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t?

^

A«

10. September 1986

29

INHALT

DOKUMENTATION

Stärke Amerikas fördert weiltweite Stabilität
- Harvard-Rede von US-Außenminister Shultz -

Das deutsch-amerikanische Verhältnis; die Bedeutung visionären Denkens
- Ansprache von US-Botschafter Richard R. Burt -

Senat verurteilt Verhaftung Daniloffs durch die Sowjets
- Resolution einstimmig verabschiedet -

HINTERGRUND

Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil I -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

10. September 1986

29

STÄRKE AMERIKAS FÖRDERT WELTWEITE STABILITÄT
- Harvard-Rede von US-Außenminister Shultz -

BOSTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Shultz betonte in einer Rede anläßlich des 350jährigen Bestehens der amerikanischen Universität Harvard am 5. September 1986, die wiedergewonnene militärische Stärke
der Vereinigten Staatgen fördere die weltweite Stabilität im Rahmen einer
expandierenden freien Weltwirtschaft.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Harvard - diese großartige Institution steht für eine große Tradition
geistiger Offenheit, für freie Forschung und Streben nach Wahrheit. Und
weil sie die Alma Mater so vieler Präsidenten, Gouverneure, Senatoren,
Außenminister und anderer hoher Beamter war, verkörpert sie auch eine Verpflichtung an das Land - sich dem Wohlergehen der Nation und ihrer verantwortlichen Führungsrolle in der Welt zu widmen.
Ich weiß also, daß ich zum rechten Ort gekommen bin, um meinem Zorn
über die Verhaftung von Nick Daniloff Ausdruck zu verleihen, der 1956 zu
den Absolventen von Harvard gehörte.
Die zynische Verhaftung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten
erinnert uns an etwas, was uns bereits bekannt ist: unsere Tradition der
freien Forschung und der Offenheit wird von den Sowjets verachtet. Damit
zeigt sich die Schattenseite einer Gesellschaft, die es fertig bringt,
sich auf Geiselnahme als Instrument der Politik zu verlegen. Wir sollten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir sollten keinesfalls über irgendeinen "Handel" im Fall Daniloff
sprechen. Wir, und Nick selbst, haben diese Möglichkeit ausgeschlossen.
Die sowjetische Führung muß weise genug sein, um diesen Fall so schnell
wie möglich in Übereinstimmung mit den Geboten menschlichen Anstands und
zivilisierten Benehmens unter den Nationen zu lösen.
Ich weiß also, daß ich zum rechten Ort gekommen bin, um von Besorgnissen zu sprechen, über einige beunruhigende Tendenzen, die ich in diesem
Land sehe - von einigen wichtigen Lektionen, die Amerika in den letzten
Jahren gelernt hat und von anderen, die wir offensichtlich noch nicht gelernt haben. Diese beunruhigenden Tendenzen in unserem Land erscheinen
deshalb besonders paradox, weil sie vor dem Hintergrund machtvoller positiver Kräfte auftreten, die heute in der ganzen Welt am Werk sind, Kräfte,
die uns eine außergewöhnliche Chance bieten, falls wir diese Chance nutzen.

Der Wandel und seine positiven Auswirkungen
Was ist in den 50 Jahren seit der 300-Jahrfeier von Harvard nicht alles in der Welt geschehen 1 Kriege, Revolutionen, soziale Umwälzungen und
Fortschritte - das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der die Ereignisse
stattfanden, erscheinen dramatischer und sogar noch mehr mit Gefahren und
Verheißungen verbunden als im Gesamtzeitraum der voraufgegangenen drei
Jahrhunderte zusammengenommen.
Wir alle wissen, daß insbesondere die Beziehungen unseres Landes zu
den anderen Ländern dieser Welt in diesen 50 Jahren dramatischsten Veränderungen unterlagen. Und in mancher Hinsicht beschleunigt sich dieser
Wandel noch. Die Diplomatie ist kein gemütlicher Beruf mehr - zumindest
für Amerikaner. Sie kann es nicht sein, wenn irgendwo in der Welt zu jeder Stunde und an jedem Tag für uns gefährliche oder auch vorteilhafte Ereignisse stattfinden. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Nachrichtenaustausch zwischen dem Außenministerium und unseren Auslandsvertretungen um ca. 5o Prozent erhöht. Und doch ist es erst 25 Jahre her, daß
Dean Rusk das Operationszentrum des Außenministeriums schuf, um uns ein
Führungs- und Kommunikationssystem an die Hand zu geben, das rund um die
Uhr im Einsatz ist. In Krisenzeiten, wenn verschiedene Regierungsbehörden
in einem "Krisenstab" zusammengefaßt werden, um die Ereignisse rund um die
Uhr zu beobachten und darüber Bericht zu erstatten, benötigen wir besondere Kommunikationseinrichtungen zu ihrer Unterstützung. Im Jahr 1980 hatten wir ein solches Zentrum; heute besitzen wir drei, und es kommt manchmal vor, daß alle drei gleichzeitig im Einsatz sind. Seit ich vor vier
Jahren mein Amt antrat, mußten wir uns 18mal solcher Einrichtungen bedienen, um uns mit Krisen wie der Entführung von Flug 847 der TWA durch Terroristen, dem Erdbeben in Mexiko und dem Regierungswechsel auf den Philippinen zu befassen.
Die Verschiedenheit dieser Beispiele spricht ebenso für sich wie die
explosive Ausweitung der Kommunikationsmittel, durch die uns all diese Geschehnisse so nah gebracht werden.
Bisweilen ordnen

�Bisweilen ordnen wir Zeitabschnitten der Geschichte Bezeichnungen im
Hinblick auf das zu, wovon sie hauptsächlich geprägt wurden. So gab es
ein Agrarisches Zeitalter, ein Zeitalter der Industriellen Revolution; es
gab ein Zeitalter der Religion und eines, das vom Aufstieg des Nationalismus geprägt war. unsere Zeit, und die der nächsten Zukunft kann jedoch
nicht mit einem einzigen Wort oder Motto erfaßt werden. Unser Zeitalter
ist von vielen scheinbar widersprüchlichen Kräften geprägt:
- obwohl unser Planet durch die Kommunikationsmittel immer kleiner
wird und die Wirtschaft unsere wechselseitige Abhängigkeit verstärkt, ist
der Nationalismus stärker als je zuvor;
- die Technologie entwickelt sich in schwindelerregendem Tempo und
trotzdem entwickelt sich die Religion überall auf der Welt wieder zu einer
mächtigen politischen Kraft.
Ein bedeutender Trend ist jedoch schon erkennbar. Die fortgeschrittenen Staaten der Welt befinden sich schon inmitten einer neuen wissenschaftlichen und technologischen Revolution - einer Revolution, von deren
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und strategischen Folgen
wir erst die Anfänge spüren.
Das Industrielle Zeitalter geht seinem Ende entgegen; in einigen Teilen der Welt gehört es bereits der Vergangenheit an. Vor hundert Jahren
ging unser Land von der agrarischen zur industriellen Phase seiner Entwicklung über. Heute bleiben wir landwirtschaftlich und industriell produktiv. Wir können uns mehr als selbst ernähren. In den vergangenen 20
Jahren betrug der Anteil der Industrieproduktion an unserem Bruttosozialprodukt konstant 22 Prozent obwohl der Anteil von Arbeitskräften, die zur
Herstellung dieser Güter benötigt wurden, im gleichen Zeitraum von 24 auf
18 Prozent gesunken ist. Wenn wir jedoch trotzdem versuchen wollen, unserem Zeitalter einen Namen zu geben, dann müßten wir es als Zeitalter der
Information bezeichnen. Und es verspricht, die Struktur unserer Volkswirtschaften und das politische Leben auf diesem Planeten so gründlich zu
verändern, wie dies bei der Industriellen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts der Fall war.
Ich betrachte dies als einen sehr vielversprechenden Trend. Er bildet
einen Antrieb für ein neues Zeitalter des Wachstums, eine Herausforderung,
die zu meistern die freien Nationen der Welt in der besten Ausgangslage
sind. Der Präsident erfaßte diese Grundbeziehung zwischen Freiheit und
Fortschritt als er feststellte:
"überall beginnen Menschen und Regierungen zu erkennen, daß das Geheimnis einer fortschrittlichen neuen Welt in der Kreativität des menschlichen Geistes liegt... Unsere offene Befürwortung der Freiheit als Lokomotive des Fortschritts (ist einer der) wichtigsten Wege, um eine Welt zu
schaffen, in der Wohlstand allgemein verbreitet ist, Konflikte eine Ausnahme darstellen und Menschenwürde einen Bestandteil des täglichen Lebens
darstellt."
Der schnelle

�Der schnelle technologische Fortschritt ist beunruhigend; einige der
Grundlagen, die von vergangenen Gesellschaften als selbstverständlich hingenommen wurden, sind verschwunden. Und trotzdem ist es selbst inmitten
dieses enormen Wandels möglich, einige grundlegende und unveränderte Wahrheiten zu finden, auf die man sich verlassen kann.
So ist es kein Zufall, daß wieder einmal die freien Nationen Quelle
technologischer Neuerungen sind. Wieder einmal hat sich ein Wirtschaftssystem, das freier wissenschaftlicher Forschung, unternehmerischer Risikobereitschaft und Freiheit des Konsumenten kongenial ist, als Quelle der
Kreativität und des Mechanismus für die weite Verbreitung von Neuerungen
erwiesen. Wieder einmal ist ein politisches System, dem ein freier Fluß
von Ideen und Informationen, von Menschen und Gütern über Landesgrenzen
hinweg willkommen ist, ja, das gerade deshalb so erfolgreich ist, natürlicher Nährboden des Fortschritts. Wieder einmal finden die Entwicklungsländer auf der Suche nach ihrem eigenen Weg zu einer besseren Zukunft im
Westen ihren natürlichen Partner für gemeinsame Projekte. Und wieder einmal wendet sich sogar die kommunistische Welt an den Westen als Quelle moderner Technologie.
Unsere Gegner stehen wirklich vor einem unausweichlichen Dilemma. Sie
sehen das neue nach-industrielle Zeitalter heraufziehen und sie sehen
gleichzeitig, daß der Westen gut gerüstet ist, um daraus Nutzen zu ziehen. Wenn sie sich jedoch der Revolution auf dem Informationssektor und
den aus ihr erwachsenden Vorteilen öffnen, riskieren sie die Grundlagen
ihrer politischen Macht - die Bemühungen zur Kontrolle von Gedanken und
Verhaltensweisen durch Aufrechterhaltung eines strengen Monopols über Informationen und freie Kommunikation. Sie fürchten, die Kontrolle darüber
zu verlieren, was ihre Bürger lesen und sehen. Wie kann ein System, das
Fotokopiergeräte und Vervielfältigungsapparate einer strengen Kontrolle
und Aufsicht unterwirft, die Vorteile von Videosystemen und Personal-Computern ausnutzen? Mit jeder technischen Neuerung werden die Führer der
totalitären Welt an ihr quälendes Dilemma erinnert: sie können entweder
ihre Gesellschaften den Freiheiten öffnen, die für das Streben nach technischen Fortschritt unabdingbar sind, oder sie laufen Gefahr, daß sie noch
weiter hinter den Westen zurückfallen. In Wirklichkeit mag es für sie jedoch schon zu spät sein, um den Anschluß an die Zukunft herzustellen.
Wir ziehen daraus den Schluß, daß die Revolution im Informationswesen
für Amerika sehr vielversprechend ist. Und doch ist sie nur eine der positiven Kräfte, die gegenwärtig in der Welt am Werk sind. Lassen Sie mich
Ihnen einige weitere Beispiele aus anderen Bereichen geben, von denen wir
in den letzten Jahren erfahren haben:
Erstens ist uns vor Augen geführt worden, daß Freiheit wieder eine revolutionäre Kraft ist. Diktaturen - ob rechts oder links - sind nicht von
Dauer. In Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua haben Imperialismus, Unterdrückung und Reglementierung Widerstandsbewegungen hervorgebracht, die für die Rechte kämpfen, die ihnen von der kommunistischen
Herrschaft verweigert werden. In Südafrika steht das System der Apartheid
mehr unter Druck als je zuvor. In Lateinamerika hat die Sehnsucht nach

�Sehnsucht nach Demokratie das politische Aussehen eines ganzen Kontinents
verändert. Entgegen den Erwartungen, die viele noch vor fünf oder sechs
Jahren hegten, sind El Salvador, Honduras und Guatemala dem demokratischen
Beispiel Costa Ricas in Mittelamerika gefolgt - nur Nicaragua steht bei
dieser Entwicklung im Abseits. Auf den Philippinen hat dieselbe Sehnsucht
einen bemerkenswerten Übergang zu einer neuen Demokratie verursacht.
Thailand ist noch nicht die Aufmerksamkeit zuteil geworden, die es verdient. Scharfe politische Gegensätze haben dort kürzlich zu einer lebhaft
umkämpften Wahl geführt, deren Ergebnisse zu einer Regierungsneubildung
führten. Vor noch nicht allzu vielen Jahren wurde angenommen, daß die
Zahl demokratischer Staaten zu einer abnehmenden und belagerten Minderheit
werden würde; heute ist die Vitalität der demokratischen Idee die bedeutendste politische Realität unserer Zeit.
Und wir haben wieder einmal gelernt, daß zwischen Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt ein Zusammenhang besteht. Heute bestreiten nur
wenige Länder auf der Welt, daß unternehmerische Initiative in einer von
Marktkräften geprägten Umgebung die Lokomotive für Entwicklung und Wachstum darstellt. Auf den Wirtschaftsgipfeln haben alle führenden Industrieländer zur Kenntnis genommen, daß strukturelle, staatlich verordnete Unbeweglichkeit das Haupthindernis auf dem Weg zu neuem Wachstum bildet.
Während der Sondersitzung der Vereinten Nationen im Mai haben die afrikanischen Länder - darunter diejenigen, die am meisten unter Experimenten
kollektivistischer Planung zu leiden hatten - ein außergewöhnliches Dokument vorgelegt, in dem offenere Märkte und weniger staatliche Einmischung
gefordert wird. Diese Wahrheiten werden heute auch in der kommunistischen
Welt zur Kenntnis genommen, wie die Reformen in China und Ungarn zeigen.
Hier bei uns haben wir die Wahrheit wiederentdeckt, daß genauso, wie
Amerikas Schwäche die Welt zu einem gefahrvolleren Ort macht, Amerikas
Stärke Aggressionen abschreckt und Zurückhaltung sowie Verhandlungsbereitschaft fördert. Wir haben erlebt, wie der Wiederaufbau von Amerikas Verteidigung in den frühen achtziger Jahren den Sowjets einen Anreiz gab, zu
den Rüstungskontrollverhandlungen zurückzukehren. Unsere Fähigkeit, im
Ausland Machtmittel einzusetzen, hat uns dabei geholfen, unsere vitalen
Interessen zu wahren und unsere Freunde vor Subversion und Aggression zu
schützen. Unser militärischer Schlag gegen Libyen - den wir als letztes
Mittel nach Jahren des Terrorismus seitens Gadhafi unternahmen - hat gegenüber Freund und Feind ein machtvolles Zeichen gesetzt. Der Tag ist
noch nicht gekommen, an dem der Terrorismus, gleich anderen Aspekten des
Barbarentums unserer Zeit, als überwunden betrachtet werden kann. Aber
dieser Tag wird kommen - und wenn er kommt, wird die Geschichte zeigen,
daß Amerikas Entschlossenheit, gestützt durch unsere Macht, das Gleichgewicht zugunsten von Frieden und Sicherheit verändert hat.
Die letzten Jahre haben uns außerdem noch eine weitere Wahrheit ins
Gedächtnis zurückgerufen: Amerika ist eine mächtige und konstruktive
Macht für Fortschritt und menschliche Freiheit in der Welt. Während der
letzten dreieinhalb Jahrhunderte, derer wir uns heute erinnern, haben Amerikaner daran geglaubt, daß dieses Land eine moralische Bedeutung und Verantwortung hat, die unsere militärische und wirtschaftliche Macht über-

�Macht übersteigen. In unserem Nationalcharakter existiert eine unwiderstehliche Strömung, die uns dazu veranlaßt, Beispiel für Humanität und
Vorkämpfer für die Gerechtigkeit zu sein.
Dies hat teilweise mit unserer Geschichte zu tun. Unser Kampf für Gerechtigkeit und politische Freiheit begann nicht weit von hier entfernt
- mit mehr als einer Handvoll Harvard-Männern in der Vorhut. Vor etwas
über einem Jahrhundert haben wir den blutigsten Krieg unserer Geschichte
gekämpft, um dem Fluch rassisch begründeter Unterdrückung ein Ende zu setzen. Heute dauert dieser große Kampf für Gerechtigkeit in unserem eigenen
Land an. Mit der führenden Rolle, die unser Land in der Welt eingenommen
hat, besonders während der letzten fünfzig Jahre, bemühten wir uns immer
darum, dieselben hohen Maßstäbe und moralischen Ziele, die wir für uns
selbst ansetzen, auch auf unsere internationalen Bestrebungen anzuwenden.
Von der Gründung der Vereinten Nationen über den Marshall-Plan, die Bildung unserer demokratischen Bündnisse, unsere Unterstützung der Entkolonisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung bis hin zu unserer Haltung
als Vorkämpfer der Menschenrechte - diese Nation kann stolz sein auf das,
was sie in der Welt erreicht hat. Und wir sollten besondere Befriedigung
aus der Tatsache schöpfen, daß wir die von mir vorhin beschriebenen Tendenzen sehen können - die Verbreitung von Demokratie und wirtschaftlicher
Freiheit, die neue technologische Revolution -, Tendenzen, die wiederum
bedeuten, daß wir die Geschichte auf unserer Seite haben.

Tendenzen, die unsere Zukunft bedrohen
Und doch wächst heute, da wir selbst sehen können, daß eine bessere
Zukunft sich entwickeln kann, wenn - und vielleicht nur dann - Amerika daran beteiligt ist, wieder einmal der Druck in unserem Land, uns von der
Welt abzuwenden. Unheilvolle Entwicklungen drohen uns in nächster Zukunft, und nur die Wenigsten unter uns sind sich vielleicht dessen bewußt.
Und dies ist nicht das erste Mal. Unsere Nation hat sich mehr als
einmal vom Engagement in die Isolation begeben, und sogar in den Jahrzehnten, seitdem wir angeblich unsere isolationistische Vergangenheit hinter uns gelassen haben, sind wir bisweilen wieder von der Illusion verlockt worden, daß wir die Gerechtigkeit durch Selbstgerechtigkeit aus der
Isolation heraus fördern können, daß wir den Frieden schon dadurch stärken, daß wir ihn wünschen. Wir sind ein ungeduldiges Volk. Bisweilen
scheint es unsere Überzeugung gewesen zu sein, daß Probleme entweder
schnell gelöst werden sollten oder überhaupt nicht, daß wir unseren Prinzipien am besten dienen, wenn wir uns in die richtige Pose werfen oder
wenn wir etwas tun, was uns - für den Moment - ein gutes Gefühl bereitet.
Es ist Zeit für uns aufzuwachen - bevor wir die Zukunft der Welt und
unsere eigene aufs Spiel setzen. Diese Gefahren treten in verschiedenen
Formen auf, aber allen gemeinsam ist ein gedankenloser Eskapismus, ein
Rückzug aus der Verantwortung, ein Versuch, der Realität unserer Abhängigkeit von der Welt sowie der Abhängigkeit der Welt von uns zu entkommen.
Ob wir dies nun zugeben oder nicht: zusammengenommen sind sie nichts weniger als ein Rückfall in den Isolationismus, der einst die Welt wieder
einer Katastrophe entgegentreiben könnte.
Ein Anzeichen

�Ein Anzeichen von Gefahr ist das Übel des Protektionismus. Nie seit
den Tagen von Smoot-Hawley sind die Kräfte des Protektionismus im amerikanischen Kongreß so mächtig gewesen wie heute. Aus den Erfahrung von vor
fünfzig Jahren sollten wir gelernt haben, daß der Protektionismus uns und
unsere Handelspartner nur verarmen läßt, daß er unvermeidlich zu Vergeltung führt und die Antriebskräfte des Welthandels und damit des weltweiten
Wirtschaftswachstums zum Erliegen bringt.
In den frühesten Tagen unserer Nation verstanden die Gründerväter der
Vereinigten Staaten, daß der freie Handel den Schlüssel zu Wachstum und
Wohlstand bildete. Innerhalb der Grenzen unserer Nation schufen sie ein
offenes Handelssystem, und das Resultat bestand in der größten - und deshalb zugleich reichsten - Wirtschaft der Welt. Ebenso hatten die Staatsmänner, die nach dem Zweiten Weltkrieg politische Verantwortung trugen,
die Lektionen der dreißiger Jahre begriffen. Sie etablierten eine immer
offenere Weltwirtschaft, und Generationen profitierten von dem Wachstum
und der Stabilität, die daraus folgten. In der Weltwirtschaft von heute
hängt unser Wohlstand und der anderer Länder sogar noch stärker von einem
offenen Handelssystem ab.
Jetzt breiten sich jedoch Protektionismus und andere gegen den Wettbewerb gerichtete Praktiken wie etwa Subventionen spiralenförmig aus, und
gefährden einige unserer wichtigsten sicherheitspolitischen Beziehungen zu
anderen Ländern. Die jungen Demokratien auf den Philippinen und in Lateinamerika, die mit Schulden belasteten ärmeren Länder und auch viele befreundete Nationen auf der ganzen Welt, die alle ihren Weg zurück zum
Wohlstand finden wollen, sehen den vor ihnen liegenden Weg durch den Protektionismus in unserem Land bedroht. Weil unsere Wirtschaft die größte
ist - und weil wir immer eine Säule des freien Handels waren - werden wir,
wenn wir nachgeben, den auf der ganzen Welt bestehenden Hoffnungen auf
Wohlstand und Frieden unsäglichen Schaden zufügen. Und unsere eigenen zukünftigen Bürger werden uns dafür verantwortlich machen, daß wir versagt
haben, als es darum ging, die Interessen unseres Landes zu vertreten.
Eine andere Art des Auswegs stellt der selbstgerechte Moralismus dar.
Ich muß sagen, daß ich Anzeichen dafür in dem leidenschaftlichen Bemühen
um Strafmaßnahmen gegen Südafrika erkenne. In Wirklichkeit haben jedoch
die Vereinigten Staaten seit dem von Präsident Kennedy verhängten Verbot
des Verkaufs militärischer Güter im Jahr 1962 bis hin zu den zahlreichen
Maßnahmen, die mit Präsident Reagans Präsidialerlaß von 1985 verfügt wurden, fortwährend Sanktionen verhängt. Und jetzt verlangsamt der freie
Markt selbst den Schritt der südafrikanischen Wirtschaft. Aber Sanktionen
sind keine Lösung. Die Adressaten politischer Sanktionen werden zunehmend
unbeugsamer und können sich ihrer eigenen Verantwortung entziehen, indem
sie "Einflüsse von außen" zum Sündenbock erklären. Die weißen Südafrikaner müssen erkennen , daß sie das Unglück der Apartheid selbst geschaffen
haben und daß sie es auf eine tatkräftige und gesetzmäßige Art und Weise
beheben müssen, wenn ihre eigenen Interessen fortbestehen sollen. Die
jetzt im Kongress vorgeschlagene Bandbreite von Sanktionen würde Amerika
auf zweifache Art und Weise schaden; indem sie die Befürworter der Apartheid in die Lage versetzen, uns für die katastrophale Wirtschaftslage Süd- 7 -

�Wirtschaftslage Südafrikas verantwortlich zu machen und gleichzeitig unsere Präsenz, unseren Einfluß und unser Vorbild als Antriebskraft für einen wirtschaftlichen und politischen Wandel drastisch beschneiden. In der
Illusion, unseren Einfluß auf die Ereignisse zu verstärken, könnten wir
uns als Ergebnis unserer Abweseneit von der südafrikanischen Bühne schnell
am Rande wahrer Machtlosigkeit wiederfinden.
Der Übergang von der Tyrannei zur Demokratie ist ein delikater Prozeß. Manchmal funktioniert er überhaupt nicht, wie etwa im Iran oder in
Nicaragua. Manchmal ist er auch erfolgreich, wie in Spanien, Portugal,
den Philippinen oder in Lateinamerika. Wir sollten unsere Position klar
vertreten: wir sind für ein schnelles Ende der Apartheid und für einen
friedlichen Übergang zu einem demokratischen System. Es ist nicht unsere
Aufgabe, einen Rassenkrieg anzufachen oder eine Polarisierung zu beschleunigen, die diesen einleiten könnte. Unsere Moral und unsere Grundwerte
müssen sich in unserer Außenpolitik vollständig widerspiegeln. Aber wir
sollten uns vor einer selbstgerechten Moral hüten, mit der wir uns ins eigene Fleisch schneiden und die somit unseren moralischen Zielsetzungen zuwiderläuft.
Weitere Beispiele unserer Tendenz zum Rückzug liefert unsere diplomatische Ungeduld. Die Verfolgung praktischer politischer Lösungen auf dieser Welt erfordert Beständigkeit, Verständnis für Vielfalt und die Anerkennung der Notwendigkeit von Kompromissen. Nur auf dem Verhandlungswege
binden wir andere Nationen in positive Zielsetzungen ein. Aber gerade das
Konzept von Verhandlungen wird heutzutage durch eine Vielzahl von Mißverständnissen beeiträchtigt.
Diejenigen, die dringend Verhandlungen fordern, sehen oft nicht, daß
Diplomatie durch Stärke untermauert werden muß. Andere argumentieren - zu
Recht - daß wir niemals aus der Position der Schwäche heraus verhandeln
sollten und behaupten danach, daß wir es aus der Position des Stärkeren
heraus nicht nötig haben, zu verhandeln. Wieder andere sprechen uns jeglichen Einfluß ab oder wollen einseitige Zugeständnisse rechtlich verankern, manche wiederum fürchten Verhandlungen, weil sie annehmen, daß wir
dabei lediglich ausgenutzt werden. Viele verzweifeln an den Vereinten
Nationen und den ihnen innewohnenden beunruhigenden Tendenzen, aber manche
würden eher ihre Herausforderungen und Möglichkeiten ausschlagen als von
unserer Fähigkeit Gebrauch zu machen, ihre Funktionsfähigkeit zu verbessern. Wir müssen unsere Position in den Vereinten Nationen auf positive
Weise festigen, damit nicht andere, deren Interessen unseren entgegenstehen, unseren Platz einnehmen.
Gleichgültig, ob es um regionale Konflikte, Rüstungskontrolle oder
Handelsfragen geht, verbünden sich also Elemente aus allen Teilen des politischen Spektrums, wenn es darum geht, Ratschläge des Eskapismus zu erteilen. Das ist eine Verleugnung der Wirklichkeit. Realität ist, daß Bemühungen zur Lösung von Problemen zwischen Nationen unerläßlich und letztendlich unvermeidbar sind. Realität ist, daß Demokratien keine Politik
der Unnachgiebigkeit unterstützen werden. Realität ist auch, daß viele
praktische und realisierbare Ziele durch hartnäckige Verhandlungen erreicht werden können. Verhandlungen können funktionieren.
Es gibt schließlich
- 8 -

�Es gibt schließlich noch eine weitere außergewöhnliche Entwicklung:
Der Angriff des Kongresses auf den Haushalt für auswärtige Angelegenheiten. Wir sehen uns dem Abbau, ja, dem Abschlachten des wichtigsten Instruments unserer Außenpolitik gegenüber: der Fähigkeit, unsere Interessen
und Ideale in erheblichem Maße zu vertreten und zu unterstützen. Wir stehen vor einer selbstverschuldeten Krise, die, wenn sie nicht bewältigt
wird, in erheblichem Maße die Fähigkeit der Vereinigten Staaten beeinträchtigen wird, ihre Führungsrolle in der Welt aufrechtzuerhalten, die
internationale Sicherheit zu verbessern und die Sache der Freiheit, Demokratie und des menschlichen Fortschritts zu unterstützen.
Es fällt mir schwer, davon in Harvard zu sprechen, wo George C. Marshall einen Plan vorschlug, der die Vereinigten Staten mit der Zukunft Europas verband. Er sprach für eine Generation von Staatsmännern beider politischer Parteien, die die Lektionen der dreißiger Jahre gelernt hatten
und die den Vereinigten Staaten eine Verpflichtung für die Welt zuschrieben, für ein offenes Wirtschaftssystem und für die Verteidigung der Freiheit gegen die Tyrannei. Sie begründeten die Säulen des Systems der Nachkriegszeit,
- das Währungssystem von Bretton Woods, das die Welt verband,
- das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und seine
Folgekonferenzen,
- den Marshall-Plan und die Weltbank, die Mechanismen für
internationalen Wiederaufbau und Entwicklung (der Marshall-Plan
machte damals 11 Prozent des Gesamthaushalts aus) und
- die NATO.
Die Leistungen der Politiker der Nachkriegszeit bedeuteten die Durchsetzung von Theorien, Erkenntnissen und Führungskraft, die vorher entwikkelt und auf breitester Basis angelegt waren. Sie wurden zu Grundpfeilern
der Demokratie, des Wohlstandes und der Sicherheit des Westens, wie wir
ihn heute kennen.
Im Januar dieses Jahres legte Präsident Reagan dem Kongreß einen Haushaltsentwurf für internationale Angelegenheiten im Finanzjahr 1987 vor,
den wir bereits auf ein Minimum begrenzt hatten. Er umfasste lediglich
zwei Prozent des gesamtes Bundeshaushalts. Trotzdem hat der augenblickliche Kongreßbeschluß zum Haushalt diesen minimal angelegten und wohlüberdachten Entwurf nochmals um 27 Prozent gekürzt. Und die jüngsten Maßnahmen des Kongresses würden den verbleibenden Betrag noch weiter einschränken und beschneiden.
- Diese Kürzungen werden uns, zusammen mit den Bestimmungen über die
Höhe von Hilfsleistungen an einige wenige Länder, über die Hälfte unserer
gesamten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Unterstützung an viele Länder der Welt entziehen. Gerade dies sind Länder, die für unsere für
unsere Interessen und unsere Sicherheit eine Schlüsselposition einnehmen

�Schlüsselposition einnehmen und denen wir beim Übergang zur Demokratie und
wirtschaftlichen Freiheit helfen müssen. Die Dollars, die wir für eine
solche Untestützung ausgeben, sind das kostengünstigste Geschäft bei all
unseren nationalen Sicherheitsbemühungen.
- Das heißt, daß wir eine Reihe unserer diplomatischen Vertretungen
schließen und unser Personal im Ausland einschränken müssen - bis auf einen Personalstand, der unter demjenigen liegen wird, wie er zu den Zeiten
bestanden hat, als George C. Marshall Außenminister war.
- Es heißt weiter, daß wir unsere Mittel für die multilateralen Entwicklungsbanken, die für den wirtschaftlichen Fortschritt der Dritten Welt
sehr wichtig sind, um ein Drittel kürzen müssen,
- Das bedeutet auch einen Schlag für unsere Bemühungen um eine Einschränkung der Produktion und des illegalen Exports von Drogen aus dem
Ausland, gerade wo unsere Programme zu wirken beginnen.
- Und es bedeutet auch die Schließung amerikanischer Büchereien und
Kulturzentren im Ausland und eine Einschränkung der Sendungen der 'Voice
of America'.
Ich bin nicht nach Harvard gekommen, um Ihnen lediglich von einer weiteren bürokratischen Schlacht um den Haushalt zu berichten. Die Auswirkungen dieser Kürzungen werden zusammen mit den drastischen Einschränkungen im Verteidigungshaushalt, ausuferndem Protektionismus und dem moralischen Wunsch nach Rückzug von den Belangen der Welt für unsere auswärtigen
Beziehungen verheerend sein. Das hieße, die vergangenen fünfzig Jahre, in
denen Amerika eine positive Führungsrolle in der Welt innehatte, zunichte
zu machen; es wäre einfach gedankenlos, das gerade jetzt zu tun, wo so
viele positive Trends in der Welt sichtbar werden und so viele Möglichkeiten offen vor uns liegen.
Die Geschichte zeigt uns, daß der amerikanische Rückzug in diesem
Jahrhundert nur die weltweit bestehenden Gefahren und das Risiko von Konflikten verstärkt. Die strategischen und wirtschaftlichen Konsequenzen
des Smoot-Hawley-Zolls trugen - zusammen mit den Illusionen des Isolationismus und verminderter Verteidigungsfähigkeit - dazu bei, die internationalen Spannungen anzufachen, die zum Zweiten Weltkrieg führten. (Sogar in
den siebziger Jahren haben wir gesehen, daß unsere Gegner, deren Absichten
den von uns verfolgten Prinzipien diametral entgegenstehen, Vorteil daraus
ziehen, wenn Amerika sich auf sich selbst zurückzieht.)
Warum sollen wir also nach innen blicken, wenn andauerndes Engagement
Früchte trägt? Wir sind eine Nation von beispielloser Stärke, - sowohl
auf strategischer, als auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene
- und haben einmalig glückliche Voraussetzungen. Wenn unsere Wirtschaft
stark ist, wenn unsere Position in der Welt gesichert ist, vergißt man nur
zu leicht, daß viele Länder der Welt um uns herum immer noch von wenigen
Rücksichtslosen regiert sind, die nicht zögern werden, das Vakuum auszufüllen, das entsteht, wenn wir uns zurückziehen.

Ein offenes
- 10 -

�Ein offenes Fenster zur Welt
Meine Rede begann damit, daß diese bedeutende Universität der richtige
Ort ist, um darüber zu sprechen, was Amerika und die Welt in den vergangenen Jahren gelernt haben. Heute, wo wir alle uns Harvards rühmen, wo die
höhere Bildung in Amerika ihren Anfang nahm, denken wir nicht nur daran,
was Harvard als Universität bedeutet hat, sondern auch an die Bedeutung
der Institution für Amerika und für unser zukünftiges Engagement in der
Welt.
Meiner Ansicht nach ist Amerikas Vergangenheit durch das große Thema
'Offenheit' gekennzeichnet.
Bruce Catton, Historiker des Bürgerkrieges, beschrieb einmal die Gründung seiner Heimatstadt Benzonia in Michigan im Jahre 1858. Er beschrieb
die Menschen, die "daran glaubten, daß es eine Zukunft geben würde und die
daran bauten. Wenn sie sich umschauten, sahen sie Menschen statt Bäume.
Das was ihr Leben ausmachte, war nicht so sehr die Umwandlung von Baumstämmen in Bretter, sondern vielmehr die Gründung einer menschlichen Gesellschaft. (...) Benzonia wurde von den Menschen gegründet, die glaubten,
daß der Rand eines endlosen Waldes genau der richtige Ort sei, um ein College zu gründen".
Immer wieder wiederholten die Amerikaner in jedem Teil unseres Landes
diesen Akt der Schöpfung. Genauso wie das puritanische Massachusetts am
Rande der Zivilisation nicht ohne eine LehrInstitution auskommen konnte,
so haben immer wieder vorausschauende Amerikaner es ihnen gleichgetan und
sind so schließlich 1636 zu jenem prophetischen Ereignis gelangt, das die
Universität Harvard ins Leben rief.
Unsere Universitäten nehmen in der Welt eine Führungsrolle ein, weil
wir eine offene Gesellschaft haben - offen gegenüber Menschen, Ideen, Unternehmungen und Wandel.
Ich habe einen großen Teil meines Lebens an der Universität verbracht. Ich habe dort gelehrt, aber ich habe auch eine Menge gelernt.
Eine Sache, die ich gelernt habe - die sich bei meinen Reisen um die Welt
bestätigt hat - ist, daß unsere Colleges und Universitäten zu Amerikas
größten Errungenschaften zählen. Es gibt auf der ganzen Welt nichts, das
unserem Ausbildungssystem gleichkommt. Alfred North Whitehead hat 1927 in
diesem Zusammenhang gesagt, daß die Vereinigten Staaten "in der Entwicklung eine Führungsrolle übernommen haben, die sich unter entsprechender
Anleitung als einer der glücklichsten Schritte erweisen könnte, die die
Zivilisation bis jetzt unternommen hat".
Heute wendet sich die Welt uns vor allem wegen unserer Offenheit zu.
Nach Harvard kommen, wie an alle großen Universitäten, Studenten aus allen
Erdteilen auf der Suche nach neuen Dimensionen des Verständnisses und der
Analyse, neuen Trends von Theorien und Innovationen, neuen Entwicklungen
im Bereich des menschlichen Wissens. Heute studieren über 340 000 junge
Männer und Frauen aus Übersee in den Vereinigten Staaten, um nur einige
- 11 -

�nur einige Zahlen zu nennen: 21 000 kommen aus Malaysia, 18 000 aus Nigeria, 6 000 aus Großbritannien. Es ist besonders dankenswert, daß China,
eine Nation, die über so lange Zeit hinweg versucht hat, sich von der Aussenwelt abzuschließen und sich nach totalitärem Vorbild auszuformen, jetzt
mehr als 15 000 Studenten jährlich hierher schickt.
Die amerikanische Universität war immer die Heimat derjenigen Grundsätze, die Amerika geformt haben - von den theologischen Disputen des
16. Jahrhunderts bis hin zu den modernen Diskussionen über die Rolle unseres Landes in der Welt. Heute ist unser Universitätssystem Teil der Entwicklung einer besseren Weltgesellschaft.
Amerika ist durch seine großen privaten Institutionen und durch seine
Menschen unauflöslich mit der Welt verbunden - und durch deren internationale Interessen, Reisen und Verbindungen.
Wie paradox ist es demnach, daß die amerikanische Reierung jetzt möglicherweise - vielleicht unbewußt und unsicher - mit unseren nach außen
schauenden Bürgern und ihren breit gestreuten Interessen in die falsche
Richtung abgleitet.
Heute ändern sich unsere Ideen und Interessen. Wir haben die Wahl.
Ich fordere heute ein neues Bewußtsein für die Tatsache, daß Amerika - die
Regierung und die Menschen - der Welt gegenüber offen und engagiert bleiben muß, oder wir riskieren den Verfall unserer Substanz als Volk und unsere Berufung als eine Nation.
Ich glaube, daß diese berunruhigenden Trends, die ich gerade beschrieben habe, nicht repräsentativ dafür sind, was dieses Land und seine Menschen wirklich denken. Als größte Demokratie der Welt muß Amerika alle
anderen daran erinnern, daß es eine Alternative zu Tyrannei, Unterdrückung
und Verzweiflung gibt. Diejenigen, die ein College an den Rand eines endlosen Waldes gebaut haben, waren keine furchtsamen und schüchternen Menschen. Sie sind ihrer Verantwortung nicht ausgewichen. Sie waren praktisch denkende Männer und Frauen. Sie waren erdverbunden und realistisch
und ihr Leben wurde von einem Traum, einer Vision gelenkt und vom Pflichtgefühl gegenüber zukünftigen Generationen gelenkt.
Lassen Sie uns diese Tradition hochhalten Es ist eine wirklichkeitsund praxisbezogene Tradition, dem Fortschritt offenener Gesellschaftssysteme verpflichtet. Es ist eine Aufforderung an uns, Vertrauen in die
Zukunft zu zeigen, wie es nur Offenheit und Freiheit hervorbringen können.

* * * * *

- 12 -

�AMERIKA DIENST
^7

Dokumentation

C*

10. September 1986

29

DAS DEUTSCH-AMERIKANISCHE VERHÄLTNIS:
DIE BEDEUTUNG VISIONÄREN DENKENS
- Rede des amerikanischen Botschafters in Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der amerikanische Botschafter, Richard R. Burt, hat
einen neuen Geist visionären Denkens und des Optimismus in den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland gefordert, der dem in der unmitteloaren Nachkriegszeit von Amerikanern und Deutschen gezeigten ebenbürtig sein solle.
In einer Rede anläßlich von Feierlichkeiten zum vierzigsten Jahrestag
der "Rede der Hoffnung" des amerikanischen Außenministers James F. Byrnes
erklärte der Botschafter, daß "dieser Tag den Beginn 'positiver' vierzigster Jahrestage symbolisiert - Gedenkfeiern zu Ereignissen und Beschlüssen, die das Fundament unserer Nachkriegswelt legten".
Nachfolgend bringen wir die Rede des amerikanischen Botschafters im
Wortlaut:
In den letzten beiden Jahren haben wir viele 40. Jahrestage bedeutender Eraignisse in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg begangen. Die
meisten dieser Anlässe waren dem Gedenken an wichtige Schlachten oder militärische Siege gewidmet. Obwohl diese epochalen Ereignisse letztendlich
zu Hitlers Niederlage führten, forderten sie doch auch einen tragischen
Preis an Menschenleben. In Europa wie in den Vereinigten Staaten wecken
sie immer noch bittere Erinnerungen und schreckliche Bilder.
Der heutige

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�De:: heutige Tag symbolisiert den Beginn einer hoffnungsvolleren Reihe
40. Jahrestage. In der Zukunft werden wir "positive" Jahrestage begehen
können - Gedenkfeiern zu Ereignissen und Beschlüssen, die das Fundament
unsere: Nachkriegswelt legten.
Die vielleicht bedeutendste Leistung der Nachkriegszeit bestand in der
Entstehung eines neuen und demokratischen Deutschland. Die Bundesrepublik
repräsentiert die besten Traditionen der westlichen Kultur. Sie hat in
Zusammenarbeit mit der atlantischen Gemeinschaft dabei mitgewirkt, unseren
Völkern mehr Freiheit und Stabilität zu geben, als dies jemals in der jüngeren Vergangenheit der Fall gewesen ist.
Es ist bemerkenswert, daß so viele der Grundlagen dieser Gemeinschaft
in den ersten beiden Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt wurden. Oft
waren sie das Ergebnis amerikanischer Initiativen, wie etwa des MarshallPlans. Andere ebenso historische Leistungen waren das Produkt des Hutes
und de: Kreativität des deutschen Volkes.
Die Berliner Kommunal wähl vom 20. Oktober 1946 ist dafür ein Beispiel. Trotz sowjetischen Zwangs statteten die Berliner die demokratischen Parteien mit einer überwältigenden Mehrheit aus und fügten den Kommunisten eine nachdrückliche Niederlage zu. Es ist eine tragische Tatsache, daß dies nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige freie Wahl blieb,
an der alle Berliner sich beteiligen konnten. Aber es war das erste Mal
von vielen, daß die Bevölkerung von Berlin freiheitsliebenden Völkern in
der ganzen Welt Hoffnung gab.
r^ine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Deutschlands in diesen
frühen Jahren spielten die deutschen Universitäten. In der Amerikanischen
Zone wirden sechs der sieben Vorkriegsuniversitäten Anfang 1946 wieder eröffnet. Zehntausende heimkehrender Soldaten fanden durch ein universitätsotudium den Weg zu einem neuen Leben.
Einer der frühesten und sicherlich einer der wichtigsten Schritte zum
Aufbau dieses neuen Deutschland wurde vor genau vierzig Jahren hier in
dieser großartigen Stadt Stuttgart getan. Dieses Ereignis war eine Rede
des amerikanischen Außenministers James Byrnes.
Ich bin Ministerpräsident Späth und Oberbürgermeister Rommel dankbar
für die Gelegenheit, an diesem Jahrestag hier zu sprechen. Ich fühle mich
besonders durch die Tatsache geehrt, daß Bundesaußenminister Genscher, der
hier zum 20. Jahrestag der Byrnes-Rede eine hervorragende Ansprache zur
politischen Rolle Deutschlands gehalten hat, heute hier unter uns weilen
kann, da wir ihren 40. Jahrestag begehen. Ich bin außerdem hocherfreut
über die Anwesenheit von General Dick Lawson, einer der hervorragendsten
militärischen Persönlichkeiten Amerikas.
Ich möchte versuchen, die Ansicht eines Amerikaners zum Hintergrund
und zu den Folgen dieser Rede beizutragen. Und, wichtiger noch, ich
möchte versuchen darzustellen, wie meiner Meinung nach die von James
Byrnes formulierten Ideen uns in Zukunft leiten können.
Um die Bedeutung

�Um die Bedeutung dieser Rede vollständig zu würdigen, müssen wir uns
die Lage Europas an diesem 6. September 1946 vor Augen führen.
Außenminister Byrnes hatte sich drei Monate lang fast ständig mit seinen britischen, französischen und sowjetischen Kollegen in Paris getroffen. Ihre Aufgabe bestand darin, die Gestalt des Nachkriegseuropa zu bestimmen. Wie der Minister in seinen Memoiren selbst schrieb, bestand die
wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe in der Zukunft Deutschlands.
Nun war Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt. Berlin wurde von
den vier Mächten separat verwaltet. Trotz der während der letzten Kriegsmonate erzielten Vereinbarungen hatte es keine Fortschritte bei der Überwindung sowjetischer Vorbehalte gegen den Aufbau einer zentralen Verwaltung gegeben.
Diese Verzögerung hatte eine immense Wirkung auf die deutsche Bevölkerung. Die Sowjetunion blockierte Nahrungsmittellieferungen von ihrer Zone
ins übrige Deutschland. Sie verlangte eine Vereinbarung über ein weitreichendes Reparationsprogramm, einschließlich der Viermächtekontrolle
über das Ruhrgebiet, als Vorbedingung für die Lieferung von Nahrungsmitteln.
In den Westzonen existierten die meisten Bewohner von 1 000 Kalorien
pro Tag. Dies ist weniger als das zum Überleben notwendige Minimum. Amerika gab 200 Millionen Dollar jährlich aus, um die deutsche Bevölkerung
verpflegen zu helfen. Die CARE-Lieferungen begannen im August 1946 - ein
weiterer bedeutender vierzigster Jahrestag, den wir dieses Jahr begehen.
Der ursprüngliche amerikanische Plan für Deutschland hatte in der Errichtung eines wiedervereinigten, entmilitarisierten Staates bestanden.
Der entmilitarisierte Status sollte dabei von den vier Siegermächten garantiert werden. Im April 1946 schlug Außenminister Byrnes die Einführung
einer Viermächtekommission zur Ausarbeitung eines Friedensvertrages vor,
der auf diesen Prinzipien beruhen sollte. Großbritannien und Frankreich
stimmten zu. Der sowjetische Außenminister Molotow lehnte es ab, über den
Vorschlag überhaupt zu reden.
Die sowjetischen Vorschläge hinsichtlich Deutschlands waren in einer
Rede enthalten, die Molotow am 10. Juli 1946 im Rahmen der Pariser Konferenz hielt. Der sowjetische Außenminister behauptete, die UdSSR unterstütze ein vereintes Deutschland mit einer starken industriellen Basis.
Es gab jedoch sowjetische Vorbedingungen, insbesondere eine befriedigende
Zahlung von Reparationen. Am ominösesten war Molotows Argumentation, wonach der Abschluß eines Friedensvertrages "für einige Jahre" vertagt werden müsse.
In einigen wenigen entscheidenden Monaten trat somit der Umriß der
Nachkriegsentwicklung klar zutage. Man konnte beobachten, wie die ersten
Anzeichen des großen Ringens um Herz und Seele Europas, das später den
ganzen Kontinent erfaßte, sich entfalteten. Minister Byrnes brachte klar
zum Ausdruck, wie Amerika beim Aufbau der Nachkriegswelt helfen wollte.

�helfen wollte. Das sowjetische Verhalten enthüllte eine zielbewußte Kampagne zur Kontrolle, die Deutschland und Europa bis auf den heutigen Tag
in Teilung verharren läßt.
Die sowjetischen Vertreter lehnten es ab, über eine zentrale Verwaltung Deutschlands überhaupt zu diskutieren. Sie verlangten umfassende Reparationen und verwehrten dem deutschen Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Sie stellten öffentlich und in vertraulichen Gesprächen klar, daß
ein Friedensvertrag solange aufgeschoben würde, bis nicht genau definierte
Vorbedingungen, einschließlich der Zahlung von Reparationen, erfüllt seien.
In seinen Memoiren beschrieb Minister Byrnes seine Reaktion auf Molotows Rede folgendermaßen:
"Mit dieser Erklärung wurden unsere Befürchtungen bestätigt, wonach
die Sowjetunion, wenn sie nicht durch die Weltmeinung dazu gezwungen
würde, in den kommenden Jahren einem Friedensvertrag mit Deutschland
nicht zustimmen würde. Sie würde ihr Vetorecht im Alliierten Kontrollrat sowie im Rat der Außenminister dazu benutzen, um die Annahme
ihres Konzepts einer 'demokratischen' Regierung zu sichern; um eine
teilweise Kontrolle über die deutsche Industrie zu sichern... und die
Zahlung von Reparationen in Höhe von 10 Milliarden Dollar durchzusetzen."
Einen Tag nach Molotows Rede, am 11. Juli 1946, kündigten die britischen und amerikanischen Behörden die Vereinigung ihrer Zonen zur sogenannten Bizone an. Frankreich schloß sich ihnen später an. Dieser
Schritt wurde von der Sowjetunion als Anfang der Teilung Deutschlands verurteilt. In Wirklichkeit zielte die sowjetische Politik darauf ab,
Deutschland und seine Bevölkerung als Geiseln zu halten. In zynischer
Weise sollten eine ausreichende Ernährung und der wirtschaftliche Wiederaufbau hinausgeschoben werden, bis die politischen Forderungen der Sowjets
erfüllt waren. Der Prozeß des Wiederaufbaus in den westlichen Zonen
konnte nur beginnen, wenn diese selbst den ersten Schritt taten.
Der Minister hatte ursprünglich beschlossen, eine Erklärung zur amerikanischen Politik solange aufzuschieben, bis der Rat der Außenminister
sich über die Zukunft Deutschlands im klaren war. Die Molotow-Rede veranlaßte ihn, seine Meinung zu ändern.
Byrnes entschloß sich, seine Ansprache in Stuttgart, dem Sitz des Länderrats der Ministerpräsidenten der amerikanischen Zone, zu halten. Die
amerikanischen Behörden hatten schon in Januar 1946 die ersten Kommunalwahlen organisiert. Der Länderrat bildete das sichtbarste Ergebnis der
amerikanischen Bemühungen um den Aufbau einer demokratischen Regierung in
Deutschland.
Der Minister reiste nach Stuttgart von Berlin aus, wo er sich mit General Clay beraten hatte. Er beschloß, die Reise im Zug zurückzulegen,
damit er sich aus erster Hand einen Eindruck von der völligen Verwüstung
Deutschlands machen konnte. Während seiner Reise traf er auf viele amerikanische Soldaten.
Nach seiner

�Nach seiner Ankunft in Stuttgart hielt Minister Byrnes ein Treffen mit
dem Länderrat ab. Dann begab er sich in das Württembergische Staatstheater, das zu jener Zeit der einzige noch intakte größere Versammlungsort in
Stuttgart war. Die Atmosphäre dieses Tages wurde mir von Professor
William Griffith beschrieben, einem der großen amerikanischen DeutschlandKenner, der jetzt in Bonn zu meinen Mitarbeitern gehört. Im Jahr 1946 war
er als junger Offizier bei den Besatzungsbehörden in München.
Professor Griffith erinnert sich, wie er mit einem Gefühl der Erwartung nach Stuttgart reiste. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Besatzungsmächten waren weithin bekannt. Er und seine Kollegen wußten
nicht, was die Rede enthalten würde. Wahrscheinlich hat es einige Zeit
gedauert, bis die meisten der Zuhörer sich darüber klar wurden, was für
einen Wendepunkt sie darstellte.
Der Rahmen der Veranstaltung entsprach ganz der amerikanischen Tradition. Zusätzlich zu den militärischen Vertretern saßen zwei Senatoren neben Byrnes auf dem Podium - Senator Vandenburg aus Michigan, ein Republikaner, und Senator Tom Connolly aus Texas, ein Demokrat -, um den starken
überparteilichen Konsens hinsichtlich seiner Politik zu unterstreichen.
Beide spielten in der Folgezeit eine bedeutende Rolle bei der Sicherung
der Zustimmung zu solch wichtigen Initiativen wie dem Marshall-Plan und
der NATO. Der Minister wurde von einer amerikanischen Militärkapelle eingeführt. Als er sich zum Podium begab, spielte die Kapelle den bekannten
Schlager "Stormy Weather".
Das Ziel von Byrnes bestand jedoch darin, Stürme zu vermeiden. In
dieser historischen Ansprache ging er hinsichtlich der amerikanischen Politik in Europa zwei Verpflichtungen ein:
- Erstens: Amerika würde nicht den Fehler des Ersten Weltkriegs wiederholen. "Wir haben gelernt," so erklärte er, "...daß wir in einer
Welt leben, von der wir uns nicht isolieren können. Wir haben gelernt, daß Frieden und Wohlergehen unteilbar sind und daß Frieden und
Wohlergehen nicht auf Kosten des Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes erkauft werden können."
- Zweitens: Amerika beabsichtigt nicht, ein besiegtes Deutschland
hart zu behandeln. Minister Byrnes beendete seine Rede mit der folgenden Ankündigung: "Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen
Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das amerikanische Volk
will dem deutschen Volk helfen, seinen Wegzurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt.
Selbst Reden eines Außenministers können die Welt nicht über Nacht
verändern. Doch wie die zwei Senatoren, die Byrnes begleiteten, demonstrierten, sprach der Minister nicht für sich allein. Diese historische Ansprache enthielt eine Verpflichtung des gesamten amerikanischen Volkes,
sich weiterhin in der Welt zu engagieren. Sie reflektierte außerdem die
in Anierika noch immer bestehende große Sympathie für das deutsche Volk.
Schon im Jahr 1946 waren wir entschlossen, Deutschland und Europa auf den
Weg ler Freiheit und des Wohlstandes zurückzuführen.
Außenminister Byrnes'
- 5 -

�Außenminister Byrnes' Rede war jedoch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Betrachtet man das Ausmaß der Zerstörung und des Leids im
Deutschland des Jahres 1946, dann muß der Plan des Ministers zur Schaffung
eines wohlhabenden und demokratischen Deutschland vielen der damaligen Zuhörer unrealistisch - ja, sogar utopisch - erschienen sein. Fachleute
sagten zu jener Zeit voraus, daß Deutschland Jahrzehnte benötigen würde,
um bei der Industrieproduktion wieder das Vorkriegsniveau zu erreichen.
Die Wiederherstellung der Wirtschaft erschien als ferner, vielleicht unerreichbarer Traum.
Die Fachleute hatten jedoch das außer Acht gelassen, was Byrnes verstanden hatte - die Kraft visionären Denkens. Sie vergaßen, daß selbst
die außergewöhnlichsten Aufgaben verwirklicht werden können, wenn den Menschen seine Phantasie beflügelt.
Heute, da wir uns wieder in einem Zeitalter des Wandels befinden, ist
die Erinnerung an die Vision von Minister Byrnes und Menschen wie ihm von
ganz besonderer Bedeutung. Viele junge Leute scheinen zu glauben, daß die
Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg einer Zwangsläufigkeit unterlagen.
Die Führungsrolle Amerikas in der Nachkriegszeit, zum Beispiel, wird in
Deutschland heute als zwangsläufige Entwicklung dargestellt.
In Wirklichkeit waren sich viele Amerikaner in der Nachkriegszeit
nicht über ihre Rolle im klaren. Innerhalb der Truman-Administration gab
es erhebliche Diskussionen über die Behandlung Deutschlands sowie darüber,
ob man sich weiterhin in Europa engagieren sollte. Im Jahr 1946, wie auch
heute, denken Amerikaner nicht in Kategorien wie Einflußsphären oder
Gleichgewicht der Kräfte. Wir wollten Europa zur "Normalität" zurückführen und dann nach Hause gehen.
Die amerikanische Abkehr vom Isolationismus war kein leichter
Schritt. Sie wurde durch Mut und Entschlossenheit der politisch Verantwortlichen in beiden großen Parteien bewirkt. Die Rede von Außenminister
Byrnes war genauso dazu bestimmt, das amerikanische Volk vor den Gefahren
des Isolationismus zu warnen wie dazu, das deutsche Volk von unserer Politik der Versöhnung und des Heilens in Kenntnis zu setzen.
Die westliche Welt hatte deshalb Glück in jenen Jahren. Wir wurden
von Persönlichkeiten mit Vorstellungskraft und Mut regiert. Sie ließen
sich von Zerstörung und Unordnung nicht entmutigen. Stattdessen betrachteten sie die Nachwirkungen des Krieges als eine Gelegenheit zur Schaffung
einer neuen Welt - einer Welt, aus der die Bedingungen, die zum Zweiten
Weltkrieg geführt hatten, für immer verbannt waren.
In den folgenden zehn Jahren entwickelte sich unsere westliche Partnerschaft rasch. Träume wie der Marshall-PIan, die Montan-Union, der IWF
und die Weltbank sowie die OECD wurden bald zur Realität. Mit amerikanischer Unterstützung trugen die führenden Politiker aller großen Parteien
Deutschlands zur Schaffung der wohlhabenden und demokratischen Bundesrepublik bei, die Minister Byrnes in seiner Rede prophezeit hatte.
Natürlich ist

�Natürlich ist das deutsche Wirtschaftswunder wohlbekannt. Das politische und gesellschaftliche Wunder, das gleichzeitig stattfand, wird weniger gewürdigt. Im Jahr 1945 war den demokratischen Wurzeln, die in
Deutschland gewachsen waren, in zwölf Jahren der Diktatur der Nährboden
entzogen gewesen. Die Nation lag gebrochen und besiegt am Boden. Ihre
politischen Institutionen waren zerstört und diskreditiert.
Der Aufbau der Demokratie war unter den Bedingungen, die in den Nachkriegsjahren existierten, nicht leicht. Sie wurde durch die Vereinigten
Staaten und Großbritannien nicht aufgezwungen - derlei wäre auch gar nicht
möglich gewesen. Die Demokratie war in der Bundesrepublik erfolgreich wegen des Mutes, der Entschlossenheit und des Weitblicks Millionen einfacher
Bürger.
Wie ich erst kürzlich in einer in Nürnberg gehaltenen Rede feststellte, hat sich die deutsche Demokratie zu einer unglaublich erfolgreichen
staatsbürgerlichen Kultur weiterentwickelt. Freie Wahlen sind nicht der
einzige Maßstab dieser Kultur. Ein starkes Geflecht demokratischer Institutionen hat sich in allen Teilen des öffentlichen Lebens entwickelt. Die
Universitäten, die Gewerkschaften, die Nachrichtenmedien und die Unternehmen sind zum Modell für demokratische Staaten in der ganzen Welt geworden.
Werfen wir noch einmal einen Blick auf dieses demokratische Wunder,
während wir über die Lektionen der unmittelbaren Nachkriegszeit nachdenken. Unser demokratisches System wird umso mehr gedeihen, je besser wir
die Anstrengungen und den Mut verstehen, die zu seinem Aufbau notwendig
waren. Ich glaube, dieser Beitrag wird von der Nachkriegsgeneration
manchmal als selbstverständlich vorausgesetzt. Deshalb ist es von ganz
entscheidender Bedeutung, daß die jüngeren Leute auf beiden Seiten des Atlantik sich die politischen Leistungen der Nachkriegszeit in Erinnerung
rufen, insbesondere die gemeinsame politische Vision so vieler Deutscher
und Amerikaner. Es wäre eine Tragödie, wenn diese außerordentliche Periode deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit vergessen - oder, schlimmer noch,
verzerrt - würde.
Und es besteht wirklich die Gefahr solcher Verzerrungen. So hat beispielsweise ein deutscher Historiker während einer Konferenz über die
Nachkriegszeit angeblich behauptet, die amerikanische Besatzungsmacht habe
den Aufbau einer freien und demokratischen Gewerkschaftsbewegung in der
Bundesrepublik Deutschland zunichte gemacht. Diese offenkundige Verzerrung der Nachkriegsgeschichte ist ein Affront gegenüber jenen Millionen
arbeitender Frauen und Männer, die am Aufbau der freien Gewerkschaftsbewegung in Deutschland beteiligt waren und auch gegenüber meinen Landsleuten,
die an diesem Prozeß teilhatten.
Wie eine Veröffentlichung des DGB-Vorstands aus dem Jahr 1984 dokumentiert, war die deutsch-amerikanische Gewerkschaftssolidarität im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der Zeit von 1933 bis 1945 ganz außerordentlich. Diese Zusammenarbeit intensivierte und verstärkte sich noch in
der Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als amerikanische
Gewerkschaften - und ihre weitblickende Führung - ihren Einfluß darauf

�Einfluß darauf verwandten, Plänen zur Entindustnalisierung Deutschlands
entgegenzutreten, eine massive Kampagne in die Wege leiteten, um deutsche
Arbeitnehmer mit Lebensmittelpaketen zu versorgen und mit Nachdruck die
Wiedergeburt freier und demokratischer Gewerkschaften unterstützten, die
zu einem Eckpfeiler des neuen Deutschland wurden.
Wie anders sähe Europa heute aus, wenn unsere gemeinsame Vision einer
demokratischen Zukunft auf dem ganzen Kontinent geteilt worden wäre. Es
ist tragisch, daß die sowjetische Führung von ganz anderen Vorstellungen
geleitet wurde - einer Gesellschaft, die sich auf Feindseligkeit und Reglementierung gründet. Diese Sichtweise machte es den Sowjets unmöglich,
die Kraft des demokratischen Ideals zu erkennen. Es führte vielmehr dazu,
Streben und Trachten des Menschen zu ignorieren und brachte eine ständige
Bedrohung des Friedens in Europa. Aus dem gleichen Grund kam die Sowjetunion ihren Verpflichtungen zu freien Wahlen in Osteuropa nicht nach und
ließ auch die Wiedervereinigung Deutschlands nicht zu.
Die Reaktion des Westens war das NATO-Bündnis. Die Präambel des Nordatlantikvertrags verdeutlicht die visionäre Natur des Bündnisses. Sie
stellt fest: Die Unterzeichnerstaaten "sind entschlossen, die Freiheit,
das gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des
Rechts beruhen, zu gewährleisten." Und als die Bundesrepublik 1955 der
NATO beitrat, fanden diese Grundsätze speziell für die Zukunft der
deutschen Nation und das Ziel der Wiedervereinigung ihre Anwendung. Von
Anfang an unterstützte die NATO die deutsche Wiedervereinigung auf der Basis der freien Selbstbestimmung in beiden Teilen des Landes - und tut dies
noch immer.
Wären unsere westlichen Vorstellungen in ganz Europa Wirklichkeit geworden, wäre weder ein westliches Militärbündnis, noch die Stationierung
amerikanischer Truppen und Raketen in Europa notwendig gewesen. Denn Ursache der Spannung in Europa ist die Teilung dieses Kontinents, nicht aber
das Wettrüsten, das nur ein Symptom dieser Spannung darstellt. Hätte man
es allen Völkern in ganz Europa ermöglicht, über ihre eigene Art zu leben
zu entscheiden, so stünden wir nicht vor den gefährlichen Spannungen oder
der Notwendigkeit, große Summen für die Rüstung auszugeben.
Vierzig Jahre sind eine lange Zeit. Wenn das Begehen eines Jahrestages dieser Art überhaupt eine Bedeutung haben soll, dann muß er als ein
Leitfaden für die Zukunft dienen. Die Geschichte läßt sich nicht einfrieren. Neue Herausforderungen und neue Bedrohungen sind auf uns zugekommen. Wenn wir sie in Zukunft genauso wie in der Vergangenheit meistern
wollen, müssen wir an die Erfahrungen der vergangenen vierzig Jahre denken
und sie auf die Welt vor uns anwenden.
Die derzeitigen Herausforderungen sind um nichts weniger beängstigend
als jene, mit denen sich die Staatsmänner vor vierzig Jahren konfrontiert
sahen. In vieler Hinsicht ist die Aufgabe sogar noch schwieriger - allein
schon deshalb, weil die Konturen der Politik weit verschwommener sind.
Unsere Vorgänger waren durch das Erlebnis eines schrecklichen Krieges angetrieben.
Unsere Bemühungen

�Unsere Bemühungen heute finden vor dem Hintergrund eines vierzigjährigen Erfolges statt. Unsere Völker leben in Wohlstand und Sicherheit. Die
neuen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind nicht immer so klarumrissen, wie jene vor vierzig Jahren. Mitunter ignorieren wir auch Bedrohungen, weil wir ihre Bedeutung für unsere Sicherheit oder unseren Wohlstand nicht sehen. Oder aber einige der neuen Probleme sind so komplexer
Natur, daß allein ihre Existenz unseren Bürgern Angst einflößt. Es ist
ein Paradox, vor dem wir stehen: Herausforderungen werden entweder unterschätzt und ignoriert, oder überschätzt und zu katastrophalen Proportionen
aufgebläht.
Diese beiden Bedrohungen - Furcht und Desinteresse - können unsere
Stärke untergraben. Die Weigerung, sich den Problemen zu stellen, kann zu
gefährlicher Immobilität führen. Befürchtungen hinsichtlich unserer
Fähigkeit, mit den neuen Herausforderungen fertigzuwerden, kann dazu führen, daß wir unserer Freunden mißtrauen und unsere Feinde beschwichtigen.
So bin ich persönlich beispielsweise besorgt darüber, daß einige amerikanische Kritiker Deutschlands behaupten, der Bundesrepublik fehle es an
dem Willen, etwas für ihre Verteidigung zu tun und dabei den gewaltigen
deutschen Beitrag zu unseren gemeinsamen Bemühungen vergessen. Umgekehrt
gibt es in Deutschland einige Leute, die in jeder amerikanischen Maßnahme
zur Stärkung des Westens einen aggressiven Plan zur Beherrschung der Welt
sehen.
Keine dieser Haltungen ist logisch, nicht einmal rational. Aber sie
zeigen, wie leicht unsere Völker in den Teufelskreis von Unwissenheit und
Mißtrauen geraten können.
Wenn unsere Leistungen in den nächsten vierzig Jahren genauso gut sein
sollen wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, müssen wir der Offenheit
und dem Verständnis von James Byrnes nacheifern. Dies wird vor allem für
die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland von besonderer
Bedeutung sein. Unsere Stärke, unsere Stabilität und unsere geographische
Lage werden unseren beiden Ländern noch zusätzliche Lasten auferlegen, was
Weitblick und Führung anbelangt.
Angesichts ihre Lage im Zentrum Europas und als Teil eines gespaltenen
Landes ist die Bundesrepublik Zwängen ausgesetzt, wie sie noch kein anderes westliches Land erfahren hat. In Deutschland steht das demokratische
Ideal tagtäglich vor Herausforderungen. Mitunter muß es den Anschein haben, als sei die Situation der Bundesrepublik erstarrt, eingefroren. Verbesserungen scheinen in weiter Ferne zu liegen.
Nach vierzig Jahren, so ist bisweilen der Eindruck, sind die alten
Prinzipien in eine Sackgasse geraten, E S besteht die Gefahr, daß Entmutigung an die Stelle von Hoffnung als Grundprinzip des öffentlichen Lebens
tritt. Aber wir können auch optimistisch reagieren, wie dies unsere Vorgänger vor vierzig Jahren taten. Wir können die komplizierte Situation in
Deutschland und Europa als eine Gelegenheit ansehen, die Kraft des demokratischen Ideals in der neuen Phase der Geschichte, in die wir gerade
eintreten, hervorzuheben.
Das es Grund
- 9 -

�Daß es Grund zur Hoffnung gibt, läßt sich am Verlauf der Beziehungen
zwischen Ost und West verdeutlichen. Vor vier Jahren sagten viele eine
Eiszeit bei den Beziehungen zwischen Ost und West voraus. Und doch gab es
noch niemals eine solche Vielzahl von Treffen zwischen amerikanischen und
sowjetischen Repräsentanten wie gerade heute. Außenminister Shultz und
der sowjetische Außenminister Schewardnadse werden sich diesen Monat erneut treffen, um die Vorbereitungen für das nächste Gipfeltreffen zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow fortzusetzen. Präsident
Reagan formulierte es in einer bedeutsamen Rede in Glassboro, New Jersey,
im Juni so:
"Wenn beide Seiten wirklich den Fortschritt wollen, dann sollte dies
einen Wendepunkt bei den Bemühungen markieren, aus unserem Planeten eine
sicherere und friedlichere Welt zu machen."
Aber unser Bemühen um den Frieden ist nicht auf Europa oder Nordamerika begrenzt. Eine der wichtigsten Botschaften für die Zukunft besteht darin, daß das Streben nach Demokratie sich weit über unsere beiden Staaten
hinaus entfaltet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben über hundert
neue Staaten die politische Szene betreten. Diese Staaten sind mit Problemen konfrontiert, die noch weit ernsterer Natur sind als jene, vor denen Europa vor vierzig Jahren stand.
Die Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas führen einen gewaltigen
Kampf gegen Armut, Krankheit und Unterentwicklung. Sie streben auf der
Grundlage traditioneller Kulturen nach der Entwicklung moderner Gesellschaften. Frustration und Hoffnungslosigkeit sind in diesen Ländern weit
gefährlicher als in Deutschland.
Viele dieser Länder sind weit von uns entfernt, aber sie haben für unsere eigene Zukunft unmittelbare Bedeutung. Die Demokratie ist nicht so
weit verbreitet und nicht so abgesichert, als daß es sich die demokratischen Staaten erlauben könnten, die Notlage anderer sich abmühender Staaten zu ignorieren. Ich bin davon überzeugt, daß diese Staaten rascher Erfolg haben werden, wenn sie für ein offenes, demokratisches System optieren.
Wenn wir der übrigen Welt dabei behilflich sein können, das demokratische System zu verstehen und anzunehmen, werden auch unsere eigenen Ideale
gestärkt. Genau wie die Erfolge bei unserer Unterstützung der Verteidigung der Demokratie in Berlin meine eigene Nation inspirierte, so kann
auch die Gemeinschaft des Westens ihr eigenes demokratisches System stärken, indem sie anderen Staaten dabei behilflich ist, sich der Wohltaten
unseres offenen Systems zu erfreuen.
Die Herausforderung, vor der sich die Bundesrepublik Deutschland heute
befindet, besteht darin, bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine führende
Position zu übernehmen. Vor vierzig Jahren machten es sich die Vereinigten Staaten zur Aufgabe, Deutschland bei seiner Rückkehr zur Gemeinschaft
freier Nationen zu helfen. Jetzt erwarten andere Staaten eine solche Hilfe von Deutschland. Ich finde es höchst ermutigend, wie die Bundesrepu- 10 -

�die Bundesrepublik sich dieser Herausforderung stellt. Nur wenige Staaten
tragen weltweit eine solch große Verantwortung.
Die Botschaft einer Offenen Welt ist ein kraftvolles Rezept für Erfolg. Wenn wir durch unsere Zusammenarbeit für Demokratie und Offenheit
unsere Ideale stärken, so stärken wir zugleich ihre Attraktivität in Osteuropa. Positive Entwicklungen in Asien und Lateinamerika demonstrieren
diese Attraktivität des demokratischen Ideals. Wenn wir dort auch weiterhin Erfolge erzielen, kann Osteuropa nicht für immer in der Rückständigkeit von Teilung und Unterdrückung verharren.
Zusammengefaßt: wir sollten uns diese Vision wieder zueigen machen,
wie sie Außenminister Byrnes vor vierzig Jahren formulierte. Wir sollten
keine Angst vor Träumen und vor dem Entwurf einer besseren Zukunft haben.
Und wie ich schon so oft gesagt habe: Deutschland und die Vereinigten
Staaten sollten sich in einer reifen Partnerschaft zusammenschließen, in
der jeder einen gerechten Anteil an den Lasten und an der Verantwortung
für das Wohl unserer westlichen Gemeinschaft trägt.
Sogar in unseren beiden Ländern stellen manche Leute bisweilen diese
Vision in Frage. Ihrer Meinung nach ist die Welt zu kompliziert oder zu
gefahrvoll. Ein Festhalten an unseren Idealen bedeute nur die Gefahr, andere dazu zu bringen, gegen uns zurückzuschlagen.
Für mich ist das Defätismus. Und es ist ein Rezept für Versagen.
Tatsachen sind nicht alles.
Unsere Art zu leben bezieht ihre Kraft aus unserer Hingabe. Unsere
Aufgabe besteht jetzt darin, stolz auf das von uns Geleistete zu sein und
voll Hoffnung hinsichtlich dessen, was wir in Zukunft noch tun können.
Dieser Stolz und diese Hoffnung werden den weiteren Erfolg unserer Vision
sicherstellen - unserer westlichen Vision von der Menschheit.
Wie es seiner Herkunft aus den Südstaaten entspricht, war Außenminister Byrnes ein Mann der wenigen Worte. Aber oft ist gerade Kürze besonders aussagekräftig. Und ich meine, er formulierte unsere westliche Botschaft besonders prägnant in der Schlußpassage seiner 1947 geschriebenen
Memoi ren:
"...nicht selten war ich zutiefst entmutigt. Unsere wiederholten Bemühungen, Zusammenarbeit in einer friedlichen Welt zu erreichen,
schienen immer nur auf schroffe Abweisung zu stoßen. Aber mit Geduld
und Entschlossenheit setzten wir unsere Anstrengungen fort. Ich habe
die Hoffnung nicht verloren, auch wenn ich heute Abfolge und Betonung
umkehren würde. Ich würde nämlich sagen, daß unsere Politik eine Politik der Festigkeit und der Geduld sein sollte... Mit dem Ziel eines
gerechten Friedens inspiriert uns die Vergangenheit der Freiheit und
ruft uns die Zukunft der Freiheit."

* * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

10. September 1986

29

SENAT VERURTEILT VERHAFTUNG DANILOFFS DURCH SOWJETS
- Resolution einstimmig verabschiedet -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 9. September 1986 einstimmig verabschiedeten Resolution verurteilt der amerikanische Senat die Sowjetunion
"wegen der ungerechtfertigten Verhaftung und Anklage von Nicholas
Daniloff" und verlangt die "unverzügliche und bedingungslose Freilassung"
des amerikanischen Journalisten.
Die Resolution des Senats hat folgenden Wortlaut:
Die Verhaftung und Anklage von Nicholas Daniloff, Korrespondent von
U.S. News and World Report, durch die Regierung der Sowjetunion aufgrund
falscher Beschuldigungen steht in klarem Gegensatz zu den anerkannten Normen des Völkerrechts und der bürgerlichen Freiheiten.
Die Behandlung von Herrn Daniloff stellt eine unentschuldbare Verweigerung der Rechte eines Journalisten dar, seinen Beruf legitim auszuüben
und ist außerdem eine Verletzung sowjetischer Verpflichtungen in Zusammenhang mit der Schlußakte von Helsinki, insbesondere Korb III, Abschnitt 2,
Artikel (c) über die Prinzipien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
für Journalisten, in dem es heißt: "...die beteiligten Staaten bekräftigen, daß die legitime Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit Journalisten
weder der Gefahr der Ausweisung noch anderer Bestrafung aussetzen wird."
Die Handlungen der sowjetischen Regierung verletzen des weiteren Geist
und Buchstaben der Bestimmungen, die auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�in Madrid im März 1983 verabschiedet wurden, insbesondere Korb III, Zusammenarbeit auf humanitärem und anderen Gebieten, wo bekräftigt wird, daß
die beteiligten Staaten "...auch nach Mitteln und Wegen suchen werden, um
Journalisten aus anderen beteiligten Staaten zu unterstützen und sie damit
in die Lage zu versetzen, praktische Probleme, mit denen sie konfrontiert
sein mögen, zu lösen..." und "...weitere Möglichkeiten zu schaffen und,
falls nötig, die Bedingungen für Journalisten aus anderen beteiligten
Staaten zu verbessern, um persönliche Kontakte und Verbindungen zu ihren
Quellen herzustellen und aufrechtzuerhalten;"
Aufgrund dieser Tatsachen beschließt der Senat der Vereinigten Staaten, daß der Senat
1. die Sowjetunion wegen der ungerechtfertigten Verhaftung und Anklage
von Nichols Daniloff verurteilt und von der Sowjetunion seine unverzügliche und bedingungslose Freilassung aus der Haft verlangt;
2. seine tiefe Sorge darüber zum Ausdruck bringt, daß das Versäumnis
der Sowjetunion, diesen Fall unverzüglich und gerecht zu lösen, die konstruktiven Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu untergraben droht und die Aussichten
für ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow gefährdet und
3. alle verantwortlichen Nachrichten- und Medienorganisationen, die
sowjetischen Nachrichtenorganisationen Unterstützung, Mitgliedschaft oder
sonstige Privilegien gewähren, dazu auffordert, geeignete Schritte in Erwägung zu ziehen, um die Forderung nach Daniloffs Freilassung zu unterstreichen.

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,oN *

29

10. September 1986

Wir beginnen in dieser Ausgabe mit dem Abdruck der vierteiligen Reihe
"Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelaraerika", die sich mit
der gegenwärtigen Situation und dem weltpolitischen Kontext dieser Region
beschäftigen wird.
Die vollständige Serie erscheint Ende des Jahres als illustrierte
Broschüre.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Teil I

Sowjetischer Expansionisraus in Mittelamerika
In Mittelamerika steht die nationale Sicherheit aller amerikanischen
Länder auf dem Spiel. Wenn wir uns dort nicht verteidigen können, können
wir nicht erwarten, woanders zu bestehen. Unsere Glaubwürdigkeit würde
zusammenbrechen, unsere Bündnisse zerfallen, und die Sicherheit unseres
Vaterlandes wäre gefährdet. Wir haben ein großes Interesse, eine moralische Pflicht und eine ernste Verantwortung. Dies ist kein Problem der
Parteien. Es ist vielmehr eine Frage, wie wir uns selbst, unseren Freunden und der Nachwelt gegenüber unseren moralischen Verpflichtungen nachkommen. Es ist eine Pflicht, die uns allen zufällt - dem Präsidenten, dem
Kongreß und dem Volk. Wir müssen sie gemeinsam ausüben. Wer von uns würde die Verantwortung dafür tragen wollen, daß wir es nicht geschafft haben, unserer gemeinsamen Verpflichtung nachzukommen?
Präsident Ronald
Reagan vor beiden
Häusern des Kongresses im April 1983
Die Herausforderung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Herausforderung und ihre Entgegnung
Der kommunistische Block stellt heute eine ernste Herausforderung für
die Demokratie in Mittelamerika dar. Den Völkern dieser Region steht der
Verlust ihrer Freiheit bevor, wenn ihre Regierungen den von Kommunisten
unterstützten Guerillas zufallen sollten, die die Macht an sich zu reißen
versuchen. Die Vereinigten Staaten sehen sich wegen des sowjetischen Expansionismus ebenfalls einer Bedrohung ihrer Sicherheit und ihres wirtschaftlichen Wohlergehens ausgesetzt. Das strategische Ziel der Sowjetunion besteht darin, die Vereinigten Staaten zu zwingen, ihre politische
Aufmerksamkeit und ihre militärischen Mittel auf ihre kritische Südflanke
zu richten und damit weg von jenen Regionen der Welt, die für die Sowjets
lebenswichtig sind. IM dieses Ziel zu erreichen, bewaffnen, trainieren
und kontrollieren die Sowjets und ihre Stellvertreter, wie Kuba und Nicaragua, marxistisch-leninistische Guerillas besonders in El Salvador, aber
auch in den anderen mittelamerikanischen Ländern. Diese Guerillas verkünden, daß ein Wandel sich nur gewaltsam vollziehen kann und versuchen, Ablehnung in Rebellion zu verwandeln, indem sie die politischen, sozialen
und wirtschaftlichen Schwachpunkte ausnutzen, von denen diese Region so
lange Zeit geplagt wurde. Wenn diese Völker jedoch Hoffnung haben, Chancen erhalten und Vertrauen in ihre Zukunft zeigen, wird der Kommunismus
wenig Aussicht auf Erfolg haben. Die Erwiderung der vereinigten Staaten
auf diese kommunistische Herausforderung geht deshalb von der Annahme aus,
daß es auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken wird, wenn die
Länder Mittelamerikas die Mittel erhalten, um friedfertige, wirtschaftlich
gesunde und demokratische Gesellschaftssysteme aufzubauen, weil dann der
Kommunismus keine Wurzeln schlagen und die Sowjets mit dem strategischen
Vorteil versehen kann, nach dem sie streben.
Um den Ländern Mittelamerikas dabei zu helfen, dem sowjetischen Expansionismus entgegenzutreten, betreiben die vereinigten Staten eine Politik, die auf vier separaten, sich aber gegenseitig verstärkenden Elementen
beruht:
Demokratie ist ein zentraler Faktor dieser Politik, weil die Vereinigten Staaten glauben, daß aus Wahlen hervorgegangene Regierungen nicht nur
die Rechte ihrer Bürger respektieren, sondern auch jene ihrer Nachbarstaaten. Seit 1981 hat es in Mittel- und Südamerika mehr Wahlen gegeben
als in irgendeinem FünfJahreszeitraum in der Geschichte dieser Region.
Diese Tatsache zeigt deutlich, daß die Menschen in der Region ihre eigenen
Führer lieber selbst auswählen wollen, anstatt sie von Extremisten der
rechten oder linken Seite aufgezwungen zu bekommen. Demokratie ist aber
nicht endgültig; sie ist vielmehr ein empfindlicher Prozeß, der vorsichtig
genährt und dem dauernde Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Die Demokratie versucht, dem Volk und seinen Vertretern politische Macht einzuräumen, nicht nur den dünnen Schichten der politisch Extremen.
Wirtschaftliche Entwicklung ist unabdingbar, weil Armut und soziale
Ungerechtigkeit dem Kommunismus die Möglichkeit für Gewalt und Subversion
schaffen. Die F/itwicklungspolitik der Vereinigten Staaten zielt darauf
ab, das Leben der Menschen in der Region zu verbessern und Enttäuschung

�und Enttäuschung durch Hoffnung zu ersetzen. Aus diesem Grund sind fast
75 Cents eines jeden für die Länder Mittelamerikas ausgegebenen Dollars
der US-Hilfe in die wirtschaftliche Unterstützung geflossen. Das Ziel der
Vereinigten Staten ist es, diesen Ländern dabei zu helfen, zu einem sich
selbst erhaltenden Wirtschaftswachstum zu gelangen, um sie in die Lage zu
versetzen, Arbeitsplätze und Möglichkeiten für ihre Bürger zu schaffen.
Diplomatie geht davon aus, daß der Dialog eine Vorstufe zum Frieden
darstellt und daß Worte den Kugeln vorzuziehen sind. Aber den Worten müssen Taten folgen, und sie müssen an einen wahrhaften, dauerhaften Frieden
geknüpft sein, nicht an einen vorübergehenden Waffenstillstand, der andauernde Aggression bemäntelt. Eine friedliche Lösung für die Region kann
am besten durch den CONTADORA-Prozeß erzielt werden, ebenso wie durch den
innenpolitischen Dialog zwischen den Regierungen und den Rebellenbewegungen im jeweiligen Land. Ein echter Dialog könnte Rebellengruppen dazu
veranlassen, ihre Waffen niederzulegen und auf sicherem und fairem Wege
innerhalb eines demokratisch fundierten politischen Prozesses in Wettstreit zu treten.
Verteidigung ist notwendig, um die Länder der Region zu ihrer eigenen
Verteidigung mit Waffen und militärischer Ausbildung zu versehen. Die Militärhilfe der vereinigten Staaten ist ein Schild, hinter dem alle anderen
Elemente der Politik geschützt werden. Die Wirtschaftshilfe der Vereinigten Staten an diese Länder allein wird wenig gegen die Guerillas ausrichten, die von Kuba, Nicaragua und dem übrigen kommunistischen Block mit
großen Mengen an Waffen und Munition ausgerüstet werden.

Die sowjetische Politik
Diese vierteilige Erwiderung auf den sowjetischen Expansionismus ist
erfolgreich, aber die Herausforderung Moskaus und seiner Klienten in der
Region ist enorm. Die Sowjetunion gibt im Karibischen Raum fünfmal so
viel Geld aus wie die Vereinigten Staaten.
Seit 1980 beliefen sich die sowjetischen Lieferungen von Bombern, Panzern, Kriegschiffen, Boden-Luft-Raketen und anderem Kriegsmaterial an Kuba
auf mehr als 4 Milliarden Dollar. Darüber hinaus ist Material für etwa
600 Millionen Dollar aus dem Ostblock nach Nicaragua gegangen, also insgesamt 5 Milliarden Dollar an militärischem Gerät nur an diese beiden Länder. Diese Zahlen schließen nicht die Ausgaben für Ausbildung ein. Im
Vergleich dazu belief sich die Militärhilfe der Vereinigten Staaten an
ganz Mittelamerika in diesem Zeitraum zusammen mit der Ausbildung auf etwa
1 Milliarde Dollar. Die Militarisierung dieser Region geht also auf das
Konto Moskaus, nicht Washingtons.
Die sowjetische Wirtschaftshilfe an Kuba hat seit 1980 20 Milliarden
Dollar überschritten, während sich die amerikanische Wirtschaftshilfe an
die mittelamerikanischen Länder auf etwa 4 Milliarden Dollar belief. Die
Sowjets gewähren also mehr Wirtschaftshilfe an Kuba als an alle anderen
Hilfsempfänger auf der Welt zusammengenommen.
Trotzdem die

�Trotzdem die Last der Unterstützung an Kuba schwer wiegt, hält die
Sowjetunion die politischen, strategischen und möglichen militärischen
Vorzüge, einen Stützpunkt in der westlichen Hemisphäre aufrechtzuerhalten,
der Mühe für wert. Die Ideologie spielt bei den sowjetischen Überlegungen
eine große Holle , wie auch die Schaffung zusätzlicher kommunistischer
Staaten die Lehren des Marxismus-Leninismus bestätigt und somit die Sowjetunion selbst stützt. Die Kreml-Führer hoffen, daß die Vereinigten
Staaten letztlich so sehr um die Wirren im mittelamerikanischen und Karibischen Raum besorgt sein werden, daß sie militärisch und politisch nur
unzureichend in der Lage sind, den sowjetischen Initiativen in anderen
Schlüsselregionen der Welt entgegenzutreten.
Die Sowjets betrachten Lateinamerika und die Karibik seit langem als
die "strategische Rückseite" der Vereinigten Staaten, beklagen sich aber
dennoch über den "geographischen Fatalismus", der sie ihrer Ansicht nach
unfähig macht, auf die mögliche Achillesferse ihres Gegners Druck auszuüben (1). Im vergangenen Vierteljahrhundert haben sich die Sowjets jedoch
darum bemüht, die Schwachstellen der Region im Namen der "anti-imperialistischen" Revolution auszunutzen. Sowjetische Führer sehen in Mittelamerika eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die Vereinigten Staaten zu beschäftigen - den "Hauptgegner" sowjetischer Strategie - und so für sich
selbst eine größere Handlungsfreiheit im Weltgeschehen zu schaffen.
Obwohl Moskau im Karibischen Becken wahrscheinlich keine direkte militärische Herausforderung gegenüber den Vereinigten Staaten aufbauen wird,
so versuchen die Sowjets doch, soviel Unruhe wie möglich in einem Gebiet
zu stiften, das die strategische Kreuzung der westlichen Hemisphäre bildet: die Meerenge von Florida, die an Kuba vorbeiführt, wäre die Hauptroute sowohl amerikanischer Truppen nach Europa wie auch der Versorgungsschiffe, die in einem Notfall in Europa 60 Prozent der Verstärkung und des
Nachschubs an die NATO liefern würden. Darüber hinaus wird fast die Hälfte der Importe und Exporte der Vereinigten Staaten durch diese Gewässer
transportiert und zwei von drei den Panamakanal durchquerenden Schiffen
tragen Güter aus den oder in die Vereinigten Staaten. Mehr als die Hälfte
des von den vereinigten Staaten benötigten Erdöls passiert diese Meerenge, über Kuba hofft die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten dazu zwingen zu können, ihre Aufmerksamkeit auf ein Gebiet zu richten, das in der
Vergangenheit kein Sicherheitsproblem war.

Die Notwendigkeit der Information
Im März 1985 veröffentlichten Außen- und Verteidigungsministerium den
Bericht über "Die sowjetisch-kubanische Verbindung in Mittelamerika und im
Karibischen Raum", um die Öffentlichkeit von dem Ausmaß der sowjetischen
und kubanischen Interventionen in der Region zu unterrichten (2). Die besprochenen Fragen sind komplexer Natur und werden wahrscheinlich kurz und
mittelfristig einen tiefgreifenden Einfluß auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ausüben, innerhalb einer Demokratie besteht eine fundamentale Verantwortung der Regierung darin, die Öffentlichkeit über die außenpolitischen Herausforderungen, denen sich das Land stellen muß, aufzuklären und zu informieren, wie auch über die ergriffenen Maßnahmen, um dieser

�um dieser Herausforderung zu begegnen. Aus diesem Grunde wurde auch die
vorliegende Publikation "Die Herausforderung an die Demoratie in Mittelamerika" erstellt, um die Öffentlichkeit in dieser Region von der Außenpolitik der vereinigten Staaten, den strategischen Ambitionen der Sowjets
und den möglichen Konsequenzen zu unterrichten, die sich ergeben können,
wenn sich die Erwiderung der Vereinigten Staaten gegenüber diesen Herausforderungen an die Demokratie als unzulänglich erweisen sollte.

KUBA: DER SOWJETISCHE VERTRETER IM KARIBISCHEN RAUM
Ursprünge des kubanischen AufStandes
Die neuere Geschichte Kubas beginnt mit dem 26. Juli 1953, als Fidel
Castro und seine Anhänger die Moncada-Kasernen in der im Osten Kubas gelegenen Stadt Santiago angriffen. Der Angriff schlug fehl, ein Großteil der
Truppe wurde getötet und Fidel und sein Bruder Raul inhaftiert. Ihr Leben
blieb jedoch verschont, und beide wurden unter der von der Regierung Fulgencio Batista erlassenen Amnestie im Jahr 1955 freigelassen. Die Brüder
gingen daraufhin nach Mexiko und fuhren mit ihrem Komplott zum Sturz der
Regierung Batistas fort. Im Navember 1956 verließen die Castros und ihre
Anhänger Mexiko mit der Absicht, einen Aufstand in Kuba zu initiieren.
Batistas Truppen fingen die Rebellen ab und vertrieben das Häuflein der
82 Mann innerhalb von drei Tagen nach dessen Landung am 2. Dezember 1956
im Ostteil Kubas. Die wenigen überlebenden flohen in die nahegelegende
Bergkette der Sierra Maestra, wo Castro begann, seine Guerilla-Armee wiederaufzubauen .
Castros flamboyanter Stil und sein Talent, durch den Guerillakampf die
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ließen ihn in den Vereinigten Staaten
schnell zu einer romantischen Figur werden. Da Castro seine Ziele sogar
gegenüber einigen seiner Kampfgenossen eher vorsichtig umschrieb, wurde er
als ein potentieller Befreier betrachtet. Dieser Ruf zusammen mit
Batistas strengen Maßnahmen veranlaßten schließlich die Regierung Eisenhower dazu, Kuba die Militärhilfe zu versagen. Batistas geschwächte Truppen wurden somit demoralisiert und der Diktator floh. Castro marschierte
daraufhin am 8. Januar 1959 im Triumphzug in Havanna ein (3).
Mit der Machtergreifung Fidel Castros brach im Karibischen Becken ein
neues Zeitalter an. Während die meisten Diktatoren mit der innenpolitischen Kontrolle zufrieden gewesen waren, exportierte Castro bald seine eigenen revolutionären Methoden auch nach draußen. Die gegen die Vereinigten Staaten gerichtete Haltung des Castro-Regimes war von Anfang an beschlossene Sache. Im Frühjahr des Jahres 1959 besuchte Castro die Vereinigten Staaten, verbot jedoch seinen wirtschaftspolitischen Beratern, mit
Washington über Auslandshilfe zu sprechen, ein Thema, das seitens der Vereinigten Staaten sehr wohl zur Diskussion stand(4). Castro besprach jedoch bald eben diese Hilfe mit Moskau und nährte dabei den Mythos, daß die
feindliche Haltung der Vereinigten Staaten ihn dazu gezwungen habe, Hilfe
bei den Sowjets zu suchen. Im Dezember 1961 hielt Castro eine Rede, in
der er erklärte, daß er seine wahre politische Anschauung während seines

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�während seines Kampfes gegen Batista verborgen habe, daß er ein Marxist
und Leninist sei und es auch bis zu seinem Tod bleiben würde (5). Erst im
Januar 1984 hat Castro zugegeben, daß die Antwort der Vereinigten Staaten
auf seine Aktivitäten nur eine geringe Rolle bei seiner Annahme des Kommunismus gespielt habe und fügte hinzu, daß "wir uns unwiderruflich als
Marxisten und Leninisten betrachten" (6).
Castros Hinwendung zu Moskau verhalf ihm zu größerem internationalen
Ruhm, als er ihn jemals als kubanischer Staatsmann und lateinamerikanischer Revolutionär hätte ereichen können. Ein Beobachter Castros formulierte das so:
Es sind letztlich die Sowjets, die Castro eine Rolle auf der größeren
Bühne der Weltpolitik verschaffen, die ihm gefällt und die es ihm erlaubt, das zu verfälschen, was andernfalls eine mehr nach innen gerichtete und daher auch konstruktivere Form von kubanischem Nationalismus gewesen wäre.
Das kubanische Volk hat Castros weltpolitische Rolle mit dem Verlust
politischer Freiheit und unausgesetztem wirtschaftlichen Notstand teuer
bezahlt. Seine Söhne sind bei zahlreichen Abenteuern im Ausland ums Leben
gekommen, besonders in Angola seit 1975. Castros internationaler politischer Ehrgeiz wurde durch die sowjetische Wirtschafts- und Militärhilfe
möglich gemacht, die Moskau aus sehr praktischen strategischen Gründen zur
Verfügung gestellt hat.
Die sowjetisch-kubanische Verbindung
Das Ausmaß der sowjetischen Militärhilfe während der vergangenen zwei
Jahrzehnte hat Castros einstmals improvisierte Guerilla-Armee von etwa
4 000 Mann, die keinerlei Schlagkraft über kubanische Küsten hinaus hatte, in eine bewaffnete Armee von 297 000 Soldaten verwandelt. Ohne sowjetische Militärhilfe hätten Castros "internationalistische" Truppen dem
Ehrgeiz ihres Anführers, eine Rolle auf der weltpolitischen Bühne zu spielen, nicht genügt. Mit sowjetischer Anleitung und Hilfe hat Castro das
kubanische Volk einer unvergleichlich brutaleren Diktatur als der Batistas
unterworfen und Kuba zu einem integralen Element des sowjetischen strategischen Netzwerks gemacht. Kuba dient jetzt als Stützpunkt der Sowjetunion im Karibischen Raum, stellt in dieser Form eine Bedrohung für die
Stabilität dieser Hemisphäre dar und bildet das Zentrum von Ausbildung und
Ausrüstung für Guerillas und Terroristen - besonders solcher aus Lateinamerika.
Die Sowjets haben dabei geholfen, in Kuba eine militärische Maschinerie in Gang zu setzen, die gleich ihren eigenen Truppen organisiert ist.
Kuba hat etwa 162 000 aktive Soldaten und zusätzlich 135 000 Reservisten,
die innerhalb von zwei Tagen mobilisiert werden können. Diese Reservearmee ist gut ausgebildet und teilweise kampferprobt, weil Tausende der im
Verlauf der letzten zehn Jahre nach Afrika geschickten Soldaten der Reserve angehörten. Castro unterhält mehr Soldaten in Afrika - etwa 40 000 -,

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�etwa 40 000 als Batista in seiner gesamten Armee hatte. Castro hat die
kubanische Gesellschaft weiter militarisiert und seine Kontrolle über die
Bevölkerung weiter ausgebaut, indem er eine "territoriale Miliz" von über
einer Million Menschen ins Leben rief (bei einer Gesamtbevölkerung von
10 Millionen), die einzig dem Zweck dient, Kuba im Falle einer Invasion zu
verteidigen.
Dieser Staat hat jetzt fast 1 000 Panzer, etwa 200 modernste Bomber
und eine zunehmend schlagkräftige Marine. Die Sowjetunion hat Castro Unterseeboote, Fregatten und mit Torpedos ausgerüstete Tragflächen-Schnellboote als Patrouillenboote zur Verfügung gestellt. Die Sowjets haben seit
1969 25mal Kriegsschiffe in den Karibischen Raum geschickt und führen häufig mit Castros Marine Manöver zur See durch. Die Sowjets betrachten den
Karibischen Raum als eine mögliche Schwachstelle der Vereinigten Staaten
und haben die Gelegenheit ergriffen, Kuba in einen unsinkbaren "Flugzeugträger" zu verwandeln (8) .
Aus Kubas Sicht heraus hat seine strategische Beziehung zur Sowjetunion ihre Ursprünge in dem Urteil Castros, daß ihn seine Außenpolitik von
den Vereinigten Staaten entfremden werde und er daher einen mächtigen Verbündeten brauche. Seiner Ansicht nach verringert ein Bündnis mit Moskau
das Risiko für Kuba. Für Kuba stellt die Sowjetunion den Garanten, hinter
dessen Schutz sich Havanna sicher dabei fühlt, seinen radikalen Umbruch
der kubanischen Gesellschaft und der außenpolitischen Mission zu verfolgen, zu deren Durchführung Castro fest entschlossen ist. Von Anfang an
war Moskau eine sehr wichtige Quelle wirtschaftlicher Hilfe und Unterstützung, ohne die Kuba niemals den Kurs hätte nehmen können, den es schließlich genommen hat. Für Moskau bot Kuba die Möglichkeit, sowjetische Macht
einzusetzen und Einfluß in der westlichen Hemisphäre zu gewinnen und auch,
die Vereinigten Staaten dazu zu veranlassen, sich mehr als in der jüngsten
Vergangenheit der Sicherheit seiner eigenen Region zu widmen. Diese Beziehung zwischen Moskau und Havanna hat auch die Möglichkeit beträchtlich
erhöht, daß eine künftige Revolution in der Region, wo sie auch verwurzelt
sein mag, ost-westliche Dimensionen annehmen könnte. Daher rechnet sich
jede Seite bei dieser sowjetisch-kubanischen Verbindung Vorteile aus.
Kuba hat einen großen Bruder, der es beschützt, und die Sowjetunion hat
eine neue Möglichkeit zur Veränderung des strategischen Gleichgewichts.
Um diese Möglichkeit so gut wie möglich auszunutzen, haben die Sowjets
wenigstens 7 000 Mann an militärischem und nachrichtendienstlichem Personal auf Kuba. Sie unterhalten einen militärischen Beraterstab von 2 800
Mann, um die ungeheuer große kubanische Militärmaschinerie auszubilden und
unterhalten zu helfen. Sie haben darüber hinaus eine 2 800 Mann starke
Infanterie-Einheit in Kuba stationiert. Der militärische Einfluß des
Kreml breitet sich in Kuba, wie auch in den Staaten des Warschauer Paktes,
stärker aus. Man nimmt an, daß die Sowjetunion den Kubanern die militärische Ausrüstung und Ausbildung kostenlos zur Verfügung stellt und daß der
Gebrauch des kubanischen Stützpunktes quasi den Ausgleich schafft. Diese
Stützpunkte geben den Sowjets im Handlungsspielraum und beim Nachrichtendienst Vorteile. Der größte unmittelbare Nutzen, den Moskau aus Kuba
zieht, ist die nachrichtendienstliche Einrichtung der Sowjets in Dourdes

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�in Lourdes nahe Havanna. Von dort aus, ihrem modernsten elektronischen
Horchposten außerhalb der Sowjetunion selbst, beobachten etwa 2 100 sowjetische Nachrichtentechniker das militärische und wirtschaftliche Nachrichtennetz der Vereinigten Staaten ebenso wie die vom nahegelegenen Cape Canaveral ausgehende Kommunikation im Weltraum. Ebenso hören die Sowjets
Telephongespräche privater Bürger in den Vereinigten Staaten ab.
Eine weitere militärische Dividende, die die Sowjets aus ihrer Investition in Kuba ziehen, ist die Eähigkeit, Spionage- und Ausbildungsmissionen mit Langstrecken-Aufklärern und gegen Unterseeboote gerichteten
Flugzeugen entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten durchzuführen.
Diese Flugzeuge beobachten wichtige Verteidigungseinrichtungen der Vereinigten Staaten, die Bewegungen der Atlantischen Flotte und die AtomU-Boote der Vereinigten Staaten. Zugang zu Kuba bedeutet für die weltpolitische Strategie des Kreml einen unschätzbaren Vorzug. Sollten sich die
sowjetischen Statsmänner in Zukunft entscheiden, eine direktere und aktivere Rolle in der westlichen Hemisphäre zu spielen, würden Kubas Luft- und
Marinestützpunkte (über die Jahre hinweg mit sowjetischen Geldern und
technischer Unterstützung erbaut) eine ausgezeichnete Plattform zur Ausbreitung der sowjetischen Militärmacht darstellen.

Mittelpunkt für Subversion und Terrorismus
Ein wichtiges langfristiges Ziel der sowjetischen und kubanischen Führung ist es, die Vereinigten Staaten von einem, ihrem Glauben nach zunehmend radikalisierten und kommunistischen Lateinamerika zu entfremden.
Castro strebt bereits seit langer Zeit danach, ein Katalysator für Guerilla-Kriegsführung zu sein, die zu marxistisch-leninistischen Regierungen
in Lateinamerika führen soll. Aber die Sowjets, die in den sechziger Jahren eine andere Taktik verfolgten, rieten zur Vorsicht und legten Castro
nahe, seine eigene Machtergreifung zu sichern, bevor er andere Länder anging. Während des vergangenen Jahrzehnts haben die Sowjetunion und Kuba
jedoch zusammengearbeitet, um die Zersetzung der pro-westlichen Regierungen aktiv voranzutreiben. Sie tun dies, indem sie die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten der Region ausnutzen. Die Sowjets benutzen somit Kuba nicht nur als strategischen Stützpunkt, sondern
auch als ein Ausbildungslager und eine Bühne für potentielle Castros, und
das mit Castros enthusiastischer Hilfe.
Daß die opportunistischen Sowjets die Region als ein verlockendes Ziel
der Ausbeutung betrachten, wurde durch ein "Gesprächsprotokoll" aufgedeckt, das sich bei den 35 000 Pfund von Dokumenten befand, die von Truppen der Vereinigten Staaten und der Karibik während der Befreiungsoperation auf Grenada im Oktober 1983 beschlagnahmt wurden. Diese Akte eines
Zusammentreffens vom April 1983 zwischen dem sowjetischen Außenminister
Gromyko und dem damaligen Premierminister von Grenada, Maurice Bishop,
zeigte, daß die Sowjets die Region als "einen kochenden Kessel" betrachteten (9). Einen Monat eher sagte der sowjetische Spitzenmilitär, Marschall
Nikolai Ogarkow, seinem grenadischen Amtskollegen, daß es "über Jahrzehnte
hinweg nur Kuba in Lateinamerika gab, heute gibt es hingegen Nicaragua,

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�hingegen Nicaragua, Grenada, und es findet ferner ein ernsthafter Kampf in
El Salvador statt". Ogarkow versicherte seinem Kollegen aus Grenada des
weiteren, daß die Sowjetunion Grenada die notwendige militärische Ausrüstung zur Verfügung stellen würde (10).
Moskau hat einem sehr willigen Castro die Aufgabe übertragen, die
Mehrheit der Guerillas und Saboteure auszubilden, die die sowjetisch-kubanische Strategie durchführen sollen. Trainingslager in Kuba geben Ausländern intensiven militärischen Unterricht in der Taktik kleiner Einheiten,
für Sprengstoffanschläge und andere Elemente der Guerilla-Kriegsführung
sowie für marxistisch-leninistische Schulung. Absolventen der Ausbildungslager Castros agieren nicht nur in Lateinamerika, sondern schließen
auch Terroristen der Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) und anderer
radikaler Gruppen der ganzen Welt ein. Aber gerade in Mittelamerika hat
Castro in den vergangenen Jahren die größten Anstrengungen unternommen.
Ein lebhaftes Beispiel für Kubas zentrale Rolle, gemeinsam mit Nicaragua die kommunistisch geleitete Rebellion in El Salvador zu inszenieren,
stellt Adin Ingles Alvarado dar, ein Offizier der Volksbefreiungstruppe
(FPL), der größten Guerilla-Einheit in El Salvador. Ingles war am Angriff
auf das Hauptquartier der Vierten Brigade der Salvadorianischen Armee am
30. Dezember 1983 beteiligt. Später war er von der Sache der Guerillas
enttäuscht und lieferte sich selbst im April 1985 den Regierungsbehörden
aus. Ingles sagte in einem in El Salvador landesweit übertragenen Fernsehprogramm über den Angriff:
Wir begannen, den Angriff auf die Vierte Brigade in Kuba zu planen,
wo sie 28 Mann nahmen, um sie speziell für die Operation auszubilden... ich war einer der 28, die in Kuba ausgebildet wurden, um diese
Operation gegen die Vierte Brigade durchzuführen. Wir unternahmen sogar KampfÜbungen, wobei ein Modell der Garnison verwendet wurde. Ich
war in der Führung der Gruppe. Gemeinsam besprachen wir die Pläne bezüglich der Durchführung des Angriffs mit den kubanischen Beratern und
den Männern, die die Operation durchführen sollten. Neben der Ausbildung erhielten wir auch alle das Material zum Einsatz gegen die Vierte
Brigade. Sprengstoff, Maschinengewehre und Munition wurden von Kuba
geschickt. Nicaragua war nur Durchgangs- bzw. Aufmarschort. Dort
wurden die Vorkehrungen zur Durchführung getroffen. Dann wurde das
Material zu den Guerillas in El Salvador weitertransportiert. Das war
die Rolle Nicaraguas.
Kubas Fähigkeit, Chaos in Mittelamerika zu schaffen, wurde durch die
Machtübernahme 1979 von Castros langjährigen Schützlingen, den Sandinisten, dramatisch erhöht. Zum erstenmal gelang es einer Regierung, die von
Marxisten-Leninisten geführt wurde, sich in Mittelamerika zu verschanzen.
Für Castro schienen sich zwanzig Jahre der Bemühungen auszuzahlen, als
nicht nur die Sandinisten in Nicaragua, sondern auch Maurice Bishops New
Jewel-Bewegung in Grenada an die Macht gelangten.

Castros Schüler

�Castros Schüler kommen an die Macht
Maurice Bishops Diktatur dauerte nur vier Jahre und endete am 19. Oktober 1983, als er durch Mitglieder seiner eigenen New Jewel-Movement-Partei umgebracht wurde. Diese Aktion hatte eine Periode der Anarchie zur
Folge, die schließlich Grenadas Generalgouverneur veranlaßte, die Vereinigten Staaten und die Länder der östlichen Karibik zu ersuchen, die Ordnung wiederherzustellen. Die darauf folgende Rettungsoperation brachte
Grenada wieder auf den Weg zu einer repräsentativen Regierung.
Bishop hatte versucht, den Weg zu verfolgen, den Castro in den sechziger Jahren gegangen war. Er versprach, die Demokratie zu fördern und die
Lebensqualität des Volkes von Grenada zu verbessern. Er hatte jedoch genausowenig die Absicht zur Realisierung der Denokratie wie Kuba. Obgleich
er sich in der Öffentlichkeit wie ein Sozialdemokrat gab, enthüllten
Bishops Erklärungen im Privatbereich etwas ganz anderes. Zu den Dokumenten, die im Oktober 1983 aufgefunden wurden, gehörte ein "vertrauliches"
Gespräch, das Bishop am 13. September 1982 hatte. In dieser "Stoßrichtungsrede" zeigte sich seine Absicht, eine marxistisch-leninistische Regierung zu schaffen. Was die Rechtmäßigkeit des Ganzen anbelangte, erklärte Bishop in grenadischem Stil:
überlegt doch nur, Kameraden, wie die Gesetze in diesem Land gemacht
werden. Die Gesetze in diesem Land werden gemacht, wenn das Kabinett
zustimmt und wenn ich ein Dokument im Namen des Kabinetts unterzeichne. Und das muß dann jeder im Land befolgen - ob es ihm paßt oder
nicht. Oder überlegt einmal, wie Menschen in diesem Land verhaftet
werden. Wir fragen nicht erst nach Abstimmungen. Man wird verhaftet,
wenn ich einen Befehl unterschreibe, nachdem ich mit dem Ausschuß der
Partei für Nationale Sicherheit oder mit einem höheren Parteigremium
gesprochen habe. Wenn ich erst einmal unterschrieben habe - ob es denen nun paßt oder nicht -, dann haben sie sich daran zu halten.
Sowjets und Kubaner waren schnell bei der Hand, um Bishop und seiner
Partei zu helfen, als diese die Macht übernahm. Im Oktober 1983 hatte das
kleine Grenada mehr Mann unter Waffen und verfügte über mehr Waffen und
Ausrüstung, als all seine Nachbarn in der östlichen Karibik zusammen - dazu noch Pläne, Grenada die größte Militärmacht der Welt in Relation zur
Bevölkerung zu geben.
Die aufgefundenen Dokumente enthüllten, daß diese Militärhilfe des
Sowjetblocks Grenada als Folge von geheimen Verträgen und Abkommen gewährt
worden war. Sowjets und Kubaner akzeptierten grenadische Delegationen
zwecks deren Ausbildung in militärischer und paramilitärischer Tätigkeit,
Propaganda, Subversion der Kirchen und allgemeiner politischer Indoktrination. Grenadiner wurden zwecks Ausbildung in die UdSSR und nach Kuba geschickt (13).
Ein wichtiges Element dieser Abkommen waren die erheblichen Geldbeträge und der Einsatz von Personal, um das Volk von Grenada hinsichtlich der
Grundlagen des Marxismus-Leninismus zu indoktrinieren. Als sich die

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�sich die Regierung Bishop im Sommer 1983 vor eine interne politische Krise
gestellt sah, reagierte sie mit der Ankündigung eines umfassenden "ideologischen Intensivkurses" für die gesamte Bevölkerung der Insel. Die Dokumente enthüllen, daß sowjetische Instruktoren an diesem "Intensivkurs" beteiligt waren (14).
Die Rettungsoperation durch die Vereinigten Staaten und die Staaten
der östlichen Karibik im Oktober 1983 wurde durch das Volk von Grenada in
überwältigendem Ausmaß unterstützt. Eine Befragung durch CBS eine Woche
nach der Operation zeigte, daß 91 Prozent der Befragten dieser Rettungsoperation absolut zustimmten(15).
Für Castro und die sowjetische Führung war die Niederlage ein erheblicher - wenn auch nur zeitweiliger - Rückschlag. In Nicaragua jedoch
hatten die Sandinisten feste Kontrolle über ein zunehmend totalitäres Regime, und die Vision einer Konsolidierung und Expansion des MarxismusLeninismus in Mittelamerika schwebte Castro, seinen Gönnern und seiner
Klientel noch immer vor.

NICARAGUA:

MARXISMUS UND MILITARISMUS

Die Ursprünge des sandinistischen Regimes
Als die Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN) und ihre Verbündeten die Dynastie Somozas, die 42 Jahre lang gewährt hatte, stürzten
und selbst am 19. Juli 1979 an die Macht kamen, ritten die Sieger auf einer Welle des nationalen und internationalen guten Willens. Allgemeiner
Eindruck in der Welt war, daß eine kleine Gruppe junger Davide - "Rock 'n'
Roll-Rebellen...(16) begeistert von Baseball, Bier und Bruce Springsteen"
- einen brutalen Goliath besiegt hatte. Die Gegnerschaft zur Somoza-Diktatur hatte sich ab Mitte der siebziger Jahre immer weiter ausgebreitet,
und die Ermordung eines der führenden Kritiker Somozas, des Herausgebers
von La Prensa, Pedro Joaquin Chamorro, löste Demonstrationen der öffentlichen Empörung aus, einschließlich eines längeren Generalsteiks. Die
Sandinisten zehrten von diesem immer stärkeren Unwillen, und der Sturm
Eden Pastoras (des Commandante Zero) auf den Nationalpalast im August jenen Jahres beflügelte die Phantasie des nicaraguanischen Volkes und der
ganzen Welt.
Ende 1978 begannen die Reihen der FSLN anzuschwellen - von gerade einigen hundert Militanten, aus denen die Front bis dahin stets bestanden
hatte, auf fast 1 000 Kombattanten (17). Im darauffolgenden Sommer war
ihre Zahl auf etwa 5 000 angewachsen(18). Obgleich zahlenmäßig kleiner
als die 14 000 Mann starke Nationalgarde Somozas, zogen die Sandinisten zu
Beginn des Jahres 1979 Nutzen aus der wachsenden Opposition zu Somozas Unterdrückung und erhielten große Mengen an Material aus dem Ausland. Zahlreiche Waffen und viel Munition kamen aus Kuba. Auch Venezuela und Panama
stellten den Sandinisten große Mengen an Waffen zur Verfügung, während
Costa Rica zustimmte, daß die Sandinisten sein Territorium als Zufluchtsort nutzten.
Im Gegensatz
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�Im Gegensatz hierzu war die Nationalgarde Somozas vom Volk isoliert
und hatte Versorgungsschwierigkeiten. Die Vereinigten Staaten hatten im
Februar 1977 ihre Militärhilfe an Somoza eingestellt. Im Juni 1979 unternahm die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) den ungewöhnlichen
Schritt, den Sturz der Regierung eines Mitgliedslandes zu unterstützen und
forderte den "definitiven Austausch" des Somoza-Regimes(19). Ohne Hoffnung auf Hilfe von außen und nach Verlust der Kontrolle über den größten
Teil des eigenen Territoriums floh Somoza am 17. Juli aus Nicaragua. Die
Nationalgarde löste sich im wahrsten Sinn des Wortes über Nacht auf; viele
der Gardisten, einschließlich des größten Teils der höherrangigen Offiziere, flohen ins Exil, während etwa 3 000 andere, meist angeworbene Leute,
von der neuen Regierung ins Gefängnis geworfen wurden(20). Heute befinden
sich noch immer 1 500 bis 2 000 dieser Gardisten in Haft.

Die sandinistische Machtübernahme
Die sandinistische Führung war für den bewaffneten Kampf von entscheidender Bedeutung, obgleich sie nur eine kleine Minderheit derjenigen ausmachte, die sich gegen die Diktatur Somozas gestellt hatten. Geschäftsleute, Bauern, Arbeiter, Studenten und Nicaraguaner aller Schichten setzten sich für den Sturz des Diktators ein. Die fast gänzliche Einstimmigkeit beim Kampf gegen Somoza und seine willkürliche Anwendung von Gewalt
führte zu großer Zerstörung und vielen Toten - und sie führte in die
Schlagzeilen der Medien der ganzen Welt. Der Sieg der Sandinisten und
ihrer Verbündeten ließ bei vielen die Hoffnung wach werden, eine neue Ära
sei für dieses Land angebrochen. Die Führung der FSLN hatte sich öffentlich verpflichtet, die Grundsätze des politischen Pluralismus, einer gemischten Volkswirtschaft und einer bündnisfreien Außenpolitik einzuhalten (21). Da diese Verpflichtung die offizielle Position der neuen Regierung zum nationalen Wiederaufbau (GRN) widerzuspiegeln schien, erfreute
sie sich breiter internationaler Unterstützung, wobei die Vereinigten
Staaten dabei führend waren, was sich in den darauffolgenden 18 Monaten in
118 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe und humanitärer Hilfe ausdrückte. Dies war mehr, als jedes andere Land dem neuen Regime zur Verfügung
gestellt hatte - und mehr, als die vereinigten Staaten Somoza in den vorangegangenen vier Jahren gegeben hatten. Auch europäische und lateinamerikanische Länder, vor allem Venezuela, schickten Hilfe in das verarmte
und vom Krieg verwüstete Nicaragua.
Obgleich die Sandinisten erheblich marxistisch-leninistisch ausgerichtet waren und ihre Führung eng mit Fidel Castro verbunden war, stellte die
FSLN noch immer nur ein Element der breiten und populären Koalition gegen
Somoza dar, die die GRN stellte. Die Vereinigten Staaten, die lateinamerikanischen und die europäischen Staaten hofften, daß der marxistischleninistische Schwung der jugendlichen Sandinistenführung durch die gemässigteren Mitglieder der Koalition etwas abgeschwächt würde.
Eins war falsch an dieser Analyse. Die Sandinisten hatten die Gewehre
und waren nicht bereit, diese oder die Macht, die der militärische Erfolg
ihnen gebracht hatte, abzugeben. Sie waren davon überzeugt, daß die

- 12 -

�daß die Rettung Nicaraguas in einer marxistischen Wirtschaft und in leninistischer Politik lag.
Fidel Castro, der Gönner der Sandinisten, warnte sie jedoch, nicht in
derselben Geschwindigkeit fortzufahren, die sie in den frühen sechziger
Jahren vorlegten, als sie die politische Orientierung des neuen Regimes
nannten. Castro wollte, daß die Sandinisten eine der seinen ähnliche kommunistische Diktatur etablierten, riet ihnen jedoch, dies mit einer Behutsamkeit zu tun, die die westlichen Länder dazu bringen würde, die finanzielle Hilfe zur Verfügung zu stellen, die für die neue Regierung notwendig war. Bayardo Arce, eines der führenden Mitglieder der FSLN, formulierte es ein paar Jahre später in einer denkwürdigen geheimen Rede so:
Unsere strategischen Verbündeten raten uns, uns selbst nicht als
Marxisten-Leninisten darzustellen... Nicaragua wird das erste Beispiel
des Aufbaus des Sozialismus mit Hilfe der Dollars des Kapitalismus
sein.
In den vergangenen sechs Jahren haben die Sandinisten nicht nur diesen
Rat befolgt, sondern haben allmählich mit ihren "strategischen Verbündeten" mitgehalten. Genau wie die Führungen in der Sowjetunion, den Staaten
Osteuropas, Vietnams und Kubas haben die Sandinisten nunmehr eine Pressezensur erlassen, einen mächtigen geheimpolizeilichen Apparat eingerichtet,
systematische Angriffe auf organisierte Religionsgemeinschaften gestartet
und eine große Militärmacht entwickelt.
Eden Pastora, der berühmte "Comandante Zero" der Zeit des Kampfes gegen Somoza und später stellvertretender Verteidigungsminister der Sandinisten, jetzt aber eine der Führungsgestalten des demokratischen Widerstandes gegen die Sandinisten, antwortete auf die Frage "Wo liegt Ihrer
Meinung nach die größte Schuld der neun Comandantes?":
Darin, daß sie die einzige Chance verspielten, die je ein Volk in der
Geschichte hatte, echte Unabhängigkeit auszuüben, denn mit all der
Hilfe, die uns die Welt damals zukommen ließ, hätten wir eine Vielzahl
von Wirtschaftspartnern haben können und Abhängigkeit von einem einzigen vermeiden können. Kein anderes Land der Welt hatte die gleiche
Chance. Peru, Kolumbien, Ecuador, Panama, Venezuela, Costa Rica, sogar die Araber halfen uns. Wir verloren alles, als wir uns zum Spießgesellen der UdSSR machten.

FUSSNOTEN
1. Committee on Foreign Affairs, U.S. House of Representatives: "The
Soviet Union in the Third World, 1980-85: An Imperial Bürden or Political
Asset?" (Washington, D.C.: Congressional Research Service, 23. September
1985), S. 284-286.
2. U.S. Department of State/Department of Defense: "The Soviet-Cuban
Connection in Central America and the Caribbean" (Washington, D.C.:
März 1985).
3. Als
- 13 -

�3. Als erschöpfende Analyse der kubanischen Geschichte mit besonderer Betonung auf Castros Kampf gegen Batista und die darauffolgende Regierung
Castro siehe Hugh Thomas: "Cuba: The Pursuit of Freedom" (New York, Harper
and Row, 1971).
4. Rolando Bonachea: "United States Policy Tbward Cuba, 1959-1961," unveröffentlichte Dissertation, Georgetown Uhiversity, 1974.
5. Thomas, S. 1373
6. Radiosendung im Madrid Dornestic Service, 5. Januar 1984. Foreign
Broadcast Information Service (FBIS), Lateinamerika, 9. Januar (-ERR0R-)Q4.
7. Mark Falcoff: "Uhscrambling Cuban Messages" (Washington, D.C.: Cuban
American National Foundation, Inc., 1983), S. 10.
8. Jerry Flint: "Cuba: Russia's Wondrous Weapon," Forbes, 28. März 983,
S. 39.
9. Ein Microfiche dieses Dokuments, dessen Original von der amerikanischkaribischen Sicherheitstruppe während der Rettungsaktion in Grenada im
Oktober 1983 entdeckt wurde, kann zur Prüfung beim National Archive in
Washington, D.C. unter der Dokumenten-Nr. DSI-83-C-004845 eingesehen
werden.

10. I b i d . , Dokumenten-Nr. DSI-83-C-004844.
11. Ingles gab diese Erklärung in einem Fernsehprogramm in San Salvador
mit dem Titel "Cuatro Comandantes", Cadena Nacional, am 11. Juni 1985 ab.
12. U.S. Department of State: Maurice Bishop's "Line of March" Speech,
13. September 1982, Grenada Occasional Papers - No. 1 (Washington, D.C:
August 1984).
13. U.S. Department of State/Department of Defense: "Grenada Documents: An
Overview and Selection, (Washington, D.C, September 1984), S. 17-1 - 17-8.
14. Paul Seabury und Walter A. McDougall, Hrsg.: "The Grenada Papers" (San
Francisco: Institute for Contemporary Studies, 1984) S. 101-104.
15. U.S. Department of State/Department of Defense: "Grenada: A
Preliminary Report (Washington, D.C, 16. Dezember 1983) S. i
16. Paul Hollander: "The Newest Political Pilgrims", Commentary,
August 1985, S. 37.
17. "Rebeis Train Tb Overthrow Somoza", Washington Post, 15. Oktober 1978.
18. "Nicaraguan Junta Assumes Rule in Jubilant Managua", Washington Post,
21. Juli 1979.
19. Organisation

- 14 -

*

�19. Organisation Amerikanischer Staaten: "Seventeenth Meeting of
Consultation of Ministers of Foreign Affairs", Resolution II, Dokument
40/79, Rev. 2, Washington, D.C., 23. Juni 1979.
20. Shirley Christian: "Nicaragua: Revolution in the Family" (New York:
Random House 1985), S. 133.
21. Organisation Amerikanischer Staaten: "Report on the Situation of Human
Rights in the Republic of Nicaragua", 30. Juni 1981, S. 4-5. Die weiteren
Unterzeichner dieses Briefes waren Daniel Ortega (der heutige Präsident
von Nicaragua), Sergio Ramirez (heute Vize-Präsident), Moises Hassan
(heute Bürgermeister von Managua) und Alfonso Robelo (heute einer der
Führer der UNO, die in Opposition zum Sandinisten-Regime steht; zusammen
mit Violetta Chamorro war Robelo eines der beiden nichtmarxistischen Mitglieder der ursprünglichen Junta.

* * * * *

- 15 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stärke Amerikas fördert weltweite Stabilität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Harvard-Rede von US-Außenminister Shultz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das deutsch-amerikanische Verhältnis: die Bedeutung visionären Denkens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter Richard R. Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Senat verurteilt Verhaftung Daniloffe durch die Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Resolution einstimmig verabschiedet -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation in vier Teilen - Teil I -&lt;/em&gt;</text>
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^7

AMERIKA DIENST

C*

1 7 . S e p t e m b e r 1986

30

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagans Aufruf zum Kreuzzug gegen Drogen
- F e r n s e h a n s p r a c h e von P r ä s i d e n t Reagan und Nancy Reagan Wiener KSZE-Folgetreffen soll Einhaltung und Ausgewogenheit betonen
- Erklärungen von Botschafter Zimmermann vor US-Kommission -

HINTERGRUND
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil II -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
^7

Dokumentation

cfr

17. September 1986

29

REAGANS AUFRUF ZUM KREUZZOG GEGEN DROGEN
(Fernsehansprache von Präsident Reagan und Nancy Reagan)

Washington -(AD)- Präsident Reagan und Frau Nancy Reagan forderten in
einer am 14. September landesweit übertragenen Fernsehansprache alle Amerikaner auf, sich zu einem nationalen Kreuzzug gegen Drogen zusammenzuschließen. In dieser Rede verkündete der Präsident: "Wir wollen einen
einschneidenden Wandel im Verhalten der Allgemeinheit herbeiführen, wodurch letztendlich die Drogen vom Konsumenten ferngehalten werden - wir
wollen den Verbraucher vom Lieferanten trennen".

Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut ab:
Normalerweise spreche ich aus dem Westflügel des Weißen Hauses zu
Ihnen, aber heute abend will ich zu Ihnen über ein ganz außergewöhnliches
Thema sprechen, und ich werde das zusammen mit einer außergewöhnlichen
Person tun.
Nancy und ich befinden uns hier in der West Hall des Weißen Hauses,
inmitten unserer Wohnräume. Das ist das Haus, das Sie uns anvertraut
haben und das wir nur zeitweise verwalten.
Ich spreche heute abend gemeinsam mit meiner Frau, weil wir eine gemeinsame Botschaft zu übermitteln haben. Aber wir sprechen zu Ihnen nicht
nur als Mitbürger, sondern auch als Eltern und Großeltern und als besorgte
Nachbarn.
In Amerika

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In Amerika hat die Schule wieder begonnen, und obwohl der Drogen- und
Alkoholmißbrauch in allen Generationen zu finden ist, richtet er doch bei
unseren jungen Menschen, von denen unsere Zukunft abhängt, den größten
Schaden an. Wir hoffen, daß Sie uns heute abend, von Familie zu Familie,
von Haus zu Haus zuschauen.
Amerika hat in diesen letzten Jahren sehr viel erreicht, ob es sich um
den Aufbau unserer Wirtschaft oder um den Einsatz für die Sache der Freiheit in der Welt handelt. Was wir erreicht haben, haben wir mit Ihrer
Hilfe geschafft - in der Zusammenarbeit als eine vereinte Nation.
Jetzt brauchen wir wiederum Ihre Unterstützung. Drogen bedrohen
unsere Gesellschaft. Sie bedrohen unsere Grundwerte und unterminieren
unsere Institutionen. Sie töten unsere Kinder.
Von Beginn unserer Amtszeit an haben wir energische Schritte unternommen, um etwas gegen diese Greuel zu unternehmen.
Heute abend kann ich Ihnen mitteilen, daß wir erhebliche Fortschritte
gemacht haben. 37 Bundesbehörden arbeiten in einem tatkräftigen nationalen Bemühen zusammen, und im nächsten Jahr werden sich unsere Ausgaben für
die Anwendung der Drogengesetze seit 1981 verdreifacht haben.
Wir haben mehr illegale Drogen beschlagnahmt, so daß uns jetzt Angaben
über eine Marihuana-Verknappung vorliegen. Allein im vergangenen Jahr
wurden 10 000 Drogentäter verurteilt und fast 250 Millionen Dollar ihrer
Einkünfte wurden vom Amt für Drogenbekämpfung (DEA) beschlagnahmt.
Und im wichtigsten Bereich - dem individuellen Drogenkonsum - machen
wir ebenfalls Fortschritte. In vier Jahren ist die zahl der älteren Schüler an High Schools, die täglich Marihuana konsumierten, von einem unter
14 Schülern zurückgegangen auf einen Schüler von 20.
Die Armee der Vereinigten Staaten hat den Verbrauch illegaler Drogen
durch ihr Personal seit 1980 um 67 Prozent verringert.
Das alles ist ein Maßstab unseres Einsatzes und ein Signal, daß wir
diesen Feind besiegen können. Aber es gibt noch viel zu tun.
Trotz unserer besten Bemühungen kommt illegales Kokain in einer alarmierenden Größenordnung ins Land und wird von 4 bis 5 Millinoen Personen
regelmäßig konsumiert. 500 000 Amerikaner sind heroinsüchtig. Einer von
zwölf raucht regelmäßig Marihuana.
Der regelmäßige Drogenkonsum ist in der Altersgruppe der 18-25 jähr igen
noch höher und greift wahrscheinlich gerade auf die Gruppe der Berufstätigen über.
Jetzt gibt es eine neue Epidemie - das auch als ' Crack' bekannte zu
rauchende Kokain. Es ist ein besonders zerstörerisches und oftmals

�und oftmals tödliches Mittel, das seine Konsumenten vernichtet. Es
gleicht einem unkontrollierten Feuer.
Und der Drogenmißbrauch ist kein sogenanntes "Verbrechen ohne Opfer".
Jedermanns Sicherheit steht auf dem Spiel, wenn Autofahrer, Beschäftigte
bei Transportunternehmen oder Industriearbeiter Drogen und zuviel Alkohol
konsumieren. Der Drogenmißbrauch kostet Sie und Ihre amerikanischen Mitbürger wenigstens 60 Millionen Dollar im Jahr.
Seit den frühen Tagen unserer Amtszeit hat Nancy sich stark für die
Bemühungen um die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs engagiert. Sie hat
Dutzende von Reden gehalten, unzählige Interviews gegeben und an 24 besonderen Radio- und Fernsehaufzeichnungen teilgenommen, um ein größeres
Bewußtsein für diese Krise zu schaffen.
Durch ihre persönlichen Beobachtungen und Bemühungen hat sie tiefe
Einblicke gewonnen, die sie auf meinen Wunsch hin heute abend mit Ihnen
teilen soll.
Frau Reagan:
Als Mutter habe ich den Monat September immer als besonderen Monat betrachtet und als eine Zeit angesehen, zu der wir unsere Kinder wieder in
die Schule geschickt haben, in die Wärme einer Umgebung, in der sie die
Versprechen und Hoffnungen ihrer unruhigen Gemüter wahrmachen konnten.
In diesen Jahren ist so viel geschehen - so vieles, was die Fundamente
von dem, was wir wußten and woran wir glaubten, erschüttert hat.
Heute gibt es in diesem Land eine Epidemie des Alkohol- und Drogenmißbrauchs, vor der niemand sicher ist - weder Sie noch ich und ganz sicher
nicht unsere Kinder, denn diese Epidemie wird sie treffen.
Viele von Ihnen werden vielleicht denken, daß Drogen sie nichts angehen. Es geht Sie aber etwas an - es geht uns alle an: wegen des Umfangs, in dem es an unserem Leben zehrt und weil es darauf abzielt, die
Stärke und das Leben der Söhne und Töchter der Vereinigten Staaten zu zerstören.
Ich bin seit fünf Jahren in diesem Land herumgereist und habe dabei
vieles gehört und viel gelernt. Eines der hoffnungsvollsten Anzeichen,
die ich gesehen habe, ist der Aufbau eines wichtigen neuen Bewußtseins
darüber, wie schrecklich und bedrohlich der Drogenmißbrauch für unsere Gesellschaft ist. Dies war am Anfang eines meiner Hauptziele und es macht
mich natürlich sehr glücklich, daß es erreicht worden ist.
Jedesmal, wenn ich wieder mit einem Drogenabhängigen zusammenkomme
oder einen neuen Brief von jemandem erhalte, der Drogenprobleme hat, ringe
ich um die Möglichkeit, einen Ausweg aus seinem Dilemma zu finden.
Als Mutter geht es

�Als Mutter geht es mir ganz besonders darum, was Drogen jungen Muttern
und deren Neugeborenen antun können. Hier ein Bericht aus einem Krankenhaus in Florida über das Kind einer kokainabhängigen Mutter:
"Ganz in der Nähe liegt ein Neugeborenes, Paul, bewegungslos in seinem
Brutkasten, Nährschläuche ragen überall aus seinem winzigen Körper. Zum
Atmen benötigt es eine Atmungshilfe; einmal am Tag wird aus dem Rückgrat
Flüssigkeit abgesaugt, um die Wasserbildung im Gehirn abzubauen. Es ist
erst einen Monat alt, hat aber schon zwei Schlaganfälle hinter sich".
So sieht man, wie Drogenmißbrauch einen jeden einzelnen von uns angeht
- die ganze amerikanische Familie. Drogen berauben uns um so vieles. Sie
nehmen und nehmen, bis schließlich jedesmal, da eine Droge in ein Kind gelangt, etwas anderes aus ihm herausgesaugt wird - nämlich Liebe, Hoffnung,
Vertrauen und Zuversicht. Drogen nehmen jedem Kind seine Träume und ersetzen sie durch einen Alptraum. Es ist an der Zeit, daß wir in Amerika
aufstehen und Ersatz für diese Träume finden.
Jeder von uns muß seine Prinzipien und sein Gewissen einbringen - ganz
gleich, ob in seinem sozialen Umfeld oder an seinem Arbeitsplatz -, um zuverlässige Maßstäbe zu setzen und sich dann auch an sie zu halten.
Es gibt bei der Moral keine Halbheiten. Auch Gleichgültigkeit ist
kein Weg. Wir wollen, daß Sie uns dabei unterstützen, hinsichtlich des
Drogenkonsums ausgesprochen intolerant zu sein. Um unserer Kinder willen
beschwöre ich Sie, in Ihrem Widerstand gegen Drogen unnachgiebig und unbeugsam zu sein.
Auch unsere jungen Menschen helfen uns auf diesem Weg. Vor einiger
Zeit fragte mich in Oakland in Kalifornien eine Gruppe Jugendlicher, was
sie tun sollten, wenn man ihnen Drogen anböte. Ich antwortete: "Sagt einfach nein'." So schlössen sich diese Jugendlichen in Oakland zu einem
"Sag* einfach nein"-Club zusammen, und jetzt gibt es im ganzen Land über
10 000 solcher Clubs.
Ihre Beteiligung und ihr Mut signalisieren, daß diese "Nein"-Bewegung
unsere Unterstützung braucht. Wir können eine solche geben, wenn wir jede
Gelegenheit nützen, um über das Thema der Nichtanwendung von Drogen auf
eine Weise zu sprechen, durch die es der Gegenseite unangenehm wird selbst bis hin zu dem Punkt, daß wir uns selbst unbeliebt machen.
Dies ist zu keinem Zeitpunkt eine leichte Aufgabe, denn die Drogenkriminellen sind einfallsreich. Sie bemühen sich tagtäglich um eine neue
und bessere Möglichkeit, das Leben unserer Kinder zu stehlen - so wie sie
das beispielsweise mit der Entwicklung dieser neuen Droge, "Crack", getan
haben. Wir schließen ein Tor, und sie öffnen dem Tod ein neues. Sie ziehen ihren Vorteil aus unserer mangelnden Bereitschaft zum Handeln. Deshalb müssen wir klüger, stärker, zäher sein als sie. Es liegt an uns,
Einstellungen zu verändern und damit schlicht und einfach ihre Märkte auszutrocknen.
Schließlich habe ich

�Schließlich habe ich eine sehr persönliche Botschaft an die jungen
Leute, die jetzt zuschauen oder zuhören:
Vor euch liegt eine große, wunderschöne Welt. Sie gehört euch. Sie
ist aufregend, anregend, lohnend. Betrügt euch nicht selbst um diese Verheißung. Unser Land braucht euch. Aber es braucht euch mit klarem Auge
und klarem Kopf.
Kürzlich habe ich die Geschichte von einem jungen Mädchen gelesen,
mittlerweile entschlossen, keine Drogen mehr zu nehmen, aber vorher von
mehreren abhängig. Woran sie sich bei ihrer Gesundung am genauesten erinnerte, war die Tatsache, daß ihr während der Zeit der Abhängigkeit alles
in Schwarz und Grau erschien. Nach der Behandlung war sie wieder in der
Lage, Farben zu sehen.
Meine jungen Freunde dort draußen: das Leben kann großartig sein aber nur, wenn ihr es auch sehen könnt. Öffnet eure Augen für das Leben,
um es in den vielfältigen Farben zu sehen, die Gott Seinen Kindern als
kostbares Geschenk gab, um das Leben in seiner ganzen Fülle zu genießen
und ihm einen Sinn zu geben.
Sagt ja zu eurem Leben.
einfach nein.

Und wenn es um Drogen und Alkohol geht: sagt

Der Präsident:
Ich glaube, Sie können sehen, weshalb Nancy so viel positiven Einfluß
auf alles hat, was wir zu tun versuchen.
Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist sehr einfach. Nancys persönlicher
Kreuzzug - wie auch der von so vielen anderen großartigen Menschen - sollte zu unserem nationalen Kreuzzug werden. Er muß eine Kombination aus
staatlichen und privaten Bemühungen sein, die einander ergänzen. Vergangenen Monat habe ich sechs Initiativen angekündigt, die unserer Überzeugung nach genau dies bewirken werden.
Erstens: Wir streben einen drogenfreien Arbeitsplatz an - auf allen
Ebenen des Staates und des Privatsektors.
Zweitens:

Wir werden auf drogenfreie Schulen hinarbeiten.

Drittens: Wir wollen sicherstellen, daß die Öffentlichkeit geschützt
wird und den Drogen- und Tablettenabhängigen entsprechende Behandlungsmöglichkeiten offenstehen ist.
Unser viertes Ziel ist eine Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit; gleichzeitig behandeln wir Drogenschmuggel als eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit. Im Oktober werde ich mich mit den wichtigsten amerikanischen Botschaftern zusammensetzen, um zu besprechen, was
- 5 -

�um zu besprechen, was zur Unterstützung unserer Freunde im Ausland getan
werden kann.
Fünftens: Wir müssen die Aktivitäten der Vollzugsorgane stärken, wie
dies bereits von Vizepräsident Bush und Justizminister Meese initiiert
wurde.
Schließlich geht es uns darum, das Bewußtsein der Öffentlichkeit zu
schärfen und präventiv tätig zu werden.
Um diese sechs Zielsetzungen zu verwirklichen, werde ich morgen eine
Reihe neuer Vorschläge für ein drogenfreies Amerika verkünden. Zusammengenommen werden diese Vorschläge unsere Gesetze gegen Drogenkriminelle
verschärfen, zu mehr Forschung und Behandlung anregen und sicherstellen,
daß illegale Drogen in unseren Schulen und an unseren Arbeitsplätzen nicht
mehr geduldet werden. Zusammen mit unseren schon laufenden Bemühungen
werden diese Vorschläge die Mittel für staatliche Maßnahmen zur Drogenbekämpfung auf 3 Milliarden Dollar anheben.
Wie viele Mittel wir aber auch immer aufwenden: wir würden einer
Selbsttäuschung unterliegen, wenn wir meinen, gewaltige neue Gelder allein
könnten die Lösung sein. Vergessen wir nicht, daß in Amerika das Volk die
Probleme löst und kein nationaler Kreuzzug jemals ohne das Zutun von
Menschen gewonnen wurde. Der Kreuzzug gegen Drogen kann nicht gewonnen
werden, wenn man lediglich Geld auf das Problem schüttet.
Ihre Regierung wird auch weiterhin aggressiv vorgehen, aber nichts
könnte wirkungsvoller sein, als daß Amerikaner schlicht und einfach aufhören, illegale Drogen zu nehmen.
Wir wollen einen einschneidenden Wandel im Verhalten der Allgemeinheit
herbeiführen, wodurch letztendlich die Drogen vom Konsumenten ferngehalten
werden - wir wollen den Verbraucher vom Lieferanten trennen.
Jetzt bist Du wieder dran:
Meine Generation wird sich noch daran erinnern, wie Amerika in Aktion
trat, als wir im Zweiten Weltkrieg angegriffen wurden. Der Krieg wurde ja
nicht nur von den Jungs in den Flugzeugen und Panzern geführt. Er fand
genauso zu Hause statt, wo eine mobilisierte Nation - Männer wie Frauen Flugzeuge und Schiffe baute, Matrosen und Soldaten einkleidete und Marinesoldaten und Flieger speiste. Und er wurde geführt von Kindern, die
Gärten des Sieges anlegten und Blechdosen sammelten.
Heute befinden wir uns wieder in einem Krieg für unsere Freiheit und
es ist Zeit, daß wir dabei wieder alle an einem Strang ziehen. Wenn zum
Beispiel Ihr Freund oder Ihr Nachbar oder eine Familie mit Drogen- oder
Alkoholproblemen konfrontiert ist, wenden Sie sich nicht von ihnen ab.
Helfen Sie ihnen. Versuchen Sie, andere zur Mitarbeit zu bewegen - in
Clubs, Betreuungsgruppen und Gemeindeorganisationen - und ihnen Unter-

- 6 -

�und ihnen Unterstützung und Kraft zu geben.
Sicherlich sind viele unter Ihnen, denen durch richtige Behandlung und
Selbsthilfe Heilung widerfahren ist. Nun, Sie sind die Veteranen in diesem Krieg und Ihnen fällt deshalb eine sehr wichtige Rolle zu. Sie können
anderen helfen, indem Sie ihnen Ihre Geschichte erzählen und indem Sie den
Bedürftigen Ihre Hilfe anbieten.
Anderen ein Freund zu sein ist der beste Weg, uns selbst ein Freund zu
sein.
Wie Nancy gesagt hat: Es ist Zeit, daß Amerika "einfach nein sagt" zu
Drogen.
überall, in Gewerkschaftshäusern und am Arbeitsplatz fordere ich Sie
auf: bitte machen sie diese Herausforderung zu einem Teil Ihrer täglichen
Arbeit. Helfen Sie uns, die Gesundheit und Würde aller Arbeitnehmer zu
bewahren.
An die Unternehmen, große wie kleine, appelliere ich: Wenden Sie Ihre
unternehmerische Kreativität direkt auf dieses Problem an. Helfen Sie uns.
Und denjenigen unter Ihnen, die im Erziehungswesen tätig sind, sage
ich: Ihre Klugheit und Führungskraft sind für diese Aufgabe unentbehrlich.
Denjenigen, die in diesem Land des Geistes von den Kanzeln predigen,
sage ich: Ihre beruhigende Botschaft der Erlösung und des Vergebens und
des Helfens wäre uns willkommen.
An die Sportler appelliere ich: Ihr Männer und Frauen gehört zu den
beliebtesten Bürgern dieses Landes. Die Bewunderung der Kinder gehört
Euren heroischen Leistungen. Es gibt nur wenige unter uns, die jungen
Leuten ein solch starkes Vorbild sein können, wie Ihr. Bitte laßt sie
nicht im Stich.
Und diese Kamera vor uns: sie erinnert Nancy und mich daran, daß in
unserem früheren Beruf und in den Nachrichtenstudios und Produktionsräumen
unserer Medienzentren Sie, die Sie dort arbeiten, mit Ihrem großen Einfluß
eine besondere Gelegenheit haben, Alarmsignale an die ganze Nation auszusenden.
An unsere Freunde in anderen Ländern gerichtet sage ich: Wir wissen,
daß viele von Ihnen gemeinsam mit uns in dieser Schlacht kämpfen. Wir
brauchen Ihren Erfolg genauso wie unseren.
Wenn wir uns alle zusammentun und vereint diese Aufgabe angehen, dann
werden diejenigen, die im Begriff sind, Amerika mit langsamer aber sicherer chemischer Zerstörung umzubringen und zu terrorisieren, feststellen,
daß sie es mit der mächtigsten Bewegung des Guten zu tun haben, die uns
bekannt ist. Dann wird es für sie keine dunklen Gassen mehr geben, in
- 7-

�mehr geben, in denen sie sich verstecken können.
Lassen Sie uns bei diesem Kreuzzug nicht vergessen, wer wir sind. Der
Drogenmißbrauch ist eine Zurückweisung all dessen, was Amerika verkörpert. Unser Erbe wird von seiner zerstörerischen Wirkung und dem damit
verbundenen menschlichen Elend verhöhnt.
Denken Sie für einen Augenblick daran, wie besonders es ist, ein Amerikaner zu sein. Können wir daran zweifeln, daß nur die göttliche Vorsehung dieses Land, diese Insel der Freiheit, hier als Zufluchtsort für
all die Menschen auf der ganzen Welt geschaffen hat, die sich nach Freiheit sehnen.
Die Revolution, die uns die Freiheit brachte, bedeutete eine historische Aufforderung an die ganze Welt auf der Suche nach Hoffnung. Diese
Hoffnung wurde durch jede Ankunft neuer Einwanderer verstärkt. Es kamen
Millionen auf der Suche nach einer Zuflucht vor der Unterdrückung durch
grausame Regime. Es kamen die, die den Holocaust und den sowjetischen
Gulag überlebt hatten. Es kamen die Boat-People, die Todesgefahren für
den Schimmer der Hoffnung auf ein neues Leben auf sich nahmen. Sie alle
kamen, um die von Freiheit erfüllte Luft zu atmen, die die unsrige ist.
Was für eine Beleidigung unserer Existenz - und unserer Herkunft würde es sein, wenn wir uns nicht diesem Krebs der Drogen gemeinsam entgegenstellen würden.
Und noch etwas. Die Freiheit, die so viele in unserem Land suchen,
ist nicht ohne einen Preis bewahrt worden. Nancy und ich sind vor zwei
Jahren daran erinnert worden, als wir den amerikanischen Soldatenfriedhof
in der Normandie besuchten.
In der stille dieses Juninachmittags schritten wir unter den Soldaten
der Freiheit - entlang an Hunderten von weißen Zeichen, die Monumente des
Mutes und Mahnmale des Opfers sind.
Zu viele dieser und anderer solcher Gräber sind die letzte Ruhestätte
junger Menschen - die im Getöse der Schlacht zu Männern wurden.
Seht, was sie uns Lebenden gegeben haben. Nie wieder sahen sie einen
neuen Tag an den von Sonne glitzernden Wassern eines Sees oder Flusses in
der Heimat, oder die Kornfelder, die sich unter dem offenen Himmel unserer
Ebenen erstrecken, so weit das Auge reicht. Die unverdorbene Luft unserer
Berge und das pulsierende Leben unserer Städte sind nicht mehr für sie
da. Und nie wieder erlebten sie als Sohn ihre Eltern oder sahen sie als
Väter ihre Kinder.
Sie taten es für Sie - für mich -, damit eine neue Generation unser
demokratisches Experiment mit Stolz weiterführe. Nun, das ist etwas, was
wir, wie ich meine, zu ehren verpflichtet sind, weil das, was sie für uns
getan haben bedeutet, daß es uns als eine Bürgerpflicht aufgetragen ist,
- 8-

�aufgetragen ist, unsere Freiheit klug für das Wohl des Ganzen einzusetzen.
Während wir für diesen nationalen Kreuzzug mobilisieren, bin ich mir
bewußt, daß Drogen für Millionen eine ständige Versuchung darstellen.
Bitte denken Sie daran, wenn Ihr Mut auf die Probe gestellt wird: Sie
sind Amerikaner; Sie sind Teil der freiesten Gesellschaft in der Geschichte der Menschheit. Niemand hat jemals das Recht, Ihre Träume zu
zerstören und Ihr Leben zu vernichten.
Am Ende dieses Flurs befindet sich Lincolns Schlafzimmer. Während des
Bürgerkrieges benutzte Präsident Lincoln dieses Zimmer als sein Büro.
Dieses Zimmer ist mit Erinnerungen angefüllt - und mehr als alles andere
veranlaßt uns diese Erinnerung dazu, uns ein lebendiges Bild dessen zu
machen, was Präsident Lincoln zu retten versuchte. Und dies ist zuallererst, daß Amerika für etwas stehen muß. Und daß wir durch unser Erbe zu
einer festen Charakterstärke geführt werden, die durch jede neue, dieser
Nation aufgezwungenen Herausforderung weiter gestählt wird.
Wir Amerikaner sind niemals irgendeiner Tyrannei gegenüber moralisch
neutral gewesen. Heute abend verlangen wir nicht mehr, als daß wir das,
was wir in unserer Vergangenheit waren und was wir heute sind, dadurch in
Ehren halten, das wir zusammenstehen.

Frau Reagan:
Nun tun wir den nächsten Schritt - indem wir uns voll dazu verpflichten, daß wir Drogen nirgendwo und zu keiner Zeit tolerieren werden.
Nehmen Sie mit uns an diesem neuen großen nationalen Kreuzzug teil.
Der Präsident:
Gott segne Sie und guten Abend.

- 9-

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

17. September 1986

30

WIENER KSZE-FOLGETREFFEN SOLL EINHALTUNG UND AUSGEWOGENHEIT BETONEN
- Erklärungen von Botschafter Zimmermann vor US-Kommission -

WASHINGTON - (AD) - Nach Angaben von Botschafter Zimmermann werden die
beiden Hauptziele der Vereinigten Staaten bei der kommenden KSZE-Folgekonferenz in der Verifikation der "Einhaltung" von Menschenrechtsbestimmungen durch die Sowjets und den Ostblock sowie in der Sicherstellung von
"Ausgewogenheit" zwischen Sicherheits- und anderen Komponenten der Schlußakte von Helsinki bestehen. Nachfolgend bringen wir Zimmermanns Erklärungen vom 11. September vor der US-Kommission über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, im Wortlaut:
Die Aussichten für das Wiener KSZE-Folgetreffen
Wie Sie wissen, ist mir der KSZE-Prozeß nicht fremd, da ich schon während des Madrider Folgetreffens von 1980 bis 1981 als stellvertretender
Leiter der amerikanischen Delegation fungiert habe, ich bin mir deshalb
vielleicht mehr als manch anderer der entscheidenden Rolle bewußt, die
diese Kommission und Ihr Arbeitsstab im vergangenen Jahrzehnt bei der Förderung der Ziele des KSZE-Prozesses, insbesondere im Bereich der Menschenrechte, gespielt haben. Die amerikanische Delegation für das Wiener Treffen wird wieder einmal stark auf Ihren Sachverstand zurückgreifen; und die
Kommission wird ja sogar in der Delegation selbst auf der Ebene des stellvertretenden Leiters sowie durch Mitglieder ihres sehr erfahrenen Stabes
vertreten sein. Ich freue mich auf ein enges und produktives Verhältnis.
Wie in Madrid wird auch an dieser Delegation eine Gruppe hervorragender Amerikaner als Vertreter der Öffentlichkeit teilnehmen. Wir hoffen,
daß wir in Bälde ihre Namen bekanntgeben können. Wir werden auch weiter-

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�I

Wir werden auch weiterhin engen Kontakt mit nichtstaatlichen Gruppen aufrechterhalten, die einen ebenso unverzichtbaren Beitrag zum KSZE-Prozeß
geleistet haben.
Der KSZE-Prozeß begann in Helsinki im Jahr 1975 mit der Unterzeichnung
der Schlußakte durch Präsident Ford und 34 weitere Staats- und Regierungschefs. Diese grundlegende Dokument enthält eine Prinzipienerklärung,
durch die das Verhalten von Staaten untereinander sowie ihren eigenen Bürgern gegenüber geregelt wird und liefert einen Rahmen für Gespräche über
Sicherheits-, Wirtschafts- und Menschenrechtsprobleme, die mit der unnatürlichen Teilung Europas zusammenhängen. Im letzten März sind Sie von
Staatssekretär Armacost ausführlich über die Haltung der Administration
zum KSZE-Prozeß informiert worden. Diese Haltung ist unverändert.
Ich will heute eine kurze Bewertung des KSZE-Prozesses geben und dann
unsere grundlegenden Ziele für das Wiener Treffen sowie diejenigen unserer
westeuropäischen Verbündeten und die der Sowjetunion skizzieren.

I. Der KSZE-Prozeß
Während des letzten Jahrzehnts ist die Frage "Wer sind die Verlierer
und Gewinner?" von Helsinki ausführlich diskutiert worden. Tatsächlich
ist diese Fragestellung falsch. Jeder Teilnehmer muß von Helsinki profitiert haben, da alle 35 KSZE-Teilnehmerstaaten an der Fortführung des Prozesses interessiert bleiben. Ich würde diese Frage folgendermaßen umformulieren: "Wer hat am meisten, und wer hat am wenigsten gewonnen?"
Meiner Ansicht nach hat ganz klar die Sowjetunion sowohl in Helsinki
und bei der Ausweitung des KSZE-Prozesses am wenigsten gewonnen.
Im Hinblick auf die KSZE-Schlußakte bestanden die sowjetischen Ziele
hauptsächlich darin, die Teilung Europas zu legitimieren, die zentrale
Rolle des Staates gegenüber dem einzelnen Bürger zu betonen und die KSZE
ausschließlich auf die sowjetische Sichtweise von gesamteuropäischer
Sicherheit zu konzentrieren. Obwohl es der Sowjetunion gelang, ein Prinzip der Unverletzlichkeit von Grenzen einzubringen, wurde aber sogar dieses Prinzip durch die Sprachregelung abgeschwächt, daß Grenzen auf friedlichem Weg verändert werden könnten. Tatsächlich spiegeln sich in der
Schlußakte viel mehr die KSZE-Tagesordnungspunkte des Westens wider. Sie
richtet die Aufmerksamkeit auf die friedliche Wiedervereinigung Europas
und öffnet die Tür für verstärkte Kontakte zwischen Ost und West. Sie unterstreicht die Rechte und Freiheiten des Einzelnen und etabliert Normen
für das Verhalten von Regierungen gegenüber ihren eigenen Bürgern. Und
sie schafft einen ausgewogenen Blickwinkel, unter dem die Menschenrechte
als Grundelement echter Sicherheit in Europa anerkannt werden.
Die Sowjets haben es gänzlich versäumt, die Konsequenzen ihrer in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen vorauszusehen. Zweifellos meinten
sie, sie könnten diese Verpflichtungen einfach ignorieren, wie sie es

- 2 -

�wie sie es schon mit den in der Charta der Vereinten Nationen und der
UNO-Menschenrechtsdeklaration enthaltenen getan haben. Sie hatten sogar
genug Selbstvertrauen, um den vollständigen Text der Schlußakte in der
Iswestija zu veröffentlichen und sie damit jedem Sowjetbürger für drei Kopeken zugänglich zu machen. Die daraufhin in der UdSSR und Osteuropa gegründeten KSZE-Beobachtergruppen stellten für das sowjetische Regime eine
besonders unliebsame Überraschung dar.
Ein weiterer Schlag war die Tatsache, daß die Folgetreffen in Belgrad
und Madrid sich hauptsächlich mit sowjetischen Menschenrechtsverletzungen
befaßten. Die Wirkung dieser ständigen Publizität hinsichtlich der wahren
Natur des Sowjetsystems wird sogar heute noch unzureichend verstanden,
insbesondere in bezug auf die Rolle, die sie bei der Umkehrung des sowjetischen Images in Westeuropa in den frühen achtziger Jahren spielte, im
Zeitraum des Madrider Treffens (1980 bis 1983) erlebte die prosowjetische
Linke in Frankreich einen dramatischen Niedergang, wurde in der Bundesrepublik Deutschland der Beschluß zur Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen gefaßt, und in Großbritannien und Italien blieb Regierungen mit engen Sicherheitsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten die
Unterstützung einer Mehrheit des Volkes erhalten.
Das Madrider Schlußdokument stellte außerdem einen bedeutenden Beitrag
dar, weil es ein grundlegendes Ziel des KSZE-Prozesses, mehr Offenheit,
fördert. In einer vor der Madrider Konferenz abgegebenen Erklärung würdigte Außenminister Shultz die Ergänzung durch "wichtige neue Verpflichtungen in bezug auf Menschenrechte, Gewerkschaftsfreiheit, freien Informationsfluß und Maßnahmen gegen den Terrorismus" als Leistungen dieses
Treffens.
Madrid bot außerdem eine wichtige Gelegenheit, um unser Ziel zu unterstützen, konkrete Möglichkeiten zur Stärkung von Vertrauen und Sicherheit
in Europa ausfindig zu machen. Das in Madrid erteilte Mandat für die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (K'AE)
erweiterte sowohl das in der Schlußakte von Helsinki definierte Anwendungsgebiet, um nun Gebiete westlich des Ural einzubeziehen und kodifizierte westliche Schlüsselkriterien, nach denen die verabschiedeten Maßnahmen militärisch bedeutend und verifizierbar sein sollten.
Trotz frühzeitiger sowjetischer Bemühungen, die KVAE in ein Forum für
inhaltsleere, propagandistische Deklarationen zu verwandeln, war der Westen sehr erfolgreich dabei, die Stockholmer Konferenz auf seine Tagesordnung festzulegen. Die Vereinigten Staaten bemühen sich intensiv darum,
bis zum Schlußtag der Konferenz am 19. September einen erfolgreichen Abschluß herbeizuführen, der Stabilität und Sicherheit in Europa durch die
Annahme von Maßnahmen wie obligatorische Notifikation von militärischen
Aktivitäten unterhalb einer erheblich niedrigeren Schwelle enthalten soll,
ferner obligatorische Beobachtung und einen jährlichen Kalender geplanter
Aktivitäten. Die Annahme gewisser KVAE-Maßnahmen, wie etwa obligatorische
Inspektionen vor Ort auf sowjetischem Territorium, könnten ebenfalls
positive Auswirkungen auf andere Rüstungskontrollpläne der Vereinigten

- 3 -

�der Vereinigten Staaten haben.
Trotz dieser Fortschritte stimmt es jedoch, daß generell die Einhaltung von KSZE-Bestimmungen durch den Osten im allgemeinen und speziell
die Sowjetunion, insbesondere auf dem Gebiet der Menschenrechte, ernstlich
getrübt bleibt. Andrej Sacharow und seine Frau Jelena Bonner stehen immer
noch in Gorki unter Hausarrest und Jurij Orlow, Anatolij Martschenko und
andere KSZE-Beobachter sind entweder inhaftiert oder leben in der Verbannung. Die Zahl der sowjetischen Juden, denen die Auswanderung erlaubt
wurde, ging außerdem von 51 000 im Jahr 1979 auf kaum noch 1 000 im vorigen Jahr zurück.
Da:; Ausmaß der sowjetischen Verletzungen führte bei einigen Beobachtern dos KSZE-Prozesses zu der Behauptung, daß die Vereinigten Staaten
ihre Beteiligung daran überhaupt einstellen sollten. Ich akzeptiere, daß
diese Behauptung in gutem Glauben aufgestellt wurde und teile die Frustration über die sowjetischen Verletzungen, die diese hervorbrachten. Trotzdem glaube ich, daß dieses Argument falsch ist. Meiner Meinung nach wäre
es gleichbedeutend mit der Forderung an uns, das Strafgesetzbuch abzuschaffen, weil es Leute gibt, die die Gesetze brechen, ich bin der festen
Überzeugung, daß der KSZE-Prozeß sehr wohl im Interesse der vereinigten
Staaten lag und liegt.
Wir müssen diesen Prozeß bewahren, um denen beizustehen, die für die
Verwirklichung der Ziele von Helsinki kämpfen. Ich habe persönlich eine
Reihe von sowjetischen Dissidenten und Verweigerern in Moskau und anderen
Teilen der Sowjetunion gefragt, ob ihrer Meinung nach die KSZE eine Zeitverschwendung sei. Ich habe niemanden angetroffen - einschließlich
Anatolij Schtscharanskijs, mit dem ich dieses Thema im vorigen Frühjahr
diskutiert habe -, der mir gesagt hätte, daß er diesen Prozeß eingestellt
sehen wolle. Stattdessen meinten sie, daß ihnen die bei den Uberprüfungskonferenzen erzeugte Publizität im Hinblick auf sowjetische Menschenrechtsverletzungen, trotz der schlechten Erfahrungen mit der Einhaltung
durch die Sowjets, eine echte Hilfe sei.
II.

Das Wiener Folgetreffen

Unsere Haltung in Wien wird von zwei übergreifenden Zielen bestimmt
sein. Erstens müssen wir eine verbesserte Einhaltung des Ostblocks gegenüber den Verpflichtungen sicherstellen, die bereits in der Schlußakte und
im Madrider Schlußdokument, besonders im Hinblick auf die Menschenrechte,
dargelegt sind. Präsident Reagan kündigte in seiner Erklärung anlässlich
des 11. Jahrestages der Schlußakte an: "wir werden daran arbeiten, um
sicherzustellen, daß die bevorstehende Konferenz in Wien einen Schritt bedeuten wird, der die Versprechungen des ersten Jahrzehnts nach Helsinki im
zweiten Jahrzehnt wahrmachen wird. Zweitens werden wir unsere gleichermaßen wichtigen Bemühungen fortsetzen und in Wien einen ausgewogenen Fortschritt auf der ganzen Linie verfolgen, um sicherzustellen, daß den Menschenrechten bei der KSZE mindestens das gleiche Gewicht zugestanden wird
wie der Sicherheitspolitik.

- 4 -

�Darüber hinaus glaube ich, daß wir in Wien Gelegenheit haben werden,
die Bedeutung und Effektivität des KSZE-Prozesses zu erhöhen. In diesem
Zusammenhang werden wir in Betracht ziehen, ob nicht kürzere und häufiger
stattfindende Folgetreffen einen stärkeren Antrieb für den Fortschritt
darstellen. Wir werden ferner danach streben, die der Rückschau auf die
Art der Durchführung gewidmete Zeit zu verlängern und die Offenheit des
Prozesses so weit wie möglich zu erweitern.
Um unsere Schlüsselziele zu erreichen, werden wir eine gründliche
Rückschau auf die Durchführung wie auch ausgewogene und konstruktive
Schritte nach vorn fordern. Um den Druck zur Verbesserung der Einhaltung
zu erhöhen und Schritte zu deren Realisierung aufzuzeigen, müssen wir
unsere Aufmerksamkeit auf die Aktivitäten des Ostblocks konzentrieren.
Das heißt, daß wir in Wien einige Zeit auf die Überprüfung der Durchführung verwenden, um einen klaren Bericht über die Besonderheiten und
Einzelfälle zu erstellen, bei denen die Bestimmungen der KSZE verletzt
worden sind. Wo sich das als anwendbar erweisen sollte, werden wir in der
Plenarsitzung einzelne Namen und Ereignisse anführen.
Wie immer bei der KSZE, werden wir den Fragen zu Korb III und Grundsatz VII besondere Aufmerksamkeit widmen. Wie in der Vergangenheit wird
die Betonung darauf liegen, Verbesserungen im Leben des einzelnen Durchschnittsbürgers zu erzielen. Unsere hartnäckige Verfolgung der Menschenrechtsverbesserungen befindet sich im Einklang mit dem Ansatz, den der
Präsident mit Generalsekretär Gorbatschow beim Genfer Gipfeltreffen verfolgt hat, die Notwendigkeit konkreter Ergebnisse zu betonen.
Die bei den Expertentreffen in Ottawa, Budapest und Bern entwickelten
Ideen des Westens liefern uns eine Fülle von Material, das es bei der Entwicklung positiver Schritte in Betracht zu ziehen gilt, und die zu echtem
Fortschritt dabei führen könnten, das Schicksal einzelner Menschen zu verbessern, Schranken abzubauen und menschliche Kontakte zu erweitern. Ungeachtet der bei den Expertentreffen erfahrenen Rückschläge glauben wir,
daß diese Unternehmen ihren Zweck erfüllen und auch nach Wien weitergeführt werden sollten. Aber insgesamt werden unsere Vorschläge darauf
abzielen, eine bessere Einhaltung bestehender Verpflichtungen zu erlangen.
Die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts wird beim Wiener Treffen eine
zentrale Herausforderung darstellen. Diese Theorie des Gleichgewichts
verbindet die verschiedenen Bereiche der KSZE und basiert auf der Annahme,
daß die humanitären, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Bestandteile des KSZE-Prozesses miteinander in engem Zusammenhang stehen. Es ist
unrealistisch zu glauben, daß ein realer und andauernder Fortscharitt bei
den Ost-West-Beziehungen ohne einen Fortschritt bei den Menschenrechten
stattfinden kann.
In Wien werden wir die Ergebnisse der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) ebenso abwägen müssen
wie die Errungenschaften und Probleme in allen Bereichen der KSZE. Wenn
die Stockholmer Konferenz erfolgreich abgeschlossen wird, erhalten Fragen
- 5 -

�wird, erhalten Fragen der Sicherheitspolitik sicherlich erhöhte Aufmerksamkeit in Wien. In dem Budapester Appell vom 11. Juni haben die Sowjetunion und andere Staaten des Warschauer Pakets ihr Interesse an der
Weiterführung von Verhandlungen über eine Abrüstung vom Atlantik bis zum
Ural bekundet. Bei ihrem Ministertreffen in Halifax haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Verbündeten auf höchster Ebene eine Kommission gebildet, die Wege aufzeigen soll, wie Sicherheit und Stabilität in Europa
mit Hilfe größerer Offenheit und der Einrichtung eines verifizierbaren,
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigeren
Niveaus gestärkt werden können. Die Kommission wird den Ministern im
Oktober einen ersten und im Dezember einen Schlußbericht vorlegen. Obwohl
wir die Ergebnisse nicht vorhersehen können, werden die Resultate der
Studie dieser Kommission doch wichtige Auswirkungen auf unsere Arbeit in
Wien haben.
Bei der Bestimmung unserer Haltung zu sicherheitspolitischen Fragen
müssen wir vorsichtig sein, um sicherzustellen, daß die Komponente der
Sicherheit nicht andere Aspekte der KSZE in den Hintergrund drängt. Andererseits müssen wir daran denken, daß das sowjetische Interesse an
sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Fragen uns ein wichtiges
Druckmittel an die Hand gibt, um unsere zentralen Ziele bei den Menschenrechten zu sichern. Und wir müssen auch daran denken, daß mit dem KSZEProzeß wichtige sicherheitspolitische Interessen der Vereinigten Staaten
verbunden sind.
III. Die Ziele Westeuropas
Im Hinblick auf das Atlantische Bündnis hat der KSZE-Prozeß die Einheit der Verbündeten gefördert und bestärkt. Die Sowjets und andere
Staaten haben hart daran gearbeitet, um den KSZE-Prozeß dazu zu benutzen,
die Vereinigten Staten und ihre NATO-Verbündeten zu entzweien. Nicht nur,
daß sie mit ihren Bemühungen gescheitert sind; meiner Ansicht nach ist die
KSZE ein historisches Zeugnis für die Zusammenarbeit der Verbündeten. Andererseits war die Einheit der Verbündeten - deren Eintreten für die Einhaltung der KSZE-Unternehmungen und für ein Gleichgewicht zwischen sicherheitspolitischen Zielen und solchen der Menschenrechte - für den bisher
erzielten Prozeß unerläßlich. Wir müssen daher weiterhin eine gemeinsame
Front bilden, wenn wir bei für uns wichtigen Fragen und Problemen Fortschritte machen wollen.
Ich glaube, daß eine starke Führungsrolle der Vereinigten Staaten und
ein fähiges Management der Verbündeten es uns sowohl in der NATO als auch
in Wien erlauben werden, dieses Ziel zu erreichen. Aufgrund der Gespräche, die ich Anfang des Jahres bei der NATO und in den Hauptstädten
unserer Verbündeten geführt habe, kann ich Ihnen vesichern, daß unsere
Verbündeten mit unseren grundlegenden Ziele für das Wiener Treffen völlig
im Einklang stehen. Es wird in diesem Land oft vergessen, daß die Westeuropäer zu Beginn der Verhandlungen in Helsinki Mitte der siebziger Jahre
ein stärkeres und höheres Interesse an der KSZE gezeigt haben und viel
eher die Bedeutung der humanitären Dimension vorhergesehen haben als die

- 6 -

�haben als die Vereinigten Staaten.
Seit dem Folgetreffen in Begrad 1977 sind die westlichen Äußerungen
der Besorgnis über sowjetische Menschenrechtsverletzungen zunehmend häufiger und präziser geworden. Diese Haltung hat in der Öffentlichkeit
Westeuropas beträchtliche Resonanz gefunden und ist zunehmend auf höchster
politischer Ebene gebilligt worden. So haben zum Beispiel rechts- und
linksgerichtete französische Journalisten Generalsekretär Gorbatschow bei
seinem Besuch in Paris im Oktober 1985 über das sowjetische Versäumnis befragt, den in der Schlußakte aufgestellten Maßstäben gerecht zu werden.
Während dieses Besuchs bestand Präsident Mitterand darauf, daß die Bewegungen bei Fragen aus Korb III der Schlußakte im gleichen Tempo voranschreiten wie in den anderen Bereichen der KSZE. Präsident Mitterand hat
bei seinem Besuch in Moskau im vergangenen Juli wiederum auf das Problem
der Menschenrechte, und hier besonders auf die Wiedervereinigung von Familien und den verstärkten Dialog über die Rechte des Einzelnen, hingewiesen.
Dennoch müssen wir erkennen, daß unsere Verbündeten aus verschiedenen
Gründen ganz unterschiedliche Ansätze beim Erreichen unserer gemeinsamen
Ziele verfolgen. Zum Beispiel werden sie auf einzelne Fälle der Nichteinhaltung nicht so ausdrücklich hinweisen wie die Vereinigten Staaten.
Einige werden vielleicht die Bedeutung der KSZE eher als Prozeß denn als
Verhandlungen betrachten. Meiner Ansicht nach wird die Vielfalt dieser
Haltungen die Auswirkungen unserer gemeinsamen Bemühungen nicht einschränken, unsere gemeinsamen Ziele von verbesserter Einhaltung und anhaltendem
Gleichgewicht im KSZE-Prozess zu erreichen.
TV. Sowjetische Zielsetzungen
Seit Jahren versuchen die Sowjets, von der Kritik an der Verletzung
von Menschenrechten abzulenken, indem sie sich hinter dem Grundsatz der
"Nichteinmischung in innere Angelegenheiten" verschanzen. Die mangelnde
Substanz dieser Verteidigung trat bei darauffolgenden KSZE-Treffen offen
zutage, bei denen die Sowjets gezwungen wurden, sich der Tatsache ihres
FehlVerhaltens zu stellen. Die Sowjets haben begonnen, dieser Kritik
gegenüber sensibler zu werden, besonders, wenn es dem Bild entgegensteht,
das Moskau von sich in Westeuropa erhalten möchte.
Unter der Leitung von Generalsekretär Gorbatschow scheinen die Sowjets
ihre Taktik zu ändern. Einerseits gehen sie in die Offensive und werfen
dem Westen Verletzungen sozialer und wirtschaftlicher Rechte vor, und wir
haben beim Wiener Treffen eine lange Liste von Vorwürfen gegen die Vereinigten Staaten zu erwarten. Dieser Wechsel der Taktik zieht die Berechtigung nach sich, Menschenrechtsfragen, die ein anderes Land betreffen,
aufzuwerfen. Wir werden daher die Debatte begrüßen und uns daran aktiv
beteiligen.
Herr Gorbatschow hat auch eine größere Bereitschaft bekundet, über das
sowjetische Verhalten im Hinblick auf die Menschenrechte zu sprechen. Wir
können daher aktivere Bemühungen der Sowjets in Wien erwarten, westliche

- 7 -

�erwarten, westliche Bemühungen der Registrierung und Korrektur sowjetischer Verletzungen zurückzuweisen. Wir werden uns auch vorsehen müssen,
daß die Sowjets diese stärkere Bereitschaft zur Diskussion der Menschenrechte nicht als Ersatz für konkrete Verhaltensweisen bei der Realisierung
der Menschenrechte betrachten. In dieser Hinsicht müssen wir auch weiterhin darauf bestehen, daß Worte und Versprechungen durch entsprechende
Taten untermauert werden.
Die Sowjets haben auch auf ihr starkes Interesse an Fortschritten bei
sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Fragen hingewiesen. Obwohl
wir alle sowjetischen Vorschläge aus jedem Korb im Zusammenhang westlicher
Zielsetzungen und Vorschläge in diesen Bereichen überprüfen müssen, so
glaube ich doch, daß sie uns helfen können, unter Berücksichtigung der
Prinzipien des Gleichgewichts, unserem ziel der besseren Einhaltung der
Menschenrechte näherzukommen.
V.

Zusammenfassung

Wir haben eng mit der Kommision daran gearbeitet, um unsere Strategie
für das Wiener Folgetreffen zu entwickeln und auszubauen. Ich freue mich
auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit im jetzt anstehenden letzten Vorbereitungsstadium. Wir werden uns wie bereits in Madrid auf unsere Fähigkeiten, unseren Sachverstand und unser urteil verlassen müssen.
Angesichts des Registers der Menschenrechtsverletzungen des Ostblocks
wird das Wiener Treffen wahrscheinlich eine schwierige Konferenz werden.
Trotzdem bin ich zuversichtlich, daß ein Fortschritt möglich sein wird.
Wie Präsident Regan in seiner Erklärung zum Schluß des letzten Treffens
vor drei Jahren erklärt hat: "Wenn der Dialog auf realistischen Erwartungen aufbaut und geduldig durchgeführt wird, kann er Ergebnisse hervorbringen. Diese Ergebnisse sind oft graduell und hart erkämpft, aber sie
sind notwendige Bausteine einer sichereren und gefestigteren Welt".

* * * * * *

- 8-

�Ä s ^&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

17. September 1986

30

Nachfolgend finden unsere Leser den zweiten Teil der vierteiligen
Reihe "Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika". Teil I
schien in Amerika-Dienst Nr. 29 vom 10. September.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Teil II

Die militärische Aufrüstung
Nirgends ist die Übereinstimmung mit der Sowjetunion deutlicher als im
militärischen Bereich. In den sieben Jahren seit ihrer Machtübernahme
folgten die Sandinisten beim Aufbau eines massiven militärischen Apparats
dem kubanischen Beispiel. Heute hat Nicaragua die größte, schlagkräftigste Streitmacht in der Geschichte Mittelamerikas. Diese militärische
Maschinerie wurde sicherlich nicht in Reaktion auf die Bedrohung durch die
Nachbarn oder die Nationalgarde des ehemaligen Präsidenten Somoza erstellt. Die Sandinisten hatten die größte militärische Streitmacht Mittelamerikas schon mehr als ein Jahr vor Beginn einer ernstzunehmenden
bewaffneten Opposition gegen das Regime. Diese intensive Aufrüstung, Ergebnis der Hilfe aus dem Ostblock, begann schon zu einer Zeit, als die
Vereinigten Staaten den Sandinisten noch Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe gewährten.
Daß die Sandinisten sich nicht durch eine bewaffnete Opposition bedroht fühlten, wurde unbeabsichtigt durch eine so bedeutsame Persönlichkeit wie Carlos Tunnermann, Managuas Botschafter in den Vereinigten

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�den Vereinigten Staaten, enthüllt. In einem Artikel für die "Washington
Post" vom 30. März 1985 versuchte Tunnermann den Vereinigten Staaten alle
Schuld an den Problemen Nicaraguas zuzuschieben. Er schrieb, daß in der
Zeit vor November 1981 - dem Zeitpunkt, zu dem seiner Ansicht nach in den
Vereinigten Staaten die Entscheidung zur Unterstützung der bewaffneten
Widerstandsbewegung in Nicaragua fiel - "nur ein paar hundert Ex-Nationalgardisten Somozas sporadisch Überfälle entlang der Grenze verübten.
Ihre Hauptbeschäftigung bestand in Viehdiebstählen und Erpressung(24)."
Kurz, die Sandinisten sahen keine militärische Bedrohung. Und doch bestand die Reaktion auf diese wenigen hundert "Viehdiebe" zum Zeitpunkt
November 1981 unter anderem in einer Sandinisten-Armee von fast 40 000
Mann sowie in sowjetischen Panzern, Artillerie und gepanzerten Mannschaftsfahrzeugen .
Die sandinistischen Streitkräfte sind nach kubanischem Vorbild organisiert - genau wie Castros Militär der Organisationsstruktur der Sowjetunion folgt. Um den Aufbau dieser "osteuropäischen" Militärstruktur zu
ermöglichen, gibt es in Nicaragua über 3 000 kubanische sowie mehr als 100
sowjetische und osteuropäische Militär- bzw. Sicherheitsberater. Das sandinistische Militär umfaßt heute rund 350 Panzer und Panzerfahrzeuge
(Somoza hatte 28). Die Streitkräfte der anderen mittelamerikanischen
Staaten haben zusammengenommen rund 200, und die wenigen Panzer in dieser
Gesamtzahl haben eine erheblich geringere Schußkraft als die sowjetischen
T-55 Panzer - das Rückgrat des sandinistischen Arsenals. Sowjetische gepanzerte Mannschaftswagen könnten der sandinistischen Infanterie eine Mobilität verleihen, wie sie in der Region nicht ihresgleichen hat. Die
Sandinisten können auch eine Artillerie sowjetischer Machart vorweisen,
die eine größere Reichweite hat als die Artillerie mancher Divisionen der
amerikanischen Armee.
Viele Anhänger der Sandinisten spielen die Bedeutung der Panzer herunter, die die Sowjets ihrem jüngsten Klienten zur Verfügung gestellt haben. Sie verweisen darauf, wie nutzlos Panzer in "den Bergen und Dschungeln" Mittelamerikas seien. Diese Kritiker ignorieren die Tatsache, daß
die Sowjets die Sandinisten mit Panzertransportern und Pontonmaterial ausgerüstet haben, und daß manche Bereiche von Nicaragua und Honduras hervorragend für Panzeroperationen geeignet sind. Die Sandinisten setzten diese
Panzer dann auch im März und April 1986 bei ihrer Kampagne gegen die Miskito-lndianer an der Atlantikküste Nicaraguas ein.
Seine Dauerhaftigkeit und leichte Handhabung macht den T-55 zu einer
wirksamen Waffe für ein Land wie Nicaragua. In gewissen taktischen Situationen bietet er nicht nur nachdrückliche Unterstützung bei Beschuß, sondern er ist auch ein hervorragendes Mittel zur Kontrolle und Einschüchterung von Menschenmengen. Der Sowjetblock ist sich jedenfalls der Möglichkeiten des T-55 bewußt, denn in den späten siebziger Jahren wurde die
Produktion des T-55 wiederaufgenommen. Hunderte dieser neuen Panzer wurden in die Länder der Dritten Welt geliefert. Daher dürfte sich das Panzerarsenal der Sandinisten auch nicht aus den aufgebesserten T-55 zusammensetzen, die schon 25 Jahre alt sind, sondern aus neuen Panzern, die in
den vergangenen Jahren vom Band liefen. Selbst mit 25 Jahren sind diese

�sind diese Panzer noch immer eine furchterregende Waffe für die Nachbarstaaten Costa Rica und Honduras, haben diese doch der Streitmacht Nicaraguas nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.
Diese schlagkräftige Bodentruppe der Sandinisten wird verstärkt durch
eine wachsende Flotte von Angriffshubschraubern. Die Sowjetunion hat
Nicaragua mehr als 12 Mi-8 HIP Hubschrauber zum Truppentransport zur Verfügung gestellt, die auch wirksam für den Waffentransport eingesetzt werden können. Die verheerendsten Waffen im Flugarsenal der Sandinisten sind
rund sechs Mi-24 HIND D Angriffshubschrauber, der "fliegende Panzer" der
Sowjetunion, der mit brutaler Effizienz auch in Afghanistan eingesetzt
wird. In Nicaragua kostet diese tödliche sowjetische Waffe vielen Mitgliedern des mannschafts- und waffenmäßig unterlegenen demokratischen
Widerstands - den sogenannten Contras - das Leben. Außerdem ist bekannt,
daß kubanische Piloten die Hubschrauber im Kampfeinsatz fliegen.
Es ist nicht nur das Waffenmaterial, das den Sandinisten in der Region
einen solch entscheidenden militärischen Vorteil verschafft. Auch das Ungleichgewicht in der Mannschaftsstärke in Mittelamerika ist eine Folge
dieser sandinistisehen Aufrüstung. Die sandinistischen Streitkräfte im
aktiven Dienst und die Sicherheitskräfte umfassen derzeit rund 75 000
Mann, wozu noch 44 000 Mann Reservisten und nichtmobilisierte Miliz gehören. Während die Sandinisten sagen, sie seien gezwungen gewesen, eine
solch große Streitmacht zu ihrer Selbstverteidigung aufzustellen, befolgen
sie in Wirklichkeit nur die Formel anderer marxistisch-leninistischer Regierungen. Die verschiedenen Regierungen in der Welt, die sich als marxistisch-leninistisch bezeichnen, haben praktisch alle - genau wie Nicaragua
und Kuba - einen weit höheren Prozentsatz ihrer Bevölkerung unter Waffen,
als dies bei ihren nichtkommunistischen Nachbarn der Fall ist(25).
Während souveräne Staaten sicherlich das Recht haben, sich zu verteidigen, ist Nicaraguas Behauptung, es habe eine rein defensive Streitmacht
geschaffen, besonders durchsichtig. Die Sandinisten begannen ihre Aufrüstung kurz nach der Machtübernahme. Im September 1979 hielten die Sandinista-Führer ein dreitägiges Geheimtreffen ab, um Pläne für die Konsolidierung ihrer Revolution zu schmieden. Der Bericht des Treffens, der für
internen FSLN-Gebrauch gedacht war, kam nach einigen Wochen an die Oberfläche. Dieses "72-Stunden-Dokument" war der Entwurf zur Entwicklung eines kommunistischen Staates. Im Hinblick auf die militärische Lage erklärte diese vertrauliche Beurteilung, daß "es derzeit noch keinen klaren
Hinweis für eine Gegenrevolution durch die Streitkräfte Somozas jenseits
unserer Grenzen gibt, die unsere Stabilität gefährden könnte(26)."
In Ermangelung einer eindeutigen militärischen Bedrohung wurde der
eigentliche Grund der Sandinisten zum Aufbau einer solch großen Streitmacht durch den in Moskau ausgebildeten Comandante Henry Ruiz 1982 erklärt, als er sagte:
Die Flitterwochen der Revolution gehen einem Ende zu. Damit meine ich
die romantische Vorstellung jener, die glaubten, daß die Sandinistische Volksrevolution eine idyllische Revolution war, in der die Inte-

�die Interessen einer Gruppe von Verrätern und die Interessen des arbeitenden Volkes verschmolzen werden könnten; ein kurzsichtiger Standpunkt, den der Revolutionsrat nie einnahm.
Unbelastet durch diese "idyllische" Sicht erkannten die Sandinisten,
daß sie ein Mittel brauchten, um die Bevölkerung Nicaraguas zu unterdrücken, wenn die Rose der Revolution erst einmal verblüht sein würde, im
klassisch marxistisch-leninistischen Stil bauten sie sogleich ein eindrucksvolles Militär auf, um sich das Machtnonopol zu sichern.
Shirley Christian, Gewinnerin des Pulitzer-Preises und Autorin von
"Nicaragua: Revolution in der Familie", beschreibt akkurat das Nicaragua
nur 18 Monate nach der Machtergreifung der Sandinisten:
Die Sandinisten hatten sich Ende 1980 zum Besitzer der Wahrheit ausgerufen. Diese Wahrheit aber sagte ihnen etwas Neues: Sie sagte ihnen,
daß Nicaraguas rechter Weg der sei, den die neun Comandantes - die
Vorhut - vorzeichneten. Sie waren die neue Elite, eine Elite, die
sich nicht auf Land, Geld und Gewehre stützte, sondern auf ideologische Information, Parteidisziplin und Gewehre.
Die Sandinisten bauten tatsächlich einen Polizeistaat auf - und nicht
einen demokratischen Staat, der die Grundsätze des Gesetzes beachtet. Sie
kontrollierten die Information, ergriffen Überwachungsmaßnahmen und verstärkten natürlich in dramatischem Umfang den Militär- und Polizeiapparat,
um den politischen Wettbewerb zu begrenzen. Sie führten eine systematische Zerstörung sogar der positiven Aspekte einer überkommenen nicaraguanischen Gesellschaft und Kultur herbei. Was sie stattdessen boten (und
noch immer bieten), war eine marxistisch-leninistische Diktatur. Ihre
Ideologie des "revolutionären Internationalismus" zwang sie dazu, ihren
kommunistischen Verbündeten in El Salvador und andernorts, die um Machtergreifung und Errichtung marxistisch-leninistischer Regierungen kämpften,
Waffen und Munition zu liefern.
Während die Vereinigten Staaten die sich verschlechternde Menschenrechtssituation in Nicaragua beklagten, war es die verdeckte Aggression
durch die Sandinisten gegen souveräne Regierungen, die den Vereinigten
Staaten keine Wahl ließen, als im April 1981 ihre Wirtschaftshilfe einzustellen. Dokumente marxistisch-leninistischer Guerilleros, die in El Salvador aufgefunden wurden, Waffen, die in Honduras auf ihrem Weg von Nicaragua zu Guerilla-Enklaven in El Salvador beschlagnahmt wurden und geheime
nachrichtendienstliche Informationen überzeugten erst die Carter-Administration (29) , dann die Reagan-Administration davon, daß die Sandinisten trotz der Flut entgegengesetzter öffentlicher und privater Verlautbarungen
aus Managua - tatsächlich die Salvadorianische Guerilla unterstützten.

Die Aggression Nicaraguas gegen seine Nachbarn
Seit ihrer Machtergreifung unterstützen die Sandinisten marxistischleninistische Elemente, die die Regierung von El Salvador zu stürzen

�zu stürzen suchen oder zumindest die Regierungen Guatemalas, Honduras oder
Costa Ricas destabilisieren wollen. Seit 1979 liefern die Sandinisten
Waffen an die Guerilla der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Marti
(FMLN) in El Salvador und sind Kuba bei deren Ausbildung behilflich. Sie
haben außerdem Guerillakämpfer mit Waffen ausgerüstet und nach Honduras
eingeschleust, und sie haben die guatemaltekische Guerilla mit Waffen versorgt. Sandinistische Bemühungen zur Einschüchterung Costa Ricas begannen
1981, über ein halbes Jahr bevor der bewaffnete Widerstand gegen das sandinistische Regime an der Südgrenze Nicaraguas einsetzte. Seit 1981 hat
es in diesem demokratischsten Land Mittelamerikas weitere, von den Sandinisten unterstützte Terrorakte gegeben.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten kam nach gründlichem Studium aller
verfügbaren Geheimdienstinformationen zu dem Schluß, daß Nicaragua sich
immer wieder in die inneren Angelegenheiten von El Salvador und anderen
mittelamerikanische Staaten eingemischt hat. Im August 1985 erklärte der
Kongreß formell im Gesetz Nr. 99-83, daß:
die... Regierung von Nicaragua... in flagranter Weise die Sicherheit
der Staaten in der Region verletzt hat,... indem sie eine Aggression
in Form bewaffneter Subversion gegen ihre Nachbarn begeht und sich
weigert, diese einzustellen.
Im Juli 1984 kam der Kongreß im Gesetz 98-215 zum Schluß, daß:
Nicaragua durch die Bereitstellung militärischer Unterstützung (einschließlich Waffen, Ausbildung sowie Einrichtungen der Logistik, der
Führungseinrichtungen und der Kommunikationsanlagen) an Gruppen, die
um einen Sturz der Regierung von El Salvador und anderer mittelamerikanischer Regierungen bemüht sind, Artikel 18 der Charta der CAS verletzt hat, der bestimmt, daß kein Staat das Recht hat, sich, gleich
aus welchem Grund, in die inneren oder äußeren Angelegenheiten irgendeines anderen Staates einzumischen.
Im Mai 1983 berichtete der Ständige Auswahlausschuß des Repräsentantenhauses für Geheimdienstinformationen nach Überprüfung der Materialien
der Geheimdienste bezüglich der Guerillaverbindung zwischen Sandinisten
und El Salvador:
Ein Großteil der Waffen und anderer Materialien, die Kuba und andere
kommunistische Staaten den Salvadorianischen Aufständischen zukommen
lassen, gehen mit Erlaubnis und Hilfe der Sandinisten über Nicaragua.
Die Salvadorianischen Aufständischen verlassen sich im Kommunikations-, Führungs- und im Logistikbereich auf Stützpunkte in Nicaragua,
von denen einige sogar in Managua selbst liegen und führen von dort
ihre finanziellen, materiellen und propagandistischen Aktivitäten
durch.
Nicaragua bietet auch noch andere Unterstützung, einschließlich des
ungehinderten Transits von Aufständischen nach und von Kuba sowie der
Hilfe für die Aufständischen bei der Planung ihrer Aktivitäten in El
Salvador.
Trotz dieser
- 5 -

�Trotz dieser Beweise leugnet Nicaragua noch immer, den Guerilleros in
El Salvador materielle Unterstützung zukommen zu lassen. Der Grund für
dieses Leugnen ist offenkundig - die Sandinisten sind sich der Tatsache
bewußt, daß es ihre Fürsprecher in den Vereinigten Staaten und in Europa
schwer hätten, unprovozierte Aggression gegen Nachbarstaaten zu entschuldigen. Deshalb betonen die Sandinisten auch weiterhin ihre Unschuld, obwohl sie gleichzeitig die Koordination der täglichen militärischen Aktivitäten der salvadorianisehen wie auch anderer Guerillagruppen unterstützen
und sie mit Waffen, Munition, Sprengstoff und anderem Kriegsmaterial versorgen .

Die Unterdrückungsmethoden der Sandinisten
Am 15. Oktober 1985 verkündete der nicaraguanische Präsident Daniel
Ortega einen neuen Ausnahmezustand, der praktisch alle bürgerlichen Rechte
aufhob - einschließlich so grundlegender Freiheiten wie der Rede-, Presseund Versammlungfreiheit. Diese Maßnahme stieß sowohl im Inland wie im
Ausland auf erhebliche Kritik, und viele Ausländer, die dem sandinistischen Regime durchaus zugetan waren, brachten ihre Besorgnis zum Ausdruck,
daß das Dekret vom 15. Oktober einen Wendepunkt in der sandinistischen Politik und damit eine Abkehr von den erklärten demokratischen Zielen der
nicaraguanisehen Revolution darstelle. Während jedoch der Ausnahmezustand
und der damit verbundene Angriff auf führende Persönlichkeiten aus dem politischen Leben, der Gewerkschaften, des Privatsektors, der Kirchen, Presse und Menschenrechtsbewegung tatsächlich eine erhebliche Eskalation beim
Versuch der Sandinisten darstellte, jegliche interne Opposition zum
Schweigen zu bringen, bedeutete er jedoch keine Änderung der sandinistischen Politik. Vielmehr war das Dekret nur ein weiterer Schritt auf dem
Weg zunehmender Unterdrückung, einem Merkmal des sandinistischen Regimes
seit seiner Machtergreifung 1979. Es wird nach einem Muster vorgegangen,
das Fidel Castro in den frühen sechziger Jahren mit sowjetischer Hilfe auf
Kuba entwickelte. Jetzt sind es die Sandinisten, denen Experten aus Kuba
beim Aufbau ihrer repressiven Gesellschaft helfen. Dem Innenministerium
unter der Führung des langjährigen Castrovertrauten Tomas Borge gehören
hunderte Angehörige des kubanischen Geheimdienstes an, die durch den sowjetischen KGB rekrutiert und ausgebildet wurden.
Die Sandinisten haben in den nunmehr sieben Jahren ihrer Herrschaft
mehrere neue Gefängnisse errichtet, wobei die Mehrzahl der Kontrolle des
Innenministeriums untersteht. Nicaragua hat den zweifelhaften Ruhm, mehr
politische Gefangene hinter Gittern zu haben als jedes andere Land der
westlichen Hemisphäre - ausgenommen Kuba. Neben den 1 500 bis 2 000 ehemaligen Angehörigen der Nationalgarde, die inhaftiert sind, haben die Sandinisten mindestens 6 500 weitere politische Gefangene - eine erstaunliche
Zahl für ein Land von knapp über drei Millionen Einwohnern. Der unabhängigen Ständigen Menschenrechtskommission zufolge sind die Bedingungen in
den sandinistischen Gefängnissen erbärmlich. Die Untersuchung der Kommission enthüllt, daß viele Gefangene in Isolationshaft gehalten werden,
manche sind an den Armen aufgehängt, Schläge und Folter sind an der Tagesordnung (33). Internationale Menschenrechtsorganisationen durften nicht in
die Gefängnisse, die von Borges Geheimpolizei, dem Generaldirektorium für

�Generaldirektorium für Staatssicherheit, betrieben werden. Wenn Menschenrechtsorganisationen oder ausländische Besucher Gefängnisse besichtigen,
so kommt es zu sorgfältig kontrollierten Interviews mit Insassen in Model lgefängnissen. Dies ist dieselbe Technik, die Josef Stalin in den
dreißiger Jahren einsetzte, um Besucher von der "humanen" Natur des sowjetischen StrafSystems zu überzeugen(34).
Einer der großen moralischen Helden der Revolution gegen Somoza war
der Präsident des nicaraguanischen Roten Kreuzes, Ismael Reyes, der immer
wieder mutig die Aufmerksamkeit der Welt auf Somozas schändliches Verhalten lenkte. Obgleich er Somoza immer noch ein "Monster" nennt, sind für
Reyes die Sandinisten doch noch schlimmer. Für ihn haben die Sandinisten
die Welt getäuscht und "versklaven das nicaraguanische Volk". Reyes sagte
dann:
Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es kein barbarischeres und blutigeres Regime, kein Regime, das die Menschenrechte häufiger und stärker verletzt hat als das sandinistische Regime.
Ein besonders grausames Beispiel der sandinistischen Brutalität ist
die Geschichte der Miskito-Indianer an der Atlantikküste. Als protestantische Gruppe in einem vorwiegend katholischen Land wurden die ethnisch
unterschiedlichen Miskitos gewöhnlich von der Somoza-Dynastie unbeachtet
gelassen. Unmittelbar nach der Machtergreifung ging die FSLN daran, die
angestammte Führung auszuschalten und sie durch sandinistische Verteidigungskomitees zu ersetzen, jenen von Borge nach kubanischen Organisationen
geformten Gruppierungen aus Bürgerspionen, die dazu dienen sollten, öffentlichen Widerspruch zu ersticken. Einheimische Lehrer an MiskitoSchulen wurden durch Kubaner ersetzt. Im Oktober 1979 kam es zu Demonstrationen gegen die antireligiösen, marxistisch-leninistischen Ausbilder aus Kuba. Die Sandinisten reagierten rücksichtslos. Führer der
Indianer wurden verhaftet, einige getötet. Andere verschwanden einfach.
Später eigneten sich die Sandinisten das Land der Indianergemeinschaft
an. Die Zerstörung indianischer Kirchen, Umsiedlung der Miskitos aus
ihrem angestammten Wohngebiet am Rio Coco, der Grenze zu Honduras, sowie
offene Feindseligkeit der Sandinisten führten dazu, daß Tausende dieser
friedfertigen Menschen zur offenen Rebellion gegen die sandinistische
Regierung übergingen(36).
Die repressiven Taktiken der Sandinisten beschränken sich nicht auf
körperliche Grausamkeiten. Genau wie ihre sowjetischen und kubanischen
Gönner fürchten die Sandinisten freie Presse und ungehinderte Ideenverbreitung mehr als alle Waffen. Die Pressezensur ist unter den Sandinisten
viel schlimmer als je unter Somoza. Sie dient den Sandinisten dazu, eine
umfassende Kontrolle des Informationsstromes aufrechtzuerhalten. Radio
Catolica, der Sender der katholischen Kirche, wurde im Januar 1986 geschlossen, wodurch die Zeitung La Prensa zu Nicaraguas einziger unabhängiger Stimme wurde, die jedoch auch erheblich durch sandinistische Einschüchterung und Eingriffe eingeschränkt ist. In Nicaragua gelten, genau
wie in Kuba, der Sowjetunion und anderen kommunistischen Staaten, unabhängige Medien als fundamentale Gefahr für den Staat(37).
Auch die

�Auch die Gewerkschaften wurden Opfer des sandinistschen Mißbrauchs.
Die Sandinisten haben ihre eigenen Gewerkschaftsorganisationen gegründet
und wenden sich auch hier gegen die demokratischen Gewerkschaftsbewegungen, die ihnen bei ihrem Kampf gegen Sonoza halfen. Vom Innenministerium
eingesetzter Pöbel wurde unter Gewerkschaftsdemonstrationen gemischt, Führer der unabhängigen Gewerkschaften erhielten kein Visum, um zu Konferenzen ins Ausland zu fahren, und die Sandinisten haben sich laut gegen die
polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarität gewandt(38).

Der Krieg gegen Religionsgemeinschaften
Die Opposition der katholischen Kirche gegen das Regime Somoza half
den Sandinisten, an die Macht zu kommen. Als die Sandinisten jedoch ihre
Kontrolle gefestigt und die Gesellschaft in immer stärkerem Maß militarisiert hatten, wuchs auch die Spannung zwischen Regierung und Kirche. Die
Sandinisten holten einige Priester in die Regierung, die Anhänger der "Befrei ungstheologie" waren, die besagt, daß Christentum und Marxismus miteinander vereinbar seien. Die Sandinisten ermutigten Priester dieser
Denkrichtung, eine "Volkskirche" als Alternative zur herkömmlichen Hierarchie zu bilden. Die neue Regierung wiederum führte bald eine Verleumdungskampagne gegen Erzbischof (jetzt Kardinal) Miguel Obando y Bravo, beschimpfte ihn als Führer einer Kirche der Reichen und behauptete, daß die
Volkskirche die wirkliche Vertretung der Armen sei. Dabei wurde sein
langjähriger Kampf für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit einfach ignoriert. Priester, die dem Kardinal treu blieben, wurden öffentlich erniedrigt, die Messe darf nicht mehr über Radio oder Fernsehen gelesen werden.
Eine andere Spannungsquelle ist das Bemühen der Regierung, Kurse über
Marxismus-Leninismus im Schulplan katholischer Schulen einzuführen (39).
Im April 1984 veröffentlichten die Bischöfe einen Hirtenbrief, in dem
sie Frieden und Dialog zwischen allen Nicaraguanern "ungeachtet ihrer
Ideologie, Klasse oder parteipolitischen Überzeugung" forderten(40). Die
Sandinisten reagierten auf diese Bitte mit einer Erklärung von Tomas Borge:
Diese Bischöfe gehören zu einer Rasse von Verrätern, zu dem Sektor,
der sich selbst dem Imperialismus übergeben hat... Die Haltung solcher
Individuen, dieser Feinde ihres Landes und ihres Volkes, dieser Verräter ihrer eigenen Heimat, ruft nur Empörung hervor.
Die Sandinisten fürchten offenbar den Einfluß, den die Kirche auf das
tiefreligiöse nicaraguanische Volk ausüben kann. Deshalb versuchen sie
auch, sich selbst als echte Christen hinzustellen, die bemüht sind, Marxismus und Christentum miteinander zu verschmelzen. Borges Erklärung
zeigt deutlich den Keil, den die Comandantes zwischen die traditionelle
Kirche und die "Volkskirche" der Befreiungstheologen zu treiben versuchen.
Die Beteiligung von Priestern an der sandinistischen Regierung wird
häufig als "Beweis" dafür genannt, daß die Comandantes nicht antireligiös
seien. Der bekannteste dieser Priester-Politiker ist Maryknoll Miguel
D'Escoto, der seit Juli 1979 Außenminister ist. Er ist ein leidenschaftlicher Kritiker von Kardinal Obando y Bravo und nennt ihn häufig einen

�häufig einen Verräter und "Konterrevolutionär". Am 2. März 1986 verurteilte die halboffizielle Tageszeitung des Vatikans, L'Osservatore Romano,
D'Escoto dafür, "das Volk gegen seine Hirten aufzuhetzen und dadurch die
Wunden zu vertiefen, die der Kirchengemeinschaft bereits zugefügt wurden." Nach einer Kritik der aufrührerischen Bemerkungen D'Escotos über
den Kardinal schloß der Artikel mit der Frage:
Ist es zu spät, auf eine wirklich evangelistische Geste von D'Escoto
zu hoffen, die aus den Tiefen seiner priesterlichen Seele kommt? Ein
Augenblick innerer Klarheit, der ihm in die Erinnerung zurückruft, daß
er vor Christus, der Kirche, dem Volk Nicaraguas und - vor allem - vorsieh selbst zuallererst ein Priester ist und daß er als ein Priester
eines Tages selbst vor Gott stehen wird.
Am 9. März 1986 veröffentlichte die gleiche Zeitung einen Artikel mit
dem Titel "Nicaragua: Die Unterdrückung einer Kirche." Im Rahmen der Beschreibung von Maßnahmen, die das sandinistische Regime ergriff, um seine
"antireligiöse Politik" durchzusetzen, heißt es in dem Artikel:
Man könnte sich fragen, warum die Sandinisten sich der Kirche so widersetzen. Auch wenn sie es abstreiten: der Grund ist, daß die Sandinisten ein totalitäres Regime errichten wollen und Totalitarismus (jeder Art) die Existenz sozialer und humaner Gruppen nicht tolerieren
kann, sondern lediglich eine Partei. Die politisch-totalitaristische
Ideologie ermöglicht keine Alternative: Durch die Verbannung des politischen Pluralismus wird der Bürger einer Privatsphäre beraubt, innerhalb derer er seinen Glauben und seine Religion ausüben kann. In
einer solchen Perspektive der Ausschließlichkeit sind die ersten Ziele, die es zu erreichen gilt, die politischen Parteien, die Wirtschaft
und dann die Kirchen(43).
Die am 15. Oktober erlassene Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten
richtete sich in der Tat hauptsächlich gegen die katholische Kirche. Aber
auch andere religiöse Gruppen, wie etwa die Moravianische Brüdergemeinde
und die Adventisten, fühlten den Stachel der Sandinisten. Zudem hat praktisch die ganze jüdische Gemeinde Nicaragua verlassen. Trotz aller Anstrengungen der Comandantes, die geistigen Führer Nicaraguas einzuschüchtern, bleibt der religiöse Glaube ein Hoffnungsschimmer für die Menschen
dieses belagerten Landes.

Internationaler Terrorismus und die Sandinisten
Seit ihrer Machtübernahme haben die Sandinisten Managua zu einem Hafen
für Terroristen aus aller Welt ausgebaut. Viele kommen nur deshalb nach
Nicaragua, weil sie dort einen Ort zum "Ausruhen und Erholen" vorfinden,
während andere wiederum eine konkretere Rolle beim Aufbau des "neuen Nicaragua" spielen. Zu letzteren gehören Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO und Abgesandte von Oberst Gadhafis Libyen(44).
Eine ganze Reihe radikaler Staaten - einschließlich Kuba, Iran, Libyen
und Nordkorea - teilt das gemeinsame Ziel, die Präsenz, das Prestige und

�die strategischen Interessen der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt
anzugreifen. Die Anwesenheit von Bürgern einiger dieser Länder wurde bis
zurück ins Jahr 1979 nachgewiesen(45).
Verbindungen zwischen Sandinisten und den Radikalen des Nahen Ostens
gehen bis ins Jahr 1966 zurück, als die sandinistische Bewegung erst fünf
Jahre alt war. Wie immer spielte Fidel Castro eine entscheidende Rolle
dabei, als es um Hilfe für die Sandinisten, um Bündnisse innerhalb des
sich damals entwickelnden Terrornetzes ging. 1966 hielt er die "erste
Konferenz der Solidaritätsorganisation der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas" ab(46). Auf dieser Drei-Kontinente-Konferenz, wie sie oft
genannt wird, brachte der politisch ehrgeizige Castro 500 Delegierte von
linksradikalen Gruppen aus der ganzen Welt zusammen, um einen Plan für das
zu entwerfen, was er eine global-revolutionäre Bewegung nannte.
Als Ergebnis dieses Treffens wurden Mitglieder der PLO in Lagern auf
Kuba und in der Sowjetunion ausgebildet. Dann baute der PLO-Kader seine
eigenen Lager im Nahen Osten auf. Ende der sechziger Jahre wurden Sandinisten in diesen Lagern im Libanon ausgebildet, später in Lagern, die
Gadhafi 1969 nach seiner Machtergreifung in Libyen errichtete. Von der
PLO geschulte Sandinisten nahmen an Versuchen teil, König Hussein von
Jordanien zu stürzen. Eine weitere gemeinsame Operation zwischen Sandinisten und PLO im Jahr 1970 wurde von einem Sprecher der Sandinisten in
einem Gespräch mit der Zeitung Al-Watan in Kuweit beschrieben:
Eine Anzahl Sandinisten nahm an der Operation teil, vier von der PLO
gekaperte Flugzeuge umzuleiten und landete auf einem Wüstenflugplatz
in Jordanien. Einer unserer Kameraden war in einer anderen Entführungsmission verwundet worden, an der Leila Khaled beteiligt war. Sie
befehligte diese Operation und unsere Kameraden halfen ihr bei der
Durchführung... Viele der Einheiten, die zur sandinistischen Bewegung
gehörten, befanden sich in Basen der palästinensischen Revolutionsbewegung in Jordanien... Nicaraguanisches und palästinensisches Blut
wurde gemeinsam während der Kämpfe des "Schwarzen September" in Amman
und anderen Plätzen vergossen (47).
Der Hinweis auf eine "Entführungsmission" bezieht sich auf die Entführung eines El-Al-Flugzeugs von Tel Aviv nach London am 6. September
1970. Der ehemals in einem der PLO-Lager ausgebildete Sandinist Patrick
Arguello wurde bei diesem Entführungsversuch getötet. Die Sandinisten haben einen großen Staudamm, der in Nicaragua gebaut wird, nach Arguello benannt .
Dauerhaft wurden die Kontakte zwischen der sandinistischen Führung und
den Radikalen des Nahen Ostens offensichtlich, als Tomas Borge, heute sandinistischer Innenminister, in den siebziger Jahren als Castros Gesandter
für diese Gruppierungen tätig war(48). Durch diese Kontakte konnten die
Sandinisten finanzielle und materielle Hilfe erhalten. Umgekehrt erhielt
der PLO-Vertreter in Managua volle diplomatische Anerkennung, was Nicaragua die Auszeichnung ermöglicht, den Vertreter einer Terroristenorganisation mit dem Titel "Botschafter" zu ehren. PLO-Flugspezialisten arbeiten
eng mit der sandinistischen Luftwaffe zusammen, und Jassir Arafat ist im
- 10 -

�ist im Nahen Osten für die Sandinisten ein wirkungsvoller Verbündeter.
Borge ermöglichte einen Blick auf die engen Verbindungen zwischen den
Sandinisten und der PLO im Verlauf eines Besuchs Arafats in Nicaragua im
Juli 1980, als er sagte:
"Wir sagen unserem Bruder Arafat, daß Nicaragua seine Heimat und die
Sache der PLO Sache der Sandinisten ist(49)."
Oberst Gadhafi, der wohl berüchtigtste Befürworter des Terrorismus,
betrachtet Nicaragua als eine zukünftige Basis von besonders gegen die
Vereinigten Staaten gerichteten terroristischen Operationen in der westlichen Welt und versuchte bisher, die Diktatur der Sandinisten zu stärken. Er hat mehrere hundert Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe geleistet und Nicaragua sowohl mit Waffen als auch mit militärischem Personal
ausgerüstet. Im Juni 1981 sprach das Juntamitglied und der jetzige Vizepräsident Sergio Ramirez (der normalerweise in der nicaraguanisehen Regierung als gemäßigt gilt) sehr zuvorkommend von Libyen:
Die Bande zwischen dem libyschen und dem nicaraguanisehen Volk sind
nicht neu, wurden aber gefestigt, als die sandinistische Front auf dem
Schlachtfeld kämpfte, um die Freiheit unseres Vaterlandes zu erringen. Die Solidarität des libyschen Volkes, der libyschen Regierung
und des Genossen Muammar Gadhafi lagen immer offen zutage. Diese Solidarität ist jetzt in die Tat umgesetzt worden und zeigt ihre Auswirkungen, sie ist seit dem Triumph unserer Revolution noch brüderlicher
geworden(50).
Die militärische Unterstützung Libyens an die Sandinisten trat bereits
im April 1983 offen zutage. Vier libysche Flugzeuge mußten aufgrund von
technischen Problemen bei einer der Maschinen in Brasilien landen. Die
Mannschaft behauptete, daß die Maschinen medizinische Versorgungsgüter
nach Kolumbien brächten. Die brasilianischen Behörden wurden jedoch mißtrauisch, als der Pilot keine entsprechenden Lieferscheine für Arzneien
nach Kolumbien vorweisen konnte. Die Maschinen wurden daraufhin von skeptischen brasilianischen Beamten durchsucht, die dabei auf über 80 Tonnen
an Waffen, Sprengstoff und anderen militärischen Ausrüstungsgegenständen
stießen. Dazu gehörten wenigstens ein zerlegtes Ausbildungs-Kampfflugzeug, ferngesteuerte Raketen, Gewehre, Maschinengewehre, Geschütze, Panzerfäuste, 90mm-Kanonen, acht Mehrfach-Raketenwerfer, fünf Tonnen Bomben,
acht Luftabwehrgeschütze, 600 Raketen der leichten Artillerie und andere
nicht näher bezeichnete Kisten mit militärischen
Ausrüstungsgegenständen(51).
Wäre die Landebahn, die die Kubaner gerade in Grenada bauten, bereits
in Betrieb gewesen, so hätten die Flugzeuge dort anstatt in Brasilien landen können und Libyens tiefe Verwicklung mit den Sandinisten wäre verborgen geblieben. Seit der Zeit hat Gadhafi alle Bemühungen um eine Verschleierung dieser Beziehung aufgegeben. Er wurde im September 1984 von
der New York Times folgendermaßen zitiert:
Wir haben nur einige Meilen von Amerika entfernt gemeinsam mit den
Nicaraguanern gekämpft. Bomber, Waffen und Unterstützung Libyens
haben das nicaraguanische Volk erreicht, weil es mit uns kämpft; es
kämpft auf seinem eigenen Territorium gegen Amerika(52).
Die Sandinisten
- 11 -

�Die Sandinisten als Manipulatoren
Mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung haben die Sandinisten
eine erschreckend lange Liste der Menschenrechtsverletzungen erstellt.
Sie haben eine in der Geschichte Nicaraguas noch nie dagewesene Pressezensur erreicht, die Freiheit der Religionsausübung eingeschränkt und sie bedrohen unablässig ihre Nachbarn. Darüber hinaus haben sie ihr Versprechen
nicht eingehalten, den politischen Pluralismus zu respektieren. Viele Nicaraguaner, die den Sandinisten zur Macht verholfen haben, glauben jetzt,
daß sie manipuliert worden sind. Im Sommer des Jahres 1979 gehörte Violeta Chamorro, die Witwe des Verlegers Joaquin Chamorro, dessen Tod 1978
die Revolution auslöste, zu den Unterzeichnern eines Briefes an die Organisation Amerikanischer Staaten (GAS), in dem die Sandinisten ein repräsentatives Regierungssystem versprachen. Sie galt zu jener Zeit als Heldenfigur, die für ihren ermordeten Mann den Kampf gegen eine brutale Diktatur weiterführte. Aber bereits im August 1985 hatte Violeta Chamorro
ihre Illusionen über die Sandinisten verloren und schrieb in einem Brief
an den Generalsekretär der GAS:
Es ist genug Zeit verstrichen, so daß ich jetzt entgegen allen möglichen Zweifeln erkennen kann, daß die Grundsätze, für die wir alle
bis zum Sturz Anastasio Somozas gekämpft haben, von der herrschenden
Partei, das heißt von der FSLN, ganz offensichtlich verraten worden
sind.
Aus diesem Grund sehe ich es als meine Pflicht an, den von der FSLN
begangenen Betrug anzuzeigen, die durch Mißbrauch des Vertrauens, das
wir in ihre Führung setzten, die demokratischen Grundsätze verzerrt
und Nicaragua auf den marxistisch-leninistischen Pfad geführt hat, einer Ideologie, die unseren christlichen und demokratischen Grundsätzen
zuwiderläuft. Das empörende Verhalten der FSLN hat unser Land in einen sehr ernsten außen- und innenpolitischen Konflikt gestürzt, der
unsere Jugend verbluten läßt(53).
Viele Besucher Nicaraguas betrachten die Sandinisten immer noch als
Opfer, nicht als Angreifer. Wie Professor Hollander von der Universität
Massachusetts schrieb:
Das marxistisch-leninistische Nicaragua ist in den letzten Jahren zu
einem neuen Reiseziel politischer Touristen aus den Vereinigten
Staaten geworden, die eine groteske und beschämende Tradition in der
politischen Geistesgeschichte des Westens wiederbelebt haben: die ehrfürchtige Pilgerfahrt des Bildungsbürgers, eines Nutznießers beträchtlicher politischer Freiheiten und materiellen Wohlstandes, in repressive kommunistische Länder(54).
Die Arbeit von im Dienste der Sandinisten stehenden Werbefirmen und
Unternehmen wird durch ausländische Besucher gefördert, die blind sind
gegenüber der Wirklichkeit der kommunistischen Diktatur in Nicaragua. Das
ist dieselbe naive Sichtweise, die einige ausländische Besucher veranlasste, in den 30er Jahren Stalins Rußland und Hitlers Deutschland als Zukunftsmodelle zu besuchen. Professor Hollander schreibt über diejenigen,
die heutzutage organisierte Reisen nach Nicaragua unternehmen:
Die Leichtgläubigkeit
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�Die Leichtgläubigkeit der Pilger nach Nicaragua ist immer wieder verblüffend. Nicht nur, daß sie die Lektionen ähnlicher Pilgerfahrten und
Reisegruppen der Vergangenheit ignorieren; sie verschließen sich vielmehr
den über Nicaragua vorliegenden ausführlichen Informationen und Zeugnissen, von denen viele von Nicaraguanern stammen, die in keiner Weise mit
dem Somoza-Regime in Verbindung standen, sondern die vielmehr eben die Revolution unterstützt haben, die ihn stürzte, was das von den Sandinisten
errichtete und von den Reisegruppen sorgfältig gepflegte Bild Lügen
straft(55).
Die Sandinisten haben ausgedehnte Bemühungen unternommen, um Besucher
Nicaraguas hinters Licht zu führen. Zum Beispiel unterhält Innenminister
Borge ein besonderes Büro, das ausländische Besucher, besonders aber
kirchliche Gruppen, empfängt. Dieses Büro enthält Kruzifixe, Wandbehänge
mit religiösen Motiven, eine Bibel und eine große Christus-Statue. In dem
Büro, in dem Borge seine tägliche Arbeit verrichtet, gibt es jedoch keine
religiösen Gegenstände. Dort hängen vielmehr Bilder von Marx, Engels und
Lenin. Diese genauen Informationen wurden von Alvaro Baldizon geliefert,
einem früheren hohen Ermittlungsbeamten Borges(56). (Vom religiösen
Schmuck des Büros, in dem Borge empfängt, wurde auch von anderen Personen
berichtet(57).) Baldizon fügte hinzu, daß Borge ausführlich aus der Bibel
zitiert, nicht etwa, weil er sich neuerdings der Religion verschrieben
hätte, sondern vielmehr, um Besucher irrezuführen. Baldizon berichtet
weiter, daß Borge von amerikanischen Besuchern, die diese Linie akzeptieren, als von einer "Armee nützlicher Dummköpfe" spricht(58).
Die Tatsache, daß viele ausländische Besucher unwissentlich in Borges
"Armee" einbezogen worden sind, demonstriert den Erfolg der Sandinisten,
ihre Hingabe an den Marxismus-Leninismus zu verschleiern. Nur wenige dieser ausländischen Befürworter der Sandinisten hegen irgendwelche Sympathie
für den Kommunismus und den brutalen Preis, den er den Völkern der Länder,
in denen er Anwendung findet, abverlangt. Borge und die anderen Comandantes nutzen jedoch auf zynische Art und Weise die verständlichen Wünsche
der Besucher aus, die sicher mit den besten Absichten kommen, um den Armen
bei ihrem Bemühen um eine bessere Zukunft und mehr Menschenwürde zu helfen. Indem sie sich auf Programme zur Alphabetisierung und Gesundheitsfürsorge konzentrieren, verschleiern die Sandinisten das zunehmende
Schwinden der persönlichen Freiheit, das für das Leben in kommunistischen
Gesellschaftssystemen so bezeichnend ist.
Die Sandinisten benutzen dieselben Täuschungstaktiken in den achtziger
Jahren, von denen ihr Gönner Castro bereits in den sechziger Jahren Gebrauch gemacht hat. Tragischerweise fielen auch zahlreiche antikommunistische ausländische Besucher auf diese Täuschungsmanöver Castros herein.
Eine Lektion, die von heutigen Besuchern Nicaraguas zu lernen wäre, findet
sich in den Worten von Armando Valladares, einem 1960 von Castro inhaftierten Dichter. Nachdem er im Jahr 1982 freigelassen wurde (nur nach
Eingreifen des sozialistischen französischen Präsidenten Mitterrand),
beschrieb Valladares seine Zeit im Gefängnis:
Während all dieser Jahre verfolgten die kubanischen kommunistischen
Indoktrinatoren die Absicht, uns zur Aufgabe unseres religiösen Be- 13 -

�religiösen Bekenntnisses zu zwingen und zu demoralisieren. Dazu benutzten sie wiederholt von Angehörigen der amerikanischen christlichen Kirchen verfasste zustimmende Berichte über Castros Revolution. Jedesmal, wenn in den Vereinigten Staaten ein Flugblatt veröffentlicht wurde, jedesmal, wenn ein Geistlicher einen Artikel der Unterstützung für Fidel Castros Diktatur schrieb, bekamen wir eine Übersetzung davon, und das war für die politischen Gefangenen schlimmer
als die Schläge oder der Hunger. Für uns unverständlich, waren unsere
Brüder in Christus, von denen wir die Umarmung der Solidarität erwarteten, unsere Folterknechte geworden(59).

Der sandinistische verrat
Zusätzlich zur Einrichtung einer Diktatur, die stärker unterdrückt als
jene, die sie ersetzt hat, haben die Sandinisten auch ihre Anhänger in der
Frage freier Wahlen und einer blockfreien Außenpolitik verraten. Die Wahlen waren nicht frei, und die sandinistische Außenpolitik lehnt sich eindeutig an die Sowjetunion an.
Die Wahlen am 5. November 1984 wurden in einer Atmosphäre politischer
und psychologischer Einschüchterung abgehalten. Von den Sandinisten wurden Nahrungsmittel als politisches Druckmittel benutzt. Da der Zugang zu
den Lebensmittelgeschäften der Regierung vom örtlichen Sandinistischen
Verteidigungskomitee (CDS) geregelt wurde, nahm man weithin an, daß nicht
wählen hieße, nichts zu essen zu haben. Die Einheiten der CDS spielten im
Zeitraum unmittelbar vor den Wahlen eine wichtige Rolle. Shirley
Christian schrieb:
Sie (die CDS-Einheiten) gingen von Haus zu Haus, um die Leute von den
Modalitäten der Stimmabgabe bei der Wahl zu unterrichten. Comandantes
hielten Reden und sagten, daß diejenigen, die sich weigerten zu wählen, zu Konterrevolutionären abgestempelt würden. Obwohl die Pressezensur während der Kampagne beträchtlich erleichtert wurde, mußte La
Prensa doch weiterhin alle Artikel zur vorherigen Durchsicht vorlegen. Eins der zensierten Themen war die Berichterstattung über Angriffe der Turba (vom Innenministerium kontrollierter Banden) bei
Wahlversammlungen der Opposition. Das Land blieb auch weiterhin unter
dem am 15. März 1982 verhängten Ausnahmezustand, jenem Tag, nachdem
Contras zwei Brücken nahe der honduranischen Grenze gesprengt hatten.
Weiterhin wurde das Wahlalter von achtzehn auf 16 Jahre herabgesetzt,
was eine beträchtliche Anzahl von Jugendlichen an die Urnen brachte,
die seit den letzten fünf Jahren unter dem Einfluß der starken politischen Veränderungen im Erziehungssystem gestanden hatten(60).
Daß die Sandinisten die Wahlen mehr als eine Werbekampagne als einen
wahrhaft politischen Test betrachteten, wurde durch den Comandante enthüllt, dem die Wahlkampagne der FSLN unterstand. In der bereits genannten
geheimen Rede sagte Bayardo Arce:
Wir betrachten die Wahlen als eine weitere Waffe der Revolution, die
damit ihre historischen Ziele nach und nach in die Realität umsetzen
kann. Wir werden daher hiervon profitieren(61).
Arce betonte,
- 14 -

�Arce betonte, daß die Sandinisten die Wahlen nur wegen der "Kriegssituation, die uns von den Vereinigten Staaten auferlegt wurde", ausgerufen
hätten(62).
Es gab erhebliche internationale Kritik an diesen Wahlen, aber keine
schärfere als die von Carlos Andres Perez, dem früheren Präsidenten von
Venezuela. Als Präsident war Perez ein starker Befürworter der Sandinisten in ihrem Kampf gegen Somoza. Weil ihm das sandinistische Verhalten
bei den Wahlen mißfiel, weigerte sich Perez, der Amtseinführung Präsident
Daniel Ortegas am 10. Januar 1985 beizuwohnen und erklärte seine Enttäuschung über die Sandinisten in einem offenen Brief an ortega:
Mein letzter Besuch in Managua fand am 20. Februar 1984 statt. ...
Wir hörten Sie - in noch kategorischeren Worten als jenen, die Sie in
der Öffentlichkeit verwenden - Ihre Entschlossenheit ausdrücken, Wahlen mit den bestmöglichen Garantien durchzuführen. Das war ein Versprechen, das .wir enthusiastisch aufnahmen und weiterverbreiteten. ...
Jene von uns, die glauben, viel für die sandinistische Revolution getan zu haben, fühlen sich betrogen, weil keine ausreichenden Garantien
gegeben wurden, um die Teilnahme aller politischen Kräfte zu sichern.
Leider schwächte eine solche Beschränkung des wahren politischen Pluralismus die Glaubwürdigkeit der Wahlen(63).
Ein anderes, von den Sandinisten gegebenes Versprechen, mit dem sie in
ihrem Kampf gegen das Somoza-Regime die Unterstützung der OAS suchten,
war, daß ihre Regierung eine "blockfreie" Außenpolitik verfolgen würde.
Genauso wie gegenüber der OAS und dem nicaraguanischen Volk, haben sie
auch ihr Versprechen hinsichtlich der Richtung ihrer Außenpolitik verraten. Sogar, als sie Wirtschaftshilfe aus dem Westen (besonders von den
Vereinigten Staaten) verlangten und auch annahmen, haben sie sich in den
sowjetischen Dunstkreis begeben. Während eines Besuches in Nord-Korea im
Juni 1980 sagte Tomas Borge, daß "die nicarguanischen Revolutionäre nicht
ruhen werden, bis sie die Imperialisten in allen Teilen der Welt gestürzt
haben ... wir stehen zusammen mit den ... sozialistischen Ländern"(64).
Vielleicht tritt die politische Ausrichtung einer Regierung nirgendwo
so klar zutage wie in ihrem Wahlverhalten bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Während der 38. Vollversammlung (1983-84) wählte der
sandinistische Vertreter in 96 Prozent der Fälle nach der sowjetisch-kubanischen Linie(65). Dazu gehörte die Unterstützung zum Ausschluß Israels
aus der Vollversammlung. In der 39. Vollversammlung (1984-85) blieb die
nicaraguanische Regierung gänzlich im sowjetisch-kubanischen Lager. Zum
Beispiel enthielt sich Nicaragua bei der Abstimmung über die sowjetische
Besetzung Afghanistans, während Kuba für die sowjetische Haltung stimmte.
Alle anderen lateinamerikanischen Länder votierten gegen die Sowjetunion (66) .
Nicaraguaner aller sozialen Schichten sahen ihre Hoffnungen zunichte
gemacht, als Daniel Ortega und die anderen Comandantes sie verrieten.
Seit 1979 haben es mehr als 200 000 Menschen vorgezogen, Nicaragua zu verlassen, als weiterhin unter sandinistischer Herrschaft zu leben. Viele
der ärmsten dieser unglücklichen Nicaraguaner ziehen die Härten des Lebens
- 15 -

�des Lebens in Flüchtlingslagern in Honduras und Costa Rica der schrecklichen Realität des Lebens unter den Sandinisten vor. Zum Teil wegen der
gebrochenen Versprechen von 1979 begann eine Widerstandsbewegung mutiger
Nicaraguaner ihren Kampf um echte Freiheit, von der sie fälschlicherweise
angenommen hatte, sie mit dem Sturz der Somoza-Dynastie erreicht zu haben. In dem Maß, in dem diese Widerstandsbewegung wirksam bleibt, bleibt
auch die Revolution gegen die Diktatur lebendig, die Somoza aus Nicaragua
vertrieb.

FUSSNOTEN
22. Diese Rede hielt Arce, dem die Leitung der Wahlen vom November 1984
übertragen worden war, vor der Nicaraguanischen Sozialistischen Partei in
dem Bemühen, diese Partei zu einem Wahlbündnis mit der FSLN zu bewegen.
Die Rede wurde von einem Zuhörer heimlich auf Tonband aufgezeichnet und in
der Zeitung "La Vanguardia" im spanischen Barcelona am 31. Juli 1984 abgedruckt. Daniel Ortega bestätigte später die Authentizität dieser Rede
("Foreign Report" - 23. August 1984, veröffentlicht von "The Economist) .
Die Rede ist vom amerikanischen Außenministerium als "Comandante Bayardo
Arce's Secret Speech Before the Nicaraguan Socialist Party (PSN)" übersetzt und vervielfältigt worden (Washington, D.C., März 1985).
23. Interview Eden Pastoras in "El Comercio", Lima, Peru, am 27. Juli
1985. Bericht des "Foreign Broadcast Information Service (FBIS), Lateinamerika, vom 20. August 1985, S. P-13.
24. Carlos Tunnermann: "We Will Never Negotiate with the Contras",
Washington Post, 30. März 1985.
25. James Payne: "Marx's Heirs Belie their Pacifist Promise", Wall Street
Journal, 5. April 1985.
26. Dieses Dokument hat den offiziellen Titel "Analysis of the Situation
and Tasks of the Sandinista People's Revolution" und datiert vom 5. Oktober 1979. Es enthält einen detaillierten Bericht der außerordentlichen
Konferenz der Führung der "Frente Sandinista de Liberacion Nacional
(FSLN)" vom 21.-23. September 1979. Es beschreibt die Situation in Nicaragua und in der Welt, wie sie sich in den Augen der sandinistischen Führung darstellte sowie ihre Pläne für die Festigung der Revolution. Der Bericht ist vom amerikanischen Außenministerium als "The 72-Hour Document,
the Sandinista Blueprint for Constructing Communism in Nicaragua" übersetzt und verteilt worden (Washington, D.C., Februar 1985).
27. David Nolan: "FSLN: The Ideology of the Sandinistas and the Nicaraguan
Revolution" (University of Miami, Florida: Institute of Interamerican
Studies, 1984), S. 126.
28. Christian, S. 187.
29. Siehe
- 16 -

�29. Siehe Interview mit dem früheren Außenminister Edmund Muskie in der
Washington Post vom 30. Januar 1981. Er wird mit der Aussage zitiert, daß
Waffen und Nachschub für die Guerillas von El Salvador" sicherlich mit dem
Wissen und einem gewissen Ausmaß an Hilfe" der nicaraguanischen Behörden
über Nicaragua geschleust werden.
30. United States Congress: "International Security and Development
Cooperation Act of 1985", Section 722(c)(2)(C).
31. United States Congress: "Intelligence Authorization Act for 1984",
Section 109a.
32. United States Congress, Permanent Select Committee on Intelligence:
"Report To Accompany H.R. 2760", 13. Mai 1983.
33. Wesley Smith: "The Sandinista Prison System: A Nation Confined",
(Washington, D.C.: National Endowment for the Preservation of Liberty, 13.
März 1986).
34. Paul Hollander: "Political Pilgrims" (New York: Oxford University
Press 1981), S. 140-160.
35. Ismael Reyes: "The Genocides Continue in Nicaragua", Diario de las
Americas, 11. November 1983.
36. Humberto Belli: "Breaking Faith: The Sandinista Revolution and Its
Impact on Freedom and Christian Faith in Nicaragua", (Garden City, Michigan: The Pueblo Institute 1985), S. 106-117. Belli ist ein früherer Sandinist, der später Redakteur der Leitartikelseite von La Prensa wurde. Für
zusätzliche Informationen zum Mißbrauch der Miskitos durch die Sandinisten
siehe Christian, S. 254-266.
37. Als vor kurzem erschienenen Bericht aus erster Hand über die Zensur
durch die Sandinisten siehe Roberto Cardenal Chamorro: "We Need the Free
World's Support", Washington Post, 9. Februar 1986.
38. Eine exzellente Zusammenfassung über den systematischen Angriff der
Sandinisten auf Nicaraguas freie Gewerkschaften enthält William C.
Doherty, Jr.: "A Revolution Betrayed: Free Labor Persecuted", AFL-CIO Free
Trade Union News, März 1984.
39. Als gründliche Analyse der sandinistischen Bemühungen zur Neutralisierung des Einflusses der katholischen Kirche siehe Belli, hier besonders S.
222-236.
40. Ibid., S. 223.
41. interview mit Tomas Borge, "Excelsior", Mexico City, 4. Juni 1984. 42.
"Nicaragua: The Scandal of a March", L'Osservatore Romano, 2. März 1986.
43. "Nicaragua: The Oppression of a Church", L'Osservatore Romano, 9. März
1986.
44. "Sandinistas
- 17 -

�44. "Sandinistas Attract a Who's Who of Terrorists", Miami Herald, 3. März
1985.
45. Ibid.
46. Thomas, S. 1477.
47. David J. Kopilow: "Castro, Israel and the PLO" (Washington, D.C.:
Cuban American National Foundation Inc., 1984), S. 11.
48. "The Arab-Israeli Contest for Influence in Latin America", Business
Week, 3. November 1983, S. 52.
49. Center for international Security: "The Sandinista-PLO Axis: A
Challenge to the Free World" (Washington, D.C., Februar 1984), S. 3.
50. "Arab States Help Nicaragua", Washington Post, 14. Juli 1981.
51. "Brazilians Study Libyan Arms Cargo: Reports Vary on Contents",
Washington Post, 26. April 1983.
52. "Qaddaffi Says He Has Sent Troops to Help Nicaragua Against the U.S.",
New York Times, 2. September 1984.
53. Das Schreiben vom 13. August 1985 wird erwähnt im "Foreign Broadcast
Information Service (FBIS), Lateinamerika, 27. August 1985, S. P-14.
54. Hollander:

"The Newest Political Pilgrims", S. 40

55. Ibid.
56. U.S. Department of State: "Inside the Sandinista Regime: A Special
Investigator's Perspective" (Washington, D.C.: Februar 1986), S. 11 f.
57. Christian, S. 205.
58. U.S. Department of State:

"Inside the Sandinista Regime, S. 11.

59. Belli, S. 247.
60. Christian, S. 299.
61. U.S. Department of State: "Comandante Bayardo Arce's Secret Speech
Before the Nicaraguan Socialist Party (PSN)" (Washington, D.C.: März
1985), S. 7.
62. Ibid., S. 4.
63. Carlos Andres Perez, Schreiben an Daniel Ortega: "Socialist
International Leader Sends Daniel Ortega His Regrets", Wall Street
Journal, 11. Januar 1985.
64. Foreign
- 18 -

�64. Foreign Broadcast Information Service (FBIS), Asien, 12. Juni 1980, S.
D-17.
65. John Norton Moore: "The Secret War in Central America and the Future
of World Order", The American Journal of International Law, Januar 1986,
S. 52.
66. Ibid., S. 53.

*****

- 19 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Aufruf zum Kreuzzug gegen Drogen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehansprache von Präsident Reagan und Nancy Reagan -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wiener KSZE-Folgetreffen soll Einhaltung und Ausgewogenheit betonen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen von Botschafter Zimmermann vor US-Kommission -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation in vier Teilen - Teil II -&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

31

24. September

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten bereit zur Unterzeichnung von Abkommen mit DdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

Reagan sieht "echte Chance* für Reduzierung von Atomwaffen
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

Reagans Proklamation zur Bekämpfung des Hungers in der Welt
- Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Die demokratischen Widerstandskämpfer: Wer sie sind, warum sie
kämpfen Dokumentation in vier Teilen - Teil III -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. September 1986

31

VEREINIGTE STAATEN BEREIT ZOR UNTERZEICHNUNG VON ABKOMMEN MIT UdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONAN, NEW YORK - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner
Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22. September 1986
verkündet, daß "die Vereinigten Staaten bereit sind, mit der Sowjetunion
- jetzt gleich - ein Abkommen über Forschung, Entwicklung, Tests und Stationierung der strategischen Verteidigungsysteme zu unterzeichnen".
Regan sprach ferner davon, daß es sich bei dem in der Sowjetunion der
Spionage angeklagten amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff um
eine "unschuldige Geisel handelt, die freigelassen werden sollte".
Nachfolgend drucken wir den Text der Rede im Wortlaut ab:
Sehr geehrter Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte
Gäste und Delegierte: unweit von diesem Raum befindet sich der Ruheraum
der Delegierten, ein Zufluchtsort vor einer Welt, die durch den Lärm des
Kampfes und der Gewalt taub geworden ist. Dag Hammarskjöld sagte einmal
über diesen Raum: "Wir wollen die Idee der Andacht wieder aufgreifen, die
Hingabe an etwas, das erhabener und größer ist als wir selbst".
Es ist genau diese Hingabe, die die Vereinten Nationen ins Leben
rief, die Hingabe an den Weltfrieden und die Freiheit, an Menschenrechte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�an Menschenrechte und demokratische Selbstbestimmung, an eine Zeit, wenn,
um ein altes Gleichnis zu verwenden, "Schwerter zu Pflugscharen werden,
und ein Land nicht sein Schwert gegen ein anderes Land erhebt und keinen
Krieg mehr führt".
Die Vereinigten Staaten bleiben auch weiterhin den Vereinten Nationen
verpflichtet. Seit über vierzig Jahren stellt diese Organisation ein
internationales Forum für den Ausgleich miteinander im Widerstreit stehender Interessen dar, und sie hat einen bedeutenden Beitrag in solchen
Bereichen wie der Erhaltung des Friedens, humanitärer Hilfe und der Ausrottung von Krankheiten geleistet. Und doch weiß niemand besser als die
Anwesenden, wie wenig die in der Charta niedergelegten edlen Ideale sich
oft erfüllt haben. Diese Organisation selbst befindet sich in einer kritischen Phase, die in der Regel als • Finanzkrise' bezeichnet wird. Aber
wir können diese * Krise* zu einer Gelegenheit machen. Die von einer Expertengruppe vorgeschlagenen wichtigen Reformen können ein erster Schritt
sein, wenn es darum geht, Stellung undSchlagkraft dieser Organisation
wiederherzustellen. Das Problem ist nicht das Geld, sondern die Glaubwürdigkeit. Wenn alle Mitglieder dieser Weltorganisation sich dafür entscheiden, den Zeitpunkt zu nutzen und die Worte der Reform in die Tat umzusetzen, wird die Zukunft der Vereinten Nationen gesichert sein. Und
ich gebe Ihnen mein Wort: Mein Land, das die U.N. immer großzügig unterstützt hat, wird auch weiterhin eine Führungsrolle bei den Bemühungen zur
Verwirklichung dieser edlen Ziele spielen.
Als ich im vergangenen Jahr vor Ihnen stand, hatte ein wichtiges Ereignis, das der Verfolgung dieser ziele dient, noch nicht stattgefunden.
Die Staatschefs der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten sollten sich
noch in Genf treffen. Diese Gespräche haben inzwischen stattgefunden.
Die sowjetischen und amerikanischen Delegationen haben etwa fünfzehn
Stunden lang verhandelt; Generalsekretär Gorbatschow und ich haben etwa
fünf stunden lang miteinander gesprochen.
Unsere Gespräche waren offen und auch produktiv - in größerem Ausmaß
als das die vereinbarten Dokumente waren. Herr Gorbatschow drückte sich
sehr deutlich aus und das gleiche gilt auch für mich. Wir haben erneut
die Wahrheit des Satzes festgestellt, daß Länder sich nicht mißtrauen,
weil sie bewaffnet sind, sondern daß sie bewaffnet sind, weil sie sich
mißtrauen. Und ich habe nicht gezögert, Herrn Gorbatschow unsere Ansicht
über die Quelle dieses Mißtrauens darzulegen: die Versuche der Sowjetunion, anderen ihre Ideologie und ihre Regeln aufzuzwingen. Wir haben
die bestehenden einschneidenden Unteschiede zwischen unseren Regierungsformen anerkannt, wie auch unsere Sichtweisen über die Geschichte und die
Zukunft der Menschheit. Aber trotz dieser Unterschiede sind wir übereingekommen, für eine echte Verringerung bei Nuklearwaffen genauso zu arbeiten wie für den Fortschritt in anderen Bereichen.
Ich möchte heute Ihnen, den Delegierten der 41. Generalversammlung
der Vereinten Nationen berichten, was seit dem Gipfeltreffen geschehen
ist, und dabei auch auf den wichtigen Brief eingehen, den ich am 25. Juli
an Generalsekretär Gorbatschow geschrieben habe. In diesem Brief habe
ich die wichtige Frage der Atomtests angesprochen. Zusätzlich zu den

- 2 -

�Zusätzlich zu den Fragen, die militärische Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen, möchte ich auch andere wichtige Schritte für den Frieden behandeln; die Lösung politischer Konflikte, die Stärkung der internationalen Wirtschaft und den Schutz der Menschenrechte.
Bevor ich jedoch darauf näher eingehe, lassen Sie mich Ihnen in der
Tradition der Offenheit von Genf berichten, daß eine Wolke unsere Beziehungen zur Sowjetunion überschattet. Ich beziehe mich hier auf ein besonders beunruhigendes Beispiel sowjetischer Verstöße gegen die Menschenrechte.
Kürzlich - nach der Verhaftung eines sowjetischen Staatsbürgers und
Angestellten der Vereinten Nationen, der in den Vereinigten Staaten der
Spionage angeklagt ist - wurde ein amerikanischer Korrespondent in Moskau
zum Objekt erfundener Beschuldigungen und falscher Anklagen. Er wurde
verhaftet und ins Gefängnis gesperrt, unter völliger Mißachtung geregelter Abläufe und zahlreicher Menschenrechtskonventionen. Er wurde
vielmehr als Geisel genommen und sogar mit der Todesstrafe bedroht.
3eide Personen sind inzwischen ihren jeweiligen Botschaftern übergeben worden. Aber dies ist nur eine Ubergangslösung, der die Vereinigten Staaten aus humanitären Gründen zustimmten. Es ändert nichts an der
Tatsache des Falles: Gennadij Sacharow ist ein angeklagter Spion, dem der
Prozeß gemacht werden wird; Nicholas Daniloff ist eine unschuldige Geisel, die freigelassen werden sollte. Die Sowjetunion trägt die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Handlungsweise. Der Mißbrauch der
Vereinten Nationen zu Spionagezwecken erweist dieser Organisation einen
schlechten Dienst. Und die Welt erwartet Besseres. Sie erwartet Beiträge zur Sache des Friedens, wie sie nur die führenden Politiker der
Vereinigten Staten und der Sowjetunion leisten können.
Aus diesem Grunde haben ich im vergangenen Sommer an Herrn
Gorbatschow geschrieben und ihm neue Vorschläge zur Rüstungskontrolle
unterbreitet. Bevor diese Vorschläge besprochen werden, müssen wir uns
klarmachen, welche Waffen am gefährlichsten sind und welche den Frieden
am stärksten bedrohen. Die Bedrohung geht nicht von den Defensivsystemen
aus, die als Schutzschild gegen Angriffe dienen, sondern von offensiven
Waffen, wie etwa ballistischen Raketen, die durch den Weltraum rasen und
auf der Erdoberfläche eine Massenvernichtung hervorrufen könnten. Diese
Fähigkeit haben die schweren, treffsicheren Interkontinentalraketen
(ICBMs) der Sowjets mit ihren zahlreichen Gefechtsköpfen, zu denen es
kein Gegenstück in bezug auf Größe und Anzahl in irgendeinem anderen Land
gibt.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten seit langem einen radikalen,
einschneidenden und verifizierbaren Abbau dieser Offensivsysteme vorangetrieben. Bitte achten Sie darauf, daß ich 'Abbau'i gesagt habe, denn
das ist das wahre Ziel der Rüstungskontrolle; nicht nur das Niveau bestehender Arsenale zu kodifizieren oder ihren weiteren Ausbau zu kanalisieren, sondern sie derart abzubauen, daß die Gefahr eines Krieges vermindert wird. Die Vereinigten Staten glauben fest daran, daß die Aussicht
einer Zukunft ohne solche Massenvernichtungswaffen das letzte Ziel der
Rüstungskontrolle sein muß.
Ich freue mich,

- 3 -

�Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Sowjetunion jetzt auf
unsere Idee des radikalen Abbaus von Offensivwaffen eingeht. Beim Genfer
Gipfeltreffen im vergangenen November sind wir übereingekommen, daß wir
die Arbeit auf diesem Gebiet intensivieren wollen. Seitdem haben die
Sowjets detaillierte Vorschläge unterbreitet, die, obwohl sie für uns
nicht akzeptabel sind, doch ernsthafte Bemühungen ihrerseits darzustellen
scheinen. Deshalb verfolgen wir auch weiterhin das Ziel eines 50prozentigen Abbaus amerikanischer und sowjetischer Waffenarsenale - mit dem
Schwerpunkt eines Abbaus der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen. Wenn
die Sowjetunion lediglich einen geringeren Abbau wünscht, sind wir jedoch
bereit, diesen in Betracht zu ziehen - als vorläufige Maßnahme. Wir
haben auch in anderen Bereichen versucht, sowjetische Belange miteinzubeziehen. Es hat also eine Bewegung stattgefunden.
Gleichermaßen verfolgen die Vereinigten Staaten im Bereich der Nuklearwaffen mittlerer Reichweite das Ziel der totalen Abschaffung solcher
Raketen weltweit. Wenn die Sowjetunion jedoch darauf besteht, solch ein
Ziel graduell zu verfolgen, sind wir bereit, sofort ein Interimsabkommen
abzuschließen.
All dies gibt mir Hoffnung. Ich kann Ihnen sagen, daß der Austausch
zwischen unseren beiden Seiten in diesem Sommer sehr wohl den Anfang
ernsthafter, produktiver Verhandlungen über Rüstungskontrolle eingeleitet
haben könnte. Das Eis dieser verfahrenen Situation könnte gebrochen
werden, wenn beide Seiten ihre Bemühungen in der neuen Runde der Genfer
Gespräche intensivieren und wenn wir die Versprechen einhalten, die wir
uns gegenseitig im vergangenen November gegeben haben.
Für eine zu lange Zeit bestand jedoch die sowjetische Reaktion darin,
den Bedarf eines Abbaus bei Offensivwaffen herunterzuspielen. Wenn die
Vereinigten Staaten anfingen, an Technologien zu arbeiten, die nukleare
Offensivwaffen eines Tages überflüssig machen werden, versuchten die
Sowjets, das zum größten Problem zu stilisieren - als ob die größte Gefahr für die strategische Stabilität eine Verteidigung gegen Raketen
wäre, die sich noch in der Planung befindet und nicht die Tatsache, daß
diese wahnsinnigen Raketen bereits in großer zahl existieren.
Trotzdem erkennen die Vereinigten Staaten an, daß sowohl die offensive als auch die defensive Seite der strategischen Gleichung angesprochen werden muß. Und wir sind einen weiten Weg gegangen, um die von
sowjetischer Seite ausgedrückte Besorgnis über den möglichen offensiven
Gebrauch strategischer Defensivsysteme in Betracht zu ziehen. Ich habe
feste und konkrete Zusicherungen angeboten, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative niemals zur Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltraum benutzt werden könnte. Ich habe darauf hingewiesen,
daß der von uns verfolgte radikale Abbau von Offensivwaffen-Arsenalen
eine zusätzliche Sicherheit dafür bietet, daß SDI nicht benutzt werden
kann, um eine Erstschlagsstrategie zu unterstützen. Und wir gaben von
Anfang an der Möglichkeit den Vorzug, gemeinsam mit den Sowjets an einer
strategischen Verteidigung zu arbeiten, so daß keine Seite sich bedroht
fühlt und beide Seiten von der strategischen Revolution profitieren können, die SDI verkörpert.
Die Vereinigten

- 4 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren auch weiterhin den ABM-Vertrag trotz der klaren Beweise für sowjetische Vertragsverletzungen. Wir haben
den Sowjets mitgeteilt: wenn wir uns beide auf eine radikale Reduzierung
strategischer Offensivwaffen verständigen können, sind wir noch heute
dazu bereit, mit ihnen eine Vereinbarung über die Forschung, Entwicklung,
Erprobung und Stationierung strategischer Verteidigungssysteme auf folgender Grundlage zu unterzeichnen:
Erstens: Beide Seiten würden ihre Bereitschaft erklären, sich bis
1991 auf die laut ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind.
Zweitens: Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls nach 1991 eine der beiden Seiten sich zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur Abschaffung offensiver ballistischer
Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan würde dann in einem Zweijahreszeitraum ausgehandelt werden.
Drittens: Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen
nicht einigen können, würde es jeder Seite nach sechsmonatiger Vorankündigung freistehen, ein modernes strategisches Verteidigungssystem zu stationieren.
Wie die Vereinigten Staaten wiederholt klargestellt haben, gehen wir
einer Zukunft erhöhten Vertrauens auf strategische Verteidigungssysteme
entgegen. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, darüber zu reden, wie - nach welchen grundsätzlichen Regeln und Verfahren - wir und
die Sowjetunion dies in kooperativer Weise tun können. Solche strategischen Verteidigungssysteme, gekoppelt mit radikalem Abbau von offensiven Streitkräften, würden ein sichereres Gleichgewicht darstellen und
zukünftigen Staatsmännern die Gelegenheit geben, darüber hinaus zu gehen
- bis zur letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen.
Zusätzlich zu unseren Vorschlägen zum Abbau der Offensivwaffen und
zur strategischen Verteidigung haben wir neue Schritte in einem weiteren
Bereich angeregt - den Atomwaffentests. Ebenso wie die Abschaffung aller
Atomwaffen, ist auch ein totales Verbot von Atomversuchen unser langfristiges ziel. Beide müssen jedoch mit praktischen Schritten angegangen
werden. Die Realität besteht ja darin, daß wir uns immer noch auf diese
Waffen zur Abschreckung eines Krieges verlassen müssen. Deshalb sind die
Sicherheit und Verläßlichkeit unserer Abschreckung selbst lebenswichtig
für den Frieden.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihren Ruf in bezug auf nukleare Sicherheit und gedenken, diesen auch weiterhin aufrechtzuerhalten.
Trotzdem sind wir, wie ich eben schon sagte, jetzt dazu bereit, zwei
wichtige Schritte auf dem Weg zur Begrenzung von Atomwaffenversuchen zu
unternehmen. Erstens sind wir bereit, die Ratifizierung des Schwellenvertrages und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen zwecken
voranzutreiben, wenn einige Einigung über verbesserte Verifikationsvqr-

- 5 -

�verbesserte Verifikationsverfahren erreicht ist.
vorgelegt, um dies zu ermöglichen.

Wir haben neue Ideen

Zweitens sind wir nach der Ratifizierung dieser Verträge und in Zusammenhang mit einem Programm zur Reduzierung und letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen dazu bereit, über Wege zu diskutieren, um ein
schrittweises, paralleles Programm zur Begrenzung und schließlichen Abschaffung von Atomwaffenversuchen durchzuführen.
Dies sind Schritte, die wir in der nächsten Zukunft unternehmen könnten, um der Welt zu zeigen, daß wir uns vorwärts bewegen. Und ich appelliere deshalb an die Sowjetunion, sich mit uns für praktische, erreichbare Portschritte bei der Begrenzung von Atomwaffentests zusammenzuschließen.
Vor wenigen Tagen erhielt ich eine Antwort von Generalsekretär
Gorbatschow auf meinen Brief vom 25. Juli. Lassen Sie mich in diesem Moment dazu lediglich sagen, daß wir ihr ernsthafte und sorgfältige Beachtung schenken.
Während wir uns auf unser ziel der Abschaffung von Atomwaffen zubewegen, ist es jedoch auch enorm wichtig, daß wir uns mit bedeutenden Ungleichgewichten bei anderen Waffenarten beschäftigen. Deshalb haben die
Vereinigten Staaten ein umfassendes, weltweites Verbot aller chemischen
Waffen vorgeschlagen und aus demselben Grund haben wir und unsere Verbündeten uns energisch bemüht, den toten Punkt bei den Wiener Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte zu überwinden. Ein wichtiger Fortschritt ist auch auf der Stockholmer Konferenz erzielt worden - ein neues, konkretes Paket militärischer, vertrauensbildender Maßnahmen, einschließlich Inspektionen.
Aus der Erfahrung der siebziger Jahre heraus müssen wir uns aber auch
daran erinnern, daß Fortschritte bei der Rüstungskontrolle nicht von regionalen politischen Entwicklungen getrennt werden können, wie ich bereits zu Anfang sagte, wird der militärische Wettstreit durch politische
Spannungen verursacht und nicht umgekehrt.
Während sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion über die
Wurzeln der politischen Spannungen uneins sind, stimmen wir jedoch darin
überein, daß regionale Konflikte zu einer weltweiten Konfrontation eskalieren könnten. Voriges Jahr habe ich von diesem Podium aus eine Friedensformel vorgelegt, die auf fünf kritische regionale Konflikte anwendbar sein würde, die potentielle Brennpunkte für ausgedehntere Konflikte
sind. Ich erläuterte, wie schwierig es für die Vereinigten Staaten ist,
sowjetischen Versicherungen friedlicher Absichten Glauben zu schenken,
während gleichzeitig 126 000 sowjetische Soldaten einen furchtbaren Krieg
gegen das afghanische Volk führen, während 140 000 von den Sowjets unterstützte vietnamesische Soldaten Krieg gegen das Volk von Kambodscha führen, während 1 700 sowjetische Berater und 2 500 Mann kubanische Kampftruppen an militärischen Planungen und Operationen in Äthiopien beteiligt
sind; während 1 300 sowjetische Militärberater und 36 000 kubanische
Soldaten militärische Operationen leiten und daran teilnehmen, die der
Erhaltung eines unpopulären, repressiven Regimes in Angola dienen; wäh-

- 6 -

�dienen; während Hunderte von Millionen Dollar an sowjetischen Waffen und
Ostblockberater einem diktatorischen Regime in Nicaragua bei dem Versuch
helfen, eine Volksrevolution abzuwürgen und zu verraten.
Die Gefahr, die diesen Konflikten innewohnt, muß erkannt werden.
Marxistisch-leninistische Regime tendieren dazu, Kriege genauso bereitwillig gegen ihre Nachbarn zu führen, wie sie es gewöhnlich gegen ihr
eigenes Volk tun. In der Tat wird es oft unmöglich, interne und externe
Kriege von einander zu unterscheiden.
In Afghanistan hat beispielsweiser das Marionettenregime seine Absicht verkündet, Zehntausende von Menschen aus Grenzgebieten umzusiedeln.
Kann irgendjemand daran zweifeln, daß dies im klassischen kommunistischen
Stil - mit Gewalt - durchgeführt wird? Viele werden dabei sterben und es
damit den Sowjets und ihren Satellitentruppen leichter machen, Pakistan
einzuschüchtern.
Es sind gerade solche Vergehen, die das Risiko einer Konfrontation
mit den demokratischen Staaten so akut hervortreten lassen.
Ich möchte also noch einmal einen aus drei Punkten bestehenden Friedensprozeß zur Lösung regionaler Konflikte vorschlagen: Erstens Gespräche zwischen den kriegführenden Parteien selbst, ohne die ein Ende
der Gewalt und nationale Aussöhnung unmöglich sind; zweitens Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - nicht, um Lösungen
aufzuzwingen, sondern um Friedensgespräche zu unterstützen und schließlich den Waffennachschub und die Zuführung ausländischer Stellvertretertruppen zu unterbinden. Und drittens, wenn die Gespräche erfolgreich
sind, gemeinsame Bemühungen, um jedes Land wieder in die Weltwirtschaft
und die Gemeinschaft der Nationen, die die Menschenrechte respektieren,
zurückzuführen.
Zusätzlich zu regionalen Konflikten gefährdet die schwere Bedrohung
durch den Terrorismus die Friedenshoffnungen. Kein Ziel, kein Mißstand
kann ihn rechtfertigen. Der Terrorismus ist schändlich und unerträglich.
Er ist das Verbrechen von Feiglingen - Feiglingen, die den Unschuldigen,
den Wehrlosen und den Hilflosen nachstellen.
Mit ihren Verbündeten und anderen Nationen haben die Vereinigten
Staaten Schritte unternommen, um den Terrorismus direkt zu bekämpfen,
insbesondere den staatlich geförderten. Im vorigen April haben die Vereinigten Staaten demonstriert, daß sie ihre Interessen verteidigen und
gegen terroristische Aggressionen vorgehen werden. Und lassen Sie mich
Ihnen allen heute versichern, lassen Sie mich insbesondere allen potentiellen Förderern des Terrorismus versichern, daß das amerikanische Volk
in dieser Frage einer Meinung ist. Wie für andere zivilisierte Völker
der Erde, ist für uns das Maß jetzt voll. Anschläge gegen unsere Bürger
oder Interessen werden nicht unbeantwortet bleiben. Wir werden ebenso
alles in unserer Macht stehende tun, um anderen gesetzestreuen Staaten
beizustehen, die von terroristischen Anschlägen bedroht werden. In dieser Hinsicht glauben die Vereinigten Staaten, daß die im letzten Mai von
den sieben demokratischen Industriestaaten während des Tokioter Gipfels
erreichten Vereinbarungen einen guten Ausgangspunkt für ein internationa-

- 7-

�ein internationales Einveständnis im Krieg gegen den Terrorismus bedeuteten. Wir empfehlen der Generalversammlung, die Tokioter Resolutionen
zu berücksichtigen.
Um nun zur wirtschaftlichen Seite zu kommen: Klingt es nicht
ironisch, wenn einige weiterhin Ideen wie der "neuen Weltwirtschaftsordnung" nachhängen, die auf staatlicher Lenkung basiert, während sich
gleichzeitig die Welt, wie niemals zuvor, der Tatsache bewußt wird, daß
die Freiheit des Einzelnen, nicht die Macht des Staates, den Schlüssel zu
wirtschaftlicher Dynamik und Wachstum darstellt. Länder haben sich von
zentralisiertem Management und Regierungssteuerung ab - und den Anreizen
und Vorteilen des freien Marktes zugewandt. Sie haben ihre Bürger dazu
ermutigt, ihre Talente und Fähigkeiten so weit wie möglich zu entwickeln
und in Zusammenhang damit Arbeitsplätze bereitzustellen, Wohlstand zu
schaffen, soziale Stabilität aufzubauen und das Vertrauen in die Zukunft
aller zu fördern.
Die Wirtschaftsgipfel der Industriedemokratien haben diesen Grundsätzen - ebenso wie die historische Afrika-Sondersitzung der Vereinten
Nationen im Mai - Tribut gezollt. Wir begrüßen die Forderung der afrikanischen Staaten nach Reformen, die zu einer stärkeren Akzentuierung
ihres Privatsektors beim Wirtschaftswachstum führt. Wir sind davon überzeugt, daß die Überwindung von Hunger und wirtschaftlicher Stagnation
eine Politik erforderlich macht, durch die Produktivität und Initiative
der Bewohner Afrikas ermutigt werden. Durch eine solche Politik wird
auch der übrigen Welt, einschließlich den Vereinigten Staaten, die Hilfe
leichter fallen. Die Gesetze wirtschaftlichen Anreizes unterscheiden
nicht zwischen entwickelten Staaten und Entwicklungsländern. Sie gelten
für alle in gleicher Weise.
Ein Großteil der jüngsten Wiederbelebung der Weltwirtschaft läßt sich
unmittelbar auf diese Zunahme wirtschaftlicher Freiheit zurückführen.
Und gerade diese Tendenz bietet große Hoffnungen für die Zukunft. Aber
diese neue Hoffnungen stehen einer ernsten Bedrohung gegenüber: der Bedrohung durch Handelsschranken.
Die geschichtliche Erfahrung zeigt, daß die Errichtung solcher Handelsschranken zu Vergeltung herausfordert, die wiederum genau die Art von
Handelskriegen anzettelt, die die Welt in den dreißiger Jahren nur noch
tiefer in Depression und wirtschaftliche Not versinken ließ. Es ist
wahr: Protektionismus bedeutet Zerstörung.
Aus diesem Grund bemühen sich die Vereinigten Staaten um die Hilfe
aller hier in der Vollversammlung vertretenen Staaten, um die geltenden
Praktiken des freien und fairen Handels zu schützen, wir freuen uns über
den Erfolg des Treffens der GATT-Handelsminister vergangene Woche in
Uruguay, wo ein Übereinkommen darüber erzielt wurde, eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen zu beginnen, die eine ganze Bandbreite
von Themen zum Inhalt haben werden, die für das Wirtschaftswachstum von
Bedeutung sind. Zusammen mit über 90 anderen GATT-Mitgliedstaaten bemühen sich die Vereinigten Staaten darum, den freien Strom des Welthandels
aufrechtzuerhalten.
Neben ihrem

�Neben ihrem Widerstand gegenüber dem Protektionismus versuchen die
Vereinigten Staaten auch, das Wachstum der Weltwirtschaft auf andere
Weise anzuregen. Unser Satz für Schatzwechsel liegt jetzt bei gerade
über fünf Prozent, so niedrig wie er seit neun Jahren nicht mehr war und bedeutet somit für die Schuldnerstaaten eine gewaltige Erleichterung.
Die neue Steuerstruktur Amerikas wird auch im Inland Wege für mehr Wohlstand ebnen und dadurch zu größerem Wohlstand im Ausland beitragen.
Schließlich bemühen sich die Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit
anderen Ländern darum, die Währungsausschläge so gering wie möglich zu
halten, die Stabilität auf den Devisenmärkten zu fördern und mit Vorhersagbarkeit eine Grundlage für Prosperität zu schaffen.
Aber die Vereinigten Staaten sind auch davon überzeugt, daß der größte Beitrag, den wir zum Wohlergehen der Welt beitragen können, darin besteht, sich auch weiterhin für das eigentliche Geheimnis des Marktes
starkzumachen - die Wahrheit nämlich, die schlichte und erwiesene Wahrheit, daß wirtschaftliche Entwicklung Folge wirtschaftlicher Freiheit
ist, genau wie wirtschaftliche Freiheit untrennbar mit politischer Freiheit und demokratischer Regierungsform verbunden ist.
Und genau hier kommen wir zu unserer letzten Kategorie - den Menschenrechten -, dem unabdingbaren Bestandteil von Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Ich stelle fest, daß Herr Gorbatschow in seinen jüngsten Reden die gleichen Kategorien benutzt hat wie ich hier heute: die militärische, die politische und die wirtschaftliche; nur nannte er seine
vierte Kategorie die humanitäre.
Nun, der Unterschied spricht Bände. Die Vereinigten Staaten sind davon überzeugt, daß die Achtung für den Einzelmenschen, die Würde der Person - jene Rechte, wie sie in der Universellen Menschenrechtserklärung
der Vereinten Nationen dargelegt werden - nicht ins Reich der Barmherzigkeit oder der "humanitären" Themen gehört. Die Achtung der Menschenrechte ist keine Sozialarbeit; und auch nicht lediglich ein Akt des Mitleids. Sie ist die oberste Verpflichtung einer Regierung und die Quelle
ihrer Legitimität.
Sie ist zugleich der Grundstein jeder Konstruktion für den Weltfrieden. In der Geschichte waren es die Diktaturen und Tyranneien, die als
erstes dem Kult des Militarismus und der Kriegführung nachgaben. Länder,
deren Regierung von der Zustimmung der Regierten getragen ist, Länder,
die die unveräußerlichen Rechte des Einzelmenschen anerkennen, führen
nicht gegeneinander Krieg. Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von
Krieg. Echter Frieden ist Gerechtigkeit, echter Frieden ist Freiheit.
Und echter Frieden fordert zwingend die Anerkennung der Menschenrechte.
Vor über zehn Jahren wurden in Helsinki Verpflichtungen bezüglich
dieser Rechte und ihrer Anerkennung eingegangen. Wir brauchen heute nur
auf den Osten zu schauen, um zu sehen, auf welch traurige Weise diese
Verpflichtungen unerfüllt blieben. Die Verfolgung von Wissenschaftlern,
religiösen Führern, Friedensaktivisten, politisch Andersdenkenden und
anderen wegen ihrer Überzeugung Verhafteten geht jenseits des Eisernen
Vorhangs unvermindert weiter, sie wissen, daß ein Abschnitt des

- 9 -

�Abschnitt des Helsinki-Abkommens sogar von einer "Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Journalisten" spricht.
Es ist daher deutlich, daß Fortschritt im Bereich der Menschenrechte
mit Fortschritt in anderen Bereichen Schritt halten muß. Versagen in
diesem Bereich wird weitere Bewegung bei den Ost-West-Beziehungen behindern.
Dies sind denn die Bereiche der Sorge und der Chance, die die Vereinigten Staaten im Bemühen um Frieden und Freiheit erkennen - der doppelten Zielsetzung der Charta der Vereinten Nationen.
Im vergangenen Jahr hob ich in meiner Rede vor der Vollversammlung
hervor, wie tief und dauerhaft die Unterschiede zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sind. Ich rief aber auch nach einem Neubeginn bei den Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten, einem Neubeginn, der unseren eigenen Völkern und den Völkern aller anderen Länder
von Nutzen sein könnte. Seither haben die Vereinigten Staaten Schritte
unternommen und neue Vorschläge vorgelegt, die unsere beiden Länder wie
auch die Welt insgesamt in eine Richtung bringen könnten, in die wir alle
schon seit langem gehen wollten. Mehr denn je liegt es jetzt in der Verantwortung der Sowjetunion, etwas zu tun und zu zeigen, daß auch sie den
Dialog um den Frieden fortsetzt.
Wie ich schon gesagt habe, bin ich davon überzeugt, daß wir hinsichtlich der Welt und der Chancen für die Freiheit voller Hoffnung sein
können. Wir brauchen uns nur umzuschauen, um die neuen Technologien zu
sehen, die vielleicht eines Tages kommende Generationen von dem Alptraum
des nuklearen Schreckens befreien werden, oder die immer größere zahl von
Aktivisten der Demokratie, von Freiheitskämpfern, die wachsende Bewegung
in Richtung auf freie Marktwirtschaften oder die immer größere und weltweite Sorge um die Rechte des Einzelmenschen angesichts brutaler Staatsgewalt.
Wenn ich früher auf solche Trends hingewiesen habe, wenn ich zu einer
•Vorwärtsstrategie für die Freiheit" aufrief und den letztendlichen Sieg
demokratischer Herrschaft über den Totalitarismus voraussagte, beschuldigten mich manche, den Leuten nur das zu sagen, was sie hören wollten,
sie zu drängen, sich nicht am Tagesgeschehen zu beteiligen, sondern davor
zu flüchten.
Aber Hoffen bedeutet Glauben an die Menschheit und an ihre Zukunft.
Hoffen bleibt die höchste Realität, die uralte Macht; Hoffnung ist die
Wurzel aller großen Ideen und Anliegen, die über die Jahrhunderte hinweg
das Los der Menschheit verbesserten.
Die Geschichte lehrt uns, zu hoffen - denn sie unterweist uns über
den Menschen und den ununterdrückbaren menschlichen Geist. Der Literaturnobelpreisträger und große Mann des amerikanischen Südens, William
Faulkner, sagte einst, der letzte auf Erden zu vernehmende Ton werde einmal jener der zwei verbliebenen Menschen sein, die darüber diskutieren,
wohin die Reise mit dem von ihnen gebauten Raumschiff gehen solle. In
seiner Rede vor dem Nobelpreisausschuß im Jahr 1950 sprach Faulkner vom

- 10 -

�Paulkner vom Atomzeitalter, von der allgemeinen und
kalischen Furcht, die es hervorgebracht habe, einer
störung, die fast unerträglich geworden sei. Aber,
weigere mich, das Ende des Menschen zu akzeptieren.
lich... denn er hat eine Seele, einen Geist, der zu
Ausharren fähig ist."

universellen physiFurcht vor der Zerso sagte er, "ich
Er ist unsterbMitleid, Opfer und

Faulkner sprach von "den alten Wahrheiten und Tatsachen des Herzens,"
von Mut, Ehre, Stolz, Mitleid, Erbarmen, Opfer und, ja, von jener Hoffnung, die die Glorie unserer Vergangenheit ist. Und all dies finden wir
heute in unserer Gegenwart; wir müssen es nützen, um unsere Zukunft zu
gestalten. Und deshalb können wir heute Geist und Herz erheben, deshalb
sind wir davon überzeugt, daß mit Gottes Hilfe die Sache der Menschheit
nicht nur "überdauern, sondern obsiegen" wird und eines Tages die ganze
Welt, jede Nation, jedes Volk, jeder Mensch, der Segnungen des Friedens
teilhaftig und das Licht der Freiheit sehen wird.

* * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation

24. September 1986

31

REAGAN SIEHT "ECHTE CHANCE* FÜR REDUZIERUNG VON ATOMWAPPEN
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 17. September 1986 veröffentlichten
Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Nuklear- und Weltraumgespräche
(NST) hat Präsident Reagan betont, daß eine "echte Chance" für tiefgreifende Reduzierungen bei Atomwaffen bestünde, "falls die Sowjets genauso
entschlossen sind wie wir". Weiter erklärte er, daß die Vereinigten
Staaten "der Erzielung echter - und baldiger - Rüstungsverminderungen
voll verpflichtet" sind.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Nuklear- und Weltraumgespräche (NST) werden morgen mit der Eröffnung von Runde Sechs in Genf wiederaufgenommen. Dies könnte sich als
eine sehr wichtige Phase in den hartnäckigen Bemühungen der Vereinigten
Staaten erweisen, die Zustimmung der Sowjets zu tiefgreifenden Einschnitten bei Atomwaffen zu erreichen. Falls die Sowjets genauso entschlossen
sind wie wir, dann besteht eine echte Chance für solche Reduzierungen.
Die Vereinigten Staaten sind der Erzielung echter - und baldiger Rüstungsverminderungen voll verpflichtet. In diesem Geist habe ich Generalsekretär Gorbatschow im Juli einen Brief geschrieben, in dem ich
unsere Positionen zur gesamten Bandbreite der Rüstungskontrollfragen nä-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Rüstungskontrollfragen näher erläuterte. In diesem Schreiben habe ich
mich besonders bemüht, Bereiche für "Gemeinsamkeiten" aufzuzeigen, in
denen wir und die Sowjetunion unsere Bemühungen am produktivsten konzentrieren könnten, um zu einer Übereinkunft zu gelangen. Mein Schreiben
befaßte sich mit den Besorgnissen der Sowjets und nannte sofortige praktische Schritte, die uns unserem Endziel - der vollständigen Abschaffung
von Atomwaffen - näherbringen können.
Wir warten jetzt auf eine konstruktive sowjetische Antwort. Unsere
Gedanken bieten eine solide Grundlage für Verhandlungen in Richtung auf
für beide Seiten vorteilhafte Abkommen. Wenn die Sowjets eine ernsthafte
Antwort anbieten, können wir einer produktiven Runde entgegensehen.
In den Wochen, die dem für Freitag anberaumten Treffen zwischen Außenminister Shultz und Außenminister Schewardnadse vorausgingen, haben
die Vereinigten Staaten Treffen auf Expertenebene mit den Sowjets durchgeführt, die vier Schlüsselbereiche auf der amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung betrafen, darunter die Menschenrechte, regionale, bilaterale
und Rüstungskontrollfragen. Wir hoffen, daß diese Gespräche Portschritte
in einigen Bereichen erleichtert haben, einschließlich der Nuklear- und
Welt raumgespr äche.
Unsere Ziele bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen - wie bei der
Rüstungskontrolle allgemein - bleiben die selben. Wir bemühen uns um die
Stärkung der strategischen Stabilität und die echte Verringerung des
Risikos eines Atomkrieges. Dies bedeutet, der Sowjetunion die Fähigkeit
und den Anreiz zu nehmen, einen entwaffnenden Erstschlag zu führen. Es
bedeutet, die Fähigkeit zur Abschreckung eines Krieges beizubehalten,
dies jedoch bei geringstmöglichem Streitkräfteumfang. Deshalb besteht
unsere wichtigste Priorität in diesen Gesprächen in der Erzielung von
Vereinbarungen, die zu tiefen, gleichgewichtigen und überprüfbaren Einschnitten in den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten wie auch der
Sowjetunion führen werden.
Natürlich müssen diese Vereinbarungen von beiden Seiten vollständig
eingehalten werden, wenn ihre Vorteile verwirklicht werden sollen. Die
Sowjetunion hat weiterhin Schlüsselelemente bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen verletzt, und dieses Verhaltensmuster droht den gesamten
Rüstungskontrollprozeß zu untergraben. Wir werden deshalb die Sowjets
weiter darauf drängen, ihre Nichteinhaltung aufzugeben und dadurch die
Aussichten auf echte Abrüstungsschritte zu stärken. Wir werden ebenfalls
darauf bestehen, daß die Verifikation ein Hauptbestandteil jedes neuen
Abkommens sein muß.
Im Genfer Verhandlungsforum haben die Vereinigten Staaten in allen
drei Bereichen der Nuklear- und Weltraumgespräche konkrete Vorschläge unterbreitet:
- Unsere Vorschläge in bezug auf strategische Waffen (START) basieren
auf dem Konzept einer 50-prozentigen Reduzierung der strategischen
atomaren Offensivarsenale auf beiden Seiten, auf das Herr Gorbatschow
und ich uns auf dem Genfer Gipfel vom vorigen November verständigt

- 2-

�November verständigt haben. Weiterhin bemühen wir uns um die Stärkung der Stabilität, indem wir uns auf Reduzierungen bei den ballistischen Flugkörpern konzentrieren, da diese im Falle einer Krise am
meisten destabilisierend wirken.
- Bei den Gesprächen über Mittelstreckenwaffen (INF) haben wir einen
phasenweisen Ansatz vorgeschlagen, der die weltweite Abschaffung
einer ganzen Gruppe von amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen größerer Reichweite zum Ziel hat.
- Bei den Verteidigungs- und Weltraumgesprächen haben wir neue Ideen
dazu präsentiert, wie ein geordneter Übergang zu strategischen Verteidigungssystemen gesichert werden kann, falls diese sich als machbar erweisen sollten. Zusätzlich haben wir eine Öffnung der Forschungsstätten vorgeschlagen, damit jede Seite sich über die Forschungsarbeiten für strategische Verteidigungssysteme, die auf der
anderen Seite stattfinden, informieren kann.
Im meinem Brief an Herrn Gorbatschow vom Juli habe ich diese amerikanischen Vorschläge weiter erläutert und einige neue Ideen unterbreitet.
In Genf werden unsere Verhandlungsführer in der Lage sein, konkrete neue
Details zu allen drei Bereichen anzubieten. Zusätzlich ist Außenminister
Shultz bereit, diese Fragen, zusammen mit regionalen, bilateralen und
Menschenrechtsproblemen, mit Außenminister Schewardnadse zu besprechen.
Diese Gespräche können dazu beitragen, die Grundlagen für ein zweites
Gipfeltreffen zwischen Herrn Gorbatschow und mir in den Vereinigten Staaten gegen Ende diese Jahres zu schaffen, das während unseres ersten Gipfels in Genf verabredet wurde.
Ich möchte jedoch betonen, daß die sowjetische Behandlung des amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff weiterhin erzielbare Fortschritte in unseren bilateralen Beziehungen ernstlich begrenzt. Ich appelliere
deshalb an die Sowjetunion, diesen Fall schleunigst zu lösen, bevor er
dem Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern noch mehr Schaden zufügt.
Die Zeit ist reif für praktische Leistungen in allen Bereichen unserer Beziehungen. Was die Genfer Verhandlungen angeht, so haben die Vereinigten Staaten gezeigt, daß wir unser Teil dazu beitragen, um bedeutende Abrüstungsschritte zu erreichen. Diese Runde sollte uns zeigen, ob
die Sowjetunion ebenso dazu entschlossen ist. Wenn die Sowjets unseren
Willen teilen, können echte Fortschritte bei der Reduzierung atomarer
Waffen erzielt werden - und dies schon sehr bald.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VION

Dokumentation

4

24. September 1986

31

REAGANS PROKLAMATION ZUR

BEKXMPFÖNG

DES HUNGERS IN DER WELT

Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag"

WASHINGTON - (AD) - In einer am 19. September veröffentlichten Proklamation hat Präsident Regan den 16. Oktober zum Welt-Ernährungstag erklärt. Er forderte die Amerikaner auf, sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt einzusetzen und appellierte an die betroffenen Länder, eine Landwirtschaftspolitik, in der die Regeln der freien
Marktwirtschaft gelten, zu verfolgen, um sich selbst mit Nahrungsmitteln
versorgen zu können.
Nachfolgend drucken wir die Proklamation im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind mit großzügigen Gaben der Natur gesegnet. Als
Kinder lernen wir in unseren ersten Gebeten, für diese Fülle zu danken.
Wir betrachten unsere reich gedeckten Tische und den Frieden und die
Sicherheit, womit wir sie genießen können, als selbstverständlich.
Aber leider kommen viele Menschen nicht in den Genuß dieser Fülle.
Der auf Armut und Dürre zurückgehende Hunger hält viele Teile der Welt,
besonders in Afrika, in seiner Gewalt. In diesem Jahr ist der Hunger
nicht mehr so weit verbreitet wie 1985, teilweise wegen des humanitären
Geistes der Amerikaner und anderer Spender. Keine Nation hat sich gegenüber den weniger Begünstigten großzügiger gezeigt. Wir haben Milliarden
Dollar aufgewendet, um anderen Ländern nach Kriegen oder Naturkatastro-

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�oder Naturkatastrophen beim Wiederaufbau zu helfen. Wir haben Milliarden
Tonnen Nahrungsmittel zur Speisung der Hungernden gespendet. Und wir haben unsere Söhne und Töchter geschickt, damit sie ihnen, zusammen mit unseren Nachbarn, Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Unsere edlen Absichten zeigten sich in den enormen Hilfsleistungen,
die Amerikaner spontan den Opfern der afrikanischen Hungersnot spendeten.
Unsere sowohl von öffentlicher wie auch von privater Seite erfolgten
Hilfsmaßnahmen retteten Hundertausende von Menschenleben. Im vergangenen
Jahr regnete es wieder in Afrika und die Hungersnöte ließen nach. Aber
der Hunger ist noch nicht besiegt und eine neue, durch Heuschrecken hervorgerufene, Naturkatastrophe bringt die Bedrohung nicht enden wollenden
Leidens mit sich.
Die Welt macht bei der Beendigung des Hungers Fortschritte, wenn auch
langsam. In einigen Ländern leisten Unruhen und eine sozialistische Politik auch weiterhin dem Hunger Vorschub, wir müssen weiterhin für den
Frieden arbeiten und mit unserer Politik Anreize schaffen, wenn wir den
durch Armut, Dürre, Schädigung der Natur und eine unangemessene Wirtschaftspolitik hervorgerufenen Hunger ausmerzen wollen. Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß das Wohlergehen ihrer Nation
und ihrer Bevölkerung von einer starken Landwirtschaft abhängt, die sich
auf freies Unternehmertum und wettbewerbsfähige Märkte gründet. Meine
Administration hat diesbezügliche Reformbemühungen auf der ganzen Welt
unterstützt, sowohl durch unsere Wirtschaftshilfe-Programme als auch
durch ein neues Programm 'Nahrungsmittel für den Fortschritt' , bei dem
wir mit amerikanischen Lebensmitteln denjenigen Ländern Subventionen bewilligen, die eine stabile Landwirtschaftspolitik betreiben.
Seit ihrer Geburt als Nation haben die Vereinigten Staaten sich auf
die zwei Säulen der Freiheit des Einzelnen und des freien Unternehmertums
als Grundlagen ihrer nationalen Wirtschaft verlassen. Politische und
wirtschaftliche Freiheit kann nicht getrennt werden; zusammen leisten sie
einem Sinn für soziale, wirtschaftliche und politische Verantwortung Vorschub, der das individuelle Wachstum unterstützt und die wirtschaftliche
Entwicklung anheizt. Ohne selbstbewußte und kreative Bürger kann eine
Nation weder politisch oder wirtschaftlich eigenständig sein, noch kann
sie genügend Lebensmittel zur Verfügung stellen und die elementaren Bedürfnisse ihrer Bevölkerung erfüllen. Eine Politik des freien Marktes
hingegen kann das auf sozialer Gerechtigkeit, Eigenständigkeit und den
Fähigkeiten der Bevölkerung gegründete Wirtschaftswachstum fördern.
Heute werden Millionen von Amerikanern in mehr als 3 000 Gemeinden an
zahlreichen Aktivitäten zum Welternährungstag teilnehmen. Der Geist der
freiwilligen Hilfe hat niemals stärker durch unsere Nation geleuchtet.
Ich bitte Sie darum, daß das amerikanische Volk diesen Tag dazu
nutzt, um sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt
einzusetzen. Das Ende des Hungers in der Welt wird vom öffentlichen wie
auch vom Privatsektor, von der Bevölkerung und ihren Vertretungen, von
Entwicklungs- und von Geberländern einen langfristigen Einsatz verlangen.
Die technologischen Lösungen zur Beendigung des Hungers auf der Welt ste-

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�der Welt stehen uns zu Verfügung; jetzt müssen wir zeigen, daß wir den
Willen haben, den Hunger auszumerzen und seine primäre Quelle, die Armut,
abzuschaffen.
In Anerkennung des Wunsches und des Einsatzes des amerikanischen Volkes zur Beendigung des Hungers auf der Welt hat der Kongreß mit Gesetz
99i-288 den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag erklärt und den Präsidenten ermächtigt, zu diesem Anlaß eine Proklamation zu veröffentlichen.
Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag, und ich
fordere die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf, diesen Tag mit entsprechenden Veranstaltungen zu begehen, um Wege zu finden, wie unsere Nation weiterhin zur Abschaffung des Hungers in der Welt beitragen kann.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

24. September 1986

31

Nachfolgend finden Sie den dritten Teil der vierteiligen Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten beiden Teile bereits in den Amerika-Dienst Ausgaben Nr. 29 und 30
erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Die demokratischen Widerstandskämpfer:
Wer sie sind, warum sie kämpfen

Die Ursprünge der Bewegung
Die sowjetisch-kubanische Verbindung ermöglichte es den Sandinisten,
dem nicaraguanischen Volk ihren Willen aufzuzwingen und unter Verletzung
des Völkerrechts auch Nachbarstaaten anzugreifen. Enttäuscht darüber,
wie die Sandinisten die demokratische Revolution des Jahres 1979 betrogen
hatten, formierten sich 20 000 Nicaraguaner zu einer wachsenden bewaffneten Widerstandsbewegung. Diese nicaraguanischen Freiheitskämpfer werden
von den Sandinisten Konterrevolutionäre oder "Contras" genannt. Die Bezeichnung soll den Widerstand so darstellen, als wende er sich gegen den
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel, der für eine echte Revolution so notwendig ist. In Wirklichkeit kämpft die Führung des Widerstands um eine Rückkehr zu jenen Prinzipien der Demokratie, die ihrer
Meinung nach mit dem Sieg über Somoza errungen worden waren.
Der Widerstand

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der Widerstand gegen die Sandinisten war in der Zeit unmittelbar nach
der Revolution minimal. Somozas Nationalgarde hatte sich aufgelöst und
Tausende ihrer Mitglieder waren inhaftiert. Eine Handvoll Nationalgardisten begann fast unmittelbar nach dem Sturz Somozas mit der Konspiration gegen die Sandinisten. Ihr Einfluß war jedoch bedeutungslos, denn
die Sandinisten schwammen auf einer Woge der Popularität, und jene kleinen Gruppen ehemaliger Gardisten wurden isoliert.
Es wurde jedoch bald deutlich, daß die Sandinisten eine politische
Elite marxistisch-leninistischer Prägung waren, der es nur um die Konsolidierung ihrer Macht ging, nicht aber um deren Teilung mittels der repräsentativen Demokratie, die sie versprochen hatte. Gegen eben diese
neue kollektive Diktatur begann sich die - bewaffnete wie unbewaffnete Opposition zu formieren - genau wie sich die Rebellion gegen die alte
Elite der Dynastie Somozas entwickelt hatte.
Anfang der achtziger Jahre machte sich unter einigen Soldaten der
Sandinisten Enttäuschung über die von der Regierung eingeschlagene politische Richtung breit. Ihnen schlössen sich Bauern an, deren Land
durch das neue Regime beschlagnahmt worden war, obwohl sie die Sandinisten gegen Somoza unterstützt hatten. Wegen der Leiden, die sie einzeln oder kollektiv durch die Nationalgarde zu erdulden hatten, waren
diese Bauern und ehemaligen Sandinisten argwöhnisch hinsichtlich einer
Allianz mit den wenigen hundert ehemaligen Gardisten, die an der nördlichen Grenze Nicaraguas operierten. Schließlich kamen sie jedoch zu dem
Schluß, daß die neue sandinistische Regierung weit schlimmer war, als es
die Gardisten je gewesen waren und daß die ehemaligen Gardisten Zugang zu
Waffen hatten. Ein formloses Bündnis entwickelte sich und nahm schließlich als Nicaraguanische Demokratische Kraft (FDN) Gestalt an. Ziel des
Widerstands war es, sich den Usurpatoren der Revolution von 1979 in den
Weg zu stellen, wobei man zu der Überzeugung gelangte, daß die einzige
Möglichkeit, die Sandinisten daran zu hindern, eine vom Ausland her dominierte kommunistische Diktatur zu errichten, in militärischem Druck bestand. Die Aufgabe war für den nicaraguanischen Widerstand nur noch
schwieriger, weil die Armee, der er jetzt gegenüberstand - die sandinistische Armee - weitaus stärker und viel besser bewaffnet war, als dies
bei der Nationalgarde Somozas der Fall gewesen war. Bis zum Dezember
1980 hatten die Sandinisten dank der Hilfe durch den Ostblock schon die
größte Militärorganisation in der Geschichte Mittelamerikas aufgebaut von rund 5 000 auf mindestens 24 000 Mann, was einen Anstieg von fast 400
Prozent in nur 18 Monaten bedeutete(67).
Wie im vorigen Kapitel erwähnt wurde, gestand der Botschafter
Nicaraguas in den Vereinigten Staaten, daß die Sandinisten 1981 wußten,
daß sie keinen großen militärischen Widerstand zu befürchten hatten(68).
Dennoch wird eine solche Bedrohung häufig von Befürwortern der Sandinisten als Grund dafür genannt, daß Managua "gezwungen" gewesen sei, so
viel von seinen begrenzten Mitteln für den Aufbau einer umfangreichen
Streitmacht zu verwenden. Die Sandinisten und ihre Befürworter behaupten
auch, daß die massive Aufrüstung notwendig gewesen sei, um eine Invasion
seitens der feindseligen Vereinigten Staaten abzuwehren. Die Sandinisten
hatten sich jedoch wegen Waffen an die Sowjets und die Kubaner gewandt,
um ihre Streitkräfte zu einem Zeitpunkt aufzubauen, als die Vereinigten

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�als die Vereinigten Staaten Nicaragua noch den größten Teil seiner Wirtschaftshilfe gewährten(69).

Die Widerstandsbewegung heute
Die Widerstandsbewegung umfaßt einen repräsentativen Querschnitt der
nicaraguanischen Bevölkerung. Zu ihr gehören hauptsächlich junge Bauern,
aber auch Vertreter der Geschäftswelt, Studenten, ehemalige Soldaten der
Sandinisten sowie ehemalige Angehörige der Nationalgarde. Die Obergriffe
der Sandinisten formten diese Koalition ungleicher Kameraden; dazu gehören sogar ehemalige Geistliche, die zu der Einsicht gelangt sind, daß die
atheistische und barbarische Natur der Sandinisten ihnen die moralische
Rechtfertigung gibt, zu den Waffen zu greifen - genau wie die katholischen Bischöfe dem nicaraguanischen Volk gesagt hatten, daß ein Aufstand gegen Somoza moralisch gerechtfertigt sei(70).
Das obige Foto zeigt drei solche ehemalige Geistliche, die sich jetzt
der Widerstandsbewegung angeschlossen haben: einen ehemaligen katholischen Seminaristen, einen ehemaligen evangelischen Pfarrer und einen
ehemaligen evangelischen Diakon. Der Seminarist floh, nachdem er und 17
seiner Klassenkameraden im Juni 1980 gefangengenommen und von den Sicherheitskräften der Sandinisten geschlagen worden waren. Er erklärte, daß
zwei seiner Kameraden gefoltert und ermordet worden seien. Er dient der
PDN nun als Sanitäter und hofft darauf, einmal seine Religionsstudien
fortsetzen zu können. Der evangelische Pfarrer wurde desillusioniert,
als der Mob der Straße unter der Kontrolle von Innenminister Tomas Borge
damit drohte, seine Kirche anzuzünden und ihn umzubringen. Obgleich er
keinerlei militärische Erfahrung hatte, ist er jetzt Befehlshaber der
Jorge Salazar-Einsatzgruppe. Der evangelische Diakon entschloß sich im
Oktober 1982, zu den Waffen zu greifen, als ein anderer Diakon von den
Sandinisten umgebracht wurde. Er ist mittlerweile stellvertretender Befehlshaber des Jorge Salazar-Regionalkommandos(71). (Salazar, ein populärer nicaraguanischer Geschäftsmann, wurde 1981 von den Sandinisten umgebracht, weil sie befürchteten, er könnte zu einem Kristallisationspunkt
der antisandinistischen Gesinnung werden, die sich damals bereits entwickelte) (72 ) . Der schnelle Zuwachs der bewaffneten demokratischen Widerstandsbewegung belegt die Hartnäckigkeit und den Mut des nicaraguanischen Volkes, aber auch die Unterdrückung durch das sandinistische Regime. Ein Guerillero zu werden und sich den Härten, der Unsicherheit und
den Gefahren zu stellen, ist der letzte Schritt der Abkehr von einem politischen System. Dieses Anwachsen des antisandinistischen Widerstandes
in vier Jahren von ein paar hundert Mann auf etwa 20 000 in einem Land
mit weniger als 3 Millionen Einwohnern ist sogar noch bemerkenswerter,
wenn man es mit El Salvador vergleicht. Dort konnte eine Guerilla, deren
Anfänge in den frühen siebziger Jahren liegen, nur weniger als 7 000 Mitglieder anziehen, und dies bei einer Bevölkerung von fast fünf Millionen.
Zudem verdoppelte sich der nicaraguanische Widerstand zwischen Mai 1984
und Juni 1985 - genau in dem Zeitraum, in dem die amerikanische Regierung
überhaupt keine Militärhilfe mehr leistete.

Die meisten

�Die meisten Mitglieder der Widerstandsbewegung gehören der Dachorganisation der Vereinten Nicaraguanischen Opposition (UNO) an, die im Juni
1985 gebildet wurde. UNO wird von drei Zivilisten geführt, die dem Widerstand gegen Somoza angehörten und unter dieser mutigen Haltung gegen
Somoza entsprechend zu leiden hatten. Arturo Cruz ist ehemaliges Mitglied der sandinistischen Regierung und war Botschafter der Sandinisten
in den Vereinigten Staaten. Adolfo Calero ist ein ehemaliger Geschäftsmann und Politiker, der ebenfalls in Opposition zu Somoza stand. Alfonso
Robelo, ein Sozialdemokrat und führende Gestalt der Antisomoza-Bewegung,
war eines der fünf Mitglieder in der ursprünglichen sandinistischen
Junta. Zu UNO gehört auch KISAN, eine Gruppierung von Indianern der Atlantikküste des Landes. Zu UNO gehört nicht die Sandino Revolutionäre
Front/Demokratische Revolutionäre Allianz (FRS/ARDE), die von Eden
Pastora, dem legendären Comandante Zero, angeführt wird. Diese Führungspersönlichkeit des Widerstandes, der berühmteste Sandinist im Kampf gegen
Somoza, wehrt sich nachdrücklich gegen seine ehemaligen Kampfgenossen,
lehnt jedoch auch ein Bündnis mit der UNO ab, angeblich wegen der Anwesenheit ehemaliger Offiziere der Nationalgarde in der FDN. Das Hauptziel
der Kritik Pastoras ist Oberst Enrique Bermudez, militärischer Befehlshaber der FDN und ehemaliger Nationalgardist. Bermudez diente jedoch von
1975-1979 Somoza als Vertreter des Interamerikanischen Verteidigungsausschusses in Washington, D.C., weitab vom Revolutionskrieg, der in seiner
Heimat stattfand. In den letzten Monaten des Kampfes schlug die CarterAdministration im Bestreben, das Verhalten und den Professionalismus der
Nationalgarde zu verbessern, Somoza vor, Bermudez zu deren Oberbefehlshaber zu ernennen.
Das Gerücht, wonach die Widerstandsbewegung aus Somozas Nationalgarde
bestünde, die den Versuch unternimmt, wieder an die Macht zu gelangen,
wird von den Sandinisten und deren Weggenossen verbreitet. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache(73). Während die FDN 1982 noch einen
relativ hohen Prozentsatz an ehemaligen Nationalgardisten unter ihren wenigen Hundert Mitgliedern hatte, so ist dies heute sicherlich nicht mehr
der Fall. Von den rund 17 000 FDN-Mitgliedern waren weniger als 200 früher einmal in der Nationalgarde. Von den 14 Regionalkommandos der FDN
werden drei von ehemaligen Mitgliedern der Nationalgarde angeführt, während sechs Führer ehemalige Sandinisten sind. Die übrigen fünf Befehlshaber hatten keine vorherige militärische Erfahrung. Von den rund 50 Befehlshabern der Einsatzgruppen - den wesentlichen Kampfelementen - sind
13 ehemalige Gardisten, 12 ehemalige Sandinisten. Der Rest hat keinen
militärischen Hintergrund. Von den 21 wichtigsten Stabsoffizieren im
Hauptquartier der FDN sind nur 12 ehemalige Nationalgardisten - alle,
außer Oberst 8ermudez, Mannschaftsdienstgrade(74).
Von den jungen Männern und Frauen der Truppe sind über 90 Prozent
noch nicht einmal 20 Jahre alt bzw. nur knapp älter - zu jung also, um in
der Nationalgarde gedient zu haben, die sich 1979 aufgelöst hatte. Sie
kommen meist aus ländlichen Gegenden, der klassische Bauer, von dem manche im Westen mit ihrer romantisierenden Vorstellung von Revolutionsbewegungen glauben, er müßte sich von der Sache des Marxismus-Leninismus angezogen fühlen. In Nicaragua ist die Unterdrückung durch die Sandinisten
zum entscheidenden Rekrutierungsinstrument der Widerstandsbewegung gewor-

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�Widerstandsbewegung geworden. Junge Männer und Frauen haben sich der Widerstandsbewegung angeschlossen, nachdem sie aus nächster Nähe Zeuge der
Brutalität der sandinisten geworden sind, und viele von ihnen haben sich
dem Widerstand angeschlossen, um der Zwangsrekrutierung der sandinistischen Armee zu entgehen(75).
Die Sandinisten versuchen, die Widerstandsbewegung durch eine intensive Propagandakampagne in Verruf zu bringen. Das Generaldirektorium des
Innenministeriums für Staatssicherheit, dessen Mitglieder von Ostdeutschen und Kubanern ausgebildet werden, produziert regelmäßig Geschichten
über angebliche Menschenrechtsverletzungen. Alvaro Baldizon, bis Juli
1985 einer der wichtigsten Mitarbeiter von Innenminister Borge, berichtete, daß Borge Einheiten aufgestellt hat, die FDN-Uniformen tragen und
Greueltaten verüben, um die Widerstandsbewegung unglaubwürdig zu
machen(76).
In der Art von Krieg, wie er heute in Nicaragua ausgetragen wird,
finden unseligerweise - wie in allen Kriegen - Menschenrechtsverletzungen
statt. Es gab in der Tat Übergriffe einzelner Soldaten des Widerstandes.
Derlei ist unannehmbar; die Disziplin muß aufrechterhalten werden. Die
Führung des Widerstandes ist sich der Tatsache bewußt, daß ihre Streitkräfte einem hohen Ehrenkodex entsprechen müssen. Sie erkennt, daß sie
als eine positive, nicht als negative Alternative zu den Sandinisten aufgefaßt werden muß, wenn sie das Vertrauen der Bevölkerung bekommen und
behalten will. Deshalb wurde Ismael Reyes, der ehemalige Präsident des
nicaraguanischen Roten Kreuzes, der eine so heldenhafte Rolle spielte,
als er in den Jahren 1978 und 1979 die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf
die Brutalität Somozas lenkte, zum Vorsitzenden der Menschenrechtskommission der UNO gewählt. Die Soldaten der UNO erhalten bei ihrer Ausbildung
täglich Unterweisung zum Thema Menschenrechte. Sie erhalten außerdem ein
Handbuch, das einen Verhaltenskodex enthält, der davor warnt, daß Gewaltakte gegen Zivilisten und Gefangene bestraft werden. Wo es Menschenrechtsverletzungen gegeben hat, hat die Führung der UNO/FDN Gerichtsverfahren abgehalten und die eines Übergriffs überführten sind bestraft
worden.
Die Sandinisten und ihre Helfer in den Vereinigten Staaten behaupten,
daß die Widerstandsbewegung nur wenig Unterstützung in der Bevölkerung
habe und die "Greueltaten der Contras" das letzte bißchen Unterstützung
beseitigt habe, derer sie sich erfreut hätten. Was die Sandinisten und
ihre Helfer nicht leugnen können, ist die Tatsache, daß die Widerstandsbewegung sich so vergrößert hat, daß sie jetzt viermal mehr Angehörige
hat als die Sandinisten bei ihrer Machtergreifung. Eine Guerillabewegung, die sich wirklich eine Vielzahl von Übergriffen hätte zuschulden
kommen lassen, hätte nicht Tausende junger Männer und Frauen angezogen,
um sich ihrer Sache anzuschließen.

Die Frage der Legalität
Das Völkerrecht gründet sich teilweise auf das Prinzip, daß unprovozierte Gewalt unrechtmäßig sei, eine verhältnismäßige und defensive Reaktion auf eine solche Aggression jedoch erlaubt ist. Artikel 51 der Char-

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�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen spricht vom "natürlichen
Recht des einzelnen und/oder der Gemeinschaft zur Selbstverteidigung(77)." Nicaragua hat sich in der Tat der unprovozierten Aggression
gegen seine Nachbarn schuldig gemacht, wie dies der Kongreß der Vereinigten Staaten wiederholt verdeutlicht hat - insbesondere im Rahmen zweier
Gesetze. Trotz der Beweise ihrer Schuld leugnen die Sandinisten, der
Guerilla von El Salvador jemals militärische Unterstützung gewährt zu
haben und behaupten daher, keinerlei militärische Reaktion provoziert zu
haben. Im Gegenteil: sie drehen den Spieß um, indem sie den Vereinigten
Staaten unterstellen, seit 1982 einen unprovozierten Krieg gegen sie zu
führen.
Auf der Grundlage solcher Verzerrungen streben die Sandinisten nach
Schutz gemäß desselben Völkerrechts, das sie seit 1979 so eklatant brechen. Die Haltung Nicaraguas ähnelt jener eines Kontrahenten, der zu
seinem Widersacher sagt: "Der streit fing an, als du zurückschlugst".
Die Geschichte der Aggression in Mittelamerika begann sicherlich nicht
mit den ersten Angriffen der Widerstandsbewegung Ende 1981/Anfang 1982.
Sie begann, als die ersten Waffen und die erste Munition von Kuba nach
Managua und von dort zur Guerilla in El Salvador kamen - also über zwei
Jahre früher. Ein geachteter internationaler Jurist, Professor John
Norton Moore von der juristischen Fakultät der University of Virginia,
hat sich mit der grundsätzlichen Frage der Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die Widerstandsbewegung beschäftigt und kam zu dem Schluß, daß
derlei Hilfe legal und obligatorisch sei. Er erklärte im Oktober 1984:
Das Wesentliche der Grundlage für die Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die "Contras" ist die Tatsache, daß Kuba mit Hilfe des Sowjetblocks und in Zusammenarbeit mit der Regierung Nicaraguas militärische Unterstützung, Waffen, Ausbildung sowie Unterstützung bei
Führungs- und Kommunikationsanlagen solchen Gruppen gewährt, die versuchen, die Regierung El Salvadors wie auch anderer mittelamerikanischer Staaten zu stürzen.
Derlei Aktionen Kubas und Nicaraguas verletzen eindeutig Artikel 18
der Charta der OAS, die erklärt, daß kein Staat das Recht hat, sich
direkt oder indirekt in die inneren oder äußeren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.
Gemäß der Bestimmungen von Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, Artikel 3 des Vertrags von Rio und der Artikel 22, 27 und 28
hinsichtlich der Selbstverteidigung und der gegenseitigen Hilfe haben
die Vereinigten Staaten sowohl das Recht als auch die Pflicht, der
Regierung El Salvadors zu helfen, indem sie sie gegen die von
Nicaragua ausgehende Aggression verteidigen.
Die Juristen haben Artikel 51 eindeutig so interpretiert, daß ein bewaffneter Angriff nicht nur die Gestalt von marschierenden Armeen zu
haben braucht, sondern auch im Sinn von Organisierung, Institutionalisierung und Unterstützung eines andauernden Aufruhrs stattfinden
kann(78).
In der Januar-Ausgabe

�In der Januar-Ausgabe des American Journal of International Law des
Jahres 1986 schrieb Professor Moore:
Nur wenige von denen, die sich wirklich ernsthaft mit der Beweislage
auseinandergesetzt haben - von den angegriffenen Regierungen Mittelamerikas bis hin zu den Kongreßausschüssen zur Prüfung der Geheimdienstermittlungen und der überparteilichen Kissinger-Kommission -,
zweifeln daran, daß die Wurzel dieses Problems der Weltordnung in
Mittelamerika in einem ernsten, geheimen Krieg liegt, der von Kuba
und Nicaragua aus auf die Nachbarstaaten, insbesondere auf El
Salvador, gerichtet ist. Die Reaktion der Contras: das Bemühen seitens der Demokratien, einen sinnvollen Anreiz für die Täter zu schaffen, nunmehr einzuhalte(79).
Die Sandinisten wissen: ihr Eingeständnis, daß sie der Guerilla von
El Salvador bei ihrem Kampf gegen eine souveräne Regierung Unterstützung
leisten, würde Nicaraguas Argument untergraben, daß es selbst Opfer unprovozierter Aggression sei. Infolgedessen beharren die Sandinisten
darauf, daß sie "nichts mit der Bereitstellung von Waffen (für die salvadorianische Guerilla) zu tun" haben(80).
Die Sandinisten haben eine intensive Werbekampagne mit dem ziel in
die Wege geleitet, ihre Aggression gegen die Nachbarn und die Unterdrükkung ihrer eigenen Bürger zu verschleiern und den demokratischen Widerstand als Somozas Nationalgarde in neuem Gewand zu diskreditieren. Die
Kritiker der amerikanischen Politik behaupten, die Vereinigten Staaten
würden mit zweierlei Maß messen, indem sie die Guerilla in Nicaragua unterstützen, aber Nicaragua dafür kritisieren, Gleiches in El Salvador zu
tun. Hierin liegt jedoch kein Widerspruch, wie Charles Krauthammer in
einem Essay im Magazin "Time" im April 1985 darlegte:
Der Unterschied zwischen El Salvador und Nicaragua besteht darin, daß
in El Salvador eine gerade flügge gewordene Demokratie einem Angriff
durch überzeugte Marxisten-Leninisten gegenübersteht. In Nicaragua
steht ein eben flügge gewordener Totalitarismus einer gemischten
Streitmacht gegenüber, die sich zum größten Teil nicht nur für Demokratie und Pluralismus einsetzt, sondern für diese Ziele auch schon
im Verlauf der ursprünglichen Revolution gegen Somoza gekämpft
hat(81).

Die Frage der Hilfe für die Widerstandsbewegung
Die Widerstandsbewegung hat immer wieder eine friedliche Lösung der
Probleme Nicaraguas gefordert. Im März 1985 schloß sich der bewaffnete
Widerstand dem internen unbewaffneten Widerstand in der Forderung nach
nationalem Dialog, einem Waffenstillstand und einem Abkommen an, wonach
die Sandinisten an der Macht bleiben sollten, bis offene Wahlen unter internationaler Kontrolle durchgeführt werden könnten. Die Sandinisten,
die sich für die Beteiligung der kommunistischen Guerilla an der Macht in
El Salvador einsetzen, widersetzen sich diesem Angebot nachdrücklich.
Ein solches Angebot der UNO besteht noch immer, aber die Sandinisten verweigern kategorisch diese Möglichkeit eines Dialogs(82).
Die UNO und

�Die UNO und andere Gruppen, die gegen die Sandinisten kämpfen, bieten
kein Allheilmittel für die Nicaragua bedrückenden Probleme. Sie bieten
jedoch eine Alternative zu einem undemokratischen politischen System, das
entschlossen ist, alle Aspekte des Lebens in Nicaragua zu kontrollieren
und die Würde des Einzelmenschen der Macht des Staates zu unterstellen.
Dieser Staat wiederum unterwirft sich ziemlich willig dem Diktat der Sowjetunion und Kubas. Shirley Christian sagt dazu:
Die Führung der sandinistischen Front beabsichtigte die Errichtung
eines leninistischen Systems vom Tag ihres Marsches nach Nicaragua an
- gleich, ob sie es so nannten oder nicht... Jeder Hinweis der sandinistischen Führung darauf, in Nicaragua etwas anderes als ein leninistisches System zu wollen, geschah, wie sie mehrmals zugestand, aus
taktischen oder strategischen Gründen, nicht aber aus überzeugung(83).
Sie fährt fort, daß die Sandinisten sich den Sowjets gegenüber im
Austausch für immer mehr Waffen unterwürfig zeigten. In einem gewissen
Sinn verkauften sie sich für die Mittel, die sie trotz einer verfehlten
Politik und Verbreitung des Unglücks an der Macht hielten(84).
Der Gedanke, kämpfende Guerillas gegen eine Regierung im Amt zu unterstützen, will vielen Bürgern in demokratischen Staaten nur schwer eingehen. Die politische Realität der achtziger Jahre zwingt jedoch oft zu
schwierigen moralischen Entscheidungen. Es ist keine Frage, daß die
marxistisch-leninistische Regierung in Nicaragua durch bewaffnete Revolution und falsche Versprechungen an die Macht gekommen ist. Die Vereinigten Staaten sind gegen die Sandinisten, weil das sandinistische Nicaragua
von heute den Interessen der Sowjetunion und Kubas dient, und daher den
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Länder der westlichen Hemisphäre schadet.
Dr. John Silber, Präsident der Boston University und Mitglied der Nationalen überparteilichen Mittelamerikakommission des Präsidenten, hat
den scheinbaren Widerspruch zusammengefaßt, dem sich die Vereinigten
Staaten bei der Ausübung ihrer Außenpolitik in einer unvollkommenen Welt
gegenubersehen:
Wir stehen vor der tragischen Eingrenzung unserer moralischen Entscheidungsfähigkeit, weil wir nicht immer die Möglichkeit haben, zwischen Gut und Böse zu wählen. Es ist absolut moralisch, das weniger
Böse von zwei Übeln zu unterstützen. Es ist absolut unmoralisch,
eine unzulängliche Demokratie im Stich zu lassen, die sich abmüht,
eine wirksame Demokratie zu werden, und sie so zu einer leichten Beute der Kräfte werden zu lassen, die absolut totalitaristisch sind(85).
Der demokratische Widerstand in Nicaragua kämpft tatsächlich um die
Demokratie - genau wie sich viele seiner Führungsmitglieder im Kampf gegen Somoza mit den Sandinisten zusammentaten. Und doch ist die Unterstützung in den Vereinigten Staaten und in Europa für diese Bewegung 1986
weit weniger nachdrücklich, als dies bei der Unterstützung der Sandinisten 1979 der Fall war - obwohl man heute viel mehr über den demokratischen Leumund der Führung der UNO weiß, als man 1979 von den sandinistischen Comandantes wußte.
Alfonso Robelo

�Alfonso Robelo setzte sich im Juni 1985 mit Nachdruck bei seinen sozialdemokratischen Freunden der demokratischen Linken in den Vereinigten
Staaten für Unterstützung ein. Er forderte die Liberalen in den Vereinigten Staaten auf, anzuerkennen, daß ihre politischen Träume für Nicaragua viel eher durch die UNO als durch die Sandinisten repräsentiert seien
und beschrieb sich und seine UNO-Kollegen folgendermaßen:
- Wir sind es, die sich für eine freie Gewerkschaftsbewegung einsetzen.
- Wir sind es, die sich für die Rechte der Miskito-Indianer und der
Kreolen an der Atlantikküste einsetzen.
- Wir sind es, die sich für eine freie Pesse, für bürgerliche und politische Rechte, für Schulen einsetzen, wo man lernt, aber nicht indoktriniert wird - und für Religionsfreiheit.
- Und wir sind es, die die ganze Unterstützung der Liberalen der Vereinigten Staaten brauchen und verdienen.
- Nur mit der überparteilichen, liberalen und konservativen Unterstützung der Vereinigten Staaten können wir unseren Freunden und Helfern
versprechen, daß wir in der Lage sein werden, einen stetigen und wirkungsvollen Kurs zu verfolgen.
- Nur wenn wir die breite Unterstützung des Volkes in diesem Land (den
Vereinigten Staaten) und auch andernorts haben, können wir unsere
Einheit als Nicaraguaner konsolidieren. Dann können wir weit mehr
Koordination und Disziplin unter all den aufständischen Kräften im
nicaraguanischen Bürgerkrieg erzielen. Dies wird uns dabei helfen,
Übergriffe Einzelner bei den Menschenrechten in unserem Land zu verhindern, die möglicherweise auf die Provokationen der Sandinisten
überzogen reagieren. Dies wird uns helfen, den Zusammenhalt zu
schaffen, den wir benötigen, wenn wir eine politische Lösung des Konflikts aktiv verfolgen und die Tore für die nationale Wiederversöhnung öffnen wollen(86).
Der Hintergrund der UNO-Führung, ihre Absichtserklärungen, ihre bisherigen Handlungen und die wachsende Popularität der Widerstandsbewegung
stehen in starkem Kontrast zu der immer totalitaristischeren Natur des
sandinistischen Regimes. Diese UNO-Führer haben genug Vertrauen in ihre
Popularität, daß sie auch ihre Waffen niederlegen und mit den Sandinisten
bei international überwachten Wahlen in Wettstreit treten würden. Sie
streben eine politische Lösung an. Die Sandinisten hingegen wollen eine
militärische Lösung, um das Haupthindernis gegen ihre totale Beherrschung
Nicaraguas zu beseitigen.

EL SALVADOR:

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EINE

�EL SALVADOR:

EINE BELAGERTE DEMOKRATIE

Die Anfange
El Salvador ist das Hauptopfer der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen Bemühungen in Mittelamerika. Ein großer Teil der Geschichte von
El Salvador ist durch Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit und staatliche Korruption gekennzeichnet. Ein Bauernaufstand in den dreißiger
Jahren wurde gewaltsam unterdrückt. Die hohe Wachstumsrate der Bevölkerung und eine Bevölkerungsdichte, größer als die von Indien, verschlimmerten noch die sozialen Reibungen in El Salvador. In den sechziger Jahren gewann die auf Kaffee gegründete Volkswirtschaft an Schwung, unterstützt von der Allianz für den Portschritt und dem in bescheidenem Maß
erfolgreichen Gemeinsamen Markt Mittelamerikas. Dieser wirtschaftliche
Aufschwung der sechziger Jahre trug jedoch zur Schaffung der sozialen
Kräfte bei, die das El Salvador von heute kennzeichnen.
Eine Elite aus Militär und Grundbesitzern kontrollierte das karge
Land von El Salvador und zwang die meisten der Armen zu niedrigster Arbeit, zu Wanderarbeit im Agrarbereich oder zu städtischem Elend. In den
siebziger Jahren zersplitterte die Kommunistische Partei El Salvadors.
Splittergruppen - denen sich später die Kommunistische Partei selbst wieder anschloß - wandten sich von der friedlichen politischen Opposition
ab, um gewaltsame Revolution als den Weg zu sozialem Wandel zu propagieren. Andere politische Strömungen waren jedoch auch weiterhin davon
überzeugt, daß sozialer Wandel innerhalb des normalen politischen Prozesses zu erreichen sei. Jose Napoleon Duarte und seine Christliche Demokratische Partei standen an der Spitze dieser reformistischen Bewegung.
Bei der Präsidialwahl von 1972 befand sich Duarte auf dem Weg des Sieges,
bis das Militär die Stimmauszählung stoppte, "ihren" Kandidat zum Sieger
ausrief, Duarte folterte, inhaftierte und schließlich ins Exil trieb.
Diese Maßnahmen des Militärs radikalisierten viele, obgleich Duarte
selbst seinen Glauben an die Demokratie beibehielt.
1979 hatte sich der Terrorismus schon weit verbreitet, fünf marxistisch-leninistische Gruppierungen standen miteinander im Wettbewerb, töteten, bombten und entführten willkürlich, während "Privatarmeen" der Rechten ebenfalls gewaltsam reagierten. Im Juli 1979 stürzte die breite
sandinistische Koalition in Nicaragua Somoza. Trotz wachsender Gewalt in
El Salvador verstärkte das Militär des Landes die Unterdrückung nicht.
Stattdessen stürzte im Oktober 1979 eine Gruppe junger Offiziere den
starken Mann des Militärs, der das Land beherrschte und forderte eine
Reihe von Reformen in dem Bestreben, die Ungleichheiten anzugehen, die
aus El Salvador ein ebenso geeignetes Ziel für die kommunistische Guerilla machten, wie dies in Nicaragua der Fall gewesen war.
Nachdem eine ganze Reihe kurzlebiger Junta-Regierungen fehlgeschlagen
war, die sich aus dem ganzen politischen Spektrum von El Salvador zusammengesetzt hatten, forderte das Militär schließlich seine ehemaligen Widersacher - die Christdemokraten - auf, mit ihm an der Bildung einer Regierung zusammenzuarbeiten. Im Dezember 1980 wurde Jose Napoleon Duarte
gebeten, sich an die Spitze der Junta zu stellen - derselbe Duarte, dem
das Militär 1972 die Präsidentschaft verweigert hatte.
Soziale, wirtschaftliche

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�Soziale, wirtschaftliche und politische Reformen, die die Junta angekündigt hatte, wurden von der extremen Rechten wie der extremen Linken
angegriffen. Ehrgeizige Anstrengungen galten einem Bodenreformprogramm,
um die Kontrolle der alten Elite aufzubrechen und die Agrarproduktion zu
demokratisieren. Die extreme Rechte sah in den Reformen eine Bedrohung
ihrer Interessen; die extreme Linke wußte, daß die Agrar- wie auch andere
Reformen viel dazu beitragen würden, Leid und Haß zu beseitigen, von denen ihr "Klassenkampf" abhing.
Seit Beginn der ersten reformistischen Bewegung ist die politische
Basis der Rechten geschrumpft und die traditionelle Allianz zwischen Militär und Grundbesitzern ist aufgebrochen. Die "Todesschwadronen" wurden
scharf beschnitten. Viele, die sich den Änderungen nach 1979 widersetzt
hatten, haben sie jetzt akzeptiert. Die extreme Linke setzt jedoch ihre
Bemühungen fort, den erbarmungslosen Kampf gegen die Regierung zu eskalieren. Die einheimischen Terroristengruppen, die einstmals im Wettstreit miteinander standen, sind eine gutausgerüstete, gutkoordinierte
Guerillastreitmacht geworden, die in beträchtlichem Maß von Kuba und
Nicaragua ausgerüstet und beeinflußt wird.

Die Guerilla von El Salvador und ihre Verbündeten
Nur einige Tage nach der Machtergreifung trafen sich die Vertreter
der Sandinisten mit der Guerillaführung von El Salvador in Managua, um
Pläne für die Fortsetzung des Kampfes in Mittelamerika zu schmieden. Ein
beträchtlicher Teil der Millionen von Dollar, die die salvadorianischen
Terroristen in den späten siebziger jähren durch Erpressungen und Überfälle zusammengebracht hatten, waren den Sandinisten in deren Kampf zugutegekommen. Jetzt war es an den Sandinisten, ihren Waffenbrüdern behilflich zu sein. Im Zentrum der mittelamerikanischen Kampagne stand
Fidel Castro, dessen Unterstützung für die Sandinisten unersetzlich war.
Im Dezember 1979 lud er zu einem Treffen nach Havanna ein, auf dem die
drei der miteinander im Wettstreit stehenden linken Gruppierungen El
Salvadors schworen, ihre Differenzen zu begraben. Danach verbanden sich
zwei der Gruppierungen: die Farabundo Marti Nationale Befreiungsfront
(FMLN), benannt nach einem kommunistischen Führer der zwanziger und dreißiger Jahre in El Salvador, war ins Leben gerufen. Die Namen von Marti
und vom Schutzpatron der Sandinisten, Cesar Agusto Sandino, in einem
marxistisch-leninistischen Kampf miteinander in Verbindung zu bringen,
war ironisch. Sandino, ein glühender Nationalist, hatte alle Bindungen
zur "Komintern" (der moskauhörigen Kommunistischen Internationale) aufgegeben und Marti um etwa 1930 aus Nicaragua hinausgeworfen, weil dieser
dem internationalen Kommunismus weiter anhing(87). Heute betrügen Sandinos Anhänger die nationalistischen Ideale ihres Patrons und haben sich in
einem Kampf zur Unterstützung der marxistisch-leninistischen Revolution
zusammengetan. Mit den Worten des ehemaligen Patriarchen der salvadorianischen Kommunisten, des verstorbenen Cayetano Carpio, verbinden die
Sandinisten "den internen Kampf mit der internationalen Solidarität"(88),
genau das also, was Sandino zu vermeiden gehofft hatte.

Die ersten Waffen,

- 11 -

�Die ersten Waffen, die zur salvadorianischen Guerilla gelangten, kamen aus sandinistischen Arsenalen in Costa Rica. Mitte der achtziger
Jahre jedoch war Nicaragua das logistische Zentrum der salvadorianischen
Guerilla. Im Mai jenen Jahres forderte Castro auf einem weiteren Treffen
in Havanna die völlige Vereinigung der immer noch rivalisierenden Fraktionen der salvadorianischen Guerilla als Preis für Kubas Unterstützung.
Nach dem Treffen verließ Jorge Shafik Handal, Führer der Salvadorianischen Kommunistischen Partei, die nun völlig in die gewaltsame Revolution integriert war, Havanna mit dem Zweck einer Zusammenkunft mit sowjetischen Regierungsvertretern in Moskau. Von dort fuhr er auf seiner
Suche nach Unterstützung mit Moskaus Segen in verschiedene kommunistische
Staaten(89).
In Vietnam versprach Le Duan, Leitender Sekretär der Kommunistischen
Partei Vietnams, Handal große Mengen eroberter amerikanischer Waffen von
den über 700 000 M-16 Gewehren(90) und anderem Material, das der nordvietnamesischen Armee 1975 in die Hände gefallen war. Die ersten dieser
versprochenen Waffen kamen im September auf Kuba an, um von dort nach
Nicaragua und dann nach El Salvador transportiert zu werden. Auch andere
kommunistische Staaten begannen mit Waffenlieferungen, und im November
drängte man die Guerilla in El Salvador, diese Massen an militärischem
Material zu übernehmet91).
Trotz der Bemühungen, die Unterstützung durch den Ostblock zu verheimlichen, zwang allein schon das Ausmaß der Lieferungen die Kubaner und
die Sandinisten, bei ihren Waffenlieferungen an die FMLN-Guerilla für
deren Vorbereitung einer "Schlußoffensive" zur Einsetzung einer marxistisch-leninistischen Regierung in El Salvador offener zu sein. Der Sandino-Flugplatz in Managua wurde Ende 1980 mehrere Wochen lang von 10 Uhr
bis 16 Uhr für den Normalverkehr gesperrt, um kubanische Transportflugzeuge landen zu lassen, die Waffen, Munition und andere Versorgungsgüter
nach Nicaragua brachten. Von Nicaragua gingen die Waffen per Luft, Land
und See nach El Salvador. Die "Schlußoffensive" der Guerilla begann am
10. Januar 1981. Trotz großer Mengen Waffen, die nach El Salvador geflossen waren, gelang es der Guerilla mangels Unterstützung durch die Bevölkerung nicht, die Regierung zu stürzen.
Die politische Ausrichtung des Regimes, das entstanden wäre, wenn die
FMLN bei ihrer Januar-"Schlußoffensive" gesiegt hätte, wurde vom damaligen amerikanischen Botschafter in El Salvador, Robert White, auf einer
Pressekonferenz am 15. Januar 1981 beschrieben, als er von der Guerilla,
die damals kämpfte, um die Kontrolle über das Land an sich zu reißen,
sagte: "Ihr ziel ist es, eine marxistisch-leninistische Diktatur in diesem Land zu errichten... Die Art von Regierung, die sie in diesem Land
errichten würde, wäre meiner Meinung nach völlig in kubanischem Stil der
Sowjetunion unterworfen(92)."

Die Herausforderung der Guerilla:

1981-1983

Die Carter-Administration reagierte am 16. Januar 1981 auf die von
der Sowjetunion, Nicaragua und Kuba unterstützte Offensive in El Salvador

- 12 -

�in El Salvador durch Übersendung von Militärhilfe für Notfälle an die Regierung von El Salvador. Nach Amtsübernahme der Reagan-Administration
vier Tage später ging diese daran, die Wirtschafts- und Militärhilfe zu
gewähren, die notwendig war, um die Reformen der aus Zivilisten und Militärs bestehenden Junta aus dem Jahr 1979 zu verwirklichen. In Reaktion
auf diese amerikanische Hilfe und in dem Versuch, ihre Bewegung auch noch
nach dem Scheitern der "Schlußoffensive" am Leben zu erhalten, entschlossen sich die Guerilla und ihre kubanisch-nicaraguanischen Helfer, ihre
Angriffe auf "sanfte" wirtschaftliche Ziele zu konzentrieren, um die Bevölkerung zu verunsichern und ihr Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Gleichzeitig formte die Guerilla ihre Streitkräfte in mobile,
schwerbewaffnete Einheiten um, die in der Lage waren, Operationen in
großem Umfang durchzuführen.
Anfang 1982 nahmen die Waffensendungen aus Nicaragua erneut gewaltig
zu, als sich die FMLN gerade darauf vorbereitete, die Wahlen vom 28. März
für eine Verfassungsgebende Versammlung zu stören. Die Anstrengungen der
Guerilla schlugen jedoch fehl, über 80 Prozent der Wahlberechtigten gingen trotz der Einschüchterungstaktik der Guerilla und ihrer Angriffe auf
die Wahllokale zu den Urnen. Die Washington Post schrieb hierzu am 30.
März 1982:
Man begreift jetzt, warum die Guerilla so sehr darauf bedacht war,
die Wahlen in El Salvador unmöglich zu machen und die politische Opposition, sie zu denunzieren. Beide scheinen gespürt zu haben, daß
das Volk sich für den Weg entscheiden würde, den die Regierung anbot,
um seiner aufgestauten Sehnsucht nach Wiederaufbau des Landes und
seinem Überdruß am Krieg Ausdruck zu verleihen... Der Prozeß schien
gerecht. Die Wähler kamen trotz der Todesdrohungen, der logistischen
und verfahrensmäßigen Hindernisse und einer Geschichte, die nicht
viel von dem Gedanken hielt, es könne auf Wahlen ankommen... Die Aufständischen wurden durch die Wahlen schwer getroffen: es gelang ihnen
nicht, die Massen einzuschüchtern oder sie abzuhalten; sie wurden von
ihnen verächtlich zurückgewiesene93).
Aber diese politische Zurückweisung brachte die FMLN nicht von ihrer
Strategie eines "verlängerten Krieges" ab. Mitte 1982 begann sie, in
größeren Einheiten zu operieren, wobei sie noch modernere Kommunikationsausrüstung und Waffen verwandte und ihre Operationen eher einem konventionellen Krieg als einem Guerilla-Konflikt glichen. 1983 befanden sich
die Regierungstruppen eindeutig in der Defensive und das Schicksal schien
sich zugunsten der Guerilla zu wenden. Im Dezember 1983 - nach spezieller Ausbildung für diese Mission auf Kuba - griffen Einheiten der FMLN
mit Erfolg das Hauptquartier der vierten Brigade der salvadorianischen
Armee in El Paraiso an und töteten die Verteidiger. Im Januar 1984 zerstörten Guerilla-Saboteure die Cuscatlan-Brücke der panamerikanischen
Schnellstraße, was einen schweren Schlag für die Wirtschaft des Landes
bedeutete.

Die Reaktion der

- 13 -

�Die Reaktion der Regierung - 1984-86
Das Ganze begann sich Anfang 1984 zu ändern, als die salvadorianische
Regierung aggressiver wurde. Im November 1983 hatte das Oberkommando der
Armee eine Reorganisation durchgeführt, was zu einer leistungsfähigeren
Befehls- und Kontrollstruktur und zur Abkommandierung effizienterer Kommandeure in die entscheidenden Gebiete geführt hatte. Der dieser Veränderung zugrunde liegende Gedanke war, den Kampf zur Guerilla zu tragen
und auf deren Versorgungslinien permanenten Druck auszuüben.
Fortschritte gab es auch bei den grundlegenden, in den Jahren 1979-80
durchgeführten Reformen. Mitte 1984 waren fast 25 Prozent der Landbewohner von El Salvador auch Eigentümer ihrer Parzellen oder bearbeiteten
ihren Boden als Miteigentümer von Kooperativen. In politischer Hinsicht
baute die Regierung weiter auf dem Erfolg auf, der durch die Wahlen 1982
und die daraus erstandene Verfassungsgebende Versammlung zustande gekommen war. Duarte, der reformistische christdemokratische Kandidat, erhielt erheblich mehr stimmen als sein Hauptopponent, der Konservative
Roberto D'Aubuisson, ein ehemaliger Major. Da jedoch keiner die Mehrheit
erhielt, sah die Verfassung einen neuen Wahlgang im Mai vor. Die FMLN
versuchte sowohl im März als auch im Mai die Wahlen durch Einschüchterung
der Wähler zu verhindern. Aber wie 1982 gelang ihr das nicht. Duarte
besiegte D'Aubuisson. (Bei den Wahlen im März 1985 rangen die Christdemokraten Duartes überraschend der konservativen Koalition die Kontrolle
der Gesetzgebenden Versammlung ab, die diese seit 1982 innegehabt hatte.) Duartes eindeutiges Mandat ermöglichte es ihm, im Oktober 1984
einen Dialog mit der FMLN-Führung zu beginnen, worauf sich ein zweites
Treffen im darauffolgenden Monat mit der Guerilla und ihrer politischen
Führung, der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) anschloß. Bei dieser Zusammenkunft brachte die Guerilla ihr Recht zum Ausdruck, in ihrem
"Volkskrieg" Sabotageakte zu verüben, sie erneuerte auch ihre Forderung
nach Abschaffung der Verfassung, Nichtanerkennung der Wahlen, einer
gleichberechtigten Rolle in der Regierung und einer Reorganisation der
Streitkräfte(94).

Die logistische Lebensader
Jene Waffen, Munition und Sprengstoffe, die die FMLN in die Lage versetzen, Krieg in El Salvador zu führen, kommen auch weiterhin mittels
eines weitverzweigten Netzes zu Wasser, zu Lande und in der Luft aus
Nicaragua. Der Landweg beginnt in Nicaragua und verläuft durch Honduras
bis nach El Salvador. Die auf Seite 00 gezeigte Abbildung eines Notizbuchs und einer Landkarte verdeutlichen eine der von den Guerillas und
ihren sandinistischen Lieferanten benutzte Methoden zur Nachschubbeschaffung. Im März 1983 wurde eine salvadorianische Guerilla-Einheit von
honduranischen Behörden abgefangen und die Guerillas im darauffolgenden
Feuergefecht getötet. Bei der Leiche des Anführers der Einheit fand man
ein Notizbuch mit 125 Ortsnamen, denen kodierte Bezeichnungen zugeordnet
waren, die eine Geheimhaltung der an der nicaraguanischen Grenze beginnenden Marschroute der Guerillas erleichtern sollten. So wie sie auf der

- 14 -

�sie auf der Karte eingezeichnet waren, schlugen diese Orte eine Schneise
von Nicaragua durch Honduras hindurch in den Norden von El Salvador.
Obwohl der Landweg aus Nicaragua auch weiterhin einen wichtigen Kanal
für den Nachschub darstellt, weisen die von übergelaufenen Guerillas gelieferten Informationen darauf hin, daß ein Großteil des Nachschubs jetzt
direkt auf dem Seeweg durch den Golf von Fonseca bis zur Küste von
Usulutan in El Salvador aus Nicaragua herausgelangt. Diese Lieferungen
auf dem Seeweg erfolgen bei Nacht, wobei verschlüsselte Radioansagen die
Ladungen koordinieren, die in Kisten unweit vom Strand abgeladen werden.
Einheiten der Guerilla werden von der Ankunft der Lieferungen verständigt.
Einer der ehemaligen Guerillaführer, der wertvolle Informationen über
den nicaraguanischen Lieferweg bekanntgab, ist Napoleon Roraero, der am
11. April 1985 zur Regierungsseite überwechselte. Er galt als bekannter
FMLN-Führer, der unter dem Namen Miguel Castellanos gekämpft hatte. Er
befehligte alle Einheiten der Volksbefreiungsfront (FPL) in El Salvador,
die die größte Untergruppe der FMLN bildet. Romero berichtete, daß der
Großteil der Lieferungen für seine Gruppe aus Nicaragua kam. Er fügte
hinzu, daß ein großer Teil der Ausbildung der salvadorianischen Guerillas
in Kuba stattfindet (wo auch er selbst ausgebildet wurde) und daß
"Sandinisten und Kubaner in Managua spezielle Organe für politische und
logistische Angelegenheiten ins Leben gerufen haben"(95). Ein Faktor,
der zu Romeros Entscheidung beitrug, überzulaufen, war, was er als "die
Unterwerfung der FMLN unter die taktische und strategische Kontrolle der
Kubaner und Sandinisten" beschriebt 96).
Am 18. April 1985 wurde eine andere wichtige Guerillaführerin, Nidia
Diaz, gefangengenommen, die Akten ihrer Organisation, der Mittelamerikanischen Revolutionären Arbeiterpartei (PRTC), bei sich trug, einer der
Untergruppen der FMLN. Obwohl sie nie mit der Regierung zusammengearbeitet hat (sie konnte im Rahmen des Austauschs für die entführte Tochter
Präsident Duartes schließlich wieder zu den Guerillas zurückkehren), so
bestätigte sie doch die Echtheit der Dokumente, die sie bei sich führte,
gegenüber dem Fernsehpublikum in El Salvador:
Ich hatte die wichtigsten Akten mit Plänen, Projekten und Berichten
aus allen Landesteilen bei mir ... all diese enthüllten die Arbeit
der Organisation, die Ideen der FMLN. Es gab grundlegende Dokumente,
Kriegspläne, Gesamtpläne ... Unser Aufbau und alles andere ist gefährdet, aber da ich nichts verraten habe, lag das an den (beschlagnahmten) Dokumenten"(97).
Unter den von ihr als echt bezeichneten Dokumenten befand sich ein
Brief vom 24. November 1983 an die "Genossen des Nationalrates der FSLN"
in Managua, der vom Oberkommando des FMLN-Hauptquartier, von Shafik
Handal, Joaquin Villalobos, Roberto Roca und Leonel Gonzalez unterzeichnet war. Der Brief berichtete, die Führer der FMLN
sind sich darin einig, daß der Zeitraum der Wahlen in den Vereinigten
Staaten der richtige Moment ist, um das amerikanische Wahlverhalten
zu beeinflussen ... Wir unterstützen die augenblicklichen diplomat-

- 15 -

�augenblicklichen diplomatischen Initiativen der FSLN, Zeit zu gewinnen, Reagans Opposition in den Vereinigten Staaten zu helfen und auf
internationaler Ebene seinen aggressiven Plan für Nicaragua und El
Salvador auszuschalten(98).
Hinsichtlich der Bereitstellung von Waffen aus Nicaragua wiesen die
Führer der FMLN die Sandinisten in diesem 3rief zurecht, weil sie sich
nicht großzügiger gezeigt hätten:
Wir sind der Ansicht, daß unser Prozeß einen viel höheren Grad der
logistischen Unterstützung braucht, wenn man das Ausmaß unserer Konfrontation mit dem Imperialismus und den Marionettenregierungen bedenkt. Wir glauben, daß die augenblicklichen Umstände günstig sind,
um weitere mutige Schritte in dieser Richtung zu unternehmen//tl(99).

»

Ein weiterer Beweis für die logistische Unterstützung der salvadorianischen Guerilla seitens Nicaragua wurde zufällig im Dezember 1985 enthüllt, als ein Auto mit einem Nummernschild aus Costa Rica in Honduras in
einen Unfall verwickelt wurde. Im Auto wurden Geheimfächer gefunden, die
7 000 Patronen enthielten, ferner 21 Handgranaten, 86 Sprengköpfe, weiteren militärischen Nachschub und 39 zur Verschlüsselung mit dem Computer
erstellte Hefter, die sich an die Salvadorianische Guerilla richteten.
Ein Großteil dieses Materials war in neuere Ausgaben von "Barricada", der
Zeitung der sandinistischen kommunistischen Partei, gewickelt. Die Kodierungsbücher waren zum Gebrauch für den Nachrichtenaustausch zwischen
dem Kommando der Guerilla in Managua und den im Feld operierenden Einheiten in El Salvador bestimmt. Der Fahrer, ein Mitglied der pro-sandinistischen kommunistischen Partei Costa Ricas, bestätigte, daß das Auto auf
dem Weg nach El Salvador war und daß er im Juli 1985 eine ähnliche Fahrt
mit demselben Wagen gemacht hatte(lOO). Geheimfächer in Autos wurden bereits seit 1980 von Nicaragua aus benutzt, um Waffen und Munition an die
salvadorianische Guerilla zu transportierend 101)
Das in den Vereinigten Staaten hergestellte Gewehr vom Typ M-16 war
die wichtigste Waffe der salvadorianischen Guerilla, seit die ersten Waffen 1980 aus Vietnam über Kuba und Nicaragua eintrafen. Das war noch bevor die Vereinigten Staaten das Modell M-16 an das Militär in El Salvador
lieferten. Von den 1793 M-16 Gewehren, die beschlagnahmt wurden oder
sich nach dem Stand der Akten über beschlagnahmte Güter in den Händen der
Guerillas befanden, konnten zwei Drittel nach ihrer Seriennummer als ursprünglich für Vietnam bestimmte Waffen identifiziert werden(102). Diese
im November 1980 in El Salvador beschlagnahmten Dokumente enthüllten, daß
die Regierung Vietnams Lieferungen größerer Stückzahlen von erbeuteten
und in den Vereinigten Staaten hergestellten Waffen versprochen hatte.
Ehemalige Guerilla-Führer, zu denen auch Romero zählt, haben bestätigt,
daß diese Waffen aus Nicaragua nach El Salvador kamen.
Trotz aller Beweise ihrer Komplizenschaft streiten es die Sandinisten
weiterhin ab, der salvadorianischen Guerilla jemals Waffen versprochen zu
haben. Außenminister D*Escoto ging so weit, daß er im April 1984 beim
Internationalen Gerichtshof eine eidesstattliche Erklärung abgab, in der
er die offizielle Haltung Managuas bekanntgab: "In Wirklichkeit ist meine
Regierung in der Gegenwart und war auch in der Vergangenheit nicht in

- 16 -

*

�nicht in Waffen- oder andere Lieferungen an irgendeine der Gruppen verwickelt, die in El Salvador Bürgerkrieg führen"(103). D* Escotos Behauptungen liefen jedoch sogar solchen Erklärungen zuwider, die von Kritikern
an der Politik der Vereinigten Staaten abgegeben wurden. Zum Beispiel
berichtete ein Zeuge für Nicaragua beim Internationalen Gerichtshof, daß
es "Ende des Jahres 1980 und Anfang 1981"(104) solche Lieferungen gab,
und ein weiterer Gegner der amerikanischen Politik behauptete, daß es "zu
Beginn des Jahres 1982 eine drastische Verringerung der Waffenlieferungen
gab"(105) und gab damit indirekt zu, daß es bis 1982 einen Waffenaustausch gegeben hatte, was die Sandinisten hartnäckig abstreiten.
Die logistische Unterstützung der Sandinisten war wahrhaftig das Lebensblut der PMLN. Bereits im März 1982, zu der zeit, als die Verbindung
zwischen Sandinisten und FMLN die salvadorianischen Wahlen zunichte zu
machen suchte, beobachtete der Kongreßabgeordnete Edward P. Boland, Vorsitzender des ständigen Auswahlausschusses für nachrichtendienstliche Informationen im Repräsentantenhaus, daß die salvadorianischen Rebellen
gut ausgebildet und mit modernen Waffen und Nachschub wohl versorgt
sind. Sie verlassen sich darauf, für Stabsführung, Überwachung und
logistische Unterstützung nicaraguanisches Gelände zu benutzen. Das
diese Beurteilung unterstützende und dem Ausschuß vorgelegte Nachrichtenmaterial ist in dieser Hinsicht überzeugend ... Im Gegensatz
zu dem wiederholten Leugnen der nicaraguanischen Regierungsvertreter,
ist dieses Land in die Unterstützung des salvadorianischen Aufstandes
tief verwickelt(106).

FUSSNOTEN
67. Christian gibt auf Seite 196 die stärke der Armee zu Beginn des Jahres 1981 mit 30 000 bis 40 000 an. Die Zahl von 24 000 ist eine Schätzung der amerikanischen Regierung. Funktionäre der Sandinisten geben
kaum Informationen über die Stärke ihrer Streitkräfte preis.
68. Tunnermann, Washington Post, 30. März 1985.
69. Als prägnanten Bericht über die Hilfsbemühungen der amerikanischen
Regierung für die Sandinistas siehe Lawrence E. Harrison: "We Tried to
Live with the Nicaraguan Revolution", Washington Post, 30. Juni 1983. Als
Leiter der Entwicklungshilfeabteilung (AID) in der amerikanischen Botschaft während der ersten zwei Jahre der Sandinistenherrschaft war
Harrison direkt für die Verwaltung von über 118 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe für Nicaragua verantwortlich.
70. Belli, S. 253.
71. interview mit Peter Bertie, einem freiberuflichen kanadischen
Schriftsteller,der im Jahr 1985 fünf Monate bei der FDN verbrachte. Das
Interview wurde von Oberst Lawrence L. Tracy, Außenministerium und Frau
Kay Stephenson, Verteidigungsministerium, am 15. Februar 1986 durchgeführt.
72. Christian,

- 17 -

�72. Christian, S. 1700-185.
73. Anastasio Somoza: "Nicaragua Betrayed", (Boston: Western Islands
Publishers, 1980), S. 383.
74. Siehe Schreiben des Stellvertretenden Außenministers Elliott Abrams
vom 24. Februar 1986 an Senator Richard Lugar, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Senats. Dieses Schreiben wurde veröffentlicht in
der Publikation des amerikanischen Außenministeriums mit dem Titel
"Documents on The Nicaraguan Resistance: Leaders, Military Personnel and
Programs", Special Report No. 142, März 1986.

75. Bertie-Interview.
76. Alvaro Baldizon: Pressekonferenz. Heritage Foundation, Washington,
D.C., 14. März 1986.
77. Moore, S. 82 f.
78. Referat von Professor John Norton Moore im Rahmen des
White House Outreach Program am 17. Oktober 1984.
79. Moore: "The Secret War in Central America", S. 61.
80. Eidesstattliche Erklärung, abgegeben vor dem Internationalen Gerichtshof von Nicaraguas Außenminister Miguel D* Escoto am 21. April 1984.
81. Charles Krauthammer: "The Reagan Doctrine", Time, 1. April 1985, S.
54.
82. Beispiele für die Unnachgiebigkeit der Sandinisten sind die Zurückweisung von Präsident Duartes Forderung vom März 1986 nach einem Dialog
zwischen Regierung und Aufständischen in Nicaragua und El Salvador und
die Zurückweisung des Contadora-Friedensvertrages vom April 1986. Siehe
Stephen S. Rosenfeld: "Contadora Comes Up Short", Washington Post, 8.
April 1986.
83. Christian, S. 306.
84. Ibid.
85. John R. Silber: "The Kennedy Doctrine: Principles for a Settlement in
Central America", Strategie Review, Herbst 1984, S. 20.
86. Alfonso Robelo: "The Nicaraguan Democratic Struggle: Our ünfinished
Revolution", SD Papers: 8. Papier wurde den Social Democrats, USA, in New
York am 15. Juni 1985 vorgelegt.
87. Als eine Darstellung der Spannungen, die sich zwischen dem nationalistischen Nichtkommunisten Sandino und dem internationalistischen
Kommunisten Marti entwickelten, siehe Carlos Ripoll: "Sandinismo y
Communismo", Ideal, 1. September 1974, S. 17.
88. Carpo erklärte

- 18 -

»

�88. Carpo e r k l ä r t e d i e s während des B e g r ä b n i s s e s s e i n e r S t e l l v e r t r e t e r i n
b e i der V o l k s b e f r e i u n g s f r o n t (FPL) in Managua, Comandante Ana Maria, d i e
in Managua von anderen M i t g l i e d e r n der FPL ermordet worden war. Carpio
s e l b s t beging wenige Tage s p ä t e r Selbstmord. Als e i n e D a r s t e l l u n g d i e s e r
b i z a r r e n Episode s i e h e v e r s c h i e d e n e Ausgaben von " B a r r i c a d a " (der FSLNZeitung) vom A p r i l 1983. S i e h e außerdem "Foreign Broadcast Information
S e r v i c e (FBIS)", L a t e i n a m e r i k a , vom
11. A p r i l 1983.
89. Dokumente in bezug auf Handais Reise und die Nachschubwege nach El
Salvador wurden von salvadoranischem Militär zwischen November 1980 und
Januar 1981 erbeutet. Faksimiles wurden vom amerikanischen Außenministerium am 23. Februar 1981 veröffentlicht: "Communist Interference in
El Salvador: Documents Demonstrating Communist Support of the Salvadoran
Insurgency" (nachfolgend zitiert als "Documents"). Dokument El, S. 1 war
Handais Bericht von seiner Reise nach Vietnam vom 9.-15. Juni 1980.
Handal wurden 60 Tonnen an Waffen versprochen, die "bis zum 5. September
versandbereit" sein würden.
90. Edward Clinton Ezell: "Small Arms Today" (Harrisburg, PA: Stackpole
Books, 1984), S. 229.
91. "Informe #4" (Report #4), "Documents", K, S. 2. Dies war ein handschriftliches schreiben aus den Akten der Kommunistischen Partei von El
Salvador (PCES), das sich unter den im November 1980 erbeuteten Dokumenten befand.
92. Fernsehstation WGBH in Boston (PBS), "Frontline", vierteilige Serie
mit dem Titel "Crisis in Central America." Die Folge "Battle for El
Salvador" mit Botschafter Whites Erklärung wurde am 12. April 1985 gesendet.
93. "Salvador Votes", Washington Post, 30. März 1982.
94. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 3. Dezember 1984.
95. "Cuatro Comandantes", Cadena Nacional, 11. Juni 1985.
96. Ibid.
97. Ibid.
98. Pressemappe des amerikanischen Außenministeriums zu den bei
Comandante Nidia Diaz erbeuteten Dokumenten vom 23. April 1985.
99. Ibid.
100. Pressekonferenz des amerikanischen Außenministeriums mit dem stv.
Außenminister Elliott Abrams vom 13. Dezember 1985.
101. Im Jahr 1980 wurde ein Kühllastwagen von honduranischen Behörden auf
dem Weg nach El Salvador abgefangen. In ihm wurden 100 M-16 Gewehre und

- 19 -

�100 M 16-Gewehre und Tausende Schuß Munition entdeckt. Siehe U.S.
Department of State: "Communist Interference in El Salvador", 23. Februar
1981.
102. 28 Prozent der erbeuteten Waffen wurden nach El Salvador geliefert,
von den Guerillas erbeutet (hauptsächlich im Jahr 1983) und danach wiederum von den Streitkräften El Salvadors zurückerbeutet. Fünf Prozent
wurden zu verschiedenen Orten außer Vietnam und El Salvador zurückverfolgt, und ein Prozent war ursprünglich an Somozas Nationalgarde geliefert worden.
103. Eidesstattliche Erklärung des nicaraguanischen Außenministers Miguel
D* Escoto vor dem Internationalen Gerichtshof vom 21. April 1984.
104. Wörtliches Transkript der Aussage von David MacMichael vor dem Internationalen Gerichtshof vom 18. September 1984, S. 20.
105. wayne Smith: "Nicaraguan Arms", Washington Post, 18. Januar 1986.
106. Pressemitteilung vom 4. März 1982 durch den Kongreßabgeordneten
Edward P. Boland (D-MA), S. 1.

* * * * * *

- 20 -

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                <text>Amerikadienst 24.09.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten bereit zur Unterzeichnung von Abkommen mit UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinigten Nationen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht "echte Chance" für Reduzierung von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die demokratischen Widerstandskämpfer: Wer sie sind, warum sie kämpfen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dokumentation in vier Teilen - Teil III -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

1. O k t o b e r 1986

32

I N H A L T

DOKUMENTATION
Zusammentreffen Reagan-Gorbatschow bereitet den Weg zum Gipfel
- Äußerungen Präsident Reagans Botschafter Burt würdigt Verdienste von Care
- Ansprache zum vierzigsten Jahrestag Weinberger: SDI steht für Reagan nicht zur Disposition
- Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik Barry lobt KVAE-Öbereinkunft
- Rede von Botschafter Barry in London -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil IV -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Entwicklungen an der AIDS-Front
- Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten

ANMERKUNG: Die Redaktion hat sich entschlossen, den AMERIKA DIENST ab
vorliegender Nummer durch ein neues Layout optisch ansprechender und
leichter lesbar zu machen.
* * * * * *

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�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. Oktober 1986

32

ZUSAMMENTREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEREITET DEN WEG ZUM GIPFEL
- Äußerungen Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einen Tag nach der Freilassung des amerikanischen
Journalisten Nicholas Daniloff kündigte Präsident Reagan an, daß am 11. und
12. Oktober in Reykjavik ein Treffen zwischen Generalsekretär Gorbatschow und
Reagan stattfinden wird, das darauf abzielt, den Weg für ein möglicherweise
Ende des Jahres stattfindendes formelles Gipfeltreffen zu ebnen.
Nachfolgend drucken wir die Stellungnahme Präsident Reagans sowie Auszüge
aus der anschließenden Pressekonferenz.

Präsident Reagan: Ich freue mich,
Ihnen mitzuteilen, daß Generalsekretär Gorbatschow und ich uns am 11.
und 12. Oktober in Reykjavik, Island
treffen werden. Dieses Treffen wurde
von Herrn Gorbatschow vorgeschlagen,
und ich habe zugesagt. Es wird im
Zusammenhang mit Vorbereitungen für
den Besuch des Generalsekretärs in
den Vereinigten Staaten stehen, über
den wir im November 1985 in Genf
übereingekommen sind.
Ich möchte hinzufügen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

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union die Bereitschaft der isländischen Regierung akzeptieren, dieses
Treffen in Reykjavik zu ermöglichen.
Jetzt könnte ich mir vorstellen, daß
sie eine ganze Menge Fragen stellen
möchten.
FRAGE:
Glauben Sie, daß durch
die Tatsache Ihres Treffens mit Herrn
Gorbatschow, bevor er in die Vereinigten Staaten kommt, die Möglichkeiten eines Rüstungsabkommens erhöht
werden? Bedeutet es, daß Sie unterschriftsreife Dokumente bei sich haben, wenn Sie ihn dann treffen?

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�ANTWORT:
Das glaube
haupt nicht. Ich denke
dies lediglich ein Treffen
zeichnung von Dokumenten
ich kann nicht sagen, was
nis sein wird.

ich übernicht, daß
zur Unterist. Und
das Ergeb-

FRAGE: Was glauben Sie, wird das
Ergebnis sein?
ANTWORT: Ich habe bereits mehrmals gesagt, daß ich denke, die Chancen zur Erzielung eines Abkommens
über
Rüstungsverringerung
stünden
besser als noch vor Jahren.
FRAGE: Warum haben Sie Ihre Meinung darüber geändert?
Das ganze
Jahr schienen Sie die Idee eines
Treffens in einem neutralen Land von
sich zu weisen und forderten, daß es
an Generalsekretär Gorbatschow sei,
in die Vereinigten Staaten zu kommen.
Gibt es bereits Besprechungspunkte
für das Treffen? Werden Sie Abkommen
über Mittelstreckenraketen oder Zentren für eine Risikoverringerung beschließen?
ANTWORT:
Nein.
Bedenken Sie,
dies ist kein Gipfeltreffen. Es war
ein Vorschlag von ihm, daß wir uns
vorher allein in einem neutralen Land
treffen, weil wir uns zu einem Gipfel
entschlossen haben, von dem einer
hier und der nächste in ihrem Land
stattfinden würde.

eine Art von Rüstungskontrollvereinbarung beschlossen wird?
ANTWORT:
Ich habe bei unserem
letzten Treffen meine Hoffnungen darauf gesetzt und ich hoffe auch weiterhin darauf. Und unsere Unterhändler für Rüstungskontrolle haben sich
weiterhin getroffen.
Beide Seiten
haben Vorschläge gemacht und es gab
Differenzen. Diese Differenzen sind
noch nicht beigelegt.
FRAGE: Würden Sie sagen, daß der
Fall Daniloff den Grundstein für dieses Treffen gelegt oder eher ein Hindernis dargestellt hat? Wie beurteilen Sie diesen Fall?
ANTWORT:
Die Freilassung von
Daniloff hat das Treffen ermöglicht.
Ich hätte das Treffen nicht akzeptieren und abhalten können, wenn er
festgehalten worden wäre.
FRAGE: zum gleichen Thema, Herr
Präsident: Unserer Meinung nach haben die Sowjets Daniloff wegen unserer Verhaftung von Sacharow festgenommen. Sie wollten Sacharow freibekommen.
Nun werden sie Sacharow
freibekommen. Was sagen Sie denen,
die behaupten, daß Sie bei diesem
Handel der Verlierer sind und daß sie
(die Sowjets) bekommen haben, was sie
wollten?

ANTWORT:
Das weiß ich nicht.
Alles, was wir festgelegt haben, ist,
daß wir ein Treffen abhalten werden.

ANTWORT: Nein, das ist überhaupt
nicht wahr. Es bestand zwischen diesen beiden Freilassungen kein Zusammenhang, und ich weiß auch nicht, was
über diesen Fall bis jetzt alles behauptet wurde. Es gab in bezug auf
Sacharow andere Arrangements, die zu
seiner Freilassung führten.

FRAGE: Besteht diese Verpflichtung weiter fort, daß der Generalsekretär zu einem Gipfel in die Vereinigten Staaten kommt, bei dem irgend-

FRAGE:
Herr Präsident, meinen
Sie, die Welt wird glauben, daß kein
Zusammenhang bestand, wenn es tatsächlich so ist, daß Daniloff an ei-

FRAGE: Keine Übereinkünfte beim
Treffen nächste Woche?

- 2 -

�nem Tag freigelassen wird und am
nächsten Tag Sacharow im Nu sein Gerichtsverfahren durchläuft und freikommt?
ANTWORT: Darf ich Sie vielleicht
daran erinnern, daß wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Spionagefällen hatten, in denen Spione
hier in diesem Land festgenommen und
verurteilt wurden. Und in jedem dieser Fälle kam es am Ende dazu, daß
wir, anstatt ihnen hier ein Zimmer
mit Vollpension
zur Verfügung
zu
stellen, sie gegen Dissidenten und
andere Leute austauschten, die die
Sowjetunion verlassen wollten.
FRAGE: Bekommen wir mehr als nur
Orlow, oder sind noch andere Dissidenten im Spiel?
ANTWORT:
Ich werde dazu nicht
Stellung nehmen. Das hat bereits jemand anders getan.
FRAGE: Sie sagten, Daniloff sei
eine Geisel gewesen.
Welche Botschaft haben Sie denn heute für andere amerikanische Geiseln, beispielsweise die im Libanon, die von diesen
Verhandlungen nicht profitiert haben?

Leid und den Kummer der Familien dieser Geiseln, die in Beirut festgehalten werden - wir nehmen an, daß sie
in Beirut
gefangengehalten
werden,
denn dies entspricht der gegenwärtigen Geiselsituation. Es hat zwischen
uns und den Geiselnehmern nie direkten Kontakt gegeben - mit diesen Entführern.
Seit
ihrer Gefangennahme
ist jedoch kein Tag vergangen, ohne
daß wir uns bemüht hätten, sie freizubekommen.
Und ich kann nur dies
hinzufügen:
daß wir bisweilen dachten, wir seien im Begriff, dies zu
erreichen und es dann zu einer großen
Enttäuschung kam. Wenn ich also sage, daß ich die Familien verstehen
kann - wenn man den Einzelfall betrachtet. Bedenken Sie aber auch den
Unterschied: in dem einen Fall haben
wir es mit einer Regierung zu tun,
mit der wir diplomatische Beziehungen
unterhalten.
In dem anderen Fall
sind wir mit gesichtslosen Terroristen konfrontiert, die unerfüllbare
Forderungen lediglich durch Mittelsmänner stellen. Wie ich sagte, vergeht bei uns jedoch kein Tag, an dem
wir nicht alles Erdenkliche unternehmen, um diese Leute nach Hause zurückzubringen.

ANTWORT:
Ich bin froh darüber,
daß gerade dies die letzte Frage ist,
und ich habe mich darauf gefreut, sie
zu beantworten.
Ich weiß, daß ich
bald
eine Pressekonferenz
abhalten
werde und werde mir all meine Munition dafür aufsparen - also auf bald.
FRAGE:

Wann wird das sein?

ANTWORT:
Sie wird zu gegebenem
Zeitpunkt angekündigt werden.
FRAGE:

zu

Sagten Sie nicht gerade...

ANTWORT:
Um
beantworten:

jedoch diese Frage
Ich verstehe das
- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

1. Oktober 1986

32

BOTSCHAFTER BURT WÜRDIGT VERDIENSTE VON CARE
- Ansprache in Bonn zum vierzigsten Jahrestag -

BONN - (AD) - In einer kurzen Ansprache hat der amerikanische Botschafter
in Bonn, Richard R. Burt, am 30. September die Arbeit von CARE und CARE International gewürdigt. Dabei betonte er besonders die Tatsache, daß die Bundesrepublik als "einstiger Empfänger von CARE jetzt selbst eine der größten
CARE-Organisationen hervorgebracht hat."
Die Äußerungen von Botschafter Burt haben folgenden Wortlaut:
Herr Minister Genscher, Frau Renger, Mr. Campbell, Herr Dr. Nöldner,
meine Damen und Herren*.
Erfolg
ist
eine
gefährliche
Sache.
Er verführt zu Selbstgefälligkeit. Nur zu oft versäumen es erfolgreiche Persönlichkeiten und Institutionen, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem die von ihnen geleistete
Arbeit in einer veränderten Welt an
Bedeutung verloren hat. Sie werden
überflüssig und belanglos.
Am

heutigen

40. Jahrestag

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von

CARE ist die Ehre, die Ihnen, Mr.
Campbell, durch Außenminister Genscher zuteil geworden ist, gewiß angebracht
und
reichlich
verdient.
Aber obwohl Sie zu den Mitbegründern
von CARE gehören, sind wir heute
nicht nur wegen der Ereignisse zusammengekommen, die nun vierzig Jahre
zurückliegen - und ist dies nicht der
einzige
Grund
warum
Ihnen
das
Bundesverdienstkreuz verliehen wird.
Das wirklich Bemerkenswerte in
bezug auf CARE besteht in der Tatsache, daß diese Organisation nie

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�selbstgefällig geworden ist.
CARE begann als eine amerikanische Hilfsorganisation, die die Verschickung von Lebensmittelpaketen an
die Menschen in einem Europa in die
Wege leitete, das vom schrecklichsten
Krieg in der Geschichte der Menschheit verwüstet worden war. Ihre Leistungen werden niemals vergessen werden.
Angeführt von der Bundesrepublik
Deutschland machte das europäische
Wirtschaftswunder die Nahrungsmittelhilfe für diesen Kontinent binnen
weniger Jahre nach dem Krieg überflüssig.
CARE jedoch wurde nicht
überflüssig. Ihr Augenmerk richtete
sich zusehends auf die Entwicklungsländer, deren Probleme zu jener Zeit
begannen, stark in das Bewußtsein des
Westens zu rücken.
Man sagte mir, das letzte der berühmten CARE-Pakete wurde 1967 verschickt.
Heute unterhält CARE ein
vielfältiges, ausgeklügeltes Programm
der Entwicklungshilfe in rund drei
Dutzend
Entwicklungsländern.
Die
Partnerschaftliehen
Selbsthilfeprogramme von CARE, bei denen die Kosten
auf viele Schultern verteilt sind,
stellen genau das war, was wir Amerikaner - und viele andere - als jenen
riesenhaften Programmen weit überlegen ansehen, die ausschließlich von
staatlichen
Bürokratien
verwaltet
werden.
CARE reagiert auf eine sich verändernde Welt auch durch die Erkenntnis, daß es mit der Ausbreitung des
Wohlstands überall fürsorgliche Menschen gibt, die sich an ihrer Arbeit
beteiligen wollen. Seit der Gründung
von CARE International im Jahr 1982
sind die CARE-Organisationen in den
führenden westlichen Staaten in der
Lage, bei wichtigen Projekten auf der

ganzen Welt eng zusammenzuarbeiten.
CARE Deutschland, jetzt fünf Jahre
alt, gehört bei dieser Arbeit zu den
aktivsten und wirksamsten.
Ich kann mir kein großartigeres
Symbol für die Ereignisse der vergangenen vierzig Jahre in der Bundesrepublik vorstellen, als daß der einstige Empfänger von CARE jetzt selbst
eine der größten CARE-Organisationen hervorgebracht hat. Es ist ein
Beweis für die Intensität der staatsbürgerlichen Kultur, die in den späten vierziger Jahren geschaffen wurde, daß die Bundesrepublik Deutschland heute die Mittel und das Mitgefühl hat, eine deutsche CARE-Organisation zu unterhalten, die den Ländern der Dritten Welt so viel Hilfe
leistet.
Mr. Campbell, es ist mir eine Ehre, bei dieser Gelegenheit zusammen
mit Minister Genscher Ihnen und CARE
International sowie all den nationalen CARE-Organisationen für den Beitrag zu danken, den sie für eine bessere, friedlichere und offenere weit
leisten. CARE ist nicht überflüssig. Sie ist nicht irrelevant. Sie
ist heute so lebenskräftig und wichtig wie je in ihrer Geschichte.
Und Herr Minister Genscher
durch die Ehre, die Sie Mr. Campbell
und CARE erweisen, demonstrieren Sie
erneut, daß die tagtägliche Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Regierungen schlicht ein Spiegelbild der
engen Bindungen ist, die zwischen dem
amerikanischen und dem deutschen Volk
bestehen.

- 2 -

Ich danke Ihnen.

* * * * *

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1. Oktober 1986

32

WEINBERGER: SDI STEHT FÜR REAGAN NICHT ZUR DISPOSITION
Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik -

WASHINGTON - (AD) - Laut Verteidigungsminister Weinberger steht SDI für
Präsident Reagan in einer Verhandlungslösung mit den Sowjets auf keinen Fall
zur Disposition. In einer Ansprache vor dem Zentrum für Ethik und öffentliche
Politik erklärte Weinberger am 26. September 1986 im Nationalen Presseclub:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand."
Die Ansprache Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
DIE NOTWENDIGKEIT EINER
STRATEGISCHEN PERSPEKTIVE
Eine der größten Merkwürdigkeiten
in der Debatte über die neuen Technologien von SDI besteht in der Tatsache, wie alt die Argumente sind.
Man kann nicht umhin, das Gefühl eines echten Deja-vu-Erlebnisses zu empfinden. Ernie Lefevers Verteidigung
des schützenden ABM-Systems, in dem
hervorragenden,
soeben vom Zentrum
für Ethik und Öffentliche Politik publizierten Werk über SDI abgedruckt,
ist für den heute geführten Dialog

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genauso angebracht wie Churchills Argumente für das Radar in den dreißiger Jahren.
In den dreißiger und
siebziger Jahren wie auch heute legen
die westlichen Demokratien ein sehr
merkwürdiges Widerstreben an den Tag,
etwas für ihre eigene Sicherheit zu
tun.
Gute Argumente müssen wiederholt werden, weil weiterhin schlimme
Fehler gemacht werden.
Am bemerkenswertesten ist da natürlich die Tatsache, daß die Demokratien weiterhin dieselben alten und
schlimmen Fehler machen.
Und diese

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�Fehler scheinen sich in einem vorherrschenden Mangel an strategischer
Perspektive
darzustellen.
Solange
diese Perspektive fehlt - damit meine
ich das Fehlen eines umfassenden Verständnisses von der Natur unserer
Gegner, der Natur der Weltpolitik und
besonders das fehlende Verständnis
für die Schranken, die demokratischen
Systemen auferlegt sind -, werden wir
weiterhin in Naivität gegenüber der
Welt verfallen.
Was ist denn nun
wirklich der Unterschied zwischen dem
Eingeständnis Stanley Baldwins im
Jahr 1935, daß Churchill tatsächlich
recht gehabt hätte und Hitler wirklich die Luftüberlegenheit erzielt
habe und der Entdeckung der Liberalen
in den siebziger Jahren, daß die Sowjetunion nicht an Entspannung interessiert sei? Beide Irrtümer entstammen einer Abgeneigtheit, den Charakter totalitärer Politik richtig einzuschätzen und dem Wunschdenken, daß
alle Staaten und politischen Systeme
im Grundsatz identisch seien.

union wirklich "zwei Skorpione in einer Flasche" oder, wie es ein früherer Rüstungsunterhändler einmal bildhaft formulierte, "Affen in einer
Tretmühle".
Danach sind Washington
und Moskau zwei gleichwertige Mächte,
die, von einer besessenen Angst über
ihre Sicherheit getrieben, ziemlich
kopflos auf die Rüstungsprogramme des
jeweils anderen reagieren. Überdies
verfolgen beide die gleichen militärischen Doktrinen, bauen grundsätzlich
die gleichen Waffen und bedrohen beide in gleicher Weise den Weltfrieden.

Aber diejenigen, die keine strategische Perspektive besitzen, lassen
sich durch alles überraschen. Sie
sind überrascht
über Afghanistan.
Sie sind überrascht über den Abschuß
des koreanischen Passagierflugzeuges.
Und sie sind überrascht, wenn die Sowjets einen Journalisten als Geisel
festhalten.
Die Vorteile einer sichtweise,
die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihren strategischen Zusammenhang einordnet, sind immens,
denn damit ist es möglich, einige besonders grobe Fehler zu vermeiden.

Das wichtigste amerikanische ziel
bei diesen Verhandlungen bestand darin, die strategische Doktrin der gegenseitigen Verwundbarkeit für immer
festzuschreiben. Dadurch, daß jeder
Seite bei den strategischen Atomwaffenarsenalen
Obergrenzen, auferlegt
wurden und die Stationierung
fast
aller ABM-Systeme - von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen - durch den Vertrag ausgeschlossen wurde, sollte die
strategische Stabilität gestärkt werden. SALT I und ABM-Vertrag sollten
signalisieren, daß Moskau unsere Vorstellung von einer stabilen Abschrekkung akzeptiert hatte.

Beispielsweise bezieht sich einer
der hartnäckigsten Mythen bezüglich
unserer Beziehungen zu Moskau auf das
sogenannte
"Rüstungswettlauf"-Syndrom. Nach dieser Ansicht sind die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

Diese Sichtweise bestand natürlich darin, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich solange
ganz sicher fühlen könnten, wie die
Einwohner beider Länder völlig verwundbar blieben. Und es war offen-

Der Fehler einer solchen Denkweise besteht darin, daß diese Idee von
der
politischen
und
moralischen
Gleichwertigkeit ständig mit der Realität kollidiert.
SALT I und der
ABM-Vertrag sowie das, was auf beide
folgte, ist ein Beispiel dafür, wie
die Realität sich zu Wort meldet.

SALT I UND DER ABM-VERTRAG

- 2 -

�kundig, da für die Schaffung von Stabilität mit Hilfe dieser Doktrin unerläßlich, daß beide Seiten ihr auch
zuzustimmen hatten.
Einer unserer
Verhandlungsführer hat ja sogar festgestellt: "Wenn SALT erfolgreich sein
soll,... müßten beide Seiten in gewissem Maß eine ähnliche strategische
Doktrin verfolgen".
Natürlich ist nicht alles nach
Plan verlaufen: nicht nur, daß sich
die Sowjets geweigert haben, unser
Konzept einer stabilen Abschreckung
durch
beiderseitige
Verwundbarkeit
anzunehmen; sie betreiben eine der
dramatischsten
Aufrüstungsmaßnahmen
der Geschichte.
Tatsächlich haben
die Sowjets seit der Unterzeichnung
der SALT I - und ABM-Verträge im Jahr
1972 ihre Arsenale strategischer Raketen-Gefechtsköpfe um ein Vierfaches
aufgestockt. Obwohl wir meinen, daß
diese Verträge den unvermeidlichen
Übergang von offensiven zu defensiven
Waffensystemen eindämmen würden, haben die Sowjets uns klargemacht, das
sie keineswegs dieser Ansicht sind.
Die Sowjets halten auch weiterhin
an
ihrer
dialektischen
Denkweise
fest, was in diesem Fall einen durch
die Geschichte hinweg anhaltenden Umschwung zwischen offensiven und defensiven Formen der Kriegführung bedeutet. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfolgt der Kreml
hartnäckige Anstrengungen zu einer
sehr kostspieligen zivilen Verteidigung. Einem sowjetischen Beobachter
zufolge entspricht diese zivile Verteidigung dem gesunden Menschenverstand. "Ein Prozent der sowjetischen
Bevölkerung zu retten bedeutet, drei
Millionen Menschen zu retten. Niemand in diesem Land würde es verstehen, wenn sich die Regierung nicht
dafür einsetzen würde". Die Sowjetunion legt auch weiterhin das Schwergewicht auf ihre Luftverteidigung und

auf die Raketenabwehr.
Tatsächlich hat der damalige sowjetische
Verteidigungsminister
Gretschko dem Obersten Sowjet in der
Geburtsstunde der SALT- und ABM-Verträge zugesichert, daß der ABM-Vertrag "einer Durchführung von Forschung und Experimenten, die sich mit
der Lösung von Problemen zur Verteidigung des Landes gegen einen Angriff
nuklearer Raketen beschäftigen, keine
Beschränkung auferlegt".
Darüber hinaus mutet das entscheidende Tauschgeschäft in SALT I
gegenüber dem, was uns heute abverlangt wird, altmodisch an. Wir haben
unsere Sicherheit in die Waagschale
geworfen und dafür zahlenmäßige Beschränkungen bei sowjetischen Großraketen erhalten. Aber die Sowjets haben sich geweigert, einer Defintion
von Großraketen zuzustimmen und uns
gesagt, dies sei nicht notwendig, da
beide Seiten wüßten, was Großraketen
seien. Trotzdem schreitet die Modernisierung - sowohl offensiver als
auch defensiver - sowjetischer Waffensysteme stetig voran. Im Verlauf
des folgenden Jahrzehnts haben die
Sowjets Hunderte neuer Raketen genau
desjenigen Typs stationiert, von dem
wir glauben, daß wir ihn verboten haben. Kurz gesagt hat der Vertrag die
Sowjets ihrer Sorge über das Potential unserer ABM-Fähigkeit enthoben
und er hat unser Problem der Uberlebensfähigkeit der Minuteman-Raketen
nicht gelöst.
Dieser sogenannte Handel sollte
uns bekannt vorkommen. Er stellt das
Modell für den vielzitierten "großen
Kompromiß" dar, den die Kritiker von
SDI gern von der Administration angewandt sehen möchten. Aber SDI steht
nicht zur Disposition, und dies wird
unter Präsident Reagan auch nie der
Fall sein.

- 3-

�Was diese Erfahrung mit SALT uns
gelehrt haben sollte, ist die Tatsache, daß es kein Phänomen von der
Art Aktion/Reaktion gibt und daß die
Sowjets und die Vereinigten Staaten
sehr unterschiedliche Ansichten über
die Rolle von Nuklearwaffen haben.
Und doch bestehen diese Mythen weiter
und trüben klare Gedanken über Strategie und Politik.
Diese Administration
hat versucht, eine strategische Perspektive
anzunehmen, die das gesamte Gebiet
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen. Wir betrachten die
Verteidigung unseres Landes und die
unserer Verbündeten gegen ballistische Raketen nicht als etwas, das
durch Verhandlungen aus der Welt geschafft werden kann.
Wir möchten
nicht unsere Arsenale einfrieren und
dann diesen Vorgang Rüstungskontrolle
nennen.
Wir haben aus unserer breiten
strategischen Perspektive heraus die
Notwendigkeit für besser organisierte
und dauerhafte strategische Verteidigungsanstrengungen erkannt. Und SDI
ist offensichtlich wohlüberlegt, denn
es ist klar, daß die Sowjets versuchen, durch massive Investitionen in
Offensiv- und
Defensivtechnologien
eine eindeutige militärische Überlegenheit zu erlangen. Aber wir wollen
auch einen besseren und dauerhafteren
Weg finden, um den nuklearen Krieg
abzuschrecken.
Wir glauben nicht,
daß eine demokratische Nation wie unsere mit einer Abschreckungspolitik
zufrieden sein kann, die im wesentlichen einem gegenseitigen Selbstmordpakt gleichkommt.
Aus diesem Grunde hat Präsident
Reagan seine weitreichenden Vorstellungen von SDI entwickelt. Die Abschreckung muß eines Tages auf dem

Schutz unserer Bevölkerung und dem
unserer Verbündeten vor der Bedrohung
ballistisher Raketen beruhen. Diese
Hoffnung aufzugeben und denen nachzugeben, die lediglich die Abschreckung
durch Vergeltung bis ins nächste
Jahrhundert ausdehnen wollen, indem
sie nur militärische Einrichtungen
schützen, würde auf keinen Fall die
moralischen
und
sicherheitspolitischen Verpflichtungen
befriedigen,
die wir gegenüber unseren Bürgern haben.
Heute glaubt eine Mehrheit des
amerikanischen Volkes, daß die Regierung bereits die Fähigkeit besitzt,
sie
vor
einem Nuklearangriff
zu
schützen. Aber wir haben keine Verteidigung, und die Annahme einer Politik, die solch eine Verteidigung
niemals bereitstellen würde, wäre unerhört. Darüber hinaus könnten wir
herausfinden, daß ein erhebliches Maß
der gegenwärtigen Unterstützung einer
Verteidigung lediglich militärischer
Anlagen in den überwältigenden Wunsch
nach Rüstungskontrollabkommen münden
würde, in den überwältigenden Wunsch,
die Geschichte von SALT I zu wiederholen.
Das Ziel von SDI muß die Entdekkung einer durch und durch verläßlichen Verteidigung für unser Land und
unsere Verbündenten sein. Alles, was
diesem Ziel nicht gerecht wird, wird
auch weiterhin unserem gegenseitigen
Selbstmordpakt Vorschub leisten.

Und ich muß Ihnen sagen, daß die
SDI-Forschung erhebliche Fortschritte
macht. Ich denke aber, daß die Frage
in Kürze nicht mehr lauten wird, ob
wir eine strategiche Verteidigung haben können oder ob wir eine solche
haben sollten, sondern wann wir eine
strategische Veteidigung haben werden.

- 4-

Und doch habe ich den Verdacht,

�wir werden auch weiterhin dieselben
Argumente gegen die Verteidigung hören, wie dies Anfang der siebziger
Jahre der Fall war - daß die Verteidigung nie funktionieren wird, daß
sie destabilisierend sein wird, zu
teuer und leicht überwindbar.
Ich
bin immer wieder versucht zu sagen,
daß es zwei Hauptargumente gegen SDI
gibt. Entweder: es funktioniert oder:
es funktioniert nicht.
Auch hier scheint unseren Kritikern jede strategische Perspektive zu
fehlen, sie sehen SDI in einem Vakuum ohne Verständnis für die sowjetische Politik und die Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Ihre
größte
Schwäche besteht darin, daß sie nicht
bereit sind, die Bemühungen der Sowjetunion im Bereich der strategischen Verteidigung ernstzunehmen.
Ein schlagender Beweis hierfür
findet sich
in dem Artikel von
McGeorge Bundy, George Kennan, Robert
McNamara und Gerard Smith - die sogenannte "Viererbande" -, der mittlerweile Berühmtheit erlangt hat. Für
diese Architekten und Verteidiger gegenseitiger Verwundbarkeit ist das
sowjetische
RaketenVerteidigungsprogramm buchstäblich eine Fußnote. Obwohl sie eingestehen, daß Moskaus Radaranlage bei Krasnojarsk zur Ortung
und Verfolgung von Raketen wahrscheinlich eine Verletzung des ABMVertrags darstellt, bringt sie diese
Tatsache nicht dazu, sich ernsthaft
mit der sowjetischen Strategie oder
Doktrin
auseinanderzusetzen.
Sie
wälzen vielmehr die Last produktiver
Verhandlung auf die Vereinigten Staaten ab. sie glauben, die Verhandlungen steckten in einer Sackgasse, weil
wir SDI nicht zum Verhandlunggegenstand bei der Rüstungskontrolle machen. Die "Viererbande" würde uns am
liebsten mit uns selbst verhandeln
lassen, da sie nicht einmal die Exi-

stenz des Moskauer Verteidigungsprogramms eingesteht - von dessen Bedeutung ganz zu schweigen.
Diese klugen Köpfe ignorieren die
umfangreichen sowjetischen Investitionen bei praktisch allen Formen der
strategischen Verteidigung wie auch
die massiven Investitionen des Kreml
bei zielgenauen, landgestützten Raketen. Dies ist genau die Art von Analyse, die zu den mangelhaften Rüstungskon troll Vereinbarungen
führte.
Gerade diese Analyse aber wurde von
der Reagan-Administration abgelehnt.
Ein weiterer Hinweis auf den Mangel an strategischem Denken bei unseren Kritikern ist ihre immer wieder
vorgebrachte Behauptung, das Ziel,
ballistische Raketen überflüssig zu
machen, sei unmöglich, und deshalb
sollte das Programm aufgegeben werden. Tatsache ist, daß unsere strategische Verteidigung nicht hundertprozentig wasserdicht sein muß, um
ein ganz außergewöhnliches Maß an Abschreckung zu bieten.
Sogar eine
teilweise wirksame Verteidigung würde
Moskau davon überzeugen, daß ein
Erstschlag sinnlos ist. Und wenn wir
erst einmal einen sowjetischen Erstschlag überflüssig und undenkbar gemacht haben, werden wir die Stabilität dramatisch erhöht und die Abschreckung
auf
eine
felsenfeste
Grundlage gestellt haben. Man sollte
jedoch immer daran denken, daß unser
Ziel auch weiterhin bleibt, ballistische Raketen - die destabilisierendsten und gefährlichsten Waffen,
die der Mensch kennt - überflüssig zu
machen.
In vielen Fällen schieben unsere
Kritiker nur ganze Armeen von Strohmännern vor, in anderen Fällen ignorieren sie ganz einfach, was die Sowjets tun. In beiden Fällen ist die
Debatte kaum vorangekommen.

- 5-

�Heute besteht die größte Herausforderung
für
unsere
strategische
Verteidigungsinitiative jedoch in dem
Versuch des Kongresses, das Programm
schon in seinem Anfangsstadium abzuwürgen, indem SDI die angemessenen
Mittel
verweigert werden.
Anstatt
das Problem direkt anzugehen, haben
viele im Kongreß sich zu einer indirekten Strategie entschlossen.
Ja,
die Gegner im Kongreß haben zugegeben, daß sie es nicht schaffen, das
Programm gänzlich abzuwürgen.
Daher
geht ihre Taktik dahin, jedes Jahr
die Mittel zurückzuschneiden, bis das
Programm völlig deformiert ist.

SCHLÜSSFOLGERUNG

Vorteile mit der gesamten Welt teilen; das heißt, wir können eine Zukunft anbieten, die frei von Atomraketen ist. Oder wir können warten,
bis nur die Sowjetunion
beschützt
ist. Wenn wir wollen, kann es also
für uns eine Zukunft geben, in der
die Existenz der Freiheit einzig von
der Laune eines Regimes abhängig ist,
das sowohl über die offensive Überlegenheit als auch über das defensive
Monopol verfügt.
Ich glaube nicht, daß dies unsere
Zukunft sein wird, denn ich denke
nicht, daß das amerikanische Volk die
ständige Verwundbarkeit unserer Nation gegenüber sowjetischen Raketen
zulassen wird. Wir können nichts Besseres tun, als uns von der Klugheit
unserer Bürger leiten zu lassen.

Wenn der Westen es nicht schafft,
eine Verteidigung gegen sowjetische
Raketen zu dislozieren, so wird dieses Versagen wahrscheinlich nicht auf
Wissenschaft oder Technologie zurückzuführen sein. Wir verfügen über genügend Talent und innovative Fähigkeiten, um die Probleme der Raketenverteidigung zu überwinden. Wir haben Interesse am Wissen, Vertrauen in
die Forschung und Willen zum Risiko.
Und wir sind stark genug, einen Fehlschlag zu ertragen und einen neuen
Versuch zu wagen.
Nicht die Wissenschaft, sondern
die Politik kann uns daran hindern,
das zu tun, was wir tun sollten, um
uns selbst und unsere Werte zu schützen. Wenn wir auch weiterhin an den
engstirnigsten und naivsten Auffassungen über die Sowjetunion festhalten, werden wir uns sicherlich niemals
gänzlich
über
die Bedrohung
klar, vor der wir stehen.
Die eigentliche Frage ist: wer
wird verteidigt? Wir können entweder
Defensivsysteme
entwickeln und die
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON'^

1. Oktober 1986

32

BARRY LOBT KVAE-ÜBEREINKUNFT
- Rede von Botschafter Barry in London -

LONDON - (AD) - In einer Rede vor dem Royal Institute for International
Affair.j in London hat Botschafter Robert L. 3arry am 25. September 1986 die
Vereinbarungen der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (KVAE) als "einen wichtigen Schritt zu einer berechenbareren und sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie zur möglichen Behandlung weiterreichender
Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist" bezeichnet.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache im vollen Wortlaut:

DI3 STOCKHOLMER KONFERENZ UND
DIE SICHERHEIT IN EUROPA
Die Stockholmer
Konferenz über
Vertraaensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa hat ihre Arbeit gerade erfolgreich abgeschlossen. Ich
kann mir keinen angemesseneren Ort
als London vorstellen, um über diese
Konferenz, ihre Ergebnisse und Auswirkungen zu sprechen. Die Regierung
Ihrer Majestät hat bei der Formulierung und Aufrechterhaltung der westlichen Position eine führende Rolle
gespielt. Unter der Leitung von Bot-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schafter Michael Edes bildete die
britische Delegation bei dieser Konferenz eine starke Kraft für das Zustandekommen eines positiven Ergebnisses.
Die Vereinigten Staaten sind über
dieses
Ergebnis
befriedigt;
das
Stockholmer Dokument stellt eine gute
Übereinkunft dar, einen Beitrag zur
Stabilität und eine Hilfe zur Verminderung des Risikos einer militärischen Konfrontation in Europa.
Das
verabschiedete vertrauensbildende Regelwerk dehnt das Konzept der Offen-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�heit in militärischen Angelegenheiten
aus und fördert das weitergefaßte, in
der Schlußakte von Helsinki enthaltene Prinzip, gemäß dem die Beziehungen zwischen Staaten - zwischen
Ost und West - auf Zusammenarbeit und
Dialog und nicht auf Konfrontation
beruhen sollten.
Das Regelwerk von Stockholm ist
nicht perfekt, und es kann im Bereich
vertrauensbildender
Maßnahmen
noch
mehr Nützliches getan werden. Aber
Stockholm bedeutet einen wichtigen
Schritt zu einer berechenbareren und
sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie
zur möglichen Behandlung weiterreichender Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist.

DIB LEISTUNGEN VON STOCKHOLM
Als die Stockholmer Konferenz im
Januar 1984 begann, besaß der Westen
eine klare Vorstellung von dem, was
erreicht werden sollte: insbesondere
strebten wir konkrete Maßnahmen an,
die das gemeinsame Verständnis hinsichtlich zweck und Umfang aller
wichtigen in Europa stattfindenden
militärischen Aktivitäten vergrößern
sollten; wir strebten also danach,
das Risiko zu vermindern, daß Fehleinschätzung
oder
-Interpretation
über die Natur solcher Aktivitäten
eine Eskalationskette in Gang setzen
könnte, die, unkontrolliert, zu einem
Krieg führen könnte. Um dieses Ziel
zu erreichen, haben wir spezifische
Maßnahmen vorgeschlagen, wie etwa den
Austausch militärischer Informationen, die Vorschau auf, Vorankündigung
und Beobachtung von Manövern und Inspektionen zur Verifikation. In großem Ausmaß enthält das Stockholmer
Dokument genau diese Maßnahmen, die
auch den von den neutralen und block-

freien Staaten getragenen Ansatz repräsentieren.
Andererseits hatten die östlichen
Staaten in Stockholm anfangs versucht, die Diskussion auf rein deklaratorische Vorschläge zu konzentrieren, mit denen sie die politische Tagesordnung mit Zielrichtung auf Westeuropa gefüllt hatten, und dies in
einigen Fällen seit mehreren Jahren.
Ihre Taktik schien mehr dazu bestimmt, das westliche Bündnis zu
spalten, wie etwa bei der Frage der
Mittelstreckenraketen, als dazu, zu
ernsthaften Verhandlungen zu kommen.
Obwohl der Ansatz des Ostens im Rahmen der Konferenz keine Unterstützung
fand und seine Vorschläge nach und
nach fallengelassen wurden, kostete
diese zu Beginn angewendete Ablenkungstaktik viele Monate. Ein Ergebnis davon besteht darin, daß wir erst
letzten Freitag zu einer Einigung gelangt sind, anstatt vor einem Jahr,
wie der Westen zu jener Zeit erhofft
hatte. Wir haben die verabschiedeten
Maßnahmen noch nicht wirklich durchgeführt; wir haben damit noch keine
praktischen
Erfahrungen
gesammelt,
die uns für die nächsten Schritte
hilfreich sein könnten.
Trotzdem ist das bei der Stockholmer Konferenz Erreichte beträchtlich. 35 Staaten haben sich politisch bindend verpflichtet, weit im
voraus Zeitpläne und andere Informationen über zweck, Umfang und Ort
ihrer militärischen Aktivitäten bekanntzugeben. Dies verankert in den
internationalen Prinzipien fest den
Grundsatz, daß Staaten Kenntnis davon
haben sollten, was andere Staaten auf
militärischem Gebiet unternehmen und
planen. In der Praxis sollte dadurch
ebenso eine Norm, ein allseits anerkanntes Niveau an routinemäßiger Ausbildungs- und Ubungstätigkeit festgeschrieben werden, wodurch ein sta-

- 2 -

�bilisierender Effekt in den Beziehungen zwischen potentiellen Gegnern
erzielt werden könnte. Durch einen
Kalender von Ereignissen, der in einigen Fällen zwei Jahre im voraus
festgelegt wird, werden die militärischen Befehlshaber
eine bessere
Vorstellung davon bekommen, was sie
von der anderen Seite erwarten können; es wird leicht sein, zwischen
großen, vorausgeplanten Manövern, für
die keine besondere Reaktion notwendig ist, und unangekündigten Aktivitäten, für die Gegenmaßnahmen erforderlich sein könnten, zu unterscheiden. Wenn beispielsweise ein Staat
seine Truppen zwecks politischer Einschüchterung an den Grenzen eines anderen Staates konzentrieren würde,
würde dies eine klare Verletzung der
Stockholmer Vereinbarungen darstellen, wofür ein hoher politischer
Preis zu bezahlen wäre.
Die in Stockholm verabschiedeten
vertrauensbildenden Maßnahmen werden
eine entschlossene Aggression nicht
verhindern oder die Anwendung von Gewalt zur politischen Einschüchterung
ausschließen.
Aber sie werden die
Möglichkeit eines "ungewollten" oder
zufälligen Krieges stark vermindern
sowie den politischen Preis enorm
steigern, den ein Staat für den Versuch bezahlen müßte, einen anderen
mit politischen Mitteln einzuschüchtern.

STOCKHOLM FÖRDERT HELSINKI
Bei der Bewertung der mit den
Stockholmer vertrauensbildenden Maßnahmen erzielten Leistungen gewinnt
man eine gute Perspektive, wenn man
sie mit den bescheidenen vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte
von Helsinki des Jahres 1975 vergleicht.
Die in Stockholm verabschiedeten Maßnahmen bedeuten in der

Tat qualitative und quantitative Verbesserungen der Maßnahmen von Helsinki.
- Erstens sind sie obligatorisch
und politisch bindend, während die
Maßnahmen von Helsinki freiwillig waren; deshalb bedeuten die Stockholmer
Maßnahmen eine konkrete Verpflichtung
zu Handlungen und keine symbolischen
Gesten.
- Zweitens beziehen sich die in
Stockholm getroffenen Maßnahmen auf
ganz Europa und behandeln zum ersten
Mal die gesamte Region als Einheit
mit verbundenen Sicherheitsanliegen;
Helsinki klammerte den Großteil sowjetischen Territoriums in Europa aus.
- Drittens sind die Stockholmer
Maßnahmen verifizierbar, eine Voraussetzung
echter
Vertrauensbildung;
aufgrund ihres freiwilligen Charakters enthielt die Schlußakte von Helsinki keinerlei Regelungen zur Verifikation.
- Viertens schließlich erstrecken
sich die Stockholmer Maßnahmen auf
sämtliche bedeutsamen militärischen
Aktivitäten in ganz Europa; Helsinki
betraf lediglich "größere Manöver".
Das Ausmaß vertrauensbildender Aktivitäten nach Stockholm wird wesentlich weitergefaßt und dies wird sich
wahrscheinlich auch auf das Ausmaß
des Vertrauens auswirken.
In Kürze:
Die Maßnahmen von
Stockholm haben das in der Schlußakte
enthaltene Konzept vertrauensbildender Maßnahmen
in ein praktisches
System verwandelt, mit dem in der
realen Welt militärischer Angelegenheiten gehandelt werden kann.

- 3-

�ADSWIRKONGEN
Der nächste Schritt wird natürlich in der Durchführung bestehen.
Wir hoffen, daß die Durchführung des
Stockholmer Regelwerks den in ihm
enthaltenen
Möglichkeiten
gerecht
werden und Verdächtigungen reduzieren
sowie Vertrauen bilden wird; es ist
nun die Aufgabe aller Parteien, ihre
neuen Verpflichtungen voll anzuwenden. Dies ist keine Frage des von
allen Teilnehmern bei der Annahme
dieser Verpflichtungen gezeigten guten Glaubens; wir betreten hierbei
Neuland, und selbstverständlich werden wir alle - die neutralen und
blockfreien Staaten genauso wie Ost
und West - sorgfältig beobachten, wie
die beschlossenen Maßnahmen sich in
der Praxis bewähren.
Wenn die Durchführung glatt verläuft, sollten wir Wege ausfindig
machen, um die vertrauensbildenden
Maßnahmen weiterzuentwickeln und ihre
stabilisierende Wirkung zu verstärken.
Aus der Sicht von Stockholm
gibt es mehrere wichtige Bereiche, in
denen Verbesserungen
möglich sein
sollten. Als erstes und wichtigstes
sollten wir daran arbeiten, die Verpflichtung zum Austausch von Informationen über Streitkräftestrukturen
und Stationierungsorte in Europa zu
erweitern. Stockholm war in dieser
Hinsicht eine Enttäuschung; der Osten
weigerte sich sogar, die Verpflichtung zur Lieferung von der Art Informationen einzugehen, die der Westen
routinemäßig in seine Notifizierungsaktivitäten gemäß der Schlußakte von
Helsinki seit 1975 einbezogen hat die Bezeichnung von Einheiten, die an
Manövern teilnehmen. Fragen darüber,
welche Truppen wirklich in Europa
stehen und wo - das berüchtigte
"Datenproblem" -, haben die Wiener
Verhandlungen über einen Abbau konventioneller Streitkräfte seit drei-

zehn Jahren auf der stelle treten
lassen.
Bei jeder weiteren Fortsetzung
der Stockholmer Konferenz
scheinen uns Fortschritte bei dieser
Frage unabdingbar, wenn der Vertrauensbildungsprozeß voranschreiten und,
sicherlich, wenn wir neue Bemühungen
bei der Verminderung konventioneller
Waffen in Betracht ziehen sollen.
Der Jahreskalender, der die militärischen Aktivitäten des nächsten
bzw. übernächsten Jahres ausweist,
könnte die wichtigste aller in Stockholm vereinbarten
Maßnahmen sein.
Wir sollten insbesondere versuchen,
die stabilisierende Wirkung dieses
Kalendariums zu erhöhen, indem wir
ihm durch die Ankündigung des Geplanten nicht nur erläuternden, sondern
Gebotscharakter geben, indem wir das
beschränken, was stattfinden darf.
Ich glaube, daß der Wert eines Verbots militärischer Aktivitäten, die
nicht zwei Jahre im voraus angekündigt worden sind - dies die logische
Folge eines westlichen Vorschlags in
Stockholm -, offenkundig ist. Das
Bündnis wird auch weiterhin das gesamte Beziehungsfeld der Beschränkungen, Obergrenzen und Einschränkungen hinsichtlich des gesamten Umfangs militärischer Aktivitäten analysieren. Wir haben keine Beschränkung gesehen, die alle Vertragsparteien in gleichem Maße betrifft und
die die defensive Seite nicht stärker
bestraft als einen Aggressor. Aber
wir erkennen den potentiellen Wert
solcher Maßnahmen und setzen unsere
Analyse fort.
Die Konferenz von Stockholm bedeutet daher einen wichtigen ersten
Schritt in Richtung auf Erstellung
und
Lebensfähigkeit
Vertrauensund
sicherheitsbildender
Maßnahmen
als
RüstungskontrollInstrumentarium;
sie
hat einen Prozeß eröffnet, der potentiell ebenso wichtig ist wie die Be-

- 4-

�mühungen im Rüstungskontrollbereich,
die er ergänzen und unterstützen
soll. Aber Stockholm mahnt gleichzeitig zur Vorsicht.
Der anhaltende östliche Widerstand gegenüber einem Austausch militärischer Informationen und Schaffung
einer Datengrundlage bei den Streitkräften ist ein offenkundiges und
ernsthaftes Hindernis in Richtung auf
noch ehrgeizigere Bemühungen.
Ein
zweiter Punkt ist die gesamte Problematik der Verifikation, die ja mit
dem Konzept der Offenheit in Beziehung steht. In Stockholm gelang ein
historischer Durchbruch, weil Inspektion akzeptiert und das Prinzip anerkannt wurde, daß ein Staat, der
Zweifel hinsichtlich der Intentionen
militärischer
Aktivitäten
eines
anderen Staates hat, in diesen anderen Staat gehen und selbst sehen
kann, was vorgeht. Wir haben eine
Chance, die konkrete Wirksamkeit solcher Inspektionen in der Praxis zu
prüfen.
Aber
dieses Inspektionssystem von Stockholm ist relativ bescheiden und nicht zudringlich. Inspektionsmaßnahmen, die ein Rüstungskontrollabkommen angemessen verifizieren sollen, müßten viel anspruchsvoller sein. Dazu müßte der Zugang
von
Inspektoren
zu
sicherheitsempfindlichen Einrichtungen wie Verteidigungsanlagen, Kasernen und Waffendepots gehören, nicht nur zu Aktivitäten, die außerhalb stattfinden.
Die Verhandlungen über Inspektionen
waren in Stockholm sehr, sehr schwierig, aber sie waren noch nichts im
Vergleich zu Verhandlungen über Maßnahmen, die zur Verifizierung der
Rüstungsverringerung notwendig sind.
Ein weiterer Grund zur Vorsicht
nach Stockholm liegt in dem, was ich
vielleicht
das "neutrale Dilemma"
nennen möchte.
Die Sicherheitsbedürfnisse neutraler Staaten, die von

der Mobilisierung von Zivilisten abhängig sind, sehen ganz anders aus
als jene von Bündnissen mit stehenden
Armeen. Die Aushandlung von Abkommen, die Staaten mit einer derart unterschiedlichen
Sicherheitsorganisation,
-bedürfnissen
und
-Verpflichtungen
betreffen,
ist
eine
äußerst komplexe Aufgabe. Ein Grund
dafür, daß Stockholm zu einem Erfolg
dabei wurde, diese unterschiedlichen
Bedürfnisse von 35 Staaten auf einen
Nenner zu bringen, lag darin, daß das
Mandat der Konferenz begrenzt und
klar umrissen ist. Alle künftigen
Anstrengungen auf europaweiter Grundlage müssen sorgfältig darum bemüht
sein, von Anfang an mit Instruktionen
vorzugehen, die gleichermaßen klar,
konkret und durchführbar sind und die
auch die speziellen Sicherheitsbedürfnisse jener in Rechnung stellen,
die keinem Bündnis angehören.
während wir die Stockholmer Maßnahmen durchführen und nach Möglichkeiten suchen, sie zu stärken und
auszuweiten, bemühen wir uns gleichzeitig darum, die Lehren von Stockholm auf die Fragen der Verringerung
der konventionellen Streitkräfte in
Europa anzuwenden. Wie Sie wissen,
untersucht die von der NATO eingerichtete
hochrangige
Arbeitsgruppe
die gesamte Problematik der Verringerung der konventionellen Rüstung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
mit Nachdruck die Ziele einer Verringerung der konventionellen Waffen,
wie wir dies ja auch durch unsere Beteiligung zusammen mit Großbritannien
und anderen Staaten an den Wiener
MBFR-Gesprächen
demonstrieren.
Letztlich stehen all diese Sicherheitsfragen miteinander in Beziehung;
Fortschritt in einem Bereich kann zur
Ebnung des Weges in einem anderen
beitragen.
Da
Gespräche
über
Rüstungsverringerung für ihren Fortgang ein stabiles Umfeld benötigen,

- 5-

�sollten Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die zu größerer
Offenheit und Verständnis zwischen
den beteiligten Staaten - und somit
zu größerer Stabilität - führen, eine
entscheidende Rolle spielen.
Die
Lehren von Stockholm könnten bei der
Entscheidung darüber, welchen Weg wir
als nächstes verfolgen sollen, von
größtem Wert sein.

JENSEITS DER MILITXRISCHEN
SICHERHEIT
Der Erfolg von Stockholm kommt zu
einer Zeit, da die sowjetische Führung,
insbesondere
Generalsekretär
Gorbatschow, sich für mehr Offenheit
in der eigenen Innenpolitik wie auch
bei den internationalen Beziehungen
starkmacht.
Sollte Stockholm den
Beginn echten Wandels im sowjetischen
Denken bedeuten - eine "strategische
Verschiebung", wie es ein Kollege
kürzlich nannte -, könnten wir vor
einer seit vielen Jahrzehnten nicht
mehr gegebemen Möglichkeit zur Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses
und schließlich vielleicht der Wiederherstellung einer neuen, konstruktiveren Arbeitsgrundlage stehen.
Dieses umfassendere Ziel hat ja
letztlich die fundamentale Basis für
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Stockholmer Konferenz und
am KSZE-Prozeß von Helsinki bereitgestellt, dessen Teil sie ist. Aussenminister Shultz formulierte es in
seiner Rede bei der Eröffnung der
Konferenz so: "Der Helsinki-Prozeß
ist eine historische, friedliche Anstrengung, die Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren
Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte,
die
die
Hindernisse
beseitigen,
menschliche Kontakte und geistigen

Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen des
menschlichen Geistes weiter stekken."
Wenn die Sowjetunion beabsichtigt, eine neue Politik des glasnost, der Offenheit, zu betreiben, so
könnte Stockholm dem gesamten Helsinki-Prozeß einen wichtigen Impuls verleihen.
Dies ist sicherlich die
Hoffnung der Vereinigten Staaten; als
die Ergebnisse von Stockholm bekanntgegeben wurden, gab Präsident Reagan
eine Erklärung ab, in der er sagte:
"Ich begrüße dieses positive Ergebnis
der KVAE.
Es wird
zu größerer
Sicherheit in Europa und zu verbesserten
Ost-West-Beziehungen
beitragen.
Es übermittelt eine Botschaft, die von den Menschen in aller
Welt
begrüßt werden
sollte.
Es
zeigt, daß Ost und West bei ernsthafter Zielsetzung und harter Arbeit eine gemeinsame Grundlage schaffen können, um darauf eine sicherere Zukunft
zu errichten."
In dieser Erklärung unterstrich
der Präsident erneut die notwendige
Verbindung zwischen der Stockholmer
Konferenz und ihrer Vorgängerin, dem
KSZE-Prozeß von Helsinki.
"Dieses
KVAE-Ubereinkommen kann auch zu Portschritt im umfassenderen KSZE-Prozeß
beitragen," erklärte er. "Das Übereinkommen, das in Stockholm über
Sicherheitsfragen
erzielt
wurde,
macht ausgewogenen Fortschritt bei
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten nur noch um so zwingender. Beim Wiener KSZE-Folgetreffen,
das im November beginnt, wird die Delegation der Vereinigten Staaten auf
die Verwirklichung aller KSZE-Verpflichtungen
und auf ausgewogenen
Fortschritt bei der ganzen Bandbreite
der KSZE-Tagesordnung drängen."
Die Konferenz von Stockholm hat
den Sicherheitsbereich des HelsinkiProzesses
um
einen
bedeutsamen

- 6-

�Schritt vorangebracht.
Die Stockholmer Maßnahmen sind in sich selbst
wertvoll, und sie werden verwirklicht
werden.
Die anderen Bereiche des
Helsinki-Prozesses haben keinen Portschritt erlebt; bei einigen, insbesondere den Menschenrechten, gab es
Rückschritte.
Bei der Wiener KSZE-Folgekonferenz werden die Vereinigten Staaten
die Stockholmer Leistung im Kontext
des östlichen Versäumnisses prüfen,
allen
Verpflichtungen
gemäß
der
Schlußakte von Helsinki, einschließlich der Menschenrechte, gerecht zu
werden. Die Frage der Ausgewogenheit
zwischen allen zehn Grundsätzen der
Schlußakte wird bei unserem Urteil
schwer ins Gewicht fallen, wenn wir
darüber befinden, wie der KSZE-Prozeß
nach Wien fortgeführt werden soll.
Dabei geht es nicht darum, immer mehr
Treffen zu vereinbaren, bei denen es
in gleichem Maß um diejenigen Themen
geht, die den einzelnen Teilnehmern
von Bedeutung sind. Es geht darum,
die Glaubwürdigkeit
des KSZE-Prozesses als organisches Ganzes aufrechtzuerhalten.
Das
System
von
Stockholm mag funktionieren, aber die
Lebensfähigkeit einer auf Offenheit und wechselseitiges Vertrauen - gestützten
Sicherheitsvereinbarung
bleibt unvollkommen, wenn es Beteiligte gibt, die sich auch weiterhin
gegen Offenheit, menschliche Kontakte, Reisen und Kommunikation zwischen
Bürgern der Teilnehmerstaaten stellen.

werfen, die Verpflichtungen von Helsinki - und die Verpflichtungen von
Stockholm - ernst zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Konferenz von Stockholm von Anfang
bis Ende unterstützt. Wir haben mit
unseren Verbündeten auf einen erfolgreichen Abschluß hingearbeitet und
wir blicken mit Befriedigung auf das
Ergebnis - nicht zuletzt, weil es
eine Leistung des Bündnisses, nicht
nur einzelner Staaten war. Die NATO
hatte von Beginn an konkret und klar
umrissene Zielsetzungen und wir arbeiteten konsequent daran, sie in die
Tat umzusetzen. Auch in dieser Hinsicht erteilt Stockholm uns für die
Zukunft eine Lehre: eine kohärente,
einige Bündnisposition, vor Verhandlungsbeginn festgelegt und beibehalten, kann sogar bei hochkomplexen,
multilateralen Sicherheitsfragen zu
Erfolg führen. Ich bin ganz einfach
davon überzeugt, daß Stockholm ohne
eine so gute Zusammenarbeit im Bündnis nie ein so positives Ergebnis gezeitigt hätte.
Die Beendigung der Stockholmer
Konferenz bedeutet deshalb kein Ende. Es ist ein Schritt nach vorn,
der neue Möglichkeiten für die OstWest-Beziehungen eröffnet.
Alle 35
Staaten haben weitere Verpflichtungen
übernommen; wir alle müssen ihnen gerechtwerden.
Aber wir haben auch
neue Möglichkeiten geschaffen; jetzt
müssen wir uns alle darum bemühen,
Vorteil daraus zu ziehen.

Ich möchte in dieser Hinsicht auf
die Bedeutung verweisen, die die Vereinigten Staaten der Verhaftung des
amerikanischen Journalisten Nicholas
Daniloff aufgrund erfundener Anschuldigungen beimessen. Dieser eine Akt,
der eine Ohrfeige für alles ist, wofür der Helsinki-Prozeß steht, muß
Zweifel bei uns allen hinsichtlich
der sowjetischen Bereitschaft auf- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'V,oN ^

Hintergrundmaterial
1. Oktober 1986

32

Nachfolgend finden Sie den vierten und letzten Teil der Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten drei Teile bereits in den Amerika Dienst-Ausgaben Nr. 29, 30 und
31 erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA

Die politisch-militärische Situation 1986
Die salvadorianische Armee hat ihre offensiven Operationen gegen
Guerilla-Stützpunkte fortgesetzt. Aus diesem Grunde ist die Stärke der
FMLN, die in den Jahren 1982/83 ein Ausmaß von 9 000-12 000 erreicht
hatte, jetzt auf 5 000-7 000 Mann(107) zurückgegangen. Dieser Rückgang
ist auf die von den erheblich verbesserten salvadorianischen Streitkräften beigebrachten Verluste auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, ferner auf Deserteure der Guerilla und auch auf die Unfähigkeit der FMLN,
die salvadorianische Jugend für die Sache der Guerilla zu gewinnen.
Die Streitkräfte

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Streitkräfte haben die Guerilla auf dem Land stark unter Druck
gesetzt und gleichzeitig mit Unterstützung der Vereinigten Staaten ihre
Fähigkeit ausgebaut, dem Terrorismus in den Städten und Angriffen auf die
wirtschaftliche Infrastruktur zu begegnen. Moral und Vertrauen innerhalb
der Streitkräfte gelten weiterhin als hoch. Im Laufe des Jahres 1985 bis
Anfang 1986 hat die salvadorianische Armee ihren militärischen Vorsprung
vergrößert und ihre Einhaltung der Menschenrechte verbessert. Durch eine
Mischung von Operationen größerer Einheiten und kleineren taktischen Manövern mit Patrouillen hindern sie die Guerillas daran, ihre Einheiten
auf größere Angriffe zu konzentrieren.
Um auf diese in hohem Maße veränderte Situation zu reagieren, hat die
FMLN sich eine Strategie zu eigen gemacht, die sich konzentriert auf (1)
fortgesetzte Bemühungen zur Zerstörung der Wirtschaft des Landes, (2) Intensivierung des Terrorismus in den Städten und (3) Kriegführung mit
Minen in ländlichen Gebieten. Dieses dritte Element hat den Leiden El
Salvadors einen besonders grausamen Aspekt hinzugefügt. Die wahllose
Plazierung von Landminen hat Hunderte von Zivilisten in ländlichen Gebieten verwundet und getötet, hauptsächlich Kinder unter 15 Jahren. Die
FMLN zeigt darüber wenig Reue und benutzt geheime Radiosender, um ihr Bestreben zu verkünden, weiterhin Landminen dazu zu benutzen, um die
Kaffee-Ernte zu erschweret 108). Trotz Kritik am Gebrauch von Landminen
seitens der katholischen Kirche, lassen die Guerillas keine Anzeichen erkennen, von dieser Taktik abzugehen.
Obwohl sie gegenüber den Guerillas militärisch aufholt, hat die salvadorianische Regierung die Tür zum Dialog aufgehalten, was den Guerillas
erlauben würde, ihre Sache an das Volk heranzutragen, indem sie am demokratischen Prozeß teilnehmen. Im März 1986 verkündete Präsident Duarte
eine größere Friedensinitiative. Er schlug dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega einen Plan vor, der gleichzeitig ablaufende Gespräche zwischen der salvadorianischen Regierung und der FMLN einerseits und der Regierung Nicaraguas und der UNO andererseits forderte. Solche Verhandlungen würden automatisch Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und
Nicaragua in Gang setzen. Duarte schlug ferner einen fortlaufenden Dialog
auf regionaler Ebene vor, der in einem mittelamerikanischen Parlament
stattfinden sollte. Die Sandinisten wiesen den gesamten Vorschlag kategorisch zurück, wobei es Comandante Bayardo Arce war, der als erster während eines Staatsbesuchs in Moskau seine Ablehnung zum Ausdruck brachte.
Die salvadorianischen Guerillas lagen auf der sandinistischen Linie. Die
anderen Länder Mittelamerikas billigten jedoch den Plan Duartes einstimmigt 109).

Die Rolle der katholischen Kirche
1979 und 1980 ging die Forderung nach sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Reformen vor allem von der salvadorianischen katholischen
Kirche aus.
Der Führer der katholischen Kirche El Salvadors, Erzbischof Oscar Romero, wurde ermordet, als er die Messe las. Die Guerilla
versuchte den Eindruck zu erwecken, daß die Kirche mit ihr gemeinsame
Sache mache. In Wirklichkeit sah die Kirche die Guerilla als das an, was
sie war, als eine zunehmend der Errichtung einer kommunistischen Regie- 2 -

�kommunistischen Regierung verschriebene Organisation. Auf der anderen
Seite sah die Kirche, daß die Regierung zwar die besten Absichten hatte,
sich aber relativ unfähig zeigte bei der Kontrolle der Aktivitäten von
Todesschwadronen und anderen Greueltaten, wie etwa beim Mord an vier
amerikanischen Nonnen im Dezember 1980 durch Mitglieder der salvadorianischen Sicherheitskräfte. Die Guerilla versuchte, aus den Spannungen in
der Staatskirche Kapital zu schlagen indem sie sagte, daß "die salvadorianische Kirche den Kampf der Guerilla gegen das Regime Präsident
Duartes unterstützt"(110), eine Behauptung, der das Büro des Erzbischofs
sofort widerspräche 111). Berichten zufolge fälschte die Guerilla zu
einem späteren Zeitpunkt die Unterschrift von Romeros Nachfolger, Erzbischof Arturo Rivera y Damas, auf gegen die Regierung gerichteten
Pamphleten, die im Ausland verbreitet wurden, um Geld für die FMLN aufzubringen, und erregte damit den Zorn der Kirche(112).
Die salvadorianische Kirche ist oft mit der Aussage zitiert worden,
sie sei gegen militärische Hilfe der Vereinigten Staaten an die Armee.
Die offizielle Zeitung der Diözese Salvador hat jedoch kürzlich von einem
Druck berichtet, der von amerikanischen Staatsbürgern auf die Regierung
der Vereinigten Staaten ausgeübt würde, um eine solche militärische Unterstützung El Salvadors einzustellen. Ein Leitartikel in "Orientacion"
berichtet:
Obwohl der Krieg grausam ist und wir uns nach Frieden sehnen, ist es
nicht mehr so einfach, die Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten
zu verurteilen. Das Entwaffnen der salvadorianischen Armee würde
logischerweise eine Förderung des Sieges der Guerilla bedeuten. Wir
denken, daß das nicht richtig wäre, wenn man sieht, wie viele Menschen bereits ihren Willen bekundet haben. Dies ist die Wahrheit,
und wir verstehen nicht, warum andere Völker, Organisationen oder
Einzelpersonen über unser Schicksal entscheiden wollen. Niemand will
den Krieg. Wir wollen alle den Frieden. Das Vernünftigste wäre
daher, die Einstellung der Waffenlieferungen sowohl an die Armee als
auch an die Guerilla zu fordern. Es wäre richtig, nach menschlichen
und vernünftigen Mechanismen zu suchen, mit deren Hilfe ein Frieden
zu erreichen ist, ohne daß man zu den Waffen greifen muß(113).
Die katholische Kirche in El Salvador fordert unausgesetzt den Dialog
und verurteilt Gewalt von beiden Seiten. Sie bleibt ein Vertrauens- und
glaubwürdiger Mittler zwischen Regierung und Guerilla. Sie hat die Reformen unterstützt, von denen sie glaubt, daß sie El Salvador von der unruhigen Phase der Jahre 1979-80 in die hoffnungsvollere gegenwärtige Zeit
gebracht haben. Im Hinblick auf die politischen Bindungen ihres Landes
im Jahre 1985 erklärten die Bischöfe am 8. August in einem Hirtenbrief:
Wir haben auf der einen Seite eine konstitutionelle Regierung, die
durch das überragende Ergebnis an den Wahlurnen in vier aufeinanderfolgenden Wahlen bestätigt worden ist, die praktisch ein wiederholtes
"Referendum" für die Demokratie waren, und auf der anderen Seite haben wir die FDR/FMLN, die für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu
vertreten - eine Behauptung, die sie nicht belegen können - und die
darüber hinaus auf Gewalt und Sabotage als grundlegender Komponente
ihres Kampfes zurückgreifen und sich somit in eine Lage bringen, der
wir nicht zustimmen können(114).
Die nahe Zukunft

- 3 -

�Die nahe Zukunft
Trotz der Fortschritte in den letzten sechs Jahren ist die Zukunft El
Salvadors prekär. Sowjets und Kubaner sind entschlossen, Nicaragua dabei
zu unterstützen, den Zustrom von Waffen, Munition, Landminen und Sprengstoff an die salvadorianische Guerilla aufrechtzuerhalten. Trotz der
Tatsache, daß ihre Erfolge in den letzten zwei Jahren nachließen, hat die
Guerilla auch weiterhin die Fähigkeit, Sabotageakte im großen Stil durchzuführen und größere Angriffe auf salvadorianische militärische Einrichtungen auszuführen. Sprengstoffexperten sprengen noch immer Elektromaste, die das Land mit Strom versorgen. ' In den letzten Monaten des
Jahres 1985 haben sie sich auf die Zerstörung der Kaffee-Ernte konzentriert. Der Gebrauch von Landminen ist eine bekannte Taktik der
Guerilla, um die Kaffee-Ernte zu erschweren, von der El Salvador so sehr
abhängt. Diese Form des Wirtschaftskrieges fordert einen hohen Preis.
Die Arbeitslosigkeit beträgt über 40 Prozent und ist in hohem Maße auf
die unerbittliche Zerstörung der Wirtschaft durch die Guerilla zurückzuführen. Die Inflation liegt augenblicklich bei über 30 Prozent im
Jahr. Ironischerweise sind viele Probleme der Duarte-Administration Ergebnisse des Erfolgs der letzten Jahre. Gewerkschaften sind jetzt zunehmend rastlos, teilweise auch, weil die Kommunisten hier infiltrieren und
agitieren. In den letzten Jahren wären die Aktivitäten der Gewerkschaften von autoritären Militärregierungen scharf unterbunden worden. Die
politische Öffnung, die zu El Salvadors Erfolg beitrug, hat die Menschen
natürlich dazu veranlasst, von ihrer politischen Führung mehr zu verlangen. In gleichem Maße hat der Erfolg der Streitkräfte seit Beginn des
Jahres 1984 die Guerilla dazu gezwungen, sich auf den Terrorismus in den
Städten zu verlegen, mehr Entführungen durchzuführen (zu denen auch
solche von gewählten Regierungsmitgliedern und die der Tochter Präsident
Duartes gehörten), ferner Bombenanschläge und andere Aktionen, die darauf
abzielten, die Bevölkerung zu terrorisieren und das Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Diese Aktionen der Guerilla symbolisieren deren
Entschlossenheit, den Krieg gegen die gewählte Regierung weiterzuführen,
mit welchen Mitteln auch immer. Die salvadorianische Armee, die eine
Guerillatruppe auf dem Schlachtfeld besiegen könnte, weiß, daß sie nur
unzureichend in der Lage ist, sich der neuen Bedrohung in den Städten
entgegenzustellen, obwohl sie sich an diese neue Herausforderung anpaßt.
Die Taktik der FMLN ist darauf ausgerichtet, das Militär zu einer Wiederaufnahme der repressiven Taktiken vergangener Jahre zu provozieren.
Trotz der Gewaltakte und wirtschaftlichen Probleme, denen sich El
Salvador gegenübersieht, steht das Land doch im Jahr 1986 auf einer solideren Grundlage als noch vor etwa drei Jahren, und es geht ihm sicher
besser als in der brisanten Zeitspanne von 1979-80. Auf El Salvador
richtet sich das Hauptaugenmerk der kubanisch-sowjetischen Verbindungen
in dieser Region; Nicaragua ist sicherlich der Angelpunkt kommunistischer
Strategie in Mittelamerika. Die sowjetisch-kubanisch-nicaraguanische Offensive beschränkt sich jedoch nicht nur auf El Salvador, vielmehr ist
ganz Mittelamerika ihr Ziel.

GUATEMALA, HONDDRAS

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�GUATEMALA, HONDURAS UND COSTA RICA:
ERLANGUNG UND ERHALTUNG DER DEMOKRATIE

Der Weg zu Frieden und Demokratie
Obwohl sich die Hauptlast der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen
Aggression gegen El Salvador richtete, blieben die anderen mittelamerikanischen Länder nicht von Angriffen verschont. Guatemala, Honduras und
sogar Costa Rica, das keine Armee zu seiner Verteidigung hat, mußten alle
Verletzungen ihrer Souveräntitätsrechte hinnehmen. All diese drei Länder
hatten 1985 und Anfang 1986 erfolgreiche Präsidentschaftswahlen, die gezeigt haben, daß die Völker Mittelamerikas ihre eigene Führung wählen und
sie nicht etwa von rechten oder linken Extremisten aufgezwungen bekommen
wollen
Die Ereignisse in Guatemala, Honduras, Costa Rica und El Salvador
zeigen, daß die wahre, in Mittelamerika stattfindende Revolution demokratischer Natur ist, in der die Menschen sich Gehör verschaffen wollen
und auch gehört werden. In Nicaragua sind jedoch einem erheblichen Teil
der Bevölkerung die bürgerlichen Rechte durch eine Minderheit aberkannt
worden und die Geißel Mittelamerikas, die Militarisierung, ist zu einem
neuen Höhepunkt gelangt.
Die Menschen der Region sind sich sehr wohl der antidemokratischen,
expansionistischen Natur der Marxisten und Leninisten in Managua bewußt.
Das zeigte sich eindeutig in Meinungsumfragen, die von "Interdisciplinary
Consultants on Development", einer in Costa Rica arbeitenden Tochter des
Meinungsforschungsinstitutes Gallup International durchgeführt wurden.
Die Erhebungen wurden 1983 und 1985 in El Salvador, Guatemala, Honduras
und Costa Rica gemacht. (Solche unabhängigen Meinungsumfragen sind in
Nicaragua verboten; auf Anordnung der sandinistischen Regierung sind Meinungsumfragen zum Staatsmonopol erklärt worden). Diese Untersuchungen
von 1983 und 1985, die sich der üblichen, von Gallup angewandten Methoden
bedienten, haben herausgefunden, daß die überwältigende Mehrheit der Befragten (1) Nicaragua fürchten, (2) Kuba als sowjetischen Agenten betrachten, (3) Nicaragua als Agenten Kubas und der Sowjetunion ansehen,
und (4) der militärischen Hilfe der Vereinigten Staaten an ihre Länder
und an die anti-sandinistische Widerstandsbewegung zustimmen. In Honduras und Costa Rica hat die militärische Anwesenheit der Vereinigten
Staaten die überwältigende Zustimmung der Befragten dieser Länder(115).
Indem sie die Ansichten ihrer Bürger berücksichtigen, haben die demokratischen Regierungen Mittelamerikas positiv auf Präsident Duartes Friedensvorschlag reagiert. Im März 1986 haben die kürzlich eingesetzten
Präsidenten von Guatemala und Honduras sowie der gewählte Präsident Costa
Ricas die nicaraguanische Regierung gebeten, mit ihrer Opposition in
einen Dialog zu treten, der eine ähnliche Gesprächsbereitschaft in El
Salvador sowie Diskussionen zwischen Nicaragua und den Vereinigten Staaten einleiten würde. In ihrer Erklärung beschreiben die drei Staatsmänner ihren Vorschlag:
Wir unterstützen

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�Wir unterstützen den Vorschlag und sind davon überzeugt, daß es notwendig ist, gemeinsam ausgedehnte und sehr ernsthafte Anstrengungen
zu unternehmen, um die nicaraguanische Regierung zu veranlassen, die
Dringlichkeit der Eröffnung eines Dialogs anzuerkennen und somit
günstige Umstände zu schaffen, um den Frieden im Isthmus zu erreichen
und die Demokratie zu festigen(116).
Ein Austausch von Telegrammen zwischen dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega und dem costaricanischen Präsidenten Luis Alberto Monge haben
klar die unterschiedlichen Reaktionen der kommunistischen Regierung Nicaraguas und der demokratischen Regierung Costa Ricas auf die Initiative
Duartes gezeigt. In seiner Mitteilung vom 14. März schrieb Ortega:
Ich muß der jüngsten, in Honduras am 13. März unterzeichneten Erklärung, die die Initiative Präsident Duartes unterstützt, klar und kategorisch widersprechen. Sie verwickelt seine Regierung in einen
Akt, der der Moral, dem Völkerrecht und bestehenden Verträgen zuwiderläuft und die Manipulation der Regierung von El Salvador durch
die Vereinigten Staaten fördert. Der Vorschlag Präsident Duartes
zielt auf die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Nicaraguas
ab und wirbt um Unterstützung der für eine ausländische Macht operierenden Söldner, die versuchen, eine absurde und amoralische Verbindung zwischen dem Bürgerkrieg in unserem Bruderland El Salvador,
der von strukturellen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten herrührt, herzustellen und einem Aggressionskrieg, der von der Regierung
der Vereinigten Staaten dem Volk von Nicaragua aufgezwungen und von
der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt wird(117).
In seiner Antwort auf Ortega vom 26. März sagt Präsident Monge:
Was Ihre Ansicht betrifft, daß Costa Rica eine amoralische und illegale Handlung begangen habe, indem es Präsident Duartes Initiative
unterstützt, so möchte ich betonen, daß der Plan im Geiste der Verhandlungen der CONTADORA-Gruppe steht, das heißt, er dient dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in Mittelamerika. Ich verstehe, daß es für
die gegenwärtige Regierung Nicaraguas unannehmbar sein mag, sich
einem solchen Prozeß anzuschließen, aber ich kann deshalb nicht Ihre
Kriterien für die Art und Weise akzeptieren, in der Costa Rica seine
Außenpolitik

durchführen sollte und möchte aus diesem Grund diese

Kriterien energisch ablehnen und darauf hinweisen, daß wir immer
daran geglaubt haben, daß ein Dialoig das Mittel zur Lösung politischer Probleme bietet. Wir haben ferner festgestellt, daß dies
auch die Richtung sei, die El Salvador verfolgen sollte und denken
auch, daß sie genauso unverzichtbar für Nicaragua sein sollte(118).
Nicaraguas mangelnde Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung hat
sich seit dem Einmarsch der Sandinisten in Managua 1979 nicht geändert.
In Wirklichkeit hat sich seit den Tagen Somozas, der auch in den Jahren
1978-79 eine militärische und nicht etwa politische Lösung für die Probleme seines Landes suchte, ohnehin nicht viel geändert. Aber für die
anderen Demokratien Mittelamerikas ist es der friedliche und demokratische Weg, den diese in den achtziger Jahren eingeschlagen haben.
Guatemala

�Guatemala
Guatemala ist das bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas und dasjenige mit den günstigsten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Ein wirtschaftlich gesundes und demokratisches Guatemala hätte einen positiven
Einfluß auf alle Länder Mittelamerikas. Am 14. Januar 1986 wurde Vinicio
Cerezo als Präsident von Guatemala eingesetzt, nach einem Wahlvorgang,
der mit den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 seinen
Anfang nahm. In Cerezos Wahl zum Präsidenten spiegelt sich der ganze
Wandel der guatemaltekischen Politik seit 1980 wider.
Als Führer der um Reformen bestrebten Christdemokraten wurde Cerezo
von den Militärregierungen, die Guatemala bis dahin regierten, als deren
Feind angesehen, besonders jedoch von Präsident Romero Lucas Garcia
(1978-82).

Gerade während der Amtszeit Lucas Garcias war Cerezo Ziel

dreier Mordanschläge. Cerezo war ein offener Kritiker der Menschenrechtsverletzungen und der von der Regierung geschürten Kampagne der Gewalt. Im März 1982 setzte eine Gruppe junger Offiziere Präsident Lucas
Garcia ab, bevor er die Macht an seinen Nachfolger übergeben konnte, der
die betrügerischen Wahlen "gewonnen" hatte. Diese Offiziere baten den
pensionierten General Efrain Rios Montt, eine neue Regierung zu leiten.
Er setzte eine starke und erfolgreiche Kampagne gegen Aufstände in Gang,
aber sein exzentrischer persönlicher Stil führte schließlich 1983 zu
einem militärischen Coup seitens seines Verteidigungsministers, General
Oscar Humberto Mejia Vitores. Unter der neuen Militärregierung begann
sich die politische Atmosphäre zu wandeln. Mejia arbeitete einen Zeitplan für Wahlen aus und hielt sich auch daran, wobei die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 den Prozeß einleiteten. Als die
Kampagne für die Präsidentschaftswahlen begann, führte Cerezo einen offenen Wahlkampf, in dem sicheren Glauben, daß das Militär die Absicht
hatte, den politischen Prozeß zu öffnen, freie und ehrliche Wahlen zu
überwachen und dann in die Kasernen zurückzukehren.
Viele Kritiker in Guatemala sagten, ein so gemäßigter Politiker wie
Cerezo würde nie gewählt werden. Sie argumentieren, daß das Land zu sehr
durch soziale und wirtschaftliche üngleichkeiten polarisiert sei, als daß
eine Lösung der Mitte erreicht werden könnte. Man glaubte allgemein, daß
Gewalt, nicht Ausgleich, weiterhin das politische Leben in Guatemala bestimmen würden, zumal bestimmte Elitegruppen der Militärs und Landbesitzer Reformisten als Kommunisten betrachteten. Die Ergebnisse der Wahlen
von 1985 zeigten, daß die Kritiker sich geirrt hatten: Die Bevölkerung
Guatemalas lehnte den Extremismus ab, als sie ihre Stimme abgab. Sie
wählte einen Mann und eine Partei, die sich der Durchführung von Reformen
zum Vorteil der Armen und der indianischen Mehrheit verschrieben hatten.
Die Zukunft der Zivilregierung und die Problem der Verwirklichung der
Demokratie in Guatemala liegen auf den Schultern von Präsident Cerezo und
seiner Regierung. Die von Cerezo in der Präsidentschaftswahl von Dezember erzielte deutliche Mehrheit bietet ihm die große Gelegenheit, ein
neues Zeitalter der guatemaltekischen Politik einzuleiten, wenn er sich
bei der Behandlung der Probleme Guatemalas erfolgreich zeigt, wird die
Demokratie möglicherweise feste Wurzeln schlagen; wenn er scheitert, wird
ihn vielleicht eine autoritäre Regierung der Rechten oder eine totali-

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�eine totalitaristische der Linken ersetzen. Die Fallen, denen sich die
neue Regierung gegenübersieht, sind tief und zahlreich. Die Schwierigkeiten, die es zu bestehen gilt, umfassen die Verbesserung der Menschenrechtssituation, ferner muß das Militär davon überzeugt werden, daß es
seine direkte politische Rolle aufgeben und die möglicherweise erneute
Guerillabewegung unter Kontrolle behalten muß. Es gilt auch, die notwendigen wirtschaftlichen und politischen Reformen durchzuführen.
Die von der Regierung Cerezo übernommene wirtschaftliche Situation
ist instabil und trägt zu einer erheblichen Bedrohung durch aufständische
Gruppen bei. Fidel Castro gewährt ihnen zwar Unterstützung, war jedoch
nie dabei erfolgreich, die verstreuten Elemente der extremen Linken in
Guatemala so zu vereinen wie in El Salvador, obwohl die guatemaltekischen
Linken ihre Einheit formell in einem Treffen mit kubanischen und sandinistischen Führern 1980 in Managua bekundeten. Sollten Castro und die
Sandinisten sich dafür entscheiden, der Guerilla in Guatemala zusätzliche
Hilfe zu gewähren, so könnte eine leistungsfähigere und vereinte Guerilla-Bewegung für die neue guatemaltekische Regierung wirklich eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Wie gut der Präsident und andere Bereiche
der Gesellschaft zusammenarbeiten, um dieser Herausforderung zu begegnen,
wird in hohem Maße dazu beitragen, die Zukunft Mittelamerikas zu formen.

Honduras
In den letzten sechs Jahren befand sich Honduras im Vorfeld der Ereignisse in Mittelamerika. Als ein Land mit langer Geschichte der Militärherrschaft, hielt Honduras 1980 Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung ab und führte 1981 und 1985 Präsidentschaftswahlen durch. Jose
Azcona Hoyos Nachfolge des Präsidenten Roberto Suazo Cordoba war das
erste Mal in fünfzig Jahren, daß ein gewählter Zivilist einen anderen gewählten Zivilisten im Amt des Präsidenten ablöste. Wie seine Amtskollegen in El Salvador, Guatemala und Costa Rica, sieht sich auch Präsident
Azcona einem wechselvollen Berg wirtschaftlicher und politischer Probleme
gegenüber, von denen viele auf das Konto der aggressiven und expansionistischen Politik der sandinistischen Nachbarn gehen. Honduras hat mit
Nicaragua eine gemeinsame Grenze von 508 Meilen und mit El Salvador eine
von 226 Meilen. Diese geographischen Faktoren haben Honduras zu einem
zentralen Element bei Nicaraguas Bemühungen gemacht, die Regierung El
Salvadors zu stürzen. Das Territorium von Honduras wurde seit mindestens
1980 von den Sandinisten als Transportweg für Waffen, Munition und Nachschub an die salvadorianische Guerilla benutzt.
Kuba und Nicaragua haben ferner honduranische Guerillas in Honduras
ausgebildet und bewaffnet und sie nach Honduras eingeschleust, um die
honduranische Regierung zu schwächen. Im Juli 1983 ist eine 96 Mann
starke Guerilla-Einheit in das Gebiet Olancho in Honduras eingedrungen,
um eine Operationsbasis zu errichten. Diese jungen Honduraner wurden Anfang 1981 rekrutiert, in Kuba militärisch ausgebildet und Mitte 1983 in
Nicaragua unter dem Kommando sandinistischer Offiziere in den Kampf geschickt. Die Honduraner wurden dann mit Waffen, Munition und Ausrüstung
versehen und nach Honduras zurückgeschickt, um den Guerillakrieg in ihrem
eigenen Land zu entfachen. Die Gruppe bekam praktisch keinerlei Unter-

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�keinerlei Unterstützung durch die Bewohner des Gebietes und viele Mitglieder litten bald an Hunger, den Unbilden der Witterung und Krankheiten. Das honduranische Militär fing die Gruppe ab und tötete oder verwundete die Guerillas.
Im Juli 1984 wurde eine andere Gruppe, die dieses Mal aus nur 19
ebenfalls in Kuba ausgebildeten und in Nicaragua kampferprobten Männern
bestand, in die Provinz El Paraiso eingeschleust. Wiederum reagierten
die honduranischen Sicherheitskräfte schnell und kesselten die Gruppe im
Oktober 1984 ein. Diejenigen, die desertierten oder gefangengenommen
wurden, erzählten das Gleiche wie die Olancho-Gruppe: Kuba und Nicaragua
hätten gemeinsam die Aggression gegen die honduranische Regierung unterstützt.
Bevor er sein Amt aufgab, hielt Präsident Suazo Cordoba eine Rede, in
der er auf die Leistungen seiner Administration zurückblickte. Er beschrieb den doppelbödigen Maßstab derjenigen, die Nicaragua unterstützen
und gleichzeitig behaupten, Honduras wäre zu einem "Waffenlager" der Vereinigten Staaten geworden, weil die US-Streitkräfte mit den honduranischen Truppen Übungen durchführen:
Jene, die normalerweise die Regime des gottlosen Totalitarismus lobpreisen, sagen von Honduras, es sei ein besetztes Land. Sie erwähnen
jedoch nicht, daß eines unserer Nachbarländer von Beratern aller
marxistischen Länder der Welt besetzt ist. Ich glaube, daß die ideologische Subversion zunimmt. Wir in Honduras wissen, aus welcher
Richtung sie kommen wird. Ich habe bereits an anderer stelle gesagt,
daß selbst, wenn wir genug Mittel hätten, um 100, 200 oder 300 Millionen für die Ausrüstung unserer Streitkräfte auszugeben - und wir
haben trotz allem bereits viel für deren Ausrüstung getan - wäre das
ein unbedeutender Betrag für die Ruhe und den Frieden in unserem
Land. Es ist traurig, das Land in Furcht vor dem Terror jener zu
sehen, die dem internationalen Kommunismus zustimmen(119).
Präsident Suazos Worte zeigen die Besorgnis vieler Menschen in Mittelamerika über den sich ausbreitenden Militarismus in Nicaragua. Diese
Besorgnis tritt vielleicht nirgendwo offener zutage als in Costa Rica,
dem anderen Land, das an die Sandinisten grenzt.

Costa Rica
Costa Rica schaffte seine Armee im Jahre 1948 ab und unterstellte
sich dem sicheren Schutzschirm der OAS. In den achtziger Jahren fürchtet
Costa Rica jedoch wegen der überwältigenden militärischen Überlegenheit
und aggressiven politischen Philosophie des benachbarten marxistischleninistischen Nicaragua für die Sicherheit seines Landes. Der Präsident
Costa Ricas, Luis Albert Monge, ein langjähriger erbitterter und offener
Feind Somozas, sprach für die große Mehrheit der Costaricaner, als er
1983 sagte: "In den vierzig Jahren der Herrschaft Somozas standen wir
niemals vor der gleichen Bedrohung wie in der vierjährigen Herrschaft der
Sandinisten"(120).
Aus den vier

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�Aus den vier Jahren sind inzwischen sieben geworden und die Haltung
der Costaricaner ist noch abweisender gegenüber der Aggressivität der
Sandinisten. Mehr als 90 Prozent der in Costa Rica bei der Gallup-Umfrage im Juli 1985 Befragten gaben an, daß sie Nicaragua als die größte
militärische Bedrohung ihres Landes betrachtetet 121).
Das war nicht immer so. Im letzten Jahr der Herrschaft Somozas in
Nicaragua bewunderten die Costaricaner die jungen sandinistischen Guerillas, die gegen den verhaßten Diktator kämpften. Anfang des Jahres 1979
erlaubten die Costaricaner unter großen Risiken für ihre eigene Sicherheit, daß ihr Land als Durchgangsstation für Waffen und Nachschub der
Sandinisten in ihrem Kampf gegen Somoza benutzt wurde. Die von Panama
und Venezuela zur Verfügung gestellten Waffen gingen ganz offen über
Costa Rica an die Sandinisten und Somoza drohte sogar damit, sandinistische Unterschlüpfe in Costa Rica zu bombardieren.
Auch Castro gewährte seinen langjährigen sandinistischen Freunden Unterstützung auf dem Weg durch Costa Rica, aber nicht so offen. Mit Hilfe
korrupter costaricanischer Beamter baute Castro einen geheimen Transportweg an die Sandinisten auf. Er tat das heimlich, um eine offene Verbindung zwischen Kuba und den Sandinisten zu vermeiden, die das demokratische Bild beeinträchtigt haben würde, mit dem sich die Sandinisten im
In- und Ausland Unterstützung verschafften.
Die Umstände dieser geheimen Waffenlieferungen wurden von einer im
Juni 1980 von der costaricanischen Legislative eingesetzten Sonderkommission festgestellt, die zu jener Zeit kursierenden Gerüchten nachging,
denen zufolge sich nach dem nicaraguanischen Bürgerkrieg ein Schwarzmarkt
mit in Costa Rica zurückgelassenem Kriegsmaterial entwickelt hätte(122).
Im Verlauf dieser Untersuchungen entdeckte die Kommission das verdeckte
Nachschubnetz der Waffenlieferungen aus Kuba. Die Kommission stellte
fest, daß es mindestens 21 Flüge zwischen Kuba und kleineren Flughäfen in
Costa Rica gegeben hatte, wobei wenigstens 500 Tonnen Waffen geliefert
wurden. Rodrigo Carazo, der Präsident Costa Ricas, leugnete zunächst,
daß die Flüge stattgefunden hatten, als er am 4. November 1980 von der
Kommission befragt wurde, gab sie später jedoch zu. Am 25. März 1981
gaben fünf costaricanische Piloten offen ihre Beteiligung an den Waffenlieferungen aus Kuba zu und gaben Einzelheiten der Operationen und die
Namen costaricanischer und kubanischer Beamter an, die in die Überwachung
der geheimen Flüge verwickelt waren. Sie erinnerten sich, daß auf einem
der Flüge nach Kuba, Manuel Pineiro Losada, der Chef der amerikanischen
Abteilung der kubanischen kommunistischen Partei, gefragt habe, ob sie
bereit seien, Waffen nach El Salvador zu fliegen(123).
Nicaragua hat seine demokratischen Nachbarn fortgesetzt belästigt und
die Bestrebungen costaricanischer Kommunisten unterstützt, das Land zu
schwächen. Costa Rica ist sich heute darüber im klaren, daß es militärisch nicht in der Lage wäre, sich gegen eine Invasion aus Nicaragua zu
verteidigen, weiß aber auch, daß solch eine offene Aggression unwahrscheinlich ist, weil sie voraussichtlich eine Reaktion der Vereinigten
Staaten hervorrufen würde. Die wahre, in San Jose bestehende Besorgnis
geht dahin, daß die Sandinisten versuchen, das soziale Gefüge des Landes
zu stören, um Costa Ricas starke demokratische Tradition zu untermi-

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�zu unterminieren. Die Regierung mußte an der Grenze zu Nicaragua wegen
wiederholter Grenzverletzungen durch die Sandinisten Posten aufstellen,
wodurch weniger Sicherheitsbeamte in San Jose und anderen Städten eingesetzt werden können. Deshalb hat die Kriminalitätsrate drastisch zugenommen, hauptsächlich im Drogenbereich. Costa Rica bleibt der Neutralität verpflichtet. Das heißt aber nicht, daß es angesichts einer Aggression passiv bleiben oder in seiner Verteidigung der Demokratie weniger
leidenschaftlich vorgehen wird. Ein nordamerikanischer Kenner Costa
Ricas mit Wohnsitz in San Jose schrieb:
Für Costa Rica bedeutet Neutralität im wesentlichen, daß die Regierung sich nicht militärisch mit oder gegen irgendeine Gruppe verbünden wird, die in einen Krieg verwickelt ist. Das heißt aber nicht,
daß Costa Rica keine politischen Bündnisse eingehen oder nicht sein
Recht zur Verteidigung seines Territoriums wahrnehmen wird. Die
costaricanische Regierung hat klar gestellt, daß sie die politischen
Ideale der Vereinigten Staten und anderer westlicher Demokratien unterstützt und daß sie auf die entwickelten Demokratien baut, wenn es
um wirtschaftliche Hilfe in seiner Wirtschaftskrise geht. Gleichzeitig verbessert die Regierung Costa Ricas ihre Verteidigungsfähigkeit, ohne jedoch die Aktivitäten als "Aufbau einer Armee" zu bezeichnet 124).
Die Costaricaner gingen am 2. Februar 1986 zu den Wahlen und wählten
Oscar Arias als Nachfolger seines Parteifreundes in der Nationalen Befreiungspartei, Monge, zum Präsidenten der am meisten gefestigten Demokratie in Mittelamerika. Diese Wahlen zeigten wieder einmal, daß Costa
Ricas Bevölkerung an die Demokratie glaubt und ihre friedliche Lebensweise beibehalten möchte. Costa Rica bleibt ein Land, das im völligen
Gegensatz zum Marxismus-Leninismus, zum militaristischen Nicaragua,
steht. Es ist vielmehr eine Demokratie mit allen Grundrechten, wo die
Herrschaft des Rechts die Oberhand über die Herrschaft der Gewehre behält.

DIE ZUKUNFT

Wir sind in der Überzeugung ans Ende dieser Untersuchung gelangt, daß
Mittelamerika zwar lebensfähig, aber auch verletzbar ist und daß es sich
die Vereinigten Staaten trotz aller möglichen bevorstehenden Krisen, die
die Aufmerksamkeit unserer Nation fordern, nicht leisten können, sich von
dieser bedrohten Region abzuwenden. Die Krise in Mittelamerika ist auch
unsere Krise.
Nationale überparteiliche Mittelamerika Kommission, Januar
1984
Mit Nicaragua

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�Mit Nicaragua als Stützpunkt können die Sowjets und Kubaner in dem
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika zur vorherrschenden
Macht werden. Haben sie erst einmal dort Fuß gefaßt, werden sie in der
Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege
in der Karibik zu behindern und sich schließlich gegen Mexiko zu wenden.
Sollte das eintreten, würden verzweifelte Lateinamerikaner zu Millionen
nach Norden in die Städte der südlichen Vereinigten Staaten fliehen, oder
dorthin, wo es noch ein bißchen Hoffnung auf Freiheit gibt.
Präsident Ronald
Reagans Ansprache an die
Nation 16. März
1986

Mögliche Konsequenzen eines sowjetisch orientierten Mittelamerika
Die Sowjetunion, Kuba und und Nicaragua haben wirkungsvoll und unaufhörlich auf das Ziel der Errichtung zusätzlicher marxistisch-leninistischer Regime in Mittelamerika und im Karibischen Raum hingearbeitet.
Obwohl Castro in der Verbreitung von Gewalt und der Ausbeutung der Armut
berechenbarer geworden ist, bleiben seine anti-demokratischen Ziele doch
die gleichen wie in den sechziger Jahren. Er verkündete in der Verfassung von 1976 öffentlich das Recht und die Pflicht Kubas, "revolutionäre"
und "nationale Befreiungsbewegungen" zu unterstützen. Die Sowjetunion
ihrerseits hat ihre Bemühungen fortgesetzt, die Aufmerksamkeit und die
Mittel der Vereinigten Staaten von sowjetischen Herausforderungen in anderen wichtigen Teilen der Welt fernzuhalten. Die Tatsache, daß die Sowjets die Regierung der Vereinigten Staaten bei der Wirtschafts- und Militärhilfe um fast das Fünffache in der Region seit 1980 überrundet haben, ist ein Maßstab ihres Interesses. Nicaragua ist der Hauptmittler
für die Bestrebungen der Sowjets und Kubaner in Mittelamerika geworden,
die Schwachstellen der Region auszubeuten und die Stabilität zu unterhöhlen.
Wie bereits bemerkt, sind die Bedingungen, die zur mangelnden Stabilität geführt haben, nicht von der Sowjetunion oder Kuba geschaffen worden. Das seit langem nagende Ungleichgewicht der Armut, des Analphabetismus und des Mangels an repräsentativen politischen Institutionen
können die Menschen schließlich zu gewaltsamen Handlungen verleiten.
Moskau, Havanna und Managua beuten diese ursächliche Problematik aus, um
die Frustrationen des Volkes zu verschärfen. Mit dem Guerillakrieg zielen die Sowjets und ihre Klientel nicht auf eine Verbesserung der sozialen Umgebung ab, sondern sie versuchen - um alles noch schlimmer zu
machen -, das Vertrauen der Menschen in ihre Regierungen zu unterminieren. Sollte daraus ein politisches Vakuum entstehen, sind die Sowjets
bereit, an der Schaffung und Festigung marxistisch-leninistischer Regierungen mitzuwirken.
In Nicaragua beabsichtigen die Sandinisten, ihre Kontrolle zu verstärken. Sollte ihnen das gelingen, wird es wahrhaftig ein "zweites
Kuba" in der Hemisphäre geben - dieses Mal genau im Zentrum Mittelameri-

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�Zentrum Mittelamerikas. Ein möglicher sowjetischer Stützpunkt auf dem
amerikanischen Kontinent würde zusammen mit einem Waffenlager der
Guerilla, Ausbildungsstätten und einem Sanktuarium für Terroristen eine
größere Gefahr für die Sicherheit der Hemisphäre darstellen als die relativ abgelegene Insel Kuba. Vor dem Hintergrund des selbstauferlegten
Einsatzes für den "revolutionären Internationalismus" würden die
Comandantes zweifellos ihre Bemühungen intensivieren, gleichgesinnte
Guerillas in El Salvador und in anderen Ländern Mittelamerikas an die
Macht zu bringen. Die Unterstützung der sandinisten für subversive Elemente ist bereits eine Quelle der großen Besorgnis für die Nachbarn Nicaraguas. Die Nationale überparteiliche Kommission des Präsidenten bemerkte in ihrem Bericht von Januar 1984:
Die Konsolidierung eines marxistisch-leninistischen Regimes in
Managua würde von dessen Nachbarn als permanente Bedrohung ihrer
Sicherheit betrachtet werden. Wegen ihrer Verschlossenheit würde die
Existenz einer politischen Ordnung nach kubanischem Modell eine große
Schwierigkeit darstellen, wenn es darum geht, irgendeine Verpflichtung der Sandinisten, sich von der Unterstützung des Aufstandes und
der Subversion in anderen Ländern abzuwenden, zu diskutieren, zu erfüllen oder zu verifizieren. In diesem Sinne würde die Entwicklung
eines offenen politischen Systems in Nicaragua, mit freier Presse und
aktiver Opposition, eine wichtige Sicherheitsgarantie für die anderen
Länder der Region darstellen und ein Schlüsselelement in jedwedem
verhandelten Abkommen bilden(125).
Wenn es den Sandinisten gelingt, eine solche Verhandlungslösung zu
vermeiden und wenn sie in der Lage sind, ihre militarisierte und expansionistisch orientierte Regierung zu konsolidieren, hätte das Konsequenzen über Nicaragua hinaus. Die daraus folgende Fähigkeit der Sowjetunion, ihren Einfluß in der Region auszudehnen, könnte die Vereinigten
Staten dazu veranlassen, ihre globalen Prioritäten neu zu überdenken.
Zum Schutz ihrer Sicherheit und ihres wirtschaftlichen Wohlergehens könnten die Vereinigten Staaten gezwungen sein, militärische Streitkräfte näher zu ihrem Land zu verlegen, zusätzliche Streitkräfte aufzustellen und
somit ihren Verteidigungshaushalt stärker zu strapazieren. Sollte eine
Reihe von Regierungen wie die der Sandinisten an die Macht kommen - kommunistische Diktaturen, die durch militärische Streitkräfte und sowjetisch-kubanische Unterstützung an der Macht gehalten werden -, würden die
Vereinigten Staaten sich wahrscheinlich einer Flut von politischen
Flüchtlingen gegenübersehen. Millionen von Menschen sind aus den kommunistischen Polizeistaaten geflohen, die seit dem zweiten Weltkrieg entstanden sind. Die Regime Osteuropas, Kubas, Vietnams, Xthiopiens, Afghanistans und jetzt Nicaraguas haben diese menschlichen Tragödien hervorgebracht. Diese Menschen haben die großen Härten eines Lebens als
Flüchtlinge vorgezogen, um den Verletzungen der Menschenrechte und der
Unterdrückung ihrer Freiheit zu entgehen, die für marxistisch-leninistische Regierungen charakteristisch sind. Ein Flüchtlingsstrom von Millionen von Menschen in die Vereinigten Staaten - in einem sowjetisch
orientierten Mittelamerika mit daraus folgendem Druck auf Mexiko eine
vorhersehbare Größe - könnte die Reserven des Südens und Südwestens der
Vereinigten Staaten stark strapazieren.
Der CONTADORA-ProzeB

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�Der CONTADORA-P rozeß
Das naheliegendste Mittel zur Verhinderung einer solchen Krise und
zur Verbesserung der Sicherheit Mittelamerikas und der Vereinigten Staaten ist der CONTADORA-Prozeß, in dessen Rahmen Kolumbien, Mexiko, Panama
und Venezuela versuchen, zu einer friedlichen Lösung zu finden. Grundthese der CONTADORA-Gruppe ist - so wird es in dem 21-Punkte-Dokument
ihrer Zielsetzungen vom September 1983 erläutert -, daß ein dauerhafter
Frieden in der Region nur dadurch erreicht werden kann, daß man sich den
eigentlichen Ursachen des Konfliktes zuwendet. In diesem Dokument verpflichten sich die Beteiligten zu Verhandlungszielen politischer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Natur, die in einem endgültigen
Vertrag ihren Niederschlag finden sollen(126).
Im Sicherheitsbereich fordert dieses Dokument der Zielsetzungen verifizierbare Schritte zur Beendigung der Unterstützung einer Subversion von
außen, Verringerungen bei der Anzahl ausländischer Militär- und Sicherheitsberater, Einstellung des illegalen Waffentransports und Kontrolle
bei Waffen- und Truppenumfang. Es betont die Notwendigkeit verstärkter
regionaler Zusammenarbeit bei sozialen und wirtschaftlichen Fragen und
bei der Flüchtlingshilfe. Demokratisierung, nationale Wiederversöhnung
und Achtung der Menschenrechte waren zentrale Elemente der politischen
Zielsetzungen, die zur Errichtung demokratischer, repräsentativer und
pluralistischer Systeme in der gesamten Region auffordern, um so gerechte
und regelmäßige Wahlen zu ermöglichen.
Die Ziele der CONTADORA-Gruppe stehen im Einklang mit der amerikanischen Politik gegenüber Nicaragua, die ein Ende der Aufrüstung, die Beseitigung sowjetischen, kubanischen und anderen ausländischen Militärpersonals, eine Beendigung der sandinistischen Unterstützung des Aufstandes in El Salvador und in anderen Staaten sowie die Förderung des politischen Pluralismus fordert, wie er im Einklang mit den Versprechungen
der sandinisten stünde, die diese der OAS gegenüber zum Zeitpunkt der Revolution im Jahr 1979 abgegeben hatten. Der CONTADORA-Prozeß will eine
friedliche Lösung für die Unruhen in Mittelamerika finden, indem er ein
Forum für sinnvolle Verhandlungen zwischen allen Parteien schafft.
Es ist außerdem klar, daß Nicaragua den CONTADORA-Prozeß "wegen dessen internationalem propagandistischem Wert" ausgenutzt hat, wie es Präsident Arias von Costa Rica formulierte. Zu den CONTADORA-Friedensgesprächen vom 5.-9. April schrieb Arias am 9. April 1986 weiter:
In Panama wurde die wahre Lage ganz deutlich, zwölf lateinamerikanische Außenminister, darunter die Außenminister der vier mittelamerikanischen Staaten, unterstützten die sofortige Unterzeichnung
der (CONTADORA-)Akte in Obereinstimmung mit der internationalen Meinung. Nur Nicaragua opponierte und demonstrierte damit erneut, daß
es weder eine wahres Interesse an Frieden in Mittelamerika, noch den
Willen dazu hat(127).
Die Vereinigten Staaten ermutigen zu einem direkten Dialog zwischen
den Sandinisten und ihrer bewaffneten Opposition, die durch die UNO repräsentiert wird. Bislang haben die Sandinisten wiederholt eine jede

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�eine jede solche Diskussion abgelehnt, obgleich sie Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten fordern. Die Regierung der Vereinigten Staaten
glaubt jedoch nicht, daß sie das Recht hat, einseitig über das Schicksal
des nicaraguanischen Volkes zu entscheiden. Es ist dies eine Angelegenheit, die unter Nicaraguanern selbst entschieden werden muß. Die sandinistische Weigerung, mit ihrer Opposition zu reden, steht in deutlichem
Widerspruch zu Präsident Duartes wiederholten Angeboten an die Aufständischen in El Salvador.

Ein wachsender Konsens
In den Vereinigten Staaten wächst der Konsens darüber, daß die Sowjetunion in Mittelamerika keine marxistisch-leninistischen Staaten oder
Militärbasen entwickeln dürfe und daß die Region nicht als Sprungbrett
für Terroristen dienen sollte. Dies wurde einstimmig sogar von Kongreßmitgliedern zum Ausdruck gebracht, die sich der Politik der Administration widersetzen. Zudem gibt es derzeit wenig Sympathie für die Sandinisten, die ihre "wahren politischen Farben" gezeigt haben, wie es die
New York Times im Oktober 1985 formuliertet 128). Die Sandinisten werden
jetzt von objektiven Beobachtern als das gesehen, was sie immer waren aggressive Kommunisten, die beabsichtigen, ihre unterdrückerische Regierungsform mit Waffengewalt in andere Länder Südamerikas zu exportieren.
Dieser wachsende Konsens könnte zur Triebfeder einer wirksamen überparteilichen Politik in dieser Region werden, einer Politik, die sich dazu
verpflichtet, ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins
Spiel zu bringen. Es wäre kostengünstiger, dieser Verpflichtung jetzt
nachzukommen, als sie aufzuschieben und später aufgrund einer noch größeren Bedrohung der Sicherheit durch verstärkte sowjetische Präsenz vor
noch schwierigeren Alternativen zu stehen.
Die Vereinigten Staaten haben sowohl das moralische, wie auch das
strategische Interesse an der Entwicklung repräsentativer Demokratien in
dieser Region und an einem Stillstand der Ausbreitung des Kommunismus.
Sollte es den Sandinisten gelingen, ein von den Sowjets unterstütztes,
totalitäres und expansionistisches Regime in Nicaragua zu konsolidieren,
so wäre es unwahrscheinlich, daß es in Mittelamerika zu Frieden und Demokratie kommen kann. Die Sandinisten haben einen Polizeistaat hervorgebracht, der von der Sowjetunion bewaffnet und von Kuba ausgebildet und
durch ein gewaltiges Ausmaß an Einschüchterung des nicaraguanischen Volkes an der Macht gehalten wird. Der in den vergangenen Jahren in der Region erzielte Fortschritt wird gefährdet, wenn die nicaraguanische, kubanische und von der Sowjetunion geförderte Aggression gegen die Demokratien Mittelamerikas ungehindert andauert. Die Sowjetunion hat große Investitionen vorgenommen und hofft auf strategische und politische Zinsen.
Kuba bleibt auch weiterhin der Hauptstellvertreter der Sowjets, aber die
Bedrohung der Stabilität der westlichen Hemisphäre ist durch den Zugang
Nicaraguas zum sowjetischen Lager noch verstärkt worden. Die Sandinisten
spielen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen zur Ausdehnung des
sowjetischen Einflusses in ganz Mittelamerika.
Präsident Reagan lenkte die Aufmerksamkeit am 13. März 1986 auf diese
Tatsache, als er eine Ausstellung erbeuteter Waffen und Dokumente eröff-

- 15 -

�Dokumente eröffnete, die die Unterstützung Kubas und Nicaraguas für subversive Elemente in Mittelamerika demonstrierte. Der Präsident illustrierte den systematischen Charakter dieses von Nicaragua aus gespannten
Netzes, als er sagte:
Man braucht keiner bestimmten Partei anzugehören oder über geheime
Informationen zu verfügen, um zu sehen, was in Mittelamerika geschieht. Klar ist: nicaraguanische Kommunisten benützen ihr Land als
Aufmarschgebiet für eine Aggression gegen ihre Nachbarn, während sie
ihr eigenes Volk total unterdrücken. Ihre Kampagne der internen Unterdrückung und der externen Aggression wird unterstützt und ermutigt
durch die Sowjetunion, Kuba, Ostdeutschland, Bulgarien, Iran,
Vietnam, Libyen und andere radikale Staaten, Bewegungen und Organisationen 129).
Die Sowjetunion und ihre Verbündeten bilden in der Tat eine gewaltige
Herausforderung der Demokratie in Mittelamerika. Wenn es ihnen gelingt,
die Instabilität zu schüren und womöglich weitere kommunistische Regierungen in der Region zu schaffen, dann werden die Folgen für die Vereinigten Staaten von tiefgreifender Natur sein. Ober Jahre hinweg wurde
Mittelamerika als ein Gebiet angesehen, das relativ immun gegenüber den
Problemen zu sein schien, die mit dem Ost-West-Gegensatz zusammenhängen.
Fidel Castros Übergang in das sowjetische Lager in den sechziger Jahren
änderte jedoch die Gleichung der Ost-West-Beziehungen und hat Moskau das
Mittel an die Hand gegeben, eine Strategie zu verwirklichen, deren Absicht es ist, für die Vereinigten Staaten entlang deren südlichen Flanken
Unruhe zu stiften. Dieser Strategie darf kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten müssen ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins Spiel bringen, um die demokratischen Staaten Mittelamerikas in die Lage zu versetzen, den von ihren Völkern gewählten Weg
weiterzugehen. Durch eine solche Verpflichtung werden die Vereinigten
Staaten der Herausforderung an die Demokratie begegnen und ihre eigene
Sicherheit erhöhen.

FUSSNOTEN

107. U.S. Department of S t a t e : "The Situation in El Salvador", 1. April
1986, S. 5. Dieser Bericht wurde dem Kongreß von der Regierung gemäß der
Verpflichtung vorgelegt, diesem über F o r t s c h r i t t e bei der Demokratisierung El Salvadors Bericht zu e r s t a t t e n .
108. Ibid.
109. Ibid.
110. Radio Acan, Panama City, 30. Januar 1981. zitiert in Kerry Ptacek:
"Misconceptions About the Role of the Church" in: "Crisis and Opportunity: U.S. Policy in Central America and the Caribbean", Mark Falcoff und

-

16 -

�Mark Falcoff und Robert Royal, Hrsg. (Washington, D.C.: E t h i c s and P u b l i c
P o l i c y C e n t e r , 1984), S . 2 6 6 .
111. Ibid.
112. National Catholic Register, 14. Juni 1981.
113. Orientacion, San Salvador, 8. Dezember 1981.
114. Dieser Hirtenbrief beschäftigte sich mit der Möglichkeit effektiver
Verhandlungen. Der Brief war von allen Bischöfen El Salvadors unterzeichnet und wurde am 8. August 1985 veröffentlicht.
115. Wegen der Resultate der Umfrage von 1983 siehe "La Nacion Internacional", San Jose, Costa Rica, 20.-24. November 1983. Wegen der Resultate der Umfrage von 1985 siehe "Congressional Record", No. 16, 20.
Februar 1986.
116. U.S. Department of State: "The Situation in El Salvador", S. 12.
117. Ibid.
118. Ibid.
119. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 22.
Januar 1986, S. 11-12.
120. Georgie Anne Geyer: "Taking the Sandinistas at their Word", Wall
Street Journal, 23. August 1985.
121. Meinungsumfrage, "Congressional Record", No. 16, 20. Februar 1986.
122. Die costaricanische Legislativkommission veröffentlichte ihren Bericht am 14. Mai 1981, wie vom "Foreign Broadcast Information Service"
(FBIS) am 2. Juni 1981 berichtet. Siehe auch New York Times: "Arms
Scandal is Charged in Costa Rica", 21. Mai 1981.
123. Ibid.
124. Jennie K. Lincoln: "Neutrality Costa Rican Style", Current History,
März 1985, S. 136.
125. "Report of the National Bipartisan Commission on Central America",
erstellt für den Präsidenten. Henry A. Kissinger, Vorsitzender.
(Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, Januar 1984), s. 114.
126. United Nations Document S/16041, 18. Oktober 1983.
127. Oscar Arias: "Nicaragua Fears Democracy", La Nacion, San Jose, Costa
Rica, 9. April 1986.
128. "Nicaragua Bares the Nightstick", New York Times, 18. Oktober 1985.
129. "Weekly Compilation

- 17 -

�129. "Weekly Compilation of Presidential Documents", 17. März 1986.
Office of the Federal Register, National Archives and Records Service,
General Services Administration.

* * * * *

- 18 -

�AMERIKA DIENST
VON

Wissenschaft und Technik

&amp;

1. Oktober 1986

32

NEUE ENTWICKLUNGEN AN DER AIDS-FRONT
Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten -

WASHINGTON - (AD) - Nicht Heilung, aber wenigstens eine Möglichkeit zur Therapie bestimmter Erkrankungen, die nach AIDS-Infektionen
auftreten, verspricht vielleicht das
Medikament AZT (Azidothymidin). Jedenfalls lassen die Ergebnisse der
beiden ersten Doppelblindstudien mit
AZT hoffen, daß das Leben von AIDSPatienten
länger
erhalten
werden
kann, als dies unter den bisherigen
Gegebenheiten möglich ist.

An

der erworbenen

Immunschwäche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

AIDS, die durch die Infektion mit
HTLV-III-Viren (neuerdings auch als
HIV-Viren bezeichnet) in Gang gesetzt
wird, starben allein in den Vereinigten Staaten in den letzten sechs Jahren mindestens 12 000 Menschen. Das
sind etwa 50 Prozent der erkrankten
Personen.
Da durch die Infektion
wichtige Komponenten für Abwehrreaktionen des Immunsystems wie z.B. die
thymusabängigen
T-Zellen
zerstört
werden, haben Krankheitserreger und
bestimmte
Arten
von
Tumorzellen
leichtes Spiel. So kommt es, daß eine normalerweise seltene Krebsart wie

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das Kaposi-Sarkom (eine schmerzhafte
Geschwulstkrankheit der Haut mit Metastasenbildung in inneren Organen)
für ca. 20 Prozent, eine durch Protozoen verursachte Form von Lungenentzündung ("Pneumocystis carinii") sogar für mehr als 50 Prozent der
AIDS-Todesfälle verantwortlich ist.
Auch Hirn-Toxoplasmose nimmt unter
AIDS-Kranken erschreckende Ausmaße an.
Seit Februar 1986 liefen in den
USA klinische Tests mit dem experimentellen Wirkstoffen AZT im Rahmen
einer Studie, die im Dezember abgeschlossen werden sollte.
Etwa die
Hälfte der 282, unter dem Gesichtspunkt bestimmter Begleiterkrankungen
sorgfältig ausgewählten AIDS-Patienten erhielt ein Placebo-Präparat.
Die tatsächliche Verteilung kannten
weder die Patienten noch ihre Xrzte,
sondern nur einige Wissenschaftler in
der Herstellerfirma Burroughs-Wellcome Co. Die aus den beteiligten Kliniken im Land eingehenden Zwischenberichte führten jetzt zu einem ungewöhnlichen Schritt: Mitte September
wurde die Studie vorläufig gestoppt,
um der mit dem Placebo-Präparat versorgten Kontrollgruppe ebenfalls die
Möglichkeit zu einer Therapie zu geben. Es hatte sich nämlich gezeigt,
daß in dieser aus 137 Patienten bestehenden Gruppe 16 Personen während
der letzten sieben Monate verstarben,
während bei der 145 Personen starken
Gruppe der Versuchspatienten für AZT
nur ein einziger Todesfall zu verzeichnen war.
Angesichts dieses krassen Unterschiedes sei es, wie Dr. Robert
Windom
vom amerikanischen Gesundheitsministerium auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, nicht
zu verantworten gewesen, der Placebo-Gruppe AZT länger vorzuenthalten.
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse
der Studie habe er die Bundesbehörde
- 2

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA Food and Drug Administration) ersucht, das Zulassungsverfahren für
AZT zu beschleunigen, um das Präparat
Tausenden
anderer
AIDS-Patienten
ebenfalls zugänglich zu machen. Allerdings müßten diese nach bestimmten
Kriterien in bezug auf Begleiterkrankungen ausgewählt werden. Denn nicht
bei allen Symptomen einer AIDS-Erkrankung sei nach bisherigen Erfahrungen das Präparat wirksam. Es solle zunächst nur solchen Patienten
verabreicht werden, die in den letzten drei Monaten vor Beginn der Behandlung an Lungenentzündung des Typs
Pneumocystis carinii erkrankten.
Diese Patienten hatten auch die
Hauptgruppe für die klinische Studie
vom Februar dieses Jahres gebildet.
Unter AZT-Medikation kam es bei ihnen
weniger häufig zu den AIDS-typischen
Zusatzinfektionen. Sie nahmen wieder
an Gewicht zu, und die zahl der TZellen im Blut stieg sogar langsam
wieder an. Dies wird darauf zurückgeführt, daß der Wirkstoff AZT den
Mechanismus zur Vermehrung von AIDSViren in den T-Zellen, der deren Zerstörung und damit den Zusammenbruch
des Immunsystems verursacht, zu blokkieren vermag.
Dr. Windom machte jedoch deutlich, daß es noch zahlreiche Ungewißheiten gebe. So wisse man noch viel
zu wenig über mögliche toxische Wirkungen von AZT. Beispielsweise habe
man bei der ersten Studie an 19 Personen beobachtet, daß bei hoher Dosierung offenbar die Bildung weißer
und roter Blutzellen beeinträchtigt
werde.
Langzeitbeobachtungen seien
ohnehin noch nicht möglich gewesen.
Und: "Wir wollen den Tausenden von
Menschen, die an AIDS erkrankt sind,
nicht zu viel versprechen."
Aus den Resultaten der jetzt ge-

�stoppten Doppelblindstudie
ergäben
sich, wie Windom weiter erklärt, keine Anhaltspunkte dafür, ob sich AZT
auch zu einer Behandlung von Kindern,
von Patienten mit Kaposi-Sarkom oder
mit symptomfreien Infektionen bzw.
solchen unklarer Symptomatik eigne.
Andererseits sei der Wirkstoff anscheinend in der Lage, die BlutHirn-Schranke zu überwinden. Das wäre ein ganz wichtiger Schritt, um einer Enzephalopathie als Folge einer
AIDS-Virus-Infektion vorzubeugen.
Den Wirkstoff AZT gibt es schon
seit 1964. Er war damals von Jerome
Horwitz, einem jungen Chemiker in
Detroit, auf der Suche nach neuen
Mitteln zur Krebsbekämpfung entwikkelt worden. Für diesen Zweck erwies
er sich jedoch als nutzlos und geriet
in Vergessenheit. Erst 20 Jahre später begannen sich Wissenschaftler der
Arzneimittelfirma
Burroughs-Wellcome
wieder damit zu befassen, als sie
sich um die Entwicklung von Präparaten gegen Virusinfektionen bemühten.

sind, sie an sich ebenfalls auszuprobieren. Der Verlauf bzw. die Ergebnisse sollen dann wissenschaftlich
ausgewertet werden.
Aus
dem
Nationalen
Krebsforschungsinstitut der USA (Bethesda,
Maryland) wurde bekannt, daß man dort
eine Variante des AIDS-Virus entwikkelt habe, die nicht zu den katastrophalen Folgen nach einer Infektion
führe wie bei einer HIV-Infektion und
vielleicht helfen könne, eine geeignete Therapie oder einen Impfstoff zu
finden. zwar habe die gentechnisch
abgeschwächte Variante keinen Einfluß
auf das HIV-Virus und könne es nicht
zerstören. Aber sie könne mit ihm
insofern in Konkurrenz treten, als
sie die gleichen Zellen des Immun-Systems aufsuche, ohne jedoch deren Absterben zu bewirken. Allerdings sei
es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
viel zu früh, um etwas über mögliche
negative Auswirkungen des veränderten
AIDS-Virus aussagen zu können. Zunächst einmal müßten die Ergebnisse
der Tierversuche abgewartet werden.

Wie kürzlich Dr. Cory SerVaas,
die
medizinische
Direktorin
der
"Benjamin Franklin Society" auf einer
Pressekonferenz berichtete, scheine
nach den Erfahrungen mancher Srzte
die Aminosäure Lysin eine gewisse infektionsverhütende Wirkung nicht nur
gegen Herpes-Viren, sondern auch gegen AIDS-Viren zu haben. In der Kombination mit
zwei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die als
"Tagamet" und "Acyclovir" auf dem
amerikanischen Markt sind, eigne sich
Lysin sogar zur Therapie von AIDS-Infektionen.
Zwei an AIDS erkrankte
Srzte hätten an sich selbst eine ganz
bemerkenswerte Besserung ihres Zustandes
erfahren.
Die
"Benjamin
Franklin Society" stellt gegenwärtig
Listen von Personen zusammen, die an
der von diesen Ärzten erprobten Behandlung
interessiert
und
bereit
- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Zusammentreffen Reagan-Gorbatschow bereitet den Weg zum Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Äußerungen Präsident Reagans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Botschafter Burt würdigt Verdienste von Care&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache zum vierzigsten Jahrestag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Weinberger: SDI steht für Reagan nicht zur Disposition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Barry lobt KVAE-Übereinkunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Barry in London&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dokumentation in vier Teilen - Teil IV&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neue Entwicklungen an der AIDS-Front&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

15. Oktober 1986

34

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan;

Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen

- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen 'zufrieden*
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie amerikanischer und sowjetischer
Rüstungskontrollvorschläge
- Vom 16. November 1985 bis heute -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Oktober 1986

34

REAGAN: OPTIMISMUS ÜBER EINE MÖGLICHE LÖSUNG BEI NUKLEARWAFFEN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

WASHINGTON -(AD)In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Reagan am 13. Oktober, er sei "optimistisch, daß sich ein Weg
finden" werde, um die amerikanischen und sowjetischen Meinungsverschiedenheiten über einen Abbau nuklearer Waffen zu klären.
Der Präsident betonte, er betrachte die geplante Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) als "Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets
ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden".
Reagan
wiederholte auch seine Einladung an den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow, die Vereinigten Staaten zu besuchen.
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:

Guten Abend. Wie die meisten von
Ihnen wissen, bin ich gerade vom
Treffen mit dem ersten Mann der Sowjetunion,
Generalsekretär
Gorbatschow, in Island zurückgekehrt. Wie
im vergangenen Jahr bei meiner Rückkehr von der Genfer Gipfelkonferenz,
möchte ich Sie auch heute abend kurz
über den Ablauf dieser Gespräche informieren.
Diese Gespräche sind von enormer
Tragweite, die erst jetzt in ihren
Ansätzen verstanden wird. Wir haben
die radikalsten und großzügigsten Rü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stungskontrollvorschläge
der
Geschichte unterbreitet. Wir haben die
völlige Abschaffung aller - sowohl
amerikanischen als auch sowjetischen
- ballistischen Raketen von der Erdoberfläche bis 1996 angeboten.
Da
bei unserem Auseinandergehen dieses
amerikanische Angebot immer noch vorlag, sind Abkommen, die zu einer sichereren Welt ohne Nuklearwaffen führen könnten, jetzt greifbarer als jemals zuvor.
Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst
sagen, daß ich sie, das amerikanische

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volk, seit Beginn meines Treffens mit
Herrn Gorbatschow als
vollwertigen
Teilnehmer betrachtet habe. Glauben
Sie mir, daß ohne Ihre Unterstützung
keines dieser Treffen hätte stattfinden können und daß sich keines der
endgültigen Ziele der amerikanischen
Außenpolitik - Frieden und Freiheit
auf der Welt - verfolgen ließe. Genau für diese Ziele habe ich auch den
Schritt nach Island getan.

nuklearen Gefechtsköpfen aufeinander
gerichtet, die in der Lage sind, unsere
beiden
Länder
auszuradieren.
Die Sowjets haben, dem Vertrag entsprechend, eine Raketenabwehr um Moskau in Stellung gebracht. Unser Land
hat
nichts Derartiges
stationiert,
weil die Gefahr einer landesweiten
Vernichtung
solch ein
beschränktes
Verteidigungssystem nutzlos erscheinen ließ.

Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen
vor der Erörterung dieser Gespräche
einige Hintergrundinformationen gebe
und Ihnen zwei Dinge erkläre, die in
erheblichem Maße Eingang in unsere
Gespräche gefunden haben: zum einen
ein Vertrag, zum anderen eine Verteidigungsmaßnahme gegen Nuklearraketen,
die
wir
zu
erarbeiten
versuchen.
Ihre Namen haben Sie schon oft gehört
- es handelt sich um den ABM-Vertrag
und um SDI. Diese Buchstaben stehen
für Raketenabwehr und für die Strategische Verteidigungsinitiative.

Seit einigen Jahren haben wir den
Eindruck, daß die Sowjets ein landesweites Verteidigungssystem entwikkeln könnten. Sie haben eine große,
moderne Radaranlage
in Krasnojarsk
errichtet, von der wir glauben, daß
sie einen wichtigen Teil des Radarsystems darstellt, das dazu dient, Abwehrraketen
zum Schutz des ganzen
Landes durch Radar zu steuern.
Das
aber bedeutet eine Verletzung
des
ABM-Vertrages.

Vor einigen Jahren sind die Vereinigten Staten und die Sowjetunion
übereingekommen,
jegliche Verteidigung gegen nukleare Angriffsraketen
dahingehend zu beschränken, daß in
jedem Land eine geringe Anzahl von
Raketen in Stellung gebracht wird,
die in der Lage sind, eindringende
Nuklearraketen abzufangen und abzuschießen.
So überließen wir unsere
eigentliche Verteidigung einer Politik
der
Gegenseitigen
Gesicherten
Zerstörung (Mutual Assured Destruction - MAD), die beinhaltet, daß auf
den von einer Seite begonnenen Nuklearangriff die Vergeltung der anderen Seite folgen könnte. Von dieser
gegenseitigen Zerstörungsdrohung nahm
man an, sie würde eine Abschreckung
gegen den Erstschlag einer Seite darstellen.
Jetzt haben wir also Tausende von

Davon überzeugt, daß eine Politik
der gegenseitigen gesicherten Zerstörung und des Mordes an ihren und unseren
Bürgern
geradezu
barbarisch
ist, habe ich unsere Streitkräfte vor
einigen Jahren
um Erforschung der
Frage gebeten, ob es einen praktischen Weg gibt, Nuklearraketen nach
ihrem Start und vor Erreichung ihres
Ziels zu zerstören, damit keine Menschen getötet werden.
Das ist das
Ziel dessen, was wir SDI nennen, und
die an der Forschung beteiligten Wissenschaftler
sind davon überzeugt,
daß es praktikabel sei und wir in einigen Jahren solch ein System stationieren
könnten.
Nebenbei
bemerkt
verletzen wir damit nicht den ABMVertrag, der solch eine Forschung zuläßt. Sollten wir SDI stationieren,
gestattet der Vertrag außerdem einen
Rücktritt innerhalb von sechs Monaten. Um es noch einmal klar hervorzuheben: SDI ist eine nicht-nukleare
Verteidigung.

�Damit wären wir also in Island
bei unserem zweiten Treffen. Bei der
ersten Zusammenkunft und in den dazwischenliegenden Monaten haben wir
Möglichkeiten
zur Verringerung
und
sogar zum Abbau aller Kernwaffen besprochen.
Die Sowjets und auch wir
hatten Gruppen von Unterhändlern in
Genf, die ein gemeinsames Abkommen
über einen möglichen Abbau oder eine
Abschaffung von Nuklearwaffen auszuarbeiten versuchten. 3is jetzt waren
sie nicht erfolgreich.
Am Samstag und Sonntag habe ich
mich mit Generalsekretär Gorbatschow,
seinem
Außenminister
Schewardnadse
und Außenminister Shultz etwa zehn
Stunden lang getroffen.
Wir haben
dabei nicht nur über die Verringerung
der strategischen Rüstungen gesprochen.
Wir haben auch darüber gesprochen, was wir als Verletzung der
Menschenrechte
seitens der Sowjets
bezeichnen; die Weigerung, Menschen
aus Rußland ausreisen zu lassen, damit sie ihre Religion ausüben können,
ohne verfolgt zu werden, oder Menschen aufgrund einer Familienzusammenführung gehen zu lassen, oder es
den
durch Staatsgrenzen
getrennten
Ehepartnern zu erlauben, zusammenzuleben.
In vielen von diesen Punkten verletzen die Sowjets ein weiteres Abkommen - die von ihnen 1975 unterzeichnete Schlußakte von Helsinki.
Jurij Orlow, der gerade seine Freiheit wiedererlangt hat, wurde dafür
eingesperrt, daß er seine Regierung
auf die Verletzung dieses Abkommens
aufmerksam machte und auf deren Weigerung, Bürgern die Aus- oder Rückreise zu gestatten.
Wir haben ebenfalls über regionale Angelegenheiten, wie etwa Afghanistan, Angola, Nicaragua und Kambo-

dscha gesprochen.
Die andere Seite
wählte jedoch die Rüstungskontrolle
zu ihrem Hauptthema.
Wir haben über die Stationierung
von Mittelstreckenraketen in Europa
und Asien diskutiert und schienen uns
darüber einig zu sein, daß ihre Anzahl
drastisch
verringert
werden
könnte. Beide Seiten schienen bereit
zu sein, einen Weg zu finden, um sogar aufeinander gerichtete strategische Raketen vollständig abzubauen.
Damit wären wir bei SDI angelangt.
Ich habe einen Vorschlag unterbreitet, daß wir unsere gegenwärtige
Forschung fortsetzen sollten; bei Erreichen des abschließenden Teststadiums würden wir einen Vertrag unterzeichnen, der die sowjetische Beobachtung von Tests erlaubt. Wenn sich
das Programm als praktikabel erweist,
würden wir sowohl unsere Offensivraketen abschaffen, als auch in den Genuß einer modernen Verteidigung kommen. Ich habe erklärt, daß uns auch
bei Abschaffung unserer Offensivraketen eine solche Verteidigung gegen
Betrug
oder auch dagegen schützen
würde, daß sich einmal ein Verrückter
womöglich dazu entschließt, Atomraketen zu bauen. Schließlich kennt man
ja die Methode ihrer Herstellung.
Ich verglich es damit, daß wir auch
unsere Gasmasken weiterhin behalten,
obwohl die Nationen der Welt Giftgas
nach dem Ersten Weltkrieg für ungesetzlich erklärten.
Wir
schienen Fortschritte
beim
Abbau von Waffensystemen zu machen,
obwohl der Generalsekretär gegen SDI
opponierte und gegen Abend vorschlug,
wir sollten uns noch auf eine Reihe
von Jahren hinaus zur weiteren Einhaltung des ABM-Vertrages verpflichten.

- 3 -

Außenminister

Shultz

schlug

vor,

�die Protokolle der Gespräche unseren
jeweiligen Arbeitsgruppen zu übergeben,
die
diese
nachts
daraufhin
durcharbeiten sollten, wo es Übereinstimmungen gäbe und welche Meinungsverschiedenheiten uns trennten.
Mit
Respekt
und
Dankbarkeit
kann
ich
Ihnen sagen, daß sie die Nacht hindurch bis 6.3o morgens gearbeitet haben.
Gestern, am Sonntag morgen, sind
Herr Gorbatschow, unsere Außenminister und ich wiederum zusammengetroffen und haben die Berichte unserer
beiden Arbeitsgruppen entgegengenommen, die sehr vielversprechend waren.
Die Sowjets forderten einen
zehnjährigen Aufschub bei der Verwirklichung des SDI-Programms.
In dem Bemühen, auf ihre Belange
einzugehen
und gleichzeitig
unsere
Prinzipien und unsere Sicherheit zu
schützen, haben wir den Zeitraum von
zehn Jahren vorgeschlagen, in dem wir
mit dem Abbau aller
strategischen
Nuklearwaffen, Bomber, luftgestützten
Marschflugkörper, Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und deren Waffen beginnen würden.
Diese würden in den
ersten fünf Jahren um fünfzig Prozent
abgebaut.
In
den
darauffolgenden
fünf Jahren würden wir damit fortfahren, die verbleibenden ballistischen
Raketen aller Typen abzuschaffen. In
dieser Zeit würden wir die Forschung,
Entwicklung
und Erprobung von SDI
weiterbetreiben.
All dies befände
sich im Einklang mit den Bestimmungen
des ABM-Vertrages.
Nach Ablauf der
zehn Jahre und der erfolgten Abschaffung
aller
ballistischen
Raketen
könnten wir ein modernes Verteidigungssystem stationieren und gleichzeitig zulassen, daß die Sowjets das
Gleiche tun.
Hier setzte die Diskussion ein.

Der Generalsekretär strebte nach Formulierungen, die uns letztlich davon
abgehalten hätten, SDI weiterzuentwickeln, und wenn ich dem zugestimmt
hätte, wären alle Bemühungen zur Abschaffung von Kernwaffen vergeblich
gewesen - null und nichtig.
Ich habe ihm erklärt, daß ich dem
amerikanischen
Volk
versprochen
hätte, SDI nicht wegzuverhandeln; es
gäbe keine Möglichkeit, unserem Volk
zu sagen, seine Regierung könnte es
nicht vor einer nuklearen Zerstörung
bewahren. Ich bin in der Überzeugung
nach Reykjavik
gefahren, daß über
alles zu verhandeln sei, außer über
zwei Dinge, unsere Freiheit und unsere Zukunft.
Ich bin immer noch optimistisch,
daß sich ein Weg finden lassen wird.
Die Tür ist offen und die Möglichkeit, mit einer Beseitigung der nuklearen Bedrohung
zu beginnen, ist
greifbar nahe.
Sie sehen also, daß wir in Island
Fortschritt erzielt haben.
Und wir
werden weiterhin Fortschritte machen,
wenn wir gemeinsam mit den Sowjets
einen
vorsichtigen, abwägenden
und
vor allem realistischen Ansatz verfolgen. Seit den ersten Tagen unserer Regierung war dies unser Ziel.
Wir haben klargemacht, daß wir über
die Sowjets oder ihre endgültigen
Ziele keine Illusionen hegen.
Wir
waren
in der
Öffentlichkeit
sehr
freimütig über die entscheidenden moralischen Unterschiede zwischen dem
totalitaristischen und dem demokratischen System.
Wir haben erklärt,
daß das Hauptziel der amerikanischen
Außenpolitik nicht nur in einer Verhinderung des Krieges besteht, sondern in der Erweiterung der Freiheit. Und wir haben unseren Einsatz
für die Ausbreitung der demokratischen Regierungsform und demokrati-

�scher Institutionen auf der ganzen
Welt betont. Darum unterstützen wir
Freiheitskämpfer, die sich gegen die
Auferlegung totalitaristischer Reglementierungen zur Wehr setzen, in Afghanistan, Nicaragua, Angola, Kambodscha und anderswo. Und letztendlich
haben wir begonnen, daran zu arbeiten, was die Sowjets in erster Linie
dazu veranlaßte, ernsthaft zu verhandeln - dem Aufbau unserer militärischen Stärke, dem Wiederaufbau unserer
strategischen Abschreckung
und
darüber hinaus an der Aufnahme der
Arbeit an der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Und doch haben wir gleichzeitig
mit der Aufstellung dieser außenpolitischen Zielsetzungen und dem Beginn
der Arbeit daran ein anderes unserer
Hauptziele verfolgt: die Suche nach
Wegen für einen Abbau der Spannungen
mit den Sowjets und nach Mitteln zur
Vermeidung eines Krieges und Erhaltung des Friedens.
Jetzt trägt diese Politik Früchte
- ein Zeichen dafür war in Island der
Fortschritt bei der Frage der Rüstungskontrolle.
Zum erstenmal seit
langer Zeit ist Bewegung in die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen
im Bereich der Rüstungsverringerung
gekommen - und zwar Bewegung in die
richtige Richtung: nicht nur in Richtung auf Rüstungskontrolle, sondern
auf Verringerung der Rüstung.

mal so: "Ist Frieden
letztendlich
nicht zuallererst eine Frage der Menschenrechte. ..?"
Ich machte deutlich, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse daran
haben, Verbesserungen in diesen Fragen
zu Propagandazwecken
auszunützen.
Aber ich machte auch erneut
deutlich, daß eine Verbesserung im
Bereich der Menschenrechte innerhalb
der Sowjetunion für eine Verbesserung
der bilateralen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unabdingbar ist.
Denn einer Regierung, die ihrem eigenen Volk gegenüber nicht Wort hält,
kann man auch nicht abnehmen, daß sie
einem anderen Staat gegenüber Wort
hält.
Daher sagte ich Herrn Gorbatschow - in Reykjavik genauso wie in
Genf -, daß wir Amerikaner dem bei
solchen
Treffen
gesprochenen
Wort
weit weniger Gewicht beimessen als
den Taten, die darauf folgen.
Wenn
es zu den Menschenrechten und zur Beurteilung der sowjetischen Absichten
kommt, sind wir gewissermaßen alle
aus Missouri - wir wollen Beweise.

Aber bei allem Fortschritt, den
wir bei der Rüstungsverringerung gemacht haben, dürfen wir nicht vergessen, daß in Island auch noch andere
Themen auf dem Verhandlungstisch lagen - Themen von grundlegender Bedeutung.

Ein weiteres Thema, das wir in
Island ansprachen, steht gleichfalls
im Zentrum der Meinungsunterschiede
zwischen der Sowjetunion und Amerika. Es geht um das Thema der regionalen Konflikte.
Gipfeltreffen lassen das amerikanische Volk nicht vergessen, was die Handlungsweise der
Sowjetunion für die Menschen in Afghanistan, in Mittelamerika, in Afrika und in Südostasien bedeutet. Solange die Sowjetunion nicht ihre Politik ändert, werden wir sicherstellen, daß unsere Freunde in diesen
Ländern -jene, die für Frieden und
Unabhängigkeit kämpfen - die Unterstützung bekommen, derer sie bedürfen.

Wie ich bereits sagte, waren die
Menschenrechte eines dieser Themen.
Präsident Kennedy formulierte es ein-

Schließlich gab es ein viertes
Thema. Es betraf den Bereich der bilateralen Beziehungen, die Kontakte

- 5 -

�von Mensch zu Mensch. Im vergangenen
Jahr in Genf begrüßten wir mehrere
Abkommen über Kulturaustausch; in Island fanden wir Hinweise darauf, daß
es in diesen Bereichen doch schon Bewegung gibt.
Aber lassen Sie mich
hier sagen: die Vereinigten Staaten
sind auch weiterhin Programmen von
Mensch zu Mensch verpflichtet, die zu
einem Austausch nicht nur zwischen
einer kleinen Elite, sondern zwischen
Tausenden ganz normaler Bürger beider
Länder führen.
Ich glaube also, Sie können sehen, daß wir in Island bei einer ganzen Reihe von Fragen Fortschritte
machten. Wir bekräftigten erneut unser 4-Punkte-Programm; wir entdeckten
zahlreiche neue Bereiche der Übereinstimmung; wir unterzogen erneut einige der alten Themenkreise einer Prüfung, bei denen Uneinigkeit besteht.
Lassen Sie mich noch einmal zur
Frage SDI zurückkommen.
Ich weiß,
daß es Mitbürger gibt, die heute
nacht fragen: Warum akzeptieren wir
Herrn
Gorbatschows
Forderungen
nicht?
Warum geben wir SDI nicht
auf, um dieses Abkommen zu erreichen?
Die Antwort, meine Freunde, ist
einfach. SDI ist Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden.
SDI
ist
Amerikas
Sicherheitsgarantie,
falls die Sowjets sich nicht an ihre
förmlich eingegangenen Verpflichtungen halten sollten - wie sie dies in
der Vergangenheit schon zu oft getan
haben.
Es war SDI, das die Sowjets
in Genf und Island wieder an den Verhandlungstisch
zurückbrachte.
SDI
ist der Schlüssel zu einer Welt ohne
Atomwaffen.
Die Sowjets begreifen das.
Sie
haben bereits über eine längere Zeit

hinweg weit mehr Mittel in ihr eigenes SDI-Programm investiert als wir
in unseres. Die einzige einsatzfähige Raketenverteidigung umgibt heute
Moskau, die Hauptstadt der Sowjetunion.
Herr
Gorbatschow
verlangte
in
Reykjavik von den Vereinigten Staaten, der neuen Version eines 14 Jahre
alten A3M-Vertrags zuzustimmen, den
die
Sowjetunion
bereits
verletzt
hat.
Ich sagte ihm, bei uns in den
Vereinigten Staaten
gäbe es keine
solche Art von Handel.
Und das amerikanische Volk sollte
über diese so wichtigen Fragen nachdenken.
Wie bedroht eine Verteidigung der
Vereinigten Staaten die Sowjetunion
oder ein anderes Land?
Warum bestehen die Sowjets so hartnäckig darauf,
daß Amerika für immer sowjetischen
Raketenangriffen gegenüber verwundbar
bleiben soll?
Bis auf den heutigen
Tag sind alle freien Nationen letztlich ohne jegliche Verteidigung gegen
sowjetische Raketen - gleich, ob diese aus Versehen oder Absicht abgefeuert werden.
Warum besteht die Sowjetunion darauf, daß dies für immer
so bleiben soll?
Deshalb, liebe Mitbürger, kann
weder ich noch irgendein anderer Präsident versprechen, daß die Gespräche
in Island oder andere künftige Diskussionen mit Herrn Gorbatschow notgedrungen zu großen Durchbrüchen oder
bedeutenden
VertragsunterZeichnungen
führen.
Wir werden die Leitlinien, mit
denen wir nach Reykjavik kamen, nicht
aufgeben. Wir wollen lieber kein Abkommen, als mit einem schlechten Abkommen in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

�Ich weiß, daß Sie in diesem Zusammenhang auch an der Frage interessiert sind, ob es einen neuen Gipfel
geben wird.
Herr Gorbatschow gab
keinen Hinweis darauf, wann oder ob
er plane, in die Vereinigten Staaten
zu kommen, wie wir es im vergangenen
Jahr in Genf vereinbart hatten. Ich
wiederhole heute abend, daß unsere
Einladung noch immer gilt und daß wir
auch weiterhin der Meinung sind, weitere Treffen seien nützlich.
Aber
dies ist eine Entscheidung, die die
Sowjets fällen müssen.
Wie immer auch die kurzfristigen
Aussichten sein mögen: ich kann Ihnen
sagen, daß ich letztlich voller Hoffnung über die Chancen für Fortschritte bei einem Gipfeltreffen und für
Frieden und Freiheit in der Welt
bin. Wie Sie sehen, ist das derzeitige Prozedere beim Gipfel ganz anders als das der letzten Jahrzehnte;
es ist anders, weil die Welt anders
ist; und die Welt ist anders wegen
der harten Arbeit und wegen der Opfer
des amerikanischen Volkes während der
vergangenen 5 1/2 Jahre. Ihre Energie hat unsere Wirtschaftsmacht wiederhergestellt und ausgeweitet; Ihre
Unterstützung hat unsere militärische
Stärke wiederhergestellt.
Ihr Mut
und Ihr Gefühl für die nationale Einheit in Zeiten der Krise hat unsere
Gegner innehalten, unsere Freunde Mut
fassen lassen und die Welt inspiriert.
Die westlichen
Demokratien
und das NATO-Sündnis sind neu belebt
und überall auf der Welt wenden sich
Staaten den demokratischen Ideen und
den Prinzipien des freien Marktes
zu.
Weil das amerikanische Volk in
entscheidender
Stunde Wache stand,
hat die Freiheit ihre Kraft und Stärke wiedererlangt und befindet sich
auf dem Vormarsch.
Wenn ich denn einen Eindruck von

diesen Oktober-Gesprächen mit zurücknehme, so ist es der, daß wir jetzt anders als in der Vergangenheit - aus
einer Position der Stärke heraus verhandeln und daß es uns aus diesem
Grund möglich ist, mit den Sowjets
bald noch mehr Durchbrüche zu erzielen.
Unsere Vorstellungen liegen auf
dem Verhandlungstisch.
Sie werden
nicht verschwinden. Wir sind bereit,
dort weiterzumachen, wo wir aufhörten. Unsere Unterhändler gehen nach
Genf zurück, und wir sind bereit,
weitere Schritte zu unternehmen, wo
und wann immer die Sowjets dazu bereit sind. Es gibt also Grund, guten
Grund, zur Hoffnung.
Ich habe Beweise hierfür im Fortschritt gesehen, den es bei den Gesprächen mit Herrn Gorbatschow gab.
Und ich habe Beweise gesehen, als ich
gestern Island verließ und zu den
jungen Männern und Frauen unseres Marinestützpunktes in Keflavik sprach ein Stützpunkt von größter Bedeutung,
von dem aus es nicht so weit zu den
sowjetischen Marineeinrichtungen ist
wie bis zu unserer eigenen Küste.
Wie immer war ich stolz, einige
Augenblicke mit ihnen zu verbringen
und ihnen für ihr Opfer und ihre Hingabe für unser Land zu danken. Sie
repräsentieren
Amerika
aufs Schönste:
verpflichtet zur Verteidigung
nicht nur unserer eigenen Freiheit,
sondern der Freiheit anderer, die in
einer
furchterregenden
Welt
leben
müßten, gäbe es nicht die Stärke und
die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten.
"Wo immer die Maßstäbe von Freiheit
und
Unabhängigkeit...gesetzt
werden, wird Amerikas Herz sein, seine Segenswünsche und seine Gebete,"
sagte John Quincy Adams einmal. Er

- 7 -

�fand die richtigen Worte für unser
Schicksal als Nation. Liebe Mitbürger, die Geschichte ehrt uns und das
Schicksal betraut uns mit dem ältesten Traum der Menschheit - dem Traum
dauerhaften Friedens und menschlicher
Freiheit.
Ein anderer Präsident, Harry Truman, verwies darauf, daß unser Jahrhundert Zeuge zweier der schrecklichsten Kriege der Geschichte war und
daß "es für die Menschen unserer zeit
nichts Wichtigeres gibt als zu lernen, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben."
Im Gedenken an dieses Ideal ging
ich vor einem Jahr nach Genf und
letzte Woche nach Island. Und im Gedenken an dieses Ideal danke ich
Ihnen jetzt für all die Unterstützung, die Sie mir haben zuteil werden
lassen. Und erneut bitte ich Sie um
Ihre Hilfe und Ihre Gebete, wenn wir
unsere Reise in Richtung auf eine
Welt
fortsetzen,
wo
der
Frieden
herrscht und die Freiheit verehrt
wird.
Ich danke Ihnen und Gott

schütze

Sie.

* * * * *
- 8 -

�AMERIKA DIENST
VoN

Dokumentation

4

15. Oktober 1986

34

VEREINIGTE STAATEN MIT KSZE-VORBEREITUNGSTREPPEN "ZUFRIEDEN"
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

WIHN - (AD) - Botschafter Warren Zimmermann gab am 7. Oktober 1986 eine
Pressekonferenz zum Abschluß des Vorbereitungstreffens zur Folgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die am 4. November in Wien beginnen wird.
Zimmermann sagte, die Delegation der Vereinigten Staaten sei "sehr zufrieden" mit der erzielten Übereinkunft, die "alle Interessen der 35 Nationen ausgewogen darstellt".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Zimmermann: Wir von der Delegation der Vereinigten Staten sind sehr
zufrieden mit der gestern abend erzielten Übereinkunft.
Es ist eine
gute Vereinbarung.
Ich glaube, daß
es alle Interessen der 35 Nationen
ausgewogen darstellt. Ich persönlich
freue mich sehr, daß das Ergebnis um
acht Uhr abends erzielt wurde und
nicht um Mitternacht oder um drei Uhr
morgens, wie es im Verlauf der KSZE
oft der Fall ist.

Das

Abkommen

geht

auf

die Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handlungspunkte von Madrid zurück, wo
es eine gute Tagesordnung gab.
Es
verbessert sie, glaube ich, in zwei
Punkten. Einmal, indem sie mehr Zeit
für die Überprüfung der Durchführung
vorsieht, was uns alle in die Lage
versetzen wird, sehr genau zu beobachten, wie gut alle Staaten ihre in
Helsinki
eingegangenen
und
im
Madrider
Dokument
enthaltenen Verpflichtungen
erfüllt
haben.
Und
zweitens übernimmt die Übereinkunft
eine einzigartige Funktion im KSZEProzeß: sie liefert eine fortlaufende
Reihe offener Treffen.
Zum letzten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Treffen jeder Runde und zum ersten
Treffen jeder neuen Runde - der Plenarsitzung - sind Presse und Öffentlichkeit zugelassen. Das wird es dem
Wiener Treffen erlauben, einen dauernden Dialog mit der Presse und der
Öffentlichkeit
eines
jeden
Landes
aufrechtzuerhalten, und
ich denke,
daß das ein bedeutender Schritt ist,
obwohl wir glücklicher gewesen wären
über etwas mehr Offenheit beim Treffen selbst.
Lassen Sie mich Ihnen noch etwas
sagen, bevor ich mich Ihren Fragen
stelle:
Ich glaube, daß der Hauptgrund für unseren Erfolg beim rechtzeitigen Zustandekommen dieser ausgewogenen und guten Tagesordnung in der
außergewöhnlichen Rolle bestand, die
die neutralen und blockfreien Staaten
hier gespielt haben.
Ich habe mit
vielen von Ihnen in den vergangenen
Wochen gesprochen und Sie haben mich
über meine Ansicht zur Rolle der neutralen und blockfreien Länder befragt. Ich habe immer wieder gesagt,
daß ich glaube, sie spielten eine
sehr wichtige Rolle im KSZE-Prozess.
nie Bedeutung dieser Rolle ist niemals offenkundiger und sichtbarer geworden als in diesem gerade zu Ende
geführten Treffen, gerade weil die
kreative Arbeit
der neutralen und
blockfreien Länder ein Dokument geschaffen hat, das uns als Basis dienen konnte, und so war es in erheblichem Maße auf ihre Bemühungen zurückzuführen, daß wir zu diesem erfolgreichen
Ergebnis gelangt sind.
Ich werde jetzt gern ihre Fragen beantworten.
FRAGE: Wenn Sie sagen "die Presse
ist zugelassen", was meinen Sie damit?
ANTWORT:
Wir haben noch keine
eingehende
Definition
dafür;
es
heißt, daß es eine offene Plenarsitzung geben wird.
Wir werden noch
- 2

herausfinden müssen, was das in der
Praxis
bedeutet.
Natürlich
würden
wir es gern so offen wie möglich gestalten. Wir führen diesen gegenseitigen Austausch durch (nicht hörbar).
Sie wird in der Lage sein, öfter zu
den Treffen zu erscheinen und der Debatte zuzuhören, als das bisher der
Fall war.
FRAGE: Gab es das traditionelle
Problem, daß der Westen stärker die
Frage der Menschenrechte diskutieren
wollte, während
der
Ostblock
das
Schwergewicht auf Sicherheit und Rüstung legte?
ANTWORT:
Ich glaube, daß das so
gut ausgedrückt ist. Die Haltung des
Ostblocks bestand darin, daß die Betonung im Dokument stärker auf dem
Treffen von Stockholm liegen sollte.
Wir glaubten, daß es in der von
Madrid übernommenen Tagesordnung genug Platz für eine eingehende Diskussion des Stockholmer Treffens geben
würde und meinten daher nicht, daß
Zusätze notwendig sein würden.
Wir
schlössen einen Kompromiß und nahmen
in unser Dokument Punkte aus dem Abschlußdokument von Madrid auf, die
besagten, welche Verpflichtungen wir
in bezug auf die Bewertung des Stockholmer Treffens eingehen würden. Sie
haben mit ihrer Auffassung recht, daß
der Ostblock besorgt war über unseren
Wunsch nach einer besseren Überprüfung der Durchführung und größerer
Offenheit.
FRAGE: Seit der Eröffnung dieser
Treffen ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Schritt. Warum haben die
Sowjets ihn akzeptiert?
ANTWORT:
Nun, unsere Argumentation bei der Förderung dieser Idee
war,
daß
die
sowjetische
Führung
selbst in der Öffentlichkeit erheblich
die Offenheit
betont:
Herr

�Gorbatschow hat das Wort "glasnost"
(Offenheit) benutzt, als er die Politik in der Führung der sowjetischen
Partei seit seinem Amtsantritt beschrieb. In unseren Diskussionen mit
den Sowjets haben wir gesagt: Wenn
Sie für Offenheit sind, so wie Sie es
sagen, warum
sind Sie
dann
beim
KSZE-Treffen nicht offener?
Offensichtlich haben Sie uns zugehört und
so haben wir in dieser Hinsicht Ergebnisse erzielt.
FRAGE:
Der österreichische Botschafter (bei der KSZE) hat uns gestern abend erklärt, daß nicht alle
Staaten zur Eröffnung auf Ministerebene vertreten
sein würden.
Sie
scheinen mit dem Dokument zufrieden
zu sein.
Warum wird Herr Shultz
nicht an der Eröffnung teilnehmen?
ANTWORT:
Herr Shultz hat noch
nicht entschieden, ob er kommen wird
oder nicht.
Wir
fühlen uns verpflichtet, daran auf politischer Ebene teilzunehmen, und diese Verpflichtung findet sich genauso im Dokument
des gestrigen Abends wie auch im
NATO-Kommunique
vom Frühjahr.
Zum
jetzigen Zeitpunkt wissen wir jedoch
nicht, wer genau uns dabei vertreten
wird.
FRAGE: Können Sie uns etwas über
die Entscheidung
von Herrn Shultz
hinsichtlich seiner Teilnahme sagen?
ANTWORT:
Nun, sie wird eng mit
seinem Terminkalender verknüpft sein,
da, wie Sie wissen, am 4. November dem Tag der Konferenzeröffnung - in
den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden. Ich kann nicht mehr dazu sagen, da ich keine Kenntnis der Details besitze.
FRAGE: Wie würden Sie die Atmosphäre der Vorbereitungskonferenz im
Vergleich zu anderen ähnlichen Veran-

staltungen beschreiben?
Ist die Atmosphäre zwischen Ost und West hier
besser?
ANTWORT:
Persönliche
Erfahrung
habe ich in diesem Bereich nur in
Madrid sammeln können, einem gleichgearteten Treffen, denn es war ein
Vorläufer des Wiener Treffens.
Und
die Atmosphäre ist hier wirklich wesentlich besser gewesen.
Wir waren
in der Lage, das Vorbereitungstreffen
zum
verabredeten
Zeitpunkt
abzuschließen.
In Madrid dauerte das Vorbereitungstreffen, wenn ich mich recht erinnere, insgesamt neun Wochen und war
noch nicht einmal beendet, als das
Haupttreffen begann.
Es gab dabei
Momente voller Spannungen und Streit.
Ich glaube, daß die Gesamtatmosphäre
zwischen Ost und West eine Rolle dabei
gespielt
hat, dieses
Treffen
leichter zu einem erfolgreichen Ende
zu führen. Und ich hoffe, daß dies
ein gutes Omen für das Haupttreffen
ist.
Leider muß ich hinzufügen, daß
die Probleme, denen
das
Madrider
Treffen konfrontiert sah - die Probleme der Nichteinhaltung von Abkommen durch die Sowjets und einige ihrer Verbündeten - heute genauso wichtig und schwerwiegend sind wie damals. Im Zuge des Haupttreffens werden wir nicht damit hinter dem Berg
halten, daß wir äußerst offen über
diese Nichteinhaltung sprechen müssen, da unserer Überzeugung nach der
KSZE-Prozeß
grundlegend
davon
abhängt, daß die beteiligten Staaten
die Verpflichtungen erfüllen, die sie
in Helsinki und Madrid
freiwillig
eingegangen sind.
Dies ist bei der
Sowjetunion nicht der Fall und wir
sind deshalb der festen Überzeugung,
daß es sehr schwierig sein wird, dem
Prozeß weiterhin dasselbe Ausmaß von

- 3 -

�Unterstützung zu verschaffen und innerhalb
dieses
Prozesses
weitere
Fortschritte in bezug auf menschliche
Kontakte zu erzielen wie in der Vergangenheit, falls diese ernste Situation der Nichteinhaltung fortbesteht.
FRAGE:

Werden Sie Namen nennen?

ANTWORT:
Ja, das werden wir.
Wir haben bei allen Folgetreffen Namen genannt, beim 3elgrader Treffen,
beim Madrider Treffen. Wir gedenken,
auch in Wien Namen zu nennen, nicht
in einem Geist der Polemik, sondern
weil die Probleme der Nichteinhaltung
hauptsachlich Probleme sind, die Einzelpersonen, Menschen betreffen; und
unserer Meinung nach ist es nötig,
einige dieser Leute beim Namen zu
nennen, und dies werden wir in einem
symbolischen sowie menschlichen Sinne
tun; damit mein»; ich einige der Leute, die unter der Nichteinhaltung
leiden.
FRAGE:
symbolisch?

Was

verstehen

Sie

unter

ANTWORT:
Es gibt beispielsweise
bestimmte Kategorien von Menschen etwa die jüdischen Verweigerer, die
Zahl der Juden, die die Sowjetunion
verlassen möchten, wird auf bis zu
400 000 geschätzt - und da werden wir
natürlich
nicht
die
Namen
aller
400 000
nennen, sondern
sicherlich
nur einige.
FRAGE: Ist ein Abschlußdatum für
das Treffen vereinbart worden?
Oder
ist das Ende offen?
ANTWORT:
Es wurde kein Datum
festgesetzt.
Im Dokument
ist ein
Zieldatum enthalten; ich glaube der
31. Juli.
Aber ein Zieldatum ist
nicht dasselbe wie ein Abschlußdatum,
da es der Zustimmung aller 35 Staaten
bedarf, das Treffen zu diesem Termin

abzuschließen.
Unserer Meinung nach
sollte es möglich sein, das Treffen
in diesem zeitlichen Rahmen zu beenden und ich denke, daß es auch möglich sein sollte, einen Abschluß in
der zweiten Hälfte des Jahres 1987 zu
erreichen, wenn alle
teilnehmenden
Delegationen sich von Anfang an auf
das Wesentliche konzentrieren.
FRAGE: Gibt es Zielvorgaben für
einzelne Fragen, zum Beispiel für die
Überprüfung der Durchführung?
ANTWORT: Ja, die gibt es. Dies
geht eigentlich schon über Zieldaten
hinaus, dies sind festgelegte Termine. Die Überprüfung der Durchführung
wird sieben Wochen dauern, von der
zweiten bis zur achten Konferenzwoche.
Die letzten beiden dieser Wochen sind gemischt, da in diesen Wochen auch neue Vorschläge eingebracht
und diskutiert werden können;
diese
Phase wird also dann beginnen. Danach wird die Periode, in der neue
Vorschläge eingebracht werden können,
abgeschlossen, und die echten Verhandlungen werden beginnen. All dies
ist im Dokument ausgeführt und die
Daten sind festgelegt.
FRAGE: Welches sind die Aussichten für einen Konsens am Ende des
Haupttreffens?
ANTWORT: Nun, es gab in 3elgrad
wie auch in Madrid einen Konsens auch wenn es nicht immer die gleiche
Art von Konsens war.
In Belgrad
herrschte Übereinstimmung
über ein
relativ kurzes Dokument; in Madrid
hingegen
hinsichtlich
eines
langen
Dokuments mit einer ganzen Reihe zusätzlicher
Verpflichtungen.
Ich
glaube, es wird in Wien nicht schwierig sein, zu einem Konsens über ein
Dokument zu gelangen, das Zeitpunkt
und Ort für ein neues Folgetreffen
festlegt - zumindest sind wir der

�Meinung, daß es dabei keine Probleme
geben dürfte. Was sonst noch Eingang
in das Dokument finden wird, hängt in
großem Maß davon ab, wie die Dinge
sich im Lauf der nächsten Monate entwickeln.

beschäftigt es sich nicht sehr mit
den wirklichen Menschenrechten; aber
es könnte durchaus so kommen, wie Sie
sagen - ein weiterer Versuch, uns zu
imitieren, auch wenn ich dafür keine
Beweis bekommen habe.

Seitens der Vereinigten Staaten
herrscht der Eindruck, man sollte
hinsichtlich
neuer
Verpflichtungen
und neier Formulierungen in einem Dokument sehr skeptisch sein, solange
sich nicht alle an die bestehenden
Verpflichtungen halten. Es liegt daher meiner Meinung nach zu einem
Großteil an der Sowjetunion und an
einigen der sowjetischen Verbündeten,
für die eingegangenen Verpflichtungen
noch etwas mehr zu tun. Wenn sich
hier etwas tut, dann werden wir auch
klarer sehen, walch eine Art von Dokument machbar ist.
Was aber den
Konsens im allgemeinen angeht, mit
dem Treffen zu einem Ende zu kommen
und ein anderes Treffen anzuberaumen,
so glaube ich, daß dies möglich ist.

FRAGE: Was dürfte Ihrer Meinung
nach die Sowjetunion dem Westen im
Bereich der Menschenrechte vorzuwerfen versuchen?

FRAGE: Die Sowjetunion hat kürzlich eine Abteilung für humanitäre
Angelegenheiten eingerichtet. Bedeutet das, daß auch ihre eigenen nichtstaatlichen Organisationen hier vertreten sein werden?
ANTWORT: Das ist ein interessanter Aspekt.
Ich war vor rund zwei
Wochen in Moskau und traf dort zwar
den Leiter dieser Abteilung nicht,
kam aber mit einigen der Leute zusammen, die damit zu tun haben. Dabei
war hiervon nicht die Rede, aber es
ist meiner Meinung nach durchaus möglich, denn etwas ist mir bei dieser
Abteilung für humanitäre Angelegenheiten aufgefallen: es scheint ein
Versuch zu sein, hier so etwas wie
unser eigenes Büro für Menschenrechte
und
humanitäre
Angelegenheiten
zu
imitieren.
Natürlich ist es nicht
dasselbe, denn unserem Eindruck nach

ANTWORT:
Ich glaube, wir werden
einen sehr konzentrierten Versuch der
Sowjets sehen, die Vereinigten Staaten und eine ganze Reihe weiterer
Länder
wegen angeblicher
Menschenrechtsverletzungen
zu
kritiseren.
Die neue sowjetische Führung hat eindeutig klargestellt, daß sie bereit
ist, die Menschenrechtsproblematik zu
diskutieren und daß sie auch bereit
ist, auf die Streitpunkte einzugehen.
Das begrüßen wir durchaus, weil es
den Prozeß nur fördert, wenn es eine
ganz offene Debatte über Fragen wie
die Menschenrechte gibt.
Wenn sie
Kritik an uns üben, dann können wir
auch an ihnen Kritik üben, wo dies
unserer Meinung nach notwendig ist.
Das kann die Qualität der Debatte
beim Wiener Treffen nur verbessern.
FRAGE:
Sehen Sie die
rechte als Streitfrage?

Menschen-

ANTWORT: Es wird eine ganze Reihe von Themen geben, die viel Aufmerksamkeit
auf
sich
ziehen,
ja
Streitigkeiten
hervorrufen
werden.
So ist die Sicherheit bestimmt ein
Hauptthema, das in Wien genauso diskutiert werden wird wie in Madrid.
Es gibt da einen bedeutsamen Vorschlag des Ostens, den der Westen
derzeit analysiert, und eine Sondergruppe der NATO beschäftigt sich mit
der Zukunft der Verringerung bei den
konventionellen Waffen.
Wir wissen
noch nicht, wie das Ergebnis aussehen

- 5 -

�wird, aber sicher ist, daß die sowjetische Seite einen intensiven Versuch unternimmt, in den KSZE-Prozeß
ein neues Element militärischer Sicherheit
einzubringen.
Auch
dies
wird also ein wichtiger Bereich sein.
Natürlich auch die Menschenrechte
- daran gibt er, meiner Meinung nach
keinen Zweifel.
Und auch Probleme
aus anderen Beireichen werden umfassend diskutiert werden: so die Frage
der Familienzusammenführung, die Frage der Informationsfreiheit, der Störung westlicher Rundfunksendungen all dies sind wichtige Themen für
uns. Vielleicht wird sich auch die
Aufmerksamkeit verstärkt auf den sogenannten Korb Zwei, die wirtschaftlichen Fragen, richten. Die Sowjetunion sagte uns, Korb Zwei sollte ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit
erhalten. Wir antworteten, wir seien
durchaus bereit, die Möglichkeit zu
erörtern, wie den Wirtschaftselementen des KSZE-Prozesses mehr Leben
eingehaucht werden kann. Ich stimme
Ihnen also zu: die Menschenrechte
werden
sicherlich ein Hauptelement
der Diskussion «ein, aber andere werden noch hinzukommen.
FRAGE:
Welche Wirkung wird das
Treffen
zwischen
Reagan
und
Gorbatschow auf das KSZE-Treffen haben?
ANTWORT:
Nun, wir hoffen, es
wird die Aussichten auf bessere Atmosphäre erhöhen und - wichtiger noch
als die Stimmung - die verstärkte
Einhaltung der Verpflichtungen verbessern.
Als der Präsident sich im
vergangenen
November
mit
Herrn
Gorbatschow in Genf traf, wurde bei
einem
etwa
einstündigen
Privatgespräch auch über Menschenrechtsfragen
gesprochen. Ich bin sicher, daß der
Präsident die Menschenrechte auf seinem Programm ganz oben sehen will,

wenn er Herrn Gorbatschow in Reykjavik trifft, und ich hoffe, daß dies
zu
einigen
konkreten
sowjetischen
Schritten zur Verbesserung ihrer Haltung bei den Menschenrechten führen
wird. Dies wäre meiner Meinung nach
ein mögliches Ergebnis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

15. Oktober 1986

34

CHRONOLOGIE AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER RÖSTÜNGSKONTROLLVORSCHLXGE
- Vom 16. November 1985 bis heute -

In Genf wurde nach zweitägigen,
intensiven
Verhandlungen
zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht.
Im Bereich der Rüstungskontrolle stimmen beide darin
überein:

dabei besonders auf Bereiche gemeinsamen Interesses zu konzentrieren: das "Prinzip einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der Kernwaffen
der Vereinigten Staaten
und der UdSSR" sowie auf den "Gedanken
eines
Interimsabkommens
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen";

- ihre Staaten zu baldigen Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen zu veranlassen und sich

die Bemühungen für den Abschluß
eines wirksamen und überprüfbaren
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren und einen Dialog über

21.
Gipfel

November

1985:

Der

Genfer

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Aufschiebung der vom Westen
verlangten Vereinbarung über die
von beiden Seiten im Verringerungsgebiet stationierten Truppen;

die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffen in die
Wege zu leiten;
einen baldigen und erfolgreichen
Abschluß der Arbeit der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) zu erleichtern. Sie
bekräftigen
die
"Notwendigkeit
eines Dokuments, das beiderseitig
annehmbare
Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen enthalten
und
dem
Grundsatz
der
Nichtanwendung von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung
verleihen würde;"

das Angebot, "auf eine zeitlich
begrenzte, für eine erste Phase
geltende Vereinbarung hinzuarbeiten", die auf dem im Februar von
der Sowjetunion und ihren Verbündeten vorgelegten Rahmen aufbaut;
ein Vorschlag, wonach die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu Beginn ihre Landstreitkräfte um 5 000 bzw. um 11 500
Mann verringern sollen;

die Bedeutung zu betonen, die sie
den Wiener Verhandlungen über einen beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Mitteleuropa
(MBFR) beimessen;

eine Verifizierungsregelung, einschließlich
eines
detaillierten
Austauschs von Daten und 30 Inspektionen pro Jahr, um die Truppenstärken auf beiden Seiten zu
überprüfen und die Einhaltung aller Bestimmungen der Vereinbarung
zu bestätigen.

auf Expertenebene die Frage von
"Zentren zur Risikoverringerung"
zu untersuchen.

5. Dezember 1985:
Vorschläge bei MBFR

Neue westliche

Im Bemühen, einen Ausweg aus der
Sackgasse bei den Wiener MBFR-Gesprächen zu finden, legen die Vertreter
der Vereinigten Staaten und ihrer
NATO-Verbündeten
einen
neuen Vorschlag auf den Tisch und bieten an,
"unverzüglich
über
eine gemeinsame
Verringerung
amerikanisch-sowjetischer Truppenstärken in Mitteleuropa
und
eine
anschließende
kollektive
Verpflichtung,
die
Truppenstärken
nicht
zu erhöhen", zu verhandeln.
Diese Verpflichtung sollte für Truppen in Ost und West drei Jahre gelten.
Wesentliche Punkte des westlichen
Vorschlags sind:

6. Dezember 1985:
Amerikanischbritisches Memorandum über SDI
Eine formelle Regierungsvereinbarung über die Bedingungen der britischen Beteiligung am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten wird von den Vereinigten Staaten
und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet.

19. Dezember 1985: Erklärung des
Weißen Hauses zu einem umfassenden
Atomteststopp
In einer Erklärung
stellt das
Weiße Haus fest, daß "ein umfassender
Teststopp ... ein langfristiges Ziel
der Vereinigten Staaten ist, und zwar
in Zusammenhang
mit der Erzielung
2 -

�breitgefächerter, tiefer und verifizierbarer
Abrüstungsmaßnahmen,
substantiell
verbesserter
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterter
vertrauensbildender Maßnahmen und größerer Ausgewogenheit bei den konventionellen Truppen sowie zu einem Zeitpunkt, an dem die atomare Abschrekkung nicht mehr ein solch grundlegendes Element der internationalen Sicherheit
und Stabilität darstellt,
wie dies heute der Fall ist."

23. Dezember 1985:
Reagan berichtet dem Kongreß über sowjetische
Nichteinhaltung
In einem Bericht an den Kongreß
zeigt Präsident Reagan ein seit langem bestehendes Muster sowjetischer
Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen auf, durch das
die Sowjetunion in die Lage versetzt
wurde,
militärische
Vorteile
bei
strategischen Offensivwaffen sowie in
den Bereichen
chemischer, biologischer und toxikologischer Waffen zu
erzielen.
Der
Bericht
erklärt:
"Diese Verletzungen rechtlich bindender oder politischer Verpflichtungen
führen zu erheblichen Zweifeln an der
sowjetischen Ernsthaftigkeit in bezug
auf
Rüstungskontrolle.
Sie
überschatten weiterhin die Atmosphäre, in
der gegenwärtig Verhandlungen in Genf
und an anderen Orten geführt werden."

15. Januar
1986:
Sowjetischer
Rüstungskontrollvorschlag
Der
sowjetische
Generalsekretär
Gorbatschow verkündet einen Rüstungskontrollvorschlag, der die gänzliche
Abschaffung von Atomwaffen in einem
Zeitraum von 15 Jahren sowie die Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen (INF) in
Europa in den nächsten fünf bis acht

Jahren vorsieht.
Die britischen und
französischen Atomwaffenarsenale würden den amerikanischen Waffen in Europa
nicht
hinzugerechnet
werden,
wohl aber würden sie auf gegenwärtigem Niveau eingefroren.
Amerikanische Atomwaffensysteme könnten nicht
auf dritte Parteien verlagert werden.
Präsident
Reagan
erklärt,
die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden den Vorschlag sorgfältig
untersuchen.
Er
verleiht
seiner
Hoffnung Ausdruck, daß "dieser Vorschlag
einen
hilfreichen
weiteren
Schritt in diesem Prozeß darstellt".
Nach Ansicht von Vertretern der amerikanischen
Regierung
sind
einige
Teile des Gorbatschow-Plans Wiederholungen alter, gänzlich unannehmbarer
sowjetischer Positionen, während einige Aspekte es wert seien, weiter
untersucht zu werden.

28. Januar 1986:

Chemische Waffen

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf die erster
Runde intensivierter Gespräche über
ein
umfassendes
Verbot
chemischer
Waffen auf.

4.
Februar
1986:
Reagan-Botschaft zur Lage der Nation
In seiner
jährlichen
Ansprache
vor dem Kongreß erklärte der Präsident:
"Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder
Seite
vorgeschlagen,
ohne
Betrug.
Sie haben klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens
durch
die Sowjets
eine
Grundbedingung darstellt.
Wenn die
sowjetische Regierung
ein Abkommen
wünscht, das die Zahl der Atomwaffen
wirklich
reduziert,
dann
wird
es

- 3 -

�solch ein Abkommen geben."

20. Februar 1986: Vorschlag des
Warschauer Pakts bei den M3FR-Gesprächen
Bei
den Wiener
MBFR-Gesprächen
legt der Warschauer Pakt einen neuen
Vertragsentwurf vor.
Der Vorschlag
beinhaltet eine anfängliche Reduzierung um 11 000 Mann auf Seiten der
Sowjets und 6 500 Mann amerikanischer
Soldaten zusammen mit der Verpflichtung, in den drei Jahren danach die
Truppen nicht
zu verstärken.
Der
östliche Plan fordert außerdem permanente Beobachtungsposten für Ein- und
Ausreise, um die Nichterhöhung
in
diesem Zeitraum zu überwachen.
In einer Erklärung für alle westlichen Teilnehmer verwies der Vorsitzende der niederländischen Delegation, Botschafter Jan Hein L. Van De
Mörtel, darauf, daß der östliche Vorschlag "nicht als adäquate Antwort
auf den weitreichenden Schritt der
NATO vom vorigen Dezember betrachtet
werden kann". Weiter sagte er: Anstatt die vom Westen vorgebrachten
Gedanken zu untersuchen und beantworten, ist der Osten wieder einmal auf
seine unangebrachten Vorschläge vergangener Jahre verfallen und hat es
versäumt, sich bei irgendeiner der
bedeutenden Fragen, die beide Seiten
trennen, substantiell
zu bewegen".
Nach Angaben
offizieller Vertreter
bildet die Frage der Verifizierung
weiterhin eines der Hauptprobleme in
bezug auf die Position des Warschauer
Pakts.

24.
Februar
1986:
Erklärung
Reagans zur Rüstungskontrolle

von

Nach einer Analyse des im Januar
den Sowjets
verkündeten Vor-

schlags zur Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Ende des Jahrhunderts
veröffentlicht Präsident Reagan eine
Erklärung, wonach die "Sowjetunion im
Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung
zur - wenn möglich - totalen
Abschaffung
nuklearer Waffen
zuzustimmen scheint".
Reagan erklärt seine Unterstützung eines Prozesses, "durch den die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen
würden, indem sie auf beiden Seiten
das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent
verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen
verhandeln."
Er
stellt fest, daß die Sowjetunion "unsere seit langem eingenommene Haltung, daß die Verifizierbarkeit der
verhandelten Abkommen den wichtigsten
Punkt
darstellt", öffentlich anerkannt hat. Gorbatschows öffentliches
Angebot zur Lösung aller notwendigen
Verifizierungsprobleme würde am Verhandlungstisch
konkret
untersucht
werden.
Laut Reagan sind es einige Teile
des sowjetischen Plans zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wert, in Erwägung gezogen zu werden. Er erklärt,
daß die völlige Abschaffung nuklearer
Waffen "gleichzeitig die Berichtigung
des Ungleichgewichts bei konventionellen und anderen Waffen erfordern
(wird) und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf
eine Art und Weise, die Wahlfreiheit
ohne Einmischung von außen erlaubt
sowie ein von der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb."
Reagan drückt seine Hoffnung
unmittelbare
Fortschritte
bei

auf
den

�Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme
aus.
"Heute haben
unsere Unterhändler
in Genf einen
konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung
von
amerikanischen
Pershing-II-Raketen,
bodengestützten
Marschflugkörper und sowjetischen SS20-Raketen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art
bis zum Ende des Jahrzehnts von der
Erdoberfläche entfernt werden sollen."

26. Februar 1986: Reagan nimmt Stellung zur nationalen Sicherheit
In einer Fernsehansprache sagte
Präsident
Reagan,
"es wäre
reine
Dummheit
seitens
der
Vereinigten
Staaten, SDI nicht weiterzuverfolgen,
wenn die Sowjets ihrerseits schon
seit mehr als zwanzig Jahren in ihr
eigenes Programm
investiert haben.
Wir sollten nicht vergessen, daß heute die einzige einsatzbereite Raketenverteidigung der Welt die Hauptstadt der Sowjetunion schützt - nicht
die der Vereinigten Staaten."
Reagan sagte:
"Aber während SDI
Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben wir
und
unsere Verbündeten
zugelassen,
daß Atomwaffen eine Art Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den
wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen.
Wir
müssen uns von dieser Krücke befreien.
Unser Ziel sollte darin bestehen,
eine Aggression
abzuschrecken
und, wenn nötig, zurückzuschlagen,
ohne zu Atomwaffen greifen zu müssen."

2. März 1986:

Mittelstreckenwaffen

Der Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Paul Nitze, sagt in

München, der sowjetische Plan, die
Mittelstreckenwaffen größerer Reichweite (LRINF) in Europa abzuschaffen,
würde die Anzahl französischer und
britischer
Abschreckungswaffen
zunächst einfrieren und dann abschaffen.
Ihm zufolge würde eine Transferverbotsklausel in diesem sowjetischen Plan bereits bestehende Programme der amerikanischen Zusammenarbeit mit den Verbündeten behindern.
Er betonte, der sowjetische Plan beschäftige sich weder mit der Stationierung von SS-20-Raketen in Asien,
noch mit Beschränkungen über Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF),
die
dazu
benutzt
werden
könnten, die Abschaffung der LRINFWaffen zu umgehen.
Nitze sagte, daß die Vereinigten
Staaten jedwede sowjetische Verfügung
über
französische
und
britische
Nuklearwaffen zurückweisen. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten fordert weltweit die gleichen Beschränkungen für LRINF-Waf fen, um den sicherheitspolitischen Bedürfnissen der
asiatischen und europäischen Verbündeten
und Freunde gerechtzuwerden,
wie auch die Einbeziehung von Beschränkungen über SRINF. Er fordert
ferner von beiden Seiten den anfänglichen Abbau auf 140 LRINF-Abschußvorrichtungen und einen proportionalen Abbau in Asien. Die Vereinigten
Staaten würden dann ihre LRINF-Raketen parallel zu gleichwertigen sowjetischen Verringerungen abbauen.

5. bis 6. März 1986:

Chemische Waffen

In Bern sprechen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion über eine
Verhinderung
der
Weiterverbreitung
chemischer Waffen, wie es beim Gipfeltreffen
im
November
vereinbart
wurde.

5 -

�14. März 1986:

Atomtests

Präsident Reagan
kündigt
einen
neuen Vorschlag für die Beobachtung
von Atomtests vor Ort an, der sofort
durchführbar wäre und die Verifikationsbestimmungen
des Schwellenvertrags (TT3T) und des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) festigen könnte.
Reagan
dazu: "Was einzigartig an dieser neuen Initiative ist, ist ihr präziser
und konkreter Charakter, wie auch die
detaillierten neuen technischen Informationen, die wir der Sowjetunion
in dem Versuch zur Verfügung gestellt
haben, um diese Unsicherheiten über
die Verifizierung aus der Welt zu
schaffen."
Reagan beschreibt eine neue Methode der hydrodynamischen Druckmeßtechnik, CORRTEX, die eine Verifizierung der Einhaltung der Maßgabe von
150
Kilotonnen
bei
unterirdischen
Tests verbessern könnte. CORRTEX benutzt ein Koaxialkabel, das in ein
Loch parallel zu dem der Versuchsvorrichtung gelegt wird, um die Schwingungen der sich bei der Atomexplosion
ausbreitenden
unterirdischen
Druckwelle zu messen.
Reagan lädt auch sowjetische Wissenschaftler ein, in der dritten Aprilwoche 1986 das CORRTEX-System auf
dein amerikanischen Testgelände in Nevada zu untersuchen und einen zu diesem Zeitpunkt geplanten Kernwaffentest zu beobachten.

wjetunion und ihre Verbündeten haben
auf
jüngste westliche
Initiativen,
die darauf abzielten, bei diesen Verhandlungen einen grundlegenden Erfolg
zu erzielen, nicht konstruktiv geantwortet. Die NATO hat dem Warschauer
Pakt klar zu verstehen gegeben, daß
die Handlungsweise des Ostblocks während dieser Verhandlungsrunde nicht
den westlichen Erfordernissen
entsprach und daß wir immer noch auf eine Antwort des Ostblocks warten, die
den im Dezember vom Westen unternommenen bedeutsamen Schritten gleichkommt. Wenn die Sowjetunion und ihre
Verbündeten den gleichen politischen
Willen wie der Westen zeigen, besteht
Hoffnung, daß die M3FR-Verhandlungen
in ein wirkungsvolles und faires Abkommen münden. Der Präsident hat die
Delegation
der Vereinigten Staaten
angewiesen, weiter an einem solchen
Ergebnis zu arbeiten."

27. März 1986: Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen ein Forschungsabkommen über SDI
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
und
Bundeswirtchaftsminister Martin Bangemann unterzeichnen
eine Regierungsvereinbarung über die
Beteiligung
deutscher
Firmen, Forschungsinstitute und anderer Organisationen
am Forschungsprogramm
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).

29. März 1986: Reagan antwortet auf
sowjetische Vorschläge
20. März 1986:

MBFR-Verhandlungen

Die 38. Runde der Gespräche über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
geht in Wien zuende. Dazu eine Stellungnahme des Weißen Hauses: "Die So-

Reagan
weist
die
Forderung
Gorbatschows vom 14. März nach einem
Atomtestmoratorium zurück und fordert
ihn auf, auf den amerikanischen Vorschlag zur Verbesserung der Verifikation bei Atomtests einzugehen. Reagan

�weist
ebenfalls
Gorbatschows Vorschlag
für ein Gipfeltreffen über
Atomtests ab, das in Europa stattfinden soll.
Reagan sagt, ein Gipfel
sollte sich "mit der gesamten Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen beschäftigen."

3. April 1986:
Vereinigte Staaten
halten Vor-Ort-Inspektionen für ein
Verbot chemischer Waffen für unerläßlich
Botschafter Donald Lowitz erklärt
auf der Genfer Abrüstungskonferenz,
daß obligatorische Vor-Ort-Inspektionen für die Verifizierung des Verbots
chemischer Waffen unerläßlich seien.

18. bis 23. April 1986: Gorbatschows
Vorschlag und die Reaktion der Vereinigten Staaten
In einer Ansprache vor dem SEDParteitag in Ost-Berlin am 18. April
schlägt
der
sowjetische Parteichef
Gorbatschow einen Abbau bei den konventionellen Streitkräften
und den
taktischen Kernwaffen auf dem gesamten europäischen Kontinent vom Atlantik bis zum Ural vor.
Gorbatschow
fordert Einschnitte bei den Landstreitkräften
und
taktischen Luftstreitkräften
europäischer
Staaten
sowie bei den in Europa stationierten
amerikanischen
und
kanadischen
Streitkräften. Auf Einzelheiten geht
er nicht ein. Zu den chemischen Waffen sagt Gorbatschow, daß die Sowjetunion den Abschluß eines entsprechenden internationalen Abkommens herbeiführen möchte und bei der Abrüstungskonferenz "innerhalb der nächsten Tage eine Reihe von neuen Vorschlägen
vorlegen wird, die es möglich machen,
die
noch
bestehenden
Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg zu räumen".
Am
21.
April
schlägt

Gorbatschow, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Ost-Berlin aufhält, vor, sowohl Warschauer Pakt als
auch NATO abzuschaffen.
Am 23. April erklärt der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, Gorbatschows Vorschlag zur Abschaffung des Warschauer
Paktes und der NATO sei "nichts Neues".
Die NATO, so Speakes, ist ein
Verteidigungsbündnis, das dazu dient,
Aggression
abzuwehren.
"Der Grund
der Spannungen in Europa ist nicht
das Bestehen der NATO, sondern die
Bedrohung, die von umfangreichen, gut
ausgerüsteten
und
vornedislozierten
sowjetischen Truppen ausgeht wie auch
die sowjetische Aufrüstung, die weit
über alle berechtigten Erfordernisse
einer Verteidigung hinausgeht.
Wir
sind davon überzeugt, daß der Schlüssel für einen Abbau der Spannungen,
für sinnvolle Rüstungskontrollvereinbarungen und für stabilere Ost-WestBeziehungen bei ernsthaften Vorschlägen liegt, die vertraulich und nicht
durch
öffentliche
Presseerklärungen
verhandelt werden."

5. bis 6. Mai 1986: Zentren zur Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen sich in Genf, um
die
Errichtung
von
Zentren
in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils mit sowjetischen und
amerikanischen
Experten besetzt
-,
der Möglichkeit eines unabsichtlich
verursachten Nuklearkrieges vorbeugen
sollen.

27. März 1986: Reagan über SALT II
und vorläufige Zurückhaltung

die

- 7 -

Präsident Reagan verkündet, daß
Vereinigten Staaten in Zukunft

�Entscheidungen über den Aufbau ihrer
strategischen Streitkräfte
von der
Art und dem Umfang der von den sowjetischen strategischen Streitkräften ausgehenden Bedrohung
abhängig
machen werden, nicht von den Standards, die der Vertrag über die Begrenzung
strategischer
Rüstungen
(SALT) festlegt, den er als fehlerhaft bezeichnet und der erheblich
durch die sowjetische Nichteinhaltung
untergraben sei. Der Präsident verwies darauf, wie unangebracht es sei,
auch weiterhin eine Politik der Einhaltung
der Bestimmungen des SALT
II-Vertrags - eines Vertrages, der
nie ratifiziert worden sei - zu verfolgen, Bestimmungen zudem, die von
der Sowjetunion kontinuierlich verletzt worden seien.
Reagan sagte,
die Vereinigten Staaten würden weiterhin
größtmögliche
Zurückhaltung
üben und dabei versuchen, angesichts
der sowjetische Aufrüstung den strategischen Erfordernissen der Vereinigten Staaten gerechtzuwerden und
das durch Maßnahmen, die Anreize für
ein weiteres Wachstum
sowjetischer
Offensivstreitkräfte auf ein Minimum
beschränken. Keine Politik der vorläufigen Zurückhaltung sei jedoch Ersatz für ein Abkommen über einschneidende und ausgewogene Verringerungen
offensiver Kernwaffen, vorausgesetzt,
die Vereinigten Staaten können sich
auf die sowjetische Einhaltung verlassen.

26. Juni 1986:
Verhandlungen
Kern- und Weltraumwaffen

über

Die fünfte Runde der Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen
geht in Genf zuende.
In einer vom
Weißen Haus herausgegebenen Presseerklärung
bemerkt
Präsident
Reagan:
"Das ziel der Vereinigten Staaten bei
diesen Verhandlungen besteht darin,
die sowjetische Zustimmung zu einem
- 8

einschneidenden,
ausgewogenen
und
wirksam
verifizierbaren
Abbau
der
Kernwaffenarsenale
der
Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten zu erlangen, und zwar auf eine Weise, die die
strategische
Stabilität
stärkt".
Präsident Reagan sagt, er hoffe, daß
die von der Sowjetunion vorgebrachten
Vorschläge "den Anfang von ernsthaften sowjetischen Bemühungen einleiten
könnten, mit uns gemeinsam am Abbau
offensiver Nuklearwaffen zu arbeiten."

30. Juni 1986:

KVAE-Verhandlungen

In dem Bemühen, bei der Konferenz
über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa die Erstellung
eines Vertragsentwurfs
voranzutreiben, unterbreitet der Westen eine umfassende
Fünf-Punkte-Initiative
und
umreißt die Bereiche westlicher Flexibilität hinsichtlich so zentraler
Themen wie Benachrichtigung, Beobachtung und Verifizierung.

3. Juli 19865:

Die M3FR-Verhandlungen

Die 39. Runde der Verhandlungen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
geht in Wien zu Ende.
Botschafter
Robert Blackwill bringt sein Bedauern
darüber zum Ausdruck, daß "den Forderungen
sowjetischer Vertreter
nach
verläßlicher Verifizierung auf allen
Stufen des Kontrollprozesses bei den
konventionellen Waffen nicht auch die
sowjetischen Vorschläge am Verhandlungstisch entsprachen."

16. Juli 1986:

KVAE-Gespräche

Bei der KVAE-Arbeitsgruppe, die
sich mit dem Thema Benachrichtigung
beschäftigt, wird eine Formulierung
erarbeitet, die festlegt, daß Aktivi-

�täten der Bodenstreitkräfte zu der
Art von militärischer Aktivität gehören, bei der eine Benachrichtigung
erfolgt.
Die Formulierung signalisiert außerdem, daß Aktivitäten der
Luftwaffe nur in dem Maß einbezogen
sind, in dem sie Teil der Aktivitäten
der Bodenstreitkräfte sind.

5. August 1986:
Reagan informiert
den Kongreß über die amerikanische
Politik der vorläufigen Zurückhaltung
In seinem "Bericht an den Kongreß
über die amerikanische Politik der
vorläufigen
Zurückhaltung
und
über
die entsprechenden sowjetischen und
amerikanischen Streitkräfte mit und
ohne SALT I und SALT II" erklärt Präsident Reagan, es bleibe auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik,
"eine gemeinsame Grundlage zur Aushandlung
umfassender,
ausgewogener
und
verifizierbarer
Verringerungen
der Nukleararsenale des strategischen
wie
des
Mittelstreckenbereichs
zu
finden." Trotz der wiederholten amerikanischen Forderung nach korrektiven Schritten seitens der Sowjetunion
haben, so der Präsident, die fortgesetzten
sowjetischen
Verletzungen
über mehrere Jahre hinweg die Bestimmungen von SALT II ausgehöhlt.
Der
Bericht ist die freigegebene Version
eines klassifizierten Berichts, den
der Präsident dem Kongreß am 19. Juni
zur Verfügung stellte.

einbart.

24. bis 25. August 1986: Zentren zur
Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen in Genf zusammen,
um die Errichtung
von Zentren in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils von sowjetischen bzw.
amerikanischen Experten besetzt - der
Möglichkeit eines durch Zufall ausgelösten Atomkriegs vorbeugen sollen.

4. bis 5. September
Waffen

1986:

Fachleute im Bereich chemischer
Waffen treffen sich in Bern - zum
zweitenmal in diesem Jahr. ziel der
Gespräche
ist es, der Ausbreitung
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

5. bis 6. September 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskon trollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
im amerikanischen Außenministerium in
Washington zur Fortsetzung der vom
11. bis 12. August in Moskau geführten Verhandlungen.

17.
September
1986:
Weltraumgespräche
11. bis 12. August 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
in Moskau.
Einzelheiten über ihre
Gespräche werden nicht bekanntgegeben, doch werden für Anfang September
weitere Gespräche in Washington ver-

Chemische

Nuklear- und

Botschafter Max Kampelman, amerikanischer
Chefunterhändler
bei den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf, erklärt in
einer Rede vor der Belgisch-Amerikanischen Gesellschaft in Brüssel, die
Vereinigten Staaten
strebten
einen
50prozentigen Abbau der ballistischen
Raketen
sowie die Beseitigung der

- 9 -

�Mittelstreckensysteme an, wären jedoch zunächst bereit, auch mit einer
geringfügigeren Beschneidung zu beginnen, solange diese ausgewogen und
stabilisierend sei.

18. September 1986:
der NST-Verhandlungen

Wiederaufnahme

In Genf wird die sechste Runde
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen in Genf wieder aufgenommen. Ziel der Vereinigten Staaten
bleibt es auch weiterhin, einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Verringerungen bei den amerikanischen
und sowjetischen Nukleararsenalen zu
erreichen. In einer vom Weißen Haus
veröffentlichten Erklärung sagt Präsident
Reagan:
"Die Vereinigten
Staaten sind dem Ziel echter - und
baldiger
Rüstungsverringerungen
voll verpflichtet. Wenn die Sowjets
genauso entschlossen sind wie wir,
gibt es eine echte Chance für solche
Verringerungen." Reagan weist darauf
hin, er habe im Juli an den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow
geschrieben, "um unsere Positionen
bei der ganzen Bandbreite der Rüstungskontrollthemen noch weiter zu
erläutern."

18. September 1986: Atomversuche
Technische Experten der Vereinigten Staaten
und
der Sowjetunion
schließen in Genf eine zweite Runde
von Gesprächen über Fragen von Atomversuchen ab und unterstreichen die
Erwartung, erneut im November zusammenzutreffen.

19. September 1986: SDI
Die Vereinigten Staaten und Italien unterzeichnen eine Regierungs- 10

Vereinbarung zur Beteiligung Italiens
an der Forschung im Bereich der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI)

19. bis 20. September 1986: Treffen
zwischen Shultz und Schewardnadse in
Washington
Außenminister Shultz und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
treffen sich im amerikanischen Außenministerium zu Gesprächen über ein
nächstes Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan
und Generalsekretär
Gorbatschow.
Schewardnadse übergibt
Präsident
Reagan
ein
Schreiben
Gorbatschows.

»

22. September 1986: Reagan spricht
vor den Vereinten Nationen
Präsident Reagan erklärt vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten seien
bereit, mit der Sowjetunion ein Abkommen "über Forschung, Entwicklung,
Erprobung
und
Dislozierung
einer
strategischen
Verteidigung"
abzuschließen. Im Rahmen dieses Abkommens, so Präsident Reagan, "würden
(beide Seiten) ihre Bereitschaft erklären, sich bis 1991 auf die laut
ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne
Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind." Und
er fuhr fort: "Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls sich nach 1991 eine der beiden Seiten zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur
Abschaffung offensiver ballistischer

,
*

�Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan
würde dann in einem Zweijahreszeitraum
ausgehandelt
werden."
(...)
"Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen nicht einigen
können, würde es jeder Seite nach
sechsmonatiger
Vorankündigung
freistehen, ein modernes
strategisches
Verteidigungssystem zu stationieren."

22. September 1986:
nigung

KVAE erzielt Ei-

Die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) erzielt eine Einigung bezüglich
der
Verringerung
einer
Kriegsgefahr in Europa.
Das Forum
von 35 Staaten einigt sich auf ein
Bündel militärisch bedeutsamer
und
verifizierbarer Maßnahmen, die - bei
entsprechender Einhaltung - militärische Aktivitäten vorhersagbarer machen und die Möglichkeiten zu politischer Einschüchterung verbieten. In
einer vom Weißen Haus veröffentlichten
Erklärung
betont
Präsident
Reagan, das Abkommen "wird zu mehr
Sicherheit in Europa und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West beitragen."
Durch dieses
Abkommen haben die Verhandlungsparteien von NATO und Warschauer Pakt
einander Vorwarnzeiten bei allen bedeutsamen militärischen Manövern und
ähnlichen Aktivitäten
vom Atlantik
bis zum Ural eingeräumt, die in bestimmten Fällen bis zu zwei Jahren
beträgt.
Das Abkommen erlaubt eine
ausländische Inspektion der Streitkräfte beider Seiten, um klarzustellen, daß keine Überraschungsangriffe
vorbereitet werden.

25. September
40. M3FR-Runde

1986:

Eröffnung

beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
(MBFR) beginnt in Wien. In einer vom
Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
heißt
es:
"Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten hegen
auch weiterhin die Hoffnung, daß am
Verhandlungstisch in Wien Erfolge erzielt werden können.
wir erwarten
von der Sowjetunion, daß sie ernsthaft auf den wichtigen Kompromiß reagiert, den der Westen im vergangenen
Dezember unterbreitet hat."

30. September 1986: Ankündigung
Treffens
zwischen
Reagan
Gorbatschow auf Island

des
und

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion kündigen an, daß Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik auf Island treffen
werden.
Präsident
Reagan
unterstreicht vor Reportern, das Treffen
"werde im Rahmen der in Genf im November 1985 vereinbarten Vorbereitungen zum Besuch des Generalsekretärs
in den Vereinigten Staaten abgehalten" .

der

Die 40. Runde der Gespräche über
- 11 -

* * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 15.10.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen "zufrieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vom 16. November 1985 bis heute -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

1 2 . November 1986

38

I N H A L T

DOKUMENTATION

Shultz kritisiert Osteuropa in der Menschenrechtsfrage
- Rede von Außenminister shultz vor dem wiener KSZE-Folgetreffen

Shultz enttäuscht von Rüsturgsgesprächen
- Erklärung zu Beginn der Pressekonferenz vom 6. November 1986

HINTERGRDNDMATERIAL

Nicaragua - Revolution in der Familie
- Von shirley Christian (Copyright (c): Shirley Christian)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
12. November 1986

38

SHÜLTZ KRITISIERT OSTEUROPA IN DER MENSCHENRECHTSFRAGE
- Rede von Außenminister Shultz vor dem Wiener KSZE-Folgetreffen WIEN - (AD) - Außenminister Shultz sprach am 5. November
Vertretern der 35 Teilnehmerstaaten beim Wiener Folgetreffen
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und traf im
ges mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse zu einem
persönlichen Gespräch zusammen.

1986 vor den
der Konferenz
Laufe des Tadreistündigen

In seiner Rede wies Shultz besonders darauf hin, daß bei Überprüfung der
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki nicht nur Fragen der Rüstungskontrolle,
sondern insbesondere auch der Bereich der Menschenrechte behandelt würden.
"Wenn die Gerechtigkeit verletzt und die Freiheit verwehrt wird, erhöhen sich
die Möglichkeiten für Konflikte unweigerlich", so Shultz.
Nachfolgend drucken wir den Redetext im Wortlaut:

Wir danken der österreichischen
Bevölkerung als Gastgeber dieser Konferenz
für
ihre
großzügige Gastfreundschaft.
Wir freuen uns über
die besondere Herzlichkeit und Höflichkeit, mit der wir begrüßt wurden.
Wir - die 35 Nationen vielfältiger und unterschiedlicher politischer
Systeme - sind hier in dem gemeinsamen Bestreben zusammengekommen, eine
dauerhaftere Grundlage
für Frieden
und Versöhnung zwischen den Völkern
des Osten und des Westens zu schaf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fen.
Die Schlußakte von Helsinki
liefert uns die Richtlinien für unsere Arbeit. Sie gibt das Versprechen
für einen sichereren Frieden und für
mehr Zusammenarbeit zwischen unseren
Völkern - ein Versprechen, das nur
durch eine stärkere Wahrung der Menschenrechte
und
der
grundlegenden
Freiheiten für jeden einzelnen Menschen eingelöst werden kann.
Es sollte unsere gemeinsame Aufgabe sein, dieses Versprechen zu erfüllen und den in der Schlußakte von
Helsinki niedergelegten Verpflichtun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen nachzukommen.
Um das zu tun,
müssen wir Vergangenheit und Gegenwart
betrachten, aber
auch
einen
Blick in die Zukunft werfen.
Wir
können und sollten nicht leichtfertig
über unsere Erfahrungen und Enttäuschungen des vergangenen Jahrzehnts
hinweggehen. Wir müssen uns mit den
Fällen beschäftigen, da es die Regierungen versäumt haben, die Prinzipien
durchzusetzen,
zu deren Einhaltung
sie sich in der Schlußakte freiwillig
verpflichtet haben.
Eine
solch kritische Rückschau
ist notwendig, wenn die Konferenz
beim Abbau des Mißtrauens und beim
Aufbau
von Vertrauen
echte Fortschritte erzielen soll. Gleichzeitig
bietet uns die Konferenz aber auch
eine wichtige Möglichkeit der Vorausschau. Sie gibt uns die Chance, eine
Zukunft zu prägen, die die schöpferischen Energien all unserer Völker
freisetzt.
Die Welt bewegt sich auf eine
Zeit
dramatischer
technologischer
Veränderungen zu, auf eine Zeit, in
der die alten Denk- und Verhaltensmuster der Vergangenheit für die neue
Wirklichkeit
zunehmend
unzureichend
werden. Die traditionellen Schranken
von Zeit und Raum werden von Tag zu
Tag mehr von modernen Transport- und
elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten unterhöhlt; die von Regierungen errichteten Schranken
zwischen
Völkern aber bleiben bestehen.
Mit
den althergebrachten Maßnahmen industrieller Entwicklung - und im umfassenderen Sinne auch der militärischen
und politischen Stärke - gelingt es
immer seltener, zu den echten Quellen
sozialer
Vitalität
vorzudringen.
Statt der überkommenen Methoden zentralisiert getroffener Entscheidungen
im Management macht die Informationstechnologie größere Dezentralisierung
und mehr Initiative des einzelnen

möglich und notwendig.
Dieser Trend kann für all jene,
die menschliche Kreativität schätzen,
nur eine Quelle der Hoffnung sein.
In Zukunft wird sich der wahre Maßstab für die Dynamik einer Gesellschaft - und einer Staatengemeinschaft - darin zeigen, wie freimütig
sie Wissen und schöpferische Leistung
des Menschen fördert, nützt und anderen zugänglich macht, und wie sie
selbst Nutzen aus dieser Kreativität
des Individuums zieht. Es sind genau
diese - für den Fortschritt dieses
anbrechenden neuen Zeitalters so notwendigen - Ziele der Freiheit und Offenheit, die bereits in der Schlußakte verankert sind.
In dem Bemühen,
die überkommenen Teilungen zu überwinden, liefert uns die Schlußakte
Richtlinien und Verpflichtungen für
die Zukunft. In den vergangenen vier
Jahrzehnten ist Europa wieder aufgebaut worden. Für die Zukunft setzen
wir unsere Hoffnung auf ein wiedervereinigtes Europa.
Die Grundsätze
der Schlußakte sind - wenn sie von
allen
Teilnehmerstaaten
der
KSZE
vollständig in die Tat umgesetzt werden - das Versprechen auf ein Europa
voller Vitalität, Zuversicht und Fähigkeit zum Fortschritt, eines Europa, für dessen Völker Unabhängigkeit
und Freiheit gesichert sind.
In der Schlußakte wurde erkannt,
daß Frieden nicht nur die Abwesenheit
von Krieg bedeutet.
Wirklich konstruktive
europäische
Beziehungen
sind mehr als nur das Faktum des diplomatischen Dialogs. Um mit den Worten von Präsident Reaganzu sprechen:
"Wahrer Frieden gründet sich auf die
Säulen der Freiheit des einzelnen,
der Menschenrechte, der
nationalen
Selbstbestimmung und des Respekts für
die Regeln des Gesetzes."

- 2 -

�Die Bedeutung Europas für Amerika
Ich bin nach Wien gekommen, um
erneut die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu bekräftigen, entschieden
- gemeinsam
mit
unseren
Freunden - für die Unterstützung der
vollständigen Anwendung der Prinzipien
der
Schlußakte
einzutreten.
Diese Prinzipien
liefern auch die
Grundlage für unsere eigene Politik.
Das amerikanische Volk
unterstützt
voll und ganz das Ziel einer wiedervereinten, freien und
unabhängigen
Gemeinschaft
der
Staaten
Ost- und
Westeuropas.
Diesem Ziel sind wir,
und nicht etwa als Außenseiter, verpflichtet. Als Erben und Kinder Europas teilen wir die Hoffnungen und
beteiligen uns an den Verpflichtungen
für Europa. Europa und Amerika sind
durch die Bande der Geschichte, der
Familien, der breitgestreuten gemeinsamen
Interessen
und
gemeinsamer
Wertvorstellungen
eng
miteinander
verbunden; nur auf unsere eigene Gefahr hin können wir die Bedeutung und
Stärke dieser Bande außer Acht lassen.
Sicherheit und Wohlstand unserer
Völker sind eng miteinander verbunden. Wir haben - durch die Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg - aus unseren
bitteren
Erfahrungen
gelernt,
daß
sich die Vereinigten Staaten nicht
von Europa abwenden können. Der Isolationismus war ein Kurs, der uns ins
Unglück gestürzt hat, und wir sind
entschlossen, ihn nicht zu wiederholen. In den Jahren nach dem zweiten
Weltkrieg hat sich Amerika wieder mit
den Staaten Europas zusammengeschlossen - einmal, um die Geisel der Tyrannei zu besiegen und dann, um Europa dabei zu helfen, seine Stärke mit
Hilfe des genau vor vierzig Jahren
begonnen Marshall-Planes wiederzuerlangen.
Heute

drücken

die

Vereinigten

Staaten ihren Einsatz für Europa auf
vielfältige Art und Weise aus. Unsere aktive Teilnahme an der KSZE ist
nur eine davon. Wir glauben, daß wir
bei der Verwirklichung der Zielsetzungen der KSZE eine positive und
wichtige Rolle spielen müssen. Diese
Rolle werden wir weder aufgeben noch
verringern.
Das amerikanische Volk glaubt an
die in der Schlußakte niedergelegten
Grundsätze von Freiheit und Offenheit. Wir vertrauen auf die Lebensfähigkeit unserer demokratischen Werte, und wir sind stolz darauf, sie in
einem offenen und friedlichen Wettbewerb mit anderen Werten zu prüfen.
Aber wir versuchen weder, anderen unsere Werte aufzuzwingen, noch können
wir akzeptieren, daß einige Regierungen den Anspruch auf ein vermeintlich
verbrieftes Recht erheben, ihre eigene Ideologie durch Gewalt oder subversive Mittel zu exportieren.
Wir
respektieren, daß andere Gesellschaften anderen Normen folgen, aber wir
können nicht die Taten solcher Regierungen ignorieren, die ihrer Bevölkerung die grundlegenden Menschenrechte
verweigern. Wir fordern keine militärische
Überlegenheit
für
uns
selbst, aber wir können auch nicht
den Anspruch anderer auf ein Recht
sogenannter "gleicher Sicherheit" akzeptieren, das für die jeweiligen
Nachbarstaaten Unsicherheit mit sich
bringt.
Wir haben versucht, die Staaten
Osteuropas und die Sowjetunion zu einer konstruktiven Diskussion über all
die Themenkreise zu bewegen, die uns
trennen. wir machen uns keine Illusionen darüber, daß unsere - auf so
ganz anderer Vorstellung von Individuum und Staat beruhenden - Verschiedenheit auf einfache Art und Weise
gelöst werden kann.
Aber wir glauben, daß es möglich ist, in den Ost-

- 3 -

�West-Beziehungen ein größeres gegenseitiges Verständnis und Vertrauen
aufzubauen.
Im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle könnten wir bei unseren jüngsten Diskussionen mit den Sowjets eine Wasserscheide erreicht haben.
Bei anderen Themenkreisen
Menschenrechte und regionale Konflikte - fehlt auch weiterhin jede positive Bewegung. Um den Portschritt in
all diesen Bereichen zu fördern, hat
sich Präsident Reagan im vergangenen
Monat mit Generalsekretär Gorbatschow
in Reykjavik getroffen.
Sie haben
ihre - vor einem Jahr in Genf begonnene - Diskussion über die gesamte
Bandbreite der zwischen Ost und West
anstehenden Themen fortgeführt. Ihr
zweitägiges Treffen hat ein neues Kapitel in unserem Dialog auf höchster
Ebene eingeleitet. Grundlegende Differenzen bestehen weiterhin; dennoch
haben der Präsident und der Generalsekretär ihr früheres Abkommen darüber bestätigt, daß es wünschenswert
ist, die Beziehungen weiter auszubauen und nach Übereinstimmungen zu
streben, wo immer das möglich ist.

Möglichkeiten für Fortschritte bei
der Rüstungskontrolle
Wenden wir uns zunächst der Rüstungskontrolle zu.
Dort gibt es
jetzt viel zu tun. Die in Reykjavik
erzielten Fortschritte müssen energisch weiterverfolgt werden. Was uns
angeht, so sind die amerikanischen
Verhandlungsführer bereit, dies auf
schöpferische Art und Weise und ohne
Verzug zu tun. Ich werde heute noch
und auch morgen den sowjetischen Außenminister Schewardnadse treffen, um
unseren Meinungsaustausch fortzusetzen. Ich möchte noch sagen, daß wir
eine hochkarätige Delegation mitgebracht haben, zu der unsere drei maß-

geblichen Unterhändler in Genf gehören.
Die Vereinigten Staaten suchen
seit langem nicht nur Begrenzungen
für das künftige Wachstum bei den sowjetischen und amerikanischen Atomwaffen, sondern deren substantielle
Verringerung.
Deshalb fühlten wir
uns ermutigt, als der Präsident und
Generalsekretär
Gorbatschow
sich
grundsätzlich darauf einigten, als
ersten Schritt eine 50prozentige Verringerung der sowjetischen und amerikanischen strategischen atomaren Offensivwaffen in einem Fünfjahreszeitraum vorzunehmen. In bezug auf atomare Mittelstreckenraketen erzielten
wir eine Einigung über noch drastischere Einschnitte, von heute 1 300
Gefechtsköpfen auf seiten der Sowjets
auf lediglich 100 Gefechtsköpfe für
jede Seite weltweit bei INF-Systemen
mit längerer Reichweite.
Außerdem
sollte eine Obergrenze für INF-Systeme kürzerer Reichweite festgelegt und
auch Verhandlungen über ihre Verringerung abgehalten werden.
Unsere beiden Staaten haben heute
eine historische Chance, schnell zu
einer formellen Einigung über diese
Reduzierungen bei offensiven Atomwaffen zu kommen. Wir bauen darauf, daß
die Sowjetunion sich uns dabei anschließt. Der Präsident und der Generalsekretär haben den Grundstein
für eine Verbesserung der Verifikation bestehender Vereinbarungen zur
Begrenzung
von
Atomtests
gelegt.
Beide Seiten haben vorgeschlagen,
Verhandlungen zur Testfrage auf den
Weg zu bringen, und sie haben eine
Tagesordnung diskutiert, die den Anliegen beider Seiten gerecht würde.
Wichtige
Meinungsunterschiede
zur
Frage der strategischen Verteidigung
bleiben bestehen. Der Präsident reagierte auf sowjetische Besorgnisse,
indem er vorschlug, daß beide Seiten

�in einem Zeitraum von zehn Jahren ihre
strategischen
Verteidigungsprogramme auf Forschung, Entwicklung und
Testaktivitäten beschränken, die im
Rahmen des ABM-Vertrages zulässig
sind. Dies würde in einem Zusammenhang mit ständigen Verringerungen bei
den amerikanischen und sowjetischen
Offensivkräften stattfinden und im
Verlauf dieses Jahrzehnts zur Abschaffung
der
offensiven ballistischen Raketen führen, und zwar in
beiderseitigem
Einverständnis, daß
jede Seite danach das Recht hätte,
moderne Vereidigungssysteme zu stationieren, falls keine anderen Vereinbarungen getroffen werden.
In Reykjavik wollte die Sowjetunion jedoch noch weiter gehen - sie
wollte über die bestehenden Regelungen des ABM-Vertrages hinaus unsere
Forschungsarbeiten derart beschränken, daß das amerikanische SDI-Programm außer Funktion gesetzt würde.
Dies

können

wir

nicht

akzeptieren.

Der Westen benötigt ein energisches
SDI-Programm, wie es gemäß ABM-Vertrag zulässig ist - als Investition
und Rückversicherung für ein sichereres
und
stabileres
strategisches
Gleichgewicht, ein Gleichgewicht, das
nicht mehr nur auf der Androhung gegenseitiger Vernichtung beruht. Verteidigungssysteme können sogar den
Weg zu noch ehrgeizigeren Verringerungen der offensiven Atomwaffen eröffnen als jene, die ich schon erwähnt
habe.
Solche Reduzierungen
können jedoch nur dann realisiert
werden, wenn wir die Fortschritte in
der Behandlung der Gründe erzielen,
aus denen die westliche Abschreckung
heute auf Atomwaffen gegründet sein
muß. Dazu gehören die Unsicherheit
und Ungewißheit, die der Warschauer
Pakt durch die Stationierung massiver
konventioneller Kräfte, einschließlich des großen Potentials an chemischen Waffen hervorgerufen hat. Zu-

sammen mit unseren NATO-Verbündeten
haben wir versucht, dieses Ungleichgewicht
bei
den
konventionellen
Streitkräften innerhalb der andauernden MBFR-Gespräche zu behandeln. Gegen Ende vorigen Jahres hat die westliche Seite bei den MBFR-Verhandlungen einen wichtigen neuen Vorschlag
auf den Tisch gelegt, der darauf angelegt
war, die Besorgnisse des
Ostens zu berücksichtigen und den Weg
zu einer Einigung zu bereiten. Der
Osten hat darauf noch nicht konstruktiv reagiert.
Die Vereinigten Staaten sind dem
Ziel einer Stärkung der Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa verpflichtet. Wir glauben, daß dieses
Ziel durch vermehrte Offenheit und
die Schaffung eines überprüfbaren,
umfassenden und stabilen Gleichgewichts der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem Niveau gefördert werden kann. Im vergangenen Mai
haben

die

Außenminister

der

NATO-

Staaten die Bedeutung dieser Aufgabe
anerkannt. Zusammen mit unseren Verbündeten untersuchen wir gegenwärtig,
wie die ziele, die in unserer Erklärung von Halifax zur konventionellen
Rüstungskontrolle formuliert wurden,
am besten zu verwirklichen sind.

Die Bedeutung der Menschenrechte
Rüstungskontrolle
kann
jedoch
als Prozeß nicht losgelöst von anderen Quellen der Spannungen in den
Ost-West-Beziehungen
existieren.
Wenn Rüstungskontrollmaßnahmen einen
bedeutsamen Beitrag zur Stabilität
leisten sollen, dann können sie nur
Bemühungen zur Beseitigung grundlegenderer Ursachen von Verdächtigungen
und politischer Konfrontration verstärken, nicht ersetzen.
Nirgends
hat das Problem des Mißtrauens und
der Spaltung zwischen Ost und West

- 5-

�eine größere Bedeutung als im europäischen Kontext.
Seit 1945 werden
dieser Kontinent und seine Bewohner
von einer künstlichen Barriere geteilt. Diese Barriere ist nicht vom
Westen errichtet worden.
Die Mitglieder des atlantischen Bündnisses
und die verschiedenen neutralen und
blockfreien Staaten Europas haben weder die Trennung von Familien erzwungen, noch haben sie unseren Bürgern
das Recht auf Bewegungsfreiheit verweigert. Wir haben nicht danach gestrebt,
unsere
Gesellschaften
von
konkurrierenden Ideen abzuschotten durch Pressezensur, Störung von Radiosendungen oder andere Mittel. Wir
haben keine Drohungen oder bewaffnete
Interventionen benutzt, um einzelne
Länder zur Blockdisziplin zu zwingen.
Die Schlußakte von Helsinki und das
Schlußdokument von Madrid gehen umfassend auf das Dilemma des geteilten
Europa ein. Sie erkennen an, daß die
Freiheit einzelner Männer und Frauen
ein grundlegendes Element von Stabilität und Sicherheit in Europa sein
muß. Wenn die Gerechtigkeit verletzt
und die Freiheit verwehrt wird, dann
wächst unvermeidlich das Konfliktpotential zwischen den Staaten.
Der
delikate Prozeß der Bildung von Vertrauen, Zusammenarbeit und Sicherheit
wird untergraben.
Präsident Reagan
hat dies am besten ausgedrückt als er
erklärte:
"Einer Regierung, die das
Vertrauen ihrer eigenen Bevölkerung
bricht, kann man nicht trauen, wenn
es darum geht, Vereinbarungen mit
ausländischen Mächten zu halten....
Wir messen Worten, die bei Treffen
ausgesprochen werden, weniger Bedeutung bei als den Taten, die darauf
folgen."
Die Verpflichtungen der Schlußakte stellen ein notwendiges Gleichgewicht
her
zwischen den verwandten
Problemen der militärischen Sicherheit, des politischen Vertrauens, der
- 6

wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der
grundlegenden
Menschenrechte
und
Freiheiten
sowie
der
zwischenmenschlichen Kontakte. Es ist wichtig,
daß wir dieses Gleichgewicht
aufrechterhalten.
Wir
sollten
Fortschritte in all diesen Bereichen begrüßen und ermutigen.
Wir sollten
jedoch nicht glauben, irgendein einzelnes Element allein könne ausreichend sein, um das Ganze zu tragen.
Das Versäumnis unsererseits, die volle Anwendung der Schlußakte anzustreben - unsere Duldung einer selektiven
Einhaltung dieser Verpflichtungen würde weitere Bemühungen einer stabileren Friedenssicherung untergraben.
Ungeduld bei den Schwierigkeiten zur
Sicherstellung der Einhaltung sollte
uns nicht dazu veranlassen, an weiteren Verhandlungen
um ihrer selbst
willen teilzunehmen. Wir müssen der
Vorstellung widerstehen, daß die Herbeiführung eines Konsenses Kompromisse verlangt, die von der Schlußakte
versprochene
Rechte verändern
oder
verweigern. Ein Ausweg aus der Verletzung
bestehender
Verpflichtungen
kann nicht dadurch gefunden werden,
daß wir uns in neue Verpflichtungen
flüchten.
Bei einer Rückschau auf die Anwendung der in der Schlußakte enthaltenen Verpflichtungen können wir einige bedeutende Ergebnisse feststellen.
Während des vergangenen Jahrzehnts hat unter dem Schirm der KSZE
eine
bemerkenswerte Ausweitung
der
menschlichen
Kontakte
zwischen Ost
und West stattgefunden. Sie hat den
gegenseitigen Austausch von einfachen
Menschen über die Grenzen eines immer
noch geteilten Europa hinweg gefördert.
Aufbauend auf der Schlußakte
hat das Schlußdokument
von Madrid
wichtige neue Verpflichtungen im Hinblick
auf
Menschenrechte,
gewerkschaftliche und religiöse Freiheiten
und
Familienzusammenführung
hinzu-

�gefügt.
Das Madrider Schlußdokument hat
außerdem
die Unannehmbarkeit
einer
direkten oder indirekten Unterstützung des Terrorismus als Grundprinzip
niedergelegt. Es forderte verstärkte
internationale
Zusammenarbeit
beim
Kampf gegen diese Bedrohung. Traurigerweise haben die Ereignisse der
vergangenen Monate die dringende Notwendigkeit einer solchen Zusammenarbeit noch unterstrichen.
In Stockholm haben unsere Staaten
eine Übereinkunft zu vertrauensbildenden Maßnahmen im militärischen Bereich angenommen.
Wenn sie getreulich angewandt wird, dann ist diese
Übereinkunft dazu angetan, das Risiko
eines Konflikts in Europa zu vermindern, indem militärische Aktivitäten
berechenbarer und Möglichkeiten politischer
Einschüchterung
verhindert
werden.
Aber der Erfolg beim Stockholmer
Treffen in diesem Herbst wirft nur
ein umso deutlicheres Licht auf den
enttäuschenden Mangel an Fortschritt
bei anderen Aspekten der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa.
Insbesondere sind wir noch
immer bei den Ostblockstaaten Zeuge
einer tragischen Situation im Bereich
der Menschenrechte.
Die Liste der
ständigen
MenschenrechtsVerletzungen
ist erschreckend lang.
In der Sowjetunion
schmachten
41 Mitglieder
der zur Überwachung der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki gegründeten Bürgerrechtsgruppe - unter
ihnen Anatoli Martschenko und Anatoli
Korijagin - in der Verbannung. Noch
viele andere Sowjetbürger sind wegen
des
Versuchs
eingekerkert,
ihre
Grundrechte auszuüben.
Dazu gehören
Russen, Ukrainer, Balten, Juden sowie
Männer und Frauen anderer Nationalitäten.
Einer der
herausragendsten

Bürger
des
Landes,
Dr.
Andrej
Sacharow, lebt noch immer in der Verbannung, in der Ausländern nicht zugänglichen Stadt Gorki von der Außenwelt abgeschlossen.
Die Schlußakte
von Helsinki und die Universelle Erklärung der Menschenrechte sind feierliche Übereinkommen, auch von der
Sowjetunion freiwillig unterzeichnet,
in denen das Recht auf Auswanderung
festgehalten
ist.
Diese
Abkommen
sind ebenso ernst, durch ihre Unterzeichnung ebenso bindend wie jede Rüstungskontrollvereinbarung, die sich
denken läßt. Deshalb sind auch hier
Verifikation
und Einhaltung
gefordert. Und doch wird Eheleuten amerikanischer Bürger
das Ausreisevisum
verweigert, wird Hunderttausenden von
jüdischen Bürgern der Sowjetunion genau wie armenischen, deutschen und
anderen - die Erlaubnis zur Auswanderung verwehrt. Dies ist eine direkte
Verletzung - klar, eindeutig, unmißverständlich - dessen, wozu sich das
Land mit seiner Unterschrift verpflichtet hat.
Andernorts im Osten wurden Mitglieder der Charta 77, der Katholischen Kirche und der Jazzmusikerabteilung der Musikergewerkschaft entweder belästigt oder verhaftet - etwa
in der Tschechoslowakei. Die mutigen
Mitglieder von Solidarnosc mußten in
Polen Xhnliches erleiden. Das Recht
zur Ausübung der Religion und zur
Wahrnehmung kultureller und nationaler Rechte wird auch weiterhin vielen
Männern und Frauen in vielen Ostblockstaaten ungehindert beschränkt.
Dies gilt insbesondere für religiöse,
kulturelle oder ethnische Minderheiten - wie sich dies jüngst erst wieder in dem Programm der forcierten
kulturellen Assimilierung der türkischen Bürger Bulgariens zeigte.
Obwohl sich die schwerwiegendsten
Verletzungen der in Helsinki einge-

- 7 -

�gangenen Verpflichtungen im Bereich
der Menschenrechte zutragen, streben
die Vereinigten Staatgen doch ausgewogenen Fortschritt bei allen Aspekten des KSZE-Prozesses an. Beim Wiener Treffen werden wir mit allen interessierten Staaten auf eine umfassende Verwirklichung der Verpflichtungen hinarbeiten, wie sie in der
Schlußakte von Helsinki, dem Madrider
Abschlußdokument und im Stockholmer
Dokument enthalten sind.
Im
Bereich
der
Menschenrechte
werden wir uns um die vollständige
Einhaltung der Verpflichtungen bemühen, wie sie bereits von all den Unterzeichnerstaaten
der
Schlußakte
eingegangen wurden. Wir bemühen ums
um Schritte, die uns der Verwirklichung der ziele näherbringen, wie sie
unter Prinzip VII und Korb III formuliert wurden.
Im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen sind wir bereit, entsprechend
der Bestimmungen der Schlußakte neue
Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu
erkunden.
Im Bereich der Information werden
wir uns um eine Stärkung und Ausweitung der Verpflichtungen bemühen, die
Hindernisse bei der Kommunikation abzubauen,
insbesondere, die Störung
von Rundfunksendungen - eine Verletzung einer internationalen Übereinkunft, wie dies auch von den Vereinten Nationen dokumentiert ist. Derlei muß aufhören.
Im Bereich der Sicherheit begrüßen wir das positive Ergebnis von
Stockholm.
Die Vereinigten Staaten
werden den Wortlaut der Stockholmer
Vereinbarung rasch und vollständig in
die Tat umsetzen.
Wir drängen darauf, daß alle anderen Gleiches tun.
Die vollständige Einhaltung durch die
Sowjetunion, insbesondere der Verifi-

zierungsbestimmungen des Stockholmer
Dokumentes, wird ein wichtiger Gradmesser für die Möglichkeiten weiteren
Fortschritts im Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle sei.
Die Details der Stockholmer Vereinbarung zeigen, daß es noch immer
erhebliche Möglichkeiten für Verbesserungen im Bereich der Vertrauensund
Sicherheitsbildung
gibt.
Das
Konzept der Offenheit, das im Mittelpunkt aller Versuche zur Verringerung
der
Gefahr
eines
Überraschungsangriffs steht, muß erst noch gänzlich
verwirklicht
werden.
Daher
liegt
noch immer eine wichtige Aufgabe vor
der KSZE - Förderung der umfassenden
Verwirklichung der KVAE und Untersuchung der Möglichkeiten, wie die in
Stockholm begonnene Arbeit zur Verstärkung der Vertrauensbildung fortgeführt werden kann.
Die
Intensität
unserer
eigenen
Verpflichtung zum Erfolg dieses Folgetreffens kam in dem außergewöhnlichen Maß an Zusammenarbeit zwischen
unserer Regierung und dem Kongreß bei
der Vorbereitung dieses Treffens zum
Ausdruck, unsere Delegation wird von
einem unserer erfahrensten Leute der
KSZE-Diplomatie, Botschafter
Warren
Zimmermann, geleitet. Er hat eng mit
der
amerikanischen
KSZE-Kommission,
unter der fähigen Führung von Senator
Alfonse D* Amato und des Kongreßabgeordneten steny Hoyer, zusammengearbeitet.
Zu seiner Delegation gehört
eine ganze Reihe hervorragender Privatleute. Sie hat eine ganze Reihe
amerikanischer nichtstaatlicher Organisationen konsultiert.
Diese Delegation
repräsentiert
die
Vielfalt
Amerikas und die europäischen Wurzeln
Amerikas.
Ihre Stimme ist ein Echo
der Hoffnungen und Anliegen des amerikanischen Volkes.

- 8 -

�Die Zukunft
Herr Vorsitzender, ich habe vorhin
von der Vergangenheit - ihren überkommenen Teilungen - und von der Zukunft - ihren Verheißungen eines wiedervereinten Europa - gesprochen.
Die noch immer bestehende Teilung Europas ist eine Quelle der Spannung,
die zeitweilig uns alle bedrohte.
Was aber am wichtigsten ist, sie bedeutet eine tödliche Unterdrückung
von Pluralismus, Offenheit und ungehinderter Erkenntnissuche für Menschen und Gesellschaften einiger der
hier vertretenen Staaten.
Da wir
nicht versucht haben, vor unseren eigenen Völkern Barrieren zu errichten,
haben die Nationen Westeuropas, Nordamerikas und Ostasiens wie auch anderer Weltgegenden die Wiederversöhnung
ehemaliger Feinde und eine dramatische Zunahme von Wohlstand und schöpferischen Leistungen erlebt.
Ihre
Erfolge, der Antrieb für diese Portschritte gründen sich auf die Ideen
und Werte, wie sie in der Schlußakte
enthalten sind, einschließlich des
Glaubens an
- menschlichen Fortschritt,
- geistige Freiheit,
- politische und religiöse Toleranz
und
- die demokratischen Rechte und den
schöpferischen Genius des Individuums.

ist unsere gemeinsame Verpflichtung,
alles zu tun, damit dieses Versprechen erfüllt wird,

Wir in Amerika warten auf eine
Zeit, da alle Menschen in der Gemeinschaft der KSZE Teil an diesem Geist
der Offenheit und der Kreativität haben und an einer ähnlichen Freisetzung der geistigen und sozialen Energie teilhaben können. Unser ziel ist
eine Zukunft, in der alle Völker der
hier vertretenen Staaten, der kleinen
wie der großen, gedeihen und dadurch
zu einem sichereren Frieden und größerer Freiheit beitragen können. Das
ist das Versprechen von Helsinki. Es
- 9 -

*****

�reo STV

AMERIKA DIENST
Dokumentation

VDN^

12. November 1986

38
SHULTZ ENTTXüSCHT VON

RÜSTUNGSGESPRXCHEN

- Erklärung zu Beginn der Pressekonferenz vom 6. November 1986 WIEN - (AD) - In einer einführenden Erklärung zu Beginn seiner Pressekonferenz in Wien hat Außenminister Shultz am 6. November 1986 erklärt, daß seine
soeben beendeten Gespräche mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
keine bedeutenden Fortschritte bei Rüstungskontrollfragen gebracht hätten.
"Ich kann nicht behaupten, daß diese Treffen irgendeine wichtige Bewegung in
Sachen Rüstungskontrolle gebracht haben, und ich bedauere dies", sagte Shultz.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des amerikanischen Außenministers im
Wortlaut:

Wir sind mit der festen Absicht
hierher gekommen, auf den Ergebnissen
von Reykjavik aufzubauen.
Außerdem
waren wir bereit, dies mit Geduld zu
tun, was auch der Fall sein muß, da
der Rhytmus und das Tempo dieser Verhandlung von keiner Seite der anderen
aufgezwungen werden kann.
Ich kann
nicht
von Fortschritten
berichten,
wie wir sie gern erzielt hätten. Wir
werden aber weiterhin auf Fortschritte in allen Bereichen unserer breitgefächerten Tagesordnung mit der Sowjetunion hinarbeiten.
Ich habe gerade

fünfstündige Ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

spräche
mit
Außenminister
Schewardnadse,
darunter
ca.
drei
Stunden unter vier Augen, abgeschlossen.
Die Treffen befaßten sich mit
allen vier Bereichen unserer Tagesordnung. Die amerikanische Seite ist
hierher gekommen, um die Ergebnisse
von Reykjavik festzuklopfen und auf
ihnen aufzubauen.
Wir haben unsere
führenden
Experten mitgebracht, um
hier die Art intensiver Gespräche
durchführen zu können, die während
der letzten Monate zu Fortschritten
geführt hat.
Die Experten tagten
gestern über drei Stunden lang. Ich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kann nicht behaupten, daß diese Treffen irgendeine wichtige 3ewegung in
Sachen Rüstungskontrolle gebracht haben, und ich bedauere dies. Es gab
Bewegung in anderen Sereichen, und
ich werde Ihnen darüber nun berichten.

genwärtig studieren sie diesen Vorschlag und ich erwarte, daß wir sie
zu gegebener zeit in Angriff nehmen
werden.

Zu bilateralen Angelegenheiten.
Zunächst zu den Menschenrechten
Ich benutzte unser Vieraugengespräch dazu, in eingehender und offener Weise unsere dringendsten Anliegen zu den Menschenrechten und humanitären Fragen zur Sprache zu bringen. Im Verlauf der Gespräche drängten wir die Sowjets, einen regelmäßigen Prozeß zur Überprüfung solcher
Anliegen ins Leben zu rufen.
Wir
glauben, sie stimmen mit uns jetzt
überein, daß diese Fragen Teil der
regelmäßigen Überprüfungen zu bilateralen Themen sein sollen, und wir
werden sie dabei zur Sprache bringen.
Ich werde selbstverständlich weiterhin diese Probleme auf meiner Ebene
aufgreifen, so wie wir dies bei allen
Treffen mit den Sowjets tun werden.
Es ist wichtig, daß es den Sowjets
bewußt wird, welch große Bedeutung
wir im Westen sowjetischen Menschenrechtsverletzungen
beimessen
und
welch ernstes Hindernis sie für langfristige Fortschritte in unseren Beziehungen darstellen.

zu regionalen Problemen
Es hat eine Ausweitung des Dialogs stattgefunden.
Wir haben 1985
eine Serie von Expertentreffen abgehalten, und wir haben diese Serie
dieses Jahr wiederholt.
Im August
haben wir ein neues, breitgefächertes
Treffen auf Unterstaatssekretärsebene
eingeführt.
Wir haben den Sowjets
gegenüber vorgeschlagen, daß wir mit
der Planung einer neuen Serie derartiger Treffen beginnen sollten. Ge-

In Reykjavik haben wir uns auf
ein ziemlich ehrgeiziges Programm bilateraler Aktivitäten geeinigt. Diese Arbeit ist seitdem weitergegangen
und hat zu Ergebnissen geführt.
In
der vorigen Woche haben wir uns beispielsweise auf grundlegende Elemente
der Zusammenarbeit beim zivilen Raumfahrprogramm
verständigt.
Es
gab
auch in anderen Bereichen - wie etwa
Kernfusion, Verkehrswesen und Energie
gute
Gespräche.
Außenminister
Schewardnadse und ich waren darüber
einig, daß dieses bilaterale Arbeitsprogramm weitergeführt werden sollte.
Wir haben ausführlich über die
Kontrolle von Atomwaffen gesprochen.
Seit Reykjavik war es unser ziel, auf
den dort erreichten Ergebnissen aufzubauen und sie bei den Genfer Verhandlungen in Taten umzusetzen. Und
tatsächlich
haben . die
Vereinigten
Staaten dies getan, indem sie die Ergebnisse von Reykjavik zum Bestandteil unserer Verhandlungsposition in
Genf gemacht haben.
Wir sind deshalb nach Wien gekommen, um den in Reykjavik erzielten
Fortschritt zu bestätigen.
zusätzlich gibt es noch einige sehr wichtige Bereiche bei allen drei Verhandlungsgebieten von Genf, in denen Meinungsverschiedenheiten
bestehen
START, INF und Weltraumverteidigung.
Wir sind in der Hoffnung hierher gekommen, diese unterschiedlichen Haltungen diskutieren, klarstellen und,
wenn möglich, verringern zu können.
Mit anderen Worten: Wir sind hierher
gekommen, um Fortschritte zu errei-

- 2 -

�chen. Wir haben unsere Rüstungskontrollexperten mitgebracht, und wir
hatten Papiere zu jedem der wichtigen
Themen hinsichtlich der Kontrolle von
Atomwaffen erstellt.
Diese Papiere
enthielten sowohl Gebiete der Übereinstimmung wie auch solche mit unterschiedlichen Haltungen. Wir haben
darin unsere Positionen sowie unsere
Einschätzung der sowjetischen Positionen klar zum Ausdruck gebracht.
Leider
war
es
nicht
möglich,
Fortschritte
zu erzielen, wie wir
dies erhofft hatten.
Diese Fragen
werden von unseren Unterhändlern in
Genf weiterverfolgt werden, indem sie
weiterhin die neuen Vorschläge der
Vereinigten Staaten erläutern, die
den
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
widerspiegeln.
Um
den
Schwung nicht erlahmen zu lassen, haben wir außerdem vorgeschlagen, daß
die amerikanischen und sowjetischen
Experten sich zwischen den Runden der
Nuklearund Weltraumgespräche treffen
- die gegenwärtig laufende wird Anfang nächster Woche zu Ende gehen und
die nächste wird erst im Januar beginnen.
Wir haben also vorgeschlagen, daß die Experten sich treffen,
wie sie dies vergangenen Sommer getan
haben und sich darüber Gedanken machen, ob Fortschritte möglich sind,
wie sie dies im vergangenen Sommer
taten. Dieses Angebot liegt auf dem
Tisch. Wir haben eine Sprachregelung
vorgeschlagen, die es erlauben würde,
mit Verhandlungen zur Atomtestfrage
zu beginnen.
Die Sowjets schienen
kein Interesse daran zu haben.
Der
Außenminister und ich haben uns über
Rüstungskontrolle im konventionellen
Bereich und über chemische Waffen unterhalten.
Ich habe dabei betont,
daß Fortschritte auf diesen Gebieten
notwendigerweise Fortschritte bei der
Verringerung von Atomwaffen begleiten
müßten. Ich führte außerdem aus, daß
in beiden Fällen die Verifikation ein

Schlüsselfunktion
hat.
Wir
warten
weiterhin auf ernsthafte sowjetische
Bemühungen,
auf
unsere
diesbezüglichen Vorschläge einzugehen.
Wir haben den Sowjets ein Paket
vorgelegt, in dem das enthalten war,
worüber
unserer
Meinung
nach
in
Reykjavik Einigung erzielt wurde und
wo Unterschiede bestehen. wir haben
darin unsere Position und unsere Einschätzung ihrer Position dargelegt.
Lassen sie mich auf
Gebiete eingehen.

jedes dieser

Zu START
Den Ausgangspunkt bildet die Einigung von Reykjavik auf 1 600 Interkontinentalraketen,
U-bootgestützte
ballistische Raketen und schwere Bomber. Zu diesen Systemen würden maximal
6 000
Gefechtsköpfe
gehören.
Darin herrschte Übereinstimmung. Wir
haben die in Reykjavik erarbeitete
Zählregelung für Bomber wiederholt.
Der nächste von uns vorgeschlagene Schritt sieht vor, innerhalb dieses Rahmens untergrenzen hinzuzufügen.
Wir
haben Untergrenzen
von
4 800
Gefechtsköpfen
auf
ballistischen Raketen, 3 300 ICBM-Gefechtsköpfen sowie 1 650 Gefechtsköpfen auf
erlaubten ICBM, außer den auf leichten und mittleren silogestützten ICBM
mit sechs oder weniger Gefechtsköpfen
montierten,
vorgeschlagen.
Diese
Zahlen stellen eine substantielle Bewegung in Richtung auf die sowjetische Position dar. Diese Verringerungen würden phasenweise durchgeführt und bis Ende 1991 beendet.
Wir haben außerdem Verifikationsvorschläge
gemacht,
über
die
im
Grundsatz in Reykjavik gesprochen und
Einigung erzielt worden war.
Diese

- 3 -

�sehen umfassenden Datenaustausch, Beobachtungen vor Ort der Reduzierung
auf vereinbarte Stärken, eine wirksame Überwachung verbleibender Bestände
und damit verbundener Einrichtungen,
einschließlich Inspektionen vor Ort,
vor.
Dies ist im Grundsatz unsere Position bei START.
Dort ist unserer
Meinung nach in Reykjavik Übereinstimmung erzielt worden und es ist
wichtig, dort weiterzumachen.

in Reykjavik geeinigt hatten.
Diese
Obergrenzen würden in Kraft bleiben,
bis sie durch eine Vereinbarung über
weitere Verringerungen ersetzt werden.
Anschlußverhandlungen mit dem
Ziel einer weltweiten Abschaffung von
INF-Raketen längerer Reichweite auf
beiden Seiten würden zu einem bestimmten Termin beginnen. Diese würden auch die Frage der INF-Raketen
kürzerer Reichweite einbeziehen.

Zur Weltraumverteidigung
2U INP
Unser Vortrag zu INF begann mit
der Lösung, zu der in Reykjavik Einigung erzielt worden war - die Beschränkung
auf
100
Gefechtsköpfe
weltweit auf jeder Seite bei den Mittelstreckenraketen längerer Reichweite.
Die 100 Gefechtsköpfe der sowjetischen Seite würden im asiatischen Teil der Sowjetunion stationiert werden, die 100 amerikanischen
in den Vereinigten Staaten.
Keine
Seite würde solche Raketen in Europa
stationieren. Grundsätzlich war dies
die Einigung von Reykjavik.
Diese
Reduzierungen
würden
phasenweise
durchgeführt und bis Ende 1991 abgeschlossen werden.
Wir haben unsere
Position
zu den Raketen
kürzerer
Reichweite erklärt, wonach deren Anzahl auf oder unter das gegenwärtige
sowjetische Niveau beschränkt werden
sollte und daß die Vereinigten Staaten selbstverständlich das Recht auf
die gleiche Anzahl besäßen. Wir sehen, daß die Sowjets der Überzeugung
sind, ihr heutiges Monopol bei diesen
Waffen solle eingefroren werden. Wir
können dies nicht akzeptieren.
In bezug auf INF haben wir dieselben Verifikationsgedanken
vorgebracht, die ich soeben für START
nannte und auf die wir uns im Prinzip

Wir
haben
unsere
Bereitschaft
wiederholt, zehn Jahre lang auf unser
Recht zur Kündigung des ABM-Vertrages
zu verzichten.
In diesem Zeitraum
würden beide Seiten alle Vorschriften
des ABM-Vertrages strikt einhalten.
Innerhalb der ersten fünf Jahre dieser ZehnJahresfrist würden die strategischen Offensivwaffen beider Seiten um 50 Prozent verringert, wie ich
soeben erklärte.
In den folgenden
fünf Jahren würden nach unserer Position die verbleibenden ballistischen
Offensivraketen beider Seiten beseitigt. Nach der sowjetischen Position
würden alle strategischen Offensivwaffen abgeschafft.
Am Ende dieses
Zehnjahreszeitraums würde es unserer
Ansicht nach jeder der Seiten freigestellt
sein,
moderne
strategische
Verteidigungssysteme zu stationieren,
falls beide Seiten sich nicht anderweitig einigen würden. Wiederum würden die Verifikationsprinzipien, die
ich eben erwähnte, auch auf dieses
Abkommen anzuwenden sein.

Zum Bereich der Verifizierung
Da es in Reykjavik zwischen den
beiden führenden Männern ein erhebliches Maß an Diskussion gab und sie
einander
bestätigten,
daß
umfangreiche und detaillierte Verifizierung

�Abkommen dieses Umfang zu begleiten
hätte, gaben wir zu diesem Thema noch
einige
gesonderte
Erklärungen
ab.
Wir machten im einzelnen unsere Sicht
von der zentralen Rolle der Verifizierung bei diesem Prozeß wie auch
die Notwendigkeit deutlich, parallel
wirksame Maßnahmen auszuhandeln, die
beiden Seiten Vertrauen in die Einhaltung
der
Verpflichtungen
geben
sollten, die übernommen werden.

und, wo möglich, eine Annäherung der
Standpunkte zu erreichen. Der einzig
wirkliche Fortschritt, von dem ich
berichten kann, besteht darin, daß
wir wieder
einmal unsere Position
verdeutlicht haben und unsere Bereitschaft bekräftigten, bei der Beantwortung dieser wichtigen Fragen fortzufahren.

Zur Frage der Atomversuche

* * * * *

Wir umrissen die Basis, auf der
wir bereit sind, Verhandlungen über
die Einstellung von Atomversuchen zu
beginnen.
Bei diesen Verhandlungen
würde es zunächst darum gehen, die
Verifizierungsfragen im Zusammenahng
mit bestehenden Verträgen zu beantworten.
Sobald
es hier
Klarheit
gibt, könnten beide Seiten sofort parallel mit der Verringerung und Beseitigung
von Kernwaffen beginnen,
was letztlich zu einer Einstellung
der Atomversuche führen würde.
Sie können also sehen, daß wir
unsere Sicht der Dinge, wo wir nach
Reykjavik stehen, in einiger Deutlichkeit dargelegt haben.
Die von
uns vorgeschlagenen Abkommen sind für
beide Seiten fair und wären ein dramatischer Schritt vorwärts. Und ich
bin immer noch davon überzeugt, daß
wir in vier oder fünf Jahren beim
Blick zurück auf Reykjavik von einem
ganz entscheidenden Treffen sprechen
werden, wenn Rhythmus und Geschwindigkeit
dieses Prozesses zunehmen.
Wir haben unsere Formulierungen zu
dem vorgelegt, worüber Übereinkunft
erzielt wurde und wo noch Meinungsverschiedenheiten
verblieben
sind,
haben wir unsere Positon und auch unser Verständnis der sowjetischen Position verdeutlicht. Unser Ziel war
es,
unsere
Position
klarzustellen
- 5 -

�^£°s7&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
12. November 1986

38

NICARAGUA - REVOLUTION IN DER FAMILIE
- Von Shirley Christian Der folgende Text dient der Information
unserer Leser und repräsentiert nicht
die offizielle Politik der Regierung
der Vereinigten Staaten.
Shirley Christian, Trägerin des Pulitzer-Preises für ihre Arbeiten über
Lateinamerika, ist Autorin des Bestsellers "Nicaragua - Revolution in der
Familie". In einem neuen Kapitel der Paperback-Ausgabe dieses Buches,
"Epilog" überschrieben und nachstehend abgedruckt, bringt sie ihre ungeschminkte Darstellung von Nicaraguas Vergangenheit und Zukunft auf den
neuesten Stand.
(Copyright (C): Shirley Christian)
Zu Beginn des Jahres 1986 schien
es für die Lage in Nicaragua keinen
befriedigenden Ausweg zu geben. Auf
der einen Seite gab es ein gut gerüstetes, wegen seiner Außenpolitik
für die Vereinigten Staaten und für
viele andere Länder der Region unannehmbares marxistisches Regime - unannehmbar auch wegen seiner Innenpolitik für jene Nicaraguaner, die politischen
Pluralismus
anstrebten.
Auf der anderen Seite warf die umfangreiche antisandinistische Streitmacht für die Vereinigten Staaten moralische und ethische Fragen auf; zudem fehlte ihren Aktionen die emotio-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nale Unterstützung der internationalen Staatenwelt, die in den Jahren
1978 und 1979 zur Rechtfertigung der
bewaffneten Opposition gegen Somoza
beigetragen hatte.
Die Sandinistische Front wäre
wahrscheinlich zu einer Fußnote der
Geschichte geworden, wäre vor Ende
1978 ein gemäßigtes Regime in der Lage gewesen, in Nicaragua die Macht zu
ergreifen.
Aber der Carter-Administration gelang es nicht, die Entscheidung zu treffen, die hierfür
notwendig war; sie konnte aber auch

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht die Entscheidung treffen, die
militärische und politische Unterstützung Somozas wieder aufzunehmen,
die gleichermaßen den Aufstieg der
Sandinisten verhindert hätte - obgleich aller Wahrscheinlichkeit nach
mit anderen unerwünschten Folgen.
Die Vereinigten Staaten ignorierten
die Bedeutung, die sie selbst für die
Geschichte Nicaraguas hatten, indem
sie sich weigerten, ihre Macht dafür
einzusetzen, Nicaragua beim Aufbau
einer politisch offenen Gesellschaft
zu helfen. Die Carter-Administration
tat keins von beidem: weder stützte
sie Somoza, noch machte sie ihm deutlich, daß er zu gehen habe. Somoza
selbst war zum Ausharren entschlossen
und glaubte angesichts der Unentschlossenheit im Weißen Haus, die
Vereinigten Staaten wieder auf seine
Seite ziehep zu können, um die Guerilla doch noch militärisch zu besiegen.
Der Aufstieg der Somoza-Dynastie
und die Tatsache, daß sie sich fast
ein halbes Jahrhundert an der Macht
gehalten hat, ist eine Last, die beide - die amerikanische wie auch die
nicaraguanische Geschichte - zu tragen haben. Der Kampf der Sandinisten
um die Macht wiederum wurde durch die
Weigerung der Somoza-Seite gefördert,
das politische System all jenen zu
öffnen, die sich an ihm beteiligen
wollten. Aber die These, wonach Diktatur der Rechten Diktatur der Linken
zeugt, ist hier nicht völlig anwendbar. In der Tat erlaubte die SomozaDynastie ein größeres Maß an politischer, sozialer und wirtschaftlicher
Freiheit als die meisten Regime dieser Art, und in diesem Umfeld entwickelten sich auch gemäßigte politische Alternativen zu Somoza. Zum
Teil ergab sich dies aus Nicaraguas
eigener politischer Geschichte. Außerdem trugen die Vereinigten Staaten
über zwei Jahrzehnte hinweg ihr Teil

zur Entwicklung solcher Alternativen
bei: sie gewährten ihre Hilfsprogramme staatlichen wie auch nichtstaatlichen Institutionen, sie unterstützten den Gemeinsamen Markt Mittelamerikas wie auch unabhängige Gewerkschaftsgruppierungen und sie unterhielten Kontakt mit oppositionellen
Politikern. Als das Ganze sich jedoch zuspitzte, fehlte es jedoch an
der Entschlossenheit Somozas wie auch
der
Carter-Administration,
einen
friedlichen Übergang zu gewährleisten. Wegen des Wunsches, das Prinzip der Nichteinmischung hochzuhalten, konnte die Carter-Administration
Somoza nicht zu dem Zeitpunkt zum Abdanken bringen, als eine gemäßigte
Regierungsumbildung möglich gewesen
wäre.
Die Führung der Sandinistischen
Front beabsichtigte die Errichtung
eines leninistischen Systems vom Tag
ihres Einmarsches in Managua an
gleich, ob sie es so nannten oder
nicht.
Ihr Ziel war es, sich die
Mittel zu verschaffen, fast alle Aspekte des nicaraguanischen Lebens zu
kontrollieren - von Bohnen und Reis
bis hin zur Religion. Dies zeigte
sich in Dingen wie etwa der Schaffung
von Blockkomitees und anderen Organisationen unter dem FSLN-B anner, dem
Druck auf die Medien zwecks Unterstützung der FSLN, in der Bedeutung,
die man dem Unterfangen beimaß, die
Kirche der FSLN gegenüber freundlich
zu

stimmen,

im

politischen

Einsatz

der Armee, in der raschen Entwicklung
und Ausweitung des Staatssicherheitsapparats und in den unterschiedlichsten Erklärungen und Dokumenten über
künftige Pläne der FSLN. All dies
tat sich bereits vor Ende 1979, zu
einer Zeit, als die wesentliche Zielsetzung
der
Carter-Administration
hinsichtlich der Sandinisten darin
bestand, nichts zu tun, was den Anschein hätte erwecken können, die
2 -

�Vereinigten Staaten seien dafür verantwortlich, wenn Nicaragua die Richtung Kubas einschlüge. Auch war dies
vor dem Zeitpunkt, als die Republikaner Ronald Reagan zum erstenmal nominiert hatten. Dies zur Wiederlegung
der Argumente, wonach der Antagonismus seitens der Vereinigten Staaten
Nicaragua erst auf den totalitären
Weg gebracht habe. Alle Signale seitens der sandinistischen Führung, irgend etwas anderes als ein leninistisches System in Nicaragua zu beabsichtigen, wurden - wie sie dies auch
mehrere Male eingestand - aus taktischen oder strategischen Überlegungen
gesetzt, nicht aber aus Überzeugung.
Man kann nicht behaupten, die
Sandinistische Front sei von Moskau
oder Havanna ins Leben gerufen worden, aber sicher ist, daß die Sandinisten vom Tag der Schaffung der FSLN
im Jahr 1961 an enge Beziehungen zu
diesen Ländern dachten.
Die Beziehungen zu Kuba wurden durch militärische Ausbildung, Beratung und durch
die Unterstützung ausgebaut, die die
Kubaner den Sandinisten vor und während ihres Aufstand gewährten. Diese
Unterstützung war mit der Verpflichtung verbunden, auch anderen Guerillaorganisationen zu helfen. Nach ihrer Machtergreifung wandten sich die
Sandinisten rasch und gern Moskau zu
- indem sie erst bulgarische Wirtschaftsberater
akzeptierten,
dann
Verbindung zu den Sowjets im militärischen Bereich suchten und sich dann
schließlich den Sowjets im Austausch
für immer mehr Waffen sogar selbst
anboten. In gewissem Sinn verkauften
sie sich selbst, um dadurch die Möglichkeit zu haben, sich angesichts
einer verfehlten Politik und weitverbreitetem Unglück an der Macht zu
halten.
Aber diese Verbindung war
auch Folge des Glaubens der Sandinisten an ihre eigenen Prinzipien,
Folge der ideologischen Überzeugung,

die sie hatten und für die sie den
Zorn der Vereinigten Staaten zu riskieren bereit waren.
Wenn auch das Argument etwas für
sich hat, daß diese militärische Abhängigkeit vom Sowjetblock hätte verhindert werden können, wären die Vereinigten Staaten in den ersten Monaten des neuen Regimes bereit gewesen,
der Sandinistischen
Armee militärische Ausrüstung anzubieten, so ist
es doch sehr wahrscheinlich, daß die
ideologische Loyalität der sandinistischen Führung gegenüber den Marxismus-Leninismus wie auch die Tatsache,
daß die Vereinigten Staaten nie bereit gewesen wären, Waffen in dem Umfang zur Verfügung zu stellen, wie es
die Sandinisten
zur Konsolidierung
ihrer Macht im Innern für notwendig
erachteten, jede derartige Vereinbarung zunichte gemacht hätten.
Die Innenpolitik der Sandinisten
säte den Samen für den Aufstieg der
Contras.
Es waren die gebrochenen
Versprechen und die Ausübung totaler
Macht seitens der FSLN, die viele
derjenigen, die vormals die Opposition gegen Somoza angeführt hatten, danach zur bewaffneten Opposition gegen
die Sandinisten brachten und die dabei Grund zur gemeinsamen Sache mit
den Nationalgardisten des alten Regimes fanden.
Es ist auch wahr, daß
die Reagan-Administration vor allem
durch Gewährung von CIA-Geldern einige jener Leute dazu ermutigte, die
friedliche Opposition im Land selbst
aufzugeben und ins Exil zu gehen.
Angesichts all dessen, was sich in
Nicaragua im ersten Jahr etwa nach
dem Sturz Somozas zutrug, war bewaffnete Opposition gegen die FSLN unvermeidlich, obwohl die Dimensionen, die
sie
erreichte,
Ergebnis
amerikanischer Unterstützung waren.

- 3 -

Zwei grundlegende Einwände wurden

�gegen die Contras erhoben - sogar bei
vielen amerikanischen und ausländischen Kritikern der Sandinisten. Einer stellte die Moral der Entscheidung der Vereinigten Staaten in Frage, eine paramilitärische Streitmacht
mit Mitteln zu versehen und zu beraten, Häfen zu verminen und - in einem
Ausbildungshandbuch der Contra - die
Ermordung sandinistischer Gefolgsleute im ländlichen Bereich zu sanktionieren. Es gab guten Grund für diese
Einwände - zumindest hinsichtlich der
konkreten Maßnahmen -, aber es war
nicht so leicht, gegen das Grundprinzip einer Unterstützung der Contras
zu argumentieren. Dies war vielmehr
im Licht dessen zu sehen, welchen
Wert die Sache selbst hatte, welchen
Umfang die Streitkräfte hatten, denen
sich die Antisandinisten gegenübersahen und ob noch andere Mittel zur
Verfügung standen.
Der zweite Einwand geht dahin,
daß die Contras nichts erreichten,
sondern nur zu Tod und Zerstörung,
einschließlich der Tötung von Zivilisten, beitrugen und daß sie den
Sandinisten erst den Grund für deren
repressive Politik lieferten. Dies
unterstellt, die Sandinisten hätten
eine solche Politik nicht betrieben,
wenn es keine Contras gegeben hätte
und ignoriert dabei die ganze Abfolge
von Ereignissen der Jahre 1979 und
1980. Hätte es keine Contras gegeben, so hätten die Sandinisten keine
Rechtfertigung für die Einlagerung
von Nahrungsmitteln, für die Einführung des Wehrdienstes und für den
Druck auf die Bevölkerung gehabt,
sich der Miliz anzuschließen.
Das
Fehlen der Contras und anderen Drucks
von außen hätte es aber auch der Sandinistischen Front leichter gemacht,
gegen die Presse, die Kirche und die
Oppositionsgruppen vorzugehen, ohne
internationale Kritik auf sich zu
ziehen. So ist es zum Beispiel rich-

tig, daß der Ausnahmezustand im März
1982 in Reaktion auf den ersten größeren Angriff der Contras ausgerufen
wurde; richtig ist aber auch, daß die
Erklärung
des
Ausnahmezustandes
letztlich die Einschränkungen formalisierte, die de facto bereits erlassen und verwirklicht worden waren.
Es mag richtig sein, daß die Operationen der Contras den Umfang der
Kaffeernten 1983 und 1984 verringerten, aber die Contras zwangen die
FSLN auch dazu, sich bei ihrer Agrarpolitik umzuorientieren - von Staatsgütern weg und hin zu individuellem
Eigentum.
Kurz: wenn es auch stimmt, daß
die Umstände in Nicaragua ohne die
Contras vielleicht
in wirtschaftlicher Hinsicht marginal besser gewesen wären, so stellte ihre Existenz neben all dem anderen äußeren und inneren Druck - doch das dar, was es an
geringer Hoffnung gab, um die Sandinistische Front dazu zu zwingen,
strukturelle Veränderungen größeren
Umfangs in Richtung auf ein offenes
politisches System zu akzeptieren.
Unter jenen, die Mittelamerika im
Randbereich
amerikanischer
Politik
debattierten und analysierten - Akademiker, Gelehrte, Autoren von Zeitungskommentaren, Mitglieder früherer
Administrationen und Kritiker innerhalb der Reagan-Administration -,
wurde oft argumentiert, eine Verhandlungslösung zwischen den Vereinigten
Staaten und der FSLN sei möglich.
Solch eine Lösung, so wurde behauptet, könne einen Tauschhandel beinhalten: Beibehaltung der Macht durch
die Sandinisten im Gegenzug zu einer
Beendigung ihrer Unterstützung marxistischer
Guerillagruppen
andernorts. Dies war eine Version des Vorschlags, den der ehemalige stellvertretende
Außenminister
Thomas
0.
Enders der FSLN im August 1981 ge-

- 4-

�macht hatte. Idee des Arguments war,
daß die Sandinisten Anfang 1986 nach
Jahren des Guerillakriegs vielleicht
eher geneigt seien, den Sicherheitsbedenken
der
Vereinigten
Staaten
Rechnung zu tragen.
Allerdings beinhaltete ein solches Abkommen für die Vereinigten
Staaten praktisch das Ende der Contras. Dies wiederum hätte im Innern
zu einer Konsolidierung des sandinistischen Regimes wie auch zu einem
stillschweigenden amerikanischen Einverständnis mit einer Politik geführt, die niemals zu dem politischen
Pluralismus führen würde, der das
Ziel so vieler Nicaraguaner war - zunächst, als sie sich gegen Somoza
stellten und später, als sie sie gegen die Sandinistische Front wandten.
Es wäre ein Frieden ohne echte Lösungen gewesen, ein Frieden, der die
meisten der ausstehenden Probleme
nicht gelöst hätte.
Diese Frage des internen politischen Pluralismus sowie das Ausmaß,
bis zu dem die Vereinigten Staaten
intervenieren können oder sollten, um
ihn herbeizuführen, ist das eigentliche Dilemma für die Vereinigten
Staaten bei einem Großteil ihrer außenpolitischen Beziehungen und insbesondere in Mittelamerika und in der
Karibik.
Intervention
bedeutet
hierbei
nicht
nur
direkte
militärische
Schritte, sondern auch umfassendere
Versuche, die Innenpolitik eines Landes durch all die Methoden zu beeinflussen, die den Vereinigten Staaten
zur Verfügung stehen. Sollten wir
mit einem Einmarsch in Nicaragua nur
dann drohen, wenn dort MiGs eingeführt werden, oder könnten wir eine
Intervention oder andere Formen des
Drucks im Interesse internen Wandels
rechtfertigen?
Selbst wenn zu den

Taktiken, die in Frage kämen, eine
Invasion nicht gehören würde - könnte
man sie rechtfertigen?
Genau wie die Frage der Intervention die Carter-Administration verfolgt hatte, so verfolgte sie auch
die Reagan-Administration, die - bei
aller unterschiedlichen Formulierung
ihrer Lösung auch nie näherkam.
Ein Großteil der Verwirrung über die
Ziele und die Funktion der Contras
bezog sich auf diese Diskussion.
Die
Reagan-Administration,
die
zögerte, eine offen interventionistische Politik zu verfolgen, hatte
sich zunächst geweigert, den legitimsten Teil der nicaraguanischen Frage
direkt anzugehen: die Innenpolitik
der FSLN.
Stattdessen erfand das
Weiße Haus andere Gründe für Ausbildung und Finanzierung der Contras.
Es behauptete öffentlich, die ContraKräfte existierten, um die Waffenlieferungen von Nicaragua an die Guerilla der Nationalen Befreiungsfront
Farabundo Marti in El Salvador zu unterbrechen,
obgleich
CIA-Vertreter
die militanten Contras in dem Glauben
belassen durften, .sie kämpften für
die Rettung ihres eigenen Landes.
Obgleich die Beweise logistischer und
beratender Verbindungen zwischen den
Sandinisten und den Salvadorianern
erheblich waren - wozu auch die Anwesenheit hochrangiger Vertreter der
salvadorianischen Guerilla in Managua
gehört -, wurden verhältnismäßig wenig Waffentransporte aufgebracht, wobei dies offiziellen honduranischen
oder costaricanischen Stellen gelang
nicht aber den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern. Infolgedessen attackierten die Kritiker der Politik
Reagans die Unterstützung der Contras
mit diesen Argumenten, was in den Augen der Weltöffentlichkeit zu einer
Schwächung der Sache der Contras und
der gesamten nicaraguanischen Opposi-

- 5 -

�tion führte. Eine der wesentlichen
ethischen Fragen hinsichtlich der
amerikanischen Rolle bei der Aufstellung der Contras war, ob die Vereinigten Staaten Menschen manipulieren
sollten, die für ihr Land nur das anstrebten, wozu die Vereinigten Staaten sie schon seit langem ermutigt
hatten - in Opposition zu Somoza die
Chance zu erhalten, die Probe auf politischen Pluralismus als Mittel zu
machen, die Probleme des Landes in
den Griff zu bekommen. Für diejenigen, die sich gegen die Sandinisten
gestellt hatten, war stets innerer
Wandel in Nicaragua das Ziel - ganz
unabhängig von ihren eigenen Meinungsverschiedenheiten und persönlichen Zwisten. Und doch wurden sie
bisweilen wegen der Art und Weise ihres Einsatzes als Söldner angesehen.
Im September 1983 wurde die Rechtfertigung für eine Unterstützung der
Contras auf eine breitere Grundlage
gestellt, doch basierte sie noch immer auf der Außenpolitik der Sandinisten. Erst als der Kongreß 1984
die Unterstützung des CIA einstellte,
begann die Reagan-Administration, die
Existenz der Contras auf der Grundlage der sandinistischen Innenpolitik
zu rechtfertigen.
Selbst dann war jedoch nicht eindeutig klar, ob der eigentliche Zweck
der Contras in den Überlegungen der
Reagan-Administration darin bestand,
die Sandinisten zu stürzen (oder einen grundlegenden strukturellen Wandel innerhalb des Regimes zu erzwingen), oder lediglich darin, einen
Bauern auf das Schachbrett zu stellen, der wieder weggenommen werden
konnte, um etwas anderes dadurch zu
gewinnen - seien es Konzessionen bei
der Guerilla-Frage in El Salvador,
sei es ein Rückzug der Ostblock-Berater in Nicaragua.
Wäre es der
Reagan-Administration
zum Beispiel
ernst mit dem Versuch gewesen, die

FSLN zu stürzen, so hätte sie die Bemühungen
der Contras unterstützt,
Aufstandsbewegungen
in
städtischen
Gebieten zu intensivieren, wie dies
die FSLN selbst 1978-1979 getan hatte. Stattdessen wurde dieser Gedanke
Anfang 1983 fallengelassen, weil dem
CIA zufolge in den Medien das Argument auftauchte, die Contras versuchten, etwas ganz anderes zu tun, als
die Waffenlieferungen für die Guerilla in El Salvador zu unterbinden.
Allmählich änderte sich jedoch
die Einstellung im Kongreß und erlaubte es der Administration, ihre
Politik unmittelbarer auf innenpolitische Fragen in Nicaragua zu konzentrieren. Mitte 1985 hatte die Mehrheit des Kongresses die Argumente des
Außenministeriums zu zwei wesentlichen Punkten übernommen: der grundsätzlich repressiven Natur des FLSNRegimes und seiner Munitionslieferungen wie auch anderer Unterstützung
der Guerilla in El Salvador. Obwohl
es in der Öffentlichkeit auch weiterhin viele Stimmen gab, die entweder
die Innenpolitik der Sandinisten verteidigten oder aber die 3edeutung der
Waffenfrage herunterspielten - sie
gehörten hauptsächlich zu kirchlichen
Gruppen, Solidaritätsbewegungen und
Akademikern -, hatten sich die Meinungen derjenigen, die direkt mit der
politischen Entscheidungsfindung beschäftigt waren, erheblich einander
angenähert. Kongreß und Administration teilten Schritt für Schritt ihre
Bedenken über die Sandinisten und sahen gemeinsame Ziele in Mittelamerika, auch wenn es noch immer Meinungsverschiedenheiten
bei
konkreten
Schritten und Verfahrensweisen gab.
Diese Verschiebung führte dazu, daß
der Kongreß für eine Wiederaufnahme
der Hilfe für die Rebellen stimmte.
Dafür verlangte der Kongreß, daß alles öffentlich zu tun sei und zwang
die Administration, ihr Vorgehen un-

- 6-

�ter menschenrechtlichen und politischen Erwägungen zu konzipieren und
zu rechtfertigen. Der Kongreß selbst
wurde in die Verantwortung miteinbezogen, eine politisch und militärisch
verläßliche Kraft zu schaffen, um den
Sandinisten zu begegnen. Doch gab es
viele, die auch weiterhin daran zweifelten, ob die Contras die Sandinistische Front je würden besiegen können
oder ob Druck überhaupt Konzessionen
seitens der FSLN ermöglichen würde.
Jene, die ohnehin die Rebellen mit
Nachdruck unterstützten, gingen davon
aus, daß es notwendig sei, über eine
lange Zeit hinweg auszuharren und abzuwarten, bis sich eine Möglichkeit
ergeben würde - wie dies Castro bei
den von ihm unterstützten Gruppen sah.
Mit dem Vorschlag eines mittelamerikanischen Friedensvertrags, bekannt unter dem Namen "CONTADORA" nach der panamaischen Insel, wo man
im Januar 1983 mit einem Entwurf begann -, wurde der Versuch unternommen, sich mit der Vielzahl der Probleme Mittelamerikas auseinanderzusetzen, indem die Unterzeichnerstaaten zu Demokratisierung im Innern, zu
Rüstungsabbau und zum Abzug ausländischer Militärberater verpflichtet
wurden. Die FSLN signalisierte ihre
Bereitschaft zur Unterzeichnung des
ersten Vertragsentwurfs, als dieser
Mitte 1984 erstellt wurde, doch zog
sich die sandinistische Regierung
nach einem Jahr der Verhandlungen, im
Verlauf derer die Bedenken der vier
anderen mittelamerikanischen Länder
und der Vereinigten Staaten zur Sprache gebracht werden sollten, zurück,
als ein neuer Entwurf fertiggestellt
war und erklärte, daß der eigentliche
Disput zwischen ihr und den Vereinigten Staaten bestehe, nicht zwischen
den
mittelamerikanischen
Staaten.
Die zentrale Frage, so die Sandinistische Front, sei, daß die Vereinigten
Staaten die antisandinistischen Re-

belllen unterstützten und darüber auf
bilateraler Basis verhandelt werden
müsse. Die Vereinigten Staaten bestanden jedoch weiterhin darauf, keine weiteren
bilateralen Gespräche
mehr mit Nicaragua zu führen, solange
die Sandinisten nicht einen "Dialog"
mit Vertretern der bewaffneten Rebellen und anderen Oppositionsgruppen
eröffneten.
Gegen Ende 1985 schien sich der
CONTADORA-Prozeß totgelaufen zu haben, aber Anfang 1986 machten die
vier Staaten, die sich für den Vertragsentwurf eingesetzt hatten - Venezuela, Mexiko, Kolumbien und Panama
-, eine Anstrengung, ihn wieder mit
Leben zu erfüllen. Sowohl die Sandinisten als auch die Vereinigten Staaten
signalisierten
Unterstützung.
Doch das Haupthindernis, der streit
über das politische Prinzip, bestand
weiter.
Hierbei ging es nicht um
Waffen, sondern um Politik. Die Sandinisten einerseits, die vier anderen
mittelamerikanischen Regierungen wie
auch die nicaraguanischen Freiheitskämpfer und die Vereinigten Staaten
andererseits, standen sich in ihren
Ansichten hinsichtlich der Art der
wünschenswerten politischen Systeme
diametral
gegegenüber.
Letztlich
ging es um die Frage, ob es möglich
war, eine Einigung zwischen jenen
herbeizuführen, die grundsätzlich an
eine
leninistische
Regierungsform
glaubten, und den anderen, die den wenn auch bisweilen höchst schwierigen - Versuch machten, im wesentlichen liberale Systeme einzuführen.
Obwohl es einige Meinungsverschiedenheiten unter den vier anderen mittelamerikanischen Ländern wie auch gegenüber den Vereinigten Staaten gab,
wie die Fragen angegangen werden
könnten, so gab es doch prinzipielles
Einverständnis darüber, daß die wirklich großen Probleme der Region mit
der Existenz des sandinistischen Re-

- 7-

�gimes
in Nicaragua
zusammenhingen.
Selbst wenn die Sandinisten schließlich
einen
Vertrag
unterschreiben
würden: die Erfahrung hatte gezeigt,
daß es zu einer wirklich grundsätzlichen Änderung ihrer Politik nur angesichts wirklicher oder vermuteter
militärischer Gewalt oder irgendeines
anderen unüberwindbaren Drucks kommen
würde.
In den Vereinigten Staaten und in
den westlichen Industriestaaten gibt
es eine Tendenz, die Krisen Mittelamerikas allgemein entweder als Folge
kubanischer und sowjetischer Unterstützung von Aufständen oder sozialer
Mißstände zu sehen.
All diese Elemente waren in Nicarauga bei dem Aufstand gegen Somoza vorhanden, wenn
auch an den Wurzeln des Disputs die
Frage stand, wie und von wem die öffentliche Politik
gestaltet
werden
sollte, welches die philosophischen
Grundlagen
der
Entscheidungsfindung
sein sollten, die die Nicaraguaner
nach eineinhalb Jahrhunderten der Unabhängigkeit noch immer zu bestimmen
versuchten.
Hieran entzündete sich
der Aufstand
gegen Somoza, obwohl
schließlich auch andere Elemente Unterstützung der Aufstände von außen
sowie
wirtschaftliche
und
soziale
Fragen - dazu beitrugen. Desgleichen
war der Versuch töricht, den Wert der
sandinistischen
Regierung
auf
der
Grundlage ihrer Wirtschaftsund Sozialpolitik zu bestimmen, solange die
Frage danach, wer ein Recht zum Regieren hatte und wie die Regierung
gewählt werden sollte, noch nicht beantwortet war. Wäre man die politische Problematik zuerst angegangen gleich, ob gegenüber Somoza oder später den Sandinisten -, so hätte es
dies den Vereinigten Staaten ermöglicht, auch ihre anderen Bedenken zu
behandeln - die nationale Sicherheit
und das ganze Spektrum menschen- und
bürgerrechtlicher Fragen. Es ist un-

wahrscheinlich, daß eine politische
Demokratie im Sinne der Vereinigten
Staaten
oder
Europas
militärische
Bündnisse schmiedet und Waffenarsenale aufhäuft, die amerikanischen Interessen zuwiderlaufen.
Gleichzeitig
schafft dies die Möglichkeit, politische Unterdrückung zu beenden, sich
mit der sozialen und wirtschaftlichen
Ungerechtigkeit
auseinanderzusetzen
und die Herrschaft des Rechts einzusetzen, bei der die Gerichte eine
Kontrollfunktion gegenüber Auswüchsen
von Militär und Exekutive ausüben.
Um dies zu verwirklichen, bedarf
es jedoch eines stärkeren Maßes der
Intervention,
als
die
Vereinigten
Staaten in ihrer jüngeren Geschichte
einzugehen bereit waren - von Situationen abgesehen, da die Entwicklung
den
Punkt
konkreter
militärischer
Operationen
erreichte.
Sogar
als
Präsident Hoover Anfang 1933 die amerikanischen
Marineeinheiten
abzog,
tat er dies hauptsächlich in Reaktion
auf den Aufschrei in der Öffentlichkeit gegen eine Intervention.
Teil
des Problemes ist der negative Beigeschmack, den das Wort Intervention
hat. Grundlegende Aspekte der internationalen Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg sind Nichteinmischung
und Selbstbestimmung,
obgleich die
meisten Regierungen der Dritten Welt
sich mehr damit beschäftigten, sich
vom Podium internationaler Foren für
Nichteinmischung stark zu machen, als
Selbstbestimmung im eigenen Land zu
praktizieren.
Kuba und die Sowjetunion
vermeiden
diesen
schlechten
Beigeschmack, den das Wort Intervention hat, indem sie ein anderes - Internationalismus nämlich - verwenden,
um ihre Bemühungen zu umschreiben,
die Entwicklung anderer Länder in dirigistischer, totalitärer Richtung zu
beeinflussen.

- 8 -

Man

kann

sicher

argumentieren,

�daß die Vereinigten Staaten nicht immer dort intervenieren können, wo es
auf der Welt eine Regierung gibt, die
ihnen nicht gefällt und daß sie nicht
den Weltpolizisten spielen können.
Aber Außenpolitik muß in Reaktion auf
die Dynamik
konkreter Situationen
formuliert werden und die innenpolitische Situation, die geographische
Lage eines Landes und die Geschichte
seiner Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten mit in Rechnung stellen. Nur
wenn die Vereinigten Staaten die demokratische Entwicklung auf langfristiger Grundlage fördern, können sie
hoffen, die unangenehme Alternative
zu vermeiden, entweder Truppen zu
senden oder mit unerträglichen Situationen leben zu müssen.

wurden. Die Errichtung eines totalitären Regimes wurde tragischerweise
als sekundär erachtet. Wie so oft in
der Vergangenheit mußte Nicaragua die
bittere Erkenntnis machen, daß seine
eigenen Bedürfnisse und Träume zum
Faustpfand von Streitfragen jenseits
seiner Grenzen geworden sind.

Die bittere Lektion für die Vereinigten Staaten besteht darin, daß
eine Demokratie - insbesondere eine,
die eine weitgespannte Beteiligung an
der Ausformulierung und Verwirklichung ihrer Außenpolitik erlaubt die Entwicklung nicht zu einem Punkt
treiben lassen darf, der nur die harte Wahl zwischen nationaler Sicherheit und nationalem Gewissen zuläßt.
Die Vereinigten Staaten sollten nicht
zulassen, daß sie in die Notlage geraten, in einem Bereich wie Mittelamerika, mit dem sie so viel verbindet,
entweder
eine
represssive
Rechtsdiktatur akzeptieren zu müssen,
weil diese keine Bedrohung der nationalen
Sicherheit
der
Vereinigten
Staaten darstellt - oder aber eine
repressive Linksdiktatur im Austausch
zu deren Zugeständnis, die Regierung
eines Nachbarstaates nicht zu stürzen
oder sich keine MiGs zu beschaffen.
Es hat lang gedauert, bis man aus
dieser Lektion in Nicaragua gelernt
hat. Jene, die dort Demokratie wollten, standen zwischen allen Fronten
und mußten zusehen, wie ihre Ziele
zur Geisel der Prioritäten anderer
- 9-

* * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

39

20. November 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan enthüllt geheime diplomatische initiative- im Iran
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation Reagan sieht Fortschritte in Genf
- Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandels
System
- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem waren-verein der
Hamburger 3örse e.V. -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle nach Reykjavik
- Von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Künftige Raumfahrtpläne der USA
- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
20. November 1986

39

REAGAN ENTHÜLLT GEHEIME DIPLOMATISCHE INITIATIVE IM IRAN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit ausgestrahlten Ansprache an die
Nation erklärte Präsident Reagan am 13. November 1986, die Vereinigten Staaten
hätten eine geheime diplomatische Initiative im Iran unternommen, um die Beziehungen zu diesem Land wieder herzustellen und die sichere Rückkehr aller
Geiseln zu erreichen.
Als zwei weitere Ziele der Initiative nannte der Präsident, daß der iranisch-irakische Konflikt zu einem ehrenvollen Ende geführt und der staatlich
geförderte Terrorismus und die Subversion abgeschafft werden sollten.
Reagan betonte, die von ihm "autorisierten Schritte standen in vollem Einklang mit den Bundesgesetzen und tun dies auch weiterhin"; die Regierung der
Vereinigten Staaten "verfolgt eine klare politische Linie, die darin besteht,
sich nicht den Forderungen von Terroristen zu beugen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:
Ich weiß, daß Sie in den vergangenen Tagen viel von dem gehört, gesehen und gelesen haben, was dänischen Matrosen, ungenannten Beobachtern in italienischen und spanischen
Häfen und besonders auch anonymen
Mitgliedern meiner Administration zugeschrieben wird.
Jetzt werden Sie
die Tatsache aus einer Quelle des
Weißen Hauses hören - ich denke, Sie
kennen mich.
Ich möchte heute über eine ausgesprochen delikate und sehr wichtige
außenpolitische Angelegenheit zu Ih-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen sprechen.
Seit achtzehn Monaten haben wir
im Iran eine geheime diplomatische
Initiative durchgeführt.
Diese Initiative wurde aus den einfachsten und
besten Gründen durchgeführt:
um wieder Beziehungen
aufzunehmen,

zum

Iran

um den blutigen, sechs Jahre währenden Krieg zwischen Iran und
Irak zu einem ehrenvollen Ende zu
führen,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- um staatlich geförderten Terrorismus und Subversion zu beseitigen; und um die sichere Rückkehr
aller Geiseln zu erreichen.
Ohne Mitarbeit des Iran können
wir den Krieg am Persischen Golf
nicht zu einem Ende bringen; ohne die
Beteiligung des Iran kann es im Mittleren Osten keinen dauerhaften Frieden geben.
Seit nunmehr zehn Tagen ist die
Presse Amerikas und der gesamten Welt
voll von Berichten und Gerüchten über
diese Initiative und ihre Ziele.
Nun, liebe Mitbürger, es gibt ein
altes Sprichwort, das besagt: nichts
verbreitet sich so rasch wie ein Gerücht. Deshalb schien es mir an der
Zeit, direkt zu Ihnen zu sprechen und sie aus erster Hand über unsere
Beziehungen zum Iran zu informieren.
Will Rogers sagte einmal: "Gerüchte
sind schneller, aber sie halten der
Wahrheit nicht stand."
Halten wir
uns also an die Tatsachen.
Die Behauptung wurde aufgestellt,
die Vereinigten Staaten hätten Waffen
an den Iran geliefert - als Lösegeldzahlung für die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon -, die
Vereinigten Staaten hätten ihre Verbündeten hintergangen und heimlich
die amerikanische Politik verletzt,
wonach es keine Geschäftsbeziehungen
zu Terroristen geben soll.
Diese Behauptungen
men falsch.

sind vollkom-

Die Vereinigten Staaten haben
keine Zugeständnisse an jene gemacht,
die unsere Landsleute im Libanon gefangenhalten.
Und wir werden das
auch nicht tun.
Die Vereinigten
Staaten haben weder Schiffsladungen
- 2

noch Flugzeugladungen voller amerikanischer Waffen gegen amerikanische
Geiseln ausgetauscht. Und wir werden
das auch nicht tun.
Es tauchten auch Berichte über
eine angebliche amerikanische Verwikklung auf. Berichte über einen Seetransport in Richtung Iran unter Verwendung dänischer Schiffe, mit amerikanischen
Waffen
beladen.
über
Schiffe in spanischen Häfen zwecks
geheimer amerikanischer Waffentransporte, über italienische Häfen, die
angelaufen wurden, darüber, daß die
Vereinigten Staaten, die angeblich
Ersatzteile und Waffen für Kampfflugzeuge lieferten. All diese Berichte
sind ganz schön aufregend; aber was
uns angeht, so ist nicht ein einziger
von ihnen wahr.
Im Verlauf unserer vertraulichen
Diskussionen stimmte ich dem Transfer
geringer Mengen von Verteidigungswaffen und Ersatzteilen für Defensivsysteme an den Iran zu. Meine Absicht
bestand darin, Teheran davon zu überzeugen, daß unsere Unterhändler mit
meiner Erlaubnis handelten, ein Signal zu senden, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, die Feindseligkeit zwischen uns durch neue Beziehungen zu ersetzen. Diese bescheidenen Lieferungen könnten, zusammengenommen, leicht in einem einzigen
Transportflugzeug Platz finden. Sie
könnten, zusammengenommen, weder den
Ausgang des sechs Jahre alten Krieges
zwischen dem Iran und dem Irak beeinflussen - noch könnten sie in irgendeiner Weise Wirkung auf das militärische Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern haben.
Jene, mit denen wir in Kontakt
stehen, gingen erhebliche Risiken ein
und bedurften eines Signals unserer
ernsthaften Absicht, sollten sie ihr
Wirken fortsetzen und den Dialog aus-

�weiten.

schaft.

Als wir diese Initiative ergriffen, machten wir dem Iran aber auch
klar, daß er sich als Vorbedingung
für Portschritte in unseren Beziehungen allen Formen des internationalen
Terrorismus
entgegenstellen
müsse.
Wir deuteten an, daß der wesentlichste schritt, den der Iran unternehmen
könnte, darin bestünde, seinen Einfluß im Libanon zu verwenden, um die
Freilassung aller dort festgehaltenen
Geiseln zu erwirken.

Aus diesen Gründen liegt es in
unserem
nationalen
Interesse, nach
Veränderungen
im Iran Ausschau zu
halten, der Hoffnung auf verbesserte
Beziehungen bietet. Bis zum vergangenen Jahr gab es nur wenig, was derlei Hoffnung rechtfertigt hätte.

Aber warum, so mögen Sie fragen,
sind Beziehungen zum Iran überhaupt
für die Vereinigten Staaten wichtig?

Vielmehr gibt es noch immer bittere und tiefe Meinungsverschiedenheiten, die noch heute andauern. Im
Zentrum unseres Disputs steht die Unterstützung des internationalen Terrorismus durch den Iran. Es ist bislang die Politik des Iran gewesen,
jeglichen westlichen Einfluß aus dem
Mittleren Osten zu verdrängen. Damit
können wir uns nicht abfinden, denn
unsere Interessen im Mittleren Osten
sind grundlegender Art. Dabei streben wir im Iran weder territoriale
Gewinne, noch eine spezielle Position
an. Die iranische Revolution ist eine geschichtliche Tatsache; aber zwischen den grundlegenden
nationalen
Interessen
der Vereinigten Staaten
und des Iran braucht es keinen permanenten Konflikt zu geben.

Der Iran hat eine der bedeutsamsten geopolitischen Lagen der Welt.
Er liegt zwischen der Sowjetunion und
dem Zugang zu den Gewässern des Indischen Ozeans.
Die Geographie erklärt, warum die Sowjetunion eine Armee nach Afghanistan geschickt hat,
um das Land - und, wenn möglich - den
Iran und Pakistan zu beherrschen.

Seit
1983
haben
verschiedene
Staaten mit dem Versuch begonnen, direkte Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran herzustellen.
Europäische, nahöstliche und
fernöstliche Länder versuchten, als
Mittler aufzutreten.
Trotz amerikanischer Bereitschaft zu mehr Bewegung
trug keine dieser Bemühungen Früchte.

Die geographische Lage verleiht
dem Iran eine ganz entscheidende Position, von wo aus Gegner in die ölströme aus den arabischen Staaten
eingreifen könnten, die Anrainer des
Persischen Golfs sind. Von der Geographie abgesehen sind die Erdölvorräte des Iran wichtig für das langfristige Wohlergehen der Weltwirt-

Vor diesem Hintergrund reagierten
wir im vergangenen Jahr, als wir auf
die Möglichkeit hingewiesen wurden,
einen direkten Dialog mit iranischen
RegierungsVertretern einzurichten.

Einiger Fortschritt wurde bereits
erzielt.
Seit Beginn der Kontakte
zwischen der amerikanischen Regierung
und dem Iran gab es keine Beweise für
Komplizenschaft der iranischen Regierung bei Terrorakten gegen die Vereinigten Staaten. Einige Geiseln sind
nach Hause zurückgekehrt - und wir
begrüßen die Bemühungen, die die Regierung des Iran in Vergangenheit unternommen hat und derzeit unternimmt.

Lassen Sie es mich noch einmal
wiederholen.
Amerikas Ziele in der
Region sind seit langem:
Hilfe bei

- 3 -

�der Bewahrung der Unabhängigkeit des
Iran vor sowjetischer Domination;
Herbeiführung eines ehrenhaften Endes
des blutigen Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak; Beendigung der
Verbreitung von Subversion und Terrorismus in der Region. Ein Haupthindernis bei diesen zielen war der
fehlende Dialog, die abgeschnittene
Verbindung zwischen uns.
Unserem Versuch
der Schaffung
besserer Beziehungen zwischen unseren
beiden Ländern liegt die strategische
Bedeutung des Iran und sein Einfluß
in der islamischen Welt zugrunde.
Unsere Gespräche wurden bis ins
Frühjahr dieses Jahres fortgesetzt.
Angesichts des unserer Meinung nach
bis
dahin
erzielten
Fortschritts
dachten wir daran, das Niveau der
diplomatischen
Kontakte
anzuheben.
Ein Treffen in Teheran wurde arrangiert. Ich ersuchte meinen ehemaligen Sicherheitsberater, Robert McFarlane, eine Geheimmission zu unternehmen und gab ihm ausführliche Instruktionen.
Ich ersuchte ihn, in
den Iran zu gehen, um dort einen Dialog zu eröffnen, wobei ich klar und
deutlich auf unsere Grundziele und
Meinungsunterschiede hinwies.
Die viertägigen Gespräche wurden
in zivilisierter weise geführt; amerikanisches Personal wurde nicht mißhandelt. Seither wurde der Dialog
fortgeführt und schrittweiser Fortschritt wird auch weiterhin erzielt.
Lassen Sie mich wiederholen: unseren Interessen wird eindeutig durch
die Eröffnung eines Dialogs mit dem
Iran gedient und dadurch zu einer Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und Irak beigetragen.
Dieser
Krieg zieht sich nun schon seit über
sechs Jahren hin, Aussicht auf eine
Verhandlungslösung
besteht
nicht.

Die Opfer auf beiden Seiten sind gewaltig; die nachteiligen wirtschaftlichen und politischen Folgen für
diese so wichtige Weltregion werden
immer größer. Wir haben versucht, in
diesem sinnlosen Kampf Verbindung mit
beiden Seiten aufzunehmen, um dabei
behilflich zu sein, eine Waffenruhe
und letztlich einen Frieden auszuhandeln. Wir sind dabei um Ausgewogenheit bemüht, indem wir mit beiden
Seiten wie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten, um
eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.
Dieses heikle Unterfangen birgt
für die Beteiligten große Risiken.
Es steht außer Frage, daß wir diesen
Dialog nie hätten beginnen oder fortführen können, wäre die Initiative
eher aufgedeckt worden.
Wegen der
Publizität der vergangenen Woche ist
heute die gesamte Initiative in großer Gefahr.
Unsere Geschichte ist voll anderer Beispiele für diese Art Geheimdiplomatie. 1971 sandte der damalige
Präsident Nixon seinen nationalen Sicherheitsberater auf geheime Mission
nach China. In jenem Fall bestand,
wie heute, ein entscheidendes Bedürfnis nach Diskretion und nach gutem
Gespür für die Situation, in der sich
das Land befand, mit dem wir in den
Dialog einzutreten versuchen.
Seit der sicheren Rückkehr von
David Jacobsen, der als Geisel festgehalten worden war, gab es eine Unzahl an Spekulationen und Berichten,
die nicht nur falsch waren, sondern
auch für die Geisel potentiell gefährlich und sich zerstörerisch auf
die Chancen auswirken, die wir noch
haben.
Die Bemühungen so mutiger
Leute wie Terry Waite wurden gefährdet. Aber die falschen Gerüchte und
die irrigen Berichte nahmen so zu,

�daß das Risiko weiteren Schweigens
jetzt die Gefahren eines offenen Wortes überwiegen.
Und deshalb entschloß ich mich, heute abend zu Ihnen
zu sprechen.
Beispielsweise wurde viel darüber
berichtet,
daß
der
Kongreß
sowie
höchstrangige Angehörige der Administration u :igang&lt;jn worden wären. Obwohl die /on uns unternommenen Anstrengunger überaus heikel waren und
die Zahl &lt; er darin einbezogenen Regierungsmitgliecer auf diejenigen begrenzt
war,
3ie
unbedingt
davon
Kenntnis ru ben mußten, waren alle betioffenen ;abin?ttsangehörigen umfassend konsu .tier:. nie von mir autorisierten ichri^te standen in vollem
Einklang n it den Bundesgesetzen und
tun dies a ich weiterhin; auch die rel'Vinten K&gt;ngre3ausschüsse wurden und
w&lt; rien umf; ssenr informiert.

den Forderungen von Terroristen zu
beugen.
Diese Politik des "keine
Konzessionen" ist auch weiterhin gültig - trotz der wilden Spekulationen
und falschen Berichte über Waffen für
Geiseln und vermeintliche Lösegeldzahlungen.
Wir haben nicht - ich
wiederhole: nicht - Waffen oder dergleichen gegen Geiseln eingetauscht
und werden dies auch nicht tun. Jene, die glauben, wir seien gegenüber
dem
Terrorismus
"weich
geworden",
sollten über diese Frage mit Oberst
Gadhafi sprechen.
Wir haben nicht vor Terroristen
kapituliert - und werden dies auch
nicht tun.
Wir werden jedoch auch
weiterhin die lebenswichtigen Interessen unserer großen Nation fördern trotz Terroristen und Radikaler, die
versuchen, unsere Bemühungen zu untergraben und die Vereinigten Staaten
lahmzulegen.

Eine
veite:e Unterstellung bes eht darii, wir hätten uns im Golfkrieg auf die Seite des Iran gestellt.
?uch dies ist unbegründet.
W^r haben immer wieder die Gewalt auf
beiden Sei;en verurteilt. Wir haben
UMS immer wieder am eine Verhandlungslösun' bemüht, die die territoriale Integrität beider Staaten bewahrt.
Die Annäherungsversuche, die
w r beim Iran unternommen haben, sind
k ;i&gt;ie Verschiebung der Unterstützung
v &gt;n einer Seit? zur anderen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine
diplomatische Initiative, um im Iran
- wie auch im Irak - ein gewisses Maß
ai Zugang jnd Einfluß zu erhalten und
UM diesen blutigen Konflikt zu einem
ehrenvolle.i
Ende
zu
bringen.
Es
l\egt im Interesse aller Parteien in
der Golfrejion, diesen Krieg so bald
w e möglic i zu beenden.

Als Präsident habe ich immer in
der Überzeugung gehandelt, daß das
amerikanische Volk, mit den Tatsachen
vertraut, die richtige Entscheidung
treffen wird. Ich bin überzeugt, daß
dies auch jetzt richtig ist.

Ich fasse ?usammen: unsere Regier mg verfolgt eine klare politische
Linie, die d a r n besteht, sich nicht

Ich kann kein Ergebnis garantieren.
Aber wie in der Vergangenheit
erbitte ich Ihre Unterstützung, weil

Unsere Ziele waren und bleiben:
- Wiederherstellung
zum Iran,

der Beziehungen

- Herbeiführung
eines
ehrenvollen
Endes des Golfkrieges,
- Beendigung des staatlich unterstützten
Terrors
im
Mittleren
Osten und schließlich
- die sichere Heimkehr
seln aus dem Libanon.

- 5-

aller

Gei-

�ich glaube, daß Sie die Hoffnung auf
Frieden im Mittleren Osten teilen,
auf Freiheit für alle Geiseln und auf
eine Welt, die frei von Terrorismus
ist. Sicherlich gibt es bei der Verfolgung dieser ziele Risiken, aber
die Risiken sind noch größer, wenn
wir nicht unermüdlich weitermachen.
Es wird der Geduld und der Einsicht bedürfen; es wird des anhaltenden Widerstands gegon jene bedürfen,
die terroristische Handlungen begehen; und es wird der Zusammenarbeit
mit all jenen bedürfen, die die Welt
von dieser ?lage befreien wollen.

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

20. November 1986

39

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE IN GENF
Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Den Abschluß der sechsten Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf nahm Präsident Reagan am 12. November
1984 zum Anlaß einer schriftlichen Erklärung, in der er darauf hinwies, daß
diese neue Runde "vielleicht die bislang produktivste" gewesen ist, obwohl die
Sowjets durch ihr Beharren auf einer Verknüpfung aller Elemente der nuklearen
Gleichung einen "großen Schritt rückwärts" taten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Da der heutige Tag den Abschluß
der sechsten Runde der Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST)
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion signalisiert, möchte
ich diese Gelegenheit ergreifen, erneut unsere Verpflichtung zu bekräftigen, umfassende, ausgewogene und
verifizierbare
Verringerungen
der
amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale zu erreichen.
Solche
Verringerungen würden die Gefahr eines Atomkriegs mindern und eine weit
sicherere Welt schaffen.

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Embassy of the United States of America

Als diese Runde vor acht Wochen
eröffnet wurde, zeigte sich darin die
Chance auf bedeutsame Fortschritte in
unserem Bemühen, die Zustimmung der
Sowjets zu umfassenden Verringerungen
der Kernwaffen
zu
erhalten.
Die
Hoffnung hierauf verstärkte sich noch
durch den Fortschritt, der im Verlauf
meines Treffens mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik im vergangenen Monat erzielt wurde. Wir sprachen dort über die gesamte Bandbreite
der Themen, die unsere beiden Länder
betreffen - einschließlich der Men-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schenrechte, der regionalen Konflikte, der Rüstungsverringerung
sowie
der erweiterten bilateralen Kontakte
und der Kommunikation.
Insbesondere
hinsichtlich
der
Rüstungskontrolle
erzielten der Generalsekretär und ich
erhebliche Fortschritte bei der Annäherung der amerikanischen und sowjetischen Standpunkte bei mehreren zentralen Fragen:
Wir stimmten einer 50prozentigen
Verringerung der strategischen Offensivwaffen
im Verlauf der nächsten
fünf Jahre zu, die durch die Verringerung auf 1 600 strategische Trägersysteme und 6 000 Gefechtsköpfe bei
diesen Trägersystemen ergänzt werden
sollten.
- Wir
betonten die Notwendigkeit
erheblicher Einschnitte bei den
schweren
Interkontinentalraketen
der Sowjetunion, von denen die
destabilisierendste Wirkung ausgeht.
- Wir stimmten einer weltweiten Beschränkung auf 100 Gefechtsköpfe
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen größerer Reichweite zu;
in Europa sollten keinerlei solche Raketen verbleiben.
Die Vereinigten Staaten schlugen
vor, weder sie selbst noch die UdSSR
sollten in den nächsten zehn Jahren
eine moderne strategische Verteidigung dislozieren, während Forschung,
Entwicklung und Erprobung, die der
ABM-Vertrag zuläßt, durchgeführt werden. Dies würde mit der Vereinbarung
gekoppelt, wonach während der ersten
fünf Jahre dieses Zeitraums die strategischen Offensivwaffen um 50 Prozent verringert und während der zweiten fünf Jahre alle verbleibenden offensiven ballistischen Raketen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollständig abgeschafft würden.

Wir verwiesen darauf, daß am Ende
dieser Zehnjahres-Frist
jede Seite
eine derartige Verteidigung dislozieren könnte, falls sie sich dazu entscheiden würde, es sei denn, die Vertragsparteien kämen zu einer anderen
Übereinkunft.
Herr Gorbatschow akzeptierte diesen Vorschlag nicht und
bestand stattdessen darauf, den ABMVertrag
restriktiver
zu gestalten,
indem er unsere Forschung ausschließlich auf das Labor begrenzt wissen
wollte, womit er letztlich die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative abwürgen würde.
Während dieser Runde legten unsere Unterhändler in Genf in aller Form
neue amerikanische Vorschläge, die
die
Bereiche
der
zwischen
Herrn
Gorbatschow und mir in Reykjavik erzielten
Übereinstimmung
widerspiegeln, sowie unsere anderen Vorschläge
auf den Tisch. Am 7. November unternahm auch die Sowjetunion durch Unterbreitung
von
Vorschlägen,
die
teilweise den in Reykjavik erzielten
Fortschritt
widerspiegeln,
einige
neue schritte.
Diese Bereiche der
Übereinstimmung können als Ausgangspunkt dienen, von dem aus die amerikanischen und sowjetischen Unterhändler
bedeutsame
Rüstungskontrollverträge schmieden könnten.
Dies ist
aber bislang noch nicht der Fall gewesen.
Obwohl dies vielleicht die
bislang produktivste Verhandlungsrunde gewesen ist, haben die sowjetischen
Unterhändler
bislang
noch
nicht entsprechend reagiert, um auf
dem
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
aufzubauen.
Stattdessen
schienen die Sowjets bisweilen mehr
an der Durchführung einer Öffentlichkeitskampagne
interessiert
als
am
Verfolg eines ernsthaften Gebens und
Nehmens am Verhandlungstisch.

der

- 2 -

Dies gilt vor allem für die Frage
Verringerung bei den nuklearen

�Mittelstreckensystemen.
Bei unserem
Gipfeltreffen vor einem Jahr in Genf
kamen Herr Gorbatschow und ich überein, dort weiterzumachen, wo es Bereiche der Übereinstimmung gibt, einschließlich eines INF-Zwischenabkommens. Die Sowjets bekräftigten diese
Position noch einmal durch Vorschläge, die sie zu Beginn dieses Jahres
unterbreiteten.
Und
sie verwiesen
nur wenige Tage vor unserem Treffen
in Island erneut auf das ziel eines
separaten INF-Abkommens. Jetzt aber
sind die Sowjets einen großen Schritt
rückwärts gegangen, indem sie darauf
bestehen, daß Fortschritt in allen
Bereichen der Rüstungskontrolle bei
den Kernwaffen in einem einzigen Paket verschnürt sein müsse. Diese Bemühung, Fortschritte in anderen Bereichen
der
Rüstungskontrolle
zur
Geisel einer Hinnahme des sowjetischen Versuchs zu machen, unser SDIProgramm zu vereiteln, ist für uns
ganz offenkundig unannehmbar.
Angesichts der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung im Offensivbereich, der seit langer Zeit bestehenden und intensiven sowjetischen Programme bei der strategischen Verteidigung und angesichts der andauernden
sowjetischen
Nichteinhaltung
bestehender RüstungskontrollVereinbarungen
ist SDI für die künftige Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten
von größter Bedeutung.
Amerika weiß, daß SDI das entscheidende Mittel war, um die Sowjets zur
Rückkehr zum Verhandlungstisch zu bewegen - und auch entscheidend für unsere Aussichten auf Abschluß eines
Abkommens mit den Sowjets zur Verringerung der Kernwaffen. Eine wirksame
strategische Verteidigung wäre eine
Versicherung gegen Betrug oder Aufhebung eines solchen Abkommens seitens
der Sowjets.
Außerdem wäre sie für
die Sowjets ein fortwährender Anreiz,
bei den Offensivwaffen auf weitere

Verringerungen
hinzuarbeiten.
SDI
ist daher eine lebenswichtige Versicherungspolice, die wir nicht wegverhandeln können und nicht wegverhandeln werden. Dies ist eine Verpflichtung, die ich gegenüber dem amerikanischen Volk eingegangen bin und dazu
stehe ich.
Die
amerikanischen
Unterhändler
haben schwer daran gearbeitet, den in
Reykjavik
erzielten Fortschritt
in
konkrete,
neue
Abrüstungsvorschläge
umzusetzen.
Diese
neuen amerikanischen Vorschläge liegen nun zusammen
mit einigen neuen sowjetischen Vorschlägen in Genf auf dem Verhandlungstisch. Hoffen wir, daß die Sowjets, wenn die Verhandlungen, wie
bereits vereinbart, am 15. Januar
wieder aufgenommen werden, mit uns
zusammen darangehen werden, zum erstenmal in der Geschichte bedeutende
Verringerungen bei den Kernwaffen zu
erreichen.
Solche
Verringerungen
sind
jetzt
in unserer Reichweite,
wenn die Sowjets sich uns in dem
ernsthaften Bemühen um Abkommen anschließen, die für beide Seiten ausgewogen und stabilisierend sind und
im Interesse der ganzen Welt liegen.
Wir sind dazu bereit. Wir warten auf
die
sowjetische
Bereitschaft
zum
Schritt nach vorn.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

39

20. November 1986

FREIER HANDEL MIT AGRARPRODOKTEN: GEBOT
FÜR EIN GESUNDES WELTHANDELSSYSTEM
- Ansprache von Botschafter Burt in Hamburg HAMBURG - (AD) - In einer Ansprache vor dem Waren-Verein der Hamburger
Börse e.V. hat Botschafter Richard R. Burt am 18. November 1986 davor gewarnt,
daß die Vereinigten Staaten und Europa sich im Bereich der Agrarpolitik auf
Kollisionskurs befinden. Er betonte, daß ein freier Agrarhandel für die Aufrechterhaltung eines offenen Welthandelssystems unerläßlich ist. Burt erklärte, "wenn es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den
Griff zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben". Dies würde sich auch auf die transatlantischen
Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Die Äußerungen des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
Verehrter Herr Freytag, Dr. Graf
Lambsdorff, meine Damen und Herren*.
Wir sind hier in Hamburg zusammengekommen, der Stadt, die vor Hunderten von Jahren in der Hanse, einem
der großen Handelsbündnisse der Weltgeschichte, zu gewaltigem Wohlstand
gelangte. Ein zentrales Anliegen für
die Hanse war der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Heute
hat sich nicht viel verändert: Die
Bundesrepublik Deutschland nimmt nach
wie vor eine Schlüsselstellung im
wichtigsten
Handelssystem
der Welt

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ein, und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten bleibt lebenswichtiger Bestandteil dieses Handelssystems, in dem wir alle zu Wohlstand
gelangt sind.
Ich möchte daher zu Ihnen ein wenig über den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern sprechen,
- über seine Bedeutung für Deutsche
und Amerikaner gleichermaßen,
- über die Probleme, die er uns bereitet
- und über Lösungen, die wir zusam-

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Telex: 8-85432

�men erarbeiten müssen.

wohl mit Offenheit als auch mit politischem Mut angehen.

Seit meiner Ankunft in Deutschland im vergangenen Jahr habe ich
wiederholt gesagt, daß sich die Beziehung
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik zu einer "reifen Partnerschaft" entwikkelt.
In vielen Bereichen gibt es
eine bemerkenswerte Übereinstimmung
unserer Ansichten.
Auf geopolitischer Ebene sehen sich Europa und die
Vereinigten Staaten derselben Bedrohung gegenüber und stehen in der NATO
für unsere gemeinsame Verteidigung
fest zusammen. Wir arbeiten darüber
hinaus bei einer großen Bandbreite
außenpolitischer Themenkreise zusammen, wie etwa beim Terrorismus, bei
Südafrika und dem Mittleren Osten.
Ein Aspekt dieser "reifen Partnerschaft" ist unsere Fähigkeit, miteinander über die Punkte zu sprechen,
bei denen unsere Ansichten auseinandergehen. Einer dieser Punkte ist im
Augenblick der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Manche mögen
diesen Bereich als nicht so wichtig
einschätzen wie etwa die Beziehungen
auf
sicherheitspolitischer
Ebene;
trotzdem glaube ich, daß der Handel
an erster und zentraler stelle stehen
muß.
Das offen und ehrlich geführte
Gespräch unter Freunden ist ein wesentlicher Bestandteil einer reifen
Partnerschaft, und gerade Offenheit
ist bei diesem Thema notwendig. Wenn
es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den Griff
zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben. Ein größerer Ruck zum Protektionismus würde
sich unweigerlich auf die transatlantischen Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Aus diesem
Grund müssen wir das Thema Handel so-

Das Dilemma, dem wir uns heute in
der
Landwirtschaft
gegenübersehen,
geht weit über den Handel selbst hinaus. Wir sprechen über die Notwendigkeit der Umstrukturierung eines
wesentlichen Elements unserer Volkswirtschaften. Solch radikaler Wandel
muß besonders durch die Art und Weise, wie wir ihn beeinflussen, sowohl
politische als auch wirtschaftliche
Auswirkungen haben. Im Bereich des
Handels könnten wir heute sehr wohl
an dem Punkt angelangt sein, wo es um
die Zukunft des Multilateralismus, um
die Stärke der westlichen Volkswirtschaften und die Lebensfähigkeit der
Volkswirtschaften
in den Entwicklungsländern geht.
Vor etwas über 20 Jahren erklärte
Indonesiens Präsident Sukarno, um
seine Wähler auf gewisse politische
und wirtschaftliche Schwierigkeiten
vorzubereiten:
"Dieses Jahr leben
wir gefährlich".
Heute leben auch
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft "gefährlich" und
werden dies weiterhin tun, wenn sie
nicht mit ihren Handelsproblemen fertigwerden.
Sie als Mitglieder des Waren-Vereins kennen und schätzen die Vorzüge
eines Klimas des freien Handels. Sie
kennen ferner die Nachteile und Verzerrungen für den Handel, die auftreten können, wenn Institutionen und
Regierungen in solchem Umfeld intervenieren. Wir können es uns nicht
leisten, zu vergessen, wie alle Länder - auch meines - in den dreißiger
Jahren zugelassen haben, daß der Protektionismus den Handel erstickt und
damit die weltweite wirtschaftliche
Not hervorgerufen hat, die zum Aufstieg der Diktatur und zum Zusammenbruch einer friedlichen Weltordnung

- 2 -

�beitrug.
Die
kostspieligen
Auswirkungen
einer über das natürliche Maß hinausgehenden Unterstützung unserer Landwirte werden für uns alle sichtbar.
Erstens belasten wir die öffentliche
Hand
und
fügen unseren Volkswirtschaften
erheblichen
Schaden
zu.
Zweitens bereiten wir uns selbst und
einander ernsthafte Schwierigkeiten,
die zu einer Belastung der Grundstruktur unserer Beziehungen zu werden drohen. Drittens schaden wir anderen Exporteuren, die nicht subventionieren und von denen viele unsere
engen Verbündeten sind.
Schließlich
richten wir großen Schaden bei den
Entwicklungsländern an, indem wir sie
bei
ihrem Bemühen behindern, sich
ausreichend
mit Nahrungsmitteln
zu
versorgen und selbst Agrarexporte zu
exportieren, um auf diese Weise ihre
Schuldenprobleme zu lösen.
Ich möchte Ihnen einige unserer
sehr realen Sorgen über die Politik
der Gemeinschaft vortragen und auch
darüber sprechen, warum wir unsere
europäischen Freunde so sehr drängen,
die
augenblicklich
unbefriedigende
Struktur mit Nachdruck zu reformieren. In den letzten fünf Jahren haben die Vereinigten Staaten in ihrer
Handelsbilanz mit der EG einen dramatischen
Umschwung
wahrgenommen.
Vor 1984 verzeichneten die Vereinigten Staaten durchgängig Zahlungsbilanzüberschüsse gegenüber der Gemeinschaft. 1980 belief sich unser Überschuß im Handel auf 18 Milliarden
Dollar. Für 1986 prognostizieren wir
hingegen ein Handelsbilanzdefizit von
23 Milliarden Dollar.
Das bedeutet
einen Umschwung im Handel zugunsten
der Gemeinschaft von über 40 Milliarden Dollar in sechs Jahren.
Einer der
hinter
dieser

wesentlichen
Entwicklung

Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Seit 1980 ist der Absatz
von amerikanischen Agrarprodukten in
der EG um 40 Prozent zurückgegangen.
Unser Überschuß im Agrarhandel ist um
über fünf Milliarden Dollar gesunken.
Ende des Jahres 1985 hatte dieser
Handelsüberschuß
im
landwirtschaftlichen
Sektor
seinen
niedrigsten
Stand erreicht und könnte in Zukunft
völlig verschwinden.
Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zum Aufstieg der Europäischen Gemeinschaft
zum zweitgrößten Exporteur von Agrarprodukten in der Welt im selben Zeitraum. Unseren Beobachtungen nach ist
es den gegenwärtigen Trends zufolge
wahrscheinlich, daß die EG 1986 die
Vereinigten Staaten als den größten
Exporteur von Agrarprodukten überrunden wird - ein Faktum, das vor einigen Jahren niemand auch nur im entferntesten für möglich gehalten hätte.
Dies wäre gerecht und durchaus
zum Vorteil der Welt, wenn Europa Agrarprodukte billiger als die Vereinigten Staaten produzieren könnte.
Aber diese Verschiebung in der Struktur des Handels ist das Ergebnis von
Subventionen und Handelsbeschränkungen, die die Weltmärkte zu unser aller Nachteil verzerren.
Heute ist die EG der Welt größter
Exporteur von Butter, Geflügel, Rindfleisch und Weißzucker.
In keinem
dieser
Bereiche
produziert
Europa
vergleichsweise billiger als andere
Anbieter. Aufgrund hoher Stützpreise
stieg die Produktion dieser und anderer
Erzeugnisse
in
einer
Periode
weltweit stagnierender Nachfrage weiter an.
Die EG wiederum hat versucht, ihre Überschußproduktion auf
den Weltmärkten abzusetzen, indem sie
Exportsubventionen benutzte, um die
Anhäufung lästiger Vorräte auf ein
Mindestmaß zu beschränken.

Faktoren
ist der
- 3 -

Die wurzeln für diese Entwicklung

�liegen in der Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft. Die Grundsätze dieser gemeinsamen
Agrarpolitik
von 1962 - garantierte Versorgung mit
Nahrungsmitteln in Zeiten der Knappheit und faire Erträge für die Bauern
- entsprangen sicherlich guten Motiven. Wir alle möchten, daß die Landbevölkerung einen gerechten Anteil am
Wohlstand unserer Länder erhält. Ein
freierer Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen innerhalb der Gemeinschaft war wirtschaftlich zweifellos sinnvoll.
Gleichzeitig mußten die amerikanischen Bauern jedoch relativ hilflos
mit ansehen, wie die EG von einem bedeutenden
Importeur
amerikanischer
Agrarprodukte bei vielen dieser Produkte zum Konkurrenten wurde. Diese
Verlagerung beim Handel hatte deutlich sichtbare Auswirkungen auf die
amerikanische Wirtschaft.
Die Deutschen und andere Europäer sollten
verstehen, daß die Amerikaner einen
starken und florierenden Agrarsektor
als einen der wichtigsten Bestandteile der amerikanischen Wirtschaft ansehen. Wegen des Oberflusses an äußerst ertragreichem Boden waren wir
in der Lage, auf eine steigende inländische und internationale Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu reagieren
und damit die Devisen zur Ankurbelung
unseres Importmarktes zu verdienen eines Marktes, der Dreh- und Angelpunkt
weltweiter
wirtschaftlicher
Prosperität gewesen ist.
Als Reaktion auf die neue europäische Rolle im Agrarhandel haben
wir ebenfalls damit begonnen, auf die
von der EG angewandten Praktiken zurückzugreifen.
Wir nähern uns deshalb einem massiven Subventionskrieg zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten Staaten, und die ausge-

dehnte Anwendung von Exportsubventionen kommt beiden Seiten immer teurer
zu stehen. Zum Beispiel hat die EG
vor kurzem ein Geschäft mit der Sowjetunion abgeschlossen, bei dem sie
Weizen, für den sie selbst 210 Dollar
pro Tonne bezahlt hatte, für 75 Dollar verkaufte. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich gefrorenes Geflügel für 875 Dollar pro Tonne an Ägypten verkauft, gewährten den Exporteuren aber einen "Ausfuhrbonus" im Wert
von 1 210 Dollar pro Tonne.
Dies
sind lediglich zwei Beispiele für den
wirtschaftlichen Unsinn, der heute im
landwirtschaftlichen
Bereich
vorherrscht.
Das Interesse des Kongresses am
Schutz der amerikanischen Landwirtschaft in einem feindlichen Handelsumfeld hat die Kosten der Unterstützungsprogramme für die Bauern drastisch in die Höhe getrieben. In diesem Jahr werden die Ausgaben aller
Bundesprogramme
für
die
Landwirtschaft
in den Vereinigten Staaten
über 30 Milliarden Dollar betragen.
Dieser Betrag ist größer als die Nettoerträge aller amerikanischen Farmen
zusammengenommen.
Im Jahr 1981 hatten diese Ausgaben noch bei vier Milliarden Dollar gelegen. All dies muß
vom Steuerzahler getragen werden.
Auf der europäischen Seite des
Atlantik sind die Kosten für die
Stützung der Landwirtschaft ebenfalls
gewaltig.
Die EG verwendet heute
über zwei Drittel ihres Haushalts für
diesen Zweck.
Die Agrarpolitik der
EG wird in diesem Jahr den Haushalt
der Gemeinschaft mit gut 20 Milliarden Dollar belasten, und darin sind
eine Reihe von Subventionsprogrammen
der
einzelnen Mitgliedstaaten
noch
nicht berücksichtigt. Auch die höheren Nahrungsmittelpreise, die der europäische Verbraucher auf Grund dieser Programme zahlen muß, sind in

�dieser Summe nicht enthalten.

unsere Kongreßabgeordneten über
Entwicklungen im Handel sind.

Beim Drängen auf Reformen in der
Agrarpolitik der EG, darunter Maßnahmen zur Verringerung der Uberschußproduktion, stand die Bundesrepublik
Deutschland sicherlich an vorderster
Front. Gleichzeitig hat die Bundesrepublik jedoch im Rahmen der gemeinsamen
Agrarpolitik
eine
interne
Preispolitik unterstützt, die einer
Befürwortung von Maßnahmen zur Produkt ionseinschränkung
zuwiderläuft.
Nach dem heutigen stand genießen die
deutschen Bauern bei vielen Produkten
garantierte Mindestpreise.
Sie können fast alle ihre Produkte unabhängig von Angebot und Nachfrage absetzen.
"Butterberge" sind für Europa
noch immer ein fast ebenso vertrautes
Bild wie die Alpen, trotz der Bemühungen,
die
Milchproduktion
unter
Kontrolle zu bringen.
In Anbetracht der vielen widersprüchlichen Zwänge im Bereich der
Landwirtschaft machen die Amerikaner
sich Sorgen über das Tempo, in dem
sinnvolle Reformen möglich sind.
Wegen unserer Befürchtungen über
die Möglichkeit sinnvoller Veränderungen hierzulande wächst in den Vereinigten Staaten der Druck, einseitige Maßnahmen als Vergeltung für unfaire Handelspraktiken
einzuführen.
Präsident Reagan, ein energischer Befürworter des freien Handels und zuverlässiger Freund Europas sah sich
dieses
Jahr
einem
amerikanischen
Kongreß gegenüber, der entschlossen
war, mit der EG zu wetteifern. Nach
Jahren des Spiels "auf abschüssigem
Terrain" war der Kongreß der Meinung,
es sei an der Zeit, sich die Spielregeln der Europäer zu eigen zu machen.
Dazu
gehören
Subventionen.
Man
braucht nur einige unserer Kongreßanhörungen zu studieren, um ein Gefühl
dafür zu entwickeln, wie frustriert

die

In der soeben beendeten Sitzungsperiode des Kongresses wurden 67 Gesetzentwürfe protektionistischen Inhalts eingebracht. Nicht alle diese
Maßnahmen wurden Gesetz.
Die Zahl
vermittelt jedoch einen Eindruck von
dem Gefühl der Dringlichkeit, ja des
Zorns, das im Kongreß herrscht, wenn
der Schutz unserer Handelsinteressen
zur Debatte steht.
Vertreter
der neuen Mehrheitsfraktion der Demokraten im Kongreß
haben erklärt, daß die Handelsgesetzgebung im Jahr 1987 für sie oberste
Priorität haben wird.
Man braucht
sich nur einmal das Parteiprogramm
der
Demokratischen
Partei
anzuschauen, um zu wissen, daß derartige
Gesetze
nicht
im Interesse
eines
freien und offenen Welthandelssystems
liegen.
Das vom vorigen Kongreß verabschiedete Landwirtschaftsgesetz gibt
ein Bild zukünftiger Trends. Gerade
dieses Gesetz markiert eine scharfe
Abwendung von der Politik des freien
Handels, wie sie in den vergangenen
40 Jahren von den Vereinigten Staaten
verfolgt wurde. Ein ganzer Abschnitt
dieses Gesetzes ist dem internationalen Handel mit Agrarprodukten gewidmet. Es schreibt eine neue aggressive Exportpolitik vor, einschließlich
der Anwendung von Ausfuhrsubventionen, um der EG auf Drittmärkten energisch entgegenzutreten.
Wir glauben nicht, daß Subventionen als Mittel des Wettbewerbs eine
langfristige Lösung für das Problem
des
Agrarhandels
darstellen.
Es
sollte
vielmehr
allen
Beteiligten
klar sein, daß eine langfristige Lösung nur dann möglich ist, wenn wir
unsere Produktion auf ein realist-

- 5 -

�isches Niveau absenken. Mit unserem
Landwirtschaftsgesetz tun wir dies;
unter hohen Kosten für den Steuerzahler und auch unter hohen Kosten für
diejenigen
im
landwirtschaftlichen
Bereich, die in der Vergangenheit von
der
Uberschußproduktion
profitiert
haben.
Ziel der Vereinigten Staaten ist
es, eine marktorientierte Landwirtschaftspolitik einzuführen, durch die
Produktionsentscheidungen an Marktpreise gebunden und Hilfsprogramme
für die Einkommen der Bauern von den
? roduktionsentscheidungen abgekoppelt
werden. Dies ist das längerfristige
Ziel des Landwirtschaftsgesetzes von
1985. Auch deshalb drängt die Administration auf eine Reform des weltweiten Agrarhandelssystems und der
Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft.
Zusätzlich zu den Exportsubventionen der EG stehen wir derzeit auch
noch vor einigen sehr beunruhigenden
Entwicklungen beim amerikanischen Zugang zu den Märkten der Europäischen
Gemeinschaft.
Wir unterstützen eine größere und
stärkere EG. Wir haben mit Nachdruck
die jüngste Erweiterung der Gemeinschaft beim Beitritt Spaniens und
Portugals unterstützt. Wir sehen jedoch keinen Grund dafür, warum eine
größere EG zu Lasten der amerikanischen Bauern gehen sollte. Sie sehen im Moment mehr als eine halbe
Milliarde Dollar an Exporten zur
Iberischen Halbinsel in Gefahr.
Auch die nichttarifären Handelsschranken bleiben ein Grund des Ärgernisses. Eine davon bedroht derzeit unsere Fleischexporte in die Gemeinschaft. Wir halten unser System
der Fleischkontrolle für hervorragend, garantiert es doch Fleisch von

höchster
und
sicherster Qualität.
Wir beobachten daher mit Argwohn, wie
unbegründete Befürchtungen wegen Kontrollverfahren
und Verwendung von
Hormonen als Mittel verwendet werden,
um den Verkauf unserer Produkte hier
zu verbieten.
Kürzlich haben wir ein Problem
beim Hopfenhandel zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland durch wissenschaftliche
Mittel und offenen Informationsaustausch erfolgreich gelöst. Ich hoffe, daß wir diese gerade von mir angesprochenen Probleme auf ähnliche
Weise aus der Welt schaffen können.
Wir wissen, daß wir Probleme haben, aber Amerikaner wollen auch Lösungen anstreben. In dieser Hinsicht
sind wir davon überzeugt, daß dauerhafte Lösungen nicht einseitig, sondern kooperativ sind, gegründet auf
bilaterale und multilaterale Vereinbarungen. Ich denke, im Prinzip teilen wir alle diese Verpflichtung.
Beim OECD-Ministertreffen im April und auf dem Weltwirtschaftsgipfel
in Tokio im vergangenen Mai kamen die
führenden Persönlichkeiten der Industriestaaten überein, daß die Landwirtschaft jetzt an die Spitze der
internationalen
Wirtschaftstagesordnung gehört. Wir haben kürzlich die
Vorarbeiten beendet, die zur 8. Runde
der GATT-Verhandlungen, der UruguayRunde, führen werden. In Punta del
Este kamen die Spitzen der wichtigsten Staaten überein, daß die Landwirtschaft als Thema höchster Priorität behandelt werden muß. Sie erkannten, daß ein Scheitern bei der
Vereinbarung einer neuen Runde ernsthafte Gefahren für das internationale
Handelssystem bedeuten und zu einem
scharfen Anstieg des Protektionismus
in allen Bereichen des Handels führen
würde.
_

�Es ist an der Zeit, das Chaos im
Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu beenden und von einseitigen
zu kooperativen Lösungen unserer gemeinsamen
Probleme
zu
gelangen.
Durch den Versuch, auf die Landwirtschaft andere Regeln anzuwenden als
auf den Handel mit Industriegütern,
haben wir den Landwirten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt Unruhe, Ungerechtigkeiten
und
gewaltige Sorgen bereitet.
In Punta
del Este wurden alle Probleme des Agrarhandels
auf den Verhandlungstisch
gelegt, da die Beteiligten sich der
dringenden Notwendigkeit bewußt waren, dieses schwierige Problem anzugehen. Ganz oben auf der Liste stehen dabei die
landwirtschaftlichen
Subventionen,
die
den
effizienten
Landwirt schädigen und die Budgets
der Länder sprengen, die sie einsetzen.
Wir haben uns auch entschlossen, uns mit der ganzen Bandbreite
der Beschränkungen des Marktzugangs
auseinanderzusetzen, die den Handel
betreffen - einschließlich der gesundheitspolitischen
Maßstäbe.
Bei
entsprechender Zusammenarbeit können
wir dieses ministerielle Mandat bald
in konkrete Ergebnisse umsetzen.

Viele amerikanische Bürger sind
skeptisch über die Aussichten multilateraler Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten brauchen ein multilaterales Abkommen, um die Öffentlichkeit davon
zu überzeugen, daß
auch die anderen willens sind, Änderungen im eigenen Land durchzuführen.
Für kurze Zeit ist eine günstige Gelegenheit hierzu gegeben, und wir
brauchen
den
politischen
Mut, um
jetzt in positivem Geist zu handeln.
Es besteht für uns die dringliche
Notwendigkeit, all die Fragen, die
den
Agrarhandel
betreffen,
einer
strengeren und wirksameren GATT-Regelung zu unterwerfen.
Auch wir sind
voll und ganz bereit, unsere Agrarhandelspolitik zu überprüfen und, wo
notwendig, zu berichtigen.
Ich bin überzeugt, daß das Welthandelssystem bewahrt und ein besseres Umfeld für den Handel erreicht
werden kann, wenn wir bereit sind,
drei wesentliche Schritte zu unternehmen.

Die Durchführung der Uruguay-Runde ist ein wichtiger Schritt vorwärts
in Richtung auf die Verwirklichung
unseres Ziels der Handelsliberalisierung, aber es ist nur ein erster
Schritt. Wir können keine unmittelbaren Resultate erwarten; aber andererseits dürfen sie auch nicht zu
lang auf sich warten lassen. In der
Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten auch weiterhin eine Politik
zur Erhöhung der Handelschancen verfolgen, einschließlich der konsequenten Anwendung von Gesetzen, die die
Probleme der unfairen Handelspraktiken anderer Staaten angehen.

- 7 -

- Erstens müssen wir durch Abbau
der Zollschranken, denen sich der
Handel gegenübersieht, den Zugang
zum
Markt
verbessern.
Diese
Hemmnisse können die Gestalt von
Abgaben,
Importquoten,
Zöllen
oder speziellen Steuern annehmen.
Es gibt sie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der
EG; die meisten wurden errichtet,
um bestimmte Sektoren zu schützen, die für den Handel des jeweiligen
Landes von besonderem
Interesse sind. Der Abbau dieser
Zollschranken wird den Handelsfluß und das Wohlergehen aller
erleichtern.
- Zweitens müssen wir wettbewerbsmäßig durch eine diszipliniertere

�Verwendung von Subventionen das
Umfeld
verbessern.
Leider
scheint es so, als seien Subventionen in der heutigen Landwirtschaft endemisch.
Subventionen
sind vielleicht der am meisten
verzerrende Faktor im Welthandel.
Durch ihre allmähliche Beseitigung können wir wieder in einem
freien Handelsumfeld agieren.
Drittens müssen wir die nachteiligen Auswirkungen der nichttarifären Handelsschranken auf ein
Minimum beschränken. Viele davon
treten in Gestalt unrealistischer
Vorschriften für Zweigniederlassungen von Firmen und Gesundheitsbestimmungen bei Tieren auf.
Sowohl die EG als auch die Vereinigten Staaten wollen ihren inund
ausländischen
Verbrauchern
ein sicheres, gesundes Nahrungsmittelangebot garantieren.
Aber
wenn diese Vorschriften mehr zum
Zweck der Behinderung von Importen als zum Schutz der Gesundheit
erlassen werden, dann muß man sie
abschaffen.
Ob auf bilateraler oder multilateraler Ebene: die Verbesserung der
Regeln für den Welthandel ist eine
absolute Notwendigkeit, um das für
unsere Volkswirtschaft so lebenswichtige Umfeld des freien Handels zu
schützen und zu fördern. Ein im Fundament freier und offener Märkte verwurzeltes
Handelssystem
ist
der
Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die transatlantische Zusammenarbeit bei einer marktorientierten
Politik im internationalen Handel sowie eine Verringerung der Handelsschranken und anderer unfairer Handelspraktiken wird
wesentlich zur
Verbesserung der Handelsaussichten und damit zu Wohlstand für jedermann
- beitragen.

Über Nacht wird sich nichts ändern. Aber wir müssen die Resultate
der neuen Uruguay-Runde als Fundament
benutzen, das ein dem weltweiten
Wohlstand förderliches Umfeld für den
Welthandel schafft. Die Alternative
- der Protektionismus - existiert.
Ich muß es wiederholen: "Wir leben
gefährlich".
Lassen Sie uns alles
tun, um wirklich sicher sein zu können, daß die Gefahr nicht zur Realität wird. Lassen Sie uns alles tun,
um sicherzustellen, daß eine Politik
des freien Handels, die unserer Generation so viel Reichtum und so viele
Vorteile beschert hat, dasselbe auch
den
nachfolgenden
Generationen
bringt. Die Hanse des Mittelalters
ging unter, weil sie sich dem Wandel
nicht anpassen konnte.
Ich denke,
wir im 20. Jahrhundert sind klug und
weitsichtig genug, um es besser zu
machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

20. November 1986

39

RÜSTUNGSKONTROLLE NACH REYKJAVIK
- Von Paul Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor des nachfolgend abgedruckten Artikels ist
Sonderberater in Rüstungskontrollfragen für Präsident Reagan und Außenminister
Shultz. Der Artikel erschien in der hier abgedruckten Passung erstmals in der
Washington Post vom 9. November 1986.

Beim Gipfel in Reykjavik entstanden zwischen den Vereinigten Staatne
und der Sowjetunion grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die von
den Sowjets vorgeschlagenen Beschränkungen
der strategischen Verteidigungsinitiative. Diese über den ABMVertrag von 1972 hinausgehenden Vorschläge zur Beschränkung gehörten zu
den Punkten der Uneinigkeit, die einen umfassenden Rahmen für ein vorhersehbares und stabiles Management
bei der Rüstungskontrolle blockiert
haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten glauben,
daß sich beide Seiten strikt an den
ABM-Vertrag in seiner jetzigen Fassung halten sollten. Die Vereinigten
Staaten sollten keine über den Vertrag
hinausgehenden
Beschränkungen
bei Entwicklung und Erprobung hinnehmen. Wir müssen ferner sowohl unsere Besorgnis über die sowjetischen
Aktivitäten im ABM-Bereich zur Sprache bringen, die der Vermutung Raum
geben, daß sie auf ihrem eigenen Territorium ein Raktenabwehrsystem vorbereiten, als auch unsere Überzeugung, daß die Sowjets die Radaranlage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von Krasnojarsk abbauen sollten, deren Errichtung den ABM-Vertrag direkt
verletzt.
Im Gegensatz zur Haltung der Vereinigten Staaten haben die Sowjets in
Island vorgeschlagen, daß der ABMVertrag geändert werden sollte, um
Forschung und Erprobung aller weltraumgestützten Elemente oder Komponenten einer ABM-Verteidigung auf das
Labor zu beshränken. Die Sowjets beabsichtigten damit, uns bei unserem
SDI-Forschungsprogramm strengere Beschränkungen aufzuerlegen, als dies
durch den ABM-Vertrag geschieht. Solche zusätzlichen Beschränkungen wären
das Ende des SDI-Programms.
Die Vereinigten Staaten glauben,
daß die Art der durch den ABM-Vertrag
gestatteten und verbotenen Aktivitäten, wie sie aus Vetragstext und Verhandlungspapieren hervorgehen, klar
ist.
Die sowjetische Seite möchte
jedoch unter dem Vorwand, den ABMVertrag "stärken" zu wollen, den Vertrag so ergänzen, daß er nunmehr Aktivitäten verbietet, die ursprünglich
nicht verboten werden sollten.
Präsident Reagan konnte das nicht
akzeptieren.
Er hat statt dessen
vorgeschlagen, daß sich beide Seiten
strikt an die Beschränkungen des ABMVertrages halten sollten.
Wenn wir diese Themenkreise näher
untersuchen, sollten wir damit beginnen, zwischen Forschung und Entwicklung zu unterschieden. Der ABM-Vertrag verwendet das Wort "Forschung"
nicht. Bei den SALT I-Verhandlungen
haben weder die Delegation der Vereinigten Staaten noch die der Sowjetunion daran geglaubt, daß es möglich
wäre, Beschränkungen bei der Forschung zu verifizieren. Keine Seite
möchte eine Beschränkung der Forschung, und der ABM-Vertrag versucht

auch keine solche Beschränkung.
Die Vereinigten Staaten haben in
der Vergangenheit bereits in dem von
Harold Brown in einer Erklärung vor
der
sowjetischen
Delegation
bei
SALT I beschriebenen Sachverhalt immer "Forschung" von "Entwicklung" unterschieden.
Forschung
beinhaltet
die Erstellung einer Konzeption und
deren Tests, die sowohl innerhalb wie
auch außerhalb des Labors durchgeführt werden. Die Entwicklung folgt
auf die Forschung und liegt noch vor
den in großem Stil durchgeführten
Tests von Systemen und Teilen, die
für die eigentliche Stationierung bestimmt sind. Die Entwicklung eines
Waffensystems beginnt mit Konstruktion und Erprobung eines oder mehrerer Prototypen des Systems oder seiner wichtigsten Bestandteile.
Die
grundlegenden
Bestimmungen
des ABM-Vertrages sind wohlbekannt.
Artikel I verbietet die Stationierung
von Raketenabwehrsystemen zur Verteidigung des gesamten Territoriums einer Nation. Er beschäftigt sich mit
Systemen, nicht mit deren Bestandteilen, und er verbietet die Stationierung, nicht die Tests.
Artikel V
verbietet die Entwicklung, Erprobung
und Stationierung
see-, luft- und
weltraumgestützter wie auch mobiler
landgestützter
Raketenabwehrsysteme
und deren Bestandteile und nimmt die
1972

niederlegten

physikalischen

Prinzipien als Grundlage.
Auf der anderen Seite erlaubt der
ABM-Vertrag vier allgemeine Bereiche
der Entwicklungs- und Erprobungstätigkeit.
Eine entscheidende Frage zur Definition eines solchen Bereichs erlaubter Aktivität hängt mit einem Kodizill zusammen, das als Übereinkunft
D bekannt ist. Diese Erklärung be2 -

�schäftigt sich mit der Möglichkeit,
daß in Zukunft ABM-Systeme oder deren
Bestandteile entwickelt werden könnten, die "andere physikalische Prinzipien" als Grundlage haben. Solche
hochmodernen Verteidigungssysteme und
deren Bestandteile werden vom Vertrag
anders behandelt als diejenigen, die
in Artikel II näher definiert sind
und denen Technologien von 1972 zugrunde liegen. Übereinkunft D sieht
vor,
daß
die Stationierung
solch
hochmoderner Systeme, nicht
jedoch
deren Entwicklung oder deren Erprobung, von Diskussionen und Übereinkünften abhängig gemacht werden müssen. Deshalb sind die Beschränkungen
von Artikel V nicht auf die Entwicklung und Erprobung moderner Verteidigungsysteme oder deren Bestandteile
anzuwenden.
Diese Auslegung der Übereinkunft
D, die auch als die "weitere" Interpretation
beschrieben
wurde,
ist
durch den Vertragstext und die Verhandlungsdokumente völlig gerechtfertigt.
Der Präsident hat trotzdem
entschieden,
daß
die
Vereinigten
Staaten
das
ursprünglich
geplante
SDI-Programm
nicht
umstrukturieren
werden,
solange
die
Überzeugung
herrscht, daß die Ziele dieses Programms
eingehalten
werden
können.
Deshalb brauchen Sie auch nicht ihre
SDI betreffenden Aktivitäten entsprechend dieser "weiteren" Interpretation des Vertrages durchzuführen, um
die Ziele der SDI-Forschung zu erlangen.

über hinaus erlaubt er Tests von Systemteilen, die im Sinne von ABM keine Fähigkeit zur Raketenabwehr (z.B.
gegen Satelliten)
haben
und
auch
nicht haben können. Eine ABM-Abfangrakete wird als "zur Raketenabwehr
getestet" betrachtet, wenn sie versucht hat, eine Interkontinental-Rakete auf ihrer Flugbahn abzufangen.
Dazu gehören aber keine Tests gegen
Ziele auf Erdumlaufbahn. Schließlich
erlaubt der Vertrag die Entwicklung
und Erprobung von stationären, landgestützen ABM-Radaranlagen und Trägersystemen
auf
zugelassenen
Versuchsgeländen, wie auch Entwicklung
und Erprobung von ABM-Abfangraketen,
die von ABM-Trägersystemen gestartet
und im Weltraum erprobt werden.
Die Sowjetunion muß einsehen, daß
die Vereinigten Staaten gegen Beschränkungen bei Entwicklung und Erprobung sind, die über das hinausgehen, was im Rahmen des ABM-Vertrages
ausgehandelt, vereinbart und kodifiziert wurde. Wenn sie dies tut, können wir uns auf ein umfassendes, stabilisierendes Abkommen über ein zukünftiges Rüstungskontroll-Management
hinbewegen, das eine defensiv angelegte Forschung und Erprobung, den
Abbau von strategischen Offensivwaffen und eine gemeinsam vorgenommene
Umorientierung zu mehr Vertrauen auf
Verteidigungssysteme vorsieht.

Drei andere Bereiche der Entwicklung und Erprobung werden vom ABMVertrag zugelassen.
Der Vertrag beschränkt zum Beispiel nicht die Entwicklung und Erprobung von Vorrichtungen, die weder Bestandteile eines
ABM-Systems sind, wie es im Vertrag
definiert wird, noch einen Ersatz
solcher Komponenten darstellen. Dar- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

e

Wissenschaft und Technik
20. November 1986

39

KÜNFTIGE R A U M F A H R T P L X N E

DER

USA

NASA-Chef Dr. C. Pletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Die Umorganisation des Managements für das amerikanische Raumtransporterprogramm und die damit zusammenhängenden Aufgabengebiete
ist in vollem Gange. Sie werde, so berichtete Richard Truly, der beigeordnete
NASA-A'iministrator für Raumflug, auf einer Pressekonferenz am 5. November
1986, lach den Empfehlungen der Rogers-Kommission durchgeführt. Diese war von
Präsident Reagan eingesetzt worden, um das CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar
1986 za untersuchen. Die sieben Astronauten an Bord der Raumfähre CHALLENGER
fanden damals den Tod.

Im Rahmen des neuen organisatorischen Aufbaues wird Arnold Aldrich,
derzei': Manager des Shuttle-Programms
am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston (Texas), die Leitung des gesamten
Shuttle-Programms in der NASA-Zentrale in Washington übernehmen und Truly
direkt unterstellt sein.
Als neuer
Direktor trägt er "die volle Verantwortung und ist mit allen Kompetenzen
ausgestattet", um das Programm durchzuführen.
Zu seinem Stellvertreter
wurde Astronaut Robert Crippen ernannt, der bereits viermal mit dem
Shuttle
im Weltraum war.
Crippen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wird Direktor für den 9etrieb der
Raumtransporter.
zu seinen Aufgaben
zählen beispielsweise die Überwachung
der Flugvorbereitungen in der letzten
Phase vor dem Start, die Durchführung
der Mission und die Rückführung des
Space Shuttle zur Inspektion und Ausrüstung für den nächsten Flug.
Um
Tagesaufgaben und die Prozeduren im
Detail kümmert sich Richard Kohrs,
stellvertretender
Programmdirektor
für den Bereich "Raumtransporter".
Das neue Management-Konzept verlangt außerdem die Einsetzung eines

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Führungsrates, dem u.a. der beigeordnete NASA-Administrator für Raumflug
(Truly) und die Direktoren sämtlicher
NASA-Zentren im Lande angehören sollen.
Dale Myers, stellvertretender
NASA-Administrator, verwies darauf,
daß man erwarte, über den neuen Führungsrat zu einer besonders guten
Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der NASA-Zentralbehörde und den
Direktoren der einzelnen Zentren im
Lande zu kommen. Die starke Position
des in Washington tätigen Programmdirektors und die Einsetzung des Führungsrates hätten, wie Myers sagte,
eine gewisse Ähnlichkeit mit der
Struktur des erfolgreichen APOLLOProgramms.
Die Zeit wird intensiv für die
technische Verbesserung
der Feststoff raketei-Zusatzträger
des Space
Shuttle und auch des Orbiters selbst
genutzt. Dies erklärte NASA-Chef Dr.
James C. Fletcher (Washington) in einer
Worldnet-Fernsehsatellitenkonferenz, die am 4. November 1986 vom USInformationsamt
(USIA) veranstaltet
wurde.
Gesprächspartner
Fletchers
via

Satellit

waren

MAGELLAN (Meßstation zur Untersuchung
der Venus-Oberfläche mit hochauflösendem Radarstrahl), ULYSSES (erste
Sondierung der Nordregionen des Sonnenkörpers), GALILEO (erste umfassende Sondierung des Planeten Jupiter
und seiner Monde) sowie das Mars-Observatorium.
Da es sich in jedem Fall um große
und schwere Satelliten handelt, war
von Anfang an vorgesehen, sie mit einem Raumtransporter zunächst in eine
Erdumlaufbahn zu bringen und von dort
aus auf die Reise zu ihrem ziel zu
schicken. Der Faktor "Gewicht" macht
auch beim Hubble-Weltraumteleskop mit
seinem umfangreichen Instrumentarium
den Start von einem Raumtransporter
aus erforderlich. Das für Beobachtungen aus einer Position jenseits
der Erdatmosphäre konzipierte Gerät
erweitert die Möglichkeiten der Wissenschaftler für eine Sicht in die
Tiefen des Universums um das Siebenfache.

Grundlagenforschung

Wissenschaftler

und Journalisten in Bern, Bonn, Brüssel, London, Paris und Rom, die den
Leiter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt ?:u den Plänen der USA für
die bemannte Raumfahrt und für Missionen mit Forschungssatelliten befragten. Denn angesichts der Verzögerung
von Raumtransporterstarts als Folge
des CHALLENGER-Unglücks und möglicher
vorrangiger eigener Projekte der Vereinigten Staaten steht auch für Europa viel auf dem Spiel.
Die wichtigen wissenschaftlichen
Missionen können laut Fletcher nunmehr erst :jwei bis fünf Jahre später
als ursprünglich vorgesehen durchgeführt werden. Davon seien u.a. Vorhaben zur weiteren Erforschung der
Planeten und der Sonne betroffen - so

Professor Wolfgang Priester, Direktor des Instituts für Astrophysik
und extraterrestrische Forschung der
Universität Bonn, hob die besondere
Bedeutung des Hubble-Teleskops für
die Grundlagenforschung hervor und
äußerte die Befürchtung,daß diese
durch eine Bevorzugung anderer Programme erheblich ins Hintertreffen
geraten könnte. Aufgrund neuer Beobachtungen und Erkenntnisse sei gerade
in den letzten paar Monaten klargeworden, daß vom Weltraumteleskop (es
wurde in über zehnjähriger Arbeit
entwickelt) Ergebnisse zu erwarten
seien, die einschneidende Umwälzungen
in der Physik und Astronomie herbeiführen dürften. Und zwar gehe es um
neue Ideen zu der Frage, woher die
Energie komme, die die Expansion des

�Weltalls bewirkt. Die nunmehr angestellten Überlegungen könnten unsere
grundlegenden Theorien zur modernen
Elementarteilchen-Physik in bezug auf
alle Quantenfelder
bei Ruheenergie
revolutionieren.
Das wiederum
sei
mit der Frage verknüpft, wodurch denn
beim Urknall vor etwa 20 Milliarden
Jahren die Materie im Universum erzeugt worden sei. Somit seien nicht
nur
tiefgreifende Auswirkungen auf
die Physik, sondern, über die Philosophie, auf alle Bereiche zu erwarten.
In seiner Antwort unterstrich Dr.
Fletcher, daß sich die NASA der Bedeutung gerade dieses internationalen
Projekts für die Grundlagenforschung
sehr wohl bewußt sei und dem Weltraumteleskop unter den wissenschaftlichen Nutzlasten höchste Priorität
eingeräumt habe.
Es sei beabsichtigt, es
nach
Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
(voraussichtlich
im Februar 1988) beim dritten Einsatz, d.h. etwa im November 1988, in
den Weltraum zu transportieren.
Es
solle unmittelbar nach dem Start der
beiden
TDRS-Nachrichtensatelliten
folgen, die für die Bahnbeobachtungen
und Datenübertragung einer ganzen Anzahl von Satelliten gleichzeitig und
rund um die Uhr so wichtig sind.
Für eir.e Anzahl weiterer wissenschaftlicher Nutzlasten aus den Vereinigten Staaten und dem Ausland, deren Start vor dem Unglück bereits
vereinbart war, suche die NASA, so
Fletcher, gegenwärtig nach anderweitigen
Traisportmöglichkeiten.
Man
werde auf sogenannte Verlustraketen
wie DELTA, ATLAS und TITAN zurückgreifen, die im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendungsfähig sind. Auch die europäische Rakete ARIANE zählt dazu. Es sei beispielsweise vorgesehen, mit ihr eine
Anzahl
amerikanischer
kommerzieller
Nachrichtensatelliten in den Weltraum

zu befördern.
Allerdings seien die
Kapazitäten und auch die Startfrequenz dieser Trägergeräte begrenzt, so
daß Verzögerungen für manche wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzlasten dennoch in Kauf genommen werden müßten.

'Gemischte* Trägerkapazität
Die Vereinigten Staaten seien bestrebt, erklärte Dr. Fletcher, eine
"gemischte" Trägerkapazität aus wiederverwendungsfähigen und nicht wiederverwendbaren
Startgeräten
aufzubauen, obgleich der Raumtransporter
das kostengünstigste Beförderungsmittel darstelle.
Irgendwann
dürften
weitere technische Fortschritte auch
Verlustraketen
verbilligen
helfen.
Entsprechende Vorschläge zu Neuentwicklungen
werden bereits gemacht.
Aber bis zur Realisierung
solcher
Projekte würden mindestens fünf und
mehr Jahre vergehen. Und erfahrungsgemäß könne man nie vorhersagen, wie
sich die Kosten tatsächlich entwikkelten. Wie die "gemischte" Kapazität aussehen solle, werde gegenwärtig
in einer Studie untersucht, die Anfang kommenden Jahres fertiggestellt
sein dürfte.

Mehr Zuverlässigkeit
Das CHALLENGER-Unglück habe bewirkt, daß die Struktur der amerikanischen Weltraumbehörde
ebenso wie
die des Mitarbeiterstabs
gestrafft
würde, und daß auch vom Space Shuttle
selbst eine erheblich bessere Qualität und Zuverlässigkeit zu erwarten
sei. Die Frage nach dem Einbau eines
Rettungssystems in der Startphase für
die Bordmannschaft in alle Orbiter
konnte Fletcher angesichts der damit
verbundenen technischen Schwierigkeiten und des Gewichtsproblems nicht

- 3 -

�endgültig
benatworten.
Auch
eine
Verlängerung der einzelnen Raumtransportermissionen bereite wegen der dafür erforderlichen zusätzlichen Energiequellen Probleme. Langzeitexperimente in der Schwerelosigkeit sollten
deshalb besser in der in den neunziger Jahren zu errichtenden Raumstation durchgeführt werden.

COLUMBOS - wichtiger Beitrag
zur Raumstation

Europas

Arbeitsprogramme für die Raumstation müssen schon jetzt formuliert
werden. In den ersten Phasen werden
es Dr. Flet.cher zufolge vor allem Experimente aus dem Gebiet der Mikrogravitation sein. Die NASA ermutige
die Privatwirtschaft zu entsprechenden Projekten.
Es gebe eine Reihe
von Aktivitäten, bei denen sich eine
kommerzielle Nutzung der Schwerelosigkeit lohnen könne - für biologische Substanzen, für Legierungen, für
neues Halb".eitermaterial, um nur einige zu nennen. Ist die Station weiter ausgebaut, werde man auch zunehmend mehr wissenschaftliche Experimente durchführen können. Zusätzlich
zu den auf der Station untergebrachten Nutzlasten werde es auch frei
fliegende Plattformen geben, die neben der Raumstation ihre Bahn ziehen.
Wenigstens eine davon werde bemannt
sein.
COLUMBU3 als der von europäischen
Ländern bereitgestellte Beitrag zur
amerikanischen Raumstation werde eine
wichtige und sehr willkommene Rolle
spielen. Fs handle sich, ähnlich dem
SPACELAB, um eine Labor- und Wohneinheit, die zunächst mit der Raumstation verbunden werde, später aber als
ein von Astronauten betreutes Modul
auch frei fliegen könne.
COLUMBÜS
werde dann immer wieder an der Raumstation anlegen, um Treibstoff und

Nachschub zu übernehmen und um die
Besatzung auszuwechseln.
Allerdings
steht die Ausarbeitung der eigentlichen Betriebspläne mit entsprechenden Verhandlungen zwischen den Partnern noch bevor.
Hinsichtlich
der
sogenannten
funktionellen Aufteilung der Aufgaben
sähen sich die Europäer, worauf einer
der Interviewer hinwies, noch mancherlei Ungewißheiten gegenüber. Dr.
Fletcher räumte ein, daß in Verhandlungen der NASA mit der Europäischen
Weltraumbehörde über die Aufgabenteilung in der Entwicklung der Raumstation Einvernehmen erzielt worden sei,
daß jedoch in bezug auf den Betrieb
noch kein Konzept existiere.
Erst
jetzt beginne man in den USA, sich
mit dem Problem zu befassen.
"wir
haben einen beigeordneten Administrator für die Raumstation bestellt, der
sich ausschließlich mit Betriebsaufgaben befaßt, mit der Frage, wie die
Raumstation betrieben werden soll."
Dies
sei keineswegs nebensächlich, denn die Tätigkeit der Personen
in der Raumstation, in der Europäer
und wahrscheinlich Kanadier, Japaner
und Amerikaner arbeiten werden, verlange klare Konzepte, zwar werde die
Gruppe an Bord mit etwa sechs Personen relativ klein sein. Aber für die
Planung und die Vorbereitungen am Boden sei doch eine wesentlich größere
Gruppe von Mitarbeitern erforderlich,
die entscheiden, was in jeder Arbeitsperiode von 90 Tagen bis zur Ablösung vorzunehmen sei, welcher Art
die Experimente sein sollen.
über
Gebühren, die etwaige internationale
Partner oder private Investoren für
die Benutzung der Raumstation zu entrichten hätten, sei innerhalb der
NASA noch nichts beschlossen worden.
Jedoch könne zunächst einmal die vor
dem CHALLENGER-Unglück erwähnte Gebühr von 75 Millionen Dollar als

�Richtwert angenommen werden.
Alles
in allem sei es aber zu früh, endgültige Aussagen zu machen, solange die
Betriebsstudie noch nicht vorliege.
Inzwischen plane man aber nicht
nur für die nächsten sieben oder acht
Jahre, sondern auch schon für die
Zeit nach der Raumstation, die voraussichtlich ab 1994 ständig besetzt
sein werde.
Eine Gruppe unter der
Leitung vor Dr. Sally Ride, der ersten Amerikanerin im Weltraum, habe
begonnen,
künftige
Aktivitäten
zu
sondieren.
Gemeinsame amerikanischsowjetische bemannte Raumfahrtprojekte, etwa (ine Expedition zum Mars,
seien
nicht
beabsichtigt.
Jedoch
wurden
künftige
wissenschaftliche
Austauschprogramme erörtert. Es gebe
ohnehin genügend Forschungsaufgaben,
die im internationalen Rahmen weltweit durchgeführt werden müßten
u.a. die Untersuchung von Klimaveränderungen uni der Ozonschicht.
nie von Präsident Reagan angekündigte Entwicklung eines Weltraumflugzeugs fall« sowohl in Aufgabenbereiche der ;&gt;JASA als auch des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte Fletcher auf eine Frage. Aber
die ersten Flugexperimente mit dem
Versuchsgerit, die für Anfang der
neunziger
Jahre
vorgesehen
seien,
stünden unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.
Der
Fortgang
der Entwicklung werde dann davon bestimmt, welche Ergebnisse die Versuchsflüge bringen.

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan enthüllt geheime diplomatische Initiative im Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht Fortschritte in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Abschluss der 6. Runde der NST-Verhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandelssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem Waren-Verein der Hamburger Börse e.V. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle nach Reykjavik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul Nitze -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Raumfahrtspläne der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler und Journalisten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

42

10. Dezember 1986

I N H A L T

INFORMATION

Präsident Reagans neuer Sicherheitsberater
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

DOKUMENTATION

Weiterhin feste Haltung der Vereinigten Staaten gegen Terrorismus
- ."hultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuß -

Wise rügt sowjetische Beschränkungen für die Presse
- Erklärung zum Austausch von Informationen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Ozonschicht - Schutzschild für das Leben
- US" dringen auf weltweite VorsorgemaBnahmen - Emission schädlicher
Stoffe soll verringert werden -

* * * * * * *

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
VON

Information

*

10. Dezember 1986

PrXSIDENT REAGANS NEUER SICHERHEITSBERATER
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

versität Harvard durch.

WASHINGTON - (AD) - Der neue Sicherheitsberater
des
Präsidenten,
Frank
Carlucci,
wurde
1930
in
Scranton,
Pennsylvania,
geboren.
Nach dem besuch der Wyoming Seminary
College
Preparatory
school
in
Kingston, Pennsylvania, ging er zur
Universität Princeton, wo er im Jahr
1952 den Grad eines Bachelor in Business Administration erwarb.

Nach seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten im Jahr 1956 diente er bis 1969
in verschiedenen Funktionen in Johannesburg, Südafrika, in Zaire (damals
noch
Demokratische
Republik
Kongo), Tansania, Rio de Janeiro sowie in der Washingtoner Zentrale.

Nach dem Dienst als Geschützoffizier bei der Marine führte er im Jahr
1956 weiterführende Studien im Fach
Business Administration and der Uni-

Während
seiner
diplomatischen
Laufbahn wurde er mit der Superior
Service Award ausgezeichnet - der
höchsten Auszeichung des auswärtigen

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�Dienstes.
Auf Initiative des damaligen Direktors des Büros für wirtschaftliche
Chancengleichheit
(OEO),
Donald
Rumsfeld, beschäftigte sich Carlucci
mit dem Kampf gegen die Armut.
In
den Jahren 1969 und 1970 wurde er
Carluccis Nachfolger als Direktor des
OEO.
1971 wucde Carlucci von Präsident
Nixon zum stellvertretenden Direktor
des Amtes für Haushaltsplanung berufen. Von 1972 bis 1974 war er Unterstaatssekretär für Gesundheit, Bildung und Sozialwesen.
Von
1975
bis
1978
vertrat
Carlucci die Vereinigten Staaten als
Botschafter
in Portugal.
im Jahr
1978 wurde er zum stellvertretenden
Direktor
der
Central
Intelligence
Agency ernannt. Er übte diese Punktion bis zum Jahr 1981 aus, als er
nach der Wahl Reagans zum Stellvertretenden Verteidigungsminister unter
Caspar Weinberger berufen wurde.
Im Jahr 1983 wechselte er in die
Privatwirtschaft über und wurde Präsident von Sears World Trade Inc.
Im vergangenen Sommer wurde er
von Präsident Reagan als Mitglied in
den
Beraterausschuß
der
amerikanischen Rüstungskontrollbehörde berufen und als Vorsitzender dieses Gremiums designiert.

* * * * *
- 2

*

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

e&lt;

10. Dezember 1986

42

WEITERHIN FESTE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN GEGEN TERRORISMUS
- Shultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuß WASHINGTON - (AD) - In seiner Aussage vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses hat Außenminister Shultz am 8. Dezember 1986 erklärt, daß
Präsident Reagan in bezug auf die Waffenverkäufe an den Iran "klargemacht hat,
daß es weder seine Absicht noch seine Politik war, Waffen gegen Geiseln auszutauschen oder unsere Haltung gegen den Terrorismus zu konterkarieren". Jeglicher Terrorismus, gleich ob gegen Amerikaner oder andere gerichtet, sei unannehmbar und müsse beseitigt werden.
Die Aussage des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, dies ist das
erste Mal in zehnjähriger Tätigkeit
als Kabinettsmitglied, daß ich gebeten worden bin, einen Eid vor dem
Kongreß zu schwören.
Ich tue dies guten Mutes, in voller Anerkennung Ihrer Autorität, einen
Eid
zu verlangen
und
Ihrer
Pflicht,
sicherzustellen,
daß die
Aufzeichnungen dieses Verfahrens so
umfassend
und
wahrheitsgetreu
wie
möglich sind.
Jeden Tag werden von
Amerikanern Eide abgelegt.
Ich betrachte diesen Akt als Erfüllung mei-

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Embassy of the United States of America

ner Pflicht als Staatsbürger, unsere
Gesetze und Institutionen zu respektieren.
Ich möchte Ihnen allerdings sagen, daß ich, als ich meinen Eid als
Außenminister ablegte, geschworen habe, "die Verfassung der Vereinigten
Staaten zu unterstützen und zu verteidigen". Ich habe jenes feierliche
Versprechen immer so verstanden, daß
es mir als Außenminister die ständige
Pflicht auferlegt, dem Präsidenten,
dem Kongreß, den Gerichten und, was
das Wichtigste
ist, dem amerikan-

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Tel.: 0228-339 2035
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�ischen Volk qegenüber immer die Wahrheit zu sagen. Zusätzlich zu meiner
Eigenschaft als Staatsbürger bin ich
gegenwärtig ein Staatsdiener.
Wenn
ein Staatsbürger nicht bereit ist,
die Wahrheit zu sagen, hat er, ob mit
oder ohne Eid, im Staatsdienst nichts
zu suchen. Dies ist eine ganz einfache Tatsache.
Herr Vorsitzender, die von Ihnen
veranstalteten Anhörungen finden zu
einem entscheidenden
Zeitpunkt für
die Nation statt. Der Präsident hat
erkannt, daß in der Ausführung unserer Außenpolitik durch die Art und
Weise, in der einige Personen unsere
Bemühungen
zur
Schaffung
besserer
Kontakte zum Iran umgesetzt haben und
durch die Umleitung von Geldern aus
Waffenverkäufen an den demokratischen
Widerstand Nicaraguas ernste Probleme
geschaffen wurden.
Er hat bei der
Korrektur etwa bestehender Probleme
die Führung übernommen.
- Der Präsident hat Frank Carlucci,
einen respektierten Außenpolitiker mit außergewöhnlich breitgefächerter Erfahrung und von höchster Integrität, ernannt, um den
Nationalen
Sicherheitsrat
mit
neuem Leben zu erfüllen und zu
führen.
- Er hat ein aus erfahrenen Politikern bestehendes spezielles Untersuchungskomitee
eingesetzt,
das
von
dem
ehrenwerten
John
Tower geleitet wird, um die Rolle
des Nationalen
Sicherheitsrates
und
die
Funktionsweise
seines
Mitarbeiterstabes zu überprüfen.
- Er hat die Berufung eines unabhängigen Sonderanwalts empfohlen,
um die Möglichkeit von Vergehen
in bezug auf das Iran-Projekt zu
untersuchen.

- Er hat eine einheitliche Haltung
des Kongresses im Hinblick auf
dessen
Uberwachungsfunktion
bei
diesen
Angelegenheiten
begrüßt
und hat seine volle Kooperation
bei diesen Untersuchungen zugesagt.
- Er hat mich beauftragt, eine behördenübergreifende Studie unserer
Beziehungen
mit
dem
Iran
durchzuführen.
Unter der erfahrenen Leitung von Unterstaatssekretär Armacost ist dieser Prozeß
gegenwärtig im Gange.
- Und er hat seine Kabinettsmitglieder angewiesen, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk alles
mitzuteilen, was sie über diese
jüngste Initiative gegenüber dem
Iran wissen - und deshalb bin ich
ja heute moren bei Ihnen.
Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, bin ich bereit, Ihnen alles mitzuteilen, was ich zu jenem Zeitpunkt
über unsere Waffenverkäufe an den
Iran wußte.
Der Präsident hat die
Freigabe dieser Informationen an den
Kongreß gebilligt. Es steht mir jedoch nicht frei, die Gesetze der Vereinigten Staaten zu verletzen. Vieles von dem, was ich zu jenem Zeitpunkt wußte, unterliegt noch der Geheimhaltung. Ich bin mir bewußt, daß
einiges davon an die Öffentlichkeit
gelangt ist. Dies gestattet es mir
jedoch nicht, einige Dinge, die bis
heute ohne behördliche Genehmigung
veröffentlicht wurden, als Tatsachen
zu bestätigen.
Und,
obwohl
dies
schwer zu glauben sein mag, ist einiges von dem, was ich Ihnen mitzuteilen bereit bin, der Öffentlichkeit
noch nicht bekannt.
Zusätzlich zu
dem Problem nicht-offenen Materials
könnte es schließlich, wenn ich in
der
öffentlichen
Anhörung
alles
preisgebe, was ich weiß, zu einer

�Kollision
mit strafrechtlichen Ermittlungen kommen, würden nachrichtendienstliche Quellen und Methoden
bloßgestellt und privilegierte Kommunikationswege aufgedeckt.
All dies bereitet mir großes Unbehagen. Ich habe geschworen, Ihnen
die volle Wahrheit zu sagen und bin
bereit, dies auf eine Art und Weise
zu tun, die mit meiner rechtlichen
und ethischen Verantwortung im Einklang steht. Dies kann am besten in
einer geschlossenen Sitzung geschehen, in der all meine Verpflichtungen
getreulich
erfüllt
werden
können.
Ich möchte nun allen Zweifeln an meiner Bereitschaft ein Ende machen, auf
Fragen über mein früheres Wissen und
frühere Handlungen zu antworten. Ich
habe bereits alle mir zugänglichen
Informationen
dem
FBI
mitgeteilt.
Ich bin vom Justizministerium befragt
worden.
In dieser offenen Sitzung
bin ich bereit, alles Material vorzubringen, das
ich
angemessenerweise
vorbringen kann.
Und zu jedem von
Ihnen bestimmten angemessenen Zeitpunkt bin ich bereit, in einer nichtöffentlichen Sitzung eine Erklärung
abzugeben und auf Fragen zu antworten
und
dabei
geheime
Details
meiner
Kenntnisse und Handlungen zu enthüllen.
Nachdem
ich dies gesagt habe,
Herr Vorsitzender, möchte ich Ihnen
mitteilen, daß Sie nach meiner vollen
Überzeugung richtig gehandelt haben,
als Sie für den Anfang eine offene
Sitzung anberaumt und erklärt haben,
daß gerade diese Sitzung den Blick in
die Zukunft richten sollte. Ich unterstütze dieses
Ziel von Herzen.
Wir brauchen diesen Blick nach vorn
sehr.
Und ich werde das in meiner
Aussage auch tun.
Ich möchte mit einem Blick auf
unsere zukünftigen Beziehungen zu den

Staaten am Persischen Golf beginnen.
Dieses Thema ist von entscheidender
Bedeutung für unser Land und verdient
sicherlich die knappe Zeit, die uns
heute morgen
zur Verfügung steht.
Erlauben Sie mir also, mich diesem
Thema zuzuwenden. Ich hoffe, daß genug Zeit für Ihre Kommentare und Fragen bleibt.

Die Bedeutung des Iran und des
Persischen Golfs
Der Persische f^olf ist wichtig
für die Vereinigten Staaten - und
dies trifft auch für die meisten unserer wichtigsten Freunde und Verbündeten zu.
Ein Viertel des Öls der
freien Welt fließt durch diese Region
und ein sogar noch höherer Prozentsatz hält die Volkswirtschaften unserer Verbündeten in Europa und Japans
aufrecht. Es ist lebenswichtig, daß
der Westen den Zugang zu diesem öl
behält. Die Region ist ein strategischer Brennpunkt - ein Punkt, an dem
die Sowjetunion seit langem versucht,
ihre Präsenz und Kontrolle auszudehnen.
Wir haben ein bedeutendes Interesse daran, ihnen eine solche Ausdehnung
zu verweigern.
Wir haben
wichtige politische Interessen in bezug auf einzelne Golfstaaten - und
dieses Interesse gilt sowohl den einzelnen Staaten selbst, als auch ihrem
Einfluß auf Ereignisse im Mittleren
Osten, in Afghanistan oder anderen
Bereichen.
Deshalb
möchten
wir,
daß
die
Staaten am Golf Frieden und politische Stabilität ohne Bedrohung durch
sowjetische
Einschüchterung,
äußere
Aggression oder innere Subversion genießen.
Wir möchten produktive Beziehungen mit den Staaten dieser Region aufrechterhalten, und dies auch,
um sicherzustellen, daß der ölzufluß
in den Westen ohne Unterbrechung an-

- 3 -

�dauern kann.
Aber unsere strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen am Golf waren und werden weiterhin von verschiedenen Seiten bedroht
- durch Krieg und politische Instabilität in der Region, durch die brutale Besetzung Afghanistans durch die
Sowjets und deren hartnäckige Bemühungen, ihren Einfluß auszubauen sowie durch den Terror ismus.
Und der
Iran ist bei all diesen Fragen ein
besonders wichtiges Element geworden.
Der Krieg zwischen Iran und Irak,
der sich jetzt schon im siebten Jahr
befindet, zeigt nur allzu deutlich,
wie das Andauern eines regionalen
Konflikts und von Instabilität nicht
nur unsere Interessen bedrohen kann,
sondern auch diejenigen von vielen
mit uns befreundeten Staaten.
Und aus diesem Grund haben sich
die Vereinigten Staaten immer wieder
um ein frühes Ende dieses Konflikts
bemüht - und dies zu Bedingungen, die
die territoriale Integrität und Unabhängigkeit beider kriegführenden Parteien garantieren.
Wenn wir uns der Drohung eines
eskalierenden
Terrorismus
stellen
wollen, so müssen wir uns auch mit
dem Problem Iran beschäftigen.
Die
gegenwärtige iranische Regierung ist
noch immer der Überzeugung, daß Terrorismus ein legitimes Instrument der
Außenpolitik ist. Sie war stets bereit, dieses Instrument einzusetzen,
wann und wo immer es ihren Bedürfnissen entgegenkam. Es liegt in unserem
Interesse, dem ein Ende zu bereiten.
Wie der Präsident sagte, genehmigte er den Transfer einiger Waffen
nach Iran, um damit ein Signal zu geben, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, die Feindseligkeiten zwi-

schen uns durch eine neue Beziehung
zu ersetzen. Dieses Signal ist gegeben worden. Die Vereinigten Staaten
werden keine weiteren Waffen in den
Iran liefern, und wir werden unseren
ganzen Einfluß darauf verwenden, daß
es
auch
nicht
zu
Waffenverkäufen
durch andere kommt.
Grund hierfür
ist die Tatsache, daß gerade der Iran
sich immer wieder gegen eine Beendigung des Golfkrieges stellt und daß
es die iranische Fähigkeit zur Fortsetzung dieses Krieges ist, mit der
wir
uns beschäftigen müssen.
Der
Iran kann auf keine besseren Beziehungen zu uns hoffen, solange er keine Schritte zur Beendigung des Krieges unternimmt, seine Unterstützung
des Terrorismus einstellt und seinen
Einfluß für eine Freilassung bei jenen geltend macht, die unsere Geiseln
festhalten.
Unsere Beziehungen zum Iran sind
durch ein strategisches Dilemma gekennzeichnet. Wir haben eine "nördliche" Sorge - den Iran von sowjetischem Einfluß fernzuhalten - und eine "südliche" Sorge - den Iran davon
abzuhalten, seine Nachbarn am Golf zu
dominieren. Da der Iran zwar weiterhin sowjetischem Einfluß widersteht,
aber den Golf bedroht, muß unsere
kurzfristige Priorität die sein, den
arabischen Golfstaaten unsere Unterstützung zuzusichern und fest zu unserer Antiterrorismus- und Waffenembargopolitik zu stehen. Daneben müssen wir alternative Kanäle benützen,
um den iranischen Widerstand gegen
sowjetischen Einfluß zu stärken und
auf gemeinsame Interessen wie etwa
Afghanistan hinzuweisen.
Desgleichen
beeinflußt Stabilität am Golf unsere
Anstrengungen, zu sinnvoller Bewegung
bei
einem
Friedensprozeß
zwischen
Israel und seinen arabischen Nachbarn
zu ermutigen.
Deshalb

haben

wir

ein

legitimes

�Interesse an besseren Beziehungen zum
Iran, und der Präsident entschied im
vergangenen Jahr, daß wir auf Signale
bestimmter Gruppen im Iran reagieren
sollten, um herauszufinden, ob die
iranische Führung bereit sei, ihre
Politik in eine positivere Richtung
zu steuern. Vergangenen Samstag verwies der Präsident erneut auf diese
Zielsetzung, "den Krieg im Mittleren
Osten zu beenden, einen sowjetischen
Expansionismus
zu
verhindern,
den
Terrorismus zu stoppen und zu einer
Freilassung der amerikanischen Geiseln beizutragen."
Herr Vorsitzender, ich unterstütze mit Nachdruck jede einzelne dieser
Zielsetzungen.
Ich bin sicher, daß
Sie und dieser Ausschuß sie gleichermaßen unterstützen.
Die Probleme, die sich durch die
jüngsten Ereignisse ergaben, wurden
nicht durch diese Zielsetzungen hervorgerufen, sondern durch die Art und
Weise, wie sie in diesem einen Fall
und durch bestimmte nichtautorisierte
Handlungen
von
Beamten
realisiert
wurden, auf die sich der Präsident
bei der Verwirklichung seiner Politik
verlassen hatte. Tatsachen, die enthüllt wurden, haben deutlich gemacht,
daß, wie der Präsident zurecht erklärte, "die Durchführung dieser Politik mangelhaft war und Fehler begangen wurden."
Die Politik, dies hat der Präsi
dent noch einmal bekräftigt, ist seine eigene. Er hat deutlich gemacht,
daß es weder seine Absicht, noch seine Politik war, Waffen gegen Geiseln
auszutauschen oder unsere Haltung gegen den Terrorismus zu konterkarieren.
Ich unterstütze ihn und seine Politik mit Nachdruck. Als Nation müssen wir uns auch weiterhin gegen den
Terrorismus
in
all
seinen
Formen

stellen.
Aller Terrorismus, gleich
ob gegen Amerikaner oder andere gerichtet, ist unannehmbar und muß beseitigt
werden.
Dieser
Grundsatz
steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen, zu einer breiteren internationalen
Zusammenarbeit
gegen
staatlich
unterstützten Terrorismus zu ermutigen.
Deshalb müssen wir auch weiterhin
unsere Stimme erheben und Schritte
gegen alle Akte des Terrorismus unternehmen.
Und wie sehr wir auch die Angst
der betroffenen Familien teilen, so
müssen wir uns doch gegen Konzessionen oder Zahlung von Lösegeldern für
eine Freilassung der Geiseln stellen.
Andernfalls würden wir nur zu weiteren Geiselnahmen ermutigen und in den
Augen der Geiselnehmer den Tauschwert
jener noch heraufsetzen, die bereits
gefangengehalten
werden.
Außerdem
müssen wir auch unsere Bemühungen mit
Freunden und Verbündeten in den Bereichen Nachrichtenaustausch und Sicherheitsmaßnahmen intensivieren, um
den Terrorismus und die damit verbundene Gewalt zu vereiteln und die
Staaten zu isolieren, die den Terrorismus finanzieren und unterstützen.
Was den Iran anbelangt, so hat
der Präsident gesagt: "Die iranische
Revolution
ist eine
geschichtliche
Tatsache; aber zwischen den grundlegenden nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und des Iran muß es
keinen permanenten Konflikt geben."
Er hat auch wiederholt betont, daß es
nicht seine Absicht war, Geschäfte
mit dem Khomeini-Regime zu machen,
solange dessen Politik Frieden und
Stabilität der Region bedroht. Auch
hier bin ich ganz seiner Meinung.
Wir müssen auch weiterhin zur Beendigung der regionalen Feindselig-

- 5 -

�keiten und zu friedlichen Beziehungen
zwischen allen Golfstaaten ermutigen.
Wir
wollen eine Verhandlungslösung
des Krieges zwischen dem Iran und dem
Irak, der die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten dieser Region respektiert. Durch unser
Bemühen um Stabilität der Golfregion
werden wir auch weiterhin die gemeinsamen Bestrebungen gemäßigter und befreundeter Staaten der Region unterstützen, damit deren eigene Sicherheit
und
Stabilität
gewährleistet
werden. Wir werden uns sowjetischem
Vordringen in der Region widersetzen
und weiterhin ein baldiges Ende der
Besetzung Afghanistans anstreben.
Schließlich müssen wir die jüngsten Ereignisse in ihre angemessene
historische Perspektive bringen. Der
Präsident ist jetzt sechs Jahre lang
in seinem Amt. Als er es übernahm,
war die Nation weder so sicher, noch
so zuversichtlich, wie sie hätte sein
sollen.
Wo stehen wir nach sechs Jahren
der Führung durch Präsident Reagan in
der Außenpolitik?
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß
und mit der breiten Unterstützung des
amerikanischen Volkes hat uns die Politik von Präsident Reagan an die
Schwelle einer neuen und bemerkenswert anderen Welt gebracht - eine
Welt, in der Amerikas Interessen,
Amerikas Stolz und Amerikas Ideale
gedeihen.
Wie sieht diese andere Welt aus?
Warum gibt es Grund für neuerliche
Zuversicht und Hoffnung auf die Zukunft?

Weil
- wir

jetzt, zum

ersten

Mal, eine

Welt erkennen können, in der die
unaufhörliche und überall herrschende Angst vor nuklearer Zerstörung
geringer
geworden
ist.
Die Drohung eines nuklearen Konflikts kann nie gänzlich gebannt
werden, aber sie kann durch sorgfältige und drastische Verringerungen der offensiven Nukleararsenale sowie durch die Schaffung
einer
Verteidigungsmöglichkeit
gegen sie ganz erheblich abgebaut
werden. Und genau solche Verringerungen - nicht Begrenzungen bei
noch stärkerer Ausweitung, sondern Verringerungen - und genau
eine solche Verteidigung sind die
Vision, die Präsident Reagan zu
einer Realität machen will;
- vor nur ein paar Jahren noch die
Demokratien der Welt den Eindruck
hatten, eine umkämpfte, schrumpfende Handvoll von Nationen zu
sein. Heute können die Menschen,
die sich gegen die unterdrückerischen
Regime
von
links
und
rechts wehren, die Demokratie als
vitale Kraft der Zukunft erkennen. Kraftvolle und doch gewaltlose Bewegungen in Richtung auf
offene Gesellschaften waren erfolgreich.
Das
Versagen
geschlossener und staatlich gelenkter Volkswirtschaften
wird mit
jedem Tag deutlicher. Ein neuer
Wind des Wandels weht;
- Völker, die jetzt bereit sind,
sich für die Freiheit einzusetzen
und die keine andere Wahl haben,
als für ihre Rechte zu kämpfen,
nun wissen, daß der Vormarsch des
Kommunismus
nicht
unabwendbar
ist.
Präsident Reagan ist ein
Freiheitskämpfer - und die Welt
weiß es. Und ich stehe zu Ronald
Reagan.
Eine

starke Verteidigung,

solide

�Bündnisse und Unterstützung für die
wirtschaftliche und politische Entwicklung von Völkern überall - dafür
steht Präsident Reagan. Seine Politik ist nicht die Politik einer Partei.
Es ist die Politik des ganzen
amerikanischen Volkes.
Sie ist die
einzig richtige Politik, wenn unser
Land auch weiterhin das beste und
größte auf Erden wie auch die Hoffnung der ganzen Menschheit
bleiben
soll. Zeigen wir die Stärke unserer
freien Institutionen durch die umfassende Untersuchung aller Einzelheiten
dieser Iran-Episode.
Laßt uns dadurch
zusammenstehen,
zusammengehen
und das Land auch weiter voranbringen, um uns den Gefahren und Möglichkeiten dieses Augenblicks zu stellen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VON'^

10. Dezember 1986

42
WISE RÜGT SOWJETISCHE

BESCHRXNKUNGEN

FÜR DIE PRESSE

- Erklärung zum Austausch von Informationen -

WIEN - (AD) - Nach Angaben des stellvertretenden Leiters der amerikanischen Delegation bei der wiener KSZE-Folgekonferenz, Samuel Wise, sind die
Arbeitsbedingungen für westliche Journalisten in der Sowjetunion und den anderen Staaten Osteuropas weiterhin mangelhaft.
In einer Erklärung vor einer
KSZE-Arbeitsgruppe am 5. Dezember 1986 rügte Wise die Sowjets wegen dieser
Verletzung der Schlußakte von Helsinki.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute zu Ihnen über
die Arbeitsbedingungen
für Journalisten, Zugang zu Medien und kooperativen Austausch sprechen.
All dies
sind Bereiche des Informationsaustauschs, in denen trotz der von uns
allen in Helsinki und Madrid eingegangenen Verpflichtungen noch viele
Mängel herrschen.
Was die Journalisten angeht, ist
die Lage am schlechtesten in der Sowjetunion, wo die Schikanen
seit
Madrid sogar noch zugenommen haben.
Die sowjetischen Behörden wenden eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vielzahl von Techniken an, um ausländische Journalisten
einzuschüchtern.
Erstens arbeiten fast alle
ausländischen Journalisten in streng
bewachten Quartieren für Ausländer,
die ihnen von der Regierung zugewiesen werden. Viele werden ins Außenministerium zitiert, wo sie für Berichte verwarnt werden, die von den
Sowjets
nicht
gebilligt
werden.
Journalisten,
die
versuchen,
mit
nichtstaatlichen Stellen in Kontakt
zu kommen oder über Ereignisse zu berichten, die den Behörden unangenehm
sind, wurde von Milizionären der Zu-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gang verwehrt oder sind Befragungen,
Verhaftungen oder Schlimmerem ausgesetzt gewesen.
Einzelne
Korrespondenten
wurden
mit Strafverfolgung
und Gefängnisstrafen aufgrund erfundener Beschuldigungen bedroht, auf der Straße angepöbelt, Opfer von primitiven Akten
des Vandalismus, die klar von den Behörden
inszeniert
waren,
wurden
scharf in der Presse wegen tendenziöser
Berichterstattung
angegriffen
oder zum Ziel von Fallen.ausgewählt.
Mit einem Wort, sie werden enorm unter Druck gesetzt, um sich dem Gesetz
und den zwängen zu beugen, die von
den Behörden geschaffen werden, damit
sie ihren Posten aufgeben und nach
Hause zurückkehren.
Zwei amerikanische Korrespondenten, denen eine solche Behandlung zuteil wurde, Andrew Nagorski von Newsweek und Anne Garreis von der American Broadcasting Corporation, waren
hier in Wien, um über den Beginn unserer Konferenz zu berichten. im August 1982, während des Madrider Treffens, wurde Nagorski aus der Sowjetunion ausgewiesen, weil seine Berichterstattung nicht nach dem Geschmack
der
sowjetischen
Behörden
war.
Später beschrieb Nagorski das
Umfeld, in dem ausländische Korrespondenten in der UdSSR leben müssen,
als psychologische Kriegführung.
Anne Garreis, die von 1979 bis
1982 in Moskau arbeitete, beschrieb
ihre "psychologischen Qualen", denen
sie ausgesetzt war, als man gegen sie
wegen Totschlages ermittelte, nachdem
sie mit dem Auto einen Fußgänger
überfahren hatte.
In einem Artikel
für die New York Times mit der Überschrift "Ich war ein Opfer" schrieb
Garreis:
"Schließlich wurde ich von
jedem Verbrechen entlastet und bald
darauf ausgewiesen. In der Zwischen-

zeit jedoch befand ich mich mitten in
einer politischen Wildnis ohne Gesetze, das Opfer von Hinweisen und versteckten Andeutungen....
Der Druck
in Moskau wurde durch Warnungen in
Washington noch verstärkt, wo sowjetische Diplomaten drohten, die Zukunft
des ABC-Studios in Moskau sei gefährdet, wenn ABC mich nicht zurückbeordere. Ganz einfache Erpressung."
Ein weiterer Fall, der einen amerikanischen Journalisten betraf, ereignete sich in Zusammenhang mit dem
10. Jahrestag der Unterzeichnung der
Schlußakte in Helsinki. Der Reporter
des Christian Science Monitor, Gary
Thatcher, wurde von Grenzbeamten in
Leningrad mehrere Stunden lang festgehalten, als er sich auf dem Rückweg
z\i
seinem Moskauer Posten befand,
nachdem er über das Treffen aus Anlaß
des Jahrestags berichtet hatte. Seine Aufzeichnungen und andere Materialien, einschließlich einer Kopie der
Schlußakte,
wurden
beschlagnahmt.
Schließlich hatten wir kürzlich den
Fall Nicholas Daniloff, dessen Behandlung durch die sowjetischen Behörden nur das letzte Beispiel der
sowjetischen Nichtbeachtung ihrer in
Helsinki eingegangenen Versprechungen
in bezug auf Journalisten darstellt.
Bevor ich dieses Thema verlasse,
möchte ich noch erklären, daß meine
Delegation mit Interesse den Versuch
des ehrenwerten sowjetischen Vertreters vom Mittwoch zur Kenntnis genommen hat, die sowjetische Behandlung
ausländischer Journalisten zu verteidigen.
Er teilte uns mit, die sowjetischen Behörden hätten es dem aus
400 Mitgliedern bestehenden Corps der
ausländischen Journalisten im vergangenen Jahr gestattet, 857 Einzelreisen in der Sowjetunion zu unternehmen.
Als unser britischer Kollege
darauf hinwies, daß dies nicht sehr
viele Reisen seien, versuchte er sich

o

�darauf zurückzuziehen, daß nur für
gewisse Reisen eine Erlaubnis notwendig sei.

«

*

Nun, der ehrenwerte sowjetische
Vertreter hat ganz recht.
Eine Erlaubnis wird nur für gewisse Reisen
in der Sowjetunion benötigt.
Dies
sind Reisen außerhalb eines 25-Meilen-Radius um den Kreml.
Wenn ein
Journalist
diesen
25-Meilen-Radius
verlassen möchte, muß er den zuständigen sowjetischen Behörden eine Anfrage unterbreiten. Wenn wir unserem
sowjetischen Kollegen glauben sollen,
dann wurden voriges Jahr nur 857 solcher Reisen gestattet, was nur etwas
über zwei Reisen pro Journalist bedeutet. Dies ist für uns ein Beweis
der restriktiven sowjetischen Politik
in bezug auf Journalisten, die mit
der Schlußakte unvereinbar ist.
Ich sollte darauf hinweisen, daß
auch
meine
Regierung
sowjetischen
Journalisten Reisebeschränkungen auferlegt. Diese Reisekontrollen wurden
aus einem einzigen Grunde und nur aus
diesem Grund eingeführt.
Sie waren
eine Reaktion auf sowjetische Handlungen.
Die sowjetischen Behörden
führten solche Kontrollen ein und wir
haben uns dafür revanchiert.

i

0

Nur noch ein Wort zu den Bemerkungen unseres sowjetischen Kollegen
vom Mittwoch.
Lassen Sie mich dem
ehrenwerten
sowjetischen
Vertreter
versichern,
daß
westliche Journalisten,
anstatt
in
organisierten
Gruppenbesuchen zusammengefaßt, mehr
als glücklich wären, die Rechnung für
Einzelreisen in das sowjetische Hinterland zu bezahlen. Dies würde ein
kleiner Preis für etwas sein, was sie
heute definitiv nicht besitzen - echten Zugang zur Sowjetunion und ihrer
Bevölkerung.
Nachdem

ich einige schwerwiegende

Punkte in diesem Bereich erwähnt habe, möchte ich nun auf einige hoffnungsvolle Schritte beim Medienzugang
und kooperativen Austausch zu sprechen kommen.
Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Bildung, Kultur und
anderen, das 1985 im Rahmen des Genfer Gipfels unterzeichnet wurde, bezog sich speziell auf die Schlußakte
und
beinhaltete Verpflichtungen
in
bezug auf Information in Bild und
Ton, gedruckte Informationen
sowie
verlegerische und kooperative Bemühungen wie etwa Austausch und Treffen
von Journalisten, Herausgebern und
Verlegern.
Seit 1982 haben es die
Fortschritte in der Kommunikationstechnik Teilnehmern in Ost und West
ermöglicht, sich an Live-Diskussionen
über Satellit
zu beteiligen.
Unlängst haben sich selbst sowjetische
Beamte der sowjetischen und ausländischen Presse
zugänglicher gezeigt,
indem sie über frühere Tabu-Themen in
einer Weise gesprochen haben, wie man
sich das noch vor ein paar Jahren
nicht vorstellen konnte.
Beiderseitige Fortschritte im Bereich der Information waren auch die
in den letzten Jahren unternommenen
Initiativen
im
Privatsektor.
Zum
Beispiel haben sich die New England
Society of Newspaper Editors und die
American Society of Newspaper Editors
an gegenseitigen Austauschprogrammen
mit sowjetischen Medienvertretern beteiligt.
Das Chatauqua-Treffen von
Jurmala in Lettland im vergangenen
September, das als "eine Reise in offener Diplomatie" firmierte, war das
erste Mal, daß unzensierte Diskussion
und Meinungsaustausch zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen Vertretern vor einer großen

�sowjetischen Zuhörerschaft stattfand.
Nach Angaben des Teilnehmers John
Wallach, früherer Chefredakteur für
Auslandsnachrichten bei der Zeitungsgruppe Hearst, erhielten zum ersten
Mal amerikanische Vertreter "gleich
viel Zeit im sowjetischen Fernsehen,
auch wenn die Berichterstattung nicht
ganz so objektiv war, wie einige unter den Amerikanern es sich gewünscht
hätten."
Leider muß aber auch daran
erinnert werden, daß Chatauqua in einer Atmosphäre ausgeklügelter Polizeimaßnahmen vor und nach dem Treffen
stattfand, um unerwünschte Kontakte
zwischen
amerikanischen
Teilnehmern
und gewöhnlichen Bürgern zu reduzieren.
Nach Berichten war dies Teil
einer
ausgefeilten
List
nach
dem
Muster der Potemkinschen Dörfer, um
die Amerikaner zu täuschen.
In Osteuropa gibt es positive wie
negative Erfahrungen.
Schon andere
Delegationen stellten fest, daß die
Verweigerung von Einreisevisen, Verwehrung oder Verzögerung von Akkreditierung
in vielen der Länder des
Ostens nur allzu oft vorkommen. Auch
hier findet sich die gleiche restriktive Haltung bei Erstellung und Vermittlung von Information.
Die sowjetische wie auch die rumänische Regierung haben sogar Gesetze verabschiedet, die dem Zweck dienen, den
Zugang von Ausländern zu inoffiziellen privaten Quellen im eigenem Land
noch weiter einzuschränken, während
Bulgarien, die Tschechoslowakei und
die DDR nur mit den bestehenden Praktiken der Behinderung solcher Kontakte fortfahren.
Die
DDR
gewährt
ausländischen
Journalisten
korrekte
Behandlung.
Allerdings wird deren Möglichkeit,
über Ereignisse zu berichten, durch nicht immer angewandte - Gesetze eingeschränkt, die dazu dienen, freies
nmherreisen ohne vorherige Genehmi-

gung, Termine ohne offizielle Erlaubnis oder den Empfang gedruckter Informationen einzugrenzen.
Die Arbeitsbedingungen für Journalisten in der Tschechoslowakei sind
nicht so gefährlich wie andernorts,
aber der Zugang zu offiziellen Stellen und zu Informationen, die des Berichtens wert sind, ist scharf begrenzt. Noch immer ist es für ausländische
Journalisten
schwierig,
persönliche Kontakte und Kommunikation mit ihren Quellen herzustellen
und aufrechtzuerhalten.
In den Jahren nach Madrid wurde zwar kein amerikanischer
Journalist
augewiesen,
aber ein VOA-Korrespondent wurde während des Begräbnisses von Nobelpreisträger Jaroslaw Seifert
im Januar
1986 zwei Stunden lang festgehalten
und der Film eines weiteren Korrespondenten
beschlagnahmt.
Heute
schließt sich jedoch meine Delegation
den anderen an und begrüßt die gestrige Erklärung des verehrten Vertreters der Tschechoslowakei, daß von
Januar an ein Jahr lang gültige Visa
für Journalisten gewährt werden.
Die Arbeitsbedingungen für Korrespondenten in Bulgarien sind noch
immer unzureichend und Journalisten
werden auch weiterhin
eingeschüchtert. Dennoch wurde ein VOA-Korrespondent akkreditiert, auch wenn er
nicht ständig im Lande leben wird.
Theoretisch sind alle Landesteile für
Journalisten
zugänglich, auch wenn
dem in der Praxis nicht so ist. Es
wurden jedoch Journalisten, die Informationen zu veröffentlichen suchten, die der Regierung unangenehm waren, verhaftet oder ihr Visum aufgehoben. Die Verweigerung eines Visums
ist nicht selten in Fällen, in denen
die Berichterstattung eines Journalisten als peinlich angesehen wird.
Erst vergangenen Freitag wurde einem
amerikanischen
Journalisten,
Thomas

�Goltz von Readers Digest, ein Visum
für
Bulgarien
verwehrt.
Goltz
schreibt einen Artikel über die türkische Minderheit. Man erklärte ihm,
bis zum nächsten Jahr dürfe kein ausländischer Journalist ins Land kommen. Gleichzeitig begrüßen wir aber
einige kleine Schritte, die Bulgarien
ergriffen hat - wie etwa die jüngste
Veröffentlichung
von
unredigierten
Erklärungen Präsident Reagans und anderer
amerikanischer
Regierungsvertreter.
Westliche Journalisten
beklagen
sich immer wieder über bürokratische
Frustration,
Verschleierung
und
Falschdarstellung in Rumänien.
Alle
ankommenden
ausländischen
Journalisten werden routinemäßig mit einer
Erklärung der nationalen Presseagentur Rumäniens, Agerpress, über die
Notwendigkeit objektiverer Berichterstattung vertraut gemacht.
Während
die einen nur geringe Schwierigkeiten
beim Erhalt ihres Einreisevisums haben, werden andere Journalisten aufgefordert, Exemplare früherer Berichte vorzulegen und müssen mitunter
lange auf ihr Visum warten. 1985 erfuhr der Vertreter einer der größten
amerikanischen Tageszeitungen von den
rumänischen Behörden, er sei aufgrund
"antirumänischer"
Berichterstattung
persona non grata. Positiv zu vermerken ist die Tatsache, daß Rumänien
während des Besuchs von Außenminister
Shultz im Dezember 1985 ein Heer von
ausländischen Pressevertretern zuließ
und bei einer schon lange geltenden
Regel eine Ausnahme machte, indem sie
einem Korrespondenten von Radio Freies Europa ein Visum ausstellte.
In Polen haben sich die Bedingungen für Journalisten seit den ersten
Jahren nach der Ausrufung des Kriegsrechts, als westliche und vor allem
amerikanische Journalisten bei ihrem
Bemühen um Berichterstattung über die

öffentlichen Demonstrationen und andere Schritte der Opposition, in heftigen
Pressekampagnen
angegriffen,
verhaftet und bedroht wurden, verbessert. Seit 1983, als UPI-Korrespondentin Ruth Gruber 23 Stunden lang in
Einzelhaft gehalten wurde, gab es
keine Ausweisung mehr. Amerikanische
Journalisten
berichten
selten
von
Schwierigkeiten beim Zugang zu wichtigen Quellen und stellen Polen in
dieser Hinsicht in der Liste der osteuropäischen Länder ganz oben.
Allerdings hat die polnische Regierung
sich wiederholt geweigert, dem Wiener
VOA-Korrespondenten ein Visum auszustellen.
Amerikanische Journalisten kommen
oft nach Ungarn und erhalten ohne
Schwierigkeiten ein Visum.
Ausländische Journalisten, die persönliche
Kontakte und Kommunikation mit offiziellen
und
inoffiziellen
Quellen
aufbauen und aufrechterhalten wollen,
haben selten Schwierigkeiten.
Während des Budapester KSZE-Kulturforums
von 1985 wurde über die Parallelkonferenz der Internationalen Helsinkiföderation in großem Umfang in der
westlichen Presse - einschließlich
von VOA- und
RFE-Korrespondenten
berichtet, ohne daß Eingriffe erfolgten, obwohl das Treffen nicht an einem
öffentlichen Platz
stattfinden
durfte.
Insgesamt gesehen ist das Bild
des Informationsaustauschs in der Sowjetunion und Osteuropa - im Vergleich zu den Praktiken im Westen
oder gemessen an unseren Verpflichtungen aus der Schlußakte von Helsinki - noch immer nicht gerade leuchtend.
Zensur ist weit verbreitet,
Strafen sind noch immer hoch für jene
Bürger, die unerlaubt Kontakte zu
Ausländern aufnehmen oder Inoffizielles
veröffentlichen.
Nicht
ohne
Grund sprechen Journalisten bei ihren

- 5 -

�Reisen davon, aus der UdSSR und aus
Osteuropa
"herauszukommen",
während
man von Prankreich, Italien oder einem
anderen
westeuropäischen
Land
einfach "kommt".
Grund hierfür ist
die Tatsache, daß die östlichen Gesellschaften grundsätzlich noch immer
geschlossene
Gesellschaften
sind,
während die westlichen Gesellschaften
grundsätzlich offen sind. Verbesserungen, die es gegeben hat, sind
meist zu selten, als daß man sie
schon an und für sich als wichtige
Neuigkeiten
betrachten
könnte.
An
diesem Tag und in dieser Zeit ist es
sowohl bemerkenswert, als auch traurig, daß die Menschen in der einen
Hälfte Europas eher Genaueres über
das tägliche Leben und die Ereignisse
in Asien, Afrika und Südamerika erfahren, als sie wissen können, was in
der anderen Hälfte Europas nur ein
paar Kilometer weiter östlich vorgeht.

* * * * *

6

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

10. Dezember 1986

42

OZONSCHICHT - SCHÜTZSCHILD FÜR DAS LEBEN
- USA dringen auf weltweite Vorsorgemaßnahmen Emission schädlicher Stoffe soll verringert werden

GENF/WASHINGTON - (AD) - "Eine
baldige und konzertierte Aktion" auf
internationaler Ebene, mit der einer
weiteren Schädigung, d.h. Verdünnung
der Ozonschicht in der Erdatmosphäre
weltweit entgegengewirkt werden soll,
forderte Botschafter Richard Benedick
aus den Vereinigten Staaten. Auf der
UN-Konferenz
für
Umweltprogramme
(UNEP), die in Genf am 1. Dezember
1986 begann, schlug der amerikanische
Chefedelegierte vor, die Verwendung
bestimmter
Substnzen,
insbesondere
von
Fluorchlorkohlenwasserstoffen,
baldmöglichst auf dem gegenwärtigen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Stand einzufrieren und künftig immer
weiter zu vermindern. Längerfristig,
in etwa 15 Jahren, sollten die Emissionen 95 Prozent unter denen von
heute liegen. Die Chemikalien dürften dann nur noch dort verwendet werden, wo der Markt keine geeigneten
Ersatzstoffe verfügbar machen könne.
über eine "Rahmenkonvention" zum
Schutz der Ozonschicht hatten sich 24
Länder, dazu die Europäische Gemeinschaft und zwei Sowjetrepubliken, bereits im März 1985 in Wien geeinigt.
Auf der Dezember-Konferenz von UNEP

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�mit 40 Teilnehmerstaaten und einer
für Februar 1987 vorgesehenen nächsten Tagung geht es darum, ein wirksameres Sicherheitssystem zu schaffen. Die Regierungen müßten "kluge
Schritte unternehmen, um gegenwärtig
und spätere Generationen" vor einer
Schädigung der Ozonschicht samt den
ökologischen
Auswirkungen
solcher
Prozesse
in der Stratosphäre zu
schützen, sagte Benedick.
Der von
den USA vorgelegte Plan sei darauf
abgestellt, Fortschritte zur Verringerung der Emission ozongefährdender
Substanzen regelmäßig zu überprüfen.
Das gelte ebenso für die Termine von
Aktionsplänen und die Einbeziehung
oder Herausnahme von Chemikalien aus
der Liste der als schädlich angesehenen Stoffe.
Die Basis für entsprechende Entscheidungen
sollten
neue
wissenschaftliche Erkenntnisse und wirtschaftliche Faktoren abgeben.
Die
Forschung über die Prozesse, die zu
Ozonabbau führen, müsse auf jeden
Fall weitergehen. Ein solches Vorgehen würde auch der industriellen Planung helfen, um die Kosten der allmählichen Umstellung auf andere Chemikalien auf einem Minimum zu halten
und der Wirtschaft Zeit für die notwendige Anpassung einzuräumen.
Pluorchlorkohlenwasserstoffe
(in
den USA übliche Abkürzung: CFC) werden in ursächlichen Zusammenhang mit
der immer deutlicher erkennbaren negativen Bilanz für die Menge der
Ozonmoleküle gebracht, die in Höhen
zwischen 10 und 50 km in der Stratosphäre angereichert sind. Diese Moleküle aus dreiatomigem Sauerstoff
entstehen unter der Einwirkung der
energiereichen
Ultraviolettstrahlung
von der Sonne, werden allerdings
durch sie auch wieder aufgespalten.
Aber weltweit gesehen steht der natürliche Prozeß des Auf- und Abbaues

von Ozon in der Stratosphäre im
Gleichgewicht, auch wenn je nach Jahreszeit und geographischer Breite Unterschiede in der Ozondichte auftreten.
Die Erhaltung der Ozonschicht ist
wichtig für alles Leben auf der Erde.
Denn sie absorbiert normalerweise
mehr als 99 Prozent der einfallenden
UV-strahlung und erfüllt so die Funktion eines Schutzschildes. Wird sie
geschwächt, dringt mehr ultraviolettes Licht in die tieferen Luftschichten und zur Erdoberfläche vor. Das
bedeutet zusätzliche gesundheitliche
Gefahren - z.B. würde die Häufigkeit
von Hautkrebs und grauem Star ansteigen. Das pflanzliche und tierische
Leben würde beeinträchtigt. Die Folgen wären u.a. niedrigere Ernteerträge und
geringere Ausbeuten beim
Fischfang. Peter Usher, der dem Wissenschaftlerstab von UNEP angehört,
berichtete auf einer Pressekonferenz
in Genf, daß bei einem Rückgang der
Ozondichte um nur ein Prozent mit einer verstärkten Durchlässigkeit für
ultraviolette Strahlung um zwei Prozent zu rechnen sei. Und das wiederum könne sechs Prozent mehr Fälle von
Hautkrebs bedeuten.
Anfang der siebziger Jahre hatten
die beiden amerikanischen Wissenschaftler Rowland und Molina (Kalifornien) die Hypothese aufgestellt,
daß für Ozonabbau neben atmosphärischen Spurengasen natürlicher Herkunft, etwa aus Vulkanausbrüchen, sowie verstärkter Sonnenaktivität auch
Partikel von Abgasen hoch fliegender
Flugzeuge und von Stickstoffdünger,
ganz massiv aber die Fluorchlorkohlenwasserstoffe verantwortlich zu machen seien. Die Anwendung der letztgenannten Substanzen als Treibgas in
Spuhflaschen, als Kühlmittel oder zur
Produktion von Schaum- und Isolierstoffen hatte sich geradezu explo-

�sionsartig ausgeweitet, da sie für
den Menschen im direkten Umgang nicht
giftig sind, sie waren zu einem ganz
wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.
über die Richtigkeit der Hypothese von Rowland und Molina wird noch
immer gestritten, denn der wissenschaftliche Beweis ist schwer zu führen. Messungen der Ozondichte in den
letzten zehn Jahren - um den gesamten
Erdball mittels Satelliten, lokal und
regional mittels Sonden - machen jedoch eine Verdünnung deutlich.
Ein
besonders krasses Beispiel ist das
"Ozonloch" über der Antarktis.
Es
tritt von Mitte September bis Mitte
Oktober auf, wenn für die südhalbkugel der Frühling beginnt. Von Satelliten seit 1978 regelmäßig beobachtet, ist es bis 1985 jedes Jahr größer geworden.
Im August 1986 wurde
unter
der Leitung
von Dr. Susan
Solomon (Boulder, Colorado) eine Expedition amerikanischer Wissenschaftler in die Antarktis entsandt, um von
verschiedenen Bodenstationen aus Messungen vorzunehmen.
Erste Ergebnisse, Ende Oktober übermittelt, besagen, daß sich dieses Mal die Ozonkonzentration in einem Bereich, der fast
der Größe Nordamerikas entspricht,
sogar um ca. 40 Prozent verringert
habe. Und dies innerhalb von nur 20
bis 30 Tagen, vor allem in Höhen zwischen 11 500 und 20 000 Metern.
Einen weiteren, jedoch nur ein
Drittel so großen Bereich verdünnten
Ozons, glaubt der NASA-Wissenschaftler Don Heath in der Arktis über
Spitzbergen
ausgemacht
zu
haben.
Seinen seit sechs Jahraen vorgenommenen Messungen zufolge nimmt dort die
Ozondichte jährlich um 1,5 Prozent
ab.
Das entspreche, so Heath, dem
Abbaumodell, wie es für CFC-Verbindungen erstellt wurde.
Immer mehr
neigen Forscher zu der Ansicht, daß
eine Vielfalt von Faktoren zusammen-

wirken - in erster Linie äußerst komplexe und auch ungewöhnliche chemische Reaktionen von Gasen in der hohen Atmosphäre, dazu Sonnenaktivität,
Luftströmungen,
Aufblähen
und
Schrumpfen der Lufthülle, großräumige
Verfrachtung von Luftmassen. Mit Modellen wird versucht, die inzwischen
bekannt gewordenen Phänomene zu erklären.
Zu diesen zählt auch das
Schrumpfen
der
schützenden
Ozonschicht in den Wintermonaten über den
dichtbesiedelten Gebieten der Nordhalbkugel,
was
Forscher
der
ETH
Zürich in langjährigen Untersuchungen
herausfanden. Auch die tatsächlichen
Auswirkungen
der wachsenden
Mengen
von Fremdstoffen auf die Ozonschicht,
die durch menschliche Aktivitäten in
die Atmosphäre eingebracht werden,
hofft man so besser untersuchen zu
können.
Seit kurzem wird vermutet, daß
nicht nur Fluor und Chlor aus CFCChemikalien wie Freon 11 und 12 oder
CFC-113, sondern auch Bromverbindungen aus Feuerlöschschaum am Ozonabbau
beteiligt sind - und dies in noch
viel stärkerem Ausmaß als bei den
erstgenannten
Stoffen.
Chemikalien
mit Elementen aus der Gruppe der sog.
Halogene und gewisse andere Substanzen bereiten, wie kürzlich der stellvertretende Administrator der US-Umweltschutzbehörde EPA, Bill Long, in
einem Interview mit USIA (US-Informationsamt),
erklärte,
wegen
ihrer
Langlebigkeit große Sorgen. Sind sie
erst einmal in die höhere Atmosphäre
vorgedrungen, könnten manche von ihnen bis zu 150 Jahre an der Zerstörung des Ozons mitwirken, bis sie
schließlich anderweitig gebunden werden.

Vorsorge, die jeden angeht

- 3 -

Ungeachtet aller noch vorhandenen

�Unsicherheiten hinsichtlich der Wirkungssweise von CFC-Verbindungen sei
jedoch Vorsorge ein ganz dringendes
Gebot, so Long. Deshalb wurde in den
Vereinigten Staaten die Verwendung
von CFC-haltigen Treibgasen bei nicht
lebensnotwendigen
Aerosolen
schon
1978 verboten. Kanada und die skandinavischen Länder folgten dem amerikanischen Beispiel.
Die Europäische
Gemeinschaft
dagegen
befürwortete
1985 nur die Einführung einer allgemeinen Höchstgrenze.
Diese ist noch
nicht erreicht und erlaubt ein weiteres Produktions- bzw. Emissionswachstum um 50 Prozent.
Wieder andere
Vorstellungen äußerten die Japaner.
(Derzeit
gelangen
jährlich
ca.
700 000 Tonnen CFC-haltiger Stoffe in
die Atmosphäre.) In Kreisen der amerikanischen Industrie sei man, wie
Long erwähnte, der Ansicht, daß die
Emissionen weltweit gesehen um 50
Prozent gesenkt würden, wenn sich
auch die europäischen Länder und Japan bereit fänden, Fluorchlorkohlenwasserstoffe in Aerosolen durch andere Stoffe zu ersetzen.
Die Bereitschaft zur Kooperation sei, so Long,
heute unter den Teilnehmerländer jedenfalls wesentlich größer als vor
eineinhalb Jahren. Man könne darauf
hoffen, daß ein weiterer sinnvoller
Schritt in Richtung auf ein ökologisches Sicherheitssystem getan werde.
Für die Vereinigten Staaten ist
jetzt das wichtigste Ziel die weltweite Eindämmung des Wachstums chemischer Emissionen, obgleich es noch
keine endgültige Antwort auf die Frage gibt, ob das "atmosphärische System*
solche Emissionen
verkraften
kann oder nicht. "Wir möchten Alternativen entwickelt sehen", sagte EPAChef Lee Thomas in Genf, "und für eine Ausschaltung solcher Chemikalien
sorgen, die die Ozonschicht unbrauchbar machen könnten". Der Prozeß der
Entwicklung von Alternativen für CFC-

Verbindungen sei in den USA seit geraumer Zeit in Gang.
In drei bis
fünf Jahren sei zumindest ein neuer
chemischer Stoff auf dem Markt verfügbar, vielleicht könnten auch bereits
zwei
Ersatzstoffe
angeboten
werden.
Long unterstrich, daß es für alle
Volkswirtschaften schwierig sei, die
CFC-Verbindungen - mit Ausnahme ganz
weniger unverzichtbarer Stoffe - allmählich aus dem Markt zu nehmen.
Auch werfe das UNEP-Vorhaben Handelsprobleme
zwischen
Teilnehmerländern
und solchen Staaten auf, die sich
UNEP noch nicht angeschlossen haben.
Auch hier müßten Wege zur Lösung gefunden werden. Die amerikanische Industrie unterstütze
die Bemühungen
der amerikanischen Regierung um internationale
Vorsorgemaßnahmen
zum
Schutz der Ozonschicht - trotz der
noch bestehenden Ungewißheiten seitens der Forschung.
(übrigens nahm
auch eine Gruppe von Wissenschaftlern
aus
Industrielaboratorien
an
der
jüngsten Antarktisexpedition teil.)
Sie sei bereit, mit aller Energie an
Ersatzstoffen
zu
arbeiten.
Industriegiganten wie Du Pont und die
"Chlorofluorocarbon
Alliance", eine
große Gruppe von Produzenten und Anwendern, hätten bereits Schritte zur
Begrenzung
des ständigen Wachstums
von CFC-Emissionen zugestimmt, hielten aber die Forderung, Produktion
und Anwendung solcher Stoffe nach und
nach ganz einzustellen, für verfrüht.
Jedenfalls wolle und dürfe die Industrie angesichts ihrer eigenen Anstrengungen
nicht
allein
gelassen
werden. sie müsse der Kooperationsbereitschaft der anderen Länder, auch
im Hinblick auf den Erlaß von Einschränkungsmaßnahmen, sicher sein.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 10.12.1986</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans neuer Sicherheitsberater&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weiterhin feste Haltung der Vereinigten Staaten gegen Terrorismus&lt;br /&gt;- Shultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuss -&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wiese rügt sowjetische Beschränkungen für die Presse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Austausch von Informationen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht - Schutzschild für das Leben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US dringen auf weltweite Vorsorgemaßnahmen - Emission schädlicher Stoffe soll verringert werden -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

7 . J a n u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Mai bis Dezember 1986 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Aufgezwungenes Risiko
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

Themenindex AMERIKA DIENST (1986)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION &amp;

7. Januar L987

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Mai bis Dezember 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend finden Sie eine Chronologie der Ereignisse
im Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte der Sowjetunion; abgedeckt ist dabei der Zeitraum vom Mai bis Mitte Dezember 1986.

8. Mai
Generalmajor Najibullah, der am
4. Mai Babrak Karmal in der politischen Führung Afghanistans abgelöst
hatte, hält erste Treffen mit den militärischen
und
regierungsamtlichen
Spitzen des Landes ab. Radio Kabul
berichtet von seinem Versprechen, die
Beziehungen zur Sowjetunion noch weiter zu stärken.
Najibullah trifft sich auch mit
etwa 400 Stammesältesten der Paschtun-Stämme aus den Grenzregionen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Landes und sichert ihnen zu, daß die
farsisprachigen
Volksgruppen
der
nördlichen Gebiete "wie Brüder" behandelt würden.
Diplomatischen
Quellen
zufolge
kommt es bei Studentendemonstrationen
für Babrak Karmal und gegen Najibullah und die Sowjetunion zu Zusammenstößen mit der Polizei.

9. Mai
Vier

afghanische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Kampfflugzeuge

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�verletzen pakistanischen Luftraum und
zerstörten, wie Radio Pakistan meldete, den Militärposten Kotri in der
Kurrum-Region mit zwei Bomben.
Mujahedin greifen mit raketengetriebenen Granaten und rückstoßfreien
Gewehren
eine
kleine
Panzereinheit
der Sowjets in der Nähe des LalandarTals südwestlich des Kabuler Stadtteils Darulaman an. Drei Panzer werden in Brand gesetzt und zwei Sowjets
in Zivil gefangengenommen.
Zwei Mujahedin werden getötet, vier weitere
verwundet.

10. Mai
Mujahedin
beschießen
die Stadt
Jalalabad mit Raketen, töten dabei
sechs sowjetische Soldaten und zerstören vier Hubschrauber. Den Aussagen der Mujahedin zufolge wurden auch
eine Radarstation sowie drei Panzer
zerstört.

Radio Kabul meldet, daß "kürzlich" 1800 bewaffnete "Rebellen" der
Mujahedin-Gruppierungen
Harakat-eInquilab-e-Islami und Nejat-e-Milli,
einschließlich ihrer Führer Kamaluddin, Hadschi Abdul Raschid und Mullah
Azim, in der Provinz Farjab übergelaufen seien.

13. Mai
Afghanische Artillerie beschießt
das Marktgebiet von Teri Mangal in
der pakistanischen Kurrum-Provinz, wo
14 Menschen umkommen und weitere 20
verwundet werden. Unter den Getöteten sind 13 afghanische Flüchtlinge
und ein Pakistani.

14. Mai
Afghanische
Flugzeuge
greifen
T e r i Mangal e r n e u t an und t ö t e n w i e der zwei Menschen.
Ferner z e r s t ö r e n
d r e i a f g h a n i s c h e Flugzeuge den Grenzposten Bala Hissar im P a r a s c h i n a r - G e b i e t , doch s o l l es d o r t keine Toten
gegeben haben.
Die neuen Angriffe f a l l e n mit dem
E i n t r e f f e n von Truppen zusammen, d i e
von Gardez in das J a j i - G e b i e t v e r l e g t
wurden, wo dann auch d i e Angriffe a n d a u e r t e n , d i e v i e l l e i c h t das V o r s p i e l
einer
neuen
sowjetisch-afghanischen
Offensive in diesem Gebiet s e i n könnten.
B e r i c h t e n zufolge nahmen Mujahedin a c h t S i c h e r h e i t s p o s t e n
gefangen,
nachdem s i e das B a t a i l l o n s h a u p t q u a r tier
der
sowjetisch-afghanischen
S t r e i t k r ä f t e in der Takhar-Provinz in
Nordafghanistan a n g e g r i f f e n h a t t e n .
Zwei führende
Mujahedin-Befehlshaber der P a k t i a - P r o v i n z werden durch
sowjetisch-afghanische
Truppen
im
J a j i - G e b i e t g e t ö t e t : Shams a l - D i n und
Abdul Hayee waren enge
Mitarbeiter
von P r o f e s s o r Abdur Rasool Siyyaf von
der i s l a m i s c h e n E i n h e i t der Afghanischen Mujahedin.

15. Mai
Najibullah
trifft
mit usbekischen,
turkmenischen
und
anderen
Stammesführern aus dem nördlichen Afghanistan zusammen.
Radio Kabul zufolge erklärte er, daß usbekisch- und
turkmenischsprachige Schulen errichtet worden seien, um das Analphabetentum zu bekämpfen.

17. Mai

�Ein sowjetisch-afghanisches Flugzeug, ein wahrscheinlich von einem
Sowjet gesteuerter Typ SU-22, wird
von einer pakistanischen F-16 abgeschossen, nachdem es 20 Meilen in pakistanischen
Luftraum
eingedrungen
war.
Eine weitere SU-22 wurde getroffen und ging wahrscheinlich auf
afghanischem Gebiet westlich von Parachinar nieder. Dies ist der erste
offizielle Bericht vom Abschuß eines
sowjetisch-afghanischen Flugzeugs in
Pakistan.
Berichten
zufolge schössen afghanische Mujahedin in der PaktiaProvinz
drei
sowjetisch-afghanische
Flugzeuge ab, ein weiteres in der
Takhar-Provinz. In der Farah-Provinz
wurden eben diesen Berichten zufolge
auch
33 Mitglieder
der Kommunistischen Partei Afghanistans getötet.

Die siebente Runde der indirekten
und von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche zwischen Pakistan
und dem Kabuler Regime werden in Genf
wiederaufgenommen. Beide Seiten kommen überein, angesichts des nur geringen Fortschritts der ersten beiden
Wochen die Gespräche noch um eine
Woche zu verlängern.

23. Mai
Ein hochrangiges Mitglied der afghanischen Geheimpolizei (KHAD), Berichten zufolge ein stellvertretender
Minister namens Nabi Mohammed, wird
in der Nähe von Kandahar getötet, als
sein Geländewagen auf eine von den
Mujahedin
gelegte
Mine
auffährt.
Drei der vier ihn begleitenden Geheimdienstbeamte werden ebenfalls getötet.

18. Mai
24. Mai

Mujahedin g r e i f e n zwei M i l i t ä r posten in der Parwan-Provinz a n , t ö ten acht afghanische und einen s o wjetischen
Soldaten
und
zerstören
vier M i l i t ä r f a h r z e u g e .

In Genf geht eine weitere Etappe
der siebenten Runde der von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche über Afghanistan zu Ende, die nun
am 30. Juli wieder aufgenommen werden
soll.

19. Mai
Berichten zufolge lockten Mujahedin in der Nähe von Kabul einen Bus
mit Mitgliedern der Kommunistischen
Partei Afghanistans in einen Hinterhalt und töteten 30 von ihnen.

21. Mai
Mujahedin von Gulbaddins Hisb-eIslami-Gruppierung
greifen
tagsüber
einen afghanischen Posten in der Nähe
von Ghazni an und töten alle zehn Bewacher .

25 Mai
Mujahedin überfallen einen großen
sowjetischen Militärkonvoi in der Nähe von Maidanshahr in der Provinz
Wardak.
Im Verlauf des sechsstündigen Gefechts wurden Berichten zufolge
18 Militärfahrzeuge zerstört oder zurückgelassen.
Die Mujahedin konnten
den Angriff durchführen, da es zu
keiner Luftunterstützung kam.
Doch
kamen am darauffolgenden Tag sowjetisch-afghanische Hubschrauber in das
Gebiet zurück und bombardierten Dör-

- 3 -

�fer in der Nähe.
Mujahedin g r e i f e n auf dem Flughafen von J a l a l a b a d
sowjetisch-afghanische Truppen an; dabei werden zwei
Hubschrauber z e r s t ö r t , d r e i w e i t e r e
beschädigt.
Berichten zufolge wurden
auch a c h t Soldaten g e t ö t e t .

geschlagen, dabei elf Soldaten getötet und eine große Menge Waffen und
Munition erbeutet.
Berichten zufolge legten Mujahedin Minen in einem Hotel in Ghazni;
vier Menschen wurden getötet, drei
verletzt.

26. Mai

7. Juni

Mujahedin schießen mit einer Rakete einen sowjetischen Hubschrauber
des Typs MI-8 kurz nach dessen Abheben vom Flugplatz Kandahar ab.

27. Mai

In dreitägigen Kämpfen in der Nähe von Sanglok und Maidanshahr in der
Provinz Wardak töten Mujahedin mindestens 47 afghanische Soldaten und
verwundeten weitere 60.
Es heißt,
auch mehrere Hubschrauber seien abgeschossen worden.

Berichten der Mujahedin zufolge
gelang es ihnen, Teile der Provinz
Paktia zu besetzen, nachdem sie dortige
sowjetisch-afghanische
Truppen
zum Rückzug zwangen.

Unter dem Flugabwehrfeuer der Mujahedin stürzen in Kandahar zwei sowjetische MIG-Kampfflugzeuge ab, die
Verstecke der Mujahedin in der Nähe
der Stadt angegriffen hatten.

Mujahedin
überfallen einen sowjetisch-afghanischen
Militärkonvoi
auf der Landstraße in der Nähe von
Qalat in der Provinz Zabol. Ein Reisender berichtete von zwei brennenden
gepanzerten Mannschaftswagen und den
Leichen von sieben oder acht afghanischen Soldaten. Sowjetische Truppen
in Kampfausrüstung kontrollierten den
Verkehr in dem Gebiet.

8. Juni
Berichten zufolge schössen Mujahedin 20 Meilen nördlich von Kabul
ein großes sowjetisches Transportflugzeug vom Typ IL-76 ab, das, wie
es hieß, zwei Panzerwagen mitgeführt
hatte.

12. Juni
28. Mai
Sowjetisch-afghanische
Truppen
beschießen und zerstören viele Gebäude im Marktbereich von Kandahar. Berichten zufolge wurden 40 Zivilisten
getötet; als Zeichen des Protestes
blieben alle Geschäfte der Stadt geschlossen.
Zuvor hatten Mujahedin einen sowjetisch-afghanischen Angriff zurück-

Najibullah besucht ein Rekrutierungszentrum der Armee in Kabul und
drang darauf, die vom Problem der
Fahnenflucht heimgesuchte afghanische
Armee wieder zu stärken.
In einer
Reihe von Reden kommt er immer wieder
auf das Thema der Verbesserung von
Kampfgeist und Erfolg der Armee zu
sprechen.
Mujahedin

greifen

einen

kleinen

�Militärposten der afghanischen Armee
im Westen Kabuls nahe der alten Kandahar-Landstraße an und töten fünf
Regierungssoldaten.

13. Juni
Mujahedin schössen B e r i c h t e n zufolge zwei Hubschrauber ab und z e r s t ö r t e n fünf Panzer; s i e t ö t e t e n 40
sowjetisch-afghanische
Truppenangehör ige und verwundeten 100 w e i t e r e b e i
Angriffen gegen M i l i t ä r p o s t e n in der
Logar-Provinz.

15. Juni
Mujahedin
töten oder
verwunden
über 200 Soldaten und nehmen 40 sowjetisch-afghanische Truppenangehör ige in der Nähe der Stadt Herat gefangen. Außerdem nehmen sie mehr als 30
militärische Stellungen und auch Teile der Stadt ein, wobei 16 Panzer
zerstört werden.

16. Juni
Vier
Anführer
der
Islamischen
Einheit Afghanischer Freiheitskämpfer
aus Peschawar
in Pakistan
treffen
beim ersten offiziellen Besuch einer
Mujahedin-Gruppe in den Vereinigten
Staaten mit Präsident Reagan zusammen.
Professor Burhanuddin Rabbani,
Vorsitzender der Siebenparteien-Allianz, erklärt, Ziel des Besuches sei
die diplomatische Anerkennung durch
die Vereinigten Staaten.
Präsident
Reagan betont, die Vereinigten Staaten unterstützten das Ziel der Mujahedin, Afghanistan wieder die Freiheit zu bringen, und das amerikanische Volk stünde
ihnen in ihrem
Kampf um die Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihres Landes bei. Er
gibt ferner der Hoffnung der Verei- 5

nigten Staaten Ausdruck, durch Verhandlungen könne es zu einem Ende des
Krieges sowie zu einem umfassenden
und raschen Abzug der sowjetischen
Truppen und der Selbstbestimmung für
das afghanische Volk kommen. Auf diplomatische Anerkennung ging er zu
diesem Zeitpunkt nicht ein.

20. Juni
Mujahedin
greifen
das
Gouverneurshaus und das Büro der r e g i e r e n den Kommunistischen P a r t e i in C h a r i k a r , der H a u p t s t a d t der Parwan-Provinz a n ; dabei wurden fünf M i t g l i e d e r
der Wachmannschaft und s i e b e n Angehör i g e der Parcham-Fraktion der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
getötet.

21. Juni
Mujahedin töten in der Nähe der
Stadt Ghazni zehn bis 14 Sowjets.
Einem Reisenden
zufolge wurde die
ganze Umgebung von Ghazni verwüstet,
damit
ein
unbehindertes
Schußfeld
entstand.

23. Juni
In der Nacht schießen Mujahedin
Raketen auf Kabul; dabei werden viele
öffentliche
Gebäude beschädigt und
mindestens 26 Menschen getötet.

24. Juni
Berichten zufolge war aller Handel zwischen Herat und Kabul unterbrochen; dadurch kam praktisch alle
Geschäftstätigkeit zum Stillstand, da
80 Prozent dieses Handels über Kabul
abgewickelt wird, aber nur der Rest
über Iran.
Seit Anfang Juni halten

�Mujahedin einen Großteil der Stadt
besetzt, während die Regierungstruppen nur im Ostteil dominieren.
Berichten zufolge wurden Mujahedin, die in Grenznähe operierten, vom
Iran angewiesen, keinerlei Operationen mehr innerhalb von 60 Kilometern
entlang
der
Grenze
durchzuführen.
Der Iran ließ Berichten zufolge aber
dem Mujahedin-Führer Gulbuddin Hekmatyar wissen, er dürfe wieder auf
iranischem Gebiet eine Basis errichten.

Afghanische Truppen feuern einige
Granaten
und Raketen nördlich von
Landi Kotal in Pakistans Kheiber-Region ab und verwunden einen Soldaten
des Grenzkorps.

2. Juli
Mujahedin töten acht afghanische
Soldaten in einem Angriff auf Verwaltungsgebäude von Kandahar; dabei erbeuten sie auch Waffen und Munition,
die von den Wachmannschaften zurückgelassen wurden.

25. Juni
Berichten zufolge schießen Mujahedin eine
Militärmaschine
ab, in
der
sich 100 afghanische Soldaten
auf dem Weg von Kabul nach Kandahar
befinden.

Najibullah spricht vor der 19.
Vollversammlung
des
Zentralkomitees
der
Demokratischen Volkspartei Afghanistans und legt die Regierungspolitik dar.

11. Juli
26. Juni
Berichten zufolge wurden afganische Truppen entlang dem pakistanischen Grenzgebiet Balutschistan zusammengezogen,
wo
mindestens
vier
Menschen, darunter drei pakistanische
Soldaten, seit dem 24. Juni durch afghanische Artillerie getötet worden
waren.

27. Juni
Mujahedin vereiteln eine sowjetisch-afghanische Großoffensive in der
Nähe von Urgun in der Provinz Paktika. Die kommunistischen Truppen ziehen ab; zurück bleiben mehrere Tote
und zwei zerstörte Militärfahrzeuge.
Die Mujahedin nehmen 19 Regierungssoldaten gefangen.

1. Juli

Mujahedin nehmen zwei sowjetische
Offiziere in ihrem Geländewagen in
der Nähe der Stadt Ghazni gefangen.
Eine Bombenexplosion in einem Hotel im Basar von Teri Mangal in der
Nähe von Parachinar in der pakistanischen Provinz Kurrum tötete neun afghanische Flüchtlinge und verwundet
15
Menschen.
Vermutungen
zufolge
wurde die Bombe von Agenten des afghanisch-kommunistischen
Geheimdienstes gelegt und beschädigte darüber
hinaus rund 40 Geschäfte.

12. Juli
Afghanische
Regierungstruppen
schießen acht Meilen nordwestlich von
Nawagai in Pakistans Bezirk Mohmand
drei Runden Artilleriefeuer und 20
Raketen ab; dabei wird ein Soldat der
Mohmand-Schützen getötet.

�16. Juli
Sechs Soldaten des afghanischen
Regimes werden in Ghazni getötet, als
Mujahedin einen Geländewagen auf eine
Bombe auffahren lassen.

14. Juli
Kabuler Zeitungen berichten von
Sitzungen eines revolutionären Sondertribunals, das einen der wichtigsten Widerstandsführer des PanjsherTals, Ahmad
Schah
Mahsud,
seinen
Stellvertreter
Mohammad
Panah
und
Mullah Malang
(Aka Saleh Mohammad)
"in absentia" zum Tode verurteilte.
Mujahedin dringen in Paghman in
eine Veranstaltung ein und entführen
vier afghanische Soldaten.
Berichten zufolge töteten Mujahedin 120 Soldaten des afghanischen Regimes, als sie einen großen Militärkonvoi überfielen, der von Kabul in
die Provinz Zabul unterwegs war. Außerdem schössen sie zwei Hubschrauber
ab und zerstörten 14 Panzer und Panzerfahrzeuge .

15. Juli
Mujahedin starten einen zweistündigen, koordinierten Angriff auf die
sowjetische Botschaft, die Wohnsiedlung der sowjetischen Diplomaten, die
KGB-Büros und das sowjetische Kulturzentrum.
Westliche Diplomaten berichteten zudem von einem zweistündigen Gewehr feuer in der Nähe einer Anlage der Sowjetarmee in Darul Aman.
In der Umgebung gab es 25 laute Explosionen und auch kleinere bewaffnete Zwischenfälle in der Nähe vom afghanischen Außenministerium und dem
Büro des Ministerpräsidenten.

Präsident Reagan erklärt gegenüber seinem Besucher, dem pakistanischen
Ministerpräsidenten
Junejo,
Pakistan
gebe dadurch den historischen Traditionen islamischer Gastfreundschaft neue Bedeutung, daß es
fast drei Millionen Afghanen Schutz
gewähre, die gezwungen wurden, vor
der sowjetischen Aggression aus ihrem
Land zu fliehen.
Berichten zufolge gab es schwere
Kämpfe zwischen Sowjets und Mujahedin
in Kandahar. Die Sowjets setzten im
zentralen Basarbereich Panzer und Artillerie ein und töteten 25 Menschen
Dennoch beschränkte sich die sowjetisch-afghanische
Kontrolle
auf den
Flugplatz von Kandahar und auf die 26
Kilometer lange Straße von der Stadt
bis zum Flugplatz, sowie auf einen
kleinen Bereich der Stadt unmittelbar
neben der Herat-Kandahar-Landstraße.

17. Juli
Mujahedin in Ghazni töten sieben
afghanische
Regierungssoldaten.
In
Paktia töten oder verwunden sie mehr
als 70 sowjetisch-afghanische Soldaten und schießen im Logar-Tal südlich
von Kabul ein Flugzeug ab.

19. Juli
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Sayyed Padshah - auch unter dem Namen
Sayyed
Mansur
bekannt,
Sohn
von
Sayyed Mortaza - aus dem Doshi-Distrikt in der Provinz Baghlan, einen
Anhänger Gulbuddins von der Hisb-eIslamic-Bewegung, "in absentia" zum
Tode.

20. Juli
- 7 -

�den acht Soldaten.
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Muhammad Esmail - auch unter dem Namen Turan Esmail bekannt, Sohn von
Mir Muhammad Asiam - aus Miabad im
Shindand-Distrikt in der Provinz Herat, ein Mitglied der Jamiat-e-Islami-Bewegung, "in absentia" zum Tode.

22. Juli
Die
Sieben-Parteien-Allianz
der
afghanischen Mujahedin mit Stützpunkt
in Peshawar in Pakistan kündigt die
Eröffnung von Büros in New York und
Dschidda als Teil ihres Plans an, internationale
Anerkennung
zu erreichen.
Das New Yorker Büro soll dem
Zweck dienen, die Sache der Mujahedin
bei den Vereinigten Staaten voranzutreiben, während das Büro in SaudiArabien darauf abzielt, enge Kontakte
zur Organisation der Islamischen Konferenz herzustellen, der 45 Staaten
angehören.

23. Juli
Die afghanische Armee gibt 30
Runden Artilleriefeuer
in Richtung
Pakistans Bajaur-Provinz ab und verwundet einen Pakistani.

Drei usbekisch-sowjetische Soldaten ergeben sich Berichten zufolge
den Mujahedin in Ghazni.

26. Juli
Mujahedin zerstören bei einem Raketenangriff auf den Militärflugplatz
Bagram im Norden Kabuls drei sowjetische Hubschrauber. Berichten zufolge wurde im Verlauf dieses Angriffs
auch ein sowjetischer Soldat gefangengenommen .

27. Juli
Sechs
afghanische
Flüchtlinge
kommen um, drei weitere werden verwundet, als der Wagen, in dem sie unterwegs waren, bei einem Flüchtlingslager in der Nähe von Sadda in der
pakistanischen Provinz Kurrum auf eine Mine fuhr .
Bei anhaltenden Kämpfen in Kandahar nehmen Mujahedin fünf sowjetische
Soldaten gefangen und überrennen mehrere
kleine
sowjetisch-afghanische
Posten, von denen die zu einem Großteil von Mujahedin beherrschte Stadt
umgeben ist.

25. Juli
28. Juli
Eine Gruppe von 200 afghanischen
Kindern wird in die Sowjetunion geschickt; dadurch steigt die Gesamtzahl seit 1980 auf 6500.
Radio Pakistan
zufolge
zielt das Programm
darauf ab, aus den Kindern Sympathisanten der Sowjetunion zu machen.
Afghanische
Truppen
feuern
40
Mörserrunden in einen Posten des pakistanischen Grenzkorps in Charaan in
der Provinz Belutschistan und verwun-

Generalsekretär
Michail
Gorbatschow kündigt den Rückzug sechs sowjetischer Regimenter aus Afghanistan
zum Jahresende an.
Larry Speakes,
der Sprecher des Weißen Hauses, betont, nur ein sofortiger und vollständiger Abzug aus Afghanistan biete
eine Lösung der sowjetischen Invasion
dieses Landes.
Der

Rückzug

betrifft

rund

6000

�Mann, zum größten Teil Luftabwehreinheiten, die ohnehin in Afghanistan
nicht
erforderlich
sind.
Speakes
verweist auch darauf, daß ähnliche
Ankündigungen
in der
Vergangenheit
nichts
anderes als
Truppenrotation
bzw. Truppenaustausch bedeutet hätten.

29. Juli
Afghanische
Einheiten, von sowjetischen Truppen unterstützt, starten eine neue Offensive im Süden und
Südwesten
Afghanistans.
Westlichen
Diplomaten zufolge kam es dabei zu
großen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Schwere Kämpfe gibt es im
südlichen Logar-Tal, wo die Sowjets
Standorte der
Mujahedin mit einem
neuen Panzertyp, wahrscheinlich einer
verbesserten Version des T-72, angreifen .
Die Mujahedin ihrerseits greifen
einen aus 75 Fahrzeugen bestehenden
sowjetisch-afghanische
Konvoi
an,
der von Kabul nach Pol-e-Alam unterwegs ist.
Dabei zerstören sie vier
oder fünf Panzer und beschädigen andere
Militärfahrzeuge;
Der
Konvoi
wird dadurch zur Umkehr gezwungen.
In Ghazni
überfallen
Mujahedin
einen Konvoi und töten mehrere Soldaten. In einer fünfstündigen Schlacht
in der nahegelegenen Provinz Zabul
töten oder verwunden sie über 100 afghanische Soldaten.

31. Juli
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan werden in Genf einen Tag nach
dem vereinbarten Termin fortgesetzt.

nen
sowjetisch-afghanischen
Konvoi;
es gibt eine große Zahl Tote und Verwundete .

1. August

Tausende
sowjetischer
Soldaten
beginnen,
unterstützt
von
schwerer
A r t i l l e r i e , einen Großangriff
gegen
die Mujahedin in Paghman im Westen
Kabuls. Dies geschieht in Vergeltung
zu einem Mujahedin-Angriff auf einen
M i l i t ä r p o s t e n in d i e s e r Gegend, b e i
dem d r e i Soldaten umkamen.
Sowjetische SU-25 und möglicherweise auch
andere
sowjetische
Flugzeugtypen
f l i e g e n Bombeneinsätze, bei denen es
Augenzeugen zufolge zu 300 Meter hohen Staubfahnen kam. Westliche Diplomaten in dem Erholungsgebiet beim
Kharga-See b e r i c h t e t e n , wie e i n e Rak e t e , möglicherweise eine SAM-7, nur
knapp e i n e SU-25 v e r f e h l t e .
Ein f r a n z ö s i s c h e r H e l f e r , der von
seiner
Arbeit
als
Agrarspezialist
beim
Afghanischen
Internationalen
Büro h e i m k e h r t e , b e r i c h t e t e von etwa
150 afghanischen Dorfbewohnern,
die
im vergangenen A p r i l g e t ö t e t wurden,
als
Regierungstruppen,
von
Sowjets
u n t e r s t ü t z t , e i n e Offensive gegen e i n
von den Mujahedin
g e h a l t e n e s Dorf
rund 100 Kilometer n o r d ö s t l i c h von
Jalalabad
einleiteten.
Das
ganze
Ausmaß der Verwüstung wurde e r s t im
vergangenen Monat durch die v e r s c h i e denen
Erklärungen
von
Flüchtlingen
bekannt, die vor den Kämpfen b e i S o l tan geflohen waren, a l s s o w j e t i s c h afghanische Truppen v e r s u c h t e n , das
Darreh-ye-Nur-Tal zu e r o b e r n , das für
d i e Mujahedin e i n e w i c h t i g e V e r s o r gungsroute d a r s t e l l t .

5 . August
Mujahedin
überfallen
auf
der
Landstraße von Kabul nach Ghazni ei-

i

Bei schweren

Kämpfen

in Urgun in

�der Provinz Paktika verloren Berichten zufolge die Mujahedin Anfang Augast in diesem Gebiet 20 Prozent ihrer Streitmacht.

6. August
Mujahedin greifen in der Nähe der
Landstraße von Jalalabad nach Kabul
einen
sowjetisch-afghanischen
Truppenkonvoi an, zerstören vier Panzer
und töten deren Besatzung.

8. August
Pakistan und Afghanistan unterbrechen die achte Runde ihrer von den
Vereinten Nationen unterstützten indirekten Verhandlungen in Genf, ohne
zu einer Vereinbarung
zu gelangen
oder einen Zeitpunkt für weitere Runden festzulegen.
Man befindet sich
in einer Sackgasse, da kein definitiver Zeitplan über einen sowjetischen
Truppenabzug oder eine Vereinbarung
über eine Überwachung der Einhaltung
eines Abkommens zustandegekommen war.
Pakistan fordert einen vollständigen
Abzug
über
mehrere Monate hinweg,
während die Sowjets einen schrittweisen Rückzug über mehrere Jahre verlangen .
Mujahedin feuern Raketen auf Kabul ab und zerstören das Kommunikationszentrum
der
polnischen
Botschaft. Von den 20 bis 30 Raketen,
die auf verschiedene Teile der Hauptstadt niedergehen, trifft eine auch
die sowjetische Botschaft.

10. August
über 60 sowjetische Hubschrauber
fliegen eine Angriffsmission zum Logar-Tal in Unterstützung eines großen
sowjetischen Militärkonvois, der Ka-

bul in Richtung Süden verließ. Zuvor
hatte es Berichten zufolge am 29. Juli eine schwere Schlacht mit den Mujahedin gegeben, in der 20 afghanische Soldaten getötet wurden.
Doch
behielten
die sowjetischen
Truppen
die Oberhand und feuerten, wie ein
Augenzeuge berichtete, auf alles, was
sich in den Bergen bewegte.

LI. August
Mujahedin legen im Flughafen von
Jalalabad eine Bombe; mindestens 15
Personen wurden getötet, etwa 30 verwundet.
Die Bombe explodiert kurz
vor dem Start eines Flugzeugs nach
Kabul in der Abflughalle. Es heißt,
einer der
für die Sicherheit des
Flughafens Zuständigen - ein Anhänger
der Mujahedin - habe die Bombe gelegt.
In den Bergen von Zentrallogar
kommt es zu Kämpfen zwischen Mujahedin und sowjetischen Einheiten; die
Sowjets müssen sich aus dem Gebiet
zurückziehen. Von den Mujahedin gelegte Minen zerstören vier sowjetische Panzer.

12. August
Etwa 150 afghanische Jugendliche
im Alter zwischen 15 und 17 Jahren
werden beim Abflug vom Kabuler Flughafen in Richtung Sowjetunion beobachtet. Zuvor hatte eine Zeitung davon berichtet, daß Kabul und Moskau
ein Protokoll unterzeichnet hatten,
das die Ausbildung 1800 junger Afghanen in sowjetischen Bildungsstätten
unterschiedlichen Niveaus im akademischen Jahr 1986/87 vorsah.
Schätzungen zufolge gingen rund 1200-1400
Schüler bzw. Studenten im akademischen Jahr 1985/86 in die Sowjetunion. Es gibt jedoch auch Berichte,
denen zufolge ein Studium in der So-

- 10 -

�wjetunion bei den afghanischen Jugendlichen
immer
unbeliebter
wird,
weil ihre Bewegungsfreiheit in der
Sowjetunion
immer
mehr
beschränkt
wird und die sowjetischen Behörden
den ankommenden afghanischen Studenten
wilLkürLiche
Änderungen
ihres
Lehrplans auferlegen.

13. August

Mujahedin z e r s t ö r e n in Logar 16
sowjetisch-afghanische
Panzerfahrzeuge mit Minen und schießen bei Kämpfen
zwei S t a r r f l ü g l e r - F l u g z e u g e a b .

Farkhar
in den Bergen der Provinz
Takhar.
O r g a n i s i e r t von Ahmad Shah
Mahsud, der vor kurzem aus dem P a n j s her-Tal
in d i e s e s Gebiet gekommen
war, t ö t e n Mujahedin der J a m i a t - e - I s lami-Bewegung 110 afghanische S o l d a ten und nehmen 210 gefangen.
Die
V e r l u s t e auf e i g e n e r S e i t e belaufen
sich auf fünf Tote und acht V e r l e t z te.
Erbeutet wird e i n e 76-mm-Kanone
sowie 70 Tonnen Munition und V e r s o r gungsgüter.
Ein vorangegangener Ang r i f f d r e i Tage früher war e r f o l g l o s
geblieben.

2 1 . August
Afghanische Truppen geben im Ber e i c h von Shilman in der p a k i s t a n ischen Khyber-Provinz 79 Runden Art i l l e r i e f e u e r ab und verwunden dabei
einen p a k i s t a n i s c h e n Z i v i l i s t e n sowie
zwei afghanische F l ü c h t l i n g e .

Afghanische Artillerie beschießt
ein Dorf in der Nähe des Nawa-Passes
im pakistanischen Bezirk Mohmand; dabei wird ein Pakistani getötet und
ein weiterer verwundet.

14. August

22. August

Mujahedin töten bei Kämpfen in
der Nähe von Asmar in der Provinz
Kunar 42 sowjetisch-afghanische Soldaten.
Außerdem
zerstören sie 13
Panzerfahrzeuge,
zwei
Kanonen
und
treffen drei Panzer.

Bei erneuten
Kämpfen
in Logar
zerstören Mujahedin sechs Armeefahrzeuge und nehmen einen sowjetischen
Offizier sowie sechs afghanische Soldaten gefangen.

23. August
17. August
Mujahedin jagen ein Munitionsdepot des Luftwaffenstützpunktes Bagram
mit Zeitbomben in die Luft.
Dabei
werden
drei
Hubschrauber
auf der
Landebahn beschädigt.

20. August
Mujahedin
überrennen
in
einem
einstündigen Überraschungsangriff am
Morgen eine mit 320 Soldaten belegte
Kaserne
der
afghanischen Armee in

Nach einem Angriff auf
sowjeti s c h - a f g h a n i s c h e Truppen in der P r o vinz
Badakhshan
und
einwöchigem
Kampf, bei dem 14 zumeist von Sowjets
bemannte M i l i t ä r p o s t e n z e r s t ö r t werden, erobern d i e Mujahedin eigenen
Aussagen zufolge d i e K o n t r o l l e des
Wadaruj-Passes zurück, der zum PamirTal f ü h r t .
Sie t ö t e n dabei über 80
sowjetische S o l d a t e n , nehmen 92 gefangen und erobeen e i n e große Menge
an Waffen und Munition.

- 11 -

�Berichten zufolge 50 bis 100 Menschen
durch die Explosion getötet.

24. August
Einem unbestätigten Bericht aus
Kabul zufoLge ist eine Eisenbahnlinie
zwischen
dem sowjetischen
Grenzort
Hayratan und Mazar-I-Sharif geplant,
bzw. bereits begonnen, wobei bereits
Pläne
einer
späteren
Weiterführung
der Linie bis nach Kabul bestehen
sollen.

25. August
Zwei Offiziere der pakistanischen
Armee, ein Major und ein Hauptmann,
werden von afghanischer Miliz gefangengenommen, als sie sich unbewaffnet
und in Trainingsanzügen außerhalb eines Grenzpostens
in der pakistanischen Provinz Baluchistan bewegten.
Sie werden ergriffen, in einen Geländewagen
gesteckt
und
über
die
Grenze gebracht. Dies ist das erste
Mal, daß ein Offizier oder Soldat der
pakistanischen
Armee auf pakistanischem Boden selbst von afghanischen
Armeeangehör igen
gefangengenommen
wird.

26. August
Eine gewaltige Explosion zerstört
ein Munitionslager im Hauptquartier
der 8. Division der afghanischen Armee in der Nähe des Kharga-Sees, 8
Kilometer westlich von Kabul.
Die
fünfstündige "vulkanartige" Explosion
zerstört im Zentrum Kabuls die Fensterscheiben. Obwohl das Kabuler Regime die Explosion als einen Unfall
bezeichnet, wird angenommen, daß das
Lager nach einem Raketenangriff der
Mujahedin in die Luft ging. Bis dahin
hatten
die
Mujahedin
bereits
mehrmals Raketen auf das Lager abgefeuert, doch ohne das Munitionslager
zu treffen. Trotz gegenteiliger Behauptungen des Kabuler Regimes wurden

Abdul Haq, dem Kommandeurs der
Hisb-e-Islami zufolge waren es deren
Raketen, die das Lager trafen. Haqs
Gruppe von 600 Mujahedin feuert 107mm-Raketen auf mehrere militärische
Ziele um Kharga und das nahegelegene
Paghman.
Drei der Raketen treffen
Waffendepots und verursachen Explosionen. Haq und seine Männer erklären, die Explosionen hätten die Kasernen der 8. afghanischen Ärmeedivision schwer beschädigt und zu erheblichen Verlusten bei den Soldaten geführt.
Sie filmen außerdem den Angriff und kehren zu ihrem eigenen Lager zurück ohne unter Feuer gekommen
zu sein.
Westlichen Diplomaten zufolge wurden rund 20 Häuser um Kharga
beschädigt.

31. August
In Kabul wird unter der Leitung
Najibullahs der Pashtunistan-Tag begangen. Von den 5000 zur offiziellen
Feier
erschienenen
Personen
sollen
Berichten zufolge rund 1000 pakistanische Studenten gewesen sein, die übrigen hauptsächlich Stammesangehörige
der afghanisch-pakistanischen Grenzgebiete.
Jüngsten Berichten ist zu
entnehmen, daß eine immer
größere
Zahl pakistanischer Pashtun-Studenten
zur "kostenlosen" Ausbildung nach Kabul - und von dort in die Sowjetunion
geht.

2. September
Das Regime in Kabul gibt ein Programm bekannt, demzufolge fast 30 000
afghanische
Familien
"aus
wirtschaftspolitischen Gründen" aus den
östlichen Provinzen Paktia, Kunar und
Laghman in die südwestlichen Provin-

- 12 -

�zen Farah, Jelmand und Nimroz umgesiedelt werden sollen.
Obwohl das
Regime behauptet, es stelle den Umgesiedelten besseres Land zur Verfügung, so scheint doch der wahre Grund
in der absichtlichen Entvölkerung der
drei Ostprovinzen zu liegen, damit
dann
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in einem Gebiet voller Mujahedin-Stellungen frei operieren können
und leichten Zugriff auf den aus Pakistan
kommenden Nachschub
haben.
Darüber hinaus handelt es sich bei
den drei südwestlichen Provinzen an
der
iranisch-pakistanischen
Grenze
weitgehend um Wüste, in der erhebliche Bewässerungsprogramme notwendig
wären, um sie so fruchtbar zu machen
wie die Ostprovinzen. Dem Regime in
Kabul zufolge ist die Umsiedlung jedoch "freiwillig" und Bestandteil einer langfristigen Entwicklungsstrategie.
Dem augenblicklichen Fünfjahresplan des Regimes zufolge, der im
vergangenen März in Kraft trat, werden
voraussichtlich
45 000
Hektar
Land in Helmand und Nimroz bewässert
werden, so daß dort bis zu 15 000 Familien leben können.

3. September
Mujahedin unternehmen eine Reihe
von Angriffen auf die Truppenunterkunft Jaji in der Provinz Paktia mit
Boden-Boden Flugkörpern, Raketen und
Granatwerfern, mit denen Berichten
zufolge eine Kaserne dem Erdboden
gleichgemacht wird.
Die Mujahedin greifen ferner das
Hauptquartier des Geheimdienstes KHAD
und die Militärbasis in der Stadt
Kandahar an.

4. bis 20. September
Unbestätigte Berichte weisen dar-

auf hin, daß acht sowjetische und 15
afghanische Soldaten in der Nähe des
Kargha-Sees gefangengenommen wurden,
als
afghanisch-sowjetische
Truppen
eine ihrer größten Offensiven in der
Gegend von Paghnam nordwestlich von
Kabul starteten.
Die Offensive beginnt am 4. September, dauert bis zu
einem vorläufigen Stillstand drei Tage und wird dann am 12. September
wieder aufgenommen.
Berichten zufolge wurden von 38
Hubschraubern Truppen in dem Gebiet
abgesetzt und die Berge um die Stadt
Paghman von Flugzeugen des Typs SU-25
bombardiert.
Eine Batterie Artillerie auf Selbstfahrlafetten wurde südlich des Kargha-Sees in Stellung gebracht, um den Widerstand in diesem
Gebiet zu ersticken.
Mujahedin bombardieren
von
ihren Stellungen in
Paghman aus den für Kabul wichtigen
Stützpunkt Kargha und andere wichtige
Punkte in der Stadt; als ein Höhepunkt ist die spektakuläre Explosion
des Munitionsdepots der 8. afghanischen Armee im August anzusehen.
Weiterhin haben die Mujahedin Berichten
zufolge südlich der Stadt
Paghman einen Hubschrauber abgeschossen und in der Stadt selbst zwei Offiziere der afghanischen Armee und
drei Soldaten getötet.
Verschiedene
Berichte schätzen, daß 10 bis 15 Soldaten des Kabuler Regimes täglich bei
in Kämpfen um Paghman umkommen und
daß das Kabuler 400-Betten-Hospital
Wazir Akbar Khan die Verwundeten bereits auf den Fluren von wenigstens
zwei Etagen unterbringen muß.

8. September
Die Mujahedin behaupten, sie hätten eine militärische Stellung in der
Umgebung
von Kandahar
angegriffen,
ein Munitionsdepot und ein Lager für

- 13 -

�militärischen Nachschub gesprengt und
ferner 50 afghanisch-sowjetische Soldaten verwundet oder getötet.

9. September
Der
Presse
in
Kabul
zufolge
trifft der Vorsitzende von Pakistans
nationaler Awami-Partei, Abdul Wali
Khan, mit Abdurrahim Hatef, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Nationalen Vaterlandsfront der Demokratischen Republik Afghanistan zusammen,
der ihm die Medaille der Nationalen
Vaterlandsfront verleiht. Später besucht Wali Khan den Bezirk Paghman in
der Provinz Kabul, wo er an einer Gedenkstätte Kränze niederlegt. Er wird
dabei von Najibullah, Premierminister
Sultan Ali Keshtmand und Parteisekretär Nur Ahmad Nur begleitet.

11. bis 24. September
Mujahedin töten in dem strategisch wichtigen, im Norden Kabuls gelegenen Pajnsher-Tal bei etwa 12 Angriffen 115 sowjetische und afghanische Soldaten. Bei einem dieser Angriffe sprengen sie mit Hilfe einer
Zeitbombe, die sie in einem LKW des
Kabuler Regimes plaziert hatten, 70
Militärfahrzeuge, darunter auch Panzer.
Bei
einem
weiteren
Angriff
schössen
sie einen Kampfhubschrauber
ab und zerstören einen Panzer.
Die
Zunahme von Operationen der Mujahedin
ist wahrscheinlich eine Reaktion auf
einen Aufruf von Burhanuddin Rabbani,
dem Führer der afghanischen Jamiate-Islami-Gruppe, die das Tal kontrolliert.
Die
Angriffe
werden
durchgeführt, um den wachsenden Druck
auf Stellungen der Widerstandskämpfer
in der westlichen Provinz Herat zu
vermindern.

12. September
Mujahedin haben Berichten zufolge
mehr als 100 afghanisch-sowjetische
Soldaten getötet, 19 Panzer und Militärfahrzeuge zerstört und ein
sowjetisches Kampflugzeug vom Typ MIG
abgeschossen, als afghanisch-sowjetische Soldaten einen von den Mujahedin kontrollierten Teil Herats angriffen.
Bei
einer
Pressekonferenz
in
Washington D.C. beschreibt Mohammad
Zalmy, ein afghanischer Wissenschaftler und ehemaliger
Richter, viele
Fälle
von
sowjetischen
Menschenrechtsverletzungen
in
Afghanistan.
Zalmy, der Präsident des Nationalen
Komitees für Menschenrechte in Afghanistan mit Sitz in Peshawar (Pakistan), berichtet, daß 2 000 bis
2 500 Kinder im Alter von vier bis
elf Jahren gewaltsam in die Sowjetunion gebracht werden, um sie dort zu
indoktrinieren.
Er zieht ferner die
jüngste Zerstörung der Großen Moschee
in Herat als Beispiel dafür heran,
wie die Sowjets versuchen, den Islam
in Afgfhanistan auszulöschen.
Das afghanische
Regime hat 35
Meilen
von
Peshawar
entfernt
bei
Torkham am Khyber-Paß seine Grenze zu
Pakistan geöffnet, um den Pakistanis,
die den von einer einwöchigen Reise
in die Sowjetunion und Afghanistan
zurückkehrenden pakistanischen Politiker Abul Wali Khan begrüßen wollten, freien Zugang zu schaffen. Hunderte von Mitgliedern seiner AwaiPartei begeben sich drei Meilen ins
afghanische
Landesinnere,
während
Stammeskrieger
aus dem Grenzgebiet
mit Kalaschnikows in die Luft schießen und "Nieder mit Amerika" rufen.
Der in einer Wagenkolonne in Peshawar
einfahrende Wali Khan hält eine Kundgebung ab, bei der er die Vereinigten
Staaten beschuldigt, mit Hilfe Pa-

�kistans in Afghanistan zu intervenieren. Ihm zufolge kann der Frieden in
der Region nur wiederhergestellt werden, wenn die afghanischen Flüchtlinge in ihr Land zurückgeschickt werden, um an den Wahlen teilzunehmen,
von denen Wali Khan berichtet, daß
sie im Augenblick in verschiedenen
afghanischen
Provinzen
abgehalten
werden.

13. September
Mujahedin
zerstören
mindestens
ein Flugzeug
und beschädigen drei
weitere in jüngsten Raketenangriffen
auf den Flughafen Jalalabad. Sie berichten, daß sie etwa 37 Raketen auf
Abstellplätze für militärische Transportflugzeuge und Hubschrauber abgefeuert hätten und daß bei den Explosionen wenigstens zehn Soldaten des
afghanischen Regimes umgekommen oder
verwundet worden seien.
Die Mujahedin durchkreuzen ferner
einen Versuch der afghanisch-sowjetischen Streitkräfte, sie aus Stellungen rund um die belagerte Garnisonsstadt Urgun in der Provinz Paktia zu
verdrängen.
Sie behaupten, der Konvoi sei gezwungen gewesen, auf Ghazni
auszuweichen, nachdem er nicht genau
bestimmbare Verluste an Soldaten und
Ausrüstung hinnehmen mußte.
Drei Fahrzeuge, davon eins vom
Internationalen
Roten Kreuz
(ICRC)
und zwei vom High Commissioner for
Refugees (UNHCR) wurden in Alizai, im
Bezirk Kurrum, entweder von unzufriedenen
ortansässigen
Stammeskriegern
oder von Saboteuren des Kabuler Regimes schwer beschädigt.

gigen Gegend um Dakka, sieben Meilen
im
Inland
von
Afghanistan,
fest.
Diese werden getötet, als man bei
ihnen belastende Sabotagepläne, die
in Pakistan durchgeführt werden sollen sowie Sprengmittel findet.

16. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum über Teri Mangal und werfen
Bomben ab, durch die zwei afghanische
Flüchtlinge getötet und ein weiterer
verletzt werden. Später werfen sechs
afghanische Flugzeuge dreizehn Bomben
ab und feuern vierzig Raketen auf das
Gebiet von Peiwar Kotal im Bezirk
Kurram.
Vier Mitglieder der Miliz
von Kurrum werden verletzt.

17. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum, indem sie im Gebiet acht
Meilen nordwestlich von Miranshah im
nördlichen Bezirk von Waziristan Bomben abwerfen.
Bei diesem Angriff
wird ein Zivilist getötet und ein
weiterer verletzt.
Ein US-Vertreter bei der Konferenz
über
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
in
Riga
(Lettland),
Helmut Sonnenfeldt, sagt, die Vereinigten Staaten hätten kein besonderes Interesse an Afghanistan, außer
daß sie es gern blockfrei und mit
sich selbst und seinen unmittelbaren
Nachbarn im Frieden sehen würden.

19. September
Afghanische Mujahedin nehmen fünf
Agenten des Geheimdienstes KHAD des
Kabuler Regimes auf der Straße von
Jalalabad nach Torkham, in der gebir-

Afghanische
Streitkräfte
feuern
15 Artilleriegranaten in die Stadt
Chaman in der Provinz Belutschistan

- 15 -

�Berichten zufolge haben Mujahedin
im Gebiet von Gardez in Paktia 150
afghanische Soldaten verwundet oder
getötet.
Sie behaupten ferner, zwei
Panzer zerstört und zwei "Kommandeure" gefangengenommen zu haben.

bern sowjetischer Bauart, die bei ihrem Anflug auf den Flughafen von Jalalabad explodierten. Die Islamische
Afghanische Presse, die die Meldung
veröffentlichte, berichtet, daß von
Mujahedin abgefeuerte Boden-Luft-Raketen den Absturz der Hubschrauber
verursachten.
Die Nachrichtenagentur
der Mujahedin mit Sitz in Peshawar
berichtet,
daß
afghanische-sowjetische Flugzeuge nach dem Zwischenfall
in der Gegend von Jalalabad Vergeltungsbombardements durchführten.

20. September

28. September

Aus der Provins Wardak wird von
der Meuterei einer Einheit der afghanische Armee berichtet. Berichten
zufolge
weigerten
sich
afghanische
Soldaten, für ihren Angriff auf eine
Stellung der Mujahedin ein Minenfeld
zu durchqueren.
Statt dessen hätten
sie das Feuer auf ihre sowjetischen
Kameraden eröffnet, die von ihnen
verlangt hatten, bei dem Angriff die
Spitze zu übernehmen.
Es wird berichtet, daß sich die Mujahedin mit
den Rebellen zusammengeschlossen haben. Einige der Meuterer sollen später zusammengetrieben und von sowjetischen
Soldaten
erschossen
worden
sein.

Beim sowjetischen Handelszentrum
in der Nähe der sowjetischen Botschaft
explodiert
eine
Autobombe.
Radio Kabul zufolge werden bei der
Explosion drei Menschen getötet und
eine Person verletzt. Ferner werden
dadurch Mitglieder einer sowjetischen
Besuchsdelegation aufgeschreckt, die
vom Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des sowjetischen Ministerrates, vsevewlod Serafimovitsch Murakowsky angeführt wird wie auch der
afghanische Spitzenpolitiker Najibullah und Premierminister Sultan Ali
Keshtmand.
Die sowjetische Delegation nimmt in Kabul am 6. Treffen der
Afghanisch-Sowjetischen
Ständigen
Zwischenstaatlichen
Kommission
für
Wirtschaftliche Kooperation teil.

(Pakistan) an der Grenze zur Provinz
Kanadahar. Dabei werden zwei Frauen
und neun Kinder verletzt.

19./20. September

23. September
r

Afghanisch-sowjetische
Flugzeuge
verletzen pakistanischen Luftraum und
feuern 31 Raketen auf das Gebiet von
Teri Mangal im Bezirk Kurrum. Dabei
werden drei pakistanische Bürger und
zwei afghanische Flüchtlinge verletzt.

Westlichen Diplomaten zufolge war
bei der Berichtigung der beiden für
den öffentlichen Verkehr freigegebenen Seiten des sowjetischen Komplexes
keine Beschädigung der Fassaden zu
erkennen.

8. Oktober
25. September
In Peshawar eintreffende Augenzeugen berichten von zwei Hubschrau-

Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger nennt den Abzug
einiger sowjetischer Truppen aus Af16 -

�ghanistan "eine List". Bei einem Interview mit der Fernsehgesellschaft
ABC, das Weinberger in Peking während
einer Chinareise führte, sagte er,
die Sowjets hätten erst vor einigen
Wochen neue Truppen nach Afghanistan
verbracht, so daß sie eine gleichgroße Zahl von Soldaten abziehen und
trotzdem ihre bisherige Truppenstärke
aufrechterhalten könnten.

9. Oktober
Amerikanische
und
pakistanische
Afghanistan-Experten
weisen
darauf
hin, daß die Zunahme terroristischer
Bombenanschläge
in
pakistanischen
Städten an der Grenze zu Afghanistan
neuerlich Anlaß zu der Befürchtung
gäben, der
"starke Mann" Afghanistans, Najibullah, könnte in Pakistan
eine Sabotageaktion planen. Ein pakistanischer Experte hält dem entgegen, Najibullah könne angesichts seiner früheren Beziehungen zu
Peshawar, wo er seine Jugend verbrachte,
eher dazu neigen, ethnische Probleme
in Pakistan schaffen.
Dem amerikanischen Außenministerium zufolge wurden in der ersten
Hälfte des Jahres 1986 mehr pakistanische
und
afghanische
Flüchtlinge
durch terroristische Bombenanschläge,
Artilleriebeschuß
über die Grenzen
hinweg und Luftraumverletzungen durch
sowjetische und afghanische Flugzeuge
getötet als im gesamten Jahr 1985.

10. Oktober
50 bewaffnete afghanische Soldaten haben sich Berichten zufolge in
der Nähe von Kandahar ergeben.
Es
gibt ferner einen unbestätigten Bericht, wonach der Gouverneur der Provinz Kandahar
ausgewechselt wurde,
weil die Mujahedin in der Stadt an

Boden gewonnen hatten.

1. Oktober
Einem Kommentar
der
"Voice of
America" zufolge hat das afghanische
Regime in Shaka Darra nahe Kabul eine
Kapitulation
von
Mujahedin
inszeniert. Wie afghanische Bewohner umliegender
Dörfer
berichten, holten
Soldaten des Regimes alle Männer der
Dorfes zusammen und stellten sie für
ein Photo auf, das 500 Mujahedin
zeigt, die ihre Waffen niederlegen.

13. bis 19. Oktober
Der angekündigte Abzug von sechs
sowjetischen Regimentern aus Afghanistan gibt Anlaß zu Kontroversen.
Westlichen
und anderen Journalisten, die eingeladen worden waren,
um über den sowjetischen Abzug von
sechs Regimentern aus Afghanistan zu
berichten, wurden eng gefasste Sicherheitsbeschränkungen
auferlegt,
und sie hatten sich einem genau festgelegten Ablauf zu unterwerfen.
Die
meisten der 140 Journalisten, darunter 14 aus westlichen Ländern, werden
vom 13. bis zum 19. Oktober in Kabul
festgehalten, und bekommen nur kurze
Ausflüge nach Shindand und Kunduz genehmigt.
In Kabul sahen die Journalisten
ganz kurz ein abziehendes Flugabwehrregiment bei seiner Parade durch die
Stadt zur Salang-Tunnel-Autobahn, die
in die Sowjetunion führt. Die Fahrzeuge des Konvois schienen neu zu
sein und zeigten kaum Anzeichen von
Einsätzen im Kampf.
In Sindand interviewten die Journalisten Soldaten eines Panzerregiments, die angaben, bei ihrem Einsatz

- 17 -

�in Afghanistan noch nie Kampfhandlungen odec Mujahedin begegnet zu sein.

ten abgeschossen haben.

In Kunduz wurden sie am 17. Oktober Augenzeugen des Abzugs eines motorisierten Schützenregiments und bemerkten, daß die meisten Fahrzeuge
LKWs waren und keine Kettenfahrzeuge,
wie sie normalerweise zu einem solchen Regiment gehören.
Aus diesem
Grund wurde angenommen, daß die Einheit nur in geringem Maß einsatzbereit oder möglicherweise
überhaupt
nicht echt, sondern speziell zum Vorzeigen zusammengestellt worden sei.

23. Oktober

Am 15. Oktober sagte der pakistanische Präsident Zia-ul-Haq, daß
Schätzungen
des pakistanischen Geheimdienstes zufolge in den vergangenen Monaten 15 000 neue sowjetische
Soldaten nach Afghanistan geschickt
worden seien.

16. Oktober
Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger äußert bei seinem
Besuch in Pakistan, er schließe angesichts
der
afghanisch-sowjetischen
Verletzungen des pakistanischen Luftraumes die Bereitstellung von AWACS
für Pakistan nicht aus.

19. Oktober
Einheiten der Mujahedin greifen
nahe der Südseite des Salang-Tunnels
die Fahrzeugkolonne eines der abziehenden
Flugabwehrregimenter
an und
töten Berichten zufolge 30 bis 35 sowjetische Soldaten, nachdem sie zunächst die Spitzen- und Schlußfahrzeuge zerstört hatten.
Westliche
Diplomaten
bestätigen
Berichte, daß Mujahedin in der Gegend
von Kabul zwei Hubschrauber mit Rake-

Der afghanische Pilot eines sowjetischen
Kampfflugzeuges
vom Typ
MIG-21 desertiert nach Pakistan und
landet auf dem Flufhafen Kohat in der
nordwestlich gelegenen Provinz an der
Grenze
zu Afghanistan.
Der Pilot
bittet um politisches Asyl, was ihm
auch gewährt wird.
Vier
afghanische Flugzeuge sowjetischer Bauart verletzen pakistanischen Luftraum und feuern Raketen
auf den Bezirk von Nord-Waziristan.
Dabei findet ein Dorfbewohner den Tod.

27. Oktober
Ein Kommandeur der Mujahedin von
Kandahar, der sich sich zu Besuch in
Peshawar aufhielt, entwarf das düstere Bild einer Stadt, die in den vergangenen sechs Jahren ununterbrochene
Kampfhandlungen erlebt hat.
Mullah
Malang berichtet, von 11 000 Geschäften einer einstmals blühenden Stadt
gäbe es nur noch 2 000 und Elektrizität sei nur aus kleinen benzinbetriebenen Generatoren und ausschließlich
für den Flughafen
und andere Einrichtungen der Regierung erhältlich.
Kanadahars Radiostation und das Telefonnetz seien zerstört.
Der Kommandeur berichet weiter,
daß
es
afghanisch-sowjetischen
Streitkräften im September nicht gelungen sei, Soldaten der Mujahedin
aus der Stadt zu vertreiben.
Radio Kabul berichtet von der
Teilnahme des afghanischen Machthabers Najibullah und anderer hoher Beamter an der Beerdigungszeremonie für
ihren getöteten Genossen Mahammad Ali

- 18 -

�Samim, Mitglied des Zentralkomitees
der PDPA und Sekretär des Parteikomitees der Provinz Herat. Angaben zufolge reiste er mit dem Auto in ein
abgelegenes Dorf
in der Gegend von
Golran in der Provinz Herat, als eine
von Mujahedin gelegte Mine hochging.
Anderen
Berichten
zufolge
könnte
Samim von gegnerischen Parteimitgliedern oder vom Regime für seine Verbindungen zu den Mujahedin erschossen
worden sein.
Eine möglicherweise von Agenten
des afghanischen Geheimdienstes KHAD
gelegte Bombe geht in Zahidan, im
Osten
Irans,
vor
dem
ehemaligen
Hauptquartier einer afghanischen Oppositionspartei hoch. Bei der Explosion werden neun Menschen verletzt
und die Fensterscheiben aller Häuser
und Geschäfte im Umkreis von 100 Metern gehen zu Bruch.
Mujahedin
schießen
einen
Hubschrauber in der Provinz Wardak ab.
Dieser in der Nähe von Maidanshahr
abgeschossene
Kampfhubschrauber
vom
Typ MI-24 wurde Berichten zufolge in
zwei Hälften zerrissen, als ihn eine
Rakete der Mujahedin traf. Augenzeugen berichten später, daß ein anderer
MI-24 den vorderen Rumpf des abgeschossenen Hubschraubers zurück nach
Kabul transportiert hätte.

28. Oktober
Eine
möglicherweise
von
KHADAgenten gelegte Bombe, die in einem
Basar von Peshawar explodiert, tötet
sechs Menschen und verletzt 20, einige von ihnen schwer.
Demonstranten,
die meisten von ihnen Studenten und
Geschäftsleute, randalieren bei ihrem
Marsch zum Haus des Gouverneurs, wo
sie gegen die Afghanistan-Politik der
Regierung und die Anwesenheit afghanischer Flüchtlinge protestieren.
Da

der Marsch zum Haus des Gouverneurs
verhindert wird, halten sie eine Protestkundgebung ab, bei der vorwiegend
Sprecher der linken Nationalen AwamiPartei, angeführt vom
moskaufreundlichen Abdul Wali Khan, die Regierung
auffordern, das Problem Afghanistan
durch Einleitung direkter Verhandlungen mit dem Regime in Kabul zu lösen.
In Sprechchören fordern sie die Rückführung afghanischer Flüchtlinge.
Genau vor der Explosion im großen
Basar Qissa Khawani nahm die Polizei
drei Personen fest, die offensichtlich geplant hatten, das Haus von
Burhanuddin Rabbani, dem Führer der
Jamiat-e-Islami-Partei, in die Luft
zu sprengen.
Afghanischen, von der
Jamiat-e-Islami
veröffentlichten
Nachrichtemeldungen
zufolge
wurden
drei mutmaßliche KHAD-Agenten festgenommen, als sie sich dem Haus Rabbanis mit einer sechs Kilo schweren
Bombe näherten, die mit einer Fernzündung versehen war.
Am selben Tag stirbt eine Person
in Swat, bei dem Versuch, eine auf
einem Feld liegende Bombe zu entschärfen.
Berichten von "Freedom House" zufolge (eine New Yorker Gruppe, die
weltweit die Unterdrückung der Freiheit beobachtet,) sagen fünf in Afghanistan interviewte Deserteure der
Sowjetarmee, sie seien zu den Mujahedin übergelaufen, weil sie nicht zu
einer Armee gehören wollten, die absichtlich Zivilisten töte.

30. Oktober
Bei
einer
Pressekonferenz
im
Pentagon
äußert
der
Direktor
des
Nachrichtendienstes für die Verteidigung (DIA), die Vereinigten Staaten
hätten eindeutige
und
überzeugende

- 19 -

�Beweise, daß sowjetische Behauptungen
über einen Abzug von sechs Regimentern als Farce und Täuschmanöver anzusehen seien.
Der DIA zufolge ist die sowjetische
Truppenstärke
um
lediglich
2 000 Mann reduziert worden und nicht
etwa um 8 000, wie dies vom sowjetischen Parteichef Gorbatschow behauptet worden war.
Der Gesamtabbau um
2 000 Soldaten wurde einzig und allein durch den Abzug von drei Regimentern
der
Luftverteidigung erreicht, die nicht mehr benötigt wurden, weil der afghanische Widerstand
keine Flugzeuge besitzt. Die sowjetische Truppenstärke wird jetzt auf
116 000 bis 118 000 Mann beziffert
gegenüber 118 000 bis 120 000 Mann
vor dem Truppenabzug. Bei den beiden
angeblich
abgezogenen
motorisierten
Schätzenregimentern handelt es sich
um "neue" Regimenter, die speziell
für den Abzug im September extra zusammengezogen worden waren.

Frontieres' gearbeitet haben, hatten
Landstriche vorgefunden, die einmal
fruchtbares Ackerland gewesen, aber
von den Sowjets durch ihre Taktik der
verbrannten Erde in Wüste verwandelt
worden seien.
Sie berichteten ferner, das afghanische Regime sperre
den Zulauf zu einem Damm, mit dessen
Hilfe die Gegend bisher bewässert
wurde.
Bei ihren Reisen durch die
Provinz Paktia vernahmen sie dauernde
Granateinschläge und passierten viele
Dörfer, die durch jüngst erfolgte
Luft- oder
Artillerieangriffe
zerstört worden waren.
Großbritannien schließt sich der
skeptischen
amerikanischen
Haltung
über
den sowjetischen
Truppenabzug
an, nennt ihn "Kosmetik" und mißt ihm
begrenzte militärische Bedeutung zu.
Großbritannien äußert den Verdacht,
daß in Afghanistan immer noch genauso
viele sowjetische Regimenter stünden
wie zuvor.

4. November
31. Oktober
Präsident Reagan beschuldigt die
Sowjetunion, durch ihr Verhalten in
Afghanistan Vertrauensbruch zu begehen. In einem Kommentar zum sowjetischen Truppenabzug äußert er, mit
falscher Buchführung sei der Krieg
nicht zu beenden.
In der letzten Oktoberwoche haben
in der Gegend von Jalalabad operierende Mujahedin wahrscheinlich sechs
Hubschrauber abgeschossen.

3. November
VOA berichtet,
und ein belgischer
gangenen September
der Provinz Ghazni

ein französischer
Arzt, die im verfür drei Wochen in
für 'Medicine Sans

Während der achten Jahresdebatte
der
Vollversammlungg
der
Vereinten
Nationen über Afghanistan fordert der
amerikanische
Botschafter
Herbert
Okun
die
internationale
Staatengemeinschaft auf, sich nicht durch sowjetische Hinweise auf eine flexible
Haltung in der Frage der Besetzung
Afghanistans zur Untätigkeit verleiten zu lassen. Okun bezieht sich auf
den
Ermacora-Bericht
der Vereinten
Nationen, der zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Fortsetzung des Versuchs, in Afghanistan eine militärischen Lösung herbeizuführen, unweigerlich
zu einer Situation
führen
würde, die auf Völkermord hinausliefe. Der Abzug von sechs Regimentern
sei erfolgt, um die anhaltende sowjetische Weigerung zur Ausarbeitung
eines Zeitplanes für einen umfassen-

- 20 -

�den Abzug aller L20 000 sowjetischen
Soldaten in Afghanistan zu verschleiern .

5. November
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen spricht sich mit 122 zu 20
Stimmen bei 11 Enthaltungen für eine
Resolution aus, die den sofortigen
und vollständigen Abzug der ausländischen Truppen und die Wiederherstellung 3er politischen Unabhängigkeit Afghanistans fordert.
Sie unterstreicht
das Recht des afghanischen Volkes, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches und
soziales System unabhängig von jeglicher Einmischung oder Unterminierung und jedwedem Zwang oder jeglicher Gewalt frei wählen zu können.
Die Resolution fordert die Schaffung
von Bedingungen, die alle fünf Millionen
afghanische
Flüchtlinge
weltweit die größte Zahl von Flüchtlingen einer Volksgruppe - in die Lage versetzt, sicher und ehrenhaft in
ihre Heimat zurückkehren zu können.
Sie bestätigt weiterhin die Unterstützung der jetzt in der siebenten
Runde befindlichen Annäherungsgespräche in Genf, die unter der Schirmherrschaft
der
Vereinten
Nationen
stattfinden, und fordert bis zur endgültigen Regelung der Situation unausgesetzte humanitäre Hilfe für die
Flüchtlinge.
Bei der ersten Abstimmung während
einer Sondersitzung im Januar 1980
war mit 104 zu 18 Stimmen bei 30 Enthaltungen gestimmt worden.

6. November
Zwei bekannte Führer der Mujahedin, die die Vereinten Nationen be-

suchen, werden von drei afghanischen
Diplomaten, Beamten bei der ständigen Delegation des Kabuler Regimes,
angerempelt,
geschlagen
und
beschimpft.
Sie versuchten, die Mujahedin von einer anstehenden Pressekonferenz mit bei den Vereinten Nationen akkreditierten amerikanischen
Journalisten fernzuhalten.
Die Führer der Mujahedin befanden
sich als Gäste der saudiarabischen
und pakistanischen Delegationen bei
den Vereinten Nationen.
Sie repräsentieren die Islamische
Einheit der Vereinigung Afghanischer
Mujahedin, die sieben führende Widerstandsparteien
umfasst,
die
ihren
Sitz in Peshawar haben. Sie hielten
sich in New York auf, um ihre Situation und ihre Probleme bei den Vereinten Nationen vorzubringen und die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
die innere Situation Afghanistans zu
lenken.

8. November
Afghanisch-sowjetische
Truppen
leiten ihre zweite gegen Stellungen
der Mujahedin im Südwesten der Provinz Kandahar
gerichtete
Offensive
innerhalb von drei Monaten ein. Dieser am Winteranfang durchgeführte Angriff zielte Berichten zufolge auf
die Gebiete Pashmul und Malajat ab,
wo sich zwischen 3 000 und 4 000 Mujahedin aus 16 Gruppen
verschanzt
hatten.

9. November
Westliche
Diplomaten
berichten
von
unbestätigten
Meldungen, denen
zufolge der berühmte Kommandeur des
Pansher-Tals, Ahma Shah Mahsud, in
der nördlichen Provinz Takhar, wo er

- 21 -

�zusammen mit den dortigen Kommandeuren
operiert,
einer
Gefangennahme
durch afghanisch-sowjetische Truppen
nur knapp entging.

10. November
Die Mujahedin melden, daß in den
westafghanischen Provinzen Herat und
Farah mehr als 100 Soldaten des Kabuler Regimes übergelaufen seien.
Artilleriefeuer der Truppen des
Kabuler Regimes tötet im Gebiet von
Teri Mangal in Pakistan fünf afghanische Flüchtlinge.

kistan.
In seinen Gesprächen mit vielen
afghanischen Flüchtlingen, die verwundet wurden, hat Ermacora erfahren,
daß sich die Situation in Afghanistan
erheblich
verschlechtert
hat, seit
Najibullah
an die Macht kam.
Er
weist besonders auf eine Zunahme der
Bombardements an der pakistanischen
Grenze hin.
Der Bericht empfiehlt mehr Unterstützung für das Kinderhilfswerk der
Vereinten
Nationen
(UNICEF), damit
dieses sein Impfprogramm für alle afghanischen Kinder in den Städten und
in ländlichen Gebieten
durchführen
kann.

11. November
Der UN-Sonderberichterstatter für
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zieht den Schluß, daß
die Menschenrechtslage in Afghanistan
weiterhin Anlaß zu tiefer Besorgnis
gibt, und zwar wegen der ernsten und
leidvollen Situation, der die afghanische
Zivilbevölkerung,
besonders
Frauen und Kinder, ausgesetzt ist und
auch wegen des Umfangs der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme, denen sich Millionen
von Flüchtlingen, deren Anzahl ständig steigt, gegenübersehen.
Dem Bericht zufolge gibt es zunehmend Hinweise auf Versuche, Stammeskonflikte anzuheizen und pakistanische Stammesführer in Operationen zu
verwickeln, bei denen sowohl Afghanen
als auch Ausländer getötet werden.
Der Autor des Berichts, Felix Ermacora, berichtet ferner von einem
Anstieg der Flüchtlingszahlen wegen
zunehmender
militärischer
Operationen.
Schätzungen der pakistanischen
Regierung zufolge kommen jeden Monat
6 000 bis 8 000 Flüchtlinge nach Pa-

Der Bericht spricht weiterhin die
Empfehlung aus, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen einen
dringenden Appell an alle Länder der
Welt richten soll, ihren Beitrag zu
den Hilfsleistungen zu erhöhen, und
zwar insbesondere die Hilfe für das
Büro des UN-Flüchtlingshochkommissars
(UNHCR).
Etwa 300 Mujahedin, Anhänger der
Jamiat-e-Islami-Partei, greifen überraschend
Nähr in
in
der
Provinz
Baghlan im Norden Afghanistans an,
überwältigen die Garnison und töten
oder verwunden 300 Soldaten des afghanischen Regimes, von denen 3ie einige auch gefangennehmen. Nähr in im
Osten der Stadt Baghlan dient der 20.
Division der afghanischen Armee als
Hauptquartier.
Die Mujahedin erbeuten eine große Menge an Waffen und
Ausrüstungsgegenständen,
darunter
drei Panzer, vier 122-mm-Artilleriegeschütze, fünf Lkws und umfangreiches Fernmeldegerät.
Die Verluste
der Mujahedin werden mit 19 Toten und
26 Verletzten angegeben.

�14. November
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in Kandahar nur den Flughafen
und eine Garnison in der Stadt kontrollieren und daß die Mujahedin die
wichtigste, 20 km lange Straße, die
den Flughafen mit der Stadt verbindet, gesperrt haben.
Etwa 150 afghanische Regierungssoldaten und fünf
Offiziere wurden Berichten zufolge zu
Beginn der Kampfhandlungen getötet,
und es gibt unbestätigte Berichte,
denen
zufolge mindestens zwei und
möglicherweise mehr als sieben sowjetische Hubschrauber von Mujahedin
abgeschossen
wurden.
Die Verluste
auf Seiten der Sowjets und der Mujahedin sind nicht bekannt.

15./16. November
Afghanisch-sowjetische
Streitkräfte mit Panzerunterstützung gehen
an der
pakistanischen Grenze nahe
Torkham beim Khyber-Paß in Stellung,
während Stellungen der Mujahedin in
dem Gebiet mit Bomben und Artilleriefeuer belegt werden.
Vier afghanisch-sowjetische
Kampfflugzeuge
vom
Typ
MIG
verletzen
pakistanischen
Luftraum über dem Basar von Landikotal, während Panzergranaten einen pakistanischen
Milizionär
töten
und
mehrere Zivilisten und Militärangehörige
im Shilman-Gebiet des Passes
verletzen.

18. November
Die
internationale
Menschenrechtsorganisation
Amnesty
international veröffentlicht einen Bericht,
demzufolge
politische Gefangene
in
Afghanistan, oft im Beisein sowjetischer Beobachter, regelmäßig gefoltert werden.
In einem detaillierten

Bericht über die Behandlung politischer Gefangener und Häftlinge in Afghanistan gibt Amnesty International
an,
Folterungen
würden
regelmäßig
vorgenommen.
Die Organisation berichtet, daß Angaben von Gefangenen
zufolge in vielen Fällen sowjetische
Mitarbeiter bei den Folterungen anwesend
seien
und
auch
die
Verhöre
durchführten.

19. November
In einem Kommentar der New York
Times wurde infrage gestellt, ob da3
Regime in Kabul bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch länger für das gesamte Afghanistan sprechen könne.
In dem Artikel heißt es, man könne überaus überzeugungskräftige logische und juristische Gründe wie auch
Präzedenzfälle
anführen, die dafür
sprächen, dem afghanischen Widerstand
Sitze einzuräumen, da dieser mehr
Menschen vertritt und einen größeren
Teil des afghanischen
Territoriums
kontrolliert als das Regime in Kabul.
Berichten
zufolge
wurde
der
Stützpunkt
der
Mujahedin
in
Kama
Dakka im Gebiet des Khyber-Passes,
nur 18 Meilen von der pakistanischen
Stadt Peshawar entfernt von afghanischen Truppen mit sowjetischer Unterstützung gestürmt und wahrscheinlich besetzt. Die Einwohner von Peshawar hörten Berichten zufolge heftiges Artilleriefeuer der afghanischsowjetischen
Streitkräfte, und pakistanische
Korrespondenten
an der
Grenze zählten wenigstens 15 Krankenwagen, die verwundete Mujahedin abtransportierten.

20. November

- 23 -

�Radio Kabul verkündet, daß der
frühere afghanische Machthaber Babrak
Karmal von seinem Amt als Präsident
Afghanistans und als Mitglied des Politbüros zurücktrat.
Eine Delegation afghanischer Mujahedin, die sich besuchsweise in
Washington
aufhält, bezeichnet die
letztlich erfolgte Enthebung Karmals
aus all seinen Xmtern als "unbedeutend".
Ihnen zufolge bedeutet der
Rücktritt Karmals lediglich, daß die
Sowjets einen Bauern vom Schachbrett
genommen haben, ein Schicksal, das
eines
Tages
auch
dem
derzeitigen
Spitzenmann, Najibullah, widerfahren
werde.

zufolge, der
Krieg
in Afghanistan
koste Moskau nichts, weil die Afghanen Erdgas und andere Produkte an die
Sowjetunion lieferten.
Die von dem
Afghanistan-Experten
Yuri
Gankowsky
abgegebene Erklärung ist die erste,
mit der jemals ein sowjetischer Beamter zugegeben hat, der Krieg in Afghanistan
koste
den
Kreml
keinen
Pfennig.
Bisher hatte Moskau immer
den Eindruck erweckt, der Krieg sei
ein Opfer sowjetischer Bürger, die
hiermit ihrer "internationalistischen
Pflicht" nachkämen, dem Regime in Kabul zu helfen, das die sowjetischen
Truppen 1979 um deren Einmarsch "gebeten" hätte.

28. November
22. November
Eine
schwere
Bombe
explodiert
hinter dem Gebäude des Erziehungsministeriums in Kabul und tötet eine
bislang unbekannte Anzahl von Menschen. Die Kabuler Medien bezeichnen
den Bombenanschlag als Werk der Mujahedin, während andere Quellen sie Anhängern
des gestürzten
Machthabers
Babrak Karmal zuschreiben.
Die Explosion fand Berichten zufolge in der
Nähe des Ortes statt, an dem der afghanische Staatschef Najibullah eine
Pressekonferenz abhalten sollte.
Kanadische
Zeitungen
berichten,
daß fünf Deserteure der sowjetischen
Armee aus Afghanistan in Kanada eingetroffen seien.
Sie planten, sich
dort niederzulassen und hätten Angebote sowjetischer Diplomaten auf eine
Rückführung in die Sowjetunion abgelehnt.

25. November
Ein höherer sowjetischer Beamter
äußert Berichten der Washington Times

Ein
amerikanischer
Delegierter
bei der Wiener Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit
in Europa
(KSZE) äußert, das Verhalten der Sowjetunion in Afghanistan stelle deren
Verpflichtung auf jede einzelne der
mit der Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki abgegebenen Versprechen
in Frage. Der stellvertretende Leiter der amerikanischen Delegation bei
der
Konferenz,
Botschafter
Samuel
Wise, sagte weiter, die sowjetische
Brutalität in Afghanistan zöge deren
Respekt vor Menschenleben und vor
menschlicher
Würde
schlechthin
in
Zweifel.
Er fordert die Sowjetunion
auf, die Morde an afghanischen Männern, Frauen und Kindern einzustellen.

29. November
Afghanische Mujahedin greifen gemeinsam von vier verschiedenen Punkten aus nachts mit Raketen Kabul an.
Mehr als 20 Raketen gingen Berichten
zufolge im Gebiet von Darulaman nieder;
andere
explodierten
in
Khai
Khana, dem Standort der sowjetischen

- 24 -

�Botschaft und der Büros des Kabuler
Regimes.
Westlichen Diplomaten zufolge ist dies in den letzten Monaten
einer der schwersten Angriffe der Mujahedin auf die Stadt.
Der
afghanischen
islamischen
Nachrichtenagentur
zufolge
schössen
Mujahedin
ein viermotoriges Transportflugzeug sowjetischer Bauart etwa
30 Meilen östlich von Kabul ab. Berichten zufolge hatte die Maschine
afghanische Soldaten und sowjetische
Berater an Bord, und bei der Abschußstelle wurden die Leichen von mindestens 25 Personen gefunden.

4. Dezember
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet eine Resolution, die sich zum zweiten Mal in
zwei aufeinanderfolgenden Jahren im
einzelnen mit der Menschenrechtssituation
in
Afghanistan
beschäftigt.
Die Resolution ruft mit 89 zu 24
Stimmen bei 36 Enthaltungen zu mehr
Unterstützung
in diesem Jahr auf.
Das Abstimmungsergebnis im vergangenen Jahr war 80 zu 22 Stimmen bei 40
Enthaltungen. Die Handlungsweise der
Vereinten Nationen ist das Ergebnis
des Berichts von Felix Ermacora.
Afghanistans Machthaber Najibullah tauscht in einer größeren Kabinettsumbildung seinen Verteidigungsund seinen Außenminister aus. Über
eine Auswechselung des Verteidigungsministers waren seit längerer Zeit
Gerüchte im Umlauf.
Diese Maßnahme
spiegelte offensichtlich die sowjetische Unzufriedenheit über den mangelnden Einsatz afghanischer Truppen
bei den Operationen in Kandahar wie
auch über die Zerstörung eines Reservemunitionslagers im August durch Mujahedin wider.
Der in der Sowjetunion
ausgebildete
Brigadegeneral

Mohammed Rafi, der gute Beziehungen
zu den Sowjets unterhält, ersetzt Generalleutnant Nazar Mohammad im Amt
des
Verteidigungsministers.
Abdul
Wakil, ein Cousin des abgesetzten
Präsidenten
Karmal, löst Shah Dot
Mohammad als Außenminister ab.
Westliche
Diplomaten
berichten
ferner, es bestünde die Möglichkeit,
daß der abgesetzte Babrak Karmal als
Botschafter nach Prag geschickt werden könnte, wo er bereits Dienst tat,
bevor er im Dezember 1979 afghanischer Parteichef wurde.
Es laufen
jedoch auch Gerüchte um, daß er den
Posten nicht annehmen, sondern in Kabul einen passenden Augenblick abwarten werde.
Es sind auch weiterhin
Berichte
in Umlauf, daß Verwandte
Karmals, u.a. zwei Schwestern und ein
Neffe, mit ihren Familien nach Pakistan geflohen sind.

6. Dezember
Die Kabuler Presse berichtet, daß
die afghanischen Streitkräfte eines
der größten Nachschublager der Mujahedin im Gebiet von Nazian in der
Provinz Nangarhar an der Grenze zu
Pakistan zerstört haben.

9. Dezember
Westliche Diplomaten in Islamabad
berichten, daß mit modernsten Flugabwehrwaffen ausgerüstete Mujahedin in
der
vergangenen
Woche
mindestens
sechs Kampfflugzeuge und Hubschrauber
sowjetischer Bauart abgeschossen haben.
Dabei wurden mehr als 40 afghanisch-sowjetische Soldaten getötet.

11. Dezember

- 25 -

Westlichen

Diplomaten

in

Kabul

�zufolge verbrannte eine Gruppe von
fünf oder sechs afghanischen Männern
im Alter von etwa 20 Jahren die sowjetische Flagge vor dem sowjetischen
Militärhospital in Bezirk Shahr-e-Nau
in Kabul. Das ist die erste in Kabul
öffentlich gegen die Sowjetunion gerichtete Demonstration seit Monaten.

de Außenminister John Whitehead und
der Unterstaatssekretär Robert Peck berichten weiter, afghanisch-sowjetische Verletzungen des pakistanischen
Luftraumes seien 1986 im Vergleich
zum Jahr 1985 um etwa das Dreifache
angestiegen, während Artilleriefeuer
über die Grenze hinweg um etwa 500
Prozent zugenommen hätten.

12. Dezember
Der
Sekretär
der
italienischen
Liberalen Partei fordert Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten,
um den Mujahedin in ihrem Kampf gegen
die Sowjetunion beizustehen. Vor der
Presse
in Washington sagte Renato
Altissimo, daß eine militärische Entscheidung, zwar nicht abzusehen sei,
die Mujahedin aber dennoch Unterstützung erhalten sollten, um weiterhin
Druck auf die Sowjetunion ausüben und
so eine politische Lösung herbeiführen zu können.
Der
afghanische
Parteichef
Najibullah
trifft den
sowjetischen
Parteichef Gorbatschow in Moskau und
bekundet seine Bereitschaft, eine Regierung der nationalen Einheit zu
bilden, die auch im Exil lebende Afghanen einschließen würde.

16. Dezember
Amerikanische
Beamte
bestätigen
bei
einem
Informationsgespräch
im
amerikanischen Außenministerium, daß
die Mujahedin in den vergangenen drei
Monaten nahezu täglich ein afghanisches oder sowjetisches Flugzeug abgeschossen haben und somit seit Beginn des Krieges vor sieben Jahren
1 000 kommunistische Flugzeuge abgeschossen worden seien.
Die Beamten - der stellvertreten-

26

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
7. Januar 1987

AUFGEZWUNGENES RISIKO
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

WASHINGTON - (AD) - Niemand weiß,
wie genau passives Rauchen, d.h. das
Einatmen tabakverqualmter Luft in geschlossenen Räumen, bei Nichtrauchern
zu Lungenkrebs führt.
Aber die Ergebnisse einer Reihe von Studien, die
in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern durchgeführt
wurden, lassen keinen Zweifel mehr
daran, daß diese
Gefährdung
existiert.
Angesichts
beunruhigender
Beobachtungen und Erkenntnisse in den
letzten Jahren widmete deshalb Dr. C.
Everett Koop, der Leiter des öffentlichen Gsundheitsdienstes der Verei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigten Staaten, den im Dezember 1986
veröffentlichten neuen Jahresbericht
seines Amtes über Rauchen ausschließlich dem Thema "Passivrauchen". Auf
einer Pressekonferenz in Washington
verwies Dr. Koop auf Kommentare von
Vertretern der Amerikanischen Krebsgesellschaft, der Gesellschaft für
Herz- und Kreislauferkrankungen
und
der Gesellschaft für Lungenerkrankungen, denen zufolge Thematik und Inhalt dieser Publikation in Fachkreisen als ähnlich wichtig
angesehen
werden wie der allererste Bericht des
öffentlichen Gesundheitsdienstes über

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Rauchen aus dem Jahr 1964. Seinerzeit wurden zum ersten Mal Zusammenhänge zwischen Rauchen und Lungenkrebs aufgezeigt.
Die Ergebnisse systematischer Untersuchungen zwingen Koop zufolge dazu, endlich zu handeln, um Nichtraucher und Öffentlichkeit vor Tabakrauch und den hierdurch verursachten
Gesundheitsrisiken besser als bisher
zu schützen. Kinder seien durch Zigarettenqualm ganz besonders gefährdet, heißt es in dem Bericht. Bei
Kindern, deren Eltern Raucher sind,
käme es häufiger als bei Kindern von
Nichtrauchern
zu
Infektionen
der
Atemwege
und
der
Atmungsorgane.
Säuglinge und Kleinkinder aus Raucherfamilien müßten häufiger als Kinder gleicher Altersgruppe aus Nichtraucherfamilien wegen schwerer Bronchitis oder Lungenentzündung stationär behandelt werden.
Bei Todesfällen infolge Lungenkrebs
(in den Vereinigten
Staaten
weit über 100 000 pro Jahr) sind zu
etwa 85 Prozent Raucher betroffen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften, die kürzlich ebenfalls einen Bericht über "Rauchen und Gesundheit"
veröffentlichte,
bezifferte
darin aufgrund statistischer Erhebungen die jährliche Anzahl von Sterbefällen durch
Lungenkrebs, die mit
großer Wahrscheinlichkeit auf Passivrauchen zurückzuführen sind, auf ca.
2400.
Das
Risiko
eines
gesunden
Nichtrauchers, der einen Raucher zum
Partner hat, an Lungenkrebs zu erkranken, sei um mindestens 30 Prozent
erhöht. Es könne noch erheblich größer sein, wenn der Partner ein sehr
starker Raucher ist. Was für Kinder
das
ständige
Einatmen
verqualmter
Luft in bezug auf chronische Erkrankungen und Funktionsschwäche der Atmungsorgane im späteren Lebensalter
bedeuten könne, sei noch nicht abseh- 2

bar und sollte auf jeden Fall untersucht werden.
Dr. Stuart Seides (Amerikanische
Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen) macht darauf aufmerksam, daß Passivrauchen selbst in gut
belüfteten Räumen bei Nichtrauchern
zu erhöhtem Blutdruck führen könne.
Außerdem habe man im Blut von Nichtrauchern, die tabakrauchhaltige Luft
einatmen müßten, erhöhte Werte von
Kohlenmonoxyd gefunden. Und das bedeute eine Verringerung des SauerStoffangebots für das Herz.
Erneut appellierte Dr. Koop an
die Arbeitgeber, für "saubere Luft am
Areitsplatz" zu sorgen. "Die in diesem Bericht enthaltenen Daten lassen
für mich die Schlußfolgerung zu, daß
der einfachste, billigste und wirksamste Weg, diesen Schutz zu erreichen, darin besteht, tabakrauchfreie
Arbeitsplätze zu schaffen", sagte er
auf der Pressekonferenz.
"Das Recht
der Raucher, zu rauchen, hört dort
auf, wo der oder die Betreffende damit das Krankheitsrisiko der Menschen
erhöht, die sich in seiner Umgebung
befinden."
Die bloße Trennung von
Rauchern und Nichtrauchern innerhalb
eines Raumes mag zwar bewirken, daß
Nichtraucher dem Tabakqualm weniger
direkt ausgesetzt werden, ein wirklicher Schutz aber sei dies nicht.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müßten
jedenfalls
zusammenarbeiten,
um
rauchfreie
Büros, Fabrikhallen
und
andere
Arbeitsstätten
zu schaffen.
Man wolle nicht den Raucher strafen
oder schikanieren, sondern die Gesundheit des Nichtrauchers schützen.
Dieses Ziel werde am besten dadurch
erreicht, daß man den Raucher unterstützt und bestärkt, die Sucht Rauchen zu überwinden. Koop setzte sich
dafür ein, Rauchen z.B. im Flugzeug
und anderen der Öffentlichkeit zugänglichen Einrichtungen zu verbie-

�ten.
"Rauchen wird gesellschaftlich
immer weniger akzeptabel", sagte er.
Dr. Lois Ellison
(Amerikanische
Gesellschaft
für
Lungenkrankheiten)
forderte den amerikanischen Kongreß
auf, strengere Einschränkungen
für
das Rauchen in öffentlichen Gebäuden
zu verfügen. Angesichts der Beweislage müßten unbedingt gesetzliche Regelungen für die Einschränkung des
Rauchens in allen öffentlichen Gebäuden,
Verkehrsmitteln,
in
Schulen,
Krankenhäusern und Arbeitsstätten getroffen werden. Ellison empfahl ferner mehr Aufklärung der Nichtraucher
über
die Gesundheitsgefahren
durch
Passivrauchen. Vor allem sollten Eltern über die Risiken informiert werden, die sie Säuglingen und kleinen
Kindern zumuten, wenn im Hause geraucht wird.
Der
Abgeordnete
James
Scheuer
(New York) beabsichtigt, noch einmal
zwei
Gesetzesvorlagen
zum
Thema
Nichtrauchen einzubringen, die in der
letzten
Legislaturperiode
bereits
viel Unterstützung im Kongreß fanden.
Die
amerikanische
Bundesregierung
ordnete Anfang Dezember an, daß in
den Büros der Behörden das Rauchen
einzuschränken sei.
In 40 amerikanischen Bundesstaaten und in mehr als
80 großen Städten ist Rauchen in öffentlichen Einrichtungen oder am Arbeitsplatz untersagt bzw. so eingeschränkt, daß sich Raucher in besonders gekennzeichnete Räume zurückziehen müssen.

- 3 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1986)

Nachstehend eine Liste der Themen, die 1986 im Amerika Dienst erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise, Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende
Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

1.

Afghanistan

I, 4, 15, 22, 37

2.

Mittelamerika und
Nicaragua

II, 26, 29, 30, 31, 32, 38

3.

Libyen

1, 2, 14, 14, 15, 16

4.

Iran

39, 40

5.

Syrien

41

6.

Sowjetunion
SS-25
Menschenrechte
Anatoli Schtscharanskij
Juri Orlow

4, 38, 41
6
33

7. Afrika

27

8.

Südafrika

24, 27

Nelson Mandela

4, 24

- 1 -

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

9.

Vereinigte Staaten
Botschaft zur Lage der Nation
Energiepolitik
Friedenspolitik und Fragen der
Nationalen Sicherheit
Haushaltspolitik
Nominierungen
Verteidigunghaushalt
Thanksgiving Day Proklamation

5
13
9, 29, 41
6
11, 41, 42
9, 22, 26
40

10. Beziehungen der USA zu
Europa

14

11. Beziehungen der USA zur
Bundesrepublik Deutschland
25. Jahrestag der Berliner Mauer
RIAS
Jugendaustausch

25
36
37

12. Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reykjavik-Treffen ReaganGorbatschow
Abrüstung/Rüstungskontrolle
Chemische Waffen
SDI
SALT
Genfer Abrüstungsverhandlungen
MBFR
KVAE
KSZE

- 2 -

14,
32, 33, 35, 36, 37, 39
8, 15, 17, 20, 21, 23, 25,
27, 31, 33, 34, 35, 38, 41
13, 27
9, 12, 17, 32
12, 20
16, 18, 39
36
4, 9, 19, 26, 27
9, 24, 25, 28, 30, 34, 36, 37

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

Internationale Probleme
Tschernobyl und seine Folgen
Terror ismus
Drogenprobleme
Menschenrechte
Hunger
Weltwirtschaft u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel in Tokio
Vereinte Nationen
Medien

17, 19, 21, 23
7, 10, 17, 18, 19, 24, 42
7, 5, 12, 20, 30, 36
7, 13, 43
31
5, 23, 26, 33, 35, 39, 40,
41, 43
13, 16, 17, 18
37
42

Martin Luther King

1, 3

Daniloff

29

Weltraum
CHALLENGER-Unfall und Folgen

4, 5, 7, 8, 16, 18, 19, 22
24, 27, 35, 39
4, 19, 22
28

Weltraumforschung
Satelliten-Kommunikation

Wissenschaft und Technik
AIDS
Gentechnologie
Komet Halley
Medizin, allgemein
Rauchen
Umweltschutz
Wetter

14, 32, 43
2, 13
11
15, 18
1
10, 42
2,

- 3 -

�REDEN UND ERKLÄRUNGEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
RICHARD R. BURT

Januar 1986
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen
der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Februar 1986
Demokratie und Kultur
(Universität Heidelberg)
Februar 1986
Ein offenes Handelssystem - unser aller Verantwortung
(Adolf-Weber-Stiftung)
Februar 1986
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
(Uberseeclub in Hamburg)
März 1986
Das Fulbright-Programm - Aufbruch in eine offene Welt
(Berlin-Woche der Fulbright-Kommission)
April 1986
Der Handel als Instrument der Außenpolitik
(Amerikanische Handelskammer München)
Juni 1986
Freiheit, Sicherheit und Frieden in einer offenen Welt
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Reichstagsgebäude)
August 1986
Botschafter Burt fordert junge Generation zur Schaffung einer offenen
Welt auf
(Ansprache anläßlich des 25. Jahrestags der Berliner Mauer)
September 1986
Botschafter Burt zu aktuellen politischen Themen
(Interview mit dem Südwestfunk)
September 1986
Das deutsch-amerikanische Verhältnis: die Bedeutung visionären Denkens
(Ansprache zum 40. Jahrestag der "Rede der Hoffnung" des
amerikanischen Außenministers James F. Byrnes in Stuttgart)
- 4 -

�SONDERDIENSTE

22. Januar L986
Besuch des Stellvertretenden US-Außenminister John C. Whitehead in
Bonn

2.

April 1986
Die sowjetische Militärmacht 1986
- Fünfte Dokumentation des US-Verteidigunsministeriums -

16. Juli 1986
Die sowjetische Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen
- Veröffentlichung des amerikanischen Außenministeriums - Dez. 1985

2.

Oktober 1986
Die sowjetische Propagandakampagne gegen SDI
(Auszüge aus einem Papier der US-Abrüstungsbehörde)

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mai bis Dezember 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufgezwungenes Risiko&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*
14. Januar L987

INHALT
DOKUMENTATION
Martin Luther King's mutiger Kampf b l e i b t a l s Vermächtnis lebendig
- P r ä s i d e n t Reagans Proklamation zum Martin Luther King j r . - G e d e n k t a g

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan legt Haushalt fUr 1987/88 vor
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen

HINTERGRUNDMATERIAL
Das Gerede vom Zusammenbruch des Kommunismus ist Unsinn
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwerpunkte;

Raumtransporter und Forschung

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

14. Januar 1987

MARTIN LUTHER KING'S MUTIGER KAMPF BLEIBT ALS VERMÄCHTNIS LEBENDIG
- Präsident Reagans Proklamation zum Martin Luther King Jr.-Gedenktag -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 9. Januar 1987 verkündeten Botschaft zum
Martin Luther King Jr. - Gedenktag am 19. Januar erklärte Präsident Reagan,
daß der ermordete Führer der Bürgerrechtsbewegung und sein "mutiger Kampf für
Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit für uns ewiges Andenken und lebendiges Vermächtnis bleibt".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut

Indem wir den Geburtstag des Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King
feiern, ehren wir einen Amerikaner,
der die große Ungerechtigkeit der
Rassentrennung
und
Diskriminierung
erkannte und es zu seinem Lebensinhalt und -Ziel erklärte, dieses Unrecht in Recht umzuwandeln, in Gerechtigkeit,
Freiheit,
Gleichheit,
Fairness und Versöhnung.
Weil Dr. King der Gewalt abschwor
und sich statt dessen auf seine Eloquenz und auf die moralische Kraft
seiner Überzeugung verließ, hat die

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von ihm angeführte Sache nicht nur
das Gesetz, sondern auch das Herz und
den Verstand vieler Menschen verändert. Dr. King hat Verhaftungen, Gewalt und Bedrohung getrotzt, weil er
der Auffassung war:
"Die Geschichte
hat immer wieder bewiesen, daß unverdientes Leid gesühnt wird".
Martin
Luther King Jr. ist der von ihm so
leidenschaftlich
bekämpften
Gewalt
anheimgefallen - aber sein Streben
nach Gewaltlosigkeit
hatte bereits
unser
Land unwiderruflich
und zum
Besseren verändert.

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�Dr. King hat die Verwirklichung
des amerikanischen
Traums oft als
seine Vision beschrieben. Er hat sie
1961 den Absolventen der Lincoln University mit einem Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung
verdeutlicht:
"Folgende Wahrheiten betrachten wir
als
selbstverständlich:
daß
alle
Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen,
unveräußerlichen Rechten ausgestattet
sind; daß dazu Leben, Freiheit und
das Streben nach Glück gehören...".
Er sagte dazu ganz einfach:
"Dies
ist der Traum.11
Dr. King betonte,
daß dieser Traum niemanden von seinem
Versprechen und seinem Schutz ausschließt und daß er betont, daß die
Rechte jedes Einzelnen von Gott gegeben sind und "vom Staat weder verliehen noch genommen werden können".
Martin Luther King Jr. legte auch
seine Vision des ewigwährenden, in
der Heiligen Schrift niedergelegten,
Rufs nach Gerechtigkeit, Vergebung,
Brüderlichkeit
und
der
Liebe
zum
Nächsten dar. Er betete oft mit den
Worten des Propheten Arnos: "Laß die
Gerechtigkeit wie Bäche fließen und
die Rechtschaffenheit wie einen mächtigen Strom".
Dr. King hat klar und überzeugend
mit bewegenden Geschichten an die
Menschen
appelliert, wie etwa mit
seiner
Beschreibung
eines
kleinen
Mädchens, das mit seiner Mutter demonstrierte und auf die Frage eines
Polizisten:
"Was willst Du?" antwortete:
"Freiheit".
"Sie konnte das
Wort kaum aussprechen aber kein Engel
Gabriels hätte es überzeugender vorbringen können".
Jeder Amerikaner kennt die Geschichte von Dr. King's letzter Predigt am 3. April 1968, am Abend vor
seinem Tod. Er bekannte, daß er kein
langes Leben wolle, sondern Gottes
- 2

Willen tun. Er sagte, er sei auf dem
Gipfel des Berges gewesen und habe
das Gelobte Land gesehen.
Amerika
werde in dieses Land gelangen, aber
"ich werde vielleicht nicht mit Euch
gehen... Ich bin heute abend glücklich.
Ich habe keine Angst.
Ich
fürchte niemanden. Meine Augen haben
das Licht der Ankunft des Herrn geschaut".
Fünf Jahre zuvor hielt Dr. King
seine Eloge auf die bei einem Bombenangriff auf ihre Sonntagsschule ums
Leben gekommenen Kinder und sprach
Worte des Trostes, der Versöhnung und
des Versprechens.
Er
sagte, wir
sollten nicht verzweifeln, nicht bitter werden oder den Glauben in unseren Nächsten verlieren. Der Tod beende nicht den Satz des Lebens, sondern "verhilft ihm zu einer erhabenen
Bedeutung". Den Eltern der getöteten
Kinder sagte er, daß ihre Töchter
nicht lange, aber gut gelebt hätten:
"Der Ort ihres Todes und das, was sie
im Angesicht des Todes getan haben,
setzt jedem von Ihnen ein wunderbares
Zeichen und ist ihr ewiges Andenken".
Sicher wird Dr. Kings mutiger Kampf
für
Gerechtigkeit,
Gleichheit
und
Brüderlichkeit uns als sein ewiges
Andenken und lebendiges Vermächtnis
bleiben.
Am 4. April 1967, genau ein Jahr
vor seiner Ermorderung hat Dr. King
in einer Predigt die berühmten Zeilen
aus dem Gedicht "The Present Crisis"
von James Russell Lowell zitiert:
"Once to every man and nation comes
the moment to decide; In the strife
of Truth with Falsehood, for the good
or evil side;..." Dr. King hat sich
für die gute Seite entschieden und
die Entscheidung der Nation, dasselbe
zu tun, ist ein Maßstab für seine
Größe.
Kraft des Gesetzes 98-144 ist der

�dritte Montag im Januar jeden Jahres
zum Feiertag erklärt worden, zu Ehren
des Geburtstags
von Martin Luther
King, Jr.
Deshalb
erkläre
ich,
Ronald
Reagan,
Präsident
der
Vereinigten
Staaten von Amerika, kraft der mir
von der Verfassung und den Gesetzen
der Vereinigten Staaten von Amerika
eingeräumten Autorität, Montag, den
19. Januar 1987 zum Martin Luther
King Jr.-Gedenktag.
Zum Zeugnis dessen unterschreibe
ich an diesem neunten Tag im Januar,
im Jahre des Herren neunzehnhundertsiebenundachtzig, und im zweihundertelften Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.
(gezeichnet)
Ronald Reagan

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
'«rioN

14. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT FÜR 1987/88 VOR
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 5. Januar 1987 dem amerikanischen Kongreß seinen Voranschlag für den Bundeshaushalt 1988 vorgelegt (das
Haushaltsjahr dauert vom 1. Oktober 1987 bis zum 30. September 1988). In diesem Zeitraum sollen die Regierungsausgaben weiter reduziert werden, um, so
Reagan, "eine erhebliche Bedrohung unseres künftigen Wohlstandes" abzuwenden.
"Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch fortlaufend hohe Ausgaben herbeigeführte Defizit stellt für
die mit der Steuerreform eingeführten niedrigeren Steuersätze eine Bedrohung
dar und behindert Fortschritte in unserer Handelsbilanz".
Die Begleitbotschaft
folgenden Wortlaut:

des Präsidenten

Der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung, der seit etwa 50 Monaten anhält, ist bereits jetzt einer der
längsten der Nachkriegszeit und verspricht, eine Rekorddauer zu erreichen.
Dies läßt sich nicht einfach
auf Zufälle zurückführen, sondern ist
das Ergebnis einer in den vergangenen
sechs Jahren erfolgreich angewandten
Politik.
Das verfügbare Privateinkommen ist auf dem höchsten je erreichten Niveau und steigt weiter,
ebenso wie die Gesamtproduktion und
der Lebensstandard; der Zuwachs bei
der Beschäftigtenrate ist ausgezeichnet.
Die 1980 noch zweistellige In-

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zu seinem

Haushaltsvoranschlag

hat

flationsrate
wurde erheblich abgebaut.
Die im Laufe der siebziger
Jahre
gefährlich
geschwächte
Leistungsfähigkeit
im Verteidigungsbereich ist zum größten Teil wiederhergestellt und gibt uns ein angemesseneres Maß an nationaler Sicherheit
zurück. Der unannehmbare Anstieg der
Steuerbelastungen
und
Bundesbestimmungen ist zum Stillstand gebracht
worden, ein unsäglich komplexes und
ungerechtes
EinkommensSteuerSystem
wurde
radikal reformiert, und das
größte jemals durchgeführte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung kommt

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�Firmen und Privatpersonen erheblich
gesenkt.
Sechs
Millionen
Steuerzahler mit niedrigem Einkommen fallen aus der Kartei der
Steuerzahler heraus. Der hemmende Effekt unserer Steuergesetze
auf die Initiative des Einzelnen
ist dramatisch abgebaut worden.
Das
reale Privateinkommen
nach
Steuern ist in den vergangenen
vier Jahren um 15 Prozent gestiegen und hat unseren gesamten Lebensstandard erhöht.

jetzt in allen größeren Bundesbehörden zum Einsatz. Es waren also sechs
gute Jahre.
Der nun im fünften Jahr anhaltende Aufschwung hat bereits fünf der
sieben
bisherigen
Aufschwungphasen
der Nachkriegszeit an Dauer übertroffen, und maßgebende Wirtschaftsindikatoren weisen auch für die Zukunft
auf Wachstum hin. Unsere Politik hat
sich ausgezahlt. Lassen Sie mich Ihnen einige Höhepunkte des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs darlegen:

Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
durch
moderne Ausrüstung
sowie
durch
erfolgreiche
Einstellung
und
Weiterbeschäftigung
besser
qualifizierten Personals verbessert worden; die Bereitschaft,
Ausbildung und die Moral unserer
Soldaten wurden verbessert.

- In den vergangenen vier Jahren
sind 12,4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden, und die
Gesamtzahl der Arbeitslosen ist
um
3,7
Prozentpunkte
gesunken.
Verglichen damit ist die zahl der
Arbeitsplätze
in anderen Industrieländern nicht bedeutsam angestiegen, und die Arbeitslosenzahlen sind weiterhin hoch geblieben.

Nach Jahren des schnellen Wachstums, das nicht aufrecht zu erhalten war, sind die Bundesausgaben für nationale Programme, außer für feste Haushaltsverpflichtungen, in den vergangenen vier
Jahren
im wesentlichen
niedrig
geblieben.

- Die vor meinem Amtsantritt
im
Jahresdurchschnitt etwa 10,3 Prozent betragende Inflation hat in
den
vergangenen
vier
Jahren
durchscnittlich weniger als ein
Drittel davon ausgemacht - 3,0
Prozent.
Die Inflation war 1986
mit etwa 1 Prozent auf ihrem
niedrigsten Stand seit mehr als
20 Jahren.
- Der Leitzins und andere wichtige
Zinssätze
betragen
die
Hälfte
dessen, was sie 1981 ausmachten.

Seit 1981 ist die von den Antragstellern
mit dem Ausfüllen
von Formularen der Bundesregierung verbrachte Zeit um über 600
Millionen Stunden gesunken, und
die Anzahl der jährlich im Bundesgesetzblatt
veröffentlichten
Seiten ist um 45 Prozent abgebaut
worden.

Owischen
1981
und
1986
haben
zahlreiche
Änderungen
in
der
Steuergesetzgebung,
einschließlich der im vergangenen Jahr erfolgten vollständigen Überarbeitung, die Steuererklärung vereinfacht, das Steuergesetz gerechter
gemacht und die Steuersätze für

Unser
anhaltender
Kampf
gegen
Verschwendung, Betrug
und Mißbrauch
von
Regierungsprogrammen
hat sich bezahlt gemacht, da der
Rat für Integrität und Effizienz
des
Präsidenten
84
Milliarden
Dollar an Mitteln eingespart hat,
die wirkungsvolleren Zwecken zu2 -

�hung dar und behindert Fortschritte
in unserer Handelsbilanz.

geführt worden sind.
- Schließlich haben die Bundesbehörden das bisher größte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung
eingeführt, um die Regierung verstärkt mit der
in der
freien
Wirtschaft üblichen Arbeitsweise
vertraut zu machen.
Die dramatische Verbesserung bei
den Leistungen unserer Regierung ist
auf das standhafte Festhalten an den
vier grundsätzlichen Prinzipien des
Wirtschaftsprogramms
zurückzuführen,
das ich im Februar 1981 vorgestellt
habe:
- Begrenzung des Anstiegs der Bundesausgaben ,
- Abbbau der Steuerlast,
- Entlastung
der
Wirtschaft
von
übertriebenen Bestimmungen und
Schreibarbeit, und
- Unterstützung einer gesunden
stabilen Geldpolitik.

und

(Zusammenfassung der Haushaltsausgaben siehe Ende des Artikels)

Die Notwendigkeit des Defizitabbaus
Der Grundstein für ein dauerhaftes Zeitalter nationalen Wohlstandes
ist gelegt. Aber eine erhebliche Bedrohung unseres zukünftigen Wohlstandes bleibt bestehen: Das Defizit bei
den Bundesausgaben. Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung
der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch andauernd hohe Ausgaben
herbeigeführte Defizit stellt für die
mit
der
Steuerreform
eingeführten
niedrigeren Steuersätze eine Bedro-

Wir können nicht zulassen, daß
dies geschieht. Deshalb ist es eine
unserer Hauptzielsetzungen in diesem
Haushaltsplan, einen kontinuierlichen
Abbau des Defizits sicherzustellen,
bis ein ausgeglichener Haushalt erzielt ist.
Mit diesem Haushalt wird das Ziel
eines Defizits von 108 Milliarden
Dollar erreicht, wie es im Gesetz
über einen ausgewogenen Haushalt und
Defizitkontrolle,
das
nach
seinen
Förderern
auch
als
Gramm-RudmanHollings bezeichnet wird, niedergelegt ist. Gramm-Rudman-Hollings hat
sowohl dem Präsidenten als auch dem
Kongreß einen festen Zeitplan für den
Fortschritt zu einem Abbau des Defizits auferlegt.
Ich löse mein Versprechen ein, indem ich diesen Haushaltsentwurf rechtzeitig vorlege und
ich fordere den Kongreß auf, dasselbe
zu tun. Wenn die Zielsetzungen zum
Abbau des Defizits außer acht gelassen würden, sähen wir uns einer beispielslosen Zunahme der Ausgaben gegenüber, die sich dieses Land nicht
leisten kann.
Dieser
Haushaltsentwurf
zeigt,
daß mit der Zeit die Ausmerzung de3
Defizits möglich ist, ohne die Steuern anzuheben, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft zu opfern und ohne
Abstriche bei berechtigten Programmen
für ältere und arme Mitbürger machen
zu müssen.
Gleichzeitig werden dadurch zusätzlich benötigte Mittel für
andere Programme von höchster Priorität bereitgestellt.

Der Abbau des Defizits im Jahr 1988
Obwohl
jedem der

- 3 -

das Haushaltsdefizit
in
letzten vier Jahre genau

�oder etwas mehr als 5 Prozent vom
Bruttosozialprodukt (BSP) betrug, habe ich in jedem Jahr einen Weg vorgeschlagen, um das Defizit abzubauen und dies hauptsächlich durch die Beschränkung unnötiger Ausgaben im Inland.
Der Kongreß hat jedoch die
meisten dieser Vorschläge zurückgewiesen; deshalb ist der von uns erzielte Fortschritt viel bescheidener
ausgefallen als möglich gewesen wäre.
In diesem Jahr wird es voraussichtlich eine erhebliche Wende zum
Besseren geben. Das Defizit wird im
Jahr
1987 voraussichtlich etwa 48
Milliarden
Dollar
weniger
betragen
als im Jahr 1986 und sollte auf weniger als 4 Prozent des BSP zurückgehen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung
werden die
Bundeseinnahmen
schneller zunehmen als die vom Kongreß für dieses Jahr bewilligten Ausgaben steigen werden.
Trotzdem gibt es keine eindeutige
Garantie dafür, daß der Fortschritt
hin zu einem anhaltend geringeren Defizit und letztendlich einem ausgewogenen Haushalt fortdauern wird. Auf
der
Basis gegenwärtiger
Leistungen
wird das Defizit in den nächsten fünf
Jahren weiterhin abnehmen, aber dieser Rückgang geschieht schrittweise
und ist anfällig gegenüber möglichen,
finanziell unverantwortlichen Maßnahmen des Kongresses bei einer Reihe
von Ausgabeprogrammen. Er ist ebenso
von einer möglicherweise schlechter
als
erwartet
ausfallenden
Wirtschaftslage bedroht, da alle Planungen auf der Annahme aufgebaut sind ,
daß die notwendigen Ausgabenkürzungen
vorgenommen werden.
Dieser Haushalt für das Jahr 1988
kann dem Defizit einen entscheidenden
Sclag versetzen. Wenn die in dieser
Haushaltsvorlage unterbreiteten Vorschläge angenommen werden, und wenn

sich die Wirtschaft weiterhin gemäß
den Zuwachsraten und Inflation betreffenden Annahmen des Haushaltsentwurfs verhält, sollte das Defizit in
diesem zweiten Jahr erheblich, d.h.
um 65 Milliarden Dollar, abnehmen und
somit auf weniger als 2,5 Prozent des
BSP absinken.
Ein derartiger Abbau
würde das Defizit wieder auf den Rahmen beschränken, wie wir ihn früher
in Friedenszeiten des Friedens erlebt
haben und uns unserem ziel eines ausgewogenen Haushalts viel näher bringen.
Darüber hinaus wird der Kongreß,
wenn er die in diesem Haushaltsentwurf enthaltenen Vorschläge akzeptiert, in den kommenden Jahren einen
weiteren Abbau des Defizits sicherstellen, weil sich die Einsparungen
bei bestimmten Programmen, und seien
sie 1988 noch so gering, in vielen
Fällen später zu einem größeren Aufkommen ansammeln würden.
Angesichts
des guten Anfangs im Jahr 1987 erhält
der Kongreß in diesem Jahr - durch
die Annahme der Haushaltsvorlage
die Möglichkeit, die schlimmsten Defizitprobleme von uns abzuwenden.
Die Annahme der Ausgabenkürzungen
und anderer in diesem Haushalt vorgeschlagenen Reformen würde das bei den
Bundesausgaben bestehende Defizit in
den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 54 Milliarden Dollar pro
Jahr vermindern; das heißt, auf jährlich 220 Dollar für jeden einzelnen
Amerikaner und auf 600 Dollar pro
Haushalt. Meiner Ansicht nach ist es
die richtige Art und Weise, mit dem
Defizit fertigzuwerden, wenn man die
übermäßigen
Bundesausgaben
abbaut
statt mit höheren Steuern auf die
Privateinkommen zurückzugreifen, unsere nationale Sicherheit zu schwächen, das Vertrauen der armen und älteren Mitbürger zu verlieren und über
die
Erfordernisse
für
zusätzliche

�Mittel für andere Programme von höchster Priorität hinwegzusehen.

Ein wettbewerbfähigeres
tiveres Amerika

und

produk-

Der Defizitabbau ist eine gewaltige Aufgabe - aber er kann und muß
erreicht werden, wenn man die Aufmerksamkeit ernsthaft auf seine Auswirkungen
auf Amerikas Wirtschaft,
Unternehmen, Bundes- und Staatsregierungen,
soziale
Einrichtungen
und
einzelne Bürger lenkt. Der Abbau des
Defizits wird die den privaten Kreditmärkten
von der
Bundesregierung
auferlegte Last verringern.
Die in
diesem Haushalt vorgeschlagenen besonderen Maßnahmen zum Abbau des Defizits würden die Wettbewerbsfähigkeit - und die Produktivität - unserer
Regierung
unterstützen
helfen.
Diese Ziele sind bei der Erarbeitung
des Haushaltsplans besonders in Betracht gezogen worden.

Programme von höchster Priorität
sollten angemessen finanziert werden
Trotz der allgemein sehr angespannten
finanziellen
Lage, stellt
dieser
Haushalt
angemessene
Mittel
zur Erhaltung und in einigen Fällen
auch zur Erweiterung von solchen Programmen von höchster Priorität bereit, die im nationalen Interesse eine
Schlüsselposition
einnnehmen.
Einige Beispiele:
- unerläßliche Dienstleistungen und
Einkommenszuschüsse für die älteren
und
bedürftigen
Mitbürger
werden erweitert;
- die unter meiner Initiative zum
Drogenmißbrauch
1987
begonnenen
Bemühungen zu dessen Verhütung,
Behandlung und der Forschung auf
- 5 -

diesem Gebiet werden fortgesetzt,
zumal sich die für die Durchführung der Drogengesetzgebung bereitgestellten Mittel seit meinem
Amtsantritt verdreifacht haben.
- der Haushalt sieht 85 Millionen
Dollar für die intensivere Gesundheitsfürsorge derjenigen Bevölkerungsgruppen mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate vor;
- über eine halbe Milliarde Dollar
werden für die Forschung und die
Aufklärungskampagnen
über
AIDS
bereitgestellt, eine 28prozentige
Zunahme gegenüber dem Niveau von
1987 und mehr als das Doppelte
unserer Bemühungen im Jahr 1986
(zusätzlich werden von der Veteranenbehörde
und vom Verteidigungsministerium
100
Millionen
Dollar
für die Behandlung von
AIDS und Blutuntersuchungen bereitgestellt) .
- Angesichts
der
Vormachtstellung
unseres Landes auf dem Gebiet der
biomedizinischen
Grundlagenforschung will der Haushalt die von
den nationalen Gesundheitsbehörden
bewilligten
Ausgaben
für
mehrjährige biomedizinische Forschungstipendien übernehmen.
- Gegenüber 1987 werden 200 Millionen Dollar mehr für die zusätzliche Ausbildung von bildungsmäßig benachteiligten Kindern vorgeschlagen .
- Augenblicklich
unwirksame
Programme
zur Unterstützung
umgesetzter Arbeitskräfte werden von
einem
erweiterten
Programm
in
Milliarden-Dollar-Höhe
ersetzt,
das sorgfältig darauf ausgerichtet ist, Arbeitnehmern, die aus
ihre
Arbeitsstellen
verdrängt
wurden, zu neuen Stellen zu ver-

�helfen.
Eine um 68 Prozent erhöhte Finanzierung wird bereitgestellt, um
die Bundesluftfahrtbehörde in die
Lage zu versetzen, das Flug Leitsystem des Landes zu modernisieren; dazu zählt auch die Bereitstellung von Dopplerradars, die
in der Lage sind, Abwinde auszumachen, die Starts und Landungen
auf den Flughäfen behindern, wo
diese ein Risiko darstellen;
- 1988 werden 400 Millionen Dollar
bereitgestellt, um die neu erlassene
Einwanderungsgesetzgebung
durchzuführen;
- Erhebliche
Mehrausgaben
werden
bereitgestellt für die Finanzierung von Versuchen bei Technologien für eine saubere Kohleverbrennung, die Forschung zur Entstehung sauren Regens und dessen
Auswirkungen auf die Umwelt, um
das Problem des sauren Regens anzugehen, und
- dieser Haushalt sieht ferner eine
Initiative für neue Technologien
der zivilen Raumfahrt vor, zusammen mit bereits geplanten zusätzlichen Mitteln für den Bau einer
Raumstation, der Entwicklung eines
nationalen
Plans
für
die
Luft- und Raumfahrt und der Unterstützung der kommerziellen Erschließung des Weltraums.
In den vergangenen sechs Jahren
gehörte die Wiederherstellung der nationalen Sicherheit wegen der durch
die Unterfinanzierung in der Mitte
und gegen Ende der siebziger Jahre
entstandenen ernstlichen Schwächen zu
meinen höchsten Prioritäten.
Trotzdem sind internationale und Verteidigungsprogramme nicht den Auswirkungen
der staatlichen Einsparungen entgan-

gen. Der Verteidigungshashalt ist in
jedem der vergangenen zwei Jahre real
zurückgegangen. Wir können nicht zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt.
In diesem Haushalt schlage
ich gegenüber dem im vergangenen Jahr
bewilligten Niveau einen realen Zuwachs von 3 Prozent vor. Die Forderung bedeutet mit etwa 8 Milliarden
Dollar weniger
als im vergangenen
Jahr das minimale Niveau, auf dem eine angemessene Verteidigung unseres
Landes aufrechterhalten werden kann.
Ebenso unerläßlich für unsere Bemühungen
zur Aufrechterhaltung
der
nationalen Sicherheit ist meine Forderung für unsere Programme der internationalen
Angelegenheiten.
Ich
fordere den Kongreß auf, die schädigenden Kürzungen des vergangenen Jahres nicht zu wiederholen, sondern
diese Programme voll und ganz zu finanzieren.
Bei
anderen
Bundesprogrammen
sollte das System der Schaffung von
Anreizen verändert werden, um mehr
Leistungs- und
Wettbewerbsfähigkeit
zu fördern.
Eines der Probleme vieler Bundesprogramme besteht darin, daß diese
Zahlungen leisten, ohne Leistung und
Effizienz zu fördern. Sie werden als
"kostenlos" angesehen und deshalb besteht
potentiell
eine
unbegrenzte
Nachfrage danach.
Das muß geändert
werden - und dieser Haushalt schlägt
in den hier wichtigen Bereichen die
Schaffung von Anreizen vor.
Unsere mit dem Food Security Act
von 1985 eingeleiteten Programme zur
Stützung der Preise in der Landwirtschaft erweisen sich als viel zu
kostspielig - als eineinhalb mal so
teuer
wie
die
Schätzungen
veranschlagten, als das Geetz in Kraft
trat. Die 1987 an Subventionen aus-

�gegebenen 25 Milliarden Dollar bilden
14 Prozent unseres gesamtes Bundesdefizits und bedeuten, daß von den
Steuern einer jeden, nicht in der
Landwirtschaft
tätigen Familie 415
Dollar abgezogen werden, um die Einkommen der Landwirte zu stützen
über den Betrag hinaus, den sie durch
die gestützten Preise schon beim Lebensmittelhändler
bezahlen.
Einige
Bestimmungen des Gesetzes ermutigen
die Landwirte zu einer Überproduktion, nur damit sie Bundeszuschüsse
in Anspruch nehmen können.
Andere
Bestimmungen teilen unseren größten
und leistungsfähigsten Erzeugern die
größten Zuschüsse zu statt den wirklich hilfsbedürftigen Familienbetrieben.
Meine Administration wird Zusatzklauseln zu diesem Gesetz vorschlagen, damit es in erster Linie
den
Familienbetrieben,
die
ausschließlich
von der
Landwirtschaft
leben, zugute kommt, indem es die den
großen Erzeugern zu zahlenden Beträge
wirkungsvoll begrenzt und den Landwirten die Anreize zur Überproduktion
wegen der Bundeszuschüsse nimmt.
Es wird ferner eine Reform im
Medicare-Zahlungssystem
für
Srzte
vorgeschlagen.
Den Vorschlägen zufolge würde Medicare Leistungen für
Radiologie, Anästhesie und Pathologie
(radiology,
anestesiology
and
pathology - RAP) gemäß den durchschnittlich in dem betreffenden Bezirk anfallenden Kosten zahlen, statt
einzelne der Inflation unterworfene
Rechnungsbeträge
zurückzuerstatten.
Die momentane Erstattung des Rechnungsbetrages
zerstört Anreize und
leistet der Haltung Vorschub, unangemessene Rechnungsbeträge für unnötige
Dienstleistungen zu fordern.
Diese
Initiative würde die durch das augenblickliche Rückerstattungssystem von
Medicare hervorgerufenen Verzerrungen
beseitigen und somit eine wichtige
Schranke abbauen, die bisher die Wie-

derherstellung der bereits bestehenden Vereinbarungen zwischen RAP-Srzten und Krankenhauspersonal verhindert h3t.
Die Haushaltsvorlage schlägt eine
fortlaufende Erhöhung der mit Bundesmitteln unterstützten Grundlagenforschung vor, die zu längerfristigen
Verbesserungen
der
Leistungsbereitschaft unseres Landes und der weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
führen
wird.
Zum Beispiel sieht der Haushalt innerhalb von fünf Jahren eine
Verdopplung der vom Nationalen Wissenschaftsfonds für die akademische
Forschung
geleisteten
Unterstützung
vor. Ich schlage ferner vor, die Unterstützung zur Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Ingenieure zu
erhöhen und einen stärkeren Technologie-Transfer von der Regierung zur
Industrie zu pflegen.
Ein anderer Weg, um den von der
Regierung gelieferten Dienstleistungen einen "Wert" - und den Anreiz,
sie nur bei Bedarf in Anspruch zu
nehmen - zu geben, wäre es, in angemessenem
Rahmen dafür Gebühren zu
verlangen. Diejenigen, die besondere
Bundesdienstleistungen
in
Anspruch
nehmen - und nicht der Steuerzahler
schlechthin
- sollten den größten
Teil der Kosten für diese Dienstleistungen
tragen.
Demgemäß
erhebt
dieser Haushaltsplan Gebühren für alle Bundesdarlehen, für die Fleischund Geflügelbeschau, die nationalen
Wald- und
Parkanlagen, die Küstenwache, Zollkontrollen und einige andere Dienstleistungen.

Die Regierung
sollte aufhören,
mit dem Privatsektor zu konkurrieren
Die
Bundesregierung
stört
Produktivität des Privatsektors

- 7 -

die
auf

�vielerlei
Art
und
Weise.
Einmal
durch Darlehen von Kreditgebern zur
Finanzierung von nicht mehr benötigten Programmen - wie dies im Fall des
Versicherungsfonds für Häuser auf dem
Land geschehen ist, ebenso bei der
direkten finanziellen Hilfen für Studenten, den nach Ermessen vergebenen
Zuschüssen für den öffentlichen Personennahverkehr,
freiwilligen
Ausbildungsbeihilfen, dem Fonds des Bundesverbandes der Ernte-Versicherer,
Bauzuschüssen für Kläranlagen, Beihilfen für Rechtsbeistand, die Gesellschaft
für
juristische Dienstleistungen und Zuschüsse zur Elektrifizierung
ländlicher
Gebiete.
Ich
schlage in diesem Haushalt die Abschaffung dieser Programme vor und
verlasse mich statt dessen darauf,
daß sich der Privatsektor, der Staat
oder die Stadtverwaltung dieser Bereiche annehmen wird.
Die Haushaltsvorlage schlägt auch
eine Reihe von Programmen vor, die
entweder durch öffentliche Angebote
oder Verkäufe an den Privatsektor zurückverwiesen werden sollten.
Nach
unseren erfolgreichen Bemühungen um
die Zulassung zum Verkauf von Conrail
schlage ich jetzt den Verkauf von
Kraftstoffreserven
der Marine, von
AMTRAK, der Energiebehörde Alaskas,
des Helium-Programms und von überschüssigen Immobilien vor.
Darüber
hinaus schlage ich der Legislative
vor, zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, die Energiebehörde des
Südostens abzustoßen. Diesen "Privatisierungsbemühungen" kommt auch weiterhin in meiner Administration die
höchste Priorität zu, und meiner Ansicht nach werden sie größere Produktivität und niedrigere Gesamtkosten
für diese Dienstleistungen mit sich
bringen. Die Bundesregierung muß unerläßliche
Dienstleistungen
bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Umfang nach natio-

nal sind.
Es geht nicht an, daß
Dienstleistungen für einzelne Bürger
bereitgestellt werden, die ebensogut
oder sogar noch besser vom Privatsektor, den Staats- oder Stadtverwaltungen angeboten werden können.
Die Bundesregierung sollte sich
mehr auf den Privatsektor verlassen,
wenn es darum geht, Dienstleistungen
zur Hilfe und Unterstützung von Aktivitäten anzubieten, die in den Händen
des Bundes verbleiben.
Der Haushaltsplan schlägt vor, daß die jetzt
von
über
40 000
Bundesangestellten
verrichtete Arbeit an den Privatsektor vergeben wird, um die Produktivität zu erhöhen, Kosten zu senken, und
die Dienstleistungen zu verbessern.

Kreditprogramme des Bundes sollten über den privaten Markt abgewickelt werden und ihre realen
Kosten offenbaren
Die Bundesregierung stellt Kredite für das Bauwesen, die Landwirtschaft, kleinere Gewerbebetriebe, das
Bildungswesen und für viele andere
Zwecke zur Verfügung.
Im Augenblick
stehen mehr als eine Billion Dollar
an Bundesdarlehen oder an vom Staat
bezuschußten Darlehen aus.
Zusammen
mit der Kreditvergabe von staatlich
geförderten Unternehmen belief sich
das Kreditvolumen des Staates auf 14
Prozent aller 1985 auf den amerikanischen Kreditmärkten vergebenen Kredite.
Den augenblicklichen Modalitäten
zufolge
scheinen
Anleihegarantien
"kostenlos" zu sein, sie beeinträchtigen den Haushalt nicht, solange die
Schuldner ihre Verbindlichkeiten einhalten.
Direkte Kredite werden bei
ihrer Erteilung
als Ausgaben verbucht, bei ihrer Rückzahlung jedoch
als "negative Ausgaben", daher schei-

�nen Direktkredite ebenso "kostenlos"
zu sein, weil mit ihrer Rückzahlung
gerechnet wird.
Aber weder Direktkredite
noch Anleihegarantien
sind
kostenlos. Abgesehen von den besseren Bedingungen, die ein Schuldner
von der Regierung erhält, gibt es
noch das Problem der nicht erfolgten
Rückzahlung.
Wenn ein Kreditnehmer
seinen
Direktkredit
nicht
zurückzahlt, werden keine negativen Ausgaben verbucht, und das ist eine bereits in der ursprünglichen Kreditvergabe implizierte Subvention. Wenn
ein
Kreditnehmer
seine
garantierte
Anleihe nicht einlöst, muß die Regierung für die Rückzahlung aufkommen ebenfalls eine Subvention des Programms.
Da diese Auswirkungen nur schwer
verständlich
sind
und bei unseren
Kreditprogrammen zu deren erheblich
verminderter Leistungsfähigkeit führen, werden wir den Kongreß bitten,
ein Gesetz zu erlassen, durch das die
realen Kosten zur Führung der Bundeskreditprogramme im Haushalt in Erscheinung treten.
Indem wir einen
erheblichen Teil neu gewährter Kredite an den Privatsektor verkaufen und
neu
erteilte
Garantien
rückversichern, wird der bei der momentanen
Verfahrensweise
implizierte
Zuschuß
sichtbar werden.
Diese Reform wird
die Art und Weise revolutionieren, in
der die Kreditaktivitäten des Bundes
durchgeführt werden.
Der Privatsektor wird sich ferner
zunehmend mit dem Management unseres
gewaltigen Bestands ausstehender Kredite und Anleihegarantien beschäftigen. Säumige Bundeskreditnehmer werden an private Auskunfteien verwiesen
und private Inkassobüros werden uns
bei der Rückforderung helfen.
Die
Finanzbehörden (Internal Revenue Service - IRS) wird seinen "Ausgleich"
von
Rückerstattungen
erweitern, um

ausstehende Schulden beim Staat zu
tilgen, und Bundesangestellten, die
Bundeskredite nicht zurückgezahlt haben, wird das Gehalt gepfändet.

Die erweiterte Rolle der Regierungen von Bundesstaaten und
Städten
Ich habe in den vergangenen 3echs
Jahren versucht, verschiedene Dienstleistungen des Bundes an die Regierungen der Bundessstaaten und Städte
zurückzuverweisen. Diese können viel
besser auf die Bedürfnisse der Empfänger dieser Dienstleistungen eingehen.
Für mich ist dies eine Frage
der Reorganisation von Pflichten in
unserem System auf eine Art und Weise, die zu einer effizienteren Bereitstellung dieser Dienstleistungen
führen wird, deren Notwendigkeit wir
alle zustimmen.
Deshalb läßt diese
Haushaltsvorlage
das
unangemessene
Engagement der Bundesregierung auslaufen, und zwar im örtlichen Polizeiwesen, der Behandlung von Abwässern, bei Privatschulen und bei der
Erschließung von Landkreisen und Gebieten. Verkehrsprogramme werden zusammengelegt oder den Staaten wird
für die Verwendung von Bundesmitteln
für Autobahnen, öffentlichen Personennahverkehr und Flughäfen ein größerer Spielraum zugestanden.

Bundesvorschriften müssen zur
Förderung der Produktivität weiter abgebaut werden
Meine
Administration
wird
die
1981
begonnenen
Bemühungen,
Vorschriften auszusetzen und Bestimmungen abzubauen, fortsetzen.
Die dem
Vizepräsidenten
unterstehende
Arbeitsgruppe zur Entlastung von Bestimmungen ist wiedereingesetzt worden.
In der Vergangenheit haben zu

- 9 -

�viele Bundesvorschriften und die damit verbundene Schreibarbeit die amerikanische
Produktivität
und
die
Freiheit des Einzelnen erdrückt. Wir
müssen unsere Bemühungen zur Vereinfachung der Verfahrensweisen fortsetzen und das richtige Maß zwischen
notwendigen Vorschriften und der damit verbundenen Schreibarbeit auf der
einen und den Kosten für diese Erfordernisse auf der anderen Seite finden.

Die Aktivitäten der Bundesregierung sollten besser gelenkt werden
Das amerikanische Volk verdient
eine bestmöglich geleitete Bundesregierung.
Im vergangenen Jahr habe
ich das Produktivitätsprogramm
der
Bundesregierung
ins Leben gerufen,
mit dem Ziel, die Produktivität in
bestimmten Bereichen bis 1992 um 20
Prozent zu steigern. In diesem Programm
ist auch ein beträchtlicher
Teil der Arbeitsplätze des Bundes
erfaß, die dem Landwirtschaftsministerium
unterstehende
Fleisch- und
Geflügelbeschau, die Wartung und Reparatur von Marineflugzeugen, die Bearbeitung von Sozialversicherungsansprüchen, die Unterhaltung von Nationalparks, die Leitung von Bundesgefängnissen und die Bearbeitung von
Steuerrückerstattungen durch die IRS.
Die Reform des Kreditwesens, Privatisierung, Verbesserung
der
Produktivität und andere Vorschläge werden in dem in diesem Monat herausgegebenen Verwaltungsbericht näher beschrieben. Darin werden ferner weitere Maßnahmen zum Abbau von Verschwendung, Betrug und Mißbrauch vorgeschlagen, ferner die Verbesserung
des Umgangs mit 1,7 Billionen Dollar
Regierungsgeldern,
die
Einrichtung
kompatibler
Abwicklungsmodalitäten
für alle Bundesbehörden und andere
Initiativen zur Verbesserung der Lei-

tung von Regierungsbehörden.
Dieses
ehrgeizige Unternehmen zur Reform der
Verwaltung, das den Namen "Reform 88"
trägt, stellt die größte jemals unternommene
Bemühung
einer
Verwaltungsreform dar .
Die
Haushaltsvorlage
schlägt
ebenfalls eine neue Methode der Entlohnung von Bundesangestellten vor,
die ihre Leistungsfähigkeit steigern.
Ich bitte den Kongreß um die Bewilligung eines neuen Plans zur Umwandlung
des augenblicklichen Systems der automatischen
Anhebung
innerhalb der
Gehaltsstufe, für das jedes Jahr etwa
40 Prozent der Angestellten infrage
kommen und das eine verborgene Gehaltsanhebung von 3 Prozent bedeutet,
in ein System, das "leistungsorientiert" ist. Damit werden Bundesangestellten
stärkere Anreize
geboten,
die Bereitstellung von Dienstleistungen zu verbessern.
Ich schließe in diese Haushaltsvorlage meine Empfehlungen zur Anhebung der Gehälter von geschäftsführenden Beamten der Exekutive, Legislative und Jurisdiktion der Bundesregierung ein. Der mir am 15. Dezember
1986 vorgelegte Bericht der alle vier
Jahre
zusammenkommenden
Kommission
(Quadrennial Commission) legt sowohl
das wahre Niveau der Aushöhlung von
Gehältern der geschäftsführenden Beamten dieser Bundesbehörden dar, die
seit 1969 besteht. Hieraus resultieren Probleme für Einstellung und Weiterbeschäftigung der Beamten, insbesondere im Gerichtswesen.
Der Kommission gebührt Lob für ihre sorgfältigen und gewissenhaften Bemühungen
bei der Behandlung der komplizierten
und komplexen Probleme des Lohnsystems innerhalb der Bundesregierung.
Jede einzelne der alle vier Jahre
zusammentretenden Kommissionen ist in
den vergangenen
18 Jahren zu dem

�Schluß gekommen, daß eine Gehaltserhöhung für Bundesbeamte in Schlüsselpositionen notwendig ist. Jede Kommission vertrat die Ansicht, daß das
Gehalt von höheren Regierungsbeamten
hinter das ihrer Kollegen im Privatsektor
zurückfällt.
Sie vertraten
ferner die Ansicht, daß wir uns keine
Regierung leisten können, die sich
nur aus solchen Mitgliedern zusammensetzt, die wohlhabend genug sind, um
sich in diesen Dienst zu begeben.
Leider fand die letzte Gehaltsangleichung
durch
die
Kommission
1977
statt, also vor bereits zehn Jahren.
Ich weiß jedoch, daß wir uns den
Bemühungen unterworfen haben, das Defizit der Bundesregierung abzubauen
und die Kosten für die Regierung auf
das absolute Minimum zu beschränken.
Vor diesem Hintergrund
glaube ich
nicht, daß es angemessen wäre, die
Empfehlung der Kommission in vollem
Umfang zu verwirklichen.
Ich habe mich deshalb entschlossen, eine Gehaltsanhebung vorzuschlagen, die jedoch erheblich unter den
von den Kommissionsmitgliedern in ihrem Bericht des letzten Monats abgegebenen Empfehlungen liegt.
Darüber
hinaus habe ich mich entschlossen,
eine Kommission für das Entlohnungssystem der höheren Angestellten einzurichten, die bis zum August nächsten Jahres angemessene Gehaltsklassen für die Führungspositionen der
Regierungsangestellten erarbeitet und
mir diese dann vorlegt. Die meinerseits
dem Kongress
vorgeschlagenen
Gehaltsanhebungen dieser neuen Kommission sollten die von der Regierung
gezahlten Gehälter auf eine gerechtere und besser vergleichbare Grundlage
stellen.

Frieden durch Stärke

Ich bin
zunehmend davon überzeugt, daß der einzige Weg, unsere
Gegner bei einem Rüstungsabbau an den
Verhandlungstisch zu bringen, darin
besteht, ihnen einen Grund zu Verhandlunen zu liefern - während wir
gleichzeitig
unserer
Verpflichtung
gegenüber unseren Bürgern und Verbündeten nachkommen, eine vor einer Aggression sichere Umgebung zu schaffen.
Wir haben unsere Verteidigungsfähigkeit wieder auf ein Niveau gebracht, das den heutigen Sicherheitsanforderungen eher entspricht.
Ein
bescheidener und anhaltender Anstieg
der Finanzierung im Verteidigungsbereich wird erforderlich sein, um die
von uns erzielten Zuwachsraten wirklich abzusichern.
Wir gehen wegen
der ernsten finanziellen Einschränkungen langsamer vor als ursprünglich
von mir geplant, und der von mir vorgeschlagene Haushalt stellt das notwendige Minimum zur Sicherung einer
angemessenen Verteidigung bereit.
Ich lege ebenfalls erstmals für
den Verteidigungshaushalt einen Zweijahresplan vor. Damit wird eine größere Stabilität bei der Bereitstellung der Mittel für unsere Verteidigungsbemühungen geschaffen, und das
sollte
zu einer
wirtschaftlicheren
Nutzung dieser Mittel führen.

Reform der Verfahrensweisen beim
Haushalt
Die augenblicklich beim Haushalt
angewandten
Verfahrensweisen
haben
keine funktionierenden und zuverlässigen Mechanismen für die Handhabung
des Haushalts der Bundesregierung bereitgestellt.
Die
Ausführung
von
Haushaltsvorlagen ist mühselig, komplex und schwierig. Sie erlaubt und
unterstützt einen
Prozeß, der ein
Aussetzen unserer Pflicht gegenüber

- 11 -

�dem
amerikanischen
Volk
mit
sich
bringt, dessen Haushalt auf verantwortliche Art und Weise zu verwalten.
Im vergangenen Jahr hat der Kongreß
den Haushalt erst nach acht Monaten
und zwei Wochen verabschiedet - zwei
Wochen nach dem vereinbarten Termin.
Außer dem ersten Bericht des Haushaltskomitees
vom
Senat
hat
der
Kongreß jeden der nur neun Monate
vorher von ihm selbst festgelegten
Termine
überschritten.
Schließlich
hat der Kongreß ein einjähriges, 389
Seiten umfassendes Haushaltsbewilligungsgesetz voller überflüssiger und
verschwenderischer
Ausgaben
verabschiedet.
Da der Kongreß das jährliche Haushaltsgesetz noch nicht verabschiedet hatte, wurde ich gesetzlich gezwungen, ein Aussetzen aller
Tätigkeiten der Bundesregierung einzuleiten. Eine solche Außerkraftsetzung eines verantwortungsvollen Haushaltsprozesses macht nicht nur eine
sorgfältige und wohlüberlegte Gesetzgebung zunichte, sie ermutigt auch
überflüssige Ausgaben und Verschwendung.
Da ich als Präsident darüber hinaus kein selektives Veto einlegen
kann, mußte ich die vielen Punkte des
Haushaltsgesetzes, denen man etwas
hätte entgegenhalten
können, außer
acht lassen und es unterzeichnen, um
eine Finanzierungskrise der Bundesregierung zu vermeiden.
Ich bin sicher, daß viele Mitglieder des Kongresses mit dieser Methode der Haushaltsführung für die Bundesregierung
nicht einverstanden sind.
Die Finanzierungskrise des vergangenen Herbstes und ihre überstürzte Lösung liefern nur einige der offensichtlichen Beweise für die Nachteile des Systems. Der Kongreß entschließt sich für einen in verschiedene Bereiche gegliederten Haushalt
(ohne Einmischung des Präsidenten);

er berücksichtigt dreizehn einzelne,
aber
untereinander
in Zusammenhang
stehende
Bewilligungsgesetze,
die
nach Behörden, nicht nach Bereichen
aufgeschlüsselt sind; er erarbeitet
eine Vereinbarung, er verabschiedet manchmal jährlich - die Gesetzgebung
zur Autorisierung des Haushalts und
er beschränkt das öffentliche Schuldenaufkommen. Diese Begriffe sind an
sich
verschwommen
und
verwirrend,
aber der dahinter stehende Prozeß ist
chaotisch.
Die Vorgehensweisen müssen vereinfacht werden und leichter
nachvollziehbar sein.
In Kürze werde ich detaillierte
Reformen vorstellen, die den Prozeß
leistungsfähiger
und
nachweisbarer
machen, so daß wir dem amerikansichen
Volk das geben können, was es von uns
verdient: einen finanziell verantwortungsbewußten und termingerecht vorgelegten Haushalt.

Zusammen fassung
Bei der Rückschau auf die letzten
sechs Jahre können wir mit Stolz und
Befriedigung über unsere Leistungen
erfüllt sein. Die Inflation ist unter Kontrolle gebracht worden. Wachstum und Investitionen haben zugenommen, während die Zinssätze, die steuern und die Zahl der Arbeitslosen erheblich
zurückgegangen
sind.
Eine
Grundlage für einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ist nun geschaffen.
Unsere nationale Sicherheit ist auf ein annehmbareres Maß
wiederhergestellt worden. Die weitere Anwendung unnötiger und belastender Bundesvorschriften ist zu einem
Stillstand gekommen.
Bei der Einschränkung der überflüssigen Zunahme
der Ausgaben im Inland ist ein wichtiger Anfang
gemacht worden.
Die
Leitung der Regierung ist unter besonderer Betonung auf Leistungsfähig-

�keit verbessert worden.
Es stehen jedoch immer noch wichtige Aufgaben vor uns. Das große und
weiterhin anhaltende Haushaltsdefizit
ist weiterhin eine Quelle der Unzufriedenheit.
Es
bedroht
unseren
Wohlstand und unsere Hoffnung für das
anhaltende Wirtschaftswachstum.
Im vergangenen Jahr haben die Legislative und die Exekutive unserer
Regierung auf diese Bedrohung reagiert, indem sie in den nächsten vier
Jahren den schrittweisen, ordnungsgemäßen Fortschritt für einen ausgeglichenen Haushalt fördern. Die hier
dargelegten Vorschläge werden ihr für
1988 gestecktes Ziel erreichen, obwohl sie berechtigte Programme für
ältere und bedürftige Mitbürger erhalten, eine
angemessene
nationale
Verteidigung sichern, mehr Mittel für
andere Aktivitäten von höchster Priorität zur Verfügung stellen und dies
alles vollbringen, ohne die Steuern
zu erhöhen.
Dieser Haushaltsplan präsentiert
eindeutige Alternativen, denen wir
uns mit Entschiedenheit stellen müssen. Der Kongreß darf die von GrammRudman-Hollings
aufgestellten
Defizitziele nicht außer acht lassen.
Die Beachtung der Bestimmungen und
Versprechen dieser Gesetzgebung bietet uns die beste Gelegenheit, dem
chronischen Defizit zu entgehen, mit
dem wir uns im vergangenen halben
Jahrhundert plagen mußten. Wir müssen uns darüber klar werden, daß das
Problem des Defizits neue Möglichkeiten bietet - die Möglichkeit, eine
neue, klarere, besser ausgerichtete
und besser gelenkte Struktur der Bundesregierung aufzubauen und so ein
leistungsfähigeres und wettbewerbsfähigeres Amerika zu unterstützen.

- 13 -

�Zusammenfassung der Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)
1986

769 ,1
989 ,8

Einnahmen
Ausgaben

Uber3chuß/Defizit (-)
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

Einnahmen
Ausgaben

Überschuß oder Defizit
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

(-)

1987

1988

1989

842 ,4

916 ,6

1015 ,6

1024 ,3

976 ,2
1069 ,0

-220 ,1

-173 ,2

-107 ,8

- 92 r8

-171 r9

-144 ,0

-108 ,0

- 72 ,0

48,8

29,2

-0,2

20,8

1990

1991

1992

1048 ,3
1107 -8

1123 ,2
1144 ,4

1191 ,2
1178 ,9

-59,5

-21,3

12,3

•36,0

0,0

0,0

23,5

-21,3

12,3

(N.B. Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im
Haushalt nicht berücksichtigt wird)

* * * * * *

- 14 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
Der folgende Artikel erschien zuerst am 6. Januar 1987 in de - International
Herald Tribüne. Er repräsentiert nicht die offizielle Meinung der amerikanischen Regierung.

14. Januar 1987

DAS GEREDE VOM ZUSAMMENBRUCH DES KOMMUNISMUS IST UNSINN
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

NEW YORK - Die Idee, daß der Kommunismus keine Zugk-aft mehr habe,
begann sich vor wenigen Jahren auszubreiten.
Zunächst wollte man damit
ausdrücken, daß Amerika sich nicht
länger vor dem sowjetischen Expansionismus fürchten müsse und deshalb ruhig seine Rüstungsausgaben verringern
könne. Heute wird dieselbe Idee auch
von einer
Reihe von Kommentatoren
(von denen es einige besser wissen
sollten, und es früher auch wußten)
als Argument dafür benutzt, die nicaraguanischen Contras und die meisten
derjenigen
Menschen, die, mit den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Worten Präsident Reagans, "auf allen
Kontinenten ihr Leben riskieren ...
um sich sowjetisch geförderten Aggressionen zu widersetzen" im Stich
zu lassen.
Dieses
beruhigende
Hirngespinst
vom Zusammenbruch des Kommunismus basiert auf drei Behauptungen.
Die
erste besteht darin, daß die Herrscher der Sowjetunion, ebenso wie ihre Quislinge und Stellvctreter in
den Ländern, über die sie imperiale
Kontrolle ausüben, aufgehört haben,
an den Marxismus zu glauben, jeden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�falls zumindest in dem Ausmaß, wie
sie dies in der Vergangenheit getan
haben. Die zweite besagt, daß heute
in den kommunistischen Ländern kaum
jemand überhaupt noch an den Marxismus glaubt.
Die dritte Behauptung
lautet, daß der Marxismus für westliche intellektuelle weniger attraktiv geworden ist, als er dies in früheren Zeiten einmal war.
Jede dieser Behauptungen enthält
ein Körnchen Wahrheit: gerade genug,
um irreführend zu sein.
Zunächst einmal: ob die sowjetischen Herrscher noch an den Marxismus glauben oder nicht, ihre Militärmacht und deren globale Reichweite
haben in den letzten 25 Jahren enorm
zugenommen. Jedenfalls, was sie nun
insgeheim
denken
mögen
oder
auch
nicht, haben die Herrscher in kommunistischen Ländern - von der Spitze
bis hinunter zu Managern und lokalen
Parteigrößen - keine andere Wahl, als
weiterhin die Prinzipien des Marxismus-Leninismus zu predigen. Es sind
diese Prinzipien, und allein diese
Prinzipien, die ihnen das Recht auf
Herrschaft geben.
Tatsächlich hat die Bedeutung des
Marxismus in der kommunistischen Welt
dem tschechischen Dissidenten Vaclav
Havel zufolge nicht ab-, sondern zugenommen, während eine seiner Verheißungen nach der anderen durch den
"real existierenden Sozialismus" ad
absurdum geführt wurde.
Die Herrschenden
benötigen
den
Marxismus
nicht nur, um ihre Position in den
Augen ihrer Bürger zu rechtfertigen,
sie benötigen ihn, um sich selbst gegenüber ihre Macht zu rechtfertigen
und um sich über ihre üblen Taten
hinwegzutäuschen.
Was ist mit den Leuten, die von
diesen Taten betroffen sind? Sicher-

lich haben viele.von ihnen den Kommunismus
als
Ideologie
und Gesellschaftssystem hassen gelernt.
Doch
wenn sie versuchen, ihren Haß in Taten umzusetzen, finden sie heraus,
daß der Kommunismus, was sie selbst
anbetrifft, sehr wohl Zugkraft hat daß er im Gegenteil mehr als genug
Macht besitzt, um sie zu töten, ins
Gefängnis zu werfen oder sie auf andere Weise zu bestrafen. Mit Ausnahme weniger Helden ordnen sie sich unter.
Ein anderer tschechischer Dissident, Miroslav Kusy, beschreibt die
Lage von Herschern und Beherrschten
wie folgt: "Diejenigen, die ihn predigen, benehmen sich, als ob das ideologische Königreich des realen Sozialismus in dem 'was wir hier heute
haben' bestünde; die Nation benimmt
sich, als ob sie glaube, als ob sie
überzeugt wäre, daß sie im Einklang
mit diesem ideologischen realen Sozialismus lebte".
Soviel
zur
zweiten
Behauptung,
auf der das Hirngespinst vom kommunistischen Zusammenbruch aufbaut.
Was die dritte Behauptung angeht,
so ist das auffallendste Faktum in
bezug
auf westliche
Intellektuelle
nicht der Rückgang an überzeugten
Marxisten unter ihnen.
Es ist das
hartnäckige Weiterbestehen einer unverbesserlichen Tendenz, sich diesem
Rückgang zum Trotz im Zweifelsfalle
für kommunistische Regime und kommunistische Revolten auszusprechen.
Auf die Sowjets angewendet, tritt
diese Tendenz heute normalerweise so
auf, daß für ihr aggressives Verhalten immer amerikanische Provokationen
verantwortlich
gemacht werden oder
daß man die Existenz von expansionistischen Absichten bei ihnen grundsätzlich
verneint.
Angewendet
auf

�die Dritte Welt nimmt sie eine etwas
kompliziertere Gestalt an, deren Konturen in einer berühmten Rede der
Schriftstellerin Susan Sontag aus dem
Jahre 1982 eindringlich verdeutlicht
werden.
Obwohl
niemals Kommunistin
und
immer eine Gegnerin des Stalinismus
in Europa, war Frau Sontag eine enthusiastische Bewunder in anderer kommunistischer Regime, insbesondere Cubas und Nord-Vietnams.
Nun, so gab
sie zu, könne sie den Fehler des Versuchs
sehen,
eine
Unterscheidung
"zwischen Kommunismen" zu versuchen.
Schließlich erkannte sie "die äußerste Niederträchtigkeit des kommunistischen Systems" überall.
Hat sie nun daraus den Schluß gezogen, daß ihre Sympathien richtig
den Contras in Nicaragua und der Regierung in El Salvador gehören müßten, die sich beide zu eben diesem
Zeitpunkt im Krieg gegen diese "äußerste Niederträchtigkeit" befanden?
Nicht im geringsten.
Zu den Contras
sagt sie nichts.
Den kommunistisch
gesteuerten Rebellen in El Salvador
bot sie später ihre "leidenschaftliche Unterstützung" in ihrem "Kampf
gegen die von der amerikanischen Regierung unterstützte Tyrannei" an.

schlecht, oder
die Antikommunisten
seien viel schlimmer, oder die Ausbreitung des Kommunismus sei für uns
keine Bedrohung.
Und nachdem sie dann alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um
irgendein
Land
dem Kommunismus zu
übergeben, während noch eine kämpferische Chance zu seiner Rettung bestand, werden dieselben Intellektuellen bittere Tränen um die Menschen
vergießen, die dazu verurteilt wurden, unter einem Regime zu leben, auf
das sie einst in New York, London und
Paris solch hohe Hoffnungen gesetzt
hatten.
Sie werden ihre Solidarität
mit der Gewerkschaft Solidarität und
allen
anderen
Dissidentenbewegungen
in kommunistischen Regimen bekunden außer, wenn solche Bewegungen aussehen, als ob sie mit ein wenig Hilfe
die Oberhand gewinnen könnten.
Falls diese Intellektuellen und
Politiker
ihre Haltung
durchsetzen
können, werden sie in wenigen Jahren
Tränen
über
Nicaragua
vergießen.
Aber dann wird es zu spät sein. So
wie es heute zu spät ist für die Cubaner, die Vietnamesen, die Polen und
all die anderen Völker in der ganzen
Welt, die noch nicht die Intelligenz
hatten zu sehen, daß der Kommunismus
keine Zugkraft mehr hat.

Dieser
bizarre Widerspruch
ist
typisch für die Denkweise unter Intellektuellen in der gesamten westlichen Welt. In jedem Kampf zwischen
Kommunisten und Antikommunisten werden sie entweder für die Kommunisten
Stellung beziehen oder den Antikommunisten entgegentreten oder irgendeine
nichtexistente
Alternative
bevorzugen, insbesondere dann, wenn die Kommunisten siegen werden.
Diejenigen, die eine dieser Haltungen wählen, werden argumentieren,
die
Kommunisten
seien
nicht
so
- 3 -

�«fc°s&gt;«

r

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

% r ^

14. Januar 1987

SCHWERPUNKTE:

RAUMTRANSPORTER UND FORSCHUNG

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Dem von Präsident
Reagan
vorgschlagenen
neuen
NASA-Budget zufolge werden die Wiederaufnahme der Raumtransporterflüge
(der erste ist für Februar 1988 geplant) sowie die Schaffung einer bemannten Raumstation bis Anfang der
neunziger Jahre die vorrangigen Projekte der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt
(NASA)
im
Haushaltsjahr
1988 sein.
Insgesamt belaufen sich
die geforderten Mittel - der Etatvorschlag wurde dem US-Kongreß am 5. Januar 1987
zugeleitet - auf 9,481
Milliarden
Dollar
(inf lationsberei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigt). Der für 1987 genehmigte NASAHaushalt
umfaßte
10,508 Milliarden
Dollar, einschließlich einer einmaligen gewährten Summe von 2,1 Milliarden Dollar für den Bau eines Ersatzgeräts für die am 28. Januar 1986
zerstörte Raumfähre CHALLENGER.
NASA-Administrator
Dr.
James
Fletcher beurteilt den vorgeschlagenen Finanzierungsmodus sehr positiv.
"Er ermöglicht ein gesundes Raumfahrtprogramm und wird gleichzeitig
den Bemühungen gerecht, das Defizit
des Bundeshaushalts zu reduzieren",

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sagte e c .
Im NASA-Budget für
1988
sind 3,7 M i l l i a r d e n Dollar für
das
Raumtransporterprogramm
vorgesehen.
In d i e s e Summe e i n g e s c h l o s s e n
sind
Aufwendungen für d i e B e s e i t i g u n g der
technischen
Defekte
bei
den
Fests t o f f t r ä g e r r a k e t e n , d i e den CHALLENGER-Unfall v e r u r s a c h t e n , sowie für d i e
Beschaffung
von
Oberstufen-Raketen
für den S t a r t unbemannter Sonden zu
den P l a n e t e n J u p i t e r
und Venus und
zur Sonne.
Diese P r o j e k t e wurden i n folge des CHALLENGER-Unglücks v e r z ö g e r t und s o l l e n nun so rasch wie mögl i c h a u s g e f ü h r t werden.
Wie d i e NASA k ü r z l i c h bekanntgab,
werden d i e GALILEO-Sonde zur
Erforschung des J u p i t e r ,
einigen
seiner
Monde und s e i n e r dünnen Ringe sowie
die
Venus-Kartierungssonde
MAGELLAN
1988 bzw. 1990 von Bord e i n e s Raumtransporters
mit
einer
neuen
Ant r i e b s o b e r s t u f e auf den Weg g e b r a c h t .
A n s t e l l e der u r s p r ü n g l i c h v o r g e s e h e nen CENTAUR-Oberstufe, d i e mit F l ü s s i g w a s s e r s t o f f a r b e i t e t , wird aus S i cherheitsgründen
ein
Feststofftriebwerk verwendet.
Für d i e Sonnensonde
ULYSSES b e a b s i c h t i g t man d i e TITAN-4
a l s T r ä g e r r a k e t e zu b e n u t z e n .
Dies
ist
eine
Neuentwicklung,
die
nach
1989 verfügbar sein soll.
Der Start des Hubble-Weltraumteleskops,
laut
Fletcher
"eine der
wichtigsten
wissenschaftlichen
Missionen im Zeitalter der Raumfahrt",
ist im neuen NASA-Etat für 1988 berücksichtigt. Der für die Astronomie
und
Astrophysik
so wichtige
Forschungssatellit
soll
beim
dritten
Raumtransporterflug im kommenden Jahr
von Bord des Shuttle gestartet werden.
Ein neues
gemeinsames
Forschungsprojekt von NASA, ESA (Europäische Weltraumagentur) und Japan zur
Untersuchung des Energieflusses von
der Sonne zur Erde wird 1988 mit zunächst 25 Millionen Dollar ausgestat- 2

tet.
Die aktive Phase beginnt 1992
mit dem Start einer Anzahl von Sonden
und dauert ca. acht Jahre.
Für
das
Entwicklungsprogramm
"Raumstation" werden für das nächste
Haushaltjahr 767 Millionen Dollar angefordert. Allerdings könne das Programm, so Fletcher, erst in ein paar
Wochen nach Abschluß der Überprüfung
und der Abstimmung des Fortgangs der
Entwicklung mit den Finanzierungsplä- *
nen wieder weitergeführt werden.
Der Wissenschaftsberater Präsi- *
dent Reagans, Dr. William Graham, gab
am 5. Januar 1987 vor Journalisten
den Etat der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung mit 62,4 Milliarden Dollar an. Das bedeute gegenüber den im laufenden Haushaltjahr
verfügbaren Mitteln eine Steigerung
um acht Prozent.
Vo
Gesamtbudget
seien 20,4 Milliarden Dollar für Forschungen außerhalb der Aufgaben des
Verteidigungsministeriums
sowie
9,7
Milliarden Dollar für Grundlagenforschung vorgesehen. Der letztgenannte
Posten läßt erkennen, welch große Bedeutung die amerikanische Regierung
der Grundlagenforschung beimißt, was
sich
auch
im Etat der
"National
Science Foundation"
(Nationale Wissenschaftsstiftung - NSF) widerspiegelt.
NSF-Direktor Erich Bloch berichtete, daß für das Budget seines
Hauses im Jahr 1988 eine Steigerung
um 17 Prozent vorgeschlagen wurde.
In den nächsten Jahren sei eine jährliche Anhebung um 14 Prozent vorgesehen, so daß im Finanzjahr 1992 mehr ,
als 3,2 Milliarden Dollar zur Verfügung stünden.
Die Schwerpunkte liegen bei der Grundlagenforschung sowie *
bei der Ausbildung für Berufe in Wissenschaft und Technik.

+ + + + ++

�</text>
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