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                    <text>13. Juni 1979

21
INHALT

DOKUMENTATION
Brown:

Abschreckung vor Nuklearangriff oberstes Ziel der US-Verteidigungs-

pol itik
- Ansprache vor der Marineakademie in Annapolis HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über MX-Rakete dient der Stabilität
- Stellungnahme Brzezinskis US-Studie:

Seibstversorgung im Energiebereich möglich

Letzte Manöver mit SKYLAB geplant
- Absturz Mitte Juli erwartet -

WIRTSCHAFT
Blumenthal zur Weltwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten
USA mit Ergebnissen von UNCTAD V nicht unzufrieden
- Von unserem Korrespondenten John J. Harter -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solartechnologie - Fortschritt schneller als erwartet
- Internationale Konferenz erörtert wirtschaftliche Verfahren Forschungsprojekt: Das Auto
- Neues Gemeinschaftsprogramm von Regierung und Industrie der USA

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

13. Mai 1979

BROWN:

ABSCHRECKUNG VOR NUKLEARANGRIFF OBERSTES ZIEL DER
US-VERTEIDIGUNGSPOLITIK

- Ansprache vor der Marineakademie in Annapolis -

- (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown hat
am 30. Mai 1979 zu wesentlichen Aspekten der strategischen Verteidigungskonzeption der USA Stellung genommen und betont, daß es das oberste Ziel
der US-Verteidigung sei, vor einem Nuklearangriff auf die USA oder ihre
Verbündeten abzuschrecken.

Der Minister sprach vor Absolventen der Marine-

akademie in Annapolis im Staate Maryland.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Die erste Priorität in der Verteidigung der Vereinigten Staaten ist es,
sicherzustellen, daß kein Land versucht sein wird, Kernwaffen gegen uns,
unsere Streitkräfte - wo immer sie stationiert sein mögen - oder gegen unsere
Verbündeten einzusetzen. Die Sicherheit der Nation hängt von unserer
Fähigkeit ab, strategische Nuklearstreitkräfte aufrechtzuerhalten, die jeder
Form eines Angriffes widerstehen können und uns in die Lage versetzen werden,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�werden, einen jeden Angreifer in gezielter und kontrollierter Weise unannehmbaren Schaden zuzufügen, wobei Zeit und Art unserer eigenen Wahl
überlassen bleiben.

Zu diesem Zweck haben wir einzigartige strategische

Streitkräfte geschaffen.

Ihre hochentwickelte Technologie übertrifft die

der sowjetischen Streitkräfte, und wir setzen sie in einer Weise ein, wie
es die Sowjets nicht tun können.

Wir unterstützen unsere Streitkräfte mit

technischen nachrichtendienstlichen Systemen, die allen anderen in der Welt
überlegen sind.
Durch unsere Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, sowie durch eine
entsprechende Beschaffungspolitik, Dislozierung, Ausbildung und entsprechende
Übungen wollen wir unsere technische Führungsposition aufrechterhalten und
unsere Streitkräfte, wie es notwendig ist, modernisieren.

Ergänzend dazu

will Präsident Carter im kommenden Monat, im Juni, einen zweiten Vertrag
zur Begrenzung der strategischen Rüstung unterzeichnen, der unsere Sicherheit
weiter durch eine Beschränkung der strategischen Streitkräfte fördert und
damit die Gefahr für unsere Streitkräfte und uns selbst begrenzt.
Der SALT II-Vertrag ist von profunder Bedeutung für die Vereinigten
Staaten.

Ich hoffe, daß der Senat, wenn er sich mit den Bestimmungen des

Vertrages vertraut macht, ihn umgehend ratifizieren wird.

Die Grundelemente

des SALT II-Abkommens sind die folgenden:
Ein Vertrag, der bis Ende 1985 Gültigkeit hat und der
-

gleiche Höchstgrenzen für strategische nukleare Trägersysteme
festsetzt;

-

verschiedene Unterhöchstgrenzen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (das heißt Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, von denen
jeder unabhängig von den anderen auf ein gesondertes Ziel angesetzt
werden kann) sowie für schwere Bomber festlegt, die aus der Luft

- 2 -

�Luft zu startende Marschflugkörper mit sich führen;
-

jede Seite auf eine neue ballistische Interkontinentalrakete
(ICBM) mit einem Maximum von zehn Wiedereintrittsflugkörpern
begrenzt;

-

eine Erhöhung der Anzahl von Wiedereintrittsflugkörpern
auf den bestehenden ballistischen Interkontinentalraketen verbietet;

-

Maßnahmen für eine unbehinderte Verifizierung durch Nationale
Technische Mittel vorsieht.

Ein Protokoll, das bis Ende 1981 Gültigkeit hat und das
-

die Dislozierung von landgestützten und seegestützten Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km während dieses
Zeitraumes verbietet, während es gleichzeitig eine uneingeschränkte
Erprobung und Entwicklung solcher Flugkörper einer jeden Reichweite
gestattet;

-

die Dislozierung mobiler ballistischer Interkontinentalraketen oder
ballistischer Luft- Boden- Raketen während dieses Zeitraums untersagt, jedoch die Dislozierung dieser Systeme nach Ablauf des Protokolls
gestattet.

Das Abkommen umfaßt ferner eine Grundsatzerklärung für die Folgeverhandlungen über SALT III und einen Austausch von Erklärungen über den
sowjetischen Backfire-Bomber.
Drei Punkte hinsichtlich des Abkommens verdienen besondere Aufmerksamkeit:
1.

Die

�1.

Die Alternative zu SALT II ist nicht etwa eine idealer Vertrag,
den wir erreicht haben könnten, hätten wir während dieser sieben
Jahre mit uns selbst verhandelt. Die Alternative ist vielmehr
überhaupt kein Vertrag - oder aber die Aushandlung eines neuen
Vertrages von Anfang an und in einer Atmosphäre, die durch eine
solche Zurückweisung gekennzeichnet wäre.

2.

Der Vertrag wird unsere Sicherheit fördern, indem er die Sowjets
unterhalb dessen hält, was sie sonst hinsichtlich der Anzahl von
Raketen, von Gefechtsköpfen und bezüglich ihrer Gesamtstärke tun
könnten und sehr wahrscheinlich tun würden.

3.

Unsere Verifizierungskapazität wird garantieren, daß die Sowjets
das Gleichgewicht nach SALT II nicht durch Verletzungen des Abkommens stören können, weil wir eine solche Verletzung frühzeitig
genug entdecken würden, um zum Schutze unserer Sicherheit reagieren
zu können.

Wie es vielen von Ihnen klar ist, treten wir jetzt in eine Periode
ein, in der die Sowjets - mit oder ohne SALT II - in wachsendem Maße in
der Lage sein werden, einen großen Teil unserer landgestützten ICBM-Streitmacht durch einen Überraschungsangriff zu zerstören.
Während der vergangenen zehn Jahre haben die Sowjets ihrem Arsenal mehr
als 1000 strategische

Raketen hinzugefügt und die Zahl ihrer abschußbereiten

Gefechtsköpfe verdreifacht.
Die Sowjets haben bereits seit einiger Zeit ihre Zielplanung auf unsere
ICBM-Streitmacht gerichtet, jedoch nur mit einem begrenzten Maß an Wirkung.
Aus den technischen Daten ihrer früheren Systeme können wir folgern, daß
die Sowjets bereits seit 1962-1963 eine Politik verfolgen, die auf den Aufbau von Waffensystemen zielte, die einen präsumptiven Schlag gegen die

�die amerikanischen ICBMs ermöglichen sollten.
Diese Politik wurde mit ihren SS-9 und SS-11-Programmen Ende der
sechziger Jahre fortgesetzt. Die kleineren SS-11 waren auf amerikanische
Städte gerichtet. Die SS-9 war die allererste große sowjetische Rakete;
sie trug einen Gefechtskopf von ungefähr 20 Megatonnen Sprengkraft. Die
über 200 SS-9 waren mit ziemlicher Sicherheit auf die 100 Minuteman-Abschußbasen gerichtet - aus Gründen der Treffsicherheit je zwei Raketen
auf einen Komplex. Die Sowjets, die zu jener Zeit nicht in der Lage waren,
Waffensysteme zu produzieren, die durch Umfang, Sprengkraft und Genauigkeit
in der Lage gewesen wären, unsere unempfindlichen Raketen zu gefährden,
entschlossen sich dazu, unsere Bodenstellungen ins Ziel zu nehmen. Wir
hatten jedoch schon mit einem solchen Schritt der Sowjets gerechnet und
dislozierten Ende der sechziger Jahre als Alternative luftgestützte
Kontrollkapazitäten, die von den SS-9 nicht angegriffen werden könnten.
Kurz gesagt: Die SS-9 war ein sowjetisches Programm großer MegatonnenKapazität, aber geringer Nützlichkeit hinsichtlich des Gegenschlags.
Die Sowjets setzen eine Politik fort, die Waffensysteme aufbaut,
die im Rahmen eines präsumptiven Gegenschlags verwendet werden können.
1975 begannen sie, die SS-9 durch die SS-18 zu ersetzen, die in ihrer
jüngsten Version mit 10 Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) getestet wurde.
Es scheint nunmehr klar zu sein, daß die Sowjets beabsichtigen, die
SS-18 und SS-19 in solchem Umfang zu dislozieren, daß sie in der Lage wären,
unsere Minuteman mit mehreren MIRVs pro Silo anzugreifen. Weiterhin
schätzen wir,daß die Sprengkraft und die Treffsicherheit dieser MIRVs
so groß sein wird, daß die Sowjets ziemlich sicher sein können, nach
vollständiger Dislozierung der SS-18 und SS-19, irgendwann zu Beginn der
achtziger Jahre, die meisten Minuteman-Silos in einem präsumptiven Schlag
zu zerstören.
Ich möchte

�Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich an einen sowjetischen
Angriff auf unsere ICBMs glaube - egal unter welchen Bedingungen.

Zunächst

würde ein wirkungsvoller Angriff auf die Vereinigten Staaten - d.h. auf die
Minuteman und andere Ziele von strategischen Waffen - Millionen von
Amerikanern töten:

die wahrscheinlichsten Schätzungen übertreffen noch

die Zahl der Toten in Europa des Zweiten Weltkriegs.
damit rechnen, daß wir entsprechend vergelten.

Die Sowjets müßten

Und sie sürden dem beträcht-

lichen Risiko gegenüberstehen, daß wir alle oder zumindest einen Teil
unserer ICBMs starten, bevor sie zerstört werden könnten.
wir jedwedes Ziel des sowjetischen Angriffs vereiteln.

Dadurch würden

Zweitens würden

unsere Bomber in Alarmbereitschaft und die strategischen Unterseebootkräfte
überleben, um die gebotene Antwort zu erteilen.

Dabei brauchten wir uns

nicht auf einen massiven Angriff auf die sowjetischen Städte zu beschränken,
sondern wir könnten auch Vergeltungsschläge gegen militärische Ziele richten.
Wenn wir also genau hinsehen, erkennen wir, daß strategische Nuklearschläge gegen unsere Interkontinentalraketen für die Sowjets kein geeigneter
Weg zu sein scheinen, um einen Streit mit uns zu regeln oder um langfristige
Vorteile als Weltmacht zu erreichen. Wir haben Streitkräfte aufgebaut, um
dies sicherzustellen; und obwohl wir keinen Angriff verhindern können, so
können die Sowjets bei einem solchen dennoch nichts gewinnen - aber wahrscheinlich alles verlieren. Doch was bei dieser Art von furchtbarer
Mathematik zählt, ist nicht, was wir denken, sondern was die Sowjets glauben.
Ich glaube, daß die sowjetischen Führer von heute diese Gegebenheiten
voll und ganz begreifen. Trotzdem könnte das Ergebnis einer Fehleinschätzung bei diesem Gegenstand die Zerstörung sowohl der Vereinigten
Staaten als auch der UdSSR sein. Deshalb müssen wir Schritte unternehmen,
um sicherzustellen, daß selbst in den neunziger Jahren die Chance für
einen Angriff auf unsere strategischen Streitkräfte, vor allem auf unsere
ICBMs, so gering wie nur irgend möglich bleibt. SALT II ist ein wichtiger
Schritt auf dieses Ziel hin, denn der Vertrag begrenzt die Zahl der Gefechts-

�Gefechtsköpfe, die auf unsere Abwehr gerichtet werden können.

Innerhalb

der Grenzen von SALT II werden die Sowjets wahrscheinlich ungefähr 2 150
Raketen mit ungefähr 9 500 MIRVs dislozieren.

Wir schätzen, daß die

Sowjets ohne SALT II gegen 1985 über 600 zusätzliche Raketen und ungefähr
3 000 zusätzliche Gefechtsköpfe dislozieren könnten.
Ohne SALT II würden die voraussichtlichen Sowjetprogramme als Antwort
von unserer Seite ein wirklich massives Programm erforderlich machen.
Aber sogar mit SALT II müssen wir parallel damit beginnen,unsere strategischen
Kräfte zu modernisieren - mit dem klaren Ziel, unsere strategische Überlebenskapazität zu erhöhen und gleichzeitig die Möglichkeit der sowjetischen
Planer, unsere Systeme zu treffen, einzuschränken. Auf diese Weise können
wir den Sowjets jeden möglichen Anreiz nehmen, im Fall einer Krise ihre
strategischen Waffen einzusetzen oder zu politischen Zwecken mit ihrem
Einsatz zu drohen, ja sogar Anreize, im Rahmen des Vertrags zusätzliche
Kapazitäten zu entwickeln. Außerdem müssen wir Optionen offen haben, die
es uns erlauben, unsere Pläne nach oben oder nach unten anzupassen, je
nachdem welchen Fortschritt weitere Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen
machen und wie sich die sowjetischen Programme entwickeln.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang sind wir Zeuge des sowjetischen Versuchs
gewesen, unsere Interkontinentalraketen wirkungsvoll zu treffen. Aufgrund
der sich entwickelnden Technologie treten wir und die Sowjetunion in eine
Periode ein, in der es jedem leichter ist, mit Erfolg die verbunkerten
Systeme des anderen zu treffen, als sein eigenes System so zu sichern, daß
es einen Angriff überlebt. Es ist diese Tatsache, die uns auf bewegliche
Basen für unsere strategischen Raketen bringt, deren erstes Beispiel das
Polaris-Unterseeboot war. Die zunehmende Beweglichkeit der verbunkerten
ICBMs wird weiterhin die Triebfeder der technologischen Entwicklung und
Aufstellung sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Sowjetunion
sein.

Daher müssen unsere Pläne für die zukünftige Überlebensfähigkeit

unserer strategischen Streitkräfte sich erklären aus den Folgerungen, die

- 7 -

�die wir aus den Planungen der sowjetischen Streitkräfte ziehen.
Überlegungen zur Modernisierung unserer Streitkräfte müssen dabei
unsere weitest gespannten Interessen zum Ausdruck bringen.

Wir müssen

Waffensysteme wählen, die für einen beträchtlichen Zeitraum gegenüber den
sowjetischen Angriffen verhältnismäßig unverwundbar sein werden.

Gleich-

zeitig werden künftige Verminderungen der sowjetischen Streitkräfte - also
etwas, das in unserem wechselseitigen Interesse liegt - von uns fordern,
eigene Möglichkeiten der Kräfteexpansion zu haben.

Dies wird den Sowjets

einen Anreiz für beiderseitige Verringerungen durch Verhandlungen geben Verhandlungen, in denen auch wir etwas aufzugeben haben.

Unsere Entwicklung

neuer Systeme muß daher widerspiegeln, wie weitere strategische Rüstungsbegrenzungen sich abspielen können.
Wir erwägen zur Zeit eine Reihe von Möglichkeiten zur Modernisierung
unserer ICBM-Arsenale.

Nach der Größe geordnet, reicht unsere Auswahl

von der Trident II oder der D-5, die die größte Rakete ist, die wir in
unseren neuen Unterseebooten mitführen können, bis zu den größten Raketen,
die wir gemäß SALT II dislozieren können.

Raketen dieser unterschiedlichen

Größe können in einer Reihe von neuen Möglichkeiten aufgestellt werden,
wobei sie außerdem noch als Ersatz für unsere vorhandenen Minuteman oder
Trident I Raketen dienen können.
Jede Option wird unter dem Gesichtspunkt der Kosten und der Wirksamkeit
betrachtet. Aber die Kriterien der Wirksamkeit schließen auch die Wirkung
auf die Begrenzung der strategischen Rüstung ein - denn unsere nationale
Sicherheit im weitesten Sinn hängt von mehr als nur der Zahl der Waffen
ab. Sie hängt auch von weiteren Überlegungen ab, wie etwa die Wirkung
unserer Programmentscheidungen über Waffenkontrolle und strategisches
Gleichgewicht. Unsere Entscheidung für die Dislozierung der MX wird im
Zusammenhang mit unserer Überlebensfähigkeit und mit der Nachprüfung von
SALT II stehen. SALT II hält uns die Entscheidung über die Dislozierung

�Dislozierung beweglicher überlebensfä'higer ICBM-Systeme von der besprochenen
Art offen.

Wir müssen darauf vertrauen, daß wir den Versuch der Sowjets,

unsere Entscheidung für die bewegliche Dislozierung nachzuahmen, mit unseren
Nachrichtensammlungssystemen angemessen kontrollieren können.

Der Schlüssel

zu einem annehmbaren mobilen System ist die Möglichkeit, die Anzahl der
Startrampen zu nennen, ohne genau ihre Aufstellung zu kennen.
Im weiten Sinn fallen die grundlegenden Entscheidungen, die wir jetzt
prüfen, in zwei Kategorien von mobilen Systemen.

Die eine Kategorie umfaßt

die Dislozierung einer Rakete innerhalb einer begrenzten Anzahl von Silos.
Bei einer Version -MPS- kann die Abschußrampe zwischen einer Anzahl von
vertikalen Schutzrä'umen hin- und herbewegt werden;

bei einer anderen

ist sie beschränkt auf einen langen offenen - oder zu öffnenden - Graben
mit einer Reihe von festen horizontalen Schutzräumen;

bei einer dritten

ist sie auf einen langen Tunnel mit einer Reihe von Öffnungen begrenzt,
von wo aus die Rakete abgeschossen werden kann.

Solche Systeme können

gezielt angegriffen werden, da ihr Ort bekannt ist;

jedoch wird die

Anzahl der zu ihrem Angriff notwendigen Gefechtsköpfe durch die Verbunkerung
und durch die Anzahl der Zielstellen hinderlich.
Die andere Kategorie der mobilen Systeme stützt sich weniger auf
die Verbunkerung als auf die Bewegung, um einem Angriff zu entgehen.

Dazu

gehören fliegende Systeme, bei denen eine ICBM in einem kleinen Transportflugzeug mitgeführt wird, wegunabhängige mobile Systeme zur Dislozierung
in den Wüsten des Südwestens oder sogar auf Lastwagenanhänger für Landstraßen.

Jedes System hat seine eigenen Fluchtcharakteristiken und inne-

wohnenden Probleme.

Außerdem gibt es

rasch unter Bunkern bewegen,
teuer.

Mischsysteme mit Rampen, die sich

Keines dieser Systeme ist einfach, alle sind

Mobile Systeme unterliegen breitgestreuten Angriffen oder Sperr-

feuerangriffen, wenn sie sich zu langsam bewegen oder sind zu sehr von
Vorwarnungen abhängig.

Daher könnten wir vielleicht in Zukunft eine

Mischung aus festen Systemen und neuen mobilen unterhalten.
Zusätzlich

�Zusätzlich zu den neuen Raketen und ihren verschiedenen Dislozierungsmöglichkeiten haben wir noch andere Pläne zur Modernisierung der strategischen
Streitkräfte. Einer davon ist ein neues bemanntes Flugzeug, speziell zum
Transport von luftgestützten Marschflugkörpern entwickelt. Diese Geschosse
können auch auf Unterseebooten oder auf Schiffen disloziert werden.
_

Ich glaube, daß wir mit einer sorgfältigen und wohlüberlegten Antwort
auf die neuesten Entwicklungen der sowjetischen strategischen Waffenarsenale
reagieren. Wir haben dem Kongreß eine Anforderung für zusätzliche Mittel
zur Entwicklung der MX im Haushaltjahr 1979 vorgelegt, und wir haben Mittel
im Haushaltjahr 1980 sowohl für die Entwicklung von MX als auch für die
TRIDENT II vorgesehen.
Die Kernthemen überleben und Kenntnis des Kräfteumfangs (d.h.
Verifizierung) sind überaus komplexe Fragen - zusammen mit den Kosten, der
technischen Durchführbarkeit, der militärischen Wirksamkeit und der Frage
nach der Umwelt und der öffentlichen Aufnahmebereitschaft. Ihre Prüfung
durch uns bringt uns jetzt einem Punkt näher, an dem ich in der Lage sein
werde, diese Themen mit dem Präsidenten zu besprechen, um seine Entscheidung
zu bekommen.
Außer unseren strategischen Entwicklungen suchen wir jetzt zusammen
mit unseren NATO-Verbündeten Wege, um unsere nuklearen Gefechtsfeldwaffen
zu modernisieren. Wir erwägen in Europa die mögliche Dislozierung einer
mobilen Rakete mit größerer Reichweite, Pershing II, und landgestützter
Marschflugkörper mit der Fähigkeit, die Sowjetunion zu erreichen. Ich
möchte damit nicht gesagt haben, daß wir ein solches Modernisierungsprogramm
als Ersatz für das Modernisierungsprogramm unserer InterkontinentalraketenStreitmacht betrachten. Es ist jedoch ein wichtiges Attribut, vor allem
für unsere NATO-Partner,und muß auch im Vergleich der amerikanischen
Kapazitäten und der Kapazitäten der NATO mit jenen der Sowjetunion und
des Warschauer Paktes gesehen werden.
Abschließend

�Abschließend möchte ich auf die zentrale Rolle der Marine beim Aufbau
und der Durchführung unserer strategischen Abschreckung hinweisen.

Nach-

einander standen die Polaris-, Poseidon- und jetzt Trident-Strätkräfte im
Mittelpunkt unserer überlebensfähigen Vergeltungskapazität.

Die Bedeutung

des Beitrags der Marine wird auch in absehbarer Zukunft weiterbestehen.
Unsere eigenen Fähigkeiten zur See müssen im Lichte der Fähigkeiten
der sowjetischen Marine bewertet werden, einer Streitmacht, die in den
letzten zwei Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat. Noch
vor zwanzig Jahren - ein kurzer Zeitraum für die Bemessung solcher Dinge war die sowjetische Marine hauptsächlich eine bescheidene Küstenverteidigungsstreitmacht. Heute ist die sowjetische Marine mehr - sehr viel mehr. Auf
einigen Gebieten der Seekriegsführung ist die Sowjetunion sogar der Haupterfinder gewesen und entwirft und baut heute neue Klassen von Kriegs- und
Versorgungsschiffen in einem Tempo, das unserer Beachtung nicht entgehen
darf. Solche Entwicklungen wie die Hubschrauber-Kreuzer der Moskwa-Klasse,
die Flugzeugträger der Kiew-Klasse, die Unterseeboote der Alfa-Klasse und
die Landungsschiffsdocks der Rogow-Klasse sind ein eindrucksvoller Beweis
für die sowjetische Innovation und die Leistungsfähigkeit der sowjetischen
Industrie. Sie können auch - so meine ich - einen Aufschluß über sowjetische
Absichten geben.

Ihre Aufgabe, die Sie mit der derzeitigen zivilen und militärischen
Führung der Marine und des Marinekorps gemeinsam haben, besteht darin,
weiterhin die Vorherrschaft Amerikas zur See angesichts dieser neuen
kühnen Herausforderung auf den Weltmeeren zu gewährleisten.

+ + + + +

- 11 -

�13. Juni 1979

21

ENTSCHEIDUNG ÜBER MX-RAKETE DIENT DER STABILITÄT
- Stellungnahme Brzezinskis -

WASHINGTON - (AD) - Der Berater Präsident Carters für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Zbigniew Brzezinski, erklärte in einem Fernsehinterview,
die Entwicklung der MX-Rakete diene der Stabilität und solle die Überlebensfähigkeit der amerikanischen Abschreckung während der Zeit von SALT II und der
Verhandlungen über SALT III gewährleisten.
Das Weiße Haus hatte am 8. Juni 1979 bekanntgegeben, daß Präsident Carter
die Entwicklung einer neuen Interkontinentalrakete, der sogenannten MX, beschlossen habe.
In der bekannten Sendung "Issues and Answers" (Fragen und Antworten) der
amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC betonte Dr. Brzezinski am 10. Juni,
der SALT Il-Vertrag erlaube nach Ablauf des Protokolls die Dislozierung mobiler
Raketen.

"Die MX", so sagte er, "die in landgestützter, verifizierbarer mobiler

Art disloziert werden wird, wird nicht vor Ablauf des Protokolls disloziert werden.

Was die MX-Rakete angeht, so brauchen die Vereinigten Staaten niemanden

Zustimmung für die Entwicklung der Rakete.

Der Vertrag sieht vor, daß jede

Seite eine weitere Interkontinentalrakete entwickeln kann."
Auf

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Auf eine Frage, ob diese Entscheidung nicht die Sowjets zwingen könne,
eine ähnliche Entwicklung einzuschlagen, erwiderte der Sicherheitsberater:
"Ich glaube, man muß sich darüber im klaren sein, daß es, wenn in der Ära
von SALT II und dann in der Zeit, in der wir über SALT III verhandeln,
Stabilität geben soll, ein echtes Gleichgewicht in der Kapazität, eine echte
Gleichwertigkeit in der Oberlebensfähigkeit geben muß.
Die Sowjets haben in etwa im letzten Jahrzehnt Streitkräfte disloziert,
die in zunehmendem Maße eine der drei Säulen unserer Triade, nämlich die landgestützte Säule, unsere Interkontinentalraketen, gefährdet haben.

Was wir

jetzt zu tun beabsichtigen, ist eine Verstärkung dieser Säule durch eine Modernisierung - indem wir sie weniger verwundbar machen.
Wir hoffen, daß dies die Grundlage erstens für eine größere Stabilität,
zweitens für beiderseitige Verringerungen bilden und schließlich zur Schaffung
einer Situation beitragen wird, die beiden Seiten - uns und den Sowjets - einen
Anreiz bieten wird, von den landgestützten Raketen wegzukommen und auf seegestützte oder luftgestützte Raketen überzugehen.

Wenn wir die jetzige Entschei-

dung nicht getroffen hätten, hätten wir uns eines Tages sozusagen vom Land vertrieben gefunden, und unsere Abschreckung wäre in größere Gefahr geraten.

Es

muß in diesem Verhältnis eine Symmetrie herrschen."
Auf eine Anschlußfrage, ob die MX möglicherweise nur als Faustpfand für
künftige SALT HI-Verhandlungen gedacht sei, erklärte Dr. Brzezinski deutlich:
"Nein. Ich glaube wir müssen erkennen, daß Stabilität, Vertrauen und Abschrekkung in zunehmendem Maße auf zwei Stützen ruhen: der Rüstungskontrolle und
strategischen Kapazität, die jede Seite besitzt.
In dem Maße, in dem sich die Rüstungskontrolle ausweitet, können wir anfangen, unsere strategischen Streitkräfte abzubauen, aber bis die Rüstungskontrolle allumfassend geworden ist, muß man alle Maßnahmen treffen, die notwendig sind, um eine ausreichend moderne Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Wir

�Wir haben seit den sechziger Jahren keine strategischen Entscheidungen
bezüglich neuer Waffen mehr getroffen.

Unsere Raketen vom Typ MINUTEMAN III

wurden in den sechziger Jahren disloziert.

Die Sowjetunion hat immer neuere

Waffen, strategische Waffen, disloziert und tut das heute noch.

Wir müssen

ein Gleichgewicht schaffen und eine Gleichwertigkeit für die Stabilität, und
wenn wir die Stabilität erreicht haben, dann können wir zügiger mit einer
weitergefaßten Rüstungskontrolle fortfahren."

Als einer der Korrespondenten die gezielte Frage stellte:

"Ist es mög-

lich, daß wir vor der Dislozierung der MX mit den Sowjets eine Vereinbarung
haben könnten, durch die sie einige ihrer bedrohenderen Raketen abschaffen
würden und wir die Dislozierung der MX nicht abschließen würden?"
Dr. Brzezinski:

erwiderte

"Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, was für Verhältnisse

in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre herrschen werden.

Das SALT II-Ab-

kommen, vor dessen Abschluß wir stehen, wird bis 1985 gelten.

Ich kann mir

wirklich nicht vorstellen, wie die Verhältnisse in der zweiten Hälfte der
achtziger Jahre aussehen werden, aber ich kann ohne Zweifel sagen, daß wir,
wenn wir keine ausreichenden Maßnahmen auf strategischem Gebiet treffen, wir
die Gleichwertigkeit nicht aufrechterhalten und nicht in der Lage sein werden,
wirksam über SALT zu verhandeln."

Das Weiße Haus hat zu der Entscheidung Präsident Carters, die MX-Rakete
zu entwickeln, eine Erläuterung herausgegeben, die folgende wesentliche Punkte
enthält:

Präsident Carter hat sich zu folgendem Kurs entschlossen:
Wir werden auch weiterhin die bewährte Politik verfolgen, eine Triade
überlebensfähiger strategischer Waffenkomponenten zu unterhalten:

- Interkontinentalraketen
- unterseebootgestützte Raketen
- schwere Bomber.
Zu
- 3 -

�Zu diesem Zweck werden wir eine neue Interkontinentalrakete auf mobiler
Basis dislozieren, die Liberiebensfähig und verifizierbar ist.

Die neue Inter-

kontinentalrakete wird die voll einsatzfähige MX sein, die im Rahmen von
SALT II erlaubt ist und die jeder nur möglichen sowjetischen Rakete gleichwertig ist.
.

Die endgültigen Charakteristika des Dislozierungssystems werden in den
kommenden Monaten ausgearbeitet, wobei die Kosten, Sicherheits- und Umweltsüberlegungen sowie die Notwendigkeit der entsprechenden Verifizierbarkeit in
Betracht gezogen werden.
Unser Land braucht eine überlebensfähige, landgestützte ICBM-Streitkraft.
Kein anderes System bietet die gleiche Kombination von rascher und zuverlässiger Leitung und Kontrolle, sowie Flexibilität in allen nur möglichen Umständen
einer Bedrohung der Bevölkerung durch einen Atomkrieg.

Alle unsere Abschrek-

kungskräfte, wie Unterseeboote und Bomber, werden sicherer sein, wenn wir über
lebensfähige Interkontinentalraketen besitzen.
Diese Entscheidung wird die Chancen für einschneidende Verringerungen
und Kontrollen durch SALT III erhöhen:
Erstens stabilisiert sie das strategische Gleichgewicht; ohne ein solches
wären keine ernsthaften Verhandlungen möglich.
Zweitens bedeutet sie, daß es keinen sowjetischen Vorteil in einem Wettrüsten geben kann.
Drittens können wir eine deutliche Verringerung der strategischen Kräfte
ohne Verlust an Sicherheit in Erwägung ziehen, indem wir die Überlebensfähigkeit durch Mobilität verbunden mit Verbunkerung betonen.
Viertens kann der Umfang dieser Dislozierung schließlich dem Fortschritt
angepaßt werden, den wir im Verlauf von SALT erzielen werden.
Das
- 4 -

�Das Waffensystem, das wir erwägen, wird ähnliche Kosten verursachen wie
unser ursprü'ngl iches MINUTEMAN-I-Programm Mitte der sechziger Jahre.

Im Jahr-

zehnt seiner Entwicklung und Dislozierung können seine Kosten im Rahmen eines
ausgeglichenen Haushalts untergebracht werden, ohne größeren Einfluß auf andere geplante Programme sowohl im Bereich der Verteidigung als auch außerhalb
zu haben.

Wir glauben, daß dieses Programm zu vereinbaren ist mit jüngsten

Überlegungen des Kongresses zum Problem der Verletzbarkeit der MINUTEMAN.
Es wird Konsultationen hinsichtlich Umwelt- und Nutzungsfragen mit den
Regierungen der Einzelstaaten geben, in denen die Systeme disloziert werden.

- 5 -

�21

13. Juni 1979

US-STUDIE:

SELBSTVERSORGUNG IM ENERGIEBEREICH MÖGLICH

WASHINGTON - (AD)- Die Vereinigten Staaten können "ein hohes Maß
an Selbstversorgung im Energiebereich" erzielen, Voraussetzung dafür ist
nach Expertenmeinung jedoch die Bereitschaft der Amerikaner, die Risiken
einzugehen, die mit der stärkeren Verwendung von Kohle und Kernenergie
einhergehen.
Das ist das wichtigste Ergebnis einer Studie, die am 4 Juni 1979
von der in Washington ansässigen Forschungsorganisation "Resources for
the Future" veröffentlicht wurde. Im Laufe des Jahres soll sie auch in
Buchform erscheinen.
Die Studie schätzt, daß der amerikanische Energieverbrauch im Jahr
2000 ungefähr 115 "quads" betragen wird, wenn das Wirtschaftswachstum mit
den gegewärtigen Schätzungen übereinstimmt.

Dabei ist ein "quad" ungefähr

die Energie, die freigesetzt wird, wenn ein Jahr lang jeden Tag 500 000
Barrel öl (1 Barrel = 159 1) verbrannt werden.
In der Studie heißt es weiter:

"Dies setzt eine durchschnittliche

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�durchschnittliche Jahresrate des Zuwachses an Energieverbrauch von 1,8
Prozent voraus - verglichen mit einem Zuwachs des Bruttosozialproduktes
von jährlich 3,2 Prozent.

Mit anderen Worten gehen wir davon aus, daß

die Wirtschaft insgesamt schneller wächst als der Energieverbrauch."
Ohne die jüngsten Preiserhöhungen im Energiebereich und entsprechende
Einsparungsmaßnahmen könnte der Energiekonsum im Jahr 2000 der Studie zufolge noch 20 quads höher sein:

insgesamt 135 quads.

Die 20 eingesparten

quads entsprechen immerhin der gesamten Erdgasmenge, die in den Vereinigten
Staaten 1976 verbraucht wurde bzw. ein bis eineinhalbmal so viel wie in
diesem Jahr Kohle verbraucht wurde.
Hinsichtlich der zukünftigen Energieversorgung und -kosten heißt es
in der Studie:
"Unseren Ergebnissen zufolge wird es kurzfristig zu Produktionsschwierigkeiten im Erdöl- und -gasbereich kommen, aber unsere gesamten
amerikanischen Brennstoffvorräte sind, über einen längeren Zeitraum gesehen,
ausreichend, um größere Engpässe zu vermeiden. Es gibt jedoch Einschränkungen:
Zwar bieten uns die Kohle- und Uranvorkommen zusammen diese Sicherheit.
Aber nur für den Fall, daß wir die Technologien entwickeln, die
(a) die Verflüssigung und Vergasung von Kohle ermöglichen, und
(b) weitaus mehr verwertbare Energie aus dem Uran gewinnen als mit
unserer gegenwärtigen Nukleartechnologie."
Die Studie sagt weiter, daß verflüssigte Kohle und Ölschiefer etwa
doppelt so teuer sind wie Erdöl und Erdgas - zu Preisen des Jahres 1978.
Jedoch könnten diese geschätzten Kosten teilweise durch verbesserten Energieverbrauch gesenkt werden - dadurch etwa, daß man den Benzinverbrauch der
amerikanischen Autos einschränkt (von 14 Meilen pro Gallone im Jahr 1976

�1976 auf 28 im Jahr 2000).
Dem Bericht zufolge ist Kernbrennstoff billiger als Kohle, besonders
dort, wo die Kohle über große Entfernungen transportiert werden muß.
Allerdings wurde die Sonnenenergie gegenüber Kohle oder Kernenergie nicht
als wettbewerbsfähig angesehen, obwohl sie im Gegensatz zu den beiden
anderen Umweltvorteile hat.
Die Autoren der Studie sind der Meinung, daß keine deutliche Verschlechterung der Umwelt, der menschlichen Gesundheit und der Sicherheit
auftreten muß, solange eine vernünftige Energie- und Umweltplanung betrieben wird.
Jedoch weisen sie darauf hin, daß "alle nur möglichen Anstrengungen
unternommen werden müssen, um die Gefahr von Katastrophen, vor allem auf
dem Gebiet der Kernenergie, so gering wie möglich zu halten. Dazu brauchen
wir zweierlei: einmal technische Verbesserungen, die die Möglichkeit eines
Betriebsschadens vermindern und zum andern institutionelle Neuerungen, die
die Technologie mit zusätzlichen Vorkehrungen umgeben, sodaß menschliche
Böswilligkeit ebenso wie Unglücksfälle vereitelt werden können. Bei der
Einleitung wirkungsvoller Schritte darf es keine Verzögerungen mehr geben,
vor allem, wenn es sich um Kernenergie handelt."
Die Vereinigten Staaten werden ihre Energieprobleme nur dann lösen
können, wenn ein politischer Kompromiß gefunden werden kann zwischen denjenigen, die aus "expansionistischer" Sicht eine Erhöhung des Energieangebots fordern, um die wachsende Nachfrage zu decken und den Vertretern eines
"beschränkten" Standpunktes, die Umweltwerte und eine Verminderung der
Energienachfrage fordern.
"Übereinstimmung hinsichtlich der Ziele ist wesentlich - nicht nur,
um Initiativen für langfristige Forderungen ergreifen zu können, sondern auch,

- 3 -

�auch, um mit kurzfristigen Problemen fertigzuwerden.

Nur realistische

Langzeitziele, die die Möglichkeiten des Landes im Energiebereich darlegen
und gleichzeitig die Mittel aufzeigen, um dieses Ziel zu erreichen, können
das unangenehme Gefühl zerstreuen, daß dieses Land nichts anderes mehr tun
kann, als passiv auf Entwicklungen zu reagieren, die sich in anderen Teilen
der Welt zutragen und über die keine Kontrolle mehr möglich ist."
Um diese Selbstversorgung zu erreichen, setzt man in den Vereinigten
Staaten nicht zuletzt auf Erdgas - wie aus einem Bericht des Vorsitzenden
der "American Gas Association" hervorgeht.
Um mehr als 14 Prozent sind danach die Investitionen für neue Bohrungen
gegenüber dem Vorjahr angestiegen - und allein in Texas wurde etwa 40 Prozent
mehr Erdgas entdeckt als 1978. Die Gründe dafür werden einmal in der Zustimmung des Kongresses zum "National Gas Act" gesehen, zum anderen auch
in dem kürzlich von Präsident Carter angekündigten Neuen Energieplan.
Schließlich zeigte sich sogar das Amt für Umweltschutz aufgeschlossen:

Erd-

gas kann mit stark schwefelhaltigem ül gemischt werden und bringt so den
Schwefelgehalt auf ein umweltfreundliches Niveau.
Die Möglichkeiten für Erdgas, diese größte einheimische Energiequelle,
die nach heutigen Verbrauchsraten auch noch in 35 bis 40 Jahren den Bedarf
decken wird, sind vielfältig. So fahren schon jetzt über 3000 amerikanische
Autos mit komprimiertem Erdgas. Außerdem kann es zur Ergänzung von Kohle
in bestimmten Gegenden und Perioden dienen, wenn der Verschmutzungspegel hoch
ist.
Eingeführtes Flüssiggas - ein Vertrag mit Indonesien steht kurz vor dem
Abschluß-hat, den Worten des Präsidenten der Gesellschaft nach, dabei noch
den zusätzlichen Vorteil, sich günstiger als öl auf die Zahlungsbilanz auszuwirken und bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze in Amerika behilflich zu
sein.
+ + + + +

�21

13. Juni 1979

LETZTE MANÖVER MIT SKYLAB GEPLANT
- Absturz Mitte Juli erwartet -

- (AD) - Nach den neuesten Berechnungen des Nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos (NORAD), das die z. Zt. mehr als 4500 Objekte in Erdumlaufbahnen überwacht, ist zwischen dem 4. und 28. Juli 1979 mit dem Absturz
der amerikanischen Raumstation SKYLAB zu rechnen: Die Chancen stunden 50
zu 50, daß dies um den 16. Juli geschehe. Einer Verlautbarung der amerikanischen Weltraumbehörde NASA vom 1. Juni zufolge ist in nächster Zeit ein
Manöver geplant, das das ehemalige "Himmelslabor" in eine Drall-Ausgleichsposition bringt. Der ca. 80 Tonnen schwere Flugkörper wird dadurch statisch
stabil, ist aber dynamisch instabil. Auf diese Weise sollen die immer stärker
auf den Satelliten wirkenden aerodynamischen Kräfte ausbalanciert werden, so
daß die Bordsysteme trotz nachlassender Leistung die Flugstabilität noch gewährleisten. Auf die Funkbefehle von der Erde reagieren sie nach wie vor,
und Treibstoff für die Lageregelungsdüsen ist ausreichend vorhanden.
Dem Johnson-Raumflugzentrum in Houston (Texas), das für die SKYLABFlugkontrolle verantwortlich ist, wird dadurch die Kontrolle über den Satelliten
bis zur letzten Flugphase möglich.

Daß diese Phase schon jetzt anstatt erst

Anfang der achtziger Jahre, wie zur Zeit des Starts im Mai 1973 errechnet,

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�errechnet, bevorsteht, hängt mit der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität
Mitte der siebziger Jahre zusammen.

Die Erdatmosphäre blähte sich stärker

auf, als es normalerweise der Fall gewesen wäre.

Das hatte u.a. zur Folge,

daß die Dichte der Luftmoleküle in der Umlaufbahn des auf 435 km Höhe eingeschossenen SKYLAB groß genug wurde, um es stärker als vorausberechnet abzubremsen.
Sicherheitshalber hatte zwar die NASA den Satelliten nach der Rückkehr
der letzten der drei amerikanischen Astronauten-Mannschaften im Februar 1974
auf 450 km Flughöhe angehoben, um die Möglichkeit für seine Verwendbarkeit
im Zusammenhang mit späteren Raumtransporterflüge offenzuhalten.

Aber nicht

vorausberechenbare Kräfte der Natur führten eine besondere Regie. Wohl war
es Mitte 1978 gelungen, die Funkverbindung mit SKYLAB und die Kontrolle bzw.
die Funktionen der wichtigsten Bordsysteme wieder voll herzustellen.

Aber

im Dezember 1978 mußte, sowohl wegen der Sinkgeschwindigkeit von SKYLAB als
auch wegen Verzögerungen im Raumtransporterprogramm, der Plan aufgegeben
werden, in einem Rendezvous mit der Raumstation ein Triebwerk an ihr anzubringen, das leistungsfähig genug gewesen wäre, um sie entweder in eine höhere
Umlaufbahn zu transportieren oder über einem ausreichend großen Meeresgebiet
gezielt zum Absturz zu bringen.
Am 7. Juni 1979 befand sich SKYLAB laut NORAD in 270 km Höhe. Pro Tag
sinkt es derzeit etwa 1000 m tiefer auf seiner Erdumlaufbahn, die über die Gebiete zwischen dem 50. Grad nördlicher und südlicher Breite und somit zu 75
Prozent über Wasser führt. Je weiter der Satellit in die Lufthülle eindringt,
desto stärker machen sich die atmosphärischen Kräfte bemerkbar. In Höhen
unterhalb 180 km, insbesondere um 145 km, beginnt die Situation kritisch zu
werden. NASA-Experten haben, um die Station dennoch unter Kontrolle halten
zu können, Steuerungsverfahren ausgearbeitet, durch die der Luftwiderstand
am SKYLAB spezieller Lageveränderungen des Satelliten "moduliert" wird.
Dieser Konzeption zufolge soll, wie NASA-Chef Robert A. Frosch vor einem
Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses ausführte, SKYLAB bis zu

�zu dem Zeitpunkt, wo ihm noch eine Frist von 24 Stunden bis zum Ende gegeben
wird, in einer Position mit hohem Widerstand ("high-drag attitude") gehalten
werden.

(Für die Berechnung der Absturzzeit auf der genannten 24-Stunden-

Basis und damit auch des betroffenen Gebiets ist eine Abweichung bis zu zehn
Stunden, d.h. bis zu sieben Erdumkreisungen, einzukalkulieren.)

Dann sei

ungefähr absehbar, ob die letzten Orbits so liegen, daß Trümmerreste ins Meer
fallen oder aber vermutlich über Landgebieten niedergehen werden.

Erschienen

dichter besiedelte Landgebiete gefährdet, bestünde jetzt die Möglichkeit, den
Satelliten in eine Position mit niedrigem Luftwiderstand ("long-drag attitude")
zu bringen, könne der Absturz um vier Stunden hinausgezögert werden.

Und in

dieser Zeit hätte sich die Erde unter dem sie umkreisenden Satelliten so weitergedreht, daß besiedelte Gebiete aus der Gefahrenzone heraus seien.

Das Risiko, daß überhaupt ein Mensch irgendwo auf der Erde durch SKYLABTrümmer Schaden erleiden könnte, beträgt nach statistischen Berechnungen 1:152.
Das bedeute, wie Dr. Frosch erklärte, daß mit einem einzigen Schadenfall unter
4,22 Milliarden Menschen zu rechnen wäre, wenn 152 SKYLABs zurückkehrten. Anders ausgedrückt:

Das persönliche Risiko liege bei 1:600 Milliarden - im Ver-

gleich dazu das Risiko eines amerikanischen Bürgers im Verlauf eines Jahres,
bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, bei 1:5000.

Wie jeder Satellit wird auch SKYLAB beim Eintritt in die dichte Atmosphäre
durch den Widerstand und die Reibungshitze der Luft aufbrechen.

Der größere

Anteil des Materials verbrennt bereits in Höhen zwischen 105 und 70 km. Schätzungsweise 18 000 bis 22 500 kg der Gesamtmasse können jedoch in Form von
400 - 500 nur teilweise abgebrannten Trümmern zur Erdoberfläche gelangen. Es
ist nicht möglich, den ca. 6500 km langen und 165 km breiten Absturzkorridor
für die Bruchstücke exakt vorauszusagen.

Den Analysen der NASA zufolge ist zu

erwarten, daß mehr als die Hälfte der Trümmer weniger als 4,5 kg, 38 mehr als
113 kg und 10 mehr als 450 kg wiegen.

Die beiden mit Abstand größten Teile,

denen der Aufbrechvorgang in der Atmosphäre möglicherweise auch nicht viel anhaben kann, sind die 1,8 Tonnen schwere Kammer, in der die Filme aufbewahrt
wurden, und die 2,25 Tonnen schwere Luftschleuse.

- 3-

...

�Wie Dr. Frosch vor dem Kongreßausschuß erklärte, könne

erwartet werden,

daß alle Trümmer nahezu senkrecht mit Geschwindigkeiten zwischen 14 und 115 m
pro Sekunde die Erde erreichen.

Mit Stoßwellen von zerstörender Kraft oder

"Kratern" werde nicht gerechnet.

Die Mehrzahl der Trümmer werde vermutlich

auf einer 1900 km langen Strecke niedergehen.

Die mehr als 113 kg schweren

Teile dürften sich auf ein 965 km langes Gebiet an der Stirnseite des "Korridors" konzentrieren; allerdings seien erhebliche Abweichungen von dieser Verteilung möglich.

Aber selbst dort, wo die "Konzentration" am größten sei, sei

mit nicht mehr als drei Trümmern innerhalb einer Fläche von 260 qkm zu rechnen.
Der Leiter der NASA betonte - und darauf war bereits in einer NASA-Presseverlautbarung verwiesen worden -, daß die Rückkehrverzögerung durch Widerstandsmodulation nur beabsichtigt sei, wenn bei dem natürlichen Ablauf der Ereignisse mit einer Gefährdung bestimmter Gebiete gerechnet werden müsse und
wenn feststehe, daß ein Manöver das Risiko nicht erhöhe.

Für den Fall, daß

SKYLAB in der allerletzten Phase von sich aus in eine Position mit niedrigem
Widerstand falle und die Vorausberechnung der dadurch zu erwartenden Bahn Gefährt für dicht besiedelte Gebiete signalisiere, werde umgekehrt durch einen
Funkbefehl die Position zum hohen Luftwiderstand hin "moduliert".

Dadurch

würde im Interesse der Sicherheit solcher Gebiete der Absturz vorverlegt.
übrigens kehrten bis Anfang Mai 1979 - kaum oder überhaupt nicht bemerkt bereits 1711 amerikanische und 4110 sowjetische Raumflugkörper - Teile von
Trägerraketen und Satelliten - zur Erde zurück. Eine Ausnahme bildete lediglich der sowjetische Satellit Kosmos 954, der im Januar 1978 mit radioaktivem
Material im Nordwesten Kanadas niederging. NORAD-Sprecher berichten, daß
jeden Tag einige Raketenteile oder Satelliten wieder in die dichte Atmosphäre
eintreten - in der Zeit von 1974 bis 1978 kamen insgesamt 2594 Objekte zurück.
Bei 1957 von ihnen wahr die Wahrscheinlichkeit gleich Null, daß Trümmer bis
zur Erde gelangen würden. Andererseits wurde bei 627 Objekten (ca. 25 Prozent)
erwartet, daß sie die Rückkehr "überleben".
Eine

- 4 -

�Eine Anzahl amerikanischer Behörden haben Vorsorgemaßnahmen im Zusammenhang mit der SKYLAB-Rückkehr in die Wege geleitet. Das US-Außenministerium
steht über die amerikanischen Botschaften im Bereich des Orbit-Gürtels mit
den Regierungen der betreffenden Länder in Verbindung, die laufend über.den
neuesten Stand der Erkenntnisse informiert werden. Sollten sich materielle
oder gesundheitliche Schäden durch SKYLAB ergeben, leisten die Vereinigten
Staaten Hilfe, sofern diese angefordert wird. Nach internationalem Recht ist,
wie ein hoher Beamter des amerikanischen Außenministeriums erklärte, der Staat,
der einen Raumflugkörper gestartet hat, voll haftbar, für jegliche Schäden,
die einer seiner Raumflugkörper verursacht, Entschädigung zy leisten.

- 5 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Juni 1979

21

BLUMENTHAL ZUR WELTWIRTSCHAFTSPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister, W. Michael
Blumenthal, gab am 22. Mai 1979 vor dem Unterausschuß für Internationale
Wirtschaftspolitik des Außenpolitischen Ausschusses des Senats einen
Überblick über die Weltwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten. Nachfolgend die Abschnitte "Die gegenwärtigen Aussichten", "Internationale
Währungsfragen" und "Das bevorstehende Gipfeltreffen".

Die gegenwärtigen Aussichten
Alle unsere Handelspartner haben gegenwärtig die einen oder anderen
Schwierigkeiten, um mit der komplexen wirtschaftlichen Lage fertig zu
werden, in der sich die Welt befindet. Unsere Verhandlungen beim Gipfeltreffen, bei der OECD, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und auch
sonst lassen deutlich werden, daß bis zu einem gewissen Grad alle führenden
Industriestaaten ähnliche Probleme haben.
Lassen

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�Lassen Sie sie mich kurz ansprechen.
Das wichtigste gemeinsame Problem ist die Inflation.

Während der

ersten zwanzig Jahre nach dem Krieg betrug die Inflation in den Vereinigten
Staaten durchschnittlich nur 1,6 Prozent.

In den siebziger Jahren ist die

durchschnittliche Inflationsrate auf nahezu sieben Prozent gestiegen und
ist mindestens zweimal sogar mehr als zweistellig geworden.

Was die

anderen Industrieländer als Gruppe anbelangt, so betrug die Inflationsrate
in den sechziger Jahren im Durchschnitt 4,2 Prozent und in den siebziger
Jahren über 9 Prozent.
Das Problem liegt darin, daß das allgemeine Inflationsniveau auf
einen gefährlichen Punkt angestiegen ist. Die Wirkungen der ölschocks
in den Jahren 1973 bis 1974 waren eindeutig größer und langanhaltender als
frühe Schätzungen vermuten ließen.

In steigendem Maß beginnen wir den

Preis für unzureichende Produktivität und zögernde Kapitalbildung zu bezahlen:

nicht nur hier in den Vereinigten Staaten, sondern auch anderswo.

Der Beweis dafür ist unsere gegewärtige missliche Lage: Viel eher als
erwartet werden in einer Reihe von Ländern Grenzen der Leistungsfähigkeit
erreicht, selbst wenn eindeutige Maßstäbe, wie etwa die Arbeitslosenzahlen,
einen Kapazitätsüberhang signalisieren. In Japan und Italien zum Beispiel
kann die Automobilindustrie nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten.
In Kanada müht sich die Holzfaser-, die Textil- und die Stahlindustrie ab;
in den Vereinigten Staaten spüren die Aluminiumindustrie und die chemische
Industrie den Druck der Kapazitätsbegrenzung.
Vor diesem Hintergrund ist die kurzfristige Aussicht, was die Inflation
anbetrifft, getrübt. Die kürzlich von der Organisation der erdölfördernden
Länder (OPEC) durchgesetzten Preiserhöhungen werden wehtun. Allein seit
Januar haben die OPEC-Länder ihre Preise um 20 Prozent erhöht, über den
Daumen gepeilt rechnen wir, daß 10 Prozent Preiserhöhungen durch die OPEC

- 2 -

�OPEC zu einer Erhöhung des Verbraucherpreis-Index von 0,3 - 0,4 Prozent
bei amerikanischen Produkten führen.

Länder, die noch stärker von ülein-

fuhren anhängen, leiden noch mehr darunter.

Zu diesem Hauptärgernis kommt

noch ein sichtbarer Anstieg bei ausgewählten Rohstoffpreisen und steigende
Lohnforderungen in allen OECD-Ländern.

Die Basis ist nun, daß das amerikanische

Finanzministerium im Jahr 1979 von einem Inflationsanstieg im OECD-Raum ausgeht, der noch um 1,5 Prozent über den 6,9 Prozent des Jahres 1978 liegt.

Bedenken gibt es auch bei den Aussichten auf dem Gebiet der weltweiten
Zahlungsbilanz.

Im Lauf des Jahres 1979 wird sich ihr gegenwärtiges Un-

gleichgewicht im ganzen noch deutlich verschlechtern.

Durch wesentlich

höhere OPEC-Exportgewinne und durch Kürzunq von Ausgaben wird der OPECÜberschuß wahrscheinlich auf ein 25 bis 30 Milliarden-Dollar-Niveau ansteigen, nachdem er während der zweiten Hälfte des letzten Jahres so gut
wie verschwunden war.

Dieser scharfe Anstieg im Jahr 1979 wird sich in

einem Rückfall der OECD-Länder ins Defizit widerspiegeln, wobei ihre Gesamtzahlungsbilanz von einem 5,5-Milliarden-überschuß im Jahr 1978 auf ein
Defizit von 10 oder mehr Milliarden Dollar zurückgeht.

Bei den Entwicklungs-

ländern ohne eigene Ölvorkommen wird mit einem um 5 Milliarden höheren
Defizit gerechnet, wobei ihr Gesamtdefizit (ausgenommen offizielle Transfers)
zum ersten Mal seit 1975 30 Milliarden Dollar übersteigen könnte.

Dieser

Umschwung in der Zahlungsbilanz wird bei einigen Ländern zu finanziellem
Druck führen.

Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, anzumerken, daß es eine deutliche
Verbesserung im Verhältnis der verschiedenen Zahlungsbilanzen innerhalb
des OECD-Gebiets zueinander geben sollte, was von der Tendenz her Stabilität
in einer ansonsten sehr schwierigen Lage mit sich bringen würde.

Die

Oberschüsse von Japan, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz
werden abnehmen.

Ihre Oberschüsse zusammengenommen werden zwar weiter sehr

hoch sein - vielleicht mehr als 15 Milliarden Dollar -, aber erträglicher
als die 30 Milliarden Dollar des Jahres 1978. Am anderen Ende des Spektrums

- 3 -

�Spektrums dürfte das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit deutlich geringer
als das letztjährige 16-Milliarden-Dollar Defizit sein.
Diese Verbesserung der Zahlungsbilanzverhältnisse zwischen den
wichtigsten Ländern ist mehr als bloßer Zufall.

Eine solche Verbesserung

ist das Hauptziel unserer Anstrengungen bei früheren Gipfeltreffen, beim
IWF und in der OECD, sowie bei unseren bilateralen Gesprächen mit den
betroffenen Ländern gewesen.

Wir haben besonders mit Japan zusammenge-

arbeitet, um Wege zur Verringerung des großen japanischen Zahlungsbilanzüberschusses zu finden - sowohl weltweit als auch bilateral mit den
Vereinigten Staaten - und um den Druck aufzuheben, der von dieser Quelle
auf das System ausgeht.

Diese verschiedenen Anstrengungen bringen uns nun

willkommene Ergebnisse.

Aber sie müssen auch weiterhin ununterbrochen auf-

rechterhalten werden.
Diese zwei Beispiele machen deutlich, daß die wirtschaftliche Gesundheit
der Industrieländer - und im weiteren Sinne auch der Entwicklungsländer durch die Machtkonzentration bei der OPEC in Gefahr gerät. Realistisch
betrachtet gibt es nur geringe Möglichkeiten, diese unangenehme Lage zu
verbessern, solange der Verbrauch in den Industrieländern so hoch und die
Produktion so niedrig ist. Zu diesem Zweck hat der Präsident die Preisbindungen für einheimisches Rohöl aufgehoben. Dieser mutige Schritt des
Präsidenten wird von allen OPEC-Ländern unterstützt. Er wird Anreiz bieten
zu einer drastischen Produktionsausweitung, um auf diese Weise Erleichterungen
auf dem Weltölmarkt zu ermöglichen. Und er wird zum Wohl aller Länder
zum Obergang auf andere Energiequellen ermutigen.
Ein zweiter Schritt, der unternommen wurde, ist die Aufforderung .
der Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA), den Ölverbrauch
im 4. Quartal dieses Jahre um 5 Prozent oder 2 Millionen Barrel pro Tag
unter die Marke zu senken, die ursprünglich vor den Preismaßnahmen des
Jahres 1979 erwartet wurde.

�Die IEA untersucht auch die Möglichkeiten für eine zunehmende Verwendung von Kohle als Ersatz für Erdöl.

Dies und die 5 Prozent-Forderung

werden heute in Paris auf Ministerebene diskutiert.
Die Themen Energie und OPEC werden auch weiterhin in den internationalen Wirtschaftsforen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen,
einschließlich des Tokio-Gipfels, in dessen Verlauf wir hoffen, daß die
Diskussion sich auf zusätzliche Wege zur Erweiterung aller Arten von Energieproduktion und auf neue Möglichkeiten der weiteren Einschränkungen des
Verbrauchs konzentrieren wird.

Internationale Währungsfragen
Die Veränderungen im Bereich der Energie, der Inflation und der
Zahlungsbilanz der jeweiligen Länder finden ihren Widerhall auf den
internationalen Devisenmärkten. Wie immer so auch heute ist die internationale Zusammenarbeit im Währungsbereich der Schlüssel zur Regulierung
der Veränderungen und Zwänge, die sich in der Weltwirtschaft entwickeln.
Voriges Jahr zum Beispiel fiel der Dollar auf den Devisenmärkten so
schnell, daß Angst und Spekulation um sich griffen und die Stabilität
des System insgesamt gefährdeten. Eine Reihe energischer binnenwirtschaftlicher Maßnahmen unserer eigenen Regierung, verbunden mit einem
koordinierten Programm von Eingriffen auf dem Devisenmarkt durch die
Vereinigten Staaten und die Zentralbanken der Bundesrepublik Deutschland,
der Schweiz und Japans veränderten die Lage.
Gegenwärtig ist der Dollar wieder stark. Und der Devisenmakrt ist
besser ausgewogen. Der einzige störende Faktor auf diesem Markt war in
den letzten Wochen eine plötzliche unberechenbare Schwäche des japanischen
Yen, die in erster Linie eine Empfindlichkeit der japanischen Energieab-

- 5 -

�Energieabhängigkeit gegenüber ausdrückte.
In bezug auf das System als solches war das internationale Währungssystem im Lauf der letzten zwei Jahre Zielscheibe vieler Kritik.

Doch bieten

heute die verbesserten Bedingungen auf dem Devisenmarkt und die Aussicht
auf ausgeglichenere Zahlungsbilanzen zwischen den wichtigsten Industrieländern die Möglichkeit, solche Maßnahmen zu überlegen, die die Entwicklung
des Systems stärken und lenken könnten.
Im internationalen Währungssystem gibt es zwei zusammenhängende Bereiche,
die Anlaß zum Nachdenken bieten:

der Eurodollarmarkt und der sogenannte

"Dollarüberhang".
Der ursprüngliche Anstoß zum raschen Wachstum des Eurodollar-Marktes
kam dadurch, daß die Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren Kapitalkontrollen einführten. Die Wettbewerbsvorteile des Marktes, zusammen mit
der Notwendigkeit, die großen Zahlungsbilanzdefizite zu finanzieren, die
unmittelbar als Folge der UlPreiserhöhungen auftauchten, haben es ihm ermöglicht, sogar nach der Beseitigung unserer Kontrollen zu gedeihen.
Schätzungen über die Größe der Eurodollarmärkte im Jahr 1978 bewegen sich
zwischen 600 und 800 Milliarden Dollar.
•

Die meisten Beobachter schätzen die überaus nützliche und wirkungsvolle
Rolle, die der Euromarkt spielt, indem er Mittel von Überschuß- in Defizitländer leitet und dadurch der Welt hilft, eine ernsthafte Deflation und
direkte Handels- und Zahlungsrestriktionen zu vermeiden. Es hat aber
auch ernsthafte Debatten darüber gegeben, ob die Ausdehnung des Eurodollarmarktes bereits übertrieben ist - oder es werden könnte - und ob die
Einschränkungen einiger seiner Vorteile gegenüber den Inlandsmärkten nicht
zu empfehlen sei.
Kurz gesagt, liegt das Problem mit den Eurodollarmärkten darin, daß

�daß sie nicht im gleichen Maß den Kontrollen unterliegen wie die einheimischen
Geldmärkte.

Kritiker betrachten sie als eine unkontrollierte Quelle der

Kreditausweitung.

Dies kompliziert angeblich die Währungspolitik und die

antiinflationären Maßnahmen.
Es ist nicht klar, ob der Euromarkt ein Mittel exzessiver Kreditbildung
darstellt, das die weltweite Inflation verschlimmert oder im wesentlichen
ein hochwirksamer vermittelnder Verteilungsfonds von Kreditgebern für
Darlehensnehmer ist. Sicher floß ein großer Teil der jüngsten internationalen
Darlehen über den Euromarkt. Aber trotz seines Anwachsens stellt sein
Kreditvolumen im Endeffekt doch nur einen Bruchteil der auf den einheimischen
Geldmärkten erstellten Gesamtfonds dar; im Fall der Dollarkredite etwa
15 Prozent im Verlauf des Zeitraums von 1974-1978. Trotzdem handelt es sich
um einen wachsenden Anteil und sein Verhältnis zu nationalen und internationalen Geld- und Kreditbewegungen benötigt sicherlich sorgfältige Bewertung.
Bundesbankpräsident Miller und der Staatssekretär Solomon haben mit
ihren ausländischen Kollegen eine sorgfältige Bewertung dieses Marktes vorgenommen. Dabei konzentrierte sich die Diskussion darauf, ob zusätzliche
Maßnahmen nötig seien, um sicherzustellen, daß die Euromärkte nicht zu
einer Untergrabung der nationalen Geld- und Kreditpolitik führen. Es
scheint, daß zumindest allgemeine Übereinstimmung darüber herrscht, die
Aufsichtstechniken zu verstärken. Die Währungsaufsicht hat eine Reihe von
Schritten zur Verbesserung des Überblicks über die Darlehensgewohnheiten
der amerikanischen Bankfilialen im Ausland unternommen, einschließlich der
Einführung eines umfassenden Systems, das Berichte über ihre Tätigkeiten
fordert. Ähnliche Schritte werden von den anderen erwogen. Und eine
Vielfalt zusätzlicher Maßnahmen - einschließlich der Einführung einer
gesetzlichen Mindestreserve von Einlagen in europäischen Währungen - werden
ebenfalls erwogen. Das ist ein Bereich, der in nächster Zeit sorgfältige
Aufmerksamkeit verdient.
Hinsichtlich
- 7 -

�Hinsichtlich des sogenannten "Döllär-überhangs" veranlaßte der Niedergang des Dollar auf dem internationalen Geldmarkt manche Leute zu der Frage,
ob das Vorhandensein großer Dollarguthaben im Ausland eine wesentliche Quelle
der Instabilität im internationalen Währungssystem darstelle.

Einige

225 Milliarden Dollar liegen bei den Zentralbanken auf offiziellen Konten
und nochmals 400 bis 600 Milliarden Dollar befinden sich in privater Hand.
Es ist natürlich klar, daß plötzliche Eigentumsveränderungen bei ausländischen
Dollarguthaben in nicht unbedeutendem Maß'zu Druck und Instabilität auf den
Devisenmärkten führen können und es manchmal auch schon getan haben - obwohl
nicht klar ist, ob das Vorhandensein solch hoher Auslandsguthaben in sich
selbst bereits ein ernstes Problem darstellt.
Die Erfahrungen des letzten Herbstes und des Zeitraums, der den am
1. November ergriffenen Maßnahmen folgte, haben gezeigt, daß die Erwartungen
und Vorstellungen betreffs unserer grundlegenden Wirtschaftspolitik sowie hinsichtlich der Leistungen und der künftigen Aussichten unserer Volkswirtschaft
die beherrschenden Überlegungen sind, die all diejenigen Entscheidungen
beeinflussen, welche den Dollar betreffen.
Darüber hinaus hat diese Erfahrung erneut bestätigt, daß ein enormer
Spielraum für Kapitalbewegungen besteht, was ganz unanhängig von der vorhandenen Menge an ausländischen Dollarguthaben zu Druck auf den Devisenmärkten führen kann. Obwohl solche Schritte zur Verringerung der internationalen Rolle des Dollar vielleicht einige positive Auswirkungen auf
die Vorstellungen und das Verhalten des Marktes haben kann, glaube ich
dennoch nicht daran, daß solche Schritte an die eigentliche Ursache der
Probleme cies Devisenmarktes rühren.
'!
Trotzdem wird viel darüber diskutiert,
den IWF eingerichtet werden solle, über das
ziehungsrechte eingetauscht werden können.
bereit, ein solches Ersatzkonto in Erwägung

- 8 -

ob ein "Ersatzkonto" durch
Dollar gegen sogenannte SonderDie Vereinigten Staaten sind gerne
zu ziehen, jedoch nur als einen

�einen Schritt in der Entwicklung des Währungssystems zu einem auf Sonderziehungsrechten beruhenden System.

Wir betrachten dieses Ersatzkonto nicht

als Notstützung für den Dollar.

Das bevorstehende Gipfeltreffen
Das Gipfeltreffen spielt in diesem Prozeß eine entscheidende Rolle.
Dieses Gipfeltreffen soll sich auf Energie, Wirtschaftspolitik und auf
die Beziehungen zu den Entwicklungsländern konzentrieren.

Obwohl auch

Rückschau auf den Fortschritt im Handels- und Währungsbereich gehalten wird,
so wird die Betonung doch nicht hierauf liegen.
Wie ich schon sagte, möchten wir die Diskussion im Energiebereich
auf Wege zur erhöhten Energieproduktion und zu weiterer Verbrauchsbeschränkung konzentriert sehen.
Hinsichtlich der Makrowirtschaftspolitik erwarten wir von der Diskussion,
daß sie sowohl

kurzfristiges Wachstum als auch Antiinflationsaussichten

für die Weltwirtschaft mit einschließt;

außerdem eine Politik, die Protek-

tionismus vermeidet und Anpassung begünstigt;

schließlich mittelfristige

Strukturanpassungen in unseren Volkswirtschaften, die uns dabei helfen
werden, ein stabileres Muster für unsere Zahlungsbilanzen zu finden.
Voriges Jahr in Bonn lag die Betonung auf Verpflichtungen hinsichtlich
der kurzfristigen Orientierung der Politik - spezielle Wachstumsziele für
Japan und die Bundesrepublik Deutschland, antiinflationäre Verpflichtungen
für andere usw.

In diesem Jahr herrscht das Gefühl, daß die kurzfristige

Politik der Teilnehmer im großen und ganzen ihrer jeweiligen Lage angemessen ist und keine wesentlichen Marschänderungen in Aussicht stehen.
Deutlich wurde, daß einige Länder ihre Politik jetzt werden abändern müssen,

- 9 -

�müssen, um die allmählichen Veränderungen in ihrer Handelsstruktur zu erzielen, die eher langfristig von Bedeutung sein werden.

Die Vereinigten

Staaten etwa müssen mehr Betonung auf den Export legen, Japan sollte sich
mehr auf die Produktion für den Inlandsmarkt umorientieren.

Und alle

Gipfel teil nehmer, besonders aber die Vereinigten Staaten,müssen neue Wege
zur Verbesserung ihrer Produktivität und zur Steigerung der Kapitaibildung
finden, um in Zukunft ein nichtinflationäres Wachstum zu gewährleisten.
Was schließlich die Beziehungen zu den Entwicklungsländern angeht
- die sogenannten Nord-Süd-Themen -, so erwarten wir von der Diskussion,
daß sie all die gemeinsamen Zielsetzungen der bevorstehenden Verhandlungen
im Rahmen der Vereinten Nationen über eine Entwicklungsstrategie für die
3. Entwicklungsdekade behandeln wird.

+ + + + +

.

•

•

-

•

-&lt;

10

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
13. Juni 1979

21

USA MIT ERGEBNISSEN VON UNCTAD V NICHT UNZUFRIEDEN
- Von unserem Korrespondenten John J. Harter -

MANILA - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind mit den Ergebnissen
der Fünften Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung UNCTAD V -, die am 3. Juni 1979 zu Ende ging, nicht unzufrieden. Wie der
Leiter der amerikanischen Delegation, der Staatssekretär für Internationale
Finanzen und Entwicklung,Charles F. Meissner, erklärte, brachte die einmonatige Konferenz in Manila ein "anständiges" Ergebnis. Vor allem die
Zusage»den ärmsten der Entwicklungsländer verstärkte Hilfe zukommen zu
lassen, wird
als positiver Aspekt betrachtet. Eine Regelung der internationalen Schiffahrtsprobleme, die allen Beteiligten gerecht geworden
wäre, konnte jedoch leider nicht gefunden werden.
"Die Beschlüsse, die wir gefaßt haben, stellen sinnvolle Übereinkünfte
und Verpflichtungen dar", so erklärte Meissner in einem Interview unmittelbar nach Ende der Konferenz. "Wenn wir nicht in der Lage waren, Übereinstimmung bei Themen wie Handel, Rohstoffe oder Finanzen zu erzielen, so
haben wir wenigstens unsere Differenzen nicht durch leere Rhetorik über-

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�überkleistert.

Vielmehr kamen wir ü'berein, unsere Meinungsverschieden-

heiten offen zu zeigen und unsere unterschiedlichen Ansichten dem Handelsund Entwicklungsausschuß zuzuleiten, der sie auf seiner nächsten Sitzung
im Oktober näher behandeln wird."
Der Handels- und Entwicklungsausschuß, der zweimal jährlich in Genf
zusammentritt, hat umfassende Handlungsvollmacht in der sitzunqsfreien Zeit.
"Wir haben einige sehr innovative und potentiell kreative Beschlüsse gefaßt", so sagte Meissner weiter, "einschließlich eines neuen Programms, das
den am wenigsten entwickelten Ländern in den achtziger Jahren wahrscheinlich
echte wirtschaftliche Vorteile bringen wird; weiterhin ein Beschluß in
der Absicht, die Fähigkeit der Entwicklungsländer zur Übernahme moderner
Technologie zu stärken, sowie ein Beschluß zur Förderung der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit der Entwicklungsländer untereinander".
Meissner betonte, daß die wesentlichen Ziele der Amerikaner in dieser
Konferenz erreicht worden seien, besonders hinsichtlich Handel, Rohstoffen
und den am wenigsten entwickelten Ländern, und daß die verstärkende Wirkung
der vielen Beschlüsse, die im Verlauf der letzten Vollversammlung gefaßt
wurden, eine konstruktive Basis für kommende UNCTAD-Programme bilden werde.
Für ihn stellt das UNCTAD-V-Ergebnis ein "potentiell festes Glied in
einer ununterbrochenen Kette" internationaler Konferenzen dar, die sich
im Laufe der kommenden Monate mit den Themen der Nord-Süd-Wirtschaftsprobleme beschäftigen werden. Dazu gehören die UN-Konferenz über Wissenschaft
und Technologie für die Entwicklung (August in Wien) sowie eine Sondersitzung
der UN-Vollversammlung (Herbst 1980), die eine neue internationale Entwicklungsstrategie für die achtziger Jahre entwerfen soll.
UNCTAD-V beschloß noch einige weitere Treffen für

1979, darunter eine

Konferenz über restriktive Geschäftspraktiken, eine weitere über einen
Verhaltenskondex für den Technologie-Transfer, sowie weitere Gespräche über

- 2 -

�Über Naturgummi und Jute.
Gespräche über Handelsthemen und den Ausgang der Tokio-Runde über
Handelsvereinbarungen, Protektionismus, Aussichten auf eine Erweiterung des
Allgemeinen Präferenzsystems und weitere Möglichkeiten, die sicherstellen,
daß die Entwicklungsländer eine wachsende Rolle im internationalen Handel
spielen, stellten einen wichtigen Teil der Konferenz dar.

Kurz vor der

Abschlußversammlung am 3. Juni konnten die Konferenzteilnehmer noch einen
Beschluß fassen, der auf die entscheidende Bedeutung des Widerstands gegen
protektionistische Forderungen hinweist und die Unterstützung zur Anpassung
an den strukturellen Wandel innerhalb der Weltwirtschaft

fordert.

Die

Konferenz erstellte darüber hinaus ein Arbeitsprogramm, das zusammen mit
einem neuen Mechanismus zu einer vernünftigen Handelspolitik der UNCTADMitglieder beitragen soll, indem sie ihre Handelspolitik im Kontext weltweiter
Produktions- und Handelsmuster überprüfen.
Die Konferenz hob noch einmal die Bedeutung des integrierten Rohstoffprogramms hervor.das auf der UNCTAD-IV in Nairobi 1976 ins Leben gerufen
worden war, und schuf ein Rohstoff-Arbeitsprogramm, das für die kommenden
Monate laufende Verhandlungen und Konsultationen über bestimmte Produkte
vorsieht. Die Konferenz ging davon aus, daß Verhandlungn über einen
Gemeinsamen Fonds zur Finanzierung von Ausgleichsvorräten und anderer
Rohstoffaktivitäten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.
Praktisch alle Delegationen schienen der Meinung zu sein, daß eine der
wichtigsten Leistungen dieser Konferenz die Entscheidung war, den grundlegenden
strukturellen und wirtschaftlichen Problemen, denen sich die am wenigsten
entwickelten Länder gegenübersehen, höchste Priorität einzuräumen.
Der amerikanische Chefdelegierte führte aus, daß dies in Einklang stehe
mit den Schwerpunkten der amerikanischen Entwicklungspolitik und den
neuesten Praktiken der wichtigsten internationalen Finanzinstitutionen.

- 3 -

Die

�Die Resolution über die am wenigsten entwickelten Länder sehe eine konzertierte
und langfristige internationale Anstrengung vor, um Ernährung, Gesundheit,
Infrastruktur, Wohnungsbau, Erziehung und Beschäftigung in diesen Ländern zu
verbessern.

Einige der Konferenzteilnehmer erwarteten von dieser Resolution,

ein Hauptelement der internationalen Entwicklungsstrategie der achtziger
Jahre zu werden.
Nach Auffassung Meissners werden auch die der UNCTAD-V-Resolution
zur Verstärkung der technologischen Möglichkeiten der Entwicklungsländer
beabsichtigten Aktionen auf nationaler und internationaler Ebene den
Technologiefluß in diese Länder beschleunigen.
Einstimmige Annahme des Konferenzbeschlusses über wirtschaftliche
Kooperation zwischen den Entwicklungsländern verspricht Gutes hinsichtlich
eines der einfallsreichen Vorschläge des Arusha-Programms, das die Entwicklungsländer letzten Februar in Tansania formulierten. Dieses Programm versucht,
den Handel innerhalb der Entwicklungsländer zu verstärken, die Ausdehnung
der technischen Hilfe zwischen Entwicklungsländern sowie eine Vielzahl von
anderen Maßnahmen und Projekten, um das "Kollektive Selbstvertrauen" in der
Dritten Welt zu stärken.
Am meisten enttäuscht zeigte sich Meissner über das Unvermögen der
Konferenz, auf vernünftiger Basis zu einem Übereinkommen zu gelangen,das
UNCTAD in die Lage versetzen würde, in den kommenden Monaten genauen Einblick
in die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften vor allem im Handelsund Finanzbereich zu erhalten.
Ein Haupthindernis während der UNCTAD-V-Verhandlungen zum Thema der
Interdependenz war nach Auffassung Meissners die Meinungsverschiedenheit
innerhalb der Entwicklungsländer darüber, wie man mit dem Problem Energie
fertigwerden solle, ein Thema, das man als "versteckten Tagesordnungspunkt"
bezeichnen könnte. Die Vereinigten Staaten und die meisten Industrieländer
waren der Ansicht, daß es wirklichkeitsfern sei, das Thema "Energie" und

�und deren Auswirkung auf die Weltwirtschaft auf einer Konferenz zu ignorieren,
die sich mit Handel und Entwicklung beschäftigte.
Die Vereinigten Staaten hatten gehofft, auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit bei der Produktion und Bewahrung herkömmlicher und
alternativer Energiequellen hinweisen zu können sowie besonders auf den
Bedarf der Entwicklungsländer nach Beistand in ihren Energieentwicklungsprogrammen.
Jedoch war die Konferenz nicht in der Lage, Übereinstimmung in dieser Frage
zu erzielen, da sich die OPEC-Mitglieder gegen die Erörterung dieser Frage
stellten.

Trotzdem signalisierten die Gespräche in Manila deutlich, so

Meissner, daß letztlich ein Weg gefunden werden müsse, um die Verbindung
zwischen Energie und Entwicklung auch im UNCTAD-Rahmen zu behandeln.
Carlos Romulo, der philippinische Präsident der Konferenz, betonte
gegen Ende vor der Vollversammlung, daß es nicht angemessen sei, UNCTAD als
"eine Kampfstatte der Konfrontation zwischen der reichen und der armen Welt"
zu sehen. "Wir müssen erkennen, daß UNCTAD eine fortwährende Konferenz ist,
keine kurzfristige Affäre. Ihr Wert liegt gerade in ihrer Kontinuität;
darin, ein Gespräch-keinen Dialog,denn dieser umfaßt nur zwei Seiten - am
Leben zu erhalten und anzuregen; eine offene Diskussion zwischen Völkern
auf verschiedenen Stufen der Entwicklung darüber, was sie brauchen, was sie
wollen und was sie zu bekommen hoffen."
Ein Beispiel für die Möglichkeiten und zugleich auch die Grenzen einer
solchen Konferenz boten die Verhandlungen über Hilfe für die Handelsschiffahrt der Entwicklungsländer.

So waren viele Entwicklungsländer der

Ansicht, daß die herkömmlicherweise von den sogenannten "Limenkonferenzen"
festgesetzten Transportraten ihre Devisenbestände übermäßig angreifen und
die Inlandpreise für eingeführte Waren anheben.

Die Argumentation gründete

sich vor allem auf die Tatsache, daß die Linienkonferenzen in der Vergangenheit von den Handelsflotten einiger weniger Industrieländer beherrscht wurden
und ein neuer Kodex noch auf seine Ausarbeitung wartet.
Dieser
- 5 -

�Dieser Kodex, der auf einem Vertrag von 1974 basiert und noch ratifiziert
werden muß, sieht zum Beispiel vor, daß für die Linienschiffahrt eine Aufteilung der Ladungnach dem Schlüssel 40 Prozent für die Flagge des Herkunftslandes, 40 Prozent für die des Bestimmungslandes und 20 Prozent für Drittlä'nderflaggen eingehalten wird.
Dagegen sprachen sich, mit unterschiedlichen Argumenten, mehrere Gruppen
aus:

so die Vereinigten Staaten, die schon 1974 dagegen stimmten und auch

jetzt erklärten, daß sie gemäß geltendem amerikanischen Recht nicht beitreten
könnten, da es amerikanische Importeure und Exporteure daran hindert, an
Preis- oder Frachtratenfestlegungen oder anderen Kartell Verabredungen teilzunehmen, die der Kodex sanktioniere.
Andere Industrieländer und einige Entwicklungsländer wiesen darauf hin,
daß die Einführung solcher strenger Maßstäbe die Beweglichkeit des Marktes
einschränken und dadurch letztlich zu Preissteigerungen führen würde.
So kam es auch in der Frage der "offenen Registrierung" - der Flaggenpolitik etwa Liberias, Panamas oder Singapurs, die sich Vorwürfe der
Entwicklungsländer gefallen lassen mußten - und in der Frage finanzieller
und technischer Hilfsmaßnahmen zur Entwicklung der Schiffahrt der Entwicklungsländer zu keiner Einigung:

Die Themen wurden zur weiteren Behandlung dem

UNCTAD-Ausschuß für Schiffahrt übergeben.
Die Erreichung des doppelten Ziels, nämlich einmal die Frachtkosten
niedrig zu halten und andererseits den Entwicklungsländern einen wachsenden
Anteil an der Schiffahrt zu ermöglichen, scheint Experten zufolge möglich:
Der eindeutige Wettbewerbsvorteil der Entwicklungsländer läge in ihren
niedrigeren Lohnkosten.

Diese würden es ihnen ermöglichen, immer größere

Marktanteile am Weltfrachtgut zu erobern.

+ + + + + +

�Wi//cn/choft
und Technik

I

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Embassy of the United States of America

21

13. Juni 1979

SOLARTECHNOLOGIE - FORTSCHRITT SCHNELLER ALS ERWARTET
- Internationale Konferenz erörtert wirtschaftliche Verfahren -

- (AD) - Sonnenenergie in jeder Form - Licht, Wind, Meeresströmungen und
Biomassen - "wird schon in 20 Jahren die wichtigste Energiequelle sein".
Diese Meinung von Dr. Bennett Millers (US-Energieministerium) teilten viele
der 2000 Teilnehmer an der 25. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Sonnenenergie (ISES), die vom 28. Mai bis 1. Juni 1979 in Atlanta (Georgia)
abgehalten wurde.

Das bisher größte Hindernis, nämlich die Verfügbarkeit ren-

tabler Verfahren für die Nutzung der Sonnenenergie, wird offenbar schneller
überwunden, als man noch vor wenigen Jahren zu hoffen wagte.

Für die amerikanische solartechnische Industrie konnte Dr. Paul Maycock
(US-Energieministerium) berichten, daß selbst die wegen der hohen Kosten meist
nur in der Raumfahrt zur Stromerzeugung genutzten Solarzellen eine gute Chance
hätten, "schon Mitte der achtziger Jahre, anstatt erst um die Jahrhundertwende,
in der amerikanischen Wirtschaft allgemeine Anwendung zu finden".

Noch vor

fünf Jahren wurde die Mehrzahl dieser sog. photovoltaischen Zellen aus einzelnen Chargen des Ausgangsmaterials - Silizium -, jedoch nicht in kontinuierlichen
Produktionsverfahren hergestellt.

Silizium wurde erschmolzen und gereinigt;

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�gereinigt; dann ließ man es auskristallisieren, um es in dünne Scheibchen zu
spalten, aus denen die Fotozellen - eine nach der anderen - hergestellt wurden.
Im Jahr 1975 gab die amerikanische Firma Mobile Tycho die Entwicklung eines
neuen Verfahrens bekannt, das die Massenproduktion von Sonnenzellen in Bändern
bzw. Bandrollen erlaubte.

"Die Bandmethode hat sich von einem Kuriosum zu einem

hochspezialisierten und leistungsfähigen Verfahren entwickelt, mit dem ein Qualitätsprodukt zu erreichen ist, das alle unsere Erwartungen übertrifft", betonte
Dr. Maycock.

Und es ist nicht einmal das einzige Verfahren, das sich für die

Massenproduktion eignet. Anstatt das Silizium in Bandform zu ziehen und es
dann zu spalten, wird es auch bereits in Chargen erschmolzen und zu Barren vergossen.

Außerdem gibt es noch andere Materialien wie z.B. Cadmiumsulfid, die

in Zukunft für die Herstellung von Solarzellen große Bedeutung erlangen dürften.
Dr. Peter Varadi von der Firma Solarex hält Solarzellen sogar heute schon
in abgelegenen Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung für konkurrenzfähig.
"Die Stromkosten hängen davon ab, wo sich der Verbraucher befindet", meinte er.
In einer Großstadt wie Washington, die genügend Kraftwerke in der Nähe hat,
kostet z.B. die Kilowattstunde Strom 6 bis 7 Cents. Während abgelegene Gebiete
mit einem Vielfachen dieses Strompreises rechnen müssen, könnten photovoltaische
Anlagen, die je nach geographischer Lage Strom zu 25 bis 130 Cents pro Kilowattstunde liefern, schon jetzt beachtliche Anteile am Energiemarkt erlangen.
Seit dem ülembargo von 1973/74 hat die solartechnische Industrie der Vereinigten Staaten einen enormen Aufschwung genommen. Im Jahr 1974 gab es z.B.
45 Hersteller von Solarkollektoren; sie produzierten damals ca. 93 000 qm
Kollektorflache. Heute sind mehr als 300 Firmen auf diesem Gebiet engagiert
- mit einem Marktanteil von 1,45 Millionen qm Kollektorfläche.
Omni Waiden aus Georgia, Staatssekretärin für Energieeinsparung und solartechnische Anlagen im US-Energiemin:isterium, verwies darauf, daß die Umsätze
der Industrie auf dem Gebiet der Solartechnik von 10 Millionen Dollar im Jahr
1974 auf 180 Millionen Dollar im Jahr 1978 gestiegen seien. Im gleichen Zeitraum erhöhte die US-Regierung ihre Zuschüsse zur Förderung von Forschung und
- 2 -

�und Entwicklung auf dem Gebiet der Sonnenenergie von 15 Millionen auf fast
850 Millionen Dollar.

Bis Ende 1978 hatte man in den Vereinigten Staaten

88 000 solartechnische Anlagen installiert - 33 000 davon allein im Verlauf
des vergangenen Jahres. Präsident Carter hat bis 1985 als Ziel gesetzt, rund
2,5 Millionen solcher Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie in Betrieb zu
nehmen.
Einen ähnlich optimistischen Bericht gab Dr. R. van Overstraeten (Niederlande) über den Stand der Solartechnik in Europa, einschließlich der Entwicklungen, die in Frankreich, in der Bundesrepublik, in Großbritannien, Italien
und Belgien im Gange sind. Die im Jahr 1954 in Phoenix (Arizona) ins Leben
gerufene Organisation ISES hat heute ca. 8000 Mitglieder samt 13 assoziierten
nationalen Gesellschaften. Angesichts des weltweiten Interesses an den Techniken zur Nutzung der Sonnenenergie dürfte sich der Mitgliederstand schon in
Kürze weiter erhöhen. Allein aus 23 afrikanischen Ländern, die dem Verband
noch nicht angehören, nahmen 42 Wissenschaftler teil, die sich für die Einführung der Solartechnik in ihrer Heimat einsetzen wollen.
Der diesjährige Farrington-Daniels-Preis für solartechnische Entwicklungen
verlieh ISES-Präsident R.K. Datta (Asiatic Oxygen Company in Bombay, Indien)
an Dr. Felix Trombe, den Direktor des "Centre National de la Recherche
Scientifique" in Odeillo (Frankreich).

Der Wissenschaftler, den Dr. Datta

als den "größten Solarwissenschaftler unserer Zeit" bezeichnete, wurde u.a.
für die Erfindung der solartechnischen Speicherwand und den Bau des ersten
"Sonnenofens" der Welt geehrt.

+ + + + +

- 3 -

�I
V T^L

Wi//en/chaft
und Technik

_

Ml

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13. Juni 1979

21

FORSCHUNGSPROJEKT: DAS AUTO
Neues Gemeinschaftsprogramm von Regierung und Industrie der USA

- (AD) - Führende Persönlichkeiten der amerikanischen Automobil industrie
wurden zusammen mit Wissenschaftlern ins Weiße Haus gebeten, um mit Präsident
Carter ein Forschungsprogramm zur Entwicklung einer völlig neuen Generation
von Autos zu erörtern. Die Hauptmerkmale sollen mehr Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, niedriger Kraftstoffverbrauch und Flexibilität in bezug auf die Art
flüssiger Kraftstoffe sein. Gleichzeitig gehe es, wie Verkehrsminister Brock
Adams ausführte, um die Verwendung neuer Motorwerkstoffe, z.B. keramische Materialien. Die Ergebnisse des Forschungsprogramms sollen nicht nur Interessenten in den USA, sondern auch in anderen Ländern zur Verfügung stehen.
Adams schätzt, daß jährlich 50 bis 100 Millionen Dollar von Industrie
und Regierung dafür aufgewendet werden. Nach den Worten Präsident Carters ist
der Automobil bau auch künftig ein Gebiet, "dessen Bedeutung für das ganze Land
gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann". Dr. Frank Press, der Wissenschaftsberater des Präsidenten, ist überzeugt, daß das Programm den Vereinigten
Staaten eine ähnlich führende Rolle verschaffen wird, wie sie die US-Luftund Raumfahrtindustrie durch drei Jahrzehnte intensiver Forschung erlangt
hat.

Die
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�Die Pressevertreter konnten auf einem Rasenplatz des Weißen Hauses zwei
Modelle besichtigen, die im Auftrag der US-Regierung als Prototypen gebaut
worden waren.

Sie haben eine leichte, elastische Kunststoffkarosserie, weiche

Kunststoffstangen zum besseren Schutz von Fußgängern, sind mit Reifen ausgestattet, die auch bei einem Riß nicht platt werden können, und haben aufblasbare Sicherheitsgurte.

Auch wenn sich das Auto überschlägt, wären Verletzungen

der Insassen nicht zu befürchten.

Verkehrsminister Adams hob hervor, daß auch

Autos mit diesen besonderen Merkmalen formschön gestaltet werden können.

Ein solcher Wagen würde, in großer Stückzahl gefertigt, 5000 bis 6000
Dollar kosten.

Der Kraftstoffverbrauch beträgt nicht einmal acht Liter pro

100 Kilometer, und den strengen Abgasvorschriften der staatlichen Behörden
würde voll entsprochen.

Drei weitere Modelle, Versuchswagen der Firma Chrysler,

waren vor dem "Smithsonian Museum" zu besichtigen.

Sie sind mit Turbomotoren

ausgerüstet und zeichnen sich dadurch aus, daß sie mit jeder Art von Flüssigtreibstoff fahren.
tigen Typs ablösen.

Etwa um das Jahr 1990 sollen sie die Automobile des heuMan erwartet, daß sie wirtschaftlicher sind, weniger War-

tung, keinen Ölwechsel und keinen Gefrierschutz benötigen.

Sie würden auch

bei großer Kälte rasch und leicht zu starten sein.

Die bei Flugzeugen so bewährte Turbine konnte

sich bei der bisherigen

Bauweise jedoch bei Autos nicht durchsetzen, weil die Temperaturen zu hoch
sind und bei geringer Geschwindigkeit und häufigem Anfahren und Halten die Arbeitsweise unwirtschaftlich ist.

Neue keramische Materialien werden jedoch

auch den Kraftwagen der Zukunft höhere Betriebstemperaturen erlauben.

Eine An-

zahl von Autofirmen - Chrysler, Ford, Volkswagen und andere - experimentieren
seit fast drei Jahrzehnten mit der Turbine.

Auf dem Indianapolis-Rennen im

Jahr 1969 wurden vier Turbinenwagen eingesetzt und erreichten ausgezeichnete
Leistungen.

Die US-Regierung hat nunmehr vier Studien zur Ermittlung der optimalen
Auto-Turbinenkonstruktion unter besonderer Berücksichtigung folgender Punkte
in Auftrag gegeben:

1) 30 Prozent bessere Fahrleistung gegenüber den heutigen

- 2 -

�heutigen Kraftfahrzeugen.
schriften genügen.
brennen können.

2) Die Abgaswerte müssen strengsten Regierungsvor-

3) Die Turbinen müssen jeden flüssigen Brennstoff ver-

4) Die Kosten der Massenfertigung sollen mit den heutigen

Kosten der Automobilfertigung konkurrieren.

(Die Kraftfahrzeugindustrie sieht

gegenwärtig das größte Problem in der notwendigen Umrüstung ihrer Fabrikationsanlagen. )

Der besondere Vorteil der Turbine bestünde darin, daß es sich um eine relativ einfache Konstruktion handelt, daß sie zuverlässig und wirtschaftlich
arbeitet, einen niedrigen Lärmpegel hat und viel weniger Vibrationen als ein
Verbrennungsmotor entwickelt.

Vertreter des Energieministeriums heben hervor,

daß der Verbrennungsmotor, der im 20. Jahrhundert das gesamte Leben in den Vereinigten Staaten revolutionierte, seine optimale Wirtschaftlichkeit nahezu
erreicht habe.

Es seien nur noch wenige wesentliche Verbesserungen möglich.

Zur Zeit benutzen etwa 80 Prozent der Berufstätigen in den USA Transportmittel
mit Verbrennungsmotor.

Aber diese verbrennen ein Viertel des gesamten Erdöls,

das Amerika verbraucht - d.h. pro Tag fast 660 000 Tonnen.

Und der Wirkungs-

grad der Verbrennungsmotoren ist gering, da nur 15 bis höchstens 20 Prozent
des Energiegehalts im Kraftstoff wirklich genutzt werden.

Als weitere Alternative zur Verbrennungsmotor und zur Turbine bietet sich
der sogenannte Sterling-Motor an.

Auch er arbeitet mit jeder Art von flüssigem

Treibstoff; die Verbrennung erfolgt jedoch nicht innerhalb, sondern außerhalb
des Zylinders.

Erst vor wenigen Jahren besann man sich auf diese Erfindung,

die schon im Jahr 1816 gemacht wurde.

Der Sterling-Motor wurde bisher vor

allem benutzt, um Wasser zu pumpen und Strom zu erzeugen.

Mit Otto-Motoren

konnte er jedoch bisher wegen seines hohen Gewichts und der hohen Produktionskosten nicht konkurrieren.

In zwei von der US-Regierung vergebenen Kontrakten soll untersucht werden,
ob diese Hindernisse zu überwinden sind.

Der eine ging an die schwedische

Firma United Sterling, der andere an die American Motor Corporation.

Die Ziele

sind die gleichen wie beim Turbinenmotor - 30 Prozent höhere Fahrleistung, ak-

- 3 -

L

�akzeptable Abgaswerte und die Möglichkeit zur Verbrennung vieler Arten von
Flüssigkraftstoffen.

Auch in diesem Fall soll eine Massenfertigung von Fahr-

zeugen mit Sterlingmotor bis 1990 soweit gediehen sein, daß die Käufer fest
mit den entsprechenden Modellen rechnen können.
•

Das neue Kraftfahrzeug-Programm zählt zur Minderzahl der Projekte auf dem
Gebiet der Grundlagenforschung, die vom Staat und von der Industrie zu etwa
gleichen Teilen finanziert werden.

Alles in allem trägt die amerikanische Re-

gierung derzeit etwa zwei Drittel der Kosten, die in den USA für Grundlagenforschung anfallen.

Im Haushaltsjahr 1980 sollen die Regierungsaufwendungen

für diesen Sektor auf Vorschlag Präsident Carters 4,6 Milliarden Dollar betragen.

Seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hat der Präsident die

für Grundlagenforschung vorgesehenen Mittel um ca. 25 Prozent erhöht.

Bedacht

werden vor allem wichtige Gebiete wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Umweltschutz, Energie, Verteidigung und Wirtschaftsproduktivität.

�</text>
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                    <text>13. Juni 1984

24

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Westen ist auf dem richtigen Weg
- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Wirtschaftsgipfel in London
Regan zufrieden mit Wirtschaftsgipfel
- Pressekonferenz am 9. Juni 1984 WIRTSCHAFT
USA streben seit 1934 Liberalisierung des Handels an
HINTERGRUNDMATERIAL
Mykotoxine: Streitfrage unter Wissenschaftlern
- Von William Kucenicz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" startet zum Jungfernflug
- Drittes Fluggerät für die Raumtransporterflotte der USA

Um Übei/endung von
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wird gebeten

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Tel.: 0228-339 2035
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. Juni 1984

24

DER WESTEN IST AUF DEM RICHTIGEN WEG
- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Wirtschaftsgipfel
in London -

LONDON - (AD) - Der Westen sei "grundsätzlich auf dem richtigen Weg",
indem er einen konstruktiven Dialog mit der Sowjetunion anstrebe und
gleichzeitig die Stärke aufrechterhält, die notwendig ist, um vor einer
Aggression abzuschrecken. Dies erklärte der amerikanische Außenminister
George Shultz auf einer Pressekonferenz am 9. Juni 1984 in London nach
Abschluß des zehnten Wirtschaftsgipfels der sieben wichtigsten Industriestaaten der westlichen Welt.

Der amerikanische Außenminister nahm auf seiner Pressekonferenz vor
allem zu den außenpolitischen Aspekten des Treffens der Staats- und
Regierungschefs Großbritanniens, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs, Italiens, Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten Stellung.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:

Außenminister Schultz: Die erste von dieser Gipfelkonferenz herausgegebene Erklärung ist eine Erklärung über die demokratischen Werte. Und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Werte. Und ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, daß die folgenden
Erklärungen und die allgemeine Diskussion, die zum heutigen Zeitpunkt
notwendig ist, diese Werte maximal unterstützen.

Natürlich ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung mit kontrollierter
Inflation ein Schlüsselelement. Und natürlich

sind die Beziehungen der

verschiedenen, hier auf dem Gipfel vertretenen Volkswirtschaften untereinander und zu den Entwicklungsländern ein Schlüsselelement. Wenn wir
schließlich die Sicherheitsdimension betrachten, dann haben ebenso natürlich unsere Rüstungskontrollverhandlungen und die Notwendigkeit ganz
allgemein, wie es in der Ost-West-Erklärung zum Ausdruck kommt, für den
Westen, für die freien Länder, ihre Stärke und ihre Entschlossenheit
aufrechtzuerhalten und ständig zu einem vernünftigen Dialog mit der
Sowjetunion und ihren Verbündeten bereit zu sein, großen Nachdruck und
viel Aufmerksamkeit erhalten.

Und schließlich verlangt in unserer heutigen Zeit ganz besonders das
Problem des Terrorismus verstärkte Aufmerksamkeit und wurde daher auf
diesem Gipfeltreffen ausführlich behandelt.
Sie können sich also, wie ich meine, vorstellen, wie dieses Gipfeltreffen verlaufen ist, nachdem es zunächst mit den Werten begann und sich
dann sozusagen auf der ganzen Bandbreite den Schlüsselaspekten der Unterstützung dieser Werte im Jahre 1984 zuwandte.
FRAGE: Hatte jemand der Führer irgenwelche Ideen, wie man die Sowjets
an den Verhandlungstisch zurückbringen könne?

ANTWORT: Der Schlüssel ist natürlich, da zu sein, an diesem Punkt
festzuhalten - Entschlossenheit, Festigkeit und auch Vernunft zu bewahren.

Ich darf darauf hinweisen, daß die herausgegebene Erklärung die
Tatsache feststellt, daß es eine Menge Orte gibt, wo Gespräche stattfinden.

Sie meinen natürlich die Verhandlungen über Kernwaffen, aber es

gibt eine ganze Menge Verhandlungstische, an denen beträchtliche Aktivität herrscht. Und es gibt viele bilaterale Verhandlungstische, wie man

- 2 -

�wie man sie nennen könnte - Staatspräsident Mitterrand wird nach Moskau
reisen, drei der hier anwesenden Außenminister haben mit ihrem Kollegen
(dem sowjetischen Außenminister) gesprochen oder werden in Kürze mit ihm
sprechen. Es werden also viele Gespräche geführt.

FRAGE: Besteht irgend eine Absicht, daß Präsident Mitterrand etwas
von dieser Gruppe hier mitbringt, wenn er in die Sowjetunion reist irgend eine Äußerung dieser Gruppe?

ANTWORT: Es liegt mir absolut fern, für Präsident Mitterrand zu
sprechen. Er spricht für sich selbst. Aber ich habe keinen Zweifel an
der Tatsache, daß das, was hier besprochen wurde und die Entschlossenheit
- sowie der Wunsch nach einem Dialog - sehr wahrscheinlich von ihm hervorgehoben werden dürften.

FRAGE: Hat jemand versucht, den Präsidenten zu einem neuen Anlauf zu
ermutigen, um die Sowjets an den Konferenztisch zurückzubekommen?

ANTWORT: Ich kann nur immer wieder die Tatsache unterstreichen, daß
es vielerlei Kontakte in vielerlei Foren gibt - manche bilateral, manche
multilaterial.

Es wurde nicht darüber gesprochen, irgend etwas ganz besonderes zu
tun über die Erklärung hinaus irgend welche Konzessionen zu machen, um
den anderen zurückzuholen und daß es ein Fehler ist, wenn jemand seine
Tasche nimmt und den Verhandlungssaal verläßt. Tatsache ist, daß die von
den Vereinigten Staaten bei den INF- und den START-Verhandlungen eingenommenen Positionen vernünftige Positionen sind. Vor allem im Falle der
INF-Verhandlungen wurden sie in ausführlichen Konsultationen mit unseren
Verbündeten erarbeitet. In beiden Fällen sind diese Positionen so angelegt, daß sie sich für ein "Geben und Nehmen,, anbieten; und das ist der
Geist, in dem unsere Vertreter bereit sind, an diese Verhandlungstische
zu gehen - wie es in der Erklärung heißt "überall, jederzeit und ohne
Vorbedingungen".

FRAGE: Können Sie uns erläutern, warum die Erklärung nicht so weit

- 3 -

�so weit geht, die Sowjets zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufzufordern, sondern lediglich erklärt, wir hofften, daß die Sowjetunion in
konstruktiver und positiver Weise handeln werde?

ANTWORT: Wir laden zu einer Antwort der Sowjetunion ein, was sie
davon hält, und die Rückkehr an den Verhandlungstisch ist natürlich das
letztliche Ziel. Und das ist genau das, was wir wollen. Der Präsident
hat das erklärt. Und ich glaube, alle die Führer haben das auf die eine
oder andere Weise gesagt.

FRAGE: Aber würde es die Gefühle nicht richtiger ausdrücken, die
Sowjets zu einer Rückkehr aufzufordern?

ANIWORT: Das ist eine Formulierung, die schon gebraucht wurde. Und
ich glaube, die Leute haben gedacht, wir sollten es einmal mit einer
etwas anderen Formulierung probieren. Aber die Idee ist grundsätzlich
die gleiche.

FRAGE: Glauben Sie, daß die Führer Lateinamerikas die in dieser
Deklaration enthaltene Forderung nach einer Umschuldung auf mehrere Jahre
als ausreichende westliche Antwort auf den Ernst der Probleme ihrer
Schuldenrückzahlung betrachten werden?

ANTWORT: Sie werden für sich selbst sprechen müssen. Ich meine, daß
Ausgezeichnetes geleistet worden ist, wie wir uns durch das internationale Schuldenproblem durchgewunden haben. Es bleibt noch immer viel zu
tun. Der Gedanke einer Umschuldung auf mehrere Jahre, d.h. der Versuch,
einen großen Teil der Schulden aus dem laufenden und dem kurzfristigen
Bereich herauszunehmen und in längerfristige Verpflichtungen umzuwandeln,
gibt mehr Stabilität. Und ich halte es im Grunde auch für die richtige
Idee.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß es

eine lange Liste von Dingen ist, die in dieser Erklärung vorgeschlagen
wurden - die einen breiten Aktionsplan und ein Bewußtsein der Probleme
sowie Fähigkeit und Bereitschaft, mit ihnen fertig zu werden, erkennen
lassen.
Die wichtigsten

- 4 -

�Die wichtigsten Dinge, die bei der Bewältigung des Schuldenproblems
sicherlich getan werden müssen, haben nicht unbedingt direkt etwas mit
den Schulden selbst zu tun. Das Wichtigste ist, daß die Weltwirtschaft
Fortschritte macht. Und je stärker die Bewegung ist, desto besser geht
es den Völkern, weil es der Prozeß des Handels und der Entwicklung ist,
der etwas mit ihrem Schuldenproblem zu tun hat. Und das gleiche gilt für
die anderen Vorschläge, die gemacht wurden.

FRAGE: Zur Frage des Terrorismus ist uns diese Woche gesagt worden,
daß es wichtiger sei, vertrauliche Abmachungen zu erreichen statt öffentlicher Erklärungen. Eine zweiteilige Frage: Was glauben Sie, daß die
öffentliche Erklärung zum Terrorismus bewirkt?

Und zweitens, die Sprache ist, was konkrete Maßnahmen anbetrifft, so
schwach - es wird nur von Vorschlägen gesprochen, die Unterstützung
fanden. Sind die Staaten übereingekommen - ohne in Details zu gehen -,
konkrete Maßnahmen gegen den Terrorismus zu ergreifen?

ANTWORT: Natürlich ist ein vertrauliches Vorgehen in solchen Dingen
entscheidend wichtig. Aber große Bedeutung kommt auch der öffentlichen
Identifizierung dieses Problems zu, damit die Menschen sehen können, daß
die hier versammelten Staats- und Regierungschefs es für wichtig genug
befanden, so viel Zeit darauf zu verwenden und im Detail auszuarbeiten,
wie dies hier auch geschehen ist. Das Thema ist in größerer Einzelheit zumindest breiter angelegt - behandelt worden als je in der Vergangenheit.

Es wird Folgemaßnahmen im Sinne verschiedener nationaler Gesetze
geben. Und ich möchte sagen, daß die aufgeführten Dinge Beispiele für
die Maßnahmen sind, die getroffen werden. Aber all die aufgeführten
Dinge können nach meiner Auffassung hilfreich sein. In gewissem Umfang
werden sie bereits durchgeführt, aber sie können fester gestaltet werden,
und dieses Thema wird weiter behandelt werden.

FRAGE: Zum gleichen Thema: Handelt es sich hier um ein richtiges
Abkommen? Reicht es so weit wie ein Abkommen? Und was sind die
Vereinigten Staaten bereit von dem zu tun, was auf der Liste steht? Mit

- 5 -

�steht? Mit welchen Ausführungsbestimmungen wird die Administration folgen?

ANTWORT: In der Erklärung ist das niedergelegt, worauf man sich
geeinigt hat. Ich glaube nicht, daß irgendwelche dieser Dinge Abkommen
im eigentlichen Sinn, im Sinne eines Vertrages sind. Aber die Vereinigten Staaten werden ohne Frage so verfahren, wie hier niedergelegt.
Wir haben beispielsweise Gesetzesentwürfe eingebracht, die dazu dienen
sollen, die Lücken zu schließen, wie es in dem Dokument heißt. Wir arbeiten heute und in Zukunft beim Austausch von Informationen und Geheimdiensterkenntnissen zusammen, und wir werden das in noch stärkerem
Umfange tun.

Es wird ohne Frage nützlich sein, wenn bekannte Terroristen noch
genauer identifiziert werden. Und wenn jemand von Land A ausgewiesen
wird, dann ist es interessant, die Gründe zu kennen. Und wenn sie etwas
mit Terrorismus zu tun haben, dann kann man, wenn sich die gleiche Person
um Einwanderung in Ihr Land B bewirbt, die Sache noch einmal überlegen;
und man kann sich fragen, ob man diese Person im Lande haben möchte oder
nicht. All diese Dinge sind also Beispiele für Maßnahmen, die
wahrscheinlich alle treffen werden.

FRAGE: Wurden Präventivschläge als geeignete Politik auf dem
Gipfeltreffen oder auf Ministerebene erörtert?

ANTWORT: Worüber auf der Ministerkonferenz gesprochen wurde, kann ich
sagen; die Gespräche der Staats- und Regierungschefs habe ich nicht alle
gehört, aber sicherlich das meiste, was zu diesem Thema gesagt wurde.
Auf der Konferenz der Außenminister haben wir eingehend über dieses Thema
gesprochen, aber ich möchte hier nicht ins Detail gehen; ich glaube jedoch, das verzweigt sich in Dinge hinein, die über rein defensive Maßnahmen hinausgehen.

FRAGE: Bedeutet das, daß wir Präventivschläge in Erwägung ziehen
könnten?
ANTWORT: Ich möchte Sie ganz einfach auf die Antwort verweisen, die

- 6 -

�verweisen, die ich gerade sehr gewissenhaft zu diesem Thema gegeben habe.

FRAGE: Die Vereinigten Staaten haben mehrmals an die Sowjets
appelliert, nach Genf zurückzukommen. Erst gestern haben Sie wieder
einen Vorschlag aufgegriffen, für den sie sich vorher in Stockholm stark
gemacht hatten, und doch scheint es seitens der Sowjets keinerlei zustimmende Reaktion zu geben. Gab es bei der Diskussion der Ost-West-Erklärung oder bei den anderen Gesprächen ein Gefühl des Pessimismus hinsichtlich der Beziehungen zu den Sowjets, da es auf nichts eine positive Reaktion ihrerseits gibt, was immer man auch unternimmt?

ANTWORT: Nein, ganz im Gegenteil. Ich glaube, die allgemeine Einstellung - genau wie beim Treffen der NATO-Außenminister vor gerade einer
Woche - ist von Vertrauen, ruhigem Vertrauen gekennzeichnet sowie von der
Überzeugung, daß wir grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind und daß es
für uns wichtig ist, unsere Fähigkeit und unseren Willen beizubehalten,
unsere Interessen zu verteidigen und bereit zu sein, in einen Dialog einzutreten, wenn sie dazu bereit sind. Ich glaube, überall in der Welt
ziehen die Menschen die Haltung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten derjenigen der Sowjets vor, die - aus Gründen, die sie besser
kennen als ich - zu sagen scheinen, es sei besser für sie, über all diese
Fragen nicht zu sprechen. Wir hoffen jedoch, daß sie ihre Einstellung
ändern, denn wir sind der Ansicht, wie es die Erklärung sagt, daß es auch
in ihrem Interesse liegt, diese Frage zu besprechen. Nicht wenige, die
mit den Sowjets über diese Themen sprachen, berichteten später, daß die
Sowjetunion ihnen sehr rasch versicherte, daß die amerikanischen Wahlen
natürlich nichts mit ihrer Haltung zu tun hätten .. Ich glaube, wir sind
in einer sehr guten Position.

FRAGE: Wenn wir beim Thema Terrorismus noch einmal auf den Punkt
zurückkommen, wonach es kein echtes Abkommen über einige der Prinzipien
gibt, die unter Punkt 6 genannt sind: Ist es denn nicht schädlicher, eine
Erklärung abzugeben, über die es keine Übereinstimmung gibt hinsichtlich
gemeinsamer nachrichtendienstlicher Ergebnisse...?

ANTWORT: Oh, es herrscht Übereinstimmung.

Ich weiß nicht, warum Sie

�warum Sie der Meinung sind, diese Erklärung zeige keine Übereinstimmung.
Sie zeigt in ruhiger, gewissermaßen britisch-zurückhaltender Sprache mit
leichter Tendenz zur Untertreibung, daß wir diese Probleme diskutiert
haben, daß es Dinge gibt, die wir auf individueller Basis tun können und
Dinge, die gemeinsam getan werden können. Wir hoffen, daß all dies sich
entwickeln wird gemäß unserer Vorstellung.

FRAGE: Wäre es dann richtig zu sagen, daß alle sieben Staaten übereingekommen sind, sich nachrichtendienstliche Informationen und technisches Wissen zu teilen?

ANTWORT: Die Formulierung "fand Unterstützung" ist, wie ich sagte,
ein sehr guter Ausdruck, den die Briten zu dem Entwurf beitrugen. Ich
glaube, er wird beidem gerecht: Der Tatsache, daß alle dieser Liste
zustimmten und daß bei der Umsetzung in die Realitäst jedes Land dies
seinen eigenen Bedingungen anpassen muß, die bisweilen erheblich voneinander verschieden sind. Dies also ist zu erwarten. Aber ich bin wirklich erfreut, daß bei diesem Treffen dem Thema so viel Aufmerksamkeit
zuteil wurde und die Erklärung so umfassend und so weitsichtig war.
Zudem kam es ohne alle Schwierigkeiten dazu: Jedermann ist besorgt und
möchte hier Fortschritte sehen, wobei wir gleichzeitig auch nicht überreagieren und zu viel reden wollen.

FRAGE: Erwarten Sie auch von Frankreich Mitarbeit?
ANTWORT: Sicherlich.

FRAGE: Es ist zu einem großen Teil der Administration zuzuschreiben,
daß es dadurch zu einer Annäherung der Wirtschaftspolitiken kam, daß die
Europäer auf die Haltung des Präsidenten hinsichtlich der Wirtschaftspolitik eingingen. Stellt man bei den Ost-West-Beziehungen das frühere
"Reich des Bösen" mit der derzeitigen Betonung des Dialogs gegenüber:
Könnte man dann sagen, daß die Vereinigten Staaten sich auf die europäische Position zubewegen?

ANTWORT: Was die Ost-West-Beziehungen anbelangt, so haben die

- 8 -

�haben die Vereinigten Staaten immer wieder gesagt, daß die erste Voraussetzung Stärke sei. Die zweite Voraussetzung ist Realismus hinsichtlich
dessen, was sich abspielt. Man sollte nicht davor zurückschrecken, die
Dinge beim Namen zu nennen. Die dritte Voraussetzung ist die Bereitschaft, in einen Dialog mit der Sowjetunion einzutreten und den Versuch
zu machen, die Probleme aus der Welt zu schaffen.

Und wenn sie sich die früheren Erklärungen der Regierung ansehen,
dann werden sie überall die Früchte dieser Politk erkennen. So haben wir
zum Beispiel bei dem umfassenden Thema der Rüstungskontrolle die konsistente Verwirklichung des Gedankens, daß wir Verringerungen wollen - keine
Kontrolle, kein Einfrieren, sondern Verringerungen. Und dies wurde immer
und immer wieder betont.

FRAGE: Hinsichtlich der Gefahr eines Überraschungsangriffes: Spiegelt
sich in diesem Teil der Erklärung die Sorge unter Ihren Kollegen in bezug
auf die sowjetischen Befürchtungen über die PERSHING II wider?

ANTWDRT: Nein, ich glaube, dieser letzte Paragraph ist eine Bemühung,
ihnen, ja der ganzen Welt zu sagen, daß es Dinge gibt, die wir als etwas
ansehen sollten, was wir gemeinsam haben. Gemeinsam aber ist uns die
Bedeutung des Friedens; was die Einzelheiten angeht, die Sie erwähnen,
wie die vertrauensbildenden Maßnahmen, die mit der Vermeidung eines
Überraschungsangriffs und dergleichen zu tun haben, so ergibt sich dies
aus den Vereinbarungen von Helsinki. Darüber wurde auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid gesprochen und dies ist auch ein wesentlicher Teil
der NATO-Position, die wir in Stockholm vertreten und über die wir mit
der Sowjetunion und anderen dort anwesenden Staaten reden wollen. Jetzt
geht es darum, dem Gedanken, der den Sowjets wichtig ist, konkrete
Gestalt zu verleihen, nämlich dem Gedanken des Gewaltverzichtes.

FRAGE: Können Sie sagen, warum es eine Erklärung von Frau Thatcher
zum Iran-Irak-Konflikt gab, nicht aber eine Deklaration hinsichtlich der
anderen Punkte?
ANTWORT: Nun, es ergab sich einfach so. Ohne Ihnen hierauf letztlich

�hierauf letztlich eine Antwort geben zu können, würde ich sagen, daß es
wichtig schien, in einer Wirtschaftserklärung auch der Lage bei der Ölver
sorgung Aufmerksamkeit zu schenken. Wie auch wir in den Vereinigten
Staaten gelangte man zu der Schlußfolgerung, daß die Lage weit besser als
früher ist. Selbst eine Unterbrechung wäre also in den Griff zu bekommen.

Im Verlauf der Diskussion nun kamen wir zu der Überzeugung, daß es

nicht ausreiche, dies zu sagen, denn wir sind über die umfassenderen
Aspekte besorgt - wie etwa über den Blutzoll, den dieser Krieg fordert
und andere Aspekte dieses Krieges. Ausgehend von der Wirtschaftserklärung hatten wir daher den Eindruck, die Vorsitzende sollte - auch wenn es
keiner speziellen Erklärung hierzu bedurfte - zeigen, daß wir Sorge hinsichtlich dieser umfassenderen Aspekte haben. Auf diese Weise kam das
denn zustande.

FRAGE: Zum Iran-Irak-Konflikt: Die Erklärung sagt, der Grundsatz der
Freiheit der Seefahrt im Golf müsse respektiert werden.

ANTWORT: Nein, überall würde ich sagen - das bezieht sich nicht nur
auf den Golf. Aber sicherlich ist der Golf derzeit das Operationsgebiet.
FRAGE: Gab es Gespräche darüber, welche Schritte, einzeln oder
kollektiv, ergriffen werden könnten, sollte dieser Grundsatz nicht
respektiert werden? Wir sprechen dabei jetzt vom Golf...?

ANTWORT: Natürlich prüften wir die Positionen der verschiedenen
Länder und beschrieben und analysierten die Situation, wobei es eine
ganze Menge Konsultation gab. Aber ich will es dabei belassen.

FRAGE: Zum Terrorismus: Gab es einen Versuch, eine Liste von Ländern
zu erstellen, die man für staatlich unterstützten Terrorismus verantwortlich macht? Und wurde über die Beziehungen diskutiert, die einige der
Partner zu einigen Ländern unterhalten, von denen die Vereinigten Staaten
der Ansicht sind, sie seien in staatlich unterstützten Terrorismus
verwickelt?
ANTWORT: Nein, man bemühte sich um keine Liste. Aber man war sich

- 10 -

�war sich der besonderen Dimension des staatlich unterstützten Terrorismus
bewußt.

FRAGE: Man sagte uns, das Thema Sacharow sei diskutiert worden. In
welchem Umfang sah man diese Frage als für die Ost-West-Agenda wichtig an?

ANTWORT: Nun, sie ist Teil der Sorge, die wir uns alle um die Rechte
und das Wohlergehen aller Menschen, umso mehr um die einer so herausragenden Person - und Frau Bonners - machen. Darüber wurde natürlich gesprochen. Ich glaube aber, daß es unter diesen Umständen nicht unbedingt sehr
produktiv wäre, an diesem Punkt der Entwicklung eine öffentliche Erklärung hierüber abzugeben.

FRAGE: Können Sie uns sagen, was der Präsident von den Demonstranten
hielt? Und können Sie uns sagen, ob es Momente während der Sitzung gab,
da es laut zuging?
ANTWORT: ...Ich habe auf diese Frage in einem unmittelbaren Sinn
keine Antwort: Als der Präsident die Halle betrat, hatten wir kaum Zeit,
da Frau Thatcher mit ihrer Erklärung begann; und auch danach konnte ich
kaum mit dem Präsidenten reden, da die Staats- und Regierungschefs vor
den Ministern den Raum verließen.

Zur zweiten Frage: Natürlich schreit

man sich bei derlei Gelegenheiten nicht an, aber ich würde sagen, die
Gespräche waren geistreiche Gespräche. Es handelt sich ja hier um Probleme, über die wir uns alle Sorgen machen. Und selbst wenn man gleicher
Ansicht ist, so gibt es Unterschiede darüber, wie man etwas formuliert,
wie man die richtige Nuance findet. Bei diesen Gesprächen - Williamsburg
und diesen hier, bei denen ich selbst dabei war und andere, über die man
berichtet hat - kümmern sich die Staats- und Regierungschefs um die
Sache. Der Großteil der Diskussionen war ihre Diskussion und die Resultate sind von ihnen erarbeitet worden. Natürlich helfen andere mit Entwürfen usw., aber es ist doch ihr Gipfel. Und alle sind ja überaus erfahrene Leute, die diese Fragen kennen und die es gewohnt sind, daß man
ihnen zuhört. Ich meine also, daß es sehr wichtig ist, daß diese Art von
Gesprächen stattfindet und daß es als Ergebnis dieser Gespräche zu umfassenden und wichtigen Resultaten kommt.
+ + + + +
- 11 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. Juni 1984

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REGAN ZUFRIEDEN MIT WIRTSCHAFTSGIPFEL
- Pressekonferenz am 9. Juni 1984 -

London -(AD)- In einer Pressekonferenz am 9. Juni 1984 in London
äußerte sich der amerikanische Finanzminister Donald Regan zufrieden mit
den Ergebnissen des vorausgegangenen Weltwirtschaftsgipfels in der britischen Hauptstadt.

Die Pressekonferenz hatte folgenden Wortlaut:
REGAN; Wie Sie wissen, haben wir das Gipfeltreffen soeben abgeschlossen. Es gab drei Deklarationen, von denen die wirtschaftspolitische natürlich die wichtigste ist. In den anderen geht es um den internationalen
Terrorismus und um die Ost-West-Beziehungen und die Rüstungskontrolle.
Ferner gab es eine Erklärung zum Krieg Iran-Irak.
In wirtschaftspolitischer Hinsicht haben wir, so meine ich, das meiste von dem, was wir angestrebt haben, erreicht. Ich glaube, im Mittelpunkt stand wohl die Tatsache, daß der Wirtschaftsaufschwung in allen
Teilnehmerstaaten des Gipfels begonnen hat und weitgehend auch in allen

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in allen anderen Industriestaaten. Wir sind übereingekonmen, diesen
Wirtschaftsaufschwung weiter voranzutreiben, wobei wir darauf achten
werden, daß dabei nicht die Inflation angeheizt wird.

Die Bereiche, denen wir uns am intensivsten gewidmet haben, waren,
abgesehen von der wirtschaftlichen Situation unserer Länder, die internationale Verschuldung und die Lage, in der sich viele der Entwicklungsländer und unterentwickelten Staaten befinden. Ein großer Teil des Schlußprotokolls ist den Hilfsmaßnahmen gewidmet, auf die wir uns geeinigt haben, d.h., auf Maßnahmen zur Bewältigung der internationalen Verschuldung
und auf Hilfsmaßnahmen und zusätzliche Mittel für die Entwicklungsländer.

Wir waren einhellig der Meinung, daß ein einzelfallweiser Ansatz, bei
dem man jedes Land für sich betrachtet, der angemessene sei. Die gute
Arbeit, die der IWF (Internationale Währungsfond) auf diesem Gebiet bis
heute geleistet hat, haben wir vermerkt.

Ferner stimmten wir darin überein, daß sowohl den Schuldnerländern
als auch anderen Entwicklungsländern am besten durch eine Ausweitung des
Handels zu helfen sei. In diesem Zusammenhang haben wir auch erklärt, daß
unseres Erachtens viele dieser Länder zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
nicht nur Kredite, sondern mehr Kapitalanlagen brauchen. In dem Schlußprotokoll wird eine ganze Menge ausgesagt über Mittel und Wege zur Verringerung der Arbeitslosigkeit und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze für die
Menschen in unseren Ländern, insbesondere in den europäischen Ländern.

Weiterhin stimmten wir überein, daß, soweit es den Handel anbelangt,
offene Grenzen notwendig sind und daß der Protektionismus bekämpft werden
sollte.

Wir haben auch erklärt, daß allen internationalen Finanzinstitutionen
nach Möglichkeit größere Mittel zur Verfügung gestellt werden sollten,
und daß alle Länder aufgerufen sind, bei der Vergabe multilateraler wie
bilateraler Hilfe großzügiger zu sein.

Im Hinblick auf die internationale Verschuldung waren wir der Mei-

- 2 -

�der Meinung, daß man mit betroffenen Ländern, die sich selbst erfolgreich
bemühen, zu korrigieren, was mit ihrer Wirtschaft nicht stimmt, über eine
mehrjährige Umschuldung verhandeln solle.

Das Schlußprotokoll enthält auch einen Absatz über den Umweltschutz,
in dem es heißt, daß alle Maßnahmen sorgsam geprüft werden sollten, bevor
sie tatsächlich getroffen werden, weil die wissenschaftliche Lehrmeinung
bei vielen dieser Probleme immer noch geteilt ist.

Ferner enthält das Schlußprotokoll eine Erklärung über die Ölversorgung und die Notwendigkeit, sich in das Vorhandene zu teilen.
Schließlich enthält es noch eine Einladung der Vereinigten Staaten an
die übrigen Länder, bei den amerikanischen Projekten im Bereich der bemannten Raumfahrt mitzuarbeiten.

Wenn ich den Verlauf der Sitzungen in einem Satz beschreiben soll, so
würde ich sagen: es gab lebhafte Diskussionen, aber am Ende konnten wir
Übereinstimmung erzielen.

FRAGE; Sie sagten, Sie hätten das meiste von dem, was Sie angestrebt
hatten, erreicht. Was haben Sie nicht erreicht ?

REGAN; Zu den Dingen, die wir ursprünglich wollten, gehört ein Termin
für eine neue GATT-Runde. Wir hatten gehofft, daß noch 1985 Gespräche
stattfinden und dann 1986 zu einer Verhandlungsrunde überleiten würden.
Die meisten Teilnehmerstaaten wollten aber keinen festgelegten Termin,
weil sie fürchteten, daß sie dann im Wettlauf mit der Zeit liegen und gar
nicht dazu kommen würden, sich wirklich eingehend Gedanken darüber zu
machen, worüber sie bei den Verhandlungen eigentlich sprechen wollten.
Deshalb ist jetzt nur von "so bald wie möglich" die Rede und nicht mehr
konkret von 1985.

FRAGE: Gibt es noch etwas, das ...

REGAN: Nun ja, es heißt hier, daß einige Länder den Gemeinsamen

- 3 -

�den Gemeinsamen Rohstoff-Fond wieder eröffnen wollen. Wir sehen das mit
gemischten Gefühlen. Wir haben das Abkommen über den Fond nicht ratifiziert, und wir glauben, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ratsam
wäre, ihn zu aktivieren. Wir glauben, er würde eher wie ein Mechanismus
zum Festschreiben der Preise wirken. Wir sind nicht der Meinung, daß das
sehr produktiv wäre, aber die bewußte Aussage steht nun eben doch im
Schlußprotokoll.

FRAGE; Es gibt da noch einen Abschnitt, den Frau Thatcher in ihrer
Erklärung ausgelassen hat. Es geht darin um die Neuverhandlung des
Verschuldungsproblems der armen Länder auf Regierungsebene. Heißt das,
daß Sie sich darauf nicht festlegen wollen ?

REGAN; Aber nein. Frau Thatcher hat in der Kürze der Zeit lediglich
versucht, einige der wichtigsten Aspekte hervorzuheben. Ich nehme an, daß
sie die Dinge in ihrer Pressekonferenz ausführlicher darlegen wird. Sie
hat bestimmt nicht versucht, sich aus dieser Sache wieder herauszumogeln.

FRAGE; Wenn Sie sagen, die Teilnehmer haben vereinbart, daß den
internationalen Organisationen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden
sollen, heißt das dann, daß sie über eine Erhöhung der Quoten für den IWF
oder über die Zuteilung von Sonderziehungsrechten gesprochen haben ? Wenn
ja, wieviel ?

REGAN; Das ist nicht genau das, worüber wir gesprochen haben. Während
der Gespräche wurde, wie Sie wissen, darauf hingewiesen, daß die Gesamtsumme für IDA VII, d.h., für die siebente Quotenerhöhung für die Internationale Entwicklungsgesellschaft (International Development Association,
eine Unterorganisation der Weltbank, die zinsgünstige Kredite an die ärmsten Länder vergibt, Anm. der Redaktion), in den entsprechenden Verhandlungen bereits auf 9 Milliarden Dollar festgesetzt worden ist. Viele Länder haben angedeutet, daß sie bereit seien, darüber hinaus Zuwendungen zu
machen. Nun, wenn andere Länder der IDA mehr Mittel zuwenden wollen, dann
ist das ihre Sache. Wir Amerikaner haben dagegen darauf hingewiesen, daß
wir unsere bilaterale Hilfe erheblich erhöht haben, z.B. im Rahmen unserer Initiative für das Karibische Becken und unserer Bemühungen für

- 4 -

�Bemühungen für Mittelamerika sowie durch den Afrika-Fond, den wir eingerichtet haben. Tatsächlich haben die meisten anderen Teilnehmer dann ja
auch gesagt, daß jedes Land, das es sich leisten könne, seine bilaterale
Hilfe zu erhöhen, dies tun solle.

FRAGE; Worum ging es bei den "lebhaften Diskussionen" ? Um die
Zinssätze und Haushaltsdefizite ?

REGAN; Nein. Es ging ein bißchen lebhaft zu. Ich würde sagen, es war
eine recht gute Diskussion.

FRAGE; Haben die Vereinigten Staaten in irgendeiner Frage nachgeben
müssen ?

HOCHRANGIGER REGIERUNGSBEAMTER; Nein. Wir waren uns darin einig, daß
alle Teilnehmerstaaten Defizite haben und daher versuchen sollten, sie zu
beseitigen. Wir, wie auch die anderen, bedauern die hohen Zinssätze. Und
wir waren alle der Meinung, daß es großartig wäre, wenn sie gesenkt werden könnten.

FRAGE; Hat einer der anderen Staatschefs der amerikanischen Auffassung beigepflichtet, daß Defizite keinen Einfluß auf die Zinssätze haben ?

HOCHRANGIGER REGIERUNGSBEAMTER; Nun, sie haben das diskutiert und
gesagt, daß sie schon einen Zusammenhang sehen. Wie Sie wissen, fanden
die Gespräche getrennt statt - die Staats- und Regierungschefs in einem
Saal, die Außenminister in einem anderen, die Finanzminister wieder in
einem anderen. Der größte Teil der Diskussion über Zinssätze fand in der
Sitzung der Finanzminister statt und nur in geringerem Umfang auch im
Plenum, wo sich dann alle drei Gruppen wieder trafen.

Wir haben die anderen darauf hingewiesen, daß es keine Studie gibt,
die diesen Zusammenhang belegt. Die Leute sagen das zwar immerzu, aber
wir haben nun schon auf den letzten vier Gipfeltreffen um einen Beweis
gebeten, aber bis jetzt hat noch niemand einen vorgelegt.
Andererseits gibt

- 5 -

�Andererseits gibt es aber mindestens 20 Studien von Professoren, Wirtschaftswissenschaftlern usw., in denen es heißt, daß unsere Auffassung
die richtige sei. Angesichts dieser Indizien meinten die anderen zwar,
sie glaubten weiterhin, daß es einen Zusammenhang gebe, aber sie wissen
wohl nicht genau, was für einen.

FRAGE; Um daran anzuknüpfen: Sie sagten, daß die anderen Länder alle
der Meinung gewesen seien, daß ein Zusammenhang bestehe, daß Ihnen aber
bislang noch keine entsprechende Studie vorgelegt worden sei. Wenn nun
aber all die anderen Industriestaaten meinen, daß ein Zusammenhang bestehe, könnte es dann nicht sein, daß die amerikanische Auffassung falsch
ist ?

REGAN; Nein. Ich meine, die anderen haben keinen Beweis für ihre
Behauptungen. Wir dagegen können beweisen, was wir sagen. Deshalb meinen
wir, daß unsere Auffassung richtig ist. Das soll natürlich nicht heißen,
daß wir für Defizite sind. Mißverstehen Sie uns nicht. Wir haben den
anderen eindeutig gesagt - und stimmen darin mit ihnen überein - daß wir
die Defizite gern abbauen möchten. Aber unser hauptsächlicher Beweggrund
dafür liegt darin, daß wir glauben, daß die Ausgaben der amerikanischen
Bundesregierung zu hoch sind. Daher möchten wir die Ausgaben kürzen,
womit wir auch die Defizite verringern würden.

FRAGE: Fand die "lebhafte Diskussion" zwischen den Ministern,
zwischen den Staats- und Regierungschefs oder zwischen allen statt ?
REGAN: Zwischen allen. Sehen wir es doch einmal, wie es ist. Da waren
vierundzwanzig Personen versammelt, die alle daran gewöhnt sind, vor Publikum zu sprechen, die meisten davon Mitglieder von Parlamenten und Volksvertretungen oder was es auch immer gibt. D.h., keiner der Teilnehmer war
besonders schüchtern oder hatte Hemmungen, seinen oder ihren Standpunkt
darzulegen.

FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit gesagt, daß hohe Zinssätze die
konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten bislang nicht behindert haben. Im vierten Absatz des Schlußprotokolls heißt es nun aber, daß

- 6 -

�aber, daß der konjunkturelle Aufschwung in Gefahr geraten könne, wenn die
Zinsen hoch bleiben und wenn man es versäumt, die Inflation weiter zu
vermindern und die Inflationserwartungen zu dämpfen. Stellt das einen
Meinungswandel oder eine leichte Veränderung des gegenwärtigen Standpunkts der Vereinigten Staaten dar ?

REGAN: Nein. Es ist richtig, daß der weltweite Aufschwung in Gefahr
geraten könnte, wenn die Zinsen auf dem gegenwärtigen Stand blieben oder
sogar stiegen. Aber die Mahnung in Absatz Vier, wo es heißt, daß der
konjunkturelle Aufschwung in Gefahr geraten könne, wenn die Zinsen hoch
blieben und wenn man es versäume, die Inflation weiter zu vermindern,
richtet sich ebenso an die Schuldnerländer wie an die Teilnehmerstaaten
des Gipfels.

FRAGE; Wurde beim Treffen der Finanzminister oder beim Gipfeltreffen
angedeutet, daß die Zinsen in der Tat wahrscheinlich noch weiter steigen
werden ?
REGAN; Über das Thema wurde viel gesprochen. Präsident Reagan setzte
einen Fixpunkt, indem er sagte, er glaube, die Zinsen würden sinken. Ich
weiß, daß sich Außenminister Shultz dieser Meinung angeschlossen hat, und
ich selbst habe nie daran gezweifelt.

FRAGE; Enthält das Kommunique irgend etwas, was Sie entweder als neue
Initiative oder als Abweichung von der gegenwärtigen amerikanischen Politik einstufen würden ?

REGAN; Nichts, was mir gegenwärtig wäre. Ich weiß von keiner neuen
Initiative, d.h., von etwas, was wir nicht schon vorher besprochen hätten
und was jetzt erst neu ins Gespräch gebracht worden wäre.

FRAGE; Und etwas, was von der gegenwärtigen amerikanischen Politik
abweicht oder sie revidiert ?

REGAN; Nein, nichts außer der einen Stelle über den Agrarfond, die
ich schon erwähnt habe ...
FRAGE: Und

�FRAGE: Und die mehrjährige Umschuldung ?

REGAN: Nein, das Thema der Umschuldung ist daheim in den Vereinigten
Staaten schon lange bevor wir hierher kamen diskutiert worden. Erst letzte Woche wurde es in Philadelphia bei einer Zusammenkunft von Bankiers
erörtert. Das ist keine neue Idee.

FRAGE: In einem früheren Entwurf war eine Erklärung enthalten, in der
die Verringerung des amerikanischen Defizits um eine erste Tranche begrüßt wurde. In der Endfassung wurde diese Erklärung fallengelassen. Gehört sie zu den Dingen, die die Vereinigten Staaten eigentlich gern realisiert gesehen hätten ?

REGAN: Nun, die anderen haben den amerikanischen Schritt zur Verringerung des Defizits in der Tat begrüßt. Nur entspräche es nicht den Gepflogenheiten bei der Abfassung von Kommuniques, hervorzuheben, daß wir in
der Frage der Defizite aktiv geworden sind, aber unerwähnt zu lassen, was
die anderen zum Abbau ihrer Defizite unternommen haben. Deshalb wurde diese Erklärung fallengelassen.

FRAGE: Die Administration will zwar das Defizit abbauen, aber sie
sagt ja, daß das keinen Einfluß auf die Zinsen habe. Wie wollen Sie denn
nun die Zinsen senken ?

REGAN: Indem wir das Geldmengenwachstum und die Bundesausgaben im
Griff behalten. Man muß schließlich zugeben, daß die Währungspolitik die
Zinssätze beeinflußt. Deshalb achten wir darauf. Und dann sind da noch
unsere Bestrebungen zur Beseitigung der staatlichen Reglementierung der
Wirtschaftstätigkeit, einer Praxis also, die ihrer Natur nach zur inflationären Verteuerung von Produkten beiträgt. In dieser Beziehung haben
wir eine Menge unternommen.

FRAGE: Wird die Administration erhöhten Druck auf die Notenbank
ausüben ?

REGAN: Die Administration übt auf die Notenbank keinen Druck aus.

�Druck aus. Gelegentlich haben wir uns zu den Maßnahmen der Notenbank
ziemlich freimütig geäußert, aber wir üben keinen Druck aus.

FRAGE: In diesem Zusammenhang heißt es in dem Schlußprotokoll, die
Teilnehmer an dem Gipfel seien übereingekommen, "das Geldmengenwachstum
zu regulieren und Haushaltsdefizite zu verringern, wo dies notwendig
ist." Gibt es denn Fälle, in denen die Verringerung von Haushaltsdefiziten unnötig ist ?

REGAN: Einige der teilnehmenden Staaten waren der Meinung, daß sie
ihre Defizite bereits so weit abgebaut hätten, wie es in Hinblick auf
ihre hohe Arbeitslosigkeit möglich sei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt waren
sie daher nicht bereit, sich auf eine weitergehende Verringerung ihrer
Defizite festzulegen. Sie glaubten, daß der Stand, auf den sie ihre Defizite heruntergeschraubt haben, angesichts der wirtschaftlichen Lage, in
der sie sich befinden, ein nicht mehr weiter reduzierbares Minimum darstellt.

FRAGE: Haben die Vereinigten Staaten gesagt, welches Niveau ihnen für
ihre Defizite akzeptabel erscheinen würde ?

REGAN: Nein, über so etwas ist nicht gesprochen worden.

FRAGE: Sie sagten, Ihnen lägen keine Studien vor, die einen Zusammenhang zwischen Defiziten und Zinssätzen belegen. Was ist denn mit dem Bericht der Wirtschaftsberater des Präsidenten ? Haben Sie den schon einmal
aufmerksam gelesen, oder glauben Sie immer noch, dieses Dokument sei gegenstandslos ?

REGAN: Dabei handelte es sich nicht um eine Studie. Das Dokument
enthielt zwar Aussagen, aber keine Beweise oder Belege; es war keine
Studie im eigentlichen, klassischen Sinne.

FRAGE: Es gibt aber eine ganze Menge anderer Studien ...

REGAN: Wenn das so ist, würde es Ihnen dann etwas ausmachen, sie zu

�sie zu meinen Händen ins Finanzministerium zu senden ? Ich habe sie
bisher nicht zu sehen bekommen.

FRAGE; Für wie hoch halten Sie die Wahrscheinlichkeit, daß es 1986
eine neue GATT-Runde geben wird ?

RBGAN; Ich glaube, die Chancen sind gut, weil wir versuchen werden,
den Vorbereitungsprozeß nach Möglichkeit zu beschleunigen. Zuerst müssen
wir die Runde in Tokio abschließen und dann mit dieser Sache beginnen.
Botschafter Brock, der Beauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen, wird mit seinen ausländischen Kollegen sprechen, um die Dinge voranzutreiben. Immerhin sind bis 1986 noch 18 Monate Zeit, und in 18 Monaten
kann man eine Menge Gespräche führen, und genau das beabsichtigen wir zu
tun.

FRAGE: Können Sie erläutern, worauf man sich hinsichtlich der Sicherheit der Weltölversorgung geeinigt hat ? Hat man entschieden, daß die Notfallpläne der Internationalen Energieagentur hinreichend sind oder wurde
der japanische Vorschlag einer ergänzenden Notfallplanung angenommen ?

RBGAN: Abschnitt 11 wurde gemeinsam ausgearbeitet. Wir sind dabei
keinem besonderen Plan gefolgt. Jeder Teilnehmerstaat legte dar, über
welche Ölreserven er verfügt, und alle stimmten überein, daß sie, wenn
sie an ihrer Bevorratungspolitik festhielten, wahrscheinlich mit eventuellen Problemen fertigwerden würden.

+ + + + +

- 10 -

�24

13. Juni 1984

USA STREBEN SEIT 1934 LIBERALISIERUNG DES HANDELS AN

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Juni 1984 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung wird des 50. Jahrestags eines 1934 vom
amerikanischen Kongreß verabschiedeten Gesetzes über Gegenseitigen Handel gedacht,
das seither durch einen Abbau von Handelsschranken und einen verstärkten Warenaustausch allen Ländern zum Vorteil gereichte.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Heute ist der 50. Jahrestag des Gesetzes über Gegenseitigen Handel von 1934,
zu dem das Außenministerium ein besonderes Verhältnis hat. Dieses Gesetz bedeutete
den Beginn von 50 Jahren amerikanischer Handelsliberalisierung. Bezeichnenderweise
kam es zu diesem Gesetz nur vier Jahre nach dem Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930,
aufgrund dessen die durchschnittlichen amerikanischen Zölle auf 55 Prozent angehoben wurden und demzufolge nach Ansicht vieler Wirtschaftswissenschaftler aus
einer kleineren Rezession die Weltwirtschaftskrise wurde. In Erkenntnis des Schadens, der dadurch sowohl unserer Volkswirtschaft als auch unseren internationalen
Beziehungen zugefügt wurde, überzeugte Außenminister Cordell Hüll Präsident Franklin
Roosevelt, seinen Kurs zu ändern.
Die mit

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�Die mit dem Gesetz über Gegenseitigen Handel einsetzende Handelsliberalisierung ermöglichte es dem Welthandel, zwischen 1948 und 1973 um nahezu 50 Prozent
schneller zu wachsen als die Weltproduktion, brachte die weltweiten Exporte auf
das neutige Niveau von 2 Billionen Dollar und wird bis 1987 zu einer Verringerung
der Durchschnittszölle eines Industrielandes auf drei bis vier Prozent führen.
Angesichts der Tatsache, daß die moderne Technik die Welt - sowohl im Positiven
wie im Negativen - immer kleiner werden läßt, werden Handelsbeziehungen immer
wichtiger.

Wenn wir Güter und Dienstleistungen austauschen, dann tauschen wir auch

Ideen aus.

Wenn jemand eine bessere Mausefalle baut, dann kommen die Leute nicht

nur zu ihm, um diese neue Mausefalle zu kaufen, sondern auch, um auf das Geheimnis
seines Erfolgs zu kommen.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung des amerikanischen

Handels für unsere Volkswirtschaft haben auch andere erkannt, daß es in Bereichen
denen der
der
wie etwa/Landwirtschaft und/fortgeschrittenen Technologie hinter unserem gewaltigen Produktionsausstoß vieles gibt, das eine Nachahmung lohnt. Und mit der Herausforderung, vor der die traditionellen amerikanischen Industriezweige angesichts der
Importe stehen, lernen auch wir, daß es in so unterschiedlichen Bereichen wie
Lagerhaltung, Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder Qualitätsmaßstäben im Ausland vieles gibt, was wir zu unserem eigenen Vorteil übernehmen
können. In dieser Hinsicht nützt ein Abbau der Handelsschranken zwischen den einzelnen Staaten uns allen.
In den 50 Jahren seit Verabschiedung des Gesetzes über Gegenseitigen Handel
von 1934 sind wir ein großes Stück vorangekommen. Aber noch immer liegt ein weiter
Weg vor uns. Zölle und andere Handelsschranken begrenzen noch immer den Welthandel
und es gilt, Herausforderungen wie etwa im Handel von Dienstleistungen und fortgeschrittener Technologie zu bestehen. Wir hoffen, auf dem Erreichten der letzten
50 Jahre aufbauen zu können, damit nach weiteren 50 Jahren die nach uns Kommenden
auf die achtziger Jahre als eine Zeit zurückblicken können, in der es zu einem
gleichermaßen bedeutsamen Neubeginn der Liberalisierung des Welthandels kam.
+ + + + +

- 2 -

�24

13. Juni 1984

MYKOTOXINE: STREITFRAGE UNTER WISSENSCHAFTLERN
- Von William Kucenicz -

Der Verfasser ist Kolumnist des "Wall Street
Journal". Nachdruck nur ungekürzt mit Nennung des Autors und dem Vermerk "Mit Genehmigung von 'The Wall Street Journal', Copyright by Dow Jones &amp; Company, INC., 1984"
gestattet.

- (AD) - Die Säle eines ehemaligen Klosters aus dem 14. Jahrhundert in Gent
in Belgien schienen zunächst ein etwas seltsamer Rahmen für eine internationale
wissenschaftliche Konferenz über "Gelben Regen" zu sein.

Drei Tage lang tobte der

Streit, und für Reputationen gab es auf beiden Seiten manche Blessur.

Aber diese

Universitätsstadt mit ihrer an religiösem, politischem und geistigen Umbruch so
reichen Vergangenheit war genau der richtige Ort für die bisher am klarsten umrissene wissenschaftliche Konferenz über die Anwendung von chemischen Kampfstoffen und Toxinen in Südostasien, Afghanistan und im Iran.
Die Konferenz mit Dutzenden von Wissenschaftler, Ärzten und Journalisten aus
28 Ländern beim "Ersten Weltkongreß über neue Verbindungen in der biologischen
und chemischen Kriegführung" war von Aubin Heyndrickx, dem Leiter des Departments
für Toxikologie der Universität Gent einberufen worden.

In den letzten paar

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�letzten paar Monaten hatte Heyndrickx weltweit Schlagzeilen gemacht, nachdem er
behauptet hatte, daß er Mykotoxine - dieselben Pilzgifte, die im Gelben Regen
von Südostasien identifiziert worden waren - in Körperflüssigkeiten mehrerer
iranischer Soldaten gefunden habe, die zur Behandlung von Verletzungen nach
Angriffen des Irak mit chemischen Waffen nach Europa gebracht worden waren.
Neben der Überprüfung der von Prof. Heyndrickx gefundenen Ergebnisse wollte
die Konferenz u.a. auch die These des Biologen Matthew Meselson der HarvardUniversität erörtern, daß es sich um Bienen-Fäkalien handle. Seit der CarterAdministration sammeln die Vereinigten Staaten zunehmend Beweise, daß chemische
Waffen gegen Hmong-Volksangehörige und Soldaten in Kambodscha eingesetzt wurden.
Im September ]981 warf die Reagan-Administration der Sowjetunion vor, durch die
Anwendung und Lieferung von tödlichen Toxinwaffen in Südostasien und Afghanistan
Verträge zu verletzen - insbesondere von Waffen mit Trichothecen-Mykotoxinen aus
dem Fusarium-Pilz. Wiederholt, aber nicht immer bestätigten Labortests an Umweltproben von Gelbem Regen sowie an Blut-, Urin- und Gewebeproben von Opfern aus
Südostasien das Vorhandensein von Mykotoxinen.
Von Anfang an war Meselson skeptisch hinsichtlich der Gültigkeit der amerikanischen Beweise und entwickelte eine Gegentheorie zur Erklärung des Gelbem
Regens und des Vorhandenseins von Toxinen.
Wie er vor Konferenzteilnehmern in
Gent erklärte, sei Gelber Regen nichts anderes als von Bienen bei ihren Reinigungsflügen ausgeschiedene Pollen, und bei den Trichothecen-Komponenten handle
es sich wahrscheinlich um eine Nahrungsmittelinfektion infolge eines natürlichen
Vorkommens in Südostasien. Im März begaben sich er und andere amerikanische
Wissenschaftler nach Thailand, wo sie Bienen fanden, die regelrechte "Schauer"
gelblicher Fäkalien produzierten. Meselson sammelte Proben dieser Bienenfakalien
und zeigte sie Hmong-Flüchtlingen in thailändischen Lagern. Eine Anzahl von ihnen
bezeichnete die Proben als "Chemi" oder Gelber Regen'.
Nachdem Meselson seine Gegenthese dargelegt h a U e , gingen mehrere amerikanische und kanadische Wissenschaftler, die sich seit geraumer Zeit mit den mit

�mit den mit Gelbem Regen zusammenhängenden Daten befassen, zum Angriff über.
Huguette Cohen, Wissenschaftlerin im kanadischen Landwirtschaftsministerium,
stellte die Erklärung mit Bienenfäkalien total in Frage und erklärte:"Wir haben
uns an die Tatsachen und an das zu halten, was geschehen ist.

Es gibt Opfer.

Es gibt Menschen, die daran gestorben sind". Meselson unterbrach: "Wir wissen das
nicht .. wir wissen nur, daß es sich bei dem, was uns als 'Gelber Regen' präsentiert wird, um Bienenexkremente handelt".
Frau Cohen legte erdrückende Beweise gegen die Meselsonsche Hypothese mit
einer Arbeit über Experimente mit Pollen von Bienen und Pilzen der Gattung Fusarium
vor. Die in Südostasien gesammelten Fusarien produzierten selbst unter idealen
Laborbedingungen keinerlei Trichothecene in Verbindung mit Bienenpollen. Frau
Cohen erklärte, die Beweislast liege nun bei jenen, die behaupten, bei den im
Gelben Regen gefundenen Mykotoxinen handle es sich um ein natürliches Phänomen jenem nämlich, daß in Südostasien Pollenexkremente von Bienen mit Trichothecenen
verseucht seien.
Das sei ihrer Ansicht nach unwahrscheinlich, weil eine Mykotoxinverseuchung der Nahrungskette in Südostasien "ein langsam fortschreitendes
Phänomen mit sehr weit verbreiteter Krankheit wäre". Die gesamte Bevölkerung in
diesem Raum würde erkranken, und man würde Anzeichen für die Verseuchung im Blut
und im Gewebe der gesamten Bevölkerung finden. "Dem ist aber nicht so", sagte sie.
"Einige erkranken ganz plötzlich nach einem Angriff, und Personen in einem benachbarten Gebiet, die dem Angriff nicht ausgesetzt waren, zeigen keinerlei Symptome
oder Beweise für die Vergiftung. Auch gibt es keinen Beweis dafür, daß Fusarien
spontan den Verdauungskanal von Bienen besiedeln und das Toxin produzieren, das
angeblich beim Reinigungsflug ausgeschieden wird. Würde die Biene verseuchte
Pollen mit hoher Konzentration an Trichothecenen aufnehmen, würde sie nicht überleben".

Außerdem experimentierte der kanadische Toxikologe Bruno Schiefer, der früher
für die kanadische Regierung Studien an Gelbem Regen durchführte, mit 13 aus südostasiatischem Material isolierten Fusarienarten, um unter idealen Laborbedingungen
Trichothecene zu produzieren.

Nur mit einer der Proben gelang es, ein Toxin zu

gewinnen, und das nur mit sehr geringer Ausbeute.

- 3 -

"Unter natürlichen Bedingungen",

�natürlichen Bedingungen", sagte er, "wären niemals genügend Trichothecene erzeugt
worden, und eine Erkrankung auszulösen". Er erklärte außerdem, daß es in Südostasien keinerlei Anzeichen für natürlich auftretende Erkrankungen gebe, die durch
Trichothecene hervorgerufen würden.
In einer weiteren Abhandlung räumte Schiefer mit der Vorstellung einiger
Wissenschaftler auf, daß Trichothecene nicht toxisch genug seien, um die schwerwiegenden Symptome und auch zum Tode führenden Schädigungen zu verursachen, wie
sie von überlebenden von Angriffen mit Waffen, die Gelben Regen freisetzen, beschrieben werden. Unter Verwendung einer Mischung von drei verschiedenen Trichothecen-Typen (T-2, DAS und DON), ähnlich der in Proben von Gelbem Regen tatsächlich
gefundenen Mischung, kam er bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß "der
Cocktail innerhalb von 24 bis 48 Stunden für jedes Versuchstier der Gruppe (Mäuse
und Ratten) absolut tödlich war". Die Mischung der Mykotoxinen, so erklärte er,
"wirkte schneller als jeder einzelne Typ für sich". Er entdeckte außerdem, daß
die Trichothecene über die Haut eine toxischere Wirkung hatten, als wenn sie den
Tieren oral verabreicht wurden. Bei früheren agrarwissenschatlichen Studien zu
den Auswirkungen von Trichothecenen, bei denen es um mögliche Gefahren durch eine
Verseuchung von Lebensmitteln ging, hatte man nur mit dem Zusatz der Gifte zum
Futter experimentiert und dabei außerdem nur jeweils ein Toxin verwendet. Schiefers
Ergebnisse bestätigten die Berichte von Hmong-Leuten über die überaus raschen Auswirkungen von Gelbem Regen nach Kontakt mit der Haut und infolge Einatmen des Gifts.
Bei einer weiteren kontroversen Frage, die von den am Gelben Regen zweifelnden
Konferenzteilnehmern angeschnitten wurde, ging es darum, ob die Trichothecene noch
längere Zeit nach einer Exposition im Körper verbleiben oder rasch ausgeschieden
werden. Die Kritiker behaupteten, die Befunde von Trichothecenen und ihren Stoffwechsel Produkten in Körperflüssigkeiten und Geweben bei Hmong-Leuten und Opfern
aus Kambodscha seien irreführend, ehester Mirocha, ein Trichothecen-Experte von
der Universität Minnesota, der viele der amerikanischen Proben von Gelbem Regen
untersuchte, führte eigene Tierversuche durch und zeigte, daß die Mykotoxine tatsächlich nach einer Exposition in ähnlichen Anteilen im Körper verbleiben, wie

- 4 -

�verbleiben, wie man sie bei Opfern von Gelbem Regen findet.
Eine Abgrenzung gegen das natürliche Auftreten von Mykotoxinvergiftungen in
Südostasien machte Joseph Rosen, Professor für Ernährungswissenschaften am Cook
College der Rutgers-Universität. Er bestätigte erneut, daß er in einer Probe von
Gelbem Regen, die er im Jahr 1981 für "ABC NEWS" untersuchte, eine nicht in der
Natur vorkommende Substanz gefunden habe.

Es handelte sich um Polyäthylen-Glykol,

das möglicherweise als Träger zum Verbreiten der Toxine diente.

Diese Substanz habe

nicht, wie einige behaupteten, von einer zufälligen Verseuchung der Probe stammen
können, erklärte er.
Außer in seinem eigenen Bericht wurde in keiner der auf der Genter Konferenz
vorgelegten Abhandlungen Meselsons Behauptung unterstützt, daß Gelber Regen nichts
anderes sei als Exkremente von Bienen, und daß Trichothecene ein natürliches
Produkt seien, das in Südostasien in die Nahrungskette gelange. Aber auch die Ergebnisse
Prof. Heyndrickx bei seinen Untersuchungen an iranischen Soldaten waren wenig überzeugend.
Niemand bezweifelte, daß gegen iranische Soldaten Senfgas und wahrscheinlich
auch das Nervengas Tabun eingesetzt worden war. Analysen des Inhalts von Blindgängern, klinische Untersuchungen iranischer Opfer in europäischen Krankenhäusern
und Aufnahmen von den eigenartigen Hautverletzungen und Verfärbungen der Körper
überzeugten jeden, daß chemische Waffen gegen den Iran eingesetzt worden waren.
Hinsichtlich der Mykotoxine kam es jedoch nicht zu einer derartigen Obereinstimmung.
Heyndrickx und Mitarbeiter von der Universität Gent berichteten, in 16 biologischen Proben von 10 verschiedenen Opfern aus dem Iran Trichothecene gefunden
zu haben.
worden.

Aber in keinem der untersuchten Blindgänger waren Mykotoxine gefunden
Dr. Herbert Mandl und Dr. Gernot Pauser, zwei österreichische Ärzte,

erklärten, die klinischen Daten bei den von ihnen behandelten Opfern aus dem Iran
hätten die Trichothecen-Exposition bestätigt.

- 5 -

Dr. Pauser hob noch hervor, daß

�hervor, daß vor allem die Enzymaktivität in der Lunge von zwei der drei Opfer ihn
überzeugt hätten, daß man es mit Mykotoxinen zu tun habe.
Mehrere andere Wissenschaftler und Ärzte standen diesen Ergebnissen kritisch
gegenüber.

Was die chemische Analyse betreffe, so habe Prof. Heyndrickx versäumt,

an seine zu Beginn positiven Befunde mittels der Gaschromatographie eine massenspektroskopische Analyse anzuhängen.

Es sei möglich, so sagten die Wissenschaftler,

mit dem zuerst und ausschließlich angewandten Verfahren "falsche Positiv-Befunde"
zu bekommen.

"Es gab eine Anzahl von Unvereinbarkeiten in den von Prof. Heyndrickx

gefundenen Resultaten von Mykotoxinen bei den iranischen Proben", meinte Prof. Rosen.
Auch der Arzt Dr. Arnos Townsend, der während der letzten Jahre in Thailand
Opfer von Gelbem Regen behandelte, äußerte "Vorbehalte" gegenüber den klinischen
Daten der Patienten und fragte, ob denn die Symptome überhaupt einer MykotoxinExposition entsprachen.
herzustellen", meinte er.

"Für mich wäre es schwierig, hier eine direkte Beziehung
"Ich weiß nicht genug davon; in Bezug auf den Bericht

über Mykotoxine im Iran habe ich noch zu wenig gehört ... Das Ganze ist noch ein
bißchen dünn".
Jan Willems, der ärztliche Leiter des belgischen Armee-Departments zum Schutz
gegen nukleare, biologische und chemische Waffen, äußerte sich ähnlich kritisch.
Nach seiner Meinung konnten die bei den iranischen Soldaten gesehenen Auswirkungen
auch von Senfgas und Nervengas stammen. Er machte darauf aufmerksam, daß Opfer
von Angriffen mit Senfgas von Ärzten zum letzten Mal während des ersten Weltkrieges
gesehen wurden. Und damals sei der Medizin über die Aktivität von Enzymen in der
Lunge nichts bekannt gewesen. Zum klinischen Nachweis des Einsatzes von Mykotoxinen im Iran sagte er: "Es kann zutreffen, aber man kann es nicht beweisen".
Prof. Heyndrickx hielt in einem späteren Interview daran fest, daß seine
Laboranalysen mittels Gaschromatographie ausreichten, um Mykotoxine zu finden,
überdies habe das Chemiedepartment der Universität Gent, so sagte er, an "vier
oder fünf" seiner Proben, bei denen er zu einem positiven Ergebnis gekommen war,
eine massenspektroskopische Analyse durchgeführt und die My&lt;otoxin-Befunde

- 6 -

�Mykotoxin-Befunde bestätigt.
Konferenz vorzulegen.

Jedoch versäumte er, diese Befunde während der

In der Zwischenzeit konnte "The Wall Street Journal" in

Erfahrung bringen, daß in zwei oder drei amerikanischen Laboratorien iranische
Blut- und Urinproben, in denen laut Heyndrickx der Nachweis für Trichothecene
positiv ausgefallen war, untersucht worden sind.

Die amerikanischen Laboratorien,

die in Toxintests sehr viel mehr Erfahrung haben, vermochten keine Trichothecene
zu finden.
Es spricht für sich, daß es sich bei den Wissenschaftlern, die Meselsons
Bienentheorie und Heyndrickx' Iran-Ergebnisse anzweifeln, um jene Personen handelt,
die Trichothecene in Proben von Gelbem Regen aus Südostasien gefunden haben.

Nur

wenige Wissenschaftler zweifeln noch daran, daß in Südostasien in Verletzung internationaler Verträge Toxin-Waffen eingesetzt wurden.

Während der Beweis für eine

Toxin-Anwendung in Afghanistan weniger zwingend ist - ihm liegen Tests an einer
verseuchten sowjetischen Gasmaske zugrunde -, berichtete ein afghanischer Vertreter
auf der Konferenz, daß sowjetische Truppen weiterhin chemische Waffen einsetzten.
Und der Nachweis von Senfgas im Iran steht außer Frage.

Die Gruppe in Gent kam

zu dem Schluß, daß heutzutage chemische und biologische Kriegführung ein ernstes
internationales-Problem darstelle - wenigstens darüber war man sich einig.

- 7 -

i

�13. Juni 1984

24

"DISCOVERY" STARTET ZUM JUNGFERNFLUG
- Drittes Fluggerä't für die Raumtransporterflotte der USA

- (AD) - Der Jungfernflug der DISCOVERY, des dritten Raumtransporters der
Vereinigten Staaten, wird voraussichtlich am 22. Juni 1984 beginnen und sieben
Tage dauern.

Die Landung wird

in Kalifornien erwartet.

im Gebiet der Edwards Air Force Base

Kommandant des 12. Raumfähren-Unternehmens ist

Astronaut Henry Hartsfield, der beim vierten COLUMBIA-Flug vor fast zwei Jahren
als Kopilot dabei war.

Diese Funktion hat dieses Mal Astronaut Mike Coats.

Als Missionsspezialisten wurden Steve Hawley, Judy Resnik, Mike Mullane und
Charles Walker ausgewählt.

Dr. Judith Resnik ist Ingenieurin für Elektro-

technik, Walker Ingenieur bei dem Privatunternehmen McDonnell-Douglas.
Wichtigste Fracht an Bord sind ein neuartiger, sieben Tonnen schwerer Nachrichtensatellit, ein großer, entfaltbarer Sonnenenergiekollektor, eine Apparatur
für die Produktion einer pharmazeutischen Substanz nach dem Elektrophoreseprinzip (zum ersten Mal im kommerziellen Maßstab) und eine neue GroßformatKamera für kartographische Erdaufnahmen. Mit der Namensgebung DISCOVERY wollte
die NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) bekunden, daß man sich mit Hilfe der
heute verfügbaren Mittel der Technik bemüht, die jahrhundertealte Tradition der
Entdeckungen fortzusetzen. Fünf Schiffe trugen diesen Namen. Eines davon war

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�davon war das Schiff von Henry Hudson, der im siebzehnten Jahrhundert von der
Mündung aufwärts den nach ihm benannten Hudson-Fluß erkundete.

Wie Hartsfield

in einer Pressekonferenz erwähnte, waren auch drei britische Schiffe "DISCOVERY"
getauft, mit denen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Forscher in
antarktische Gewässer vordrangen.
Der zylinderförmige Nachrichtensatellit SYNCOM (Abkürzung für "Synchronous
Communications Satellite") soll am zweiten Flugtag im Orbit abgesetzt werden,
um dann mit eigenem Antrieb in eine erdsynchrone Bahn (ca. 36 000 km über dem
Äquator) aufzusteigen.

Die Energie dafür liefert ein

Flüssigkeitstriebwerk,

das 45 Minuten nach dem mit Federkraft bewerkstelligten Absetzen aus dem
DISCOVERY-Laderaum gezündet wird.

SYNCOM wurde eigens nach den Maßen des Raum-

fähren-Frachtraums konstruiert und kann nur von einem Raumtransporter aus gestartet werden.

Das erste Gerät dieses Typs wird nach seiner Stationierung auf

der 36 000 km-Bahn an die US-Marine vermietet (Jahresgebühr: 16,75 Millionen
Dollar).
Ken Renshaw, Programmdirektor für Nachrichtensatelliten und Kommunikationstechnik bei de, Firma Hughes Aircraft Company, betonte, daß das jetzt verwendete
Antriebsaggregat seit 20 Jahren in zahllosen Tests erprobt worden sei.

Es unter-

scheide sich grundsätzlich vom PAM-Feststoffraketen-Triebwerk, mit dem die beiden
Nachrichtensatelliten PALAPA B-2 und WESTAR 6 ausgerüstet waren.

Der Einschuß

dieser Satelliten in die vorgesehenen Umlaufbahnen nach dem Absetzen aus der
CHALLENGER beim letzten Raumflug mißlang.

Die in der Zwischenzeit vorgenommene

intensive Fehlersuche brachte Fehlstellen in der Materialdichte des Verbundwerkstoffs zutage, der für Teile der zweiten Antriebsstufe verwendet wird.

Möglicher-

weise sind diese mitverantwortlich für das Versagen. (PAM ist die Abkürzung für
"payload assist module" - Zusatztriebwerk zur Weiterbeförderung von Nutzlasten
aus einem Erdorbit.)
Dr. Judy Resnik ist für das Solarenergie-Experiment verantwortlich.

Voll

entfaltet hat die Kollektorflache eine Ausdehnung von 32 Metern, verpackt ist

- 2 -

�verpackt ist sie jedoch nur 18 cm hoch.
befestigt.

Die Struktur bleibt an

der Raumfähre

Sie trägt die Bezeichnung OAST-1 (OAST = Abteilung für "Aeronautics

and Space Technology" der NASA) und ist das erste Exemplar eines großflächigen,
leichten Solarkollektors, der nach Gebrauch im Weltraum zusammengefaltet und
zurückgebracht werden kann.
zeugen.

Mit dieser Struktur lassen sich 12,5 kW Strom er-

Sie wird als Stromlieferant für künftige Raumstationen erprobt, kann

aber ebenso als Zusatz-Stromquelle für Raumfähren bei längeren Weltraumflügen
dienen, wie sie später vorgesehen sind.
Die Elektrophorese-Apparatur betreut Charles Walker von der Konstruktionsabteilung der "McDonnell-Douglas Astronautics Company".

Das Verfahren zur Ab-

trennung bestimmter Komponenten aus biologischen Substanzen wurde bereits bei vier
früheren Raumtransportereinsätzen erprobt.

Jedoch handelte es sich nur um Experi-

mentierausrüstungen, und die dabei gewonnenen Mengen waren entsprechend gering.
"Der bevorstehende Flug ist wichtig", so Walker, "weil wir von dem Material,
einem gereinigten Hormon, eine so große Menge erhoffen, daß wir damit klinische

Tests auf der Erde beginnen können.

peutische Zwecke zu verwenden".
Walker nicht.

Wir haben vor, es ab 1987 für thera-

Nähere Angaben zur Art des Hormons machte

Er verwies nur darauf, daß McDonnell-Douglas mit der Ortho

Pharmaceuticals Corporation, einem Tochterunternehmen von Johnson &amp; Johnson,
zusammenarbeite, um Verfahren zur Produktion besserer oder neuartiger pharmazeutischer Präparate unter Schwerelosigkeit bis zur technischen Reife zu ententwickeln.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Westen ist auf dem richtigen Weg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Wirtschaftsgipfel in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan zufrieden mit Wirtschaftgipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz am 09. Juni 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben seit 1934 Liberalisierung des Handels an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mykotoxine: Streitfrage unter Wissenschaftlern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von William Kucenicz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"DISCOVERY" startet zum Jungfernflug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Drittes Fluggerät für die Raumtransporterflotte der USA -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

# ,o(S

...3V'

13. Juni 1990

BAKER: UNGETEILTES UND FREIES
EUROPA IN GREIFBAR NÄHE GERÜCKT
Rede des US-Außenministers bei
der KSZE

^

NATO

BAKER: NEUN ZUSICHERUNGEN AN
DIE SOWJETS
Rede des US-Außenministers beim
Nordatlantikrat

VSBM

NATO SCHLÄGT NEUEN SICHERHEITSMECHANISMUS VOR
Von Botschafter John J. Maresca
US-Delegationsleiter bei den
VSBM-Gesprächen in Wien

ILO

ILO ERHALT AMERIKANISCHE ZUSCHUSSE
FÜR ARBEIT IN OSTEUROPA
Rede von Arbeitsministerin
Elizabeth Dole

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�KSZE
13. Juni 1990

BAKER: UNGETEILTES UND FREIES EUROPA IN
GREIFBARE NÄHE GERÜCKT
Rede des US-Außenministers bei der KSZE
KOPENHAGEN - (AD) - In seiner Rede bei der KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimension erklärte USAußenminister James Baker am 6. Juni 1990: "Wir sind der Verwirklichung der langgehegten Vision eines
ungeteilten und freien Europas näher als je zuvor." Baker zufolge waren die Aussichten für die Achtung und den
Schutz der Menschenrechte "niemals besser", und seiner Ansicht nach ist es an der Zeit, daß die KSZE
zusätzliche Aufgaben übernimmt, um die "Freiheit aller Menschen" sichern zu helfen.
Damit die KSZE ihre Aufgabe erfüllen kann, unterbreitete Baker eine Reihe von Vorschlägen zur Stärkung des
KSZE-Prozesses: regelmäßige Konsultationen von Ministern und hochrangigen Regierungsvertretern, häufiger
stattfindende Folgekonferenzen, in Kopenhagen die Verabschiedung und beim KSZE-Gipfel die Bestätigung des
Grundsatzes von freien und fairen Wahlen, politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.
Bei diesem Ministerireffen werden Vorbereitungen für einen KSZE-Gipfel Ende des Jahres getroffen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erwartungsgemäß ein Abkommen über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) unterzeichnen werden. Baker erklärte dazu, "Präsident Gorbatschow hat vergangene Woche
angedeutet, daß er diese Auffassung teilt," und verwies darauf, gerade die KSZE sei das Forum, indem die
Vereinigten Staaten, Kanada und alle Länder Europas eine gemeinsame Basis finden können, um diesen
Herausforderungen gerecht zu werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede "Die KSZE: Das Gewissen des Kontinents" im Wortlaut:

Wir werden gegenwärtig Zeuge der Entstehung eines
neuen Zeitalters in Europa.

Deshalb sind wir hier.

Wir leben in einer Zeit der Gespräche über neue
Strukturen, Gremien, Ausschüsse, Bündnisse und
gemeinsame Häuser.

Der Begriff Menschenrechte ist ein moderner Begriff.
Aber er geht auf die Worte - und das Bewußtsein engagierter Menschen in der langen Geschichte Europas zurück.

Dies sind zweifellos gewichtige Themen.

Auf die Kodizes von König Knut.

Aber all diese Überlegungen der Politiker und Diplomaten, Wissenschaftler und Gesetzgeber werden zu nichts
führen, wenn man eine Grundannahme außer acht
läßt.

Die Magna Carta.

Diese Prämisse lautet, daß "alle Menschen gleich
geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit
gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind;
daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück
gehören".
"Zur Sicherung dieser Rechte (müssen) Regierungen
unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre i echtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten
ableiten."
AMERIKA DIENST 23

Die Bill of Rights.
Die Erklärung über die Rechte des Menschen.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Die Schlußakte von Helsinki.
Es gab Zeiten, da blieben diese Worte wegen schreiender Massen, Gefängnistore und Geheimpolizei
ungehört. Es gab auch Zeiten, da diese Worte verbrannt und verboten wurden.

Seite 1

�Aber die nachfolgenden Generationen führten sie dann
wieder im Mund.

eingehaucht. Sie haben den Worten neue Bedeutung
verliehen.

Sie konnten nicht zerstört werden - weil sie den Menschen aus der Seele sprechen.

Bald darauf haben diese Worte zu mutigen Taten
geführt, die Diktatoren und Einparteienstaaten nicht
begreifen konnten.

Genau dieselben Ideen, die schon Jefferson und
Montesquieu bewegten, liegen heute den Worten von
Havel und Geremek zugrunde. Sie bestimmen unsere
Erinnerung an die Geschichte und weisen uns den
Weg in die Zukunft.
Immer wieder konnten wir beobachten, wie die Verachtung der Menschenwürde durch Regierungen zu
beispiellosen Leiden geführt hat. Jede Generation,
auch unsere, hat die Lektion unserer Gründerväter
gelernt - daß wir gemeinsam in Gefahr geraten, wenn
wir unsere Augen vor den Leiden verschließen, die
Intoleranz und Unterdrückung mit sich bringen.
Thomas Jefferson hat es vor zweihundert Jahren so
formuliert: Wir müssen "auf Gottes Altar jeder Form
der Tyrannei über den menschlichen Geist ewige
Feindschaft schwören".
Und somit müssen wir uns als Vertreter der Menschen
aus 35 Ländern wiederum der Sache der Menschenrechte verschreiben, und wir müssen die demokratischen Werte bestätigen, die unser Vermächtnis der
Vergangenheit sind.
Wir sind der Verwirklichung der langgehegten Vision
eines ungeteilten und freien Europas näher als je
zuvor. Aber wenn wir die Arbeit aufnehmen und große
Entwürfe und langfristige Konzepte in Erwägung ziehen, müssen wir die Richtung finden, indem wir uns
eine Zusammenkunft vor 15 Jahren ins Gedächtnis
zurückrufen. Damals lebten die Völker Mittel- und
Osteuropas noch in einem künstlich geteilten Europa,
isoliert hinter einer Mauer, einem dunklen Vorhang,
der das Licht der Welt nur schwach durchließ.
In diesen schweren Zeiten setzte eine Gruppe unerschrockener Menschen in einer kleinen Wohnung in
Moskau ihre Freiheit aufs Spiel, um die erste KSZEBeobachtergruppe zu bilden. Sie verurteilte die Dunkelheit der Tyrannei und gelobte, die Verweigerung der
Menschenrechte ans Licht zu bringen. Ihr Leiter Juri
Orlow, der heute hier bei uns ist, rief die HelsinkiBewegung mit einem Trinkspruch ins Leben, der ebenso
maliziös wie herausfordernd war: "Auf den Erfolg
unseres hoffnungslosen Unterfangens."
Dr. Orlow und seine Mitstreiter haben für dieses Gelöbnis teuer bezahlen müssen. Sie wurden einer nach
dem anderen verfolgt, eingesperrt und ausgewiesen.
Alle haben gelitten, und einige sind gestorben. Dennoch sind viele nach und nach ihrem selbstlosen
Beispiel gefolgt und haben in der Sowjetunion, in
Mittel- und Osteuropa die Idee von Helsinki aufgegriffen. Und diese mutigen Männer und Frauen haben
einer nach dem anderen dem KSZE-Prozeß Leben

Seite 2

In Katowice in Polen maßen die Aktivisten für die
Demokratie der Schlußakte so große Bedeutung bei,
daß sie den Sicherheitskräften die Stirn boten, um
Kopien an ihre Nachbarn verteilen zu können. Und an
das Madrider Treffen der Unterzeichnerstaaten der
KSZE-Schlußakte wandten sich im Exil lebende Führer der Gewerkschaft Solidarität nach Verhängung des
Kriegsrechts und proklamierten, sozialer Frieden ohne
soziale Gerechtigkeit sei nicht möglich.
Die Charta 77 in der Tschechoslowakei führte zur
Verteidigung ihrer zu Unrecht verfolgten Landsleute
immer wieder die Schlußakte von Helsinki an. Sie
wurden verfolgt, weil sie "ein ehrliches Leben" lebten
und - wie Vaclav Havel es nannte, die lobenswerte
Ungeheuerlichkeit besaßen, zu glauben, ihre Worte
und Ideale könnten etwas ändern. Jetzt führen die
Gründungsmitglieder der Charta - Präsident Havel und
Minister Dienstbier, um nur zwei zu nennen - die neue
Republik der Tschechen und Slowaken in die Demokratie.
Als Bukarests wundervolle alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden und die Existenz ganzer
Dörfer von der Willkür eines Diktators bedroht waren,
wandten sich die Menschen an die Menschenrechtskonferenz der KSZE, um die weitere Zerstörung des
einmaligen kulturellen Erbes in Rumänien aufzuhalten.
Unmittelbar bevor die Berliner Mauer fiel, suchten
unzählige DDR-Flüchtlinge über Ungarn den Weg in
die Freiheit. Die ungarische Reformregierung wurde
von Forderungen der DDR-Behörden bedrängt, den
neuen Freiheiten alte Regeln in den Weg zu stellen,
aber sie wandte sich anderen Regeln zu. Die Ungarn
führten ihre KSZE-Verpflichtungen ins Feld, um den
entscheidenden Akt der freien Durchreise zu rechtfertigen.
Und die KSZE-Umweltkonferenz in Sofia hat die
demokratische Opposition zusammengeschmiedet und
die Bewegung eingeleitet, die beispiellose Veränderungen in Bulgarien erwirkt hat.
Beim Ausgang des kalten Kriegs sehen wir uns immer
noch mit zahlreichen schwelenden nationalen, religiösen und ethnischen Konflikten konfrontiert, die unserer
Zivilisation solange Unglück beschert haben. Die
KSZE, die NATO, die EG und andere demokratische
Institutionen in Europa müssen jetzt eine grö ßere Rolle
bei Vertiefung und Ausbau der europäischen Einheit
spielen. Wir müssen gewährleisten, daß diese Organisationen sich weiterhin ergänzen und stärken.

AMERIKA DIENST 23

�Die NATO wird weiterhin unerläßlicher Garant für den
Frieden sein - und damit echter Hüter von Demokratie
und Wohlstand. Das Bündnis wird daran arbeiten,
stabilisierende Rüstungskontrollabkommen festzuschreiben, seine Verteidigungsstrategie umzugestalten, um sie den grundlegend veränderten Bedingungen anzupassen und Brücken der politischen Kooperation zu den aufstrebenden Demokratien Osteuropas
bauen. Präsident Bush hat bei seinem Gipfeltreffen
mit Präsident Gorbatschow letzte Woche in Washington betont, daß die NATO unserer Ansicht nach Eckpfeiler der militärischen und politischen Legitimität im
neuen Europa bleiben wird.
Mit ihrer Zusammenarbeit können die G-24, die OECD,
die Europäische Gemeinschaft, die EBWE, der Europarat, die Vereinigten Staaten und Kanada eine allumfassende europäische Ordnung unter Beteiligung der
Länder Mittel- und Osteuropas und der Sowjetunion
schaffen, indem sie marktorientierte Reformen auf den
Weg bringen und demokratische Institutionen aufbauen.
Die Aussichten für Achtung und Schutz der Menschenrechte waren niemals besser. Es ist jetzt an der Zeit,
daß die KSZE neue Aufgaben übernimmt - aber niemals um den Preis des Vergessens ihres vornehmesten Ziels: wenn die KSZE den Aufbau eines neuen
Europas fördern will, eines Europas, das sich von allen
vergangenen Reichen und Regimen unterscheidet,
dann muß dem die Freiheit des Menschen zugrunde
liegen.
Wir müssen drei Herausforderungen bewältigen:
Erstens müssen wir sicherstellen, daß die soeben
gewonnenen Freiheiten in Gesellschaften verwurzelt
sind, deren Grundsätze Rechtsstaatlichkeit und die
Zustimmung der Regierten sind.
Zweitens müssen wir gewährleisten, daß alle Völker in
Europa den Wohlstand kennenlernen, der sich aus
wirtschaftlicher Freiheit und wettbewerbsfähigen Märkten ergibt.
Und drittens müssen wir sicherstellen, daß wir nicht
unabsichtlich in Konflikte verwickelt werden oder sich
die Streitigkeiten wiederholen, wie sie vor dem kalten
Krieg stattfanden.
Die KSZE ist das Forum, in dem sich unsere Länder
auf einer gemeinsamen Basis treffen können, um unseren politischen Willen so zu kanalisieren, daß wir
diesen Herausforderungen auf dem ganzen Kontinent
gerecht werden können. Die drei Körbe der KSZE
entsprechen den politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Wenn die KSZE auch nicht über militärische oder
wirtschaftliche Macht verfügt, kann sie sich doch mit
einer mächtigen und lauten Stimme Gehör verschaffen. Sie kann Europas gemeinsame Sorgen und

AMERIKA DIENST 23

Interessen ansprechen. Sie kann, wenn Sie so wollen,
"das Gewissen des Kontinents" werden.
Vertiefung des Konsenses über Menschenrechte
Heute möchte ich Ihnen unsere Auffassungen darlegen, wie eine gestärkte KSZE der ersten vor uns
liegenden Herausforderung gerecht werden kann: durch
die Bildung eines tiefen Konsenses über Menschenrechte, politische Legitimierung durch freie Wahlen
und Rechtsstaatlichkeit.
Sie alle kennen das Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, "Des Kaisers neue
Kleider". Obwohl es vor über hundert Jahren entstand,
ist es Parabel für die heutige Zeit. Die Autorität hüllt
sich in attraktive Lügen und betrügt sich dabei selbst.
Aber am Ende kommt die nackte Wahrheit durch eine
kleine beharrliche Stimme zutage, die sich nicht täuschen lassen will. Sie mündet in einen allgemeinen
Aufschrei.
Das Jahr 1989 war kein gutes Jahr für die stalinistischen Diktatoren, die sich in falsche Autorität hüllten
und die beharrliche Stimme und den Willen des Volkes
ignorierten. Heute arbeiten in Mittel- und Osteuropa
die aufstrebenden Demokratien am Aufbau legitimierter und dauerhafter politischer Ordnungen. Die KSZE
kann zur Vertiefung unseres Konsenses über die wichtigsten Bausteine der Freiheit beitragen - freie Wahlen,
politischer Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.
Die neuen Gesellschaftsverträge zwischen Regierung
und Regierten, die heute in Ost- und Mitteleuropa
geschrieben werden, müssen ständig durch freie Wahlen
erneuert werden. Wie wir alle sehr wohl wissen, ist die
Demokratie - wie die KSZE - ein Prozeß. Die Demokratie entwickelt sich durch Geben und Nehmen,
Konsensbildung und Kompromisse. Sie gedeiht auf
der Grundlage von Toleranz, so daß der politische
Wille der Mehrheit die Grundrechte der Minderheit
nicht verdrängt.
Der von Großbritannien und den Vereinigten Staaten
im vergangenen Jahr in Paris eingebrachte Vorschlag
über freie Wahlen hat durch die dramatischen Ereignisse des letzten Herbstes und die neuen Wahlen
dieses Frühjahrs zusätzlich an Gewicht gewonnen.
Bei meinen Reisen nach Ost- und Mitteleuropa erfuhr
dieser Vorschlag die begeisterte Unterstützung der
aktiven Demokraten. Diese unterstrichen darüber
hinaus die Bedeutung, die sie der Präsenz internationaler Beobachter beimessen, wenn ihre Länder zum
ersten Mal mit freien Wahlen in Berührung kommen.
Im Februar habe ich in Prag die KSZE-Staaten aufgefordert, Beobachterdelegationen zu den Wahlen in
Ost- und Mitteleuropa zu entsenden. Ich freue mich,
daß viele Staaten sich uns bei diesem Vorhaben
angeschlossen haben.
Unser überarbeiteter Vorschlag spiegelt unsere Erfahrungen bei der Beobachtung von Wahlen wider - nicht
Seite 3

�nur am Wahltag selbst, sondern auch während des
Wahlkampfs. Wir begrüßen die starke Unterstützung,
die unser Text erfährt und werden uns dafür einsetzen,
daß er hier in Kopenhagen verabschiedet wird. Wenn
die 35 Staaten Vorschläge zur Institutionalisierung der
KSZE behandeln, dann fordere ich Sie alle auf, mit
Mechanismen zu beginnen, die gewährleisten, daß die
Regierungen frei vom Volk gewählt werden.
Aber freie und faire Wahlen allein können den Erfolg
der neuen Demokratien nicht sichern. Neben rechtlich
einwandfreien Wahlen besteht die unerläßliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Demokratie eindeutig
darin, daß grundlegende Freiheiten des einzelnen
durch eine Beschränkung staatlicher Macht garantiert
werden. Wo diese Garantien nicht bestehen, gibt es
keine echte Demokratie. Wo sie nicht vorhanden sind,
droht stets das Risiko der Diktatur.
Aus diesem Grund ist Rechtsstaatlichkeit die Losung
der Reformer überall. Wie der verstorbene Andrej
Sacharow erklärt hat, muß sich der demokratische
Wandel mit demokratischen Methoden vollziehen friedlich, durch rechtsstaatliche Prozesse.
Was genau aber meinen wir mit dem Begriff Rechtsstaatlichkeit? Das Gesetz wurde ja als Werkzeug der
Unterdrückung in Gesellschaften eingesetzt, in denen
die Herrscher die Gesetze machen, die ihnen dienen
sollen und nicht dem Volk. Wie Präsident Bush vergangenen Monat in einer Rede an der University of
South Carolina betonte, bedeutet Rechtsstaatlichkeit
die Oberhoheit von Gesetzen, die durch demokratische Prozesse zustandegekommen sind, für alle gleichermaßen gelten und von einer unabhängigen Gerichtsbarkeit bewahrt werden.
Deshalb unterstützen wir voll und ganz die Bemühungen im Rahmen dieser Konferenz, für die KSZE die
Elemente einer demokratischen Gesellschaft, die dem
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit folgt, zu definieren. In
dieser Hinsicht hat Präsident Bush Präsident Gorbatschowerklärt, wie sehr wir die sowjetischen Bemühungen schätzen, Rechtsstaatlichkeit, Glasnost und
Demokratisierung in der UdSSR zu verankern.
Mit diesem Ziel beteiligen wir uns an gemeinsamen
technischen Bemühungen, um die demokratischen
politischen Kulturen und Institutionen in Mittel- und
Osteuropa zu stärken.
Zum Schluß möchte ich noch einen Gedanken zur
Tagesordnung im Bereich Menschenrechte einbringen: Während wir uns der ehrgeizigen Aufgabe zuwenden, die Demokratie in ganzen Gesellschaften zu
konsolidieren, dürfen wir die Freiheit des einzelnen
nicht aus den Augen verlieren. Denn Demokratie
beginnt und endet mit dem einzelnen und seinen
Rechten. Trotz der dramatischen Fortschritte bei den
Menschenrechten, deren Zeugen wir heute sind, müssen
die Menschen in einigen Teilnehmerstaaten noch immer

Seite 4

leiden, weil sie frei sein wollen, sind sie immer noch Ziel
der Intoleranz, können immer noch nicht auswandern
und immer noch nicht ihre vollständigen Rechte gemäß der Schlußakte von Helsinki wahrnehmen. Wir
müssen weiterhin drängen, bis die strengen Menschenrechtsnormen der KSZE in ganz Europa Gültigkeit haben, bis sie jeden einzelnen erfassen.
Bevor wir uns Möglichkeiten zur Stärkung der KSZE
zuwenden, möchte ich noch ein Wort zu Litauen,
Lettland und Estland sagen. Beim Washingtoner
Gipfel hat Präsident Bush unsere ernsten Befürchtungen im Hinblick auf die sowjetische Politik gegenüber
den baltischen Unabhängigkeitsbestrebungen zum
Ausdruck gebracht. Er hat unsere Ansicht bekräftigt,
daß ein systematischer Dialog eingeleitet werden muß,
um die Bestrebungen der baltischen Völker zu erfüllen.
Ein neuer Konsens zur Stärkung des KSZE-Prozesses
Das Feld für eine bedeutsame Zusammenarbeit in der
KSZE wird größer, und unser Konsens über die menschliche Dimension der KSZE vertieft sich. Um jedoch das
Potential der KSZE in diesem Bereich und bei den
anderen Körben der Schlußakte voll auszuschöpfen,
muß der KSZE-Prozeß selbst gestärkt werden.
Ich habe unlängst Kollegen gegenüber sechs Gedanken dazu erläutert, wie wir zusammenarbeiten können, um die KSZE als Proze ß zu verbessern, indem wir
die Organisation der KSZE stärken.
Erstens treten die Vereinigten Staatenfür regelmäßige
Konsultationen der Unterzeichnerstaaten ein. Die
Minister könnten sich mindestens einmal pro Jahr
treffen, und ihre engsten Mitarbeiter sollten mindestens zweimal im Jahr zusammenkommen. Solche
Gespräche werden die KSZE als Forum für einen
hochrangigen politischen Dialog stärken.
Zweitens unterstützen wir die häufigere Abhaltung von
KSZE-Überprüfungskonferenzen, vielleicht alle zwei
Jahre und mit einer festgesetzten Dauer von etwa drei
Monaten.
Drittens möchten wir in Kopenhagen die Verabschiedung und beim Gipfeltreffen die Bestätigung des Prinzips freier und fairer Wahlen, des politischen Pluralismus und der Rechtsstaatlichkeit erreichen, um zu
gewährleisten, daß die von uns in der KSZE eingegangenen Verpflichtungen die politische Legitimation stärken.
Viertens möchten wir beim Gipfel eine Bestätigung der
Bonner Prinzipien zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit erreichen. Diese Prinzipien stellen unser allseitiges Engagement für das sich gegenseitig unterstützende Verhältnis zwischen politischer und wirtschaftlicher Freiheit klar. Insbesondere werden die 35 Nationen danach trachten, einen freien Fluß von Handel und
Kapital, Marktwirtschaften mit auf Angebot und Nach-

AMERIKA DIENST 23

�frage basierenden Preisen sowie den Schutz allen
Eigentums, einschließlich von Privateigentum und
geistigem Eigentum, zu erlangen oder aufrechtzuerhalten.
Fünftens kann die KSZE eine wichtige Rolle bei der
Schlichtung von Streitigkeiten spielen. Wir hoffen
deshalb, daß der KSZE-Gipfel das Mandat der für
Januar 1991 in Valletta anberaumten Konferenz über
die friedliche Beilegung von Streitigkeiten stärken wird,
damit sie konkrete Ergebnisse hervorbringen kann.
Wir sind ferner davon überzeugt, daß die KSZE durch
innovative Vorschläge bei den Wiener VSBM-Gesprächen, wie etwa den Vorschlag für einen Mechanismus
zur Klärung ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten,
militärische Offenheit und Transparenz fördern kann.
Insbesondere gehen wir davon aus, daß die KSZE
einen Mechanismus zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Mitgliedstaaten erwägen sollte.
Unser Ansatz könnte grundsätzlich, wenn nicht sogar
strukturell, dem Mechanismus ähneln, den wir im
Bereich der menschlichen Dimension etabliert haben
sowie auch der für die VKSE geplanten Verfahrensweise. Wir sollten einen Weg zur konstruktiven Behandlung von Fragen der Einhaltung der KSZE-Sicherheitsverpflichtungen finden. Dazu könnten Beobachtungen sowie Inspektionsberichte im Einklang mit
den Stockholmer Vereinbarungen gehören. Wir sollten Treffen ins Leben rufen, um Informationen auszutauschen und über die Auswirkungen militärischer
Aktivitäten und anderer ungewöhnlicher Vorkommnisse von sicherheitspolitischer Bedeutung zu sprechen.
Sechstens habe ich vorgeschlagen, daß wir durch ein
Treffen auf Beamtenebene diesen Sommer Vorbereitungen für einen möglichen KSZE-Gipfel in die Wege
leiten - und ich bin selbstverständlich erfreut darüber,
daß sich die 35 Nationen geeinigt haben, ein solches
Treffen nächsten Monat in Wien zu veranstalten.
Ich freue mich ferner darüber, daß die 35 Staaten
unserem Angebot zugestimmt haben, diesen Herbst in
Zusammenhang mit der Generalversammlung der
Vereinten Nationen ein KSZE-Ministertreffen auszurichten.
Beim KSZE-Gipfel erwarten wir dann die Unterzeichnung eines KSE-Abkommens, und Präsident Gorbatschow hat vergangene Woche angedeutet, daß er
diese Ansicht teilt. Beim Gipfel der 35 Nationen
erwarten wir ferner eine Überprüfung, schriftliche Fixierung und Konsolidierung der Fortschritte bei allen
drei Körben von Helsinki, die Stärkung der KSZE als
Prozeß und die Planung für die Folgekonferenz im
Jahr 1992.
Unsere Arbeit vor dem Gipfel und beim Gipfel mu ß sich
ferner dem Thema der Institutionalisierung der KSZE
widmen.

AMERIKA DIENST 23

Bis heute hat die KSZE eine bemerkenswerte Fähigkeit bewiesen, die Zeiten widerzuspiegeln und sich
ihnen anzupassen. Ich bin zuversichtlich, daß dies
auch weiterhin der Fall sein wird, unter der Voraussetzung, daß wir die Flexibilität bewahren, die ihr Effektivität verliehen hat. Wenn wir Vorschläge zur Entwicklung der KSZE erörtern - entweder zur Verabschiedung beim Gipfel oder zur Überweisung an weitere
KSZE-Treffen durch die Gipfelteilnehmer -, werden
sich die Vereinigten Staaten von drei Hauptprinzipien
leiten lassen.
Erstens sollten die Vorschläge grundlegende demokratische und marktwirtschaftliche Werte stärken.
Zweitens sollten Vorschläge für neue Institutionen die
von bereits bestehenden Institutionen und Foren
wahrgenommenen Aufgaben ergänzen und nicht
duplizieren. Drittens sollten die Vorschläge zu einem
verstärkten transatlantischen Dialog- und Konsultationsprozeß über die Zukunft Europas führen.
Die amerikanische Delegation bei diesem Kopenhagener Treffen, die von Botschafter Max Kampelman
geleitet wird und das volle Vertrauen von Präsident
Bush und natürlich auch mir selbst genießt, wird sich
von diesen Kriterien leiten lassen.
Die KSZE: Das Gewissen des Kontinents
Ich begann meine Ausführungen mit einer Huldigung
an die KSZE-Beobachter, die ihr Leben und ihre Freiheit aufs Spiel setzten, um die Sache der Freiheit für
andere zu fördern. Viele haben die Morgendämmerung eines wesentlich hoffnungsvolleren Tages erlebt.
Einige dieser Beobachter sind heute bei uns in diesem
Saal, und viele von ihnen sind gewählte Vertreter der
neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa. Einer
der Gründer der Charta 77 erweist uns die Ehre, die
Delegation der Tschechischen und Slowakischen
Föderativen Republik zu leiten. Botschafter Hajek, Sie
und Ihre mutigen Mitstreiter sind die wahre Verkörperung der menschlichen Dimension der KSZE.
Sie haben diesem Prozeß ein Herz, einen Geist und
ein forschendes Gewissen gegeben. Als viele die
KSZE mit Zynismus betrachteten, haben Sie mit Dynamik
geantwortet. Sie haben uns gelehrt, unseren Blickwinkel zu erweitern und unsere Stimmen zu erheben.
Auch die dänische Autorin Isak Dinesen glaubte an die
Macht des menschlichen Willens. Eines ihrer bevorzugten Mottos war "Je responderay". Ich werde
antworten. Sie lebte nach diesem Prinzip und war stolz
darauf, wie das besetzte Dänemark in den dunklen
Tagen des Zweiten Weltkriegs nach diesem Prinzip
lebte. Das dänische Volk unternahm den Versuch, die
gesamte jüdische Gemeinde von Dänemark - etwa
8 000 Männer, Frauen und Kinder - zu retten. Indem
sie die Würde des Menschen und die uns alle verbindenden Bande achteten, durch ihre Anstrengungen

Seite 5

�und die Gnade Gottes, war ihnen über alle Erwartungen hinaus Erfolg beschieden.

nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft seines
Landes bestimmen kann.

Ihr Beispiel ist ein positiver Beweis dafür, daß es auf
das Engagement des Willens ankommt, auf die Verantwortung anderen gegenüber und daß die Freiheit
des einzelnen, zu handeln, denken und fühlen, nicht

Diese Stärken müssen auch die Zukunft Europas
prägen. Auf dem Weg über die KSZE können sie zum
Gewissen des Kontinents werden.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 23

�NATO
23

13. Juni 1990

BAKER: NEUN ZUSICHERUNGEN AN DIE SOWJETS
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat
TURNBERRY - (AD) - Beim Treffen des Nordatlantikrats in Tumberry verwies Außenminister Baker am 7. Juni
1990 auf "neun Zusicherungen, die wir und andere angeboten haben und die unserer Meinung nach viele
Bedenken der Sowjets berücksichtigen". Die erste dieser Zusicherungen ist Baker zufolge eine Verpflichtung
zu KSE-Folgeverhandlungen.
Weitere Zusicherungen:
Verhandlungen über Kurzstreckenraketen werden vorverlegt, damit sie unmittelbar nach Unterzeichnung
des KSE-Vertrags aufgenommen werden können.
Deutschland wird seine Verpflichtung bestätigen, keine nuklearen, biologischen und chemischen Waffen
herzustellen oder zu besitzen.
Die NATO führt "eine umfassende Überprüfung ihres Bedarfs an konventionellen und nuklearen Waffen
durch und erarbeitet eine Strategie, die sich den veränderten Bedingungen anpaßt".
NATO-Streitkräfle werden während einer Übergangszeit nicht auf dem früheren Gebiet der Deutschen
Demokratischen Republik stationiert.
Die Deutschen einigen sich auf eine Übergangsphase bis zum Abzug sowjetischer Truppen aus der DDR.
Deutschland wird Stellung zu seinen Grenzen beziehen und klarstellen, daß das Territorium eines
vereinigten Deutschlands lediglich die Bundesrepublik, die DDR und Berlin umfassen wird.
Der KSZE-Prozeß wird gestärkt.
Deutschland wird seine wirtschaftlichen Probleme so zu lösen suchen, daß damit die Perestrojka
unterstützt wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede in wesentlichen Auszügen.
Nächsten Monat werden unsere Staats- und Regierungschefs in London zu Planungen über die Zukunft
dieses Bündnisses zusammentreffen. Ihre Aufgabe
bei dieser ersten Zusammenkunft seit den befreienden
demokratischen Umwälzungen im Jahr 1989 wird darin
bestehen, Auftrag und Fähigkeiten der NATO an eine
Welt anzupassen, in der Konflikte, die den Kontinent
für die Dauer einer Generation geteilt haben, nicht
mehr existieren. Die NATO muß in den kommenden
Jahrzehnten den Frieden ebenso effektiv konsolidieren wie sie vierzig Jahre lang den Krieg verhindert hat.
Kurzum, unser Bündnis muß der Aufgabe gewachsen
sein, Legitimität, Wohlstand und Stabilität des neuen
Europas zu sichern und gleichzeitig die Fähigkeit
erhalten, Agressionen einzudämmen und abzuschrekken.
AMERIKA DIENST 23

Unsere Aufgabe ist es, den Grundstein für einen
erfolgreichen Gipfel zu legen und den laufenden Prozeß der Überprüfung und Erneuerung im Bündnis zu
beschleunigen. Diese Aufgabe möchte ich heute zu
erfüllen beginnen, indem ich mit ihnen das Treffen der
letzten Woche zwischen Präsident Bush und Präsident Gorbatschow und dessen Auswirkungen auf unsere
Arbeit erörtere,
Die

Zusammenkunft des Präsidenten mit Präsident
Gorbatschow war ein Erfolg, weil Abkommen geschlössen wurden und sich das Verhältnis - die "Chemie"
• zwischen beiden positiv entwickelt hat. Beide sprache n frei u n d oHen
miteinander und verbrachten einen
ganzen Tag mit Gesprächen in zwangloser Atmosphä-

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�re. Auch bei Meinungsverschiedenheiten bekamen
die Gespräche niemals einen aggressiven Unterton.
Die Suche nach Bereichen gemeinsamen Interesses
spiegelte sich auch in den erzielten Abkommen wider.
Obwohl Gorbatschow und die Führung eindeutig unter
Druck stehen, hat er seine Entscheidungsfähigkeit
demonstriert.
Bei nuklearer Rüstungskontrolle haben wir gemeinsame Erklärungen über START und die künftigen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen abgegeben. Unsere gemeinsame Erklärung zu START verzeichnet Übereinkunft in allen wichtigen grundsätzlichen Fragen. Einige der verbleibenden Probleme sind
schwierig - zum Beispiel die Erprobung schwerer Raketen
und sowjetische Zusicherungen beim BACKFIREBomber. Aber wir denken, daß sie gelöst werden
können, und wir denken auch, daß es uns gelingen
wird, das von den Präsidenten gesteckte Ziel zu erreichen und den Vertrag noch Ende des Jahres zu
unterzeichnen.
Unsere Erklärung über künftige Verhandlungen legt
eindeutig dar, daß der Prozeß nuklearer Rüstungskontrolle nach START fortgeführt wird. Mit dieser Erklärung bewegen wir uns in eine sehr wichtige Richtung.
Sie spiegelt eine gemeinsame Verpflichtung wider,
das Streben nach strategischer Stabilität und Berechenbarkeit auszubauen. Insbesondere ist darin die
Verpflichtung zur Reduzierung der Konzentration von
Gefechtsköpfen auf strategischen Waffen enthalten,
vor allem auf schweren Raketen und Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen. Die Tendenz
zur Reduzierung der Mehrfachgefechtsköpfe auf bodengestützten Raketen wird unserer Ansicht nach die
strategische Stabilität erheblich fördern und die potentielle Angst vor einem Erstschlag abbauen.
Bei Atomtests haben wir mit der Unterzeichnung der
Protokolle zum Schwellenvertrag und zum Vertrag
über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken fünfzehnjährige Bestrebungen beendet.
Bei chemischen Waffen haben wir ein bilaterales
Abkommen unterzeichnet, demzufolge der größte Teil
unserer Arsenale zerstört werden soll. Dieses Abkommen und die darin vorgesehene Zerstörung großer
Mengen chemischer Waffen ist als Einzelergebnis
wichtig und zeigt den Kurs auf, wie das Ziel des
Präsidenten - ein weltweites Verbot dieser schrecklichen Waffen - verwirklicht werden kann. Es demonstriert ein Engagement von Ost und West zur Erweiterung der Tagesordnung bei der Rüstungskontrolle, um
mit den bei regionalen und weltweiten Konflikten eingesetzten gefährlichen Waffen fertigzuwerden. Ich
hoffe, daß dadurch das Bündnis Impulse erhält, um bei
der Beschleunigung der Genfer Verhandlungen die
Führungsrolle zu übernehmen.

Seite 2

Darüber hinaus haben wir ein langfristiges Getreideabkommen und ein Handelsabkommen unterzeichnet.
Das Handelsabkommen werden wir dem Kongreß
nicht eher vorlegen, bis die Sowjets Auswanderungsgesetze verabschiedet haben. Ferner haben wir erklärt, daß der Kongreß diesem Abkommen wahrscheinlich nicht zustimmen wird, bis der tote Punkt mit
Litauen überwunden ist.
Litauen war einer der beiden Bereiche, in denen Präsident Bush und Präsident Gorbatschow völlig unterschiedlicher Meinung blieben. Wir haben von Präsident Gorbatschow erneut die Versicherung vernommen, die Krise mit Litauen friedlich und in einem Dialog
lösen zu wollen. Wir glauben ferner, die Bereitschaft
zum Kompromiß herausgehört zu haben. Die Kluft
zwischen den Sowjets und den Litauern könnte sich
verringern, aber das Problem an sich ist noch nicht
gelöst.
Beide Präsidenten haben lange intensive Gespräche
über die deutsche Frage geführt. Der Präsident hat
unseren Ansatz zur Vereinigung beider deutscher
Staaten und dem Zwei-plus-Vier-Prozeß vorgetragen.
Er erklärte, die friedliche Vereinigung eines demokratischen Deutschlands könnte auf eine Weise vollzogen
werden, die das ganze Europa stärker und sicherer
macht. Er betonte, die Rechte der vier Mächte sollten
zum Zeitpunkt der Vereinigung beider deutscher Staaten aufgegeben werden, ohne Einschränkungen der
Souveränität und ohne Singularisierung eines ungeteilten demokratischen Deutschlands. Präsident Bush
hat Präsident Gorbatschow darüber hinaus versichert,
niemand wolle die Sowjets isolieren. Aber die eigene
Deutschlandpolitikk der Sowjets könnte diesen Effekt
haben, wenn die Sowjets eine negative Haltung zu den
außenpolitischen Aspekten der Vereinigung einnehmen. In diesem Falle stünde ihre Haltung im Widerspruch zu den meisten europäischen Regierungen in
Ost und West. Damit würde das neue Denken auf den
Kopf gestellt. Die Sowjets würden damit die Gelegenheit verpassen, konstruktive Beziehungen mit einem
ungeteilten Deutschland und den anderen Demokratien Ost-, Mittel- und Westeuropas zu entwickeln.
Wir haben neun Zusicherungen dargelegt, die wir und
andere angeboten haben und die unserer Meinung
nach viele Bedenken der Sowjets berücksichtigen.
Erstens befürworten wir KSE-Folgeverhandlungen für
ganz Europa, die auch die Streitkräfte in der Region
Europa Mitte umfassen sollen. Zweitens haben wir
uns darauf geeinigt, mit den Verhandlungen über die
atomaren Kurzstreckensysteme (SNF) unmittelbar nach
Unterzeichnung des KSE-Vertrags zu beginnen. Drittens wird Deutschland seine Verpflichtungen bekräftigen, atomare, biologische und chemische Waffen weder
zu produzieren noch zu besitzen. Viertens führt die
NATO eine umfassende Überprüfung ihres Bedarfs an
konventionellen und nuklearen Waffen durch, und

AMERIKA DIENST 23

�erarbeitet eine Strategie, die sich den veränderten
Bedingungen anpaßt.
Fünftens werden die N ATO-Streitkräfte während einer
Übergangsperiode nicht auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert. Sechstens haben die Deutschen
für eine Übergangsperiode dem Verbleib sowjetischer
Truppen auf dem Gebiet der DDR zugestimmt. Siebtens wird Deutschland feste Verpflichtungen in bezug
auf seine Grenzen eingehen und damit sicherstellen,
daß das Territorium eines vereinigten Deutschlands
nur die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und
Berlin umfassen wird. Achtens wird der KSZE-Prozeß
gestärkt werden. Neuntens hat Deutschland klargestellt, daß es danach streben wird, wirtschaftliche
Fragen so zu lösen, daß die Perestrojka unterstützt
werden kann.
Obwohl diese Punkte zu Gorbatschows Beruhigung
beitrugen, blieb die gesamtdeutsche Mitgliedschaft in
der NATO - und die sowjetische Position in Europa
nach der Wiedervereinigung - sein Hauptanliegen.
Präsident Bush betonte, daß ein ungeteiltes, demokratisches Deutschland keine Bedrohung der sowjetischen Sicherheit darstellen werde und daß die Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO ein Faktor der
Stabilität und Sicherheit in Europa sei. Er bekräftigte
seine Unterstützung für die Vollmitgliedschaft Deutschlands in der NATO, einschließlich seiner Beteiligung
an den integrierten militärischen Strukturen. Er erklärte, Deutschland müsse das in der Schlußakte von
Helsinki verbriefte Recht genießen, seine Bündnis und
Sicherheitsarrangements frei zu wählen. Gorbatschow
schien diesen Punkt zu akzeptieren.
Wir können und sollten bereit sein, begründeten sowjetischen Bedenken Rechnung zu tragen. Bemühungen, die Wiederherstellung der vollen Souveränität
Deutschlands zu blockieren oder vorgeschobene Sicherheitsanliegen in bezug auf Deutschland als Mittel
zur Schwächung des Bündnisses zu benutzen, können wir jedoch nicht dulden.
Ich möchte mich nun den wichtigsten Fragen zuwenden, die dem Präsidenten zufolge entweder im Gipfelkommunique oder in einem von diesem Gipfel eingeleiteten tiefgreifenden Überprüfungsprozeß anzusprechen sind.
Bei den konventionellen Streitkräften müssen wir einen gründlich durchdachten Ansatz für die künftigen
KSE-Verhandlungen entwickeln. Ich freue mich, daß
sich die NATO zur weiteren Verbesserung der konventionellen Rüstungskontrolle nun auf den Gedanken
eines Stabs zur Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen verständigt hat, den wir im vergangenen
Dezember eingebracht hatten. Damit würde sich das
Bündnis positiv weiterentwickeln.
Darüber hinaus müssen wir die Struktur unserer konventionellen Streitkräfte überdenken. Wenn - was wir

AMERIKA DIENST 23

hoffen und erwarten - die sowjetischen Truppen hinter
die sowjetischen Grenzen zurückgezogen werden,
sollten wir untersuchen, wie das Ziel des Schutzes des
gesamten Territoriums all unserer Mitglieder am besten gewährleistet werden kann. Wir müssen entscheiden, wie dies auf niedrigeren konventionellen
Streitkräfteniveaus erreicht werden kann, die für eine
mobile Verstärkung strukturiert sind. Wir stimmen aus
ganzem Herzen zu, daß multinationale Einheiten eine
wichtige Rolle bei der Neustrukturierung unserer Streitkräfte spielen können.
Bei den Nuklearstreitkräften müssen wir unsere Neubewertung rasch abschließen. Wir müssen die strategische Einschätzung, die militärische Effektivität und
die politische Lebensfähigkeit der Veränderungen in
unserem nuklearen Einsatzkonzept berücksichtigen.
Unsererseits möchten wir das nukleare Risiko innerhalb des Bündnisses so breit wie möglich verteilen und
gleichzeitig ein nukleares Einsatzkonzept aufrechterhalten , das von unserer Öffentlichkeit und dem übrigen
Europa als politisch beruhigend empfunden wird.
Bevor ich mich den politischen Dimensionen unserer
Sondierungen zuwende, möchte ich einen Punkt unterstreichen, der es verdient, wiederholt zu werden:
Wir möchten einen Krieg in Europa nicht führbarer
machen, weder konventionell noch nuklear. Jeder von
uns erörterte Vorschlag muß danach beurteilt werden,
wie gut er unserem grundlegenden Ziel dient: Der
Verhinderung des Kriegs und der Abschreckung von
Aggressionen durch die Aufrechterhaltung westlicher
Geschlossenheit - politisch und militärisch.
In Zusammenhang mit der militärischen Neustrukturierung des Bündnisses müssen wir seinen politischen
Platz in einem ungeteilten Europa eindeutig definieren.
In der Rede des Präsidenten in Stillwater (Oklahoma)
kamen zwei miteinander verflochtene Fragen zur
Sprache, die die Zukunft der NATO in dieser neuen
Welt im Kern berühren: Wie sollte die künftige Aufgabe
der NATO aussehen? Welches sollte das gemeinsame Ziel der Verbündeten für die Zukunft der KSZE
sein? Lassen Sie mich die zweite Frage zuerst beantworten.
Die KSZE kann dem gemeinsamen europäischen Interesse am besten gerecht werden, wenn sie als
Forum dient, in dem die Staaten Europas gemeinsame
Probleme und Anliegen diskutieren. Ich habe sie als
"das Gewissen des Kontinents" bezeichnet, einen Ort,
an dem der politische und moralische Konsens der Zeit
auf der Grundlage demokratischer Werte geformt werden
kann. Durch ihre drei Körbe eignet sich die KSZE auf
einzigartige Weise, die wesentlichen Herausforderungen für Europa zu bewältigen: Gewährleistung von
politischer Legitimation, wirtschaftlicher Freiheit und
Wohlstand sowie von strategischer Stabilität und
Berechenbarkeit. Wie ich bereits gestern (6. Juni) in
Kopenhagen betonte, sollte die KSZE auf den Grundsteinen der Demokratie aufbauen: Freie und faire

Seite 3

�Wahlen, politischer Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit.

gressionen und Verhinderung von Krieg zusammenschließen.

Aber gerade aufgrund ihres Charakters - 35 grundverschiedene Staaten, von denen jeder ein Vetorecht hat
- ist es unwahrscheinlich, daß die KSZE die schwierigen Entscheidungen treffen kann, die zur Gewährleistung der Sicherheit erforderlich sind. Das bedeutet
nicht, daß wir eine Chance auslassen sollten, an der
Stärkung der KSZE zu arbeiten. Wir sollten uns dieser
Herausforderung stellen. Die meisten von uns, wie
auch die Sowjets, haben Vorschläge unterbreitet, und
wir sehen der kommenden Vorbereitungskonferenz
entgegen, auf der diese Ideen untersucht und ausgewertet und einige in Vorlagen zur möglichen Beschlußfassung umgesetzt werden sollen. Es scheint, daß
sich gemeinsame Ansichten über praktische, realistische Schritte herausschälen, mit denen die KSZE
gestärkt werden kann. Wir können eine effizientere
und bedeutsamere KSZE aufbauen, die eine Ergänzung zur NATO ist. Wir müssen beim Ausbau der
KSZE jedoch deren Stärken und Schwächen berücksichtigen, und wir sollten nicht versuchen, sie zu etwas
zu machen, das sie nicht ist: ein Bündnis, das den
Frieden bewahren kann.

Heute jedoch, da eine eindeutige und bestehende
militärische Gefahrenquelle abnimmt, kann das Bündnis sicherlich über die engere Aufgabe der Kriegsverhinderung hinaus auf die umfassendere des Friedensaufbaus blicken. Das Mandat dafür läßt sich eindeutig
dem Artikel II des Nordatlantikvertrags entnehmen, in
dem es heißt: "Die Parteien werden zur weiteren
Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen beitragen, indem sie ihre freien
Einrichtungen festigen, ein besseres Verständnis für
die Grundsätze herbeiführen, auf denen diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Voraussetzungen
für den Zusammenhalt und das Wohlergehen fördern."

Wir gehen davon aus, daß diese Aufgabe letztlich
weiterhin primär von der NATO wahrgenommen werden muß. Wir alle wissen, was die NATO in der
Vergangenheit war: das erfolgreichste Bündnis freier
Nationen in der Geschichte. Und wir alle wissen, was
die NATO weiterhin ist: ein Eckpfeiler der Stabilität in
einem Zeitalter der Ungewißheit und sogar der Verwirrung.
Die eigentliche Frage lautet: Welche Rolle wird das
Bündnis in der Zukunft Europas spielen? Die NATO
wird weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Legitimation
und Stabilität des neuen Europas beitragen, obwohl
sich ihre Funktionen und Fähigkeiten mit den neuen
Zeiten sich wandelnder Herausforderungen weiterentwickeln werden. Die Verantwortlichkeiten zwischen
NATO, EG, KSZE und anderen Organisationen lassen
sich nicht streng voneinander trennen. Europa ist mit
vielen einander überlappenden Problemen konfrontiert, nicht mit einem einzelnen. Wir sind davon überzeugt, daß einander überlappende, vielfältige Institutionen eine vernünftige Antwort auf mannigfaltige,
miteinander verbundene Probleme sind. Die NATO
muß eindeutig als unersetzlicher Bund freier Staaten
erhalten bleiben, die sich zur Abschreckung von Ag-

*

Seite 4

Eine Entwicklung in diese Richtung erfordert keine
Revolution in unserem Denken. Sie erfordert lediglich,
daß wir uns den neuen Realitäten anpassen und ein
umfassenderes Konzept der Sicherheit auf unsere
erprobte kollektive Verteidigungsstruktur gründen.
Dieses Konzept muß anerkennen, daß die NATO nicht
nur den Krieg verhindern, sondern auch den Frieden
aufbauen kann und daß der Weg zum Aufbau des
Friedens darin besteht, die Mittel- und Osteuropäer
und die Sowjets zu versichern, daß sie nicht aus dem
neuen Europa ausgeschlossen werden.
Wie auch andere Organisationen ihr Mandat erweitern, um die neuen Demokratien des Ostens einzubeziehen, so kann auch die NATO ihre Bindungen an das
übrige Europa verstärken. Wie ich vor einem Monat in
einer Rede in New York betonte, könnten wir dies zum
Beispiel durch einen soliden Dialog und sogar regelmäßige Konsultationen, militärisch und politisch, erreichen. Dies muß nicht notwendigerweise von Block zu
Block geschehen. Es könnte sogar vorteilhaft sein,
wenn die NATO ihre Kontakte mit ganz Europa vertieft,
einschließlich der neutralen und blockfreien Staaten.
Indem er auf das ungeteilte und freie Europa zugeht,
kann der Londoner Gipfel der Welt zeigen, was wir
bereits wissen: Die Arbeit unserer 16 Demokratien im
Rahmen der NATO wird einige Funktionen eines vergangenen Zeitalters in Europa aufrechterhalten und
sich gleichzeitig dem nächsten Zeitalter anpassen. Im
weitesten Sinne der historischen Ziele der NATO hat
die wirkliche Arbeit zur Förderung und Sicherung eines
ungeteilten und freien Europas gerade erst begonnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 23

�VSBM
13. Juni 1990

NATO SCHLAGT NEUEN
SICHERHEITSMECHANISMUS VOR
Von Botschafter John J. Maresca,
US-Delegationsleiter bei den VSBM-Gesprächen in Wien

Die sechzehn Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses haben einen neuen Sicherheitsmechanismus
vorgeschlagen, mit dem die Stabilität in Europa in einer
Zeit revolutionären Wandels gestärkt werden soll. Am
18. Mai 1990 haben die Verbündeten bei den Wiener
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), an denen 35 Staaten
teilnehmen, ihr Konzept zur Einführung eines Mechanismus vorgestellt, demzufolge im Falle ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten eine Erklärung verlangt
werden kann.
Diese neue Vereinbarung sieht drei Schritte vor, die
von jedem KSZE-Mitgliedstaat in Anspruch genommen werden könnten. Als erster Schritt könnte ein
Staat nur eine umfassende Erklärung einer ungewöhnlichen militärischen Maßnahme verlangen -als außerplanmäßiges Vorkommnis mit Truppen außerhalb ihres gewöhnlichen Standorts umschrieben -, die auf
dem Territorium eines anderen KSZE-Staats in Europa stattfindet. Das Land, an das eine solche Anfrage
gerichtet ist, wäre innerhalb von 48 Stunden zur Beantwortung verpflichtet. Anfragen und Antworten würden
auch allen anderen KSZE-Teilnehmerländern zu deren Information übermittelt.
Der anfragende Staat kann ferner um bilaterale Konsultationen ersuchen, die innerhalb von 48 Stunden
stattfinden müssen und der Erörterung der fraglichen
Aktivität dienen. In einem dritten Schritt kann ein Staat
ein Treffen aller 35 KSZE-Staaten einberufen, um über
die ungewöhnliche militärische Aktivität zu diskutieren.
Das Treffen würde zum frühestmöglichen Zeitpunkt
eröffnet werden und der Staat, dessen Maßnahme in
Frage steht, wäre verpflichtet, daran teilzunehmen.

AMERIKA DIENST 23

Dieser Vorschlag markiert den Höhepunkt einer jahrelangen Neuorientierung der Verhandlungen über Sicherheits- und Vertrauensbildung von einem Vorschlagspaket, das sich hauptsächlich auf die Beobachtung der
Aktivitäten von NATO und Warschauer Pakt beschränkte, zu neuen sicherheitspolitischen Maßnahmen, in
denen sich die in Osteuropa erfolgten historischen
Veränderungen widerspiegeln und berücksichtigt
werden. Weitere vorgeschlagene Maßnahmen in Sinne
dieses Ansatzes sind:
Ein jährlicher Informationsaustausch über die
Militärhaushalte, die Gegenstand von Fragen
und offenen Diskussionen werden. Ein solcher
Vorschlag wurde in der Vergangenheit nicht
unterbreitet, weil der Westen nicht darauf vertrauen konnte, daß die Sowjets einen ehrlichen
Beitrag liefern würden. Heute ist man allgemein
der Ansicht, daß es der Mühe wert ist, größere
Offenheit der Sowjets im Hinblick auf ihre Militärausgaben zu ermutigen.
Ein jährliches Treffen mit Gesprächen darüber,
wie VSBM-Abkommen durchgeführt wurden.
Damit soll ein konstruktiver Dialog über die
Sicherheit in Europa geführt werden, der bis vor
kurzem nicht als fruchtbar gegolten hätte.
Ein Kommunikationssystem für schnellen und
verläßlichen Austausch militärischer Daten
zwischen den 35 Teilnehmerstaaten.
Der Vorschlag für einen Mechanismus von Gesprächen über ungewöhnliche militärische Aktivitäten basiert
auf dem amerikanischen Konzept, das den NATO-

Seite 1

�Verbündeten im Januar vorgelegt wurde. Es ist im
Konsultationsprozeß der NATO weiterentwickelt worden und stieß unmittelbar nach seiner Einbringung in
das Forum der 35 Teilnehmer aut breite Unterstützung.
Es basiert auf Ideen, die Präsident Bush und Außenminister Baker vorgelegt haben und soll nicht nur
zwischen Ost und West, sondern auch unter Nachbarstaaten, ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zu gegnerischen Blöcken, gelten. In diesem Sinne spiegelt es die
Tatsache wider, daß angesichts des schnell erfolgenden Wandels Bedarf an der Gewährleistung der Stabilität in ganz Europa besteht.

Während des Seminars wurde deutlich, daß die NATO
erforderlich ist, um die kollektive Verteidigung des
Westens sicherzustellen. Darüber hinaus wurde die
Notwendigkeit erkannt, die neuen Demokratien Osteuropas zu erfassen und sie in einen Rahmen einzubinden, der ihnen Vertrauen gibt und ihre Teilnahme am
gemeinsamen europäischen Haus erleichtert.

Die gegenwärtig bei den Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
erarbeiteten sicherheitspolitischen Maßnahmen und
insbesondere der Mechanismus über ungewöhnliche
militärische Aktivitäten können dazu beitragen. Dieser
Mechanismus gibt jedem europäischen Land eine
Verfahrensweise an die Hand, mit der es von ihm als
Ein Schlüsselelement bei der Neuorientierung westli- Bedrohung angesehene militärische Aktivitäten intercher Vorschläge auf das gegenwärtige und zukünftige national bekannt machen und damit abschrecken kann.
Sicherheitsgefüge in Europa war das von den hier Gleichzeitig unterläuft der Mechanismus nicht die NATO
anwesenden Verhandlungspartnern im Januar mit den und stellt keine Provokation oder Bedrohung für sowjeStabschefs der Teilnehmerländer durchgeführte Seminar tische Sicherheitsinteressen dar. Die meisten euroüber Militärdoktrinen. Das Seminar hat gezeigt, daß päischen Länder haben das Konzept enthusiastisch
die politischen Veränderungen trotz vieler gleichblei- als wichtigen neuen Beitrag zum Maßnahmenspekbender Aspekte der europäischen Sicherheit Einfluß trum begrüßt, mit dem Stabilität und Sicherheit in
auf die militärische Lage haben und nunmehr über die Europa erhalten werden können.
Ost-West-Konfrontation hinausgedacht werden muß.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�ILO
13. Juni 1990

ILO ERHÄLT AMERIKANISCHE ZUSCHÜSSE FÜR
ARBEIT IN OSTEUROPA
Rede von Arbeitsministerin Elizabeth Dole
WASHINGTON - (AD) - In ihrer Rede bei der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf erklärte US-Arbeitsministerin Elizabeth Dole, die Vereinigten Staaten gewährten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)
Zuwendungen für eine Zusammenarbeit mit dem im August in Budapest öffnenden Umweltzentrum für Mittel und
Osteuropa, im Rahmen derer Kontrollmöglichkeiten für Arbeitsplatzrisiken erarbeitet werden sollen.
Dole forderte die ILO zur Zusammenarbeit mit dem Zentrum auf, das sie als wichtige persönliche Initiative von
Präsident Bush bezeichnete, "ein technisches Hilfsprogramm zu erarbeiten, mit dem das Verständnis der
Arbeitnehmer für Umweltprobleme am Arbeitsplatz in Osteuropa geschärft wird".
Darüber hinaus forderte Dole die Organisation auf, Osteuropa zu helfen, und "mit Rat zur Seite zu stehen, wie
die unangenehmen Begleiterscheinungen der Reform auf ein Minimum beschränkt werden können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Doles Rede im Wortlaut.

Es ist mireine große Ehre, die Vereinigten Staaten von
Amerika bei dieser 77. Sitzung der Internationalen
Arbeitskonferenz zu vertreten. Im Namen meines
Landes möchte ich Herrn Triaca zu seiner Wahl zum
Präsidenten dieser Konferenz beglückwünschen und
in diesem Zusammenhang auch dem Generaldirektor
zum Beginn seiner zweiten Amtsperiode unsere Wertschätzung versichern. Ich habe Herrn Hansenne
bereits bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten
getroffen und konnte ihm bei dieser Gelegenheit die
anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die ILO zusichern.
Ich habe mein Versprechen gehalten und freue mich,
dem Generaldirektor heute morgen die von den Vereinigten Staaten ratifizierte ILO-Konvention No. 160 zur
Arbeitsstatistik vorlegen zu können. Dies ist die dritte
Ratifizierung meines Landes in den letzten zwei Jahren. Darüber hinaus hat erst vor zwei Monaten unser
Konsultativausschuß zu ILO-Fragen einstimmig eine
Empfehlung zur Ratifizierung der ILO-Konvention 105
über Zwangsarbeit ausgesprochen. Und wir prüfen
weiterhin ILO-Normen im Hinblick auf ihre mögliche
Ratifizierung.
Unterstützung demokratischer Reformen
Vor einem Jahr stand ich zum ersten Mal als Arbeitsministerin meines Landes vor Ihnen. Damals habe ich
AMERIKA DIENST 23

erklärt: "Die Welt wird von mächtigen Kräften demokratischer Veränderungen bewegt." Wer von uns
hätte zu träumen gewagt, daß diese Kräfte demokratischer Veränderungen so weite Kreise ziehen wie im
vergangenen Jahr? Welche bemerkenswerten Ereignisse konnten wir in Osteuropa, in Mittelamerika, Afrika und auf dem gesamten Erdball beobachten.
Die Ideale, die in diesem vergangenen Jahr von den
Kräften des demokratischen Wandels erkämpft und
errungen wurden, sind bereits in der Erklärung der ILO
von Philadelphia verankert: Das Recht des einzelnen,
"materiellen Wohlstand und... geistige Entwicklung in
Freiheit und Würde, mit wirtschaftlicher Sicherheit und
Chancengleichheit zu verwirklichen".
Tatsache ist, daß die ILO in Polen, Ungarn und anderen Ländern Osteuropas aktiv war und technische Hilfe
geleistet hat, mit der vielen nachfolgenden demokratischen und wirtschaftlichen Reformen der Weg bereitet
wurde.
Heute ist die ILO immer noch in der gesamten Region
aktiv und stellt ihre neuen Erfahrungen zur Verfügung,
um überflüssige und einschränkende Arbeitsgesetze
abzuschaffen, die so dringend benötigte Arbeitsverwaltung aufzubauen und neugeschaffene Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen zu unterstützen.
Seite 1

�Ich beglückwünsche den Generaldirektor zu dem
hervorragenden Beitrag, den die ILO beim Aufbau der
Demokratie und Neubelebung der Volkswirtschaften
in Osteuropa geleistet hat und sichere Ihnen die kontinuierliche Kooperation und Unterstützung meiner
Regierung zu.
Ich habe diese Botschaft der Unterstützung persönlich
im August vergangenen Jahres übermittelt, als ich
genau am Tag der historischen Wahl von Ministerpräsident Mazowiecki in Polen eintraf. Ende des Jahres
hatte ich als Mitglied einer Delegation des Präsidenten
in Polen Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten
zusammenzutreffen und später dann bei seinem Besuch
in den Vereinigten Staaten. Sicher werden Sie seiner
morgigen Rede mit Interesse entgegensehen.
Bei unserer Zusammenkunft habe ich mit Ministerpräsident Mazowiecki erörtert, wie die Vereinigten Staaten Polen und seinen Menschen am besten helfen
können. Und wir haben - mit Hilfe eines drei Gruppen
umfassenden Teams aus amerikanischen Regierungsvertretern, Gewerkschaftsführern und Arbeitgebern,
die auch Mitglieder der Delegation des Präsidenten
waren - einen gemeinsamen Plan entwickelt.
Gegenwärtig helfen wir Polen dabei, eine effektive und
dringend erforderliche Arbeitsmarktstrategie zu entwickeln, ferner ein System der Arbeitslosenversicherung und Arbeitsstatistik, die in einer freien Marktwirtschaft unabdingbar sind. Ähnliche Hilfe wird auch
Ungarn geleistet.
Darüber hinaus hat Polen mit der Wohnungsnot ein
sehr vordringliches Problem. Arbeitnehmer sind daran
gehindert, ihren Wohnort dorthin zu verlegen, wo neue
Arbeitsplätze geschaffen werden. Die amerikanische
Regierung, die Industrie und Gewerkschaften arbeiten
zusammen und werden bald ein Ausbildungszentrum
für Bauberufe in Praga, einem Vorort von Warschau,
eröffnen. Bald werden Installateure, Schreiner, Elektriker, Maurer und Stahlarbeiter nach Polen gehen, um
dort von Arbeiter zu Arbeiter und von Freund zu Freund
zu arbeiten.
Unsere Hilfsangebote für Polen und Ungarn konzentrieren sich auf die Hilfe für den einzelnen. Was ist der
Zweck der gegenwärtigen Umstrukturierung und Reformen, wenn nicht Hilfe für die Arbeiter, deren Hoffnungen auf Freiheit und Würde die Triebfeder des
Wandels waren.
Wenn entscheidende Wirtschaftsreformen Erfolg haben
sollen, müssen sie von einer Politik des Mitgefühls für
den Menschen getragen sein. Neue Strukturen sind
unbedingt erforderlich, um ein "soziales Netz" für
diejenigen zu knüpfen, die kurzfristige Nachteile der
Reformen zu spüren bekommen, wenn Staatsbetriebe
verkleinert, privatisiert oder geschlossen werden.
Die ILO kann dabei perfekte Hilfe leisten. Obwohl sie
in anderen Zeiten gegründet wurde, ist ihr Ziel der
Seite 2

Förderung dauerhaften Friedens durch soziale Gerechtigkeit heute so aktuell wie 1919. Deshalb sind die
Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die ILO Teil
des G-24 Prozesses - Koordinierung der Hilfe für
Osteuropa - sein, mit Rat zur Seite stehen soll, wie die
unangenehmen Begleiterscheinungen der Reform auf
ein Minimum beschränkt werden können und ihre
Fähigkeiten einsetzen soll, um effektive Programme
zu entwickeln, die den Arbeitnehmern und ihren Familien
beim Aufbau einer besseren Zukunft helfen.
Die Reaktion auf den Umweltbericht des Generaldirektors
Während die Welt die Geburt einer Reihe neuer
Demokratien im vergangenen Jahr feierte, begingen
wir darüber hinaus zum 20. Mal den Earth Day - und
dieser Jahrestag läßt den Bericht des Generaldirektors über "Umwelt und Arbeitswelt" als besonders
angemessen erscheinen.
Herr Generaldirektor, wir in den Vereinigten Staaten
betrachten Ihren Bericht als zeitgemäß und sachdienlich und unterstützen Ihren Plan, den Umweltschutz
weiterhin als eines der vier Hauptthemen der ILO im
Zweijahreszeitraum 1992-93 zu verankern. Der Gesundheitsschutz amerikanischer Arbeitnehmer am
Arbeitsplatz ist eine vordringliche Aufgabe, der ich im
vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit gewidmet habe.
Die vor uns liegende Herausforderung besteht darin,
daß die Arbeitswelt in all ihren Facetten mit der verstärkten Produktion von Gütern und Dienstleistungen
Schritt hält und gleichzeitig unsere Natur und unsere
Humanressourcen schützt.
Präsident Bush hat erklärt: "Für unsere Umwelt gibt es
keinen besseren Verbündeten als starke Volkswirtschaften. Volkswirtschaften, die es uns durch verbesserte Wirtschaftlichkeit ermöglichen, umweltpolitische
Fortschritte zu machen... Volkswirtschaften, die neue
Technologien hervorbringen und uns damit helfen, die
von uns verursachte Schädigung der Umwelt aufzuhalten und rückgängig zu machen... Volkswirtschaften, die es uns gestatten, lebenswichtige Investitionen
in unsere gemeinsame Zukunft vorzunehmen."
Wenn die Vereinigten Staaten aus Jahrzehnten von
Untersuchungen und Maßnahmen in diesem Bereich
eine Lehre gezogen haben, dann die, daß die Verbesserung von Umwelt- und Arbeitsschutz nicht ohne
Partnerschaft von Arbeitnehmern, Unternehmen und
Staat stattfinden kann - und das genau trifft den
Wesensgehalt der ILO.
In den Vereinigten Staaten betonen wir die Tatsache,
daß die Arbeitgeber dafür verantwortlich sind, sichere
und gesundheitlich einwandfreie Bedingungen am
Arbeitsplatz zu gewährleisten und die Arbeitnehmer
zur Identifizierung und Beseitigung gefährlicher Arbeitsbedingungen beitragen sollten.

AMERIKA DIENST 23

�Meine Regierung ermutigt durch das von mir beaufsichtigte Amt für Arbeitsschutz (OSHA) die Einhaltung
von Sicherheitsnormen durch die Bereitstellung von
Unterstützung und Ausbildung zur Verwirklichung
verantwortungsbewußter und wirksamer Programme.
Ich fühle mich heute an die Worte des amerikanischen
Dichters Archibald MacLeish erinnert, der, inspiriert
durch den großartigen Blick auf unseren Planeten, der
unseren Astronauten vor über zwei Jahrzehnten zuteil
wurde, schrieb: "Die Erde zu sehen, wie sie wirklich ist,
klein und blau und schön in jener ewigen Stille, in der
sie treibt, bedeutet, uns selbst gemeinsam als Reisende auf der Erde zu sehen, Brüder auf jener leuchtenden Lieblichkeit ... Brüder, die jetzt wissen, daß sie
wirklich Brüder sind."
Herr Generaldirektor, Ihr Bericht stellt zu Recht fest,
daß wir in der Tat alle Brüder und Schwestern sind ...
alle "gemeinsam als Reisende auf der Erde". Die
unausweichliche Tatsache unserer gegenseitigen
ökologischen Abhängigkeit erfordert nicht nur die
Zusammenarbeit zwischen Staat, Arbeitnehmern und
Arbeitgebern, sondern auch auf internationaler Ebene.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die
Vereinigten Staaten durch einen vielfältigen internationalen Informationsaustausch sowohl ihre Erfolge mit
anderen geteilt als auch von anderen gelernt. Wir
haben enge Beziehungen zu vergleichbaren Institutionen für Arbeits- und Umweltschutz in Großbritannien,
Schweden, Israel und der Panamerikanischen Union
aufgebaut. Wir beteiligen uns voll und ganz an Arbeitsschutzmaßnahmen der ILO, der Europäischen Gemeinschaft und der Weltgesundheitsorganisation.
Um unser Haus in Ordnung zu bringen, muß jedoch
noch mehr getan werden, und ich versichere hiermit
die ILO der weiteren Zusammenarbeit der Vereinigten
Staaten bei der Bekämpfung von Umweltproblemen in
ihrem Verantwortungsbereich.
Darüber hinaus freue ich mich, mitteilen zu können,
daß unser Arbeitsministerium in Zusammenarbeit mit
der US-Umweltschutzbehörde der ILO einen Zuschuß
gewährt, um Umweltprobleme am Arbeitsplatz in
Osteuropa zu untersuchen.
Mit diesem Zuschuß wird die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen der ILO und dem neuen Regionalen Umweltzentrum für Mittel- und Osteuropa in Budapest unterstützt. Die Einrichtung dieses Zentrums,
das im August eröffnet wird, geht auf eine wichtige
persönliche Initiative von Präsident Bush zurück, die
das Ziel verfolgt, regionale und internationale Zusammenarbeit zu fördern.
Meine Regierung lädt die ILO ein, mit uns in diesem
Zentrum zusammenzuarbeiten, um ein technisches
Hilfsprogramm zu erarbeiten, mit dem das Verständnis
der Arbeitnehmer für Umweltprobleme am Arbeits-

AMERIKA DIENST 23

platz in Osteuropa geschärft wird. Eine wichtige
Maßnahme wird die Entwicklung eines Ausbildungsprogramms zum Arbeitsschutz beim Umgang mit
chemischen Stoffen sein. Wir schlagen die Veranstaltung von drei Ausbildungsseminaren unter der Leitung
des Regionalen Umweltzentrums vor.
Die Vereinigten Staaten würden ferner die Teilnahme
der ILO an einem für September geplanten Workshop
in Budapest über Vorkehrungen und Maßnahmen
gegen Chemieunfälle und deren Prävention begrü ßen.
Dieser Workshop wird in Zusammenarbeit mit dem
Regionalen Umweltzentrum veranstaltet und von der
US-Umweltbehörde sowie dem ungarischen Umweltministerium unterstützt.
Es gibt noch viele andere Möglichkeiten und Projekte,
aber die Grundtatsache steht außer Frage: Es ist
unerläßlich, daß wir alle zusammenarbeiten, um die
tiefgreifenden Umweltprobleme Osteuropas in den
Griff zu bekommen.
Herr Präsident, dies ist die erste ILO-Konferenz der
neunziger Jahre. In wenigen Jahren werden wir den
Beginn eines neuen Jahrhunderts feiern. Werden wir
stolz auf das sein, was wir geleistet haben? Werden
alle Bewohner dieses kleinen Planeten die grundlegenden Menschenrechte und eine bessere Zukunft
genießen? Wird eine saubere Umwelt, am Arbeitsplatz und außerhalb, unser Vermächtnis für die nächste Generation sein?
Wenn wir zusammenarbeiten, besitzen wir das Potential, all dies zu leisten und noch mehr. Die überwältigenden Ereignisse des vergangenen Jahres haben
gezeigt, wieviel entschlossene Menschen erreichen
können, wenn ihre Entschlossenheit fest und ihre Ziele
klar sind.
Während an vielen Orten auf der Welt Grund zum
Feiern besteht, müssen wir gleichzeitig unsere Anstrengungen intensivieren. Wir müssen uns energischer denn je darum bemühen, die Ideale zu fördern,
die sich die Begründer der ILO vor 71 Jahren zum Ziel
setzten. Die große Leidenschaft für Menschenrechte
und Menschenwürde, die Woodrow Wilson und andere Delegierte in Versailles im Jahr 1919 beflügelte,
treibt heute führende Persönlichkeiten der Weltpolitik
wie Ministerpräsident Mazowiecki, Vaclav Havel und
Violeta Chamorro an.
All diese Politiker wurden von dem Traum geleitet, daß
ihre Völker eine Zukunft der Freiheit, Würde und
Hoffnung verdienten. Und alle stehen sie vor enormen
Herausforderungen, da sie die demokratischen und
wirtschaftlichen Reformen durchführen, die zur Erfüllung ihres Traums notwendig sind.
Ihre Bemühungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen und die Bemühungen anderer weitsichtiger
Persönlichkeiten in Staat, Gewerkschaften und Unter-

Seite 3

�nehmen in der ganzen Welt verdienen unsere uneinge- dieser Erde" können wir dazu beitragen, ihre - und
schränkte Unterstützung.
unsere - Träume zu verwirklichen.
Mit Engagement, Zusammenarbeit und vor allem Mitgefühl und Verständnis für unsere "Mitreisenden auf

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

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                    <text>Dokumentation

I

United States Information Service

13. Juli 1977

18

AUSSENMINISTER VANCE ERLÄUTERT ASIENPOLITIK DER USA
- Rede des US-Außenministers am 29. Juni 1977 in New York

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance hat
in einer Rede vor der Asia Society am 29. Juni in New York die Asienpolitik
der Carter-Administration dargelegt.

Die Ausführungen des Außenministers

haben folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine große Ehre, heute abend vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Seit 20 Jahren hat die Asien-Gesellschaft Brücken der Verständigung zwischen
Asiaten und Amerikanern geschlagen. Ein Großteil dieses Verdienstes gebührt
dem Gründer der Gesellschaft, John D. Rockefeller III. Sein Interesse an den
Kulturen Asiens ist bleibend; die Beiträge der von ihm gegründeten Gesellschaft sind nicht zu zählen.
Heute abend möchte ich zu Ihnen über die Rolle Amerikas in Asien sprechen: ein Asien, das endlich den Frieden gefunden hat, aber auch ein Asien,
in dem noch manches im Ungewissen ist.
Ich

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Ich möchte als erstes von dem Grundsatz ausgehen, daß die Aussichten
für die Erhaltung und Entwicklung effektiver Beziehungen zu den Ländern Ostasiens heute vielversprechender sind als zu irgendeinem Zeitpunkt seit Ende
des Zweiten Weltkrieges.

Die fundamentale Aufgabe unserer Administration

besteht darin, die positiven Entwicklungen der letzten Jahre - die Entstehung einer noch engeren Partnerschaft mit Japan, eine vielversprechende
"Öffnung" zu China, die zunehmende wirtschaftliche Prosperität im pazifischen
Becken, der wachsende Zusammenhalt der ASEAN-Gruppe - zu konsolidieren und
gegensätzliche Trends zu verhindern oder abzuschwächen, die das gegenwärtige
günstige regionale Verhältnis belasten könnten.

Von unserer Fähigkeit, diese

Aufgabe zu meistern, wird sehr viel abhängen, denn unser Interesse an Asien
ist bleibend und.wesentlich.
Ich hoffe, Ihnen folgende Erkenntnisse vermitteln zu können:
- Erstens, die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine asiatische
und pazifische Macht.
- Zweitens, die Vereinigten Staaten werden weiterhin ihre Schlüssel rolle
spielen, wenn es gilt, zum Frieden und zur Stabilität in Asien und im Pazifik
beizutragen.
- Drittens, die Vereinigten Staaten streben mit den Ländern dieses Gebietes normale und freundschaftliche Beziehungen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der gegenseitigen Achtung an.
- Viertens, die Vereinigten Staaten werden eine beiderseitige Ausweitung
von Handel und Investitionen über den Pazifik hinweg anstreben, aus der Erkenntnis der wachsenden Interdependenz der Volkswirtschaften der Vereinigten
Staaten und dieser Region heraus.
- Und fünftens, wir werden unseren Einfluß nutzen, um die menschlichen
Bedingungen der Völker Asiens zu verbessern.
Bei

�Bei all dem kann es keinen Zweifel an der anhaltenden Vitalität der
Beziehungen unseres Landes zu den Völkern Asiens und des Pazifik geben.
Den Menschen in Asien möchte ich heute abend ohne Einschränkung sagen,
daß unser Volk sein Selbstvertrauen im eigenen Lande wiedergefunden hat.
Und wir haben unser Interesse an Asien nicht aufgegeben. Wir sind und bleiben aufgrund unserer geographischen Lage, unserer Geschichte, unseres Handels
und unserer Interessen eine pazifische Nation. Rund ein Viertel unseres gesamten Handels wickeln wir heute mit Ostasien und dem Pazifik ab. Im vorigen
Jahr haben wir amerikanische Erzeugnisse im Werte von 22 Milliarden Dollar
an diese Region verkauft. In den letzten fünf Jahren haben wir mit dieser
Region mehr Handel getrieben als mit irgendeiner anderen Region der Welt,
einschließlich der Europäischen Gemeinschaft.
Von Frieden und Stabilität in Asien sprechen zu können, ist eine erfreuliche Wandlung. Dennoch bestehen weiterhin schwerwiegende Probleme. Unsere
Aufgabe ist es, bei der Konsolidierung des friedlichen Gleichgewichtszustands,
der sich in Asien herausgebildet hat, Hilfe zu leisten und das wirtschaftliche
Wachstum zu fördern, das seinen Völkern bessere Zukunftsaussichten verheißt.
Die Vereinigten Staaten werden frei und aufgeschlossen ihre Beziehungen
zu den Ländern Asiens weiter ausbauen.

Wir werden weiterhin eng mit Verbün-

deten und Freunden zusammenarbeiten, und wir hoffen, die Beziehungen zu denjenigen, die unsere Gegner gewesen sind, auf einer für beide Seiten positiven
Grundlage normalisieren zu können.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Bedeutung bewußt, die ihr anhaltender Beitrag für die Sicherheit in Asien besitzt.

Wir werden eine starke

militärische Präsenz in diesem Gebiet beibehalten.
Diese Präsenz wird durch die Veränderungen der Technologien, durch die
Verbesserungen in den Sicherheitskapazitäten unserer Freunde und Verbündeten
und durch unsere Bemühungen um weitere Versöhnung und Förderung des Friedens
- 3 -

�Friedens beeinflußt werden.
Unter unseren Verbündeten und alten Freunden ist keiner wichtiger als
Japan.

Unser beiderseitiger Sicherheitsvortrag ist ein Eckpfeiler des Frie-

dens in Ostasien.

Japans demokratische Institutionen sind festverwurzelt.

Kein anderes Volk erfreut sich einer größeren politischen Freiheit.
vom Willen zum Frieden beseelt ist, steht außer jedem Zweifel.

Daß es

Vor 25 Jah-

ren stand Japan, obwohl es sich von den verheerenden Zerstörungen des Krieges
wieder erholt hatte, erst am Anfang

seines wirtschaftlichen Vormarsches.

Heute liegt sein per capita-Bruttosozialprodukt bei fast 5000 Dollar.

Im

Jahre 1953 waren es nur rund 700 Dollar - nach dem derzeitigen Geldwert berechnet - das heißt weniger als das in vielen Entwicklungsländern heute.
Das Wachstum Japans war ein unerläßlicher Faktor für den wirtschaftlichen
Fortschritt der weniger entwickelten Länder in diesem Gebiet.

Seine Hilfe

stellte einen bedeutenden Beitrag zum Wohlergehen dieser Länder dar, wir begrüßen die Zusage, daß es seine Hilfe und Unterstützung innerhalb der nächsten
fünf Jahre verdoppeln will.
Seine großen Leistungen und Errungenschaften haben Japan die entsprechenden Aufgaben und Verantwortungen gebracht. Seine Aktionen - genau wie die
unseren - müssen Auswirkungen haben, die weit über seine eigenen Grenzen hinausreichen. Ein erweiterter japanischer Markt für Fertigwaren anderer Länder
würde einen wichtigen Beitrag zu einem gesünderen weltwirtschaftlichen Gleichgewicht darstellen; dies gilt genauso für höhere Expansionsraten zur Stimulierung der Volkswirtschaften anderer Länder.
Die Vereinigten Staaten und Japan müssen in enger Konsultation vorgehen.
Vor allem müssen wir jedes zwischen uns auftretende Problem im Geiste wahrer
Freundschaft und Verständigung lösen.
Unsere Verbindungen mit Japan bleiben der Grundstein unserer Politik in
Asien. Aber wir sehen auch große Chancen für den Aufbau einer neuen Beziehung
- 4 -

�Beziehung zur Volksrepublik China.
Nach 25 Jahren der Konfrontation führen wir nun einen konstruktiven
Dialog mit der Volksrepublik China.
Bedeutende Unterschiede in der Kultur, den sozialen Systemen, der Ideologie und der Außenpolitik stehen immer noch trennend zwischen unseren beiden
Ländern.

Aber das chinesische und amerikanische Volk stehen nicht länger mehr

in Feindseligkeit, voll Mißverständnis und faktisch völlig getrennt einander gegenüber, wie dies zwei Jahrzehnte lang der Fall war.
Wir erachten freundschaftliche Beziehungen zu China für ein zentrales
Anliegen unserer Außenpolitik. Chinas Rolle für die Erhaltung des Weltfriedens ist von entscheidender Wichtigkeit. Ein konstruktives Verhältnis zu
China ist nicht nur in regionaler Hinsicht, sondern auch für das globale
Gleichgewicht von Bedeutung. Ein solches Verhältnis will niemand bedrohen.
Es wird nur dem Frieden dienen.
Daß sich ein Viertel der Menschheit an der Suche nach den Lösungen globaler Probleme beteiligt, ist wichtig.
Bei der Gestaltung unseres Verhältnisses zu den Chinesen werden wir mit
anderen kein Abkommen abschließen, das gegen die Volksrepublik China gerichtet
wäre.

Wir erkennen die starken Verpflichtungen Chinas zur Unabhängigkeit, Ein-

heit und Selbständigkeit an und achten sie.
Unsere Politik gegenüber China wird weiterhin von den Grundsätzen des
Kommuniques von Schanghai geleitet werden, und auf dieser Basis werden wir
auf eine volle Normalisierung der Beziehungen hinarbeiten.

Wir erkennen die

im Kommunique von Schanghai zum Ausdruck gebrachte Auffassung an, daß es nur
ein China gibt.

Wir legen ferner Wert auf eine friedliche Lösung der Formosa-

Frage durch die Chinesen selbst.

In
- 5 -

�In sieben Wochen werde ich Peking besuchen, um mit den Führern Chinas
zu sprechen.

Ein weiter Bereich weltpolitischer Fragen verlangt unsere Auf-

merksamkeit.

Und wir möchten Wege sondieren, um unser bilaterales Verhält-

nis zur Volksrepublik China weiter zu normalisieren.

Beiderseitige und

wechselseitige Anstrengungen in dieser Richtung sind wesentlich.
Wenn wir uns auf unseren Besuch in Peking vorbereiten, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß es nicht leicht sein mag, einen Fortschritt zu
erzielen, und daß dieser nicht sofort auf der Hand liegen mag.

Aber diese

Administration hat sich dem Fortschritt verschrieben, und in diesem Geiste
gehen wir an die Gespräche in Peking heran.
Quer durch Asien haben wir mit vielen anderen Ländern enge und historische
Beziehungen, und wir wollen neue Wege suchen, um diese zu festigen.
Die Republik Korea hat die durch den Frieden auf der Halbinsel gebotenen
Möglichkeiten gut genutzt, um in zunehmendem Maße selbständig und autark zu
werden.

Der Lebensstandard der Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jah-

ren wesentlich verbessert.

Der Handel ist enorm gestiegen.

Die Landwirt-

schaft wurde revolutioniert.
Unsere Sicherheitsverpflichtung gegenüber der Republik Korea und unsere
Entschlossenheit, diese Verpflichtung einzuhalten, ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des Friedens in Nordostasien.
Südkoreas Wachstum und Stärke sind die Grundlage für die Entscheidung
Präsident Carters, einen zeitlich sorgfältig abgestimmten Abzug der amerikanischen Landstreitkräfte vorzunehmen.

Das wird in einer Weise geschehen, die

die Sicherheit Südkoreas nicht gefährden wird.

Wir werden ferner mit Zu-

stimmung des Kongresses bemüht sein, die Verteidigungskapazität Südkoreas zu
stärken.
Im übrigen ist festzustellen:

- Unsere

�- Unsere Landstreitkräfte stellen nur etwa fünf Prozent der gesamten
Landstreitkräfte dar, die zur Verteidigung Südkoreas verpflichtet sind.
- Der schrittweise Abzug dieser Truppen über einen Zeitraum von vier
bis fünf Jahren wird durch die wachsende Stärke und das wachsende Selbstvertrauen der südkoreanischen Streitkräfte ausgeglichen werden.
- Unsere See- und Luftstreitkräfte und andere Versorgungselemente werden bleiben.
- Wir arbeiten eng mit den Koreanern zusammen, um ihnen bei der Erhöhung ihrer eigenen Verteidigungskapazität zu helfen.
Die Vereinigten Staaten und die Republik Korea haben den gemeinsamen
starken Wunsch, einen dauerhaften Rahmen für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität auf der Halbinsel zu schaffen.
- Wir unterstützen die Aufnahme von Nord- und Südkorea in die Vereinten
Nationen ohne Präjudizierung der schließlichen Wiedervereinigung.
- Wir sind bereit, bessere Beziehungen zu Nordkorea herzustellen, vorausgesetzt, die Verbündeten Nordkoreas ergreifen Schritte zu einer Verbesserung
ihrer Beziehungen zu Südkorea.
- Wir haben Verhandlungen vorgeschlagen, um den gegenwärtig existierenden Waffenstillstand durch dauerhaftere Vereinbarungen abzulösen.
- Wir haben uns bereit erklärt, zu diesem Zweck mit Südkorea, Nordkorea
und der Volksrepublik China als den am unmittelbarsten interessierten Parteien
zusammenzutreffen und mit ihnen die Möglichkeiten für eine größere Konferenz
zu sondieren.

Wir werden in Verhandlungen über die Zukunft der Halbinsel nur

unter Beteiligung der Republik Korea eintreten.
Vor
- 7 -

�Vor zehn Jahren - als sogar in Indochina noch der Krieg tobte - haben
fünf südostasiatische Länder ein neues Instrument des Friedens geschaffen
- die Vereinigung der Südostasiatischen Nationen oder ASEAN.

Unsere Bezie-

hungen zu einem dieser Staaten, nämlich den Philippinen, haben ihre Wurzeln
in einer gemeinsamen Geschichte.

Die Stärke dieser Bindungen wird durch

unseren gegenseitigen Verteidigungspakt noch gefestigt.

Jedes der anderen

vier ASEAN-Mitglieder - Thailand, Indonesien, Malaysia und Singapur - ist
ein alter und geschätzter Freund.
Unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu den ASEAN-Ländern sind immer
wichtiger geworden.

Aus dem ASEAN-Gebiet beziehen wir ein Zehntel unseres

Rohöls und einen wesentlichen höheren Prozentsatz unseres Kautschuks, Zinns,
Kakaos und Bauxits sowie anderer wichtiger Rohstoffe.

Diese fünf Länder mit

einer Gesamtbevölkerung, die größer ist als die von ganz Südamerika, haben
im Jahre 1976 amerikanische Waren im Werte von 3,7 Milliarden Dollar gekauft.
Wir werden mit jedem der ASEAN-Länder enge bilaterale Beziehungen aufrechterhalten. Und wir begrüßen die Möglichkeit, über ihre Organisation
mit ihnen zu verhandeln, wenn das ihr Wunsch ist. Wir freuen uns ganz besonders, daß in ganz wenigen Monaten in Manila die ersten formellen Konsultationen zwischen den USA und ASEAN abgehalten werden. Diese Gespräche werden, so hoffen wir, die Grundlage für eine stärkere amerikanische Unterstützung der regionalen Anstrengungen in Südostasien bilden.
Die engen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Australien und
Neuseeland datieren weit hinter unser formelles Bündnis im ANZUS-Pakt zurück.

Erst vorige Woche begrüßte der Präsident den australischen Minister-

präsidenten Malcolm Fräser in Washington.

In ihren weitgefaßten Gesprächen

wurde der asiatischen Region besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Der Beitrag,

den Australien und Neuseeland zu dieser Region leisten, ist von lebenswichtiger Bedeutung, und wir werden uns mit ihnen in allen Fragen gemeinsamen
Interesses eng konsultieren.
Während
- 8 -

�Während wir mit traditionellen Freunden zusammenarbeiten, haben wir
damit begonnen, unsere Beziehungen zur Sozialistischen Republik Vietnam zu
normalisieren.
Unsere alten Freunde in Südostasien und im Pazifik sind über unsere
Gespräche mit den Vietnamesen voll auf dem laufenden gehalten worde. Sie
stimmen zu, daß durch die Herstellung normaler Beziehungen zwischen Vietnam
und den Vereinigten Staaten den Interessen aller gedient wäre.
Die Narben des Krieges sind noch auf beiden Seiten vorhanden.

Auf bei-

den Seiten herrscht noch ein Rest an Bitterkeit, der überwunden werden muß.
Aber es ist einiger Fortschritt zu verzeichnen:
- Zusammen mit den Vietnamesen haben wir ein System für die Identifizierung und Heimführung der sterblichen Überreste von Amerikanern entwickelt,
die im Kriege vermißt wurden.

Bald werden die sterblichen Überreste von

zwanzig weiteren amerikanischen Piloten aus dem Lande, in dem sie starben
- einige von ihnen schon vor zehn Jahren -, in das Land übergeführt werden,
dem sie ehrenhaft und treu dienten.
- Wir haben die Beschränkungen für Reisen nach Vietnam aufgehoben und
andere wichtige Schritte unternommen, um den Prozeß der Versöhnung zu fördern.
- Wir haben angeboten, das Handelsembargo aufzuheben, sobald wir diplomatische Beziehungen hergestellt haben.
- Und wir werden uns der Aufnahme Vietnams in die Vereinten Nationen
nicht länger widersetzen. Ich rechne damit, daß die vietnamesische Delegation in der nächsten Sitzungsperiode der Vollversammlung dort Sitz und
Stimme erhalten wird.
Diese
- 9 -

�Diese Schritte lassen erkennen, daß wir im Aufbau eines neuen Verhältnisses vorankommen wollen.

Wenn wir an die Lehren der Vergangenheit denken,

dann sollte keine Seite sich von diesen gefangennehmen lassen oder falsche
Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Wir können keine Interpretation der Ver-

gangenheit akzeptieren, die uns unbegründete Belastungen auferlegt.
In der Zwischenzeit verlangt ein neuer Strom von Flüchtlingen aus Indochina die dringende humanitäre Unterstützung der Welt.
mit einer Rate von 1500 im Monat zu.

Einige wenige

Ihre Zahlen nehmen

Länder - darunter Thai-

land, Frankreich, Kanada, Australien und in jüngster Zeit auch Israel - haben viel getan, um diesen unglücklichen Menschen zu helfen.

Einige Länder

haben jedoch den Rücken gekehrt und überlassen eine steigende Zahl von
Flüchtlingen dem Untergang durch Ertrinken oder Krankheit.
Ich ersuche dringend darum, daß diesen Flüchtlingen Unterkunft und Hilfe
geboten wird, bis eine dauerhafte Regelung gefunden werden kann.
Wenn wir heute über den weiten Pazifik blicken, dann sehen wir ein Netz
von Beziehungen, das uns verbindet, und die anhaltende Rolle Amerikas für die
Sicherheit Asiens.

Der Frieden in dieser Region hängt auch von unseren Be-

mühungen ab, die Spannungen mit der Sowjetunion abzubauen.

Jeder Versuch,

das gegenwärtige allgemeine Gleichgewicht zu verändern, würde von allen andern in der Region mit Besorgnis betrachtet.
Der Frieden hat es den Vereinigten Staaten und Asien ermöglicht, das
Augenmerk auf das wirtschaftliche Wachstum zu richten, das ein so eindrucksvolles Merkmal des modernen Asiens ist.
Japans Wirtschaftswunder ist bekannt, aber die bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung anderer Länder in Asien hat weniger Aufmerksamkeit gefunden.
Daß diese erfolgreiche Entwicklung ständig so weitergeht, versteht sich
- 10 -

�sich nicht von selbst.

Wir müssen eine Politik verfolgen, die die Gewähr

bietet, daß der wirtschaftliche Fortschritt sich nicht ins Gegenteil verkehrt und daß seine Segnungen breiter verteilt werden.
Die von Präsident Carter auf dem Wirtschaftsgipfel gegebenen festen
Zusagen sind für Asien genau so relevant wie für die anderen Teile der Welt.
- Wir werden weiterhin die Inflation bekämpfen.
- Wir werden weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um neue Energiequellen zu entwickeln und die Gewähr für stabile und faire Energiepreise zu
geben.
- Wir werden allen protektionistisehen Tendenzen entgegenwirken und ein
liberales Handelssystem unterstützen.
- Wir werden den Abschluß von preisstabilisierenden Rohstoffabkommen
und die Anlage von Ausgleichsvorräten für ausgewählte Rohstoffe unterstützen,
die von Erzeugern und Verbrauchern finanziert und durch einen gemeinsamen
Fonds gestützt werden.
Außerdem wird unsere Politik in Asien auf die wirtschaftlichen Probleme
und Chancen in dieser Region ausgerichtet sein.

Die Rolle der asiatischen

Entwicklungsbank ist hier von besonderer Bedeutung.
Auf dem Gebiet der Entwicklungsprogramme haben die Vereinigten Staaten
in jüngster Zeit die Initiative ergriffen, indem sie zu einer konzertierten
internationalen Anstrengung aufforderten, um eine Agenda der menschlichen
Grunderfordernisse aufzustellen.
Eine solche Agenda muß in Asien und auch sonst in der sich entwickelnden
Welt die folgenden wesentlichen Elemente einschließen, die ich auf der
Ministertagung der OECD in Paris unlängst umrissen habe:
- Entwicklung
- 11 -

�- Entwicklung der ländlichen Gebiete der Dritten Welt, in denen die
große Mehrheit der ärmsten Menschen lebt;
- eine integrierte Strategie zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung
und der besseren Ernährung in diesen Gebieten;
- stärkerer Nachdruck auf dem Sektor der Präventivmedizin, der Familienplanung und der Schwangerenfürsorge mit geringstem Kostenaufwand;
- erweiterte Programme für Volks- und höhere Schulausbildüng sowie
für die Berufsschulen; und
- erneute Anstrengungen, um auch Frauen in den Entwicklungsprozeß einzugliedern.
All diesen Anstrengungen sagen die Vereinigten Staaten ihre feste
Unterstützung zu.

Aber in vielen Ländern ist der rapide Bevölkerungszu-

wachs eine Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung.

Wenn heute schon

der Druck des Bevölkerungszuwachses auf dem Lande für die natürliche Umweltverhältnisse in Ostasien eine Bedrohung darstellt, so wird sich die Bevölkerung einiger Länder Ostasiens der siebziger Jahre bis zum Ende des Jahrhunderts sogar verdoppeln.
Ich glaube, daß die Vereinigten Staaten den Ländern helfen müssen, mit
diesen schwierigen Problemen fertig zu werden.
Wir müssen uns genau so eindringlich mit anderen Aspekten der Menschenrechte befassen - dem Recht, unter der Herrschaft eines Gesetzes zu leben,
das gegen grausame, willkürliche und entwürdigende Behandlung Schutz bietet,
sich an der Regierung und ihren Entscheidungen beteiligen zu können, seiner
Meinung freien Ausdruck geben zu können und nach friedlichen Veränderungen
streben zu können.
Wir
- 12 -

�Wir wissen um kulturelle Unterschiede.

Unsere Tradition

betont die

Rechte und das Wohlergehen des Individuums; einige asiatische Traditionen
legen den Nachdruck mehr auf die Rechte und das Wohlergehen der Gruppe.
Wir stimmen der Entschlossenheit der asiatischen Länder voll und ganz zu,
sich ihre unter großen Opfern erworbene Fähigkeit zu bewahren, ihre eigene
Politik zu bestimmen und sich ihre eigenen Institutionen zu schaffen.
Wir sind aber auch fest davon überzeugt, daß es neue und größere
Chancen zur Verbesserung der menschlichen Verhältnisse in dem von mir soeben beschriebenen Asien gibt - einem Kontinent in Frieden, einer Heimat
von begabten und fähigen Menschen, die sicher in ihrer nationalen Unabhängigkeit sind.
Mit Wachsamkeit und Entschlossenheit, mit Freundschaft und Verständnis
ermutigen wir unsere asiatischen Freunde, diese Gelegenheit zu ergreifen,
um die Menschenrechte ihrer Völker zu fördern.
Dies zu tun wird keine Nation schwächer machen.
Im Gegenteil, eine tiefere Art von Stärke - eine Stärke, die sich aus
der vollen Beteiligung aller Menschen ergibt - wird auf lange Sicht das Ergebnis des Einsatzes für die Verbesserung der menschlichen Verhältnisse sein.
Die Länder in Asien, die diesen Kurs bereits eingeschlagen haben, werden
darum um so stärker sein, und wir werden imstande sein, noch enger mit ihnen
zusammenzuarbeiten.
Ich habe meine Rede heute abend damit begonnen, daß ich die Verheißung
des Friedens und des friedlichen Wandels, der das gesamte Gebiet zu erfassen
beginnt, aufs wärmste begrüßte.

Ich möchte sie beschließen, indem ich mit

Nachdruck meiner tiefen Hoffnung auf einen neuen Gemeinschaftssinn in Asien
und im Pazifik Ausdruck gebe.

Wir sind bestrebt:
- Auf
- 13 -

�- Auf den Beziehungen der gegenseitigen Achtung weiterzubauen;
- die bereits erreichte, jedoch noch zerbrechliche Stabilität zu konsolidieren;
- größere Freiheit und größere Achtung für die Menschenrechte zu erreichen; und
- die noch bestehenden Trennungen zu beseitigen.
Ich versichere, daß unsere Administration alle Anstrengungen auf dieses
Ziel hin unternehmen wird, und bitte unsere Freunde in Asien und das amerikanische Volk hierfür um Unterstützung.

+ + + + +

- 14 -

�1

1
I

3

Dokumentation
United States Information Service

13. Juli 1977

18

VANCE KÜNDIGT POSITIVE AFRIKA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN AN
- Rede des US-Außenministers vor der NAACP am 1. Juli 1977 -

St. Louis, Missouri - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus
R. Vance hat am 1. Juli in St. Louis im Staate Missouri eine bejahende und
positive Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Afrika angekündigt. Vor
der Jahreshauptversammlung der bekannten Organisation für die Förderung der
Farbigen (NAACP - National Association for the Advancement of Colored
People) betonte Vance, daß die Carter-Administration ein aktives Interesse
an Afrika habe.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Dies ist eine besondere Gelegenheit für mich, mit Ihnen zusammenzutreffen und mit Ihnen über ein wichtiges Thema zu sprechen: die Beziehungen
Amerikas zu Afrika.

Bevor

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, möchte ich noch ein
paar persönliche Bemerkungen über einen Mann machen, der diese Organisation
geführt und seit fast fünf Jahrzehnten seine Stimme für Gerechtigkeit und
Freiheit erhoben hat.
i

Ich spreche von Roy Wilkins - einem persönlichen Freund und einem Mann,
den ich in all diesen Jahren bewundert habe.
Roy Wilkins hat sein Werk noch nicht vollendet.

Es bleibt noch eine

wichtige Tagesordnung, die er mit aufgestellt hat - eine Tagesordnung
der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.

Ich weiß, daß Präsident

Carter und andere in seiner Administration weiterhin die Unterstützung
von Roy Wilkins erbitten, von seiner Stärke inspiriert sein und nach dem
streben werden, was er für gerecht ansieht.
In seiner Führuna der NAACP hat Roy Wilkins niemals aus den Augen
verloren, welche Bedeutung Afrika für unsere Nation hatte.
Afrika bedeutet für die Vereinigten Staaten sehr viel.

Das ist eine

Tatsache, die immer mehr Amerikaner begreifen.
Sie in der NAACP haben diese Tatsache seit den ersten Tagen ihrer
Gründung vor fast 70 Jahren erkannt: indem Sie 1919 den ersten Panafrikanischen Kongreß abhielten und indem Sie in den Tagen des N^rshall-Plans
auch eine wirksame Unterstützung Afrikas, der Karibik und anderer Entwicklungsgebiete forderten.
Wir hoffen, daß wir in unserer neuen Administration bei der Ausarbeitung
unserer Afrika-Politik einen ähnlichen Weitblick entwickeln können.
Wir gehen von einer Grundvoraussetzung aus: Unsere Politik muß die
einmalige Identität Afrikas anerkennen. Wir sind weder auf dem richtigen
Weg, noch können wir etwas bewirken, wenn wir Afrika einfach als einen Teil
der Dritten Welt oder als einen Tummelplatz der Ost-West-Konkurrenz betrachten.
- 2 -

Die

�Die Wirklichkeit in Afrika ist unglaublich vielfältig.

Aber aus dieser

Vielfalt entspringt eine allgemeine Tatsache von großer Bedeutung.

Afrika

verfügt über ein gewaltiges Potential - an menschlichem Talent, an
Ressourcen, die auf ihre Entwicklung warten, an Energie, die es zu nutzen
gilt.
Wir können die Richtigkeit dieser Feststellung an unseren eigenen
nationalen Interessen messen. Denn das Potential Afrikas ist mit dem
unsrigen verknüpft.
- Erfolg oder Fehlschlag in der Suche nach rassischer Gerechtigkeit
und Rassenfrieden im südlichen Afrika werden tiefgreifende Auswirkungen
im amerikanischen Volke haben. Und unsere Beteiligung an dieser Suche
gründet sich auf die Werte unserer eigenen Gesellschaft.
- Die Rolle der afrikanischen Staaten in den Vereinten Nationen und
in anderen multilateralen Gremien ist unentbehrlich.

Ein Drittel der

Mitglieder der Vereinten Nationen sind afrikanische Staaten.
- Der mineralische und landwirtschaftliche Reichtum Afrikas sorgt
bereits für einen beträchtlichen Teil unserer Einfuhren an Gütern wie
Kupfer, Kobalt und Mangan für unsere Industrie und an Kakao und Kaffee
für unsere Haushalte.

Und Afrika liefert uns 38 Prozent unserer Rohölein-

fuhren.
- Unsere direkten Investitionen im Afrika südlich der Sahara haben
sich in den letzten 15 Jahren fast versechsfacht. Unser Handel beträgt
seit damals fast das Zwölffache« Und die Zusammensetzung unseres Handels
mit Afrika zeigt einen immer größeren Anteil Schwarzafrikas auf. Der
Handel mit Südafrika machte im Jahre 1960 rund 39 Prozent unseres Afrikahandels aus, heute ist unser Handel mit Nigeria allein wertmäßig doppelt
so groß wie der mit Südafrika.
- über

�- Ober diese politischen und wirtschaftlichen Bande hinaus, die unsere
Zukunft verknüpfen, gibt es auch gesellschaftliche und kulturelle Bindungen,
aus denen wir viel profitiert haben.

Wir erleben diese Bereicherung jeden

Tag - in unserer Literatur, unserer Kunst, unserer Musik und in unseren
gesellschaftlichen Werten.
Während der letzten Monate haben sich bei der Erörterung der spezifischen Afrika-Politik, von der ich heute sprechen will, einige allgemeine Punkte herauskristallisiert.

Sie definieren unsere generelle

Einstellung.
Erstens, die wirkungsvollste Politik gegenüber Afrika ist eine bejahende positive - Politik.

Sie darf keine Reaktion auf das sein, was andere

Mächte tun, noch auf Krisen, wenn diese auftreten.

Unsere Tagesordnung

des Fortschritts darf nicht von Schlagzeilen geprägt werden.
Eine negative, reaktive amerikanische Politik, die nur darauf aus wäre,
sich eir.er sowjetischen oder kubanischen Einmischung in Afrika zu widersetzen, wäre gefährlich und nichtig. Der beste Kurs für uns besteht darin,
zur Lösung der Probleme beizutragen, die Gelegenheiten für eine Einmischung
von außen schaffen.
Zweitens, unser Ziel muß es sein, ein blühendes und starkes Afrika zu
fördern, das mit sich selbst und mit der Welt in Frieden lebt. Der Erfolg
unserer Afrika-Politik wird mehr von unserer tatsächlichen Hilfe für die
afrikanische Entwicklung abhängen und von unserer Fähigkeit, den Afrikanern
zu helfen, ihre Streitfragen zu lösen, als von Manövern, die kurzfristige
diplomatische Vorteile einbringen.
Drittens, unsere Politik muß den afrikanischen Nationalismus anerkennen
und ermutigen.

Nachdem sie ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, werden die

afrikanischen Nationen sie gegen Herausforderungen von jeder Seite verteidigen.

Wenn wir versuchen, afrikanischen Problemen amerikanische Lösun- 4 -

�Lösungen aufzuzwingen, dann könnten wir bald Zwietracht unter den
Afrikanern säen und ihre Fähigkeit untergraben, sich den Bemühungen anderer,
sie zu beherrschen, zu widersetzen.

Das werden wir nicht tun.

Viertens, unsere Politik muß unsere nationalen Werte widerspiegeln.
Unser tiefer Glaube an die Menschenrechte - politisch, wirtschaftlich und
gesellschaftlich - führt uns zu einer Politik, die der Förierung dieser
Menschenrechte in ganz Afrika dient.

Das bedeutet Sorge um den Einzelnen,

dessen Rechte bedroht werden - überall auf dem Kontinent.

Und es bedeutet,

daß wir uns nach Kräften bemühen, friedlich für die Förderung der rassischen
Gerechtigkeit im südlichen Afrika einzutreten.

Darin schließen wir uns den

vielen afrikanischen Ländern an, die, nachdem sie ihre Freiheit gewonnen
haben, entschlossen sind, daß ganz Afrika die Freiheit gewinnt.
Fünftens, unsere Bindungen mit Afrika sind nicht nur politischer Natur,
sondern auch kultureller und wirtschaftlicher Natur. Die letzteren sind
die dauerhaftesten.
Und schließlich woller wir den afrikanischen Staaten offen entgegentreten.

Wir sind bereit, über jede Frage, ob afrikanisch oder weltweit,

zu sprechen; unseren Dialog mit afrikanischen Nationen auszuweiten und mit
ihnen zusammenzuarbeiten, selbst wenn wir nicht einer Meinung sind.
Nur so können wir unsere Auffassungen ohne Groll geltend machen.
Unsere neuerlichen Beziehungen zur Volksrepublik Kongo, unsere Erfahrungen
auf der kürzlichen Konferenz über das südliche Afrika in Maputo und unsere
Arbeit mit afrikanischen Delegationen bei den Vereinten Nationen demonstrieren, daß diese Einstellung richtig ist.
Und letztlich wird unsere Afrika-Politik nach ihren Ergebnissen und
nicht nach den Absichten beurteilt werden.
Eines

- 5 -

�Eines der Hauptanliegen Afrikas ist, daß seine grundlegenden
menschlichen Ansprüche befriedigt werden.

Trotz seiner gewaltigen

Ressourcen ist es noch immer eines der am wenigsten entwickelten Gebiete
der Erde.

Von den 28 am wenigsten entwickelten Ländern der Welt sind

allein 18 afrikanische Staaten.
Wir sind bereit zu helfen.
über unsere zunehmenden Handels- und Investitionsbeziehungen zu afrikanischen Ländern hinaus sind wir gewillt, wirtschaftliche Unterstützung
zu leisten, die direkt das Leben derjenigen verbessert, die in größter
Not leben. Die praktische Verwirklichung dieses Prinzips ist nicht über
Nacht möglich. Aber es muß verwirklicht werden.
Unsere Wirtschaftshilfe für Afrika wird erhöht - von 271 Millionen
Dollar im Haushaltsjahr 1976 auf geplante 450 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1978. Wir hoffen, daß die Unterstützung seitens unserer europäischen Freunde ebenfalls steigen wird, und wir werden uns mit ihnen
konsultieren, wie wir alle die wirkungsvollsten Beiträge leisten können.
Um zu helfen, daß unsere Hilfe die Dörfer auf dem Lande erreicht,
werden wir den Nachdruck der Unterstützung auf die Entwicklung und Verbreitung geeigneter Technologien und Techniken legen. Ich denke dabei an
solches Gerät wie kleine landwirtschaftliche Maschinen, wie sie in Senegal,
Obervolta, Mali und sonstwo hergestellt werden, und an grundlegende
Methoden der landwirtschaftlichen Erweiterung, die sich in einem Lande
bewährt haben und in einem anderen Anwendung finden könnten. Wir werden
auch unsere Unterstützung für die landwirtschaftliche Forschung in Afrika
ausdehnen und uns darum bemühen, daß unsere eigene technische Hilfe den
afrikanischen Erfordernissen entspricht.
Ferner werden wir auf den Bedarf afrikanischer Staaten an modernen
Techniken eingehen, die sie in die Lage versetzen, mehr ihrer eigenen
natürlichen Hilfsquellen zu entwickeln und zu verarbeiten.
Unser
- 6 -

�Unser Amt für Internationale Entwicklung (AID) unter der Leitung von
Gouverneur Gilligan ist entschlossen, bei der Billigung von Hilfeprojekten so unbürokratisch wie möglich zu verfahren, um rasch und wirksam
handeln zu können.

Besondere Beachtung werden vor allem solche Projekte

finden, die rasch in die Wege geleitet werden können und nur ein geringes
Maß an fremder technischer Hilfe oder weniger aufwendige Ausrüstungen erfordern.
Männer und Frauen sind wichtiger als Maschinen.

Afrikas natürliche

Hilfsquellen werden von den Afrikanern selbst erschlossen und entwickelt
werden.

Während wir für die Afrikaner zusätzliche Möglichkeiten für ein

Studium in unserem Land schaffen, wird der Nachdruck doch auf Ausbildungsund Erziehungsprogrammen in Afrika selbst liegen.
Wir müssen auch bedenken, wie wichtig die Infrastruktur Afrikas ist.
Es ist ein gewaltiger Kontinent, und verbesserte Transport- und Verbindungswege sind für sein Gedeihen von wesentlicher Bedeutung.
Wenn ich hier diese Richtlinien für unsere Programme aufzeige, dann
bin ich mir bewußt, wie stark - aber verfehlt - die Versuchung sein kann,
fertige Pläne für die Entwicklung eines anderen Kontinents zu entwerfen.
Wir können nur effektiv arbeiten, wenn wir mit den afrikanischen
Regierungen in kooperativer Weise im Sinne ihrer Entwicklungsprioritäten
zusammenarbeiten.

Dementsprechend werden wir unseren Beitrag zum afri-

kanischen Entwicklungsfonds zu erhöhen suchen.

Und wir fordern vom Kon-

greß 200 Millionen Dollar für das Sahel-Projekt, das in Zusammenarbeit mit
dem Club du Sahel durchgeführt werden soll.
Die lange Dürre im Sahel hat sich verheerend auf die Wirtschaftsstrukturen in einigen der ärmsten Länder der Welt ausgewirkt.

Jetzt

arbeiten diese Länder zusammen, um auf dem Gebiet der Nahrungsmittel Produktion autark zu werden und die Fähigkeit zu entwickeln, künftig Dürreperioden gewachsen zu sein.
- 7 -

Im

�Im Club du Sahel entwickeln die afrikanischen Staaten gemeinsam Pläne
für diese Region.

Die Geberländer beteiligen sich an der Planung und be-

stimmen, wie jeder am wirksamsten Hilfe leisten kann.

Die für die Ver-

wirklichung ihrer Ziele notwendigen Hilfsquellen setzen sie dann entsprechend ein.

Bei diesem Prozeß zeigt sich uns, wie äußerst wichtig es

ist, die Koordinierung zwischen den afrikanischen Staaten zu fördern und
zu unterstützen, zusammen mit ihnen und anderen Geberländern zu planen und
sich auf regionale Probleme anstatt auf Einzelprojekte zu konzentrieren.
Denn es wird entscheidend wichtig sein, daß sinnvolle und wirksame Programme geplant und durchgeführt werden.
Amerika kann nur dann die afrikanische Entwicklung voll unterstützen,
wenn es auf Aufgaben der Art trifft, wie ich sie hier umrissen habe.
Ich hoffe, daß jeder amerikanische Bürger, der ein Interesse an Afrika
hat, es dem Kongreß und uns in der Exekutive klar zu verstehen geben wird,
daß er oder sie diese Aufgaben erfüllt sehen will.
Wenn wir uns mit der Realität der Ansprüche der Menschen in Afrika
befassen, dann müssen wir auch alles in unseren Kräften stehende für die
Sache von Recht und Gerechtigkeit für die Menschen in Afrika tun.
Wir werden fest und entschlossen für die Menschenrechte jedes einzelnen
eintreten. Unsere Sorge und unser Interesse ist nicht auf irgendeine bestimmte Region dieses Kontinents beschränkt.
Wir müssen Verständnis für die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der
Gesellschafts- und Wertsysteme in Afrika haben.

Grobe Verletzungen der

Menschenwürde jedes Einzelnen sind nach afrikanischen Begriffen
wenig akzeptabel wie nach unseren eigenen.

genau so

Eines der bedeutsamsten Er-

eignisse in der modernen afrikanischen Geschichte - und in den internationalen
Bemühungen um die Förderung der Menschenrechte - war die jüngste Entscheidung der Commonwealth-Länder, die "massive Verletzung der Menschenrechte"
in Uganda zu verurteilen.

Viele afrikanische Staaten beteiligten sich ain
- 8 -

�an dieser Entscheidung.

Ihre Aktion verdient Anerkennung und Beifall.

Mißachtung der Menschenrechte aus welchem Grunde auch immer ist ein
Unrecht.

Besonders verletzend aber ist es auf der Grundlage der Rassen-

trennung.
Im südlichen Afrika haben sich die Probleme der Rasse, der Gerechtigkeit und der Selbstbestimmung zu einer Krise gesteigert.
- Der Konflikt in Rhodesien nimmt zu. Die Einfälle Rhodesiens in
benachbarte Länder haben eine bereits gefährliche Situation noch verschärft
und verdienen die Verurteilung, die ihnen zuteil geworden ist. Die Entscheidung zwischen einer Lösung durch Verhandlungen oder einer gewaltsamen
Lösung muß jetzt getroffen werden. Das gleiche gilt für Namibia. Das
Leben vieler Menschen - schwarzer und weißer - ist in Gefahr.
- Das Risiko einer verstärkten ausländischen Einmischung ist real.
- Gewalttätigkeiten in Südafrika nehmen zu.
guten Willens noch etwas mehr Zeit sein
zu einer Lösung zu gelangen.

Es mag dort für Leute

als in Rhodesien und Namibia, um

Aber es muß bald zu einem Fortschritt kommen

oder der gute Wille könnte verloren gehen.
- Die Krise in diesem Gebiet hat in den Vereinten Nationen eine Forderung nach energischeren Aktionen bewirkt und Appelle an unsere Verantwortlichkeit gemäß der Charta der Vereinten Nationen hervorgerufen.
Das ist die Realität, der wir gegenüberstehen.

Die Gefahren, unsere

Interessen und Werte und die Wünsche und Erwartungen der Afrikaner selbst
erfordern unser Engagement - und unsere entschlossenen und praktischen Anstrengungen.
Wir

- 9 -

�Wir können dem südlichen Afrika keine Lösungen aufzwingen.
können keinem der Beteiligten Bedingungen diktieren.

Wir

Unsere Einwirkungs-

möglichkeit ist begrenzt.
Aber wir gehören zu den wenigen Regierungen der Welt, die sowohl mit
weißen wie mit schwarzen Afrikanern offen sprechen können und trotzdem
fcuf beiden Seiten) ein gewisses Maß an Vertrauen genießen.

Wir würden

unsere Fähigkeit verlieren, von Nutzen sein zu können, wenn wir dieses Vertrauen verlieren.

Es ist daher von entscheidender Beduetung, daß unsere

Politik der Ermutigung der Gerechtigkeit für die Menschen aller Rassen im
südlichen Afrika von allen erkannt wird.
Nach sorgfältiger Überlegung hat sich unsere Administration entschlossen, aktiv für Lösungen aller drei Probleme im südlichen Afrika
einzutreten - Rhodesien, Namibia und die Lage in Südafrika selbst.

Diese

Probleme müssen zusammen in Angriff genommen werden, denn sie hängen
miteinander zusammen.
Manche Leute haben argumentiert, daß man die Apartheid-Politik in
Südafrika für den Augenblick außer acht lassen sollte, um sich auf einen
Fortschritt in Rhodesien und Namibia konzentrieren zu können. Eine
solche Politik wäre falsch und würde nicht funktionieren. Sie wäre blind
gegenüber der Realität, daß der Beginn des Fortschritts in Südafrika
selbst bald eintreten muß, wenn auf lange Sicht die Möglichkeit friedlicher
Lösungen bestehen soll. Sie könnte die Südafrikaner auf falsche Gedanken
hinsichtlich unserer wirklichen Anliegen bringen. Sie würde unsere Beziehungen zu unseren afrikanischen Freunden präjudizieren. Sie würde
damit nur unseren eigenen Überzeugungen schaden. Und sie würde jene
Menschen aller Rassen entmutigen, die für einen friedlichen Fortschritt
in Südafrika arbeiten.
Wir

- 10 -

�Wir sind der Überzeugung, daß wir unseren Einfluß bezüglich Rhodesiens
und Namibias in Südafrika auch geltend machen können, wenn wir gleichzeitig
unsere Besorgnis über die Apartheid zum Ausdruck bringen.

Diese Auf-

fassung entspringt der Überzeugung, daß ein Fortschritt auf allen drei
Gebieten ausdrücklich im Interesse der südafrikanischen Regierung liegt.
Wir sind der Überzeugung, daß Weiße ebenso wie Schwarze eine Zukunft
in Namibia, Simbabwe und in Südafrika haben müssen. Wir sind ferner der
Überzeugung, daß ihre Sicherheit im Fortschritt liegt.
wird nur zu größerer Unsicherheit führen.

Unzugä'nglichkeit

Wir werden jede positive Maßnahme Südafrikas zu jedem dieser drei
Probleme begrüßen und anerkennen. Aber es ist wirklich notwendig, daß
auf allen drei Gebieten ein Fortschritt erzielt wird.
Lassen Sie mich kurz auf unsere Einstellung zu jedem dieser drei
Probleme eingehen.
Wir unterstützen aktiv eine britische Initiative, um eine Lösung der
Rhodesienkrise auf dem Verhandlungswege herbeizuführen.

In den kommenden

Wochen werden wir ein Übereinkommen über eine Verfassung anstreben, die
freie Wahlen ermöglicht, die allen Parteien offenstehen und an denen sich
jeder, der das Wahlalter erreicht hat, in gleicher Weise beteiligen kann.
Aus diesen Wahlen würde die Regierung eines unabhängigen Simbabwe hervorgehen.

Unser Ziel ist es, dies im Jahre 1978 zu erreichen.

Diese Verfassung müßte eine einklagbare Menschenrechtserklärung
(Bill of Rights) und eine unabhängige Judikatur einschließen, damit die
Rechte aller Bürger, aller Rassen geschützt sind.
Völkern der benachbarten Länder,

Wir hoffen ferner, den

deren Leben durch die Krise im südlichen

Afrika gestört worden ist, größere Hilfe angedeihen zu lassen.
In

- 11 -

�In Namibia wird eine zur Unabhängigkeit führende Lösung durch die
Bemühungen der fünf westlichen Mitglieder des Sicherheitsrates mit
Südafrika, den Vereinten Nationen und anderen interessierten Parteien,
einschließlich der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO), angestrebt.

Zu dieser Lösung müßten freie Wahlen unter Mitwirkung der Ver-

einten Nationen gehören, die Freilassung politischer Gefangener, die Aufhebung diskriminierender Gesetze und Bestimmungen und der Abzug der
Instrumente südafrikanischer Machtausübung nach Abhaltung der Wahlen und
der Erreichung der Unabhängigkeit.
Auf der Grundlage unserer bisher geführten Gespräche sind wir über die
Aussichten für ein unabhängiges Namibia ermutigt - ein Namibia, das den
ihm zustehenden Platz in der afrikanischen Gemeinschaft und in der Weltgemeinschaft einnehmen wird.
tät seitens Südafrikas,

Wir begrüßen die Anzeichen der Flexibili-

Wir sind befriedigt über das Vertrauen, das

viele afrikanische Regierungen in die Bemühungen der Vereinigten Staaten
und westlicher Mitglieder des Sicherheitsrates setzen.

Es bleiben jedoch

noch Meinungsverschiedenheiten, und der Fortschritt wird die Bereitschaft
aller Beteiligten erfordern, sich offen und entgegenkommend zu verhalten.
Wir werden in unseren Anstrengungen nicht nachlassen.
Während wir diese Anstrengungen für Frieden und Gerechtigkeit in
Namibia und Rhodesien unternehmen, haben wir der südafrikanischen
Regierung gegenüber auch unsere feste Überzeugung zum Ausdruck gebracht,
daß wir an die Vorteile einer fortschreitenden Umwandlung der südafrikanischen Gesellschaft glauben. Das würde ein Ende der Rassendiskriminierung und die Verfolgung eines neuen Kurses zur vollen politischen
Beteiligung aller Südafrikaner bedeuten.
Wie diese Regierungsform, durch die diese Beteiligung zum Ausdruck gebracht werden könnte, im einzelnen aussehen mag, ist eine Angelegenheit,
über die die Bevölkerung Südafrikas entscheiden muß.

Es gibt viele Wege,

auf denen die individuellen Rechte aller Bürger in Südafrika geschützt

- 12 -

�geschützt werden könnten.

Der Schlüssel für die Zukunft ist, daß süd-

afrikanische Bürger aller Rassen jetzt einen Dialog beginnen, wie diese
bessere Zukunft erreicht werden kann.
Die Politik der südafrikanischen Regierung, separate Homelands für
schwarzeSüdafrikaner zu errichten, wurde ohne Berücksichtigung der Wünsche
der Schwarzen selbst entwickelt. Aus diesem Grunde, und weil wir nicht
der Auffassung sind, daß dies eine faire oder tragbare Lösung für die
Probleme Südafrikas darstellt, sind wir gegen diese Politik. Wir haben
die Transkei nicht anerkannt, und wir werden auch Bophuthatswana nicht
anerkennen, wenn im Dezember wie vorgesehen dessen Unabhängigkeit proklamiert werden sollte.
Wir hoffen zutiefst, daß die südafrikanische Regierung bei den drei
von mir angeführten Problemen eine fortschrittliche Rolle spielen wird.
Wir werden solche Bemühungen begrüßen.

Wenn es keinen Fortschritt geben

sollte, dann werden unsere Beziehungen unausweichlich leiden.

Wir können

nicht für eine Regierung eintreten, die sich auf einem System rassischer
Beherrschung gründet, und gleichzeitig unseren eigenen Werten treu bleiben.
Unsere Politik gegenüber Südafrika wird durch Veränderungen in unserer
eigenen Gesellschaft beflügelt.

Die Tätigkeiten der NAACP sind Zeugnis der

Untrennbarkeit unserer außen- und innenpolitischen Ziele. Und es ist auch
völlig angebracht, daß Andrew Young, der im Kampf gegen die Spaltung im
eigenen Lande so viel getan hat, jetzt so viel zur Entwicklung und Durchsetzung unserer Außenpolitik beiträgt.
Ich habe manche Leute sagen hören, daß wir die weiße Regierung im südlichen Afrika unterstützen müßten - komme was mag-, da sie antikommunistisch
sei.

Dabei ist es so, daß die anhaltende Verweigerung rassischer Ge-

rechtigkeit im südlichen Afrika die Möglichkeiten einer Intervention von
außen förmlich einlädt.
So
- 13 -

�So sehen wir in ähnlicher Weise, wenn solche Krisen wie die
kürzliche Invasion Zaires auftreten, keinen Vorteil in einseitigen Reaktionen und einer Betonung der Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis.
Wir ziehen es vor, mit afrikanischen Ländern - und mit unseren europäischen
Verbündeten - in positiven Anstrengungen zur Lösung solcher Streitfragen
zusammenzuarbeiten.

Wie Präsident Carter kürzlich gesagt hat, es ist am

besten, Feuer mit Wasser zu bekämpfen.
Die Geschichte der letzten fünfzehn Jahre zeigt, daß Bemühungen ausländischer Mächte, die afrikanischen Nationen zu beherrschen, fehlschlagen
werden.
Unsere große Aufgabe ist es, Mittel und Wege zu finden, um unterstützend
wirken zu können

ohne dadurch zum Interventionisten oder Eindringling

zu werden. Wir sehen es nicht als sinnvoll und nützlich an, uns in
regionale Streitfälle einzumischen.

Wir hoffen, daß diese Streitigkeiten

durch die diplomatischen Anstrengungen der Betroffenen selbst in einem
afrikanischen Rahmen beigelegt werden können.
Wir sind uns der afrikanischen Besorgnisse bewußt, daß wir manchmal
mehr an den Aktivitäten anderer ausländischer Mächte in Afrika interessiert
zu sein schienen als an Afrika selbst. Wir wissen, daß manche Kreise
argumentieren, wir seilten fast automatisch auf die Zunahme sowjetischer
Waffen und kubanischen Militärpersonals in Afrika entsprechend reagieren.
Wir können diese Zunahme nicht einfach ignorieren - und wir lehnen sie
nachdrücklich ab. Alle Seiten sollten sich darüber im klaren sein, daß
mit der Entsendung beträchtlicher Mengen an Waffen und militärischem
Personal nach Afrika durch ausländische Mächte die Gefahr wesentlich erhöht wird, daß Streitfälle auf militärische Weise statt durch Verhandlungen
durch afrikanische Staaten oder im Rahmen der Organisation für Afrikanische
Einheit (OAU) gelöst werden.
Diese
- 14 -

�Diese Gefahr ist besonders groß im Hörn Afrikas, wo es eine Eskalation
von Waffenlieferungen von außen gegeben hat.

Die gegenwärtigen Schwierig-

keiten in Äthiopien sowie die Spannungen zwischen den Nationen in diesem
Raum stellen sehr komplizierte diplomatische Aufgaben dar.
allen Regierungen dieses Gebietes in Freundschaft leben.
neuen Land Dschibuti eine Botschaft eingerichtet.

Wir wollen mit
Wir haben in dem

Die friedliche Entwick-

lung zur Unabhängigkeit dieses Landes stellt einen bemerkenswerten Schritt
zur Stabilität in einem sonst von Krisen erschütterten Gebiet dar.
Wir werden mit Wohlwollen Unterstützungsersuchen von Staaten prüfen,
die durch einen Aufbau fremder militärischer Ausrüstungen und fremder
Berater an ihren Grenzen bedroht werden - im Hörn Afrikas und anderswo.
Aber wir hoffen, daß ein derartiges lokales Wettrüsten und die sich daraus
ergebende Gefahr einer Ausweitung ausländischen Engagements begrenzt werden
können.
In Übereinstimmung mit der kürzlich vom Präsidenten verkündeten Politik
werden Waffenlieferungen ein Ausnahmeinstrument unserer Politik sein, das
nur nach eingehendster Prüfung und Überlegung eingesetzt werden wird.
Wir hoffen, daß alle Großmächte sich uns dabei anschließen werden,
den afrikanischen Nationalismus zu unterstützen statt ihn zu zerstückeln,
sowie dabei, die Anstrengungen auf wirtschaftliche Unterstützung statt auf
Waffenlieferungen zu konzentrieren.
Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, positive Beziehungen zu den
afrikanischen Ländern durch die Unterstützung ihrer politischen Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Entwicklung sowie durch die Stärkung unserer
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bindungen herzustellen. Unsere
neuen und positiven Beziehungen zu Ländern wie Nigeria ermutigen uns bei
diesem Vorhaben. Unsere Anstrengungen, solche Beziehungen aufzubauen,
werden vielleicht keine Schlagzeilen machen. Aber diese im stillen verfolgte Strategie wird langfristigen Nutzen erbringen.
Unsere
- 15 -

�Unsere Beziehungen werden mit den Ländern am engsten sein, deren
Ansichten und Handlungen den unsrigen entsprechen.

Wir werden niemals

alte Freunde vergessen oder sie als selbstverständlich hinnehmen.

Ihre

kontinuierliche Freundschaft wird uns ein fundamentales Anliegen sein;
sie können sich auf unsere Unterstützung verlassen.

Wenn die territoriale

Integrität eines mit uns befreundeten Staates gefährdet ist, werden wir
weiterhin auf angemessene Unterstützungsersuchen reagieren.
Wir bestehen nicht darauf, daß es nur einen Weg zum wirtschaftlichen
Fortschritt oder nur eine Art gäbe, wie sich der politische Wille
eines Volkes ausdrückt.

Auf einem so vielfältigen Kontinent müssen wir

darauf vorbereitet sein, mit Völkern und Regierungen der unterschiedlichsten
und verschiedensten Anschauungen zusammenzuarbeiten.
Amerikanische Regierungsvertreter in Afrika kamen im Mai zusammen, um
ihre Unterlagen zu vergleichen und neue politische Vorstellungen zu erörtern. Sie stimmten darin überein, daß es fast überall auf dem
afrikanischen Kontinent eine neue Einstellung hinsichtlich Amerikas gibt ein Gefühl der Hoffnung, das Gefühl, daß wir zu unseren Idealen zurückgefunden haben.
Die Zukunft Afrikas wird durch afrikanische Hände gestaltet werden.
Unseren Interessen und Idealen wird dadurch gedient sein, daß M ir
unsere Unterstützung anbieten. Dies wird das Verständnis und die Zustimmung dieses Auditoriums sowie der Amerikaner überall im Lande erforderlich
machen.
+ + +

- 16 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

13. Juli 1977

18

LIPSHUTZ: MENSCHENRECHTE KÖNNEN NICHT UNTERGEORDNET WERDEN
• Rechtsberater des Weißen Hauses stellt US-Standpunkt dar -

Washington - (AD) - Ein enger Mitarbeiter von Präsident Carter hat
am 7. Juli auf einem Essen der Auslandspresse vor der irrigen und gefährlichen Vorstellung gewarnt, die Menschenrechte könnten der "Entwicklung und
Sicherheit" untergeordnet werden.

Der Rechtsberater des Weißen Hauses,

Robert J. Lipshutz, ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit der CarterAdministration, Menschen in der ganzen Welt in ihrem Kampf um die Menschenrechte zu unterstützen.
Die Ausführungen von Lipshutz haben folgenden Wortlaut:
Präsident Carter hat seit seinem Amtsantritt klar und konsequent zum
Ausdruck gebracht, daß das Ziel der Verwirklichung der universalen Menschenrechte der Eckpfeiler der Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist und bleibt.
Diese Administration wird nicht in ihrer Entschlossenheit nachlassen,
Menschen in der ganzen Welt in ihrem Kampf um die Verwirklichung dieses
Zieles der Wiederherstellung und Erhaltung menschlicher Werte zu unterstützen, für die die meisten Regierungen ein Lippenbekenntnis ablegen und
doch so wenige in der Praxis etwas tun.
Die

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Idee der Menschenrechte ist keine Sache, die bestimmten Gruppen an
isolierten Punkten der Menschheitsgeschichte vorbehalten wäre.

Im Gegen-

teil, es handelt sich hier um eine Idee, die sich als verbindender Faden
durch die ganze Geschichte des Menschen gezogen hat - selbst in dunkelsten
Zeiten.
Bevor sie ein räumlicher Ort oder gar ein Volk wurden, waren die Vereinigten Staaten von Amerika eine Idee: die Idee, daß Männer und Frauen
zusammen in einer Gesellschaft leben können, ohne ihre Rechte aufzugeben;
eine Idee, daß menschliche Wesen Einzelpersonen sind, und nicht nur Mitglieder politischer Gemeinschaften oder Bestandteile gesellschaftlicher
Einrichtungen; eine Idee, daß es eine Grenze für das Recht eines Staates
gibt, in die Rechte und Freiheiten seiner Bürger einzugreifen.

Dieses

Bewußtsein der Menschenrechte und der natürlichen Würde des Einzelmenschen
ist der eigentliche Kern der revolutionären Geburt unserer Nation vor 200
Jahren.

Die Idee der Freiheit ist das wichtigste Prinzip überhaupt, das

unserer Verfassung zugrunde liegt und unser Volk heute bewegt.
Und es gibt in der ganzen Welt Männer und Frauen, die diese Auffassungen
teilen und die zutiefst an die Menschenrechte glauben.
Aber viele Regierungen weigern sich, diese Rechte anzuerkennen, indem
sie behaupten, sie hätten besondere und außergewöhnliche soziale Erfordernisse, die vorrangige Aufmerksamkeit verlangten. Ihre Führer sind von den
gewaltigen Problemen völlig eingenommen, ihre Völker aus der Armut zu erheben oder unterschiedliche rassische, stammesmäßige oder religiöse Elemente
zusammenzuhalten oder das Analphabetentum auszurotten und die elementaren
technologischen Grundlagen zu erwerben. In vielen Fällen werden die Probleme
dieser Länder zur Grundlage, auf der ihre Regierungen eine beherrschende
Rolle des Staates begründen - eine so beherrschende Rolle, daß Freiheit und
Menschenrechte im Namen von Entwicklung und Sicherheit verschwinden.
Die Geschichte

- 2 -

�Die Geschichte lehrt jedoch, daß dies eine unbegründete und zerstörerische Fiktion ist.

Die Vereinigten Staaten stellen diese Fiktion

vor allem aufgrund der Achtung vor der Mann und Frau angeborenen Würde in
Frage.

Aber die Vereinigten Staaten stellen diese Fiktion auch um der

wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung willen in Frage.

Wir bieten die

zentrale Lehre, die uns die moderne Geschichte gezeigt hat: Freiheit ist der
Ansporn der wirtschaftlichen Entwicklung, nicht ihr Feind.

Nationen gedeihen

wirtschaftlich, wenn der Einfallsreichem, die schöpferische Kraft und die
Freiheit ihrer Bürger sich frei entfalten können, nicht wenn die Energien
der Bevölkerung in Ketten gelegt werden.
Jenen, die uns erklären wollen, sie seien zu arm oder zu unsicher, um
sich unsere Vorstellung von Menschenrechten leisten zu können, antworten wir,
daß Freiheit von Not und Freiheit von Unsicherheit am besten erreicht werden
können, wenn die bürgerlichen und politischen Rechte geachtet werden, und
daß die Förderung und Hochhaltung der Freiheit sowohl eine moralische Verpflichtung als auch eine Vorbedingung für ein besseres Leben sind.
Die Vereinigten Staaten wollen zwar niemandem ihr System aufzwingen, aber
sie müssen und werden ihre Auffassungen bekannt machen.

Die Sorge um die

Achtung der Menschenwürde ist mehr als nur ein einfacher Ausdruck amerikanischer Tradition.

Sie ist für das amerikanische Volk eine entscheidend

wichtige Sache, die heute Vorrang genießt, wie dies vom Präsidenten und
anderen führenden Vertretern der Regierung immer wieder zum Ausdruck gebracht
wird.

Es ist zu bemerken, daß auch der Kongreß der Vereinigten Staaten diese

Politik mit überwältigender Mehrheit unterstützt, wie aus Erklärungen und
verabschiedeten Gesetzen hervorgeht, die die weltweite Einhaltung der Menschen
rechte ermutigen.

Und vor allem ist die überwältigende Unterstützung der

Position unserer Nation durch das amerikanische Volk festzustellen.
Für

- 3 -

�Für jeden von Ihnen auf dem Gebiete des Journalismus besteht eine
besondere Aufgabe und eine einmalige Chance, die Völker der ganzen Welt
in diesem Bemühen um Anerkennung und Achtung der Rechte der Menschen zu
unterstützen.

Die Verantwortung hier muß Ihnen zu heilig sein, als daß Sie

Ihre Chancen und Ihre Verantwortung ignorieren könnten.

Menschenrechte

werden gewöhnlich mit kleinen Schritten zerstört, die im Dunkeln und im
Stillen geschehen - zerstörerische Schritte, die im einzelnen vielleicht so
geringfügig erscheinen mögen, daß es beinahe zu rechtfertigen wäre, nicht
dagegen aufzutreten*

Aber nur die Enthüllung - die haargenaue, unablässige

und vollständige Enthüllung - wird sich gegen diesen zerstörerischen Prozeß
durchsetzen.

Wenn jedoch die Scheinwerfer an sind, dann werden nur wenige

Menschen mit Gewissen still bleiben können.

Die Presse hat die Chance, der

Menschheit bei der Wahl zwischen Finsternis und Anstand, zwischen dem Schutz
derer, die die Menschenwürde verletzen, und dem Schutz der Menschenwürde
selbst zu helfen.

Ich appeliere an jeden von Ihnen, sich für diese noble

Aufgabe einzusetzen.

+ + +

�13. Juli 1977

18

ERDORIENTIERTES RAUMFAHRTPROGRAMM
NASA-Chef Dr. Robert A. Frosch erörtert Hauptaufgaben
für die Vorbereitung einer neuen Ära

- (AD) - Seine Freunde bezeichnen ihn als einen "Renaissance-Menschen".
Sie meinen damit die Vielseitigkeit von Dr. Robert Alan Frosch, der sich als
Wissenschaftler, Ingenieur, Organisator, engagierter Verfechter des Umweltschutzes und als Künstler einen Namen gemacht hat.

Seine Ernennung zum

neuen Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) durch Präsident
Carter wurde vom US-Senat am 16. Juni 1977 bestätigt.
Dr. Frosch ist Nachfolger von Dr. James C. Fletcher.

In der 19jährigen

Geschichte der NASA tritt damit zum zweiten Mal ein Physiker an die Spitze
der amerikanischen Weltraumbehörde.

Aber im Vergleich zu seinen vier Vor-

gängern ist Dr. Frosch der erste, der sich auch gründlich mit Ozeanographie
und Umweltproblemen befaßt hat - mit Gebieten also, für die Beobachtungen
aus dem Weltraum immer wichtiger werden.

Es war

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�Es war Zufall, daß die Bestätigung durch den Senat am Todestag
Wernher von Brauns erfolgte.

Dennoch sieht Dr. Frosch in dieser Tatsache

insofern eine symbolische Bedeutung, als nunmehr die bahnbrechenden Pioniertaten für die Raumfahrt und in der Raumfahrt durch eine neue Ära abgelöst
werden, in der die Anwendungstechniken zum Nutzen der verschiedensten
"erdorientierten" Fachgebiete eine immer größere Rolle spielen.

Die

gegenwärtigen Hauptaufgaben der NASA sind laut Dr. Frosch:
1) Anwendung raumfahrttechnischer Entwicklungen zur Lösung irdischer
Probleme;
2) Luftfahrtforschung;
3) Planeten- und Weltraumforschung im weitesten Sinne, die von Natur
aus alle wichtigen Wissensgebiete einschließt - Physik und Chemie, Geologie,
Chemie der Atmosphären, Biologie und Astronomie, dazu die verschiedensten
Untergebiete wie z. B. Thermodynamik;
4) Technologie.
Die Weltraumbehörde müsse sich, so erklärt Dr. Frosch, "zunächst einmal
um eine Konsolidierung ihrer Ressourcen bemühen und die Fortschritte bzw.
Leistungskapazitäten auf ihren vier Hauptarbeitsgebieten optimal nutzen.
Gleichzeitig muß dem Raumtransporter der Weg bereitet werden, der 1980
eine neue Ära der Aktivitäten im Weltraum einleitet".
In bezug auf Punkt 1 (Anwendung der Raumfahrttechnik) möchte Dr. Frosch
die erdorientierten Wissenschaften

"im Interesse einer besseren Nutzung

und eines besseren Verständnisses unseres Planeten Erde mitsamt der
irdischen Umwelt, der Klimata, von Land und Meer" gefördert wissen.

Fern-

erkundunossatelliten wie LANDSAT werden weiterentwickelt, neue Systeme
eingeführt werden, was den Geowissenschaften, der Landwirtschaft, der
Ozeanographie und nicht zuletzt dem Verständnis des Menschen für eine
richtige und verantwortungsbewußte Nutzung unserer Heimat Erde verheißungsvolle Aspekte eröffnet.
In diesem

�In diesem Zusammenhang ist die weitere Erforschung der Einflüsse der
Sonne auf die Erde, insbesondere das Studium der solaren Partikel ströme
und der Einwirkungen der Sonnenenergie auf die gesamte Atmosphäre bis in
deren unterste Bereiche, von größter Bedeutung.

Auf dem Sektor "Nach-

richtenwesen" sollten in größerem Umfang als bisher Satelliten eingesetzt
werden und dabei auch generell Raumfluggeräte zur Anwendung kommen, die
durch das Sammeln und übermitteln von Daten der Wissenschaft und Wirtschaft
weltweit gute Dienste leisten.
Gerade in diesem Bereich bringt Dr. Frosch reiche Erfahrungen mit:
Er war von 1973 - 1975 im Direktorium für das UmweHprogramm der Vereinten
Nationen und von 1975 - 1977 im Direktorium für das Fachgebiet "angewandte
Ozeanographie" des amerikanischen Meeresforschungsinstituts Woods Hole
(Massachusetts) tätig. Zweifellos wirkten die ersten Aufnahmen von der
Erde aus dem Weltraum als eine Art Katalysator für die weltweite Entwicklung
eines "Umweltbewußtseins" - der Erkenntnis nämlich, daß die Erde ein
einzigartiges und kostbares Gut für alle Menschen ist und unter den jetzigen
Gegebenheiten die internationalen Beziehungen und die internationale Zusammenarbeit verbessert werden müssen. Denn für die Probleme des menschlichen
Daseins und der Umwelt gibt es keine Ländergrenzen.
In der Luftfahrtforschung und Entwicklung könnte und sollte die NASA
nach Ansicht von Dr. Frosch vor allem hinsichtlich der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Fluggeräte eine größere Rolle
als bisher spielen.

Eine Verringerung der Umweltbelastungen durch die

gesamte Luftfahrt erweist sich immer mehr als eine vordringliche Aufgabe,
für die Sichtlösungen gefunden werden müssen.
Technologie und Entwicklung sind vertraute Arbeitsgebiete für Dr. Frosch.
Als theoretischer Physiker und Direktor der Hudson-Laboratorien der
Columbia-Universität hatte er sich mit Technologien für Unterwasserforschung zu befassen.

Dann stand er zehn Jahre lang im Regierungsdienst -

- 3 -

�Regierungsdienst - erst als Direktor des Programms zur Registrierung
und Messung nuklearer Testexplosionen, das dem Amt für fortgeschrittene
Forschungsprojekte (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums untersteht,
später als stellvertretender Direktor von ARPA.

Außerdem war der neue

NASA-Chef eine Zeitlang Unterstaatssekretär für Forschung und Entwicklung
im US-Marineministerium.

In allen diesen Positionen war Dr. Frosch mit

überaus komplexen Technologien konfrontiert - von satellitengestützten
Beobachtungs- und Nachrichtensystemen bis zum Einsatz und der Ausrüstung
voi Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Raumflugkörpern.
Einen wesentlichen Beitrag der NASA zum Sektor Technologie Forschung und Entwicklung hält Dr. rrosch für unerläßlich, ebenso zum
Transfer der dabei erzielten Ergebnisse in die private Wirtschaft, wie
dies bei den Nachrichtensatelliten schon längst geschehen ist.

Die

Systementwicklung im Zusammenhang mit dem Raumtransporter wird künftig
eine immer größere Rolle spielen.
In allen Befragungen vor Kongreßausschüssen setzte sich Dr. Frosch
für den Einsatz dieses ersten wiederverwendbaren Raumfluggeräts unter den
verschiedensten Aspekten ein. Er ist überzeugt, daß schon die ersten
praktischen Erfahrungen aus den im Jahr 1980 beginnenden Flügen "uns
völlig neue Ideen zur Konzipierung von Zukunftsprojekten geben werden".
Die wichtigsten Kriterien für solche Zukunftsprojekte seien ihr Nutzen
für den Menschen, ihreBedeutung in geistig-wissenschaftlicher Sicht und
der Kostenfaktor in Relation zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Den
immer wieder geäußerten Zweifeln am Sinn und Nutzen der Raumfahrt angesichts der vielen akuten Alltagsprobleme, die einer Lösung bedürfen,
setzt Dr. Frosch entgegen, daß eine strikte Beschränkung auf das gerade
Aktuelle erfahrungsgemäß nicht zur Lösung der damit verbundenen Problemkomplexe auf weite Sicht führt. Um die heutigen weltweiten Probleme überhaupt
angehen zu können, brauche man sowohl Informationen und Erkenntnisse als auch
technisches Können auf breitester Basis. Und dazu vermag die Raumfahrt samt
ihrer Technik einen wesentlichen Beitrag zu leisten.
+ + +

- 4-

�1

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

18

13. Juli 1977

STROM AUS GEREINIGTER KOHLE

- (AD) - In Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der US-Behörde für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) und der Elektrizitätsgesellschaft
"Southern Company Services" wurde jetzt zum ersten Mal Strom aus einer
nach einem neuartigen Verfahren gereinigten Kohle erzeugt.

Für die Groß-

versuche steht das Mitchell-Kraftwerk in Putney (Georgia) zur Verfügung, wo
eine Kesselanlage mit einem Kohledurchsatz von 10 Tonnen pro Stunde umgebaut
wurde.

Diese ist im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung für die Beob-

achtung des Prozeßablaufes wesentlich günstiger als die großen Kesselanlagen
von Heizkraftwerken, die eine Kapazität von ca. 300 Tonnen Kohle pro Stunde
haben.
Als Einsatzmaterial dient eine nach dem SRC-Verfahren gereinigte Kohle,
die ursprünglich einen sehr hohen Schwefelgehalt hatte. SRC ist die Abkürzung von "solvent refined coal" (Kohlereinigung im Lösungsverfahren),
die die Entfernung nahezu aller Aschebestandteile und des größten Teils des
in der Kohle enthaltenen Schwefels ermöglicht. Für die erste Demonstration
im kommerzieilen Maßstab, der Versuche im Laboratorium und mit einem kleinen
Kessel in einem Kraftwerk vorangegangen waren, dient jetzt eine Kesselanlage, die durch die Verbrennung pulverisierter Kohle eine Stromproduktionskapazität von 22,5 Megawatt erreicht.

Zwei Wochen lang wurden täglich

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�täglich 240 Tonnen SRC-Kohle verbrannt.

Die Emissionswerte für Schwefel-

und Stickstoffoxide lagen weit unter den vom Umweltbundesamt EPA festgesetzten Höchstgrenzen; die Meßdaten für die Staubemission sind noch nicht
vollends ausgewertet.
Besonders befriedigt äußerten sich die ERDA-Wissenschaftler hinsichtlich des Verhaltens des SRC-Brennstoffs, der in der ERDA-Versuchsanlage
in Fort Lewis (Bundesstaat Washington) aufbereitet worden war, beim
Pulverisieren und Verbrennen mit den Ausrüstungen im Mitchell-Kraftwerk.
Angesichts des niedrigen Schmelzpunktes der SRC-Kohle (er liegt bei ca.
205°C) hatte man Ablagerungen erwartet, die den fortlaufenden Betrieb
stören.

Durch einige Umbauten an den vorhandenen Ausrüstungen konnten die

Ingenieure jedoch sicherstellen, daß das Einsatzmaterial ständig in Bewegung gehalten und eine gleichmäßig hohe Leistung erzielt wurde.
Beim SRC-Prozeß werden mit einem aus Kohle gewonnenen aromatischen
Lösungsmittel die organischen Komponenten aus der Kohle herausgelöst.
Die Lösung wird filtriert, um Asche und unlösliches organisches Material
zu entfernen. Nach der Rückgewinnung des Lösungsmittels bleibt ein pechähnliches Material zurück. Es ist fast völlig frei von Aschebestandteilen
und enthält weitaus weniger Schwefel als die ursprüngliche Kohle. Alles
spricht dafür, daß es auch in konventionellen Kohlekraftwerken verwendet werden
könnte, wenn dafür gewisse Umbauten vorgenommen würden. Die Elektrizitätswirtschaft könnte dann die großen Vorkommen stark schwefelhaltiger Kohle in
den USA nutzen und gleichzeitig dafür sorgen, daß die Schadstoffemission auf
ein Mindestmaß reduziert wird.
+ + +

�</text>
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                <text>Außenminister Vance erläutert Asienpolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers am 29. Juni 1977 in New York -&lt;/em&gt;</text>
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inIEREIKft
Dl Ell tt*

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. J u l i 1983

28
INHALT

INFORMATION
Erste Jugendaustauschgruppen im Rahmen der Reagan-Initiative

HINTERGRUNDMATERIAL
State Department zur Politik der USA in Mittelamerika
Kirkpatrick:

USA unterstützen ein freies, demokratisches

Mittelamerika
Moskau verfolgt in Afghanistan langfristige Ziele

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spitzentechnologie
- US-Industrie im internationalen Wettbewerb Neuer Flug des Raumtransporters in Vorbereitung
- Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit

Um Übcr/cnJung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

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�13. Juli 1983

28

ERSTE JUGENDAUSTAUSCHGRUPPEN IM RAHMEN DER REAGAN-INITIATIVE

WASHINGTON - (AD) - Mitte Juli dieses Jahres werden die ersten Gruppen,
die im Rahmen der internationalen Jugendaustauschinitiative Präsident Reagans
andere Staaten kennenlernen sollen, in ihren Gastländern eintreffen.
Zu den ersten gehören sechs junge amerikanische Indianer, die drei
Wochen in der Bundesrepublik leben werden; außerdem 32 italienische Studenten, die sechs Monate an amerikanischen Universitäten verbringen sollen, und
34 Jugendliche aus der Bundesrepublik, Großbritannien, Frankreich, Italien,
Kanada und Japan, die im Rahmen eines Sommerprogramms des amerikanischen
Roten Kreuzes in die USA kommen.
Die Initiative zu einem internationalen Jugendaustausch, die von Präsident Reagan im Mai 1982 während des Versailler Wirtschaftsgipfels vorgeschlagen worden war, hat zum Ziel, im Lauf der nächsten drei Jahre die Zahl
der jungen Leute, die zwischen den sieben Gipfel Staaten ausgetauscht werden
sollen, beträchtlich zu erhöhen.

Die drei bevorstehenden Austauschaktionen

wurden teilweise auch durch das US-Informationsamt (USIA) finanziell ermög-

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�finanziell ermöglicht - der Bundesbehörde, die auch die Initiative des Präsidenten in den Vereinigten Staaten koordiniert.
"Die Ankunft dieser Gruppen stellt den Beginn einer wichtigen neuen internationalen Anstrengung dar," erklärte USIA-Direktor Charles Z. Wick,

"Die

Partnerstädten des Gipfeltreffens sind der Meinung, daß einer der besten
Wege zur Stärkung ihrer Bindungen darin besteht, mehr ihrer eigenen jungen
Menschen in die Partnerländer zu schicken, damit diese das Leben dort selbst
kennenlernen."
Bundeskanzler Kohl und der japanische Premierminister Nakasone bekräftigten erst kürzlich wieder ihre Unterstützung für Jugendaustauschprogramme.
In einer Rede in Krefeld anläßlich des 300. Jahrestages der Ankunft deutscher Siedler in Amerika rief Bundeskanzler Kohl die jungen Menschen in der
Bundesrepublik dazu auf, "das Gespräch mit den Altersgenossen in den USA zu
suchen, sich zu bemühen, die Unterschiede zwischen unseren Ländern zu verstehen und die Gemeinsamkeiten zu erkennen."
Die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten, so der Bundeskanzler,
"haben besondere Anstrengungen - auch finanzieller Art - unternommen, um
vor allem den Jugendaustausch auszuweiten."
"Wir wissen, daß die Erfahrungen des Kennenlernens nicht durch Unterricht und Medien ersetzt, höchstens ergänzt werden können," sagte Kohl und
fügte hinzu:

"Ich freue mich, daß der Leiter der amerikanischen Behörde,

die auf amerikanischer Seite den Jugendaustausch fördert, MrT Charles Wick,
heute hier unter uns ist.

Kein Land, keine Regierung ist heute noch stark

genug, die Zukunft allein zu meistern.

Aber gemeinsam haben Deutsche und

Amerikaner, Europäer und Amerikaner die Kraft, die Aufgaben unserer Zeit
zu bewältigen."
Nakasone sprach zu einer Gruppe von 100 amerikanischen SchUlern, die
gerade zu einem zweimonatigen Aufenthalt in Japan angekommen waren,und erklärte, der Jugendaustausch biete die Gelegenheit, aus erster Hand etwas
- 2 -

�Hand etwas über die Unterschiede der Kulturen zu erfahren.
"Sie haben viel Glück, eine solche Gelegenheit zu haben, die es Ihnen
ermöglichen wird, sich selbst aus neuer Perspektive zu sehen.

Es wird Ihre

Erfahrungen bereichern und sich als überaus hilfreich für Ihr ganzes Leben
erweisen."

Auf die Erfahrungen eingehend, die seine eigene Tochter im Rah-

men eines Austausches in den Vereinigten Staaten gemacht hatte, sagte
Nakasone, sie habe "die unschätzbare Möglichkeit gehabt, zu einer umfassenden Sicht eines anderen Teils der Welt zu gelangen und die gemeinsamen Bande
zwischen Völkern schätzen zu lernen."
Nakasone verwies auf die "äußerst engen und freundlichen" Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Japan.

"Damit dies andauert, ist es

wichtig, daß die Menschen unserer beiden Länder ihr gegenseitiges Verständnis stärken und die Freundschaft auf allen Ebenen ausweiten."
Die sechs jungen amerikanischen Indianer, die eine der ersten Gruppen
darstellen, die im Rahmen des Austauschprogramms teilnehmen werden, sollen
am 21. Juli in der Bundesrepublik ankommen.
Sie nehmen an einem dreiwöchigen Austauschprogramm teil, das von Arrow,
Inc. organisiert wurde, einer Privatorganisation, die sich der Förderung
und Wahrung der Kultur der amerikanischen Indianer verschrieben hat.
Die jungen Leute - aus den Navajo-, Lagua-, Komantschen-Osage und KiowaStämmen - werden in Frankfurt, Stuttgart, München, Bonn und Westberlin mit
Jugendlichen zusammentreffen.
Deanna Martinez, Direktor des Arrow-Projektes und selbst amerikanische
Indianerin, erklärte:

"Die internationale Jugendaustauschinitiative des

Präsidenten stellt den idealen Mechanismus dar, um junge amerikanische Indianer in eine einmalige kulturelle und erzieherische Lage zu versetzen den internationalen Austausch.

Die jungen Leute werden sich durch das Pro-

- 3 -

�das Programm nicht nur in erhöhtem Maß einer anderen Kultur bewußt werden,
sondern werden auch Bürgern anderer Staaten ein genaueres Bild der amerikanischen Indianer vermitteln."
Die 32 italienischen Studenten werden am 16. Juli in Washington, D.C.
eintreffen.

Nach sechs Wochen der Orientierung und eines Englischkurses

werden sie sich für ein Semester an verschiedenen amerikanischen Colleges
und Universitäten einschreiben. Als Studenten der politischen Wissenschaften, der Wirtschaft, der Geschichte und der Landwirtschaft wurden sie für
dieses Programm mittels eines landesweiten Wettbewerbs ausgewählt.
Zum Zweck einer ähnlichen Erfahrung wird eine Gruppe amerikanischer
Studenten im September in Italien eintreffen. Dieser Austausch wird sowohl
von der italienischen als auch der amerikanischen Regierung getragen.
Am 11. Juli kamen 34 junge Mitglieder von Gliederungen des Roten Kreuzes
in der Bundesrepublik, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan
in Washington, D . C , an, um als Gäste von 40 örtlichen Sektionen des Roten
Kreuzes eine sechswöchige Tour der Vereinigten Staaten zu unternehmen.

Die

Jugendlichen werden dabei Bürgermeister und andere städtische Repräsentanten
kennenlernen, in Krankenhäusern hospitieren,, beim Katastrophenschutz mitarbeiten, Blutspendeaktionen miterleben und an vielen anderen Aktivitäten
teilhaben.
In den Vereinigten Staaten bemüht sich der Rat des Präsidenten für internationalen Jugendaustausch darum, 10 Millionen Dollar an Spenden des Privatsektors zu bekommen, die zu den 10 Millionen Dollar hinzukommen sollen, die
die amerikanische Regierung für diese Anstrengung zur Verfügung stellen will.
Die Mittel werden jenen Austauschorganisationen zufließen, die sich dieser
Arbeit schon seit langem widmen und die ihre Programme dadurch so ausweiten
können, daß die neuen Zielsetzungen beim Austausch verwirklicht werden
können.
+ + + + +

- 4-

�28

13. Juli 1983

STATE DEPARTMENT ZUR POLITIK DER USA IN MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat dieser Tage
den folgenden zusammenfassenden überblick über die Politik der Vereinigten
Staaten in Mittelamerika veröffentlicht.

Mittelamerika: Die Politik der USA
Hintergrund:

Die Probleme der fünf Krisenstaaten in Mittelamerika

(Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua) berühren direkt
die Sicherheit und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten.

Diese Länder

bilden einen Teil der Region des Karibischen Beckens, dessen strategische Bedeutung durch die Tatsache deutlich wird, daß nahezu die Hälfte des amerikanischen Außenhandels, einschließlich des üls, durch den Panamakanal und die
Karibische See geht. Anfang 1942 versenkten Nazi-Unterseeboote in der Karibik
mehr Tonnage als im gesamten Atlantischen Ozean - und das, ohne einen Stützpunkt in diesem Gebiet zu haben.

Sollte heute in Europa eine Krise entstehen,

dann würde zumindest die Hälfte der Nachschubgüter für die NATO an Kuba vorbeigehen, wo eine sowjetische Kampfbrigade stationiert ist und wo sich militärische Luftstützpunkte befinden, die regelmäßig von sowjetischen Militär-

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�sowjetischen Militärmaschinen angeflogen werden, sowie ein U-Bootstützpunkt, der sowjetische Unterseeboote versorgen könnte.

DarUber hinaus kön-

nen wir moralisch gesehen unsere Nachbarn nicht einfach der militärischen
Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit aussetzen.
Die amerikanische Strategie!

Die Strategie der USA basiert auf zwei Vor-

stellungen:
- Die Demokratie kann in Mittelamerika nicht gedeihen, wenn es dort Ungerechtigkeiten im Hinblick auf den Erwerb von Land, die Ausnutzung der
Chancen oder das Rechtswesen

gibt;

- bestehende Ungerechtigkeiten werden von Guerilla-Bewegungen, die von
außen Unterstützung erhalten, für anti-demokratische Ziele ausgenutzt.
Demokratien dürften weit weniger als Diktaturen ihre Nachbarn bedrohen
oder ihre Bürger mißbrauchen. Die Kräfte der Demokratie sind in Costa Rica
tief verwurzelt - in einem Land, das sich seit 35 Jahren eines demokratischen
Systems erfreut. Honduras hat sich von einer Militärherrschaft zu einer demokratischen Regierungsform hinbewegt. Guatemala hat sich demselben Kurs
verpflichtet. Obwohl immer noch zerbrechlich, sind die demokratischen Kräfte
stetig gewachsen, während gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung die
Mittelklasse gestärkt hat und Gewerkschaften wie Bauernorganisationen den
Pluralismus zu einer Realität machen. Die katholische Kirche hat ebenfalls
zur Demokratie und zu sozialem Fortschritt beigetragen. Die USA haben durch
ihr Beispiel und durch ihre diplomatische Unterstützung wie durch ihre Auslandshilfe ein Gleiches getan.
Die Formen der Diktatur in Mittelamerika sind zweifach - eine alte und
neue neue.

Die alte stützte sich auf wirtschaftliche Oligarchie, politi-

schen Despotismus und militärische Unterdrückung.

Costa Rica ausgenommen,

trifft dies auf den größten Teil Mittelamerikas und auf die Art und Weise
der sozialen Organisation zu.

Die neue Form der Diktatur stellt sich als

- 2 -

�sich als eine mit Gewalt aufgezwungene

Wirtschaft und eine

elitäre

Avant-

garde dar, die sich selbst eingesetzt hat und auf den Guerillakrieg zurückgreift.

Nicaragua ist ihr Stützpunkt und Mittelamerika ihr Ziel.

Es ist

das Ziel der professionellen Guerillabewegungen, die gesamte Region vom
Panamakanal bis hin zu Mexiko zu destabilisieren.
Die Ziele der USA: Präsident Reagan hat am 27. April 1983 auf einer gemeinsamen Sitzung des US-Kongresses vier Grundziele der Vereinigten Staaten zur
Verhinderung eines kommunistischen Sieges und zur Bekämpfung der Armut in
Mittelamerika aufgezeigt.
Die USA wollen:
- die demokratischen Systeme, die bereits bestehen, unterstützen und
den Ländern in dieser Region helfen, die demokratischen Ziele rasch
zu erreichen. Wahlen müssen fair, sicher und für alle offen sein.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin die Menschenrechtsprobleme lösen helfen;
- die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.

Rund 77 Cent von jedem

Dollar, den die USA in diesem Jahr in Mittelamerika ausgeben, werden
für Nahrungsmittel, Düngemittel und andere wichtige Dinge für das
wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung ausgegeben.

Die Initia-

tive für das Karibische Becken sieht darüber hinaus große Handelsund Investitionsanreize vor.

Die gewaltige und wachsende Technologie

der USA soll sich auf die Gesundheitsfürsorge, die Landwirtschaft und
die Industrie in der Region konzentrieren;
- die Sicherheit der bedrohten Länder in dieser Region unterstützen.
Die Sicherheitsunterstützung ist ein Schutzschild für die Demokratisierung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Diplomatie.

Noch so viele

Reformen werden keinen Frieden bringen, solange die Guerilla glaubt,
mit Gewalt siegen zu können;
- Dialog und
- 3 -

�- Dialog und Verhandlungen unterstützen - sowohl unter den Ländern der
Region als auch innerhalb eines jeden Landes. Die Vereinigten Staaten
werden auf politische Lösungen in Mittelamerika hinarbeiten, die den
Interessen des demokratischen Prozesses dienen.
Die amerikanische Zusagen:

Um diese diplomatischen Ziele zu unterstützen,

hat Präsident Reagan vier Zusagen angeboten.

Die USA wollen:

- jedes Abkommen unter mittel amerikanischen Ländern über den Abzug aller
ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und Truppen - unter voll
verifizierbaren Bedingungen und auf der Basis der Gegenseitigkeit unterstützen;
- oppositionellen Gruppen helfen, sich in allen Ländern in den politischen
Prozeß einzureihen und mit Wahlzetteln statt mit Kugeln zu konkurrieren;
- jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende Abkommen unter mittelamerikanischen Staaten über den Verzicht der Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorien unterstützen;
- Mittelamerika dabei helfen, sein kostspieliges Wettrüsten zu beenden,
und jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende
Abkommen über die Nichteinführung offensiver Waffen unterstützen.
Präsident Reagan hat einen Sonderbotschafter für Mittelamerika eingesetzt, der die Anstrengungen der Regierungen in dieser Region, Frieden zu
schaffen, unterstützen und eng mit dem amerikanischen Kongreß hinsichtlich
einer überparteilichen Koordinierung der Politik zusammenarbeiten soll.
Reagan stellte ferner klar, daß nicht daran gedacht sei, amerikanische Kampftruppen nach Mittelamerika zu entsenden. "Sie werden dort nicht gebraucht,"
so sagte Präsident Reagan, "ja, sie sind auch nicht angefordert worden. Alles,
worum uns unsere Nachbarn bitten, ist Unterstützung für Ausbildung und Waffen,
um sich selbst zu schützen, während sie dabei sind, ein besseres und freieres Leben zu schaffen".
Der Präsident
- &amp; -

�Der Präsident erklärte ferner:

"Die nationale Sicherheit der beiden

Amerika steht in Mittelamerika auf dem Spiel. Wenn wir uns dort nicht
verteidigen können, dann können wir auch nicht damit rechnen, uns anderswo behaupten zu können.

Unsere Glaubwürdigkeit würde zusammenbrechen, un-

sere Blindnisse würden zerbröckeln, und die Sicherheit unseres Heimatlandes
wäre in Gefahr."

- 5 -

�28

13. Juli 1983

KIRKPATRICK: USA UNTERSTÜTZEN EIN FREIES, DEMOKRATISCHES MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische UN-Botschafterin Jeane Kirkpatrick
unterstrich am 8. Juli 1983 die Bedeutung der Entwicklung in Mittelamerika
für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Vor Mitarbeitern der "Washington Times" betonte die ständige Vertreterin
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, daß es hierbei für jeden
Staat um die Verteidigung der grundlegendsten Prinzipien der beiden Amerika,
der UN-Charta, der amerikanischen Verfassung und der gesamten zivilisierten
Welt gehe.

Die strategische Bedeutung des salvadorianischen Konflikts für

die Menschen in Nord- und Südamerika könne "moralisch, militärisch und wirtschaftlich... kaum überschätzt werden", erklärte sie. Die Vereinigten Staaten, so die Botschafterin, "unterstützen heute die gleichen Prinzipien, die
uns über Jahrhunderte hinweg inspiriert haben".
"Wir unterstützen den Gedanken zweier Amerika, die frei sind von Einmischung durch ausländische Mächte, welche von außen in diese Hemisphäre
drängen",und "wir unterstützen die Grundsätze der nationalen Unabhängigkeit,
der Selbstbestimmung... der Freiheit, der Gleichheit, der Verfassungsmäßigkeit, der Herrschaft des Gesetzes und der Demokratie."
In ihrer

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�In ihrer Eröffnungserklärung ging Frau Kirkpatrick auf die Entwicklung
in Nicaragua unter dem sandinistischen Regime ein, das nicht in der Lage gewesen sei, seinen Versprechungen gerecht zu werden, die Menschenrechte zu
achten und bürgerliche Gerechtigkeit walten zu lassen.

Sie sprach auch über

Nicaraguas Beziehungen zur Sowjetunion und wies auf die Kontrollen hin, unter
denen die Kirche und die Presse in Nicaragua stünden.
nahmen gegen die Kirche sei

Der Gipfel dieser Maß-

mit dem Verhalten der nicaraguanischen Regierung

während des Papst-Besuches erreicht worden.

Die Behandlung der Miskito-In-

dianer und der Indianer an der Atlantikküste durch die nicaraguanische Regierung sei "in ihrer Brutalität einzigartig".

Die Miskitos "stellten sich

konsequent gegen die Sandinisten - und sie litten schrecklich."
Bezugnehmend auf die militärische Aufrüstung in Nicaragua sagte Frau
Kirkpatrick, es befänden sich derzeit mehr Ausländer in Nicaragua, als man
zu denken wage.

Es gebe dort Waffen und Munition aus"praktisch allen Ländern

des Ostblocks."

Nicaraguas Stärke bringe dessen Nachbarn in eine "sehr un-

angenehme Lage", und es sei "nicht mehr länger möglich..., an dem politischen,
militärischen Charakter der Regierung Nicaraguas zu zweifeln."
Auf die amerikanische Position hinsichtlich der Frage der Ablehnung
einer "Machtaufteilung" in El Salvador angesprochen, sagte Frau Kirkpatrick,
die Vereinigten Staaten glaubten an "die breiteste Machtaufteilung durch
freie demokratische Wahlen; und mit freien demokratischen Wahlen meinen wir
Wahlen mit der breitesten Beteiligung, mit der Freiheit für alle Beteiligten
und offenkundig auch die Sicherheit, die notwendig ist, um an dieser Macht
teilzuhaben."
Sie unterstrich zugleich, daß die Vereinigten Staaten nicht der Meinung
seien, daß "kleine Gruppen - Nordamerikaner oder Mittelamerikaner - sich
zusammentun und darüber entscheiden sollten, wer in El Salvador herrschen
sollte."
"Wir sind

�"Wir sind der Ansicht, daß die El Salvadorianer dies selbst durch freie,
demokratische Prozesse entscheiden sollten."
Zur Frage der Machtbeteiligung der salvadorianischen Guerilla erklärte
Frau Kirkpatrick:

"Wir sind der Meinung, daß die Guerilla auf dem Schlacht-

feld nicht das gewinnen darf, was sie an der Wahlurne nicht gewinnen kann...
Wir sind der Meinung, daß ihr erlaubt werden sollte, an der Wahlurne so viel
zu gewinnen, wie sie nur kann."
Die Vereinigten Staaten, so fügte sie hinzu, glauben an Verhandlungen,
um die Demokratie zu fördern, und an Verhandlungen unter den betroffenen
Parteien. "Dies sind die Salvadorianer", erklärte sie.
Die UN-Botschafterin unterstrich auch die Notwendigkeit langfristiger
Hilfsprogramme fü&gt; Mittelamerika im humanitären, sozialen, wirtschaftlichen
und sicherheitspolitischen Bereich, um die Armut und Not der Menschen in
dieser Region zu lindern.

- 3 -

�13. Juli 1983

28

MOSKAU VERFOLGT IN AFGHANISTAN LANGFRISTIGE ZIELE

WASHINGTON - (AD) - Die afghanischen Widerstandskämpfer haben die
sowjetischen Besatzungstruppen wie auch die Streitkräfte des Regimes in
Kabul nun schon über ein Jahr lang in "ein sehr dauerhaftes militärisches
Patt" gedrängt, ohne daß es zu einem massiven Aufmarsch sowjetischer Verstärkungen gekommen wäre. Wie aber sieht dann Moskaus Strategie aus?
Einem Afghanistan-Spezialisten im amerikanischen Außenministerium zufolge lautet die Antwort so:
"Ich glaube, die sowjetischen und die Kabul-Machthaber verlassen sich
auf eine langfristige Situation, in der sie sich allmählich installieren
und eine neue Generation von Afghanen heranbilden, die in der Lage ist,
die Situation Stück für Stück zu meistern und das Land zu kontrollieren."
Der Vertreter des Außenministeriums

wies

auf mehrere Aspekte hin, die

diese Analyse untermauern und die am 8. Juli 1983 in Washington im "Foreign
Press Center" den Journalisten dargelegt wurden.
Einer dieser

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�Einer dieser Aspekte ist die Indoktrinierung und die Ausbildung dieser
"neuen Generation Afghanen".

Zwischen 10 000 und 20 000 Afghanen wurden als

Studenten in die Sowjetunion geschickt. Außerdem werden alle drei Monate
Gruppen von 800 jungen Afghanen zur Information durch die Kommunistische Partei abgestellt.

"Dies ist ein wesentliches Element der sowjetischen Strate-

gie", erklärte der Vertreter des Außenministeriums.
Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf selektive, doch intensive Luftund Bodenoffensiven gegen größere Orte und Bereiche des Widerstandes. Dadurch wurde der Widerstand in manchen Gebieten ausgeräumt, wo die Widerstandskämpfer auf die Unterstützung der Dorfbewohner angewiesen waren. Als Beispiele nannte der Beamte des Außenministeriums das Panschir-Tal und die
Schomali-Region nördlich von Kabul. Unter den Tausenden von Afghanen, die
über Afghanistans Grenzen flohen, war die "westlich orientierte Mittelklasse",
insbesondere von Kabul und anderen Städten.
Trotz der Strafen, der die Städte und Dörfer unterzogen werden, kommt
der afghanische Widerstand in die Gebiete zurück, aus denen er mit Gewalt
vertrieben wurde. Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes, die von den Sowjets schwer bombardiert wurde. Die
Widerstandskämpfer kamen dieses Jahr zurück und wurden von der dortigen Bevölkerung "willkommen geheißen", obgleich die Aktivitäten der Widerstandsbewegung weitere grausame Vergeltungsmaßnahmen gegen die Stadt hervorrufen
dürften. Dem Vertreter des Außenministeriums zufolge ist auch der Widerstand in der Schomali-Region, die in diesem Jahr unter heftigsten Angriffen
zu leiden hatte, wieder "aktiv und zahlreich".
"Ober die letzten zwei Jahre hinweg war ich beeindruckt von dem sehr
dauerhaften Patt in Afghanistan.

Und ich war vor sechs Monaten noch nicht

so beeindruckt, wie ich es heute bin."
Die sowjetische Strategie scheint zu sein, militärisch die Linie zu
halten, während gleichzeitig verschiedene langfristige Kräfte am Werk sind,

- 2 -

�Werk sind, die zu Moskaus Vorteil wirken.

Derzeit ist der sowjetische Ein-

satz in militärischer Hinsicht begrenzt.

Die sowjetischen Streitkräfte, der-

zeit rund 105 000 Mann, wurden seit über einem Jahr nicht verstärkt.
Der Beamte des Außenministeriums bezog sich dabei auf eine Erklärung,
die - wie er sagte - verläßlich einem hohen sowjetischen Offizier in Afghanistan zugeschrieben wird.

Der Russe erklärte, Aufgabe des sowjetischen

Militärs sei es, die Kommunikationslinien zwischen den wichtigsten Punkten
des Landes freizuhalten und gegenüber der Widerstandsbewegung nur dann zuzuschlagen, wenn dieses Ziel gefährdet sei.
Die schweren Bombardierungen von Städten und Dörfern könnten sich jedoch als im Widerspruch zu jenen langfristigen Kräften erweisen, die sowjetischer Ansicht nach in Afghanistan am Werk sind, wie der Vertreter des
Außenministeriums meinte.

"Die Entfremdung der afghanischen Bevölkerung

durch diese selektiven, aber intensiven militärischen Schläge ist nicht abzuwägen," erklärte er.

+ + + + +

- 3 -

�13. Juli 1983

28

SPITZENTECHNOLOGIE
US-Industrie im internationalen Wettbewerb -

- (AD) - Die Aufwendungen der Vereinigten Staaten für Forschung und Entwicklung sind höher als die Japans, Großbritanniens.. Frankreichs und der Bundesrepublik zusammengenommen.

Dies erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im

Beraterstab Präsident Reagans für politische Entwicklungen, in einem Interview
mit Jim Füller vom US-Informationsamt (USIA) in Washington.

Jedoch sei es Sache

der Privatwirtschaft, ob Firmen oder Industriebranchen auch künftig die wachsende
Herausforderung aus dem Ausland annehmen.
Wir bringen im folgenden den zweiten Teil des Interviews (der erste Teil
erschien in unserer Ausgabe vom 6. Juli 1983]:
FRAGE: Wie stehen Sie zu der Studie des Handelsministeriums aus jüngster
Zeit, die besagt, daß die führende Position Amerikas in der Spitzentechnologie
durch die Auslandskonkurrenz ernsthaft attackiert wird?
ANTWORT: Ich meine, daß Herausforderung und Wettbewerb niemals etwas
Negatives sind.

Es hält uns in Schwung.

Andererseits vergißt man leicht, wenn

von relativen Statistiken bei Forschung und Entwicklung (F &amp; E) die Rede ist,

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�die Rede ist, daß die Vereinigten Staaten tatsächlich mehr für F &amp; E ausgeben als
Japan, England, Frankreich und Deutschland zusammengenommen.

Man fordert uns

heraus, und wir pumpen eine Menge Geld in Forschung und Entwicklung.
Was mir vielleicht mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, daß unsere Konkurrenten im Ausland auf einigen Wirtschaftssektoren mehr für F &amp; E ausgeben als wir.
Ich glaube, das sollte uns schon ein bißchen zu denken geben.

Denn es könnte

bedeuten, daß wir künftig weniger neue Ideen hervorbringen, die ja bisher eine
unserer Stärken waren.

Und das wäre meines Erachtens nicht gut.

So gehen

beispielsweise bei japanischen Elektrofirmen - wenn ich mich recht erinnere mehr als 5,5 Prozent des Umsatzertrages in Forschung und Entwicklung.
sind es im Durchschnitt weniger als 2,5 Prozent.

Bei uns

Ich meine, es liegt an uns,

der Herausforderung zu begegnen, und ich meine, wir können dies auch.

Aber die

Entscheidung muß auf der Ebene der Privatwirtschaft getroffen werden.
FRAGE: Welche Schritte müssen nach Ihrer Ansicht unternommen werden, um die
Probleme zu lösen, die sich durch Schwerpunkt-Industriepolitik ergeben?
ANTWORT: Das ist ein großes und kontroverses Problem. Ich glaube, es muß
auf die Frage zurückgeführt werden: "Können wir eine Gruppe von Leuten zusammenbringen, die besser als der Wettbewerb auf dem Markt herausfinden könnten, wer
die Gewinner, wer die Verlierer sein sollen?" Die Idee, bestimmte Industrien
herauszupicken und zu sagen: ''Okay - ihr seid die Verlierer", ist mit einer marktorientierten Grundeinstellung überhaupt nicht zu vereinbaren. Zwar spricht
manches dafür, daß die Industriepolitik Japans sehr erfolgreich war. Aber es
gibt auch Anzeichen dafür, daß die Industriepolitik an realen Entwicklungen
vorbeigeht.
So gilt beispielsweise der Computerchip 64 K-RAM als das eindrucksvolle
Beispiel, wie erfolgreich die Japaner Schwerpunktpolitik in der Industrie betreiben.

Ob das nun tatsächlich das besondere Ergebnis industrieller Schwerpunkt-

- 2 -

�industrieller Schwerpunktpolitik ist oder möglicherweise auf das Gespür japanischer Firmen und Geschäftsleute für künftige Entwicklungen zurückzuführen ist,
auf die man sich konzentrieren sollte, ist eine offene Frage.
Betrachten wir einmal ein anderes Schwerpu

ojekt, bei dem die Industrie

der Verlierer war: MITI (das japanische Ministerium für Außenhandel und Industrie)
erklärte den japanischen Autoherstellern: "Seht her, ihr solltet das amerikanische
Beispiel kopieren.

Es gibt in Japan sieben Herstellerfirmen für Kraftfahrzeuge.

Zu viele. Reduziert sie auf zwei.

Konzentriert euch auf den Binnenmarkt.

Vergeßt die Möglichkeit, nach Amerika zu verkaufen, denn wir wissen ja, die
Amerikaner haben gerne große und sichere Wagen, über den Kraftstoffverbrauch
machen sie sich wenig Gedanken, und sie mögen nun einmal den amerikanischen Stil."
Natürlich hat die Bezinkrise das alles verändert.

Die Position der japa-

nischen Autohersteller auf dem amerikanischen Markt ist nicht das Ergebnis von
Industriepolitik.

Sie entwickelte sich trotz der in Japan betriebenen Industrie-

politik.
Sie sehen das auch bei anderen Ländern, in denen Industriepolitik betrieben
wird. In England war eines der zugunsten der Industrie gesetzten Ziele - ebenso
in Frankreich -, das Passagierflugzeug CONCORDE zu bauen. Nicht viele behaupten,
daß dies eine überwältigend erfolgreiche Industriepolitik war.
uich versuchte viele Jahre lang, die Mikroelektronik- und Computerfirmen zu unterstützen,
indem ihr Gebiet als besonders zukunftsträchtig bezeichnet wurde. Heute gilt
das Programm nicht als eines, das neue Fortschritte oder dramatische neue Produkte
oder Verfahren in der Mikroelektronik- und Computertechnik hervorgebracht hat.
Ich meine, dieses Setzen von Schwerpunkten in der Industrie dürfte kein Beispiel
für ein erfolgreiches Vorgehen sein.
Wenn wir uns also in der Welt umsehen und alle die anderen Beispiele für
die Schaffung von Industrieschwerpunkten betrachten, so ist ihr Erfolg doch recht
begrenzt. Und den Vereinigten Staaten ist es in der Tat gelungen, sich ihre
Wettbewerbsstärke zu erhalten.
FRAGE: Könnten Sie
- 3 -

�FRAGE: Könnten Sie die Idee der begrenzten Partnerschaft bei Forschung und
Entwicklung noch etwas ausführlicher behandeln - d.h. privatwirtschaftliche
Vereinbarungen, welche Firmen eine Zusammenarbeit in F &amp; E erlauben?
ANTWORT: Nun, dabei gibt es zwei Aspekte.

Bei der begrenzten F &amp; E-Partner-

schaft handelt es sich um eine steuerrechtliche Vereinbarung im Hinblick auf
die Investitionskosten für F &amp; E; außerdem verringert sie dank der Kooperation
die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Der Präsident hält es für

wichtig, daß amerikanische Firmen grundsätzlich die gleiche Basis haben wie
ausländische Firmen, denen in einigen Fällen in Bezug auf F &amp; E gemeinsame
Unternehmungen erlaubt sind.

Bill Baxter, stellvertretender Justizminister

und zuständig für Anti-Trust-Fragen, hat unsere Pläne für eine gewisse gesetzliche Abklärung durchgearbeitet, so daß amerikanischen Firmen die Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen für F &amp; E, die von gemeinsamem Interesse für die
Beteiligten sind, erlaubt wird.
Die Grundregeln solcher Aktivitäten besagen, daß Firmen, die ein Gemeinschaftsunternehmen schaffen, in bezug auf ein bestimmtes Produktgebiet nicht
mehr als die Hälfte des Marktanteils besitzen dürfen und daß es zum mindesten
vier weitere Konkurrenten auf dem Markt gibt. Wichtig ist, mutwillig inszenierte,
auf Schädigungen abzielende Klagen bei Gericht gegen solche Vereinbarungen durch
Leute zu unterbinden, die sich daran (d.h. an einem Gemeinschaftsunternehmen)
beteiligen wollten, dies aber nicht konnten.
FRAGE: Trifft die Regierung noch andere spezielle Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Geschäft mit Produkten der Spitzentechnologie zu stärken?
ANTWORT: Die Regierung hat beispielsweise unseren F &amp; E-Etat um etwa
17 Prozent erhöht. Unser Etat für Grundlagenforschung liegt ca. zehn Prozent
höher. Das bedeutet, daß unser Gesamtbudget für Forschung und Entwicklung jetzt
rund 37 Milliarden Dollar und das Budget für Grundlagenforschung 6,6 Milliarden
Dollar beträgt.
Wir versuchen

�Wir versuchen außerdem, die Verwendung der Ausgaben für F &amp; E effektiver
zu machen.

Eine der Befürchtungen, die wir in der Vergangenheit hatten, war

die, daß Regierungsgelder manchmal zur Entwicklung marktfähiger Produkte verwendet
werden, die jemand anders kommerziell nutzt und damit Gewinne macht.

Statt dessen

sollten unseres Erachtens jene Projekte mit Bundesmitteln gefördert werden, von
denen die Gesellschaft deutlich protitieren würde, bei denen aber die Risiken so
groß sind

und die Aussichten auf Rentabilität so weit in der Zukunft liegen,

daß keine privatwirtschaftliche Organisation sich an solche Forschungen heranwagt.
Das ist die Definition für Grundlagenforschung - Forschung, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse erweitert. Mit dem vom Präsidenten initiierten Steuergesetz
von 1981 zugunsten einer Erholung der Wirtschaft konnten wir außerdem den Kongreß
dazu bringen, einer Steuerentlastung von 25 Prozent für zusätzliche Forschungsund Entwicklungsvorhaben des privaten

Sektors zuzustimmen.

FRAGE: Was erwarten Sie auf weite Sicht von Spitzentechnologie?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß wir genau vorhersagen können, wie sie sich
weiterentwickeln wird.

Aber es wird Entwicklungen geben, die unsere Industrie

produktiver machen, als sie je zuvor war.

Und ich meine auch, daß der Faktor,

der unser Wirtschaftswachstum, der die vor uns liegenden faszinierenden Ereignisse in der Spitzentechnologie mehr als irgendein anderer verzögern könnte,
Protektionismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen wäre.

Protektionismus

würde nicht nur bedeuten, daß unsere Ressourcen im La"de weniger wirksam
genutzt würden, daß unsere Verbraucher höhere Preise zahlen, daß unsere Steuerzahler auf die eine oder andere Weise Industrien subventionieren müßten. Er würde
auch bedeuten, daß die weniger entwickelten Nationen,die die amerikanischen
Märkte brauchen und tatsächlich die größten Abnehmer für viele unserer Produkte
sind, - daß diese nicht nur nicht in der Lage wären, von uns zu kaufen, sondern
daß sie auch nicht in der Lage wären, die Kredite zurückzuzahlen, die wir ihnen
schon in der Vergangenheit einräumten, damit sie von den Vereinigten Staaten
Waren kaufen konnten.
Und so ist es

- 5 -

�Un so ist es wichtig, daß wir für die Zukunft freie Märkte beibehalten.
Eine richtige Industriepolitik für die Vereinigten Staaten besteht, wie wir es
sehen, darin, eine feste

Basis zu schaffen, eine gute, solide Geld- und Steuer-

politik zur Durchführung solcher Investitionen zu haben •- für die Ausbildung
unserer Schüler in den Grund- und höheren Schulen, für die Ausbildung unserer
Collegeprofessoren, die Fortbildung stellenloser Arbeiter, die Ausbildung in
der Privatwirtschaft und für Investitionen auf dem Gebiet der Forschung.

Dies

sind Dinge, die die Bundesregierung tun kann, die einzelstaatliche und kommunale
Regierungen auch im Bildungsbereich leisten können. Und es sind die Dinge, die
eine feste Grundlage für ein beständiges und langfristiges Wirtschaftswachstum
schaffen, welches allen Amerikanern ein

besseres Leben beschert.

Es schafft

auch die Voraussetzungen für eine gesünoere Weltwirtschaft - und damit für eine
friedlichere Welt.

.+rf-+ + +

�7

Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

13. Juli 1983

NEUER FLUG DES RAUMTRANSPORTERS IN VORBEREITUNG
Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER ist wieder im Weltraumbahnhof Kap
Canaveral angelangt und wird gegenwärtig auf ihre nächste Reise ins All vorbereitet.
gesehen.

Der Start für den Flug STS-8 ist jetzt für Mitte August 1983 vorDa wegen schlechten Wetters bei der Rückkehr vom Flug STS-7 (18.

bis 24. Juni 1983) die Landung in Florida nicht möglich war, sondern wie zuvor in Kalifornien erfolgte, verschob sich der neue Starttermin um ca. eine
Woche.
Nach der Landung an der amerikanischen Westküste unternahmen die Ingenieure und Techniker sofort eine erste Überprüfung der Bordsysteme. Die
gründliche Inspektion aller Triebwerke sowie der gesamten Bordelektronik geschieht jedoch im Kennedy-Raumflugzentrum von Florida.

Ungefähr 100 Kacheln

des Hitzeschildes sind beschädigt und müssen entweder ausgetauscht oder repariert werden.

Die beiden mächtigen Feststoffraketen, die den Raumtransporter

beim Start von der Erde abheben, und der Außentank, der die flüssigen Treibstoffe (Wasserstoff und Sauerstoff) für den Aufstieg zur Erdumlaufbahn aufnimmt, erwarten bereits den Orbiter in der Montagehalle am Kap.
Die wichtigste

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Die wichtigste Nutzlast beim nächsten Flug ist INSAT 1-B, ein Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatellit für Indien.
vor dem Start in der Ladebucht des Orbiters verstaut.

Er wird schon Wochen
Wie bei vorangegan-

genen Unternehmen, wo im Auftrag Kanadas, Indonesiens und amerikanischer
Firmen Nachrichtensatelliten abgesetzt wurden, wird auch INSAT 1-B in die
Umlaufbahn in 296 km Höhe mitgenommen und ausgeladen, um anschließend mit
eigenem Antrieb bis in die geostationä're Bahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen.
Da dort die Umlaufgeschwindigkeit ebenso groß ist wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde, scheint der Satellit in seiner Position über der Erdoberfläche "verankert" zu sein und steht für den Nachrichtenverkehr in der betreffenden Region ständig zur Verfügung.
Beim nächsten CHALLENGER-Flug sind außerdem Versuche mit einer Satelliten-Attrappe von 2250 kg Masse vorgesehen.

Sie dient als Testobjekt für den

Einsatz des mehrgliedrigen, 15 m langen Roboterarms, den Kanada zum amerikanischen Raumtransporterprojekt beigesteuert hat.

Er macht es möglich, Lasten

verschiedenster Größe und Form im Orbiter-Frachtraum umzusetzen oder in den
Weltraum zu expedieren sowie Objekte aus dem Weltraum an Bord der Raumfähre
zu holen, sobald diese sich ihnen durch entsprechende Rendezvousmanöver weit
genug genährt hat.

Im Gegensatz zu dem deutschen Satelliten SPAS-01, der

beim Flug STS-7 mehrmals abgesetzt und wieder eingeholt wurde, enthält das
bei STS-8 verwendete Testobjekt keine Ausrüstungen für die Durchführung von
Forschungsaufgaben.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Experimente während des nächsten
CHALLENGER-Fluges soll u.a. die Wechselwirkung von Sauerstoff mit den verschiedensten Materialien untersucht werden. Dies dient der Erforschung der
Auswirkungen von Korrosionserscheinungen unter Weltraumbedingungen.
Die Missionsspezialisten Dale A. Gardner, William E. Thornton und
Guion S. Bluford, Jr., werden die zahlreichen Experimente betreuen und den
indischen Nachrichtensatelliten absetzen.

Das Kommando bei STS-8 hat Richard

H. Truly, Kopilot ist Daniel C. Brandenstein.

- 2 -

Mit Guion Bluford schickt das

�schickt das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) den ersten schwarzen Astronauten auf eine Weltraumreise.
Nach dem Unternehmen STS-8 wird CHALLENGER erst wieder für die Flüge
10 und 11 benutzt.

Flug 9, der am 30. September 1983 beginnen soll und des-

sen Hauptprojekt die Erprobung des europäischen Weltraumlabors SPACELAB ist,
wird wieder mit COLUMBIA, dem ersten Raumtransporter der Welt, durchgeführt.
Das Fluggerät wurde eigens umgebaut, um SPACELAB aufnehmen zu können. An dem
neuntägigen Flug nimmt u.a. der deutsche Physiker Ulf Merbold als Wissenschaftsastronaut teil.
Mit der Mission 12, die für März 1984 vorgesehen ist, wird der Orbiter
DISCOVERY seinen Jungfernflug unternehmen.

Die amerikanische Raumtransporter-

flotte besteht dann aus drei Fluggeräten.
TDRS, der größte Nachrichtensatellit der Welt, steht nunmehr für

seine

vorgesehenen Aufgaben auch im Zusammenhang mit bemannten Flügen zur Verfügung.
In z.T. sehr komplizierten Manövern, die sich über Wochen hinzogen, ist es
nun doch gelungen, ihn auf die vorgesehene Bahnhöhe von 36 000 km zu bringen
und über Brasilien zu stationieren.
abgesetzt worden.

Er war im April 1983 aus der CHALLENGER

Die erste Stufe des eigenen Antriebssystem für den 2,2

Tonnen schweren Koloß zündete ordnungsgemäß, die zweite Stufe versagte jedoch, so daß TDRS-1 in eine zu niedrige und stark elliptische Umlaufbahn gelangte.

Mit Computerhilfe arbeiteten daraufhin Wissenschaftler der Hersteller-

firma TRW Systems in Kalifornien einen Plan aus, um möglicherweise durch Aktivierung der mehr als 20 Lageregelungsdüsen am Satellitenkörper die Fehler
wettmachen zu können.

Der Versuch gelang.

sich TRDS-1 in der vorgesehenen Position.

Seit dem 29. Juni 1983 befindet
Normalerweise sind die kleinen

Triebwerke mit 0,45 kg Schubleistung nur für Positionskorrekturen im Verlauf
der zehn Betriebsjahre auf der geostationären Bahn gedacht.

Der noch ver-

bliebene Treibstoff dürfte jedoch auch dafür noch ausreichen.
TDRS macht es möglich, Verbindung zu 26 anderen Satelliten auf Erdumlaufbahnen und zu deren Bodenstationen zu halten, sowie diese Satelliten auch
- 3 -

�Satelliten auch miteinander über Funk zu verbinden.

Bei der Erprobung des

SPACELAB im September/Oktober 1983, bei der Meßdaten in bisher nie dagewesener Menge anfallen, spielt er eine sehr wichtige Rolle.

Sobald ein zweiter

gestartet und über dem Pazifik stationiert sein wird, ist ständiger Sprechkontakt zu den Besatzungen der Raumfähren gewährleistet.

Zur Zeit ist die

Verbindung unterbrochen, sobald der Orbiter den Empfangsbereich der einen
Bodenstation verläßt und den der nächsten noch nicht erreicht hat.

Die TDRS-

Satelliten sind nichts anderes als Relaisstationen im Weltraum mit sehr hoher
Arbeitsgeschwindigkeit; für Aufgaben der Informationsverarbeitung sind sie
nicht ausgerüstet.

Sie sind Eigentum der Firma "Space Communication Company"

und werden an die NASA vermietet.

+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Jugendaustauschgruppen im Rahmen der Reagan-Initiative&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;State Department zur Politik der USA in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirkpatrick: USA unterstützen ein freies, demokratisches Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moskau verfolgt in Afghanistan langfristige Ziele&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spitzentechnologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Industrie im internationalen Wettbewerb -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Flug des Raumtransporters in Vorbereitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN

4

13. J u l i 1988

27

INHALT
DOKUMENTATION
Burt; Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukaki8 Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit
- Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen
Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft
- Senator aus Texas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnzeichen; Ökologische Krisen
- Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen

Hinweis: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r

^7

^

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C&amp;

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Dokumentation

13. Juli 1988

27

BURT:

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTÜTZEN EUROPÄISCHEN BINNENMARKT

- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm FRANKFURT AM MAIN - (AD) - Botschafter Burt zufolge genießt das Streben
Europas nach Schaffung eines europäischen Binnenmarkts die energische Unterstützung der Vereinigten Staaten. "Die Europäische Gemeinschaft ist in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner," erklärte der
Botschafter, "und die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung eines Binnenmarkts." In einer Ansprache anläßlich der
Grundsteinlegung für den neuen Messeturm in Frankfurt warnte Burt am 13. Juli
jedoch gleichzeitig vor Gefahren, die sich aus dem Bau einer "Festung Europa"
ergeben würden.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut (es gilt das gesprochene
Wort):

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend bei diesem
historischen Anlaß anwesend sein zu
können.
Ich sage historisch, weil
Handelsmessen in Deutschland eine
lange und reiche Tradition besitzen.
Am Schnittpunkt vieler bedeutender
europäischer Handelsrouten gelegen,
ist Deutschland seit langem ein beliebter Messeort.
In diesem Jahr
werden 92 internationale Messen hier
stattfinden.
Dies ist eine eindrucksvolle Bilanz.

Die durch die Aussicht auf einen
wirklich
ganz
Europa
umfassenden
Markt von Gütern und Dienstleistungen
geweckte Begeisterung hat sich in den
letzten Monaten dramatisch verstärkt.
Wie nie zuvor werden meine Gespräche
von "1992" beherrscht.

über die Bewahrung eines hervorragenden Rufes hinaus symbolisiert
dieser neue Messeturm die vielversprechende Zukunft des Handels in
Europa. Wenn ich dies sage, denke
ich an den europäischen Binnenmarkt
des Jahres 1992.

- Erstens, die amerikanische Sichtweise zum gemeinsamen Binnenmarkt;

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Heute abend möchte ich Ihnen meine Perspektiven zum europäischen Binnenmarkt des Jahres 1992 erläutern.
Sie konzentrieren sich auf vier wesentliche Punkte:

- zweitens, unsere Sorgen über möglicherweise verstärkten Protektionismus, der daraus erwachsen
könnte;

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- drittens, die Notwendigkeit der
Beibehaltung eines multilateralen
Ansatzes zur Lösung wirtschaftlicher Probleme; und
- viertens und letztens, einige besondere politische Probleme, die
sich aus jüngsten Vorschlägen der
Europäischen Gemeinschaft ergeben.
Zunächst möchte ich mich der amerikanischen Haltung zum gemeinsamen
Binnenmarkt zuwenden. Das Europa des
Jahres 1992 wirft für die Vereinigten
Staaten und für das bilaterale Verständnis zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa wichtige Fragen
auf. Lassen Sie mich eines jedoch
klar zum Ausdruck bringen: Die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung
eines Binnenmarkts.
Die Europäische Gemeinschaft ist
in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner ein Partner, den wir traditionell unterstützen. Diese Unterstützung besteht unverändert seit der Gründung
der Montanunion im Jahr 1951 über die
Unterzeichnung der Römischen Verträge
im Jahr 1957 bis zum kürzlichen Beitritt von Spanien und Portugal fort.
Der Binnenmarkt des Jahres 1992 ist
ein logischer nächster Schritt.
Die von den europäischen Staatsmännern der fünfziger Jahre bei der
Gründung der Europäischen Gemeinschaft verfolgten Ziele behalten auch
heute ihre Gültigkeit: für das wirtschaftliche Wohlergehen der Region zu
sorgen, die äußere Sicherheit zu garantieren und politische Stabilität
im Innern sicherzustellen. Trotz der
geringfügigen
Auseinandersetzungen,
die wir in der Vergangenheit zu bestimmten Themen hatten - und die wir
auch in Zukunft haben werden - sollte
man diese Gesamtperspektive im Gedächtnis behalten.
Ein stärkeres Europa dient unseren gemeinsamen Interessen, und die
Entwicklung des Binnenmarkts im Jahr
1992 wird erheblich dazu beitragen.

Der Gegensatz zu der noch vor einigen
Jahren
vorherrschenden
Einstellung
könnte schon jetzt nicht schärfer
sein. Vorbei ist das selbstzerstörerische Gerede von Europessimismus
und Eurosklerose. Statt dessen diskutieren Unternehmen und Regierungen
intensiv ihre Strategien zur Arbeit
auf dem größeren und dynamischeren
Markt der Zukunft.
Der Gedanke eines neuen Europas
im Jahr 1992 hat sich nicht nur bereits verfestigt, sondern es wurden
auch
schon
bedeutende
praktische
Fortschritte erzielt - insbesondere
in den vergangenen sechs Monaten.
Beim jüngsten Treffen des Europäischen Rats in Hannover wurde berichtet, daß über ein Drittel des Weißbuchs der EG-Kommission - der Fahrplan für 1992 - verabschiedet werden
konnte. Dazu gehören die vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs, die gegenseitige Anerkennung
von Hochschuldiplomen, die Öffnung
des Versicherungsmarkts
sowie des
Markts im Straßen- und Lufttransportwesen.
Schon werden die nächsten
Prioritäten ins Auge gefaßt: die Deregulierung des öffentlichen Beschaffungswesens,
Unternehmensgesetzgebung, Steuerharmonisierung, Bankwesen
und andere Finanzdienstleistungen sowie Patente und Markenzeichen.
Schwierige Fragen und Probleme
sind noch zu lösen. Jedoch zeigen
die bis heute erzielten Fortschritte,
daß 1992 mehr als nur ein Traum ist es ist ein Ziel, das zu erreichen die
Europäer entschlossen sind. Und täuschen Sie sich nicht: wir unterstützen dieses Ziel.
Es gibt einige vordringliche Fragen bezüglich 1992, die von Amerikanern wie Europäern gleichermaßen erörtert werden müssen. Die Amerikaner
sind bestrebt, mehr über die Ziele
des Jahres 1992 und den Weg dorthin
in Erfahrung zu bringen. Im vergangenen Monat fand ein von der KonradAdenauer-Stiftung
veranstaltetes
Treffen zwischen deutschen und amerikanischen Regierungsvertretern statt.

- 2 -

�Die amerikanischen Teilnehmer brachten ihre Bedenken und auch Mißverständnisse über den Binnenmarkt zum
Ausdruck. Sie sprachen sogar von einer "Festung Europa".
Damit komme
ich zu meinem zweiten Punkt.
Die Entfaltung des europäischen
Binnenmarktes im Jahr 1992 bringt eine dynamischere Marktsituation mit
sich. Schwächere Unternehmen könnten
sich neuem und stärkerem Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen. Um den noch
stärkeren Konkurrenzdruck durch Unternehmen in Drittländern - insbesondere aus den Vereinigten Staaten und
Japan - abzuwenden, werden sie voraussichtlich um Schutz ersuchen.
Jedes neue Abenteuer birgt Risiken. Die Gefahr des Protektionismus
ist nicht neu. Aber Präsident Reagan
hat beispielhaft bewiesen, daß man
sich den Rufen nach Protektionismus
widersetzen kann. Und dies muß der
Fall sein - sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa.
Was würde die "Festung Europa"
für die Europäer bedeuten? Ein isoliertes, schwächeres Europa, das gegenläufige Auswirkungen auf die politische und militärische Zusammenarbeit im Bündnis hätte. Wie ich bereits erwähnte, liegt ein stärkeres
Europa in unserem vorrangigen Interesse.
Eine "Festung Europa" würde vorwiegend den Europäern selbst schaden.
Sie würde ihren Bürgern die uneingeschränkte Nutzung der Vorteile versagen, die ihnen dank der zahlreichen
Opfer zustehen, die sie für die Verwirklichung eines tatsächlich ganz
Europa umfassenden Marktes erbringen.
Wachsende Kosten und Ineffizienz würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen untergraben. Dies ist keine neue Lektion und sicherlich keine, die wiederholt
werden muß.
Um Verhaltensweisen nach dem Muster "Festung Europa" - oder Regionalismus jeglicher Art - zu vermeiden,

dürfen wir unseren traditionellen
multilateralen Ansatz bei der Lösung
von Wirtschaftsproblemen nicht bagatellisieren. Damit komme ich zu meinem dritten Punkt. Europas Weg ins
Jahr 1992 sollte unsere gemeinsamen
Bemühungen bei der gegenwärtig in
Genf
tagenden Uruguay-Runde nicht
überschatten. Diese Runde von Handelsgesprächen ist ein gigantisches
Unterfangen, um Disziplin in den Handel mit Agrarprodukten und Dienstleistungen, geistigem Eigentum und Investitionen zu bringen.
Tatsächlich
können die äußerst schwierigen Probleme im Agrarsektor nur im multilateralen
Kontext
gelöst
werden.
Dies ist ein Problem, für das wir alle gleichermaßen die Schuld tragen.
Daher müssen wir gemeinsam an seiner
Lösung arbeiten.
Während
multilaterale
Ansätze
nicht außer acht gelassen werden
sollten, können bilaterale und regionale Lösungen ein Mittel zur Stärkung
des weltweiten Handelssystems darstellen.
Das Schlußkommunique des
jüngsten Wirtschaftsgipfels in Toronto hätte in diesem Punkt nicht
präziser formuliert sein können:
"Wir begrüßen das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den
Vereinigten Staaten sowie die
stetigen Fortschritte in Richtung
auf das Ziel der Europäischen Gemeinschaft, den Binnenmarkt bis
1992 zu verwirklichen.
Unser
Grundsatz ist, daß diese Entwicklungen
gemeinsam
mit
anderen
Schritten zur Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern das offene,
multilaterale Handelssystem unterstützen und den von der Uruguay-Runde eingeleiteten Liberalisierungsprozeß
beschleunigen
sollten."
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen ist hierfür ein einschlägiges Beispiel: wir bauen die
Handelsschranken
zwischen
unseren
beiden Ländern ab und errichten keine
neuen gegen andere Länder. Von ebensolcher Bedeutung ist, daß das ameri-

- 3 -

�kanisch-kanadische Abkommen das Allgemeine
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) respektiert und darauf achtet,
die Erfolge des multilateralen Ansatzes nicht zu unterlaufen. Dank dieser
Bestrebungen
der
Vereinigten
Staaten und Kanadas werden neue Märkte eröffnet und ein Gegengewicht gegen Protektionismus und Investitionshemmnisse gebildet.

hat es vielleicht niemanden so sehr
überrascht - obwohl es schon enttäuschend war -, daß die von der EG-Kommission neu vorgelegten Richtlinien
für das Bankwesen eine Gegenseitigkeitsklausel für die Gründung von
Tochtergesellschaften einer Bank enthielten.
Entwicklungen auf diesem
Gebiet werden wir mit Interesse verfolgen.

Ich möchte mich jetzt zwei besonderen Themenkomplexen zuwenden, die
sich im Zusammenhang mit dem Jahr
1992 herausgebildet haben: der erste
ist die Politik der Gegenseitigkeit
und der zweite betrifft Fusionen und
Firmenübernahmen.

Gegenseitigkeit ist tatsächlich
ein Instrument des Bilateralerismus.
Wenn wir wirklich am Multilateralismus interessiert sind, ist eine nationale Behandlung - wobei Firmen und
Produkte aller Länder gleich behandelt werden - die einzig billige und
gerechte Politik, die das multilaterale System stärkt.
Die nationale
Behandlung ist der Kern des GATT-Systems, das dem Handelssystem in der
Nachkriegszeit so gute Dienste erwiesen hat.

Gegenseitigkeit bedeutete einmal,
Zugeständnisse gegen Vorteile aufzuwiegen - der Schlußstrich am Ende von
Verhandlungen. In den Handelsbeziehungen jedoch wurde Gegenseitigkeit
zur Regel. In seiner ausgeprägtesten
Form bedeutet dies: "Ich werde Dir
auf meinem Markt nur das erlauben,
was Du mir auf Deinem Markt gestattest."
Dies mag recht und billig klingen, ist es aber nicht.
Zwischen
zwei Ländern angewandt führt Gegenseitigkeit zu mehr - und nicht zu weniger - Protektionismus.
Kanada,
Norwegen und Schweden zum Beispiel
gestatten ausländischen Banken die
Niederlassung in ihren Ländern nur
als Tochtergesellschaft, nicht aber
als Filiale. Wenn andere Länder die
Politik der Gegenseitigkeit nun ebenfalls anwenden würden, wären die Filialen kanadischer, norwegischer und
schwedischer Banken gezwungen, ihren
Betrieb einzustellen. Daher beruhen
durch Gegenseitigkeit geförderte Normen nur auf dem kleinsten gemeinsamen
Nenner.
Bedauerlicherweise hat sich Gegenseitigkeit in der Finanzwelt recht
komfortabel eingenistet.
Einer Untersuchung der OECD von 1984 zufolge
wenden fast die Hälfte der 24 OECDMitgliedstaaten eine Art der Gegenseitigkeit im Bankwesen an. Daher

Das zweite Thema, an dem die Vereinigten Staaten interessiert sind,
ist die Politik gegenüber Fusionen
und Firmenaufkäufen. Meiner Meinung
nach bedeutet der Geist von 1992 flexiblere Märkte, auf denen ganz allgemein gesprochen Investitionsentscheidungen von finanzpolitischen Zielen
geleitet und nicht durch einzelstaatliche Erwägungen eingeschränkt werden.
Die Fähigkeit zur Fusion mit anderen Firmen in dieser Region wird
für europäische Unternehmen ein entscheidener Faktor im Hinblick auf die
Frage sein, ob der neue Gedanke des
europäischen Binnenmarkts alte Vorurteile überwunden hat. Vorschläge auf
diesem Gebiet befinden sich noch im
Frühstadium. Ich möchte unsere Position aber schon zu Beginn der Diskussion deutlich machen.
Aus unserer
Sicht sollten die Rechte von Firmen
aus Drittländern bei der Fusion mit
oder Übernahme von europäischen Firmen nicht eingeschränkt werden. Fusionen und Übernahmen, die den Wettbewerb nicht einschränken, sind der
Lebensnerv eines gut funktionierenden
Marktes.

�Wie Sie sicherlich wissen, haben
wir in den Vereinigten Staaten erfolgreich jene Zusatzartikel aus dem
Handelsgesetz gestrichen, die - wenn
auch nur in bescheidenem Maße - bestehende Rechte ausländischer Firmen
zum Erwerb von amerikanischen Unternehmen eingeschränkt hätten. Unsere
Botschaft ist klar: offenere - und
nicht geschlossenere - Märkte sind
der Schlüssel zu gesünderen Volkswirtschaften und einer Stärkung der
freien Welt.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, daß der gemeinsame europäische Binnenmarkt europäischen und
ausländischen Firmen enorme Möglichkeiten und Chancen eröffnet.
Neue
Investitionsentscheidungen
und Marketingstrategien werden schon
heute eingeleitet.
Die Zusammenarbeit zwischen Tishman-Speyer, Citicorp und der Frankfurter Messe- und
Ausstellungs-GmbH bei der Durchführung dieses ehrgeizigen Bauvorhabens
ist in der Tat ein Beispiel für die
jetzt entstehenden Geschäftsbeziehungen und Chancen.
•
Die Furcht vor Wettbewerb und
Protektionismus, vor einer "Festungsmentalität", wird durch die Unsicherheit über derzeitige und noch vor uns
liegende
Veränderungen
ausgelöst.
Vor 25 Jahren hat Präsident Kennedy
in genau dieser Stadt festgestellt:
"Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen, die nur in die
Vergangenheit schauen oder die Gegenwart betrachten, werden die Zukunft
ganz bestimmt verpassen."
Diese Worte haben eine besondere
Bedeutung für all jene, die mit der
Gestaltung des Europas der neunziger
Jahre befaßt sind. Ganz sicher werden diejenigen, die an der heutigen
Grundsteinlegung zu jenem innovativen
Bauvorhaben beteiligt sind, die Zukunft nicht verpassen.
* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

13. Juni 1988

27

DIE AMERIKANISCHE PRÄSENZ IM PERSISCHEN GOLF
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie zum
Engagement der Vereinigten Staaten im Golf, die den Zeitraum der vergangenen
zwei Jahre abdeckt.

1986
12. Mai
Ein amerikanischer Zerstörer verwarnt eine iranische Fregatte bei ihrem offensichtlichen Versuch, das
amerikanische Handelsschiff "President McKinley" im Golf von Oman abzufangen. Dem Verteidigungsministerium
zufolge leisten die Iraner der Aufforderung Folge, "die freie Durchfahrt des Schiffes zu gewährleisten",
und drohen keine Kampfhandlungen an.
16. November
Kuwait
informiert die anderen
Mitglieder des Rates für die Zusammenarbeit im Golf, der sich aus einer
Gruppe arabischer Staaten zusammen-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

setzt, über seine Bestrebungen um internationale Hilfe für seine Schiffe
im Golf. Die Bitte erfolgt nach einem verstärkten Angriff des Iran auf
Schiffe unter kuwaitischer Flagge und
Schiffe auf der Reise von und nach
Kuwait.

1987
13. Januar
Kuwait richtet die Anfrage an die
Botschaft der Vereinigten Staaten, ob
seine Schiffe bei einer Registrierung
unter amerikanischer Flagge unter den
Schutz der US-Navy gestellt würden.
29. Januar

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Präsident Reagan bekräftigt sein
Engagement
für
freien
Öltranport
durch die Straße von Hormus und gestattet Kuwait die Umflaggung seiner
Schiffe, sofern diese amerikanischen
Vorschriften entsprechend ausgerüstet
sind.
6. Februar
Die Vereinigten Staaten bestätigen Kuwait gegenüber, die amerikanische Marine würde alle Schiffe unter amerikanischer Flagge im höchstmöglichen Ausmaß und mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen.
2. März

Iran greift innerhalb von acht
Tagen einen dritten Tanker mit dem
Bestimmungshafen Kuwait an und warnt
Kuwait vor der Inanspruchnahme amerikanischen Schutzes.
17. Mai
Die
amerikanische
Fregatte
"Stark" wird von zwei Raketen eines
irakischen Kampfflugzeuges getroffen.
Dabei werden 37 Besatzungsmitglieder
getötet. Der Irak entschuldigt sich
für das "Versagen des Piloten", aber
Außenminister Shultz erklärt, der
Zwischenfall "demonstriert die Härte
des Krieges zwischen Iran und Irak,
nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für andere Länder".

Eine kuwaitische Reederei ersucht
darum, sechs Handelsschiffe umflaggen
zu dürfen.
7. März
Die Vereinigten Staaten bieten
elf kuwaitischen Tankern Schutz an.
Die Entscheidung zur Umflaggung der
Tanker wird von Präsident Reagan nach
Konsultatonen mit dem Verteidigungsminister, dem Marineminister, dem Nationalen Sicherheitsberater und anderen Regierungsvertretern getroffen.
10. März
Kuwait erklärt, das amerikanische
Angebot zu seinem Schutz annehmen zu
wollen.
4. April
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger verfügt eine stärkere Präsenz der Marine im Golf.

18. Mai
Präsident Reagan beruft eine Zusammenkunft der Planungsgruppe zur
nationalen Sicherheit (NSPG) ein, um
die Gesamtlage im Golf zu überprüfen
und bekräftigt das Engagement der
Vereinigten Staaten zur "Unterstützung der Selbstverteidigung unserer
Freunde im Golf und Gewährleistung
des freien Öltransports in der Straße
von Hormus".
Nach dem Treffen der NSPG veröffentlicht das Weiße Haus eine Erklärung, derzufolge Präsident Reagan für
die amerikanischen Schiffe im Golf
erhöhte Alarmbereitschaft angeordnet
hat. Die Erklärung enthält die Warnung: "Im Zustand erhöhter Alarmbereitschaft werden die Flugzeuge jedes
Landes (Iran und Irak) beschossen,
die sich in offensichtlich feindlicher Absicht nähern, bis sie uns von
ihren Absichten in angemessener Form
in Kenntnis setzen".

14. April
21. Mai
Die Sowjetunion erklärt, Kuwait
drei Tanker zum Öltransport durch den
Persischen Golf überlassen zu wollen
und damit die Möglichkeit zu erhöhen,
daß sowjetische Kriegsschiffe diese
begleiten.

Die
amerikanische
Küstenwache
veröffentlicht eine Entbindung vom
amerikanischen Seerecht, um die zügige Umflaggung kuwaitischer Tanker unter amerikanische Flagge sicherzustellen.

11. Mai
_ 2 -

�29. Juli

16. Juni
Wie aus Berichten des Verteidigungsministeriums an den Kongreß zu
entnehmen ist, operieren amerikanischen Seestreitkräfte, die den Begleitschutz der Handelsschiffe im
Golf sichern, nach extrem verschärften Einsatzrichtlinien. Diese neuen
Bestimmungen sind dem Pentagon zufolge seit dem Angriff auf die "Stark"
in Kraft. Gleichzeitig verlautet aus
Schiffahrtskreisen, daß die Iraner
den Golf verminen.
30. Juni
Präsident Reagan erklärt - unbeeinflußt durch die Einwände des Kongresses - daß die Vereinigten Staaten
weiterhin die Absicht haben, Tankern
im Golf Begleitschutz zu gewähren.
Hochrangige Regierungsvertreter erklären auf einer Pressekonferenz des
Weißen Hauses gegenüber Journalisten,
daß es trotz des erheblichen Risikos
weit risikoreicher ist, nichts zu tun.
1. Juli

Der Regierung zufolge hat das
Verteidigungsministerium
acht
Hubschrauber in den Golf beordert, um
die Minen zu suchen und zu entschärfen.
10. August
Ein
amerikanischer
Supertanker
wird unmittelbar außerhalb des Golfs
von Minen getroffen. Großbritannien
und Frankreich entsenden Minensuchboote und Versorgungsschiffe in die
Region.
20. August
Der Iran bekennt sich zur Verlegung von Minen "zur Verteidigung unseres
Kiistenstreifens".
"Solange
sich ausländische
Streitkräfte im
Golf befinden, ist der Einsatz solcher Mittel zur Blockierung des Zugangs
nur
verständlich",
erklärt
Kamal Kharazi, Sprecher ces iranischen
Obersten
Verteidigungsrats
und Leiter des Kriegsinformationszentrums dieser Behörde.

Berichten zufolge finden amerikanische Einheiten auf den Schiffahrtsrouten im Golf zwölf Minen.
21. Juli
Gemäß dem Abkommen mit den Vereinigten Staaten werden zwei kuwaitische Öltanker umgeflaggt.
Ihre
arabischen Namen werden in "Gas
Prince" und "Bridgeton" geändert.
22. Juli
Die erste Flotte amerikanischer
Kriegsschiffe und umgeflaggter kuwaitischer Öltanker erreicht den Persischen Golf.
24. Juli
Einer
der
von
amerikanischen
Schiffen
eskortierten
kuwaitischen
Tanker, die "Bridgeton", läuft in der
Nähe der Insel Farsi auf eine Mine.

15. September
Drei italienische Minensuchboote
und Unterstützungsschiffe kommen den
amerikanischen, britischen und französischen Schiffen bei der Minenräumung der Gewässer zu Hilfe. Eine Woche später beteiligen sich auch zwei
holländische Minenjagd- und zwei belgische Minensuchboote an der Aktion.
Die europäischen Regierungen erklären, individuell und nicht als Teil
der vereinigten Streitkräfte unter
amerikanischem Kommando operieren zu
wollen.
21. September
Ein amerikanicher Kampfhubschrauber nimmt einen iranischen MLnenleger
im Golf unter Beschuß; Berichten zufolge werden fünf Iraner getötet und
26 gefangengenommen. Das Weiße Haus
erklärt, die in internationalen Ge-

- 3 -

�wässern 80 Kilometer nordöstlich von
Bahrain gelegten Minen bedeuteten eine "Provokation", die "eine unmittelbare Bedrohung" für amerikanische und
andere Schiffe darstelle.
"Die Aktionen der Streitkräfte
der Vereinigten Staaten wurden in
Ausübung unseres Rechts auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen durchgeführt", stellt Präsident Reagan in
einem Brief an die Parteivorsitzenden
im Kongreß fest und fügt hinzu, "Minenverlegen auf hoher See ohne vorherige Benachrichtigung und in einem
Gebiet mit Schiffahrtsbeschränkungen
ist ungesetzlich und bedroht ernsthaft die weltweite öffentliche Ordnung sowie die Sicherheit der internationalen Handelsschiffahrt".
8. Oktober
Amerikanische
Kampfhubschrauber
versenken drei iranische Patrouillenboote, nachdem ein amerikanischer Beobachtungshubschrauber unter Beschuß
genommen wurde.
15. Oktober
Eine vermutlich in China hergestellte iranische Rakete des Typs
Seidenraupe
setzt
einen
amerikanischen Tanker in kuweitischen Gewässern in Brand und verursacht umfangreiche Schäden, es wird jedoch niemand verwundet.
16. Oktober
Ein kuwaitischer Tanker wird von
einer iranischen Rakete des Typs Seidenraupe getroffen.

die Bohrinsel sei für Angriffe auf
die zivile Schiffahrt genutzt worden
und die militärische Reaktion darauf
habe in "der gesetzmäßigen Ausübung
des in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen verankerten Rechts
auf Selbstverteidigung" bestanden.
"Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran", erklärt der Präsident,
"aber die iranische Regierung sollte
sich keine Illusionen über unsere
Entschlossenheit und Fähigkeit machen, unsere Schiffe und unsere Interessen vor nicht provozierten Angriffen zu schützen."
12. Dezember
Amerikanische Streitkräfte retten
28 Menschen von einem Tanker, der von
einem iranischen Schiff in Brand gesetzt wurde.

1988
12. Januar
Verteidigungsminister
Carlucci,
der über seine jüngste Reise in den
Golf Bericht erstattet, stellt in einem Fernsehinterview fest, daß die
Vereinigten Staaten "keineswegs die
Absicht zu einer Änderung ihrer Politik" in der Region haben und fügt
hinzu:
"Die Iraner sind sich der
Tatsache sehr wohl bewußt, daß wir im
Falle eines iranischen Angriffs bereit sind, uns zu verteidigen, daß
wir die Fähigkeit haben, uns zu verteidigen, und daß wir zu einem Vergeltungschlag ausholen werden."
17. Februar

19. Oktober
Als Vergeltung für die einige Tage zuvor erfolgten Angriffe auf die
Tanker
zerstören
amerikanische
Kriegsschiffe eine Bohrinsel vor der
Küste, die Berichten zufolge als
Stützpunkt für iranische Kanonenboote
dient.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärt Präsident Reagan,

Die Vereinigten Staaten verringern die Zahl ihrer Schiffe im Golf
auf 28 Kriegsschiffe.
14. April
Die amerikanische Fregatte "USS
Samuel B. Roberts" läuft in internationalen Gewässern vor der Küste von

�Katar auf eine Mine; 10 Seeleute werden verwundet und das Schiff ernsthaft beschädigt.
In einem Schreiben an die Parteivorsitzenden im Kongreß erklärt Präsident Reagan, die amerikanischen
Streitkräfte blieben im Golf, um
Frieden und Stabilität in der Region
herbeizuführen und seien bereit "alle
erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sich, die Schiffe unter amerikanischer
Flagge sowie amerikanische Menschenleben zu schützen".
18. April
Amerikanische Kriegsschiffe zerstören zwei iranische Bohrinseln, die
vom Iran zu militärischen Zwecken genutzt wurden. Sechs iranische Schiffe werden kampfunfähig gemacht oder
versenkt. Der Angriff erfolgte auf
Anweisung von Präsident Reagan, der
die Parteivorsitzenden
von seiner
Entscheidung in Kenntnis setzte.

und ein zweites getroffen hatten.
Das Passagierflugzeug wurde Irrtümlich für ein F-14-Kampfflugzeug amerikanischer Bauart gehalten. Präsident Reagan und der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe Jr., bringen ihr
tiefes Bedauern über den Zwischenfall
zum Ausdruck.
5. Juli
In einem Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Senatspräsidenten pro tempore, stellt
Präsident Reagan fest, die amerikanische Aktion im Golf sei "im Einklang mit unserem verbrieften Recht
auf Selbstverteidigung" erfolgt. Er
wiederholt, die Vereinigten Staaten
bedauerten den tragischen Verlust an
Menschenleben zutiefst.

29. April
Präsident Reagan erteilt der Marine den Befehl, ihre Rolle im Golf
auszuweiten, um neutralen, nichtkommunistischen
Schiffen
ebensolchen
Schutz zu gewähren wie den Schiffen
unter amerikanischer Flagge.
2. Juli
Ein amerikanisches Kriegsschiff
reagiert auf den Notruf eines dänischen Supertankers, der von iranischen Kanonenbooten im Golf angegriffen wird und gibt einen Warnschuß ab.
3. Juli
Ein iranischer Airbus mit 290
Passagieren stürzt, von einer von der
"USS Vincennes" abgefeuerten Rakete
getroffen, über dem Golf ab. Es gibt
keine überlebenden.
Dem Verteidigungsministerium zufolge ist der Abschuß erfolgt, kurz nachdem ein amerikanischer Hubschrauber beschossen
wurde und amerikanische Kriegsschiffe
ein iranisches Kanonenboot versenkt
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\ o N ^

13. Juli 1988

27

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS ENTSCHEIDUNG FÜR BENTSEN SCHAFFT AUSGEWOGENHEIT
Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen

WASHINGTON - (AD) - Lloyd Miliard Bentsen, Jr., der von Michael Dukakis
als Demokratischer Vizepräsidentschaftskandidat bestimmte 67jährige Millionär
und Senator aus Texas hat das, was Dukakis braucht, um zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt zu werden: starke Anziehungskraft auf die
Wähler in einem wichtigen amerikanischen Bundesstaat.

Texas ist eines der großen Lose,
die bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu ziehen sind. Durch
sein 29 Mitglieder umfassendes Wahlmännergremium - das drittgrößte nach
New York und Kalifornien - wird der
Staat zu einem enorm wichtigen Faktor
bei der Strategie beider Parteien.
Hinzu kommt, daß der mit Ölvorkommen
reich gesegnete südwestliche Bundesstaat eine der Hauptquellen für Wahlkampfspenden ist. Keinem Demokraten
ist es je gelungen, ins Weiße Haus
einzuziehen, ohne den Staat Texas gewonnen zu haben. Dieser Tatsache war
sich Michael Dukakis sicher bewußt,
als er seine Wahl am 12. Juli bekanntgab.
Den beliebten Favoriten texanischer Wähler - Bentsen wurde zu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nächst ins Repräsentantenhaus und
dann in den Senat von Texas gewählt kennzeichnet darüber hinaus die Tatsache, daß er den damaligen republikanischen Kandidaten George Bush bei
einer Wahl schlug. Bentsen überlistete Bush im Jahr 1970, als Bush ihn
bei seinem ersten Anlauf auf das Amt
im Senat herausforderte. Bentsen erreichte seinerzeit 53,3 Prozent der
Stimmen; als er 1976 die Wiederwahl
gegen einen anderen Herausforderer
anstrebte, konnte er das Ergebnis sogar noch auf 56,8 Prozent steigern.
Trotz der Popularität in seinem
Heimatstaat könnten Bentsen noch einige Auseinandersetzungen bevorstehen, wenn er und Bush am 8. November
um die Stimmen der Texaner ringen.
Obwohl Bush - wie auch Dukakis - in

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Telex: 8-85432

�Massachusetts geboren, hat der Vizepräsident den "Lone Star State" zu
seiner Heimat erklärt und im Laufe
der Jahre viel für die dortige Ölindustrie getan.
Meinungsumfragen
zufolge
liegt
Bush in Texas in Führung. Die Umfragen deuten aber auch darauf hin, daß
sich Dukakis Chancen für einen Wahlsieg in dem Staat durch Bentsen verbessert haben. Auf Fragen zu den
Spekulationen, wonach Dukakis den texanischen Senator zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten machen würde,
antwortete Bush kürzlich: "Ich mache
mir deshalb keine Sorgen. Wir können
den Staat gewinnen, auch wenn die
Wahl auf Bentsen fällt."
Bentsen, dessen Wahl nur sechs
Tage vor dem Nominierungsparteitag
der Demokraten in Atlanta angekündigt
wurde, ist für texanische Verhältnisse ein Liberaler. Im Vergleich zu
Dukakis gilt er allerdings als konservativ. Somit gleicht er - neben
anderen Pluspunkten - die Liste der
Demokraten ideologisch aus.
Ein möglicher Nachteil könnte
sich für Bentsen daraus ergeben, daß
er außerhalb der Grenzen von Texas
den amerikanischen Wählern nur wenig
bekannt ist.
Politische Analytiker
neigen dazu, dies herunterzuspielen,
weisen jedoch darauf hin, daß die
Wähler in der Regel für den Hauptkandidaten auf der Liste stimmen, vorausgesetzt, es gibt keine Kontroverse
über den Vizepräsdidentschaftskandidaten.
Die

Partnerschaft

zwischen

Dukakis und Bentsen ruft Erinnerungen
an eine andere Verbindung zwischen
Massachusetts und Texas wach - an
John F. Kennedy
und Lyndon B.
Johnson, die 1960 das Weiße Haus
übernahmen.
Bald
darauf
wurde
Johnson als erster Texaner Präsident
der Vereinigten Staaten.
Der elegant gekleidete, grauhaarige und aristokratisch auftretende
Bentsen gilt als geschickter Politi-

ker. Wie sonst könnte jemand so lange Zeit seiner Karriere im Senat das
amerikanische Unternehmertum fördern
und gleichzeitig den amerikanischen
Gewerkschaften positiv gegenüberstehen? Bentsen hat in den Vereinigten
Staaten auf Gewerkschaftsversammlungen Reden gehalten und ist ein Freund
des Präsidenten der AFL-CIO, Lane
Kirkland. Obwohl er sich zu Gewerkschaftsfragen nicht immer in ihrem
Sinne ausspricht, haben die Gewerkschaftsfunktionäre seine Wahl sofort
gutgeheißen.
Als Sproß einer wohlhabenen Großgrundbesitzerfamilie aus dem Tal des
Rio Grande in Texas wurde Bentsen
1948 im Alter von 27 Jahren in sein
erstes Amt im Repräsentantenhaus in
Washington gewählt. Er hatte seinen
Sitz in drei aufeinanderfolgenden
Amtsperioden inne, stellte sich jedoch nicht zur Wiederwahl, um in der
Privatwirtschaft
tätig
zu werden.
1970 wurde er Präsident einer Holding-Gesellschaft in Houston.
Bentsen hat bereits Erfahrung mit
Präsidentschaftswahlen.
Er
bewarb
sich schon 1976 erfolglos um die Nominierung der Demokraten, fiel aber
dann zu Beginn des Jahres aus dem nationalen Wettbewerb.
Im Jahr 1984
war er als Kandidiat für die Vizepräsidentschaft des Demokraten Walter
Mondale
gegen Ronald Reagan und
George Bush im Gespräch.
über Bentsens Ansichten zur Aussenpolitik ist wenig bekannt. Als
Vorsitzender des Finanzausschusses im
Senat spielte er jedoch eine zentrale
Rolle beim Kampf des Kongresses gegen
Reagan über die Handelsgesetze - ein
Problem, das die Demokraten bei der
Wahl erwartungsgemäß hervorheben werden. Die Demokraten haben versucht,
das Ungleichgewicht im Handel der
Vereinigten Staaten durch die Exportförderung und Vergeltung gegenüber
Ländern mit unfairen Handelspraktiken
abzubauen.
Im Jahr 1986 änderte Bentsen in
letzter Minute seine Haltung, um die

- 2 -

�Reagan-Administration bei ihrem Plan
zum Verkauf von Waffen im Wert von
265 Millionen Dollar nach Saudi-Arabien zu unterstützen. Zu diesem Geschäft gehörten etwa 1 700 Luft-LuftRaketen des Typs Sidewinder und 100
Luft-See-Raketen vom Typ Harpoon.
Bentsen wurde am 11. Februar 1921
in Mission, Texas geboren. Sein Jurastudium schloß er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Texas ab. 1942 trat er in die
Armee ein, wo er es als B-24-Flieger
und Geschwaderkommandant im Einsatz
in Europa bis zum Major brachte. Ihm
wurden die Air Medal und das Distinguished Flying Cross verliehen.
Nach dem Krieg kehrte er nach
Hause zurück und war vor seiner Wahl
in
den
Kongreß
Bezirksrichter.
Bentsen ist verheiratet und hat drei
Kinder.

* * * * * *

-3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. Juli 1988

27

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS WÄHLT BENTSEN ALS KANDIDAT FÜR DIE VIZEPRÄSIDENTSCHAFT
- Senator aus Texas -

BOSTON - (AD) - Michael Dukakis hat Senator Lloyd Bentsen aus Texas als
seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten bestimmt. Diese Entscheidung wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in der Faneuil Hall in Boston an
12. Juli nach einem Vormittag der Spekulationen über die Wahl Bentsens verkündet.
In seiner Ankündigung zog Dukakis
Parallelen
zwischen
einer
Liste
Dukakis-Bentsen
und der KennedyJohnson-Liste des Jahres 1960, die
ebenfalls aus einem Präsidentschaftskandidaten des Staates Massachusetts
und einem Vizepräsidentschaftskandidaten bestand, der Senator des Staates Texas war.
"Jack Kennedy und Lyndon Johnson
schlugen den republikanischen Vizepräsidenten und Bewerber um die Präsidentschaft (Richard Nixon) im Jahr
1960, und Mike Dukakis und Lloyd
Bentsen werden ihn (Bush) im Jahr
1988 schlagen," erklärte Dukakis vor
begeisterten Anhängern.

te

Die Ankündigung von Dukakis führzu erneuten Spekulationen über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mögliche Auswirkungen auf die Unterstützung
von Dukakis
durch die
schwarzen Wähler.
Die Wahl eines
Senators aus einem konservativen SUdstaat könnte einigen Beobachtern zufolge möglicherweise schwarze Wähler
entfremden, die sich durch Jesse
Jacksons Wahlkampf zum Lager der Demokratischen Partei hingezogen fühlten.
Dukakis ist sich der Notwendigkeit wohlbewußt, die Loyalität der
schwarzen Wähler zu gewinnen, die
während der Vorwahlen Jesse Jackson»
Bewerbung um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
unterstützten.
In den letzten Wochen hatte Dukakis
jedoch keinen Hehl aus seiner Verärgerung über die deutlichen Anspielungen Jacksons, wonach dieser Anspruch

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�auf die Nominierung für das Amt des
Vizepräsidenten erhob, sowie über andere Forderungen von Jackson-Anhängern gemacht.

bedeutet eine unmittelbare persönliche Herausforderung für Vizepräsident Bush, als dessen stärkste Basis
im Süden Texas betrachtet wird.

In Washington erklärte Jackson
nach der Dukakis-Ankllndigung, daß er
wahrscheinlich die von der Partei nominierten
Kandidaten
unterstützen
werde. Eine eindeutige Unterstützung
der Dukakis-Bentsen-Liste blieb jedoch aus.

Der 67jährige Bentsen wurde erstmals im Jahr 1970 in den Senat gewählt, als er den damaligen republikanischen
Kandidaten
George
Bush
schlug. Gegenwärtig ist er Vorsitzender des mächtigen Finanzausschusses des Senats. Diese Position hat
ihn zur Schlüsselfigur in den diesjährigen
Auseinandersetzungen
zwischen Kongreß und Präsident Reagan
über die Handelsgesetzgebung gemacht.
Außerdem war er ein Hauptbeteiligter
bei der anstehenden Reform der Sozialgesetze.

"Zweifellos werde ich die Liste
unterstützen, die vom Konvent in der
nächsten Woche aufgestellt wird," erklärte er vor Reportern. "Der richtige Zeitpunkt ist jedoch ein wichtiger Faktor in diesem Prozeß."
"Meine Kampagne wird uneingeschränkt an diesem Prozeß teilnehmen.
Wir werden diesen Prozeß beherzigen
und jedermann dazu auffordern, desgleichen zu tun." Weiter erklärte
er:
"Meine Pläne sind unverändert.
Mein Name wird für die Nominierung
als Präsidentschaftskandidat eingebracht werden."
Jackson lehnte es ab, zu Berichten Stellung zu nehmen, denen zufolge
Dukakis ihn nicht vorher über die
Entscheidung informiert habe, Bentsen
für die Nominierung als Vizepräsidentschaftskandidat
zu
empfehlen.
"Es wäre unangemessen, wenn ich jetzt
dazu Stellung nähme," erklärte er.
Die Art seines Vorgehens war Bestandteil seines Wahlkampfs, und ein strategischer Schachzug, um seine Organisation zu stärken."

Bentsens Vater war ein vermögender Rancher, und Bentsen ist ein
wohlhabender Geschäftsmann mit einem
persönlichen Vermögen von weit über
einer Million Dollar. Meinungsumfragen zufolge ist er unter den amerikanischen Wählern noch nicht sehr bekannt .
Die
Entscheidung
von
Dukakis
stellt praktisch sicher, daß Bentsen
beim Konvent der Demokraten in Atlanta am 21. Juli formell nominiert
werden und er im Herbst gemeinsam mit
Dukakis in den Wahlkampf gegen die
Republikaner ziehen wird.

"Meine
Verpflichtung
besteht
nicht darin, auf seine Strategie zu
reagieren, sondern darin, meine eigene zu bekräftigen, eine progressive
Koalition aufzubauen und die nationalen Prioritäten zu verändern," betonte Jackson.
Die Wahl Bentsens erscheint geeignet, die Unterstützung für Dukakis
unter den konservativen Wählern zu
stärken, insbesondere bei den Wählern
in den Südstaaten.
Dieser Schritt
- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'^r,oN^

Wissenschaft und Technik

13. Juni 1988

27

WARNZEICHEN:

ÖKOLOGISCHE KRISEN

Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen -

WASHINGTON - (AD) - "Hört auf die Delphine!" überschrieb im Spätsommer
vergangenen Jahres die "New York Times" einen Kommentar, in dem beschwörend
auf die Notwendigkeit strafferer und umfassender UmweltSchutzmaßnahmen hingewiesen wurde. Anlaß war ein ungewöhnliches Delphinsterben entlang der Atlantikküste. Im Gegensatz zu anderen Sommern, in denen 17 bis 20 verendeten
Tiere gefunden wurden, schwemmte nun das Meer allein zwischen Virginia und New
Jersey mehr als 200 tote und sterbende Delphine an. Bei vielen lösten sich
Hautpartien ab, Mundhöhle und Rachen waren voller Geschwüre.

Etwa zur gleichen Zeit wurde in
der Chesapeake Bay vor Maryland und
um Long Island vor New York, Connecticut ein katastrophales Fischsterben
beobachtet.
Sommeralgen vermehrten
sich explosionsartig, was man in dieser Form nicht kannte. Auch die Lage
in den Buchten und Flußmündungen sei
angespannt, hieß es weiter. Laichgründe und Aquakulturen seien in Gefahr. Der Fischfang, der zu etwa 70
Prozent in diesem oder jenem Punkt
auf die Mündungsgebiete angewiesen
sei, werde immer stärker beeinträchtigt.
Eine Krankheit unter den Delphinen konnte nicht ausgeschlossen, aber
auch nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Ahnliche Vorfälle hatte
es bereits gegeben: So waren von En-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

de 1979 bis Mitte 1980 allein an den
Küsten der etwas nördlicher gelegenen
Bundesstaaten Massachusetts bis Maine
mehr als 500 Robben infolge einer Influenzavirus-Infektion verendet. Virusinfektionen sind auch die unmittelbare Todesursache bei den fast
2 000 Seehunden, die seit Mitte Mai
dieses Jahres bisher an Nord- und
Ostseeküsten gefunden wurden.
Die ungewöhnliche Krankheitsanfälligkeit der Tiere dürfte allerdings mit einer allgemeinen Schwächung der Abwehrkräfte infolge der
fortschreitenden Vergiftung ihrer Umwelt durch Schadstoffe zusammenhängen. Diese werden als Industrieabfälle verschiedenster Art oder mit
Spillwasser von Schiffen aus "beseitigt", gelangen mit Abwässern und

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Schwemmwasser vom Land über die Flüsse oder als Aerosole über die Atmosphäre ins Meer. Hat die Forschung
schon Schwierigkeiten, dem natürlichen Kreislauf der Stoffe nachzuspüren, so sind ihr die Wirkungsmechanismen und Wirkungsdimensionen der
durch menschliche Aktivitäten freigesetzten und zusätzlich in die Ozeane
eingebrachten Stoffe noch weitgehend
unbekannt.
Sie verändern jedenfalls die Lebensbedingungen der tierischen und
pflanzlichen Organismen bis hin zu
den kleinsten und primitivsten Lebensformen. Heiße Sommer wie die der
letzten Jahre - manche Wissenschaftler sehen darin bereits Vorboten des
gefürchteten "Treibhauseffekts", den
die steigende Menge von Kohlendioxyd
in der unteren Luftschicht vor allem
durch die zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe, der Mengen von
Methan, Stickoxyden und anderen Gasen
bewirkt - tragen zusätzlich zur Störung natürlicher Gleichgewichte bei.
Seit der Verabschiedung des amerikanischen Gesetzes gegen Wasserverschmutzung im Jahr 1972, das Behörden
und Wirtschaft der USA bisher mehr
als 300 Milliarden Dollar kostete,
hat sich zwar der Zustand vieler Binnengewässer merklich verbessert. Inzwischen verfügen auch die meisten
Städte über zweistufige Kläranlagen.
Aber erst seit 1986 kümmert man sich
in einigen KUstenregionen - insbesondere
im
Wassereinzugsgebiet
der
Chesapeake Bay - auch darum, das von
landwirtschaftlich genutzten Flächen
und von Straßen abgeschwemmte Wasser
wegen seines hohen Gehalts an Stickstoff und Phosphaten aus Dünger in
Klärprozesse
einzubeziehen.
Damit
sollen dem Schwemmwasser bis zu 40
Prozent der Chemikalien entzogen und
so die Uberfütterung der Algen mit
Nährstoffen verringert werden. Das
Verfahren ist jedoch recht kostspielig-

Auch "Saurer Regen" schädigt das
Meer

Daß Schwefel- und Stickoxyde aus
Schornsteinen, Autoabgasen und von
Agrarflächen nach komplexen Reaktionen in der Atmosphäre den Säuregehalt
der Niederschläge erhöhen, ist längst
bekannt. Vor allem Wälder und das
Leben in Binnengewässern leiden darunter, die Wasser- und Bodenqualität
verschlechtert sich, Bauwerke werden
zerstört. In einem Anfang Mai 1988
veröffentlichten
Bericht
vertreten
Wissenschafter
des
"Environmental
Defense Fund" (EDF), einer gemeinnützigen Organisatiaon in New York, die
Meinung, daß insbesondere Stickoxyde
im sauren Regen bereits zu 25 Prozent
für Schäden an der Tierwelt in den
KUstengewässern verantwortlich seien.
Sie beeinträchtigten "direkt Ressourcen im Meer, die von Millionen Menschen genutzt werden", und trügen zur
Eutrophie durch Uberdüngung bei.
Bei der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde der EDF-Befund zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen.
Auch die Meinungen der
Wissenschaftler, die Ende Mai bei Anhörungen vor einem US-Kongreßausschuß
zu Wort kamen, waren geteilt. Während die einen rieten, zur Veröffentlichung im Mai 1990 vorgesehene Ergebnisse einschlägiger, im Auftrag
der Regierungen Kanadas, der USA und
der Bundesrepublik Deutschland durchgeführter Studien abzuwarten, hielten
andere das bereits vorliegende Material für ausreichend, um die weitere
Emission von Schadstoffen gesetzlich
einzudämmen. Würde jetzt - so Dr.
James Galloway von der Universität
Virginia - die Emission von Schwefel
erneut um 50 Prozent reduziert, könnten in etwa zehn Jahren viele der
versauerten Süßwasserseen und Flüsse
wieder einen akzeptablen pH-Wert (Parameter für den Säurespiegel) aufweisen.
Demgegenüber
behauptet
George
Hidy vom "Electric Power Research Institute" (Forschungsstelle des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft),
in den Vereinigten Staaten gebe der
Grad der Umweltbelastung durch sauren
Regen keinen Anlaß zu der Vermutung,

�daß menschliche Gesundheit gefährdet
sei oder Umweltkatastrophen vor der
Tür stünden.
Striktere Kontrollen
solle man zugunsten noch gründlicherer Informationen um fünf bis zehn
Jahre aufschieben, weil die sofortige
Einführung neuer Vorschriften der
amerikanischen Wirtschaft in ihrer
schwierigen Wettbewerbssituation eine
unnötig große Belastung aufbürde.

Autoabgase sollen sauberer werden
UmweltschUtzer
fordern
jedoch
dringend eine weitere Senkung zulässiger
Schadstoffkonzentrationen
in
Autoabgasen. Auch die "American Lung
Association" (Gesellschaft für Lungenforschung) setzt sich dafür ein.
Eine unter Leitung von Dr. Michael
Walsh ausgearbeitete Studie besagt,
daß in den meisten amerikanischen
Städten die Luftverschmutzung durch
Abgase die 1970 gesetzlich zugelassenen
Höchstwerte
regelmäßig
überschreite. Zwar lägen heute die Emissionen von Kohlenwasserstoffen und
Kohlenmonoxyd um 96 Prozent, die von
Stickoxyd um 76 Prozent niedriger als
vor 1970. Jedoch müßten, wie in Gesetzesvorschlägen bereits gefordert,
Kohlenwasserstoffe um weitere 47 Prozent und Stickoxyde um weitere 58
Prozent gesenkt werden. Ein Rückgang
der Kohlenmonoxydemission ergäbe sich
dann automatisch.

,
•

Die allgemeine Verbesserung der
Luftqualität sei schon allein deshalb
geringer als erhofft, weil die Verkehrsdichte immer stärker zunehme und
mit jedem Kraftfahrzeug immer mehr
Fahrkilometer
zurückgelegt
würden.
Neuesten Angaben der EPA zufolge wurde zwischen 1976 und 1985 bei Kohlenmonoxyd ein Rückgang um 30 Prozent,
bei Stickoxyd um elf Prozent und bei
bodennahem,
d.h.
troposphärischem
Ozon - dem Hauptbestandteil von Smog
- um zehn Prozent ermittelt. Dieser
Ozon ist unerwünscht und hat eine andere Entstehungsgeschichte als der
stratosphärische Ozon, der z. T. unter der Einwirkung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen abgebaut wird. Bo-

dennaher Ozon ist ein Produkt von Reaktionen freigesetzter Kohlenwasserstoffe mit Stickoxyden in der Atmosphäre, jedoch tragen auch Schadstoffemissionen aus anderen Quellen
in Verbindung mit bestimmten klimatischen Bedingungen zu seiner Anreicherung bei.
Nach Dr. Walsh leben etwa 80 Millionen Amerikaner in Regionen, wo die
Ozonkonzentration fast immer die zulässigen Höchstwerte überschreitet.
An heißen Tagen beeinträchtigt Ozon
selbst bei gesunden Personen die Lungenfunktion, verursacht Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Husten, Asthmaanfälle und führt zu Erkrankungen der
oberen Luftwege. Außerdem gehen die
Verluste der Landwirtschaft durch
Ozon aus Abgasen und Abluft der Industrie in die Milliarden.

Giftanreicherung an Wasseroberflächen
Die hauchdünne Oberflächenschicht
der Meere, Seen, Meeresbuchten und
anderen Gewässern scheint für die Anreicherung von Schadstoffen eine viel
wichtigere Rolle zu spielen als man
bisher annahm. Dies gilt in erster
Linie für Schadstoffe aus der Luft,
aber auch aus Abwässern. Dr. John T.
Hardy, Biologe an der Staatsuniversität Oregon in Corvallis, fand einem
Bericht der
"International Herald
Tribüne" zufolge an Oberflächen toxische Stoffe in Konzentrationen, die
ein Vielfaches, ja bis zum Tausendfachen der Werte betrugen, die nur
wenige Zentimeter darunter im Wasser
gemessen wurden.
Aber
gerade
die
Oberflächenschicht ist ein Ort, wo sich die
mikroskopisch
kleinen
pflanzlichen
und tierischen Organismen sammeln,
von denen für die NahrungsVersorgung
der Menschen wichtige Fischarten und
Schaltiere im Frühstadium leben.
Selbst bei Gewässern, die als "gesund" und sauber gelten, könnten toxische Stoffe in der dünnen obersten
Schicht gefährlich hohe Konzentratio-

- 3 -

�nen erreichen, sagt Hardy. Deshalb
seien dort entnommene Wasserproben
z.B. auch geeignet, jeweilige Trends
von Schadstoffimmissionen, also der
Ablagerung von Luftverunreinigungen,
anzuzeigen.
Physikprofessor Hermann Gucinski
(Maryland) beobachtete bei Studien in
der Chesapeake Bay, daß zwar Wind,
Strömungen oder Tierbewegungen die
Oberflächenschicht aufrissen, diese
sich aber sofort wieder stabilisiere,
sobald z. B. der Wind aufhöre. Die
Fremdstoffe würden infolge der Oberflächenspannung des Wassers und eigener chemischer Eigenschaften in der
dünnen Schicht an der Oberfläche gehalten, ob sie nun aus der Luft kämen
oder aus tieferen Schichten nach oben
transportiert würden. Allerdings sei
die Verweildauer - Stunden, Tage, Wochen - für die einzelnen Komponenten
sehr
unterschiedlich.
Labor- und
Feldexperimente im Puget-Sund, wo die
Erschließung der Ö'lfelder zu größerer
Umweltverschmutzung geführt habe als
ursprünglich vermutet, haben ergeben,
daß die konzentrierte, wenn auch in
ihrer
Zusammensetzung
wechselnde
Giftmixtur der Oberfläche kleinere
Lebewesen töten kann.
Die Anlagerung von Schmutzrändern
(Badewannenrand-Effekt) unter Gezeitenwirkung an der Küste könnte eine
Rolle spielen, wenn z.B. Giftstoffe
in den Sand vordringen.
Womöglich
seien bislang nicht erklärbare bakterielle Infektionen bei Schaltieren,
durch die Population im Bereich des
Puget-Sund und der Chesapeake Bay
stark dezimiert wurden, auf diesem
Weg zustande gekommen.

Metallische Gifte
Indirekt trägt saurer Regen auch
zu der wachsenden Belastung der Umwelt mit Schwermetallen bei.
In
kalkarmen Gebieten z.B. werden diese
in Gewässern mit hohem Säuregrad
leichter aus dem Untergrund gelöst.
Die Hauptquellen der Freisetzung von
Quecksilber, Cadmium, Blei, Nickel,

Zink, Kupfer, Aluminium oder Elemente
wie Selen sind allerdings wiederum
Industrieprozesse,
Heizkraftwerke,
Müll und Kohlenasche. Im Gegensatz
zu vielen organischen Schadstoffen
sind sie jedoch nicht biologisch abbaubar. Sie verbleiben im Ökosystem
und werden in Wasser und Boden, in
Pflanzen und Tieren der gesamten Nahrungskette allmählich auf toxische
Konzentrationen angereichert.
Nach einer in der Zeitschrift
"Nature" (Ausgabe vom 12. Mai 1988)
veröffentlichten
Untersuchung
von
Jerome 0. Nriagu und Jozef M. Pacyna
dürfte in Europa, Nordamerika und
Asien die Süßwasserkontamination mit
Metallen weitaus größer sein als vermutet. In einigen Teilen Japans und
Europas übersteigen die Metallkonzentrationen in Böden bereits die natürlichen Fähigkeiten des Ökosystems zur
Selbstreinigung.
Dank der Einführung strenger Kontrollen über Bleizusätze zu Benzin in
Nordamerika
und
Europa sei, wie
Nriagu feststellte, seit 1975 die Belastung der Luft mit Cadmium, Blei,
Zink
und
Kupfer
zurückgegangen.
Weltweit gesehen besteht aber das
Problem weiter - es verlagert sich
nur von den Industrie- zu den Entwicklungsländern, in denen es keinerlei Kontrollen über Blei- und andere
toxische Metallemissionen gebe.
Robert A. Duce, Atmosphärenphysiker an der Universität von Rhode Island, bestätigt Beobachtungen der
beiden Wissenschaftler aufgrund von
Messungen in abgelegenen Regionen des
Pazifik. Dabei wurden u.a. Metallemissionen Tausende von Kilometern
von ihrer Quelle entfernt aufgespürt.
Nriagu sieht darin Anzeichen für eine
"stumme Epidemie von metallischer Umweltvergiftung" .

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senator aus Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnzeichen: ökologische Krisen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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cimerikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

*

13. Juli 1994

27

t

PRÄSIDENTENBESUCH

"BERLIN IST FREI"
Rede Präsident Clintons vordem Brandenburger
Tor
CLINTON BETRACHTET HANDEL ALS DIE
NATIONEN EINENDE KRAFT
Zukünftige Aufgabe ist Einbindung Mittel- und
Osteuropas

G-7

SCHAFFUNG
VON
ARBEITSPLATZEN
PRIORITÄT BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Rede von Präsident Clinton

EINWANDERUNG

GEBT UNS EURE BESTEN
von Stephen Moore

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�PRASIDENTENBESUCH
13. Juli 1994
ii

BERLIN IST FREI"

Rede Präsident Clintons vor dem Brandenburger Tor
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Juli 1994 von Präsident Clinton im Rahmen seines Staatsbesuchs
in der Bundesrepublik Deutschland vor dem Brandenburger Tor gehaltene Rede im Wortlaut.
Bürger des freien Berlin,
Bürger des vereinten Deutschland,
Herr Bundeskanzler,
Herr Regierender Bürgermeister,
Berliner in der ganzen Welt!
Ich danke Ihnen für die Begrüßung in Ihrer faszinierenden Stadt.
Wir stehen gemeinsam dort, wo das Herz Europas
gespalten wurde - und wir feiern die Einheit.
Wir stehen dort, wo rohe Betonmauern Mutter und
Kind trennten - und wir kommen als eine Familie
zusammen.
Wir stehen dort, wo diejenigen, die ein neues Leben
anstrebten, den Tod fanden - und wir sind von tiefer
Freude über die Erneuerung erfüllt.
Bürger Berlins! Sie haben Ihren langen Kampf
gewonnen. Sie haben bewiesen, daß keine Mauer
auf ewig die gewaltige Kraft der Freiheit einsperren
kann.
Und innerhalb weniger Jahre wird ein amerikanischer Präsident ein Berlin besuchen, das erneut Sitz
Ihrer Regierung ist. Ich verspreche Ihnen heute:
Eine neue amerikanische Botschaft wird in Berlin
stehen.
Vor einem halben Jahrhundert wurde Berlin geteilt,
vor 33 Jahren die Mauer errichtet. In dieser Zeit
lebte die eine Hälfte dieser Stadt eingeschlossen, die
andere Hälfte versklavt. Eine Kraft jedoch hatte
Bestand: Ihr Mut.
Ihr Mut hat sich auf vielerlei Weise gezeigt. Als der
kühne Mut des 17. Juni 1953, als die im Osten
Gefangenen Steine gegen die Panzer der Tyrannei
warfen. Als der stille Mut, mit dem Kinder über die
Mauer gehoben wurden, damit ihre Großeltern auf

AMERIKA DIENST 27

der anderen Seite die zu sehen vermochten, die sie
liebten, aber nicht berühren konnten. Als der innere
Mut, nach den Gedanken zu greifen, die frei machen.
Und als die Zivilcourage vor 5 Jahren, die in den
unerschrockenen Herzen und von Kerzen erleuchteten Straßen Leipzigs begann. Mit ihr verwandelten
Sie Ihren Traum von einem besseren Leben in den
Meißel der Freiheit.
Jetzt müssen Sie, die den Mut hatten, durchzuhalten,
Widerstand zu leisten, die Mauer niederzureißen,
eine neue Zivilcourage finden - den Mut zum Aufbau.
Die Berliner Mauer ist gefallen. Unsere Generation
muß nun entscheiden: Was werden wir an ihrer
Stelle aufbauen?
Heute, da wir hier stehen, können wir die Antwort
sehen. Ein Europa, in dem alle Nationen unabhängig
und demokratisch sind. In dem freie Märkte und
Wohlstand grenzüberschreitend sind. In dem unsere
Sicherheit auf dem Aufbau von Brücken, nicht von
Mauern beruht. In dem all unsere Bürger so weit zu
gehen vermögen, wie es ihnen ihre gottgegebenen
Fähigkeiten erlauben, und ihre Kinder in Frieden und
Hoffnung aufwachsen lassen können.
Die Arbeit an der Freiheit ist nicht leicht. Sie erfordert Disziplin, Verantwortung und einen Glauben, der
stark genug ist, um Fehlschläge und Kritik zu überwinden. Und sie erfordert Wachsamkeit. Hier in
Deutschland, in den Vereinigten Staaten und auf der
ganzen Welt müssen wir denjenigen entgegentreten,
die uns mit flammenden Reden über Rasse, Volk
oder Religion spalten wollen.
Ich rufe besonders die Jugend dieser Nation auf:
Glauben Sie daran, daß Sie in Frieden mit denen
leben können, die anders sind als Sie! Glauben Sie
an Ihre Zukunft! Glauben Sie daran, daß Ihr Handeln
von Bedeutung ist! Fassen Sie den Mut zum Aufbau
- dann werden Sie erfolgreich sein!

Seite 1

�Sie haben Grund, daran zu glauben. Die Zukunft
nimmt bereits Gestalt an in der zunehmenden Zahl
derer, die gemeinsam die Sprache der Demokratie
sprechen, in der wachsenden Wirtschaft Westeuropas, der Vereinigten Staaten und unserer Partner.
Im Fortschritt der Wirtschaftsreform, der Demokratie
und der Freiheit in Ländern, die nicht frei waren. In
der NATO-Partnerschaft für den Frieden, in der 21
Nationen militärisch zusammenarbeiten und sich zur
gegenseitigen Achtung ihrer Grenzen verpflichtet
haben.
Ihnen allen, die Sie nach dieser Zukunft streben,
sage ich: Im Namen der Piloten, die durch ihre
Luftbrücke Berlin retteten, im Namen der Wachen
am Checkpoint Charlie, die den feindlichen Panzern
gegenüberstanden, im Namen der amerikanischen
Truppen, die weiterhin in Europa die Zukunft der

Freiheit sichern werden und im Namen der amerikanischen Präsidenten, die hierher nach Berlin gekommen sind: "Amerika steht an Ihrer Seite - jetzt und
für immer!"
Mein Freund, der Bundeskanzler, und ich taten vor
wenigen Augenblicken, was meinen Vorgängern
verwehrt war - wir schritten durch das Brandenburger
Tor. Seit 200 Jahren ist dieses Tor ein Symbol
seiner Zeit. Es gab Zeiten, da es ein Monument der
Eroberung und ein Turm der Tyrannei war. Doch Sie
- die mutigen Bürger Berlins - haben heute aus dem
Brandenburger Tor wieder das gemacht, was seine
Erbauer im Sinn hatten: ein Tor. Nun können wir
gemeinsam durch dieses Tor gehen, unserem
Schicksal entgegen, einem Europa, das geeint ist.
Geeint im Frieden, geeint in der Freiheit, geeint im
Fortschritt - zum ersten Mal in der Geschichte.
Nichts darf uns aufhalten. Alles ist möglich. Berlin ist
frei.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�PRASIDENTENBESUCH
13. Juli 1994

CLINTON BETRACHTET HANDEL ALS
DIE NATIONEN EINENDE KRAFT
Zukünftige Aufgabe ist Einbindung Mittel- und Osteuropas
BONN - (AD) - Die Vereinigten Staaten und
Deutschland sind sich bewußt, daß im Hinblick auf
das bevorstehende Jahrhundert "Handel ebenso wie
Streitkräfte in zunehmendem Maße die Bande
zwischen Nationen definieren", erklärte Präsident
Clinton am 11. Juli 1994 bei seinem Besuch in der
Bundesrepublik Deutschland.
Im Sommer des Jahres, in dem die russischen und
westlichen Truppen Berlin verlassen werden, wo sie
seit 1945 stationiert sind, äußerte der Präsident auf
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Helmut
Kohl, die gemeinsamen Herausforderungen hätten in
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Nationen
erfolgreich geeint. Jetzt bestehe die Aufgabe in der
Integration der Nationen Mittel- und Osteuropas Teilen der ehemaligen Sowjetunion und des früheren
Warschauer Pakts - in ein Europa, das durch soziale, politische und wirtschaftliche Institutionen geeint
ist.
Präsident Clinton zufolge weiß der Westen aufgrund
seiner Erfahrung bei der Integration "halb Europas"
durch die NATO und "andere Institutionen, die nach
dem Zweiten Weltkrieg für Stabilität sorgten", wie er
vorzugehen hat. Im Mittelpunkt seiner Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl stand dem Präsidenten
zufolge die Integration der anderen Hälfte Europas.
Da "amerikanische und russische Streitkräfte in
Kürze Stützpunkte in Deutschland verlassen würden,
auf denen sie seit 1945 stationiert sind", hätte er mit
dem Bundeskanzler erörtert, "wie wichtig die Ausweitung gemeinsamer Militärübungen mit unseren
Verbündeten im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden ist. Ferner sind wir uns bewußt, daß kurz
vor dem Beginn des 21. Jahrhunderts Handel
ebenso wie Streitkräfte in zunehmendem Maße die
Bande zwischen Nationen definieren."
In der Zeit nach dem Kalten Krieg sei es erforderlich,
so der Präsident, daß die neuen, Ost und West
verbindenden Institutionen, beispielsweise die Part-

AMERIKA DIENST 27

nerschaft für den Frieden, die neue Welthandelsorganisation und die Europäische Union, auf breiterer
Basis aufgebaut werden, um "noch mehr Stabilität" zu
gewährleisten.
Deutschland und die Vereinigten Staaten werden
Präsident Clinton zufolge "der anderen Hälfte Europas" im Bereich der Sicherheit, bei Wirtschaftsreformen und Investitionsanreizen beistehen und "deren
Anspruch auf einen Platz am Tisch freier, befreundeter und gleichgesinnter Nationen geltend machen".
Clinton und Kohl vermieden beide direkte Kommentare zu der anstehenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs darüber, ob eine Teilnahme deutscher
Streitkräfte an friedenssichernden Operationen der
Vereinten Nationen dem Grundgesetz entspricht. Der
amerikanische Präsident erklärte jedoch, er habe
"großes Vertrauen in die umfassenden Ziele und den
Kurs" der deutschen Regierung und die "Unterstützung Deutschlands für ein geeintes Europa, in dem
Deutschland ein gleichberechtigter Partner ist". Er
fügte hinzu: "Alles, was getan werden kann, um
Deutschland in seiner verantwortungsvollen Rolle als
führende Nation zu unterstützen, ist als positiv zu
erachten."
Der Präsident teilte einem Fragesteller mit, die
Beileidsbekundung aus Anlaß des Todes von Kim II
Sung sei "kurz, sachlich und angemessen" gewesen
und wies von Bob Dole, dem Fraktionsvorsitzenden
der Republikanischen Partei im Senat, geäußerte
Kritik zurück. Die bei Aufnahme der hochrangigen
Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und
Nordkorea in Genf abgegebene Erklärung sei "eindeutig im Interesse der Vereinigten Staaten gewesen.
Es ist eine Tatsache, daß wir nach jahrelanger
Isolation und starken Spannungen aufgrund nuklearer
Fragen an dem Tag, an dem Kim II Sung starb,
erneut Gespräche mit den Nordkoreanern aufnahmen."

Seite 1

�Clinton äußerte, die Verschiebung der Genfer Gespräche sei kein Rückschlag, denn es bestehe die
Möglichkeit, die Einfrierung von Pjöngjangs Nuklearprogramm zu überwachen. "Wir wissen, ob sie ihr
Wort halten oder nicht ... Da sie eigenen Angaben
zufolge die Gespräche fortsetzen wollen, bin ich
zuversichtlich." Clinton verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, ein Gipfel zwischen Nord- und Südkorea
werde "so bald wie angemessen" abgehalten; die
Auswahl des Zeitpunkts überließ er jedoch Pjöngjang und Seoul.
Im Hinblick auf Bosnien drängten beide Regierungschefs auf die Annahme der Landkarte für die Aufteilung Bosniens, die von der aus fünf Nationen
bestehenden Kontaktgruppe entworfen wurde. Dem
Präsidenten zufolge muß dem Frieden eine Chance
gegeben werden. "Wir sollten gemeinsam mit
unseren Verbündeten in Europa an der Lösung
dieses Problems arbeiten, und wir stehen kurz
davor."
Ein hochrangiger Regierungsvertreter teilte vor
Journalisten mit, der Präsident habe sich bei seinen
Geprächen mit Kohl und Bundespräsident Herzog
auf die europäische Integration und Osteuropafragen
konzentriert. Insbesondere Herzog befragte den
Präsidenten zu seiner Reise nach Lettland und
Polen, was zeigt, welche Bedeutung Bonn trotz der
historischen Schwierigkeiten der Aufrechterhaltung
guter Beziehungen zu Warschau beimißt.
Bei einem Treffen mit Bundeskanzler Kohl - das nur
eines von mehreren im Verlauf von zwei Tagen war,
einschließlich eines Abendessens im Privathaus des
Bundeskanzlers - sprachen die beiden Politiker 45
Minuten lang unter vier Augen, bevor sie ihre Berater hinzuzogen. In ihren Gesprächen ging es einem
Regierungsvertreter zufolge um die wirtschaftliche
Situation in Europa. Kohl und Clinton stimmten
überein, "daß sich die Lage in Europa verbessert hat
und sich Trends umkehren". Sie erörterten die
Auswirkungen der deutschen Vereinigung, und der
Bundeskanzler wies auf die mit dieser Erfahrung
einhergehenden Schwierigkeiten hin. Auch in diesem
Bereich gehe es wieder bergauf.
Ferner wurden der Abzug der russischen Streitkräfte
aus den baltischen Staaten angesprochen und die in
Neapel erzielten Fortschritte anerkannt, wo Clinton
neue Ideen des estnischen Präsidenten Lennart Meri
an den russischen Präsidenten Jelzin übermittelte.

Einige Fragen seien noch nicht gelöst, und somit
steht in Zweifel, ob die Russen ihrer Verpflichtung
nachkommen werden, ihre Truppen bis zum 31.
August abzuziehen. Clinton erhielt in Neapel von
Jelzin das persönliche Versprechen, mit Meri über die
Rechte pensionierter russischer Offiziere sowie die
Beseitigung nuklearer Altlasten auf einem sowjetischen Ausbildungsstützpunkt zu sprechen.
Bundeskanzler Kohl betonte Präsident Clinton gegenüberdie Entschlossenheit der Bonner Regierung, "die
(neuen) Demokratien in die Europäische Union zu
bringen". Clinton äußerte, er sei sich der Deutschland konfrontierenden Schwierigkeiten durchaus
bewußt.
Die Staatsmänner sprachen die Partnerschaft für den
Frieden und die zukünftige Erweiterung der NATO an
und einigten sich auf "zunehmend enge Kontakte,
während sich die Partnerschaft entwickelt und wir der
endgültigen Erweiterung der NATO entgegensehen".
Anschließend traf der Präsident einzeln mit SPDKanzlerkandidat Rudolf Scharping sowie dem FDPVorsitzenden und Außenminister Klaus Kinkel zusammen.
Auf dem Weg nach Bonn sprach der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Mark Gearan, an
Bord des Flugzeugs des Präsidenten, Air Force One,
die Reaktion des Präsidenten auf Kritik an seiner
Beileidsbekundung für das nordkoreanische Volk aus
Anlaß des Todes von Kim II Sung an. Gearan wies
auf die von beiden Nationen geleistete Arbeit hin, die
zu einem Einfrieren der wichtigsten Elemente von
Pjöngjangs Nuklearprogramm geführt hatte, sowie auf
die Einigung auf hochrangige Gespräche in Genf und
die Anberaumung eines Gipfels zwischen nord- und
südkoreanischen Politikern für Ende dieses Monats.
Ein hochrangiger Regierungsvertreter teilte einer
Gruppe von Reportern an Bord der Air Force One
mit, der amerikanischen Delegation in Genf sei
offiziell mitgeteilt worden, Nordkorea wolle die Gespräche nach der Beerdigung Kims wiederaufnehmen.
Der Regierungsvertreter zog daraus die
Schlußfolgerung, Pjöngjang habe die politische
Entscheidung getroffen, seine vorherige Politik
fortzusetzen. Ihm zufolge hat der Präsident noch
nicht entschieden, ob er an der im Dezember in
Budapest anberaumten KSZE-Gipfelkonferenz der
Regierungschefs teilnehmen wird.

*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

�G-7
13. Juli 1994

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN PRIORITÄT
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht Präsident Clintons ist die Schaffung von Arbeitsplätzen bei dem
bevorstehenden Gipfel der sieben führenden Industrienationen (G-7) die wichtigste Frage.
Vor der Abreise zu dem vom 8. bis 10. Juli 1994 anberaumten Weltwirtschaftsgipfel in Neapel nannte Präsident
Clinton weitere anzusprechende Themen:
Die Notwendigkeit einer neuen globalen Hochtechnologie-Informationsinfrastruktur,
die explosiven Themen Weltbevölkerung .und Umweltkrise,
fortgesetzte Bestrebungen zur Unterstützung Rußlands und der anderen neuen Demokratien beim
Übergang von Kommando- zu freien Marktwirtschaften.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Mein Dank gilt Minister Brown, Botschafter Kantor,
Minister Reich, dem Stellvertretenden Außenminister
Talbott, dem nationalen Sicherheitsberater Lake,
dem nationalen Wirtschaftsberater Bob Rubin,
meinem Sonderberater für öffentliche Angelegenheiten Alexis Herman und vielen anderen, die harte
Arbeit geleistet haben, um diese bevorstehende
Reise zu einem Erfolg werden zu lassen.
Ferner möchte ich die heute anwesenden Mitglieder
des diplomatischen Corps würdigen, sowie die
Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der
Regierung und akademischen Welt - viele Gesichter,
die im nationalen Interesse die Förderung unserer
internationalen Wirtschaftspolitik anstreben.
Es ist angemessen, daß wir uns kurz vor meiner
Abreise zum G-7-Gipfel sowie meinen Besuchen in
Lettland, Polen und Deutschland hier versammeln,
denn vor einem Jahr unterzeichnete ich an diesem
Ort das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(NAFTA). Angesichts der Umstände, unter denen es
debattiert wurde, war das NAFTA mehr als eine
Handelsvereinbarung - es war ein entscheidender
Moment in der modernen Geschichte. Seine Ratifi-

AMERIKA DIENST 27

zierung erfolgte erst nach einer Grundsatzdebatte von
großer Tragweite über die Frage, wie die Vereinigten
Staaten das Zeitalter nach dem Kalten Krieg beginnen sollten.
Sollten wir uns zurückziehen, abwenden und schließlich ein - meiner Ansicht nach - langsames und
stetiges Absinken unseres Lebensstandards hinnehmen oder würden wir statt dessen einen anderen
Weg einschlagen? Würden wir dort, wo die alten
Mauern gefallen waren, neue Mauern bauen oder
begeistert die Herausforderungen einer neuen, im
schnellen Wandel begriffenen Wirtschaft begrüßen?
Unsere Abstimmung über das NAFTA war eine
Antwort auf diese Frage. Wir beschlossen, uns der
Welt zu öffnen. Jetzt ist es an uns, die Welt zu
gestalten, in der wir leben möchten.
Dieser Zeitpunkt in der Geschichte erfordert, daß wir
die rasende, sogar verwirrende Geschwindigkeit des
wirtschaftlichen Wandels meistern und sicherstellen,
daß unser Volk über das Selbstvertrauen und die
Fähigkeiten verfügt, die Früchte einer wachsenden
Weltwirtschaft zu ernten. Das ist das Ziel meiner

Seite 1

�Präsidentschaft.
Und meine heute beginnende
Mission in Europa ist einfach: Arbeitsplätze und eine
Welt des Wohlstands zu schaffen.
Wir befinden uns inmitten einer seltenen Zeit der
Chancen. Wenn unser Volk das Vertrauen, die
Vision und die Klugheit an den Tag legt, diese
Chancen zu ergreifen, können wir eine Zeit der
Erneuerung für Amerika und die übrige Welt gestalten.
Beim G-7-Treffen in Neapel und meinen Besuchen
in Lettland, Polen und Deutschland werden wir nach
Möglichkeiten suchen, Arbeitsplätze zu schaffen und
unsere Arbeitnehmer besser auf sie vorzubereiten,
die Infrastruktur für eine neue Weltwirtschaft zu
schaffen, alle Nationen der Welt einer umweltverträglichen Entwicklung zu verpflichten sowie die
wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische
Integration der neuen Demokratien in die Familie
freier Nationen fortsetzen.
Selbst während wir uns hier treffen und Ansprachen
halten, sind mächtige Kräfte am Werk, die die Welt
erschüttern und umgestalten. Das ist die zentrale
Tatsache unserer Zeit. Es ist an uns, diese Kräfte
zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren,
so daß jeder Mann und jede Frau innerhalb unserer
Reichweite, jeder Junge und jedes Mädchen seine
gottgegebenen Fähigkeiten voll entfalten kann.
Eine globale Wirtschaft, ständige Erneuerung,
sofortige Kommunikation durchziehen unsere Welt
wie ein neuer Fluß und stellen für alle an seinem
Ufer Lebenden gleichzeitig eine Quelle der Kraft und
der Störung dar. Der Kalte Krieg hat eindeutig in
Mittel- und Osteuropa zu einer neuen Geburt der
Freiheit geführt.
Und diese beinhaltet enorme
Chancen.
Die Bürgerkämpfen gegen wechselnde Strömungen,
werden aus ihrer Verankerung losgerissen - und
sehen sich stagnierenden Einkommen, verschlechterten Aussichten auf einen Arbeitsplatz und sozialen
Problemen schwindelerregenden Ausmaßes gegenüber. Andauernde Arbeitslosigkeit ist besonders in
Europa weit verbreitet. Und hier in den Vereinigten
Staaten stagnieren unsere Einkommen noch weitgehend, obwohl wir ein Wirtschaftswachstum zu
verzeichnen haben.
In den Vereinigten Staaten bereiten wir uns auf
diese neue Welt vor, indem wir unseren Haushalt in
Ordnung bringen, unser Defizit drastisch reduzieren
und uns energisch um verbesserten Zugang zu
ausländischen Märkten bemühen.
Wir helfen
unserer arbeitenden Bevölkerung, sich an die
Weltwirtschaft anzupassen und zu prosperieren,

Seite 2

indem wir ein Erziehungssystem von Weltklasse
schaffen, ein besseres System für den Übergang von
der Schule ins Arbeitsleben für die jungen Leute, die
nicht aufs College gehen wollen, größereChancen für
die Collegebesucher und schließlich ein System
lebenslangen Lernens und der Wiederbeschäftigung
für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Und wir müssen auch auf die Bereitstellung einer
Gesundheitsfürsorge für sie hinarbeiten.
Vom ersten Vorschultag bis zum letzten Tag vor der
Pensionierung wird jeder Amerikaner lernen müssen.
Und diese Lektion muß jedem Amerikaner gelehrt
werden - vom ersten Vorschultag über den ersten
Arbeitstag bis zum letzten Tag vor der Pensionierung.
Lebenslanges Lernen ist keine Option. Somit sind
wir verantwortlich dafür, jeden Amerikaner so vorzubereiten, daß er ungeachtet der jeweiligen Wirtschaftslage das Beste aus allem machen kann.
Selbst während wir die Saat der Erneuerung säen,
müssen wir erkennen, daß die Ereignisse auf der
Welt einen Einfluß auf uns zu Hause haben.
Wir benötigen weltweites Wirtschaftswachstum, denn
wenn die Weltmärkte wachsen, schnellen unsere
Exporte in die Höhe, was höherbezahlte Arbeitsplätze
in Amerika bedeutet. Wenn die Arbeitnehmer in
anderen Staaten den Protektionismus befürworten,
bedeutet das einen Wettlauf, bei dem wir alle verlieren werden. Wenn die Nationen Mittel- und
Osteuropas in Chaos oder Autoritarismus zurückfallen, werden legitime Sicherheitserfordernisse einen
noch größeren Teil unseres künftigen Etats beanspruchen.
Unsere Herausforderung ist die Herausforderung aller
entwickelten Nationen. Wir können nur wirksam
handeln, wenn wir gemeinsam vorgehen. Wir begannen damit vor einem Jahr in Tokio beim ersten
G-7-Gipfel meiner Präsidentschaft. Jahrelang unternahm die Gruppe der Sieben weniger, als in ihrer
Macht stand, im vergangenen Jahr jedoch lösten wir
ein Jahrzehnt des Dahintreibens durch eine wirkliche
Verpflichtung zum Handeln ab. Wir brachten die seit
Jahren festgefahrenen Welthandelsgespräche zu
einem Abschluß. Und mit unserer Hilfe kommt die
einst lahmgelegte russische Wirtschaft wieder auf die
Füße. Wir haben alle gezeigt, daß durch die Stück
für Stück und Jahr um Jahr bei diesen G-7-Gipfeln
getroffenen Entscheidungen wirklich etwas bewirkt
werden kann.
Ein Jahrzehnt lang hat unser außer Kontrolle geratenes Haushaltsdefizit uns der Fähigkeit beraubt,
unsere Partner zum Handeln zu drängen. Vielmehr
haben uns jedes Jahr bei diesen Zusammenkünften
unsere Freunde und Verbündeten zum Abbau des
Defizits gedrängt und behauptet, sie könnten unseren

AMERIKA DIENST 27

�Vorschlägen zur Förderung des weltweiten Wirtschaftswachstums kein Gehör schenken. Jetzt
haben wir nicht länger das größte Defizit innerhalb
der G-7, sondern eines der geringsten.
Durch den umfassendsten Abbau des Haushaltsdefizits in unserer Geschichte, einschließlich einer
Ausgabenkürzung in Höhe von 255 Milliarden Dollar,
verfügen wir jetzt über das Ansehen und die Glaubwürdigkeit, zu sprechen und gehört zu werden. Wir
stehen kurz vor der Verabschiedung eines neuen
Haushalts, der - das darf ich vielleicht hinzufügen neue Ausgabenkürzungen enthält, einschließlich
einer ersten Reduzierung der gesamten inländischen
Ausgaben zur freien Verfügung in 25 Jahren, durch
die wir erstmals seit der Amtszeit Harry Trumans als
Präsident der Vereinigten Staaten einen dreijährigen
Defizitabbau in Folge haben.
Jetzt müssen wir diese neugewonnene Stärke dazu
einsetzen, den Bürgern unserer Nation und aller
anderen Nationen das erforderliche Selbstvertrauen
zu geben, um in unsicheren Zeiten prosperieren zu
können. Wir müssen vom Krisenmanagement zur
Wohlstandsplanung übergehen. Mit anderen Worten
müssen wir die Grundlage für die Wirtschaft des 21.
Jahrhunderts legen, in der Wandel an der Tagesordnung ist und die entscheidende Frage lauten wird,
ob der Wandel unser Freund oder unser Feind ist.
Unsere erste Aufgabe ist die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung einer hochqualifizierten Arbeitnehmerschaft zu ihrer Besetzung. Das
scheint auf der Hand zu liegen, aber sehr viele
entwickelte Volkswirtschaften der Welt hatten seit
mehreren Jahren keinen Erfolg bei der Schaffung
von Arbeitsplätzen. In Tokio einigten wir uns auf
eine gemeinsame Strategie zur Konjunkturförderung,
und das Wachstum in den G-7-Staaten beträgt im
Vergleich zum Vorjahr heute das Zweieinhalbfache.
Die Vereinigten Staaten haben diese Konjunkturförderung angetrieben. Da 40 Prozent der Jahreseinnahmen der G-7 auf Amerika entfallen, haben wir
drei Viertel des Wachstums und nahezu 100 Prozent
der neuen Arbeitsplätze geschaffen. Unsere Exporte
nehmen schneller zu als die jeder anderen G-7-Nation. Wir werden alles in unserer Macht Stehende
tun, um diese Bilanz durch die Erweiterung des
Handels weiter zu verbessern.
Als wir im letzten Jahr die siebenjährige Pattsituation
beendeten und den Weg zur Unterzeichnung des
größten je in der Uruguay-Runde des GATT abgeschlossenen Handelspakts ebneten, wußten wir, daß
wir auf dem richtigen Weg waren. Jetzt müssen wir
eine Führungsrolle bei seiner Unterzeichnung übernehmen.

AMERIKA DIENST 27

Diese Handelsabkommen sind gut für unser Land. Ich
möchte nur einen Punkt erwähnen, der während der
Debatte von besonderem Belang war. In diesem
Jahr exportieren wir fünfmal mehr Autos nach Mexiko
als vor einem Jahr.
Wenn Sie die Leistungen des NAFTA mit dem
Potential des GATT vergleichen, erhalten Sie ein
Gefühl für die Bedeutung der Ratifizierung hier in den
Vereinigten Staaten und den anderen Ländern.
GATT bedeutet eine Steuersenkung in den nächsten
Jahrzehnten in Höhe von 744 Milliarden Dollar für die
Industrienationen und eine halbe Million neuer
amerikanischer Arbeitsplätze. Der Kongreß muß das
Abkommen in diesem Jahr verabschieden. Und alle
G-7-Nationen müssen guten Glaubens auf seine
Umsetzung hinarbeiten.
Wir wissen jedoch auch, daß wir noch mehr tun
müssen. Bei der Arbeitsplatzkonferenz im März in
Detroit nahmen zum ersten Mal in der Geschichte die
Finanz- und Arbeitsminister dieser Länder ernsthafte
Gespräche über das wirtschaftliche Wohlergehen der
Arbeitnehmer auf. In allen Industrienationen fordert
der neue Konkurrenzdruck durch sich rasch entwikkelnde Nationen höhere Qualifikationen der Erwerbsbevölkerung bei gleichzeitigem Druck auf die Löhne
dieser Arbeitnehmer.
Wir müssen voneinander lernen. Wir können viel von
dem deutschen System für Auszubildende und dem
Gesundheitswesen lernen, von dem französischen
System der Kinderbetreuung, von der Art und Weise,
in der die Norditaliener bei Forschung und Entwicklung sowie der Vermarktung für mittelständischen
Unternehmen zusammenarbeiten. Von jeder Nation
in der G-7 müssen wir etwas lernen. Jede Nation
spricht diese Qualifikationen an.
Ich habe mit den Japanern darüber gesprochen. Ich
habe mit den Briten darüber gesprochen. Ich habe
mit den Kanadiern darüber gesprochen. Ich war
beeindruckt als ich sah, daß der britische Premierminister eine kleine Plastikkarte bei sich trug, auf der
die Ziele für das britische Bildungswesen bis zum
Jahr 2000 standen. Es klang ziemlich ähnlich wie die
Gesetzesvorlage, die ich vor nur wenigen Wochen
unterzeichnet habe.
Wir wissen, daß wir voneinander lernen können. Wir
wissen, daß die Vereinigten Staaten wegen ihrer
anpassungsfähigen Arbeitnehmer mehr Arbeitsplätze
schaffen konnten. Aber wir wissen auch, daß jede
Nation härter arbeiten muß, um noch mehr Arbeitsplätze hervorzubringen und die Einkommen zu
erhöhen.

Seite 3

�In Neapel werden wir mit dieser gemeinsamen
Tagesordnung auf Fortschritte drängen. Und ich
möchte sagen, daß meines Wissens keine Gruppe
moderner Nationen im gesamten Verlauf der
menschlichen Geschichte je versucht hat, gemeinsam an diesen Problemen zu arbeiten - den Problemen des Durchschnittsbürgers, die hinter den
komplexen Statistiken liegen, die wir jeden Tag in
den Zeitungen lesen.
Unser zweites Ziel in Neapel wird der Aufbau einer
neuen Infrastruktur für diese neue Volkswirtschaft
sein. Im 21. Jahrhundert muß es ein Netzwerk
geben, um die Ideen, Informationen und Investitionen der neuen Volkswirtschaft weiterzuleiten. Dies
erfordert neue Technologien und zweifelsohne den
Aufbau des Superinformationsnetzes, von dem
Vizepräsident Gore stets gesprochen hat.
Wir müssen diese Infrastruktur schaffen und sie zur
Verbesserung der Produktivität nutzen, damit wir
generelles Wachstum im Rahmen der Ressourcen
unseres Planeten erweitern können. Wir werden
diese Pläne in Neapel unterbreiten.
Drittens werden wir die explosiven Themen Weltbevölkerung und Umweltkrise erörtern. In den kommenden Jahren werden Wohlstand und Sicherheit
mehr als je zuvor von Fortschritten beim Umweltschutz und umweltverträglicher Entwicklung abhängen. Wir müssen das Bevölkerungswachstum
stabilisieren, weil Armut sowohl die Ursache als auch
die Wirkung der Bevölkerungsexplosion ist. Ansonsten sehen wir uns mit einer immer größeren Verknappung von Nahrungsmitteln zur Ernährung
künftiger Generationen konfrontiert, einer Verschmutzung der Umwelt, die sie benötigen, um in Frieden
zu leben, statt ihr Lager abzubrechen und nationale
Grenzen zu überschreiten, und einer Einschränkung
der Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen für
die Menschen des 21. Jahrhunderts.
Viertens werden wir weiterhin mit Rußland und den
anderen neuen Demokratien bei dem schwierigen
Übergang von Kommando- zu freien Marktwirtschaften, von repressiven Regimen zu offenen Gesellschaften zusammenarbeiten. Bei Gipfel von Tokio
befand Rußland sich in einer ernsthaften wirtschaftlichen Notlage. Wir haben die internationale Staatengemeinschaft zur Bereitstellung von Nothilfe für
die Reformen aufgerufen. 26 Milliarden Dollar der
zugesagten 43 Milliarden wurden bereits zugewiesen. Die russische Regierung verdient enormes Lob
dafür, daß sie den Weg der Reformen weiterverfolgt
hat, insbesondere in den vergangenen Monaten.
Und langsam aber sicher funktionieren die Reformen.

Seite 4

Heute macht das russische Haushaltsdefizit einen
kleineren Prozentsatz der Einnahmen aus als das
Defizit einiger anderer europäischer Länder. Die
monatliche Inflationsrate Rußlands ist auf einstellige
Zahlen gesunken. Und die Hälfte der russischen
Arbeitnehmer ist jetzt im Privatsektor beschäftigt.
Das Leben in Rußland ist immer noch schwierig, aber
die Menschen haben jetzt eine greifbare Hoffnung.
In Neapel wird Präsident Jelzin zum ersten Mal als
gleichwertiger Partner gemeinsam mit uns an der
Erörterung politischer Themen teilnehmen.
Die G-7 wird darauf hinarbeiten, die Volkswirtschaften
Mittel- und Osteuropas mit Handel und langfristigen
Reformen vollständig in die Weltwirtschaft zu integrieren. Wir wollen, daß diese Nationen auf dem Kurs
von Wirtschaftsreformen und Demokratie bleiben,
denn dies ist der einzig richtige Weg zu Wohlstand
und Frieden. Die Aussicht auf Erneuerung wird
jedoch nur bestehen bleiben, wenn Europa ungeteilt
ist und die jungen Demokratien vollständig in die
Sicherheit und Gesellschaft dieses Kontinents integriert sind. Aus diesem Grund haben wir so hart an
der Schaffung der Partnerschaft für den Frieden im
Rahmen der NATO gearbeitet, um friedliche, der
Respektierung der Grenzen des anderen verpflichtete
Nationen von Vancouver bis Wladiwostok zu verbinden. Sie müssen überzeugt sein, daß diese
schwierige Reise es wert ist.
Aus diesem Grund habe ich die große Ehre, bei
meinem Besuch in Riga als erster amerikanischer
Präsident unabhängigen baltischen Boden zu betreten. Ich werde Warschau besuchen, wo ein freies
Volk wieder zu seinem Recht kommt, wo die polnische Wirtschaft jetzt schnellerwächst als jede andere
Volkswirtschaft in Europa, ein Land, das bestrebt ist,
ein gleichwertiger Partner bei unseren Erwägungen
für die Zukunft zu sein.
Ich werde die Reise in Berlin beenden, der Stadt, in
die unsere Präsidenten seit 50 Jahren Wallfahrten
unternehmen, um unser Engagement für die Freiheit
zu verkündigen. Es wird ein Privileg sein, Sie alle als
erster Präsident zu repräsentieren, der diese Stadt
seit jenem glorreichen Tag besucht, an dem sich die
Deutschen vereinigten, um die Berliner Mauer zu
stürzen. Dort werde ich Zeuge eines stolzen Kapitels
unserer eigenen Geschichte, während die letzte
amerikanische Brigade von Berlin nach Hause
abgezogen wird.
Während die letzten Soldaten aus dem Kampf für die
Freiheit zurückkehren, müssen wir uns erneut die
schwerwiegenden Konsequenzen der Tatsache vor
Augen halten, daß Amerika sich nach dem Ersten
Weltkrieg aus der Welt zurückgezogen hat. Diese
Truppen werden Deutschland und Europa verlassen,

AMERIKA DIENST 27

�weil ihre Mission beendet ist, aber ungefähr 100.000
Soldaten werden stationiert bleiben und im Rahmen
der NATO an der Förderung des Friedens und für
den Schutz des Kontinents arbeiten. Und wir
werden durch unser Engagement für Handel und
politische Integration hier vertreten sein.
Vor einem Monat, als ich unsere Nation in Europa
repräsentierte, war es nur eine Reise in die Vergangenheit zu Ehren der Generation, die im Zweiten
Weltkrieg die Freiheit der Welt rettete. Heute abend
kehre ich in einer anderen Mission nach Europa
zurück - um gemeinsam mit anderen an der Erneuerung der Welt zu arbeiten, die uns die Generation
des Zweiten Weltkriegs hinterlassen hat.
Wir sollten uns vor Augen halten, daß große Unsicherheit die Zukunft verdunkelte, als der Zweite
Weltkrieg gewonnen wurde. Europa und Japan
lagen in Schutt und Asche. Die Völker waren
erschöpft. Die Menschen wußten nicht, was sie
erwarten sollten oder was geschehen würde. Aber
aufgrund der Vision der Menschen, die hier in den
Vereinigten Staaten und bei den anderen Verbündeten unsere Vorfahren waren, wurden neue Institutionen gegründet, der nach dem Ersten Weltkrieg
eingeschlagene Weg wurde aufgegeben und statt
dessen sich der Welt mit Optimismus, Hoffnung und
der Entschlossenheit geöffnet, ihr Funktionieren zu

*

AMERIKA DIENST 27

gewährleisten - nicht nur für die Amerikaner, sondern
auch für unsere Freunde und Verbündeten und in der
Tat auch für unsere ehemaligen Gegner. Es ist
dieser Geist, diese Idee, die uns heute beflügeln
muß.
Seit dem letzten Treffen der G-7 hatten wir in den
Vereinigten Staaten ein gutes Jahr, aber wir sind
noch weit von unserem Ziel entfernt. Wir bewegen
uns einfach auf dem Weg, der uns leiten wird. Und
ich möchte, daß Sie alle wissen, solange ich Präsident bin, werde ich mich weiterhin für diese Dinge
einsetzen - eine integrierte und starke Sicherheitspartnerschaft in Europa, die richtige Art von politischer Partnerschaft und die kontinuierliche Erweiterung unserer Wirtschaftsgrenzen. Ich hoffe, Sie
werden diese Richtung auch in Zukunft unterstützen.
Denken Sie an die Welt, in der die Kinder dieses
Landes in 20, 30, 40 Jahren leben sollen. Es liegt in
unserer Macht, sie zu schaffen, aber wir müssen
heute die richtigen Entscheidungen treffen. Diese
Reise ist ein wichtiger Teil dieser Entscheidungsfindung. Ich hoffe, daß Sie mir alles Gute wünschen
und - noch wichtiger - diese Bestrebungen hier zu
Hause und - wenn Sie können - auf der ganzen Welt
unterstützen.
Ich danke Ihnen und Gott schütze Sie.

* * *

*

Seite 5

�EINWANDERUNG
13. Juli 1994

GEBT UNS EURE BESTEN
von Stephen Moore
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die Auswirkungen der Einwanderung
in die Vereinigten Staaten auf das amerikanische Arbeitsleben. Der Verfasser umreißt die Vorteile der
Einwanderung für die Arbeitswelt und die amerikanische Wirtschaft und vertritt die Ansicht, die Wettbewerbsvorteile der Vereinigten Staaten seien eng mit der fortgesetzten Anziehungskraft des Landes auf hochbegabte
Arbeitnehmer aus anderen Staaten verbunden.
Stephen Moore schreibt Artikel für Insight.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Insight, Stephen Moore, 22. November
1993.

Bei vielen Amerikanern beschwört das Wort "Einwanderung" sofort das Bild armer Mexikaner herauf,
die bei San Diego (Kalifornien) illegal über die
Grenze kommen, um Arbeit zu Niedriglöhnen zu
finden und vielleicht staatliche Sozialleistungen zu
erhalten. Jüngste Meinungsumfragen bestätigen,
daß die Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit
gegenüber der Einwanderung äußerst negativ ist.
Die aus Mittelamerika stammenden Einwanderer
stehen in dem Ruf, Sozialleistungen des Staates zu
mißbrauchen und sich hartnäckig zu weigern,
Englisch zu lernen. Haitianer werden für AIDSÜberträger gehalten, russische Juden für Mafiosi und
Asiaten für internationale Terroristen. Die Medien
bekräftigen diese Klischees, indem sie die Öffentlichkeit mit negativen Beschreibungen von Einwanderern bombardieren.
Die Vorstellung von Einwanderern als müden,
armen, zusammengedrängten Massen ist ebenso
dauerhaft in den Köpfen der Öffentlichkeit verhaftet
wie die unwiderruflich in den Sockel der amerikanischen Freiheitsstatue eingravierten Worte. Das
Gedicht von Emma Lazarus beschreibt jedoch nicht
die Hunderttausenden von Menschen, die sich im
Amerika der neunziger Jahre ein neues Leben
aufbauen. Es wäre angemessener, wenn die Worte
auf dem Sockel der Statue lauteten: "Gebt uns Eure
Besten, Eure Intelligentesten, Energischsten und
Talentiertesten!" Warum? Weil das im wesentlichen
die Menschen beschreibt, die jedes Jahr in die
Vereinigten Staaten einwandern.

AMERIKA DIENST 27

Es könnte der Mühe wert sein herauszufinden, wer
diese Neuankömmlinge sind und welche Auswirkungen sie auf das Leben der alteingesessenen Amerikaner haben.
Wer der Ansicht ist, die Einwanderer seien eine
Belastung für die amerikanische Wirtschaft, war noch
nie im Silicon Valley in Kalifornien. Dort und in
anderen Hochtechnologie-Korridoren stellen die
Einwanderer den Lebensnerv der prosperierendsten
Industrien der Nation dar. Auf praktisch jedem
Gebiet, in dem die Vereinigten Staaten in den achtziger Jahren ihre globale Führungsrolle behaupteten beispielsweise bei Computerdesign und -Software,
der pharmazeutischen Industrie, Biotechnologie,
Elektronik, Supraleitern, Robotern und der Luftfahrtindustrie - arbeiten Einwanderer. In vielerlei Hinsicht
sind diese in starkem Wachstum begriffenen Industrien die moderne Version des amerikanischen
Schmelztiegels in Aktion.
Denken Sie an Intel. Mit Gewinnen von 1,1 Milliarden Dollar im Jahr 1992 ist es eines der am schnellsten wachsenden und produktivsten Unternehmen
der Vereinigten Staaten, in dem Zehntausende
amerikanischer Arbeitnehmer beschäftigt sind. Es
entwickelt ständig bahnbrechende Spitzentechnologien, die die Computerindustrie des 21. Jahrhunderts
definieren werden.
Und all das geschieht großenteils mit dem Talent der
neuesten Einwanderer. Drei Mitglieder des oberen
Management von Intel, darunter der aus Ungarn
stammende geschäftsführende Direktor Andrew S.

Seite 1

�Grove, sind Einwanderer. Einige seiner erfolgreichsten und revolutionärsten Computertechnologien
wurden von Einwanderern entworfen, beispielsweise
der von einem Japaner erfundene Mikroprozessor
8080 (ein mit mehr Kapazität ausgestatteter Computerchip) und der von einem Italiener erfundene fast
leistungslos gesteuerte Transistor auf PolySilikonbasis (FET - die grundlegende Speichereinheit eines
modernen Computerchips). Dick Ward, Manager
des Arbeitnehmer-Informationssystems bei Intel,
erklärt: "Unser gesamtes Unternehmen basiert auf
der Erfindung der nächsten Generation von Computertechnologie. Und hier bei Intel stammt ein Großteil dieser Intellienz von den Einwanderern."
Oder betrachten Sie sich DuPont-Merck Pharmaceutical Co., ein Pharmaunternehmen mit Sitz in Wilmington (Delaware) und einem Umsatz von 800
Millionen Dollar, in dem eigenen Berichten zufolge
viele der vielversprechendsten Produktinnovationen
auf Einwanderer zurückgehen.
Beispielsweise
Losartan, ein blutdrucksenkendes Medikament,
wurde von einem Wissenschaftlerteam entwickelt,
dem zwei Chinesen und ein Litauer angehörten.
Joseph Mollica, der geschäftsführende Direktor von
DuPont-Merck stellt fest, die Kombination so unterschiedlicher Talente führe dazu, "daß man die
Probleme und Chancen aus einem etwas anderen
Blickwinkel sieht".
Intel und DuPont-Merck sind nicht die einzigen
Unternehmen, die auf Einwanderer zurückgreifen.
Robert Kelley Jr., Präsident von SO/CAL/TEN, einer
Vereinigung von nahezu 200 Hochtechnologieunternehmen in Kalifornien, vertritt die Ansicht: "Ohne
den Zustrom der Asiaten in den achtziger Jahren
hätte nicht die unternehmerische Explosion stattgefunden, die wir in Kalifornien beobachten konnten." David N.K. Wang, Abteilungsleiter für weltweite
Geschäftsoperationen bei Applied Materials Inc.,
einem Computertechnologieunternehmen in Kalifornien, fügt hinzu, aufgrund der Einwanderung "ist
Silicon Valley eines der internationalsten Geschäftszentren der Welt".
Wenn man die Einwanderer abzieht, beraubt man
diese Zentren der Talente, auf deren Grundlage sie
operieren. Amerikas internationale Wettbewerbsfähigkeit könnte leiden, wenn keine Einwanderer
mehr ins Land kämen.
Neue Forschungsstudien haben den Beitrag der
Einwanderer zur amerikanischen Industrie quantitativ
erfaßt. Der angesehene nationale Forschungsrat
berichtete 1988, "ein großer Teil des technologischen Outputs der Vereinigten Staaten hängt von
ausländischem Talent ab, und diese Abhängigkeit
wächst". Der Bericht stellt fest, daß mehr als die

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Hälfte aller an amerikanischen Universitäten promovierenden Forscher und jeder dritte in den Vereinigten Staaten arbeitende Ingenieur zugewandert ist und
betont: "Es ist offensichtlich,... daß diese außerhalb
der Vereinigten Staaten geborenen Ingenieure unsere
Kultur bereichern und substantielle Beiträge zum
wirtschaftlichen Wohlergehen und der Konkurrenzfähigkeit der Vereinigten Staaten leisten."
Der Wettbewerbsvorteil der Vereinigten Staaten ist
eng mit der fortgesetzten Fähigkeit des Landes
verbunden, hochbegabte Arbeitnehmer aus anderen
Ländern anzuziehen und zu behalten. Eine Studie
der nationalen Stiftung für Wissenschaft aus dem
Jahr 1990 besagt: "Äußerst signifikante, positive
Aspekte werden durch die Präsenz von im Ausland
geborenen Ingenieuren in unserer Gesellschaft
vermittelt."
Beispielsweise wurde die Supraleitfähigkeit, eine
Technologie, die im kommenden Jahrhundert zu
Hunderten neuer, entscheidender kommerzieller
Anwendungen führen wird, von Paul C.W. Chu,
einem Physiker an der University of Houston (Texas)
entdeckt. Er ist gebürtiger Chinese und wanderte
1972 in die Vereinigten Staaten ein. Sein brillianter
Verstand und seine Erfindungsgabe machen ihn zu
einem der aussichtsreichsten Kandidaten für den
Nobelpreis. Sollte ihm dieser verliehen werden, wird
Chu der langen Liste von Nobelpreisträgern angehören, die in die Vereinigten Staaten einwanderten. Im
20. Jahrhundert waren zwischen 20 und 50 Prozent
der Nobelpreisträger - abhängig vom jeweiligen
Wissenschaftszweig - Einwanderer. Heute leben
mehr russische Nobelpreisträger in den Vereinigten
Staaten als in Rußland.
Meinungsumfragen belegen beständig die Befürchtung, Einwanderer würden den amerikanischen
Arbeitnehmern ihren Arbeitsplatz wegnehmen. Diese
Angst ist verständlich, aber unbegründet. Die Einwanderer besetzen nicht nur Arbeitsplätze, sondern
schaffen diese auch. Ein Weg dazu sind Unternehmensgründungen. Heute sind viele Einwanderer,
selbst die mit relativ niedrigen Qualifikationen, als
Unternehmer tätig.
Nehmen Sie beispielsweise die Koreaner.
Den
Soziologen Alendro Portes und Rüben Rumbaut
zufolge gibt es "in Los Angeles dreimal soviel beruflich selbständige Koreaner wie unter der Gesamtbevölkerung. Lebensmittelgeschäfte, Restaurants,
Tankstellen, Spirituosenläden und Immobilienbüros
sind typisch koreanische Unternehmen."
Auch die Kubaner sind erfinderisch bei der Eröffnung
neuer Geschäfte. Die Anzahl kubanischer Unternehmen in Miami (Florida) hat sich von 919 im Jahr

AMERIKA DIENST 27

�1967 auf 8.000 im Jahr 1976 und 28.000 im Jahr
1990 erhöht.
Auf dem Jefferson Boulevard in Dallas (Texas) sind
über 800 Geschäfte angesiedelt, von denen drei
Viertel hispanischen Einwanderern der ersten oder
zweiten Generation gehören. Noch vor zehn Jahren,
vor dem Zustrom der Mexikaner und anderen Einwanderer aus Mittelamerika war die Nachbarschaft
im Verfall begriffen, und viele leere Läden hatten
Schilder "zu verkaufen" im Schaufenster. Heute ist
es eine blühende ethnische Nachbarschaft.

Überraschenderweise sind selbst die illegalen Einwanderer nicht die ärmsten und am wenigsten
qualifizierten aus ihrem Heimatland. Statistiken über
illegale Einwanderer aus Mexiko zeigen, daß nur rund
fünf Prozent in Mexiko arbeitslos waren, wohingegen
die durchschnittliche Arbeitslosenquote in diesem
Land ungefähr dreimal höher war, und ein relativ
hoher Prozentsatz dieser Einwanderer in Mexiko als
Angestellte tätig gewesen waren. Darüber hinaus
ergab sich in diesen Studien, daß etwa zehn Prozent
der illegalen Einwanderer aus Mexiko Analphabeten
sind, in Mexiko selbst jedoch 22 Prozent.

Es überrascht nicht allzusehr, daß Einwanderer sehr
viel eher als der Durchschnittsamerikaner das
unternehmerische Risiko eingehen.
Schließlich
erfordern die Entwurzelung, der Aufbruch in eine

Der vielleicht größte Aktivposten der Einwanderer
sind ihre Kinder, die in den Vereinigten Staaten im
allgemeinen bemerkenswert erfolgreich sind. Vor
kurzem berichtete Boston, daß unglaublicherweise 13
von insgesamt 17 Absolventen der weiterführenden
Schulen der Stadt im Ausland geboren waren - in
China, Vietnam, Portugal, El Salvador, Frankreich,
Italien, Jamaica und der ehemaligen Tschechoslowakei. Viele sprachen bei ihrer Ankunft kein Wort
Englisch. Öffentliche High Schools in Washington,
Chicago und Los Angeles verweisen ebenfalls auf die
bemerkenswert überproportionale Zahl von Eingewanderten unter den Spitzenschülern. Entsprechend
berichtet Westinghouse, daß in den vergangenen 12
Jahren ungefähr ein Drittel der Gewinner der renommierten nationalen wissenschaftlichen Talentsuche
Asiaten waren. Aus dieser Gruppe könnte der

fremde Kultur und der Erfolg mehr als das normale

nächste Albert Einstein Amerikas hervorgehen, der

Maß an Mut, Ehrgeiz, Eigeninitiative und selbst
Tapferkeit. In der Tat ist es zum Teil der Selbstauswahlprozeß, der Einwanderer so besonders bevorzugt macht. Einwanderer sind nicht nur Menschen sie sind eine besondere Gruppe von Menschen.
Durch ihre Einreise vermitteln sie dem Rest von uns
produktive Energien.

selbst ein Einwanderer war.

Natürlich werden nur wenige Geschäfte von Einwanderern zu Unternehmen wie Intel. In der Tat
scheitern die meisten völlig. Wie die Mehrzahl der
neuen Unternehmen in Amerika sind die der Einwanderer vorwiegend klein und nicht unbedingt
profitabel. In dem Unternehmen eines Einwanderers
sind durchschnittlich zwei bis vier Angestellte beschäftigt und der Jahresumsatz beträgt ungefähr
200.000 Dollar. Solche mittelständischen Unternehmen sind jedoch eine maßgebliche Quelle für
Arbeitsplätze, wie Präsident Clinton immer wieder zu
Recht betont.

Das ist nicht nur Romantizismus, sondern tatsächlich
gut fundiert. Zahllose Studien haben belegt, daß
Einwanderer in die Vereinigten Staaten für gewöhnlich höher qualifiziert, besser ausgebildet und wohlhabender sind als der Durchschnittsbürger ihres
Heimatlandes.
Thomas Sowell, Wirtschaftswissenschaftler und
Senior Fellow an der Hoover Institution in Stanford
(Kalifornien) berichtet in seiner Seminarstudie über
Einwanderung, Ethnic America, daß schwarze
Einwanderer aus den West Indies über sehr viel
höhere Qualifikationen verfügen als ihre Landsleute
zu Hause. Er gelangt ferner zu der Schlußfolgerung,
daß die Einkommen dieser Einwanderer höher sind
als die von angestammten Bewohnern der West
Indies, schwarzen Amerikanern und gebürtigen
Amerikanern weißer Hautfarbe.

AMERIKA DIENST 27

Ein verdeckter Preis für die Einschränkung der
Einwanderung ist der Verlust der talentierten und
motivierten Kinder von Einwanderern.
Im letzten Jahrhundert haben die Vereinigten Staaten
rund 50 Millionen Einwanderer aufgenommen. Dies
war eine der größten Migrationen in der Weltgeschichte. Trotz dieses Zustroms von Menschen nein, wegen dieses Zustroms - wurden die Vereinigten Staaten Mitte des 20. Jahrhunderts die
wohlhabendste Nation der Welt. Die Reallöhne in
Amerika haben sich in diesem Zeitraum mehr als
verachtfacht. Die amerikanische Wirtschaft beschäftigte im Jahr 1900 weniger als 40 Millionen Menschen, heute sind es nahezu 120 Millionen. Der
amerikanische Arbeitsmarkt hatte in den achtziger
Jahren nicht das geringste Problem zu expandieren
und die acht Millionen legalen Einwanderer aufzunehmen.
18 Millionen Arbeitsplätze wurden
geschaffen.
Aber was ist mit diesen erschreckenden Schlagzeilen? "Einwanderung führt zum Bankrott der Nation."
"Einwanderer verdrängen amerikanische Arbeitneh-

Seite 3

�mer." "Amerikanisches Sozialwesen verlockt Ausländer."
Hier sind die Fakten. Eine 1990 durchgeführte
Umfrage ergab, daß rund sechs Prozent der gebürtigen Amerikaner im Vergleich zu sieben Prozent der
im Ausland geborenen auf öffentliche Unterstützung
angewiesen sind und weniger als fünf Prozent der
illegalen Einwanderer Sozialhilfe erhalten. Da die
Einwanderer für gewöhnlich in die Vereinigten Staaten kommen, wenn sie jung sind und arbeiten,
zahlen sie dem Wirtschaftswissenschaftler Julian
Simon von der University of Maryland zufolge im
Laufe ihres Lebens durchschnittlich rund 20.000
Dollar mehr an Steuern als sie an Dienstleistungen
in Anspruch nehmen. Angesichts von einer Million
Einwanderern pro Jahr erhält der Staat ungefähr 20
Milliarden Dollar. Statt einer finanziellen Last sind
Einwanderer vielmehr ein riesiger Profit.
Einwanderer schädigen auch nicht den amerikanischen Arbeitsmarkt. Eine vom Arbeitsministerium
1989 durchgeführte umfassende Studie gelangte zu

folgendem Schluß: "Weder amerikanische Arbeitnehmer noch die meisten einer Minorität angehörigen
Arbeitnehmer scheinen durch Einwanderung negativ
betroffen zu sein - insbesondere während der Perioden wirtschaftlicher Expansion." In den achtziger
Jahren verzeichneten die führenden, Einwanderer
aufnehmenden Bundesstaaten - darunter Kalifornien,
Florida, Massachusetts und Texas - der Alexis de
Tocqueville Institution in Arlington (Virginia) zufolge
Arbeitslosenzahlen, die zwei Prozentpunkte unter
dem amerikanischen Durchschnitt lagen.
Kurz vor seinem Tod schrieb Winston Churchill: "Die
Imperien der Zukunft sind die Imperien des Geistes."
Amerika ist mit einer der größten Chancen in der
Weltgeschichte konfrontiert, diese Imperien aufzubauen, indem hochqualifizierte, gut ausgebildete
und von Unternehmergeist beseelte Menschen aus
der ganzen Welt angezogen werden. Mit der Verfolgung einer liberalen und strategischen Einwanderungspolitik können die Vereinigten Staaten sicherstellen, daß das 21. Jahrhundert ebenso wie das 20.
das Amerikanische Jahrhundert wird.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 27

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                <text>&lt;strong&gt;1. Präsidentenbesuch&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Berlin ist frei" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Clintons vor dem Brandenburger Tor&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton betrachtet Handel als die Nationen einende Kraft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zukünftige Aufgabe ist Einbindung Mittel- und Osteuropas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schaffung von Arbeitsplätzen Priorität beim Weltwirtschaftsgipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gebt uns eure Besten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen Moore&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

13.

]6

August 1975

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des amerikanischen Präsidenten vor der KSZE in Helsinki
-Wortlaut-

INF0RMATI0N:
USA zeigen neue Wege im Seerecht und im Weltraumrecht auf
-Rede Kissingers in Montreal am 11. August -

WIRTSCHAFT:
David Rockefeller: Internationale Regeln für Auslandsinvestitionen
—Interview mit dem Präsidenten der Chase-Manhattan Bank-

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

Postfach 300

Telex:

08-85432

16/1975
REDE DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN VOR DER KSZE IN HELSINKI
- Wortlaut HELSINKI — ( A D ) - - Präsident Ford hat am 1. August 1975 auf der Abschlußsitzung
der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in der
Finlandia-Halle eine Rede gehalten, in der er die Bedeutung der Konferenz für
die Menschenrechte hervorhob und betonte, daß die Ergebnisse der KSZE für Berlin ebenso gelten wie für ganz Europa.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender, sehr verehre Kollegen!
Darf ich damit beginnen, daß ich den Regierungen Finnlands und der Schweiz
die so ausgezeichnete Gastgeber für die verschiedenen Phasen der Konferenz waren, für ihre Leistung und Gastfreundschaft meine Dankbarkeit und die meiner
Kollegen zum Ausdruck bringe.
Vor allem Ihnen, Herr Präsident Kekkonen, möchte ich im Namen der 214
Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten dem Volke der Republik Finnland
eine. Bekräftigung der Zuneigung und Bewunderung übermitteln, die alle meine
Landsleute für ihr tapferes und schönes Land empfinden.
Wir sind durch das stärkste Band verbunden, das es gibt, unsere glühende
Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit, die keine andere Heimat hat als das
Herz des Menschen. Sie ist ein so dauerhaftes Gefühl wie der Granitfelsen, auf
dem diese Stadt ruht, und so bewegend wie die Musik von Sibelius. Unser, wenn
auch

nur kurzer, Besuch hier hat uns nur eine noch höhere Wertschätzung des

�&gt;

des Stolzes, des Fleißes und der Freundlichkeit vermittelt, die Amerikaner
immer mit dem finnischen Volk verbinden.
Die hier versammelten Nationen haben dreißig Jahre lang in Europa allgemein Frieden gehalten. Aber zu oft sind wir nur mit knapper Not einem Konflikt
entronnen. Und so bleibt bis zum heutigen Tag die dringende Frage, wie wir
einen gerechten und dauerhaften Frieden für alle Völker aufbauen können. Ich
bin nicht über den Atlantik gekommen, um zu sagen, was wir alle schon wissen
- daß Nationen heute über die Fähigkeit verfügen, die Zivilisation zu vernichten, und daß daher das oberste Ziel all unserer Außenpolitik sein muß, einen
thermonuklearen Krieg zu verhindern. Ich bin auch nicht gekommen, um über die
harten Realitäten der anhaltenden ideologischen Differenzen, politischen Rivalitäten und des militärischen Wettstreits zu sprechen, die unter uns herrschen.
Ich bin nach Helsinki gekommen als Sprecher einer Nation, deren Vision
immer in die Zukunft gerichtet war, deren Menschen immer gefordert haben, daß
die Zukunft heller sei als die Vergangenheit, und deren vereinter Wille und
vereinte Zielsetzung in dieser Stunde darauf gerichtet sind, geduldig an der
Förderung von Frieden und Fortschritt nicht nur für uns selbst, sondern für
die ganze Menschheit zu arbeiten.
Ich bin hier, um meinen Kollegen einfach zu sagen:
Wir schulden es unseren Kindern, den Kindern aller Kontinente, daß wir
keine Gelegenheit verpassen, nicht eine Minute vertun, uns nichts ersparen
oder anderen erlauben, sich vor der monumentalen Aufgabe des Aufbaus einer
besseren und sichereren Welt zu drücken.
...

Das amerikanische Volk weiß ebenso wie die Völker Europas, daß bloße Bekundungen des guten Willens, vorübergehende Änderungen der politischen Stimmung von Regierungen und begrüßenswerte Grundsatzerklärungen nicht genug
sind. Wenn wir jedoch mit Sorgfalt und mit dem Willen zu realem Fortschritt
an die Aufgabe n^hon, dann besteht heute die Chance, die Hoffnungen unserer
Völkern zu verwirklichen.
In den letzten Jahren haben hier versammelte Länder versucht, potentielle
Konflikte abzubauen. Es bleibt uns jedoch noch sehr viel mehr zu tun, bevor
wir uns gratulieren dürfen.
Der

&gt;
^

�Der militärische Wettstreit mußt unter Kontrolle gebracht werden.
Der politische Wettstreit muß eingedämmt werden.
Kriser. dürfen nicht um einseitiger Vorteile willen, die uns erneut an
den Rand des Krieges bringen könnten, manipuliert oder ausgenutzt werden.
Der Prozeß der Verhandlung muß weitergeführt werden, nicht im Schneckentempo, sondern mit deutlichem Enthusiasmus und sichtbarem Fortschritt.
Nirgends sind die Aufgaben und die Möglichkeiten größer und deutlicher erkennbar als in Europa. Darum hat uns diese Konferenz hier alle zusammengeführt.
Ein Konflikt in Europa erschüttert die Welt. Zweimal in diesem Jahrhundert
hab°n wir teuer für diese Lehre bezahlt, und wir sind mehrmals dem Unheil
gefährlich nahe gekommen. Wir dürfen die Tragödie und den Terror jener Zeiten
nicht vergessen.
Frieden ist kein Stück Papier.
Dauerhafter Frieden ist heute zumindest möglich, weil wir aus den Erfahrungen der letzten 30 Jahre gelernt haben, daß Frieden ein Prozeß ist, der gegenseitige 7urückhaltr ' und praktische Vereinbarungen erfordert.
Diese Konferenz hier ist Teil dieses Prozesses - eine Aufgabe, kein Abschluß. Wir stehen vor unaelösten Problemen der militärischen Sicherheit in
Europa, und wir stehe

mit echt unterschiedlichen Werten und Zielsetzungen vor

ihnen. Wenn wir jedoch mit sorgfältiger Vorbereitung an diese Probleme herangehen, wenn wir uns auf konkrete Fragen konzentrieren, und wenn wir den Schwung
nach vorne bewahren, dann haben wir das Recht, reale Fortschritte zu erwarten.
Die Ära der Konfrontation, die Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges
gespalten hat, dürfte jetzt zu Ende gehen. Es herrscht eine neue Vorstellung,
eine gemeinsame Vorstellung, von einem Wandel zum besseren, weg von der Konfrontation und hin zu neuen Möglichkeiten einer sicheren und beiderseits vorteilhaften Zusammenarbeit. Das ist das, was wir alle hier sagen. Ich begrüße und
teile diese Hoffnungen für die Zukunft.
Die
- 3 -

�Die Nachkriegspolitik der Vereinigten Staaten ist Immer auf den Wiederaufbau Europas und die Neug burt der historischen Identität Europas ausgerichtet gewesen. Die Völker des Westens haben in ganz Europa für Frieden und
Fortschritt zusammengearbeitet. Von Anfang an haben wir die Initiativ« ergriffen, indem wir klare Ziele und Gebiete der Verhandlung abgesteckt naben.
Wir haben eine truktur der europäischen Beziehungen angestrebt, in der
Rivalität durch Zurückhaltung gedämpft wird, Macht durch Mäßigung, und die
traditionellen Bande gefestigt werden, die uns mit unseren alten Freunden verbinden, und neue Bande mit früheren und potentiellen Gegnern geschmiedet werden.
In den letzten Jahren sind einige wesentliche Erfolge erzielt worden.
Wir haben hier das Viermächte-Abkommen über Berlin von 1971 als Beendigung
einer ewigen Krise,die die Welt mindestens dreimal an den Rand des Abgrunds
gebracht hat.
Die Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Staaten Ost- i
europas und die damit zusammenhängenden innerdeutsche: Abkommen lassen Mitteleuropa und die Welt freier atmen.
't*
Der Beginn der Ost-West-Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Verringerungen der Streitkräfte ließ die Entschlossenheit erkennen, die Probleme der militärischen Sicherheit des Kontinents anzupacken.
Der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1972
über die Begrenzung der ABM-Systeme und das Interimsabkommen über die Begrenzung strategischer Offensivwaffen stellten die ersten Durchbrüche in einer
Entwicklunc dar, die sich als anhaltender, langfristiger Prozeß der Begrenzung
der strategischen Nukleararsenale vollziehen muß.
Ich hoffe zutiefst daß diese Konferenz weitere praktische und konkrete Ergebnisse zeitigen helfen wird. Sie bietet eine willkommene Gelegenheit, den
Kreis jener Länder zu erweitern, die in einem Abbau der Spannungen zwischen
Ost und West engagiert sind. Die Beteiligung an der Arbeit der Entspannung und
die Teilhabe an den Segnungen der Entspannung müssen jedermanns Angelegenheit
- 4-

�Angelegenheit sein - in Europa und anderswo. Aber Entspannung kann nur Erfolg
haben, wenn jeder begreift, was Entspannung tatsächlich ist.
Erstens, Entspannung ist ein evolutionärer Prozeß, kein statischer Zustand. Viele große Herausforderungen bleiben noch bestehen.
Zweitens, der Erfolg des Entspannungspiozesses hängt von neuen Verr*!tensweisen ab, die all unseren feierlichen Deklarationen Leben verleihen. Die
Ziele, die wir heute proklamieren,werden der Maßstab sein, an dem unser künftiges Handeln gemessen wird.
Die Völker ganz Europas, und ich darf Ihnen versichern, auch die Völker
Nordamerikas, sind es gründlich leid, daß ihre Hoffnungen durch leere Worte und
unerfüllte Versprechungen immer wieder erst gehoben und dann zunichte r^-~- t.
werden. Wir sollten lieber sagen, was wir denken, und auch wirklich denken, was
wir sagen, sonst wird die Antwort der Zorn unserer Bürger sein.
Wenn wir auch keine Wunder erwarten dürfen

so können und dürfen wir doch

einen stetigen Fortschritt erwarten, der schrittweise kommt - in Schritten,die
miteinander zusammenhängen und die auf den verschiedenen Gebieten unserer Beziehungen unsere Taten mit unseren Worten verbinden.
Und schließlich müssen wir die Tatsache der beiderseitigen Verpflichte g
anerkennen. Ich habe schon oft gesagt, Entspannung muß eine zweigleisige Angelegenheit sein. Spannungen können nicht von einer Seite aus allein abgebaut
werden. Beide Seiten müssen die Entspannung wollen und an ihrer Erreichung arbeiten.
Diese außergewöhnliche Versammlung hier in Helsinki zeigt, daß für all
unsere Völker die Zukunft Europas und eine bessere und friedlichere Welt ein
gemeinsames Anliegen sind. Aber was beweist sie noch? Wie sollen wir die Ergebnisse bewerten?
Unsere Delegationen haben lange und hart gearbeitet, um Dokumente hervorzubringen, die noble und preiswürdige politische Grundsätze neu formulieren.
Sie legen die Richtlinien für nationales Verhalten und internationale Zusammenarbeit dar.
Wenn
- 5

�Wenn diese mehr sein sollen als das jüngste Kapitel in einer langen und
traurigen Geschichte unerfüllter Erklärungen, dann sollte jeder Unterzeichner
wissen, daß jeder Beteiligte mit Hingabe daran arbeiten muß, daß diese Richtlinien verwirklicht werden.
Diese Dokumente, die wir unterzeichnen, stellen einen weiteren Schritt
dar - ob es ein großer oder ein kleiner Schritt ist, wird die Geschichte zeigen - in dem Prozeß der Entspannung und der Versöhnung in Europa. Unsere Völker werden unseren Fortschritt wachsam beobachten und messen. Sie werden fragen, wie diese noblen Gefühle in

Handlungen umgewandelt werden, die eine siche-

rere und gerechtere Ordnung im täglichen Leben eines jeden unserer Völker und
unserer Bürger brinyen.
Die hier zustandegebrachten Dokumente stellen Kompromisse dar - wie bei
allen internationalen Verhandlungen - aber die Grundsätze, auf die wir uns
geeinigt haben, sind mehr als nur der kleinste gemeinsame Nenner der Regierungspositionen.
- Sie bekräftigen die fundamentalsten Menschenrechte: Gedankenfreiheit,
Gewissens-und Glaubensfreiheit, die Ausübung bürgerlicher und politischer Rechte, die Rechte von Minderheiten.
- Sie fordern einen freieren Fluß von Informationen, Ideen und Menschen,
größeren Spielraum für die Presse, Kultur-und Bildungsaustausch, Familienzusammenführung, das Recht zu reisen und das Recht der Heirat zwischen Angehörigen
verschiedener Staaten und den Schutz des kostbaren Erbes unserer verschiedenen
Kulturen.
- Sie bieten weite Gebiete der Zusammenarbeit: in Handel und Industrieproduktion, Wissenschaft und Technologie, Gesundheitswesen, Raumfahrt und
Ozeanen.
- Sie bekräftigen die Grundprinzipien der Beziehungen zwischen Staaten:
Nichteinmischung, souveräne Gleichheit, Selbstbestimmung, territoriale Integrität, Unverletzlichkeit der Grenzen und die Möglichkeit ihrer Änderung auf
friedlichem Wege.
Die
- 6 -

�Die Vereinigten Staaten bekennen sich freudig zu diesem Dokument, weil
wir uns ?. jedem dieser Grundsätze bekennen. Vor fast 2oo Jahren entstanden
die Vereinigten St'"ten von Amerika als eine freie und unabhängige Nation.Die
Nachfahren von Eu'^näern, die in Amerika ihre Unabhängigkeit verkündeten,
brachten in dieser Erklärung einen angemessenen Respekt vor den Meinungen
Menschheit zum Ausdruck und bekräftigten nicht nur, daß alle Menschen gleich
geboren sind, sondern daß ihnen ein unveräußerliches Recht auf Leben, Freiheit
und Glück mitgegeben worden ist.
Die Gründer meines Landes sagten nicht nur, daß alle Amerikaner diese
Rechte haben sollten, sondern daß alle Menschen überall diese &amp;°chte haben
sollten. Und diese Prinzipien haben die Vereinigten Staaten von Amerika in den
zwei Jahrhunderten ihres Bestehens als Nation geleitet. Sie haben Millionen
von Menschen in Europa und auf allen Kontinenten Hoffnung gegeben.
Ich bin gefragt worden, warum ich heute hier bin.
Ich bin hier, weil ich und meine Landsleute an die Interdependenz von
Europa und Nordamerika glauben - ja an die Interdepender.z der ganzen Menschheitsfamilie.
Ich bin hier, weil die Führer vor. 34 anderen Regierungen hier sind - au:,
den Staaten Europas und von unserem guten Nachbarn, Kanada, mit dem wir eine
gemeinsame Grenze von 5 526 Meilen haben, an der nicht ein einziger bewaffneter Soldat steht und über die hinweg sich unsere beiden Völker seit 160 Jahren in Freundschaft und gegenseitiger Achtung bewegt haben. Und ich kann sagen,
ohne Widerspruch befürchten zu müssen, daß hier kein einziges Volk vertreten
ist, dessen Blut nicht in den Adern von Amerikanern flösse, und dessen Kultur
und Traditionen nicht das Erbe bereichert hätten, das wir Amerikaner so hoch
schätzen.
Als die Vereinigten Staaten von Amerika vor zwei Jahrhunderten eine Erklärung hoher Prinzipien abgaben, haben die Zyniker und die Zweifler jener Tage gehöhnt und gespottet. Jedoch elf lange Jahre später war unsere Unabhängigkeit gewonnen und die Stabilität unserer Republik durch die Einverleibung dieser selben Grundsätze in unsere Verfassung wirklich erreicht.
Jene
- 7 -

�Jene Prinzipien, die immer noch weiter vervollkommnet werden, bleiben die
Richtschnur der amerikanischen Politik, und das amerikanische Volk ist heute
wie damals der angemessenen Achtung vor den Meinungen der Menschheit und dem
Recht auf Leben, Freiheit und Glück für alle Menschen überall verschrieben.
Für meine Kollegen auf dieser Konferenz symbolisiert meine Anwesenheit
das vitale Interesse meines Landes an der Zukunft Europas. Unsere Zukunft ist
mit der Ihrigen verknüpft. Unser wirtschaftliches Wohlergehen wie auch unsere
Sicherheit sind in zunehmendem Maße mit dem Ihrigen und der Ihrigen verbunden.
Die geographische Entfernung wird durch unser gemeinsames Erbe und unser gemeinsames Schicksal überbrückt. Die Vereinigten Staaten haben daher die Absicht,sich voll an den Angelegenheiten Europas zu beteiligen und an der Verwandlung der Ergebnisse dieser Konferenz in lebendige Wirklichkeit.
An die Verbündeten Amerikas: Wir im Westen müssen den Kurs weiterverfolgen,
den wir gemeinsam eingeschlagen haben, gefestigt durch die gemeinsame Stärke
und durch gegenseitiges Vertrauen. Stabilität in Europa erfordert Gleichgewicht
in Europa.
Ich versichere Ihnen daher, daß mein Land weiterhin ein interessierter und
zuverlässiger Partner sein wird. Unsere Partnerschaft ist weit mehr als eine
Angelegenheit formeller Abkommen. Sie ist Ausdruck der Überzeugungen, Traditionen und Bindungen,die von tiefer Bedeutung für das amerikanische Volk sind. Wir
sind stolz, daß diese Werte in

diesem Dokument ihren Ausdruck gefunden haben.

An die Länder des Ostens: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß
die Prinzipien, auf die sich diese Konferenz geeinigt hat, Teil ces großen Erbes der europäischen Kultur sind, die wir für die ganze Menschheit verwalten.
Für mein Land sind sie keine Klischees oder leere Phrasen. Wir nehmen diese Arbeit und diese Worte ernst. Wir werden keine Anstrengungen scheuen, um Spannungen abzubauen, und Probleme zwischen uns zu lösen. Aber es ist wichtig, daß
Sie sich der tiefen Hingabe des amerikanischen Volkes und seiner Regierung an
die Menschenrechte und die Grundfreiheiten und damit die Zusicherungen bewußt
sind, die diese Konferenz hinsichtlich der freieren Bewegung von Menschen,
Ideen und Informationen gemacht hat.
Beim

�Beim Aufbau eines politischen Verhältnisses zwischen Ost und West stehen
wir vor vielen Herausforderungen.
Berlin hat eine besondere Bedeutung. Es ist in der Vergangenheit ein
Flammpunkt der Konfrontation gewesen. Es kann in der Zukunft ein Beispiel
friedlicher Regelung werden. Die Vereinigten Staaten betrachten Berlin als rinen Prüfstein der Entspannung und der Prinzipien dieser Konferenz. Wir begrüssen die Tatsache, daß die Ergebnisse der KSZE, vorbehaltlich der Rechte und
Pflichten der Vier Mächte, für Berlin ebenso gelten wie für ganz Europa.
Die militärische Stabilität in Europa hat den Frieden erhalten. Unter Beibehaltung dieser Stabilität ist es jetzt an der Zeit, den hohen Stand der
Streitkräfte auf beiden Seiten wesentlich zu reduzieren, Die gegenwärtig in
Wien geführten Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Verringerungen
der Streitkräfte haben bisher nicht die Ergebnisse gezeitif,+ auf die ich gehofft hatte. Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Flexibilität an den Tag
zu legen, um die Verhandlungen voranzutreiben, wenn andere das gleiche tun werden. Ein Abkommen, das die beiderseitige Sicherheit stärkt, ist möglich - und
entscheidend wichtig.
Die Vereinigten Staaten haben auch die Absicht, das Zustandekommen eines
weiteren Abkommens über die Begrenzung der strategischen Rüstungen mit der
Sowjetunion nachdrücklich voranzutreiben.
Dies bleibt eine Pr-'orität der amerikanischen Politik. Generalsekretär
Breschnew und ich sind im November vorigen Jahres in Wladiwostok über die wesentlichen Züge eines neuen Abkommens über die Begrenzung von strategischen Offensivwaffen für die nächsten zehn Jahre übereingekommen. Wir kommen in unseren bilateralen Gesprächen hier in Helsinki weiter.
Die Welt steht mit der Ausbreitung der nuklearen Waffentechnologie vor
einer beispiellosen Gefahr. Die Länder Europas tragen gemeinsam eine große
Verantwortung für eine internationale Lösung dieses Problems. Die Segnungen der
friedlichen Nuklearenergie werden immer bedeutsamer. Wir müssen Mittel und Wege
• inden, um diese Segnungen immer mehr Menschen zugänglich zu machen, während
wir gleichzeitig die Welt vor der Drohung der Ausbreitung der Waffen bewahren.
An
- 9 -

�An die anderen auf dieser Konferenz vertretenen Nationen Europas:
Wir schätzen die Arbeit, die Sie hier geleistet haben, um ganz Europa zusammenzubringen. Ihr Recht, 1 Frieden und Unabhängigkeit zu leben, ist eines der
Hauptziele unserer Anstrengungen. Ihr weiterer Beitrag wird unverzichtbar
sein.
An jene Nationen,die nicht teilnehmen, und an alle Völker der Welt: Die
in diesen Dokumenten niedergelegte feierliche Verpflichtung, die Grundrechte
und wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und Wohlergehen zu fördern,
gilt letztlich für alle Völker.
Können wir wirklich von Frieden und Sicherheit sprechen, ohne uns der
Ausbreitung von Nuklearwaffen in der Welt oder der Entwicklung immer ausgeklügelterer Formen der Kriegführung zuzuwenden? Kann der Frieden teilbar sein
zwischen Gebieten der Ruhe und Regionen des Konflikts?
Kann Europa wirklich gedeihen, wenn wir uns nicht alle d

Übel des

Hungers in Ländern zuwenden, die weniger glücklich sind als wir?
- Wenn wir uns nicht den neuen Dimensionen der Wirtschafts-und Energiefragen zuwenden, auf denen unser Fortschritt beruht?
- Wenn wir uns nicht dem Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern, zwischen Exporteuren und Importeuren, zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern zuwenden?
- Und kann es Stabilität und Fortschritt geben, wenn Gerechtigkeit und
Grundfreiheiten fehlen?
Unsere Völker wollen eine bessere Zukunft. Ihre Erwartungen haben sich
durch die sehr realen Schritte gesteigert,die bereits getan worden sind - in
der Rüstungskontrolle, in politischen Verhandlungen und in der Ausweitung von
Kontakten und wirtschaftlichen Beziehungen. Unsere Anwesenheit hier bietet
ihnen neue Hoffnung. Wir dürfen sie nicht enttäuschen.
Wenn

- 10 -

�Wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ein Abkommen erreichen
können, durch das unsere Astronauten höchst kompliziertes wissenschaftliches
Gerät zusammenfügen, zusammenarbeiten und sich 137 Meilen draußen im Weltraum
die Hand schütteln können, dann haben wir als Staatsmänner die Verpflichtung,
auch hier auf der Erde das Unsrige zu tun.
Die Geschichte wird diese Konferenz nicht nach dem beurteilen, was wir
heute hier sagen, so:~ '^rn nach dem, was wir morgen tun werden - nicht nach den
Versprechen,

die v .

machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten.

XXX

- 11 -

�r
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16/1975

DAVID ROCKEFELLER: INTERNATIONALE REGELN FÜR AUSLANDSINVESTITIONEN
-Interview mit dem Präsidenten der Chase-Manhattan Bank-

David Roc'efeller, Präsident der Chase-Manhattan Bank sowie der Chase International
Investment Corporation und Vorstandsmitglied
des privaten Rates für Auswärtige Beziehungen
in New York, hat in einem Interview mit dem
USIA-""-v"^'"&gt;nndenten John J. Harter seine
Auffassung z r künftigen Gestaltung der
Auslandsinvestitionen dargelegt. Diesen Ansichten eines amerikanischen Fachmannes kor-*
angesichts der Sondersitzung der Vereinte;
Nationen besondere Bedeutung zu.
Frage: Die Entwicklungsländer haben in den Vereinten Nationen und an anderer CJ"elle nachdrücklich neue Vereinbarungen und Institutionen gefordert, die
die Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsziele erleichtern könnten, wie läßt sich das internationale Bankensystem in dieses Bild eingliedern?
Welchen Beitrag können große Privatbanken mit einem internationalen Filialnetz, wie die Ihrige, zur Modernisierung in den Entwicklungsländern leisten?
Antwort: Ich halte das für eine sehr wichtige Frage - für eine Frage,
die vielleicht in diesen Tagen in den Entwicklungsländern noch nicht so ganz
verstanden wird.
Zweife'los vollzieht sich die wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt
gegenwärtig in einem sehr raschen Tempo und es wird jetzt immer deutlicher,

�deutlicher, daß die Welt interdependent ist - daß kein einzelnes Land, auch
nicht das größte, isoliert für sich bleiben kann. Bei der Zusammenarbeit, vor
allem auf wirtschaftlichem Gebiet, fällt dem Geld eine wichtige Rolle zu, und
hier kommen die Banken ins Spiel. Das ist die Ware, mit der wir handeln - das
Geld. Wir erleichtern den Fluß von Handel und Investitionen zwischen den Ländern der Welt. In den meisten Entwicklungsländern ist Kapital außerordentlich
knapp. Und hier können die internationalen Banken den Entwicklungsländern durch
Bereitstellung von Kapital und durch Erleichterung des Kapitalflusses am
meisten helfen.
Frage: Die Entwicklungsländer behaupten, daß sie keinen fairen und ausreichenden Zugang zu den Kapitalmärkten der Welt hätten. Wie sehen Sie die
Entwicklung dieser Kapitalmärkte? Erhalten diese Länder jetzt einen besseren
Zugang zu diesen Märkten?
Antwort: Ich meine ja. Kapital - und vor allem privates Kapital - fließt
im allgemeinen dorthin, wo es glaubt, willkommen zu sein. Dah^r haben die
Länder, die ein für ausländisches Kapital interessantes Klimc geschaffen haben,
auch den größten Kapitalzufluß zu verzeichnen.
Frage: Können die Entwicklungsländer Ihrer Meinung nach etwas tun, um
einen besseren Zugang zu den Kapitalmärkten der Industriestaaten zu erreichen?
Antwort: Ja, das glaube ich. Meines Erachtens steht fest, daß sie keinen
Zufluß von Kapita', wünschen, das einen negativen Eimfluß auf oder eine Kontrolle über ihre eigenen Angelegenheiten ausübt. Jeder wird verstehen, daß
diese Länder Bedingungen für den Zufluß von Kapital schaffen möchten, die sie
für akzeptabel erachten, und durch die die Spielregeln, wie Sie es wohl nennen, festgelegt werden. Schwierig für das ausländische Kapital wird es erst
dadurch, daß sich diese Spielregeln ständig ändern, so daß ein Investor nicht
weiß, was schon am nächsten Tag gesehen kann. Weiß er jedoch, daß eine relativ
stabile Politik im Hinblick auf Investitionen betrieben wird, dann wird er
meiner Meinung nach durchaus bereit sein, die jeweils festgelegten Bedingungen
zu akzeptieren.

�Frage: Welche Schritte können die Industriestaaten - unabhängig von den
Maßnahmen der Entwicklungsländer zur Verbesserung des Anlageklimas unternehmen,
um Investitionen größerer Privatorganisationen attraktiver zu machen, oder
welche Politik sollten -ie nach Ihrer Auffassung verfolgen, um die Privatbanken zu solchen Investitionen zu ermutigen?
Antwort: Die Steuergesetze der Industriestaaten können von großer Bedeutung sein. Manchmal erschweren Steuern Auslandsinvestitionen und manchmal ermutigen sie zu solchen Investitionen. Zahlreiche Länder haben zum Beispiel
staatliche Bürgschafts-oder Rückversicherungsprogramme für Auslandsinvestitionen. So gibt es in den Vereinigten Staaten eine Organisation, die sich Gesellschaft für Private Auslandsinvestitionen (OPIC) nennt, und die vor allem zu Investitionen in Entwicklungsländern ermutigen soll.
Frage: Könnten die Industriestaaten Ihres Erachtens neben den staatlichen
Bürgschaftsprogrammen auch irgendwie die Zinsen für Anleihen von Privatbanken
an Entwicklungsländer subventionieren?
Antwort: Ich meine, aaß es für Regierungen schwierig ist. Zinser *ür
Privatinvestitionen zu subventionieren. Es scheint mir, daß Zinssubventionen
eher im Falle von Regierungsdarlehen für die Entwicklung der Infrastruktur und
der Grundstruktur in Frage kommen. Im großen und ganzen, so will es mir scheinen, sollten private Investitionen auf einer anderen, normalen Basis erfolgen,
wobei die dabei erhobenen Kapitalzinsen den marktüblichen Zinsen entsprechen
sollten. Ich glaube, es ist recht schwierig, Zinssubventionen und Privatgeschäfte miteinander zu verquicken.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß die großen multinationalen Gesellschaften
- einschließlich der Privatbanken - neben der Bereitstellung von Geldmitteln
auch mithelfen können, den Transfer von technologischem und unternehmerischem
Know-how von den Industriestaaten in die Entwicklungsländer zu beschleunigen?
Antwort: Allerdings bin ich dieser Ansicht. Ja, ich bin nicht einmal
sicher, ob Geld in jedem Fall der wichtigste Faktor ist. Ic! meine, gerade
diese Kombination von technischem, unternehmerischem Können und von Kapital^

- 3 -

�I

Kapital, wie sie zusammen als ein Paket von den großen privaten Firmen angeboten werden kann, ist für die Entwicklungsländer besonders segensreich.
Frage: Dennoch gibt es viele Kritiker in den Entwicklungsländern gerade
an diesen multinationalen Gesellschaften und den Großbanken. Einige von ihnen
behaupten beispielsweise, daß die multinationalen Gesellschaften die Entwicklungsländer ausbeuten, indem sie für deren Natur-und Bodenschätze einen viel
zu geringen Preis zahlen, indem sie außerordentlich niedrige Löhne festsetzen und i n ^ m sie das knappe Kapital der Entwicklungsländer von Projekten
abziehen, die diese Länder ihrerseits gerne durchführen würden. Sind diese
Behauptungen richtig?
Antwort: Solche Anwürfe sind zweifellos erhoben worden. Es hat in der Vergar^-nheit wohl auch Situationen gegeben, wo große Gesellschaften ihre gewaltige wirtschaftliche Macht dazu benutzten, um

r

.ur-und Bodenschätze zu Preisen

an sich zu bringen, die unter dem Marktniveau lagen, und einige haben vielleicht auch ihre Arbeiter unterbezahlt. Ich bezweifle aber, daß eine derartige Situation heute noch besteht, jedenfall

in einem irgendwie bemerkenswerten

Maß. Ganz gewiß sind die großen multinationalen Gesellschaften, ob sie nun
ihren Sitz in den Vereinigt»" Staaten oder sonstwo in der Welt haben, sich
heute sehr

klar ihrer sozialen Verantwortung bewußt, und zwar nicht nur gegen-

über ihren Aktionären und Angestellten, sondern auch gegenüber den Ländern,
bei denen sie Gast sind.
Die meisten multinationalen Gesellschaften zahlen Löhne, die höher - und
nicht niedriger - als die Durchschnittslöhne des betreffenden Landes sind.
Frage: Aber meinen Sie, daß sie auch neue Arbeitsplätze schaffen?
Antwort: Es steht außer Frage, daß sie mit den Investitionen und der Entwicklung einer Industrie neue Arbeitsmöglichkeiten schaffen und damit den Ländern, in denen sie sich niedergelassen haben, nutzen.
Selbstverständlich sind die Regierungen dieser Entwicklungsländer heute
sehr unabhängig und sehr mächtig und durchaus in dei Lage, Gesetze zu erlassen
und Bedingungen zu schaffen, die die Gesellschaften zwingen, sich so zu verhalten, wie es im besten Interesse dieser Länder liegt.
Frage:

�Frage: Glauben Sie, daß die Multirationalen es verhindern, daß die
knappen Kapitalmittel in andere, wertvollere Projekte investiert werden?
Antwort: Im Gegenteil, Sie bringen ja gerade Kapital in das Land, das
scn?' nicht hereingekommen wäre, und zusammen mit dem Kapital - wie ich
sch&lt;n sagte - das technische und unternehmerische Können, das vorher nicht da
war. Und in den meisten Fällen werden die Einnahmen, die durch diese Investitionen entstehen, wieder zurückgeleitet und stellen damit eine neue Kapitalquelle für das betreffende Land dar.
Cer Prozentsatz an Dividenden, die abgezogen werden, ist in großen und
g?r~en doch recht klein, verglichen mit den Reinvestitionen. Das gilt jedenfalls ;r c|-je große Mehrheit dieser multinationalen Gesellschaften.
Frage* Die vielleicht bedeutsamste - oder zumindest die lauteste - Kritik
an diese. Gesellschaften richtet sich dagegen, daß sie dazu tendieren, in die
Souveränität einzugreifen, und sie vielleicht einengen, weil Entscheidungen,
die Procuktionsniveau, Volkseinkommen und Arbeitsplatz, ir ~inem bestimmten
Entwicklungsland betreffen, praktisch in einem Industriestaat getroffen werden. Ist diese Kritik berechtigt?
Antwort: Nein, meines Erachtens nicht. Ich glaube vielmehr, daß bei den
multinationalen Gesellschaften cer EntScheidungsprozeß, soweit solche Entscheidungen die Gastländer betreffen, von der Betriebsleitung in dem betreffenden
Land vorgenommen wird. Eine wachsende Zahl von multinationalen Gesellschaften
beschäftigt vorwiegend einheimische Arbeitskräfte, auch beim Management, die
mit einer sehr geringen Zahl von Angestellten aus dem jeweiligen Industrieland
zusammenarbeiten. Meines Erachtens sind sich diese Gesellschaften immer mehr
der Tatsache bewußt, daß sie Gäste in diesem Land sind, und daher gehen sie
auch auf die Notwendigkeit ein, eine Politik zu verfolgen, die im Interesse
des Gastlandes liegt.
Ja, ich glaube nicht, dcß man noch länger sagen kann, die Gastländer
seien machtlos. Sie kennen Gesetze erlassen, die die Wahrung ihrer Interessen
gewährleisten. Letztlich haben sie, falls sie überzeugt sind, die multinationale Gesellschaft unternähme etwas gegen ihre Interessen, das Recht der

�der Nationalisierung, und in vielen Fällen haben sie von diesem Recht Gebrauch '
gemacht. Ich bin rr.ir nicht sicher,ob so etwas in ihrem eigenen langfristigen
Interesse liegts aber sie haben das Recht dazu. So kann niemand behaupten, sie
wa'ren gegenüber den großen Gesellschaften machtlos.
Frage: Sie erwähnten zuvor, daß "Spielregeln" ausgearbeitet werden können, um die jeweiligen Rechte und Pflichten der Gesellschaften und der Gastregierungen festzulegen. Sehen Sie eine Möglichkeit, internationale Regeln oder
einen Verhaltenskodex zu entwickeln, die für diese Beziehungen maßgebend sein
kennten?
Antwort: Meines Erachtens wäre dies sehr wünschenswert. Darüber ist mehrere Jahre lang diskutiert worden. Als George Woods Präsident der Weltbank war,
suchte er die Entwicklungsländer zu überreden, gemeinsam und in Zusammenarbeit
mit der Weltbank solche Regeln aufzustellen. Leider sind wir damals nicht
sehr weit gekommen. Aber ich halte das für nützlich. Auf jeden c all, ob es nun
int "-nationale RegefrLtfder nicht, je mehr ein einzelnes Land seine eigenen Regeln weiterentwickelt und sie bekannt gibt - und sich dann an diese Regeln
hält und sie nicht ändert - umso größer ist die Chance, daß es ausländisches
Kapital anzieht. Brasilien ist ein gutes Beispiel; dort wurden die Spielregeln*.
deutlich bekannt gemacht und der Kapitalfluß war enorm. Es gibt weitere Beispiele - &lt;ier Iran, Formosa und Südkorea.
Frage: Könnten Sie Anregungen geben, welche Punkte solche Regeln beinhalten sollten, wenn sie in größerem Umfang entwickelt werden?
&gt;

Antwort: Das erste Ziel der Regeln ist natürlich vom Standpunkt des Gastlandes, sicherzustellen, daß die Maßnahmen dieser Gesellschaften im Einklang
mit den Gesetzen und Bestrebungen der Bevölkerung des Landes stehen. Genauso
sind Regeln zum Schutz der Interessen der Gesellschaft notwendig, damit diese
das Gefühl hat, sie befindet sich in einem Land, in dem sie willkommen is
und in dem es ebenfalls einen gewissen Schutz für ihr Kapital und die eventuell mitgebrachten Angestellten gibt.
Frage:

�Frage: Verschiedentlich wird gesagt, daß es zu Beginn der Investitionen
in der Hand der großen Gesellschaften als der stärkeren Macht liegt, die Regeln und Bedingungen festzusetzen, da das betreffende Land, das die Investitionen wünscht, bereit ist, den Preis zu zahlen, nur um diese Investitionen
zu erhalten. Dagegen liegt die größere Macht, wenn die Investitionen erst
einmal vorgenommen worden sind, in den Händen des jeweiligen Gastlandes.
Antwort: Das ist durchaus richtig. Aber wenn das

Gastland nicht die mit

der investierenden Gesellschaft getroffenen Abkommen erfüllt -• vor allem, wenn
es dies bei zwei oder drei Gesellschaften nicht tut -, dann könnten andere
Gesellschaften davon abgehalten werden, künftig ähnliche Investitionen zu
tätigen. Meines Erachtens muß das Gastland dies beachten.
Frage: Sehen Sie Möglichkeiten für eine Dreiecks-Zusammenarbeit zwischen
den öl exportierenden Ländern, die jetzt über große Mengen liquiden Kapitals
verfügen, und den Gesellschaften der Industrieländer, die das technische und
unternehmerische Know-how besitzen, sowie den Entwicklungsländern, die neue
Industrien aufbauen wollen?
Antwort: Ja, das ist meines Erachtens eine zu sehr großen Hoffnungen berechtigende Ansicht. Beispielsweise haben die arabischen Länder erst kürzlich
eine Arabische Bank für Afrika mit Sitz im Sudan (Khartum) gegründet. Unsere
Bank hat bereits enge, freundschaftliche Beziehungen zu dieser Entwicklungsbank aufgenommen. Ich glaube, es wird viele Fälle geben, wo für die gleichen
Projekte ein Teil der Gelder von der Arabischen Entwicklungsbank und ein Teil
von Privatbanken wie der unsrigen bereitgestellt werden könnten.
Was wir jetzt brauchen, ist nach meiner Auffassung eine engere Zusammenarbeit mit den ölexportierenden Ländern, um ihnen zu zeigen, daß es Wege gibt,
wie sie ihr Geld gewinnbringend und mit angemessener Sicherheit in Gebieten
der Welt investieren können, die gegenwärtig in einem wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß stehen.

Bis jetzt ist das meiste Geld in die Industriestaaten

geflossen, wo die Investoren größere Sicherheit und eine höhere Ertragsrate
vorzufinden glaubten. Das ist verständlich. Aber ich halte es, angesichts der
ihnen zugefallenen neuen und wichtigen Rolle in der Welt, für wichtig, daß

- 7 -

�daß sie mehr in den Entwicklungsländern investieren.
Meiner Meinung nach ist es äußerst wichtig, daß wir eine Konfrontation
zwischen den ülerzeugern und den ülVerbrauchern, zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern vermeiden. Ich glaube jedoch, es besteht ein
geringes Risiko, daß das eintrete könnte, und daher wird alles, was diese
Gruppen zur Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten bringen können, die ihrem
beiderseitigen Nutzen dienen, sehr wichtig sein und sollte daher ermutigt
werden.

XXX

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16/1975
USA ZEIGEN NEUE WEGE IM SEERECHT UND IM WELTRAUMRECHT AUF
- Rede Kissingers in Montreal am 11. August -

Der Außenminister der Vereinigten Staaten,
Dr. Henry A. Kissinger, hat in einer Rede
vor der Amerikanischen Anwaltskammer in
Montreal am 11. August neue Vorschläge zur
Überwindung des toten Punktes der Weltseerechtskonferenz unterbreitet. So soll eine
neue internationale Organisation den Abbau
von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund regeln. Ferner setzte sich Kissinger für eine
weitergehende internationale Nutzung von
Fernmeldesatelliten, für Maßnahmen gegen
den internationalen Terror und für eine
Klärung der Rechtsstellung der multinationalen Gesellschafter ein. Wir geben die
Rede, die die grundsätzliche Haltung der
Vereinigten Staaten in wichtigen völkerrechtlichen Fragen aufzeigt, in wesentlichen
Auszügen wieder.
... Das starre internationale Gefüge des Kalten Krieges hat sich aufgelöst. Wir sind in ein' Ära aufgespaltener wirtschaftlicher Macht, der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen und der vielerlei Ideologien und Zentren der Initiativ, eingetreten. Di'- unseren Vorgängern gestellte Aufgabe bestand darin,
aus dem Chaos Stabilität zu schaffen. Die unserer Generation gestellte Aufgabe
besteht darin, vom Aufbau nationaler und regionaler Institutionen und der
Krisenbeherrschung weiterzugehen zum Aufbau einer neuen internationalen Ordnung, die Hoffnung auf Frieden, Fortschritt, Wohlergehen und Gerechtigkeit für
künftige Generationen bietet

...

3

Wir

-1 -

�Wir befinden uns an einem Angelpunkt der Geschichte. Wenn die Wel &gt;" in
Fluß geraten ist, dann haben wir die Fähigkeit und damit auch die Verpflichtung,
an ihrer Gestaltung mitzuwirken. Wenn unser Ziel eine neue Norm der internationalen Zurückhaltung und Zusammenarbeit ist, dann müssen wir auch die Institutionen und Verfahren schaffen, die dazu führen.
Ich möchte heute die amerikanische Einstellung zu einigen dieser Fragen
des Rechts und der Diplomatie darlegen, deren Lösung uns einer geordneteren
und gesetzlicheren Welt näher bringen kann. Diese Fragen unterstreichen die internationalen Aufgaben der heutigen Zeit: in den Ozeanen, wo die moderne Technologie das traditionelle Recht veralten ließ; im Weltraum, wo heute Unternehmungen, von denen man vor einer Generation noch nicht zu träumen gewagt hätte,
über die traditionellen Anliegen der Sicherheit und der Souveränität hinausgreifen; im Kriegsrecht, wo heute neue Praktiken der Barbarei uns praktisch
zur Entwicklung einer neuen sozialen und internationalen Zurückhaltung zwingen; und in der internationalen Wirtschaft, wo übernationale Übernehmen ihre
Tätigkeit über die Grenzen der traditionellen politischen und rechtlichen
Regelungen hinaus ausüben...
a

Das Seerecht:
Die Vereinigten Staaten befinden sich gegenwärtig mit etwa 140 anderen
Nationen in den wohl umfassendsten und entscheidendsten Verhandlungen der Geschichte - in einer internationalen Anstrengung, um Regeln festzulegen, die
für den Bereich der Ozeane Geltung haben sollen. Keine anderen Verhandlungen
sind auf lange Sicht von so lebenswichtiger Bedeutung für die Stabilität und
die Prosperität unserer Erde...
Vom 17. Jahrhundert bis heute gründete sich das Seerecht auf eine relati* einfache Vorstellung: Freiheit der Meere, begrenzt nur durch einen schmalen Gürtel von Hoheitsgewässern, die im allgemeinen bis zu 3 Meilen vor den
Küsten betrugen. Die explosionsartige Entwicklung der Technologie erfordert
heute neue und ausgeklügeltere Lösungen.
- In
- 2 -

�- In einer Welt, die verzweifelt nach neuen Quellen für Energie und Mineralien sucht, liegen gewaltige und kaum erschlossene Vorkommen in den Ozeanen.
- In einer Welt, in der Hunger und Unterernährung weit verbreitet sind,
ist Fisch ein zunehmend lebenswichtiger Eiweißlieferant.
- In einer Welt, die von Verschmutzung überschattet wird, entwickelt sich
die

Riinerhaltung der Ozeane zu einem entscheidend wichtigen internationalen

Problem.
- In einer Welt, in der 95 Prozent des Welthandels auf dem Seeweg abgewickelt werden, ist die Freiheit der Schiffahrt unerläßlich.
Wenn die konkurrierenden Praktiken und Ansprüche nicht bald harmonisiert
werden, dann steht die Welt vor der Aussicht zunehmender Konflikte. Die
Schiffahrtstonnage dürfte sich in den nächsten 30 Jahren vervierfachen. Bereits heute umfahren ohne Stützpunkt auskommende Fabrikschiffe den Erdball und
beherrschen Fischgründe, die ein r t eine Domäne kleiner Küstenfangboote waren.
Die Fangerträge steigen weltweit in augenfälliger Weise, ohne daß jedoch entsprechende Rücksicht auf ein gesundes Management sowie auf die legitimen Anliegen der Küstenstaaten genommen wird. Sich verändernde Bevölkerungsstrukturen werden der Ökologie der Küsten der ganzen Welt bald neue Belastungen auferlegen.
Daher könnten die gegenwärtigen Verhandlungen die letzte Chance der Welt
sein. Einseitige nationale Ansprüche auf Fischereizonen und Hoheitsgewässer in
einer Ausdehnung von 50 bis 200 Meilen haben bereits zur Beschlagnahme von
Fischereifahrzeugen und zu ständigen Streitigkeiten über Rechte an Meeresraum geführt. Ein Zusammenbruch der gegenwärtigen Verhandlungen, das Nichtzustandekommen einer rechtlichen Vereinbarung wird zu hemmungsloser militärischer und wirtschaftlicher Rivalität und wachsender politischer Unruhe führen.
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung, daß die Ozeane von
Recht und Gesetz regiert werden müssen. In diesem Geiste haben wir 1970 das
Mandat der Vereinten Nationen für eine multilaterale Konferenz begrüßt, lie

- 3 -

�die die Aufgabe erhielt, einen umfassenden Vertrag über die Nutzung der Ozeane
und ihrer natürlichen Hilfsquellen auszuarbeiten. Wir haben wesentlich zu dem
Fortschritt beigetragen, der im Sommer vorigen Jahres in Caracas und im Frühjahr dieses Jahres in Genf erzielt worden ist und der zu einem einzigen Verhandlungstext eines Vertragsentwurfes geführt hat. Darauf wird sich Hie Arbeit
der nächsten Sitzung konzentrieren, die für März 1976 in New York vorgesehen
ist. Die Vereinigten Staaten haben die Absicht, ihre Anstrengungen zu intensivieren.
Die Fragen, mit denen sich die Seerechtsverhandlungen

befassen, er-

strecken sich von der Küste selbst bis zu den größten Tiefen des Ozeans. Es
geht um:
- die Ausdehnung der Hoheitsgewässer und die damit zusammenhängenden Fragen der freien Durchfahrt durch Meerengen;
das Ausmaß an Kontrolle, das ein Küstenstaat in einer seinen Hoheitsgewässern vorgelagerten Wirtschaftszone ausüben darf;
- das internationale System für die Ausbeutung der Naturschätze des Meeresbodens in großen Tiefen.
Wenn wir bei der Küstenlinie anfangen, dann ist die erste Fragp

ie Aus-

dehnung der Hoheitsgewässer - des Meeresgürtels, über den der Küstenstaat
Souveränität ausübt. Historisch ist diese Zone mit drei Meilen anerkannt worden.
Das war auch von eh und je der

Standpunkt der Vereinigten Staaten. Immer mehr

Staaten haben eine Zwölfmeilenzone gefordert und manche sogar 200 Meilen.
Nach Jahren des Streites und widersprüchlicher internationaler Praxis
nähert sich die Seerechtskonferenz einer Obereinstimmung über eine Zwölfmeilenzone. Wir sind bereit, diese Lösung zu akzeptieren, vorausgesetzt, daß die
unbehinderten Transitrechte durch Meerengen, die von der internationalen
Schiffahrt benutzt werden, garantiert s'nd.
Denn ohne solche Garantien würde eine solche Zwölfmeilenzone über 100
Meerengen - darunter die Straßen von Gibraltar, von Malaga und von Bab-ElMandeb -, die gegenwärtig für den internationalen See-und Luftverkehr frei
- 4 -

�frei sind, der rechtlichen Kontrolle von Küstenstaaten unterstellen. Das können
die Vereinigten Staaten nicht akzeptieren. Die Freiheit der internationalen
Durchfahrt durch diese und andere Meerengen dient dem Wohle aller Nationen,
dem Handel und der Sicherheit. Wir werden keinem Abkommen beitreten, das
irgendwelche Zweifel an dem Recht läßt, die Weltschiffahrtswege ohne Störung
zu benutzen.
Innerhalb von 20 Meilen vor der Küste liegen einige der wichtigsten Fischfanggründe der Welt wie auch beträchtliche Vorkommen an Erdöl, Erdgas vnd
Mineralien. Dies hat einige Küstenstaaten veranlaß* die volle Souveränität
über diese Zone anzustreben. Auch diese Ansprüche sind für die Vereinigten
Staaten nicht akzeptabel. Eine Anerkennung dieser Ansprüche würde 30 Prozent
der Weltmeere unter nation^e territoriale Kontrolle bringen - gerade solche
Gebiete, durch die der größte Teil des Schiffsverkehrs der Welt abgewickelt
wird.
Die Vereinigten Staaten sind sich mit vielen anderen Ländern in der Forderung nach einem internationalen Abkommen über eine Wirtschaftszone von 200
Meilen &gt;or der Küste einig. Nach diesem Vorschlag wäre es Küstenstaaten gestattet, die Fischerei und die Mineral vorkommen in der Wirtschaftszone zu kontrollieren. Die Freiheit der Schiffahrt und andere Rechte der internationalen
Völkergemeinschaft würden jedoch erhalten bleiben. Die Fischerei innerhalb
dieser Zone würde von dem Küstenstaat geregelt, der die internationale Verpflichtung hrtte, vereinbarte Normen zur Erhaltung der Fischbestände anzuwenden. Wenn der Küstenstaat nicht die erlaubten jährlichen Fangerträge einbringen
könnte, so würde es anderen Ländern gestattet sein, dies zu tun. Für Thunfisch und Lachs und andere Fischarten, die über weite Entfernungen ziehen, wären besondere Vereinbarungen erforderlich. Wir treten auch für Bestimmungen
ein, die die Fischereiinteressen von Staaten ohne Küste und andere geographisch
benachteiligte Länder schützen würden.
In einigen Gebieten reich-' der'Kontinentalsockel über 200 Meilen hinaus.
Um Streitigkeiten über die Nutzung dieses Gebietes beizulegen, schlagen die
Vereinigten Staaten vor, daß die Küstenstaaten die Jurisdiktion über Natur-

- 5 -

�Naturschätze im Kontinentalsockel über 200 Meilen hinaus bis zu einer genau
definierten Grenze erhalten und daß sie einen Prozentsatz des finanziellen Ertrages aus dem Abbau von Mineralien in diesem Gebiet mit der internationaler.
Völkergemeinschaft teilen.
Jenseits der Hoheitsgewässer, der Wirtschaftszone vor der Küste und dem
Festlandsockel liegt der Meeresboden der Tiefsee. Hier befinden sich die
letzten großen unerforschten Gebiete unseres Planeten. Seit über einem Jahrhundert wissen wir, daß im Meeresboden der Tiefsee gewaltige Vorkommen an
Mangan, Nickel, Kobalt, Kupfer und anderen Mineralien liegen, aber wir wissen
noch nicht, wie wir sie heben können. Neue moderne Technologie bringt rasch den
Zeitpunkt näher, an dem ihre Ausbeutung und wirtschaftliche Nutzung Wirklichkeit werden wird...
Die

Vereinigten Staaten brauchen Konkurrenz nicht zu fürchten. Unsere

Technologie ist am weitesten fortgeschritten und unsere Marine reicht aus, um
unsere Interessen zu schützen« Wenn die Ausbeutung nicht durch Grundregeln
festgelegt wird, dann wird die Rivalität letztlich zu Machtproben führen. Ein
Wettrennen um die Reservierung exklusiver Gebiete zur Ausbeutung auf dem Meeresboden der Tiefsee - selbst ohne So'^eränitätsansprüche - wird die Freiheit
der Schiffahrt bedrohen und zu einem Ko ikurrenzkampf führen, wie ihn die
Kolonialmächte in Afrika und Asien im vorigen Jahrhundert ausgetragen haben...
Wir sind der Überzeugung, daß der Seerechtsvertrag die Zugangsrechte erhaltfn muß, wie sie gegenwärtig nach dem Völkerrecht den einzelnen Staaten und
ihren Bürgern zustehen, Einschränkungen des freien Zugangs werden die Erschließung der Vorkommen auf dem Meeresboden hemmen. Ebensowenig ist es durchführbar, daß alleinige Recht zur Ausbeutung des Meeresbodens einer neuen internationalen Meeresboden- Organisation vorzubehalten, wie dies von einigen Entwicklungsländern vorgeschlagen worden ist...
Die Vereinigten Staaten haben viel über diese Frage nachgedacht. Wir
bieten folgende Vorschläge an:

�- Es sollte eine internationale Organisation gegründet werden, die Regeln
für den Abbau im Meeresboden der Tiefsee aufstellt.
- Diese internationale Organisation muß die Rechte aller Länder und ihrer
Bürger wahren, Naturschätze in der Tiefsee direkt auszubeuten.
- Sie sollte auch einen fairen Ausgleich widersprüchlicher Interessen und
die Sicherheit von Investitionen gewährleisten.
- Länder und ihre Unternehmen, die Vorkommen in der Tiefsee abbauen, sollten einen vereinbarten Teil ihrer Einnahmen an die internationale Organisation
abführen, der zum Wohle der Entwicklungsländer verwandt werden soll.
- Die Leitung der Organisation und ihre Abstimmungsverfahren müssen die
Interessen der beteiligten Staaten widerspiegeln und ausgewogen darstellen.
Die Organisation sollte nicht die Macht haben, Preise oder Produktionsraten zu
kontrollieren.
- Wenn diese wesentlichen Interessen der Vereinigten Staaten garantiert
sind, können wir zustimmen, daß diese Organisation auch das Recht erhält, Abbautätigkeiten im Namen der ^ ~ternationalen Völkergemeinschaft, in erster Linie zum Wohle der Entwicklungsländer, durchzuführen...
- Die neue Organisation sollte als Triebfeder der Zusammenarbeit zwischen
den technologisch fortgeschrittenen und den Entwicklungsländern dienen. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, Mittel und Wege zu prüfen, um andere Länder an
den Technologien für die Tiefsee teilhaben zu lassen.
- Eine ausgewogene Kommission von Verbrauchern, Tiefseeproduzenten und
Produzenten auf dem Festland könnte die möglichen negativen Auswirkungen des
Abbaus in der Tiefsee auf die Volkswirtschaften jener Entwicklungsländer beobachten, die im wesentlichen von dem Export von Mineralien abhängig sind, die
auch in der Tiefsee gefördert werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin entschlossene Anstrengungen unternehmen, einen endgültigen Fortschritt herbeizuführen, wenn die Seerechtskonferenz im nächsten Jahr in New York wieder zusammentritt. Wir müssen uns

- 7 -

�1

uns jedoch über einen Punkt im klaren sein: Die Vereinigten Staaten können
nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus ihre eigenen Interessen an der Entwicklung
einer gewährleisteten Versorgung mit kritischen Rohstoffen Verhandlungen opfern,
die endlos hinausgezogen werden. Wi. sind für ein allgemein akzeptables internationales Abkommen, das stabile Rechtsverhältnisse schafft, bevor mit dem Abbau in der T1 ^see tatsächlich begonnen wird. Die Verantwortung dafür, daß ein
Abkommen erreicht wird, bevor die tatsächliche Ausbeutung beginnt, liegt bei
allen Nationen. Wir können unseren eigenen Abbau in der Tiefsee nicht

mehr

allzu lange hinausschieben. In diesem Geiste können wir und andere potentielle
Tiefseeproduzenten geeignete Schritte zum Schutze laufender Investitionen überlegen und sicherstellen, daß diese Investitionen auch durch den Vertrag geschützt werden.
Der Konferenz liegen noch andere wichtige Fragen vor:
- Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die wissenschaftliche Erforschuno der Meere zum Wohle der ganzen Menschheit zu fördern, während gleichzeitig die lpiitimen Interessen der Küstenstaaten in ihren Wirtschaftszonen gewährleistet werden.
- Es müssen Schritte unternommen werden, um die Ozeane vor Verschmutzung zu
schützen. Wir müssen einheitliche internationale Kontrollen der Verschmutzung
durch Schiffe einrichten und auf einer weltweiten Beachtung der Umweltnormen
für die Ausbeutung des Festlandsockels und der Tiefste bestehen.
- Der Zugang der Binnenländer zu den Meeren muß gewährleistet sein.
- Es muß Bestimmungen für eine zwingende und unparteiische Beilegung von
Streitigkeiten durch Dritte geben. Die Vereinigten Staaten können keine einseitige Interpretation eines Vertrages von solcher Wichtigkeit durch einzelne Staaten oder durch eine internationale Meeresboden-Organisation akzeptieren.
Das Tempo der technologischen Entwicklung, das Ausmaß des wirtschaftlichen
Bedarfs und die Ansprüche von Ideologien sowie nationale Ambitionen drohen den
schwierigen Verhandlungsprozeß zu überschwemmen. Die Vereinigten Staaten sind
daher der Auffassung, daß eine gerechte und nutzbringende Ordnung für die Ozeane

- 8 -

�r
Ozeane von entscheidender Bedeutung für den Weltfrieden ist...
Die D -inglichkeit des Problems wird durch die beunruhigenden Entwicklungen
illustriert, die weiterhin von allen Seiten auf uns einstürzen. Das vordringlichste Problem ist die Fischerei.
Die Vereinigten Staaten k$ nen nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus die ungeregelte und willkürliche ausländische Fischerei vor ihren Küsten akzeptieren.
Viele Fischbestände sind durch ausländisches überfischen fast ausgerottet worden. Wir hah»n kürzlich mit der Sowjetunion, Japan und Polen Abkommen geschlossen, die deren Fänge begrenzen werden,und wir blicken auf eine lange und erfolgreiche Geschichte von Abkommen zur Erhaltung der Fischbestände mit Kanada
zurück. Aber es muß noch sehr viel mehr getan werden...
Wir begrüßen sehr herzlich die kürzliche Erklärung von Ministerpräsident
Trudeau, in der dieser die Notwendigkeit einer Lösung durch die Seerechtskonferenz statt durcheinseitige Maßnahmen bekräftigt. Er sagte, die "Kanadier
sollten allgemein erkennen, daß es bei der Seerechtskonferenz um sehr viel
für uns geht und daß wir Narren wären, wenn wir diese Anliegen durch Aktionen
aufgäben, die ein rein temporärer Erfolg auf dem Papier wären".
Diese Haltung wird auch unser Handeln leiten. Zur Erhaltung der Fischbestände rnd zum Schutze unserer Fischereiindustrie werden die Vereinigten Staaten, während über den Vertrag verhandelt wird, mit anderen Ländern Interimsabkommen aushandeln, die die FiscrKestände schützen, eine wirksame Durchführung gewährleisten und unseren Küstenfischern ein Auskommen geben.
Eine einseitige Gesetzgebung wäre wohl das letzte. Die Welt kann es sich
einfach nicht leisten, daß die lebenswichtigen Fragen, die der Seerechtskonferenz vorliegen, durch Versäumnis beantwortet werden. Wir stehen heute an einem
jener seltenen Augenblicke, an dem die Menschheit zusammengekommen ist, um
Mittel und Wege zur Verhütung künftiger Konflikte zu finden und ihr künftiges
Schicksal zu gestalten, und nicht,um eine bereits eingetretene Krise zu lösen
oder sich mit der Hinterlassenschaft eines Krieges zu beschäftigen. Es handelt
sich um eine Bewährungsprobe der We1*

icht, des Willens und der Staatskunst.

Es muß gelingen.
Die

- 9 -

�Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, mitzuhelfen, die Konferenz im
Jahre 1976 zum Abschluß zu bringen - bevor der Druck der Ereignisse und des
Wortstreits eine internationale Übereinstimmung unwiederbringlich unserer
Reichweite entrückt.

Weltraum und Völkerrecht;
In den fast zwri Jahrzehnten seit dem ersten künstlichen Satelliten ist
bei der Ausweitung des Geltungsbereiches des Rechtes in den Weltraum ein beachtlicher Fortschritt erzielt worden» Der Weltraumvertrag von 1967 entzog den
Weltraum der nationalen Souveränität und verbot die Verbringung von Massenvernichtungswaffen in eine Erdumlaufbahn. Der Vertrag hat auch den Grundsatz aufgestel t, daß der Nutzen der Weltraumforschung allen zukommen soll. Zusätzliche Abkommen sehen die Registrierung von Objekten vor, die in

den Weltraum ge-

bracht werden, den '",satz für Schäden, die ihre Rückkehr zur Erde verursachen,
und die internationale Hilfe für in Not geratene Astronauten. Gegenwärtig sind
Bemühungen im Gange, um das internationale Recht für Tätigkeiten des Menschen
auf dem Mond und anderen Himmelskörpern weiter auszubauen.
Erdbeobachtungs- und Fernmeldesatelliten und die Bedingungen für ihre Verwendung sind eine neue Aufgabe für ein internationales Übereinkommen. Der Ausschuß der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums ist mit
dieser Frage befaßt und die Vereinigten Staaten werden aktiv mit diesem Ausschuß zusammenarbeiten. Wir sind dem stärkeren Austausch von Kommunikationen
und Ideen verpflichtet. Aber wir sind uns auch darüber im klaren, daß es unter
den direkt beteiligten Ländern eine volle Konsultation geben muß. Während wir
der Auffassung sind, daß das Wissen um die Erde und ihre Umgebung, das vom
Weltraum aus gewonnen wird, weitgehend allen zuteil werden soll, so sehen wir
doch ein, daß dies von Bemühungen begleitet sein muß, die sicherstellen, daß
alle Länder die Bedeutung dieser neuen Erkenntnisse voll begreifen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, an einer kooperativen Suche nach vereinbarten internationalen Grundregeln für diese Tätigkeiten mitzuwirken.
Entführung

�Entführung, Terror und Krieg:
...Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß nachhaltigere internationale Schritte

f,

;tan werden müssen - und zwar mit großer Dringlichkeit -,

um Flugzeugentfüi r e m und Terroristen ein Refugium zu verwehren und Sanktionen
geoer '*,r*t°n zu ergreifen, die ihnen helfen, sie aufnehmen, sie nicht straff
rechtlich verfolgen oder sie nicht ausliefern.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahre 1972 den Vereinten Nationen eine
neue internationale Konvention vorgeschlagen, um bestimmte Akte des internationalen Terrors, ^runter Entführung, Mord und andere brutale Handlungen zu verhindern und zu bestrafen. Diese Konvention ist bedauerlicherweise nicht angenommen worden - und als Folge hiervon Y ^en zahlreiche Unschuldige ihr Leben
verloren. Wir appellieren erneut an cie Vereinten Nationen, diese Konvention
oder ähnliche Vorschläge mit höchster Dringlichkeit wieder aufzugreifen und zu
verabschieden.
Terror muß wie Piraterie als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet
werden. Er diskreditiert jedes politische Ziel, dem er angeblich dienen soll,
und jede Natior , die ihn ermutigt. Wenn alle Länder den Terroristen ein Refugium verwehrt. , dann werden die terroristischen Praktiken wesentlich eingeengt werden - genauso wie die Zahl der Flugzeugentführungen als Ergebnis multilateraler und bilateraler Abkommen klar zurückgegangen ist. Alle Regierungen
haben die Pflicht, zivilisiertes Leben durch Unterstützung solcher Maßnahmen
zu verteidigen.
Gegenwärtig ist eine internationale Konferenz im Gange, um die Genfer Konventionen über das Kriegsrecht vom Jahre 1949 zu ergänzen. Wir werden weiterhin auf Regeln drängen, die es Ländern verbieten,ein

neutrales Land oder

eine internationale Organisation wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
daran zu hindern, die Behandlung von Kriegsgefangenen zu inspizieren. Wir unterstützen nachdrücklich Bestimmungen, die eine volle Klärung des Schicksals
von Vermißten fordern. Wir werden für die Immunität von Flugzeugen eintreten,
die Verwundete evakuieren, und wir werden ein Übereinkommen oder ein Protokoll
anstreben, das menschliches Verhalten in einem Bürgerkrieg fordert, das die

- 11 -

�die Folter, Massenerschießungen und die anderen Exzesse verbietet, die nur allzuoft einen Bürgerkrieg charakterisieren...
'las amerikanische Volk und die amerikanische Regierung glauben zutiefst
an die fundamentalen Normen menschlichen Verhaltens. Es ist uns ein Anliegen,
diese Normen zu wahren und zu fördern. Und wir werden kämpfen, um sie in internationalen Gremien durchzusetzen.
•

•

Multinationale Gesellschaften:
... Multinationale Gesellschaften ha^-en wesentlich zum wirtschaftlichen
Wachstum in ihren industrialisierten Mutterländern, wo sie am aktivsten sind,
und in den Entwickle

sländern beigetragen, wo sie einen Teil ihrer Tätigkeit

durchführen. Wenr diese Organisationen weiterhin dem wirtschaftlichen Wachstum
der Welt dienen sollen, dann liegt es im gemeinsamen Interesse, daß ihre Zukunft durch das internationale Recht und nicht durch politische Streitigkeiten bestimmt wird.
Manche 1 ander sind der Auffassung, daß multinationale Gesellschaften ihre
Volkswirtschaften in einer Weise beeinflussen, die nich ihren nationalen
Prioritäten entspricht. Andere sin' besorgt, daß diese Unternehmen sich der nationalen Besteuerung und nationalen Gesetzen durch Anlagen im Ausland entziehen könnten. Kürzliche Enthüllungen unsauberer finanzieller Beziehungen zwischen diesen Gesellschaften und Regierungsvertretern in einigen Ländern haben
Anlaß zu neuer Besorgnis gegeben.
Es bleibt jedoch ebenso richtig, daß multinationale Unternehmen mächtige
Triebfedern des Guten sein können. Sie können Hilfsmittel wie Kapital, Initiativen, Forschung, Technologie und Absatz auf eine Weise lenken und organisieren, die Produktion und Wachstum gewaltig steigern. Wenn eine internationale
Übereinstimmung über die richtige Rolle und die richtigen Aufgaben dieser Unternehmen erreicht werden könnte, dann könnte ihr lebenswichtiger Beitrag zur
Weltwirtschaft weiter ausgedehnt werden. Ein multilateraler Vertrag, der bindende Regeln für multinationale Unternehmen festlegt, scheint in naher Zukunft

�Zukunft nicht möglich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind jedoch der Auffassung, daß eine vereinbarte Erklärung von Grundprinzipien erreichbar ist.
Wir sind bereit, große Anstrengungen zu unternehmen und laden alle interessierten Länder ein, sich daran zu beteiligen. Wir erörtern gegenwärtig aktiv solche Richtlinien unr4 wir werden die relevante Arbeit der Kommission der Vereinten Nationen fü

übernationale Unternehmen unterstützen. Wir sind der Oberzeu-

gung, daß solche Richtlinien folgende Punkte berücksichtigen müssen:
- Übereinstimmung mit bestehenden Grundsätzen des internationalen Rechts
über die Behandlung von Ausländern und ihrer Eigentumsrechte;
- die Forderung an multinationale Gese 1 * chaften, nationale Prioritäten
in Rechn ung zu stellen, in Obereinstimmung

mit dem örtlichen Recht zu han-

deln und sich an ein faires Arbeitsrecht zu halten;
- Erfassung aller Multinationalen - der staatlichen wie der privaten Gesellschaften;
- keine Diskriminierung zugunsten von Unternehmen des Gastlandes, außer
unter speziell definierten und begrenzten Umständen;
- Definierung nicht nur der Verpflichtungen der multinationalen Gesellschaften, sondern auch der Pflichten der Gastregierung gegenüber den ausländischen, innerhalb ihrer Grenzen tätigen Unternehmen;
- Anerkennung der Verantwortlichkeit von Regierungen, anerkannte Prinzipien für den Ausgleich widersprüchlicher Gesetze anzuwenden, wenn es gilt, die
von verschiedenen Gastländern angewandten Bestimmungen aufeinander abzustimmen.
Wenn multinationale Einrichtungen das Objekt eines Wirtschaftskrieges
werden, dann wird dies ein schlechtes Omen für das Weltwirtschaftssystem sein.
Wir sind der Überzeugung, daß die weitere Tätigkeit übernationaler Gesellschaften nach akzeptierten Richtlinien mit den Forderungen der nationalen Souveränität in Einklang gebracht werden kann. Die Fähigkeit von Nationen, diese
Frage konstruktiv zu bewältigen, wird eine Bewährungsprobe dafür sein, ob die
Suche nach gemeinsamen Lösungen oder das Aufeinanderprallen von Ideologien
unsere wirtschaftliche Zukunft beherrschen wird.
XXX

�</text>
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