der Gerichtsbarkeit zu
überantworten, die der Entführung des
TWA-Fluges 847 im Juni 1985 und des
Mordes an einem Angehörigen der amerikanischen Marine beschuldigt werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir sollten vielleicht diese Geschichte von Anfang an aufrollen
sie beginnt am 14. Juni 1985, dem
Tag, an dem sich die Flugzeugentführung ereignete.
Auf der Grundlage der Bundesgesetze gegen Luftpiraterie und Geiselnahmen in amerikanischen Flugzeugen
haben wir kurze Zeit danach, am 3.
Juli 1985, gegen drei Personen Anklage erhoben, die identifiziert worden
waren und von denen wir glaubten, daß
sie für diesen Vorfall verantwortlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�seien.
Am gleichen Tag erließ der
Bezirksgerichtshof hier in Washington
Haftbefehle gegen diese Personen.
Die Dokumente wurden bis zum 17.
Oktober unter Verschluß gehalten, als
wir den Gerichtshof ersuchten, sie zu
öffnen. Und im November wurden förmliche Anklageschriften gegen diejenigen erlassen, die wir als Täter beschuldigten.
Fast 14 Monate später - am 13.
Januar dieses Jahres - wurde eine
dieser
Personen,
Mohammad
Ali
Hamadei, von den Behörden der Bundesrepublik Deutschland verhaftet.
Am
nächsten Tag - dem 14. Januar - haben
wir der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland ein vorläufiges Auslieferungsersuchen übermittelt.
Am darauffolgenden Tag haben wir dem Gerichtshof hier in Washington den Antrag unterbreitet, die Anklageschriften freizugeben, um das rechtliche
Verfahren weiterzuführen.
Erst gestern haben wir der Bundesregierung
die Papiere überstellt und um die
Auslieferung von Hamadei an die Vereinigten Staaten ersucht.
Wir erwarten, daß das Auslieferungsverfahren
bald
abgeschlossen
sein
wird
und
daß
Hamadei
nach
Washington
gebracht wird, um sich
dort vor Gericht zu verantworten. Zu
diesem
Zeitpunkt wäre der nächste
Schritt in diesem juristischen Verfahren, ihn vor Gericht zu stellen.
Dies ist also der Verlauf der Geschichte bis heute.
Sie weist auf
einen Punkt hin, dessen Erkenntnis
sehr wertvoll ist: wenn wir uns nun
mit der Zukunft, dem Aufkommen neuer
Technologien und ihrer Beziehung zum
Terrorismus beschäftigen, bleiben die
alten Gesetze und juristischen Verfahren auch im technologischen Zeitalter noch auf den Terrorismus an- 2

wendbar. Sie weist ebenso auf einen
Punkt hin, den diese Administration
schon längere Zeit betont hat: obwohl
der Terrorismus zweifellos eine Bedrohung für die Herrschaft des Gesetzes darstellt, kann dieses Gesetz
selbst benutzt werden, um den Terrorismus zu bekämpfen, ganz gleich ob er
sich nun innerhalb der Grenzen unseres eigenen Landes oder auf internationalen Schauplätzen zuträgt.
Insbesondere möchte ich Ihnen gegenüber darauf hinweisen, daß dieser
Vorfall zunächst die Bedeutung der
Existenz von Gesetzen unterstreicht,
nach denen wir Anklage gegen diejenigen erheben können, die auch im Ausland Akte des Terrorismus gegen unsere Staatsbürger begehen.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat klugerweise strafrechtliche
Bestimmungen erlassen, die uns in Situationen wie der gegenwärtigen die
Jurisdiktion übertragen und uns damit
in die Lage versetzen, unmittelbar
wichtige
und notwendige
rechtliche
Schritte zu unternehmen.
Zweitens zeigt dieses Beispiel,
daß, wenn eine von uns gesuchte Person in einem anderen Land festgenommen wird, wie in diesem Fall, rechtliche Mittel bestehen müssen, um diese Person in die Vereinigten Staaten
zu bringen und sie dort vor Gericht
zu stellen. Die Auslieferung ist eines dieser Mittel.
In diesem Fall
wird sie sich als das wichtigste Mittel erweisen.
Wir unterhalten mit
mehr als 100 Staaten Auslieferungsverträge, darunter natürlich auch die
Bundesrepublik
Deutschland.
Solche
Verträge, die vor der Festnahme bestehen müssen, liefern eine ordentliche Rechtsgrundlage, auf der solche
Personen, die hier bei uns terroristischer
Verbrechen
angeklagt
sind,
hierhin gebracht werden können, um

�sich vor Gericht zu verantworten.
Drittens illustriert dieser Fall,
daß es eben nicht genügt, die notwendigen
strafrechtlichen
Vorschriften
oder Auslieferungsverträge zu haben.
Es ist ebenso notwendig, daß ein
starker Wille besteht, diese rechtlichen Instrumente zu benutzen. Gegenwärtig erlebt die Welt etwas besonders Wichtiges in diesem Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Ich beziehe mich dabei auf eine Bekundung des Willens, des politischen
Willens, zweier Nationen - der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland.
Zweifellos werden einige unter Ihnen sein, die Fragen zu
der TWA-Angelegenheit stellen möchten. Wenn es die Zeit erlaubt, werde
ich einige davon so gut ich kann beantworten, jedenfalls so gut, wie ich
dies unter dem Diktat der Klugheit im
Vorfeld eines möglichen Strafprozesses vermag.
Für den Augenblick jedoch möchte ich das Thema Terrorismus
etwas breiter angehen, indem ich einen Überblick darüber gebe, was zur
Bekämpfung dieses Übels getan werden
muß.
Erstens müssen wir in der Regierung und diejenigen, die in Presse,
Hochschule und Wirtschaft tätig sind,
die Öffentlichkeit erziehen, was den
wahren Charkter und das Ausmaß des
Terrorismus angeht.
Botschafter
Benjamin
Netanyahu,
Israels Vertreter bei den Vereinten
Nationen, der den vom Terrorismus geforderten Blutzoll persönlich kennt,
weil sein Bruder als mutiger Oberstleutnant die Aktion von Entebbe leitete, in deren Verlauf er getötet
wurde, hat den Terrorismus als "willkürlichen
und systematischen
Mord,
Verstümmelung und Bedrohung Unschuldiger zur Einflößung von Furcht für
politische
Zwecke"
definiert.
Es

kann niemals Ziele geben, die nobel
genug sind, um Mittel wie diese zu
rechtfertigen.
Terroristen
bedrohen
nicht nur
eine Nation, ein Volk oder eine Einzelperson,
sie befinden sich buchstäblich im Krieg gegen die Herrschaft des Gesetzes, gegen die Normen
und Ideale der Zivilisation.
Zusätzlich ist es wichtig, ein
wirksames Programm gegen den Terrorismus zu besitzen. Dies muß hier bei
uns wie auch im Ausland gelten.
In den letzten Jahren haben wir
große Fortschritte erzielt. Und doch
müssen wir gleichzeitig weiterhin außergewöhnliche Wachsamkeit und Vorsicht walten lassen, weil die Möglichkeit
terroristischer
Anschläge
immer besteht.
in den Vereinigten
Staaten resultiert der Erfolg, den
wir erzielt haben, teilweise aus der
Tatsache, daß die Exekutivorgane sich
eingehend mit den für die Bekämpfung
des Terrorismus notwendigen Fähigkeiten vertraut gemacht haben.
Dies
gilt nicht nur auf Bundeseebene für
Organisationen wie etwa den Geheimdienst und das FBI.
Auch örtliche
Polizeibehörden, die mit den Bundesbehörden
zusammenarbeiten
haben in
den letzten Jahren eine Menge getan,
um auf terroristische Reaktionen vorbereitet zu sein.
Insbesondere das
FBI hat großartige Arbeit auf diesem
Gebiet geleistet. Als Ergebnis seiner
beträchtlichen
Bemühungen
und,
wie ich offen gestehen muß, mit etwas
Glück, ist die Anzahl terroristischer
Vorfälle
innerhalb der Vereinigten
Staaten von 112 im Jahr 1977 auf lediglich 7 im Jahr 1985 und 8 im Jahr
1986 zurückgegangen. Unsere Wachsamkeit besteht weiter und unser Wille
zur Verfolgung von Terroristen dauert
auch heute an, und dies nicht nur im
Ausland in dem von mir erwähnten

�Fall, sondern innerhalb der letzten
48 Stunden mit der Verhaftung eines
der "Weathermen"-Terroristen, die auf
Vorfällen beruht, die sich vor 17
Jahren zugetragen haben. Diese Person wurde festgenommen und wird vor
Gericht gestellt werden.
Allein im
Jahr 1985 hat das FBI durch seine Bemühungen 23 einzelne terroristische
Vorhaben
innerhalb der Vereinigten
Staaten und über einhundert im Ausland entdeckt und verhindert.
Im
Jahr 1986 wurden durch die Arbeit des
FBI mindestens vier
terroristische
Anschläge vereitelt.
Gleichzeitig mit der Verbesserung
der Fähigkeiten von FBI und anderen
Bundesbehörden
- Geheimdienst, Amt
für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen
und andere - haben wir auch die Rolle
der Anwälte in der Strafrechtsabteilung ausgeweitet. Auf Grund der Notwendigkeit und der verstärkten Betonung der Anwendung don Gesetzen und
normalen
strafrechtlichen
Verfahren
gegen Terroristen haben unsere Experten ihre Fähigkeiten als Anwälte bei
der Behandlung dieser Fälle weiterentwickelt.
Wir hatten das Glück,
daß einer der Staatsanwälte des Justizministeriums als Teil eines Kontingents unserer Botschaft in Rom zugeteilt wurde.
Durch die guten Dienste nicht nur
der Staatsanwälte sondern auch unserer Kollegen im Außenministerium und
unserer Diplomaten und Botschafter im
Ausland, haben wir an der internationalen Front dem Aufbau des notwendigen rechtlichen Rahmens beträchtliche
Energie gewidmet, um die Festnahme,
Anklage, Auslieferung und die Strafverfolgung von im Ausland festgenommenen Terroristen zu erreichen.
Im
Lauf des letzten Jahrzehnts hat der
Kongreß eine Vielzahl wichtiger Gesetze verabschiedet, durch die unsere
Jurisdiktion über terroristische Ak-

te, die gegen unsere Staatsangehörigen im Ausland begangen werden, auszuweitet wurde. Wir tun dies in einer Weise, die Konflikte mit oder
Einmischung in die legitime Strafverfolgung anderer Länder vermeidet und
eher auf eine Ergänzung von deren Bemühungen abzielt. Wir haben festgestellt, daß dies sehr hilfreich gewesen ist, indem es seitens dieser Länder die unverzügliche Beschäftigung
mit solchen Vorfällen ermutigt hat,
von denen unsere Bürger
betroffen
sind.
Wir haben außerdem neue Auslieferungsverträge
ausgehandelt
und
alte modifiziert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen und die Herausforderungen
bewältigen, die bei
der Strafverfolgung von Terroristen
in den achtziger Jahren entstehen.
Während all dieser Prozesse war
der politische Wille bedeutsam, da es
wichtig ist, daß das Engagement und
die Verpflichtung bestehen, bei bestimmten Ereignissen alle notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen und alle notwendigen Mittel zu benutzen. Im allgemeinen versuchen wir, den Terrorismus durch das von mir soeben beschriebene rechtsstaatliche Verfahren
zu bekämpfen, das wir auch jetzt im
Fall der Verantwortlichen für den Angriff auf TWA-Flug 847 anwenden.
In anderen Fällen müssen wir jedoch bereit sein, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer.
Zweimal im vorigen Jahr haben wir zur
Selbstverteidigung und zur Verteidigung des Gesetzes andere Mittel benutzt. Wir haben dies beim Abfangen
eines Passagierjets getan, der die
Mörder beförderte, die an der Achille
Lauro-Entführung beteiligt waren sowie später bei der Bombardierung militärischer Ziele in Libyen, nachdem
wir Beweise für die libysche Beteiligung an der Zerstörung des Nachtclubs
in West Berlin erhalten hatten.

�Man mag argumentieren, daß jede
Methode, also die Anwendung rechtlicher oder militärischer Mittel, das
Risiko der Vergeltung seitens derselben blutdürstigen Terroristen entweder hierzulande oder im Ausland beinhaltet. Und zweifellos gibt es solche Gefahren. Aber Terroristen darf
keine Immunität zugestanden werden,
nur weil sie das Leben Unschuldiger
bedrohen.
Dieses Prinzip gilt für Strategien wie die Aktion gegen Libyen oder
die israelische Rettungsoperation in
Entebbe.
Aber sie gilt ebenso für
Geiselsituationen, wie wir sie heute
erleben.
Wir haben eine moralische
Verpflichtung
anderen
potentiellen
Geiseln gegenüber - theoretisch betrifft dies jedermann - vor Geiselnehmern nicht zu kapitulieren.
Dies
zu tun, würde zukünftig viele weitere
Zwischenfälle dieser Art ermutigen.
Ein Terrorist kann auf verschiedene Art und Weise gewinnen oder zumindest einen Sieg für sich reklamieren. Offensichtlich gewinnt der Terrorist, wenn eine Regierung seinen
Forderungen nachgibt, da dies seine
Überlegenheit und die Ohnmacht der
Regierung demonstriert.
Zweitens gewinnt der
Terrorist
etwas, wenn er seine Drohung wahrmacht und dadurch Verletzung, Tod
oder Zerstörung von Eigentum verursacht. Dies führt bei den Bürgern zu
Zweifeln an der Fähigkeit der Regierung,
ihre
primäre
Verantwortung
wahrzunehmen, die im Schutz von Leben
und Eigentum ihrer Staatsbürger besteht .
Drittens kann ein Terrorist für
sich einen Sieg reklamieren, wenn er
eine Gesellschaft oder eine Gruppe
von Menschen in einem Ausmaß ein-

schüchtert, daß er Furcht oder Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Menschen oder in ihrem Lebensstil verursacht, weil der
Terrorist dann die Gesellschaft seinem Willen unterworfen hat. Und der
Terrorist kann auch bedeutende Vorteile für sich verbuchen, wenn er
durch seine Provokation eine Uberreaktion bei der Regierung hervorruft,
so daß diese Regierung Schritte unternimmt, die außergewöhnlich
hart
sind, wie etwa die Verweigerung der
Grundrechte für die Bürger oder ungerechtfertigte Eingriffe in deren Leben oder wenn er die Regierung selbst
dazu veranlaßt, die Herrschaft des
Gesetzes aufzugeben und dadurch mit
gleicher Münze zurückzuzahlen. Solch
harte Maßnahmen seitens einer Regierung säen Ressentiments, Unzufriedenheit, Abneigung und letztendlich Illoyalität unter den Bürgern und dienen damit den Zielen, für die der
Terrorist kämpft. Deshalb müssen die
größten intellektuellen Anstrengungen
jeder Nation und jeder Gesellschaft
diesem Prozeß der Bekämpfung des Terrorismus gelten.
Wir haben in den vergangenen zehn
Jahren feststellen können, daß Terroristen behindert und letztlich besiegt werden können. Dazu sind eine
Reihe von Maßnahmen notwendig, über
die Sie durch andere Referenten und
deren Vorträge und Reden informiert
werden.
Lassen Sie mich auf einige
dieser Maßnahmen eingehen.
Wir müssen ständige Wachsamkeit
üben, um terroristische Zwischenfälle
zu verhindern und die Anschläge der
Terroristen zu vereiteln. Dazu gehören bestmögliche und ausgefeilteste
nachrichtendienstliche Mittel, zu denen Überwachung und Ermittlungen
natürlich im Rahmen des Gesetzes zählen. Dazu zählen ebenfalls erhebliche Kontrollen verbunden mit Wach-

- 5 -

�samkeit darüber, wer die Grenzen verschiedener Länder überschreitet.
Zur Bekämpfung
des Terrorismus
gehört auch eine sorgfältige Vorbereitung, so daß auf den teroristischen Angriff selbst angemessen reagiert werden
kann.
Hierzu zählen
viele Dinge, die ich bereits erwähnt
habe - Planung und
Zusammenarbeit
zwischen Exekutivbehörden, ferner eine Strategie und Grundsätze, mit deren Hilfe schwierige Fragen im voraus
beantwortet werden können: wie Geiselnahmen zu handhaben sind, die Weigerung, sich den Forderungen von Terroristen zu unterwerfen, all diese
Dinge, über die das sorgfältige Nachdenken im ruhigen Umfeld ohne einen
gerade
stattfindenden
Terrorangriff
schwer genug fällt; wenn aber eine
solche
Reflektion
nicht ruhig und
sorgfältig erfolgt, ist es unmöglich,
damit im Rahmen der Spannungen und
unter den Bedingungen eines Terrorangriffs selbst fertigzuwerden.
Die Bekämpfung
des Terrorismus
erfordert
ebenfalls eine
fundierte
Ausbildung und Arbeit bei gemeinsamen
Einsätzen, so daß die Abteilungen der
Polizei beispielsweise lernen, zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit zu verknüpfen. Und, um noch einmal auf das
Thema der Herrschaft des Gesetzes zurückzukommen, dazu gehört auch die
Entwicklung angemessener Gesetzesbestimmungen. Ich habe bereits die Art
der von uns benötigten Bestimmungen
beschrieben.
Dazu
zählt auch die
Existenz von erfolgreichen Vorgehensweisen der Gerichte.
Unsere englischen Freunde haben
eine Menge darüber gelernt, wie Verfahrensweisen bei Gericht in Nordirland verändert werden mußten, um mit
den dortigen terroristischen Anschlägen fertigzuwerden.
Und die Schaffung
angemessener
Verfahrensweisen

umfaßt die notwendige Sicherheit, so
daß der Prozeß selbst für alle Beteiligten, auch die Richter und die Geschworenen, sicher durchgeführt werden kann.
Und
schließlich
erfordern
die
Maßnahmen gegen den Terrorismus eine
bewußte und geschulte Bürgerschaft,
die uns unterstützt.
Ich habe einige der von uns in
unserem Land durchgeführten Schritte
beschrieben.
Wir
unternehmen
aber
auch Schritte mit unseren Verbündeten
auf internationaler Basis.
Zwölf Länder der Europäischen Gemeinschaft haben sich zu einer Gruppe
zusammengeschlossen,
die
sich
aus
meinen Kollegen in anderen Ländern
zusammensetzt - den Justiz- oder Innenministern, je nachdem, wem die
größte Verantwortung für öffentliche
Sicherheit
und Polizeiaufgaben
zufällt. Und in diesen Ländern ist besonders im vergangenen Jahr viel getan worden.
Aus einer Gruppe, die bisher nur
einmal jährlich in formellem Rahmen
zusammenkam, ist eine effiziente Arbeitsgruppe geworden, die sich auf
den höchsten Ebenen der Regierungen
dieser Länder direkt mit dem Problem
des Terrorismus beschäftigt. Als Ergebnis hat sie ein höheres Ausmaß an
internationaler
Zusammenarbeit
bei
Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus erzielt.
Der
Zusammenarbeit
wurde im Bereich der Grenzkontrollen
und der Kontrolle von Visa und Reisenden verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegt eine neuerliche Betonung auf dem Austausch nachrichtendienstlicher
Informationen
und dem
Informationsaustausch über verdächtige
Terroristen
und
terroristische
Vereinigungen wie auch über Methoden
und Taktiken von Terroristen, beson-

�ders im Hinblick auf die Art der Finanzierung terroristischer Aktivitäten.
Und es gibt eine gemeinsame
Übereinkunft,
verdächtige
Personen
auszuweisen. Vor einigen Jahren war
es nur allzuoft zu einfach für einen
verdächtigen
Terroristen, nach der
Ausweisung aus einem Land leichten
Zugang zu einem anderen zu finden.
Jetzt hat die Zusammenarbeit einen
Punkt erreicht, an dem eine aus einem
Land ausgewiesene Person keinen Zugang mehr zu einem anderen Land findet.
Diese Verfahrensweise
hat auch
die erneute Zusammenarbeit unter den
Polizeibehörden im Hinblick auf deren
gemeinsame Vorgehensweise, Ausbildung
und andere Maßnahmen zur Ausarbeitung
ihrer Operationen gefördert.
Im April 1986 waren die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in ihrer
Geschichte in der Lage, eine informelle Mitgliedschaft in dieser Gruppe
herzustellen, so daß wir auch über
den Vorsitzenden dieser Gruppe und
mittels
regelmäßiger
Verständigung
und Zusammenarbeit in den Genuß dieser gemeinsamen Aktivitäten kommen.
Diese Beziehung hat einen wertvollen
Beitrag
für unsere Fähigkeiten im
Kampf gegen den Terrorismus geleistet
und wird uns jetzt - und in größerem
Umfang auch in Zukunft - in die Lage
versetzen, besonders im Bereich technologischer Neuerungen in den Beratergruppen
dieser
europäischen Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten.
Bei der Bekämpfung der Bedrohung
des Terrorismus durch das Gesetz ist
es eminent wichtig, daß nicht die
Grundsätze dieser Gesetze selbst geopfert werden.
In diesem Zusammenhang denke ich daran, daß ein besonders wichtiger Teil dieser Konferenz
die Aufmerksamkeit ist, die sie der
Rolle der Medien dabei zuteil werden
- 7

lassen .
Natürlich wissen wir alle, daß
Terroristen erst durch Publizität Erfolg haben. Und doch ist es gleichzeitig absolut unerläßlich, daß wir
trotz der terroristischen Bedrohung
nicht einen Schritt von unserem Konzept der Pressefreiheit abrücken.
1985 gab es in England zur Zeit
des Besuchs von Mitgliedern der amerikanischen Anwaitskammer erhebliche
Spannungen über die Rolle der Presse
beim Terrorismus, besonders nachdem
sich dort gerade einige Anschläge ereignet hatten.
Die englische Premierministerin
und andere äußerten
sich zu diesem Thema. Ich denke, daß
es wichtig ist, daß wir angesichts
des Terror ismus erkennen, daß es der
Regierung in keinem Fall zusteht, der
Presse vorzuschreiben, wie sie bei
der
Berichterstattung
über
dieses
Phänomen vorgehen soll.

Es stellte die schlimmste Mißachtung des Gesetzes dar, wenn die Regierung Richtlinien oder Beschränkungen über die Art und Weise, wie die
Presse ihre Arbeit, auch im Bereich
des
Terrorismus,
verrichten
soll,
aufstellen würde.
Meiner Ansicht nach steht es den
Medien selbst zu, und so ist es auch
besonders im vergangenen Jahr in diesem Land geschehen, ihre eigene Position, ihre Verhaltensmaßregeln, ihre
eigenen Verhaltensmaßstäbe und ihre
eigenen Pflichten zu überprüfen. Und
das ist eine der Tatsachen, die sie
bei dieser Konferenz hören werden.
Aber auch im Privatsektor sollten die
dort tätigen Medien in diesem Land
weder durch Zwang von seiten der Regierung noch durch deren Gebote beeinflußt werden.
Wir gehen alle davon aus, daß die

�Herrschaft des Gesetzes unser gemeinsames Erbe darstellt, nicht nur, wenn
es um die Durchsetzung von Gesetzen
oder Terrorismus geht, sondern auch
wenn der Handel und der tägliche Umgang der Menschen untereinander betroffen sind.
Bei allem, was wir
tun, bietet sie die Grundlage für unser Leben und ist die Quelle unserer
Stärke, unseres Wohlstandes und unseres Glücks. Ohne die Herrschaft des
Gesetzes würde in jedem Teil unseres
Lebens das Chaos herrschen. Dies ist
ein Vermächtnis, das wir über das
britische Parlament hinweg bis zu den
Volksversammlungen im antiken Griechenland zurückverfolgen können. Und
sie ist ein Versprechen dieses goldenen Zeitalters in Amerika an noch ungeborene Generationen.

aufkommen: obwohl die Technik sicher
eine notwendige Waffe im Kampf gegen
den Terrorismus darstellt, reicht sie
dennoch nicht aus. Die Technik allein kann das Problem des Terrorismus
nicht lösen. Die Lösung des Terror ismus liegt einzig und allein in der
Bekräftigung unseres politischen Willens, ihm zu widerstehen und dabei
die uns zur Verfügung stehenden Mittel zu benutzen.
Lassen Sie mich
nochmals die Bedeutung der gemeinsamen Willensbekundung der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten
Staaten
betonen.
Die Länder, die
sich für die Bekämpfung des Terrorismus einsetzen, müssen bereit sein,
jedes verfügbare Mittel zu benutzen,
einschließlich, wie im vorliegenden
Fall, des Rechtsmittels.

Dieses Versprechen geben wir auch
den Demokratien, die noch in den Kinderschuhen stecken, sowie denen, die
noch nicht ins Leben gerufen worden
sind.

Der Terrorist rechnet damit, daß
er
unseren
Willen
zum
Widerstand
durch eine Welle der Furcht brechen
kann. Ihm das Gegenteil zu beweisen,
wird Entschlossenheit und Mut auf allen Ebenen erfordern.

Aber unsere Hoffnungen nach Freiheit gemäß dem Gesetz werden wenig
fruchten, wenn wir nicht die heute
von uns zu unternehmenden Schritte
durchführen, um sie zu sichern.
Wie Sie sicher wissen, werden in
diesem Kampf auf beiden Seiten hochentwickelte technische Mittel angewandt.
Von meinem Blickwinkel aus
betrachtet, scheint die Technik keiner Seite einen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben. Die Technik selbst ist neutral - und doch
fähig, großen Schaden anzurichten,
aber auch imstande, großes Unglück zu
verhindern.
Der Westen hat es bisher wünschenswert gefunden
und wird dies
auch in Zukunft tun, den Terrorismus
mit Hilfe der Technik zu bekämpfen.
Aber
damit
keine
Mißverständnisse

Die Vereinigten Staaten traten in
ihrer gesamten Geschichte als friedliebende Nation auf.
Aber so sehr
die Amerikaner den Frieden geliebt
haben, noch mehr lieben sie die Freiheit. In diesem Jahr begehen wir den
zweihundertsten Gründungstag unserer
Verfassung, und die Tatsache, daß unsere Regierungscharta gesetzlich verankert wurde, um den Frieden für alle
Generationen zu bewahren, genau wie
die Gründungsväter unserer Nation in
ihrer Arbeit für die Unabhängigkeit
Freiheit vor Bequemlichkeit und Sicherheit gestellt haben, bildet einen
sehr wichtigen Grundsatz für dieses
Konzept von der Herrschaft des Gesetzes.
Ich bin fest davon überzeugt,
daß heute im Zusammenhang mit dem anläßlich dieser Konferenz besprochenen
Thema die Freiheit nicht weniger als
in den Jahren 1776 oder 1787 weiter-

- 8 -

�hin den ersten Platz in der Skala der
amerikanischen Werte einnnehmen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

28. Januar 1987

ANHALTENDER FORTSCHRITT IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung, L. Paul Bremer, zufolge haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa im vergangenen Jahr bei akuten Fragen zur Behandlung des Terrorismus erhebliche Fortschritte erzielt.
Bei einer am 23. Januar 1987 von Worldnet per Satellit übertragenen Pressekonferenz beantwortete Botschafter Bremer Fragen von Journalisten aus Rom,
Paris, Den Haag, London und Bonn.
Nachfolgend drucken wir diese Diskusion in Auszügen.

Frage:
Würde es ihre Regierung
verstehen, wenn sich die Bundesrepublik weigerte, Mohammad Hamadei auszuliefern, um das Leben der deutschen
Geiseln in Beirut zu retten?
Antwort:
Zum Problem Hamadei:
Wie der Justizminister am Mittwoch
sagte, ist das Verfahren für einen
Versuch, seine Auslieferung zu beantragen und zu erreichen, im Gange.
Dieses verfahren ist sehr kompliziert
und erfordert die Erstellung zahlreicher
Dokumente, die
ins
Deutsche
übersetzt und der bundesdeutschen Re-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gierung übergeben werden müssen,
ist jetzt geschehen.

Das

Das Verfahren dauert weiter an.
Wir haben volles Vertrauen, daß es im
Einklang mit den deutschen Gesetzen
und
unseren
Auslieferungsverträgen
voranschreiten wird.
Aber ich glaube, daß es vielleicht angesichts der
schwierigen Lage, in der sich die
bundesdeutsche
Regierung
im Augenblick befindet, keine gute Idee ist,
daß ich oder irgendein anderer Sprecher zu dieser Situation weitere Kommentare abgeben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�An twor t:
Frage:
Sind im Augenblick zwischen Washington und Bonn Verhandlungen über dieses Problem der Auslieferung Hamadeis im Gange?
Antwort:
Nein.
Wie
ich bereits erwähnte, haben wir im Einklang
mit den in unseren Verträgen festgelegten Verfahrensweisen und mit den
bundesdeutschen Gesetzen unsere juristischen
Dokumente vorlegt.
Das
Verfahren dauert an.
Frage:
Ich möchte Ihnen dieselbe Frage noch einmal stellen: Werden die Vereinigten Staaten darauf
bestehen, daß dieser sich gerade in
Frankfurt
aufhaltende Terrorist an
die Vereinigten Staaten ausgeliefert
wird, auch wenn das bedeuten sollte,
daß die beiden deutschen Geiseln im
Libanon getötet werden?
Antwort:
Ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte: Unserer Erfahrung nach - und wir haben in
Fällen von Geiselnahme erhebliche Erfahrungen sammeln können - machen öffentliche Diskussionen dieser Fälle
in solch einem delikaten Augenblick
die Situation nicht gerade leichter
lösbar.
Ich weiß, daß Bundeskanzler Kohl
in der Bundesrepublik zu diesem Thema
eine Nachrichtensperre verhängt hat,
die auch von unserer dortigen Botschaft respektiert wird. Dennoch ist
unsere Haltung allseits bekannt. Wir
haben die Auslieferung Hamadeis beantragt.
Die Anträge sind der bundesdeutschen Regierung übergeben worden, das Verfahren
läuft und ich
glaube, dabei sollten wir es belassen.
Frage:
Waren Sie bis jetzt mit
der Haltung der bundesdetuschen Regierung zufrieden?

- 2

Ja .

Frage:
Das
Problem, wie
bei
Geiselnahmen, besonders bei der Geiselsituation im Libanon und zuvor im
Iran, zu verfahren sei, ruft weiterhin Polemik und Kontroversen hervor.
Glauben Sie, daß Erpressung von Seiten der Terroristen erfolgreich dazu
beitragen wird, Regierungen und Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen,
die zu ihren Opfern werden und die
internationale
Zusammenarbeit
gegen
den Terrorismus ernsthaft gefährden
wird?

t

t

Antwort:
Sie
bitten
mich
um
eine Zukunftsvorhersage, was für einen Diplomaten immer etwas risikoreich ist. Ich kann Ihnen nur sagen,
was ich darüber denke und wiederhole,
daß meiner Ansicht nach der Stand der
internationalen
Zusammenarbeit
beim
Terrorismus viel weiter fortgeschritten ist als er das noch vor einem
Jahr war.
Ich habe gerade drei Jahre als
amerikanischer Botschafter in Europa
verbracht und mit beträchtlichem Interesse die Entwicklung eines europäischen Konsenses über die Bedeutung
der
Terror ismusbekämpfung
verfolgt.
Ich glaube, wir haben bei einer Reihe
praktischer Fragen erhebliche Fortschritte erzielt.
Eine interessante
Zahl - und es handelt sich hier um
Vorabstatistiken - , die wir herausgefunden haben, besagt, daß bezüglich
des Terrorismus in Europa im Jahr
1986
internationale
Terroranschläge
um 40 Prozent zurückgegangen sind.
Unseren Statistiken zufolge ist
der durch Gruppen aus dem Mittleren
Osten verursachte Terrorismus in Europa im vergangenen Jahr um 70 Prozent zurückgegangen. Obwohl es gewiß
schwierig ist, festzustellen, welche
Faktoren
genau zu diesem
Rückgang

(

«

�beigetragen haben, glaube ich, daß
die Art unserer Zusammenarbeit in allen Bereichen des Terrorismus erheblich zu diesem Rückgang beigetragen
hat.
Wir wollen hoffen, daß diese
Zusammenarbeit in Zukunft weitergeführt wird.
Frage:
Wenn
der
Terrorist
Hamadei von den bundesdeutschen Behörden an die Vereinigten
Staaten
übergeben wird, zieht Washington es
in Betracht, ihn im Austausch gegen
amerikanische Geiseln zu benutzen?
Antwort:
Nein.
Wenn
Hamadei
an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, so ist es unsere Absicht wie dies auch der Justizminister bereits am Mittwoch sagte - ihn nach
amerikanischem Gesetz zu verurteilen.
Frage:
Herr
Botschafter,
ken Sie, daß die Regierung der
desrepublik
im
Fall
Hamadei
bleiben und den Forderungen der
roristen nicht nachgeben sollte?

denBunhart
Ter-

Antwort:
Ich
denke, daß
die
Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich in einer sehr delikaten Situation befindet. Wir sind uns dessen
natürlich
bewußt
und
da wir
selbst schon eine Reihe von Geiselnahmen durchgemacht haben, haben wir
sehr viel Verständnis für den heiklen
Charakter dieser Situation.

einen Antrag
auf Auslieferung von
Hamadei gestellt und wir wissen, daß
die Verfahren - sehr komplizierte juristische Verfahren - ihren Fortgang
nehmen.
Frage:
Herr
Botschafter,
wie
interpretieren Sie den Auslieferungsvertrag?
Ist er für beide Seiten
bindend oder schreibt er lediglich
einen Austausch von Papier vor?
Antwort:
Auslieferungsverträge
regeln die Auslieferung von Straftätern verschiedener Kategorien, nachdem die im Rahmen der Gesetze beider
Staaten - in diesem Fall der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland - geschaffenen Voraussetzungen in die Tat umgesetzt worden
sind.
Ich bin mit den innerstaatlichen
Verfahren in der Bundesrepublik nicht
genügend vertraut.
In den Vereinigten Staaten gilt, daß, wenn ein Gericht über die mögliche Auslieferung
eines Straftäters befunden hat, die
eigentliche
Entscheidung
über
die
Auslieferung an unsere Exekutive, in
diesem
Fall das
Justizministerium,
zurückverwiesen
wird.
Ich
weiß
nicht, ob dies auch in der Bundesrepublik gilt, aber so funktioniert es
in den Vereinigten Staaten.

Meiner Meinung nach wäre es unklug von mir, zu versuchen, der Bundesregierung einen Rat zu geben, wie
diese Situation gelöst werden könnte.
Sie ist sehr heikel und muß seitens
der Bundesregierung mit großer Sensibilität behandelt werden.

Nachdem also die Voraussetzungen
erfüllt worden sind und wenn unsere
Richter
bestimmen, daß die Person
wirklich diejenige ist, die in einem
anderen Land gesucht wird, würde eine
solche Person dann zur Auslieferung
in Betracht kommen, nachdem unser
Justizministerium
dies
entschieden
hätte.

Ich möchte also nicht versuchen,
der
Bundesregierung
zu raten, wie
diese Situation zu lösen ist.
Wie
ich anfangs schon sagte, haben wir

Frage:
Herr
Botschafter, arbeiten amerikanische und deutsche Beamte im Fall Hamadei zusammen? Auch
in Beirut?

- 3 -

�war .
Antwort:
Natürlich halten wir
zur Regierung der Bundesrepublik über
unsere normalen rechtlichen Kanäle in
der Frage unseres Auslieferungsantrages in bezug auf Herrn Hamadei Verbindung - also zwischen unserem Justizministerium und dem Justizministerium der Bundesrepublik.
Aufgrund der dort vorgelegten Dokumente unterhalten wir regelmäßige
Kontakte. Wie ich schon sagte, läuft
meiner Einschätzung nach zur Zeit das
Verfahren der Auswertung dieser Papiere
in
Übereinstimmung
mit
den
deutschen Gesetzen und unserem Auslieferungsvertrag.

Was sehen Sie als die primäre
treibende Kraft hinter Geiselnahmen
überhaupt an? sind es Motive Einzelner, die die Freilassung von Franzosen fordern oder solche von befreundeten Regierungen, die ihre zusätzlichen Forderungen stellen wollen?
Antwort:
Es ist schwierig, auf
diese allgemeine Frage zu antworten,
weil gegenwärtig unserer Zählung zufolge mehr als 20 Ausländer unterschiedlicher Nationalität im Libanon
von verschiedenen Gruppen festgehalten werden.

Frage:
Herr
Botschafter,
die
Vereinigten Staaten haben im Mittleren Osten gewisse Kontakte ausgebaut.
Werden die Deutschen an den Informationen, die aufgrund dieser Kontakte
in Erfahrung gebracht werden, beteiligt?

In manchen Fällen hat keine Gruppierung die Verantwortung
für die
Geiselnahme übernommen.
In anderen
Fällen hat sich eine Gruppe verantwortlich erklärt, aber keine Forderungen gestellt.
In wieder anderen
Fällen haben die Gruppen sowohl die
Verantwortung
übernommen
als
auch
Forderungen gestellt.

Antwort:
Sie
können
sicher
sein, daß wir alle Informationen, die
wir in der Frage der Geiselnahme von
Staatsangehörigen
irgendeines Landes
erhalten sollten - es gibt, wie ich
schon sagte, Staatsangehörige vieler
Länder, die dort als Geiseln festgehalten werden - den betroffenen Staaten sofort zur Kenntnis bringen werden .

Sie sehen also, wie schwierig es
ist , über die Motivationen jeder
dieser Gruppen eine allgemeine Aussage zu machen. Was auch immer die Motive sein mögen, wir verurteilen sie.
Wir glauben nicht, daß Terrorismus
toleriert werden sollte.

Frage:
Botschafter Bremer, wir
sehen uns in Libyen einer Situation
gegenüber, in der private Gruppen Angehörige der westlichen Welt ihrer
Freiheit beraubt haben, um dann die
Freilassung ihrer Freunde in ausländischen
Gefängnissen
zu
verlangen.
Dies zum ersten. Dann mischten sich
befreundete Regierungen ein, die sich
anbieten, zu vermitteln, wenn ihnen
Waffen und Geld gewährt wird - wie
dies bei Syrien und Libyen der Fall
- 4

Frage:
Glauben Sie nicht, daß
die Aufnahme guter Beziehungen zu Syrien, Iran und Libyen eine wirkungsvollere Art und Weise der Anwendung
des Satzes "gut vorgebeugt ist halb
geheilt" darstellt?
Antwort:
Wir haben diese Frage
bereits früher gehört und stimmen dem
nicht zu. Nehmen wir den Fall Libyen. Unsere Regierung hat fünf Jahre
lang versucht, daran zu arbeiten, die
libysche Unterstützung des Terrorismus zu beenden. Dabei haben wir alle

�Arten von friedlichen Maßnahmen angewandt. Wir haben es mit öffentlicher
und
mit Geheimdiplomatie
versucht.
Wir
haben schließlich Wirtschaftssanktionen und politische Sanktionen
ausprobiert.
Wir haben zu militärischen
Mitteln
gegriffen,
und
schließlich hat Präsident Reagan nach
fünf Jahren und angesichts überwältigender Beweise einer libyschen Beteiligung am Terrorismus einen begrenzten Angriff auf Ausbildungslager für
Terroristen in Libyen angeordnet.
Im Falle Syriens gingen wir nach
demselben Muster vor ; wir haben sehr
lange versucht, die Syrier dazu zu
bewegen, dem Terrorismus ihre Unterstützung aufzukündigen. Wie sie wissen, hat sich Präsident Reagan, nachdem die britische Regierung ihre diplomatische Beziehungen zu Syrien im
November abbrach, entschieden, trotz
Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen unseren Botschafter abzuziehen - als Beweis für die politische Bedeutung, die wir diesem Problem des staatlich unterstützten Terrorismus beimessen.
Frage:
Herr
Botschafter,
tun
die Europäer genug, um den Terrorismus zu bekämpfen?
Antwort:
Ich
denke, wir
tun
alle nicht genug. Wir können niemals
sagen, daß wir genug tun, bis wir es
geschafft haben, dem Terrorismus ein
Ende zu machen. Solange es noch Terrorismus in der Welt gibt, tun wir
alle nicht genug.
Ich möchte lieber
über den günstigen Trend sprechen,
anstatt diesen Punkt zu betrachten.
Unsere vorläufigen Zahlen für das
Jahr 1986 zeigen, daß international
die Gesamtzahl terroristischer Vorfälle gegenüber 1985 ungefähr gleich
geblieben ist. Das ist immer noch zu
viel.
Das sind international unge-

fähr 800 Vorfälle pro Jahr. Wenn Sie
aber davon ausgehen, daß wir von 1983
bis 1984 und von 1984 bis 1985 einen
jährlichen Anstieg von 30 bis 40 Prozent hatten, dann denke ich, daß wir
zumindest ein gewisses Maß an Befriedigung aus der Tatsache ziehen können, daß im Jahr 1986 die Zahl der
Vorfälle anscheinend gleich geblieben
ist.
Ich meine, daß unsere Kooperation
beginnt, erfolgreich zu sein.
Dies
ist nicht genug; ich glaube, daß wir
alle mehr tun können, insbesondere
bei der Verbesserung unseres Austauschs
von
Geheimdienstinformationen, unserer Fähigkeit zur Entdeckung
von Terroristen
beim
überschreiten
internationaler Grenzen, bei unserer
Fähigkeit zur Verbesserung der Grenzsicherung und beim Informationsaustausch, etwa über gefälschte Reisepapiere .
Es gibt also eine Reihe von Dingen, an denen wir arbeiten und wo
zweifellos wir alle mehr tun können.
Frage:
Herr
Bremer,
glauben
Sie, daß die Vereinigten Staaten und
Europa über die Zusammenarbeit bei
der Identifizierung und Auslieferung
von Terroristen und den Informationsaustausch hinaus versuchen sollten,
eine
gemeinsame
Eingreiftruppe
zu
entwickeln, um mit Notfällen, wie
Flugzeugentführungen, fertig zu werden?
Antwort:
Es hat auch auf dieser Seite des Atlantik einige Diskussionen zu diesem Thema gegeben. Obwohl es oberflächlich ein attraktiver
Gedanke sein könnte, finde ich selbst
es sehr schwierig zu verstehen, wie
das in der Praxis funktionieren soll.
Es ist sehr schwierig, sich vorzustellen, wie die an solch einer Truppe beteiligten Staaten in der Lage

- 5 -

�sein würden, die Art von sehr schneilen und unmittelbaren Entscheidungen
zu treffen, wie sie bei terroristischen Vorfällen oft verlangt werden,
insbesondere bei einer militärischen
Reaktion auf einen Fall von Terrorismus.
Das bedeutet jedoch nicht,
daß man sich nicht mit einer solchen
Frage beschäftigen sollte.

gedeuteten
Art
der
schon bereitet wurde.

Frage:
Was sind Ihrer Meinung
nach in Europa und den Vereinigten
Staaten die wahrscheinlichen konkreten Möglichkeiten für die Erzielung
einer
umfassenden
Übereinkunft für
eine gemeinsame Bekämpfung des Terrorismus?
Antwort:
Ich denke, wir haben
schon beträchtliche Fortschritte erzielt.
Ich weiß nicht, wie Sie das
Wann
einer
endgültigen
umfassenden
Übereinkunft und das Wie einer Bekämpfung des Terrorismus definieren,
aber ich glaube, daß wir beträchtliche Fortschritte erzielt haben.
Wenn sie zum Beispiel auf das
vergangene Jahr zurückblicken, dann
haben wir große Anstrengungen unternommen, um Staaten, die den Terrorismus fördern, davon abzubringen.
Im
vergangenen Jahr hat es in diesem Bereich auch in Europa beträchtlichen
Fortschritt gegeben. Die Europaische
Gemeinschaft hat am 27. April dazu
eine energische Erklärung abgegeben,
der in den anschließenden Monaten zusätzliche, ebenfalls sehr energische
Erklärungen und weitere Taten europäischer Regierungen gefolgt sind, um
den staatlich geförderten Terrorismus
zu verurteilen, zunächst gegenüber
Libyen und in jüngster Zeit, im November und Dezember, gegen Syrien.
Ich meine, daß die Grundlage für
eine
sehr
bedeutsame
Übereinkunft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa in der Frage der von Ihnen an- 6 -

* * * *

Zusammenarbeit

�^DJ^&lt;

^7

&lt;X

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2 8 . J a n u a r 1987

RAUMFLUG OHNE RISIKO GIBT ES NICHT
DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von S h u t t l e - F l ü g e n
im J a h r 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Im nächsten
Jahr, frühestens am 18. Februar 1988,
soll zum ersten Mal nach dem CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar 1986
wieder ein Raumtransporter starten.
Vorgesehen ist eine Mission von vier
TagenDauer mit der DISCOVERY.
Kommandant Frederick Hauck wird zusammen
mit den Astronauten Richard Covey als
Kopilot sowie John Lounge, George
Nelson und David Hilmers als Missionsexperten den Flug unternehmen.
Auf einer am 15. Januar 1987 in
Washington veranstalteten Pressekonferenz ließ Hauck jedoch keinen Zwei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fel daran, daß dieser "als sehr optimistisch
einzuschätzende
Termin"
nur dann eingehalten werde, wenn er
persönlich und die Verantwortlichen
der NASA
(US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) von der Sicherheit und
Flugbereitschaft des Geräts überzeugt
seien.
Hauck betonte, daß er und die
Kollegen - alle erfahrene Astronauten
- glücklich seien, für diesen Flug
benannt worden zu sein. Die bemannte
Raumfahrt solle und müsse weitergehen.
Dennoch sei das Unglück, bei

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dem sieben Astronauten an Bord ihr
Leben verloren, noch frisch im Gedächtnis und werde nicht vergessen
werden.
"Für uns alle ist der 28.
Januar
ein schreckliches Trauma...
aber wir blicken auch vorwärts und
werden alles tun, daß so etwas nie
wieder geschieht", sagte Hauck. Allerdings werde ungeachtet aller Anstrengungen, auch der Bemühungen um
die Entwicklung eines Rettungssystems
zum Aussteigen in der ersten Flugphase, immer mit Gefahren zu rechnen
sein. "Lassen Sie mich sehr deutlich
sagen:
Es wird nie einen Raumflug
geben, mit dem nicht auch ein Risiko
verbunden wäre". Er sei jedoch überzeugt, daß "wir es aufgrund der Veränderungen seit dem Unfall - in bezug
auf Personen, Organisationen, Umkonstruktionen - mit einer gestärkten,
einsichtigeren Behörde zu tun haben".
Er fühle sich sehr ermutigt, daß für
die Vereinigten Staaten die Aussicht
bestehe, ihre führende Stellung in
der bemannten Raumfahrt zurückzugewinnen.
Auf Fragen von Journalisten sagte
Richard Covey, daß die NASA-Astronauten sehr großen Wert darauf legten,
aus dem Raumtransporter aussteigen zu
können, falls ein Motor versage oder
es zu anderen ernsten Pannen im Flug
käme. Er fügte jedoch hinzu, daß sie
auch ohne eine Notausstiegsvorrichtung fliegen würden, wenn die Ingenieure der Meinung seien, daß eine
solche Sicherung nicht gegeben werden
könne.
(Gegenwärtig wird bei der
Firma Rockwell International ein Rettungssystem entwickelt, bei dem eine
seitliche
Einstiegsluke
abgesprengt
wird. Die Astronauten würden mittels
kleiner Raketen aus der Kabine gezogen und dann am Fallschirm landen.
NASA-Sprecher verwiesen darauf, daß
dieses Verfahren nur im kontrollierten Flug bei niedriger Geschwindigkeit unterhalb von 6 000 m Höhe funk-

tionieren könne.
Die Kosten werden
auf 50 Millionen Dollar geschätzt.)
Die Erprobung der umkonstruierten
Feststoffraketen geht jetzt in die
kritische Phase. Richard Truly, beigeordneter NASA-Administrator für bemannte Raumfahrt, berichtete, daß die
Versuche mit verkürzten Versionen des
Zusatzantriebs
erfolgreich
abgeschlossen seien und in Kürze Brenntests mit Geräten in natürlicher Größe aufgenommen würden. Diese enthalten
500 Tonnen
festen Treibstoff.
Die Rakete wird dazu auf dem Testgelände in horizontaler Position verankert, die Erprobung erfolgt stationär.
Ein Expertengremium des Nationalen Forschungsrates (NRC) warnte vor
kurzem erneut vor einer zu kurzfristigen Planung für die Wiederaufnahme
der Raumflüge, weil im Testprogramm
zu wenig Raum für möglicherweise auftretende weitere technische Schwierigkeiten und notwendig werdende Alternativen gelassen sei. Auch brachte es seine Besorgnis wegen der Tatsache zum Ausdruck, daß sich das neue
Material für die kritischen O-RingDichtungen bei vorläufigen Tests als
unzulänglich erwies. Da das neue Material, das kältefest sein sollte,
von Schmiermasse in der Verbindungsstelle zwischen den Segmenten angegriffen wurde, sahen sich die Techniker gezwungen, auf das kälteempfindliche frühere Material zurückzugreifen und kleine Heizvorrichtungen einzubauen. Die NRC-Gruppe tritt dafür
ein, für alle Fälle zusätzlich ein
anderes, kältebeständiges Material zu
entwickeln, das keine Heizung bei
tiefen
Starttemperaturen
brauche.
"Aber wir sind noch nicht so weit,
und wir wollen uns jetzt nicht an einem neuen Problem festbeißen", meinte
John Thomas, Manager für das Technikerteam, das sich mit der Umkonstruktion
befaßt.
"Das Verhalten
des

�jetzt verwendeten
verstehen wir ."

Materials

dagegen

Die NRC-Expertengruppe wies außerdem auf mögliche Probleme in der
Verbindung zwischen Feststoffraketenmantel und Düse am unteren Ende hin,
weil dort nach dem neuen Konzept Bolzen vorgesehen seien, die zuvor nicht
vorhanden waren.
Dies könnte die
Leckgefahr mit einem Ausdringen heißer Gase erhöhen. Truly versicherte,
daß alle Empfehlungen der NRC-Gruppe
in einen Interimsbericht aufgenommen
würden und NASA-Ingenieure mit ihr
regelmäßig die Empfehlungen erörterten .

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 27. Januar 1987 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung des Terrorismus unternehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Justizminister Meese -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumflug ohne Risiko gibt es nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Flügen im Jahr 1988 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

VoN**

4 . Februar 1987
.

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Trugschluß des "Großen Kompromisses'
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

WIRTSCHAFT
Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß (Teil I und II)
Rh

U

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lehrbeispiel "VOYAGER"
- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. Februar 1987

DER TRUGSCHLUSS DES "GROSSEN KOMPROMISSES"
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

BONN - (AD) - In einer Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik in Bonn hat der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) , Kenneth L. Adelman, am 2. Februar 1987 davor gewarnt, SDI in
einer Art "Großem Kompromiß" gegen Rüstungskontrolle zu tauschen. Dies habe
schon einmal, nämlich im Falle des ABM-Vertrages von 1972, trotz erheblicher
Beschränkungen für Verteidigungssysteme zu einer erheblichen Vermehrung der
Offensivwaffenpotentiale geführt. Dagegen würden "wirksam und angemessen ausgelegte Verteidigungssysteme... stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen," erklärte Adelman.
Die Ansprache von Kenneth L. Adelman hat folgenden Wortlaut:

Heute nachmittag möchte ich mit
Ihnen über das weitaus interessanteste Thema im Bereich der Nationalen
Sicherheit
und
Rüstungskontrolle
sprechen, über die Strategische Verteidigungsinitiative.
Seit Präsident
Reagan im März 1983 seine Idee einer
Verteidigung gegen ballistische Flugkörper verkündete, sind wir Zeuge eines bemerkenswerten
Denkwandels im
Bereich nationaler Sicherheit und Rüstungskontrolle geworden.
Neue und
aufregende Möglichkeiten haben sich
ergeben. Ich glaube, daß viele Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen nun dank SDI anfangen, unserer
Zukunft hoffnungsvoller entgegenzusehen.
Sicherlich
hält die Zukunft
noch interessantere Möglichkeiten bereit.
Ich möchte
lung nehmen:
Erstens:

zu vier

Fragen

Stel-

Wird SDI funktionieren?

Zweitens: Sollten wir, indem wir
die Initiative im Austausch für Rüstungsverringerungen auf einen sogenannten "Großen Kompromiß" beschrän-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ken, SDI den Sowjets überlassen?
Drittens:
Wird die strategische
Verteidigung gegen ballistische Raketen die nukleare Stabilität fördern
oder schädigen, und auf welche Weise
wird sie das tun?
Und schließlich:
Sind Verteidigungssysteme mit der Rüstungskontrolle vereinbar?
Zur ersten Frage: Wird SDI funktionieren?
Sind Verteidigungssysteme
machbar?
Der
Zweck
des
SDI-Programms, das in völliger Übereinstimmung mit allen seitens der Vereinigten Staaten in Verträgen eingegangenen Verpflichtungen,
einschließlich
derer des ABM-Vertrages von 1972,
durchgeführt wird, wird diese Frage
beantworten. Ich möchte betonen, daß
dieses Programm uns alle im westlichen Bündnis angeht. Wir glauben,
daß darin ein großes Versprechen zur
Anhebung der Sicherheit all unserer
Länder, einzeln wie auch zusammengenommen, liegt; ein Versprechen, das
durch die getrennten Beiträge der
verbündeten Staaten zu dieser gemeinsamen Anstrengung wahr gemacht wird.
Der Vorteil, den wir demokratischen
Verbündeten auf unserer Seite haben,
besteht in der Dynamik und Kreativität unserer Technik.
wir haben mit
unseren Verbündeten auf diesem Gebiet
weitgehende Konsultationen unternommen und werden das auch weiterhin
tun.
Es versteht sich von selbst,
daß bei unserem gemeinsamen Vorgehen
in bezug auf dieses Programm wie auch
bei unseren gesamten Verteidigungsanstrengungen die ungeteilte Sicherheit
der Verbündeten weiter besteht.
Die
Sowjets
sagen
natürlich
"nein" zur Frage der Durchführbarkeit
von SDI. Wenigstens sagen sie das in
der Öffentlichkeit. Zu uns sagen sie
nein, aber die Antwort würde bei ih-

nen selbst anders lauten.
Tatsachlich haben sie im Verlauf der letzten
zehn Jahre 150 Milliarden Dollar in
verschiedene Verteidigungssysteme und
in die Forschung für die Verteidigung
gepumpt - etwa fünfzehnmal soviel wie
die Vereinigten Staaten. Das ist für
die Sowjets viel Geld, um es angesichts
ihrer
bescheidenen
Wirtschaftslage für ein Projekt auszugeben, das keinen Erfolg verspricht.
Taten sind in diesem Fall vielsagender als Worte. Ironischerweise waren
eine Reihe von Wissenschaftlern, die
öffentlich an ihre westliche Kollegen
appelliert
haben, sich
gegen
das
westliche SDIProgramm zu wenden
Wissenschaftler
wie Velikow, Basow
und Prokorow - hinter den Kulissen
erheblich mit der sowjetischen Version von SDI befaßt.
Auch
einige
westliche
Wissenschaftler sagen "nein" zur Frage der
Anwendbarkeit
einer
strategischen
Verteidigung.
Nicht etwa alle Wissenschaftler, aber doch einige. Interessant ist dabei, daß einige derselben
amerikanischen
Wissenschaftler, die jetzt argumentieren, die
strategische Verteidigung funktioniere nicht, vor fünfzehn Jahren behaupteten, die Sowjets könnten amerikanische
landgestützte
Raketen nicht
gegenüber einem Präventivschlag verwundbar machen, wenn wir den ABM-Vertrag
unterzeichneten.
Diesen Fall
haben sie wohl unterschätzt.
Die Technik ist tatsächlich nur
schwer vorhersehbar und die Menschen
neigen dazu, sie zu unterschätzen.
Ich möchte ihnen einige Aussagen von
Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten vortragen, die sie sicher
amüsant finden werden.
Der
Edison:

erste

Satz

ist

von

Thomas

�"Das Spiel mit dem Wechselstrom
ist reine Zeitverschwendung. Niemand
wird ihn jemals verwenden; er ist zu
gefährlich...
Gleichstrom ist viel
sicherer" .
Simon Newcomb schrieb 1903:
"Der Flug durch die Luft gehört
zu den Problemen, die die Menschheit
niemals bezwingen wird".
Lee DeForrest argumentierte 1926:
"Obwohl das Fernsehen theoretisch
und technisch machbar
ist, glaube
ich, daß es finanziell und kommerziell unmöglich wäre; eine Entwicklung, mit deren Traum wir nicht unsere Zeit verschwenden sollten".
Admiral William Leahy, Präsident
Truman's Stabschef, warnte 1945:
"Die
(Atom-)Bombe wird
hochgehen; ich spreche als
stoff experte" .

niemals
Spreng-

Und hier ein abschließender Satz,
den ein Wissenschaftler 1932 schrieb:
"Es gibt nicht den leisesten Hinweis darauf, daß wir jemals (Kern-)
energie erhalten könnten. Das würde
bedeuten, wir müßten das Atom auf Befehl spalten".
Der Wissenschaftler
Einstein.

hieß

Albert

Tatsache ist, daß seit unserer
letzten Debatte über eine Verteidigung gegen ballistishe Flugkörper vor
siebzehn Jahren eine technische Revolution stattgefunden hat. Sie können
die Anzeichen dieser Revolution überall in Ihrer Umgebung feststellen in Ihrem Büro, in den Klassenzimmern
Ihrer Kinder, in Ihrem Wohnzimmer, am
Armaturenbrett Ihres Wagens. Es gibt

Schreibmaschinen, die Sie daran erinnern, was Sie geschrieben haben und
Ihnen mitteilen, wenn Ihnen ein Tippfehler unterlaufen ist; kleine Computer, die Sie auf die Knie setzen und
die dieselbe Kapazität haben wie die
gewaltigen
Maschinen der
fünfziger
Jahre und Tausende von Schritten in
der Minute durchführen können; Armaturenbretter,
die
sprechen
können
(auch wenn sie noch nicht viel Interessantes zu sagen haben) - die Auswirkungen
der
Mikrocomputer-Revolution sind allgegenwärtig.
Dasselbe
technische
Wunderwerk,
das dem Lehrer einen neuen Apfel
(apple) auf das Pult gelegt hat - einen Apple-Computer - hat uns einer
Sache nähergebracht, die vor einigen
Jahren noch absurd schien: eine Kugel
mit einer Kugel zu treffen. Tatsache
ist, daß dieser Trick mit Hilfe moderner Technik durchführbar ist. In
dem von den Vereinigten Staaten vor
einigen Jahren durchgeführten Zielüberlappungsexperiment ist es uns gelungen, einen Gefechtskopf im All zu
treffen.
Techniken der Präzisionssteuerung verwandeln die militärische
Landschaft.
Sie
lassen
uns
auch
Hoffnung
schöpfen.
Das
wollte
Präsident
Reagan im März 1983 darlegen.
Wenn
wir westlichen Einfallsreichtum walten lassen, könnte die Technik der
Präzisionssteuerung sogar das im August 1945 aufgestellte eherne Gesetz
widerlegen, daß der Angriff gegenüber
der Verteidigung
immer
im Vorteil
ist. Werden die Sowjets Gegenmaßnahmen gegen eine strategische Verteidigung entwerfen? Natürlich werden sie
das tun; sie werden es zumindest versuchen. Aber wir sollten immer daran
denken: Gegenmaßnahmen
haben
ihren
Preis. Es ist einfacher und kostengünstiger, auf dem Papier Gegenmaßnahmen zu erarbeiten als diese in der

- 3 -

�Praxis durchzuführen.
Und Gegenmaßnahmen könnten sich am Ende als gar
nicht wirkungsvoll erweisen. Wie alle anderen Systeme brauchen auch offensive Gegenmaßnahmen Zeit zur Entwicklung und Stationierung, und die
recht starre Abwicklungspraxis seitens der Sowjets könnte eine Anpassung ihrer Offensive an unsere Verteidigung zu einem schwierigen Problem werden lassen. Wenn es mittels
SDI gelingt, beide Seiten zu zwingen,
ihre besten
technischen
Bemühungen
auf ein Verteidigungssystem hin zu
orientieren, das Waffen zerstört, und
nicht auf offensive Waffen, die Menschen zerstören, wird dieses System
einen positiven Beitrag geleistet haben.
Kurz gesagt: über die Frage, ob
eine strategische Verteidigung durchführbar sei, ist das letzte Wort noch
nicht gesprochen.
Aber ich bin da
recht optimistisch.
Frage zwei: Sollten wir an diesem Punkt SDI gegen Rüstungskontrolle
in einer Art "Großem Kompromiß" eintauschen?
Es heißt, daß diejenigen,
die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen.
Nur
wenige sind sich darüber im klaren,
daß wir schon einmal die Taktik des
"Großen Kompromisses" bei den Sowjets
angewandt haben, und es hat nicht besonders gut funktioniert.
Den ersten "Großen Kompromiß" gab
es 1972, als die Sowjets und wir den
ABM-Vertrag unterzeichneten.
Es ist
der wichtigste Zweck des ABM-Vertrages, den Weg für eine sinnvolle Rüstungskontrolle bei Offensivwaffen zu
bereiten. Das Konzept besteht darin,
daß wir, indem wir das Recht zur Stationierung einer landesweiten Verteidigung
gegen
ballistische
Raketen
aufgeben, bei den Offensivwaffen ein
Wettrüsten vermeiden und wahren Ver-

ringerungen
in nuklearen Arsenalen
Vorschub leisten würden.
Beschränkungen bei der Verteidigung galten
als Schlüssel für Verringerungen bei
den offensiven Nulearwaffen.
Die Präambel des ABM-Vertrages
enthält ausdrücklich dieses Ziel von
"Verringerungen" bei Offensivwaffen.
Einer meiner Vorgänger bei (der amer ikanischen
Rüstungskontrollbehörde)
ACDA und Leiter der amerikanischen
Delegation, die diesen Vertrag aushandelte, Gerard Smith, gab im Mai
1972 im Namen der amerikanischen Regierung eine Erklärung ab, in der es
hieß, daß 'höchstrangige Interessen'
der
Vereinigten
Staaten
gefährdet
sein könnten und wir uns vom Vertrag
zurückziehen
müßten, wenn
es
uns
nicht gelänge, innerhalb von fünf
Jahren umfassendere Beschränkungen zu
erlangen. Das war 1972.
Trotz der Tatsache, daß wir unserer Verteidigung erhebliche Beschränkungen auferlegten, ist es uns niemals wirklich gelungen, die andere
Hälfte des Handels zu verwirklichen.
Im
Jahr
1977
schickte
Präsident
Carter
seinen
Außenminister
Cyrus
Vance mit Vorschlägen für einschneidende Verringerungen bei Offensivwaffen nach Moskau.
Hier gab es also
die Art von Rüstungskontrolle, auf
die alle gehofft hatten - wahre Verringerungen bei nuklearen Offensivwaffen.
Aber es war nichts zu machen. Die Sowjets wollten Vance mit
solchen Vorschlägen kaum anhören, und
Präsident Carter legte sie zur Seite.
Als der SALT II-Vertrag schließlich
1979 unterzeichnet wurde, erlaubte er
erhebliche Steigerungen für die Arsenale beider Seiten.
Als es um die Beschränkung des
Wettbewerbs bei Offensivwaffen ging,
ließen sich die Sowjets ebensowenig
von unserem Beispiel beeindrucken wie

�schon vorher von unseren Vorschlägen
für einen Rüstungsabbau.
Trotz der
Tatsache, daß die militärischen Ausgaben der Vereinigten Staaten Ende
der siebziger Jahre real zurückgingen, stiegen die sowjetischen Ausgaben und die Stationierungen von Nuklearwaffen weiter an.
1979 fasste
der
damalige
Verteidigungsminister
unter Präsident Carter, Harold Brown,
das vergangene Jahrzehnt
zusammen.
"Wenn wir aufrüsten, rüsten sie auch
auf; wir wir abrüsten, rüsten sie
trotzdem weiter auf...".
1970, als die Idee des ABM-Vertrages zur Diskussion stand, erklärte
ein Wissenschaftler vom MIT namens
Bernard Feld vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats zu den Vorteilen einer Einschränkung der strategischen
Verteidigung:
Die Entscheidung bezüglich einer
Raketenabwehr ist äußerst wichtig
für die gesamte Zukunft der Rüstungskontrolle, weil sie zu einer Zeit getroffen wird, in der
beide Seiten sich bei der Zahl
ihrer Nuklearwaffen auf Niveaus
eingependelt zu haben scheinen,
die in allen Fällen so beschrieben werden können, daß sie ungefähren
Gleichstand
aufweisen,
wenn es auch der Gleichstand einer gigantischen Möglichkeit des
"Overkill" auf beiden Seiten ist.
Das war die typische Meinung von
1970 - die Verteidigung zurückzuhalten, um dann in der Lage zu sein, Offensivwaffen
abzubauen oder wenigstens deren Zahl auf einem stabilen
Niveau zu halten. Was glauben Sie,
ist mit den sowjetischen Arsenalen
offensiver
Nuklearwaffen
geschehen,
seitdem wir
zugestimmt haben, die
strategische Verteidigung durch die
Unterzeichnung des ABM-Vertrages im
Jahr 1972 einzuschränken?
Das so-

wjetische Inventar strategischer Nuklearwaffen - Gefechtsköpfe ballistischer Raketen und Bomber - hat nicht
nur zugenommen, es hat sich vervierfacht.
Und die Waffen sind zielgenauer geworden, haben eine größere
Zerstörungskraft und gefährden amerikanische landgestützte Interkontinentalraketen.
Im selben Zeitraum hat
sich unser Arsenal strategischer Waffen etwa verdoppelt. So viel zur Annahme, daß die Beschränkung der Verteidigung der Schlüssel zum Abbau von
Offensivwaffen
ist.
Soviel
zum
"Gleichstand".
Der Große Kompromiß von 1972 hat
nicht zum Abbau von Offensivwaffen
geführt. Er war - wenigstens auf sowjetischer Seite - auch nicht besonders wirkungsvoll bei der Beschränkung
der
Verteidigung.
Bei
der
grundlegenden Haltung der Sowjets zum
Wert einer Verteidigung hat sicher
nur ein geringer Wandel stattgefunden.
Ich habe bereits auf unsere
beste Schätzung der sowjetischen Ausgaben der vergangenen zehn Jahre für
die Luft- und strategische Verteidigung hingewiesen - 150 Milliarden
Dollar gegenüber zehn Milliarden auf
amerikanischer Seite.
Auf Drängen des Kongresses haben
die Vereinigten Staaten auf die ABMVereinbarungen
der Jahre 1972 und
1974 reagiert, indem sie ihr kleines
erlaubtes
Versuchsgelände
für
ABM
schlössen und die Mittel zur Forschung im Bereich der Raketenabwehr
drastisch kürzten. Aus welchen Gründe auch immer nahmen die Vereinigten
Staaten die Haltung "Keine Verteidigung" an.
Die Sowjets taten nichts dergleichen.
Während wir unsere Verteidigung außer Kraft setzten, haben im
Gegenteil die sowjetische Forschung
und ihre Aktivitäten zur Raketenab-

- 5 -

�wehr stetig zugenommen - letztlich
sogar in dem Ausmaß, daß sie den ABMVertrag auf eine ernstliche und sehr
offensichtliche Art und Weise verletzten. Was haben sie getan?
Die Sowjets haben zunächst, wie
dies auch der Vertrag erlaubt, ihr
Raketenabwehrsystem
um Moskau aufrechterhalten und weiter ausgebaut sie haben tatsächlich ein neues System geschaffen. Es besteht Besorgnis darüber, daß die Fließbänder, die
Bestandteile
dieses
neuen
Systems
herstellen, auch dazu verwendet werden könnten, eine breiter angelegte
Stationierung von Raketenabwehrsystemen zu unterstützen könnten.
Zweitens haben die Sowjets, wie dies auch
im ABM-Vertrag erlaubt ist, ihr Netz
der mit Frühwarnsystem ausgerüsteten
Radaranlagen erweitert und ausgebaut.
Neun neue Radaranlagen sind im Bau,
von denen drei in diesem Jahr entdeckt worden sind.
Eine dieser Radaranlagen in der Nähe von Krasnojarsk in Sibirien stellt in ihrem
Aufbau und in ihrer Ausrichtung die
eindeutige Verletzung einer Schlüsselbestimmung des ABM-Vertrages dar.
Die Errichtung solcher großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung (LPARs) seitens der Sowjets
und das vertragswidrige Auftreten einer dieser Radaranlagen - in Krasnojarsk, tief im Inneren der Sowjetunion - erhöhen die Besorgnis über
die sowjetische Fähigkeit zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Solche
LPARs könnten die Produktion und die
Stationierung solcher Komponenten einer
landesweiten Verteidigung, die
eine lange Vorbereitungszeit erfordern, bedeuten.
Diese großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung sind schlagkräftiger und leistungsfähiger als amerikanische Frühwarn-LPARs gegen ballistische Raketen.

Die auf sowjetischer Seite offensichtlich
betriebene Erprobung
und
Staionierung der für ein ABM-System
erforderlichen Komponenten, die eher
in Monaten als in Jahren auf einem
bestimmten
Gelände zu stationieren
wären, könnten ebenfalls zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag führen.
Darüber hinaus weckt die mögliche Erprobung von Komponenten der Luftverteidigung im Rahmen von ABM und die
mögliche ABM-Fähigkeit eines modernen
Boden-Luft-Raketen Systems die weitere Besorgnis darüber, daß die Sowjetunion eine ABM-Verteidigung ihres nationalen
Territoriums
vorbereiten
könnte. Wenn die sowjetischen Komponenten der Luftverteidigung als Ergebnis dieser Aktivitäten mit ABM-Fähigkeiten
ausgerüstet würden, böte
solch eine Entwicklung einen neuen
Weg zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Die sowjetischen Komponenten
für
eine
Luftverteidigung
sind
schnell stationierbar, und ihre Leistungsfähigkeit könnte durch die den
großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung immanenten Fähigkeiten verbessert werden.
Zusammengenommen ergibt dies kurz
gesagt ein weites Netz sowjetischer
ABM- und mit ABM in Zusammenhang stehender Aktivitäten oder Stationierungen - in einigen Fällen zulässig, oft
in Frage zu stellen und in einem Fall
eindeutig illegal - die darauf hinweisen, daß die Sowjets eine Verteidigung ihres nationalen Territoriums
vorbereiten.
Das ist genau das Ergebnis, das der ABM-Vertrag verhindern sollte.
Somit war also unser erster Versuch in Sachen Großer Kompromiß nicht
besonders erfolgreich. Statt die Tür
zum Abbau offensiver Waffen zu öffnen, haben wir der Verletzbarkeit unseren eigenen bodengestützten Waffen
Tür und Tor geöffnet.

�Auch aus anderen Gründen wäre die
Grundannahme der vielfach vorgeschlagenen Formel des Großen Kompromises
zu hinter fragen - die Idee, daß weitere Beschränkungen der Verteidigung
unsere Sicherheit verbessern würden
und gleichzeitig zu bedeutungsvollen
Verringerungen bei den Offensivwaffen
führt.
Zunächst einmal sollten wir uns
darüber im klaren sein, daß auch ein
50prozentiger Abbau von Offensivwaffen uns immer noch in einem schrecklichen Ausmaß der nuklearen Vernichtung aussetzen würde. Wir müssen den
Abbau in seinem Umfeld sehen.
Die
Idee einer strategischen Verteidigung
mit nur 90prozentiger
Effektivität
wird weithin kritisiert.
Es heißt,
eine 90prozentige Effektivität reiche
nicht aus.
Aber historisch gesehen
wäre bereits ein in einem Rüstungskontrollabkommen
niedergelegter
50prozentiger
Abbau nuklearer Offensivwaffen ein sehr kühnes Ergebnis.
Auch wenn wir die Arsenale auf ein
Niveau von 50 Prozent beschränken
könnten, so würden Verteidigungssysteme hierzu einen erheblichen Beitrag leisten und die mögliche Zerstörung noch weiter verringern.
Zweitens tendieren die Anhänger
des Großen Kompromisses zu der Annahme, daß wir bei niedrigen Offensivwaffenniveaus keine Verteidigung benötigen. Aber das ist ganz einfach
falsch. Wir würden im Gegenteil mehr
Verteidigungssysteme
benötigen.
Im
Zuge einer Reduzierung der Offensivwaffen würde auf sowjetischer Seite
der Anreiz zur Täuschung wachsen, da
auf niedrigerem Niveau schon eine geringfügige Vermehrung der Waffen einen größeren Effekt hätte. Verteidigungssysteme würden ein Polster und
eine
Versicherung
gegen
Täuschung
bieten.
Nach
einer
Stationierung
- 7

strategischer
Verteidigungssysteme
würde ein potentieller Betrüger aus
einer heimlichen Erweiterung seines
Arsenals weniger Nutzen ziehen. Auch
Drittländer würden von der Stationierung
eigener
ballistischer
Raketen
weniger profitieren - eine Option,
die in einer Welt, in der die beiden
größten Nuklearmächte ihre Arsenale
stark reduziert hätten, sonst sehr
attraktiv erscheinen könnte.
Schließlich
sollten
wir
immer
daran denken, daß Abschreckung dynamisch ist. Nicht nur das bestehende
Gleichgewicht ist bedeutsam, sondern
auch die Trends. In der vorhersehbaren Zukunft wird die Abschreckung natürlich hauptsächlich in der offensiven Vergeltung
bestehen.
Bedenken
Sie, daß die von uns heute getroffenen Entscheidungen in bezug auf Verteidigungssysteme die Optionen schmälern könnten, die uns auf längere
Sicht zur Verfügung stehen.
Obwohl
es uns bis jetzt gelungen ist, die
Stabilität zu gewährleisten, ist der
Trend
beim strategischen Gleichgewicht nicht gerade beruhigend verlaufen. Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte ist es den Sowjets
gelungen, die landgestützten Interkontinentalraketen
der
Vereinigten
Staaten gegen Präventivschläge verwundbar
zu
machen.
Strategische
Flugzeuge waren immer schon in gewissen Maß verwundbar gegen Zerstörung
am Boden und wären in jedem Fall einer massiven sowjetischen Luftverteidigung
ausgesetzt.
Mobile
Raketen
wären weniger verwundbar, aber sie
wären nicht immun gegen einen Präventivschlag. Und die Sowjets setzen
weiterhin energisch ihre Anstrengungen fort, eine Methode zum Aufspüren
unserer Raketen-U-Boote zu perfektionieren - das einzig verbleibende unverwundbare Standbein unserer Triade.
Die

Technologie

entwickelt

sich

�weiter. Mit oder ohne neue Rüstungsabkommen kann erwartet werden, daß
die sowjetischen Bemühungen, unsere
nukleare
Abschreckung
zunichte
zu
machen, weitergehen.
Wenn man die
Möglichkeit von Fortschritten bei der
Bekämpfung von U-Booten und anderen
Technologien
berücksichtigt,
dann
können Verteidigungssysteme eines Tages nicht nur hilfreich sondern entscheidend für die Erhaltung unseres
Abschreckungspotentials
sein.
Vergessen wir nicht, daß wir im Begriff
sind, durch die von uns heute und in
den nächsten Jahren getroffenen strategischen Entscheidungen eine vielversprechende technologische Zukunft
zu gestalten und zu erschließen.
Ich habe versucht, zwei Fragen zu
beantworten: die nach der Machbarkeit
von SDI und die nach der Ratsamkeit
des
"Großen Kompromisses".
Lassen
Sie mich nun auf die dritte Frage zu
sprechen
kommen:
werden
Verteidigungssysteme die Stabilität erhöhen
oder schmälern?
Hier scheint mir die Antwort ganz
eindeutig.
Wirksame und angemessen
ausgelegte Verteidigungssysteme würden stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen.
Vielleicht werden sie sogar die Stabilität bei Anzahl und Gleichgewicht
der Streitkräfte erhöhen. Was meine
ich damit?
Einige argumentieren, daß strategische Verteidigungssysteme
automatisch zu einer Zunahme der Offensivraketen führen werden.
Werden Sie
dies wirklich?
Es stimmt, daß das
offensichtlichste
Gegenmittel
gegen
Verteidigungssysteme in mehr Offensivwaffen besteht. Bedenken Sie jedoch, daß im Jahr 1972 viele Experten
voraussagten, die Begrenzungen
des
ABM-Vertrages würden auf beiden Seiten den Wunsch nach Stationierung

neuer
Offensivwaffen
abschwächen.
Die Experten hatten unrecht. Die Erfahrung lehrt vielmehr, daß das einfache Modell "Aktion-Reaktion" für
den
Rüstungswettlauf
ein
recht
schlechter Indikator für sowjetisches
Verhalten ist.
Es gibt in der Geschichte eine
andere Analogie, die es wert ist, untersucht zu werden.
In den fünfziger Jahren besaßen
die Vereinigten Staaten umfangreiche
Luftverteidigungssysteme
gegen
sowjetische Bomber. In jenen Tagen gaben wir für unsere Luftverteidigung
ungefähr zwei Drittel so viel aus wie
für unsere Offensivkapazitäten.
Im
Jahr 1960 waren unsere Ausgaben für
Verteidigungssysteme sogar höher als
für Angriffssysteme. Es ist interessant, daß die Sowjets, als wir so
viel für die Luftverteidigung ausgaben, damit aufhörten, Bomber zu bauen
und begannen, Raketen zu produzieren.
Als wir später unsere Ausgaben für
die Luftverteidigung reduzierten, begannen die Sowjets wieder damit, Bomber zu bauen, was keine Überraschung
ist.
Anders
gesagt:
Es
ist
nicht
klar, daß die Stationierung von Verteidigungssystemen gegen ballistische
Raketen die Sowjets dazu veranlassen
wird, die Zahl ihrer ballistischen
Systeme
zu
erhöhen.
Langfristig
führt sie vielleicht zu einer verringerten Stützung auf ballistische Raketen seitens der Sowjets. Stattdessen mögen sie dazu veranlaßt werden,
in Bomber und Marschflugkörper zu investieren.
Dies bedeutet Vorteile
für uns. Bomber und Marschflugkörper
sind langsamer.
Sie können weniger
verwundbar gemacht werden, indem man
sie in die Luft bringt, was deshalb
in Krisen weniger leicht zu einer
Haltung des "benutz sie oder verlier

�sie" führen kann. Eine Abschreckung,
die primär auf Bombern und langsam
fliegenden Marschflugkörpern beruht,
wird generell stabiler sein als eine
Abschreckung,
die
sich
auf
ein
Gleichgewicht bei ballistischen Raketen gründet.
Verteidigungssysteme bieten noch
weitere Vorteile. Fast jede gut geplante
Verteidigung
würde,
selbst
wenn sie nicht perfekt ist, dazu tendieren, das Kalkül für einen Aggressor,
der
einen
Präventivangriff
plant, zu komplizieren. Dies ist der
entscheidende Punkt, und deshalb würde ein größeres Vertrauen auf defensive Technologien dazu führen, die
Krisenstabilität oder Kriegsverhinderung grundsätzlich zu stärken.
Ein
Angreifer, der Atomwaffen benutzt,
rechnet damit, einen schockierenden,
entscheidenden
Schlag
auszuführen.
Er muß sicher sein können, daß er lebenswichtige militärische Ziele vernichten wird.
Ohne diese Sicherheit
ist der Anreiz für den Angriff beseitigt.
Selbst
Verteidigungssysteme
von begrenzter Wirksamkeit würden dazu beitragen, dem Angreifer diese Gewißheit zu nehmen. Bei den breitgefächerten, vielfältigen Systemen, die
wir erforschen, um unsere Nation und
unsere Verbündeten zu schützen - Systeme die, wie man sagt, einen großen
"Fußabdruck" hinterlassen - besteht
einer der Hauptvorteile darin, daß
das eigene Vergeltungspotential vergleichweise gut geschützt wird.
In
jedem Fall sind Verteidigungssysteme
die beste Methode, um den destabilisierenden Trend in Richtung auf zunehmende Verwundbarkeit unseres Vergeltungspotentials
umzukehren,
den
wir seit den früheren siebziger Jahren beobachten mußten.
Was hat es mit der sowjetischen
Behauptung
auf
sich,
strategische
Verteidigungssysteme seien darauf an-

gelegt, die Erstschlagfähigkeit der
Vereinigten Staaten zu unterstützen?
Lassen Sie mich eines ganz klar feststellen:
die
Vereinigten
Staaten
streben nicht nach der Erstschlagfähigkeit; wir möchten stattdessen dasselbe, was wir während der letzten
eineinhalb Jahrzehnte der Gespräche
über strategische Waffen angestrebt
haben - mehr Stabilität. Wir haben
mehr getan, als bei den Rüstungskontrollgesprächen
einfach
sowjetische
Behauptungen zurückzuweisen; wir haben den Sowjets konkrete Vorschläge
unterbreitet, um den von ihnen zum
Ausdruck gebrachten Anliegen Rechnung
zu tragen. Bei einer beideitigen Annahme dieser Vorschläge würde der Annahme, strategische Verteidigungssysteme unterstützten Erstschlagstrategie, jede Grundlage entzogen.
Erstens haben wir angeboten, die
in einer kontrollierten Ubergangsphase zur Stationierung von Verteidigungssystemen benötigte Mischung aus
offensiven und defensiven Systemen zu
diskutieren, um sichern zu helfen,
daß die Krisenstabilität
in jeder
Phase des Übergangs gewährleistet ist
d.h., daß für keine Seite eine
Erstschlaggefahr
besteht.
Zweitens
haben wir radikale Reduzierungen vorgeschlagen, die zur Abschaffung genau
der bei einer Erstschlagstrategie benutzten Offensivsysteme führen würden
- den offensiven ballistische Raketen. Dieser Abbau sollte in Verbindung mit einem Übergang zu Verteidigungssystemen
durchgeführt
werden.
Ohne offensive ballistische Raketen
wäre ein erfolgreicher Erstschlag unmöglich.
Dies war der Hauptgrund,
warum Präsident Reagan in Reykjavik
den Vorschlag für eine Null-Lösung
bei ballistischen Raketen vorlegte:
um Generalsekretär
Gorbatschow die
konkrete Gewißheit zu verschaffen,
daß SDI kein Element einer Erstschlagstrategie ist. Drittens unter-

- 9 -

�breitete Präsident Reagan die Initiative
der
"offenen
Laboratorien",
durch die es Wissenschaftlern aus den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ermöglicht
würde, die Forschungsstätten für strategische Verteidigungssysteme im jeweils anderen
Land zu besuchen.
Wir glauben, daß Verteidigungssysteme beiden Seiten dabei helfen können, sich auf ein Ziel hin zubewegen,
das wir
in der
Rüstungskontrolle
schon seit vielen Jahren verfolgen:
eine Bewegung weg von schnell fliegenden, potentiellen Erstschlagwaffen
und hin zu langsamer fliegenden, stabilisierenderen Systemen.
Präsident
Reagan hat sein Äußerstes getan, um
Generalsekretär
Gorbatschow
klarzumachen, daß dies die Richtung ist, in
die wir uns bewegen möchten.
Zusätzlich zur Stärkung der Stabilität
würden
wirksame Verteidigungssysteme auch die Möglichkeiten
nuklearer Erpressung verringern. Eine auf Verteidigung gegründete Welt
bedeutet für die Mächte des Status
Quo einen strategischen und psychologischen vorteil. Seit den fünfziger
Jahren ist die landgestützte ballistische Rakete die bevorzugte Waffe zur
nuklearen Einschüchterung.
Die Sowjets waren die ersten, die im Jahr
1957, dem Jahr, in dem sie den Sputnik starteten, Interkontinentalraketen
testeten
und
stationierten.
Chruschtschow
stellte
übertriebene
Behauptungen über die Zahl der Raketen im Besitz der UdSSR auf, und im
Westen bekam man Angst.
Chruschtschows Drohungen führten zur Bildung
einer Anti-Atomwaffenbewegung - der
"Weg mit der Bombe"-Bewegung der späten fünfziger Jahre. Wirksame strategische Verteidigungssysteme können
nuklearer Erpressung entgegenwirken,
indem
sie der
Raketendrohung
die
Spitze nehmen.
- 10

Strategische Verteidigungssysteme
würden eine Versicherung gegen einen
nichtautorisierten
oder
versehentlichen Raketenabschuß darstellen.
Schließlich würde eine defensive
Orientierung
unserer
Strategie ein
klares, einendes Ziel verleihen: dieses Ziel würde darin bestehen, die
Abschreckung zu verbessern und unser
überleben sowie das unserer Freunde
und Verbündeten in dem Rahmen zu sichern, wie ihn unsere Technologie zuläßt.
Dies, so scheint mir, ist
nicht
nur
ein
vernünftigeres
und
praktischeres Ziel als das eines einfachen Strebens nach Aufrechterhaltung eines Verhältnisses gegenseitiger Verwundbarkeit zur Sowjetunion,
das immer prekär sein wird.
Dieses
Ziel ist auch psychologisch eher lebensfähig. Es ist politisch attraktiver - eine sehr wichtige Überlegung
für Demokratien, die bei Verteidigungssystemen auf die Unterstützung
der Öffentlichkeit angewiesen sind.
Langfristig gesehen wird dies, so
glaube ich, auch sicherer sein, da
unabhängig von allen erzielten Abrüstungsvereinbarungen
die
Sowjets
hinter der Bühne immer danach streben, die Verwundbarkeit des Westen zu
erhöhen und wir permanent dazu gezwungen sind, Gegenmaßnahmen zu unternehmen, um dies zu verringern.
Meine vierte und letzte
heute abend lautet: Ist diese
nung von Verteidigungssystemen
einbar mit Rüstungskontrolle?
lut nicht.

Frage
BetounverAbso-

Erstens haben wir unsere Erfahrung.
Hat Ihrer Meinung nach seit
der Schaffung der Strategischen Verteidigungsinitiative
die
Intensität
der Abrüstungsverhandlungen zu- oder
abgenommen? Natürlich hat sie an Intensität zugenommen. Als SDI im Ja-

�nuar 1984 formell ins Leben gerufen
und im Haushaltsansatz berücksichtigt
wurde, fanden überhaupt keine Rüstungskontrollverhandlungen
statt.
Die Sowjets hatten Ende 1983 den Verhandlungstisch verlassen - gänzlich
ungerechtfertigt, wie
ich anmerken
möchte. Es war nicht klar, wann sie
zurückkehren würden. Nur kurze Zeit
nachdem das SDI-Programm angekündigt
worden und Haushaltsmittel breitgestellt worden waren, forderten die
Sowjets neue Verhandlungen über Weltraumwaffen.
Bald darauf nahmen die
Verhandlungen
ihren Fortgang.
SDI
erregte
ihre
Aufmerksamkeit.
Es
brachte sie an den Verhandlungstisch
zurück. Schließlich führte SDI dazu,
daß sie zum ersten Mal in der Geschichte über tiefgehende Reduzierungen der Atomwaffenarsenale verhandelten.
Bitte erinnern Sie sich daran,
daß die Sowjets im Jahr 1977 ohne
weiteres
amerikanische
Vorschläge
einschneidender Reduzierungen bei den
Offensivwaffen
ablehnten.
Kürzlich
jedoch, in Reykjavik, haben die Sowjets endlich begonnen, über einschneidende Reduzierungen zu verhandeln - was weitgehend auf Präsident
Reagans Festigkeit und Hartnäckigkeit
während der vergangenen sechs Jahre
und auf SDI zurückzuführen ist. Ob
diese Gespräche zu Ergebnissen führen
werden - zu gleichgewichtigen, wirksam zu verifizierenden Vereinbarungen, die die Sowjets vollständig einhalten werden - ist ungewiß. Schließlich besitzen wir keine Kontrolle
über ihre Entscheidungen.
SDI hat
sie jedoch dazu angespornt, zum ersten Mal ernsthaft über mögliche Abkommen zu verhandeln, die ihr riesiges und weiter wachsendes Atomwaffenarsenal reduzieren würden.
Es ist
also hilfreich
für
die Rüstungskontrolle gewesen.

Und es kann weiterhin hilfreich
sein.
SDI ist vielleicht nicht nur
für unsere zukünftige Sicherheit notwendig, sondern auch dafür, den Sowjets bei allen Abkommen, die wir mit
ihnen abschließen, Ehrlichkeit aufzuerlegen. SDI ist vielleicht notwendig, um die Sowjets weiterhin konstruktiv in den Rüstungskontrollprozeß einzubeziehen. SDI zu beseitigen
würde tatsächlich bedeuten, die Gans
zu töten, die goldene Eier legt.
Zumindest besteht kein logischer
Widerspruch
zwischen
Fortschritten
bei der Rüstungskontrolle und Bewegung
zu verstärkter
Stützung
auf
strategische
Verteidigungssysteme.
Es gibt kein eisernes Gesetz, das besagt, daß wir nicht in der Lage sein
können, auf beiden Seiten eine Mischung aus Verteidigungsund Offensivsystemen zu besitzen.
Es gibt kein
ehernes Gesetz, das besagt, Rüstungskontrolle funktioniere nur dann, wenn
man
die
Verteidigungssysteme
beschränkt.
Ja, die Erfahrung lehrt
eigentlich das Gegenteil: als wir die
Verteidigungssysteme
einschneidenden
Beschränkungen unterwarfen, gelang es
uns nicht, die erhofften Reduzierungen bei den Offensivwaffen zu erreichen.
Das Hauptproblem
bei
der
Rüstungskontrolle bestand nie in Verteidigungs- oder
Offensivsystemen
per se, sondern in den politischen
Absichten.
Die grundsätzliche Frage
ist diese: sind die Sowjets bereit,
eine echte und dauerhafte Reduzierung
ihrer Drohung gegen uns im Austausch
für eine echte Reduzierung unserer
Bedrohung
gegen
sie
vorzunehmen?
Dies ist immer der springende Punkt
gewesen.
Entweder sind die Sowjets
bereit, eine Reduzierung der Bedrohung zuzulassen oder nicht.
Wenn

- 11 -

sie

dazu

bereit

sind, dann

�ist die Stationierung von Defensivsystemen auf beiden Seiten sehr sinnvoll.
Wenn
nicht, dann
ist
es
schwierig zu erkennen, wie die Rüstungskontrolle uns jemals zu einer
sichereren Welt führen wird.
Wenn
die Sowjets nicht bereit sind, uns zu
erlauben, unsere Verwundbarkeit durch
eine gemeinsame Stationierung strategischer Verteidigungssysteme zu reduzieren, welche Basis könnte es dann
für die Annahme geben, daß sie eine
echte und dauerhafte Reduzierung unserer Verwundbarkeit durch Rüstungskontrolle erlauben würden.
Bis jetzt haben strategische Rüstungskontrollvereinbarungen auf der
Grundlage der gegenseitigen Verwundbarkeit ihr Ziel verfehlt: sie sind
mit gewaltigen Zunahmen der Offensivwaffen in beiden Arsenalen und einem
unverhältnismäßigen Anstieg der amerikanischen Verwundbarkeit einhergegangen. Und es gab sowjetische Täuschungsmanöver .
Logisch und strategisch gesehen
gibt es also für beide Seiten keine
bessere Methode zur Erzielung erhöhter Sicherheit als eine Hinwendung zu
strategischen
VerteidigungsSystemen
zusammen mit tiefgreifenden Reduzierungen der Offensivwaffen. Verteidigungssysteme sind nicht Teil des Problems bei der Rüstungskontrolle - sie
sind Teil der Lösung.
Ich werde Ihnen die Beantwortung
einer Frage selbst überlassen: Würden Sie unsere Sicherheit lieber auf
westlicher Genialität oder auf sowjetischer Integrität gegründet sehen?
Wenn wir die Verteidigungssysteme preisgeben, werden wir vielleicht stark auf das letztere vertrauen müssen.
Andererseits: wenn
wir die defensive Option aktiv verfolgen, besteht die Möglichkeit, daß
wir uns gleichzeitig auf die Statio-

nierung von Verteidigungssystemen und
die Reduzierung von Offensivsystemen
zubewegen.
Auf
diese
Weise
kann
westliche Genialität als Versicherung
dienen: Verteidigungssysteme
können
dazu beitragen, sowohl unsere eigene
Sicherheit wie auch die sowjetische
Integrität zu garantieren, indem sie
eine entscheidende Versicherung gegen
sowjetische Aggression und gegen sowjetische Täuschung bei Rüstungskontrollvereinbarungen
liefern.
Dies,
so scheint mir, ist die Art von Versicherung, die wir in einer von Atomwaffen geprägten Welt brauchen und
dies ist die Richtung, in die wir zu
gehen versuchen sollten.
Lassen Sie mich mit einer kleinen
Geschichte enden. Heinrich VIII. von
England betraute Thomas Morus einmal
damit, dem König von Frankreich eine
ärgerliche Botschaft zu überbringen.
Morus, der wußte, wie gewalttätig der
französische König war, setzte Heinrich von seiner Befürchtung in Kenntnis, daß diese Mission ihn den Kopf
kosten könnte.
"Habe keine Angst",
sagte Heinrich, "wenn die Franzosen
dir den Kopf abschneiden, dann werde
ich jeden Franzosen in London einen
Kopf kürzer machen."
"Ich bin Eurer
Majestät zu Dank verpflichtet", antwortete
Morus, "aber
ich
fürchte
sehr, daß keiner ihrer Köpfe auf meinen Rumpf passen wird." Morus wußte,
was wir alle verstehen: Verteidigung
ist besser als Vergeltung - moralisch, strategisch und in der Praxis.
Rüstungskontrolle sollte einer mehr
auf Verteidigung orientierten
Welt
nicht im Wege stehen; sie sollte dabei helfen, uns dahin zu bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

VION #

4. Februar 1987

REAGAN:

HANDEL UND LANDWIRTSCHAFT WICHTIGSTE PROBLEME IM JAHR 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Abbau des amerikanischen Handelsdefizits, die Reform teurer staatlicher Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft und die
Kontrolle der Bundesausgaben werden dem von Präsident Reagan am 29. Januar
1987 dem Kongreß zugeleiteten Jahreswirtschaftsbericht zufolge im Jahr 1987
für die Reagan-Administration die wichtigsten Punkte sein. "Der Abbau unseres
Handelsdefizits bleibt eine der bedeutendsten Herausforderungen für die amerikanische Wirtschaft," erklärt der Präsident darin.
"Wir können dies jedoch
nicht erreichen oder die Wettbewerbsfähigkeit amerikanische Firmen erhöhen,
indem wir im Protektionismus Zuflucht suchen. Protektionismus ist wachstumsfeindlich. Er würde unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen, nicht stärken."
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

An den KongreB der Vereinigten
Staaten:
Seit sechs Jahren verfolgt meine
Administration eine Politik, die auf
Förderung eines stetigen, nichtinflationären Wachstums und auf Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner
ausgerichtet ist. Wir haben eine Politik verankert, die langfristig gesehen im besten Interesse der Nation
liegt, eine Politik, die der unserer
Wirtschaft immanenten Vitalität und
ihrer Fähigkeit, Ressourcen effizient
zu
verteilen
und
wirtschaftliches
Wachstum zu schaffen, aufbaut.
Es

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ist ein
gewesen,
Zaum zu
erheben,
zu viele

Hauptelement dieser Politik
die Neigung der Regierung im
halten, zu hohe Steuern zu
zu viel Geld auszugeben und
Vorschriften zu erlassen.

Der gegenwärtige Konjunkturaufschwung
Unsere
marktorientierte
hat sich ausgezahlt.
Wir
uns nunmehr im fünften Jahr
junkturellen Aufschwungs und
le Wachstumsrate
unseres

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Politik
befinden
des kondie reaBruttoso-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zialprodukts wird sich 1987 wahrscheinlich auf 3,2 Prozent erhöhen.
Im Oktober wird der gegenwärtige Aufschwung der längste in der Nachkriegszeit geworden sein.
Seit Beginn dieses Aufschwungs
hat die Wirtschaft über 12 Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen.
In
jedem der letzten beiden Jahre war
der Prozentsatz von Menschen im arbeitsfähigen Alter mit Arbeitsplätzen
der höchste jemals verzeichnete. Obwohl ich mich durch den Rückgang der
Arbeitslosenquote insgesamt auf 6,6
Prozent ermutigt
fühle, werde ich
nicht eher zufrieden sein, bis nicht
alle Amerikaner, die arbeiten wollen,
einen Arbeitsplatz finden können.
Unsere Bemühungen zur Senkung von
Steuern und Inflation sowie zur Beseitigung übertriebener Vorschriften
haben ein günstiges Klima für Investitionen in neue Fabriken und Anlagen geschaffen.
Der Anteil fester
Anlagen der Unternehmen am Bruttosozialprodukt erreichte in den Jahren
1984 und 1985 Rekordhöhen und bleibt
historisch gesehen weiterhin hoch.
Trotz der enormen Fortschritte
der Wirtschaft bei Beschäftigung und
Produktion ist die Inflation in den
vergangenen fünf Jahren unter oder
nahe 4 Prozent stehen geblieben und
im Jahr 1986 auf die niedrigste Rate
der letzten 25 Jahre abgesunken. Obwohl die niedrige Inflationsrate des
vorigen
Jahres
teilweise
den beträchtlichen
Rückgang
der Energiepreise widerspiegelt, erwarten wir
für das Jahr 1987, daß die Teuerung
weiterhin so bescheiden zunimmt, wie
wir dies in den ersten drei Jahren
des Aufschwungs erlebt haben.
Auf
den Finanzmärkten sind unsere Fortschritte beim Abbau der Inflation von
zweistelligen Raten zur Kenntnis genommen worden, und die Zinssätze san- 2

ken im Jahr 1986 auf das niedrigste
Niveau der vergangenen neun Jahre.
Um diese Entwicklungen zu stützen,
sollte die Bundesbank eine Geld- und
Kreditpolitik verfolgen, die den gemeinsamen
Zielen von Wachstum und
Preisstabilität dient.
Kurz gesagt: seit 1982 haben wir
die wirtschaftlichen Probleme vermieden, die uns in der jüngeren Vergangenheit
zusetzten - Beschleunigung
der Inflation, steigende Zinsen und
einschneidende Rezessionen.
Produktion und Beschäftigung sind stark angestiegen während die Inflation niedrig blieb und die Zinsen sanken.
Dieser Aufschwung hat jetzt schon bedeutende Fortschritte im Hinblick auf
unser langfristiges Ziel des stetigen
Wirtschaftswachstums und der Preisstabilität erreicht.

Die wirtschaftliche Rolle des
Staates
Der Staat sollte in der Wirtschaft eine begrenzte Rolle spielen.
Die Bundesregierung sollte eine stabile Wirtschaft fördern, in der die
Menschen Entscheidungen aufgrund von
Informationen
treffen können.
Sie
sollte ihnen diese Entscheidungen weder abnehmen, noch willkürlich die
wirtschaftlichen
Wahlmöglichkeiten
durch die Art der Besteuerung oder
Vorschriften in bezug auf die Produktion verzerren. Sie sollte und kann
nicht weiterhin übermäßig Geld ausgeben, ihre Macht zur Besteuerung mißbrauchen und Geld leihen, um über ihre Verhältnisse zu leben.
Die Bundesregierung sollte gewisse Güter und Dienstleistungen bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Anwendungsbereich
nach national sind und die von Privatfirmen
nicht effektiv
geliefert

�werden können - aber sie sollte nicht
versuchen,
öffentliche
Güter
und
Dienstleistungen
zur
Verfügung
zu
stellen, die von den Einzelstaaten
oder den Gemeinden besser geliefert
werden können.
Wenn der Staat dem
Einzelnen und den privaten Unternehmen Entscheidungen
abnimmt, werden
Produktionsanreize
unterdrückt
und
verzerrt; Wachstum, Produktivität und
Beschäftigung werden davon in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sollte der
Staat so weit wie möglich verantwortungsbewußte Maßnahmen des Einzelnen
fördern und auf die Initiative des
privaten Sektors vertrauen.

Arbeitsplätzen
führen.
Schließlich
wird durch die Steuerreform das Besteuerungssystem gerechter. Die einfachere,
niedrigere
Steuerstruktur
wird die Befolgung leichter und Steuerhinterziehung weniger attraktiv gestalten.
Die Amerikaner werden wissen, daß jetzt jeder seinen fairen
Anteil zahlt und kein Einkommen in
Schlupflöchern oder unproduktiven Nischen versteckt. Insbesondere werden
Millionen von ärmeren Arbeitnehmern
von der Steuerreform profitieren, indem sie aus den Steuerlisten gestrichen werden.

Verbleibende Herausforderungen der
Wirtschaftspolitik

Die Steuerreform
In meiner Botschaft zur Lage der
Nation im Jahr 1984 erklärte ich die
Steuerreform zur nationalen Priorität. Nach über zwei Jahren überparteilicher Bemühungen haben wir unser
Ziel im vergangenen Herbst erreicht,
als ich das Steuerreformgesetz von
1984 unterzeichnete.
Die Steuerreform erweitert die Besteuerungsgrundlagen der Einkommensteuer für Privatpersonen und Unternehmen und reduziert die Steuersätze beträchtlich.
Von diesen Veränderungen profitieren
die Amerikaner dreifach.
Erstens, durch die Senkung des
Spitzensteuersatzes erhöht die Steuerreform die Anreize, zu arbeiten, zu
sparen und zu investieren. Zweitens,
durch den Abbau von Disparitäten bei
den Steuersätzen für Einkommen aus
langfristigen Kapitalanlagen fördert
die
Steuerreform eine effizientere
Verwendung von Anlagekapital. Investitionsentscheidungen
werden
eher
die produktiven Vorzüge einer Aktivität als ihre steuerlichen Konsequenzen widerspiegeln und dadurch zu einer effizienteren Verteilung von Ressourcen, zu höherem Wachstum und mehr

Wir haben das Steuerrecht erfolgreich reformiert, die Inflation unter
Kontrolle gebracht und staatliche Interventionen in der Wirtschaft abgebaut. Das Ergebnis bestand in einer
Ausweitung von Produktion und Beschäftigung, die nun im fünften Jahr
anhält und von der wir erwarten, daß
sie im Jahr 1987 verstärkt andauern
wird.
Obwohl schon viel erreicht
wurde, müssen und wollen wir uns den
verbleibenden
Herausforderungen
für
die Wirtschaft widmen.
Wir müssen
weiterhin das Defizit des Bundeshaushalts durch
Zurückhaltung bei den
Ausgaben reduzieren. Wir müssen das
Handelsdefizit reduzieren und gleichzeitig
Protektionismus
vermeiden.
Wir
müssen
die
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas in der
Weltwirtschaft stärken. Und wir müssen die teuren, unwirksamen und unfairen
Landwirtschaftsprogramme
reformieren.

Kontrolle der Bundesausgaben
Zum ersten Mal seit 1973 werden
die Bundesausgaben im Jahr 1987 real

- 3 -

�sinken. Deshalb wird das Bundeshaushaltsdefizit gegenüber dem Niveau von
1986 um fast 50 Milliarden Dollar abnehmen. Mein Haushalt für 1988 wird
diesen Prozeß fortsetzen, indem er
das durch Gramm-Rudman-Hollings gesetzte Defizit-Ziel von 108 Milliarden Dollar einhält.
Der Abbau des Defizits muß weitergehen und durch die Eindämmung des
Wachstums bei den Bundesausgaben erreicht werden - nicht durch Steuererhöhungen, die Wachstum und Chancen
vermindern würden.
Große und hartnäckige Bundesdefizite verlagern die
Last der Zahlungen für die heutigen
Bundesausgaben auf künftige Generationen. Ein durch Zurückhaltung bei
den Ausgaben erreichter Abbau des Defizits ist unverzichtbar, wenn wir
die beträchtlichen Vorteile dieses
Abbaus bei den Steuersätzen und der
Reform
der
Steuergesetze
erhalten
wollen; sie ist ebenso unverzichtbar
zur Reduzierung unseres Zahlungsbilanzdefizits.
Und schließlich überschreiten die Ausgaben bei vielen
Programmen
die
Summen, die
nötig
sind, um die grundlegenden Dienstleistungen des Bundes kostenwirksam
bereitzustellen.
Neben der Zurückhaltung bei den
Ausgaben müssen wir das Budgetverfahren so reformieren, daß der Macht der
Bundesregierung, zu hohe Steuern zu
erheben und zu viel Geld auszugeben,
Zügel angelegt werden.
Ich unterstütze einen Zusatz zur Verfassung,
der
ein
ausgeglichenes
Budget
in
Friedenszeiten vorschreibt, und ich
fordere den Kongreß auf, dem Präsidenten das gleiche Recht zu gewähren,
das 43 Gouverneuren zusteht - das
Recht, bei Bewilligungsmaßnahmen gegen einzelne Titel ein Veto einzulegen.

Aufrechterhaltung von freiem und
fairem Handel
Eine der bedeutendsten noch verbleibenden Herausforderungen für die
Wirtschaft
der Vereinigten
Staaten
ist der Abbau unseres Handelsdefizits. Wir können jedoch weder dies
erreichen, noch die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen erhöhen, indem wir beim Protektionismus
Zuflucht suchen. Protektionismus ist
wachstumsfeindlich.
Er würde unsere
Wettbewerbsfähigkeit
mindern, nicht
stärken. Durch ihn würden keine Arbeitsplätze geschaffen. Er würde im
Interesse einiger weniger den meisten
Amerikanern schaden. Er würde unsere
Handelspartner zur Vergeltung aufrufen. Langfristig würde uns der Protektionismus in den Bereichen unserer
Wirtschaft gefangen halten, in denen
wir vergleichsweise schwach sind, anstatt uns Wachstum in den Bereichen
zu gestatten, in denen wir relativ
stark sind.
Wir können durch Protektionismus
nichts gewinnen. Aber wir können gewinnen, indem wir uns standhaft darum
bemühen, unfaire Handelspraktiken zu
beseitigen und die Märkte in der ganzen Welt zu öffnen. Ich werde mich
in diesem Jahr weiterhin dafür stark
machen, ausländische Märkte zu öffnen
und unfairen Handelspraktiken, wo immer
sie bestehen mögen, energisch
entgegentreten.
Außerdem werde ich
den Kongreß bitten, das Verhandlungsmandat des Präsidenten für die Uruguay-Runde
unter
dem
Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen
(GATT) zu
erneuern. Diese Gespräche bieten eine
wichtige
und
vielversprechende
Chance für die Liberalisierung des
Handels auf Gebieten, die für die
Vereinigten
Staaten
lebenswichtig
sind; den Handel mit Dienstleistungen, den Schutz geistigen Eigentums,
faire Regeln für internationale Inve-

�stitionen und den Welthandel mit Agrarprodukten.
Hier in den Vereinigten Staaten
müssen wir Zurückhaltung bei den Bundesausgaben üben.
Unsere Handelsdefizit bei Gütern und Dienstleistungen
spiegelt die Tatsache wider, daß wir
in den letzten Jahren mehr ausgegeben
als produziert haben - und wir haben
aufgrund der Verschwendungssucht der
Bundesregierung zu viel ausgegeben.
Wenn der Kongreß meinen Haushalt für
1988 in Augenschein nimmt, sollte er
dabei bedenken, daß ein Votum für höhere Regierungsausgaben ein Votum gegen die Korrektur unsere Handelsdefizits darstellt.

Stärkung von Produktivität
bewerbsfähigkeit

und Wett-

Wir müssen uns bemühen, um unsere
internationale
Wettbewerbsfähigkeit
durch ein größeres Wachstum bei der
Produktivität zu verbessern. Die Abwertung des Dollar seit Anfang 1985
hat viel dazu beigetragen, unsere
Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Wir wollen uns jedoch nicht allein auf Bewegungen der Wechselkurse
stützen.
Das Wachstum der Produktivität liefert das Mittel, mit dem wir
unsere
Wettbewerbsfähigkeit
stärken
und gleichzeitig Einkommen und Chancen erhöhen können.
Seit 1981 ist
die amerikanische Produktivität
im
Industriebereich um 46 Prozent gestiegen, schneller
als
im Durchschnitt der Nachkriegszeit. Dies ist
eine solide Leistung, aber es muß
noch mehr getan werden. Wir müssen
ein
dauerhaftes
Produktivitätswachstum in der Industrieproduktion und
in anderen Sektoren unserer Wirtschaft ermutigen.
Ein Weg
zur
Stärkung
unserer
weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
ist

die Befreiung der amerikanischen Produzenten von unnötigen gesetzlichen
Vorschriften.
Meine
Administration
hat sich darum bemüht, Vorschriften
für Industrien abzubauen, bei denen
vermehrter Wettbewerb größere Vorteile für Verbraucher und Hersteller mit
sich bringt.
Ebenso hat sie die
Struktur der von der Bundesregierung
erlassenen
Vorschriften
gestrafft.
Die Amerikaner haben bedeutende Vorteile aus der Deregulierung des Flugverkehrs, der finanziellen Dienstleistungen, der Eisenbahnen und des LkwVerkehrs gezogen. ich werde mich jedem Versuch widersetzen, bei diesen
Industrien die Entwicklung wieder zurückzudrehen. Unsere Wirtschaft wird
weitere Vorteile erringen, wenn wir
die Preiskontrollen für Erdgas, verbleibende Vorschriften für den LkwSektor und unnötige Einschränkungen
für den Arbeitsmarkt beseitigen. Ohne Schaden für die Luftqualität in
unserem Land sollten wir die Tendenzen unserer gegenwärtigen Luftreinhaltungsgesetze beseitigen, die saubereren und effizienteren neuen Fabriken und Kraftwerken entgegenstehen. Wo Vorschriften notwendig sind,
sollten ihre Kosten gegen die Vorteile aufgewogen werden, um sicherzustellen, daß regulative Schritte dort
vorgenommen werden, wo sie wirklich
Positives leisten und um zu vermeiden, daß amerikanischen Unternehmen
auf dem Weltmarkt Wettbewerbsnachteile entstehen.
Durch
Privatisierung
wird
die
Produktion von Gütern und Dienstleistungen vom Staat auf den Privatsektor verlagert.
Durch Privatisierung
kann
auch die
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas verbessert werden, weil Privatfirmen Güter und Dienstleistungen
besserer
Qualität
produzieren
und
diese dem Verbraucher preiswerter zur
Verfügung
stellen
können
als
der
Staat. Aus diesen Gründen profitie-

- 5 -

�ren die Amerikaner, wenn der Staat
sich zurückzieht.
Wie die Abschaffung von Vorschriften und Zentralismus verkörpert die Privatisierung die
Überzeugung
meiner
Administration,
daß die Bundesregierung ihre Eingriffe in den Markt und lokale Verwaltungen auf ein Minimum beschränken sollte. Wir müssen zunehmend Regierungsfunktionen auf den wettbewerbsfähigen
Markt
zurückverlagern,
indem
wir
staatliche
Firmen
verkaufen
oder
übertragen.
Im Jahr 1986 hat der
Kongreß das Verkehrsministerium ermächtigt, Conrail der Öffentlichkeit
zum Kauf anzubieten, was, wie wir
hoffen, dieses Jahr stattfinden wird.
Andere für eine Privatisierung geeignete Unternehmen sind zum Beispiel
die National Petroleum Reserves, die
Alaska
Power
Administration
und
Amtrak.

Reform der Agrarpolitik
Eine weitere Priorität des Jahres
1987 muß in der Reform unserer Agrarprogramme bestehen.
Neben der Tatsache, daß diese Programme allein in
diesem Jahr den Steuerzahler 34 Milliarden Dollar kosten, entziehen sie
Land, Arbeitskraft und andere Ressourcen einer produktiven Verwendung.
Die meisten Landwirtschaftsprogramme
sind teuer und unfair, weil sie in
der Tat relativ wenigen Einzelpersonen und Firmen Millionen von Dollar
verschaffen, während viele Familienbetriebe, meist diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen, wenig bekommen.
Schließlich
führen
Landwirtschaftsprogramme bei vielen Nahrungsmitteln
zu Preiserhöhungen für alle Amerikaner, reich und arm.
Die Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen sollte nicht durch
direkte Subventionen oder Preisstützung für landwirtschaftliche Produkte
- 6

mit der Produktion verbunden sein.
Meine Administration wird ein marktorientiertes
Reformpaket
verfolgen,
das zwei Ziele hat: eine schrittweise
Trennung der Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen von landwirtschaftlicher Produktion und die Konzentrierung dieser Unterstützung auf
diejenigen Familienbetriebe, die sie
am nötigsten haben.

Zusammenfassung
Die Wirtschaftspolitik meiner Administration hat mehr wirtschaftliche
Freiheit und Chancen für Männer und
Frauen, für Privatfirmen und die Regierungen der Einzelstaaten und Gemeinden geschaffen, um ihre eigenen
Interessen zu verfolgen und ihre eigenen
Entscheidungen
zu
treffen.
Diese Politik hat zu einem stetigen
Wirtschaftsaufschwung
mit
niedriger
Inflation, niedrigeren Steuern und
einem vereinfachten Steuergesetz, der
Befreiung der Industrie von gesetzlichen Vorschriften, einem scharfen
Anstieg bei den Investitionausgaben
und mehr als 12 Millionen neuen Arbeitsplätzen geführt.
Das amerikanische Volk verlangt
eine gesunde, produktive und wachsende Wirtschaft.
Deshalb werde ich
weiterhin eine Politik verfolgen, die
das Wachstum fördert, das Defizit des
Bundeshaushalts abbaut, das Handelsdefizit korrigiert und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produzenten
stärkt.
Das
amerikanische
Volk wird eine Wiederholung der gescheiterten
Wirtschaftspolitik
der
Vergangenheit nicht dulden.
Deshalb
werde ich mich allen Vorschlägen zur
Einführung
einer
Wirtschaftspolitik
widersetzen, die die Errungenschaften
der
Steuerreform
preisgeben,
das
Wachstum lähmen, die Inflation anheizen, unnötige staatliche Eingriffe in

�den Markt bewahren oder den Protektionismus fördern. Mit der Hilfe und
Kooperation des Kongresses können wir
den gegenwärtigen Konjukturaufschwung
aufrechterhalten und stärken und die
wirtschaftlichen Errungenschaften der
letzten sechs Jahre erhalten und ausbauen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Hintergrundmaterial

^ &lt;£

4. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil I und II

Dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz zur Reorganisation der Verteidigung zufolge wird in Zukunft jährlich vom Präsidenten zusammen mit der
Haushaltsvorlage ein Bericht über die "Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten" vorgelegt.
Der diesjährige Bericht kam am 28. Januar zur Vorlage und wurde gleichzeitig veröffentlicht.
Er faßt zur Verbreitung in der Öffentlichkeit und
erstmals unter einem Titel die wesentlichen Bestandteile der Strategie zur nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten wie folgt zusammen:

Nationale Interessen und Zielsetzungen der Vereinigten Staaten,
Wichtige
Bedrohungen
scher Interessen,

amerikani-

Die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten (ihre Prinzipien und deren regionale Anwendung)
Die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten,
Die Verteidigung und militärische
Strategie der Vereinigten Staaten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

- Die integrierte Verwendung amerikanischer Mittel zur Unterstützung
dernationalen
Sicherheitsstrategie
Der
Bericht
rekapituliert
die
heutige amerikanische Politik und beschreibt die Art und Weise, in der
verschiedene
politische
Maßnahmen
durchgeführt werden, die sich zur Erlangung amerikanischer Ziele gegenseitig unterstützen.
Er gibt keine
neuen Maßnahmen oder Initiativen bekannt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
entsprechenden
Abteilungen
und Behörden waren an der Erstellung
dieses Berichts beteiligt. Obwohl es
ein Bericht des Präsidenten ist, haben der Außenminister, der Verteidigungsminister, der Vorsitzende, die
Vereinigten Stabschefs und der Berater für Fragen der Nationalen Sicherheit des Präsidenten an seiner Entstehung mitgewirkt.
Von hochrangigen Beamten bei Anhörungen im Streitkräftsausschuß des
Senats gehaltene Referate über eine
nationale Strategie vervollständigen
und erweitern Teile des Berichts.
Der Bericht geht auf
Punkte im einzelnen ein:

folgende

- Die grundlegenden Interessen der
Vereinigten Staaten an: dem überleben der Vereinigten Staaten und
ihrer freien Institutionen; einer
gesunden und wachsenden amerikanischen Wirtschaft; der weltweiten Ausbreitung von Demokratie
und
freien
marktwirtschaftlich
orientierten Wirtschaftssystemen.
- Wie unsere Strategien versuchen,
aus amerikanischen
Stärken und
sowjetischen Schwächen Nutzen zu
ziehen.
- Den Charakter
der
Abschreckung
und wie unsere strategischen und
konventionellen Streitkräfte dazu
beitragen.
- Die Einbettung unserer Zielsetzungen im Bereich der Rüstungskontrolle
in
unsere
weitergespannten strategischen Ziele.
- Die
Möglichkeiten
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative,
das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
- 2 -

der Sowjetunion grundlegend umzuwandeln und die Abschreckung auf
eine sicherere und gefestigtere
Grundlage zu stellen.
- Die
Strategie
der
Vereinigten
Staaten zur Behandlung von Konflikten mit niedriger Intensität.
- Maßnahmen, die unternommen werden, um durch bessere Planung und
Anleitung die Effizienz bei der
Durchführung dieser Strategie zu
verbessern; dazu gehört auch die
Vorlage eines zwei Jahre umfassenden Verteidigungshaushalts im
Finanzjahr 1988/89.
- Der
Bericht
beschreibt
ferner
wichtige Defizite bei den Mitteln
zur Durchführung dieser Strategie, hier besonders:
- Die Krise bei der Finanzierung
von Entwicklungshilfe, die durch
erhebliche Kürzungen seitens des
Kongresses im Finanzjahr 1987 zustande kam und die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten zum Gebrauch
dieses rentablen Mittels zur Unterstützung einer Reihe wichtiger
nationaler
Sicherheitsinteressen
erheblich einschränkte.
Der Bericht erbittet die eindeutige Unterstützung
des Kongresses für
die anhängige Zusatzforderung, um
einen
Teil
der
Mittel
wieder
freizugeben.
- Angesichts des geringen Wachstums
bei den Vorlagen zum Verteidigungshaushalt
der
letzten
zwei
Jahre erbittet der Bericht Unterstützung für einen gemäßigten Zuwachs bei den Investitionen in
die Verteidigung, um die Aufgabe
des Wiederaufbaus der amerikanischen Verteidigung zu vollenden
und die für den wirkungsvollsten
Gebrauch der Verteidigungsmittel

�notwendige programmatische
lität zu fördern.

- Schließlich fordert der Bericht
die Unterstützung beider Parteien
im Kongreß für diese Strategie
und ihre Zielsetzungen wie auch
deren enge Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die Mittel für
dessen
Durchführung
angemessen
sind.

I.

gen moralischen Unterschiede zwischen Totalitärismus und Demokratie herauszuarbeiten;

Stabi-

Eine amerikanische Perspektive

Seit Beginn dieser Regierung haben wir den Grundstein für eine konstruktivere und positivere amerikanische Rolle in der Welt gelegt, indem
wir die wesentlichen Bestandteile der
amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik klar darlegten.
In der Zwischenzeit haben wir unsere Politik und unsere Leistungen
auf der Weltbühne objektiv betrachtet, um sicherzustellen, daß sie die
Dynamik einer komplexen und sich ewig
wandelnden
Welt widerspiegeln.
Wo
Kursanpassungen notwendig wurden, habe ich Änderungen angeordnet.
Aber
wir sind nicht vom Kurs abgewichen
und werden auch nicht von den weitgesteckten Zielen abrücken, die Amerikas Rolle in der heutigen Welt bestimmen:
- Starke und enge Beziehungen
unseren Bündnispartnern auf
ganzen Welt;

mit
der

- Aktive Unterstützung jener, die
für ihre Selbstbestimmung, Freiheit, einen annehmbaren Lebensstandard und für ihre Entwicklung
kämpfen;
- Bereitschaft
zu einer
realistischen
Sichtweise
der
Sowjetunion, um öffentlich die wichti-

- Suche nach bedeutsamen Wegen einer
Zusammenarbeit
mit sowjetischen Politikern, um einen Krieg
zu vermeiden und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.
Die zu Anfang dieser Regierung
gelegte
Grundlage
einer
gesunden
Strategie zur Nationalen Sicherheit
hat fest gegriffen und uns gute Dienste geleistet.
unsere wirtschaftliche, politische und
militärische
Macht lebt wieder auf.
Die westlichen Demokratien sind neu belebt
und auf der ganzen Welt wenden sich
Nationen demokratischen Ideen und den
Prinzipien der freien Marktwirtschaft
zu. Bei all diesen Bemühungen unterstützen die Vereinigten Staaten auch
weiterhin all jene, die sich die Vorteile unseres demokratischen Lebensstils zu eigen machen wollen.
Obwohl
den Vereinigten
Staaten
seit Ende des Zweiten Weltkrieges in
der freien Welt eine Führungsrolle
zufällt, haben wir doch nie allein
gehandelt.
Während des Krieges und
in den darauffolgenden vier Jahrzehnten gründete sich unsere Strategie
auf die Partnerschaft mit solchen
Ländern, die unsere Ziele teilen.
Da sich die Welt mit den Jahren
gewandelt hat, sind die Unterschiede
zwischen Ländern, die danach streben,
demokratische Institutionen hervorzubringen und solchen, die der totalitär istischen Fahne
folgen, in den
Mittelpunkt unseres Blickfeldes gerückt. Da die Veränderungen der Zukunft in den Bereichen der Menschenrechte, der modernen Technik, der Lebensqualität und der Weltwirtschaft
stattfinden, wird unser Beispiel weiterhin erheblichen Einfluß auf die

- 3 -

�Menschheit ausüben.
Die Vereinigten
Staaten befinden sich in diesem historischen Wettstreit auf der richtigen Seite und wir haben versucht, einen bleibenden Rahmen zur Förderung
dieses positiven Wandels zu schaffen.
Der Bericht über die Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten baut auf den Bemühungen dieser Regierung, des Kongresses
und des amerikanischen Volkes in den
vergangenen sechs Jahren auf. Aber
jedes Papier für eine Strategie kann
nur ein Leitfaden sein. Um Wirkung
zu zeigen, muß es fest in weitgespannten
nationalen
Interessen und
Zielsetzungen verwurzelt, von einer
angemessenen Bereitstellung von Mitteln begleitet sein und alle relevanten Bereiche nationaler Macht einschließen, um unsere nationalen Zielsetzungen zu verfolgen.
Es muß ein
Gerüst erstellen, in dem besondere
Einzelziele von den mit der Überwachung bestimmter Bestandteile nationaler Macht beauftragten Behörden erkennbar sind. Und er sollte eine Anleitung
zur
Erstellung
besonderer
Pläne zur Erlangung genau dieser Einzelziele geben.
Aus
diesen
Grund
spielen die
jährlichen Vorlagen des Außen- und
des Verteidigungsministers
vor dem
Kongreß eine Schlüsselrolle zur Unterstützung der in diesem Bericht näher
beschriebenen
Zielsetzungen.
Beide entwickeln in ihren jeweiligen
Bereichen der Außen- und der Verteidigungspolitik detaillierte Aktionspläne, um unsere nationale Strategie
zu unterstützen, amerikanischen Interessen Vorschub zu leisten und, was
am wichtigsten ist, das Risiko für
uns und unsere Verbündeten zu verringern.
Nachfolgend werden die Bemühungen
dieser Administration dargelegt, eine

Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten vorzulegen einen Entwurf für Freiheit, Frieden
und Wohlstand in unserer Zukunft.

II. Grundlagen der Strategie zur
Nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten
Die
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten in einer komplexen und sich
wandelnden Welt
In den Jahren nach dem Zweiten
Weltkrieg sahen sich die Vereinigten
Staaten zum ersten Mal einer unausweichlichen Verantwortung für die Angelegenheiten der Welt gegenübergestellt.
Die Vereinigten Staaten waren nicht länger durch die fast perfekte Festung der Meere geschützt,
nun mit vom Krieg zerstörten Ländern
verbündet, sahen sich unumstößlichen
Beweisen expansionistischer Bemühungen der Sowjets gegenüber und nahmen
angesichts dessen die doppelte Last
auf sich, die Wiederherstellung der
weltwirtschaftlichen Ordnung zu erleichtern und der Verbreitung von sowjetisch geprägtem Totalitärismus und
Kommunismus Einhalt zu gebieten.
Die Vereinigten Staaten reagierten auf die von Moskau ausgehenden
Bedrohungen mit einer Politik des
"Containment".
"Containment" umfaßt
als Strategie
für den Weltfrieden
drei verschiedene Elemente.
Zum ersten Element, der amerikanischen Verteidigungspolitik, gehörte
die weitere Stationierung von Streitkräften, die notwendig sind, um eine
militärische Expansion seitens der
Sowjets in ihre Schranken zu verweisen
("contain") und abzuschrecken.
Für die Praxis bedeutet dies, daß wir
zum ersten Mal in unserer Geschichte
große militärische Formationen im Ge-

- 4 -

�biet der Verbündeten in Westeuropa
und Ostasien unterhalten.
Mit dem
Zuwachs an sowjetischen Trägersystemen für Nuklearwaffen wurden auch umfangreiche strategische Streitkräfte
notwendig, um die durch die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten geschaffene Abschreckung
zu erhöhen.
Somit konzentrierte sich unser militärisches
Sicherheitssystem
vorwiegend auf zwei Regionen, Europa und
Ostasien, und wurde von unserer nuklearen Abschreckungsstreitmacht gestützt.
Das zweite Element, die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten, umfaßte wirtschaftliche Wiederaufbauprogramme für Westeuropa und Japan. Es erforderte ferner eine Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der Einrichtung und
Leitung des internationalen Währungssystems und bei der Ermutigung regionaler und globaler Freihandelsabkommen.
Das dritte Element, die amerikanische Politik in der Dritten Welt,
umfaßt sowohl Hilfe für die Wirtschaft als auch für die Sicherheit.
Es beinhaltet auch eine grundlegende
politische Komponente: die Entkolonialisierung,
Selbstbestimmung
und
Unterstützung
für eine Entwicklung
hin zur Demokratie. Die Sowjetunion
trat uns in der Dritten Welt mit einer Politik "nationaler Befreiungskriege" entgegen, mit deren Hilfe sie
die mangelnde Stabilität sich bildender Nationen auszubeuten sucht um
marxistisch-leninistische Regime nach
sowjetischem Modell zu errichten.
In den drei Nachkriegsjahrzehnten
waren bei unserer nationalen Strategie wichtige Erfolge zu verzeichnen.
Ein Weltkrieg wurde vermieden. Europa und Japan gelangten mit Hilfe mas-

siver
amerikanischer
Unterstützung
wieder zu Wohlstand, und im größten
Teil der Dritten Welt ging die Kolonialzeit zu Ende. "Containment" hatte jedoch seinen Preis. Aber da die
Vereinigten Staaten den Löwenanteil
der
weltwirtschaftlichen
Macht der
Industrieländer
auf sich vereinte,
konnten wir die Last tragen.
Die Nachkriegszeit ging in den
siebziger Jahren zuende. Einmal veränderte
die
amerikanische
Wirtschaftspolitik in Europa und Ostasien
die Verteilung von Macht und Wohlstand in unserem Bündnissystem erheblich.
Gegenüber Westeuropa und dem
Land am Rande Ostasiens hatten die
Vereinigten Staaten nicht länger eine
herausragende
wirtschaftliche
Stellung. Und unser Erfolg bei der Abschreckung einer sowjetischen militärischen Aggression in diesen beiden
strategisch wichtigen Regionen schuf
in der Öffentlichkeit zunehmend die
Meinung, eine direkte sowjetische Aggression in diesen beiden Regionen
sei weniger wahrscheinlich.
Zweitens
erforderten
die militärische Aufrüstung der Sowjets und
die Verlagerung
sowjetischer
Macht
nach Kuba, Nicaragua, den Mittleren
Osten, Südost- und Südwestasien und
Afrika eine Änderung bei der Strategie zur Anwendung unserer Politik des
'Containment'.
Besondere
Bedeutung
kam der Tatsache zu, daß die Sowjets
im Bereich strategischer Nuklearwaffen einen Gleichstand mit den Vereinigten Staaten erreichten.
Drittens führte das aufkommende
politische Bewußtsein in der Dritten
Welt zu Bürgerkriegen und zu regionalen Konflikten, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in eine
direkte militärische Konfrontation zu
verwickeln drohten.
Darüber hinaus
trugen wirtschaftliche Entwicklungen,

- 5 -

�besonders im Energiebereich, zu politischer Instabilität bei und hatten
auf das internationale Währungssystem
einen destabilisierenden Effekt.
In solch einer grundverschiedenen
Welt mußten die Grundlagen der strategischen Planung neu überdacht werden.
Es besteht keine militärische
Überlegenheit der Vereinigten Staaten
mehr bei den strategischen Streitkräften und die unausgesetzte Zunahme
sowjetischer
Fähigkeiten, die sich
gegen Europa, den Persischen Golf und
andere wichtige Gebiete richten könnten, stellt eine fortgesetzte Bedrohung der regionalen Sicherheit dar.
Es ist heute wichtiger denn je,
daß unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit
auf einem soliden Verständnis
amerikanischer
Interessen
und Zielsetzungen basiert wie auch
auf einer realistischen Methode zur
Behandlung der Sowjetunion und anderer Bedrohungen für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.

Die Interessen der Vereinigten
Staaten
Die Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist
ein Abbild unserer nationalen Interessen und bildet einen weitgesteckten
Plan zur Erlangung nationaler Zielsetzungen, die diese Interessen unterstützen.
Die nationalen Schlüsselinteressen, die unsere Strategie
sichern und schützen will, umfassen:
1. Das Überleben der Vereinigten
Staaten als freie und unabhängige Nation, mit ihren intakten grundlegenden Werten und Institutionen.
2. Eine gesunde und wachsende
Wirtschaft der Vereinigten Staaten.

- 6

3. Die Heranbildung von Freiheit,
demokratischen
Institutionen
und
freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt, verbunden mit einem gerechten und offenen internationalen Handelssystem.
4. Eine stabile und sichere Welt,
frei von erheblichen Bedrohungen amerikanischer Interessen.
5. Gesunde und starke Bündsnisbeziehungen der Vereinigten Staaten.

Wichtige Ziele bei der Unterstützung amerikanischer Interessen
Die Zielsetzungen in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten
sind Erklärungen weitgesteckter Ziele
zur Unterstützung und Förderung nationaler Interessen. In diesem Sinne
sollen sie nicht mechanisch oder automatisch angewandt werden, sondern
bilden
allgemeine
Richtlinien
zur
Entwicklung einer Politik für besondere Situationen, die eine koordinierte Anwendung nationaler Macht erfordern.
Die wichtigsten Ziele zur
Unterstützung unserer nationalen Interessen sind folgende:
1. Die Erhaltung der Sicherheit
unserer Nation und unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten müssen
in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten versuchen, jegliche Aggression
abzuwenden, die diese Sicherheit bedrohen könnte, im Falle versagender
Abschreckung bereit sein, einen jeden
militärischen Angriff zu verhindern
oder zunichte zu machen und den Konflikt in einem für die Vereinigten
Staaten, ihre Interessen und ihre
Verbündetnen günstigen Sinne zu beenden.
Im einzelnen heißt das:

�- Abschreckung feindlicher Angriffe
auf die Vereinigten Staaten, ihre
Bürger, Streitkräfte oder
ihre
Verbündenten und Sieg bei einem
feindlichen Angriff, wenn die Abschreckung versagt.
- Erhaltung der Stärke und Lebensfähigkeit der Beziehungen zu den
amerikanischen Bündnispartnern.
- Wirksame Behandlung von Bedrohungen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger, bei
denen es nicht zum bewaffneten
Konflikt
kommt.
Hierzu
zählt
auch die Bedrohung durch den Terrorismus.
- Verhinderung
der Weiterverbreitung nuklearer Waffen.
- Langfristiger Abbau unserer Stützung
auf
Nuklearwaffen
durch
Stärkung unserer konventionellen
Streitkräfte, die Verfolgung ausgewogenener
und
verifizierbarer
Rüstungskontrollabkommen und die
Entwicklung von Technologien zur
strategischen Verteidigung.
- Sicherung
des
uneingeschränkten
amerikanischen
Zugangs
zu
den
Meeren und zum Weltall.

Volksrepublik China.

2. Reaktionen auf die Herausforderungen in der Weltwirtschaft. Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit hat den Vereinigten Staaten erhebliche Vorteile verschafft, stellt
sie aber auch vor neue Schwierigkeiten bei der Vorgehensweise, die gelöst werden müssen. Da unsere Abhängigkeit
von
Rohstoffen
zugenommen
hat, ist die potentielle Verwundbarkeit der Versorgungswege ein Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obgleich das anhaltende Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten dazu beiträgt, die
Welt aus der Rezession zu führen,
verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum vieler Länder. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf wichtige Probleme in der Welt richten, die amerikanische Interessen in Zukunft beeinträchtigen könnten, wenn sie keiner
Lösung zugeführt werden oder keine
Beachtung finden. Viele dieser Probleme, wie etwa die Schulden der
Dritten
Welt,
der
internationale
Rauschgifthandel und der zunehmende
Protektionismus haben im Augenblick
Auswirkungen auf die Interessen der
Vereinigten Staaten.
Das heißt, wir müssen:

- Verhinderung einer Dominanz des
eurasischen Raums durch die UdSSR
(oder
eine
andere
feindliche
Macht oder einen Zusammenschluß
verschiedener Mächte).

- in den Vereinigten Staaten eine
starke, florierende und wettbewerbsfähige Wirtschaft im Zusammenspiel mit einer stabilen und
wachsenden Weltwirtschaft fördern.

- Wir müssen die Sowjetunion zwingen, die Kosten für ihr wirtschaftliches Defizit zu tragen,
um weitere übertriebene Ausgaben
der Sowjets im militärischen Bereich und deren Abenteuerlust auf
der ganzen Welt zu entmutigen.

- den Zugang der Vereinigten Staaten zu ausländischen Märkten sichern und den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten und Freunden den Zugang zu Energiequellen
und Erzvorkommen sichern.

- Förderung beserer Beziehungen

zur
- 7

- ein gut funktionierendens internationales Wirtschaftssytem
mit

�kleinstmoglichen Verzerrungen bei
Handel und Investitionen wie auch
stabile Währungen und weithin akzeptierte und respektierte Regeln
zur Behandlung
und Lösung von
Streitigkeiten fördern.

3. Verteidigung und Förderung der
Sache der Demokratie, Freiheit und
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Eine Außenpolitik, die das Schicksal
von Millionen nach Freiheit strebenden Menschen auf der ganzen Welt ignoriert, wäre ein Verrat an unserem
nationalen Erbe. Unsere eigene Freiheit
und
die
unserer
Verbündeten
könnte niemals in einer Welt sicher
sein, in der Freiheit überall sonst
bedroht wäre.
Das heißt

Konfliktes in sich.
Konflikte oder
Versuche, befreundete Regierungen zu
stürzen, die von den Sowjets oder ihren Satellitenstaaten angefacht oder
unterstützt werden, stellen eine besonders ernstliche Bedrohung für die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
dar.
Insbesondere müssen wir:
- ein stabiles globales und regionales militärisches Gleichgewicht
gegenüber der Sowjetunion und den
mit ihr verbündeten Staaten aufrechterhalten.
- bedrohten Staaten beim Widerstand
gegen sowjetische und sowjetisch
geförderte Subversion und Aggression Hilfe leisten.

im einzelnen, wir müs-

sen:
- die Entwicklung nationaler Unabhängigkeit und freier Institutionen auf der ganzen Welt fördern.

- wo immer es möglich ist, die Ursachen
regionaler
Instabilität,
die das Risiko eines größeren
Krieges in sich bergen, zu beheben.

- Hilfs-, Handels- und
Investitionsprogramme ermutigen und unterstützen, die eine wirtschaftliche Entwicklung und die Heranbildung
freier, humaner politischer und sozialer Ordnungen in
der Dritten Welt fördern.

- die Bemühungen der
Sowjetunion
neutralisieren, ihren Einfluß in
der Welt auszuweiten und die zwischen der UdSSR und ihren Satellitenstaaten in der Dritten Welt
bestehenden
Verbindungen
schwächen.

- Liberalisierungstendenzen
innerhalb der Sowjetunion und ihrer
Satellitenstaaten ermutigen.

- Bedrohungen der Stabilität befreundeter Regierung und Institutionen
durch
Unterminierung,
staatlich unterstützten Terrorismus und den internationalen Drogenhandel bekämpfen helfen.

4. Friedliche Lösung von Streitfällen, die amerikanische Interessen
in unruhigen Regionen der Welt beeinträchtigen. Regionale Konflikte, die
Verbündete oder Freunde der Vereinigten Staaten einbeziehen, könnten die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
bedrohen und tragen vielfach das Risiko einer weiteren Eskalation dieses

5. Aufbau wirkungsvoller und günstiger Beziehungen mit allen Staaten,
mit denen uns gemeinsame Probleme
verbinden. In der Welt gibt es heute
150 Nationen, von denen keine den
Vereinigten
Staaten
an
Macht
und

�Wohlstand gleichkommt, aber dennoch
jede einzelne souverän ist und mit
vielen, wenn nicht mit allen amerikanischen Interessen direkt oder indirekt in Berührung kommt.
Im einzelnen heißt das, wir sollten:
- die
Bildung
von
Vereinigungen
solcher Staaten, die den amerikanischen
Interessen
freundlich
gegenüberstehen unter Verwendung
der
ganzen Bandbreite diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher und informeller Kontakte
fördern
- wichtige internationale Institutionen
wirkungsvoller
machen,
wenn es darum geht, den Frieden,
die Weltordnung
und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern.
- die Möglichkeit verbesserter Beziehungen mit uns feindlich gesinnten Nationen zu untersuchen,
um die Möglichkeiten zukünftiger
Konflikte abzubauen.
- den Einfluß der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt erhöhen.
Unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit muß amerikanische Interessen und Zielsetzungen einhellig unterstützen.
Sie muß weiterhin die
vielfachen Bedrohungen und die mangelnde Stabilität der heutigen komplexen und sich wandelnden Welt in
Betracht ziehen.

Die
Hauptbedrohungen
amerikanischen Interessen

für

die

Die wichtigste Bedrohung amerikanischer Sicherheit und nationaler
Interessen ist die weltweite Heraus-

forderung
durch
die
Sowjetunion.
Während nur eine Handvoll Politbüromitglieder berechtigterweise behaupten kann, die präzisen kurzfristigen,
taktischen Pläne der Kreml zu kennen,
ist
die
langfristige
strategische
Richtung der sowjetischen Außenpolitik eindeutiger.
Motiviert von den
Forderungen
eines
politischen
Systems, das von der marxistisch-leninistischen Ideologie und der sie repräsentierenden politischen Partei zusammengehalten und beherrscht wird,
versucht Moskau, das bestehende internationale System zu verändern und
eine globale sowjetische Hegemonie
aufzubauen.
Diese langfristigen sowjetischen Ziele bilden den allgemeinen konzeptionellen Rahmen der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik.
Grundsätzliche
Unterschiede
bei
den wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Überzeugungen und Zielen
führen zu einem grundlegend gegensätzlichen Verhältnis
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Beide Seiten haben trotzdem
mit der Vermeidung einer direkten
Konfrontation und dem Abbau der Bedrohung durch einen Nuklearkrieg ein
gemeinsames Ziel.
Die wahre Herausforderung
an
die
amerikanische
Staatskunst besteht darin, wie diese
Gemeinsamkeit der Interessen zur Erhaltung des Friedens am besten verwirklicht werden kann, ohne daß unsere
nationale
Sicherheit
gefährdet
oder
unsere Verpflichtung
an
die
Sache der Freiheit und Gerechtigkeit
aufgegeben werden.
Zur Durchführung ihrer expansionistischen Politik hat sich die UdSSR
ein innenpolitisches System zentralistischer totalitärer Kontrolle bewahrt und dieses System zur Unterstützung ihrer internationalen Ziele
mobilisiert und organisiert. Auf in-

- 9 -

�ternationaler Ebene haben die Sowjets
fortgefahren, Gruppen zu helfen, die
sogenannte "nationale Befreiungskriege" führen, internationale terroristische Gruppen mit Waffen und Ausbildung zu unterstützen, regionale Instabilität zu fördern und auszunutzen
sowie einen aggressiven und ungesetzlichen Krieg in Afghanistan zu führen.
An vielen weiteren Orten der
Welt haben sich sowjetische Berater
und Kampftruppen ebenfalls eines Verhaltens befleißigt, das internationale Vereinbarungen verletzt.
Die Sowjets haben eine noch nie
dagewesene Aufrüstung betrieben, die
eine andauernde Bedrohung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten darstellt. Die sowjetische Führung mißt ihrer militärischen Stärke,
die die Hauptquelle für den Einfluß
der UdSSR im internationalen Bereich
bildet, eindeutig größten Wert bei.
Jahrzehntelang hat die UdSSR einen
unverhältnismäßig
hohen Anteil des
Nationaleinkommens für die Aufrüstung
ihrer Streitkräfte eingesetzt.
Sie
unterhält
gegenwärtig
eine Streitmacht von über fünf Millionen Uniformierten
(ausschließlich
über
eine
Million Grenzwachen und andere Sicherheitskräfte) . Es wird geschätzt,
daß die Ausgaben für das Militär gegenwärtig etwa 15-17 Prozent des gesamten sowjetischen BSP ausmachen.
Die sowjetische Militärmacht erlaubt es Moskau, eine starke Verteidigung der Heimat zu gewährleisten
und gleichzeitig die direkte und indirekte
Beteiligung
an
regionalen
Konflikten
außerhalb
sowjetischer
Grenzen
zu
erleichtern.
Außerdem
werden
zunehmend militärische Ressourcen der Sowjets dazu benutzt, die
Politik anderer Länder zu beeinflussen und Instabilität zu fördern.
Die

Beweise

für

die

Beziehungen

zwischen der Sowjetunion und der Zunahme des weltweiten Terrorismus sind
heute schlüssig.
Obwohl die Sowjetunion
keine unmittelbare
Kontrolle
über
die
meisten
terroristischen
Gruppen besitzt, liefert sie große
Mengen an Waffen, Geld und Beraterhilfe an revolutionäre Kräfte, die an
terroristischen Aktivitäten beteiligt
sind.
Die Sowjets versuchen, diese
Unterstützung durch das Vorschieben
von Mittelsmännern zu verschleiern radikale Regierungen wie etwa in Kuba, Nordkorea, Nicaragua, Syrien und
Libyen, die direkte Beziehungen zu
radikalen Terroristen
und Aufständischen
unterhalten.
Gleichgültig,
ob Moskau direkte oder indirekte Unterstützung bereitstellt, die eigentlichen Ziele des radikalen Terrorismus sind die Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und andere gemäßigte, prowestliche Regierungen.
Die Sowjetunion ist in den letzten Jahren bei der Verwendung ihrer
nationalen
Machtinstrumente
wesentlich subtiler geworden.
Trotz beträchtlicher Schwächen in der sowjetischen Wirtschaft benutzt das Politbüro wirtschaftliche Instrumente aktiv in seiner globalen Strategie. Es
nutzt den Westhandel, um wirtschaftliche Druckmittel, Technologie und
Devisen zu bekommen. Der Erwerb militärisch nutzbarer moderner Technologie mit legalen und illegalen Mitteln ist für die Sowjets insbesondere
wichtig, um die Entwicklungszeit für
Waffen zu verkürzen, die Kosten zu
reduzieren und die Schwächen der sowjetischen Wirtschaft zu kompensieren.
Die Beschaffung von Produktionstechnologie ist für die Sowjets
besonders wichtig, um die Effizienz
ihrer
Rüstungsindustrie
zu verbessern.
Zugang zu westlichen Produktionsausrüstungen, -verfahren
und
Know-How hat die sowjetischen Rüstungsfabriken in die Lage versetzt,

- 10 -

�einige moderne Waffen bis zu fünf
Jahre eher in Produktion gehen zu
lassen als dies sonst der Fall gewesen wäre. Die Sowjets versuchen außerdem langfristige Wirtschaftsabkommen abzuschließen, die Abhängigkeiten
von der UdSSR schaffen (z. B. solche,
die die Versorgung Westeuropas mit
Energie betreffen) .
Zusätzlich haben die Sowjets einen massiven Apparat zur politischen
Einflußnahme
aufgebaut.
Zu diesem
Apparat
gehört
die
umfangreichste
Propagandamaschinerie der Welt, einschließlich offener und geheimer Aktivitäten in den Medien, Finanzierung
und Unterstützung ausländischer kommunistischer Parteien und Frontorganisationen; politischer und ideologischer Indoktrinierung ausländischer
Studenten, Beamter, Terroristen und
Angehöriger des Militärs sowie die
Beeinflussung ausländischer Besucher
in der UdSSR. Dazu gehören getrennte
Bemühungen zur Durchführung "aktiver
Maßnahmen", darunter Desinformation,
Fälschungen, die Benutzung politisch
einflußreicher
Persönlichkeiten
und
andere Täuschungsmanöver.
Obwohl die Sowjets nicht als Anstifter aller revolutionären Bewegungen gebrandmarkt werden können, besteht ihre Strategie doch eindeutig
darin, innenpolitische wunde Schwachpunkte in anderen Ländern auszunutzen, um die Bildung von Regimen zu
fördern, die unter sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Kontrolle stehen. All dies wird unter dem Etikett
der "friedlichen Koexistenz" mit den
Vereinigten Staaten und dem Westen
insgesamt erreicht und als ein andauernder Wettstreit definiert, in dem
alle Formen des Kampfes außer einem
offenen Krieg erlaubt sind.

sen

Obwohl wir uns weiterhin angemesmit der sowjetischen Bedrohung

befassen, dürfen wir andere destabilisierende internationale Bedrohungen
und Probleme nicht vernachlässigen,
die ernsthaft den amerikanischen Interessen schaden können, wenn sie
nicht in geeigneter Weise angegangen
werden. Dazu gehören nichtkommunistische Staaten mit repressiven Regierungen und Ideologien, die unserer
entgegenstehen;
internationale wirtschaftliche Probleme wie die massive
Weltverschuldung,
Handelsungleichgewichte und Verlagerungen des vergleichsweisen Vorteils in unserem von
wechselseitiger Abhängigkeit bestimmten Weltwirtschaftssystem; die weltweite Bevölkerungsexplosion und die
damit zusammenhängenden Probleme der
Versorgung
mit Nahrungsmitteln
und
Wasser sowie der Armut; die Ausbreitung von Atomwaffen; Drogenhandel und
Menschenrechtsverletzungen,
um
nur
einige zu nennen.
Eine zusätzliche Bedrohung, die
ihrem Charakter nach heimtückisch und
von wachsendem Ausmaß ist, stellte
der internationale Terrorismus der ein weltweites Phänomen, das zunehmend häufig, wahllos und mit staatlicher
Unterstützung
auftritt.
Höchstwahrscheinlich wird der Terrorismus für den Rest dieses Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der
internationalen
Landschaft
bleiben.
Er greift unmittelbar unsere demokratischen Werte an, untergräbt unsere diplomatischen Bemühungen um die
friedliche Lösung von Konflikten und
zersetzt die Grundlagen der zivilisierten Gesellschaften. Die effektive Bekämpfung des Terrorismus ist ein
wichtiges Ziel für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein fundiertes Verständnis unserer nationalen Interessen und Ziele
ist in Anbetracht der großen Bedrohungen dieser Interessen unabdingbar,
um vernünftige Strategien zu ent-

- 11 -

�wickeln. in den beiden nächsten Kapiteln werden die Hauptelemente unserer
Außen- und
Verteidigungspolitik
sowie die Wege behandelt, auf denen
diese zur Erlangung unserer nationalen Sicherheitsziele beitragen.
Die
effektive Einbettung unserer Außenund Verteidigungspolitik liefert die
Grundlage unserer Nationalen Sicherheitsstrategie.
(wird fortgesetzt)

* * * * *

12

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

4 . Februar 1987

LEHRBEISPIEL "VOYAGER"
Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

WASHINGTON - (AD) - Pioniertat
und kaum vorstellbare Rekordleistung
dazu
war
die
Erdumkreisung
von
Richard Rutan (48) und Jeana Yeager
(34) mit dem experimentellen Flugzeug
VOYAGER. Neun Tage, drei Minuten und
44 Sekunden nach ihrem Start am 14.
Dezember 1986 von "Edwards Air Force
Base" in Kalifornien erreichten die
beiden wieder die Ausgangsbasis und
landeten am 23. Dezember sicher auf
einem ausgetrockneten Salzsee in der
Mojavewüste.
Ohne ein einziges Mal
aufzutanken und ohne Zwischenlandung
waren sie um die ganze Erde geflogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Im letzten Drittel der 40 240 km langen Reise half zeitweise starker Rükkenwind, die ursprünglich auf zehn
bis 12 Tage angesetzte Flugdauer um
einen Tag zu verkürzen.
Tropische
Stürme über dem Pazifischen und Indischen Ozean machten eine Verlegung
der Route, die u.a. den Norden Australiens und den Süden Afrikas berühren sollte, in äquatornähere Regionen erforderlich. Im allerletzten
Abschnitt wurde, vom Atlantik her
über Venezuela kommend, der Weg entgegen früheren Plänen nicht über den
Golf von Mexiko und den Südwestteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der
Vereinigten
Staaten
genommen.
Vielmehr führte er nun direkt nach
Westen über Costa Rica und, nach Erreichen der lateinamerikanischen Pazifikküste, in leicht nordöstlicher
Richtung
an Mexiko entlang zurück
nach Kalifornien.
Formgebung,
Konstruktion
und
Werkstoffe - alles ist außergewöhnlich bei VOYAGER, wenn auch nicht
ausnahmslos neu: Ein relativ kurzer,
schmaler Mittelrumpf mit je einem Motor an Bug und Heck, weit ausschwingende,
leicht
vorwärts
gekrümmte
Tragflächen, die hinter der in den
Mittelteil
verlegten
Pilotenkabine
ansetzen, zwei Außenrümpfe in einigen
Metern Abstand vom Hauptrumpf.
sie
sind um ein gutes Drittel länger als
ec und tragen ein großes Leitwerk am
Heck. Vorne sind sie durch Stummelflügel, in der Mitte noch einmal über
die Tragflächen mit ihm verbunden.
Diesen geben sie zusätzlichen Halt,
was dringend notwendig ist. Denn die
Spannweite ist mit 33,7 Metern (das
Vierfache der Mittelrumpflänge) sogar
noch größer als die Flügelspannweite
moderner Passagierflugzeuge wie z.B.
der Boeing 727.
Konstrukteur Burt
Rutan, der Bruder des Testpiloten,
berücksichtigte für die Tragflächen
eine Wölbungsfreiheit bis zu neun Metern.
Als Höhenleitwerk
fungieren
die
"canards", d.h.
die
vorderen
Stummelflügel. Gleichzeitig stabilisieren sie gegen Überziehen.
Beim Flug des Fluggeräts setzte
der Konstrukteur seinen großen Erfahrungsschatz nicht nur auf dem Gebiet
der Aerodynamik, sondern auch bei der
Verwendung super leichter Verbundwerkstoffe ein.
Die Schale besteht aus
sandwichähnlichem Material mit einem
sechseinhalb Millimeter dicken "Kern"
in Bienenwabenstruktur, ummantelt von
zwei harten Schichten.
Sie bestehen
aus
Kohlefasern,
eingebettet
in

Epoxydharz. Die sechsflächigen Waben
im Innern aus einem papierähnlichen
Polymer sind mit Kunstharz überzogen.
Die hochfeste Kombination besitzt eine siebenmal höhere Zähigkeit als
Aluminium, heute noch der wichtigste
Werkstoff im Flugzeugbau. Gleichzeitig ist sie um ein Fünftel leichter
als das Material. Was das Verbundmaterial tatsächlich auszuhalten vermag, zeigte sich schon beim Start,
als eine der Tragflächen während des
Anrollens mit der Spitze Bodenberührung bekam. Die Unterseite wurde dadurch von außen her ca. 40 cm weit
abgeschliffen. Gleichzeitig riß eine
kleine Klappe an der Flügelspitze ab.
Rutan
bekam
daraufhin
Anweisung,
durch eine leichte Kippbewegung auch
die andere Tragfläche kurz zu Boden
zu bringen - während des Beschleunigungsvorgangs auf der Rollbahn ein
Versuch, dort ebenfalls die Klappe
loszuscheuern.
Der Versuch gelang,
die "Symmetrie" war hergestellt. Der
Verlust der Klappen war für die Flugstabilität ohne Bedeutung.
Außer für die Verschraubung der
Tragflächenteile wurde beim Bau von
VOYAGER kein Metall verwendet.
Deshalb beträgt das Leergewicht der Zelle, die zu etwa 90 Prozent aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen besteht,
nur ganze 425,8 kg. Komplett ausgerüstet, einschließlich der beiden Motoren, kam man auf 1253 kg, und voll
aufgetankt beim Start auf 4431 kg.
So hob das Fluggerät mehr als das
Zehnfache seines Leergewichts in die
Lüfte.
Das robuste Material ist gut zu
bearbeiten und ergibt z.B. für Tragflächen eine glatte und dabei gut
versteifte Oberfläche.
Aerodynamisch
ist dies für die Ausnutzung der natürlichen laminaren Strömung an den
Tragflächen von Bedeutung. Der Luftwiderstand ist geringer, und damit

�auch
der
Tceifstoffverbrauch.
Das
VOYAGER-Experiment
hat die Eignung
der Werkstoffe und der Konstruktion
überzeugend demonstriert.
Das Fluggerät bewährte sich auch in sehr
starken Tubulenzen.

Fliegender Tank
"Fliegender Tank" wurde VOYAGER
zu Recht genannt. Den Treibstoffvorrat nahmen insgesamt 17 Kavernen in
allen drei Rumpfkörpern, in den Tragflächen und selbst in den Stummelflügeln auf.
Die Kavernen hatten Verbindungsleitungen,
damit
umgepumpt
werden konnte, wenn in turbulenten
Regionen durch höheren Treibstoffverbrauch aus einem größeren Tankbereich
eine Schwerpunktverlagerung und damit
Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit drohte.
Der
Bugmotor
wurde
außer
bei
Start und Landung meist nur zum Manövrieren eingesetzt. Einmal zwangen
beispielsweise
widrige
Wetterbedingungen
dazu, die übliche Flughöhe
zwischen 2 100 und 3 300 m zu verlassen und in mehr als 6 000 m Höhe zu
gehen. Die Schubleistung des Heckmotors reichte aus, um eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von
ca. 185 km pro Stunde zu halten.

Auf engstem Raum
Die beiden Piloten hatten während
der 216 Stunden Flugdauer so gut wie
keine Bewegungsfreiheit in ihrer winzigen Kabine. Wenigstens ermöglichten Kuppel und Seitenfenster Sichtverbindung nach draußen - der Funkkontakt von und nach Kalifornien war
über alle nur erreichbaren Leitungswege gesichert, Unterstützung gab es
auch von Seiten der NASA und militärischen Stellen.
Steuern war nur in

halb sitzender Position möglich, weil
die 2,30 m lange, an ihrer weitesten
Stelle 1,20 m breite Kabine nichts
anderes zuließ, als daß der andere
die Zeit, in entgegengesetzter Richtung liegend, zubrachte. Die beiden
Piloten wechselten sich in allen Aufgaben ab und hielten nach Möglichkeit
regelmäßig Ruhepausen ein.
Nach dem vorausgegangenen Probeflug im Juli 1986, der viereinhalb
Tage dauerte, wurde Rutan gefragt, ob
solches Eingepferchtsein überhaupt zu
ertragen sei.
"Der Mensch ist ein
anpassungsfähiges
Wesen",
war
die
Antwort.
Habe man die ersten zwei
Tage hinter sich, spiele die Dauer
kaum mehr
eine Rolle.
Allerdings
machten während der Erdumfliegung im
Dezember
Müdigkeit und
körperliche
Anstrengungen in Turbulenzzonen den
beiden Piloten mehr zu schaffen, als
ihnen lieb war. Dennoch überstanden
sie ihr Abenteuer gut, wie auch die
ärztliche
Untersuchung
nach
der
glücklichen
Landung
ergab.
Wenige
Tage später erhielten sie zusammen
mit dem Konstrukteur aus der Hand
Präsident Reagans die Bürgermedaille.

Modell
Das Fluggerät VOYAGER, von einer
kleinen Gruppe begeisterter Ingenieure und Techniker unter der Mithilfe
nur weniger bezahlter Arbeitskräfte,
aber ohne jeglichen staatlichen Zuschuß gebaut, könnte der Flugzeugtechnik neue Anstöße geben. Das gilt
nicht nur für die Anwendung leichter
und dabei hochfester Verbundwerkstoffe aus nichtmetallischem Material,
sondern auch von technischen Prinzipien, die die Aerodynamik verbessern.
Darüber hinaus könnten Fluggeräte im
Stil der VOYAGER, bemannt oder unbemannt, z.B. für Aufgaben großräumiger
Fernerkundung über mehrere Tage für

- 3 -

�die Fischerei oder für Umweltbeobachtungen zu Lande eingesetzt werden und
damit eine wichtige Ergänzung zu Satellitendaten erbringen.
Flugzeugfirmen in den USA prüfen
bereits ob sich die Technik Burt
Rutans auf den Bau von Privatjets anwenden läßt - sowohl in bezug auf
Werkstoffe als auch auf die Tragflächenkonstruktion.
Und ein Flugforschungsinstitut der NASA plant in Zusammenarbeit mit den beiden größten
amerikanischen Flugzeugfirmen Untersuchungen zu der Frage, inwieweit die
von Rutan angewandte Strömungstechnik
bei den Oberflächen von Großflugzeugen einsetzbar ist.

- 4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Trugschluss des "Großen Kompromisses"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staatten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - (Teil I und II)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehrbeispiel "VOYAGER"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt Luftfahrttechnik neue Impulse -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

**

1 1 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die Amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:

Mythen und

Verpflichtungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf -

HINTERGRUNDMATERIAL

Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'%7-oN^

Dokumentation

11. Februar 1987

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN:
MYTHEN UND VERPFLICHTUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf DÜSSELDORF - (AD) - In seiner Rede vor dem Industrie-Club in Düsseldorf
erklärte der amerikanische Botschafter, Richard Burt, am 11. Februar 1987, daß
es ein tragischer Fehler wäre, "wenn die Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen an Europa drohen würden, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen." Obwohl erkannt werden müsse, daß zwischen amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen und der Sicherheit des Bündnisses
ein wichtiger Zusammenhang besteht, verfolge die Reagan-Administration aber
"kein Junktim zwischen Handlsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in
Europa".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Herr Dr. Henkel, Herr Dr. von
Buelow, Freiherr von Teuffei, meine
Damen und Herren I
Ich freue mich, heute abend hier
bei Ihnen zu sein. Die regelmäßigen
Veranstaltungen
des
Industrie-Clubs
werden allgemein geschätzt und tragen
erheblich zum Verständnis wirtschaftlicher und sozialer Probleme bei.
Ich möchte weiterhin den Mitgliedern
des
Industrie-Clubs,
der
Deutsch-Amerikanischen
SteubenSchurz-Gesellschaft und des Harvard

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Clubs Rhein-Ruhr dafür danken, daß
sie mich heute abend nach Düsseldorf
eingeladen haben.
Ihre zahlreichen
Aktivitäten liefern den Beweis der
vitalen und engen Bande, die die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland verbinden.
Ich begrüße Sie und danke Ihnen für Ihren
bedeutenden Anteil an der Förderung
von Freundschaft
und Verständigung
zwischen Deutschen und Amerikanern.
Ich freue mich immer über einen
Besuch in Düsseldorf, das als ein
Mittelpunkt von Handel und Industrie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�so wohlbekannt und geachtet ist. Die
wichtige Rolle, die Düsseldorf in
Wirtschaft und Handel zufällt, läßt
es besonders angemessen erscheinen,
daß ich heute abend vor diesem verehrten Publikum über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa spreche. Nach Beendigung
meiner Ausführungen
werde
ich gern mit Ihnen über die von mir
angeschnittenen
Probleme oder
über
andere für Sie wichtige Fragen diskutieren.

Mythen der Ökonomie
In jüngster Zeit ist viel zum
Thema der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Europa
und
den
Vereinigten
Staaten gesagt und geschrieben worden. Kommentatoren auf beiden Seiten
des Atlantiks haben uns täglich Berichte über Schwierigkeiten bei unseren Beziehungen in Handel und Finanzwesen geliefert.
Wir haben mit Besorgnis und später mit Erleichterung
beobachtet, wie unsere Unterhändler
eine Reihe verhängnisvoller Vergeltungszölle auf Agrarprodukte abwendeten.
Ich bin besonders dankbar für
die konstruktive Rolle, die die Bundesrepublik Deutschland bei der Beilegung
dieses Streitfalls
gespielt
hat, und ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, um Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und Wirtschaftsminister Bangemann für ihre Bemühungen zu danken, mit denen sie eine gerechte und ausgewogene Lösung unterstützt haben. Wir können äußerst zufrieden sein, daß es möglich war, eine Übereinkunft herbeizuführen.
Das
ist ein willkommener Hinweis darauf,
daß wir die Fähigkeit und den Willen
zur Zusammenarbeit bei der Lösung vor
uns liegender Probleme besitzen.
Gleichzeitig wäre es aber unverantwortlich, die zwischen uns stehen-

den Unterschiede leugnen oder bagatellisieren zu wollen. Tatsache ist,
daß wir in einer Debatte über eine
Reihe von Problemen stehen, die in
unseren
Wirtschaftsbeziehungen
auftreten.
Wir
haben eine bestimmte
Meinung über Modalitäten zur Förderung des Wachstums und Wohlergehens
in der Weltwirtschaft, und andere haben dazu eine abweichende Meinung.
Wir glauben daran, daß die Kräfte des
Marktes am besten in der Lage sind,
Kreativität
und Leistung
hervorzubringen.
Andere sind der Ansicht,
Regierungen sollten den Markt Regelungen unterwerfen und lenken.
Die
Vereinigten Staaten haben ein riesiges Defizit im Außenhandel, und die
Bundesrepublik wie auch Japan verzeichnen
riesige Überschüsse.
Das
Ungleichgewicht beunruhigt uns alle,
aber wir können uns nur schwer darüber einigen, wer welche Schritte zu
dessen Abbau unternehmen sollte.
Es handelt sich hierbei um reale
Probleme und reale Meinungsverschiedenheiten, die in einer leidenschaftlich geführten Debatte zur Sprache
kommen.
Im Zuge dieses Austauschs von Argumenten streben wir einen breiter
gesteckten Rahmen an, um von uns beobachtete Fakten zu erklären und die
von
uns
vertretenen
Ansichten
zu
rechtfertigen.
Wir entwerfen ganze
Theorien über die jeweils andere Gesellschaft
und
Wirtschaft.
Diese
Theorien
bergen genug Wahrheit in
sich, um unsere Phantasie anzuregen
und erlangen manchmal hohe Popularität.
Auf diese Weise schaffen wir Mythen, und diese Mythen können die Phantasie
der Öffentlichkeit
erregen
und beherrschen. Sie helfen uns aber
nicht
notwendigerweise
weiter
zum
Verständnis der Welt in der wir le-

- 2 -

�ben. Vielmehr können sie uns manchmal irreführen und eher verwirren.
Leider hat solch eine irrige Argumentation in den europäisch-amerikanischen Beziehungen eine lange Geschichte. Von Zeit zu Zeit erliegen
wir der Versuchung, Schwierigkeiten
und Probleme als Beweis für allgemein
bestehende Mängel in unseren sozialen
und wirtschaftlichen Systemen zu betrachten. Am Ende könnten gegenseitig bestehende Mythen und Klischees
unseren Dialog beherrschen.
In den letzten Jahren sahen wir
uns zwei widersprechenden Mythen über
die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen gegenüber.
Sie haben sich
als gemeinhin
anerkannte Erklärung
der Dynamik dieses Verhältsnisses abgewechselt. In einem nahezu gleichmäßigen Turnus ist der Mythos einer
amerikanischen Dominierung Europas in
den Bereichen Wirtschaft und Technologie vom Mythos der Unordnung und
des Desinteresses
in Amerika verdrängt worden, auf den dann wiederum
der Mythos der amerikanischen Vormachtstellung folgte.
Vor etwa 20 Jahren brachte der
französische Politiker und Journalist
Jean-Jacques Servan-Schreiber seinen
Bestseller "Die amerikanische Herausforderung" heraus.
Servan-Schreiber
war
vom Erfolg der Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischer
Industrie,
Regierung und Bildungswesen geblendet
- aber auch beunruhigt. Er schrieb,
daß die Vereinigten Staaten den "außergewöhnlichsten
technologischen
Durchbruch
in
der
Weltgeschichte"
vollbracht hätten.
Seiner
Ansicht
nach sollte Europa sich amerikanische
Management-Methoden zu eigen machen,
bevor es zu spät sei.
Aber die Zeiten ändern sich und
gegen Ende der siebziger Jahre ver-

blaßte die Sorge über eine amerikanische Vorherrschaft im Bereich der
Technologie. Sie wurde durch Sorgen
über die Schwäche der amerikanischen
Wirtschaft abgelöst. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf das nachlassende Wachstum und steigende Preise
in den Vereinigten Staaten.
In der
Amtszeit Präsident Carters galt der
Dollar als krank und die industrielle
Grundlage der Vereinigten Staaten als
schwindend.
Nur wenige Jahre später begann nach
der Regierungsübernahme
durch
die Reagan-Administration - eine neue
Runde.
Wieder einmal gab es einen
Meinungsumschwung.
Die
Vereinigten
Staaten waren nicht länger der Verlierer im Rennen um die Vorherrschaft
in Wirtschaft und Technologie. Silicon Valley war ins Blickfeld der Welt
gerückt, und man war wieder pessimistisch über Europa. "Eurosklerose"
war in aller Munde.
Diesem Blickwinkel zufolge waren
die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme Europas
zunehmend
verkrustet
und Vorrechte bestimmter Interessengruppen tief verwurzelt. Aus diesen
Gründen war Europa unweigerlich dazu
verurteilt, bei der Entwicklung und
Anwendung von Hochtechnologie hinter
die Vereinigten Staaten und Japan zurückzufallen. Europa wurde im weltwirtschaftlichen
Rennen
auf
einen
hinteren Rang verwiesen.
Diese Theorie war allgemein anerkannt.
Bruce Nussbaum, ein amerikanischer
Autor, der über Wissenschaft
und
Gesellschaft
schreibt,
sagte sogar voraus, die Bundesrepublik würde im Bereich der Technologie
zur japanischen Kolonie werden.
Heute ist der Mythos der Eurosklerose natürlich aus der Mode gekommen; ein neuer Mythos bewegt die

- 3 -

�europäische Phantasie, und zwar der
Mythos, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten habe grundlegende Mängel.
Die
einstmals mächtigen amerikanischen Industriezweige seien Überflüssig und unfähig, sich zu erneuern.
Amerikanische Manager seien besessen
von
ihren Aktienkursen und davon,
Übernahmen durch die Konkurrenz abzuwehren.
Das Finanzsystem sei durch
eine Schuldenanhäufung bedroht, die
sowohl Produzenten als auch Verbraucher
gleichermaßen
zu verschlingen
drohe.
Die vieldiskutierte Umwandlung der Vereinigten Staaten in eine
Dienstleistungsindustrie schaffe eine
Nation von Hamburger-Bäckern.
Ich bedaure, daß dieser Mythos
jüngst von Teilen der bundesdeutschen
Medien ziemlich enthusiastisch aufgegriffen wurde. In einem kürzlich im
'Spiegel'
erschienenen Artikel benutzte der Verfasser das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten
als Aufhänger und arbeitete sich so
von vorn nach hinten. Das Defizit im
Handel zeige, so schrieb er, daß amerikanische Produkte nicht mehr so gut
seien wie europäische oder asiatische
Produkte.
Die Amerikaner, die nie
sehr gut darin gewesen seien, langfristig zu denken, seien auf dem
Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig, weil die Produktivität stagniere
und
das
amerikanische
Schulsystem
versagt habe. Die Vereinigten Staaten wendeten sich daher als letzter
Zuflucht der "brutalen Lösung" des
Protektionismus zu.
Quatsch!
sie verstehen sicher,
was ich meine, wenn ich sage, daß
vielfach ein Problem aus seinem Kontext herausgelöst und dann eine eigenständige Theorie darum aufgebaut
wird. Tatsache ist, daß das Defizit
im Handel der Vereinigten Staaten zum
großen Teil von einem zu starken Dollar herrührt wie auch von einem Wirt- 4

schaftswachstum, das in den Vereinigten Staaten schneller verlief als in
anderen
Ländern.
Natürlich beeinträchtigte das unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Dazu haben auch Schulden
und eine zurückgehende Nachfrage der
Entwicklungsländer
unseren
Exporten
einen schweren Schlag versetzt.
Das
daraus entstandene Handelsbilanzdefizit kann nicht aufrechterhalten werden, und wir tun alles, um es abzubauen.
Die
allgemeine
Behauptung
über die Qualität amerikanischer Produkte ist barer Unsinn und die Auffassung über industrielle Produktivität schlicht falsch.
Tatsache ist, daß trotz des Defizits die Einkommen, Beschäftigungsrate und industrielle Produktion in den
Vereinigten Staaten stetig steigen.
Dr. Georg Koopman vom Hamburger Institut
für
Wirtschaftsforschung
(HWWA) veröffentlichte kürzlich eine
Studie über die Auswirkungen des Handesbilanzdefizits
auf
die
amerikanische Wirtschaft.
Er kam zu dem
Ergebnis, daß die Produktion in der
verarbeitenden Industrie im Zeitraum
des steigenden Handelsbilanzdefizits
die gleichen Zuwachsraten verzeichnete wie das BSP. Die Fertigung hält
immer noch denselben Anteil am BSP
wie zu der Zeit des Überschusses im
Außenhandel. Dr. Koopman hat ferner
herausgefunden, daß eine größere ausländische Konkurrenz in den Vereinigten Staaten erheblich zu höherer Leistungsfähigkeit
im
Fertigungssektor
wie auch zur Produktqualität beigetragen hat.
Schließlich
berichtet
er, daß die Umsätze im amerikanischen
Fertigungssektor in den Jahren 198085 um 17 Prozent gestiegen sind, im
Vergleich zu 4 Prozent in der Bundesrepublik .
Ich erwähne diese Punkte, um aufzuzeigen, daß Mythen und Klischees
uns nicht bei der Behandlung von an-

�stehenden
Problemen
helfen.
Wir
sollten von voreiligen Schlußfolgerungen
Abstand
nehmen, die
nicht
durch
aktuelle
Pakten
untermauert
werden.
Lassen Sie uns der Versuchung widerstehen, Ereignisse zu interpretieren, um damit
bestehenden
Auffassungen darüber, welche Gesellschaft besser oder schlechter ist,
Vorschub zu leisten.
Wir sollten
vielmehr
gemeinsam
die Fakten betrachten und uns darum bemühen, gemeinsam Schlußfolgerungen für gemeinsame Handlungen zu ziehen.

Die wahre Herausforderung
In den vergangenen 40 Jahren waren wir im Westen bemerkenswert erfolgreich.
Wir haben Institutionen
geschaffen, die dem industrialisierten Westen wirtschaftliche Stärke und
einen Lebensstandard verschafft haben,
der
in
der
Geschichte
der
Menschheit
seinesgleichen
suchen.
Die entspannte Situation, das materielle Niveau und die Gesundheit, die
wir heute genießen, gingen zu Beginn
dieses Jahrhunderts noch über das
Vorstellungsvermögen unserer Vorväter
hinaus.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs
sahen sich westliche Politiker ungeheuren Aufgaben und schwierigen Herausforderungen
gegenübergestellt.
Diese Herausforderungen waren offenkundig:
durch den Krieg zerstörte
Städte und Fabriken mußten wiederaufgebaut werden, das Finanzsystem der
Welt wiederhergestellt, der Handel
geöffnet und die Europäische Einheit
so gefördert werden, daß Konfliktanreize beseitigt wurden. Die von ihnen geschaffenen Institutionen sind
uns allen bekannt: der Marshall-Plan
und die Weltbank zur Finanzierung des
Wiederaufbaus,
der
Internationale
Währungsfonds (IWF) als Rahmen für

die internationalen Währungsbeziehungen wie auch das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) zur Errichtung
eines
neuen offenen
Welthandelssystems.
In Europa wurde die Europäische Gemeinschaft mit ihrer Vision
der wirtschaftlichen Integration ins
Leben gerufen, die das gemeinsame
Handeln
für
gemeinsame
politische
Ziele untermauern sollte.
40 Jahre später sehen wir uns
wiederum einer Herausforderung gegenüber, die in mancher Hinsicht so groß
ist wie die Herausforderung des Wiederaufbaus
in
der
Nachkriegszeit.
Aber wir befinden uns heute in einer
anderen Situation.
Damals war die
Aufgabe klar; heute jedoch sind wir
uns über den Ursprung unserer Probleme
nicht
so
sicher.
wir
haben
Schwierigkeiten, die jetzt anstehende
Herausforderung
zu
definieren
und
noch mehr, klug auf sie zu reagieren.
Meiner Ansicht nach besteht die
Herausforderung, der wir - Industrieund Entwicklungsländer
gleichermaßen
- uns gegenübersehen, in der Herausforderung, die sich durch den massiven
und
schnellen
technologischen
Wandel stellt.
Die Welt macht eine
technologische Revolution durch, die
in beträchtlichem Umfang zu Verwirrung und zu Umwälzungen führt. Ferner werden unsere Volkswirtschaften,
Gesellschaften
und
internationalen
Institutionen massivem Druck ausgesetzt, den wir nur schemenhaft nachvollziehen können.
Dasselbe ist auch in der Vergangenheit geschehen. Wirtschaftshistoriker weisen uns darauf hin, daß die
technologischen
Grundlagen
unseres
Lebens
in den letzten
zweieinhalb
Jahrhunderten fast regelmäßig alle 50
Jahre ausgetauscht worden sind. Seit
der Industriellen Revolution habe es
drei Innovationswellen gegeben.
Die

- 5 -

�erste Welle wird der Erfindung der
Dampfmaschine
zugeschrieben,
die
nächste wurde von der Mechanisierung
der Produktion bestimmt.
Zu Beginn
des 20. Jahrhunderts bildeten elektrische Energie, Chemie und der Verbrennungsmotor
die Grundlage einer
neuen Welle. Wir befinden uns im Augenblick inmitten einer vierten Welle
grundlegenden
technologischen
Wandels, deren Grundlage die Elektronik
ist. Eine fünfte Woge der Biotechnologie hat vielleicht schon begonnen.
Diese aufeinanderfolgenden - und
sich beschleunigenden - Wellen des
Wandels lassen uns kein Gleichgewicht
finden.
Der Managementexperte Peter
Drucker sagt dazu, wir lebten in einem
Zeitalter
der
Diskontinuität.
Mit den ständig aufkommenden neuen
Technologien nimmt die Verwirrung zu,
da althergebrachte Methoden abgelöst
werden und wir uns um die Erforschung
neuer Möglichkeiten bemühen müssen.
Wir werden gezwungen, einige Aktivitäten einzustellen und andere aufzunehmen.
Die Explosion im Informationswesen und die Computer-Revolution bedeuten, daß junge - wie auch
ältere - Menschen neue Fähigkeiten
erlernen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und ihn zu behalten. Unsere landwirtschaftlichen Betriebe liefern uns mehr Nahrungsmittel, als wir essen können, und wir
werfen den Rest fort oder lagern ihn
zu enorm hohen Kosten.
Welche
Herausforderung
ergibt
sich nun aus all diesem für unsere
Volkswirtschaften und Gesellschaften?
Offensichtlich ziehen wir alle aus
den Möglichkeiten Vorteile, die das
Leben sicherer, einfacher und lohnender machen.
Aber viele von Ihnen
wissen besser als ich, wie sehr uns
das Voranschreiten
der Technologie
auch
vor
schwierige Entscheidungen
stellt. Wir stellen neue Materialien

künstlich her und benötigen weniger
Stahl als früher. stillgelegte Werke
und Arbeitslose sind das Ergebnis.
Unser Bedarf an anderen Rohstoffen
geht zurück - Kupfer und Zinn liefern
hier ein gutes Beispiel -, und Entwicklungsländer
leiden
unter
einer
zurückgehenden Nachfrage und geringerem Einkommen.
Gleichzeitig setzen
Firmen in Industrieländern ungeheure
Summen wie auch das Schicksal von
Millionen Menschen für ihre besten
Vermutungen aufs Spiel, welche Richtung die Technologie wohl nehmen wird.
Mit wechselndem Erfolg und wechselnden Fähigkeiten versuchen wir uns
dem Wandel anzupassen.
Oft neigen
wir dazu, eine Anpassung zu vermeiden. Statt dessen suchen wir Schutz
vor den Kräften des Wandels. Überalterte Industriezweige setzen bei der
Regierung Subventionen durch. In der
Landwirtschaft wenden wir uns von der
Tatsache ab, daß wir mehr Landwirte
haben, als wir brauchen.
Im internationalen Umfeld macht
der Wandel unsere Beziehungen miteinander noch komplizierter. Arbeitnehmer und Produzenten verlangen Schutz
vor
ausländischem Wettbewerb.
Die
Entwicklungsländer
drängen auf Anstrengungen
zur Verbesserung
ihrer
Situation, und wir versuchen, ihnen
zu helfen, wo wir können.
Das ist nicht immer leicht. Die
Bedürfnisse der jetzt im industriellen Aufbaustadium befindlichen Länder
- wie etwa Brasilien, Korea und Mexiko - unterscheiden sich von denen anderer Länder, die beim Streben nach
wirtschaflicher
Entwicklung
zurückbleiben.
Neue Industrieländer stellen für unsere eigenen Produzenten
eine Herausforderung dar, und doch
wissen wir, daß sie für ihren Erfolg
unsere Märkte brauchen. Die ärmeren
Länder benötigen oft Mittel, die wir

�ihnen zur Verfügung stellen können,
aber sie brauchen auch die Möglichkeit und den Anreiz, ihre eigenen
Ressourcen wirkungsvoller zu nutzen.

ter, wofür der niedrigste Flugpreis
für einen einfachen Flug 341 DM beträgt.
Die Reise von Chicago nach
Kansas City ist 650 Kilometer lang
und der billigste Einfachflug kostet
98 DM.

Die amerikanische Antwort
Wie gehen die Vereinigten Staaten
auf die Herausforderungen ein, die
ich hier beschrieben habe?
Unter
der
Leitung
Präsident
Reagans befinden sich die Vereinigten
Staaten nun in ihrem 50. fortlaufenden
Monat
eines
positiven
Wirtschaftswachstums.
Das Wachstum betrug zwischen 1983 und 1986 durchschnittlich
3,7 Prozent pro Jahr.
Die Inflation ist weiter zurückgegangen und länger auf niedrigem Niveau
geblieben als dies vor
fünf oder
sechs Jahren möglich schien. Wichtige Zinssätze sind um ganze 12 Punkte
gesenkt worden.
In den letzten Jahren haben Entscheidungen und Taten aller Zweige
der amerikanischen Regierung Veränderungen unserer Gesetze und Bestimmungen in historischem Ausmaß herbeigeführt.
Diese haben die Arbeitsweise
der amerikanischen Wirtschaft grundlegend verändert.
Die Freigabe der
Luftfahrt liefert hier ein Beispiel.
Die Brookings Institution hat kürzlich eine Studie über die Auswirkung
der Freigabe des Luftverkehrs in den
Vereinigten
Staaten
veröffentlicht.
Sie kam zu dem Schluß, daß Reisende
in den Vereinigten Staaten durch die
Freigabe wenigstens 6 Milliarden Dollar im Jahr einsparen konnten und daß
die Industrie mit wenigstens 2,5 Milliarden Dollar jährlich davon profitierte. Wettbewerb und nicht Regierungsbestimmungen bestimmen nun den
Umfang des Flugpreises in den Vereinigten Staaten.
Die Reise von München nach Hamburg beträgt 620 Kilome-

Wir haben unser nationales Telefonsystem von einschränkenden Bestimmungen befreit und dem Wettbewerb geöffnet.
Dadurch wurden die Vielfalt
der Dienstleistungen des amerikanischen Fernmeldesystems enorm gesteigert und gleichzeitig die Kosten gesenkt. Schon für 14 DM kann man zehn
Minuten von Denver nach Düsseldorf
telefonieren, wohingegen
ein Anruf
von hier nach Denver über 36 DM kostet.
Durch
die
Steuerreform
wurde
jetzt der Spitzensteuersatz für private Einkommen auf 28 Prozent gesenkt
und somit neue Anreize für Arbeit und
Unternehmergeist geschaffen. Gleichzeitig hat sich der Dienstleistungssektor zu einer neuen, starken Quelle
von Einkommen und Beschäftigung entwickelt.
Die
Dienstleistungsindustrie - Transportwesen, Handel, Banken, Finanz- und
Versicherungswesen
sowie persönliche Dienstleistungen hat seit 1981 zwölf Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen.
Im gleichen Zeitraum ging die Beschäftigung
in Europa zurück.
Hätte Europa im
gleichen
Ausmaß neue Arbeitsplätze
geschaffen wie die Vereinigten Staaten, dann gäbe es heute in Europa
zwei Millionen Arbeitslose statt 15
Millionen.
Im dem Maße, wie die amerikanische Wirtschaft Dampf aufmachte, zog
sie die gesamte Weltwirtschaft nach.
Nachdem das Wachstum der Weltwirtschaft in den Jahren von 1980-82
durchschnittlich weniger als 1,5 Prozent betragen hatte, verdoppelte es
sich in den folgenden drei Jahren,

�was zum größten Teil auf den amerikanischen
Aufschwung
zurückzuführen
ist.
In denselben drei Jahren wuchsen
die Importe der Vereinigten Staaten
um über 40 Prozent.
Die Entwicklungsländer
erhöhten
ihre Exporte,
und wir nahmen von diesem Zuwachs erheblich mehr auf als die gesamte übrige Welt. Im Jahr 1985 absorbierten
die Vereinigten
Staaten über zwei
Drittel der von den Entwicklungsländern
exportierten
Industriewaren.
Die Europäische Gemeinschaft nahm ein
Viertel und Japan weniger als ein
Zehntel ab.
Und die Industriestaaten profitierten
ebenfalls davon.
Zwischen
1983 und 1986 haben sich die Exporte
der Bundesrepublik Deutschland in die
Vereinigten Staaten mehr als verdoppelt.
Der Überschuß der Bundesrepublik im Handel mit uns stieg um über
800 Prozent.
Wir alle kennen ein weiteres Ergebnis dieser enormen Zunahme der Importe - in der amerikanischen Handelsbilanz ist ein riesiges Defizit
aufgetaucht.
Es muß nicht eigens erwähnt werden, daß dieses Handelsdefizit den
politisch Verantwortlichen in Amerika
große Sorgen bereitet.
Wir wissen,
daß ein Defizit dieses Ausmaßes nicht
andauern kann. Wir sind sehr darum
bemüht, es zu verringern. Die Frage,
wie dies bewerkstelligt werden soll,
bleibt offen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Eine Rezession in den Vereinigten
Staaten
würde
die
Importnachfrage
dämpfen und zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts in unserer Handelsbilanz beitragen. Aber dies ist eine
Lösung, die niemandem helfen und al-

len schaden würde.
Der
Rückgang
des
Dollarkurses
sollte unseren Exporten neue Impulse
geben und die Importe verringern. Es
hat länger gedauert als ursprünglich
erhofft, bis die Anpassung der Wechselkurse
zur
Verbesserung
unserer
Handelsbilanz beigetragen hat, aber
es scheint nun, daß die verbesserte
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Waren bei der Anpassung eine positive
Rolle zu spielen beginnt.
Aber je höher das Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten, desto
geringer wird die nötige Anpassung
ausfallen, die von Veränderungen der
Wechselkurse getragen werden muß. Es
ist liegt nämlich auf der Hand, daß
sich die exportierenden Länder im Zuge einer
erfolgreichen
Reduzierung
unseres Handelsdefizits anderswo die
Nachfrage erschließen müssen, die in
der Vergangenheit durch das amerikanische Defizit bereitgestellt wurde.
Ein Wachstum in der Weltwirtschaft wird dieser Nachfrage Auftrieb
geben. Aus diesem Grunde betrachten
wir es als notwendigen Bestandteil
der Anpassung, daß jedes Land seinen
Teil dazu beiträgt, um kräftiges und
ausgewogenes Wachstum zu fördern.
Lassen Sie mich dies deutlich sagen: ich meine hiermit nicht Staaten
mit Lokomotivfunktion, die sich in
verschwenderische
Staatsausgaben
stürzen sollen, um die Weltwirtschaft
anzuheizen.
Ich meine hiermit vielmehr ein ausgewogenes Wachstum, das
auf soliden währungs- , haushaltsund strukturpolitischen Maßnahmen basiert und der Weltwirtschaft die Stabilität und Stärke verleiht, die nur
die
Hauptindustrieländer
bereitzustellen in der Lage sind.
Gegenwärtig ist man in der Bundesrepublik dabei, eine einschneiden-

�de Steuerreform auf den Weg zu bringen. Wir in den Vereinigten Staaten
hoffen, daß diese Bemühungen erfolgreich sein werden. Wie Bundeskanzler
Kohl vor einer Woche bei der LudwigErhard-Stiftung
erklärte,
werden
niedrigere Subventionen sowie niedrigere und gerechtere Steuern die Anreize zur Arbeit verstärken und der
deutschen
Wirtschaft
neue
Dynamik
verleihen.

Schutz und Wettbewerb
Wie Sie alle wissen, hat die Besorgnis über das Handelsdefizit in
den Vereinigten Staaten zu verstärktem Druck geführt, um Maßnahmen zum
Schutz amerikanischer Produzenten vor
der
Importkonkurrenz
einzuführen.
Gegenwärtig ist eine lebhafte Diskussion darüber im Gange, die von unseren Freunden in Europa und Asien genau beobachtet wird.
Tatsache
ist,
daß
Präsident
Reagan - mit großem politischen Mut Schutzmaßnahmen im Handel entgegengetreten ist. Im vergangenen Jahr legte er sein Veto gegen ein protektionistisches Textilgesetz ein und weigerte sich, der heimischen Schuhindustrie bei den Einfuhren entgegenzukommen.
Im vorigen Kongreß war die
Administration maßgeblich daran beteiligt, die Wiedereinführung eines
Gesetzes zu verhindern, durch das die
Verlage geschützt wurden. Ein wichtiger protektionistischer Gesetzentwurf wurde vom vorigen Kongreß angesichts eines wahrscheinlichen Vetos
aufgegeben.
Die Aufgabe, vor der die Administration heute steht, wird unter dem
neugewählten
Kongreß
wahrscheinlich
noch schwieriger werden. Viele seiner
Mitglieder
haben
während
des
Wahlkampfes den von Importen ver-

drängten Arbeitnehmern und Industrien
Unterstützung zugesagt.
Die Administration kann den Protektionismus nicht zurückhalten, wenn
der Eindruck besteht, daß andere Länder amerikanische Exporte weniger gerecht behandeln, als ihre Exporte in
den
Vereinigten
Staaten
behandelt
werden.
Es ist eine einfache Tatsache, daß viele Amerikaner und viele
Kongreßabgeordnete der Meinung sind,
amerikanische
Exporte würden nicht
fair behandelt.
Wenn es Präsident
Reagan gelingen soll, weiterhin protektionistische
Gesetze
abzuwehren,
muß er in der Lage sein, eindeutig
und konkret zu beweisen, daß ausländische Märkte
für
amerikanische
Exporte offen sind.
Es ist in jüngster Zeit in Mode
gekommen, die Schwierigkeiten, denen
sich Amerika auf den Exportmärkten
gegenübersieht,
einem
angeblichen
Mangel an Wettbewerbsfähigkeit zuzuschreiben. Ich bin auch der Meinung,
daß der große amerikanische Binnenmarkt ein hemmender Faktor bei der
Entwicklung von Exportfähigkeiten gewesen
ist.
In
der
Vergangenheit
spielte der Außenhandel eine relativ
untergeordnete Rolle in unserer Wirtschaft. Dies hat uns relativ mangelhaft auf die heutige Welt hoher wirtschaftlicher
Verflechtung
vorbereitet. Wir haben auf die Herausforderung
durch ausländische
Konkurrenz
nicht energisch genug reagiert. Ein
teurer Dollar hat unseren Exporteuren
sehr geschadet. Wir sind jedoch entschlossen, es besser zu machen, und
wir haben die Verbesserung unserer
Wettbewerbsfähigkeit
zur
nationalen
Priorität erklärt.
In seiner Botschaft zur Lage der Nation hat Präsident Reagan ein Programm zur Verbesserung
unserer
Wettbewerbsfähigkeit
verkündet. Wir beabsichtigen, unsere
nationalen Bemühungen im Bereich von

- 9 -

�Wissenschaft und Technologie zu intensivieren. Wir werden Gesetze reformieren, die unsere Exporte behindern. Und wir werden auf verstärkte
internationale
Zusammenarbeit
bei
Währungs- und
Handelsangelegenheiten
dringen, um Chancengleichheit für unsere Exporteure sicherzustellen.
Ja, wir machen uns Sorgen über
die
amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit, und wir unternehmen etwas auf
diesem Gebiet.
Gleichzeitig bleiben
wir jedoch in einer Reihe von Bereichen
sehr
wettbewerbsfähig:
Luftfahrt, Computer
und Telekommunikationswesen sind Beispiele, an die man
in diesem Zusammenhang sofort denkt.
Und die amerikanische Landwirtschaft,
die lange Zeit die Grundlage unserer
Exportstärke bildete, bleibt ein Bereich, in dem wir im Wettbewerb erfolgreich bestehen können.
Ich kann aber nicht genug betonen, daß es ausgesprochen unaufrichtig
ist, wenn unsere europäischen
Kollegen behaupten, die amerikanische
Wirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig
und
gleichzeitig
mit
Verve
ihre
Schranken
und
Behinderungen
gegen
amerikanische Produkte gerade auf den
Gebieten verteidigen, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Ich denke dabei an die gemeinsame
Agrarpolitik, die, zu enormen Kosten
für
den europäischen
Steuerzahler,
einen subventionierten Wettbewerb mit
den amerikanischen
Landwirten
fördert, der nicht nur auf dem heimischen
europäischen
Markt,
sondern
auch auf den Märkten von Drittländern
stattfindet.
Ich denke dabei an Hochtechnologie wie auch das Telekommunikationswesen, wo komplexe und starre Zulassungs- und Wettbewerbsregeln den Verkauf von ausländischer Ausrüstung und

Dienstleistungen behindern.
Ich denke dabei an die Produktion
von Verkehrsflugzeugen, wo europäische Regierungen Milliarden von DM,
Francs und Pfund in Vorhaben gesteckt
haben, die ohne diese Subventionen in
keinem Fall fortgesetzt werden könnten.
Ich denke dabei an militärische
Ausrüstung und Technologien, bei denen durch teure Entwicklungsprogramme
Technologien
kopiert
werden,
die
schon bei amerikanischen Lieferanten
erhältlich sind.
Bei all diesen Beispielen besteht
das Problem nicht in der amerikanischen Konkurrenzfähigkeit, sondern in
Schranken gegen fairen Wettbewerb gerade auf den Gebieten, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Damit komme ich zu einem weiteren
Punkt bei der Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Er hat etwas mit den
Schwierigkeiten
zu tun, denen wir
beim Protektionismus ausgesetzt sind.
Dieser Punkt ist folgender: wenn unsere Handelspartner
unseren Handel
gerade in den Bereichen abwehren, in
denen wir besonders wettbewerbsfähig
sind, sollten sie sich nicht wundern,
wenn die Unterstützung dafür wächst,
ihren Handel dort abzuwehren, wo sie
besonders wettbewerbsfähig sind. Ich
bin kein Verfechter dieses Kurses.
Der Präsident befürwortet diesen Kurs
nicht. Aber man benötigt nicht viel
Phantasie, um seinen Reiz für eine
Wählerschaft
zu
verstehen,
die
glaubt, daß sie unfair behandelt wird.

Unsere Pflichten in Angriff nehmen
Die kommenden Monate werden also
voller
Herausforderungen
sein.
In
Handel und Wirtschaft ist unsere Fä-

- 10 -

�higkeit zur Beilegung von Streitigkeiten und zur Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele harten Prüfungen unterworfen.
Handelsschranken, Streitigkeiten und das Konfliktpotential
werden weiterhin unsere Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen belasten. Ich
möchte nicht behaupten, daß die Vereinigten Staaten ohne Fehl und Tadel
sind.
Beide Seiten bedienen sich
Praktiken, die unserer Ideale nicht
würdig sind. Und wir sind auf beiden
Seiten dem Druck wichtiger Wählergruppen ausgesetzt, um die heimischen
Interessen besser zu fördern und zu
verteidigen. Aber der Dialog bietet
eine Alternative zum Protektionismus,
und zwar meiner Ansicht nach die einzige, die wir besitzen. Wenn wir einen Rückfall vermeiden wollen, dann
müssen wir freimütig und ernsthaft
über die verstärkte Öffnung unserer
Märkte für die Welt sprechen.
Es ist kürzlich von einer Konferenz in München berichtet worden, ich
und andere Amerikaner hätten angedeutet, daß der Kongreß möglicherweise
amerikanische Truppen aus Europa abziehen könnte, falls unsere Handelsprobleme nicht gelöst würden. Lassen
Sie mich eindeutig zu einer grundlegenden Tatsache Stellung nehmen. Es
wäre ein tragischer Fehler, wenn die
Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen
an Europa drohen würden, um wirtschaftliche
Vorteile
zu
erlangen.
Ich glaube, daß ein umfangreicherer
einseitiger
Rückzug
amerikanischer
Truppen ein großer politischer und
strategischer Fehler wäre, der den
Vereinigten Staaten ebenso wie Europa
schaden würde.
Es entspricht also
nicht der Politik der Reagan-Administration, ein Junktim zwischen Handelsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in Europa zu verfolgen.
Es ist jedoch unabdingbar, zu erkennen, daß zwischen den amerikanisch-

europäischen
Wirtschaftsbeziehungen
und der Sicherheit des Bündnisses ein
wichtiger
Zusammenhang
besteht.
Schutzmaßnahmen für den Handel untergraben auf beiden Seiten des Atlantiks unser Wirtschaftspotential und
führen letztlich zu einer Begrenzung
der Mittel, die wir für die Verteidigung aufwenden können.
Was ebenso
wichtig ist: ernste Spannungen in unseren Wirtschaftsbeziehungen könnten
auch
auf
den
politischen
Bereich
übergreifen und würden den Zusammenhalt des Bündnisses an einem möglicherweise bedeutenden Zeitpunkt in
den Ost-West-Beziehungen untergraben.
Deshalb ist ein andauernder Elan
bei der Liberalisierung des Handels
nicht nur der Schlüssel für weltweiten Wohlstand sondern auch für die
internationale Sicherheit.
Bei der
neuen Runde multilateraler Handelsgespräche in Uruguay begrüßen wir die
Aussicht auf weitreichende Verbesserungen im Welthandelssystem. Wir haben hier eine Gelegenheit, internationale Disziplin
beim Handel mit
Dienstleistungen
und
Investitionen
einzuführen, notwendige
Regeln
zum
Schutz geistigen Eigentums zu verabschieden und das Schlichtungsverfahren für Streitfälle zu stärken. Dies
ist der Weg, den wir einschlagen müssen, nicht der Unilateralismus. Wir
müssen der Welt insgesamt dynamisch
und
vertrauensvoll
gegenübertreten.
Wir sollten uns nicht ängstlich hinter
schützenden
nationalen Grenzen
verstecken.
Bei dieser Vision nimmt Europa
eine Schlüsselrolle ein, denn Europa
ist inzwischen erwachsen.
Nach der
menschlichen
und
wirtschaftlichen
Verwüstung des Krieges ist die europäische Wirtschaftsmacht wieder
zu
einer bedeutenden Kraft in der Welt
geworden.
Die Stärke der europäischen Wirtschaft ist zu einer sol-

- 11 -

�chen Dimension angewachsen, daß die
von Ihnen getroffenen Entscheidungen
nicht nur das Wohlergehen der Europäer, sondern das von Menschen in der
ganzen Welt betrifft.
Wir in den Vereinigten Staaten
begrüßen dies.
Seit den frühesten
Tagen
der
Nachkriegszeit
ist
ein
starkes und vereintes Europa Ziel
amerikanischer Politik gewesen. Wir
teilen den Stolz Europas auf die
enormen Fortschritte, die auf dem Weg
zu wirtschaftlicher Integration und
politischer
Zusammenarbeit
zunächst
von sechs und heute von zwölf freien
und nach vorn blickenden europäischen
Staaten erzielt wurden.
In den Vereinigten Staaten ist
heutzutage die Besorgnis weit verbreitet, daß die Handelspartner Amerikas die Offenheit des amerikanischen Marktes ausnutzen, während sie
gleichzeitig selbst Schranken gegen
den amerikanischen Handel aufrechterhalten.
Wie ich schon sagte, wird
die Reagan-Administration zunehmendem
Druck des Kongresses ausgesetzt sein,
um - auch protektionistische - Maßnahmen zur Verringerung des Ungleichgewichts im amerikanischen Außenhandel zu ergreifen. Wenn der Präsident
weiterhin in der Lage sein soll, den
freien Handel zu verteidigen und dem
Protektionismus
zu widerstehen, so
muß er zeigen können, daß unsere
Partner sein starkes Interesse an einer
offenen Weltwirtschaft
teilen.
Er muß zeigen können, daß diese die
schwierigen Schritte unternehmen, die
notwendig sind, um die Offenheit der
Weltwirtschaft zu erhalten und noch
weiter auszubauen.
Dies heißt, daß unsere Partner
dabei helfen können. Die Bundesrepublik kann dabei helfen. Durch Politik und Taten können unsere Partner
Präsident Reagan die Hilfe zur Verfü-

gung stellen, die für seine Fähigkeit
zur Verteidigung des freien Handels
in den Vereinigten Staaten entscheidend sein kann.
In früheren öffentlichen und vertraulichen Gesprächen mit führenden
Persönlichkeiten der Meinungsbildung
in Europa, wie Ihnen, habe ich oft
gesagt, das Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik entwickle sich zu einer "reifen Partnerschaft". Damit meine ich,
daß bei den Deutschen ein neues, positives Bewußtsein in bezug auf die
wirtschaftliche
und
technologische
Stärke der Bundesrepublik
und die
Stabilität ihrer politischen Institutionen
herrscht.
Und
es
besteht
ebenfalls eine neue Bereitschaft bei
den Deutschen, der Bundesrepublik eine aktivere Rolle in den internationalen
Angelegenheiten
einzuräumen.
Auf amerikanischer Seite besteht eine
unmittelbarere Einsicht in die Tatsache, daß Freunde, wie jeder andere
auch, ihre eigenen Ansichten haben.
Die Vereinigten Staaten sind bereit
zu Konsultationen und zum Zuhören,
und sie sind ebenfalls bereit, Macht
und Verantwortung mit unseren engsten
Freunden und Verbündeten zu teilen.
Wir teilen mit der Bundesrepublik, die vom Außenhandel lebt, die
Wertschätzung für ein gesundes und
offenes Welthandelssystem.
Im Einklang mit unserer
reifen Partnerschaft fordern wir die Bundesrepublik
auf, ihre Wirtschaftskraft
in den
Dienst des Wachstums der Weltwirtschaft und der Anstrengungen zur Erhaltung und Förderung des freien Handels zu stellen.
Unsere beiden Länder sind durch
gemeinsame Werte und Ziele eng verbunden.
Seit über vier Jahrzehnten
arbeiten wir bei der Förderung von
Freiheit, Sicherheit und Wohlergehen

- 12 -

�der Völker unserer beiden Länder zusammen.
Heute wird unsere Partnerschaft
in einer sich verändernden
Welt einer neuerlichen Prüfung unterworfen.
Unilateralismus, Protektionismus
und Provinzialismus drohen,
unserem Marsch
zu einer offeneren
Weltwirtschaft Einhalt zu gebieten.
Wenn wir weise genug sind, um die vor
uns stehenden Gefahren zu erkennen,
dann bin ich zuversichtlich, daß wir
die Mittel finden können, um sie zu
überwinden.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
V,o^

Hintergrundmaterial

11. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

III. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten

Kontinuität der grundlegenden
Ziele
Unsere Außenpolitik spiegelt die
grundlegende
Stoßrichtung
unserer
Strategie der Nationalen Sicherheit
wider - die Förderung unseres demokratischen
Lebensstils.
Die Geschichte hat uns wiederholt gezeigt,
daß die Respektierung von Freiheiten
und Rechten des Einzelnen nur den De-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mokratien innewohnt. In der Welt der
Nachkriegszeit haben die Demokratien
auch
eine
außergewöhnliche
wirtschaftliche
Lebenskraft
bewiesen.
Mit ihren flexiblen Ökonomien haben
die Demokratien dauerhaft die Effizienz und Dynamik gezeigt, die nötig
ist,
um
in
einem
komplexen
und
schwierigen
internationalen
Wirtschaftsumfeld ihre Stärke zu erhalten.
Wenn wir solch eine Welt erreichen wollen, wie wir sie alle erhoffen, muß die Demokratie weiterhin gedeihen und sich ausbreiten.
Heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ist die Stärke der Demokratie in einer Reihe von Ländern, die sich in
verschiedenen
Stadien
wirtschaftlicher Entwicklung befinden, im Wachsen begriffen. Die Vereinigten Staaten müssen ein Leuchtfeuer der Demokratie sein. Leider werden viele in
der
Welt
daran
gehindert, dieses
Leuchtfeuer zu sehen. Für noch mehr
Menschen
wird
es
verzerrt
dargestellt; und wieder andere, die es sehen können und von ihm geleitet werden, benötigen Hilfe in Form von
praktischem Beistand.
Wir haben früher schon Beistand
geleistet - nach dem Kriege in Westeuropa und Japan - und wir müssen
dies wieder tun. Was wir in diesen
Regionen zu erzielen halfen, bildet
eines der bemerkenswertesten, positiven
Kapitel
unserer
jüngeren Geschichte.
Unsere Unterstützung der
Demokratie
sollte
nicht
versteckt
werden; sie muß aktiv und sichtbar
geleistet werden. In den vergangenen
beiden Jahrzehnten hat die aktive Unterstützung demokratischer Kräfte den
Wert dieser legitimen und wichtigen
Tätigkeit bewiesen.
Die erhebliche
Unterstützung, die von demokratischen
Parteien in Westeuropa geleistet wurde, hat zu den erfolgreichen Bemühungen der demokratischen Bewegungen in
Spanien und Portugal einen bedeutenden Beitrag geleistet.
Wir
sind an der Unterstützung
konstruktiver Veränderungen interessiert, die zu mehr politischer Stabilität,
sozialer
Gerechtigkeit
und
wirtschaftlichen Fortschritten führen
können.
Solche Veränderungen müssen
von innen kommen und einen Weg beschreiten, der durch nationale und
lokale Traditionen
vorgegeben
ist.
In einigen Fällen ist es besser, wenn
Beistand oder Orientierung von anderen Demokratien oder multilateral gewährt
werden.
Geduld, Anerkennung

anderer Kulturen und die Erkenntnis
unserer eigenen Grenzen müssen unsere
Bemühungen leiten.

Instrumente der Außenpolitik
Die Vereinigten Staaten besitzen
ein
außergewöhnlich
vielfältiges
Spektrum von Instrumenten, um ihre
internationalen Interessen zu schützen und den weltweiten Trend zur Demokratie zu unterstützen. Vielleicht
ist keine Nation
jemals mit vergleichbaren Instrumenten ausgestattet
gewesen.
Diese
Instrumente
sind
meist dann besonders wirksam, wenn
sie im Verbund mit anderen angewendet
werden.
Sie alle müssen veränderten
Situationen
angepaßt
werden.
Die
Wiedergeburt unserer nationalen Stärke in diesem Jahrzehnt beruhte auf
einer breiten Grundlage.
Sie wird
nur dann bis ins nächste Jahrzehnt
anhalten, wenn wir diese Grundlage
schützen und sicherstellen, daß die
uns zur Verfügung stehenden Instrumente angemessen bewahrt und wirksam
angewendet werden.
Die getrennten,
aber untereinander
zusammenhängenden
Instrumente, von denen der Erfolg unserer Außenpolitik abhängt, sind:
Das
moralische
und
politische
Vorbild:
amerikanischer
Geist
und
Wohlstand und unsere in der Vergangenheit erbrachten Leistungen bedeuten eine entscheidende Herausforderung für die Ideologie unserer Gegner:
freie, pluralistische Gesellschaften funktionieren.
Diese Macht
des Vorbilds verkörpert einen bedeutenden Vorteil der amerikanischen Gesellschaft, aber wir sollten seine
Ausprägung nicht dem Zufall überlassen. Es liegt in unserem Interesse,
diese Botschaft auf organisierte Weise zu verbreiten.

- 2 -

Militärische

Stärke

und

wirt-

�schaftliche Vitalität: Starke militärische Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sind unabdingbar, um das stabile, sichere Umfeld sicherzustellen,
in dem die Diplomatie eine wirksame
Rolle spielen kann und unsere Gegner
abgeschreckt
werden.
Die
Wirtschaftskraft
Amerikas
unterstützt
diese Stärke und kräftigt unsere Beziehungen zu anderen Ländern, die unser Interesse an einer freien und offenen internationalen Ordnung teilen.

zehnten seit dem Zweiten Weltkrieg
hat Amerika fast 200 Milliarden Dollar zur wirtschaftlichen Entwicklung
anderer
Länder
beigetragen.
Diese
Mittel haben eine herausragende Rolle
gespielt,
um
sicherzustellen,
daß
entscheidende Ziele der Vereinigten
Staaten erreicht werden.
Ein gut
strukturiertes
Wirtschaftshilfeprogramm bildet eine unabdingbare Unterstützung unserer führenden Stellung
in der weit.

Bündnisbeziehungen:
Die Verfolgung amerikanischer Ziele hängt von
der Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern ab.
Diese Beziehungen
steigern unsere Stärke und mildern
die verständliche Abneigung des amerikanischen Volkes, Lasten für die
Sicherheit
allein
zu tragen.
Die
vorhersehbaren
Schwierigkeiten, die
von Zeit zu Zeit in allen Bündnisbeziehungen entstehen, müssen an den
enormen Vorteilen
gemessen werden,
die diese Bindungen für uns und unsere Freunde bedeuten.

Handelspolitik: Die Wirkung der
Wirtschaftshilfe wird maximiert, wenn
sie von einer soliden Handelspolitik
begleitet ist, die eine bestmögliche
Nutzung
unserer Hilfe erleichtert.
Darüber hinaus wird eine Handelspolitik, die wirtschaftliche Schwierigkeiten anderer noch verstärkt, den
Bedarf für zukünftige amerikanische
Wirtschaftshilfe
nur noch erhöhen.
Das Festhalten an den Prinzipien einer offenen und freien Welthandelsordnung stellt sicher, daß die Staaten die wirtschaftliche Stärke erlangen, um auf eigenen Füßen zu stehen
und leistet durch einen gegenseitig
vorteilhaften Handel einen Beitrag zu
unserem eigenen Wohlergehen. Sicherheitserwägungen werden bisweilen Zurückhaltung beim Handel und Zusammenarbeit mit Verbündeten erfordern, um
zu verhindern, daß unsere Gegner ihre
militärischen Fähigkeiten ausbauen.

Militärhilfe: Indem wir unseren
Freunden, Verbündeten und denjenigen,
die von unseren Gegner als Ziele ausgewählt wurden, helfen, sich die Mittel zu ihrer Verteidigung verschaffen, begrenzen wir unsere mögliche
eigene
Verwicklung
in
gefährliche
Konflikte.
Militärhilfe an ausländische Staaten ist eine produktive Investition für unsere eigene Sicherheit.
Sie unterstützt die Abschrekkung, fördert regionale Stabilität,
hilft dabei, den Zugang zu lebenswichtigen militärischen Einrichtungen
in Übersee zu gewährleisten und vermindert unsere eigenen militärischen
Pflichten. Die entschlossene Nutzung
dieses
wertvollen
außenpolitischen
Instruments fördert direkt unsere Sicher he its in ter essen.
Wirtschaftshilfe:

In

den

Jahr-

Zusammenarbeit
bei
Wissenschaft
und Technologie:
Für die meisten
Länder ist der Zugang zu modernen
wissenschaftlichen
und
technologischen
Ressourcen
entscheidend
für
Wohlstand
und
langfristiges
Wirtschaftswachstum.
Die weltweite Führungsrolle und die enormen Ressourcen
der Vereinigten Staaten bei Wissenschaft und Technologie sind bedeutende strategische Aktivposten, um die
bestehenden
Bindungen mit Freunden
und Verbündeten zu stärken und posi-

- 3 -

�tive Beziehungen mit
Nationen zu fördern.

aufsteigenden

Private
Investitionen
in
die
Wirtschaft
von
Entwicklungsländern:
Der freie Fluß internationaler Investitionen
ist für das weltweite
Wirtschaftswachstum von ebenso zentraler Bedeutung wie für eine offene
Welthandelsordnung.
Private amerikanische Investitionen in weniger entwickelten Ländern tragen erheblich zu
deren
Wirtschaftswachstum
bei
und
fördern die soziale Stabilität.
Zu
einer Zeit, in der sich Entwicklungsländer bemühen, ihre Schuldendienstverpflichtungen zu erfüllen und die
Mittel ihrer nationalen Budgets unter
Druck stehen, ist der Beitrag von Investitionen des privaten Sektors von
zunehmender Bedeutung.
Diplomatische Vermittlung: In Regionen, in denen unsere Interessen
und die unserer Freunde durch Konflikte bedroht werden, sind politische Anstrengungen unverzichtbar, um
Gewalt zu beenden, Freiheit und nationale Selbstbestimmung zu fördern
und das Fundament zukünftiger Stabilität zu legen. Die Initiativen der
amerikanischen Diplomatie leiten ihre
Stärke aus der wirksamen und integrierten Nutzung der anderen bereits
erwähnten Instrumente ab sowie von
der Fähigkeit der amerikanischen Vertreter, in Streitfällen glaubwürdig
als Vermittler zu agieren. Indem wir
die Festigkeit unserer Verpflichtungen für Freunde und Verbündete klarstellen, werden wir tatsächlich für
deren Gegner die Anreize für Verhandlungen verstärken.
Internationale
Organisationen:
Multilaterale Diplomatie und Beteiligung an internationalen Organisationen bieten eine Möglichkeit, um weltweit bestehende, gemeinsame Probleme
zu behandeln und die Aufgabe, sie zu
- 4

lösen, gemeinsam
anzugehen.
Durch
geschickte
amerikanische
Diplomatie
innerhalb dieser Organisationen haben
wir insgesamt unseren Zielen bei Fragen wie der Erhaltung des Friedens,
der Förderung der Menschenrechte und
der Ermutigung zur Entwicklung freier
wirtschaftlicher und politischer Systeme Nachdruck verliehen.
Unterstützung von Freiheitskämpfern: Das Instrumentarium der Außenpolitik muß auch die besonderen Bedürfnisse derer einbeziehen, die den
in den siebziger und achtziger Jahren
in der Dritten Welt errichteten, sowjetisch geprägten Regimen Widerstand
leisten. Amerika hat eine lange Geschichte privater und staatlicher Unterstützung von Gruppen, die nach nationaler Unabhängigkeit und Freiheit
streben. Dies ist ein grundlegendes
und wichtiges Bemühen, da aggressive
marxistisch-leninistische Regime eindeutig
internationalen
Frieden
und
Stabilität bedrohen. wir möchten die
Sache von Freiheit
und Demokratie
vorantreiben und den Sowjets demonstrieren, daß ihnen ihre Handlungen,
die auf die Ausbreitung des marxistisch-leninistischen
Totalitärismus
abzielen, keinen dauerhaften Gewinn
bringen werden.

Internationale Wirtschaftspolitik
Die Vereinigten
Staaten unterstützen eine marktorientierte Politik, durch die das Wirtschaftswachstum
im In- und Ausland gefördert
wird.
Das Wirtschaftswachstum
der
Vereinigten Staaten ist der Eckpfeiler, der unsere Stärke sichert und
die Entfaltung des menschlichen Potentials gestattet.
Unsere Politik
des Wirtschaftswachstums hat in den
vergangenen sechs Jahren die Grundlagen zur Stützung des wichtigsten Ele-

�ments unserer nationalen Sicherheitsstrategie geliefert - der Wiederherstellung der amerikanischen Militärmacht.
In weiten Teilen der Welt
werden wir um das dynamische Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft beneidet. Wir sind in diesem Land gerade
damit beschäftigt, die amerikanische
Produktivität wiederherzustellen, unsere Führung
auf wissenschaftlichtechnischem
Gebiet
aufrechtzuerhalten,
unser
Potential
an
Menschen
bestmöglich zu verwenden und mit einer noch effizienteren, leistungsund
wettbewerbsfähigeren
amerikanischen Wirtschaft in das 21. Jahrhundert zu gehen.
Unsere Nation wird
diese Ziele durch harte Arbeit, Entschlossenheit und Engagement für die
Wiederbelebung der amerikanischen Industrie erreichen.
Die Vereinigten Staaten verlassen
sich dabei auf privaten Unternehmungsgeist
und
Initiative.
Diese
Philosophie führt zu einem höheren
Lebensstandard und zu Anteilnahme am
wirtschaftlichen
Weiterkommen
des
Einzelnen.
Im internationalen wirtschaftlichen Bereich zielt unsere nationale
Sicherheitsstrategie
darauf
ab,
eine
marktorientierte
Wirtschaftspolitik zu fördern, durch die
ein
Höchstmaß
an
wirtschaftlichen
Chancen und Wohlergehen des Einzelnen
erreicht wird.
Es ist wichtig, zu verstehen, warum
wir
die
Privatinitiative
als
Grundlage
unserer
internationalen
Wirtschaftspolitik betonen. Dies ist
eines der Hauptgebiete, auf denen
sich die Vereinigten Staaten - und
die freie Welt allgemein - von der
kommunistischen Welt in jeder Hinsicht unterscheiden. Das sowjetische
Wirtschaftsmodell wird von der Ineffizienz der zentral gesteuerten Wirtschaft gekennzeichnet, dem Scheitern
kollektiver Unternehmen und der Unfä-

higkeit, der Masse der sowjetischen
Bürger
einen
angemessenen
Lebensstandard
bereitzustellen.
Das sowjetische
Modell der
Organisierung
der Wirtschaft funktioniert nicht und
wird nie funktionieren.
Unter der Führung von Generalsekretär Gorbatschow hat die Sowjetunion
angekündigt, daß sie grundsätzliche
Reformen bei der Durchführung der
Wirtschaftspolitik in Angriff nehmen
möchte. Kürzlich lud Gorbatschow den
westlichen Privatsektor und insbesondere Führungskräfte der amerikanischen Wirtschaft dazu ein, sich in
Zukunft langfristig in der sowjetischen Wirtschaft zu engagieren.
Im
Licht dieser sowjetischen Initiative
müssen wir uns fragen, welche Art von
Sowjetunion wir in den nächsten 20
oder 30 Jahren sehen möchten.
Sicherlich können wir das Resultat nur
am Rande beeinflussen.
Wir sollten
jedoch nicht die neuen Möglichkeiten
zur Vergrößerung des wirtschaftlichen
Austauschs
zwischen
unseren
beiden
Gesellschaften
außer
acht
lassen.
Mehr wirtschaftliche Freiheit für das
sowjetische Volk liegt im Interesse
des Westens, solange sie nicht zu
verstärkten sowjetischen Investitionen in militärische Fähigkeiten führt.
Wir müssen solch einen Austausch
jedoch realistisch angehen. Es gibt
einige Bereiche, in denen er sicherlich nicht konstruktiven Zielen dienen würde. Gegenwärtig wäre zum Beispiel eine sowjetische Mitgliedschaft
im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) nicht im besten Interesse des Westens. Zusätzlich zur Gefahr einer Politisierung des GATT ist
das staatlich gesteuerte Handelssystem der UdSSR unvereinbar mit der
Orientierung
des
internationalen
GATT-Handelssystems auf freie Märkte.
Vorschläge
sowjetischer
Regierungsvertreter in bezug auf eine mögliche

- 5 -

�Mitgliedschaft der UdSSR in der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds
sollten
aus
ähnlichen
Gründen zurückhaltend behandelt werden. Unter den gegenwärtigen Umständen würden wir eine solche Mitgliedschaft ablehnen.
Die Bemühungen der UdSSR, ihre
Außenwirtschaftsbeziehungen zu erweitern, bilden einen integralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie der Sowjets. Neben der Unterstützung
der sowjetischen Wirtschaft sind sie darauf ausgerichtet,
die Abhängigkeit von Handelspartnern
auszunutzen und allgemein Macht und
Einfluß der Sowjets zu stärken. Der
Handel mit dem Westen kann daneben
Zugang zu moderner Technologie verschaffen,
wodurch
die
sowjetische
Aufrüstung unterstützt wird. Nichtkommunistische Regierungen müssen eine größere Disziplin bei der Berücksichtigung von Sicherheitsinteressen
in den Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Ost und West einbringen.
Insbesondere bedeutet dies:
- Wie in den Vereinbarungen
von
Helsinki dargelegt, sollte zwischenstaatliche Zusammenarbeit im
Bereich der Wirtschaft von Fortschritten
in anderen Bereichen
der Ost-West-Beziehungen abhängig
gemacht
werden,
einschließlich
der Respektierung der Menschenrechte durch den Osten.
- Die COCOM-Kontrollen in bezug auf
strategische Technologien sollten
aufrechterhalten, gestrafft
und
durchgesetzt werden, um die Fähigkeit der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten zu zügeln, mit dem
Westen bei den militärischen Fähigkeiten gleichzuziehen oder ihn
zu überholen.

- 6

- Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) sollte ihre Bemühungen fortführen, die Abhängigkeit
ihrer
Mitgliedsstaaten
von unsicheren Energiequellen zu
verringern.
In den frühen Tagen unserer Administration haben wir das internationale wirtschaftliche Fundament
für
verstärkte Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten gelegt.
Wir haben versucht, den Standpunkt zu fördern, daß
die Zukunft denjenigen gehört, die es
dem freien Unternehmertum gestatten,
wirtschaftliche
Entscheidungen
zu
leiten und nicht den Regimen, die es
bürokratischen Funktionären erlauben,
den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung zu bestimmen. Während dieser sechs Jahre sind wir Zeugen geworden, wie diese Prinzipien von der
Theorie in die Praxis umgesetzt wurden. In Frankreich schreitet die Liberalisierung der Wirtschaft stetig
voran.
in Japan werden Handel und
Kapitalmärkte langsam aber sicher geöffnet.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland und Großbritannien wird
ein neuer Wirtschaftskurs festgelegt,
um Wachstum mit geringer Inflation
aufrechtzuerhalten.
Wir glauben, daß langfristig eine
marktorientierte Politik den Schlüssel zu mehr Wachstum in Amerika und
in der ganzen Welt darstellt.
Wir
haben uns sorgfältig darum bemüht,
protektionistischen Tendenzen im Inund Ausland zu widerstehen, da der
Protektionismus allen freien Nationen
schaden wird.
Die sofortigen wie
auch die langfristigen Kosten würden
jegliche kurzfristigen Vorteile, die
vielleicht gewonnen werden könnten,
mehr als zunichte machen. wir haben
eine auf den Marktkräften beruhende
Energiepolitik
und einen
offeneren
Handel mit Energie innerhalb der IAEO
ermutigt. Wir sind die Haupttriebfe-

�der bei der Schaffung einer Grundlage
für die neue Verhandlungsrunde innerhalb des GATT gewesen, durch die
Märkte für unsere Exporte von Gütern
und
Dienstleistungen
geöffnet
und
mehr
Wachstum,
Effizienz
und
die
weltweite Zunahme von Arbeitsplätzen
stimuliert werden.
Wir haben die
Bindungen
mit
unseren
asiatischen
Partnern gestärkt, indem wir die zukünftige Rolle der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik betont haben.
Die Industriestaaten des Westens
sind zunehmend voneinander abhängig
geworden.
Keines dieser Länder kann
auf sich allein gestellt die langfristigen
wirtschaftlichen
Probleme
wirksam lösen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten müssen zusammenarbeiten, wenn wir und die Welt
insgesam wachsent und gedeihen sollen.
Die weltweite Stärkung des Wirtschaftswachstums,
die
Öffnung
der
Märkte
und
die
Verbesserung
der
Schuldenlage
der
Entwicklungsländer
sind
langfristige
Ziele, die nur
durch für die Aufrechterhaltung andauerndem Wohlstandes benötigte Faktoren, wie gesunde Wirtschaftspolitik, umsichtige Kreditvergabe sowie
direkte Investitionen und wachsende
Märkte erreicht werden können. Bedeutende
Beiträge
an
Kapital
und
Know-How mittels Hilfeleistung, Investitionen, Technologietransfer und
Ausbildung sind ebenso wichtige Bestandteile
regionalen Friedens und
kollektiver Sicherheit wie Abschrekkungsstreitkräfte und Verteidigungsbündnisse.
Diese Neudefinition des
traditionellen Konzepts der "Lastenverteilung" steht im Einklang mit den
Fähigkeiten der Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten und mit den
sich herausbildenden Pflichten einer
gemeinsamen Führung.

Kurz gesagt: unsere internationale Wirtschaftspolitik entspringt der
Überzeugung,
daß
wirtschaftliche
Freiheit nicht den alleinigen Besitz
einiger
Auserwählter,
sondern
das
universelle Recht aller Menschen darstellt.
Wir
werden
unsere wirtschaftliche Macht und unseren politischen Willen benutzen, um unsere Vision
einer
weltweiten
wirtschaftlichen Zukunft zu erhalten und zu
nähren, die freien Menschen, freien
Regierungen
und
freier wirtschaftlicher Tä'tigkeit gehört.

Elemente nationaler Stärke in
Politik und Informationswesen
Im politische Bereich sind wir
einer
grundlegenden
Herausforderung
unserer nationalen Sicherheit ausgesetzt. Diese Herausforderung besteht
darin, den Krieg der Ideen auszufechten und die politische Infrastruktur
der Demokratien in der Welt unterstützen zu helfen. Um dies zu erreichen, müssen wir der Aufrechterhaltung unserer politischen Verteidigung
ebenso verpflichtet sein wie unserer
militärischen Verteidigung.
Meinungsumfragen finden regelmäßig heraus, daß zwei Drittel der amerikanischen Wählerschaft normalerweise kein Interese an auswärtiger Politik haben. überdies glaubt heute nur
eine knappe Mehrheit, daß unser Land
eine aktive Rolle in der Weltpolitik
spielen sollte - und diese Mehrheit
ist im Schwinden begriffen. Es gibt
keine natürliche heimische Wählerschaft für die Außenpolitik - wir
müssen eine schaffen.
Zu den Instrumenten zur Verwirklichung eines solchen Ansatzes gehören eine Reihe traditioneller außenpolitischer Institutionen, wie etwa
das Außenministerium, das Amt für In-

- 7 -

�ternationale Entwicklung
(AID) , das
US-Informationsamt (USIA) sowie mehrere traditionell weniger Beteiligte,
darunter die Ministerien für Wirtschaft und Finanzen sowie der US-Handelsbeauftragte (USTR).
Ein weiterer Akteur im Bereich
von Politik, Informations- und Kommunikationswesen ist der Privatsektor.
In den vergangenen sechs Jahren ist
der Privatsektor als Schlüsselelement
bei der Entwicklung der außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten
gestärkt worden. Führende Privatleute und -gruppen unternehmen Schritte,
um die vielen lokalen Kräfte in den
Vereinigten Staaten zu indentifizieren und organisieren, die ein direktes Interesse an den Beziehungen unseres Landes zur übrigen Welt haben.
Die auf freiwilliger Basis im außenpolitischen Bereich arbeitenden Privatorganisationen leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Aufklärung der Öffentlichkeit.
Sie genießen unsere besondere Förderung und
Unterstützung .
Wenn wir uns auf die Erfordernisse einer wirksamen politischen und
Informationspolitik
konzentrieren,
müssen wir im Auge behalten, daß die
Sowjetunion ein äußerst aggressives
Propagandaprogramm zur Täuschung der
Öffentlichkeit besitzt, das sich eines breiten Spektrums an Techniken
bedient, die nicht nur auf die Dritte
Welt, sondern auch auf unsere Bündnispartner gerichtet sind.
Das gegenwärtige sowjetische Regime hat die
Bandbreite
und
Intensität
sowjetischer Anstrengungen im Bereich der
öffentlichen Diplomatie und Propaganda erweitert.
Wir müssen sowjetischer Propaganda und aktiven Maßnahmen entgegentreten, indem wir das
ganze Instrumentarium amerikanischer
Informationsprogramme nutzen.

Unsere Strategie in Politik und
Informationswesen muß auch die Völker
erreichen, denen der Zugang zu Informationen verweigert wird, insbesondere in der UdSSR und Osteuropa - um
Hoffnung auf Wandel zu ermutigen und
die Öffentlichkeit dort über die Vorzüge freier Institutionen zu unterrichten.
Dies wird erreicht durch
die elektronischen Medien, durch Publikationen
sowie
durch
verstärkte
Kontakte und den Gedankenaustausch,
der aus solchen Kontakten erwächst.
Der Prozeß des schrittweisen Wandels
wird im Innern stattfinden, aber der
Antrieb und die Vision, "wie alles
sein könnte", müssen in einer geschlossenen
Gesellschaft von außen
kommen.
Dies ist die Vision einer
Nation, die glaubt, daß eine Welt der
Demokratien eine sicherere Welt ist,
eine Welt, in der die Achtung der
Menschenwürde eine bessere Chance auf
Verwirklichung erhält.

Regionalpolitik
Westliche Hemisphäre:
Die Verteidigung
Nordamerikas
bildet
das
grundlegendste
Sicherheitsanliegen
der Nation.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat dies in dieser Hemisphäre
zu einem Sicherheitssystem geführt,
das aus einem starken nuklearen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten, verstärkter
Zusammenarbeit
mit Kanada und der Förderung kollektiver Sicherheitsvorkehrungen mit Lateinamerika besteht.
Neue Bedrohungen und neue Chancen für die Demokratie in der westlichen Hemisphäre machen es notwendig, daß dieser traditionelle Ansatz mit neuem Leben erfüllt wird, indem wir auf den gemeinsamen Interessen mit unseren demokratischen Nachbarn in der Karibik, in
Nord-, Mittel- und Südamerika aufbauen.

�Aggressive marxistische Regime in
Kuba und Nicaragua haben die westliche Hemisphäre, die einst unbestritten als sicher für die Vereinigten Staaten galt, in ein Gebiet strategischer Chancen für die Sowjetunion
verwandelt.
Die Labilität sozialer
und politischer Arrangements in Lateinamerika und die Präsenz dieser
beiden
sowjetischen
Klientelstaaten
mit ihrer Unterstützung von GuerillaBewegungen in anderen lateinamerikanischen Staaten und ihren Verbindungen zum internationalen Terrorismus
lassen
andauernde Instabilität und
Konflikte
in der Region erwarten.
Diese Lage wird noch verschlimmert
durch
anhaltende
Wirtschaftsnd
Schuldendienstprobleme, das weiterbestehende Problem
des Drogenhandels
und der wachsenden politischen Stärke
der Drogenhändler, die - oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Guerillagruppen - begonnen haben, eine ernsthafte Herausforderung für die wiedergeborenen lateinamerikanischen Demokratien zu bilden.
Die nationale Sicherheitspolitik
der Vereinigten Staaten für die westliche Hemisphäre
zielt darauf ab,
diese Probleme innerhalb eines weiter
gespannten Rahmens zur Förderung der
Demokratie, Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklung, Stärkung von Dialog und Diplomatie innerhalb und zwischen den Ländern dieser Region sowie
durch einen Beitrag zu defensiven Fähigkeiten
zu behandeln, die Fortschritte ohne schwächende Einmischung
von außen erlauben. Viele gegenwärtig bestehende Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, fallen aus den formalen
kollektiven SicherheitsVereinbarungen
heraus, die in vergangenen Jahrzehnten geschaffen wurden. Unsere nationale Sicherheit erfordert die Betonung politischer und wirtschaftlicher
Unterstützung
für
die
Demokratien

dieser Hemisphäre
Initiativen
zur
Bündnisse.

und diplomatische
Stärkung
unserer

Westeuropa: Die Sicherheit Westeuropas ist für die Vereinigten Staaten von lebenswichtigem
Interesse.
Gemeinsame Werte, die sowjetische Bedrohung und die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa unterstreichen die Bedeutung der gemeinsamen, von der NATO verkörperten Verteidigung.
Die beiden größten Gefahren für
die Sicherheit Westeuropas bestehen
gegenwärtig in der geographischen Nähe massiver sowjetischer konventioneller und nuklearer Streitkräfte sowie in der Verwundbarkeit des ölnachschubs für Westeuropa, von dem 60
Prozent auf dem Seeweg vom Persischen
Golf transportiert wird.
Der Zusammenhalt im NATO-Bündnis
ist angesichts dieser Herausforderungen weiterhin stark und wird noch
verstärkt durch einen intensiven Konsultationsprozeß in bezug auf das gesamte Spektrum von Sicherheitsfragen.
In den vergangenen 12 Monaten fanden
im NATO-Rahmen ungefähr 30 Konsultationen auf hoher Ebene statt. Dieser
intensive Prozeß, dem wir weiterhin
ohne Abstriche verpflichtet bleiben,
hat zum grundsätzlichen Konsens innerhalb des Bündnisses bezüglich der
Behandlung
der
Ost-West-Beziehungen
bei Fragen von der Rüstungskontrolle
bis hin zu den Menschenrechten beigetragen.
Der
in den jüngsten Ministerkommuniques der NATO dargelegte
gemeinsame Ansatz des Bündnisses verknüpft die Verpflichtung zur Erhaltung der für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen notwendigen
Stärke
mit
der
Bereitschaft,
durch einen realistischen Dialog mit
der Sowjetunion auf verbesserte Be-

- 9 -

�Ziehungen hinzuarbeiten.
Das Bündnis ist in den letzten
Jahren meßbar gestärkt worden.
Die
Vereinigten Staaten haben dem Wiederaufbau ihrer atlantischen Beziehungen
besondere
Aufmerksamkeit
gewidmet,
und unsere Bemühungen zur Wiederbelebung der amerikanischen
Wirtschaft
haben einen wesentlichen Impuls für
das Wachstum in Westeuropa geliefert.
Weitere Meilensteine waren der Beitritt Spaniens zur NATO im Jahr 1982
und das spanische Referendum für die
andauernde Mitgliedschaft im vergangenen Jahr.
Durch die im Jahr 1983
begonnene Stationierung neuer Mittelstreckenraketen (INF) hat das Bündnis
seine
Entschlossenheit
zum
Schutz
seiner grundlegenden Interessen angesichts
sowjetischer
Einschüchterung
demonstriert. Im Jahr 1984 haben die
Verbündeten ein Programm zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung auf den Weg gebracht und danach
der Rüstungszusammenarbeit verstärkte
Aufmerksamkeit
geschenkt.
In
den
Jahren 1985-86 hat die Festigkeit und
Solidarität der Verbündeten dazu beigetragen, die Sowjets an den Genfer
Verhandlungstisch zurückzubringen und
in den Gesprächen selbst Fortschritte
zu fördern.
Trotz der grundsätzlich bestehenden Vitalität und Stärke des atlantischen Bündnisses sind die Beziehungen mit den NATO-Staaten verschiedenartigen Belastungen ausgesetzt.
Zu
den Herausforderungen
gehören beispielsweise Protektionismus und Handelsdefizite, unterschiedliche Methoden bei der Behandlung des Terrorismus, der Lastenverteilung wie auch
bisweilen unterschiedliche Einschätzungen
der
sowjetischen
Bedrohung.
Überdies decken sich die außenpolitischen
Prioritäten der westeuropäischen Regierungen in bezug auf Entwicklungen
in Asien, Afrika, dem

Mittleren
Osten
und
Lateinamerika
nicht immer mit den Prioritäten der
Vereinigten Staaten. Dies ist teilweise deshalb der Fall, weil die Vereinigten Staaten eine globale Zielsetzung verfolgen müssen.
Bisweilen
sind
insbesondere in
den späten siebziger Jahren Zweifel
in bezug auf die weitere Aufrechterhaltung der amerikanischen Verpflichtungen für die Verteidigung Europas
laut
geworden.
Die
erfolgreiche
Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vereitelte den jüngsten
Versuch der Sowjets, die amerikanische Sicherheitsgarantie von der Verteidigung Europas abzukoppeln und hat
für die Sowjets einen wesentlichen
Anreiz dargestellt, um sich an ernsthaften Verhandlungen über echte Reduzierungen der Mittelstreckenwaffen zu
beteiligen. Was auch immer das Ergebnis
der
INF-Verhandlungen
sein
mag, die Strategie der flexiblen Reaktion wird die weitere Präsenz amerikanischer Atomwaffen in Europa bedingen.
Trotzdem hat sich die NATO
konsequent
dafür
eingesetzt,
ihr
Atomwaffenarsenal
auf das zur Abschreckung nötige Mindestmaß zu beschränken und führt die durch den
Montebello-Beschluß von 1983 festgelegten Reduzierungen ihrer Bestände
fort.
Die vor uns liegende Herausforderung besteht darin, den von uns erzeugten
Impetus
aufrechtzuerhalten
und die unvermeidlichen Belastungen
in unseren Bündnisbeziehungen zu bewältigen. Mit gemeinsamem Engagement
für die Werte und Interessen, die das
Fundament des Bündnisses bilden, mit
Phantasie und politischem Mut werden
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erfolgreich ein noch stärkeres Bollwerk gegen sowjetische Aggression und Einschüchterung errichten.

�Ostasien und der Pazifik:
Die
Vereinigten Staaten sind eine pazifische Macht und stolz darauf, zu derjenigen Region der Welt zu gehören,
die führend beim Wachstum der Weltwirtschaft ist. Die sowjetische Militärmacht in Asien und dem Pazifik
hat dramatisch zugenommen, aber die
amerikanische
Reaktion
geht
über
technische
Probleme der
jeweiligen
militärischen Macht weit hinaus. Das
Ziel besteht darin, unsere natürlichen
politischen
und wirtschaftlichen Verbindungen zu stärken und
gleichzeitig stetig mit der notwendigen Modernisierung unserer in dieser
Region
stationierten
Streitkräfte
fortzufahren.
Die Zusammenarbeit mit Japan ist
grundlegend
für die amerikanischen
Beziehungen mit dieser Region.
Der
Gegenseitige Sicherheitsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Japan gibt unseren verteidigungspolitischen Bindungen einen formellen Rahmen und liefert eine sicherheitspolitische Grundlage für das breite Spektrum wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Zusammenschlüsse,
die
sich uns anschließen.
Im Bereich der Sicherheit ist die
kürzlich seitens Japans erfolgte Neudefinition
der
Selbstverteidigungsziele dieses Landes - insbesondere,
soweit sich diese auf den Schutz der
Seewege beziehen - von besonderer Bedeutung. Die japanischen Streitkräfte entwickeln Fähigkeiten, die einen
wichtigen
Beitrag
zur Abschreckung
leisten können. Gleichzeitig bleiben
die japanischen Verteidigungsausgaben
gering, wenn man die mächtige Wirtschaft dieses Landes betrachtet. Für
die Erlangung der japanischen Verteidigungsziele
ist
ein
schnellerer
Fortschritt
notwendig.
Jedoch
ist
das stetige und beträchtliche Wachstum dieser Ausgaben in den vergange-

nen 15 Jahren, insbesondere während
der letzten fünf Jahre, bedeutsam.
Die jüngste Entscheidung Japans, mehr
als ein Prozent seines BSP für die
Verteidigung aufzuwenden, ist besonders beachtenswert.
Japan ist heute die zweitgrößte
Wirtschaftsmacht
der
Welt.
Diese
Entwicklung spiegelt sich in den gestiegenen Ausgaben Japans
für die
Auslandshilfe wider, die das Land
weiterhin auf bestimmte Länder von
besonderer
strategischer
Bedeutung
konzentriert.
Gleichzeitig sind die
Wirtschaftsbeziehungen
Japans
eine
Quelle politischer Spannungen geworden. Der japanische Handelsüberschuß
ist der größte in der Geschichte.
Dieser Überschuß kann nicht aufrechterhalten und muß in ein besseres
Gleichgewicht gebracht werden.
Wir
arbeiten an vielen Fronten zusammen,
um dies zu erreichen.
Unser Bündnis mit der Republik
Korea bleibt außergewöhnlich wichtig.
Nordkorea unterhält weiterhin Streitkräfte, die an Quantität die des Südens bei weitem übertreffen, durch
zusätzliche
sowjetische Waffen neu
gestärkt und in den Händen einer Regierung sind, deren aggressives Verhalten und deren Neigung zu Uberraschungshandlungen wohlbekannt sind.
Unsere eigene militärische Präsenz in
der Republik Korea ist sowohl für die
regionale Stabilität als auch für die
lokale Sicherheit von Bedeutung, die
für die bemerkenswerte Wirtschaftsentwicklung dieses Landes unabdingbar
ist.
Dieses Land befindet sich zur
Zeit in einer entscheidenden Phase
der politischen Entwicklung, da es
sich zum ersten Mal in seiner Geschichte
einem
friedlichen
Regierungswechsel nähert, wenn Präsident
Chuns Amtszeit im Jahr 1988 ausläuft.
In diesem Prozeß hoffen die Vereinigten Staaten ihren Einfluß zu nutzen,

- 11 -

�um die Koreaner bei diesem demokratischen Wandel zu ermutigen. Wir tun
dies jedoch in vorsichtiger Weise,
die den koreanische Traditionen und
den politischen Realitäten Rechnung
trägt und behalten die ständige Bedrohung der Sicherheit im Auge.
Die Bedeutung Chinas spricht für
sich selbst.
Die Erreichung eines
schnellen Wirtschaftswachstums unter
gleichzeitiger Durchführung grundlegender wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Veränderungen
ist eine
weitere große Leistung in der bemerkenswerten Geschichte dieses Landes.
Die Vereinigten Staaten möchten ein
enges, freundschaftliches und auf Kooperation gegründetes Verhältnis zur
Volksrepublik
China,
jedoch
kein
Bündnis, und wir haben keine Illusionen darüber, daß der eine für den anderen etwa eine strategische "Karte"
bedeutet. Einfach ausgedrückt erkennen wir beide die Bedeutung des jeweils anderen in den vielen Gebieten
der Übereinstimmung, selbst wenn wir
die Verschiedenheit unserer politischen Systeme zugrundelegen.
Auf den Philippinen steht die
neue Regierung vor großen, ererbten
politischen, militärischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Wir
sind entschlossen, mit all den uns
zur Verfügung stehenden Mitteln diesem äußerst wichtigen Verbündeten im
Pazifik bei der Überwindung seiner
Probleme zu helfen, um aufs neue zu
Wirtschaftswachstum zu gelangen, der
ernsten Bedrohung durch Aufständische
entgegenzuwirken und um die demokratische Regierung zu stärken.
Unser zweiter vertraglicher Verbündeter
in Südostasien, Thailand,
ist der ASEAN-Frontstaat an der Grenze zu Kambodscha, das gegenwärtig von
den Vietnamesen besetzt und Gebiet
einer aktiven kambodschanischen Wi-

derstandskoalition ist, die für die
Selbstbestimmung
des
Khmer-Volkes
kämpft.
Mit der Unterstützung Thailands, das auch die Hauptlast der
Flüchtlinge
in
Südostasien
trägt,
werden wir unsere enge Zusammenarbeit
im Bereich der Sicherheit fortführen,
um jede potentielle Aggression abzuschrecken
und unsere Unterstützung
anerkannter Flüchtlinge aufrechtzuerhalten.
Wir werden außerdem unsere
kooperativen Bemühungen mit Thailand
fortsetzen, um den Drogenhandel bekämpfen.
Die Vereinigten Staaten betrachten die andauernde Besetzung Kambodschas durch vietnamesische
Truppen
als unannehmbar, da sie regionale Bemühungen für Entwicklung, Frieden und
Stabilität untergräbt. Ebenso lehnen
wir die Rückkehr der Roten Khmer an
die Macht in Kambodscha ab. Wir werden unsere energische Unterstützung
für die von ASEAN angestrebte friedliche politische Lösung und für die
nichtkommunistischen Elemente der Widerstandskoalition
fortsetzen.
Im
Rahmen unserer UN-Initiative zu regionalen Problemen sind wir bereit,
eine konstruktive Rolle bei einer Regelung für Kambodscha zu spielen.
Trotz scharfer und ernster Differenzen mit Vietnam haben wir in bilateralen Gesprächen in den vergangenen
zwei Jahren mehr Fortschritte bei der
Suche nach vermißten amerikanischen
Soldaten erzielt als jemals seit dem
Ende des Krieges. Auch unsere bilateralen
Gespräche
zur
humanitären
Frage der Flüchtlinge, Umerziehung
von Internierten und über Kinder mit
einem amerikanischen Elternteil werden mit dem Ziel weitergehen, eine
humane Lösung dieser komplexen Fragen
herbeizuführen.
Wir werden
jedoch
unsere Beziehungen zu Vietnam nicht
normalisieren, bevor Hanoi nicht einer Regelung für Kambodscha zustimmt,

- 12 -

�die den Rückzug
truppen vorsieht.

seiner

Besatzungs-

In den Beziehungen zwischen Laos
und den Vereinigten Staaten haben wir
bescheidene
Fortschritte
festgestellt.
Unser Hauptmaßstab für die
in diesem Land bestehende Ernsthaftigkeit zur Verbesserung der Beziehungen besteht in weiteren beschleunigten und kooperativen Bemühungen,
um den Verbleib vermißter amerikanischer Soldaten festzustellen.
Im Südpazifik bleibt unser langjähriges Bündnis mit Australien unter
dem ANZUS-Vertiag
ein Grundpfeiler
unserer Außenpolitik in der Region.
Die Vereinigten
Staaten sind sich
insbesondere über die Bedürfnisse der
unabhängigen Länder des Südpazifik im
klaren. Wir haben kürzlich zu wichtigen Punkten eines historischen Fischereivertrages
eine
Übereinkunft
erzielt. Wir sind über dieses Abkommen
befriedigt,
das
eine
solide
Grundlage für zukünftige Freundschaft
und Zusammenarbeit legt. Wir glauben, daß der im Vertrag niedergelegte
Umfang amerikanischer Hilfe die Entwicklung der Wirtschaftssysteme auf
den Inseln fördern wird. Wir waren
ebenfalls kürzlich in der Lage, die
Gründung eines neuen amerikanischen
Commonwealth - die nördlichen Marianen-Inseln - zu feiern wie auch zwei
weitere Zusammenschlüsse, die Föderierten Staaten von Mikronesien und
die
Republik
der
Marshall-Inseln.
Wir heißen diese neuen Mitglieder in
der Gemeinschaft der Pazifikstaaten
willkommen.
Sowjetunion und Osteuropa:
Wie
bereits
ausgeführt,
bedeutet
die
weltweite Herausforderung durch die
Sowjetunion die wichtigste Bedrohung
für die Sicherheit und die nationalen
Interessen der Vereinigten Staaten.
Es qibt keinen Zweifel darüber, daß

Moskau die Umwandlung des bestehenden
internationalen Systems und die Errichtung weltweiter sowjetischer Hegemonie anstrebt.
Diese langfristigen Ziele der Sowjets werden durch
sowjetische Konzeptionen zur Außenund Verteidigungspolitik untermauert.
Unsere Politik zur Behandlung der Sowjetunion basiert auf drei Leitlinien:
- Realismus, was bedeutet, daß wir
den Charakter
des sowjetischen
Systems erkennen und Probleme in
unseren Beziehungen offen und geradlinig behandeln müssen.
- Stärke, die hier mehr bedeutet
als militärische Macht und politische
Entschlossenheit,
die
Stärke des Bündnisses und auch
eine
gesunde
Wirtschaft
einschließt.
Die Sowjetunion respektiert
Stärke und weiß aus
Schwächen ihren Vorteil zu ziehen.
- Dialog, der unsere Bereitschaft
umschreibt, alle uns trennenden
Probleme zu besprechen und auf
einer mit unseren grundlegenden
Interessen in Einklang stehenden
Basis praktische und gerechte Lösungen zu erarbeiten.
Diesem Ansatz zufolge sind wir
mit den Sowjets einen Dialog über
vier grundlegende Bestandteile unserer
Beziehungen
eingegangen:
Menschenrechte, Abbau regionaler
Konflikte, Bereiche der Zusammenarbeit
von beiderseitigem Nutzen
und Rüstungskontrolle.
In all diesen Bereichen nimmt der Fortschritt einen
langsamen Lauf.
Gleichzeitig versuchen wir durch
koordinierten Einsatz vieler Elemente
unserer nationalen Macht, direkte und
indirekte Aggression seitens der Sowjets abzuschrecken und die Sowjets
dazu zu veranlassen, weniger auf den

- 13 -

�Einsatz von Gewalt zu bauen.
Wir
werden auch weiterhin weltweit den
sowjetischen
Expansionismus
bekämpfen.
Seit 1981 ist kein weiteres
Land sowjetischer Aggression anheimgefallen, und die Sowjets waren in
den vergangenen Jahren vorsichtiger,
wenn
es darum
ging, militärische
Abenteuer zu unternehmen, obowohl sie
und ihre Stellvertreter in Gebieten
wie Afghanistan, Angola, Kambodscha
und Nicaragua aktiv bleiben.
Wir haben uns also eine Politik
zur langfristigen Gestaltung amerikanisch-sowjetischer Beziehungen angeeignet, um unsere Interessen ohne die
Fluktuationen oder Illusionen verfolgen zu können, die einige Abschnitte
der Vergangenkeit kennzeichneten. Es
ist eine Tatsache, daß das amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
von
grundsätzlichen Gegensätzen bestimmt
wird und das auch in absehbarer Zukunft so bleiben wird.
Aber beide
Seiten sind sich über unsere Verantwortung einig, daß wir einen friedlichen Verlauf dieser Beziehungen sicherstellen müssen. Wir sind zu den
langwierigen Bemühungen und dem steten Kurs bereit, der notwendig ist,
um unsere nationalen Interessen in
dieser Weise weiter zuverfolgen.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
wichtige politische und wirtschaftliche Interessen in Osteuropa.
Wir
haben niemals die Teilung Europas als
rechtmäßig oder etwa dauerhaft angesehen. Es gab in Jalta kein Abkommen, um Europa in "Einflußzonen" aufzugliedern.
Vielmehr
sicherte die
Sowjetunion Polen und anderen Staaten
Osteuropas die Garantie voller Unabhängigkeit und die Durchführung freier Wahlen zu.
Das sowjetische Versäumnis, solch einer
Verpflichtung
nachzukommen, stellt eine der primäre
Ursachen für Spannungen im Ost-WestVerhältnis dar.
Mit Hilfe unserer

Politik in Osteuropa versuchen wir,
den osteuropäischen Staaten eine positive Rolle einzuräumen, wenn es
darum geht, die Stabilität in Europa
zu erhalten und einen mäßigenden Einfluß auf die Sowjetunion auzuüben.
Unserer Ansicht nach sollten die
Vereinigten Staaten in den Ländern
Osteuropas ihre Politik von einer Beurteilung der Bedingungen in jedem
Land abhängig machen. Diesem Grundsatz zufolge differenzieren wir unsere Politik gegenüber Osteuropa, um
eine Reihe von Zielen zu erlangen.
Dazu gehört auch die Ermutigung innenpolitischer
Liberalisierung
und
einer autonomeren Außenpolitik, die
Förderung der Sicherheit durch verbesserte wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, die Unterstützung wahrer und langfristiger Verbesserungen
bei
den
Menschenrechten.
Gegenwärtig bemühen wir uns um diese
Förderung eines verbesserten Dialogs
durch Austauschprogramme auf kultureller und wissenschaftlicher Ebene,
durch internationale Begegnungen, Besuche auf höchster Ebene, bilaterale
Organisationen
und
zwischenmenschliche Kontakte.
Der Mittlere Osten und Südasien:
Zu unseren Hauptinteressen im Mittleren Osten zählt die Erhaltung regionaler
Stabilität, Beschränkung
und
Abbau sowjetischen Einflusses, Bewahrung der Sicherheit Israels und anderer Freunde in der Region, Aufrechterhaltung des Zugangs zum öl für
uns und unsere Verbündeten zu vernünftigen Bedingungen wie auch die
Eindämmung des internationalen Terrorismus.
Solche Interessen werden
durch die Fortdauer des iranisch-irakischen Konflikts bedroht und auch
durch die bestehenden tiefverwurzelten arabisch-israelischen Spannungen,
den Anstieg anti-westlicher politischer Bewegungen in der Region und

- 14 -

�die Verwendung des Terrorismus als
Instrument staatlicher Politik, besonders
durch
Libyen, Syrien
und
Iran. Unsere Strategie in der Region
zielt darauf ab, unsere Interessen
vor diesen Bedrohungen zu bewahren,
eine
durch
Verhandlungen
erzielte
Beilegung des palästinensischen Problems
und
des
iranisch-irakischen
Krieges zu beschleunigen, die Sicherheit und den wirtschaftlichen Wohlstand Israels und gemäßigter arabischer
Regime
zu
fördern,
unseren
Freunden in der Golfregion dabei zu
helfen, sich selbst und die internationalen Seewege zu schützen und die
Förderer des Terrorismus abzuschrekken.
Die Initlaitvie der Vereinigten
Staaten vom September
1982 bleibt
Grundlage unseres Ansatzes beim arabisch-israelischen
Fr iedensprozeß.
Unser unmittelbares Ziel sind direkte
Verhandlungen zwischen Israel und einer jordanisch-palästinensischen Delegation, als Teil einer umfassenden
Anstrengung
zur
Erweiterung
des
ägyptisch-israelischen
Friedens
und
Herbeiführung
einer
gerechten
und
dauerhaften Lösung der palästinensischen Problems.
Wir engagieren uns
auch weiterhin für die baldige und
ehrenvolle
Beilegung
des
iranischirakischen Krieges.
Das augenblickliche
iranische Verhalten
bedeutet
eine ernsthafte Bedrohung für unsere
und die Interessen unserer Freunde in
der Region. Bis der Iran seine Bemühungen zur Verlängerung des sinnlosen
Krieges mit dem Irak aufgibt, werden
wir aktiv daran arbeiten, den Transfer von Waffen und militärischem Material an den Iran zu blockieren.
Trotz ernsthafter Beschränkungen,
die uns durch den Haushalt auferlegt
weiden, bleibt Hilfe für Wirtschaft
un&lt;! die Sicherheit zusammen mit einer
voi .•-.; cht igen, aber effektiven Politik

von Waffenverkäufen innerhalb der Region ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen, die Regierung Israels
zu unterstützen und die arabischen
Staaten zu bschwichtigen. Wir können
es uns nicht leisten, die wahren Bedürfnisse unserer Freunde zu vernachlässigen.
Gleichzeitig
werden wir
weiterhin versuchen, den Terrorismus
zu isolieren und den internationalen
Druck gegen staatlich unterstützten
Terrorismus zu erhöhen. Unsere jüngsten Aktionen gegen Libyen zielten
darauf ab, den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Preis für
die Förderung des Terrorismus aufzuzeigen.
Obwohl wir uns über die
leichte
oder
schnelle
Auslöschung
dieses Wahnsinns keinen
Illusionen
hingegeben haben, bleiben wir doch
entschlossen, ihn in enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten entschieden zu bekämpfen.
Die Ziele der Vereinigten Staaten
in Südasien umfassen den Abbau regionaler Spannungen, die Entwicklung kooperativer Beziehungen zwischen den
südasiatischen Staaten, Verhinderung
einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
und
Wiederherstellung
des
Freiheit des afghanischen Volkes.
Die Politik der Vereinigten Staaten will ferner eine allgemeine Verbesserung bilateraler Beziehungen zu
allen Ländern des Subkontinents herbeiführen.
Wichtige
Bestandteile
sind
hier
verbesserte
Beziehungen
zwischen Indien und den Vereinigten
Staaten und die Ermutigung eines besseren Verhältnisses zwischen Indien
und Pakistan.
Ein neues sechsjähriges Hilfsprogramm im Umfang von 4
Milliarden Dollar wurde von dieser
Regierung für Pakistan vorgeschlagen.
Es ist lebenswichtig für die Fähigkeit des Landes, sich dem von der sowjetischen Invasion Afghanistans ausgehenden Druck zu widersetzen.
Pa-

- 15 -

�kistan beherbergt etwa drei Millionen
afghanischer Flüchtlinge. Die Vereinigten Staaten
bleiben der größte
Spender von humanitärer Hilfe an diese Flüchtlinge.
Zum ersten Mal haben die Vereinigten Staaten erheblich verbesserte
Beziehungen sowohl zu Indien als auch
zu Pakistan hergestellt.
Das versetzt uns in die Lage, den regionalen
Wunsch nach Frieden trotz periodisch
auftretender
Krisen
im indisch-pakistanischen Verhältnis unterstützen
zu helfen.
Afrika:
Afrikanische Angelegenheiten verlangen gesteigerte Aufmerksamkeit wegen der erheblichen Bodenschätze der Region, seiner wachsenden
Rolle im internationalen Kontext, der
Bedrohung, die durch den eskalierenden Rassenkonflikt in Südafrika für
die regionale Sicherheit entsteht und
der sowjetischen, libyschen, osteuropäischen und kubanischen Abenteuerlust in der gesamten Region.
Die
Herausforderungen an die Demokratie
treten in Afrika besonders stark zutage und wir bleiben besorgt über die
weitverbreitete
Verweigerung
der
grundlegenden Menschenrechte, sei es
seitens
der
marxistischen-leninistischen Stellvertreter der Sowjetunion
oder seitens des Apartheid-Regimes in
Südafrika.
Es gibt in Afrika zahlreiche Konfliktherde: extreme Armut,
ein großes Ungleichgewicht bei der
Verteilung des Wohlstandes, ethnische
Spannungen, uneindeutige Grenzen und
die Religion.

steme. Wir müssen mit anderen Geberländern und multilateralen Institutionen
zusammenarbeiten,
um
diese
Hinwendung zu einer wirtschaftspolitischen Reform und die Entwicklung
des Privatsektors zu unterstützen.
Das Wirtschaftswachstum wird zur
politischen Stabilität beitragen, bedingt diese aber gleichzeitig.
Wir
müssen
weiterhin
eine
friedliche
Konfliktlösung
ohne
Interventionen
von
außen
ermutigen.
Sich
verschlechternde wirtschaftliche Bedingungen
und politische
Instabilität
haben die Intervention der Sowjets,
ihrer Stellvertreter, der Kubaner und
von einzelgängerischen Unruhestiftern
wie Libyen ermutigt.

(wird fortgesetzt)

Die Politik der Vereinigten Staaten muß danach streben, die wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität in Afrika zu fördern.
Afrikanische
Politiker
erkennen
jetzt,
daß
dirigistische
Lösungen
keine Antwort sind und beginnen mit
der Reformierunq ihrer Wirtschaftssy- 16 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen: Mythen und Verpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - Teil III&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,DN

4

1 8 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil IV

Ein Sieg der Demokratie in Nicaragua liegt auch im
Interesse Europas
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister der
Vereinigten Staaten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leistungsfähig fürs 21. Jahrhundert
- Forscher als Partner der Industrie

Reform des naturwissen-

schaftlichen Unterrichts -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
18. Februar 1987

V

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil IV

IV. Die Verteidigungspolitik der
Vereinigten Staaten

Einleitung
Die Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten erfordert Streitkräfte, deren Organisation, Zusammensetzung, Ausbildung
und Ausrüstung
auf Abschreckung
und, wenn nötig,
auch darauf ausgerichtet ist, in der
gesamten
Bandbreite möglicher Konflikte eine Aggression niederzuschlagen. Unsere Strategie zur nationalen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sicherheit, unsere weltweiten Zielsetzungen und die Art der Bedrohung
erfordern
die Bereitschaft, unsere
Interessen in einem so weiten Umkreis
wie möglich um Nordamerika zu verteidigen.
Demgemäß stützt sich unsere
Strategie erheblich auf die weitere
Stationierung einsatzbereiter Truppen
und wird von engen Beziehungen im
Bündnis
zusätzlich gefestigt.
Zur
Unterstützung dieser Beziehungen werden wir in Friedenszeiten auch weiterhin wichtige Vorne-Stationierungen
bei den Land- , See- und Luftstreitkräften in Europa, im Atlantik und im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Pazifik vornehmen wie auch andere
Stationierungen in der westlichen Hemisphäre und im Indischen Ozean. Der
Gesamtumfang und die Zusammensetzung
unserer
Streitkräfte
werden
durch
diese Erfordernisse stark beeinflusst.
Wir sehen uns hier einer dynamischen und komplexen Herausforderung
gegenüber.
Bei
den
Streitkräften
bleibt ein erhebliches Ungleichgewicht in einigen wichtigen Bereichen
zugunsten der Sowjets bestehen. Darüber hinaus sind Staaten der Dritten
Welt zunehmend mit moderner und hochentwickelter militärischer Ausrüstung
bewaffnet.
Zum Abbau von Risiken für unsere
nationale Sicherheit ist ein umfassender
und phantasievoller Verbund
militärischer Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und der Verbündeten
erforderlich.
Da unser politisches
und soziales Erbe gegen die Aufstellung und Unterstützung umfangreicher
Truppen in Friedenszeiten sprechen,
sind wir genötigt, mit Hilfe von Amerikas nationalem Talent für technologische Innovationen, dem Umfang und
der Vielfalt unserer heimischen Wirtschaft
und
der
Zusammenarbeit
im
Bündnis nach Sicherheit zu streben.
Die Vereinigten Staaten müssen Strategien für einen Wettbewerb mit den
Sowjets verfolgen, die unseren vergleichbaren Vorteil in diesen Bereichen betonen.
Das
gesamte
Spektrum
militärischer
Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sollte durch ein angemessenes
Gleichgewicht von Kampf- und Unterst ützungselelernenten
gekennzeichnet
sein und eine geeignete Mischung zwischen aktivem Dienst und Reserve darstellen.
Die
Vereinigten
Staaten
müssen
spezialisierte
Streitkräfte
unterhalten - von solchen, die zur
nuklearen
Abschreckung
erforderlich

sind bis hin zu Einheiten, die zur
Bekämpfung des Terrorismus zusammengestellt werden, und wir sollten ferner Streitkräfte für allgemeine Zwekke haben, die in der Lage sind, Konflikte von hoher Intensität durchzustehen und gleichzeitig wirksame Fähigkeiten für kleinere Auseinandersetzungen und Spezialoperati^rien aufrechterhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir unsere Prioritäten bei der Verteidigung unter den konkurrierenden
Bedürfnissen nach Bereitschaft, Erhaltung, Modernisierung sowie Erweiterung
der
Streitkräfte
in
ein
Gleichgewicht bringen.
Die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten müssen ferner durch Pläne,
Führungs- und Einsatzgrundsätze
und
Unterstellungsverhältnisse
unterstützt werden, die eine wirkungsvolle
Integration
und die Einbeziehungen
aller Elemente unserer militärischen
Macht bieten.
obwohl der mögliche
Gebrauch von Kernwaffen ein Bestandteil unserer gesamten militärischen
Strategie bleiben muß, sollten nukleare Streitkräfte niemals
lediglich
als
kostengünstige
Alternative
zu
konventionellen
Streitkräften
betrachtet werden.
Die Streitkräfte
der
Vereinigten
Staaten
sollten
schnell eingreifen können und größere
Krisen oder Konflikte abzuschrecken
in der Lage sein. Sie müssen ferner
im Falle eines Versagens der Abschreckung
die Fähigkeit besitzen,
den Umfang und die Intensität von
Kampfoperationen zu erhöhen und wenn
nötig, den Konflikt zu für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
günstigen Bedingungen zu beenden.
Die Vereinigten
Staaten müssen
effektive und robuste Kräfte der Reserve und der Nationalgarde unterhalten, deren Ausbildungs- und Ausrüstungsniveau
ihren
Aufträgen
im
Kriegsfall angemessen sind, wie auch

�eine Küstenwache und andere Einheiten, die die Aufrechterhaltung der
nationalen
Sicherheit
unterstützen.
Die Vereinigten Staaten müssen ferner
ihre Fähigkeiten verbessern, Arbeitskräfte oder industrielle Ressourcen,
denen eine Schlüsselfunktion zukommt,
zu erhöhen oder zu mobilisieren, um
im Fall von Krisen oder Krieg den
wirkungsvollsten Einsatz verfügbarer
strategischer Warnsysteme zu planen.

Ausnutzung amerikanischer
und sowjetischer Schwäche

Stärke

Einer der wichtigsten Grundsätze
unserer Verteidigungspolitik besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten
mit der Sowjetunion keinen Gleichstand bei den Waffen anstreben. Wir
werden vielmehr daran arbeiten, die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion zu überwinden, indem wir
die den Bündnissen, die sich aus demokratischen, industrialisierten Länder mit freier Marktwirtschaft zusammensetzen, immanente Stärke maximal
ausnutzen.
Technologie:
Die
Vereinigten
Staaten und Ihre Verbündeten genießen
gegenüber der Sowjetunion in den meisten Bereichen der militärischen Anwendung anhaltende Überlegenheit auf
technologischem Gebiet. Dieser technologische Vorteil ergibt sich aus
der grundlegenden Natur unserer beiden Gesellschaftssysteme.
Der den
Westen charakterisierende Geist der
Forschung und der freie Informationsfluß
bringen
es unweigerlich
mit
sich, daß Technologie und Innovation
in größerem Umfang blühen als sie
dies in einer geschlossenen Gesellschaft tun würden.
Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten genießen
einen
einzigartigen Vorteil, nicht
nur bei der Erfindung, sondern auch
bei der praktischen Nutzung moderner

Technologien.
Gesellschaften
mit
wettbewerbsfähigen, freien Unternehmen sind immer leistungsfähiger als
Volkswirtschaften mit zentraler Planung, wenn es darum geht, Innovation,
Wachstum
und die Anwendung
neuer
Technologien in einer ganzen Reihe
von Bereichen zu fördern.
Die Technologie hat eine zweifache Auswirkung auf unsere nationale
Sicherheit. Erstens trägt die Fähigkeit zur Nutzung und Anwendung von
Technologie
zur
allgemeinen
wirtschaftlichen Gesundheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten
bei, die ihrerseits ein Schlüsselelement für nationale Macht ist. Zweitens
fördert die Ausnutzung eines
technologischen Vorteils direkt die
Verteidigung.
Präzisionsgesteuerte
Munition hilft uns zum Beispiel dabei, den großen sowjetischen Vorteil
bei den Panzereinheiten wettzumachen.
Unsere
zur
Tarnung
entwickelte
("stealth") Technologie hilft uns bei
der Bekämpfung massiver sowjetischer
Investitionen
in die Luftverteidigung.
Fortschritte bei Technologien
zur Bekämpfung von U-Booten und solche für geräuscharme U-Boote helfen
uns bei der Erhaltung der maritimen
Überlegenheit trotz einer zahlenmäßigen Überlegenheit
der sowjetischen
Marine.
Die vielleicht bedeutungsvollste Tatsache ist, daß der amerikanischen
Durchbruch
bei ComputerTechnologie und Software für das gesamte Spektrum der Kriegführung militärisch bedeutsam ist.
Die Sowjets sind sich natürlich
des westlichen Vorteils im Bereich
der Technologie bewußt und haben massive Bemühungen unternommen, um westliche Technologie zu erwerben und zu
nutzen.
Es ist daher ein unerläßlicher Bestandteil unserer Verteidigungspolitik, den Technologietransfer
zu kontrollieren und der Geheimhal-

- 3 -

�tung unterliegende Informationen, die
sich auf militärisch nutzbare Technologie beziehen, zu schützen.
Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien haben wir erhebliche Anstrengungen unternommen, um unsere Pläne und Fähigkeiten in den Bereichen der Nationalen Abschirmung und Gegenmaßnahmen zu
verbessern, wie ich bereits in meinem
Bericht an den Kongreß von November
1986 dargelegt habe.
Wettbewerbsstrategien:
Wettbewerbsstrategien zielen darauf ab, unseren
technologischen
Vorteil
auf
eine überlegte und systematische Art
und Weise zu nutzen, mit dem Ziel,
daß die Sowjets in Bereichen militärischer Anwendung weniger leistungsfähig und weniger wirkungsvoll konkurrieren.
Mittels solcher Strategien
wird versucht, Teile der gewaltigen
sowjetischen
Militärmaschinerie
schneller veralten zu lassen und die
Sowjets zu zwingen, ihre Ressourcen
auf eine ihnen nicht weniger angenehme Art und Weise anzuwenden wie
auch auf eine Art, die nicht notwendigerweise unsere eigenen Streitkräfte
bedroht.
Die
Tarntechnologie
z.B., kann einen erheblichen Teil des
Luftverteidigungspotentials
veralten
lassen und macht es notwendig, daß
die Sowjets ihre Mittel von Offensivwaffen auf Defensivwaffen umverteilen. Der Beitrag, den neue Technologien für unsere Wettbewerbsstrategien
leisten können, muß bei Beschaffungsentscheidungen
im
Verteidigungsbereich ausdrücklich in Betracht gezogen werden.
Bündnisse: Einen dritten Bereich
amerikanischer
Stärke
und
sowjetischer Schwäche stellen die Bündnisbeziehungen dar. Während die Sowjetunion ein Reich regiert, das in den
vergangenen vierzig Jahren mehrmals
Schauplatz bewaffneter Aufstände geworden
ist, sind
die Vereinigten
- 4

Staaten Führungsmacht eines freiwilligen Zusammenschlusses gleichwertiger Staaten.
Die Verbündeten der
Vereinigten Staaten, besonders unsere
NATO-Partner,
tragen
einen
großen
Teil zur gesamten militärischen Stärke des Westens bei. In Anerkennung
dieses Beitrags gründet sich unsere
Verteidigungspolitik auf die grundlegende Annahme, daß wir nicht im Alleingang, sondern zusammen mit unseren Verbündeten rund um den Erdball
auf der Basis ausgewogener Lastenteilung, danach streben, die sowjetische
Macht auszugleichen.
Innerhalb der NATO heißt das, daß
wir unsere erhebliche Unterstützung
der Bemühungen im Bündnis fortsetzen
müssen, mit deren Hilfe das gesamte
konventionelle
Gleichgewicht
im
Westen verbessert werden kann. Dazu
gehören auch angemessene wirtschaftliche und militärische Hilfe für die
Verbündeten an der wichtigen Südflanke der NATO.
Das bedeutet ferner,
wir müssen den Beitrag der NATO-Partner in unsere Strategie integrieren die Vereinigten Staaten haben ja keine separate militärische
Strategie
zur Verteidigung Europas, sondern sie
sind ein Partner in der Abschreckungund Verteidigungsstrategie des NATOBündnisses.
Außerhalb Europas streben die Vereinigten Staaten nach engen Beziehungen mit Ländern rund um
den Erdball, helfen befreundeten und
verbündeten Ländern dabei, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern
und ermutigen sie gleichzeitig dazu,
bei ihrer eigenen Verteidigung eine
größere Rolle zu spielen.
Die Stärke des Einzelnen: Einer
unserer größten Vorteile im Wettbewerb mit der Sowjetunion liegt in unserem Volkscharakter begründet. Westliche Gesellschaften mit ihrer Betonung der Bedeutung des Einzelnen stehen dem repressiven System des so-

�wjetischen staatens diametral entgegen.
Die Initiative, der Unternehmungsgeist und die Motivation freier
Völker bilden eine Quelle erheblicher
Stärke, wenn Individuen im Kampf der
höchsten Prüfung unterworfen werden.
Obwohl es sich hier um immaterielle
Werte handelt, stellen diese Qualitäten einen wichtigen Vorzug dar, mit
dem es die Sowjets nicht aufnehmen
können.
Die
Verteidigungspolitik
geht darauf ein, indem sie Wert legt
auf Integration der Einheiten und auf
Führung, während
unsere Ausbildung
und Taktik der Initiative des Einzelnen und der aggressiven Nutzung von
Chancen großen Wert beimißt.

Grundlage durch unsere strategischen
Streitkräfte und die sie unterstützende Doktrin. Nukleare Abschreckung
verlangt wie jede andere Art der Abschreckung auch von uns, nicht zu bedenken, was uns abschrecken würde,
sondern was die Sowjets abschrecken
könnte, weil deren Vorstellung von
der Welt wie auch ihr Wertesystem von
den
unseren grundverschieden
sind.
Da wir niemals völlige Sicherheit
über die sowjetischen Vorstellungen
gewinnen
können, ist es ungeheuer
wichtig, daß die Wirksamkeit unserer
strategischen Fähigkeiten - und unser
Wille, auch von ihnen Gebrauch zu
machen - niemals in Zweifel gezogen
werden.

Aufrechterhaltung der strategischen Abschreckung

Im Interesse einer
gesicherten
Abschreckung
unterhalten
die Vereinigten Staaten ein breites Spektrum
strategischer Waffen, um einen entwaffnenden Erstschlag zu umgehen, sowjetische Angriffspläne zu erschweren
und sich gegen technologosche Überraschungen zu wappnen, die einen Teil
unserer
strategischen
Streitkräfte
bedrohen könnten.
Deshalb unterhalten wir eine Anzahl von Stationierungsformen, Abschußrampen
und Angriffsträgern. Durch eine Triade von
SLBMs, ICBMs und Bombern gewährleisten wir Vielfalt.
Angemessene und
über lebensfähige
Führungseinrichtungen sind ein grundlegendes Element
der
Struktur
unserer
strategischen
Streitkräfte und entscheidend für die
Glaubwürdigkeit unserer strategischen
Abschreckung.

Abschreckung
ist
der
grundlegendste Bestandteil unserer Verteidigungspolitik und Grundpfeiler unserer
Beziehungen im Bündnis. Mittels Abschreckung sollen nicht nur konventionelle und nukleare Angriffe auf
die Vereinigten Staaten verhindert,
sondern ein solcher Schutz muß auch
für unsere Verbündeten gelten. Abschreckung kann am besten erreicht
werden, wenn durch unsere Verteidigungshaltung die Sowjets oder ein anderer Gegner das Ergebnis eines Krieges als so gefährlich und unsicher
einschätzen, daß dadurch jeder mögliche Anreiz zum Beginn eines Konflikts genommen wird.
Abschreckung
hängt sowohl von nuklearen als auch
von konventionellen Fähigkeiten ab,
ferner vom Beweis eines starken Willens, wenn es notwendig sein sollte,
militärische Macht zur Verteidigung
unserer
lebenswichtigen
Interessen
einzusetzen.
Obwohl Abschreckung
Fähigkeiten
für das gesamte Konfliktspektrum erfordert, so erhält sie ihre wichtige

Unsere strategischen Streitkräfte
und die damit verbundene Zielplanung
müssen einer jeglichen Berechnung zufolge so aufgefaßt werden, daß dadurch nukleare Kriegführung zu einer
unannehmbaren und wenig einträglichen
Aussicht für die sowjetische Führung
wird. Demgemäß muß unsere Strategie:

- 5 -

�- den Sowjets die Fähigkeit verwehren, wichtige militärische Zielsetzungen zu erlangen, indem wir
die
sowjetische
Fähigkeit
der
Kriegführung einem Risiko unterwerfen. Das schließt die gesamte
Bandbreite sowjetischer militärischer Kräfte ein wie auch die
Industriezweige, die Kriegsmaterial liefern, so den Grundstein
für die sowjetische Militärmacht
legen und dadurch die sowjetische
Fähigkeit zur Durchführung eines
langwierigen Konflikts unterstützen.
- diejenigen
politischen
Gebilde
gefährden, die die wichtigsten
Stützen der sowjetischen Führung
sind: den Mechanismen zur Sicherung der Uberlebensfähigkeit der
kommunistischen Partei und ihrer
Führungskader und zur Erhaltung
der Kontrolle über die sowjetischen Völker und die des Sowjetsblocks seitens der Partei.
Diese grundlegende Strategie, die
auf solche Bereiche abzielt, die für
die sowjetische Fähigkeit der Kriegführung wie auch zur politischen Kontrolle
unerläßlich
sind,
bestimmt
seit mehreren Jahren die Politik der
Vereinigten Staaten. Bei der Anwendung dieser Strategie stellt für die
Vereinigten Staaten nicht die Bevölkerung
das
eigentliche
Ziel dar;
vielmehr ist sie darauf ausgerichtet,
Begleitschäden
durch
zielgenauere
Waffen mit geringerem Detonationswert
so klein wie möglich zu halten.
Wir können es nicht zulassen, daß
sich irgendein Präsident einer Situation gegenübersieht, in der die einzig mögliche Reaktion auf einen Angriff in Kapitulation oder massiver
Zerstörung besteht.
Deshalb

müssen

die

Vereinigten

Staaten zusätzlich zur Verunsicherung
in den für die sowjetische Führung
wichtigen Bereichen bei der Verwendung ihrer strategischen Streitkräfte
flexibel sein. Es ist wichtig, daß
uns bei einer Reaktion Optionen offenstehen, die der ganzen Bandbreite
möglicher
Situationen
angemessen
sind. Diese Fähigkeit zur flexiblen
Reaktion unterstützt die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, indem sie
den Sowjets klar vor Augen führt, daß
die Vereinigten Staaten eine Reihe
militärischer Optionen haben, mit deren Hilfe sie auf einen Angriff reagieren könnten.
Schließlich
brauchen
die Vereinigten Staaten auch eine genügend
starke Restfähigkeit, um Einfluß auf
die baldige Beendigung eines Krieges
nehmen zu können und Unterwerfung in
einer Welt nach einem solchen Konflikt zu vermeiden. Aus diesem Grunde unterhalten wir eine nukleare Reserve als integralen Bestandteil unserer
strategischen
Streitkräfte.
Wir unterhalten ferner Programme, die
Kontinuität
der
Regierungsgeschäfte
sichern, als wesentlichen Bestandteil
der
Abschreckung, um
den
Sowjets
klarzumachen, daß sie nicht nach einem schnellen "Enthauptungs"-Angriff,
der darauf abzielt, die politische
und militärische Führung der Vereinigten Staaten zu lähmen, der Vergeltung entgehen können.
Diese Fähigkeiten implizieren jedoch nicht, daß die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten darauf aus sind,
in einem Nuklearkrieg zu kämpfen.
Ich habe wiederholt betont, daß ein
Nuklearkrieg
nicht gewonnen werden
kann
und
niemals
gekämpft
werden
darf. Aber wir streben danach, einen
Gegner mit einer ganz anderen Einstellung als unserer abzuschrecken einer Einstellung, die der Fähigkeit
zur Führung eines Nuklearkrieges gro-

�ße Bedeutung beimißt.
Es ist unerläßlich, daß die Sowjets verstehen,
daß sie unter keinen vorstellbaren
Umständen
ihre Zielsetzungen durch
eine nukleare Kriegführung verwirklichen können. Um dies zu erreichen,
müssen wir
sicherstellen, daß man
dort klar einsieht, daß die Vereinigten Staaten die Fähigkeit besitzen,
auf jedweden sowjetischen Versuch zur
Führung eines Nuklearkriegs angemessen zu reagieren, und daß wir die
Mittel besitzen, dies auf eine Weise
zu tun, die den sowjetischen Zielsetzungen eine Niederlage beibringt, ohne notwendigerweise massive Schläge
mit Nuklearwaffen herbeizuführen.
Strategische Verteidigung: Unsere Politik der flexiblen Reaktion und
der Abschreckung durch Androhung offensiver Vergeltung hat die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit Jahrzehnten bewahrt. Gleichzeitig hat die sowjetische
strategische
Aufrüstung
das
Fundament bedroht, auf dem die Abschreckung seit langem ruht. Für die
Zukunft bietet die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten
Staaten
eine Möglichkeit, die Abschreckung durch ein größeres Vertrauen in eine strategische Verteidigung auf eine sicherere und stabilere
Basis zu stellen.
Eine solche Verteidigung,
die
niemanden
bedroht,
könnte
die
Abschreckung
erheblich
verbessern, indem sie die sowjetische
Einschätzung der Fähigkeit zur Erlangung wesentlicher militärischer Zielsetzungen bei einem Erstschlag wesentlich
unsicherer
macht.
Eine
"lückenlose" Verteidigung wäre zu Anfang nicht erforderlich, um den Sowjets ihr Vertrauen auf die Erziehung
bedeutsamer
militärischer
Ziele zu
nehmen.
Sogar weniger perfekte Verteidigungssysteme könnten die Stabilität erheblich erhöhen, indem sie
überzeugende Anreize für einen so-

wjetischen Erstschlag ausschalteten.
Bei der Beurteilung der Eignung des
Systems für eine baldige Stationierung werden wir uns auch weiterhin
von den Kriterien der militärischen
Wirksamkeit, überlebensfähigkeit und
am Rande auch von der Kosten-Nutzenrechnung leiten lassen.
Indem wir den militärischen Wert
ballistischer
Raketen
abbauen
und
diese letztendlich überflüssig werden
lassen, würden die strategischen Verteidigungssysteme
Anreize
dafür
schaffen, daß die Sowjets bedeutungsvolle Rüstungskontrollabkommen akzeptieren. In einer Welt ohne ballistische Raketen wäre jedoch der Anreiz
für einen Betrug seitens der Sowjets
größer.
Strategische Verteidigungssysteme können diese Anreize wirkungsvoll zunichte machen, indem sie
die militärische Verwendbarkeit heimlich angehäufter Raketen ausschließen. Dadurch bieten sie die Aussicht
auf eine sicherere, stabilere Welt,
in der einschneidende Reduzierungen
bei strategischen Offensivwaffen sowohl verhandelbar als auch durchführbar werden.
Kurz gesagt ist es bei weiterer
Beschäftigung mit strategischen Verteidigungssystemen möglich, den bedeutungsvollsten Wandel in der Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten
Staaten seit Ende des
Zweiten
Weltkriegs
herbeizuführen.
Strategische
Verteidigungssysteme
würden, indem sie es uns gestatten,
von der Androhung massiver Zerstörung
zur Abschreckung einer Aggression abzurücken, das gesamte amerikanischsowjetische
strategische
Verhältnis
auf positive Art und Weise verändern
und somit die Sicherheit der Völker
beider Nationen wie auch ihrer Verbündeten erhöhen. Wir werden weiterhin versuchen, die Sowjets zu überzeugen, gemeinsam mit uns einen sta-

- 7 -

�bilen Übergang zu diesem vernünftigen
und erreichbaren Ziel zu erarbeiten.
Strategische
Modernisierungsprogramme der Vereinigten Staaten: Die
Fortsetzung einer Modernisierung des
strategischen Potentials ist unerläßlich zur Sicherung von verläßlicher
Abschreckung, Verbesserung der Stabilität und Schaffung einer sowjetischen Motivation, die notwendig ist,
um über einschneidende, beiderseitige
und verifizierbare Reduzierungen bei
strategischen Offensivwaffen zu verhandeln.
Obwohl wir der Anwendung
von Rüstungskontrolle als einem Bestandteil unserer Politik und einer
Verbesserung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verpflichtet sind, wäre es doch
sehr gefährlich, einen Erfolg bei der
Rüstungskontrolle
vorwegzunehmen.
Die Vernachlässigung einer Modernisierung des strategischen Potentials
in Erwartung von Abkommen zum Rüstungsabbau hätte den umgekehrten Effekt einer geringeren Wahrscheinlichkeit solcher Abkommen, weil sie einen
der wichtigsten sowjetischen Anreize
für ein Abkommen verringern würden.
Die Geschichte zeigt, daß der demonstrierte Wille, ein militärisches
Gleichgewicht mit den Sowjets aufrechtzuerhalten und ihnen nicht zu
gestatten,
einen
bedeutungsvollen
strategischen Vorteil
zu erlangen,
die wesentliche Grundlage für ernsthafte
Rüstungskontrollabkommen
bildet. Es waren die Vereinigten Staaten, die das Ungleichgewicht korrigiert und so die Sowjets dazu gebracht haben, die wichtigen in Reykjavik diskutierten Verringerungen in
Betracht zu ziehen.
Auch wenn wir
bei der Erlangung der von uns angestrebten Abkommen Erfolg haben, werden die Vereinigten Staaten dennoch
weiterhin
modernisierte,
operativ
wirkungsvolle
und
überlebensfähige
- 8

Nuklearwaffen brauchen, um eine Abschreckung zu schaffen, Stabilität zu
fördern und sich während eines Übergangs zu neuen, geringeren Waffenniveaus gegen einen sowjetischen Betrug
oder deren Ablehnung abzusichern.
Die Sowjets
investieren
ihrerseits weiterhin heftig in ihre strategische Modernisierung und betonen
dabei
zielgenaue,
schnellfliegende
ballistische Flugkörper, die harte
Ziele zerstören können. Ihr Ziel ist
und bleibt die Erzielung einer wirkungsvollen entwaffnenden Erstschlagfähigkeit.
Sie haben immer danach
gestrebt, die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit
ihrer
ICBMs
durch
Härtung
der
Silos
zu
verbessern.
Kürzlich haben sie dasselbe durch Mobilität zu erzielen versucht, einschließlich einer fortgesetzten Stationierung ihrer mobilen SS-2 5 und
der Vorbereitung
zur Stationierung
der schienengestützten SS-X-24.
Gleichzeitig investieren die Sowjets weiterhin fast denselben Betrag
in ihre strategischen Verteidigungsprogramme wie in die Modernisierung
ihrer Offensivwaffen.
Sie erweitern
und verbessern das einzige auf der
Welt stationierte ABM-System.
Sie
verletzen auch weiterhin den ABM-Vertrag durch ihren Radar in Krasnojarsk
und verbessern ihre Fähigkeit, durch
schnelle Stationierung eines landesweiten Raketenabwehrsystems aus dem
ABM-Vertrag auszubrechen.
Zu ihren
umfangreichen zivilen Verteidigungsprogrammen gehört ein ausgedehntes
und wachsendes Netz von unterirdischen Führungszentralen, die darauf
abzielen, im Falle eines Krieges die
überlebensfähigkeit
der
Kontrolle
seitens der kommunistischen
Partei
über den sowjetischen Staat, seine
Wirtschaft und seine Streitkräfte sicherzustellen.
Ihre
strategischen
Kommunikationssysteme sind in höch-

�schließlich
Stationierung
des
B-lB und die Nutzung der wichtigen Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei Technologien zur Tarnung durch Entwicklung moderner
Bomber und Marschflugkörper.

stem Maße widerstandsfähig, überlebensfähig
und
gegen
Auswirkungen
durch Nuklearwaffen resistent.
Ihre
aktiven und passiven Verteidigungssysteme, ihre hartnäckige Aufrüstung
bei den Offensivwaffen und ihre veröffentlichte
Militärdoktrin
liefern
Beweise für die sowjetischen Auffassung zur nuklearen Kriegführung und
unterstreichen die unbedingte Bedeutung, die Effektivität der amerikanischen
strategischen
Abschreckung
aufrecht zu erhalten.
Aus diesem Grunde haben wir 1981
das Strategische Modernisierungsprogramm aufgenommen, um die unbedingt
notwendige
Überlebensfähigkeit
und
Effektivität unserer eigenen Streitkräfte angesichts des fortgesetzten
qualitativen und quantitativen Steigerung
der
sowjetischen
Bedrohung
aufrechtzuerhalten.
Heutige Bestandteile dieses Programms, das im Rahmen
der Verteidigung unsere höchste Priorität bleibt, umfassen:

- Strategische
Verteidigungsprogramme, einschließlich SDI und
der
Luftverteidigungsinitiative,
um die seit langem bestehende
Vernachlässigung
von
Verteidigungsprogrammen
im
allgemeinen
wettzumachen und das Potential zu
nutzen, das uns die moderne Technologie zur radikalen Umgestaltung der Grundlage für die Abschreckung
bietet
und
um
den
Grundstein für ein sichereres und
stabileres strategisches Verhältnis mit der Sowjetunion zu legen.

Rüstungskontrolle

- Modernisierung
der
SLBM,
einschließlich Stationierung des UBoots vom Typ Trident sowie Entwicklung
und Stationierung der
Trident II-Rakete.

Rüstungskontrolle ist kein Ziel
an sich, sondern ein integraler Bestandteil unserer gesamten Strategie
zur Nationalen Sicherheit. Es sollte
als lediglich eines von mehreren Mitteln zur Verbesserung unserer nationalen Sicherheit und zur Förderung
unseres grundlegenden nationalen Interesses an einem überleben der Vereinigten Staaten als freie und unabhängige
Nation
betrachtet
werden.
Unsere Zielsetzungen im Bereich der
Rüstungskontrolle sind in unsere Außen- und Verteidigungspolitik
vollständig integriert und dienen gemeinsam
der Verbesserung
unserer
Abschreckung, dem Risikoabbau, der Unterstützung unserer Bündnisbeziehungen wie auch dazu, sicherzustellen,
daß die Sowjets keinen wesentlichen
einseitigen Vorteil über die Vereinigten Staaten erlangen.

- Kampfwertsteigerung
von
Bombern
und
Marschflugkörpern,
ein-

Auf dieser Auffassung
stungskontrolle als Beitrag

- Verbessertes
strategisches
Führungs- und
Kommunikationswesen,
um die rechtzeitige Warnung vor
einem Angriff und ein sicheres
Mittel zur Übermittlung von Befehlen zu einer Vergeltung an unsere
strategischen
Streitkräfte
sicherzustellen.
- Modernisierung der ICBMs, hauptsächlich
des
Typs
Peacekeeper
(MX) und kleiner ICBMs, die beide
eine verbesserte überlebensfähigkeit durch Mobilität haben werden.

- 9 -

von Rüzu einer

�starken nationalen Verteidigungshaltung basierend, wurde die Rüstungskontrollpolitik der Vereinigten Staaten seit Beginn dieser Regierung von
verschiedenen
grundlegenden
Prinzipien geleitet:
- Die Vereinigten Staaten streben
nur solche Abkommen an, die zu
ihrer Sicherheit und der ihrer
Verbündeten beitragen.
- Die Vereinigten
Staaten
wollen
Abkommen erzielen, mit deren Hilfe Waffen reduziert und nicht deren Zuwachs kodifiziert wird.
- Eine Erlangung von Abkommen über
einen weitgesteckten, einschneidenden und beiderseitigen Abbau
nuklearer
Offensivwaffen
stellt
im Bereich der Rüstungskontrolle
die höchste Priorität der Vereinigten Staaten dar.
- Innerhalb der Kategorie nuklearer
Offensivwaffen
räumen die Vereinigten Staaten dem Abbau der am
meisten destabilisierenden Waffen
Priorität ein: der schnell fliegenden, nicht-rückrufbaren
ballistischen Rakete.
- Die Vereinigten Staaten bestehen
auf Abkommen, die wirksam verifiziert und vollständig eingehalten
werden.
Rüstungskontrollabkommen
ohne wirksame Maßnahmen zur Verifizierung
sind
schlechter
als
überhaupt
keine Abkommen, weil
sie der Möglichkeit eines einseitigen sowjetischen Vorteils Vorschub leisten und bei der Planung
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten ein falsches Gefühl
des Vertrauens hervorrufen könnten.
Diese Prinzipien stehen in krassem Gegensatz zum sowjetischen Ansatz

zur Rüstungskontrolle.
Die Sowjets
haben durch ihre Geschichte hinweg
danach
gestrebt,
den
Rüstungskontrollprozeß
dazu
zu nutzen, sich
durch Verschiebung des militärischen
Gleichgewichts zu ihren Gunsten einen
einseitigen Vorteil zu verschaffen.
Gleichzeitig strebten sie nach zusätzlichen Vorteilen, indem sie wichtige
Bestimmungen
bestehender
Rüstungskontrollabkommen
nicht
eingehalten haben und gleichzeitig sicher
sein konnten, daß die Vereinigten
Staaten sie nicht betrügen und sie
sich auf deren völlige Einhaltung
rechtskräftiger
Abkommen
verlassen
können.
Dieser Ansatz hat sich für die
Sowjets in der Vergangenheit wenigstens zum Teil als erfolgreich erwiesen.
Die
Rüstungskontrollabkommen
der 70er Jahre haben die planvolle
strategische Aufrüstung der Sowjets
größtenteils legitimiert, während sie
gleichzeitig die Modernisierung unserer eigenen Systeme eingeschränkt haben indem uns die öffentliche Unterstützung wichtiger strategischer Programme versagt blieb.
Typisch für
die Fehler der Vergangenheit ist der
SALT II-Vertrag, ein grundlegend mangelhaftes Abkommen, das nie ratifiziert wurde. Dieser in seinen wichtigen Bestimmungen unausgewogene und
nicht verifizierbare Vertrag war den
den Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wie auch der Stabilität des strategischen Verhältnisses zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abträglich.
So unzulänglich diese frühen Rüstungskontrollabkommen auch waren, so
wurden ihre Mängel durch die sowjetische Nicht-Einhaltung wichtiger Bestimmungen auf die Spitze getrieben ein Versagen, das auch heute noch besteht.
Sie verschlüsseln die mit

- 10 -

�ballistischen Raketen in Zusammenhang
stehenden
telemetrischen
Daten so,
daß
eine
Verifizierung
unmöglich
wird. Sie haben ferner einen verbotenen zweiten neuen Typ von ICBM, die
SS-25, geschaffen, wie auch die zahlenmäßige Beschränkung
bei strategischen Trägersystemen überschritten.
Die Sowjets haben ferner das SALT I
Interimabkommen verletzt, und im Hinblick auf den ABM-Vertrag stellt der
Radar von Krasnojarsk weiterhin eine
eindeutige Verletzung dar.

gen strategischer Offensivwaffen ein
Hauptziel
der
Vereinigten
Staaten
bilden, so engagieren wir uns auch
bei einer Reihe von Verhandlungen und
Diskussionen über andere Themen, wir
streben nur nach solchen Übereinkünften, die beiderseitig verifizierbar
sind und unsere Sicherheit wie auch
die unserer Verbündeten verbessern.

Als ein Ergebnis sowohl der Besorgnis der Vereinigten Staaten über
die Struktur von SALT als auch auf
Grund der mangelhaften Dokumentation
einer
sowjetischen Einhaltung habe
ich mich im Mai 1986 entschlossen,
daß die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre Entscheidungen über den
Aufbau
ihrer
strategischen Streitkräfte von Art und Umfang der Bedrohung abhängig machen werden, die von
sowjetischen
strategischen
Streitkräften ausgeht und nicht von den Niveaus, die in einem mangelhaften,
nicht-ratifizierten und abgelaufenen
Vertrag niedergelegt sind, der von
den Sowjets wiederholt verletzt wurde.
Gleichzeitig
habe ich darauf
hingewiesen,
daß
die
Vereinigten
Staaten - wenn bei der Bedrohung, der
wir uns gegenübersehen, kein bedeutender Wandel eintritt - nicht mehr
strategische Trägersysteme oder nukleare
Gefechtsköpfe
stationieren
werden als die Sowjetunion.
Deshalb
werden sich die Vereinigten Staaten,
obwohl sie weiterhin eine angemessene
strategische Abschreckung sicherstellen, die größtmögliche Beschränkung
auferlegen, um die notwendige Atmosphäre für eine sowjetische Zustimmung zu einem bedeutsamen Abbau herbeizuführen.
Obwohl im Bereich der Rüstungskontrolle einschneidende Verringerun- 11 -

Insbesondere heißt das:
- Im Bereich nuklearer Mittelstrekkenwaffen (INF) streben wir nach
vollständiger
Abschaffung
einer
gesamten Waffenklasse: der landgestützten
Raketen
längerer
Reichweite
(LRINF).
Als Ubergangsziel wollen wir ein globales
Abkommen erzielen, bei dem sich
die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
auf
jeweils
100
LRINF-Gefechtsköpfe
beschränken,
die im asiatischen Teil der Sowjetunion wie auch in den vereinigten Staaten stationiert werden sollen. Von keiner der beiden Seiten werden solche Stationierungen in Europa vorgenommen.
- Im Einklang mit unserer Überzeugung, daß die strategische Verteidigung eine sicherere, stabilere Grundlage für die Abschrekkung schaffen kann, wollen wir
die sowjetische
Zustimmung
für
einen ordnungsgemäßen Übergang zu
einer Welt erhalten, die verstärkt auf Verteidigung vertraut.
- Wir haben ein effektiv verifizierbares weltweites Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
- Wir
streben nach Verhandlungen
zwischen den Bündnissen, um bei
den konventionellen Streitkräften
vom Atlantik bis zum Ural ein
stabileres Gleichgewicht zu erlangen. Solch ein Abbau muß ef-

�fektiv verifizierbar sein und die
geographischen
Ungleichheiten
zwischen
beiden Seiten berücksichtigen.
- Bei den Atomtests streben wir
nach wesentlichen Verbesserungen
bei der Verifizierung, die eine
Ratifizierung bestehender Verträge, wie des Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen
zu friedlichen Zwecken erlauben.
Sobald unsere Besorgnisse ausgeräumt und der Ratifizierungsprozeß abgeschlossen ist, wären wir
umgehend dazu bereit, mit den Sowjets
in Verhandlungen darüber
einzutreten, wie ein schrittweise
durchgeführtes Programm zur Begrenzung und letztendlich zur Abschaffung von Atomtests angewandt
werden kann, in Zusammenhang mit
einem
Programm
zum Abbau
und
letztendlich zur Abschaffung aller Nuklearwaffen.
- Schließlich streben wir auch nach
einer Verbesserung der Stabilität
mittels
effektiverer
Maßnahmen,
die in Krisenzeiten Mißverständnisse vermeiden könnten. Wir haben bei solchen Maßnahmen Fortschritte bei der jüngst beendeten
Konferenz in Stockholm erzielt.

ben werden, die ich dem Kongreß über
die sowjetische Nicht-Einhaltung vorgelegt habe.
Bei meinem Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Oktober 1986
in Island wurde ein solider Fortschritt erzielt, um im Bereich der
Rüstungskontrolle die Ziele der Vereinigten Staaten zu erreichen.
Bei
unserem Zusammentreffen einigten wir
uns in etwa auf einen 50prozentigen
Abbau
strategischer
Offensivwaffen
und auf einen drastischen weltweiten
Abbau von Mittelstreckenrakten (INF).
Mittelfristig werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Erarbeitung einer
Übereinkunft in diesen Bereichen konzentrieren.
Im Einklang mit unserer
Priorität des radikalen Abbaus der am
meisten
destabilisierend
wirkenden
strategischen Systeme - als Reaktion
auf den sowjetischen Wunsch nach einer 10jährigen Verpflichtung auf den
ABM-Vertrag - schlugen wir vor, solch
eine Verpflichtung bis 1996 zu akzeptieren. In dieser Zeit würde die im
ABM-Vertrag
genehmigte
Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
fortgesetzt.
Die vorgeschlagene Übereinkunft sieht ferner vor:

In all diesen Bereichen sind wir
der
Überzeugung, daß wirkungsvolle
Verifizierung ebenso wichtig ist wie
speziell
ausgehandelte
Obergrenzen;
über beide sollte gleichzeitig verhandelt werden.
Wir können keine
Verpflichtungen akzeptieren, die unsere militärischen Programme begrenzen, bis wir nicht die sowjetische
Einhaltung ebendieser Verpflichtungen
wirkungsvoll
verifizieren
können.
Das ist besonders wichtig angesichts
des
fortgesetzten
Musters
sowjetischer Vertragsverletzungen, wie sie
in verschiedenen Berichten beschrie- 12 -

- einen 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren
des Zehnjahreszeitraumes
- die Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen ballistischen Offensivraketen jeglicher
Reichweite in den nächsten fünf
Jahren.
- das Abkommen, daß jede Seite nach
Ablauf
des
ZehnJahreszeitraumes
moderne
strategische
Verteidigungssysteme stationieren könnte,
wenn
nichts
Gegenteiliges
von
beiden Seiten vereinbart wird.

�Es ist noch zu früh, um den zukünftigen Kurs der Rüstungskontrolle
nach Reykjavik vorherzusehen. Vieles
hängt von der Einstellung der Sowjetunion ab. Die Vereinigten Staaten haben bei den Genfer Verhandlungen Vorschläge unterbreitet, die in
Reykjavik erzielte Übereinkünfte widerspiegeln, während die Sowjetunion
Vorschläge einbrachte, die die Errungenschaften von Reykjavik nur teilweise
reflektierten.
Wenn die Sowjets bei ihrer momentanen Haltung
bleiben und alle Fortschritte davon
abhängig machen, daß die Vereinigten
Staaten ihre Strategische Verteidigungsinitiative einstellen, sind die
Aussichten auf Fortschritte düster.
Wenn sie jedoch bereit sind, die in
Reykjavik
erzielten
Übereinkünfte
durchzuführen, könnten wir uns auf
die Erlangung größerer Stabilität und
einer
sichereren
Welt
hinbewegen.
Bei der Hinwendung zu dieser Welt
werde ich mein Engagement für umfassende, einschneidende, beiderseitige
und
verifizierbare
Reduzierungen
aufrechterhalten, die besonders auf
den Bereich ballistischer Raketen abzielen, wie auch mein Engagement für
die Strategische Verteidigungsinitiative als Basis für die Hinwendung zu
einer sichereren, stabileren Form der
Abschreckung.
Schließlich sollte ich betonen,
daß sich Erfolg bei der Rüstungskontrolle nicht an der zahl der abgehaltenen Treffen oder der unterzeichneten Abkommen messen läßt.
Deshalb
werden die Vereinigten Staaten, obwohl sie weiterhin kreativ und geduldig bleiben werden, weiterhin Forderungen nach solchen Abkommen zurückweisen, die nicht die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verbessern und zur weltweiten
Stabilität beitragen.

Aufrechterhaltung eines konventionellen Abschreckungspotentials
Vorne stationierte konventionelle
Verteidigungsfähigkeit:
Strategische
Fähigkeiten sind für die Abschreckung
unerläßlich,
reichen
aber
allein
nicht aus.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten brauchen widerstandsfähige
konventionelle
Streitkräfte als integralen Bestandteil unserer
gesamten
Abschreckung.
Die
Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten baut auf der
Konzeption der Vorneverteidigung und
der Solidarität im Bündnis auf.
Im
Einklang mit dieser Strategie unterhalten wir in Friedenszeiten große,
vorne stationierte Streitkräfte auf
See und auf dem Territorium unserer
Verbündeten in der NATO und in Asien.
Der Gesamtumfang und die Fähigkeiten
der amerikanischen Streitkräfte werden erheblich von dem Bedarf der Aufrechterhaltung einer solchen Präsenz
beeinflußt, die wiederum notwendig
ist zur Abschreckung einer Aggression.
Die
anspruchsvollste
Bedrohung,
mit der diese Streitkräfte fertigwerden müssen, ist die Bedrohung durch
die
Sowjets.
Die
sowjetischen
Streitkräfte
werden
unseren
wahrscheinlich immer zahlenmäßig überlegen sein - sogar wenn die Streitkräfte unserer Verbündeten mit hinzugezählt werden. Aus diesem Grunde müssen wir sorgfältig darauf achten, daß
wir die qualitative Überlegenheit unserer
Streitkräfte auf dem Niveau
halten, das notwendig ist, um ihren
Auftrag
der
Abschreckung
und
im
Kriegsfall zu verwirklichen.
Eine weitere Grundlage amerikanischer Verteidigungspolitik besagt,
daß die Vereinigten Staaten nicht
versuchen, der von der Sowjetunion
ausgehenden Bedrohung ohne Hilfe zu

- 13 -

�begegnen.
Ein
System
dynamischer
Bündnisse ist die einzig wirkungsvolle Art und Weise zur Abschreckung der
Sowjets. Das wichtigste dieser Bündnisse ist die NATO, die seit über einer Generation Frieden und Sicherheit
in Europa bewahrt hat.
Obwohl es
kein einzelner NATO-Partner mit den
starken konventionellen Streitkräften
der Sowjetunion aufnehmen kann, so
sind wir doch gemeinsam in der Lage,
ein mächtiges Abschreckungspotential
aufzustellen.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten zur NATO: Die Vereinigten Staaten tragen zu dieser NATO-Abschrekkung auf verschiedene Art und Weise
bei.
Die offensichtlichste ist die
in Friedenszeiten stationierte Zahl
von
300 000 Militärangehörigen
auf
dem europäischen Schauplatz.
Obwohl
unsere Verbündeten die Mehrheit der
konventionellen Streitkräfte in Europa stellen und dies auch in Krisenzeiten und im Fall einer Mobilisierung tun würden, weist jedoch die
Präsenz
der amerikanischen Streitkräfte darauf hin, daß es nicht möglich ist, einen NATO-Partner anzugreifen, ohne gleichzeitig die gesamte militärische Macht der vereinigten
Staaten miteinzubeziehen.
Über die direkte Bereitstellung
von Truppen hinaus gewähren die Vereinigten Staaten denjenigen NATO-Verbündeten Militärhilfe, deren Volkswirtschaften es ihnen nicht gestatten, einen solch großen Beitrag zur
gemeinsamen Verteidigung zu leisten,
wie sie oder wir es für wünschenswert
halten. Eine solche Hilfe dient als
kostengünstiger
Kräftemultiplikator
und erhöht sowohl die politische Solidarität wie auch die militärische
Effektivität der NATO.
Schließlich
leisten die Vereinigten Staaten den
Hauptbeitrag
zum
nuklearen
Schirm
über der NATO, der seit Jahrzehnten
- 14

eine
ist.

der

Säulen

der

NATO-Strategie

Die Strategie der Flexiblen Reaktion: Die Abschreckungsstrategie der
NATO verlangt eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion, die einer sowjetischen Provokation
angemessen
ist.
Zusätzlich
zu
widerstandsfähigen
Streitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten und mit Unterstützung der strategischen Fähigkeit
der Vereinigten Staaten, muß diese
Strategie
auch durch
wirkungsvolle
und substantielle nicht-strategische
nukleare
Streitkräfte
unterstützt
werden. Die Vereinigten Staaten tragen zu allen Teilen der "NATO-Triade"
bei: den konventionellen Streitkräften, den nicht-strategischen nuklearen Streitkräften
und den strategischen Streitkräften. Die Entscheidung der NATO von 1979, ihre nuklearen Streitkräfte durch Stationierung
der
landgestützten
Marschflugkörper
und Pershing II-Raketen zu modernisieren, hat zur Beseitigung des Ungleichgewichts geführt, das durch die
sowjetische Stationierung der SS-20Raketen, die gegen NATO-Territorium
gerichtet sind, hervorgerufen wurde.
Sie hat ferner dem Entschluß der NATO
Ausdruck verliehen, die Wirksamkeit
und Integrität ihrer Fähigkeit zur Abschreckung
aufrechtzuerhalten
und
hat dazu beigetragen, die Grundlage
für wirksame Rüstungskontrollverhandlungen zu legen, die darauf abzielen,
die gegen die NATO gerichtete Bedrohung durch ballistische Raketen abzubauen.
Im klaren Gegensatz zur Sowjetunion besteht die Politik der NATO
darin,
nichtstrategische
Nuklearstreitkräfte auf dem niedrigsten Niveau zu unterhalten, das zur Abschreckung der Bedrohung durch den
Warschauer Pakt ausreicht.
In Verfolgung dieser Politik beschloß das

�Bündnis im Oktober 1983, die Anzahl
der Gefechtsköpfe in Europa - zusätzlich zum 1980 beendeten Abbau um
1 000 Gefechtsköpfe - um 1 400 zu
verringern. Diese unabhängig von Rüstungskontrollabkommen
vorgenommenen
Reduzierungen werden das nukleare Arsenal der NATO in Europa auf das
niedrigste Niveau seit über 20 Jahren
verringern.
Daher ist es unabdingbar, daß der verbleibende Bestand
über lebensfähig, reaktionsfähig
und
wirksam ist.
Abschreckung chemischer Kampfführung: Obwohl weder die NATO noch die
Vereinigten Staaten danach streben,
mit der Sowjetunion Waffe für Waffe
gleichzuziehen, würde die Abschrekkung geschwächt, wenn man es der Sowjetunion gestattete, eine Fähigkeit
aufzubauen, der keinerlei vergleichbare Fähigkeit der NATO entgegenstünde. Diese Prämisse, die dem Beschluß
der NATO zur Modernisierung
ihrer
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklear streitkräfte
zugrundeliegt,
gilt
ebenso für unsere eigene Entschlossenheit, die amerikanischen Fähigkeiten bei den chemischen Waffen durch
die Entwicklung moderner, sicherer
binärer
Munition zu modernisieren.
Diese Modernisierung wird uns befähigen, einen Erstgebrauch
chemischer
Waffen durch die Sowjets abzuschrekken.
In Ermangelung einer solchen
Fähigkeit werden wir zur Abschreckung
einer Anwendung durch die Sowjets
weiterhin von einem veralteten Arsenal unitärer, für moderne Trägersysteme schlecht geeigneter chemischer
Waffen sowie von den atomaren Fähigkeiten des Bündnisses abhängig sein zweifellos eine unerwünschte und risikoträchtige Situation.
Ausmaß und Intensität eines Konflikts: unsere Strategie erkennt die
Tatsache an, daß die Sowjetunion zusammen mit ihren verbündeten Streit-

kräften zu gleichzeitigen Aggressionen in mehr als einer Region der Welt
fähig ist. Im Falle einer Aggression
in
mehreren
Regionen
gleichzeitig
würden die militärischen Reaktionen
der Vereinigten Staaten von bestehenden Verpflichtungen, allgemein strategischen
Prioritäten,
den
spezifischen Umständen und der Verfügbarkeit von Streitkräften bestimmt sein.
Diese Reaktionsfähigkeit würde durch
die in unseren Streitkräften eingeführte Flexibilität verstärkt.
Dazu
gehören unsere Fähigkeiten zu strategischer Mobilität und Einsatz von
Macht in globalem Maßstab. Diese Fähigkeit zu wirksamer Reaktion auf
entfernten Kriegsschauplätzen vermindert unser Risiko, jemals wirklich
auf solche Angriffe antworten zu müssen.
Wenn wir auf einen solchen Angriff reagieren müssen, würde unser
übergeordnetes Ziel darin bestehen,
den Krieg so schnell wie möglich zu
beenden, und zwar auf dem niedrigstmöglichen Niveau von Gewaltanwendung,
das eine Wiederherstellung des Friedens zu Bedingungen ermöglicht, die
für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten
günstig sind.
Sollten
jedoch unsere anfänglichen Versuche
zur Niederschlagung einer Aggression
fehlschlagen, so ermöglicht die amerikanische Strategie die flexible und
ausreichende
Anwendung
von
Gewalt
während der Gesamtdauer der Kampfhandlungen, um sicherzustellen, daß
kein Gebiet von vitalem Interesse
verloren wird.
Sollte es zu einer
Eskalation kommen, würden wir versuchen, unsere Kräfte so einzusetzen,
um den Gegner von einer weiteren Eskalation abzuschrecken und unsere nationalen Ziele zu erreichen.

von
und

- 15 -

Deshalb geht unsere Strategie daaus, daß Charakter, Schauplätze
Intensität unserer militärischen

�Handlungen in einem Konflikt mit der
Sowjetunion von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren beeinflußt werden. Unsere Strategie besteht darin,
nicht zu versuchen "überall gleichzeitig" zu kämpfen. Wir würden das
unter
den herrschenden
Bedingungen
strategisch Vernünftige und operativ
Erreichbare tun. Aber wir benötigen
die Fähigkeit weltweiter glaubwürdiger Reaktionen auf schwerwiegende Bedrohungen, um sicherzustellen, daß
unsere
Gegner
nicht
durch
unsere
Schwäche in Versuchung geführt werden.
Andere Verpflichtungen der Vereinigten Staaten: Die NATO ist nicht
unser einziges Bündnis.
Die Vereinigten Staaten unterhalten mit 43
Nationen in der ganzen Welt bilaterale oder multilaterale Sicherheitsverpflichtungen.
Zur
Unterstützung
dieser
Verpflichtungen und zur Abschreckung des
von der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten ausgehenden Abenteurertums
unterhalten
die
Vereinigten
Staaten in vielen strategisch wichtigen
Regionen
vorne
stationierte
Streitkräfte.
Zusätzlich
zu ihrer
Mittelmeerflotte unterhalten die Vereinigten Staaten eine umfassende Militärpräsenz
im Westpazifik.
Eine
geringere Präsenz im Indischen Ozean
dient der Unterstützung unserer Interessen in Südwestasien.
Im gesamten
pazifischen
Raum
stationierte
amerikanische
Luftstreitkräfte
leisten Hilfe bei der Erfüllung unserer
Sicherheitsverpflichtungen in Staaten
wie Japan und den Philippinen. Erhebliche
Land- und
Luftstreitkräfte
sind in Korea stationiert, um die
Streitkräfte der Republik Korea bei
der Abschreckung einer Aggression aus
dem Norden zu ergänzen.
Unsere
Streitkräfte

vorne
in der

stationierten
ganzen Welt er-

füllen mehrere Funktionen.
Sie sind
unentbehrlich für die Schaffung regionaler Kräftegleichgewichte, durch
welche die Sowjets von Aggressionen
abgeschreckt und die allgemeine regionale Stabilität gefördert werden;
sie unterstützen die politische Unabhängigkeit von Nationen an der sowjetischen
Peripherie und besitzen
deshalb
eine Schlüsselfunktion
für
das grundsätzliche strategische Ziel
der Vereinigten Staaten, die Vermeidung sowjetischer Hegemonie über die
eurasische
Landmasse;
schließlich
liefern sie eine unmittelbar verfügbare Fähigkeit zur Bewältigung von
Krisen geringeren Ausmaßes.
Obwohl die Sowjetunion die größte
Bedrohung für die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten darstellt, ist
sie, wie bereits erwähnt, nicht die
einzige Bedrohung. Vorne stationierte Truppen können auch lokal begrenzte Aggressionen verhindern, zur regionalen Stabilität beitragen und als
sichtbare Symbole des Willens und der
Fähigkeit
der
Vereinigten
Staaten
dienen, ihre Interessen zu schützen.
Im Falle von militärischen Krisen ohne Beteiligung der Sowjetunion sind
die Vereinigten Staaten jedoch primär
daran interessiert, daß die daran beteiligten Staaten
für ihre eigene
Verteidigung sorgen.
Das direkte Engagement amerikanischer Truppen ist ein letztes Mittel, das nur dann angewendet werden
sollte, nachdem klare politische Ziele definiert worden sind, unser politischer Wille eindeutig feststeht und
angemessene militärische Fähigkeiten
verfügbar sind. Beim Einsatz amerikanischer
Kampftruppen
würden
die
Vereinigten Staaten danach trachten,
Ausmaß und Schärfe des Konflikts zu
begrenzen, eine Beteiligung der Sowjetunion zu vermeiden und die amerikanischen
Zielsetzungen so schnell

�wie möglich zu erreichen.
Wir
haben
in
den
vergangenen
sechs Jahren bedeutende Fortschritte
bei der Verbesserung der Fähigkeiten
unserer vorne stationierten Streitkräfte in bezug auf den Schutz amerikanischer Interessen, die Durchführung unserer nationalen Strategie und
die Unterstützung unserer Bündnisverpflichtungen erzielt. Wir sind weiterhin der stetigen Verbesserung unserer stationierten Kräfte verpflichtet, um unsere auf Vorneverteidigung
und Bündnisse gegründete Strategie zu
unterstützen.
In den folgenden Abschnitten werden ausgewählte Fähigkeiten behandelt, die grundlegende
Elemente für diese Strategie bereitstellen.
Aufrechterhaltung von Fähigkeiten
zur weltweiten Unterstützung und Mobilität: Die Fähigkeit, vorne stationierte Truppen zu verstärken und mit
Nachschub zu versorgen, ist für die
Durchführung der amerikanischen Strategie der Vorneverteidigung und Bündnissolidarität
unverzichtbar.
Die
schnelle Verstärkung
der
NATO
in
Spannungszeiten
ist
beispielsweise
entscheidend für eine wirksame Abschreckung .
Im Hinblick auf die Länder der
eurasischen Randgebiete besitzen die
Sowjets einen natürlichen geographischen Vorteil sowie die wachsende Fähigkeit, Offensiven gleichzeitig in
Europa, Südwestasien und dem Fernen
Osten zu starten.
Unter Ausnutzung
der inneren Verkehrswege können sie
Truppen über weite Gebiete verlegen
und mit Nachschub versorgen. Mit ihren Bemühungenen haben die Sowjets in
den letzten Jahren den militärischen
Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten entlang der sowjetischen Südgrenze auf Schiene und Straße erheblich verbessert.
- 17

Unsere Fähigkeit
zu weltweiter
Unterstützung und Mobilität, darunter
Luft- und Seetransport sowie Voreinlagerung von Ausrüstung sind deshalb
unbedingt erforderlich, damit wir militärischen Herausforderungen an der
Peripherie
des
eurasischen
Kontinents, der weiterhin im Mittelpunkt
sowjetischer
expansionistischer
Interessen steht, entgegentreten können.
Durch Voreinlagerung zu Land
oder auf See können unsere Reaktionszeiten bedeutend verringert werden.
In den meisten Krisenfällen würden
anfängliche Verstärkungen durch Luftbrücken, das schnellste und flexibelste unserer mobilen Instrumente,
transportiert
werden.
Zwangsläufig
wird jedoch die Masse unserer Verstärkungen
und
unseres
Nachschubs
über See transportiert werden, wie
dies auch in Krisen der Vergangenheit
der Fall war. Um die Reaktionszeiten
zu verkürzen, verbinden die Vereinigten Staaten auf integrierte Weise die
Voreinlagerung
mit
Luft- und
Seetransport.
Mobilität ist besonders
entscheidend
für
unsere Strategien
zur Bewältigung von Krisensituationen
in Südwestasien, wo wir keinerlei militärische Stützpunkte oder dauernd
stationierte Truppen unterhalten.
Im Einklang mit unserem Bündnisansatz zu Fragen der Sicherheit leisten die Verbündeten der Vereinigten
Staaten entscheidende Beiträge zu unseren mobilen Fähigkeiten. Sie stellen nicht nur Flugplätze und Seehäfen
zur Verfügung. Sie verstärken außerdem
unsere
Lufttransportfähigkeiten
und stellen den Großteil unserer Seetransportkapazitäten bereit. Schließlich ist Zusammenarbeit mit den Verbündeten eine einleuchtende Voraussetzung für die Voreinlagerung.
Zu Beginn dieses Jahrzehnts standen wir vor ernsten Schwierigkeiten,

�wenn wir größere Streitkräftekontingente schnell genug heranführen wollten, um eine sowjetische Aggression
abzuschrecken, wenn wir Truppen zu
zwei
oder
mehr
Kriegsschauplätzen
gleichzeitig verlegen oder Gerät effektiv in weniger entwickelte Regionen schaffen wollten. Mit Unterstützung des Kongresses haben wir seit
1981 große Fortschritte bei der Behebung dieser Schwächen gemacht und unsere Luft- und Seetransportfähigkeiten erheblich erweitert sowie zusätzliche große Mengen an Gerät im Ausland stationiert. Nicht alle unsere
Ziele sind jedoch erreicht worden.
Insbesondere ist die stetige Abnahme
der amerikanischen Handelsmarine und
des Bestandes an privaten Schiffen
unter amerikanischer Flagge eine besorgniserregende Angelegenheit.
Dieses Problem wird noch verschlimmert
durch den Niedergang der Flotte unter
amerikanischer Flagge insgesamt, wodurch es zu einer Verringerung der
Seebesatzungen zur Bemannung unseres
gesamten Schiffsbestandes unter amerikanischer Flagge kommt - und dies
gilt auch für die Schiffe der Einsatzreserve, der Reserveflotte
zur
nationalen Verteidigung und allen unter effektiver
amerikanischer
Kontrolle stehenden Schiffe, die neu bemannt werden müßten.
Der Mangel an
Seeleuten aus der Handelsmarine könnte kurzfristig unsere Fähigkeit untergraben, Truppen durch strategischen Seetransport in ausreichendem
Maß zu verlegen und unterhalten.
Aufrechterhaltung einer angemessenen Logistikbasis: Zur Unterhaltung
eines
starken
konventionellen
Abschreckungspotentials ist es lebenswichtig, daß wir den amerikanischen
Streitkräften eine ausreichende logistische
Unterstützung
bereitstellen. Eine solide logistische Infrastruktur stärkt die Abschreckung, indem sie unsere Vorbereitungen auf

Feindseligkeiten jeder Intensität und
für die Zeitspanne, die zur Verteidigung amerikanischer Interessen notwendig
ist, demonstriert.
Ausreichende und anhaltende Unterstützung
leistet einen Beitrag zur Anhebung
der nuklearen Schwelle, stärkt die
Abschreckung und verbessert die Aussichten auf einen frühzeitigen Erfolg
im Konfliktfall. Gegner dürfen nicht
zu dem Schluß gelangen, daß die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten im Falle einer Konfrontation mit einem komplexen oder
lang andauernden militärischen Feldzug allmählich abnehmen würden.
In den vergangenen sechs Jahren
haben wir erhebliche Fortschritte bei
der
Verbesserung
unserer
militärischen Logistikbasis erzielt und dadurch im Lauf der Zeit die Unterstützung
unserer
Abschreckungsstrategie
verstärkt.
Mit
Unterstützung
des
Kongresses werden wir dauerhafte Verbesserungen bei dieser unspektakulären, aber notwendigen Komponente der
Militärmacht anstreben.
Gleichzeitig
werden wir gegenüber unseren Verbündeten weiterhin die Bedeutung einer
Verbesserung der logistischen Grundlage ihrer eigenen Streitkräfte betonen, um sicherzustellen, daß ihre
Ausdauer im Kampf der unserer Truppen
ebenbürtig ist.
Aufrechterhaltung
ausreichender
aktiver Streitkräfte: Die Unterstützung
unseres
konventionellen
Abschreckungspotentials
bedingt
die
Aufrechterhaltung
ausgewogener
und
wirkungsvoller aktiver Streitkräfte,
die in Quantität und Qualität dazu
ausreichen, unsere nationale militärische Strategie glaubwürdig zu gestalten.
Im
Kontext
mit
unseren
Bündnisbeziehungen verlangt die Abschreckung und, falls notwendig, die
Niederwerfung der sowjetischen Bedrohung
eine sorgfältig
strukturierte

- 18 -

�Mischung aus amerikanischen und verbündeten Land- und Seestreitkräften,
die in der Lage sind, die vereinbarte
Strategie so lange durchzuführen, bis
sie durch Mobilisierung in den entsprechenden Ländern verstärkt werden.
Im Fall der NATO sprechen die Nähe
der Land- , Luft- und Seestreitkräfte des Warschauer Pakts zum Bündnisgebiet, die Geschwindigkeit, mit der
sich ein moderner Konflikt entfalten
kann, die bedeutenden zahlenmäßigen
Vorteile des Warschauer Pakts und die
starke Betonung des Überraschungsmoments in der sowjetischen Militärdoktrin für starke, qualitativ moderne und
flexible amerikanische und
verbündete konventionelle Streitkräfte.
Die primäre Verantwortung für die
Abwehr
eines sowjetischen Angriffs
und die Verteidigung des Bündnisgebiets sowie die gleichzeitige Bekämpfung und Vernichtung der Folgestaffeln, auf die sich die sowjetische
Strategie zur Ausnutzung von Anfangserfolgen
stützt, fällt
den
Landstreitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu. Die amerikanischen und verbündeten Landstreitkräfte müssen mit taktischer Luftunterstützung in der Lage sein, einen
Angriff des Warschauer Pakts zum Stehen zu bringen und die Integrität des
Bündnisgebiets
wiederherzustellen,
wenn die politischen und militärischen Ziele der NATO verwirklicht
werden
sollen.
Bei
Nichtbestehen
dieser Fähigkeit muß sich die Strategie des Bündnisses stark auf die Drohung mit atomaren Waffen stützen, um
die grundlegenden Abschreckungs- und
Kriegsziele zu erreichen.
Seit
Jahrzehnten
ist
es
ein
grundsätzliches Ziel der Vereinigten
Staaten, das Risiko eines Nuklearkrieges durch eine möglichst hoch angesetzte nukleare Schwelle zu verrin-

gern.
Um dieses Ziel zu erreichen,
ist es notwendig, daß die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten die Fähigkeit besitzen,
ihren
Auftrag
mit
konventionellen
Waffen zu erfüllen. Im Fall unserer
in Europa eingesetzten
Landstreitkräfte verlangt dies eine stetige
Kampfwertsteigerung
und
Modernisierung, um angesichts des zahlenmäßig
überlegenen
Warschauer
Pakts einen
qualitativen Vorsprung zu erhalten.
Obwohl die Erfordernisse der NATO
zu Recht einen Großteil der Aufmerksamkeit unserer Landstreitkräfte einnehmen, bedingt der weltweite Charakter der potentiellen Bedrohung amerikanischer Interessen die Aufrechterhaltung
flexibler
und vielfältiger
Landstreitkräfte, die schnell in Gebiete
von
strategischer
Bedeutung
verlegt werden und dort wirkungsvoll
operieren können. Dies hat das Heer
dazu veranlaßt, fünf schnell zu verlegende leichte Divisionen aufzubauen. Während dessen wurden die Bemühungen zur Verstärkung der Fähigkeiten des Marine Corps fortgesetzt.
Diese Landstreitkräfte stellen zusammen mit angemessener taktischer Luftunterstützung
grundlegende
Elemente
unserer
Fähigkeit,
mit
weltweiten
Krisenerfordernissen fertig zu werden.
Taktische Luftunterstützung dient
der Erreichung von Zielen der Landstreitkräfte durch die Aufrechterhaltung von Luftüberlegenheit auf dem
Gefechtsfeld, die Bereitstellung reaktionsfähiger und wirksamer Feuerkraft für bewegliche Einheiten des
Heeres und die Durchführung von Abriegelungsoperationen
gegen
feindliche Truppen in der Tiefe sowie Führungsmittel und Quellen logistischer
Unterstützung.
Zusätzlich spielt sie
eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung
von Verstärkungen
und
Nachschub für unsere vorne eingesetz-

- 19 -

�ten Truppen durch Schutz unserer Seeund Flughäfen sowie der Verkehrswege
vor Angriffen und Zerstörung.
Die
Befähigung der Luftstreitkräfte zur
schnellen Verlegung von Einheiten in
Krisenfällen trägt zu unserer Fähigkeit bei, Bedrohungen unserer Interessen in weit entfernten Gebieten abzuschrecken und im Fall eines Versagens der Abschreckung
militärische
Macht wirksam einzusetzen.
Die Seestreitkräfte spielen bei
der Unterstützung
unserer militärischen
Strategie eine einzigartige
Rolle. Berücksichtigt man die Realitäten unserer geostrategischen Lage
an zwei Weltmeeren, so ist die Überlegenheit zur See ein entscheidender
Faktor für die Unterstützung unserer
Bündnisbeziehungen und unserer vorne
stationierten Truppen.
Obwohl die
Seeüberlegenheit vornehmlich von den
Fähigkeiten
unserer
Seestreitkräfte
abhängt, leisten die zu Lande stationierten
Luftstreitkräfte
ebenfalls
einen bedeutenden Beitrag zu ihrer
Aufrechterhaltung, darunter die Frühwarnung vor feindlicher Bedrohung aus
der Luft, Unterstützung seegestützter
taktischer Flugzeuge durch Luftbetankung und das Verlegen von Minen gegen
U-Boote.
Die Seeüberlegenheit befähigt uns
dazu, sowjetische, auf geographischen
Gegebenheiten
beruhende
verwundbare
Stellen auszunutzen und den sowjetischen Interessen eine globale Bedrohung entgegenzusetzen.
Dies spielt
eine Schlüsselrolle bei den Plänen
zur Verteidigung der NATO-Verbündeten
an den europäischen Flanken. Es erlaubt außerdem den Vereinigten Staaten, die sowjetischen Seestreitkräfte
in einer Verteidigungshaltung zu binden, um die sowjetischen U-Boote mit
ballistischen Raketen und die Seezugänge zum sowjetischen Festland zu
schützen.
Dadurch
wird
die
in
- 20

Kriegszeiten zu erwartende Bedrohung
der Seewege für die Heranführung von
Verstärkungen und Nachschub nach Europa verringert.
Der mobile Charakter der Seestreitkräfte erlaubt es diesen, Feldzüge zu Lande durch die Anwendung
seegestützter taktischer Luftstreitkräfte direkt zu beeinflussen und mit
amphibischen
Kräften
strategisch
wichtige Gebiete in Besitz zu nehmen,
über See erreichbare Verbündete zu
verstärken oder die maritimen Flanken
gegnerischer Landstreitkräfte zu bedrohen.
Diese Fähigkeit zur Verlagerung
militärischer Macht in Gebiete, die
weit
von
unseren Küsten
entfernt
sind, ist besonders wichtig, wenn man
die zentrale Lage der Sowjetunion innerhalb der eurasischen Landmasse,
die Tatsache, daß viele der wichtigsten
Verbündeten
der
Vereinigten
Staaten sich an der Peripherie Eurasiens und auf vorgelagerten Inseln
befinden und die Gefährdung vieler
Gebiete in der Dritten Welt ohne amerikanische Militärpräsenz berücksichtigt. Unsere Fähigkeiten zur Verlagerung militärischer Macht zur See
würde eine grundlegende Rolle bei jeder potentiellen Krise in Südwestasien spielen.
Unentbehrlich für unsere Strategie in Kriegszeiten, spielt die Überlegenheit zur See eine ebenso entscheidende Rolle im Frieden. Mobile
Seestreitkräfte, die in Krisenzeiten
leicht disloziert werden können, sind
ein traditionelles
Symbol für den
Willen und die Fähigkeit unserer Nation, ihre vitalen Interessen zu verteidigen.
Für jeden amerikanischen
Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg haben sie sich als ein unverzichtbares Instrument des Krisenmanagements erwiesen.
Dadurch, daß sie

�den schnellen Einsatz amerikanischer
Macht ermöglicht, trägt die Seeüberlegenheit schließlich auch zu regionaler Stabilität bei, sei es im Indischen Ozean, in Mittelamerika, dem
Mittleren Osten oder anderen Gebieten
von strategischer Bedeutung.
Im maritimen
Bereich
ist der
Trend im allgemeinen günstig.
Wir
sind stetig dabei, wieder auf unser
Ziel einer aus 600 Schiffen und 15
Trägerkampfverbänden bestehenden Marine hinzuarbeiten. Mit andauernder,
energischer Unterstützung durch den
Kongreß werden die Vorhaben dieser
Administration
unsere
grundlegende
Überlegenheit zur See für den Rest
dieses Jahrhunderts sicherstellen.
Aufrechterhaltung effektiver Reservestreitkräfte und nationale Mobilisierungsgrundlage:
Die
effektive
Mobilisierung von Menschen und industriellen Ressourcen im Falle eines
Konflikts würde die unabdingbare Unterstützung für unsere militärischen
Fähigkeiten liefern.
Da etwa sechs
Prozent des BSP für die Verteidigung
verwendet werden, konzentriert sich
unsere Wirtschaft in Friedenszeiten
vornehmlich auf die Bedürfnisse des
zivilen Marktes und nicht auf die militärischen Bedürfnisse unseres Landes. Wir verlassen uns auf die der
amerikanischen Wirtschaft innewohnende Größe und Stärke als letzter Verteidigungslinie und entnehmen der zivilen Produktion nur soviel, wie es
die jeweilige Situation verlangt.
Deshalb benötigen wir die Fähigkeit,
unsere
industrielle
Basis
schnell zu erweitern, um das in einem
Konflikt benötigte Kriegsmaterial zu
produzieren.
Die Gesundheit der industriellen
Basis
besitzt
deshalb
eine klare militärische und strategische Bedeutung. Demgemäß wird die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten

weiterhin Initiativen fördern, durch
die Verbesserungen
bei
der
industriellen Produktivität und Modernisierung unterstützt werden.
Zusätzlich
versucht
der
Staat
durch seine Beschaffungsverfahren Anreize zu verbesserter Produktivität
sowie zu besseren Herstellungsverfahren zu bieten und die amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit
auf dem Weltmarkt zu verbessern.
Zur Ergänzung unserer industriellen
Mobilisierungsprogrammen
haben
die Vereinigten Staaten seit über 30
Jahren ein Bevorratungsprogramm aufrechterhalten, um den Nachschub an
entscheidend wichtigen Rohstoffen zur
Unterstützung
militärischer
und
grundlegender ziviler Bedürfnisse im
Krisenfall sicherzustellen.
Es ist
wichtig, daß wir unser Bevorratungsprogramm weiterführen, um mit aktuellen Entwicklungen, Veränderungen der
industriellen Leistungsfähigkeit und
neuen Entwicklungen bei Herstellung
und Technologie Schritt zu halten.
Da mit dem Kongreß fundamentale Meinungsverschiedenheiten
in bezug auf
die Bevorratung bestehen, müssen wir
unsere Anstrengungen zur Beseitigung
von Differenzen verstärken sowie realistische Ziele und politische Verfahren entwickeln, wodurch ein modernisierter Lagerbestand für die Zukunft geschaffen wird.
Was den Personalaspekt angeht, so
hat die in den frühen siebziger Jahren eingeführte Gesamtstreitkräftepolitik ("Total Force policy") die Verantwortung der Reservekomponente der
amerikanischen
Streitkräfte
vergrößert. Heute werden volle 50 Prozent
der Kampfeinheiten für die Landkriegführung von Reserveeinheiten bereitgestellt.
Reserveeinheiten
nehmen
wichtige Aufgaben war und leisten
ständig
Unters tutzungsfunktionen.

- 21 -

�Ihre Prioritäten in bezug auf Personal, Ausbildung
und Modernisierung
von Ausrüstung beruhen nicht auf ihrem Friedensstatus als Streitkräfte
"in Reserve", sondern auf ihrer unmittelbaren Integration in operative
Planung und Aufträge. Vielfach würden Reservekomponenten im Konfliktfall Seite an Seite mit und bisweilen
noch vor den aktiven Streitkräften
disloziert werden.
Um die Kostenrentabilität der Gesamtstreitkräftepolitik
zu maximieren, müssen wir weiterhin die Kampfund
Unterstützungselemente
unserer
Struktur von aktiven und Reservestreitkräften, deren Kosten und die
mit
ihnen verbundenen
Risikoebenen
ausgewogen gestalten. Obwohl es bestimmte Auftragsbereiche gibt, in denen die Rolle der Reservekomponenten
erweitert werden kann, müssen wir
sorgfältig
vermeiden, Anforderungen
an unser Personal zu stellen, die den
Charakter des Reservedienstes grundlegend verändern würden. Unser Einsatztempo im Frieden, unsere vorne
stationierten
Verbände
und
unsere
Strategie der Abschreckung im allgemeinen machen substantielle, ausgewogene
und
einsatzbereite
aktive
Streitkräfte notwendig.

Unterstützung der nationalen
Sicherheit aus dem Weltraum
Die Vereinigten Staaten benutzen
weltraumgestützte
Systeme, um eine
Reihe von Unternehmungen durchzuführen, die für unsere nationale Sicherheit von essentieller Bedeutung sind.
Dazu gehören Führung und Kommunikation, Navigation, Umweltbeobachtung,
Warnung, Aufklärung und Überwachung
von
Verträgen.
Zur
Unterstützung
dieser wichtigen Aufgaben benötigen
die Vereinigten Staaten den gesicherten Zugang zum Weltraum, der durch

eine effiziente und berechenbare Trägerfähigkeit unterstützt wird.
Deshalb habe ich gegen Ende des vergangenen Jahres verfügt, daß die nationale Trägerfähigkeit auf einer ausgewogenen Mischung von TrägerSystemen,
und zwar aus Weltraumtransportersystem und Verlustraketen (ELV), beruhen muß.
Die Elemente dieser Mischung dienen der Unterstützung von
Aufträgen für die nationale Sicherheit, zivile Regierungsaufgaben und
kommerzielle
Sektoren der amerikanischen Raumfahrt.
Zur Unterstützung dieses Ansatzes
hat das Verteidigungsministerium Bemühungen
unternommen, um
ein
ELV
mittlerer Größe zu entwickeln und beschaffen. Damit werden die Raumfähre
sowie die heutigen kleinen und großen
ELV ergänzt werden.
Zusätzlich werden ausgewählte Satelliten der Regierung auf Kompatibilität mit Raumfähre
oder ELV ausgelegt sein.
In
Anbetracht
des
zunehmenden
Vertrauens amerikanischer und verbündeter Streitkräfte auf Unterstützung
aus dem Weltraum müssen wir darauf
vorbereitet sein, unsere Weltraumsysteme gegen feindliche Eingriffe zu
schützen. Demzufolge gehören zu den
weiteren Facetten
des Weltraumprogramms zur nationalen Sicherheit die
Entwicklung von Konzepten und Techniken, die solchen Systemen das Überleben in Krisen erlauben sowie die Entwicklung einer Anti-Satelliten-Fähigkeit, um Bedrohungen amerikanischer
Weltraumsysteme abzuschrecken und dem
Gegner die Nutzung seiner weltraumgestützten Ressourcen im Verteidigungsfall zu verwehren, womit ein ernstes
Ungleichgewicht in den Weltraumfähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der
Sowjetunion
korrigiert
würde.
Die Sowjets haben ihr Anti-Satelliten-System
(ASAT) vor
über
einem
Jahrzehnt eingeführt.
Heute ist es

�das einzige operative ASAT-System der
Welt. Das vom Kongreß verhängte Verbot von Tests unseres in der Entwicklung befindlichen ASAT-Systems gegen
Ziele im Weltraum beläßt den Sowjets
ein Monopol bei der ASAT-Fähigkeit
und sollte aufgehoben werden.
Im großen und ganzen sind die
Weltraumprogramme der Sowjets umfangreich und wachsen weiter an.
Ihre
von breiter Öffentlichkeitsarbeit begleiteten bemannten Raumfahrprogramme, ihre ehrgeizigen Programme zur
wissenschaftlichen
Erforschung
des
Weltraums und ihre fast erreichten
Fähigkeiten
zum Transport schwerer
Lasten in den Weltraum werden in naher Zukunft bedeutende Herausforderungen der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum aufwerfen. Zusätzlich liefern diese Fähigkeiten die
Grundlage für die schnelle Entwicklung und Dislozierung militärischer
Mittel im Weltraum in Krisen oder
Krieg.
Eine aufkommende Technologie mit
bedeutenden
Anwendungsmöglichkeiten
im Bereich der Sicherheit wie auch im
zivilen und kommerziellen Bereich ist
das Raumflugzeug ("National Aerospace
Plane"). Der Entwurf dieses Flugzeuges verbindet moderne Luft- und Raumfahr ttechnologien , um ein Flugzeug
hervorzubringen, das sowohl in der
Erdatmosphäre als auch im Vakuum des
Weltalls
funktioniert.
Der
erste
Flug eines experimentellen Raumflugzeuges, das aus bedeutenden amerikanischen Vorteilen im technologischen
Bereich Nutzen zieht, könnte um die
Mitte der neunziger Jahre erfolgen.

Nachrichtendienstliche Unterstützung der nationalen Sicherheit
Zur Entwicklung und Durchführung
einer soliden Strategie der nationa-

len Sicherheit werden wirksame nachrichtendienstliche Fähigkeiten benötigt, um gründliche und genaue Bewertungen der bestehenden oder potentiellen Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit zu liefern. Frühwarnung vor Entwicklungen, die Risiken
für entscheidende amerikanische Interessen darstellen könnten, ist lebenswichtig, wenn wir die geeigneten
Elemente nationaler Macht zeitgerecht
einsetzen und Bedrohungen entgegentreten sollen, bevor sie nicht mehr
zu bewältigen sind oder das Risiko
eines großen Konflikts nach sich ziehen.
Unsere
Abschreckungsstrategie
baut wesentlich auf verläßliche Informationen über Strategien, Streitkräfte, Führungs- und
Einsatzgrundsätze, Stärken, Schwächen und mögliche Handlungsabläufe beim potentiellen
Gegner.
Nachrichtendienstliche Informationen liefern außerdem
grundlegende Einsichten darüber, wie
wir selbst von diesen Gegnern eingeschätzt werden. Eine Beurteilung ihrer Vorstellungen von unseren Fähigkeiten, unserem politischen Willen,
den nationalen Interessen und unserer
wahrscheinlichen Reaktion auf feindselige Provokationen
liefert einen
wichtigen Maßstab für die Effektivität unserer Abschreckung. Mit nachr ichtendienstlichen
Informationen
wird außerdem unsere Fähigkeit verbessert, Verletzungen von Rüstungskontrollabkommen
und
potentielle
technologische Durchbrüche zu entdekken, die negative Auswirkungen auf
die Stärke unseres strategischen oder
konventionellen
AbsehreckungsPotentials haben
könnten.
Nachrichtendienstliche
Informationen
gestatten
es uns, unsere Strategien und Streitkräfte so zu planen, daß wir die
Schwächen unserer Gegner ausnutzen,
unsere eigenen Schwächen korrigieren
und mehr Nutzen aus Bereichen ziehen,

- 23 -

�in denen wir vergleichsweise
teil sind.

im VorKonflikte geringer Intensität

Die Fähigkeit zur
Durchführung
verdeckter Operationen ist ein grundlegendes Attribut unserer nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und gestattet es uns, heraufziehenden Bedrohungen unserer Sicherheit entgegenzutreten, noch bevor sie die Anwendung
amerikanischer
Militärmacht
oder andere Handlungen erfordern, die
höhere Kosten oder Risiken verursachen.
Die Fähigkeit, der Bedrohung der
Vereinigten Staaten durch gegnerische
Nachrichtendienste
entgegenzutreten,
liefert ebenfalls eine wichtige Unterstützung unserer Strategie der nationalen
Sicherheit.
Die außergewöhnlich
umfangreichen
und aktiven
Nachrichtendienste
der
Sowjetunion,
ihrer
Vasallen
und
Stellvertreter
führen sehr subtile Operationen zur
Sammlung und Auswertung von Nachrichten durch, die gegen uns, unsere Verbündeten und Freunde gerichtet sind.
Die Sowjets stützen sich stark auf
Spionage und die illegale Beschaffung
westlicher
militärisch
nutzbarer
Technologie, um weitgesteckte strategische Ziele zu erreichen und materielle Hilfe bei der Verschiebung der
weltweiten
"Kräftekorrelation"
zum
sowjetischen Vorteil zu leisten. Die
in den letzten Jahren erfolgten Festnahmen von Agenten, die an besonders
schädigenden Spionageoperationen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt
waren, hat die Schärfe dieser Bedrohung dramatisch unterstrichen.
Als
Teil unserer nachrichtendienstlichen
Strategie haben wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Schritten
unternommen, um unsere Sicherheit und
unsere Spionageabwehr zu verstärken.
Diese Bemühungen werden als eine Angelegenheit
von
hoher
nationaler
Priorität weitergehen.
- 2

Konflikte
in der Dritten Welt
können zu ernsten Bedrohungen der
amerikanischen
Sicherheitsinteressen
führen.
Konflikte geringer Intensität, die auf Niveaus unterhalb eines
konventionellen Krieges, jedoch oberhalb des normalen, friedlichen Wettstreits zwischen den Staaten stattfinden, können besonders unangenehm
sein.
Mit ihnen geht oft ein lang
andauernder Kampf zwischen konkurrierenden Prinzipien und Ideologien einher.
Konflikte niedriger Intensität
können
mit
verschiedenen
Mitteln
gleichzeitig
ausgefochten
werden,
darunter die Nutzung von Instrumenten
aus
den
Bereichen
Politik, Wirtschaft, Informationswesen und Militär.
Oft sind sie lokal begrenzt;
sie können jedoch bedeutende Auswirkungen auf die regionale und weltweite Sicherheit haben.
Hauptursachen von Konflikten geringer Intensität sind Instabilität
und ein Mangel an politischer und
wirtschaftlicher Entwicklung in der
Dritten Welt (obwohl solche Konflikte
auch in Regionen außerhalb der Dritten Welt auftreten können).
Diese
Bedingungen bilden einen fruchtbaren
Boden für Unruhen sowie für Gruppen
oder Nationen, die Unruhen für ihre
eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Die
hieraus entstehenden Konflikte sind
dann für die Vereinigten Staaten von
Belang, wenn sie die nationalen Interessen und die Sicherheit, Werte
oder politischen Grundlagen der Vereinigten Staaten, unserer Freunde und
Verbündeten angreifen. Konflikte geringer Intensität können nach und
nach zur Isolierung der Vereinigten
Staaten, ihrer Verbündeten und wichtigen Handelspartner von der Dritten
Welt und voneinander führen.
Diese

�Isolierung
politisch
stieren.

kann
und

sich wirtschaftlich,
militärisch
manife-

- Maßnahmen ergreifen, um befreundete Staaten, die sich inneren
oder
äußeren Bedrohungen
ihrer
Unabhängigkeit
und
Stabilität
ausgesetzt sehen, zu stärken, indem
sie
in
Koordination
mit
Freunden und Verbündeten systematisch das ganze Spektrum politischer, wirtschaftlicher, informatorischer
und
militärischer
Machtinstrumente
anwenden.
Wo
immer dies möglich ist, werden
Maßnahmen
ergriffen, bevor
die
Instabilität zu Gewalt führt.

Auswirkungen von Konflikten geringer Intensität können insbesondere
sein:
- Unterbrechung westlichen Zugangs
zu lebenswichtigen Naturschätzen.
- Stufenweiser
Verlust amerikanischer
Stützpunkt- und
Zugangsrechte.
- Erweiterte Bedrohung entscheidender Seeverbindungswege.

- daran arbeiten, die Ursachen, die
Instabilität
und
Konflikten
in
der Dritten Welt zugrundeliegen,
auszuräumen, indem sie Auslandshilfe, Handels- und Investitionsprogramme
verfolgen, mit denen
wirtschaftliche
Entwicklung
und
das Heranwachsen
demokratischer
sozialer und politischer Ordnungen gefördert werden.

- Stufenweise Abwendung von Verbündeten und Handelspartnern von den
Vereinigten Staaten und Hinwendung zu Positionen der Anpassung
an gegnerische Interessen.
- Erweiterte Chancen für politische
und militärische Gewinne der Sowjets .

- möglicherweise
bestimmte
Widerstandsbewegungen
unterstützen,
die in Opposition zu den amerikanischen Interessen abträglichen
Regimen stehen. Eine solche Unterstützung wird mit Freunden und
Verbündeten koordiniert und kann
politische,
informatorische,
wirtschaftliche und militärische
Elemente enthalten.

Eine wirksame amerikanische Antwort auf diese Art der Kriegführung
erfordert den nationalen Willen zur
Aufrechterhaltung langfristiger Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind gegen die Ausdrucksformen
von Konflikten geringer
Intensität
mit einer harten Linie gegen den Terrorismus,
Unterstützung
demokratischer Widerstandsbewegungen und politischer, wirtschaftlicher sowie militärischer Hilfe für Entwicklungsländer vorgegangen, um diesen dabei zu
helfen, derartige
Herausforderungen
zu verhindern oder zu bekämpfen.
Die amerikanische Politik zur Behandlung von Konfliktsituationen geringer Intensität läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn es im
amerikanischen Interesse liegt, werden die Vereinigten Staaten

- Schritte unternehmen, um die Sowjets und andere von staatlich
gefördertem Abenteurertum
abzuhalten und den Preis für diejenigen zu erhöhen, die Stellvertreter oder terroristische und umstürzlerische Kräfte benutzen, um
in der Dritten Welt bestehende
Instabilität auszunutzen.
Die Strategien für Konflikte geringer Intensität, die zur Unterstüt-

- 25 -

�zung dieser Politik dienen, müssen
die Anwendung einer Reihe von Instrumenten zu deren Durchführung zwischen
verschiedenen
amerikanischen
Regierungsbehörden wie auch international
koordinieren. Zur Behandlung solcher
Konflikte können Instrumente aus den
Bereichen Wirtschaft, Politik und Informationswesen
sowie
Militärhilfe
genutzt werden.
Wirtschaftspolitik und Konflikte
geringer
Intensität:
Die
amerikanische Politik in bezug auf Konflikte
geringer Intensität erkennt die Tatsache an, daß langfristige politische
und wirtschaftliche Entwicklung die
der Instabilität in der Dritten Welt
zugrundeliegenden
Ursachen
abschwächen, zur Schädigung der Anziehungskraft
totalitärer Regime beitragen
und schließlich zu Bedingungen führen
wird, die
den
amerikanischen
und
westlichen
Interessen
förderlich
sind. Deshalb werden wir die Ausweitung des freien Handels, die Entwicklung privaten Unternehmertums sowie
die Erweiterung
und Unabhängigkeit
der lokalen Volkswirtschaften ermutigen. Diese Politik wird durch amerikanische
Entwicklungsund
Wirtschaf tshilfeprogramme
erleichtert.
Außerdem werden wir private Investitionen in der Dritten weit ermutigen,
wenn solche Investitionen ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
unterstützen .
Informationspolitik und Konflikte
geringer Intensität: Konflikte geringer Intensität sind politische Kämpfe, in denen Ideen genau so wichtig
sein können wie Waffen.
In diesem
Bereich besitzen wir bedeutende Vorteile gegenüber unseren Gegnern. Im
Gegensatz zu diesen besitzen wir ein
offenes politisches System, das auf
Grund von Kommunikation und Wahrheit
gedeiht.
Wir müssen jedoch sicherstellen, daß zutreffende Informatio- 2

nen über die amerikanischen Ideale
und Ziele in der gesamten Dritten
Welt erhältlich sind und daß die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt werden.
Politische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Wir sind
uns der Tatsache bewußt, daß andere
Staaten nicht notwendigerweise
die
gleiche
demokratische
Entwicklung
nehmen wie wir. Trotzdem streben wir
danach, die Entwicklung politischer
Systeme zu ermutigen, die die Rechte
des Einzelnen schützen und für repräsentative Regierungen, freie Institutionen und ein Umfeld sorgen, in dem
die Menschenwürde gedeihen kann, wir
tun dies teilweise durch unser eigenes Beispiel und durch die Verteidigung unserer ideale, wenn diese herausgefordert werden. Wir können die
Entwicklung humaner Gesellschaftsordnungen auch dadurch fördern, daß wir
Hilfe bei der Beseitigung von Bedrohungen der Sicherheit und von Ursachen leisten, die Unruhen und Instabilität zugrundeliegen.
Militärische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Der wichtigste Grundsatz
für die amerikanische Strategie bei der Behandlung
von Konflikten geringer Intensität,
die sich gegen unsere Freunde und
Verbündeten richten, besteht darin,
daß die militärischen Institutionen
in bedrohten Staaten dazu befähigt
werden müssen, die Sicherheit ihrer
Bürger
und Regierungen zu gewährleisten.
Die amerikanische Politik
in bezug auf solche Konflikte erkennt
deshalb die Tatsache an, daß die indirekte - eher als direkte - Anwendung
amerikanischer
militärischer
Macht der geeignetste und kostenwirksamste Weg zur Erreichung nationaler
Ziele ist.
Das wichtigste militärische Instrument bei Konflikten geringer Intensität ist deshalb die Mi-

�litärhilfe.
Die primäre Rolle der amerikanischen
Streitkräfte
in Konflikten
geringer Intensität besteht deshalb
in der Unterstützung und Begünstigung
des
Militärhilfeprogramms.
Die
Streitkräfte müssen auch dafür bereitstehen, direktere Formen der Militärhilfe zur Verfügung zu stellen,
wenn dies gewünscht wird. Meist besteht diese Hilfe in technischer Ausbildung und logistischer Unterstützung.
Die Teilstreitkräfte und gemeinsamen Kommandos müssen außerdem
bereit sein für die Durchführung von
Krisen- und
Befriedungsoperationen,
wenn
solche
Operationen
für
den
Schutz nationaler
Interessen nötig
sind.
Amerikanische
Kampftruppen
werden in Konflikte geringer Intensität nur als letztes Mittel eingreifen
und wenn vitale nationale Interessen
nicht auf andere Weise geschützt werden können.
Drogenhandel und Konflikte geringer
Intensität:
Der
Drogenhandel
kann, wo immer er auftritt, Gewalt
hervorbringen, Instabilität anheizen
und die Regierungsinstitutionen bedrohen. Die gigantischen Summen, die
durch den illegalen Verkauf von Drogen verdient werden und die damit
einhergehende Benutzung der internationalen Finanzwelt als Waschanlage
für die Erträge aus diesen Transaktionen können zu einer Art von Instabilität führen, die den Boden für
Konflikte geringer Intensität bereitet. Deshalb liefern unsere Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels
eine wichtige Unterstützung unserer
Bemühungen bei der Behandlung von
Konflikten geringer Intensität.

ringer Intensität darstellen.
Diese
Administration hat bedeutende Schritte unternommen, um politische Schritte zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus zu definieren und anzuwenden.
Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf Abschreckung, Prävention
und wirksame Reaktion auf internationale terroristische Anschläge. Unsere Politik in bezug auf Konflikte geringer Intensität geht jedoch darüber
hinaus und widmet sich dem umfangreicheren Problem der Unterstützung
von Gruppen und Regierungen, gegen
die der Terrorismus als subversive
Waffe benutzt wird.
Wir müssen erkennen, daß Konflikte geringer Intensität oft Kämpfe von
langer Dauer sind.
Außerdem haben
die meisten Machtmittel, mit denen
wir sie beeinflussen können, eine indirekte und sehr langfristig angelegte Wirkung.
Deshalb müssen wir bei
solchen
Auseinandersetzungen
Geduld
haben. Es ist wichtig, daß wir uns
behaupten, aber
es
ist
besonders
wichtig für uns, zu erkennen, daß
dies oft nicht so leicht oder schnell
möglich ist.
Andererseits besitzen
wir bedeutende Vorteile. Wir vertreten ein Modell politischer und wirtschaftlicher Freiheit, das Freiheit
von politischer Dominanz und wirtschaftlichem Mangel verspricht. Wenn
es uns gelingt, unsere eigene Sicherheit zu schützen und ein Umfeld von
vernünftiger Stabilität, offenem Handel und offener Kommunikation in der
gesamten Dritten Welt aufrechtzuerhalten, dann werden die politischen,
wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen Kräfte schließlich zu unseren
Gunsten arbeiten.

Terrorismus und Konflikte geringer Intensität: Unter gewissen Umständen kann der Terrorismus einen
wichtigen Aspekt bei Konflikten ge- 27 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Hintergrundmaterial

18. Februar 1987

EIN SIEG DER DEMOKRATIE IN NICARAGUA LIEGT AUCH IM INTERESSE EUROPAS
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister
der Vereinigten Staaten -

Die amerikanische Politik zu Nicaragua war im Jahr 1986 von Diskussionen
und Entscheidungen geprägt.
Im Frühjahr
und Sommer
fanden im
Kongreß
Debatten
zu
dieser
Frage
statt, woraufhin der Kongreß dem Vorschlag Präsident Reagans zustimmte,
dem nicaraguanischen Widerstand 100
Milionen Dollar an Hilfe zur Verfügung zu stellen. Gegen Ende des Jahres begannen die demokratischen Kräfte Hilfsleistungen zu erhalten, die
nach der Beendigung von Militärhilfe
durch den Kongreß um die Mitte des
Jahres 1984 nur noch unregelmäßig von

United States Information Service
Embassy of the United States of America

privaten
ren.

Quellen

weitergeflossen

wa-

Die Sowjets diskutierten 1986 nicht über Nicaragua. Sie hatten ihre
Entscheidungen zu Nicaragua ja schon
getroffen, als die Sandinisten noch
gar nicht an der Macht waren.
Für
sie war 1986 ein Jahr der Aktio- nen,
um dem Regime der Sandinisten bei der
Konsolidierung
seiner
Macht
zu
helfen.
Nach heutigen
Schätzungen
haben die Sowjets in den ersten elf
Monaten des Jahres 1986 mehr militärische Ausrüstung geliefert - 18 800

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Tonnen im Wert von 280 Millionen Dollar - als in irgendeinem Jahr davor.
Diese Lieferungen bestanden aus Waffen und Material für den Krieg der
Sandinisten gegen den demokratischen
Widerstand,
darunter
sechs
neue
Kampfhubschrauber vom Typ MI-24 HIND,
die von den Sowjets auch bei der Bekämpfung des Widerstandes in Afghanistan eingesetzt werden.
Die Sowjets sind weiterhin der einzige Lieferant der Sandinisten für Rohöl, so
wie der kommunistische Block insgesamt die einzige Quelle der Sandinisten für die Ausbildung von Militärs und inneren Sicherheitsdiensten
ist.
Die Sandinisten selbst haben im
Jahr 1986 nur wenig Diskussion zugelassen. Die Unterdrückung, unter der
die politische Opposition Nicaraguas
seit 1979
leidet, erreichte einen
symbolischen Höhepunkt, als die Zeitung La Prensa, das letzte Überbleibsel freier öffentlicher Meinungsäußerung, im Juni geschlossen wurde. (Die
Medien der Katholischen Kirche, Radio
Catolica und die Zeitschrift Iglesia,
waren schon vorher zum Schweigen gebracht worden.)
An der militärischen Front fuhren
die Sandinisten mit dem Bau des Luftwaffenstützpunktes Punta Hueta fort,
einer
Einrichtung, die
für
jedes
Kampf-, Transport- oder
Bombenflugzeug des sowjetischen Arsenals geeignet ist.
(Diese Basis würde es sowjetischen
Langstreckenüberwachungsmaschinen
gestatten,
entlang
der
Westküste der Vereinigten Staaten zu
patrouillieren, so wie durch sowjetische Einsätze von Cuba aus heute die
Atlantikküste der Vereinigten Staaten
überwacht wird.) Die Sandinisten haben die Grenzen ihrer Nachbarstaaten
Hunderte
von
Malen
überschritten,
aber
zwei
größere
Einfälle
nach
Honduras im März und Dezember haben

erregten weithin Aufsehen. Im Dezember waren nicht nur die Widerstandskräfte das Ziel der Sandinisten, sondern die honduranische Armee selbst.
All diese Aktivitäten in einem
Land, das so klein wie Nicaragua ist,
weist auf die große Bedeutung hin,
die dem Ausgang dieses Konflikts beizumessen ist, bietet Nicaragua den
Sowjets doch die Möglichkeit, eine
zweite große Basis im karibischen
Raum zu konsolidieren.
Die Sowjets
bezeichnen seit langem dieses Gebiet
als den "strategischen Rücken" der
Vereinigten Staaten - ein Gebiet, in
dem politische, wirtschaftliche und
militärische Konflikte amerikanische
Aufmerksamkeit
von anderen strategischen Interessen ablenken und Amerikas
Fähigkeit
zur
Verteidigung
westlicher Interessen in anderen Teilen der Welt begrenzen können. Dies
erklärt, warum die Sowjets und ihre
Verbündeten seit 1979 so viel in die
Sandinisten investiert haben.
Für
die
Sandinisten
ist
die
Festigung ihrer Macht nach innen lebensnotwendig für die Erfüllung ihrer
ideologischen Mission:
als "Avantgarde" nach
innen die "sozialistische" Umgestaltung
der nicaraguanischen Gesellschaft anzuführen und
als "Internationalisten" im Ausland
kommunistischen
Revolutionären
in
Nachbarstaaten Hilfe zu leisten, wie
etwa den Guerillas in El Salvador und
der M-19 in Kolumbien. Diese Rollen
werden als untrennbar angesehen. Wie
einer der sandinistischen Commandantes einmal sagte: "Wir können nicht
aufhören, Internationalisten zu sein,
wenn wir nicht aufhören, Revolutionäre zu sein."
Das Schicksal Nicaraguas ist für
die westlichen Demokratien sowohl aus
strategischen als auch aus moralischen Gründen von Bedeutung.
Eine

�neue sowjetische Machtbasis in der
Karibik wird eine neue Bedrohung für
die lebenswichtigen Seewege darstellen, die für 60% des amerikanischen
per Schiff transportierten Nachschubs
an die NATO-Verbündeten in einer Krise benutzt würden. Die Festigung der
Macht der Sandinisten würde für die
benachbarten Demokratien eine dauernde Bedrohung darstellen und für die
demokratischen Hoffnungen in Nicaragua selbst den Tod bedeuten. An einem einst von Diktaturen geprägten
Isthmus bildet Nicaragua eine traurige,
bedrohliche
Anomalie, während
sonst allgemein ein Prozeß der Demokratisierung stattfindet.
Als im Jahr 1986 der Kongreß seine
Debatte
zu Nicaragua
abhielt,
herrschte zwischen dem Kongreß und
der Administration schon seit langem
Einverständnis über die grundlegenden
Ziele der Vereinigten Staaten in Mittelamerika:
die
Errichtung
neuer
Stützpunkte der Sowjetmacht zu verhindern,
Nicaraguas
Nachbarn
zu
schützen und die Demokratie in der
gesamten Region zu fördern. Die Natur und die Absichten der Sandinisten
konnten
nicht
länger
angezweifelt
werden.
Jahrelange
innenpolitische
Unterdrückung, Beweise für Subversion
und ihre diplomatische Unnachgiebigkeit in der Vergangenheit hatten alle
Illusionen zerstört, die Sandinisten
seien
Sozialdemokraten,
die
ein
blockfreies, demokratisches und nationalistisches
revolutionäres
Programm durchführten.
Zum ersten Mal
beschäftigte die Debatte sich nicht
damit, wer die Sandinisten sind, sondern damit, welche Schritte die Vereinigten Staaten unternehmen sollten,
um auf die Bedrohung zu reagieren,
die sie für die westlichen Interessen
darstellen.
Und
zum
ersten
Mal
stimmte der Kongreß mit der Einschätzung Präsident Reagans überein, daß
bedeutende Militärhilfe für die Kräf-

te der Demokratie in Nicaragua für
die Sache von Frieden und Gerechtigkeit in Mittelamerika unabdingbar sei.
Das Mittel der Militärhilfe an
den demokratischen Widerstand Nicaraguas war weder für den Kongreß noch
für
die Administration
die
erste
Wahl. Sie wurde jedoch in einer Atmosphäre als unentbehrlich angesehen,
in der die Sandinisten alle Möglichkeiten
für eine Verhandlungslösung
des inneren Konflikts in Nicaragua
zunichte gemacht hatten.
Im Juni
1986 verkündete Präsident Ortega, daß
jeder
Nicaraguaner, der
es wagen
sollte, die nicaraguanische Krise als
inneren Konflikt zwischen Nicaraguanern zu bezeichnen, "als Komplize der
terroristischen
Politik der amerikanischen Regierung handelt" und dafür "zur Verantwortung gezogen" würde.
Auf
diplomatischen
Kanälen
stellten die Sandinisten ihre Absicht
klar, jede Friedensregelung abzulehnen, die das politische System in Nicaragua öffnen und ihr Machtmonopol
bedrohen könnte. (Gleichzeitig betonten sie weiterhin ihre Unterstützung
des CONTADORA-Prozesses, obwohl die
Ziele der CONTADORA-Gruppe Vereinbarungen fordern, die sowohl Frieden
wie auch Demokratie garantieren.)
Tatsächlich bildete das Machtmonopol der Sandinisten die Wurzel des
nicaraguanischen Konflikts, und dies
ist auch weiterhin der Fall.
Nach
einem harten Freiheitskampf im Jahr
1979 ersetzten die Sandinisten Somoza
durch eine Regierung, die Demokratie
und Pluralismus versprach. Nach sieben Jahren der Herrschaft durch die
Sandinisten sieht das nicaraguanische
Volk, daß seine Revolution verraten
wurde. Eine Diktatur wurde mit einer
noch schlimmeren vertauscht, die die
Zukunft ihres Landes an die Sowjetunion verkauft hat. Sie haben ihre
Hoffnung auf Demokratie nicht aufge-

- 3 -

�geben, und sie sind mehr denn je dazu
bereit, für die Freiheit zu kämpfen,
die ihnen im Jahr 1979 greifbar nahe
war. Wie Präsident Jose Azcona Hoyo
von Honduras beobachtete:
"Es kann
keinen Frieden geben, selbst wenn die
Sandinisten ihre gesamte Artillerie
und ihre Kampfhubschrauber in den Managua-See werfen, wenn in Nicaragua
keine demokratische Öffnung stattfindet.
Das nicaraguanische Volk, sowohl im Innern wie auch im Ausland,
wird weiterhin
für seine Freiheit
kämpfen..."
Die Lösung liegt also in der Demokratisierung Nicaraguas.
Eine demokratische
Regierung
in Nicaragua
wird Frieden und Gerechtigkeit bringen, wird das ursprüngliche Versprechen der Revolution von 1979 erfüllen
und gleichzeitig den moralischen und
strategischen Interessen des Wetens
dienen. Die Rechte der Nicaraguaner
würden geschützt und die Bedrohung
für die Sicherheit der benachbarten
Demokratien
würde
beendet
werden.
Der Gefahr neuer Stützpunkte zur Verlagerung
der
sowjetischen Militärmacht in eine Region, die lebenswichtig für die Sicherheit des Westens
ist, würde ebenfalls ein Ende bereitet.
Solange die Sandinisten ein militärisches Machtmonopol besitzen, werden sie einer unbewaffneten Opposition, die ihre totalitäre Ausrichtung
ablehnt, keine politische Freiheit
zugestehen.
Die
Entscheidung
der
amerikanischen Regierung, den bewaffneten
Widerstand
zu
unterstützen,
wird dieses Monopol brechen und dem
Widerstand dabei helfen, die Sandinisten dazu zu zwingen, eine Wahl zu
treffen: ihre Versprechen einzuhalten
und volle demokratische Freiheiten zu
gewähren
oder
einer
Volksbewegung
nachzugeben, die sie dazu zwingt, die
Macht aufzugeben.

Kann sich der Widerstand durchsetzen?
Beim Widerstand gegen die Tyrannei der Sandinisten haben die Nicaraguaner großen Mut und Entschlossenheit gezeigt.
Die freien Gewerkschaften und politischen Parteien haben ihre Arbeit fortgesetzt obwohl
die
Sandinisten
ihre
Mitglieder
zwecks Einschüchterung ins Gefängnis
werfen.
Die Sandinisten haben die
Katholische
Kirche behindert
indem
sie
ihre Vermögen
beschlagnahmten,
Seminaristen zum Wehrdienst einzogen
und Mitglieder des Klerus auswiesen.
Aber die Kirche setzt ihre Arbeit unerschrocken
fort.
Die Sandinisten
strangulieren
die
Privatwirtschaft
durch
staatliche Kontrollen.
Aber
die Unternehmer verteidigen weiterhin
ihr Recht auf wirtschaftliche Freiheit, über 20 000 Nicaraguaner haben
zu den Waffen gegriffen in der größten aufständischen Bewegung in der
Geschichte Lateinamerikas, einer demokratischen Revolte, die größer ist
als alle kommunistischen Untergrundbewegungen im heutigen Lateinamerika
zusammengenommen.
Die Frage ist nicht, ob sich das
Volk von Nicaragua durchsetzen kann,
sondern ob die freie Welt die Geduld
und Beharrlichkeit besitzt, sie während dieses langen Weges zu unterstützen.
Der nicaraguanische Widerstand braucht Zeit. Sein Gegner ist
eine
kommunistische
Regierung, die
sieben Jahre Zeit hatte, um ihre Kontrolle durch Geheimpolizei, Blockkomitees, die volle Kontrolle der inländischen Informationsmedien und die
größte Militärmacht in Mittelamerika
zu konsolidieren.
Durch diese totalitäre Kontrolle bieten die Sandinisten ein wesentlich schwierigeres
Ziel als dies bei Somoza im Jahr 1979

�der Fall war.
Die
Sandinisten
sind
jedoch
grundsätzlich verletzbar. Ihre Armee
ist keine nationale Armee sondern die
Parteiarmee der Sandinisten - sie ist
auf Zwangsrekrutierung aufgebaut und
wird
von
Desertionen
heimgesucht.
Das nicaraguanische Volk ist nicht
loyal gegenüber einer Revolution, die
ihren Glauben und ihre Werte mit den
Füßen tritt, den Nationalismus durch
die Einladung zu ausländischer Okkupation
pervertiert, die Wirtschaft
ruiniert, die benachbarten Demokratien unterwandert und im eigenen Land
einen
Bürgerkrieg
schafft.
Diese
Faktoren sind für das schnelle Anwachsen des Widerstandes verantwortlich und gewähren Unterstützung von
Seiten des Volkes, um viele Monate
tief innerhalb Nicaraguas operieren
zu können. Effektive politische Arbeit und verstärkte militärische Aktivität wird noch mehr Nicaraguaner
für diesen Kampf gewinnen.
Der Sieg der Demokratie in Nicaragua wird mehr als dem Eigeninteresse der Nicaraguaner dienen, die die
Freiheit wünschen - er wird weitergespannten wstlichen Interessen der Sicherheit
und
der
Ausbreitung
der
Freiheit
dienen.
Die Nicaraguaner
sind bereit, den Kampf auf sich zu
nehmen und bitten lediglich um Material von ihren Freunden.
Sicherlich
können wir es uns leisten, ihnen dies
sowie Verläßlichkeit und Geduld zu
gewähren. Wenn wir uns nicht in der
Zukunft einer schwereren Krise zu höheren Kosten aussetzen wollen, dann
können es sich die Vereinigten Staaten in der Tat nicht leisten, diese
Hilfe nicht zu gewähren.
So wie die Niederlage einer Demokratie die Gemeinschaft der Demokratien verkleinert, werden alle freien
Völker vom Erfolg neuer Demokratien

bereichert.
Die Ausdehnung demokratischer Freiheit über ganz Lateinamerika ist ein Erfolg, über den sich
alle Demokraten freuen sollten. Sie
ist eine historische Entwicklung, in
der sich für Lateinamerikaner die Erfüllung
eigener
Ideale
ausdrückt,
aber in einigen Fällen hat internationale Unterstützung beim Umschwung
zu einer gewählten Regierung mitgewirkt.

El Salvador ist ein gutes Beispiel
Das Jahr 1979 bezeichnete den Beginn der Hinwendung El Salvadors zur
Demokratie.
In den ersten Jahren
dieses
Experiments
glaubten
viele
gutinformierte und erfahrene Beobachter, daß die salvadoranische Demokratie nicht überleben würde. Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Spannungen
seien
zu
groß.
Trotz der Anstrengungen ziviler Reformer
forderte
der
heimtückische
Krieg
der kommunistischen
Guerilla
einen hohen Zoll.
Die
Demokratie
hatte
mächtige
Feinde. Aber die Demokratie hatte in
El Salvador
auch Verbündete.
Das
salvadoranische Volk
selbst
zeigte
immensen Mut und Hartnäckigkeit. Demokraten in der gesamten Hemisphäre
halfen der Salvadoranern beim Aufbau
der Wirtschaft, dem Schutz ihrer Demokratie und Verteidigung gegen die
Kommunisten.
Heute halten die Kämpfe in Teilen
von El Salvador an, aber Präsident
Duarte und seine zivile christdemokratische
Regierung hat bedeutende
Fortschritte erzielt. Seit 1982 hat
das Land eine Reihe freier und geplanter Wahlen abgehalten, von denen
eine jede die schon erreichten demokratischen
Fortschritte
verstärkte.
Die zivilen Institutionen nehmen an

- 5 -

�Stärke zu.
Die politische Gewalt
wurde stark zurückgedrängt und nimmt
weiter ab.
Der politischen Opposition wird die freie Meinungsäußerung
gestattet - im Parlament, in der
Presse, in Gewerkschaften und Demonstrationen auf der Straße.
Das
vielleicht
hoffnungsvollste
Zeichen für den Erfolg der Demokratie
ist die Rückkehr von Exilanten. Salvadoraner, die ihre Heimat verlassen
hatten, weil freie Meinungsäußerung
ihr Leben gefährdete, sind in das
Land zurückgekehrt, um ihre Zukunft
innerhalb des demokratischen Prozesses abzustecken.
Einige von ihnen
waren einst der Überzeugung gewesen,
daß die gewaltsame Revolution die
einzige Antwort sei.
Der Erfolg der Demokratie in El
Salvador birgt in sich eine Lehre:
wenn Demokraten ihre Werte verteidigen, sich zusammenschließen und geduldig daran arbeiten, können sie Ergebnisse erzielen.
Heute besteht die größte Herausforderung für die Freiheit in Mittelamerika in Nicaragua - eine gänzlich
andere Situation als in El Salvador
in den Jahren 1980-1982 und ein Fall,
auf den die Lehre der demokratischen
Solidarität erst noch angewendet werden muß.

Das erste Problem - die direkte
Herausforderung
für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten - ist nichts,
wo die Europäer sehr viel tun könnten.
Mittelamerika und die Karibik
sind weit von Europa entfernt und den
Vereinigten Staaten nah.
Sichelich
muß die Hauptverantwortung für die
militärische
Sicherheit
im Karibischen
Becken
bei
den
Vereinigten
Staaten liegen. Daß die Vereinigten
Staaten andere Mittel als eine militärische Intervention gewählt haben,
um den sowjetischen Versuch, dort die
beherrschende Macht zu werden, zu
durchkreuzen mag für einige beruhigend sein, aber bei dem besonderen
militärischen Problemann Europa verständlicherweise keine wichtige direkte Rolle spielen.
Das zweite Problem - die Zukunft
der Demokratie in Nicaragua und seinen Nachbarstaaten - ist jedoch derart, daß Europa eine entscheidende
Verantwortung trägt. Und es ist eine
Herausforderung, von der Europa sich
nur abwenden kann mit dem Risiko, die
ideelle Kraft hinter der atlantischen
Zusammenarbeit
aufzugeben.
Es ist
die Demokratie, die unserem gemeinsamen Kampf gegen Faschismus und totalitäre Übergriffe den Sinn verliehen
hat.
Es ist Zeit zu erkennen, daß
Demokratie
kein westliches Monopol
ist, daß nur von guten bürgerlichen
Würdenträgern genossen werden soll.

Was hat all dies mit Europa zu tun?
Eine ganze Menge.
Der Ausgang
des Freiheitskampfes in Nicaragua betrifft zwei grundlegende europäische
Interessen. Das erste ist die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, Europas wichtigstem Partner im
atlantischen Bündnis. Das zweite ist
die Zukunft der Demokratie, was Impetus und bindende Kraft für das atlantische Bündnis selbst darstellt.

Amerikanern ist es oft schwergefallen zu verstehen, warum einige Europäer Nicaragua so viel Hilfe gewährt haben lange nachdem der Verrat
der demokratischen Werte durch die
Sandinisten
der
Welt
klargeworden
ist. Im Jahr 1985 ging zum Beispiel
über die Hälfte der von der Europäischen Gemeinschaft an Mittelamerika
gewährten Hilfe an das totalitäre Nicaragua, nicht an die Demokratien.

�Die mittelamerikanischen Demokratien
werden durch Zeichen ermutigt, daß
dieses Verhaltensmuster nun umgekehrt
wird.
Der Siegeszug der Demokratie in
ganz Lateinamerika ist eine dramatische historische Entwicklung
und
eine mächtige Kraft, die die verbleibenden Diktaturen in der Region bedrängt,
ihrem Volk
die
Regierung
selbst zu überlassen.
Umgeben von
Demokratien,
darunter
drei
neuen,
fühlen
die
Sandinisten
Nicaraguas
diesen Druck jeden Tag.
Ihre demokratische Maske hat das nicaraguanische Volk
nicht getäuscht.
Wie
Violeta de Chamorro, die Besitzerin
von La Prensa, Präsident Ortega in
einem Schreiben kurz nach der Schließung ihrer Zeitung durch die Sandinisten mitteilte: "....Das nicaraguanische Volk
verliert seinen Freiheitsgeist nicht und wird in selbst
in den schlimmsten Gulags, die Sie
sich ausdenken mögen, niemals verlieren."
Amerikaner und Europäer haben
allen
Grund,
dem
nicaraguanischen
Volk beizustehen, ihm zu helfen, seine Freiheit zu erringen und sich seinen Nachbarn in einer neuen Ära der
demokratischen Entwicklung in Mittelamerika anzuschließen.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
18. Februar 1987

LEISTUNGSFÄHIG FÜRS 21. JAHRHUNDERT
Forscher als Partner der Industrie - Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts -

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit Präsident Reagans "Botschaft
zur Lage der Nation" veröffentlichte
das Weiße Haus Informationsmaterial
über einen dem US-Kongreß zugeleiteten Katalog von Maßnahmen und Vorschlägen zur Niveauverbesserung auf
wichtigen
Gebieten
des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Sie sind darauf abgestellt, für die Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts besser gewappnet
zu sein und Chancen besser zu nutzen.
Die
überlegene
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas in der Weltwirtschaft sei

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von größter Bedeutung für den Lebensstandard und die nationale Sicherheit, heißt es in der Faktensammlung.
Der Präsident strebe mit Regierungsmitteln ein Sechs-Pnkte-Programm an,
das helfen solle, ein hohes Leistungsniveau bis weit in das nächste
Jahrhundert hinein zu halten.
Vor
allem in die menschlichen Ressourcen
müsse mehr als bisher investiert werden.
Deshalb sei es u.a. erforderlich,
die Schul- und Bildungsreform fortzusetzen, Flexibilität am Arbeitsplatz

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�durch Umschulungsmaßnahmen, aber auch
die Mobilität der Arbeitskräfte zu
fördern. Desgleichen müsse die Weiterentwicklung von Naturwissenschaften und Technik unterstützt werden.
Dies geschehe nicht nur durch Verdoppelung des Budgets der Nationalen
Wissenschaftsstiftung
("National
Science Foundation"-NSF) im Verlauf
der nächsten fünf Jahre, sondern auch
durch die Schaffung neuer Wissenschafts- und Technologiezentren unter
gemeinsamer Regie von Staat und Privatwirtschaft, durch die Förderung
universitärer und industrieller Austauschprogramme
für
Wissenschaftler
und Ingenieure aus der Industrie und
deren zeitweilige Mitarbeit in Nationalen
Forschungslaboratorien.
Die
Zentren sollen an Universitäten eingerichtet werden und interdisziplinären Charakter haben.
Man wird sich
dort auf Grundlagenforschung konzentrieren, die direkte Beiträge zur
wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit
liefern
kann.
Insbesondere sollen
langfristige
naturwissenschaftlichtechnische Projekte auf Gebieten wie
Robotertechnik für die automatisierte
Fertigung
und die Mikroelektronik,
zur Verarbeitung
neuer
Materialien
und auf dem weiten Feld der Biotechnologie durchgeführt werden.
Durch
Regierungserlaß wird
die
Industrie
Zugang
zu
bundeseigenen
Wissenschafts- und
Technologieentwicklungen erhalten. Damit wird auch
der Informationsfluß von der Forschung
zur Industrie beschleunigt.
Wissenschaftler in bundeseigenen Laboratorien werden ermutigt, sich über
Patentrechte und Lizenzvergabe um die
Kommerzialisierung
ihrer Arbeit zu
bemühen, damit auch der private Sektor und die Masse der Konsumenten davon profitieren können. Die Beratertätigkeit
für die Wirtschaft soll
ausgebaut werden.

- 2

über
"Wissenschaftsunternehmer"
mit Verbindungen zu Laboratorien und
Wirtschaft, zu Wagniskapital und Universitäten will man den Technologietransfer und die Nutzbarmachung von
Spin-off-Produkten und Verfahren aus
Forschungs- und
Entwicklungsprogrammen von Bundeslaboratorien fördern.
Auf Weisung des Präsidenten werden
außerdem die amerikanischen Bundesministerien für Landwirtschaft, Handel,
Energie, Gesundheit und soziale Dienste, ferner die US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) ein "Technologie"-Teilhabeprogramm"
in
Angriff
nehmen.
Es beinhaltet
mehrjährige
gemeinsame Projekte aus der reinen
und angewandten Forschung durch Konsortien
amerikanischer
Firmen
und
Universitäten.
Damit die Industrie und die akademische Welt in den USA auch von
ausländischer Forschung und Technologie profitieren können, werden das
Außen- und
Handelsministerium
sowie
die NSF einen geeigneten Mechanismus
entwickeln, der gewährleistet, daß
entsprechende
Informationen
sofort
und effizient verfügbar werden. Auch
wird das Außenministerium für Wissenschaftler und Ingenieure aus Bundesbehörden, von Universitäten und aus
der Industrie Möglichkeiten schaffen,
um an amerikanischen Botschaften im
Ausland tätig zu sein.
Präsident Reagan schlägt vor, die
Grundlagenforschung, die seit 1981
bereits eine zusätzliche Förderung um
47 Prozent erfuhr, mit Regierungsgeldern künftig noch mehr zu unterstützen.
Im Haushaltjahr 1988 sind in
den um 12 Prozent angehobenen Mitteln
für Forschung und Entwicklung vier
Prozent für Grundlagenforschung vorgesehen.
Als Schwerpunkte von Forschungsund Entwicklungstätigkeit gelten:

�- Konstruktion
station;

und Bau einer

- Lithiumbatterien, die im Volumenoder Gewichtsvergleich eine fünfbis zehnfache Kapazität zum Speichern von Energie haben;

Raum-

- Entwicklung eines Raumflugzeuges;
- Radar
höchster
Zuverlässigkeit
für Kontrollsysteme der Luftfahrt
und für kommerzielle Flugzeuge;

- Weiterentwicklung von Raumfahrttechniken
für
nichtmilitärische
Zwecke auf der Basis bereits existierender Technologie im Interesse der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum;
- weltweites
geowissenschaftliches
Forschungsprogramm, bei dem von
vornherein unser Planet samt Meeren und Atmosphäre als Ganzes
verstanden wird;
- Pflanzenforschungsprogramm,
das
auf die Verbesserung der Qualität
landwirtschaftlicher Produkte abzielt;
- verbesserte Fertigungstechniken;
- superschnelle
kreise;

integrierte Schalt-

- detaillierte Entschlüsselung und
Sequenzbestimmung
des
menschlichen Erbmaterials DNS.
Vom
US-Verteidigungsministerium,
dem in diesem Jahr etwa 17 Prozent
mehr Mittel für Forschung und Entwicklung,
Erprobung
und
Bewertung
(mehr als das Doppelte seit 1982) zur
Verfügung stehen sollen, fordert Präsident Reagan mehr Anstrengungen zu
einer beschleunigten Umsetzung seiner
Entwicklungen in "Spin-off"-Produkte
für die nichtmilitärische Anwendung.
Es werden folgende Schwerpunkte genannt:
- keramische Verbundmaterialien
leistungsfähigere Automotoren
Turbinen;

für
und

- Enzyme für bessere Verfahren zur
Beseitigung toxischer Abfälle und
zur Dekontaminierung.
Auch aus dem SDI-Programm dürften
sich wichtige Nebenprodukte für die
allgemeine Forschung und Entwicklung
ergeben, wie es schon beim APOLLO—
und Raumtransporterprogramm der Fall
war.

Appell an die Jugend
Zum ersten Jahrestag des CHALLENGER-Unglücks, bei dem am 28. Januar 1986 sieben amerikanische Astronauten ihr Leben verloren, kündigten
die Familien der Toten an, zum Gedächtnis ihrer Angehörigen ein "CHALLENGER-Zentrum" in Houston mit Zweigstellen im ganzen Land einrichten zu
wollen. Diese Zentren sollen der Jugend Ansporn geben und Informationen
über die vielfältigen Gebiete von
Raumfahrttechnik und Weltraumwissenschaften
vermitteln.
Schulkinder
sollen gemeinsam mit ihren Lehrern
mit Geräten arbeiten, selbst Experimente durchführen und sich mit Raumfahrttechnik vertraut machen können.
Präsident Reagan griff die Anregung auf und erklärte in einer Proklamation zum CHALLENGER-Jahr: "...Eines der Ziele der CHALLENGER-Mission
ist
es
gewesen,
wissenschaftliche
Aufgaben im Weltraum direkt ins Klassenzimmer zu bringen."
Die Jugend
solle motiviert werden, sich für Naturwissenschaften zu begeistern und

- 3 -

�Hervorragendes
zu leisten.

in

deren

Disziplinen

Inzwischen gab die Nationale Wissenschaftsstiftung bekannt, mit einem
großangelegten Programm zur Verbesserung der Lehrpläne in den Elementarund Sekundärschulen beizutragen und
naturwissenschaftlich
interessierte
Jugendliche in den höheren Klassen
der Oberschulen besonders zu fördern.
Die
frühzeitige
Ermutigung
aller
Schüler für Kernfächer durch logisch
aufgebaute Lehrpläne sei dabei ein
ganz kritischer Punkt.
Den einzelstaatlichen und lokalen Schulbehörden
sollen baldmöglichst Vorschläge zur
Reform der Lehrpläne für die ersten
Schuljahre gemacht werden, damit die
Schüler - für die Mehrzahl sei dies
erforderlich - in der Oberschule den
Anforderungen der naturwissenschaftlichen Fächer auch wirklich gewachsen
seien.
Schulbuch- und Lehrmittelverlage seien besonders gefordert, Material anzubieten, das Lehrer und Schüler
gleichermaßen
in
seinen
Bann
zieht.
Begabten Oberschülern werde
u.a. die Möglichkeit geboten, an einigen von der Bundesregierung mitfinanzierten Forschungslaboratorien zu
hospitieren.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan Administration an den Kongress - Teil IV&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Sieg der Demokratie in Nicaragua liegt auch im Interesse Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams, Stellvertretender Außenminister der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungsfähig fürs 21. Jahrhundert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forscher als Partner der Industrie - Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN ^

2 5 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen
Reqierung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987, herausgegeben
vom Weißen Haus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen
- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8

25. Februar 1987
"BEUNRUHIGENDE" MENSCHENRECHTSSITUATION IN SÜDAFRIKA
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen eines Pressegesprächs am 19. Februar 1987
hat der Abteilungsleiter für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Schifter, die "sich zuspitzende Verschlechterung der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika" als die "beunruhigendste Entwicklung" im Bereich der Menschenrechte im Jahr 1986 bezeichnet. Dieser Bericht, der am 19. Februar 1987 veröffentlicht wurde, behandelt
die Lage der Menschenrechte in 167 Staaten.
In seiner Eingangserklärung betonte Schifter, daß die frühzeitige Entlassung einiger politischer Gefangener in der Sowjetunion aus "rein humanitären
Gründen" begrüßenswert sei. Jedoch seien dieser und andere Schritte innerhalb
der neuen Politik der Offenheit "bei weitem noch nicht die Freiheit".
Schifters Eingangserklärung hat folgenden Wortlaut:

Als ich aus Anlaß der Veröffentlichung des Berichts zur Situation
der Menschenrechte 1985 das letzte
Mal hier erschienen bin, konzentrierten sich viele der gestellten Fragen
auf die Philippinen. Dort hatten gerade die Wahlen stattgefunden, die
Stimmen wurden ausgezählt, und Präsident Marcos war noch an der Macht.
Ich war damals der Meinung, daß wir
unser Vertrauen in das philippinische
Volk setzen sollten. Die Ereignisse
des vergangenen Jahres haben gezeigt,
daß das Volk der Philippinen sich

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durchgesetzt hat.
Vor
ihm liegen
noch eine Menge Probleme, aber die
Demokratie und die Achtung der Menschenrechte haben in den Philippinen
neue und starke Wurzeln geschlagen.
Auch der Diktatur in Haiti wurde
im Jahr 1986 ein Ende bereitet. Zwar
hat sich dort noch keine demokratisch
gewählte
Regierung etabliert, aber
der Nationale Regierungsrat hat die
Meinungs- und Assoziationsfreiheit in
Haiti
effektiv
gewährleistet.
Es
werden dort Schritte unternommen, um
demokratische Institutionen in einem

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�Land aufzubauen, das noch nie solche
gekannt hat. Dem gegenwärtigen Zeitplan zufolge erwarten wir, daß bis
Februar 1988 eine gewählte Regierung
gebildet wird.
Dies heißt aber nicht, daß die
Probleme
der künftigen Regierungsstruktur
Haitis
einzige
Probleme
sind.
Das schwierigste Problem besteht in der Armut und der schwachen
Wirtschaft, die in diesem Lande herrschen. Es bleibt noch viel zu tun,
um die Demokratie in Haiti auf eine
solide Grundlage zu stellen.
Ein weiteres Land, in dem im Jahr
1986 bedeutende Fortschritte bei den
Menschenrechten erzielt wurden, ist
Guatemala.
In ordnungsgemäßem Übergang von einem Militärregime zur ersten demokratisch gewählten Zivilregierung seit 20 Jahren traten nach
den Wahlen des Jahres 1985 Präsident
Cerezo, ein nationales Parlament und
330 Bürgermeister am 14. Januar 1986
ihre Ämter an. Obwohl auch Guatemala
aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, willkürlichen Gewaltakten
und Nachwirkungen von Menschenrechtsverletzungen mit Problemen zu kämpfen
hat, verdient die neue Demokratie Respekt und Anerkennung.
Andernorts in der westlichen Hemisphäre sind wir weiterhin besorgt
über
die Menschenrechtsprobleme
in
Chile, Cuba, Nicaragua, Paraguay und
Surinam.
Die
beunruhigendste
Entwicklung
im Bereich der Menschenrechte im Jahr
1986 bestand natürlich in der scharfen Verschlechterung
der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika in der
zweiten Jahreshälfte.
Zum seit langem bestehenden Problem der Apartheid
kam der am 12. Juni 1986 verhängte
Ausnahmezustand
hinzu, der
seitdem
noch ständig verschärft worden ist.
- 2

Schätzungen zufolge wurden unter dem
Ausnahmezustand 20 000 Personen festgenommen, von denen 10 000 am Jahresende immer noch in Haft waren. Eine
große Zahl der Verhafteten sind unter
18, einige davon sogar unter 15 Jahre
alt.
Wir sind weiterhin tief besorgt
darüber, daß Südafrika der Mehrheit
seiner Staatsbürger die grundlegenden
Menschenrechte verweigert. Wir sehen
weiterhin den Dialog zwischen allen
Südafrikanern als einzigen Weg an, um
einen positiven Wandel herbeizuführen.
Die Erfahrung des vergangenen
Jahres hat, wie wir glauben, gezeigt,
daß Gewalt zu Gegengewalt und Unterdrückung führt, welche wiederum noch
mehr Gewalt und Unterdrückung hervorrufen - all dies zu einem erschrekkenden Preis an Menschenleben.
Wir
sind von der tiefen Hoffnung erfüllt,
daß sich die Südafrikaner von dem
selbstzerstörerischen Kurs abwenden,
auf dem sie sich zu befinden scheinen, um sich wieder der Suche nach
einer friedlichen Lösung zu widmen.
In Europa haben wir mit Befriedigung die Freilassung der politischen
Gefangenen in Polen zur Kenntnis genommen. Wir werden Ihnen später noch
ausführlich zu diesem Problem Bericht
erstatten.
Obwohl unser umfassender Bericht
sich auf das Jahr 1986 erstreckt,
können wir jedoch heute nicht die
Entwicklungen bei den Menschenrechten
außer acht lassen, die sich seit Beginn dieses Jahres ergeben haben.
Lassen Sie mich deshalb kurz zu den
jüngsten Ereignissen in der Volksrepublik China und in der Sowjetunion
Stellung nehmen.
Die Regierung der Volksrepublik
China hat vor einigen Jahren gewisse
grundsätzliche Entscheidungen getrof-

�fen, um die Effizienz und Produktivität ihrer Volkswirtschaft zu steigern.
Sie faßte den richtigen Entschluß, daß ein weniger zentralisiertes und offeneres System, ein System,
das auf Anreizen basiert, zur Erhöhung der Produktion notwendig ist.
Politische Offenheit wurde mit dieser
neuen
wirtschaftlichen
Offenheit
nicht verbunden. Diese hat sich jedoch schrittweise als unvermeidliche
Konsequenz aus der Lockerung der Kontrollen entwickelt.
Sie hat verständlicherweise auch einer Reihe von
insbesondere jungen Leute Appetit gemacht, die neuen Geschmack an der
Freiheit des Ausdrucks gefunden haben. Dies drückte sich ganz klar in
den
jüngsten
Demonstrationen
aus.
Wir bedauern die Schritte, die dagegen unternommen wurden.
Dies sind
Rückschritte und wir hoffen ernstlich, daß mit der Zeit der Trend zu
mehr Offenheit und größerer Freiheit
wieder sichtbar werden wird.
Wir hegen die gleiche Hoffnung in
bezug auf die Sowjetunion. Wir glauben nicht, daß die Geschichte irgendein Volk zu ewig autoritärer Herrschaft verdammt hat. Die natürliche
Sehnsucht des Menschen nach Freiheit
muß sich unvermeidlich durchsetzen,
wie auch immer die Weltanschauung der
Regierung oder kulturelle Hemmnisse
beschaffen sein mögen. Hierzu möchte
ich auch betonen, daß es enorm wichtig ist, die jüngsten Initiativen von
Generalsekretär
Gorbatschow
richtig
einzuschätzen. Wir sollten das, was
geschehen
ist,
weder
unter- noch
überschätzen.
Die Haftentlassung von Personen
vor Ablauf der regulären Haftzeit muß
aus rein humanitären Gründen begrüßt
werden.
Sie beendet die Leiden der
unmittelbar Betroffenen, ihrer Familien und Freunde.
Die Politik des
Glasnost hat ebenso das Spektrum kul-

turellen Ausdrucks etwas
erweitert
und eine etwas größere Bandbreite der
Informationen über Ereignisse innerhalb der Sowjetunion geschaffen sowie
für einen Großteil normaler Sowjetbürger etwas mehr Spielraum zugelassen. Aber dies ist bei weitem noch
nicht die Freiheit.
Wir stellen überdies fest, daß
die entlassenen Gefangenen dazu gezwungen wurden, Schuldeingeständnisse
und Versprechen
zu unterschreiben,
daß sie sich nicht an regierungsfeindlichen
Handlungen
beteiligen
würden. Viele politische und religiöse Gefangene bleiben weiter in Haft.
Da die Sowjetunion noch kein Programm wirtschaftlicher Reformen ähnlich der gegenwärtig in China stattfindenden, eingeleitet hat, können
wir im Fall der Sowjetunion auch noch
nicht von politischen Veränderungen
sprechen, die unvermeidlich ein Nachlassen der poltischen Kontrolle begleiten werden.
Es wird sicherlich
über einen neuen Ansatz in bezug auf
wirtschaftliche Unternehmungen, über
eine neue Prüfung des ungarischen Modells diskutiert. Aber bis heute ist
dies nur Gerede.
Es gab Erwartungen - und bisweilen fielen vage Hinweise darauf -,
daß eine Verbesserung bei den Auswandererzahlen in Aussicht sei. In den
vergangenen 15 Monaten sind die Auswandererzahlen jedoch Monat für Monat
auf außergewöhnlich niedrigem Niveau
stehen geblieben und
überschritten
kaum einmal die Zahl von 100. Die
Zahl für Januar 1987 betrug zum Beispiel 98. Wir müssen anmerken, daß
ein neues, im Jahr 1986 verkündetes
sowjetisches Gesetz in Verletzung der
Schlußakte von Helsinki den Kreis von
Personen, die für die Auswanderung in
Betracht kommen, auf solche mit Ehegatten, Kindern, Elternteilen
oder

- 3 -

�Geschwistern im Ausland beschränkt.
Aber selbst innerhalb dieser kleinen
Gruppe wurde bis jetzt nur wenigen die Ausreise erlaubt.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

25. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI

V.

Die Durchführung der Strategie

Dieser Teil des Berichts behandelt die amerikanischen Fähigkeiten
zur Durchführung der Strategie zur
Nationalen Sicherheit, wie sie in den
vorhergehenden Kapiteln erörtert worden ist, und zwar mit besonderer Betonung der Bereiche, in denen ein
Mangel an Ressourcen die effektive
Erreichung wichtiger Ziele der nationalen Sicherheit behindert.

Außenpolitische Fähigkeiten

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Die Vereinigten Staaten benötigen
Programme für Auslandshilfe und andere außenpolitische Operationen, um
ihre nationale Sicherheit zu schützen, ihre Interessen zu fördern und
ihre Werte und Prinzipien in der ganzen Welt zu verbreiten.
Unser Programm für Operationen im Ausland beinhaltet Wirtschafts- und Militärhilfe,
Nahrungsmittelhilfe,
Entwicklungshilfe,
internationale
Ausbildungs- und
Kommunikationsprogramme,
Operationen des Außenministeriums in
Übersee sowie viele weitere wichtige

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�Funktionen.
Durch diese Programme wird unsere
Außenpolitik in positive, sichtbare
Handlungen umgesetzt, mit denen Menschen geholfen wird, die sich ernsthaft in wirtschaftlicher Not befinden
und die wirtschaftliche und politische Entwicklung gefördert wird, die
für die Unterstützung freier und demokratischer
Gesellschaften
so bedeutsam ist.
Die Programme stellen
auch denjenigen Regierungen Hilfe zur
Verfügung, die versuchen, sich gegen
innere und äußere Bedrohungen zur
Wehr zu setzen.
Indem wir unsere
Freunde bei der Stärkung ihrer Sicherheit unterstützen, können wir dabei helfen, die notwendigen Voraussetzungen für wirtschaftliche und politische Entwicklung zu schaffen.
Was ebenso wichtig ist: unsere
Programme künden den Menschen von
amerikanischen
Idealen und Werten.
Indem wir mehr Verständnis für das
aufbauen, wofür die Vereinigten Staaten stehen, können wir ein Wachstum
in die richtige Richtung beeinflussen.
Das übergeordnete Ziel unserer
Bemühungen besteht in der Schaffung
einer stabileren Welt, in der humane
gesellschaftliche und politische Ordnungen gedeihen und die ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
stützen
können. Kurzum, unsere Programme für
Operationen im Ausland sind dazu bestimmt, die Arten von positivem Wandel zu unterstützen, die langfristig
unsere nationalen Interessen schützen
werden.
Eine stabile Welt, deren
Staaten die wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Bürger erfüllen können
und die Rechte des Einzelnen respektieren, ist eine Welt, die für die
Vereinigten Staaten und ihre Freunde
sicherer ist.
Wir geben nur zwei Prozent unseres Bundeshaushalts jährlich für die
- 2

verschiedenen
Auslandshilfeprogramme
aus.
Zweifellos sind diese Gelder
gut angelegt. Das Gute, das wir tun,
die Probleme, zu deren Lösung wir
beitragen und die Drohungen, denen
wir mit unseren Hilfsprogrammen entgegentreten, wiegen die Kosten bei
weitem auf. Sie bilden eine Investition mit großer Hebelwirkung. Trotzdem erhalten unsere Auslandshilfeprogramme vom Kongreß nicht die Unterstützung, die sie verdienen. In den
letzten Jahren sind die Anforderungen
der Administration für das Auslandshilfebudget vom Kongreß drastisch beschnitten worden.
Obwohl die durch
die Reduzierung des Haushaltsdefizits
verursachten Lasten auf alle Programme verteilt werden müssen, sind die
Kürzungen bei der Auslandshilfe im
Vergleich zu anderen Programmen oft
überproportional hoch gewesen.
Hier wird am falschen Ende gespart. Wir können die Auslandshilfe
nicht als ein Programm von "Almosen"
abtun, mit dem Geld vergeudet wird,
das besser für Amerikaner ausgegeben
würde. Erstens entspricht eine solche Charakterisierung nicht den Tatsachen. Ein Großteil der Gelder, die
wir für Auslandshilfeprogramme ausgeben, wird für den Kauf von Gütern und
Dienstleistungen verwendet, die hier
in den Vereinigten Staaten produziert
werden.
Unsere
Nahrungsmittelhilfe
ist eines der besten Beispiele dafür,
aber auch andere Programme, wie etwa
Verkäufe von Rüstungsgütern ins Ausland, erhöhen unmittelbar die amerikanischen Exporte.
Weiterhin tragen unsere Hilfsprogramme dazu bei, Probleme zu lösen,
Härtefälle
abzubauen
und Konflikte
abzumildern, die sich zu Krisen ausweiten und amerikanischen Interessen
Schaden
zufügen könnten, wenn sie
vernachlässigt werden. Wenn wir keine aktive Rolle bei der Ermutigung

�grundlegende
durchgeführt
und Senegal.

einer Weltordnung spielen können, wie
wir sie uns wünschen, dann könnten
wir in die Lage versetzt werden, daß
wir unsere Interessen mit direkteren,
teueren
und
schmerzhaften
Mitteln
verteidigen müssen.

- Alle anderen Länderprogramme zusammen
machten
lediglich
drei
Prozent unserer Gesamtanforderung
für Auslandshilfe
aus.
Einige
darunter gehören zu den ärmsten
afrikanischen Staaten, an die wir
unsere humanitären
und technischen
Hilfsprogramme
richten.
Andere, wie Burma, sind unsere
aktiven Partner beim Kampf gegen
den internationalen Drogenhandel.

Dem vom Kongreß für das Haushaltsjahr 1987 verabschiedeten Budget
zufolge sind wir bei der Auslandshilfe mit einer Finanzierungskrise konfrontiert. In diesem Budget forderten wir 16,2 Milliarden Dollar für
Wirtschafts- und Finanzhilfe im Ausland an.
Der Umfang dieser Hilfe
wurde sorgfältig berechnet, um ein
breites Spektrum wichtiger amerikanischer Sicherheitsziele zu unterstützen.

- Die verbleibenden
neun
Prozent
unserer
Hilfsleistungen
sollten
an internationale Organisationen
vergeben werden, an multilaterale
Entwicklungsbanken,
das
Peace
Corps, die Flüchtlingshilfe, Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels und nicht-ländergebundene Programme der Internationalen
Entwicklungshilfebehörde
(AID) .

Insbesondere galt:
- 34 Prozent dieses Budgets sollten
an Israel und Ägypten vergeben
werden und unsere lebenswichtige
Bestrebungen für einen dauerhaften Frieden in dieser Region verstärken.
- 26 Prozent waren für Staaten gedacht, die uns Zugang zu militärischen Einrichtungen gewähren und
für Länder, die
amerikanischen
Truppen Gastrecht einräumen, wie
etwa
die
Republik
Korea, die
Philippinen, Griechenland und die
Türkei.
- elf Prozent wären nach Mittelamerika und die Karibik gegangen.
- 17 Prozent waren für Länder gedacht, die unsere demokratischen
Werte teilen und unsere Hilfe benötigen, um Fortschritte zu machen, wie etwa Thailand und Kolumbien, ferner für Länder, in
denen sich neue Demokratien entwickelt haben, wie Bolivien und
Uruguay und für Staaten, in denen

Wirtschaftsreformen
werden, wie Ecuador

Der Kongreß hat die von uns beantragten Mittel auf 13,6 Milliarden
Dollar gekürzt. Das Resultat dieser
Kürzungen war verheerend.
Nachdem
wir unsere Verpflichtungen für den
Friedensprozeß im Mittleren Osten erfüllt haben, bleiben uns nur völlig
unzureichende
Mittel zur Erfüllung
der weiteren Erfordernisse.
Deshalb
ist es uns unmöglich, unsere Verpflichtungen für Länder zu erfüllen,
die uns strategisch wichtige Stützpunkt- und
Zugangsrechte
gewähren.
Einige Programme werden dieses Jahr
sogar um über 50 Prozent beschnitten
werden müssen. Wir sind in Gefahr,
bei denjenigen Programmen ins Hintertreffen zu geraten, die dazu bestimmt
sind, Schlüsselregionen mit ernsthaften wirtschaftlichen und Sicherheitsproblemen Hilfe zu leisten. Außerdem
können wir wenig dazu beitragen, daß

- 3 -

�Schuldner aus der Dritten Welt wieder
auf die Beine kommen.

Staaten weit
schrecken.

Die Kürzungen signalisieren eine
Politik des Rückzuges. In den kommenden Monaten müssen der Kongreß und
die Regierung unbedingt zusammenarbeiten, um Lösungen dieser Finanzierungsprobleme
zu erarbeiten, damit
wir unsere positive Rolle wiederaufnehmen können. Diese Programme sind
ein Hauptbestandteil unserer ersten
Verteidigungslinie zum Schutz amerikanischer Freiheiten und müssen die
volle Unterstützung
aller
Parteien
genießen, um wirksam zu sein.
Ich
erbitte diese Unterstützung für den
Nachtragshaushalt
zum
Budget
für
1987, der dem Kongreß zugeleitet wurde.

Praktisch heißt dies, daß die Administration keine Strategien übernehmen darf, die sich unser Land
nicht leisten kann und daß unsere
verantwortlichen Militärs ihre Pläne
nicht auf Ressourcen gründen können
und dürfen, zu deren Bereitstellung
die Nation nicht fähig ist. Es bedeutet weiterhin, daß der Kongreß,
der von einem gemeinsamen Standpunkt
in bezug auf die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und die
ihnen
zugrundeliegenden
Ziele ausgeht, die Exekutive mit den Mitteln
ausstatten muß, die zur Durchführung
einer realistischen, klugen und effektiven Strategie benötigt werden.

Verteidigungsfähigkeiten
Verteidigungsressourcen:
Die erfolgreiche Durchführung einer Strategie der nationalen Sicherheit hängt
von der Verfügbarkeit
angemessener
Mittel ab.
Strategien, die auf unrealistischen oder unerreichbaren Annahmen zur Verfügbarkeit von Ressourcen beruhen, sind zum Scheitern verurteilt.
Die
jüngere
Geschichte
lehrt uns aber auch, daß die Zeit
zwischen Ausbruch einer Krise und der
Notwendigkeit einer Reaktion der nationalen Sicherheit mit den Jahren
abgenommen hat. Die Zeiten, in denen
die Staaten auf Krisen mit der Aushebung, Ausbildung und Ausrüstung neuer
Streitkräfte reagieren konnten, sind
vorbei. Diese Grundtatsache in Verbindung mit der ernüchternden Erkenntnis, daß Krisensituationen mit
bestürzender
Unvermitteltheit
über
die Welt hereinbrechen können, bedeutet, daß wir in der Lage sein müssen,
Aggressionen
und
Beeinträchtigungen
unserer vitalen Interessen jederzeit
und an Orten, die von den Vereinigten

entfernt

sind,

abzu-

Die Bereitstellung der gemeinsamen Verteidigung ist die wichtigste
Pflicht der Bundesregierung, die von
Exekutive und Legislative zu gleichen
Teilen erfüllt wird.
Partnerschaft
ist der Schlüssel zu ihrer erfolgreichen
Durchführung.
In
diesem
Geist haben sich der Kongreß und die
Exekutive
in den frühen achtziger
Jahre - zum dritten Mal seit dem
Zweiten Weltkrieg - in einer gemeinsamen
Anstrengung
zusammengeschlossen, um unsere militärischen Fähigkeiten
wiederherzustellen
und
zu
stärken.
Im Gegensatz zu früheren
Verstärkungen, die von hohen Verbrauchsraten
zur Unterstützung
von
Kampfoperationen in asiatischen Konflikten geprägt waren, haben wir uns
dieses Mal auf Investitionen konzentriert.
Außerdem waren
bedeutende
Personal- und
Bereitschaftsprobleme
zu überwinden, aber es war klar, daß
nur eine Zunahme der Investitionen
die notwendigen positiven und dauerhaften Auswirkungen auf das militärische
Gleichgewicht
hervorbringen
würden.

�Diese Handlungsweise war unbedingt erforderlich, um die ernsten
Ungleichgewichte zwischen den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu beheben, die sich
in den siebziger Jahren eingestellt
hatten - in einem Zeitraum beispielloser
militärischer
Investitionen
durch die Sowjets, die auf eine entscheidende Verlagerung der weltweiten
"Korrelation
der Kräfte" zu ihrem
Vorteil abzielten. Hätten wir diesem
gefährlichen Trend kein Ende bereitet, dann wäre unseren grundlegendsten
nationalen
Interessen
großer
Schaden
zugefügt
worden.
Glücklicherweise haben der Kongreß und das
amerikanische Volk erkannt, daß die
Wiederherstellung der Landesverteidigung absolut unentbehrlich war. Deshalb haben wir große Fortschritte gemacht.
Unser Investitionsniveau ist
heute dem der Sowjets ungefähr ebenbürtig. Es besteht jedoch immer noch
die Erblast eines Jahrzehnts, in dem
die Investitionen der Sowjets unsere
bei weitem übertrafen, und dies muß
korrigiert werden.
Urteile über die Angemessenheit
unserer
Verteidigungsaufwendungen
konzentrieren sich letztlich auf Fragen nach dem Risiko.
Wenn man es
ganz deutlich ausdrückt, dann ist die
Frage: ein wie hohes Risiko für das
Überleben dieses Landes und seiner
freien Institutionen sind wir einzugehen bereit?
Streitkräfte, die zur
Abschreckung eines größeren Krieges
nicht in der Lage sind, bestehen den
ersten Test für die Angemessenheit
nicht.
Wir und unsere Verbündeten
müssen glaubwürdige militärische Reaktionsmechanismen
besitzen,
deren
Aussichten unsere Feinde davon überzeugen, daß eine Aggression ihnen
einen unannehmbar hohen Preis abverlangen würde.
Wieviel militärische
Macht für die Abschreckung benötigt
wird ist unvermeidlich ein subjekti-

ves Problem, das mit unserem Gefühl
dafür zusammenhängt, wie andere unsere militärischen Fähigkeiten und unseren politischen Willen einschätzen,
diese, wenn notwendig, zu benutzen.
In
dieser
Hinsicht
müssen
unsere
Streitkräfte
nicht
nur
angemessen
sein, sondern sie müssen unmißverständlich als angemessen für die Verteidigung
unserer
Interessen,
die
Durchführung
unserer Strategie und
die Erhaltung unserer Bündnisbeziehungen eingeschätzt werden.
Fraglos können wir uns das zur
Unterstützung unserer Strategie notwendige Programm leisten.
Tatsächlich haben die Amerikaner in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich nur 6,1 Prozent des BSP für die
Verteidigung ausgegeben - was erheblich
unter
den
Prozentsätzen
der
fünfziger und sechziger Jahre liegt,
die zwischen 7 und 9,2 Prozent lagen.
Und mit 27 Prozent der Bundesausgaben
bleiben die Verteidigungsaufwendungen
auch erheblich unter dem Friedensdurchschnitt von 38 Prozent der Nachkriegszeit.
In beiden Fällen erscheinen die Erhöhungen der frühen
achtziger Jahre nur deshalb so hoch,
weil die Ausgaben in den späten siebziger Jahren so niedrig waren.
Im Verteidigungshaushalt der Fiskaljahre 1988-89 habe ich den Kongreß
nicht um Zustimmung zu Erhöhungen im
gleichen Ausmaß wie in den frühen
achtziger Jahren gebeten. Der Kongreß muß aber auch positive Schritte
unternehmen, um die von uns gemeinsam
erreichten Zunahmen zu schützen. Wir
dürfen den Weg der realen Reduzierung
der
Verteidigungsinvestitionen
der
vergangenen beiden Jahre nicht weiterverfolgen.
Es ist an der Zeit,
daß wir uns zusammenschließen, um bescheidene,
realistische
Erhöhungen
unseres Verteidigungshaushalts zu unterstützen, die mit dem von uns für

- 5 -

�die Nation insgesamt erwarteten Wirtschaftswachstum und mit der langfristigen Herausforderung der Sowjetunion an die freie Welt im Einklang
stehen. Als Nation müssen wir zusammen das Muster teurer und ineffizienter Schwankungen bei den Verteidigungsausgaben
durchbrechen
und den
Weg
dauerhaften
und
vernünftigen
Wachstums in einem Tempo unterstützen, das uns die stetige Modernisierung unserer strategischen und konventionellen Streitkräfte und gleichzeitig die Aufrechterhaltung angemessener Niveaus bei militärischer Bereitschaft,
Durchhaltevermögen
und
Streitkräftestruktur erlauben wird.
Streitkräfte: An früherer Stelle
dieses Berichts habe ich unsere Strategie zur Aufrechterhaltung der Abschreckung gegen einen strategischen
nuklearen
oder konventionellen Angriff gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten dargelegt.
Die Ausführung unserer Strategie
zur Aufrechterhaltung eines glaubwürdigen
atomaren
Abschreckungspotentials durch die Modernisierung unserer
strategischen
Streitkräfte
ist
bis
heute
erfolgreich
verlaufen.
Wichtige Elemente des Strategischen
Modernisierungsprogramms
sind
vom
Kongreß gebilligt worden, und unsere
strategischen Streitkräfte werden mit
jedem Tag überlebensfähiger und effektiver. Wir verbessern die Fähigkeiten und die Glaubwürdigkeit unserer
diversifizierten
Mischung
von
Streitkräften
und werden
bis
ins
nächste Jahrhundert damit fortfahren.
Im Hinblick auf die Zukunft untersuchen wir zur Zeit Optionen, die
es uns gestatten werden, aus den bei
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative erzielten Fortschritten Nutzen zu ziehen, um ballistische Raketen überflüssig zu machen und die Ab- 6

schreckung langfristig auf ein stabileres Fundament
zu stellen.
Eine
starke
Unterstützung
dieses
Programms, daß unsere Stärken im Bereich
moderner Technologien nutzt, fördert
sowohl unsere Abschreckung wie auch
unsere
Rüstungskontrollziele.
Die
volle Gewährung der für 1988-89 beantragten Mittel für SDI ist unabdingbar, um die bis heute erzielten wichtigen Fortschritte aufrechtzuerhalten
und zu gewährleisten, daß das Programm in angemessenem Tempo weitergeführt wird.
Die Uberlebensfähigkeit
unserer
landgestützten
ICBM-Kräfte wird in
den kommenden Jahren mit der Aufgabe
alter ortsfester Stationierungsmodalitäten und Hinwendung zu neuen mobilen Methoden drastisch zunehmen, die
durch erhöhte Überlebensfähigkeit zur
Stabilität beitragen. Die neuen Konzeptionen für die mobile Stationierung der Peacekeeper und der kleinen
ICBM wird den ICBM-Bereich der strategischen Triade neu beleben, die Abschreckung bedeutend erhöhen und die
Durchführung
von
Empfehlungen
der
Scowcroft-Kommission auf eine Weise
ermöglichen, die mit früheren Empfehlungen des Kongresses im Einklang
steht.
Im Zuge unserer stetigen Verbesserung der strategischen Abschrekkungsstreitkräfte
müssen
wir
aber
gleichzeitig die Tatsache berücksichtigen,
daß
unsere
konventionellen
Streitkräfte die erste Verteidigungslinie und ein grundlegendes Instrument zur Unterstützung amerikanischer
Interessen in Krisenzeiten unterhalb
der Schwelle eines allgemeinen Krieges darstellen. Mit der Herstellung
einer
ungefähren
atomaren
Parität
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sind die konventionellen Streitkräfte für die Aufrechterhaltung
eines sicheren Abschrek-

�higkeit zu stärken, unsere konventionellen
Streitkräfte
bestmöglich einzusetzen.

kungspotentials noch wichtiger geworden.
Unser
gegenwärtiges Programm
zur Modernisierung der konventionellen Streitkräfte trägt zu einer starken, nach vorne orientierten Verteidigungshaltung bei.

- Neue bewegliche Kräfte mit kurzer
und langer Reichweite verbessern
unsere
Fähigkeit,
unser
vorne
stationierten Einheiten zu befördern und zu unterstützen, und im
Ernstfall auch Streitkräfte
zu
stationieren.
Die Fähigkeit zum
schnellen Aufbau einer Militärmacht
in strategisch
wichtigen
Gebieten an der eurasischen Periphierie ist für die Abschreckung
und zur Neutralisierung des geographischen Vorteils der Sowjetunion unerläßlich.

Zu den wichtigsten Elementen zählen:
Das Modernisierungsprogramm
für
die Streitkräfte, das auf der
neuen Air Land Battle Konzeption
und der Fähigkeit zum Karpf mit
verbundenen Waffen basiert, die
unsere Divisionen
in die Lage
versetzen,
einen
qualitativen
Vorteil über die viel größeren
sowjetischen Streitkräfte zu erhalten.
Fortgesetzte
Modernisierungsprogramme
für
unsere
taktischen
Luftstreitkräfte
unterstützen
dieses Programm der Landstreitkräfte.
Die Fähigkeit
unserer
taktischen Luftstreitkräfte, auf
unserem Territorium Überlegenheit
in der Luft
aufrechtzuerhalten
und die Landstreitkräfte zu unterstützen,
erfordert
stetige
Verbesserungen.
Das Programm zur Wiederbelebung
unserer Streitkräfte für Spezialoperationen wird als eine unserer
höchsten Prioritäten vollständig
durchgeführt werden. Dieses Programm wird sicherstellen, daß wir
in
höchstem
Maße
ausgebildete
Streitkräfte sofort verfügbar haben, um auf eine Vielzahl verschiedener Krisen und Konflikte
geringerer Intensität zu reagieren, wenn unsere Interessen dies
erfordern sollten.
Verbesserungen
bei Führung
und
Kommunikation (C3I) haben weiterhin höchste Priorität, um die Fä-

- Die Fähigkeit unserer Marine zur
Kriegführung verbessert sich bemerkenswert mit der Zunahme der
Quantität und Qualität von Schiffen und Flugzeugen. Dieses langfristige Programm zur Sicherung
unserser
Fähigkeit zur Nutzung
der Ozeane
im Frieden
und im
Krieg erfordert unausgesetzte Unterstützung .
Die
vollständigen
Auswirkungen
dieser wichtigen Modernisierungsprogramme werden im vor uns liegenden
Jahrzehnt spürbar sein.
Die Erlangung unserer Ziele wird unsere konventionelle
Abschreckungsfähigkeit
erheblich steigern.
Die wirklichen
Verbesserungen bei unserer Verteidigungshaltung
werden
nicht
gering
sein; sie werden fundamentale Ausmaße
erreichen.
Vollständige
Unterstützung dieser Programme ist unerläßlich
zur Vermeidung einer Verschlechterung
im Gleichgewicht der amerikanischen
und
sowjetischen
konventionellen
Streitkräfte und um sicherzustellen,
daß wir konventionelle Streitkräfte
haben, die in der Lage sind, eine
Vorneverteidigung unserer Interessen
durchzuführen, ohne auf Nuklearwaffen

- 7 -

�•

zurückgreifen zu müssen.
So wie wir die qualitative Erweiterung unserer Streitkräfte verfolgen, müssen wir weiterhin unsere Pläne wie auch unsere Strategien zu deren Anwendung verbessern. Unsere militärische
Strategie
ist
komplex.
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben haben
die
Streitkräfte
angemessene
Führungs- und Einsatzgrundsätze, Organisationen
und
Taktiken
entwickelt.
Die Sicherstellung, daß diese in eine
einheitliche
Nationale
Militärische
Strategie
umgesetzt werden, bietet
angesichts der sich ständig wandelnden
internationalen
Situation
eine
Herausforderung. Dieses Problem wird
noch verstärkt durch die Vielgestaltigkeit möglicher Krisenfälle innerhalb des Spektrums
konventioneller
Konflikte. Auf verschiedenem Kriegsschauplatzniveau haben die Vereinigten Befehlshaber regionale Strategien
entwickelt.
Diese Strategien sind
zusammen mit anderen eher globalen
Überlegungen oder solchen, die nicht
mehr in den Zuständigkeitsbereich der
Oberbefehlshaber fallen, in die Nationale Militärische Strategie eingebettet.
Diese Strategie bietet eine
wirkungsvolle Grundlage für die Anwendung unserer militärischen Fähigkeiten auf koordinierte und beiderseitig stützende Art und Weise weltweit. Die Strategie wird in bestimmten
Zeitabständen
überarbeitet, um
ihre wesentlichen Elemente neu zu
ordnen und sie auf den neuesten Stand
zu bringen.
Die Ergebnisse werden
nicht nur unsere Fähigkeit zur Verwendung
militärischer
Streitkräfte
verbessern, sondern stärkeren theoretischen Unterbau für Forschung und
Entwicklung in bezug auf unsere konventionellen Streitkräfte und die Beschaffungsprogramme
unserer
konventionellen Streitkräfte bieten. Dabei
lassen wir niemals das Verhältnis
zwischen nuklearer und konventionel-

ler Abschreckung außer acht.
Unser
langfristiges ziel des Abbaus unseres
Vertrauens auf nukleare Waffen fordert, wenn es erfolgreich sein soll,
unsere besondere Aufmerksamkeit, um
die Wirksamkeit unserer konventionellen Abschreckung und enge Bündnisbeziehungen aufrechtzuerhalten.
Verbesserung der Effizienz:
Ein
wichtiger Teil unserer Aktivitäten,
die darauf abzielen, unsere Strategie
zur Nationalen Sicherheit zu stützen,
umfaßt eine Reihe von anhaltenden Bemühungen zur Verbesserung der Leitung
und operativen Wirksamkeit
unserer
Verteidigungsbehörden.
Unsere Aufmerksamkeit war auf die Verbesserung
der Effizienz im Verteidigungsministerium gerichtet, und wir haben in
den vergangenen
sechs Jahren eine
Reihe beachtlicher Erfolge erlangt.
Zu diesen Erfolgen zählten in jüngster Zeit der Bericht der Blue Ribbon
Commission zur Führung der Verteidigungsbereiche, unter dem Vorsitz von
David Packard, wie auch Maßnahmen des
Kongresses
zur Reorganisierung der
Verteidigung.
Als Ergebnis dieser
Aktivitäten sind bei der Geschäftstätigkeit des Verteidigungsministeriums
wichtige Veränderungen erzielt worden.
Die vorrangigen Zielsetzungen
dieser
vereinten Bemühungen
dienen
der Verbesserung der Qualität unserer
Strategieplanung und Förderung enger
Verbindungen zwischen Strategie, militärischen Erfordernissen und unseren Beschaffungsprogrammen; sie stellen ferner sicher, daß wir für jeden
Dollar, der für die Verteidigung ausgegeben wird, den größtmöglichen militärischen Nutzen erhalten.
Wichtige organisatorische Veränderungen haben stattgefunden; andere
stehen noch an. Die neuen Vereinigten Kommandos für Transportwesen und
Sonderoperationen
werden
in diesem
Jahr ihre Arbeit aufnehmen und wir

�werden in Kürze die neu genehmigte
Position des Staatssekretärs für Sonderoperationen und Konflikte geringerer Intensität schaffen wie auch den
vom Kongreß ermächtigten Ausschuß für
Konflikte geringer Intensität innerhalb der Organisation des Nationalen
Sicherheitsrates.
Die Autorität des
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und der Vereinigten Befehlshaber ist erweitert und die neue Position des Stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs geschaffen worden.
Im Jahr 1986 hat der Kongreß meinem Vorschlag zugestimmt, die Stelle
eines
Unterstaatssekretärsfür
Beschaffung im Verteidigungsministerium
ins Leben zu rufen. Diese Ernennung
hat zu einer Reorganisation der Beschaffung im Verteidigungsministerium
geführt.
Diese Veränderungen zielen
darauf ab, in wichtigem Umfang bei
der Anwendung neuer Technologien und
Ausrüstungen Zeit zu sparen, das professionelle
Urteil der Vereinigten
Stabschefs
stärker
einzubeziehen,
wenn es um die Auswahl und Bewertung
militärischer Erfordernisse geht und
auch die Effizienz des Beschaffungsprozesses
generell
zu
verbessern.
Zur Förderung von Innovationen im
technologischen Bereich ist die Rolle
der Behörde für moderne Forschungsprojekte im Verteidigungsbereich bei
der Herstellung von Prototypen wie
auch bei anderen Entwicklungsarbeiten
im Rahmen gemeinsamer Programme erweitert worden.
Um
unseren
zukünftigen
Bedarf
besser einschätzen zu können, haben
wir im vergangenen Herbst eine überparteiliche Kommission für eine integrierte Langzeitstrategie ins Leben
gerufen.
Diese Gruppe bemerkenswerter Persönlichkeiten arbeitet daran,
dem Verteidigungsminister und meinem
Sicherheitsberater Einblicke in die

Rolle und die strategischen Auswirkungen neuer militärischer Technologien in den nächsten 20 Jahren zu gewähren.
Die Kommission wird sich
ferner mit Möglichkeiten beschäftigen, wie die Einführung der vielversprechensten
neuen Technologien
in
unsere militärischen Streitkräfte beschleunigt werden kann. Ebenso werden mögliche neue Bedrohungen durch
anhaltende sowjetische Forschungsprogramme überprüft werden.
Gegenwärtig stattfindende Veränderungen beim Verteidigungsplanungsverfahren werden das Verhältnis zwischen den Haushaltsplänen
für die
Verteidigung und dem Gesamthaushalt
der Bundesregierung stärken. Mit Unterstützung des Kongresses unterbreiten wir nunmehr zum ersten Mal einen
zweijährigen
Verteidigungshashalt.
In beiden Fällen ist unser Ziel größere Stabilität
für das Verteidigungsprogramm. Während wir weiterhin
nach größerer Kostenkontrolle und Ersparnissen auf Programmebene streben,
ist die Blue Ribbon Commission on Defense Management zu dem Schluß gekommen, daß in Zukunft erhebliche Verbesserungen im Verteidigungshaushalt
eher durch erhöhte Stabilität der
Programme als durch besondere Aktivitäten bei der Durchführung erzielt
werden.
Größere Stabilität kann nur durch
enge Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und dem Kongreß wirkungsvoll
erreicht werden.
Unsere gemeinsamen
Interessen zur Verbesserung der Leitung des Verteidigungsbereiches hat
eine Reihe von miteinander in Zusammenhang stehenden Reformen bei der
Organisation und Beschaffung hervorgebracht, die heute verwirklicht werden.
Wir müssen nun das Verteidigungsministerium
diese
Reformen
durchführen lassen und ihre Wirksamkeit ohne ungebührliche Einmischung

- 9 -

�beurteilen.
Wahrscheinlich
werden
einige Korrekturen notwendig sein.
Nach angemessener Erfahrung mit der
neuen Struktur und den Verfahrensweisen werden wir dem Kongreß angemessene Empfehlungen unterbreiten.

Die Integration von Fähigkeiten zur
nationalen Sicherheit
Wie ich bereits an früherer Stelle ausgeführt habe, erfordert die effektive Verwirklichung unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit die
sorgfältig
eingebettete
Verwendung
aller Facetten nationaler Macht. Im
größtmöglichen Ausmaß versuchen wir,
unsere Zielsetzungen durch Anwendung
gewaltloser Elemente nationaler Macht
zu erreichen. Diese Methode wird unterstützt, wenn wir in der Lage sind,
Probleme frühzeitig zu erkennen, sie
gründlich zu untersuchen und die Erkenntnisse und das Wissen meiner Berater zusammengenommen zu ihrer Lösung beizusteuern.
Die wichtigsten
Instrumente zur Verwirklichung dieser
unerläßlichen integrierenden Funktion
sind
der
Nationale
Sicherheitsrat
(National Security Council - NSC) und
die
behördenübergreifenden
Gruppen,
die unter seiner Oberaufsicht arbeiten.
Der NSC hilft uns dabei, unsere
weitgesteckten Ziele auf einzelne Situationen anzuwenden und solche Zielsetzungen in detaillierte Maßnahmen
und Strategien umzusetzen. Die übergreifende Aufgabe des NSC ist es, dazu beizutragen, daß meine Entscheidungen termingerecht getroffen werden
und klare Äußerungen über alternative
Vorgehensweisen, deren Stärken und
Schwächen und jeweiligen Konsequenzen
berücksichtgt werden können.
Die Ergebnisse dieses Prozesses
werden formell als Entscheidungsdi-

rektiven
zur Nationalen
Sicherheit
(National
Security Decision Directives - NSDD) bezeichnet. Diese Direktiven
liefern als Ganzes einen
breiten Leitfaden für die Vorbereitung der Außen- und Verteidigungspolitik, die militärische Planung und
die Entwicklung von Einzelstrategien
zur Unterstützung der Zielsetzungen
der Strategie zur Nationalen Sicherheit. Im Laufe der vergangenen sechs
Jahre haben wir 250 solcher Direktiven erstellt. Davon sind nicht mehr
alle in Kraft und auch nicht alle behandeln Themen mit weltweiten Auswirkungen, aber der Prozeß erweist sich
als sehr wirksam bei der Förderung
der integrierten Nutzung der weitgesteckten und vielfältigen Mittel, die
zur Erlangung unserer Zielsetzungen
zur Nationalen Sicherheit verfügbar
sind.
Die fortgesetzte Entwicklung und
erfolgreiche Anwendung der Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist eine der wichtigsten
Pflichten
der
Exekutive.
Aber die Regierung kann dies nicht
allein ereichen. Die Entwicklung und
Unterstützung einer Strategie zur Nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten, die einen gesunden Ausblick auf die Zukunft zuläßt und
einen realistischen Leitfaden bietet,
muß ein gemeinsames Unternehmen des
Kongresses und der Regierung sein.
Ich freue mich darauf, mit dem
Kongreß überparteilich dabei zusammenzuarbeiten,
um
ein
erweitertes
Verständnis
für mehr
Unterstützung
unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit und ihrer Zielsetzungen zu
erlangen.
Es kann kein wichtigeres
Unternehmen
für
das
langfristige
Wohlergehen des amerikanischen Volkes
geben, und ich erbitte die bestmögliche Zusammenarbeit des Kongresses
für die Erlangung dieses Ziels.

- 10 -

�VI. Ausblick auf die neunziger
Jahre
Vor sechs Jahren, als das amerikanische Volk mich zum Präsidenten
wählte, war ich entschlossen, kurzfristig vier unbedingt erforderliche
Ziele im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit zu erreichen:
- Erstens, den Aufbau der militärischen Stärke unserer Nation nach
einem Jahrzehnt der Vernachlässigung, in dem es den Sowjets möglich war, uns in vielen wichtigen
Bereichen
der
Militärmacht
zu
überholen,
- Zweitens, den Wiederaufbau
der
wirtschaftlichen
Stärke
unserer
Nation und die Wiederbelebung des
Weltwirtschaftssystems angesichts
der Energiekrise und der weltweiten Rezession,
- Drittens, den Aufbau des internationalen Ansehens unserer Nation
als Führer
in der Welt, nach
einigen Jahren, in denen das Bild
von uns getrübt war und unsere
Gegner glaubten, daß die Vereinigten Staaten sich von ihren
internationalen
Verpflichtungen
zurückgezogen hätten, und
- Viertens, den Aufbau der persönlichen Motivation aller Amerikaner, die unsere Botschaft in die
Welt hinaus tragen sollten, daß
der Einzelne und nicht Regierungen ihr wirtschaftliches, geistiges und politisches Schicksal bestimmen sollte.
Nach sechs Jahren kann ich nun
berichten, daß dieser Prozeß des Wiederaufbaus in vollem Gange ist. Das
Staatsschiff
segelt
langfristig
in

eine neue Richtung, die auch in den
verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts
eingeschlagen werden sollte.
Ich glaube, daß unser wichtigster Antrieb im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit darin bestand,
das Bild der Vereinigten Staaten als
Licht der Freiheit in der ganzen Welt
wiederherzustellen.
Wir
haben
in den
vergangenen
sechs Jahren beobachten können, daß
sich Völker und Regierungen auf der
ganzen Welt unsere Botschaft zu Herzen genommen haben. Wir haben gesehen, daß Länder ihr Denken im wirtschaftlichen
Bereich verändern und
stärkere Betonung auf den Wert und
die Arbeit des Einzelnen legen als
darauf, die Interessen des Staates
befriedigen
zu wollen.
Wir haben
Tausende freiheitsliebender Menschen
gesehen, die Waffen gegen solche Regime erheben, die versuchen, nach
Frieden und wirtschaftlicher Stabilität strebenden Bevölkerungen
ihren
Willen aufzuzwingen. Wir haben beobachtet, daß sich der Widerstand gegen
solche Kräfte in der Welt bildet, die
auf aggressive Art und Weise militärische Macht und Zwang anwenden, um
ihre Ziele zu erreichen.
Dies alles hat mir persönliche
Stärke verliehen, um in schweren Zeiten der Kritik, in Zeiten großer Risiken und möglicher Niederlagen weiterzumachen.
Ich habe festgestellt,
daß die Zeit auf unserer Seite ist
gegenüber den Kräften in der Welt,
die sich der Auslöschung von Freiheit, Gerechtigkeit und demokratischer Lebensweise verschrieben haben.
Die Zeit läuft für all diese Systeme
ab, weil Menschen auf der ganzen Welt
feststellen, daß die von diesen Kräften
propagierte
Lebensweise
den
Grundwerten des Menschen entgegenstehen.
Menschen auf der ganzen Welt
sehen nun, daß wir eine Vision für

- 11 -

�die Zukunft anbieten. Unsere Gegner
bieten die durch Herrschaft militärischer
Macht,
lähmender
Planwirtschaft und politischer Unterdrückung
verdunkelten Wege einer unerfüllten
Vergangenheit.
Ich habe in den vergangenen sechs
Jahren jede Möglichkeit genutzt, um
dieses Thema im In- und Ausland zu
behandeln.
Dies ist auch das vorherrschende Thema unserer Strategie
zur Nationalen Sicherheit - das Leben
unserer Nation, das in die Zukunft
getragen werden muß, um sicherzustellen, daß wir stark und innovativ, dynamisch und frei bleiben.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
Freiheit immer etwas kostet - es ist
das teuerste Gut der Welt. Und Freiheit wird niemals mit einer einmaligen Summe abgegolten; jede Generation
muß ihre Raten dazu beitragen. Alles, was wir tun können, ist, der
nachfolgenden Generation die Möglichkeit der Freiheit zu bieten.
Ich bitte darum, daß wir in den
letzten beiden Jahren meiner Amtszeit
als ihr Präsident zusammenstehen, um
sicherzustellen, daß wir weiterhin am
Aufbau einer Strategie arbeiten, die
uns sicher ins 21. Jahrhundert trägt.

* * * * *

- 12 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

A&lt;

25. Februar 1987

DAS GESETZ ÜBER HANDEL, BESCHÄFTIGUNG UND PRODUKTIVITÄT VON 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987,
herausgegeben vom Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - In seinem sechsten Bericht zur Lage der Nation erklärte der Präsident die sicherstellung des Wettbewerbsvorteils der Vereinigten
Staaten bis in 21. Jahrhundert zum nationalen Ziel. "Jetzt ist es Zeit," sagte der Präsident, "zu entscheiden, daß wir auf einem so außergewöhnlichen Leistungsniveau in das nächste Jahrhundert eintreten sollten, wie es in der Geschichte niemals zuvor erreicht worden ist."

Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 ist
gesetzlicher
Hauptbestandteil
der
Initiative des Präsidenten zur Verbesserung
der
Wettbewerbsfähigkeit.
Zusammen mit dem Haushaltsentwurf des
Präsidenten für das Fiskaljahr 1988
und anderen Vorlagen, umfaßt dieses
Gesetzespaket ein sechsteiliges Programm, das auf die folgenden Ziele
ausgerichtet ist:
1. Zusätzliche
menschliches
tal;

Investitionen
in
und geistiges Kapi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Förderung der wissenschaftlichen
und technologischen Entwicklungen;
3. Verbesserter Schutz des geistigen
Eigentums;
4. Verabschiedung
wesentlicher
Rechts- und Gesetzesreformen;
5. Einflußnahme auf das internationale wirtschaftliche Umfeld; und
6. Beseitigung des Haushaltsdefizits.
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987

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�enthält fünf Titel, die der Verantwortung der Bundesregierung gerecht
werden, alles nur Mögliche zur Förderung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit zu unternehmen.

Ausarbeitung
und
Durchführung
von
Programmen, die auf die besonderen
Bildungsbedürfnisse derjenigen Schüler ausgerichtet sind, die nur über
begrenzte Englischkenntnisse verfügen.

Titel I - Gesetz über Investitionen in menschliches und geistiges
Kapital von 1987 (Investment in
Human and Intellectual Capital
Act of 1987)

C.
Gesetz über die Wiedereingliederung
von Arbeitnehmern
(Work
Readjustment
Act).
Bewilligt
ein
neues, 980 Millionen Dollar Programm
zur Wiedereingliederung von Arbeitnehmern, das die nachfolgenden Punkte
beinhaltet:

Der Präsident ist der Überzeugung, daß unsere Gesellschaft ein außergewöhnlich
hohes
Bildungsniveau
anstreben muß, um einen Wettbewerbsvorteil erreichen zu können. Weiterhin müssen wir umgesetzten Arbeitskräften bei der Anpassung an den
wirtschaftlichen
Wandel
behilflich
sein und wirtschaftlich benachteiligten Jugendlichen Möglichkeiten eröffnen,
produktive Mitglieder
unserer
Gesellschaft zu werden. Titel I des
Gesetzes über Handel, Beschäftigung
und Produktivität umfaßt:

- Unterstützung von voraussichtlich
700 000 zusätzlichen umgesetzten
Arbeitskräften pro Jahr
(nahezu
das dreifache der mit den bestehenden Programmen abgedeckten Anzahl) .
Das Programm erstreckt
sich auf alle umgesetzten Arbeitnehmer, einschließlich der Bauern, und nicht nur auf diejenigen, die von den Importen besonders stark betroffen sind;
- Beratungsangebote,
Unterstützung
bei der Arbeitssuche, Grundausbildung und berufliche Weiterbildung zur gelernten Arbeitskraft;

A. Das Gesetz und die Gesetzesänderungen über die Verbesserung des
Erziehungswesens von 1987 (Education
Consolidation and Improvement Amendments Act of 1987). In Kapitel 1 und
2 diese Gesetzes wird die Zuwendung
von Mitteln
für die bedürftigsten
Schulen und Jugendlichen bewilligt,
werden Neuerungen, Experimente und
das Mitspracherecht der Eltern gefördert, die Verpflichtung
zur Rechnungslegung des Programmes verankert,
Anreiz und Belobigungen für erfolgreiche Leistungen angeboten.
B.
Die
Gesetzesänderung
zum
zweisprachigen
Erziehungswesen
von
1987 (Bilingual Education Act Amendments of 1987). Verbessert die Bundesstipendien für zweisprachige Erziehung und verleiht den Schulbezirken somit mehr Flexibilität bei der

- Angebot von Ausbildungs- und Eingliederungsmöglichkeiten
für Arbeitnehmer zu einem frühen Zeitpunkt - lange bevor sie die Arbeitslosenunterstützung voll ausgeschöpft haben; und
- Erneuerung
der Programme
unter
Titel III des Gesetzes über die
Unterstützung
der
Handelsanpassung und Partnerschaft bei der
Berufsausbildung
(Trade Adjustment Assistance and Job Training
Partnership Act).
D.
Unterstützungsprogramm
für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern, Beschäftigung
Jugendlicher
während der Sommermonate und Ausbil-

- 2 -

�dungsänderung von 198 7 (AFDC and Summer Youth Employment and Training Amendments of 1987) . Mit dem Gesetz
über die Partnerschaft bei der Berufsausbildung (JTPA) wurde ein 800
Millionen Dollar Programm ins Leben
gerufen, das dazu beitragen soll,
wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche zu produktiven Erwachsenen zu
machen, die den von Amerika gebotenen
Möglichkeiten
aufgeschlossen
gegenüberstehen und die entscheidend benötigten Talente wieder in die Gesellschaft
einbringen.
Mit diesem
Programm
haben
die Gemeinden
die
Wahl, die jetzt verfügbaren JTPA Mittel für Sonderschulunterricht während
der Sommermonate zu verwenden oder
zur beruflichen Weiterbildung junger
Leute, die aus dem Hilfsprogramm für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern (AFDC) finanzielle Unterstützung erhalten.
E.
Das Gesetz über Arbeitsbeschaffungsprogramme zur Verbesserung
der Möglichkeiten (Greater Opportunities Through Work Programs Act of
1987) . Mit dem AFDC Programm werden
neue Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
geschaffen: Verbesserung der Möglichkeiten durch Arbeit
(Greater Opportunities through Work GROW).
Das Ziel dieses neuen Programms ist es, junge Eltern im Teenageralter und Jugendliche zu ermutigen, die AFDC-Unterstützung erhalten
und die keine weiterführende Schulbildung erhalten haben, nicht von der
Schule abzugehen oder an die Schule
zurückzukehren.
Die älteren AFDCEmpfanger nehmen an einer Vielzahl
von Beschäftigungs- und Ausbildungsaktivitäten, einschließlich
Sonderschulunterricht, teil, die von dem
jeweiligen
Bundesstaat
festgelegt
werden.

rung

plätzen von 1987 (Employment Security
Administrative Financing Act of 1987)
und
G.
Das Gesetz über Stellenvermittlung von 1987 (Employment Services Act of 1987) bieten größere Flexibilität bei der Erarbeitung eines
umfassenden Ansatzes, mit dem die
Probleme der Arbeitslosen angegangen
werden können, z. B. durch dezentralisierte Behörden, Finanzierung und
die Zuständigkeit für die Vergabe der
Arbeitslosenversicherung
sowie
die
SteilenVermittlungsprogramme.

Titel II - Gesetz über die Gründung
eines
nationalen
Wissenschaf tsprogrammes
(National
Science Foundation Authorization
Act)
Die Förderung von Wissenschaft
und Technologie ist unerläßlich für
die
Wettbewerbsfähigkeit
der
Vereinigten
Staaten.
Die politischen
Richtlinien des Bundes müssen drei
generelle Zielsetzungen haben:
- Schaffung neuer Kenntnisse
dernen Technologien;

in mo-

- schneller
Transfer
der
neuen
Technologien auf den Markt; und
- Erweiterung
des
wissenschaftlichen und technologischen Grundstocks der Nation.
Zur Erreichung dieser Ziele sieht
das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987 die Zuwendung von Mitteln an die Stiftung Nationale Wissenschaft vor und damit
eine Verdoppelung der Etatverpflichtungen für diese Programme über einen
Zeitraum von fünf Jahren.

F. Das Gesetz über die Finanzieder Sicherstellung von Arbeits- 3 -

�Titel III - Gesetz zur Verbesserung der Rechte zur Wahrung des
geistigen Eigentums von 1987 (Omnibus
Intellectual
Property
Rights improvement Act of 1987)

zenzvergabe
für
technologische
Güter zuständig sind, durch Kodifizierung und Verdeutlichung der
Entscheidung des Obersten Bundesgerichtes in Lear v. Adkins;

Der Präsident ist der Überzeugung, daß es von vorrangiger Bedeutung ist, angemessenen Schutz sowohl
auf nationaler als auch auf internationaler Ebene
für diejenigen zur
Verfügung zu stellen, die neue Gedanken entwickeln und neue Produkte und
Dienstleistungen erfinden. Titel III
des Gesetzes über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 umfaßt folgende Maßnahmen:

- Wiederherstellung der Patentdauer
für agro-chemische und tiermedizinische Produkte bis zu einer
Höchstdauer von fünf Jahren, um
den Zeitverlust bei der Dauer des
Patents auszugleichen, der sich
durch die von der Bundesregierung
vor der Vermarktung vorgeschriebene Standardkontrolle und Überprüfung ergibt;

A. Reform des Gesetzes über geistiges Eigentum von 1987 (Intellectual Property Reform Act of 1987).
Satzungsgemäße Änderung in folgenden
Wortlaut:
- Anreiz der Lizenzvergabe für patentierte Technologien durch Einschränkung der "Verordnung über
Patent-Mißbrauch" auf tatsächlich
wettbewerbsbeschränkendes Verhalten;
- verbesserter Schutz von unter Patentverfahren
entwickelten
Produkten, entsprechend dem Schutz,
der diesen Produkten von unseren
wichtigsten Handelspartnern eingeräumt wird;
- Bereitstellung einer flexibleren
Uberprüfungsnorm für die Lizenzvergabe für geistiges Eigentum im
Rahmen
der
Kartellgesetzgebung
und Beseitigung der Regelung über
Schadenersatz in dreifacher Höhe
für wettbewerbsbeschränkende Lizenzvereinbarungen;
- Wiederherstellung
der
Verhandlungsposition der vertragschließenden Parteien, die für die Li-

- Kostenreduzierung bei der Verteidigung von Patentrechten durch:
(1.) Erlassung der Anwaltskosten
für die überlegene Partei in Fällen
von Leichtfertigkeit
oder willkürlicher Rechtsverletzung, und 2.) daß
Anfechtungen eines Patents aufgrund
von Publikationen zunächst in einem
Verwaltungsverfahren
berücksichtigt
werden, bevor das Verfahren bei Gericht anhängig gemacht wird, es sei
denn, dies läge nicht im öffentlichen
Interesse.
B.
Änderung des Gesetzes über
Informationsfreiheit von 1987 (Freedom of Information Act Amendments of
1987).
Erweiterung
der
gesetzlich
verankerten Definition von Geschäftsgeheimnissen und vertraulichen Wirtschaftsinformationen gemäß dem Gesetz
über Informationsfreiheit (FOIA), das
Behörden die Vorenthaltung von Informationen getattet, wenn deren Veröffentlichung dem Geschäftsablauf oder
den Wirtschaftsinteressen dieser Behörden zuwiderlaufen würde. Die Gesetzesänderung
sieht
außerdem
die
neugeschaffene Befreiung von dem Gesetz über Informationsfreiheit
für
technische Daten vor, die ohne vorherige Genehmigung nicht aus den Ver-

�einigten
dürfen.

Staaten

exportiert

bundenen Haftungsnorm;

werden

- Abbau der Gemeinschafts- und Einzelhaftung mit Ausnahme der Fälle, in denen die beklagten Parteien gemeinschaftlich gehandelt
haben;

C.
Handelsverordnung im Gesetz
über digitale Aufnahmegeräte von 1987
(Regulation of Commerce in Digital
Audio Recording Devices Act of 1987).
Sieht die technische Lösung des potentiellen Problems nicht genehmigter
Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material mit digitalen Tonbandgeräten vor. Es wird verfügt, daß digitale
Aufnahmegeräte
einen
Entschlüsselungsmechanismus
haben, der
die Aufnahme von urheberrechtlich geschützten, mit einem unhörbarem Signal
verschlüsselten
Digitalbändern
verhindert.

- Begrenzung der Entschädigung für
nicht-wirtschaftliche Schäden in
einer
gerechten
und zumutbaren
Höhe;
- Bereitstellung periodischer Zahlungen anstelle von Abschlagszahlungen für aus zukünftiger medizinischer Versorgung oder Einkommensverlusten resultierende Schäden;

Titel IV - Gesetz über Rechtsund
Gesetzesreformen
von
1987
(Legal and Regulatory Reforms Act
of 1987)
Aufgrund von veralteten Verordnungen und Vorschriften und selbst
auferlegten anreizhemmenden Faktoren
befinden sich die Vereinigten Staaten
in einer nachteiligen Position auf
dem Weltmarkt. Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität
von
1987
umfaßt
eine
Reihe
von
Rechts- und
Gesetzesreformen,
die
darauf ausgerichtet sind, diese Wettbewerbshindernisse abzubauen.
A. Reform des Gesetzes über Produkthaftung von 1987 (Product Liability Reform Act of 1987). Verringert
die Kosten der Produkthaftungs- und
Versicherungsspirale, die einen Kostenzuwachs für amerikanische Produkte verursacht und der Entwicklung und
Vermarktung
neuer
und
innovativer
Produkte durch amerikanische Hersteller zuwiderläuft. Der Titel beinhaltet:
- Aufrechterhaltung

der

- Minderung von Schadenersatz
in
solchen Fällen, in denen der Kläger auch aus anderen Quellen, wie
etwa über Zuwendungen der Regierung entschädigt wird,
- Verringerung
der
Kosten
bei
Transaktionen durch Einschränkung
des Erfolgshonorars der Anwälte
mittels Staffelsätzen, und
- Ermutigung
der
prozeßführenden
Parteien
zur
außergerichtlichen
Einigung,
B.
Verfassungszusätze von 1987
gegen
die Bildung
von
Kartellen.
Diese umfassenden Veränderungen zielen darauf ab, die Dynamik amerikanischer Unternehmen zu verbessern und
gleichzeitig Verbraucher und Firmen
vor
Monopolbildung,
Kartellen
und
Preisabsprachen zu schützen. Zu diesen Vorschlägen zählen:

fehlerge- 5 -

- Ergänzung
von
Teil
i
des
Clayton-Gesetzes zur besseren Unterscheidung
zwischen
wettbewerbsfreundlichen
Fusionen
und
solchen, die für den Verbraucher

�höchstwahrscheinlich
zu
Preise führen würden,

höheren

- Einschränkung privater und staatlicher Aktivitäten gegen Kartelle
auf tatsächliche Schäden (statt
solchen in dreifacher Höhe), außer denjenigen, die durch überhöhte Forderungen oder Unterbezahlung hervorgerufen werden,
- Beseitigung
ungerechtfertigter
und lästiger Beschränkungen für
eine Personalunion bei Verwaltungen verschiedener Gesellschaften.
- Klärung der Anwendung von amerikanischen Gesetzen gegen Kartellbildung auf private Fälle, die
mit dem internationalen Handel in
Zusammenhang stehen und
- Bedingung, daß bei Kartellbildungen alle Forderungen, die nach
der Teilregulierung eines Falles
gegen andere Beklagte bestehen,
in angemessenem Umfang reduziert
werden.
C.
Das "Sunset Act" der zwischenstaatlichen
Handelskommission
von 1987 schafft die wirtschaftlichen
Beschränkungen für Beförderungsunternehmen im Land- und Binnenwasserverkehr (außer auf der Schiene) ab und
läßt die zwischenstaatliche Handelskommission am 1. Oktober 1987 erlöschen.
D. Das Gesetz zur Reform der Bestimmungen bei ölpipelines (Oil Pipeline Regulatory Reform Act) von 1987
hebt Bestimmungen der Bundesstaaten
für solche ölpipelines auf, die nach
Kriterien des freien Wettbewerbs geführt werden.
E.
Der Zusatz zum Gesetz über
Maßnahmen beim Erdgas (Natural Gas
Policy Act Amendment) von 1987 regelt
- 6

den
Zugang zu Beförderungssystemen
für Erdgas, schafft die Preisbindung
für Erdgasquellen ab und hebt Bestimmungen des Gesetzes zur Verwendung
von Kraftstoff (Fuel Use Act) auf,
die die Nachfrage nach Erdgas einschränken.
F.
Das Gesetz zur Information
über motorisierte Fahrzeuge und Kostenersparnis (Motor Vehicle Information and Cost Savings Act) von 1987
hebt die für Autos bestehenden einheitlichen Maßstäbe für den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch aller von einem Autohersteller produzierten Modelle auf, die einen Wettbewerbsnachteil für die amerikanische
Automobilindustrie bedeuten und Verzerrungen in der Wirtschaft hervorrufen.

^

G.
Zusätze zum Gesetz zur Regelung des Exports (Export Administration Act - EAA) von 1987.
- Sie autorisieren die Lizenzvergabe
bei
Mehrfachausfuhren
nach
China und machen so die amerikanischen
Exporte
nach
China
wettbewerbsfähiger,
- Sie spezifizieren die Befugnis,
in den Vereinigten Staaten Verkäufe von im Interesse der nationalen
Sicherheit
kontrollierten
Waren an Geschäftspartner aus bestimmten Ländern zu beschneiden,
- Sie legen eine Zeitspanne von 120
Tagen fest, um abzuschätzen, welche Waren auf dem ausländischen
Markt verfügbar
sind wie auch
eine zusätzliche Frist für Konsultationen vor der Freigabe.
- Sie unterstellen die voraussichtliche Lizenzerteilung an ein Land
der freien Welt für ein Produkt,
das zum Zwecke der nationalen Si-

,

»

�cherheit
Kontrollen
unterliegt,
wenn dieses Produkt ohne effektive Einschränkungen für das Land
erhältlich ist.
Der
Regierung
der
Vereinigten
Staaten wird vor Erteilung der Lizenz
eine Frist von 20 Tagen (die um 15
weitere verlängert werden kann) gewährt, wenn die Lizenz nicht vorher
wegen des unannehmbaren Risikos eines
illegalen Transfers versagt wird.
- Sie bestimmen die Zielsetzungen
der Vereinigten Staaten bei den
Verhandlungen mit den Regierungen
des COCOM und auch die Streichung
von Posten aus der Internationalen Kontroll-Liste (ICL) dort, wo
Kontrollen unwirksam oder unnötig
sind,

dere wichtige
umstrukturiert.

Reformen

grundlegend

Titel V - Gesetz zur Verbesserung
des
internationalen
wirtschaftlichen
Umfeldes
(International
Economic Environment Improvement
Act) von 1987
Die Regierung kann eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit der Nation spielen, indem sie das internationale Umfeld für die Wirtschaft so gestaltet,
daß darin das Wissen, das Talent und
der Unternehmensgeist Amerikas gedeihen kann.
A. Das Gesetz zur Wettbewerbsfähigkeit im Handel von 1987

- Sie befugen den Handelsminister,
solchen Körperschaften
(und den
ihnen angegliederten Gesellschaften) Ausfuhrlizenzen zu verweigern, die bereits wegen Verletzungen der Exportkontrollgesetze
verurteilt worden sind und
- sie erlauben es dem Handelsminister,
Ausfuhrvergünstigungen
für einen Zeitraum von 180 Tagen
zu verweigern, um eine bevorstehende Verletzung zu verhindern,
oder, wo
immer
das
notwendig
wird, die Anwendung des EAA zu
erleichtern.
H.
Das Gesetz zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
(Financial Services Regulatory Efficiency
Act) von 1987 erfüllt die Empfehlungen der Arbeitsgruppe unter Vizepräsident Bush über die Regelung finanzieller
Dienstleistungen, indem es
den Rahmen zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
auf
Bundesebene
durch die Schaffung einer neuen Bundesbehörde für das Bankwesen und an- 7 -

- Es autorisiert Verhandlungen innerhalb
der
Uruguay-Runde
der
Handelsgespräche.
Dazu
gehört
auch
ein erheblich
erweiterter
Bedarf an Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor,
- es unterstützt das AntidumpingGesetz durch die Schaffung einer
neuen, berechenbaren Abhilfe bei
der Preisfestsetzung für Produkte
aus
nicht-marktwirtschaftlich
orientierten Ländern und festigt
die Gesetze gegen Dumping und
Ausgleichszölle durch neue, nicht
umgehbare Bestimmungen zur Verhinderung einer Umgehung von Zöllen ,
- es verschärft Abschnitt 301 des
Handelsgesetzes
von
1974
(über
unfaire Handelspraktiken)
durch
die Festsetzung einer 24mrnatigen
Frist bei Streitfällen ui.d durch
die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit dem Kongreß durch Berichte
über
die
kommerziellen
Auswirkungen der Fälle, die unter

�Abschnitt 301 fallen.
- Das Gesetz unterstützt den beiderseitigen Zugang zu ausländischen Märkten als einen zusätzlichen Faktor, der bei Fällen,
die unter Abschnitt 301 fallen,
in Betracht zu ziehen ist.
- Es ergänzt Abschnitt 201 des Handelsgesetzes von 1974 (der sich
auf Abhilfe bei durch Importen
verursachte Schäden bezieht) folgendermaßen: es werden beschleunigte Erleichterungen
für verderbliche Agrarprodukte gewährt,
zusätzliche Optionen für eine Unterstützung geschaffen, zu denen
multilaterale Verhandlungen
und
eine Reform von Vorschriften zählen und es wird klargestellt, daß
Erleichterungen während einer Rezession gewährt werden können.
- Es macht die in Abschnitt 337 des
Zollgesetzes von 1930 (der sich
auf bestimmte unfaire Handelspraktiken bezieht) beschriebenen
Verfahrensweisen der Internationalen Handelskommission wirkungsvoller, indem es die heute bestehende
Erfordernis
abschafft,
einer
inländischen
Firma
eine
Verletzung nachweisen zu müssen,
wenn ein Verstoß gegen den Schutz
geistigen Eigentums vorliegt,
- es verbessert das Gesetz für Gesellschaften im Exporthandel (Export Trading Company Act) und erstellt eine Statistik zur Exportförderung und
- es beschließt
Zollgebühren
für
die Abfertigung von Frachtgut, um
die Kosten der Bereitstellung von
Dienstleistungen der Zollbehörde
genauer widerspiegeln zu können
und diese Gebühren über das vorhergesehene Auslaufdatum
hinaus

zu erheben.
B.
Das Gesetz über Geschäftspraktiken und Buchführung
(Business
Practices and Records Act) von 1987.
Obwohl sie bereits Bestechung zur der
Erzielung von Verkäufen im Ausland
durch gerichtliche Strafen abschrekken, werden die vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen Unsicherheiten
ausräumen und Zweifels fälle im Gesetz
über korrupte Praktiken im Ausland
(Foreign Corrupt
Practices
Act
FCPA) klären. Zu den besonderen Reformen zählen:
- 'reason to know' wird durch eine
objektivere
Formulierung,
wie
'directs or authorizes' ersetzt,
- es wird näher ausgeführt, welche
Arten der Zahlung aus dem Gesetz
ausgenommen werden sollten und
- es werden die Erfordernisse für
eine Buchführung gemäß dem FCPA
spezifiziert.

Unterstützung für private Pensionsfonds
Abgesehen vom Gesetz über Handel,
Beschäftigung und Produktivität von
1987 schlägt der Präsident gesetzgebende Maßnahmen vor, um die Sicherheit für Arbeitnehmer mit privaten
Rentenversicherungen zu erhöhen, indem es den Unternehmern erlaubt wird,
überschüssige Einlagen aus der Altersversorgung abzuziehen, ohne diese
aufzulösen und indem für mit zu geringem Mitteln ausgestattete Rentenfonds erhöhte Zahlungen der Unternehmer gefordert werden.

Zusammen fassung
Das Gesetz über Handel, Beschäf-

,

»

�tigung und Produktivität von 1987 erfüllt die Aufgabe der Bundesregierung
zur
Förderung
der
amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit.
Jedoch müssen
sich alle Amerikaner die Verantwortung zur Förderung unserer Wettbewerbsfähigkeit teilen;

schem Geist und einfach
amerikanischen Mumm".

- das Geschäftsleben muß leistungsfähiger arbeiten und hohe Qualitätsmaßstäbe setzen, Verfahrensweisen rationalisieren, altmodische Strukturen und Führungsstile
außer Kraft setzen, sich dem Wandel anpassen und auf der Tradition des amerikanischen Unternehmertums aufbauen;
- Arbeitnehmer müssen in die Lage
versetzt werden, ihre Möglichkeiten durch die Anwendung neuer
Technologien,
Investitionen
in
ihre
Ausbildung,
Weiterbildung
und die Verbesserung ihrer Fähigkeiten
auszuschöpfen,
und
sie
sollten stolz auf ihre Arbeit
sein können.
- Familien, die durch
staatliche
oder städtische Behörden unterstützt werden, tragen die größte
Verantwortung - sie müssen ein
pädagogisches Umfeld schaffen, in
dem unsere jungen Menschen leistungsfähige Bürger werden können
und in die Lage versetzt werden,
sowohl geistig wie auch materiell
das Beste
zu
erreichen.
Wir
sollten nach einem ausgezeichneten Bildungswesen streben.
Wie der Präsident in seiner Botschaft zur Lage der Nation ausführte:
"(...) jeder einzelne muß nach
außergewöhnlichen Leistungen streben,
die sich nicht in neuen Vorschlägen
oder Milliarden
neuer öffentlicher
Mittel ausdrücken.
Stattdessen gehört dazu ein Aufwand an amerikani- 9 -

* * * * * *

geradlinigem

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
25. Februar 1987

Nr. 8

DONALD IAN MACDONALD - NEUER SONDERBERATER IN DROGENFRAGEN
Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

WASHINGTON - (AD) - Als Nachfolger für Dr. Carlton Turner, der Ende
Januar 1987 aus dem Staatsdienst ausschied
ernannte
Präsident
Reagan
Donald Ian Macdonald zum Sonderberater und Leiter des Präsidialamtes für
Programme zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Die Probleme sind für
Macdonald keineswegs neu. Seit 1984
leitet er die Abteilung "Alkohol,
Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit" (ADAMHA) im Bundesministerium
für Gesundheit und Soziale Dienste.
Diese Funktion wird er beibehalten,
bis ein geeigneter Nachfolger gefun-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den ist. ADAMHA ist für die Durchführung und Koordinierung von Aktivitäten und Maßnahmen auf Bundesebene zur
besseren Aufklärung der Bevölkerung
im Zusammenhang mit Suchtstoffen, zur
Verbesserung der Vorbeugung und Behandlung bei Drogenproblemen und Störungen der geistigen Gesundheit zuständig.
Im
öffentlichen
Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten
nimmt Macdonald eine der höchsten Positionen ein.
Vor
seinem
Eintritt
in
den
Staatsdienst hatte sich der neue Son-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�derberater
Präsident
Reagans
als
praktizierender Kinderarzt (mit Lehrauftrag an der Universität Südflorida) wegen seines Engagements für landesweite Elterninitiativen zur Suchtstoffbekämpfung in der Öffentlichkeit
wie in der Ärzteschaft einen Namen
gemacht.
Seit Jahren ist er in den
Spitzengremien berufsständischer Organisationen und von Laienvereinigungen für Eltern- und Abhängigenberatung bei Drogenmißbrauch aktiv. Auch
seine
wissenschaftliche
Tätigkeit
fand in einer Vielzahl von Veröffentlichungen ihren Niederschlag.
Darin
werden in erster Linie die pathologischen Auswirkungen bestimmter Inhaltsstoffe von Drogen aus Pflanzen
und von synthetischen Präparaten behandelt.
Die für die Allgemeinheit
gedachten Informationen zeichnen sich
durch
eine
ideale Verbindung
von
fachlich präziser
mit leicht verständlicher Darstellung aus.
Macdonald, am 15. April 1931 in
New
York
geboren,
studierte
am
Williams College (Williamstown, Massachusetts) und an der Temple University in Philadelphia. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

* * * * * *
- 2

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - Teil V und VI&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium ins Weiße Haus -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

4 . Mä'rz 198 7

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler
- Fernsehansprache Präsident Reagans Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt
- Erklärung Präsident Reagans Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "stimme Amerikas " Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"
- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und
VOA-Direktor Richard Carlson -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ja zum Leben - Nein zu Drogen
- UN-suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. März 1987

REAGAN: AUSTAUSCH VON WAFFEN GEGEN GEISELN WAR EIN FEHLER
- Fernsehansprache Präsident Reagans -

WASHINGTON - In seiner landesweit übertragenen Ansprache zur Iran/Nicaragua-Affäre erklärte der Präsident am 4. März 1987, "ich übernehme die volle
Verantwortung für meine eigene Handlungsweise und die meiner Administration".
Reagan ging auf den Bericht der Tower-Kommission ein, die diese Angelegenheit
näher untersucht hatte und erläuterte von ihm unternommene korrektive Maßnahmen.
Den Versuch, eine Öffnung mit dem Iran durch einen Austausch von Waffen
gegen Geiseln herbeizuführen, bezeichnete Reagan als "einen Fehler".
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich habe bei zahlreichen Anlässen und
zu vielen Themen von diesem historischen Amtszimmer aus zu ihnen gesprochen. Die Macht des Präsidentenamtes wird oft mit diesem "Oval Office" in Verbindung gebracht.
Sie
liegt aber nicht hier, sondern bei
ihnen, dem amerikanischen Volk, in
Ihrem Vertrauen.
Ihr Vertrauen gibt dem Präsidenten seine Führungskraft wie auch seine persönliche Stärke, und genau darüber möchte ich heute abend zu Ihnen

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Embassy of the United States of America

sprechen.
In den vergangenen drei Monaten
habe ich zu den Enthüllungen über den
Iran geschwiegen.
Sie mögen gedacht
haben: "Warum sagt er uns nicht, was
geschehen
ist?
Warum
spricht er
nicht zu uns, wie er es in der Vergangenheit getan hat, wenn wir uns
Schwierigkeiten oder Tragödien gegenübersahen?" Andere von Ihnen werden
vielleicht gedacht haben: "Warum versteckt er sich im Weißen Haus?"
Der Grund, warum

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ich nicht

eher

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zu Ihnen gesprochen habe, liegt auf
der Hand: Sie haben die Wahrheit verdient. Und so frustrierend das Warten auch gewesen sein mag, so hätte
ich es unangemessen gefunden, ihnen
mit
unvollständigen Berichten
oder
sogar mit fehlerhaften Erklärungen,
die im Nachhinein einer Korrektur bedürft hätten, entgegenzutreten
und
damit noch mehr Zweifel und Verwirrung zu stiften.
Davon hat es bereits genug gegeben.
Ich habe im Hinblick auf Ihr Vertrauen
und
Ihre
Zuversicht
einen
Preis für mein Schweigen bezahlt.
Aber ich mußte, genau wie sie, auf
die vollständige Geschichte warten.
Aus diesem Grunde habe ich Botschafter David Abshire zu meinen besonderen Berater ernannt, mit dessen Hilfe
Tausende von Dokumenten für die verschiedenen Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden. Und ich habe
einen
besonderen
Untersuchungsausschuß, die Tower-Kommission, ernannt,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat,
für mich die Wahrheit herauszufinden
und den Dingen auf den Grund zu gehen. Ihre Ergebnisse sind jetzt veröffentlicht worden.
Ich werde oft als Optimist bezeichnet, und es ist wahr, daß ich
sehr genau nachforschen mußte, um in
dem Bericht der Kommission gute Nachrichten zu finden. Wie sie wissen,
spart er nicht an Kritik, auf die ich
gleich eingehen werde, aber ich war
erleichtert, den Satz zu lesen: "Die
Kommission vom Wunsch des Präsidenten
überzeugt, die Wahrheit ans Licht zu
bringen".
Und
genau
diese
Bitte
richte ich an sie bei der Weiterführung der Untersuchungen.
Ich möchte den Mitgliedern der
Kommission danken - dem früheren Senator John Tower, dem früheren Außenminister Edmund Muskie und dem ehema- 2

ligen Nationalen
Sicherheitsberater
Brent Scowcroft.
Sie haben der Nation wie auch mir persönlich einen
großen Dienst erwiesen, indem sie
einen so ausgewogenen und gründlichen
Bericht vorgelegt haben.
Ihnen gebührt mein aufrichtiger Dank.
Ich habe den Bericht der Kommission geprüft. Seine Ergebnisse sind
aufrichtig,
überzeugend
wie
auch
überaus kritisch, und ich akzeptiere
sie.
Heute abend möchte ich Ihnen
meine Ansichten zu diesen Ergebnissen
mitteilen und ihnen die Maßnahmen bekanntgeben, die ich unternehmen werde, um die Empfehlungen der Kommission durchzuführen.
Lassen Sie mich Ihnen zunächst
sagen, daß ich die volle Verantwortung für meine eigene Handlungsweise
und
für die meiner Administration
übernehmen werde.
So verärgert ich
auch über die ohne mein Wissen unternommenen
Aktivitäten
gewesen
sein
mag, so bin ich doch für diese Aktivitäten verantwortlich.
Und so enttäuscht ich auch sein mag über manche
meiner Mitarbeiter, so bin ich derjenige, der über dieses Verhalten vor
dem amerikanischen Volk Rechenschaft
ablegen muß.
So geschmacklos ich
auch geheime Bankkonten und umgeleitete Gelder finde, so ist dies aber,
wie es bei der Marine heißt, "während
meiner Wache geschehen".
Lassen Sie mich mit dem umstrittensten Teil beginnen. Vor wenigen
Monaten habe ich dem amerikanischen
Volk gegenüber erklärt, daß ich keine
Waffen gegen Geiseln getauscht habe.
Mein Gefühl und meine besten Absichten bedeuten mir immer noch, daß dies
stimmt, aber die Tatsachen und das
Beweismaterial sprechen dagegen.
Dem Bericht der Tower-Kommission
zufolge ist das, was als strategische

�Öffnung
zum
Iran begann, in der
Durchführung zu einem Handel von Waffen gegen Geiseln ausgeartet.
Dies
widerspricht meinen eiqenen Überzeugungen, der Politik der Administration und der ursprünglich von uns geplanten Strategie.
Es gibt Gründe
dafür, warum es so gekommen ist, aber
keine Entschuldigung.
Es war ein
Fehler.

ausschüssen des Kongresses überlassen
bleiben, die Tatsachen festzustellen.
Ich bin zuversichtlich, daß auch in
dieser Angelegenheit die Wahrheit ans
Licht kommen wird. Wie ich schon der
Tower-Kommission
mitgeteilt
habe,
hatte ich keine Kenntnis von einer
Umleitung von Geldern an die Contras.
Als Präsident kann ich jedoch der
Verantwortung nicht entgehen.

Ich habe ursprünglich die IranInitiative unternommen, um Beziehungen zu denjenigen zu entwickeln, die
in einer Regierung nach Khomeini die
Führung übernehmen könnten. Dem Bericht der Kommission ist jedoch eindeutig zu entnehmen, daß ich meine
persönliche Sorge um die Geiseln mit
der geopolitischen
Strategie einer
Annäherung an den Iran vermengt habe.
Ich habe so viele Fragen zum Wohlergehen der Geiseln gestellt, daß ich
nicht genug Fragen zu den Einzelheiten des gesamten Iran-Plans aufgeworfen habe.

Es ist viel über meinen Führungsstil gesagt worden, einen Stil, der
in den acht Jahren meiner Tätigkeit
als Gouverneur von Kalifornien und
während des Großteils meiner Präsidentschaft gut funktioniert hat. Ich
gehe so vor, daß ich das Problem
identifiziere, die richtigen Persönlichkeiten zur Durchführung der Arbeit ausfindig mache und sie dann an
die Arbeit gehen lasse.
Ich habe
herausgefunden, daß dies in den Menschen unweigerlich die besten Qualitäten weckt. Sie scheinen dabei ihre
Fähigkeiten vollständig zu entfalten,
und langfristig wird dadurch mehr geleistet.

Lassen sie mich den Familien der
Geiseln sagen, daß wir nicht aufgegeben haben. Wir werden dies niemals
tun.
Und ich verspreche Ihnen, daß
wir jedes legitime Mitteln benutzen
werden, um Ihre Angehörigen aus der
Gefangenschaft zu befreien. Ich muß
jedoch auch die Warnung aussprechen,
daß diejenigen Amerikaner, die sich
freiwillig in solch gefährlichen Gebieten aufhalten, wissen müssen, daß
sie selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sind.
Ein weiterer bedeutender Aspekt
in den Erkenntnissen der Kommission
betrifft die Umleitung von Geldern an
die Contras in Nicaragua. Die TowerKommission war
nicht imstande, zu
klären, was mit diesen Geldern geschah. Deshalb wird es weiterhin dem
gerichtlich
eingesetzten
Sonderermittler und den zwei Untersuchungs-

Was nun die Führung der Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats
anbelangt, so muß man zugeben, daß
mein Stil nicht meinen Leistungen der
Vergangenheit
entsprach.
Ich habe
schon begonnen, dies zu berichtigen.
Der Anfang wurde gestern gemacht, als
ich mit dem gesamten Arbeitsstab des
Nationalen Sicherheitsrats zusammentraf. Ich habe dabei die Werte erläutert, die ich als Richtlinie für
die Politik der nationalen Sicherheit
dieses Landes angewandt sehen möchte.
Ich habe erklärt, daß ich eine Politik wünsche, die in der Öffentlichkeit genauso vertretbar und vpcständlich ist wie im Geheimen, aaß ich
eine Politik wünsche, die den Willen
des Kongresses wie auch den des Weißen Hauses widerspiegelt.
Und ich
sagte den Mitarbeitern, daß es kei-

- 3 -

�nerlei freie Mitarbeit von Einzelpersonen geben werde, wenn unsere nationale Sicherheit davon betroffen ist.
Sie haben in den vergangenen Monaten eine Menge über die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats gehört. Ich kann Ihnen mitteilen, daß
sie gute und engagierte Regierungsbeamte sind, die viele Stunden Arbeit
für das Wohl der Nation geleistet haben. Sie sind eifrig bestrebt, ihrem
Land zu dienen.
Etwas, was mich immer noch verstimmt, ist die Tatsache, daß niemand
ordnungsgemäße Aufzeichnungen von Zusammenkünften oder Entscheidungen angefertigt hat.
Dies hat dazu geführt, daß ich mich nicht mehr daran
erinnern konnte, ob ich eine Waffenlieferung vor oder nach bestimmten
Ereignissen genehmigt habe. Ich habe
sie genehmigt, aber ich kann nicht
mehr genau sagen, wann.
Seien Sie
versichert, daß inzwischen an der
Pennsylvania Avenue 1600 eine Menge
Aufzeichnungen gemacht werden.
Fast eine Woche lang habe ich
jetzt den Bericht der Kommission studiert.
Das amerikanische Volk soll
wissen, daß diese schwere Prüfung der
letzten Monate nicht vergebens war.
Ich unterstütze alle von der TowerKommission gemachten Vorschläge. Ich
gehe sogar über diese Empfehlungen
hinaus, um das Haus noch besser in
Ordnung zu bringen.
Ich werde in drei grundlegenden
Bereichen handeln: beim Personalwesen, der nationalen Sicherheitspolitik und den Verfahrensweisen, um sicherzustellen, Haß das System funktioniert.
Erstens zum Personalwesen.
Ich
habe hier im Weißen Haus ein erfahrenes und weithin respektiertes neues

Team
eingeführt.
Diese
Personen
bringen frisches Blut, neue Energie
sowie neue Glaubwürdigkeit und Erfahrung mit.
Mein neuer Stabschef, der ehemalige Senator Howard Baker, verfügt
über außerordentlich großes Geschick
in rechtlichen und auswärtigen Angelegenheiten,
das
seinesgleichen
sucht. Ich bin voller Hoffnung, daß
seine Erfahrung als Anführer der Minderheit und der Mehrheit im Senat dazu beitragen wird, eine neue Partnerschaft mit dem Kongreß zu schaffen,
vor allem auf dem Gebiet der auswärtigen und nationalen Sicherheitspolitik. Ich fühle mich wirklich geehrt,
daß er seine eigene Anwartschaft auf
das Amt des Präsidenten zurückgezogen
hat, um dem Land als mein Stabschef
zu dienen.
Frank Carlucci, mein neuer Nationaler
Sicherheitsberater, ist aufgrund
seiner
Regierungserfahrung
hochgeschätzt und in sein Urteil und
seinen Rat wird großes Vertrauen gesetzt. Unter seiner Leitung wird die
Mitarbeiterstruktur
des
Nationalen
Sicherheitsrates neu und straff organisiert. Bereits jetzt ist die Hälfte der festen Mitarbeiter des Nationalen
Sicherheitsrates
durch
neue
Leute ersetzt worden.
Gestern habe ich William Webster,
einen Mann von integrem Ruf, zum Direktor
der
Central
intelligence
Agency nominiert. Mr. Webster hatte
vorher das Amt als Direktor des FBI
inne und war Richter an einem amerikanischen Bezirksgericht.
Er kennt
die Bedeutung
des Wortes "Rechtsstaatlichkeit" .
Damit mir seine Kenntnisse in Angelegenheiten der nationalen Sicherheit ständig zur Verfügung stehen,
werde ich auch John Tower zum Mitar-

�beiter meiner Beratergruppe für Auswärtige Nachrichtendienste benannt.
Ich erwäge in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere, mir
angemessen
erscheinende
personelle
und organisatorische Veränderungen.
Zweitens habe ich im Bereich der
nationalen
Sicherheitspolitik
eine
umfassende Überprüfung aller verdeckter Operationen durch den Nationalen
Sicherheitsrat angeordnet.
Ich habe
weiterhin verfügt, daß alle geheimen
Aktivitäten
eindeutige
politische
Zielsetzungen
unterstützen
und
im
Einklang mit den amerikanischen Wertvorstellungen
stehen
müssen.
Von
einer geheimhaltungsbedürftigen Politik erwarte ich, daß die Amerikaner
im Falle einer Veröffentlichung auf
der Titelseite ihrer Zeitung sagen
würden: "Das ist eine sinnvolle Politik".
Ich habe verfügt, daß den Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates selbst geheime Operationen verboten werden - ohne wenn und aber.
Ich habe Vizepräsident Bush gebeten, sein Expertenteam zur Terrorismusbekämpfung einzuberufen, um unsere
Politik der Terrorismusbekämpfung im
Licht
der
jüngsten
Ereignisse
zu
überprüfen.
Was die Entscheidungsfindung im
Bereich der Nationalen Sicherheit anbetrifft, werde ich drittens das im
Tower-Bericht vorgeschlagene Modell,
wie das Verfahren und die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates arbeiten sollten, insgesamt annehmen.
Ich werde Mr. Carlucci mit der Veranlassung der notwendigen Schritte beauftragen. Er wird mir über weitere,
möglicherweise erforderliche Reformen
Bericht erstatten.

Ich habe die Stelle des Rechtsberaters beim Nationalen Sicherheitsrat
geschaffen, um eine größere Sensibilität gegenüber Rechtsfragen sicherzustellen.
Ich bin weiterhin entschlossen,
das Verfahren, dem zufolge der Kongreß seine Aufsicht ausübt, funktionsfähig zu gestalten. Angemessene Verfahrensweisen für Konsultationen mit
dem Kongreß werden nicht nur theoretisch, sondern praktisch angewandt
werden. Vor Ende März werde ich den
Kongreß von allen Schritten unterrichten, die ich im Zusammenhang mit
den Schlußfolgerungen der Tower-Kommission unternommen habe.
Wenn man einen Fehler begangen
hat, sollte man folgendes tun:
Man
steckt den Tiefschlag ein, bekommt
seine Lektion und macht dann weiter.
Das ist die gesündeste Art und Weise,
um ein Problem anzugehen.
Das verringert nicht die Bedeutung der anderen
laufenden Untersuchungen, aber
das Leben muß für unser Land und unser Volk weitergehen. Dies haben mir
Republikaner und Demokraten im Kongreß wie auch die Verbündeten auf der
ganzen Welt zu verstehen gegeben und wenn wir die Zeichen richtig deuten, auch die Sowjets. Und nun habe
ich natürlich diese Botschaft auch
von Ihnen, dem amerikanischen Volk,
vernommen.
Sie wissen, daß Sie, wenn sie in
mein Alter kommen, viele Fehler gemacht haben werden, wenn Sie Ihr Leben wirklich gelebt haben.
Dadurch
lernt man. Man betrachtet die Dinge
im Zusammenhang.
Man
konzentriert
all seine Energie. Man ändert sich
und man macht weiter.
Meine
amerikanischen
Mitbürger,
es bleibt noch so vieles, was ich mit
Ihnen und für sie in den nächsten

- 5 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

4. März 1987

HINDERNIS FÜR FORTSCHRITTE BEI INF BESEITIGT
- Erklärung Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 3. März 1987 im Weißen Haus abgegebenen
Stellungnahme zu den Vorschlägen des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow
erklärte Präsident Reagan, daß Moskau nicht länger auf einer Verbindung von
Abkommen zu Mittelstreckenwaffen längerer Reichweite (INF) und solchen in anderen Bereichen bestehe und daß dies "ein ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitige".
Reagan wies darauf hin, daß er die amerikanischen Unterhändler bei den Rüstungskontrollverhandlungen in Genf angewiesen habe, mit "der Vorlage unseres
Entwurfs für ein INF-Ankommen" zu beginnen. Er erklärte ferner, daß die Vereinigten Staaten bei INF weiterhin enge Konsultatinoen zu den Verbündeten in
Europa und Asien pflegen werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten in Europa und Asien haben die Vereinigten
Staaten - seit meinem ersten Vorschlag im November 1981 - einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Reduzierungen von landgestützten amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
verfolgt, mit dem Ziel, diese weltweit vollständig abzuschaffen.
In jüngster Zeit haben wir einen
detaillierten
Vertragstext
erarbeitet, um diese vereinbarten Zielset-

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Embassy of the United States of America

zungen anzuwenden und der speziellen
Maßgabe
zu
folgen,
der
Herr
Gorbatschow und ich bei unserem Treffen in Island im vergangenen Oktober
zugestimmt
hatten.
Dies erfordert
Reduzierungen bis zu einer vorläufigen weltweiten Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketen, von denen
sich keine in Europa befinden sollten
sowie Beschränkungen bei den Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
und Bestimmungen für eine wirkungsvolle Verifizierung. Für diese Zielsetzungen setze ich mich weiterhin

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Telex: 8-85432

�voll ein.
Ich habe in diesem Bereich seit
langem Fortschritte
angestrebt
und
begrüße daher die Erklärung des sowjetischen
Generalsekretärs
Gorbatschow vom vergangenen Samstag,
daß die Sowjetunion nicht weiter auf
einer Verbindung
von Reduzierungen
bei INF zu Abkommen in anderen Bereichen
besteht.
Dadurch
wird
ein
ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitigt und ein Einklang
mit der Vereinbarung
erzielt, die
Herr Gorbatschow und ich bei unserem
1985 abgehaltenen Gipfeltreffen
in
Genf getroffen haben - daß wir nach
einem einzelnen Abkommen in diesem
wichtigen
Bereich
streben
würden.
Ich möchte unseren Verbündeten zu ihrer festen Haltung bei dieser Frage
gratulieren.
offensichtlich hat unsere Entschlossenheit zu Fortschritten geführt.
Um diese neue Möglichkeit voll
auszuschöpfen, habe ich unsere Unterhändler angewiesen, morgen mit der
Vorlage unseres Entwurfs zu einem
INF-Abkommen zu beginnen. Ich hoffe,
daß die Sowjets dann gemeinsam mit
uns ernsthafte Diskussionen über die
Einzelheiten
aufnehmen werden, die
unerläßlich
für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen sind. Und ich möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung
die wichtigste der noch zu lösenden
wichtigen Fragen ist. Weil wir einem
wahren und dauerhaften Rüstungsabbau
verpflicht sind und die völlige Einhaltung sicherstellen wollen, werden
wir weiterhin darauf bestehen, daß
jedes Abkommen wirksam verifizierbar
ist.
Um
die
Implikationern
dieser
jüngsten Entwicklungen eingehender zu
erforschen, habe ich unsere Unter- 2

händler
in Genf, die
Botschafter
Kampelman, Glitman und Lehman gebeten, Ende dieser Woche mit mir in
Washington
zusammenzutreffen.
Nach
diesen Gesprächen in Washington werde
ich eine Gruppe nach Genf zurückschicken, um die eingehenden Verhandlungen für ein Abkommen zum Abbau von
INF wiederaufzunehmen.
Wir
werden gleichzeitig
unsere
engen Konsultationen über INF mit unseren Freunden und Verbündenten in
Europa und Asien fortführen. Es war
schließlich die Festigkeit und Einigkeit der Verbündeten bei der Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses
von 1979, die dazu beigetragen haben,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch zurückzubringen und diese
Möglichkeit zu einem Abkommen über
die Reduzierung zu erarbeiten, das
von beiderseitigem Nutzen für Ost und
West ist. Bei unserem weiteren Vorgehen solten wir uns daran erinnern,
daß nichts für die Sache des Friedens
wichtiger ist als die Glaubwürdigkeit
unserer Verpflichtung auf die NATO
und unsere anderen Verbündeten und
nichts ist bedeutsamer für die Lebensfähigkeit dieser Bündnisse freier
Nationen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

FREIE KOMMUNIKATION "MÄCHTIGE KRAFT" FÜR DIE DEMOKRATIE
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas"-

WASHINGTON - (AD) - In einer Botschaft aus Anlaß des 45jährigen Bestehens
der "Stimme Amerikas" hat Präsident Reagan am 24. Februar 1987 eine freie
Presse, einen freien Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel als
"mächtige Kraft für die Demokratie" bezeichnet. Die "Stimme Amerikas", die im
Namen der Wahrheit sende, müsse "weiterhin denen ein starkes Zeichen geben,
die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Erlauben Sie mir, Ihnen allen,
die Sie hier versammelt sind, um 45
Jahre internationaler Sendungen der
"Stimme Amerikas" zu feiern, zu gratulieren. Als früherer Rundfunksprecher habe ich immensen Respekt vor
Ihnen. Ihre täglichen Sendungen werden für eine wachsende Zahl internationaler Zuhörer im Namen des amerikanischen Volkes gemacht - und im Namen der Wahrheit. Das Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen
ist ein wichtiger Bestandteil unserer
Diplomatie.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als die "Stimme" vor 45 Jahren
zum ersten Mal erklang, sagte der
Sprecher: "Die Nachrichten mögen gut
oder schlecht sein. Wir werden Ihnen
die Wahrheit sagen."
Für Millionen
Menschen, die in geschlossenen Gesellschaftssystemen
leben, bedeuten
Ihre Sendungen genau dies - die Stimme der Wahrheit. Für andere sind Sie
eine
alternative
Nachrichtenquelle,
die zuverlässige Informationen über
amerikanische Ansichten und Institutionen liefert. Und für wieder andere stellen Ihre Sondersendungen in
leicht verständlichem Englisch
ein

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�Mittel zur Erlernung oder zum besseren Verständnis der englischen Sprache dar.
ihre täglichen Kommentare
bilden außerdem eine wichtige Quelle
für diejenigen, die die Ansichten unserer Regierung verstehen möchten.

tionsmittel - all dies ist auf die
Würde des Menschen und auf das unveräußerliche Recht des Einzelnen auf
Freiheit gegründet; all dies stellt
eine mächtige Kraft für die Demokratie dar.

Wir in Amerika glauben, daß jeder
Mann, jede Frau und jedes Kind das
Recht auf frei zugängliche Informationsquellen
besitzen.
Wir
sind
nicht der Meinung, daß der Geist eingesperrt werden
kann oder sollte.
Leider gibt es Regierungen, denen die
Wahrheit eine Bedrohung ist. sie unternehmen
enorme Anstrengungen, um
ihre Bürger von Informationen fernzuhalten, die nicht der "offiziellen
Parteilinie"
entsprechen.
Während
wir also heute hier feiern, sollten
wir uns auch der vielen Zuhörer erinnern - Zuhörer in diesen geschlossenen Gesellschaftssystemen -, die die
Sendungen der Stimme Amerikas mit
großem persönlichem Risiko einschalten.

Für diese
ich Ihnen.

Vor einigen Jahren habe ich erklärt, daß ich der Modernisierung der
"Stimme" die gleiche Bedeutung beimesse,
die
Präsident
Kennedy
dem
Raumfahrtprogramm
einräumte.
Ich
möchte dieses Versprechen erneuern.
Wir müssen weiterhin denen ein starkes Zeichen geben, die andernfalls
keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten.
Ich denke, Alexander Solschenizyn
hat die Stärke internationaler Sendungen am besten beschrieben.
Er
sagte, sie seien "die mächtige nichtmilitärische Kraft, die den Funkwellen innewohnt und deren erleuchtende
Macht inmitten kommunistischer Dunkelheit man sich im Westen noch nicht
einmal vorstellen kann".
Eine
freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Komunika- 2 -

wichtige

* * * *

Arbeit

danke

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

GLÜCKWÜNSCHE ZUM 45. JAHRESTAG DER "STIMME AMERIKAS"
Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick
und VOA-Direktor Richard Carlson -

WASHINGTON - (AD) Präsident
Reagan würdigte in einer Rede am 24.
Februar die 45 Sendejahre der "stimme
Amerikas" (Voice of America - VOA)
und wies darauf hin, das "Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen (sei) ein wichtiger Bestandteil
unserer Diplomatie".
Der Präsident
nannte VOA die 'Stimme der Wahrheit'
und wiederholte seine Zusage einer
Modernisierung von VOA.
"Wir müssen weiterhin denen ein
starkes Zeichen geben, die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten

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Embassy of the United States of America

Informationen
hätten",
erklärte
Reagan in der Videoaufzeichnung seiner Rede an die Mitarbeiter von VOA,
die in der Zentrale der "Stimme Amerikas" in Washington an der Jubiläumsfeier teilnahmen.
Der Präsident führte weiter aus,
daß eine freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel alle "auf die Würde des
Menschen und auf das unveräußerliche
Recht des Einzelnen auf Freiheit" gegründet seien und "dies alles eine
mächtige Kraft
für die Demokratie

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�darstelle". Reagan schloß seine Ansprache mit den Worten: "Für diese
wichtige Arbeit danke ich ihnen".
Der Direktor des US-Informationsamtes (USIA) , Charles Z. Wick, erklärte: "Die Welt braucht den Rundfunk, und die Welt braucht die "Stimme Amerikas".
In seiner Ansprache
betonte Wick die Bedeutung, die der
"kreativen
und guten" Nutzung von
amerikanischen
Rundfunkeinrichtungen
im Ausland zukommt. "VOA hat nicht
nur eine stolze Geschichte, sondern
auch
eine
aufregende
Gegenwart".
Wick nannte die "VOA-Gemeinschaft ein
Abbild
der
Vereinigten
Staaten...
eine Art von "Nation in einer Nation"
- Menschen vieler Kulturkreise, die
Seite an Seite arbeiten" und die
durch ihren stolz auf und ihre Liebe
zu den Vereinigten Staaten verbunden
s ind.
"Die ungebrochene Kraft des Rundfunks leitet sich aus seiner einzigartigen Fähigkeit ab, die Phantasie
anzufachen und zu informieren", erklärte Wick.
"Der Rundfunk kann die
menschlichen
Gedanken
und
seinen
Geist beflügeln, solche Orte zu besuchen, von denen das Fernsehen nicht
einmal träumt" und "er kann Ideen
eingehender erforschen, weil er nicht
gezwungen ist, sie in laufenden Bildern abzubilden".
Der Direktor der "stimme Amerikas", Richard Carlson, bezeichnete
das Jubiläum als "eine Zeit, in der
wir alle, die wir den Glauben an die
Bedeutung
der
Sendeleistung
der
"Stimme Amerikas" teilen, die nunmehr
eine der größten und bedeutendsten
Nachrichtenorganisationen
der
Welt
ist, auf die erste 15minütige Sendung
vor 45 Jahren zurückblicken" als sich
die Welt im Krieg befand. Diese Sendung versprach, die Wahrheit zu sagen, so erklärte Carlson in seiner

Rede anläßlich
lichkeiten.

der

Jubiläumsfeier-

Die ersten Sendungen der "Stimme
Amerikas" im Krieg "bewiesen den Hörern auf der ganzen Welt, daß sie dem
vertrauen konnten, was die
'Stimme
Amerikas' ihnen über Amerika berichtete...
Und dieses Vertrauen wie
auch
unsere
Glaubwürdigkeit
haben
sich in den vergangenen 45 Jahren
noch gefestigt".
VOA hat "ihr Bestes getan, um
sich den Herausforderungen
unseres
modernen Zeitalters zu stellen", erklärte Carlson und wies darauf hin,
daß inzwischen mehr als 1 200 stunden
wöchentlich gesendet werden, und dies
in 42 Sprachen an mehr als 130 Millionen Hörer auf fünf Kontinenten.
"Unsere vielen Sprachen und Sendestunden sind meiner Ansicht nach
ein Maßstab für unser Engagement; unsere wachsende Hörerschaft ist ein
Maßstab für den Erfolg der 'Stimme
Amerikas' wie auch gleichzeitig ein
Maß unserer Verantwortung".
Carlson
bemerkte: "Diese Verantwortung
ist
mit jeder neuen Sendestunde und mit
jedem neuen Hörer gewachsen".
Die Zuhörer von VOA hören "die
neuesten
Nachrichten
aus
Amerika,
über Amerika und aus der ganzen Welt:
ausgewogen, ehrlich, genau - was sie
auch bleiben werden, wofür das Gesetz
wie auch unsere Berufsethik sorgen".
"Sie hören die Geschichte Amerikas die Gewohnheiten und die Lebensweise
des
Volkes,
seiner
Institutionen,
seiner Ideen und seiner Auffassungen".
Und sie hören von der "Vielfalt,
die in jeder Demokratie herrscht und
deren Merkmal die Gedankenfreiheit
ist", bemerkte Carlson.
"Die Hörer

der

'Stimme Amerikas'

�schalten uns ein, weil sie nach Informationen dürsten".
"Seit 45 Jahren hat ihnen die 'Stimme Amerikas'
das gegeben, was Amerikaner am meisten schätzen: die Möglichkeit, sich
selbst ihre Meinung zu bilden".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

U

^

Hintergrundmaterial

Ä«

4. März 1987

DIE ERKENNTNISSE UND EMPFEHLUNGEN DER TOWER-KOMMISSION
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WASHINGTON - (AD) - Die folgenden Auszüge aus dem Bericht der Tower-Kommission, der am 26. Februar 1987 veröffentlicht wurde, beschäftigen sich mit
den in der Iran-Affäre begangenen Fehlern und geben Empfehlungen für die zukünftige Vorgehensweise.

WAS WURDE FALSCH
des Berichts)

GEMACHT

(Teil

IV

Die Iran-Initiative stand der Politik der Administration in bezug auf
den Terrorismus, den Krieg zwischen
Iran und Irak und die militärische
Unterstützung für Iran diametral entgegen. Dieser innere Widerspruch ist
nie gelöst worden. Weder wurden die
Konsequenzen daraus jemals in ihrer
ganzen Tragweite erwogen noch wurde
irgendeine Vorsorge getroffen.
Das
Gesamtergebnis bestand in einer amerikanischen Politik, die gegen sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selbst gerichtet war.
Die Kommission ist der Überzeugung, daß das Versäumnis einer angemessenen Behandlung dieser Widersprüche größtenteils aus Fehlern im Entscheidungsfindungsprozeß
herrührte.
Die bestehenden Verfahren zur Fällung
nationaler
Sicherheitsentscheidungen
wurden außer acht gelassen. Überprüfungen
der Initiative
durch
alle
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrats
fanden
zu
selten
statt. Die Initiativen wurden unterhalb der Kabinettsebene nicht aus-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�reichend geprüft. Nachrichtendienstliche Mittel wurden unzureichend genutzt.
Geltende
rechtliche
Einschränkungen wurden nicht ausreichend
berücksichtigt.
Die gesamte Angelegenheit wurde zu informell und ohne
ausreichende schriftliche Unterlagen
über das, was erwogen, diskutiert und
entschieden worden war, behandelt.
Dieses Muster blieb während der
gesamten Durchführung der Iran-Initiative bestehen. Die Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrats übernahmen
die unmittelbare operative Kontrolle.
Die Initiative fiel traditionell in
den Geschäftsbereich des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des CIA. Diese Dienststellen wurden aber weitgehend ausgeschlossen. Großes Vertrauen wurde in
das Netz aus privaten Handlungsträgern und Mittelsmännern gesetzt. Die
Art und Weise der Durchführung dieser
Initiative erhielt von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen
Sicherheitsrats niemals die gebührende Aufmerksamkeit und wurde niemals auf Arbeitsebene eingehend überprüft. Eine
regelmäßige
Auswertung
der
Fortschritte der Initiative wurde nicht
durchgeführt. Das Ergebnis war eine
unprofessionelle und großenteils unbefriedigende Operation.
Während des gesamten Verfahrens
wurde der Kongreß niemals unterrichtet.
A.

Ein fehlerhaftes Verfahren

1. Es wurde eine widersprüchliche Politik verfolgt.
Die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat zeigen die Risiken auf, die dann bestehen, wenn
hochkontroverse Initiativen insgeheim
verfolgt werden.

Waffenlieferungen
an den
Iran.
Die Initiative in Richtung Iran war
eine
verdeckte
Operation, die
zu
wichtigen und öffentlich verbreiteten
politischen Richtlinien der Regierung
unmittelbar
im
Widerspruch
stand.
Aber auch die Initiative selbst beinhaltete
einen grundlegenden Widerspruch. Zwei Ziele waren von Anfang
an offensichtlich: eine strategische
Öffnung zum Iran und die Freilassung
der amerikanischen Geiseln
im Libanon. Der Verkauf von Waffen an den
Iran schien ein Mittel zu sein, um
beide Ziele zu erreichen. Er spielte
aber auch denjenigen in die Hände,
die bei der Verstrickung der Vereinigten
Staaten
in ein Waffengeschäft mit dem Iran andere Interessen
verfolgten
einige
unter
ihnen
strebten nach persönlichem finanziellen Gewinn.
Tatsächlich war der Verkauf von
Waffen nicht beiden Zielen gleichermaßen zuträglich.
Der Iran wollte
Waffen.
Wenn alles, was die Vereinigten
Staaten
anstrebten,
die
Freilassung
der Geiseln war, dann
konnte ein Geschäft, bei dem Waffen
gegen Geiseln
ausgetauscht wurden,
den unmittelbaren Zielen beider Seiten dienen. Wenn aber das amerikanische Ziel in einem breiter angelegten strategischen Verhältnis bestand,
dann hätte der Verkauf von Waffen
erst dann erfolgen dürfen, nachdem
die
Elemente
dieses
Verhältnisses
konsolidiert
waren.
Ein Austausch
von Waffen gegen Geiseln konnte in
diesem Zusammenhang für die Erzielung
dieses
weitergefaßten
strategischen
Ziels kontraproduktiv wirken.
Was auch immer beabsichtigt war,
fast von Anfang an wurde die Initiative zu einer Serie von Tauschgeschäften Waffen gegen Geiseln.
Die
Waffenlieferung an den Iran von November 1985 war unmittelbar mit der

- 2 -

�Freilassung
von Geiseln
verbunden.
Ja, auch die Lieferung von August/September war möglicherweise nichts
anderes als ein Handel von Waffen gegen Geiseln. Bis zum 14. Juli 1985
war ein spezifischer Vorschlag für
den Verkauf von 100 TOW an den Iran
im Austausch gegen iranische Bemühungen zur Sicherstellung der Freilassung aller Geiseln dem Weißen Haus
übermittelt und mit dem Präsidenten
diskutiert worden. Was wirklich geschah, zumindest was die SeptemberLieferung
betraf, beinhaltete
eine
direkte Verbindung zwischen den Waffen und einer Geisel.

heitsrats.
Die
Aktivitäten
von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras waren darauf ausgerichtet,
ein wichtiges außenpolitisches Ziel
der Administration zu erreichen. Der
Präsident hatte seiner Unterstützung
des nicaraguanischen Widerstandes öffentlich und nachdrücklich Ausdruck
verliehen. Dies brachte seine Politik in direkten Konflikt mit der des
Kongresses, zumindest in dem Zeitraum, in dem die direkte oder indirekte
Unterstützung
militärischer
Operationen
in Nicaragua
untersagt
war.

Es stimmt, daß, genaugenommen,
keine Waffen gegen die Geiseln getauscht wurden.
Die Waffen wurden
für Geld verkauft, und zwar an den
Iran, und nicht an die Terroristen,
in deren Gewalt sich die Geiseln befanden. Es war jedoch klar, daß der
Iran die Waffen kaufen wollte und daß
die amerikanische Bereitschaft zu ihrem Verkauf
immer wieder von der
Freilassung der Geiseln abhängig gemacht wurde.

Obwohl der Kommission nur beschränktes Beweismaterial zur Verfügung steht, scheinen keinerlei ernsthafte Anstrengungen gemacht worden zu
sein, um die mit einer direkten Unterstützung an die Contras angesichts
dieser Beschränkungen durch den Kongreß für den Präsidenten bestehenden
Risiken in den Griff zu bekommen.
Selbst wenn man argumentieren könnte,
daß diese Beschränkungen
technisch
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats nicht betrafen, bedeuteten diese Aktivitäten ein großes
politisches Risiko für den Präsidenten.
Der Anschein, daß die persönlichen Mitarbeiter
des Präsidenten
etwas taten, was der Kongreß anderen
Behörden zu tun verboten hatte, konnte, wenn diese Aktivitäten einmal an
die Öffentlichkeit gelangt waren, im
Kongreß einen Brand entfachen und die
gesamte Politik der Administration in
bezug auf die Contras bedrohen.

Die Kommission ist der Meinung,
daß eine strategische Öffnung zum
Iran möglicherweise im nationalen Interesse lag, daß aber die Vereinigten
Staaten sich niemals an Waffenlieferungen hätten beteiligen dürfen. Als
Tauschhandel
Waffen
gegen
Geiseln
konnten sie nur zur Schaffung eines
Anreizes
für
weitere
Geiselnahmen
beitragen. Als Verletzung des amerikanischen Waffenembargos mußten sie
die Hemmungen anderer Staaten, Waffen
an den Iran zu verkaufen, beseitigen.
Die Geschäfte Waffen gegen Geiseln
belohnten ein Regime, daß eindeutig
den Terrorismus und Geiselnahmen unterstützte.
Unterstützung
Mitarbeiter
des

der Contras durch
Nationalen
Sicher-

2.
Der
EntscheidungsfindungsprozeB war fehlerhaft.
Da die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat sich vor einem
solch kontroversen
Hintergrund
abspielten, würde man erwarten, daß
die Entscheidungen zur Durchführung

- 3 -

�dieser Aktivitäten nur nach intensiven und gründlichen Erwägungen getroffen worden wären.
Tatsächlich
sieht das Bild ganz anders aus.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Die Iran-Initiative wurde fast beiläufig und über informelle Kanäle behandelt, anscheinend immer mit der
Erwartung, daß das Vefahren durch den
nächsten Austausch von Waffen gegen
Geiseln sein Ende finden würde. Sie
wurde weder den allgemeinen Verfahren
für behördenübergreifende Angelegenheiten und die Überprüfung politischer Fragen noch den in der Nationalen Sicherheitsdirektive 159 enthaltenen restriktiveren Verfahrensweisen
zur Behandlung verdeckter Operationen
unterworfen.
Daraus
resultierten
mehrere Konsequenzen:
(i) Es bestand keine ausreichende Gelegenheit für eine vollständige
Anhörung vor dem Präsidenten.
Bei
jedem für die Iran-Initiative bedeutsamen Schritt hätten Beratungen zwischen den ständigen Mitgliedern des
Nationalen Sicherheitsrats in Anwesenheit des Präsidenten praktisch automatisch
erfolgen
müssen.
Dies
durfte keine formale, gesetzlich vorgeschriebene Bedingung sein. Stattdessen hätte dies von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen Sicherheitsrats erwünscht sein müssen als
ein Mittel, um ein optimales Umfeld
für das Urteil des Präsidenten sicherzustellen.
Den
Zusammenkünften
hätten Treffen der ständigen Mitglieder zur Prüfung von Studien vorausgehen müssen, die von ihren Mitarbeitern gemäß den im Falle von verdeckten Operationen anzuwendenden Verfahren zu erarbeiten waren. Diese Studien hätten die Vorgeschichte dieser
Initiative überprüfen, die anstehenden Probleme analysieren, eine Palette realistischer Optionen entwickeln
und Fragen der Umsetzung und Ausfüh-

rung behandeln sollen. Wäre dies geschehen, dann wären vielleicht die
Ziele
der
Iran-Initiative
klargestellt und Alternativen zum Verkauf
von Waffen erkannt worden.
(ii) Die Initiative wurde niemals einer rigorosen Überprüfung unterhalb der Kabinettsebene unterzogen.
Wegen der Geheimhaltungsbesessenheit wurde die behördenübergreifende Überprüfung der Initiative auf
die Kabinettsebene beschränkt.
Mit
Ausnahme der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats und, nach dem 17.
Januar 1986, einer Handvoll CIA Mitarbeiter wurden die anderen Regierungsbehörden
großenteils
ausgeschlossen.
Dies führte dazu, daß die Initiative niemals auf der nachgeordneten
Ebene untersucht wurde. Dadurch wurden denjenigen, die für die Operation
verantwortlich
waren,
erhebliche
Sachkenntnis vorenthalten - zur Situation im Iran, zu den Schwierigkeiten von Verhandlungen mit Terroristen, von den Verfahrensweisen bei
der Durchführung einer diplomatischen
Öffnung.
Außerdem
wurde der Plan
deshalb nie einer harten, kritischen
Überprüfung unterzogen.
überdies
fand keine politische
Überprüfung der Initiative unterhalb
der Kabinettsebene statt. Eine sorgfältige Untersuchung auf Staatssekretär/Unter Staats Sekretär ebene
hätte
vielleicht das Durcheinander in den
Zielen der Vereinigten Staaten enthüllen und die Risiken einer Benutzung von Waffen als Instrument der
Politik in diesem Fall verdeutlichen
können.
Die einzige vom Präsidenten im
Zusammenhang mit der Iran-Initiative
offensichlich
eingesehenen
Arbeiten
von Mitarbeitern waren von Mitarbei-

�tern des Nationalen Sicherheitsrats
unter der Leitung des Nationalen Sicherheitsberaters
verfaßt
worden.
Diese waren aber die Hauptverfechter
der Initiative. Ein Teil dieser Studien nachgeordneter Mitarbeiter sind
von dieser Kommission geprüft worden.
Das auffälligste Ergebnis war dabei
das Versäumnis, die Bilanz vergangener Bemühungen zu präsentieren - insbesondere die Bilanz von Fehlschlägen.
Alternativvorschläge
für die
Erreichung der amerikanischen Ziele,
die keine Tauschgeschäfte von Waffen
gegen Geiseln vorsahen, wurden nicht
diskutiert. Oft wurden weder die bei
einer Weiterverfolgung der Initiative
bestehenden Risiken noch die volle
Tragweite abweichender Meinungen von
anderen
ständigen Mitarbeitern des
Nationalen Sicherheitsrats angemessen
vorgetragen.
Insgesamt
wurde
dem
Präsidenten kein guter Dienst erwiesen.
(iii) Das Verfahren war zu informell.
Der gesamte Entscheidungsprozeß war zu informell. Selbst wenn
Zusammenkünfte der ständigen Mitglieder
des Nationalen
Sicherheitsrats
stattfanden, wurde die Tagesordnung
meist nicht vorher
bekanntgegeben.
Anscheinend
wurden
keine
formellen
Sitzungsprotokolle
erstellt.
Vom
Präsidenten
nachfolgend
getroffene
Entscheidungen wurden nicht formell
aufgezeichnet.
Eine Ausnahme bildet
die Entscheidung vom 17. Januar, aber
selbst diese wurde anscheinend nicht
allen
wichtigen
Regierungsbeamten
mitgeteilt.
Das Ergebnis dieser Formlosigkeit
bestand darin, daß es der Initiative
an
formellen
institutionellen Aufzeichnungen mangelte.
Damit wurden
die Beteiligten daran gehindert, die
eingehenderen Analysen und Betrachtungen
durchzuführen,
die
durch
schriftliche
Aufzeichnungen
ermög-

licht werden, anstatt sich auf das
bloße Erinnerungsvermögen zu verlassen.
Es wurde dadurch erschwert,
festzustellen, was die Initiative erreicht hatte und Lektionen aus der
Vergangenheit zu lernen, die künftige
Handlungen
hätten
leiten
können.
Dieses Fehlen formeller Aufzeichnungen führte dazu, daß spezifische Vorschläge für Tauschgeschäfte von Waffen gegen Geiseln in einem Vakuum und
ohne Bezug auf frühere Vorschläge unterbreitet werden konnten. Hätte zur
irghendeinem
Zeitpunkt eine Untersuchung
und eingehende Überprüfung
der
Iran-Initiative
stattgefunden,
dann wäre es sehr schwierig gewesen,
sie durchzuführen.
Die Kommission
kann aus erster Hand bezeugen, wie
schwierig es ist, bei Fehlen solcher
Aufzeichnungen
eine
Überprüfung
durchzuführen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Es ist unklar, wie die
Beteiligung von Oberstleutnant North
an Aktivitäten zur direkten Unterstützung der Contras in der Zeit des
vom Kongreß erlassenen Verbots ihren
Anfang nahm.
Zu diesem Punkt stand
der Kommission nur wenig Beweismaterial zur Verfügung.
In dem erhältlichen
Beweismaterial
findet
sich
nirgends eine Andeutung, daß Oberstleutnant Norths Aktivitäten in irgendeinem Forum mit dem Präsidenten
diskutiert worden wären. Es scheint
auch keinerlei behördenübergreifende
Überprüfung
der
Aktivitäten
des
Oberstleutnant North stattgefunden zu
haben.
Wenn diese Aktivitäten ungesetzlich waren, dann hätten sie natürlich
nicht
durchgeführt
werden
dürfen.
Wenn irgendwelche Zweifel dazu bestanden, dann hätte man sich zunächst
systematisch rechtskundig machen sollen.
Die politischen Kosten einer

- 5 -

�ungesetzlichen Handlungsweise des Nationalen Sicherheitsrats für den Präsidenten waren besonders hoch, weil
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats sowohl persönliche Mitarbeiter
des Präsidenten sind wie
auch aufgrund der Tatsache, daß in
der Vergangenheit
mit dem Kongreß
ernste Konflikte in bezug auf die Unterstützung
der Contras bestanden.
Aus diesen Gründen hätte man den Präsidenten über eine Untersuchung der
Rechtmäßigkeit
von
Oberstleutnant
Norths Aktivitäten informieren müssen.
3. Die Durchführung war unprofessionell.
Die Art und Weise, in
der die Iran-Initiative durchgeführt
wurde und Oberstleutnant North die
Unterstützung der Contras umsetzte,
glichen sich sehr. Dies rührt weitgehend daher, daß dieselben Personen
daran beteiligt waren.
In beiden
Fällen waren die Operationen unprofessionell, obwohl die Kommission in
bezug auf Oberstleutnant Norths Aktivitäten nur wenig Beweismaterial besitzt.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Mit Unter zeichung der Entscheidung
vom 17. Januar wurde die Iran-Initiative eine von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats gesteuerte Operation der Vereinigten Staaten. Die
meisten bedeutsamen operativen Entscheidungen wurden von Oberstleutnant
North getroffen. Er führte die Operation mit Hilfe von Mr. Secord und
dessen Partnern durch, einem Netz von
Privatpersonen, die
schon
an der
Nachschuboperation
für die Contras
beteiligt waren. Dazu kamen noch eine Handvoll ausgewählter Mitarbeiter
des CIA.
Da nur wenige Personen von den
verschiedenen Ministerien und Behörden von der Initiative informiert waren, schottete Oberstleutnant North
- 6

sich von innerhalb der Regierung vorhandenen Ressourcen und Sachkenntnissen ab. Stattdessen verließ er sich
auf eine Reihe privater Mittelsmänner, Geschäftsleute und Finanzmakler,
auf private Handlungsträger und Iraner,
die
den Vereinigten
Staaten
feindlich
gesonnen
waren.
Einige
dieser Personen hatten einen zweifelhaften Ruf und besaßen an den Transaktionen
möglicherweise ein großes
finanzielles Interesse. Dadurch wurden die Transaktionen unnötigerweise
kompliziert und verleiteten zur Zahlung von Schmiergeldern und Provisionen.
Dieses Arrangement führte außerdem zu einem drastischen Anstieg
der Risiken, daß etwas von dieser
Initiative durchsickern könnte. Und
trotzdem wurde für diesen möglichen
Fall keine Vorsorge getroffen.
Die
Benutzung von Mr. Secords privatem
Netz in der Iran-Initiative führte
dazu, daß die daran Beteiligten mit
dem Nachschub für die Contras verbunden wurden und beinhaltete die Drohung einer Preisgabe beider Operationen, falls eine davon an die Öffentlichkeit drang.

Das Ergebnis war eine sehr unprofessionelle Operation.
Die Durchführung der Initiative
wurde niemals einer eingehenden Überprüfung unterzogen.
Anscheinend hat
Oberstleutnant
North
Vize-Admiral
Poindexter
über
seine
Aktivitäten
voll in Kenntnis gesetzt.
Außerdem
scheinen
Vize-Admiral
Poindexter,
Oberstleutnant North und die beteiligten CIA-Mitarbeiter Direktor Casey
über viele der operativen Einzelheiten
informiert
zu
haben.
Aber
Oberstleutnant North und seine Operation scheinen sich weitgehend außerhalb der Kreise der amerikanischen
Regierung bewegt zu haben. Ihre Aktivitäten wurden keinerlei kritischen

�Überprüfungen unterzogen.
Nach der ersten Geiselfreilassung
im September 1985 dauerte es über 10
Monate bis zur Freilassung der nächsten Geisel. Und dies trotz wiederholter Versprechen der
Freilassung
aller Gefangenen und vier dazwischenliegender
Waffenlieferungen.
Seit
der Lieferung vom November bemächtigten sich die Vereinigten Staaten zunehmend der Leitung dieser Operation.
Im Januar 1987 beschlossen sie, Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Jede dieser Entwicklungen hätte
ein nützlicher Anlaß sein können, um
die Initiative einer nochmaligen systematischen Prüfung zu unterwerfen.
Zumindest einer der Pläne beinhaltete
eine
Vorkehrung
zur
Überprüfung,
falls sich die anfänglichen Annahmen
als ungültig herausstellen sollten.
Es lag in der Verantwortung des Nationalen Sicherheitsberaters und der
verantwortlichen Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, eine solche
Überprüfung anzuordnen.
Diese waren
jedoch als Befürworter und Ausführende selbst zu sehr an der Initiative
beteiligt.
Dadurch war es unwahrscheinlich, daß sie die Art von Überprüfung initiieren würden, wie sie
hätte unternommen werden sollen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Wie schon
festgestellt
wurde, waren die Aktivitäten des Nationalen Sicherheitsrats zur Unterstützung der Contras und seine Rolle
in der Iran-Initiative eng miteinander verwoben.
Im ersten Fall ergab
sich noch ein zusätzliches Element
durch die Intervention Oberstleutnant
Norths in die zollamtlichen Ermittlungen nach dem Absturz des SAT-Flugzeuges.
Auch in diesem Fall waren
ausgewählte CIA-Mitarbeiter
Oberstleutnant North direkt unterstellt.

Das der Kommission vorgelegte begrenzte Beweismaterial machte deutlich, daß die Maßnahmen zur Unterstützung der Contras nahezu ebenso
unsachgemäß gehandhabt worden waren
wie die Geschäfte mit dem Iran.
(iv)
Der Kongreß wurde überhaupt nicht informiert. - Der Kongreß
wurde weder von der Iran-Initiative
noch von den Aktivitäten der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras
in
Kenntnis gesetzt.
Da die Freilassung der Geiseln
unmittelbar nach der Lieferung des
Kriegsgeräts erwartet wurde und die
Informierung der Öffentlichkeit die
Operation gestört und die Geiseln
eventuell gefährdet hätte, konnte man
in der Iran-Affäre dahin gehend argumentieren, daß es gerechtfertigt war,
die Benachrichtigung des Kongresses
bis nach der ersten Waffenlieferung
an den Iran zu verschieben. Es war
offensichtlich geplant, den Kongreß
zu informieren, unmittelbar nachdem
die Geiseln sicher in den Händen der
Amerikaner waren. Nachem jedoch mit
der ersten Lieferung nicht alle Geiseln freigekauft werden konnten und
jeder Plan zur Befreiung der Geiseln
immer wieder durch einen anderen ersetzt wurde, hätte der Kongreß auf
jeden Fall informiert werden müssen.
(v)
Rechtliche Probleme. - Der
Verkauf von Waffen an den Iran, der
im Widerspruch
zu den politischen
Prinzipien
der Vereinigten
Staaten
stand, warf ebenfalls weitreichende
rechtliche Fragen auf. Deren Behandlung ist wesentlich für eine Auswertung der Iran-Initiative.
Waffenlieferungen an den Iran. Die Anfangsphase der Waffenlieferungen in der Iran-Initiative umfaßte

- 7 -

�den Verkauf und die Verschiffung von
Raketen amerikanischer Herkunft durch
Israel.
Eine solche internationale
Weitergabe von Waffen, die nach der
amerikanischen Gesetzgebung genehmigt
werden muß, ist Bestandteil des Gesetzes über die Kontrolle von Waffenexporten.
Dieses Gesetz erfordert
die Zustimmung des Präsidenten zu jedem Transfer von gemäß diesem Gesetz
exportierten Waffen durch ein anderes
Land und legt drei Voraussetzungen
fest, die vor der Zustimmung des Präsidenten erfüllt sein müssen:
a) die Vereinigten Staaten werden
die fraglichen Waffen selbst in das
Empfängerland transferieren;
b) eine schriftliche Verpflichtungserklärung vom Empfängerland gegen die nicht genehmigten Weitergabe
von bedeutenden Waffensystemen, wie
zum Beispiel Raketen, liegt vor; und
c) dem Kongreß wird eine vorherige schriftliche Bestätigung in bezug
auf die Weitergabe vorgelegt, wenn
der Anschaffungswert von Verteidigungsgerät wie Raketen 14 Millionen
Dollar übersteigt.
Das Gesetz erlegt zusätzlich allgemeine
Beschränkungen
bezüglich
der Länder auf, die als Empfänger
amerikanischer Waffen in Frage kommen
sowie über den Zweck der Waffenverkäufe. Ein weiterer möglicher Kanal,
über
den Waffenlieferungen an den
Iran vom Gesetz gedeckt sein könnten,
bestünde im Zusammenhang mit nachrichtendienstlichen
Operationen
im
Rahmen des Gesetzes zur Nationalen
Sicherheit.
Ob die Beteiligung der Vereinigten Staaten an den Waffenlieferungen
durch die Israelis mit dem Gesetz in
Einklang stand, hängt im wesentlichen
davon ab, ob der Präsident seine Zu-

stimmung zu den Transaktionen gegeben
hatte, bevor diese stattfanden. Lag
die Zustimmung des Präsidenten nicht
vor, haben die Vereinigten Staaten
keine Genehmigung zu einer Beteiligung an einem Waffentransfer oder einer
Einwilligung
zu dem
Transfer
durch ein anderes Land gegeben. Die
Waffenlieferungen an den Iran im Jahr
1985 und die daraus resultierende
Iran-Initiative selbst standen damit
im Widerspruch zur Gesetzgebung der
Vereinigten Staaten.
Der Kommission gelang es nicht,
ein schlüssiges Urteil darüber zu
fällen, ob die Waffenlieferungen an
den Iran von 1985 vorher vom Präsidenten genehmigt worden waren. Unter
Berücksichtigung aller Faktoren kam
die Kommission jedoch zu dem Schluß,
daß die vorherige Zustimmung des Präsidenten glaubhaft erscheint.
Selbst wenn der Präsident in gewisser Weise seine Einwilligung oder
Zustimmung zu dem Geschäft gegeben
hat,
bleibt
eine
schwerwiegende
Rechtsfrage noch offen. Es ist nicht
geklärt, ob die Form der Genehmigung
für die Zwecke des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten oder des
Hughes-Ryan Zusatzartikels ausreichte.
Die Einwilligung erfüllte die
Bedingungen
des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten nicht,
insbesondere
angesichts
der
nicht
vorliegenden vorherigen schriftlichen
Verpflichtungserklärung
det
Iraner
über die nicht genehmigte Weitergabe.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit klärt nicht zweifelsfrei, ob die
nur mündliche Genehmigung des Präsidenten als Entscheidung des Präsidenten dafür angesehen werden darf, daß
die Initiative für die nationalen Sicherheitsinteressen
der
Vereinigten
Staaten unabdingbar war. Die Genehmigung wurde zu keiner Zeit schrift-

�lieh verfügt.
Sie scheint auch nur
an eine Person übermittelt worden zu
sein. Der Präsident selbst kann sich
nicht daran erinnern. Und die Berater des Präsidenten machten widersprüchliche Aussagen über die Reaktion des Präsidenten, als er von den
Waffenlieferungen in Kenntnis gesetzt
wurde, die sich auf diese Genehmigung
stützten.
Darüber hinaus wurde die
erforderliche
Benachrichtigung
des
Kongresses
außer
acht
gelassen.
Selbst wenn der Präsident das Geschäft genehmigt hatte, ist es angesichts dieser Umstände schwierig, zu
der Schlußfolgerung zu kommen, daß
sein
Handeln
eine
entsprechende
Rechtsbefugnis begründete.
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar 1986 wurde die
Iran-Initiative gemäß dem Gesetz zur
Nationalen
Sicherheit
formell
als
eine verdeckte Operation des Nachrichtendienstes
genehmigt.
Damit
wurde
die
Unsicherheit
über
den
Rechtsstatus der Initiative beseitigt
und die Rechtsgrundlage für die Vereinigten Staaten geschaffen, um Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit erfordert auch die Benachrichtigung des Kongresses über verdeckte
nachrichtendienstliche
Aktivitäten.
Erfolgt
die Benachrichtigung
nicht
vorher, dann zumindest "zu einem angemessenen Zeitpunkt".
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar wurde verfügt, daß die Benachrichtigung des Kongresses aufgeschoben werden sollte und diese Entscheidung scheint zu keinem Zeitpunkt neu
überdacht worden zu sein.
Während
die zeitweilige Aufhebung der Benachrichtigung des Kongresses vor besonderen, mit der Befreiung von Geiseln
in Zusammenhang stehenden Verhandlungen
sicherlich
gerechtfertigt war,
sollte das Gesetz jedoch eine Offen-

barung in Fällen vorsehen, bei denen
über einen längeren Zeitraum ein gewisser stillstand der Ereignisse, wie
in der Iran-Affäre, eingetreten ist.
Eine andere Verhaltensweise würde den
Kongreß von der Wahrnehmung seiner
wirklichen Aufsichtsbefugnis abhalten.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrates. - Die Unternehmungen von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates
zur
Unterstützung
der
Contras waren von derselben Unsicherheit bezüglich der Rechtsbefugnis und
demselben Mangel an Rechtsempfinden
gekennzeichnet, die auch in der IranInitiative vorherrschten.
Die Doppeldeutigkeit der Gesetzgebung, mit
der die Maßnahmen zur Unterstützung
der Contras geregelt wurden, stellten
eine größere Herausforderung dar als
selbst das komplexe Gefüge der Gesetze, die den Waffentransfer regeln.
Umfassende und genaue Überprüfung der
von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates für die Contras vorgenommenen
Unterstützungsmaßnahmen
durch den Kongreß trieben die potentiellen Kosten der Unternehmungen zusätzlich in die Höhe, die bereits die
Schranken des Gesetzes über Gebühr
strapazierten.
Angesichts dieser Umstände hätten
die Angehörigen des nationalen Sicherheitsrates
besonders
vorsichtig
vorgehen sollen, jegliche Operationen
auf
diesem
Gebiet
verhindern
und
Rechtsbeistand
suchen müssen.
Die
Kommission konnte keinerlei Anzeichen
einer solchen zurückhaltenden Vorgehensweise erkennen.
B.
Scheitern der Verantwortung.
Der Führungsstil des Präsidenten
ist dadurch gekennzeichnet, daß er
die Hauptverantwortung für die Überarbeitung und Durchführung der politischen Richtlinien seinen Beratern

- 9 -

�•

überträgt. Angesichts einer so komplexen, mit hohen Risiken verbundenen
Operation, bei der so viel auf dem
Spiel stand, hätte der Präsident jedoch sicherstellen müssen, daß das
System des Nationalen Sicherheitsrates nicht versagte. Er richtete seine Politik nicht darauf aus, die außerordentlich
kritische
Überprüfung
vorzunehmen, zu der die Beteiligten
vom Nationalen Sicherheitsrat und das
Verahren an sich fähig waren. Er bestand zu keinem Zeitpunkt auf einer
Offenlegung der Fakten und einer Leistungsanalyse.
Wäre der Präsident
anhand des Systems des Nationalen Sicherheitsrates vorgegangen, hätte das
Ergebnis sicherlich ganz anders ausgesehen.
So wie die Dinge lagen,
wurden jedoch die bedeutendsten Kriterien des Systems des Nationalen Sicherheitsrates - Erstellen umfassender Analysen, Alternativen und Nachprüfungen - nicht in Anspruch genommen.
Die Kommission stellte die nahezu
einhellige Meinung der Beteiligten
aus
dem
Nationalen
Sicherheitsrat
darüber fest, daß die Priorität des
Präsidenten
in der
Iran-Initiative
auf der Freilassung der amerikanischen Geiseln lag.
Prioritäten zu
setzen ist jedoch nicht genug bei der
Abwicklung
sicherheitsempfindlicher
und
risikoreicher
initiativen, die
unmittelbare Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten haben. Der Präsident muß dafür Sorge tragen, daß Inhalt und Taktik einer Initiative sich mit seinen
Prioritäten und Zielsetzungen decken.
Er muß auf der Offenlegung der Fakten
bestehen. Denn der Präsident muß die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates übernehmen
und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Die ständigen Mitglieder

des Na-

tionalen Sicherheitsrates und der Nationale
Sicherheitsberater
müssen
sich zusammen mit dem Präsidenten die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates teilen.
Präsident
Reagans
persönlicher
Führungsstil überträgt seinen wichtigsten Beratern eine besonders große
Verantwortung.
Da sie mit seinem
Führungsstil vertraut waren, hätten
sie die Art und Weise, in der sich
die Initiative für den Waffenverkauf
entwickelte und ihren Fortgang nahm,
besonders berücksichtigen und ihr gezielte Aufmerksamkeit widmen müssen.
Bei dieser Angelegenheit haben weder
der Nationale Sicherheitsberater noch
die wichtigsten Beauftragten des Nationalen
Sicherheitsrates
besonders
gut abgeschnitten.
Als Angehörige und Berater des
Rates ist es ihre Aufgabe, sicherzustellen, daß dem Präsidenten diese
Dienste erschöpfend zur Verfügung gestellt werden.
Die wichtigsten Untergebenen
des
Präsidenten
dürfen
nicht davon abgehalten werden, den
Präsidenten zu drängen, einen höchst
fragwürdigen Kurs nicht einzuschlagen, selbst wenn er persönlich absolut vom Gegenteil überzeugt ist.
Im Fall der Iran-Initiative war
das Verahren des Nationalen Sicherheitsrates nicht zum Scheitern verurteilt, sondern er wurde im großen und
ganzen ignoriert. Der Nationale Sicherheitsberater
und die ständigen
Mitglieder
des
Nationalen
Sicherheitsrates hatten gleichermaßen die
Aufgabe, dieses Thema zur Sprache zu
bringen und auf der Anordnung eines
ordentlichen Verfahrens zu bestehen.
Keiner von ihnen tat dies.
Mr. Reagan teilt diese Verantwortung. Mehr als fast jeder Stabschef
in der jüngeren Geschichte, übte er

- 10 -

�persönliche Kontrolle über die Mitarbeiter des Weißen Hauses aus und versuchte, diese Kontrolle auf den Nationalen Sicherheitsberater auszudehnen. Er spielte eine aktive Rolle in
Angelegenheiten
der
nationalen Sicherheit und nahm an fast allen wichtigen Sitzungen über die Iran-initiative teil. Er hätte ebenso wie jeder
andere darauf bestehen müssen, daß
ein
ordentlicher
Verfahrensablauf
eingehalten wird. Vor allem er hätte
darüber hinaus sicherstellen müssen,
daß Pläne für den Fall einer öffentlichen Enthüllung der Initiative gemacht wurden. Er muß die Hauptverantwortung für das im Weißen Haus
durch
diese Enthüllung
entstandene
Chaos übernehmen.
Mr.
McFarlane
schien
zwischen
einem die Initiative unterstützenden
Präsidenten und Kabinettsmitgliedern
zu stehen, die sie energisch ablehnten. Obwohl er versuchte, diese Kabinettsmitglieder auf dem laufenden
zu halten, haben einige davon der
Kommission mitgeteilt, daß ihm dies
nicht immer gelungen sei. Vizeadmiral Poindexter hat bei einigen Gelegenheiten anscheinend versucht, den
ständigen Mitgliedern des Nationalen
Sicherheitsrats,
mit
Ausnahme
des
Präsidenten, Informationen über die
Initiative vorzuenthalten.
In einem
oder mehreren Fällen ist Außenminister shultz von Vizeadmiral Poindexter vielleicht sogar absichtlich in
die Irre geführt worden.
Vizeadmiral Poindexter hat außerdem bei der Umleitung von Geldern an
die Contras gravierende Fehler begangen. Die Beweise deuten darauf hin,
daß Poindexter über die Umleitung Bescheid wußte und trotzdem nicht die
angesichts der schwerwiegenden Natur
dieses Schritts erforderlichen Maßnahmen ergriff.
Offensichtlich hat
er die ernsten rechtlichen und poli-

tischen Risiken nicht berücksichtigt
oder völlig ignoriert. Seine Pflicht
bestand eindeutig darin, die Angelegenheit entweder zu untersuchen oder
sie dem Präsidenten
vorzutragen
oder beides. Er tat nichts dergleichen.
Direktor Casey teilte diese
Pflicht.
Die Beweise deuten darauf
hin, daß er fast einen Monat bevor
die Geschichte an die öffentlichkeit
drang über die mögliche Umleitung von
Geldern an die Contras informiert
wurde. Auch er unternahm nichts, um
den Präsidenten unverzüglich hiervon
in Kenntnis zu setzen. Und doch war
es eindeutig seine Pflicht, dies zu
tun.
Für die ständigen Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrates neben dem
Präsidenten mag man die Entschuldigung gelten lassen, daß der Nationale
Sicherheitsberater der Notwendigkeit
nicht genügend Aufmerksamkeit widmete, alle ständigen Mitglieder in vollem Umfang zu informieren.
Angesichts der Bedeutung dieses Themenkomplexes und der damit verbundenen
eklatanten
politischen
Differenzen,
distanzierten sich jedoch Außenminister shultz und insbesondere Verteidigungsminister Weinberger vom Verlauf der Ereignisse.
Außenminister
Shultz hatte ausdrücklich nur um Informationen gebeten, die für die Ausübung
seiner Tätigkeit
unerläßlich
waren.
Verteidigungsminister
Weinberger hatte über die Informationskanäle der Nachrichtendienste Zugang zu
Einzelheiten über die Operation. Ihre Aufgabe lag in der vollen Unterstützung und ständigen Beratung des
Präsidenten über das Programm oder
darin,
den
Präsidenten
davon
in
Kenntnis zu setzen, wenn sie dies
nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren
konnten.
stattdessen
distanzierten
sie sich schlicht von dem Programm.
Was ihre eigene Position zu diesem
Thema anging, waren sie bestrebt, ihr

- 11 -

�Gesicht zu wahren.
Sie versuchten
nicht energisch, den Präsidenten vor
den Folgen seines persönlichen Engagements zur Befreiung der Geiseln zu
bewahren.
Direktor Casey scheint in beträchtlichem Umfang über die Einzelheiten des Irangeschäftes informiert
gewesen zu sein. Er hat anscheinend
seine Einwilligung zur Ausübung direkter operativer Kontrolle über das
Geschäft
durch
North
gegeben
und
scheint diese noch ermutigt zu haben.
Aufgrund der Nähe der Angehörigen des
Nationalen Sicherheitsrates zum Präsidenten und der absoluten Identifizierung mit ihm, erhöhte sich das Risiko für den Präsidenten, falls die
Initiative öffentlich bekannt oder
das Geschäft scheitern würde.
Es gibt jedoch keinerlei Beweise
dafür, daß Direktor Casey dem Präsidenten dieses Risiko erläuterte oder
ihm verdeutlichte, daß Oberstleutnant
North und nicht der CIA das Geschäft
leitete.
Der Präsident kann sich
nicht erinnern, je über diese Tatsache informiert worden zu sein. Direktor Casey hätte in Wirklichkeit
noch weitergehen und auf der Übergabe
der Verantwortung an den CIA bestehen
müssen.
C.
Die Rolle der Israelis. Selbst wenn die israelische Regierung
aktiv an dem Beginn der Initiative
und deren Fortdauer mitgewirkt hat,
ist die Regierung der Vereinigten
Staaten für ihre eigenen Entscheidungen verantwortlich.
Die wichtigsten
Teilnehmer an den amerikanischen Beratungen führten das Argument an, daß
die israelischen Interessen und Zielsetzungen von denen der Vereinigten
Staaten abwichen und zum Teil im Widerspruch dazu standen.
obwohl Israel mit Angehörigen der amerikanischen Regierung verhandelte, von de-

nen man annehmen konnte, daß sie der
Initiative positiv gegenüberstanden,
beinhaltet diese Tatsache an sich
nichts Ungehöriges.
Die Entscheidungsträger der amerikanischen Politik treffen ihre eigenen Entscheidungen und müssen die Verantwortung für
die Konsequenzen tragen.
D. Das Nachspiel - Die Bemühungen, die Geschichte zu veröffentlichen
Nach den ersten Andeutungen Ende
Oktober 1986 darüber, daß die Reise
von McFarlane bald öffentlich bekannt
würde, überstürzten sich die Informationen in der Presse über die IranInitiative und das Geschäft mit den
Contras. Die verschleierte Andeutung
geheimer
Aktivitäten,
willkürliche
und wahllose Enthüllungen von Informationen aus einer Vielzahl gutunterrichteter und anderer Quellen sowie
die widersprüchlichen Aussagen hochrangiger
Beamter
vermittelten
der
amerikanischen
öffentlichkeit
ein
verwirrendes
Bild.
Die Kommission
erkannte, daß Widersprüche in den aktuellen Dokumenten und Aussagen Beunruhigung daüber hervorrief, wie die
öffentlichen
Darlegung
der
Fakten
über die Iran-Initiative gehandhabt
werden sollte, obwohl die Kommission
einige Beweismittel für die Ereignisse nach deren Bekanntgabe überprüfte,
bleiben unsere Möglichkeiten zur Kommentierung dieser Ereignisse begrenzt.
Die Kommission fand Beweise dafür, daß der Präsident unmittelbar
nach der Veröffentlichung die Bekanntgabe allzu vieler Besonderheiten
oder Einzelheiten aus Sorge um die
noch
im Libanon
gefangengehaltenen
Geiseln und die Iraner, die zur Unterstützung der Initiative beigetragen hatten, verhindern wollte.
Wir
sind der Überzeugung, daß er damit
nicht die Absicht hatte, die amerikanische öffentlichkeit irrezuführen

- 12 -

�oder
gesetzeswidriges Verhalten zu
beschönigen.
Spätestens am 20. November
unternahm
der
Präsident
Schritte, um sicherzustellen, daß alle Pakten bekannt würden. Angefangen
mit dem Auftrag des Präsidenten an
Mr. Meese, den Hintergrund der Initiative zu erforschen bis hin zu der
Benennung der Kommission durch ihn,
seiner Bitte um einen unabhängigen
Berater und seiner Bereitschaft, diese Angelegenheit in vollem Umfang zu
besprechen und seine persönlichen Notizen mit uns durchzusehen, ist die
Kommission davon überzeugt, daß der
Präsident tatsächlich die ganze Geschichte veröffentlicht sehen möchte.
Diejenigen, die das Hintergrundmaterial für den Präsidenten zusammenstellten, schienen, zumindest anfänglich, den höchsten Wunsch des
Präsidenten
nicht
zu teilen.
Mr.
McFarlane beschrieb für die Kommission das von den Angehörigen des Nationalen Sicherheitsrates angewandte
Verfahren, um eine Chronologie zu erstellen, die entscheidenden Tatsachen
verschleierte.
Mr. McFarlane wirkte
an dieser Chronologie mit, die, wie
er sagte, nicht "eine umfassende und
völlig genaue Wiedergabe" der Ereignisse darstellte und die Rolle des
Präsidenten
doppeldeutig
erscheinen
ließ.
Nach den Aussagen von Mr.
McFarlane war dies gemacht worden, um
den Präsidenten von dem Zeitpunkt und
Inhalt der Genehmigung durch den Präsidenten zu distanzieren. Er teilte
der Kommission mit, daß er am 18. November
ein
Memorandum
geschrieben
hatte, das, in seinen Worten, versuchte, "die Motive des Präsidenten
zu beschönigen". Diese Version wurde
in der Chronologie festgehalten. Mr.
McFarlane sagte der Kommission, daß
der Bericht seines Wissens nach "mindestens irreführend und schlimmstenfalls falsch" sei.
Mr. McFarlane
teilte der Kommission weiterhin mit,

daß er dem Justizminister einen genauen Bericht über die Rolle des Präsidenten gegeben hatte.
Die Kommission hatte ausreichend
Grund, die Handlungen von Oberstleutnant North im Anschluß an die Veröffentlichung in Frage zu stellen. Die
Kommission
hat keine bestätigenden
oder widerlegenden Beweismittel, daß
Oberstleutnant North die Dokumente
über die Initiative in dem Bestreben
zerstörte, die Tatsachen vor dem angedrohten
Ermittlungsverfahren
zu
verheimlichen.
Die Kommission fand
Anzeichen dafür, daß Oberstleutnant
North über einen bestimmten Zeitraum
hinweg bestrebt war, wichtige Informationen zu verheimlichen oder vorzuenthalten. Die Akten von Oberstleutnant North enthielten einen Großteil
der historischen Dokumentation, auf
die sich die Darstellung der Kommission
gründet.
Darüberhinaus
war
Oberstleutnant North der wichtigste
Beamte der amerikanischen Regierung,
der mit den Einzelheiten der Operation vertraut war.
Die von ihm erstellte Übersicht
weist zahlreiche Ungenauigkeiten auf.
Diese "Unterlagen" sollten als Grundlage der "ganzen" Geschichte über die
Iran-Initiative dienen. Die Ungenauigkeiten liefern einige Beweise für
die Annahme, daß Oberstleutnant North
entweder von sich aus oder auf Geheiß
anderer Personen aktiv danach strebte, wichtige Informationen zu verbergen.
Aus Sorge um den Schutz vertraulicher Dokumente sollten (CIA-)Direktor Casey und Vizeadmiral Pointdexter
nur
die
Geheimdienstausschüsse
im
Kongreß von der "ganzen" Geschichte
unterrichten; Casey vor den Ausschüssen selbst und Poindexter in Einzelgesprächen mit dem Vorsitzenden und
dem stellvertretenden Vorsitzenden.

- 13 -

�Das geschah am 21. November 1986.
Aus der Kopie der Aussagen Caseys und
der Notizen der Zusammenkünfte Poindexters geht hervor, daß sie nicht
voll und ganz die Ereignisse, so wie
sie abgelaufen sind, wiedergegeben
haben.
Das Ergebnis ist der verständliche Eindruck, daß sie nicht
sehr entgegenkommend waren.
Die Kommission ist ferner über
verschiedene augenscheinlich fehlende
Notizen besorgt. Poindexter war der
offizielle Protokollführer bei Zusammenkünften, denen eine Schlüsselfunktion zukam, und dennoch gibt es von
diesen Treffen
keine Mitschriften.
Wenn sie geschrieben wurden, könnten
sie sehr wichtige Informationen enthalten. Wir können jedoch nicht herausfinden, ob sie existieren.

EMPFEHLUNGEN

(Teil V des Berichts)

Während letztlich die Macht zur
Formulierung
der Innenpolitik
beim
Kongreß liegt, kommt dem Präsidenten
primär die Pflicht der Formulierung
und Anwendung der Politik zur nationalen Sicherheit zu.
Es ist der Präsident, von dem in
diesem Bereich normalerweise Innovationen und Anregungen ausgehen. Die
Ministerien und Behörden - die Bürokratien von Verteidigungsministerium,
Außenminister iura und CIA - neigen dazu, sich einem Wandel in der Politik
entgegenzustellen. Jede hat ihre eigene Sichtweise, die sich auf lange
Erfahrung gründet. Es ist eine Herausforderung
für
den
Präsidenten,
diesen Behörden seine Perspektive näherzubringen, weil sie seine Instrumente zur Durchführung der Politik
zur nationalen Sicherheit sind und er
mit ihnen zusammenarbeiten muß. Er
muß die Führungsrolle übernehmen und
ihnen die Richtung weisen.

Das Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Act) von 1974
und das unter ihm gewachsene System
geben dem Präsidenten wichtige Instrumente an die Hand, mit deren Hilfe er seine wichtige Rolle wahrnehmen
kann. Diese Instrumente sind der Nationale Sicherheitsrat (NSC), der Nationale
Sicherheitsberater
und die
Mitarbeiter des NSC. Mit deren Hilfe
üben die vom Präsidenten ausgehenden
kreativen Impulse Einfluß auf die Regierung aus. Das Gesetz zur nationalen Sicherheit und das Gewohnheitsrecht geben dem Präsidenten
einen
breiten Spielraum, um zu bestimmen,
wie diese Mittel eingesetzt werden
sollten.
Organisation der nationalen Sicherheit.
Wegen des im Gesetz zur
nationalen Sicherheit gewährten breiten Spielraums trägt der Präsident
eine besondere Verantwortung für die
wirkungsvolle
Leistung
des NSC-Systems.
Der Präsident muß zunächst
einmal für die Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates, seinen Sicherheitsberater und das Personal des
NSC
Leitlinien
aufstellen.
Diese
Richtlinien müssen, wenn sie wirkungsvoll sein sollen, Einzelheiten
darüber enthalten, in welchem Zusammenhang sie stehen, welche Verfahrensweisen angewandt werden und was
der Präsident von ihnen erwartet.
Wenn seine Berater nicht das leisten,
was von ihnen verlangt wird, kann nur
der Präsident eingreifen.
Die ständigen Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat
außer
dem
Präsidenten haben im Rat eine einzigartige Funktion.
(N.B.:
Laut Satzung sind die
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates der Präsident, der
Vizepräsident, der Außenminister und

�der Verteidigungsminister.
Mit dem
Terminus "ständige Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat"
bezeichnet
der Rat in der Regel diese vier satzungsgemäßen
Mitglieder
sowie
den
Direktor des Geheimdienstes und den
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs.)
Obwohl sie aufgrund ihrer offiziellen Stellung einen sitz in der
Regierung innehaben, sind sie im Rat
nicht
als
Regierungsmitglied
oder
Chef des Ministeriums vertreten, sondern als Berater des Präsidenten.
Sie sollen nicht einfach die jeweilige Haltung ihres Ministeriums oder
ihrer Behörde vorbringen oder verteidigen, sondern dem Präsidenten den
bestmöglichen Rat erteilen.
Es ist
ihre Aufgabe - und ihre Herausforderung - Angelegenheiten aus dieser
Perspektive heraus zu betrachten und
nicht nach der enger gesteckten Interessenlage ihrer jeweiligen Behörde.
Der Nationale Sicherheitsrat hat
lediglich Beraterfunktion.
Der Präsident allein trifft die Entscheidungen.
Wenn die ständigen Mitglieder
des NSC diese Entscheidungen erhalten, dann tun sie das als Chefs ihrer
jeweiligen Ministerien oder Behörden.
Sie sind dann verpflichtet, sich dafür einzusetzen, daß die Entscheidungen des Präsidenten von ihren Organisationen genau und wirksam ausgeführt
werden.
Das
ist ein
wichtiger
Punkt.
Neue Maßnahmen und Kreativität seitens des Präsidenten treffen naturgemäß auf Widerstände der ausführenden
Ministerien.
obwohl dieser Widerstand
für
jeden
Präsidenten
eine
Quelle der Frustration bedeutet, ist
er dennoch in der struktur der Regierung vorgesehen. Es ist Aufgabe der
auf politischem Wege eingesetzten Behördenchefs, sicherzustellen, daß die

Ziele, Pläne und politischer. Maßnahmen des Präsidenten auf diese dauerhaften
strukturen
Einfluß
haben.
Eine Umgehung der Ministerien, zum
Beispiel durch Nutzung des Sicherheitsberaters oder des NSC-Personals
beraubt den Präsidenten der Erfahrung
und Kapazitäten, die den Ministerien
eigen sind. Der Präsident muß weitgehend
mit ihnen
zusammenarbeiten,
aber die Chefs der Behörden müssen
sicherstellen, daß sie die Politik
des Präsidenten auf eine prompte und
wirkungsvolle Art und Weise ausführen. Es ist nicht nur die Verpflichtung des Sicherheitsberaters, sich
darum zu kümmern, daß Vorgehensweisen
im Bereich der der nationalen Sicherheit auch genutzt werden. Alle ständigen Mitglieder des NSC - wie auch
der Präsident - teilen diese Verpflichtung.
Diese Spannung zwischen dem Präsidenten und den ausführenden Behörden kommt in den Methoden, wie sie
eingangs in diesem Bericht behandelt
werden, zum Vorschein.
Durch genau
diesen Prozeß erhält unser Land sowohl die bestmögliche Kreativität des
Präsidenten wie auch die Erfahrung
und Sachkenntnis der an der nationalen Sicherheit beteiligten Ministerien und Behörden.
Der
Nationale
Sicherheitsberater.
Der Sicherheitsberater ist in
erster Linie dafür
verantwortlich,
sich bei diesem Prozeß um die Tagesgeschäfte zu kümmern.
Diese Arbeit
erfordert
Können, Sensibilität
und
Integrität.
Ihm kommt die Pflicht
zu, sicherzustellen, daß alle vom Rat
zur Beurteilung vorgelegten Angelegenheiten die gesamte Bandbreite der
zur Überprüfung anstehenden
Fragen
wiederspiegeln, daß all diese Fragen
umfassend analysiert werden, daß eine
Reihe möglicher Lösungen in Betracht
gezogen wird, die Aussichten und Ri-

- 15 -

�siken jeder einzelnen Möglichkeit näher geprüft werden, daß alle relevanten nachrichtendienstlichen und anderen Informationen den ständigen Mitgliedern zugänglich sind, daß rechtliche Fragen behandelt werden und
Schwierigkeiten der Realisierung angegangen werden.
in der Regel kann
all dies am besten durch eine Beteiligung aller Behörden an der Analyse
der Fragen erzielt werden wie auch
durch eine vorbereitende Bearbeitung
der Maßnahmen auf Abteilungsleiterebene.
Um dem Präsidenten gut zu dienen,
muß der Nationale Sicherheitsberater
seine eigenen Ansichten vortragen,
aber gleichzeitig dem Präsidenten die
Meinungen
anderer
vollständig
und
glaubwürdig vermitteln.
Das System
wird
nicht
wirkungsvoll
arbeiten,
wenn der Sicherheitsberater nicht das
Vertrauen
der
ständigen Mitglieder
des NSC genießt. Er darf daher nicht
seine Nähe zum Präsidenten nutzen, um
ein Verfahren nach seiner
eigenen
Haltung
zu manipulieren.
Er darf
sich nicht zwischen den Präsidenten
und die ständigen Mitglieder des NSC
stellen.
Er darf nicht versuchen,
die ständigen NSC-Mitglieder vom Entscheidungsprozeß auszuschließen. Die
Ausübung
dieser beiden Rollen ist
eine unerläßliche, wenn auch nicht
einfache Aufgabe.
Im Idealfall sollte der Sicherheitsberater nicht allzu sehr die öffentlichkeit suchen. Er sollte nicht
versuchen, mit dem Außenminister oder
dem Verteidigungsminister als Sprachrohr von Politik
zu konkurrieren.
Diese sollten vielmehr zusammen mit
dem Präsidenten die Sprecher für die
Politik der Regierung sein.
Obwohl
"Begeisterung
für
die Anonymität"
hier zu stark formuliert wäre, sollte
sich der Sicherheitsberater doch im
allgemeinen
fernab vom Rampenlicht

bewegen.
Die ständigen Mitglieder des NSC
müssen direkten Zugang zum Präsidenten haben und dies sooft, wie der
Präsident dies als angemessen empfindet.
Aber
diese
Einzelgespräche
sollten nicht von den ständigen Mitgliedern dazu benutzt werden, Entscheidungen
herbeiführen
zu wollen
oder auf anderem Wege das System in
Abwesenheit der anderen Mitglieder zu
umgehen.
Gleichermaßen
sollte der
Sicherheitsberater nicht seine regelmäßigen nachrichtendienstlichen oder
anderen täglichen Vorträge beim Präsidenten benutzen, um bei wichtigen
Fragen eine Entscheidung des Präsidenten herbeiführen zu wollen.
Schließlich sollte sich der Sicherheitsberater auf Beratung und Organisation
konzentrieren
und nicht
auf Anwendung und Durchführung. Anwendung ist die Pflicht und die Stärke der Ministerien und Behörden. Dem
Nationalen Sicherheitsberater und dem
Personal des NSC stehen dazu nicht in
entsprechendem Umfang Mittel für die
Durchführung von Operationen zur Verfügung. Darüber hinaus riskieren sie
mit der Übernahme von Verantwortung
für die Durchführung eine Kompromitierung
ihrer
Zielsetzungen.
Sie
können nicht mehr unparteiische Uberwacher einer Realisierung sein und
sicherstellen, daß die Leitlinien des
Präsidenten befolgt werden, politische Maßnahmen regelmäßig überarbeitet werden und daß die Ergebnisse der
Politik des Präsidenten und dem nationalen Interesse dienen.
Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates.
Das
NSC-Personal
sollte gering an Zahl sein, in hohem
Maße kompetent und erfahren in der
Ausarbeitung von Politik. Die Mitarbeiter sollten sowohl von außerhalb
wie auch von innerhalb der Regierung

- 16 -

�stammen.
Diejenigen aus der Regierung solten aus verschiedenen Ministerien und Behörden kommen, die mit
Fragen der nationalen Sicherheit befaßt sind. Kein Ministerium und keine Behörde sollten dabei die Vormachtstellung
innehaben.
Zwischen
Mitarbeitern von innerhalb und außerhalb der Regierung sollte ein angemessenes
Gleichgewicht
beibehalten
werden. Generell sollten die Mitarbeiter nach dem Rotationsprinzip ausgewechselt werden und mehr als vier
Jahre Tätigkeit sollten die Ausnahme
sein.

Die wichtigste Empfehlung
Das von uns hier dargestellte Modell für das System des Nationalen
Sicherheitsrates stellt unsere vordringlichste und wichtigste Empfehlung dar. Es umfaßt Richtlinien, die
praktisch alle Schwächen im Verlauf
und bei der Durchführung der Affäre
Iran/Contras angehen, mit denen sich
der Rat auseinandersetzen mußte wie
auch andere beispielhafte Fälle dieser und früherer Regierungen.
Der Rat empfiehlt, daß das vorgeschlagene Modell von den Präsidenten bei ihrer Leitung des Systems der nationalen Sicherheit
angewandt wird.

Besondere Empfehlungen
Zusätzlich zu seiner wichtigsten
Empfehlung zur Leitung und Funktionsweise des NSC-Systems und der Rolle
der dabei Beteiligten, gibt der Rat
eine Reihe besonderer Empfehlungen.
Generell sollte sich das Personal
des NSC nicht an der Durchführung politischer Maßnahmen oder Operationen
beteiligen. Dadurch wird ihre Rolle

der Beaufsichtigung in Frage gestellt
und der Verantwortungsbereich von Ministerien
und
Behörden
verletzt.
Aber die mangelnde Flexibilität einer
gesetzlichen
Einschränkung
sollte
vermieden werden. Solche Termini wie
"Operation" und "Durchführung" sind
schwer zu definieren und ein gesetzliches Verbot mag einen zukünftigen
Präsidenten davon abhalten, das Personal des NSC konstruktiv einzusetzen.
Die Tendenz beim Umfang des Personals sollte eher ab- als zunehmend
verlaufen. Aber eine gesetzliche Beschränkung kann die Erfordernisse zukünftiger Präsidenten nicht vorhersehen.
Der Personalbestand wird am
besten der Entscheidung des Präsidenten überlassen, mit der Mahnung, daß
es die Rolle des NSC-Personals ist,
die Arbeit der Ministerien und Behörden zu überprüfen, und nicht, ihnen
diese abzunehmen.
Wir empfehlen, daß bei den Bestimmungen des Gesetzes zur Nationalen Sicherheit, die sich mit
der Struktur und den Verfahrensweisen des NSC-Systems befassen,
keine weitreichenden
Änderungen
vorgenommen werden.

Der
Sicherheitsberater
sollte
jetzt und in Zukunft nur einem Herrn
dienen - dem Präsidenten.
Darüber
hinaus ist jegliche Bestätigung nicht
konform der Rolle, die der Sicherheitsberater spielen soll. Er sollte
nicht entscheiden, sondern nur beraten. Er sollte nicht mit der Durchführung oder den Verfahrensweisen von
politischen
Maßnahmen befaßt sein.
Er sollte dem Präsidenten dienen, ohne seine Loyalität möglicherweise auf
andere Dinge zu richten.

- 17 -

Wir
fordern
den
Kongreß
auf,
nicht die Bestätigung des Natio-

�nalen
Sicherheitsberaters
den Senat zu verlangen.

durch

3. Verfahrensweisen zwischen den
Behörden.
Es ist der Nationale Sicherheitsberater, dessen größtes Interesse darin liegt, den Prozeß der
Nationalen Sicherheit in Gang zu setzen, denn durch diesen Prozeß erhält
der Präsident die Informationen, den
Hintergrund und die Analysen, die er
benötigt, um Entscheidungen zu treffen und Unterstützung für seine Programme zu gewinnen.
Unsere Überprüfung der Operation
des bestehenden Systems und desjenigen anderer
Regierungen, in denen
Ausschußvorsitzende aus den Ministerien kamen, hat uns zu der Schlußfolgerung gelangen lassen, daß das System in der Regel besser funktioniert, wenn die Ausschüsse von demjenigen geleitet werden, der das größte
Interesse am Funktionieren des NSCSystems hat.
Wir empfehlen, daß der Nationale
Sicherheitsberater den übergeordneten Ausschüssen des NSC-Systems
vorsitzt.
4. Vedeckte
Aktionen.
Formulierung und Durchführung politischer
Maßnahmen werden in der Regel von Expertengruppen
vorgenommen, die von
politischen Fachleuten geleitet werden. Die Erfordernisse verdeckter Aktionen unterscheiden sich nicht hiervon, aber es besteht die Notwendigkeit, die Anzahl der beteiligten Personen - manchmal drastisch - zu beschränken. Das Leben vieler Menschen
könnte auf dem Spiel stehen, wie es
im Fall des Versuchs einer Rettung
von Geiseln aus dem Iran der Fall
war. Vorzeitige Enthüllungen könnten
das Projekt in seinen Anfängen zunichte machen, wie es im Falle der
Aufnahme von Beziehungen
zu China

hätte geschehen können.
In solchen
Fällen besteht die Tendenz, die Zahl
der Beteiligten auf eine geringe Anzahl hochrangiger Beamter zu begrenzen. Diese Verfahrensweise birgt die
Gefahr in sich, daß die Sachkenntnis
bei der Behandlung von Problemen erheblich eingeschränkt wird und sollte
daher nur sehr vereinzelt angewandt
werden.
Die Besessenheit mit Geheimhaltung und Sorge um Indiskretionen drohen die Regierung bei ihrer Handhabung verdeckter Aktionen zu lähmen.
Leider ist die Sorge nicht unbegründet.
Die gezielte Indiskretion ist
zu einem wichtigen Mittel der bürokratischen
Kriegführung
geworden.
Gegner einer Operation machen sie mit
einer Indiskretion zunichte, Befürworter versuchen, Unterstützung mit
denselben Mitteln herbeizuführen.
Die meisten der jüngeren Regierungen besaßen sorgfältig ausgearbeitete Verfahrensweisen zur Behandlung
verdeckter Aktionen.
Die Reagan-Administration hat solche Verfahrensweisen im Januar 1985 festgelegt und
sie dann bei ihrer Behandlung der
Iran-Initiative bald außer acht gelassen.
Wir empfehlen, daß jede Administration exakte Verfahrensweisen
für die restriktive Behandlung
verdeckter
Aktionen
formuliert
und daß diese einmal formulierten
Verfahrensweisen strikt eingehalten werden.

5. Die Rolle des CIA.
Einige
Aspekte der Waffenverkäufe an den
Iran werfen bei den Mitgliedern des
Rates weitergehende Fragen über die
Rolle des CIA auf. Die erste bezieht
sich auf nachrichtendienstliche Informationen.

- 18 -

�Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates war aktiv an der Überarbeitung des Besonderen Berichts des
Nationalen
Nachrichtendienstes
über
Iran beteiligt. Es ist ein Anlaß zur
Besorgnis, wenn diese Beteiligung und
die Meinungen der Mitarbeiter des NSC
in die nachrichtendienstlichen Beurteilungen der überarbeiteten Fassung
eingeflossen wären. Wir sind weiterhin besorgt darüber, daß die überarbeitete Fassung den Hinweis enthielt,
daß die Vereinigten Staaten ihre bestehende Politik ändern und ihre Verbündeten dazu ermutigen sollte, Waffen an den Iran zu liefern. Es ist
wichtig, daß
eine
Linie
zwischen
Nachrichtendienst
und
Befürwortung
einer
bestimmten
Politik
gezogen
bleibt, wenn der
Nachrichtendienst
seine Integrität behalten und seine
angemessene Funktion erfüllen soll.
In diesem Fall ist der CIA dieser Linie nah genug gekommen, um Besorgnis
zu rechtfertigen.
Wir betonen sowohl für die Mitarbeiter des Geheimdienstes wie
auch für Politiker die Bedeutung,
die
bei
nachrichtendienstlichen
Verfahrensweisen der Aufrechterhaltung von Integrität und Objektivität zukommt.

Der Rat empfieht, daß die Stelle
des Rechtsberaters des NSC an
Format wie auch an Bedeutung innerhalb des Mitarbeiterstabs des
NSC gewinnt.

Wir empfehlen, daß der Kongreß in
Betracht zieht, die bestehenden
nachrichtendienstlichen Ausschüsse der jeweiligen Kammer durch
einen neuen gemeinsamen Ausschuß
zu ersetzen,
in dem
ein beschränkter Stab die Mitarbeiter

des
Nachrichtendienstes
überwacht.
Dieser Ausschuß
sollte
dem Muster des Gemeinsamen Atomenergie-Ausschusses
entsprechen,
wie er bis Mitte der siebziger
Jahre bestand.
Wir sprechen uns gegen eine von
Vermittlern
dominierte
Durchführung
und Aufsicht politischer
Maßnahmen
aus.
Wir empfehlen, Privatpersonen
in beschränktem Maße zuzulassen, wenn
es darum geht, die Vereinigten Staaten bei diplomatischen
Initiativen
oder vedeckten Aktionen zu unterstützen.
Wir warnen vor der Verwendung
solcher Personen, außer in sehr beschränktem Umfang und unter genauer
Beobachtung und Aufsicht.

Epilog
Wenn nur einer der hier von uns
untersuchten
wichtigen
politischen
Fehler vermieden worden wäre, trüge
die Geschichte unserer Nation eine
Narbe weniger, gäbe es eine Verlegenheit weniger, eine Möglichkeit weniger für unsere Gegner, die Prinzipien
zu verkehren, die dieses Land in der
Welt erhalten und vorantreiben will.
Zusammengenommen bieten sich diese Empfehlungen für all jene an, die
sich in ähnlichen Situationen befinden wie den von uns untersuchten; unter Druck, vor hohen Ansprüchen, mit
wenig Zeit, unvollständigen Informationen und von vorzeitigen Enthüllungen geplagt.
In einem solchen Zustand könnten bescheidenene Verbesserungen überraschende Gewinne hervorbringen. Darin liegt unsere Hoffnung.

- 19 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
4. März 1978

JA ZUM LEBEN - NEIN ZU DROGEN
UN-Suchtstoffkommission:

WASHINGTON - (AD) - Trotz erheblicher Meinungsverschiedenheiten unter einigen Delegierten der 40 regulären Mitgliedstaaten gelang es der
UN-Suchtstoffkommission
(UNCND)
am
Ende ihrer achttägigen Februar-Konferenz in Wien, sich auf eine wichtige
Resolution zu einigen.
Diese bestimmt die Einsetzung eines Expertengremiums, das die Details einer Konvention über enge und weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen den Drogenhandel ausarbeiten soll.
Gegenwärtig existieren auf diesem Gebiet
fast nur bilaterale Übereinkünfte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Alle Länder sind bedroht -

So war es auch von Bedeutung, daß
weitere 40 Länder und Organisationen
Beobachter nach Wien entsandt hatten.
Die amerikanische Chefdelegierte
Ann Wrobleski beschwor die Tagungsteilnehmer, alles zu tun, damit die
neue Konvention 1988 in Kraft gesetzt
werden
und
den
Kampf
gegen
den
Rauschgifthandel
wirksamer
machen
könne.
"Wir müssen gegen ein weltweites
Verbrechernetz
zum
Angriff
übergehen und es besiegen", forderte
sie, "gegen Verbrecher, die rund um
die Erde die Gesundheit von Menschen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und in einigen Fällen sogar die bare
Existenz
von
Gesellschaften
aufs
schlimmste gefährden".
Die nächste UNCND-Konferenz vom
17. - 26. Juni 1987 in Wien wird unter dem Motto stehen: "Ja zum Leben
- Nein zu Drogen".
Damit ist auch
schon ihr erweiterter Arbeitsbereich
angedeutet.
Tamar oppenheimer, die
Direktorin des Konferenzsekretariats,
bezeichnet als Hauptziel der Tagung,
das Drogenproblem
in allen seinen
Formen auf nationaler, regionaler und
internationaler
Ebene
anzugehen.
Deshalb
solle
die
Konferenz
auch
erstmals auf Ministerebene abgehalten
werden.
Künftige Aktivitäten
wolle man
umfassend und unter Einbeziehung aller einschlägigen Fachgebiete behandeln.
Dazu zählten auch Aufklärung,
vor allem der Jugend, sowie Therapie
und
Rehabilitation
Drogensüchtiger.
Eine Verlagerung
der
gegenwärtigen
Schwerpunkte sei notwendig. Bekämpfung des illegalen Handels und der
illegalen Produktion reiche nicht aus
- jetzt gehe es auch um die Suchtgefährdeten und um die Suchtprobleme.
Nachfrage und Konsum müßten energisch
attackiert werden.
Deshalb sei es
wichtig, daß parallel zur Ministerkonferenz auch nichtstaatliche Organisationen (NGO) der Vereinten Nationen in Wien tagen werden, die sich
jeweils mit ganz speziellen Fragenkomplexen befassen.
Die Verhandlungsführung bei der
UN-Suchtstoffkommission
erfordert
viel diplomatisches Geschick. Leicht
sehen manche Delegierte in dem einen
oder anderen Vorschlag, z.B. zur Aufnahme bestimmter Stoffe in die Verbotsliste, eine Verletzung von Traditionen ihres Kulturkreises. Auch mit
der Definition suchterzeugender Substanzen gibt es noch Schwierigkeiten.
- 2

So betrachten z.B. einige Länder Marihuana und Haschisch, die beide aus
der Cannabis-Pflanze stammen, nicht
als schädlich und dulden sie stillschweigend,
über eine allgemeingültige
internationale
Definition
von
Marihuana
haben
sich
die Wissenschaftler noch nicht einigen können.
Ein ganz anders geartetes und
gleichzeitig noch schwierigeres Problem schaffen die Mixturen der sog.
Designer Drugs.
Diese sind nicht
minder wirksam und gefährlich wie die
mit ihnen eng verwandten Rauschgifte.
Aber weil sie nicht die gleiche chemische
Zusammensetzung
haben, sind
der Polizei und den Gerichten die
Hände gebunden. Gelingt es dennoch,
sie auf die Verbotsliste zu bringen,
ist es den Herstellern ein Leichtes,
die Rezeptur geringfügig zu ändern
und so das Produkt erneut dem Zugriff
der Justiz zu entziehen.
Als eine zweischneidige und politisch heikle Sache erweist sich die
Resolution der UNCND, die die Unterstützung von Ländern der Dritten Welt
mit mehr Geld
zur Bekämpfung der
mächtigen Drogenbosse durch die "Konsumentenländer"
fordert.
Aber
die
Nachricht von der Festnahme des berüchtigten Drogenkönigs Carlos Leder
Rivas in Kolumbien und seiner Auslieferung an die USA stärkte zweifellos
die Entschlossenheit der CND-Delegierten, den Kampf gegen die Rauschgiftkartelle zu koordinieren.

Die Opfer
Rivas und seine Kumpane dürften
für 80 Prozent der Kokainmengen verantwortlich sein, die in der ganzen
Welt konsumiert werden.
Bis zu 15
Tonnen werden Monat für Monat nach
Nordamerika
und
Westeuropa
eingeschleust.
Die Zahl der Verbraucher

�in den Vereinigten Staaten wird auf
mindestens sechs Millionen geschätzt;
in Europa steigt sie sprunghaft an.
Wrobleski zufolge kamen die 1986
in den USA konsumierten Rauschgifte ein
10 0-Milliarden-Dollar-Geschäft
für die Händler - zu 90 Prozent aus
dem Ausland. Es handelte sich um etwa 12 Tonnen Heroin, 65 Tonnen Marihuana, 150 Tonnen Kokain, von suchterzeugenden Aufputschmitteln und Psychopharmaka einmal abgesehen. Kokain
stamme zu 100 Prozent aus den Andenstaaten, Opium (100 Prozent) hauptsächlich
aus
Südost- und
Südwestasien, und zwar aus dem "Goldenen
Dreieck" mit den Ländern Laos, Burma
und Thailand sowie den Ländern des
"Goldenen Halbmonds" mit Afghanistan,
Iran und Pakistan, der Rest aus Mexiko. Das besonders minderwertige mexikanische Heroin habe verheerende
Wirkungen.
Obgleich der Marihuanakonsum unter Schülern merklich zurückgegangen
ist, dürften laut Ann Wrobleski in
den USA ca. 20 Millionen Menschen
diese Rauschdroge regelmäßig nehmen.
Sie als harmlos zu betrachten habe
sich als ganz großer Irrtum erwiesen.
Mit der Zeit führten Marihuana und
Haschisch immer häufiger zu Kreislaufstörungen und anderen physischen,
vor allem aber zu psychischen Schäden, die kaum mehr rückgängig zu machen seien.
Begabungen verkümmern,
weil die Motivation verloren gehe,
etwas zu tun, zu lernen und im Leben
voranzukommen.
Die Betroffenen werden zu Außenseitern der Gesellschaft,
Familien und Freundschaften zerbrechen, Verzweiflung führt zu Selbstmordversuchen und Selbstmord.
Die Zahl der Heroinsüchtigen in
den USA werde, so berichtet Wrobleski, auf 500 000 geschätzt. Die Zahl
der Todesfälle, die Ende der siebzi-

ger Jahre und noch einmal 1982 und 83
rückläufig war, steigt, wie die Unterlagen des Nationalen Instituts zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (NIDA)
ausweisen, wieder an (1985: 1 263 Tote) . Eine weitere schreckliche Begleiterscheinung der Sucht sei die
Tatsache, daß Heroinabhängige
eine
ziemlich große Gruppe unter Virusträgern der Immunschwächekrankheit AIDS
stellen.
So seien
z.B. von den
30 000 in New York erfaßten AIDS-Virusträgern etwa 25 Prozent heroinsüchtig. Durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen werde die Infektion
auch heterosexuell weiterverbreitet ein alarmierendes Problem für die Gesundheitsämter
und das öffentliche
Gesundheitswesen in allen Ländern.
Allmählich rundet sich auch das
Bild
ab von
den
gesundheitlichen
Schäden und Gefahren durch den Konsum
von Kokain in den verschiedenen heute
verfügbaren Formen der Droge.
Die
Todesfälle
steigen
laut NIDA-Statistik rapide an (1975: 42, 1980: 96,
1985: 613). Herzattacken und Herzinfarkt, noch dazu in Verbindung mit
Rauchen
oder anderen Aufputschmitteln, werden bei jungen Menschen immer häufiger beobachtet. Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Blutdruckanstieg, Embolien im Gehirn und Lungenfunktionsstörungen sind schon seit
längerem bekannt.
Auf einer von der "Amerikanischen
Gesellschaft
für Pharmakologie und
exper imenteile
Therapiever fahren"
Mitte Januar 1987 in Washington veranstalteten
Konferenz
diskutierten
mehr als 30 Spezialisten - Mediziner,
Biochemiker, Psychiater - zwei Tage
lang wichtige Ergebnisse ihrer Erfahrungen mit kokainsüchtigen Patienten.
Demnach sehe man parallel zu dem
wachsenden Konsum und zu neuen Wegen
zur Aufnahme
der
Droge
(Rauchen,
Schnupfen,
Injektionen)
seit
1981

- 3 -

�e i n e Verdreifachung von medizinischen
Problemen, d i e in einem B e r i c h t zusammengefaßt
wurden.
Dr.
Charles
S c h u s t e r , der Direktor von NIDA, b e r i c h t e t e auf der abschließenden P r e s sekonferenz u . a . von einem a u f f ä l l i gen Ansteigen der Notaufnahmen
in
Krankenhaus-Intensivstationen
im Zusammenhang mit Kokain, mehr Aufnahmen
von Süchtigen in Behandlungszentren,
s t a r k erhöhter z a h l der T o d e s f ä l l e
durch Kokain.

Dr. H e r b e r t Kleber, P r o f . für P s y c h i a t r i e an der Y a l e - U n i v e r s i t ä t ,
berichtete.
Zu
diesen
Medikamenten
zähle z . B . Desipramin, s e i t zehn J a h ren auf dem Markt.
Bei Doppelblinds t u d i e n habe man b e o b a c h t e t , daß d i e
Medikation nach zwei b i s d r e i Wochen
zu einem " r e l a t i v großen Abbau" des
Kokainkonsums f ü h r t e .
Nach der achten Woche s e i e n 70 Prozent der Desip r a m i n - P a t i e n t e n von Kokain f r e i g e wesen (gegenüber 0 b i s 45 Prozent der
P a t i e n t e n der Placebo-Gruppe).
Beide
Gruppen e r h i e l t e n z u s ä t z l i c h e Beratungen.
Kleber warnte jedoch vor
falschen Hoffnungen, denn d i e Ergebnisse
der
noch b i s Ende Februar
durchgeführten Studie s e i e n e r s t v o r läufiger Natur.

Auch habe s i c h der Konsumentenkreis erheblich geändert.
"Personen,
d i e wir früher n i e mit R a u s c h m i t t e l konsum in Zusammenhang g e b r a c h t h ä t t e n , scheinen p l ö t z l i c h zur Szene zu
gehören", s a g t e S c h u s t e r .
Es seien
F a m i l i e n v ä t e r , Ä r z t e , Bank- und Börs e n l e u t e - Personen a l s o , durch deren
drogenbedingte
Fehlhandlungen
sich
schwerwiegende g e s e l l s c h a f t l i c h e Konsequenzen ergeben können.

Generalangriff auf den i l l e g a l e n
Handel
Die Länder der Welt müssen s i c h
auf gemeinsame Linien zur s y s t e m a t i schen Bekämpfung des i l l e g a l e n Drogenhandels e i n i g e n , der a l l e s t u t , um
der krankmachenden und t ö d l i c h e n Ware
immer neue Märkte zu
erschließen.
Das z e i g t s i c h neuerdings in A f r i k a :
In M a u r i t i u s und Nigeria war Heroin
unbekannt. J e t z t benutzen die i n t e r n a t i o n a l e n Händlerringe d i e s e Länder
für den T r a n s i t aus Asien nach Westeuropa und Nordamerika - schon g i b t
e s , wie der j ü n g s t e UNCND-Jahresber i c h t b e s a g t , auch d o r t H e r o i n s ü c h t i ge.
Anderen Durchgangsländern
wie
E l f e n b e i n k ü s t e und Ghana drohe das
gleiche Schicksal.
Auch Kokain b e ginne s i c h e n t l a n g der Schmuggelrouten durch Afrika a u s z u b r e i t e n .
Ähnl i c h e Entwicklungen s e i e n in I n d i e n ,
P a k i s t a n und Osteuropa zubeobachten.

Was noch vor wenigen Jahren abgestritten
wurde,
zeige
sich
immer
deutlicher:
Die Droge b e s i t z t
ein
ungewöhnlich
hohes
Suchtpotential,
weil s i e d i r e k t auf w i c h t i g e H i r n zentren wirke.
Häufiger Konsum und
hohe Dosen könnten zu
zahlreichen
Problemen, u . a . zu Depressionen und
"Kokain-Psychosen" führen.
Weshalb e p i l e p t i s c h e Anfälle und
Herzschäden durch Kokain v e r u r s a c h t
würden,
sei
erst
ungenügend
erforscht;
häufig seien davon j u n g e ,
zuvor
gesunde
Menschen
betroffen.
Kokain während der
Schwangerschaft
schädige den F ö t u s . Frühgeburten mit
den
verschiedensten
Komplikationen
für das Kind - f a l l s es überhaupt l e bensfähig i s t - seien häufig die F o l ge.

Der
Transport
heißer
Drogenschmuggelware auf Schiffen s e i 1986
eskaliert.
Dies a l l e s e r f o r d e r e , so
d i e UN-Suchtstoffkommission, dringend

Bei der Entzugsbehandlung Kokainsüchtiger zeigten einige Antidepress i v a v e r h e i ß u n g s v o l l e E r g e b n i s s e , wie
-

4

�eine "sehr enge Zusammenarbeit aller
Länder".
Nur dann sei eine Lösung
für das Problem Rauschgift denkbar,
wenn sich der Rauschgifthandel nicht
mehr lohne.
Wrobleski forderte als
erste wichtige Maßnahmen:
- gemeinsame Gesetze, um die "Geldwäsche" als Verbrechen zu behandeln;
- mehr Zusammenarbeit von Vollzugsbehörden über Ländergrenzen;
- Verbotsbestimmungen für wichtige
Chemikalien zur Drogenherstellung;
- strengeren Vollzug bei Schmuggel
im internationalen Luftraum und
in internationalen Gewässern;
- wirksame
internationale
Rechtshilfe bei Rauschgiftkriminalität;
- Aufdeckung und Kontrolle der Produktion des Rohmaterials für die
Herstellung bestimmter Suchtstoffe; und
- Ausweitung der Auslieferungsverfahren auf alle Drogenhändler.

* * * * * *
- 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehansprache Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und VOA-Direktor Richard Carlson -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja zum Leben - Nein zu Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN^
1 1 . März 1987

10

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle
ein "großer Durchbruch"
- Ansprache vor der National Newspaper Association Weinberger; Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen
"begrüßenswerte Entwicklung"
- Verteidigungsminister Weinberger in Boston

INFORMATION
Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus
- Kurzbiographie von William Webster -

WIRTSCHAFT
Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan; Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag
- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba
- Worldnet mit Walters und Valladares -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation
11. März 1987

10

REAGAN: VERÄNDERUNG DER SOWJETISCHEN POSITION ZUR RÜSTUNGSKONTROLLE EIN
"GROSSER DURCHBRUCH"
- Ansprache vor der National Newspaper Association -

WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor der National Newspaper Association bezeichnete Präsident Reaqan am 5. März 1987 die Veränderunq der sowjetischen Position bei den Rü'stunqskontrollqesprächen als "qroßen Durchbruch",
der zeiqe, "daß sich bei den Bemühunqen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen". Er begrüße die sowjetische Zustimmunq, über Mittelstreckenraketen (INF) zu verhandeln ohne weiter auf der
Preisqabe der Strateqischen Verteidiqunqsinitiative als Voraussetzunq für ein
Abkommen über INF zu bestehen.
Die Ansprache des Präsidenten hat folqenden Wortlaut:

Wie Sie wissen, habe ich qestern
abend in meiner Ansprache an das amerikanische Volk zur Iran-Initiative
Stellunq
qenommen.
Eine Tatsache,
die unsere Republik so qroßartiq qemacht hat, besteht darin, daß wir uns
nicht vor unseren Fehlern verstecken.
Wir lernen aus ihnen.
Dann machen
wir weiter und tun unsere Arbeit besser als vorher.
Wir haben in den letzten Monaten
qenuq Zeit mit Insider-Informationen
über
politische
Vorqänqe
in
Washinqton verbracht.
Wer oben und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wer unten durch sei. Wer dazu qehört
und wer nicht. Die Ermittlunqen werden und sollten weiterqehen. Und die
zuständiqen
Ausschüsse
werden
und
sollten weiter zusammentreten.
Ich
habe zuqesaqt, daß die Administration
ihnen
jede
Unterstützunq
qewähren
wird, und dies wird sie auch tun.
Was mich jedoch anqeht, so hat
das amerikanische Volk mich hierhin
qeschickt, um meine Arbeit zu tun,
und es bleiben dafür nur noch zwei
Jahre.
Und ein Teil meiner Arbeit
besteht darin, die Grundlage für den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Frieden in der Welt zu stärken. Nie
war ich in bezuq auf die Erfolgsaussichten in diesem Bereich optimistischer als heute. Und das rührt daher, daß wir in der vergangenen Woche
einen bedeutenden Durchbruch auf dem
Weq zu einem Abkommen über gegenseitige und verifizierbare Waffenreduzierungen zwischen uns und der Sowjetunion erlebt haben.

Zunächst wurde uns erklärt, daß
wir ein Rüstungskontrollabkommen unwahrscheinlicher
machten, wenn wir
die Verteidigung Amerikas wiederherstellen und wenn wir die Bereitschaft
unserer
Bündnisse
erhöhen
würden.
Die Sowjets erklärten, sie würden
sich von den Genfer Abrüstungsgesprächen zurückziehen, wenn wir unsere INF-Raketen stationierten.

Wie ich schon zu Beginn der Woche
verkündet habe, haben sich die Sowjets
endlich
bereiter klärt,
über
eine weltweite Reduzierung der amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckensysteme
längerer
Reichweite
oder, wie wir sie nennen, INF-Flugkörper zu verhandeln.
Das Reduzierungsabkommen, daß als Ergebnis der
sowjetischen
Erklärung
jetzt
in
Reichweite ist, leitet sich von meinem Vorschlag einer "Null-Lösung" aus
dem Jahr 1981 ab.
Dieser Vorschlag
fordert den Abbau aller INF-Flugkörper. Diese Verhandlungen werden ohne
Vorbedingungen geführt.
Die Sowjets
haben ihre Forderung nach Aufgabe der
Strategischen Verteidigungsinitiative
als Vorbedingung für eine Einigung zu
INF fallengelassen, und ich begrüße
diese Entwicklung.

Aber wir und unsere Verbündeten
wußten, daß, während der Westen untätig geblieben war, die Sowjets ihre
eigenen
INF-Systeme
mehrere
Jahre
lang mit einer Rate von einem System
pro Woche stationierten und damit
eine neue und grundlose Bedrohung unserer Freunde und Verbündeten in Europa und Asien geschaffen haben.

Diese Veränderung in der sowjetischen Position ist ein großer Durchbruch, und sie zeigt, daß sich bei
den Bemühungen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen.
Nun, dies sollten die drei Binsenwahrheiten sein - daß sowohl Bereitschaft wie auch Geduld und Festigkeit sich auszahlen.
Doch im
Verlauf der letzten Jahre mußte ich
diese Binsenwahrheiten ständig verteidigen, um die Politik zu schützen,
die uns zu diesem Augenblick der
Hoffnung geführt hat.

Wir wußten, daß dies den Frieden
nicht
sicherer, sondern
unsicherer
machen würde. Und wir waren uns darüber im klaren, daß wenn wir jemals
über ein Abkommen zur Reduzierung der
sowjetischen
INF-Systeme
verhandeln
wollten, wir etwas Substantielles besitzen mußten, das wir als Gegenleistung aufgeben müßten. wir und unsere Verbündeten beschlossen deshalb,
zum Ausgleich für die neue Bedrohung
durch die sowjetische Aufrüstung in
diesem Bereich in vernünftigem Maß
selbst INF-Systeme zu stationieren.
Nachdem die Sowjets sich geweigert
hatten, darauf am Verhandlungstisch
konstruktiv
zu reagieren, begannen
wir mit der Stationierung.
Wir waren bereit und zudem geduldig. Ja, die Sowjets verließen den
Verhandlungstisch.
Dies
war
Teil
eines ausgeklügelten Schauspiels, das
auf die öffentliche Meinung hier und
in Europa abzielte. Aber trotz einiger abweichenden Meinungen auf beiden
Seiten des Atlantiks blieben das amerikanische Volk und die Bevölkerung
Europas auf unserer Seite.

�Gemeinsam
hatte
das
westliche
Bündnis einen ebenso lanqen Atem wie
die Sowjets. Und als es schließlich
klar qeworden war, daß nicht nur die
politisch
Verantwortlichen,
sondern
auch die Bevölkerung der Bündnisstaaten warten konnten und würden und daß
weder die Menschen noch ihre Politiker klein beiqeben würden, kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Geduld.
Sie wissen, was danach geschah zwei Jahre der Treffen, Hoffnunqen,
Erfolge
wie
auch
Enttäuschungen.
Nachdem sie bereits das Gegenteil erklärt hatten, verbanden die Sowjets
die INF-Frage mit anderen Bereichen,
wozu auch ihre Bemühungen zur Erledigung unseres SDI-Programm gehörten.
Aber wiederum blieben wir und unsere
Verbündeten fest. Wir bewahrten unsere Festigkeit, weil SDI auf dem Weq
zu einer sichereren Welt für alle
eine
entscheidende
Rolle
spielen
wird. Durch SDI wird unser Ziel einschneidender, gleichgewichtiger
und
veri fizierbarer
waffenreduzierunqen
unterstützt.
Es verringert das Kriegsrisiko
und die Bedrohunq durch ballistische
Fluqkörper.
Ich
habe
jedenfalls
nicht die Absicht, den Traum des Menschen von einer sichereren Welt zur
Verhandlunq zu stellen.
Und wir sind noch auf andere Weise fest qeblieben.
Wir haben erklärt, daß unser ziel in einem weltweiten Verbot aller INF-Systeme länqerer
Reichweite
bestehen
sollte.
Als ich dies vor sechs Jahren zu unserem
Ziel
erklärte, wurde
diese
Null-Lösunq mit großer Skepsis aufgenommen. Einige behaupteten, ich könne es nicht ernst meinen, ich schlüge
die Null-Lösung nur deshalb vor, weil
ich wüßte, daß die Sowjets ihr nie-

mals zustimmen würden oder weil ich
so einfältig sei, daß ich es nicht
besser wüßte.
Nun, nach mehreren
Jahrzehnten in Hollywood war es ein
ganz neues Gefühl für mich, als einfältig bezeichnet zu werden.
Ich war und bin entschlossen, daß
das Vermächtnis dieses Jahrzehnts für
den Weltfrieden besser sein wird als
lediglich ein weiter Haltepunkt bei
der Regelung des Wettrüstens.
Das
amerikanische Volk und die Völker der
Welt wollen keine Arsenale, die nur
einen Bruchteil so schnell wachsen
wie zuvor.
Sie wollen einen Abbau
der Arsenale, und vielleicht befinden
wir uns bei einer entscheidenden Waffenkategorie zur Zeit an der schwelle
zur Erreichung genau dieses Ziels weil wir fest geblieben sind.
Ja, Bereitschaft, Geduld und Festigkeit zahlen sich nun aus.
Und
deshalb sind sie zur rechten Zeit gekommen.
Morgen werde ich die Botschafter Max Kampelman, Ron Lehman
und Mike Glitman treffen, die ich aus
Genf einberufen habe. Ich werde mit
ihnen die amerikanische Reaktion auf
die sowjetische Erklärung besprechen.
Ich habe unser Verhandlungsteam
schon damit beauftragt, unseren Entwurf für ein Abkommen auf den Verhandlungstisch zu legen.
Dies ist
ein großer Augenblick der Hoffnung
für die Menschheit - Hoffnung, ja,
für diese Übereinkunft, Hoffnunq auch
auf andere Abkommen, Abkommen, durch
die unsere Sicherheit erhöht und die
Grundlaqen des Friedens qestärkt werden.
Die Flamme
dieser
Hoffnung
brennt heute, weil wir bei den ersten
Anzeichen der sowjetischen Kampagne
in der Öffentlichkeit nicht nachgegeben haben.
Dies ist die Lehre der
vergangenen Jahre: wir und
unsere
Verbündeten
haben
und
werden
uns
nicht zu einem Abkommen drängen las-

- 3 -

�sen.
Ich werde die Hoffnung auf
einen echten Frieden nicht vorbeigehen lassen.
Manchmal nehmen uns die Ereignisse der Tagespolitik so sehr gefangen,
daß wir das große Versprechen verqessen, das von unserer Nation und unserer Zukunft verkörpert wird. Wir leben in einem Zeitalter der Hoffnung,
in einer Zeit, in der die Träume der
Menschheit von einem Ende der großen
Kriege und der Ausdehnung der Freiheit auf alle Länder und Völker endlich
verwirklicht
werden
können,
einer Zeit, in der wir einer neuen
Epoche der Möglichkeiten entgegensehen.
Dies heißt aber nicht, daß alle
Probleme qelöst wären. Bei den INFGesprächen bleiben noch einige wichtige Fragen ungeklärt.
Wir müssen
uns auf gleichgewichtige Beschränkungen für INF-Systeme kürzerer Reichweite verständigen. Dies ist notwendig, damit den Sowjets keine Möglichkeit zur Umgehung eines Abkommens zu
INF längerer Reichweite durch die
Aufrüstunq mit INF kürzerer Reichweite erhalten bleibt. Um außerdem sicherzugehen, daß die Sowjets Wort
halten, müssen wir weiterhin darauf
bestehen, daß alle Abkommen wirksam
verifizierbar sind. Ich bin eigentlich kein Linguist, aber bei dem
Treffen von Reykjavik gab es ein russisches Sprichwort, das ich Herrn
Gorbatschow
in
russischer
Sprache
übermitteln konnte, was ich auch tat:
"Dowerial no prowerial" - vertraue,
aber prüfe nach.
Er lächelte und
wechselte das Thema.
Schließlich bleiben drei wichtige
Bereiche des Ungleichgewichts, nämlich bei den Kurzstreckenwaffen, den
chemischen Waffen und den konventionellen Streitkräften in Europa. Wir
und unsere Verbündeten beschäftigen

uns mit all diesen Problemen.
Und während wir uns mit ihnen beschäftigen, können wir heute zu träumen beginnen, was vor nur weniqen
Jahren die Menschheit kaum zu träumen
wagte, vom wirklichen Ende des nuklearen Terrors.
Wir
können
von
einer Welt dauerhaften Friedens träumen.
Wir können von Hoffnung und
Möglichkeiten sowie von Freiheit für
die ganze Menschheit träumen.
Niemand sollte denken, daß unsere
Bestrebungen für eine sicherere Welt
sich in einem Augenblick oder nur
aufgrund des Wunsches verwirklichen
lassen. wir sind so weit gekommen,
weil wir stark, geduldig und fest waren. Und wir benötigen diese Eigenschaften auch während des Rests der
Wegstrecke zu echtem Frieden.
wir
wissen heute jedoch, daß diese Reise
einmal ein Ende haben wird.
Wir haben den Anfang dieses Endes
noch
nicht
erreicht.
Aber,
wie
Churchill
bei
anderer
Gelegenheit
sagte, stehen wir vielleicht am Ende
des Anfangs. wir sind einen langen
und schwierigen Weg gegangen.
Aber
unser Volk besitzt eine große Stärke.
In den Beziehungen zwischen Amerika
und seinen Verbündeten besteht eine
große Stärke in bezug auf das gemeinsame Ziel.
Laßt uns also zusammen
auf dem Weg zu unserem gemeinsamen
Traum voranschreiten.
Ich kann nicht daran glauben, daß
die Sicherheit
der Welt
und der
Menschheit weiterhin auf einer Politik beruhen soll, die als MAD (Mutual
Assured
Destruction),
beiderseitig
gesicherte
Vernichtung,
bezeichnet
wird, auf einer Idee, die besagt,
daß, wenn wir genug Raketen besitzen,
um die anderen von der Erde zu blasen
und die anderen genug besitzen, um
uns von der Welt zu blasen, wir hier

�ruhig mit dem Wissen sitzen können,
daß
irqendwann
irqendjemand
einen
Knopf drücken könnte, was den Anfanq
der Zerstörung der Welt bedeuten würde. Das ist nicht meine Vorstellunq
von einer Garantie des Friedens, wenn
ich mir so die Geschichte der Welt
anschaue. Und ich bin der Uberzeuqung, daß die von uns entwickelte
Antwort zur Beseitiqunq dieser furchbaren
Waffen
führen
wird.
und
qleichzeitiq können wir eine Verteidiqunq qeqen solche Waffen aufrechterhalten.
Da wir wissen, daß wir
diese Waffen irqendwo und irqendwann
herstellen können, könnte ja ein Verrückter kommen und anfanqen, solche
Waffen wieder zu produzieren.
Als wir nach dem Ersten Weltkrieq
versprachen, Gas als Waffe abzuschaffen, hat trotzdem jeder seine Gasmasken behalten. Und das ist alles, was
wir vorschlaqen.
und wir qlauben,
daß die Möqlichkeit zur Erreichunq
eines solchen Abkommens besteht.

- 5

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
11. März 1987

10

WEINBERGER:

SOWJETISCHER VORSCHLAG ZU MITTELSTRECKENRAKETEN
"BEGRÜSSENSWERTE ENTWICKLUNG"

- Verteidiqunqsminister Weinberqer in Boston -

BOSTON - (AD) - Im Verlauf einer Pressekonferenz erklärte der amerikanische Verteidiqunqsminister Caspar Weinberqer am 5. März 1987 in Boston, der
sowjetische Vorschlaq zu einem Abkommen über Mittelstreckensysteme länqerer
Reichweite sei eine "beqrüßenswerte Entwicklunq". Zuqleich betonte er jedoch
auch die Notwendigkeit der Verifizierunq und Inspektionen vor Ort für die Verwirklichunq eines wirksamen Abkommens zur Reduzierunq dieser Waffen.
Nachfolqend brinqen wir die wichtiqsten Auszüqe aus Weinberqers Pressekonferenz:

Frage:
Würden Sie den Bericht
von den Genfer Verhandlungen kommentieren, wonach die Sowjetunion in den
INF-Gesprächen Inspektionen vor Ort
zuqestimmt hat?
Antwort:
wahr ist.

Ich

hoffe,

daß

dies

Frage:
Und
daß
sie
bereit
sind, auch die Besorqnisse der WestEuropäer über die Kurzstreckensysteme
ernst zu nehmen?
Antwort:

Wir

hoffen,

daß

das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stimmt. Ich habe bis jetzt noch keinen formell unterbreiteten Vorschlaq
der Sowjetunion
für einen Vertraq
oder
eine
Sprachreqelunq
qesehen,
aber ich hoffe sehr, daß dies wahr
ist.
Wir bemühen uns seit lanqem,
einschneidende Reduzierunqen bei Waffen aller Art zu erzielen, bei Atomraketen mittlerer Reichweite und bei
Lanqstreckenraketen.
Damit
meinen
wir einschneidende Reduzierunqen, die
uns auf beiden Seiten zu Parität verhelfen würden und umfassend zu verifizieren wären. Und ohne Inspektionen vor Ort kann man solche Abkommen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einfach
nicht
verifizieren.
Und
selbst dann kann man sich nicht völliq sicher sein.
Inspektionen vor
Ort sind jedoch für jede Art von
nützlicher
Verifizierunq
notwendig.
Ich hoffe also, daß der Bericht der
Wahrheit entspricht.
Fraqe:
Könnten
Sie
etwas
zu
den Aussichten saqen.
Könnten sie
einem zeitlichen Rahmen von sechs Monaten bei INF zustimmen?
Antwort:
Es ist schwer, qenau
abzuschätzen, wieviel Zeit dafür benötiqt wird. Wenn beide Seiten ein
Abkommen erreichen wollen, und wir
wollen dies sicherlich, dann qlaube
ich nicht, daß es sehr lanqe dauern
wird. Sechs Monate scheinen mir mehr
als qenuq, um in der Laqe zu sein,
ein Abkommen zusammenzustellen, nachdem die Sowjets einmal ihren echten
Wunsch nach Abschluß eines solchen
Abkommens zum Ausdruck qebracht haben. Wenn dies existiert, wenn dies
anhält, wenn es mehr ist als nur der
Versuch, die Weltmeinunq
für sich
einzunehmen, dann sollten wir in der
Laqe sein, ein solches Abkommen ziemlich bald zu erreichen.
Fraqe: (unverständlich)
Antwort:
Nein,
ich
denke
nicht, daß dies etwas damit zu tun
hat.
Es ist immer schwieriq auszumachen, welche Ideen die Sowjets qerade verfolqen.
Es ist mit schon
seit lanqem klarqewesen, daß sie ein
Rüstungskontrollabkommen
wollen
und
brauchen.
Ich war mir darüber im
klaren, daß sie ihr Möglichstes tun
würden, um uns zur Einstellunq der
Arbeiten an der strateqischen Verteidiqunq zu veranlassen, um ihre eiqenen Bemühunqen verfolqen zu können
und das Monopol aufrechtzuerhalten,
das sie in diesem Bereich besaßen.
Ich qlaube, daß mit dem zunehmenden
- 2

Bewußtsein darüber, daß sie den Präsidenten nicht zur Aufqabe der strateqischen
Verteidiqunq
überreden
konnten,
sie
dann
ihren
zweiten
Wunsch weiterverfolgten, nämlich die
Erzielunq
eines
Rüstunqskontrollabkommens. Ich denke, ihr Hauptwunsch
besteht darin, die Pershinq-Raketen
aus Europa zu entfernen. Um dies zu
erreichen, erklären sie jetzt, sie
seien bereit, bei ihren Mittelstrekkenraketen einschneidende Reduzierunqen vorzunehmen, in Europa bis auf
Null, und Arranqements zu erarbeiten,
die ein höheres Maß an Parität und
eine weit stärkere Abschreckunqsfähiqkeit bei den Kurzstreckenraketen
erlauben werden.
Ich hoffe, daß dies stimmt. Ich
bin sicher, man kann mit zehn Leuten
sprechen und zehn verschiedene Theorien darüber erhalten, warum die Sowjets zu irgendeiner Zeit irgendetwas
tun.
Ich hoffe, sie werden dabei
bleiben. Ich hoffe, daß sie bei diesem Abkommen angemessenen und wirksamen Inspektionen vor Ort zustimmen
werden. Man kann solch ein Abkommen
nicht ohne dies unterzeichnen.
Meiner Meinung nach sollte dies das erste sein, worüber wir verhandeln müssen.
Frage:
Was
ist Ihrer Meinung
nach das größte Hindernis bei (unverständlich) ....
Antwort:
Das Bestehen der Sowjets auf der Tatsache, daß sie in
einer qroßen Anzahl von Kategorien
die Überlegenheit haben müssen, haben
wollen und auch tatsächlich haben.
Und daß sie niemals bereit waren,
eine angemessene Verifizierung zuzulassen, die angesichts ihrer Täuschungsmanöver in der Vergangenheit
absolut unerläßlich ist. Wir wollen
Abkommen und zwar solche, die einschneidende Reduzierunqen qewährlei-

�sten. Wir wollen Abkommen, die beiden Seiten wieder einen Gleichstand
verschaffen. Wir müssen Übereinkünfte erzielen, die
vollständig
und
gründlich verifizierbar sind.
Wenn
diese drei Bedingungen erfüllt werden, werden wir dem Abschluß von Abkommen mit Freude entgegensehen. Es
ist die Unfähigkeit, solch eine Art
von Abkommen herbeizuführen, die den
Prozeß verlangsamt hat.
Es ist immer wieder überraschend,
zu lesen, daß der Präsident dafür
kritisiert wird, daß er kein Rüstungskontrollabkommen
erzielt.
Er
möchte und wird auch kein Abkommen
bekommen, das für unser Land ein
schlechtes Abkommen wäre. Er möchte
kein Abkommen, das nicht wirkungsvoll
verifizierbar ist. Was er drinqend
möchte und auch bereits seit seiner
Amtseinführung zu bekommen versucht
hat, sind Abkommen, die einschneidende Reduzierungen vorsehen, uns wieder
auf einen Gleichstand bringen und verifizierbar sind.
Frage:
Premierminister in
Thatcher hat erklärt, daß ein INF-Abkommen an ein Abkommen über Kurzstreckenwaffen gekoppelt sein sollte.
Stimmen Sie dem zu?
Antwort:
Ja, das tue ich.
Es
muß nicht qekoppelt oder verknüpft
sein.
Was wir brauchen, sind Reduzierungen in allen Bereichen.
Man
kann keine Reduzierung vornehmen, die
den Vereinigten Staaten, den NATOVerbündeten
oder
dem
Westen
eine
wirksame
Abschreckung
entziehen.
Gleichzeitig zu den vorgenommenen Reduzierungen muß entweder eine ausreichend
wirkungsvolle
Abschreckung
erhalten oder sichergestellt werden,
daß
sowjetische
Reduzierungen
in
gleichem Umfang vorqenommen werden.
Die Abschreckung muß aufrechterhalten
bleiben.

Frau Thatchers Hinweis ist sehr
wertvoll, es gibt eine große Anzahl
von sowjetischen Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite, es
gibt
LRINF und SRINF.
Wenn es gelingt,
die SS-20 als LRINF abzuschaffen,
bietet das große Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets immer noch Anlaß
zur Besorgnis im Bereich der Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite,
der SCALEBOARD-Raketen und der SS-23.
Es ist daher wichtig, auch daran zu
denken.
Es geht nicht darum, eine
Waffenkategorie abzuschaffen und Europa gegenüber einer anderen verwundbar zu machen.
Frage:
Wenn
es
uns
gelingt,
Abkommen zum Abbau der Mittelstrekkenwaffen zu erlangen, was können wir
bei den konventionellen Streitkräften
tun?
Dort gibt es ein Ungleichgewicht,
(unverständlich) unsere militärische Präsenz?
Antwort:
Diesen Punkt habe ich
gerade versucht zu beantworten. Wir
können eine wirkungsvolle Abschrekkung nicht aufgeben. Es ist genauso
wichtig, einen
konventionellen Anqriff abzuschrecken wie einen Nuklearanqriff. Konventionelle Waffen haben eine schreckliche Wirkung und
können mit allen möglichen verbesserten
Sprenqstoffen
enormen
Schaden
hervorrufen, so daß auch dieses Problem angegangen werden muß. Es ist
notwendig, ebenso wie im strategischen auch im konventionellen Bereich
ein abschreckendes Gleichgewicht herzustellen.
Es ist sehr wichtig, daß es sich
um kein sehr gutes Abkomen handeln
kann, wenn es uns erlaubt, unsere
Streitkräfte zu erweitern.
Die Sowjets stellen unseren 14 000 Panzern
etwa 44 000 geqenüber. Es wäre kein
gutes Abkommen, das es uns erlauben

- 3 -

�würde, unseren Bestand ebenfalls auf
44 000 zu erhöhen. Es wäre aus dem
Grund kein gutes Abkommen, weil es
den Waffenbestand
erweitern würde.
Es wäre ein besonders schlechtes Abkommen, weil die Sowjets sehr wohl
wissen, wie leicht es für sie ist,
ihre Militärausqaben zu erhöhen und
wie schwieriq für uns.
In der Sowjetunion qibt es keine
öffentliche Meinung. Ihre Lebensqualität, die niemand von uns auch nur
mehr als ein oder zwei stunden ertragen wollte, spielt dabei überhaupt
keine Rolle. Und sie können soviel
sie wollen in ihre Verteidigung investieren, weil dort das System anders
ist. Einzelne Männer im Kreml können
solche
Entscheidungen
über
Nacht
treffen und diese können zehn bis
zwölf Jahre gültig sein. Für uns ist
das wesentlich schwieriger. Die Sowjets wissen genau, was sie in sechs
oder sieben Jahren ausgeben werden.
Ich kann das nicht für zwei oder drei
Jahre im voraus bestimmen.
Das ist
der Unterschied zwischen den Systemen, und daran sollten wir denken,
wenn wir über Abkommen sprechen, die
uns zu einer Aufrüstung führen können.
Das Abkommen erlaubt uns die
Aufrüstung, aber es stellt keine Mittel dafür bereit. Es ist daher unerläßlich, Abkommen zu erlangen, die
Reduzierungen bis auf einen Gleichstand zulassen und die durchweg verifizierbar sind, und genau das versuchen wir.

* * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C$-

11. März 198 7

10

REAGANS MANN AN DER SPITZE DES CIA GEHT DER RUF DER INTEGRITÄT VORAUS
- Kurzbioqraphie von William Webster -

WASHINGTON
(AD)
William
Websters Jahre im öffentlichen Dienst
haben ihm den Ruf absoluter und kompromißloser
Inteqrität
einqetraqen,
die sich als unschätzbar
erweisen
wird, wenn er erwartunqsqemäß Direktor des CIA wird und damit zu einer
Belebunq
der Reaqan Administration
beiträqt.
Webster war seit 1978 Direktor
des Federal Bureau of Investiqation,
aber am 3. März 1987 ersuchte ihn
Präsident Reaqan, seinen Posten beim
FBI aufzuqeben und die Central Intel-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liqence Aqency zu übernehmen.
Die Wahl fiel auf ihn, nachdem
der
amtierende
Direktor
des
CIA,
Robert Gates, seine Kandidatur als
der von Reaqan nominierte Nachfolqer
des ehemaliqen Leiters des Nachrichtendienstes, William Casey, zurü'ckzoq, der nach einer Operation weqen
eines Gehirntumors aus dem Amt ausschied.
Als Reaqan die Nominierunq bekanntqab, nannte er Webster "einen
Mann von Ehre und Inteqrität, der

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Telex: 8-85432

�sich
der
Rechtsstaatlichkeit
pflichtet fühlt".

ver-

Am 4. März im Weißen Haus kommentierte Webster seine Besprechunq mit
dem Präsidenten mit der Bemerkunq,
Präsident Reaqan habe ihm "keinen besonderen Auftraq" erteilt, ihm jedoch
"sein Vertrauen in meine Fähiqkeit
zur Ausübunq des Amtes" ausqesprochen.
Auf die Fraqe, wie er seine zukünftige Rolle und Verantwortunq beim
CIA sehe, antwortete Webster: "Eine
Sache, die ich machen muß, ist sicherzustellen, daß die Orqanisation
hinter mit steht und wir alle zusammenarbeiten" .
Webster wurde qebeten, den Schaden einzuschätzen, den die Rüstunqskontroverse
um
den
Iran und
die
Contras der Glaubwürdiqkeit der Reqierunq und der des Präsidenten zuqefüqt hat.
"Ich bin kein Meinunqsforscher",
saqte er, füqte jedoch hinzu, daß es
unkluq von ihm wäre, das durch sie
auf
nationaler
und
internationaler
Ebene ausqelöste Problem zu verleuqnen.
"Aber wir haben sehr viel schwieriqere Probleme bewältiqt", betonte
er. "Und ich bin der Uberzeuqung, daß
es sich hierbei um ein lösbares Problem handelt" .
Auf die Fraqe, ob er besorqt über
die Vorqänqe beim CIA im Zusammenhanq
mit der Iran-Contra-Affäre sei, saqte
Webster: "Ich qlaube, ich muß noch
sehr viel mehr darüber in Erfahrunq
brinqen".
Webster antwortete einem Fraqensteller, daß Gates seines Wissens als
stellvertretender Direktor des CIA im
Amt bleiben würde.
"Ich heqe qroße
- 2

Bewunderunq für Mr. Gates und hoffe,
daß dies der Fall sein wird", saqte
er.
Nach seinem Nachfolqer beim FBI
befraqt, brachte Webster seine Hoffnunq zum Ausdruck, daß es jemand sein
wird, "der das Prinzip der fachlichen
Qualifikation im FBI und die Unabhänqiqkeit von parteipolitischer
Einflußnahme fortführen wird - und der
Rechtsstaatlichkeit tief erqeben ist.
Ich qlaube, das ist das Wichtiqste".
Auf die Fraqe nach den zukünftiqen Beziehunqen zwischen FBI und CIA
antwortete Webster: "Meiner Meinunq
nach sollten es eiqenständiqe Behörden sein. Sie werden weiterhin eiqenständiq sein, aber sie werden auch
weiterhin zusammenarbeiten".
Vor der Abstimmunq durch den qanzen Senat wird Websters Nominierunq
vom Geheimdienstausschuß des Senats
qeprüft.
Der Vorsitzende des Ausschusses, der Demokrat David Boren,
und William Cohen, der ranqälteste
Republikaner, qaben am 4. März eine
qemeinsame Erklärunq ab.
"Die
Entscheidunq
für
Richter
Webster als Direktor der Central Intelliqence Aqency ist eine qute Entscheidunq", stellten sie fest.
"Er
wird in weiten Kreisen weqen seines
hohen Maßes an persönlicher Inteqrität und weqen seiner beruflichen Fähiqkeiten respektiert.
Seine Erfahrunqen als Bundesrichter haben ihn
mit den Feinheiten der Gesetzqebunq
und der entsprechenden Rolle der Reqierunqsbehörden
vertraut
qemacht.
Für dieses Amt brinqt er außerdem Erfahrunq und Wissen auf dem Gebiet des
Nachrichtenwesens
mit,
insbesondere
in bezuq auf Terrorismus und Spionaqeabwehr".
"Der

Geheimdienstausschuß

wird

�über seine Nominierunq so schnell wie
möqlich beraten, unter Berücksichtiqunq unserer Verpf1ichtunq, sorqfältiq und qründlich vorzuqehen.
Die
öffentliche Anhörunq über die Nominierunq wird stattfinden, sobald das
qesamte Hinterqrundmaterial über den
Kandidaten
zusammenqestellt und an
den Ausschuß weiterqeleitet worden
ist".
Cohen füqte hinzu: "Vorbehaltlich
irqendwelcher unvorherqesehener Enthüllunqen,
erwarte
ich...
eine
schnelle Bestätiqunq" .
Der
Vorsitzende
der
demokratischen Fraktion
im Senat, Robert
Byrd, nannte Webster "einen hochqeschätzten Experten, der dem CIA die
drinqend
erforderliche
Glaubwürdiqkeit verschaffen wird".
Die Wahl William Websters bedeutet, daß ein wirklicher Experte das
Amt beim CIA innehaben wird" , saqte
saqte der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert Dole. Er füqte
hinzu, daß Webster "die Materie des
Geheimdienstes in allen seinen Feinheiten beherrscht und die Behörde mit
sicherer
und
starker
Hand
leiten
wird".

zirksqericht und beförderte ihn später an ein Schwurqericht der Vereiniqten Staaten.
Im Jahr
1978 wählte Präsident
Carter Webster an die Spitze des FBI.
Webster lehnte die Ernennunq zunächst
ab, nahm sie jedoch an, als Reqierunqsbeamte ihn ersuchten, seine Entscheidunq aufqrund "patriotischer Erwägunqen" zu überdenken. Das FBI war
durch die Enthüllunq unzulässiqer Aktivitäten seiner Aqenten erschüttert
worden und Webster qelanq es, den quten Ruf des FBI schnell wiederherzustellen und es in den Bereich der modernen Anwendunq des Gesetzes zurückzuführen.
Als seine Frau Drusilla im Jahr
1984 starb, kursierten Berichte, daß
Webster vor der Beendiqunq seiner 10jähriqen Amtszeit aus dem FBI ausscheiden wollte.
Die Gerüchte verstummten jedoch, als er anküniqte,
daß er bis zum Abschluß der Untersuchungen über das Waffenqeschäft mit
dem Iran im Amt bleiben würde.
Webster hat einen Sohn, William,
Jr.r und zwei Töchter, Drusilla und
Kather ine.

Webster wurde im Jahr 1924 in St.
Louis, Missouri, qeboren.
Während
des Zweiten Weltkrieqs und der Auseinander setzunq um Korea diente er in
der U.S. Marine. Im Jahr 1947 beendete er sein Studium am Amherst Colleqe und leqte 1949 sein Jura-Examen
an der Washington Universität in St.
Louis ab. Bis 1960 war er als Jurist
tätiq und wurde dann zum Staatsanwalt
für den Bezirk Ost-Missouri benannt.
1961 kehrte er in seine private Kanzlei zurück, wurde jedoch im Jahr 1964
Mitqlied der Rechtsprüfunqskommission
von Missouri. Präsident Nixon berief
ihn 1971 an ein amerikanisches Be- 3 -

�AMERIKA DIENST
•"^ION

Wirtschaft

*

11. März 1987

10

STUDIE DES KONGRESSES BEZEICHNET ERHOLUNG DER WIRTSCHAFT ALS INSTABIL
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

WASHINGTON - (AD) - Dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß beider Häuser
des Konqresses zufolqe qelten sowohl
die Volkswirtschaft der Vereiniqten
Staaten wie auch die internationale
Wirtschaftslaqe als entspannt, aber
dahinter verberqen sich eine Reihe
von ernstlichen Bedrohunqen für eine
anhaltende Stabilität.
Der von den Demokraten kontrollierte Ausschuß verleiht in seinem
Bericht vom 5. März 1987 der Uberzeuqunq Ausdruck, daß den Vereiniqten
Staaten nur in beschränktem Umfanq

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Steuern und Geldmittel zur Verfüqunq
stehen, derer sie sich bei einer aufkommenden Rezession bedienen könnten.
"Eine einqehende überprüfunq der
Volkswirtschaft zeiqt, daß die qeqenwärtiq stattfindende Gesundunq, obwohl sie lanq andauert, instabil ist
und wir uns auf einer dünnen Eisdecke
beweqen", so heißt es in der von dem
Vorsitzenden, Senator Paul Sarbanes,
einem Demokraten aus Maryland, verfaßten Einleitunq zu dem Bericht.
Die dem Ausschuß anqehörenden Re-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�publikaner verfolgen eine in ihren
Ansätzen optimistischere Haltunq in
einem kleineren Bericht, in dem sie
einiqe Unsicherheitsfaktoren in der
Volkswirtschaft
anerkennen,
aber
qleichzeitiq erklären, diese befinde
sich auf dem "Weq hin zu einem stabilen Wachstum.
"Wir sind mit der qeqenwärtiq
niedriqen
Inflationsrate
zufrieden
und hoffen, daß die Zinssätze weiter
fallen werden. Ferner sind wir optimistisch, daß sich die Möglichkeiten
bei den Arbeitsplätzen weiter verbessern werden und haben Vertrauen in
die unverwüstliche, innovative und
vielfältiqe
Wirtschaft
dieser
Nation", so der Bericht der Republikaner .
Im
internationalen
Zusammenhanq
betrachtet der Bericht das RekordHandelsbilanzdefizit der Vereiniqten
Staaten im verqanqenen Jahr als "ein
drinqliches Zeichen ernsthafter Probleme in der amerikanischen Volkswirtschaft
und
Wirtschaftspolitik,
das nicht außer acht qelassen werden
sollte".
Als
besondere
Problembereiche
qelten die starke Abhänqiqkeit der
Vereiniqten Staaten von importiertem
öl, die drohende Preisschocks und Inflation für die Zukunft in sich birqt
wie auch die erheblichen Schulden von
Ländern der Dritten Welt.
Maßnahmen der Reqierunq zur Förderunq des Wachstums in den Entwicklungsländern seien zwar ein Schritt
in die richtiqe Richtung, hätten sich
aber als unanqemessen erwiesen, wie
dem Bericht der Mehrheit zu entnehmen
ist.
Da eine ordentliche Anpassunq
an ein rückläufiqes Handelsbilanzdefizit der Vereiniqten Staaten die Zunahme einer starken Auslandsnachfraqe
erfordert "müssen Maßnahmen entwik-

kelt werden, die sowohl den Abfluß
von Mitteln aus den Entwicklunqsländern abbauen wie auch den Zufluß von
Kapital
steiqern.
Ferner
sollten
neue Maßnahmen erarbeitet werden, um
den Bedürfnissen der Gläubiqer und
Schuldner in qleichem Maße qerecht zu
werden und um die Rolle der Länder,
die Überschüsse erwirtschaften, bei
der Finanzierunq der Entwicklunq in
der Welt zu erweitern.
Der Ausschuß unterbreitet folqende
Vorschläqe
auf
internationaler
Ebene:
- Das amerikanische Handelsqesetz,
das "von einer sich schnell wandelnden
und
zunehmend
wettbewerbsstarken Weltwirtschaft einqeholt
wurde",
muß
qründlich
überarbeitet werden, um ausländische Märkte zu öffnen, den Welthandel auszuweiten und die Wettbewerbsfähiqkeit der Vereiniqten
Staaten zu erhöhen.
- Die Administration
sollte verstärkt ihr Auqenmerk auf die momentan
stattfindende
Verhandlunqsrunde des Allqemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT), das
zentrale internationale Forum zur
Erarbeitunq
von Reqelunqen
für
den Handel, richten. GATT sollte
zu einem "wichtigen Garanten für
die "Öffnung von Märkten und die
Ausweitunq des Welthandels werden" .
- Bis James Baker
Finanzminister
wurde und sich mit dieser Frage
beschäftiqte, hat sich die Reqierunq nur
unzureichend mit dem
Wechselkurs
des Dollar
befaßt.
Jetzt soll sie dem Konqreß halbjährliche Berichte über ihre Währunqspolitik auf internationaler
Ebene vorleqen.

�- Bemühunqen
sollten
stattfinden
zur Koordination der inländischen
Steuer- und
Währungspolitik
der
Haupthandelsländer, um zur Stabilisierung
der
internationalen
Wechselkurse beizutragen.
- Die Administration
sollte
die
Sammlung von Daten über den internationalen Kapitalfluß verbessern, der als äußerst wichtig anzusehen ist, wenn es um die Bestimmung von Währungswerten und
den Einfluß auf den bilateralen
Handel geht.
Der Ausschuß hat seinen Jahresbericht erstellt, nachdem er den Wirtschaftsbericht des Präsidenten durchgesehen und bei verschiedenen Anhörungen die Aussagen einer Reihe von
Wirtschaftswissenschaftlern
der
Regierung und des Privatsektors geprüft
hat.
Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß spielt bei der Gesetzqebung
keine Rolle, stellt aber seine Analysen anderen Ausschüssen des Kongresses zur Verfügung.

stum, wenn sie nicht angeaangen werden, die Aussichten auf eine gesunde
und wettbewerbsfähige Wirtschaft trüben und die Aussichten auf einen
niedrigeren
Lebensstandard
in
den
Vereinigten Staaten erhöhen", so der
Bericht.
Sarbanes und der Ausschuß sehen
besonderen Grund zur Besorgnis in der
Tatsache,
daß
das
jüngste
Wirtschaf tswachtum
fast
ausschließlich
abhängig war vom Konsum, der wiederum
in erheblichem Maße durch Schulden
getragen wurde.
"Sarbanes schreibt
in seiner Einleitung, "der rapide Zuwachs bei der Schuldenaufnahme aller
Sektoren hat deren finanzielle Verwundbarkeit bei einem möqlichen zukünftigen
Konjunkturrückgang
erheblich erhöht".

Die demokratische Mehrheit nennt
sowohl die von der Reagan-Administration
prognostizierten
kurzfristigen
als auch die weitgehend von den Republikanern angenommenen langfristige
Aussichten für das Wirtschaftswachstum unrealistisch und "erheblich optimistischer als diejenigen privater
Prognosen".
Der Bericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses bezeichnet das gegenwärtig langsame Wachstum des nun
in sein fünftes Jahr gehenden Aufschwungs als "eine verpaßte Gelegenheit für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten", die besonders die Armen
und die Arbeitslosen hart trifft.
"Mittelfristig werden die Ursachen für das träge gegenwärtige Wach- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VION

Hintergrundmaterial

4

11. März 1987

10
REAGAN:

SOWJETS VERLETZEN WAHRSCHEINLICH ABM-VERTRAG

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstunqskontrollabkommen -

WASHINGTON - (AD) - In seinem dem Konqreß am 10. März 1987 vorqeleqten Bericht über Moskaus Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen erklärte Präsident Reaqan, die Sowjetunion "könnte ein Verteidiqunqssystem zur Raketenabwehr auf ihrem Territorium errichten" und somit die Bestimmunqen des ABM-Vertraqes verletzen.
Reaqan wies weiter darauf hin, daß der "unausqesetzte Aufbau und fehlende
qlaubwürdiqe alternative Erklärunqen" seine Schlußfolqerunq aus dem Jahre 1985
bestätiqten, wonach die qroße Radaranlaqe mit phasenqesteuerter Abtastunq in
Krasnojarsk "eine Verletzunq" des ABM-Vertraqes von 1972 darstelle, da "sie in
ihrer Verbindunq von ort der Stationierunq, Orientierunq und Fähigkeit durch
diesen Vertraq verboten ist".
Nachfolqend drucken wir den vollen Text
Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen".
Auf Wunsch des Konqresses habe
ich ihm in den verqanqenen drei Jahren vier Berichte über die sowjetische Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen vorqeleqt.
Zu diesen Berichten zählen die Berichte der
Administration von Januar 1984, Februar und Dezember 1985 wie auch der
für mich vom unabhänqiqen Beratunqsausschuß über Rüstunqskontrolle und
Abrüstunq erstellte Bericht über die
sowjetische
Nichteinhaltunq.
Jeder
dieser Berichte hat detailliert die
Probleme der sowjetischen Nichteinhaltunq aufqelistet und dokumentiert,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

des Berichts

"Die sowjetische

deren qeqenteiliqe Auswirkunqen auf
unsere nationale Sicherheit und unsere Versuche zur Lösunq dieser Probleme.
Zusammenqenommen
erqibt
diese
Berichtsreihe
ein klares Bild des
fortqesetzten
Musters
der
sowjetischen Verletzunqen und die Grundlaqe
unserer anhaltenden Besorqnis.
In meinem Bericht
1985 habe ich erklärt:

von

Dezember

Die jünqsten Studien der Administration unterstützen die hier darqeleqte Schlußfolqerunq, daß es ein

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Verhaltensmuster sowjetischer Nichteinhaltunq qibt. Wie in diesem und
in bisheriqen Berichten dokumentiert
wird, hat die Sowjetunion ihre rechtlichen und politischen Verpflichtungen verletzt, und zwar beim SALT I
ABM-Vertraq
und
Zwischenabkommen,
beim SALT II Abkommen, dem Vertraq
über
ein beqrenztes Versuchsverbot
von 1963, der Konvention über bioloqische und toxische Waffen, dem Genfer Protokoll über chemische Waffen
und
der
Schlußakte
von Helsinki.
Darüber hinaus hat die Sowjetunion
wahrscheinlich
Bestimmunqen
des
Schwellenvertraqes verletzt.
Ich habe weiterhin ausqeführt:
Während die Administration ihre
Sorqen und Erkenntnisse dem Konqreß
vortruq, hatten die Vereiniqten Staaten
qleichzeitiq
einen
intensiven
Austausch mit der Sowjetunion bezüqlich der sowjetischen Nichteinhaltunq
im Rahmen des Ständiqen Konsultativausschusses (SCC) , in dem SALT-relevante Probleme (einschließlich Problemen mit ABM) diskutiert werden,
sowie durch andere qeeiqnete diplomatische Kanäle.
Ich habe außerdem Generalsekretär
Gorbatschow während meiner
Treffen
mit ihm sowohl 1985 in Genf und dann
noch einmal im verqanqenen Oktober in
Reykjavik
persönlich
meine
Sorqen
vorqetraqen.
Ein weiteres Jahr ist verqanqen
und trotz all dieser intensiven Bemühunqen hat es die Sowjetunion versäumt, Handlungen zur Korrektur bestehender
Verletzunqen
vorzunehmen
und sie hat auch nichts unternommen,
um ausreichende Erklärunqen zu liefern, um unsere Besorqnis bei anderen
Problemen der Nichteinhaltunq auszuräumen.

Die Einhaltunq ist ein Grundpfeiler des Völkerrechts; alle Staaten
müssen die von ihnen freiwilliq einqeqanqenen
Verpflichtunqen
beachten
und einhalten.
Im Dezember 1985 hat die Generalversammlunq
der Vereinten Nationen
die Bedeutunq der Einhaltunq von Verträqen für eine zukünftiqe Rüstunqskontrolle anerkannt und mit 131 zu 0
Stimmen (bei 16 Enthaltunqen) eine
Resolution verabschiedet.
Die Resolution
- dränqt
alle
Parteien
der
Rüstunqsbeqrenzunqs- und
Abrüstunqsabkommen, sich an die Bestimmunqen zu halten;
- fordert all diese Parteien auf,
die Auswirkunqen einer Nichteinhaltunq
auf die
internationale
Sicherheit und Stabilität und auf
die Aussichten für weiteren Fortschritt im Bereich der Abrüstunq
in Betracht zu ziehen;
- appelliert an alle Mitqlieder der
Vereinten Nationen, Probleme der
Nichteinhaltunq zu lösen "im Hinblick auf die Förderunq einer
strikten Beachtunq der einqeqanqenen
Verpflichtungen
und
die
Aufrechterhaltunq oder Wiederherstellunq der Inteqrität von Abkommen
zur
Rüstunqsbeqrenzunq
oder Abrüstunq".
Der Konqreß hat wiederholt seiner
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq Ausdruck verliehen.
Der
amerikanische Senat verabschiedete am
17. Februar 1987 mit 93 zu 2 Stimmen
eine Resolution (No. 94), die... erklärt, daß ein wichtiqes Hindernis
für die Erlanqunq akzeptabler Rüstunqskontrollabkomen mit der Sowjetunion in deren Verletzunq bestehender
Abkommen
bestand,
sie
auffordert,

�Schritte zu unternehmen, um ihre Verletzunq solcher Abkommen einzustellen
und
besonders
die
in Krasnojarsk
(UdSSR) neu aufgestellte Radaranlaqe
abzubauen, da diese eine eindeutige
Verletzung der Bestimmungen des ABMVertrages darstellt...
Eine Einhaltung von in der Vergangenheit
eingegangenen
Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle ist eine unerläßliche Voraussetzung für zukünftige Rüstungskontrollabkommen.
Wie ich bereits erklärt habe:
Um

der Rüstungskontrolle Bedeutung
zu verleihen
und damit
sie
glaubwürdig zur nationalen Sicherheit
und weltweiter oder regionaler Stabilität beitragen kann, ist es unerläßlich, daß alle ein entsprechendes Abkommen
schließende
Parteien
sich
vollständig daran halten. Die strikte Einhaltung aller Bestimmungen der
Rüstungskontrollabkommen ist unerläßlich, und die Administration wird
hier keine Kompromisse akzeptieren.
Ich habe weiterhin erklärt:
Die
sowjetische
Nichteinhaltung
ist eine ernste Angelegenheit.
Sie
stellt wichtige aus der Rüstungskontrolle erwachsende Vorteile für die
Sicherheit in Frage und könnte neue
Sicherheitsrisiken
schaffen.
Sie
höhlt das für einen wirkungsvollen
Rüstungskontrollprozeß in der Zukunft
wichtige Vertrauen aus. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat in
der Vergangenheit auf diplomatischem
Wege bei der Sowjetunion diese Fragen
der Einhaltung mit Nachdruck verfolgt
und wird dies auch in Zukunft tun.

Der ABM-Vertrag
Heute muß

ich berichten, daß wir

weiterhin tiefgreifend und anhaltend
über die sowjetische Nichteinhaltung
des ABM-Vertrages besorgt sind.
Aus
verschiedenen
Gründen bereitet
uns
das Radar
von Krasnojarsk Sorgen,
dessen Außenanlagen
allem Anschein
nach 1986 fertiggestellt wurde. Die
Radaranlage zeigt, daß es die Sowjets
auf eine künftige Verletzung des ABMVertrages angelegt und diese geplant
haben, auch wenn sie gleichzeitig mit
den Vereinigten Staaten ein neues Abkommen über strategische Offensivwaffen aushandelten.
Die
einzig
erlaubte
Funktion
einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter
Abtastunq
(LPAR) , mit
einer
Art
der
Stationierung
und
Orientierung, wie sie das Radar von
Krasnojarsk besitzt, wäre die Verfolgung von Objekten im Weltraum und
Nutzung
als nationales
technisches
Mittel (NTM) zur Verifizierung.
Der
eindeutigen Beweislage nach sind wir
der Ansicht, daß dieses Radar vordringlich zur Zielauffindung und Verfolgung
ballistischer
Raketen
und
nicht zur Verfolgung von Objekten im
Weltraum und NTM verwandt wird, wie
die Sowjets behaupten.
Darüber hinaus schließt das Radar von Krasnojarsk die verbliebene Lücke im sowjetischen Schirm der Zielauffindung
und Verfolgung, sein Standort erlaubt
es ihm, Datenmaterial zur Beschreibung eines Angriffs zu sammeln, mit
dessen Hilfe die Kampfführunq sowjetischer Verteidigungsstreitkräfte geplant und über eine zeitgerechte offensive Reaktion entschieden werden
kann - eine Standardrolle solcher Radaranlagen.
Alle LPARs haben genau wie das
Radar von Krasnojarsk die Fähigkeit,
eine große Anzahl von Objekten zielgenau zu verfolgen. Daher können sie
nicht zur Zielauffindung und Verfolgung ballistischer Flugkörper einge-

- 3 -

�setzt werden, sondern haben auch, je
nach
Ort
oder
Stationierung
und
Orientierunq, die Fähigkeit, zur Führunq einer Raketenabwehr beizutragen.
LPARs wurden immer als die Bestandteile betrachtet, die die notwendige Vorbereitunqszeit
für eine
möqliche
territoriale
Verteidiqunq
sicherstellen.
Zusammengenommen geben uns das Radar von Krasnojarsk und
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhang
stehende Aktivitäten Anlaß
zur Besorgnis, daß die Sowjetunion
eine ABM-Verteidiqunq
ihres eiqenen
Territoriums errichten könnte. Einiqe der Aktivitäten, wie etwa die Errichtunq neuer LPARs in den Randqebieten der Sowjetunion und die Modernisierunq des Raketenabwehrsystems um
Moskau scheinen im Einklanq mit dem
ABM-Vertraq zu stehen. Die Konstruktion
des
Radars
von
Krasnojarsk
stellt jedoch eindeutiq eine Verletzung des ABM-Vertrages dar, während
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhanq stehende Aktivitäten möqliche
oder wahrscheinliche sowjetische Verletzungen
oder
andere
zweifelhafte
Aktivitäten umfassen. Andere Probleme, die im Verlauf des Berichts eingehender behandelt werden, sind:
- die Erprobunq und Entwicklunq von
Komponenten, wie sie für ein ABMSystem erforderlich sind, das innerhalb von Monaten anstatt von
Jahren aufqestellt werden könnte;
- der
qleichzeitiqe
Betrieb
von
Luftverteidiqunqs- und ABM-Komponenten;
- die Entwicklunq
eines
modernen
Luftverteidiqungsystems,
das
eventuell
ABM-Fähigkeiten
besitzt; und
- die Demonstration der Fähigkeit,
ABM-Abschußeinrichtungen
nachzu-

laden und die Abwehrflugkörper in
kürzerer
Zeit abzuschießen
als
man bisher annahm.
Die im verqangenen Jahr unternommenen sowjetischen Aktivitäten haben
zu
unserer
Besorgnis
beigetragen.
Die Sowjets haben mit der Konstruktion dreier zusätzlicher LPARs begonnen, die dem Radar von Krasnojarsk
ähnlich sind. Diese neuen Radaranlagen sind im Einklang mit den Bestimmungen des ABM-Vertraqes über Frühwarnradars für ballistische Fluqkörper stationiert und orientiert, aber
durch sie würde die Anzahl sowjetischer LPARs um 50 Prozent erhöht.
Der durch diese neuen Radaranlaqen
qewährleistete Überfluß an Abdeckunq
weist darauf hin, daß es ihre primäre
Aufqabe ist, ballistische Fluqkörper
aufzufinden und zu verfolqen.
Die in diesem Jahr erfolqte Uberprüfunq sowjetischer, mit ABM in Zusammenhang
stehender
Aktivitäten
zeigt, daß die Sowjets bei ihrer hervor Stechenster
Vertragsverletzung,
dem Radar von Krasnojarsk, keine Korrekturen vorqenommen haben.
Es ist
die Gesamtheit dieser sowjetischen,
mit ABM in Zusammenhanq stehenden Aktivitäten im Jahr 1986 wie auch in
früheren Jahren, die uns Anlaß zu anhaltender Besorqnis qibt, daß die
UdSSR eine ABM-Verteidiqunq ihres nationalen
Territoriums
plant.
Der
ABM-Vertraq verbietet die Stationierunq eines ABM-Systenms zur Verteidigung des nationalen Teritoriums der
Parteien und untersaqt ihnen, eine
Grundlaqe für solch eine Verteidiqunq
zur Verfüqunq zu stellen. Wie ich in
meinem Bericht vom verqanqenen Dezember ausgeführt habe:
Dies hätte grundlegende Auswirkungen für das Gleichgewicht zwischen
Ost und West. Eine einseitiqe, den
ABM-Vertraq verletzende Fähiqkeit der

�Sowjets, Raketen von ihrem Territorium abzuwehren, könnte die Abschrekkunq unterhöhlen und Zweifel über ihre Glaubwürdiqkeit aufkommen lassen.

Chemische,
Waffen

biologische

und

toxische

Die Integrität des Rüstunqskontrollprozesses wird ebenfalls qeschädiqt durch sowjetische Verletzungen
des Genfer Protokolls über chemische
Waffen von 1925 und der Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
von 1972. Im verqanqenen Jahr erworbene Informationen bestätiqen unsere
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq dieser wichtiqen Abkommen.
Fortschritte bei einem Abkommen zum
Verbot chemischer Waffen werden durch
die sowjetische Nichteinhaltunq der
Konvention über bioloqische und toxische Waffen beeinträchtiqt.
Weqen
der anhaltenden sowjetischen Nichteinhaltunq
bisheriqer
Rüstunqskontrollabkommen sind wir der Ansicht,
daß Bestimmunqen
zur Verifizierunq
von erheblicher Bedeutunq für unsere
Bemühungen sind, diese abscheulichen
Waffen aus der Welt zu schaffen - dem
Völkerrecht zufolqe sind dies Massenvernichtunqswaffen.
Die
Sowjets erhalten
weiterhin
eine verbotene Fähiqkeit der offensiven bioloqischen Krieqführunq
aufrecht.
Wir sind in besonderem Maße
besorqt, weil dies moderne bioloqische Stoffe umfassen könnte, über die
wir weniq wissen und qeqen die wir
uns nicht verteidiqen können.
Die
Sowjets
erweitern
ihre Fähigkeiten
zur chemischen und toxischen Krieqführunq.
Weder
Verqeltunqs- noch
Verteidiqunqsproqramme der NATO können mit diesen sowjetischen Bemühunqen gleichziehen. obwohl es seit Anfang 1984 keine bestätigten Berichte
über
tödliche Angriffe qab, haben

voraufqeqanqene Aktivitäten den Sowjets wertvolle Erkentnisse über die
Erprobunq, Entwicklunq und Handhabunq
qeliefert.
Die
sowjetische
Nichteinhaltunq
der Verträqe über Atomtests qibt zu
Besorqnis im rechtlichem und militärischen Bereich Anlaß. Seit Abschluß
des Vertrages
zur
Begrenzunq
von
Atomtests (LTBT) vor über 20 Jahren
hat die Sowjetunion ihr Testproqramm
von Nuklearwaffen auf eine Art und
Weise durchgeführt, die mit den in
dem
Vertrag
niederqeleqten
Zielen
nicht vereinbar ist und reqelmäßiq
über die Grenzen der Sowjetunion hinaus zur Abgabe nuklearer Rückstände
in der Atmosphäre führt. Trotz der
Tatsache, daß die Rückstände dieser
sowjetischen Tests keine berechenbaren Risiken für die Gesundheit, Sicherheit oder die Umwelt bedeuten und
auch keine militärische Bedeutunq haben, wurden unsere wiederholten Versuche, diese Vorkommnisse mit den Sowjets zu besprechen, dauernd zurückqewiesen. Die sowjetische Weigerung,
diese Angeleqenehit
zu besprechen,
hat ihre Aufrichtiqkeit im qesamten
Bereich der Rüstunqskontrollabkommen
in Fraqe qestellt.
Während ihres Testmoratoriums haben die Sowjets zweifellos ihr Versuchsqelände weiter betrieben, weil
die Sowjets sofort nach Ankündigung
eines Tests einen solchen auch durchgeführt haben. Darüber hinaus qab es
in diesem Zeitraum eine Reihe ehrgeiziqer Projekte, die weder mit beobachteten sowjetischen Aktivitäten zu
Atomtests in Verbindung qebracht noch
können davon ausqenommen werden können.
Sowjetische
Tests
mit
Detonationswerten
oberhalb
der
150
Kt
Schwelle würden die Entwicklunq moderner
Atomwaffen
erlauben,
deren

- 5 -

�Sprenqkreft unqleich höher wäre als
die derjenigen Waffen, welche die
Vereiniqten Staaten nach diesem Vertraq entwickeln könnten.
Die Vereiniqten Staaten und die
Sowjetunion haben im verqanqenen Jahr
vier Expertentreffen zur Besprechunq
des breiten Spektrums von Fraqen abqehalten, die mit den Atomtests im
Zusammenhanq stehen. Bei diesen Ge»wj-V-j. ••;, sprächen war es stets unser Ziel,
jSvW
eine Übereinkunft zur wirksamen Verifizierunq von TTBT und PNET zu erreichen.
Ich hoffe weiterhin, daß wir
dieses Ziel verwirklichen können.

Die Schlußakte von Helsinki
Im Jahr 1981 hielt die Sowjetunion ein militärisches Großmanöver
ab, ohne den Zweck des Manövers oder
die Anzahl der teilnehmenden Truppen
vorher anzukündiqen.
Dies stand im
Widerspruch zu den von ihr eingeganqenen
politischen
Verpflichtungen,
die
Verfü'qunqen
von
Korb I
der
Schlußakte von Helsinki einzuhalten.

gänglich gemacht.
Es wurde jedoch
entschieden, daß aufgrund dieser Daten keine Änderung der hier vorgestellten
Erkenntnissen
erforderlich
sei.
Dies rührte teilweise daher,
daß diese Informationen zu jener Zeit
noch nicht endgültig feststanden und
daß sie nicht ganz eindeutig waren.
Zudem nahm die Sowjetunion am 26.
Februar
1987
ihre
unterirdischen
Atomtests wieder auf.

SALT II und das Zwischenabkommen zu
SALT I
Die
Sowjetunion
hat wiederholt
den SALT II-Vertrag verletzt und weitere
Handlungen
vorgenommen,
die
nicht im Einklang mit den Bestimmungen dieses Vertrages standen.
In
keinem Fall der von uns festgestellten Vertragsverletzungen hat die Sowjetunion irgendetwas unternommen, um
dies zu korrigieren. In den vergangenen drei Jahren haben wir diese
Fragen im Ständigen Konsultativausschuß und über diplomatische Kanäle
zur Sprache qebracht.

Im Verlauf des verqanqenen Jahres
haben wir bei der Stockholmer Konferenz
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen eine Übereinkunft erzielt, die neue Normen für
Notifizierunq, Beobachtunq und Verifizierunq
militärischer
Aktivitäten
enthält, darunter auch Inspektionen
vor ort. Wir werden die sowjetische
Einhaltung dieser neuen Normen, die
am 1. Januar 1987 in Kraft traten,
einqehend überprüfen.

Die Sowjets haben ihre politische
Verpflichtung
zur
Einhaltung
von
SALT II auf vierfache Weise wie folgt
verletzt:

Jünqste Entwicklungen

Verschleierung
der
Verbindung
zwischen einer Rakete und der dazugehörigen Abschußvorrichtung bei Tests
sowie

Ende 1986 und in den ersten Wochen des Jahres 1987 wurden uns neue
Informationen über einiqe der in diesem Bericht angesprochenen Fragen zu-

Entwicklung und Stationierung der
SS-25 Rakete, eines verbotenen zweiten Typs von ICBM;
umfassende Verschlüsselung telemetrischer Daten im Verlauf von Testflügen
strategischer
ballistischer
Raketen;

Überschreitung

der zulässigen An-

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n ^ r
v e r e i n i g t e n slS&amp;*en ^ # ^ ? - a H l I « a i « | Q P l l
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' e i n e mit" u r i s e ^ f - U i y e r i ^ H ' PMUfclW^UÖtqleidhbäre
Z u r ü c k h a l t u n g ; v , £ i n 3 Tstofcwahrscheinlich
das
Verbot
der
1
r e k t u r i h r e r Nic'hte'i-nharturtqs ! p^*iPÄ&gt;k t
Stationierunq der Interkontinentalrad i e Abkehr' •••v©n?'uiHreY'-f-'itttli«t&lt;Stfi'BfcHen
kete SS-16 verletzt;
- J . . ' 1 •.
.'•'.•
Auf rüstüriq 1 ;ur/ö*&gt;la'ä's^%rri&gt;s»thaPefe'fM £ t e « ; ben nach q lefl&amp;ftf^^t-iiffchV jfldrltMkfcpLHandlunaen n vorqenommen, die im
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f izierbaren
l^fctüricfeköheroll'v4l*'*^HWfe_ Gegensatz zu ihrer politischen Verr
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,be'r keine Fähiqkeit zu Interkontinennirli,
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. , , . . .
Der B e r i c h t vom- 2 3 . Dez^Vnb^ni¥gaB5
taloperationen durch Stationierunq in
z e i q t e S daß d i e S o w j e t s
riichtS^^r
arktischen Stutzpunkten zu verschaffen „und
Korrektur
ihrer
NichteinhaH*jn*P d A*bn
-01098 i
Rüstunqskontrollvereinbarunqen
unter-sbn'&amp;iiV
•:.,,.,
nommen h a t t e n .
Im Mai s w 19Ö3 o E q^4anqte
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vereinbarten
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• . .
ich zu dem S c h l u ß , - daß 1 ä S ^ ^ f o W ^ s
_v^O(iiiktionßquoten
überschritten,
ink e i n e r l e i w i r k l i c h e ^ '^fttg6Hi*4f£ n i £\ir
.dem , s i e ' b i s ' 1984 e t w a s über der zuBerücksichtiqunq
u n t r e r *fclSorcft^n m ß i n
n s l ^ l q e n n ' Q u o t e v o n 3 0 BACKFIRE-Bombezuq auf
i h r e N i cH£#F#i a F t t e f t J " g e ,bern pro j'ahr l a q e n .
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p f l i c h t u n g nichV i 'fc:'Sn9 , AflWte&amp; n t f e i t e r . b r a c h t , daß d i e a n d a u e r n d e N i c h t e i n -ripsSßM l e j s . t i ' i
v e r f o l q t hatteh•, r , '-aü¥ i : %eft 1 4fei ns^fißöön. h a l t j n q , durch d i e Sowjets u n s e r e na9 x d . . ri9h itM .n-.t w ,.
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�den Länder zu Fragen der Rüstungskontrolle stark einander anqena*hert.
Aber
die
Sowjets
machten
einen
Schritt zurück, indem sie auf einer
Verbindung von Fortschritten auf allen Gebieten der atomaren Rüstungskontrolle in einem Gesamtpaket bestanden« dessen Hauptziel in der Beseitigung der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative lag.
Außerdem wurde deutlich, daß die Sowjets beabsichtigten, den ABM-Vertraq
restriktiver
zu qestalten, als er
•einen Bestimmungen nach ist, um unsere SDI-Forschungsarbeiten auf das
Labor su beschränken.
Jedoch war das von mir oben beschriebene Muster sowjetischer Nichteinhaltung der Hauptqrund, warum ich
am 27. Mai 1986 beschloß, die amerikanische Beachtunq der Bestimmungen
des Zwischenabkommens zu SALT I und
SALT II einzustellen.
Der Entschluß
zur Beendiqunq der amerikanischen Politik einer Beachtunq der Bestimmunqen des Zwischenabkommens (das abgelaufen war) und des SALT II-Vertraqes
(der niemals ratifiziert wurde und am
31. Dezember 1985 abgelaufen wäre)
wurde nicht leichten Herzens getroffen. Die Vereinigten Staaten können
und werden keine doppelte Moral bei
der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen hinnehmen.
Deshalb habe ich am 27. Mai 1986
verkündet:
In Zukunft müssen die Vereinigten
Staaten ihre Entscheidungen über die
Struktur ihrer strategischen Streitkräfte auf Art und Größenordnung der
von
den sowjetischen
strategischen
Streitkräften
ausgehenden
Bedrohung
gründen, nicht aber auf die Maßstäbe,
wie sie in der SALT-Struktur enthalten sind, die durch die sowjetische
Nichteinhaltung unterqraben wurde und hier insbesondere durch den feh- 8

lerhaften SALT n-vertraq, der niemals ratifiziert wurde und der mittlerweile selbst bei einer Ratifizierung abqelaufen wäre und der von der
Sowjetunion verletzt worden ist.
Aufqrund einer sowjetischen Bitte
erklärten sich die Vereinigten Staaten bereit, im Juli 1986 eine Sondersitzung des ständigen Konsultativausschusses abzuhalten, um meine Entscheidung zu diskutieren. Im Verlauf
dieser Sitzung stellten die Vereinigten Staaten klar, daß wir weiterhin
äußerste Zurückhaltung üben würden.
Wir erklärten weiterhin, daß, falls
sich bei der uns betreffenden Bedrohung keine einschneidenden Veränderungen ergäben, die Vereinigten Staaten nicht mehr strategische Trägersysteme oder Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen stationieren würden
als die Sowjetunion. Außerdem wurde
meine Einladung an die Sowjetunion
vom 27. Mai wiederholt, zusammen mit
den Vereinigten Staaten bis zum Abschluß eines verifizierbaren Abkommens über tiefe und gleichgewichtige
Reduzierungen atomarer Offensivwaffen
bei der Schaffung eines Zwischenrahmens echter gegenseitiger Zurückhaltung zusammenzuarbeiten. Die sowjetische Reaktion war negativ.
In meiner Erklärung vom 27. Mai
sagte ich, die Vereinigten Staaten
würden bis gegen Ende des Jahres
SALT II technisch weiterhin vollständig einhalten, dem Zeitpunkt, an dem
wir unseren 131. schweren Bomber für
den Transport luftgestützter Marschflugkörper stationieren würden.
Die
Stationierung dieses Bombers am 28.
November 1986 bedeutete die volle Anwendung dieser Politik.
Nachdem wir nun das Zwischenabkommen und den SALT II-Vertrag hinter
uns gelassen haben, werden die sowjetischen Handlungen in bezug auf

�diese Vereinbarunqen, die in der Verqanqenheit
in
detaillierter
Form
überprüft und dem Kongreß berichtet
wurden, in dem vorliegenden Bericht
nicht weiter erörtert werden.
Das
heißt nicht, daß die Bedeutunq der
sowjetischen Vertraasverletzunqen in
irgendeiner Weise abqenommen hätte.
Wir sind weiterhin über die zunehmende militärische Bedrohunq durch die
Sowjets besorqt.
Eine Reihe von Aktivitäten in bezuq auf SALT II bedeuteten Verletzungen des Kernstücks oder zentraler Bestimmungen dieses Vertraqes, die von
den Befürwortern von SALT II qerne
als Hauptqründe für die Unterstützunq
dieses Abkommens anqeführt werden.
Diese Verletzungen betreffen sowohl
die
wesentlichen
Bestimmungen
wie
auch
die entscheidenden Verifizierungsregelungen des Vertrages. Durch
Verletzung der von SALT II festgesetzten
Begrenzung
auf
den
einen
"neuen Typ" von ICBM sind die Sowjets
im Begriff, vertragswidrige Ergänzungen ihrer Streitmacht in Stellung zu
bringen, die ihnen noch größere strategische Fähigkeiten verleihen.
Die
sowjetischen
Verschlüsselungs- und
Verschleierungshandlungen
haben sich in der Vergangenheit als
besondere Hindernisse für die Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen erwiesen.
Die umfangreiche Verschlüsselung telemetrischer
Daten
ballistischer
Raketen
durch die Sowjets hat die amerikanische Fähiqkeit zur Verifizierunq von
Schlüsselbestimmunqen
des
SALT IIVertraqes behindert. Was ebenso bedeutend ist: diese sowjetischen Aktivitäten
unterqraben
das
politische
Vertrauen, das für den Abschluß neuer
Verträqe erforderlich ist und unterstreichen
die
Notwendiqkeit
einer
wirksamen Verifizierunq jedes neuen
Abkommens.

Die sowjetische Nichteinhaltung
neue Rüstungskontrollabkommen

und

Die sowjetische Nichteinhaltung,
wie sie in dem vorliegenden und früheren Berichten dieser Administration
dokumentiert ist, hat Verifizierung
und Einhaltung zu den bestimmenden
Elementen der Rüstungskontrolle von
heute gemacht. Seit den ersten Tagen
meiner Administration habe ich mich
um einschneidende und verifizierbare
Reduzierungen der atomaren Offensivpotentiale
der Vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion bemüht und habe
bei meinen Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow persönlich Wege vorgeschlagen, um dies zu erreichen.
Wenn wir Vereinbarungen dieser Traqweite und Bedeutunq einqehen sollen,
dann ist die wirksame Verifizierung
unverzichtbar und Betrug einfach unannehmbar .
Ich erwarte weitere enge Konsultationen mit dem Kongreß, während wir
uns darum bemühen, Fortschritte bei
der Lösung der Fragen der Vertragseinhaltung und bei der Aushandlung
solider
Rüstungskon trollVereinbarungen zu erreichen.
Nachfolgend werden die Erkenntnisse zur sowjetischen Nichteinhaltung
von
Rüstungskontrollabkommen
dargestellt.

DIE ERKENNTNISSE

Der ABM-Vertrag
Vertragsstatus
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierunq von ABM-Systemen, ausqenommen

- 9 -

�ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners
oder,
alternativ dazu, um ein Stationierunqsqebiet von ICBMs. Der ABM-Vertraq ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertraq stellen
deshalb Verletzungen einer rechtlichen Verpflichtung dar.

1. Das Radar von Krasnojarsk
Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radar Systeme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen
und daß sie nach außerhalb orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter
Abtastung
zum Zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
technisches Mittel zur Verifizierung
der Einhaltgung von Rüstungskontrollvereinbar unqen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob das Radar von Krasnojarsk den Best immunqen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasenqesteuerter Abtastung entspricht. Wir haben diese
Frage erneut untersucht.
Erqebnis:
Die amerikanische Reqierunq bestätiqt den Schluß des Berichts vom Dezember 1985, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasenqesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
- 10

darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist,
Die anhaltende
Bautätigkeit
und
die
Abwesenheit
qlaubwürdiqer anderweitiqer Erklärunqen haben unsere Beurteilunq seines
Zwecks erhärtet.
Trotz amerikanischer Aufforderunqen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen qetroffen worden.
Diese und andere sowjetische Aktivitäten bezüglich ABM deuten an, daß
die UdSSR mit Arbeiten an einer ABMVerteidigung ihres nationalen Territoriums beschäftigt sein könnte.

2. Mobilität
ten

von

ABM-Systemkomponen-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersaqt
die Entwicklunq, Erprobunq oder Stationierunq von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtunqen aus
dem ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten
für ein solches System entwickelt
hat.
Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Reqierung der Vereinigten Staaten bestätigt das Urteil
des Berichts vom Dezember 1985, wonach die Beweislage hinsichtlich sowjetischer Aktivitäten in bezug auf
die
Mobilität
von
ABM-Komponenten
verschwommen ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötiqt werden, eine po-

�tentielle Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtungen qemäs dem ABMVertraq darstellen. Dies, sowie weitere ABM-relevante sowjetische Aktivitäten deuten darauf hin, daß die
UdSSR
mit Arbeiten
zur
Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
beschäftigt sein könnte.

3. Gleichzeitige Erprobung von ABMund Luftverteidigunqskomponenten
Verpflichtung:
Durch den ABMVertraq und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsqebiet
auferlegt.
Zusätzlich zu den ABM-Systemen und
-Komponenten in diesem einen stationierunqsqebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und -Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den verabredeten Erprobungsqebieten befinden.
Der Vertraq untersagt außerdem, Komponenten, die nicht zum ABM-System
qehören, die Fähiqkeit zu verleihen,
"strateqische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitiqe Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985"über die Einhaltung untersuchte die Frage, ob die Sowjetunion gleichzeitig Elemente der SAM
und ABM-Systeme getestet hat, was
eine Verletzunq ihrer geqenteiliqen
rechtlichen Verpflichtung
von 1978
darstellt. Diese Verpflichtung hatte
zum Ziel, die Erprobunq von Luftverteidigungssystemen in ABM-Form weiter
zu begrenzen. Wir haben diese Fragestellung erneut überprüft.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten bestätiqt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, daß die Beweise für sowjetische
Aktivitäten auf dem Gebiet gleichzeitiger Operationen unzureichend sind,
um die Einhaltung der sowjetischen
Verpflichtungen im Rahmen des ABMVertrages umfassend bewerten zu können. Die Sowjetunion hat jedoch Versuche unter Einbeziehung von Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten
Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und anhaltenden Vorfälle gleichzeitiqer Operationen von
ABM- und
SAM-Komponenten
sowie die
mangelnde
sowjetische
Berücksichtigung
der
amerikanischen
Besorgnis
sind ein Zeichen dafür, daß die Sowjetunion das Verbot der Erprobung
von SAM-Komponenten in ABM-Form wahrscheinlich verletzt hat. In mehreren
Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten deuten darauf hin, daß
die UdSSR mit der Vorbereitung einer
landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt
sein könnte.

4. ABM-Fähiqkeit moderner SAM-Systeme
Verpflichtunq: Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des ABM-Vertraqes verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertraq definierte Abfanqraketen,
Abschußvorrichtunqen oder Radarsysteme auch nicht mit "Fähiqkeiten auszustatten, um strateqische ballistische
Raketen oder deren Elemente im Fluq
abzuwehren, und diese nicht in ABMForm zu testen..."
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer
rechtlichen Verpflichtunqen
im
Rahmen des ABM-Vertraqes ein SAM-Svstem oder eine Komponente in ABM-Form
getestet oder
sie mit Fähiqkeiten

- 11 -

�ausgestattet hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren.
Dieser Bericht
untersucht eneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen zur Verbesserung von
SAM unzureichend sind, um die Einhaltung der sowjetischen Verpflichtung
im Rahmen des ABM-Vertrages zu bewerten. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten der Sowjets deuten jedoch
darauf hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

5. Schnelles Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen für Abfangraketen und von dislozierten Abfangrakten auf 100.
Er beschränkt
nicht die Anzahl der Abfangraketen,
die gebaut und gelagert werden können. Paragraph 2, Artikel V des Vertrages verbietet die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von "automatischen oder halbautomatischen oder
anderen
ähnlichen
Systemen
zum
schnellen Nachladen" der
erlaubten
AbschußVorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjetunion in Verletzung ihrer rechtlichen Verpflichtungen aus
dem ABM-Vertrag automatische, halbautomatische oder ähnliche Systeme zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
entwickelt,
erprobt
oder disloziert hat. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist der Überzeugung,
daß auf der Grundlage des zur Verfügung
stehenden Beweismaterials
die
Handlungen der UdSSR in bezug auf das
schnelle Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen gemäß ihrer rechtlichen
Verpflichtungen aus dem ABM-Vertrag
zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben.
Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit ernster Besorgnis. Diese und andere ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin,
daß die UdSSR mit der Vorbereitung
einer
landesweiten
ABM-Verteidigung
befaßt sein könnte.

6.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobunqsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet jedoch
die Dislozierung
eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen..
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjets ein ABM-System zur
Verteidigung
ihres
Staatsgebietes
disloziert oder einen Stützpunkt für
eine solche Verteidigung zur Verfügung gestellt haben. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse des Berichts vom Dezember
1985, daß im Ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick

- 12 -

�auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten
(z.B. Bau von Radaranlaqen, gleichzeitiqe Erprobunq, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM und
ABM-Mobilität) darauf hindeuten, daß
die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
befaßt sein könnte. Unsere Besorqnis
dauert an.

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische, biologische und toxische Waffen
Vertraqsstatus:
Die
Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
aus dem Jahr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträqe, bei denen sowohl
die Vereiniqten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertraqsparteien
sind.
Sowjetische Handlunqen, die nicht im
Einklanq mit diesen Verträqen und dem
völkerrechtlichen
Brauch qemäß dem
Genfer
Protokoll
von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher Verpf lichtunqen.
Verpflichtunqen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklunq, Produktion, Lagerunq oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen bioloqischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Menqen zu prophylaktischen, Verteidiqunqs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhanq
stehenden
Regeln
des
völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieq sowie von allen entsprechenden Flüssiqkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakterioloqi-

scher Methoden der Krieqführunq.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die Sowjets Bestimmunqen
verletzt haben,
die Entwicklunq, Produktion, Tansfer,
Besitz
und Verwendunq
biologischer
und toxischer Waffen verbieten und ob
sie für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser Bericht untersucht erneut diese
Frage.
Ergebnis: Die Regierunq der Vereiniqten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1986 in vermuteten Einrichtungen für bioloqische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Proqramm jetzt die Prüfunq
neuer Arten von Wirkstoffen zur bioloqischen
Verteidiqunq
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom Dezember 1985 bestätigen,
wonach die Sowjetunion! in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der bioloqischen Krieqführunq
aufrechterhält.
Beschuldiqunqen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kamputschea, Laos oder Afqhanistan im Jahr 1986 konnten qemäß
der strenqen Richtlinien unserer Beweisführunq nicht bestätiqt werden.
Obwohl in der Verqanqenheit mehrere
Analysen der Berichte über ihren Einsatz vorqenommen wurden, haben diese
Studien bisher keine positiven Erqebnisse aezeitiqt. Daher gibt es keine
Grundlage für eine Erweiterung der
Schlußfolgerung
vom Dezember
1985,
wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
dem Völkerrecht, wie dies im Genfer
Protokoll von 1925 und in der Konven-

- 13 -

�tion über bioloqische und toxische
Waffen aus dem Jahr 1972 kodifiziert
ist, Produktion, Transfer und Einsatz
von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen Zwecken in Laos, Kamputschea und Afghanistan betrieben hat.

Schwellenvertraq
Atomversuche
nen-Grenze

und die 150-Kiloton-

Vertraqsstatus:
Der
Schwellenvertraq wurde im Jahr 1974 unterzeichnet.
Der Vertrag wurde nicht
ratifiziert, aber keine Vertragspartei hat die Absicht bekundet, ihn
nicht zu ratifizieren.
Deshalb unterliegen beide Vertragsparteien der
Verpflichtung, gemäß dem Völkerrecht
Akte zu unterlassen, die zu Ziel und
Zweck dieses Vertrags im Widerspruch
stünden.
Maßnahmen, die Ziel und
Zweck
des
Vertrags
zuwiderliefen,
wären daher Verletzungen der rechtlichen
Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind bemüht, für den
Vertrag verbesserte Verifizierungsbedingungen auszuhandeln.
Beide Vertragsparteien haben unabhängig voneinander erklärt, die 150-KilotonnenSchwelle des Vertrags einzuhalten.
Verpflichtung:
Der Vertrag verbietet alle unteriridischen Atomwaffenversuche über 150 Kilotonnen hinaus an jedem der Gesetzgebung oder
Kontrolle der Vertragsparteien unterliegenden Ort und dies ab dem 31.
März 1976.
Angesichts der technischen Ungenauigkeiten bei der exakten
Einschätzung
der
Sprengkraft
von
Atomwaffenversuchen kamen beide Seiten überein, daß ein oder zwei kleine
unbeabsichtigte
Vertragsbrüche
im
Jahr nicht als Verletzung des Vertrages angesehen würden.
Fragestellunq:

Der

Bericht

vom
- 14

Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjets Atomversuche über 150
Kilotonnen hinaus durchqeführt haben.
Dieser Bericht überprüft erneut diese
Fraqe.
Erqebnis:
Im verqanqenen Jahr
hat die Reqierunq der Vereiniqten
Staaten die Atomversuche der Sowjetunion vor dem selbstauferleqen Moratorium vom 6. Auqust 1985 überprüft
und die amerikanischen Methoden zur
Einschätzung der Sprengkraft von sowjetischen
Atomversuchen
überarbeitet. Diese Arbeit ist noch nicht beendet. Im Dezember 1985 stellte die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten
fest, daß: "sowjetische Atomversuche
bei eine Reihe von Versuchen wahrscheinlich eine Verletzung der rechtlichen
Verpflichtungen
gemäß
dem
Schwellenvertrag darstellen".
Diese
Erkenntnis behält angesichts unseres
umfassenden Wissens über diesen Themenkomplex
seine Gültiqkeit.
Wenn
die derzeit in Arbeit befindlichen
Studien abqeschlossen sind, wird sie
auf den neuesten Stand qebracht werden.
Die Studien sollten eine verbesserte Grundlaqe für die Einschätzunq der bisheriqen sowjetischen Einhaltung enthalten. Die Ungenauigkeiten bei der Einschätzung von Art und
Umfang
der bisherigen
sowjetischen
Versuche und beträchtliche Schwierigkeiten bei der Verifizierung werden
fortbestehen und auf diesem technisch
schwierigen Gebiet bleibt noch viel
zu tun. Diese Unqenauiqkieten machen
die Notwendigkeit wirksamer Verifizierungsmaßnahmen deutlich, mit denen
die Unzulänglichkeiten bei der Verifizierung gemäß dem schwellenvertrag
und der ihn begleitenden Vereinbarung, dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken, ausgeglichen werden sollen.

Vertrag über ein begrenztes Ver-

�Suchsverbot
Abgabe nuklearer Rückstände an
die Umwelt nach unterirdischen Atomversuchen
Vertraqsstatus: Der Vertraq über
ein beqrenztes Verbot von Atomversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum
und unter Wasser ist ein multilateraler Vertraq, der für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion im Jahr
1963
in Kraft
trat.
Sowjetische
Schritte, die nicht mit diesem Vertraq in Einklanq stehen, sind Verletzunqen einer rechtlichen Verpflichtunq.
Verpflichtunq:
Dieser
Vertraq
verbietet speziell Atomexolosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umqebunq,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesqrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzqebunq oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchqeführt wird".
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR
dazu führten, daß radioaktive Rückstände außerhalb ihrer Landesqrenze
anfielen.
Dieser Bericht untersucht
erneut diese Fraqe.
Die
Reqierunq
der
Vereiniqten
Staaten
bestätiqt die Erkenntnisse
des Berichts vom Dezember 1985, nach
denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Geleqenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzunq der rechtlichen Verpflichtunqen
qemäß des beqrenzten Teststoppvertraqes auch außerhalb des Territoriums
der Sowjetunion qelanqten.
Die So-

wjetunion traf nicht die notwendiqen
Vorkehrunqen, um die Verseuchunq der
Umwelt durch radioaktive Substanzen
so qerinq wie möqlich zu halten und
dies trotz zahlreicher amerikanischer
Schritte und Forderunqen nach Korrektivmaßnahmen .

Die Schlußakte von Helsinki
Benachrichtigung bei Manövern gemäß der Schlußakte von Helsinki
Rechtlicher Status:
Die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa wurde im
Jahr 1975 in Helsinki unterzeichnet.
Dieses Dokument stellt eine politische Verpflichtung dar und wurde von
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammen mit 33 anderen
Staaten
unterzeichnet.
Sowjetische
Aktivitäten, die nicht im Einklanq
mit diesem Dokument stehen, sind Verletzungen
ihrer
politischen
Verpf lichtunq.
Verpflichtung:
Alle Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki sind verpflichtet, im voraus Informationen über anstehende größere
Manöver - als Manöver definiert, an
denen mehr als 25.000 Soldaten teilnehmen - sowie diesbezügliche Einzelheiten zur Verfügunq zu stellen.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Benachrichtiqunq bezüqlich des
sowjetischen Manövers "ZAPAD-81" unzureichend und deshalb eine Verletzunq der
politischen Verpflichtung
der Sowjetunion qemäß der Schlußakte
von Helsinki war. Dieser Bericht untersucht erneut diese Fraqe.
Erqebnis: Die Reqierunq der Vereiniqten Staaten kam bereits zu dem
Urteil und ist auch weiterhin der An-

- 15 -

�Sicht, daß die Sowjetunion im Jahr
1981
ihre politische Verpflichtung
verletzte,
die
Bestimmungen
von
Korb I der Schlußakte von Helsinki
einzuhalten, indem sie keine Vorausbenachrichtiqunq
des
Manövers
"ZAPAD-81" vornahm.
Seit 1981 haben
die
Sowjets
die
Verfüqunqen
der
Schlußakte
von
Helsinki
zwar
den
Buchstaben, aber
selten dem Geist
nach befolqt. Die Sowjetunion nimmt
eine sehr restriktive Interpretation
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der
Schlußakte von Helsinki vor und die
Anwendunq freiwilliqer vertrauensbildender Maßnahmen durch die Sowjetunion war bisher eher die Ausnahme
als die Reqel. Die Sowjets haben alle Ubunqen anqekündiqt, bei denen die
vorheriqe Benachrichtiqunq erforderlich ist (z.B. diejeniqen mit 25 000
oder mehr Soldaten), haben jedoch
keine
freiwilliqe
Benachrichtiqunq
vorqenommen (z.B. bei Ubunqen mit weniqer als 25 000 Soldaten). Ihre Benachr ichtiqunqen enthielten nur ein
Minimum an Informationen.
Weiterhin
haben sie die freiwilliqen Verfüqunqen nur im qerinqstmöqlichen Umfanq
einqehalten, nach denen Beobachter zu
den Manövern einqeladen werden sollen
und Beobachter nur zu 5 0 Prozent der
anqekündiqten Ubunqen einqeladen.

* * * * * *
- 16

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

11. März 1987

10

ANDAUERNDE MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN KUBA
- Worldnet mit Walters und Valladares -

WASHINGTON - (AD) - In einem am 6. März 1987 über Worldnet ausqestrahlten
Interview mit Journalisten in fünf europäischen Ländern leqten der amerikanische UN-Botschafter Vernon Walters und der kubanische Schriftsteller Armando
Valladares, der 22 Jahre in kubanischen Gefänqnissen verbrachte, ihre Beweqqründe dafür dar, daß sie die UN-Menschenrechtskommission zur Überprüfung der
Zustände auf der Karibikinsel zu beweqen suchen.

Die Vereiniqten Staaten brachten
in der verqanqenen Woche eine Resolution mit diesem Ziel ein. Im Falle
ihrer Annahme wird Kuba den Beweis
für die Respektierunq der Rechte seiner Bürqer
erbringen müssen.
Die
Kommission könnte eine unparteiische
Untersuchunq
durchführen
und
ihren
Bericht
während der
nächstjährigen
Sitzungsperiode vorleqen.

"Nach Castro", saqte Valladares,
"ist die politische Zukunft meines
Landes die Freiheit.
Das Abtreten
Castros wird ein enormes Vakuum hinterlassen. Er wird von niemandem ersetzt werden. Es qibt in Kuba keine
Persönlichkeit,
die
diese
Lücke
schließen könnte. Castro ist in Kuba
allmächtiq."

"Die
politischen
Gefänqnisse
Kubas...
sind, wie wir alle wissen,
Orte
des
Schreckens,"
erklärte
Walters auf eine Fraqe.

Beide äußerten Spekulationen, wonach Castro der Liberalisierunqspolitik des sowjetischen Generalsekretärs
Gorbatschow folqen könnte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Walters verqlich Castros Kuba mit
der
Laqe
in Chile
unter
General
Pinochet.
Beide Länder hätten eine
Bevölkerunq von etwa elf Millionen,
aber "es qibt 3 800 Chilenen im politischen Exil, während die Zahl der
Zolitischen
Flüchtlinqe
aus
Kuba
1 400 000 beträqt.
Ich denke, das
spricht für sich selbst, wenn man
darüber spricht, ob es in Kuba ein
Problem qibt oder nicht."
Walters erklärte, die Probleme im
Zusammenhanq
mit
Rechtsdiktaturen
seien nicht so schwer zu bewältiqen
wie die Probleme in bezuq auf Linksdiktaturen:
"Der qroße Unterschied
besteht wirklich in der Tatsache, daß
man es in Chile und Paraguay mit autoritären Staaten zu tun hat.
In
Kuba und Nicaragua hat man es mit totalitären Staaten zu tun."
Walters
fügte hinzu, daß Menschenrechtsgruppen
in Chile
Zuqanq
qewährt worden sei, während Kuba dem
Internationalen Roten Kreuz Besuche
in den Gefänqnissen verweiqert habe.
Dabei bezeichnete er die Menschenrechtssituation in Kuba als eine
Fraqe, die "man wahrscheinlich schon
vor lanqer Zeit hätte aufwerfen sollen.
In all den Jahren haben wir
einen konstanten Zustrom kubanischer
Flüchtlinqe erlebt.
Und eqal, wie
qefährlich die Flucht aus Kuba auch
sein maq, kommen immer noch weitere
hinzu. Die jüngsten Flüchtlinqe haben uns erzählt, daß die von Armando
Valladares in seinem außergewöhnlichen Buch beschriebenen Zustände dort
immer noch herrschen."
"Ich hoffe, daß diejeniqen Menschen, die die Freiheit lieben, mit
ihrer stimme Castros stillen Gefangenen ein Zeichen der Hoffnunq geben,"
erklärte er. "Die von uns verfolgte

grundlegende Politik, diese Resolution bei der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen einzubringen,
(bedeutet), den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild
zu machen".
"Wir haben hier eine Reihe von
Zeugen geladen", berichtete Walters,
"es handelt sich dabei um Menschen,
die in Castros Gefängnissen verstümmelt und gefoltert wurden, Menschen,
die für ihr Leben verkrüppelt sind
und Menschen, die jede nur mögliche
menschliche Demütigunq erfahren haben".
In Beantwortung einer Frage zu
Nicaragua
kritisierte
Walters
die
Sandinisten dafür, daß sie Grundrechte wie etwa die Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit außer Kraft setzen.
Er wies ferner auf die frühe Militarisierung der Sandinisten hin. "Nicaragua hatte bereits 250 gepanzerte
Kampffahrzeuge
erworben, bevor
die
ersten Contras einen Fuß auf nicaraquanischen Boden qesetzt hatten".
Valladares erklärte, er habe sein
Buch qeschrieben, um seine Erfahrunqen
als
Gefanqener
weiterzugeben.
Vor der Kommission der Vereinten Nationen könne er "die Missetaten Kubas
im Bereich der Menschenrechte mit Namen und Daten beleqen". "wir können
zweifellos Beweise liefern, die nicht
einmal die kubanische Delegation widerlegen konnte, daß in den vergangenen 29 Jahren in Kuba Folter und Verletzung der Menschenrechte an der Tagesordnung waren", so Valladares.
Er beschrieb "Zwanqsarbeit, Isolation, Lebensmittelentzuq,
Dunkelheit, verwehrten Kontakt zu den Familien, Schläqe und alle Arten von physischem und psychischem Druck" als
Hauptcharakteristika kubanischer Gefänqnisse.

�"Wir haben in unseren Gefänqnissen Experten
für Repressalien und
Folter aus den sowjetischen Ländern"
behauptet Valladares. "Wir haben Sowjets qesehen.
Wir haben Tschechen
qesehen. Wir haben Ostdeutsche beobachtet und Mitqlieder der sowjetischen Polizei, die sogar ihre Uniformen truqen".

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 11.03.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle ein "großer Durchbruch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor der National Newspaper Association -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen "begrüßenswerte Entwicklung"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verteidigungsminister Weinberger in Boston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie von William Webster -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet mit Walters und Valladares -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

1 8 . März 198 7

11

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

Wick; Sowjetischer "Glasnosf-Kampagne mit Vorsicht begegnen
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten
- Von Henry Kissinger -

Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung
für NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN **

1 8 . März 1987

11

REAGAN NIMMT WEINBERGER UND SHULTZ IN SCHUTZ
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte Präsident Reagan am 14. März 1987, daß sowohl Verteidigungsminister Weinberger als auch Außenminister Shultz ihm eindringlich geraten hätten, keine Waffenverkäuf^ an den Iran zu unternehmen.
"Sie hatten
recht und ich unrecht" gestand der Präsident.
Präsident Reagans Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
heute nachmittag möchte ich Sie von
den
wichtigen Veränderungen
unterrichten, die in jüngster Zeit in unserer
Administration
stattgefunden
haben und auch unser Programm für die
kommenden Monate beeinflussen werden.

Baker
als meinem Stabschef, Frank
Carlucci als Nationalem Sicherheitsberater und der Nominierung von Richter William Webster als neuem Direktor
des Geheimdienstes
ist meine
Gruppe für die nationale Sicherheit
wieder vollständig.

Zunächst einmal hat jede Regierung ihre eigene Arbeitsgruppe für
die nationale Sicherheit, eine Gruppe
von Beamten, die den Präsidenten bei
der Gestaltung der Außenpolitik unserer Nation
unterstützen.
Mit der
jüngsten Ergänzung von Senator Howard

Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger sind seit
längerer Zeit Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, und ich möchte hierbei
betonen, daß nie zwei Männer einem
Präsidenten in seinem Nationalen Sicherheitsrat besser gedient haben.

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie haben dieser Nation in langen
Jahren in verschiedenen wichtigen Regierungsämtern treu gedient. Die Nation kann ihnen genau wie ich dankbar
sein für ihre Intelligenz, ihre Hingabe und Integrität. Sie haben eine
feste Überzeugung und zögerten niemals, mir ihre unverblümten Ansichten
über anstehende Fragen der nationalen
Sicherheit mitzuteilen. Sie sind bereit, ihre Meinung zu äußern, ungeachtet der Stärke des Widerstandes in
der naturgemäßen Tendenz der Bürokratie, Kompromisse einzugehen oder denselben Weg einzuschlagen.
Deshalb
schätze ich sie so sehr.
Im Falle
der Waffenverkäufe an den Iran rieten
mir sowohl Außenminister Shultz als
auch Verteidigungsminister Weinberger
entschieden davon ab, diese Initiative weiter zu verfolgen. Ich habe ihren Rat überdacht, bin aber zu dem
Schluß gekommen, daß die Initiatve
das Risiko wert war und habe sie
fortgeführt.
Wie wir jetzt wissen,
hat
sich
herausgestellt, daß
sie
recht hatten und ich unrecht. Aber
sie haben ihre Pflicht als meine Berater und als meine Mitarbeiter erfüllt, und ich bin sehr dankbar dafür, daß sie mir in den nächsten Monaten weiterhin mit ihren Ansichten
zu unserem anstehenden Programm zur
Seite stehen werden.

Zur Außenpolitik möchte ich bemerken, daß Amerika sich in der Welt
großen Problemen, aber noch größeren
Möglichkeiten
gegenübersieht.
Wir
sehen
eine
Chance
für
bedeutsame
Fortschritte
bei den Verhandlungen
mit der Sowjetunion über einen Rüstungsabbau, wenn wir einen klaren
Kurs verfolgen und hart verhandeln.
Gleichzeitig müssen wir mit dem sowjetischen
Abenteurertum
fertigwerden.
Besonders Mittelamerika bleibt
für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Und hier muß
unser Kongreß wesentliche Entscheidungen darüber treffen, ob unsere Nation die Demokratie und den Widerstand gegen die Diktatur in einer Region ernsthaft unterstützen will, die
so nah an unsere grenzt. Mein Engagement
bleibt
felsenfest bestehen.
Ich werde jede Bemühung bekämpfen,
die eine Unterstützung für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer
beschneiden und sie dem Tod oder der
Niederlage preisgeben will.

In den kommenden Monaten wird das
Wort "Programm" Bedeutung erlangen.
Ich habe hier im Weißen Haus diese
wichtigen Veränderungen vorgenommen,
um dafür zu sorgen, daß wir wieder
das Steuer in der Hand haben und mit
dem fortfahren, zu dessen Vollendung
Sie mich gewählt haben.
Im Inland
wird unser Programm Veränderungen im
Bereich des Haushalts und auch weitreichende Reformen bei der Wohlfahrt
beinhalten, die den Kreis der Armut,
in den so viele bedürftige Amerikaner
geraten sind, durchbrechen sollen.

Bitte erlauben Sie mir, daß ich
mich nun anderen Fragen von erheblicher Bedeutung zuwende.
Zunächst
einmal bedeutete die Steuerreform vom
vergangenen Jahr, daß Millionen von
Amerikanern in diesem Jahr Formulare
(W-4) ausfüllen mußten, die sehr verwirrend waren.
Ich weiß das, weil
ich selbst ein solches auszufüllen
hatte.
Wir haben Ihre Beschwerden
vermerkt und zusammen mit der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ein neues einfacheres Formular
erarbeitet, das in etwa einem Monat
erhältlich sein wird.
Das amerika-

- 2

Sowohl in der Innen- wie auch in
der Außenpolitik dreht sich alles um
denselben Kern. Wir haben eine Aufgabe, und wir werden diese in den
kommenden beiden Jahren mit Ihrer
Hilfe und Unterstützung auch ausführen.

�nische Volk ist also gegen den Fiskus
angetreten und hat gewonnen.
Dann hat unsere Administration
Anfang dieser Woche Reformen bei der
Bundesprüfstelle
für
Nahrungsmittel
und pharmazeutische Präparate angekündigt, die es Opfern von AIDS und
anderen lebensbedrohenden Krankheiten
leichter machen, neue Arzneimittel zu
erhalten, die sich noch im Versuchsstadium
befinden.
Dieser Schritt,
durch den der Regierungsapparat noch
weiter
zurückgedrängt wird, könnte
weniger Leid und Schmerz für Tausende
von schwer erkrankten Amerikanern bedeuten. Das wäre eine Maßnahme, die
im wahrsten Sinne des Wortes human zu
nennen wäre.
Wenn Sie mir erlauben, möchte ich
noch ein letztes Wort zu einem Thema
sagen, daß meine irische Seele betrifft, zum St. Patrick-Gedenktag.
Seit der Hundersnot in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts sind Millionen der Söhne und Töchter Er ins nach
Amerika gekommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Aber ob irisch
oder nicht, fast alle Amerikaner verfolgen ihre Ahnenlinie bis hin zu
Vorfahren aus fernen Ländern, Männern
und Frauen, die mit dem festen Entschluß nach Amerika gekommen sind, zu
arbeiten und die nur Freiheit forderten.
Ich glaube daher, daß wir am
kommenden Dienstag als Amerikaner alle berechtigt sind, zu feiern.
Bis nächste Woche und vielen Dank
fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11

18. März 1987
WICK:

SOWJETISCHER "GLASNOST"-KAMPAGNE MIT VORSICHT BEGEGNEN
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der
amerikanischen Werbewirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Charles
Z. Wick, hat am 13. März 1987 in einer Rede vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dazu aufgerufen,
der neuen Kampagne der Offenheit oder "Glasnost" seitens der Sowjetunion mit
"Vorsicht und Wachsamkeit" zu begegnen. Das Ziel der neuen sowjetischen Strategie bestehe darin, "die Regierungen der Freien Welt - insbesondere diejenigen in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - dazu zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu handeln".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von Direktor wick
lichen Auszügen:

Seit
1945 ist die Welt das
Schlachtfeld eines "Krieges der Ideen" gewesen - eines Krieges, in dem
die großen Traditionen der westlichen
Demokratien, wie etwa
die Philosophien von Jefferson, Madison und
Lincoln sich im Kampf gegen die Ideologien von Marx, Lenin, Stalin und
Mao befanden.
In jüngster Zeit ist dieser Wettbewerb jedoch immer subtiler geworden. Die Machtübernahme von Generalsekretär Gorbatschow hat einen neuen
und dynamischeren Führungsstil ermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in ihren wesent-

tigt.
Die Sowjets vermarkten ein
neues Image der Offenheit gegenüber
der Welt.
Sie nennen ihr Produkt
"Glasnost". Aber "Glasnost" ist mehr
als ein Produkt. Es ist eine Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit.
Die
Sowjets versuchen, den Krieg der Symbole zu gewinnen. Wenn sie ihn gewinnen, dann haben sie auch den Krieg
der öffentlichen Diplomatie gewonnen.
Was würden
verlieren?

wir

in

diesem

Fall

Am schlimmsten wäre, daß wir un-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sere Sicherheit
verlieren könnten.
Wir müssen nicht eigens daran erinnert werden, daß es im Falle eines
Krieges keinen Gewinner geben wird.
Der Verlierer wird ebenso wie der Gewinner verlieren. Dies wird die endgültige
Bestrafung
einer
Fehleinschätzung sein.

- die Abkoppelung von SDI von
INF-Verhandlungen in Genf;

Längerfristig könnten wir, falls
wir den "Krieg der Ideen" verlieren,
die Seele der Freien Welt in Gefahr
bringen, ihre heutige Existenz und
ihr Versprechen für die Sicherheit
von morgen.

- die Enthüllungen in der sowjetischen Presse zu Katastrophen wie
Tschernobyl,
Schiffsunglücken,
dem Untergang eines Atom-U-Bootes
und
selbst
zu
innenpolitischen
Unruhen in der Sowjetunion;

Deshalb ist folgende Frage von
einem in unserer gesamten Geschichte
vielleicht niemals dagewesenen Ernst.
Kündigt dieses neue Image einen Wandel in den sowjetischen Zielen an,
oder hüllen sich die Sowjets lediglich in einen Deckmantel falscher Gerechtigkeit, falscher Wirtschaftspolitik, falscher Brüderlichkeit und
falscher Versprechungen?

- eine verstärkte Bereitschaft, auf
die westliche Kultur zuzugehen,
einschließlich
der Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Sie es vielleicht ausdrücken
würden, entspricht bei "Glasnost" der
Inhalt der Verpackung oder handelt es
sich um eine Mogelpackung?
Dies ist heute die zentrale Frage. Und die Antwort darauf ist entscheidend
für all diejenigen, die
einen dauerhaften Frieden wollen.
Bis heute ist die Antwort unklar.
Aber wir beobachten täglich eine positive
und vielleicht vielversprechende Litanei sowjetischer Handlungen.
Sie verkaufen ein Image von
"Glasnost" und Fortschritt zu einer
besseren Welt.
Sie nehmen die Aufmerksamkeit von Menschen in der ganzen Welt gefangen, besonders dort, wo
die
Frontlinien
des
Ost-West-Konflikts verlaufen.
Denken Sie einen
Moment nach.
Wie reagieren Sie auf
das folgende:
- 2

- die Freilassung Andrei Sacharows,
Juri
Orlows, Anatoli
Schtscharanskis und anderer politischer
Gefangener;
den

Diese
Marketing-Bemühungen
sind
auf die Völker der Welt ausgerichtet.
Ihr strategisches Ziel besteht darin,
eine sowjetisch-informierte Weltmeinung zu schaffen, die Regierungen der
Freien Welt - insbesondere diejenigen
in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu
handeln.
Um
dieser
Bedrohung
energisch
entgegenzutreten, haben wir von USIA
unsere eigenen
Initiativen
entwikkelt, um den amerikanischen Wettbewerbsvorteil
in
diesem
weltweiten
"Krieg der Ideen" zu bewahren.
Zum Glück können wir dabei von
einer Position der Stärke ausgehen.
Jede gute Werbekampagne hofft auf
ein gutes Produkt. Wir besitzen ein
großartiges Produkt - die Wahrheit
über diese große Nation, ihr Volk,
ihr Leben und ihre Vision von der Zukunft .
Wer

ist dabei

unser Publikum und

�welches unser Markt?
Ich kann dies
kurz beantworten: die ganze Welt
besonders
aber
diejenigen,
denen
glaubwürdige Nachrichten und Informationen vorenthalten werden und die in
ihren stillen Kämpfen von besseren
Tagen träumen.
Warum aber die ganze Welt?
Erstens hängt unsere Sicherheit
von einer Welt ab, in der unsere
grundlegendsten politischen und wirtschaftlichen
Prinzipien
aufrechterhalten werden - die Prinzipien der
Selbstbestimmung und des freien Handels. Eine Welt, die diesen Prinzipien gegenüber feindselig eingestellt
ist, ist eine Welt, in der wir nicht
überleben können.
Es gibt aber etwas noch grundlegenderes - eine Verpflichtung gegenüber anderen Menschen.
Die Botschaft
unseres Produkts
ist umfassender als jede Gesellschaft
und jede Regierung. Sie ist im Grunde die Botschaft der Freiheit selbst,
und sie lebt in der Seele jedes Menschen als ein "inneres Maß" seines
höchsten und ehrenwertesten Trachtens.
Darin liegt die Grundlage unserer
Stärke.
Aber, mehr als das, die Freiheit
- und ihre Vorzüge - dient als Grundlage für die Einstufung von Regierungen und Völkern.
In der Werbung ist ein Markenzeichen das Merkmal zur Identifizierung
einer Ware, ein Symbol, daß gewisse
Merkmale des Produkts anzeigt, wie
etwa seine Qualität und Zusammensetzung und auch sein Prestige.
In der öffentlichen
Diplomatie
benutzen wir ebenfalls Identifizie- 3

rungsmerkmale
- ein Markenzeichen,
das die Lebensqualität eines Landes
sowie die Qualität seiner Institutionen und seiner Regierung symbolisiert.
Stellen Sie die Markenzeichen der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
DDR, Nord- und Südkoreas, Nicaraguas
und
Costa
Ricas, Kambodschas
und
Singapurs gegenüber.
Jedes Länderpaar besitzt vergleichbare Kulturen,
Traditionen
und eine ähnliche Geschichte.
Und doch sind z. B. die
Bundesrepublik
Deutschland
und die
DDR Länder verschiedener Güteklassen
mit
verschiedenartigen
Identifizierungsmerkmalen.
In jedem Fall sind
die "Markenzeichen" der Freiheit
die Bundesrepublik Deutschland, Südkorea, Costa Rica und Singapur - in
ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben dynamisch.
Die anderen "Markenzeichen",
die sich unter Repression und Kontrolle abmühen - die DDR, Nordkorea,
Nicaragua und Kambodscha - entbehren
des Wachstums, der Hoffnung und Lebenskraft, die zum Markenzeichen ihrer Nachbarn gehören.
Wenn man dies unter dem Gesichtspunkt des Marketing betrachtet, dann
bedeuten diese Unterschiede an sich
schon ein bedeutendes Marketing-Mittel.
Aber, genau wie Sie, benutzen wir
eine Mischung von Techniken und Mitteln - einige alte, einige neue -, um
unsere Produkte zu verkaufen.
Die
unseren sind: Worldnet, ein neues
weltweites
Satelliten fernsehnetz...
die
Stimme Amerikas... ein
neuer
Dienst
für
Kuba, Radio Marti....
Eine
weltweite
Nachrichtenagentur,
die schon bald über Satellit direkt
mit den Nachrichtenzentren der Medien
der Welt verbunden werden soll...
Magazine...
Austauschprogramme
für
die Menschen...
kulturelle Darbie-

�tungen...
159 Bibliotheken...
200
Kulturzentren in 100 Ländern... drei
Auslandspressezentren
in
den
Vereinigten Staaten für 3 000 Auslandskorrespondenten...
sowie ein Vortragsprogramm in Übersee... Ausstellungen... Botschafter aus den Bereichen Sport und Kunst...
und unser
eigenes engagiertes Korps von Diplomaten in 206 Posten in 127 Ländern.
Alle diese Ressourcen werden täglich angewendet und ebenso wie bei
Ihnen im Geschäftsleben, erhalten wir
ein wichtiges "Echo" über die Auswirkungen, die sie auf unser Publikum
haben. Zuhörer und Zuschauer überall
auf der Welt schreiben uns ihre Reaktionen und Vorschläge. Unsere weltweiten
Dienststellen
beliefern
uns
mit Post unserer Hörer und den Stellungnahmen der ausländischen Medien
sowie von offizieller Seite.
Verschiedene Regierungsbehörden vermitteln uns Auswertungen unserer Schwerpunkte und Programme. Wir geben Projekte über ausländische Standpunkte
und Meinungen in Auftrag. Diese kontinuierliche und andauernde Auswertung - die sowohl eine informelle als
auch
eine
formelle
Meinungsumfrage
darstellt - ist uns bei der Bewertung
des Erfolges unserer Kampagnen und
bei der noch effektiveren Planung für
die Zukunft behilflich.
Dieses "Echo" ist die Grundlage
für meine allmorgendlichen Besprechungen
mit dem Außenminister und
seinen wichtigsten Vertretern, bei
denen ich sie über die Stellungnahmen
in der ausländischen Presse und über
gegenwärtige politische Tendenzen und
Themenkomplexe informiere. Die ganze
Nacht über treffen Fernschreiben allen Ländern der Welt in unserem Führungszentrum ein, werden zusammengefaßt und rechtzeitig vor meinem Morgentermin mit dem Außenminister zu
mir nach Hause geschickt.

Als Werbefachleute sind Sie sich
sicherlich bewußt, daß "Publikumsecho
und Auswertung" die entscheidenen Bestandteile jeder erfolgreichen Strategie sind. Dies hat heute ganz besondere Gültigkeit.
Die Einstellungen eines Volkes beeinflussen heute
mehr denn je die Handlungen, Politik
und in manchen Fällen sogar das Überleben eines Regimes.
Internationale
Rundfunksendungen
der Freien Welt haben zum Beispiel
dazu beigetragen, daß das polnische
Volk in Solidarnosc - Solidarität mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
konnte.
In El Salvador, Haiti und
auf den Philippinen erlangten die demokratischen Kräfte aufgrund von Ideen ihren Sieg - Ideen, die in der
ganzen Welt durch die modernen Telekommunikationsmittel in den Wohnzimmern unterstützt
und dadurch noch
mächtiger wurden.
Wir werden niemals vergessen, daß
für unseren Kunden - Amerika - ein
Rückschlag im "Krieg der Ideen" eine
potentielle Bedrohung der nationalen
Sicherheit unseres Landes darstellen
würe.
Es ist daher nicht überrraschend,
daß die USIA-Bilanz im Verlauf der
letzten drei Jahrzehnte positiv war.
Von USIA durchgeführte Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die Vereinigten Staaten und unsere demokratische
Lebensweise sich weiterhin einer hohen Wertschätzung erfreuen.
Die Beweise dafür sehen wir täglich.
Die Bürger der sogenannten sozialistischen
Demokratien
stimmen
weiterhin auf die einzige ihnen mögliche Art und Weise ab - mit ihren
Füßen. Wir haben noch nie davon gehört, daß jemand in die andere Richtung über die Berliner Mauer geklet-

�tert ist.

Prozent der Erwachsenen die "Stimme".

Seit 1979 ist die Welle der Demokratie sogar über zehn Länder Lateinamerikas hinweggerollt.

In Berlin beherrscht RIAS (Radio
im amerikanischen Sektor) mehr als 50
Prozent der Marktanteile und ist damit zweifelsohne der beliebteste Radiosender in der geteilten Stadt.

Wie effektiv ist die USIA-Strategie jedoch im einzelnen auf dem Markt
der Ideen?
Lassen Sie mich einige
Beispiele anführen.
In den ersten drei Jahren seit
seiner
Inbetriebnahme hat Worldnet
insgesamt vier Milliarden Zuschauer
erreicht. In diesem kurzen Zeitraum
haben wir weltweit mehr Medien erfaßt
als dieses Amt in den vergangenen 30
Jahren erreichen konnte.
Worldnet
genießt
bei
führenden
Journalisten und ausländischen Regierungsoberhäuptern hohes Ansehen und
viele von ihnen bitten regelmäßig um
Tonbandaufzeichnungen und Kopien von
Worldnet-Programmen.
In der Anfangszeit von Worldnet schrieb eine führende
belgische
Zeitschrift,
die
"Westliche Welt": "Langfristig könnte
sich dieses Kommunikationsbindeglied
zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten als wichtiger für das
Bündnis erweisen als die 'Ankoppelung' der Verteidigung der beiden
Kontinente
durch die
Stationierung
amerikanischem
Pershing
II
und
Marschflugkörper in Europa".
Während das Fernsehen dramatische
Ereignisse in der Freien Welt verbreitet, ist der Rundfunk das einzig
wirkungsvolle
Mittel, um Millionen
von Menschen hinter dem Eisernen Vorhang und anderen unterdrückten Gebieten zu erreichen.
Unsere
treuesten
Zuhörer
haben
wir in Osteuropa, wo die Zuhörerschaft - oder der Marktanteil - weiterhin im Ansteigen begriffen ist,
vor allem in Polen.
Dort hören 45
- 5

Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die eingangs von mir gestellte Frage zurückkommen: Ist dieses neue Image ein Anzeichen
für
einen Wandel der sowjetischen Ziele?
Oder hüllen sie sich nur in den messianischen Mantel falscher Gerechtigkeit,
falscher
Wirtschaftspolitik,
falscher Brüderlichkeit und falscher
Versprechungen?
Entspricht
bei
"Glasnost" der Inhalt der Verpackung
oder ist es eine Mogelpackung?
Wir vermuten letzteres.
Warum? - wird Ihre Frage lauten.
Können Sie uns diese Frage beantworten?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets ständig die "Stimme Amerikas"
stören und dafür auf ihrem Staatsgebiet soviel ausgeben wie das gesamte
Budget der "Stimme Amerikas" weltweit?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets den CIA fälschlicherweise des
Jim Jones Massakers in Guyana beschuldigen oder, wenn sie die US-Armee öffentlich der Erzeugung und Verbreitung des AIDS-Virus in Afrika beschuldigen, aber insgeheim zugeben,
daß dies nicht richtig ist?
Ist es "Glasnost" , wenn die Sowjets Dokumente fälschen und absichtlich Natur und Zweck unserer Strategischen Verteidigungsinitiative verzerren und dabei zynisch mit den Gefühlen unschuldiger Männer und Frauen
spielen, die auf eine bessere und
friedlichere Welt hoffen und für sie

�beten.
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets amerikanische Buchhandlungen in
der Sowjetunion nicht erlauben, wohingegen sowjetische Buchläden hier
überall zu finden sind?
Ist es "Glasnost", wenn unsere
für Rußland bestimmte Musik, unsere
Filme und Literatur zensiert, durchleuchtet und wegen des politischen
Inhalts abgelehnt wird?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets hochrangigen Amerikanern das
Auftreten im sowjetischen Fernsehen
verweigern - mit Ausnahme einiger weniger Amerikaner bei feierlichen Anlässen - wogegen 43 hochgestellte Sowjets in den vergangenen Jahren ungehindert 200 mal im amerikanischen
Fernsehen erscheinen konnten?
Ist es "Glasnost", wenn die Freilassung einiger weniger sowjetischer
politischer
Gefangener
weltweit
Schlagzeilen macht, aber Hundertausende noch unter unerträglichen und
menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten werden?
Lenin hat einmal gesagt: "Gedanken sind sehr viel tödlicher als Gewehre".
Die Sowjets haben zwar die
Macht der Gedanken längst erkannt,
haben aber Stil, Image, Öffentlichkeitsarbeit
und Werbung erst seit
kurzem Bedeutung beigemessen.
Langfrisitg gesehen erhebt sich
folgende Frage: Wird ihr "Glasnost"Produkt über den Zustand einer Erscheinungsform
hinausgehen
und
zu
einer wirklichen Öffnung werden und
damit Ausdruck des elementaren Wunsches des Menschen nach Freiheit und
Frieden?
Wird "Glasnost" den Deckmantel der Täuschung ablegen und anstelle
dessen wahre Gerechtigkeit,
- 6

wahre Wirtschaft, wahre Brüderlichkeit, wahre Abkehr von sowjetischer
Unterdrückung und Agression und das
wahre Versprechen zukünftigen Friedens schaffen?
Oder wird es "glossover-nost" sein, das Weitermachen wie
bisher, wobei die Täuschung und das
Verbreiten von Lügen über Amerika im
Mittelpunkt
stehen und wie jemand
einmal sagte:
"Wir werden Euch begraben" .
Die Antwort der Sowjets auf diese
Fragen wird letzlich über den Erfolg
der Marketingstrategie
der Sowjets
auf dem Markt konkurrierender Gedanken entscheiden.
Wenn ihr Produkt
echt ist - wenn es ein Waffenstillstand für Offenheit und Gerechtigkeit
ist, der nach innen auf das Streben
des Einzelnen nach größerer Freiheit
reagiert und nach außen den Wunsch
aller Menschen nach Frieden und Stabilität wiederspiegelt - dann wird es
ein erfolgreiches Produkt für eine
bessere Welt sein.
Ist dies nicht
der Fall, dann zeichnet sich zum wiederholten Male ein anhaltender Konflikt mit endlosen Spannungen ab.
Im Moment sind wir zwar unsicher,
aber dennoch voller Hoffnung, daß die
Sowjets bei der Entwicklung
eines
neuen Führungsstils und eines neuen
Image von dessen Annahme durch die
Freie Welt geleitet sind.
Kurzfristig gesehen soll "Glasnost" andauern
und dies ist eine positive Entwicklung. Wenn wir die Entwicklung jedoch vor dem geschichtlichen und philosophischen
Hintergrund
betrachen,
müssen wir wachsam und vorsichtig
bleiben.
Wie immer die Dinge sich auch
weiterentwickeln, USIA muß und will
ihre Arbeit fortführen und gute Arbeit leisten.
Im Wettkampf um den
"Krieg der Gedanken" dürfen wir nicht
selbstgefällig werden. Es steht zu-

�viel auf dem Spiel.
USIA, das auf die Bedürfnisse unseres Kunden - die Vereinigten Staaten zugeschnittene Amt, muß erfolgreich sein. Und ich darf Ihnen
allen versichern, daß wir nicht vorhaben, dieses Ansehen zu verlieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin
alles Gute.

- 7

�^^°s^&lt;

'^7

"""

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

A&lt;

1 8 . März 1987

11

AN ERPROBUNG UND STATIONIERUNG VON SDI FESTHALTEN
- Von Henry Kissinger -

- (AD) - Das US-Informationsamt (USIS) druckt diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des Los Angeles Times Syndicate, wo dieser ursprünglich erschien.
Copyright (c) 1987, Los Angeles Times Syndicate.

Es ist bemerkenswert, wie bereits
geringfügige Veränderungen im Inland
das Grundmuster der Außenpolitik von
Supermächten
beeinflussen.
In den
Vereinigten
Staaten
verfolgt
eine
konservative Administration, die vor
sechs Jahren noch
leidenschaftlich
einen neuen Ansatz bei den Ost-WestBeziehungen
propagierte, heute das
traditionelle Programm der vergangenen zwei Jahrzehnte mit lediglich geringen Veränderungen. in der Sowjetunion sucht eine eindrucksvolle neue
Führungspersönlichkeit die heimische
Wirtschaft zu reformieren, aber im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bereich der Außenpolitik verfolgt er
die von seinem Vorgänger übernommene
Grundlinie, wenn auch mit erheblich
verbesserten Fähigkeiten bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Grundeinstellungen
halten
sich
noch hartnäckiger.
Die Vereinigten
Staaten wurden über alle Regierungswechsel
hinweg von der nationalen
Überzeugung geleitet, daß Frieden den
Normalzustand darstellt und daß Spannungen
durch Mißverständnisse
oder
böswillig hervorgerufen werden. Jeder neue sowjetische Führer wurde mit

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Erwartung begrüßt, daß jetzt ein
neues und besseres Zeitalter heranbricht; wir haben das in den vergangenen Jahren dreimal beobachten können. Die amerikanische Hoffnung, daß
eine sowjetische Hinwendung zu westlichen Werten ein Ende der Spannungen
bedeuten könnte, hatte zu mangelnder
Übereinstimmung geführt, wodurch ein
leidenschaftliches Engagement für den
Frieden sich kaum in ein vollständiges Programm umwandeln ließ.
Als Leninisten
engagieren sich
die sowjetischen Politiker nicht für
die abstrakte Idee des Friedens. Für
sie ergibt sich Frieden - wie auch
jeder andere Aspekt der Außenpolitik
nicht als Ergebnis persönlicher
Präferenzen, sondern aus der richtigen
Beurteilung
eines
ausgewogenen
Machtverhältnisses.
Sowjetische Unterhändler kümmern sich nicht - wie
ihre amerikanischen Kollegen - um
Kompromisse oder persönliches Wohlwollen, sondern um das schrittweise
Vorantreiben von Verhandlungen, mit
deren
Hilfe
sich
die
sowjetische
Macht ausbauen läßt.
Wenn die Sowjets
zahlenmäßig
unterlegen
sind,
fordern sie gleiche Zahlen; in den
Kategorien, in denen sie uns voraus
sind, fordern sie beiderseitige Reduzierungen, die ihren verhältnismäßigen Vorteil verbessern.
Jeder Gipfel zwischen Politikern
aus Ost und West hat diesen unterschiedlichen Ansatz offengelegt. Das
jüngste Beispiel für diese "Personalisierung" der Außenpolitik waren die
beiden
Treffen
zwischen
Präsident
Reagan und dem sowjetischen Vorsitzenden Gorbatschow. Reagan als alter
Gegner des Kommunismus kam nach dem
ersten Treffen in Genf offensichtlich
zu der Überzeugung, daß er ein besonderes persönliches Verhältnis erlangt
hatte, das er bei zukünftigen Treffen
nutzen konnte, um auf diplomatischer
- 2

Ebene Durchbrüche zu erzielen. Daher
seine Bereitschaft, zu einem im wesentlichen unvorbereiteten Gipfel in
Reykjavik zu fahren und dort über ein
sowjetisches Papier
zu verhandeln,
das er nie zuvor gesehen hatte.
Gorbatschows Einstellung zu Genf
war eine ganz andere. Er betrachtete
es als eine Plattform, auf der er
sich selbst der öffentlichen Meinung
des Westens als versöhnlich präsentieren konnte; er muß damit gerechnet haben, daß er mit der Zusage für
zwei weitere Gipfel - in Washington
und Moskau - den Termindruck auf
einen Präsidenten verstärken konnte,
zu dessen Stärken nicht die Beherrschung von Detail fragen zählt. Aber
der Preis, den er dafür bezahlt hat Reagans
in Genf erworbene beherrschende Stellung in der Öffentlichkeit - war offensichtlich zu viel für
seine weniger phantasiebegabten Kollegen.
Das muß seine Entscheidung
herbeigeführt
haben, aus Reykjavik
faßbarere Ergebnisse mit nach Moskau
zu bringen; praktisch gesehen, ein
Dokument, daß sich in eine Verbesserung des "Kräfteverhältnisses" aus
sowjetischer Sicht umarbeiten läßt.
Die Sackgasse in Reykjavik spiegelt einen grundlegenden Unterschied
im Ansatz beider Gesellschaftssysteme
wider - einen Unterschied, der mir
während eines kürzlichen Besuchs in
Moskau wiederum bewußt wurde. Reformen im Inland haben es noch nicht
fertiggebracht, die enorme, von sowjetischen Gesprächspartnern errichtete Front aufzubrechen.
Hinweise
auf mehr Flexibilität werden sorgfältig gesteuert. Wenn ein sowjetischer
Wissenschaftler ein technisches Argument vorbringt, das geringfügig von
der
offiziellen
Linie
abweicht,
stellt sich in der Regel als Versuchsballon auf dem nächsten diplomatischen Schlachtfeld heraus.

�Amerikaner
hingegen
betrachten
Verhandlungen weniger als ein Mittel
zur Erlangung einer Zielsetzung, sondern vielmehr als Instrument zur Problemlösung.
In jeder amerikanischen
Delegation - auch in den offiziellen
- gibt es aufrichtige Unterhändler,
die ernsthaft daran glauben, daß sie
und die Sowjets nicht etwa als Gegner, sondern als Kollegen ein gemeinsames Problem behandeln.
Sie versuchen sich an möglichen Kompromissen, als ob sie an einem Seminar an
der Universität teilnähmen und geben
so den Sowjets wenigstens einen Überblick über mögliche Veränderungen in
der amerikanischen Position. Als ich
noch der Regierung angehörte, gab es
verschiedene Gelegenheiten, bei denen
unsere Beamten eine mögliche sowjetische Meinung als das wiedergaben,
was sie selbst dem sowjetischen Vertreter zugeschoben hatten.
Eine Reihe hochgeschätzter amerikanischer Prinzipien verleihen diesem
Prozeß Dynamik. Die meisten Amerikaner sind davon überzeugt, daß ein
Kompromiß der Mitte gefunden werden
sollte, wenn zwei Parteien sich nicht
einig sind. Aber bei diplomatischen
Verhandlungen
fördert
eine
solche
Maxime Unnachgiebigkeit.
Amerikanische Unterhändler verhandeln fast immer aus ihrer Position des Zurückweichens. Und die Sowjets bekommen zwei
Möglichkeiten, dies zu ändern: wenn
die Vereinigten Staten ihre Position
des Zurückweichens aufgeben und wenn
sie versuchen, Sackgassen durch einen
erneuten Kompromiß aufzustoßen.
Die
gegenwärtigen
Verhandlungen
zur
Strategischen
Verteidigungsinitiative liefern ein gutes Beispiel
für diese selbstauferlegten Hindernisse.
Zum Vor- oder zum Nachteil das von Reagan vorgeschlagene Verteidigungssystem ist zur Stationierung

im Weltraum gedacht. Der sowjetische
Vorschlag - daß jegliche Erprobung
von SDI nur in Labors stattfinden
sollte - zielte offenkundig darauf
ab, SDI zunichte zu machen. Seit der
Niederlage von Reykjavik haben die
Sowjets anklingen lassen, daß "Labor"
weitgehender definiert werden könnte,
und sie haben die Vereinigten Staaten
ermutigt, qualitative Einschränkungen
bei
der
Erprobung
vorzuschlagen.
Wenn diese Beschränkungen vorgelegt
werden, ist es vorauszusehen, daß die
Sowjets sie dazu nutzen werden, um
praktische
Einschränkungen
auszuarbeiten, mit deren Hilfe die Entwicklung von SDI so gut wie unmöglich
wird.
Und doch ist solch ein gänzlich
formaler Kompromiß genau das, was auf
breiter Front sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei den Verbündeten propagiert wird. All dies verdeckt die Realität, daß kein Kompromiß zwischen
der sowjetischen Absicht, SDI zunichte zu machen und dem
Engagement der Regierung möglich ist,
es aufrechtzuerhalten. Westliche Unterhändler sind vielmehr verpflichtet, an zwei Fronten zu verhandeln:
mit ihren sowjetischen Gegnern und
ihrer eigenen öffentlichen Meinung.
Diese zweite Debatte schließt zwei
unausgesprochene Annahmen ein.
Befürworter von SDI glauben, daß eine
Strategie, die sich auf die Massenvernichtung
einer
Zivilbevölkerung
stützt, Demokratien am Ende zum Pazifizmus führen wird. Gegner von SDI
sehen sie als Hindernis für ihre geliebte Rüstungskontrolle: sie wollen
die Bedrohung der Apokalypse nicht
abmildern, aus Angst, damit die Versuchung
für einen Nuklearkrieg zu
steigern.
Seit wenigstens zwei Jahrzehnten
wurden jeder neuen strategischen Waffe
von
leidenschaftlichen
Gegnern

- 3 -

�zwei widersprüchliche Argumente entgegengestellt: daß bestehende Waffen
zur Massenvernichtung ausreichen und
daß jede Superwaffe dieses Maß überschreite.
Die gestrigen Gegner der
MX-Raketen sind heute die Gegner von
SDI.
Die Sowjets unterliegen der Versuchung, das Ende dieser Kontroversen
abzuwarten, um festzustellen, ob sie
ihre Ziele ohne Gegenleistungen erlangen können.
Die
amerikanischen
Verbündeten
verstärken das Problem noch.
Zahlreiche Politiker
fördern den Eindruck, daß sie als Mittler zwischen
einem
unversöhnlichen
Amerika
und
einer nachgebenden Sowjetunion handeln. So sehr sie aber vom amerikanischen Schutz abhängig sind und an
amerikanischer Technologie teilhaben
wollen, so zurückhaltend sind sie,
wenn es darum geht, die Verantwortung
für eine Vereitelung amerikanischer
strategischer Programme zu übernehmen.
Sie neigen daher dazu, sich
hinter
Durchführbarkeitsuntersuchungen zu verbergen, die sich unendlich
verlängern lassen wie auch hinter Unterscheidungen zwischen Forschung und
Stationierung, was das Problem nicht
trifft.
Das Ergebnis
ist Wunschdenken.
Die
Reagan-Administration
engagiert
sich für SDI, Gegner im Inland versuchen eine Verlangsamung des Prozesses, indem sie Mittel abbauen und
eine Erprobung einschränken; die Verbündeten unterstützen die Erprobung,
aber behindern eine Anwendung, weil
sie einen Kompromiß herbeiführen wollen.
Die Vereinigten Staaten haben
einem Zehnjahresmoratorium über SDI
zugestimmt, das auf eine zweijährige
Verhandlungsphase folgen soll.
Der im Augenblick gepriesene Kom-

promiß will die Sackgasse bei den Rüstungskontrollverhandlungen
öffnen,
indem er die Erprobung von SDI im
Weltraum gestattet, aber deren Qualität einschränkt. Wie ich in Moskau
vernommen habe, sind Sensoren - Aufklärungssatelliten - für die Sowjetunion
möglicherweise
akzeptabel.
Aber die Erprobung von Geräten zur
Zerstörung von Raketen ist untersagt,
ebenso wie alle Systeme, die Zerstörungsmittel mit Sensoren in Verbindung bringen.
Das würde die Sowjets in die Lage
versetzen, die
Aufklärungsfähigkeit
ihres landgestützten Verteidigungssystems zur Raketenabwehr zu verbessern.
Zusammen mit einem Stationierungsmoratorium würde damit auch SDI
zunichte gemacht. Wenn die Sowjets wie auch einige amerikanische Beamte
- ihren Willen bekämen, wäre das Ergebnis eine in ihrem verheerensten
Zustand eingefrorene Nuklearstrategie.
Die größte Herausforderung
für
die Ost-West-Verhandlungen liegt damit in den Demokratien selbst. Rüstungskontrollverhandlungen, wie sie
im Augenblick
durchgeführt werden,
räumen den Sowjets fast ein Vetorecht
für
jegliche
neuen
Programme
des
Westens ein. Eine jüngste Stellungnahme der bundesdeutschen Regierung
verdeutlicht diese Position: "Für die
Bundesregierung ist es ein wesentliches
Kriterium,
ob
Entscheidungen
über das SDI-Programm und den ABMVertrag für die Genfer Verhandlungen
von Vor- oder von Nachteil sind".
Kein neues sowjetisches Waffenprogramm ist jemals durch westliche Bemühungen
herausgefordert
oder
zum
Stillstand gebracht worden. Aber von
der Neutronenwaffe über Mittelstrekkenraketen in Europa hin zu SDI hat
die Sowjetunion versucht, neue westliche Technologien dadurch zu behindern - es ist ihr bereits gelungen,

�diese zu verlangsamen - daß sie sie
als "Hindernis" für den "Rüstungskontrollprozeß"
bezeichnet
hat.
Es
bleibt die wesentliche Frage zu stellen: Für welche nützliche Rüstungskontrollmaßnahme genau stellt SDI ein
Hindernis dar? Ich fürchte, die Antwort dient der psychologischen Erleichterung über die bloße Tatsache
eines Abkommens.
Dies ist ebenso der einzige Vorteil der Abschaffung von sowjetichen
und amerikanischen Mittelstreckenraketen aus Europa, wie es jüngst auch
von Gorbatschow in einem separaten
Paket vorgebracht wurde.
Die sogenannte Nullösung baut auf keine bedeutende Art und Weise die sowjetische nukleare Bedrohung für Europa
ab.
Sie schafft das amerikanische
Instrument für eine Vergeltung von
Europa vollständig aus ab.
Sie ist
für die Rüstungskontrolle von geringem Nutzen; sie stellt ferner einen
wichtigen Schritt bei der politischen
Abkopplung Europas von den Vereinigten Staaten dar. Die nächste Herausforderung an die westlichen Demokratien wird die Frage sein, ob mit SDI
fortzufahren ist.
Dieser
Entscheidung
kann nicht
durch Durchführbarkeitsstudien ausgewichen werden; für zahlreiche Gegner
von SDI sind Durchführbarkeitsstudien
eine List, mit deren Hilfe das Prinzip angegriffen werden kann. Es kann
aber auch nicht durch eine juristische Auslegung von Abkommen verwirklicht werden, die vor 15 Jahren geschlossen wurden, als Weltraumverteidigung noch dem Bereich der Science
Fiction zuzurechnen war. Ich persönlich glaube, daß die weite Auslegung
des ABM-Vertrages eher korrekt ist
als die enge Interpretation.
Aber
ein
wichtiges
Programm
läßt
sich
nicht dadurch rechtfertigen, was manche als juristische Finessen bezeich- 5

nen. Es wäre besser, eine eindeutige
Stellungnahme darüber zu veröffentlichen, was die Vereinigten Staaten
wollen und diese dann in ein neues,
mit den Sowjets auszuhandelndes Abkommen einzuarbeiten.
und wenn sie
es blockieren
sollten, können die
Vereinigten Staaten immer noch, sollte dies notwendig werden, damit drohen, den ABM-Vertrag außer Kraft zu
setzen.
Wenigstens wird diese Verfahrensweise allen die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten vor Augen
führen.
Dieser Ansatz ist auch für das
weitere Feld der Verhandlungen mit
den Sowjets relevant. Seit allzulanger Zeit war die amerikanische Haltung zur Rüstungskontrolle das Produkt von Verhandlungen zwischen gegnerischen Lagern innerhalb der Administration und deren Ergebnis ein widersprüchliches Paket, das Punkte zur
Beschwichtigung jeder Partei enthielt.
Der Präsident muß von seinen Beratern eine Verhandlungsposition fordern, die in sich geschlossen ist und
eine langfristige nationale Strategie
widerspiegelt. Er hat das Recht, zu
erwarten, daß die amerikanischen Verbündeten dies als Teil einer gemeinsamen Strategie betrachten und nicht
als Innenpolitik.
Die sich aus diesem Prozeß ergebende Haltung der Vereinigten Staaten
sollte folgende Elemente umfassen:
a) eine Stellungnahme
Strategie,

zur

gesamten

b)

eine Verpflichtung auf die Fortführung der Erprobung und Stationierung von SDI,

c)

ein Angebot an die Sowjets, quantitative Einschränkungen bei der
Stationierung und Erprobung von

�SDI vorzunehmen, die auf den Bestand der Offensivwaffen gerichtet sind (allerdings keine qualitativen Beschränkungen) ,
d)

ein Angebot zum Abbau strategischer Waffen auf eine Weise, die
die Fähigkeit für einen Überraschungsangriff auf beiden Seiten
beschränkt,

e)

ein erstes
Interimabkommen zur
Reduzierung strategischer Streitkräfte, einschließlich der Mittelstreckenraketen,
um
einen
festgesetzten Prozentsatz innerhalb von drei Jahren (etwa um 30
Prozent) , zusammen mit einer Erweiterung der Außerkraftsetzungsklausel für den ABM-Vertrag um
zwei Jahre.

Ein Programm, das diese Bestandteile umfaßt, würde zeigen, ob ein
mit westlichen Sicherheitsinteressen
zu vereinbarendes Abkommen zu erlangen
ist.
Die
Demokratien
können
nicht garantieren, daß Gorbatschow
ein ernsthaftes Programm akzeptieren
wird.
Aber sie sind sich selbst
Ernsthaftigkeit schuldig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
1 8 . März 1987

11

POSITIVE EINSCHÄTZUNG VON AMERIKAS ROLLE IN DER WELT - UNTERSTÜTZUNG
FÜR DIE NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht über eine im Jahr 1986 durchgeführte
Meinungsumfrage kommt der Chicago Council on Foreign Relations, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Schaffung eines verstärkten öffentlichen
Bewußtseins für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zum Ziel gesetzt hat,
zu dem Schluß, daß die Amerikaner "eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt zunehmend unterstützen". Damit stehen die Ergebnisse dieser Umfrage im Gegensatz zu ähnlichen, in den Jahren 1974, 1978 und 1982 durchgeführten Befragungen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des Berichts:

Während die in den siebziger Jahren vom Chicago Council on Foreign
Relations (CCFR) in Auftrag gegebenen
Meinungsumfragen zum Ergebnis gekommen waren, daß sich die Amerikaner
vordringlich mit Fragen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und Energieproblemen beschäftigten und eher dazu
tendierten, sich aus der internationalen
Verantwortung
zurückzuziehen
und sich ein Gefühl
militärischer
Schwäche und Unsicherheit breit gemacht hatte, ist die Besorgnis über
solche Probleme heute zurückgegangen.
Ein wachsendes Verständnis für die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bedeutung auswärtiger Beziehungen ist
offensichtlich und steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach einer größeren Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt.
Sowohl die amerikanische
Bevölkerung allgemein wie auch die
Führungskräfte sind heute davon überzeugt, daß ein befriedigendes Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederhergestellt wurde und daß die Vereinigten
Staaten
eine bedeutendere
Rolle in der Welt spielen. Aber obwohl die Amerikaner sich jetzt sicherer fühlen, läßt ihre Unterstützung
für
höhere
Verteidigungsausgaben

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�nach.
Die meisten Amerikaner sind
aber bereit, die Verteidigungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten.
Eine Konsequenz dieser Einschätzungen und Gefühle ist die andauernde
Unterstützung
der
Rüstungskontrolle
und eine geringfügig stärkere Befürwortung von Maßnahmen, die mit der
Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion zusammenhängen.
Im Gegensatz zu ihrer Unterstützung der Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts durch die Reagan-Administration
befürworten
die meisten
Amerikaner jedoch nicht einige der
aggressiveren Elemente ihrer Außenpolitik, darunter militärische Interventionen im Ausland, die aktive Förderung der Demokratie und die Anwendung der Reagan-Doktrin durch verdeckte Operationen gegen kommunistisch ausgerichtete Regime in Afghanistan, Angola und Nicaragua.
Trotz
wachsender
Meinungsverschiedenheiten über Handels- und Finanzfragen zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren wichtigsten Partnern in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bleibt die Haltung
der Bevölkerung insgesamt gegenüber
Westeuropa und Japan weiterhin sehr
positiv; im Falle Japans ist sie etwas überraschend sogar noch positiver
geworden.
Dagegen ist seit Beginn
dieses Jahrzehnts das amerikanische
Interesse am Mittleren Osten zurückgegangen.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zum Einsatz von Truppen in
Westeuropa
oder
Japan
betreffenden
Krisen ist größer denn je, während
das Widerstreben, Truppen in anderen
Regionen der Welt, wie etwa Mittelamerika, zum Einsatz zu bringen, unverändert anhält.
Die

Amerikaner

stellen

ihr Eigeninteresse
in den Vordergrund, und der Wunsch nach Schutz
amerikanischer Arbeitsplätze oder Sicherung des Zugangs zu Energie hat
weiterhin Priorität über solch altruistische Ziele wie Förderung der Demokratie, Verteidigung der Menschenrechte oder Verbesserung des Lebensstandards in anderen Ländern.
Es besteht weiterhin eine tiefe
Kluft zwischen den Haltungen der Bevölkerung allgemein und der Führungskräfte und, bei vielen Fragen, zwischen den Ansichten der Bevölkerung
und denen von Vertretern der ReaganAdministration.
Die Haltungen von
ausländischen Politikern und Regierungsvertretern stehen einander näher
als der Bevölkerung allgemein. Eine
interessante Entwicklung besteht jedoch
in der Herausbildung
starker
Meinungsunterschiede zwischen den Ansichten von Regierungsvertretern und
Vertretern
von Gewerkschaften, Medien, Bildungswesen und Kirchen.
Dies sind einige der wichtigsten
Schlußfolgerungen dieses Berichts des
Chicago Council on Foreign Relations
zur amerikanischen öffentlichen Meinung und der amerikanischen Außenpolitik. Die Studie baut auf folgenden
Grundlagen auf:

weiterhin
- 2 -

1.
Persönliche
Interviews
mit
einer repräsentativen Auswahl von
1 585
erwachsenen
Männern
und
Frauen in den Vereinigten Staaten, die von Ende Oktober bis
Mitte November von Gallup durchgeführt wurde.
2. Persönlichen und telefonischen
Interviews mit einer Auswahl von
343
führenden
Persönlichkeiten
aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften,
Universitätswesen,
Massenmedien, religiösen Institutionen, privaten außenpolitischen

�Organisationen und besonderen Interessengruppen,
die
von
Ende
September bis Ende November ebenfalls durch Gallup durchgeführt
wurde.
3. Aufgrund der Iran-Krise wurde
Gallup Mitte Januar vom Chicago
Council
beauftragt,
bestimmte
Fragen noch einmal zu stellen.
Bei diesen Fragen ergaben sich
keine
bedeutenden
Abweichungen,
mit Ausnahme eines Rückgangs in
der öffentlichen Einschätzung von
Ronald
Reagans Außenpolitik
im
allgemeinen und seinem Umgang mit
dem Problem des Terrorismus im
besonderen.

Wirtschaftliche Sorgen und Eigeninteresse
Die relative Bedeutung von Sorgen
über allgemeine wirtschaftliche Probleme, darunter Arbeitslosigkeit und
Inflation,
hat
abgenommen.
Eine
Mehrheit
der Amerikaner
betrachtet
die Außenwirtschaftspolitik weiterhin
unter dem Gesichtspunkt des Eigeninteresses, jedoch hat das Verständnis
für die Bedeutung und Interdependenz
von amerikanischer Wirtschaftsund
Außenpolitik in den vergangenen vier
Jahren
nachgelassen.
Obwohl
eine
Mehrheit
von Amerikanern
weiterhin
erkennt, daß die Außenpolitik bedeutende Auswirkungen auf den Benzinpreis, den Wert des Dollars im Ausland und die Arbeitslosigkeit hat,
ist die Anteilnahme an diesen Fragen
stark
zurückgegangen.
Trotz
des
weltweiten Überangebots von öl bleibt
der Zugang zu Energievorräten weiterhin wichtig.
Saudi Arabien wird von
der Bevölkerung allgemein weiterhin
als eines der für die amerikanischen
Interessen wichtigsten Länder angesehen. Unter den Führungskräften wurde
weiterhin Besorgnis über das hohe De-

fizit im Bundeshaushalt, die Staatsverschuldung und übertriebene Staatsausgaben geäußert.
57 Prozent der
Befragten äußerten sich besorgt über
diese Probleme, was einen Anstieg von
45 Prozent gegenüber der letzten Umfrage unter Führungskräften im Jahr
1982 darstellt.
Trotz des massiven Handelsdefizits hat sich in den vergangenen vier
Jahren gleichwohl die öffentliche Unterstützung
für
protektionistische
Maßnahmen meßbar abgeschwächt, während sich der Rückhalt
für Wirtschaftshilfe an andere Länder geringfügig verstärkte. Die Führungskräfte
befürworteten weiterhin energisch den
freien Handel - zwei Drittel der Befragten waren für die Abschaffung von
Zöllen auf Importwaren und weniger
als 30 Prozent glaubten an die Notwendigkeit von Zöllen.
Wie in der
Vergangenheit steht die öffentliche
Meinung dazu in scharfem Gegensatz;
53 Prozent waren davon überzeugt, daß
Zölle und Handelsbeschränkungen notwendig seien, und nur 20 Prozent befürworteten
ihre
Abschaffung.
Im
Verlauf des letzten Jahrzehnts haben
sich diese beiden Meinungstrends einander jedoch angenähert.
Die Führungskräfte sind etwas protektionistischer und die Bevölkerung etwas weniger
protektionistisch
geworden.
Die Kluft hat sich in den vergangenen
acht Jahren um 15 Prozent verringert.
Ein
weiteres
außenpolitisches
Thema
mit starken
wirtschaftlichen
Untertönen sind die Beziehungen zur
Regierung von Südafrika.
insgesamt
57 Prozent der Öffentlichkeit und 79
Prozent der Führungskräfte befürworteten
begrenzte
oder
harte Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.

Internationalismus

- 3 -

�Die "nach innen gerichtete" Haltung, die in den siebziger Jahren
charakteristisch für die meisten Amerikaner war, ist ebenfalls auf dem
Rückzug.
Die Gruppe der Führungskräfte ist innerhalb des vergangenen
Jahrzehnts praktisch der Meinung treu
geblieben, daß die Vereinigten Staaten eine aktive Rolle in der Welt
spielen sollten. In der Bevölkerung
ist die Anzahl derer, die sagten, daß
die Vereinigten Staaten eine "aktivere Rolle in der Welt" spielen sollten, von 54 Prozent im Jahr 1982 auf
64 Prozent im Jahr 1986 gestiegen.
Der Anteil der Bevölkerung, der ein
großes Interesse an Nachrichten über
fremde Länder oder die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu anderen
Ländern besitzt, ist ebenfalls stetig
größer
geworden.
Die
Nachrichten
über die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu anderen Ländern nehmen in
der Bedeutungsskala heute sogar den
zweiten Platz hinter den Lokalnachrichten, aber noch vor den nationalen
Nachrichten ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der jetzigen Studie war der
erheblich größere Prozentsatz unter
der Bevölkerung und den Führungskräften mit der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute eine "bedeutendere" Rolle in der Welt spielten
als vor zehn Jahren. 41 Prozent der
Bevölkerung glaubten, daß die Vereinigten Staaten heute eine wichtigere Rolle spielen, im Vergleich zu 27
Prozent im Jahr 1982. 26 Prozent der
Bevölkerung und 27 Prozent der Führungskräfte glaubten, die Vereinigten
Staaten seien weniger bedeutend, im
Vergleich zu 44 und 52 Prozent vor
vier Jahren. Im Einklang mit diesem
Trend zu einer Höherbewertung der internationalen Rolle ist der geringfügig
stärkere
Rückhalt
für
Wirtschafts- und Militärhilfe an andere
Länder in der Öffentlichkeit.

Regionen von entscheidender Bedeutung
Wie
in früheren Untersuchungen
anerkannten die Bevölkerung insgesamt
wie auch die Führungskräfte, daß die
Vereinigten Staaten in vielen verschiedenen Landern vitale Interessen
besitzen.
Die Haltungen
gegenüber
verschiedenen Ländern sind immer bemerkenswert konstant geblieben, insbesondere im Hinblick auf Westeuropa,
Japan und unsere Nachbarländer, wo
eine hohe Einschätzung der vitalen
Interessen
registriert wurde.
Ein
hoher Prozentsatz der Führungskräfte
und der Bevölkerung insgesamt sehen
vitale Interessen in Westeuropa und
der westlichen
Hemisphäre, wo die
Vereinigten Staaten starke kulturelle, politische, wirtschaftliche wie
auch sicherheitspolitische Bindungen
unterhalten. Im Fall von Kanada und
Lateinamerika ist die geographische
Nähe ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Japan
bleibt
Amerikas
wichtigster
Handels- und
Sicherheitspartner
in
Asien sowie ein wirtschaftlicher Konkurrent
auf
den
Industriemärkten.
Vitale
Interessen
werden
auch
im
Mittleren Osten angenommen, besonders
in Zusammenhang mit Israel, Ägypten
und Saudi Arabien.
Die Führungskräfte besitzen eine
umfassendere Sichtweise vitaler nationaler
Interessen,
obwohl
ihre
Prioritäten in den meisten Fällen die
gleichen sind.
Trotz scharfer Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den
Vereinigten Staaten und Verbündeten
in Europa und Japan während der vergangenen vier Jahre werden diese Bereiche zusammen mit Kanada und Mexiko
weiterhin am höchsten bewertet.
In
all den Jahren sind die wichtigsten
Länder im Hinblick auf die von der
Bevölkerung und den Führungskräften

�angenommenen vitalen Interessen insgesamt gleich geblieben.
Im Jahr
1986 waren diese Länder für die Bevölkerung
insgesamt
Großbritannien,
Kanada,
Japan,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Saudi Arabien und Israel.
Für die Führungskräfte waren
die sechs wichtigsten Länder im Jahr
1986 die Bundesrepublik Deutschland,
Japan, Mexiko, Kanada, Großbritannien
und die Volksrepublik China. Länder,
die seit 1982 zunehmend als wichtig
betrachtet werden, sind für die Bevölkerung allgemein Indien, Italien,
Südafrika, Südkorea und Syrien und
für die Führungskräfte Südafrika und
Südkorea.
Bei der Bitte an die Befragten
aus der Bevölkerung, die verschiedenen Länder auf einer Temperaturskala
der Gefühle einzustufen, wurden meist
dieselben Länder genannt.
Die führenden Staaten waren: Kanada, Großbritannien,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Japan, Mexiko und Israel. Mit einer "mittleren Temperatur" von 61 Grad hatte Japan in den
letzten vier Jahren einen Zuwachs von
acht Grad, ein überraschendes Ergebnis, wenn man die bedeutenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie die harte Kritik
amerikanischer Führungskräfte aus Politik und Regierung, Wirtschaft und
Gewerkschaften
berücksichtigt.
Die
Philippinen wurden 1986 zum ersten
Mal einbezogen und erreichten in der
Bevölkerung den siebten Platz mit 59
Grad.

Europa
Die hohe Priorität, die den Beziehungen mit Westeuropa zugebilligt
wird, schlägt sich deutlich in der
andauernden
starken
Unterstützung
seitens der amerikanischen Bevölkerung und Führungskräfte für das Mili-

tärbündnis mit diesen Staaten und Kanada nieder, der NATO. Auf gleichem
Niveau wie vor vier Jahren meinen 70
Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Führungskräfte, daß wir entweder
ein
verstärktes
oder
ein
gleichbleibendes militärisches Engagement in der NATO unterstützen sollten. Als die Führungskräfte vor die
Wahl gestellt wurden, die amerikanischen Truppen einstweilen in Europa
zu belassen oder sie in den nächsten
fünf Jahren abzuziehen und Europa
selbst für seine atomare und konventionelle Verteidigung sorgen zu lassen, sprachen sich 82 Prozent für den
Status Quo und gegen Veränderungen
aus.
Dies ist bemerkenswert, wenn
man die anhaltende Diskussion in den
Vereinigten Staaten über die Ratsamkeit unserer konventionellen militärischen Präsenz auf dem europäischen
Kontinent betrachtet.
Eine Reihe weiterer an die Auswahl von Führungskräften gerichteter
Fragen deutete keine bedeutende Verlagerung von Prioritäten nach Asien
auf Kosten Europas an. Auf die Frage, welche Region für die Vereinigten
Staaten wichtiger
sei, entschieden
sich 46 Prozent der Führungskräfte
für Europa und 18 Prozent für Asien,
während 34 Prozent meinten, beide Regionen seien gleich wichtig.
Die
amerikanischen Führungskräfte stimmten mit 69 zu 15 Prozent deutlich für
Europa und gegen Asien bei der Frage
nach der bevorzugten Region zur Vervollständigung ihrer Universitätsbildung für ihre Söhne und Töchter.
Eine ähnliche Frage nach bevorzugten
Fremdsprachen zeigte eine starke Tendenz zum Spanischen (34 Prozent) und
Französischen (22 Prozent) gegenüber
Japanisch (16 Prozent) und Chinesisch
(12 Prozent) . Es zeigte sich, daß
innerhalb der Gruppe der Führungskräfte diejenigen im Kongreß etwas
stärker als die Regierungsvertreter

- 5 -

�die weitere Stationierung von Truppen
in Europa und weiterführende Studien
in Europa bevorzugten, obwohl die
Auswahl von Personen hier sehr klein
war.

Der Mittlere Osten
Ein
weiterer
Themenkomplex von
vorrangiger Bedeutung in den vergangenen Jahren, der Mittlere Osten, hat
für die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten etwas von der ihm beigemessenen
Dringlichkeit
verloren.
Dies
wurde offensichtlich, als die wichtigsten
Probleme der Außenpolitik,
mit denen sich das Land konfrontiert
sieht, oder die Bedeutung der öllieferungen und der damit verbundenen
Energieprobleme
behandelt
wurden.
Gleichzeitig hat sich im Verlauf der
letzten vier Jahre die bevorzugte
Einstufung Israels in der Öffentlichkeit weiter vergrößert; Israel und
Saudi Arabien werden als Länder von
vitalem Interesse für die Vereinigten
Staaten angesehen.
Wenig überrraschend befand sich der Iran an unterster Stelle des Thermometers mit 23
Grad, noch unterhalb der Sowjetunion
mit 32 und Syrien mit 34 Grad.

Militärische Angelegenheiten
Die deutlichste Verlagerung in
der Meinung der Bevölkerung und der
Führungskräfte, die sich im Verlauf
der vier von dem Chicagoer Rat für
Auswärtige Beziehungen durchgeführten
Umfragen abzeichnete, fand bei den
auf Verteidigungsausgaben
bezogenen
Themen statt. Zwischen 1974 und 1978
nahm die Unterstützung für wachsende
Verteidigungssausgaben
beträchtlich
zu. Die Umfrage des Rats deutet zusammen mit anderen Meinungsumfragen
darauf hin, daß in dem Zeitraum von
Ende der siebziger Jahre bis Anfang
- 6

1981 eine ausgeprägte Verlagerung in
der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten zusätzlicher Verteidigungsausgaben beobachtet werden konnte. Im Jahr 1974 überwog die Befürwortung von Kürzungen gegenüber einer
Aufstockung des Verteidigungshaushaltes im Verhältnis von drei zu eins.
Bis 1978 gab es doppelt soviele Befürworter der Aufstockung als Anhänger einer Reduzierung des Verteidigungshaushaltes.
Die
Umfrage
von
1982 zeigte eine Umkehrung dieser
Tendenz mit großer Übereinstimmung der Mehrheit der Bevölkerung - bezüglich der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben im Gegensatz zu einer Aufstockung oder Kürzung. Im Jahr 1986
befürworteten sowohl die Bevölkerung
als auch die Führungskräfte die Beibehaltung des Status Quo und lehnten
zusätzliche Verteidigungausgaben ab.
Dies ist zwar keine Ermutigung der
Bemühungen der Reagan-Administration
um eine Erweiterung des PentagonEtats, aber die Bevölkerung ist auch
nicht für eine Kürzung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben.
Dieser
Mangel
an Unterstützung
für zusätzliche Verteidigungsausgaben
muß vor dem Hintergrund der Einschätzung der nationalen Stärke und der
vor allem in der Bevölkerung verbreiteten Meinung gesehen werden, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion
jetzt in militärischer Hinsicht ebenbürtig oder überlegen sind.
Frühere
Meinungsumfragen ergaben ein Gefühl
der Unterlegenheit gegenüber der anderen Supermacht.
Eine der bedeutendsten Errungenschaften der ReaganAdministration ist dieser Prozeß der
Meinungsbildung
in den Vereinigten
Staaten.
Mehr
als
in anderen Bereichen
scheint die Einstellung zu Verteidi-

�gungsausgaben vornehmlich von parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt zu
sein. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur
Demokratischen Partei mit der Unterstützung einer Kürzung der Verteidigungsausgaben und der Zugehörigkeit
zur Republikanischen Partei mit dem
Wunsch nach
einer Aufstockung des
Verteidigungshaushaltes.
Diese sich
bereits
im Jahr
1982 abzeichnende
Verbindung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstärkt.
Die Ergebnisse
früherer
Meinungsumfragen
belegen, daß die parteipolitische Zugehörigkeit
in der gesamten Nachkriegszeit scheinbar eng mit der Einstellung gegenüber Verteidigungsausgaben verflochten ist.
In früheren
Jahren, besonders in den fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre, war
das Verhältnis jedoch umgekehrt - die
Demokraten tendierten mehr zugunsten
von Verteidigungausgaben und die Republikaner waren weniger dafür.

Die Beziehungen zur Sowjetunion
Ebenso wie im Jahr 1982 waren die
Bevölkerung und die Führungskräfte im
Jahr 1986 über die Gefahren eines
Krieges und Fortschritte bei den Rüstungskontrollbemühungen mit der Sowjetunion besorgt. 1986 nannten zehn
Prozent der repräsentativ befragten
Personen einen Atomkrieg und damit
zusammenhängende Themen auf die Frage
nach zwei oder drei der gravierendsten Probleme, mit denen sich das
Land heute konfrontiert sieht.
Im
Gegensatz dazu nannten 1978 so wenige
der Befragten Krieg oder einen Atomkrieg als die größte Sorge, daß die
Antwort
nicht gesondert
aufgeführt
wurde. 17 Prozent der 1986 befragten
Führungskräfte sahen in der Rüstungskontrolle oder dem Mangel an Rüstungsbegrenzungsabkommen die schwierigsten Probleme des Landes. In den

Jahren 1982 und 1978 wurden dagegen
nur ein Prozent in dieser Spalte aufgeführt.
22 Prozent der befragten
Bevölkerung gaben die Beziehungen mit
der Sowjetunion als eines der außenpolitischen Probleme an, das für sie
am besorgniserregendsten ist, im Vergleich zu 15 Prozent, die dieses Thema im Jahr 1982 erwähnten.
Rüstungskontrolle und damit verbundene gemeinsame Maßnahmen mit der
Sowjetunion finden sowohl von der Bevölkerung insgesamt als auch von den
Führungskräften weiterhin starke Unterstützung.
Insgesamt 80 Prozent
der Bevölkerung und 95 Prozent der
Führungskräfte befürworteten Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten.
78 Prozent der Bevölkerung und 98
Prozent der Führungskräfte sind für
die Wiederaufnahme
kultureller
und
bildungspolitischer Austauschprogramme.
57 Prozent der Bevölkerung und
82 Prozent der Führungskräfte möchten
einen Zuwachs der Getreideverkäufe an
die Sowjetunion und nur 37 Prozent
der Bevölkerung und 24 Prozent der
Führungskräfte
sind
für eine Einschränkung
des
amerikanisch-sowjetischen Handels.
Starker Widerspruch
gegen gemeinsame Unternehmungen zeigte sich einzig in so sicherheitsempfindlichen Bereichen wie dem Verkauf
moderner Computer und der Beteiligung
der Sowjets an technischen Informationen über die Verteidigung gegen
Raketenangriffe und - eine Frage, die
nur an die Führungskräfte gestellt
wurde - Subventionierung der Getreideverkäufe an die Sowjetunion. Diese
umfassende Unterstützung gemeinsamer
Unternehmungen
mit der
Sowjetunion
hielt über einen langen Zeitraum hinweg an.
Die gegenwärtige Einschätzung, daß die Vereinigten
Staaten
stärker im Vergleich zur Sowjetunion
sind, hat in gewissem Umfang die bereits beträchtliche Unterstützung der

- 7 -

�Entspannung noch verstärkt.
Insbesondere
im
Hinblick
auf
Atomwaffen ist die Bevölkerung insgesamt sowie vor allem die Gruppe der
Führungskräfte weiterhin der Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten den Bau
von Atomwaffen nur dann einstellen
sollten, wenn die Sowjetunion das
Gleiche
tut..
Diese
Einstellung
herrscht bei 58 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Führungskräfte vor.
Bei den Befürwortern der
Einstellung,
daß
die
Vereinigten
Staaten den Bau von Atomwaffen einstellen sollte, selbst wenn die Sowjetunion ihrerseits nicht dazu bereit ist, war eine leichte Abnahme zu
verzeichnen.
Ein beiderseitiges Einfrieren der
Atomwaffen fand wie im Jahr 1982 große Unterstützung. 67 Prozent der Bevölkerung und 77 Prozent der Führungskräfte würden ein beiderseitiges
sofortiges Einfrieren, vorbehaltlich
der sowjetischen Zustimmung, befürworten. Nur 14 Prozent der Bevölkerung und acht Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, daß ein
Einfrieren nur dann erfolgen sollte,
nachdem die Vereinigten Staaten ihre
Atomwaffen aufgestockt haben.

Interventionismus
Bei
der
langfristigen
Tendenz
einer allmählich ansteigenden Bereitschaft der Bevölkerung, amerikanische
Truppen unter bestimmten Umständen in
Übersee einzusetzen, zeichnete sich
weiterhin Kontinuität ab. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Führungskräfte wären bereit, amerikanische Truppen zu entsenden, wenn sich
entweder Japan oder Westeuropa einer
Invasion durch die Sowjetunion ausgesetzt
sähen.
Zurückhaltung
zeigte
sich jedoch bei der Entsendung von

amerikanischen Truppen unter anderen
Umständen. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen den Einsatz von Truppen eingestellt, falls Nordkorea in
Südkorea
einmarschieren würde, die
Araber ihre öllieferungen an die Vereinigten Staaten einstellen würden,
Nicaragua in Honduras einmarschieren
würde, um die Stützpunkte der Contras
zu zerstören, die Regierung von El
Salvador von den Guerillas besiegt
würde oder falls arabische Streitkräfte in Israel einmarschieren würden.
Die Gruppe der Führungskräfte
war ebenso wie in früheren Umfragen
dem Einsatz von Truppen gegenüber
sehr viel positiver eingestellt. Die
Mehrzahl befürwortete einen Truppeneinsatz nicht nur in den bereits genannten Fällen Westeuropa und Japan,
sondern auch im Falle einer arabischen Invasion in Israel, eines nordkoreanischen Einmarschs in Südkorea
oder falls die nicaraguanische Regierung der Sowjetunion den Aufbau von
Raketenstützpunkten in ihrem Land gestatten würde. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Frage der Raketenstützpunkte in Nicaragua war gleichmäßig aufgeteilt.
Die Mehrheit von
45 Prozent befürworteten den Truppeneinsatz, 42 Prozent waren dagegen.
Insgesamt kann man sagen, daß die Bereitschaft zum Einsatz von Truppen in
Übersee eng mit der Einschätzung der
vitalen Interessen verbunden ist.

Die Rolle des Kongresses und des CIA
Sowohl die Bevölkerung als auch
die Führungskräfte waren im großen
und ganzen für eine Unterstützung der
Administration im Herbst des Jahres
1986, vor allem im Vergleich zu 1982,
bezüglich der dem Kongreß bei außenpolitischen Belangen zufallenden Rolle. Bei beiden Gruppen nahm die Zahl
derer, die von einer zu schwachen
Rolle des Kongresses überzeugt waren,

�beträchtlich ab.
Innerhalb der Bevölkerung nahm die Zahl derjenigen
leicht zu, die den Kongreß als zu
mächtig einschätzten, wohingegen sie
sich bei der Gruppe der Führungskräfte bedeutend erhöhte.
Die Umfrage
vom Januar 1987 zeigte einen leichten
Anstieg der öffentlichen Unterstützung zugunsten einer stärkeren Rolle
des Kongresses. Eine ähnliche Verlagerung zeichnete sich sowohl bei der
Meinung der Bevölkerung als auch der
Führungskräfte
bezüglich der
Frage
ab, ob der CIA zu verdeckten Aktivitäten zum Sturz eines der Regierung
der
Vereinigten
Staaten
gegenüber
feindlich eingestellten Regimes ermutigt werden sollte. Ein beträchtlicher Meinungsumschwung von 13 Punkten
zeigte sich bei den Führungskräften
in bezug auf größere Unterstützung
der verdeckten Rolle des CIA und eine
ebenso krasse Abnahme zeigte sich auf
der Gegenseite. Innerhalb der Bevölkerung insgesamt war der Umschwung
weniger gravierend.

Die Kluft zwischen der Administration, der Bevölkerung und den Führungskräften
Zwischen den Meinungen der Führungskräfte und der Bevölkerung insgesamt herrscht eine tiefe Kluft bezüglich einer Vielzahl von außenpolitischen Themenkomplexen.
In einigen
Bereichen befinden sich die Ansichten
dieser beiden Gruppen im Widerspruch
zu der Politik und dem Vorgehen der
Reagan Administration. Die Führungskräfte befürworten weiterhin eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt, sind generell eher interventionistisch eingestellt und für
eine Unterstützung der "Reagan-Doktrin" der Hilfe für antikommunistische Guerrillas in einigen Ländern
der Welt.
Die Führungskräfte sind
auch weiterhin internationalistischer

eingestellt, vor allem bei der Unterstützung der freien Marktwirtschaft,
sowie bei Militär und Wirtschaftshilfe.
Die Führungskräfte messen der
Verteidigung der Sicherheit der Alliierten als Ziel der Außenpolitik hohe
Priorität bei und legen geringere Betonung auf die Stärkung der Vereinten
Nationen.
Insgesamt sind sie über
den
Schutz amerikanischer Arbeitsplätze im Inland und die Förderung
der amerikanischen Geschäftsinteressen im Ausland weniger besorgt. Die
Führungskräfte
zeigen geringe Neigung, dem Ziel der "Eindämmung des
Kommunismus" beizupflichten, sondern
sind mehr geneigt, die Machtübernahme
durch eine kommunistische Regierung
in Ländern wie Mexiko, Saudi Arabien
oder Frankreich als eine "große Bedrohung" anzusehen.
Ein hoher Prozentsatz von 42 Prozent der Führungskräfte unterstützt
Militärhilfe an
andere Länder und ist entschieden weniger besorgt über die Hilfe für Mittelamerika, die zu dem militärischen
Engagement
der Vereinigten
Staaten
dort führte. Ebenso wie die Bevölkerung insgesamt sind die Führungskräfte in überwältigender Zahl gegen Verhandlungen mit Terroristen.
Im Gegensatz zur Bevölkerung befürworten
sie eher einen militärischen Einsatz
zur Bekämpfung terroristischer Gruppen, aber neigen weniger zu einer Ermordung terroristischer Anführer.
Im Hinblick auf die Beziehungen
mit der Sowjetunion räumen sowohl die
Führungskräfte als auch die Bevölkerung insgesamt gemeinsamen Unternehmungen höhere Priorität ein als die
Reagan-Administration und stehen der
Handhabung der Beziehungen mit der
Sowjetunion durch die Administration
kritisch
gegenüber.
Beide Gruppen
nehmen ebenfalls zu dem Vorgehen der
Administration im Mittleren Osten und
auf Gebieten wie internationaler Handelspolitik, Menschenrechten und Ter-

- 9 -

�rorismus eine kritische Haltung ein.
Spürbare Differenzen zeigten sich
auch
innerhalb des
representativen
Querschnitts der Führungskräfte bezüglich
dem
Verteidigungshaushalt,
der "Reagan-Doktrin", der verdeckten
Rolle des CIA und einigen anderen
Themen.
Zwischen den Vertretern der
Administration und den Vertretern anderer Führungsschichten, insbesondere
der Bereiche Arbeitsfragen, Medien,
Erziehungswesen
und
Religion,
herrschten
außerordentlich
unterschiedliche Meinungen über eine Unterstützung der Invasion in Grenada,
der Bemühungen zum Sturz der Regierung von Nicaragua, der Bombardierung
Libyens und erhöhter Verteidigungsausgaben.
Ein
bedeutendes
Gesamtergebnis
dieser Umfrage ist, daß die Unterstützung durch die Bevölkerung für
eine aktivere Rolle der Vereinigten
Staaten in der Welt zugenommen hat.
Dies stellt einen Meinungsumschwung
verglichen mit früheren Umfragen dar
und spiegelt zweifelsohne die Einschätzung eines günstigen Wandels in
dem sowjetisch-amerikanischen Kräfteverhältnis wieder sowie die hohe Anerkennung der von den Vereinigten
Staaten zur Zeit in der Welt gespielten Rolle und der Rolle, die das Land
spielen sollte. Zusammenfassend kann
man sagen, daß es bezüglich spezieller politischer Themenbereiche starke
Meinungsverschiedenheiten
mit
der
Reagan-Administration gibt, aber die
Bemühungen
der
Administration
zur
Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts - und größeres Vertrauen in die Rolle der Vereinigten
Staaten als Weltmacht - in hohem Maße
unterstützt werden.

+ + + + +
- 10

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
1 8 . März 1987

11

RESISTENZENTWICKLUNG BEI CHEMISCHER KREBSTHERAPIE

- (AD) - Nach anfänglichem Erfolg
bereitet die Chemotherapie von Krebs
jetzt
zunehmend
Schwierigkeiten.
Präparate, die während der ersten Wochen und Monate ihrer Anwendung gut
geeignet erschienen, Krebszellen und
Geschwülste abzubauen oder zumindest
an der Ausbreitung zu hindern, zeigen
plötzlich keine Wirkung mehr.
Der
Krebs kommt zurück und ist nun viel
hartnäckiger als zuvor.
Mit der Frage, was dieser "erworbenen
Resistenz"
zugrunde
liegen
könnte,
befaßt
sich
Dr.
Robert

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schimke, Professor der Biologie an
der amerikanischen Stanford-Universität, seit fast zwei Jahrzehnten. Ein
erstes wichtiges Ergebnis seiner Untersuchungen war 1977 die Beobachtung, daß zum Beispiel Zellen aus
Mäusetumoren unter der Einwirkung von
Methotrexat entscheidende Veränderungen auf Gen-Ebene erfahren.
Dieses
Zytostatikum, seit 1948 bekannt und
in der Chemotherapie bestimmter Formen von Krebs auch recht gut bewährt,
wirkt krebshemmend, weil es ein Enzym
blockiert, das für die DNS-Synthese
wichtig ist.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bei diesem Enzym handelt es sich
um Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Es
wird benötigt, um am Aufbau einer
identischen
Kopie
des
Desoxyribonucleinsäuremoleküls
(DNS) mitzuwirken, ehe sich die Zelle teilt. Mit
dieser Kopie werden sämtliche genetischen Informationen der Mutterzelle
an die Tochterzelle weitergegeben.
Die DHFR-Produktion wird durch
Gene gesteuert, die in ganz bestimmter Zahl vorhanden sind. Unter Methotrexat-Behandlung
beginnen
jedoch
manche Krebszellen
sehr viel mehr
solcher Gene hervorzubringen - ein
Phänomen, das der Biologe als "GenVerstärkung" bezeichnet.
Zellen mit
verstärktem DHFR-Gen produzieren das
Enzym in so großer Menge, daß therapeutische Dosen von Methotrexat die
Folsäurereduktase nicht völlig zu unterdrücken vermögen, um so die DNSSynthese zu blockieren.
Das bedeutet, daß die Zellteilung trotz Chemotherapie
weitergeht.
Krebszellen
vermehren sich wieder, bösartige Tumore wachsen erneut.
Zusammen
mit
dem
Krebsspezialisten Richard Horns fand Schimke vor
drei Jahren den gleichen Effekt bei
menschlichen Krebszellen, und zwar an
Blutzellen einer Patientin mit Leukämie:
Vor der Methotrexat-Behandlung
enthielten
die leukämischen
Zellen
nur ein einziges aktives DHFR-Gen,
nach Einsetzen der Resistenz gegen
das Chemotherapeutikum
drei Monate
später dagegen eine stark erhöhte Anzahl.
Auch bei Patienten mit Ovarial- und Lungenkrebs wurde dies inzwischen beobachtet. Andere Forscher
seien, so Schimke, zu ähnlichen Resultaten gekommen.
Bei seinen jüngsten Untersuchungen zur Klärung der Frage, auf welchem Wege
das
DHFR-Gen
verstärkt
- 2

wird, wies Schimke u.a. nach, daß es
keineswegs nur bei Anwendung des Zytostatikums Methotrexat zu einer GenVerstärkung kommen könne. Sie trete
auch bei Sauerstoffmangel, bei Einwirkung von ultraviolettem Licht und
von sogenannten karzinogenen Stoffen
bzw. Faktoren auf, die erfahrungsgemäß Krebs erzeugen können.
So verschiedenartig die genannten
"Ursachen" sind, eines haben sie doch
gemeinsam:
Wie Methotrexat hemmen
auch sie die DNS-Synthese. Nach Meinung Schimkes führt dies bei manchen
Zellen zu einer Fehlsteuerung in der
Weise, daß sie nun vor der Teilung zu
viele
Kopien einzelner
Komponenten
des DNS=Moleküls produzieren.
Zwar
gehe
die
Mehrzahl
solcher
Zellen
durch die Methotrexat-Behandlung zugrunde. Jene Zellen aber, die - mit
verstärktem
DHFR-Gen
überleben,
seien von nun an gegen das Zytostatikum resistent.
"Wir studieren einen
der fundamentalen Zellprozesse - die
Reduplikation des DNS-Moleküls", sagt
Prof. Schimke.
Die Wissenschaftler
müßten zunächst einmal im Detail verstehen, wie die normale DNS-Reduplikation funktioniere, ehe sie die GenVerstärkung und damit auch die Resistenzentwicklung von Krebszellen gegen Chemotherapeutika verstehen und
erklären könnten.

•

�</text>
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AMERIKA DIENS

1 . A p r i l 1987

12

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf
- Stellungnahme Präsident Reagans -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wiedergeborene Null-Lösung
- Von Richard Burt(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht
- Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

* * * * * *

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Telex: 8-85432

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Dokumentation

12

1 . April 1987
REAGAN FORDERT SOWJETS ZUR EINHALTUNG IHRER INF-VERPFLICHTUNGEN AUF
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 27. März 1987 erinnerte Präsident Reagan an die wiederholte Bestätigung des sowjetischen Parteiführers Gorbatschow in Reykjavik, daß "ein Interimabkommen zu den Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
(LRINF) auch
Beschränkungen
über
Kurzstreckenwaffen
(SRINF) enthalten sollte, um 'die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit einer
Übereinkunft über INF sicherzustellen1".
Reagan zufolge sind die Sowjets "in den vergangenen Wochen von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der SRINF müsse aus den gegenwärtigen INF-Verhandlungen ausgenommen und statt dessen in getrennten Verhandlungen
behandelt werden". Der Präsident gab zu verstehen, dies "liege sicher nicht
in unserem Interesse oder in dem unserer Verbündeten".
Die Stellungnahme hat folgenden Wortlaut:

Gestern ging die besonders verlängerte Sitzung bei den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über Mittelstrekkenwaffen (INF), die Teil der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) bilden, zuende. Wir haben diese Runde über den Schluß der
NST-Verhandlungen in anderen Gruppen
am 6. März hinaus verlängert, um weitere Fortschritte für unser langgehegtes Ziel der einschneidenden, beiderseitigen und wirksam verifizierbaren Reduzierungen amerikanischer und
sowjetischer LRINF zu erlangen, mit

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dem Endziel , diese
schaffen.

vollständig

abzu-

Am 4. März legten unsere amerikanischen Unterhändler auf meine Weisung hin den Entwurf eines INF-Abkommens vor, der sich auf die von Generalsekretär Gorbatschow und mir bei
unserem Treffen in Island im Oktober
1986
vereinbarten
Formeln
stützt.
Wir haben inzwischen den Sowjets den
Text unseres Vertragsentwurfs im einzelnen
unterbreitet
und erläutert.
Der Entwurf fordert den Abbau auf
eine zwischenzeitliche Obergrenze von

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�100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen größerer Reichweite weltweit, von
denen keine in Europa disloziert sein
sollen, Einschränkungen bei den Mittelstreckenwaffen kürzerer Reichweite
sowie Bestimmungen zur wirkungsvollen
Verifizierung.
Amerikanische und sowjetische Unterhändler haben Arbeitsgruppen gebildet, die Gespräche über den von
uns vorgelegten Vertragsentwurf erleichtern sollen und arbeiten einen
gemeinsamen Text aus. Diese Gespräche mit den Sowjets waren sachlich
und produktiv.
Ich möchte betonen, daß sich unsere Haltung bei diesen Verhandlungen
auf enge Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten in Europa
und Asien stützt, deren Sicherheit
von der sowjetischen INF-AufStockung
sehr direkt betroffen ist.
Unsere
Verbündeten
haben
darüber
hinaus
einen umfangreichen Beitrag zu unseren Vorschlägen geleistet.
Wir haben zusammen mit unseren
Bündnispartnern den Sowjets gegenüber
klar zum Ausdruck gebracht, daß ein
INF-Abkommen wirkungsvoll verifizierbar sein muß. Wie ich bereits dargelegt habe, gibt es kein wichtigeres
anstehendes Problem als die Verifizierung. Der Text unseres Vertragsentwurfs enthält daher einen umfassenden Teil zur Verifizierung, um die
Einhaltung
des Vertrages sicherzustellen.
Wir verfolgen bei unseren Bestrebungen um Verifizierungsbestimmungen
drei Hauptzielsetzungen:
- Verbesserung
des Vertrauens
in
ein Abkommen, das als solches zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen

wird;
- Abschreckung von Vertragsverletzungen durch Erhöhung des Entdekkungsrisikos und
- Ermöglichung einer schnellen Aufdeckung aller störenden Aktivitäten
und dadurch
Gewährleistung
einer zeitgerechten Warnung vor
der möglichen oder realen Bedrohung der Sicherheit aller Bündnispartner.
Inspektionen vor Ort werden einen
wesentlichen Bestandteil jeder wirkungsvollen Bestimmung zur Verifizierung ausmachen.
Solche Inspektionen
werden hilfreich sein, wenn es darum
geht, den anfänglichen Austausch von
Daten über INF-Systeme und die nachfolgende
Zerstörung, Demontage und
Umrüstung von LRINF-Systemen zu verifizieren, und sie werden eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der
fortdauernden Einhaltung von vertraglich
niederlegten
Beschränkungen
spielen.
Eine weitere Schlüsselbestimmung
unseres Entwurfs betrifft Kurzstrekkenraketen. Wir haben seit 1981 gemeinsam mit unseren Verbündeten klar
zum Ausdruck gebracht, daß Einschränkungen bei SRINF in einem ersten INFAbkommen wesentlich sind, so daß die
Sowjetunion nicht die Beschränkungen
für LRINF durch eine Aufstockung der
Kurzstreckenraketen unterlaufen kann.
Diese Einschränkungen müssen den Vereinigten Staaten das Recht auf einen
Gleichstand mit der Anzahl weltweit
stationierter sowjetischer INF-Systeme einräumen.
In Reykjavik haben Generalsekretär Gorbatschow und ich den wichtigen
Grundsatz bestätigt, der von unseren
Unterhändlern in den INF-Verhandlungen von 1981-1983 vereinbart wurde;

�danach muß ein Interimabkommen zu INF
Beschränkungen
über
Kurzstreckensysteme enthalten, um "die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit eines Abkommens über INF sicherzustellen".
In
den vergangenen Wochen sind die Sowjets jedoch von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der
SRINF müsse aus den gegenwärtigen
INF-Verhandlungen
ausgeklammert
und
statt dessen in getrennten Verhandlungen behandelt werden.
Diese neue sowjetische Position
zu Kurzstreckensystemen würde der Sowjetunion ein dauerhaftes Monopol auf
diese Systeme sowie auch die Freiheit
einräumen, ihre bestehenden Streitkräfte zu erhöhen. Das liegt sicher
nicht in unserem Interesse oder in
dem unserer Verbündeten.
Das wichtigste Problem liegt nun
darin, ob die Sowjets bereit sind,
beiderseitige
Beschränkungen
bei
SRINF-Raketen
im
Zusammenhang
mit
einem ersten INF-Abkommen hinzunehmen
oder ob sie darauf bestehen werden,
in
diesem
wichtigen
Bereich
ihre
Überlegenheit über uns zu bewahren
und damit ein jegliches INF-Abkommen
zu unterlaufen.
Da die Vereinigten
Staaten solch ein Resultat nicht erlauben können, werden wir weiterhin
darauf
bestehen, daß beiderseitige
Beschränkungen bei den Kurzstreckenrakten
ein
integraler
Bestandteil
eines ersten INF-Abkommen werden.
Ich bleibe weiterhin der Erlangung eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens zur Reduzierung
von INF verpflichtet.
Aus diesem
Grunde habe ich die jüngst erfolgte
Stellungnahme Herrn Gorbatschows zu
INF begrüßt, mit der ein von den Sowjets in Reykjavik aufgeworfenes Hindernis
für
Fortschritte
beseitigt
wurde. Die Vereinigten Staaten haben
nun den Sowjets einen umfassenden und

realistischen Vertragsentwurf zur Begutachtung vorgelegt.
Daher ist es
jezt an der Zeit, daß die Sowjetunion
ihren früheren Verpflichtungen zu INF
nachkommt und eine positive Haltung
für ein ausgewogenes Abkommen einnimmt.
Lassen Sie mich zum Schluß noch
ein Wort über die Stärke und Einheit
unseres Bündnisses sagen. Es war zunächst einmal der Zusammenhalt der
NATO bei der Durchführung ihrer Entscheidung zum Doppelbeschluß von 1979
über INF, der dazu beigetragen hat,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch
zu bringen und sie zu
ernsthaften Verhandlungen zu bewegen.
Unser eigenes Engagement für die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten sowohl in Europa als auch in
Asien, die alle durch die Stationierung sowjetischer INF bedroht sind,
bleibt so stark wie bisher. Wir werden weiterhin eng mit ihnen zusammenarbeiten, um die sowjetische Zustimmung zu ausgewogenen und verifizierbaren Reduzierungen von INF zu erlangen.
Die Vereinigten Staten und die
Sowjetunion sind übereingekommen, die
VIII. Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen am 23. April
aufzunehmen. Das heißt, die Verhandlungsgruppe zu INF wie auch die Verhandlungsgruppen
über
strategische
Waffen und Verteidigung im Weltraum
werden zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit
wiederaufnehmen.
Gleichzeitig
sind die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
jedoch
übereingekommen,
daß dieses Datum neu abgestimmt werden kann, wenn Außenminister Shultz
und
der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse vom 13. bis 15. April
in Moskau zusammentreffen, um diese
und andere Probleme der weitgesteckten amerikanisch-sowjetisch Tagesordnung zu besprechen.

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Hintergrundmaterial

Ä&lt;

1. April 1987

12

DIE WIEDERGEBORENE NULL-LDSUNG
Von Richard Burt

Der
nachfolgende
Artikel
wurde
am
18. März 1987 in
der New York Times
veröffentlicht.
- (AD) - Michail Gorbatschows Bereitschaft, dem Abbau von Mittelstreckenraketen in Europa - der sogenannten Null-Lösung - endlich zuzustimmen, hat eine Diskussion darüber
ausgelöst, ob ein solches Abkommen im
Interesse der westlichen Nationen läge. Dies wäre zweifelsohne der Fall.
Die Administration und die verbündeten
Regierungen gelangten vor
mehr als fünf Jahren zu der Schlußfolgerung, daß ein Abkommen über den
Abbau aller auf Europa gerichteten
SS-20 sowie der vor kurzem in Europa

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stationierten amerikanischen Pershing
2 und Marschflugkörper zu einer militärischen
und politischen
Stärkung
des Atlantischen Bündnisses beitragen
würde.
Im militärischen Bereich sind die
Vorteile für den Westen offensichtlich.
Moskau hat bisher 270 SS-20
Raketen innerhalb der Reichweite Europas stationiert, die mit je drei
Gefechtsköpfen bestückt sind und damit die Fähigkeit zum Angriff auf 810
Ziele in Europa haben. Die Vereinigten Staaten dislozieren zur Zeit je-

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�doch nur Systeme, die maximal über
572 Gefechtsköpfe verfügen. Ein Abkommen würde daher den Abbau einer
sehr viel größeren Anzahl von Raketen
seitens der Sowjetunion als bei uns
zum Ergebnis haben.
Das Argument, daß die Null-Lösung
vielleicht kein gutes Geschäft ist,
scheint tatsächlich nahezu absonderlich.
Im Jahr 1981, als er zum ersten Mal von Präsident Reagan unterbreitet wurde, lautete die Hauptkritik an dem Vorschlag (dem ich einiges
abgewinnen konnte), er bevorzuge den
Westen so eindeutig, daß Moskau niemals zustimmen würde und er daher
einzig als eine werbewirksame Masche
angesehen werden könnte.
Jedes Rüstungsbegrenzungsabkommen
muß natürlich nach Kriterien beurteilt werden, die über seine militärischen Auswirkungen hinausgehen. Einige
europäische
und
amerikanische
Beobachter brachten das Argument vor,
daß durch den Abzug der amerikanischen Raketen die Verteidigung Europas vom amerikanischen strategischen
Abschreckungspotential
"abgekoppelt"
würde - in anderen Worten, Europa
würde nicht länger von dem amerikanischen nuklearen Schutzschild profitieren.
Dies ist ein sehr wichtiges, aber
aus drei Gründen falsches Argument.
Erstens sollte die Befürwortung
der Null-Lösung nicht als eine Lockerung der amerikanischen Verpflichtung
gegenüber Europa verstanden werden.
Diese Verpflichtung ist und bleibt
ein
wesentlicher
Bestandteil
der
westlichen
Strategie.
Wir
würden
weiterhin eine beträchtliche Zahl von
Atomwaffen in Europa stationieren und
die Vereinigten Staaten würden natürlich auch weiterhin über ein umfassendes strategisches Arsenal an In-

terkontinentalraketen verfügen.
Die "Ankoppelung" kommt zweitens
nicht nur durch die Präsenz amerikanischer Nuklearstreitkräfte in Europa
zustande, sondern auch aufgrund der
starken Präsenz amerikanischer Kampftruppen. Diese Präsenz bliebe bestehen.
Drittens
ist die "Ankoppelung"
sowohl ein psychologisches als auch
ein militärisches Phänomen.
Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen mit Moskau
über Mittelstreckensysteme würde von
der Bevölkerung in Europa in hohem
Maße unterstüzt und die amerikanischen Beziehungen zu Europa langfristig stärken. Die europäische Bevölkerung würde größeres Vertrauen in
die amerikanischen Fähigkeiten setzen, die Beziehungen zu Moskau in
konstruktiverer
Weise
zu handhaben
und dies würde wiederum unsere Möglichkeiten bei der Bewältigung anderer transatlantischer Probleme verbessern .
Die Null-Lösung wird jedoch sicherlich nicht alle Sicherheitsprobleme Westeuropas lösen.
Auch ein
Rüstungsbegrenzungsabkommen
alleine
würde dazu nicht ausreichen.
Auch bei einem Abbau von Mittelstreckenraketen
bliebe
Westeuropa
weiterhin ungeschützt gegen sowjetische Paketensysteme kürzerer Reichweite und umfangreiche konventionelle
und chemische Kampftruppen.
Zur Bewältigung dieser Probleme wird das
westliche Bündnis Schritte zur Verbesserung des militärischen Gleichgewichts in Europa unternehmen müssen
und zwar sowohl durch Verbesserung
der Truppenstruktur als auch durch
Rüstungsbegrenzung.
Das vielleicht stärkste Argument
für die Null-Lösung in Europa ist ein

- 2 -

�politisches. Als sich die Allianz im
Jahr 1979 zum ersten Mal für eine
Antwort auf die Dislozierung der sowjetischen
SS-20
entschied
und
gleichzeitig
die
Bereitschaft
zu
einem Rüstungsbegrenzungsabkommen ankündigte, wurde diese Entscheidung
von der Linken und Friedensgruppen in
Europa
als
zynischer Trick kritisiert, der nur der Aufrüstung diene.
Einige der engagiertesten Verfechter des Bündnisses wie Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierministerin Margaret Thatcher sahen sich
daher starkem Druck ausgesetzt, die
Stationierung weiterzuführen.
Sobald
die ersten amerikanischen Raketen im
Jahr 1983 disloziert wurden, drängten
dieselben Kritiker ihre Regierungen
zum einseitigen Abzug dieser Raketen.
Die Voraussagen dieser Kritiker
haben sich als falsch erwiesen. Die
Null-Lösung würde nicht nur die logische Entscheidung der Allianz für
die
Raketenstationierung
von
1979
rechtfertigen, sondern auch zu einer
Stärkung der politischen Handlungsweise derjenigen in Westeuropa beitragen, die in einer für das Bündnis
kritischen Zeit fest zu dieser Entscheidung gestanden haben.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß eine der positivsten langfristigen Auswirkungen
eines Rüstungsbegrenzungsabkommens darin liegen könnte, der Bevölkerung in Europa und den
Vereinigten Staaten zu beweisen, daß
einseitige Abrüstung
zum Scheitern
verurteilt ist.

- 3 -

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Wissenschaft und Technik

1. April 1987

12

ERLEICHTERUNG DURCH AIDS-MEDIKAMENT - VIELLEICHT
Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

WASHINGTON - (AD) - In einem beschleunigten Verfahren hat jetzt die
amerikanische
Kontrollbehörde
für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) die
Zulassung
für
das
Medikament
AZT
(Azidothymidin)
zur Behandlung
von
Patienten erteilt, die an der Immunschwächekrankheit AIDS erkrankt sind.
Seit dem 20. März 1987 darf es in den
USA auf Rezept und Sondergenehmigung
für den Arzt von Apotheken abgegeben
werden.
Trotz der Bedenken wegen
möglicher
schwerwiegender
Nebenwirkungen hat man sich zur Freigabe entschlossen, weil das Präparat unter

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Umständen
das rasche
Fortschreiten
des körperlichen und geistigen Verfalls verzögern kann.
Die Symptome
bestimmter Begleiterkrankungen treten
weniger
ausgeprägt
in Erscheinung.
Allerdings vermag AZT die Grundkrankheit nicht zu heilen.
In klinischen Versuchen wurde AZT
seit Februar 1986 an AIDS-Kranken erprobt und zuletzt im Rahmen eines
Therapie-Sonderplanes bei etwa 4500
Patienten mit Zustimmung der FDA angewandt. Es kommt unter der Handelsbezeichnung "Retrovir" auf den Markt.

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�Wie Dr. Robert Windom vom amerikanischen Gesundheitsministerium erklärte, müsse die Abgabe von Retrovir zunächst auf Patienten mit den schwersten
Symptomen
beschränkt
werden,
weil es noch nicht in ausreichenden
Mengen zur Verfügung steht. In Ä'rzteinformationen wird darauf hingewiesen, daß es vor allem bei AIDS-Patienten eingesetzt werden sollte, bei
denen die normalerweise seltene, nach
Infektion mit dem AIDS-Virus
(HIV)
jedoch häufig auftretende Lungenentzündung des Typs "pneumosystis carinii"
(PCP)
diagnostiziert
wurde.
Auch bei Krankheitsbildern, die dem
"AIDS-related complex" (ARC) zuzuordnen sind, sei es angebracht.
Dabei
handelt es sich um eine Kombination
von Symptomen, die für eine erworbene
Unfähigkeit des Organismus zur Abwehr
von Infektionen und zur Unterdrückung
bestimmter Arten von Krebs typisch
sind. In solchen Fällen ist anzunehmen, daß bei dem Patienten die AIDSErkrankung in absehbarer Zeit voll
zum Ausbruch kommt.
Die
Herstellerfirma
von
AZT,
Burroughs Wellcome Co. (New York),
hofft, die Produktion des Medikaments
in Kürze so ausweiten zu können, daß
das Präparat bis zum Jahresende für
alle AIDS-Kranken in den Vereinigten
Staaten verfügbar ist.
In England
soll es ab Mai auf den Markt kommen.
Nach Angaben des Unternehmens dürfte
die Behandlung pro Patient und Jahr
etwa 7000 bis 10 000 Dollar erfordern.
Das ist nur einer von vielen
Kostenfaktoren
im Zusammenhang
mit
der Seuche AIDS.
Dr. C. Everett
Koop, der ärztliche Chef des öffentlichen
Gesundheitsdiestes der USA,
äußerte bei einem Vortrag im Nationalen Presseclub in Washington große
Besorgnis darüber, wie künftig angesichts der Schwere der Krankheit die
notwendige und von den Umständen her

mögliche Versorgung der AIDS-Patienten finanziert werden soll. Er forderte dringend, daß sich Vertreter
von Bund, Einzelstaaten, Kommunen und
Privatsektor zusammensetzen und gemeinsam nach Wegen suchen, das Problem anzupacken.
Laut Dr. Koop sind in den Vereinigten Staaten bisher fast 33 000
Personen an AIDS erkrankt.
Bis zum
Jahresende dürfte sich diese Zahl um
weitere 23 000 erhöhen. Dem Seuchenüberwachungszentrum in Atlanta (Georgia) waren bis Mitte März 16 900 Todesfälle als Folge der Immunschwächekrankheit AIDS gemeldet worden. Davon waren 683 auf Bluttransfusionen
zurückzuführen, die in der Zeit vorgenommen wurden, als es noch keine
speziellen AIDS-Tests für Spenderblut
gab. Die Zahl der durch Transfusionen möglicherweise infizierten Personen wird auf ca.
12 000 geschätzt.
Bei den meisten haben sich jedoch
keine Symptome gezeigt.
"Wir alle mußten der langsamen,
aber unerbittlichen Ausbreitung dieser
Krankheit
in den
vergangenen
sechs Jahren zusehen", sagte Koop.
"Sie greift immer weiter in unsere
Gesellschaft ein - und wir sind einfach noch nicht in der Lage, dieses
Vordringen zu verlangsamen, geschweige denn zum Stillstand zu bringen."
Gegenwärtig erreichten die Kosten für
Forschung und Pflege bereits Hunderte
von Millionen
Dollar.
Vor Ablauf
eines weiteren Jahrzehnts könnten sie
leicht
Milliarden
in
zweistelliger
Zahl erfordern.
wie, so fragte Dr.
Koop, soll dieses Geld aufgebracht
werden?
Die
wenigsten
rungspläne sähen
Kosten
für eine
übernehmen.
Das
umso bedrückender,

Krankenversichederzeit vor, die
AZT-Behandlung zu
Kostenproblem
sei
wenn man die Ver-

�zweiflung der Menschen sehe, die aus
der Existenz eines Medikaments wie
AZT Hoffnung schöpften, es aber nicht
bekommen
könnten.
Es sei höchste
Zeit, Entscheidungen zu treffen, wie
eine solche Therapie, aber auch vieles andere im Zusammenhang mit der
Betreuung AIDS-kranker Personen finanziert
werden
soll.
"Angesichts
dieser Krankheit mit ihrem enormen
Potential,
das
Gesundheitsversorgungssystem
eines Gemeinwesens aus
den Angeln zu heben, müssen wir auch
darüber sprechen, welche Rolle die
Versicherungen übernehmen sollten."
Gleichzeitig besteht nach Ansicht
Koops die Gefahr, daß es künftig gar
nicht mehr möglich sein könnte, für
die wachsende Zahl von AIDS-Patienten
im letzten Krankheitsstadium Betten
in den allgemeinen Krankenhäusern bereit zu halten. Die Kosten sowohl in
bezug auf die Behandlung als auch das
erforderliche Personal "werden unser
Krankenhaussystem
einfach
zermalmen... Wir müssen ermitteln, welche
Art und welches Ausmaß von Pflege
notwendig
ist und wie wir dieser
Pflege in Hinwendung zum Patienten,
in fachlicher Hinsicht und, im Rahmen
der Ressourcen, auch effektiv gerecht
werden können".
Dr. Koop verwies ebenfalls darauf, daß AZT lediglich Symptome lindern könne, in erster Linie bei PCP
als Begleiterkrankung. Nach bisherigen Erfahrungen sei das Leben mancher
solcher AIDS-Patienten um einige Monate, vielleicht sogar um ein paar
Jahre zu verlängern.
Eine Heilung
von der eigentlichen
Krankheit,die
infolge der Infektion und Zerstörung
immunologisch wichtiger Zellen, insbesondere der T-Lymphozyten, die körpereigenen
Abwehrmechanismen
lahmlegt, sei mit dem Medikament jedoch
nicht möglich.
Von mehr als der
Hälfte
von
schätzungsweise
14 000

AIDS-Patienten
im
fortgeschrittenen
Stadium wisse man, daß bei ihnen diese besondere Form von Lungenentzündung aufgetreten sei.
Als weitere
Gruppe kämen Patienten mit ARC-Symptomen in Frage, bei denen sich weniger als 200 T-4-Zellen pro Kubikmillimeter Blut zeigen.
Normal wären
1000 bis 3000 T-4-Zellen.
Deshalb
zählten sie zu jenen Patienten, die
vorrangig mit AZT behandelt werden
sollten.
Ein paar weitere Medikamente, gegenwärtig
noch
im Forschungs- oder
ersten Erprobungsstadium, dürften Dr.
Koop zufolge, dasselbe bewirken: Sie
ermöglichten vielleicht die Behandlung von Symptomen einer in Verbindung mit AIDS auftretenden Krankheit,
aber
kaum
eine Therapie
für
die
Grunderkrankung.
Und mit einem sicheren und wirksamen AIDS-Impfstoff,
der allgemein verfügbar ist, sei wohl
erst Ende der neunziger Jahre zu
rechnen. Wohl gebe es schon experimentelle Vakzine - so haben Forscher
aus Frankreich und Zaire erste Versuche am Menschen aufgenommen, und in
den USA hofft man in der zweiten
Hälfte des Jahres so weit zu sein.
Aber wie schon die Entwicklung des
Hepatitis-B-Vakzins gezeigt habe, die
19 Jahre dauerte, müsse mit langen
Fristen gerechnet werden, sagte Koop.
Im Vergleich zum Hepatitis-B-Virus,
das relativ leicht zu verstehen war,
habe das AIDS-Virus eine viel komplexere genetische
Struktur, die den
Forschern
immer wieder neue Überraschungen bringe.
Der "Surgeon General", wie der
offizielle Titel Dr. Koops lautet,
machte darauf aufmerksam, daß zwar
nach wie vor Homosexuelle, bisexuelle
Männer
und Rauschgiftsüchtige, die
sich Drogen spritzen, den Hauptanteil
unter
den AIDS-Kranken
ausmachten.
Jedoch steige die Zahl der AIDS-Fälle

- 3 -

�unter
heterosexuellen
Männern
und
Frauen
außerhalb
der
Drogenszene
ständig an. "Es sieht sogar so aus,
daß allein ihre heterosexuelle Aktivität ihr eigentlicher Pisikofaktor
ist. Gegenwärtig betreffen vier Prozent aller gemeldeten AIDS-Fälle heterosexuelle Männer und Frauen. Während aber im Verlauf der nächsten
fünf Jahre die Zahl der AIDS-Erkrankungen
insgesamt
um das Neunfache
steigen dürfte, ist in der Gruppe heterosexueller Personen eine Zunahme
um das 20fache zu erwarten."
Auch die Schwerpunkte der AIDSHäufigkeit änderten sich, was zu weiteren Besorgnissen Anlaß gebe. Zwar
sei AIDS unter den sogenannten Risikogruppen von Städten wie San Francisco, Los Angeles und New York am
stärksten verbreitet. inzwischen berichteten aber auch weitere Städte
und
Bundesstaaten
über
zunehmende
Zahlen von AIDS-Fällen:
15 amerikanische Städte hätten jeweils mehr als
300 Erkrankungen
gemeldet, seitdem
1981 AIDS-Statistiken eingeführt wurden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wiedergeborene Null-Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times veröffentlicht)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chef des Öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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