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                <text>&lt;strong&gt;1. Die beiden großen politischen Parteien Amerikas im Umwandlungsprozess&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Traditionelle Vorstellungen regionaler oder lokaler "Hochburgen" nicht mehr gültig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Programm zur Überprüfung Herztherapeutischer Medikamente&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Großaktion des amerikanischen Gesundheitsdienstes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Eine "New York Times" wog mehr als zwei Kilogramm&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas angesehenstes Blatt stellt neuen Gewichtsrekord auf&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Neues Kulturzentrum für Washington&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Atomforschung und Atomtechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kernbrennstoff der Zukunft – neues Extraktionsverfahren für Thorium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gegengift" gegen Strontium-90&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gegen radioaktive Strahlung unempfindlich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Futterzellulose aus Sägemehl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Versuche mit Schwerwasser-Reaktoren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Enzyme Als Ursache der Resistenz von Bakterien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Aus der Filmwelt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Tagebuch der Anne Frank wird verfilmt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine neue Rolle für Shirley Booth in "Next of Kin" von Lonnie Coleman</text>
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                    <text>amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Nummer

Service

Postfach 300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

3

13. Februar 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Rede Kissingers auf der Washingtoner Energiekonferenz
-WortlautPräsident Nixon legt Außenwirtschaftsbericht vor
-Auszüge-

DOKUMENTATION:
Kissinger zu Fragen der Energie und Entspannung
-Ausführungen des US-Außenministers vor dem Harvard/Yale/PrincetonClub in Washington-

H1NTERGRUNDMATERIAL

Die Zukunft des Bündnisses
-Von NATO-Generalsekretär Dr. Joseph M.A.H.Luns-

INFORMATION:
Fulbright-Stipendien für deutsche Bildungsexperten 1974

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

3/1974

REDE KISSINGERS AUF DER WASHINGTONER ENERGIEKONFERENZ
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
hat am 11. Februar eine ernste Warnung an alle Länder gerichtet, daß
"isolierte Lösungen" der Energiesituation "nicht möglich sind ". In einer
Rede zur Eröffnung der Energiekonferenz der 13 wichtigsten Erdölverbraucherländer schlug der Außenminister ferner ein umfassendes Programm zur Koordinierung und Zusammenfassung der nationalen Projekte auf dem Gebiet der
Energieforschung und -entwicklung vor und betonte, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, ihre technologischen Kenntnisse auf dem Gebiet der
Urananreicherung mit den übrigen Ländern zu teilen. Die Rede Kissingers hat
folgenden Wortlaut:

Namens des Präsidenten der Vereinigten Staaten begrüße ich Sie auf
dieser Konferenz.
Mein großer Vorgänger, Dean Acheson, hat einst erklärt, daß "die Menschen manchmal nichts tun können, um ein Unheil abzuwenden, daß sie jedoch
viel häufiger einfacher deshalb versagen, weil sie großen,.kühnen und for-

-1-

�fordernden Problemen halbherzig, furchtsam und engstirnig entgegentreten'.'.
Die in diesem Raum vertretenen Länder werden mit einer noch nie dagewesenen
Herausforderung konfrontiert, die sich gegen unseren Wohlstand und das gesamte System der internationalen Zusammenarbeit richtet, das zu Lebzeiten der
letzten Generation mit so viel Mühe errichtet worden ist. Die Auswirkungen
der Energiekrise erstrecken sich auf alle Teile der Welt. Sie werfen grundlegende Fragen hinsichtlich der Zukunft der Entwicklungsländer, der Aussichten für das wirtschaftliche Wachstum aller Länder und der Hoffnungen auf eine
weltweite Stabilität auf.

Das Ausmaß der Probleme war schon mindestens vor einem Jahr erkennbar
- wir haben sie schon im Rahmen unseres ursprünglichen Vorschlages für neue
Beziehungen zu Europa und Japan angesprochen. Mit dieser Herausforderung
werden wir uns zumindest für den Rest dieses Jahrzehnts und vielleicht sogar
noch darüber hinaus befassen müssen. Der Ernst des Problems, seine Eindringlichkeit und die Unmöglichkeit nationaler Lösungen, das alles zwingt uns zu
internationaler Zusammenarbeit - zwischen den großen Verbraucherländern,
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern sowie zwischen den
Erzeuger-und den Verbraucherländern.

Die Vereinigten Staaten haben mit einem zentralen Ziel zu dieser Konferenz eingeladen, nämlich nachdrücklich auf eine Lösung des Energieproblems
auf der Basis der Zusammenarbeit aller Länder hinzuarbeiten. Gelingt uns dies
nicht, dann würde die Welt von einem gefährlichen Zyklus - Wettbewerb,
Autarkie, Rivalität und Depression - bedroht werden, wie er in den dreißiger

-2-

�dreißiger Jahren zum Zusammenbruch der Weltordnung geführt hat. Glücklicherweise läßt sich das Problem noch multilateral lösen: Die nationale Politik
ist noch in der Entwicklung, praktische Lösungen des Energieproblems sind
technisch möglich und die Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern steht uns
politisch noch offen.

Lassen Sie mich die Ansichten der Vereinigten Staaten zu den großen
Fragen, vor denen wir stehen, zusammenfassen:
Erstens, die Energiesituation wirft für alle Nationen ernste wirtschaftliche und politische Probleme auf. Isolierte Lösungen sind nicht möglich. Selbst Länder wie Kanada und die Vereinigten Staaten, die das Energieproblem weitgehend mit nationalen Maßnahmen lösen können, würden unter den
Auswirkungen einer Weltwirtschaftskrise zu leiden haben. Verbraucher oder
Erzeuger, im Überfluß Lebende oder Arme, Mächtige oder Schwache, für sie alle
steht mit der Prosperität und der Stabilität des internationalen Wirtschaftssystems etwas auf dem Spiel.
Zweitens, dieser Herausforderung kann nur durch eine konzertierte internationale Aktion erfolgreich begegnet werden. Ihre Auswirkungen sind kontrollierbar, wenn wir zusammenarbeiten; sie sind nicht kontrollierbar, wenn
wir dies nicht tun.

Drittens, die Entwicklungsländer müssen rasch in die Konsultationen und
die Zusammenarbeit einbezogen werden. Ihre Zukunft wird von allen Ländern am
stärksten betroffen. Da sie die gegenwärtigen Preise für Erdöl und Dünge-

-3-

�Düngemittel nicht bezahlen können, haben sie die Gefahr des Verhungerns und
die Tragödie verlorener Hoffnungen auf eine weitere wirtschaftliche Entwicklung vor Augen.
Viertens, unsere Beziehungen zu den Erzeugern müssen von Zusammenarbeit
und nicht von Konfrontation gekennzeichnet werden. Jeder von uns hat legitime
Interessen. Jeder von uns steht vor lauernden Gefahren. Wir brauchen einander.
Wenn wir rasch und gemeinsam zu kollektiven Maßnahmen kommen, werden wir alle
Nutzen daraus ziehen.

Fünftens, die Vereinigten Staaten sind sich ihrer eigenen Verpflichtung
bewußt, wesentlich zu einer kollektiven Lösung beizutragen. Obwohl wir weniger unmittelbar betroffen sind als andere, betrachten wir es als eine Angelegenheit des wohlerwogenen Selbstinteresses - und der moralischen Verpflichtung - für das Fortbestehen und die Wiederherstellung des WeltwirtschaftsSystems mit anderen zusammenzuarbeiten. Das Projekt Unabhängigkeit, das die
amerikanische Nachfrage nach Rohstoffen der Welt verringern soll, kann eine
Station auf dem Wege zu einem neuen Projekt Interdependenz sein. Wir sind bereit, das moderne technologische Wissen der USA auf dem Energiesektor mit anderen zu teilen, gemeinsam neue Versorgungsquellen zu entwickeln und ein Verteilungssystem für Krisenzeiten zu schaffen. Wir sind bereit, für die im Anschluß an die Konferenz aufzunehmende Arbeit spezifische Vorschläge zu unterbreiten.

Das

�Das Energieproblem
Die Energiekrise hat drei Dimensionen - erstens das Erdölembargo, zweitens die Verknappung der Lieferungen und schließlich das Ausmaß der Preiserhöhungen.

Das Embargo richtet sich jetzt weitgehend gegen die Vereinigten Staaten.
Wir werden mit diesem Problem fertig werden und nicht um Hilfe bitten. Die
unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen des Embargos dürften zwar selektiv sein, seine politischen Dimensionen dürften jedoch allgemein mehr Sorge
bereiten. Hier treten für die Weltgemeinschaft viel weitgehendere Auswirkungen auf: durch die Manipulation der Rohstoffversorgung soll die Außenpolitik
der Importländer beeinflußt werden.
Das grundlegende wirtschaftliche Problem liegt jedoch tiefer. Die Nachfrageexplosion war weit stärker als die Anreize für die Erzeuger, ihre Produktion auszuweiten. Der inflationistische Druck in den Verbraucherländern
gab eher einen Anreiz, die Produktion zurückzuhalten. Dies trifft im besonderen bei einem Verkäufermarkt zu, auf dem die Erzeugerländer ihre Einkünfte
durch Preiserhöhungen und nicht durch Produktionsausweitung steigern können.

Aber es gibt auch hoffnungsvollere Anzeichen. Die Weltnachfrage ist
in den letzten Wochen - nicht zuletzt wegen der steigenden Preise - zurückgegangen und dürfte sich deutlich unter dem Stand von September vorigen Jahres
halten. Wir mögen daher am Anfang eines augenfälligen Wandels in den langfristigen Aussichten für den Welterdölmarkt stehen. Entschlossene Sparmaßnahmen in den Verbraucherländern und die nachhaltige Suche nach alternativen

�alternativen Energiequellen können die Wachstumsrate der Nachfrage nach Öl
weiter verringern.

Das unmittelbarste und kritischste Problem betrifft die Preise. Das gegenwärtige Preisniveau ist auf die Dauer einfach nicht zu halten. Auf diesem
Niveau werden allein die Industriestaaten im Jahre 1974 ein Defizit der laufenden Konten von 30 bis 40 Milliarden Dollar auszuweisen haben. Eine so
gewaltige Zunahme der Kosten wird in den Importländern die Arbeitslosigkeit
und die Inflation stark aufblähen, während sie sich auf die einheimische
Produktion deflationär auswirken wird. Die Forderung nach Einfuhrquoten wird
unwiderstehlich und die unausweichliche Folge wird ein allgemeiner Rückgang
im Welthandel sein.

Die Bedrohung der ärmeren Länder der Welt ist noch sehr viel größer.
Bei dem gegenwärtigen Stand der Preise werden die Entwicklungsländer im
Jahre 1974 ein Defizit der laufenden Konten von 25 bis 30 Milliarden auszuweisen haben, wovon allein 10 Milliarden Dollar auf die Erhöhung der Ölpreise entfallen. Dieses Defizit ist dreimal so hoch wie die Summe der gesamten
Hilfe der ganzen Welt in den letzten Jahren. Weder die Entwicklungsländer noch
die traditionellen Geberländer könnten eine solche Summe abdecken. Schon
allein der Versuch würde die Früchte von zwei Jahrzehnten hart erarbeiteten
Fortschritts zunichte machen und ein Erbe politischer Spannungen, sozialer
Unruhe und menschlicher Verzweiflung hinterlassen.
Darüber

-6-

�Darüber hinaus ist als direkte Folge der Olpreissteigerungen die Versorgung der ärmeren Länder mit den so entscheidend wichtigen Düngemitteln
stark eingeschränkt worden. Die Düngemittelpreise haben sich zumindest verdoppelt und damit wird das Gespenst der Hungersnot an die Wand gemalt. Wir
dürfen nicht zulassen, daß das eintritt.
Die Erzeugerländer selbst werden von diesen Konsequenzen nicht verschont
bleiben. Ihre beispiellose Chance für einen dramatischen und raschen wirtschaftlichen Fortschritt kann den Folgen nicht entkommen, die sich aus glo baier Deflation, wachsenden Restriktionen im Welthandels-und -Währungssystem
und den politischen Spannungen zügelloser Konkurrenz ergeben. Eine Hauptaufgabe dieser Konferenz besteht darin, mit der Schaffung eines Rahmens für die
Zusammenarbeit zu beginnen, der die Hoffnungen der Erzeuger ebenso erfüllen
wird wie den Bedarf der Verbraucherländer.

Diese globalen Dilemmas können nicht durch bilaterale Abmachungen allein
überwunden werden. Wir bestreiten nicht das Recht souveräner Staaten, individuelle Abmachungen zu treffen. Wir sind jedoch der Überzeugung, daß es von
entscheidender Bedeutung ist, daß diese Abmachungen sich an vereinbarte Verhaltensregeln halten. Wenn solche Regeln fehlen, dann wird ein schrankenloser Bilateralismus ganz sicher zu katastrophalen politischen und wirtschaftlichen Folgen führen.

Kein vorstellbares Wachstum des bilateralen Handels mit den Erzeugerländern kann die massiven Zahlungsdefizite ausgleichen, mit denen jedes Land

-7-

�Land rechnen muß. Das einzige Ergebnis eines nicht in Bahnen gelenkten Bilateralismus kann nur darin bestehen, daß man die Preise gegenseitig hochbietet - vielleicht noch über den gegenwärtigen Stand - und sie auf einem
Niveau stabilisiert, das noch vor allen anderen die Länder ruinieren wird,
die die bilateralen Abmachungen treffen.

Die Herausforderung ist also letztlich an das zerbrechliche Gefüge internationaler Grundsätze und Institutionen gestellt. Wenn es uns nicht gelingt, eine kooperative Lösung zu finden, dann wird jeder von uns versucht
sein, das Problem auf andere abzuschieben. Das war die Einstellung, mit
der die industrielle Welt in den dreißiger Jahren mit ihrer "Bettelmann'V
Politik an die Dinge heranging. Wir alle wissen, wie das ausgegangen ist.

Ein Weg zur Zusammenarbeit - Ein Sieben-Punkte-Programm

Das große Ziel der amerikanischen Politik im letzten Viertel Jahrhundert
bestand darin, eine Welt der Kooperation herbeizuführen und das engstirnige Konkurrenzdenken - das traditionsgemäß zum wirtschaftlichen oder militärischen Konflikt - oder beidem - führte - endgültig hinter uns zu lassen.
Wir halten an unserem Glauben an dieses Ziel fest. Im Sinne des gemeinsamen
Interesses sind die Vereinigten Staaten bereit, einen wesentlichen Beitrag
an Mühe, Wissenschaft, Technologie und Mitteln zu einer gemeinsamen Lösung
des Energieproblems zu leisten.

Die

-8-

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, gemeinsam mit den hier vertretenen
Ländern

und später zusammen mit den Erzeugern sowie mit anderen Verbrauchern

einen wirklich umfassenden Vorstoß in Richtung auf dieses große Ziel zu unternehmen: die Gewährleistung einer ausreichenden Energieversorgung zu vernünftigen Preisen, um dadurch den Bedarf der ganzen Welt für das Wirtschaftswachstum und den Verbrauch der Bevölkerung decken zu können.
Zu diesem Zweck schlagen wir vor, daß sich diese Konferenz mit gemeinsamen Anstrengungen auf sieben Gebieten befaßt: Rationalisierung,alternative
Energiequellen, Forschung und Entwicklung, Energieverbund, internationale
finanzielle Zusammenarbeit, Entwicklungsländer, Verbraucher-Erzeuger-Beziehungen.

1. Rationalisierung: Von entscheidender Bedeutung ist die Entwicklung
einer neuen Energie-Ethik, die der Erhaltung und rationellsten Nutzung der
vorhandenen Energiequellen dient. Wir müssen uns grundsätzlich verpflichten,
Opfer und Kosten der Rationalisierung gemeinsam zu tragen,und so die Belastung
der Weltvorräte verringern. Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß sie der verschwenderischste Energieverbraucher der Welt sind. Unser
eigenes nationales Programm hat jedoch in den letzten vier Monaten den Energieverbrauch der Regierung um 20 Prozent, den Verbrauch der Industrie um
über 10 Prozent, den Benzinverbrauch um 9 Prozent und den Erdgas-und Elektrizitätsverbrauch in Wohn-und in Bürogebäuden um 6 respektive 10 Prozent
gesenkt. Wir werden dieses Programm noch erweitern. Wir sind ebenfalls bereit, gemeinsam mit anderen Verbrauchern eine feste Zusicherung für weitere

�I

weitere Einsparungsbemühungen zu geben. Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Revision der nationalen Programme der Verbraucherländer, bei
der Bewertung ihrer Wirksamkeit und bei Empfehlungen an die Regierung für
zusätzliche Maßnahmen mitzuarbeiten.

2. Alternative Energiequellen: Die Nachfrage in diesem Jahrzehnt kann
nicht gedeckt werden, wenn wir nicht die verfügbaren Vorräte durch nachdrückliche Entwicklung alternativer Energiequellen vergrößern.

Um rasche Ergebnisse erzielen zu können, müssen wir uns auf bekannte
Brennstoffvorkommen konzentrieren. Kohle ist in reichlichen Mengen vorhanden, aber wir müssen die Technologien weiter entwickeln, die in der Zeit des
billigen Erdöls vernachlässigt worden sind. Der Kontinentalschelf und die
ungewöhnlichen Lager - Kohle, Ölschiefer und ähnliche Vorkommen - müssen
rasch erschlossen werden.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, die folgenden Möglichkeiten für
eine Zusammenarbeit der Verbraucher zu prüfen:
— Eine gemeinsame Verpflichtung zur Erschließung der fossilen Brennstoff vorkommen, die sich innerhalb unserer jeweiligen Landesgrenzen befinden;
-- eine koordinierte Politik, um den Einsatz privaten Kapitals in die
neuen, höhere Kosten verursachenden Energiezweige zu ermutigen, wie etwa die
Gewinnung von Öl und Gas aus Kohle und Ölschiefer;
-- Vereinbarungen auf Regierungsebene, um die weltweite Suche nach neuen
Energiequellen wie zum Beispiel Ölvorkommen vor den Küsten zu beschleunigen;
-- internationale
-10-

�-- internationale Programme, um die Verwundbarkeit der großen Industriestaaten durch Unterbrechung der Versorgung oder durch Manipulationen zu
verringern - zum Beispiel durch eine methodische Umstellung der Schlüsselindustrien auf andere Brennstoffe als Erdöl;

3. Forschung und Entwicklung:Nicht nur neue Forschungsvorhaben, sondern
auch neue Technologien können uns zusätzliche Energiequellen verschaffen.
Viele unserer Länder nehmen große neue Programme in Angriff. Unser eigenes
nationales Programm sieht die Ausgabe von über 11 Milliarden Dollar aus
Regierungsmitteln in den nächsten fünf Jahren vor, sowie im gleichen Zeitraum voraussichtliche Investitionen von 12,5 Milliarden Dollar an privaten
Mitteln. Aber wir haben kein Monopol für modernste und vielversprechendste
Methoden. Es gereicht uns allen zum Vorteil, wenn wir unsere Anstrengungen
koordinieren und zusammenfassen. Daher sind die Vereinigten Staaten bereit,
einen wesentlichen Beitrag in Form ihrer sehr weit fortgeschrittenen Energieforschung und -entwicklung zu einem umfassenden internationalen Programm
auf dem Gebiet der Energie zu leisten.

Ohne Zweifel wird ein beträchtlicher Teil der neuen Energie von Kernreaktoren geliefert werden, für die größere Mengen an angereichertem Uran
benötigt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Rahmen einer umfassenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie die Weitergabe technologischen Wissens auf dem Gebiet der Anreicherung - Diffusion und Zentrifuge ins Auge zu fassen. Derartige multilaterale Anstrengungen auf dem Gebiet der
Anreicherung könnten im Rahmen einer gesicherten Versorgung, einer geographischen Streuung und einer Kontrolle unberechtigter Weitergabe erfolgen-.
-11-

�•
&gt;

erfolgen. Wir werden richtungweisende Grundsätze für eine solche gemeinsame
Inangriffnahme der von uns vorgeschlagenen Arbeiten unterbreiten.

4. Energieverbund: Die Aufteilung verfügbarer Vorräte in Krisenzeiten
und in Zeiten längerer Verknappungen ist unerläßlich. Keiner von uns weiß
mit Bestimmtheit, wie sich auf der Welt das Verhältnis zwischen Angebot und
Nachfrage bei Erdöl entwickeln wird oder welche politischen Notfälle eintreten könnten. Wir können jedoch unsere Sicherheit oder unsere nationale Volkswirtschaften nicht Kräften überlassen, die außerhalb unserer Kontrolle stehen.

Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, die verfügbare Energie
in Krisenzeiten oder in Zeiten längerer Verknappungen mit anderen zu teilen.
Wir wären bereit, einen vereinbarten Teil unserer gesamten Erdölvorräte zur
Verfügung zu stellen - unter der Voraussetzung, daß andere Verbraucherländer
mit eigener Erzeugung das gleiche tun. In dem Maße, in dem wir der Autarkie
näher kommen, würde sich natürlich auch unser Potential für eine Weitergabe
an andere erhöhen.
Aufbauend auf der früher in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleisteten Arbeit sollten den Regierungen
endgültige Empfehlungen unterbreitet werden, die unter anderem enthalten;

-- einen Verteilungsschlüssel;
—

Kriterien, um festzustellen, wann Lieferverknappungen auftreten; und

-12-

�und
-- ergänzende Programme wie Bevorratung, Schubladenpläne für eine Rationierung.

5. Internationale finanzielle Zusammenarbeit: Die Struktur und die
Stärke des internationalen Handels-und Währungssystems muß wiederhergestellt
und verstärkt werden. Wenn es für die Industrienationen keine Möglichkeit
gibt, in kollektiver Weise die Handelsdefizite zu beseitigen, die durch die
höheren Ausgaben für Ölimporte entstehen, dann bleibt nur der Versuch, dies
auf individueller Basis zu versuchen, und zwar dadurch, daß man damit die
Probleme eines anderen vergrößert. Außerdem wachsen die finanziellen Forderungen der Erzeugerländer gegenüber den Verbraucherländern in einem Maße an,
wie es in der Geschichte bisher beispiellos ist.

In der Vergangenheit wurden die aus den Öleinnahmen erwachsenen Mittel
über die verschiedenen nationalen und internationalen Geldmärkte wieder in
die Wirtschaftssysteme der Verbraucherländer zurückgeleitet. Diese Märkte
können, zumindest was die Industrieländer anbetrifft, diese Funktion auch
weiterhin in weitgehendem Maße beibehalten. Der Fortfall unserer Kapitalkontrollen und die Erleichterung der Kontrollen in anderen Ländern dürften dabei mithelfen. Aber die Größenordnung der neuen Kapitalflüsse könnte die Funktion dieser Märkte schwerwiegenden Belastungen aussetzen. Das in bestimmte
Verbraucherländer einströmende Kapital kann unter Umständen nicht deren Bedürfnissenzur Finanzierung ihrer Zahlungsbilanz entsprechen; eine bedrohliche Instabilität könnte entstehen, wenn diese Geldmengen über Währungsgrenzen
hinweg verlagert werden, ohne daß eine entsprechende finanzielle Zusammen-13-

�Zusammenarbeit unter den Industriestaaten besteht. Hier besteht wiederum
eine entscheidend wichtige Kongruenz der Interessen zwischen den Erzeugern
und den Verbrauchern und eine dringende Notwendigkeit, zu kooperativen Lösungen zu gelangen.

Die Schritte, um mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der hohen Ölpreise fertig zu werden, müssen auf breiter Front unternommen werden. Dazu
sollten folgende Empfehlungen gehören:

- Neue Mechanismen, um die Verteilung des internationalen Kapitalflusses
aus den überschüssigen Öleinnahmen zu erleichtern;

- Maßnahmen von Seiten der Erzeuger und Verbraucher, um beim Aufbau des
für jede Investitionspolitik und die Integrität der Investitionen notwendigen Vertrauens zusammenzuarbeiten;

- Schritte, die es den Erzeugerländern erleichtern,sich voll an den bestehenden internationalen Instituten zu beteiligen und einen Beitrag zur
Befriedigung des dringlichsten Bedarfs der Entwicklungsländer zu leisten.
6. Entwicklungsländer: Der Bedarf der Entwicklungsländer stellt einen
besonders dringlichen Aspekt der Energiekrise dar. Massive Preissteigerungen
für Ölimporte treten zu einer Zeit auf, in der sich die Exportaussichten vieler Entwicklungsländer infolge der Verlangsamung der Weltwirtschaftstätigkeit rapide verringern. Selbst bei niedrigeren Olpreisen hätten die Zahlungsbilanzprobleme der Entwicklungsländer ständige Aufmerksamkeit erfordert.

Wir

-14-

�Wir sollten an diese uns in menschlicher und wirtschaftlicher Hinsicht
gestellte Aufgabe auf der Grundlage folgender Prinzipien herangehen:

— Die Entwicklungsländer als Verbraucher sollten eingeladen werden,
an der nächsten Stufe unserer Beratungen teilzunehmen.

-- Die Industrieländer sollten ihre Hilfsprogramme für diese Länder
möglichst nicht wegen Zahlungsbilanzproblemen verringern. Die Regierung der
Vereinigten Staaten wird zu diesem Zweck den Kongreß ersuchen, unseren Beitrag für die Internationale Entwicklungsgesellschaft (IDA) wieder voll zu
bewilligen.

-- Der Reichtum der Erzeugerländer eröffnet eine potentielle neue Quelle für eine großangelegte Kapitalhilfe für die Entwicklungsaufgaben. Die Erzeugerländer sollten ein besonderes Verständnis für die Probleme aufbringen,
denen sich die ärmeren Nationen gegenübersehen. Wir sollten ihre Beteiligung
•an internationalen und regionalen Institutionen ermutigen und erleichtern.

-- Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um für das kommende
Jahr eine ausreichende Düngemittelversorgung sicherzustellen. Das unmittelbare Problem ist, Erdöl zu einem Preis zur Verfügung zu stellen, daß die vorhandenen Kapazitäten für die Düngemittelproduktion voll genutzt werden können. Das langfristige Problem besteht darin, ausreichende Kapazitäten zu
schaffen, damit der rasch steigende Bedarf der Welt gedeckt werden kann.
Die Vereinigten Staaten wären bereit, ihre technologischen Kenntnisse für
ein solches gemeinsames Projekt zur Verfügung zu stellen.
7^

-15-

�7. Verbraucher-Erzeuger-Beziehungen: Unser letztliches Ziel muß die
Schaffung eines kooperativen Rahmens sein, in dem Erzeuger und Verbraucher
ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen und ihren Bedarf und ihre Erwartungen
in Einklang bringen können. Nur auf diese Weise können wir die Weiterentwicklung und das Wachstum der Weltwirtschaft sowie die Stabilität der internationalen Beziehungen gewährleisten. Wir müssen darauf hinarbeiten, daß die Ausübung jeglichen Zwanges, sei es seitens der Starken auf die Schwachen oder sei
es seitens der Schwachen auf die Starken verhindert wird. Den Erzeugerländern
muß ein gesicherter Anteil an einer expandierenden Weltwirtschaft und den
Verbraucherländern eine gesicherte Versorgungsquelle zugestanden werden.

Es erscheint klar, daß das wohlerwogene Selbstinteresse der Verbraucher
und das der Erzeuger nicht in Widerspruch zueinander stehen dürfen und sollten. Künftige Generationen werden vielleicht nicht mehr über eine laufende
Erdölversorgung verfügen. Die übermäßig hohen Preise haben bereits zu umfangreichen Investitionen in alternative Energiequellen geführt, die für die Zukunft Aussicht auf niedrigere Preise und für die Erzeuger schrumpfende Exportmärkte verheißen. Aber stabile Erdöleinkommen aus gerechten Preisen,
vernünftig investiert und durch Zins und Zinseszins vermehrt, werden eine
langfristige Einkommensquelle bilden.

Die Erzeuger müssen also ein Interesse an einem "gerechten" Preis sowie an stabilen langfristigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen haben. Daher sollten wir auf der Verbraucher-Erzeuger-Konferenz, auf die wir
zusteuern, darüber sprechen, was ein gerechter Preis ist und wie langfristi-

-16-

�langfristige Investitionen sichergestellt werden können. Eine gut vorbereitete Erzeuger-Verbraucher-Konferenz, auf der die Verbraucher weder als Gruppe noch einzeln eigennützige Vorteile anstreben, wird keineswegs zu einer
Konfrontation führen, sondern kann stattdessen die Grundlage für neue kooperative Beziehungen schaffen. Aber das wird nur der Fall sein, wenn sie
gut vorbereitet ist - und wenn die Verbraucher zuerst eine solide Basis für
eine Zusammenarbeit unter ihnen selbst geschaffen haben.

Die nächsten Schritte

Die Vereinigten Staaten sind nicht an der Schaffung neuer Institutionen
um ihrer selbst willen interessiert. Wir sind ausschließlich an praktischen
Ergebnissen interessiert. Einige der von mir aufgezeigten Aufgaben können in
den vorhandenen internationalen Institutionen erledigt werden; andere werden Neuland aufbrechen. Die unerläßliche Voraussetzung ist, dafür zu sorgen,
daß der nächsten Konferenz konkrete Empfehlungen vorgelegt werden.

Um unsere Arbeit fortzuführen, sollte unseres Erachtens eine Koordinierungsgruppe mit den folgenden Aufgaben eingesetzt werden:

-- zwischen den Aufgaben, die bestehenden Gremien übertragen worden
sind, und unserer künftigen Arbeit eine Beziehung herzustellen;
-- die Aufgaben in Angriff zu nehmen, für deren Lösung es gegenwärtig
kein geeignetes Gremium gibt;
—

die nächste Konferenz vorzubereiten.
Eine

-17-

�Eine weitere Verbraucherkonferenz sollte dann auf Außenministerebene
einberufen werden, um die auf allen sieben Gebieten geleistete Arbeit zu
überprüfen. Zu dieser Konferenz könnten auch Vertreter der Entwicklungsländer hinzugezogen werden.

Diese Konferenz würde dann zu einer dritten Konferenz von Verbrauchern
und Erzeugern führen.

Wir stehen Vorschlägen über den Ort dieser nächsten Konferenzen aufgeschlossen gegenüber.

Wir sollten darauf hinarbeiten, den gesamten Prozeß bis zum 1. Mai
zu einem Abschluß zu bringen.
Die hier aufgezeigte Initiative für eine weltweite Zusammenarbeit hat
zu den Einladungen des Präsidenten an Sie geführt, hier heute mit uns zusammenzukommen.
Diese Konzeption ist ehrgeizig, aber die Not ist groß.
Daher sollten wir folgendes beschließen:
-- auf die besonderen Aufgaben und Möglichkeiten, vor denen die Verbraucherländer gegenwärtig stehen, mit einem Programm der Zusammenarbeit zu
antworten;
-- sofortige Konsultationen und eine Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsländern und uns herbeizuführen;
-- einen positiven und produktiven Dialog mit den Erzeugerländern vorzubereiten.
Wenn

-18-

�Wenn wir auf das Ende dieses Jahrhunderts blicken, dann wissen wir,
daß die Energiekrise die Geburtswehen der weltweiten Interdependenz anzeigt.
Unsere Reaktion könnte entscheidend dafür sein, wie wir den künftigen internationalen Zeitplan bewältigen.

Wir stehen vor einer grundlegenden Entscheidung. Werden wir uns in
nationalistischen Rivalitäten verzehren, die die Realitäten der Interdependenz zum Selbstmord werden lassen? Oder werden wir unsere Interdependenz anerkennen und kooperative Lösungen finden?

Unsere Entscheidung ist klar; unsere Verantwortung ist zwingend. Wir
müssen den künftigen Generationen zeigen, daß unsere Vision der uns gestellten Aufgabe entsprach.

4-H-

-19-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

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3/1974

PRÄSIDENT NIXON LEGT AUSSENWIRTSCHAFTSBERICHT VOR
- Auszüge -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am 7.
Februar seinen Außenwirtschaftsbericht vorgelegt, der ein umfassendes Bild
der Lage der Weltwirtschaft sowie der wirtschaftlichen Beziehungen der USA
zu anderen Ländern aufzeigt. Die wesentlichen, die Haltung der USA zu den anstehenden weltwirtschaftlichen Fragen darlegenden Teile des Berichts haben
folgenden Wortlaut:

Fortschritt bei der Verwirklichung der außenwirtschaftlichen Ziele der USA
Auxbau eines freieren und gerechteren Welthandelssystems

... Die Vereinigten Staaten bekennen sich zu einer kontinuierlichen Expansion des Handels im Rahmen eines offeneren und gerechteren Weltwirtschaftssystems, und zwar aus der Überzeugung heraus, daß nicht nur wir selbst,sondern
auch unsere Handelspartner Nutzen aus den Arbeitsplätzen und Einnahmen ziehen
werden, die aus dem Handel resultieren...
Händelsgesetzgebung
-1-

�Handelsgesetzgebung

Im April 1973 ersuchte der Präsident - nach eingehenden Beratungen innerhalb der Administration und Gesprächen mit Vertretern der Wirtschaft den Kongreß, ein neues und umfassendes Handelsgesetz zu verabschieden. Die
in der Gesetzesvorlage enthaltenen Vollmachten und Grundsätze sind von entscheidender Bedeutung für unsere Bemühungen um eine Reform des Welthandelssystems. Dabei geht es vor allem um die Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze
und der Einkommen, um billigere Waren, um erweiterte Exportkapazitäten für
die amerikanischen Farmer und Geschäftsleute und um ein wirksameres Instrumentarium zur Erreichung unserer anderen wirtschaftspolitischen Ziele.

Das Gesetz über eine Reform des Handels (HR 10710) von 1973, das am
11. Dezember 1973 vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde, entspricht
weitgehend den Zielsetzungen, die den ursprünglichen Vorschlägen der Administration zu Grunde lagen. Kurz zusammengefaßt:

--

Es gibt den amerikanischen Verhandlungsführern die Vollmachten, die

notwendig sind, um einen offeneren Zugang zu den Absatz-und Rohstoffmärkten zu erreichen, wobei ein starker und angemessener Nachdruck auf' Fairneß
und Gegenseitigkeit gelegt wird.
-- Es erleichtert die Anwendung von Ausweichklausel-und Anpassungshilfen
für die amerikanischen Industrien, Arbeiter und Einzelfirmen, die durch den
wachsenden Importwettbewerb Schaden leiden oder gefährdet sind.
-» Es erweitert den Bereich von Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten als
Reaktion auf unfaire internationale Handelspraktiken anwenden können.
— Es
-2-

�-- Es bringt verschiedene neue Vollmachten, die angewandt werden können,
um die politischen Maßnahmen auf binnen-und weltwirtschaftlichem Gebiet
effektiver zu gestalten.
-- Es gibt den Vereinigten Staaten die Möglichkeit, ihren internationalen
Zusagen zu entsprechen und ein Programm allgemeiner Zollpräferenzen für die
Entwicklungsländer der Welt aufzustellen.
Es verbleiben allerdings einige wenige Bereiche, wo es überaus wichtig
ist, daß in der vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gesetzesvorlage wesentliche Verbesserungen vorgenommen werden. Der erste Punkt betrifft die Bedingungen, die an die Vollmacht des Präsidenten geknüpft sind, die normalen
Handelsbeziehungen zu Staatswirtschaftsländern - unter anderen auch der
UdSSR - auszuweiten. Es ist wichtig, daß es im Senat - bei dessen Behandlung
der Handelsgesetzvorlage - zu einem sinnvollen und konstruktiven Dialog über
die Mittel und Wege kommt, wie den lebenswichtigen Interessen der USA durch
eine Entspannungspolitik und die bedeutsame Rolle friedlicher wirtschaftlicher Kontakte gedient werden kann.

Die Abschaffung der amerikanischen Bestimmungen, die sich diskriminierend gegen die kommunistischen Länder auswirken, ist nicht nur wirtschaftlich
gesehen sinnvoll und vernünftig, sondern auch wichtig für eine kontinuierliche Entwicklung normaler friedlicher Beziehungen zu diesen Ländern. Die Verweigerung von Krediten und einer nicht diskriminierenden Zollbehandlung
würde - auch wenn sie sich hauptsächlich gegen die Auswanderungspolitik der
UdSSR richtet - doch auch den amerikanischen Handel behindern, der sich mit

-3

�mit verschiedenen anderen kommunistischen Ländern entwickelt hat, und uns
die Arbeitsplätze und Einnahmen nehmen, die durch diesen Handel entstanden
sind. Die Kredite der Export-Import-Bank helfen dem amerikanischen Exporteur,
sich der ausländischen Konkurrenz bei Lieferungen in kommunistische Länder
gewachsen zu zeigen, die sonst anderen Industrieländern zufallen würden, die
eine ähnliche Finanzierung gewähren. Eine nicht diskriminierende Zollbehandlung wird es den kommunistischen Ländern ermöglichen, ihre Dollareinnahmen zu
vergrößern und mehr bei uns zu kaufen.
Wenn wir den kommunistischen Ländern auf dem Gebiet des Handels nicht
die gleiche Behandlung gewähren, die wir praktisch allen anderen Handelsnationen zukommen lassen, dann würde dies in gefährlicher Weise unsere Bemühungen untergraben, diese Länder noch stärker in die Weltgemeinschaft zu
integrieren. Außerdem ist das sowjetische Abkommen zur Begleichung der noch
offenstehenden Verpflichtungen aus dem Pacht-Leih-Abkommen davon abhängig,
daß die Vereinigten Staaten die Diskriminierung der Importe aus der UdSSR
einstellen. Ein verstärkter Austausch und eine erweiterte Zusammenarbeit in
unseren Wirtschaftsbeziehungen bietet die Aussicht auf eine ähnliche Erweiterung der Beziehungen auf anderen wichtigen Gebieten. Derartige Entwicklungen liegen sehr in unserem Interesse, weil die kommunistischen Länder dadurch ein wohlfundiertes Interesse an dem Fortbestand des Friedens und der
Prosperität der Welt gewinnen.

Ein zweiter Bereich, dem unsere Sorge gilt, ist die Verabschiedung einer
sehr restriktiven Vorlage durch das Repräsentantenhaus, die gewisse Bestimmungen über Gegenzölle enthält. Diese Vorlage könnte unseren Interessen

�Interessen zuwiderlaufende Maßnahmen auslösen, noch bevor internationale
Verhandlungen über eine Änderung der Subventionspraktiken anderer Länder aufgenommen werden könnten.

Die Europäische Gemeinschaft und GATT-Artikel XX1V/6

Während des ganzen Jahres 1973 wurden zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft Gespräche über Kompensationen geführt, die
den Vereinigten Staaten aufgrund der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
nach den GATT-Bestimmungen zustehen. Die Vereinigten Staaten haben die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft aufrichtig begrüßt, die nunmehr auch
Großbritannien, Dänemark und Irland einschließt. Wir haben diesen Standpunkt
eingenommen, obwohl wir uns völlig im klaren darüber waren, daß die Erweiterung der Gemeinschaft für einige unserer Exporte Nachteile bringen würde.
Das GATT erlegt der Gemeinschaft bestimmte Verpflichtungen auf, die sich aus
dieser Erweiterung ergeben. Diese Verpflichtungen schließen keine Kompensationen für die Aufhebung von Zöllen zwischen den Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft ein, und die Vereinigten Staaten fordern dies auch nicht. Die Einbeziehung der drei neuen Mitglieder in den gemeinsamen Außenzoll der Europäischen Gemeinschaft und in die gemeinsame Agrarpolitik hat nachteilige Auswirkungen auf unsere Handelsinteressen, sowohl auf dem industriellen als auch
auf dem landwirtschaftlichen Sektor.

Obwohl die Einführung eines gemeinsamen Außenzolls zu einer Senkung der
Zölle für einige der nach den neuen Mitgliedsstaaten exportierten Waren führen wird, hat die Europäische Gemeinschaft den Vereinigten Staaten bisher noch

-5-

�noch keine ausreichende,kompensierende Zollsenkungen angeboten, um die von
ihr vorgeschlagene Aufhebung von Konzessionen sowie die vorgeschlagenen Zollerhöhungen auszugleichen. Wir setzen die Sondierungen mit der Europäischen
Gemeinschaft über verschiedene mögliche Wege fort, um eine gerechte Lösung
zu erreichen...

Fortschritt auf dem Wege zu einem neuen und wirksameren internationalen
WährungsSystem

... Die Neugestaltung des Währungssystems vollzieht sich auf zwei getrennten, aber in Zusammenhang zueinander stehenden Wegen. Auf dem einen
haben die Regierungen Übergangsvereinbarungen entwickelt, durch die große
Handelsungleichgewichte, verzerrte Wechselkurse und die ungleiche Verteilung
der amtlichen Währungsreserven, wie sie sich Ende der sechziger Jahre entwickelten, abgebaut werden können. Auf dem anderen führt der Ausschuß der
Gouverneure für eine Reform des internationalen Währungssystems und damit
verwandter Fragen - der sogenannte Zwanziger-Ausschuß - regelmäßige Sitzungen durch, um die Bestimmungen, Verfahren und Institutionen des Währungssystems zu reformieren.
Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich auf die angesetzten Gespräche im Zwanziger-Ausschuß über die vorgesehene Reform sowie auf die periodisch auftretenden Währungskrisen konzentriert, die in den letzten zwei
Jahren ausbrachen. Eine genauere Prüfung sowohl der Verhandlungen über eine
Währungsreform als auch der Maßnahmen, die während der Übergangsperiode er-

-6-

�ergriffen worden sind, zeigt, daß an beiden Fronten Fortschritt erzielt
worden ist.
1. Weg: Die Übergangsvereinbarungen...

Das Ende der Ära von Bretton Woods und die bisherigen Entwicklungen
der Übergangsperiode haben zu einigen grundlegenden Veränderungen der von
den Regierungen verfolgten Politik geführt und, was vielleicht noch wichtiger ist, zu einigen grundlegend neuen Erkenntnissen darüber, wie das Währungssystem arbeitet. Eine Reihe herkömmlicher Anschauungen sind verworfen,
modifiziert oder zumindest in Frage gestellt worden.

Die Auffassung, daß der Dollar aufgrund seiner Zentralstellung in dem
System nicht abgewertet werden könne, ist entkräftet worden. Viele Leute
glaubten früher, daß die Spekulation zum Zusammenbruch des Systems der
floatenden Wechselkurse führen würde, aber dies ist nicht eingetreten.
Manche glaubten ferner, daß die floatenden Wechselkurse zu schwerwiegenden
Verwerfungen des Handels führen würden, aber seit der Freigabe der Wechselkurse im Februar 1973 hat sich die Expansion des Handels weiter in einem
raschen Tempo fortgesetzt.

Insgesamt gesehen hat sich das System der floatenden Wechselkurse besser bewährt, als die meisten Experten erwartet hatten. Die Devisenmärkte
haben sich rasch den neuen Bedingungen angepaßt. Tatsächlich hat sich das
System so gut bewährt, daß es den Ausbruch größerer Krisen aufgrund von
einschneidenden Ereignissen, wie Krieg im Nahen Osten, Erdölembargo und
kürzliche Erhöhung der Erdölpreise, verhindert hat....
2. Weg:
-7-

�2. Weg: Die Reform des internationalen WährungsSystems

Im vorigen Jahr ist ferner Fortschritt auf dem Wege zu einem internationalen Abkommen über Fragen der Reform des WährungsSystems erzielt worden. ..

Die Fragen, die dem Zwanziger-Ausschuß vorliegen, sind komplex und
werden eine Vielzahl technischer Gespräche und politischer Verhandlungen
erfordern. Ferner haben sich seit der nur vier Monate zurückliegenden Konferenz in Nairobi wesentliche Veränderungen in den Zahlungsbilanzpositionen
der Vereinigten Staaten und anderer großer Industriestaaten vollzogen und
ist es aufgrund der massiven Erhöhungen der Weltmarktpreise für Erdöl zu
Störungen auf den Finanzmärkten gekommen.

Der Zwanziger-Ausschuß hat Mitte Januar auf einer Konferenz in Rom
erste Gespräche über die Auswirkungen der Olpreiserhöhungen auf die Weltwirtschaft und auf die Verhandlungen über eine Reform des Währungssystems
geführt. Eine der getroffenen Entscheidungen war, daß der Ausschuß seine
Arbeit über die Hauptaspekte eines reformierten Systems in den kommenden Monaten abschließen und vor allem sich auf eine Beendigung seiner Arbeit bis
etwa Juni einstellen sollte. Es wurde ferner vereinbart, daß dann an die
Stelle des Zwanziger-Ausschusses ein zwanzig Mitglieder zählender Gouverneursrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) treten sollte - mit dem
Auftrag, das Währungssystem zu leiten und anzupassen, die kontinuierliche
Durchführung des Anpassungsprozesses zu überwachen und sich mit plötzlich
auftretenden Störungen zu befassen, die das System bedrohen könnten.

-8-

�könnten. Gleichzeitig wurde anerkannt, daß eine Einigung über bestimmte andere Aspekte der Reform erzielt werden könnte, wobei

davon ausgegangen werden

sollte, daß die Durchführungsbestimmungen zu einem späteren Zeitpunkt ausgearbeitet und verwirklicht werden würden.

Anpassung und Konvertierbarkeit waren seit Beginn der Gespräche über die
Reform des Währungssystems eine entscheidend wichtige Frage. Die Japaner und
die europäischen Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen haben die Notwendigkeit
einer gesicherteren und prompteren Konvertierbarkeit ihrer Devisenbestände in
primäre Reserveguthaben unterstrichen. Diese Länder sind der Auffassung, daß
ein modifiziertes Währungssystem das, wie sie es nennen, Privileg der Vereinigten Staaten und anderer Reservewährungsländer beseitigen sollte, Defizite über eine Erhöhung ihrer Verbindlichkeiten zu finanzieren. Wir haben den
Nachdruck auf ein symmetrisches und wirksames Anpassungssystem gelegt, das
gewährleistet, daß beide - Defizit- und Überschußländer - umgehend ihre Ungleichgewichte abbauen, noch be vor diese größere Ausmaße annehmen.

Es bestehen bei diesen beiden Fragen ferner einige technische Differenzen, die unter anderem die verschiedenen Auffassungen darüber widerspiegeln,
bei wem die Verantwortung für eine Anpassung liegen sollte. Die Europäer und
die Japaner treten dafür ein, erst dann einen Druck auf Länder mit chronischen Zahlungsbilanzungleichgewichten auszuüben, wenn eine kollektive Beurteilung im Rahmen des Internationalen Währungsfonds (IWF) stattgefunden hat. Wir
sind der Auffassung, daß durch ein solches Verfahren eine Entscheidung hinausgeschoben wird, bis die Situation ein kritisches Stadium erreicht hat, und

-9-

�und dadurch die Struktur des Systems geschwächt wird. Außerdem könnte bei
einem auf Konvertierbarkeit basierenden System ein ungebührlich langes
Hinausschieben einer Maßnahme zu unfairen wirtschaftlichen Auswirkungen auf
die Defizitländer führen. Unseres Erachtens bedarf es objektiver Indikatoren,
zum Beispiel Veränderungen des Bestandes an internationalen Reserven, um
sicherzustellen, daß rechtzeitig Konsultationen über eine Anpassung eingeleitet werden. Solche Indikatoren sollten in gleicher Weise auf Überschuß-wie
auf Defizitländer angewandt werden; es sollten jedoch besondere Bestimmungen
in bezug auf die Anhäufung von Guthaben in den erdölerzeugenden Ländern getroffen werden.

Das Indikatorsystem würde nicht in dem Sinne wirken, daß eine Anpassung
unbedingt auf ein Zeichen des Indikators hin automatisch erfolgen muß - die
internationale Völkergemeinschaft wäre berechtigt, einen Indikator zu überstimmen, falls dieser für falsch erachtet würde. Ein von einem Indikator gegebenes Zeichen würde jedoch als gewichtiger Hinweis dafür gewertet werden,
daß wirksame Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden sollten. Sollte ein Land
es unterlassen, eine wirksame und angemessene Anpassungspolitik einzuschlagen, so würde das Indikatorsystem ferner als Richtschnur für die Anwendung
wirksamer internationaler Strafen und eines entsprechenden Druckes dienen,
Ein solcher Druck könnte zum Beispiel auch den Verlust von Zuteilungen an
Sonderziehungsrechten, die Zahlung von Strafen und schließlich auch die Anwendung von Handelssanktionen einschließen.
Die

-lo-

�Die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Indikator-Vereinbarungen
würden eine ausreichende Gewähr dafür bieten, daß die erforderlichen Zahlungsbilanzanpassungen vorgenommen werden. Das ist notwendig, um Kontinuität und
Stabilität des Systems zu gewährleisten und um die von den meisten anderen
Ländern gewünschte ausgewogene Kontinuität der Konvertierbarkeitsrechte zu
schaffen.

Die Europäer und die Japaner wollen sich primär auf den Anpassungsdruck
verlassen, der einer unbegrenzten und verbindlichen Konvertierbarkeit der Währungen innewohnt. Wie bereits betont, könnte ein solcher Druck die Defizitländer unfair treffen und er würde kein wirksamer Anreiz für die Überschußländer sein, Anpassungen vorzunehmen. Langfristig wäre vielleicht noch wichtiger, daß eine uneingeschränkte Konvertierbarkeit ohne symmetrische Anpassungen zu einer Situation führen könnte, in der die Masse der Primärreserven nur
auf einige wenige Länder entfallen würde. Dies würde zu einer übermäßigen Belastung für den Wechselkursmechanismus führen. Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, daß die Menge der Primärguthaben, die ein Land besitzen darf,
begrenzt sein soll. Ein Vorschlag wäre, als Strafe einen "Negativzins" für
solche Primärguthaben zu erheben, die einen vorher festgelegten Betrag übersteigen. Eine solche Strafe könnte sich langfristig zwar als wirksames Abschreckungsmittel gegen die Anhäufung zu hoher Reserven erweisen, Defizitländer würden jedoch weiterhin in der Zwischenzeit ihre Reserven angreifen,
d.h., sie müßten weiterhin über jedes vertretbare Maß hinaus einwechseln.

Es

-11-

�Es besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, daß die Wechselkursrelationen zwischen den Währungen so stabil wie möglich sein sollten, daß jedoch größere Abweichungen der Wechselkurse von ihren Paritäten zugelassen
werden müßten, als dies nach dem System von Bretton Woods gestattet war. Darüber hinaus sollten die Mittelkurse rascher angepaßt werden, falls sich
dies als notwendig erweisen sollte. Die noch offene Frage ist das Ausmaß der
zulässigen Flexibilität. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel empfohlen, daß eine Freigabe der Wechselkurse zulässig sein soll, falls die gegebene Situation das erfordern sollte und wenn die Freigabe den internationalen Bestimmungen entspricht und international überprüft wird. Andere Länder
sind der Auffassung, daß floatende Wechselkurse zu starke Veränderungen der
Währungsparitäten zur Folge haben könnten oder daß einige Länder absichtlich ihre Währungen abwerten könnten, um auf Kosten anderer ihren Export zu
steigern und so den Beschäftigtenstand im Inland auszuweiten.

Die Meinungsverschiedenheiten in diesen Fragen sind aufgrund der jüngsten Ereignisse wesentlich geringer geworden. Die seit März 1973 frei floatenden Wechselkurse der großen Währungen haben in einer Zeit rascher und
weitgehend unvorhergesehener Veränderungen Währungskrisen auf wirksame Weise verhindert. Es wird nunmehr allgemein anerkannt, daß es in der gegenwärtigen Zeit der Unsicherheit unklug wäre, zu festen Paritäten zurückzukehren...

Obwohl fast alle Länder darin übereinstimmen, daß die Sonderziehungsrechte das wichtigste Reserveaktivum und die wichtigste Recheneinheit eines
reformierten Systems sind, ist über das Verfahren zur Festsetzung ihres
Wertes noch nicht entschieden worden. Manche Länder sind der Ansicht, daß

-12-

�daß die Sonderziehungsrechte nach einem repräsentantiven Währungsquerschn;Ltt
bewertet werden sollten. Andere wiederum meinen, daß nur die harten Währungen in diesen Querschnitt einbezogen werden sollten, so daß die Sonderziehungsrechte im Laufe der Zeit an Wert gewinnen würden. Die Vereinigten Staaten haben den Standpunkt vertreten, daß sich der Wert der Sonderziehungsrechte im Verhältnis zu den einzelnen Währungen nur dann ändern sollte, wenn die
betreffende Regierung eine Paritätsänderung vornimmt. Auf der Januar-Sitzung
des Zwanziger Ausschusses ist beschlossen worden, daß die Wertfestsetzung
der Sonderziehungsrechte vorläufig auf der Basis eines repräsentativen Währungsquerschnitts erfolgen soll.

Die Rolle, die das Gold in dem reformierten internationalen Währungssystem übernehmen soll, ist ebenfalls noch nicht festgelegt. Die Ansichten
zu dieser Furage umfassen einen weiten Bereich von Möglichkeiten, obwohl
praktisch Übereinstimmung darüber besteht, daß das Gold nicht mehr die zentrale Rolle in diesem System übernehmen kann...

Auf dem Wege zu einer neuen internationalen Investitionspolitik

Zweifellos wird sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Auswirkungen der Entwicklungen auf dem internationalen Erdölmarkt sowie auf die
Handels-und Währungsverhandlungen konzentrieren. Aber auch die Arbeit auf
einer Reihe anderer Gebiete, die die internationale Investitionstätigkeit
betreffen, wird, wenn auch weniger spektakulär, weitergehen. Diese Bemühungen
haben wichtige langfristige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Das
-13-

�Das Ergebnis der laufenden internationalen Handels-und Währungsverhandlungen wird neue Bedingungen und Beziehungen schaffen, die sich zwangsläufig
auch auf den internationalen Investitionsfluß auswirken werden. Die Erfolge,
die für die Welt in diesen Verhandlungen erreicht werden, könnten weit geringer ausfallen, wenn die internationalen Investitionsfragen vernachlässigt
werden. Sollten die einzelnen Länder fortfahren, künstliche Handelsschranken
zu errichten oder besondere Subventionen zu gewähren, so würden wir beträchtliche Veränderungen in der Verteilung der Hilfsquellen der Welt erleben
- Veränderungen, die uns von unserem Ziel eines auf den freien Marktkräften
basierenden Systems wegführen.

Als wichtigen Beitrag zur Verwirklichung dieses Zieles haben die Vereinigten Staaten am 12. Februar 1973 ihre Absicht bekanntgegeben, die Kontrolle der Kapitalabflüsse auslaufen zu lassen. Am 29. Januar 1974 sind diese Programme praktisch aufgehoben worden...

Die amerikanische Wirtschaftspolitik gegenüber den Entwicklungsländern
Die Beziehungen der USA zu den Entwicklungsländern lassen sich nicht
mehr primär in Form von Hilfsprogrammen umreißen. Wir wollen eine umfassende
und koordinierte Entwicklungspolitik erreichen, die alle Aspekte unserer
wirtschaftlichen Beziehungen zu den Entwicklungsländern einschließt. Diese
Politik muß auch einige neue Realitäten in Rechnung stellen;

1. Die

-14-

�1. Die wachsende wirtschaftliche Interdependenz zwischen den reichen und
den armen Ländern;
2. die wachsende Notwendigkeit, die Entwicklungsländer nach ihrem relativen Entwicklungsstand und ihrem Bedarf an ausländischer Hilfe wie auch nach
ihrer Fähigkeit aufzugliedern, eine solche Hilfe produktiv zu nutzen;
3. das Potential verschiedener reicher Erdölstaaten zur Übernahme eines
größeren Anteils an den kooperativen Entwicklungsanstrengungen.
Die amerikanische Wirtschaftspolitik gegenüber den Entwicklungsländern
spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, daß alle Länder aus einem offeneren
und gerechteren internationalen Wirtschaftssystem Nutzen ziehen werden. Unsere Käufe an Rohstoffen und Fertigerzeugnissen in den Entwicklungsländern tragen zum Wohlstand der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Verbraucher bei und geben gleichzeitig den Entwicklungsländern die Devisen in die
Hand, die sie brauchen, um ihren Entwicklungsbedarf decken, ihren Schuldendienst tragen und amerikanische Erzeugnisse kaufen zu können.

Gleichzeitig ist die amerikanische Wirtschaft von einer Ära fast völliger
Autarkie in eine Ära wachsender Abhängigkeit von ausländischen Hilfsquellen
eingetreten, wobei sich gleichzeitig die Notwendigkeit ergab, mehr Devisen zur
Bezahlung dieser Importe verdienen zu müssen...

Die

-15-

�•

Die Position der Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Weltwirtschaft
Zwei neue Probleme: Lebensmittel und Erdöl

Lebensmittel

Als Im Jahre 1973 aufgrund von Mißernten in der Welt ernsthafte Verknappungen auftraten, waren es vor allem die Vereinigten Staaten, die Lebensmittel liefern konnten. Die gewaltige Produktionskapazität der Vereinigten Staaten und die Größe unserer Vorräte

versetzten uns in die Lage, den

Bedarf im eigenen Lande zu befriedigen und dennoch einen wesentlichen Beitrag zur Befriedigung der ungewöhnlich großen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen in der übrigen Welt zu leisten. Der amerikanische Farmer
profitierte von den steil ansteigenden Verkäufen, aber der amerikanische Verbraucher wurde von den immer stärker ansteigenden Preisen für Nahrungsmittel
getroffen. Trotz des wachsenden Drucks im eigenen Lande, die Exporte zu beschränken und. die Preise auf dem Binnenmarkt niedrig zu halten, versorgten
wir auch weiterhin die Welt in einer Zeit der Nahrungsmittelnot...

Wenn andere Regierungen bei einer weniger protektionistischen Agrarpolitik geblieben wären, dann hätte sich der Handel in normalerer Weise entwickelt,
die importierenden Länder hätten wahrscheinlich größere Vorratsmengen gehalten und leistungsstarke Produktionsländer,wie die USA, hätten eine größere
Nutzlandfläche unter Bestellung gehalten. E s war zum Teil Schuld der unfairen
Handelsabkommen, daß wir uns vor längerer Zeit gezwungen sahen, Millionen von
Hektar an produktivem Farmland brach liegen zu lassen. Als dann Mitte 1972

— 16-

�1972 die Nachfrage sprunghaft anstieg, waren die zur Verfügung stehenden
Mengen unzureichend und die Preise kletterten entsprechend in die Höhe.

So wie Importschranken die wirtschaftliche Verwerfung vergrößern(und
dadurch eine spätere Anpassung noch schmerzlicher machen), so wirken sich
auch die Exportkontrollen in gleicher Weise aus...

Wir fordern daher

daß sich uns andere in dem Bemühen anschließen,

Abkommen auszuhandeln, die die Vorteile einer wachsenden landwirtschaftlichen
Produktion den Farmern und Verbrauchern überall auf

der Welt zugutekommen

lassen und die für eine Verteilung der temporär auftretenden Lasten Sorge
tragen...

Erdöl
Durch die derzeitige Ölverknappung veranlaßt, beschleunigen wir unsere
Anstrengungen, wiederum eine Kapazität zu entwickeln, die uns auf dem Energiesektor autark macht. Für die Erreichung dieses Zieles im Rahmen des "Projekts Unabhängigkeit" hat Präsident Nixon das Jahr 1980 als Frist gesetzt.
Viele andere Länder erwägen ähnliche Maßnahmen. Dabei müssen wir jedoch alle
sorgfältig darauf achten, daß die Forderung nach ausreichender Eigenversorgung
auf dem Energiesektor sich nicht zu der Tendenz einer völligen Autarkie auswächst und dadurch den gewaltigen Fortschritt untergräbt, den wir durch die
wirtschaftliche Interdependenz während der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg
gemacht haben.
Die

-17-

�»

I

Die Alternative zu einem wachsenden Isolationismus ist eine größere
Zusammenarbeit unter den Nationen. Wir und die anderen Nationen müssen zusammenarbeiten, indem wir uns den durch unsere wachsende Interdependenz entstandenen Problemen stellen und sie lösen...

Sicherung ausreichender Rohmaterialquellen

... So wie die Industriestaaten in einen immer stärkeren Wettstreit um
Rohstoffquellen getreten sind, so haben die Erzeugerländer entdeckt, daß sie
ihre Hilfsquellen zur Erlangung wirtschaftlicher und manchmal auch politischer
Ziele nutzen können. Einige Produzenten haben höhere Preise für ihre Produkte zu erlangen versucht, andere haben gefordert, daß ihr Land stärker am Besitz der Produktionsanlagen beteiligt werden müsse oder daß diese völlig in
ihren Besitz übergehen und wieder andere haben darauf gedrungen, daß die
Weiterverarbeitung der Rohprodukte im eigenen Lande anstatt im Ausland erfolgen solle...

Langfristig werden sich die von den Erzeugerländern für die Rohstofflieferungen verhängten Beschränkungen - oder starken Preiserhöhungen - für diese
selbst als produktionsschädigend erweisen. Die Verbraucher werden es - sowohl
aus ökonomischen als auch aus nationalen Sicherheitsgründen - in ihrem eigensten Interesse erachten, die eigenen einheimischen Rohstoffvorkommen stärker
abzubauen sowie synthetische oder andere Ersatzstoffe zu entwickeln.

Mit

-18-

�Mit Beginn des Jahres 1974 wurde es immer mehr klar, daß Konfrontationen zwischen den Erzeuger-und den Verbraucherländern aufgrund der Rohstoffversorgung letztlich für alle Volkswirtschaften kostspielig werden können.
Innerhalb der amerikanischen Regierung sowie der internationalen Foren sind
Bemühungen im Gange, wirksamere Wege zur Sicherstellung einer funktionierenden Versorgung mit den benötigten Rohstoffen zu finden. Die laufenden Bemühungen zur Reform des internationalen Handels-und Währungssystems geben
den institutionellen Rahmen, in dem wir uns mit diesen Problemen befassen
können...

Die Wende für den amerikanischen Handel
Die Haupthandelspartner

Kanada

Unsere Handelsbilanz hat sich gegenüber unseren meisten großen Handelspartnern - Kanada ausgenommen - verbessert. Unser Handelsdefizit gegenüber
Kanda erhöhte sich um rund 0,2 Milliarden Dollar auf 2,7 Milliarden Dollar,
und zwar in erster Linie aufgrund der verstärkten Rohstoffkäufe. Zum Teil
konnte das wachsende Defizit durch steigende Lieferungen von Kapitalausrüstungen an Kanada ausgeglichen werden...

Die Europäische Gemeinschaft

Unsere Handelsbilanz gegenüber der Europäischen Gemeinschaft hat sich
um 1,8 Milliarden Dollar verbessert. Aus dem Defizit von 0,6 Milliarden Dollar im Jahre 1972 wurde 1973 ein Überschuß von 1,2 Milliarden Dollar. Unsere

-19-

�Unsere Exporte in die Europäische Gemeinschaft stiegen 1973 - nach zwei Jahren der Stagnation - um 40 Prozent. Mit 75 Prozent hatten Agrarerzeugnisse
die stärkste Zunahme zu verzeichnen, auf die fast ein Drittel der Mehrlieferungen in die Europäische Gemeinschaft entfielen. Trotzdem ging der amerikanische Anteil an dem Agrarmerkt der Europäischen Gemeinschaft aufgrund
des den Bauern von der EG gewährten Schutzes weiter zurück, wie dies nun
schon seit fast einem Jahrzehnt der Fall ist.

Unsere Fertigwarenexporte nahmen um 38 Prozent zu; die beachtlichsten
Erfolge wurden bei Chemikalien, Flugzeugtriebwerken, Computern und elektronischen Röhren erzielt. Die Exporte der Automobilindustrie, obwohl gering,
verdoppelten sich wertmäßig und zeigten damit, daß die Neufestsetzung der
Wechselkurse die amerikanischen Erzeugnisse auf den europäischen Märkten
wettbewerbsfähiger gemacht hat. Insgesamt gesehen war jedoch der Einfluß,
den die Neufestsetzung der Wechselkurse auf die Steigerung der US-Exporte
nach der Europäischen Gemeinschaft ausübte, relativ gering verglichen mit anderen Faktoren wie die Hochkonjunktur in der EG und das daraus resultierende
Unvermögen, genügend Güter zur Deckung des einheimischen Bedarfs produzieren
zu können.
Auf der Importseite brachte die Neufestsetzung der Wechselkurse zunächst
beträchtliche Auswirkungen. Obwohl sich unsere Einfuhren aus der Europäischen
Gemeinschaft um 24 Prozent erhöhten, ist fast der gesamte Zuwachs den aus der
Neufestsetzung der Wechselkurse resultierenden höheren Preisen zuzuschreiben.
Die Fertigwarenimporte erhöhten sich kaum. Eine mengenmäßige Zunahme hatten
in erster Linie unsere Käufe an Lebensmitteln, Getränken und Brennstoffen

-2o-

�Brennstoffen in der Europäischen Gemeinschaft aufzuweisen...

Die Kommunistischen Länder

Unser Handelsüberschuß gegenüber den kommunistischen Ländern erhöhte
sich 1973 deutlich. Unser Export in diese Länder stieg um 180 Prozent von
0,9 Milliarden Dollar auf 2,5 Milliarden Dollar, was vor allem auf größere
Lieferungen von Agrarerzeugnissen zurückzuführen war. Bei anderen Lieferungen handelte es sich in erster Linie um Kapitalgüter, die ebenfalls stark
- um 145 Prozent - zunahmen, jedoch nur 0,3 Milliarden Dollar ausmachten
-gegenüber den Exporten von Agrarerzeugnissen von 1,8 Milliarden Dollar.
Fast 50 Prozent unserer Exporte in die kommunistischen Länder gingen nach
der Sowjetunion, aber auch die Exporte nach den übrigen osteuropäischen Ländern und nach China nahmen rasch zu. Am bemerkenswertesten war die starke
Ausweitung der Ausfuhr nach China, die sich von 64 Millionen Dollar im Jahre
1972 auf 690 Millionen Dollar im Jahre 1973 erhöhte.

Unsere Importe aus den kommunistischen Ländern stiegen um 65 Prozent
an, blieben jedoch immer noch unter 600 Millionen Dollar und bestanden in
erster Linie aus Rohstoffen und Lebensmitteln. Die kleineren Osteuropäischen
Länder waren die Hauptlieferanten, wobei auf Polen fast ein Drittel aller
Lieferungen aus kommunistischen Ländern in die Vereinigten Staaten entfiel.
t

Die rasche Ausweitung unseres Handels mit den kommunistischen Ländern
seit den Besuchen des Präsidenten in die Sowjetunion und in China im Jahre
1972 beginnt sich erst auf nnser

Handelsgefüge auszuwirken. Unsere Liefe-

-21-

�Lieferungen nach kommunistischen Ländern machen jetzt etwa 4 Prozent unseres
Gesamtexports aus, gegenüber noch nicht 1 Prozent vor zwei Jahren. Die Ein*
fuhren sind weiterhin unbedeutend und als Folge hiervon nahm unser Handelsüberschuß 1973 diesen Ländern gegenüber um rund 1,4 Milliarden Dollar zu...

Die amerikanische Handelsbilanz berührende Faktoren

Langfristig
Auf die Wettbewerbsposition wirken sich langfristig zahlreiche Faktoren
aus; dies sind unter anderem: strukturelle Umschichtungen in der Weltwirtschaft, Veränderung der zwischenstaatlichen relativen Exportpreise, Modifizierungen der Handelsschranken. Es muß jedoch bedacht werden, daß diese Faktoren, obwohl sie hier getrennt behandelt werden, in einem so engen

Zusammen-

hang zueinander stehen, daß ihr individueller Beitrag zur Veränderung der
Handelspraktiken nicht genau festgestellt werden kann...

Höhe und Ursprung der ausländischen Investitionen in den USA

Während die amerikanischen Auslandsinvestitionen in den letzten Jahren
einer ständigen Überprüfung unterzogen wurden, ist den laufend steigenden
ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten wenig Beachtung geschenkt worden. Der Buchwert der ausländischen Direktinvestitionen in den
Vereinigten Staaten hat sich von 1968 bis 1972 um ein Drittel erhöht und
wurde 1972 auf 14,4 Milliarden Dollar geschätzt. Die vergleichbaren amerikanischen Investitionen im Ausland haben immer noch einen vielfach größeren
-22-

�größeren Wert und beliefen sich 1972 auf insgesamt 94 Milliarden Dollar.

Die neuen Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (ohne reinvestierte Gewinne) erreichten 1973 fast 2 Milliarden Dollar und damit die
bei weitem höchste Zunahme. Trotz dieser Steigerung im Jahre 1973 erscheint
eine Besorgnis ob der Höhe der ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten ungerechtfertigt, wenn man sie mit den einheimischen Investitionen vergleicht. Die ausländischen Direktinvestitionen in den USA betrugen
zwischen 0,5 und 1,5 Prozent der privaten amerikanischen Bruttoinvestitionen.
Es ist daher unwahrscheinlich, daß die ausländischen Direktinvestitionen sich
wesentlich auf die Gesamtnachfrage, den Beschäftigtenstand oder die Verwirklichung unserer Wirtschaftspolitik auswirken werden. Am stärksten war die Besorgnis über die ausländischen Investitionen in Gebieten wie Hawaii, Kalifornien und Alaska, die besonders hohe Investitionen angezogen hatten.

Bis vor kurzem stammte die Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen
in den USA in erster Linie aus wiederangelegten Gewinnen und neue Kapitalzuflüsse spielten nur eine verhältnismäßig geringe Rolle. In den Jahren 1968
bis 1972 jedoch erreichten die Kapitalzuflüsse fast die Höhe der wiederangelegten Gewinne und es liegen Anzeichen dafür vor, daß die erhöhten Kapitalzuflüsse 1973 über zwei Drittel der Investitionen ausmachen werden.

Mit über 70 Prozent ist der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten im Besitz westeuropäischer Länder. Auf Kanada
entfallen weitere 25 Prozent und der Rest verteilt sich auf eine große Zahl
anderer Länder...
Die
-23-

�Die Auswirkung der ausländischen Investitionen auf die US-Wirtschaft

Über das Für und Wider der ausländischen Investitionen ist in den
letzten Jahren heiß debattiert worden. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich
auf die amerikanischen Kapitalabflüsse und ihre Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft und unsere Zahlungsbilanz. Das Interesse wendet sich nunmehr den
Kapitalzuflüssen und deren Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft und
die Zahlungsbilanzposition der USA zu...

Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, genau festzustellen, welche
ausländischen Investitionen an die Stelle amerikanischer Investitionen treten. Die allgemeine Auffassung ist jedoch, daß ausländische Investitionen
oftmals von solchen Firmen vorgenommen werden, die einen besonderen technologischen Vorsprung haben, die überlegenes Wissen oder bessere Absatzverfahren besitzen,, odßr von Firmen, die dadurch Handelsschranken zu umgehen
suchen, die bisher ihren Export beeinträchtigt oder verhindert hatten. Davon ausgehend ist anzunehmen, daß ein wesentlicher Teil der direkten ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten zusätzlich zu eigenen Investitionen erfolgt und sich daher positiv auf Einkommen, Beschäftigtenstand, Produktion und Wettbewerb in den USA auswirkt. Darüber hinaus wird
dadurch unser technologisches Wissen bereichert.

In ausländischem Besitz befindliche Firmen können ebenfalls beträchtlich zum Wettbewerb in den USA und damit zum Wohl der Verbraucher beitragen. So könnte es vorkommen, daß in einzelnen Industriezweigen einige wenige
große US-Firmen ein solches Übergewicht haben, daß einheimische Investoren

-24-

�Investoren es nicht wagen, sich neu auf diesem Gebiet zu betätigen. Das
könnte sich eine ausländische Firma mit einer fest fundierten Marktposition
im eigenen Lande zu Nutze machen und die marktbeherrschende Stellung der
größeren amerikanischen Firma herausfordern. Das könnte entweder durch neue
Investitionen in Form wettbewerbsfähiger Anlagen oder durch Übernahme bestehender kleinerer und daher nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen erfolgen.

Aufgrund ihrer geringen Höhe - verglichen mit anderen Positionen in
unseren internationalen Bilanzen - können wir nicht damit rechnen, daß die
ausländischen Direktinvestitionen zu einem wichtigen Posten in unserer Zahlungsbilanz werden. Unsere Abflüsse an Direktinvestitionen in den sechziger
Jahren machten

im Durchschnitt auch nur 3 Milliarden Dollar pro Jahr aus...

Die Politik gegenüber den ausländischen Direktinvestitionen in den USA

Jede Betrachtung der amerikanischen Politik bezüglich der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten muß im Rahmen unserer
Gesamtanstrengungen um eine Reform des internationalen Wirtschaftssystems
gesehen werden. Unsere Bemühungen um ein liberalisiertes internationales Handelssystem und ein realistischeres Währungssystem werden ganz zwangsläufig
durch unsere Maßnahmen auf dem Gebiet der internationalen Investitionen beeinflußt werden. Unsere Politik gegenüber den ausländischen Investitionen
sollte daher mit unseren Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels,
der Investitionen und der Währungsvereinbarungen überall auf der Welt stehen.
Eine

-25-

�Eine der Grundlagen der von uns angestrebten offeneren und gerechteren
Weltwirtschaft ist der freie Kapitalfluß über die Grenzen hinweg. Wenn dieser
Kapitalfluß allen Ländern ein Höchstmaß an Vorteilen bringen soll, muß er
weiterhin, soweit wie möglich, frei von künstlichen Hindernissen und Anreizen
bleiben. Nach Überprüfung der Auswirkungen verschiedener politischer Alternativen ist die Administration zu dem Schluß gekommen, daß den amerikanischen
Interessen am besten gedient ist, wenn ausländische Investitionsgelder frei
in die Vereinigten Staaten kommen dürfen, und wenn die ausländischen Investitionen auf einer gleichberechtigten Basis wie die einheimischen Investitionen behandelt werden. Wir bieten den ausländischen Investoren keine besonderen Anreize, um die Vereinigten Staaten für sie anziehend zu machen, und
- abgesehen von wenigen anerkannten Ausnahmen - errichten wir keine besonderen Schranken, um ihr Einfließen zu verhindern. Gleichzeitig beabsichtigen
wir Maßnahmen zu entwickeln, um unsere Informationen über die ausländischen
Investitionen in den Vereinigten Staaten mehr zu vervollständigen.

4-H-

-26-

�j amerika dienst
*

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3/1974

KISSINGER ZU FRAGEN DER ENERGIE UND ENTSPANNUNG
Ausführungen des US-Außenministers vor dem Harvard/Yale/Princeton-Club
in Washington

WASHINGTON -«(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat
am 6. Februar vor dem Harvard/Yale/Princeton-Club in Washington zu der bevorstehenden Energiekonferenz sowie zur Energiesituation ganz allgemein
Stellung genommen. Im Anschluß an seine Rede beantwortete der Außenminister
Fragen, unter anderem auch zur Ost-West-Entspannung. Die Ausführungen
Kissingers haben folgenden Wortlaut:

"Ich glaube, ich sollte kurz über die Energiekonferenz sprechen, die
nächste Woche hier in Washington beginnt. Zu dieser Konferenz kommen die
Außenminister von 13 Ländern sowie mehrere Finanzminister und Leiter der
Energieprogramme dieser Länder.
Was wollen wir erreichen?
Manche Leute sagen, wir sollten ve.öuchen, eine Verbrauchervereinigung
zu organisieren. Andere behaupten, daß wir eine Konfrontation mit den Erzeu-

.1.

�Erzeugern herbeizuführen suchten. Und wieder andere erklären, wir vernachlässigten die Entwicklungsländer. Keine dieser Aussagen ist richtig.

Das Energieproblem wird in einem Gespräch zwischen den Verbrauchern
und den Erzeugern bereinigt werden müssen. Wir rechnen damit, daß sehr bald
nach dieser Konferenz der Verbraucher eine nächste Konferenz der in der kommenden Woche hier zusammentreffenden Länder und der Verbraucher unter den
Entwicklungsländern stattfinden wird, und sehr kurz danach ein Treffen aller
Verbraucher-und Erzeugerländer.

Der Grund, warum wir es für notwendig erachteten, daß die Länder, die
85 Prozent der Energie der Welt verbrauchen und importieren, zunächst zusammenkommen, ist, daß sie ein gemeinsames Problem von sehr großer Tragweite
haben, das sich nur durch gemeinsame Anstrengungen bewältigen läßt. Dieses
Problem wird mit Sicherheit zum Untergang jedes einzelnen führen, wenn der
Versuch unternommen wird, es auf einer einseitigen Basis zu lösen.

Was ist nun das Problem?

Es wurde im Herbst offensichtlich, daß der Anreiz zur Energiegewinnung
nicht mit der weltweiten Energienachfrage Schritt hält. Und es zeigte sich
während des Winters, daß der Anstieg der Preise alle Länder der Welt vor
eine Situation stellt, die zu meistern sie auf einer individuellen Basis
überhaupt nicht in der Lage sind.

Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten von allen Ländern der Welt
noch am ehesten in der Lage, das Problem auf einer individuellen Basis zu

-2-

�zu lösen. Die Industriestaaten werden aufgrund ihrer Energieimporte - zu gegenwärtigen Preisen - ein Defizit von 39 Milliarden Dollar aufweisen, die
Entwicklungsländer ein Defizit von 29 Milliarden Dollar.

Der Preis, den die Entwicklungsländer für die Energie zahlen müssen,
beträgt mehr als das Vierfache des gesamten Flusses an Hilfe aus allen Ländern der Welt. Anders ausgedrückt, wenn alle Länder ihre Hilfsprogramme einstellen würden, dann wären die Auswirkungen auf die Entwicklungsländer weit
weniger schwer als jetzt die Auswirkungen des Preisanstiegs, der von den erdölerzeugenden Ländern an einem einzigen Nachmittag beschlossen wurde.

Bei solchen Defiziten kann kein Land seinen Energiebedarf aus eigenen
Anstrengungen alleine decken. Es gibt keinen Weg angesichts der Forderungen
der Erzeugerländer, wie das Defizit durch Handelsvereinbarungen beseitigt
werden könnte. Daher haben alle Länder der Welt ein gemeinsames Problem, wie
sie ihre Versorgung sicherstellen und die Preise mit der Struktur der Weltwirtschaft in Einklang bringen können.

Dies liegt genauso im Interesse der Erzeugerländer, denn wenn es in der
Weltwirtschaft zu einer Rezession kommt, würden auch die Erzeugerländer darunter leiden.
Die Vereinigten Staaten gehen in diese Konferenz mit der gleichen Einstellung wie schon einmal zuvor am Ende des zweiten Weltkrieges, als es große
Verwerfungen in der Welt gab und die USA erkannt hatten, daß sie ein starkes
Interesse an der Stabilität der Weltwirtschaft haben - ja, daß wir sogar ein
starkes Interesse an kooperativen Beziehungen in der Welt haben.

-3

Alle

�Alle von mir hier aufgezeigten Probleme berühren die Vereinigten Staaten am wenigsten. •

Wie der Präsident betont hat, können wir auf dem Energiesektor bis Ende
des Jahrzehnts autark werden. Und schon während dieses Jahrzehnts können wir
den größten Teil unseres Bedarfs aus einer expandierenden einheimischen Erzeugung sowie aus anderen Quellen decken, und wir sind am ehesten in der Lage, eigene bilaterale Abmachungen zu treffen. Auf der anderen Seite wäre ein
un
Zusammenbruch der Weltwirtschaft/vermeidlich und das gesamte, seit dem Kriege geschaffene, System von kooperativen Beziehungen auf der Welt wäre gefährdet, wenn jedes Land die Politik einschlüge, seine Nachbarn zu übervorteilen.
Wir treten daher an die eingeladenen Länder nicht mit der Forderung
heran, sich gemeinsam mit uns an einer Konfrontation zu beteiligen, und auch
nicht mit dem Vorsitz, irgendwelche einseitigen Vorteile zu erlangen, sondern
wir tun dies vielmehr mit der Bereitschaft, unsere eigenen Hilfsquellen und
unser Wissen für gemeinsame Bemühungen zur Verfügung zu stellen, um die Versorgung aller Länder zu verbessern und Vereinbarungen auszuarbeiten, so daß
die Verbraucher,wenn sie in den nächsten zwei Wochen oder Monaten ihren Bedarf anmelden, ihre gemeinsamen Probleme mit mehr Zuversicht und Nachdruck
vortragen können.

Wir werden unseren Kollegen unsere Beurteilung der Versorgungslage dar legen, die unseres Erachtens nicht so düster sein, muß wie dies oftmals geschildert worden ist.

Wir
-4-

�Wir werden aufzeigen, was wir auf den Gebieten der Verbrauchsbeschränkung, der gemeinsamen Forschung und Entwicklung sowie der Entwicklung alternativer Energiequellen tun wollen. Wir werden ferner bereit sein, mit den betreffenden Ländern über ein Zuteilungssystem in Kriegsfällen zu sprechen, falls
es zu vorübergehenden Versorgungsschwierigkeiten kommen sollte. Wir erwarten,
daß alle anderen Länder dies als weltweites Problem betrachten und sich darüber klar sind, so wie wir uns darüber klar sind, daß es nicht möglich ist,
aus Situationen, die das Wohlergehen aller unserer Völker berühren, irgendeinen einseitigen Vorteil zu ziehen.

Wir werden vor diesen Ländern ferner unsere tiefe Sorge über das harte
Los der Entwicklungsländer zum Ausdruck bringen und die Notwendigkeit darlegen, den Entwicklungsländern bei der Deckung ihres Energiebedarfs zu helfen.

Und schließlich werden wir in sehr naher Zukunft mit den Erzeugerländern in diesem gleichen Geiste der Zusammenarbeit und in dem Bewußtsein zusammentreffen, daß sie ebenfalls Teil der Völkergemeinschaft der Welt sind
und daß sie aus einer Verschlechterung der Weltwirtschaftslage wie auch der
internationalen Verhaltensnormen ebensowenig Nutzen ziehen können.

Darum geht es auf der Konferenz in der kommenden Woche, die unseres Erachtens ein wichtiger Punkt bei der Errichtung und der Erhaltung einer kooperativen Weltordnung ist, wie sie das Ziel jeder amerikanischen Administration - auf einer von beiden großen politischen Parteien getragenen Basis seit Ende des zweiten Weltkrieges gewesen ist.

Und jetzt stehe ich zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung.
Frage:
-5-

�Frage: Sie haben angedeutet, daß die Araber das Erdölembargo aufheben
wollen. Können Sie uns sagen, wann damit zu rechnen ist?

Antwort: Ich habe angedeutet, daß ich Anlaß zu der Hoffnung habe, daß
Fortschritte bei den israelisch-arabischen Verhandlungen zur Aufhebung des
Erdölembargos führen würden. Ich habe ferner wiederholt darauf hingewiesen,
daß die Vereinigten Staaten Verständnis dafür aufbringen, daß das Embargo in
der Hitze des Gefechts und unter Bedingungen verhängt wurde, unter denen die
arabischen Länder sich noch nicht des Umfangs der von den USA unternommenen
diplomatischen Bemühungen bewußt waren.

Seit Oktober haben die Vereinigten Staaten als erstes die Waffenruhe,
dann das Sechs-Punkte-Abkommen und das Auseinanderrücken der Ägypter und der
Israelis erreicht. Ein Aufrechterhalten des Embargos unter diesen Bedingungen muß als eine Art Erpressung betrachtet werden; es wäre äußerst unangebracht und muß sich praktisch auf die Haltung auswirken, in der wir unsere
Diplomatie weiterführen.

Wir glauben daher, daß die Entscheidung, das Embargo aufzuheben, die
natürlich die Araber treffen müssen, in diesem Geist getroffen wird.
Frage: Herr Außenminister, zu Ihren Ausführungen über bilaterale Vereinbarungen. Im Augenblick sind bilaterale Beziehungen von Land zu Land zwi-r
sehen Japan und einigen der Olländer im Nahen Osten sowie bestimmten anderen
Ländern ausgehandelt worden. Wird Ihr Programm und Ihre Konferenz kommende
Woche sich damit befassen, diese zu widerrufen, oder wird irgendein diesbezüglicher Schritt ergriffen werden?
Antwort:
-6-

�Antwort: Es ist ganz klar, daß bestehende Abmachungen nicht aufgehoben
werden können. Genauso wenig sind wir gegen bilaterale Abmachungen als solche. Was unseres Erachtens notwendig ist, sind einige allgemeine Verhaltensregeln, in deren Rahmen solche bilaterale Abmachungen getroffen werden sollten.
Lassen Sie mich klarstellen: Wir sind nicht deswegen über bilaterale
Abmachungen besorgt, weil sie langfristig amerikanische Versorgungsquellen
berühren. Unsere Sorge ist, daß den meisten Ländern, die bilaterale. Abmachungen eingehen, bei den gegenwärtigen Preisen die Reserven ausgehen werden,
oder daß sie gezwungen sein könnten, dafür mit Waren zu bezahlen, für die es
keinen Festpreis gibt, wie zum Beispiel bei Waffen. Das könnte in der gegenwärtigen Situation die Stabilität nur noch weiter aushöhlen.

Wir sind darüber besorgt, weil bilaterale Abmachungen nur dazu dienen
können, einen Preis zu stützen, der zunächst einmal für das betreffende Land
und dann auch für die Weltwirtschaft ganz allgemein ruinös ist. Was wir gerne haben möchten, sind einige allgemeine Verfahrensregeln, in deren Rahmen
bilaterale Abmachungen getroffen werden, weil natürlich kein Land uns sein
Recht überlassen wird, sich mit seinen eigenen Versorgungsquellen zu befassen.

Frage: Herr Außenminister, wie stehen Sie zu der Entspannung mit der
Sowjetunion, vor allem angesichts der kürzlichen Erklärungen in der sowjetischen Presse ...?
Antwort:

-7-

�Antwort: Ich bin mit der Erklärung in der sowjetischen Presse, auf die
Sie sich beziehen, nicht vertraut. Aber lassen Sie mich unsere grundlegende
Haltung zur Entspannung darlegen. Beim Amtsantritt dieser Administration haben wir erklärt, daß wir für Verhandlungen und nicht für Konfrontation sind.
Wir haben ferner erklärt, daß wir unsere Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion erleichtern werden. Damals wurden wir von vielen kritisiert, weil wir
Fortschritte auf wirtschaftlichem Gebiet von außenpolitischen Bedingungen abhängig machen würden. Erst in letzter Zeit wurde das Argument befürwortet,
daß wir einen Fortschritt auf wirtschaftlichem Gebiet nicht nur von außenpolitischen Fortschritten, sondern auch von innenpolitischen Veränderungen in
dem sowjetischen Gesellschaftssystem abhängig machen sollten.

Worum geht es in den Beziehungen zur Sowjetunion? Hier sind zwei Gesellschaftssysteme, die beide über ein Potential zur Vernichtung verfügen,
wie es dies in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hat, und das
für die meisten Menschen unvorstellbar ist. Beide Seiten verfügen über das
Potential, alles, was wir unter zivilisiertem Leben verstehen, zu vernichten.
Diese Waffen steigern sich in ihrer Wirkung immer mehr. Die Konfrontationen
überall auf der Welt nehmen angesichts der Natur der modernen Kommunikation
bei einem Bestehen von Spannungen zu. Es ist Pflicht jedes Führers eines
Landes, gleichgültig, welcher Partei er angehört, die Gefahr einer nuklearen
Konfrontation zu vermindern und der Menschheit die drohende Gefahr einer nuklearen Konfrontation zu ersparen. Und daher muß es die Hauptaufgabe der amerikanischen Außenpolitik sein, mässigend auf die sowjetische Außenpolitik
einzuwirken.
Das
-8-

�Das bedeutet nicht, daß wir das innenpolitische Verhalten der Sowjets
billigen. Das bedeutet nicht, daß wir glauben, die sowjetischen Führer handelten nach der gleichen Norm für innenpolitisches Verhalten, die wir von anderen erwarten. Trotzdem muß jeder Staatsmann angesichts der riesigen Gefahr
einer nuklearen Konfrontation versuchen, den Ausbruch eines Nuklearkrieges
zu verhindern. Daher ist unser Interesse an einer Entspannung darauf ausgerichtet, mässigend auf das außenpolitische Verhalten der Sowjets einzuwirken.
Das ist im großen und ganzen erfolgreich gewesen mit gelegentlichen Ausnahmen,
wie dies unvermeidbar ist, wenn Nationen praktisch nirgendwo Begrenzungen unterliegen. Aus diesem Grunde sind wir an einer Verringerung des Wettrüstens
interessiert. Aus diesem Grunde sind wir daran interessiert, bestimmte Bande
auf den Gebieten des Handels und der Kultur zu knüpfen. Das bedeutet keine
Billigung der innenpolitischen Struktur der Sowjetunion. Wo angebracht, haben
wir unseren Einfluß, und mit Erfolg - wie im Falle der Auswanderung von Juden geltend gemacht, um diese Bedingungen zu verbessern. Aber wir sollten nicht
mit der Gefahr eines Nuklearkrieges spielen, und wir sollten dies nicht zu
einer Frage innenpolitischer Debatten machen. Ob wir nun in diesem oder im
nächsten Jahr Erfolg haben werden, das Problem des Atomkrieges muß gelöst werden, wenn die Menschheit überleben soll.

Ich werde noch eine Frage beantworten.

Frage: Angesichts Ihrer Antwort auf die erste Frage und der Nachrichten,
daß Syrien Saudi Arabien überredet hat, das Erdölembargo nicht aufzuheben,
bevor Israel sich an der syrischen Front nicht auf die Grenzen von 1967 zurückgezogen hat, sind Sie der Ansicht, daß die USA gegenwärtig erpreßt werden, und
-9-

�und wenn dem so ist, von welchem Land oder von welchen Ländern?

Antwort: Wir haben noch keine offiziellen Informationen erhalten, wonach
Syrien von Israel den Rückzug auf die Grenzen von 1967 fordert. Aber ich habe unseren Standpunkt ganz allgemein dargelegt. Die Vereinigten Staaten haben
erklärt, daß sie am Frieden im Nahen Osten interessiert und daß sie überzeugt
sind, daß bei einer Fortdauer des Konfliktes eine Gefahr für die gesamte
Menschheit besteht - aus allen diesen Gründen haben die Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft erklärt, mit zur Verwirklichung der einschlägigen UN-Resolutionen beizutragen. Und die Vereinigten Staaten haben große Anstrengungen
unternommen - und ich möchte sagen, allein solche Anstrengungen unternommen um alle die Verbesserungen des politischen Klimas im Nahen Osten herbeizuführen, die seit Oktober eingetreten sind.

Wenn jetzt die Taktiken der Ausübung von Druck fortgesetzt werden, dann
kann dies nur als Erpressung ausgelegt werden und es kann, gleichgültig von
welchem Land es kommt, nur als Erpressung gedacht sein. Ich möchte jedoch
wiederholen, daß wir bisher in dieser Beziehung noch keine offizielle Nachricht erhalten haben.

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3/1974

DIE ZUKUNFT DES BÜNDNISSES
Von NATO-Generalsekretär Dr. Joseph M.A.H.Luns

Die Signatarstaaten des Nordatlantikvertrages werden in Bälde den
25. Jahrestag der Gründung unseres Bündnisses begehen. Sie können es mit
einiger Befriedigung tun. Das Bündnis wurde gegründet, uro einer eindeutigen und unmittelbaren Bedrohung der Sicherheit und Unabhängigkeit der Länder Westeuropas zu begegnen. Es hat fortbestanden, um vor jeder Erneuerung
dieser Drohung abzuschrecken und gleichzeitig verbesserte Beziehungen zwischen Ost und West anzustreben. Seit Gründung des Bündnisses ist es gelungen, einer Ausdehnung der sowjetischen Hegemonie in Europa Einhalt zu gebieten. Allen Versuchen und jedem Druck in dieser Richtung ist mit Festig-r
keit und Entschlossenheit entgegengetreten worden •» eine Haltung, die zur
Aufgabe dieser Versuche führte. Schließlich wurde es möglich, auf eine
schrittweise Verbesserung des Klimas in den Ost-West-Beziehungen zu hoffen,
eine Verbesserung, die schließlich zu einer Situation in Europa führen mag,
in der mit dem Abbau einiger der starren und künstlichen Barrieren begonnen

-1-

�begonnen werden könnte. Nichts davon könnte ohne das Bündnis erreicht werden oder hätte ohne das Bündnis erreicht werden können.

Wie aber sehen die Zukunftsaussichten des Bündnisses aus? Wenn man
von gewissen Kommentaren ausgeht, dann scheinen zum gegenwärtigen Zeitpunkt
manche Leute diese Aussichten nicht allzu hoch einzuschätzen. Einmal bestehen
ernsthafte Zweifel an der Bereitschaft der Wähler in den westlichen Demokratien, ihre Regierungen bei entscheidend wichtigen Verteidigungsausgaben zu
unterstützen. Zum anderen werden Zweifel am Zusammenhalt des Bündnisses laut.
Und zum dritten steht außer Frage, daß die wachsende Kompliziertheit der den
Industrienationen der Welt gestellten Probleme - wie dies erst jüngst durch
die Energiekrise so augenfällig geworden ist - die Gefahr der Rivalität und
des Konfliktes zwischen Mitgliedern des Bündnisses stark vergrößert hat. Wenn
wir also jetzt diesen 25. Jahrestag feiern, dann wird unsere berechtigte BeT
friedigung etwas gedämpft durch derzeitige Sorgen und Befürchtungen für die
Zukunft.

Es mag recht nützlich sein, die Ursachen für diese Sorgen uni Befürchtungen einmal etwas näher zu untersuchen. Ganz allgemein gesprochen wird
sich jedes militärische Verteidigungsbündnis - und hier ist das Nordatlantische Bündnis keine Ausnahme - ständig mit zweierlei Problemen auseinanderzusetzen haben. Da existieren als erstes die äußeren Probleme, die.sich durch
die Bedrohung ergeben, der zu begegnen das Bündnis ins Leben gerufen wurde
und besteht: die Beurteilung der Bedrohung auf lange Sicht und an bestimm-

~2-

�bestimmten Zeitpunkten;Entscheidungen, wie der Bedrohung am besten begegnet
werden kann und Übereinkommen über die Mittel und Wege zur Ausführung dieser
Entscheidungen. Der zweite Problemkreis umfaßt die inneren Probleme der Beziehungen innerhalb des Bündnisses: Übereinkommen darüber,wo die Interessen
des Bündnisses in einer spezifischen Situation liegen; Übereinkommen darüber,
welches die Aufgabe und Zuständigkeit des Bündnisses ist, und schließlich
das Finden von Mittel und Wegen zur Beilegung von Differenzen zwischen Bündnismitgliedern, wo diese Differenzen die Solidarität des Bündnisses bedrohen. Man kann in diesem Zusammenhang wohl sagen, daß es eine allgemeine Regel gibt, wonach die inneren Probleme der Bündnisbeziehungen am wenigsten
drohend erscheinen, je akuter die äußeren Probleme der Bedrohung sind. Kurz
gesagt: die Solidarität des Bündnisses und die Kunst der Aufrechterhaltung
dieser Solidarität scheinen mit dieser Bedrohung auf und ab zu schwanken.

Macht und Politik der Sowjets

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Stand hinsichtlich der äußeren Bedrohung der Länder des Nordatlantikvertrages nicht eindeutig. Auf der einen
Seite ist die sowjetische Militärmacht unablässig gewachsen, sie wächst weiter. Die UdSSR hat fast eine nukleare strategische Parität mit den Vereinigten Staaten erreicht. Es hat ein massiver Ausbau der sowjetischen Flotte
stattgefunden, der die Kapazität der Sowjetunion, politisch-militärische
Operationen in globalem Ausmaß durchzuführen, augenfällig verändert hat. Die

•3

�Die Verbesserung anderer konventioneller Streitkräfte ist unvermindert weitergegangen. Für die Forschung und Entwicklung zum Nutzen der sowjetischen Mi.?
litärmaschinerie werden gewaltige Summen aufgewandt.

Auf der anderen Seite sind Entwicklungen im politischen Denken der
Sowjets zugunsten einer verringerten Konfrontation zu erkennen, die die NATOLänder in die Lage versetzt haben, zumindest einen gewissen Fortschritt in ihren Bemühungen um normalere und natürlichere Beziehungen zwischen Ost und West
zu erzielen. Man kann sich natürlich fragen, inwieweit dieser Wandel nur die
persönliche Politik eines Mannes, Breschnews, ist und daher auf längere Sicht
ein recht unsicherer Faktor. Man kann auch sagen, daß diese Bemühungen nicht
mehr sind als eine Taktik, beeinflußt durch bestimmte unmittelbare Probleme
der Sowjets - Besorgnisse wegen China, wirtschaftliche Sorgen im Lande und die
Notwendigkeit, sich wegen lebenswichtiger Nahrungsmittelimporte und moderner
Technologie auf den Westen zu stützen.

Trotzdem, so scheint es, hat dieser Wandel einige wichtige praktische Ergebnisse ermöglicht, die - zumindest bis zu den jüngsten Ereignissen im Nahen
Osten - Anlaß zu einem gewissen Optimismus gegeben haben, ja in manchen Bereichen der öffentlichen Meinung im Westen sogar vielleicht zu einem gewissen
Maß an Selbstzufriedenheit. So haben wir den Abschluß der ersten SALT-Abkommen
und einer Reihe weiterer Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion erlebt - in Bereichen, die man allgemein als Rüstungskontrolle bezeichnen könnte. Hier gab es weiter den Besuchsaustausch zwischen Präsident
Nixon und Breschnew und die Abkommen über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die aus diesen Besuchen entstanden. Wir haben die Ausführungen der

-4-

�der Ostpolitik der Regierung der Bundesrepublik Deutschland zur Normalisie«
rung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion und anderen
osteuropäischen Ländern erlebt.

Ganz allgemein fand zwischen fast allen Ländern des Ostens und des Westens eine ständige Zunahme der bilateralen Kontakte in zahlreichen Bereichen
statt - die Besucherzahlen stiegen, der kulturelle und der akademische Austausch nahm zu, die technologische Zusammenarbeit wurde stärker und der
Handel wuchs.

Was die multilateralen Kontakte angeht, so ist die Konferenz über Sicher
heit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) jetzt in Genf in ihre zweite Phase
eingetreten.Gleichzeitig verhandeln die Länder der NATO und des Warschauer
Paktes in Wien über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen
(MBFR). Das ist eine eindrucksvolle Aufzählung, und wir dürfen fraglos von
der gegenwärtigen Periode der Ost-West-Beziehungen als einer Periode der Verhandlungen sprechen.

Prekäres Gleichgewicht
Der Gang der jüngsten Ereignisse im Nahen Osten hat uns jedoch hart daran erinnert, daß dies alles nicht notwendigerweise das Ende jeder Konfrontation bedeutet. Dort hat das zweifelhafte und potentiell bedrohliche Verhalten
der Sowjetunion an einem bestimmten Punkt die Vereinigten Staaten gezwungen,
ihre Streitkräfte in Alarmzustand zu versetzen. Aus dieser Erfahrung lassen
sich zwei Lehren ziehen: Einmal zögert die Sowjetunion auch heute noch nicht,
ihre Macht einzusetzen, um ihre Interessen voranzutreiben und denjenigen des

-5-

�des Westens zu schaden, wann immer und wo immer sie dazu. Gelegenheit sieht,
dies ohne unannehmbare Risiken zu tun. Und man muß hier dazu sagen, daß in
dem Maße, in dem die militärische Kapazität der Sowjetunion weiter wächst,
ihre Kapazität zunimmt, solche Gelegenheiten wahrzunehmen. Die zweite, etwas
ermutigendere Lehre ist die, daß die Sowjetunion davon abgehalten werden
kann, gefährliche Situationen auszunutzen, wenn - aber nur wenn - man ihr
klarmachen kann, daß das Risiko zu groß wäre. Kurz gesagt, der Weltfriede
hängt weiterhin von einem prekären Gleichgewicht der Kräfte ab. Das soll jedoch nicht heißen, daß wir alle Hoffnung auf Fortschritte in der Entspannung
wegen des sowjetischen Verhaltens in der Nahostkrise begraben müßten. Zunächst einmal hätte die Lage noch unvergleichbar ernster werden können, hätte
es nicht die vorherige Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
und ein gewisses Maß an persönlicher Verständigung zwischen Präsident Nixon
und Breschnew gegeben. Und zum zweiten hat die Sowjetunion erkennen müssen,
daß es hier keine reifen Früchte gab, die ihr in den Schoß fallen würden.
Daher hat sie zusammengearbeitet und auch weiterhin an dem Zustandekommen
von Friedensgesprächen und an der Suche nach einer Regelung im Nahen Osten
mitgewirkt.

Aber wir tun wahrscheinlich gut daran, von der vorsichtigen Voraussetzung auszugehen, daß für die Sowjetunion die Entspannung nicht so sehr
Selbstzweck bedeutet als vielmehr eine Politik, die dazu geeignet ist, den
sowjetischen Interessen zu dienen, so wie die sowjetischen Führer diese Interessen im Augenblick sehen. Es liegt daher an den Ländern des Nordatlantischen Bündnisses, dafür zu sorgen, daß Entspannung weiterhin in sowjetischen

-6-

�sowjetischen Augen als die geeignete Politik erscheint.

Wenn das Bündnis das tun will, dann ist es wesentlich, daß es seine
Stärke und Solidarität aufrechterhält. Schließlich hängt davon seine Glaubwürdigkeit als Instrument der Abschreckung und Verteidigung ab. Dies führt unmittelbar zu dem zweiten Problemkreis, dem der inneren Beziehungen zwischen
den Mitgliedern des Bündnisses, deren befriedigende Gestaltung von so entscheidender Bedeutung

für den Zusammenhalt des Bündnisses ist. In der jüngsten

Vergangenheit, als es so aussah, als ob sich die Ost-West-Beziehungen verbesserten und die Gefahren der Konfrontation geringer würden, schienen wirtschaftliche, monetäre und andere Schwierigkeiten in zunehmendem Maße die Beziehungen zwischen den Verbündeten zu trüben. Es war vor dem Hintergrund eines
wachsenden Bewußtseins beginnender Rivalitäten, ja sogar des möglichen-Konflikts, daß Präsident Nixon im Frühjahr 1973 praktisch vorgeschlagen hat, das
Bündnis solle sich einer fundamentalen Selbstüberprüfung unterziehen, um seine
Aufgaben mit neuer Zielsetzung und Kraft zu erfüllen und damit den neuen Herausforderungen zu begegnen, vor die es in einer sich immer rascher verändernden Welt gestellt wird.

Probleme im eigenen Bereich

Die Nahostkrise und die damit verbundenen Gefahren einer amerikanischsowjetischen Konfrontation sollten eigentlich dazu gedient haben, die Differenzen im Bündnis in den Hintergrund zu rücken und die erneute Einheit zu fördern. Ich bedauere es zutiefst, daß dies nicht geschehen ist. Daß es nicht

-7-

�nicht geschah, zeigt nur, wie notwendig es für ein Bündnis ist, mit seinen
eigenen Problemen in ausreichendem Maße fertig zu werden, und daß es ständig
danach streben muß, tragfähige Übereinkommen in gewissen Fragen zu erreichen,
wie über das Ausmaß der Verantwortung des Bündnisses in einem bestimmten Augenblick, und darüber, wo die Interessen des Bündnisses liegen. Das ist zum
Teil eine Frage des Apparats, d.h. der Sicherstellung einer wirksamen Konsultation. Es wäre jedoch unrealistisch, anzunehmen, daß Konsultation allein,
so effektiv sie auch sein mag, in jedem Falle alle Differenzen ausräumen könnte. Man muß einsehen, daß es zwischen fünfzehn gleichermaßen souveränen und
unabhängigen Nationen viele Fälle gibt, in denen eine totale Harmonie - ja
nicht einmal eine Annäherung daran - nicht möglich ist.

Daraus folgt jedoch nicht, daß diese Nationen sich nicht weiterhin in
Fragen zusammentun könnten, bei denen Übereinstimmung herrscht - vorausgesetzt natürlich, man läßt nicht zu, daß ihre Differenzen den gemeinsamen Willen für ein solches gemeinsames Handeln schwächen. Die Erfahrung im Nordatin
lantischen Bündnis/der Vergangenheit hat dies deutlich gezeigt. Zur Zeit der
Suez-Krise gab es schwere Differenzen unter den Verbündeten; es hat Differenzen wegen Vietnam gegeben; es gab Differenzen wegen der Kolonialpolitik, ja
sogar wegen innenpolitischer Fragen. Das hat das Bündnis jedoch nicht daran
gehindert, seine wesentlichen Aufgaben zu erfüllen. Darüber hinaus zeigten
die Regierungen aller Mitgliedsländer des Bündnisses eine feste Entschlossenheit, nicht zuzulassen, daß bestehende oder drohende Differenzen ihren Beziehungen Schaden zufügten.
Ausgelöst

-8-

�Ausgelöst durch die Initiative Präsident Nixons im Frühjahr vorigen
Jahres wurde die Arbeit der gemeinsamen Neudeklaration erfolgreich weitergeführt; sie steht jetzt vor ihrem Abschluß. Diese Neudeklaration wird notwendigerweise bestimmte Fragen in Rechnung stellen, die die Gefahr in sich tragen, sich als spaltend zu erweisen. Zu den Veränderungen, die stattgefunden
haben, seit der Nordatlantikvertrag unterzeichnet wurde, und die in jeder
Neudeklaration der Verbündeten berücksichtigt werden müssen, gehört die weitgehend veränderte Position der europäischen Partner: von einem Status der
desorganisierten Armut im Gefolge des Krieges zu einer Situation beträchtlichen Wohlstandes und wachsender Einheit.

Das muß unausweichlich eine veränderte und größere Rolle der Länder
Europas in ihrer eigenen Verteidigung bedeuten. Ebenso muß man die Veränderung des strategischen Gleichgewichtes erkennen, die dadurch verursacht wurde, daß die Sowjetunion die annähernde nukleare Parität mit den Vereinigten
Staaten erreichte, und welche Folgen das für die Strategie des Bündnisses
hat. Und über diese Arbeit an einer Deklaration hinaus haben die NATO-Außenminister auf ihrer Tagung im Dezember vorigen Jahres in Brüssel beschlossen,
Mittel und Wege zu prüfen, um die volle Wirksamkeit der Konsultation im
Bündnis zu gewährleisten. Damit hat die Reaktion des Bündnisses auf die Probleme, mit denen es augenscheinlich in zunehmendem Maße konfrontiert wurde,
darin bestanden, die Bemühungen zu verdoppeln, um diese Differenzen auszuräumen, und wo dies nicht erreicht werden kann, oder zumindest nicht völlig
erreicht werden kann, trotzdem zu gewährleisten, daß dies Bündnis in der

-9-

�\
der Lage ist, die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten mit dem geringstmöglichen Schaden zu überwinden und zu überleben.

Enge Zusammenarbeit

Es wäre daher unangebracht pessimistisch, eine zu düstere Auffassung bezüglich der Zukunftsaussichten des Bündnisses zu hegen, nur weil es im Augenblick etwas stürmische Gewässer passiert. Ebenso wäre es lächerlich optimistisch, wenn man davon ausgehen wollte, daß, selbst wenn all

die Probleme,

mit denen die Mitglieder in ihren gegenseitigen Beziehungen jetzt konfrontiert
sind, gelöst oder mit der Zeit verschwinden würden, nicht neue und ebenso
schwierige Probleme an die Stelle der bisherigen treten werden. Es ist natürlich, daß Verbündete, die aus dem Tritt geraten,Schlagzeilen machen, während
es keine Schlagzeilen macht, wenn sich Verbündete als solche verhalten. Tatsache ist, daß trotz aller Schwierigkeiten, deren Ernsthaftigkeit sicherlich
nicht unterschätzt werden sollte, auf einem sehr weiten Feld die enge und
wirksame Zusammenarbeit der Verbündeten an der Tagesordnung blieb - sowohl
was Fragen der Verteidigung angeht als auch politische Fragen der Beziehungen
zwischen Ost und West. Darüber hinaus ist es die fest erklärte Absicht aller .
verbündeten Regierungen, daß dies so bleiben soll, denn sie alle betrachten
ein starkes,engverbundenesund wirksames Bündnis als ein Lebensinteresse
eines jeden Landes im Bündnis.
44+

-10-

*

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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3/1974

FULBRIGHT-STIPENDIEN FÜR DEUTSCHE BILDUNGSEXPERTEN 1974

--(AD)-» Die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission,die von den Regierungen der Bundesrepublik und den USA gemeinsam finanziert wird, schreibt
15 Stipendien für ein zweimonatiges Sonderprogramm in verschiedenen Berei»
chen des Bildungswesens aus: Gesamtschulen/Gesamthochschulen, Fortbildung/
Erwachsenenbildung, Berufsbildung, Zulassungs-und Prüfungstests; Hochschulverwaltung und Bildungsreform.

Stipendienbeginn voraussichtlich im September 1974. Voraussetzung zur
Bewerbung sind abgeschlossenes Studium, mindestens dreijährige Berufserfahrung und ausreichende Englischkenntnisse. Informationen und Bewerbungsformulare sind bis zum Schlußtermin 20. März 1974 direkt anzufordern bei der
Fulbright-Kommission, Bonn-Bad Godesberg, Postfach 208.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Kissingers auf der Washingtoner Energiekonferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt Außenwirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger zu Fragen der Energie und Entspannung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Außenministers vor dem Harvard/ Yale/ Princeton-Club in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft des Bündnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von NATO-Generalsekretär Dr. Joseph M.A.H. Luns -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien für deutsche Bildungsexperten 1974</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

INHALT

DOKUMENTATION
Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum
Ost-West-Verhältnis Stellung
- USICA-Interview mit George West USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht
- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der KernwaffenProliferation Rasche Erschließung von Alaska-Dlfeldern geplant
- Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohleveredelung und Gesundheitsschutz
- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten Steuerungszentren für die Genfunktion
- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�9

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

13. Februar 1980

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT ZIEL DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte bei der Konferenz
des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen, Botschafter Adrian
S. Fisher, betonte am 7. Februar 1980 in Genf, daß die Aushandlung
durchsetzbarer Rüstungskontroi labkommen auch weiterhin das Ziel der
amerikanischen Politik sei - trotz der sowjetischen Intervention in
Afghanistan. Nach kurzen Begrüßungsworten machte der Botschafter folgende
Ausführungen:
...Herr Vorsitzender, die sowjetische Aggression in Afghanistan hat
einen Schatten über den Prozeß der Rüstungskontrolle und über die Arbeit
geworfen, die wir heute hier beginnen.

Diese Aggression, die von der

überwältigenden Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen verurteilt
wurde, hat offensichtlich eine schwierige Lage hervorgebracht, die die
Arbeit dieses Ausschusses unmittelbar beeinflußt.

Sie zeigt, daß Rüstungs-

kontrolle begleitet sein muß von Zurückhaltung in den internationalen
Beziehungen und von strikter Beachtung der Prinzipien und Verpflichtungen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen durch alle Staaten.
Ohne eine solche Zurückhaltung werden unsere Anstrengungen hier von
geringem Nutzen sein.

Die Ereignisse in Afghanistan unterstreichen die

Notwendigkeit realistischer Verhandlungen, und sie machen die Gefahren
wohlmeinender Erklärungen deutlich, die sich nur auf Hoffnung oder unangebrachtes Vertrauen gründen.
Trotzdem bleibt die Aushandlung durchsetzbarer Rüstungskontroi 1vereinbarungen, die wirksame und angemessene Verifizierungsmaßnahmen enthalten, auch weiterhin ein gültiges Ziel dieses Ausschusses.
Hinsicht liegen wichtige und dringende Aufgaben vor uns.

In dieser

In den kommenden

Monaten müssen wir unsere Aufmerksamkeit auch weiterhin auf diese Aufgaben
richten.

Wir müssen rasch und wirkungsvoll voranschreiten, wollen wir

einen echten Fortschritt bei der Arbeit erzielen, die schon begonnen hat
oder mit dieser Sitzung anfängt:
-

Vor uns liegt die Aufgabe, den Text der ersten internationalen
Konvention auszuhandeln, über die im Rahmen dieses Gremiums
seit der Vollendung des Vertrags über Umweltveränderung

("En-

vironmental Modifikation Treaty") verhandelt wird - eine Konvention
zum Verbot von Strahlenwaffen.
-

Von besonderer Bedeutung ist für viele Mitglieder die Frage
einer Konvention über chemische Waffen. Wir müssen über die besten
und praktischsten Mittel zur Verbesserung des allgemeinen Verständnisses in der Frage kommender Probleme entscheiden und den
Grundstein legen für ein mögliches Abkommen über einen
wirkungsvollen und verifizierbaren Vertrag im Bereich der
chemischen Waffen.

Die

�-

Die Vollversammlung hat uns darum ersucht, unsere Arbeit auf
der Grundlage fortzuführen, daß Staaten, die über keine Atomwaffen
verfügen, Garantien gegen einen Kernwaffenangriff erhalten - ein
Thema, bei dem es noch immer eine Fülle unterschiedlicher Ansichten
gibt.

-

Die Vollversammlung hat uns auch den Bericht der letztjährigen
Konferenz der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen über ein
umfassendes Programm zur Abrüstung zum Zweck der Prüfung vorgelegt.

Natürlich wird es für uns auch andere Themen zu diskutieren geben,
und vielleicht werden sie ausdrücklich auf unsere Tagesordnung gesetzt.
Es wird Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie diese Themen angegangen
werden sollen, aber meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das Beispiel
freier Meinungsäußerung, gemildert durch die Bereitschaft, Wege zu einem
Konsens zu suchen, sich von der ersten Sitzungsperiode des Ausschusses im
vorigen Jahr auf die Sitzungsperiode des Jahres 1980 übertragen wird.
Es herrscht kein Mangel an konstruktiver Arbeit, die es zu tun gibt.
Nützen wir unsere Zeit mit Klugheit - zwar nicht uneingedenk der stürmischen
Zeit, in der wir leben, aber doch entschlossen, Fortschritte auf die Ziele
hin zu machen, die den Anlaß für die Errichtung des Abrüstungsausschusses
und seiner Vorgänger bildeten.
Im vorigen Jahr unterstrich ich in meinen Anmerkungen zu Beginn vor
dem Ausschuß die Bedeutung der Ausdauer als entscheidender Qualität zur
Erreichung dieser Ziele.
brachter.

Heute ist diese Ermahnung vielleicht noch ange-

Wir dürfen es uns nicht erlauben, uns der Verzweiflung und der

Ernüchterung hinzugeben, wenn beim Fortschritt Schwierigkeiten auftreten.
Wenn es die Ziele der internationalen Stabilität und der Verminderung
des Kriegsrisikos wert sind, verfolgt zu werden - und die Vereinigten

- 3 -

�Vereinigten Staaten sind dieser Ansicht -, dann sollten Geduld und Ausdauer,
die nötig sind, um sie zu erreichen, in diesem Gremium nicht fehlen.
Das Inkrafttreten des SALT II-Vertrags ist für meine Regierung eine
Angelegenheit des größten Interesses und der ernsthaftesten Bedenken, wie
es dies sicher auch für andere Mitglieder dieses Ausschusses ist.

In

diesem Zusammenhang möchte ich diesem Ausschuß das Schreiben vorlesen,
das Präsident Carter am 3. Januar 1980 an den Fraktionsführer der demokratischen
Mehrheit im Senat der Vereinigten Staaten gerichtet hat und in dem ersucht
wird, die Schlußbetrachtung des Senats über den SALT II-Vertrag zu verschieben.
•

"Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie
darum, die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer
Prüfung zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,
so daß der Kongreß und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und
Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk
auf legislative sowie anderweitige Maßnahmen legen können, die als Antwort
auf diese Krise erforderlich sind.
Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der
SALT II-Vertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
und der ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden solle,
sobald diese dringenderen Themen geprüft worden sind.
gezeichnet:

Jimmy Carter."

�Die Führung des Senats entsprach der Forderung Präsident Carters.
Ich möchte betonen, daß der Vertrag nicht vom Senat fallengelassen wird;
der Fortgang des Verfahrens wurde lediglich bis auf weiteres hinausgeschoben.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 23. Januar hat
Präsident Carter erneut seine feste Verpflichtung zum Gesamtprozeß der
Kontrolle von Kernwaffen und besonders zur Ratifizierung des SALT IIVertrags bekräftigt, sobald es die Umstände erlauben. Ich möchte den
entscheidenden Abschnitt zitieren:
"Die Vermeidung eines Atomkrieges ist die oberste
Verantwortung der beiden Supermächte. Aus diesem
Grund handelten wir die Verträge über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen aus - SALT I
und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer
Spannungen wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten
Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein - und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten bei
unserem Bemühen um die Kontrolle von Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben."
Ich möchte anmerken, daß auch die Sowjetunion in den letzten Tagen
öffentlich erneut versichert hat, sie wünsche die Ratifizierung von
SALT II. Mit schwebendem Inkrafttreten des Vertrags und unter der Annahme
einer ähnlichen sowjetischen Haltung, wird meine Regierung alles tun,
was sie vermag, um das SALT-Verfahren aufrechtzuerhalten.
An dieser Stelle möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Haltung
lenken, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrol 1 ver-

- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen im Anschluß an die sowjetische Invasion
Afghanistans und die darauffolgende Beeinträchtigung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion eingenommen hat.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sagte Präsident Carter:
.

"Wir bleiben auch weiterhin dem Prozeß gegenseitiger und verifizierbarer Rüstungskontrolle
zutiefst verpflichtet, insbesondere der Anstrengung,
die Verbreitung und weitere Entwicklung der Kernwaffen zu verhindern."
Wir verfolgen auch weiterhin die tri lateralen Verhandlungen mit
Großbritannien und der Sowjetunion über ein umfassendes Verbot von Kernversuchen.

Tatsächlich fing ja hier in Genf am 4. Februar eine neue

Verhandlungsrunde an. Wir hegen die Erwartung, daß diese Gespräche sachlich
verlaufen;

unsere Unterhändler werden wie bisher die schwierigen technischen

und politischen Probleme angehen, die mit der Verifizierbarkeit eines
umfassenden Teststoppabkommens verbunden sind.
Das Problem der Verifizierbarkeit eines umfassenden Teststoppabkommens ist natürlich für diesen Ausschuß von besonderem Interesse, und
wir hoffen auf weitere Fortschritte bei der Arbeit der Experten für
Seismik, die sich von kommendem Montag an erneut unter dem Dach des Abrüstungsausschusses treffen werden.
Bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über eine Konvention über chemische Waffen werden nächste Woche
wieder aufgenommen, und die Vereinigten Staaten werden alle Anstrengungen
darauf verwenden, Fortschritte in Richtung auf die versprochene gemeinsame
Initiative über ein wirkungsvolles Verbot chemischer Waffen zu erzielen.
Die
- 6 -

�Die gemeldete Verwendung chemischer Waffen in Südostasien und noch
kürzlich in Afghanistan unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit
eines Verbots der Entwicklung, Produktion und Lagerung solcher Waffen.
Bei all diesen Verhandlungen sehen die Vereinigten Staaten den
Abschluß befriedigender Abkommen als Beiträge zur Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens. Wir werden diese Ziele auch
weiterhin verfolgen.
Natürlich gibt es noch andere Problemkreise, bei denen unsere Beteiligung Teil einer viel umfassenderen internationalen Anstrengung ist.
Die Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) von Kernwaffen ist heute mehr
denn je ein lebenswichtiges internationales Anliegen. Wir warten auf
den Abschlußbericht der Konferenz über die Internationale Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE), der Ende dieses Monats vorgelegt wird.
Seine Empfehlungen werden gewichtigen Einfluß haben auf die zukünftige
Verwendung der Atomenergie in einer Welt, in der die begrenzten Vorräte
an fossilen Brennstoffen und der verständliche Wunsch vieler Länder
nach Erringung größerer Unabhängigkeit im Energiebereich dazu führen,
daß sich immer mehr Staaten für die Kernkraft interessieren.

Viele der hier

in diesem Saal vertretenen Staaten haben an den INFCE-Anstrengungen
teilgenommen, einschließlich jener, die den Nichtweiterverbreitungsvertrag
nicht unterzeichnet haben.
Wir alle müssen an die Folgen der Verwendung von Kernkraft denken und
erkennen, welch ein Interesse wir daran haben, sicherzustellen, daß ein
solches Wachstum nicht von der Weiterverbreitung von Kernwaffen begleitet
wird, da dies ohne Frage die Gefährdung des Weltfriedens in großen Ausmaß
erhöhen würde.
An

- 7 -

�An die zweite Konferenz zur Überprüfung des Nichtweiterverbreitungsvertrages, die planmäßig am 11. August beginnen soll, erinnern wir uns alle,
und sie ist bei der Durchführung unserer Arbeit für manche von uns von
höchstem Belang.

Der Meinung der Vereinigten Staaten nach müssen alle

Staaten - ob Unterzeichner des Vertrages oder nicht - ein entscheidendes
Interesse an dem erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz haben.
Ich habe bereits bezug genommen auf eine der wesentlichen Aufgaben
dieses Ausschusses, der Aushandlung einer internationalen Konvention zum
Verbot der Entwicklung, der Produktion und der Lagerung von Strahlenwaffen.
Diese Konvention wird ein sehr reales Problem behandeln und ist der größten
Anstrengungen dieses Ausschusses wert.
Obwohl solche Waffen vielleicht heute noch nicht existieren, wurde
in dem Zeitraum unmittelbar nach dem ersten erfolgreichen Bau von Atombomben die Möglichkeit dafür mit Nachdruck untersucht.
Strahlenwaffen sind möglich. Die Charakteristiken verwendbarer
radiologischer Stoffe sind bekannt und es wäre keine unüberwindliche
Aufgabe, daraus Waffen herzustellen.
Zudem sind weltweit die Vorräte von radioaktivem Material und seine
Verfügbarkeit seit jenen frühen Möglichkeitsberechnungen enorm angewachsen. Jetzt sind wir in der Lage, die Entwicklung einer Waffenkategorie
zur Massenvernichtung zu verhindern, die äußerst schwer zu beherrschen und in
weltweitem Maßstab erhältlich wäre - was schreckliche Gefahren mit sich
bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß alle die hier vertretenen Länder
den wesentlichen Elementen einer Konvention gegen Strahlenwaffen, die
Juli vorigen Jahres gemeinsam von den Vereinigten Staaten und der UdSSR
vorgelegt wurde, ernsthafte und sorgfältige Aufmerksamkeit geschenkt haben

- 8 -

�haben.

Der erfolgreiche Abschluß eines solchen Vertrags wäre ein be-

scheidener, aber nützlicher Beitrag zu einer sichereren Welt.
Herr Vorsitzender, die Tagesordnung der Rüstungskontroilanstrengungen
des Jahres 1980 ist lang und die Herausforderungen, vor denen wir stehen,
sind schrecklich.

Die Delegation der Vereinigten Staaten wird alle

Anstrengungen unternehmen, um diesem Ausschuß bei der Erfüllung der Aufgabe
zu helfen, die die Welt von ihm erwartet.

+ + + + +

- 9 -

�11

13. Februar 1980

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN
NIMMT ZUM OST-WEST-VERHÄLTNIS STELLUNG
- USICA-Interview mit George Vest -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, ging am 31. Januar
1980 in einem Interview mit Candis Cunningham, der Korrespondentin des US-Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA), auf das NATO-Bündnis und die OstWest-Beziehungen nach der sowjetischen Intervention in Afghanistan ein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Mr. Vest, wie definieren Sie die Ost-West-Entspannung als Möglichkeit einer aktiven Politik im Licht des kürzlichen sowjetischen Einfalls
in Afghanistan?
ANTWORT: Entspannung ist in der Tat ein komplexes Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Wettstreit. Unter Zusammenarbeit verstehen wir die Bereiche,
die zum gegenseitigen Nutzen sind und keinem Schaden zufügen. Wir sehen natürlich ein, daß unvermeidlicherweise mit dieser Zusammenarbeit auch der Wett-

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Telex:08-85432

�Wettstreit verbunden ist. Aber wir halten auch fest, daß der Wettbewerb
innerhalb bestimmter Grenzen stattfindet und daß wir uns über einen bestimmten Punkt hinaus nicht gegenseitig auf die Zehen treten.
In der Vergangenheit hatten wir meistens eine klare Vorstellung davon,
daß dieser Bereich der Zusammenarbeit begrenzt und nur bis zu einem bestimmten Punkt nützlich war.

Er würde sicherlich kein Wundermittel für das ganze

Spektrum von

Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union sein.

Aber gleichzeitig erwarteten wir etwas innerhalb dieses Bereiches

der Zusammenarbeit - und was die Sowjets in Afghanistan getan haben, geht über
diese Grenzen hinaus.

Daraus ergibt sich, daß dies seine Auswirkung auf den

Entspannungsprozeß hat, der - obgleich wertvoll - sicherlich davon betroffen
ist.
FRAGE: Die Vereinigten Staaten legen großen Wert auf enge Arbeitsbeziehungen zu den NATO-Verbündeten. Könnten Sie bitte vor allem erklären, wie
wir unsere Verbündeten im Anschluß an die Afghanistaninvasion konsultiert haben?
ANTWORT: Es handelt sich um eine so umfassende Konsultation, daß es
schwer für mich ist, auch nur mit einer Aufzählung anzufangen. Natürlich
hatten wir seit vorigem Dezember eine gespanntere Krisenlage,als dies seit
langem der Fall war. Als Folge davon ergaben sich wiederholte Besuche in
Europa - zwei davon durch den Stellvertretenden Außenminister Christopher.
Auch ich und andere waren dort. Es handelte sich um Besuche in mehreren
der bedeutendsten Hauptstädte und wiederholte Besuche beim NATO-Rat selbst.
Mit anderen Worten, eine Krise diesen Ausmaßes erforderte ein Höchstmaß an
Konsultation auf allen Ebenen und in allen Gremien.
FRAGE: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die Solidarität der Verbündeten angesichts der sowjetischen Bedrohung wichtig ist
- besonders was die Interessen des Bündnisses im Mittleren Osten angeht?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen die Tatsache anerkennen, daß die Inva-

sion Afghanistans eine weltweite Auswirkung hatte.

Sie verletzt jede Form

des internationalen Anstands, der für uns Teil unseres Lebens ist.

Daher ist

dies zwar insbesondere innerhalb des NATO-Bündnisses von Bedeutung, aber auch
für andere westliche Länder.

Man muß bedenken, daß die neutralen Länder sich

durch einen solchen Schritt sehr gefährdet fühlen.

Das gleiche gilt sicher

für die Staaten der Moslemwelt und die blockfreien Staaten, denn Afghanistan
war ein blockfreies Land.

Aus diesem Grund fühlen wir alle die Wirkung eines

solchen Schrittes.

FRAGE:

Ist die Unterstützung für die amerikanischen Ziele innerhalb des

Bündnisses soweit ausreichend gewesen oder brauchen wir in manchen Bereichen
eine noch größere Einigungsanstrengung?

ANTWORT:

Es gibt im allgemeinen, was unsere Zielsetzungen anbelangt,

kein Problem zwischen uns und unseren Hauptverbündeten.

Ich glaube, wir stim-

men alle völlig über die Unannehmbarkeit dessen überein, was die Sowjets getan haben, und über die Notwendigkeit, den Sowjets ein deutliches Signal darüber zu geben, daß eine Strafe für einen solchen Schritt erfolgen wird und sie
ihn nicht unternehmen können, ohne echte Schwierigkeiten zu schaffen.

Auch

müssen wir sie in Zukunft möglichst vor einem solch rücksichtslosen Verhalten
abschrecken.

Wir müssen in diesem Zusammenhang sehen, daß hier eine Situation herrscht,
die sich rasch ändert.

Verschiedene Länder können verschiedene Dinge tun.

Nicht alle würden dasselbe tun.
ist

Innerhalb dieser Bandbreite der Möglichkeiten

meiner Meinung nach, ein guter Anfang gemacht worden.

Ich glaube, die

Summe unserer Schritte hat bereits eine deutliche Wirkung gehabt - erkennbar
für die ganze Welt und sicherlich als ziemlich unangenehm empfunden, was die
Sowjets angeht.

Es gilt noch mehr Einklang zu erzielen, um sicherzustellen,

daß die Schritte, die wir im Westen unternehmen, sich gegenseitig ergänzen und
wirkungsvoll sind.

FRAGE:
- 3-

�FRAGE:

Was ist die logische Begründung für das amerikanische Fernbleiben

von den Olympischen Spielen in Moskau, und wie hoch schätzen wir die Unterstützung der westeuropäischen Regierungen für unsere Haltung ein?
ANTWORT:
erklärt wird.

Unsere logische Begründung ist etwas, das durch die Sowjets selbst
In einem für die Olympischen Spiele vorbereiteten Dokument

stel-

len die Sowjets die Spiele als eine bedeutsame Veranschaulichung der Kraft des
politischen Systems der Sowjetunion dar; und wenn dies wahr ist - wie sie es
sagen -, dann stellen die Olympischen Spiele einen bedeutenden politischen Faktor in den Augen der Sowjets dar.

Da dies der Fall ist, sind wir der Ansicht,

daß wir im Lichte ihrer Taten ihr politisches System nicht bekräftigen sollten,
das gerade den Einmarsch in ein anderes Land abgeschlossen hat.
FRAGE:

Beziehen Sie sich auf das 'Kleine Buch für Parteiaktivisten" der

Sowjets?
ANTWORT: Das ist richtig; das "Kleine Buch" beschreibt die Olympischen
Spiele unter politischen Gesichtspunkten. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, es kann nicht ignoriert werden, daß die Sowjets die Olympischen Spiele
als ein politisches Ereignis betrachten. Und weil sie es so sehen, halten wir
es nicht für richtig, wenn unsere Sportler hingehen. Wir haben dies öffentlich klargemacht und haben unseren Freunden in Europa, Bündnismitgliedem und
auch anderen, gesagt, daß wir hoffen, sie würden das gleiche tun. Wir sehen
auch, daß es in jedem Land besondere Probleme gibt hinsichtlich der Beziehung
zwischen Regierung und Nationalen Olympischen Komitee. Aber wir hoffen, daß
die Triftigkeit dieses Argumentes ankommen wird.
FRAGE:

Wie steht es um die Zielsetzung einer Nichtteilnahme an den

Olympischen Spielen in Moskau als Vergeltungsmaßnahme, um das interne Prestige
der Sowjets zu verletzen sowie ihr Prestige in der Welt?
ANTWORT:

Ich glaube, das ist eine unvermeidliche Folge.

Wenn man der Mei-

nung ist, sie seien ein Staat, der auf illegale, illegitime Weise gehandelt
hat, so ist dies eine Möglichkeit, es zu zeigen.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Die Verbündeten sagen, sie würden die amerikanischen Handels-

sanktionen gegen die UdSSR nicht unterlaufen, aber einige Länder - Frankreich,
die Bundesrepublik Deutschland und Italien - sagen, sie würden mit schon eingeführten Handelspraktiken fortfahren.

Glauben Sie, daß diese Länder - von

den offensichtlichen Wirtschaftsinteressen abgesehen - deshalb zögern, ihre bedingungslose Unterstützung zu gewähren, weil sie befürchten, die Vorteile zu
verlieren, die sie durch die Entspannung erzielt haben?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß Befürchtungen hierbei überhaupt eine Rolle

spielen, noch bin ich der Meinung, daß die Länder weiterhin ihre Geschäfte wie
üblich betreiben wollen, um es einmal so zu nennen.

Aber es handelt sich um

ein kompliziertes Problem - wie jedes Land seine Aktivitäten, die im Verlauf
des vergangenen Jahrzehnts entwickelt wurden, modifiziert.

Wir führen eine Rei-

he von Gesprächen mit Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, bei denen wir
die Liste der Güter durchgehen, die nach der Sowjetunion exportiert werden - Produkte einer hochentwickelten Technologie und militärische Technologie und ähnliches.

Auf diese Weise prüfen wir Mittel und Wege zu einer Begrenzung und

Einschränkung des Handels mit der Sowjetunion.

Es wäre voreilig, darüber ein

Urteil zu fällen, was das eine oder andere Land tun könnte oder nicht tun
sollte, aber ich bin zuversichtlich, daß das Gesamtergebnis ein wirksames Signal für die Sowjets sein wird.

FRAGE:

Glauben Sie, daß die Verbündeten hinsichtlich der Entspannung

noch die gleiche Auffassung vertreten wie die Vereinigten Staaten?

Und wenn

ja, warum sind sie dann offensichtlich nicht gewillt, die gleichen Risiken zu
übernehmen wie wir?

ANTWORT:

Alsojch kann der Frage nicht so ganz zustimmen.

uns mit ihrem ersten Teil beginnen.
die gleiche Auffassung wie wir.
das.

Aber lassen Sie

Haben sie, was die Entspannung anbetrifft,

Im großen und ganzen, so glaube ich, haben sie

Ich möchte betonen, daß die Maßnahmen, die der Präsident getroffen hat,

sehr bedacht dem, was man so vage als Entspannung bezeichnet, eine erhebliche
Rolle belassen haben.

Wir haben SALT nicht zurückgezogen, wir haben es ledig-

- 5 -

�lediglich aufgeschoben.

Wir haben erklärt, daß wir eine Reihe von wichtigen

Aktivitäten zur Rüstungskontrolle, die im Gesamtfeld der Entspannung weitergehen, fortzusetzen wünschen - wie beispielsweise MBFR, die Verhandlungen über
ein umfassendes Kernwaffen-Versuchsverbot und Dinge ähnlicher Art.

Vor allem

aber haben wir erklärt, daß wir auch weiterhin die Möglichkeit für eine Nachfolgekonferenz zu den Übereinkommen von Helsinki von 1975 für den Herbst dieses
Jahres in Madrid offenhalten wollen.
Damit haben wir auf jedem dieser Gebiete einen Hinweis gegeben - aber auch
durch unseren Versuch, die Wege zu anderen osteuropäischen Staaten offen zu
halten - daß wir der Ansicht sind, daß Entspannung einen Wert für uns darstellt.
Das tun auch die westlichen Länder.

Wenn ihre Erklärungen den Anschein erwek-

ken, daß sie eine unterschiedliche oder vielleicht auch eine ehrgeizigere Auffassung von Entspannung haben als wir, dann glaube ich, daß das eine Konsequenz
ihrer geographischen Lage ist. Sie sind unmittelbare Nachbarn des Ostens.
Es sind Länder, die Verantwortungen in verschiedenster Weise in bezug auf Berlin
haben, mit Menschen auf beiden Seiten der Grenzlinie, mit eng verknüpfter Regelung des Besucherverkehrs und des Austausches.

Dies sind Dinge, aufgrund

deren es für sie notwendig ist, präziser über das nachzudenken, was wir ändern
wollen.

Aber ich glaube, wir teilen die gleiche Grundauffassung über die Ent-

spannung.
FRAGE: Angesichts des sowjetischen Einfalls in Afghanistan hat Senator
Javits angeregt, daß die NATO ihre Einflußsphäre in den Mittleren Osten ausweiten sollte, einschließlich neuer NATO-Stützpunkte, um unsere Energie- und
anderen Interessen zu schützen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, hat es seit Jahren umfangreiche Debatten darüber

gegeben, was denn nun das eigentliche Hauptanliegen der NATO sei
extensiv es zu fassen sei.

oder wie

Ich glaube die meisten Länder erkennen an, daß es

wichtige Anliegen für einen oder für mehrere von uns, vielleicht für die
meisten von uns, gibt, die sich jetzt außerhalb des Vertragsgebietes abspielen.
Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß die Länder, die diesen Vertrag durch ihre
Parlamente gebracht haben, nunmehr sich bereitfinden werden, die vertragsbe- 6

�vertragsbezogenen Aktivitäten auf Gebiete außerhalb der Vertragsgrenzen zu tragen.
Das heißt jedoch nicht, daß ich die Möglichkeit ausschließe, daß einige
der verbündeten Staaten, individuell, deren Engagement der einen oder anderen
Art in Gebieten außerhalb des Vertragsgebietes größer ist, nicht nach Mitteln
und Wegen suchen, um zu handeln, um die Situation zu festigen und ihre Interessen zu schützen.

Was ich dagegen für unwahrscheinlich halte, ist, daß wir

zu einem allgemeinen Konsens gelangen können, die Gesamtperspektive von etwas
zu verändern, das fünfzehn Parlamente hat passieren müssen.
FRAGE: Glauben Sie, die Sowjets werden versuchen, eine größere Kontrolle
über die osteuropäischen Länder in ihren Beziehungen zum Westen auszuüben, wenn
man bedenkt, wie stark die weltweite Reaktion auf die Invasion Afghanistans
gewesen ist?
ANTWORT:

Ja, ich glaube, das ist fast unvermeidlich.

Vielleicht ist ein

Zeichen dafür bereits in der Tatsache zu sehen, daß es eine Reihe höherer Politiker gibt, die in die osteuropäischen Länder reisen oder von dort kommen
sollten und deren Besuche ohne jede Erklärung oder nur mit sehr höflichen Erklärungen abgesagt wurden.

Das ist zwar ein Symbol, ein Signal, aber ich glaube,

es ist unvermeidlich, daß die Sowjets versuchen werden, die Zügel dort anzuziehen, wo sich in vielen Bereichen ein sehr warmes und herzliches Verhältnis
zwischen Ost und West herausgebildet hat; und solche Überlegungen werden für
die Sowjets sicher nicht sehr attraktiv sein.
FRAGE: Mr. Vest, wie sollten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
Ihrer Meinung nach ihre Beziehungen mit den osteuropäischen Ländern angesichts
der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gestalten?
ANTWORT:

Ich bin der Ansicht, wir sollten die wechselseitig' fruchtbaren

Beziehungen zwischen uns und den osteuropäischen Ländern in einem Höchstmaß
aufrechterhalten, das uns möglich ist.
- 7 -

Diese verbesserten Beziehungen, diese

�diese evolutionäre Serie von Aktivitäten zwischen uns und ihnen ist, so meine
ich, zu unserem Vorteil.

Wir wünschen den osteuropäischen Ländern mehr Zu-

gang, mehr wechselseitige Beziehungen, mehr Bewegungsfreiheit, weniger Verletzungen der Menschenrechte, mehr Reisen - alles Dinge, die sich teilweise
als Ergebnis unserer - von Land zu Land unterschiedlichen - Politiken entwikkelt haben.

In dem Maße, in dem dies Europa zusammenführt und die osteuropäischen

Länder auf Westeuropa hinorientiert und auf den Westen insgesamt, bin ich voll
dafür.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir unsere Beziehungen zu den ost-

europäischen Ländern nicht durch den augenblicklichen Stand unserer Beziehungen
mit der Sowjetunion beeinflussen lassen sollen?
ANTWORT:

Das sage ich nicht, denn es ist unvermeidlich insofern, als die

osteuropäischen Länder an einem Strick ziehen, eine Politik übernehmen und uns
gegenüber feindselige Erklärungen abgeben, um dem Drängen der Sowjets nachzugeben.

Dies wird unvermeidlicherweise Auswirkungen auf unser weiteres Verhält-

nis zu ihnen haben.

Aber in dem Maß, in dem wir eine wechselseitig nützliche

Beziehung haben, bin ich fürs Weitermachen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Ihrer Meinung nach die Afghanistaninvasion und die sowjetischen Schritte gegen Andreij Sacharow auf den Fortgang
der KSZE-Bemühungen haben - zu einem Zeitpunkt, da sich die 35 Signatarstaaten
des Abkommens auf die Folgekonferenz in Madrid in diesem Jahr vorbereiten? Werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit den Osteuropäern auch
weiterhin bilaterale Gespräche zur Vorbereitung des Treffens führen, wie dies
in der Vergangenheit der Fall war?
ANTWORT:

Im großen und ganzen erwarte ich, daß wir und unsere Verbünde-

ten, die neutralen, die bündnisfreien und die osteuropäischen Länder den Prozeß bilateraler Konsultationen fortsetzen - jetzt wohl mit beträchtlich mehr
Vorsicht.

Wir wissen noch nicht, was sich zwischen heute und, sagen wir, Sep-

tember ereignen wird.

In einem Zeitraum von Februar bis September kann viel

�viel geschehen - denken Sie doch daran, was allein in den letzten drei Wochen
passiert ist.

Ohne also im voraus darüber zu urteilen, was in diesem Zeit-

raum geschehen könnte, würde ich annehmen, daß wir alle auch weiterhin - wenngleich mit mehr Vorsicht - herausfinden wollen, was in Madrid erreicht werden
kann.

FRAGE:

Wie steht es mit den sowjetischen Schritten gegen Andreij Sacharow

im Licht der Übereinkommen von Helsinki?

ANTWORT:

Ich glaube, man könnte sagen, daß dies nur ein weiterer Grund für

uns ist, uns in Madrid zu treffen.

Denn schließlich ist es ja ein wesentlicher

Gesichtspunkt dieses Treffens, daß wir in der Lage sein sollten, die Situation
im Licht des Übereinkommens von Helsinki zu überprüfen.

Unter den zu überprü-

fenden Tatbeständen wäre aber auch das Verhalten des einen oder anderen unserer
Länder, das den Eindruck erweckt, die Prinzipien der Schlußakte von Helsinki
zu verletzen.

Der Fall Sacharow ist genau die Art von Vorkommnissen, die man

nicht vergessen wird.

FRAGE:

Sie glauben also, daß über Menschenrechtsverletzungen gesprochen

werden wird?

ANTWORT:

Ich bin immer davon ausgegangen, daß wir, wenn wir nach Madrid

gehen, alle Körbe - wie wir das nennen - behandeln werden, die in der Schlußakte enthalten sind und wo die Menschenrechtsverletzungen ein Teil des Ganzen
sind.

Aber ich kann Ihnen versichern, daß es eine ganze Reihe von Ländern gibt,

einschließlich der Vereinigten Staaten, die gesagt haben, daß die sowjetische
Behandlung von Dr. Sacharow nur unterstreicht, wie wichtig es ist, nach Madrid
zu gehen.

All dies ist Teil des Langzeitprozesses der KSZE, die einen gesetz-

mäßigen Rahmen abgibt, um sicherzustellen, daß Menschenrechtsverletzungen nicht
übersehen werden.

FRAGE:

Gibt es irgendeine Möglichkeit, daß Güter und Technologie, die

aus dem Westen in die osteuropäischen Länder kommen, schließlich in der Sowjet-

- 9-

�Sowjetunion landen?

Was werden die Vereinigten Staaten unternehmen, um dies

zu verhindern?
ANTWORT:

Man sollte nie sagen, etwas sei unmöglich; aber ich glaube,

die unvermeidliche Konsequenz der Lage, in der wir uns befinden, ist, daß es
eine viel schärfere Überwachung oder Kontrolle darüber geben wird, welche Güter und Exporte von uns in die osteuropäischen Länder gehen.
Wenn man über Nahrungsmittel und Industriegüter spricht, so glaube ich,
daß diese Länder die Grundlage, auf der sie gerade diese Produkte erhalten,
aufs Höchste schätzen, und sie werden sicherlich alles daransetzen, daß diese
Aktivität, dieser Austausch nicht beeinträchtigt wird.

Meiner Meinung nach

werden sie daher ein Weiterleiten in die Sowjetunion auch selbst nicht wollen.
Aber wir werden versuchen, sicherzustellen, daß die osteuropäischen Länder
nicht unter Druck etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen.
FRAGE:
nach Tito?

Welche Probleme sehen Sie für Jugoslawiens weitere Unabhängigkeit

ANTWORT: Ich gehe von der Annahme aus, daß Jugoslawien seine Unabhängigkeit auch nach Tito behalten wird. Während der Woche, in der er operiert
wurde, war es höchst interessant zu sehen, daß man nicht den Eindruck gewann,
Jugoslawien gerate in Panik. Das Land war gut organisiert, voll Selbstvertrauen, achtete klug auf seine Eigeninteressen - und ich glaube, dies ist charakteristisch für das Jugoslawien, das sich in letzter Zeit unter Titos Herrschaft herausgebildet hat. (Mit seinem System der rotierenden kollektiven Führung).
Die Jugoslawen sind äußerst zähe, unabhängige Menschen, voller Selbstvertrauen.

Daher ist es nur zu verständlich, daß wir alle großen Respekt vor ih-

nen haben,und ich bin voller Zuversicht, daß sie ihre eigene Unabhängigkeit,
territoriale Integrität und Einheit erhalten werden.
+ + + + +
- 10 -

�11

13-. Februar 1980

USA UM GEMEINSAME KERNBRENNSTOFF-POLITIK BEMÜHT
INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der
Kernwaffen-Proliferation

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bemühen sich um internationalen Konsens
hinsichtlich der Mittel und Wege, die praktikabel erscheinen, um zur Deckung
des weltweiten Energiebedarfs die Anwendung von Kernenergie auszuweiten, ohne
gleichzeitig das Risiko der Kernwaffen-Proliferation zu erhöhen. Das wichtigste
Forum zur Erörterung war in den letzten zwei Jahren die auf Anregung Präsident
Carters ins Leben gerufene "Internationale Konferenz über die Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen" (INFCE - International Fuel Cycle Evaluation), die vom
26.- 27. Februar 1980 zu ihrer letzten Plenarsitzung in Wien zusammentritt.
Vertreter von 66 Ländern und verschiedenen internationalen Organisationen werden Bilanz ziehen über die Ergebnisse von Studien und Analysen, die in den letzten 16 Monaten über alternative Kernbrennstoff-Zyklen durchgeführt wurden.
Hauptziel ist nach wie vor, Wege zu finden, die Produktion von waffenfähigen
Materialien wie Plutonium und hochangereichertem Uran auf ein Mindestmaß zu
beschränken.
Offizielle Vertreter der amerikanischen Seite betonen, daß in bezug auf
zwei elementare Faktoren einer breiten internationalen Übereinstimmung "eindeutige und nachweisbare" Fortschritte erzielt wurden, nämlich
...
n u
1) hinsieht-

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Telex:08-85432

�1) hinsichtlich des Grundsatzes, daß das Proliferationsrisiko bei allen
Entscheidungen über Kernbrennstoffzyklen beachtet werden müsse, und
2) hinsichtlich der Forderung, die Produktion von waffenfähigem Material
so weit wie nur irgend möglich auf die unmittelbaren Erfordernisse von Forschung
und Entwicklung für zukunftsträ'chtige Nukleartechnologien zu begrenzen.
Die Carter-Regierung verfolgte von Anfang an das Ziel, ein überwechseln
zum Plutonium-Brennstoffzyklus zu vereiteln, solange es die notwendigen Sicherungen gegen die damit verbundenen zusätzlichen Risiken der Weiterverbreitung
von Kernwaffen nicht gibt.

Plutonium, ein spaltbares Element, das in Kernreak-

toren zur Energieerzeugung genutzt werden kann, wird durch Bestrahlung des
reichlich vorhandenen Uranisotops Uran-238 gewonnen.

Mit Brennstoffzyklen, bei

denen das auf diese Weise erzeugte Plutonium in Brutreaktoren verwendet wird,
kann der Strombedarf eines Landes unter Einsatz wesentlich geringerer Mengen
des Ausgangsbrennstoffes Uran gedeckt werden, als es bei den heute üblichen
Reaktoren der Fall ist.

Diese haben einen Brennstoffzyklus, bei dem der Kern-

brennstoff im einmaligen Durchsatz verwendet wird.
Eine Anzahl von Ländern, die nicht über Uranvorkommen wie z.B. die Vereinigten Staaten verfügen, sind überzeugt, daß künftige Energieverknappung und
zu starke Abhängigkeit von ausländischem Kernbrennstoff durch eine frühzeitige
Umstellung auf eine Kernbrennstoffwirtschaft auf Plutonium-Basis zu vermeiden
wären. Eine solche Politik würde eine stärkere Verwendung von Plutonium in
heute üblichen Kernbrennstoffzyklen für die - in der Mehrzahl - Leichtwasserreaktoren nach sich ziehen und schließlich zum Übergang auf schnelle Brutreaktoren führen, die mehr Plutonium-Brennstoff erzeugen als sie selbst verbrauchen. Beides würde kostspielige Anlagen zur chemischen Aufarbeitung von Abbrandelementen erfordern, aus denen Plutonium und anderes spaltbares Material
gewonnen werden.
Auf amerikanischer Seite räumt man ein, daß die Verwendung von Plutonium
in schnellen Brutreaktoren für gewisse Länder Anfang des nächsten Jahrhunderts

- 2 -

�Jahrhunderts ein brauchbares Verfahren darstellen könnte.

Aber man ist auch

überzeugt, daß die Entwicklung von Brutreaktoren vermutlich zu kostspielig
ist, als daß sich mehr als einige wenige wohlhabende Nationen dies leisten
könnten.

Auch sei die Stationierung von Brutreaktoren nur dort attraktiv,

wo es ein umfangreiches Stromverteilernetz gebe.

Nach amerikanischer Auffas-

sung arbeite ein Atomkraftwerk mit den heute üblichen Reaktoren bei einer
Rückführung von Plutonium in den Brennstoffzyklus günstigstenfalls am Rande
der Wirtschaftlichkeit.

Die Ergebnisse neuer Untersuchungen zeigen z.B.,

daß die kommerzielle Rückgewinnung von Plutonium und Uran aus Abbrandelementen bis zu acht Mal so teuer kommen könne wie die Urangewinnung aus Erz. Die
vorhandenen Uranressourcen reichten jedoch nach amerikanischen Berechnungen
zufolge aus, um zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wahrscheinlich sogar bis ins nächste Jahrhundert hinein, den abschätzbaren Weltbedarf zu dekken.

Sofern zur Ergänzung des verhütteten Urans zusätzliche Wiederaufarbei-

tung und Anreicherung erforderlich sei, sollte die Anzahl solcher Anlagen begrenzt und wirksamer internationaler Kontrolle unterstellt werden.

Im Verlauf der INFCE-Gespräche erklärten Vertreter der USA wiederholt,
daß Abbrandelemente über lange Zeit sicher gelagert werden könnten, und daß
für eine sichere und wirtschaftliche nukleare Entsorgung nicht, wie manche
Länder behaupteten, die Wiederaufarbeitung notwendig sei.

Gleichzeitig ver-

wiesen sie auf die Möglichkeiten für eine merklich bessere Ausnutzung des
Kernbrennstoffs in Leichtwasserreaktoren.

In dem jetzt vom US-Energieministerium fertiggestellten Bericht über alternative Brennstoffzyklen heißt es u.a., daß mit veränderten Brennstoffsätzen, besserem Brennstoff-Management (einschließlich der Extraktion von mehr
verwendungsfähigem Uran aus dem Erz) und Konstruktionsveränderungen bei Atomkraftwerken der Brennstoff-Wirkungsgrad in Leichtwasserreaktoren schätzungsweise bis um 30 Prozent gesteigert werden könnte.

Von besonderer Bedeutung

sei außerdem die Tatsache, daß "kein nuklearer Brennstoffzyklus, der in den
nächsten Jahrzehnten kommerziell einsatzfähig werden könnte, einer Proliferation mehr hinderlich wäre als der des einfachen Brennstoff-Durchsatzes beim

- 3 -

�beim Leichtwasserreaktor - ein Zyklus, bei dem der Reaktorabbrand in Zwischenlagern sicher gelagert und die Anreicherung im Lohnverfahren von den darauf
spezialisierten Lieferanten durchgeführt wird."

Im Brennstoffzyklus eines

Leichtwasserreaktors, der mit niedrig angereichertem Uran arbeitet, kommt es
nicht zur Produktion von kernwaffenfä'higem Material.
Selbstverständlich konnte, wie John M. Deutch, Staatssekretär im USEnergieministerium, kürzlich vor Kongreßmitgliedern erklärte, die INFCE-Konferenz keine technische oder wirtschaftliche Zauberformel finden, um die Nutzbarmachung von Kernenergie risikofrei zu machen.

Das habe man auch nicht er-

wartet, denn "alle Brennstoffzyklen enthalten ein gewisses Proliferationsrisiko.

Aber INFCE half, die Legitimation, ja sogar die Notwendigkeit für einen

Vergleich der Hemmfaktoren für Proliferation bei verschiedenen Alternativtechnologien zu begründen und eine wichtige Basis für Entscheidungen in der Kernbrennstoff-Strategie zu schaffen."

Man habe jedoch mehrere wichtige Vorschlä-

ge erörtert - u.a. die Schaffung internationaler Mechanismen, die allen interessierten Nationen die Versorgung mit Kernbrennstoff gewährleisten, sowie die
Ausweitung internationaler Kontrollen über Abbrand-Zwischenlager -, denen die
beteiligten Ländern wahrscheinlich weiter nachgehen werden.
Mittlerweile sei, so Deutch, die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) weltweit tätig geworden, um eine Überwachung der Plutonium-Lagerhaltung
und ein internationales Verwaltungssystem für abgebrannten Kernbrennstoff zuwege zu bringen. Deutch verwies auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der nuklearen Liefer- und Verbrauchernationen, um die neuen Nonproliferationsvereinbarungen nach Abschluß der INFCE-Gespräche zu definieren. Fortschritte auf diesem Gebiet werden auch Einfluß auf den amerikanischen Zeitplan
für die erneute Erörterung bilateraler Abkommen über nukleare Zusammenarbeit
mit anderen Ländern sowie darauf haben, welche Position die Vereinigten Staaten
in künftigen internationalen Verhandlungen über die Frage der Proliferation von
Kernwaffen einnehmen.

+ + + + +

�13. Februar 1980

11

RASCHE ERSCHLIESSUNG VON ALASKA-ÖLFELDERN GEPLANT
• Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in seiner Haushaltsbotschaft
vom 28. Januar 1980 den US-Kongreß um dessen Zustimmung zu einer beschleunigten Erschließung der regierungseigenen Erdölfelder in Alaska durch amerikanische Privatfirmen ersucht.

"Ich bin überzeugt", so der Präsident, "daß

die Exploration und Erschließung dieser Ressourcen am raschesten und kostengünstigsten für die Regierung durch ein Pachtprogramm zwischen Bundesbehörden
und Privatfirmen zu erreichen ist."
Wie aus Behördendaten hervorgeht, enthält das Feld der sog. nationalen
Erdölreserve - ein 9,3 Millionen Hektar großes Areal in Nordalaska, etwa
100 km westlich des staatseigenen ölfeldes an der Prudhoe Bay und der Transalaska ölpipeline - schätzungsweise 960 Millionen Tonnen Rohöl und 392 Milliarden cbm Erdgas. Falls der Kongreß in dieser Sitzungsperiode entsprechende
Gesetze verabschiedet, könnten Anfang 1982 die ersten Pachtabkommen abgeschlossen werden. Die Zeit bis dahin ist erforderlich, um die notwendigen Erschließungspläne, ökologischen Gutachten und Pachtbedingungen auszuarbeiten.

Die

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�Die US-Regierung würde, sofern das Areal der nationalen Erdölreserve
der Erschließung durch die Privatwirtschaft zugänglich gemacht wird, für die
ersten zehn Jahre Parzellen in der Größe von 24 280 Hektar anbieten»

Die Ge-

setzesvorlage sieht eine Vielfalt miteinander konkurrierender Angebotsformen
vor, u.a. solche auf der Basis von Barprämien, Nettogewinnen, Tantiemen und
bestimmten Produktionsmengen.

Vom Weißen Haus wurde darauf verwiesen, daß es sich bei den Zahlenangaben
zur ölreserve nur um Schätzungen handle.

Die Rentabilität der Erdöl- und Gas-

förderung hänge außerdem weitgehend davon ab, welche Schwierigkeiten unter den
besonders harten arktischen Verhältnissen zu überwinden seien.

Dennoch er-

scheine .dieses öl- und Gasfeld vorteilhafter als die Offshore-Vorkommen im Raum
Alaska.

Inzwischen veröffentlichte das Wall Street Journal eine Meldung, derzufolge das Geologische Bundesamt der USA seine Schätzungen über Offshore-Felder
an öl und Gas in Alaska erheblich nach oben korrigiert habe.

So werden jetzt

die Ölvorkommen im Navarin-Becken (im Beering-Meer vor der Westküste Alaskas)
auf 528 Millionen Tonnen geschätzt (1975: 50 Millionen Tonnen).

Für Erdgas

wurden die Schätzwerte von ca. 26 Milliarden cbm auf fast 400 Milliarden cbm
angehoben.

Im Beaufort-Becken (in der Beaufort-See an der Nordküste Alaskas)

dürften neuesten Angaben zufolge 580 Millionen Tonnen öl liegen (Schätzzahl
von 1975: 450 Millionen Tonnen).

Und für Erdgasvorkommen werden jetzt 462 Mil-

liarden cbm angenommen (1975: 230 Milliarden cbm).

Verhandlungen über Alaska-Pipeline angelaufen

Mit einer Grundsatzvereinbarung wurden Ende Dezember 1979 Verhandlungen
zwischen dem US-Energieministerium und amerikanischen Privatfirmen eingeleitet,
welche zunächst 500 Millionen Dollar zur Planung und technischen Vorbereitung
des Baues einer Gasleitung von Nordalaska durch Kanada nach den USA beitragen,
Die Pipeline soll bei Calgary im Südwesten Kanadas in zwei Leitungen

- 2 -

aufge-

�aufgeteilt werden, wobei eine bis in den amerikanischen Mittelwesten (Raum
Chicago), die andere zur amerikanischen Westküste durch die Bundesstaaten
Washington, Oregon und Kalifornien bis in die Nähe von San Francisco geführt
wird.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 23 Milliarden Dollar veranschlagt,
wovon 11 Milliarden auf den durch Alaska verlaufenden Teil von 1176 km Länge
entfallen (die Streckenlänge durch Kanada beträgt 3255 km). Bei der Ausarbeitung der Finanzierungsmodalitäten für die Realisierung des Projekts werden
Energieministerium und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten.

Bei der Bundesenergie-Aufsichtskommission (Federal Energy Regulatory
Commission) sind mittlerweile Vorschläge darüber eingegangen, die westliche
Abzweigung von Calgary (Alberta, Kanada) sofort in Angriff zu nehmen, damit
bereits im Winter 1980/81 Kalifornien mit täglich 6,7 Millionen Kubikmetern Erdgas

- vorläufig aus Kanada importiert - versorgt werden könnte.

Die oberste

kanadische Energiebehörde hat den Gasexport nach dem Westen der USA in der vorgeschlagenen Menge bis 1984 bereits genehmigt.

Nach Fertigstellung der Alaska-

Gas-Pipeline im Jahr 1984 würden täglich mehr als 67 Millionen cbm Erdgas von
der Prudhoe-Bay in Nordalaska nach den kontinentalen Bundesstaaten der USA
fließen.

- 3 -

�I

3

Uli/zen/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

KOHLEVEREDELUNG UND GESUNDHEITSSCHUTZ
Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten

- (AD) - Eventuelle gesundheitliche Auswirkungen von Stoffen, die beim
SRC-II-Verfahren zur Kohleverflüssigung entstehen, waren Gegenstand von Forschungsaufträ'gen des US-Energieministeriums.

Mit Hilfe dieses Verfahrens

(SRC ist die Abkürzung von "Solvent Refined Coal") werden aus stark schwefelhaltiger Kohle flüssige Brennstoffe destilliert, die sich neben einem sehr
niedrigen Schwefelgehalt auch durch geringen Aschegehalt auszeichnen. Bau
und Betrieb einer Demonstrationsanlage in der Nähe der amerikanischen Stadt
Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia mit einem Tagesdurchsatz von 6000
Tonnen Kohle wurden als Gemeinschaftsprojekt zwischen den Vereinigten Staaten
und der Bundesrepublik vereinbart.
Die Ergebnisse der Studien über mögliche gesundheitliche Auswirkungen
sind in einem Bericht zusammengefaßt, der den Titel trägt:

"Biomedical Studies

on Solvent Refined Coal (SRC-II) Liquefaction Materials: A Status Report".
Er wurde im "Pacific Northwest Laboratory" des US- Energieministeriums in
Richland (Washington) ausgearbeitet und basiert auf Untersuchungen in der Pilotanlage von St. Lewis im Bundesstaat Washington.

In dem Bericht werden u.a. die

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�die Betriebsbedingungen erläutert, unter denen die zur Diskussion stehenden
Prozeßprodukte entstanden, und es wird erörtert, welche Bedeutung die durchgeführten Studien für den Betrieb von Demonstrationsanlagen sowie für die kommerzielle Kohleverflüssigung haben.
(Der Bericht, Katalognummer PNL-3189, kann vom amerikanischen "National
Technical Information Service" in Springfield, Virginia, 22151, bezogen werden,
Preis: 5,25 Dollar).

+ + + + +

�I 3

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

STEUERUNGSZENTREN FÜR DIE GENFUNKTION
Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und
höheren Organismen

- (AD) - Neue Erkenntnisse der molekularbiologischen Forschung
lassen Zweifel daran aufkommen, ob der "genetische Code" tatsächlich als
die fundamentale, allgemein gültige Regel für die Steuerung von Lebensfunktionen und Vererbungsmechanismen bei allen Organismen anzusehen ist.
Zumindest scheint die Verschlüsselung der "Sprache des Lebens" bei höheren
Organismen wesentlich komplizierter zu sein als bisher angenommen und
vielleicht auch Gesetzen zu folgen, die man noch nicht kennt.
Dafür spricht z.B. die jüngste Entdeckung von Biologen der Carnegie
Institution in Washington, daß zwischen dem Funktionsablauf in den Genen
von Bakterien und in jenen höher organisierter Lebewesen wie Lurchtieren
(als Experimentiermaterial wurden Zellen vom Xenopus-Frosch verwendet)
ein grundlegender Unterschied besteht. Wie Prof. Donald Brown Ende
Januar 1980 auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, hatte
man nach langwierigen Untersuchungen am genetischen Material von Bakterien

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�Bakterien herausgefunden, daß sich das Steuerungszentrum für die Genfunktion, von dem z.B. das Kommando zur Synthese einer Aminosäure ausgeht
und die Reaktion auch beendet wird, an den beiden Gen-Enden befindet.
Aber das gilt eben juir_ für Bakterien, Vertreter der sog. Prokaryonten.
Beim Frosch-Gen dagegen liegt es in der Mitte.

Eine besondere

Überraschung für die Wissenschaftler bedeutete ferner die Tatsache, daß
das Gen sogar bei Entfernung zahlreicher Komponenten voll funktionsfähig
bleibt, solange das mittlere Dirttel, das Steuerungszentrum, unversehrt ist.
Verständlich, daß sich nun das Interesse immer stärker auf die Identifizierung
jener Moleküle konzentriert, die in Zellen höherer Organismen die Genaktivität steuern.
Zum Umdenken zwang bereits die Beobachtung, daß in Zellen von
Eukaryonten (vom Hefepilz bis zum Menschen) die genetische Codierung für
den Aufbau eines Proteins im Gegensatz zu dem entsprechenden Vorgang im
Bakterium nicht aus kontinuierlich übersetzten Sequenzen des DNS-Muttermoleküls besteht.

Statt dessen werden die in dieser doppelsträngigen

Spirale enthaltenen Informationen für die Synthese wichtiger Makromoleküle
wie z.B. eines Proteins aus langen Teilen des DNS-Moleküls (Desoxyribonucleinsäure) auf RNS (Ribonucleinsäure) als eine Art Arbeitskopie "umgeschrieben"
und in mehrere, nicht kontinuierliche Segmente gespalten.

Diese Aufteilungen

bewirken Zwischensegmente oder Gen-Insertionen von Nucleotiden (Einheitsbausteine für DNS- und RNS-Moleküle), deren genaue Funktion aber noch
nicht ermittelt werden konnte.

Seltsamerweise werden nur Teile der

kopierten Segmente für den Aufbau der RNS-Matrize zusammengefügt, welche
dann die Proteinsynthese steuert.
Diese Entdeckung, über die die Zeitschrift MOSAIC der Nationalen
Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) in der September/Oktober-Ausgabe 1979
berichtet hatte, deutet nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler auf Unterschiede zwischen Zellen niedriger und höherer Organismen hin, die von

- 2 -

�von größerer Bedeutung sein duften als das Hauptunterscheidungsmerkmal die Tatsache nämlich, daß Eukaryonten einen jeweils typischen Zellkern
als wichtigsten Träger der Erbinformationen besitzen, Prokaryonten dagegen
nur ein chromosomenartiges Gebilde in der Form eines DNS-Moleküls im
Zellinnern.

Möglicherweise verkörpern die beiden Gruppen nicht Unterschiede

im Grad der biologischen Evolution, sondern voneinander abweichende Wege
der Evolution.
Sowohl Prof. Brown als auch die Verfasser des MOSAIC-Berichtes
verweisen darauf, daß die neuen Entdeckungen u.a. dazu zwingen, die möglichen
Ursachen verschiedener erheblicher Anomalien neu zu überdenken. Manche
könnten die Folge von Mutationen in den "inaktiven" Gen-Insertionen sein,
die die aktiven Teile eines DNS-Stranges unterteilen, nicht aber von
Mutationen in den aufgestückelten "Minigenen" selbst. Auch die Entstehung
von Krebs und einer Reihe anderer Krankheiten erscheint nun in einem
neuen Licht.
Die neuen Forschungsergebnisse stützen die Vermutung, daß Erkenntnisse
über die molekulare Biologie bei Bakterien nicht ohne weiteres oder eben
nur bedingt auf das Verständnis der molekularen Biologie höherer Organismen
anzuwenden sind, Seit Jahren diente das Darmbakterium Escherichia coli
als Lehrmoden zum Studium des Materials und der Prozesse, die am Vererbungsgeschehen beteiligt sind. Es hat gegenüber vielen anderen Organismen
den Vorzug der raschen Aufeinanderfolge von Generationen (zur Zellteilung
kommt es im Durchschnitt alle 20 Minuten) und der relativen Kleinheit der
genetisch wirksamen Substanz, eines ringförmig gestalteten DNS-Moleküls
im Zellinnern. Die Zell große beträgt etwa 1/500 der Zell große bei höheren
Organismen. Der Großteil der Tausende verschiedener Molekülarten und
ungefähr 30 Prozent der chemischen Reaktionen in der Escherichia coli-Zelle
konnten bereits aufgeklärt werden.
Bakterien

�Bakterien erwiesen sich, ähnlich wie z.B. in der klassischen Genetik
die Fruchtfliege beim Studium der Gesetze von Mutationen, als ideales
Material zur Untersuchung so wichtiger Fragen wie etwa die der Funktion
von Genen (kleinste Funktionseinheiten der Erbsubstanz, die z.B. für den
Aufbau spezifischer Proteine aus Aminosäuren verantwortlich sind, während
andere als "Operatoren" solche Vorgänge steuern und eine dritte Gruppe
die Aktivitäten der Operator-Gene regelt).

An Hand der bei Bakterien

beobachteten Vorgänge konnten die wichtigsten Gesetze der Weitergabe von
Erbinformationen an die nächste Generation, d.h. für die identische
Verdoppelung des genetischen Materials, ausfindig gemacht werden.

Ähnliches

gilt für die Aufklärung der Aufeinanderfolge bzw. Lokalisierung von Genen
bestimmter Funktion und für die Untersuchung vieler anderer mikrobiologischer
Probleme bis hin zur Übertragung und zum Einbau von Genen in die Erbsubstanz
eines artfremden Organismus.

Immer wieder zeigte sich, daß es nur vier

molekulare Nukleotide sind, die, in spezifischer Reihenfolge angeordnet,
als Symbole einer Art Schlüsselsprache den "genetischen Code" für die Bauund Funktionspläne bei jeder lebenden Zelle ergeben - vom niedrigsten
Bakterium über die Zellen höherer Lebewesen bis hin zum Menschen.

Aber in der Benutzung und wohl auch Deutung der Schlüsselsprache
scheinen tiefgreifende Unterschiede in dem so vielfältigen "biologischen
Spektrum" zu bestehen. Sie werden erst jetzt allmählich erkennbar, seitdem
die Biochemie mit ungemein verfeinerten Methoden sich auch an die Analyse
der überaus komplexen DNS-Moleküle von Zellen höherer Organismen wagen und
bestimmte Funktionseinheiten wie beispielsweise jenes Frosch-Gen isolieren
kann. Dank gentechnischer Verfahren wurden damit Milliarden von funktionsfähigen exakten Kopien erzeugt, die man in einen Extrakt von Zellkernen
lebender Froscheier einbrachte. Das Gen nahm die ihm zukommende Funktion
auf, als sei es "zu Hause" im Frosch-Organismus. So wurde es im Verlauf
langwieriger Experimente möglich, im Molekül verband des wohl aus Hunderten
von Nukleotidgruppen bestehenden Gens das aktive Zentrum ausfindig zu
machen. Dieses nach Struktur und detaillierter Funktionsweise zu analysieren
ist eine Aufgabe, die noch viel Zeit und Mühe kosten wird.

+ + + + +
- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum Ost-West-Verhältnis Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit George West -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der Kernwaffen-Proliferation -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rasche Erschließung von Alaska-Ölfeldern geplant&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter ersucht Kongress um Genehmigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohleveredelung und Gesundheitsschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozessprodukten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steuerungszentren für die Genfunktion&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen -&lt;/em&gt;</text>
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nrofmciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. Februar 1985

INHALT

DOKUMENTATION
USA bleiben der F r e i h e i t und Sicherheit Europas v e r p f l i c h t e t
- Erklärung von Präsident Reagan zum 40. Jahrestag der Jaltakonferenz
Rede von US-Verteidigungsminister Weinberger auf der Wehrkundetagung
i n München
- Wortlaut Sowjetische Verletzungen von Rüstungskontrollabkommen
- Bericht des Präsidenten an den Kongreü INFORMATION
Vernon Walters zum US-Botschafter bei den Vereinten Nationen ernannt
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Transatlantischer Fernsehdialog "EURONET"
- Herzersatz a l s Präzedenzfall - Wieviel F o r t s c h r i t t i s t finananzierbar?

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�13. Februar 1985

USA BLEIBEN DER FREIHEIT UND SICHERHEIT EUROPAS VERPFLICHTET
- Erklärung von Präsident Reagan zum 40. Jahrestag der Jaltakonferenz

WASHINGTON - (AD) - In einer schriftlichen Erklärung nahm Präsident
Ronald Reagan am 5. Februar 1985 zum 40. Jahrestag der Konferenz von
Jalta Stellung, auf der - vom 4. bis zum 11. Februar 1945 - Roosevelt,
Churchill und Stalin ein Abkommen unterzeichneten, das unter anderem für
Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien freie Wahlen garantierte. Aber, so
die Erklärung, "die sowjetischen Versprechungen wurden nicht eingehalten,
die Wahlen fanden nicht statt und Europa blieb in zwei Hälften geteilt."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Diese Wbche vor vierzig Jahren trafen sich die Führer der Vereinigten
Staaten, Großbritanniens und der Sowjetunion in Jalta, um über das sich
nahende Ende des Zweiten Weltkriegs und über die Konturen der Nachkriegs-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�Konturen der Nachkriegswelt zu beraten. Die Übereinkommen, zu denen man
gelangte - einschließlich der Erklärung über das befreite Europa -, verpflichtete alle drei Regierungen zum

Wiederaufbau eines demokratischen

Kontinents.

Seit jener Zeit bedeutet Jalta zweierlei. Es ruft eine Zeit der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und den freien Nationen für eine
große gemeinsame Sache in die Erinnerung zurück. Aber es erinnert zugleich an dir? Gründe dafür, warum diese Zusammenarbeit nicht von Dauer
sein konnte - denn die sowjetischen Versprechungen wurden nicht eingehalten, die Wahlen fanden nicht statt und Europa blieb in zwei Hälften

,

geteilt.

Warum ist Jalta noch heute wichtig? Nicht deshalb, weil wir im Westen
die alten Diskussionen über Grenzfragen wieder aufwärmen wollen. Weit davon entfernt. Der Grund für die anhaltende Bedeutung Jaltas liegt darin,
dai3 die Frage der Freiheit Europas noch immer offen ist. Jene, die behaupten, es gehe um die Probleme der Grenzziehung und der Territorien,
hoffen nur darauf, daß das zentrale Thema, nämlich Demokratie und Unabhängigkeit, schon irgendwie verschwinden werde. Aber das wird nicht eintreten.

Denn da ist eine Grenze, durch Jalta symbolisiert, die niemals Recht
werden kann - die Trennungslinie zwischen Freiheit und Unterdrückung. Ich
zögere nicht zu sagen, daß wir diese Grenze beseitigen wollen. Damit erstreben wir keinen militärischen Vorteil für uns selbst oder das westliche Bündnis. Wir verweigern keiner Nation ihr legitimes Sicherheitsinteresse. Aber wenn eine Nation zum eigenen Schutz und zur eigenen Sicherheit einer anderen deren nationale Unabhängigkeit und nationale Traditionen raubt, dann ist das nicht rechtmäßig; und langfristig gesehen ist es
noch nicht einmal eine sichere Sache.

Noch lange nach Jalta ist eines offenkundig: Der beste Weg, ganz
Europa mehr SLcherheit zu geben, besteht darin, es freier zu machen. Wir
haben uns seit vierzig Jahren dem Ziel der Erneuerung einer Gemeinschaft
freier europäischer Staaten verschrieben. Diesem Bemühen verpflichten wir
uns auch heute wieder.
+ + + + +
- 2 -

r

�13. Februar 1985

REDE VON US-VERTEIDIGUNGSMINISTER WTINBERGER AUF DER
WIhRKUNDETAGUNG IN MÜNCHEN
- Wortlaut -

München - (AD) - Die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e
im M i t t e l p u n k t

einer Ansprache, die

n i s t e r Caspar Weinberger f ü r die

der amerikanische

(SDI) stand

Verteidigungsmi-

Wehrkundetagung i n München v o r b e r e i t e t

hatte und die am 10. Februar 1985 von Unterstaatssekretar Richard Perle
verlesen wurde.

Weinberger selbst hatte wegen widriger

Witterungsbedin-

gungen nicht von London nach München f l i e g e n können.

Die Rede Wainbergers hat folgenden Wortlaut:

'Die Zukunft erfassen: Die Strategische

Verteidigungsinitiative

-

Line

Hoffnung f ü r die NATO - "
Es i s t

eine Ehre, vor

der angesehenen Wehrkundetagung

sprechen zu

d ü r f e n , und eine Freude, einmal wieder Deutschland zu besuchen. Ich weiü

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich weiß mich mit Ihnen a l l e n e i n i g i n meinem Dank an unsere Gastgeber
f ü r die warmherzige und entgegenkommende Gastfreundschaft.
I c h begrüße das Thema der diesjährigen Tagung. J a , es wird "Wandlungen i n der A l l i a n z " geben und neue Herausforderungen, denen wir uns o f f e n
und mit Hoffnung s t e l l e n müssen. Ich möchte heute morgen über eine dieser
Herausforderungen

sprechen,

die

Strategische

Verteidigungsinitiative

(SDI) des Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Lassen Sie mich jedoch vorausschicken, daß i c h v e r w i r r t b i n über die
düstere, unheilverkündende A r t und Weise, die so v i e l e unserer Diskussionen über die Zukunft der NATO b e g l e i t e t . Der Spaß, den wir am I n f r a g e s t e l l e n unseres eigenen Erfolges haben, hat s i c h a l s f a s t ebenso dauerh a f t erwiesen wie die A t l a n t i s c h e Gemeinschaft s e l b s t .

Wie Goethe e i n s t

schrieb: "Wb v i e l L i c h t i s t , i s t v i e l Schatten."
Lassen Sie mich anerkennen, wie h e l l das L i c h t von F r e i h e i t , Frieden
und Wohlergehen i n den ersten 35 Jahren des Bestehens der NATO geschienen
hat - und uns nicht immer bei den Schatten a u f h a l t e n .
Wir s o l l t e n Herausforderungen, die auf die NATO i n den nächsten Jahren zukommen werden, weder übertreiben noch mißdeuten.
Unsere grundsätzliche Strategie der Abschreckung durch die
Antwort b l e i b t

Flexible

lebensfähig und wirksam. Wir wissen, daß jeder Krieg

in

Europa, ob nuklear oder k o n v e n t i o n e l l , furchtbare Zerstörungen hervorrufen würde. Daher sucht unsere Strategie die Sowjets zu überzeugen, daß
keine Aggression, welcher A r t auch immer, zum Sieg führen oder die E i n h e i t und Entschlossenheit unserer A l l i a n z erschüttern könnte.
So wie die m i l i t ä r i s c h e Bedrohung durch den Warschauer Pakt zugenommen h a t , i s t es wahr, daß unsere Fähigkeit

zur E r f ü l l u n g der S t r a t e g i e

der F l e x i b l e n Antwort n i c h t immer S c h r i t t gehalten hat. Noch immer sehen
w i r uns ernsthaften Mängeln gegenüber. Trotzdem konnten wir i n den l e t z ten Jahren s u b s t a n t i e l l e Verbesserungen der S t r e i t k r ä f t e
- 2 -

f e s t s t e l l e n und

�f e s t s t e l l e n und einen neuen W i l l e n , die m i l i t ä r i s c h e n Fähigkeiten zu e r h a l t e n , die die Abschreckung s i c h e r s t e l l e n .
Wir haben begonnen, Pershing

11 und landgestützte

Marschflugkörper

a u f z u s t e l l e n und damit das gefährliche sowjetische Monopol an Nuklearwaffen m i t t l e r e r Reichweite beendet. Wir sind übereingekommen, die

Investi-

tionen f ü r

Verstär-

Infrastruktur,

Versorgung, Materiallagerung f ü r

kungstruppen und Munitionsbevorratung

zu erhöhen.

die

Wir arbeiten zusammen

bei der Erforschung neuer konventioneller Technologien, die nach meiner
Meinung die grosse

Hoffnung b i e t e n , die zahlenmäßige Überlegenheit

des

Warschauer Paktes auszugleichen und dessen offensive Strategie zu v e r e i teln.

Aber wenn die NATU sich der l-erausforderung der Schaffung einer neuen
Strategie

nicht

gegenübersieht

und wenn die NATO, zumindest

teilweise,

die Forderung e r f ü l l t , sich Fähigkeiten zur E r f ü l l u n g dieser Strategie zu
verschaffen, warum hören wir immer noch so v i e l e besorgte Stimmen fragen:
"Wohin geht die NATO?"
Ich glaube, die Antwort

liegt

i n der Frage s e l b s t .

Herausforderung der NATO f ü r die nächste Dekade i s t

Die

vorrangige

eine Forderung der

Nachfolge.
Vor 24 Jahren r i e f

ein

neueingeführter

Präsident

aus:

"Die

Fackel

wurde weitergegeben an eine neue Generation von Amerikanern, i n diesem
Jahrhundert geboren, gehärtet durch K r i e g , d i s z i p l i n i e r t durch einen harten und b i t t e r e n F r i e d e n . " John Kennedy hat i n v i e l f a c h e r Weise nicht nur
f ü r seine Landsleute gesprochen, sondern f ü r uns a l l e , Amerikaner, Kanadier

und Europäer

gleichermaßen,

die

Erwachsene

wurden i n

Jahren des

Krieges und des Kalten Krieges.
Bald muß diese Fackel wieder weitergegeben werden. Dank der Stärke
unserer A l l i a n z

kennen die heutigen jungen Amerikaner und Europäer den

Weltkrieg nur aus den Geschichtsbüchern und einige nicht einmal aus den
Geschichtsbüchern. Sie mußten i h r e

Welt nicht

aus dem Schutt

aufbauen.

�Schutt aufbauen. Sie wachten nicht eines Morgens auf und fanden Soldaten,
die Stacheldraht über die Leipziger Strasse

verlegten. Sie wuchsen auf

mit dem Wirtschaftswunder, mit der A l l i a n z , aber auch mit der Mauer. Und
sie wurden gehärtet

n i c h t durch K r i e g , sondern durch das Aufwachsen

in

einer Welt, i n der der Preis f ü r den Frieden bedeutete, mit Nuklearwaffen
leben zu müssen.

Wie Winston C h u r c h i l l vorhersagte,wurde Sicherheit

im N u k l e a r z e i t a l -

t e r t a t s ä c h l i c h 'Das starke Kind des Schreckens". Aber heute fragen v i e l e
junge Leute, wie lange können wir w i r k l i c h h o f f e n , diese

schrecklichen

Zerstörungswaffen zu b e s i t z e n , und dennoch verhindern, daß sie j e eingesetzt werden?
Wir wollen zugeben, daß diese Frage nicht

verstummen w i r d ,

solange

wir Nuklearwaffen besitzen. J a , Abschreckung hat den Frieden über f a s t 40
Jahre erhalten und wird es weiter t u n , vorausgesetzt, wir bewahren weit e r h i n eine starke Abschreckung. Aber es mag einen besseren Weg geben.
Wir verlangen von der "Nachfolge"-Generation, unsere Erfahrungen der
Vergangenheit anzunehmen und die Last auf s i c h zu nehmen, die Abschrekkung aufrechtzuerhalten. Dafür, so meine i c h , müssen wir uns e h r l i c h e r weise i h r e Fragen nach der Zukunft g e f a l l e n lassen. Vor allem müssen w i r ,
wollen wir die Unterstützung und das Vertrauen der

nächsten Generation

gewinnen, t a t s ä c h l i c h und mit K l a r h e i t nach Aussichten suchen, um eines
Tages eine besseren Weg zur Erhaltung des Friedens i n F r e i h e i t zu f i n d e n .
I n Amerika erholen sich die

vermeintlichen p o l i t i s c h e n

'Experten"

noch immer von einer einfachen W a h l s t a t i s t i k . Am 6. Oktober 1984 wählten
f a s t 60 Prozent der jungen amerikanischen Wähler zwischen 18 und 20 Jahren den ä l t e s t e n und - s o l l t e man diesen "Weisen" glauben -

reaktionär-

sten Präsidenten i n der Geschichte der Nation.
Warum? Eine E r k l ä r u n g , die i c h höre, i s t , daö die jungen Leute selbst
" r e a k t i o n ä r " geworden s i n d . Aber i c h glaube, der amerikanische S o z i a l p h i losoph Hsrny Thoreau gab eine plausiblere Erklärung d a f ü r , was junge Men-

�junge Menschen m o t i v i e r t .

Er schrieb:

"Die Jugend sammelt M a t e r i a l , um

eine Brücke zum Mond zu bauen oder v i e l l e i c h t
Tempel auf Erden, und endlich beschließt

einen Palast oder

einen

der Mann i n m i t t l e r e n Jahren,

damit eine hblzhütte zu bauen." Wenn es j e eine Z e i t g i b t , wo wir g l a u ben, die Zukunft erfassen zu können, zu agieren und nicht nur zu reagier e n , dann i s t es die Z e i t unserer Jugend.

Nach diesem Maßstab d ü r f t e Ronald Reagan Amerikas jüngster und am wenigsten reaktionärer Präsident

s e i n . Einer seiner kühnsten S c h r i t t e war

der i n seiner SDI enthaltene Vorschlag, daß wir uns nicht einfach den
technologischen Imperativen beugen, sondern s t a t t dessen uns bemühen, die
Technologie auf
erschließen.
Tatsächlich
haben wir

Wege zu l e i t e n , die neue Möglichkeiten f ü r den Frieden

Strategie
sollte

die

muß nicht

immer nur auf

Technologie

Technologie Dienerin der Strategie

eine M ö g l i c h k e i t ,

uns

im

Verfolgen

reagieren.
sein.

technologischer

Heute
Chancen

durch eine strategische V i s i o n l e i t e n zu lassen.
Wir sind v i e l l e i c h t nicht i n der Lage s e i n , während der zweiten Amtszeit

des Präsidenten eine e r f o l g r e i c h e

bauen, denn wir können nicht

strategische

Verteidigung

aufzu-

wissen, was das vom Präsidenten angeregte

Forschungsprogramm erbringen w i r d . Aber der Präsident weigert sich zu akz e p t i e r e n , daß unser wisschenschaftlicher
g e i s t nicht eine sicherere und s t a b i l e r e

und technologischer

Erfinder-

Walt schaffen kann. Er g l a u b t ,

wo v i e l Schatten i s t , könnte auch h e l l e s L i c h t s e i n .

Ich muß sagen, daß i c h v e r b l ü f f t
Initiative

war über den Aufschrei gegen diese

von denen, die wir i n Amerika i r o n i s c h Meinungsmacher nennen

( i c h sage i r o n i s c h , w e i l wir überzeugt s i n d , daß eine große Mehrheit unseres Volkes die I n i t i a t i v e

unterstützt.)

S c h l i e ß l i c h hat Präsident

Reagan nicht

mehr vorgeschlagen, a l s daß

wir die Möglichkeiten untersuchen, uns selbst und unsere A l l i i e r t e n gegen
ballistische

Raketen zu v e r t e i d i g e n . Dazu dient

e i n Forschungsprogramm,

das i n vollem Einklang mit unseren Bündnisverpflichtungen steht und das
angesichts der enormen sowjetischen F o r t s c h r i t t e

auf

diesem Gebiet und

�Gebiet

und der gefahrlichen Möglichkeit

eines

sowjetischen

Bruchs

des

ABM-Vertrages die Vorsicht g e b i e t e t .
O f f e n s i c h t l i c h berührte die SDI einen empfindlichen Nerv, sowohl i n
Amerika a l s i n Europa und sicher auch i n der Sowjetunion. Am Ende

kam

i c h zu dem Schlui3, daß die Debatte weniger um die Verdienste eines Forschungsprogramms g i n g , welches versucht herauszufinden, ob wir
kunft

ändern können, a l s um die Verdienste

die Zu-

von Entscheidungen,die

vor

mehr a l s einer Dekade g e t r o f f e n wurden, und um die Männer und Frauen, die
sie g e t r o f f e n haben.
Dieses i s t die falsche Dabatte. Die Frage f ü r uns heute i s t n i c h t , ob
wir den ABM-Vertrag hätten unterschreiben s o l l e n . Es i s t sicher n i c h t die
Frage, ob die Männer und Frauen, die diesen Vertrag ausgehandelt, r a t i f i z i e r t oder u n t e r s t ü t z t haben, etwas anderes waren a l s i n t e l l i g e n t e

ernst-

hafte und ehrenwerte P a t r i o t e n .
Unsere Frage i s t , ob wir b e r e i t

s i n d , i n den achtziger Jahren die

Möglichkeit auszuschließen, i n den neunziger Jahren und danach - mit v ö l lig

neuen Technologien, die den Verfassern des ABM-Vertrages unbekannt

waren - eine wirksame Verteidigung gegen b a l l i s t i s c h e Raketen zu entwikk e l n . Sind wir w i r k l i c h solche Geiseln der Vergangenheit, daß wir

nicht

einmal einen besseren Weg erwägen - einen Weg zur Friedenserhaltung, der
l-bffnung b i e t e t , a n s t a t t eines solchen, der auf dem fortwährenden G l e i c h gewicht des Schreckens basiert?
Einige von Ihnen, so vermute i c h , denken, daß i c h die Frage

völlig

f a l s c h d a r s t e l l e . Das w i r k l i c h e Problem i n Westeuropa, so mögen sie argumentieren, i s t , ob die Europäer Geiseln der Sowjetunion werden, wenn die
USA sich auf eine trügerische Festung j e n s e i t s des Ozeans zurückziehen.
Präsident
strichen:

Reagan

"Unsere

hat

vitalen

erst

kürzlich

wieder

Interessen und die

mit

Nachdruck

unserer

Alliierten

untersind

unlösbar verbunden. Ihre Sicherheit und unsere sind e i n s . "
Dies

ist

nicht

�Dies i s t nicht nur beruhigende Rhetorik. Es i s t e i n h i s t o r i s c h e r Tatbestand. Zweimal i n diesem Jahrhundert haben die USA entschieden, daß e i n
Kampf f ü r die F r e i h e i t Europas e i n Kampf f ü r i h r e eigene F r e i h e i t
Wenn sich 1917 und 1941 das Konzept der Festung Amerika a l s
und t ö r i c h t e

war.

gefährliche

I l l u s i o n erwiesen h a t , w i e v i e l schlimmer wäre es heute

in

einer zusammengerückten Welt'. Es g i b t keine Festung, und es kann keinen
Rückzug geben. Amerika könnte weder überleben noch leben i n einer

Welt,

i n der Europa überrannt und erobert wäre.
Wenn i c h d a r f , möchte i c h Kanzler Kohls Aussage zum Standpunkt seines
Landes f ü r uns a l l e i n der A l l i a n z

sprechen lassen: "Wir wissen, wohin

wir gehören, und wir wissen, wo wir stehen: auf der Seite des F r e i h e i t . "
Schließlich

s o l l t e n wir bedenken, daß die Strategische Verteidigung,

an der wir a r b e i t e n , ebenso wirksam wäre gegen SS-20 und andere sowjetische Mittelstreckenwaffen.
A l s die Sowjets immer stärkere und zerstörerische Offensivwaffen e n t w i c k e l t e n , mußten wir uns mit
wir

die

Glaubhaftigkeit

schwierigen Entscheidungen befassen, wie

unserer Abschreckung

aufrechterhalten

könnten.

Entgegen häufiger Vorhersagen von Desintegration und Versagen haben w i r
i n der NATO diese Herausforderung e r f o l g r e i c h bestanden und unsere E i n h e i t bewahrt.
Lassen wir uns nicht von dem betören, was Henry Kissinger genannt hat
"Die h i s t o r i s c h erstaunliche Theorie, daß Verwundbarkeit zum Frieden b e i t r ä g t und Unverwundbarkeit zum Risiko eines Krieges".

Wenn wir über die

besondere Lehre von "MAD" ( g a r a n t i e r t e b e i d e r s e i t i g e Vernichtung)

hinaus

auf den Kern der Abschreckung b l i c k e n , sehen w i r , daß eine wirksame Verteidigung - auch wenn sie keine perfekte Verteidigung wäre, obwohl wir
uns immer bemühen, sie p e r f e k t

zu machen -

die Kosten einer Aggression

erheblich erhöhen und deren Unsicherheit vergrößern kann. Sie würde besonders

den V o r t e i l

eines

Erstschlages

verringern

und

so

Stabilität

schaffen. S c h l i e ß l i c h würde sie Schutz gegen eine Welt geben, i n der die
Sowjets - und die Sowjets a l l e i n -

i h r Schwert schwingen können h i n t e r

- 7 -

�können h i n t e r dem S c h u t z s c h i l d , den sie f o r t g e s e t z t entwickeln.
Man muß h i e r darauf hinweisen, daß die Sowjets selbst

nie den Wart

gegenseitiger Verwundbarkeit anerkannt haben. Über Jahre hinweg haben sie
große Anstrengungen zur Erforschung defensiver Technologien unternommen.
I n der Tat v e r l e t z t

die Sowjetunion f a s t

sicher den AEM-Vertrag, indem

sie e i n großes Frühwarnradar gegen b a l l i s t i s c h e Raketen i n S i b i r i e n aufbaut , das i n einer
Vertrag

Weise d i s l o z i e r t und ausgerichtet i s t , die durch den

verboten i s t .

Ebenso

sind Anzahl, Sprengkraft

und

Genauigkeit

i h r e r ICBM-Waffen v i e l großer a l s zur Sicherung einer wirksamen Vergeltung n ö t i g . Diese beiden sowjetischen A k t i v i t ä t e n - Entwicklung d e f e n s i ver Systeme und erhebliche Verstärkung i h r e r offensiven Möglichkeiten

-

verletzen die Annahmen, die dem ABM-Vertrag zugrunde lag
Ich glaube, die Aussichten wirksamer und k o s t e n e f f e k t i v e r

Verteidi-

gung bieten einen wichtigen neuen Anreiz zu Verhandlungen über eine Beendigung der Spirale der Anhäufung o f f e n s i v e r ,

destabilisierender

Nuklea-

rwaffen. Ich beziehe mich, nebenbei bemerkt, nicht nur auf ICBM, sondern
auch auf SS-20, Scaleboard und andere

ballistische

Kurzstreckenwaffen,

die eine besondere Bedrohung der NATO d a r s t e l l e n .
Ich glaube auch, daß die Vorstellung

des Präsidenten vom nuklearen

Frieden durch Verteidigung l e t z t l i c h auf die von den Sowjets geäußerten
Besorgnissen r e a l i s t i s c h e r und überzuegender eingeht a l s die Konzeption
gegenseitiger Verwundbarkeit. Die Sowjets haben schon mit uns auf einigen
Gebieten zusammengearbeitet, um das Risiko eines Nuklearkrieges zu verringern.

Wir sind übereingekommen, den heißen Draht

zu verbessern.

Wir

sind im wesentlichen einer Meinung über die N o n p r o l i f e r a t i o n s p o l i t i k .

Wir

lassen beide bei den Nuklearwaffen i n v i e l e n wichtigen Punkten große Vors i c h t walten. Es s o l l t e n i c h t unmöglich s e i n , mit den Sowjets e i n neues
Arrangement zu schaffen, das f ü r unsere beiden Gesellschaften und die unserer A l l i i e r t e n weit mehr Sicherheit b i e t e t .
Es g i b t noch andere Wege auf denen Präsident Reagans I n i t i a t i v e zum Z i e l
der NATO beitragen kann, zu Verhandlungen über wesentliche
- 8 -

Waffenreduzie-

�wesentliche

Waffenreduzierungen

zu

kommen.

Strategische

Verteidigung

könnte uns h e l f e n , die dornigen Verhandlungsprobleme der V e r i f i z i e r u n g zu
lösen. Einige argumentieren, daß bei E i n t r e t e n einschneidender
rung -

v i e l einschneidender, a l s wir

bisher gewagt haben -

Reduzie-

die S e i t e ,

welche auch nur tausend Gefechtsköpfe verbergen könnte, i n der Lage wäre,
den Gegner zu erpressen oder zu entwaffnen. Aber selbst gegen eine begrenzte Verteidigung

gegen Raketen mCBte e i n Gegner eine

weit

größere

Menge verbergen können, um s t r a t e g i s c h entscheidend zu sein - und diese
Anzahl

könnte

höchstwahrscheinlich

eintdeckt

werden.

Auf

diese

Weise

könnte die Verteidigung a l s Aufpasser f ü r die ehrgeizigsten Waffenreduzierungsvorschläge dienen.

S c h l i e ß l i c h könnte die SDI die einzige Hoffnung b i e t e n , unser höchstes Z i e l zu e r r e i c h e n : Die vollständige Eliminierung

nuklearer

Waffen.

Wir können uns nie freimachen von dem Wissen um Nuklearwaffen. Daher können wir i h r e n Besitz nie aufgeben, b i s wir wissen, daß wir uns v e r t e i d i gen können gegen den A n g r i f f

derer, die

sich weigern, e i n gleiches

zu

t u n , oder dies nur vorgeben. Ich glaube n i c h t , daß wir l e i c h t f e r t i g jede
Aussicht aufgeben können, diese v ö l l i g

zuverlässige Verteidigung zu e r -

r e i c h e n , die Rettung f ü r uns a l l e sein kann. Wir würden dafür mit Recht
von denen v e r a n t w o r t l i c h gemacht, die nach uns kommen.
Niemand kann heute die Ergebnisse unserer Forschung vorhersagen, die
wir

jetzt

beginnen. Aber Sie s o l l t e n wissen, daß eine

Gruppe amerikanischer

sehr angesehene

Wissenschaftler, die von Professor Fletcher g e l e i -

t e t e Kommission, zum Schluß gekommen i s t , daß neue Durchbrüche i n defens i v e r Technologie eine abgestimmte Erforschung der strategischen V e r t e i digung verdienen. Ob dies eine wirksame und kosteneffektive

Verteidigung

gegen b a l l i s t i s c h e Raketen e r b r i n g t oder n i c h t , i s t j e t z t eine empirische
Frage, die durch die Forschung beantwortet werden muß.

Lassen Sie mich jedoch sagen, daß i c h die Sorge verstehe, wir würden
uns auf technologische Vorrichtungen verlassen, um t i e f s i t z e n d e
sche und ideologische K o n f l i k t e

zu lösen. N a t ü r l i c h

wird der

politiKonflikt

zwischen demokratischen und t o t a l i t ä r e n Staaten und die damit verbundene
Sicherheitsbedrohung nicht mit wirksamer strategischer Verteidigung
- 9 -

ver-

�Verteidigung

verschwinden.

durch Aggressoren

nicht

Strategische
verhindern

-

Verteidigung
aber

sie

kann einen

kann

den

Krieg

furchtbaren

Schrecken eines Nuklearkrieges verhüten, der das Ende der Menschheit bedeuten würde.
Es g i b t eine andere, meiner Meinung nach noch größere Gefahr: die Gef a h r , daß wir zurückschrecken vor technologischen Chancen, w e i l uns der
Mut f e h l t , uns den damit verbundenen Veränderungen anzupassen.
Es wäre höchste I r o n i e , wenn i c h hierher käme i n die Bundesrepublik
Deutschland und herabsetze, was E r f i n d e r g e i s t , harte A r b e i t und die Vors t e l l u n g einer besseren Zukunft erreichen können. Kann es wahr s e i n , daß
wir die Fähigkeit und den Mut verloren haben, unsere

Welt zu erneuern?

Sie haben i n einer Generation eine neue Welt geschaffen und Sie werden
e i n unermeßlich wertvolles Vermächtnis von F r e i h e i t

und Zukunftschancen

an Ihre Kinder weitergeben.
Wird dieses Vermächtnis bezahlt oder verschwendet werden? Die nächste
Generation wird das f ü r s i c h selbst zu entscheiden haben. Wenn i c h mir
die F r e i h e i t
viel

herausnehmen d a r f , Goethe noch einmal zu z i t i e r e n , so

ist

Wahrheit i n seiner berühmten Warnung, daß "nur der seine F r e i h e i t

und sein Leben v e r d i e n t , der sie t ä g l i c h neu e r o b e r t " . I n 35 Jahren i h r e s
Bestehens d u r f t e die NATO i n i h r e r Wachsamkeit nicht nachlassen. Man kann
sich durchaus f r a g e n , wie lange diese Last noch getragen werden kann.
Andererseits - und dies mag e i n persönliches V o r u r t e i l sein - denke
i c h n i c h t , daß 35 Jahre a l l z u a l t

sind. Mehr noch, i c h glaube, daß die

SDI uns eine besondere, i n der Tat einmalige Chance g i b t , an die nächste
Generation der NATO nicht nur Verantwortung, sondern auch l-bffnung
terzugeben: die

Hoffnung, daß der Friede e r h a l t e n werden kann -

durch die Drohung nuklearer Zerstörung, sondern durch eine

starke

weinicht
Ver-

t e i d i g u n g , die nicht nur abschrecken, sondern auch den schlimmsten a l l e r
A n g r i f f e überwinden kann.
Dieses
sollten

Ziel

mag einigen

niemand eine

weit

begeisternde

entfernt

sein,

aber

Schwierigkeiten

Vision verdunkeln. Noch s o l l t e n Un-

- 10 -

�s o l l t e n Unsicherheiten unsere Suche behindern, um diese V i s i o n f ü r

die

ganze Menschheit zu v e r w i r k l i c h e n . Ich b i n absolut überzeugt, daß es getan werden kann. Ich weiß, daß es getan werden muß.

Ich danke Ihnen sehr

ENDE DES TEXTES

- 11 -

�13. Februar 1*05

SOWJETISCHE VERLETZUNGEN VON FOSTUNÜSKONTROLLABKCMMLN
- Bericht des Präsidenten an den Kongreß -

Washington -(AD)- In einem am 1. Februar l*ö5 vom Weisen Haus veröffentlichten Bericht an den Kongreß bezichtigt Präsident Reagan die Sowjets der Verletzung verschiedener Rüstungskontrollabkommen. Wir geben im
Folgenden den Text des Berichts und das Begleitschreiben des Präsidenten
wieder. Letzteres hat folgenden Wortlaut:

An den KongraJ der Vereinigten Staaten:

Im Verlaufe des Jahres 1984 habe ich aem Kongreß auf dessen Ersucnen
hin zwei Berichte über aie Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen zuyeleitet. Bei dem ersten, der dem Kongreß im Januar übermittelt wurde, handelte es sich um eine eingehende Analyse von sieben speziellen Fragenkomplexen, bei denen es um eindeutige oder wahrscheinliche sowjetische verstoße gegen Abmachungen und Verpflichtungen im Rahmen von Rüstungskontrollabkommen ging. Bei dem zweiten, dem Kongreß im Oktober zugegangenen
Bericht handelte es sich um eine Beraterstudie, die der Allgemeine Beratung sausschuß für Rüstungskontrolle und Abrüstung in eigener Verantwor-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eigener Verantwortung e r s t e l l t h a t t e . Diesen Berichten zufolge besteht im
Hinblick

auf die Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen durch die So-

wjets Anlaß zu ernster Sorge.
Im Bewilligungsgesetz

für

den Verteidigungsetat

des

Haushaltsjahres

1985 und im Bericht des Vermittlungsausschusses über dieses besetz
derte der Kongreß weitere ö f f e n t l i c h

zugängliche

wie auch

for-

vertrauliche

Informationen über eine große Spannbreite von Fragen bezüglich der E i n haltung

von Verpflichtungen im Bereich oer Rüstungskontrolle

Sowjetunion.

Die Administration

entspricht

durch die

diesem Ersuchen,

indem

sie

weitere Berichte v o r l e g t , die t e i l s v e r t r a u l i c h s i n d , t e i l s aber auch der
Öffentlichkeit

zugänglich gemacht werden können. Diese Berichte

bringen

die Erörterung der sieben Fragenkomplexe, die b e r e i t s im ersten Bericht
vom Januar 1984 behandelt wurden, auf den jüngsten Stand und untersuchen
darüberhinaus eine Reihe weiterer Fragen.

I n dem vorliegenden, der Ö f f e n t l i c h k e i t
tigt

zugänglichen Bericht

bestä-

die Regierung der Vereinigten Staaten die bereits i n ihrem Bericht

vom Januar 1984 enthaltenen Schlußfolgerungen, daß die UdSSR gegen die
Schiuliakte von H e l s i n k i , das Genfer P r o t o k o l l über Lnemische Waffen, die
Konvention über Biologische und Toxische Waffen sowie gegen die Bestimmungen des SALT-Il-Vertrags über die Verscnlusselung telemetriscner Daten
und

Modernisierungsmaßnahmen

(ICBMs)

im

Bereich

der

Interkontinentalraketen

verstoßen nat. Die Regierung aer Vereinigten Staaten

außerdem i h r e

bestätigt

früheren Schlußfolgerungen, daß die UdSSR wahrscheinlich

gegen das im SALT-il-Vertrag

ausgesprochene Verbot der A u f s t e l l u n g

von

Raketen des Typs SS-16 und gegen die Bestimmungen des Schwellenvertrags
bezüglich der Begrenzung der Sprengkraft der bei Kernwaffentests verwandten Ladungen verstoßen hat.

Ferner

ist

die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten zu dem Schluß gelangt, daß die UdSSR (.durch die A r t der A u f s t e l lung und Ausrichtung der Radaranlage bei Krasnojarsk
technische Beschaffenheit)

den ABM-Vertrag v e r l e t z t

sowie durch deren
h a t , daß sie gegen

den Begrenzten Teststopvertrag verstoßen h a t , daß sie gegen die Bestimmungen des SALT-II-Vertrags

verstoßen h a t , die die Einführung

von mehr

a l s einem Typ von neuen I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e n untersagen, ^ind daß sie
wahrscheinlich

die

Beschränkungen

mioachtet

- 2 -

hat,

die

der

ABM-Vertrag

�der ABM-Vertrag uezüglicn der gemeinsamen crprobung von Komponenten von
Flugabwehr- und Raketenabwehrsystemen ( A n t i - B a l l i s t i c M i s s i l e
Systemen) e n t h ä l t .

bzw. ABM-

Wir sind w e i t e r h i n zu dem Schluß gekommen, dao

die

Sachlage bezüglich der Einhaltung der Bestimmungen des ABM-Vertrags über
die M o o i l i t ä t

von Komponenten von AEM-Systemen mehrdeutig i s t .

Außerdem

i s t die Regierung der Vereinigten Staaten besorgt über die i n der Sowjetunion laufenden Vorbereitungen f ü r die Errichtung eines nicht

zulässigen

landesweiten ABM-Systems. Ferner sind wir zu der Auffassung g e l a n g t , daü
die UdSSR sich zur Z e i t entsprechend den Bestimmungen des S n L T - I - l n t e rimsabkommens und seiner Ausführungsbestimmungen v e r h ä l t ,
die Nutzung aufgelöster

die

sich

auf

ilBM-Stellungen zu anderen Zwecken una auf

den

Umbau von Unterseebooten, deren u r s p r ü n g l i c h e , aus b a l l i s t i s c h e n Raketen
bestehende Bewaffnung e n t f e r n t wurde, beziehen.
Über die Fragen hinaus, die i n dem heute f ü r die Ö f f e n t l i c h k e i t

frei-

gegebenen Bericht behandelt werden, g i b t es noch weitere Frdyen aer Vert r a g s t r e u e , die wir

zum gegenwärtigen Zeitpunkt

aber weiter prüfen werden, im Verlaufe

nicht

veröffentliehen,

der weiteren Bearbeitung

dieser

Fragen werden wir den Kongraö im einzelnen u n t e r r i c h t e n und konsultieren
und d i e Ö f f e n t l i c h k e i t

so weit wie möglich über unsere Erkenntnisse auf

dem laufenden h a l t e n .
Wenn Rüstungskontrolle etwas bedeuten und i n glaubwürdiger

Weise zur

nationalen Sicherheit und S t a b i l i t ä t auf der Welt insgesamt wie auch i n
einzelnen Regionen beitragen s o l l , dann i s t es wesentlich, daiö a l l e S i g natarstaaten eines Abkommens seine Bedingungen i n vollem Umfang e r f ü l l e n .
Die

strikte

Einhaltung

aller

Bestimmungen von

Rüstungskontrollabkommen

ist

von grundlegender Bedeutung, und diese Administration

wird

hieran

keine Abstriche zulassen, denn dies würde den Rüstungskontrollprozeü untergraben und wäre den Aussichten auf die Errichtung k o n s t r u k t i v e r e r

so-

wjetisch-amerikanischer Beziehungen a b t r ä g l i c n .

Wie i c h im Januar dieses Jahres e r k l ä r t e , i s t die mangelnde Vertragstreue der Sowjets eine ernste Angelegenheit. Dies s t e l l t den Nutzen der
Rüstungskontrolle f ü r die Sicherheit i n wichtigen Bereichen i n Frage und
könnte neue S i c h e r n e i t s r i s i k e n heraufbeschwören. Ferner untergräbt
- 3 -

dies

�untergräbt dies das Vertrauen, das für einen künftigen effektiven Rüstungskontrollpro^aö wesentlich ist. Was die in dem Bericht vom Januar
1984 untersuchten Fragen anbelangt, so hat die Sowjetunion bislang nicht
mit befriedigenden Erklärungen aufgewartet oder ihr Verhalten in einer
Weise korrigiert, die geeignet wäre, unsere Besorgnis zu mildern. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat diese Fragen der Vertragstreue gegenüber der Sowjetunion auf aipiomatischem Wege nachdrücklich zur Sprache
gebracht und wird dies auch weiterhin tun.

Was wir erreichen wollen, indem wir uns mit der Sowjetunion üuer diese Fragen auseinandersetzen, ist eine Erfüllung vertraglicher Absprachen
und Verpflichtungen nach Geist und Buchstabe. Zu diesem Zweck untersucnt
die Administration weitere Fälle der möglichen Nichteinhaltung von Verträgen, bemüht sie sich, wie bereits erwähnt, auf diplomatischem Wege aie
Sowjetunion zu Erläuterungen, Erklärungen und, soweit notwendig, Verhaltenskorrekturen zu bewegen, unterrichtet sie den Kongreß und berücksichtigt sie im Rahmen unserer Rüstungsmodernisierungspläne die Auswirkungen,
die die Verletzung von Rüstungskontrollabkommen auf die Sicherheit haben
kann. Gleichzeitig halten sich die Vereinigten Staaten auch weiterhin an
die Verpflichtungen und Abmachungen, aie sie im Rahmen entsprechender Abkommen eingegangen sind. Worum es uns bei den neuen, im März beginnenden
Verhandlungen geht, ist, dem Verfall des ABM-Vertrays Einhalt zu gebieten
und faire, wirksam verifizierbare Rüstungskontrollabkommen zu erzielen,
die zu einer wirklichen Verrninaerung der bestenenden Waffen und zu menr
Stabilität führen. All dies kann zwar hilfreich sein, aber von grundlegender Bedeutung ist, daß aie Sowjetunion im Hinblick auf die volle Erfüllung aller Abmachungen und Verpflichtungen im Bereich aer Rüstungskontrolle eine konstruktive Haltung einnimmt.

Sowohl die Administration als auch der Kongreß sind daran interessiert , den Rüstungskontrollprozad voranzubringen. Aus diesem Grunae würden ein besserer Kenntnisstand über tatsächliche oder

wahrscheinliche

Vertragsverletzungen durch die Sowjets und die Gewißheit, daj der Kongreß
die Bedeutung von Vertragstreue für eine wirksame Rüstungskontrolle eindeutig bejaht, sowohl für unsere Anstrengungen bei den neuen Verhandlungen als auch im Hinblick auf unsere Bemühungen, die Sowjets zu Vernal- 4 -

�tenskorrekturen zu bewegen, von Nutzen s e i n .
Während wir uns im Hinblick auf die Lösung der Probleme der E i n h a l tung von Verträgen wie auch bei den Verhandlungen über solide Rüstungskontrollabkommen um F o r t s c h r i t t e

bemühen, sehe i c h der Fortführung

der

engen Eirvernanme mit aem Kongr&amp;J mit Gerugtuung entgegen.
Hochachtungsvoll
gez.: Ronald Reagan
(Ende des Textes des Begleitschreibens)
*
Der Text des Berichts des Präsidenten an den Kongreß hat

folgenden

Wortlaut:
NICHTEINHALTUNG VUN RÜSTUNUSKUNThOn_AiJKCMMEN UüKuH DIE SUhJLTS

Einleitung

im Januar l^d4

legte der Präsident dem Kongreß auf dessen ersuchen

h i n einen Bericht über eine Reihe von Fällen von tatsächlichen oder wahrscheinlichen sowjetischen Verstößen gegen bestenende

Rüstungskontrollab-

kommen vor. Zu den Abkommen, um die es dabei g i n g , zählten u . a . : das Genf e r P r o t o k o l l über Chemiscne Waffen, die Konvention über Biologiscne und
Toxische

Waffen,

die

Schlußakte

von

Helsinki,

der

ABM-Vertrag,

der

SALT-II-Vertrag und der Schwellenvertrag.
I n dem Bericht s t e l l t e der Präsident f e s t :
"Wenn das Konzept der Rüstungskontrolle etwas bedeuten und i n glaubwürdiger Weise zur S t a b i l i t ä t auf der Welt insgesamt wie auch i n e i n z e l nen Regionen beitragen s o l l , dann i s t es wesentlich, daJ a l l e

Signatar-

staaten eines Abkommens sich an seine Bedingungen h a l t e n . Gerade weil i c h
an echter Rüstungskontrolle i n t e r e s s i e r t

b i n , fühle i c n mien v e r p f l i c h -

t e t , s i c h e r z u s t e l l e n , daii die bestehenden Abkommen eingehalten werden."
Der Präsident

�Der Präsident bemerkte weiterhin:
"Die mangelnde Vertragstreue der Sowjets ist eine ernste Angelegenheit. Sie stellt den Nutzen der Rüstungskontrolle für die Sicherheit in
wichtigen Bereichen in Frage und könnte neue SicherneitsrisiKen heraufbeschwören. Ferner untergräbt sie das Vertrauen, das für einen künftigen
effektiven Rüstungskontrollprozei wesentlich ist, menrt Zweifel an der
Verläßlichkeit der UdSSR als Verhandlungspartner und ist daher den Aussichten auf die Errichtung konstruktiverer sowjetisch-amerikanischer Beziehungen abträglich."

Der vorliegende, für die Öffentlichkeit zugängliche Bericnt bringt
die Informationen zu den in dem früheren Bericht behandelten sieben Themenkomplexen auf den jüngsten Stana und stellt darüberhinaus sechs weitere , mit der Einhaltung von Verträgen in Zusammenhang stenende Komplexe
vor, die seit Abschluß des Berichts vom Januar 19ö4 eingehend untersucht
worden sind; d.h. , der vorliegende Bericht ist insgesamt 13 Fragenkomplexen gewidmet. Bei den sechs neuen Themenkreisen geht es um die Beachtung
der Bestimmungen des SALT-I-Interimsvertrags, des Begrenzten Teststopvertrags und des ABM-Vertrags durch die Sowjets.

- Was den SALT-I-Interimsvertrag angeht, so untersucht der vorliegende
Bericht die bestenende Sachlage unter zwei Aspekten: 1. ob die UOSSR
die verbleibenden Einrichtungen von aufgelösten, enemaligen ICBMStellungen in unzulässiger Art und Weise genutzt hat; z. ob die UdSSR
Unterseeboote, deren ursprüngliche, aus ballistischen Raketen bestehende Bewaffnung entfernt worden ist, in einer heise umgebaut nat,
die nach den Bestimmungen des Vertrags oder des dazugehörigen Protokolls untersagt ist.

- Was den Begrenzten Teststopvertrag angeht, so untersucht der vorliegende Bericht, ob die UdSSR unter Verletzung der Bestimmungen dieses
Vertrages Dei unterirdischen Kernwaffentests nukleare Rückstände über
die Grenzen ihres Hoheitsgebiets hinaus hat entweichen lassen.
- Was den

�- Was den ABM-Vertrag angeht, so untersucht der vorliegende B e r i c h t , ob
die UdSSR Komponenten von ABM- und Flugabwehrsystemen gemeinsam e r probt

h a t , mobile Komponenten von adM-Systemen e n t w i c k e l t ,

erprobt

oder a u f g e s t e l l t hat und/oder die Grundlagen für eine landesweite Raketenabwehr geschaffen hat.
I n dem vorlieyenaen Bericht

bestätigt

die Regierung der

Vereinigten

Staaten die b e r e i t s i n ihrem Bericht vom Januar 1984 enthaltenen Schlußfolgerungen, daß die UdSSR gegen die Schlußakte von H e l s i n k i , das genfer
P r o t o k o l l über Chemische Waffen, die Konvention über Biologische und Toxische Waffen sowie gegen die Bestimmungen des SALT-Ix-Vertrags über die
Verschlüsselung telemetrischer Daten und Modernisierungsmaßnahmen im Ber e i c h der I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e n (ILBM) verstoßen hat. Die Regierung der
Vereinigten Staaten b e s t ä t i g t

außerdem i h r e

früheren Schlußfolgerungen,

daß die UdSSR wahrscheinlich gegen das im SALT-II-Vertrag

ausgesprochene

Verbot der Aufstellung von Raketen des Typs SS-16 und gegen die Bestimmungen des Schwellenvertrags

bezüglich der Begrenzung der

Ladungsstärke

bei Kernwaffentests verstoßen hat. Ferner i s t die Regierung der Vereinigten Staaten zu dem SchluJ gelangt, daj die UdSSR durcn die A r t der Aufs t e l l u n g und Ausrichtung der Radaranlage bei Krasnojarsk sowie durcn deren technische Beschaffenheit den MB-1-Vertrag v e r l e t z t n a t , da*J sie gegen
den Begrenzten Teststopvertrag verstoßen h a t , daß sie durch die Erprobung
von zwei neuen ILOM-Typen, der SS-X-^5 und dei Sb-X-/4, gegen die Bestimmungen des SALT-II-Vertrags über "neue Typen" verstoßen h a t , die

jeder

Seite nur einen neuen Typ zugestehen, und daß sie wahrscheinlich das Verbot der gemeinsamen Erprobung von Komponenten von Flugabwehr-

und ABM-

Systemen mißachtet hat. Weiterhin legen die Unternenmungen der Sowjetunion im Bereich der ABM-Systeme und i n damit

zusammenhängenden Bereichen

den Verdacnt nahe, daß die UdSSR die Errichtung eines landesweiten ABMSystems v o r b e r e i t e t .

Wir sind w e i t e r h i n zu dem Schluß gekommen, daß die

Sachlage bezüglich der Einnaltung der Bestimmungen des AB-1-Vertrays über
die M o b i l i t ä t

vor. Komponenten von ABM-Systemen mehrdeutig i s t ,

die UdSSR andererseits aber zur Z e i t

daß sich

entsprechend den Bestimmungen aes

SALT-I-Interimsabkommens und seiner Ausführungsbestimmungen v e r h ä l t ,

die

sich auf die Nutzung aufgelöster ILBM-Stellungen zu anderen&gt;Zwecken und
auf den Umbau von Unterseebooten, deren ursprüngliche, aus b a l l i s t i s c h e n
- 7 -

�aus ballistischen Raketen bestehende Bewaffnung entfernt wurde, beziehen.
Über die Fragen hinaus, die in dem heute für die Öffentlichkeit freigegebenen Bericht behandelt werden, untersuchen wir momentan noch weitere
Fragen der Vertragstreue, die wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht veröffentlichen könren. Wir beabsichtigen jedoch, den Kongreß vertraulich
und in naher Zukunft hierüber zu unterrichten.

Im Mittelpunkt der Untersucnung der Fragen, die in dem vorliegenden,
der Öffentlichkeit zugänglichen, und in dem noch zu erstellenden vertraulichen Bericht behandelt werden, steht die Nichteinhaltung von Verträgen
durch die Sowjets. Bestimmungen der behandelten Verträge, bezüglich derer
die Vertragstreue der Sowjets nicht in Frage steht, sind daher in dem
vorliegenden Bericht nicht abgehandelt; gleiches gilt für eine Reihe anderer Verträge, z.B.

für den Antarktisvertrag, den Vertrag über die

friedliche Nutzung des Weltraums, den Nonproliferationsvertrag, den Vertrag über das Verbot der Stationierung von Massenvernichtungsmitteln auf
dem Meeresboden, die Konvention gegen Eingriffe in die Umwelt und andere.

Die Fragen, die wir untersucht haben, geben Anlaü zu senr ernster
Sorge. Wenn die Rüstungskontrolle etwas bedeuten und in glaubwürdiger
Weise zur nationalen Sicherheit und Stabilität auf der Welt insgesamt wie
auch in einzelnen Regionen beitragen soll, dann ist es wesentlich, daii
alle Signatarstaaten eines Abkommens seine Bedingungen in vollem Umfang
erfüllen; dies ist die feste Auffassung der Regierung der Vereinigten
Staaten. Die strikte tinhaltung aller Bestimmungen von Rüstungskontrollabkommen ist von grundlegender Bedeutung, und die Regierung der Vereinigten Staaten wird hieran keine Abstriche zulassen, denn dies würde den Rüstungskontrollprozed untergraben und wäre den Aussicnten auf die Errichtung konstruktiverer sowjetisch-amerikanischer Beziehungen abträglich.

üie Ergebnisse

�Die Ergebnisse

Die_ Konvention über Biologische

und_ Toxische

Waffen und

das uenfer

Protokoll von 1925

1. Chemische, biologische und toxische Waffen

- Vertragslage: Die Konvention über Biologische und Toxische Waffen von
1972 und das Genfer Protokoll von 1525 sind multilaterale Verträge,
zu deren Signatarstaaten sowohl die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion zählen. Sowjetische handlungen, die mit diesen Verträgen
und den herkömmlichen völkerrechtlichen Bestimmungen in Zusammenhang
mit dem Genfer Protokoll von 1925 nicht in Linklang stehen, bilden
Verletzungen rechtlicher Verpflichtungen.

- Verpflichtungen: Die Konvention über Biologische und Toxische Waffen
verbietet die Entwicklung, Herstellung und Lagerung sowie den Besitz
und die

Weitergabe

von mikrobiotischen oaer

anderen

uiologischen

Stoffen und Toxinen; für kleine Mengen, die zu prophylaktischen,
Schutz- und

sonstigen friedlicnen Zwecken benötigt werden, gelten

Ausnahmen. Der Vertrag verbietet auch Waffen, Gerät und Trägermittel
für den Einsatz solcher Stoffe und Toxine, uas Genfer Protokoll von
1925 und die damit zusammenhängenden Bestimmungen des herkömmlichen
Völkerrechts

verbieten

den

kriegerischen

ersteinsatz

von erstik-

kungs-, Gift- und anderen Gasen und von allen entsprechenden Flüssigkeiten, Stoffen und hilfsmitteln; verboten sind ferner alle Methoden
der bakteriologischen Kriegführung.

- Fragen: In dem Bericht über die Einhaltung von Verträgen vom Januar
1984 ging es darum, ob die Sowjets die Bestimmungen, die die Entwicklung und Herstellung sowie den Besitz, die Weitergabe und den Einsatz
von biologischen und toxischen Waffen verbieten, verletzen. Die Einhaltung dieser Bestimmungen durch die Sowjets wurde für den vorliegenden Bericht einer erneuten Überprüfung unterzogen.

- Ergebnisse: Die Regierung der vereinigten Staaten ist der Auffassung,
- 9 -

�der Auffassung, daß die im Janre i9ö4 gesammelten Erkenntnisse die
Schlußfolgerung des Berichts vom Januar 1984 Destätigen und untermauern. Sie besagte, daJ die Sowjetunion unter Verletzung inrer rechtlichen Verpflichtungen gemäß der Konvention über Biologische und Toxische Waffen von 1972 ein Entwicklungsprogramm zur offensiven biologischen Kriegführung aufrechterhält und über entsprechende Einsatzmö'glichkeiten verfügt.

Aus dem Janre 1984 liegen zwar keine bestätigten Informationen über
den Einsatz chemischer und toxischer Waffen in Kambodscha, Laos oder
Afghanistan vor, aoer es besteht dennoch keine Veranlassung zur Korrektur der Schlußfolgerung vom Januar 1984, daß die Sdwjetunion an
der Herstellung, der Weitergabe und der Verwendung von trichothizinischen Mykotoxinen zu kriegerischen Zwecken in Laos, Kambodscha und
Afgnanistan beteiligt war und somit inre völkerrechtlichen Verpflichtungen gemäß dem Genfer Protokoll von 1925 und der Konvention über
Biologische und Toxische Waffen von 1972 verletzt hat.

Der Begrenzte Teststopvertrag

2. Entweichen von Rückständen oei unterirdischen Kernwaffenversuchen

- Vertragslage: Der Vertrag über ein Verbot von Kernwaffentests in der
Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (auch Begrenzter Teststopvertrag genannt) ist ein multilateraler Vertrag, der von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Jahre lb6J&gt; in Kraft gesetzt
wurde. Sowjetische Unternehmungen, die nicht im Einklang mit diesem
Vertrag stehen, bilden Verletzungen rechtlicher Verpflichtungen.

- Verpflichtungen: Der Begrenzte Teststopvertrag verbietet insbesondere
Kernwaffenexpiosionen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser. Er verbietet auch andersgeartete Kernwaffenexplosionen, "falls
eine solche Explosion bewirkt, daß radioaktive Rückstände außerhalb
der territdrialen Grenzen des Staates auftreten, unter dessen Jurisdiktion oder Kontrolle eine aerartige Explosion ausgeführt wird."
- Fragen: Die
- 10 -

�- Fragen: Die Vereinigten Staaten haben geprüft, ob die unterirdischen
Kernwaffenversuche der UdSSR bewirkt haben, daiö radioaktive Rückstände außerhalb ihrer territorialen Grenzen aufgetreten sind.

- Ergebnisse: Die Regierung der Vereinigten Staaten ist zu dem SchluiJ
gekommen, dai die unterirdischen Kernwaffentestverfahren der Sowjetunion dazu geführt haben, daiö radioaktive Materie entweichen konnte
bzw. bewirkt haben, dai radioaktive Materie außerhalb der territorialen Grenzen der Sowjetunion aufgetreten ist, und daö insofern eine
Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen der Sowjetunion nach den
Bestimmungen des Begrenzten Teststopvertrags vorliegt. Die Sowjetunion h?t es ungeachtet amerikanischer Aufforderungen zur Abhilfe versäumt, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um eine Verseuchung der menschlichen Umwelt durch radioaktive Substanzen so gering
wie möglich zu halten.

Der Schwellenvertrag

3. Kernwaffentests und die 150-Kilotonnen-urenze

- Vertragslage: Der Schwellenvertrag wurde im Jahre 1974 unterzeichnet.
Der Vertrag ist nicht ratifiziert worden, aber andererseits hat aucn
keiner der beteiligten Staaten zu verstehen gegeben, daü er die Absicht, ihn zu ratifizieren, grundsätzlich aufgegeben habe, uaner sind
nach geltendem Völkerrecht beide Seiten verpflichtet, sich jeglicher
Handlung zu enthalten, die dem Ziel und Zweck des bchwellenvertragb
zuwiderlaufen würde. Unternehmungen der Sowjetunion, die dem Ziel und
Zweck des Schwellenvertrags zuwiderlaufen, stellen somit Verletzungen
ihrer rechtlichen Verpflichtungen dar. Die Vereinigten Staaten bemühen .c.ich, für den Vertrag bessere VerifizierungsmaJnahmen auszuhandeln. Beide Parteien haben unabhängig voneinander erklärt, datf sie
die in dem Vertrag festgelegte Schwelle von 15u Kilotonnen Sprengkraft bei Kernwaffentests beachten werden.
- Verpflichtungen: Der Vertrag verbietet mit Wirkung vom ßl.
unterirdische

Kernwaffentests

März 197b

mit einer Sprengkraft von mehr als

- 11 -

�mehr als li&gt;U Kilotonren an jedem beliebigen Ort unter der Jurisdiktion oder Kontrolle der Vertragsparteien, in Anbetracht der technischen Unsicherheiten in Zusammennang mit der Bestimmung der genauen
Sprengkraft der bei Kernwaffentests zur Explosion gebrachten Ladungen
kamen die Vertragsparteien überein, daß ein oder zwei geringfügige
und unabsichtliche Überschreitungen pro Jahr nicht als Vertragsverletzungen gelten sollten.

- Fragen: Der Bericht vom Januar 1984 untersuchte, ob die Sowjets Kernwaffentests mit größerer Sprengkraft als 15U Kilotonnen durchgeführt
haben. Die Frage wurde für den vorliegenden Bericht erneut untersucht.

- Ergebnisse: Die

Regierung

der

Vereinigten Staaten

kommt

zu dem

Schluß, daß Mehrdeutigkeiten uezüglich der sowjetischen Testverfahren
und Unsicherheiten bei der Verifizierung zwar auch 1984 bestanden haben, daü die während des Jahres verfügbaren hinweise aber nichtsoestoweniger die Ergebnisse des Berichts vom Januar 1984 bestätigen,
die besagten, daß die Art und Weise, in aer die Sowjets bei einer
Reihe von Tests vorgingen, wahrscheinlich Verletzungen der rechtlichen Verpflichtungen gemäiß dem Schwellenvertray von 1974 darstellen,
nach dem unterirdische Kernwaffentests mit einer Sprengkraft von mehr
als J50 Kilotonnen untersagt sind. Ungeachtet amerikaniscner Aufforderungen, Abhilfe zu schaffen, setzen die Sowjets ihre diesbezüglichen Unternehmungen fort.

Die Schlußakte von Helsinki
4. Die Vorankündigung militärischer Manöver yemäiß der Schlußakte von Helsinki

- Rechtliche Lage: Die Schlußakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurde im Jahre 1975 in Helsinki unterzeichnet.
Dieses Dokument stellt eine politische Verpflichtung dar und wurde
von den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und vielen anderen Staaten unterzeichnet. Sowjetische Handlungen, die mit diese Dokument
nicht in Einklang stehen, sind Verletzungen einer politischen Ver-

�politischen Verpflichtung.

- Verpflichtungen: Alle Signatarstaaten der Schlußakte

von Helsinki

sind verpflichtet, militärische uroßübungen, d.h., solche, an denen
Truppen in Stärke von mehr als 2b Uuu Mann beteiligt sind, vorab anzukündigen und damit in Zusammenhang stehende Einzelheiten mitzuteilen.

- Fragen: In dem Bericht über die Einhaltung von Verträgen vom Januar
1984 wurde untersucht, ob die Vorankündigung des sowjetischen Manövers ZAPAD öl unzureichend war und daher eine Verletzung der politischen Verpflichtungen der Sowjetunion gemäß der Schlußakte von Helsinki darstellt. Für aen vorliegenden Bericht wurde die Einhaltung
der Verpflichtung zur Vorankündigung durch die Sowjetunion einer erneuten "Überprüfung unterzogen.
- Ergebnisse: Die Regierung der Vereinigten Staaten war bereits zuvor
zu dem Schluß gekommen, daß die Sowjetunion ihre politische Verpflichtung zur Vorankündigung von Manövern gemäß den Bestimmungen von
Korb 1 der Schlußakte von Helsinki verletzt habe. Diese Bestimmungen
fordern eine Vorankündigung und aie Bekanntgabe weiterer Informationen von bzw. über Manöver, an denen Bodentruppen in Stärke von mehr
als 2b ÜUU Mann beteiligt sind, im Jahre lböl, d.h., zu einer Zeit,
als Polen in erheblichem Maße unter Druck gesetzt wurde, führte der
Warschauer Pakt unter der Bezeichnung ZAPAD 81 ein Großmanöver durch,
bei dem die Truppenobergrenze von 25 Ouu Mann überschritten wurde,
ohne daö die Sowjetunion die erforderliche Vorankünuigung vorgenommen
oder die übrigen Informationen übermittelt hätte. Die Schlußfolgerung, daß die Sowjetunion ihrer Verpflichtung zur Vorankündigung von
Manövern gemäü der Schlußakte von Helsinki nicht nachgekommen ist,
bestätigt sich daher.

Die UdSSR und die Staaten des Warschauer Pakts handhaben die in der
Schlußakte festgelegten Vertrauensbildenden Maßnahmen zwar grundsätzlich so, daß sie möglichst wenige Informationen übermitteln, aber die
Einhaltung

der Bestimmungen über
- 13 -

die

Vorankündigung

von Manövern

�von Manövern aurch die Sowjetunion

verbesserte

sich

im Janre 198.5

d e u t l i c h . 1984 kehrte die UdSSR jedoch zu einer r e s t r i k t i v e n

haltung

zurück und l i e f e r t e nur noch das gemäwi der SchluJaKte geforderte absolute Minimum an Informationen.
Das SALT-I-lnterimsabkommen
- Vertiagslage:

Das SALT-i-Interimsabkommen

trat

für

die

Vereinigten

Staaten und die Sowjetunion im Jahre 1972 i n K r a f t . Der i n E r f ü l l u n g
des

Interimsabkommens

vorzunehmende

Waffenabbau

wurde

schlossen. Das Interimsabkommen war an s i c h nur
g ü l t i g und l i e f

1*74

zeitlich

abge-

begrenzt

als r e c h t l i c h verbindliches Dokument im Jahre 1977

aus. Die Anwendbarkeit des Interimsabkommen auf das Verhalten beider
Parteien wurde jedoch von diesen durch eine Reine b e i d e r s e i t i g e r pol i t i s c h e r Verpflichtungen v e r l ä n g e r t , so u.a. durch die Erklärung des
amerikanischen Präsidenten
Staaten

sich

solange,

vom &gt; 1 , Mai

wie

die

196/:, daü

Sowjetunion

in

die

Vereinigten

gleicher

Weise

Zurückhaltung übe, a l l e r Handlungen enthalten würden, die bestenenaen
Abkommen über strategische
uns

mitgeteilt,

daö

sie

Waffen z u w i d e r l i e f e n .

Die Sowjets

am SALT-l-Interimsabkommen

SALT-II-Abkommen f e s t h a l t e n werden. A l l e

wie

haben

auch am

Handlungen der UdSSR, die

mit dieser Verpflichtung nicht i n Einklang stehen, b i l d e n Verletzungen i h r e r p o l i t i s c h e n Verpflichtungen gemäii dem Interimsabkommen und
seiner Durchführurgsbestimmungen.
Für den vorliegenden Bericht wurden zwei Kragen untersucht: Sowjetische A k t i v i t ä t e n i n aufgelösten ICBM-Stellungen und der Umbau eines
strategischen Raketen-U-Boots der YANKEE-Klasse.
5.

Die

Einrichtung

von Stellungen

für

mobile

Raketen

in

aufgelösten

Stellungen f ü r 1LBM vom Typ SS-7
- Verpflichtungen: Das SAuT-i-Interimsabkommen und seine Ausfüniungsbestimmungen untersagen den Vertragsparteien die Nutzung der i n aufgel ö s t e n oder

b e s e i t i g t e n iU~M-Stellungen

zur Lagerung, zur

Wartung oder

verbieibenaen

zum Abschuß

- 14 -

von ILBM.

Einrichtungen
Sowjetische

�ILBM. Sowjetische Handlungen, die mit dieser Verpflichtung nicht in
Linklang stehen, bilden Verletzungen von politischen Verpflichtungen
gemäi dem Interimsabkommen und seiner Durchführungsbestimmungen.
- Fragen: Die Vereinigten Staaten haben geprüft, ob die UdSSR ehemalige
ICBM-Stellungen in einer Art und Weise genutzt hat, die nicht im Linklang mit ihren politischen Verpflichtungen gemäö dem Interimsabkommen und seiner Durchführungsbestimmungen stent.

- Ergebnisse: Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

kommt

zu dem

Schluii, da:3 die sowjetischen Aktivitäten, die augenscneinlich mit der
Aufstellung von ICBMs des Typs SS-X-23 in zwei ehemaligen SS-7-Stellungen in Zusammenhang stehen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegen die vereinbarten Durchführungsbestimmungen zum SALT-i-Interimsabkommen verstoßen. Der Fortgang dieser Aktivitäten gibt jedoch AnlaJ
zur Bssorgnis über die Linhaltung dieser Bestimmungen in der Zukunft,
da die Nutzung der in den stillgelegten SS-7-Stellungen "verbleibenden Einrichtungen" zu Arbeiten an ILBMS auf eine Verletzung der sowjetischen Verpflichtungen hinauslaufen würde. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin ein waches Auge auf den Fortgang der Dinge
haben.

6. Umbau von strategischen Raketen-Unterseebooten der YANKLL-Klasse

- Verpflichtungen: Nach dem SALT-I-Interimsabkommen und

seinen Aus-

führungsbestimmungen müssen Unterseeooote, die die in dem Abkommen
festgelegten zahlenmäßigen Begrenzungen überschreiten, entweder abgewrackt oder so umgebaut werden, dai ihre aus ballistischen Raketen
bestehende Bewaffnung wegfällt. Sowjetische Handlungen, die hiermit
nicht in Linklang stenen, bilden Verletzungen politischer Verpflichtungen.

- Fragen: Die Vereinigten Staaten haben geprüft, oo der Umuau eines Unterseebootes in der UdSSR, in dessen Rahmen der Rumpf des Schiffes,
das nunmehr zum Einsatz moderner Langstreckenmarschflugkörper vorgesehen ist, verlängert wurde, im Einklang mit den politischen Ver- 13 -

�p o l i t i s c h e n Verpflichtungen der Sowjetunion gemäö dem interimsaükommen und seinen Ausführungsbestimmungen s t e h t .
- Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

kommt

Schluii, dai der Umbau eines ehemaligen strategischen
seeboots,

in

dessen Rahmen das S c h i f f

mit

zu

dem

Raketen-Unter-

moaernen Langstrecken-

marschflugkörpern ausgerüstet und sein Rumpf verlängert

wurde, zwar

keine Verletzung der p o l i t i s c h e n Verpflichtungen der Sowjetunion gemäd dem Interimsabkommen d a r s t e l l t , daii das Boot i n seinem

jetzigen

Zustand aber eine ebensogrOkie Bedrohung der Sicherheit der V e r e i n i g ten Staaten und i h r e r Verbündeten d a r s t e l l t , wie i n seinem u r s p ü n g l i chen Zustand.
Der SALT-II-Vertrag
- Vertragslage: Der SALT-II-Vertrag wurde im Juni 1979 u n t e r z e i c h n e t ,
b i s heute aber nicht r a t i f i z i e r t . Die Vereinigten Staaten haben die
Sowjetunion im Jahre 15»öl davon u n t e r r i c h t e t , äd,6 sie nicht die a b sieht haben, den SALT-II-Vertrag zu r a t i f i z i e r e n . B i s zu dieser K l ä rung unserer P o s i t i o n im Janre 19bl waren beide Länder nach herkömmlichem Völkerrecht v e r p f l i c h t e t , n i c h t s zu unternehmen, was dem Z i e l
und Zweck des unterzeichneten, aber nicht r a t i f i z i e r t e n Vertrags zuw i d e r l ä u f t . Entsprechende sowjetische Handlungen s t e l l e n eine V e r l e t zung r e c h t l i c h e r

Verpflichtungen

dar,

sofern sie

vor

l&gt;ül

erfolgt

s i n d . S e i t 1981 haben sich die Vereinigten Staaten v e r p f l i c h t e t ,

sich

so l?nge a l l e r Handlungen zu e n t h a l t e n , die dem SAL'f-il-Vertrag zuwid e r l a u f e n , wie die Sowjetunion dies ebenfalls

tut;

die

Vereinigten

Staaten haben s i c h an diese Verpflichtung gehalten. Die Sowjets haben
uns wissen lassen, dad sie ebenfalls an diesen Bestimmungen f e s t h a l ten werden. Sowjetische Handlungen, die damit nicht im Einklang s t e hen, b i l d e n Verletzungen der p o l i t i s c h e n

Verpflichtungen

der UdSSR

nach dem SALT-II-Vertrag.
Der vorliegende, der Ö f f e n t l i c h k e i t

zugängliche Bericht

mit d r e i Aspekten des SALT-il-Vertrags:

der

befait

Verschlüsselung

sich

teleme-

t r i s c h e r Daten, der I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e SS-Wi&gt; und der Aufst~.l- 16 -

�der A u f s t e l l u n g von IL£M vom Typ SS-16.
7. Verschlüsselung der telemetrischen Daten b a l l i s t i s c h e r Raketen
- Verpflichtungen: Die Bestimmungen des SAi_T-ii-Vertrags veroieten vors ä t z l i c h e Verschleierungsmaönahmen, die eine V e r i f i z i e r u n g durch nat i o n a l e technische M i t t e l Dehindern. Der Vertrag erlaubt beiden Part e i e n , sich bei Tests verschiedenen Methoden der Übertragung telemet r i s c h e r Informationen, darunter auch der Verschlüsselung, zu bedienen, v e r b i e t e t

aber

die

vorsätzlicne

Verscnleierung

telemetrischer

Daten, z.B. durch Verschlüsselung, i n F ä l l e n , i n denen aies die V e r i f i z i e r u n g behindert.

- Fragen: Für den Bericht über die Einhaltung von Verträgen vom Januar
1984 wurde untersucht, ob die Sowjetunion b e i Raketentests t e l e m e t r i sche Daten (Funksignale)

i n einer

teise

verschlüsselt

n a t , die

die

V e r i f i z i e r u n g behindert. Die Frage wurde f ü r den vorliegenden Bericht
einer erneuten "Überprüfung unterzogen.
- Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

bestätigt

die

Schlußfolgerungen des Berichts vom Januar l^dA, die besagten, dai die
sowjetischen Verschlüsselungsmethoden eine Verletzung der r e c h t l i c h e n
Verpflichtungen der UdSSR gemäi dem SALT-II-Vertrag

nacn dem Stand

von vor 1981 und eine Verletzung i n r e r

Verpflichtungen

politischen

nach dem Stand s e i t 1982 d a r s t e l l e n . Ungeachtet amerikanischer Forderungen nach A b h i l f e b i l d e t die Verschlüsselung der telemetrischen Daten neuer b a l l i s t i s c h e r

Raketen nach A r t

und Umfang auch

weiternin

e i n B e i s p i e l der vorsätzlichen Behinderung der V e r i f i z i e r u n g der E i n haltung

von Verträgen und oamit eine Verletzung der

entsprechenden

p o l i t i s c h e n Verpflichtungen der UdSSR.
8. Die I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e SS-X-z5
- Verpflichtungen: i n dem Bestreben, dem Aufkommen von immer mehr, immer moderneren und

immer

schlagkräftigeren

InterkontinBntalraketen

Grenzen zu s e t z t e n , gestatten die Bedingungen des

- 17 -

SALT-ii-Vertrags

�des SALT-II-Vertrags jeder Seite "die FlugerproDung und A u f s t e l l u n g "
von nur einem Typ neuer, " l e i c h t e r " ICBM. Nach der D e f i n i t i o n i s t e i n
Raketentyp dann " n e u " , wenn er von einem b e r e i t s existierenaen Typ i n
der Länge, dem größten Durchmesser, dem Startgewicnt und dem l/wrfgewicht um mehr a l s fünf Prozent abweicht oaer sich von inm i n der Anzahl der Stufen oder i n der A r t des Antriebs unterscheidet. Außerdem
kam man ü b e r e i n , daß b e r e i t s existierende iLöM-Typen, die einen Muttergefechtskopf besitzen und nur einen einzigen

Wiederemtrittsflug-

körper t r a g e n , dann weder einer Flugerprobung unterzogen noch aufges t e l l t werden s o l l e n , wenn das Gewicht i h r e s

Wiedereintrittsfluykör-

pers weniger a l s 50 Prozent des Wurfgewichts der betreffenden ICBM
ausmacht. Der Sinn dieser Bestimmung besteht d a r i n , die Möglichkeit
auszuschließen, daß ICBM mit nur einem Gefechtskopf im Schnellverfanren i n Systeme mit Mehrfachgefechtskopf umgewandelt werden können.

- Fragen: Die Sowjets e r k l ä r t e n , daß die SS-X-24 der ihnen zustenende
eine neue ICBM-Typ s e i . Für den B e r i c h t

vom Januar 1^84 wurde ge-

p r ü f t , ob die Sowjets verbotenerweise einen zweiten neuen ILH«1-Typ,
die SS-X-25, erprobt haben, ob der

Wiedereintrittsflugkörper

dieser

Rakete, wenn es sich dabei nicht um einen neuen Typ h a n d e l t , der Bestimmung e n t s p r i c h t , daß b e i b e r e i t s existierenden Raketen mit
einem

Wiedereintrittsflugkörper

das

Gewicht

nur

desselben mindestens

50 Prozent des gesamten Wurfgewichts ausmachen muß, und ob die Verschlüsselung telemetrischer Daten bei der Fluyerproduny

der SS-x-25

die V e r i f i z i e r u n g behindert. Die Vereinigten Staaten haben diese Fragen f ü r den vorliegenden Bericht erneut g e p r ü f t .

- Ergebnisse:
a) Zweiter neuer Typ
Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt zu dem Schluß, dai es
sich bei der SS-X-25 um einen verbotenen zweiten "neuen"

ICBM-Typ

handelt und daß die Tatsache, daß sie z u s ä t z l i c h zur SS-X-24 erprobt
worden i s t , somit eine Verletzung der p o l i t i s c h e n Verpflichtung

der

Sowjetunion zur Einhaltung der Bestimmungen des S A L T - I I - V e r t r a g s über

- 18 -

�SALT-Ii-Vertrags über "neue" Typen d a r s t e l l t . Ungeachtet entsprechender amerikanischer Forderungen wurde keine A b h i l f e geschaffen.
b) Verhältnis des Gewichts des W i e d e r e i n t r i t t s f l u g k ö r p e r s zum Wurfgewicht
Die Regierung der Vereinigten Staaten b e s t ä t i g t die Schlußfolgerungen
des Berichts vom Januar 1984 über das Verhältnis des Gewichts des
W i e d e r e i n t r i t t s f l u g k ö r p e r s der SS-X-Z^ zum Wurfgewicht dieser Rakete.
D . h . , selbst wenn wir das sowjetische Argument, dad es sich b e i der
SS-X-25 nicht um einen verbotenen zweiten neuen ILEM-Typ h a n d e l t , akz e p t i e r t e n , läge immer noch e i n Verstet}

gegen die p o l i t i s e n e

Ver-

p f l i c h t u n g der Sowjetunion v o r , sich an die Bestimmungen des S A L T - I I Vertrags zu h a l t e n , nach denen die Erprobung eines b e r e i t s

existie-

renden IU3&lt;1-Typs dann unzulässig i s t ,

wenn sie

einzigen

Wiedereintrittsflugkörper

dessen

trägt

und

nur einen

Gewicht

weniger

als

5U Prozent des Wurfgewichts der betreffenden ILEM ausmacht.
c) Verschlüsselung
Die Regierung der Vereinigten Staaten b e s t ä t i g t

die i n dem Bericht

vom Januar

bezüglich

1984

getroffenen

Schlußfolgerungen

der

Ver-

schlüsselung telemetrischer Daten b e i der Erprobung der SS-X-zi». Die
Verschlüsselung während der Erprobung dieser Rakete b i l d e t
ein

Beispiel

Einhaltung

der

vorsätzlicnen

Behinderung

der

geradezu

Verifizierung

vcn Verträgen und damit eine Verletzung der

der

recntlichen

Verpflichtungen der UdSSR nach dem Stand von vor 19öl bzw. eine Verletzung der p o l i t i s c h e n Verpflichtungen der UdSSR nach dem Stand s e i t
1981.
9. Die A u f s t e l l u n g von SS-lfa-Raketen
- Verpflichtungen: Die Sowjetunion e r k l ä r t e sich im Rahmen des SHI.T-1.LAbkommens b e r e i t , von der h e r s t e l l u n g , Erprobung und ^ u f S t e l l u n g von
ilEMs des Typs SS-16 abzusehen, insbesondere aQer aie d r i t t e

Stufe

der SS-16 und den W i e d e r e i n t r i t t s f l u g k ö r p e r f ü r diese Rakete n i c h t
- 19 -

in

�nicht i n Produktion gehen zu lassen.
- Fragen: Der Bericht

vom Januar 1984 p r ü f t e , ob es Hinweise

darauf

g i b t , daö die Sowjets llEMs vom Typ SS-16 ungeachtet des diesbezüglichen Verbots a u f g e s t e l l t

haben. Die Vereinigten Staaten naben diese

Frage f ü r den vorliegenden Bericht erneut ü b e r p r ü f t .
- Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

bestätigt

die

Schlußfolgerungen des Berichts vom Januar 1954. Die Sachlage i s t zwar
mehrdeutig, so daß wir n i c h t zu einem d e f i n i t i v e n U r t e i l kommen können, aber die verfügbaren Hinweise deuten darauf h i n , daJ das, was
b e i Plesetsk vorgent, wahrscheinlich eine Verletzung der
Verpflichtung

der

UdSSR, dem Z i e l

und Zweck

des

rechtlichen

SALT-ii-Vertrags

nicht zuwiderzuhandeln, nach dem Stand von vor 1981, a l s der Vertrag
seiner R a t i f i z i e r u n g h a r r t e , d a r s t e l l t bzw. eine wahrscheinliche Verletzung einer p o l i t i s c h e n Verpflichtung nach dem Stand von nach 1981
darstellt.
Der ABM-Vertrag

- Vertragslage: Der ABM-Vertrag von 1972 und das dazugehörige P r o t o k o l l
v e r b i e t e t die Aufstellung von ABM-Systemen. Die einzige Ausnahme besteht d a r i n , daß jede P a r t e i e i n MB^I-System entweaer um das Gebiet
i h r e r Hauptstadt herum oder um einen - und nur einen -

IIBM-Statio-

nierungsraum herum a u f s t e l l e n d a r f . Der AB^-Vertrag i s t i n K r a f t und
in

seiner

Gültigkeitsdauer

unbeyrenzt.

Sowjetische

Handlungen,

die

mit dem ABM-Vertrag nicht i n Einklang stehen, b i l d e n somit Verletzungen r e c h t l i c h e r Verpflichtungen.
Der vorliegende, der ' Ö f f e n t l i c h k e i t

zugängliche B e i i c n t

befaßt

sich

mit v i e r Aspekten des ABM-Vertrags: der Radaranlage b e i Krasnojarsk,
mobilen landgestützten ABM-Systemen und deren Komponenten, der

ge-

meinsamen Erprobung von Komponenten von ABM- und Flugabwehrsystemen
und einem landesweiten ABM-System.
10. Die
•

- 2Q -

�l ü . Die Radaranlage b e i Krasnojarsk
- Verpflichtungen:
für

I n dem Bestreben, der Entwicklung

die Errichtung eines

einer

Grundlage

landesweiten ABM-Systems vorzubeugen, be-

schränkt der AB-1-Vertrag die Aufstellung

von Frühwarnradars zur Er-

fassung b a l l i s t i s c h e r Raketen und auch die Aufstellung von großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Antastung, wie sie zu diesem Zwecke
verwendet werden, auf Standorte i n den Randbereichen des Hoheitsgeb i e t s jeder S e i t e . Ferner i s t g e f o r d e r t , dad solche Radaranlagen nach
auiien ausgerichtet sein müssen. Der Vertrag e r l a u b t

(ohne Rücksicht

auf Standort oder Auslegung; die A u f s t e l l u n g grotfer Radaranlagen mit
phasengesteuerter Abtastung, deren Zweck die Erfassung von Objekten
im Weltraum i s t oder oie als nationales technisches M i t t e l zur V e r i f i z i e r u n g der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen eingesetzt werden.

- Fragen: Der Bericht vom Januar 1964 p r ü f t e die Sachlage bezüglich des
Baus einer

großen Radaranlage

mit

phasengesteuerter

Abtastung

bei

Krasnojarsk i n M i t t e l s i D i r i e n . Die Schlußfolgerung l a u t e t e , da.J diese
Radaranlage f a s t mit Sicherheit eine Verletzung des ABM-Vertrags dars t e l l t . Die Vereinigten Staaten unterzogen oiese Fraye f ü r den vorliegenden B e r i c h t einer erneuten Überprüfung.
- Ergebnisse: Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt nach Prüfung
der Hinweise, die s i c h im Verlaufe des Jahres 1984 ergeben haben, zu
dem Schluß, daü die neue groiße Radaranlage mit phasengesteuerter Abt a s t u n g , die s i c h b e i Krasnojarsk im Bau b e f i n d e t ,

eine

Verletzung

der r e c h t l i c h e n Verpflichtungen nach dem AB^-Vertrag von 1972 darstellt,

da s i e nach Art der A u f s t e l l u n g und Ausrichtung sowie nach

i h r e n technischen Eigenschaften gemäß diesem Vertrag
ist.

Die Tatsache, daü i h r

Bau weiter

nicht

zulässig

vorangetrieben wird und datt

glaubwürdige Erklärungen über eine andersgeartete Verwendung a u s b l i e ben,

hat

stärkt.

uns

in

unserer

Ungeachtet

Einschätzung

diesbezüglicher

ihres

Verwendungszwecks

amerikanischer

Forderungen

beist

keine A b h i l f e e r f o l g t .

11. Mobilität
- 21 -

�1 1 . M o b i l i t ä t neuer AB^-Systeme
- Verpflichtungen: Der AEM-Vertrag v e r b i e t e t die Entwicklung, Erprobung
oder A u f s t e l l u n g

von mobilen landgestützten ABM-Systemen oder

von

Komponenten solcher Systeme.
- Fragen; Die Vereinigten Staaten haben untersucht, ob die Sowjetunion
unter Verletzung i h r e r r e c h t l i c h e n Verpflichtungen nach Oem ABM-Vertrag

ein

mobiles

landgestütztes

ABM-System oaer Komponenten

eines

solchen Systems entwickelt hat.
- Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

kommt

zu

dem

Schluß, daß die sowjetischen Unternehmen im Hinblick auf die M o b i l i tät

von Komponenten von AB»1-Systemen mehrdeutig s i n d .

I n der UdSSR

werden aber Komponenten eines neuen ABM-Systems e n t w i c k e l t , die augenscheinlich so ausgelegt s i n d , daö sie i n Stellungen aufgebaut werden können, die nur geringer oder gar keiner

Vorbereitung bedürfen.

Dies s t e l l t eine mögliche Verletzung der r e c h t l i c h e n Verpflichtungen
der Sowjetunion nach dem ABM-Vertrag dar. Dies und andere Unternehmungen der Sowjets im ABM-Bereich legen den Verdacht nahe, daö die
UdSSR Vorbereitungen zum Aufbau eines landesweiten ABM-Systems t r i f f t .
12. Gemeinsame Erprobung von Komponenten von AB4- und Flugabwehrsystemen
- Verpflichtungen: Der ABM-Vertrag und das dazugehörige P r o t o k o l l ma' chen es beiden Seiten zur A u f l a g e , die Aufstellung

von ABM-Systemen

auf nur e i n Gebiet zu beschränken. Über das ABM-System und seine Komponenten i n diesem einen Dislozierungsgebiet

hinaus dürfen die Ver-

t r a g s p a r t e i e n ABM-Systeme und Komponenten solcher Systeme zu Entwicklungs- und Testzwecken u n t e r h a l t e n , sofern i h r Standort s i c h auf e i nem vereinbarten Testgelände Defindet,

teiterhin

untersagt

der

Ver-

t r a g , Systeme, die nicht B e s t a n d t e i l von AB4-Systemen s i n d , mit der
Fähigkeit auszustatten, "strategiscne b a l l i s t i s c h e Raketen oder
T e i l e auf i h r e r Flugbahn abzuwehren". Der Vertrag untersagt

ihre

ferner,

solche Systeme " i n der Funktion eines ABM-Systems" zu eiproben. Die
Vertragsparteien

kamen ü b e r e i n ,

daß

die

gemeinsame

Erprobung

von

�trprobung von Komponenten von HfcM- und Hugabwenrsystemen

untersayt

sein s o l l e .
- Fragen: Die Vereinigten Staaten untersuchten, ob die Sowjetunion e n t gegen i h r e n

rechtlichen

Verpflicntungen

Komponenten

von ABM-

und

kommt

dem

Flugabwehrsystemen gemeinsam erprobt hat.
- Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

zu

Schluü, dai die Beweislage über die sowjetischen Handlungen im h i n b l i c k auf einen solchen gemeinsamen Einsatz nicht a u s r e i c h t , um e i n
zuverlässiges U r t e i l darüber zu erlauben, ob die Sowjets i h r e n Verp f l i c h t u n g e n yemäd dem ABM-Vertrag nachgekommen s i n d . Die Sowjetunion
hat jedoch Tests durchgeführt, bei denen i_uftverteidigungsradars

in

ABM-artigen Funktionen eingesetzt wurden. Die Zahl der F ä l l e , i n denen Komponenten von t\BA- und FlugaDwehrsystemen gemeinsam eingesetzt
wurden, deutet darauf h i n , dad die UdSSR wahrscheinlich gegen die Bestimmungen verstoßen h a t , die die Erprobung von Komponenten von F l u g aDwehrsystemen i n ABM-Funktionen untersagen. I n einigen F ä l l e n d ü r f t e
dies sogar hochgradig wahrscheinlich sein. Die genannten und ähnliche
sowjetische

Unternehmungen legen den Verdacht

nahe, dai3 die UdSSR

Vorbereitungen f ü r den Aufbau eines landesweiten AB4-Systems t r i f f t .
13. Landesweite ABM-Systeme
- Verpflichtungen:

Der Vertrag gesteht

einsatzmäiiige S t e l l u n g

z u , erlaubt

jeder

Seite

ausdrücklich

nur
die

eine

einzige

Modernisierung

und den Austausch von ABM-Systemen und i h r e n Komponenten und erkennt
das Bestehen von ABM-Testgeländen zur Entwicklung und Erprobung von
ABM-Komponenten ausdrücklich an. Der ABM-Vertrag untersagt jedoch den
Vertragsparteien, e i n ABM-Systems, das i h r
Gesamtheit

Hoheitsgebiet

s c h ü t z t , aufzubauen oder die Grundlagen f ü r

in
ein

seiner
solches

System zu schaffen.
- Fragen: Die Vereinigten Staaten hauen untersucht, oo die Unternehmungen der Sowjets im ABM-Bereich und auf verwandten Gebieten die Grundlagen f ü r e i n landesweites AB^-System schaffen.
- Ergebnisse: Die

�Ergebnisse:

Die

Regierung

der

Vereinigten

Staaten

kommt

zu

dem

Schluß, daß die Handlungen der Sowjetunion im ABM-Bereich und auf damit i n Zusammenhang stehenden Gebieten i n i h r e r Gesamtheit den Verdacht nahelegen, daß die UdSSR Vorbereitungen f ü r den Aufbau eines
landesweiten AEM-Systems t r i f f t .

* * * * *

- 24 -

�13. Februar 1983

VERNON ALTERS ZUM US-BOTSCHAFTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN ERNANNT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 8. Februar 1985 den bisherigen Sonderbotschafter Vernon Walters zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt. Er tritt die Nachfolge
von Jeane Kirkpatrick an, die am 1. März aus ihrem Amt ausscheidet. Die
Nomienierung mu3 noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden. Der Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen ist gleichzeitig Mitglied des
amerikanischen Kabinetts.

Walters, der 68 Jahre alt ist, hat während der vergangenen vier Jahre
als Sonderbotschafter Präsident Reagans rund 100 Länder besucht, wobei es
oft um delikate und gewöhnlich nicht publizierte Missionen ging. Er war
bereits in verschiedenen Funktionen für fünf amerikanische Präsidenten
tätig: Truman, Eisenhower, Nixon, Ford und Reagan. Mit den Vertretern
Nordvietnams führte Walters von 1969 bis 1972 die Verhandlungen in Paris.
Von 1972 bis 1976 war er stellvertretender Direktor des Zentralamtes für
Nachrichten und Abwehr (CIA;.

Von 1941 bis 1976

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Von 1941 b i s 1976 diente Walters i n der amerikanischen Armee, aus der
er im Range eines Generalleutnants ausschied.
Vernon Walters wurde am 3.Januar 1917 i n New York geboren. Er

stu-

d i e r t e unter anderem i n Paris und am Stoneyhurst Lollege i n England und
s p r i c h t acht Sprachen f l i e ß e n d : E n g l i s c h , Deutsch, Französisch, Russisch,
Spanisch, Portugiesische, i t a l i e n i s c h und Holländisch.
a l s Autor mehrerer Bücher hervorgetreten.

* * * # #

Walters i s t

auch

�13. FeDruar 1 985

TRANSATLANTISCHER FERNSEHDIALOJ "EURONET"
- Herzersatz a l s Präzedenzfall - Wieviel F o r t s c h r i t t i s t finanzierbar? -

(AD).

-

Kosten, medizinische

Indikationen

und mögliche

technische

Verbesserungen im Zusammenhang mit der Anwendung des " t o t a l e n künstlichen
Herzens" standen ganz oben auf der L i s t e der Fragen, die im Rahmen einer
Satelliten-Fernsehdiskussion an Dr. William C .DeVries und Dr.
Jarvik i n L o u i s v i l l e

(US-Bundesstaat Kentucky)gerichtet

mer an dem vom US-Informationsdienst

(USIS)

Robert K.

wurden. T e i l n e h -

veranstalteten EURONET-Pro-

gramm waren Journalisten und einige Mediziner

aus B e l g i e n , der Bundes-

republik Deutschland, Frankreich, I s r a e l , den Niederlanden und Spanien.
Neunzig Minuten lang standen DeVries a l s Chef des Operationsteams, das am
25. November 1984 dem 52jährigen William Schroeder e i n Kunstherz eingesetzt

h a t t e , und Jarvik

aus Salt- Lake City

(US-Bundesstaat

Utah)

als

Konstrukteur der druckluftbetriebenen Herzprothese Rede und Antwort.
Schroeder gehe es "sehr g u t " , sagte DeVries.

Von einem Schlaganfall

zwei Wochen nach der Implantation seien Sprache und Sprechvermögen noch
b e e i n t r ä c h t i g t . Jedoch habe sich der Patient gut e r h o l t und s e i i n einer

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in einer so guten Allgemeinverfassung, da3 er in Kürze aus der Klinik
entlassen werden könne. Er werde in ein nahegelegenes, inzwischen mit den
notwendigen technischen Vorrichtungen ausgestattetes

Wohnhaus übersie-

deln. Hilfe durch Klinikpersonal dürfte dann tagsüber noch etwa zwei Wochen lang erforderlich sein, ehe Familienangehörige die Betreuung ganz
übernehmen könnten.

Die Möglichkeit, wenigstens einige Stunden am Tage das von Dr. ing.
Horst-Peter Heimes (Aachen) entwickelte tragbare Antriebsgerät für das
Kunstherz zu benutzen, gebe dem Träger in dieser Zeit normale Bewegungsfreiheit und bedeute eine außerordentliche Verbesserung seiner Lebensumstände. Die jetzt erstmals beim Menschen eingesetzte Mini-Pumpe wiegt nur
5 kg und wird in einer Umhängetasche getragen. Demgegenüber handelt es
sich bei dem zuerst konstruierten Antrieb um ein 17U kg schweres, stationäres Aggregat von der GröSe eines Schrankes, das durch mehr als 2 cm
dicke Schläuche mit der "Maschine" im Körper des Patienten verbunden ist.
Allein die ständigen Betriebsgeräusche des Aggregats - von dem sehr engen
Bewegungsbereich der davon abhängigen Person ganz abgesehen - bedeuten
eine grofSe Belastung.

Diese Form der Abhängigkeit war z. B. einer der Punkte der Kritik
nach der ersten offiziell genehmigten Anwendung des künstlichen Herzens
bei Dr. Barney Clark im Dezember 1982. Zum Zeitpunkt der Operation durch
Dr. DeVries (damals im Klinikum der Universität Utah) war nach Aussage
der Ärzte das Leben des Patienten nur noch nach Stunden oaer auf höchstens ein bis zwei Tage bemessen. Aus den Schädigungen der Lunge infolge
des jahrelangen schweren Herzleidens und starken Rauchens sowie den beeinträchtigten Funktionen von Leber und Nieren ergaben sich zusätzliche,
gefährliche Komplikationen während der 112 Tage, die Clark mit dem Kunstherzen lebte.

Ein Materialfehler an einer Kunstherzklappe machte am 1Z. Tag nach
der Implantation eine Austauschoperation erforderlich. Ein Achsenteil der
Mitralklappe war gebrochen. Um solche Vorkommnisse künftig zu vermeiden
und mechanische Schwachstellen an Metallkomponenten durch Biege- oder
- 2 -

�Biege- oder Sc hweii3 Vorgänge auszuschalten, wurden an dem bei Schroeder
implantierten Utah-Modell künstliche Herzklappen des Typs Medtronic-Hall
verwendet.Bei diesem sind der Metallrahmen und die zentrale Achse, an der
die Kippscheibe des Ventils montiert ist, aus einer massiven Titanplatte
gefräst. Der gesamte Bearbeitungsprozei wird über Computer gesteuert.

Neue Modelle und Miniaturisierung

Nur durch diese neuen Klappen unterscheidet sich Schroeders Kunstherz
"Jarvik 7" von dem bei Clark verwendeten Modell. Dr. Jarvik zufolge werde
jedoch das kommende Modell "Jarvik 8" auf Urund der bisher gemachten Erfahrungen in zehn Punkten verändert werden, auch hinsichtlich der Größe,
im Arbeitsprinzip aber "Jarvik 7" entsprechen. Größe und Geometrie einer
Herzprothese sind wichtige Faktoren. "Jarvik 7" (14 cm breit, 10 cm hoch,
knapp 9 cm tief, Gewicht 360g) ist auf den Körperbau eines Mannes von 7u
kg

zugeschnitten. Für normal, gebaute weibliche Patienten oder noch im

Wachstum befindliche junge Menschen wäre es nicht geeignet. Beim nächsten
Modell "Jarvik 8" sind entsprechend den unterschiedlichen anatomischen
Gegebenheiten bei einzelnen Personengruppen unterschiedliche Größen vorgesehen.

Vom Material her erwiesen sich an Hand der Ergebnisse jahrzehntelanger Experimente Polyurethan, Carbonfasern sowie Dacron am besten geeignet. Dacron dient speziell zur Verbindung mit dem natürlichen Gewebe des
rechten und linken Herzvorhofes (die bei der Operation im Körper belastet
werden) und mit den großen Blutgefäßen. Die Membranen zwischen der von
außen zugeführten Druckluft und den Kammern des künstlichen Herzens bestehen aus einem elastischen Kunststoff, der hoher mechanischer Beanspruchung ausgesetzt ist. Immernin wird die Membran bei normaler Herzfrequenz
etwa 40 Millionen Mal im Jahr unter Druck und Zug bewegt. Wie Jarvik sagte , sei auf Grund der Erfahrungen bei Dauerbelastungstests mit fünf Jahren Haltbarkeit zu rechnen.

Die zahlreichen Sensoren im und am Kunstherzen helfen, wichtige Para- 5 -

�wichtige Parameter wie Pumpleistungen und Blutvolumen zu überwachen. Der
Heimes-Antrieb besitzt zur Verarbeitung solcher Daten einen Mikroprozessor, über den die in das Herz einströmende Blutmenge automatisch geregelt
wird. Dank der Sensoren wäre auch eine sich anbahnende Ermüdung der Membranen früh genug zu erkennen, um die implantierte Apparatur austauschen
zu können.

Man sei um eine immer stärkere Miniaturisierung der Antriebselemente
für das künstliche Herz bei gleichzeitiger Verbesserung der Antriebstechnik bemüht, sagte Jarvik. So sei beabsichtigt, das elektrohydraulische
System, das zur Zeit an Versuchstieren erprobt werde, so zu verkleinern,
daß Motor und Pumpe ebenso implantationsfähig werden wie heute die "Blutpumpe" selbst, d. h. das künstliche herz. Die Betriebsenergie werde dieses System aus einem am Körper getragenen Batteriegu'rtel beziehen, mit
dem es über dünne, durch die Haut nach außen geführte Elektroden verbunden würde. Völlige Unabhängigkeit von externer Energieversorgung könnte
nur ein Kunstherz mit implantierbarer Atombatterie geben. Jedoch sei eine
solche Entwicklung technisch außerordentlich kompliziert und liege in
sehr weiter Ferne.

Kunstherz - Noch ein Versuchsprojekt
Das "totale künstliche Herz" ist nach wie vor ein experimentelles Projekt , wie DeVries und Jarvik immer wieder betonten. Ob es sich als Therapie durchsetze, wisse noch niemand zu sagen. Jedenfalls würden die dabei
gewonnenen Erfahrungen sicherlich auch anderen Gebieten in der Medizin
zugute kommen. Für die Operation an Schroeder waren bereits modifizierte,
von der FDA

(US-Bundeskontrollbehörde

für Lebens- und

Arzeneimittel)

festgelegte Kriterien maßgebend. Sie besagen u. a. , daß für die Erhaltung
der Herzfunktionen des Patienten keine andere Möglichkeit als die Anwendung des künstlichen Herzens bestehen dürfe, jedoch die übrigen lebenswichtigen Organe nicht die schweren Schädigungen wie im Fall Dr. Clarks
aufweisen sollen.

Die
- 4 -

Tatsache,

�Die Tatsache, daii Schroeder insulinabhä'ngiger Diabetiker ist, war
keine Gegenindikation zur Anwendung der Herzprothese, sehr wohl aber zur
Übertragung eines Spenderherzens. Auch schon auf Grund seines Alters wäre
in den USA eine Herztransplantation nicht mehr vorgenommen worden. Jedoch
könne man nach Meinung der beiden amerikanischen Ärzte vielleicht erst in
fünf bis zehn Jahren sagen, welche Gruppe von Patienten mit einem künstlichen Herzen auf Dauer oder nur zur Überbrückung bis zur Implantation
eines Spenderherzens, welche Gruppe ausschließlich mit einem Transplantat
und welche Gruppe mit einer vorübergehenden oder auf Dauer implantierten
Behelfspumpe optimal zu versorgen seien. Diese Therapiemöglichkeiten müßten sehr genau auf ihre Vor- und Nachteile untersucht und beobachtet,
ihre Grenzen exaxt definiert werden.

Information und freie Entscheidung

Der Patient und seine Angehörigen werden, wie bei Clark und Schroeder
geschehen, über mögliche Komplikationen der Implantation eines künstlichen Herzens voll informiert. Dann erst entscheide er selbst, ob er
sich der Operation unterziehen wolle. Das gelte ebenso für einen später
eventuell vorzunehmenden Austausch der funktionsfähigen Herzprothese gegen ein neueres, technisch besseres Modell.

Auch die psychische Verfassung spiele eine wichtige Rolle, sagte
DeVries. Es erfordere Mut von Seiten des Patienten, sein Leben der Technik anzuvertrauen und die Prozedur durchzustehen. William Schroeder beweise diesen Mut, wie vor ihm Clark, und er habe den Beistand seiner Angehörigen und Freunde. Erfahrungsgemäß ist diese Unterstützung bei allen
Patienten, bei denen eine Herzoperation notwendig ist, ein Faktor von wesentlicher Bedeutung. Existiert solche Hilfe nicht, komme die Implantation eines künstlichen Herzens nicht in Frage.

Dr. DeVries, dem die FDA die Genehmigung zu vorläufig fünf weiteren
Implantationen eines Kunstherzens erteilt hat, könne, wie er unmißverständlich erklärte, keine Prognose darüber abgeben, wie lange das Leben
- 5 -

�das Leben Schroeders mit der Herzprothese zu e r h a l t e n s e i . Der P a t i e n t
s e i g l ü c k l i c h zu leben, und er bemühe sich selbst am meisten darum, die
ihm auf Erden geschenkte Z e i t im Rahmen seiner Möglichkeiten v o l l zu nutzen. Dies sei auch f ü r die Ärzte eine sehr wichtige Erfahrung.

Finanzierung
Angesichts der f ü r die Behandlung Clarks genannten Kosten (ca. 25Ü UÜU
Dollar)

wird o f t

g e f r a g t , wie r e a l i s t i s c h eine solche Therapie von der

f i n a n z i e l l e n Seite her überhaupt zu bewerten i s t .

DeVries meinte, diese

Summe enthalte zur Hälfte b i s zu d r e i V i e r t e l n Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen.

Wie hoch die

tatsächlichen

Behandlungskosten

seien,

lasse sich frühestens nach Implantationen an weiteren v i e r b i s f ü n f Pat i e n t e n sagen.

Bis im Dezember 1982 die

erste

k l i n i s c h e Anwendung möglich wurde,

hatte die US-Regierung s e i t M i t t e der sechziger Jahre ca. 160 M i l l i o n e n
D o l l a r und p r i v a t e Geldgeber weitere hohe Beträge zur Entwicklung
künstlichen Herzens b e r e i t g e s t e l l t .

eines

Die bahnbrechenden Arbeiten von Dr.

Willem K o l f f und seinen M i t a r b e i t e r n , unter ihnen s e i t Anfang der s i e b ziger

Jahre DeVries und J a r v i k , am I n s t i t u t

für

künstliche Organe der

Universität

Utah i n S a l t Lake City wurden z.T. aus dem Regierungsfonds

finanziert.

(Schon 1943 k o n s t r u i e r t e Dr. K o l f f i n den Niederlanden eine

künstliche Niere. Heute verdanken a l l e i n i n den Vereinigten Staaten mehr
a l s 65 000 Menschen der regelmäßigen Blutwäsche i h r Leben.)
Regierungsgelder

fließen

jetzt

allgemein

spärlicher.

Das

war

der

Hauptgrund f ü r DeVries, das Angebot des p r i v a t e n Klinikkonzerns Humana
I n c . anzunehmen, die k l i n i s c h e n Versuche mit dem TAH ("Totoal

Artificial

Heart" - künstliches Herz) am Audubon-Herzzentrum i n L o u i s v i l l e weiterzuführen - ohne Finanzierungssorgen. Die p r i v a t e n Krankenversicherungen
den USA g i b t es keine Pflichtversicherung)

(in

lehnen i n solchen F ä l l e n eine

Leistung ab. Auch bei der inzwischen weitgehend anerkannten Therapie der
Herztransplantation steht es noch immer im Ermessen der Versicherungsge-

�der Versicherungsgesellschaften, den Hauptteil der Kosten zu übernehmen.
Die meisten von ihnen tun es.

Der Rest wird mit Forschungsgeldern (Fonds aus privaten Spenden und
staatlichen Zuschüssen beglichen. Selbst die Stanford-Universität, das
bedeutendste Transplantationszentrum in den Vereinigten Staaten, mukJ sich
zur Fortsetzung und Weiterentwicklung von Transplantationsprogrammen immer wieder um Regierungszuschüsse bemühen. Herztransplantationen sind in
die Leistungen der für bestimmte Bevölkerungsgruppen geschaffenen staatlichen Krankenversicherungen MEDIOARE und MED1LAID noch nicht aufgenommen
(nur der Bundesstaat Kalifornien erstattet Aufwendungen dafür aus MEDICAID-Geldern). Hingegen werden z. B. Kosten für Dialyse und Nierentransplantationen, bei Kindern auch für eine Lebertransplantation, voll bezahlt.

Erfolgsraten

Im Stanford-Klinikum, wo neben Hunderten von Nierenübertragungen seit
Januar 1968 insgesamt 320 Herztransplantationen vorgenommen worden sind,
stieg in den letzten vier Jahren bei HerzübertTagungen die Erfolgsrate
mit einem Jahr Überlebenszeit auf 81 Prozent, mit zwei Jahren auf 73 Prozent. Auch wurden schon einige Male Herz und Lunge gleichzeitig übertragen. Selbst diese Patienten haben relativ gute 'Überlebenschancen. Die
günstige Entwicklung ist vor allem der Einführung des Präparats Lyclosporin A im Jahr 1980 zu verdanken, das die Abstoüreaktionen gegen fremde
Gewebe sehr viel wirksamer als die- bis dahin verwendeten Medikamente unterdrückt. Allerdings bei Lebertransplantationen gibt es weniger Komplikationen: Dr. Thomas Starzel (früher Denver, jetzt Pittsburgh) erzielte
bei Kindern eine Einjahrs-Überlebenschance von 90 Prozent, bei Erwachsenen von bis zu 8o Prozent.

Kostenprobleme

An

Kosten

sind

�An Kosten sind heute in den USA

z.B. für eine Nierentransplantation

30 000 Dollar, für regelmäßige Dialysebehandlung mindestens 20 000 Dollar
pro Jahr, für eine Herztransplantation 1UU 00U bis 125 000 Dollar, für
eine Lebertransplantation 135 000 Dollar bis 200 000 Dollar und mehr anzusetzen. In einem Land, das in Wissenschaft und Technik führt, erwartet
der Bürger, von den modernsten Entwicklungen der Medien zu profitieren.
Im Zusammenhang mit der Anwendung des künstlichen Herzens, für das sich
ein Bedarf von 50 000 TAH pro Jahr ergeben könnte, mehren sich aber die
Stimmen, die davor warnen, "Spitzenmedizin" zur Routine zu machen. Selbst
kostspielige

neue Diagnosetechniken wie

Gomputertomographie

und Kern-

spinresonanz-Tomographie werden in die Kritik einbezogen mit der Begründung, daß nur zu häufig der tatsächliche Gewinn an zusätzlichen Informationen gegenüber den herkömmlichen Verfahren minimal sei.

Die Aufwendungen für das Gesundheitswesen in den Vereinigten Staaten
sind in der Tat enorm gestiegen. Sie werden für 1982 (das letzte Jahr,
für das hierzu Gesamtstatistiken vorliegen) mit 322,4 Milliarden Dollar
angegeben - gegenüber 26,9 Milliarden Dollar im Jahr 1960, 74,7 Milliarden Dollar 1970 und 249 Milliarden Dollar 1980, wobei natürlich die hohen
Inflationsraten seit Anfang der siebziger Jahre eine ganz erheblich Rolle
spielen. Gegenwärtig machen die Kosten für das Gesundheitswesen 11 Prozent vom Bruttosozialprodukt aus, fünf Prozent menr als vor etwa zwei
Jahrzehnten.

Wegen der ungewöhnlich hohen Kostensteigerungen bei MEDIGARE (staatliche Krankenversicherung für ca. 30 Millionen Bezieher von Sozialversicherungsrenten) und MEüICAID

(staatliche Krankenversicherung

für So-

zialhilfeempfänger) nahm die Bundesregierung bereits Reformen in Angriff.
Zur Kostendämpfung im MEDICARE-Programm, zu dem die Pensionäre geringe
Monatsbeiträge leisten, wurden z.B. statt der bisher üblichen Kostenerstattung im Krankenhaus sog. diagnosebezogene Gruppierungen eingeführt.
Das bedeutet, das die Krankenhausbehandlung eines Mitglieds entsprechend
der Diagnose innerhalb eines bestimmten finanziellen Rahmens zu erfolgen
hat. Allgemeine Maßnahmen zur Kostendämpfung bei gemeinnützigen oder mit
öffentlichen Mitteln unterhaltenen Krankenhäusern werden z.Z. sondiert.
Schon jetzt zeige

�Schon jetzt zeige sich, so Prof. W. Schwartz (Tufts University, Medford/Massachusetts), daß manche dieser Einrichtungen von den neuesten
Errungenschaften der Forschung und Technik nur begrenzt Gebrauch machen
können. Solche Sorgen haben die hospitäler der immer stärker vordringenden Klinikkonzerne nicht. Sie werden straff verwaltet und nach kommerziellen Gesichtspunkten geführt. Auch
kleinen Ambulanzstationen

für

einfache

die

in den Städten verteilten

Fälle

arbeiten

kostengünstiy.

Mitgliedern der von Privatgesellschaften betreuten Betriebskrankenkassen
räumen manche besonders attraktive Sätze als eine Art Mengenrabatt ein.
Sie sind dabei Spezialkliniken aufzubauen und ihren Ruf durch enge Zusammenarbeit

mit

Universitätskliniken,

vereinzelt

schon

durch

deren

Übernahme, zu festigen. Dynamische junge Ärzte und Forscher versuchen,
sie als Mitarbeiter zu gewinnen.

Es werden immer mehr Bedenken geäußert, da3 sich hier eine Entwicklung anbahne, die ein nach gerechten Maßstäben geführtes Gesundheitswesen
gefährden könne. Denn die Hospitalkonzerne seien von der Qualität der
Leistungen ihrer Kliniken her für gut versicherte Privatpatienten sehr
attraktiv und nicht verpflichtet, weniger gut abgesicherte Patienten aufzunehmen. Zum mindesten könnten sie versuchen, diese an gemeinnützige
Krankenhäuser zu verweisen, was die Struktur der Patientengruppen und der
finanziellen Basis dieser Einrichtungen verändere.

Sollen also, um das Recht des einzelnen auf ordnungsgemäße, gute Versorgung zu gewährleisten, die Steuerzahler für kostspielige neue Techniken im Gesundheitswesen aufkommen? So fragen Sozialpolitiker, Sprecher
privater und betrieblicher Krankenkassen, aber auch viele Mediziner, die
um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesen fürchten. Und wenn die Mittel beschränkt sino - wer kann, wer darf entscheiden, wo und wie sie einzusetzen sind? Der Historiker Prof. Barton Bernstein (Stanford) fordert
deshalb sowohl im hinblick auf die Spitzentechnik in der Medizin als auch
auf anderen Gebieten der Forschung - vor allem dann, wenn sie mit Steuergeldern gefördert werden - für Entscheidungen eine breitere Grundlage zu
schaffen. Letztlich seien Entscheidungen über technische Entwicklungen
- 9 -

�technische Entwicklungen politischer und wirtschaftlicher Natur. Sie s e i en nicht w e r t f r e i , sondern wertbeladen. Und deshalb verdienten s i e , öff e n t l i c h erörtert und auf verschiedenen Entscheidungsebenen behandelt zu
werden.

* # * * *

- 10 -

�</text>
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13. Februar 1991

1^
GOLFKRIEG

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers
vor dem Repräsentantenhaus
DIE GOLFKRISE
Chronolgie der Ereignisse im Januar 1991

EUROPA/NATO

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEIT IN EINER NEUEN
WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

BAKER: USA STREBEN STABILITÄT
UND SICHERHEIT AM GOLF AN
Rede des Außenministers vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist das Ziel der Vereinigten Staaten und der Koalitionspartner am Persischen Golf "die Befreiung Kuwaits, nicht die Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen".
Die Vereinigten Staaten lägen nicht im Streit mit der irakischen Bevölkerung, erklärte Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 6. Februar 1991 in einer Debatte über den außenpolitischen
Haushalt.
Die Ziele der Koalition seien "eindeutig" die Vertreibung des Irak aus Kuwait und die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in der Region, fügte
Baker hinzu.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen verwies Baker auf die von der israelischen Regierung geübte Zurückhaltung, auf die irakischen Raketenangriffe mit einem Vergeltungsschlag zu reagieren. Der Au ßenminister ging
ferner auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein und äußerte Besorgnis über das Verhalten Moskaus
bei der Bewältigung der Probleme im Baltikum sowie weitere "beunruhigende Entwicklungen" wie erneute
wirtschaftliche Zentralisierung, Medienzensur, Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB und die
generelle Abkehr der Regierung vom eingeschlagenen Reformkurs. Baker fügte hinzu: "Dieses Vorgehen steht
absolut nicht im Einklang mit dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit
und echten Wirtschaftsreformen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, vor diesem Ausschu ß zu unserem
Budgetentwurf 1992 für Auswärtige Angelegenheiten
Stellung nehmen zu dürfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte
ich meine schriftlichen Ausführungen ins Protokoll
aufnehmen lassen. Noch mehr als in den vergangenen Jahren sollten die beantragten Mittel als Investition in eine bessere Zukunft betrachtet werden - eine
Welt sicherer Nationen, freier Völker und friedlichen
Wandels.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß eine solche Welt
in weiter Ferne zu liegen scheint, während am Persischen Golf ein Krieg geführt wird. Dennoch ist es
meines Erachtens von vordringlicher Bedeutung, die
sich uns stellenden Herausforderungen auch als Chance
zum Aufbau einer sichereren und gerechteren Weltordnung zu sehen. Aus diesem Grund möchte ich
heute unsere Gedanken zu den Herausforderungen
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und Vereinbarungen nach Bewältigung der Krise erläutern.
Der Golf krieg
Seit nunmehr drei Wochen führt die internationale
Koalition einen Krieg gegen den Irak mit eindeutigen
Zielen: Vertreibung des Irak aus Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie
die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in
dieser entscheidenden Region. Ich möchte zum
bisherigen Verlauf des Konflikts einige Anmerkungen
machen.
Erstens stand die internationale Koalition unerschütterlich zu ihrem Ziel und Kurs. Eine herausragende
Leistung während der derzeitigen Krise war die Fähigkeit der Vereinten Nationen, im Sinne ihrer Gründer zu
handeln. Vor dem 15. Januar dienten den Vereinigten
Seite 1

�Staaten und anderen Nationen die 12 Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats als Leitlinie, während wir
gemeinsam auf diplomatischer, politischer und wirtschaftlicher Ebene die irakische Aggression bekämpften. Wir haben so gehandelt, weil wir alle von der
Überzeugung geleitet sind, daß dieser brutale und
gefährliche Diktator aufgehalten werden muß - und
zwar jetzt. Seit dem 16. Januar konnten wir dank der
in Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats sanktionierten Aktionen einen Krieg führen, weil wir alle gleichermaßen überzeugt sind, daß jedwede friedlichen Mittel
zur Beendigung von Saddam Husseins Aggression
sondiert und erschöpft sind.
Ich möchte Ihnen die umfassenden Bestrebungen der
Vereinigten Staaten und der anderen Nationen im
einzelnen darlegen. In den 166 Tagen zwischen der
Invasion Kuwaits am 2. August 1990 und dem Ablauf
des UNO-Ultimatums für den Abzug des Irak am
15.Januar 1991 habe ich persönlich über 200 Treffen
mit ausländischen Regierungsvertretern abgehalten,
10 diplomatische Missionen durchgeführt und über
100 000 Meilen zurückgelegt. Ich habe mit dem
irakischen Außenminister sechseinhalbstündige Gespräche geführt - sechseinhalb Stunden, in denen die
irakische Führung den Gedanken des Abzugs aus
Kuwait, sogar die bloße Erwähnung des Rückzugs,
rundweg abgelehnt hat. Wie Sie wissen, haben auch
andere einen Versuch unternommen - die Arabische
Liga, die Europäische Gemeinschaft, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Könige, Präsidenten
und Premierminister.
Niemand hatte Erfolg, weil Saddam Hussein jeden und
alles zurückwies.
Zweitens trägt die Koalition gemeinsam die Verantwortung für die wirtschaftlichen Lasten des Konflikts.
Die Unterstützung der amerikanischen Verteidigungsausgaben erstreckt sich sowohl auf die Verpflichtungen für Operation Wüstenschild 1990 als auch auf die
Aufwendungen für die Operationen Wüstenschild/
Wüstensturm von Januar bis März 1991. Darüber
hinaus wurden auch Mittel zum Ausgleich der wirtschaftlichen Verluste bewilligt, mit denen sich die
Frontstaaten in der Region konfrontiert sehen.
Bis heute haben wir über 50 Milliarden Dollar zur
Unterstützung unserer militärischen Bestrebungen und
mehr als 14 Milliarden Dollar an Hilfe für die Front- und
andere Staaten für ihren wirtschaftlichen Bedarf bereitgestellt.
Drittens spiegelt unsere sich entwickelnde militärische
Strategie voll und ganz unsere politischen Absichten
wider. Dies ist der geeignete Ort, um nochmals - wie
es der Präsident so häufig getan hat - zu wiederholen,
daß wir nicht mit der irakischen Bevölkerung im Streit
liegen. Unser Ziel ist die Befreiung Kuwaits, nicht die
Zerstörung des Irak oder eine Veränderung seiner
Grenzen.

Seite 2

Wir führen eine äußerst professionelle und wirksame
militärische Kampagne durch. Unsere jungen Männer
und Frauen sowie die Koalitionspartner schreiben neue
Annalen des Muts und Geschicks. Es handelt sich
jedoch um ein vornehmes Ziel, und keiner sollte Saddam Husseins militärische Fähigkeiten unterschätzen.
Der Irak ist keine drittklassige Militärmacht. Milliarden
an Mitteln für friedliche Zwecke wurden abgezweigt,
um in diesem kleinen Land das viertgrößte Heer der
Welt aufzustellen. Der Irak hat mehr Kampfpanzer als
Großbritannien und Frankreich zusammen. Er hat
mehr Kampfflugzeuge als Deutschland, Frankreich
oder Großbritannien. Den Irak aus Kuwait zu vertreiben, wird nicht leicht sein, aber - um Präsident Bush zu
zitieren: "Damit der Frieden obsiegt, werden wir dort
ausharren."
Darüber hinaus geben wir unser Bestes, um einen
gerechten Krieg auf gerechte Weise zu führen. Unser
Ziel sind militärische Einrichtungen, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um die Opfer unter der
Zivilbevölkerung und die Beschädigung religiöser und
kultureller Stätten so gering wie möglich zu halten. Wie
General Schwarzkopf ausgeführt hat, setzen sich die
Koalitionsstreitkräfte sogar Gefahren aus, um das
Risiko für unschuldige Menschenleben zu minimieren.
In schockierendem Gegensatz dazu steht Saddam
Husseins Verhalten. Seine Kriegführung gleicht seinem Verhalten vor dem Krieg: ein schonungsloser
Angriff auf die Werte der Zivilisation. Er hat Raketen
gegen israelische und saudiarabische Städte abgefeuert - Raketen, die nicht auf militärische Ziele gerichtet
waren, sondern in voller Absicht ein Massaker unter
der Zivilbevölkerung anrichten sollten. Er hat Kriegsgefangene mißbraucht und vorgeführt und erklärt, sie
als "menschliche Schutzschilde" zu benutzen - ein
Vorgehen, das eine fundamentale Verletzung der Genfer
Konvention darstellt. Und er hat sogar die Natur in dem
Versuch angegriffen, die Gewässer des Persischen
Golfs mit Erdöl zu verseuchen, das der Garant für die
wirtschaftliche Zukunft der Region ist.
Wir haben Saddam Husseins Drohung, chemische
und biologische Waffen einzusetzen, gehört, und wir
nehmen sie bitter ernst. Wir haben ihn gewarnt - und
er wäre gut beraten, unsere Warnung nicht in den Wind
zu schlagen -, daß wir den Einsatz solcher Waffen
nicht dulden werden. Jeder Einsatz chemischer oder
biologischer Waffen wird ernsthafte Konsequenzen
haben. Und wir werden weiterhin darauf bestehen,
daß der Irak seine Verpflichtungen gemäß der Genfer
Konvention im Hinblick auf die Kriegsgefangenen der
Koalitionsstreitmacht erfüllt.
Meines Erachtens beruht unsere Kriegführung auf
großer Stärke, der Stärke aus dem Bewußtsein heraus, das richtige auf die richtige Weise zu tun. Und
Saddam Husseins anhaltende Brutalität verdoppelt
unsere Entschlossenheit und die Überzeugung der

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�ganzen Koalition über die Richtigkeit unseres Kurses.
Die Beendigung von Saddam Husseins Aggression
bedeutet auch einen Schlag für staatlich geförderten
Terrorismus.
Dies ist der geeignete Ort, um unsere tiefe Wertschätzung und große Bewunderung für die außerordentliche Zurückhaltung der israelischen Regierung zu formulieren. Israelische Städte wurden von Saddam
Hussein angegriffen, weil ein Teil seiner Strategie
darin bestand, seine Aggression zu konsolidieren,
indem er die Golfkrise in einen arabisch-israelischen
Konflikt ummünzte. Trotz ihres eindeutigen Rechtsauf
Reaktion hat die israeliche Regierung mit Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein gehandelt. Die
Vereinigten Staaten standen in sehr engem Kontakt
mit den höchsten israelischen Regierungsstellen und
werden dies auch in Zukunft tun. Wir haben Israel
Batterien von Patriot-Raketen angeboten - einige inklusive amerikanischer Besatzung - um sich gegen die
SCUD-Raketen zu verteidigen, und Israel hat unser
Angebot angenommen. Wir werden weiterhin besondere militärische Anstrengungen unternehmen, um die
SCUDs und ihre Abschußvorrichtungen zu zerstören.
Jeder sollte wissen: Wenn wir von unserer unerschütterlichen Verpflichtung gegenüber der israelischen
Sicherheit sprechen, meinen wir das wörtlich.
Meine vierte Anmerkung lautet folgendermaßen: Die
große internationale Koalition, die jetzt den Krieg gewinnt,
muß auch stark genug sein, um den Frieden sicherzustellen. Winston Churchill hat einmal gesagt: "Die Zeit
wird weisen, wie absolut die Notwendigkeit eines breiten Spektrums von zahlreichen Staaten über Jahre
hinweg gemeinsam vorgenommener internationaler
Aktionen ist, unabhängig von Ebbe und Flut der Innenpolitik." Wenn wir die jetzt von den tapferen Männern
und Frauen erbrachten Opfer wiedergutmachen wollen, die unsere Freiheit mit ihrem Leben verteidigen,
dann müssen wir einen Frieden schaffen, der ihres
Kampfes wert ist. Und dies kann getan werden, wenn
wir die durch den Krieg gestählte Koalition in Friedenszeiten zusammenhalten.
Als der Kongreß für die Befugnis des Präsidenten
stimmte, zur Unterstützung der UNO-Resolutionen
Gewalt einzusetzten, stimmte er auch für Frieden einen Frieden, der solche Kriege in Zukunft verhindern
könnte. Meines Erachtens unterstützt das amerikanische Volk unsere Rolle in der Koalition nicht nur, um
einen Aggressor zu bezwingen, sondern um ein gewisses Maß an Gerechtigkeit und Sicherheit für die Zukunft zu gewährleisten.
Herausforderungen der Nachkriegszeit
Herr Vorsitzender, wir und jede an diesem Konflikt
beteiligte Nation denken über die Situation nach dem
Krieg nach und planen für die Zukunft. Es wäre
unverantwortlich, dies nicht zu tun. Gleichzeitig wäre
es sowohl verfrüht als auch unklug von uns, einen

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detaillierten Plan über die Lage am Golf nach dem
Krieg oder sogar die Region insgesamt vorlegen zu
wollen.
Der Krieg selbst und wie er beendet wird, werden
sowohl die Sicherheit am Golf als auch das übrige
Gebiet beeinflussen. Tiefste Emotionen wurden aufgewühlt. Die jetzt stattfindenden militärischen Aktionen fordern zwangsläufig zahlreiche Opfer, große
Härten und zunehmende Angst vor der Zukunft. Schwere
Zeiten liegen vor uns.
Wir sollten deshalb die Nachkriegsprobleme mit einem
angemessenen Gefühl der Bescheidenheit angehen.
Die Respektierung der Souveränität der Menschen am
Golf und im Nahen Osten muß an oberster Stelle
stehen. Die neuere Geschichte hat belegt, daß kein
Land allein dem Nahen Osten seinen Willen für lange
Zeit aufzwingen oder ihn nach seinen eigenen Vorstellungen ummodeln kann. Schließlich ist das einer der
Gründe, warum wir gegen Saddam Hussein kämpfen.
Unter all den Schwierigkeiten, mit denen wir uns konfrontiert sehen, ragt jedoch eine Tatsache heraus: Die
Menschen am Golf und nicht zuletzt im gesamten
Nahen Osten brauchen dringend Frieden. Ich bin fest
davon überzeugt, daß es in gemeinsamen Konsultationen mit allen betroffenen Nationen einen Weg gibt,
um den Kurs zu bestimmen, der größere Sicherheit
und dauerhaften Frieden für alle mit sich bringt. Aus
diesem Grund sollten wir alles in unserer Macht Stehende tun, um nicht nur am Persischen Golf sondern
auch in der übrigen Region nach diesem Krieg zu
helfen, die es so bitter nötig hat.
Ich möchte daher einige Herausforderungen erörtern,
denen wir uns meines Erachtens in der Nachkriegszeit
stellen müssen.
Eine Herausforderung ist größere Sicherheit am Persischen Golf. Nach zwei Kriegen in 10 Jahren benötigt
diese entscheidende Region neue und andere Sicherheitsvereinbarungen. Aus unserer Sicht müssen drei
grundlegende Probleme gelöst werden: Ziele oder
Prinzipien der Sicherheitsabkommen, die Rolle der
Staaten in der Region, regionaler Organisationen und
der internatioalen Staatengemeinschaft sowie die
militärischen Anforderungen nach dem Krieg, bis die
Stabilität in der Region hergestellt ist und für die Zeit
danach.
Meiner Meinung nach erzielen wir bereits ein hohes
Maß an Übereinstimmung bezüglich unserer Prinzipien. Dazu zählen:
Abschreckung einer Aggression aus jeder Richtung.
Territoriale Integrität. Die bestehende Souveränität
aller Staaten und die Unverletzbarkeit der Grenzen
müssen respektiert werden.
Friedliche Lösung von Konflikten. Grenzprobleme und
andere Dispute, die eine lange Geschichte haben - und
es gibt zahlreiche, abgesehen von dem Beispiel Irak/

Seite 3

�Kuwait - sollten, wie in der Charta der Vereinten
Nationen verankert, mit friedlichen Mitteln beigelegt
werden.
Diese Prinzipien müssen in erster Linie von den Staaten in der Region in die Praxis umgesetzt werden, so
daß Konflikte verhindert und Aggression abgeschreckt
werden kann. Wir gehen davon aus, daß die Staaten
am Golf und regionale Organisationen wie der GolfKooperationsrat die Führungsrolle beim Aufbau eines
verstärkenden Gefüges neuer und verbesserter Sicherheitsbeziehungen übernehmen. Kein Staat in der
Region sollte aus diesen Vereinbarungen ausgeklammert werden. Nach dem Krieg könnte der Irak einen
wichtigen Beitrag leisten, ebenso wie der Iran als
wichtige Macht am Golf.
Auch die anderen Nationen und die internationale
Staatengemeinschaft, einschließlich der Vereinten
Nationen, könnten eine Rolle bei der Förderung solcher Vereinbarungen spielen und sie untermauern.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so haben wir
seit der Truman-Regierung im Jahr 1949 stets eine
kleine Seestreitmacht im Golf stationiert. Wir hatten
und haben au ßerordentlich starke bilaterale Beziehungen zu Saudi-Arabien und anderen Staaten in der
Region. Und im Laufe der Jahre haben wir gemeinsame Übungen mit unseren Freunden in der Region
durchgeführt und sie mit militärischem Gerät versorgt.
Der Präsident hat erklärt, daß wir nicht beabsichtigen,
die ständige Präsenz von Bodentruppen auf der Arabischen Halbinsel aufrechtzuerhalten, sobald der Irak
aus Kuwait vertrieben ist und die Bedrohung nachläßt.
Bevor die Sicherheit gewährleistet ist, müssen jedoch
wichtige Fragen beantwortet werden. Unmittelbar
nach dem Krieg werden wir bei der Herstellung der
Stabilität eine entscheidende Übergangsphase durchlaufen. Ich möchte kurz einige der Fragen aufzählen,
die beantwortet werden müssen.
Sollte unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder regionaler Organisationen wie dem GolfKooperationsrat eine ständige, aus Streitkräften in der
Region gebildete und in der Region stationierte Bodentruppe geschaffen werden?
Wie kann die internationale Staatengemeinschaft die
Abschreckung am Golf verstärken - durch die Entsendung von Streitkräften oder andere politische Vereinbarungen wie Resolutionen oder Sicherheitsabkommen?
Niemand kennt die Antworten auf diese und andere
Fragen. Einige werden vielleicht niemals beantwortet.
Unabhängig von unserer möglichen Vorgehensweise
werden wir umfassende Konsultationen mit allen von
solchen Vereinbarungen betroffenen Parteien führen.
Eine zweite Herausforderung wird zweifelsohne die
Verbreitung und Kontrolle von Waffen in der Region
sein. Dies bezieht sich sowohl auf konventionelle als
auch Massenvernichtungswaffen. Es ist eine erschrek-

Seite 4

kende Tatsache, daß selbst die konventionellen Arsenale mehrerer Staaten im Nahen Osten diejenigen der
meisten europäischen Nationen in den Schatten stellen. Fünf Länder im Nahen Osten habe mehr Kampfpanzer als Großbritannien und Frankreich. Es ist an
der Zeit, das destruktive Muster des militärischen
Wettbewerbs und der Verbreitung von Waffen in der
Region zu ändern und Waffenlieferungen in ein Gebiet
zu reduzieren, das bereits überbewaffnet ist. Dies legt
den Schluß nahe, daß wir und andere Länder in der
Region und weltweit darüber beraten müssen, wie wir
die Mehrschichtigkeit des Problems am besten angehen:
Wie können wir zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten des Irak nach dem Krieg zu begrenzen, seine
Massenvernichtungswaffen und destabilisierendsten
konventionellen Waffen zu behalten oder wiederaufzubauen?
Wie können wir mit anderen zusammenarbeiten, um
Schritte zu umfassenderer Zurückhaltung in der Region bei Beschaffung und Einsatz konventioneller
Rüstungen und Massenvernichtungswaffen zu ermutigen? Welche Rolle könnte die Art von Vertrauensbildenden Maßnahmen am Golf und im Nahen Osten
spielen, die Konflikte in Europa abgebaut haben?
Welche weltweiten Aktionen würden schließlich Schritte zu Rüstungskontrolle am Golf und im Nahen Osten
unterstützen? Darunter könnte der rasche Abschluß
schwebender internationaler Abkommen wie der Vertrag über chemische Waffen ebenso fallen wie sehr
viel schärfere Lieferbeschränkungen für Waffen und
Mehrzwecktechnologie in die Region. Und welche
Implikationen hat dies für Waffenlieferungen und Verkauf spraktiken?
Eine dritte Herausforderung liegt in wirtschaftlichem
Wiederaufbau und wirtschaftlicher Gesundung. Den
Golf und seine Handelspartner hat eine Wirtschaftskatastrophe getroffen. Kuwait wurde geplündert und
zerstört. Hunderttausende von Arbeitern haben ihren
Arbeitsplatz verloren und sind geflohen. Handelsfluß
und Märkte wurden unterbrochen.
Ich bin sicher, daß das kuwaitische Volk sein Land
wiederaufbauen wird. Ebenso wie wir mit den Kuwaitern in der Stunde der Prüfung zusammengearbeitet
haben, blicken wir der Kooperation mit ihnen in der
Stunde der wirtschaftlichen Gesundung zuversichtlich
entgegen.
Niemand sollte vergessen, daß sich das irakische Volk
zum zweiten Mal in einem Jahrzehnt von einem verheerenden Konflikt erholen muß. Die Zeit des Wiederaufbaus und der Gesundung sollte nicht die Gelegenheit für Rachefeldzüge gegen ein Land sein, das von
den Ambitionen eines Diktators in den Krieg gezwungen wurde. Eine Zukunft mit Sicherheit und Wohlstand, auf die jeder in der Region hofft, muß auch den
Irak einbeziehen.

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�Die meisten Ressourcen für den Wiederaufbau werden zwangsläufig dem Golf entnommen. Sollten wir
jedoch nicht an mehr als Wiederaufbau denken? Eine
Länderkoalition könnte sich möglicherweise sowohl
regionaler als auch externer Ressourcen bedienen,
um die Perspektiven für die Region zu verändern indem sie freien Handel und Investitionen zur Unterstützung der Entwicklung sowie wachstumsorientierte
Wirtschaftsmaßnahmen fördert, die sich weltweit
bewährt haben.
Bei allen wirtschaftlichen Anstrengungen kommt
Wasseraufbereitung ein besonderer Stellenwert zu.
Über die Hälfte der im Nahen Osten lebenden Menschen hängen mit ihrer Wasserversorgung von internationale Grenzen überquerenden Flüssen oder
Meerwasserentsalzungsanlagen ab. Wir alle waren
über Saddam Husseins absichtliche Verseuchung des
Golfs empört, die einen Großteil von Saudi-Arabiens
Trinkwasserversorgung beeinträchtigen könnte.
Und schließlich wollen wir mit den Regierungen des
Nahen Ostens und anderer Regionen über spezifische
Vereinbarungen sprechen, die der Wirtschaftskooperation in der gesamten Region am besten dienen. Eine
solche Kooperation trüge zweifelsohne zur Verstärkung unserer Ziele insgesamt bei: Schrittweiser Abbau
der Konfliktherde und der Hemmnisse für Sicherheit
und Wohlstand im gesamten Gebiet.
Eine vierte Herausforderung besteht darin, das Streben nach Frieden und echter Aussöhnung für Israel,
die arabischen Staaten und die Palästinenser wiederaufzunehmen. Unter Aussöhnung verstehe ich nicht
nur Frieden anstelle von Krieg, sondern einen auf
dauerhaften Respekt, Toleranz und gegenseitiges
Vertrauen gegründeten Frieden. Wie Sie wissen, habe
ich vor Ausbruch des Krieges persönlich beträchtliche
Anstrengungen unternommen, einen Dialog zwischen
Israel und den Palästinensern zu fördern - unabdingbares Element eines generellen Friedensprozesses.
Wir sollten uns keiner Selbsttäuschung hingeben. Der
Verlauf dieser Krise hat bei Israelis und Palästinensern
Emotionen aufgewühlt, die nicht leicht in Aussöhnung
münden werden. Dennoch wird es nach diesem Krieg
- wie bei früheren Kriegen - Chancen für Frieden geben
- wenn die betroffenen Parteien dazu bereit sind. Und
wenn sie wirklich wollen, werden wir eng mit ihnen
zusammenarbeiten, um einen wirksameren Friedensprozeß zu gestalten.
Die hier zu bewältigenden Probleme sind natürlich
bekannt und stellen eine größere Herausforderung dar
als je zuvor.
Wie können Israelis und Palästinenser versöhnt werden? Welche konkreten Schritte können von jeder
Seite unternommen werden?
Welche Rolle werden die arabischen Staaten bei der
Förderung dieses Prozesses und ihren Friedensverhandlungen mit Israel einnehmen?

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Wie werden regionale Rüstungskontrollvereinbarungen diesen Prozeß beeinflussen?
Was ist das beste diplomatische Instrument, um diesen Prozeß in die Wege zu leiten?
Auch hier werden wir mit unseren Freunden und allen
Parteien, die bei der Beilegung dieses Konflikts eine
konstruktive Rolle spielen können, Konsultationen
abhalten und sehr eng zusammenarbeiten.
Die fünfte und letzte Herausforderung betrifft die Vereinigten Staaten: Wir müssen entschieden mehr tun,
um unsere Abhängigkeit von Energiequellen abzubauen. Wie Präsident Bush betont hat, können wir unsere
Ziele nur dank einer umfassenden Strategie erreichen.
Unsere Strategie sollte Energiesparmaßnahmen, verstärkte Entwicklung, mehr Vorräte und Reserven sowie
bessere Nutzung alternativer Brennstoffe umfassen.
Wir müssen diese Aufgabe mit derselben Entschlossenheit angehen, mit der wir jetzt diesen Krieg führen.
Wie Sie sehen, Herr Vorsitzender, sind hier einige
politische und wirtschaftliche Elemente enthalten, andere
stehen zwangsläufig mit Sicherheit in Verbindung.
Dies legt den Schluß nahe, daß Sicherheit nicht nur in
militärischen Begriffen, sondern als Teil einer umfassenderen Perspektive für die Region gesehen werden
muß. Ohne gesundes Wirtschaftswachstum werden
wir keinen dauerhaften Frieden und Wohlstand erlangen. Es kann kein gesundes Wirtschaftswachstum
geben, wenn Nationen bedroht oder überrollt werden oder kostbare Ressourcen und immer mehr Waffen
vergeuden. Einen Weg zur Zusammenarbeit für die
Menschen im Nahen Osten zu finden, wird entscheidend sein, wenn wir unsere Augen auf eine bessere
Zukunft richten.
Die Sowjetunion am Scheideweg
Bevor ich zum Ende komme, möchte ich einige Worte
über die anderen Herausforderungen anmerken, mit
denen wir uns konfrontiert sehen: unsere Beziehungen zur Sowjetunion.
Präsident Bush hat häufig von einer neuen Weltordnung gesprochen, in der Freiheit und Demokratie
gedeihen mögen, und die frei von den Ängsten des
kalten Kriegs ist. Wir haben bezüglich einer solchen
Ordnung berechtigte Hoffnungen gehegt - zum Teil
aufgrund der wachsenden Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Im
Herbst 1989 habe ich Zusammenarbeit als Suche
nach wechselseitig profitablen Punkten beschrieben.
Und diese Suche hat gute Erfolge gezeitigt.
Ich möchte nur drei Beispiele anführen. Erstens hat
sich im vergangenen Jahr ein demokratisches Deutschland als Vollmitglied der NATO in Frieden vereinigt.
Der Eiserne Vorhang ist gefallen, und damit wurde der
kalte Krieg beendet. Zweitens haben die Länder
Mittel- und Osteuropas ihre Rechte zurückerhalten
und können Demokratie und wirtschaftliche Freiheit

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�ungehindert verwirklichen. Drittens ist die Sowjetunion
der internationalen Koalition gegen die irakische Aggression beigetreten. Wie Außenminister Alexander
Bessmertnych in der vergangenen Woche nochmals
betonte, wird die Sowjetunion die vollständige Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
uneingeschränkt unterstützen.
Während unsere beiden Länder an der Formulierung
dieser und anderer wechselseitig profitabler Punkte
zusammengearbeitet haben, war beiden Seiten seit
langem klar, daß das Potential für langfristige Zusammenarbeit oder sogar Partnerschaft zwischen unseren
Ländern letztlich vom Kurs der innenpolitischen Reformen in der Sowjetunion abhängt. Aus diesem Grund
habe ich im vergangenen Herbst beiderseits vorteilhafte Wege - nicht nur einzelnen Punkte - gefordert und
habe darüber hinaus unserem Wunsch Ausdruck verliehen, einen umfassenderen demokratischen Dialog
mit den sowjetischen Reformkräften zu führen. Nicht
nur Wirtschaftsreformen, sondern tiefgreifende politische Reformen könnten die Sowjetunion in eine völlig
andere Gesellschaft umwandeln.
Im Verlauf mehrerer Gipfeltreffen und zahlreicher
Gespräche wurde uns das Auf und Ab der Perestrojka
- die enormen und erschreckenden Schwierigkeiten,
den Grundkurs der Gesellschaft und viele ihrer Werte
nach 70 Jahren zu verändern - sehr viel vertrauter.
In den vergangenen Monaten mußten wir jedoch eine
Reihe beunruhigender Ereignisse beobachten. Dazu
zählen die gewalttätigen Ausschreitungen im Baltikum, die offensichtliche Hinwendung zu erneuter wirtschaftlicher Zentralisierung, weniger freie Medien,
Erweiterung der Befugnisse von Armee und KGB
sowie der Rücktritt oder die Amtsniederlegung der
entschiedenen Verfechter des Reformkurses.
Dieses Vorgehen steht absolut nicht im Einklang mit
dem Kurs friedlichen Wandels, demokratischen Prinzipien, der Rechtsstaatlichkeit und echten Wirtschaftsreformen. Es gibt schlicht und einfach keine Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen friedliche und
demokratisch gewählte Regierungen. Wir empfinden
tiefe Sympathie für die mutigen Menschen im Baltikum, die stets mit Würde und Zurückhaltung gehandelt
haben.
Präsident Bush und ich haben diese Entwicklungen mit
Präsident Gorbatschow und anderen sowjetischen
Regierungsvertretern umfassend erörtert. Wir und
unsere europäischen Verbündeten haben die unvermeidlichen Konsequenzen aufgezeigt, wenn die sowjetische Regierung auf diesem Weg bleibt. Und wir
haben unserer Überzeugung Ausdruck verliehen, daß
die Sowjetunion bei der Verwirklichung ihrer Ziele nicht
auf Erfolg hoffen darf, wenn sie Perestrojka, Demokratisierung und Glasnost aufgibt.
Im Hinblick auf das Baltikum zitiere ich am besten
Präsident Bushs Worte aus dem Bericht zur Lage der

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Nation: "...unser Ziel besteht darin, den Völkern im
Baltikum bei der Realisierung ihrer Hoffnungen zu
helfen, nicht die Sowjetunion zu bestrafen".
Wir haben von der sowjetischen Führung Zusicherungen über ihre anhaltende Verpflichtung zu Reformen,
friedlichem Dialog mit den Baltenrepubliken und der
Gestaltung einer vom Gesetz und nicht von Gewalt
regierten Gesellschaft vernommen. Wir werden die
Lage genau beobachten und abwarten, ob diese
Zusicherungen dauerhafte Realität werden.
Ich hoffe, die Sowjetunion wird die Lektionen ihrer
schweren Erfahrungen rasch wieder lernen: der alte
Kurs war nicht richtig. Mit vorgehaltenem Gewehr
kann die Perestrojka keine Erfolge zeitigen. Natürlich
können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, daß
sich die Dinge noch weiter zum Schlechten wenden.
Gleichzeitig müssen wir uns jedoch hüten, voreilige
Schlußfolgerungen zu ziehen.
Die sowjetische Führung befindet sich am Scheideweg. Wir haben eindeutig klargestellt, daß ihre letzten
Schritte sie auf einen Kurs geführt hat, der weder ihr,
uns, noch sonst irgendwem von Nutzen ist. Um der
Geschichte und der Welt willen hoffe ich, daß sie den
Weg fortsetzt, der die gesamte Welt zu Hoffnungen auf
eine bessere Zukunft berechtigte.
Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit folgender Beobachtung zusammenfassen. Als ich vor einem
Jahr an diesem Ort eine Übersicht über unsere Au ßenpolitik vornahm, befanden wir uns auf dem Weg zu
einem ungeteilten und freien Europa, das durch expandierende amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei der Lösung der herausragenden politischen
und militärischen Probleme des Kontinents abgesichert war. Die Möglichkeit, selbst der Gedanke an
diesen schrecklichen Konflikt am Golf überstieg unser
aller Vorstellungskraft. Dennoch sehen wir uns heute
mit den Herausforderungen eines Kriegs am Golf und
der wachsenden Unsicherheit über den sowjetischen
Reformkurs konfrontiert.
Es mag unterschiedliche Ansichten über die Bewältigung dieser Situationen geben. Ich sehe Ihrem Rat
und ihren Empfehlungen zu beiden Themenkomplexen gerne entgegen. Bei einem Punkt haben wir
jedoch meines Erachtens bereits grundsätzlich Übereinstimmung erzielt: die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle. Wenn wir nicht unseren Teil
leisten, werden die von Churchill zitierten und von
zahlreichen Staaten gemeinsam vorgenommenen
Aktionen nicht möglich sein. Und Churchill warnte:
"Der aus dem Wunsch nach Sicherheit und einem
ruhigen Leben eingeschlagene Mittelweg könnte direkt ins Zentrum des Verderbens führen." Noch offensichtlicher als wir es noch vor einem Jahr oder nur
sechs Monaten gedacht hätten, wird die Welt vom
Ende der Nachkriegszeit an von den Vereinigten Staaten und ihren internationalen Verbündeten gestaltet
werden. Unser beständiges Ziel muß lauten, diese

AMERIKA DIENST 6

�Welt zu einem geeigneten Ort für freie Menschen zu
machen.
Übersicht über die beantragten Mittel
Ich möchte mich nun den für Auswärtige Angelegenheiten beantragten Mitteln zuwenden. Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir21,9 Milliarden Dollar Ausgabeermächtigung für Haushaltstitel 150/lnternationale
Angelegenheiten, was einer Aufstockung von 1,8 Milliarden Dollar gegenüber dem Haushaltsjahr 1991
entspricht. Darüber hinaus beantragen wir eine einmalige Ermächtigung von 12,2 Milliarden als amerikanischen Anteil an der weltweiten Beitragsanhebung
des Internationalen Währungsfonds.
Im Einklang mit den Verfügungen des Haushaltsgesetzes sieht unser Antrag trotz der beispiellosen Ansprüche an die amerikanische Führung weltweit bestimmte
strikte Obergrenzen für unsere Ausgaben vor.
Um diese weltweiten Ziele im Rahmen der Haushaltsengpässe verwirklichen zu können, ist zusätzliche Flexibilität erforderlich. Im vergangenen Jahr habe ich an
diesen Ausschu ß appelliert, konstruktive Beratungen keine Bereitstellung von Mitteln - vorzunehmen, die
das Hauptinstrument zur Erlangung eines Konsenses
bei Programmzielen sind. Ich freue mich, feststellen
zu können, daß wir in der letzten Sitzungsperiode Fortschritte in diese Richtung gemacht haben.
Die Mittelzuweisung für unseren Wirtschaftshilfefonds
(EconomicSupport Fund- ESF) wurde von 82 Prozent
im Haushaltsjahr 1990 auf etwas über 68 Prozent
gekürzt. Bei den Rüstungsgeschäften auf Kreditbasis
(Foreign Military Financing - FMF) war die Abnahme
etwas weniger drastisch, aber immer noch beträchtlich
- von 92 auf 87 Prozent. Dies ist eine begrüßenswerte
Entwicklung, die wir weiterhin fördern wollen.
Wir haben jedoch noch einen weiten Weg vor uns. Um
unseren Antrag in diesem Jahr unterstützen zu können, möchte ich die Bereitschaft der Administration zur
Zusammenarbeit mit dem Kongreß zum Ausdruck
bringen, bei unseren staatlichen Operationen und den
Gesetzen zur Auslandshilfe größere Flexibilität zu
entwicklen. Als Leitlinie für diese Bestrebungen möchte ich fünf umfassende Ziele für unsere internationalen
Kooperationsprogramme umreißen, die sich auf die
fünf außenpolitischen Herausforderungen gründen,
die ich bei meiner Anhörung vor diesem Ausschu ß im
vergangenen Jahr dargelegt habe.
Erstens, Förderung und Konsolidierung demokratischer Werte, einschließlich freier und fairer Wahlen
und Achtung der Menschenrechte. Wie Präsident
Bush in seinem Bericht zur Lage der Nation feststellte,
steht dieses grundlegende amerikanische Prinzip seit
über zwei Jahrhunderten als Symbol für die Menschen
auf der ganzen Welt.
Wie schwierig der Übergang zur Demokratie auch sein
mag, er kann nicht isoliert von der übrigen Welt vollzo-

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gen werden. Die wesentlichen Bestandteile der
Demokratie - Achtung der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, freie und faire Wahlen sowie politische
und wirtschaftliche Chancen - sind gleichzeitig die
elementaren Bausteine der neuen Weltordnung.
Zweitens, Förderung des Prinzips der freien Marktwirtschaft und Stärkung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit. Anhaltende Wirtschaftsentwicklung geht
Hand in Hand mit der Verabschiedung solider, wachstumsorientierten Maßnahmen. Zusammengenommen
können sie die amerikanischen Interessen im Ausland
fördern. Indem wir die Marktkräfte durch Deregulierung, Privatisierung und Förderung von freiem Handel
und Investitionen stützen, können reformorientierte
Länder entsprechend zu Aufbau und Gewährleistung
von Demokratie beitragen. Darüber hinaus können sie
auf florierende Märkte für amerikanische Exporte und
die entsprechenden Arbeitsplätze vordringen. Die
amerikanischen Exporte in vier ehemalige Empfängerländer von Auslandshilfe - Kolumbien, Chile, Taiwan
und Korea - sind mehr als doppelt so hoch wie unser
gesamtes Budget für Auslandshilfe weltweit. Unser
langfristiges Ziel sollte darin bestehen, mehr Länder
aus der Entwicklungshilfe in Handels- und wechselseitig profitable Investitionsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten zu entlassen.
Drittens, Förderung des Friedens durch Entschärfung
regionaler Konflikte, Stärkung der Sicherheit unserer
regionalen Partner und Bestrebungen zu Rüstungskontrolle und Nichtweiterverbreitung von Waffen.
Wie die Krise am Persischen Golf gezeigt hat, gibt es
keinen Ersatz für eine starke amerikanische Führungsrolle. Wir spielen nach wie vor eine lebenswichtige Rolle bei der Verbesserung der Sicherheit unserer
regionalen Verbündeten auf der Welt. Ägypten und die
Türkei- über Jahre hinweg Nutznießer amerikanischer
Militärhilfe - sind das Bollwerk der Koalition gegen
Saddam Hussein.
Nationale und regionale Sicherheit sind die Voraussetzungen für das Gedeihen von Demokratie und freiem
Unternehmertum. Saddam Husseins Aggression ist
eine dramatische Erinnerung an die andauernde Notwendigkeit, die Sicherheit regionaler Staaten zu schützen, die für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten von lebenswichtigem Interesse sind. Die
Verbreitung von Raketensystemen sowie chemischen
und biologischen Waffen trägt noch zur Schärfung
unseres Interesses an der Förderung regionaler Stabilität bei.
Viertens, Schutz vor grenzüberschreitenden Bedrohungen, insbesondere der Umwelt sowie der Geißeln
Drogen und Terrorismus.
Um aus meiner ersten Rede vor dem Kongre ß vor zwei
Jahren zu zitieren: "Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei der Bewältigung
einer neuen Art von Problemen vorgehen, die transna-

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�tionaler Art sind." Dazu zählen Nichtweiterverbreitung
von Waffensystemen, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Drogenmißbrauch.
In all diesen Bereichen haben wir Fortschritte erzielt.
Wir haben weltweit die Bestrebungen zur Verschärfung von Waffenexportkontrollen angeführt. Wir arbeiten weiterhin an der Verbesserung unseres umweltpolitischen Programms. Wir arbeiten aktiv an der Bekämpfung von staatlich gefördertem Terrorismus, um
diesem weltweit ein Ende zu bereiten. Und unsere
internationalen Bestrebungen bei der Zerschlagung
des Drogennachschubs werden durch Berichte über
die nachlassende Nachfrage im Inland ergänzt.
Fortschritte werden jedoch gelegentlich langsam,
unspektakulär und schwer erzielt. Das irakische Verhalten nach der Invasion Kuwaits ist eine brutale
Erinnerung an die durch die Wechselwirkung solcher
grenzüberschreitenden Bedrohungen entstehende
Gefahr. Saddam Husseins jüngste Aktionen verdeutlichen, wie althergebrachte Konzepte der Bedrohung
nationaler Sicherheit erweitert werden müssen. In der
Tat hat der Irak zusammengenommen:
Eine glaubwürdige Bedrohung zum Einsatz chemischer und biologischer Waffen.
Auf verabscheuungswürdige Weise Raketentechnologie als Terrorwaffe gegen die unschuldige Zivilbevölkerung eingesetzt.
Vielleicht zum ersten Mal absichtlich eine Umweltkatastrophe als Kriegswaffe eingesetzt, mit ungeahnten
Konsequenzen für die gesamte Region auf Jahre
hinaus, und
weltweit zu Terroranschlägen aufgerufen, die teilweise
von Botschaften im Ausland in fundamentaler Verletzung der Grundprinzipien der Diplomatie unterstützt
werden.
Diese Herausforderungen an die Weltordnung können
durch eine engagierte internationale Staatengemeinschaft mit Unterstützung der unerschütterlichen amerikanischen Führungsrolle und den erforderlichen
geeigneten Ressourcen bewältigt werden.
Schließlich spiegelt die Erfüllung dringender humanitärer Bedürfnisse weiterhin die tiefe und anhaltende
Besorgnis des amerikanischen Volkes wider. Die
Bilanz der Vereinigten Staaten bei unverzüglicher und
substantieller Erleichterung schwerer durch die Natur
oder den Menschen verursachter Katastrophen ist
beispiellos. In diesem Zusammenhang möchten wir
die amerikanischen Bürgerinitiativen und privaten Helfer
zu ihrer Rolle beglückwünschen. Die Erfüllung der
drängendsten menschlichen Grundbedürfnisse durch
Nahrungsmittel-, Katastrophen- und Flüchtlingshilfe
wird stets einen wesentlichen Bestandteil der amerikanischen Politik darstellen.
Wir sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der
Formulierung von Gesetzen bereit, die auf diese grund-

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legenden Ziele aufbauen, um unseren Bestrebungen
bei wirtschaftlicher Zusammenarbeit mehr Flexibilität
und Transparenz zu verleihen. In Zusammenarbeit mit
unseren internationalen Partnern denken wir an die
Anwendung von fünf entscheidenden Mechanismen,
um dieses Programm weltweit voranzubringen:
Erstens, flexible und integrierte bilaterale Behörden
zur Verwaltung der Hilfsleistungen. Wir streben flexiblere Abrechnungsverfahren sowie bessere Möglichkeiten an, Mittel auf und zwischen den jeweiligen
Konten zu transferieren, um die dringendsten, unvorhergesehenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wir hoffen, ein
Hilfsprogramm zu erarbeiten, das sich im oben ausgeführten Sinn um eine Reihe von Hauptzielen gliedert.
Als ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Ziels haben
wir einen bescheidenen Nothilfefonds des Präsidenten
in unserem Haushaltsantrag für 1992 vorgeschlagen.
Flexibilität ist besonders nötig in Zeiten, in denen die
Entwicklungen auf der Welt sich so rasch und unvorhersehbar vollziehen, während unsere Fähigkeit, mit
zusätzlichen Mitteln darauf zu reagieren, durch die
Haushaltsengpässe drastisch beschnitten ist. Die
Golfkrise, die Wiedereinsetzung demokratischer Regierungen in Nicaragua und Panama sowie die dramatischen Entwicklugnen in Osteuropa, der Sowjetunion
und Südafrika im vergangenen Jahr verdeutlichen
anschaulich, daß mehr Flexibilität noch dringlicher
wird, wenn unvorhergesehene Anforderungen an die
amerikanische Führungsrolle mft begrenzten Ressourcen einhergehen.
Zweitens sehen wir Raum für den kreativeren Einsatz
multilateraler Mechanismen zur Förderung unserer
Ziele, sowohl durch die internationalen Finanzinstitutionen als auch die Vereinten Nationen.
Die Bretton Woods- Institutionen haben jetzt alle osteuropäischen Länder aufgenommen und spielen eine
zentrale Rolle bei der Erarbeitung solider, angemessen finanzierter Programme, um deren Übergang zu
Marktwirtschaften auf der Basis von Privatinitiative zu
erleichtern. Sollte die Sowjetunion den Kurs wirtschaftlicher und politischer Strukturreformen weiterverfolgen, müßten IWF und Weltbank auch bei der
Erleichterung dieses Übergangs eine Rolle spielen.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wird die Entwicklung von Infrastruktur,
Umweltprogrammen und des Privatsektors in den
reformorientierten Ländern Mittel- und Osteuropas
fördern. Durch unsere Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas wird die
Interamerikanische Entwicklungsbank erwartungsgemäß eine führende Rolle bei der Förderung einer
gesunden Investitionspolitik auf unserem Kontinent
übernehmen.
Um die Bestrebungen dieser Institutionen zu unterstützen, schlagen wir erneut eine vollständige Finanzierung für die multilateralen Entwicklungsbanken vor einschließlich aller Schulden - und zusätzlich eine

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�regelmäßige Beitragserhöhung für den Internationalen Währungsfonds. Mit diesen Finanzmitteln werden
die Institutionen in der Lage sein, Beiträge freizusetzen, um uns unserem Ziel der Förderung einer gesunden, wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik in den
Entwicklungsländern näherzubringen.
Präsident Bush hat in seinem Bericht zur Lage der
Nation darauf verwiesen, daß die Vereinten Nationen
in der Golfkrise eine historische Rolle gespielt haben,
die der Vision ihrer Gründerväter sehr nahekommt.
Die 12 Resolutionen des Sicherheitsrats, mit denen
der Grundstein zur Beendigung dieses Konflikts gelegt
wurde, symbolisierte die Einheit der internationalen
Staatengemeinschaft gegen die irakische Aggression
und hat das Prinzip kollektiver Sicherheit als Eckpfeiler
des Zeitalters nach dem kalten Krieg etabliert. Gleichzeitig haben die humanitären UNO-Organisationen
Hunderttausenden von Flüchtlingen geholfen, die vor
der irakischen Aggression geflohen sind. Die Vereinigten Staaten haben ein vitales Interesse an der Stärkung dieser neubelebten Vereinten Nationen als vollwertigem Partner beim Aufbau einer Welt nach dem
kalten Krieg, in der Frieden, Stabilität und Wohlstand
ihren Platz haben.
Drittens setzen wir größeres Vertrauen auf kreative
Teilung der Verantwortung, wenn wir unsere weltweiten Beziehungen mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft und insbesondere Japan stärken. Viele Kongreßabgeordnete haben darauf verwiesen, daß unsere eigene schwierige Haushaltslage
solchen Bestrebungen besondere Bedeutung verleiht,
da es um die Förderung eines gemeinsamen Programms mit Partnern geht, die unsere Werte und
Interessen teilen.
Kein Unternehmen veranschaulicht die kollektive
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft zur
Verteidigung des Weltfriedens besser als unser erfolgreiches Ersuchen um weltweite Unterstützung für die
Operationen Wüstenschild und Wüstensturm sowie
für die Frontstaaten, deren Volkswirtschaften durch
Saddam Husseins Aggression erhebliche Rückschläge hinnehmen mußten.
Im Jahr 1990 haben unsere Koalitionspartner zur
Deckung der Kosten von Operation Wüstenschild 9,7
Milliarden Dollar und damit 88 Prozent der etwa 11
Milliarden Dollar der gesamten zusätzlichen Kosten
aufgewandt, die wir aufbringen müssen. Bei Ausbruch
der Feindseligkeiten haben unsere Verbündeten wiederum sofort und großzügig reagiert, um ihren gerechten Anteil an den Militärausgaben der Koalition für
Operation Wüstensturm zu übernehmen. In den letzten drei Wochen haben wir aus Saudi-Arabien, Kuwait,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan, Deutschland und Korea beispiellose Zusagen von insgesamt
über 40 Milliarden Dollar erhalten, um die in den ersten
drei Monaten des Jahres 1991 erwarteten Kosten zu
decken.

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Die internationale Staatengemeinschaft hat darüber
hinaus rasch und großzügig auf die Bedürfnisse der
Frontstaaten - besonders Ägypten und der Türkei reagiert, da sie beim Widerstand gegen Saddam
Husseins Aggression erhebliche Kosten tragen müssen. Durch die Koordinierungsgruppe Golfhilfe unter
dem Vorsitz der Vereinigten Staaten haben die Golfstaaten, Europa, Japan und Korea über 14 Milliarden
Dollar zugesichert, um zu gewährleisten, daß die Volkswirtschaften der betroffenen Länder in der Region
stabilisiert werden und ihr Engagement für unseren
gemeinsamen Kurs bekräftigt wird. Die Vereinigten
Staaten haben mit Unterstützung des Kongresses
ihren Teil dieser Bestrebungen übernommen und
Ägyptens 6,7 Milliarden Dollar Schulden für Rüstungskäufe getilgt. Damit haben sie einem wichtigen Verbündeten in der Region eine große Last abgenommen.
Andere Länder sind nachgezogen und haben zusätzliche 8 Milliarden Dollar der ägyptischen Schulden
getilgt.
In der Zwischenzeit hat in Osteuropa der erfolgreiche
Prozeß der G-24 unter dem Vorsitz der Europäischen
Kommission mehr als 18 Milliarden Dollar für die
Länder Polen und Ungarn mobilisiert, um ihnen den
Übergang zur Marktwirtschaft zu erleichtern. Auf den
Philippinen war die Initiative multilateraler Hilfe (Multilateral Assistance Initiative - MAI) dafür verantwortlich,
daß der Umfang internationaler Hilfe für diese ums
Überleben kämpfende Demokratie nahezu verdoppelt
wurde. Darüber hinaus hoffen wir, daß uns unsere
weltweiten Partner bei der Tilgung von Schulden
Panamas und Nicaraguas gegenüber den internationalen Finanzinstitutionen und bei der Finanzierung der
verbesserten Schuldenstrategie helfen. Schließlich
ermutigen wir Europa und Japan, gemeinsam mit uns
jährlich über einen Fünfjahreszeitraum hinweg 100
Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen ein Multilateraler Investitionsfonds für Lateinamerika und die
Karibik geschaffen werden kann. Dieser Fonds ist ein
wichtiger Bestandteil der Initiative des Präsidenten für
die Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas und wird eine entscheidende Rolle dabei
spielen, daß Länder von der Entwicklungshilfe weg zu
Handel und Privatinvestitionen als den wichtigsten
Antriebsfaktoren wirtschaftlichen Wachstums gelangen.
In jedem Fall haben sowohl die starke Führungsrolle
der Vereinigten Staaten und eine Interessengemeinschaft viel dazu beigetragen, eine breite weltweite
Reaktion hervorzurufen.
Viertens sehen wir einen kreativeren Einsatz der Handelsund Investitionspolitik voraus, die als Motor zur Förderung amerikanischer Intressen beim Wachstum der
Weltwirtschaft dienen und gleichzeitig unsere eigene
wirtschaftliche Stärke fördern soll.
Wichtiger Bestandteil dieser Bestrebungen in den
vergangenen vier Jahren war unsere Entschlossen-

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�heit, einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen zu verfolgen. Wir sind
auch weiterhin der Ansicht, daß die Uruguay-Runde
tiefgreifende politische und wirtschaftliche Implikationen für die Gestaltung der Welt im nächsten Jahrhundert in sich birgt. Ein erfolgreicher Abschluß der Runde
ist unabdingbar für das Wirtschaftswachstum und die
Stabilität der aufstrebenden Demokratien in Osteuropa und für die große Bandbreite der Entwicklungsländer, die letztlich von der Expansion des Welthandels
als dem wichtigsten Faktor zur Schaffung von Arbeitsplätzen und dauerhaftem Wirtschaftswachstum - nicht
der Entwicklungshilfe - abhängen.
Auf unserem Kontinent stellt die Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas eine umfassende Anstrengung zur
Förderung von Wirtschaftswachstum und Stabilität in
der Region dar, indem sie freien Handel und Investitionen - die wichtigsten Triebfedern des Wachstums - mit
Schuldenabbau und Umweltinitiativen kombiniert.
Als wesentlichen Schritt zu dem letztlichen Ziel des
freien Handels auf dem Kontinent beabsichtigt die
Regierung, eine nordamerikanische Freihandelszone
mit Mexiko und Kanada zu gründen, die unserer
Überzeugung nach allen drei Ländern wichtige wirtschaftliche Vorteile bringen wird. Seit der Ankündigung des Präsidenten im Juni vergangenen Jahres,
ein Freihandelsabkommen mit Mexiko anzustreben,
stehen wir in umfangreichen Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor. Kanadas Beteiligung
an diesen Gesprächen wird eine Freihandelszone im
größten Markt der Welt schaffen, mit einem Handelsvolumen von über 6 Billionen Dollar und mehr als 350
Millionen Verbrauchern. Die sich daraus ergebende
Belebung der Exporte und die Eröffnung neuer Handelsmöglichkeiten wird als wichtiger Motor für die
Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen fungieren.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten
aktiv mit ihren asiatischen Partnern im Wirtschaftsverband für Asien und den Pazifik (Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) zusammengearbeitet, um
marktorientierte Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten zu fördern.
Unser Programm für einen Bilateralen Investitionsvertrag war ein wichtiger Motor, mit dem ein offenes und
liberales Investitionsklima für amerikanische Investoren und Exporteure gewährleistet werden konnte. Im
letzten Jahr haben wir Verhandlungen mit Polen und
der Tschechoslowakei abgeschlossen, und gegenwärtig verhandeln wir mit neun anderen Ländern, die
Programme zur Umstrukturierung der Wirtschaft in die
Wege leiten.
Schließlich stellt sich den Vereinigten Staaten die
Herausforderung, im Rahmen eines Budgets für das
Außenministerium, das einen aktiven Ansatz zu den
diplomatischen Herausforderungen einer sich wan-

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delnden Welt darstellt, eine energische Diplomatie zu
betreiben. Ich möchte nochmals die Notwendigkeit
finanzieller Flexibilität hervorheben, insbesondere da
sie unsere Fähigkeit betrifft, Mittel innerhalb unserer
sehr angespannten Haushaltslage im Außenministerium zu transferieren.
Bilaterale Hilfe
Bilaterale militärische und wirtschaftliche Hilfe wird ein
wichtiges Instrument bei der Förderung amerikanischer Interessen in den neunziger Jahren sein, aber
nur wenn die notwendige Flexibilität aufgebracht werden kann, um den sich abzeichnenden Bedürfnissen
gerecht zu werden. Kein anderes uns zur Verfügung
stehendes Mittel ist so geeignet, um unseren Freunden und Verbündeten auf der ganzen Welt zur rechten
Zeit Beistand zu leiten. Unser Interesse an politischem
Pluralismus, marktorientierter Wirtschaftsentwicklung,
Frieden und Stärkung von Bündnissen - all dies kann
durch den vernünftigen Umgang mit den Mitteln für
bilaterale Hilfe gefördert werden.
Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung für bilaterale Hilfsprogramme von
insgesamt 13,1 Milliarden Dollar. Das bedeutet eine
6,5prozentige Steigerung gegenüber den für das
Haushaltsjahr 1991 vom Kongreß bewilligten 12,3
Milliarden Dollar. Unser Antrag enthält im einzelnen
folgende Punkte:
4,6 Milliarden Dollar für Rüstungsgeschäfte auf Kreditbasis, wobei das Programm einen Gesamtumfang von
4,9 Milliarden Dollar anstrebt,
3.2 Milliarden für den Wirtschaftshilfefonds, verglichen
mit bisher 3,1 Milliarden Dollar,
1.3 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, ebensoviel wie
im vergangenen Jahr,
800 Millionen Dollar für den Afrikanischen Entwicklungsfonds,
400 Millionen Dollar für Mittel- und Osteuropa, eine
leichte Steigerung gegenüber der Bewilligung im
Haushaltsjahr 1991,
160 Millionen Dollar für die Initiative multilateraler Hilfe
für die Philippinen,
1,3 Milliarden Dollar für bilaterale Nahrungsmittelhilfe
(PL-480) zur Förderung der Exporte von 5,9 Millionen
Tonnen US-amerikanischer Waren,
171 Millionen Dollar für die Drogenbekämpfung plus
zusätzlicher Hilfe für bessere Sicherheit zur Förderung
dieser Bestrebungen.
Multilaterale Hilfe
Für die multilateralen Entwicklungsbanken beantragen wir für das Haushaltsjahr 1992 eine Ausgabeermächtigung von 1,7 Milliarden Dollar, verglichen mit
1,6 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1991. Dies
umfaßt 1,1 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Inter-

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�nationalen Entwicklungsorganisation, zinsverbilligte
Kredite der Weltbank, um den ärmsten Ländern der
Welt vorrangig zu helfen und eine vollständige Finanzierung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung und anderer regionaler Entwicklungsbanken.
Unsere Vorlage für das Haushaltsjahr 1992 umfaßt
darüber hinaus eine Ausgabeermächtigung in Höhe
von 12,2 Milliarden Dollar für die vorgeschlagene
Erhöhung des Anteils der Vereinigten Staaten am
Internationalen Währungsfonds, wie ihn das Haushaltsgesetz vorsieht. Damit soll gewährleistet werden,
daß der IWF über die erforderlichen Mittel verfügt, um
seinen Verpflichtungen als wichtigster Finanzinstitution der Welt nachzukommen. In der dritten Welt
unterstützen IWF-Maßnahmen eine marktorientierte
Anpassung und fördern den Schuldenabbau gemäß
dem Brady-Plan. Der IWF hat darüber hinaus die
Wirtschaftsreform in Osteuropa angeführt und energisch reagiert, um den Ländern zu helfen, die von der
Krise am Persischen Golf ernsthaft betroffen sind.
Ferner fordern wir 250 Millionen Dollar für freiwillige
Beiträge zu internationalen Organisation wie dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (115
Millionen) und UNICEF (55 Millionen Dollar).
Flüchtlingshilfeprogramme
Die Vereinigten Staaten spielen weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Lösung des Problems der Flüchtlinge
auf der Welt - durch unsere internationale Hilfe und
nationale Umsiedlungsprogramme sowie mittels diplomatischer Bestrebungen, mit denen eine dauerhafte
Lösung für die Flüchtlinge gefunden werden soll.
Für das Haushaltsjahr 1992 fordern wir 491 Millionen
Dollar für Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe, verglichen mit 486 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1991.
Für unsere Flüchtlingshilfeprogramme im Ausland
beantragen wir 233 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1992, gegenüber dem Haushaltsjahr 1991 eine Steigerung von 20 Millionen Dollar. Diese Programme
werden weiterhin ihren Schwerpunkt bei der Überlebenshilfe für die schwächsten Bevölkerungsgruppen
setzen und dauerhafte Lösungen unterstützen, indem
Möglichkeiten freiwilliger Rückführung und lokaler Integration unterstützt werden.
Zur Finanzierung der Aufnahme und Umsiedlung von
Flüchtlingen beantragen wir im Haushaltsjahr 1992
192 Millionen Dollar. Damit werden die Ausgaben für
schätzungsweise 120 000 Flüchtlinge - derselben Zahl
wie im vergangenen Jahr - gedeckt. Die meisten
Flüchtlinge kommen aus der Sowjetunion und Vietnam, aber auch aus Osteuropa, Afrika, Lateinamerika
und dem Nahen Osten werden Flüchtlinge aufgenommen. Familienzusammenführungen werden weiterhin
ebenso hohe Priorität haben wie die Umsiedlung verfolgter religiöser Minderheiten und ehemaliger politischer Gefangener.

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Darüber hinaus fordern wir 20 Millionen Dollar zur
Auffüllung des vom Präsidenten ins Leben gerufenen
Nothilfefonds für Auswanderer und Flüchtlinge, damit
wir weltweit auf unvorhergesehene Auswanderungsund Flüchtlingsprobleme reagieren können.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Vorlage zur
internationalen Entwicklungshilfe ist die Forderung
nach 200 Millionen Dollar zur Deckung der laufenden
Kosten des Peace Corps.
Investitionen in die Diplomatie
Die Golfkrise liefert ein anschauliches Beispiel für die
"Vorreiterrolle" des Außenministeriums beim Schutz
amerikanischer Bürger und der Verteidigung amerikanischer Interessen im Ausland. Dies ist eine zunehmend teure Verpflichtung, die noch durch die Anforderungen an das Ministerium verstärkt wird, seine Arbeit
zu erweitern, um neuen politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten auf der ganzen Welt gerecht zu
werden. Fluktuationen bei den Wechselkursen, höhere Inflationsraten im Ausland und die anhaltende Notwendigkeit zur Verbesserung der Sicherheit unserer
Vertretungen und Mitarbeiter im Ausland tragen zur
weiteren Verschärfung des Problems bei. Heute sehen
wir uns mit einer potentiellen und beunruhigenden
Schwächung der Infrastruktur unseres auswärtigen
Dienstes konfrontiert und dies zu einer Zeit, in der wir
aufgefordert sind, außergewöhnlichen und neuen
Herausforderungen gerecht zu werden.
Seit Januar 1989 messen wir unserer verbesserten
Fähigkeit zum Umgang mit knappen Mitteln größere
Priorität bei:
Um die nationalen Interessen bessermitden verfügbaren Ressourcen in Einklang zu bringen, unternehmen
wir Schritte zur besseren Integration von politischer
Planung und Haushaltsprozeß.
Zur verbesserten Leitung der Mitarbeiter im auswärtigen Dienst führen wir erstmals wichtige Vorschläge
der Bremer- und der Thomas-Kommission durch.
Um Personal und finanzielle Mittel einzusparen, haben
wir ein neues Zentrum ins Rosslyn (Virginia) gegründet, in dem Tausende von Asylanträgen aus der
Sowjetunion bearbeitet werden. Dies soll Modellcharakter für künftige Anforderungen im konsularischen
Bereich haben.
Zur Erhaltung unserer Immobilien im Ausland haben
wir einen professionellen Verwaltungsapparat errichtet und die Durchführung eines Fünfjahresplans in die
Wege geleitet, der Neubauten, Wiederaufbau, Reparatur und Wartung vorsieht.
Um die Rentabilität unserer Sicherheitsbestrebungen
zu fördern, haben wir Reformen auf den Weg gebracht,
die unsere weitreichenden Bestrebungen in über 250
Vertretungen im Ausland länderspezifischen Bedrohungsprofilen anpassen.

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�Für die Gehälter und Ausgaben des Außenministeriums beantragen wir eine Ausgabeermächtigung von
2 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1992, was gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr eine Steigerung
von 179 Millionen Dollar darstellt. Dies ist das Minimum der von uns benötigten Mittel zur Finanzierung
unserer Operationen im In- und Ausland: über zwei
Drittel des Zuwachses ergeben sich aus Preissteigerungen und veränderten Wechselkursen. Der Rest
wird zur Unterstützung bestimmter notwendiger Finanzierungen eingesetzt:

Hinwendung zu Reformen in Haushalt und Verwaltung
bei den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen bekanntgeben zu können. Niemand, der Zeuge
der Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf die jüngsten
Ereignisse am Persischen Golf geworden ist, könnte
die Bedeutung einer finanziell stabilen UNO für die
Interessen der Vereinigten Staaten leugnen.
Wir engagieren uns auch weiterhin für die vollständige
Finanzierung der gesetzlich vorgesehenen amerikanischen Beiträge und unserer Zahlungsrückstände aus
dem vergangenen Jahr über die nächsten vier Jahren
hinweg. Wir begrüßen die im Haushaltsjahr 1991
erhaltene vollständige Finanzierung, die eine Anschubfinanzierung für den notwendigen Prozeß der Abzahlung von Rückständen beinhaltete. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir eine Ausgabeermächtigung
von 750 Millionen Dollar, um unsere gegenwärtigen
Beiträge an internationale Organisationen zahlen zu
können, plus zusätzliche 371 Millionen für die Abzahlung von Rückständen, die in den kommenden vier
Jahren erfolgen soll. Für internationale Aktivitäten zur
Bewahrung des Friedens fordern wir 69 Millionen
Dollar, um unseren finanziellen Verpflichtungen gerecht zu werden, plus 132 Millionen für die Zahlungsrückstände.

Erweiterung unserer diplomatischen Präsenz in der
Sowjetunion und Osteuropa (25 Millionen Dollar),
Reaktion auf zunehmenden Bedarf bei der Bearbeitung von Einwanderungsanträgen aufgrund der Verabschiedung des Einwanderungsgesetzes von 1990
(24 Millionen Dollar),
Stärkung unserer Informations- und Finanzsysteme
durch Verbesserung der Infrastruktur (13,5 Millionen
Dollar),
Für Bautätigkeit im Ausland haben wir für das Haushaltsjahr 1992 Mittel im Umfang von 570 Millionen
Dollar gefordert. Von dieser Gesamtsumme sind 440
Millionen Dollar die erste Rate eines Fünfjahresplans
im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar, mit dem das Außenministerium die vordringlichsten Umbauarbeiten finanzieren will, unter anderem in den Botschaften in
Bangkok und Bogota. Unser Ziel besteht darin, die Sicherheit und den Betrieb unseres alternden, aber wertvollen Bestands an Einrichtungen im Ausland aufrechtzuerhalten.

Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit wird eines unserer wichtigsten Instrumente bei unserem Versuch sein, die weltweite Bewegung zu Demokratie und politischem Pluralismus zu fördern. Für die wertvolle Arbeit des USInformationsamts und der Internationalen Rundfunkbehörde fordern wir für das Haushaltsjahr 1992 1,3
Milliarden Dollar und damit etwas mehr als im Vorjahr.
Innerhalb dieses Rahmens wird ein neuer Schwerpunkt auf Information und Kulturprogrammen in Osteuropa, der Sowjetunion und der Islamischen Welt
liegen.

Darüber hinaus beantragen wir 130 Millionen Dollar
zur Finanzierung des Projeks der Botschaft in Moskau.
Es ist unabdingbar, daß wir jetzt eine Entscheidung für
ein neues Gebäude treffen, so daß wir sobald wie
möglich die Arbeit in einem angemessenen und sicheren Umfeld aufnehmen können.

Schlußbemerkung

Beiträge an internationale Organisationen

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen. Wir freuen uns auf
die Zusammenarbeit mit Ihnen und den Mitgliedern
dieses Ausschusses in den kommenden Monaten, um
die erforderlichen Ressourcen zur Durchführung unseres ehrgeizigen außenpolitischen Programms zu
mobilisieren.

Der Präsident hat die Notwendigkeit der Wiederherstellung finanzieller Lebensfähigkeit der Vereinten
Nationen und anderer internationaler Organisationen

betont. Nach mehrjährigen Bemühungen des Kongresses und der Regierung freuen wir uns, eine starke

ifc *

Seite 12

-k

*

*

AMERIKA DIENST 6

�GOLFKRIEG
13. Februar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse im Januar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für Januar 1991 fort. Der
Teil vom 1. bis 15. Januar 1991 wurde um wesentliche Passagen ergänzt.

2. Januar
Berichten zufolge treffen sich 16 Faktionen der irakischen Opposition in Beirut. Sie veröffentlichen eine
Erklärung, in der die Notwendigkeit zur Beendigung
von Präsident Saddam Husseins Herrschaft, die Aufhebung ungerechter Gesetze, ein Ende der Diskriminierung und die Bildung einer Koalitionsregierung
gefordert wird. Sie bekräftigen die Notwendigkeit
bürgerlicher Freiheiten sowie, dem Willen der Mehrheit
entsprechend, die Genehmigung politischer Aktivitäten und parlamentarischer Verfahrensweisen.
Auf Bitten der Türkei um Beistand bei der Abschrekkung einer Bedrohung durch den Irak gestattet der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO die Stationierung von Flugzeugen aus Belgien, Deutschland
und Italien im Südwesten der Türkei.
3. Januar
Präsident Bush erklärt seine Bereitschaft, Außenminister Baker zu Gesprächen mit dem irakischen Außenminister Tarik Asis nach Genf zu entsenden.
Die London Press Association berichtet, daß die britische Regierung 75 Iraker aus Großbritannien ausweist, unter ihnen sieben Diplomaten. Ein Sprecher
des Außenministeriums erklärt, es sei "nur vernünftig,
alle Vorkehrungen zu treffen".
Die Außenminister Pakistans, des Iran und der Türkei
fordern auf ihrem eintägigen Treffen in Islamabad den
vollständigen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
und die uneingeschränkte Wiederherstellung der
Unabhängigkeit und Souveränität Kuwaits im Einklang
mit den Resolutionen des UN-Sicherheitrats und der
Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz. Die Minister fordern den Generalsekretär der

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OIC auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun und im
Rahmen dessen eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die Golfkrise zu einer friedlichen Lösung zu
führen.
4. Januar
Der Irak erklärt, Außenminister Tarik Asisam 9. Januar
zu Gesprächen mit Außenminister Baker nach Genf zu
entsenden.
5. Januar
In einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache
erklärt Präsident Bush, daß Außenminister Baker bei
dem Treffen mit seinem irakischen Kollegen in Genf
"eine persönliche Botschaft an Saddam Husein übergeben will - sich bedingungslos und unverzüglich aus
Kuwait zurückzuziehen oder die schrecklichen Konsequenzen tragen zu müssen".
7. Januar
Der portugiesische Premierminister Cavaco Silva
bekräftigt bei einem Treffen mit den Oppositionsführern Portugals seine Unterstützung für die UNO-Resolutionen und Aktivitäten der Koalition am Golf und "ist
bereit, seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Verbündeten zu erhöhen".
Der norwegische Au ßenminister Thorwald Soltenberg
erklärt, die fünf nordischen Länder engagierten sich
politisch, finanziell und praktisch, um den Vereinten
Nationen bei der Entwicklung eines langfristigen Sicherheitsarrangements im Nahen Osten zu helfen.
Zur Gewährleistung des irakischen Abzugs und Förderung der Stabilität bieten die nordischen Länder Friedenstruppen und Beobachter unter der UN-Flagge an.

Seite 1

�8. Januar
Beim Eintreffen der Außenminister Baker und Asis in
Genf bezeichnet Präsident Bush in einer Fernsehansprache Bakers Mission als "vielleicht die letzte Chance" zur friedlichen Lösung des Konflikts. Auf dem Weg
nach Genf trifft Baker die Verbündeten in Frankreich,
Deutschland und Italien.
Präsident Bush fordert den US-Kongreß auf, eine
Resolution zu verabschieden, derzufolge "er den Einsatz aller erforderlichen Mittel zur Durchführung der
Resolution 678 des UN-Sicherheitrats unterstützt". In
einem Brief an die führenden Politiker im Kongreß
erklärt Bush, eine solche Resolution "würde die allerdeutlichste Botschaft an Saddam Hussein übermitteln,
daß er sich bedingungslos und unverzüglich aus Kuwait
zurückziehen muß".
Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im
Repräsentantenhaus, Les Aspin (Demokrat aus Wisconsin), veröffentlicht ein drittes "Weißbuch" zur Golfkrise, demzufolge eine militärische Offensive eine
"vernünftige Option" darstellt, wenn diplomatische
Bestrebungen den Irak nicht aus Kuwait vertreiben
können.
Bei einem Besuch britischer Truppen in Saudi-Arabien
schließt der britische Premierminister John Major eine
nukleare Antwort auf einen irakischen Angriff mit
chemischen Waffen aus. "Wir verfügen über zahlreiche andere Waffen", so Major.
Der belgische Außenminister Mark Eyskens erklärt in
einem Interview in Brüssel, der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung des Irak aus Kuwait könne mit einem
gelockerten Handelsembargo, denWetterbedingungen
und der Zerbrechlichkeit des westlichen Bündnisses
gerechtfertigt werden. Ein langfristiges Embargo, so
Eyskens, könne Länder wie Ägypten, Jordanien und
die Türkei hart treffen und destabilisieren.
Der Staatschef von Niger, Ali Saibou, trifft sich in Riad
mit König Fahd von Saudi-Arabien zur Erörterung der
Golfkrise. Saibou erklärt, Niger habe Verständnis für
König Fahds Position und unterstütze ihn bei der
Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region.
Niger hat ein 481 Mann starkes Bataillon zur Verteidigung Saudi-Arabiens gegen die irakische Aggression
in die Region entsandt.
9. Januar
Außenminister Baker und sein irakischer Amtskollege
Tarik Asis führen in Genf secheinhalbstündige Gespräche. Bei einer Pressekonferenz im Anschluß an
das Treffen erklärt Baker: "Bedauerlicherweise habe
ich nichts vernommen, das auf Flexibilität seitens des
Irak im Hinblick auf die Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats hindeutet." Darüber hinaus
weigere sich Tarik Asis, einen Brief von Präsident
Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein
entgegenzunehmen.
Seite 2

In Bagdad erklärt Saddam Hussein bei einer Sitzung
der Baath-Partei, "Sie (die Amerikaner) werden in
ihrem Blut baden", wenn ein Krieg ausbricht.
Bei einer Pressekonferenz stellt Präsident Bush fest,
obwohl er "entmutigt" über das Ergebnis der Gespräche sei, werde er "weiterhin versuchen, Saddam Hussein
entgegenzukommen". "Wir werden um des Friedens
willen noch einen Schritt weitergehen. Wenn Saddam
Hussein jedoch nichts unternimmt, wird die UNOResolution 678 vollständig Anwendung finden."
UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar gibt
seine Reise nach Bagdad zu Gesprächen mit dem
irakischen Präsidenten Saddam Hussein bekannt.
Der jamaikanische Premierminister Manley erklärt in
einer im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament, Jamaika und andere in der Karibischen Gemeinschaft und dem Gemeinsamen Markt (CARICOM) zusammengeschlossene Staaten hätten die
UNO-Resolutionen zur irakischen Invasion in Kuwait
stets uneingeschränkt unterstützt und würden dies
auch in Zukunft tun.
10. Januar
Das amerikanische Außenministerium verkündet, daß
die amerikanischen Diplomaten und der Geschäftsträger Joseph Wilson Bagdad am 12. Januar an Bord
eines Charterflugzeugs verlassen werden. Die Vereinigten Staaten geben ferner den weiteren Abbau der
offiziellen amerikanischen Präsenz im Jemen bekannt
und weisen amerikanische Staatsbürger an, nicht
zwingend erforderliche Reisen nach Algerien, Marokko und Tunesien aufgrund der "unsicheren Lage in der
Region wegen der Nichteinhaltung der UNO-Resolutionen durch den Irak" aufzuschieben.
Das dänische Folketing verabschiedet einstimmig eine
Resolution mit der Forderung nach dem vollständigen
Abzug des Irak aus Kuwait und der uneingeschränkten
Unterstützung für die Schlichtungsversuche des UNOGeneralsekretärs Perez de Cuellar.
Der Gouverneur einer Provinz im Südosten der Türkei,
Hayri Kozakcioglu, erklärt, über 300 irakische Soldaten und Zivilisten seien in den vergangenen Tagen in
die Türkei geflohen. Die Deserteure seien unbewaffnet gewesen. Sollten noch mehr Flüchtlinge kommen,
so Kozakcioglu, sei die Türkei bereit, die notwendigen
Schritte zu ihrer Versorgung und zum Schutz von
Leben und Besitz der Bevölkerung in den östlichen und
südöstlichen Regionen der Türkei bei Ausbruch des
Krieges zu unternehmen.
11. Januar
Nach neunstündiger Debatte gibt das niederländische
Parlament seine Zustimmung zur Kabinettsentscheidung, niederländische Fregatten im Falle eines Krieges
in den Golf zu entsenden.

AMERIKA DIENST 6

�John de Chastelaine, General im kanadischen Verteidigungsstab, befiehlt die Entsendung von sechs zusätzlichen CF-18-Flugzeugen und einem Boeing 707Tankflugzeug an den Golf, um die Luftsicherung der
Marineeinheiten zu gewährleisten.
Beide Häuser des indischen Parlaments verabschieden einstimmig gleichlautende Resolutionen, die alle
an der Golfkrise beteiligten Parteien auffordern, einen
Krieg zu verhüten und entschiedene Anstrengungen
zu unternehmen, durch Dialoge unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder in anderer Form
eine friedliche Lösung anzustreben.
12. Januar
Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und
52 zu 47 Stimmen im Senat verabschiedet der amerikanische Kongreß eine gemeinsame Resolution, mit
der Präsident Bush die Befugnis zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte erteilt wird, um die irakischen Truppen aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben und die
Einhaltung der UNO-Resolutionen zu erzwingen. Nach
der Abstimmung lädt der republikanische Minderheitsführer im Senat Robert Dole aus Kansas den irakischen Botschafter Mohamed al-Mashat in sein Büro zu
einem Treffen mit 10 Senatoren beider Parteien ein,
die erklären, ihre Abstimmung sei ein Versuch in letzter
Minute gewesen, einen Krieg durch den Abzug irakischer Streitkräfte aus Kuwait zu vermeiden. Der
Botschafter erklärt, er werde die Botschaft nach Bagdad weiterleiten.
Präsident Bush zufolge ist die Abstimmung des Kongresses das "deutlichste Signal an den Irak, daß er das
Ultimatum vom 15. Januar nicht ignorieren kann".
Bush fügt hinzu, wenn der Irak nicht aus Kuwait
abziehe, werde ein Agriff "eher früher als später"
edolgen.
Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut von Präsident Bushs Brief an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein vom 5. Januar, in dem unter anderem erklärt wird, "dies ist ein Krieg, der nur durch die
vollständige und bedingungslose Einhaltung der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats durch den Irak
beendet werden kann. Wir bevorzugen eine friedliche
Lösung... Alles andere als die vollständige Einhaltung
der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats und der
vorausgegangenen Resolutionen ist unannehmbar."
Der stellvertretende Abteilungsleiter im US-Außenministerium Jock Covey fordert den irakischen Botschafter al-Mashat auf, das Botschaftspersonal auf ingesamt 4 Personen einschließlich des Botschafters zu
reduzieren. Das übrige Botschaftspersonal muß die
Vereinigten Staaten bis zum 15. Januar null Uhr verlassen haben.

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13. Januar
UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar trifft mit
Saddam Hussein zu Gesprächen zusammen, die weithin
als letzte Chance zur Abwendung eines Krieges betrachtet werden. Perez de Cuellar erklärt nach dem
dreieinhalbstündigen Meinungsaustausch, er könne
keinen Fortschritt dabei feststellen, den Irak bis zum
Ablauf des Ultimatums am 15. Januar zum Abzug aus
Kuwait zu bewegen.
Verteidigungsminister Cheney erklärt in einem Fernsehinterview, der Zweck eines Einsatzes von Gewalt
in der Golfkrise sei die "Befreiung Kuwaits", fügt
jedoch hinzu, es werde "für die irakischen Streitkräfte
keinen Zufluchtsort im Irak" geben.
In einem Gespräch mit Außenminister Baker in Kairo
deutet der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die
Bereitschaft seines Landes an, gegebenenfalls an
offensiven Aktionen gegen den Irak teilzunehmen. Der
saudische König Fahd war zuvor bereits dieselbe
Verpflichtung eingegangen.
14. Januar
Die 250 Abgeordneten der irakischen Nationalversammlung stimmen per Akklamation für einen Krieg,
anstatt sich den Forderungen der Vereinten Nationen
nach einem Rückzug aus Kuwait zu beugen. Die
Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen und
rufen "lang lebe Saddam" und rezitieren Verse aus
dem Koran, in denen das Märtyrertum in der Schlacht
gepriesen wird.
Die zwölf Außenminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien) beschließen einstimmig, keine Friedensmission in letzter
Minute nach Bagdad zu entsenden. Sie verständigen
sich darauf, keine Einzelinitiativen zu ermutigen.
Bei seiner Rückkehr nach New York bekräftigt UNGeneralsekretär Javier Perez de Cuellar, ihm sei "von
der irakischen Regierung nichts angeboten worden,
was ich als Schritt zum Frieden betrachten kann. Was
mich betrifft, so habe ich getan, was ich tun muß - ich
weiß nicht, ob andere etwas tun werden, aber es
scheint mir, daß es vielleicht ein wenig zu spät ist, um
noch weitere Friedensbemühungen zu starten." Bei
einer Zwischenlandung in Paris hatte Perez de Cuellar
erklärt, er habe mit Präsident Mitterrand, dem britischen Premierminister Major, dem luxemburgischen
Außenminister Jacques Poss, der gegenwärtig den
Vorsitz in der EG führt, sowie den Botschaftern der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gesprochen.
Mitterrand habe dabei keine Alternativen angeboten.

Seite 3

�Der Genern Isnkretär der Organisation der Islamischen
Konferenz. I lamid Algabid, erneuert von Jeddah aus
den Appell an den irakischen Führer, den Geboten des
Islam 711 folgen und den Krieg zu vermeiden.

Der amtierende Oberrichter von Bangladesch, Shahabuddin Ahmed, appelliert an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Der Jemen als einziges arabisches Mitglied des Sicherheitsrats schlägt in den arabischen Hauptstädten
einen Sechs-Punkte-Friedensplan vor, der jedoch bei
den Vereinten Nationen nicht weiterverfolgt wird.

Die Türkei entscheidet sich zur "vorübergehenden
Schließung" ihrer Botschaft in Bagdad. Der Botschafter kehrt zusammen mit 20 Botschaftsangehörigen in
die Türkei zurück.

Französische Diplomaten legen eine Friedensinitiative
vor, die den Abzug des Irak aus Kuwait fordert und
Garantien enthält, daß der Irak nach dem Abzug nicht
angegriffen würde. UN-Streitkräfte würden zur Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt. Angeblich
soll der UN-Sicherheitsrat nach der Einigung über
einen Zeitplan fürden Rückzug einen "aktiven Beitrag"
zur Lösung anderer Nahostprobleme leisten, darunter
die Einberufung einer internationalen Friedenskonferenz "zum geeigneten Zeitpunkt".

In Wien beruft der geschäftsführende österreichische
Außenminister Franz Löschnak den irakischen und
sowjetischen Botschafter zu sich. Nach einer Sondersitzung zur Erörterung der Golfkrise fordert das österreichische Kabinett eine friedliche Lösung der Golfkrise im Einklang mit "den Resolutionen der internationalen Staatengemeinschaft".
Bundeskanzler Franz
Vranitzky gibt bekannt, daß das Rote Kreuz ein
30köpfiges medizinisches Versorgungsteam an den
Golf entsenden wird.

Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering lehnt den französischen Vorschlag ab, weil die
Vereinigten Staaten "keine Schritte unterstützen, die
ein künstliches Junktim schaffen" oder den zwölf bereis verabschiedeten UNO-Resolutionen zuwiderlaufen.

Einem Sprecher des türkischen Außenministeriums
zufolge schließt der Irak den Grenzübergang Habur.
Er fügt hinzu, an der türkischen Grenze seien alle
erforderlichen Maßnahmen für diejenigen getroffen
worden, die den Irak verlassen wollen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak
bestünden jedoch weiterhin fort, so der Sprecher.

Der Exekutivausschuß der Weltgesundheitsorganisation lehnt mit 11 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen
einen vom Irak beantragten Tagesordnungspunkt ab,
der eine Diskussion über das UN-Embargo auf Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel für Menschen
in Notlagen vorsieht. Die WHO erklärt, es genüge ihr,
daß der UN-Sicherheitsrat mit seinen 12 Resolutionen
zur Golfkrise die notwendigen Schritte unternommen
habe, um den irakischen Bedarf an medizinischen
Gütern zu berücksichtigen. Sie stellt darüber hinaus
fest, dem Irak sei mitgeteilt worden, er könne die von
ihm angeforderten medizinischen Güter, Milch und
Säuglingsnahrung bei Erstattung der Kosten von der
WHO beziehen. Der Irak habe die WHO jedoch nicht
gebeten, dies zu tun.
Nach seinen Gesprächen mit dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein erklärt UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar den Ministem der Europäischen
Gemeinschaft bei einem Zwischenstopp in Paris am
Vormittag des 14. Januar, von irakischer Seite habe er
außer massiver Kritik am UN-Sicherheitsrat wegen
seiner Verurteilung des Irak nichts vernommen. Auf
die Frage, ob eine europäische Intervention, Initiative
oder Mission in Bagdad sich noch lohne, antwortet
Perez de Cuellar, das derzeitige Klima sei für solch
eine Initiative "nicht geeignet".
Der Generalsekretär der Organisation für Afrikanische
Einheit, Ahmed Salim, fordert in einem Fernsehinterview den bedingungslosen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait und eine friedliche Lösung der Golfkrise.

Seite 4

15.Januar
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Perez de
Cuellar, fordert den irakischen Präsidenten Saddam
Hussein in einem letzten Appell auf, "den Lauf der
Ereignisse von einer Katastrophe abzuwenden". Am
Vorabend des Ablaufs der von den Vereinten Nationen
fürden irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Frist
drängt Perez de Cuellar den Irak, "unverzüglich mit
dem vollständigen Abzug aus Kuwait zu beginnen".
Der deutsche Bundestag verabschiedet eine Resolution zum Golf mit dem Inhalt, daß alle bisherigen
Versuche zur friedlichen Beilegung der Krise aufgrund
der unerbittlichen Weigerung der irakischen Führung
gescheitert seien, die unrechtmäßige Annexion Kuwaits zu beenden. Die Resolution fordert die irakische
Führung auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
unverzüglich zu befolgen, die irakischen Streitkräfte
aus Kuwait abzuziehen und den Weg für eine friedliche
Lösung der Golfkrise zu ebnen.
In einem Zeitungsinterview erklärt der italienische
Premierminister Giulio Andreotti, "es muß betont werden,
daß es sich um einen Disput zwischen dem Irak und
den Vereinten Nationen handelt, nicht zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten".
Der französische Premierminister Michel Rocas beschuldigt Bagdad, alle Gesprächsangebote abzulehnen und erklärt, es sei nun an der Zeit, den Irak mit
Gewalt aus Kuwait zu vertreiben. "Nachdem wir alles
in unserer Macht Stehende getan haben, um dies zu

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�verhindern, ist jetzt bedauerlicherweise die Zeit zum
Handeln gekommen", so der Premierminister.
Um Mitternacht veröffentlicht das Weiße Haus eine
Erklärung folgenden Inhalts: "Der 15. Januar war die
Frist für den Abzug des Irak aus Kuwait. Es war keine
Frist für UNO-Aktionen. Die Entscheidung für Frieden
liegt immer noch bei Saddam Hussein."
Der amerikanische UNO-Botschafter Thomas Pickering verleiht Reportern gegenüber seiner Hoffnung
Ausdruck, daß Saddam Hussein positiv auf Generalsekretär Perez de Cuellars Appell zum bedingungslosen Abzug aus Kuwait reagiert und eine Katastrophe
für sein Land abwendet. Kurz vor Inkrafttreten der
UNO-Resolution 678 um Mitternacht erklärt Pickering,
die multinationale Streitmacht der Vereinten Nationen
"darf die notwendigen Schritte ergreifen", um Kuwait
zu befreien. "Das bedeutet nicht, das sie dies tun
muß", fährt er fort und fügt hinzu, die verbündeten
Nationen "werden kollektiv entscheiden", wann "alle
erforderlichen Maßnahmen" ergriffen werden, um den
Irak aus Kuwait zu vertreiben. Zweifelsohne sei jedoch
die "Zeit des guten Willens", um dem Irak eine letzte
Möglichkeit zur Befolgung der UNO-Resolutionen
einzuräumen, abgelaufen, erklärt Pickering.
16. Januar
Die Befreiung Kuwaits beginnt, als die Koalition kuwaitischer, saudischer, amerikanischer, französischer und
britischer Streitkräfte die Operation Wüstensturm mit
massiven Bombenangriffen auf militärische Ziele in
Irak und Kuwait startet. Die multinationale Aktion
konzentriert sich auf militärische Ziele wie Kommunikationssysteme, Flughäfen, Verkehrswege, militärische Einrichtungen sowie Produktionsstätten für nukleare und chemische Waffen.
Die Vereinigten Staaten, Kuwait und Saudi-Arabien
unterrichten den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen offiziell über den Angriff der Verbündeten. Der
amerikanische UNO-Botschafter Pickering erklärt dem
Rat gegenüber, das Ziel sei die Befreiung Kuwaits,
nicht die Zerstörung oder Zerstückelung des Irak, und
daß der "Irak noch immer weitere Zerstörung durch
den bedingungslosen, unverzüglichen und vollständigen Abzug aus Kuwait verhindern kann."
17. Januar
General Norman Schwarzkopf erklärt in Riad 36 Stunden nach Beginn der Operation, die Koalitionsstreitmacht habe 1 200 Lufteinsätze gegen Irak und Kuwait
geflogen. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende,
um der unschuldigen Bevölkerung Verletzungen, Leiden oder Zerstörung zu ersparen", so Schwarzkopf.
Er bestätigt ferner, daß der Irak sieben SCUD-BodenBoden-Raketen auf Israel und eine auf Saudi-Arabien
abgeschossen hat. Die mit hochexplosiven konventionellen Gefechtsköpfen bestückten Raketen waren auf

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Wohngebiete, nicht auf militärische Ziele gerichtet.
Schwarzkopf zufolge erzielten die auf Israel abgeschossenen Raketen "unbedeutende Ergebnisse", und
die auf Dharan gerichtete wurde von einer PatriotRakete zertört, bevor sie irgendeinen Schaden anrichten konnte.
18.Januar
Präsident Bush verurteilt den irakischen SCUD-Raketenangriff auf Zivilisten in Saudi-Arabien und Israel und
warnt, kein Nachbarland des Irak sei vor einem irakischen Raketenangriff sicher. Der Präsident verspricht
äu ßerste Anstrengungen bei der Zerstörung irakischer
Raktenstellungen.
Irakische Regierungsvertreter führen gefangengenommene britische und amerikanische Piloten im Fernsehen vor. General Norman Schwarzkopf bestätigt, "mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" würden
mindestens zwei amerikanische Piloten in Bagdad
gefangengehalten. Der repulikanische Senator John
McCain aus Arizona, ein ehemaliger Kriegsgefangener in Vietnam, erklärt, die Aussagen der Gefangenen
seien "offensichtlich unter Druck" gemacht worden.
Großbritannien bittet das Rote Kreuz, das irakische
Vorgehen zu prüfen.
19. Januar
Die Vereinigten Staaten geben die Entsendung von
Patriot-Luftverteidigungseiheiten zur Unterstützung
Israels bei der Verteidigung gegen Raketenangriffe
des Irak bekannt.
Das amerikanische Außenministerium übermittelt dem
irakischen Geschäftsträger Khalid J. Shewayish eine
Verbalnote, in der Bagdad an seine Verpflichtung
gemäß der Genfer Konvention von 1949 erinnert wird,
Gefangene nicht zu mißhandeln. Washington verspricht ferner, "humane und sichere Haftbedingungen
sowie medizinische Versorgung" für gefangengenommene irakische Soldaten bereitzustellen.
21.Januar
Verteidigungsminister Cheney erklärt, der irakische
Plan, gefangengenommene Piloten der Koalitionsstreitmacht als menschliche Schutzschilde zu benutzen, sei eine Verletzung des Völkerrechts und könne
als Kriegsverbrechen eingestuft werden. "Der Irak ist
ein Signatarstaat der Genfer Konvention über die
Behandlung von Gefangenen. Dies würde eine eindeutige Verletzung der Genfer Konvention darstellen.
Es ist in der Tat ein Kriegsverbrechen. Wer einen
solchen Akt begeht, wird dafür zur Rechenschaft
gezogen".
Staatssekretär Robert Kimmet beruft den irakischen
Geschäftsträger zu sich und warnt den Irak, jeder
Versuch, Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht

Seite 5

�in militärischen Zielen im Irak festzuhalten, sei ein
Kriegsverbrechen und die dafür Verantwortlichen würden
persönlich zur Rechenschaft gezogen und unter Anklage gestellt.
22. Januar
Bei einem Angriff irakischer SCUD-Raketen auf
Wohngebiete in Tel Aviv werden drei Israelis getötet
und 90 verletzt. Das Wei ße Haus verurteilt den Angriff
erneut als einen "brutalen Akt des Terrors".
Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten bringen
bei einem Treffen in Luxemburg ihre tiefe Besorgnis
über die "gewissenlose" Verwendung von Kriegsgefangenen durch den Irak im Golfkrieg zum Ausdruck.
Die Erklärung der EG erfolgt als Reaktion auf die
irakische Ankündigung, die Kriegsgefangenen in die
Nähe militärischer Stützpunkte und anderer potentieller Ziele gegnerischer Aktionen zu bringen.
23. Januar
Das Weiße Haus gibt bekannt, die verbündeten Streitkräfte hätten eine Produktionsstätte für biologische
Waffen getroffen, die vom Irak als Fabrik zur Herstellung von Babynahrung getarnt war.
24. Januar
Die Firma Nestle erklärt, in der von der Koalitionsstreitmacht bombardierten Fabrik in Bagdad sei nie Babynahrung hergestellt worden, obwohl auf Filmen, die bei
einer von den irakischen Behörden für ausländische
Journalisten organisierten Betriebsbesichtigung aufgenommenen wurden, Produkte mit dem Warenzeichen von Guigoz, einer Tochtergesellschaft von Nestle, zu erkennen sind.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
in Genf verleiht der irakischen Regierung gegenüber
seiner Besorgnis über die Behandlung der im Golf krieg
gefangengenommenen Piloten der Koalitionsstreitmacht
Ausdruck. Das Komitee erklärt, es habe den Irak an
seine Verpflichtungen im Rahmen der Dritten Genfer
Konvention im Hinblick auf die Behandlung von Kriegsgefangenen erinnert, insbesondere an Artikel 13, der
feststellt, "Kriegsgefangene müssen zu jeder Zeit
geschützt werden, insbesondere vor Gewaltakten oder
Einschüchterung sowie vor Beleidigung und Neugier
der Öffentlichkeit."
Deutschland weist 28 irakische Diplomaten und Regierungsvertreter mit der Begründung aus, die irakischen
Diplomaten an der Anordnung von Terroranschlägen
hindern zu wollen. Die Diplomaten waren dem Auswärtigen Amt zufolge an der irakischen Botschaft in
Bonn und der irakischen Mission in Berlin tätig.
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak erklärt, die
irakischen SCUD-Raketen könnten den Krieg nicht

Seite 6

gewinnen. Er apelliert an den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, das Blutvergießen durch den Abzug
aus Kuwait zu beenden.
25.Januar
Als Reaktion auf Berichte über das massive Einleiten
von Öl in den Persischen Golf aus den vom Irak
besetzten Anlagen erklärt der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete Williams, das absichtliche Verursachen einer Ölpest im Golf stelle "eindeutig
einen Akt des Umweltterrorismus dar".
Präsident Bush zufolge befassen sich Wissenschaftler
aus den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, Kuwait
und anderen Ländern mit der "Umweltverschmutzung
enormen Ausmaßes und haben sich praktisch auf eine
Methode zur Bewältigung der Ölpest geeinigt". Bush
verspricht, daß "alle Anstrengungen unternommen
werden, um das weitere Einleiten von Öl in den Golf zu
unterbinden und die Ausbreitung des Ölteppichs nach
Süden zu stoppen". Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest, der Irak habe das Öl
mehrere Tage lang aus den Tanklagern in Kuwait in
den Golf eingeleitet, indem er absichtlich "den Hahn
aufdrehte und es fließen ließ". Fitzwater zufolge ist der
Ölteppich um ein Vielfaches größer als die durch den
Öltanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verursachte Katastrophe. Die Ölpest im Golf bedroht die
Häfen, Raffinerien und Entsalzungsanlagen SaudiArabiens.
Einer Meinungsumfrage von The Wall Street Journal
und NBC News zufolge stimmen 3 von 4 Amerikanern
Präsident Bushs Handlungsweise zu, insbesondere
seiner Entscheidung, einen Krieg zur Befreiung Kuwaits zu führen.
26. Januar
Präsident Bush entsendet ein Expertenteam für Ölverschmutzung und Umweltfragen der amerikanischen
Regierung nach Saudi-Arabien, um den Saudis bei der
Begrenzung von durch die Ölpest verursachten
Umweltschäden behilflich zu sein.
27. Januar
Dem Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte,
General Norman Schwarzkopf, zufolge zwingen die
Luftangriffe der Koalitionsstreitmacht die irakische
Luftwaffe in den Iran. Schwarzkopf erklärt, in den
vergangenen 24 Stunden seien über 39 Piloten der
irakischen Luftwaffe mit ihren Flugzeugen in den Iran
geflohen.
Die amerikanische Luftwaffe führt gezielte Bombardierungen in Kuwait durch, um die brennenden Ölleitungen zu löschen und den Kontrollmechanismus zu
unterbrechen, mit dem Öl in den Golf gepumpt wird.
"Schätzungen aufgrund der Länge des Ölteppichs

AMERIKA DIENST 6

�zufolge wurden die Leitungen vermutlich um den 19.
Januar geöffnet", so General Norman Schwarzkopf.
Anhand von Filmmaterial erläutert Schwarzkopf: "Ich
zeige Ihnen hier, was wir bisher unternommen haben,
um dieses außerordentlich schwierige Problem militärisch zu lösen und zwar in solcher Weise, daß wir nicht
die gesamte Volkswirtschaft Kuwaits zerstören. Meines Erachtens hatten wir Erfolg, aber nur die Zeit wird
es zeigen."
28.Januar
Der Iran setzt Generalsekretär Perez de Cuellar offiziell davon in Kenntnis, daß er Bagdad die Verwendung der irakischen Militärflugzeuge und -besatzungen, die in iranisches Gebiet eingedrungen sind, bis
zur Einstellugn der Feindseligkeiten am Persischen
Golf nicht gestatten wird. Im Falle der Notlandung
eines Flugzeugs gleich welcher Seite auf iranischem
Territorium wird das Flugzeug dem Iran zufolge beschlagnahmt und bis zur Einstellung der Feindseligkeiten festgesetzt.
Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) bezeichnet das Einleiten von Öl in den Golf
durch den Irak als "eine Umweltkatastrophe ungekannten Ausmaßes". Die Auswirkungen der Ölpest
werden der Organisation zufolge "lange andauern und
Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die
größte Gefahr scheint für die Wasserversorgung der
Länder in der Region zu bestehen, die für ihren täglichen Wasserbedarf von Meerwasserentsalzungsanlagen abhängen." Die WHO appelliert an alle betroffenen Regierungen, die Ausbreitung des Ölteppichs
einzudämmen und die Auswirkungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.
29. Januar
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats
verabschiedet eine Resolution, mit der die irakischen
Angriffe auf Israel, die Behandlung der Kriegsgefangenen und das Einleiten von Öl in den Golf aufs schärfste
verurteilt werden. "Die Versammlung fordert die Einberufung eines Kriegsverbrechertribunals, das sich
mit den zahlreichen bereits von den irakischen Behörden begangenen Verbrechen ebenso befassen soll
wie mit denen, die begangen werden könnten, bis die
Ziele der UNO-Resolutionen verwirklicht worden sind",
so der Wortlaut der Resolution.
Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Bessmertnych stellen in einer Erklärung im Anschluß an ihre Gespräche in Washington fest, "Eine
Einstellung der Feindseligkeiten wäre möglich, wenn
der Irak die eindeutige Verpflichtung zum Rückzug aus
Kuwait eingehen würde." Eine solche Verpflichtung
"muß durch unverzügliche, konkrete Schritte unterstützt werden, die zur vollständigen Einhaltung der

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Resolutionen des UN-Sicherheitsrats führen".
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärt Präsident
Bush, die 28 Nationen umfassende antiirakische Koalition
liege "auf Kurs" und "Iraks Fähigkeit zur Kriegführung
wird zerstört". Er betont jedoch, "Wir wollen nicht die
Vernichtung des Irak, seiner Kultur oder seines Volkes. Wir wünschen vielmehr, daß der Irak seine
riesigen Ressourcen nicht zur Zerstörung einsetzt
oder in den Dienst eines ehrgeizigen Tyrannen stellt,
sondern vielmehr zur Schaffung eines besseren Lebens
für sich und seine Nachbarn."
Dem amerikanischen Verteidigungsministerium zufolge sind inzwischen 80 bis 90 Flugzeuge - 65 Prozent
davon Militärflugzeuge - in den Iran geflogen.
30. Januar
Auf Bitte der NATO entscheidet sich das niederländische Kabinett, zwei Geschwader HAWK-Flugabwehrraketen in die Türkei zu entsenden, um den NATOMitgiiedstaat gegen einen möglichen irakischen Angriff zu verteidigen, gibt ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums bekannt. Die Raketen werden zur Verteidigung von Flughäfen gegen
feindliche Flugzeuge eingesetzt.
Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt im Deutschen
Bundestag, Deutschland müsse unerschütterlich hinter der antiirakischen Koalition und Israel stehen und
finanziell zu deren Verteidigung beitragen, selbst wenn
Deutschland keine Truppen an den Golf entsenden
könne. Deutschland bietet Israel ein Verteidigungspaket in Wert von 500 Millionen Dollar an, das Arzneimittel und medizinsches Gerät, Patriot-Raketen, ABCSchutzgerät und finanzielle Unterstützung beim Bau
von zwei U-Booten in deutschen Schiffswerften umfaßt.
31. Januar
Der türkische Religionsführer Mustafa SayitYazicioglu
stellt in einer schriftlichen Erklärung fest, der Aufruf
zum heiligen Krieg gegen die multinationale Streitmacht sei unangebracht. Yazicioglu zufolge handelt
es sich bei dem Krieg am Golf nicht um einen Konflikt
zwischen Christen und Moslems. "Dies ist kein Krieg
zwischen Christen und Moslems. In der Koaltionsstreitmacht gibt es auch moslemische Streitkräfte. Ihr
Ziel ist, die von einem Nachbarn einem anderen Nachbarn aufgezwungene Unterdrückung zu beenden",
erläutert Yazicioglu.
Ein Konvoi des Roten Kreuzes überquert mit 19 Tonnen medizinischer Hilfsgüter für die irakische Bevölkerung die Grenze zwischen Iran und Irak. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf erklärt, es
handele sich um die erste Mission seit Ausbruch des
Krieges.

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Seite 7

�EUROPA/NATO
13. Dezember 1991

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE SICHERHEIT IN
EINER NEUEN WELTORDNUNG
Rede des Ständigen US-Vertreters im NATO-Rat
LONDON - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, William Taft, erklärte am
8. Februar 1991, "trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die Entwicklungen im
Baltikum noch die Notwendigkeit ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa".
Taft ging bei seiner Rede am Internationalen Institut für Strategische Studien vor allem auf die Frage europäischer Sicherheit in der neuen Weltordnung ein. Er erläuterte die Ziele der Vereinigten Staaten in Europa, die
Rolle der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten und des Kongresses bei der Entscheidungsfindung,
die Bedeutung der NATO und die potentielle Rolle europäischer Institutionen. "Wir unterstützten einen
europäischen Pfeiler und zwar einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern der innerhalb des Bündnisses
wirkt, seine Aufgaben ausführt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig wird, wenn sich ihm dort neue
Aufgaben stellen", erklärte Taft.
Nachfolgend veröffentlichen wir William Tafts Rede im Wortlaut.

Obgleich mein Thema heute die Rolle der Vereinigten
Staaten im neuen Europa ist, wäre es nachlässig von
mir, vor dieser Runde zu sprechen, als ob ein Austausch zwischen Wissenschaftlern und Politikern ohne
Bezug zur Realität stattfinden könnte. Da CNN uns
den Krieg bereits ins Büro und nach Hause überträgt,
möchte ich Sie mit dieser Art der Realität nicht belasten, sondern durch die Nebel des Golf kriegs den Blick
auf unsere Zukunft richten. (Da die Iraker jetzt in ihrem
Krieg auf Umweltterrorismus zurückgreifen, ist Ölschlamm vielleicht als Metapher besser als Nebel.)
Wir hatten einen kurzen Frieden - genau vier Wochen
- vom Zeitpunkt der Londoner Erklärung am 6. Juli, als
das Bündnis zu dem Schluß gelangte, daß die Sowjetunion kein Feind mehr sei, bis zum 2. August, als
Saddam Hussein Kuwait besetzte. Es ist die erklärte
Politik der Vereinigten Staaten, diesen Frieden wiederherzustellen und zu bewahren. Trotz der Anforderungen des Golfkriegs vernachlässigen wir weder die
Entwicklungen im Baltikum noch die Notwendigkeit
ständiger Verbesserungen der Stabilität in ganz Osteuropa.

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Präsident Bush hat von einer neuen Weltordnung
gesprochen. Einige Kommentatoren haben diese
Vision angesichts der Unmöglichkeit, den Golfkrieg zu
verhindern, der mangelnden Geschlossenheit der EGMitglieder im Hinblick auf die dortige Situation, angesichts des Scheiterns der Perestrojka und des Einsatzes von Gewalt im Baltikum zu hastig verbannt. Wir
verschließen nicht die Augen vor dieser heiklen Situation. Aber unsere Kritiker sollten auch nicht blind
gegenüber den Möglichkeiten sein, die eine gemeinsame Anstrengung der Koalition und sachkundige Diplomatie uns bieten.
Wir können hoffentlich auf die Frage: "Wo waren Sie
während des Krieges?" antworten: "Wir haben am
Frieden für die kommende Generation gearbeitet."
Wenn wir dabei Erfolg haben, wird es diesen Frieden
nicht nurfür die NATO, sondern auch fürdie Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt
geben, für die Mitglieder der arabischen Koalition im
Golf krieg und auch für den Irak selbst. Die Vereinigten
Staaten befinden sich nicht im Krieg mit dem Irak,
sondern die Welt befindet sich im Krieg mit einem
Tyrannen.
Seite 1

�Ich möchte meinen Blickwinkel etwas auf die Ziele der
Vereinigten Staaten in Europa konzentrieren und sie in
den Kontext einer neuen Weltordnung stellen. Was
will die Regierung?
Vor vierzehn Monaten hat Außenminister Baker in
Berlin von den Bestandteilen einer neuen europäischen Architektur gesprochen: NATO, KSZE und EG.
Während von Diplomaten - wie von Nostradamus immer erwartet wird, daß sie sich öffentlich vage
genug ausdrücken, um den potentiellen Entwicklungen nicht vorzugreifen, war Außenminister Bakers
Rezept ziemlich genau. Mit beträchtlichem Erfolg
diente es im vergangenen Jahr als Leitlinie der sich
abzeichnenden Ordnung in Europa. Die Vereinigten
Staaten haben ihre Beziehungen zu den Institutionen
der EG verbessert. Die KSZE hat die Pariser Charta
hervorgebracht. Deutschland ist vereinigt. Die NATO
hat sich verändert und arbeitet nunmehr an der Entwicklung einer Strategie, die sich nicht nur nach Ereignissen richtet, sondern historische Bedeutung hat.
Gibt es - real oder symbolisch - etwas Eindrucksvolleres als die Nominierung eines Botschafters bei der
NATO durch die Sowjetunion und ihre früheren Verbündeten im Warschauer Pakt? Wenn dies der Fall ist,
dann sind es die häufigen und regelmäßigen Konsultationen, die sich daraus ergeben haben. Zum Beispiel
konnten wir - als Bündnis aus 16 Ländern - unsere
Besorgnis über den Einsatz von Gewalt im Baltikum
Botschafter Afanassiewski in aller Deutlichkeit und mit
allem Nachdruck direkt vortragen. Und er konnte uns
die Interpretation der Ereignisse und die Absichten
seiner Regierung unmittelbar mitteilen. Macht das
einen Unterschied? Sind das nicht nur Worte? Die
Antwort lautet: Ja, das tatsächlich nur Worte. Deshalb
macht es einen Unterschied."
Unser Programm für die Zukunft, die weitere Verbesserung des Gerüsts der Architektur von Außenminister
Baker, umfaßt folgende Punkte:
Förderung und Entwicklung eines europäischen Sicherheitsgefüges im Rahmen des NATO-Bündnisses,
möglicherweise durch die Weiterentwicklung der
Westeuropäischen Union,
Entwicklung eines Mechanismus zur Koordinierung
von Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten,
Vervollständigung anderer Elemente der neuen NATOStrategie,

Sicherheitsgefüges, das oftmals auch als europäischer Pfeiler bezeichnet wird.
Was wollen wir? Ich möchte versuchen, diese Frage
zu beantworten, indem ich die Gegenfrage stelle, was
Sie als Europäer wollen. Wollen sie die Integrität des
Bündnisses erhalten? Darüber gibt es hier keine
Diskussionen und keine abweichende Meinung - darin
sind wir uns alle einig.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr zu
sagen haben? Meiner Ansicht nach lautet die Antwort
darauf ebenfalls Ja. Die Vereinigten Staaten sind
ebenfalls dieser Meinung.
Wollen Sie ein Bündnis, in dem die Europäer mehr
Verantwortung haben? Einige sagen dazu "Ja", andere "Ja, aber...". Und manche schweigen sich aus.
Aber ich höre niemanden, der "Nein" sagt. Was wollen
die Vereinigten Staaten? Wenn Sie eine größere Rolle
spielen wollen, dann muß auch die Verantwortung
größer werden. Dieser Annahme stimmen wir als
logische Schlußfolgerung zu.

&gt;

Wie sollen die Europäer diese Befugnis ausüben?
Durch die EG oder die WEU? Oder wie sonst? Wenn
ich das meine, was ich auf die beiden letzten Fragen
geantwortet habe, dann steht es einem Amerikaner
nicht zu, die Mittel zu bestimmen, mit denen die
Europäer im Kollektiv mehr Autorität ausüben oder
größere Verantwortung übernehmen sollten. Ich kann
jedoch sagen, daß wir enttäuscht sein werden, wenn
Sie diese Rolle nicht gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten übernehmen. Das hieße jeder, der es tut - die
EG, die WEU oder irgendeine andere Institution - muß
zumindest die Dinge fortführen, die wir in der Vergangenheit in der NATO vollbracht haben. Ich spreche
mich hier nicht für eine Beibehaltung der alten NATO
aus - aber für eine weiterentwickelte NATO, die engere
Beziehungen zur WEU entwickeln, die Beziehungen
zu den Ländern Mittel- und Osteuropas intensivieren
und gemeinsam an unserem Ziel eines "ungeteilten
und freien" Europa arbeiten könnte.
Wir unterstützen einen europäischen Pfeiler und zwar
einen, der dieses Bündnis nicht nachahmt, sondern
der innerhalb des Bündnisses wirkt, seine Aufgaben
ausfüllt und der nur außerhalb des Bündnisses tätig
wird, wenn sich ihm dort neue Aufgaben stellen. Ich
möchte Ihnen nachfolgend einige positive Prinzipien
vorstellen, die der stärkeren "Europäisierung der NATO"
als Leitlinie dienen könnten.

Abschluß laufender Rüstungskontrollverpflichtungen,
einschließlich START, der Ratifizierung von KSE,
nachdem die Sowjets die statistischen Unstimmigkeiten befriedigend gelöst haben und die Aufnahme von
Gesprächen über Kurzstreckenwaffen.

Erstens sollten alle Veränderungen die Effektivität des
Bündnisses als der Institution verbessern, die eine
große Bandbreite sicherheitspolitischer Fragen abdeckt.

Obwohl all diese Punkte unsere Aufmerksamkeit fordern, werde ich meine Ausführungen auf den ersten
beschränken - die Entwicklung eines europäischen

Zweitens sollten wir weiterhin die Gemeinsamkeit unserer
Werte und Interessen betonen. Das heißt, unser
Bündnis könnte unbeabsichtigt Unterschiede zwischen
uns zutage treten lassen, aber es dient vornehmlich

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 6

i

�der Förderung unserer gemeinsamen Interessen. Wir
müssen es auf eine Weise nutzen, die diesem wichtigen Faktor Rechnung trägt.

•

«

Drittens sollte jedes neue Verfahren zum Ziel haben,
daß sich alle 16 Mitglieder vollständig beteiligen. Es
sollte nicht die zentrale transatlantische Verbindung
lockern oder Bündnismitglieder bei Sicherheitsfragen
benachteiligen. Offen gesagt heißt dies, daß Mitglieder, die nicht in der EG oder WEU sind, von der
Entscheidungsfindung nicht ausgeschlossen werden
dürfen.
Viertens könnten Veränderungen das Grundprinzip
des Bündnisses - die kollektive Bestrebung zur Selbstverteidigung - verbessern. Die Bemühungen der NATO
um einen kollektiveren Ansatz zur Verteidigung - zum
Beispiel die Entwicklung multinationaler Einheiten
innerhalb der integrierten Struktur - sollte mit Fortschritten zu größerer Integration der Europäer in anderen
Bereichen einhergehen.
Interaktion von Sicherheitsinstitutionen
Mit Blick auf eine neue Sicherheitsstruktur über die
NATO hinaus möchte ich die Elemente einer sich
ergänzenden Architektur erörtern. Das Gefüge sollte
drei Voraussetzungen erfüllen:
Schutz vor einer Bedrohung von innen oder außen,
innere Stabilität, sowohl zwischen Ost und West als
auch innerhalb des Westens,
weltweite Friedenserhaltung und wie es die Lage am
Golf zeigt, in gewissem Maß Übertragung von Macht.
NATO

j

Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die NATO als wichtigste Organisation die europäische
Sicherheit gewährleisten mu ß. Die NATO - und nur die
NATO - kann die Größe und Fähigkeiten der Sowjetunion ausgleichen, sowohl in Zeiten derZusammenarbeit als auch in Zeiten der Spannung.
Gemeinsam mit anderen Institutionen teilt sie sich die
Rolle als Garant für Stabilität. Sie spielt nur eine
begrenzte, aber entscheidende Rolle dabei, auf der
ganzen Welt logistische Unterstützung zu leisten, und
sie spielt in diesen Bereichen eine politische Rolle als
wichtigstes Forum transatlantischer Konsultationen.
Angesichts ihres defensiven Charakters und ihrer
geographischen Ausrichtung kann sie ihre militärische
Macht nicht übertragen.
EG
Die EG spielt gemeinsam mit anderen Institutionen
eine Rolle bei der Bewahrung von Stabilität. Sie
entwickelt eine führende sicherheitspolitische Rolle
außerhalb der vereinbarten NATO-Aufgaben. Und sie
könnte auch bei den NATO-Aufgaben eine sicher-

AMERIKA DIENST 6

heitspolitische Rolle spielen, obwohl das noch entschieden werden müßte. Es ist klar, daß sich mit
zunehmender wirtschaftlicher Kompetenz der EG, ihrer
Hinwendung zu einem gemeinsamen politischen Programm und der geplanten Aufnahme neuer Mitglieder
eine gemeinsame Sicherheitspolitik nicht über Nacht
entwickelt.
KSZE
Auch die KSZE spielt eine Rolle bei der Verbeserung
und Aufrechterhaltung der Stabilität. Ihr universeller
Charakter macht sie zu einem besonders wichtigen
Instrument für die Länder Mittel- und Osteuropas. Als
treibende Kraft, die Menschenrechte im europäischen
Bewußtsein verankert hat, geht ihre Rolle über Konfliktlösungen hinaus.
WEU
Im Zusammenhang mit der von Außenminister Baker
dargelegten Architektur möchte ich kurz auf die WEU
eingehen. Ich habe bereits erklärt, es stünde Amerikanern nicht an, vorzuschreiben, wie europäische Institutionen funktionieren sollen. Aber es ist uns nicht
gleichgültig, und wir werden bei der Entscheidung
behilflich sein, wie sie sich gegenüber Institutionen
verhalten, denen wir angehören. Die WEU kann als
Instrument für eine europäische Verteidigungsidentität außerhalb der NATO dienen und die Pflichten
Europas auf der Welt in die Tat umsetzen. Innerhalb
der NATO hat sie eine gewichtigere europäische Stimme als jedes Land für sich allein. Präsident Bush hat
in diesem Zusmmenhang erklärt: "Wir fürchten uns
nicht vor der Zusammenarbeit mit Europa bei der
Verteidigung, sondern wir unterstützen sie - einschließlich der Westeuropäischen Union."
Die Rolle einzelner Länder
In dem von mir beschriebenen Sicherheitsgefüge werden
einzelne Länder schließlich weiterhin unabhängig in
ihren nationalen Zielsetzungen sein, bei denen kollektive Bestrebungen nicht greifen können. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Funktionen wie die
Bewahrung des Friedens und die Übertragung von
Macht in diese Kategorie fallen. Sicherlich ist die
Übertragung von Macht eine Rolle, die von der NATO
niemals übernommen wurde. Es ist eine Rolle, für die
der KSZE die Befugnis fehlt. Es ist eine Rolle, für die
die EG nicht bereit ist. Und es ist eine Rolle, die von der
WEU noch übernommen werden muß. Diejenigen
Länder, die Fähigkeit und Neigung für diese Aufgabe
haben, werden sie zumindest eine Zeitlang auf nationaler Ebene durchführen oder dann Koalitionen bilden,
wenn die Ereignisse dies erfordern.
Zum Schluß möchte ich nochmals auf das Thema
NATO zurückkommen. Ich möchte etwas über die
amerikanische Öffentlichkeit und ihre Ansichten zu
diesen Organisation in dieser Zeit der Veränderungen
sagen. Natürlich wird letztlich die öffentliche Meinung
Seite 3

�die Haltung der Vereinigten Staaten zu Aufgaben und
Zukunft der NATO bestimmen.
Die Öffentlichkeit sieht gern Programme, politische
Maßnahmen und Institutionen, die funktionieren. Dafür
liefert die NATO seit vielen Jahren ein gutes Beispiel.
Die Öffentlichkeit mißtraut zuvielen Neuerungen, insbesondere im sicherheitspolitischen Bereich und ebenso denjenigen, die etwas durcheinanderbringen, an
das sie geglaubt und auf das sie sich verlassen haben.
Zum Beispiel hat die Öffentlichkeit der Regierung noch
nicht die Auflösung von AT&amp;T verziehen, trotz greifbarer Vorteile für den Verbraucher.
Zum Thema. Die amerikanische Öffentlichkeit wird
keinen Vorschlag verstehen, der die NATO durch
einen anderen Mechanismus ersetzen will, der seine
wichtigste Aufgabe der Abschreckung und Verteidigung übernimmt. Sie wird natürlich Anpassungen bei
der NATO unterstützen, so daß sie ihre Rolle unter
neuen Gegebenheiten spielen kann.

Die amerikanische Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn die Europäer die NATO aufgäben oder
sie durch andere Strukturen zu ersetzen suchten, mit
denen sie ihre traditionellen Aufgaben erfüllen sollte.
Die amerikanische Öffentlichkeit würde es auch nicht
verstehen, wenn die NATO in eine Organisation
umgewandelt würde, die primär der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Europa und Amerika dienen würde - wenn wir ein polarisiertes Bündnis
hätten - und nicht in eine Organisation, in der sich alle
gemeinsamen Risiken und Bedrohungen widersetzen.
Die Regierung wird die Politik der Vereinigten Staaten
bestimmen und die öffentliche Meinung in Amerika
anführen. Aber letztlich wird die Regierungspolitik die
öffentliche Meinung widerspiegeln, wie sie sich in der
Reaktion der Öffentlichkeit, in Meinungsumfragen und
im Kongreß zeigt. Wir müssen die NATO neuen
Gegebenheiten anpassen und innerhalb dieser Begrenzung eine europäische Identität in der Sicherheitspolitik und Verteidigung in Einklang damit bringen.

* * * *

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*

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Care-Hilfe umfangreicher denn je&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Hilfsorganisation besteht seit nunmehr elf Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Jagd nach dem Erdsatelliten&lt;br /&gt;USA setzen Spezialteleskope und Funkstation als Detektive ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kunst geht unter das Volk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas ständig wachsendes Kunstinteresse und dessen mögliche Ursachen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bewährter Sportgeist&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Tennisspieler helfen verletztem Sportkameraden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rundbauen bevorzugt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Schulhausbauten in Amerika&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Kunstschau auf der Brüsseler Weltausstellung 1958&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Seato - ein Bollwerk der freien Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Dulles anlässlich der Eröffnung der Seato-Konferenz in Canberra am 11. März 1957 in Canberra&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dulles: USA halten an bisheriger China-Politik fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister Dulles zur amerikanischen Chinapolitik, abgegeben am 12. März 1957 in Canberra&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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Nummer

1 3 . März 1974

Inhalt

DOKUMENTATION:

B e r i c h t P r ä s i d e n t Nixons an den Kongreß ü b e r U S - S t r e i t k r ä f t e
-Wortlaut-

i n Europa

Das Jackson-Nunn-Amendment
-Wortlaut-

Schlesinger legt Bericht über Verteidigungsposition der USA vor
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Kissinger erläutert außenpolitische Aspekte des neuen US-Handelsgesetzes
-Wortlaut der Erklärung vor dem Finanzausschuß des US-Senats-

Shultz fordert unverzügliche Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes
-AuszügeUS-Landwirtschaftsminister Butz tritt für freieren Agrarmarkt ein
-AuszügeDeutsch-amerikanisches Symposium "Invest in USA" in Düsseldorf

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1974

BERICHT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS
ÜBER US-STREITKRÄFTE IN EUROPA

-Wortlaut-

WASHINGTON—(AD)— Präsident Nixon hat dem Kongreß einen Bericht übermittelt,
in dem er auf den Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa im Zu«
sammenhang mit dem Jackson-Nunn-Amendment (812) eingeht. Nach diesem Zusatz
zu dem Gesetz über die Bewilligung des Verteidigungshaushaltes (Defense
Appropriation Authorization Act, 1974) wird die Zahl der amerikanischen Soldaten in Europa von der Zahlungsbilanzsituation abhängig gemacht. Der am
22. Februar veröffentlichte Bericht hat folgenden Wortlaut:

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Gemäß Abschnitt 812 (D) des Department of Defense Appropriation
Authorization Act 1974 (Bewilligung des Verteidigungshaushaltes) habe ich
die Ehre, dem Kongreß den folgenden Bericht über den Fortschritt bei der
Durchführung der Bestimmungen von Abschnitt 812 (Jackson-Nunn-Amendment) des

-1-

�I
!

I
des angeführten Gesetzes zu unterbreiten.

Schon einige Monate vor Inkrafttreten von Abschnitt 812 hat diese Administration die Initiative ergriffen, um die Zusammenarbeit der Verbündeten
bei der Ausarbeitung einer Lösung der finanziellen Probleme zu erreichen, die
sich aus der Stationierung von amerikanischen Streitkräften in NATO-Europa
ergeben. Wir leiteten im Mai 1973 Gespräche mit der Bundesrepublik Deutschland
mit dem Ziel ein, ein weiteres Devisenausgleichsabkommen (Offset) für die
Haushaltsjahre 1974 und 1975 auszuhandeln. Dann schlug Verteidigungsminister
Schlesinger auf der Tagung der NATO-Verteidigungsminister im Juni 1973 den
Verbündeten vor, ein Programm auszuarbeiten, um die Vereinigten Staaten von

•

den Zahlungsbilanzbelastungen zu entlasten, die wir aufgrund der Stationierung von Streitkräften in NATO-Europa tragen müssen. Er ersuchte ferner darum,«
daß die Vereinigten Staaten von den zusätzlichen Haushaltskosten verschont
bleiben, die dadurch entstehen, daß Streitkräfte in NATO-Europa statt in den
Vereinigten Staaten selbst stationiert sind. Um dieses Problem zu prüfen,
wurde eine NATO-Studiengruppe eingesetzt. Diese Gruppe hat am 20. Oktober
dem Nordatlantikrat einen Bericht unterbreitet, in dem die finanziellen Probleme analysiert werden, die sich aus der Stationierung amerikanischer Streitkräfte auf dem Territorium anderer NATO-Staaten ergeben und in dem Optionen
entwickelt werden, mit welchen Maßnahmen die Verbündeten diese Probleme lösen
könnten.

Am 29. November 1973 - nachdem der Department of Defense Appropriation
Authorization Act 1974 (Verteidigungshaushalt) in Kraft getreten war - hat

-2-

�hat Botschafter Rumsfeld, der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten
im Nordatlantikrat, ein anschauliches Programm für militärische Beschaffung
und Budgetunterstützung vorgelegt, das den Erfordernissen des Abschnitts
812 des Gesetzes entsprechen und damit eine einseitige Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in NATO-Europa vermeiden würde. In der Folge erklärten unsere Verbündeten auf der Tagung der NATO-Verteidigungsminister (Verteidigungs-Planungsausschuß) im Dezember 1973 ihre Absicht, 'sich an bi-oder
multilateralen Vorkehrungen für eine gemeinsame Lösung der Probleme der Vereinigten Staaten zu beteiligen», und vereinbarten, »zu prüfen, wie der Anteil der Vereinigten Staaten an den zivilen und militärischen Haushalten sowie am gemeinsamen Infrastrukturprogramm der NATO wesentlich verringert werden kann». Sie nahmen ferner zur Kenntnis, »daß die Frage der Erweiterung
der Finanzierbarkeit von Vorhaben aus dem gemeinsamen NATO-Infrastrukturprogramm z.Zt. geprüft wird8. Wir weisen im Nordatlantikrat und anderswo weiterhin auf die Bedeutung hin, die wir der Erfüllung der Erfordernisse von Abschnitt 812 beimessen, wenn wir einseitige Verringerungen der amerikanischen
Streitkräfte vermeiden wollen. Wir unterstreichen deshalb weiterhin die
dringende Notwendigkeit, daß die Verbündeten handeln, um die auf der Dezember-Tagung 1973 der NATO-Verteidigungsminister erklärten Absichten zu erfüllen, gleichgültig, wie sich die Zahlungsbilanzposition der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten entwickelt.
Gemäß Abschnitt 812 (A) des oben erwähnten Gesetzes hat eine aus Vertretern des Handelsministers, des Comptroller General der Vereinigten Staaten

-3-

�l
Staaten (dem Bundesrechnungshof entsprechend) und des Verteidigungsministers
zusammengesetzte Arbeitsgruppe Methoden für die Berechnung des anstehenden
Defizits ausgearbeitet, sobald die Unterlagen über die Einnahmen und Ausgaben für das gesamte Haushaltsjahr 1974 zur Verfügung stehen. Ein interministerieller Ausschuß der Exekutive hat Empfehlungen dahingehend ausgearbeitet, welche akzeptablen Maßnahmen unsere Verbündeten ergreifen könnten,
um das zu erwartende Defizit auszugleichen.
Unter Anwendung der von der Arbeitsgruppe unter der Federführung des
Handelsministeriums ausgearbeiteten Methoden schätzt das Verteidigungsministerium, daß die amerikanischen Ausgaben, die sich aufgrund der Dislozie-

*

rung von Streitkräften in NATO-Europa in Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten in der Zahlungsbilanz niederschlagen wer- "
den, im Haushaltsjahr 1974 rund 2,1 Milliarden Dollar betragen werden. Auf
ein Ersuchen der Vereinigten Staaten hin wird gegenwärtig in der NATO eine
Studie durchgeführt, um vollständigere Angaben als bisher über alliierte militärische Beschaffungskäufe in den USA im Haushaltsjahr 1974 zu sammeln.
Wenn die Erfordernisse von Abschnitt 812 erfüllt werden sollen, dann wird ein
hoher Stand militärischer Beschaffungskäufe wesentlich sein.

Bilaterale Devisenausgleichsverhandlungen mit der Bundesrepublik
Deutschland bilden das Hauptelement in unseren Bemühungen, von unseren Verbündeten Zahlungen zum Ausgleich dieser Ausgaben zu erhalten. Die Basis für
die derzeitigen Verhandlungen bildet ein Angebot der Bundesregierung, das

-4-

�das über den für militärische Beschaffungskäufe und Budgetunterstützung
vorgesehenen Betrag hinausgeht, wie er in dem Abkommec\ für die Finanzjahre
1972 und 1973 enthalten war. Jedoch haben die bedeutenden Kostensteigerungen für die Dislozierung unserer Streitkräfte in Deutschland sowie die
internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen und die Erörterungen einer multilateralen Lastenverteilung in ihrem Zusammenwirken
dazu geführt, daß diese Verhandlungen ungewöhnlich komplex und zeitraubend
sind. Sobald einmal ein befriedigendes Devisenausgleichsabkommen (Offset)
zustandegekommen sein wird, werden wir uns an unsere anderen Verbündeten
wegen des verbleibenden Betrages wenden, der für den Ausgleich der auf etwa
2,1 Milliarden Dollar geschätzten Ausgaben notwendig ist. Obwohl es durch
die Energiekrise und die sich verändernden Situationen der allgemeinen Zahlungsbilanz der Vereinigten

Staaten und der europäischen NATO-Länder für

die anderen Verbündeten schwieriger geworden ist, unverzüglich auf unser Ersuchen um Unterstützung bei der Lastenverteilung zu reagieren, fahren xvir
auch weiterhin fort, ihnen gegenüber mit Nachdruck auf die dringende Notwendigkeit hinzuweisen, ein spezifisches Programm zu entwickeln, um sicherzustellen, daß unsere militärischen Ausgaben voll ausgeglichen werden.

Maßnahmen zur Verringerung der amerikanischen Zahlungsbilanzkosten und
Budgetbelastungen, die mit der Stationierung der amerikanischen Streitkräfte in NATO-Europa verbunden sind, bilden - so wichtig sie auch sind - nicht
das einzige Mittel für eine gerechte Verteilung der aus der gemeinsamen Verteidigung erwachsenden Belastungen. Unsere europäischen Verbündeten sind

-5-

�sind auch w e i t e r h i n bestrebt, ihre Streitkräfte für die NATO zu verbessern.
Diese Verbesserungen, die sich in erhöhten europäischen Verteidigungsbudgets
widerspiegeln, bilden einen wichtigen Aspekt für die Verteilung der Verteidigungslasten. Wir ermutigen unsere Verbündeten, diese Verbesserungen w e i terzuführen und - falls möglich - die erhöhten finanziellen Aufwendungen auf
solche Gebiete zu lenken, die mit dazu dienen können, den Anteil der V e r e i nigten Staaten an den gemeinsamen Lasten zu verringern."

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DAS JACKSON-NUNN-AMENDMENT
- Wortlaut -

Der amerikanische Kongreß hat bei der
Verabschiedung des Verteidigungshaushaltes
(Defense Appropriation Authorization Act,
1974) eine wichtige Klausel eingebaut, die
einen Zusammenhang zwischen der Zahl der
US-Soldaten in Europa und der Zahlungsbilanz der USA herstellt. Das Gesetz (Public
Law 93-155) trat mit der Unterzeichnung
durch Präsident Nixon am 19. November
1973 in Kraft.
Der nach dem demokratischen Senator
Henry M. Jackson aus dem Staate Washington
und dem demokratischen Senator Samuel A.
Nunn aus dem Staate Georgia benannte Gesetzeszusatz (812) - Jackson-Nunn-Amendment - hat folgenden Wortlaut:

(A) Nach Auffassung des Kongresses soll der Präsident, um zu einer
gerechteren Verteilung der Kosten und Ausgaben zu gelangen, die sich aus
den im Rahmen des Nordatlantikvertrages eingegangenen Bindungen und Verpflichtungen ergeben, sich durch geeignete bilaterale und multilaterale
Abmachungen um Zahlungen bemühen, die in ihrem Betrag ausreichend sind, um
jegliches Zahlungsbilanzdefizit voll auszugleichen, in das die Vereinigten

�Vereinigten Staaten während des am 30. Juni 1974 endenden Finanzjahres infolge der Dislozierung von Streitkräften in Europa in Erfüllung der vertraglich von den USA eingegangenen Bindungen und Verpflichtungen geraten.
Dieses Zahlungsbilanzdefizit soll von dem amerikanischen Handelsminister in
Beratung mit dem Verteidigungsminister und dem Comptroller General der
Vereinigten Staaten (dem Bundesrechnungshof entsprechend) festgestellt werden.

(B) Im Falle daß die NATO-Mitglieder - außer den Vereinigten Staaten es ablehnen, das in Abschnitt (A) bezeichnete Netto-Zahlungsbilanzdefizit
vor Ablauf einer Frist von 18 Monaten nach dem Zeitpunkt des Inkrafttretens
dieses Abschnitts (812) auszugleichen, sollen nach Ablauf einer Frist von
24 Monaten nach Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Abschnitts keine Mittel
mehr zum Zwecke der Unterhaltung oder Unterstützung von amerikanischen
Streitkräften in Europa verausgabt werden, über eine Zahl hinaus, die größer
wäre als die Zahl, die der monatlichen Durchschnittszahl der von den Vereinigten Staaten für den Dienst in Europa während des am 30. Juni 1974 endenden Finanzjahrs abgestellten amerikanischen Streitkräfte entspricht, vermindert um den prozentualen Anteil, der dem Prozentsatz entspricht, um den
das entsprechende Zahlungsbilanzdefizit während eines solchen Finanzjahrs
nicht ausgeglichen wurde.

(C) Der Kongreß ist ferner der Auffassung, daß erstens (1) die anderen
NATO-Mitglieder - um zu einer gerechteren Verteilung der durch den Vertrag
entstehenden Kostenlasten zu gelangen - ihre Beiträge wesentlich erhöhen

-2-

�erhöhen sollen, um die Vereinigten Staaten bei der Deckung jener zusätzlichen Budgetausgaben zu unterstützen, die ihnen infolge der Aufrechterhaltung
und Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte in Europa entstehen, wozu
gehören - ohne darauf beschränkt zu sein - die Lohnzahlungen seitens der
Vereinigten Staaten an ortsansässiges Personal, die regelmäßigen Ausgaben,
die sich im Zusammenhang mit der Erhaltung und Nutzung von Liegenschaften,
Reparaturwerkstätten, Nachschubdepots, Kühlhäusern, Fernmeldesystemen und
Bereitschaftseinrichtungen ergeben sowie die einmaligen Ausgaben für den
Bau und die Wiederherstellung von Werken und Anlagen; daß zweitens (2) der
von den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem NATO-Infrastrukturprogramm
aufgewandte Betrag auf eine angemessenere Größenordnung reduziert werden soll
und daß drittens (3) der Präsident bestrebt sein soll, durch geeignete bilaterale und multilaterale Abmachungen eine wesentliche Verringerung der
von den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit den oben unter (1) und (2)
beschriebenen Aufgaben geleisteten Zahlungen zu erreichen.

(D) Der Präsident soll dem Kongreß innerhalb von 90 Tagen nach Inkraft treten dieses Gesetzes und danach nach Ablauf eines Zeitraumes von jeweils
90 Tagen einen schriftlichen Bericht unterbreiten, in dem er den Kongreß
über den Fortschritt unterrichtet, der bei der Durchführung der Bestimmungen
dieses Abschnitts erzielt worden ist.

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5/1974

SCHLESINGER LEGT BERICHT ÜBER VERTEIDIGUNGSPOSITION DER USA VOR
= Auszüge -

WASHINGTON —(AD)-= Der amerikanische Verteidigungsminister James R.
Schlesinger hat am 4. März dem amerikanischen Kongreß seinen ersten Jahresbericht über den Stand der Verteidigung der Vereinigten Staaten unterbreitet. Wenn die USA den Frieden erhalten wollen, so schreibt Schlesinger in
seinem Bericht, dann müssen sie über eine starke militärische Abschreckungsmacht verfügen. Der Verteidigungsminister hatte bereits vorher, unter anderem am 26. Februar, vor dem Verteidigungsunterausschuß des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses den Haushalt seines Ressorts in Höhe von
rund 85,5 Milliarden Dollar befürwortet und darauf hingewiesen, daß die militärische Kapazität der anderen Seite keineswegs nachgelassen, sondern im
Gegenteil zugenommen hat.

Wir geben die allgemeinen verteidigungspolitischen Ausführungen Schlesingers in seinem Bericht und die Darlegungen vor dem Unterausschuß in Auszügen wieder:
(Auszug

-1-

�(Auszug aus dem Bericht)

"Dies ist der erste (Verteidigungs-)Haushalt seit einem Jahrzehnt oder
mehr, in dem keine Mittel für amerikanische Truppen im Einsatz angefordert
werden. Gleichzeitig ist es ein Haushalt, der uns durch Aufrechterhaltung
eines militärischen Gleichgewichts auf dem Wege vom kalten Krieg zu einer
Periode eines dauerhaften Friedens, also in einer schwierigen Übergangsperiode, sichern muß....
Im Gegensatz zu der Periode vor 1945 tragen die Vereinigten Staaten
heute die Hauptlast der Aufrechterhaltung eines weltweiten militärischen
Gleichgewichts, das die Grundlage für die Sicherheit und den Fortbestand
der freien Welt bildet. Wir haben uns nicht nach dieser Rolle gedrängt. Sie
ist uns durch den Lauf der Geschichte auferlegt worden. Die Bürde der Verantwortung ist den Vereinigten Staaten zugefallen, und es gibt niemanden,
der die Fackel weiter'tragen könnte, wenn die Vereinigten Staaten sie fallen
ließen.

Bei der Erfüllung dieser Verantwortung sind wir uns darüber im klaren,
daß wir es heute mit einer Welt zu tun haben,die militärisch von zwei Staaten beherrscht wird - den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Es gibt
kein anderes Land, das eine militärische Kapazität besitzt, die mit der
dieser beiden Staaten vergleichbar wäre. Wenn wir also das militärische
Kräfteverhältnis abwägen und über den Stand unserer eigenen Verteidigung
entscheiden, dann tun wir dies hauptsächlich mit dem Blick auf die Sowjetunion.
Das

-2-

�Das heißt nicht, daß wir keine Hoffnung hinsichtlich ti.ier künftigen
friedlichen Entwicklung der Weltpolitik hätten - im Gegenteil, In den letzten
fünf Jahren sind beachtliche Fortschritte in der Verbesserung des internationalen politischen Klimas erzielt worden,.. Ich möchte auch keineswegs
sagen, daß die Schwierigkeiten in der internationale Lage auf ein hemmungsloses Wettrüsten oder auf ständige Konfrontationen zwischen Ost und West
hindeuteten. Gerade um solche Umstände zu vermeiden und dem Wettrüsten Zügel anzulegen, verhandeln wir mit der Sowjetunion in SALT II. Und es geht
um ein ähnliches Ziel, nämlich ein stabileres Gleichgewicht auf einem niedrigeren Stand der Streitkräfte in Mitteleuropa, wenn wir und unsere NATOVerbündeten mit den Staaten des Warschauer Paktes Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen führen.

Während wir zur Förderung der Entspannung Verhandlungen über eine
beiderseitige Verringerung der Rüstungen führen, müssen wir nach meiner Auffassung ein weltweites militärisches Gleichgewicht aufrechterhalten. Wenn
wir darunter bleiben, schaffen wir die Möglichkeiten des Vakuums und der
Versuchungen, die die Entspannung und die Hoffnung auf verbesserte politische Beziehungen zum Osten untergraben könnten.

Eine Politik, die von uns verlangt, unsere militärische Stärke und
unsere Bündnisse aufrechtzuerhalten, während wir uns zugleich aktiv um
Entspannung mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China bemühen, mag
manchem ungereimt erscheinen. Unser Land hat eine lange Tradition darin,
mit großer Eile zu rüsten, wenn es zum Krieg kommt, und mit fast noch größe-

-3-

�größerer Eile abzurüsten, sobald der Krieg vorbei ist, und oft besteht bei
uns auch die Tendenz, unsere Beziehungen zu anderen Nationen unter der Form
des Ausschließlichen und Absoluten zu sehen: Freund oder Feind; Verbündete
oder Gegner; kalter Krieg oder Entspannung.

Leider ist die Welt in ihrer Wirklichkeit wesentlich komplexer. Ich
brauche heute kaum mehr ausdrücklich hervorzuheben, daß eine Einstellung gegenüber unserer nationalen Verteidigung, die entweder nur üppigen Aufwand
oder gänzliche Kargheit kennt, nicht mehr vertretbar, geschweige denn wünschenswert ist. Die von uns in diesem Jahrhundert gemachten Erfahrungen haben ausreichend erwiesen, daß es uns weder Frieden bringt noch auf lange
Sicht von den schweren Lasten der Verteidigung erlösf, wenn wir in Kriegszeiten alles in unsere militärischen Einrichtungen hineinpumpen und dann in Friedenszeiten die Aufwendungen wieder bis zum Äußersten drosseln. Es wird für
uns an Blut und Besitz weniger kostspielig sein, eine Verteidigungsanstrengung auf einem vernuenftigen, stabilen Niveau beizubehalten, bis es möglich
ist, zu einer echten beiderseitigen Rüstungsreduzierung zu gelangen.

Die Sowjetunion zeigt, daß zumindest für sie Entspannung und Steigerung
der militärischen Kapazität keineswegs unvereinbar sind..Wir würden daher uns
selbst und unseren Verbündeten einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir uns
allein auf übertriebene Hoffnungen und sanfte Worte verließen und es dabei
versäumten, die Verbesserung des sowjetischen Potentials nüchtern und faktisch
in Rechnung zu stellen....
Zumindest

-4-

�Zumindest aber müssen wir ein deutliches strategisches'nukleares
Gleichgewicht erhalten und zu einer Ausgewogenheit der allgemeinen Streitkräfte in Mitteleuropa beitragen, wo die Masse der Streitkräfte der Sowjets
und des Warschauer Paktes der NATO gegenüberstehen,sowie zusammen mit unseren Verbündeten das Gleichgewicht der Seestreitkräfte aufrechterhalten, um
die Freiheit der Meere und den Schutz unserer Verbindungslinien über See zu
gewährleisten, wie es seit langem Tradition der Vereinigten Staaten gewesen
ist.

Es gibt zwei Aspekte im Aufbau der sowjetischen strategischen Streitkräfte, einen langfristigen und einen jüngeren Datums, die unsere derzeitigen Planungen in bezug auf die strategischen Streitkräfte und den Abschrek»
kungswert unserer strategischen Systeme beeinflussen. Der langfristige und
wohlbekannte Faktor ist der, daß die Sowjets seit vielen Jahren die Kluft,
die zwischen uns und ihnen hinsichtlich der nuklearen Kapazität einmal bestand, ständig weiter schließen.

Wenn irgend etwas,so ist es die Notwendigkeit, über andere Optionen
als Selbstmord oder Kapitulation und auch andere als die Eskalation in
einen schrankenlosen Nuklearkrieg zu verfügen, die für uns heute wichtiger
ist als sie es 1960 war - und zwar weil die Kapazitäten, über die andere
Mächte verfügen, gewachsen sind...

Es ist richtig, daß unsere Pläne für den Kriegsfall neben Vergeltungsschlägen gegen Städte und Industriezentren immer militärische Ziele einbezogen haben. Sinn und Zweck solcher Pläne für den Kriegsfall, deren Dimen-

-5-

�Dimensionen von potentiellen Gegnern durchaus verstanden werden, besteht in
erster Linie darin, vor unbesonnenen Aktionen abzuschrecken. Zweitens aber
geben diese Kriegspläne, falls die Abschreckung versagt, der obersten nationalen Befehlsgewalt - dem Präsidenten und seinen Beratern - eine Reihe wohldurchdachter und detaillierter Komplexe von Möglichkeiten an die Hand.

In der Vergangenheit ging es bei den meisten dieser Optionen - ob die
Hauptziele nun Städte waren oder Industrieanlagen oder militärische Einrichtungen - um relativ massive Reaktionen. Statt derart massiver Optionen wollen wir dem Präsidenten jetzt einen umfassenderen Komplex von Optionen für
eine weitaus selektivere Zielfixierung an die Hand geben. Durch den Besitz
einer derart offensichtlichen Kapazität hoffen wir, die Abschreckungswirkung zu verstärken, indem wir den Gegner erst gar nicht in Versuchung führen,
einen nuklearen Angriff irgendeiner Art in Erwägung zu ziehen...

Sollte aber - aus welchen Gründen auch immer - die Abschreckung versagen, so wollen wir in der Planung über eine Flexibilität verfügen, die uns
befähigt, selektiv auf einen Angriff so zu reagieren, daß wir erstens die
Möglichkeiten einer unkontrollierten Eskalation einschränken und zweitens
bedeutsame Ziele mit einer Kombination von ausreichender Zielgenauigkeit
und Stärke treffen, um lediglich das ausgewählte Ziel zu zerstören und größere schädigende Nebenwirkungen auszuschließen...

Aber selbst nach diesen Anpassungen an unsere derzeitige Politik bleibt
für unsere künftige strategische Politik und unsere strategischen Streitkräfte ein schwerwiegendes potentielles Problem bestehen. In den letzten Jahren

-6-

�hat die UdSSR ein sehr energisches strategisches Forschungs-und Entwicklungsprogramm verfolgt. Sein ganzer

Umfang, seine Tiefe und seine Kraft,

wie sie jetzt zu Tage treten, bedeuten für uns eine gewisse Überraschung...

Im Wissen um diese Dinge bemühen wir uns bei den SALT II-Gesprächen um
die Garantie, daß das Prinzip des essentiellen Gleichgewichts gewahrt bleibt.
Wir schlagen außerdem in dem Budget für das Finanzjahr 1975 eine Reihe von
strategischen Forschungs-und Entwicklungsprogrammen vor, die im Rahmen der
SALT-Abkommen erlaubt und als Schutzwälle gegen den noch offenen Ausgang der
SALT II-Verhandlungen und die ungewissen Aktionen der UdSSR dienen sollen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Grad und Ausmaß ihrer strategischen
Rüstungen zu reduzieren, sie auf der erreichten Höhe zu halten oder - falls
notwendig - auch zu steigern. In jedem Falle aber wird das Niveau durch die
Handlungen der Sowjetunion bestimmt werden...
Ich habe mit unseren NATO-Verbündeten das, was ich die 8NATO-Triade*
nenne, erörtert, die sich in ihrer Konzeption, von unserer strategischen
•Direiheit' unterscheidet. Sie basiert auf strategischen Streitkräften, die
in erster Linie von den Vereinigten Staaten gestellt werden, auf taktischen
Nuklearstreitkräften, die zur Verfügung stehen würden im Falle Europa überrannt zu werden drohte,sowie auf einer starken konventionellen Kapazität...

Das zweite Hauptziel, das ich mit unseren europäischen Verbündeten in
Angriff genommen habe, besteht darin, zu einer gerechten Verteilung der Verteidigungslasten zu kommen...

-7-

�Die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung bieten eine echte Aussicht auf Verringerungen. Natürlich sind die
Aussichten nicht ganz gewiß, denn wir streben keine Verringerung um jeden
Preis an, sondern nur solche Verminderungen, die zur Sicherheit Europas beitragen. ..

Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einmal zu prüfen, wie auf lange
Sicht die Aufgabe am besten gelöst werden kann, auf Dauer und kontinuierlich eine ausreichende Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Interessen sicherzustellen... Wenn wir dies tun wollen, dann müssen wir uns fragen, wie wir am wirksamsten mit unseren potentiellen Hauptgegnern konkurrieren können, und wie es mit unseren Hauptstärken und -schwächen aussieht.

Wenn wir uns auf eine Position auf lange Sicht einrichten, dann gibt
es fünf Prinzipien, die nach meiner Auffassung für die künftige Arbeit
meines Ministeriums gelten sollten:
1. Sicherheit der Vereinigten Staaten ...
2. Gewährleistung des militärischen Gleichgewichtes ...
3. Gleichheit der Chancen ...
4. Verbesserung der Einsatzbereitschaft und Schlagkraft unserer Streitkräfte
5. Bessere Wettbewerbsfähigkeit mit potentiellen Gegnern...
Ich kann heute hier an diesem Scheidewege nicht ganz genau sagen, wie
das auf lange Sicht für dieses Ministerium aussehen wird. Ich kann nur eines
sagen: Wenn wir unsere Pläne nicht nur auf Intuition aufbauen wollen, dann

-8-

�dann müssen wir unser Gebäude des Friedens weiterhin auf die Grundlage der
harten Tatsachen der internationalen Umwelt stellen &lt;= und nicht auf die
leere Hoffnung, daß die Vollkommenheit der Menschheit bevorstehe."

(Auszüge aus der Erklärung vor dem Kongreßausschuß)
"... Ich wäre töricht, wenn ich vorgeben würde, daß die Notwendigkeit
für unsere militärische Stärke heute wesentlich geringer sei als vor einem
Jahrzehnt, brvor wir unsere großen Dislozierungen in Südostasien vorgenommen hatten. Es ist richtig, daß sich unsere Beziehungen zur UdSSR und zur
Volksrepublik China seither verbessert haben, daß die sino-sowjetischen
Differenzen deutlicher zutagetreten und daß wir es nicht länger für so wichtig halten, uns gegen gleichzeitige Konflikte in Europa und Asien zu sichern.
Aber wie ich bereits angedeutet habe, sind die militärischen Kapazitäten
jener Nationen, die in der Lage sind, unsere Interessen zu bedrohen, nicht
zurückgegangen, sondern sind größer geworden. Es existiert in der Tat keinerlei Hinweis, daß einseitige Verringerungen unsererseits zu entsprechenden
Maßnahmen auf der anderen Seite führen würden.

Der Übergang von dem Stadium des kalten Krieges über Verhältnisse der
Entspannung und verbesserter diplomatischer Kommunikation zu einer Ära größeren gegenseitigen Vertrauens und stärkerer Zusammenarbeit zwischen Ost und
West ist ein komplizierter und langwieriger Prozeß. Wie die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten gezeigt haben, werden wir noch einige Zeit damit leben
müssen, daß Wille und Entschlossenheit auf die Probe gestellt werden und daß

-9-

�daß eine ausreichend an den Tag gelegte militärische Stärke eine bedeutsame
Rolle spielen wird.

Es handelt sich jetzt nicht nur um das erste Verteidigungsbudget der
post-Vietnam-Ära, sondern es ist auch das erste Verteidigungsbudget in dem
Sinne, wie es Präsident Eisenhower einst als den •großen Ruck» bezeichnet
hat. Wenn es nicht zu einer plötzlichen und dramatischen Verbesserung der
internationalen Verhältnisse kommt, dann bedeutet dies, daß wir die Macht
aufbringen müssen, die ausreicht, um die vielfältigen Kapazitäten potentieller Gegner ausgleichen zu können. Wir können uns keine Lücken leisten, die
zu Belastungsproben einladen könnten. Soweit wir es absehen können, wird
auch weiterhin eine Dreiheit von strategischen nuklearen, taktischen nuklearen und konventionellen Streitkräften erforderlich sein.

Die Ausgaben für das Haushaltsjahr 1975 werden mit 85,8 Milliarden Dollar veranschlagt. Dies ist eine beträchtliche Anforderung, aber ich brauche
mich dafür nicht zu entschuldigen. Hier geht es unmittelbar darum, ob die
Vereinigten Staaten weiterhin ihre Aufgaben in der ganzen Welt erfüllen können oder nicht. Das Budget für das Haushaltsjahr 1975 ist in konstanten Dollar gemessen kleiner als das Budget des Haushaltsjahres 1964 vor einem Jahrzehnt.

Wir schlagen in dem Budget für das Haushaltsjahr 1975 bestimmte neue
Schwerpunkte vor, die gewährleisten sollen, daß wir die Fähigkeit besitzen,
in Zukunft ein weltweites Gleichgewicht der militärischen Macht aufrechtzuerhalten. Dies erfordert, daß ein stabiles Verhältnis zwischen strategischen

-10-

�•

strategischen Streitkräften, allgemeinen Streitkräften - vor allem in Mitteleuropa - und den Seestreitkräften herrscht. Unter diese.1 Gesichtspunkten
spiegelt das Programm für das Haushaltsjahr 1975 folgende wichtige Trends
in unseren Streitkräften wider:
- Wir werden die Dreiheit von ICBM, SLBM und Bombern,in unseren strategischen Streitkräften aufrechterhalten und diese in angemessener Weise innerhalb der Grenzen der SALT-Abkommen verbessern und erneuern.

- Wir werden mit mehreren Forschungs-und Entwicklungsprogrammen für
strategische Systeme fortfahren, die entweder als Ersatz für bestehende zugelassene Systeme oder als Schutzwall gegen einen noch ungewissen Ausgang
von SALT II dienen können.

- Wir werden unsere aktive Luftverteidigung des amerikanischen Festlandes verringern und die Zahl der Abfangjäger staffeln und SAM-Batterien verkleinern. Ohne eine wirksame Raketenabwehr, die sowohl für die USA als auch
die UdSSR durch den ABM-Vertrag von 1972 ausgeschlossen wird, ist eine Verteidigung gegen sowjetische Bomber von geringem praktischen Wert. Wir werden jedoch die Kapazität aufrechterhalten, um die Souveränität unseres Luftraumes
zu schützen, und uns gegen begrenzte Bedrohungen zu verteidigen.

- Wir werden weiterhin unsere strategischen Kommando-und Konstrollsysteme
verbessern.

- Was den Aufbau unserer allgemeinen Streitkräfte anbetrifft, so werden
wir den ständigen Verringerungen seit 1968 Einhalt gebieten und auf einigen

-11-

�einigen Gebieten eine umgekehrte Entwicklung einleiten.

- Wir werden die Zahl unserer aktiven Heeresdivisionen von 13 auf
13 1/2 erhöhen, neue Bataillone aufstellen und bestimmte Reserveeinheiten
in der Infanterie in gepanzerte und motorisierte Einheiten umwandeln. Wir
werden dies im Rahmen der bewilligten Personalstärke durchführen, indem wir
Verringerungen bei den Hauptquartieren und Nachschubverbänden vornehmen.

- Zum ersten Mal seit vielen Jahren werden mehr neue Schiffe unserer
Flotte in Dienst gestellt als wir außer Dienst stellen. Wir kehren damit
den Trend um, der uns von 979 Kriegsschiffen im Jahre 1968 auf 526 Schiffe
Ende des Haushaltsjahres 1974 zurückgebracht hat.

Wir werden die Lehren des jüngsten Nahost-Krieges anwenden, indem wir
bestimmten Programmen hohe Priorität einräumen,wie modernen Panzerabwehrwaffen, Panzern, Luftverteidigung von Landstreitkräften und Luftunterstützung,
Niederkämpfung der Luftverteidigung, Verbesserung der Munition und des wesentlichen Nachschubs, Flugzeugbunkern usw.
Wir werden unsere Einsatzbereitschaft verbessern, indem wir den Umbau
und die Überholung von Flugzeugen und Schiffen und andere Wartungstätigkeit
beschleunigen.

Wir werden unsere gesamte Luft-und Seebrücken-Kapazität durch die Heranziehung bestehender Hilfsmittel - auf dem zivilen wie auf dem militärischen, auf dem verbündeten wie auch auf unserem eigenen Sektor-- vergrößern,
um in der Lage zu sein, in einem Ernstfall noch rascher die Divisionen in

-12-

�in Europa dislozieren zu können....

Ich möchte unterstreichen, daß jeder Schritt, den wir auf strategischem
Gebiet unternehmen, dazu dienen soll, die Abschreckung zu stärken, die der
Eckstein unseres strategischen Denkens bleibt.

Wie ich jedoch bereits angedeutet habe, könnten sich Umfang und Art unserer strategischen Nuklearstreitkräfte je nach dem Ergebnis der SALT-Verhandlungen beträchtlich ändern. Wir wissen heute noch nicht, wie diese Verhandlungen ausgehen werden; daher schlage ich eine Reihe von Forschungs-und Entwicklungsprogrammen vor, die uns in die Lage versetzen, entsprechend reagieren zu können, um das delikate Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten, sollten sich die Sowjets dazu entschließen, eine wirksamere Gegenmacht
zu dislozieren, als sie dies heute tun. Wir würden natürlich vorziehen, daß
keine Seite diesen Schritt tun würde. Wir würden vielmehr wünschen, daß die
strategischen Streitkräfte durch gegenseitige Abkommen verringert werden.
Wir sind jedoch entschlossen, ein wesentliches strategisches Gleichgewicht
mit der UdSSR, sowohl was die Kapazität als auch die Auswahlmöglichkeiten der
Ziele anbetrifft, aufrechtzuerhalten."

+-H-

-13-

�amerika dienst
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5/1974

KISSINGER ERLÄUTERT AUSSENPOLITISCHE ASPEKTE DES NEUEN US-HANDELSGESETZES

- Wortlaut der Erklärung vor dem Finanzausschuß des US-Senats -

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
hat am 7.März vor dem Finanzausschuß des US-Senats zu den außenpolitischen
Aspekten des Gesetzes über eine Reform des Handels Stellung genommen. Die
Ausführungen des Außenministers haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Finanzausschusses des Senats,

Mit Ihrer Zustimmung möchte ich mich in meinen einleitenden Ausführungen vor allem mit den außenpolitischen Aspekten des Gesetzes über eine Reform des Handels befassen, das Ihrem Ausschuß gegenwärtig vorliegt. Wenn
ich das Schwergewicht hierauf lege, so zeugt dies nicht nur von einer logischen Aufteilung der Aufgaben unter den Vertretern der Regierung, sondern
unterstreicht weit stärker noch meine feste Überzeugung, daß die weltpoli-.
tische Ordnung für die kommenden Jahre zutiefst dadurch beeinflußt werden
wird, wie wir unsere Handels-und Wirtschaftsbeziehungen ordnen.
Diese

�Diese Administration hat sich seit ihrem Amtsantritt um die Schaffung
der erforderlichen Bedingungen bemüht, um einen Übergang von einer Zeit der
Konfrontation in eine andauernde Zeit des Friedens und der internationalen
Stabilität zu ermöglichen. Die Entspannung zwischen Ost und West war Teil
einer größeren Zielsetzung:

-- Eine Zielsetzung, die angesichts der wachsenden Realität der Interdependenz eine gemeinsame Einstellung in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den industrialisierten demokratischen Staaten Nordamerikas, Westeuropas und Japan zu erreichen sucht.

-- Eine Zielsetzung, die den aus den Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern sich ergebenden Problemen mutig entgegentritt und die auch auf die neuen Herausforderungen eingeht, die sich durch
die Energiekrise, die Erschließung der Hilfsquellen der Weltmeere und den
Schutz der Umwelt in einer Zeit schneller Industrialisierung stellen.

Der Schlüssel zum Erfolg wird darin liegen, ob die Regierungen schnell
verhandeln und die strittigen Fragen entschlossen und endgültig lösen können.
Die Vereinigten Staaten wie auch die anderen müssen ihre nationalen Interessen verfolgen. Aber unser nationales Interesse erfordert Flexibilität beim
Aushandeln von Abkommen, die allen Parteien Vorteile bieten. Alles andere
würde eine Rückkehr zu den Tagen uneingeschränkten Wettbewerbs und unaufhaltsamer Verfeindung bedeuten - zu der Politik der dreißiger Jahre, die zum Zusammenbruch der Weltordnung geführt hat.
Fast

-2-

�Fast drei Jahrzehnte lang haben die großen Handelsnationen, die aus
der Vergangenheit gelernt hatten, sich um eine Öffnung ihrer Märkte auf einer
Basis der Gegenseitigkeit bemüht. Die Verhandlungen waren schwierig und
zeitraubend, aber die Ergebnisse waren sowohl in wirtschaftlicher als auch
in politischer Hinsicht bedeutend.
Die sich aus einer prosperierenden multilateralen Handelsbeziehung ergebenden Vorteile sind ein Grundpfeiler der offenen und kooperativen politischen Haltung, die seit Ende des zweiten Weltkrieges in hohem Maße charakteristisch für unsere Beziehungen zu den hochentwickelten Industriestaaten
des Westens war. Die wachsende wirtschaftliche Interdependenz bildete den
zentralen Kern der größeren Interessengemeinschaft, die zu verteidigen und
zu erhalten wir uns verpflichtet haben. Ein Zusammenbruch der Handelsbeziehungen und ein Dahintreiben von miteinander konkurrierenden Handelsblöcken
würde das ernstlich gefährden, was unsere beiden großen politischen Parteien
seit langem angestrebt haben - eine Welt, die weiß, daß sie ein überragendes
Interesse am Frieden hat und daß scharfer Wettbewerb besser als ein Weltbrand ist.
II.
In der Zeit,seit das Handelsgesetz vor circa 11 Monaten im Kongreß eingebracht worden ist, hat das internationale Handelssystem vor seiner schwersten Herausforderung gestanden. Als Folge der Energiekrise waren die einzelnen Länder in wachsendem Maße versucht, ihre Probleme einseitig zu lösen
- bilaterale Abmachungen zu treffen und protektionistische Maßnahmen zu verfügen.
Dies

-3-

�Dies kann nicht der von uns bevorzugte Kurs sein. Als stärkstes Land
der nichtkommunistischen Welt haben wir die Pflicht, eine verantwortungsbewußte führende Rolle zu übernehmen. Unser Ziel muß eine konzertierte Aktion
aller großen Handelsnationen sein, die im gemeinsamen Interesse handeln. Ich
habe vollstes Vertrauen, daß wir die Tendenz zum Bilateralismus in ihr Gegenteil verkehren werden, wenn wir die führende Rolle übernehmen, die wir übernehmen können. Ein Beispiel dafür bietet die kürzliche Energiekonferenz, die
im letzten Monat in Washington stattfand. Auf dieser Konferenz haben elf andere Länder, unter ihnen unsere großen Handelspartner - gemeinsam mit uns einen
multilateralen Aktionskurs abgesteckt - einen Kurs, der unseres Erachtens
sowohl den unmittelbaren als auch den langfristigen Herausforderungen des
Energieproblems gerecht wird.
Die Energiesituation bietet ein Beispiel für eine unumschränkte Notwendigkeit, multilateral ah die Probleme des Handels heranzugehen. Obwohl die
Handelsverhandlungen offiziell im vergangenen September in Tokio eröffnet
worden sind, können sie doch erst dann ernsthaft geführt werden, wenn die
Regierung der Vereinigten Staaten ermächtigt ist, über substantielle Fragen
zu verhandeln. Die aktuellen und potentiellen Störungen des Handels durch
die Energiesituation sind dringlich und wir brauchen die in dem Handelsgesetz
enthaltene Vollmacht, wenn wir eine durch Verhandlungen vereinbarte, konzertierte Antwort finden wollen.

Durch die Ölsituation wurde auch die allgemeinere Frage der Beziehungen
zwischen Rohstofferzeugern und Verbrauchern aufgeworfen. Das Interesse der

�der früheren Handelsverhandlungen hat sich weitgehend auf die Frage des
Zugangs zu den Exportmärkten konzentriert und weniger auf den Zugang zu den
lebenswichtigen Rohstoffen. Daher befassen sich die derzeitigen internationalen Handelsbestimmungen nur unzureichend mit den Bedingungen, die für einen
solchen Zugang maßgebend sind. In den vor uns liegenden Handelsverhandlungen
wollen wir uns mit dem Problem befassen, wie man sowohl Export- als auch
Importbeschränkungen unter vereinbarte Formen einer internationalen Ordnung
bringen kann.

III.
Wir und andere Industriestaaten sind in immer stärkerem Maße abhängig
von den Rohstoffvorkommen in den Entwicklungsländern. Gleichzeitig sind die
Entwicklungsländer, was das Wachstum ihrer eigenen Volkswirtschaften anbetrifft, in hohem Maße von Rohstoff-und Fertigwarenexporten abhängig. Ihre
Sorgen wurden mir mit beträchtlichem Nachdruck auf meiner Zusammenkunft mit
den Außenministern unserer lateinamerikanischen Nachbarn in Mexiko City im
vergangenen Monat vorgetragen. Ihrer Ansicht nach ist ein gesicherter Zugang
zu den Märkten der Industriestaaten für die Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen Ziele unerläßlich. Angesichts der wirtschaftlichen Interdependenz der
Industriestaaten und der Entwicklungsländer haben wir mit großem Nachdruck
die Notwendigkeit betont, den Nord-Südhandelsfluß auszuweiten. Eine solche
Maßnahme ist die Ausdehnung eines Systems allgemeiner Zollpräferenzen auf die
Entwicklungsländer. Während die meisten anderen Industriestaaten derartige
Systeme bereits eingeführt haben, verfügen die Vereinigten Staaten immer noch
nicht über die gesetzlichen Vollmachten hierfür. Daher erachte ich die in
Paragraph 1 vorgesehene Ermächtigung für unbedingt erforderlich.
IV.
-5-

�IV.

Um zu rekapitulieren: Wir würden die in dem Handelsgesetz enthaltenen
Vollmachten benutzen, um folgendes zu erreichen:

—

einen allseitigen Abbau der Handelsschranken der Industriestaaten;

—

eine gemeinsame Antwort der Industriestaaten auf die Wünsche der

Entwicklungsländer, die zur Fortführung ihrer Entwicklungsprogramme eine Ausweitung des Exports brauchen;

-- eine Normalisierung der Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den osteuropäischen Ländern sowie der Sowjetunion;

-- einen neuen Beginn bei solchen sich ergebenden Handelsfragen, die
von den derzeitigen Handelsbestimmungen und Verfahren nicht erfaßt werden;

-- und schließlich die Erhaltung und den Ausbau globaler multilateraler
Wirtschaftsbeziehungen sowie Eindämmung aller Tendenzen,die in Richtung auf
diskriminierende Abmachungen unter ausgewählten Gruppen von Ländern weisen.
Sechs Jahre lang hatte die amerikanische Regierung keinerlei Vollmachten, um flexibel zu verhandeln, Handelsprobleme zu vermeiden und neue Handelsmöglichkeiten nutzen zu können. Die bevorstehenden GATT-Verhandlungen bieten
uns einen Rahmen für die Beilegung bilateraler Streitigkeiten und die Erschließung neuer Handelsmöglichkeiten.
V.

-6-

�V.
Ich möchte mich jetzt einer eingehenderen Behandlung eines besonders
verdrießlichen Aspektes unserer Handelsstrategie zuwenden: der Normalisierung unserer Handelsbeziehungen zur Sowjetunion. Der schmerzlichste Aspekt
dieser Debatte - für mich persönlich und für viele andere in dieser Administration - konzentriert sich um die Frage der Achtung der Menschenrechte
in der Sowjetunion. Hier geht es nicht um einen Streit zwischen den moralisch Wachen und den moralisch Stumpfen. Hier geht es um das Problem, zwischen Alternativen zu wählen.

Ich bin nicht gegen das Ziel jener, die die Handelspolitik benutzen
möchten, um die Entwicklung der Sowjetgesellschaft zu beeinflussen.- es
kommt mir jedoch so vor, als ob sie das falsche Instrument und den falschen
Zusammenhang gewählt hätten. Wir können den Grundsatz nicht akzeptieren,
daß unsere ganze Außenpolitik - oder selbst eine wesentliche Komponente dieser Politik, wie etwa die Normalisierung unserer Handelsbeziehungen - von
dem Wandel der inneren Struktur der Sowjetunion abhängig gemacht werden soll
te.
Ich sage dies mit einigem Bedauern, da ich sowohl als Historiker wie
auch als Mensch, dessen Herkunft ihn für das Elend von Minderheitengruppen
besonders aufgeschlossen macht, es vorziehen würde, wenn wir anders handeln
könnten.

Wo 11e n

-7-

�Wollen wir uns doch daran erinnern, daß wir die Entspannung mit der
Sowjetunion aus einem überwältigenden Grund anstreben: beide Länder verfügen über die Kapazität, sich gegenseitig zu vernichten - und im gleichen Zuge den größten Teil der übrigen Welt. Wir haben also beide eine über allem
stehende Verpflichtung, alles in unserer Macht stehende zu tun, um eine solche Katastrophe zu verhüten.

Entspannung ergibt sich nicht aus einer Übereinstimmung in den Werten
- sie wird vor allem deshalb notwendig, weil jede Seite erkennt, daß die andere ein potentieller Gegner in einem Nuklearkrieg wäre. Für uns ist Entspannung ein Prozeß, die Beziehungen zu einem potentiell feindlich gesinnten Land in den Griff zu bekommen, um den Frieden zu erhalten und gleichzeitig unsere Lebensinteressen aufrechtzuerhalten. In einem Nuklearzeitalter
ist dies an sich schon ein Ziel, das nicht ohne moralischen Wert ist - ja,
es mag der wichtigste Imperativ überhaupt sein.

Entspannung gründet sich auf eine freimütige Anerkennung grundsätzlicher
Unterschiede und Gefahren. Gerade weil wir uns darüber im klaren sind, daß
diese Unterschiede bestehen, haben wir versucht, unsere Beziehungen zur UdSSR
in einen stabileren Rahmen einzubinden - ein Gefüge von miteinander in Beziehung stehenden und vomeinander abhängigen Abkommen. Der Fortschritt in unseren Beziehungen muß sich auf breiter Front vollziehen - und einen weiten
Bereich von sich gegenseitig bestärkenden Aktivitäten umfassen - damit
Gruppen und Einzelpersonen in beiden Ländern aus sich heraus ein echtes
Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und am Wachstum einer stabilen internationalen Ordnung gewinnen.
Da
-8-

�Da Entspannung in der Anerkennung von Unterschieden verwurzelt ist - und
auf der Verhütung der Katastrophe basiert - gibt es scharfe Grenzen dafür,
was wir im Rahmen dieser Beziehung verlangen können. Wir haben ein Recht, von
der UdSSR ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten zu fordern
- und wir haben nicht gezögert, dies während der Nahostkrise klar und deutlich zu machen.Wir haben auch ein Recht, zu verlangen, daß von uns unterzeichnete Abkommen in gutem Glauben eingehalten werden.

Was jedoch grundsätzliche Veränderungen des Sowjetsystems betrifft, so
geht es nicht darum, ob wir uns mit dem zufrieden geben, was die UdSSR im
eigenen Lande tut - sondern es geht darum, ob und in welchem Ausmaß wir andere Ziele - und vor allen Dingen den Aufbau eines Gebäudes des Friedens - um
dieser inneren Veränderungen willen aufs Spiel setzen können. Ich meine, wir
können es nicht. Und wenn wir es täten, dann würden wir das, was unser oberstes Ziel bleiben muß - nämlich die Verhütung eines Nuklearkrieges - in Frage
stellen und auf lange Sicht zunichtemachen.

VI.
Diese Überlegungen erhalten noch ein zusätzliches Gewicht, wenn wir den
Handel und die wirtschaftlichen Beziehungen zur UdSSR in den Blickwinkel der
letzten Jahre rücken. Als diese Administration ihr Amt antrat, stand sie
unter großem Druck, die Beschränkungen des Ost-West-Handels zu lockern. Die
damalige Argumentation - als unsere Handelsposition mit anderen Teilen der
Welt sich verschlechterte und unsere Freunde in anderen Industrieländern sich

-9-

�sich energisch auf den östlichen Märkten regten - unterstrich nicht nur den
wirtschaftlichen Nutzen für uns, sondern betonte auch, daß ein erweiterter
Handel die Beziehungen dort verbessern würde, wo dies der Diplomatie nicht
gelungen war.

Die Administration vertrat damals die Auffassung - die sie niemals aufgegeben hat -, daß verstärkter Handel aus allgemein besseren Beziehungen erwachsen sollte - kurz gesagt: daß unsere Beziehungen zur UdSSR auf breiter
Front verbessert werden müßten. Wir werden oft kritisiert, weil es uns nicht
gelungen sei, im Handel rasch genug voranzukommen, weil wir den Handel mit
anderen internationalen Entwicklungen in Verbindung setzten und weil wir die
amerikanische Geschäftswelt um lukrative Chancen brächten. Dabei hat niemand
jemals die Fragen nach der Beziehung des Handels zum inneren System der
Sowjetunion aufgeworfen.

Die Administration verfolgte trotz des Drucks, dem sie ausgesetzt war,
ihre Strategie mit Entschlossenheit. Erst nach dem Gipfeltreffen des Jahres
1972 beschloß der Präsident, daß der Handel sinnvoll ausgeweitet werden könne. Damals waren wir auf dem Wege zu einer Vietnam-Regelung, Berlin war das
Thema eines großen formellen Abkommens, die ersten SALT-Abkommen waren abgeschlossen, eine Reihe von Grundsätzen für die Normen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen war auf dem Gipfeltreffen unterzeichnet worden und eine
Reihe von bilateralen Abkommen über eine Zusammenarbeit auf einem weiten Tätigkeitsbereich war unterzeichnet worden und ging der Verwirklichung entgegen.
Alles

-10-

�Alles in allem hatten die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sowohl
in der Sache als auch im Ton eine wesentliche Veränderung erfahren und es
war ein die oberste Führung auf beiden Seiten verpflichtender Prozeß der Normalisierung eingeleitet wurden. In diesem Rahmen war die schrittweise Veränderung der Handelsbeziehungen ein logischer Schritt, der dazu dienen konnte,
zusätzliche Anreize für die Aufrechterhaltung des Kurses zu bieten, den sich
beide Seiten gesteckt hatten.

Das Kommunique der Moskauer Gipfelkonferenz ließ klar erkennen, daß
die Normalisierung der Handelsbeziehungen eine wichtige Aufgabe der kommenden
Monate sein würde. Als der Präsident unmittelbar nach seiner Rückkehr aus
Moskau dem Kongreß berichtete, legte er seine Gedanken und Zielsetzungen dar
und erörterte die Ergebnisse des Besuches. In keiner der Stellungnahmen zur
Moskauer Gipfelkonferenz wurde irgendeine bedeutsame Gegenstimme gegen den
Kurs laut, den wir auf wirtschaftlichem Gebiet verfolgten. Dieser Kurs schien
fast überall Verständnis und Beifall zu finden. Ganz gewiß wurde die Frage
der inneren Struktur der Sowjetunion nicht als ein Hindernis für den Prozeß
genannt, den wir in Gang gesetzt hatten. Wenn also diese Angelegenheit jetzt
plötzlich in den Vordergrund gerückt wird, dann müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob wir in gutem Glauben verhandelt haben.

Dies macht deutlich, warum Paragraph IV

der Vorlage des Handelsgesetzes

in seiner jetzigen Form ein solches Anliegen der Administration ist.

Paragraph

-11-

�Paragraph IV wird dem Präsidenten die Vollmacht einräumen, die Meis*.begünstigungsklausel - d.h. eine nicht diskriminierende Zollbehandlung - auf
Länder auszudehnen, die diesen Status gegenwärtig nicht haben. Hier handelt
es sich nicht um ein Privileg, sondern um die Beseitigung eines diskriminierenden Aspekts unserer Politik, ohne den wir nicht in Anspruch nehmen können,
zu normaleren Handelsbeziehungen zu diesen Ländern zu gelangen. Die Gewährung
einer nicht diskriminierenden Zollbehandlung würde auf einige Zeit hinaus nur
einen geringen Einfluß auf die sowjetischen Exporte nach den Vereinigten Staaten haben, die hauptsächlich aus Rohstoffen bestehen und ohnehin heute schon
keinen wesentlichen Zöllen unterliegen.

Wenn wir also der Sowjetunion weiterhin den Meistbegünstigten-Status
verweigern, dann wäre die Hauptauswirkung politischer und nicht wirtschaftlicher Natur. Die Meistbegünstigungsklausel wurde ihr im Jahre 1951 hauptsächlich als ein politischer Akt entzogen. Wenn wir jetzt nicht bereit wären,
diese Diskriminierung aufzuheben, dann würde dies unsere Absicht in Frage
stellen, zu verbesserten Beziehungen zu gelangen. Es würde eine gemäßigte
Entwicklung in allen Gebieten, einschließlich des Nahen Ostens, gefährden.
Es würde die Verwirklichung des amerikanisch-sowjet,ischen Handelsabkommens
ebenso verhindern wie des Leih-und Pachtabkommens - bei dem es immerhin um
die Rückzahlung von 700 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten geht.

Die Export-Import-Bank gewährt heute Kredite an amerikanische Unternehmer, die nach der Sowjetunion und einigen osteuropäischen Ländern exportieren. Diese Kredite werden unter den gleichen Bedingungen gewährt wie sie für

»12-

�für alle Länder gelten. Ein Zusatz zu Paragraph IV (des

Gesetzes) bezüglich

der Auswanderung (von Juden) würde praktisch die Gewährung weiterer Kredite
für die Sowjetunion und die meisten osteuropäischen Länder ausschließen.

Diese Kredite dienen in erster Linie dem Wohle der Vereinigten Staaten.
Andere westliche Industrieländer haben schon seit Jahren eifrig Maschinen
und Ausrüstung an die Sowjetunion verkauft„ Sie sind - durch die Unterstützung ihrer Regierungen - in der Lage, im Rahmen ihrer Verkaufsanstrengungen
attraktive Kreditbedingungen anzubieten. Die amerikanischen Unternehmen
brauchen eine ähnliche Unterstützung unsererseits, wenn sie einen wachsenden
Anteil an diesem expandierenden Markt gewinnen wollen.
Es ist die Besorgnis geäußert worden, daß der Sowjetunion wahllos
massive Export-Import-Kredite gewährt werden könnten. Das ist nicht der Fall.
Jeder sowjetische Kreditantrag wird für sich geprüft und erhält die gleiche
sorgfältige Prüfung wie alle anderen Kredite. Jeder Kredit muß nach dieser
Beurteilung dem Zweck der Förderung amerikanischer Exporte - in legitimer
Weise - dienen und den Rückzahlungsgarantieen entsprechen, die die Bank fordert. Die bisher von der Export-Import-Bank bewilligten Kredite belaufen
sich auf insgesamt rund 450 Millionen Dollar. Die meisten dieser Kredite sind
relativ bescheidenen Umfangs; eine Ausnahme bildet der 154 Millionen DollarKredit für die Lastwagenfabrik an der Kama. Wir verstehen die legitimen Besorgnisse, die der Kongreß bezüglich eines Kreditprogramms haben könnte, das
in seinem Umfang weit über das bei der Export-Import-Bank Übliche hinausginge. Wir würden daher Projekte diesen Umfangs sorgfältig prüfen und allen in
Frage kommenden sicherheitspolitischen, politischen und wirtschaftlichen

-13-

�wirtschaftlichen Faktoren entsprechende Aufmerksamkeit schenken.

Wir sind uns natürlich darüber im klaren, daß es nicht der beabsichtigte Zweck dieses Zusatzes ist, die Gewährung eines nicht diskriminierenden
Status zu verhindern oder alle Kredite an die UdSSR zu verbieten, sondern
daß er jenen helfen soll, die aus der Sowjetunion auswandern wollen und
daran gehindert werden. In der Praxis jedoch würde nach meiner Auffassung
dieser Zusatz die Gewährung einer nicht diskriminierenden Zollbehandlung für
die Sowjetunion und mehrere andere Länder ausschließen. Aus diesen Gründen
sind wir gegen diese Zusatzänderung und gegen den Paragraphen IV in der Form,
wie er vom Repräsentantenhaus verabschiedet worden ist.

Der Zusatz würde sich im Falle seiner Annahme mit größter Sicherheit
als abträglich erweisen: er würde die Auswanderung nicht fördern, sondern sie
völlig zum Stillstand bringen. Die Erfahrungen der letzten fünf Jahre zeigen,
wenn sich unsere Beziehungen zur Sowjetunion verbessern, so nimmt die Auswanderung im gleichen Maße zu. In den letzten fünf Jahren hat es in den sowjetischen Auswanderungspraktiken Durchbrüche gegeben, die in den Jahren der Konfrontation unvorstellbar waren. Im März 1973 war dem Präsidenten von sowjetischen Stellen zugesichert worden, daß die derzeitige Auswanderungspolitik,
die eine beträchtliche Zunahme der Auswanderungsquote gebracht hatte, auf
unbefristet fortgesetzt werden würde. Dem Präsidenten war ferner zugesichert
worden, daß die "Ausbildungssteuer" allgemein ausgesetzt werden würde. Trotz
der komplizierenden internationalen Entwicklung sind diese beiden Zusagen
bis jetzt voll eingehalten worden. 1973 sind rund 33 500 sowjetische Juden

14-

�Juden in Israel eingetroffen, so daß die Gesamtzahl für die Jahre 1969 bis
1973 auf über 81 000 anstieg.

Die derzeitigen Aussichten für die Auswanderung sind nicht ganz so gut,
wie wir dies gerne hätten. Wir haben niemals die Ansicht vertreten, daß der
Status quo befriedigend ist. Die Handhabung der sowjetischen Auswanderungspolitik erscheint oft willkürlich. Rund 1 300 Personen ist gegenwärtig die Genehmigung zur Auswanderung nach Israel verweigert worden. Aber die grundlegende Tatsache bleibt bestehen, daß die Auswanderung in dem Maße, wie wir von
der Konfrontation zu Verhandlungen übergegangen sind, zugenommen hat - von
einem sporadischen Tropfen in den sechziger Jahren zu einem relativ stetigen
Fluß von rund 2 500 Personen pro Monat in den siebziger Jahren.

Das Problem, vor dem wir hier stehen, wird auch nicht dadurch ausreichend
klar abgesteckt, daß man der "wirtschaftlichen Entspannung" die "moralische
Entspannung" gegenübersetzt. Die grundlegende Frage ist, wie man von unserer
derzeitigen Situation am besten zu einer gesicherteren, freieren und humaneren Welt gelangt und gleichzeitig für die Vereinigten Staaten wichtige wirtschaftliche und politische Verbesserungen erreicht.

Wir ersuchen den Kongreß, verantwortungsbewußt zu prüfen, wie unsere
Ideale ohne Beeinträchtigung anderer Interessen verwirklicht werden können,
bei denen es auch um menschliche Werte - vielleicht sogar die Menschheit

-15-

�1
i
Menschheit selbst - geht. In diesem Augenblick der Evolution der Weltpolitik - einem Augenblick voller Verheißungen wie auch Gefahren - rufen wir
den Kongreß auf, die Errichtung einer progressiven Welt zu unterstützen und
zu einem dauerhaften Frieden beizutragen.

16

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5/1974

SHULTZ FORDERT UNVERZÜGLICHE VERABSCHIEDUNG DES NEUEN US-HANDELSGESETZES
- Auszüge -

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Finanzminister George Shultz hat am
4. März erneut eine schnelle Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes
gefordert und in diesem Zusammenhang auf die große Bedeutung hingewiesen,
die dieser Vorlage angesichts der neuen Runde von Handelsgesprächen zukommt.

Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Ministers vor dem Finanzausschuß des amerikanischen Senats haben folgenden Wortlaut:

In einer Zeit schnellen Preisauftriebs und knapper Versorgungslage
bei zahlreichen Rohstoffen ist ein Abbau der künstlichen Handelsschranken
wichtiger denn je geworden, die letztlich dazu führen, daß in den USA wie
auch im Ausland weniger Güter produziert werden. Zölle, Quoten, Embargos
und andere Beschränkungen für Import und Export hindern ganz allgemein
jedes Land daran, das zu erzeugen, was es am rationellsten produzieren
kann. Somit werden weniger Güter zu höheren Kosten hergestellt und das Land
als ganzes erleidet einen Verlust an wirtschaftlichem Wohlstand...
Das
-1-

�Das Gesetz würde die vom Präsidenten geforderten Ermächtigungen einschließen, auch den Staatshandelsländern die gleiche Zollbehandlung einzuräumen. Die vom Repräsentantenhaus vorgeschlagenen Einschränkungen hinsichtlich der Anwendung dieser Ermächtigung und die zusätzlichen Bestimmungen,
die eine Gewährung staatlicher Kredite an einige dieser Länder praktisch
ausschließen würden, wären meines Erachtens unklug. Ich glaube jedoch, daß
dafür eine andere Formulierung gefunden werden kann, um der Sorge des Kongresses wegen Nichtbeachtung der Fragen der grundlegenden Menschenrechte
auf wirksame Weise Ausdruck zu verleihen, ohne daß dadurch die Anbahnung
normalerer Beziehungen zu den Staatshandelsländern blockiert wird.

In den letzten Monaten war das Problem, einen angemessenen Zugang zu
den wichtigsten Rohstoffvorkommen der Welt sicherzustellen, auf dramatische
Weise sichtbar geworden, und wir halten es für angebracht, daß dieser neue
Aspekt ebenfalls seinen Niederschlag in dem neuen Handelsgesetz findet. Von
Angehörigen des Kongresses sind eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt worden.
Wir stehen diesen Vorschlägen aufgeschlossen gegenüber und wir beabsichtigen,
einige ähnliche Vorschläge zu unterbreiten. Kurz gesagt, wir brauchen eine
Ermächtigung, um in Verhandlungen mit den Hauptlieferländern angemessene
Zusagen über die Bereitstellung entscheidend wichtiger Rohstoffe zu erreichen. Gleichzeitig brauchen wir eindeutige Vollmachten, um solchen Ländern
die Vergünstigung von Handelskonzessionen zu entziehen, die unrechtmäßige
oder unsinnige Beschränkungen für den Verkauf knapper Rohstoffe erlassen.

Unsere

-2-

�Unsere derzeitige Sorge um einen Zugang zu den ausländischen Versorgungsquellen sollte uns jedoch nicht zu der Auffassung verleiten, daß unser
Wohlstand nicht länger mehr durch Importschranken gefährdet wird. Die ausländischen Zollsätze stellen auch weiterhin ein wesentliches Hindernis für
unseren Handel dar und die nicht tarifären Handelsschranken anderer Länder
sind zu einem immer ernsteren Problem geworden, seit auch andere Regierungen
vermehrt direkte Eingriffe in ihre Volkswirtschaften vornehmen. Die jüngsten
Ereignisse haben die Gefahr eines neuen Protektionismus sowie eines Zusammenbruchs der multilateralen und nicht-diskriminierenden Handelsvereinbarungen der Nachkriegszeit heraufbeschworen. Wir müssen diese Gefahr bekämpfen
und der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Handels neuen Auftrieb geben....

Wir haben beträchtlichen Fortschritt dabei gemacht, eine Zusammenarbeit
auf dem internationalen Währungssektor auf der Basis flexiblerer und modernerer Abkommen zu entwickeln. Die Änderung der Wechselkurse der Hauptwährungen untereinander hat neue Anstrengungen auf dem Gebiet des Handels möglich
gemacht. Wir dürfen in den Handelsmaßnahmen nicht länger mehr ein Korrektiv
für unrealistische Wechselkurse sehen....

Die Notwendigkeit einer Reform des internationalen Handelssystems ist
durch unsere jüngsten Probleme auf dem Agrar°und dem Energiesektor ganz klar
erwiesen worden. Die Agrarprobleme des vergangenen Jahres waren durch die
falsche Verteilung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen, wie sie sich in
den letzten Jahrzehnten entwickelt hatte , noch vergrößert worden. Zu lange
waren einige der besonderen Probleme der Landwirtschaft als Vorwand benutzt

-3-

�benutzt worden, um den Agrarhandel von den Regeln auszunehmen, unter denen
sich der Handel abwickelt. Die Folge war, daß der Agrarhandel nicht den Regeln folgte, die sonst die Wettbewerbsvorteile auf dem Gebiet der Agrarerzeugung diktiert hätten. Ein Hauptziel der geplanten multilateralen Handelsverhandlungen sollte es sein, kooperative Abmachungen auszuarbeiten, die einen
Abbau der Schranken für den Agrarhandel gestatten. Wir erwarten von unseren
Handelspartnern, daß sie wirklich bereit sind, gemeinsam mit uns den Agrarhandel rationeller zu gestalten.

Die gegenwärtige Energieverknappung zeigt ein andersgeartetes Problem
auf, dem die Handelsländer gegenwärtig gegenüberstehen. Lösungen für das
Energieproblem können nur durch die Entwicklung neuer Formen der internationalen Zusammenarbeit gefunden werden. Wir müssen kooperative internationale
Abkommen anstreben, die die Hauptenergieerzeuger wie auch die Hauptverbraucher einschließen. Dabei müssen wir uns darüber klar sein, daß nationale
Sicherheitserwägungen es den

Verbrauchern in manchen Fällen nicht gestatten

werden, sich ausschließlich von augenblicklichen Markterwägungen leiten zu
lassen, wenn sie das Ausmaß ihrer Abhängigkeit von Energieimporten festlegen.

In den kommenden Jahren werden wir und andere den erdölerzeugenden Ländern Investitionsmöglichkeiten anbieten, von denen einige über Einnahmen verfügen, die wesentlich über ihren entsprechenden gegenwärtigen Ausgaben liegen. Diese Investitionen werden sich entsprechend als Defizite in den laufenden Konten der wichtigsten Industriestaaten widerspiegeln.

Defizite
-4-

�Defizite dieser Axt werden keine Schritte notwendig machen, um die
Handelsbilanz neu auszurichten, aber es besteht die Gefahr, daß einige die
besondere Art dieser Defizite mißverstehen und sie als Basis benutzen werden, um protektionistische Maßnahmen zu fordern. Diese Gefahr macht eine aktive Teilnahme der USA an künftigen Handelsverhandlungen umso notwendiger,
um dazu beizutragen, solche Entwicklungen zu verhindern....

Das

Gesetz enthält eine Bestimmung, die ich mit Ihnen besonders erör-

tern möchte. Als Finanzminister zeichne ich verantwortlich für die Durchführung des Gesetzes über Gegenzölle. Meines Erachtens ist eine Bestimmung dieser Vorlage zur Ergänzung dieses Gesetzes mit den Zielen nicht zu vereinbaren, die die Regierung zu erreichen hofft.

Die von den Regierungen zur Exportförderung angewandten Praktiken sind
recht raffiniert. Die Situation war 1897 anders, als der Kongreß die Vorlag«
verabschiedete, die den Grundstein des heutigen Gesetzes über Gegenzölle bildet. Wir brauchen heute eine Reihe international gültiger Prinzipien, di"
vereinbarte Richtlinien für das geben, was auf dem Gebiet der Exportsubventionierung akzeptabel und was nicht tragbar ist. Andernfalls wird jede Regierung in unilateraler Weise an dieses Problem herangehen. Für mich wäre dieser Weg nur ein letztmögliches Mittel, da er zu Vergeltung und erneuter Vergeltung führen würde.

Zur Erleichterung dieser Verhandlungen ermächtigt die Vorlage des Repräsentantenhauses den Finanzminister, vorübergehend während eines VierJahre-Zeitraumes von Gegenzöllen Abstand zu nehmen, wenn ein derartiger

-5-

�derartiger Schritt einen zufriedenstellenden Abschluß der internationalen
Verhandlungen gefährden könnte. Ich pflichte dieser Bestimmung der Repräsentantenhausvorlage bei und erachte sie für notwendig, wenn wir ernsthafte Anstrengungen unternehmen wollen, um zu einem erfolgreichen multilateralen Abkommen zu gelangen.

Die Repräsentantenhausvorlage beschränkt jedoch diese Ermessensvollmacht
im Falle subventionierter Erzeugnisse aus Industriestaaten auf ein Jahr, wenn
es sich bei dem Produzenten um eine in staatlichem Besitz befindliche oder
staatlich kontrollierte Firma handelt. Meines Erachtens braucht jedoch der
Finanzminister, wenn die internationalen Verhandlungen erfolgreich verlaufen
sollen, eine derartige Vollmacht über vier Jahre, um in allen Fällen, in denen dies den Erfolg der Verhandlungen gefährden würde, von Gegenzcllen Abstand nehmen zu können. Es ist in diesem Falle irrelevant, ob das nach den
Vereinigten Staaten exportierte Erzeugnis von einer verstaatlichten Gesellschaft stammt. Die Beschränkung der Sondervollmacht des Finanzministers auf
ein Jahr sollte in der Vorlage gestrichen werden.

Unsere Handelspartner erwarten von uns, daß wir bei diesen Verhandlungen
eine führende Rolle übernehmen. Ohne eine Beteiligung und eine führende Roll;1
der Vereinigten Staaten werden an die Stelle der multilateralen Handelsverhandlungen regionale und bilaterale Abkommen treten, die nichts anderes als
Mittel zur Zerstörung des wirtschaftlichen Gefüges zum Schaden unserer Produzenten, unseres Handels und unserer Verbraucher wären. Wir dürfen nicht
zulassen, daß es dazu kommt, und wir werden es nicht dazu kommen lassen,
sofern ein entsprechendes Handelsgesetz
det wird.
+-H-6-

ohne weitere Verzögerung verabschie-

�v

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5/1974

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER BUTZ TRITT FÜR FREIEREN AGRARMARKT EIN
- Auszüge -

WASHINGTON --(AD)— Der amerikanische Landwirtschaftsminister Earl Butz
hat sich am 6. März nachdrücklich für einen freieren Agrarmarkt und gegen
jegliche Kontrolle, sei es der Preise, des Exports oder der Erzeugung,
ausgesprochen.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Ministers vor dem Finanzausschuß des US-Senats haben folgenden Wortlaut:

Die amerikanische Öffentlichkeit hat die Schuld an ihren Lebensmittelpreisproblemen den hohen Agrarexporten zugeschrieben und Exportkontrollen
gefordert. Sie werden sich nun vielleicht wundern, warum gerade die Landwirtschaft Verhandlungen über einen freieren Handel wünscht, wenn sie nur
unter Einsatz aller Kräfte die gegenwärtige Exportnachfrage befriedigen
kann. Warum wünscht die Landwirtschaft überhaupt dieses Gesetz?

Ich möchte vier Gründe dafür anführen, warum wir dieses Gesetz wollen
und warum wir in dieser Zeit der Unsicherheit im Welthandel mehr denn je
zuvor verhandeln müssen.

11

�1) Das Durcheinander bei Weizen, die Panik bei Sojabohnen und das
Chaos bei Erdöl haben im letzten Jahr gezeigt, was wir alle wußten, aber
vielleicht nicht wahrhaben wollten, nämlich daß kein Land heute noch alleine
durchkommen kann...

Die Welt ist interdependent geworden. Wenn sie funktionieren soll,
müssen die Hilfsquellen, mit denen jedes einzelne Land das herstellt, was es
am besten produzieren kann, rationell eingesetzt werden und die erzeugten
Güter müssen über ein Handelssystem verteilt werden, das den Produzenten genauso Zugang zur Nachfrage wie den Verbrauchern Zugang zum Angebot gewährt.

Es ist klar, daß ein solches System im Augenblick noch nicht existiert.
Es, ist genauso klar, zumindest für mich, daß die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, an denen 101 Länder teilnehmen, die'vielleicht letzte
Chance bieten, Fortschritte in Richtung auf ein solches System zu machen
und von dem derzeitigen, immer mehr zunehmenden, Bilateralismus und Regionalismus fortzukommen, der zu einem Tauziehen um die Hilfsquellen der Welt geworden zu sein scheint.

2) Preiskontrollen bei Fleisch und Exportkontrollen bei Sojabohnen haben sich als produktionsschädlich erwiesen - sie haben in keiner Weise zu
einer Steigerung der Erzeugung, der einzig wahren Lösung bei einem knappen
Angebot, beigetragen, und sie haben das Verteilungssystem für die greifbaren
Vorräte durcheinander gebracht...
Wenn

-2-

�Wenn wir die ständig wachsende Bevölkerungszahl auf den begrenzten Anbauflächen ernähren sollen, dann muß es meines Erachtens bei den Verhandlungen unser

erstes Ziel sein, weitere Fortschritte in Richtung auf eine ratio-

nellere Verwendung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt zu machen,
so daß jedes einzelne Land das erzeugt, was es unter den Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt am besten herstellen kann...
3) Die Geschichte der Landwirtschaft in der Welt zeigt, daß Versorgungsproble stets nur temporär sind. Die Bedingungen, die zu dem dramatischen Anstieg unserer Exporte führten, sind nur vorübergehender Natur. Die Welternteerträge sind gestiegen - sie haben im letzten Jahr einen Rekordstand erreicht
und wir rechnen für dieses Jahr mit einem neuen Höchststand. Es besteht die
Aussicht, daß bei einigen Rohstoffen in diesem Jahr wieder Lagerbestände anfallen werden

und bei weiteren im nächsten Jahr. Wenn der Kreislauf von

Verknappungen, Erschöpfung der Bestände und ihre Wiederauffüllung sich geschlossen hat, dann wird sich die amerikanische Landwirtschaft erneut dem
gleichen Wettbewerb gegenübersehen wie vor der großen Trockenheit auf der
Welt im Jahre 1972. Und sie wird sich den gleichen Handelsschranken gegenübersehen, sofern sie nicht vorher abgebaut worden sind, die den Export amerikanischer Agrarerzeugnisse so stark und einschneidend erschwert haben.

Meines Erachtens müssen wir zunächst gegen die Schutzwälle an den Grenzen vorgehen, die nicht-tarifären Handelsschranken abbauen und dafür sorgen,
daß die Preise das erreichen, was sie erreichen sollen - nämlich Erzeugern

-3-

�/

Erzeugern und Verbrauchern in gleicher Weise ein Zeichen zu setzen, wo Angebot und Nachfrage miteinander in Einklang gebracht werden können. Mir ist
ferner klar, daß die Ursache des Problems in den einheimischen Agrarprogramraen unserer Hauptabnehmerländer zu suchen ist. Es ist jedoch völlig unrealistisch, zu glauben, daß die Europäische Gemeinschaft - oder hier die Vereinigten Staaten - die Innenpolitik zum Hauptpunkt der Verhandlungen erheben
werden. Daher sollten wir mit den Maßnahmen an den Grenzen beginnen - und
mit der Exportsubventionierung. Wenn zunächst einmal Fortschritte bei den
Maßnahmen an den Grenzen erzielt werden, dann könnte dies Änderungen bei der
Preisstützung im Inland und bei den Verfahren zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Einkommen bewirken, die ebenfalls internationale Erörterung verdienten. . .

4) Wir brauchen das Gesetz zur Reform des Handels, das den Vereinigten
Staaten eine gefestigte internationale Stellung und dem Dollar Stabilität
geben soll... Die Verknappungen und die Preiserhöhungen bei fast allen Rohstoffen - den landwirtschaftlichen und den industriellen - haben dazu geführt,
daß die einzelnen Länder über neue Währungskontrollen und Export-sowie Importkontrollverfahren nachdenken, um ihre Devisenbestände zu erhalten oder
aufzustocken. Wenn wir eine Ausbreitung dieser Handelsrestriktionen vermeiden
wollen, müssen wir unseren Handelspartnern ein Signal geben, daß die Vereinigten Staaten gewillt und bereit sind, ihre Zusage einzuhalten und sich den
anderen Ländern bei der Suche nach einer offeneren und rationeller arbeitenden Handelswelt anzuschließen...
Natürlich

�Natürlich wollen wir in die Verhandlungen mit der Bereitschaft hineingehen, Handelsliberalisierungen für entsprechende von Seiten anderer Länder
anzubieten. Das ist das Wesen von Verhandlungen. Aber ich kann Ihnen versichern, daß wir nichts verschenken werden...

Vor allem in der amerikanischen Milchwirtschaft scheint eine gewisse
Besorgnis zu bestehen, daß dies nicht so sein wird. Bisher ergab sich bei
der in den USA anfallenden Milch normalerweise ein beträchtlicher Überschuß
... pro Jahr. Im letzten Jahr jedoch reichten die amerikanischen Vorräte bei
einigen Molkereierzeugnissen nicht zur Deckung der kommerziellen Nachfrage
aus und es gab in der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie wiederholt
bei Molkereierzeugnissen örtlich Verknappungen. Es war möglich, die Milchimportquoten ohne Störung des Marktes und ohne Stützungsprogramme vorübergehend zu erhöhen und es wurden verschiedene derartige Maßnahmen ergriffen.

Dies hat zu vorhersehbaren, verständlichen Reaktionen seitens der
Milchwirtschaft geführt. Der entscheidende Punkt bei dem Milchimportproblem
ist jedoch nicht die Handhabung der Quoten, sondern das künstlich niedrig gehaltene Preisgefüge der importierten Molkereiprodukte. Eine hohe Erzeugung
sowie Exportsubvention und einige andere von verschiedenen Ländern angewandte
Maßnahmen, vor allem von Ländern der Europäischen Gemeinschaft,haben jeden
durch Produktivität und Leistungsfähigkeit gewonnen Wettbewerbsvorteil der
amerikanischen Milchwirtschaft zunichtegemacht. Diese gleichen Maßnahmen
führen zu Verzerrungen des Handels und bedeuten, daß unsere Farmer den Wettbewerb nicht mit den ausländischen Erzeugern, sondern mit den Regierungen
der anderen Länder führen müssen.
Wenn
-5-

�Wenn wir unsere Handelspartner bei den multilateralen Handelsverhandlungen dazu bringen können, die internationalen Handelsbestimmungen hinsichtlich der Exportsubventionen zu rationalisieren und diese Subventionen entweder zu begrenzen oder einzustellen, dann müßte es möglich sein, die für unsere
Milchwirtschaft hier durch künstlich fixierte Importpreise geschaffenen Probleme wesentlich zu verringern oder ganz zu beseitigen.

Sicherlich ist diese Administration bereit, die Frage der Quoten auf
den Verhandlungstisch zu bringen und ebenso gewiß werden wir die Quoten auch
nicht einfach fallen lassen, es sei denn für entsprechende Gegenleistungen
und unter Bedingungen eines vollen und fairen Wettbewerbs. Außerdem verfügen
wir immer noch über eine Reihe von Mechanismen, einschließlich der Gegenzölle, um unsere Farmer vor einem unfairen Importwettbewerb zu schützen....

-H-f

*

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5/1974

DEUTSCH-AMERIKANISCHES SYMPOSIUM "INVEST IN USA" IN DÜSSELDORF

--(AD)-- Als Gemeinschaftsveranstaltung der IHK Düsseldorf, der amerikanischen Botschaft in Bonn und des amerikanischen Generalkonsulats in Düsseldorf findet vom 7.-9.Mai 1974 im Düsseldorfer Hilton-Hotel ein Symposium
"Invest-in-USA" statt.

Die vorgesehene Tagung, die vor allem im Hinblick auf das lebhafte
Interesse deutscher Firmen an Investitionen in den Vereinigten Staaten geplant wurde, soll eine Übersicht über die verschiedenen Investitionsmöglichkeiten und alle damit zusammenhängenden Fragen und Einzelheiten, wie z.B.
Gesellschaftsrecht und Unternehmensaufbau, Unternehmensfinanzierung, Arbeitskräfte, Standortwahl etc. geben, aber auch zu Fragen der Energieversorgung, des Umweltschutzes und dergleichen Stellung nehmen. Neben dem
offiziellen Tagungsprogramm, das einen umfangreichen Themenkatalog enthält,
bietet die Teilnahme zahlreicher Vertreter der einzelnen amerikanischen
Bundesstaaten den deutschen Tagungsteilnehmern die Möglichkeit, sich in
Einzelgesprächen mit den Voraussetzungen für Investitionen in den USA vertraut zu machen.
Zu

-1-

�Zu ersten Besprechungen über die Vorbereitung der deutsch-amerikanischen Begegnung, die auch vom BDI, der BFA, dem DIHT, der IHK Köln, dem
RKW, der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, dem amerikanischen
Handelsministerium und der National Association of State Development
Agencies (NASDA) gefördert wird, trafen sich Vertreter dieser Organisation
und Regierungsstellen kürzlich in Düsseldorf mit den Veranstaltern.

Nähere Einzelheiten über die Veranstaltung in Düsseldorf gibt auf
Wunsch die Handelsabteilung des amerikanischen Generalkonsulats, 4 Düsseldorf 30, Cecilienallee 5, Tel. 49 00 81, bekannt.

-2-

�</text>
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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht Präsident Nixons an den Kongress über US-Streitkräfte in Europa&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Jackson-Nunn-Amendment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger legt Bericht über Verteidigungsposition der USA vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erläutert außenpolitische Aspekte des neuen US-Handelsgesetzes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung vor dem Finanzausschuss des US-Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz fordert unverzügliche Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsminister Butz tritt für freieren Agrarmarkt ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutsch-amerikanisches Symposium "Invest in USA" in Düsseldorf</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1J&gt;. März 19öi&gt;

11

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf Verpesserungen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten
- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstunysyesprächen Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf
- Wortlaut der Ankunftserklärung Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e : Engste Konsultation zugesichert
- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas
W r i t e r s Club Die NATO und die amerikanischen S t r e i t k r ä f t e i n turopa
- Erklärung von General Rogers WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Wissenschaftsmedaille 1985
- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und
Ingenieure * * * * *

Um Uber/endung von
ßelegcHempIcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

••' 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�13. März 1985

11

REAGAN DRÄNGT ALF VERBESSERUNG DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Beileidsschreiben vom 11. März 1985 zum
Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko wies
Präsident Reagan auf den Beginn der Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in Genf hin und betonte:

"Wir müssen die

Chance für den Frieden ergreifen."

Wie Larry Speakes, der Pressesprecher des Weißen Hauses, bekanntgab,
wird die amerikanische Delegation zum Begräbnis Tschernenkos - betehend
aus Vizeprasdident Bush, Außenminister Shultz sowie dem amerikanischen
Botschafter
Michail

in Moskau

Gorbatschow,

Arthur
auch

Hartman

eine

- dem

Nachfolger Tschernenkos,

persönliche Botschaft

des Präsidenten

übermitteln, der aus Termingründen - der Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak sowie ein Staatsbesuch des Präsidenten in Kanada stehen an
- nicht selbst an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnehmen wird.
Das Beileidsschreiben

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�Das Beileidsschreiben von Präsident Reagan an Wassili Kusnetzow, den
amtierenden Staatschef und Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR, hat folgenden Wortlaut:
Gestatten Sie mir, mein Beileid zum Tod des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet, Konstantin Ustinovitsch Tschernenko, zum Ausdruck zu bringen.
In diesem ernsten Augenblick möchte ich die tiefe Sehnsucht des amerikanischen Volkes nach Frieden in der Welt erneut bekräftigen.

Obgleich

die Probleme, die unsere beiden Länder voneinander trennen, vielfältiger
und komplexer Natur sind, können und müssen wir unsere Meinungsverschiedenheiten durch Dialog und Verhandlung aus der Welt schaffen.
Unsere beiden Delegationen setzen sich jetzt in Genf zusammen, um
darüber zu verhandeln, wie die Kernwaffen verringert und beseitigt werden
können. Wir müssen die Chance für den Frieden ergreifen.

Wir müssen We-

ge finden, um die Drohung und den Einsatz von Gewalt bei der Lösung internationaler Dispute zu verringern.

und wir müssen eine Arbeitsbezie-

hung schaffen, die zwischen uns größeres Vertrauen und mehr Zusammenarbeit ermöglicht.
Ich hoffe, daß sich die sowjetische Führung mir in erneuerter Hingabe
anschließt, eine feste und dauerhafte Grundlage für bessere Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern zu schaffen.

* * * * *

�13. März 1985

11

BUSH ÜBERBRINGT FRIEDENSBOTSCHAFT DES US-PRÄ'SIDENTEN

- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, Leiter
der US-Delegation bei der Beisetzung des ehemaligen sowjetischen Staatsund Parteichefs Konstantin Tschernenko, überbrachte bei seiner Ankunft am
12. März 1985 in Moskau eine Friedensbotschaft Präsident Reagans und betonte in seiner Ankunftserklärung, die Vereinigten Staaten hätten "keine
größere Hoffnung und kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren
und konstruktiveren Beziehung zur Sowjetunion".

Die Erklärung von Vizepräsident Bush hat folgenden Wortlaut:

Ich bin im Auftrag Präsident Reagans und des Volkes der Vereinigten
Staaten nach Moskau gekommen, um dem Volk der Sowjetunion unsere Anteilnahme anläßlich des Todes von Präsident Konstantin Tschernenko zum Ausdruck zu bringen. Wir möchten auch der Familie des verstorbenen Präsidenten unser tiefstes Mitgefühl bezeugen.
Präsident

Reagan

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�Präsident Reagan hat mich und Außenminister Shultz gebeten, dem sowjetischen Volk gegenüber die größte Achtung unserer Nation sowie unsere
Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß wir gemeinsam Fortschritte in Richtung auf die Schaffung besserer Beziehungen und einer sichereren Welt machen können.
Ich habe eine Botschaft Präsident Reagans nach Moskau mitgebracht. Es
ist eine Botschaft des Friedens. Wir haben keine größere Hoffnung und
kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren und konstruktiveren
Beziehung zur Sowjetunion. Präsident Reagan wird in Verfolg dieses Zieles
keine Anstrengung scheuen.
Es wird der Geduld und der Ausdauer bedürfen, denn es ist offenkundig, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in vielen wichtigen
Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Dennoch: Wir sind bereit, diese
Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken, und wir hoffen, daß die neue
sowjetische Führung ebenfalls bereit ist, Lösungen für die anstehenden
Probleme zu finden.

* * * * *

�A

r 31
V

TT

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
13. März 1985

11

VERHANDLUNGSTEAM ZU WEITREICHENDEN ENTSCHEIDUNGEN ERMÄCHTIGT
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer Abrüstungsgesprächen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 8. März 1985 in Washington nach seinem letzten Zusammentreffen mit der amerikanischen Verhandlungsdelegation vor deren Abreise nach Genf zu den Gesprächen mit der
Sowjetunion, er habe seine Unterhändler angewiesen, "jeden Bereich zu
analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht"; auch gelte dem Bemühen
um eine radikale Verringerung der Kernwaffenarsenale seine "stärkste persönliche Unterstützung".

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Es gehört zu den Herausforderungen des Staatsmannes, sich Visionen
einer besseren, sichereren Welt zu machen und zugleich den Mut, die Ausdauer und die Geduld zu haben, diese Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Seit Anbruch des Atomzeitalters leben alle Menschen mit der Angst

vor einem Atomkrieg und der Gefahr nuklearer Verwüstung. Es ist für uns
ein moralisches Gebot, mit all unserer Macht auf den Tag hinzuarbeiten,
da die Jugend der kommenden Generationen ohne Furcht vor einem Atomkrieg

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Atomkrieg heranwachsen kann.

Aus diesem Grund bekräftigen wir heute erneut diese Vision - die Vision einer Welt, die sich der Beseitigung der Kernwaffen verpflichtet
hat, einer Welt, in der die Technik größere Sicherheit - und nicht größere Furcht - bringt.

Heute begeben wir uns auf einen neuen Weg in Rich-

tung auf Abkommen, die Umfang und Zerstörungskraft der bestehenden Atomraketen radikal verringern.

Staats- und Parteichef Konstantin Tschernenko erklärte im vergangenen Monat:

"Unser oberstes Ziel ist die vollständige Beseitigung der

Kernwaffen auf diesem Planeten, die vollständige Beseitigung der nuklearen Kriegsdrohung."

Ich begrüße diese Erklärung und versichere Herrn

Tschernenko, daß die Beseitigung der Kernwaffen auch oberstes Ziel der
amerikanischen Regierung und des amerikanischen Volkes ist.

Es ist nun unsere Aufgabe und Verantwortung, praktische Schritte zu
unternehmen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sollten

uns keiner Illusion darüber hingeben, daß dies womöglich leicht sein
könnte - denn ein jegliches Unterfangen dieser Größenordnung bedarf der
Zeit.

Und da es hier um die bedeutendsten Sicherheitsinteressen beider

Seiten geht, wird dies wohl lang und schwierig werden.

Wir sind realist-

isch, denn wir wissen, daß unsere Meinungsunterschiede mit der Sowjetunion erheblich sind. Geduld, Stärke und Einigkeit - westliche Einigkeit werden daher nötig sein, wenn das Ergebnis ein Erfolg sein soll.

In der nächsten Woche treffen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Genf zusammen, um einen neuen Dialog über diese Themen zu eröffnen. Vor allem streben wir sobald wie möglich ein baldestmögliches Abkommen über echte und verifizierbare Verringerungen bei den offensiven Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an.

Was uns angeht,

so sind die Vereinigten Staaten bereit, mit Entschlossenheit, Geduld und
vernünftiger 'Überlegung faire und ausgewogene Abkommen auszuhandeln, die
die Gefahr eines Atomkrieges verringern und die strategische Stabilität
vergrößern.
Ich
- 2-

habe

gerade

�Ich habe gerade ein sehr gutes Treffen mit unseren drei Unterhändlern, den Botschaftern Max Kampelman, John Tower und Mike Glitman, zu
Ende gebracht, das Höhe- und Endpunkt einer umfangreichen Vorbereitungsrunde war.

In diesem Treffen habe ich meine Instruktionen für die erste Verhandlungsrunde gegeben.

Diese Instruktionen ermöglichen es unseren Unter-

händlern, jeden Bereich zu analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht.

Und sie haben meine persönliche Unterstützung.

Wie alle Amerikaner hege auch ich den Wunsch, daß diese Verhandlungen
ein Erfolg sein werden, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun,
damit es dazu kommt.

Und ich bete, daß die sowjetische Führung bereit

ist, die gleiche Verpflichtung einzugehen. *

Ich möchte unserem Team für die hervorragende Arbeit danken, die bereits bei der Vorbereitung auf dieses Unterfangen geleistet wurde.

Wäh-

rend Sie sich jetzt auf die Abreise nach Genf vorbereiten, kann ich an
keine willkommenere Botschaft denken als daran, daß Sie ein eindeutiges
Vertrauensvotum des amerikanischen Volkes und des amerikanischen Kongresses besitzen.

Meine Herren Botschafter Kampelman, Tower und Glitman sowie alle anderen Mitglieder unseres Verhandlungsteams:

Ich weiß, daß alle Ihre ame-

rikanischen Landsleute Ihnen den besten Erfolg wünschen.

Und ich weiß

aufgrund meiner Gespräche mit der überparteilichen Führung des Kongresses, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten sich dieser Unterstützung
anschließt.

Deshalb gelten Ihnen allen - jenen, die in Genf sein werden wie auch
jenen, die diese so entscheidende Bemühung von Washington aus unterstützen

- unsere besten Wünsche.

Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3-

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*

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

13. März 1985

KAMPELMAN: WIR KOMMEN IM GEIST DER ZUSAMMENARBEIT NACH GENF
- Wortlaut der Ankunftserklärung -

GENF - (AD) - Der Leiter der US-Delegation bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen

über Nuklear- und

Weltraumwaffen

in Genf, Max

Kampelman, unterstrich am 9. März 1985, die USA kämen im Geist der Zusammenarbeit

unü

nicht

aes

Streites

zu

aen

Aorüstungsverhandlungen.

"Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden", sagte aer amerikanische ChefUnterhändler bei der Ankunft in Genf,

die USA seien Dereit,

eine Brücke für ein konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion zu bauen.

Kampelman ist Leiter der amerikanischen Gesamtdelegation und gleichzeitig für die Verhandlungen über Weltraum- una Defensivwaffen zuständig.
Der ehemalige Senator des Staates Texas, John Tower, wird auf amerikanischer Seite die Gespräche über strategische Kernwaffen führen, und der
amerikanische Berufsaiplomat Maynaro w. Glitman steht an oer Spitze der
Gruppe, die sich mit den nuklearen Mittelstreckensystemen (INF) befassen
soll.
Die Erklärung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Delegation der Vereinigten Staaten freut sich sehr, hier in Genf
zu sein - einer Stadt, auf der so viele der Hoffnungen aer Welt auf Frieden ruhen.

Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden - eine Mis-

sion zur Verminderung der Gefahren eines Atomkrieges und der Bedrohung
durch Kernwaffen.

Präsident Reagan hat mich und meine Kollegen, die Botschafter Tower
und Glitman, angewiesen, bei der Suche nach fairen und gerechten Abkommen
auf dem Verhandlungswege keine Anstrengungen zu scheuen,

üie Vereinigten

Staaten werden gründlich und in verantwortungsbewußter Weise alle Wege
erkunden, die zu einem solchen Ergebnis führen können.

Wir sehen den Ge-

sprächen mit unseren sowjetischen Partnern erwartungsvoll entgegen.
sind bereit, uns ihre Ansichten positiv uno geoulaig anzuhören.

Wir

Darüber

hinaus glauben wir, daß ein Dialog mehr bedeutet als zwei Monologe.

Die

Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten uno oer Sowjetunion sind
tiefgehend.
gen sind

Unsere Meinungsverschiedenheiten über die nuklearen Rüstun-

tiefgreifend

und

werden mit Nachdruck

vertreten.

Es wäre

töricht anzunehmen, daß sie über Nacht überbrückt werden könnten.

Aber

zumindest können wir hoffen, daß unsere über allem stehenoen Ziele die
gleichen sind.

Vor drei Wochen erklärte Außenminister Gromyko, daß "die

völlige Beseitigung der Kernwaffen das höchste Ziel aller Staaten der
Welt werden sollte".

Dies ist ganz gewiß das Ziel Amerikas.

Wir sino

nach Genf gekommen, um erste, konstruktive und sachliche Schritte einzuleiten, die zum Ziel des Friedens in Würde führen können, das alle Völker
anstreben.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
war bedauerlicherweise ein Verhältnis starker Gegensätze.
auch gekennzeichnet von Perioden der Zusammenarbeit.

Aber es war

Vor 30 Jahren un-

terzeichneten wir einen Vertrag, der Österreich die Unabhängigkeit gab.
Und vor 40 Jahren trafen wir uns an der Elbe als Freunde.

Es ist der

�Es ist der Geist der Zusammenarbeit und nicht der Geist des Streites,
den die amerikanischen Unterhändler bei ihrer Ankunft in Genf hervorheben
möchten.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, beim ßau einer Brücke zu

einem konstruktiveren Verhältnis zur Sowjetunion mitzuhelfen.

Wir sind

bereit, eine Brücke zu bauen zu einem globalen Umfeld größerer Stabilität
durch die Bändigung und dann die Beseitigung von Kernwaffen.

Wir wollen

mit aller Tatkraft damit beginnen, eine Brücke zu einer zukünftiyen Welt
zu bauen - einer Welt, die in Frieden lebt, frei ist von Terror und der
Bedrohung der nuklearen Zerstörung.

Dies sind die Anweisungen, die der

Präsident der Vereinigten Staaten uns erteilt hat.

* * * * *

- 3-

�13. März 1985

11

STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE: ENGSTE KONSULTATION ZUGESICHERT

- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane beim
Overseas Writers Club -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans Sicherheitsberater, Robert McFarlane, erklärte im Rahmen einer Diskussion über die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vor amerikanischen und ausländischen Journalisten im Overseas Writers Club am 7. März 1985 in Washington, die Vereinigten Staaten konsultierten aktiv ihre europäischen Verbündeten, um auf
deren Besorgnisse und Fragen im Rahmen dieser Initiative einzugehen.

Dabei betonte McFarlane, daß kein Schritt, der von einer offensiven
Abschreckung, die den Frieden in Europa so wirksam bewahrt habe, wegführen würde, die Stimme der amerikanischen Verbündeten ignorieren könne
oder werde",

unser eigenes nationales 'Überleben hängt davon ab, daS un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�daß unsere Verbündeten vor einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg
sicher sind", sagte McFarlane

Die Bemerkungen des Sicherheitsberaters haben folgenden Wortlaut:

Kein Thema ist heute für die Menschheit von größerer Bedeutung als
die strategische Stabilität.

Die Welt wartet mit Spannung auf die Wie-

deraufnahme der Rüstungskontrollverhandlungen am 12. März.
union ist an den Verhandlungstisch
willkommen.

Die Sowjet-

zurückgekehrt, und wir heißen sie

Vor uns liegt ein schwieriges Stück Weges

Die Vereinigten

Staaten erstreben ausgewogene und verifizierbare Abkommen, die den Umfang
der amerikanischen wie der sowjetischen Arsenale um ein Beträchtliches
verringern sollen.

Wir hoffen, daß die Sowjetunion sich uns in dem kon-

struktiven Bemühen um notwendige Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten anschließen wird.

Diese Meinungsverschiedenheiten sind tiefgehender Natur.

Um dies zu

verdeutlichen, ist es am besten, die Dinge aus historischer Perspektive
zu betrachten.

Wir leben in einer Welt des Wandels.

Wie der gesell-

schaftliche und wissenschaftliche Bereich so hat sich auch das strategische Bild seit den frühen siebziger Jahren, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde, beträchtlich gewandelt.

Bestimmte Hoffnungen und Voraus-

setzungen, die diesem Vertrag zugrunde lagen, sowie das sie begleitende
Zwischenabkommen SALT I wurden erheblichen Wandlungen unterzogen.

Eine der zugrunde liegenden Annahmen bestand darin, daß die beiden
Abkommen zu echten Verringerungen bei den offensiven Nuklearsystemen führen würden.

Dem war nicht so.

In den Verhandlungen hat sich die Sowjet-

union immer wieder geweigert, sinnvolle und verifizierbare Verringerungen
bei den offensiven Nukleararsenalen zu akzeptieren.

SALT II tat nichts

weiter, als Begrenzungen bei den bereits gewaltigen Zahlen der strategischen Waffen festzulegen.

Nunmehr ist deutlich, daß die Sowjetunion nie

die Absicht hatte, einer ungefähren Gleichwertigkeit der strategischen
Offensivwaffen

zuzustimmen, wie dies das SALT I-Abkommen

signalisiert

hatte.
Seit Unterzeichnung
- 2-

�Seit Unterzeichnung von SALT I hat die Sowjetunion acht neue ballistische Raketen , fünf neue U-Boot-Klassen für ballistische Raketen sowie
einen neuen strategischen Bomber disloziert

Im Vergleich hierzu haben

die Vereinigten Staaten nur ein neues Raketensystem sowie eine U-BootKlasse in Dienst gestellt und die Dislozierung des B-l Bombers hinausgeschoben.

Diese Aufrüstung der Sowjetunion hat das Gleichgewicht zwischen

den Streitkräften, das für die Aufrechterhaltung einer stabilen Abschrekkung so dringend erforderlich ist, verändert.

»Vir sind über die Qualität

der neuen ballistischen Raketensysteme der Sowjetunion sehr besorgt.
Krisenzeiten

sind

diese

Waffen

die

destabilisierendsten;

sie

In
sind

schnell, sie tragen eine große Nutzlast, sie sind mobil und treffsicher.
Es wird in zunehmendem Maße offenkundig, daß die Sowjetunion sich eine
überlebensfähige Erstschlagkapazität

zulegt, vor der immer schwieriger

abzuschrecken ist.

Die zweite Annahme war die, daß es bei der strategischen Verteidigung
wechselseitige Zurückhaltung geben würde.

Dies gründete sich auf die

Hoffnung, daß die Sowjets in Doktrin und Praxis zu der 'Überzeugung gelangen würden, die wechselseitige Verletzbarkeit gegenüber den offensiven
Nuklearsystemen

der

anderen Seite

liege im beiderseitigen Interesse.

Diese unschuldige Erwartung erfüllte sich jedoch gleichfalls nicht. Während die Vereinigten Staaten die Dislozierung einer strategischen Verteidigung einstellten, fuhr die Sowjetunion mit der Entwicklung und Dislozierung mehrerer Generationen von antiballistischen Raketen, Suchradar,
Abfangjägern und Boden-Luft-Raketen fort.

Tatsächlich wurde gleich viel

oder sogar mehr für die strategische Verteidigung als für die strategische Offensive ausgegeben.

Rund um Moskau wurde ein Verteidigungssystem

aus ballistischen Raketen disloziert, wie es dies sonst in der Welt nicht
gibt.

In der Sowjetunion wurde während der gesamten siebziger Jahre und

bis Mitte der achtziger Jahre hinein die Forschung und Entwicklung fortgeschrittenster Militärtechnologien, einschließlich modernster Zielenergiewaffen, mit einem Tempo betrieben, das bei weitem unsere eigenen Bemühungen überstieg.

Zudem wird neben bereits dislozierten Raketenanlagen

mit phasengesteuerter Abtastung der Bau einer solchen in Mittelsibirien
betrieben, die offensichtlich in eindeutiger Verletzung des ABM-Vertrags
- 3-

�des ABM-Vertrags Kampftätigkeiten koordinieren kann.

Weiterhin wurde ei-

ne Vielzahl von gehärteten Führungsbunkern gebaut und das bereits dichte
Netz der Zivilverteidigung verstärkt. Zusammengenommen erhöhen diese Maßnahmen die Möglichkeit, daß die Sowjets plötzlich von diesem Vertrag zurücktreten und rasch ihre antiballistische Verteidigung landesweit ausdehnen könnten.

Schließlich - und nicht überraschend - bestand im Westen die Hoffnung, daß diese und andere Rüstungskontrollabkommen in vollem Umfang eingehalten werden würden.

Auch hier wurden wir enttäuscht.

Was die bishe-

rige Einhaltung durch die Sowjets anbelangt, so war sie - bestenfalls enttäuschend.

Besonders beunruhigend ist dies im strategischen Bereich,

wo sowohl Offensiv- als auch Defensivabkommen erheblich verletzt wurden.
Obwohl wir durch diplomatische Kanäle versucht haben, mit der Sowjetunion
über die Beilegung solcher Verletzungen zu sprechen, haben wir bislang
keine zufriedenstellende Reaktion gehabt.

Auf eine weitere Veränderung möchte ich noch eingehen.

Die Annahmen

der amerikanischen Unterhändler im Jahr 1972 hatten auch einen technologischen Hintergrund.

Damals war die Entwicklung einer wirksamen Vertei-

digung gegen Interkontinentalraketen noch nicht möglich.
nische Fortschritt macht nicht halt.

Aber der tech-

Genau wie wir Zeuge dieses Fort-

schritts bei den strategischen Offensivwaffen wurden, so lassen auch die
Durchbrüche der letzten Jahre die Hoffnung zu, daß eine militärisch sichere und kosteneffiziente Verteidigung möglich sein wird.

Das hervortretende Verhaltensmuster der Sowjetunion seit 1972 ist
deutlich und beunruhigend.

Ihre Taten haben unsere Hoffnungen enttäuscht

und echte Rüstungsverringerungen unmöglich gemacht.

Das Gleichgewicht

zwischen den Offensivwaffen, das seit Jahren die Abschreckung zwischen
den Nuklearmächten aufrechterhalten hat, wird von der Sowjetunion erschüttert.

Die Zurückhaltung unsererseits seit SALT I bei der Dislozie-

rung offensiver strategischer Waffen wurde von den Sowjets nicht erwidert.

Statt dessen haben sie Umfang, Mobilität und Zielgenauigkeit ihrer

offensiven Nukleararsenale auch weiterhin erhöht.
Nicht
- 4-

weniger

�Nicht weniger alarmierend - sowohl was Umfang als auch Wirkungsgrad
angeht - sind ihre Investitionen der letzten 20 Jahre bei der strategischen Verteidigung.

Da sie antiballistische Raketen entwickeln, die in-

nerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums verlegt und in großer Zahl
disloziert

werden

können, müssen

wir uns fragen, welchem Zweck dies

dient; wenn sie ein expandierendes Befehls- und Kontrollsystem härten,
müssen wir uns die Frage nach dem Warum stellen; und wenn sie ihre Führung absichern, ihre Raketensilos verstärken und gewaltige Summen für die
Zivilverteidigung verwenden, dann müssen wir uns fragen, wozu?

Der Westen stellt einfach nicht diese immer größere Bedrohung dar,
die derlei sowjetische Schritte erforderlich machen würde.

Aber ange-

sichts der bisherigen Weigerung der Sowjets, hinsichtlich der beiderseitigen und verifizierbaren Verringerung der Offensivarsenale zu einem Abkommen zu gelangen, hat der Westen keine andere Wahl.

Wir müssen prüfen,

wie wir das Gleichgewicht wiederherstellen und andere Mittel zur Aufrechterhaltung

einer stabilen Abschreckung

bereitstellen

können.

Bei

diesen unseren Bemühungen um die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung
des Gleichgewichts stehen wir vor drei miteinander verknüpften Optionen.

Erstens: Wir können den Versuch unternehmen, die Sowjets durch Verhandlungen zu einer Verringerung der Offensivsysteme auf gleichen Umfang
zu bringen.

Dies wird in Genf unsere Hauptaufgabe sein.

Legt man jedoch

die Erfahrungen der Vergangenheit zugrunde, so zeigt sich, daß diese Aufgabe schwer werden wird.

Wir werden offen, flexibel und konstruktiv sein

und uns zusammen mit der Sowjetunion darum bemühen, wirksame, verifizierbare Rüstungsverringerungen auszuhandeln.

Man sollte sich jedoch stets

vor Augen halten, daß es zwei Seiten braucht, damit diese Verhandlungen
zu einem Ziel gelangen.
Zweitens: Wir können versuchen, diese Trends umzukehren, indem wir
einfach das Gleiche tun wie die Sowjets und ein offensives Nukleargleichgewicht

aufrechterhalten.

Kurzfristig

gesehen, werden wir

sicherlich

dieses Gleichgewicht wiederherstellen und aufrechterhalten müssen, bis
uns andere Optionen zur Verfügung stehen. Diesem Zweck dienen unser stra-

�unser strategisches Modernisierungsprogramm und die NATO-Programme einer
LRINF-Raketenmodernisierung.

Schließlich: Wir können unsere Energien einsetzen, um herauszufinden,
ob es nicht eine bessere Möglichkeit gibt, den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten Sicherheit zu bieten - nämlich durch eine verstärkte
Abschreckung mit Hilfe von Defensivsystemen - Systemen also, die niemanden bedrohen.

Wir werden all diese Möglichkeiten über die notwendigen und angemessenen Wege verfolgen.

- Wir werden uns auch weiterhin um ausgewogene und verifizierbare Rüstungsverringerungen bemühen.

Aber es darf dies keine Einbahnstraße

sein, und es wird seine Zeit brauchen.

- Wir werden das nukleare Gleichgewicht aufrechterhalten, bis Alternativen zur Verfügung stehen.

Die "Friedenswahrer"-Rakete (MX) und das

NATO-Modernisierungsprogramm bei den weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensystemen (LRINF) sind in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung.
- Schließlich müssen wir das wachsende Potential der neuen Defensivtechnologien erforschen.

Lassen Sie mich noch etwas zu der Notwendigkeit der Erforschung der
strategischen Verteidigung sagen und Ihnen drei konkrete Argumente an die
Hand geben, warum die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) zu einem
zentralen Punkt unserer Verteidigungsprogramme geworden ist.

Das erste Argument bezieht sich auf die Abschreckung.

Wir haben ei-

nen grundlegenden Faktor hinsichtlich der Welt ignoriert, in der es keine
Verteidigung gibt.

Ohne Verteidigung ist es für einen Angreifer höchst

einfach, seinen Erstschlag zu planen. Wenn ein Angreifer erst einmal seine Interkontinentalraketen gestartet hat, so weiß er recht genau, welchen
- 6-

�genau, welchen Schaden er anrichten wird, denn es gibt nichts, was seinem
Angriff in die Quere kommen könnte.

Er kann also planen und kalkulieren,

welche Waffen er benötigt, um die Streitkräfte der anderen Seite zu zerstören.

Wenn er die entsprechenden Mittel und die entsorechende Absicht

hat, kann er sich dann diese Waffen zulegen.

Letztlich handelt es sich

dann dabei um ein technisches Problem. Nun, die Sowjets haben ihre Kalkulationen gemacht, und sie hatten Zeit und Geld, um sich Waffen zuzulegen.

Aber wenn eine Verteidigung vorhanden ist - selbst eine Verteidigung,
die nicht perfekt ist -, dann stellt sich das Problem ganz anders.

Ein

Angreifer wird dann nicht in der Lage sein, eine Rakete abzufeuern und
ein Ziel zu zerstören.

Er weiß nämlich nicht genau, ob sein Angriffsplan

funktionieren wird, oder - wenn er dies nur teilweise tut - welche Ziele
er verfehlen wird, weil er nicht wissen kann, wie gut unsere Verteidigung
sein wird.

Zwar ist sich auch der Verteidiger seiner Sache nicht sicher.

Aber bei ihm liegt die Entscheidung über den Angriff ja nicht.

Beim Vor-

handensein einer Verteidigung wird also das, was lediglich ein technisches Problem war, plötzlich zu einem wesentlich schwierigeren, kostspieligeren militärischen Problem.

Sogar eine Verteidigung, die unvollkommen

ist, stärkt die Abschreckung, weil sie demjenigen gewaltige Kopfschmerzen
und Ungewißheiten bereitet, der einen Angriff in Erwägung zieht.

Und das

ist gut so.

Beim zweiten Punkt geht es um Menschenleben.

Einfach gesagt, können

wir vor einem Angriff abschrecken, indem wir diesen Angriff zurückschlagen oder indem wir drohen, als Vergeltungsmaßnahme feindliche Zivilisten
zu töten. Meiner Meinung nach ist es gar keine Frage, daß es weit besser
ist, in der Lage zu sein, den Angriff zurückzuschlagen und es dadurch von
vornherein nicht zu einem solchen kommen zu lassen.

Aus den besprochenen

Gründen heraus läßt uns auch die SDI zu einem solchen Schluß gelangen.
Ohne eine Verteidigung müssen wir uns auch weiterhin auf Vergeltung verlassen, um vor einem Nuklearangriff abzuschrecken.

Viele von jenen, die gegen die SDI sind, argumentieren für die garantierte Zerstörung als Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens.

In letz-

�In letzter Zeit wurde viel über einen nuklearen Winter gesprochen.

Bei

aller Ungewißheit ist doch eines klar. Ein nuklearer Winter würde höchstwahrscheinlich durch den Rauch und Qualm von brennenden Städten erzeugt,
die von Kernwaffen getroffen wurden.

Alle Aspekte der Politik dieser Ad-

ministration hinsichtlich strategischer Waffen, einschließlich Süi, zielen darauf ab, uns von dieser Art von Angriff wegzubringen. Jene, die anderer Meinung sind als wir und die auch weiterhin die diskreditierte Politik der garantierten Zerstörung unterstützen, müssen sich der folgenden
Tatsache stellen:

Der Krieg, der sich aus der Verwirklichung ihrer Poli-

tik ergeben könnte, wäre genau die Art von Krieg, die am ehesten diesen
nuklearen Winter herbeiführen würde.

Schließlich möchte ich noch ein Problem ansprechen, das nicht so massiv, vielleicht aber noch dringlicher ist als die Abschreckung vor einem
sowjetischen Angriff.

Unsere Bemühungen um eine Verhinderung nuklearer

Proliferation hatten erheblichen Erfolg.

Sicherlich gibt es heute weni-

ger Länder mit Kernwaffen, als man dies vor 20 Jahren vorhergesagt hätte.
Aber viele Länder bemühen sich auch weiterhin um den Besitz von Kernwaffen.

Und wir wissen, daß viele von ihnen auch über die Technologie für

ballistische Raketen verfügen wollen.

Wir werden unsere Bemühungen bei

der Nonproliferation nicht einschränken.

Aber ich glaube, es ist ein Akt

schlichter Klugheit, Verteidigungssysteme zu untersuchen, die begrenzte
Nuklearangriffe oder Nuklearangriffe aus Versehen vereiteln könnten.

Aus diesen Gründen hat Präsident Reagan unser Land aufgefordert, ein
tatkräftiges Forschungsprogramm in Angriff zu nehmen - nämlich die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI).

Es wird sich auf moderne Vertei-

digungstechnologien konzentrieren mit dem Ziel, Mittel und Wege zu finden, um eine bessere Grundlage für die Abschreckung einer Aggression, die
Stärkung der Stabilität und die Förderung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und unserer Verbündeten zu schaffen.

Unsere Anstrengungen stehen

in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag.

Praktisch gesehen muß eine strategische Verteidigungsoption kosteneffektiv sein, d.h., es muß billiger und leichter sein die Verteidigungs-

�die Verteidigungs- statt die Offensivkapazität zu stärken, denn sonst gäbe es nur den Anreiz, die Offensivrüstungen zu erweitern, die wir ja gerade verringern wollen.

Darüber hinaus muß ein jedes Defensivsystem an-

gesichts eines Angriffes überlebensfähig sein, wenn nicht, würde es zu
seiner eigenen Überwältigung ohne Rücksicht auf die Kosten einladen.
Ziel einer strategischen Stabilität erfordert

Das

einen solch hohen Lei-

stungsstandard.

In unseren Beziehungen mit anderen Ländern müssen die strategischen
Verteidigungsoptionen nicht nur unseren eigenen Sicherheitsanliegen Rechnung tragen, sondern auch aenen unserer Verbündeten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten konsultieren aktiv ihre Verbündeten, um auf deren
Anliegen und Fragen hinsichtlich der SDI eingehen zu können.

Da es sich

hierbei um ein Forschungsprogramm handelt, sind deren Überlegungen von
großer Wichtigkeit, wenn wir die Kapazitäten überprüfen und Leistungskriterien für die Defensivtechnologie setzen.

Ferner kann oder wird kein

Schritt weg von der offensiven Abschreckungsstruktur, die den Frieden in
Europa so wirksam erhalten hat, die Stimme unserer Verbündeten ignorieren.

Unser eigenes Überleben hängt davon ab, daß unsere Verbündeten vor

einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg sicher sind.

Bei den neuen Verhandlungen in Genf sowie im Rahmen anderer bespräche
hoffen wir, mit der Sowjetunion ein gegenseitiges Verständnis der Sicherheitsanliegen des jeweils anderen zu entwickeln.
streben keine Überlegenheit an.

Die Vereinigten Staaten

Für die Sowjetunion ist es schwer, dies

zu verstehen, weil sie uns nach ihren eigenen Ambitionen beurteilt.

Aber

die historischen Fakten sind in dieser Beziehung klar und eindeutig. Kein
Land hat in der Geschichte so verantwortungsbewußt wie die Vereinigten
Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg gehandelt, als wir eine so überlegene
Position auf dem Gebiet der Waffen innehatten und als wir das einzige
Land waren, das über Kernwaffen verfügte. Falls die Technologie sich als
durchführbar und kosteneffizient erweist, eine Integration von Defensivsystemen in das Streitkräftemix beider Seiten zu erwägen.

Dies würde im

Kontex eines kooperativen, ausgewogenen und verifizierbaren Umfelds erfolgen, das ein Gleichgewicht offensiver und defensiver Streitkräfte in
einer Weise widerspiegelt, die die bestehenden nuklearen Arsenale abbaut,
- 9-

�Arsenale abbaut, während gleichzeitig Sicherheit und Stabilität gefördert
würden.

Falls unsere Forschung die Durchführbarkeit dieser Konzepte er-

weist, wird Kernpunkt eine vereinbarte Übergangsperiode von vielen Jahren
mit der Garantie von Stabilität und Sicherheit sein.

Schließlich gibt es wenigsten vier Fiktionen über die Strategische
Verteidigungsinitiative, die ich ausräumen möchte.

Die erste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine "Militarisierung des Weltraums" versuchten.

Dies ist eine rein sowjetische Propagandalinie, und sie ist in bedrückender Weise irreführend.

Die Aktivitäten im Weltraum kann man im

allgemeinen in drei Kategorien einteilen:
liche und militärische.

kommerzielle, wissenschaft-

Über uns befinden sich gegenwärtig mehr als 8U0

sowjetische Satelliten in einer Umlaufbahn, verglichen mit etwa 40U Satelliten des Westens.

Dies ist ein Verhältnis von zwei zu eins, und -

anders als im Westen - ist die große Mehrheit der sowjetischen Satelliten
militärischer Natur.

Diese militärischen Satelliten bewegen sich über

uns in einem Raum, den die Sowjets mit den einzig derzeit vorhandenen Antisatellitenwaffen bedrohen.

Darüber hinaus war es die Sowjetunion, die

zuerst - nämlich 1957 - die ballistischen Interkontinentalraketen entwikkelte, die durch den Weltraum fliegen und gegenwärtig weit mehr Gefechtsköpfe insgesamt tragen als die amerikanischen Systeme.

Was bleibt dann

noch an Weltraum, den die Sowjetunion noch nicht militarisiert hat?

Der

Weltraum ist schon seit langem für militärische Zwecke benutzt worden.
Wenn die Sowjetunion von der "Verhinderung der Militarisierung des Weltraums" und von einem ASAT-Moratorium spricht, dann ist sie überaus unaufrichtig, weil sie nämlich 15 Jahre der eigenen entschlossenen Anstrengungen auf diesem Gebiet einfach ignoriert.

Die nächste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Konzeption der "beiderseitig garantierten Zerstörung" über den Haufen werfen, auf der die strategische Stabilität angeblich beruhe.

Ich hoffe, ich
- 10 -

�Ich hoffe, ich habe diese Fiktion heute damit aus der Welt geschafft,
daö ich auf den destabilisierenden Verlauf des sowjetischen strategischen
Aufbaus und der immer größer werdenden Abschirmung ihrer Streitkräfte und
ihrer Führung von der "garantierten Zerstörung" hingewiesen habe.

Ein

amerikanisch-sowjetischer Vergleich hinsichtlich der Investitionen in die
sogenannte passive Verteidigungsabschirmung

von Bevölkerung

und wirt-

schaftlichen Basen vor nuklearen Angriffen ist einfach nicht möglich.

So

groß sind die sowjetischen Anstrengungen und so minimal die unsrigen, daß
das Verhältnis schon an Absurdität grenzt.
teidigungsvorbereitungen sind gewaltig.

Die sowjetischen zivilen Ver-

Unsere eigenen kleinen Anstren-

gungen zeigen, daß es uns im Westen überaus schwer fällt, sich ein Leben
nach einem Nuklearkrieg vorzustellen.

Drittens, die Sowjetunion behauptet, daß SDI destabilisierend wirke.

Ihre immer wieder erklärte Furcht vor einem Verschwinden einer stabilen Abschreckung mutet ironisch an.

Die Vereinigten Staaten sind stark

in diplomatischen und privaten Konsultationen engagiert, um die immer rasantere Entwicklung in der strategischen Verteidigung zu analysieren, die
eine Stärkung der Abschreckung in der Zukunft verheißt.

Wie ich schon

zuvor gesagt habe, müssen die strategischen Verteidigungsoptionen auch
die Stabilität stärken, oder sie kommen einfach nicht in Frage.

Die So-

wjetunion andererseits setzt die Entwicklung und Dislozierung einer neuen
Generation von strategischen Offensivraketen fort und erweitert ihre bereits beträchtlichen Verteidigungskapazitäten.

Die Sowjets haben nieman-

den konsultiert und sind der Meinung, sie seien niemandem eine Antwort
schuldig, während sie bei der Verfolgung ihrer eigenen internen Erfordernisse ein stabiles Gleichgewicht zusehends durcheinanderbringen.

Die letzte Fiktion ist, daß die Strategische Verteidigungsinitiative
den Rüstungskontrollprozeß Komplizieren würde.

Die Wahrheit ist vielmehr, daß es die Strategische Verteidigungsinitiative - verbunden mit der deutlichen Entschlossenheit der westlichen
Verbündeten, ihre strategische Abschreckung zu modernisieren - war, die
- 11

�war, die die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückgebracht hat.

Es

gibt in wachsendem Maße Beweise dafür, daß defensive Technologien eine
echte Hoffnung auf Reduzierung der Notwendigkeit offensiver Nukleararsenale darstellen.

Wenn man sich auf Gesprächen einläßt, die auf Rüstungs-

kontrolle abzielen, ohne üüer das zu sprechen, was sich vielleicht als
das beste Mittel zur Unterstützung dieses Bemühens erweist, dann heißt
das doch, daß der gesamte Prozeß an Bedeutung stark verliert.

Präsident

Reagan hat sich ernsthaften und wesentlichen Fortschritten bei der Reduzierung des Umfangs der bestehenden Nukleararsenale und der Förderung von
Sicherheit und Stabilität verschrieben.

Es ist von entscheidender Bedeu-

tung, daß er die moralische Herausforderung akzeptiert hat, alle zu diesem Zweck zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu sondieren.

Abschließend

lassen Sie mich noch einmal unterstreichen, daß die

Strategische Verteidigungsinitiative eine umsichtige und moralische Antwort auf die anhaltenden sowjetischen Maßnahmen ist, die Stabilität und
Sicherheit der Welt gefährden.

Die SDI ist ein Forschungsprogramm, das

voll und ganz mit den Beschränkungen des ABM-Vertrages in Einklang steht.
Dieses Forschungsprogramm soll die Möglichkeit einer strategischen Verteidigung erkunden - angesichts neuer Technologien, die jetzt der Verteidigung zur Verfügung

stehen.

Die Strategische

Verteidigungsinitiative

sucht nach Antworten auf jene Fragen, die friedliebende Länder stellen
müssen.

Wenn wir das Gleichgewicht bewahren wollen, das den Frieden ga-

rantiert, ist das das Mindeste, was es zu tun gibt.

* * * * *

- 12 -

�13. März 1985

11

DIE NATO UND DIE AMERIKANISCHEN STREITKRÄFTE IN EUROPA
- Erklärung von General Rogers -

WASHINGTON - (AD) - Am 1. März 1985 gab NATO-Oberbefehlshaber beneral
Bernard Rogers in einer Annörung vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats einen umfassenden überblick über die Lage der NATO und der
amerikanischen Streitkräfte in Europa. Die Erklärung, die der ueneral abgab, hat folgenden Wortlaut:

Es ist mir ein Vergnügen, wieder einmal vor diesem Ausschuß zu erscheinen, um die Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa zu erörtern.
Da das US-Oberkommando Europa

(United

States European Command

-

EUCOM) den amerikanischen Beitrag zum Alliierten Befehlsbereich Europa
(Allied Command Europe - ACE) darstellt, möchte ich zunächst die sicherheitspolitischen Kernfragen ansprechen, denen sich AJE gegenwärtig gegenübersieht. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Verteidigungsanstrengungen jeder der einzelnen Nationen des Bündnisses, und auf sie konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Bündnisses insgesamt, insbesondere

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�insgesamt, insbesondere in Zusammenhang mit dessen gemeinsamen sicherheitspolitischen Zielen.

Sicherheitspolitische Probleme der NATQ

Das 36. Jahr des Bestehens der NATO neigt siqh dem Ende zu. Das Bündnis bildet die erfolgreichste Friedensbewegung der Geschichte. Sein Auftrag lautet: Abschreckung. Innerhalb des Bündnisses sind die Form und der
umfang der sicherheitspolitischen Anstrengungen der Mitgliednationen zwar
teilweise auch weiterhin umstritten, aber auf beiden Seiten des Atlantik
besteht Übereinstimmung darüber, daß die wesentlichen Elemente der Abschreckung die folgenden sind:
- eine angemessene Strategie,
- hinreichende militärische Mittel, um dieser Strategie Sgbstanz zu
verleihen, und
- Klarheit über die nötige politische Einmütigkeit und Entschlossenheit, diese Strategie in die Tat umzusetzen.
Eine angemessene Strategie

Was das erste Element, eine angemessene Strategie, angeht, so hat
sich die NATO auf die Abschreckungsstrategie der Flexiblen Antwort festgelegt, die sich auf Militärstreitkräfte in Form einer Triade stützt. Sie
umfaßt strategisch-nukleare, nichtstrategisch-nukleare und konventionelle
Streitkräfte. Diese Strategie beinhaltet eine einmütige Selbst Verpflichtung aller Bündnispartner, nicht als erste militärische Gewalt anzuwenden. Die NATO behält sich jedoch vor, im Falle eines Angriffs zu ihrer
Verteidigung als erste Kernwaffen einzusetzen. Eine solche Kombination
von Gewißheit darüber, daß die NATO auf eine Aggression reagieren würde,
und Ungewißheit über die genaue Art und den Umfang dieser Reaktion stärkt
die Abschreckung, indem sie es den Sowjets unmöglich macht, mit hinlänglicher Zuverlässigkeit die Risiken zu berechnen, die sie mit irgendwelchen aggressiven Akten eingehen würden. Diese Ungewißheit und Unberechenbarkeit bildet den entscheidenden Faktor in der Abschreckungsgleichung
der NATO. Auf ihren Zusammenkünften im Dezember 19ö4 haben die&gt; Auüen- und
Verteidigungsminister der NATO bestätigt, daü die Strategie der Flexiblen
- 2 -

�der Flexiblen Antwort das für die Gegenwart und die überschauoare Zukunft
angemessene Konzept bleibe.
Hinreichende militärische Mittel

Was das zweite Element, hinreichende militärische Mittel, anoelangt,
so muß die NATO für jede der Säulen der Triade genügend Streitkräfte unterhalten, um das zur Abschreckung notwendige Kräftegleichgewicht mit dem
Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben Programme zur Modernisierung ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte eingeleitet. Wenn diese Modernisierungsprogramme in vollem
Umfang durchgeführt werden, wird der Abschreckungswert dieser Streitkräfte hoch bleiben. Der NATO-Beschluß vom Dezember 1979 zur Modernisierung
des nuklearen Mittelstreckenpotentials des Bündnisses trug den erheblichen Mängeln dieser wichtigen Säule unserer Triade Rechnung. Im Dezember
1983 haben wir mit der Durchführung dieses Modernisierungsprogramms begonnen; wir führen es planmäßig und ungeachtet sowjetischer Versuche, uns
daran zu hindern, fort. Das Bündnis braucht mit diesem Modernisierungsprogramm nur weiterzumachen, und wir werden die Lücke in diesem Bereich
unseres Abschreckungsspektrums schließen.

Seit Jahren weisen wir von SHAPE darauf hin, dab die größte Schwäche
der NATO in der konventionellen Säule der Triade liegt, ich habe diesem
Ausschuß schon in der Vergangenheit dargelegt, dab die politische Führung
der NATO

sich im Falle eines konventionellen Angriffs auf AJE senr

schnell vor die Entscheidung gestellt sehen würde, den Einsatz von nuklearen Gefechtsfeldwaffen freizugeben. Diese Lage ergibt sich in erster Linie aus der Tatsache, daß es uns im Hinolick auf ausgebildete Mannschaften, Munition und Reserven an Kriegsmaterial an oinsatzausdauer fehlt.
ACE wird zwar jedes Jahr stärker, aber die Anstrengungen des Bündnisses
können mit

denen

des Warschauer

Pakts

dennoch

auch

weiterhin

nicht

Schritt halten. Die sich ständig weiter verbreiternde Kluft zwischen der
konventionellen Schlagkraft der NATO und der des Warschauer Pakts berührt
die Glaubwürdigkeit der Abschreckung

der NATO, weil sie das Bündnis

zwingt, sich in äußerst hohem Maße auf den frühzeitigen Ersteinsatz von
Kernwaffen zu verlassen. Die Möglichkeit des Ersteinsatzes von Kernwaffen
- 3 -

�von Kernwaffen hat zwar auch weiterhin einen erheblichen Abschreckungswert, aber die Drohung mit einem frühzeitigen Ersteinsatz kann keinen
Ausgleich für' eine deutliche konventionelle unterlegenheit schaffen, denn
man sich in so starkem Maße auf einen frühzeitigen Ersteinsatz von Kernwaffen verlassen muß, so bildet dies keine glaubwürdige Grundlage für eine Abschreckung gegen das, was ich für die wahrscheinlichste Bedrohung
des Bündnisses halte: sowjetischer Druck und Einschüchterungsversuche gegen die Nationen Westeuropas auf der Grundlage der bedrohlichen und massiven militärischen Überlegenheit im Bereich der konventionellen Streitkräfte.

Die Aufrechterhaltung der politischen und wirtschaftlichen Handlungsfreiheit der Nationen Westeuropas liegt ebenso im sicherheitspolitischen
Interesse der Vereinigten Staaten wie in dem Europas. Wenn das militärische Kräfteverhältnis zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt einen
Punkt erreicht, an dem die militärische Lage sogar für ein Verteidigungsbündnis nicht mehr zu retten ist, besteht die sehr reale Gefahr, daß die
politische und wirtschaftliche Handlungsfreiheit Westeuropas unterminiert
werden könnte, da die politisch Verantwortlichen des Westens ihre Entscheidungen unter dem Schatten der militärischen Macht des Warschauer
Pakts treffen müßten.

Die militärische Lage ist für die NATO zwar schwierig, aber weder
hoffnungslos noch irreparabel. Da die NATO ein Verteidigungsbündnis ist,
braucht sie mit dem Warschauer Pakt nicht in jeder Kategorie des Kräftevergleichs im Verhältnis von eins zu eins gleichziehen. Im Rahmen der
NATO-Strategie der Flexiblen Antwort sind Verbesserungen im Bereich der
konventionellen Streitkräfte nur so weit erforderlich, wie sie den Warschauer Pakt zu der Überzeugung bringen, dab sie der NATO eine "realistische Chance" verschaffen, einen nichtnuklearen Angriff mit konventionellen Mitteln oder zumindest ohne frühzeitigen Einsatz von Kernwaffen
zum Scheitern zu bringen. So beschaffene

konventionelle Streitkräfte

müßten
- gewährleisten, daß unsere konventionelle Verteidiyung

lange genug

intakt bliebe, um die politische Führung der NATO in die Lage zu
versetzen,

mit

klarem

Kopf

und

voller Entschlußkraft

eine Ent-

�eine Entscheidung über den Einsatz von Kernwaffen zu treffen;
- den Schutz unserer nuklearen Trägermittel und wichtigen Führungs- und
Befehlssysteme gewährleisten, bis sie benötigt werden, und
- den Warschauer Pakt, falls er angriffe, vor die Alternative stellen,
den Angriff entweder wieder abzubrechen oder selost als erster zu eskalieren und Kernwaffen einzusetzen, was er nicht will.
Als SAJEIR (Oberster Alliierter Befehlshaber Europa) fühle ich mich
durch die Tatsache ermutigt, daß während der letzten Jahre eine Reihe von
schwierigen Entscheidungen getroffen worden sind, die zu einer Verstärkung der konventionellen Streitkräfte im Bereich von AJE führen werden.
Beispielsweise wurde der Umfang des gemeinsam finanzierten Infrastrukturprogramms gegenüber der letzten Tranche von einer Milliarde Infrastrukturverrechnungseinheiten (iMUs) auf drei Milliarden erhöht und somit verdreifacht. Dies wird uns in die Lage versetzen, auf Luftwaffenbasen, über
die im Ernstfall Verstärkungen eingeflogen würden, dringend benötigte Anlagen, so u.a. gehärtete Abstellplätze für Flugzeuge, zu errichten. Im
Dezember vergangenen Jahres beschlossen die Verteidigungsminister außerdem eine weitere Aufstockung der Munitionsbestände. Einer der meines Erachtens wichtigsten Schritte des Bündnisnisses

oestand

darin, daß im

Herbst vergangenen Jahres die langfristigen Planungsrichtlinien für die
Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts angenommen wurden. Ich
glaube, daß die sich daraus ergebende Verbesserung unserer Fähigkeit, die
Operativen Manövergruppen, die zweite und dritte Staffel und die Reserven
des Warschauer

Pakts zu lokalisieren

und mit

konventionellen Waffen

Schläge gegen diese Einheiten zu führen, bevor sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen, sehr wohl bestimmend für den Erfolg unserer konventionellen Verteidigung sein könnte. Uiese tmtscheidungen werden sich
auf die Zeitspanne, während der AJE eine konventionelle Verteidigung aufrechterhalten kann, vorteilhaft auswirken.

Einmütigkeit und Entschlossenheit

Was das dritte Element der Aoschreckung, Bekundung von Einmütigkeit
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie, anbelangt, so setzt
das Bündnis die Stationierung

von INf-Systemen auf europäischem Boden
- 5 -

�europäischem Boden fort. Auf den Zusammenkünften der außen- und Verteidigungsminister im Dezember 1984 bekundeten die Mitgliedstaaten der NATU
erneut ihre Entschlossenheit, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und die Streitkräfteziele der NATO für den Zeitraum 1985 - 199U zu
verwirklichen. Auch die Entscheidungen vom vergangenen Jahr, die ich bereits erwähnte, bezeugten Einmütigkeit bezüglich der gemeinsamen Ziele
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie. Auch bei einem der
besonders erfolgreichen Projekte des Bündnisses, dem gemeinsam finanzierten fliegenden Frühwarnsystem der NATO, werden Stationierung und Ausbildung planmäßig fortgesetzt. Außerdem haben die meisten Mitgliedstaaten
ungeachtet gravierender Finanzierungsprobleme ihre Verteidigungsausgaben
im Jahre 1984 real erhöht.

Die amerikanische Führungsrolle

Es ist wesentlich, daß die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle im
Bündnis auch weiterhin ausfüllen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Führungsposition in den letzten Jahren gestärkt, indem sie ihren VerDÜndeten
vorgeführt haben, daß eine erhebliche

Verbesserung

des Zustands der

Streitkräfte selbst unter wirtschaftlich schwierigen dedingungen möglich
ist. Der beste Heg, die Verbündeten dazu zu bringen, auch weiterhin auf
eine Verbesserung ihrer konventionellen Verteidigung hinzuarbeiten, besteht für die Vereinigten Staaten darin, das Bündnis dazu anzuhalten,
ihrem eigenen Beispiel nach bestem Vermögen zu folgen, im Falle des Versagens aber nicht mit Repressalien zu drohen. Mit der Unterstützung des
Kongresses kann die NATO auch weiterhin Fortschritte erzielen.

Vorrangige Aufgaben des US-Oberkommandos Europa

Ich wende mich nun der Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa
zu. Während der letzten fünf Jahre hat sich das US-Oberkommando Europa
von vier vorrangigen Aufgaben leiten lassen. Angesichts der fortwährenden
Verbesserung der Schlagkraft der sowjetischen Streitkräfte und des sich
vergrößerten Ungleichgewichts im Bereich der konventionellen Streitkräfte
sind diese Aufgaben wichtiger denn je.
uie erste
- 6 -

�Die erste Aufgabe besteht darin, in angemessener Weise für unsere
Soldaten und deren Familien zu sorgen. Dies bedeutet, daß sie ausreichende Besoldung und materielle Vergütungen, medizinische Betreuung, Unterkünfte und Familienbeihilfen erhalten müssen und daß man ihnen angemessene Einrichtungen zur Verfügung stellen muü, in denen sie arbeiten, leben
und sich erholen können. Dies bedeutet auch, daU wir dafür sorgen müssen,
daß sie "psychisch im Lot" sind. Dazu müssen wir sie einer rigorosen, am
Auftrag orientierten Ausbildung unterziehen und ihnen das Bewußtsein verschaffen, daß sie imstande sind, ihre Ausrüstung ordentlich zu warten,
daß sie Teil eines gut geführten Teams sind und daß es ihren Führern keineswegs "egal" ist, wie es ihnen und ihren Familien geht. Die Herstellung
einer solchen Bewußtseinslage steht mit einer angemessenen Mittelzuweisung zur Deckung von Betriebs- und Materialerhaltungskosten in engem Zusammenhang.

Die zweite Aufgabe des US-Oberkommandos Europa besteht darin, das
beste aus den ihm unterstellten Streitkräften herauszuholen, indem man
sicherstellt, daß sie den Kriterien von ACE für Stellenbesetzung, Ausrüstung, Ausbildung, Materialerhaltung, Versorgung und Zuführung von Verstärkungen genügen. Diese Streitkräfte würden im Ernstfall gemeinsam mit
denen, die die Verbündeten für den Bereich von AJE bereitstellen, unsere
vorderen Verteidigungsstellungen besetzen und müßten sie gegen die erste
Angriffswelle des Warschauer Pakts halten.

Die dritte Aufgabe von EUCQM besteht darin, die erforderliche Modernisierung unserer Waffensysteme fortzuführen und, wie dies bereits geschieht, nach Mitteln zu suchen, die uns besser in die Lage versetzen,
die Truppen des Warschauer Pakts soweit zu dezimieren, daß wir mit ihnen
fertig werden können, wenn sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen. Kurzum: Wir müssen unsere Möglichkeiten, die Folgestaffeln eines Aggressors mit konventionellen Waffen anzuyreifen, verbessern.

Unsere vierte Aufgabe besteht darin, unsere Streitkräfte strukturell
zu verstärken, insbesondere durch mobilisierbare, ausgebildete Reserven.
Den bestehenden strikten haushaltsmäßigen Beschränkungen und anderen vorrangigen Aufgaben muß zwar gebührend Rechnung getragen werden, aber den- 7 -

�aber dennoch ist ein gewisser Ausbau der aktiven Streitkräfte notwendig,
um die Modernisierungsprogramme durchführen und den sich aus der Bedrohung ergebenden Erfordernissen gerecht werden zu können.

Wenn diese Aufgaben erfüllt werden können, so wird dies die gemeinsame Abschreckung stärken und die Fähigkeit der amerikanischen Streitkräfte
zur Vorneverteidigung in der Hauptabwehrlinie ebenso verbessern wie ihre
Fähigkeit zu Angriffen auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts. Dank
der Unterstützung durch den Kongreß konnten in den vergangenen Jahren in
diesen vorrangigen Bereichen bereits Verbesserungen vorgenommen werden.

Die Schlagkraft der Streitkräfte der Vereinigten Staaten konnte in
den vergangenen Jahren zwar erheblich erhöht werden, aber sie haben heute
immer noch nicht den Leistungsstand, den sie haben könnten. Außerdem köi&gt;
nen die amerikanischen Streitkräfte, die zur raschen Verstärkung der NATU
vorgesehen sind, immer noch nicht entsprechend dem erforderlichen Zeitplan verlegt werden. Diese Mängel behindern uns bei der Erfüllung unseres
Auftrags in Europa. Mit der Unterstützung des Kongresses können wir sie
jedoch beheben und damit die Abschreckung stärken.

Vor diesem Hintergrund mö'chte ich nunmehr einige meiner besonderen
Anliegen im Hinblick auf die Verbesserung der Linsatzfähigkeit der EüJOM
unterstellten amerikanischen Streitkräfte darlegen, ich darf ihnen ins
Gedächtnis rufen, daß Einsatzfähigkeit auf vier Faktoren beruht: Einsatzbereitschaft, Einsatzausdauer, Modernisierung und Streitkräftestruktur.
Die Einsatzbereitschaft von U5EUJ0M

Die Einsatzbereitschaft der amerikanischen Kampftruppen in Europa befindet sich heute auf einem höheren Stand als zu jedem anderen Zeitpunkt,
seit ich die Position des USCINJEUR (amerikanischer Oberbefehlshaber Europa) übernommen habe.

Ihnen als Kongreßabgeordneten verdanken wir die Mittel, mit denen
dies Niveau erreicht werden konnte, und wir in Europa wissen das sehr zu
schätzen. Das Personal bildet das wichtigste Element der Einsatzoereit-

- ö-

�der Einsatzbereitschaft einer Truppe, und die Uualitä't und der Ausbildunysstand unserer Soldaten sind besser als alles, was ich in den k'l Jahren meiner aktiven Dienstzeit erlebt habe. Die Herbstmanöver 1984 in Europa und die REFORGER-'übung vom vergangenen Monat haben den Enthusiasmus
und die hohe Moral unserer Truppen gezeigt; hinzu kommen teilweise noch
eine ausgezeichnete Ausbildung, ein hoher Leistungsstand der Einheitsführer und die Übernahme leistungsfähigerer Waffensysteme in den Truppendienst. Wir müssen den Bedürfnissen der Truppe auch weiterhin Rechnung
tragen, so daß sie sich voll ihren militärischen Aufgaben widmen kann,
unsere Nation erwartet von den Angehörigen der Streitkräfte, daß sie die
Interessen ihres Landes ihren eigenen überordnen, und unsere Soldaten tun
genau das. Es ist daher nur recht und billig, daü wir dafür angemessene
Rahmenbedingungen für ihren Dienst schaffen.

Einsatzbereitschaft

Was den Faktor Einsatzbereitschaft angeht, so bestehen einige Mängel.
Es sind zu wenig PüMCUS-Ausrüstung und -Einrichtungen vorhanden (.POMCUS =
Prepositioning of Materiel Confiyured to Unit Sets - Vorabeinlagerung der
Ausrüstung ganzer Einheiten am Einsatzort); gleiches gilt für die Zahl
des Kampfunterstützungspersonals für die bereits an Ort und Stelle befindlichen und die Verstärkungstruppen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist
erst die Hälfte der insgesamt eingeplanten PCMJ US-Tonnage in Depots in
Europa eingelagert. Es ist wesentlich, daß der Kongreß die Fortsetzung
der Verschiffung von PCMU US-Ausrüstung und die Anschaffung von Lagereinrichtungen genehmigt. Das POMCUS-Programm wurde vor einer Reihe von Jahren eingeleitet, da

man erkannte, daß man

zusätzliche

amerikanische

Streitkräfte benötigen würde, um einer Bedrohung begegnen zu können, wenn
sie sich im Frühstadium einer Krise oder eines Konflikts in Europa abzeichnete. Man kam zu dem Schluß, daß POMCUS kostengünstiger und effektiver sein würde als andere Lösungen, die zusätzliche kostspielige strategische Luft- und Seetransportkapazitäten erfordert hätten. Daher verpflichteten sich die Vereinigten Staaten gegenüber ihren Verbündeten, die
Ausrüstung von sechs Divisionen im Rahmen des POMJUS-Programms vorab einzulagern, um eine schnelle Zuführung von Verstärkungen nach Westeuropa zu
gewährleisten.
Für eine
- 9 -

�Für eine Stärkung der konventionellen Abschreckung und Verteidigung
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir in der Lage sind, Verstärkungen
aus den Vereinigten Staaten nach Europa und weiter in ihre Kampfräume zu
bringen. Wenn die Programme, die in den letzten Jahren die Unterstützung
des Kongresses gefunden haben (CRAF, gestreckte C-141, KC-1U, £-5ö,
und schneller Seetransport) in vollem Umfang durchgeführt

C-17

werden, und

wenn die PCMC US-Depots voll aufgefüllt werden, dann wird dies einen großen Schritt in Richtung auf die Gewährleistung der Zuführung der erforderlichen Verstärkungen bedeuten. Ich ersuche den Kongreb dringend um
seine weitere Unterstützung im Hinblick auf diejenigen Teile dieser wichtigen Transportprogramme, deren Finanzierung bislang noch nicht gesichert
ist.
Eine meiner Hauptsorgen gilt der Tatsache, daß USEUCOM in den ersten
Tagen einer Krise oder eines Konflikts nur unzulängliche Kampfunterstützung seinheiten (Combat Service Support - CSS) zur Verfügung stehen würden. Ein entscheidender Faktor, der sich beschränkend auf die Kampfkraft
auswirken kann, liegt in der Verfügbarkeit von Personal und Einrichtungen
zur Bewachung, Wartung und Reparatur von Material und zur Weiterleitung
von Nachschub zu den Kampf verbänden. Dies ist die Funktion der CSS-Einheiten. Was das Heer heute an CSS-Einheiten besitzt, genügt nicht, um die
ersten eintreffenden PQ^ü US-Verbände zu unterstützen, und reicht nocn
nicht einmal für die bereits heute in vornegelegenen Stellungen in Europa
stationierten Kampftruppen. Die gegenwärtig an Ort und Stelle vornandenen
CSS-Einheiten haben im allgemeinen Untersollstärke; bei einigen bis hinunter zu 70 Prozent. Außerdem machen die vor Ort befindlichen CSS-Einheiten nur 56 Prozent dessen aus, was zur Unterstützung der permanent in Europa stationierten

amerikanischen Kampftruppen eigentlich erforderlich

wäre. Falls wirklich POMCUS-Verbände herangeführt würden, würde sich die
Lage noch verschlimmern. Die für sie notwendiyen CSS-Funktionen müuten
zum großen Teil von Reserveeinheiten übernommen werden, die in den Vereinigten Staaten stationiert sind und vielfach personell und materiell Untersollstärke haben. Es muß noch mehr getan werden, um zu gewährleisten,
daß CSS-Reserveeinheiten frühzeitig zur Verfügung stehen. Beim gegenwärtigen Ausrüstungsstand würden viele Reserveeinheiten zunächst in den Vereinigten Staaten bleiben und auf die Zuführung wichtigen Materials warten
- 10 -

�Materials warten müssen. Dieses Material mub schon im Frieden bereitgestellt werden. Für diese Einheiten muU auch in verstärktem Malöe strategischer See- und Lufttransportraum verfügbar gehalten werden.

Ob wir Verstärkungen heranführen können, hängt auch davon ab, daü in
Europa hinreichende Hilfseinrichtungen bestehen, mittels derer die Verstärkungsoperationen befehligt und geleitet werden könnten. Wir brauchen
Einrichtungen für die Unterbringung des Hilfspersonals, dessen Aufgabe es
wäre, die aus den Vereinigten Staaten nach Europa verlegten amerikanischen Heereseinheiten in Empfang zu nehmen und auf den Weitertransport in
die Kampfzone vorzubereiten. Im Frieden entwirft dieses vorne stationierte Hilfspersonal Pläne für die Durchführung dieser Inempfangnahme- und
Weiterleitungsaufgaben, nimmt Verbindung mit dem Personal der Gaststaaten
auf, das ihm im Kriegsfalle bei der Durchführung dieser Aufgaben behilflich sein würde, konzipiert gemeinsam mit ihm entsprechende Pläne und
übernimmt die Befehls- und Leitungsfunktionen für die PlMülS- und Munitionslagereinrichtungen, die der Unterstützung der im entsprechenden Teil
der Bundesrepublik Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte
dienen. Das Riechel-Gebäudes in Rheinberg in der Bundesrepublik Deutschland bildet ein Beispiel für eine Einrichtung von der Art, die notwendig
ist, um sicherzustellen, daü unsere Verstärkungen in Empfang genommen und
zeitgerecnt in ihre Einsatzräume geleitet werden. Es hat eine ideale Lage
mitten auf den Verbindungslinien zur Heeresgruppe Nord und im geographischen Mittelpunkt des Gebiets, in dem PCMCU5- und andere Versorgunys- und
Hilfseinrichtungen angesiedelt sind. Die Vereinigten Staaten haben zur
Zeit 35 Prozent der Anlage zu einem jährlichen Preis von 64U UUU Dollar
angemietet. Beim gegenwärtigen Wechselkurs würde sich der Kaufpreis für
das Gebäude auf 11,8 Millionen Dollar belaufen. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat sich bereit erklärt, den Grund und Boden für die
Nutzung durch die Vereinigten Staaten zum Preis von zwei Millionen Dollar
zu erwerben. Ohne eine solche Einrichtung wäre es fraglich, OD wir Verstärkung soperationen im Bereich der Heeresgruppe Nord in Mitteleuropa befehligen und leiten könnten, und es wäre zweifelhaft, ob die Vereinigten
Staaten ihr Versprechen, notfalls innernalb von zehn Tagen nacn Mobilmachungsbeginn zehn Divisionen und die dazugehörigen Einheiten der Luftwaffe nach vorn zu verlegen, einlösen könnten. Ich bitte den Konyreü drin- 11 -

�KongreB dringend, dem Ankauf des Riechel-Gedäudes seine Unterstützung zu
leihen.

Gemäü einer Initiative des Verteidigungsministers ist USEOLüM aktiv
um Abkommen mit unseren Verbündeten über Unterstützung durch das Gastgeberland in Kriegszeiten (Wartime riost Nation Support - WHNS) bemünt, die
den Mangel an amerikanischen Kampfunterstützungstruppen zu einem großen
Teil ausgleichen können. Unser wichtigster Erfolg bis zun gegenwärtigen
Zeitpunkt ist das WHNS-Abkommen mit der Bundesrepublik Deutschland, in
dem sich die Deutschen formell verpflichtet haben, deutsche Reserveeinheiten und zivile Kräfte in logistischen und anderen Hilfsfunktionen für
die amerikanischen Verstärkungstruppen einzusetzen. Mit zehn anderen verbündeten Nationen haben wir ähnliche, aber weniger umfassende Abkommen
geschlossen, in denen sie sich zur Unterstützung amerikanischer Streitkräfte verpflichtet haben. Die Mittelzuweisung durch den Kongreü zur Finanzierung des amerikanischen Anteils an diesen WHNS-Abkommen bleibt ein
kosteneffektiver und wesentlicher Schritt in Richtung auf eine Verbesserung

der Einsatzbereitschaft

der der NATO

zugeteilten

amerikanischen

Streitkräfte.

Einsatzausdauer

Ich möchte mich nunmehr dem Faktor Einsatzausdauer in der Gleichung
der Einsatzfähigkeit zuwenden. Der Grad der Einsatzausdauer der der NATO
unterstellten amerikanischen Einheiten ist im allgemeinen in den meisten
Bereichen höher, als dies bei anderen Verbündeten der Fall ist. Weitere
Verbesserungen werden vorgenommen. Es bestehen jedoch Engpässe üei einzelnen Munitionsarten, z.B. bei Luft-Luft-Raketen und bestimmten Typen
von Artilleriemunition. Während der letzten fünf Jahre hat sich die Lage
zwar erheblich verbessert, aber die Bevorratung mit wichtigem Heeresgrougerät und Fachversorgungsmitteln für die Luftwaffe ist unzureichend. Wenn
die Versorgung mit diesen Dingen oder mit bestimmten Munitionsarten zum
Erliegen käme, wäre auch die Einsatzfähigkeit der Truppe am Ende.

Ob wir Kampfhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg führen
können, hängt auch davon ab, ob wir imstande sind, besonders wichtige
- 12 -

�besonders wichtige Kampfmittel zu schützen. Uie frühzeitige Verstärkung
der Luftwaffe

in Europa

durch Entsendung

zusätzlicher

amerikanischer

Flugzeuge könnte in erheblichem Maioe zur Abschreckung beitragen oder den
Ausgang eines Konflikts bestimmen. Die Verbündeten haben mehr als 70 Einsatzbasen für die Nutzung durch zur Verstärkung eingeflogene Flugzeuge
zur Verfügung gestellt. Wenn auf diesen Einsatzbasen hinreichende Einrichtungen und geschützte Flugzeugabstellplätze vorhanden wären, so könnten diese Maschinen, wenn sie erst einmal eingetroffen wären, auch über
längere Zeit hinweg für Kampfeinsätze verwendet werden; außerdem wären
sie dann weniger verwundbar. Bevor man sie in längerdauernde Kampfeinsätze schicken kann, ist jedoch die Errichtung von bestimmten unabdingbaren
Grundeinrichtungen (sogenannten Minimum Essential Facilities - MEF) erforderlich. Die Finanzierung dieser MEF-Einrichtungen und der geschützten
Abstellplätze erfolgt im Rahmen des NATO-lnfrastrukturprogramms. Sowohl
die MEF-Anlagen als auch die geschützten Abstellplätze stehen weit ooen
auf der Prioritätenliste des Infrastrukturprogramms. Auf der Grundlage
des gegenwärtigen Finanzierungsrahmens für die Infrastruktur gehen wir
davon aus, daü bis 1987 alle MEF-Projekte und bis 199!) alle AbstellplatzProjekte konkrete Formen angenommen haben werden, wobei ou Prozent der
letzteren schon auf die gegenwärtig Tranche des Infrastrukturprogramms,
also die für den Zeitraum 1985 - 1990, entfallen werden.

Was das NATO-Infrastrukturprogramm angeht, so höre ich seit einiger
Zeit, daß der Kongreß sich über die Rückerstattung amerikanischer Mittel
Sorgen macht, die in der Vergangenheit zur Vorfinanzierung von Projekten
eingesetzt worden sind, für die eigentlich die NATO gemeinsam aufkommen
sollte. In der Tat verhält es sich so, daü die Mittelbewilligung für den
Bau von Militäranlagen im Rahmen der Verpflichtungsermächtigung vom vergangenen Jahr meine Möglichkeiten zur Ausgabe von bewilligten amerikanischen Infrastrukturmitteln im Haushaltsjahr 1985 auf vier Dollar für jeden rückerstatteten Dollar begrenzte. Meines Erachtens
schränkung

ungerechtfertigt, da nach meiner Überzeugung

ist diese Beunsere Bilanz

besser ist, als der Kongreß glaubt.

Im Jahre 1980 haben wir von GSEüJQM uns mit Nachdruck darangemacht,
die Rückerstattung von vorfinanzierten Infrastrukturmitteln effektiver zu
- 13 -

�effektiver zu betreiben. Seit 19dü sind von einem rückerstattungspflichtigen Gesamtbetrag von 473 Millionen Dollar 235 Millionen Dollar rückerstattet bzw. sind die entsprechenden Haushaltstitel aufgelöst worden. Die
restlichen 238 Millionen sollen im Rahmen der Tranche von 19ö5 bis 1990
rückerstattet werden. Zusammengenommen aüdieren sich diese beiden Zanlen
auf 100 Prozent aller vom Kongreß für Vorfinanzierungszwecke in Europa
zur Verfügung gestellten Mittel. Was Ihnen vielleicht nicht bekannt ist,
ist jedoch die Tatsache, daß von den verbleibenden 23ö Millionen Dollar
nur 32,5 Millionen Dollar den Prozeio von der Auftraysvergaüe bis zur Abnahme der erstellten Anlage so weit durchlaufen haben, daß sie schon zum
gegenwärtigen Zeitpunkt zur Rückerstattung fällig werden, ich glaube, unsere Rückerstattungsbilanz rechtfertigt die Aufhebung der 1985 vom Kongreß verhängten Beschränkungen. Ich bitte daher um ihre Beseitigung.

Ein letzter unter die Oberbegriffe Einsatzbereitschaft und Einsatzausdauer zu subsummierender Bereich, in dem erhebliche Verbesserungen und
mithin auch die Unterstützung des Kongresses erforderlich sind, ist der
der kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und des Abtransports unserer Verwundeten. Wenn in der nahen Zukunft in Europa ein Krieg ausbräche, könnten
wir mit den zu erwartenden Verlusten nicht fertig werden. Erforderlich
ist unter anderem die Beschaffung und Vorabeinlagerung am Ort des möglichen Geschehens von Marine-, Not- und allgemeinen Lazaretten, dem dazugehörigen Gerät zur medizinischen Versorgung, medizinischen Nachschubgütern
und zusätzlichem Transportraum zum Abtransport von Verwundeten auf dem
Land- und Luftweg. All dies müßte am Mobilmachungstag zur Verfügung stehen, ich ersuche daher dringend um volle Finanzierung dieses Programms.

Modernisierung
Modernisierung bildet ein weiteres wesentliches Element der Einsatzfähigkeit. Dank der Unterstützung durch den Kongreß kommen nunmehr moderne Flugzeuge, Panzer,

Schiffe, Mehrfachraketenwerfer,

Kampffahrzeuge,

Fernmeldeausrüstung und andere Systeme zur Truppe. Ich hoffe, daß das,
was der Haushaltsentwurf vorsieht, auch tatsächlich bewilligt wird und
daß im Hinblick auf die Folgegenerationen Forschung und Entwicklung zügig
vorangetrieben werden. Heute möchte ich mich bei meinen Darlegungen über
- 14 -

�Darlegungen über diesen Bereich auf das beschränken, was EuJUM am dringendsten braucht.
Die vorne stationierten Streitkräfte der NMFO und die ersten Verstärkungskontingente müssen in der Lage sein, die erste Welle eines Angriffs
des Warschauer Pakts aufzufangen. Um die Truppen, gegen die wir uns danacn in unseren Verteidigungsstellungen behaupten müssen, so weit zu dezimieren, daß wir mit ihnen fertig werden können, müssen wir imstande
sein, den Anmarsch der Folgestaffeln des Warschauer Pakts zur Front zu
verzögern und diese Einheiten - nämlich die Operativen Manövergruppen,
die zweite und dritte strategische Staffel und die Reserven - zu zerschlagen und zu neutralisieren. Wenn der Gegner annehmen muü, daü wir imstande sind, seine erste angreifende Staffel aufzuhalten und gleichzeitig
erfolgreiche Schläge gegen die Folgestaffeln zu führen, so würde dies die
Glaubwürdigkeit der Abschreckung erhöhen, da wir dann eine "reelle Chance" hätten, einen konventionellen Angriff durch den Warschauer Pakt zum
Scheitern zu bringen. Das wichtigste Programm, das USoUCOM

in seiner

Hauptfunktion, der Unterstützung des Alliierten Befehlsbereichs Europa,
durchzuführen hat, ist die Verbesserung unserer Fähigkeit zur Bekämpfung
der Folgestaffeln (Follow-un Forces Attack - FüFAj.

Um einem Angreifer die Fähigkeit zur Fortführung seiner Operationen
zu nehmen, den Schwung seines Angriffs zu brechen und eine erfolgreiche
Vorneverteidigung aufrechtzuerhalten, brauchen wir 1. Mittel der Raumüberwachung und Zielerfassung, 2. Führungs-, Befehls- und üatenaufbereitungsmittel sowie 3. Offensivmittel, die über das hinausgehen, was wir
bislang für die allgemeineren und schwerpunktartigeren Aufgaben der Gefechtsfeldabriegelung aus der Luft benötigt haben. Es stehen verbesserte
Technologien zur Verfügung, die viele der Mängel in den Bereichen der
Raumüberwachung, Aufklärung und Zielerfassung beheben werden. Wenn sie
erst einmal in ausreichender Zahl bei der Truppe sind, werden das Gemeinsame Überwachungs- und Zielbekämpfungsradarsystem (Joint Surveillance and
Target Attack Radar System - JSTARS), das Fortgeschrittene Radarsystem
mit Synthetischer Apertur (Advanced Synthetic Aperture Radar System ASARS) und das Präzisionsortung s- und Angriff System (.Precision Location
Strike System - PLSS) uns die erforderlichen Möglichkeiten zur Raumüber- 15 -

�zur Raumüberwachung und Zielerfassung verschaffen, in Veroindung mit den
Flugzeugen vom Typ TR-1, Bodenstationen zum Empfang und zur Darstellung
von Zieldaten und dem Gemeinsamen Taktischen Informationsverteilungssystem (Joint Tactical Information Distribution System - JTIDS) werden uns
diese Systeme die Mittel an die Hand geben, den Aufgaben gerecht zu werden, die sich unter dem ersten der drei genannten Aspekte des Angriffs
auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts stellen.

Die Vereinigten Staaten haben USEUJOM das Versuchsmodell einer teilstreitkräfteübergreifenden taktischen Datenaufbereitungszentrale, die allerdings erst bedingt einsatzbereit ist, zur Verfügung gestellt. Das System ist in Europa unter der Bezeichnung JTF-LQJE bekannt. Mit JTF-LUUE
wird EUuOM in Zusammenarbeit mit anderen Verbündeten, die ein Datenaufbereitungssystem entwickeln, versuchen, für MGE ein System zur crfassung
und Auswertung von Aufklärungsdaten auf dem Gefechtsfeld (Battlefield lntelligence Gollection and Evaluation System - BlJES) zu errichten. Es
wird noch erheblicher Anstrengungen und eines großen Zeitaufwands bedürfen, um üIGES zum Funktionieren zu bringen und um es in die richtigen
Führungs- und Befehlssysteme einzubinden.
Um die richtige Kombination von kosteneffektiven und auftragsgerechten Abstandswaffen und anderen Waffensystemen zum direkten und indirekten
Angriff im Rahmen der FOFA-Funktion zu entwickeln, müssen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten alle Möglichkeiten der ihnen bereits zur
Verfügung

stehenden

Systeme

ausschöpfen,

um

herauszufinden,

ou

ihre

Reichweite, Treffsicherheit und Zerstörungskraft erhöht werden können.
Bis dahin sollten die Verbündeten gemeinsam alle Möglichkeiten der in
Frage kommenden neuen Technologien zum Einsatz im Rahmen der FüFA-Aufgabe
ausschöpfen.

Eine

andere

wichtige Modernisierung sauf gaue,

die

sich

für cüJUM

stellt, ist die Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen. Mit der Unterstützung des Kongresses ist es uns verhältnismäßig gut gelungen, unsere Abwehrmöglichkeiten gegen chemische Waffen
und unsere Überlebensfähigkeit zu verbessern. Selbst die beste defensive
Schutzausrüstung, die zu haben ist, würde jedoch die Schlagkraft unserer
- 16 -

�Schlagkraft unserer Kampftruppen in ernstzunehmenaer Weise neraüsetzen,
nämlich um 30 bis 50 Prozent.
Mittels ihrer modernen, sowohl offensiven als auch defensiven chemischen Kampfmittel könnten die Sowjets in entscheidenden Frontabschnitten
ihrer Wahl unsere Truppen zum Anlegen ihrer ninderlichen Schutzausrüstung
zwingen, während ihre eigenen Streitkräfte ohne eine solche Behinderung
weiterkämpfen könnten. Wir benötigen moderne chemische Munition, die uns
ein glaubwürdiges Vergeltungspotential verschaffen und die Sowjets vom
Einsatz chemischer Waffen abschrecken würde. Wir hätten dann wieder die
gleiche Situation wie im Zweiten Weltkrieg, als zwar beide Seiten chemische Waffen besaßen, sie jedoch nicht einmal in äußersten Notlagen einsetzten, da jede Seite die Vergeltung der anderen fürchtete.

Wir besitzen bereits ein begrenztes Potential an chemischen Waffen,
aber sie sind unzureichend, überholt und schwer zu lagern und zu warten.
Die Mehrzahl unserer weltweiten Lagerbestände ist veraltet. Die Kampfstoffe sind in Großbehältern eingelagert, oder es stehen keine brauchbaren Trägermittel zur Verfügung, ich bitte daher dringend um ihre Unterstützung für die Herstellung binärer Kampfstoffe der benötigten Art. Wir
brauchen ein modernes, einsetzbares Vergeltungspotentidl, wenn wir die
Sowjets vom Einsatz chemischer Waffen in Europa abschrecken wollen und
wenn wir aus einer Position der Stärke heraus über das verhandeln wollen,
was letztlich unser Ziel ist, nämlich die Beseitigung aller chemischer
Waffen vom Antlitz der Erde.

Der Terrorismus bildet immer noch eine ernstzunehmende Bedrohung für
unsere Streitkräfte. Zur Verbesserung unserer Verteidigungsfähigkeit gegen diese Bedrohung ist bereits viel getan worden, aber weitere Schritte
müssen folgen und werden auch bereits unternommen. So werden z.B. zur Abschreckung terroristischer Anschläge die materiellen Sicherheitsvorkenrungen vervollkommnet, die Antiterrorismusausbildung in Europa wird intensiviert, und der Mannschaftsstand

des Wachpersonals, das mit dem

Schutz unserer Einrichtungen betraut ist, wird erhöht. Wir haben dem
Kampf gegen den Terrorismus eine hohe Prioritätsstufe eingeräumt und versuchen in Zusammenarbeit mit unseren
- 17 -

Verbündeten, diese Bedrohung zu

�Bedrohung zu beseitigen, aber die fortdauernde Unterstützung durch den
Kongreß ist erforderlich.

Schließlich ist eine Modernisierung der amerikanischen Sonderoperationsverbände erforderlich. Die Erreichung der Einsatzziele auf einem
möglichen europäischen Kriegsschauplatz erfordert die Verbesserung der
Einsatzausdauer dieser Verbände und die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten bei Nacht und schlechtem .Jetter, von Möglichkeiten zur Ein- und
Ausschleusung solcher Verbände und von Möglichkeiten zu ihrer Versorgung.
Die Errichtung verläßlicher, gemeinsam nutzbarer, sicherer und schwer abhörbarer Fernmeldeeinrichtungen würde diese operativen Möglichkeiten meßbar verbessern.

Streitkräftestruktur

Ich möchte mich nun dem Element der Einsatzfähigkeit zuwenden, das in
der Streitkräftestruktur besteht. Erweiterungen der Streitkräftestruktur
sind erforderlich, wenn die Bedienung der gegenwärtig vorhandenen und
noch zu beschaffendenrtaffensystemegewährleistet sein soll. Zusätzliche
nationale Anstrengungen zur Entwicklung eines Reservoirs an ausgebildetem, und zwar besonders in Kampffunktionen ausgebildetem Personal, aus
dem heraus Einheiten auf Kriegsstärke gebracht oder die in den ersten Tagen eines Krieges entstehenden KampfVerluste ausgeglichen werden könnten,
ist wesentlich für die konventionelle Verteidigung der NATU. Die Ergebnisse erster Bemühungen deuten darauf hin, daß sich durch gut durchdachte
Pläne in den einzelnen Mitgliedstaaten die Zahl der bei Mobilmachung Ausgehobenen erhöhen ließe. Es müssen Mittel und Hege gefunden werden, urn
diese Bemühungen weiterzuführen und um den Erfordernissen der Mouilmachung und des Ausgleichs von Verlusten gerecht zu werden.

Was mir im Hinblick auf die Struktur der Streitkräfte von USEUuOM besondere Sorge bereitet, ist die gegenwärtig bestehende, vom Kongreß gesetzte

Obergrenze

für

die

Truppenstärke

in

Europa

(european

Troop

Strength - ETS), die bei 326 400 Mann liegt. Die LTS-Obergrenze hat-in
allen Bereichen nachteilige Konsequenzen für die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Europa. Das EUJUM-Hauptquartier hat
- 18 -

�tLCCM-Hauptquartier hat erhebliche Zeit und Mühen auf die Entwicklung eines Verwaltungssystems verwandt, dir haben bis heute mehr als 1U DUO militärische Ausgabepositionen gestrichen, um die ETS-Obergrenze einhalten
zu können, gleichzeitig aber noch Spielraum für wesentliche Modernisierungsvorhaben zu behalten, dir müssen Einheiten in die Vereinigten Staaten zurückschicken, die wir eigentlich brauchen, oder uns damit abfinden,
dab Linheiten, die wir ebenfalls brauchen, mit Verzögerung nach curopa
entsandt werden; manchmal auch beides. Um die ETS-Obergrenze auch weiterhin einhalten zu können, müssen wir uns heute zu Einsparungen beim Personalstand eigentlich benötigter konventioneller Streitkräfte bereitfinden,
wenn wir Raum für das Bedienungspersonal der landgestützten Marschflugkörper (Ground-Launched Cruise Missiles - GLCM) schaffen und die deiterführung von deren Aufstellung sicherstellen wollen, ich glaube, daö wir
es uns nicht länger leisten können und sollten, diese Obergrenze einzuhalten, da wir dann Abstriche an der Kampfkraft machen müssen, die wesentlich für die Abschreckung und die Verteidigung ist.

Ich ersuche den Kongreö, die Obergrenze für die amerikanischen Truppen in Europa aufzuheben. Ich glaube, dab wir eine straffe Verwaltung aller Planstellen in Europa geschaffen haben, was auch die Einheiten einschliebt, deren Führungsstäbe

in den

Vereinigten Staaten

stationiert

sind. Die Argumente für eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung
sind zwingend. Eine Aufrechterhaltung der ETS-Obergrenze für Verbesserungen der konventionellen Verteidigung würde nachteilige Konsequenzen nahen, die schwerer wiegen als alle Vorteile, die sich daraus ergeben können, dab wir unsere Verbündeten anspornen, selbst mehr zu tun. Uie Notwendigkeit, die Stationierung der GLCM fortzuführen, ist ebenfalls zwingend. Ich hoffe, dab der Kongreb und die Administration Mittel und liege
finden können, auf die Verbündeten einzuwirken, ohne Zuflucht zu ETSObergrenzen, Drohungen mit dem Abzug amerikanischer Streitkräfte, Versagen der Unterstützung für das Infrastrukturprogramm oder anderen Strafmaönahmen nehmen zu müssen.

Schlubfolgerungen

Abschliebend möchte ich Ihnen für die Beratungen über den Verteidi- 19 -

�den Verteidigungshausnalt für das Haushaltsjahr 1966 einige bedanken mit
auf den Weg geben.

Erstens: Die Strategie der NATO für die Kriegsverhütung durch Abschreckung und die Verteidigung unserer vitalen Interessen in Westeuropa
ist nach wie vor fundiert. Bei den Streitkräften, die zur vollen Umsetzung der NATO-Strategie der Flexiblen Antwort erforderlich sind, gibt es
jedoch Mängel. Wir haben bereits begonnen, bezüglich der Mängel im Bereich der strategischen und nichtstrategischen Sä'ulen der Streitkräftetriade, auf die sich unsere Strategie stützt, Abhilfe zu schaffen. Was zu
tun bleibt, ist lediglich, diese Programme auch zu Ende zu führen.

Zweitens: Eine weitere Verbesserung der konventionellen Streitkräfte
ist wesentlich und auch machbar, da die NATO als ein Verteidigungsbündnis
auf der Grundlage der Strategie der Flexiblen Antwort mit der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt nicht in jedem dereich des Kräftevergleichs im
Verhältnis von eins zu eins gleichzuziehen braucht. Verbesserungen des
amerikanischen Beitrags zur NATO-Verteidigung

sollten

den Prioritäten

folgen, die ich bereits skizziert habe.

Drittens: Das Oberkommando Europa braucht Ihre Unterstützung im Hinblick auf einige besonders wichtige verteidigungspolitische Programme.
Dies sind:
- Personalpolitische Vorhaben, z.ä.

in den Bereichen Besoldung und me-

dizinische Betreuung; militärische Bauvorhaben und Projekte in den
Bereichen Betrieb und Materialerhaltung zum Zwecke der Ausbildung und
der Errichtung von Hilfseinrichtungen und Unterkünften; Familienbeihilfe und Instandhaltung von Liegenschaften.

- Stationierung aller GLCM und Pershing-II.

- Projekte, die im Hinblick auf eine Mobilmachung von Bedeutung sind,
z.B. Einlagerung von POMCUS-Ausrüstung, Errichtung von Lagereinrichtungen, Bereitstellung von Hilfspersonal und Vornestationierung von
CSS-Einheiten.
- ZU -

�- Programme im Hinblick auf die Erfordernisse der Mobilität und Sachführung von Verstärkungen, insbesondere aber im Hinblick auf die von
den Vereinigten Staaten übernommene Verpflichtung, ihre Truppen in
Europa innerhalb von zehn Tage nach Mobilmachung um zehn Divisionen,
88 taktische Kampf staffeln der Luftwaffe und eine amphibische Brigade
des Marinekorps zu verstärken.

- Mittelzuweisung für das WI-NS-Programm, um die Streitkräfte der Vereinigten Staaten voll und ganz in die Lage zu versetzen, die Kampfkraft
der amerikanischen und NATü-Verbände in Europa gemäü den HNS-AbKommen
zu verstärken.
- Progiamme im Hinblick auf die Erfordernisse der Einsatzausdauer, insbesondere im Hinblick auf die Einlagerung von und Bevorratung mit besonders wichtigen Munitionsarten und Grougerät, dessen Fehlen unsere
Verbände im Ernstfall der Fähigkeit zur Fortführung der Kampfhandlungen berauben könnte.

- Ausbau der Mittel zur kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und zum Abtransport von Verwundeten. Erforderlich sind in diesem Zusammenhang
die Beschaffung und Vorabeinlagerung an Ort und Stelle von allgemeinen und Notlazaretten mit entsprechender Ausstattung und Ausrüstung
und allen dazugehörigen medizinischen Versorgungsgütern.

- Einführung der überwachungs- und Zielerfassungssysteme, der Datenaufbereitung s-, Führungs- und Befehlssysteme

sowie Waffensysteme, die

zur wirksamen Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts erforderlich sind. Besondere Beachtung sollte der Standardisierung geschenkt werden; die Systeme sollten mit entsprechendem Gerät der Verbündeten kompatibel sein.

- Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen
auf der Grundlage binärer Kampfstoffe.
- Kampf gegen den Terrorismus.
- Erhöhung der
- 21 -

�- Erhöhung der Schlagkraft der Sonderoperationsverüände, insbesonaere
Verbesserung der Möglichkeiten zur Ein- und Ausschleusung

solcher

Verbände sowie Verbesserung der entsprechenden ui-Systeme (.Liommand,
Controll, Communication = Befehls-, Führungs- und Fernmeldesysteme).

Viertens möchte ich nochmals darauf hinweisen, daü die Aufrüstungsmaschinerie der Sowjetunion und des Warschauer Pakts mit unverminderter
Kraft weiterläuft. Was die NATO braucht, sind gemeinsame, aus den Verbänden aller Verbündeter zusammengesetzte Streitkräfte, deren operative Fähigkeiten in den Augen des Warschauer Pakts so überzeugend sind, daü sie
es ihm nicht geraten erscheinen lassen, seine militärische Stärke gegen
die NATO zum Einsatz zu bringen. Die Kosten, die ein solches Abschrekkungspotential verursacht, sind freilich hoch; das war immer so.

Seit dem Ende des Unabhängigkeitskrieges haben die Bürger unseres
Landes stets vom immerwährenden Frieden geträumt und sich dem Wunschdenken hingegeben, daü es nie wieder Krieg geoen werde. Dies hat immer wieder dazu geführt, daü unsere Nation sich selbst so weit geschwächt hat,
daü keine Abschreckung gegen eine Aggression mehr gegeben war und daü wir
nicht richtig auf den Kampf vorbereitet waren, wenn die Abschreckung
schlieülich versagte. Dazu dürfen wir es nicht noch einmal kommen lassen.
Es wird aber dazu kommen, wenn wir nicht die Schlagkraft und Kampfbereitschaft unserer Streitkräfte und der unserer Verbündeten weiter erhöhen.
Die Maünahmen der jüngeren Vergangenheit haben insgesamt zu einer deutlichen Erhöhung der Wehrkraft der Vereinigten Staaten geführt. Während der
letzten Jahre haben die Amerikaner groüe Opfer gebracht, um das Ungleichgewicht im militärischen Kräftevergleich zu verkleinern. Diese Anstrengungen bewirken durchaus etwas. Der Leistungsstand der Streitkräfte der
Vereinigten Staaten ist heute der nöchste in ihrer Geschichte, ganz
gleich, welchen Maüstab man auch anlegt. Die Soldaten sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und werden gut geführt. Ihr fachliches Können, ihre
Intelligenz, ihr Pflichtgefühl und ihre Bereitschaft, im Dienste unserer
Nation Upfer zu bringen, sind eine Beflugelung für alle, die das ülück
haben, sie befehligen zu dürfen. Die operativen Fähigkeiten der in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Wir können es uns nicht leisten, in unseren
- 22

�in unseren Anstrengungen ausgerechnet dann nachzulassen, wenn sie sich
auszuzahlen beginnen. »Vir müssen auch weiterhin hinreichende Mittel für
die Verteidigung aufwenden, um in den vollen uenuß der Mufwertuny der
Kampfkraft unserer Streitkräfte zu kommen, für die wir bereits so grobe
Opfer gebracht haoen, und um das hohe Niveau zu halten, das wir brauchen,
um unsere Verbündeten dazu anzuspornen, weiterhin mehr für die kollektive
Verteidigung unserer gemeinsamen Werte zu tun, so daß keine andere Nation
es wagen wird, das westliche Bününis anzugreifen.

Abschließend möchte ich bemerken, dab ich die Notwendigkeit zur Verringerung des Haushaltsdefizits sehe und verstehe und auch den Wunsch einiger Kongreßabgeordneter, nicht nur soziale und andere öffentlichkeitswirksame Leistungen, sondern auch den Verteidigungshaushalt zu kürzen,
nachvollziehen kann. Wie ich jedoch schon bei früherer Gelegenheit vor
diesem Ausschuß bemerkte, scheint mir das höchste moralische Gebot für
eine demokratische Regierung darin zu bestehen, die wichtigste aller sozialen Leistungen sicherzustellen, nämlich die, die darin besteht, den
Bürgern die Freiheit, das Leben und den Frieden zu erhalten.

Ich hoffe, daß man bei den Haushaltsberatungen, die unsere Nation
Jahr für Jahr führt, der Tatsache Beachtung schenken wird, dab diese
spezielle soziale Leistung alle anderen übergreift.

- 23 -

�ä

Wi//cn/choft
und Technik

I II13

ITTI3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. März 1985

11

NATIONALE WISSENSCHAFTSMEDAILLE 1985

Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler
und Ingenieure -

WASHINGTON - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Weißen Haus
zeichnete Präsident Reagan am '11. Februar 1985

19 amerikanische Wissen-

schaftler und Ingenieure mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille 19ö5
aus.

Sie wird in Würdigung der Gesamtleistung des Betreffenden und deren

Auswirkungen auf den gegenwärtigen Stand der Forschung in den physikalischen, biologischen, mathematischen und technischen Wissenschaften, in
Verhaltens- und Sozialforschung verliehen.

Ongewöhnlicne Einzelleistun-

gen, die große Bedeutung für wissenschaftliche Ideen und Überlegungen auf
bestimmten Gebieten erlangen könnten, werden ebenfalls gewertet.

"Wir haben immer wieder bewiesen, daß Freiheit plus Wissenschaft mit
Chancen und Fortschritt gleichzusetzen sind", sagte der Präsident in seiner Ansprache.

Er verwies darauf, daß trotz verringerter Regierungsaus-

gaben im Haushalt 1986 eine Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�für Grundlagenforschung in den physikalischen Wissenschaften um 6,7 Prozent angefordert worden sei. Außerdem sei geplant, alle für Wissenschaft
und Technik einzusetzenden Mittel von sofort an bis zum Ende des Jahrzehnts anzuheben.

"Letztlich ist mehr Wissen die Quelle für Innovation,

neue Technologien und menschlichen Fortschritt...

Das ist nun einmal

Sache der Wissenschaft", erklärte Präsident Reagan.

"Unser beneidenswer-

ter Lebensstandard, unsere nationale Sicherheit, unsere Fähigkeit, neue
Arbeitsplätze zu schaffen - mehr als sieben Millionen in den letzten zwei
Jahren... - das braucht neue Begabungen, Erkenntnisse und neues Wissen,
dazu unser Talent, dies alles zu nutzen."

Ausgezeichnet wurden u.a.:

- John Trump, Professor für Elektrotechnik am Massachusetts Institute
of Technology, für die Einführung neuer Verfahren, die die Anwendungsmöglichkeiten für ionisierende Strahlung in Medizin, Industrie
und Kernphysik ausweiten;

- Walter Munk, Professor für Geophysik an der Universität Kalifornien,
für Untersuchungen, die zu einem besseren Verständnis der Erdrotation
und der Wellenbildung in den Meeren führte,

- Bruno Rossi, Professor für Physik (Emerit) am Massachusetts Institute
of Technology, für Forschungsarbeiten zur Natur und zum Ursprung kosmischer Strahlen, außerdem für bahnbrechende Studien, die eine direkte Messung des Sonnenwindes ermöglichen und zur Entdeckung nicht-solarer Röntgenquellen führten;

- Howard Bachrach, ehemaliger Uhefwissenschaftler des U.S. Landwirtschaftsministeriums, für die Identifizierung

eines immunisierenden

Proteins und für seine Beiträge zu genchirurgischen Methoden, mit
denen das erste wirksame Vakzin für die Tier- und Humanmedizin erzeugt wurde;

- Herman

Uoldstine, Vorsitzender

der

- 2 -

Amerikanischen

Philosophischen

�- Amerikanischen Philosophischen Gesellschaft, für grundlegende Beiträge zur Entwicklung des Digitalcomputers, der Computerprogrammierung
und der numerischen Analyse.

Die Medaille wird seit 1962 vergeben.

Dem "Komitee für die Nationale

Wissenschaftsmedaille" werden Vorschläge für die Auswahl von Preisträgern
von der Nationalen Akademie der Wissenschaften und anderen Urganisationen
aus den Bereichen Natur- und Geisteswissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften unterbreitet.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt auf Verbesserungen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beileidsschreiben des Pärsidenten zum Tod Tschernenkos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstungsgesprächen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ankunftserklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strategische Verteidigungsinitiative: Engste Konsultation zugesichert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas Writers Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO und die amerikanischen Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von General Rogers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Wissenschaftsmedaille 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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13. März 1991

10

NAHER OSTEN

BUSH: REGIONALE SICHERHEIT IM NAHEN
OSTEN ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten vor beiden
Häusern des Kongresses

GOLFKRIEG

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
15. bis 28. Februar 1991

CHEMIEEXPORTE

USA ERWEITERN LISTE GENEHMIGUNGSPFLICHTIGER CHEMIKALIEN
Übersicht des Weißen Hauses

NEUER
LANDWIRTSCHAFTSMINISTER

DIE BIOGRAPHIE DES NEUEN
LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS
Edward Madigan vom Senat bestätigt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�N A H ER

OSTEN
13. März 1991

BUSH: REGIONALE SICHERHEIT
IM NAHEN OSTEN ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten vor beiden Häusern des Kongresses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat die Heimkehr der ersten Kampfeinheiten vom Persischen Golf
angeordnet und zugleich betont, daß die Vereinigten Staaten weiterhin an gemeinsamen Militärmanövern mit
Sireitkräften der Koalition teilnehmen werden, um die regionale Sicherheit im Nahen Osten zu gewährleisten.

In einer Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses erklärte der Präsident am 6. März 1991, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten müßten nach dem Ende des Krieges und der Niederlage des Irak "zusammenarbeiten, um gemeinsame Sicherheitsarrangements in der Region hervorzubringen".
Dies bedeutet nicht die Stationierung amerikanischer Landstreitkräfte auf der Arabischen Halbinsel, sondern
die amerikanische Beteiligung an gemeinsamen Übungen von Luft- und Landstreitkräften", bekräftigte Bush.
"Darüber hinaus bedeutet es die Beibehaltung einer fähigen amerikanischen Marinepräsenz in der Region, wie
dies in den vergangenen 40 Jahren bereits der Fall war."
Bush forderte ferner die Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten, die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die kontinuierliche Suche nach Lösungen für den arabischisraelischen Konflikt und die Probleme im Libanon.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses. Erst vor fünf kurzen Wochen kam ich
hierher, um Ihnen über die Lage der Nation zu berichten. Damals kamen wir in einer Zeit des Krieges
zusammen. Heute abend treffen wir uns in einer Welt,
die mit der Aussicht auf Frieden gesegnet ist.
Vom Beginn der Operation Wüstensturm am 16. Januar bis zu dem Zeitpunkt um Mitternacht vor einer
Woche, an dem die Waffen verstummten, hat diese
Nation mit Stolz auf ihre Söhne und Töchter geblickt und sie mit Gebeten begleitet. Als Oberbefehlshaber
kann ich Ihnen melden: Unsere Streitkräfte haben mit
Ehre und Tapferkeit gekämpft. Als Präsident kann ich
der Nation mitteilen - die Aggression ist besiegt. Der
Krieg ist vorüber.
Dies ist ein Sieg für jedes an der Koalition beteiligte
Land und für die Vereinten Nationen. Ein Sieg einmaliger internationaler Zusammenarbeit und Diplomatie,
die von unserem Außenminister James Baker so hervorragend unter Beweis gestellt wurde. Es ist ein Sieg
der Rechtsstaatlichkeit und dessen, was richtig ist.

AMERIKA DIENST 10

Der Erfolg von Wüstensturm ist dem Team zu verdanken, das unsere Streitkräfte auf solch fähige Art und
Weise führt - unserem Verteidigungsminister und
unserem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs:
Dick Cheney und Colin Powell.
Und sicherlich gehört dieser militärische Sieg demjenigen, den die Briten als den "besten Mann auf dem
Spielfeld" bezeichnen würden - dem Pol der Ruhe im
Auge des Wüstensturms - General Norman Schwazkopf.
Und wir sollten darüber weder den saudischen General
Khalid, noch den britischen General de la Billiere oder
General Roquejoffre aus Frankreich vergessen, noch
all die anderen, deren Führungskraft eine solch entscheidende Rolle spielte. Und vor allem gilt dies für
diejenigen, die im Felde gedient haben.
Ich danke den Mitgliedern dieses Kongresses - die hier
gezeigte Unterstützung für unsere Truppen im Kampf
war überwältigend. Vor allem möchte ich jedoch
denen danken, deren unermüdliche Unterstützung

Seite 1

�unsere mutigen Männer und Frauen aufrichtete: ich
danke dem amerikanischen Volk.
Ich bin heute abend in dieses Haus gekommen, um
über die Welt zu sprechen - die Welt nach dem Krieg.
Die jüngste Herausforderung hätte nicht eindeutiger
sein können. Saddam Hussein war der Schurke,
Kuwait das Opfer. Diesem kleinen Land kamen Staaten aus Nordamerika und Europa, aus Asien und
Südamerika, aus Afrika und der arabischen Welt zu
Hilfe - alle standen vereint gegen die Aggression.
Unsere ungewöhnliche Koalition muß nun mit dem
gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten, eine Zukunft
zu gestalten, die nie mehr von der dunkleren Seite der
menschlichen Natur überschattet wird.
Heute abend ist Saddam Hussein im Irak von Ruinen
umgeben. Seine Kriegsmaschinerie ist zerschmettert.
Seine Fähigkeit zur Androhung von Massenvernichtung wurde zerstört. Seine Bevölkerung wurde belogen - die Wahrheit wurde ihr vorenthalten. Und wenn
seine besiegten Legionen heimkehren, werden alle
Iraker die von ihm angerichtete Verheerung sehen und
fühlen. Und ich verspreche Ihnen: Für alles, was
Saddam seinem eigenen Volk, den Kuwaitern und der
ganzen Welt zugefügt hat - dafür müssen sich Saddam
und seine Umgebung verantworten.
Wir alle trauern um die Opfer des Krieges und mit dem
kuwaitischen Volk wegen des Leids, das der Seele
jener stolzen Nation zugefügt wurde. Wir trauern um
unsere gefallenen Soldaten und deren Familien, um all
die Unschuldigen, die von diesem Konflikt erfaßt wurden. Und wir trauern auch mit den Menschen im Irak
- einem Volk, das niemals unser Feind war. Ich hoffe,
daß wir sie eines Tages wieder als Freunde in der
internationalen Staatengemeinschaft begrüßen können.
Unser Engagement für den Frieden im Nahen Osten
endet nicht mit der Befreiung Kuwaits. Ich möchte
deshalb heute abend vier große Herausforderungen
erörtern, die zu bewältigen sind:
Erstens müssen wir zusammenarbeiten, um gemeinsame Sicherheitsarrangements in der Region hervorzubringen. Unsere Freunde und Verbündeten im
Nahen Osten erkennen, daß sie den Hauptteil der
Verantwortung für die regionale Sicherheit tragen
werden. Wir möchten ihnen jedoch versichern, daß die
Vereinigten Staaten - ebenso wie sie ihnen zur Abwehr
der Aggression beigestanden haben nun bereit sind,
mit ihnen bei der Sicherung des Friedens zusammenzuarbeiten.
Dies bedeutet nicht die Stationierung amerikanischer
Landstreitkräfte auf der Arabischen Halbinsel, sondern die amerikanische Beteiligung an gemeinsamen
Übungen von Luft- und Landstreitkräften. Darüber
hinaus bedeutet es die Beibehaltung einer fähigen

Seite 2

amerikanischen Marinepräsenz in der Region, wie
dies in den vergangenen 40 Jahren bereits der Fall
war. Eines steht eindeutig fest: Unsere vitalen nationalen Interessen hängen von einem stabilen und sicheren Golf ab.
Zweitens müssen wir handeln, um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und der zu ihrem
Abschuß eingesetzten Raketen zu kontrollieren. Es
wäre tragisch, wenn die Länder im Nahen Osten und
am Persischen Golf jetzt nach dem Krieg einen neuen
Rüstungswettlauf aufnehmen würden. Dem Irak gebührt
besondere Aufmerksamkeit. Bis der Irak die Welt von
seinen friedlichen Absichten überzeugt - daß seine
Führer nicht erneut Mittel einsetzen, um seine bedrohliche Kriegsmaschinerie neu auszurüsten und wiederaufzubauen - darf der Irak keinen Zugang zu Instrumenten der Kriegführung bekommen.
Drittens müssen wir an der Schaffung neuer Möglichkeiten für Frieden und Stabilität im Nahen Osten
arbeiten. In der Nacht, als ich die Operation Wüstensturm ankündigte, habe ich auch meine Hoffnung
bekundet, daß sich aus den Schrecken des Krieges
neue Impulse für den Frieden ergeben. Wir haben in
der heutigen Zeit gelernt, daß die geographische Lage
keine Sicherheit garantiert und Sicherheit nicht allein
aus militärischer Stärke resultiert.
Wir alle kennen die tiefe Bitterkeit, die den Streit
zwischen Israel und seinen Nachbarn so schmerzlich
und schwierig gestaltet. Dennoch standen in dem
soeben beendeten Konflikt Israel und viele arabische
Staaten erstmals einem gemeinsamen Aggressor gegenüber. Heute sollte allen Parteien klar sein, daß ein
Frieden im Nahen Osten Kompromisse erfordert.
Gleichzeitig bringt Frieden allen Seiten echte Vorteile.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
die Kluft zwischen Israel und den arabischen Ländern
- und zwischen Israelis und Palästinensern - zu überbrücken. Die Taktik des Terrors führt zu nichts - es gibt
keinen Ersatz für Diplomatie.
Ein Frieden für alle muß sich auf die Resolutionen 242
und 338 des UN-Sicherheitsrats und das Prinzip Land
für Frieden gründen. Dieses Prinzip muß weiterentwickelt werden, um Israel Sicherheit und Anerkennung
zu verschaffen und gleichzeitig den Palästinensern zu
ihren legitimen politischen Rechten zu verhelfen. Alles
andere würde den beiden Proben auf Fairness und
Sicherheit nicht standhalten. Die Zeit für eine Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Arabern ist
reif.
Der Krieg mit dem Irak ist vorbei. Die Suche nach
Lösungen für das Problem im Libanon, im arabischisraelischen Konflikt und am Golf muß mit neuer Dynamik
und Entschlossenheit weitergehen.
Viertens müssen wir zugunsten von Frieden und Fortschritt die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln. Der
Persische Golf und der Nahe Osten gehören zu einer
AMERIKA DIENST 10

�Region, die reich an Bodenschätzen ist und wo Menschen leben, die über große, ungenutzte Potentiale
verfügen. Zugunsten militärischer Macht verschwendete Ressourcen müssen friedlicheren Zwecken zugeführt werden. Wir behandeln bereits die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen der irakischen
Aggression. Wir stehen vor der Herausforderung,
mehr anzustreben - wirtschaftliches Wachstum und
Wohlstand für alle Menschen in der Region zu fördern.
Wenn wir diesen vier Herausforderungen gerecht
werden, können wir einen Rahmen für den Frieden
aufbauen. Ich habe Außenminister Baker gebeten, in
den Nahen Osten zu reisen, um diesen Prozeß einzuleiten. Er wird reisen, um zuzuhören, zu sondieren,
Vorschläge zu machen und Bestrebungen für Frieden
und Stabilität zu fördern. Darüber hinaus habe ich ihn
gebeten, das Thema der im Libanon festgehaltenen
Geiseln anzuschneiden. Wir haben sie nicht vergessen, und wir werden sie nicht vergessen.
Für all die Herausforderungen, die sich in dieser Weltregion stellen, gibt es keine einzige Lösung, und darauf
gibt es keine rein amerikanische Antwort. Aber wir
können etwas bewirken. Amerika wird unermüdlich als
Katalysator für positive Veränderungen arbeiten.
Aber wir können keine Führungsrolle in einer neuen
Welt übernehmen, wenn die amerikanische Verteidigung und Diplomatie keine neuen Wege gehen. Es ist
an derzeit, der Versuchung zu widerstehen, unnötige
Waffensysteme und überflüssige Stützpunkte zu schützen. Es ist an der Zeit, dem kleinlichen Management
der außen- und sicherheitspolitischen Hilfsprogramme ein Ende zu bereiten, das unsere Freunde und
Verbündeten erniedrigt und unsere Diplomatie lähmt.
Es ist an der Zeit, sich über Engstirnigkeit und Lobbyismus hinwegzusetzen, um das zu tun, was nötig ist und
womit diese Nation die Führungsrolle übernehmen
kann, die man uns abverlangt.
Die Auswirkungen des Konflikts am Golf sind weit über
die Grenzen des Nahen Ostens hinaus spürbar. Bereits zweimal in diesem Jahrhundert wurde die gesamte Welt vom Krieg erschüttert. Zweimal in diesem
Jahrhundert haben die Schrecken des Krieges die
Hoffnung auf dauerhaften Frieden hervorgebracht.
Bereits zweimal haben sich diese Hoffnungen als
entfernter Traum erwiesen, der außerhalb der Reichweite des Menschen liegt.
Bis jetzt war die Welt, wie wir sie kennen, eine geteilte
Welt - eine Welt aus Stacheldraht und Beton, Konflikten und kaltem Krieg.
Jetzt sehen wir eine neue Welt. Eine Welt, in der die
sehr reale Aussicht auf eine neue Weltordnung besteht. Winston Churchill zufolge "eine Weltordnung",
in der "die Grundsätze von Gerechtigkeit und Fair
play... die Schwachen vor den Starken schützen...".
Eine Welt, in der die Vereinten Nationen, befreit vorn

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Patt des kalten Krieges, die historische Vision ihrer
Gründerväter verwirklichen wollen. Eine Welt, in der
Freiheit und Achtung der Menschenrechte ihren Platz
in allen Ländern finden.
Der Golf krieg hat diese neue Welt auf ihre erste Probe
gestellt. Meine amerikanischen Mitbürger - wir haben
diese Probe bestanden.
Wir sind für unsere Prinzipien - für das kuwaitische
Volk - eingestanden. Weil die Welt sich nicht abgewandt hat, Herr Botschafter (Al-Sabah), ist Kuwait frei.
Heute abend, da unsere ersten Soldaten nach Hause
zurückkehren, sollten wir uns vor Augen führen, daß
die harte Arbeit der Freiheit uns immer noch fordert.
Wir haben die schweren Lektionen der Geschichte
gelernt. Der Sieg über Irak wurde nicht als Krieg
geführt, "der alle Kriege beenden sollte". Auch die
neue Weltordnung kann kein Zeitalter andauernden
Friedens garantieren. Aber andauernder Frieden muß
unser Ziel sein.
Unser Erfolg am Golf wird nicht nur die von uns
angestrebte neue Weltordnung gestalten, sondern
auch unsere Mission im Inland.
In dem soeben beendeten Krieg gab es eindeutige
Zielsetzungen, Zeitpläne und vor allem eine überwältigende Notwendigkeit von Ergebnissen. Wir müssen
dieselbe Selbstdisziplin und dieselbe Inbrunst für unsere
Herausforderungen im Inland aufbringen.
In meinem Bericht zur Lage der Nation und meiner
Haushaltsvorlage habe ich ein umfassendes Programm
zur Vorbereitung auf das nächste amerikanische Jahrhundert vorgestellt.
Unsere höchste Priorität besteht darin, diese Wirtschaft wieder anzukurbeln. Angst und Unsicherheit,
wie sie die Krise am Golf verursacht haben, waren
verständlich. Aber jetzt ist der Krieg vorüber, die
Ölpreise sinken ebenso wie die Zinssätze, und zu
Recht haben die Menschen wieder Vertrauen. Die
Amerikaner können wieder Geld verleihen, ausgeben
und investieren - in dieser stärksten Wirtschaft auf der
Welt.
Darüber hinaus müssen wir die Gesetze verabschieden, die der Schlüssel zum Aufbau eines besseren
Amerikas sind. Zum Beispiel haben wir 1990 das
historische Gesetz zur Reinhaltung der Luft verabschiedet. Jetzt haben wir eine Nationale Energiestrategie vorgelegt. Wir haben einem Gesetz über Kinderbetreuung zugestimmt, das die Kontrolle in die Hände
der Eltern legt. Heute sind wir bereit, ebenso mit
unseren Schulen zu verfahren und die Wahlmöglichkeiten in den Schulen zu verbessern. Wir haben ein
Strafgesetz verabschiedet, das ein guter Anfang bei
der Bekämpfung von Verbrechen und Drogen ist. In
diesem Jahr werden wir zur Vervollständigung unserer
Arbeit unser umfassendes Strafrechtspaket an den

Seite 3

�Kongreß weiterleiten. Wir haben das umwälzende
Behindertengesetz verabschiedet. Jetzt legen wir
unser Gesetz über Bürgerrechte vor. Ferner haben wir
ein Gesetz über den Luftverkehr verabschiedet, und in
diesem Jahr werden wir unser neues Autobahngesetz
an den Kongreß weiterleiten.
Und dies sind nur einige unserer Vorschläge zu Reform und Erneuerung.
Heute abend appelliere ich an den Kongreß, im innenpolitischen Bereich schnelle Fortschritte zu machen.
Lassen Sie uns mit zwei Initiativen beginnen, über die
wir sicherlich rasch Einigung erzielen können: Transportwesen und Straftaten. Wir wollen dann auf den
Erfolg bei diesen beiden Problembereichen aufbauen
und unsere übrige Tagesordnung verabschieden. Wenn
unsere Streitkräfte den Landkrieg in 100 Stunden
gewinnen konnten, dann wird der Kongreß dieser
Gesetzesvorlage zweifelsohne in 100 Tagen zustimmen können. Lassen sie uns dem amerikanischen
Volk am heutigen Abend dieses Versprechen geben.
Als ich vor diesem Haus über die Lage unserer Nation
berichtete, habe ich Ihnen allen gesagt: Wenn wir
selbstlos das Böse um des Guten willen in einem so
weit entfernten Land bekämpfen können, dann werden
wir sicherlich in der Lage sein, dieses Land zu dem zu
machen, was es sein sollte. Seit damals haben die
tapferen Männer und Frauen der Operation Wüstensturm mehr erreicht als selbst sie sich vielleicht bewußt
sind. Sie brachen auf, um einen Feind im Ausland zu
bekämpfen und haben dabei ihr Heimatland verändert.
Erinnern Sie sich daran, wie sie ihre Mission angingen
- mit Vertrauen und stillem Stolz. Denken Sie an ihr
Pflichtbewu ßtsein - an all das, was sie uns über unsere
Werte und uns selbst gelehrt haben.
Wir hören so oft von der Auflehnung unserer Jugendlichen, daß unsere Kinder zu kurz kommen, unsere
Schulen versagen und amerikanische Produkte und
Arbeiter zweitklassig sind. Glauben Sie das besser
nicht. Das Amerika der Operation Wüstensturm war
erstklassig.
Und wir haben unser Ziel unter Anwendung der modernsten amerikanischen Technologie erreicht. Wir
konnten die Patriot-Rakete als Verkörperung dieses1
modernsten Stands der Technik und die Patrioten
beobachten, die sie abgeschossen haben.
Wir haben Soldaten gesehen, die Begriffe wie Ehre,
Mut, Pflicht und Vaterland und die welterschütternde
Bedeutung dieser Worte ernst nehmen.
Stolz und Patriotismus enthalten etwas Hehres und
Erhabenes, das wir heute abend spüren.
Alle hier Versammelten und alle zu Hause an den
Bildschirmen sollten an die Männer und Frauen der
Operation Wüstensturm denken. Wir wollen sie mit

Seite 4

unserer Dankbarkeit ehren. Wir wollen die Angehörigen der Gefallenen trösten und jedes kostbare geopferte Leben in Erinnerung bewahren.
Wir wollen auch daraus lernen. Wir wollen diejenigen
ehren, die uns durch ihren Dienst an anderen gedient
haben.
Wir wollen jeden einzelnen ehren - Männer und Frauen
jeglicher Rasse, Religion und Hautfarbe - indem wir
uns in diesem Land gegen Diskriminierung, Bigotterie
und Haß auflehnen.
Sicherlich haben viete von Ihnen im Fernsehen die
unvergeßliche Szene gesehen* als vier verängstigte
irakische Soldaten sich ergaben. Sie kamen aus ihrem
Bunker - gebrochen, mit Tränen in den Augen und
Furcht vor dem Schlimmsten. Und dann war da der
amerikanische Soldat. Erinnern Sie sich daran, was er
sagte? Er sagte: "Es ist in Ordnung. Sie sind jetzt in
Sicherheit."
Diese Szene sagt viel über Amerika aus, viel darüber,
wer wir sind. Amerikaner sind ein fürsorgliches Volk.
Wir sind ein gutes und großmütiges Volk. Lassen Sie
uns stets in allem, was wir tun, fürsorglich, gut und
großmütig sein.
Bald werden unsere Truppen den Weg antreten, auf
den wir gewartet haben - den Heimweg. Ich habe
Verteidigungsminister Cheney angewiesen, die unverzügliche Rückkehr der amerikanischen Kampfeinheiten vom Golf in die Wege zu leiten.
In knapp zwei Stunden wird das erste Flugzeug mit
amerikanischen Soldaten aus Saudi-Arabien nach USA
abheben. In ihm befinden sich Männer und Frauen der
24. Motorisierten Infanteriedivision mit Ziel Fort Stewart in Georgia. Dies ist nur der Anfang eines kontinuierlichen Stroms amerikanischer Truppen auf dem
Heimweg.
Ihre Rückkehr sollte uns daran erinnern, daß alle, die
zuvor aufgebrochen sind, mit uns in dem langen Marsch
zur Freiheit verbunden sind. Die Amerikaner haben
immer versucht zu dienen und hehre Opfer für die
Sache zu bringen, die sie als richtig erachten.
Heute abend bitte ich jede Gemeinschaft in diesem
Land, den kommenden 4. Juli zum besonderen Gedenktag für unsere heimkehrenden Truppen zu machen. Vielleicht haben sie das Erntedankfest und
Weihnachten vermißt, aber ich kann Ihnen versichern:
Wir machen diesen Feiertag für sie und ihre Familien
zu einem Tag, den sie niemals vergessen werden.
Im wahrsten Sinne des Wortes gehört dieser Sieg
ihnen - den Gefreiten und Piloten, den Feldwebeln und
Nachschuboffizieren, den Männern und Frauen in den
Fahrzeugen und denen, die für ihr Funktionieren zuständig waren. Er gehört den Berufssoldaten, den
Reservisten, der Nationalgarde. Dieser Sieg gehört
der besten S'reitmacht, die dieses Land je gekannt hat.
AMERIKA DIENST 10

�Wir sind um die halbe Welt gegangen, um das zu tun,
was moralisch richtig und gerechtfertigt ist. Wir haben
hart gekämpft und - zusammen mit anderen - den Krieg
gewonnen. Wir haben das Joch der Aggression und
Tyrannei von einem kleinen Land genommen, von
dem viele Amerikaner zuvor noch nie gehört hatten und wir verlangen nichts dafür.

Wir kehren jetzt - von Stolz erfüllt - nach Hause zurück.
Vertrauensvoll, mit hoch erhobenem Kopf. Im In- und
Ausland bleibt viel zu tun. Undwirwerdenestun. Wir
sind Amerikaner.
Möge Gott diese große Nation - die Vereinigten Staaten von Amerika - schützen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 10

Seite 5

�GOLFKRIEG
13. März 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 15. bis 28. Februar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
15. bis 28. Februar 1991 fort.

15. Februar
Der irakische Präsident Saddam Hussein unterbreitet
ein erstes Angebot zum Rückzug aus Kuwait - unter
der Bedingung, daß "alle Fälle von Gebietsbesetzungen in der Region gleichzeitig gelöst werden". Das
Angebot ist ferner an die Bedingung des Abzugs aller
ausländischen Truppen geknüpft, einschließich des
unverzüglichen und bedingungslosen Rückzugs Israels aus den besetzten Gebieten und des Abzugs
Syriens aus dem Libanon. Das irakische Angebot gibt
vor, alle militärischen Rückzüge und alle damit verbundenen politischen Vereinbarungen berücksichtigten
die "historischen territorialen Rechte des Irak" und
garantierten dem kuwaitischen Volk das Recht, über
seine Zukunft zu bestimmen.
Präsident Bush bezeichnet das irakische Friedensangebot als "grausamen Scherz". Er erklärt, er sehe
"kein Anzeichen eines irakischen Rücl&lt;zugs aus Kuwait.
Bis das geschieht, wird es bedauerlicherweise keine
Einstellung der Feindseligkeiten geben. Es wird keine
Feuerpause und keinen Waffenstillstand geben."
Abdullah Bishara, der Generalsekretär des sechs
Nationen umfassenden Golf-Kooperationsrats, erklärt,
es dürfe keinen Handel geben und der Krieg werde
fortgesetzt, bis alle Resolutionen des I IN-Sicherheitsrats durchgeführt seien. Mitgliedstaaten des GolfKooperationsrates sind Bahrain, Katar. Kuwait, Oman,
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirale.
Die verbündeten Nationen geben bekannt, der Abzug
des Irak aus Kuwait müsse bedingungslos erfolgen
und die Militäroperationen zur Vertreibung der irakischen Truppen würden fortgesetzt. Der britische
Premierminister Major stellt fest, die irakische ErkläAMERIKA DIENST 10

rung stünde in "diametralem Gegensatz" zu Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats, die den bedingungs
losen Rückzug des Irak fordert. Der französische
Außenminister Dumas drängt auf eine sorgfältige Prüfung
des Vorschlags, dennoch müsse man sich vorsehen,
daß es sich "nicht um einen Trick handelt"
Der
sowjetische Botschafter Julij Woronzow stellt fest,
obwohl die Erklärung in Moskau "mit Befriedigung
aufgenommen wurde", benötige der Rat "noch eine
Reihe von Klarstellungen", insbesondere im Hinblick
auf Resolution 660. Der ägyptische Botschafter Amre
Mousa erklärt, das einzig ermutigende Zeichen sei die
Erwähnung des Worts "Rückzug". Regierungsvertreter in Deutschland, Spanien, Belgien, Kanada und
Japan geben ähnliche Erklärungen ab.
In einer CBS-Nachrichtensendung wird berichtet, vier
Mitglieder eines CBS-Fernsehteams, die vor drei
Wochen in der saudiarabischen Wüste in der Nähe der
Grenze zu Kuwait verschwunden waren, würden
angeblich in Bagdad festgehalten. Peter Arnett. CNNKorrespondent in Bagdad, erklärt, das Team sei von
einer irakischen Miltärpatrouille festgenommen worden und werde noch immer vom irakischen Geheimdienst verhört.
Die schwedische Regierung weist vier irakische Diplomaten aus, die angeblich in der schwedischen Gesetz
gebung zuwiderlaufende Aktivitäten verwickelt waren.
und zwar Spionage gegen Flüchtlinge.
16. Februar
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF)
gibt eine gemeinsame Mission mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, bei der eine Ladung
medizinischer Hilfsgüter nach Bagdad transportiert
werden soll. Bei dieser Mission wer den Lieferungen im
Seite 1

�Wert von 600 000 Dollar für Kinder, Mütter und andere
Personen bereitgestellt, die dringende Gesundheitsfürsorge benötigen.
17. Februar
Präsident Bush zufolge wird der Krieg gegen den Irak
fortgesetzt, bis Kuwait befreit ist. Der Präsident erklärt, die Sowjetunion stehe unerschütterlich hinter
den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die den
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait fordern.
"Wir sind Frieden und Gerechtigkeit verpflichtet und
zur Erfüllung unserer Verpflichtung entschlossen, indem
wir eine friedlichere Weltordnung aufzubauen versuchen".

18. Februar
In Moskau legt der sowjetische Präsident Gorbatschow dem irakischen Außenminister Tarik Asis einen
Plan zur Beendigung des Krieges vor.
Präsident Bush zufolge ist der sowjetische Plan "unzureichend" bei der Einhaltung atler Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats.
Die Londoner Sunday Times berichtet, der irakische
Präsident Saddam Hussein sei vor neun Tagen bei
einem Bombenangriff der Alliierten auf einen Konvoi
von 50 Autos und Lastwagen bei der Rückkehr von der
Frontiinie 100 Meilen nördlich von Basra beinahe getötet worden. Die Piloten hätten nicht gewußt, daß sich
Saddam Hussein in dem Konvoi befunden habe.
Frankreich weist Medienberichten zufolge den irakischen Botschafter in Paris aus. Der Botschafter und
ein Großteil seiner Mitarbeiter reisen ab. Die französische Regierung verweigert die Angabe von Gründen
für die Ausweisung.
20. Februar
Das türkische Au ßenministerium erklärt, fast 900 irakische Soldaten und über 1 000 Zivilisten seien über das
Gebirge vom Irak in die Türkei gekommen, beinahe die
Hälfte von ihnen in den vergangenen vier Tagen. Viele
demonstrieren auf einem Hoteldach dagegen, eventuell in den Irak zurückgeschickt zu weiden.
21. Februar
Die Ermordung kuwaitischer Zivilisten durch die irakischen Streitkräfte nehmen zu, erklärt der kuwaitische
Planungsminister Sulaiman Al-Mutawa in einer in London
abgegebenen Erklärung. Ihm zufolge vergraben die
Iraker die Opfer, um alle Beweise zu vernichten.
Das US-Außenministerium ordnet die Ausreise von
einem der vier in den Vereinigten Staaten verbliebenen
irakischen Diplomaten wegen "nicht im Einklang mit
dem Diplomatenstatus stehenden Aktivitäten" an.

Seite 2

22. Februar
Die niederländische Regierung gibt einen Kabinettsbeschluß zur Entsendung von zwei Minensuchbooten
in den Golf bekannt, um sich nach Ende des Kriegs im
Rahmen der internationalen Koalition an Minenräumoperationen zu beteiligen.
Präsident Bush erklärt, wenn ein Landkrieg am Golf
vermieden werden soll, müsse der irakische Präsident
Saddam Hussein "den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait" bis 18.00 Uhr MEZ am
23. Februar 1991 beginnen.
In einer vom Sprecher des Weißen Hauses Marlin
Fitzwater veröffentlichten Stellungnahme erklärt der
Präsident, der Bodenkrieg werde nicht begonnen,
wenn der Irak folgende Bedingungen akzeptiere und
dies den Vereinten Nationen mitteile:
Beginn eines umfassenden Rückzuges aus
Kuwait bis zum 23. Januar, 18.00 Uhr MEZ.
Dieser Abzug müsse binnen einer Woche abgeschlossen sein.
Abzug aller Truppen aus Kuwait City innerhalb
von 48 Stunden; der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits müsse die Rückkehr gestattet weiden.
Abzug von alten ausgebauten Verteidigungsstellungen an der saudi-kuwaitischen und saudi-irakischen Grenze, von den Inseln Bubiyan
und Warbah sowie vom Ölbohrfeld Rumailah in
Kuwait innerhalb einer Woche; im Einklang mit
Resolution 660 Rückkehr alter irakischen Streitkräfte zu ihren Stellungen vom 1. August 1990.
Freilassung sämtlicher Kriegsgefangener und
Zivilisten aus Drittländern, die gegen ihren Willen festgehalten werden; Rückgabe der sterblichen Überreste gefallener und gestorbener
Soldaten. Der Prozeß der Freilassung muß
unverzüglich beginnen und binnen 48 Stunden
abgeschlossen sein.
Beseitigung aller Sprengsätze und versteckten
Sprengladungen; Benennung militärischer Verbindungsoffiziere, die beim Abzug der irakischen Truppen mit den Koalitionsstreitkräften
zusammenarbeiten; Lieferung alter Informationen über Lage und Art von Land- und Seeminen.
Einstellung der Flüge von Kampfflugzeugen über
Irak und Kuwait, ausgenommen von Transportmaschinen, die Truppen aus Kuwait ausfliegen.
Den Flugzeugen der Koalition ist die exklusive
Kontrolle und Nutzung des gesamten kuwaitischen Luftraums zu übertragen.

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�Einstellung aller Zerstörungsmaßnahmen gegen Bürger und Eigentum in Kuwait sowie Freilassung aller inhaftierten Kuwaitis.
Die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner
bekräftigen, daß ihre Streitkräfte keine unbewaffneten
irakischen Truppen beim Rückzug angreifen und Zurückhaltung üben werden, solange der Abzug im Einklang mit den Richtlinien stattfindet.
23. Februar

'

WHO-Beamte erklären nach der Rückkehr von einer
Informationsreise nach Bagdad und der Lieferung von
54 Tonnen medizinischer Versorgungsgüter für Frauen und Kinder, sie hätten während ihres einwöchigen
Besuchs keine Unterernährung irakischer Kinder festgestellt. Die Gruppe wurde von Dr. Ali Khogali, dem
Direktor des WHO-Büros für das östliche Mittelmeer,
geleitet.
Brigadegeneral Richard Neal zufolge haben die Iraker
in Kuwait eine Terrorkampagne eingeleitet. Bei einem
Vortrag des US-Central Command erklärt er, es gebe
"eine systematische Exekutionskampagne, insbesondere gegen solche Personen, die bereits gefoltert
wurden. Man könnte dies als Vernichtung von Beweismitteln bezeichnen."
"Die Befreiung Kuwaits ist nun in ihre letzte Phase
getreten", erklärt Präsident Bush und weist General
Norman Schwarzkopf an, gemeinsam mit den Koalitionsstreitkräften "alle zur Verfügung stehenden Streitkräfte, einschließlich der Bodentruppen, einzusetzen,
um die irakische Armee aus Kuwait zu vertreiben."
Der Botschafter Kuwaits bei den Vereinten Nationen,
Mohammad Abulhassan, erklärt am Sitz der UNO sein
Bedauern, daß "wir- die ganze Welt - nicht in der Lage
waren, Saddam Hussein davon zu überzeugen, Kuwait zu verlassen und seiner Nation, seinem Land und
der Region die von ihm verursachte Katastrophe zu
ersparen".

&gt;

In getrennten Erklärungen befehlen der britische Premierminister John Major und der französische Präsident Francois Mitterrand kurz nach der Ankündigung
von Präsident Bush ihren Streitkräften, am alliierten
Angriff zur Befreiung Kuwaits teilzunehmen.
24. Februar
Der Kommandeur der Alliierten, General Norman
Schwarzkopf, verkündet, daß die Koalitionstruppen
um 02.00 Uhr MEZ die Bodenoffensive zur Befreiung
Kuwaits eröffnet hätten. An der Offensive nehmen die
Vereinigten Staaten, Saudi Arabien. Großbritannien,
Frankreich, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Oman, Syrien und Kuwait teil, erklärt
Schwarzkopf.

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Maschinen aus zehn Koalitionsstaaten fliegen am
zweiten Tag hintereinander eine Rekordzahl von
Bombenangriffen über Kuwait, darunter 1 200 Einsätze gegen irakische Stellungen. An der Front schlagen
Bulldozer eine Bresche durch die Sandwälle an der
Nordgrenze Saudi-Arabiens. Die alliierte Artillerie
beschießt die feindlichen Linien und Wellen von
Kampfhubschraubern greifen über kuwaitischem Territorium an. Auf See machen Minenräumer der Koalition Seekorridore für den möglichen Einsatz amphibischer Kräfte frei.
Der irakische Präsident hält im Bagdader Rundfunk
von einem unbekannten Ort und zu unbestimmter Zeit
eine Rede, in der er seine Truppen auffordert, gegen
die alliierten Streitkräfte zu kämpfen "und ihnen gegenüber keine Gnade zu zeigen..."
Deutschland bekräftigt seine Solidarität mit den Alliierten und Partnern beim Kampf zur Befreiung Kuwaits im
Namen der Vereinten Nationen.
Der kanadische Premierminister Brian Mulroney stellt
in einer Erklärung fest: "In jeder Phase dieser Krise
hatte Saddam Hussein die Wahl zwischen Krieg und
Frieden. In jeder Phase hat er den Krieg dem Frieden
vorgezogen. Tragischerweise hat er dies auch ein
letztes Mal getan."
Der portugiesische Premierminister Anibal Cavaco
Silva bringt Portugals uneingeschränkte Solidarität mit
den Koalitionsstreitkräften zum Ausdruck und stellt
fest, Saddam Hussein sei für die neue Phase des
Krieges verantwortlich.
25. Februar
Der UN-Sicherheitsrat tritt auf Verlangen der Sowjetunion zusammen, um einen Friedensplan zu erörtern,
der im Einklang mit der Resolution 660 des UNSicherheitsrats ein Datum für den irakischen Rückzug
festsetzen, eine kurze Abzugsfrist vorsehen und keine
anderen Bedingungen zulassen würde. Die Mitglieder
des Sicherheitsrats kommen zu dem Schluß, daß
keine Entscheidung gefällt werden kann, solange der
Irak die Vereinten Nationen nicht offiziell unterrichtet,
daß er die UN-Resolutionen einhalten wird. USBotschafter Thomas Pickering erklärt nach zweistündigen vertraulichen Beratungen im Namen der Koalition: "Wir möchten, daß der Irak sobald wie möglich
auf uns zukommt und erklärt, er werde die Resolutionen einhalten." Er bekräftigt, der Irak müsse sich
binnen einer Woche aus Kuwait und innerhalb von 48
Stunden aus Kuwait City zurückziehen, alle Kriegsgefangenen und Bürger von Drittländern freilassen und
alle Sprengsätze und versteckten Sprengladungen
aus Kuwait entfernen.

Seite 3

�Der Inlandsdienst des Bagdader Rundfunks strahlt in
Arabisch eine Erklärung eines "offiziellen Sprechers"
aus, derzufolge "die Führung (des Irak) ihre Zustimmung zum Abzug im Einklang mit der Resolution 660
des UN-Sicherheitsrats ... bekräftigt. Den Streitkräften wurde befohlen, sich in geordneter Weise auf die
vor dem 1. August 1990 bestehenden Stellungen
zurückzuziehen."
Präsident Bush und die Alliierten bestehen darauf, daß
der Irak alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
anerkennen und mit einem massiven Truppenabzug
beginnen muß; weniger würden die Alliierten nicht
anerkennen.
Teile einer irakischen SCUD-Rakete fallen auf eine
US-Kaserne bei Dhahran in Saudi Arabien. 28 USSoldaten werden getötet, 100 verwundet.
Die 10. medizinische Mission des jordanischen Roten
Halbmonds verläßt Amman mit 28 Tonnen Arzneimitteln, medizinischen Geräten und Säuglingsnahrung
für den irakischen Roten Halbmond in Bagdad.
Der Emir von Kuwait Scheich Jabir AI-Ahmad AlSabah hält aus Anlaß des 30. Jahrestages der Unabhängigkeit Kuwaits eine Rede in Taif, in der er erklärt,
die Krise "hat Kuwaits nationales Bewußtsein gestärkt
und den wahren Charakter des kuwaitischen Volks
zutage gefördert".
26. Februar
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
appelliert an den Irak, die dritte Genfer Konvention
anzuerkennen und dem IKRK Besuche bei den vom
Irak festgehaltenen Kriegsgefangenen zu gestatten.
Generalleutnant Thomas Kelly erklärt bei einem Informationsgespräch über die Operation Wüstensturm,
die irakische Armee befinde sich auf dem Rückzug,
obwohl im Golfkrieg immer noch Kampfhandlungen
stattfänden. Kelly zufolge haben die Alliierten bis jetzt
über 30 000 Iraker gefangengenomen und 2 085 Panzer,
562 gepanzerte Fahrzeuge und 1 505 Artilleriegeschütze zerstört. "Wir tun alles in unserer Macht
Stehende, um die sich in unserer Obhut befindenden
Iraker angemessen zu versorgen. Ich möchte Ihnen
versichern, daß es den Irakern in unserer Obhut besser geht als vorher".
Saddam Hussein gibt über Radio Bagdad bekannt, die
irakischen Truppen "werden ganz aus Kuwait abziehen". Aber er erklärt den Irakern auch, "Kuwait ist Teil
Eures Landes", und fügt hinzu, "am 8. August wurde
Kuwait rechtmäßig, verfassungsgemäß und tatsächlich Teil des Irak".
Präsident Bush konstatiert in einer kurzen Ansprache
an die Nation, der irakische Führer "gibt Kuwait nicht
freiwillig auf", sondern "er will die Reste von Macht und
Kontrolle im Nahen Osten mit allen Mitteln behalten".

Seite 4

Er erklärt ferner, "Saddam ist nicht am Frieden interessiert, sondern nur an Umstrukturierung und weiteren
Kämpfen, und er gibt Iraks Anspruch auf Kuwait nicht
auf." Bush fügte hinzu, die Koalition "wird deshalb
weiterhin mit unverminderter Intensität Krieg führen".
Experten erklären bei der Umweltkonferenz in Bahrain, Flugzeuge hätten auf der Suche nach weiteren
Kriegsschäden einen neuen Ölteppich im Golf gesichtet. Dem Leiter der Forschungsabteilung für Öl und
Mineralien an der King Fahd Universität, Abdullah
Dabbagh, zufolge könnte der neue Ölteppich bis Juni
über Katar hinaus in den südlichen Teil des Golfs an die
Südostküste des Iran treiben.
27. Februar
Der Befehlshaber des US-Central Command, Norman
Schwarzkopf, erklärt in Riad, daß 29 irakische Divisionen von Koalitionsstreitkräften kampfunfähig gemacht
wurden, warnte aber, der Krieg werde unvermindert
fortgesetzt. Die Alliierten kämpfen ihm zufolge mit den
westlich von Basra liegenden Divisionen der Republikanischen Garde "eine klassische Panzerschlacht"
und in Kuwait gebe es immer noch Nester des Widerstands. Schwarzkopf erklärt ferner, etwa 3 008 irakische Kampfpanzer, 1 879 der 2 870 gepanzerten
Fahrzeuge und 2 140 der 3 100 Artilleriegeschütze
seien zerstört worden. Zahlreiche irakische Soldaten
sind in ihren Schützengräben getötet worden, viele
andere geflohen.
Die Vereinten Nationen erhalten und veröffentlichen
einen Brief des irakischen Außenministers Tarik Asis
in offizieller Übersetzung, in dem der Irak erklärt, er
akzeptiere lediglich drei der zwölf UN-Resolutionen 660, 662 und 674 - unter der Bedingung, daß der
Sicherheitsrat einen sofortigen Waffenstillstand fordert und unter der Voraussetzung, daß die Resolutionen über Sanktionen und das Embargo nicht länger
gelten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weist das
irakische Angebot, nur drei Resolutionen akzeptieren
zu wollen, zurück. Der Präsident des Rats fordert eine
bedingungslose und ausdrückliche Annahme aller zwölf
Resolutionen.
Die kuwaitischen Streitkräfte unter Beteiligung von
Saudi-Arabien, Ägypten, Katar, der Vereinigten Arabischen Emirate, Omans und Syriens werden bei ihrem
Einzug in Kuwait City von einer jubelnden Menge
begrüßt. Sie finden den Palast des Emirs und das mit
vielen Millionen erbaute Konferenzzentrum, Hotels,
Wohnhäuser und ganze Viertel zerstört. Die Koalitionsstreitkräfte hissen ihre Nationalflaggen über ihren
Botschaften in der kuwaitischen Hauptstadt.
Präsident Bush erklärt, die Koalitionsstreitkräfte am
Golf würden ihren Angriff am 28. Februar um 6 . 0 0 Uhr
(MEZ) aussetzen, um Irak die Möglichkeit zu geben,

AMERIKA DIENST 10

�Alliierten auf strategische und militärische Ziele im Irak
unversehrt sind. Der Unterabteilungsleiter im Außenministerium, David Mack, erklärt, die Photos seien
aufgenommen und veröffentlicht worden, um irakische
Behauptungen zu widerlegen, daß alliierte Piloten
absichtlich religiöse Stätten im Irak zerstören würden.

einen offiziellen Waffenstillstand auszuarbeiten. Er
warnte, die Koalition würde den Angriff wiederaufnehmen, wenn der Irak die Kampfhandlungen fortsetzt
oder Raketen auf irgendein Land abschießt. Bush
erklärte femer, ein dauerhafter Waffenstillstand werde
davon abhängen, ob der Irak alle Kriegsgefangenen
der Koalition, alle gefangenengenommenen Kuwaitis,
Drittstaatler und die sterblichen Überreste aller Gefallenen unverzüglich freigibt und alle UN-Resolutionen
zu Kuwait einhält. Dazu zählen die Aufgabe der
irakischen Annexion Kuwaits und Anerkennung der
Entschädigungszahlungen für alle Verluste im Rahmen der Invasion. Der Irak muß die kuwaitischen
Behörden über den Ort der Verlegung und die Typen
aller Land- und Seeminen in Kenntnis setzen und
militärische Befehlshaber benennen, die innerhalb
von 48 Stunden mit ihren Kollegen von den Koalitionsstreitkräften zusammentreffen, um die militärischen
Aspekte des Waffenstillstands zu erörtern.

Brigadegeneral Richard Neal erklärt bei einem Informationsgespräch des US-Central Command in Riad,
"alle Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition
befinden sich in Verteidigungsstellung", um Präsident Bushs Befehl zur Einleitung eines Waffenstillstands zu befolgen. Neal erklärt weiter, nach jüngsten Schätzungen seien etwa41 der 42 zur Besetzung
Kuwaits stationierten Divisionen des Irak "gefangengenommen, zerstört oder kampfunfähig gemacht
worden" und Soldaten in Divisionsstärke "konnten
nach Norden, in den Irak zurück fliehen". Neal
zufolge haben irakische Truppen bei ihrem Rückzug
aus Kuwait "bis zu 40 000" Zivilisten als Geiseln genommen und die US-Regierung sei "sehr besorgt"
über die von irakischen Soldaten in Kuwait begangenen Greueltaten.

Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Abdul Amir Al-Anbari, erklärt, dem Präsidenten des
Sicherheitsrats einen Brief von Außenminister Tarik
Asis übergeben zu haben, demzufolge der Abzug des
Irak aus Kuwait vollzogen und der Irak bereit ist, alle
Resolutionen des Rats bedingungslos zu akzeptieren.
Femer würde der Irak Kriegsgefangene "baldmöglichst"
in ihre Heimatländer zurückschicken. Der Brief von
Asis fordert einen Waffenstillstand.

Mit dem kuwaitischen Botschafter in Washington, Saud
Nasir al-Sabah, an seiner Seite erklärte Präsident
Bush, Bagdad habe zugestimmt, Militärs zu benennen, die mit ihren Kollegen der Koalition zusammentreffen sollten, "um militärische Aspekte" einer Waffenruhe zu erörtern. Der Irak stimmt damit der zweiten
Bedingung für einen Waffenstillstand zu, die Bush in
seiner Erklärung vom 27. Februar über eine Aussetzung der Kampfhandlungen von Koalitionsstreitki äffen fordert.

28. Februar
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen tritt zusammen, um den Brief des irakischen Außenministers
Tarik Asis entgegenzunehmen und zu erörtern und
erklärt, "der Irak sei zur vollständigen Einhaltung der
Resolution 660 und aller anderen Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats bereit".

Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen bittet den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Expertengruppe aus Mitgliedern des UN-Sekretariats, der Weltgesundheitsorganisation, des Kinderhilfswerks UNICEF, des UN-Umweltprogramms und
der UNESCO zu entsenden, um in Kuwait "die Schäden in allen Lebensbereichen" zu bewerten. Er schätzt,
daß seit dem 2. August 1990 mindestens 22 000
kuwaitische Zivilisten in den Irak verschleppt wurden
und noch einmal 5 000 Kuwaiter in die Hände der
Iraker fielen, als diese in den letzten 48 Stunden der
Kämpfe aus Kuwait flohen.

Saddam Hussein befiehlt seinen Truppen die Einstellung der Kampfhandlungen, und der Irak erklärt sich
mit der Aufnahme von Gesprächen einverstanden, bei
denen ein dauerhafter Waffenstillstand ausgearbeitet
werden soll.
Vom Pentagon veröffentlichte Aufklärungsphotos
bestätigen, daß die heiligen Stätten in den Städten An
Najaf und Karbala trotz sechswöchiger Luftangriffe der
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Seite 5

�CHEMIEEXPORTE
13. März 1991

USA ERWEITERN LISTE GENEHMIGUNGSPFLICHTIGER CHEMIKALIEN
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat die Zahl chemischer Stoffe, deren Ausfuhr genehmigungspflichtig ist, von 11 auf 50 erhöht. Darüber hinaus werden in Zukunft zum ersten Mal Ausfuhrgenehmigungen
für Ausrüstungsgegenstände erforderlich, die zwar zu Recht kommerziell genutzt werden, aber auch der
Produktion chemischer und biologischer Waffen dienen können.
Die drei neuen Durchführungsverordnungen für die vom Präsidenten Ende 1990 gegen die Verbreitung
chemischer und biologischer Waffen erlassenen Verfügungen werden in einer Übersicht des Weißen Hauses
vom 6. März 1991 erläutert, die wir nachfolgend veröffentlichen.

Im Bundesgesetzblatt werden drei Verordnungen
veröffentlicht. Diese Verordnungen werden einen
Beitrag zu unseren Nichtverbreitungs-Bemühungen
leisten, da sie Teile der vom Präsidenten im vergangenen November erlassenen Verfügung über chemische
und biologische Waffen (CBW) und der im vergangenen Dezember eingeleiteten Initiative zur verbesserten Proliferationskontrolle verwirklichen. Gleichzeitig
sind die Verordnungen so angelegt, daß Eingriffe in
den legitimen internationalen Handelsverkehr so gering wie möglich gehalten werden.
Mit der ersten Verordnung wird eine Liste von mehrfach nutzbaren Ausrüstungsgegenständen aufgestellt,
die zwar zu Recht kommerziell genutzt werden, aber
auch der Produktion chemischer und biologischer Waffen
dienen können. Die Ausfuhr solcher mehrfach nutzbaren Ausrüstungsgegenstände in besonders sensible
Regionen, wie etwa den Nahen Osten und Südwestasien sowie in andere Staaten, deren Aktivitäten in
Zusammenhang mit CBW stehen könnten, ist nunmehrgenehmigungspflichtig. Die Ausrüstungsliste, in
der dreimonatige Bemühungen - darunter umfangreiche Konsultationen mit der Industrie ihren Niederschlag finden, ist einzigartig: Nie zuvor waren amerikanische Ausfuhren von mehrfach nutzbarer, CBWrelevanter Ausrüstung genehmigungspflichtig.
Die zweite Verordnung erweitert die Liste der "chemischen Grundstoffe", deren Ausfuhr genehmigungs-

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pflichtig ist, von 11 auf 50. Wie mehrfach nutzbare
Ausrüstungsgegenstände werden diese Chemikalien
allgemein für die Herstellung handelsüblicher Produkte benutzt. Sie wurden jedoch auch von der AustralienGruppe als Hauptbestandteile für die Herstellung
chemischer Waffen identifiziert. Die Australien-Gruppe ist ein multilaterales Forum von 20 Lieferstaaten
(einschließlich der Vereinigten Staaten), das sich für
die Begrenzung der Verbreitung chemischer Waffen
engagiert. Die Vereinigten Staaten werden sich nun
der wachsenden Zahl von Mitgliedstaaten der Australien-Gruppe anschließen, in denen Exporte dieser 50
chemischen Grundstoffe in ein Land außerhalb dei
Gruppe genehmigungspflichtig sind.
Die dritte Verordnung sieht zusätzliche Kontrollen vor,
konzentriert sich auf wissentliche Exporte oder andere
Hilfe von US-Firmen oder Einzelpersonen für CBW
oder Raketenprograrnme im Ausland. Gemäß ihren
Bedingungen kann die US-Regierung intervenieren,
um eine mögliche amerikanische Unterstützung dieser
Programme zu verhindern. Diese Verordnung wird in
folgenden Fällen neue Zulassungsbedingungen ver
hängen:
1.

Wenn ein US-Bürger Kenntnis von geplanten
Exporten oder anderen Hilfen für CBW oder den
Bau von Raketen hat, die für in der Liste enthaltene Regionen, Länder oder Projekte bestimmt
sind.

Seite 1

�2

w

Für den Export e.i^er, ganzen Chemiefabrik, die
irgendeinen der 50 chemischen. Grundstoffe
hersteitt odje.i; die Hilfe bei der Planung einer
solchen Fab$k, dje, für irgendein Nichtmitglied
der Australien-Gruppe bestimmt ist.

Gegenstand umfangreicher Konsultationen mit der
Industrie waren. Sie werden als Interimverordnungen
gelten. In dieser Form wird eine Verordnung am Tag
ihrer Veröffentlichung gültig sein, obwohlsie nach dem
30tägigen Zeitraul n für Öffentliche Einwäncle geändert
werden kann. Die dritte Verordnung über zusätzliche
Kontrollen wird als Vorschlag veröffentlicht. Diese
Verordnung tritt in Kraft, wenn eine abschließende
Vorschrift ei lassen ist und nach Ende des 30tägigen
Zeitraums dir öffentliche Einwände.

Die neue Tei^ahrAebeschränkwg für US-Bürger an
Projekten, bei denen es um chemische Waffen oder
Raketen geht, ähnelt den Exportbeschränkungen, die
bereits für den Export von Material zur Herstellung
biologischer und nuklearer Wallen gelten. Denjenigen, die diese Kontrollen verletzen, drohen strafrechtliche Verfolgung und Geldstrafen.

Vergleichbare Kontrollen müssen, wenn sie tatsächlich effektiv sein wollen, auf alle wichtigen Lieferanten
angewandt werden. Im Hinblick darauf verfolgt die
Regierung energisch die multilaterale Verabschiedung
dieser neuen Konti ollen in der Australien-Gruppe, dem
Kontrollregime für Raketentechnplogie und verschiedenen internationalen Atomforen.

-

3.

# W i Wt VJJS-PÖjrger von der; U S - R ^ e / ^
inform/e.rt wjrd, daß beabsichtigte Exporte oder
andere, H$eiür CBW oder den Bau von R a k e l n
in, irgendeinem Teil der Welt bestimmt sind.

Die Verordnungen sehen Kontrollen für Mehrzweckgeräte und chemische Grundstoffe vor, die bereits

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Seite 2

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�NEUER

LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
13. März 1991

DIE BIOGRAPHIE DES NEUEN
LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS
Edward Madigan vom Senat bestätigt
WASHINGTON - (AD) - Am 7. März 1991 wurde Edward Madigan vom US-Senat bestätigt. Nachfolgend
veröffentlichen wir seinen vom Landwirtschaftsministerium am 13. März herausgegebenen Lebenslauf.

Am 7. März 1991 wurde Edward Madigan vom Senat
mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt und am 12. März als 24.
Landwirtschaftminister der Vereinigten Staaten vereidigt.

finanziellen Schwierigkeiten stecken und Anreize für
Umweltschutz bei der Bodenbewirtschaftung schaffen.

Als einer der renommiertesten Kenner der Landwirtschaft sicherte sich Madigan im Kongreß einen guten
Ruf. Madigan war 16 seiner 18 Jahre im Kongreß
Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, acht Jahre
als rangältester Republikaner. Er wird von Mitgliedern
beider Parteien als Mitarbeiter an Gesetzen mit fundiertem Wissen und klugen Entscheidungen respektiert. Senator Richard Lugar (Republikaner aus Indiana) erklärt: "Ed Madigan hat mehr als jeder andere
Kongreßabgeordnete getan, um eine amerikanische
Landwirtschaftspolitik zu gestalten, die sich den wandelnden Weltmärkten anpaßt." Der Vorsitzende des
Landwirtschaftsausschusses im Senat, Senator Patrick Leahy (Demokrat aus Vermont) konstatierte: "Ich
weiß, er ist ein energischer, aber gerechter und vorurteilsfreier Mitarbeiter an Gesetzen."

Ausschusses zur kommerziellen Energienutzung und

Madigan war von 1985 bis 1990 maßgeblich an der
Erarbeitung der Landwirtschaftsgesetze beteiligt und
arbeitete entschlossen am Schutz der Einkommen von
Landwirten und der Expansion von Exportmärkten.
Als Landwirtschaftsminister wird Madigan die Durchführung des Landwirtschaftsgesetzes von 1990 überwachen, das als Bundesgesetz die Landwirtschaftspolitik der nächsten fünf Jahre festlegt. Zu Madigans
Leistungen bei der Gesetzgebung im Kongreß zählen
die Beschaffung der Mittel für die Behörde zur Elektrifizierung des ländlichen Raums. Ferner will er der
Behörde für landwirtschaftliche Betriebe mehr Flexibilität bei der Arbeit mit Landwirten einräumen, die in

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Im Kongreß war Madigan langjähriges Mitglied des
rangältester Republikaner im Unterausschuß für
Gesundheit und Umwelt, der Entscheidungsbefugnis
bei der öffentlichen Gesundheit, MEDICAID und gesetzlicher Krankenversicherung, Nahrungs- und Arzneimitteln, Umwelt- und Verbraucherschutz hat. Darüber hinaus war er Mitglied im Unterausschuß zur
Finanzierung von Telekommunikation, der bei der
Informationsübermittlung zwischen den Bundesstaaten und ins Ausland mitentscheiden kann, unter anderem bei Fernseh- und Radiosendungen, Satellitenund Kabelübertragungen und Gesetzen zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen. Madigan initiierte
ferner neue Gesetze, mit denen diese Ausschüsse
den Landwirten helfen sollten. Zum Beispiel enthielten
die Zusatzartikel zum Gesetz über die Reinhaltung der
Luft aus dem Jahr 1990 von Madigan erarbeitete
Bestimmungen, die den Einsatz alternativer Brennstoffe wie etwa Äthanol fördern. Diese Bestimmungen
schaffen bis 1995 einen zusätzlichen Markt für mindestens 750 Millionen Gallonen Äthanol jährlich.
Madigan wurde erstmals 1972 in den Kongreß gewählt, gewann seine Wiederwahl und war seitdem
ständig Abgeordneter. In den Jahren 1981 und 1982
war er Vorsitzender des Forschungsausschusses der
Republikaner. Madigan gehörte von 1966 bis 1972
dem Repräsentantenhaus von Illinois an und gewann
zweimal seine Wiederwahl. Er war Eigentümer des
Taxiuntemehmen Yellow-Lincoln in Illinois.

Seite 1

�Im Jahr 1974 wurde Madigan von der Vereinigung
ehemaliger Studenten des Lincoln College die Auszeichnung für besondere Verdienste im öffentlichen
Dienst verliehen. 1975 wurde er Ehrendoktor der
Geisteswissenschaften am Lincoln College, 1977 verlieh
ihm die James Millikin Universität die Ehrendoktorwürde der Jurisprudenz. Dieselbe Auszeichnung wurde
ihm 1979 von der Wesleyan Universität in Illinois
verliehen.

Madigan wurde am 13. Januar 1936 in Illinois geboren
und ist Absolvent des Lincoln College. Seine Frau
Evelyn und er haben drei Töchter. Kimberly ist Anwältin in Washington, Kellie Programmleiterin bei der
State Farm Isurance Company in Bloomington, und
Mary Elizabeth arbeitet als Produktmanager bei der
Sara Lee Corporation in Chicago. Die Familie Madigan
wohnt in Falls Church, Virginia.

* * * * *

Seite 2

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