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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^
12. Februar 1986
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer
ermutigendes Zeichen
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums Demokratie und Kultur
- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg
WIRTSCHAFT
Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten HINTERGRUNDMATERIAL
Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans
- Die wichtigsten Fakten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

e&lt;

12. Februar 1986

REAGAN: FREILASSUNG SCHTSCHARANSKIJS UND ANDERER
ERMUTIGENDES ZEICHEN
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 WASHINGTON - (AD) - Auf einer Pressekonferenz teilte Präsident Reagan am 11. Februar 1986 Reportern mit, daß er das
Problem der Menschenrechte während des Genfer Gipfels "sehr
ausführlich" mit dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow diskutiert habe. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Freilassung von Anatoli Schtscharanskij und anderen einen Anfang und ein Zeichen der Hoffnung darstelle.
In seiner Pressekonferenz nahm der Präsident zu folgenden
außenpolitischen Themenkreisen Stellung:
Lage auf den Philippinen
Auf die Frage, ob die Berichte amerikanischer Beobachter
über Betrug und Gewalt während und nach den Wahlen in den Philippinen die Glaubwürdigkeit der Wahl unterminierten und die
kommunistischen Rebellen im Lande stärkten, antwortete der
Präsident:
Ich möchte zu diesem Prozeß keinen Kommentar abgeben, so
wie diese (Beobachter) ihren ofiziellen Bericht nicht vor dem

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�vor de m End e der Stirnmenau szählung vorl egen werden . Ich glaube nie ht, d aß es gut wäre, dies zu tun. Ja, sie h aben mi r davon in eini gen k urzen Beme rkungen beric htet und st eilten klar,
daß si e jet zt no ch ke ine o ffiziell en Be rieht vorle gen wür den.
Aber s ie ha ben m ir be rieht et, daß es ei nen A nschei n von B etrug
gab un d gle ichze itig teilt en sie jedoch mit, daß e s zusätzlich
zu die sem a llgem einen Eind ruck kei ne su bstan tielle n Bewei se
dafür gäbe. Wir werd en al so weite r abw arten . Wir sind n eutral. Und wir h offen , daß wir dan n das glei che Ve rhältni s mit
dem ph Hipp inisc hen V olk h aben wer den, das w ir in all den vergangen en Ja hren gehab t hab en.
Auf eine weitere Frage nach möglicher Besorgnis über die
Glaubwürdigkeit der Wahl und möglichen Auswirkungen auf amerikanische Interessen in den Philippinen sagte der Präsident:
Ich meine, daß wir besorgt sind über die offenkundigen Gewaltakte und die Möglichkeit des Betrugs, obwohl all dies sich
auf beiden Seiten abgespielt haben mag. Gleichzeitig fühlen
wir uns jedoch von der Tatsache ermutigt, daß es offensichtlich auf den Philippinen ein Zweiparteiensystem gibt und eine
Art von Pluralismus, der dem Volk dort zugute kommt. Und wir
freuen uns, eine derartige Entwicklung feststellen zu können
und werden abwarten, bis wir das Wahlergebnis erfahren.
Angesprochen auf frühere Bemerkungen seines Stabschefs
Donald Regan, daß im Falle einer Wiederwahl von Präsident
Marcos, selbst durch Wahlbetrug, die Vereinigten Staaten weiterhin normale Beziehungen mit ihm unterhalten müßten, antwortete Reagan:
Wir können nur sagen, daß die Bestimmung der philippinischen Regierung Sache des philippinischen Volkes unbd nicht
der amerikanischen Regierung sein wird. Und, wie ich vorhin
schon sagte, wir werden versuchen, die Beziehungen mit jeder
durch das philippinische Volk eingesetzten Regierung fortzusetzen. Und dies ist alles, was ich dazu sagen kann.
Zu Argumenten, nach denen die Unterstützung eines Diktators den kommunistischen Untergrundkämpfern in die Hände spielen würde, während die Unterstützung demokratischer Kräfte die
Kommunisten schwächen würde bemerkte der Präsident:
Wir unterstützen die Kräfte der Demokratie, und die Menschen dort haben die Möglichkeit zu wählen. Die einzigen, die
die Wahlen boykottiert haben, waren die Kommunisten. Es gibt
große Unterstützung für beide Kandidaten. Mehr kann ich dazu
nicht sagen, bis die Stimmen ausgezählt sind.
Auf die Frage,

�Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten jeden Ausgang
der Wahl akzeptieren würden, selbst bei einem nie dagewesenen
Ausmaß an Wahlbetrug, sagte der Präsident, daß seine Administration sich auf die Entscheidung der philippinischen Volkes
verlassen würde. Es sei dessen Wahl und das Ende der Stimmen
auszählung müsse zuerst abgewartet werden.
Zur Bedeutung der amerikanischen Militärstützpunkte auf
den Philippinen meinte Reagan, daß diese Stützpunkte für die
Vereinigten Staaten, für den Westen und sicherlich für die
Philippinen selbst sehr bedeutend seien und daß es im Pazifischen Becken seiner Meinung nach keine wichtigeren Stützpunkte gäbe als diese.
Haiti
FRAGE: Spielten die Vereinigten Staaten irgendeine Rolle
bei der Entscheidung von Präsident Duvalier, Haiti zu verlassen? Und beabsichtigen Sie, die Wirtschaftshilfe für die
dortige neue Regierung zu erhöhen?
ANTWORT: Ich kann Ihnen nur sagen, daß wir hoffen, diese
Interimsregierung behilflich zu sein, wenn sie sich darum bemüht, in Haiti demokratische Verhältnisse zu schaffen. Unser
Beteiligung am Abgang Duvaliers bestand nur darin, ein Flugzeug zur Verfügung zu stellen, das ihn nach Frankreich bracht
FRAGE: Sie wiesen ihn zu keiner Zeit in aller Deutlichkeit darauf hin, das Land zu verlassen?
ANTWORT:

Nein.

Er fragte auch nie um irgendwelchen Rat.

Libyen
FRAGE: Die Vereinigten Staaten sind dabei, wieder mit
Operationen ihrer Streitkräfte im Mittelmeerraum in der Nähe
Libyens zu beginnen. Dies dient unter anderem dem Zweck, unser Recht zu demonstrieren, uns ungehindert in internationale
Gewässern zu bewegen. Warum haben wir dann nicht auch die Li
nie überschritten, die Ghadafi die Todeslinie nennt?
ANTWORT: Ich weiß nichts im einzelnen über die dort
durchgeführten Operationen, denn sie finden in verschiedenen
Bereichen des Mittelmeers statt. Wir haben schon zu Beginn
meiner Administration dort Operationen durchgeführt, und dabe
informierte man mich darüber, daß er bestimmte Gewässer für
sich reklamierte - etwa so, als forderten wir den Bereich zwi
sehen der Südspitze Floridas und der Grenze Mexikos für uns.
_ 3 _

�für uns. Dabei würden zwar die Manöver beinhalten, daß einige
Flugzeuge und Schiffe diese Linie überschreiten, nicht aber in
die libyschen Gewässer selbst kommen.
Ich gab damals meine Zustimmung. Das würde wieder so
sein. Wenn es diesmal keine Überschreitung gab, so war das im
Rahmen der Manöver wohl nicht notwendig.
FRAGE: Könnten diese erneuten Operationen nicht Ghadafi
in die Hand spielen, indem dadurch genau das Bild von uns projiziert wird, das er haben möchte?
ANTWORT: Nun, dem war nicht so beim erstenmal, und es geschieht auch nicht, um irgendwelchen Eindruck auf ihn zu machen. Es geschieht nur deshalb, weil wir der Meinung sind,
daß unsere Marine diese Manöver durchführen muß, um ihre
Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Verhältnis zur Sowjetunion
Auf die Bemerkung, einige Mitgleider seiner Administration
würden zunehmend ungeduldig in bezug auf die Festsetzung eines
diesjährigen Treffens mit der Sowjetunion, erwiderte der Präsident, daß der seitens der Sowjetunion gewünschte Termin in
den Vereinigten Staaten mit der bevorstehenden Wahl zum Kongreß kollidiere und daher einem früheren Termin der Vorzug zu
geben sei. Seitens der Sowjetunion gäbe es "keine Anzeichen
dafür, daß sie aus der Sache aussteigen wollen, aber sie haben
uns bereits eingeladen - sie haben mich zu einem Treffen 1987
eingeladen". Zu der Frage, ob Generalsekretär Gorbatschow die
Absicht haben könnte, Zugeständnisse bei der Rüstungskontrolle
gegen eine Terminübereinkunft einzutauschen, sagte Reagan:
"Das glaube ich nicht. Diese Art der Verknüpfung würde nicht
funktionieren".
Befragt, ob er in der Freilassung des sowjetischen Dissidenten Anatoli Schtscharanski eine Propagandageste oder eine
wirkliche Änderung im Verhältnis der Sowjetunion zur Frage der
Menschenrechte sehe, antwortete Präsident Reagan, ihm stünden
"keine Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Motive herauszufinden. Ich weiß nur, daß seit dem Genfer Treffen nicht nur er
(Schtscharanski), sondern auch andere Personen freigekommen
sind, viel mehr als in vielen Jahren. Ich werde dadurch ermutigt, weil ich die Frage der Menschenrechte in meinem Gespräch mit dem Generalsekretär sehr ausführlich behandelt habe. Alles, was wir tun können, ist zu hoffen, daß dies ein
Anfang ist - ein Anzeichen dafür, was noch folgen wird".
Der Präsident
- 4 -

�Der Präsident antwortete zur Berechtigung der sowjetischen
Meinung, der Dissident Andreij Sacharow sei ein Geheimnisträger und könne aus diesem Grund nicht freigelassen werden, daß
er nicht imstande sei, den Wert dieser Behauptung einzuschätzen. Er glaube aber fest daran, daß die erfolgte Austauschaktion den Anfang weiterer Freilassungen darstelle.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VoN

4

6

Dokumentation
12. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1986//1987 VOR
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums

WASHINGTON - (AD) - Ausgabenkürzungen und Einsparungen bei
der Verwaltung sieht der Budgetvorschlag für das Haushaltsjahr
1987 vor, um zu einer scharfen Reduzierung der Defizite zu gelangen und damit ein "schwerwiegendes Hindernis" zu beseitigen, das dem weiteren Wirtschaftswachstum in den Vereinigten
Staaten entgegensteht. Dies betonte Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft am 4. Februar 1986 vor dem Kongreß.
Das Budget des Präsidenten nennt ein Defizit von 143,6
Milliarden Dollar für das am 1. Oktober 1987 zu Ende gehende
Haushaltsjahr; diese Verringerung des Defizits gegenüber dem
Haushaltsjahr 1986 um 59,2 Milliarden Dollar kann, wie der
Präsident betonte, ohne Steuererhöhungen geschafft werden:
"Eine Beseitigung unseres Defizits ist möglich, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und
Alten zu beschneiden. Eine Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. "
Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten stellt sich danach folgendermaßen dar:
Der wirtschaftliche

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�De r wirtsch aftli che Aufs chwun g, de ssen wir uns derzeit erfreuen , ist eine der stärkst en de r let zten 35 Jahre. Das Familien einkommen war noch nie mals so ho ch; Produktion und Produktiv ität stei gen; die Zuna hme a n Arb eitsstellen ist außergewöhn lieh groß und die Infi ation , die bei meiner Amtsübernähme noch mit zweis telligen Rate n wüt ete, wurde dramatisch
verrin gert. Di e Ver teidigun Oi di e wäh rend der siebziger Jahre
auf ge fährliche Weis e geschw acht worde n war, wurde wieder gestärkt und stel lte d amit wie der e in an gemessenes Maß der national en Sicher heit und der Absch recku ng vor einem Krieg her.
Zudem wurde ein em un erträgli chen Ansti eg der Steuerlast und
der st aatlichen Best immungen Einh alt g eboten.
Lassen Sie mich Ihnen ein paar zentrale Punkte nennen:
- Die Arbeitsplätze nahmen in den vergangenen drei Jahren um
9,2 Millionen zu, während die Arbeitslosenrate um 3,8 Prozent fiel; während der letzten drei Jahre vor meinem Amtsantritt stieg die Zahl der Arbeitsplätze nur um 5,5 Millionen, die Arbeitslosenrate stieg um 0,8 Prozent.
- Derzeit hat der höchste Anteil an unserer Erwachsenenbevölkerung (60 Prozent) einen Arbeitsplatz, mehr Schwarze
und Angehörige anderer Minderheiten (1A Millionen) haben
einen Arbeitsplatz als je zuvor.
- Die Inflation, die in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme im Durchschnitt jährlich 11,6 Prozent betrug, ging
in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt auf nur ein
Drittel davon - auf 3,8 Prozent - zurück.
- Das reale Bruttosozialprodukt stieg in den vergangenen
drei Jahren mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent - im Vergleich zu einer Jahresrate von nur 2,2 Prozent Jahresrate
in den letzten drei Jahren der vorangegangenen Administration.
- Die Primarate und andere entscheidenden Zinssätze sind um
die Hälfte niedriger als zu meinem Amtsantritt.
- Jede Woche werden rund 11 000 neue Firmen gegründet und
seit Anfang 1983 stiegen die Betriebsinvestitionen real um
A4 Prozent.
- In den letzten drei Jahren stieg die Industrieproduktion
um 25 Prozent.
- Im gleichen Zeitraum stiegen die Firmengewinne um 117 Prozent und die Aktien verdoppelten sich fast im Wert.
Die Steuereinnahmen
- 2 -

�Die Steuereinnahmen des Bundes stiegen wieder auf die
außergewöhnliche Höhe von fast 18,5 Prozent des Bruttosozialproduktes, obgleich die Steuersätze insgesamt beschnitten und aufgrund der Inflation indexiert wurden.
Aufgrund all dessen stieg das Realeinkommen nach Steuern
während der vergangenen drei Jahre um 10,6 Prozent - ein
durchschnittlicher Anstieg von 2500 Dollar für jeden amerikanischen Haushalt.
Diese dramatische Verbesserung unserer Wirtschaftstätigkeit war kein Zufall. Wir haben eine Politik in die Wege geleitet, die unsere Verpflichtung widerspiegelt, das Eindringen
des Staates in den Privatsektor zu beschneiden und wir haben
viele Hindernisse beseitigt, die sich dem Prozeß der Kapitalbildung und des Wachstums in den Weg stellen. Wir halten auch
weiter unerschütterlich an den vier Grundprinzipien des Wirtschaftsprogramms fest, das ich im Februar 1981 vorgelegt habe
- Verringerung des Zuwachses staatlicher Ausgaben;
- Begrenzung der Steuerlasten;
- Befreiung der Wirtschaft von übermäßiger Reglementierung;
und
- Unterstützung einer soliden und stabilen Geldpolitik.
Jetzt sind die Bedingungen einer langen Ära nationaler
Prosperität geschaffen. Doch lauert am Horizont eine große
Drohung: das Haushaltsdefizit. Wenn dieses Defizit nicht
unter Kontrolle gebracht wird, laufen wir Gefahr, alles zu
verlieren, was wir erreicht haben - und mehr als das.
Das aber dürfen wir nicht zulassen. Deshalb hat das von
mir vorgelegte Budget als Hauptziel, das Defizit auf einen Weg
in Richtung auf einen bis zum Jahr 1991 ausgeglichenen Haushalt zu bringen. Dabei erreicht, ja übertrifft mein Haushalt
die Abbauziele, wie sie in dem Gesetz über einen ausgewogenen
Haushalt und Defizitkontrolle - gemeinhin aufgrund seiner
Hauptbefürworter als Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz bekannt festgelegt sind.

- 3 -

�HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)
1985

1986

1987

Einnahmen

734,1

777,1

850,4

Ausgaben

946,3

979,9

994,0

Plus bzw. Minus

212,3

-202,8

-143,6

-171,9

•144,0

30,9

-0,4

Gramm-RudmanHollings-Ziele
Differenz

HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)

Einnahmen
Ausgaben
Plus bzw. Minus
1.3
Gramm-RudmanHollingsDefizitziele
0.0
Differenz

1988

1989

1990

1991

933,2

996,1

1 058,1

1 124,0

1 026,8

1 063,6

1 093,8

1 122,7

-93,6

-67,5

-35,8

-108,0

-72,0

-36,0

-14,4

-4,5

-0,2

-1,3

(Hinweis: Die Gesamtsummen beinhalten die Sozialversicherung,
die nicht zum Haushalt gehört.)
Gegen Ende der letzten Sitzung des Kongresses formte sich
ein überparteilicher Konsens heraus, daß etwas mit dem Defizit
zu geschehen habe. Das Ergebnis - Gramm-Rudman-Hollings verpflichtet sowohl den Präsidenten als auch den Kongreß zu
einem festgelegten Verfahren. Mit Vorlage dieses Haushalts
- 4-

�dieses Haushalts halte ich mich an das Gesetz und stehe zu
meinem Teil dieses Handels.
Dieses Budget zeigt zudem, daß die Beseitigung des Defizits möglich ist, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere
Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und Alten zu beschneiden. Eine
Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. Wir können auf den
Ausbau unserer Streitkräfte nicht verzichten, ohne Verwirrung
unter Freund und Feind gleichermaßen hinsichtlich unserer Entschlossenheit hervorzurufen, unsere Verpflichtungen aufrechtzuerhalten und ohne unsere Aussichten auf sinnvolle Rüstungskontrollgespräche zu gefährden. Und ganz offen: Wir dürfen
das Vertrauen jener Armen und Alten nicht mißbrauchen, deren
Sicherheit von staatlichen Programmen abhängt.
Defizit und Wirtschaftswachstum
Bis zum Zweiten Weltkrieg war ein Gleichgewicht bzw. ein
Überschuß des Bundeshaushaltes in Friedenszeiten eigentlich
eine Selbstverständlichkeit. Doch in den frühen sechziger
Jahren begann diese Tradition staatlicher Disziplin und politischer Korrektheit zusammenzubrechen. In 24 der letzten 25
Jahre hatten wir Defizite. In den letzten zehn Jahren beliefen sie sich auf durchschnittlich 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Im vergangenen Jahr lag das Defizit jedoch
bei über 5 Prozent des BSP. Dieser Trend geht eindeutig in
die falsche Richtung und muß umgekehrt werden.
Das Defizit des vergangenen Jahres belief sich auf fast
1000 Dollar für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind
in den Vereinigten Staaten. Um das Defizit einzig durch
Steuererhöhungen zu beseitigen, müßte man jedem amerikanischen
Haushalbt eine Steuerlast von weiteren 2400 Dollar aufbürden.
Aber die Steuern sind schon im Verhältnis zum BSP höher als
sie während der sechziger und der frühen siebziger Jahre waren
- bevor die Inflation sie auf ein Niveau hinauftrieb, das sich
als unerträglich erwies. Das amerikanische Volk hat gezeigt,
daß es eine höhere Steuerlast nicht ertragen wird. Die Ausgaben sind das Problem - nicht die Steuern -, und die Ausgaben
müssen beschnitten werden.
Das Programm der Ausgabenkürzungen und anderer, in meinem
Budget enthaltenen Reformen wird innerhalb von fünf Jahren zu
einem ausgeglichenen Haushalt führen und damit ein ernsthaftes
Hindernis aus der Welt schaffen, das einer anhaltenden wirtschaftlichen Expansion entgegensteht. Wie dieser Haushalts- 5 -

�dieser Haushaltsvoranschlag zeigt, können derlei Reformen in
geordneter Weise durchgeführt werden, ohne zu Verzweiflungstaten Zuflucht zu suchen.
Unangemessene und veraltete Programme sowie Aktivitäten,
die keine Kosteneffizienz ermöglichen, müssen eingestellt werden. Dienste, die wichtig sind, die aber nicht unbedingt vom
Staat geleistet werden müssen, können dem Privatsektor übertragen werden; sind sie ihrer Natur nach staatlich, können sie
auf bundesstaatliche oder lokale Ebene umgeschichtet werden.
Wie in dem heute von mir gleichfalls vorgelegten Managementbericht erklärt wird, kann Effizienz durch verbesserte Managementtechniken, durch erhöhte Produktivität und durch Programmkonsolidierung herbeigeführt werden.
Die Notwendigkeit der Vermeidung unnötiger staatlicher
Ausgaben und der verbesserten Behandlung notwendiger Programme
muß zu einem zwingenden Leitfaden unserer Politik werden. Ergebnis wird eine prägnantere, besser integrierte, reibungslosere Regierung sein - befreit von ihren marginalen, unwesentlichen und unangemessenen Funktionen und Aktivitäten, eine Regierung, die ihre Energien und Ressourcen gänzlich auf ihre
eigentlichen Aufgaben und verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten konzentriert. Damit werden die Mittel wirksamer eingesetzt - das, was der Staat am besten kann, wird der Staat tun;
das, was der Privatsektor besser kann, wird durch den Markt
erledigt werden.
Das Gesetz über einen ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle (Gramm-Rudman-Hollings) erfordert, die Ausgaben im
Einklang mit einer vorgeschriebenen Formel zu verringern, wenn
die projektierten Defizite die Zielvorgaben übersteigen.
Dieser Mechanismus wird auf begrenzte Weise schon im laufenden
Haushaltsjahr funktionieren. Doch sollten wir in Zukunft
solche generellen Kürzungen vermeiden - und sie werden auch
nicht notwendig sein, wenn der Kongreß diesen Haushaltsvorschlag annimmt. Einsparungen werden besser dadurch erzielt,
daß man die relativen Prioritäten zwischen den Programmen in
Rechnung stellt, als daß man zu einer willkürlichen Formel
greift. Letzteres könnte auf gefährliche Weise vitale Programme schwächen - einschließlich der nationalen Sicherheit
oder der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit, während
weniger wichtige Programme im Wesentlichen unangetastet
bleiben.
Wenn die Ausgabenkürzungen und anderen Reformen, wie sie
in diesem Haushalt vorgeschlagen sind, genehmigt werden, wird
das Bundesdefizit im Lauf der nächsten drei Jahre um 166
Milliarden Dollar verringert werden. Dies sind etwa 700
Dollar für jeden amerikanischen Bürger und etwa 1900 Dollar
- 6 -

�1900 Dollar für jeden Haushalt. Ich bin davon überzeugt, daß
dies der richtige Weg ist, um mit dem Defizit fertigzuwerden:
Beschneidung der exzessiven staatlichen Ausgaben - und nicht
Angriff auf das Familienbudget durch Steuererhöhungen, Gefahr
der geschwächten nationalen Sicherheit oder Mißbrauch des Vertrauens der abhängigen Armen und Alten.
Bundesregierung:
stammten Rolle

Umstrukturierung und Rückkehr zur ange-

Die Aufgabe der Verminderung des Defizits muß mit einem
Seitenblick auf die Begrenzung des gegenwärtig weitgesteckten
Rahmens der Regierungsaktivitäten weiterverfolgt werden, und
unter Beteiligung aller Steuerzahler muß die Bereitstellung
sowie der reibungslose Ablauf notwendiger und grundlegender
Dienstleistungen, und nur solcher, gewährleistet werden. Dies
ist die der Konzeption des diesjährigen Haushalts zugrundeliegende Philosophie. Lassen Sie es mich Ihnen verdeutlichen:
Prog ramme, denen eine hohe Priorität zukommt, sollten angernessen finanziert werden. Trotz der sehr angespannten Finanz läge steilt dieser Haushalt Mittel zur Aufrechterhaltung,
und in m anchen Fällen zur Weiterführung, von Programmen mit
hohe r Pr iorität zur Verfügung, die in entscheidenden Bereichen
des nati onalen Interesses liegen. Notwendige Leistungen und
Zusc hüss e zum Einkommen armer und älterer Menschen werden in
dies em B udget finanziell berücksichtigt. Das gleiche gilt
auch für andere Programme von nationalem Interesse, zu denen
die Drog enbekämpfung, die AIDS-Forschung, das Raumfahrtprogram m, n ichtmilitärische Forschung und nationale Sicherheit
gehö ren.
Währe nd P rogram me zu r nationalen S iche rhei t weite rhin eine
meiner hö chst en Pri oritä ten dars teilen , bliebe n sie n icht von
den allge mein en Spa rmaßm ahmen im Haush alt vers chont. Im 1 etzten Somme r st immte ich d em Kongr eß zog ernd zu, das ge plan te
Wachstum der Hausha ltsmi ttel für Verte idig ung 1986 zu ein em
bei Null lieg enden Realw achstum zurück zusc hrau ben und dan ach
jährlich auf ein Re alwac hstum vo n 3 Pr ozen t zu begren zen. Die
Beschlüss e de s Kong resse s zu den Mitte In f ür 1 986 und die darauffolge nden Zwang smaßn ahmen du rch Gr amm- Rudm an-Holl ings für
1986 habe n de n Vert eidig ungshaus halt u nter das Vorjah resn iveau
absinken lass en. D er vo n mir un terbre itet e Ha ushalt würd e die
Finanzier ung der Ve rteid igung in ein a nhal tend es, gut ver waltetes Wac hstu msgefü ge zu rückführ en, da s mi t den Progr ammp unkten, dene n be i der Verab schiedun g des Haus halt s im letzte n
Jahr zuge stim mt wur de, v ereinbar ist u nd a uch vereinb ar m it
den Bedür fnis sen un seres Landes in bez ug a uf u nsere n atio nale
Sicherhei t.
In den letzten

�In den letzten fünf Jahren haben wir den Rückgang der Ver^
teidigungsausgaben umgekehrt und entscheidende Fortschritte
bei der Wiederherstellung unserer militärischen Fähigkeiten
erzielt. Die jetzt geforderten mäßigen Anhebungen sind notwendig, um diesen Fortschritt aufrechtzuerhalten und uns in
die Lage zu versetzen, weiterhin sinnvolle Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion zu führen.
Unnötige Programme können wir uns nicht länger leisten.
Einige Regierungsprogramme sind jetzt überholt, haben ihren
ursprünglichen Zweck erfüllt, stellen ein ungeeignetes Feld
für Einmischung seitens der Bundesregierung dar oder sind bei
der momentan angespannten Haushaltslage zu unwesentlich. Es
wäre weder für den Privatsektor noch für die Regierung des
Bundes oder der Einzelstaaten angebracht oder durchführbar,
solche Aufgaben zu übernehmen: Dieser Haushalt schlägt vor,
daß Programme dieser Art sofort abgesetzt werden, planmäßig
auslaufen oder bei Ablauf ihrer gesetzlichen Bewilligung abgeschlossen werden. Beispiele hierfür sind Existenzgründungsprogramme, Zuschüsse zur Eisenbahngesellschaft Amtrak, Stadtentwicklungsdarlehen, die Kommission für die AppalachenRegion, die Wirtschaftsentwicklungsbehörde, das Bundesamt für
den Binnenverkehr, Garantien für Darlehen an die Marineverwaltung, Fortbildungszuschüsse für Angestellte im Gesundheitswesen, das Programm für ein leistungsabhängiges Lohnsystem, Zuschüsse für Flugzeugträger.
Viele andere Programme sollten auf ein angemesseneres Niveau zurückgeführt werden. Einige Bundesprogramme sind zu
sehr ausgeweitet oder mangelhaft durchgeführt worden oder sie
arbeiten angesichts der angespannten Haushaltslage auf einer
zu breit angelegten Basis. Dieser Haushalt schlägt Reformen
vor zur Kostendämpfung und zur künftigen Wachstumsbeschränkung
für Medicare und Medicaid, Wohngeld, Beamtenpensionen und
Krankenkassenleistungen, für Zuschüsse im Fernmeldewesen, für
Bundesautobahnen, das Forstwesen und viele andere Programme.
Die Regierung sollte nicht mit dem Privatsektor in den
Wettbewerb treten. Traditionell stellen Regierungen die Art
von benötigten Dienstleistungen zur Verfügung, die der freie
Markt nicht liefern kann. Mit den Jahren hat die Bundesregierung sich jedoch in stärkerem Maße kommerziellen Aktivitäten gewidmet. In den meisten Fällen wäre es für die Regierung
besser, aus dem Geschäft auszusteigen und den Wettbewerb mit
dem Privatsektor zu beenden. Ich schlage vor, daß wir den
Prozeß mit diesem Haushalt beginnen. Beispiele dieser Initiativen zur "Privatisierung" im Haushalt schließen den Verkauf
der Energie-Marketing-Behörde und der Treibstoffreserve für
die Schiffahrt ein sowie die Durchführung von Programmen für
Wohn- und Ausbildungsdarlehen. Ich schlage weiterhin den Ver- 8 -

�Ich schlage weiterhin den Verkauf nicht benötigter Vermögenswerte vor, wie zum Beispiel der Kreditplafonds und überschüssiger Immobilien, sowie Vergabe von Verträgen an Privatfirmen
zur Ausführung von geeigneten Dienstleistungen des Bundes.
Manche Dienstleistungen können besser von den Regierungen
der Bundesstaaten oder Gemeindeverwaltungen zur Verfügung gestellt werden. Mit den Jahren hat die Bundesregierung viele
Aufgaben übernommen, die normalerweise auf der Ebene der Einzelstaaten oder Gemeinden erledigt werden sollten. Dieser
Haushalt sieht ein Ende der ungerechtfertigten Einmischung der
Bundesregierung in Angelegenheiten der Einzelstaaten oder Gemeinden vor und die Wiederherstellung eines ausgewogeneren und
der Verfassung angemessenen Föderalismus mit klarer vorgezeichneten Rollen für die einzelnen Regierungsebenen. Die
Beispiele schließen die Verschmelzung vergleichsweise kleiner
Zuschussprogramme zu einem Zuschuss-Paket für das Verkehrwesen
und den Umweltschutz ein, zu gedrosselten Bundeskosten. Die
weitere Finanzierung der bereits bestehende Zuschusspakete für
soziale Dienste, das Gesundheitswesen, die Aus- und Fortbildung sowie die Entwicklung der Gemeinden wird aufrechterhalten.
Die Verwaltung der Beratungsdienste für landwirtschaftliche Betriebe sollte den Regierungen der Einzelstaaten und
Gemeinden überantwortet werden. Die Bundesregierung sollte
ferner davon Abstand nehmen, für Abwasser-Aufbereitungsanlagen
der Gemeinden, lokale Flughäfen, lokale Verbrechensbekämpfung,
Unterstützung der Seefahrtschulen in den Bundesstaaten und die
örtliche Küstenverwaltung zu bezahlen.
Die verbleibenden Aufgabenbereiche der Bundesregierung
sollten besser gelenkt werden. Mit dem fortschreitenden Abbau
des Defizits in den nächsten paar Jahren ist es wichtig, daß
alle verbleibenden Aktivitäten des Bundes gut geleitet und koordiniert werden, um doppelte Ausgaben zu vermeiden, Kosten zu
dämpfen und die dem Privatsektor auferlegte Vorschriftenlast
auf ein Minimum zu beschränken. Die Effizienz des Managements
muß den Prozeß der Entwicklung einer enger gefaßten, fester
umrissenen Rolle der Bundesregierung begleiten. Wir können
uns nicht länger einen unnötigen Kostenapparat und Leistungsunfähigkeit leisten, wenn wir die Rolle und die Kosten der
Bundesregierung zurückschrauben wollen.
Mit der Verfügung des Gesetzes zur Defizitverringerung von
1984 wurden erhebliche Einsparungen im Kostenapparat erreicht.
Wie in meinem Management-Bericht erwähnt, sind weitere Einsparungen möglich und die entsprechenden Punkte in diesen Haushalt eingearbeitet. Überholte und wenig leistungsfähige Systeme von Betriebskosten und Kreditwirtschaft der Behörden
werden ausgewechselt; Grundsätze und Verfahrensweisen der Ver- 9 -

�Verfahrensweisen der Verwaltung, deren Umgang mit automatischer Datenverarbeitung und die Struktur ihrer Arbeitsbereiche werden rationalisiert und verbessert; Verschwendung,
Betrug und Mißbrauch hingegen werden weiter eingeschränkt.
All diese Initiativen, die bereits einen Teil unserer Reformpläne für 1988 ausmachen, werden sich Grundsätze modernen Managements, verbesserte Kommunikationstechnik und neue Informationstechnologie zunutze machen. Wir werden die Bundesregierung wie einen Gewerbebetrieb führen, die Ausführung von
Dienstleistungen verbessern und die Last der Steuerzahler abbauen.
Die Verwaltung der Bundesbehörden soll durch die Anwendung
von strafferer Personalpolitik, Automatisierung von manueller
Arbeit, Zusammenlegung einander ähnlicher Prozesse und die Reduzierung der allgemeinen Verwaltungskosten leistungsfähiger
gestaltet werden. Zur Zeit läuft gerade ein Programm, daß für
das Jahr 1992 eine 20 prozentige Produktivitätssteigerung bei
den entsprechenden Regierungsstellen zum Ziel hat. Es wird
eine der Hauptanstrengungen sein, unserer altmodisches Management im Hinblick auf einen Kreditrahmen des Bundes von 250
Milliarden Dollar aufzupolieren. Diese Bemühungen werden die
Einrichtung von Vorauswahlverfahren, den Gebühreneinzug, Verwaltungs- und Strafgebühren, den Gebrauch von Einzugsbehörden,
die Belegung mit entsprechenden Zinssätzen und den Verkauf von
Anleihen einschließen.
Unser Programm zur Verbesserung des Managements wird eine
kompaktere und leistungsfähigere Struktur des Bundes zum Ziel
haben und es wird in meinem, gesondert vorzulegenden Management Bericht genauer beschrieben. Der Verbesserung des Managements der Bundesregierung muß eine entscheidende Rolle beigemessen werden und sie muß den Vorrang genießen, den sie verdient.
Wir müssen ferner unnötige Kosten und Lasten des nicht dem
Bund unterstehenden Sektors einschränken, und wir haben bereits entscheidende Fortschritte dabei erzielt, die den Betrieben, Einzelstaaten und Gemeinden auferlegten Kosten durch
Beschlüsse der Bundesregierung zu senken. Diese Einsparungen
werden über einen Zehnjahres-Zeitraum hinweg auf einen Gesamtbetrag von 150 Milliarden Dollar geschätzt. Wir haben die Anzahl neuer Vorschriften mit jedem Jahr, das ich im Amt bin,
verringert, und wir haben die Erfordernisse zum Ausfüllen von
Formularen um 500 Millionen Stunden gekürzt. Darüber hinaus
werden Vorschriften nun dahingehend entwickelt, daß sie der
Öffentlichkeit den größtmöglichen Schutz zu den niedrigsten
Kosten bieten und, wo immer es möglich ist, Marktstrategien
anwenden anstatt gegen sie zu arbeiten.
Schließlich sollten
- 10 -

�Schließlich sollten die Nutznießer von Dienstleistungen
für diese, wenn möglich, Gebühren entrichten. Diejenigen, die
von der Bundesregierung besondere Zuschüsse und Dienstleistungen erhalten, sollten sie auch bezahlen und nicht der
Steuerzahler schlechthin. Gemäß diesem Vorschlag setzt dieser
Haushalt Gebühren und Prämien für die von der Bundesregierung
übernommenen Garantien für Anleihen fest und erhebt zur Gesundung der Bundesregierung Gebühren für die Fleisch- und Geflügelbeschau, forstwirtschaftliche Einrichtungen und Nationalparks, die Benutzung von Häfen und Binnengewässern, Küstenwache und Zollabfertigung sowie für viele andere Dienstleistungen .
Reform der Durchführung des Haushalts
Mit den Jahren sind die einzelnen Ausgabenbestandteile des
Bundeshaushalts immer vordringlicher geworden. Teilweise wegen ihrer starken Befürwortung war der Kongreß immer weniger
in der Lage, seinen Haushaltsverpflichtungen nachzukommen.
Die Behandlung des Haushalts im Kongreß ist in Gefahr, fehlzuschlagen; im letzten Jahr ist sie wiederholt gescheitert.
Die Verabschiedung des Haushalts und entsprechender Gesetzesvorlagen kam Monate zu spät und somit wurden wenige echte Reduzierungen des Defizits erreicht.
Gramm-Rudman-Hollings bietet bedeutende Möglichkeiten,
diese Probleme in Zukunft zu vermeiden. Dieses Gesetz legt
nicht nur Defizitziele zur Erreichung eines ausgewogenen Haushalt im Jahr 1991 fest, sondern es hält auch einen Mechanismus
für automatische Ausgabenkürzungen bereit und beinhaltet bestimmte Reformen bereits in der Phase der Behandlung des Haushalts. Aber in diesem Punkt geht Gramm-Rudman-Hollings nicht
weit genug. Um der klaren Anforderung einer größtenteils gestärkten Behandlung des Haushalts entgegenzutreten, schlage
ich eine Reihe von zusätzlichen Reformmaßnahmen vor.
Wie schon einmal, so bitte ich jetzt den Kongress, der
Verfassung einen Zusatz für einen ausgewogenen Haushalt hinzuzufügen. Darüber hinaus fordere ich auch weiterhin die Verabschiedung eines selektiven Vetos, eine Vollmacht, die bereits
A3 Gouverneure unserer Nation besitzen. Ich dränge ferner
darauf, für 1988 und darüber hinaus, den Beschluß des Haushalts in einen gemeinsamen Beschluß zu ändern, der der Unterschrift des Präsidenten und der Aufstellung verbindlicher Ausgabenkategorien bei der Verabschiedung der Gesamtsumme des
Haushalts bedarf. Ich dränge darauf, daß Vorschläge für mehrjährige Maßnahmen und die Entwicklung eines positiven Haushalts Gegenstand ernsthafter Untersuchungen werden. Wie ich
bereits wiederholt betont habe, gibt es keinen Staat in unse- 11 -

�in unserem Bund, der nicht eine bessere Art der Durchführung
des Haushalts hätte als die Bundesregierung. Wir können - und
müssen - es besser machen.
Zusammenfassung
Wie ich gestern in meiner Ansprache an den Kongress gesagt
habe, ist die Lage der Nation gut und wird immer besser. Wir
hatten eine Reihe von außergewöhnlich guten Jahren und unserer
Wirtschaft geht es gut, während die Inflation kontrollierbar
wird. Wirtschaftswachstum und Investitionen steigen, während
Zinssätze, Steuern und Arbeitslosigkeit beträchtlich gesunken
sind. Unsere nationale Sicherheit wird wiederhergestellt.
Der Anwendung unnötiger und lästiger Bundesvorschriften wurde
Einhalt geboten. Es wurde ein bedeutsamer Anfang gemacht, um
das ausufernde und nicht aufrechtzuerhaltende Wachstum der Inlandsausgaben einzuschränken. Die Verbesserung der Regierungsverwaltung genießt hohen Vorrang und zeigt erste Ergebnisse. Ich denke, daß die meisten Amerikaner zustimmen würden, wenn ich sage, daß Amerika wirklich dabei ist, in Bewegung zu geraten.
Das große und hartnäckig anhaltende Haushaltsdefizit steht
wie eine dunkle, bedrohliche Wolke am Horizont. Sie bedroht
unseren Fortschritt und unsere Hoffnungen auf ein anhaltend
gesundes Wirtschaftswachstum.
Der Kongreß hat diese Bedrohung erkannt. Er hat für die
nächsten fünf Jahre eine schrittweise, geordnete Bewegung hin
zu einem ausgewogenen Haushalt angeordnet. Die Vorschläge in
diesem Haushalt stellen einen Entwurf zur Erreichung dieses
Ziels dar, während die berechtigten Programme für die Alteren
und Bedürftigen erhalten werden, für unsere nationale Sicherheit gesorgt wird, und all das, ohne unsere Steuern anzuheben.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß es für gewählte Regierungsvertreter schwierig sein wird, die in diesem Haushalt
vorgesehene schwere Wahl zu treffen. Aber wir müssen den politischen Willen entwickeln, unseren Verantwortlichkeiten
nachzukommen und uns den Bitten von einzelnen Interessen widersetzen, deren "Zeitalter der Macht" in Washington ein Ende
haben muß: es kann nicht länger von den Steuerzahlern erwartet
werden, deren Lasten mitzutragen. All dies fordert hohe Führungsqualitäten. Wir müssen uns alle der Tatsache bewußt
sein, daß das Problem des Defizits auch eine Chance darstellt
- die Chance, eine neue, kompaktere, besser ausgerichtete und
gelenkte Struktur des Bundes zu erreichen. Packen wirs an.
Ich freue mich
- 12 -

�Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten
und diesen großartigen Herausforderungen zu begegnen. Darin
besteht unsere Arbeit. Lassen sie sie uns gemeinsam fortführen.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
'^QN

Dokumentation

*

12. Februar 1986

DEMOKRATIE UND KULTUR
- Von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland -

BONN - (AD) - In einer Rede anläßlich einer Feier zum
Jacob-Gould-Schurman-Tag und zum 600. Jahrestag der Gründung
der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg sprach der amerikanische Botschafter Richard R. Burt am 8. Februar 1986 über
die engen kulturellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dabei betonte er,
daß die engen Bindungen zwischen beiden Ländern sich nicht nur
auf Sicherheitsinteressen, sondern auch auf gemeinsame kulturelle Werte und demokratische Überzeugungen gründen. Außerdem
verwies er auf die besondere Bedeutung der Universität Heidelberg für die Amerikaner.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, heute im 600. Gründungsjähr dieser
Universität bei dieser Feier zu Ihnen zu sprechen und dabei
der Rolle zu gedenken, die Jacob Gould Schurman in der neueren
Geschichte der ältesten deutschen Universität spielte.
Ich freue mich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ich freue mich darüber, mit den Leitern drei der größten
amerikanischen Universitäten diesen Gedenktag gemeinsam zu begehen: Präsident Rhodes von der Cornell Universität, deren
langjähriger Präsident Botschafter Schurman war und an der ich
selbst mein Examen abgelegt habe, Präsident Silber von der
Universität Boston und Kanzler Massey von der Universität
Maryland.
Wir fühlen uns heute alle geehrt durch die Anwesenheit des
Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher. Er leistete im vergangenen Jahrzehnt einen unvergleichlichen Beitrag zur Stärkung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland.
Gleichzeitig arbeitete er an der Errichtung eines stärkeren,
vereinteren und zuversichtlicheren Europas. Als Ergebnis davon ist heute die transatlantische Partnerschaft gesünder,
kräftiger und reifer als jemals in ihrer bisherigen Geschichte,
Die Universität Heidelberg
Diese Universität hat für Amerikaner eine besondere Bedeutung. Zu ihren Lehrern gehörten so bedeutende Humanisten wie
Weber und Troeltsch und so berühmte Naturwissenschaftler wie
Kirchhoff und Helmholtz. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
schätzte sie sich glücklich, auch die beiden großen Philosophen Jaspers und Gadamer zu ihren Lehrern zu zählen.
Heidelberg ist schon seit langem einer der intellektuellen
Mittelpunkte Deutschlands und der Welt.
Viele dieser Geistesgrößen - besonders Max Weber, der seine größten intellektuellen Leistungen zu der Zeit erbrachte,
als er dem Heidelberger Lehrkörper angehörte - übten in unseren beiden Ländern einen großen Einfluß aus. Wir verstehen
heute Geschichte, politische Wissenschaften oder Soziologie
nur dann richtig, wenn wir uns Max Webers großer Errungenschaften in all diesen Disziplinen bedwußt sind.
Heidelberg war auch die erste deutsche Universität, die
nach dem Zweiten Weltkrieg wieder geöffnet wurde, und wir Amerikaner können stolz darauf sein, die entsprechenden Bemühungen unterstützt zu haben.
Lassen Sie mich noch ganz herzlich Dank sagen. Diese Universität und diese Stadt hießen Generationen amerikanischer
Besucher willkommen, darunter einige unserer berühmtesten Bürger. Der durchreisende Thomas Jefferson bewunderte das Heidelberger Schloß; Henry Wadsworth Longfellow verbrachte hier einige Zeit und wurde durch diesen Aufenthalt erheblich beeinflußt; Mark Twain kämpfte hier mit der deutschen Sprache. Ich
- 2 -

k

�Sprache. Ich verstehe jetzt, was er durchgemacht haben muß.
Carl Friedrich wurde nach seinem Studium in Harvard ein berühmter Professor für Verfassungsrecht und spielte beim Entwurf des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eine entscheidende Rolle. Danach lehrte er sowohl hier als auch in
Harvard - ein bemerkenswertes Beispiel des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches. Tausende amerikanischer Studenten
wurden bereits in diesen Räumen willkommen geheißen und haben
hier ihre Studienjahre genossen, viele andere amerikanische
Besucher sind bereits dem Charme dieser Stadt verfallen und es
kommen jedes Jahr mehr dazu.
General Otis und ich danken ganz besonders Herrn Oberbürgermeister Zundel und auch Ihnen für Ihre Gastfreundschaft gegenüber den etwa 30 000 amerikanischen Militärangehörigen in
Heidelberg. Ich möchte, daß Sie wissen, wie sehr wir Ihre
Hilfe schätzen.
Schließlich bin ich Ihrer Universität und Ihrer Stadt auch
sehr dankbar für die großzügige Unterstützung durch die Schurman-Gesellschaft und für die gemeinsame Unterstützung des
Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg, das inzwischen
einen wesentlichen Bestandteil des kulturellen Lebens dieser
Universität und der Stadt Heidelberg ausmacht.
Jacob Gould Schurman
Über Jacob Gould Schurman ist hier und heute viel gesprochen worden. Einige Abschnitte seiner Laufbahn scheinen mir
jedoch für uns besonders relevant zu sein. Schurman war ein
Produkt unserer gemeinsamen westlichen Kultur. Er verbrachte
sein Leben in Kanada, den Vereinigten Staaten, Schottland,
England und Deutschland und leistete zu jedem dieser Länder
einen Beitrag. Zweitens war er ein Selfmademan und glaubte
fest an Individualismus, Eigeninitiative und Arbeitsmoral.
Drittens war Schurman ein Philosoph: er war der Gründer einer
philosophischen Schule in Cornell, danach für 28 Jahre deren
Präsident, und erst danach war er Diplomat und Staatsmann. Er
war sowohl ein Mann des Geistes als auch ein Mann der Tat.
Als der große Politiker und Philosoph Thomas Jefferson daran
ging, seine eigene Grabinschrift zu schreiben, wollte er nicht
sein Andenken als Gouverneur von Virginia und Präsident seines
Landes gewahrt wissen, sondern als "Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, der Statuten Virginias für Religionsfreiheit
und Gründungsvater der Universität Virginia". Ich nehme an,
daß Schurman vielleicht ähnlich über den Wert seiner eigenen
Leistung gedacht hat.
Viertens bekundete
- 3 -

�Viertens bekundete Schurman seine Loyalität als ehemaliger
Student der Universität gegenüber, indem er eine halbe Million
Dollar von privaten amerikanischen Spendern für ein neues Universitätsgebäude sammelte. Er zeigte damit, wieviel ein einziger tatkräftiger Ehemaliger für die Ankurbelung einer Spendenaktion für seine Universität tun kann. Schurman blieb nur
ein Studienjahr lang an dieser Universität, aber wir gedenken
heute der großen Taten, die er für seine Alma Mater vollbracht
hat.
Und schließlich erkannte Schurman, wie auch die meisten
Amerikaner, bei zwei Gelegenheiten - einmal nach seinem starken Widerstand gegen die deutsche Regierung während des Ersten
Weltkriegs, und danach gegen Hitler und all dessen Untaten -,
daß es nach einer Zeit der Zwietracht auch wieder eine Zeit
der Versöhnung geben würde. Er war ein großer Amerikaner, ein
guter Botschafter in Deutschland, ein großer Sohn der Heidelberger und der Cornell-Universität.
Ich danke dieser Univers ität un d besonder s auch Pro fessor
Junke r, der he ute mor gen zu Ihnen ü ber B otsch after Schu rmans
Laufb ahn gespr ochen h at, für die Be mühun gen, Heidel berg zu einem Z entrum de s Studiums ame rikanis eher Gesch ichte und Kultur
zu ma chen. Ic h begrü ße beso nders d ie Er rieht ung de r Schurman
Bibli othek zur amerik anische n Gesch ichte und ihre B emüh ungen,
in un seren bei den Län d e m di e Geldm ittel zu i hrem erfo igreich en Betrie b aufzu bringen . Ich bin, siehe r mit Ihne n zusamme n, Herrn Bundesk anzler Dr. Hei mut K ohl, selbst ehe maliger
Stude nt dieser Univer sität, dankbar , daß er d en Ehr envo rsitz
des K omitees z ur Besc haffung finanz ielle r Mit tel fü r die Biblioth ek überno mmen ha t. Ich selbst bin glück lieh d arüb er, Ihnen h eute mitt eilen z u könne n, daß wir m it ei nem fi nanz iellen
Beitr ag und ei nem grö ßeren B ücherge sehen k zum Ausba u de r histori sehen Bes tände d ieser B ücherei beit ragen . Wir möc nten in
Zukun ft noch m ehr Hil fe leis ten.
Kulturprobleme der Gegenwart
Der Kult urausta usch zwisc hen un seren beiden L ändern hat
viel da zu be igetrag en, unsere gemei nsamen Uberzeu gungen zu
stärken . Wir alle kenn en die beruh mten D eutschen , deren Beiträge d en Am erikane rn h alfen, ihre Vorher rschaft auf den Gebieten der W issensc haft , der Bildun g und der Geis teswissenschafte n zu erlange n - Albert Einst ein, d ie Philo sophin Hannah
Arendt, der Dirigen t Br uno Wa lter, die Ba uhaus-Ar chitekten
Walter Gropi us und Mies van d er Roh e. Un d wir so U t e n nicht
John Pe ter Z enger v erge ssen, den Dr ucker und Verl eger, der vor
200 Jah ren d en Aufb au u nserer ameri kanisc he Tradi tion der
Pressef reihe it mitg esta ltete, ohne die es für ech te Kultur
keine A usdru cksmögl ichk eit ge ben ka nn.
Auf der anderen
- 4 -

�Auf der anderen Seite zeigt sich in vielen Fällen die Rolle Deutschlands bei der Bereitung des Nährbodens für herausragende kulturelle Leistungen in Amerika - Namen wie George
Bancroft, Lionel Feininger und W.E.B. du Bois drängen sich uns
auf. Heute leisten viele Amerikaner als Schauspieler und
Künstler, als Studenten und sogar als Manager in der Kunstszene ihren Beitrag - es gibt zum Beispiel bekannte Amerikaner,
die in Städten wie Frankfurt, Hamburg und Stuttgart Orchester
dirigieren sowie Opern und Ballettaufführungen inszenieren.
Nicht zuletzt auch bereisen jedes Jahr Hunderte unserer Studenten, Gelehrten und Künstler unsere beiden Länder und vermitteln und empfangen dabei ein sehr persönliches Verständnis
des Universalismus unserer gemeinsamen Kultur.
Die Bindungen zwischen dieser Universität und meinem Land,
wie auch die Karriere von Jacob Gould Schurman, demonstrieren
die große Offenheit unserer beiden Gesellschaften, die die
Quelle unserer fortdauernden Lebenskraft ist. Der Begriff
Universität selbst weist auf die Universalität des geistigen
Horizontes hin, den ständig zu erweitern Sinn und Zweck von
Institutionen wie der Ihrigen ist. "Ich bin ein Mensch",
schrieb der römische Dichter Terenz, "und nichts Menschliches
ist mir fremd." Und doch ist dieses Prinzip der Universalität
oft in Frage gestellt worden, wurde der Rahmen äußeren Einflusses manchmal beschnitten und hat sich bisweilen eine enger
definierte kulturelle Sicht durchgesetzt.
Der Wettstreit zwischen Weitläufigkeit und Engstirnigkeit,
zwischen internationaler und nationaler Kultur, existiert in
der einen oder anderen Form mindestens seit dem Zusammenbruch
des Römischen Reiches.
Meine eigenen Landsleute, die lange auf die amerikanische
Tradition des "Schmelztiegels" - und dessen Fähigkeit zur Absorption von Angehörigen verschiedener Völker und Kulturen stolz waren, betonen in letzter Zeit erneut die Notwendigkeit,
auch das Erbe der einzelnen Völkergruppen - der Spanier, der
Asiaten, der Schwarzen, der amerikanischen Urbevölkerung wie
auch der Europäer - zu bewahren, die in ihrer Gesamtheit die
Struktur unserer Nation ausmachen. Umgekehrt war Deutschland
lange Zeit ein Land, wo das Konzept von Kultur und Nation oft
synonym schien. Und doch ist die Bundesrepublik Deutschland
heute zu einem Land geworden, dessen Gesellschaft eine der offensten dieser Welt ist.
In unseren beiden Ländern dauert die Debatte zwischen jenen, die das außergewöhnliche Element einer nationalen Kultur
bewahren möchten, und denjenigen an, die neue Elemente aus anderen Quellen miteinbeziehen wollen. Letztlich gibt es jedoch
kein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Bewahren und Erneu- 5 -

�und Erneuern, zwischen Stolz auf das eigene Erbe und Offenheit
gegenüber den Ideen anderer. Aus meiner Sicht heraus ist jedoch eine offene Gesellschaft fast immer auch eine optimistische Gesellschaft, eine pluralistische und demokratische Gesellschaft, eine rationale Gesellschaft - und eine Gesellschaft, in der das kulturelle Wachstum fest verwurzelt ist.
Gesellschaften jedoch, die es aus übertriebenem Stolz auf
ihre vermeintliche Einzigartigkeit vorziehen, sich Einflüssen
von außen zu widersetzen, neigen zu Pessimismus, zu autoritären Strukturen und zu Irrationalismus, wobei die bestehende
Fähigkeit zur kulturellen Erneuerung oft nur eine schmale
Grundlage hat und nur begrenzte Wirkung erzielt.
Unter Offenheit verstehe ich eine Bereitschaft, das Beste
anderer Kulturen zu akzeptieren - das heißt, die Anerkennung
der Tatsache, daß die Kultur bei all ihren nationalen Wurzeln
auch das Beste von dem mit einbeziehen sollte, was andere Nationen oder Gesellschaften anzubieten haben.
0 ffenhe it ge genu ber äu ßerem Einflu ß bed eutet nicht , alle
Wertu rteile aufz ugeb en und sich einem völli gen Re lativ ismus
hinzu geben, der davo n ausg eht, alle Ku lture n oder alle Ideen
seien gleic h gut . Vielmeh r beinhaltet eine solch e Offenheit
die B ereits chaft , anzuerke nnen, daß ma nche Mensch en ma nchmal
in di esem o der j enem Berei ch di e besseren I deen h aben. Wenn
man z u dies er Ei nsic ht gel angt ist, da nn so U t e n diese neuen
Betra chtung sweis en a uch au f irg endeine Art Teil d er ei genen
Kultu r werd en. Offe nheit sollt e aber auch nicht zur S chaffung
einer einzi gen h omog enen "Weltk ultur" führe n, der es a n lokalern o der ge schic htli ehern I nhalt gebric ht. Offenh eit k ann
vielm ehr un sere nati onalen Kult uren da durch stärk en, d aß an
ander em Ort Gewa chse nes er folgr eich ge kreuz t wird , wäh rend die
überk ommene n Wur zeln bewah rt we rden.
Wie ich schon sagte, verbindet man oft drei Eigenschaften
mit offenen Kulturen: Rationalismus, Optimismus und Demokratie. Unter Rationalismus verstehe ich, daß der Mensch sich
hauptsächlich durch Vernunft, nicht durch Gefühl leiten lassen
kann und sollte. Genauer gesagt, bedeutet Rationalismus meiner Überzeugung nach, daß die Meinung des Menschen in bezug
auf Politik und sein Urteil hinsichtlich Kultur am besten
durch seinen Verstand gelenkt werden - und nicht durch Emotionen.
Unter Optimismus verstehe ich unsere gemeinsame Überzeugung, daß die Menschen sich - gemeinsam wie individuell - rational verhalten und dadurch große Gesellschaften und kulturelle Leistungen hervorbringen können und ihren eigenen Frieden, ihre Sicherheit und ihren Wohlstand sichern.
Ich bin mir
- 6 -

�Ich bin mir durchaus bewußt, daß viele nur mit Mühe an einen solchen Optimismus glauben können - angesichts der Drohung
nuklearer Zerstörung, des Kriegslärms in der Dritten Welt, angesichts der Schrecken in Uganda, des klerikalen Faschismus in
Iran, der sowjetischen Zwangsarbeitslager und der Gewalt in
Südafrika.
Ich bin mir auch der Tatsache bewußt, daß ich mich dadurch
dem Argument aussetze, daß einige der größten Leistungen in
moderner Kunst, Literatur, Musik, Theater und Ballett unserer
Zeit mehr das Ergebnis von Sinn für Romantik und Entfremdung Sinn des Sichwidersetzens gegen die herrschende Strömung - als
von Vernunft sind. Diese Ansicht wurde erst kürzlich wieder
mit Nachdruck in einer Debatte auf dem Internationalen PEN
Kongreß in New York vertreten, die große Resonanz fand. Das
Thema der Debatte war die Entfremdung. Es ging um die Frage,
ob die Entfremdung die grundlegende Quelle der künstlerischen
Inspiration sei. Mehrere international bekannte Künstler haben dem Argument zugestimmt - wie auch dem Argument, daß die
Hauptaufgabe eines Künstlers darin besteht, das System anzugreifen, unter dem er lebt.
Sicherlich ist Innovation die raison d'etre des Künstlers,
und geistige Unabhängigkeit ist daher eine grundlegende Vorbedingung. Aber der Parthenon, die Kathedrale von Chartres und
die Sixtinische Kapelle sind kaum Monumente der Entfremdung.
Leonardo da Vinci, Michelangelo, Shakespeare und Goethe waren
keine Gegner des Establishments. Sogar die großen Äußerungen
des Protests von Voltaire, Rousseau, Zola und Steinbeck sind
die Werke von Menschen, die an eine bessere Welt glaubten und
die an ihrem Aufbau mitarbeiteten.
Die Diskussion des PEN-Kongresses über Entfremdung und Gegenkultur war zugleich eine Debatte zwischen Optimisten und
Pessimisten, zwischen den einen, deren zuversichtlicher Blick
einer besseren Welt galt, und den anderen, die vor sich ein
Bild der Unterdrückung, der zerstörten Umwelt und schließlich
der nuklearen Katastrophe hatten.
Man ist versucht, diese unterschiedlichen Denkansätze mit
den vertrauten Konzeptionen vom Zynismus der Alten Welt und
der Hoffnung der Neuen Welt in Verbindung zu bringen - mit dem
amerikanischen Selbstvertrauen hier und dem "Europessimismus"
dort. Ich bin aber lang genug in diesem Land gewesen, um zu
wissen, wie falsch diese Karikatur ist. Ich bemerke hier genau wie in Amerika - ein neues Gefühl des Selbstvertrauens
und des Optimismus, was die Zukunft anbelangt.
Erst vor drei Wochen habe ich hier den Heidelberger Technologiepark besucht, der in großem Maß Ergebnis der unermüd- 7 -

�der unermüdlichen Arbeit und Phantasie von Herrn Oberbürgermeister Zundel ist. Dabei hatte ich Gelegenheit, einiges dazuzulernen und die Erregung mitzuerleben, die von einer ganzen
Reihe wichtiger neuer Projekte ausging. Ich war zum Beispiel
höchst beeindruckt von der Arbeit Dr. Christian Birrs, der mir
die erheblichen Fortschritte beschrieb, die im Bereich der
Krebsforschung gemacht werden - Fortschritte, die die Hoffnung
erwecken, daß im kommenden Jahrzehnt die verheerenden Auswirkungen dieser Krankeit dramatisch zurückgedrängt werden.
Dies ist nur ein Beispiel für die Art und Weise, in der
das Zusammenwirken von Universität und Gesellschaft die Möglichkeiten des Menschen erweitert. In der entwickelten Welt
leben die Menschen heute länger, sicherer und in größerem
Wohlstand, in einer saubereren, gesünderen und attraktiveren
Umwelt als ihre Vorfahren. Die Wissenschaften - einschließlich der Sozialwissenschaften wie Wirtschaftswissenschaften,
Politologie und Soziologie - bieten uns die Möglichkeit, auch
das Schicksal unserer Kinder weiter zu verbessern.
Die kürzliche Tragödie der Raumfähre CHALLENGER ist eine
Mahnung dafür, daß die Wissenschaft Möglichkeiten, aber keine
Gewißheiten bietet, daß die Risiken der Forschung reduziert,
nicht aber aus der Welt geschafft werden können. Die Reaktion
meines Präsidenten und meines Landes hierauf besteht darin,
daß unser Trachten und Streben dem gewidmet bleibt, wofür auch
die CHALLENGER an den Start ging. Wir sind, wie Präsident
Reagan sagte, eine Nation der Entdecker. Und wir sind eine
Nation, die von Entdeckern - von europäischen Entdeckern - gegründet wurde und in der sich Entdecker aus allen Erdteilen
ansiedelten. Die Trauer- und Mitleidsbekundungen von Regierungen und Menschen aus allen Ländern zum Verlust der
CHALLENGER sind ein Beweis dafür, wie universell dieser Drang
nach Forschung und Entdeckung ist. Er ist meiner Meinung nach
in der Bundesrepublik Deutschland genau so stark wie in meinem
eigenen Land, und es ist dieses Gefühl von Hoffnung und Zuversicht, das es mir ermöglicht, mich jenen anzuschließen, die
mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Mit Offenheit und Zuversicht gehen Pluralismus und Demokratie Hand in Hand. Offenheit bedeutet die Möglichkeit der
Wahl, die Demokratie garantiert sie.
Unsere Regierungen sind beide ihrer Natur nach demokratisch und föderalistisch, wobei die höchsten Gerichtshöfe Gesetze für verfassungswidrig erklären können, und daher der
Wille des Volkes durch das Gesetz begrenzt und von einer dezentralisierten Regierungsform verwirklicht wird. Das ist
nicht überraschend, denn unsere beiden politischen Systeme
wurden von Männern entworfen, die die Lektionen der Tyrannei
- 8 -

�der Tyrannei sowie der Schwäche und Entscheidungsunfähigkeit
von Regierungen gelernt hatten - wobei letzteres für Sie in
der Weimarer Republik gilt und für uns für die Zeit zwischen
der Erringung unserer Unabhängigkeit und der Ratifizierung unserer Verfassung. Keiner von uns, glaube ich, behauptet, daß
sein System vollkommen sei. Aber die überwältigende Mehrheit
unserer Bürger ist davon überzeugt, daß die Demokratie einem
autoritären Regierungssystem vorzuziehen ist und daß wir mit
unserer jeweiligen Verfassung ein Mittel gefunden haben, diese
Demokratie zu wahren und zu fördern.
Mein A rgum ent war ebe n, d aß e ine Gese Ilse haft, die äußeren
Einf lüssen geg enüb er abge schl osse n is t, o ft z u Pes simis mus,
Irra tional ismu s und Autor itar ismu s neigt. Si cherl ich h at insbeso ndere die Gesc hichte des 20. Jahr hund erts geze igt, daß
Chau vinism us i n se iner ex trem sten For m zu m Sc hlimm sten, zu Totali tarism us u nd z u Unmen schl ichk eit führ t - zu Un terdr ückung,
Armu t, Düs tern is u nd Mani pula tion im poli tisc hen G emein wesen,
Wirt schaft und Kul tur, wo bei die erst en, die verni chtet werden, jene Inte llek tuellen sin d, d eren uto pisc he Tr äume sie anfang lieh a 11 d ies unterst ütze n li eß. Wir ken nen d ie Fo igen:
Mill ionen gefo Iter t, eing eker kert , hunger nd, unter drück t und
getö tet im Nam en d er Über lege nhei t dieser ode r jen er Na tion
oder Kultu r üb er a ndere. Cha uvin ismu s, j a, jede F orm d es extrem en Nat iona lism us, ist um so g efäh rlic her in di esem Nuklearze italte r, u nd d aher is t die Fö rder ung von mehr Offen heit
nur umso n otwe ndig er.
Die menschliche Natur hat ihre rationalen und irrationalen
Komponenten, aber die Vernunft ist es, die den Menschen über
das Tier hinaushebt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde
der Irrationalismus vom zivilisierten Menschen zu einem positiven Leitbild für persönliches und politisches Verhalten erhoben. Das Endergebnis - wir wissen es alle - war Unmenschlichkeit in noch nie dagewesenem Ausmaß.
Natürlich kann auch der Rationalismus verzerrt werden, um
als Entschuldigung bestimmter Verhaltensweisen zu dienen - wir
brauchen uns doch nur anzusehen, welche Folgen in menschlicher
Hinsicht die Bemühungen hatten, den wissenschaftlichen Sozialismus zu verbreiten. Sicher ist jedoch meiner Überzeugung
nach, daß eine Gesellschaft nicht gleichzeitig offen und totalitär sein kann, denn Offenheit fördert und ermöglicht rationale Entscheidungen, und eben diese Möglichkeit der freien
Entscheidung ist ja die Quintessenz der Demokratie.
Ich meine damit nicht, daß der Mensch nur ein rationales
Wesen ist oder daß Freud ein Scharlatan war, als er die nicht
rationalen Elemente der Persönlichkeit beschrieb. Freud
selbst sagte, "Zivilisation ist Unterdrückung", was für ihn
- 9 -

�für ihn bedeutete, daß die Zivilisation die Unterdrückung der
irrationalen Instinkte des Menschen nötig hat. Aber wenn das
Verhalten der Menschen nur von ihren Trieben bestimmt wird und
insbesondere, wenn sie infolgedessen nur ihren irrationalen
Impulsen Vorrang geben, dann sind nicht nur der Mensch selbst,
sondern auch Gesellschaft und Kultur die Opfer.
Ich bin dav on üb erzeu gt, d aß di e Nach teile autor itärer Regierung sformen, zumi ndest in d en en twicke lten Indust riestaaten, al le kurzf risti gen V ortei le, d ie sie für einige von Zeit
zu Zeit zu habe n seh einen , bei weit em übe rtref fen, u nd dies
gilt me iner Mei nung nach auch für d ie Ent wickl ungslä nder. Ich
kenne d as Argum ent, daß d ie De mokra tie ni cht g edeihe n kann,
wenn ei n Land zu arm , zu unter entwi ekelt und e thnisc h oder religiös zu sehr gespa lten ist. Eini ge ame rikan ische Theoretiker der Entwick lungs polit ik ha ben - beson ders im Hin blick auf
Afrika - sogar von d en Vo rteil en de r "Entwickl ungsdi ktaturen"
gesproc hen. Ab er wi e vie le Di ktatu ren ha ben s ich wa hrhaft
wirtsch aftlich entwi ekelt ? Besonde rs wen n man sie m it den
Staaten des Paz ifisc hen B ecken s, di e entw eder demokr atisch
sind od er diese s Zie1 ver folge n, od er mit Bras ilien und Argentinien, die sie h ger ade e rst v on Mi litärh errsc haft b efreit haben, od er mit I ndien , der groß ten D emokra tie d er Wel t, vergleicht , dessen tech nolog ische n For tschri tten im Wes ten viel
zu weni g Aufmer ksamk eit g esche nkt w urde.
In der entwick elten Welt schei nt die Sache ebenso klar zugunste n der Demokr atie entsch ieden zu se in. Be trachte n Sie
das Ni veau an Wohl stand , Freiheit und ku lturell en Leis tungen
in den demo kratisc hen I ndustr iesta aten i m Vergl eich zu den
Staate n Ost europas . Natürlic h sin d kult urelle Leistun gen auch
Denk en Sie
in aut oritä ren ode r totalitär en St aaten möglich
nur an Tols toi und Dost ojewsk i ode r, heu te an S olschen izyn und
Sachar ow. In demo krati sehen Staat en sin d die k ulturel len Leistunge n jed och dyn amisc her un d dif ferenz ierter. Hier können
wir un s an der gan zen V ielfal t der Kultu r erfre uen, un d wir
können dies tun, w ann u nd wo es un s gefä 11t. D iese ku lturelle
Wahlfr eihei t bildet einen int egral en Bes tandtei 1 unser er Freiheiten
Es gibt einen speziellen Aspekt der Kulturkritik in demokratischen Industriestaaten, dem heute Aufmerksamkeit geschenkt werden muß: den Angriff auf die Massenkultur und die
Behauptung, daß die Natur und der Ursprung der Massenkultur
spezifisch amerikanisch sind.
Ich brauche dazu nur zweierlei zu sagen. Erstens fördert
eine offene, pluralistische und vielfältige Gesellschaft notwendigerweise das Wachstum von Massenkultur und Hochkultur
gleichermaßen. Ein autoritäres System unterdrückt die erstere
und strebt nach Manipulierung der letzteren.
Autoritäre Systeme
- 10 -

�Autoritäre Systeme stehen unter dem Zwang, Kultur zu manipulieren, um sie als Instrument zur Mobilisierung politischer
Unterstützung ihres Systems zu benutzen und alle Aspekte der
Kultur oder der Politik zu unterdrücken, die ihrer Meinung
nach dieses Ziel beeinträchtigen. Deshalb wird die Öffentlichkeit manipuliert und werden jene, die kulturelle Leistungen hervorbringen, als Instrumente der Manipulation benutzt.
Ein Zwe ites ko mmt h inzu: Ma g man a uch mi t einig en El ementen der Mas senkult ur ni cht über einstim men, s o wäre doch niemand von un s willens, a uch nur einen T eil un serer k ultur ellen
Frei heit an eine A utori tat abzu geben, die da rüber e ntsch eiden
würd e, was in der Masse n- als a uch der Hochk ultur g ut un d
schl echt is t. Ein gewi sses Maß an sog enannt er schl echte r Kultur ist ein kleine r Pre is für k ulturel len PI uralism us, k ultureile n Dynam ismus u nd de n Schutz unsere r wich tigen F reihe it.
Auße rdem be nötigt und e rzeugt jeder Ve rsuch, Kultur zu u nterdrüc ken ode r zu ma nipul ieren, s ei es d ie Kul tur der Mass e oder
die der Eli te, unv ermei dlich di e Art v on Mac ht, die imme r korrump iert un d deren Gebr auch imm er auf Kosten der pe rsönl ichen
Frei heit ge ht.
Hochkultur - das Beste an Literatur, Kunst und Musik kann von der Massenkultur nicht zerstört werden. Im Gegenteil
gedeiht Hochkultur am besten dort, wo sich all das entfalten
kann, was in der Massenkultur zum Ausdruck kommt. Denken Sie
wiederum an die Geschichte. Athen brachte mehr hervor als
Sparta. Die Renaissance begann in der Vielfalt der italienischen Stadtstaaten. Shakespeare schrieb über das Volkstheater. Ein Höhepunkt in Deutschlands weltweiter kultureller Führungsrolle wurde während der Weimarer Republik erreicht. Gewiß steht die Hochkultur in Deutschland und in Amerika heute
in Blüte: In Theater und Musik in Deutschland und in Kunst,
Musik und Ballett in den Vereinigten Staaten.
Natürlich möchte ich Kultur nicht nur auf die Geisteswissenschaften beschränkt sehen. Im Gegenteil, die heute in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie erzielten Fortschritte sind atemberaubend in ihrer Geschwindigkeit und revolutionierend in ihren Auswirkungen. Die Universität Heidelberg und das Land Baden-Württemberg sind in dieser Hinsicht
immer führend gewesen, und dies trifft heute mehr denn je zu.
Sie sind besonders führend in der Mikroelektronik und Biotechnik, zwei Spezialgebieten, die für die Revolution der
Hochtechnologie entscheidend sind. Kann man dasselbe auch von
einer Gesellschaft ohne Pluralismus sagen?
Wie wird also das Schicksal von Kultur, und besonders von
Hochkultur, in unserem Zeitalter des schnellen technologischen
Wandels aussehen? Kulturpessimisten erklären schon, daß ihr

�daß ihr Schicksal fast katastrophal sein wird, weil die Massenkultur von den elektronischen Medien so weit verbreitet
wird, daß die Hochkultur in der Flut von Fernsehprogrammen,
Filmen und Videobändern ertrinken werde.
Eine solche Ansicht ignoriert die Vorzüge des heutigen und
zukünftigen Kommunikationswesens. Die Technologie zum Beispiel, die für das Kabelfernsehen und direkte Satellitenübertragungen verwendet wird, hat zu größeren Möglichkeiten der
Diversifizierung, Stärkung und Erhaltung sowohl der Massenais auch der Hochkultur geführt. Heute sind wir in der Lage,
Programme live von anderen Kontinenten zu sehen. In Nordamerika hat man durch das Kabelfernsehen die Wahl zwischen 50 bis
60 Kanälen; und obwohl es stimmt, daß viele dieser Programme
nicht die höchsten Ansprüche befriedigen, würden viele andere
wiederum jegliche Definition von Hochkultur erfüllen. Niemals
zuvor hatten so viele die Möglichkeit, die Vielfalt kulturellen Lebens zu ermessen. Niemals zuvor wurden Oper, Ballett
und klassische Musik von so vielen Menschen gesehen und gehört. All dies stärkt und bewahrt das Beste an internationaler Kultur. Mehr noch, es führt zu offeneren Gesellschaften;
offen nicht nur für Entwicklungen innerhalb einer Gesellschaft, sondern für solche in anderen Kulturen. Der Endeffekt
dieser Offenheit besteht in der weiteren Demokratisierung unserer Gesellschaften.
Wie die Erfahrung des Fernsehens zeigt, kann dieses ein
Instrument zur Übertragung sowohl von Eliten- als auch von
Massenkultur werden. Technologie und Kommunikationsmittel an
sich sind wertfrei. Ich glaube, daß eine stabile, gesunde demokratische Gesellschaft, die von kulturellem Pluralismus erfüllt ist, voll in der Lage ist, sowohl die kulturellen als
auch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer sich schnell verändernden Zeiten zu bewältigen. Goethe hat es treffend ausgedrückt: "Nur der verdient
sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß."
Es war diese Aufgabe, der Jacob Gould Schurman einen so
großen Teil seines Lebens widmete. Als amerikanischer Botschafter in Deutschland vertiefte er sich mehr denn je in alle
Aspekte deutschen Lebens, selbstverständlich unter Einschluß
der deutschen Kultur, die während seiner Studienzeit hier einen so tiefgehenden Einfluß auf ihn ausgeübt hatte. Darauf
verwendete er im Lauf der Zeit einen nicht unbeträchtlichen
Teil seines Vermögens. Er nahm aktiv an der Durchführung des
Dawes-Plans teil, mit dem die Führung der amerikanischen Wirtschaft Deutschland half, sich von den verheerenden Wirkungen
des Ersten Weltkrieges zu erholen. Sein enges persönliches
Verhältnis zu Ihrem großen Außenminister Gustav Stresemann
trug zu den Verhandlungen über den Briand-Kellogg-Pakt bei.
- 12 -

�Briand Kellogg-Pakt bei. Er sprach an vielen deutschen Universitäten sowie mit Universitätslehrern seines eigenen Landes
und förderte das Verständnis unserer Länder füreinander.
Ich bin mir sicher: Wäre er noch am Leben und heute hier
unter uns, er wäre überglücklich, daß sein geliebtes Heidelberg wieder seine angestammte Rolle im geistigen, kulturellen
und wissenschaftlichen Leben spielt, daß das Gebäude, das erst
durch ihn ermöglicht wurde, Generationen von Studenten - amerikanische wie deutsche - beherbergte und daß die Universität
alles tut, um ihre Büchersammlung zum Thema amerikanische Geschichte in einer Bibliothek zu erweitern, die seinen Namen
trägt.
Und ich bin sicher: Er wäre mit mir einer Meinung, daß
die engen Bande zwischen unseren beiden Ländern sich nicht nur
auf die gemeinsamen Sicherheitsinteressen gründen - so wichtig
diese auch sind -, sondern auf die gemeinsamen kulturellen
Werte und die gemeinsame demokratische Überzeugung.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'VOM**

12. Februar 1986

REAGAN: WIRTSCHAFTLICHE STABILITÄT WIRD WACHSTUM STÜTZEN
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -

- WASHINGTON - (AD) - In seinem Wirtschaftsbericht an den
Kongreß vom 6. Februar 1986 verkündete der amerikanische Präsident Ronald Reagan, daß die Ziele seiner Politik sich auf
eine "Verpflichtung zu wirtschaftlicher Stabilität als Schlüss^lbeitrag zu anhaltendem Wirtschaftswachstum", auf stabile
Preise, abnehmende Zinssätze und ein Nachlassen der Arbeitslosigkeit gründen.
"Unsere längerfristigen Planungen basieren auf der Annahme, daß eine solide Wirtschaftspolitik weiteres Wachstum fördern wird und der Wirtschaft die benötigte Flexibilität bietet, um auf äußere Störungen zu reagieren."
Der Präsident brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, daß
das Bruttosozialprodukt sich bis einschließlich 1988 jährlich
um 4 Prozent erhöhen wird. Von 1989 bis 1991 wird dann eine
leichte Abnahme des Wachstums angenommen.
Im Hinblick auf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Hinblick auf die Reduzierung des Haushaltsdefizits
schreibt der Präsident, der Schlüssel zu diesem Problem liege
in der Vermeidung unnötiger öffentlicher Ausgaben, welche die
private Vermögensbildung verringerten und das Wirtschaftswachstum behinderten.
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Seit Beginn der Regierungszeit dieser Administration bestanden die Hauptziele unserer Wirtschaftspolitik in der Erzielung eines starken, anhaltenden und nichtinflationären
Wachstums und der Erweiterung der wirtschaftlichen Möglichkeiten für alle Amerikaner. Um diese Ziele zu erreichen, haben
wird eine Politik verfolgt, die auf längere Sicht im besten
Interesse dieser Nation ist.
Der Nutzen dieses Ansatzes ist heute offenkundig. Die
Wirtschaft befindet sich im vierten Jahr eines soliden Aufschwungs, durch den die Möglichkeiten für alle Amerikaner drastisch erweitert wurden. Millionen neuer Arbeitsplätze wurden
geschaffen. Neue Investitionsmöglichkeiten taten sich auf.
Der Lebensstandard ist gestiegen. Überdies wurden diese Erfolge ohne einen erneuten Anstieg der Teuerungsrate erzielt.
Wir sind der Fortführung und Ausweitung einer Politik verpfli chte t, die private Investitionen und Innovationen ermutigt , welche diesem Aufschwung zugrunde liegen. Wir werden
weit erhi n ein unnötiges Anwachsen der Staatsausgaben und ungerech tfer tigte Einmischung in die Privatwirtschaft ablehnen,
Ein fort dauerndes, starkes Wirtschaftswachstum beruht hauptsäch lieh darauf, daß man dem Funktionieren des marktwirtscha ftli chen Systems möglichst freien Lauf läßt. Freie Märkte
biet en g eeignete Anreize zu arbeiten, zu sparen und zu investie ren, und sie stellen sicher, daß den Interessen der Konsument en R echnung getragen wird.
Dies e grundlegenden Prinzipien waren Teil unseres Program ms d er wirtschaftlichen Erholung von 1981 und haben das
Prog ramm für Wachstum und wirtschaftliche Möglichkeiten meiner
zwei ten Amtszeit bestärkt. Diese Programme bieten keine adhoc Lösu ngen. Vielmehr basieren sie auf der dem System der
frei en M arktwirtschaft innewohnenden Fähigkeit, Ressourcen effizi ent zu verteilen und wirtschaftlichen Wohlstand zu förd e m . Die grundsätzliche Verantwortung der Bundesregierung
soll te i n der Bereitung eines stabilen Rahmens bestehen, innerh alb dessen Menschen wirtschaftliche Entscheidungen treffen
- 2 -

�Entscheidungen treffen können und nicht darin, ihnen diese
Entscheidungen abzunehmen. Zu diesem Zweck bestand unser erstes Programm aus den folgenden vier grundlegenden Elementen:
- Verringerung des Wachstums der staatlichen Ausgaben,
- Reduzierung der Besteuerung von Privathaushalten und Unternehmen ,
- Abbau eines Übermaßes an Reglementierung und
- Förderung eines stabilen und moderaten Geldwachstums.
Der gegenwärtige Aufschwung
Der Erfolg unserer Politik ist nun offensichtlich. Obwohl
sich 1985 das Wirtschaftswachstum im Vergleich mit den starken
Jahren 1983 undd 1984 etwas verlangsamt hat, hat sich der Aufschwung trotzdem in ermutigendem Tempo fortgesetzt. Bis jetzt
hat er schon vier Monate länger gedauert, als der durchschnittliche Aufschwung in Friedenszeiten seit dem Zweiten
Weltkrieg. Wenn dieser Aufschwung, wie erwartet, bis Ende
1986 anhält, wird es der drittlängste der Nachkriegszeit sein.
Die ser A uf schwun g wa r du rch u ngewo hnlic h höh e Real investitionen in Fa brik en u nd M asch inen chara kteri siert , die auf unserer e rfolg reic hen Infi atio nsbek ämpfu ng un d uns erer S teuerpolitik beru hen, wel che die Inves titio nstät igkei t stim uliert
haben, Die real en U nter nehm ensin vesti tione n hab en fas t zweimal so viel zum Anwa chse n de s rea len B rutto sozia lprodu kts
(BSP) i n die ser Aufs chwu ngph ase b eiget ragen , wie dies normalerweis e in Aufs chwu ngpe riod en de r Nac hkrie gszei t der Fall gewesen i st; a ls T eil des real en BS P sin d sie groß er als jemals
nach de m Kri eg. Meh r In vest ition en in den Verei nigten Staaten
bedeute n nie ht n ur e ine stär kere Wirts chaft heut e, son d e m
auch hö here Prod ukti vitä t un d die Mögl ichke it fü r sehn eueres
Wachstu m mor gen.
Das starke Anwachsen der Beschäftigung stellt ein weiteres
herausragendes Element dieser wirtschaftlichen Erholung dar.
Seit dem Ende der letzten Rezession im November 1982 hat die
Wirtschaft der Vereinigten Staaten über neun Millionen neue
Arbeitskräfte eingestellt. Außerdem fiel die Teuerungsrate
von 10,6 Prozent im November 1982 auf 6,9 Prozent im Dezember
1985. Trotz dieser dramatischen Verbesserungen werden wir uns
jedoch nicht zufriedengeben, bevor nicht alle amerikanischen
Arbeitskräfte Arbeitsplätze zu Löhnen finden können, die ihren
Qualifikationen angemessen sind.
Als wir unser

�Als wir u nser Progr amm der wirtsc haftl ichen Erho lung starteten , waren wir s icher , daß eine fin dige, flex ible Wirts chaft
ohne die Bela stung durc h übert riebene Regi erung seinm ischu ng
neue Arbeitsp lätze scha ffen wü rde. G leich zeiti g war en wi r davon ü berzeugt , daß ein gezügel tes Gel dwach stum die I nflat ionsrate reduzier en wü rde. Unser Optimis mus w ar be recht igt. Die
Infla tionsrat e bet ragt heute w eniger als e in Dr ittel derjenigen v on 1980. Wäh rend dieses Aufschw ungs hat s ich d ie In flation auf ihre m nie drigs ten Niv eau sei t übe r einem Ja hrzeh nt
beweg t - trot z des unge heuren Beschäf tigun gsans tiegs , den die
Wirts chaft er zeugt hat. Als t eilweis es Er gebni s der verm inderte n Teueru ngsra te si nd die Zinssät ze - beson ders dieje nigen
für 1 angfrist ige K redit e - das ganze Jahr 1985 hindu rch g efallen u nd errei chten Ende des Ja hres ih r nie drigs tes N iveau seit
sechs Jahren.
Unser e Erfolge bei der I nflation sbekäm pfung habe n man che
überrasch t. Als in den sieb ziger Ja hren d ie Te uerun gsrat e anwuchs, ve rschuld eten si ch ei nige Unt ernehm en un d Pri vatle ute,
um Vermög enswert e in der Erwartung z u erwe rben, daß das d urch
diese Ver mögensw erte pr oduzi erte Ein kommen mit der I nflat ion
steigen w ürde, w ährend die w irkliche Last des S chuld endie nstes
abnehmen würde, Mit de r Abnahme der Teuer ungsr ate s tieg jedoch die wirklic he Bela stung durch d en Seh ulden diens t an, während das von den meiste n Ver mögenswe rten p roduz ierte Eink ommen
abnahm, Diese K ombinat ion v on Ereig nissen hat einig e Fin anzinstitute in den Verein igten Staaten belas tet. Gefa llene Einkommen in der La ndwirts chaft haben d ie Fäh igkei t ein iger Bauern zur Z ahlung der Zin sen a uf Darle hen ge schmä lert. Gle ichermaßen hatten viele wenig er entwi ekelte Land er Sc hwier igkeiten be i der R ückzahl ung v on Kredi ten an Fina nzins titut
den Verei nigten Staaten . Die Beiast ung, d ie vo n dem uner e in
wünschten Anwach sen der Infi ationsra te und ihre m erw ünsch ten,
aber uner wartet schnell en Ab sinken f ür das Fina nzsys tem d er
Vereinigt en Staa ten ver ursac ht wurde , beweist d ie Wi chtig keit
der Erzie lung un d Erhal tung langfris tiger Preis stabi lität
Amer ikas Zuvers icht hinsic htlic h grö ßere r wirtschaftlicher
Chancen wird von Un tern ehmen u nd Ei nzelp erso nen auf der ganzen
Welt get eilt. Die Vere inigten Staa ten s ind und blei ben eines
der weni gen g roßen Einw anderer lande r ; au ch h ierin sp iegelt
sich die Fähi gkeit der Wirtsch aft w ider, wir tschaftl iche Chancen zu e röffn en. I m Ve rlauf d er ge genwä rtig en Expan sion haben
gewinnbr ingen de Gel danl agemögl ichke iten in d en Verei nigten
Staaten auch auslän disc hes Kap ital angez ogen , was zu einem
schnelle n Inv estiti onsa nstieg beige trage n ha t. Der ausländische Ka pital zufluß wei st auf eine stark e Wi rtschaft hin. In
dem Maß, in d em sie h au ch ande re St aaten mar ktorient ierten
Strategi en zu wenden und übermä ssige Regi erun gsausgab en, Besteuerun g und starr e St rukture n zu besch rank en suche n, schaf-

�suchen, schaffen sie gleichfalls steigende Anlagemöglichkeiten, die weiteres Wachstum und härtere Währungen mit sich
bringen, da mehr Kapital in ihre Wirtschaft fließt.
Die Aussichten der Wirtschaft
Viele F akto ren weis en a uf ein Anha lten der augenb lick
lieh en Expa nsio n hi n. Die wirtsch aftl ichen Bed ingung en s tellten sich ge gen Ende des Jah res 198 5 positiv er d ar als zu Jahresb eginn u nd w erde n si eh a H e r Wa hrsc heinl ichk eit na ch n och
weit er verb esse rn. Der Gel dmengen zuwa chs i m ve rgange nen Jahr
pass te sich har moni seh dem Wirtsc haft swach stum an. Die
Haup t-Wirts chaf tsin dika tore n sind in e lf de r ve rgange nen zwölf
Mona te gest iege n. Die Lage rbestän de s ind v ergl eichsw eise
nied rig und die Pro dukt ion sollte mit steig ende n Verk äufe n anwach sen, um die lee ren Lage r aufzu füll en. Die Zinssä tze sind
weit er gefa llen ; dadurc h so U t e zu sätz liehe Kau fkraft fre iwerden. Darüb er h inau s sind b islang kein e der War nsigna le, die
ahrnorm alerwei se d as E nde eine r Expan sion sphas e ei nläute
geno mmen wo rden . Wir s ind daher z uver sieht lieh , daß die augenb licklic he E xpan sion noc h bis E nde des J ahre s 1986 and auern
wird
Wir e rwar ten e inen weiteren Anstieg des Bruttosozialprodukt es vo n 4 Proze nt im Jahr 1986, der auch in den Jahren 1987
und 1988 anha lten wird, um zwischen 1989 und 1991 schrittweise
abzu sinke n, w enn d ie Wirtschaft ihren langfristigen realen
Wach stums tren d ere ichen wird. Angesichts der Währungs- und
Wech selku rsen twick lungen des vergangenen Jahres erwarten wir
in d en Ja hren 1986 und 1987 ein leichtes Ansteigen der Inflation . Wenn jedoch die Notenbank ihrem Ziel treu bleibt,
Prei sstab ilit ät zu erzielen, ein Ziel, das ich uneingeschränkt
befü rwort e, s ollte der Abwärtstrend bei der Inflation nach einige n Jah ren wiede r einsetzen.
Veränd erte Ums tänd e, u denen auch ein e fal sehe Währ ungsund Steuer politik zähl en, können jede Expa nsion zu einem frühen und un erwartet en E nde bringen . Unser länge rfri stige n Pläne b eruhen auf der Ann ahme , daß eine s tabi le Wi rtsc hafts politik anhält endes Wi rtsc haft swachst um mi t si ch br inge n und auch
die notwen dige Fle xibi litä t für d ie Wi rtsc haft scha ffen wird,
um a uf Stö rungen v on a ußen zu rea giere n. Das Z iel unser er politi sehen Bemühung en s pieg elt die se Ve rpfl ichtu ng z u wir tscha ftlich er Stabi litä t wi der als dem wich tigst en B eitra g zu
anha ltende m Wachst um, stab ilen Pr eisen , fallend en Z inssä tzen
und zurück gehender Arb eits losigke it. Das ameri kani sehe Volk
hat das Re cht, sol che Erge bnisse zu er wart en un d wi r hof fen
dara uf, mi t Hilfe des Kong resses und d er B undes bank dies e auch
weit erhin zu erzie len.
Die Rolle der

�Die Rolle der Regierung in der Wirtschaft
Be i der Ausf ormul ierung unseres Prog ramms für eine gesunde
und an halte nde w irtsc haftli che Expa nsion wäre n wir uns auch
der be schrä nkten Roll e bewu ßt, die die R egier ung s piele n sollte. D ie Bu ndesr egier ung ka nn keine n Woh lstan d und kein allgemeines Wirt schaf tswac hstum garantie ren; sie k ann 1 edigl ich
privat e Initiati ven, Innova tionen u nd un terne hmeri sehe Aktivitäten forde rn, d ie ne ue wir tschaftl iche Mögli chkei ten s chaffen. Eine überm äßig aktive Regieru ng be hinde rt de n wir tschaft liehe n For tschr itt. Die staa tlich en Au sgabe n abs orbieren je ne Mi ttel, die vom Pr ivatsekt or be sser genut zt we rden
könnte n. E ine ü bermä Oige B esteueru ng ve rzerr t Pre isver hältnis
und Ka pital verzi nsung . Durch die w illkü rlich e Mit telzu Weisung
wird d ie Wa chstu msfäh igkeit der Wir tscha ft be hinde rt. Daher
besteh t der best e Weg für d ie Regie rung, das Wachs tum z u fürd e m , darin , die Grün dlage einer st abile n, vo rhers ehbar en
Wirtsc hafts polit ik zu schaf fen, um sich dann zurüc kzuzi ehen
und de m seh öpfer ische n Pote ntial de s amerikan ische n Vol kes den
Vorran g zu lasse n.
Der Bundesregierung fallen einige klarumrissene Verantwortlichkeiten zu, denen sich meine Administration auch weiterhin stellen wird. Die erste besteht darin, eine angemessene nationale Verteidigung aufrechtzuerhalten. Der Weltfrieden
und die Weltsicherheit verlangen von den Vereinigten Staaten
als dem Führer der freien Welt, ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Verteidigung ihrer eigenen nationalen Sicherheit unter Beweis zu stellen und zur Verteidigung ihrer Verbündeten
beizutragen.
Darüber hinaus werden wir auch die weniger Begünstigten in
dieser Gesellschaft nicht vergessen. Meine Administration
stellt weiterhin ein entsprechendes Sicherheitsnetz für all
jene zur Verfügung, die Hilfe brauchen. Gleichzeitig arbeiten
wir daran, eine starke, kraftvolle, neue Möglichkeiten schaffende Wirtschaft aufzubauen, die der arbeitsfähigen Bevölkerung sinnvolle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen kann. Die
wirtschaftliche Expansion hat viel mehr zum Abbau der Armut
getan als irgendein staatliches Hilfsprogramm. Der beträchtliche Rückgang des Prozentsatzes der armen Bevölkerungskreise
im Jahr 1984 zeigt sowohl den Erfolg unseres Programms als
auch die Stärke unserer Wirtschaft. Darüber hinaus wird die
Steuerreform die arme erwerbstätige Bevölkerung begünstigen.
Die von mir vorgeschlagenen Steuerreformen befreien diese Bevölkerungsgruppe von der Last der Einkommensteuer des Bundes.
Schließlich gibt es einige spezielle Fälle, wie zum Beispiel die Verschmutzung der Luft und des Wassers, bei denen
möglicherweise die Marktmechanismen allein unzureichend sind,
- 6 -

�unzureichend sind, obwohl wir glauben, daß der Markt in der
Regel seine Mittel am wirksamsten verteilt. In diesen Fällen
ist das Eingreifen der Regierung notwendig, was aber auf
marktorientierten Prinzipien beruhen sollte. Zum Beispiel hat
die Behörde für den Umweltschutz einem Arrangement zugestimmt,
bei dem Firmen, die ihre Emissionen unter den festgesetzten
Grenzwerten halten, zinsgünstige Darlehen bekommen, die sie
dann an andere Firmen weitergeben können, die sich bei der
Emissionskontrolle höheren Kosten gegenübersehen. Auf diese
Art und Weise wird die Qualität unserer Umwelt erhalten, während die Kosten sinken, die bei der Einhaltung der Vorschriften entstehen.
Kontrolle der Bundesausgaben
Die E rfüll ung diese r begrenzte n Ve rant wort lichk eiten verlangt jed och n icht das Ausmaß bzw. den Zuw achs der Bundes ausgaben, di e das Lan d bis lang e riebt hat . Trotz all unsere r Bemühungen sind die Ausga ben zu hoch und sin d ei ner d er Hau Ptgründe fü r das gro ße Ha ushalt sdef izit. Ni cht Steue rsenku ngen
brachten diese s große D efizit mit sich , im Geg entei 1: die momentanen Steue rein nähme n bild en de nsel ben Ante il de s Bruttosozialpro dukts wie in d en spa* ten s iebz iger Jah ren, auch n ach
der 1981 von u ns e ingel eitete n Sen kung der Ste uersä tze. Der
Schlüssel zur Lösu ng de s Defi zits im B unde shau shalt ist d ie
Einschrän kung der unnöt igen A usgab en. Die Ausg aben, nicht das
Defizit, sind der eigen tliche Indi kato r der Re gieru ngskos ten,
weil sie ja di e Su mme a 11 der Mitt el s ind, die vom Privat sektor abgez weigt wer den. Uberh öhte Ausg aben gre ifen die Wi rtschaft in schä dige nder Art un d Weise a n, u nabh ängig davon , ob
sie durch Steu ern, Schu lden o der I nfla tion fin anzie rt wer den.
Die Bildu ng vo n Pr ivatv ermöge n wir d einges chrä nkt, die Ge ldmittel si nd un rati onell verte ilt u nd d amit wir d das Wirtschaftswa chstu m ge dross elt.
Ich begrüße und unterstütze das neue Gesetz über einen
ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle von 1985, gemeinhin
als Gramm-Rudman-Hollings bekannt, als einen Weg, in Zusammenarbeit mit dem Kongreß die Bundesausgaben und das Defizit zu
verringern. Ich beabsichtige, in jedem der folgenden Jahre
Haushaltsentwürfe vorzulegen, die den im Gesetz angegebenen
Zielen zur Begrenzung des Defizits gerecht werden, nicht etwa
durch Verzicht auf die Programme, die für die Nation von entscheidender Bedeutung sind, sondern indem die Programme geändert oder abgeschafft werden, die nicht wichtig oder nicht
leistungsfähig genug sind. Ich lehne den Vorschlag höherer
Steuern ab. Höhere Steuern wären nur ein Anreiz zu höheren
Bundesausgaben und würden die Fähigkeit der Nation zum Wachstum einschränken.

�Gramm-Rudman-Hollings genügt nur einem Teil der langfristigen Zielsetzungen bezüglich der Verantwortung der Regierung
für den Haushalt. Bei richtiger Anwendung wird dabei bis 1991
ein ausgewogener Haushalt herauskommen, aber dananch garantiert es keinen fortgesetzten ausgewogenen Haushalt mehr. Wir
müssen unser Augenmerk auf einen Anhang zur Verfassung richten, der ständig für ausgewogenen Haushalt sorgt. Diese beiden Maßnahmen werden zusammen den ordentlichen Übergang zu einem ausgewogenen Haushalt ermöglichen, die Bundesausgaben einschränken und sicherstellen, daß zukünftige Haushaltsentscheidungen im Sinn der nationalen Interessen liegen. Deshalb befürworte ich auch weiterhin die Annahme eines Anhangs zur Verfassung für einen ausgewogenen Haushalt. Außerdem strebe ich
ein Gesetz an, das dem Präsidenten ein selektives Vetorecht
bei den Zuteilungsmaßnahmen erlaubt. Ein solches Recht ist
unerläßlich, um sicherzustellen, daß nur leistungsfähige und
wichtige Regierungsprogramme finanziert werden.
Steuerreformen
über die Jahre hinweg hat die fortgesetzte Änderung des
Bundessteuerrechts zu einem komplexen Steuersystem geführt,
das viele Schlupflöcher enthält und künstlich einige Aktivitäten auf Kosten anderer begünstigt. Darüber hinaus hat die Inflation der siebziger Jahre das gesamte System der Kapitalversteuerung verzerrt, die persönlichen Einkommen in immer höhere
Steuerklassen verschoben und so der Spar- und Investitionstätigkeit entgegengewirkt. Unsere Maßnahmen zur Steuersenkung
haben viele dieser Verzerrungen und Ungleichheiten beseitigt.
Die Einkommenssteuersätze wurden heruntergesetzt und der Inflationsrate angepaßt; die effektiven Steuersätze auf neue Investitionen wurden beträchtlich gesenkt. Es muß jedoch noch
mehr getan werden.
Im Mai 1985 habe ich dem Kongreß eine umfassende Reform
des Steuerrechts vorgelegt, um dieses einfacher, fairer und
dem Wirtschaftswachstum dienlicher zu machen. Ich habe vorgeschlagen, die Grenzsteuersätze für Betriebe und Einzelpersonen zu senken, die Besteuerungsbasis zu erweitern, indem so
viele bestehende Schlupflöcher wie möglich verstopft und die
jeweiligen Aktivitäten einheitlich besteuert werden, damit
Geldmittel entsprechend des wirtschaftlichen Vorteils, nicht
aber aufgrund von Steuerüberlegungen eingesetzt werden; außerdem sollen die bestehenden Auswirkungen der Inflation auf die
Kapitalertragssteuer aufgehoben bzw. Ersatz dafür geschaffen
werden. Kurz vor der Parlamentspause hat das Repräsentantenhaus ein Gesetz zur Steuerreform verabschiedet, das einige dieser Prinzipien enthält. Trotz beträchtlicher Unterschiede
zwischen meinem Vorschlag und diesem Gesetz habe ich seine

�ich seine Durchführung angeregt, um den Gesetzgebungsprozeß
voranzutreiben. Wir werden nun gemeinsam mit dem Senat daran
arbeiten, ein faires und einfaches Steuerrecht hervorzubringen, das für die Familie ist, neue Arbeitsplätze und neues
Wachstum schafft.
Beseitigung kontraproduktiver Reglementierungen
Die Steuerr eform ist nur ein T eil un sere s Ziels , die Märkte in d ie Lage zu ve rsetzen, bei d er Ver teil ung der Mitt el eff izienter zu fu nktio nieren. Wir h aben a uch erhebli che A nstrengu ngen unt ernom men, um die st aatlic hen Regleme ntier ungen
herausz ufinden und z u beseit igen, die da s Ma rktgesc hehen behindern , den Wettbew erb beei nträch tigen oder den Fi rmen unnötige Ko sten bzw . den Verbrau ehern unnöti g ho he Prei se au fzwingen. D ie Regul ierun g der Öl preise im In land stellt ein gutes
Beispie 1 der nachtei ligen ök onomis chen A uswi rkungen dar, die
die Reg ulierung dadu rch hat, daß s ie Pre isre latione n ver zerrt
und die notwend igen Anpassun gsbewe gungen ver hindert . Die Ergebniss e der vo n mir im Janu ar 198 1 betriebe nen Fre igabe der
Olpreis e werden jetz t deutli eh. D ie Öle infu hren gi ngen zurück
und die OPEC is t nieht mehr instan de, ih re b isherig en ho hen
Preise aufrecht zuerh alten. Demgeg enüber lei det der Mark t für
Erdgas noch imm er un ter den durch die Pr eisk ontroll en ve rursachten Verzerr ungen . 1983 drängte n wir den Kongreß erfo iglos,
die Pre ise für Erdga s freizugeben, Wir werd en erne ut ei nen
Anlauf unterneh men, um zu Ge setzen zu ko mmen , die die Pr eise
für Erd gas voll stand ig freig eben. Außer dem schlage n wir eine
weitere Deregul ierun g im Ber eich d es Fer nver kehrs v or.
Uns ere Anstrengungen zum Abbau staatlicher Eingriffe werden sie h auch weiterhin ganz besonders auf zwei Wirtschaftsbereiche konzentrieren. Erstens bestehen im Bankenund Kreditwesen noc h immer Bestimmungen und Darlehensgarantien, die zu
Willkür licher Kreditvergabe führen und die Fähigkeit des Systems b eeinträchtigen, sich den wandelnden wirtschaftlichen
Bedingu ngen anzupassen. Zwar müssen wir auch weiterhin die
Öffentl ichkeit vor schwerwiegenden ökonomischen Störungen
schütze n, doch sollten wir den Finanzinstitutionen auch großere Frei heit dabei lassen, selbst die Zusammensetzung von Soll
und Hab en festzulegen, damit sie beweglicher auf die Veränderungen reagieren können, denen sie sich gegenübersehen.
Zweitens gibt es auch in vielen landwirtschaftlichen Märkten erhebliche staatliche Einmischung. Die als Lösungen gedachten staatlichen Maßnahmen haben die Anreize so verzerrt,
daß sie in Wirklichkeit einige der Probleme verursacht haben,
vor denen die Landwirtschaft jetzt steht. Die Gesetze, die
ich 1985 vorgeschlagen habe, dienten dem Zweck, die amerikan-

�die a merikan ische Land wirts chaft allmä hlich wieder dem freien
Markt zuzufü hren. Das vom Kongre ß End e 1985 verab schie dete
Geset z enthielt e inige der von mi r vorgeschl agenen Refo rmen,
ließ jedoch auch einig e der beste hende n poli tische n Ver fahren
beste hen, di e jet zt di e Lan dwirts chaft hemme n. In sbeso ndere
unter stützte es d ie ko ntrap rodukt ive s taatli che In terve ntion
in de r Milchwirts chaft , bei Expor tsubv ention en und den fortbeste henden kosts pieli gen V erzerr ungen des Z uckerm arkte s. Wir
werde n desha lb au ch kü nftig auf e ine w eitere Agrar refor m hinwirke n, die die s taatl iche Einmis chung in di ese Be reich e abbaut und die Mögl ichke iten für Ba uern verbes sert, erfol greich
auf d en Welt markt en zu konk urrier en.
Dienstleistungstransfer zum Privatsektor
Der Staat hat in imme r stä rker em Maß Diens tleistunge n an
sich gez ogen, die in Wirk lichk eit der Pr ivatse ktor mit g rößerer Effi zienz anb ieten ka nn. Um d ieses Proble m anzugehe n, habe ich e ine Arbei tsgruppe eing eset zt, di e untersucht, we lche
öffentli che Funkt ionen wi rksam in den Pr ivatse ktor zurüc kgeführt we rden könn ten. Da s eben ve röffen tlicht e Budget e nthält
gleichfa 11s einig e Initia tiven zu diesem Berei ch. Diese Strategie ma cht es ni cht unbe dingt not ig, Di enstle istungen z u beseitigen , die derzeit der Staa t bietet. Vielm ehr wird d ie Alternativ e des Privatsekto rs au fgez eigt. Solch eine Strat egie
sichert das Vorha ndensein von Dien stleis tungen , die der Verbraucher fordert - nicht von s olch en, di e die Bürokraten dafür
halten. Außerdem führt s ie zu ein em eff izient eren und k ostengünstige ren Angeb ot diese r Dienstl eistun gen un d schafft oft
Behinder ungen des Wettbew erbs aus der We lt, di e durch den
Staat ge schaffen wurden.
Aufrechterhaltung von freiem und fairem Handel
Uns er St reben nach unbehinde rten M ärkte n be schränkt sich
nicht a uf di e inl ändisc he Wirtsc haft. Unse re H andelspol itik
im inte rnati onale n Bere ich stütz t sich fest auf die Grün dlage
freier und o ffene r Mark te. Die Vortei le ei nes freien Ha ndels
sind wo hlbek annt: Er b ringt meh r Arbe itspl ätze , einen produktiveren Eins atz d er Res sourcen e ines L andes , raschere In novation un d höh eren Lebens Standard sowohl für dies es Land a ls
auch fü r seine Ha ndelsp artner. Währen d ein e einseitige VerPflicht ung z u fre iem Ha ndel unse rem La nd zu gute kommt, g ewinnen wir Amer ikane r noch mehr dan n, wen n auc h di e Handels partner Arne rikas ihre Markt e öffnen. Mein e Adm inis tration w ird
dieses Ziel aktiv verfo Igen. Ei n wich tiger Tel 1 unseres Handelspro gramm s besteht d arin, ein e neue Rund e mu ltilatera ler
Im Rahme n de s GATT streben
Handels verha ndlun gen zu eröffnen
- 10

�GATT streben wir danach, die Handelspartner Amerikas in umfassende Verhandlungen einzubinden, die zu freierem Handel, verstärktem Zugang für amerikanische Exporte und einem stärkeren
internationalen Handelssystem führen sollen. Zur Ergänzung
dieser Initiative werden wir auch weiterhin die Möglichkeit
der Errichtung bilateraler Freihandelszonen mit einigen Handelspartnern der Vereinigten Staaten untersuchen.
Wir verfolgen das Ziel des freien Handels nicht blindlings. Wir sind zugleich auch um gerechten Handel bemüht, indem wir die geltenden Handelsgesetze mit Nachdruck anwenden.
Unfaire Handelspraktiken im Ausland schädigen die amerikanischen Exporteure und verringern weltweit den Lebensstandard;
das ist unannehmbar. In einem bisher noch nicht dagewesenen
Schritt habe ich gemäß Sektion 301 des Handelsgesetzes von
1974 den amerikanischen Handelsrepräsentanten ersucht, mit Untersuchungen von unfairen Handelspraktiken zu beginnen. Ziel
dieser Untersuchungen sind nicht Vergeltungsmaßnahmen seitens
der Vereinigten Staaten, sondern das Ziel sind offenere Märkte
im internationalen Rahmen. Wir hoffen, damit ein Signal zu
setzen, daß im System des Welthandels, der in immer grösserem
Mass von Wechselseitigkeit lebt, freier und fairer Handel eine
Verpflichtung für alle ist.
Das große Handelsdefizit, das mit dem derzeitigen Aufschwung einherging, hat unsere freie und faire Handelspolitik
vieler Kritik ausgesetzt - insbesondere seitens des Kongresses. Im Lauf des letzten Jahres wurden mehr als 300 protektionistische Gesetzesvorschläge eingebracht und erörtert. Obgleich die Bedingungen, die zu diesem Handelsdefizit geführt
haben, durchaus negative Auswirkungen auf einige amerikanische
Industrien hatten, so ist doch verstärkter Protektionismus
nicht die Lösung. Protektionistische Massnahmen haben wenig
Wirkung auf die Handelsbilanz und würden nur den Lebensstandard verringern und Mittel innerhalb der Volkswirtschaft auf
ineffiziente Weise umverteilen.
Unser Abkommen mit vier anderen grossen Industriestaaten
im September 1985 bedeutete die Einsicht, dass gewisse Änderungen im wirtschaftspolitischen Bereich in allen Ländern
(nicht nur in den Vereinigten Staaten) wichtig sind, um die
weltweiten Handelsungleichgewichte zu korrigieren und die Währungen wieder in eine Ordnung zu bringen. Zu diesem Zweck bekräftigten wir erneut unsere Verpflichtung, mit den Anstrengungen fortzufahren, das Haushaltsdefizit dadurch zu verringern, daß wir die Ausgaben als Anteil des BSP senken. Um dieses Ziel zu erreichen, drängten wir den Kongreß darauf, das
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz zu verabschieden. Ihrerseits
verpflichteten sich die Handelspartner Amerikas, eine Politik
zu verfolgen, die eigeninitiiertes Wirtschaftswachstum und da- 11 -

�und dadurch auch die Nachfrage nach amerikanischen Exporten
fördern. Diese politischen Zielsetzungen haben auch für die
weniger entwickelten Staaten Bedeutung. Ja, ein zentraler
Punkt der jüngsten Initiativen des Finanzministers zur Hilfe
bei der Lösung der Schuldendienstprobleme dieser Länder besteht darin, ihnen eine Politik zu empfehlen, die das Wachstum
fördert, die Inflation senkt und Zahlungsbilanzanpassungen ermöglicht.
Schlußfolgerung
Meine Administration ist sich der Verantwortung der Bundesregierung bewusst, das Wirtschaftswachstum und die Chancen
des einzelnen dadurch zu fördern, daß sie eine Politik betreibt, die zu einem Höchstmass an Arbeitsplätzen, Produktion
und Kaufkraft führt. Wir beabsichtigen, diesen Kurs mittels
einer Politik zu verfolgen, die auch weiterhin ein starkes,
anhaltendes und nichtinflationäres Wachstum fördert und allen
vermehrte Chancen im wirtschaftlichen Leben bietet. Wir werden uns auch weiterhin verstärkten staatlichen Eingriffen als
Mittel zur Lösung kurzfristiger Probleme widersetzen. Derlei
Eingriffe waren in der Vergangenheit erfolglos und würden
letztlich mehr Teil des Problems als der Lösung sein. Mit Zusammenarbeit und Unterstützung des Kongresses und der unabhängigen Behörden werden wir die Politik weiterverfolgen, die
notwendig ist, um den derzeitigen Aufschwung fortzuführen und
die Preise zu stabilisieren.

* * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'%r,oN *

12. Februar 1986

DIE HAUSHALTSVORLAGE PRÄSIDENT REAGANS
- Die wichtigsten Fakten -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Reagan dem Kongreß
zugeleitete Haushaltsvorlage sieht bedeutende Steigerungen bei
den Rüstungsausgaben und scharfe Reduzierungen bei einer Anzahl von Inlandsprogrammen vor.
Die Ausgabenkürzungen würden das projektierte Defizit um
38,2 Milliarden Dollar auf 143,6 Milliarden für das am 30.
September 1987 endende Haushaltsjahr verringern. Damit würde
das Defizit das laut dem Gramm-Rudman-Gesetz zum Ausgleich des
Haushalts für das Haushaltsjahr 1987 vorgeschriebene Ziel ein
wenig unterschreiten. Dieses Gesetz schreibt vor, daß das Defizit der Vereinigten Staaten etappenweise bis 1991 auf Null
zurückgeschraubt werden muß.
Der Vorschlag des Präsidenten möchte dies ohne Steuererhöhungen erreichen, denn: "Eine Steuererhöhung würde unseren
Wirtschaftsaufschwung gefährden und könnte sich im Hinblick
auf ihre Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv erweisen," wie Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft an den Kongreß vom 5. Februar verkündete.
Allgemeine Haushaltsdaten

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�Allgemeine Haushaltsdaten
Vorschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1987
Gesamtausgaben:
Gesamteinnahmen:
Defizit:

994,000 Milliarden Dollar
850,400 Milliarden Dollar
143,600 Milliarden Dollar

Zukünftige Haushaltsansätze
Die folgenden Haushaltstrends werden bis zum Jahr 1991
angenommen:
Gesamthaushalte
(in Milliarden Dollar)

Ausgaben
Einnahmen
Defizite
Überschüsse

1985

1986

1987

1988

1989

946,3
734,1
212,3

979,9
777,1
202,8

994,0
850,4
143,6

1026,8 1063,6 1093,8 1122,7
933,2 996,1 1058,1 1124,0
93,6
67,5
35,8

1990

1991

1,3

Ausgaben in Prozent des BSP
Im Zuge der Verringerung des Haushaltsdefizits gegen Null
wird der prozentuale Anteil der Bundesausgaben am
Bruttosozialprodukt (BSP) von 23,4 Prozent 1986 auf unter 19
Prozent 1991 zurückgehen.
Haushaltsanteil am BSP
(in Prozent)
1986
Einnahmen
Ausgaben
Defizit

18,5
23,4
4,8

1987
18,7
21,9
3,2

1988
19,0
20,9
1,9

1989
18,9
20,2

1,3

1990
18,8
19,5
0,6

1991
18,9
18,9
0,0

Bundesausgaben
Wenn der Kongreß alle Empfehlungen des Präsidenten annimmt, wird der Gesamtbundeshaushalt im Haushaltsjahr 1987 lediglich um 1,4 Prozent steigen, während die Steigerungsraten
1986 noch 3,6 Prozent und 1985 11 Prozent betrugen. Bei Ein-

�Bei Einbeziehung der Inflationsrate würde sich die reale Kaufkraft der Regierungsausgaben 1987 um 2,4 Prozent und von 1987
bis 1989 um 0,8 Prozent jährlich verringern.
Die Militärausgaben sollen sich 1987 um 6,2 Prozent erhöhen (nach kleineren Streichungen 1986 gemäß dem Haushaltsausgleichsgesetz) und um 38 Prozent während des Gesamtzeitraumes
von fünf Jahren bis 1991. Der Haushalt sieht außerdem vor,
der Verteidigung einen noch größeren Zuwachs an Ausgabenermächtigungen zu gewähren, wodurch das Pentagon mit Mitteln für
Ausgaben in zukünftigen Jahren ausgestattet werden soll. Die
Ausgabenermächtigungen würden sich im Haushaltsjahr 1987, nach
Abzug der Inflationsrate um 33,2 Milliarden Dollar oder 8,2
Prozent im Vergleich zum diesjährigen Haushalt erhöhen.
Insgesamt entfallen auf die nationale Verteidigung 28 Prozent aller Bundesausgaben im Haushaltsjahr 1987, weitere 15
Prozent müssen für die Begleichung von Zinsen für die nationale Schuldenlast aufgewendet werden.
Hauptausgabenposten
(in Milliarden Dollar)

Nationale
Verteidigung
davon:
Streitkräfte
Andere Ausgaben
Internationale
Angelegenheiten
Raumfahrt und
Wissenschaft
Landwirtschaft

1986

1987

1988

265,8

282,2

258,4

274,3 290,7

1989

1990

299,1 322,3 344,8
313,3 335,5

1991
366,3
356,6

7,4

8,0

8,4

9,0

9,3

9,7

17,1

18,6

18,3

18,0

17,5

17,7

8,9

9,2

9,3

10,2

11,0

11,7

25,9

19,5

19,7

18,9

15,4

11,4

Bildung und
soziale Dienste

30,7

27,4

26,3

26,4

26,0

26,0

Gesundheit

35,7

35,0

36,7

37,9

39,4

40,7

Soziales

200,1 212,2 226,1 239,9 254,7 263,5

Nettozinsleistungen 142,7 148,0 145,1 136,0 125,6 115,9
Zusammenfassung der
- 3 -

�Zusammenfassung der Defizitreduzierungen
Der vom Prä sidente n vorg elegte Haus halt sieh t Einsp arungen
in Höhe von 38, 2 Milliarden Dollar bei existiere nden Bu ndesProgramm en auf der Bas is der "gege nwärt igen Dien ste" un d von
166 Mill iarden Dollar in den nächs ten d rei Jahre n vor. Für
die meis ten Pro gramme wird d er Beg riff "gegenwär tige Di enste"
definier t als "die erw artete n Kosten de r Fortfüh rung ge genwärtiger Bu ndespro gramme auf re alem 1 986er Niveau, ohne An derungen der Politik ; daß heißt, das si e kei ne der vo rgeschl agenen
neuen Ge setzesi nitiati ven de s Präsident en oder d es Kong resses
enthalte n, die gegenwä rtig n och ni cht i n Kraft s ind." Die
Hauptaus nähme b etrifft Progr amme d es Ve rteidigun gssekto rs, wo
das Nive au der "gegenw artige n Dien ste" definiert wird a ls die
Zahl, di e in der Haushaltsre soluti on de s Kongresses für 1986
enthalte n ist.
Fast die Hälfte aller Einsparungen fallen in die Kategorie
der Gesundheitswesens und der sozialen Leistungen, wie Kinderernährung, Bildung und Wohngeld. Einige der größeren Programmstreichungen betreffen:
- Beseitigung von ineffektiven, doppelt vorhandenen oder unnötigen Programmen:
Dies würde die Auflösung der Existenzgründungsbehörde, die
Beendingung von Entwicklungsprogrammen für bestimmte Sektoren,
wie z.B. die Wirtschaftsentwicklungsbehorde und die Kommission
für die Appalachen-Region, sowie die Abschaffung des Bundesamtes für den Binnenverkehr, das den Transport über Land regelt,
beinhalten.
- Reform sozialer Dienste:
23 Milliarden Dollar sollen über die nächsten drei Jahre
im Medicare-Programm, einem wichtigen Programm für die medizinische Versorgung von Senioren, durch höhere Beiträge und
Selbstbeteiligung an den Krankheitskosten eingespart werden.
Andere vorgeschlagene Kürzungen betreffen die Verminderung
subventionierter Schulspeisungen, die Streichung gewisser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Reduzierung medizinischer
Leistungen für Veteranen und Einsparungen bei der Berufsausbildung.
- Reduzierung von Bundesprogrammen, die im Wettbewerb mit
dem privaten Sektor stehen:
Die Administration schlägt den Verkauf bestimmter staatlicher Elektrizitätsfirmen vor, den Verkauf der Treibstoffreserve für die Schiffahrt sowie den Verkauf von überflüssigem

�von überflüssigem Land in Staatsbesitz. Außerdem ist geplant,
die Subventionierung von Eisenbahnen und Erdabtastsatelliten
zu beenden und die Ernteversicherung abzubauen.
- Übertragung von Aufgaben an Staats- und Gemeindeverwaltungen:
Bundeshilfen für die Eindämmung der Umweltverschmutzung,
Gemeindeentwicklungsprogramme, landwirtschaftliche Bildungsprogramme und Energiesparmaßnahmen würden in einigen Fällen
gestrichen und in anderen Fällen auf niedrigerem Niveau den
Bundesstaaten übertragen werden.
- Benutzergebühren:
Gebühren und Prämien werden für Bundesgarantien auf Kredite, für die Beschau von Fleisch und Geflügel, die Benutzung
von Binnenwasserstraßen, Zollabfertigung und Benutzung von
Einrichtungen in Nationalparks und Wäldern erhoben werden.
Zusammenfassung der Ausgabenerhöhungen
Eine Reihe von Programmen werden als "vorrangige Initiativen" für den Haushalt 1987 bezeichnet. Diese beinhalten Verteidigungsausgaben, Sicherheitshilfe, Mittel zur Bekämpfung
des Terrorismus und für den Schutz amerikanischer Diplomaten
im Ausland, Bekämpfung des Drogenhandels, Grundlagenforschung,
Weltraumprogramme, Flugsicherheit und die Erforschung der
Krankheit AIDS.
Wirtschaftliche Annahmen
Die Haushaltschätzungen werden stark von Veränderungen der
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflußt. Schwierigkeiten bei der Verwirklichung spezifischer Haushaltsziele resultieren in vielen Fällen aus der Komplexität und Ungenauigkeit,
denen Voraussagen der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung
unterliegen. Im folgenden werden einige der wirtschaftlichen
Annahmen präsentiert, die von der Administration für ihre
Haushaltsansätze benutzt wurden:
1985
BSP (4.Quartal bis
4. Quartal)
Inflationsrate
Arbeitslosigkeit
Zinssatz
(91-Tage T-bills)

1986

1987

1988

2,5
3,3
6,9

4,0
3,7
6,7

4,0
4,1
6,5

4,0
3,5
6,2

7,5

7,3

6,5

5,6

* * * * * *

- 5 -

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ST-

'^ToN

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. Februar 1986

Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen -

WASH INGTON - (AD) - Die von Präsi dent Reaga n ein gese tzte
unabhäng ige Komm ission , die das CHALL ENGER-Ungl ück v om 2 8. Januar 198 6 untersuchen soll, trat am 6 . Februar zu ih rer ersten
Sitzung zusammen
Zum Leite r der Kornmission wu rde d er N ew
Yorker J urist Wi lliam P. Rog ers, ehem aliger Jus tizmi nist er
(1957 - 1961) un d Auße nminis ter (1969 - 1973) d er Ve rein igten
Staaten berufen. Zwei ter Vo rsitzende r ist der frühe re A stronaut Nei 1 A. Arm strong . Als Kommanda nt von APO LLO 1 1 betrat
er 1969 als erst er Men seh de n Mond, Von 1971 b is 19 80 P rofessor für Luftfahr ttechn ik an der Unive rsität von Cinc inna ti,
übernahm Armstro ng vor mehr als fünf Jahren den Vors itz im
Vorstand der Fa. Compu ting T echnologi es for Avi ation , Inc. , in
Charlott esville (Virgi nia). Er ist s eit 1985 M itgli ed d er Nationalen Raumfah rtkomm ission
Dem 12köpfigen Untersuchungsausschuß gehören außerdem an:
Brigadegeneral a.D. Charles ("Chuck") Yeager, ebenfalls
Mitglied der Nationalen Raumfahrtkommission und Pionier
des Uberschallfluges. Der ehemalige Testpilot durchbrach

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�Testpilot durchbrach 1947 mit einer Bell X-l als erster
Mensch die Schallmauer und flog 1953 mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2600 km/h.
Dr. Sally K. Ride, im Juni 1983 als erste Astronautin der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) beim zweiten
Einsatz der Raumfähre CHALLENGER dabei, studierte Physik
an der Stanford-Universität. Sie ist Missionsspezialistin
der NASA.
Dr. Albert D. ("Bud") Wheelon, promovierter Physiker vom
Massachusetts Institute of Technology (MIT), von 1961 1974 und erneut seit 1981 Mitglied eines Präsidialbeirats,
ist Präsident von "Space and Communications" der Hughes
Aircraft Company.
Robert W. Rummel, erfahrener Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, Träger hoher Auszeichnungen und Mitglied der
Nationalen Akademie für Technik, ist Präsident der Fa.
Robert W. Rummel Associates, Inc., in Mesa (Arizona).
Dr. Arthur N.C. Walker, Jr., Professor für angewandte Physik an der Stanford-Universität, ist Berater der Aerospace
Corporation, der Rand Corporation sowie der Fa. "R and D
Associates" in Los Angeles; Prof. Walker gehört einer Anzahl von amerikanischen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften an.
Dr. Richard P. Feynman, Professor für theoretische Physik
am California Institute of Technology (CALTECH) in
Pasadena, ist Träger des Physik-Nobelpreises 1965 sowie
weiterer hoher wissenschaftlicher Auszeichnungen.
Eugene E. Covert, Ingenieur und derzeit Professor für
Luftfahrttechnik am MIT, ist u.a. Berater der NASA für Raketentriebwerke. Die amerikanischen Streitkräfte und die
NASA verliehen ihm hohe Auszeichnungen.
Robert B. Hotz, langjähriger Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aviation Week &amp; Space Technology" und vielfach
ausgezeichneter Journalist, ist seit 1982 Mitglied der
allgemeinen Beraterkommission des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung.
David C. Acheson, ehemaliger Vizepräsident der Fa.
"Communications Satellite Corporation" und gegenwärtig
Mitinhaber einer Anwaltskanzlei in Washington, wurde bereits 1948 als Jurist in die damalige Amerikanische Atomenergie-Kommission berufen und fungierte von 1961 - 1965
als Generalstaatsanwalt für den "District of Columbia".
Generalmaj'or Donald

�- Generalmajor Donald J. Kutyna (US-Luftstreitkräfte USAF), Direktor der Abteilung "Space Systems Command
Control and Communications" der Luftstreitkräfte, studierte Luft- und Raumfahrttechnik am MIT und ist mit einigen
Tausend Flugstunden ein erfahrener Pilot. Als Leiter des
Raumtransporterprogramms des amerikanischen Verteidigungsministeriums von 1982 - 1984 war er für die Planung und
den Bau der Startanlagen für den Raumtransporter an der
amerikanischen Westküste verantwortlich.
Arbeitsgrundlagen
Die bisherigen Ermittlungen der noch am Unglückstag eingesetzten Stäbe der NASA bilden eine wichtige Arbeitsgrundlage
für den offiziellen Untersuchungsausschuß. Inzwischen wurden
weitere Wrackteile am Meeresgrund geortet, bei denen es sich
möglicherweise um Trümmer der beiden 45 m langen Feststoffraketen (SRB) handelt. Mit Hilfe unbemannter, mit Foto- und
Fernsehkameras ausgerüsteter Unterwasserroboter werden diese
Objekte jetzt erst einmal inspiziert und identifiziert. Sobald feststeht, daß es tatsächlich SRB-Reste sind, will man
versuchen, sie zu heben. Dies dürfte nicht einfach sein, da
es vermutlich viele Tonnen schwere Objekte sind, die aus Wassertiefen bis zu 300 m geholt werden müssen. Die durch Funkbefehl abgesprengten Spitzen der beiden Feststoffraketen,
ebenso größere Teile des Orbiter, befinden sich unter den bereits geborgenen Trümmern.
Aufgrund einer Flammenerscheinung an der rechten Zusatzrakete einige Sekunden vor der Explosion des externen Flüssigtreibstofftanks, die den Orbiter in einen riesigen Feuerball
hüllte, konzentriert sich gegenwärtig der Verdacht auf diese
Raketen als mögliche Quelle für das Geschehen. Die Experten
betonen allerdings, daß dies vorerst nur Vermutungen seien.
Jedenfalls ist auf Filmaufnahmen, die mit einer automatischen
Kamera der NASA gemacht wurden, zu erkennen, daß offenbar unter der Hitzewirkung von Flammen aus dem Innern der Zusatzrakete an der Seite ein Loch in deren Stahlmantel gebrannt worden war. Zeitpunkt für diese Situation: 58 Sekunden nach dem
Start, 16 Sekunden vor der Explosion.
Die seitliche Flamme sei etwas ganz Ungewöhnliches, was
man bei Raumtransporterstarts nie zuvor gesehen habe, sagte
der amtierende NASA-Chef Dr. William Graham. Aus dem Loch im
Stahlmantel strömten Gase und Flammen in Höhe einer der vier
Verbindungsstellen für die Segmente der Festtreibstoffrakete
aus, und zwar etwa elf Meter oberhalb der Brenndüse und unmittelbar über der Stelle, an der die Feststoffrakete an der Seite des Flüssigtreibstofftanks befestigt war.
Jede der beiden
- 3 -

�Jede der beiden Zusatzraketen besteht aus vier aufeinandergestzten Segmenten, die ineinandergefügt und durch Stahlkammern miteinander verbunden sind. Der gummiähnliche feste
Treibstoff brennt mit Temperaturen von mehr als 3200 Grad Celsius. Einmal gezündet, gibt es keine Möglichkeit, das Feuer
zu stoppen, bis die Rakete völlig ausgebrannt ist. Bei allen
24 Raumtransporterflügen, die dem CHALLENGER-Start vom 28. Januar (Mission Nr. 51-L) vorausgegangen waren, brannten die
Feststoffraketen normal und lösten sich in 45 km Höhe automatisch ab.
Die Isolierung an der Innenseite der SRB-Zusatzraketen ist
so konstruiert, daß der 12 mm dicke Mantel aus gehärtetem
Stahl gegen die Hitze geschützt wird und nach der Bergung und
Überholung wieder verwendet werden kann - mindestens 20 mal.
Nach Angaben der Herstellerfirma "Morton Thiokol" war von den
Raketen für den Flug Nr. 51-L keines der Segmente öfter als
dreimal verwendet worden. Dr. Graham zufolge zählten die wiederverwendbaren Zusatzraketen zu den robustesten und zuverlässigsten Komponenten des Shuttle-Systems. "Nicht zufällig,
auch nicht infolge einer Fehleinschätzung unsererseits" habe
es bislang keine Pannen damit gegeben. Sie seien mit großer
Sorgfalt und viel Überlegung konstruiert, "und wir taten alles, um von vornherein Pannen irgendwelcher Art zu vermeiden",
sagte Graham vor Journalisten.
Ein Sprecher der Herstellerfirma "Morton Thiokol" bemerkte, daß die Raketen nicht bei Temperaturen unterhalb von 4,4
Grad Celsius verwendet oder Temperaturen unter Null für längere Zeit ausgesetzt werden dürften. Denn bei Kälte bestünde
die Gefahr, daß sich in der Feststoffmasse Risse bilden.
Durch einen solchen Riß könnten sich Flammen aus dem Innern
bis zum Stahlmantel durchfressen und diesen unter Umständen
aufschmelzen. Jedoch sei die Einwirkung der in Florida am
Starttag plötzlich eingefallenen Kälte zu kurz gewesen, um den
Feststoffraketen zu schaden. In einem 170 Seiten starken
NASA-Bericht vom Dezember 1985 wird u.a. eine Reihe von Verletzungen der Sicherheitsvorschriften für die Montage der
Feststoffraketen im Kennedy-Raumfahrtzentrum kritisiert. Dafür ist die "Lockheed Space Operations Company" zuständig.
Die NASA-Mitarbeiter empfahlen Änderungen der Arbeitspläne und
eine bessere Ausbildung für das Personal.
Durch Presseberichte, die NASA-Quellen zitieren, wurde inzwischen bekannt, daß Computer in der Kontrollzentrale Houston
wenige Sekunden vor der Explosion eine Reihe von Problemen erfaßt hatten. Aber diese traten nicht rasch genug auf den Monitorbildschirmen in Erscheinung, um die Astronauten zu warnen. Die Flugkontrolle hätte die Katastrophe in keinem Fall
verhindern können. Sensoren an den Feststoffraketen hatten,
- 4 -

�Feststoffraketen hatten, wie der Vergleich mit dem Film aus
der automatischen Kamera später zeigte, einen Druckabfall um
fünf Prozent im Innern der rechten Feststoffrakete zu dem
Zeitpunkt registriert, als im Stahlmantel der Riß auftrat.
Dr. Graham hatte aber bereits zuvor erwähnt, daß es bei den
Feststoffraketen im regulären Betrieb zu Druckschwankungen
komme und zunächst stets erst die Meßdaten mit den Nominalwerten verglichen werden müßten, um feststellen zu können, ob es
sich um eine Anomalie handle oder nicht.
Eine t echni sehe Frag
n de r di e In gerne ure gete ilte r
Mein ung si nd, d ürft e jet zt b eson dere Bea chtun g fi nden : Manche
Expe rten, so L. Kin g Isa aeso n, P rofe ssor für Masc hine nbau an
der Univer sität Uta h, ve rtre ten die Theo rie, daß sich bei
Fest stoffr akete n an den Verb indu ngss teil en de r Se gmen te
"Dru ckbarr ieren " au fbaue n kö nnte n, d ie z u Res onan zdru ckwe llen
führ en, we lche die Segme nte zusä tzli eher Bela stun g au sset zen.
Nach der Z ündun g ei ner F ests toff rake te s tröme n di e Ga se d es
bren nenden Trei bsto ffs d urch den all e vi er Se gmen te d urch laufend en Höh lkern hin unter zur Düs e. Und auf d iese m We g er geben
sich Turbu lenze n, d ie ge rade im Bere ich der S egme ntve rbin düngen stehen de Dr uckw eilen inn erha lb d es K erns erze ugen kön nten .
Ein schon vorha nden er Ri ß wü rde verg röße rt - und die seng ende
Hitz e könn te si ch e inen Weg zum Stah lman tel b ahne n. Aus solchen Uberl egung en e rhell t, w ie w icht ig e s ist , die Wr ackt eile
der Festst of f rakete n zu find en. Der en U nters uchu ng k önnt e
wohl am eh esten Hin weise auf die Urs ache des Ungl ücks bri ngen.

* * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer ermutigendes Zeichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokratie und Kultur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigsten Fakten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnung war nicht mehr möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit aufgenommen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

19. Februar

1986

I N H A L T
DOKUMENTATION
Terror ismusbekämpfung: Der Einfluß der öffentlichen
Meinung
- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley Anstrengungen der Vereinigten Staaten zur Verbesserung der
Menschenrechtssituation
- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter UdSSR genügt internationalen Maßstäben bei Menschenrechten
nicht
- 10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums - Auszüge HINTERGRUND
Drogenkrieg unter neuen Aspekten
* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

19. Februar 1986

TERRORISMUSBEKÄMPFUNG: DER EINFLUSS DER ÖFFENTLICHEN MEINUNG
- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley -

- Washington - (AD) - Nach Ansicht von Botschafter Robert
Oakley, dem Direktor des Büros für Terrorismusbekämpfung und
Notfallplanung des amerik anischen Außenministeriums, kann von

einer Kombination amerika nischer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung und Druck der öf fentlichen Meinung auf die europäisehen Staaten, ihrer eige nen Verantwortung im Hinblick auf die
Bekämpfung des Terrorismu s gerecht zu werden, "ein wichtiger
positiver Einfluß" auf de n internationalen Kampf gegen den
Terrorismus ausgehen.
Die Reagan-Administration hat in Oakleys Worten "intensive
einseitige Anstrengungen unternommen, ihre Fähigkeit zur Abwehr des internationalen Terrorismus zu verbessern".
Oakley machte diese Äußerungen am 13. Februar 1986 in Washington auf einer Konferenz über Terrorismus, Tourismus und
die Sicherheit von Reisenden.
Die Äußerungen von Botschafter Oakley haben folgenden
Wortlaut:
I. Einleitung
-- Es scheint, daß wir jeden Tag über die
Fernsehbildschirme, die Schlagzeilen der Tagespresse und die
Titelblätter unserer Illustrierten mit neuen terroristischen
Schreckenstaten konfrontiert werden.
-- Paris:

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�-- Paris: Letzte Woche wurden Sprengsatze in vielfrequentierten Geschäften, touristischen Zentren und sogar auf dem
Eiffel-Turm deponiert. Über die Identität der Täter, wie über
deren Ziele, besteht noch Unklarheit. Über zwanzig Unschuldige
wurden verletzt, aber niemand kann mit Sicherheit sagen, wer
dafür verantwortlich ist.
-- Rom und Wien: Am 27. Dezember 1985 ereigneten sich die
Flughafen-Massaker, die von Terroristen der Abu-Nidal-Gruppe
durchgeführt wurden. Achtzehn Unschuldige, die an den Abfertigungsschaltern warteten, darunter fünf Amerikaner, wurden getötet, über achtzig Menschen wurden verletzt. Vier der Terroristen sind tot; drei andere werden noch verhört.
-- Valletta, Malta: Am 23. November 1985 wurde eine ägyptische Verkehrsmaschine durch von Libyen unterstützte Angehörige der Abu-Nidal-Gruppe entführt; die Terroristen begannen,
die Passagiere nach und nach zu töten. Nach Beendigung des
Zwischenfalls waren sechzig Menschen, darunter ein Amerikaner,
tot und zwanzig weitere verletzt; ein Terrorist überlebte und
steht jetzt vor Gericht.
-- Libanon: Die Agonie der dort gefangengehaltenen Amerikaner hält weiter an. Ein Vertreter des Erzbischofs von Canterbury, Mr. Terry Waite, hat mehrmals Beirut besucht und sich
dort mit den Geiselnehmern getroffen. Nach wie vor sind die
Geiseln jedoch in der Gewalt der iranisch-beeinflußten Hizbollah-Organisation.
-- Bogota, Kolumbien: Anfang November wurden sechs Richter
des Obersten Gerichtshofes und Dutzende anderer Menschen im
Zuge blutiger Kämpfe im Palast der Justiz von Terroristen der
M-19-Bewegung umgebracht; alle Terroristen wurden getötet.
-- Port Said, Ägypten: Ende Oktober 1985 entführten Terroristen auf Befehl von Abu Abbas das italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro und ermordeten den an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Rentner Leon Klinghoffer. Die vier
Täter wurden von den Vereinigten Staaten gefangengenommen und
warten gegenwärtig in Italien auf ihren Prozeß. Abu Abbas ist
flüchtig. Auf seine Ergreifung und Bestrafung ist eine Belohnung von 250 000 Dollar ausgesetzt.
Beirut, Libanon: Ende Juni 1985 ereignete sich die dramatische Entführung der Maschine des TWA-Fluges 847 und die tragische Ermordung des amerikanischen Seemannes Robert Stethem.
Die anderen Passagiere wurden befreit, während es den Entführern gelang, in der Anarchie des Libanon unterzutauchen. Wir
haben eine Belohnung von einer viertel Million Dollar für ihre
Ergreifung und Bestrafung ausgesetzt.
-- Jeden Tag scheinen wir mit neuen terroristischen Zwi-

�terroristischen Zwischenfällen konfrontiert zu werden. Aber
lassen Sie uns einen genaueren Blick auf terroristische Trends
werfen und darauf, wie die amerikanische Regierung den Terrorismus bekämpft.
II.
Lassen Sie uns die wahrscheinliche Entwicklung während der
nächsten Jahre betrachten.
-- Erstens muß gesagt werden, daß der Terrorismus für den
Rest dieses Jahrhunderts voraussichtlich ein bedeutender Faktor der internationalen politischen Landschaft bleiben wird.
-- In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren
wurden ca. 500 terroristische Aktionen jährlich registriert.
1984 betrug diese Zahl 600, und 1985 hat sich die Zahl der
Zwischenfälle auf 812 erhöht, was einen Anstieg um sechzig
Prozent während der letzten beiden Jahre bedeutet.
-- Andauernde politische Unruhen, Streitigkeiten zwischen
Nationen und sozio-ökonomische Probleme erzeugen Frustration
und Haß, welche leicht in Terrorismus münden können.
-- Die weltweite Massenkommunikation stellt sicher, daß
terroristischen Akten augenblicklich Publizität zuteil wird.
-- Frustrierte Splittergruppen stellen zunehmend fest, daß
sie mit Gewalttaten leichter Zeichen setzen können als durch
normale politische Opposition.
-- Das Reisen zwischen verschiedenen Ländern ist wesentlich erleichtert worden, während die Grenzkontrollen, besonders in Europa, abgebaut wurden.
-- Durch den weltweiten Wettbewerb des Waffenhandels wird
es terroristischen Gruppen erleichtert, Waffen zu erwerben.
-- Die Massenvernichtungswaffen sowie zunehmend tödliche
konventionelle Rüstungen haben dazu geführt, daß die reguläre
Kriegführung, insbesondere gegen stärkere Gegner, potentiell
zu hohe Kosten verursachen würde. Deshalb betrachten einige
Regierungen den Terrorismus als ein billiges Mittel, um ihren
Feinden Schläge zu versetzen.
-- Zweitens tendieren wir dazu, Terrorismus als ein
amerikanisches Problem zu betrachten, während er jedoch in
Wahrheit ein internationales Problem ist.
-- Von insgesamt ca. 800 terroristischen Anschlägen, die
1985 begangen wurden, ereigneten sich lediglich zwei in den
Vereinigten Staaten, wo unsere Sicherheitsbehörden die volle

�die volle Berechtigung und die maximale Fähigkeit zu handeln
besitzen.
-- 1985 ereigneten sich 177 Zwischenfälle, von denen Amerikaner oder amerikanische Einrichtungen in Übersee betroffen
waren, im Vergleich zu 1984 mit 131 Zwischenfällen. Für beide
Jahre war dies ein Fünftel der Gesamtzahl aller Zwischenfälle.
Die Zahl der Getöteten oder Verwundeten machte weniger als
zehn Prozent der Gesamtzahl aus.
1985 wurden von Terroristen im Ausland 23 Amerikaner getötet und 139 verwundet (im Vergleich zu den 20 000, die in unserem Land bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen). Bei jüngeren
Anschlägen, den Entführungen der Verkehrsmaschinen von TWA und
Egypt Air sowie der Achille Lauro und in gewissem Ausmaß auch
in Rom wurden Amerikaner bewußt als Ziele ausgewählt.
-- Weshalb scheinen die Vereinigten Staaten als Ziel ausgewählt zu werden?
-- Wegen unserer Position als mächtigstes Land der Welt
und weil man im Ausland glaubt, daß unsere Politik und unsere
Aktionen auf irgend eine Weise für die Situation/Politik/Aktionen in anderen Ländern verantwortlich sind. Deshalb ist es
für Terroristen attraktiv, amerikanische Ziele anzugreifen,
und für die Medien, Angriffe auf die Vereinigten Staaten hochzuspielen. Und selbstverständlich konzentrieren sich die amerikanischen Medien auf Angriffe, von denen Amerikaner betroffen sind.
-- Wegen der starken Präsenz der Vereinigten Staaten im
Ausland: Militär, Diplomaten, Auslandshilfepersonal, Geschäftsleute, Touristen. Aus verschiedenen Gründen halten sich
über eine Million Amerikaner im Ausland auf.
-- In Bezug auf die Terrorismusbekämpfung bedeutet dies,
daß die amerikanische Regierung und amerikanische Staatsbürger
im Ausland sehr stark auf den von ausländischen Regierungen
gewährten Schutz und die Zusammenarbeit mit ihnen angewiesen
sind.
-- Drittens sind terroristische Angriffe von zunehmender
Brutalität gekennzeichnet.
-- Während der letzten Jahre gab es einen ständigen Zuwachs an Toten und Verwundeten, der sogar stärker war als der
Zuwachs an terroristischen Zwischenfällen.
-- Viertens hat sich staatliche Unterstützung zu einem zunehmend dominanten Faktor des weltweiten Terrorismus entwikkelt.
-- Während

�-- Während der letzten Jahre sind der Iran, Libyen, Syrien, Kuba und Nicaragua zu den aktivsten, entschlossendsten
und systematischsten Unterstützern terroristischer Gruppierungen geworden.
-- Direkte Regierungshilfe mit Waffen und Sprengstoff,
Kommunikationsmitteln, Reisedokumenten, Geld und Ausbildung
kombiniert mit fanatischen Einzeltätern oder Gruppen, die von
Regierungen für politische Ziele benutzt werden, erhöhen die
tödliche Wirkung staatlich geförderter Terrorgruppen. Sie besitzen die nötigen Mittel und möchten die Taktik in Richtung
auf solche Bombenanschläge und bewaffnete Angriffe verändern,
die maximale politische Wirkung versprechen. Die staatliche
Unterstützung befähigt sie zu operieren, ohne sich Sorgen über

finanzielle Probleme oder die Beschaffung von Waffen machen zu
müssen.
-- Fünftens ist der Mittlere Osten zur Hauptquelle des internationalen Terrorismus geworden (378 Zwischenfälle), wo in
den letzten Jahren 35 Prozent der Zwischenfälle ihren Ursprung
hatten. 1985 stieg dieser Anteil auf 45 Prozent. Die vom Mittleren Osten ausgehenden terroristischen Aktivitäten ereignen
sich nicht nur in dieser Region sondern auch in Europa.
-- Es existieren im Mittleren Osten zwei Hauptkategorien
von Terroristen:
-- Fanatische Palästinenser, von denen die meisten sich
von der PLO-Hauptströmung unter Arafat getrennt haben - und
vielfach direkt gegen diese handeln. Diese besitzen oft die
direkte Unterstützung Libyens, Syriens oder des Iran; und
-- schiitische Eiferer aus verschiedenen arabischen Ländern, besonders aus Libanon, die vom Iran inspiriert und ausgebildet, oft bewaffnet und finanziert und in wechselndem Ausmaß geführt werden.
-- Die Ziele des mittelöstlichen Terrorismus können in
vier Hauptgruppen unterteilt werden: Israel; westliche Regierungen und Bürger, besonders die Vereinigten Staaten; gemäßigte arabische Regierungen und Vertreter, einschließlich der
PLO, sowie Jordaniens, Ägyptens, Kuwaits und Saudi-Arabiens;
Kritiker radikaler Regime, besonders Libyer, durch ihre eigene
Regierung.
-- Andere Regionen mit reger terroristischer Aktivität
sind Westeuropa (208 Zwischenfälle), wo eine Reihe einheimischer Gruppen existiert, die von ideologischen oder ethnischen/separatistischen Überzeugungen motiviert werden; und Lateinamerika (132 Zwischenfälle), wo die Wurzeln des Terrorismus aus einer Kombination von Ideologie, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen und sozialen Mißständen und - in

�und - in jüngster Zeit - Rauschgiftterrorismus bestehen. Der
einheimische europäische Terrorismus hat sich letztes Jahr
aufgrund der empörten öffentlichen Meinung und verbesserter
Polizeiarbeit in Ländern wie Italien, der Bundesrepublik
Deutschland, Großbritannien und Belgien ein wenig verringert.
In Lateinamerika deutet der Trend nach oben, und Gleiches gilt
für die Angriffe auf die Vereinigten Staaten.
Das Anwachsen des mittelöstlichen Terrorismus hat negative
Auswirkungen auf den Tourismus, besonders auf den Tourismus
aus den Vereinigten Staaten. Die größte Bedeutung in diesem
Zusammenhang hatten anscheinend drei große Zwischenfälle aufgrund einer Kombination der terroristischen Akte selbst und
der großen Publizität, die ihnen zuteil wurde:
-- Die Entführung der TWA-Maschine 847 aus Athen,
-- die Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes
Achille Lauro,
-- die Massaker auf den Flughäfen von Wien und Rom.
Obwohl wir keine genauen Zahlen besitzen, schätzt das amerikanische Außenministerium, daß die europäischen und mittelöstlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers letztes Jahr über eine
Milliarde Dollar im Tourismusgeschäft verloren haben. Und dieser Trend wird sich dieses Jahr wahrscheinlich noch verstärken. Dies bedeutet einen Schlag für die Tourismusindustrie und
einen noch größeren Schlag für diejenigen Länder, die diese
Einnahmen aus wirtschaftlichen Gründen benötigen: Italien,
Griechenland, Ägypten, Tunesien und andere. Sogar Amsterdam
ist davon betroffen.
III. Die Bekämpfung des Terrorismus
Was wurde und was wird getan, um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen?
Bei der Behandlung der terroristischen Akte, die sich ausserhalb der Vereinigten Staaten ereignen, gibt es eine Reihe
ganz konkreter Probleme.
-- Erstens sollten wir uns daran erinnern, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nur beschränkt dazu in der Lage
ist, auf Situationen im Ausland Einfluß zu nehmen, insbesondere, wenn einige Regierungen tendenziell davor zurückschrecken,
mit uns zusammenzuarbeiten. Einige glauben fälschlicherweise,
aufgrund der Tatsache, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten ein Hauptangriffsziel der Terroristen darstellt, würde
ihnen eine Zusammenarbeit mit uns mehr Ärger bereiten. Oder
sie haben nationalistische Gründe, um zu uns auf Distanz zu
bleiben.
-- Zweitens

�-- Zweitens unterhalten die meisten europäischen Staaten
engere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Mittleren Osten als wir,
besonders mit den reichen ölstaaten, die Haupförderer des Terrorismus sind, vor allem Libyen und Iran.
-- Drittens glauben einige Regierungen, daß sie in einer
Art von Gentleman1s Agreement ein Übereinkommen mit mittelöstlichen Terroristen und den sie unterstützenden Staaten eingehen können: als Gegenleistung für eine pro-arabische Außenpolitik und die faktisch unbehinderte freie Ein- und Durchreise
von Personen aus Ländern des Mittleren Ostens (einschließlich
des Terrorismus verdächtigen) würden keine terroristischen Aktionen auf ihrem Territorium stattfinden. (Zum Pech der angesprochenen Regierungen sind Terroristen leider keine Gentlemen.) Sie tendierten außerdem zu dem Glauben, daß es "nicht
bei uns geschehen" werde, und vermieden deshalb die mühsamen
und teueren Maßnahmen, die zur Abschreckung terroristischer
Anschläge notwendig sind.
Nachdem wir die Probleme erkannt haben - es sind keine
leicht zu lösenden -, lassen Sie uns einige der von uns durchgeführten Maßnahmen mit Auswirkungen auf den Tourismus betrachten.
Verbesserte Sicherheit der Zivilluftfahrt war eine unserer
höchsten Prioritäten - und ein Gebiet, auf dem wir die ersten
Resultate beobachten können. Wir hatten tatsächlich die Gefahr eines Anwachsens der Zahl von Flugzeugentführungen und
Anschlägen durch Terroristen aus dem Mittleren Osten angenommen. Vor über einem Jahr begannen das Außenministerium und die
Bundesaufsichtsbehörde für die Luftfahrt (FAA) zusammen mit
befreundeten Regierungen, den Fluggesellschaften und der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) damit,
sich der Bedrohung zu widmen und Maßnahmen zur Abhilfe vorzuschlagen. (Dies schloß gemeinsame Bewertungen von Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen und Hilfsangebote an Länder wie
Griechenland, Ägypten und mehrere Golfstaaten, sowie bestimmte
Zusätze zu den minimalen Sicherheitsanforderungen, die von der
ICAO gefordert werden, ein. Kanada erwies sich beim Drängen
auf solche Verbesserung als starker Partner.)
Leider war die Besorgnis der meisten anderen Regierungen
nicht so groß, bis sich die Entführung der TWA-Maschine, Flug
847 im Juni 1985 ereignete und in der Folge das amerikanische
Außenministerium seine Empfehlungen zur Vermeidung des Athener
Flughafens aussprach. Angeführt von Verkehrsministerin Elizabeth Dole und ihrem kanadischen Kollegen verabschiedete die
ICAO zu dieser Zeit prompt eine Reihe von zusätzlichen minimalen Sicherheitsanforderungen, während Griechenland zügig die
Verbesserungen auf dem Athener Flughafen durchführte, welche
seit ihrer Verabredung mit einem amerikanischen Team im Februar in Vergessenheit geraten waren. Außerdem nutzten mehrere
- 7-

�nutzten mehrere weitere Regierungen schnellstens Angebote des
Außenministeriums und der FAA, technische Hilfe und Ausbildung
in Sicherheitsmaßnahmen für die Zivilluftfahrt zu gewähren.
Heute entsendet die FAA Vertreter zu Flughäfen in aller
Welt, um deren Sicherheit zu überprüfen. Wenn Probleme auftauchen und diese nicht korrigiert werden, wird eine Reiseempfehlung von uns herausgegeben, wie dies im Falle des Athener
Flughafens geschehen ist. Bessere nachrichtendienstliche Informationen haben die FAA und andere amerikanische Regierungsbehörden außerdem dazu befähigt, mehr und frühzeitige Warnungen vor Bedrohungen an Fluglinien und Flughafenbehörden im
Ausland zu liefern. Die Zahl der Flugzeugentführungen hat sich
im zweiten Halbjahr von 1985 stark verringert. Die schärferen
Sicherheitsmaßnahmen bezogen sich jedoch nicht auf die öffentlich zugänglichen Bereiche, wo die internationalen und die
amerikanischen Flughäfen am verwundbarsten sind. Die meisten
Flughäfen wurden dazu gebaut, den öffentlichen Zugang zu erleichtern, nicht dazu, ihn zu erschweren. Seit den Anschlägen
von Rom und Wien sind auf den meisten großen Flughäfen Europas
zusätzliche bewaffnete Sicherheitskräfte stationiert worden
und hat sich die Wachsamkeit erhöht.
Ein neues Thema ist die Sicherheit auf See. Wir haben die
Entführung von Passagieren nicht vorausgesehen, weil es seit
über zwanzig Jahren keine solche mehr gegeben hatte; niemals
vorher hatte im Mittleren Osten derlei stattgefunden. Einige
Schiffahrtsunternehmen haben ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen
ergriffen, die jedoch die Reisen verteuern und nicht als allgemein notwendig erachtet wurden. Der tragische Unfall der
Achille Lauro hat die Vereinigten Staaten und andere Regierungen zu aktiveren Sicherheitsmaßnahmen für Schiffe und Häfen
bewogen, bei denen der Internationalen Seefahrtsorganisation
(IMO) und auch nationalen Maßnahmen eine größere Bedeutung zukommen soll. Innerhalb der US-Regierung ist eine spezielle,
behördenübergreifende Arbeitsgruppe der Küstenwache, des Ministeriums für Transport und Verkehr (DOT), des Außenministeriums und anderen Behörden eingerichtet worden, um das Problem
wirkungsvoller anzugehen. Von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene, neue internationale Sicherheitsanforderungen wurden
von der Internationalen Schiffahrtsorganisation, die im Januar
zusammentraf, in Erwägung gezogen und gegen Ende dieses Jahres
verabschiedet - ein Durchbruch in der internationalen Schifffahrt.
Wir haben kürzlich informelle Treffen zwischen Vertretern
der US-Reiseunternehmen, des Außen- und des Wirtschaftsministeriums zur Entwicklung einer gemeinsamen effektiveren Strategie gegen das Problem des Terrorismus abgehalten. Es gilt
nun, beim Austausch unserer Ergebnisse zum Terrorismus enger
zusammenzuarbeiten, um Informationen über die Auswirkungen des
Terrorismus auf den Tourismus zusammenzutragen. Wir können das

�können das schlagkräftige Argument des Verlusts von Devisen
aus dem Tourismus als zusätzliche Waffe gegenüber anderen Regierungen einsetzen.
Die Administration hat ihrerseits hart an der Verbesserung
ihrer Fähigkeit zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus
gearbeitet. Das vom Kongreß 1984 verabschiedete Gesetz zur Bekämpfung des Terrorismus ist in die Tat umgesetzt worden: für
die Entführer und Mörder des TWA-Flugs Nr. 847 und der Achille
Lauro wurden Haftbefehle und Auslieferungsanträge ausgestellt
sowie Belohnungen zu ihrer Ergreifung ausgesetzt. Dadurch wurden das Justizministerium und das FBI direkt mit der Nachforschung und Verfolgung von Terroranschlägen gegen im Ausland
lebende Amerikaner betraut. Hiermit wird auch hervorgehoben,
daß es sich bei Terroristen nicht um irgendeine Art von romantischen "Freiheitskämpfern" handelt, sondern daß wir es mit
gemeinen Kriminellen zu tun haben. Entsprechende zusätzliche
Gesetzesvorlagen sind in Vorbereitung, ebenso wie ein neuer
Auslieferungsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und
Großbritannien, in dem Terroristen mit Verbrechern gleichgestellt würden.
In bezug auf das Terrorismusproblem gab es einen bedeutenden Anstieg bei den nachrichtendienstlichen Quellen; eine weitere Verbesserung bedeutet unsere Fähigkeit, im Ernstfall auf
terroristische Angriffe mit militärischen Mitteln reagieren zu
können. Der erfolgreiche Eingriff bei der Entführung der
Achille Lauro ist die offensichtlichste Bekundung dieser beiden Verbesserungen, bei denen die ausgezeichnete Arbeit des
Geheimdienstes mit zeitlich genau abgestimmten militärischen
Operationen auf eine präzise und ausgewogene Art und Weise
verbunden wurden. Weniger bekannt ist die Tatsache, daß im
Jahr 1985 über einhundert, gegen amerikanische Einrichtungen
im Ausland geplante Terroranschläge aufgrund von besserer
nachrichtendienstlicher Tätigkeit oder verbesserten Sicherheitsvorkehrungen vereitelt werden konnten.
Wir haben den Schutz für im Ausland stationierte zivile
und militärische Vertreter der US-Regierung beträchtlich erhöht, die Zusammenarbeit mit im Ausland ansässigen amerikanischen Privatfirmen verbessert und einen Beratungsausschuß für
Sicherheitsfragen im Ausland eingerichtet, der sich aus Mitgliedern des Außenministeriums und Vertretern privater Unternehmen zusammensetzt.
Die Abteilung für die Sicherheit des diplomatischen Corps
und die Abteilung für Ausreiseangelegenheiten im Außenministerium haben ihre Informationsprogramme für Reisende, Touristen und Geschäftsleute erweitert. Auf einen Telephonanruf
hin, ob es sicher sei, in ein bestimmtes Land zu reisen, können sie die neuesten Beurteilungen zur Verfügung stellen, die
auf Berichte unserer diplomatischen Vertretungen im Ausland
- 9 -

�im Ausland und den Geheimdienst hier in Washington zurückgehen. Im allgemeinen raten das Außenministerium und seine Vertretungen im Ausland nicht von Auslandsreisen ab, weil es im
betreffenden Land Terroranschläge gibt. Falls es Probleme in
einem bestimmten Land gibt, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, aber nicht die Absage der Reise notwendig machen,
weisen wir darauf hin. Wenn die Probleme sehr ernst sind, wie
im Libanon oder in Libyen, oder für eine Weile auf dem Flughafen Athen im letzten Jahr, werden wir einen entsprechenden
Ratgeber für die Reise herausgeben.
Die Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten ihrerseits zur
Bekämpfung des Terrorismus ergreifen können, werden von einer
bestimmten Anzahl von Faktoren eingeschränkt. Wir können zum
Beispiel nicht willkürlich Angriffstruppen auf dem Flughafen
einer befreundeten Nation landen lassen, um ein entführtes
Flugzeug zu stürmen, ohne vorher mit diesem Land entsprechende
Vorkehrungen auszuarbeiten. Wir können auch nicht selbst mutmaßliche Terroristen in den Slums von Beirut, den Wüsten Libyens oder den Dschungeln Mittelamerikas ausfindig machen.
Dieses Problem ist internationaler Art und wirksame Maßnahmen
darauf fordern eine internationale Zusammenarbeit.
Wie Außenminister Shultz in seiner Rede am 24. Juni 1984
sagte: "Der Terrorismus ist ein internationales Problem, das
die gemeinsamen Bemühungen aller freien Nationen fordert ...
Die Zeit ist gekommen für die Nationen, die dem Terrorismus
wirklich ein Ende setzen wollen, um sich, in welchen Foren
auch immer, zusammenzuschließen und notwendige Maßnahmen zu
ergreifen".
Die Erlangung von Übereinkunft für bestimmte internationale Vorgehensweisen ist ein schwieriger und langwieriger Prozeß
- das gilt auch für Ereignisse vor dieser Rede von 1984. Die
Bemühungen gehen vielmehr bis zu den terroristischen Anfängen
in den siebziger Jahren zurück.
Es ist keine leichte Aufgabe, und zwar sowohl aus den
Gründen, die ich vorhin genannt habe, als auch, weil es bei
manchen dieser Regierungen ein starkes Gefühl der Unabhängigkeit, wenn nicht gar des Vorbehalts gegenüber der Führungsrolle der Vereinigten Staaten gibt.
Es wurden jedoch Fortschritte erzielt. In jüngster Zeit
war Italien das kooperativste Land - einmal vielleicht, weil
es durch die Entführung der Achille Lauro aufgeschreckt war,
zum anderen vielleicht, weil seine Regierung durch die beachtlichen Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus im Lande von
der Notwendigkeit schnellen Handelns überzeugt war. Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland verdienen besondere
Anerkennung für ihre energischen Bemühungen bei der Bekämpfung
des Terrorismus im eigenen Land und bei ihrem Einsatz für um- 10 -

�für umfangreichere multilaterale Zusammenarbeit gegen die gemeinsame Bedrohung.
Andere Regierungen waren weniger energisch und weniger kooperativ, indem sie Terroristen Unterschlupf gewährten und an
der überholten Politik festhalten, all jenen Zuflucht und Asyl
zu gewähren, die angeblich eine politische Motivation für Aktionen haben, die in Wirklichkeit abscheuliche Verbrechen
sind. Die Regierung der Vereinigten Staaten stimmt mit solchen
Praktiken absolut nicht überein und hat ihre Ansichten allseits zur Kenntnis gegeben.
Im allgemeinen hat sich die diskrete, aber wirkungsvolle
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten im letzten Jahr erheblich verbessert, genauso wie wir
imstande waren, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf
das Problem zu richten, indem wir bei den Vereinten Nationen
Beschlüsse gefordert haben, die den Terrorismus verurteilen.
Der Rat und auch die Sicherheitsausschüsse haben in den vergangenen Monaten entsprechende Resolutionen verabschiedet. Ein
wirkungsvolles, länderübergreifendes Handeln bei speziellen
Problemen oder Ländern liegt aber immer noch in weiter Ferne.
Unglücklicherweise reichten diese einseitigen und internationalen Maßnahmen nicht aus. Denken Sie nur an die Statistiken, auf die ich vorhin hingewiesen habe (1985 verzeichnete
der Terrorismus eine Zuwachsrate von zwei Dritteln gegenüber
1983) , und denken Sie an die Auswirkungen des Terrorismus auf
den Tourismus im Jahr 1985 und zu Beginn des Jahres 1986 im
Vergleich zu früheren Jahren. Es wurde seitens anderer Regierungen einfach noch nicht genug gegen Terroristen unternommen,
bevor sie zuschlagen können oder in bezug auf ihre Verhaftung
und Strafe, wenn sie ein Verbrechen begangen haben.
Das ist der Hauptgrund für den harten Kurs der Reagan-Administration bei den Attentaten von Rom und Wien. Diese Anschläge und noch ein weiteres Dutzend anderer gegen Ende des
Jahres 1985 tragen die eindeutige Handschrift von Oberst Ghadafi und der Organisation Abu Nidals. Vor diesem Hindergrund
und wegen der Zurückhaltung anderer Regierungen verstand diese
Regierung die Angriffe als einen klaren Aufruf zur Tat und zur
Übernahme der Führung, um noch mehr Todesfälle, auch bei Touristen, zu verhindern und weiterem Schaden an der Stabilität
und gemäßigten Haltung des Mittleren Ostens entgegenzuwirken beide gelten gleichermaßen als Zielscheibe für terroristische
Angriffe.
Nach eingehenden Beratungen entschied der Präsident sich
dafür, etwas gegen die libysche Unterstützung des Terrorismus
zu unternehmen. Er beendete die noch verbliebenen wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Libyen und forderte andere Länder auf, uns zu fol- 11 -

�zu folgen und Ghadafi und anderen Regierungen ein Zeichen zu
geben, endlich die staatliche Unterstützung des Terrorismus
einzustellen. Er stellte den Einsatz weiterer Aktionen - einschließlich militärischer Mittel - in Aussicht, wenn andere
unserer Führung nicht folgen oder Ghadafi zu fanatisch sein
sollte, um das Zeichen zu verstehen. Die Entscheidung forderte
entsprechende wirtschaftliche Opfer von den Vereinigten Staaten, die bereits Libyen-Geschäfte mit einem Jahresumsatz von
mehreren Milliarden Dollar aufgegeben haben, um unsere Position gegenüber dem Terrorismus zu verdeutlichen. Wenn wir
nicht die Führungsrolle übernommen hätten, hätte es niemand
anderes getan. Darüber hinaus verbat es die moralische Seite
der Angelegenheit der Regierung, anders zu handeln. Die Unfähigkeit oder mangelnde Bereitschaft anderer Regierungen, dem
Problem entgegenzutreten, ähnelte in gewisser Weise durchaus
der Passivität in den späten dreißiger Jahren gegenüber der
wachsenden Bedrohung durch Hitler.
Es ist natürlich noch zu früh, um zu sagen, welche Auswirkungen unsere Maßnahmen auf Libyen haben werden, aber es ist
keine Frage, daß Europa zu erwachen beginnt. Trotz einiger politischer Verlegenheit wegen der Führungsrolle der Vereinigten
Staaten gab es hinter der Bühne eine positive Haltung seitens
der meisten der neun Regierungen, die der Stellvertretende
Außenminister Whitehead und ich im letzten Monat besuchten.
Aussetzung der Waffenlieferungen an Libyen, einschließlich bestehender Verträge, keine Regierungskredite mehr für Exporte,
verschärfte Kontrollen für die Einreise und den Aufenthalt von
Libyern sowie das Versprechen, die abreisenden amerikanischen
Firmenangehörigen und Techniker nicht zu ersetzen - diesen
Punkten haben fast alle Regierungen zugestimmt. Einige sind
so- gar noch weitergegangen, besonders Italien, das jetzt von
al- len nordafrikanischen Besuchern seines Landes ein Visum
for- dert und seine gesamten Beziehungen zu Libyen einer
eingehen- den Prüfung unterziehen wird. Die Europäische
Gemeinschaft hat sich entschieden, ein Komitee auf höchster
Ebene zu bilden, um das Problem des Terrorismus zu beobachten
und Empfehlungen zu geben. Wir hoffen, daß hier ein Forum für
energisches Handeln entstehen wird.
Einer der Hauptgründe hinter diesen plötzlichen Maßnahmen
in Westeuropa war vielleicht auch der Verlust von Einnahmen
aus dem Tourismus, besonders aus den Vereinigten Staaten. Diejenigen Europäer, die in der Vergangenheit aus kommerziellem
Interesse zurückhaltend gegenüber Maßnahmen zur Bekämpfung von
Terroristen waren, verstehen jetzt, daß es noch eine andere
Seite der finanziellen Bilanzen gibt. Der Terrorismus kostet
sie Millionen für den verlorenen Tourismus, höhere Sicherheitsausgaben und ängstliche Investoren. Dazu kommt noch der
Druck der öffentlichen Meinung, die in den meisten europäischen Ländern mehr Maßnahmen seitens der Regierungen fordert
und ärgerlich über alles ist, was nach einer unangemessenen
- 12 -

�einer unangemessenen Antwort aussieht. In diesen beiden Bereichen können Gruppen, wie sie auch hier und heute anwesend
sind, möglicherweise zum Guten hin Druck ausüben und mit ihren
eigenen Mitteln deutlich machen, welche Regierungen ihrer Ansicht nach ihre Verantwortung zur Bekämpfung des Terrorismus
ernst nehmen und alle Menschen in ihrem Land schützen. Zusammen mit den Bemühungen der Regierung der Vereinigten Staaten
kann das eine wichtige positive Wirkung haben.

* * * * *

- 13 -

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation
19. Februar 1986

ANSTRENGUNGEN DER VEREINIGTEN STAATEN ZUR VERBESSERUNG
DER MENSCHENRECHTSSITUATION
- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter -

WASH INGTON - (AD) - In einer einleitenden Erklärung zur
Presseko nferenz , die am 13. Februar 1986 aus Anlaß der Präsentation d es zehn ten Jahresbe richts des amerikanischen Außenministeriu ms zur Lage der Men schenrechte in 164 Ländern in
Washingt on stat tfand, beton te der Unterstaatssekretär für Menschenrec hte und humanitäre Angelegenheiten, Richard Schifter,
daß die V e r e i n igten Staaten durch Taten versuchten, "die Lage
der Menschen zu verbessern, anstatt die Frage der Menschenrechte r ein dek lamatorisch zu behandeln".
In den letzten 20 Jahren hat es nach Schifters Angaben
eine klare Schärfung des Bewußtseins in Fragen der Menschenrechte gegeben. "Es ist jedoch noch nicht deutlich genug
geworden, daß es gleichzeitig einen erheblichen Anstieg bei
der Beachtung der Menschenrechte gegeben hat."
Die einleitende Erklärung des Unterstaatssekretärs hat
folgenden Wortlaut:
Wir sind heute hier zusammengekommen, um einen besonderen
Jahrestag zu würdigen. Das Dokument, das dieser Pressekonferenz zugrunde liegt - der Länderbericht 1985 über die Behand-

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�die Behandlung der Menschenrechte -, ist der zehnte, von der
Regierung der Vereinigten Staaten herausgegebene Bericht dieser Art. Es ist der sechste, der während der Amtszeit Präsident Reagans veröffentlicht wird.
In den ersten Jahren dieses Unternehmens gab es ernste
Zweifel an der Berechtigung und Eignung einer Regierungsstelle der Vereinigten Staaten - und insbesondere des Außenministeriums - zur Veröffentlichung einer Bewertung des Verhaltens
ausländischer Regierungen gegenüber deren eigenen Völkern.
Würden diese Berichte fair sein? Würden sie richtig sein? Und,
falls beides zuträfe, würden die ausländischen Staaten es
nicht als große Unverschämtheit betrachten, wenn die Vereinigten Staaten sich auf solch ein Unternehmen einließen?
All diese Fragen sind berechtigt. Da ich selbst bis vor
wenigen Monaten mit dieser Sache nichts zu tun hatte, betrachten Sie es bitte nicht als Selbstlob, wenn ich sage, daß unsere Länderberichte im allgemeinen für fair, korrekt und umfassend gehalten werden. Und obwohl es Leute gibt, die noch immer
behaupten, mit der Veröffentlichung dieser Berichte nähmen die
Vereinigten Staaten sich das Recht heraus, über andere zu urteilen, ein Recht, das sie nicht besäßen, sind die meisten interessierten Beobachter, auch viele Nicht-Amerikaner, davon
überzeugt, daß diese Länderberichte einen außerordentlich
wertvollen Beitrag zu den weltweiten Anstrengungen um eine Beendigung der Menschenrechtsverletzungen leisten. Erst vor wenigen Wochen nahm ich in Berlin an einer Diskussion teil, während der ein sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter uns
zur Qualität unserer Länderberichte beglückwünschte. Diese
Meinung wurde von vielen anderen der Anwesenden geteilt.
Die Berichte, die jedes Jahr vom Menschenrechtsbüro bearbeitet werden, sind zum integralen Bestandteil unserer Menschenrechtspolitik geworden. Sie waren als Berichte des Außenministeriums für den Kongreß gedacht, und dies sind sie auch.
Darüber hinaus sind sie jedoch auch zu Berichten für die Welt
geworden. Sie bilden eine maßgebende Beschreibung der Menschenrechtssituation in einem Land. Jedes Land, das um seinen
Ruf hinsichtlich Einhaltung der Menschenrechte besorgt ist,
wird unserer Beschreibung der Bedingungen ernsthafte Beachtung
schenken.
Weiterhin wird jedes Land, das insbesondere an seinem Ansehen in den Vereinigten Staaten interessiert ist, durch das
Studium unserer Berichte zu diesem Problem neue Erkenntnisse
gewinnen.
Bei der Zusammenstellung dieser Berichte beginnen wir
selbstverständlich mit einem bestimmten Standpunkt. Wir sind
für die Demokratie und für die Begrenzung der Regierungsmacht
- was in unserem Land als bürgerliche Freiheiten bezeichnet

�Freiheiten bezeichnet wird. Wir sind für die in unserer Unabhängigkeitserklärung und in unserer Bill of Rights enthaltenen
Ideale, die gleichen Ideale, die in der jüngeren Vergangenheit
auch in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte eingebracht wurden. Wir glauben, daß die Beachtung dieser Ideale
die Chancen für den Weltfrieden erhöht und außerdem zur Verbesserung der Situation der Menschen auf vielfältige Art und
Weise beitragen wird.
Ich möchte mich bei den vielen Menschen, die für die Anfertigung dieser Berichte verantwortlich sind, bedanken. Sie
tun ihre Arbeit mit Hingabe und großem Professionalismus. Die
Qualität ihrer Arbeit kommt im Endprodukt zum Ausdruck, von
dem wir hoffen, daß es der Zustimmung für würdig befunden
wird. Das heißt jedoch nicht, daß in einem Dokument mit 1 440
Seiten sich in dem Bemühen um einheitliche Normen nicht hier
und da unbeabsichtigte Fehler oder Ungleichmäßigkeiten einschleichen können. Wir beginnen mit Entwürfen, die von verschiedenen Mitarbeitern bei über 150 diplomatischen Vetretungen und Büros des Außenministeriums erstellt wurden. Unser
Büro hat etwa 90 Tage Zeit, um Hunderte von Seiten an Material
zu sichten und die Endfassung zusammenzustellen. Ich möchte
betonen, daß wir an konstruktiver Kritik interessiert sind und
daß wir solche Kritik beachten werden, wenn wir mit unserem

nächsten Bericht beginnen.
Lassen Sie mich zusätzlich zu diesem Bericht noch einige
Worte zu den Menschenrechten selbst sagen. Bei einer Gelegenheit wie dieser taucht für uns normalerweise die Frage auf:
wie groß sind die Fortschritte, wenn es überhaupt welche gegeben hat, bei der Beachtung der Menschenrechte 1985 gewesen? Es
ist unmöglich, diese Frage generell zu beantworten. Ein Jahr
ist ein viel zu kurzer Zeitraum, um einen allgemeinen Trend
ausmachen zu können. Ein Jahrzehnt mag dafür noch nicht ausreichen. Im Zusammenhang mit ihren internationalen Beziehungen
haben sich Regierungen erst ungefähr seit den letzten zwanzig
Jahren systematisch mit dem Problem der Menschenrechtsverletzungen befaßt. Zweifellos ist während dieser zwanzig Jahre das
Bewußtsein in Bezug auf die Menschenrechte geschärft worden.
Es ist jedoch noch nicht deutlich genug geworden, daß es
gleichzeitig einen erheblichen Anstieg bei der Beachtung der
Menschenrechte gegeben hat.
Wie ich eben andeutete, ist es vielleicht so, daß der
Zeitraum der internationalen Diskussion der Menschenrechte zu
kurz gewesen ist. Vielleicht ist es auch notwendig, daß sich
das neue Bewußtsein und die Sorge um die Menschenrechte erst
festsetzen müssen, bevor sie das Verhalten von Regierungen
praktisch beeinflussen können. Dies glauben jedenfalls wir alle, die wir mit dieser Arbeit zu tun haben. Dies war sicherlich die Annahme, von der der Kongreß ausging, als er dieses
Gesetz verabschiedete, durch das die Vereinigten Staaten so

�Staaten so offensichtlich auf die Sache der Menschenrechte
verpflichtet werden; und dies ist die Annahme, aufgrund derer
die Administration handelt.
Wenn es eine Region gibt, in der wir vielleicht doch den
Beginn eines langfristig positiven Trends erkennen können, so
ist dies Lateinamerika. Es ist für uns alle zutiefst ermutigend, festzustellen, wie viele lateinamerikanische Staaten in
den letzten Jahren von der Diktatur zur Demokratie übergegangen sind. Indem sie dies taten, haben sie die Beachtung aller
Menschenrechte betont. Seit unseren letzten Berichten haben
demokratisch gewählte Regierungen in Uruguay und Guatemala die
Macht übernommen. Demokratische Wahlen, die die demokratische
Präsidentschaftsnachfolge sicherstellten, haben in Peru, Honduras und zu Beginn dieses Monats im traditionell demokratischen Costa Rica stattgefunden. Schließlich haben wir kürzlich
in Haiti das Ende einer Diktatur erlebt.
Was unsere eigene Rolle bei dem Versuch anbelangt, historische Entwicklungen zu beeinflussen, so orientiert sich unsere Politik am Resultat. Durch unsere Aktionen versuchen wir,
die Lage der Menschen zu verbessern, anstatt die Frage der
Menschenrechte rein deklamatorisch zu behandeln. Als Regierung, die für das allgemeine Wohlergehen der Nation verantwortlich ist, müssen wir natürlich sicherheits- und
wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten zusätzlich zu den
Menschenrechten Beachtung schenken. Ich kann Ihnen aber
versichern, daß ich selbst ehrlich davon überrascht worden
bin, wie viel mehr Gewicht wir Besorgnissen über die
Einhaltung der Menschenrechte bei der Formulierung unserer
Außenpolitik geben, als andere Regierungen. Und gleichzeitig
erkennen wir auch, daß wir nicht alles Übel gleichsam mit
magischen Tricks beseitigen können. Unsere Macht und unsere
Reichweite sind nicht ganz so groß, wie einige denken mögen.
Aber es steht außer Frage, daß wir denen zu helfen versuchen,
die Opfer oder mögliche Opfer von Menschenrechtsverletzungen
sind. Dies ist unser ernsthaftes Bemühen.

* * * * *

�«fc° s t&lt;

VON

AMERIKA DIENST
4

Dokumentation
19. Februar 1986

UDSSR GENÜGT INTERNATIONALEN MASSTÄBEN BEI
MENSCHENRECHTEN NICHT
10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Richard Schifter, Unterstaatssekretär
für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, legte dem amerikanischen Kongreß am 13. Februar
1986 den 10. Jahresbericht über Menschenrechte vor, der sich
zu diesem Thema über alle Staaten äußert, die von den Vereinigten Staaten Mittel erhalten sowie alle Länder, die Mitglieder der Vereinten Nationen sind.
Darin wurde deutlich, daß die Sowjetunion im Bereich der
Menschenrechte "nicht einmal den elementarsten international
gültigen Maßstäben" gerecht wird. Es gebe auch keinerlei Hinweis darauf, daß das "System der Unterdrückung" sowjetischer
Bürger einen Wandel erfahre.
Die wesentlichsten Auszüge des Berichtes haben folgenden
Wortlaut:
Die UdSSR i st ein zentralisierter Einparteienstaat, in
dem die Führung der Kommunistischen Partei , eine sich selbst
perpetui erende Elit e, unter dem Einsatz re pressiver Maßnahmen
der Gehe impolizei d en Versuch unternimmt, alle Aspekte des öffentlich en Lebens z u dirigieren, sich betr ächtlich in das einzumische n, was man im Westen als Privatsph äre erachten würde
und die Entwicklung von unabhängigen Zentr en politischen oder
ideologi sehen Einfl usses zu verhindern. Au ch im Jahr 1985 gab

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�1985 gab es bei diesem System der Unterdrückung keine Zeichen
der Veränderung.
... Das sowjetische Verhalten im Bereich der Menschenrechte genügt nicht einmal den elementarsten international gültigen Maßstäben. Die Verfassung enthält rein formell die meisten
der international gültigen Menschenrechte sowie Garantien hinsichtlich des Rechtes auf Ausbildung, medizinische Versorgung
und Arbeit. In der Praxis sind diese Rechte jedoch durch die
Prioritäten begrenzt, die den Interessen des Staates vorbehalten sind. Die Redefreiheit wird durch vage Gesetze verwehrt,
die Haftstrafen für Diffamierung des Staates vorschreiben...
Das Regime bestraft jene, die den Versuch unternehmen, ihre Rechte wahrzunehmen, mit Einweisung in Gefängnis, Arbeitslager oder psychiatrische Kliniken. Die Mißhandlung politischer Gefangener dauerte auch 1985 an. Schläge, ungenügende
Ernährung, Kleidung und Unterkunft sowie schwere manuelle Tätigkeit, unzureichende medizinische Betreuung, Isolierung,
lange Verhöre und Drohungen gegenüber den Familien der Gefangenen sind charakteristische Mißbräuche.
Vielen Gefangenen wird das Recht verwehrt, mit ihren Familien zu korrespondieren oder Besuch zu empfangen. Manche werden willkürlich in spezielle psychiatrische Anstalten oder in
die psychiatrischen Abteilungen normaler Krankenhäuser eingewiesen, wo sie oft einer grausamen und erniedrigenden Behandlung sowie der Verabreichung schwerer und schmerzverursachender Medikamente ausgesetzt sind, um sie zu bestrafen und einzuschüchtern, nicht aber, um eine Krankheit zu behandeln.
Die staatlichen Stellen zwingen auch weiterhin Gefangene
zur Verbannung in entlegene Gegenden der Sowjetunion oder zur
Auswanderung. Jedes Jahr stirbt eine Anzahl von Gefangenen in
Gefängnissen und Arbeitslagern aufgrund der so überaus harten
Bedingungen und der unangemessenen medizinischen Versorgung.
Die Verfolgung von Bürgern, die den Versuch unternahmen,
sich außerhalb der vom Staat kontrollierten Kanäle zu artikulieren, dauerte auch im Jahr 1985 an. Jene, die die Einhaltung
der Menschenrechte kontrollieren wollten, religiös Motivierte,
Befürworter größerer kultureller und politischer Rechte für
ethnische Minderheiten und Friedensaktivisten wurden verhaftet
und in Gefängnisse verbracht. Die Auswanderung jüdischer,
deutscher und armenischer Sowjetbürger hielt sich in engsten
Grenzen - trotz des Wunsches vieler Tausender nach Auswanderung.
Im Ausland dauert die sowjetische Besetzung Afghanistans
sowie die Unterstützung der vietnamesische Besetzung Kambodschas an. Es gibt Beweise dafür, daß die Sowjetunion in Afghanistan, Laos und Kambodscha für den Einsatz chemischer Waffen

�chemischer Waffen verantwortlich ist.
POLITISCHE MORDE
Es gibt verschiedentlich Berichte über ungewöhnliche Umstände, die den Tod von religiösen oder politischen Dissidenten oder von Mitgliedern ihrer Familien umgeben. Eine offizielle Verwicklung in derlei Taten kann jedoch weder nachgewiesen noch untersucht werden. Andererseits kommen jedes Jahr
aufgrund der harten Bedingungen - Schläge, erschöpfende körperliche Arbeit, schlechte Ernährung, extreme Kälte, Mangel an
angemessener medizinischer Versorgung - eine ganze Anzahl politischer Gefangener und gewöhnlicher Krimineller in den Gefängnissen und Arbeitslagern um.
Es ist unmöglich, die Zahl der Toten abzuschätzen.
Der prominente ukrainische Dissident und Dichter Wasil
Stus, Mitglied der mittlerweile aufgelösten Ukrainischen Helsinki-Überwachungsgruppe , starb im September nach Jahren brutaler Behandlung in einem Arbeitslager. Der armenische Aktivist Iskhan Mkrtchian und der estländische Aktivist Johannes
Hint starben gleichfalls 1985 in sowjetischen Gefängnissen.. .
FOLTER SOWIE GRAUMSAME, UNMENSCHLICHE ODER ERNIEDRIGENDE
BEHANDLUNG ODER BESTRAFUNG
Zweifelsohne kommt es bei Verhören und in Gefängnissen zu
Mißhandlung politischer Gefangener. Obgleich das Strafrecht
der russischen und anderer Sowjetrepubliken betont, daß Bestrafung nicht körperliches Leiden oder Schädigung der Menschenwürde verursachen soll, berichten verläßliche Quellen von
Schlägen, Isolationshaft, extremer Kälte, schlechten Nahrungsmitteln und Unterernährung, Zwangsarbeit; häufig wird den Gefangenen auch noch ihr begrenztes Recht verweigert, Post oder
Besuch von Familienangehörigen zu erhalten.
Gefangene können ihre Religion nicht ausüben oder werden
bestraft, wenn sie es versuchen. Sie werden von anderen Lagerinsassen, aufgestachelt von Lagerverwaltungen, geschlagen. Politischen Gefangenen wird zu Unrecht vorgeworfen, einen Aufruhr verursacht zu haben und aufgrund solch falscher Unterstellungen werden diese dann ins Lagergefängnis geworfen oder
zu Isolationshaft verurteilt.
1985 wurden Mitglieder der unabhängigen Friedensbewegung
"Gruppe zur Schaffung von Vertrauen zwischen der UdSSR und den
USA" von Polizisten bei verschiedenen Gelegenheiten zusammengeschlagen, als sie versuchten, in Moskau Friedensdemonstrationen abzuhalten. Der jüdische Kulturaktivist Juli Edelstein

- 3-

�Juli Edelstein wurde in dem Bestreben, ihn zur Aufgabe seiner
Religion zu bringen, von Arbeitslagerpolizei mehrmals geschlagen.
Gefangene, die durch Hungerstreiks protestieren, werden
oft unter Methoden zwangsernährt, die ihrer Gesundheit schaden
und zu medizinischen Problemen führen. Gefangene werden regelmäßig psychologischem Druck wie etwa Isolierung, langen Verhören und Drohungen gegen ihre Familie ausgesetzt. Für diese
Mißbräuche sind die Sicherheitsorgane der Regierung verantwortlich.
1981 erklärte der oberste Neuropsychiater des sowjetischen
Gesundheitsministeriums auf dem 7. Sowjetischen Kongreß der
Neuropathologen und Psychiater, daß 1,2 Prozent der Patienten
in psychiatrischen Kliniken in Moskau dort seien "in Verbindung mit Besuchen bei Behörden, um grundlose Klagen und verleumderische Erklärungen vorzubringen." Die Sowjetunion verließ im Februar 1983 lieber die World Psychiatric Association,
als sich der zu erwartenden Untersuchung dieser Vereinigung
hinsichtlich sowjetischer Mißbräuche im Bereich der Psychiatrie zu stellen.
Zu den Opfern solcher Mißbräuche gehörte im Jahr 1985 Rosalia Kijkbaiewa, die im Mai 1983 in eine psychiatrische Klinik in Kasachstan gebracht wurde, weil sie sich weigerte, ihre
Bemühungen um Emigration aufzugeben, und die am 8. Januar 1985
im Alter von 29 Jahren starb, weil man ihr keine ausreichende
medizinische Versorgung zuteil hatte werden lassen.
Lydia Keufman, Frau des verhafteten Hebräischlehrers Jewgenij Keufman, wurde wegen Beistands und Verteidigung ihres
Mannes gleichfalls in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
Mindestens drei Mitglieder der "Gruppe zur Schaffung von Vertrauen zwischen der UdSSR und den USA" wurden für eine relativ
kurze Zeit in Moskauer psychiatrische Kliniken eingewiesen entweder um sie einzuschüchtern, oder um ihre Kontakte mit
Ausländern einzuschränken.
Andere politische Opfer des Mißbrauchs der Psychiatrie
verblieben in derlei Anstalten, viele von ihnen in speziellen
psychiatrischen Kliniken, die vom Innenministerium betrieben
werden. Einige Quellen schätzen, daß möglicherweise bis zu
1000 Menschen aus politischen oder religiösen Gründen in psychiatrischen Kliniken sind.
WILLKÜRLICHE VERHAFTUNG, GEFÄNGNIS ODER EXIL
... Eine neue Bestimmung des Strafgesetzes, wonach Gefangene in einem Arbeitslager noch zusätzlich bis zu 5 Jahre Haft
erhalten können für "bösartigen Ungehorsam gegenüber den Re-

�den Regeln des Arbeitslagers", wurde verwendet, um die Strafen
von Gefangenen zu verlängern, die aus Gewissensgründen in Haft
waren. Auf diese Weise ist auch wieder das Gespenst der Stalinzeit, die zeitliche unbegrenzte Haftstrafe, in den achtziger Jahren aufgetaucht.
Habeas Corpus oder ein Äquivalent gibt es nicht. Nach den
Gesetzen kann Untersuchungshaft bis zu neun Monaten dauern,
und Gefangene haben nicht das Recht, ihren Anwalt zu konsultieren, bis die Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Auf diese Weise bedeutet verlängerte Untersuchungshaft letztlich eine
Form präventiver Haft.
Die Behörden können zudem Haftstrafen von bis zu 15 Tagen
verfügen. 1985 wurden mehrere Moskauer Friedensaktivisten wegen "Rowdytum" oder Widerstand gegen die Staatsgewalt eingesperrt. Sergej Petrow, der mit einer Amerikanerin verheiratet
ist, wurde am 20. September verhaftet, als er versuchte, in
einer Konsularangelegenheit die Amerikanische Botschaft zu betreten und wurde zu zwei Wochen Arbeitslager verurteilt. Willkürliche Verhaftung oder Hausarrest wurden eingesetzt, um Dissidenten davon abzuhalten, sich während eines Jugendfestivals
in Moskau im August mit Ausländern zu treffen.
Die Praxis, politisch Andersdenkende in die Verbannung zu
schicken - oft in die entferntesten Dörfer Sibiriens oder andere entlegene Gebiete -, geht auf die Zeit der Zaren zurück
und dauert unter der Herrschaft der Sowjets an. Die Verbannung
folgt oft auf die Haft und bedeutet praktisch eine zusätzliche
Gefängnisstrafe unter den Bedingungen extremster Kälte, Isolierung und Mangel an Nahrungsmitteln. Diese Bedingungen werden nur dadurch etwas erleichtert, daß man Lebensmittelpakete
von Familienangehörigen erhalten kann, sich in einem begrenzten Bereich bewegen darf, Arbeit aufnehmen (allerdings meist
weit unter dem eigenen Standard) und sich eine mehr als bescheidene Wohnung einrichten kann. Die Familie des Verbannten
kann mit ihm zusammenleben.
Juri Orlow, Gründer der Helsinki-Überwachungsbewegung, der
seine Strafe - nach Freilassung aus einem Arbeitslager im Jahr
1984 - in der Verbannung in einem entlegenen Teil Sibiriens
verbringt, wurde im April 1985 von Unbekannten zusammengeschlagen und muß jetzt in einer primitiven Hütte leben, die
noch nicht einmal sanitäre Anlagen hat.
Die Verbannung von Andrei Sacharow und seiner Frau Jelena
Bonner in der Stadt Gorki, die für Ausländer gesperrt ist, ist
das beste Beispiel für diese Praxis. Die staatlichen Stellen
verwehrten ihm praktisch im gesamten Jahr 1985 normalen Kontakt mit seinen Kollegen aus der Welt der Wissenschaft und unterbanden praktisch allen Kontakt zur übrigen Welt.
Diese Situation
- 5-

�Diese Situation änderte sich Anfang November, als die sowjetischen Behörden Frau Bonner die Erlaubnis erteilten, zwecks
ärztlicher Behandlung in den Westen zu gehen. Beide Sacharows
durften anschließend Telefongespräche mit ihren amerikanischen
Verwandten führen. Trotz dieser Gesten war Dr. Sacharow zu
Jahresende noch immer in der Verbannung...
Neben der inneren Verbannung zwingen die Behörden Personen
zum "freiwilligen" Exil im Ausland. So wurde zum Beispiel Irina Griwnina, die sich früher gegen den Mißbrauch im Bereich
der Psychiatrie einsetzte, befohlen, das Land im Oktober zu
verlassen. Durch die "freiwillige" Ausreise von Lydia Staskewitsch im September verloren die inoffizielle Moskauer
Pfingstvereinigung eines ihrer führenden Mitglieder...
ENTZUG DES RECHTS AUF ÖFFENTLICHE GERICHTSVERFAHREN
Die Kontrolle der Gesellschaft durch die kommunistische
Partei bezieht sich auch auf das Rechts- und Strafrechtssystem und findet in politischen Fällen Anwendung, um einem Angeklagten im Prozeß die Garantien der Objektivität und der Unabhängigkeit zu verwehren. Die sowjetischen Behörden stellen
regelmäßig sicher, daß politische Prozesse unter Ausschluß der
Öffentlichkeit stattfinden, indem dafür Genehmigungen notwendig sind, der Gerichtssaal mit Parteileuten aufgefüllt wird
und Beobachter vor dem Gerichtssaal eingeschüchtert oder verhaftet werden. Ort und Zeitpunkt solcher Verhandlungen werden
oft nur kurzfristig genannt und können praktisch ohne Angabe
von Gründen verlegt werden.
Journalisten und Diplomaten aus dem Westen bekommen regelmäßig keinen Zugang zu politischen Prozessen; sie erhalten
auch keine Erlaubnis, Städte außerhalb Moskaus zu besuchen, wo
die Prozesse stattfinden...
Eine verläßliche, von privater Seite erstellte Liste politischer Gefangener in der UdSSR - sie wurde von dem sowjetischen Emigranten und ehemaligen politischen Gefangenen Kronid
Lubarsky herausgegeben -, enthält fast 900 Namen, einschließlich einiger Menschen in der Verbannung in entlegenen
Dörfern. Da die Daten über die Anzahl politischer Gefangener
als Staatsgeheimnis betrachtet werden, sind dem Westen nur relativ prominente Fälle, wie etwa diejenigen auf Lubarskys Liste, bekannt. Obgleich die Schätzungen etwas auseinandergehen,
sind doch die meisten Beobachter der Ansicht, daß es bis zu 10
000 Menschen gibt, die wegen ihrer religiösen und politischen
Überzeugung inhaftiert sind.
WILLKÜRLICHES EINDRINGEN IN DIE PRIVATSPHÄRE
Häufig mischt

�Häufig mischt sich der Staat in das Privatleben seiner
Bürger ein. Die Behörden sehen es als die Pflicht des Bürgers
an, sie über ungewöhnliche Verhaltungsweisen von Familienmitgliedern und Freunden zu unterrichten. Sie überprüfen regelmäßig Aufenthaltsort und Telefonanschluß sowjetischer Bürger
und Ausländer mit elektronischen Mitteln. Die Verfassung garantiert die Unverletzlichkeit der Privatsphäre, und theoretisch kann niemand eine Wohnung gegen den Willen des Bewohners
betreten, "wenn keine rechtlichen Gründe vorliegen". In der
Praxis hat diese Bestimmung nur wenig Wirkung auf die Untersuchungsbehörden, und eindeutig belegte Fälle gab es auch 1985
wieder, wo gewaltsam und illegal Wohnungen durchsucht wurden.
Durch die Überwachung von Post und Telefon schränken die
Behörden selektiv den Kontakt zwischen Sowjetbürgern und Ausländern ein, wobei oft auch Postsendungen beschlagnahmt werden.
Die Regierung behindert auch weiterhin die meisten westlichen Radioübertragungen in Russisch oder anderen Sprachen eine Maßnahme, die den Vereinbarungen der Schlußakte von Helsinki klar zuwiderläuft. Sowjetbürger, die mit ausländischen
Touristen auch nur Zufallsbegegnungen haben, werden häufig
vernommen, und der Besuch eines ausländischen Gastes kann umfangreiche Verhöre zur Folge haben. Ausländer werden oft verhört und eingeschüchtert, nachdem sie Sowjetbürger besucht haben und sogar, wie es im Jahr 1985 in einigen Fällen geschehen
ist, des Landes verwiesen. Hierbei waren die Behörden der
Stadt Leningrad besonders aktiv.
MEINUNGS- UND PRESSEFREIHEIT
Die Verfassung enthält die meisten international gültigen
politischen Freiheiten, schränkt deren Ausübung aber insoweit
ein, als das Verhalten des Einzelnen mit den "Interessen des
Volkes und der Stärkung des sozialistischen Systems" einhergehen muß. Für die Praxis bedeutet das, daß die Regierung kein
kritisches Verhalten zuläßt und bisher nicht gezögert hat,
Menschen für die Ausübung ihrer Meinungsfreiheit einzusperren.
Alle Informationsmedien werden von der Partei oder der Regierung kontrolliert, die entweder als Besitzer oder Betreiber
fungieren. Veröffentlichungen, Filme sowie Manuskripte für
Rundfunk- und Fernsehsendungen werden von der 'Hauptverwaltung zur Bewahrung der Staatssicherheit in den Medien' zensiert.
Sowjetische Journalisten unterstehen der Kontrolle durch
die Kommunistische Partei und unterliegen den Anweisungen ihrer Vorgesetzten in der Redaktion, die selbst verläßliche Parteimitglieder sind. Diese Tatsache macht sie nicht zu Journalisten im westlichen Sinne, sondern vielmehr zum Sprachrohr

�zum Sprachrohr offizieller Regierungspolitik....
In den Medien erscheinen öffentlich keine, der Regierungsmeinung entgegenstehenden Auffassungen zu wichtigen politischen Fragen. Es wird keinerlei Kritik an Partei, Regierung
oder Führung zugelassen, es sei denn, um einen Mißbrauch durch
die Verwaltung richtigzustellen oder eine Person in Verruf zu
bringen, die gegen Parteigesetze verstoßen hat...
Die Regierung hält auch weiterhin eine strenge Überwachung
der Arbeit ausländischer Zeitungen aufrecht. Eine offene Zensur von Nachrichtenübertragungen aus dem Land ist selten, aber
die Behörden belästigen bestimmte ausländische Journalisten,
und es ist in einigen Fällen bereits vorgekommen, daß sie die
Ausstellung von Visa verzögern oder die bereits ausgestellten
Visa wieder zurückziehen.
VEREINIGUNGSUND

VERSAMMLUNGSFREIHEIT

Die Verfassung garantiert ihren Bürgern das Recht, sich in
öffentlichen Vereinigungen zusammenzuschließen "im Einverständnis mit dem Ziel, den Kommunismus aufzubauen". Für die
Praxis heißt das, daß öffentliche Vereinigungen von den Behörden organisiert werden oder scharfen Kontrollen unterliegen;
die Regierung unterdrückt alle Versuche, sich ihrer Kontrolle
zu entziehen. Ergebnis einer Kampagne der letzten Jahre ist,
daß nahezu alle Menschenrechtsorganisationen oder Friedensgruppen unterdrückt und nicht mehr funktionsfähig sind. Zu den
abgeschafften Gruppen gehören auch die Helsinki-Beobachtungsgruppen, die versucht haben, die Verletzung der Schlußakte von
Helsinki durch die Regierung zu überwachen, sowie die Psychiatrische Beobachtungsgruppe, die sich mit dem sowjetischen Mißbrauch der Psychiatrie beschäftigte. Mitglieder dieser Gruppen
wurden inhaftiert oder ausgewiesen, viele warten noch auf ihre
Verurteilung. Einige, die im Jahr 1985 den Versuch machten,
die georgische Helsinki-Überwachungsgruppe in Tiflis wiederzubeleben, wurden verhaftet oder sahen sich der Drohung von Verurteilung zu Straflager gegenüber....
Die sowjetischen Behörden unterdrücken weiterhin alle inoffiziellen politischen oder gewerkschaftlichen Vereinigungen,
die ihrer Ansicht nach eine Herausforderung des Staatsmonopols
darstellen. Wladimir Sitinski, ein Mitglied der "Freien beruf sübergreifenden Arbeitervereinigung" (SMOT, nach der russischen Schreibweise) wurde der antisowjetischen Verleumdung bezichtigt und im Mai von einem Leningrader Gericht zu einem
zeitlich unbegrenzten Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik verurteilt.
Die "Gruppe zur Vertrauensbildung zwischen UdSSR und USA"
wurde seit 1985 massiv unter Druck gesetzt, deren Mitglieder

�deren Mitglieder verhaftet, eingesperrt, in psychiatrische Anstalten gesteckt, geschlagen und ins Ausland ausgewiesen. Ein
Mitglied der Gruppe, Wladimir Brodski, wurde im August wegen
"heimtückischen Rowdytums" zu drei Jahren Straflager verurteilt. ...
RELIGIONSFREIHEIT
Die Verfassung garantiert "das Recht auf Ausübung oder
Nicht-Ausübung jeglichen Glaubens, auf Besuch von Gottesdiensten oder Verbreitung atheistischer Propaganda". In Wirklichkeit werden jedoch den Gläubigen zahlreiche Beschränkungen
auferlegt. Die Teilnahme an religiösen Zeremonien zieht den
Ausschluß aus der kommunistischen Partei nach sich und manchmal auch die Entlassung vom Arbeitsplatz.
Wiederholt gab es im Jahr 1985 Beispiele zur Unterdrückung
der Religionsfreiheit, der besonders eine kleine 170-Seelen-Gemeinde der Pfingstbewegung zum Opfer gefallen ist. Zehn Gemeindeführer, darunter Pfarrer Viktor Walter wurden zu Arbeitslager bis zu fünf Jahren verurteilt. Alle berufstätigen
Erwachsenen wurden entlassen. In der Zwischenzeit haben sowjetische Behörden wiederholt Eltern aus der Gemeinde mit Entzug
des Erziehungsrechts gedroht, weil diese ihre Kinder zum
Schutz vor fortgesetzten Belästigungen und Schlägen von der
Schule genommen hatten....
Unter den nichtgemeldeten Baptisten gibt es die meisten
Verhaftungen unter allen religiösen Gruppen in der Sowjetunion. Drei Baptisten aus Gagra am Schwarzen Meer, Iwan Peters,
Wilhelm Richert und Viktor Rogalski, wurden bereits Mitte Mai
zu zwei bis drei Jahren Arbeitslager verurteilt...
In der Ukraine wurde die Kampagne gegen die Mitglieder der
verbotenen Unierten Kirche fortgesetzt. Josef Terelia, ein
Führer der inoffiziellen "Initiativgruppe des Komitees zur
Verteidigung von Gläubigen der Katholischen Kirche" wurde am
20. August wegen antisowjetischer Agitation und Propaganda zu
sieben Jahren Arbeitslager und fünf Jahren Verbannung verurteilt. Sein Kollege Wassili Kobrin wurde im März wegen antisowjetischer Verleumdung verurteilt.
Beide Männer gehörten zu den führenden Köpfen hinter der
Samisdat-Chronik der Katholischen Kirche in der Ukraine, die
die fortgesetzte sowjetische Unterdrückung der Unierten Kirche
aufzeigte, wobei auch Kirchen in Brand gesetzt wurden. Die
Chronik hat die Weltöffentlichkeit auf die Tatsache hingewiesen, daß Hunderte von ukrainischen Katholiken ihrer Staatsbürgerschaft abgeschworen haben, um gegen die religiöse Verfolgung und sowjetische Unterwerfung der Ukraine zu protestieren. ..
In den

- 9-

�In den traditionell moslemischen Regionen Zentralasiens
und Aserbaidschans gibt es nur wenige offene Moscheen und
ebensowenige offiziell anerkannte Religionsführer. Moslemische, aber nicht behördliche anerkannte Führer werden in der
offiziellen Presse als "Vagabunden" bezeichnet. Einer von ihnen, Akwerdi Eschkulow, wurde, Berichten zufolge, 1985 in der
Region Samarkand verhaftet und zu zwei Jahren Straflager verurteilt, weil er ohne offizielle Genehmigung als Mullah tätig
gewesen war....
Das harte Durchgreifen gegenüber praktizierenden Juden und
Hebräischlehrern setzte sich auch im Jahr 1985 fort, besonders
bei den Personengruppen, denen bereits einmal die Ausreisegenehmigung verweigert wurde. Bis zum Ende des Jahres 1985 waren
fünfzehn von ihnen zu Strafen bis zu vier Jahren Arbeitslager
verurteilt worden, viele aufgrund von erfundenen kriminellen
Vergehen, die speziell zu dem Zweck angeführt wurden, um ihre
Sache in Mißkredit zu bringen...
Dem Leningrader Hebräischlehrer Roald Zelichonok wurde am
8. August der Prozeß gemacht; er wurde wegen antisowjetischer
Verleumdung zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt, offensichtlich auf der Basis von Bemerkungen aus seiner privaten
Korrespondenz.
Jewgenij Keufman wurde in Dnjepropetrowsk wegen erfundener
Vorwürfe zum Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz zu dreißig
Monaten streng überwachtem Arbeitseinsatz verurteilt. Seine
Frau wurde wegen ihrer Versuche, ihren festgehaltenen Mann zu
unterstützen und zu verteidigen, in eine psychiatrische Klinik
gesteckt.
Ein weiterer Hebräischlehrer, Leonid Wolwowski, der bereits in die für Ausländer gesperrte Stadt Gorki verbannt worden war, wurde der antisowjetischen Verleumdung beschuldigt
und am 24. Oktober zu drei Jahren Straflager verurteilt. Sein
Prozeß fand in entsprechender Atmosphäre statt: Wände in der
Nähe seiner Wohnung waren mit antisemitischen Parolen beschmiert und in der offiziellen Lokalpresse gab es hetzerische
Artikel ... Im Herbst 1985 wurde die Zahl der inhaftierten jüdischen Aktivisten auf 22 geschätzt.
Im Februar und später noch einmal im September wurde im
sowjetischen Fernsehen und in mehreren Kinos ein Film mit dem
Titel "Konspiration gegen die sowjetische Nation" gezeigt. Der
Film griff nicht nur die Hauptfiguren unter den Dissidenten
an, sondern er suchte auch nach Verbindungen zwischen der jüdischen Auswanderung und Aktivitäten westlicher Geheimdienste.
Viele sowjetische Juden betrachten diese Art von Filmen, Büchern und Artikeln mit antisemitischem Inhalt als Beweis für
die von der Regierung angeregte, feindliche Haltung ihnen gegenüber .. .
RECHT AUF
- 10-

�RECHT AUF FREIZÜGIGKEIT
Das Recht auf Freizügigkeit ist weder im Gesetz garantiert
noch in der Praxis respektiert. Obwohl es den Bürgern in der
Regel freisteht, sich innerhalb des Territoriums der UdSSR
frei zu bewegen, unterliegen Reisen in bestimmte Landesteile,
z.B. in grenznahe Gebiete oder militärische Sperrbezirke, einer besonderen Genehmigung ...
Etwa zwanzig Prozent der Sowjetunion können formal nicht
von Ausländern bereist werden. Tatsächlich sind weitere siebzig Prozent entweder geschlossen oder praktisch nicht zugänglich . ..
Als Mitglied der Vereinten Nationen hat die UdSSR der
Übereinkunft zugestimmt, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte anzuwenden und hat ferner weitere internationale
Dokumente angenommen, in denen den Bürgern das Recht auf Auslandsreisen zugestanden wird. In Wirklichkeit erkennt die Sowjetunion jedoch nicht das Recht ihrer Bürger an, aus freien
Stücken auszureisen; als einzig zulässige Begründung für eine
Ausreise gilt die Wiedervereinigung getrennter Familien ...
Die Ausreise von Juden wurde im Jahr 1985 weiter in erheblich beschränktem Umfang fortgesetzt. Die Zahl von 1.140 bedeutet nur einen geringen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Trotz
weltweiter Besorgnis und Verurteilung gab es zum Jahresende
noch keine eindeutigen Anzeichen dafür, daß die sowjetischen
Behörden die Zahl der Ausreisegenehmigungen erhöhen würden.
Viele Juden warten seit mehr als zehn Jahren vergeblich
auf eine Genehmigung zur Ausreise. Jüdischen Quellen zufolge
gibt es immer noch mehr als 200 000 Juden, die das für eine
Ausreisegenehmigung erforderliche Einladungsschreiben aus Israel besitzen. Die Zahl der Deutschstämmigen und der Armenier,
die aus der Sowjetunion emigrierten, war auch 1985 niedrig.
Im Jahr 1985 löste die Sowjetunion einige Fälle auf der
von den Vereinigten Staaten vorgelegten Liste über getrennte
Familien. Diese Liste enthält die Namen sowjetischer Familien,
denen von sowjetischer Seite die Genehmigung verweigert wird,
zu ihren in den Vereinigten Staaten lebenden Verwandten auszureisen. Zum Jahresende gab es auf dieser Liste immer noch 130
Familien.
Auf der von der US-Regierung vorgelegten Liste über amerikanische Bürger befinden sich dreiundzwanzig Personen mit
doppelter - amerikanischer und sowjetischer - Staatsbürgerschaft, von denen einige bereits seit Jahrzehnten auf ihre
Ausreisegenehmigung warten. Von dieser Liste wurde im Jahr
1985 nur ein Fall gelöst.
Der einzige
- 11-

�Der einzige erwähnenswerte Fortschritt wurde 1985 in bezug
auf Personen erreicht, die auf der von der US-Regierung vorgelegten Liste von getrennten Ehepaaren stehen. Auf der Liste
befinden sich die Namen von mit US-Bürgern verheirateten sowjetischen Personen, denen von sowjetischer Seite die Genehmigung verweigert wurde, zu ihren Ehepartnern in die Vereinigten
Staaten auszureisen. Im Jahr 1985 wurden vierzehn Fälle gelöst, dennoch gab es zum Jahresende immer noch achtzehn Ehepartner auf der Liste ...
Obwohl sowjetische Emigranten in der Regel ihren sowjetischen Reisepaß bei sich haben, wenn sie die UdSSR verlassen,
wird ihnen nicht in jedem Fall die Rückreise gestattet. Einigen wird in Abwesenheit die Staatsbürgerschaft aberkannt und so
ihre Rückkehr unmöglich gemacht.
Jüdische Emigranten, die nach Israel ausreisen, müssen vor
der Abreise die sowjetische Staatsbürgerschaft aufgeben und
werden somit daran gehindert, als sowjetische Bürger in die
UdSSR zurückkehren zu können ...

* * * * *

- 12-

�:e° s?&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

19. Februar 1986

DROGENKRIEG UNTER NEUEN ASPEKTEN

- (AD) - In vielen Teilen der Welt gibt es eine direkte
Verbindung zwischen illegalem Drogenhandel und "Subversion,
internationalem Terrorismus und anderen verbrecherischen Handlungen". Darauf verweist die Internationale Kommission für
Suchtstoffkontrolle (INCB), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Wien, in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht.
Die INCB-Studie bezeichnet die oben geschilderte Situation
als "eine unheilvolle Entwicklung". Der illegale Anbau und
die illegale Produktion von Rauschgiften werde in einer wachsenden Zahl von Ländern betrieben - und "diese illegalen Aktivitäten werden von bestens organisierten Verbrechersyndikaten mit internationalen Verbindungen finanziert und betrieben",
In den meisten Teilen der Welt, so der Bericht, sei Drogenmißbrauch stark verbreitet und nehme in manchen Ländern
weiter zu. Aber ebenso wachse auch die Erkenntnis, daß es
sich beim Drogenproblem um eine schwerwiegende Sache handle.
Die Gefährdung des Wohlergehens von Bürgern und die Bedrohung
der politischen Stabilität und Sicherheit einer Reihe von Regierungen hat zu umfassenden Gegenmaßnahmen in bezug auf den
Anbau, die Produktion, Weiterverarbeitung, den Handel und Konsum gefährlicher Drogen geführt. Im Jahr 1985 räumte eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�räumte eine größere Anzahl von Ländern dem Krieg gegen Drogen
höhere Priorität ein und wandten mehr dafür auf, als je zuvor. Auch gab es mehr und verbesserte regionale und internationale Zusammenarbeit in diesem Kampf.
Im letzten Jahr wurde eine Reihe spezieller Maßnahmen in
Angriff genommen, um die Produktion von Suchtstoffen und den
Handel mit Drogen zu stoppen. In zahlreichen Regionen wurden
mit modernsten Methoden Anbauflächen für Rauschgiftpflanzen
aufgespürt, die Kulturen in Großaktionen vernichtet. Manche
Länder verschärften die Kontrollen für Chemikalien und Lösungsmittel, die zur Herstellung von Rauschgiften gebraucht
werden. Außerdem wurden zusätzliche Abkommen über die Auslieferung von Drogenhändlern ausgehandelt.
Der INCB-Bericht macht darauf aufmerksam, daß gegenwärtig
neue Suchtstoffe auf dem illegalen Drogenmarkt auftauchten.
Dabei handle es sich vor allem um synthetische und "umkonstruierte" Suchtstoffe, die durch Veränderung der chemischen
Struktur bestimmter illegaler Drogen hergestellt werden. Solche veränderten Suchtstoff-Verbindungen unterliegen nicht der
Kontrolle durch die vorhandenen Gesetze. Deshalb seien neue
nationale und internationale gesetzliche Maßnahmen erforderlich.
In amerikanischen Regierungskreisen wird die Tatsache, daß
sich die Völkergemeinschaft der großen Gefahren durch Drogenhändler und ihre Bundesgenossen stärker bewußt wird, als ermutigend gewürdigt. Als noch ermutigender sei jedoch die Bereitschaft von immer mehr Regierungen zu werten, mit konkreten
Maßnahmen gegen diese Leute vorzugehen.

* * * * * *

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismusbekämpfung: Der Einfluss der öffentlichen Meinung&lt;br /&gt;- Äußerungen von Botschafter Robert Oakley -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anstrengungen der Vereinigten Staaten zur Verbesserung der Menschenrechtssituation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Äußerungen von Unterstaatssekretär Schifter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UdSSR genügt internationalen Maßstäben bei Menschenrechten nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 10. Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Hintergrund&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Drogenkrieg unter neuen Aspekten&amp;nbsp;</text>
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                    <text>ERIKA DIENST
*.

8

26. Februar

1936

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Abschaffung amerikanischer und sowjetischer
Mittelstreckenraketen
- Antwort auf Gorbatschows Vorschläge -„
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
- Rede des US-Botschafters Richard R. Burt vor dem
Oberseeclub in Hamburg -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-RAUMTRANSPORTERPROGRAMM

I

UNTER NEUER LEITUNG

- Erste Trümmer der rechten Feststoffrakete geborgen -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VoN

Dokumentation

4

26. Februar 1986

REAGAN FORDERT ABSCHAFFUNG AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER
MITTELSTRECKENRAKETEN
- Antwort auf Gorbatschows Vorschläge -

Washington - ( A D ) - Nach Aussagen von Präsident Reagan haben
amerikanische Unterhändler jetzt einen "konkreten Plan" vorgelegt, der in Europa und Asien die Abschaffung sowohl der amerikanischen Pershing II-Raketen und bodengestützten Marschflugkörper als auch sowjetischer SS-20-Raketen fordert.
In einer schriftlichen Erklärung vom 2 4 . Februar betonte
der Präsident, sein Plan fordere, daß "all diese Raketen bis
zum Ende dieses Jahrzehnts von der Erdoberfläche entfernt werden" .
Der Plan wurde als Antwort auf Generalsekretär Gorbatschows Vorschläge vom 1 5 . Januar vorgelegt. Reagan bat die
Sowjetunion, den neuen amerikanischen Vorschlag "sorgfältig zu
prüfen" und am Genfer Verhandlungstisch "konkret darauf zu
antworten".
Nachfolgend bringen wir die Erklärung Präsident Reagans im
Wo r 11 a u t:
Am 15. Januar habe i ch die Tatsache begrüßt, daß die Sowjetunion Rüstungskontroi lvorschläge vorgelegt hatte, von denen
wir erhofften, daß sie d en Fortschritt bei den Genfer Treffen
und anderen Verhandlunge n unterstützen würden. Ich stellte
fest, daß einige Teile d er sowjetischen Ankündigung konstruktiv zu sein scheinen und auf unseren Vorschlägen, die wir bereits zu einem früherem Zeitpunkt auf den Verhandlungstisch
gelegt hatten, aufbauen, Andere Teile widerspiegeln jedoch
frühere sowjetische Stan dpunkte, die ein ernsthaftes Hindernis
für den Fortschritt dars teilen.
Wir haben diese sowjetischen

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Ideen sehr genau analysiert

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�genau analysiert und uns eingehend mit unseren Freunden und
Verbündeten in Europa und Asien besprochen, bevor wir der Sowjetunion antworteten. Diese Konsultationen waren ausgezeichnet
und haben uns wichtige Denkanstöße gegeben; wir haben jetzt
unsere Analyse vervollständigt und eine Entscheidung getroffen. Ich habe dies den politisch Verantwortlichen unserer
Bündnisstaaten mitgeteilt und Generalsekretär Gorbatschow geantwortet.
Ich habe Herrn Generalsekretär Gorbatschow gegenüber meinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, in den wichtigsten Foren der
Rüstungskontrolle und in den anderen Schlüsselbereichen der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen Fortschritte zu erzielen: bei den regionalen Fragen, Menschenrechten und bei bilateralen Angelegenheiten. Ich habe die Haltung der Vereinigten
Staaten bekräftigt, daß die ersten Schritte im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle in einschneidenden Kürzungen bei den
amerikanischen und sowjetischen Offensivwaffen bestehen sollten, über die im Augenblick in Genf verhandelt wird.
Im Hinblick auf das Konzept, das vom Generalsekretär als
sein "Plan" zur Abschaffung aller Nuklearwaffen bis zum Ende
des Jahrhunderts vorgelegt wurde, freue ich mich darüber, daß
die Sowjetunion im Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung zur
- wenn möglich - totalen Abschaffung nuklearer Waffen,
zuzustimmen scheint. Man braucht nicht darauf hinzuweisen, daß
dies vorsichtig geschehen muß, im Einvernehmen mit den allgemeinen Anforderungen an die Sicherheit und Stabilität der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.
Als Mittel zur Erreichung dieses Zieles unterstützen wir
einen Prozeß, durch den die vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen würden, indem sie auf
beiden Seiten das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen verhandeln. Wir glauben, daß wir uns weiterhin unmittelbar auf
die baldige Erfüllung dieser ersten notwendigen Schritte konzentrieren sollten.
Wir freuen uns auch darüber, daß die Sowjetunion jetzt öffentlich unsere seit langem eingenommene Haltung anerkannt
hat, daß die Verifizierbarkeit der verhandelten Abkommen den
wichtigsten Punkt darstellt. Wir beabsichtigen, am Verhandlungstisch, wenn nötig, alle Probleme der Verifizierung und
Gorbatschows öffentliches Angebot konkret zu untersuchen.
Auf der anderen Seite sind viele der besonderen Einzelheiten, die in den folgenden Phasen des sowjetischen "Planes"
vorgeschlagen wurden, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eindeutig
noch nicht in Erwägung zu ziehen. Unserer Ansicht nach wird
die völlige Abschaffung nuklearer Waffen gleichzeitig die Be- 2-

�die Berichtigung des Ungleichgewichts bei konventionellen und
anderen Waffen erfordern und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf eine Art und Weise, die
Wahlfreiheit ohne Einmischung von außen erlaubt sowie ein von
der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb. Leider gehen die Einzelheiten des sowjetischen "Plans"
nicht auf diese gleichermaßen unerläßlichen Anforderungen ein.
Ich würde gern an all diesen Fronten Fortschritte erzielen.
Während wir uns allgemein um Fortschritt bemühen, gibt es
einen Bereich, von dem ich hoffe, daß wir hier zu einem unmittelbaren Fortschritt gelangen werden: bei den Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckenwaffen. Heute haben unsere Unterhändler in Genf einen konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung von amerikanischen Pershing-II-Raketen, bodengestützten Marschflugkörpern und sowjetischen SS-20-Raketen
nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art bis zum Ende des Jahrzehnts von der Erdoberfläche entfernt werden sollen.
Ich rufe die Führung der Sowjetunion auf, die Einzelheiten
unseres neuen Vorschlags sorgfältig in dem Geiste, in dem er
vorgelegt worden ist, zu prüfen und am Verhandlungstisch konkret darauf zu antworten. Ich fordere die Sowjetunion auf,
auch auf die konkreten und umfassenden Vorschläge zu antworten, die die Vereinigten Staaten am 1. November in Genf vorgelegt hatten. Diese Vorschläge betrafen alle drei Bereiche
der Nuklear- und Weltraumgespräche (NST). Unglücklicherweise
wurden unsere Vorschläge zu strategischen Nuklearwaffen
sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen nicht beantwortet.
Lassen Sie mich betonen, daß wahrer Fortschritt beim Abbau
nuklearer und anderer Waffen nur in vertraulichen Gesprächen
am Verhandlungstisch erreicht werden kann. Die vereinigten
Staaten tragen ihren Teil dazu bei, den praktikablen Prozeß
des Gebens und Nehmens, der zu einschneidender Abrüstung führen kann, bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen zu unterstützen. Mit ebensolchem Einsatz unserer sowjetischen Verhandlungspartner sind wirkliche Fortschritte jetzt nähergerückt.

- 3-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VION &amp;

26. Februar 1986

EUROPA UND DAS BÜNDNIS Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept

- HAMBURG - (AD) - In einer Red e vor dem Hambu rger Uberseeklub hat der amerikanische Botsc hafter in Bonn, Richard R.
Burt, am 25. Februar das Thema "Eur opa und das Bün dnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept" behan delt. Er erinne rte an die
Erfolge des Atlantischen Bündnisses beim Widerstan d gegen sowjetische Versuche, Sonderbeziehunge n zwischen den Verein igten
Staaten und der Sowjetunion auf Kos ten der europäi sehen Sicherheit herzustellen. "Wir werden uns auch weiter hin sowjetisehen Versuchen widersetzen, die Si cherheit des Bü ndnisses
durch die Herstellung eines separat en 'eurostrateg ischen'
Gleichgewichts zu unterteilen. Wir werden mit unse ren Bemühungen fortfahren, um sicherzustellen, daß Westeuropa ein Recht
auf Sicherheit behält, das unserem eigenen und jen em der Sowjetunion entspricht," betonte er.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Herr Professor Stödter, Herr Präsident Schulz, Herr Senator Lange, Herr Generalkonsul Ezen, sehr geehrte Mitglieder
des Uberseeklubs - Ich freue mich sehr, in Hamburg zu sein und
betrachte es als ein Privileg, heute diese Gelegenheit zu haben, zu Ihnen über ein Thema zu sprechen, das meiner Ansicht
nach für die Überlegungen politischer Entscheidungsträger auf
beiden Seiten des Ozeans von zentraler Bedeutung ist - die Zukunft des westlichen Bündnisses.
Ich glaube, dies ist heute ein ganz besonders angemessener

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�besonders angemessener Ort, um meine Gedanken über das Bündnis
darzulegen. In seiner langen und stolzen Tradition als Mitglied der Hanse symbolisiert Hamburg seit Jahrhunderten für
Deutschland das Tor zur Welt und gehört bis heute zu den Städten Deutschlands mit dem wohl ausgeprägtesten internationalen
Charakter. Es ist darüber hinaus eine Stadt, die sich einer
langen und treuen Befolgung der Prinzipien von Demokratie und
Freiheit rühmen kann, die die Grundlage des Bündnisses bilden.
Und was könnte ein angemessenerer Rahmen für diese Ansprache
sein als der Uberseeklub, der mit Stolz auf seinen Beitrag zur
Neugestaltung der internationalen Beziehungen Deutschlands
nach zwei Weltkriegen zurückblicken kann?
Einige von Ihnen werden sich vielleicht fragen, warum ich
zu diesem gegenwärtigen Zeitpunkt gerade das Thema des Atlantischen Bündnisses gewählt habe, anstatt über die Aussichten
auf Verbesserung der Ost-West-Beziehungen und besonders auch
der Rüstungskontrolle zu sprechen. Dies ist, was die Ost-West-Beziehungen anbelangt, wirklich eine ereignisreiche Zeit, man
denke nur an die erfolgreichen "Kamingespräche" beim Gipfeltreffen im vergangenen November, die dramatische Freilassung
Anatolij Schtscharanskis vor zwei Wochen und die neuen Vorschläge, die in die Diskussion um nukleare und konventionelle
Rüstungskontrolle eingebracht wurden.
Natürlich besteht, sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten, großes Interesse an der Zukunft unserer Beziehungen. Aber wenn wir über das Atlantische Bündnis sprechen,
sprechen wir in gewissem Sinne über den Prozeß des Ost-West-Dialoges, zumal die Entwicklung einer einigen und einheitlichen globalen Vorgehensweise notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen mit dem Osten darstellt. Dieses Axiom
ist nirgendwo stärker zum Ausdruck gekommen als in Genf, wo
die Solidarität und die Entschlossenheit des Westens zweimal,
in den Jahren 1982 und 1985, die Sowjetunion dazu brachten, an
den Verhandlungstisch zurückzukehren. Und ich bin fest davon
überzeugt, daß die Einheit und Entschlossenheit des Bündnisses
eine große Rolle bei der Anregung zu dem sowjetischen Gegenvorschlag vom letzten Herbst und auch bei den jüngsten Vorschlägen von Generalsekretär Gorbatschow gespielt haben und
somit dazu beitrugen, jene Möglichkeiten zu schaffen, die sich
uns jetzt vielleicht bei der Rüstungskontrolle bieten.
Eine Allianz in der Krise?
Erst vor einigen Jahren noch war es auf beiden Seiten des
Atlantik Mode, vom Bündnis im Zusammenhang mit einer fundamentalen Existenzkrise zu sprechen. Sogar heute wird manchmal die
Frage gestellt: Kann das Atlantische Bündnis überleben, und
wenn das der Fall ist: In welcher Form kann es überleben? Ich
glaube, daß Sie mir aber zustimmen werden, daß die Ereignisse

�die Ereignisse der vergangenen paar Jahre ziemlich eindeutig
gezeigt haben, daß es gar keine grundlegende Krise des Bündnisses gibt. Wir haben die Entscheidung über Mittelstreckenwaffen vom Dezember 1979 erfolgreich durchgeführt und dies angesichts systematischer und hartnäckiger sowjetischer Anstrengungen, die Entscheidung zunichte zu machen und dadurch die
Handlungsfähigkeit des Bündnisses zu untergraben. In der Zwischenzeit steigt die Unterstützung für das Bündnis seitens der
Regierungen und der Öffentlichkeit. Einer jüngsten Meinungsumfrage des Emnid-Instituts zufolge befürworten 87 Prozent der
westdeutschen Bevölkerung die weitere Mitgliedschaft in der
NATO - ein gesunder Anstieg von 9 Prozent gegenüber 1981 und
ein noch dramatischerer Meinungsumschwung gegenüber 1983. Ähnliche Studien zur Einstellung der Öffentlichkeit in anderen
westlichen Ländern - meines eingeschlossen - spiegeln die
deutschen Ergebnisse wider.
Obwohl wir eigentlich nicht länger vor einer Krise Angst
zu haben brauchen, können wir es uns doch nicht leisten, der
Zukunft des Bündnisses gleichgültig gegenüberzustehen. Sowohl
in Europa als auch in Amerika scheinen gegenseitige Ressentiments wieder zuzunehmen. Diese Vorbehalte gehen im Falle Amerikas von der Annahme aus, daß Europa nicht gewillt ist, seinen fairen Anteil an den Lasten des Bündnisses zu tragen, besonders was die Berücksichtigung gemeinsamer globaler Interessen betrifft. In Europa nährt diese Vorbehalte die Annahme,
daß die Vereinigten Staaten sowohl in Bezug auf ihre Wirtschafts- als auch auf ihre Sicherheitspolitik zu erdrückend
und auch zu rasch bereit seien, Europa in ihre eigenen Streitigkeiten zu verwickeln.
In einem 1984 erschienenen Essay hat Henry Kissinger diese
gegenseitigen Ressentiments sehr gut umrissen. Er schrieb:
"Auf beiden Seiten des Atlantik sehen wir uns von der
Dominanz der Innenpolitik über globale politische
Strategien bedroht. In Europa führt dies in allzu vielen
Ländern zu einem kaum verhüllten Neutralismus. In den
Vereinigten Staaten beschleunigt dies unsere bereits
starke Tendenz zu Unilateralismus und Isolationismus".
Ich zitiere diesen Passus nicht, weil ich ihm unbedingt
zustimme, sondern als ein Beispiel für die Art von Ressentiments, die sich aus der Vorstellung eines Ungleichgewichts innerhalb des Bündnisses ergeben.
Dieser Vorstellung eines militärischen und politischen Ungleichgewichts sind verschiedene Überlegungen entsprungen, die
sich für beträchtliche Veränderungen in der künftigen Struktur
und in der Zielsetzung des Bündnisses einsetzen, was letztlich
einer Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa
gleichkäme. Eine der Theorien, auf die ich in der Bundesrepu- 3 -

�der Bundesrepublik Deutschland gestoßen bin, vertritt die Ansicht, Europa müsse sich "europäisieren", indem es seine Verbindungen zu den Vereinigten Staaten lockere. So könne Europa
seine eigenen Interessen weitgehend mit einer Politik der
Äquidistanz zu beiden Supermächten verfolgen. Auf der anderen
Seite des Atlantik hat sich eine unilateralistische Bewegung
herausgebildet, die behauptet, die Vereinigten Staaten würden
nur allzu oft durch ihre Verbündeten gelähmt und müßten ihre
frühere Handlungsfreiheit in der Weltpolitik wiedergewinnen.
Diese Denkrichtung sieht Europa als zu schwach, unentschlossen
und unfähig an, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen,
während es dadurch die Vereinigten Staaten an entschlossenem
Handeln hindert.
Ich kann keiner dieser beiden Theorien zustimmen. Durch
die Unterschätzung der wahren Stärke und des Potentials des
Bündnisses verzerren sie die Realität. Wir können uns weder
von den gemeinsamen Werten und Prinzipien, die das Rückgrat
des Bündnisses bilden, noch von den gemeinsamen Erfahrungen
der vergangenen vierzig Jahre abwenden. Ein Bruch zwischen den
europäischen und amerikanischen Partnern des Bündnisses ist
weder möglich noch wünschenswert.
Aber wir können es uns auch nicht leisten, diese beiden
Theorien einfach zurückzuweisen. Wir müssen mit den Gründen
fertigwerden, die sich hinter dieser Verstimmung verbergen.
Wir müssen auch weiterhin den Pfad der engeren Konsultationen
und Zusammenarbeit, wie auch einer gleichmäßigeren Lastenverteilung im Bündnis verfolgen. Zu diesem Zweck benötigen wir
für das Bündnis und dessen Zukunft auch einen theoretischen
überbau, ein Konzept, das nicht nur unsere alltäglichen Bemühungen leiten und inspirieren wird, sondern uns dabei hilft,
auch weiterhin die öffentliche Unterstützung für das Bündnis,
besonders seitens der jüngeren Leute, zu behalten. Die Idealvorstellung wäre dabei eine gleichberechtigte und reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, eine
Vision, wie sie Präsident Kennedy im Jahre 1962 in seinem Vergleich der zwei Säulen formuliert hat, der erst kürzlich wieder sowohl von europäischen als auch amerikanischen Regierungsvertretern bekräftigt wurde.
Um dieses Konzept und die mit ihm verbundenen Aufgaben in
einen angemessenen Rahmen zu stellen, würde ich gern kurz auf
die entscheidenen Jahre des Bündnisses eingehen und auch die
frühen Erfolge beim Aufbau eines vereinteren Europa und der
Förderung einer gleichberechtigteren Partnerschaft nachzeichnen. In seiner Anfangszeit im Jahre 1949 war das Nordatlantische Bündnis natürlich ganz anders, als es sich uns heute darstellt. Europa hatte gerade angefangen, sich wirtschaftlich
und politisch von dem verheerendsten und zerstörerischsten
Krieg seiner Geschichte zu erholen. Im Gegensatz dazu waren
die Vereinigten Staten mit einem erheblichen Zuwachs an wirt-

�an wirtschaftlicher Stärke, militärischer Kraft und politischem Einfluß aus dem Krieg hervorgegangen. Unter Mißachtung
ihrer isolationistischen Traditionen verwandten die Vereinigten Staaten ihre Energie darauf, Europa beim Wiederaufbau seiner Wirtschaft zu unterstützen und die westliche Verteidigung
gegenüber der sowjetischen Aggression und Subversion sicherzustellen. Die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft der
Vereinigten Staaten spiegelte sich in der Verteidigungskonzeption des Bündnisses wieder. In diesen frühen Jahren hing die
Verteidigung Europas fast vollständig von der amerikanischen
strategischen Abschreckung ab und von der verbindenden Wirkung
amerikanischer Truppen in Europa.
In dem Jahrzehnt, das auf die Gründung der NATO folgte,
gelang es Europa, seine wirtschaftliche Stärke und politische
Stabilität wiederherzustellen. Das Wirtschaftswunder in der
Bundesrepublik Deutschland wurde von einem soliden, wenn auch
manchmal weniger dramatischen, wirtschaftlichen Wachstum in
den anderen Ländern Westeuropas begleitet. Wieder einmal näher
ten sich die Europäer dem amerikanischen Produktions- und
Konsumniveau an. Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge
von 1957 wurde ein wichtiger, konkreter Schritt zur Schaffung
einer größeren europäischen Einheit unternommen. Die Vereinigten Staaten ihrerseits unterstützten stetig den Wiederaufbau
der europäischen Wirtschaft und begrüßten das Hervortreten
Europas als echter wirtschaftlicher Partner.
In den frühen sechziger Jahren machte sich jedoch zu beiden Seiten des Atlantik ein wachsendes Gefühl der Enttäuschung
darüber breit, daß die voranschreitende wirtschaftliche Einheit Europas nicht mit einem vergleichbaren Fortschritt im politischen und sicherheitspolitischen Bereich einherging. Aus
diesem Grunde gab es in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren Bemühungen, der politischen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit in Europa einen Impuls zu geben.
Ein prominenter Amerikaner, der solch einen Anstoß geben
wollte, war Präsident John F. Kennedy. Das von ihm postulierte
Ideal war das einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und einem stärker vereinten, verantwortungsbewußten Europa, die als zwei Säulen einer stärkeren
und leistungsfähigeren Allianz fungieren sollten. In seiner
Rede in der Independence Hall von Philadelphia am 4. Juli 1962
erklärte Kennedy:
"Wir betrachten ein starkes und vereintes Europa nicht als
Rivalen sondern als Partner...Ein vereintes Europa wird in
der Lage sein, eine bedeutendere Rolle in der gemeinsamen
Verteidigung zu spielen, großzügiger auf die Bedürfnisse
ärmerer Staaten zu reagieren, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Zollschranken abzubauen, Handels-,
Rohstoff- und Währungsprobleme zu lösen und eine

�und eine koordinierte Politik in allen wirtschaftlichen,
politischen und diplomatischen Bereichen zu entwickeln...
Wir sind bereit, mit einem vereinten Europa die Möglichkeiten zur Bildung einer konkreten atlantischen Partnerschaft zu besprechen, einer für beide Seiten vorteilhaften
Partnerschaft zwischen der neuen, sich gegenwärtig in Europa entwickelnden Union und der alten amerikanischen
Union, die hier vor 175 Jahren gegründet wurde."
Lassen Sie mich diesen historischen Überblick kurz unterbrechen um auf einen, mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig
erscheinenden, Punkt einzugehen. Es wurde in der Vergangenheit, und es wird auch noch heute darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten es lieber mit einem schwachen und zersplitterten Europa als mit einem starken und geeinten zu tun
hätten. Wie Kennedys Worte jedoch anschaulich beweisen, stimmt
dies einfach nicht. Amerikanische Führer vor und nach Kennedy
haben konsequent ein geeinteres Europa unterstützt. Präsident
Reagan tat dies besonders unmißverständlich während seiner Rede vor dem Europäischen Parlament im vergangenen Mai. Diese
Politik manifestierte sich kürzlich auch in der amerikanischen
Unterstützung für den Beitritt Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft.
Die amerikanische Unterstützung für ein vereinteres Europa
basiert nicht auf Altruismus, sondern auf Eigeninteresse, und
dies kann auch ihre Dauerhaftigkeit erklären. In einer 1982 in
London gehaltenen Rede stellte Henry Kissinger diesen Punkt
besonders klar heraus:
"Es ist den Vereinigten Staaten psychologisch - nicht
nur physisch - unzumutbar, die einzige oder auch nur die
Hauptquelle von Initiative und Verantwortung in der nichtkommunistischen Welt zu sein. Die amerikanische Unterstützung der europäischen Einigung war deshalb ein Ausdruck
von Eigeninteresse, auch wenn sie unter der Flagge des Altruismus segelte; sie bedeutete für uns einen Vorteil,
auch wenn wir manchmal dafür in Form von aufeinanderprallenden Sichtweisen bezahlten - vorausgesetzt, daß wir
einen Weg zu kreativer Einigkeit über grundsätzliche Fragen gefunden haben."
Trotz einiger fehlerhafter Anfänge schritt der Prozeß der
wirtschaftlichen und politischen Integration Europas während
der sechziger und siebziger Jahre stetig voran. Einige der
Projekte für mehr Integration, wie etwa das der Multilateralen
Nuklearstreitmacht (MLF), waren schlecht geplant und führten
zu nichts, und es gab Zeiten, in denen nationalistische Tendenzen sich wieder zu verstärken drohten. Jedoch ergab sich
während dieser Jahre durch den Eintritt Großbritanniens in die
EG sowie durch die Institutionalisierung außenpolitischer Konsultationen innerhalb des EG-Mechanismus auch eine Stärkung

�eine Stärkung der europäischen Struktur. Eine weitere bedeutende Leistung dieser Jahre bestand in der Schaffung des Europäischen Währungssystems, das eine Antwort auf die durch die
Ölkrise und die weltweite Rezession der frühen siebziger Jahre
verursachten Währungsschwankungen darstellte. Anders als in
den dreißiger Jahren brachten die wirtschaftlichen Erschütterungen der siebziger Jahre die Europäer einander näher, anstatt sie auseinanderzutreiben.
Während des gleichen Zeitraums bewegten sich die transatlantischen Beziehungen voran, wenn auch in einem etwas ungleichmäßigen Tempo. Besonders während des Vietnam-Krieges beschäftigten die Vereinigten Staaten sich zusehends mit ihren
Interessen und Verpflichtungen in anderen Teilen der Welt. In
den frühen siebziger Jahren wurde der amerikanischen Öffnung
nach China und der Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion weitgehend eine höhere Priorität eingeräumt als der Pflege
des Verhältnisses zu Europa. Während mehrerer Jahre in den
frühen bis zur Mitte der siebziger Jahre wurde das Bewußtsein
Washingtons von innenpolitischen Streitfragen beherrscht. Als
Ergebnis dieser Ablenkungen dauerte es letztendlich weit länger als ein Jahr, um die Ziele des von Kissinger proklamierten
"Europäischen Jahres" zu verwirklichen. Am Ende dieses Jahrzehnts waren die Institutionen, Kanäle und politischen Praktiken der transatlantischen Zusammenarbeit in mehr oder minder
der Weise gestärkt, wie dies sich Kissinger 1973 vorgestellt
hatte.

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre hat sich das Tempo der europäischen Integration und der transatlantischen Zusammenarbeit merklich erhöht. Meiner Ansicht nach, und dies
bringt mich zur Hauptthese dieser Rede, beobachten wir gegenwärtig in den Vereinigten Staaten und Europa eine Konvergenz
von Faktoren, die uns eine nie dagewesene Gelegenheit bietet,
der Realisierung von Kennedys Vision eines Bündnisses, das auf
zwei gleichen Säulen ruht, näherzukommen.
Wie kann ich diese optimistische Bewertung rechtfertigen?
Zunächst möchte ich auf die sichtbare Existenz einer neuen

�einer neuen Schubkraft hinter der Europäischen Integration
hinweisen. Zweitens ist die transatlantische Zusammenarbeit
nicht nur intensiviert worden, sondern sie besitzt auch eine
neue Qualität. Und drittens haben sich die Staatsmänner Europas und der Vereinigten Staaten erneut der Bildung einer wirklich ebenbürtigen Partnerschaft verschrieben.
Diese neue Schubkraft für die Integration erstreckt sich
nicht nur auf den Beitritt von zunächst Griechenland und dann
Spanien und Portugal zur Europäischen Gemeinschaft, wodurch
Europa der Einheit einen Schritt nähergekommen ist. Sie manifestiert sich außerdem in einer weiteren Intensivierung der
außenpolitischen Konsultationen innerhalb der Gemeinschaft und
in der jüngsten Ergänzung der Römischen Verträge zur Einführung des Mehrheitsentscheids und der Abschaffung von Binnenzöllen bis 1992. Diese Vertragsergänzung bildet einen der
wichtigsten und ehrgeizigsten Schritte zur Integration seit
Gründung der Gemeinschaft. Wir sind in den letzten Jahren auch
Zeuge einer wachsenden Bereitschaft zur Beschäftigung mit anderen Teilen der Welt seitens der Gemeinschaft auf der Grundlage einer gemeinsamen Politik geworden. Dabei denke ich beispielsweise an das im November 1985 in Luxemburg unterzeichnete Kooperationsabkommen mit den Staaten Zentralamerikas sowie
die engere Zusammenarbeit der EG mit den ASEAN-Staaten.
Die Verstärkung der französisch-deutschen Zusammenarbeit
im politischen und militärischen Bereich bildet die Grundlage
für diese neue Schubkraft hinter der europäischen Integration.
Zusammen mit der wachsenden Kooperation zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Italien und Großbritannien bildet das
französisch-deutsche Verhältnis den Ausgangspunkt für die
Schaffung der zweiten Säule des Atlantischen Bündnisses.
Die Erhöhung des Tempos und der Qualität von transatlantischem Dialog und Zusammenarbeit ist in jüngster Zeit an verschiedenen Fronten zutage getreten. Besonders wichtig waren in
diesem Zusammenhang die Konsultationen innerhalb des Bündnisses zu den Verhandlungen mit der Sowjetunion - ein Thema,
auf das ich später noch einmal zurückkommen werde. Aber ich
möchte zusätzlich anmerken, daß die regelmäßigen Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG-Präsidentschaft offener und produktiver geworden sind. Und die Treffen
der Siebener-Gipfel, welche selbstverständlich auch Japan und
Kanada einschließen, haben sich zu einem wirksamen Mechanismus
zur politischen Koordinierung nicht nur eines breiten Spektrums von wirtschaftlichen und politischen Fragen, sondern wie die Erklärung von Williamsburg zeigt - auch von Sicherheitsfragen entwickelt. Durch diese Gipfeltreffen bekräftigen
die sieben Teilnehmerstaaten ihre weltweite Verantwortung und üben sie auch aus.
Die seit langem bestehende Verpflichtung der politisch

�der politisch Verantwortlichen in Europa und den Vereinigten
Staaten bezüglich des Ziels einer ebenbürtigeren Partnerschaft
innerhalb des Rahmens des Atlantischen Bündnisses ist von den
Fortschritten, die wir in den letzten Jahren in Richtung auf
dieses Ziel gemacht haben, sowohl stimuliert als auch gekräftigt worden. Es ist zutiefst beeindruckend zu sehen, mit welcher Festigkeit und Einstimmigkeit die führenden Politiker auf
beiden Seiten des Ozeans während des letzten Jahres das vor
zwei Jahrzehnten formulierte Ideal der zwei Säulen bekräftigt
haben. In seiner Rede während einer Sondersitzung des Straßburger Parlaments erklärte Präsident Reagan am 8. Mai des vorigen Jahres:
"...Wie vor vierzig Jahren bleibt Amerika der Einheit
Europas verschrieben. Wir betrachten ein starkes und
vereintes Europa auch weiterhin nicht als einen Rivalen,
sondern als einen umso stärkeren Partner. John F. Kennedy
hat...dieses Ziel zu einem Grundgebot der amerikanischen
Nachkriegspolitik erklärt. Diese Politik betrachtete die
Neue und die Alte Welt als Doppelsäulen einer
weitergefaßten demokratischen Gemeinschaft. Wir Amerikaner
betrachten die Europäische Einheit weiterhin als eine
lebenswichtige Kraft dieses historischen Prozesses."
In einer Ansprache in der Heidelberger Universität am 8.
Februar ging Bundesaußenminister Genscher direkt auf Präsident
Reagans Unterstützung für ein starkes und geeintes Europa ein,
indem er sagte:
"Für die Europäer bedeutete es die Botschaft, daß
Erwachsene auch die Verantwortung und die Pflichten von
Erwachsenen haben. Wenn wir so das Verhältnis einer
selbstbewußten, sich selbstfindenden Gemeinschaft der
europäischen Demokratien auf dieser Seite des Atlantik zu
den Demokratien Nordamerikas verstehen, dann gewinnt unser
Bündnis . "
Bundeskanzler Kohl hat seinerseits in seiner Rede vor der
Nordatlantischen Versammlung in Stuttgart vom 20. Mai 1985 die
Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland auf dieses Zwei-Säulen-Konzept wiederholt:
"Verstärkte sicherheitspolitische Zusammenarbeit der
Europäer gehört im besonderen Maße zu den aktuellen, uns
gestellten Aufgaben. Es geht darum, den europäischen
Pfeiler des Bündnisses und damit die Verteidigungsfähigkeit der Allianz insgesamt zu stärken."
Und der gleiche Tenor kam in der Ahlener Rede des Kanzlerkandidaten Johannes Rau vom 16. Dezember 1985 zum Ausdruck:
"Europa muß endlich als fester Pfeiler einer atlantischen

�einer atlantischen Brücke sein außen- und sicherheitspolitisches Gewicht in das westliche Bündnis und in die
Bündnispolitik einbringen."
In jeder dieser Erklärungen, aus denen ich gerade zitiert
habe, kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, daß die europäische
Einigung am besten nicht durch den Gegensatz zu, sondern durch
Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gefördert werden
kann.
So erzielen wir wichtige Fortschritte auf dem Weg zur
Schaffung einer ebenbürtigeren transatlantischen Partnerschaft. Weitere Fortschritte sind jedoch nicht selbstverständlich. Wie ich vorhin schon andeutete: wenn wir der Selbstgefälligkeit erliegen, riskieren wir, daß sowohl in Europa als
auch in Amerika die Ressentiments über die Fehler wachsen, die
der eine beim anderen sieht.
Um dem Fortschritt neue Schubkraft zu verleihen, müssen
wir weiterhin an der Schaffung dessen arbeiten, was ich als
reife Partnerschaft bezeichnet habe. In der Vergangenheit habe
ich diesen Begriff vorwiegend zur Charakterisierung des bilateralen Verhältnisses zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und den Vereinigten Staaten benutzt. Er ist jedoch gleichermaßen auf die Beziehungen zwischen Europa insgesamt und den
Vereinigten Staaten anwendbar.
Wie können wir eine reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa am besten hegen? Erstens müssen
beide Partner Versuchungen von Kirchturmpolitik auf der einen
Seite und Selbstisolierung auf der anderen widerstehen. Wir
Amerikaner beobachten in Europa bisweilen eine Tendenz, Probleme aus einer begrenzten regionalen Perspektive zu betrachten und über Ereignisse oder Herausforderungen in anderen Teilen der Welt hinwegzugehen. Einige Amerikaner meinen, daß die
Europäer sich nicht genügend mit dem ganzen Ausmaß der durch
das sowjetische und kubanische Eindringen in Zentralamerika
verursachten Bedrohung, dem sowjetischen Krieg gegen das Volk
von Afghanistan, dem Anwachsen der sowjetischen Militärmacht
im Pazifik und dem internationalen Terrorismus befassen. Andererseits gibt es in den Vereinigten Staaten eine nur unzureichende Würdigung des beträchtlichen Beitrags, den Europa
bereits für seine eigene Sicherheit wie für den Weltfrieden
leistet, aber auch ein unzureichendes Verständnis der unterschiedlichen historischen, sozialen und geopolitischen Umstände, unter denen die politisch Verantwortlichen in Europa und
in den Vereinigten Staaten ihre Entscheidungen treffen müssen.
Kirchturmpolitik in Europa und
Vereinigten Staaten schaukeln sich
gel an Bereitschaft in Europa, die
ter Perspektive zu sehen, ermutigt
- 10 -

Selbstisolierung in den
gegenseitig hoch. Der ManDinge in größerer, weltweiunilaterale Tendenzen in

�Tendenzen in den Vereinigten Staaten. Ein amerikanischer Mangel an Sensibilität für europäische Probleme verstärkt Tendenzen zur Kirchturmpolitik auf dieser Seite des Atlantik.
Eine reife Partnerschaft erfordert daher Ausweitung und
Verbesserung des transatlantischen Konsultations- und Entscheidungsprozesses in der Absicht, dieses Kirchturmdenken zu
überwinden und die Selbstisolierung unnötig zu machen. Wir
Amerikaner erkennen an, daß wir dabei eine wichtige Rolle
spielen müssen. Aber auch auf diesem Gebiet haben wir jüngst
bedeutende Fortschritte erzielt. Konsultationen mögen früher
einmal wenig mehr als Vorankündigungen des politischen Kurses,
den wir zu steuern beabsichtigten, für unsere europäischen
Verbündeten bedeutet haben. Heute stellen sie in zunehmendem
Maße einen echten Austausch von Ansichten und Vorschlägen dar,
der vor dem Fällen von Entscheidungen stattfindet.
Diese neue Qualität der amerikanisch-europäischen wie auch
amerikanisch-deutschen Konsultationen wurde in jüngster Zeit
bei drei Gelegenheiten anschaulich verdeutlicht.
Erstens gehörten die Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Partnern vor und nach dem
Gipfeltreffen im November zu den wohl intensivsten und produktivsten, die es je gab. Die Staats- und Regierungschefs waren unmittelbar daran beteiligt. Im Verlauf dieser Konsultationen empfahl Bundeskanzler Kohl dem Präsidenten mit Nachdruck, sich so bald wie möglich mit Gorbatschow auf informelle
Weise unter vier Augen zu treffen. Dies war schließlich beim
Gipfel der Fall.
Ein zweites Beispiel dieser qualitativen Verbesserung der
Konsultationen zeigt sich in den Konsultationen zwischen den
Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten über
die Genfer Nuklear- und Weltraumgespräche. In der Tat sind
die Häufigkeit und die Intensität dieser Konsultationen in der
Geschichte des Bündnisses beispiellos.
Schließlich - aber durchaus nicht am unbedeutendsten ist die lange und enge Zusammenarbeit zwischen Europa und
Nordamerika beim Helsinki-KSZE-Prozeß eine weitere Illustration dafür, wie die Konsultationen innerhalb des Bündnisses
nunmehr diese neue Ebene erreicht haben.
Die Durchführung des INF-Beschlusses vom Dezember 1979 hat
dem transatlantischen Konsultationsprozeß einen ganz wesentlichen Impetus verliehen. Die Besondere Beratungsgruppe der NATO
hat bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Position bei der INF-RUstungskontrolle eine entscheidende Rolle gespielt. Als Ergebnis dessen haben die Vereinigten Staaten mit Erfolg in Genf
die Interessen ihrer Verbündeten geschützt - in deutlichem
Gegensatz zu den Erfahrungen mit den SALT-Verhandlungen in den
- 11 -

�in den späten siebziger Jahren, als Helmut Schmidt neben
anderen richtig erkannte, daß die Vereinigten Staaten den
europäischen Sicherheitsinteressen nicht die angemessene
Aufmerksamkeit zuteil werden ließen.
Daher haben wir bei den Genfer Verhandlungen seit 1981 mit
Erfolg den anhaltenden sowjetischen Bemühungen widerstanden,
eine besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten herzustellen, die dazu geführt hätte, daß Europa als eine zweitklassige
Region mit verringerter Sicherheit behandelt worden wäre.
Wir werden uns auch weiterhin sowjetischen Versuchen widersetzen, die Sicherheit des Bündisses durch die Herstellung
eines separaten "eurostrategischen" Gleichgewichts zu unterteilen. Wir werden mit unseren Bemühungen fortfahren, um sicherzustellen, daß Westeuropa ein Recht auf Sicherheit behält,
das unserem eigenen und jenem der Sowjetunion entspricht.
Diese Bereitschaft seitens der Vereinigten Staaten zum
Schutz der lebenswichtigen Sicherheitsinteressen ihrer Verbündeten kommt deutlich in Präsident Reagans Reaktion zu Beginn
dieser Woche auf Gorbatschows Rüstungskontrollvorschlag vom
15. Januar zum Ausdruck. In dieser Hinsicht sind drei Elemente
der Antwort des Präsidenten von besonderer Bedeutung:
Wir werden auch weiterhin auf dem Grundsatz beharren,
daß Verringerungen bei den nuklearen Mittelstreckensystemen
großer Reichweite (LRINF) in weltweitem Zusammenhang zu sehen
sind. Wir werden nicht zulassen, daß die Sowjets einen Keil
zwischen unsere europäischen und unsere asiatischen Verbündeten treiben.
Wir werden nicht im Namen der britischen oder der
französischen Regierung verhandeln, und wir werden nicht zulassen, daß die Sowjetunion einen Keil zwischen Nuklearund
Nicht-Nuklear-Staaten des Bündnisses treibt.
Insbesondere werden wir auf Kürzungen bei den nuklearen Mittelstreckensystemen kurzer Reichweite (SRINF) bestehen,
damit es der Sowjetunion nicht möglich wird, uns von unseren
deutschen Verbündeten zu trennen.
Neben dem Schutz der Interessen Europas im Nuklearbereich
sind die Vereinigten Staaten auch bereit, im Bereich der konventionellen Verteidigung enger und ausgewogener zusammenzuarbeiten. In den letzten Jahren wurde die Zweibahnstraße bei der
Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich immer mehr zu einer
Realität. Im Jahr 1980 überstiegen die europäischen Käufe von
amerikanischem Material die amerikanischen Käufe von europäischem Material in einem Verhältnis von 9 zu 1. 1985 war dieses
Verhältnis auf weniger als 3 zu 1 gefallen. Im Fall deutscher
Käufe von amerikanischem Material und vice versa ist der Wan- 12 -

�der Wandel noch dramatischer; von einem Verhältnis von 40 zu 1
im Jahr 1977 zu nahezu 2 zu 1 im Jahr 1984.
In dieser Hinsicht möchte ich auf den sogenannten Nunn-Gesetzeszusatz zum Bewilligungsgesetz des Verteidigungsministeriums von 1986 als ernsten und neuen Beweis für die amerikanische Reife und Bereitschaft hinweisen, eine echte Zweibahnstraße zu verfolgen. Dieses Gesetz stellt Mittel bereit, die
für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich der
konventionellen Verteidigung verwendet werden sollen, die in
Zusammenarbeit mit den europäischen NATO-Ländern durchgeführt
werden. Von den letzteren fordert es jedoch auch ihren eigenen
fairen Anteil zu den Kosten für diese Projekte beizutragen.
Wir hoffen sehr, daß die Bundesrepublik Deutschland und unsere
anderen NATO-Verbündeten diese einzigartige Gelegenheit zur
Zusammenarbeit ergreifen werden, die das Nunn-Amendment bietet
Was bedeutet eine reifere transatlantische Partnerschaft
konkret für die Europäer? Sie bedeutet erstens, daß die Europäer auch weiterhin ihre Verfahrensweisen zur Koordination
ihrer Außen- und Sicherheitspolitik verbessern, damit sie
noch besser in der Lage sind, mit einer Stimme mit den Vereinigten Staaten zu sprechen. Das ist meiner Meinung nach
selbstverständlich .
Eine reife Partnerschaft bedeutet außerdem, daß die Europäer mit der Zeit in der Welt entsprechend ihrer gemeinsamen
Stärke, Bevölkerung und ihres Reichtums größere Verantwortung
übernehmen müssen. Europa hat bereits zur Aufrechterhaltung
einer stabilen internationalen Wirtschaftsordnung beträchtliche Verantwortung übernommen. Wir würden eine vergleichbare
Entwicklung im politischen und sicherheitspolitischen Bereich
begrüßen. Für Europa geht es schließlich in Gebieten außerhalb
Europas, genau wie für die Vereinigten Staaten, um sehr viel.
Ja, Europa liegt näher als Amerika an vielen der Unruheherde
dieser Welt und hängt stärker als Amerika von den internationalen Märkten und von externen Rohstoffquellen ab. Die Frage,
wie ein starkes, stabiles und gedeihliches Europa seinen Beitrag zu Frieden und Sicherheit der Welt verstärken kann, verdient immer neue Überlegungen.
Im Bereich der Sicherheit beinhaltet eine reife Partnerschaft zudem, daß Europa im Lauf der Zeit für seine eigene
Verteidigung größere Verantwortung übernimmt. Damit will ich
keinesfalls vorschlagen, daß wir die Konzepte der gemeinsamen
Sicherheit und der erweiterten Abschreckung aufgeben, die dem
BUndis zugrundeliegen. Ein Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses muß auch weiterhin als ein Angriff auf alle angesehen
werden. Auch darf es keine Verringerung der amerikanischen
Verpflichtung zur Verteidigung Europas geben. Innerhalb dieser
Parameter ist meiner Meinung nach jedoch genügend Raum, damit
Europa nach und nach mehr tut.
Aber während
- 13 -

�Aber während die Forderung an die Europäer ergeht, im Verteidigungsbereich mehr zu tun, müssen die Amerikaner sich
stärker der Tatsache bewußt werden, wie erheblich die Last
ist, die die Europäer bereits tragen. Nirgends ist diese Last
wahrscheinlich deutlicher als in der Bundesrepublik Deutschland. Die Streitkräfte des Bündnisses, die in diesem dichtbevölkerten Land stationiert sind, beeinflussen das Leben Millionen Deutscher, die tagtäglich ihrem Tun ausgesetzt sind.
Dadurch, daß sie die Stationierung von so vielen ausländischen
Truppen auf ihrem Boden akzeptieren, leisten die deutschen
Bürger einen einzigartigen Beitrag zur Verteidigung des Bündnisses .
Wie ich bereits erwähnt habe, würden weitere Schritte in
Richtung auf die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen
Außenpolitik von den Vereinigten Staaten unterstützt. Letztlich läge die wirkliche Probe auf diesen Prozeß in der Qualität und der Wirksamkeit der konkreten gemeinsamen Politik,
nicht aber nur in der Tatsache ihres Gemeinschaftscharakters.
Harmonisierung der Politik ist weniger ein Ziel an sich, als
ein Mittel zu einem einflußreicheren Europa. Die jüngsten Verfeinerungen der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die wachsenden deutsch-französischen Bindungen, die Wiederbelebung der Westeuropäischen-Union (WEU) sowie die verstärkte Bereitschaft zur Übernahme einer sinnvolleren Rolle in
Gebieten außerhalb Europas - all dies sind positive Elemente. Aber wenn Europa wirklich seine Stimme sowohl innerhalb
als auch außerhalb seiner Grenzen deutlicher hörbar werden
lassen möchte, dann muß seine gemeinsame Politik den sehr konkreten Einfluß, den sogar einzelne europäische Mächte besitzen, noch verstärken und ausweiten. In diesem Zusammenhang
scheint mir die Ergänzung der Römischen Verträge, in bestimmten Fällen Mehrheitsentscheidungen zu ermöglichen, als ein
wichtiger Schritt vorwärts zum Aufbau nicht nur eines geeinteren, sondern auch einflußreicheren Europas.
Reife Partnerschaft bedeutet nicht notwendigerweise, daß
Europa und die Vereinigten Staaten gleichermaßen an allen Aufgaben beteiligt sein sollten, die vor ihnen liegen. Hier ist
Raum für eine gewisse Arbeitsteilung. Sowohl aus geschichtlichen als auch aus politischen Gründen gibt es Aufgaben, die
die Europäer besser oder wirksamer bewältigen können als die
Amerikaner - und umgekehrt. So ist es zum Beispiel aus
historischen wie aus geographischen Gründen sinnvoll, wenn
Frankreich dabei vorangeht, dem Tschad behilflich zu sein,
sich gegen Libyen zu verteidigen, genau wie es sinnvoll ist,
wenn die Bundesrepublik bei der Hilfe für die Türkei, einem
der wichtigsten Verbündeten an der Südflanke der NATO, vorangeht. Aber die Vision einer umfassenden Arbeitsteilung, bei
der Amerika einen Großteil der Kosten und Risiken des Schutzes
der westlichen Interesse in den Unruheherden der Welt übernimmt, während sich Westeuropa darauf konzentriert, Brücken
- 14 -

I

�konzentriert, Brücken zum Osten zu schlagen, ist eine Teilung,
die sowohl für Amerika als auch für Europoa unannehmbar sein
sollte. Europa ist zu groß geworden, zu wohlhabend, zu stabil
und zu sicher - und es geht für es um zu viel - , als daß
es die schwierigen Aufgaben der Verteidigung der westlichen
Interessen in der ganzen Welt den Vereinigten Staaten überlassen könnte.
Und die vereinigten Staaten haben umgekehrt zumindest
gleiches Interesse daran und gleiche Verantwortung dafür, konstruktivere Ost-West-Beziehungen zu schaffen und müssen dies
akzeptieren. Außenminister Genscher selbst unterstrich in seiner Rede in der Heidelberger Universität am 8. Februar diesen
Punkt, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch Kanada in
das "große Konzept für eine friedliche Zukunft Europas" einbezogen worden seien, das die Schlußakte von Helsinki darstellt.
Die Entwicklung einer reifen Partnerschaft zwischen Europa
und Amerika wird in einem großen Maß von der anhaltenden Entwicklung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Bundesrepublik Deutschland abhängen. Die Bundesrepublik
hat enge und produktive Bindungen zu Frankreich, Großbritar
nien und ihren anderen europäischen Partnern entwickelt, und
der Prozeß der europäischen Integration dreht sich um diese
Beziehungen. Gleichzeitig besteht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland eine ganz besondera
Beziehung, die sich auf Bindungen aus Geschichte und Gegenwart
wie auch auf die Präsenz von fast einer Viertelmillion amerikanischer Soldaten auf deutschem Boden gründet. Die Bundesrepublik Deutschland kann daher als ein Anker für die transatlantischen Beziehungen dienen und gleichzeitig der Motor bei
der Schaffung der europäischen Einigung sein. Diese Rollen
sind ganz und gar nicht unvereinbar. Bundeskanzler Kohl und
Außenminister Genscher haben beide betont, daß die deutschen
Bemühungen um die Förderung der europäischen Einheit und die
transatlantische Partnerschaft parallel laufen können und sollen .
So dürfte vielleicht deutlich geworden sein, daß das Bündnis keiner grundsätzlichen Krise ausgesetzt ist. Vielmehr
sieht es sich auf beiden Seiten des Atlantik einer wachsenden
Verstimmung ausgesetzt, die von dem subjektiven Eindruck eines
Ungleichgewichts innerhalb des Bündnisses herrührt. Wie ich
heute abend zu verdeutlichen versucht habe, haben wir während
der letzten Jahre beträchtliche Fortschritte bei der Überwindung dieses Problems erzielt. Europa ist stärker, einiger und
effektiver geworden, während die Vereinigten Staaten dadurch
eine neue Art von Reife gezeigt haben, daß sie ihre Verbündeten noch einger konsultieren und deren Interessen noch größere
Beachtung schenken. Aber wir können es uns nicht leisten,
selbstgefällig zu werden und müssen uns bemühen, diesen Elan
beizubehalten. Ich glaube, daß wir der Zukunft mit Optimismus
- 15 -

�mit Optimismus entgegensehen können, im Vertrauen darauf, daß
die politisch Verantwortlichen in Europa und in Amerika der
Aufgabe, ein stärkeres Europa und ein stärkeres Bündnis aufzubauen, gewachsen sind.

* * * * *

- 16 -

�^°-s^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

26. Februar 1986

8

US-Raumtransporterprogramra unter neuer Leitung
- Erste Trümmer der rechten Feststoffrakete geborgen -

- (AD) - Kon teradmiral Richard H. Truly, Befehlshaber für
Raumflugaufgaben der US-Marine und ehemaliger NASA-Astronaut,
übernimmt die Le itung des amerikanischen Raumtransporterprogrammes sowie de r Untersuchungen der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) zur Challenger-Katastrophe. Die Berufung
Trulys wurde am 20. Februar 1986 von Dr. William Graham, dem
amtierenden Verw altungschef der NASA, in Washington bekanntgegeben. Jesse W. Moore, der bisherige Direktor für bemannten
Raumflug, wird n euer Direktor des Johnson-Raumfahrtzentrums in
Houston (Texas) .
Konteradmiral Truly will, wie er erklärte, alles daran
setzen, das Problem zu finden und auszuräumen, das zu dem Unglück vom 28. Janaur 1986 führte. Der Prozeß der Entscheidungsfindung innerhalb der NASA müsse jetzt "bis ins allerkleinste Detail untersucht werden - und das wird auch geschehen". Durch die Überprüfung im Zusammenhang mit dem tragischen
Unfall müsse gewährleistet werden, daß die "Organisation und
die Verfahrensweisen der NASA die richtigen sind", sagte Truly
und fügte hinzu: "Wir haben auch zuvor sehr schwierige Zeiten
gemeistert".
Dem Astronautenteam der NASA gehörte Richard H. Truly von
1969 bis 1983 an. Im November 1981 war er Kopilot von Joe
Engle beim zweiten Raumtransporterflug (Columbia), und im August/September 1983 führte er als Kommandant die Challenger
während eines sechstätigen Fluges um die Erde. Es war der ach-

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�der achte Einsatz einer amerikanischen Raumfähre. Zum ersten
Mal wurden damals Start und Landung bei Nacht durchgeführt.
"Als Vorsitzender der NASA-Stäbe für Konstruktion und Datenanalyse wird er (Truly) die Analyse des vorhandenen Materials
überwachen, das mit dem Challenger-Unglück zusammenhängt",
sagte Dr. Graham. "In dieser Position steht er an der Spitze
des Managements für das Raumflugprogramm."
William Rogers, der Vorsitzende der Untersuchungskommission des Präsidenten, räumte am 15. Februar in einer Erklärung
ein, daß es im EntScheidungsprozeß innerhalb der NASA vor dem
Unglücksstart "möglicherweise zu Fehlern gekommen ist". Die
Kommission forderte, daß NASA-Mitarbeiter, die an diesem Entscheidungsprozeß beteiligt waren, nicht an Untersuchungen im
Zusammenhang mit ihren eigenen Aktivitäten teilnehmen.
Aus einer von Rogers am 19. Februar herausgegebenen Erklärung geht hervor, daß mindestens drei hohe Beamte der NASA,
die an der Entscheidung zur Startfreigabe für Challenger mitwirkten, keine Kenntnis davon hatten, daß Ingenieure der Herstellerfirma der Feststoffraketen wegen des Kälteeinbruchs in
Florida vom Start abrieten. Die Kommission habe, so Rogers,
von der Empfehlung einiger Ingenieure der Firma Morton Thiokol
vom 27. Januar erfahren, Challenger angesichts der Wetterbedingungen nicht starten zu lassen. Jedoch habe die Firma noch
am selben Tag ihren Beschluß wieder zurückgenommen. Die Rogers
-Kommission gab Anweisung, bei der NASA und der Herstellerfirma alle Unterlagen (Dokumente und Memoranda) von Personen, die
offiziell an der umstrittenen Entscheidung für den Start beteiligt waren, zu sammeln und sicherzustellen.
Die Ingenieure waren vor allem besorgt, daß infolge der
Nachtkälte die Synthesegummi-Dichtungen zwischen den vier primären Motor Segmenten der Feststoffrakete ihre Elastizität verlieren und deshalb nicht mehr funktionstüchtig sein würden. In
einem solchen Fall könnten die extrem heißen Gase (mit Temperaturen von mehr als 3200 Grad Celsius), die durch den Mittelkanal strömen und mit dem Austritt aus der Düse am Ende der 45
m langen Rakete den Schub erzeugen, sich auch einen Weg quer
zur normalen Richtung nach außen bahnen, und zwar in Höhe der
Dichtungen ("0-Ringe"). Mit dem unterschiedlich zusammengesetzten Granulat des festen Treibstoffs, das nach zwei Minuten
ausgebrannt ist, werden gesteuert durch Hemmsubstanzen in bestimmten Höhenbereichen der Füllung von insgesamt 503 940 kg
Gewicht, Schubleistungen zwischen 1,5 Millionen kp und
908 000 kp erreicht.
Die "Nahtstellen" für die vier Hauptsegmente, die wiederum
aus 11 Grundsegmenten bestehen, werden von außen her durch
stählerne Bänder, Bolzen, Ringklammern mit Haken und weitere
Vorrichtungen gesichert. Außerdem sind die O-Ringe, die als
Primär- und Sekundärdichtungen dienen, zuvor einer Spezialbe-

�einer Spezialbehandlung unterworfen worden, die dem Synthesegummi optimale Dichtungseigenschaften unter den vorgesehenen
Betriebsbedingungen verleiht. Die Druckentwicklung im Inneren
der Motor Segmente nach dem Zünden der Rakete wird nämlich dazu
genutzt, mit Hilfe der O-Ringe die Nahtbereiche zwischen den
Hauptsegmenten regelrecht zu versiegeln. Spalten und Lücken,
die infolge kleiner Unebenheiten oder Versetzungen beim mechanischen Zusammenfügen der Hauptsegmente noch vorhanden sind,
werden durch sie geschlossen. Das funktioniert aber nur, wenn
das Material nicht durch Kälte, d.h. Temperaturen von weniger
als 4,4 Grad Celsius, versprödet ist und somit unter Druckeinwirkung nicht mehr elastisch reagieren kann. Temperaturfühler
hatten, wie sich inzwischen herausstellte, an der rechten
Feststoffrakete Minusgrade bis 13 Grad Celsius unter Null gemessen. Prof. Feynman, Mitglied der Rogers-Kommission,
schließt angesichts dieser starken Unterkühlung ein kleines
Leck im Sauerstoff- oder Wasser Stoffbehälter des externen
Flüssigtreibstofftanks nicht aus, weil die Nachtkälte allein
das wohl kaum habe bewirken können.
Flammendurchbruch
Das Studium der Einzelbilder auf den Hunderten von Filmen,
die den Startvorgang bis zur Katastrophe festhielten, ließ
sehr bald vermuten, daß an der Verbindungsstelle zwischen dem
untersten, 12,6 m langen Hauptsegment, das mit der Austrittsdüse für die Brenngase abschließt und dem 8,2 m langen vorletzten Hauptsegment der Feststoffrakete ein Flammendurchbruch
erfolgt war. Die erste Spur war ein Feuerschweif in diesem Bereich zwischen der rechten Zusatzrakete und dem externen
Treibstofftank, 58 Sekunden nach dem Start und ca. 15 Sekunden
vor der Explosion von Tank und Orbiter. Ein zweites, erst später bekannt gewordenes Indiz ist dichter schwarzer Rauch, der
bereits 1,4 Sekunden nach dem Start auf der vom Orbiter abgewandten Seite der rechten Zusatzrakete ausgestoßen wurde. Die
Schwarzfärbung könnte ein Hinweis auf Verbrennen der O-Ringe
zwischen dem vorletzten und letzten Hauptsegment des Motors
sein. Demnach müßten auch die kittähnliche Masse aus asbestverstärktem Zinkchromat und das Glasfaserband, die als Hitzeschutz für die Gummidichtungen dienten, zerstört worden sein.
Zu den im Zusammenhang mit der Unfallursache verdächtigen
Punkten gehören jetzt auch die Einlaßöffnungen von der Außenseite, von denen aus unmittelbar nach dem Zusammenbau der
Feststoffraketen-Segmente im Kennedy-Raumfahrtzentrum die
Dichtungsfunktion der O-Ringe unter Druck geprüft wird. Sie
müssen anschließend mit einem Schraubstöpsel verschlossen und
versiegelt werden. Geschieht dies unsachgemäß oder wird dabei
etwas übersehen, so ergäbe sich an einer solchen Stelle ein
Leck, aus dem Flammen austreten könnten.
Aus internen,

�Aus internen, von der NASA veröffentlichten Memoranda geht
hervor, daß mit den Synthesegummi-Ringen fast das ganze letzte
Jahr hindurch umfangreiche Tests durchgeführt wurden, nachdem
Zweifel an ihrer Funktionstüchtigkeit aufgekommen waren, in
einem Memorandum hatte Rüssel Bardos von der Arbeitsgruppe
"Antriebe" für den Raumtransporter am Marshall-Raumfahrtzentrum in Huntsviile (Alabama) erklärt, er stimme mit anderen Ingenieuren ebenso wie mit der Herstellerfirma Morton-Thiokol,
darin überein, daß gewisse Konstruktionsveränderungen erforderlich seie. "Die gegenwärtigen Konstruktionen und die Prüfmethoden für die O-Ring-Dichtungen müssen verbessert werden",
schrieb Bardos, fügte aber hinzu: "Ich halte das Problem nicht
für so schwerwiegend, um ihren Einsatz in fliegendem Gerät zu
untersagen". Die Veränderungen dürften ohnehin längere Zeit in
Anspruch nehmen. Sie würden hinsichtlich Konstruktion und Verfahrenstechniken Änderungen notwendig machen, die kostspielige Qualifikationsprozesse erfordern. "Ehe wir irgendwelche
Konstruktionsänderungen in die Wege leiten, sollten wir uns
vergewissern, daß wir die gegenwärtige Konstruktion und das
Problem, das es mit ihr gibt, voll und ganz verstehen. Meine
größte Sorge ist, daß versucht werden könnte, das Problem
übereilt zu lösen."
Hinsichtlich der Betriebsbedingungen wird darauf verwiesen, daß mit dem Zünden der Feststoffrakete der Innendruck innerhalb von 0,6 Sekunden von Null auf 63,3 kg/qcm ansteigt und
20 Sekunden lang bei diesem Wert bleibt. Dies bewirkt eine
Streckung der Stahlhülle und gleichzeitig eine Dehnung nach
den Seiten, wodurch z.B. die Hakenverbindung zwischen den Motorsegmenten eine leichte Kipp- oder Drehbewegung erfahren
kann. Sollte sich dadurch ein Spalt in der Nahtstelle vergrössern, würden -so ist es jedenfalls vorgesehen - Druckkräfte
aus dem Innern so auf die Gummidichtungen wirken, daß das Vordringen heißer Gase zur Wandung abgeblockt werden könnte.
Wracks der rechten Feststoffrakete geortet
Inzwischen hat ein Mini-U-Boot mit vier Mann Besatzung
kleine Teile der rechten Feststoffrakete, eines Zusatzträgers
für die Raumfähre Challenger, aus dem Atlantik geborgen. Weitere Wrackteile liegen ca. 64 km nordöstlich von Kap Canaveral
in 360 m Tiefe. Eine Anzahl größerer Teile wurden von der
U-Boot-Besatzung mit Fernsehkameras fotografiert.
Einem Bericht von Oberst Edward O'Conner zufolge, der als
Direktor der Such- und Bergungsaktion der US-Luftstreitkräfte
die Operationen zur Auffindung der Challenger-Wrackteile und
ihrer Trägerraketen leitet, wurde auf Grund der Seriennummer
an einem geborgenen Hydraulikteil das Wrack als die rechte
Feststoffrakete identifiziert. Bei den von der "Johnson Sea
Link 2" mit einem mechanischen Arm geborgenen Trümmern handelt

�Trümmern handelt es sich um Teile des kegelförmigen Heckmantels aus dickem Aluminium, der etwa zwei Meter lang ist und
fast 5,5 Tonnen wiegt.
Keines der bis jetzt geborgenen oder fotografierten Trümmer enthält die O-Ringe oder Teile aus dem Verbindungsbereich
für die Hauptsegmente. Wie O'Conner sagte, hänge der Fortgang
der Bergungsarbeiten davon ab, was die NASA für ihre Untersuchungen benötige. Die Bergungsoperationen, die künftig von
"Nr. 1", einem Atom-U-Boot der US-Marine mit sieben Mann Besatzung, unterstützt werden, könnten wegen der Wassertiefe und
der Strömungen Monate in Anspruch nehmen. "Wenn wir die gesamte rechte SRB (Feststoffrakete) bergen sollen, deren Trümmer
auf dem Meeresgrund verstreut liegen und die wir noch nicht
alle orten konnten, werden wir wohl vier bis sechs Monate
brauchen", meinte O'Conner.

5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Antwort auf Gorbatschows Vorschläge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Botschafters Richard R. Burt vor dem Überseeclub in Hamburg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumtransporterprogramm unter neuer Leitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Trümmer der rechten Feststoffrakete geborgen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\oN

^
März

1986

I N H A L T

i
DOKUMENTATION
Reagan: Nationale Stärke muß aufrechterhalten werden
- Rede des Präsidenten zur nationalen Sicherheit KVAE, KSZE und die US-Slcherheltspolitik in Europa
- Rede von US-Botschafter Robert L. Barry in Bern -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Reagan-Strategie für die Zukunft
- Arbeitspapier des Weißen Hauses zur Rede des
Präsidenten UDSSR wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit gegen SDI
- Robert Dornan im Foreign Press Center -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

#

Dokumentation
5. März 1986

REAGAN: NATIONALE STARKE MUSS AUFRECHTERHALTEN WERDEN
- Rede des Präsidenten zur nationalen Sicherheit -

WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache an das amerikanische Volk forderte Präsident Reagan am 26. Februar 1986 Unterstützung für den von der Administration beim Kongreß beantragten Verteidigungshaushalt.
Reagan sagte unter anderem, daß "die letzten fünf Jahre
gezeigt haben, daß Amerikas Stärke in einer gefahrvollen Welt
wieder ihre schützende Hand über die Freiheit ausbreitet.
Stärke ist das überzeugendste Argument, das wir besitzen, um
unsere Gegner von der Notwendigkeit von Verhandlungen und der
Beendigung von Einschüchterung anderer Staaten zu überzeugen".
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend wende ich mich
an Sie, um über meine höchste Pflicht als Präsident zu sprechen - die Erhaltung des Friedens und die Verteidigung der
Vereinigten Staaten.
Bevor ich dies

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�Bevor ich dies tue, möchte ich jedoch für einen Augenblick
auf die Situation in den Philippinen zu sprechen kommen. Wir
sind gerade Zeugen einer bewegenden Demonstration dessen geworden, was Männer und Frauen, die demokratischen Ideen verpflichtet sind, erreichen können. Das bemerkenswerte Volk
dieser 7000 Inseln hat sich im Vertrauen auf dieselben Ideale
vereint, auf denen Amerika gegründet wurde - daß Männer und
Frauen das Recht zur freien Bestimmung ihres Schicksals haben. Trotz einer entstellten Wahl ist das philippinische Volk
verstanden worden. Es hat seine Botschaft friedlich verbreitet und wurde im ganzen Land und in der ganzen Welt gehört.
Wir ziehen den Hut vor der von beiden Seiten gezeigten bemerkenswerten Zurückhaltung, um Blutvergießen während dieser
letzten, angespannten Tage zu vermeiden. Unsere Sympathien
sind mit Präsidentin Aquino und ihrer neuen Regierung, die nun
darangehen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Heute feiert die Bevölkerung der Philippinen den Triumph der
Demokratie und die ganze Welt feiert mit ihr.
Man kann nicht in diesem Raum hier sitzen, Berichte der
Nachrichtendienste über die uns betreffende militärische Bedrohung lesen und Entscheidungen von Rüstungskontrolle über
Libyen bis zu den Philippinen treffen, ohne daß einen ständig
die Sorge um Amerikas Sicherheit beschäftigt.
Wir wissen, daß der Frieden die Bedingung ist, unter der
die Menschheit zu gedeihen bestimmt war. Jedoch: Frieden besteht nicht aus sich allein. Er hängt von uns ab - von unserem Mut, ihn aufzubauen, ihn zu schützen und ihn an zukünftige
Generationen weiterzugeben.
Die Worte George Washingtons mögen heute hart und kalt erscheinen, aber die Geschichte hat ihre Richtigkeit wieder und
wieder bestätigt: Auf den Krieg vorbereitet zu sein, hat er
gesagt, ist eines der wirksamsten Mittel, um den Frieden zu
erhalten .
Denjenigen, die meinen, daß Stärke Konflikte provoziert,
hat Will Rogers auf seine Weise geantwortet. Er hat von der
Welt eines Schwergewichtsmeisters seiner Zeit gesagt: Ich habe nie erlebt, daß jemand Jack Dempsey beleidigt hätte.
Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, daß Amerikas Stärke
in einer gefahrvollen Welt wieder ihre schützende Hand über
die Freiheit ausbreitet. Stärke ist das überzeugendste Argument, das wir besitzen, um unsere Gegner von der Notwendigkeit
von Verhandlungen und der Beendigung von Einschüchterung anderer Staaten zu überzeugen.
Heute abend
- 2 -

�Heute abend jedoch ist das Sicherheitsprogramm, das Sie
und ich zur Wiederherstellung von Amerikas Stärke in Angriff
genommen haben, gefährdet - bedroht von jenen, die aufhören
wollen, bevor die Arbeit beendet ist. Jedes Nachlassen würde
zum jetzigen Zeitpunkt nur die Gefahren hervorrufen, die Amerika vermeiden muß; und es könnte unsere Verhandlungsposition
auf fatale Weise schwächen. Wie wir aus schmerzlicher Erfahrung wissen, respektieren unsere Gegner, die Sowjets, nur solche Staaten, die aus einer Position der Stärke verhandeln.
Amerikas Macht ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Weltfriedens - sie ist Amerikas letzte und größte Hoffnung für das
Aushandeln echter Reduzierungen von Atomwaffen. Während wir
gerade mit der Sowjetunion am Verhandlungstisch sitzen, sollten wir Amerikas besten Trumpf nicht aus der Hand geben.
Wir sollten uns daran erinnern, wo Amerika vor fünf Jahren
stand. Wir sollten uns die Atmosphäre dieser Zeit ins Gedächtnis zurückrufen - die Besorgnis, daß die Ereignisse unserer Kontrolle entglitten waren, über den Verfall des Westens
und darüber, daß unsere Feinde auf dem Vormarsch waren.
Es war nicht nur die Krise der Geiselnahme im Iran oder
die sowjetische Invasion in Afghanistan, sondern die von vielen unserer Freunde empfundene Furcht, daß Amerika seine Verpflichtungen nicht einhalten könne oder würde. Pakistan, das
von der afghanischen Invasion am meisten bedrohte Land, verspottete das erste Angebot amerikanischer Hilfe als "Erdnüsse". Andere Nationen meinten, es sei gefährlich, sogar tödlich, ein Freund der Vereinigten Staaten zu sein.
Es waren nicht nur Jahre zurückgehender Rüstungsausgaben,
sondern auch der Krise bei Rekrutierung und Erhaltung der
Mannschaftsstärke. Dazu kam die direkte Streichung von lebenswichtigen Programmen für unsere Sicherheit.
Zu dieser Zeit gab es Horrorgeschichten aus dem Pentagon
über Schiffe, die nicht einsatzfähig waren, über Flugzeuge,
die wegen Mangels an Ersatzteilen nicht flogen und über Heeresdivisionen, die nicht auf den Ernstfall vorbereitet waren.
Und da war nicht nur ein einseitiges Rüstungsabkommen, mit
dem einer Seite der Betrug leicht gemacht wurde, sondern ein
Vetrag, der sogar Steigerungen der nuklearen Arsenale ermöglichte. Sogar Befürworter des SALT II-Abkommens waren demoralisiert und sagten: nun, die Sowjets werden einfach keinem
besseren Abkommen zustimmen. Und als Präsident Carter den
Vertrag aufgeben mußte, weil führende Senatsmitglieder aus
seiner eigenen Partei ihm die Unterstützung verweigerten, besaßen die Vereinigten Staaten keine nationale Strategie zur
Kontrolle von Atomwaffen.
Wir wußten
- 3 -

�Wir wußten, daß unverzüglich Veränderungen nötig waren.
Und deshalb unternahmen wir folgendes:
Wir versprachen, zu zeigen, daß die lange Reihe von Regierungen, die kommunistischer Beherrschung zum Opfer gefallen
waren, jetzt ein Ende nehmen würde. Und wir tun dies.
Der Fall von Laos, Kambodscha und Süd-Vietnam brachte der
Sowjetunion eine strategische Position am Südchinesischen
Meer. Die Invasion in Afghanistan hat die Flugzeit zum Persischen Golf für die Sowjets fast halbiert. Kommunistische
Machtergreifungen in Süd-Jemen und Äthiopien öffneten den Sowjets den Zugang zum Roten Meer - dem Eingang zum Suez-Kanal.
Prosowjetische Regime in Mozambique und Angola stärkten die
sowjetische Position im südlichen Afrika; und schließlich bedeuteten Grenada und Nicaragua für Moskau zwei neue Brückenköpfe an der Türschwelle der Vereinigten Staaten.
In diesen letzten fünf Jahren ist kein Quadratzentimeter
an Territorium mehr verlorengegangen - und Grenada ist befreit
worden.
Als wir 1981 die Regierung übernahmen, hatten Guerillas in
El Salvador mit dem begonnen, was sie ihre "letzte Offensive"
nannten, um diese Nation in den zweiten kommunistischen Staat
auf dem nordamerikanischen Festland zu verwandeln. Viele behaupteten, die Situation sei hoffnungslos; sie verweigerten
ihre Hilfe. Wir teilten diese Meinung nicht; wir halfen.
Heute sind diese Guerillas auf dem Rückzug. El Salvador ist
eine Demokratie und Freiheitskämpfer bedrohen kommunistische
Regime in Nicaragua, Afghanistan, Angola, Kambodscha und
Äthiopien.
Wir versprachen, zu zeigen, daß das westliche Bündnis seine Sicherheitsbedürfnisse trotz sowjetischer Einschüchterung
erfüllen kann. Und wir tun dies. Viele behaupteten, daß der
Versuch, ein Gegengewicht gegen die sowjetischen SS-20-Raketen
zu schaffen, die NATO spalten würde, da Europa nicht mehr an
seine eigene Verteidigung glaube. Nun, dies war Unsinn. Heute verläuft die Stationierung von Pershing-Raketen und Marschflugkörpern nach Plan und wird der Beschluß von unseren Verbündeten unterstützt.
Wir versprachen, den Rückgang der Moral in den Streitkräften umzukehren. Und wir tun dies. Der Stolz auf unsere
Streitkräfte ist wiederhergestellt worden. Mehr qualifizierte
Männer und Frauen bewerben sich bei den Streikräften und dienen länger. 1980 hatte ungefähr die Hälfte der Rekruten unserer Armee einen High-School-Abschluß; letztes Jahr war dieser
Prozentsatz auf 91 gestiegen.
Unsere Streikräfte

�Unsere Streikrafte mögen zahlenmäßig geringer sein als in
den fünfziger Jahren, aber sie bestehen aus einigen der besten
jungen Leute, die dieses Land je hatte. Und solange ich Präsident bin, werden sie die qualitativ hochwertige Ausrüstung
bekommen, die sie benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Wir versprachen, die wachsenden Lücken in unserer strategischen Abschreckung zu verringern. Und wir beginnen damit,
dies zu tun. Unser Modernisierungsprogramm - die MX-Rakete,
das Trident Unterseeboot, der B-l und der Tarn-Bomber - repräsentiert die erste bedeutende Verbesserung von Amerikas strategischer Abschreckung in 20 Jahren.
Diejenigen, die so oft vom sogenannten Rüstungswettlauf
sprechen, ignorieren eine zentrale Tatsache: In dem Jahrzehnt
vor 1981 fand dieser Wettlauf allein bei den Sowjets statt.
Während meines Wahlkampfs 1980 nannte ich staatliche Verschwendung und Betrug einen nationalen Skandal. Wir wußten,
daß wir Amerikas Stärke niemals wiederherstellen könnten, ohne
zunächst die explodierenden Kosten der Verteidigungsprogramme
einzudämmen. Und wir tun dies.
Zu Beginn meiner Präsidentschaft 1981 eskalierten die Kosten mit einer jährlichen Zuwachsrate von 14 Prozent. Dann
begannen wir mit unseren Reformen. In den letzten zwei Jahren
sind die Zuwachsraten schließlich auf weniger als ein Prozent
gefallen.
Wir haben bedeutende Einsparungen vorgenommen. Heute
kostet jedes F-18-Kampfflugzeug fast vier Millionen Dollar weniger als 1981. Jede unserer Luft-Luft-Raketen kostet kaum
noch die Hälfte des damaligen Preises.
Die Verteidigungsbürokratie unter Kontrolle zu bringen,
ist kein geringes Unterfangen.
Jed es Ja hr unt ersc hreib t da s Verteidi gungs mini steri um Hunderttau sende von V ertr ägen. Un d da k ann es du rcha us vo rkommen, da ß tro tz all uns erer Bemü hungen bis weile n au ch Üb les zutage tr itt. Desha lb h aben wir zum er sten Mal in d er Ge schichte des Verte idigun gsmi niste rium s den Post en ei nes Gener alinspekteu rs ei ngefüh rt - und so w ird pr akti seh j eder Fall von
Betrug oder Mißbra uch in un sere m Vert eidi gungs mini steri um vom
General inspe kteur aufg edeck t. Minist er W einbe rger soll te dafür gel obt u nd nie ht o escho lten werde n, d aß er den Sehr ank von
Skelett en ge sauber t ha t. W as d ie wen igen betr ifft , die den
Steuerz ahler betro gen oder unse re Str eitk räfte mit fehl erhaftem Mat erial gepre 11t haben , so sind sie Diebe , die das Arsenal der Demo kratie bes tehle n - und si e we rden mit der v ollen

�der vollen Schärfe des Gesetzes verfolgt werden.
Und endlich haben wir damit begonnen, die Gefahr eines
Atomkrieges zu verringern. Und auch auf diesem Gebiet sind
wir im Begriff, etwas zu erreichen, was von vielen für unmöglich gehalten wurde. Wir haben einen Plan für tiefe Einschnitte bei den Nuklearsystemen entwickelt; wir treiben unsere sehr vielversprechende Strategische Verteidigungsinitiative
voran - einen Sicherheitsschild, der eines Tages vielleicht
uns und unsere Verbündeten vor einem nuklearen Angriff, sei er
absichtlich oder aus Versehen ausgelöst oder das Werk eines
Verrückten, beschützen wird. Ist es nicht besser, unser Talent und unsere Technik für den Bau von Systemen zu benutzen,
die Raketen zerstören, anstatt Menschen?
Unsere Botschaft ist verstanden worden. Früher behaupteten
die Sowjets regelmäßig, daß echte Reduzierungen bei den Atomraketen ausgeschlossen seien. Heute sagen sie, daß sie die
Idee akzeptieren. Nun, wir werden sehen. In dieser Woche haben unsere Verhandlungsführer in Genf einen neuen Plan für die
Beseitigung der Mittelstreckenraketen vorgelegt. Außerdem
drängen wir die Sowjets, auch Verringerungen bei anderen Offensivkräften zuzustimmen. Eines ist sicher: Wenn die Sowjets wirklich an fairen und verifizierbaren Abkommen interessiert sind, durch die die Nuklearkräfte vermindert werden,
dann werden solche Abkommen auch zustande kommen.
und
ger
bei
wir

Vor fünf Jahren waren unsere Verteidigungsprobleme immens
drastische Maßnahmen waren gefordert. Sogar mein Vorgänin diesem Amt erkannte dies und plante größere Zuwächse
den Verteidigungsausgaben - und ich bin stolz auf das, was
getan haben.
Heut e liegen die größten Steigerungen bei den Vert eidi-

gun gsaus gaben hinter uns. Deshalb ersucht e ich 1etzt en Sommer den Kongreß, den Verteidigungshaushalt für ein Jah r einzuf rieren, um danach mit einem bescheidenen Zuwach s von drei
Prozent fortzufahren . Offengestanden: Ich zögerte mit der ZuStimmung zu einem Einifrieren, da es immer noch vie 1 zu viel zu
Aber ich clachte, daß die Unters tützung des Kongrestun gibt
ses für stetige Steiglerungen über mehrere Jahre einen Schritt
nac h vorn darstellte.
Aber dies geschah nicht. Statt eines Einfrierens gab es
scharfe Einschnitte - insgesamt um über fünf Prozent. Und nun
sagen manche wieder, daß wir nochmals 20, 30 oder sogar 50
Milliarden Dollar für unsere nationale Verteidigung streichen
sollen.
Dies ist fahrlässig, gefährlich und falsch. Es bedeutet
einen Rückfall der verantwortungslosesten Art, und Sie müssen

�Sie müssen darüber informiert werden. Sie sind es doch, die
die Rechnung für alles, was wir in den letzten fünf Jahren erreicht haben, bezahlt haben. Aber es bleibt noch manches zu
tun. Millionen Amerikaner glauben tatsächlich, daß wir der
Sowjetunion jetzt militärisch überlegen seien. Nun, es tut
mir leid, aber wenn in unserem Land eine sinnvolle Debatte
über die nationale Sicherheit stattfinden soll, dann müssen
wir die Gefilde der Propaganda verlassen und die Fakten auf
den Tisch legen.
Sie werden während der nächsten Monate von dieser Debatte
hören. Ich möchte, daß sie sich die zwei einfachen Gründe vor
Augen führen, warum unsere Verteidigung jetzt nicht beschnitten werden darf. Erstens, es ist nicht billig. Zweitens, es
ist nicht sicher. Wenn wir auf diejenigen hören, die am liebsten unser Verteidigungsprogramm aufgeben würden, werden wir
nicht nur die Verhandlungen mit der Sowjetunion, nein - wir
könnten sogar den Frieden selbst gefährden.
Ich sagte, daß solche Einschnitte nicht billig sind. Wie
ist dies möglich? Nun, es ist ganz einfach. Wir haben dies
in den siebziger Jahren versucht und das Resultat war Verschwendung, enorme Verschwendung - Hunderte von Millionen Dollar an Verlusten, weil die Kosten für jedes Flugzeug, jeden
Panzer und jedes Schiff stiegen, oft beträchtlich. Die alte
Käuferweisheit erwies sich als zutreffend - im Dutzend billiger.
Willkürliche Einschnitte führen lediglich zu unechten Einsparungen; aber für die Beibehaltung unseres Verteidigungsprogramms gibt es einen wichtigeren Grund. Sie brächten keine
Sicherheit.
Vor fast 25 Jahren, als John Kennedy während der Kuba-Krise dieses Amt innehatte, befehligte er die größte Militärmacht
der Welt. Heute müssen wir Amerikaner mit einer gefährlichen
Realität leben. Jahr für Jahr hat die sowjetische Führung auf
Kosten ihrer Bevölkerung schonungslos Anstrengungen unternommen, um eine Überlegenheit über die Vereinigten Staaten zu erringen .
Allein zwischen 1970 und 1985 investierten die Sowjets
500 Milliarden Dollar mehr in die Verteidigung als die Vereinigten Staaten - und produzierten fast drei mal so viele strategische Raketen.
Als Resultat ihrer enormen Investitionen in Waffen existiert nach wie vor ein beträchtliches militärisches Ungleichgewicht zwischen unseren Ländern.
Heute hat die

�Heute hat die Sowjetunion über eineinhalb mal so viele
Kampfflugzeuge disloziert wie die Vereinigten Staaten, über
zweieinhalb mal so viele Unterseeboote, mehr als fünf mal so
viele Panzer und mehr als elf mal so viele Artilleriegeschütze
Wir haben da mit begon nen, e m i g e diese r Lücken zu schließen. We nn wir jedoch ein e gewi sse Si cherh eitsmarge erreichen
wollen, muß noch mehr get an wer den. Wo si ch die So w jets
einstmal s nur au f schiere Zahle n verl ießen , versuchen sie heute Quant ität und Qualität zu ve reinen . Wir erwarten, daß sie
in den n ächsten fünf Jahr en ung efähr 40 At om-U-Boot e, 500 neue
ballisti sehe Rak eten und 18 000 moder ne Ka mpfpanzer dislozieren werd en. Mei n Fünfjah reshau shalt für d ie Vertei digung hält
unsere V erpflich tung zum Wieder aufbau progr amm Ameri kas aufrecht. Und ich bin dankb ar, in Minis ter W einberger jemanden
zu haben , der sich für di eses P rogram m mit all der Entschlossenheit und den Fähigkeit en ein setzen wird , die er in der Vergangenhe it gezei gt hat.
Mein Haushalt will jedoch nicht mit diesen sowjetischen
Erhöhungen gleichziehen. Deshalb müssen wir uns die Frage
stellen: Können wir es uns wirklich leisten, weniger zu tun,
als ich vorgeschlagen habe?
He ute wende n wi r von unser em B rutt osozia lprodu kt e in Drittel we niger für die Vert eidigu ng a uf, als un ter Jo hn K ennedy und do ch reden im K ongre ß eini ge v on n och ti efgrei fend eren
Einsch nitten. Kaum sech s Prozent unse res Br uttoso zial Produkts
- das ist alles , was wir inves tier en, damit Amerik as F reiheit,
Sicher heit und Frie den g ewahrt ble iben
Nun ziehe n Si e davon
einmal die Ausg aben für Gehält er, Unte rkunft , Familien angehörige u nd ähnlic hes ab un d verg leic hen Sie. Für Wa ffen und
Forsch ung geben die Vere inigte n St aate n nur 2,6 Pr ozen t ihres
Brutto sozialpro dukt s aus , während die Sowjet union elf Prozent
in Waf fen inves tier t - m ehr al s vier m al so viel.
Dies ist die harte, kalte Realität unseres Verteidigungsdefizits.
Aber unsere Wachsamkeit wird nicht nur durch das immense
sowjetische Arsenal hervorgerufen. Das sowjetische Verhalten
in der Vergangenheit - die lange Geschichte sowjetischer Brutalität allen Schwächeren gegenüber - erinnert uns daran, daß
die einzige Garantie für Frieden und Freiheit in unserer
militärischen Stärke und unserem nationalen Willen liegt. Die
Völker von Afghanistan und Polen, der Tschechoslowakei und
Kubas und so vieler anderer gefangener Länder - sie werden das
verstehen.
Einige argumentieren,
- 8 -

�Einige argumentieren, daß unser Dialog mit den Sowjets bedeutet, daß wir unsere Verteidigung etwas nachlässiger behandeln können. Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen.
Das Klima, in dem ernsthafte Gespräche endlich begonnen werden
konnten, wurde erst durch unsere Ernsthaftigkeit in der Verteidigung ermöglicht.
Nun, da die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgekehrt
sind, dürfen wir die Position unserer Verhandlungsführer nicht
untergraben. Leider haben einige Mitglieder des Kongresses
genau dies getan. Mit dem Verbot amerikanischer Tests von Anti-Satellitensystemen hat der Kongreß nicht nur ein sowjetisches Monopol geschützt; er hat den Sowjets eine einseitige
Konzession gemacht, die sie am Verhandlungstisch nicht hätten
erreichen können.
Unser Verteidigungsprogramm muß deshalb auf die folgenden
Prinzipien gegeründet bleiben:
Erstens müssen wir uns gut überlegen, was wir bauen. Wir
müssen nicht alles kopieren, was die Sowjets machen. Wir müssen uns in diesem Wettstreit nicht an die Regeln der Sowjets
halten.
Es ist unsere Aufgabe, unsere Sicherheit durch die Stärken
unserer freien Gesellschaft sicherzustellen, Wenn wir klug
genug sind, benötigen wir gar nicht so viel. Wir brauchen unsere Aufgabe gar nicht mit großen Zahlen und brutaler Gewalt
zu lösen.
Wir brauchen die Stärke unserer Streitkräfte nicht von
zwei Millionen auf ihre fünf Millionen zu erhöhen - solange
unsere Männer und Frauen in den Streitkräften die qualitativ
hochwertige Ausrüstung haben, die sie benötigen, um den Frieden zu erhalten. Wir brauchen nicht so viele Panzer wie die
Sowjets zu besitzen, solange wir hochentwickelte Panzeraowehrwaffen haben.
Unser Vorteil liegt in der Innovation. Ein Beispiel:
Fortschritte dabei, Flugzeuge und Marschflugkörper für sowjetisches Radar fast unsichtbar zu machen, könnten das breitangelegte Luftverteidigungssystem neutralisieren, auf das sich die
Sowjets und einige ihrer gefährlichsten Satellitenstaaten verlassen .
Aber Innovation ist nicht genug. Wir müssen unsere Vorhaben verwirklichen. Pläne alleine können keine Aggression abschrecken. Wir müssen unsere führende theoretische Rolle in
die Praxis umsetzen. Wenn jedoch unser Haushalt beschnitten
wird, können wir nichts von alledem durchführen.
Zweitens bedeutet

�Zweitens bedeutet unsere Verteidigungshilfe ein gleiches
Maß an Sicherheit für den Dollar wie unser eigener Verteidigungshaushalt. Unsere Freunde können viele Aufgaben billiger
durchführen als wir selbst. Deshalb kann ich im Kongreß unterbreitete Vorschläge zum starken Abbau dieses Instruments
nicht verstehen. Militärhilfe für Freunde in strategisch
wichtigen Regionen stärkt diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen. Und wenn sie stark sind, werden wir ebenfalls gestärkt. Es liegt in unserem Interesse, ihnen zu helfen, mit Bedrohungen fertigzuwerden, die uns letztendlich auch
selbst Schaden zufügen könnten.
Drittens: Wo Reformen der Verteidigung nötig sind, werden
wir diese durchführen. Die von uns ins Leben gerufene
Packard-Kommission wird ihren Bericht in zwei Tagen vorlegen.
Wir hoffen, daß sie neue Ideen für neue Ansätze entwickelt
hat, durch die wir mit besseren Möglichkeiten der Waffenbeschaffung ausgestattet werden. Wir sind gespannt auf gute
Ideen, auf neue Ideen - die den besonderen Genius Amerikas
ausmachen. Wo immer die Empfehlungen der Kommission den Weg
zu mehr Effektivität weisen, werde ich sie in die Tat umsetzen, auch wenn sie dem Willen verkrusteter Bürokratien und
Sonderinteressen zuwiderlaufen. Ich werde den Kongreß außerdem drängen, den Bericht der Kommission zu beherzigen und die
Hindernisse für gutes Management zu beseitigen, die der Kongreß selbst in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.
Das v iert e Elemen t un serer Strate gie fü r die Zukun ft besteht in der Verringe rung der amerika nische n Abhä ngigk eit von
Atomwaffe n. Sie habe n mi ch fr üher vo n der Strate gisch en Verteidigung sini tiative spre chen hören, dem Pr ogramm , das eines
Tages uns all e aus dem Ge fängn is des nuklea ren Sc hreck ens beEs wä re e ine r eine Du mmheit seite ns de r Vereifreien kö nnte
nigten St aate n, SDI n icht weit erzuver folgen , wenn die Sowjets
ihrerseit s schon seit meh r als 20 Jah ren in ihr e igene s Programm inv esti ert habe n. Wir s ollten nicht verges sen, daß heute die ei nzig e einsät zber eite Raketen vertei digung der Welt die
Hauptstad t de r Sowjetunio n seh ützt - nicht die de r Vereinigten
Staaten.
Aber während SDI Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen
wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben
wir und unsere Verbündeten erlaubt, daß Atomwaffen eine Art
Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen. Wir müssen
uns von dieser Krücke befreien. Unser Ziel sollte darin bestehen, eine Aggression abzuschrecken und, wenn nötig, zurückzuschlagen, ohne zu Atomwaffen Zuflucht zu suchen.
Auf diesem
- 10 -

�Auf diesem Gebiet kann die Technologie uns wiederum die
Mittel liefern, um nicht nur auf eine breitangelegte Aggression zu reagieren, sondern auch, um gegen Terroristen zurückzuschlagen, ohne unschuldige Zivilisten zu schädigen.
Die heutige Technologie ermöglicht es uns, eine Panzerkolonne auf eine Distanz von 120 Meilen zu vernichten, ohne
Atomwaffen einzusetzen. Diese Technologie stellt vielleicht
die erste kostenwirksame konventionelle Verteidigung gegen die
gigantische Rote Armee in der Nachkriegsgeschichte dar. Wenn
wir es versäumen, unsere Truppen mit diesen modernisierten Systemen auszurüsten, vergrößern wir nur das Risiko, daß wir eines Tages auf Atomwaffen zurückgreifen müssen.
Dies sind die von uns getroffenen praktischen Entscheidungen, wenn wir dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt zuleiten. Jede Generation muß mit den von der Geschichte an sie
gestellten Herausforderungen leben. Und wir können diese Herausforderungen nicht bestehen, indem wir ihnen ausweichen.
Wenn wir unsere Anstrengungen jetzt fortführen, haben wir
die beste Chance seit Jahrzehnten, um einen sicheren Frieden
aufzubauen. Deshalb habe ich mich letztes Jahr mit Generalsekretär Gorbatschow getroffen. Deshalb reden wir heute mit
den Sowjets und verhandeln dabei - wenn der Kongreß uns unterstützt - von einer Position der Stärke aus.
Wir möchten diese Welt friedvoller gestalten. Wir möchten
die Atomwaffen abbauen. Wir möchten Abkommen, die die nukleare Gefahr echt vermindern. Wir wollen nicht lediglich Unterzeichnungszeremonien und Farbfotos der politisch Verantwortlichen, die sich mit Champagner zuprosten. Wir wollen mehr.
Wir wollen wirkliche Abkommen - Abkommen, die wirklich funktionieren -, ohne Betrug. Wir wollen ein Ende einer Staatspolitik der Einschüchterung, Drohungen und des andauernden
Strebens nach Vorherrschaft. Wir möchten einen echten Frieden
Ich werde niemals um etwas bitten, was nicht benötigt
wird; ich werde niemals für etwas kämpfen, was nicht notwendig
ist. Aber ich brauche Ihre Hilfe. Wir sind in den letzten
fünf Jahren zusammen so weit vorangekommen - lassen Sie uns
jetzt nicht zögern. Lassen Sie uns dieses entscheidende Niveau von nationaler Stärke, Einheit und Zielen aufrechterhalten, das die Sowjetunion an den Verhandlungstisch gebracht und
uns diese historische Gelegenheit gegeben hat, echte Verringerungen bei den Atomwaffen zu erzielen und die Chance, einen
dauerhaften Frieden zu erreichen. Dies würde das höchste Vermächtnis sein, das wir der Nachwelt hinterlassen können - für
unsere Kinder und Kindeskinder.
* * *

* *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

Dokumentation

5. März 1986

KVAE, KSZE UND DIE US-SICHERHEITSPOLITIK IN EUROPA
• Rede von US-Botschafter Robert L. Barry in Bern, -

BERN -(AD )- Bo tschafte r Rob ert L . Barry, der Leite r der
ameri kanische n Delegation bei d er St ockho lmer Ko nferen z für
vertr auensbil dende Maßnahm en un d Abr üstun g in Eu ropa ( KVAE),
sprac h am 27. Febr uar 1986 in s einer in B ern geh altene n Rede
über die zahl reich en Aspek te de r Seh lußak te von Helsin ki, die
einen "Prozeß " ein leiteten , der sowo hl Me nschenr echtsf ragen
als a uch Sich erhei tspoliti k ein schli eßt. Die Ve reinig ten
Staat en glaub en, d aß "Offe nheit " und "Gle ichgewi chtigk eit" bei
den w estliche n Bern ühungen, Fort schri tte b ei Mens chenre chtsund
Siehe rheitsfr agen zu erzie len, unerl äßlic h sind, Der
Forts chritt a H e r vertraue nsbil dende n Maßnahmen werde "davon
abhän gen, daß alle Teilneh merst aaten die Idee ak zeptie ren daß
große re Offen heit und bess eres gegen seiti ges Ver ständn I S zur
erhöh ten Stab ilitä t und Si cherh eit i n Eur opa bei tragen ii
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Als Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten bei der
Stockholmer Konferenz für Abrüstug in Europa, KVAE, bin ich
mir sehr wohl der zentralen Rolle bewußt, die die Schweiz sowohl bei unserer Konferenz als auch bei deren Vorläufer, dem
KSZE-Prozeß, spielt. Das wird sich auch beim KSZE-Treffen der
Fachleute zum Thema menschliche Kontakte zeigen, das im April

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das im April hier in Bern beginnt.
Ich kann mir keinen angemesseneren Ort als die Hauptstadt
der Schweiz vorstellen, um über europäische Sicherheitsfragen
und ihr Verhältnis zum breiter gesteckten Rahmen der OstWest-Angelegenheiten zu sprechen. Natürlich spreche ich nicht
als Europäer, sondern als Amerikaner, und deshalb werde ich
als Ausgangspunkt meiner Rede die Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa wählen.
Ich mö chte gern mit e inem Bild vo n Anat olij Schts charanski
begin nen, der n ach seiner Ausr eise au s Mosk au be i der Ankunft
in Is rael von e inem "Baum der Grundsä tze" s prach , den er sich
ausge dacht hatt e, u m währ end d er Gefa ngensc haft sein psychisches Glei chgew icht aufre chtzu erhalte n. Se in Bi ld is t treffend, weil es s owoh 1 Verb indun gen als auch Prior itäte n beinhalte t; we nn wi r die Poli tik d er Vere inigte n Sta aten betrachten, sehen wir fund amenta le Ve rbindun gen un d Prioritä ten, die
die v ersch ieden en A spekte von Rüstung skontr ollge spräc hen, die
Anstr engun gen z ur V ertrau ensun d Siehe rheits bildu ng un d politisehen Proz esse verk nüpfen , die im wei teren Sinne mit der KSZE
zusam menhä ngen und dazu d ienen , den 0st-Wes t-Bez iehun gen konstruk tive Gesta lt z u verl eihen
Jeder dieser Bereiche hat seinen eigenen besonderen Brennpunkt, aber für die Vereinigten Staaten repräsentiert jeder
einen Aspekt von dem, was Präsident Reagan "das grundlegende
Ziel der Vereinigten Staaten" im europäischen Kontext genannt
hat; zu Europas Sicherheit im weiteren Sinne beizutragen und
dabei sowohl politische, wirtschaftliche, kulturelle und humanitäre als auch eigentlich militärische Angelegenheiten einzubeziehen.
Da heute die Aufmerksamkeit auf die Rüstungskontrolle gerichtet ist, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um die Zielvorstellungen amerikanischer Sicherheitspolitik zu diskutieren. So wie sich Sicherheit definiert, hängt sie davon ab,
die notwendige Stärke aufrechtzuerhalten um sich selbst zu
verteidigen und Angriffe auf die Verbündeten abzuschrecken:
dies muß das grundlegende Ziel einer jeden Sicherheitspolitik
sein. Im Einklang mit diesen grundsätzlichen Anforderungen
verfolgen die Vereinigten Staaten ein zusätzliches Ziel: die
Verhandlungen über Rüstungskontrollabkommen zur Verbesserung
der nationalen Sicherheit.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Bewußtseins zu Sicherheitsfragen stehen die Rüstungskontrollverhandlungen; nukleare
strategische und Mittelstreckenwaffen sowie Weltraum- und
Verteidigungswaffen bei den bilateralen Gesprächen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Genf und
- 2 -

�in Genf und chemische Waffen bei der ebenfalls in Genf stattfindenden Abrüstungskonferenz. Obwohl sich die Einzelheiten
unterscheiden, verfolgen wir doch bei all diesen Verhandlungen
dasselbe Ziel: radikale Kürzungen der Waffenstärken, die
schließlich zur Abschaffung ganzer Waffenarten vom Erdboden
führen.
Wir sind bei diesem Ziel realistisch: die totale Abschaffung nuklearer oder chemischer Waffen wird ein langfristiges
Unterfangen sein. Aber während wir das langfristige Ziel im
Auge behalten, bemühen wir uns um einen ausgeglichenen,
schrittweisen Abbau, der die Stabilität verbessert und das Risiko eines Krieges verringert.
Bei den START-Verhandlungen über strategische Nuklearwaffen haben wir 50 Kürzungen bei landgestützten Interkontinentalraketen vorgeschlagen. Bei den Verhandlungen über nukleare
Mittelstreckenwaffen haben wir sowohl vorgeschlagen, alle amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenwaffen aus Europa
zu entfernen wie auch, diese binnen drei Jahren aus Asien abzuziehen. Bei der Abrüstungskonferenz haben wir ein weltweites Verbot der Entwicklung, Produktion, Lagerung und Benutzung
chemischer Waffen angeregt.
Über das Z iel bedeu tende r Verr inger ungen hin aus 1 st all
diesen An stren gung en di e grundlege nde A nf orderun g gern ein, daß
sie gleic hgewi chti 9» ve rifiz ierbar und dauer haft sein sollten.
Diese Eig ensch afte n spr echen für s ich. Kein e Re gieru ng würde
eine Über einku nft absch ließe n, die eine Seit e st ärker begünstigt als die ande re. Keine Regie rung, der es m it be deutendem
Rüstungsa bbau erns t ist , würde ein Abko mmen schl ießen , dem
wirksame Mitte 1 zur Ver ifizi erung und d em di e Mi ttel zur Sicherung s einer Ein haltu ng fe hlen. Gere chtig keit und Verifizierbarke it si nd d aher unerl äßlich . Aber di e dr itte Eigenschaft, d ie 8e stän digke it, s ollte als w ichti ger Kern angesehen
werden, d er da s Ga nze z usamm enhält
Dahe r konzentr leren sich die Anst reng unge n de r Ve reinigten
Staa ten bei START zum B eispie 1 zunächst a uf e ine Verr ingerung
groß er 1 andg e s t ü t zter M ehrfac hgefecht skop f-Ra kete n. Da sie
ein Erst schl agspot entia 1 darsteilen, sind sie der Sta bilität
hoch st a bträ glich. Wir erfor sehen di e Möglic hkei t einer wirkung svol len strate gisch en Ver teidigun g - die wir mit der Sowjet unio n un d unse ren V erbünd eten dis kuti eren - w eil wir glauben, daß sie sowoh 1 als Beweg grund fü r Kürzun gen bei offensiven Nukl earr aketen als auch a ls ein s tabi lisi eren der Faktor
beim übe rgan g zur Absch affung nuklear er W äffe n di enen könnte.
Ein weit eres Beisp iel: bei d en Verha ndlu ngen übe r ch emische
Waff en s treb en wir nach einem weltwei ten Verb ot; weni ger als
das, z.B . ein regi onale s Verb ot, wäre in sich uns iche r

�wäre in sich unsicher und könnte leicht in eine Krise umschlagen.
So wichtig sie auch sein mögen, so bilden Anstrengungen
zur nuklearen Abrüstung nur einen Teil - ein Geäst - des ganzen Baumes amerikanischer Rüstungskontrollund Sicherheitspolitik. Nukleare Verringerungen müssen von Schritten zur Beseitigung des Ungleichgewichts bei konventionellen Waffen in
Europa begleitet werden; genau diese Schritte verfolgen wir
bei den Wiener Verhandlungen über den gegenseitigen und
gleichgewichtigen Abbau von Truppen (MBFR).
Nukleare Waffen waren ein notwendiger Faktor, um seit mehr
als 40 Jahren den Krieg von Europa fernzuhalten. Es wäre unverantwortlich, Nuklearwaffen nur abzuschaffen, um den konventionellen Krieg zu begünstigen. Ein größerer konventioneller Krieg in Europa würde, wenn man die zerstörerische
Kraft der heutigen Arsenale bedenkt, verheerend sein und jenseits unseres Erfahrungsbereichs liegen.
In Wien hat der Westen einen wichtigen neuen Schritt unternommen, um der Frage, wieviele Truppen sich augenblicklich
im Abbau befinden, auszuweichen und eine Verringerung unter
der Voraussetzung durchzuführen, daß die Verifizierung des Abbaus und der nach dem Abbau verbleibenden Streitkräfte möglich
ist.
Ein stetiger Rüstungskontrollprozeß erfordert auch, daß
bestehende militärische Streitkräfte bestimmten Verhaltensregeln unterworfen sind, um ihre Bewegungen vorhersehbar zu
machen und dadurch das Risiko einer Konfrontation oder eines
Konflikts zu verringern. Die Aufstellung solcher Regeln ist
das Ziel der KVAE. In Stockholm versuchen wir die Gefahr
eines Überraschungsangriffs oder eines durch Fehlkalkulation
oder -Interpretation hervorgerufenen Krieges zu verringern,
indem wir Vereinbarungen zur Zusammenarbeit auf militärischem
Gebiet erarbeiten.
Wir wollen den Gebrauch militärischer Stärke zur politischen Einschüchterung verhindern. Unser direktes Ziel ist die
verbesserte Vorhersehbarkeit und somit Stabilität der militärischen Lage Europas. Wir wollen den Gebrauch militärischer
Stärke zur politischen Einschüchterung verhindern. Unser
Fernziel ist es, zu verbesserten Ost-West-Beziehungen beizutragen, die Offenheit zu erhöhen und dabei zu helfen, die
künstliche Barriere zu senken, die jetzt in Europa den Osten
vom Westen trennt.
Als Rüstungskontrollverhandlung ergänzt die Stockholmer
Konferenz diejenigen Verhandlungen, die die Abrüstung zum Ziel
- 4 -

�die Abrüstung zum Ziel haben. Wir versuchen, ein vertrauensbildendes System aufzubauen, durch das alle auf Sicherheit in
Europa angewiesenen Länder gehalten sind, Informationen über
ihre Truppen in Europa und über diejenigen bedeutsamen Aktivitäten, an denen sie sich beteiligen wollen, auszutauschen.
Das vertrauensbildende System würde zu einem Regelkatalog
werden, der das militärische Verhalten der NATO-, Warschauer
Pakt und auch der neutralen, blockfreien Staaten regelt. Das
System sollte zu einem besseren gegenseitigen Verständnis über
die Intentionen hinter den auf dem Kontinent stattfindenden
militärischen Operationen beitragen.
Indem es Pläne für Aktivitäten aufstellt, kann uns das System dabei helfen, zwischen Routine und Bedrohung zu unterscheiden. Zum einen kann es Uberreaktionen auf normale Ausbildungsaktivitäten verhindern; andererseits kann es uns dabei
helfen, auf anormale Vorkommnisse sofort zu reagieren, auf
politische Einschüchterung oder sogar auf Vorbereitungen für
eine bewaffnete Aggression. Die Aufgabe von Stockholm ist sowohl vertrauensbildend als auch sicherheitsbildend. Ein System, das beiden Zielen gerecht wird, muß sich fest auf politisch bindende Mechanismen gründen und kann sich nicht mit Gesten oder gutem Willen rechtfertigen.
Aber wenn die Stockholmer Konferenz eine Rüstungskontrollverhandlung ist, die auf ein System zur militärischen Vertrauensbildung und ein stabileres militärisches Umfeld abzielt, geht ein unserer Annahme und den von uns vorgeschlagenen Maßnahmen zugrundeliegendes Prinzip über lediglich militärische Fragen hinaus. Es ist das Prinzip der Offenheit.
Einige von Ihnen werden davon schon unter dem Begriff der
Transparenz gehört haben. Der Erfolg jeglichen vertrauensbildenden Systems, das die Stockholmer Konferenz anwendet, wi^d
von der Annahme der Idee durch alle Teilnehmerstaaten abhängen, daß eine größere Offenheit und ein verbessertes gegenseitiges Verständnis über militärische Absichten und Gepflogenheiten zu verbesserter Stabilität und Sicherheit in Europa
beitragen werden.
Diese Idee wird wirklich zunehmend akzeptiert. Als die
Stockholmer Konferenz im Jahre 1984 eröffnet wurde, lehnte der
Ostblock "Transparenz" als "legalisierte Spionage" ab. Heute
behandelt das langsam Gestalt annehmende Abkommen fast ausschließlich "Transparenz": Information, Vorhersagen, Notifizierung sowie Beobachtung und Inspektion der militärischen Aktivitäten. Es ist im umfassenderen Sinne relevant, daß ein
zentrales Thema beim zur Zeit in Moskau stattfindenden Kongreß
der sowjetischen kommunistischen Partei jetzt "Offenheit" ist
- auf Russisch "Glasnost" - Offenheit gegenüber Kritik,
5 -

�Offenheit gegenüber Kritik, Reformen und Publizität, sogar,
wenn sie so wollen, gegenüber Transparenz.
Mir ist durch Hinweise bestätigt worden, daß der Ostblock
bereit ist, diese Idee auszuweiten, um auch die Verifizierung
der Einhaltung von Abkommen sicherzustellen. Dies ist genauso
wichtig für unsere Verhandlungsposition in Stockholm, wie auch
in Wien und Genf und überall dort, wo wir über Abrüstung
sprechen. Die Einhaltung internationaler Abkommen ist für die
Vertrauens- und Sicherheitsbildung unerläßlich; deshalb müssen
Maßnahmen zur Verifizierung in die entsprechenden Abkommen
eingearbeitet werden.
Die einzige Form der Verifizierung militärischer Aktivitäten, die allen 35 Stockholmer Teilnehmerstaaten zur Verfügung
steht, ist die Inspektion; bei den sehr seltenen Gelegenheiten, bei denen Teilnehmerstaaten meinen, daß sie die Bestätigung benötigen, ob eine Aktivität durchgeführt wird, die die
Integrität des vertrauensbildenden Systems bedroht, sollten
sie berechtigt sein, Inspektoren auszusenden, um sich an Ort
und Stelle einen genauen, aber nicht aufdringlichen Einblick
zu verschaffen. Die Zulassung von Inspektoren muß schnell ablaufen; die uns betreffenden Aktivitäten dauern nicht lange,
und den Inspektionen vorangehende Konsultationen, wie sie
vielfach vorgeschlagen worden sind, könnten zu leicht als ein
Mittel zur Verzögerung mißbraucht werden.
Bis heute scheint es die sowjetische Position zu sein, daß
Inspektionen Bestandteil von Abrüstungsabkommen und nicht etwa
von vertrauensbildenden Maßnahmen, über die wir in Stockholm
verhandeln, sind. Aber wenn sie nicht bereit sind, die Inspektion von Truppenübungen zuzulassen, warum sollten sie die
noch eingehenderen Inspektionen von militärischen Garnisonen,
Atomtestgebieten und Raketenabschußanlagen erlauben, die notwendig wären, um die Einhaltung des konventionellen und nuklearen Waffenabbaus oder eines umfassenden Atomteststopps
sicherzustellen?
Meiner Ansicht nach wird die sowjetische Annahme von Inspektionen im Zusammenhang mit Stockholm eine Leitfunktion
einnehmen in bezug auf ihre Ernsthaftigkeit, eine Inspektion
bei gemeinsamen Verifizierungsmaßnahmen im Rahmen von START,
INF, MBFR, den Verhandlungen über chemische Waffen und anderen
Rüstungskontrollforen zuzulassen.
Lassen Sie mich von dieser Exkursion in einige Einzelheiten der Stockholmer Konferenz zum Stamm meines Prinzipienbaumes zurückkehren. Wir glauben nicht, daß militärische und
sicherheitspolitische Angelegenheiten isoliert betrachtet werden können. Aus diesem Grunde betonen wir, daß die KVAE dem
- 6 -

�daß die KVAE dem KSZE-Prozeß als Ganzes untergeordnet ist.
Ich weiß, daß die Schweizer Regierung diese Ansicht teilt. Da
die Wiener KSZE-Folgekonferenz vor der Tür steht, müssen wir
vorwärts schauen und in Betracht ziehen, wie in diesem Prozeß
das Gleichgewicht am besten gesichert werden kann.
Unser Ansatzpunkt für dieses Gleichgewicht ist natürlich
die Schlußakte von Helsinki. Im Jahre 1975 legten die 35
Teilnehmerstaaten, darunter die Schweiz in einer führenden
Rolle, ein Wertesystem für Europa fest, das im Kern westlich
und demokratisch ist. Der Osten wollte die Teilung Europas
legalisieren; die Schlußakte hingegen ist auf seine Einigung
ausgerichtet. Der Osten wollte den Staat als zentrale
handelnde Figur einsetzen; die Schlußakte basiert auf den
Rechten und Freiheiten des Einzelnen. Der Osten wollte
Einfluß auf die westliche Sicherheitspolitik; die Schußakte
legt ein berechtigtes westliches Interesse daran fest, wie
östliche Regierungen ihre Bürger behandeln.
Das Verhalten des Ostens bei den KSZE-Verhandlungen seit
Helsinki erschien manchmal wie eine Reihe von Nachhutgefechten, um verlorenes Terrain wiederzugewinnen. Wir sind besorgt
über die Versuche des Ostens, ein gleichwertiges, separates
Forum für militärische Sicherheit zcF schaffen, das Bemühungen
zur Verbesserung von Menschenrechten, kulturellen Kontakten,
politischer Offenheit und Zusammenarbeit zwischen den Völkern
über alle Grenzen hinweg überschatten könnte.
Wir sind dem Erfolg von Stockholm verpflichtet, zum Teil
weil er dazu beitragen könnte, die Mauern in Europa einzureißen. Aber, wie erfolgreich Stockholm auch sein mag, so
sollte ihm doch nicht zugestanden werden, andere Bereiche der
KSZE zu beherrschen. Im November werden die Konferenzteilnehmer von Wien die Ergebnisse des Treffens über die Menschenrechte in Ottawa, das kulturelle Forum in Budapest und das bevorstehende Treffen über menschliche Kontakte in Bern und die
KVAE zu betrachten haben.
Aber diese Treffen sind nur allgemeine Indikatoren. Viel
wichtiger ist es, wie gut die Teilnehmerstaaten ihren Zusicherungen zur Schußakte gerecht geworden sind. Die Inhaftierung
von Menschenrechtsaktivisten in der Sowjetunion, die Verfolgung von entsprechenden Gruppen in Rumänien und der türkischen
Minderheit in Bulgarien, die drohende Gewalt, die über dem
polnischen Volk schwebt, das östliche Bestehen auf der Vorherrschaft des Staates bei kulturellen und menschlichen Kontakten - all dies sind negative Faktoren, die mit dem aufgewogen werden, was wir in Stockholm erreichen oder nicht erreichen können.
- 7 -

�Wir fordern kein mechanisches Gleichgewicht in allen Bereichen des KSZE-Prozesses, aber wir bestehen darauf, in allen
Bereichen voranzukommen, weil wir glauben, daß allen zehn
Prinzipien der Schlußakte das gleiche Gewicht und der gleiche
Wert zukommt. Die Frage darüber, wie und ob der KVAE-Prozeß
weitergeht, wird von unserer Prüfung des gesamten "Baums der
Prinzipien" abhängen, nicht nur von dem Ast des militärischen
Sicherheitsbereichs, den wir in Stockholm zu betonen versucht
haben.
Unserer Sicht des KSZE-Prozesses liegt eine bestimmte
Sichtweise von Europa zugrunde: stabil, kooperativ, offen, wo
Vertrauen sich auf der Respektierung von Rechten und Freiheiten des Einzelnen gründet und wo starke politische und wirtschaftliche Bindungen eine größere Sicherheit und größeren
Wohlstand für alle bedeuten. Dies ist eine schwierige Aufgabe
voller potentieller Widersprüche.
Ich habe d lese Red e mit Hinwe isen auf Ana tolij
Schtsch aranski beg onne n. W ie so viel e po liti sehe Gefang ene in
der Sow jetunio n wa r er zugl eich 0 pfer und Nut znieß er des KSZEProzess es - ei n Op fer, weil er ve rsuc hte, die Vers preche n von
Helsink i einzu löse n, w ähren d die sowj etis chen Behö rden i hrer
Bevölke rung kl arma chen woll ten, d aß d iese Ver sprec hungen nicht
ernst z u nehme n se ien. Ein Nutzn ieße r, w eil zehn Jahre später
der sow jetisch en F ühru ng vi elleic ht k lar wurd e, da ß der Westen
die Ver sprechu ngen von Hels inki e rnst nim mt u nd da ß die Kosten
bei den intern atio nale n Bez iehung en d urch die Inha ftieru ng
Schtsch aranski s al len Nutze n in a nder en B erei chen überst legen.
Wenn da s so ist, w erde n vie lleich t an dere wi e And rej
Sacharo w, frei komm en.
Lassen Sie uns für diese menschlichen Ziele arbeiten, weil
es keinen wahren Fortschritt bei der Sicherheit in diesem
engeren Sinne geben kann, wenn er nicht auf der Grundlage der
Sicherheit für Freiheit des Einzelnen und Menschenwürde basiert .

i

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V I O N **

5. März 1986

DIE REAGAN-STRATEGIE FÜR DIE ZUKUNFT
Arbeltspapier des Weißen Hauses zur Rede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus erstellte auf der
Grundlage der Rede Präsident Reagans vom 26. Februar 1986 zum
Thema Frieden und nationale Sicherheit das folgende Arbeitspepier:
Die Reagan-Strategie für die Zukunft
Vom Oval Office, seinem Amtszimmer aus, sprach Präsident
Ronald Reagan heute von seiner "höchsten Pflicht als Präsident - der Wahrung des Friedens und der Verteidigung
dieser Vereinigten Staaten."
In seiner Rede über "Frieden und nationale Sicherheit"
sprach Präsident Reagan davon, was diese Administration
geleistet hat und welche Arbeit noch vor ihr liegt.
Der Präsident betonte die Notwendigkeit, ein angemessenes
Maß an Verteidigungsausgaben sicherzustellen. Nach einem

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�Nach einem sechsprozentigen Einschnitt für 1986 charakterisierte der Präsident Versuche zur neuerlichen Kürzung des Verteidigungshaushaltes als "fahrlässig, gefährlich und falsch"
und zudem langfristig wirkungslos und kostspielig.
- Der Präsident nannte die Notwendigkeit einer starken Verteidigung einen entscheidenden Teil seiner "Strategie für
die Zukunft" - eine Strategie, die Wert legt auf Stärke,
Innovation, Zusammenarbeit mit Freunden und Verbündeten,
wirksames Management, Verringerung unserer Abhängigkeit
von Atomwaffen und sinnvolle Verhandlungen.
- "Die amerikanische Stärke ist ein unabdingbares Element
einer friedlichen Welt," so die Schlußfolgerung des Präsidenten. "Wir haben die größte Gelegenheit seit Jahrzehnten, einen sichereren Frieden zu schaffen."
Die Gefahr der Selbstgefälligkeit
"Frieden besteht nicht aus sich allein. Er hängt von uns
ab - von unserem Mut, ihn aufzubauen, ihn zu schützen und ihn
an zukünftige Generationen weiterzugeben."
"Heute abend jedoch ist das Sicherheitsprogramm, das Sie
und ich zur Wiederherstellung von Amerikas Stärke in Angriff
genommen haben, gefährdet - bedroht von jenen, die aufhören
wollen, bevor die Arbeit beendet ist."
"Wir sollten uns daran erinnern, wo Amerika vor fünf Jahren stand. Wir sollten uns die Atmosphäre dieser Zeit ins Gedächtnis zurückrufen - die Besorgnis, daß die Ereignisse unserer Kontrolle entglitten waren, über den Verfall des Westens
und darüber, daß unsere Feinde auf dem Vormarsch waren."
"Horrorgeschichten aus dem Pentagon (von vor fünf Jahren)
über Schiffe, die nicht einsatzfähig waren, über Flugzeuge,
die wegen Mangels an Ersatzteilen nicht flogen und über Heeresdivisionen, die nicht auf den Ernstfall vorbereitet waren."
Hintergrund
- Von 1970 bis 1981 gingen die amerikanischen Verteidigungsaugaben real um fast 20 Prozent zurück.
In den vergangenen fünf Jahren wurde dieser Rückgang umgekehrt
- In der Haushaltsresolution für das Haushaltsjahr 1986
stimmte der Präsident einem Kompromiß zu, der ein reales

�ein reales Nullwachstum für die Verteidigungsausgaben vorsah, um dann in ein dreipozentiges jährliches Wachstum in
den Haushaltsjahren 1987 und 88 überzugehen.
Nach den automatischen Kürzungen, die das Gesetz für das
Haushaltsjahr 1986 vorsieht, wird der Umfang der Verteidigungsausgaben jedoch letztlich gegenüber dem vorhergehenden Jahr real einen Rückgang von fast 6 Prozent aufweisen
Die sowjetischen Anstrengungen dauern an
Allein zwischen 1970 und 1985 investierten die Sowjets 500
Milliarden Dollar mehr in die Verteidigung als die Vereinigten
Staaten - und produzierten fast drei mal so viele strategische
Raketen."
Heute hat die Sowjetunion über eineinhalb mal so viele
Kampfflugzeuge disloziert wie die Vereinigten Staaten, über
zweieinhalb mal so viele Unterseeboote, mehr als fünf mal so
viele Panzer und mehr als elf mal so viele Artilleriegeschütze... Wir erwarten, daß sie in den nächsten fünf Jahren ungefähi 40 Atom-U-Boote, 500 neue ballistische Raketen und
18 000 moderne Kampfpanzer dislozieren werden..."
"Wo sich die Sowjets einstmals nur auf schiere Zahlen verließen, versuchen sie heute Quantität und Qualität zu vereinen."
Hintergrund:
- Die Gesamtausgaben der Sowjetunion für ihre Verteidigung
machen noch immer rund 15 Prozent ihres Bruttosozialprodukts aus - mehr als doppelt so viel wie die Vereinigten
Staaten.
- D:.e Sowjetunion hat zwischen 1970 und 1985 für Verteidigungs-"Investitionen" schätzungsweise 500 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als die Vereinigten Staaten. "Investitionen" werden dabei definiert als Aktivitäten bei Forschung und Entwicklung, Beschaffung, militärischen Bauten
und verwandten Aktivitäten.
- Die Sowjets haben rund 350 U-Boote; die Vereinigten Staaten haben rund 140.
- D:.e Sowjets haben rund 51 000, ihren Kampfeinheiten zugewiesene Panzer - im Vergleich zu rund 9900 amerikanischen
Panzern.
Die Vereinigten
- 3 -

�- Die Vereinigten Staaten haben rund 4600 Artilleriewaffen,
die Sowjets jedoch rund 53 000.
Die Sowjets haben rund 8500 taktische Kampfflugzeuge - im
Vergleich zu 5300 der Vereinigten Staaten.
Die Sowjets stellten zwischen 1970 und 1985 5500 ballistische Interkontinentalraketen und U-bootgestützte ballistische Raketen her.
Seit dem ABM-Vertrag von 1972 hat die Sowjetunion für ihre
strategische Verteidigung mindestens ebenso viel ausgegeben wie für ihre außergewöhnliche strategisch-nukleare Offensivaufrüstung.
Das Verteidigungsbudget Ist bescheiden - und nicht die Ursache
des Defizits
"Heute liegen die größten Steigerungen bei den Verteidigungsausgaben hinter uns. Deshalb ersuchte ich letzten Sommer
den Kongreß, den Verteidigungshaushalt für ein Jahr einzufrieren, um danach mit einem bescheidenen Zuwachs von drei Prozent
fortzufahren."
"Aber dies geschah nicht. Statt eines Einfrierens gab es
scharfe Einschnitte - insgesamt um über fünf Prozent. Und nun
sagen manche wieder, daß wir nochmals 20, 30 oder sogar 50
Milliarden Dollar für unsere nationale Verteidigung streichen
sollen. Dies ist fahrlässig, gefährlich und falsch."
Hintergrund:
- Die Haushaltsermächtigung des Haushaltsjahres 1986 für die
Verteidigung liegt nach dem entsprechenden Votum des Kongresses um 72 Milliarden Dollar unter dem vom Präsidenten
vor zwei Jahren im Budget des Haushaltsjahres 1985 geplanten Ansatz. Der Verteidigungshaushalt für das Haushaltsjahr 1986 liegt real um fast sechs Prozent unter dem Verteidigungshaushalt des Haushaltsjahres 1985.
- Die Forderungen des Präsidenten für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 1987 liegen um 51 Milliarden Dollar unter dem für das Haushaltsjahr 1987 im Mai 1984 mit
dem Kongreß erzielten Abkommen und um 42 Milliarden Dollar
niedriger, als dies vor gerade einem Jahr für das Haushaltsjahr 1987 vorgesehen war.
In den fünfziger

�In den fünfziger Jahren beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf 40 Prozent der öffentlichen Nettoausgaben,
heute auf etwa 23 Prozent.
In den frühen sechziger Jahren lag der Anteil der Verteidigungsausgaben bei etwa 50 Prozent des Bundeshaushalts,
heute sind es nur 28 Prozent.
1962 machten die Verteidigungskosten 9,4 Prozent unseres
Bruttosozialprodukts aus; 1986 sind es schätzungsweise 6,3
Prozent.
Zwischen den Haushaltsjahren 1980 und 1985 stiegen die
Bundeseinnahmen um 217 Milliarden Dollar. Die Bundesausgaben stiegen um 355 Milliarden Dollar und nur ein Drittel
davon (119 Milliarden Dollar) ging an die Verteidigung.
Prinzipien der Strategie für die Zukunft
Ausnützen von Innovation und Technologie
"Unser Vorteil liegt in der Innovation..."
"Es ist unsere Aufgabe, unsere Sicherheit durch die Stärken unserer freien Gesellschaft sicherzustellen. Wenn wir
klug genug sind, benötigen wir gar nicht so viel. Wir brauchen unsere Aufgabae gar nicht mit großen Zahlen und brutaler
Gt3walJ: zu lösen."
Hintergrund:
- Fortschritte bei der "Tarnbomber"-Technologie können dazu
beitragen, die Luftverteidigung der Sowjetunion und anderer feindlicher Staaten zu neutralisieren.
- Neue nichtnukleare Marschflugkörper können die kleinsten
Ziele aus einer Entfernung von Hunderten von Kilometern
unter allen Wetterbedingungen Tag und Nacht erreichen.
- Durch Ausnützung unserer industriellen Dynamik und Aufrechterhaltung des technologischen Vorsprungs sind die
Vereinigten Staaten nicht zu einer Strategie gezwungen,
den Sowjets zahlenmäßig immer Gleiches entgegenzustellen.
Sollten sie mehr haben, müssen wir Besseres haben.
Zusammenarbeit mit

�Zusammenarbeit mit Freunden und Verbündeten
"... unsere Verteidigungshilfe (bedeutet) ein gleiches Maß
an Sicherheit für den Dollar wie unser eigener Verteidigungshaushalt ."
"Militärhilfe für Freunde in strategisch wichtigen Regionen stärkt diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen."
"Und wenn sie stark sind, werden wir ebenfalls gestärkt.
Es liegt in unserem Interesse, ihnen zu helfen, mit Bedrohungen fertigzuwerden, die uns letztendlich auch selbst Schaden
zufügen könnten."
Hintertrund:
- Sicherheitshilfe hat dazu beigetragen, vor Konflikten in
Gebieten wie Korea, Pakistan, Marokko und Somalia abzuschrecken und hat es uns ermöglicht, auch weiterhin unsere
Luftund Seestützpunkte in Südwestasien zu unterhalten.
- Seit 1981 hat die Administration ihre Sicherheitshilfe beträchtlich erhöht, wobei hier vor allem ein neues Programm
für Pakistan und vermehrte Mittel für Israel, 'Ägypten und
die Türkei zu erwähnen sind.
- Wir haben erhebliche und wirksame Unterstützung in Mittelamerika sowie im Tschad, im Libanon, in Grenada und in
Thailand angeboten. Außerdem haben wir rasch auf dringende Anfragen seitens Saudi-Arabiens und Marokkos reagiert.
- Die amerikanische Sicherheitshilfe dient der Stabilität,
der Eigeninitiative und der kosteneffizienten Zusammenarbeit; die Militärprogramme der Sowjetunion im Ausland dienen der Entwicklung wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit und dienen dazu, regionale Spannungen zu vertiefen, nicht sie zu abzubauen.
Effiziente Nutzung der Mittel
"Während meines Wahlkampfs 1980 nannte ich staatliche Verschwendung und Betrug einen nationalen Skandal. Wir wußten,
daß wir Amerikas Stärke niemals wiederherstellen könnten, ohne
zunächst die explodierenden Kosten der Verteidigungsprogramme
einzudämmen. Und wir tun dies."
"1981 eskalierten die Kosten mit einer jährlichen Zuwachsrate von 14 Prozent... In den letzten zwei Jahren sind die
Zuwachsraten schließlich auf weniger als ein Prozent gefallen."
Hintergrund:

�Hintergrund:
- Der jährliche Kostenanstieg bei den wichtigsten neuen Systemen betrug 1983 ein Prozent, 1984 0,8 Prozent.
- Hier einige Beispiele für Kostenverringerung:
- Die F-18 kostet heute 4 Millionen Dollar weniger als 1982
(18,7 Millionen Dollar gegenüber 22,5 Millionen Dollar)
und über 5 Millionen Dollar weniger als sie 1981 kostete
(24,1 Millionen Dollar).
- Die Sidewinder-Luft-Luft-Rakete kostete 1981 116 000 Dollar, 1985 dagegen 60 200 Dollar, also rund die Hälfte.
- Das Verteidigungsministerium hat jährlich bei rund 15 Millionen Vertagen mit über 300 000 Vertragspartnern zu tun.
Oabei kommen Irrtümer vor und es kann zu Mißbräuchen kommen; aber diese werden nicht toleriert.
- Verteidigungsminister Weinberger hat beim Beschaffungprozeß umfangreiche Verbesserungen erreicht.
- Wie das Budgetbüro des Kongresses bestätigt, sind die Kosten für einen Kreuzer der Marine (CG-47) zwischen 1983
und 1985 um 9 Prozent gesunken; der B-1B Bomber kostet 9
Prozent weniger; der M-1 Panzer 8 Prozent weniger; und die
Kosten für das F-16 Flugzeug sanken um 3 Prozent.
- das Beschaffungsprüfungsamt hat jährlich über 60 000 Prüfungen vorgenommen; dabei kam es im Lauf der letzten beiden Jahren zu schätzungsweise 10 Milliarden Dollar an Einsparungen .
- Es wurde ein unabhängiger Generalinspekteur eingesetzt.
- Der Präsident wird am 28. Februar den Bericht der
Packard-Kommission erhalten, die er einsetzte, um Empfehlungen auszuarbeiten, die noch über die bereits erzielten
Verbesserungen hinausgehen.
- Die Administration ist bereit, mit dem Kongreß zwecks noch
stärker verbesserter Effizienz bei Exekutiv- und Legislativprozeß zusammenzuarbeiten; dabei wird verbesserte Planung und Organisation sowie beschleunigte Aktion, langfristigere Stabilität und weniger Mikromanagement ihr Ziel
sein.

�Geringere Abhängigkeit von Kernwaffen
"Unser Ziel sollte darin bestehen, eine Aggression abzuschrecken und, wenn nötig, zurückzuschlagen, ohne zu Atomwaffen Zuflucht zu suchen... (ein Programm), das eines Tages uns
alle aus dem Gefängnis des nuklearen Schreckens befreien könnte."
Hintergrund:
Die Strategische Verteidigungsinitiative stützt sich auf
eine Vielzahl technischer Neuerungen. Damit sollen Möglichkeiter geprüft werden, die Bedrohung durch Kernwaffen zu verringern, indem stärker auf Defensivdenn auf Offensivsysteme
abgeheben wird.
- Die NATO analysiert unter amerikanischer Führung die neuen
Technologien zum Zweck der verbesserten konventionellen
Verteidigung und hat die Anzahl der Kernwaffen in Europa
ve rringert.
- Die Technologie, die beim taktischen Raketensystem der Armee (ATACM) eingesetzt wurde, zeigte Anfang der achtziger
Jehre die Möglichkeit, eine Panzerformation in einer Entfernung von bis zu 120 Meilen und darüber hinaus anzugreifen.
- Neue nichtnukleare Marschflugkörper können unter allen
Wetterbedingungen sowie bei Tag und Nacht Punktziele aus
einer Entfernung von Hunderten von Kilometern treffen.
Dauerhafter Frieden erfordert Verhandlungen aus einer
Position der Stärke
"Jedes Nachlassen würde zum
fahren hervorrufen, die Amerika
unsere Verhandlungsposition auf
wir aus schmerzlicher Erfahrung
Gegener, die Sowjets nur solche
tion der Stärke verhandeln."

jetzigen Zeitpunkt nur die Gevermeiden muß; und es könnte
fatale Weise schwächen. Wie
wissen, respektieren unsere
Staaten, die aus einer Posi-

"Wir möchten Abkommen, die die nukleare Gefahr echt vermindern. Wir wollen nicht lediglich Unterzeichnungszeremonien
und Ferbfotos der politisch Verantwortlichen, die sich mit
Champagner zuprosten. Wir wollen mehr. Wir wollen wirkliche
Abkommen - Abkommen, die wirklich funktionieren -, ohne Betrug. •
Hintergrund:

�Hintergrund:
Auf dem Genfer Gipfel kamen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten überein, den Fortschritt bei den Kernwaffengesprächen in Genf zu beschleunigen, auf ein INF-Interimsabkommen sowie auf eine angemessen durchzuführende 50prozentige
Verringerung der offensiven Kernwaffen hinzuarbeiten. Wir einigten uns auch über zwei weitere Gipfel, einen in den Vereinigten Staaten, den anderen in der Sowjetunion.
- Erst in dieser Woche wieder haben die Vereinigten Staaten
einen neuen Vorschlag unterbreitet, der einen konkreten
Zeitplan i:ur Beseitigung der nuklearen bodengestützten
LRINF-Raketen in Europa, Asien und weltweit vorsieht.
- Die Vereinigten Staaten haben in Genf einen Vorschlag unterbreitet, der eine 50prozentige Verringerung der Kernwaffen vorsieht - und zwar auf eine Weise, die die Stabilität vergrößern würde.
- Die Vereinigten Staaten haben einen Vertragsentwurf vorgelegt, der die Herstellung chemischer Waffen verbietet und
eine wirksame Verifizierung vorsieht.
- Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben vor
kurzem bei den MBFR-Gesprächen in Wien einen neuen Vorschlag zur Verringerung der konventionellen Streitkräfte
in Europa unterbreitet.
- Die Vereinigten Staaten und die UdSSR verwirklichen derzeit eine neue Vereinbarung zur Verbesserung der direkten
Fernsprechverbindung - des "Heißen Drahtes" - und die Vereinigten Staaten haben Gespräche zwecks Errichtung von
"Zentren zur Verringerung des nuklearen Risikos" vorgeschlagen.
Bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen sprechen die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion darüber, wie man zu
einer besseren, sichereren Welt gelangen könnte, wobei
größere Betonung auf defensive als auf massive Arsenale
offensiver Nuklearwaffen gelegt würde. Wir haben auch eine Initiative "offener Laboratorien" vorgeschlagen, um so
Vertrauen darüber zu schaffen, daß die Programme beider
Seiten bei der strategischen Verteidigung keine Bedrohung
darstellen.
- Die Vereinigten Staaten haben mehrmals eine Reihe von Initiativen unterbreitet, um eine wirksame Verifizierung der
bestehenden Begrenzungen bei Atomversuchen zu ermöglichen,
wie sie im Schwellenvertrag und dem Vertrag über Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken enthalten sind.
Schlußfolgerung
- 9 -

�Schlußfolgerung
"Lassen Sie uns dieses entscheidende Niveau von nationale
Stärke, Einheit und Zielen aufrechterhalten, das die Sowjetunion an den Verhandlungstisch gebracht und uns diese historische Gelegenheit gegeben hat, echte Verringerungen bei den
Atomwaffen zu erzielen und die Chance, einen dauerhaften Frie
den zu erreichen. Dies würde das höchste Vermächtnis sein,
das wir der Nachwelt hinterlassen können - für unsere Kinder
und Kindeskinder."
- Der Präsident hat eine ausgewogene Strategie für den Frie
den. Seine Komponenten ergänzen einander und sind interdependent. Ein starkes und kluges Verteidigungsprogramm
ist für die Verwirklichung unserer Koalitionsstrategie mi
Freunden und Verbündeten sowie für das Erreichen unserer
Rüstungskontrollziele von entscheidender Bedeutung.
- Wenn es uns nicht gelingt, das Verteidigungsprogramm des
Präsidenten zu unterstützen, werden wir den Fortschritt
aufs Spiel setzen, den wir in den vergangenen fünf Jahren
erzielt haben.

* * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

März 1986

UDSSR WEGEN MANGELNDER WETTBEWERBSFÄHIGKEIT GEGEN SDI
- Robert Dornan im Foreian Press Center -

WASHINGTON - (AD) - Robert Dornan, Mitglied des Unterausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft, erklärte
am 26. Februar 1986 gegenüber Korrespondenten im Foreign Press
Center in Washington, der Widerstand des Kreml gegenüber der
Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) rühre im wesentlichen daher, daß die Sowjetunion im technologischen Wettstreit
nicht mit der freien Welt mithalten könne: Die Sowjets "wissen,
daß bei einem technologischen Wettstreit ein System, das kein
freies System ist, nicht mit der freien Welt konkurrieren kann.".
Das Wettrennen zwischen Europa, den Vereinigten Staaten und
Japan "in dieser fünften Computer-Generation ist etwas, das die
Wissenschaftler in der Sowjetunion mit der Schreckensvision erfüllt, sie könnten dabei das Nachsehen haben."
Die Sowjetunion "fällt hoffnungslos zurück" - Grund für dieses Zurückfallen in der Hochtechnologie, so Dornan, ist die Tatsache der geschlossenen Gesellschaft.
Gorbatschow "kann

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�Gorbatschow "kann sagen, was er will, wenn es darum geht,
schon den Schulkindern die Computertechnologie verfügbar zu
machen. Aber eine geschlossene Gesellschaft ist ganz einfach in
einer Welt der fortgeschrittenen Computertechnologie nicht funktionsfähig. "
Die Sowjets "sehen eine ganze Menge von Nachteilen bei diesem technologischen Abseits, wenn die Vereinigten Staaten im
hochtechnologischen Bereich weiter nach vorn drängen," betonte
Dornan unter Hinweis auf den 23. März, dem dritten Jahrestag der
historischen Rede Präsident Reagans zu SDI: "Ich glaube, die
meisten Menschen haben mittlerweile erkannt, daß wir den Rubikon
überschritten haben und daß es bei der strategischen Verteidigung kein Zurück mehr gibt."
Im Kapitol, so Dornan, "geht es nicht länger mehr um das Argument, wie viel Forschung wir betreiben werden, sondern nur
noch ganz konkret um die Frage nach dem Geld." Und mit dem Hinweis darauf, daß das Repräsentantenhaus im Haushaltsjahr 1985
für SDI schon 2,5 Milliarden Dollar genehmigt habe, betonte
Dornan, daß künftige Mittel für die SDI-Forschung "in realen
Dollars nie unter diese Zahl fallen" würden.
Auf die Frage, was er jenen entgegnen würde, die behaupten,
die Doktrin der gegenseitigen Zerstörung habe einen großen Krieg
bislang verhindert, erwiderte Dornan: "Was den Frieden bewahrt
hat, ist das Wort 'Abschreckung'."
"Indem wir dieser Gleichung der Abschreckung einen defensiven Faktor hinzufügen, schaffen wir einen stabilisierenden
Faktor."
Dornan verwies auch auf "das weit ernstere Problem" einer
möglichen Weiterverbreitung von Kernwaffen unter kleineren Staaten als "die Proliferation von Offensivwaffen in den Arsenalen
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten." Die Verhinderung
einer solchen Weitergabe von Atomwaffen an kleinere, instabile
Staaten sollte "die Hauptaufgabe der Vereinten Nationen sein."
In Beantwortung einer Frage über die Beteiligung der Bündnispartner der Vereinigten Staaten an SDI erklärte er, die Sicherheit der Welt "ist zu wichtig, um wieder in Isolationismus
zu verfallen, wie wir dies in den dreißiger Jahren getan haben,
und auf eine Festung Amerika zu hoffen, wobei wir unsere Hochtechnologie allein und ohne unsere Verbündeten benützen, um ein
Verteidigungssystem zu entwickeln, das nur die Vereinigten Staaten abdeckt. Wir leben in einer immer kleiner werdenden Welt,
dem Welt-Dorf, und wenn wir den Besitz von Schreckenswaffen bei
kleinen, instabilen Staaten unter Kontrolle bringen wollen, dann
müssen wir uns auch um ein System der strategischen Verteidigung
bemühen."
* * * * *

- 2-

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

10

1 2 . März 1986

t*.
I N H A L T

Dokumentation
Die Empfehlungen der Kommission zur Bekämpfung des
Terrorismus
- Vizepräsident Bush legt Bericht vor -

USA zur weiteren Bekämpfung des Terrorismus entschlossen
- Botschafter Oakiey vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses(Auszüge)

Wissenschaft und Technik
Die Umwelt wurde sauberer
- Aber mehr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken
erforderlich -

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Dokumentation

12. März 1986

10

DIE EMPFEHLUNGEN DER KOMMISSION ZUR BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS
- Vize-Präsident Bush legt Bericht vor -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vize-Präsident Bush
hat anläßlich der Vorstellung des Berichts der Kommission zur
Bekämpfung des Terrorismus in Washington folgende Erklärung
abgegeben:
Amerikanische Mitbürger!
Am Ende des Jahres 1985 wurde die Welt durch einen neuen
brutalen Akt des Terrorismus schockiert. Bei den Anschlägen
ajf die Flughäfen von Rom und Wien gab es 114 Verletzte und 18
Tote, fünf davon Amerikaner. Eines der Opfer war ein elfjähriges amerikanisches Mädchen.
Vor diesen Anschlägen wurden wir im gleichen Jahr Zeugen
d=r Entführung des TWA-Fluges 847 und der Kaperung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro. Bei beiden Gelegenheiten wurden
Amerikaner von internationalen Banditen brutal ermordet. Sold e schlimmen Anschläge sind Beispiele für einen wachsenden
Trend zum internationalen Terrorismus, wie er sich im letzten
Jahrzehnt entwickelt hat.
Besorgt über

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�Besorgt über die zunehmende Zahl amerikanischer Todesopfer
und über die wiederholten Drohungen von Terroristen gegen unsere Bürger, hat mich der Präsident im letzten Juli gebeten,
den Vorsitz einer Kommission zur Bekämpfung des Terrorismus
auf Kabinettsebene zu übernehmen.
Diese Kommission, die sich aus 14 hohen Regierungsbeamten
mit besonderer Verantwortung für unser nationales Programm der
Terrorismusbekämpfung zusammensetzt, hat während des letzten
halben Jahres eine Überprüfung und Auswertung der gegenwärtigen Politik und der Programme der Vereinigten Staaten vorgenommen .
Eine der erste n vo n uns entdec kten Tats achen beste ht darin, daß Amer ikaner den Terr orismus als eine s der schwe rwiegend sten Pro bleme für unser e Regierung anse hen, v on de rselben
Bede utun g wi e Haushalt sdefi zit und Rüstungs kontro lle. Sie
mcichten eine Bestä tigu ng da für, da ß die Ver einigt en St aaten
mit der wach senden Bed rohun g durch den Terr orismu s fertigwerden könn en, daß wi r eine Po litik u nd einen Reakti onsme chanismus besi tzen und d aß w ir da ran arb eiten, un ser Sy stem zu verbess ern. Di e Sorg e un serer Mitbür ger ist b erecht igt, denn der
Terr oris mus ist mi t al armie render Geschwind igkeit ange wachsen
Alle in i m Ja hr 198 5 haben s ich in der Welt 812 Zw ische nfälle
dies er A rt e r e i g n et, b ei de nen 926 Menschen getöt et wu rden,
daru nter 23 Amerik aner
Es ist klar, daß die wachsende terroristische Bedrohung
gegen amerikanische Bürger und Interessen im Ausland nach einer Stärkung unserer eigenen Programme sowie nach verstärkter
Zusammenarbeit mit ausländischen Regierungen verlangt. Obwohl
er. in den Vereinigten Staaten im vorigen Jahr lediglich sieben
terroristische Anschläge gab, besteht auch hier ein Potential
für zukünftige Probleme, und wir müssen deshalb gut darauf
vorbereitet sein.
Als Präsident Reagan unsere Kommission beauftragte, das
anerikanische Programm zur Terrorismusbekämpfung zu überprüfen, bedeutete dies nicht in erster Linie ein Mandat zur Korrektur bestimmter Mängel, sondern zur Neubewertung amerikanischer Prioritäten und Strategien, um sicherzustellen, daß die
gegenwärtigen Programme die zur Verfügung stehenden Mittel
bestmöglich ausnützen und um zu ermitteln, ob unser nationales
Programm zweckmäßig koordiniert wird, um die effektivsten Resultate zu erzielen.
Unsere Kommission hat sich von über 25 Regierungsbehörden
informieren lassen, hat 14 Operationszentren besucht, um unsere Fähigkeiten aus erster Hand zu studieren, ist mit über 100
Politikern, Militärs, Wissenschaftlern und Gesetzesvertretern

�und Gesetzesvertretern zusammengetroffen und hat Botschaften
und militärische Kommandobehörden in der ganzen Welt besucht,
wo Gespräche mit amerikanischen und ausländischen Beamten
durchgeführt wurden.
Ich persönlich habe mich mit vielen Mitgliedern des Kongresses, Spitzenvertretern von Fluggesellschaften und Medien
sowie früheren Kabinettsbeamten und Diplomaten getroffen.
Wir sind zu fo Igen dem Schi uß gekommen: die Politik und
das Prog ramm der V erei nigt en S taaten in der Terrorismusbekämp funa sind hart und ent schl ossen. Wir stellen uns standhaft all en Fo rmen des Terr oris mus entgegen, wo immer er sich
auch zut ragen mag. Wi r sind b ereit, zusammen mit anderen
Staa ten oder allei n zu han dein , um terroristische Akte zu verhjnd ern oder auf s ie z u re agie ren. Wir werden an Terroristen
kein erle i Zug estän dnis se m ache n. Gleichzeitig werden wir all
unse re M it.tel dafü r ei nset zen, um die sichere Heimkehr aller
Arier ikan er zu erre iche n, d ie a ls Geiseln festgehalten werden.
Unser nationales Programm ist gut geplant und es funktioniert. In fast jeder Bundesbehörde der Vereinigten Staaten
werden zur Zeit Antiterror-Aktivitäten durchgeführt. Bestimmte Behörden sind angewiesen worden, auf jede Drohung oder jeden Anschlag gegen unsere Mitbürger zu reagieren, sei es im
Ausland oder hier, in der Luft oder zur See.
Auf diesen gegenwärtig bestehenden Sicherungen aufbauend,
hat unsere Kommission dem Präsidenten im Dezember 1985 eine
Reihe von Empfehlungen vorgelegt. Der folgende Bericht für
die Öffentlichkeit beinhaltet diese nichtgeheimen Vorschläge,
die eine verbesserte Koordinierung zwischen Regierungsbehörden
zum Gegenstand haben sowie die Schaffung einer hauptamtlichen
Stelle im Stab des Nationalen Sicherheitsrates und eines Vereinigten Nachrichtenzentrums für Terrorismus fordern.
Die Kommission empfiehlt außerdem der Administration, mit
Nachdruck ein Gesetz zur Einführung der Todesstrafe für jeden
Terroristen zu unterstützen, der eine amerikanische Geisel tötet. Zusätzliche Vorschläge erstrecken sich auf verstärkte
Zusammenarbeit mit anderen Regierungen und skizzieren erweiterte Kommunikationsprogramme mit Familien von Geiseln, den
Medien und der Öffentlichkeit im allgemeinen.
Obwohl der Terrorismus eine komplexe und gefährliche Bedrohung darstellt, gegen die es keine schnelle oder einfache
Lösung gibt, glaube ich doch, daß die Empfehlungen unserer
Kommission zu einer bedeutenden Verbesserung von Amerikas Fähigkelten zur Terrorismusbekämpfung führen werden. Solange
sich solche schlimmen Anschläge ereignen, wird der Terrorismus
eine der höchsten Prioritäten dieser Administration bleiben.
Es folgen Auszug
- 3 -

�Es folgen Auszuge aus den Empfehlungen der Kommission:
GEGENWÄRTIGE POLITIK
Die amerikanische Position gegenüber dem Terrorismus ist
eindeutig: feste Gegnerschaft zum Terrorismus in all seinen
Formen, wo immer er sich auch abspielt. Mehrere Direktiven
zur nationalen Sicherheit sowie Erklärungen des Präsidenten
und leitender Beamter bestätigen diese Politik:
- Die amerikanische Regierung lehnt nationalen und internationalen Terrorismus ab und ist bereit, zusammen mit anderen Nationen oder^ wenn nötig, allein zu handeln, um Terrorakte zu verhindern oder auf sie zu reagieren.
- Die Regierung der Vereinigten Staaten betrachtet von einzelnen Personen oder Gruppen verübten Terrorismus als potentielle Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit und wird
sich dem Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln entgegenstellen.
- Staaten, die Terrorismus praktizieren oder aktiv unterstützen, v/erden dies nicht tun, ohne dafür die Konsequenzen zu tragen. Wenn es Beweise dafür gibt, daß ein Staat
einen terroristischen Akt gegen dieses Land inszeniert
oder plant, werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen treffen, um ihre Bürger, ihren Besitz und ihre Interessen zu
schützen.
- Die amerikanische Regierung wird Terroristen keine Zugeständnisse machen. Sie wird keine Lösegelder zahlen oder
Gefangene freilassen, ihre Politik nicht ändern oder etwa
anderen Maßnahmen zustimmen, durch die weiterer Terrorismus ermutigt werden könnte. Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel
nutzen, um die sichere Heimkehr der amerikanischen Staatsbürger zu erreichen, die von Terroristen als Geiseln festgehalten v/erden.
- Die Vereinigten Staaten werden hart gegen Terroristen vorgehen, ohne Grundrechte aufzugeben oder demokratische
Prinzipien zu gefährden, und sie ermutigen andere Regierungen, einen ähnlichen Standpunkt einzunehmen.
Die amerikanische Politik ist auf die Überzeugung gegründet, daß die Erfüllung der Forderungen von Terroristen noch
mehr Amerikaner einer Gefährdung aussetzen würde. Diese Politik der Konzessionsverweigerung ist der beste Weg, um die Sicherheit einer größtmöglichen Zahl von Menschen zu garantieren,
Unsere Prinzipien
- 4 -

�Unsere Prinzipien von Gerechtigkeit werden keine wahllosen
Vergeltungsschläge gegen Gruppen oder Länder zulassen. In allen Fällen, in denen die terroristischen Täter identifiziert
und aufgespürt werden können, wird unsere Politik jedoch darin
bestehen, gegen den Terrorismus vorzugehen, ohne Grundrechte
preiszugeben oder demokratische Werte zu gefährden. Wir sind
bereit, zusammen mit anderen Staaten oder, wenn nötig, allein
zu handeln, um terroristische Akte zu verhindern oder zu beantworten. Für eine erfolgreichen Abschreckungsstrategie mag
der wohlüberlegte Einsatz militärischer Gewalt zur Beilegung
eines Zwischenfalls ein notwendiger Bestandteil sein.
Die Gesetzgebung der jüngsten Vergangenheit hat die strafrechtliche Zuständigkeit des Bundes für internationale terroristische Zwischenfälle, von denen Amerikaner betroffen sind,
eiheblich erweitert. Terroristische Gewaltakte sind Verbrechen. Deshalb werden die Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um gegen Terroristen zu ermitteln, sie festzunehmen und als Kriminelle strafrechtlich zu verfolgen.
EMPFEHLUNGEN ZU POLITIK UND PROGRAMM AUF NATIONALER EBENE
Nationales Programmdokument
Zur Zeit sind eine Reihe von Behörden und Dienststellen
innerhalb der Exekutive für die verschiedenen Elemente unseres
nationalen Programms zur Terrorismusbekämpfung verantwortlich.
Obzwar dies ein vernünftiger und angemessener Ansatz ist,
sollten diese verschiedenen Elemente jedoch in einem einzigen
Piogrammdokument dargestellt werden. Solch eine umfassende
Liste würde die schnelle Identifizierung derjenigen Behörden
und ihrer Mittel ermöglichen, die für bestimmte Aspekte des
Terrorismus verantwortlich sind.
Die Kommission ist überzeugt, daß solch ein Dokument notwendig ist, um ein Höchstmaß an Effektivität bei der Koordinierung der Aktivitäten von Dienststellen und Behörden sicherzustellen, die Bestandteil unseres nationalen Programms sind.
Zusammen mit dem Amt für Verwaltungs- und Haushaltswesen und
den Ministerien für Äußeres und Justiz würde der Stab des Nationalen Sicherheitsrates dieses nationale Programmdokument
durchführen.
Politische Kriterien für Reaktionen auf Terroristen
Da sich Akte des Terrorismus durch Zeitpunkt, Ort, Rechtshoheit und Motivation erheblich unterscheiden, ist eine durchgsngige Reaktion fast unmöglich. Die behördenübergreifende
- 5 -

�Die behördenübergreifende Gruppe für Terrorismus sollte jedoch
politische Kriterien aufbereiten und dem Nationalen Sicherheitsrat zur Genehmigung vorlegen, um zu entscheiden, ob und
wie Gewalt zur Vorbeugung, Reaktion oder Vergeltung eingesetzt
sollte. Durch diesen Rahmen werden den entscheidungstragenden
Gremien brauchbare Normen zur Verfügung gestellt, mit denen
jede terroristische Drohung und jeder Zwischenfall bewertet
werden kann. Die Benutzung dieses Rahmens würde außerdem für
die amerikanische Bevölkerung sicherstellen, daß die Antwort
der Regierung widerspruchsfrei formuliert wird.
Einführung einer neuen Position im Nationalen Sicherheitsrat
Im Nationalen Sicherheitsrat muß eine hauptamtliche Position mit Unterstützungsstab geschaffen werden, um die Koordinierung unseres nationalen Programms zu stärken. In enger Zusammenarbeit mit den für eine Führungsrolle bestimmten Behörden wird diese Stelle verantwortlich sein für:
- Teilnahme an allen behördenübergreifenden Gruppen
- Führen des nationalen Programmdokuments
- Unterstützung bei der Koordinierung von Forschung und Entwicklung
- Hilfe bei der Entwicklung von Reaktionsmöglichkeiten
- Überwachung der Durchführung der von der Kommission unterbreiteten Empfehlungen
Sprechen mit einer Stimme
Eine ein deut iqe K ommun ikat lon durc h er nann te Sprecher und
Koor dini erun g von öff entli chen Erk läru ngen wäh rend eines terrcri stis chen Zwi sehen falls sin d lebens wich tig. Im Hinblick
auf di e Koor dini erung öffe ntli eher Erk läru ngen sollten alle
Spre eher dur eh b ehörd enübe rgre if ende A rbei tsgr uppen mit besondere n Or ient ieru ngshi lfen vers orgt wer den. Oh ne Koordinierung
kenn ten sich ung enaue Info rmat ione n er gebe n, n achrichtendi enstli che Quel len k ompro mitt iert wer den und Freunde und Verbünd ete über all in de r Welt in Bed rang nis gera ten - und dies
zu e iner Zei t, i n der inte rnat iona le Z usam mena rbeit lebensrettend sei n ka nn.
Die Auswahl von Sprechern und die Richtlinien für öffentliche Reaktionen sind besonders wichtig, wenn man den durch
informationshungrige Medien während terroristischer Zwischen- 6 -

�terroristischer Zwischenfälle ausgeübten Druck in Betracht
zieht. Ein falsches Statement oder das Versäumnis, vor einem
Kommentar an Nachrichtenmedien rechtliche Probleme zu beachten, könnten die polizeilichen Ermittlungen oder eine mögliche
strafrechtliche Verfolgung gefährden.
Überprüfung der amerikanischen Personalbedarfs in besonders
bedrohten Gebieten
Es sind bereits Schritte unternommen worden, um die Sicherheit amerikanischer Anlagen zu verstärken und Personal in
gefährlichen Gebieten abzubauen. Bis heute sind diese Bemühungen jedoch noch nicht zwischen allen beteiligten Dienststellen umfassend koordiniert worden. Das Außenministerium
sollte die Botschafter in allen als besonders bedroht ausgewiesenen Gebieten anweisen, zu untersuchen, ob ein weiterer
Personalabbau bei amerikanischen Einrichtungen in Übersee möglich ist. Diese Überprüfung sollte gleichzeitig die physische
Verwundbarkeit der den Botschaften angeschlossenen Einrichtungen eingehend berücksichtigen. Das Verteidigungsministerium
sollte gleichermaßen eine ähnliche Untersuchung für seine militärischen Kommandos im Ausland durchführen.
EMPFEHLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN ZUSAMMENARBEIT
Internationale Zusammenarbeit ist für die langfristige
Ausschaltung des Terrorismus von entscheidender Bedeutung.
Sie kann durch multilaterale sowie bilaterale Abkommen erreicht werden. Obwohl beim Abschluß multilateraler Abkommen
nur langsam Fortschritte erzielt wurden, sollten wir unsere
Bemühungen auf diesem Gebiet fortsetzen, um zu zeigen, daß
viele Nationen sich dem Kampf gegen den Terrorismus als einem
internationalen Verbrechen gegen die Gesellschaft verpflichtet
fühlen.
In Ermangelung eines multilateralen Abkommens sollte das
Außenministarium sich weiterhin intensiv um internationale Zusammenarbeit bemühen durch:
- allgemeine Resolutionen oder Abkommen in den Vereinten Nationen und anderen spezialisierten Organisationen auf den
Gebieten der Zivilluftfahrt, der Seeschiffahrt und des
Tourismus,
- verstärkte und auf größerer Basis ratifizierte internationale Konventionen zu Problemen wie Flugzeugentführung,
Geiselnahme und Schutz von Diplomaten,
weniger formelle
- 7 -

�weniger formelle Absprachen, mit denen der internationale
Konsens zu effektiven Aktionen gegen den Terrorismus veranschaulicht wird,
verbesserte Durchführung bestehender Abkommen zur Terrorismusbekämpfung.
Schließung von Lücken in Auslieferungsvereinbarungen
Die Vereinigten Staaten selbst werden bisweilen als sicherer Hafen für Terroristen benutzt. Die bestehenden Auslieferungsverträge mit anderen Staaten schließen eine Auslieferung
von Flüchtigen aus, die wegen "politischer Straftaten" gesucht
werden. Diese Klausel bildet augenscheinlich ein Schlupfloch
für Terroristen. Das Außenministerium sollte sich um Korrekturen der Auslieferungsverträge mit denjenigen Ländern bemühen, die demokratische und faire Rechtssysteme besitzen, um
sicherzustellen, daß Terroristen an das rechtlich zuständige
Land ausgeliefert werden.
Der Prozeß zur Schließung solcher Schlupflöcher hat in der
Form von Änderungsvorschlägen bezüglich des amerikanischbritischen Zusatzvertrages begonnen. Das Außenministerium
sollte sich energisch um die Zustimmung des Senats zu diesem
Vertrag bemühen und den Prozeß der Überprüfung von Verträgen
mit anderen Ländern fortführen, um zu gewährleisten, daß Terroristen der Prozeß gemacht wird.
Verhängung von Sanktionen bei Verletzung der Wiener Konvention
Es i st ei ne Ta tsac he, d aß b estimmt e Regierunge n de n Terrori smus akti v unt erst ützen . Diese La nder n utzen manc hmal ihre d iplo matis chen Vert retun gen als sie heren Hafen für Terroriste n od er al s Verstec k für der en Mate rial - eine dire kte Verletz ung der W iener Kon venti on. Das Au ßenmin isteri um s ollte
weit erhi n zus ammen mit ande ren Regieru ngen d aran a rbei ten,
Verl etzu ngen der W iene r Kon vent ion zu verhin d e m u nd a ufzudeck en. Eine Reso luti on de r Generalve rsamml ung de r Vereinten
Nati onen , die den Schu tz vo n Te rrorist en in diplom atis chen
Vert retu ngen verur teil t, kö nnte zu den Bemüh ungen der Vereinigt en S taate n bei trag en, d iese n Mißbr auch z u bekä mpfe n.
Bewertung und Verstärkung der Sicherheit von Flug- und
Seehäfen
Das Durchleuchten von Passagieren und Handgepäck vor dem

�vor dem Abflug sind grundlegende Faktoren unseres nationalen
Sicherheitsprogramms. Seit 1972 sind durch diese Maßnahmen
über 30 000 Schußwaffen entdeckt und 13 000 Verhaftungen vorgenommen worden. Die jüngsten Terrorakte gegen internationale
Luft- und Seefahrteinrichtungen zeigen aber die Notwendigkeit
für eine andauernde Überwachung und auf den neuesten Stand gebrachte Sicherheitsmaßnahmen. Dies gilt besonders für Häfen
und an Bord von Schiffen, wo keine internationalne oder bundesgesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen existieren.
Die behördenübergreifende Arbeitsgruppe für Sicherheit auf
See, die dem Verkehrsministerium untersteht, soll die Sicherheitsmaßnahmen und die potentielle Bedrohung für Schiffe, Passagiere und Mannschaften überwachen. Sie soll auch den gesetzlichen Rahmen überprüfen. Wenn es keinen angemessenen
Rahmen gibt, sollen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden
Behörden Empfehlungen für eine neue Gesetzgebung gemacht werden. Darüber hinaus müssen Gesetze geschaffen werden, die eine eingehende Überprüfung von Personen, die auf Flughäfen oder
Terminals in Sperrbereichen arbeiten, auf frühere Straffälligkeit erlaubt. Schließlich sollten das Außenministerium und
die Küstenwache weiterhin durch die Internationale Seefahrtsorganjsation IMO an der Entwicklung international gültiger Abkommen arbeiten, um die Passagiere und Mannschaften der jeweiligen Schiffe zu schützen.
NACHRICHTENDIENSTLICHE EMPFEHLUNGEN
Aufbau eines Vereinten Nachrichtenzentrums für den Terrorismus
Die Sammlung, Auswertung und Verbreitung von Nachrichten
spielt bei der Bekämpfung des Terrorismus eine zentrale Rolle. Zur Zeit gewinnen einige Bundesministerien und Behörden
irnerhalb ihrer Kompentenzbereiche Nachrichtenmaterial; es
gibt aber kein vereintes Zentrum, das die Quelleninformationen
ais all jenen Dienststellen sammelt und auswertet, die sich
mit Aktivitäten zur Bekämpfung des Terrorismus befassen. Das
Hinzufügen solch einer zentralen Einrichtung würde unsere Fähigkeit verbessern, künftige terroristische Bedrohungen zu
verstehen und vorherzusehen, das nationale Krisenmanagement zu
unterstützen und eine gemeinsame Datenbank zur Verfügung zu
stellen, die den einzelnen Behörden leicht zugänglich ist.
Möglicherweise könnte dieses Zentrum ein Mittelpunkt für die
Entwicklung eines behördenübergreifenden Stabes von Nachrichtenexperten sein, die auf Terrorismus spezialisiert sind.
Verstärkte Sammlung

�Verstärkte Sammlung des von Einzelpersonen zusammengetragenen
Nachrichtenmaterials
Das mit Hilfe technischer Mittel gesammelte Material ist
ausreichend und wird zweckmäßig zusammengetragen. Gleichzeitig gibt es aber ganz klar einen Bedarf an bestimmten Informationen, die nur von Einzelpersonen erbracht werden können.
Eine Zunahme der von Einzelpersonen zusammengetragenen Informationen ist unerläßlich, um terroristische Vereinigungen und
deren Unterstützungssysteme zu durchdringen.
Austausch von Informationen zwischen Regierungen
Die nationalen Bemühungen um nachrichtendienstliche Information bauen sehr auf Vereinbarungen zu deren Sammlung und auf
Verbindungen mit vielen befreundeten Regierungen. Ein solcher
Austausch mit gleichgesinnten Regierungen und Polizeibehörden
im Ausland war äußerst nützlich und sollte zur Unterstützung
unserer eigenen Bemühungen um Informationen ausgeweitet werden.
EMPFEHLUNGEN ZUR GESETZGEBUNG
Die Ermordung von US-Bürgern außerhalb ihres Landes sollte zu
einem Bundesverbrechen erklärt werden
Im Augenblick ist es nach dem amerikanischen Gesetz kein
Verbrechen, einen amerikanischen Bürger außerhalb unserer
Grenzen zu ermorden - die Ausnahme bilden Diplomaten und einigt; Regierungsvertreter. Der Rechtsschutz für Diplomaten sollte erweitert werden und alle amerikanischen Staatsbürger einschließen, die Opfer des internationalen Terrorismus werden.
Das Außen- und das Justizministerium sollte den Kongreß auffordern, eine Gesetzgebung anzunehmen, wie z. B. das Gesetz
zur Verfolgung von Terroristen von 1985, die dieser Zielsetzung gerecht wird.
Anwendung der Todesstrafe für Geiselmörder
Qbowohl es Gesetze gibt, die die Anwendung der Todesstrafe
erlauben, wenn ein Todesfall bei einer Flugzeugentführung eintritt, so gibt es keine spezielle Gesetzgebung, die die
gleiche Strafe für Geiselmörder in anderen Situationen vorsieht. Das Justizministerium sollte Gesetze erarbeiten, durch
die bei jeder Person, die eine Geisel, unter welchen Umständen
auch immer, tötet, die Todesstrafe angewendet wird.
Bildung eines
- 10 -

�Bildung eines gemeinsamen nachrichtendienstlichen Komitees
Verfahrensweisen, denen die Exekutive folgen muß, um die
Geheimdienstausschüsse über nachrichtendienstliche Tätigkeiten
zu informieren, müssen gestrafft werden. Die Annahme einer im
vergangenen Jahr vom Kongreßabgeordneten Henry J. Hyde vorgeschlagenen gemeinsamen Resolution würde einen gemeinsamen Geheimdienstausschuß ins Leben rufen. Diese Resolution würde
die Anzahl der Personen beschränken, die Zugang zu heiklen Informationen haben und einen einzigen sicheren Verwahrungsort
für Geheimmaterial zur Verfügung stellen.
Bereitstellung zusätzlicher Anreize für Informationen über
Terroristen
Das Gesetz zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus
von 1984 sieht die Zahlung von bis zu 500 000 Dollar für Informationen vor, die den nationalen und internationalen Terrorismus betreffen. Manche glauben, daß diese Gesetzg?^
nicht ausreicht.
Das Außenministerium sollte zusammen mit dem Justizministerium und der CIA einen behördenübergreifenden Anstoß für
die Entwicklung eines unilateralen und/oder bilateralen Programms geben, um Einzelpersonen zu Informationen über die
Identität oder den Aufenthalt von Terroristen zu ermutigen.
Zusätzlich zu finanziellen Belohnungen umfassen weitere Anreize Strafverfolgungsfreiheit für frühere Vergehen und amerikanische Staatsbürgerschaft für die betreffende Person und ihre
engsten Familienangehörigen.
Ausgesetzte Belohnungen sollten sowohl an ausländische als
auch an amerikanische Personengruppen vergeben werden, und man
sollte in Betracht ziehen, die momentane Höchstsumme von
500 000 Dollar auf eine Million Dollar anzuheben.
Verbot von Ausbildungslagern für Söldner
Die internationalen Regeln für den Waffenhandel sind dahingehend verschärft worden, daß nun eine Lizenz notwendig
ist, um Ausländer im Gebrauch von Waffen auszubilden; auf nationaler Ebene gibt es dennoch eine Reihe von legalen Ausbildungslagern für Söldner und für Uberlebenstraining. Entsprechende Behörden sollten das Ausmaß, in dem Nicht-Amerikaner in
den Vereinigten Staaten im Gebrauch von Handfeuerwaffen und
Sprengstoffen ausgebildet werden, strenger überwachen und wenn
n'jtig, eine zusätzliche Gesetzgebung fordern.
Beendigung des
- 11 -

�Beendigung des Mißbrauchs des Gesetzes über Informationsfreiheit durch Terroristen
Mitglieder terroristischer Vereinigungen könnten das Gesetz über Informationsfreiheit benutzt haben, um Informanten
des FBI zu identifizieren, die Nachforschungen des FBI zu behindern und Regierungsmittel durch Anfragen zu blockieren.
Dies wäre eine eindeutige Verletzung des Gesetzes, die vom
Justizministerium überprüft und, wenn er sich bestätigt, von
der Legislative behandelt werden sollte, um das Schlupfloch zu
schließen.
Studium des Verhältnisses zwischen Terrorismus und dem
nationalen und internationalen Rechtssystem
Internationales und nationales Rechtssystem sind angemessen, wenn es um die Behandlung von konventionellem Krieg und
Verbrechen geht. Bei bestimmten Gelegenheiten tauchen jedoch
Fragen der Gesetzgebung und Zuständigkeit auf, wenn es um den
Terrorismus geht. Zum Beispiel gibt es Zweifelsfälle bei den
Umständen, bei denen militärisches Eingreifen bei der Bekämpfung des Terrorismus angemessen ist. Dieser Mangel an Klarheit bei den Beziehungen zwischen der Anwendung internationaler Gesetze und Rechtssysteme könnte die Macht der Regierungen
einschränken, schnell und wirksam zu handeln. Das Außen- und
auch das Justizministerium sollte die private und die akademische Forschung unterstützen, um herauszufinden, wie internationale Gesetze benutzt werden können, um Bemühungen zu beschleunigen - und nicht zu behindern -, einen Terrorakt zu beantworten.
Untersuchung darüber, ob bestimmte privatwirtschaftliche
Aktivitäten illegal sind
In einigen Fällen haben Einzelpersonen und Firmen Terroristen Lösegeld für die Übergabe entführter Personen oder gestohlener Gegenstände gezahlt. Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zur nationalen Politik, die sich dagegen wendet, Zugeständnisse an Terroristen zu machen oder ihnen Lösegelder zu
zahlen. Das Justizministerium sollte erwägen, ob Gesetze geschaffen und angewandt werden sollten, die solche Zahlungen an
terroristische Vereinigungen für rechtswidrig erklären.
EMPFEHLUNGEN ZUR VERSTÄNDIGUNG
Aufgrund des starken Drucks bei einer Geiselnahme bedrängen manche Familienmitqlieder von Geiseln höchste Regierungs- 12 -

�höchste Regierungsstellen um Informationen. So sehr dies verständlich ist, beinhaltet solch ein Verhalten die Möglichkeit,
die Rückkehr der Geiseln zu verzögern, indem man Terroristen
so die gewünschte Aufmerksamkeit der Medien zukommen läßt oder
sie in den Glauben versetzt, daß ihre Forderungen erfüllt werden. Darüber hinaus könnte die unbeabsichtigte Enthüllung
prekärer Informationen alle Bemühungen um die Freilassung von
Geiseln gefährden.
Die im Zuständigkeitsbereich der Konsularabteilung des Außenministeriums liegende Verbindungsstelle für Familien sollte
ein weitreichenderes Programm zur Verfügung stellen, das Besuche, Telefon-Standleitungen, Informationen über private Beratungsdienste und eine Kontaktperson für jede Familie, auch
wenn es nichts Neues zu berichten gibt, einschließt. Solch
ein erweitertes Kontaktprogramm wird den Familien helfen, zu
verstehen, daß seitens der Regierung den Interessen der Geiseln höchste Priorität zukommt.
Beginn einer Aufklärungskampagne für die Öffentlichkeit
Wege n de s Mangels a n Ve rstä ndni s und gegenwa rtig erhältlj chen I nf ormatione n üb er u nser nat ional es Progr amm z ur Bekf'mp fung des Terror ismu s so U t e n br eit a ngelegte Bemü hungen
unte rnom men werden, um die amer ikan ische Öffentl ichke it sowohl
über uns ere Maßnahm en u nd V orsc hläg e zu informie ren a ls auch
über die zah lreiche n Au swir kung en d es Ge brauchs von G ewalt gegen den Terr orismus , einsch ließ lieh des Todes un schul diger
Pers onen , der Zerst örun g vo n Ei gent um, E ntfremdu ng vo n Verbündete n un d mö glicher ter rori stis eher Verg eltungsa kte. Die Aufklär ungs bemü hungen würd en m it H ilfe von Publikat ionen , wie zum
Beis piel mit diesem Ber icht , sowie Semin aren und Ansp rächen
von Regi erun gsvertr eter n du rchg efüh rt.
Zusammenarbeit mit den Medien
Terroristen erzeugen absichtlich Sensationen, um die
Hauptaufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken - ein Trick,
der sich häufig die amerikanische Pressefreiheit zunutze
macht. Dieses Vorgehen kann durch enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Medien ausgeschlossen werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte den Medien während einer
Krise durch den Terrorismus rechtzeitig Informationen liefern.
D:e Medien sollten im Gegenzug dazu sicherstellen, daß ihre
Reportagen den höchsten professionellen und ethischen Maßstäben entsprechen.

* * *

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13 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. März 1986

IC

USA ZUR WEITEREN BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS ENTSCHLOSSEN
- Botschafter Oakley vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Robert Oakley, Botschafter zur besonderen Verwendung und im amerikanischen Außenministerium mit
dem Problem der Bekämpfung des Terrorismus betraut, informierte am 28. Februar 1986 den für Rechtsfragen zuständigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses in einer vorbereiteten Erklärung über die Maßnahmen der amerikanischen Regierung in
diesen Bereich: "Die Reagan-Administration ist entschlossen,
damit fortzufahren und die uns zur Verfügung stehenden Instrumente zu vermehren und zu verbessern."
Er betonte zugleich, daß in diesem Rahmen "alle unsere Bemühungen um internationale Zusammenarbeit und internationale
H:lfestellung von Bedeutung sind." Die vorbereitete Erklärung
von Botschaftor Oakley hat in ihren wesentlichsten Auszügen
folgenden Wortlaut:
Ein erster Blick auf die Statistiken zeigt, daß es im Jahr
IT'85 nehr als 800 Akte des internationalen Terrorismus gab.
Es gab 2 223 Opfer - 23 der Getöteten und 139 der Verletzten
waren Amerikaner. In den vergangenen zwei Jahren nahm der internationale Terrorismus - im Vergleich zu einem Jahresdurch-

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�einem Jahresdurchschnitt von rund 500 in der Zeit zwischen
1978 und 1933 - erheblich zu (um 60 Prozent).

Die terroristische Bedrohung im Ausland
Für dieser beunruhigenden Trend gibt es eine Reihe von Ursachen und Gründen. Eine Hauptursache für diesen Anstieg bildet der Terroiismus, der seinen Nährboden im Nahen und Mittleren Osten hat - hier stieg die ;'ahl der Vorfälle von 109 im
Jshr 1983 auf 378 im Jahr 1985. Innerhalb dieser Kategorie
gibt es eine Vielzahl von Fakto r en und Akteuren, nie israeiIsch-palä5t;nensische Frage Ist nur eine Komponente und umfaßt den lerrcr ismus, der von r &lt;dikalen Palästinensergruppen
ausgeht, die ((en Versuch unternahmen, den Friedensprozeß zu
störer'.
D?;neben g b t es den Terrorismus, der von dem politisch-religiösen Fanatismus Khomeinischer Prägung sowie von den Mordkcmpaanen Ghacafis gegen libysche Dissidenten ausgeht.
E J n i g e dei Ter rora kte wäre n Ve rsuche von Terr oris ten, die
Fi eil c i S S U P g vf.n Ge sinn ungs geno ssen oder Verw andte n zu erzwingen, d i e v&gt; eqen frü here r Ve rgeh en v erhaft et w urden . Die einzig
di rch cjängi ge P'orde rung der bei sein ehmer von Ameri kane rn im Libe non i s t die Frei lass ung von 17 d urch d en I ran i nspi rierten
Tr- rror i s t e n , i!ie i n Ku wait weg en d er dor tige n blu tige n Terrorangri ffe i m De zemb er 1 984 veru rtei lt wur den, bei dene n fast
100 M ensch en w erwu ndet ode r ge töte t wurd en. Ande re T erroris ten i wie etv a Ab u Ab bas, des sen Gruppe die Achi lle Lauro kapf rte , v e r such ten, pol itis ch g egen die V erei nigte n St aaten und
Ifr rae] St.i mmun g zu mac hen und glei chzeit ig d ie Fr eila ssung inh&amp;fti erter
innu ngsg enos sen zu e rreich en.
D:.e t c idlic hsten T erro rangri ffe de s Mittl eren Ost ens kamen
vcn de r A b u-N: dal-Gru ppe, die d as Zen trum ih rer Oper atio nen
1983 v orn I rak nach Sy rien verle gte. Anfang 1985 kon zent rierte
Abu N;.dal sein e Angri ffe gegen Jordan ische u nd gemäß igte pau st in ensi sehe Politi ker. Als dann M itte de s Jahres Syr ien
und Je rdan ien Gespräc he a uf höh er Ebe ne mite inander bega nnen,
wurd e Liby en ::u seine m wi chtigs ten He lfer un d seine Ziel e wandelt en sie h e:?neut. Die Entfüh rung d es ägyp tischen Flug zeuges
ne-ch M alta , WD bei zum ers tenmal auch weiblic he Passa gier e ar er ik anis che : und is rael ischer Staat sangehö rigkeit - he rausgesu ch t wu rden , um getöte t zu w erden, sowie die Ansc hläg e auf
den Fl ughä fen von Rom und Wien waren die ers ten groß eren Operat!on en H er \bu-Nida 1-Or ganisa tion, seit si e erhebl iche Unte T S tn tzun o vo n Libye n be kommt.
Auch westeuropäische
- 2 -

�Auch v/esteuropä ische Gru ppen wäre n aktiv. Die Rot e Armee
Frak tion gri ff amer i k a n isehe und NATO -Anlagen in d er B undesre;pu b.lik Deu t s c h 1 a nd an - wo bei mehre re Ameri kaner umk amen und ihre Ges innungs genos sen in F rankr eich und Belg ien führten
In Ita lien gab es geraauch in dies en Land ern A nsch läqe aus.
de; e rst in d iesem M onat eine Wie derbe lebung d er Ro ten Brigaden, nac hdem die Gr uppe dort erh eblic he Rucks chläg e ha tte hinnehm en m üsse n. In Spani en s etzt en di e baskis chen Sepa ratisten
ihre Kam pagn e fort. Im verg anae nen J ahr wurd e ein ame rikanisch er G esch ä ftsman n get ötet , äls ein e Autobo mbe i n Ma drid exp?.od iert e un d auch mehr als ein Dutze nd spani scher Ziv ilgardist en v erwu n d e t e.
In Lateinamerika stieg die Zahl der Terrorangriffe von 81
in Jahr 1984 auf 132 im Jahr 1985. 86 dieser Vorfälle betrafen auch die /ereinigten Staaten, einschließlich vier getöteter Marines und zweier Geschäftsleute in San Salvador.
Die L i ste ist kei nesw egs vo llst ändi g, ab er l ch z itiere
diese Vor komm niss e, u m di e Type nvie lfal t der Ter rori sten zu
AI lerd ings gibt es e inen gerne insa men Nenner,
i.'.lustrie ren.
Keiner vo n ih nen - gl eich , was sie oder ihre Hei fer vorgeben
Iche rom anti sehen Frei heit skämp fer, der en Ans n d i r g ndwe
e
schlage m an m it d em A rgum ent en tsch uldi qen k önnt e, s ie kämpften für e ine poli tisc h "g erecht e Sa che" . Was si e tu n, sind
kriminell e Ak te, wöbe i in viele n Fä llen absi chtl ich versucht
wird, so v i e 1e Un schu ldig e wie nur mögl ich - ein schl ießlich
jener, di e in kei ner 1 ei d irekte r Be zieh ung z u ih ren Klagen
stehen - zu t oten ode r zu verle tzen
Bedrohung der Vereinigten Staaten durch den internationalen
Terrorismus?
Man fragt uns oft: "Wird der Terrorismus im Ausland sich
auch hierher ausbreiten?" Es ist schwer, hierauf eine eindeut ge Antwort zu geben, weil es eine solche Vielfalt des Terrnrismus im Ausland gibt; aber alle damit beschäftigten Stellen der amerikanischen Regierung nehmen die Bedrohung sehr
ernst - insbesondere das Außen-, Justiz- und Finanzministerium.
Erst kürzlich stand Libyens Gadhafi erneut in den Schlagzeilen, drohte er doch wieder damit, den Terrorismus in die
Vereinigten Staaten zu tragen. Obgleich wir davon ausgehen,
daß dies eine Übertreibung ist, sollte man es nicht ignorieren.
Es gibt ein deutliches Vorgehensmuster, wie libysche
Aiienten im Ausland ihre eigenen Landsleute umbrachten, die
Gadhafi nicht mochte. Die neue Abu-Nidal-Verbindung bietet
L'.byen noch mehr Möglichkeiten.
Im vergangenen Jahr machte

�Jahr nachte das FBI erfolgreich den Plan einer Gruppe von
Libyern in unserem Land z u n i c h t e , und ein Mitglied der
libyschen Mission bei den Vereinten Nationen wurde aufgrund
seiner Verwicklung in terroristische Aktivitäten des Landes
verwiesen.
Plötz lic h taue hten S i k h - Terr oris ten, di e bis vor zw ei Jahwese n wa r e n , a u ß e " in Indien auch i n den Vereiren inakt i v
nigt en St aat en und ih Kanada auf . Wie bere its Mr . Webster
la ng e s dem F B I , gen lant e Sikh-Operat ionen hier zu
ai'ss atjte,
D:.e im ver gangen en J ahr in zwei Verke hrsflu gzeugen
vere iteln
aus Kanad e d ep onie rten Bombe n du toni erten a llerdi ngs be reits
in u nsere r N Ih e. Die Tragöd ie 1 er A ir Indi a-Masc hine w ar
n.i cht die e in;*.ige Rata stroph e dl eser Art de s Jahres 198 5. Der
Abst urz 1 et? tfin Ju n i , bei de m a l le H inweise auf e ine Bo mbe von
Sikh -"e er or lSt en s chli eßen 1 asse n, k ostete 329 Me nschen leben.
Die Verei nig tl!n St aate n, Kan ada, Gro ßbritan n i e n und Ind ien untern ehmen al In Ans tren gungen , um mög liehen Terror anschl äqen
drr Slkhs zu vn rzuk omme n.
Es gibt aber noch andere Gruppen, die in der Vergangenheit
amerikanischen Boden nutzten, um durch Aktionen gegen Vertreter eines anderen Landes ihren Anliegen Geltung zu verschaffen
- so etwa armenische Terroristen, die türkische Diplomaten angriffen und Angehörige der Jüdischen Verteidigungsliga, die
sowjetische D.plomaten angriffen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit jedoch auf die Tatsache lenken, daß es in diesem Land zu
keinem Vorfall kam, in den ausländische Gruppen oder Regierungen verwickel; gewesen wären.
Ich moc hte auße rdem auf den U nter schi ed zwis chen t atsä ehlic her und po :e ntie H e r Bedr ohung sei tens Gruppe n, Bür gern r e n ,
ode c da uern d In die sem Land Ans äs sige n mi t stark en fam iliä O b eth nisc hen oder rel igiö sen B indun gen im A usland hinwei sen.
gle ich es e ine klei ne Z ahl v on Vo rfäl len gab, in die V ertr eter
die se~? Grup pen verw icke lt wa r e n , so h at d och ein e Komb inat ion
aus wir ksam er S traf verf olgun g und Dru ck s eitens dieser Gru Ppie rung en s elbs t, v on d erlei abzu sehe n, d azu bei getrag en, daß
s 01ch e ine te :r oris tisc he Ak t i v i tät b zw. deren F ortfüh rung
ver bind ert we cd en k onnt e. D iese Grup pen setzen sich z u ei nem
übe rwäl tige nden Tei 1 aus fri edlie bend en, Patriot ischen Bür gern
zus amme n. E s wä re e in F ehler und in g roße m Maß u n f a i r , wen n
die ame rika nisc he Ö ffen tlich k e i t , der Kon greß od er die Med ien
d i e eth nisc hen Grup pen in di esem Land als potent ielle Brut
st 8 tten des Ter rori smus vert euf el n wü rden
Es gibt eine Reihe von Gründen dafür, daß Terroristen aus
dem Ausland hier nicht aktiver sind. Einer besteht natürlich
in der hervorragenden Arbeit des FBI sowie anderer S t r a f v e r fnlgunosbebörJen. Ein zweiter ist die gute Arbeit der CIA und
- A -

�CIA und anderer Ä'mter, wenn es darum geht, im Ausland Informationen über potentielle Bedrohungen dieses Landes zu sammeln.
Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, daß die geistige, politische und psychologische Atmosphäre, die einige der ideologisch motivierten Terroristen Europas zu nähren scheint, hier
nicht verbreitet ist. Schließlich ist auch ein Grund die gute
Arbeit, die e1wa beim Zoll und im Außenministerium geleistet
wird, potentielle Terroristen vnn unserem Land fernzuhalten.
Ein Resjl'pt dieser guten Arbeit ist allerdings, daß es
für Ter;oi i stc n einfacher ist, die Amerikaner im Ausland angieifen wollen. Millionen von Amerikanern arbeiten und reisen
ZL jerer zeit im Ausland. Die "ebäude, in denen wir arbeiten,
die Füughffen. die wir benutzen, all dies ist für Terroristen
leicht zueäng." ich, die symbolisch Uncle Sam selbst oder aber
irgencwelr.h3 tmerikanIschen Zivilisten treffen wollen. Die
Sicherheit in einigen Ländern läßt zu wünschen übrig. Es ist
schwer }b2uwäcien, ob sich die Situation hierzulande ändern
würde, wenn die amerikanische Regierung im Ausland stärkere
ArtitercormaGnahmen ergreifen würde. Wir haben zum Beispiel
eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Maßnahmen gegen
Gsdhafi ergriffen, da die Vereinigten Staaten und Israel schon
seit, langem seine Ziele sind. Die Vereinigten Staaten sind
ai.cn Haupt.z le." einer ganzen Anzahl anderer Gruppen im Nahen
Osten und in l.ateinamerika.
Während es nicht ausgeschlossen werden kann, daß eine härtere Gangert rjegen Gaihafi oder andere Terroristen diese in
Urem Wunsch nach Durchführung von Aktionen gegen die Vereinigter- Staaten innerhalb unseres Landes bestärken könnte, gibt
er die oben erwähnten grundlegenden Hindernisse, die selbst
von dem irrat onalsten Terroristen beachtet werden müßten.
Ein Verlangen nach Rache verändert nicht notwendigerweise die
Grundbedingunnen: relative Schwierigkeiten für Terroristen, in
die Vereinigten Staaten einzureisen und dort zu operieren sow^e unsere Fähigkeiten, sie abzufangen.
Jedenfalls hat diese Administration eine noch energischere
Kampagne gegen den Terrorismus beschlossen, und sie wird sich
vr. m R; siko der Vergeltung im eigenen Land nicht davon abschreeken lassen. Dies ist der wichtigste Schluß aus dem von
der Kommission des Vize-Präsidenten zur Bekämpfung des Terrorismus vorgelegten Bericht, der vom Präsidenten gebilligt worden Ist und der bald der Öffentlichkeit präsentiert werden
wird. Er sch.'.ägt Maßnahmen zur Stärkung unserer Fähigkeiten
zi r Bekämpfung des Terrorismus im Ausland und in den Vereinigten Staaten sowie eine Fortsetzung der Politik der Verweigerung »on Zugeständnissen vor. Vor dem Terrorismus wird es
ktin Zurückwe chen geben.
Natürlich ist

�N a t ü r l i ch i st in d lesem Gesch äft ni chts s icher , und die
Terro eisten bes itzen d en Vo rteil der Üb errasc hung und der
8 ei de r Abwä gung u nserer Reak tion en auf
w e c h s e l n d e n Tak tik.
eine bestim Ute Situati on ve rsuche n wir deshal b, al le F aktoren
in Be tracht zu ziehen. Abe r wir können uns n icht zur Untätigkeit verdam men lassen aus F urcht, unser e Akti onen könn ten zu
weite ren 1:e rror istisch en An schlag en füh ren.
Im Ge gent eil, der
Preis des N icht stuns i st me istens höher als d er Pr eis dafür,
e t. w a s zu tu n. Viele e uropä ische Regier ungen haben lan ge gezög e t t , sich un:;e ren Akt Ionen gegen Libye n anzu schli eßen und dabei s ogar e in ? a che Kon troll en der in ih re Län der e In- oder
a u s r e isende n Pe rsonen zurüc kgewle sen, w eil si e siefi üb er den
m ö g l i chen V e r l ust von Gesch äften mit de n Arab ern s orgt en.
Vt.Tsp ätet i st i hnen je tzt k lar ge worden , daß sie n icht versr:hon 1; werd en u nd daß sie d urch d ie fal lenden Tour ismu seinkünft e, ges klag enen Si cherh eitsko sten u nd äng stlic hen potentiell en luv es :oren sow ie ei nen Ve rtraue nsverl ust i n ih rer eige^nen Offen tl ichkeit t euer für de n Terr orismu s bezahle n.
Internationale Zusammenarbeit
D ie Be kämpfu ng de s T e r r o r i s m u s in Ü b e r s e e wird k o m p l i z i e r t
durch solo he wir tscha f t l i c h e n Fak toren und durch u n t e r s c h i e d 1 i c h e allg emein polit ische und au ß e n p o l i t i s c h e S t a n d p u n k t e und
d i e s s o g a r im Fa 11 vo n A n s c h l ä g e n , bei denen A m e r i k a n e r d a s
Wir soll ten uns daran e r i n n e r n - und
H e u p t angri ffs/ie 1 sin d.
di es :. s E e
t w a s , das v on den M e d i e n und der Ö f f e n t l i c h k e i t o f t
übers ehen wird - , daß die p r i m ä r e p o l i t i s c h e und r e c h t l i c h e
Veran t w o r t lichke it fü r die B e k ä m p fung des T e r r o r i s m u s bei d e n
Re gie runge n der Lände r l i e g t , in denen t e r r o r i s t i s c h e A n s c h l ä ge st attfJ nden k önnen
Unsere Macht ist r e c h t l i c h w i e auch p o l i t i s c h b e g r e n z t .
Wir können zun B e i s p i e l m i l i t ä r i s c h e s W a c h p e r s o n a l i n n e r h a l b
u n s e r e s B o t s c h a f t s g e l ä n d e s oder a n d e r e r A n l a g e n s t a t i o n i e r e n .
W&amp;s die äußere S i c h e r h e i t a n g e h t , sind wir jedoch a u f die R e gierung des G a s t l a n d e s a n g e w i e s e n , genau so wie es im V e r a n t wortungsbereich dieser Regierung liegt, Reisende auf Flughäf e n , in G e s c h ä f t s - oder a n d e r e n Z e n t r e n i n n e r h a l b ihrer r e c h t lichen Z u s t ä n d i g k e i t zu s c h ü t z e n .
Wir k ö n n e n u n s e r e S t r e i t k r ä f t e zu S c h l ä g e n gegen T e r r o r isten m o b i l i s i e r e n .
U n s e r e F ä h i g k e i t , sie in b e f r e u n d e t e n
ocer n e u t r a l e n L ä n d e r n e i n z u s e t z e n , h ä n g t von der Z u s t i m m u n g
der G a s t r e g i e r u n g a b . Die A n w e n d u n g u n s e r e r r e c h t l i c h e n M ö g l i c h k e i t e n , T e r r o r i s t e n im Ausland zu v e r f o l g e n , wird e b e n s o
stark von der Haltung der d o r t i g e n R e g i e r u n g e n b e e i n f l u ß t . In
d i e s e n Z u s a m m e n h a n g sind A u s l i e f e r u n g s v e r t r ä g e w i c h t i g , die so
eng gefasst sein m ü s s e n , d a ß es für T e r r o r i s t e n keine S c h l u p f - 6 -

�keine Schlupflöcher mehr gibt.
Der Auslieferungsvertrag zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, der dem S e nst g e g e n w ä r t i g z u r R a t i f i z i e r u n g v o r l i e g t , ist e i n B e i s p i e l
de f ü r .
W : r k r n ner: m i t viel en a nder an La n d e r n zusa mmen arbe iten und
tun d i e s c uch. um deren V e r teid 'gung gege n den Ter rori smus zu
och S ache der ande ren souv f r b e £ serr . letzt endli ch i st e '- jed
ve. r ä n e n R e g Leiunge n, zu ent sehe : den - o d er bisweil en n icht zu
er t s c h e '.den -. w i e in e iner bes timmt en Si tuati on z u ve rfahren
i s t . U id e s liegt of fe n s i c htli ch in u n s e rem I nter esse , daG
s i e sc oes t imnt un d w i r ksam han 'lein wie m öglic h, u m di e Bedroh i n g j m Aus land zu b e k ä mpfe n, a nstat t ihr Über grei fen auf die
Bei dpr Bekam pfun g de s TerVK r e i n i gten S1qate n z • J ulas
sen.
z
rc r i s m u s s in d u n s ere An stre ngun nen z ur Ve rwirk lieh ung internat i o n a ] er 7u s a n m e n s rbe Lt und Ber ;itst ellun g int erna tion aler
H i l f e v on e Tiinente r W i e '-itigkeit
JLE§ ATA-Programm
E;n w^cht ner Teil unserer 'usammenarbeit mit anderen
Staaten besteht in dem Hilfspro iramm zur Terrorismusbekämpfung
ff r zivile ^o .izeibehorden befreundeter Regierungen. Das Progi a:nm wird von Außenministerium durchgeführt, und während der
fest ;:wei Jahre seines Bestehens haben über 1800 Beamte aus 32
Ländern daran teilgenommen.
D e m eist en Le hrgän ge di eses Pro gram ms, das eine sehr
w&gt; rt volle Str uktur für die E ntwi eklu ng e ines bes sere n Arb e i t s •
v rh 83 tnis s e s mit ander en La nder n, d ie d er g leic hen Bedro hung
n , h i e t e t, we rden von Poli z e i behör den des Bunde s,
unte r! iegeIsta
oten und d er Ge mein den sowi e vo n pr of es s i o n ellen
E:.
n
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der
du r c h g e führ t. Das Just izmi nist erium und
rein
Pnli zeive sluf oung en
tbehö
rde F AA h aben Unt erst ützu ng f ür di e s e s
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a
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d e Bunde
teilt
Eine e rste Pha se, das Semi nar f ür
Prog ramm b e r e tges fähig t. die
Führungsk r ä f t i?, b e Austa usch Ver eini gten Sta aten und das teilvon Idee n un d Ei nsic hten . Die
nehm ende Land zum
P
h
a
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werd
en b e n ü t zt, um s pezi f ische B e dürfzweitu un d dr Ltte
ieren
und
:
Ausb ildu ngsm aßna hmen für Beam te
n s s e z u \den :ifiz
s
in
den
V
ere inigt en S taat en d urch zuf üh r e n .
dt.'S Enpfä nger ^ande
M:t der B e w i l l i g u n g d e s A T A - P r o g r a m m s hat der K o n g r e ß
a u ß e r d e m eine B e d i n g u n g a u f g e s t e l l t , nach der t e i l n e h m e n d e
Länder im H i n b l i c k auf d i e E i n h a l t u n g d e r M e n s c h e n - u n d B ü r gerrechte überprüft werden sollen.
Der K o n g r e ß h a t das R e c h t ,
vorgesehene Teilnehmerstaaten abzuweisen.
D a s Büro für M e n s c h e n r e c h t e und H u m a n i t ä r e A n g e l e g e n h e i t e n ü b e r p r ü f t und b e s t ä t i g t j e d e s .and, bevor d e r K o n g r e ß durch d a s A u ß e n m i n i s t e r um über die T e i l n a h m e d i e s e s L a n d e s am A T A - P r o g r a m m in
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�ATA-Programm in Kenntnis gesetzt wird. Sowohl das Außenministerium als auch der Kongreß sind bestrebt, Länder mit zweifelhaften Haltungen zu den Menschenrechten herauszufiltern.
In Fällen, bei denen die Interessen der Vereinigten Staaten
dies gebieten, haben wir außerdem die Möglichkeit, das Ausmaß
der Ausbildung auf diejenigen ausländischen Behörden oder bestimmten Tätigkeitsgebiete zu beschränken, die für die Sicherheit und den Schutz amerikanischer Bürger direkt und unmittelbar relevant sind.
In all unseren Lehrgängen spielen die Anerkennung und der
Schutz der Merschenrechte eine dominierende und vordringliche
Rclle, und wii wählen ausbildende Behörden - wie z. B. städtische Polizeiräfte - aus, die den ausländischen Teilnehmern
durch Worte urd Beispiele demonstrieren, daß ethische Normen,
Professionalismus und effektive Terrorismusbekämpfung Hand in
Hsnd gehen körnen und müssen.
Die Schritte der letzten beiden Jahre
Das Tempo unserer gemeinsamen internationalen Programme
urd anderer Initiativen beschleunigt sich.
- Wir haben die gegenseitigen Beziehungen zu unseren Freunden auf der ganzen Welt intensiviert und damit begonnen,
bilaterale; Bemühungen zur Bekämpfung des Terrorismus mit
denjenigen Ländern zu diskutieren, zu denen wir bisher
keine engen Verbindungen unterhielten,
- Wir haben zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt und
der Sammlung, Auswertung und Verbreitung von nachrichtendienstlichem Material über terroristische Vereinigungen
und ihre Aktivitäten im Ausland eine noch größere Priorität eingeräumt.
- Wir haben die Sicherheit unserer Botschaften und Konsulate
verstärkt und das Sicherheitsbewußtsein unseres Personals
verbesser-;; wir haben begonnen, enger mit dem Privatsektor
beim Austausch von Informationen über Bedrohungen im Ausland und Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten. Das InmanGremium legte einen wichtigen und umfassenden Bericht darüber vor, was noch getan werden könnte, um die Sicherheit
zu erhöhen und gab einen zusätzlichen Anstoß, um eine Aufstockung der notwendigen Mittel zu erreichen.
- Präsident Reagan wies drauf hin, daß die verbesserte Sammlung nachrichtendienstlichen Materials, eine bessere Sicherheit und engere internationale Zusammenarbeit uns dabei geholfen haben, im vergangenen Jahr mehr als 100 ter-

�als 100 terroristische Aktionen abzuschrecken oder ihnen
vorzubeugen. Diese kommen zu den 23 verhinderten Anschlägen im Iniand hinzu, auf die Mr. Webster hingewiesen hat.
Wir sind in eine neue, positivere Phase eingetreten, indem
wir die staatliche Unterstützung des Terrorismus bekämpfen, zum Beispiel durch die Entscheidung des Präsidenten,
sowohl alle wirtschaftlichen als auch alle politischen
Kontakte ;:u Libyen einzustellen, andere Regierungen davon
zu überzeugen, sich uns anzuschließen und uns die Möglichkeit weiterer scharfer Maßnahmen für den Fall vorzubehalten, daß es durch diese gemeinsame Initiative nicht gelingen sollte, Gadhafi zu stoppen.
W:.r heben hart und erfolgreich in internationalen Organisationen wie z.B. in der Generalversammlung und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gearbeitet und dabei festgestellt, daß der Terrorismus für alle Nationen eine große
Bedrohung darstellt und als Verbrechen angesehen werden
sollte. :n den entsprechenden Behörden bereiten Luftfahrt- und Marineexperten neue Sicherheitsmaßstäbe vor.
Wir ha ben von jung sten g esetzl iche n Ha ndhaben Geb rauch gemacht wie zum Bei spiel von de n Pr ogra mmen zu r Au ssetzung
von Be lohn unge n, d em Str afgese tz v on 1 984 und dem Auslandsh ilfß gese tz. Wir g lauben , daß es nützli ch i st, mehr
recht 1i che Han dhab en für Bemüh unge n ge gen den Ter rorismus
zu hab en. Wir unt erstüt zen zu m Be i s p iel die Vorl age S.
1429, die kürz lieh vom S enat v erab schi edet wu rde und die
Ermord ung oder and ere te r r o r i stisc he G ewaltta ten gegen
anerik anis che Bürg er im A u s l a n d zu Bun desverb rech en erklärt, W.ir unters tützen natür lieh auc h sehr die Verabschied ung der Ergä nzung zum Au slie feru ngsvert rag zw Ischen
den Ve rein igte n St aaten und Gr oßbr itan nien.
Präsident Reagan hat die Arbeit der von Vizepräsident Bush
geleiteten Kommission befürwortet, die alle Aspekte unserer Maßnahmen und Praktiken zur Bekämpfung des Terrorismus
überprüft und eine Reihe von Verbesserungen vorgeschlagen
hat.
Sj :hlußfolgerui ig_
Wir nehmen an, daß die Bedrohung durch den Terrorismus auf
internationaler Ebene wahrscheinlich noch ansteigen und uns
noch mindestens ein Jahrzehnt lang beschäftigen wird. Es gibt
zu viele Fälle, zu viele verschiedene handelnde Personen und
zu viele polirische, religiöse, soziale und nationale Brennpur:&lt;te auf de: Welt, die Individuen hervorbringen, welche be-

�welche bereit sind, Terroristen zu werden. Zu viele Gruppierungen glauben, daß sie einen für ihre jeweilige Sache günstigen politischen Einfluß nehmen können - was von den Medien auf
der ganzen Weit heftig hochgespielt wird - und es gibt Regierungen, die der Versuchung nicht widerstehen können, Terrorismus als eine hillige Art der Kriegsführung zu benutzen. Wir
sollten uns dadurch nicht entmutigen oder in Panik versetzen
lfssen, sondern einen klaren Kopf und auch unsere Entschlossenheit bewahren. Dies wird ein langer Prozeß sein; es gibt
keine Wunclerlnsungen oder -abhilfen. Während die Terroristen
je:doch ihre Aktivitäten verstärken, bauen wir auch unsere aus
und versuchen verstärkt, ihnen entweder allein oder mit anderen Regierungen zuvorzukommen.
Wir können bei der großen Anzahl terroristischer Anschläge, d:'.e im AusTand verhindert werden, über das niedrige Niveau
des Terrorismus in diesem Land beruhigt sein. Aber das große
Arwachsen der Zahl und der Brutalität internationaler terroristischer Zwischenfälle, das noch größere Anwachsen der Anzahl
von Toten und Verletzten, die durch Terroristen hervorgerufen
w:ird und die "atsache, daß die Vereinigten Staaten das Hauptargriff szäel bleiben, zeigt ganz klar, daß der Kampf sich verschärft, und wir können es uns nicht leisten, lässig zu sein.
Die Reagan-Administration ist entschlossen, dieses Problem
weiterzuverfo!gen, unsere Instrumente zu verbessern und zu erweitern. Die starke Unterstützung des Kongresses war und wird
auch weiterhin bei diesen Bemühungen extrem wichtig sein.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. März 1986

10

Die Umwelt wurde sauberer
Aber me'nr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken erforderlich -

WASHING TOIJ - (AD) - Die amerikanischen Bundesgesetze zur
Verbesserun g der Luft- und Wasserqualität haben sich als wirkSeim erwiese n: Durch sie wurden die größten Probleme in bezug
auf Luft- u nd Wasserverschmutzung, wie sie in den siebziger
Jahren best anden, beseitigt. Zu diesem Schluß kommt der Jahresbericht 1935 des Präsidialbeirats für Umweltqualität (CEQ •
Council on Environmental Quality). Anläßlich der Veröffentlichung des Borichts am 18. Februar 1986 verwiesen jedoch Beiratsmitglie de' auf die Tatsache, daß sich eine Reihe neuer
Fragen erge ben hätten, für die noch in diesem Jahrzehnt befriedigende Antworten gefunden werden müßten.
Es gehe u.a. darum, wie Umweltprobleme in den Griff zu bekommen seien, die die Folge von Aktionen verschiedenster Art
von Einzelpersonen und von kleinen Firmen sind und sich ständig verstärken. Auch frage man sich, wie Risiken zu entschärfen seien, die sich aus der Einführung neuer chemischer und
biologischer Substanzen sowie neuer Technologien ergeben könnten. A. Alan Hill, der Vorsitzende des CEQ, befürchtet ferner, daß heute vorhandene Bestimmungen womöglich die Entwicklung von Produkten behindern, die moderner, sauberer, billiger

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sauberer, billiger und sicherer als die heute gebräuchlichen
wären. Bei manchen Bundesvorschriften und Subventionsprogrammen sei die Gefahr gegeben, daß sie Initiativen für technologische Fortschritte blockierten, die auch mehr Sicherheit bedeuteten und so dem Umweltschutz besser dienen würden.
Das CEQ-Gremium hat im Rahmen des Gesetzes zur nationalen
Umweltpolitik die Aufgaben, Veränderungen im Zustand von Luft,
Wasser und Boden sowie der natürlichen Hilfsquellen als unabhängige Körperschaft zu überwachen und Empfehlungen zur Verbesserung laufender Programme und Maßnahmen, die Umwelt und
Ressourcennut'^ung betreffen, auszuarbeiten.
Als wichtigste Themen behandelt der Bericht folgende
Punkte:
Luftqualität
- Auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sprechen alle
Anzeichen für eine weitere Verbesserung der Luftqualität
in den Vereinigten Staaten. Bei vier der sechs als "Kriterien" eingestuften Luftschadstoffen, für die gesetzlich
Höchstwerte festgelegt sind und eingehalten werden müssen,
wurden die bundesweit gültigen Normen erreicht. Es handelt sich um Staubpartikel in der Luft, Schwefeldioxyd,
Stickstoffdioxyd und Blei.
- Zwei Schadstoffe sind nach wie vor problematisch: Kohlenmonoxyd (CO), das allerdings mit Ausnahme einiger Großstädte nur ein Randproblem darstellt, und Ozon. Die Bundesprogranme zur Verminderung von Motorabgasen, welche
diese Schadstoffe enthalten, trugen merklich zu einer
ständigen Senkung dieser Art von Emissionen bei. Bis Ende
der achtziger Jahre dürften, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die nationalen Ziele in bezug auf alle sechs kritischen Schadstoffe ohne zusätzliche Bundeskontrollprogramme
erreicht werden.
- Die Anwendung des "Glockenprinzips", mit dem die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency)
Firmen erlaubt, sich über Industrieemissionen innerhalb
eines bestimmten Bereichs untereinander zu verständigen
und anteilmäßig zur Gesamtverringerung beizutragen, führte
bis Oktober 1984 bereits zu Einsparungen von schätzungsweise 200 Millionen Dollar bei Umweltschutzmaßnahmen. Bis
dahin waren schon 37 "Emissionsglocken" genehmigt, neun
weitere vorgesehen. Dieser Modus verlangt allerdings mehr
Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Betreibern
der Emissionsquellen.
Die neuen

�- Die neuen EPA-Bestimmungen über den hochstzulässigen Bleigehalt in Benzin, die ab 1. Januar 1986 gelten, verringern
diesen von 0,289 g auf 0,026 g pro Liter. Die günstigen
Auswirkungen der neuen Vorschrift auf den Gesundheitszustand von Kindern, die allgemeine Verminderung von Schadstoffen, v/erminderte Wartung und wirtschaftlicherer Betrieb von Kraftfahrzeugen werden für die Zeit von 1986 bis
1992 wertmäßig mit 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr.veranschlagt. Dies entspricht etwa 1 Milliarde Dollar netto
pro Jahr, wenn man die höheren Kosten der Mineralölindustrie bei der Ölverarbeitung berücksichtigt.
- In Frühjahr 1985 kündigte die EPA ihre Absicht an, möglicherweise ab 1. Januar 1988 den Zusatz von Blei zu Benzin ganz ':u untersagen.
Wasserqualität
- Die Wasserqualität hat sich zwar seit 1972, d.h. seit Erlaß der Bundesgesetze zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung, in Oberflächengewässern nicht mehr verschlechtert.
Jedoch wurde noch nicht überall das erklärte Ziel erreicht, die Qualität wieder so zu verbessern, daß das Wasser zum Fi-schen und Baden geeignet ist.
- Für mehr als 193 000 km fließender Gewässer gelten noch
strengere Qualitätsansprüche, weil sie für Trinkwasser und
Nahrungsm .ttelproduktion benutzt werden. Alles in allem
entspricht die Qualität bei 84 Prozent der Seen und Rückhciltebecken sowie 64 Prozent der Wasserläufe den Anforderungen, ttechnet man Teilnutzung der Gewässer hinzu, erhöhen sich diese Zahlen auf 86 Prozent für fließende Gewässer sowie auf 94 Prozent für Seen.
- Wasserverschmutzung durch organische Schadstoffe aus kommunalen Abwässern ist dramatisch zurückgegangen. Der
meistverwondete Maßstab dafür ist das Ausmaß, in dem die
behandelten Abwässer noch organische Stoffe enthalten, die
nach dem Einleiten in freies Gewässer den darin gelösten
Sauerstoff reduzieren und so das Sauerstoffangebot für
Fische und andere Wasserlebewesen vermindern. Die Möglichkeit zur Abwasserbehandlung wurden stärker ausgeweitet
als es dein Bevölkerungswachstum entspräche. Von 1972 bis
1982 ging der Anteil der Sauerstoff konsumierenden Schadstoffbestandteile in den aus Kläranlagen in Wasserläufe
eingeleiteten Wassermengen um 46 Prozent zurück. Der
Fischbestand für die Sportfischerei kann in 23 Prozent der
Gewässer als reichlich, in 41 Prozent als normal bezeichnet werden. Gegenwärtig ist die Mehrzahl (67 Prozent) der

�(67 Prozent) der Wasserläufe für die Sportfischerei geeignet.
Die Verschmutzung von Grundwasser wird mit ein bis zwei
Prozent angenommen. Die größte Aufmerksamkeit findet dieses Problem bei Grundwasser in der Nähe von Deponien mit
gefählichen Abfällen, da die Auswirkungen auf die in der
Nähe lebende Bevölkerung und auf die Umwelt schwerwiegend
sein können. In mindestens 34 amerikanischen Bundesstaaten wurde Grundwasserverschmutzung durch giftige Chemikalien aus solchen Deponien festgestellt. Jedoch tragen
auch ungefährliche Abfälle und ganz andere Quellen, als
Abfälle es sind, zur Grundwasserverschmutzung bei.
Gefährliche Chemikalien
- Nach den Bestimmungen des 1984 erweiterten Gesetzes über
den Umgang mit gefährlichen und festen Abfällen ist die
EPA verpflichtet, auch "Verursacher kleiner Mengen" in das
Bundesprogramm einzubeziehen. Zuvor waren in den meisten
Fällen kleine Unternehmen (z.B. Tankstellen, Photostudios,
Lackierereien und Autoreparaturwerkstätten) sowie kommunale Behörden, Krankenhäuser und andere Institutionen, bei
denen nur kleine Mengen gefährlicher Stoffe anfallen, von
den Vorschriften des Bundeskatalogs ausgenommen.
- Unter dem "Superfonds"-Programm sieht die amerikanische
Regierung die Räumung der Deponien oder andere Notstandsmaßnahmen vor, sofern die Gefahr besteht oder droht, daß
gefährliche Substanzen in die Umwelt gelangen. Von der
Einführung dieses Programms im Jahr 1980 bis Ende 1984 unternahm die EPA 420 kurzfristig anberaumte Aktionen, um
von der Gesundheit und dem Wohlergehen der Bevölkerung
Schaden abzuwenden oder Umweltschäden zu verhindern. Die
Kosten beliefen sich auf ca. 95 Millionen Dollar. Im Jahr
1985 allein wurden 202 Räumaktionen mit einem Gesamtkostenaufwand von ca. 40 Millionen Dollar durchgeführt.
- Von zuständiger privater Seite durchgeführte Räumaktionen
müssen dem von der EPA vorgeschriebenen Vorgehen entsprechen und gewährleisten, daß sie für die öffentliche
Gesundheit und für die Umwelt zum mindesten das gleiche
Ausmaß an Schutz bedeuten wie Räumaktionen und korrektive
Maßnahmen, die durch das Superfonds-Programm finanziert
werden. Bis Ende 1984 beliefen sich die Gesamtkosten für
Übereinkommen, die mit verantwortlichen Parteien erzielt
wurden, auf 407 Millionen Dollar.
Die Effektivität

�Die Effektivität der aufgrund der EPA-Bestimmungen unternommenen Aktionen ließe sich, wie es in dem Bericht heißt,
möglicherweise noch erhöhen, wenn die vorhandenen kommerziellen Substanzen und neue Chemikalien, in bestimmten
Klassen eingeteilt, in ein integriertes Rahmenwerk von
Verordnungen eingebaut würden.
Die Verfahren zur Toleranzfestsetzung für alle Pestizide
werden gegenwärtig ganz erheblich verbessert. Als Toleranzwert gilt die höchstzulässige Menge eines chemischen
Stoffes, den Rohprodukte aus der Landwirtschaft noch enthalten dürfen, wenn sie den Weg von der Farm auf den Markt
nehmen. l'DB (Äthylendibromid) und einige andere Chemikalien werden von der Liste für Stoffe gestrichen, bei denen
bisher ke.ne Toleranzwerte vorgeschrieben waren.

* * * * * *

- 5-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 12.03.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Empfehlung der Kommission zur Bekämpfung des Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vizepräsident Bush legt Bericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA zur weiteren Bekämpfung des Terrorismus entschlossen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Oakley vor Unterausschuss des Repräsentantenhauses -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Auszug)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Umwelt wurde sauberer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aber mehr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken erforderlich -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
7

^0N ^

1 9 . März 1986

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt Kongreß auf Verabschiedung der Contra-Hilfe
- Fernsehrede des Präsidenten Die nicaraguanische Widerstandsbewegung braucht US-Hilfe
- Rede des amerikanischen Außenminister Shultz -

INFORMATION
Dr. James C. Fletcher als NASA-Administrator nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Besucher beim Kometen Halley
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufklärung" -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. März 1986

11

REAGAN DRANGT KONGRESS AUF VERABSCHIEDUNG DER CONTRA-HILFE
- Fernsehrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit vom Fernsehen
übertragenen Rede hat Präsident Reagan am 16. März 1986 die
amerikanischen Wähler dazu aufgefordert, den Kongreß zur Freigabe von 100 Millionen Dollar an militärischer und humanitärer
Hilfe für die "Freiheitskämpfer, die sich für die Einführung
der Demokratie in Nicaragua einsetzen" zu drängen.
Der Präsident warnte davor, daß eine Niederlage der Demokratie in Nicaragua die Sicherheit ganz Mittelamerikas bedrohen würde. Insbesondere erwähnte der Präsident in diesem Zusammenhang die Gefahr, daß Nicaragua eine Basis der Sowjetunion und Kubas werden könne, die auf diese Weise zur "beherrschenden Macht" in Zentralamerika würden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Meine amerikanischen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich muß mich heute abend an Sie wenden, um über eine wachsende Gefahr in Mittelamerika zu sprechen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten bedroht. Diese Gefahr wird nicht geringer werden; wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird sie
vielmehr noch weiter anwachsen.
Ich spreche von Nicaragua, einem sowjetischen Verbündeten
auf dem amerikanischen Festland, nur zwei Flugstunden von unseren Grenzen entfernt. Mit über einer Milliarde Dollar an
Ostblockhilfe hat die kommunistische Regierung Nicaraguas einen Feldzug begonnen, um ihre demokratischen Nachbarstaaten zu
unterminieren und zu stürzen.
Mit der Nutzung von Nicaragua als Basis können die Sowjet'
union und Kuba zur beherrschenden Macht in diesem äußerst
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika werden.
Nachdem sie sich einmal dort etabliert haben, werden sie in
der Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege in der Karibik abzuschnüren und, letztendlich, gegen Mexiko vorzugehen. Sollte dies geschehen, würden
Millionen verzweifelter Lateinamerikaner nach Norden fliehen,
in die Städte im Süden der Vereinigten Staaten oder überallhin, wo es noch eine Hoffnung auf Freiheit gibt.
Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde ein Vorschlag
unterbreitet, um diese Bedrohung aufhalten zu helfen. Dieser
Gesetzentwurf beinhaltet ein Hilfspaket von 100 Millionen
Dollar für die mehr als 20 000 Freiheitskämpfer, die sich für
die Einführung der Demokratie in Mittelamerika einsetzen.
Aber diese 100 Millionen Dollar bedeuten nicht 100 Millionen
Dollar zusätzlich. Wir verlangen keinen Cent an neuen Geldern. Wir bitten lediglich um die Erlaubnis, einen kleinen
Teil unseres gegenwärtigen Verteidigungshaushalts umzuleiten •
für die Verteidigung unserer eigenen südlichen Grenzen.
Es befinden sich in Nicaragua jetzt schon Tausende kubanischer Militärberater, Kontingente der Sowjets und Ostdeutschen und all die Elemente internationalen Terrors - von der
PLO bis zu den italienischen Roten Brigaden. Warum sind sie
dort? Nun, Oberst Gadhafi hat es öffentlich verkündet: "Nicaragua bedeutet eine große Sache, es bedeutet Amerika nahe
seiner Grenzen zu bekämpfen... gegen Amerika an seiner
Türschwelle zu kämpfen."
Für unsere eigene Sicherheit ist es notwendig, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion einen Brückenkopf in Nordamerika verweigern. Aber lassen Sie mich eines klar sagen.
Ich rede nicht von amerikanischen Truppen. Der in Nicaragua
- 2 -

�Der in Nicaragua kämpfende demokratische Widerstand bittet
Amerika lediglich um Nachschub und Unterstützung, um sein eigenes Land vor dem Kommunismus zu retten.
Die Frage, die der Kongreß der Vereinigten Staaten nun zu
beantworten hat, ist eine einfache: Werden wir dem nicaraguanischen Widerstand die Mittel geben, um die verratene Revolution wiederzuerringen oder werden wir ihnen den Rücken kehren
und das Verderben in Managua ignorieren, bis es sich weiterverbreitet und eine tödliche Bedrohung für die gesamte Welt
darstellt.
Werden wir es der Sowjetunion gestatten, ein zweites Kuba,
ein zweites Libyen, hier an der Türschwelle der Vereinigten
Staaten zu errichten?
Wie kann ein solch kleines Land eine solch große Bedrohung
darstellen? Es ist nicht Nicaragua allein, das uns bedroht,
sondern diejenigen, die Nicaragua als privilegierten Zufluchtsort für ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten benutzen. Ihr erstes Ziel bilden die Nachbarstaaten Nicaraguas. Mit einer Armee und einer Miliz von insgesamt 120 000
Mann, die von über 3 000 kubanischen Militärberatern unterstützt werden, sind die Streitkräfte Nicaraguas die umfangreichsten, die es jemals in Mittelamerika gegeben hat. Die
nicaraguanische Militärmaschinerie ist mächtiger als die aller
seiner Nachbarn zusammen.
Diese Landk arte hier zeig t eine n gr oßen Tei 1 der we stlieh en Hern isphä re. Nun, lass en Sie mic h Ih nen die Land er Mittela merika s zei gen, in de nen von ni cara guan isch en Kommu nisten
geli eferte Waff en en tdeck t wo rden s ind: Ho ndur as, Cost a Rica,
El S alvado r, Gu atema la. Extr emiste n au s Panama - hier im Suden - wurd en in Nica ragua aus gebild et. Der rev olutionä re Arm
der Sandin isten reic ht je doch noch viel wei ter als bis zu ihren direkt en Na chbar n. I n Sü dameri ka u nd i n de r Karibik haben
die nicara guani sehen Komm unis ten Un ters tütz ung in Form von militä rische r Ausbildu ng, s iche rem Un ters chlu Pf, Kommunik ation,
fals chen P apier en, s icher er D urchre ise und manc hmal Waf fen für
Kolum bien,
Extr emiste n aus den folge nden Lände rn g elei stet
rasil
dor,
B
Ecua
ien, Chile , Argentin ien, Uru guay und der Dominika nische n Rep ublik . Und dies sin d no ch n icht einmal alle,
denn es gi bt ei ne al te ko mmun istisc he L osun 9. d ie von d en Sandini sten i n all er De utlic hkei t behe rzig t wi rd: Die Str aße zum
Sieg ... g eht d urch Mexik o.
Wenn Landkarten, Statistiken und Tatsachen nicht überzeugend genug sind, dann haben wir noch die Erklärungen der Sandinisten und der Sowjets selbst. Einer der höchsten Sandinistenführer wurde von einem amerikanischen Magazin gefragt,
- 3 -

�Magazin gefragt, ob die kommunistische Revolution - ich zitiere - "nach El Salvador, dann nach Guatemala, dann nach Honduras und dann nach Mexiko exportiert" werden wird? Er antwortete: "Endlich einmal eine historische Prophezeiung Ronald
Reagans, die wirklich wahr ist."
Die Sowjets sind in dieser Hinsicht nicht zurückhaltender
gewesen. Vor einigen Jahren erklärte der damalige sowjetische
Außenminister Gromyko, daß Mittelamerika, ich zitiere, "kocht
wie ein Kessel" und reif für die Revolution sei. Bei einem
Treffen in Moskau erklärte der sowjetische Stabschef Marschall
Ogarkow 1983: "Vor über zwei Jahrzehnten gab es in Lateinamerika nur Kuba; heute gibt es Nicaragua, Grenada, und es
gibt eine wichtige Schlacht in El Salvador."
Aber wir benötigen ihre Zitate nicht; die amerikanischen
Truppen, die Grenada befreiten, erbeuteten Tausende von Dokumenten, die die sowjetische Absicht bewiesen, die kommunistische Revolution in die westliche Hemisphäre zu exportieren.
Wir sind also über die Absichten der Sandinisten und deren
Unterstützer bestens im Bilde. Wir sollten uns in gleichem
Maße über die Natur ihres Regimes im klaren sein. Zunächst
haben die Sandinisten die Bürgerrechte des nicaraguanischen
Volkes widerrufen und sie damit ihres Rechts auf Redefreiheit,
Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und freie Religionsausübung beraubt. Unabhängige Zeitungen wurden geschlossen.
Heute gibt es weder eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung
noch ein Streikrecht in Nicaragua. Der Vorsitzende der AFLCIO, Lane Kirkland, hat es folgendermaßen ausgedrückt: "Nicaraguas überstürzter Sprung ins totalitäre Lager kann von niemandem angezweifelt werden, der Augen hat zu sehen."
Ab er wie kommu nisti sehe Regi erun gen überall, haben die
Sandin isten ethnis che u nd re ligi ose Gruppen angegriffen. Die
einzig e Syna goge d er Ha uptst adt wurd e entweiht und ein Opfer
von Br andans chläge n - d ie ge samt e jü dische Gemeinde zur Flucht
aus Ni caragu a gezw ungen . Protes tant ische Bibellesungen wurden
durch Uberfä lle, g ewalt tätig e Mobs u nd Maschinengewehre gespreng t. Di e Kath olisc he Ki rche wur de besonders ausgewählt:
Priest er wur den de s Landes v erwi esen , Katholiken in den Straßen ve rprüge lt, na chdem sie die Mess e besucht hatten. Der
kathol ische Primas von Nicar agua , Kardinal Obando y Bravo, hat
es gan z klar ausge drück t: " Wir möch ten klarstellen," sagte
er, "d aß die se Reg ierun g totalit är i st. .. Wir sind mit...
einem Feind der Ki rche konfr onti ert. ii
Der evangelische Pfarrer Prudencio Baltodano fand heraus,
daß er auf der Abschußliste der Sandinisten stand, als eine
Armeepatrouille ihn nach seinem Namen fragte: "Sie wissen

�"Sie wissen nicht, was wir mit evangelischen Pfarrern machen... Wir glauben nicht an Gott," sagten sie zu ihm.
Pastor Baltodano wurde an einen Baum gefesselt, mit einem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen und sie stachen ihm ein Bajonett in den Hals - am Ende wurden seine Ohren abgeschnitten
und im Glauben, daß er tot sei, wurde er liegengelassen.
"Schau mal, ob dein Gott dich retten wird," spotteten sie.
Nun, Gott hatte andere Pläne mit Pfarrer Baltodano. Er überlebte, um der Welt von seine Erlebnissen zu erzählen - unter
anderem hier im Weißen Haus.
Ich könnte noch weiter von diesem Alptraum erzählen - von
den schwarzen Listen, den geheimen Gefängnissen, der direkten
Gewalt des sandinistischen Mobs. Aber, als ob all diese Brutalität im eigenen Land noch nicht genug wäre, verwandeln die
Sandinisten ihr Land in einen sicheren Ort, eine Kommandozentrale für den internationalen Terror.
Die Sandinisten unterstützen nicht nur den Terror in El
Salvador, Costa Rica, Guatemala und Honduras - Terror, der im
letzten Sommer zur Ermordung von vier amerikanischen Marinesoldaten in einem Cafe in El Salvador führte -, sie bieten dem
Terror außerdem eine Zuflucht. Italien hat Nicaragua beschuldigt, seine schlimmsten Terroristen, die Roten Brigaden, zu
beherbergen.
Die Sandinisten haben sich sogar im internationalen Drogenhandel engagiert. Ich weiß, daß alle amerikanischen Eltern, die sich über das Drogenproblem Sorgen machen, wütend
sein werden, wenn sie erfahren, daß führende Regierungsmitglieder Nicaraguas tief in den internationalen Drogenhandel
verstrickt sind. Dieses Bild hier, das heimlich auf einem
Militärflugplatz außerhalb Managuas gemacht wurde, zeigt
Frederico Vaughn, einen führenden Berater der neun Commandantes, die das Land regieren, bei der Beladung eines Flugzeugs
mit verbotenen Drogen mit dem Ziel Vereinigte Staaten.
Nein, die Sandinisten scheinen vor keinem Verbrechen zurückzuschrecken - dies ist ein Regime der Gesetzlosen.
Wenn wir uns für einen Augenblick wieder unserer Landkarte
zuwenden, dann wird klar, warum die Existenz dieses Regimes in
Mittelamerika unsere vitalen Sicherheitsinteressen gefährdet.
Fast die Hälfte unseres Außenhandels, über die Hälfte unserer
Rohölimporte und ein bedeutender Teil des militärischen Nachschubs, den wir unseren NATO-Verbündeten im Falle einer Krise
zuführen müßten, passieren diesen lebenswichtigen Teil unserer
westlichen Hemisphäre. Dies hier sind die Engpässe, an denen
unsere Seewege abgeschnürt werden könnten.
Mittelamerika ist
- 5

�Mittelamerika ist für unser westliches Bündnis von strategischer Bedeutung, eine Tatsache, die von ausländischen Feinden immer begriffen wurde. Im Zweiten Weltkrieg brachten einige wenige deutsche U-Boote, die von 4 000-Meilen entfernten
Stützpunkten in Deutschland operierten, der amerikanischen
Schiffahrt vor unserer südlichen Küste enorme Verluste bei.
Heute bauen Ingenieure des Warschauer Pakts einen Tiefseehafen an der Karibikküste Nicaraguas, ähnlich dem der Marinebasis in Kuba, die in der Sowjetunion gebauten U-Booten
dient. Außerdem bauen sie außerhalb Managuas den größten Militärflugplatz Mittelamerikas - ähnlich denen in Kuba, von wo
as russische Bomber vom Typ BEAR entlang der amerikanischen
Ostküste von Maine bis Florida Patrouille fliegen.
Wie kam es zum plötzlichen Entstehen dieser Bedrohung des
Friedens und der Sicherheit unserer lateinamerikanischen Nachbarn - und letztendlich unser selbst? Erlauben Sie mir, Ihnen
kurz die Geschichte zu skizzieren.
1979 erhob sich das Volk Nicaraguas und stürzte eine korrupte Diktatur. Zunächst versprachen die revolutionären Führer freie Wahlen und die Beachtung der Menschenrechte. Aber
es befand sich unter ihnen eine Organisation, die sich "die
Sandinisten" nannte. Die Organisation als solche war kommunistisch und ihre Unterstützung revolutionärer Ziele war reine
Täuschung. Schnell und rücksichtslos brachten sie alles unter
ihre Kontrolle.
Zwei Monate nach der Revolution traf sich die sandinistische Führung im Geheimen und beschrieb sich in dem, was später als "72-Stunden-Dokument" bekanntgeworden ist, als "Vorhut" einer Revolution, die Mittelamerika, Lateinamerika und
schließlich die ganze Welt überrollen würde. Zu ihrem wahren
Feind erklärte sie die Vereinigten Staaten.
Anstatt dieses Dokument der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, folgten sie dem Rat Fidel Castros, der ihnen vorschlug, den Schein einer Demokratie zu wahren. Obwohl Castro
die demokratischen Elemente in Nicaragua nicht besonders
schätzte, drängte er seine nicaraguanischen Freunde doch darauf, einige von ihnen auf untergeordneten Posten in ihrer Koalition zu behalten - als Dekoration, um den Westen zu täuschen. Auf diese Weise, so Castro, könnt Ihr Eure Revolution
machen und die Amerikaner werden sie bezahlen.
Und wir haben sie bezahlt. In den ersten 18 Monaten unter
sandinistischer Herrschaft floß mehr Hilfe an Nicaragua aus
den Vereinigten Staaten als aus irgendeinem anderen Land.
Erst als die Maske fiel und der Welt das Gesicht des Totalitarismus enthüllte, wurde die Hilfe eingestellt.
Angesichts dieser

�Ang esich ts d lese r sich e ntwi ekel nden Bedrohung trat ich zu
Beginn meine r Am tsze it v or d en K ongr eß, und mit der Unterstützung be ider Part eien gel ang es m ir, Hilf e für die Nachbarstaaten Nie aragu as z u er halt en. Ein ige von Ihnen werden sich
viellei cht a n da s begeis tern de B ild erin nern, als das Volk von
El Salv ador den Droh unge n un d de m Ge wehr feuer der kommunistischen Gueri llas tro tzte - Gueri llas , die von Nicaragua aus
gelenkt und unte rstü tzt wurd en - und zu den Urnen ging, um
entschi eden für die Demo krat ie z u st imme n. Für die Kommunisten in El Sal vado r wa r dies e ine besc hämende Niederlage.
Aber es gab noch einen anderen Faktor, den die Kommunisten
außer acht ließen, einen Faktor, der jetzt der Freiheit eine
zweite Chance einzuräumen verspricht - die Freiheitskämpfer
Nicaraguas.
Damals, als die Sandinisten die Revolution verrieten, sind
viele, die gegen die alte Somoza-Diktatur gekämpft hatten,
buchstäblich in die Berge gegangen und haben begonnen, wie
ehemals die Mitglieder der französischen Resistance gegen die
Nazis, die Kommunisten des Ostblocks und ihre nicaraguanischen
Kollaborateure zu bekämpfen. Diesen wenigen Menschen haben
sich inzwischen Tausende angeschlossen.
Mit Ihrem Blut und ihrem Mut haben die Freiheitskämpfer
Nicaraguas der sandinistischen Armee zu schaffen gemacht und
dem Volk Mittelamerikas kostbare Zeit gewonnen. Wir Amerikaner schulden Ihnen tiefe Dankbarkeit. Mit ihrer Hilfe bei der
Behinderung der Sandinisten und ihrer sowjetischen Berater hat
die Widerstandsbewegung direkt zur Sicherheit der Vereinigten
Staaten beigetragen.
Seit seinen Anfängen im Jahr 1982 hat der demokratische
Widerstand dramatisch an Stärke zugenommen. Heute sind es
mehr als 20 000 Freiwillige, und es werden täglich mehr. Aber
den Widerstandskämpfern gehen die Vorräte aus und sie sind den
von Moskau nach Managua geschickten Kampfhubschraubern praktisch hilflos ausgeliefert.
Jetzt steht dem Kongreß der Vereinigten Staaten die entscheidende Prüfung bevor. Wird er die Unterstützung genehmigen, die die Freiheitskämpfer brauchen, um mit den russischen
Panzern und Kampfhubschraubern fertig zu werden - oder wird er
die demokratischen Widerstandsbewegung ihren kommunistischen
Feinden preisgeben?
Ich hoffe, daß sich der Kongreß bei der Beantwortung dieser Frage klarmacht, was genau der Widerstand in Nicaragua bekämpft: Stellen Sie sich die Frage selbst: Was in aller Welt
machen Sowjets, Ostdeutsche, Bulgaren, Nordkoreaner, Kubaner,
- 7 -

�Nordkoreaner, Kubaner, Terroristen der PLO und der Roten Brigaden in unserem Teil der Welt, vor unserer eigenen Schwelle?
Tun Sie etwas für den Frieden?
Warum haben die Sowjets 600 Millionen Dollar investiert,
um Nicaragua zu einer bewaffneten Streitmacht auszubauen, die
fast so stark ist, wie die Mexikos, einem Land, das 15 mal so
groß ist und eine 25 mal größere Bevölkerung hat. Für den
Frieden?
Warum hat Nicaraguas Diktator, Daniel Ortega, den Parteitag der kommunistischen Partei in Havanna besucht und Castros
Forderung nach dem weltweiten Triumph des Kommunismus unterstützt? Für den Frieden?
Einige K ongre ßabgeor dnete frag en m ich, war um w ir n icht
verh andeln. Das ist ein e gute Fra ge - las sen Sie mich darauf
dire kt antwo rten. Wir w ollten - und w olle n no ch - ein en auf
dem Verhandl ungsw ege her beigef ührt en F ried en u nd e ine demokratisc he Zukun ft fü r Nicar agua. Wir hab en u ns z ehn mal mit den
Sand inisten getro ffen un d versucht , mit ih nen zu a rgum entieren. Zehn m al si nd wir abgewi esen wor den. Im ver gang enen
Jahr haben w ir Ve rhandlu ngen z wisc hen dem Regi me u nd d er Widers tandsbew egung zugest immt, wöbe i die Ki rche als Ver mittler
auft rat. Di e Sow jets un d die Sand inis ten antw orte ten mit einer rapiden Auf rüstung b ei Gra natw erfe rn, Panz ern, Art illerie
und Kampfhub schra ubern.
Ganz sicher haben die Sowjetunion und der Warschauer Pakt
verstanden, was auf dem Spiel steht, nämlich die strategische
Bedeutung Nicaraguas. Die Sowjets haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Fidel Castro hat
seine Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten.
Arafat, Gadhafi und der Ajatollah Khomeini haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Jetzt
müssen wir unsere Entscheidung treffen. Mit der Hilfe des
Kongresses können wir ein Ergebnis verhindern, das der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten großen Schaden zufügen würde.
Wenn wir scheitern, können wir uns der Verantwortung nicht
entziehen; die Geschichte wird uns zur Rechenschaft ziehen.
Dies ist nicht irgendeine kleine Parteiangelegenheit; dies
ist eine Angelegenheit, die unsere nationale Sicherheit betrifft, eine Angelegenheit, bei der wir weder als Republikaner
noch als Demokraten, sondern als Amerikaner handeln müssen.
Vor 40 Jahren standen Republikaner und Demokraten gemeinEs muß unsere Politik sein,

sam hinter der "Truman-Doktrin".

�Politik sein, so erklärte Harry Truman, Völker zu unterstützen, die für die Erhaltung ihrer Freiheit kämpfen. Unter dieser Doktrin sandte der Kongreß Hilfe nach Griechenland, gerade
noch rechtzeitig, um das Land vor dem Zugriff einer kommunistischen Tyrannei zu bewahren. Wir haben zu jener Zeit die
Freiheit in Griechenland gerettet - und mit demselben gemeinsamen Geist können wir heute die Freiheit in Nicaragua retten.
In den nächsten Tagen werde ich den Dialog mit den Kongreßabgeordneten fortführen, mit ihnen sprechen und ihnen zuhören, um ihre Anliegen zu erfahren. Senator Scoop Jackson,
der den Kampf für ein Bewußtsein der Gefahr in Mittelamerika
im Kapitol anführte, hat es am besten ausgedrückt: Was die
Angelegenheiten unserer nationalen Sicherheit betrifft, so ist
die beste Politik keine Politik.
Wie Sie wissen, hat kürzlich eine der hervorragendsten
Amerikanerinnen, Cläre Boothe Luce, dasselbe von den bevorstehenden Wahlen gesagt.
"Wen n wi r diese Krise b etrach ten", so Mrs L uce, " so denke
ich an e inen ähnlic hen Auge nblick unser er Gesch ichte - an die
ersten J ahre , nachdem Kuba an Fid el Cas tro gefa 1 len war. In
jenen Ja hren aß ich einmal im Wei ßen Ha us mit e inem M ann zu
Mittag, den ich ber eits sei t sein en Kin dertagen kannt e, mit
John F. Kenn edy. ' Mr. Pres ident' , sagte ich, 'egal, wie außergewöh nlic h oder großarti g ein Mann a uch sein mag, so wird
die Gesc hich te ihm doch nur einen Satz gewähren
Geo rge
Washingt on - er grü ndete un ser La nd. Ab raham Li ncoln - er befreite d ie S klaven und erhi elt de n Staa tenbund. Wins ton
Churchil 1 - er rett ete Euro pa' . •Und w as meine n Sie, Cläre,
wie mein Sat z lauten wird?' fragt e John F. Kenn edy. 'Ihr
Satz, Mr . President , wird 1auten, daß s ie die K ommuni sten gestoppt h aben - oder auch ni cht'."
Tragischerweise hatte John F. Kennedy nie die Gelegenheit,
zu entscheiden, welcher Satz auf ihn zuträfe. Jetzt müssen
die Führer unseres Zeitalters dafür sorgen. Meine amerikanischen Mitbürger, Sie wissen, wo ich stehe. Wir dürfen es
den Sowjets und den Sandinisten nicht erlauben, die Freiheit
in Mittelamerika zu zerschmettern und unsere eigene Sicherheit
an unserer eigenen Schwelle zu bedrohen.
Jetzt muß der Kongreß entscheiden, wo er steht. Mrs. Luce
hat mit den Worten geschlossen: "Nur eins ist sicher. In alle Ewigkeit wird man sich dieses, des 99. Kongresses der Vereinigten Staaten, als der Vereinigung von Männern und Frauen
erinnern, die den Kommunismus gestoppt haben, bevor es zu spät
war - oder auch nicht".
Heute abend

�Heute abend bitte ich Sie, das zu tun, was Sie in der Vergangenheit so oft getan haben. Setzen Sie sich mit Ihren Abgeordneten und Senatoren in Verbindung und drängen Sie sie dazu, mit "Ja" zu stimmen, bitten Sie sie um Hilfe für die Freiheitskämpfer - helfen Sie uns, die Ausbreitung des Kommunismus
in Mittelamerika zu verhindern.
Mi r bleib en nur noch dr ei J ahre Zeit , um mei nem La nd zu
dienen , drei Jahre, um die Vera ntwo rtung aus zuüb en, di e Sie
mir an vertrau t habe n, drei Jahr e, u m für den Fri eden z u arbeiten. Könnte es ein e größer e Tr agöd ie ge ben, als daß w ir uns
zurück lehnen und di eses Kre bsge schw ür si ch a usbr eiten lassen,
damit sich me in Nac hfolger in d en k ommen den Jahr weita us qualvoller en Ents cheidu ngen aus gese tzt sieht ? Die F reihei tskämpfer fo rdern e ine po litische Lös ung. Sie sin d be reit, ihre
Waffen nieder zulege n und zu ver hand ein, um d ie u rspüng liehen
Ziele der Rev olutio n wieder herz uste llen, ein e Demokrat ie, bei
der da s Volk von Ni caragua sein e ei gene Regi erun g wähl t. Das
ist au ch unse r Ziel , aber es kann n ur ve rwir klic ht wer den,
wenn d ie demo kratis che Wide rsta ndsb ewegu ng i n de r Lage ist,
Druck auf Jen e auszuüben, d ie d ie M acht an s ich geriss en haben.
Es bleibt uns noch Zeit, zu tun, was getan werden muß, so
daß die Geschichte von uns sagen kann, daß wir die Weitsicht,
den Mut und den gesunden Menschenverstand gehabt haben, zusammen zu handeln - Republikaner und Demokraten - als der Preis
nicht hoch und das Risiko nicht groß waren. Wir hinterließen
ein sicheres Amerika, ein geschütztes Amerika, ein freies
Amerika - immer noch ein Hoffnungsschimmer für die Menschheit,
immer noch ein Lichtstrahl auf die Nationen.
Vielen Dank.

Gott segne Sie.

* * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Dokumentation

11

1 9 . März 1986

DIE NICARAGUANISCHE WIDERSTANDSBEWEGUNG BRAUCHT US-HILFE
- Rede des amerikanischen Außenministers Shultz -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 3. März 1986 in Washington
vor der Versammlung der amerikanischen Kriegsveteranen gehaltenen Rede sagte Außenminister George Shultz, ohne die Hilfe
der Vereinigten Staaten liefen "die Hoffnungen auf Demokratie
in diesem Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika
Gefahr, zunichte gemacht zu werden". Shultz betonte die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe für die Kräfte der Demokratie
"Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande sein,
die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten
Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern".
Shultz wies einleitend auf die Stärke der demokratischen
Bewegung auf den Philippinen hin, die zum Sturz von Präsident
Marcos geführt hatte und kam in diesem Zusammenhang auf die
Lage in Nicaragua zu sprechen, wo ein kommunistisches System
dabei ist, seine Macht zu festigen und ein totalitäres Regime
einzurichten. Tausende von Regimgegenern haben inzwischen in
Nicaragua zu den Waffen gegriffen, um Widerstand zu leisten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zu leisten. Shultz sagte, die Administration fordere den
Kongreß auf, den Widerstandskämpfern in Nicaragua 100 Millionen Dollar des Verteidigungshaushaltes zur Verfügung zu stellen: "Im Interesse der Sicherheit des eigenen Landes und auch
im Interesse der jungen demokratischen Nationen, die von uns
Unterstützung erhoffen, sollten wir den Menschen in Nicaragua
das geben, was sie in ihrem Kampf für die ihnen von Somoza
vorenthaltenen und dann von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit weggenommenen Freiheiten brauchen".
Seine Ausführungen zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
in diesem Land werden Oppos itio nspar teien syst emati seh
schika niert un d ei ngeschü chtert , wobei G ewalt ange wandt oder
angedr oht wird . Unabhäng ige Na chri chten medien wer den n icht
bloß b ehindert , sondern a uch ze nsie rt od er sog ar g eschl ossen.
Die ka tholisch e Ki rche wi rd unt erdr ückt und ge schm äht, weil
sie ei ne Stimm e des demok ratisc hen Gewis sens i st. Die Geheimpolize i hat Sp itze nvertre ter de r Pr ivatw irtsch aft, der Gewerkschaft en und d er K ircheno rganis atio nen f estgen omme n, ve rhört
und be droht. Die massive Äufrü stun g dur ch die Sow jetun ion und
Kuba g efährdet nie ht nur die in nere n Geg ner de s Regimes , sond e m a uch alle Nac hbarlän der. Und das R egime ist, nach den
manipu Herten Wahl en vor mehr a ls e inem Jahr, offe nsich tlich
entsch lossen, sich an der Macht zu halte n und dabe i vor keiner
Anwend ung brut aler Gewalt zurüc kzus chrec ken.
Au f den Phil lppinen konnten sich die Krä fte der Demok ratie
verein igen, orga nisieren , um die Mach t bewer ben und sie
schlie ßlich trot z des Wahlbetru gs mit friedl ichen Mi tteln erringen und zwar deshalb, weil e s sich , im Grunde gen ommen &gt;
doch u m ein plur alistisc hes, de mokrat isches politisc hes S ystem
handel te. In Ni caragua werden, sobal d das k ommunist ische Regime s eine Macht gefesti gt habe n wird , die Kräfte de r Dem okratie ke ine H of fnungen die ser Art mehr hegen d ürfen. Ein 1 eninist ische s Reg ime stre bt nach einem Machtm onopol u nd de r Beseitig ung a H e r unabhäng igen Ei nricht ungen. Der Kir che, den
unabhä ngige n Nac hrichten medien, der G eschäft swelt, d em Mi ttelstand und d en de mokratis chen Pa rteien wird s amt und sonde rs
hart z ugese tzt, und sie müssen um ihr Ueberl eben kam pfen.
Tausen de vo n Reg imegegne rn - sc hätzun gsweise 20 000 - hab en
sich g ezwun gen g esehen, zu den Waffen zu gre ifen, um dem kommunist ische n Reg ime bei der Fes tigung eines totalitä ren S ystems Wider stand zu leis ten.
Aus historischen, moralischen und strategischen Gründen
waren die Vereinigten Staaten am Fortschritt der philippinischen Demokratie unmittelbar interessiert. Ebenso nehmen
wir zutiefst Anteil an den Hoffnungen auf Demokratie in Nica- 2 -

�in Nicaragua. Nach sechseinhalb Jahren ist es aber klar, daß
ohne unsere Hilfe bei der Stärkung der nicaraguanischen demokratischen Opposition die Hoffnungen auf Demokratie in diesem
Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika Gefahr laufen, zunichte gemacht zu werden.
Subversive Aktivitäten im Ausland
Trotz unserer Bemühungen, mit der revolutionären Führung,
die im Jahr 1979 den Diktator Somoza zu Fall gebracht hatte,
zu koexistieren, ja ihr sogar unter die Arme zu greifen, hat
die strategische Bedrohung durch die nicaraguanischen Kommunisten immer gefährlichere Ausmaße angenommen. Heute gibt
es in dem Land 200 sowjetische Berater, rund 7 500 Kubaner und
verschiedenes Personal aus der DDR, Bulgarien, Libyen und von
der PLO. Man kann sehen, wer ihre Freunde sind.
In der Gesc hichte Mi ttel amerika s find en w ir m chts , das
sich mi t der nicaraguani sehe n Aufrü stung verg leich en 1 äßt.
Seit 19 81 h at d as Land s owje tische Waffen im Wert von mehr als
einer h albe n Mi lliarde D olla r erhal ten, d arun ter P anze r und
andere schw ere Waffen, d ie, im mitt elamer ikan ische n Ra um besehen, ga nz o ffen sichtlich nie ht defe nsiver Nat ur si nd. Ende
1980 wa ren die nicaragua nisc hen Str eitkrä fte schon dop pelt so
stark w ie s eine rzeit Som ozas Nation algard e au f ihrem H öhepunkt. Bis End e 1982 ha tte sich di e Arme e de r nie arag uanischen Kornmuni sten noch ein mal ver doppel t. Nicar agua verfügt
derzeit übe r 60 000 Sold aten im akt iven D iens t sow ie ü ber weitere 60 000 als Reservis ten. Hinge gen ha t Ho ndura s le diglich
21 000 Sold aten , während Cos ta Rica , die alte ste D emok ratie in
Lateina meri ka, überhaupt kei ne Arme e unte rhäl t. K ein anderes
Land Mi ttel amer ikas verf ügt über so viele Pan zer u nd a ndere
gepanze rte Fahr zeuge wie Nie aragua. Nur Nica ragua bes itzt
hochmod erne sow jetische Angr iffshub schrau ber vom T yp M i-24
Hind.
Was wird mit dieser gewaltigen Aufrüstung bezweckt? Auf
diese Frage gab Tomas Borge bereits 1981 die Antwort: "Diese
Revolution", so sagte er, "geht über unsere Grenzen hinaus."
Was ist der Sinn dieser Worte? Es genügt, wenn wir uns an
die Tatsachen halten. Fast sofort nach der Machtübernahme taten sich die Kommunisten in Nicaragua mit den salvadorianischen Kommunisten zusammen, um demokratische Reformen in jenem Land zu verhindern. Sie bewaffneten salvadorianische
Guerillakämpfer, die Ende des Jahres 1983 ihr zentrales Hauptquartier in Managua hatten. (Von dort zogen sie übrigens bald
nach unserer Befreiung Grenadas aus.) In Nicaragua verfügen
sie jedoch weiterhin über Radiosender, Ausbildungsstätten, Er- 3 -

�Ausbildungsstätten, Erholungslager und größere Einrichtungen
zur logistischen Unterstützung.
Mit ihrer Förderung der Subversion in El Salvador geben
sich aber die nicaraguanischen Kommunisten keineswegs zufrieden. Guerillakämpfer und Agenten waren vor ihrer Einschleusung in Honduras durch Nicaragua ausgerüstet, ausgebildet und
organisiert worden. Bei direkten Angriffen auf Honduras hat
Nicaragua seine regulären Truppen eingesetzt.
Costa Rica stellt ein weiteres Ziel dar. Die nicaraguanischen Kommunisten haben ihre diplomatische Präsenz in diesem
Land für Bombenangriffe und Morde mißbraucht; sie haben Costaricaner für subversive Aktivitäten finanziert, ausgerüstet und
ausgebildet, und sie sind fast nach Belieben über die Grenze
in Costa Rica eingefallen.
Auch in Kolumbien haben sie ihre Hände im Spiel. Ein
Großteil der Waffen, mit denen Terroristen der Gruppe M-19 den
Nationalen Justizpalast angriffen, hatten ihren Weg über Nicaragua genommen. Und wen wollten diese Terroristen bei ihrer
Aktion erledigen? Die Richter, die gerade dabei waren,
Rauschgifthändlern den Prozeß zu machen. Es sollte nicht
überraschen, wenn die nicaraguanischen Kommunisten in kriminelle Umtriebe dieser Art verwickelt sind.
Das Bild, das sich aus all diesen Fakten ergibt, ist durch
Gewalttätigkeit gekennzeichnet. Es werden keine Unterschiede
gemacht; die Gewalt richtet sich gegen demokratische Länder,
ja sogar gegen die Friedensstifter von der CONTADORA-Gruppe.
Und es besteht dabei eine enge Verbindung zur kubanischen und
sowjetischen Militärmacht. Diese auf Subversion und Infiltration ausgerichteten Anstrengungen werden durch die engen Beziehungen des Regimes zu Terroristen aus aller Herren Länder
erleichtert.
Das Regime hat Extremisten und Terroristen aus dem Nahen
Osten, aus Lateinamerika und Europa nicaraguanische Reisepässe
ausgestellt.
Zu den Gruppen, deren Anwesenheit in Nicaragua bekannt
ist, zählen Terroristen von der baskischen ETA ebenso wie von
der deutschen Baader-Meinhof-Bande, den italienischen Roten
Brigaden und den argentinischen Montoneros. Alvaro Baldizon,
ein hochgestellter Sandinist, der sich 1985 von dieser Bewegung lossagte, hat über die persönliche Verwicklung von Innenminister Borge in den Kokainschmuggel aus Kolumbien in die
Vereinigten Staaten berichtet. Von einem Vertrauensmann des
amerikanischen Amtes für Drogenbekämpfung (DEA) auf dem Boden
von Nicaragua gemachte Videobandaufzeichnungen zeigen einen
- 4 -

�zeigen einen weiteren Vertreter des Regimes bei der persönlichen Überwachung der Verladung von Rauschgift für die Vereinigten Staaten.
In Mittelamerika und Panama tätige PLO-Agenten haben in
Nicaragua ihre Operationsbasis. Die Verbindungen zur PLO sind
besonders stark. Etliche nicaraguanische Kommunisten wurden
in den sechziger und siebziger Jahren in PLO-Lagern ausgebildet. Mehrere haben sogar an Flugzeugentführungen durch die
PLO teilgenommen.
Die nicaraguanischen Kommunisten haben noch einen zweiten
Wohltäter im Nahen Osten, nämlich Libyen. Bereits vor ihrer
Machtübernahme in Jahr 1979 hatten sie direkte Beziehungen zu
Gadhafi aufgebaut. Gadhafi ist seither gefällig gewesen und
hat Waffen geschickt. Eine dieser als "Medikamente" getarnten
Lieferungen flog in Brasilien im April 1983 durch Zufall auf,
wobei die brasilianischen Behörden auf 84 Tonnen Waffen,
Sprengstoffe und anderes militärisches Gerät stießen.
Die UnterdrückungsmaSnahmen im eigenen Land
Indem sie ihr Versprechen brachen, für Pluralismus zu sorgen, haben die nicaraguanischen Kommunisten die Bürger ihres
Landes faktisch gezwungen, noch einmal zu den Waffen zu greifen. Ebenso wie Somoza scheinen sie niemandem Gehör zu schenken, der nicht bewaffnet ist. Und ebenso wie Somoza trachten
sie danach, ausländischen Kräften dafür die Schuld zu geben,
daß das eigene Volk Widerstand gegen ihre Politik leistet.
Die nicaraguanischen Kommunisten behaupten gern, daß der
Widerstand gegen sie auf die verdeckte Unterstützung der USA
zurückzuführen sei und daß es sich bei ihren Gegnern ausschließlich um CIA-Agenten und um Erben Somozas handele. Das
ist Unsinn. Es war ihre Unterdrückungspolitik, die in den
Jahren 1979, 1980 und 1981 die Koalition zerschlug, die Somoza
gestürzt hatte. Das war es, was den Widerstand entzündete.
1979, 1980 und 1981 leisteten die Vereinigten Staaten der Regierung von Nicaragua Hilfe, nicht den Widerstandskämpfern.
In der Zeit von Mitte 1984 bis Ende 1985, also mehr als
ein Jahr lang, unterstützten die Vereinigten Staaten die Widerstandskräfte in Nicaragua überhaupt nicht. Dennoch wuchs
die Bewegung in dieser Zeit um 50 Prozent, von ungefähr 10 000
auf rund 15 000. Soviel über die Theorie, daß der Widerstand
eine Kreatur amerikanischer Bargeldzahlungen sei.
Wer sind eigentlich diese Nicaraguaner, die im Kampf gegen
den kommunistischen Sicherheitsapparat ihr Leben zu riskieren

�zu riskieren bereit sind? Bei den Widerstandskämpfern handelt
es sich vor allem um junge Bauern. Die meisten von ihnen sind
zwischen 18 und 22 Jahre alt. Sie verteidigen ihren kleinen
Landbesitz, ihre Kirchen und, in manchen Fällen, ihre bodenständige Kultur. Manche zogen den Beitritt zur Widerstandsbewegung dem Dienst in den Reihen der nicaraguanischen Kommunisten vor, wo sie die eigenen Freunde und Nachbarn hätten bekämpfen müssen. Bei der Verteidigung ihrer Familien und Gemeinden kämpfen diese jungen Nicaraguaner vor allem für ihr
Recht auf Selbstbestimmung.
Ihre Führer kommen hingegen zumeist aus den Städten. Sie
unterscheiden sich mehr als die junge Landbevölkerung im Hinblick auf Berufe und Lebenslauf. Zu ihnen gehören sowohl frühere Angehörige von Somozas Nationalgarde als auch ehemalige
Sandinisten. Die meisten jedoch sind Zivilisten aus den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die die Sandinisten zu vertreten behaupten: Bauern, Kleinbauern, Berufstätige aus den
Städten und Studenten. Einer von ihnen war Grundschullehrer,
ein anderer evangelischer Pfarrer.
Eine im vergangenen November durchgeführte Analyse des
Hintergrunds von 153 führenden Militärs der größten Widerstandsgruppe ergab, daß 53 Prozent von ihnen aus dem Zivilleben kamen, während 27 Prozent in der Nationalgarde gedient
hatten und nicht weniger als 20 Prozent früher Waffenbrüder
der Kommunisten gewesen waren. Daraus folgt unwiderlegbar,
daß es sich bei dem Widerstand in Nicaragua um einen durch das
Volk getragenen, alle Schichten umfassenden, demokratischen
Aufstand handelt.
Eine Welle der Demokratie
Historiker werden in dem Wandel der Tyrannei in Lateinamerika während dieser Jahre eine Ironie der Geschichte sehen.
Während in Nicaragua eine Diktatur eine andere ablöste, fielen
die starken Männer anderswo in der Region schnell und der Reihe nach.
In den letzten zehn Jahren sind gewählte Zivilregierungen an die Stelle der autoritären Regimes in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, El Salvador, Grenada, Guatemala, Honduras, Peru und Uruguay getreten. Mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner regieren sich jetzt selbst. Vor
zehn Jahren waren es weniger als ein Drittel.
Der Widerspruch zwischen der kommunistischen Herrschaft in
Nicaragua und dem politischen Trend im Rest Lateinamerikas
könnte nicht dramatischer sein. Nach Jahrhunderten des Kampfes hat das System der Selbstregierung Wurzeln gefaßt. Nicaragua ist jetzt nicht nur die Ausnahme von dieser Regel; es
- 6 -

�Regel; es ist auch so, daß seine Politik des Militarismus und
der Subversion die Demokratiehoffnungen der gesamten Region
gefährdete.
Niemand ist sich dieser Gefahr besser bewußt als die führenden Politiker Lateinamerikas. Seit Jahren schon suchen sie
Mittel und Wege, die von Nicaragua ausgehende Gefahr zu entschärfen. Das Hauptanliegen der CONTADORA-Verhandlungen ist
der friedliche und demokratische Abbau der durch das Verhalten
des nicaraguanischen Regimes verursachten militärischen Spannungen, ohne daß es dabei zu der von den nicaraguanischen Kommunisten anscheinend angestrebten Ausweitung des Konflikts
kommt.
Es überrascht nicht, daß die Kommunisten diese Verhandlungen immer wieder torpediert haben. Die Vereinigten Staaten
verhandelten 1984 mit Managua direkt, um den CONTADORA-Ländern
das Aushandeln einer Lösung zu erleichtern. Neun Verhandlungsrunden fanden damals innerhalb von fünf Monaten statt.
Es erwies sich aber, daß die nicaraguanischen Kommunisten in
erster Linie an der Manipulation dieser bilateralen Gespräche
interessiert waren, um auf diese Weise Ergebnisse der
CONTADORA-Arbeit zu verhindern.
Abgelehnt haben sie auch den von den katholischen Bischöfen ihres Landes im Hirtenbrief am Karfreitag 1984 gemachten
Vorschlag, mit allen Nicaraguanern zu verhandeln - egal ob bewaffnet oder unbewaffnet, ob in Nicaragua oder außerhalb des
Landes. Die demokratische Widerstandsbewegung rief zu einem
Waffenstillstand auf und zeigte sich zu Verhandlungen durch
Vermittlung der katholischen Kirche bereit. Das Regime lehnte
ab. Der wichtigste Dialog, nämlich der interne zwischen dem
Regime und seinen Gegnern, wird also durch die Kompromißlosigkeit des Regimes vereitelt. Die Kommunisten wissen genau, was
sie wollen. Sie haben nicht die Absicht, sich zu ändern.
Nicaraguas Nachbarn sind sich über die Pläne des Regimes
im klaren. Auch wir sind es. Und wir machen uns schwere Sorgen wegen der Bedrohung, die Nicaragua für die Sicherheit und
das Wohlergehen anderer lateinamerikanischer Nationen darstellt. Wir haben nach besten Kräften die Demokratie in ganz
Mittel- und Südamerika gefördert, indem wir für freie Wahlen
eingetreten sind und den demokratischen Regierungen und demokratischen Kräften moralische und wirtschaftliche Hilfe geleistet haben. Ebenso wie unsere demokratischen Nachbarn wollen wir es nicht erleben, daß diese Errungenschaften durch nicaraguanische Subversion rückgängig gemacht werden.
Gerade erst vor zwei Wochen traf ich mit Vertretern der an
den CONTADORA-Verhandlungen beteiligten acht Nationen zusam- 7 -

�Nationen zusammen. Sie sind, wie wir, für politische Lösungen. Man darf das aber nicht falsch verstehen: Die Versuche
Nicaraguas, mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung die
Stabilität der Region zu untergraben, beunruhigen sie zutiefst
Die Politik der Vereinigten Staaten
Unsere Ziele in Nicaragua, und die unserer Freunde und
Verbündeten, sind einfach: Wir wollen, daß das nicaraguanische Regime die Aufrüstung rückgängig macht, seine ausländischen Berater nach Hause schickt und damit aufhört, seine
Bürger zu unterdrücken und sich subversiv gegen die Nachbarländer zu betätigen. Wir wollen, daß es die Verprechen der
Koalitionsregierung nach Somozas Fall einlöst - demokratischer
Pluralismus im Inland und friedliche Beziehungen zum Ausland.
Die Vereinigten Staaten und ihre Freunde haben sich bemüht, mit den Mitteln der Diplomatie dieses Ziel zu erreichen. Wir glauben nach wie vor, daß in einer durch Verhandlungen erzielten Lösung unsere größte Hoffnung auf einen
friedlichen Wandel in Nicaragua liegt. Es sind jedoch alle
seriösen Verhandlungsversuche durch die nicaraguanischen Kommunisten abgeblockt worden. Sie denken, daß sie ihre Politik
der Unterdrückung im Inland und der Aggression gegen das Ausland ungestraft fortsetzen können, und sie sehen weiterhin in
ihrer militärischen Stärke eine Erfolgsgarantie dabei.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, den nicaraguanischen Freiheitskämpfern dabei zu helfen, die Kommunisten
davon zu überzeugen, daß sie einen katastrophalen Kurs steuern. Wir müssen die Freiheitskämpfer unterstützen, bevor es
zu spät ist. Wenn wir das tun, stärken wir unseren Einfluß
für die Erreichung unserer diplomatischen Ziele.
Unsere Ziele sind begrenzt und vernünftig. Zugleich sind
sie wichtig für unsere Werte und für die Sicherheit von uns
selbst und unserer Nachbarn. Wir müssen viele Optionen in Erwägung ziehen. Einige von ihnen sind so hart, daß wir hoffen,
niemals zu ihnen unsere Zuflucht nehmen zu müssen. Die Vereinigten Staaten wünschen keine direkte Verwicklung der eigenen
Streitkräfte in Nicaragua. Bisher mußten wir uns mit dieser
Option nicht befassen, denn wir wissen, daß es einen anderen
Weg gibt, das Regime von seinem destruktiven Kurs abzubringen.
.Deshalb unterstützen wir den demokratischen Widerstand.
Militärische Hilfe für den demokratischen Widerstand könnte die nicaraguanischen Kommunisten dazu bringen, ernsthaft zu
verhandeln - etwas, das sie bisher noch nicht getan haben.
Sie verhandelten nicht mit der Regierung Carter, als die Ver-

�die Vereinigten Staaten noch der größte Lieferant von Hilfe
für Nicaragua waren, und sie verhandelten nicht seriös - weder
mit uns noch mit ihren Nachbarn - als der Kongreß vor zwei
Jahren jegliche Unterstützung des Widerstands aussetzte. Im
Gegenteil: Im Herbst 1984 importierten sie sowjetische Angriffshubschrauber statt ihre politischen Gegner durch freie
Wahlen wieder ins politische Leben einzuführen.
Für die Widerstandskämpfer ist ein kritischer Augenblick
gekommen. Das außerordentliche Wachstum ihrer Bewegung und
die verzweifelten Maßnahmen, die das Regime bei ihrer Bekämpfung ergriffen hat, beweisen, daß sie sich bewährt haben. Die
Aufrüstung durch die Sowjetunion, Kuba und den Ostblock hat
aber ein großes Ungleichgewicht geschaffen. Wenn wir den
Kräften der Demokratie nicht zu Hilfe kommen, werden sie
schwer leiden, nicht etwa, weil sie keine gute Sache verfechten, sondern weil die Kommunisten mehr Entschlossenheit als
wir selbst gezeigt haben werden.
Ein verstärkter demokratischer Widerstand ist das einzige
Mittel, mit dem man die nicaraguanischen Kommunisten zur Einstellung ihrer subversiven Aktivitäten in dieser Hemisphäre
zwingen kann; es ist das einzige Mittel, mit dem man ihrer erdrückenden Tyrannei im eigenen Land beikommen kann.
Macht und Diplomatie müssen Hand in Hand gehen. Das ist
eine Lehre, die wir aus unseren Erfahrungen schon gezogen haben sollten. Diplomatie ohne Machtmittel ist hilflos. Ob bei
Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion oder bei der Beilegung regionaler Konflikte: Diplomatie funktioniert dann am
besten, wenn unsere Gegner begreifen, daß sie keinen militärischen Sieg und keine einseitigen Vorteile erzielen können.
Manchmal vergaßen wir diese Lehre, und wir mußten dafür einen
hohen Preis bezahlen.
Das ist die Lehre, die wir heute auf Nicaragua anzuwenden
versuchen: Wir wollen das kommunistische Regime davon überzeugen, daß es eine militärische Option nicht gibt. Nur ein
starker innerer Widerstand durch das nicaraguanische Volk kann
das Regime dazu zwingen, daß es auf die nationale Versöhnung
hinarbeitet und das demokratische Versprechen des Jahres 1979
hält.
Die Folgen der Untätigkeit
Falls wir den Widerstand nicht stärken, werden wir bald
eine ganz andere Sorge haben - von noch viel ernsterer Natur.
Ein sowjetischer und kubanischer Stützpunkt auf dem lateinamerikanischen Festland wird uns zu schaffen machen, ein Regi- 9 -

�ein Regime, dessen gefestigte Macht es ihm gestatten wird,
Subversion und Terrorismus auf die gesamte Hemisphäre auszudehnen.
Und das ist nicht einma 1 alles . Wenn es den n lcara guanischen Kommunis ten g elingt , ihre Macht zu fe stige n und die
demokrat ische Wi derst andsbe wegung zu ve rnicht en, w ird i hr Sieg
sofort u nd übera 11 de n radi kalen K räfte n Auft rieb geben den
Kräften, die sie h zur Errei chung i hrer Ziele auf G ewalt Militarismus und Ter ror s tützen , besonders in Lat einam erika
Der
Radikali smus wir d unw iderst ehlich ersch einen; hing egen werden
sich die Kräfte der M äßigun g und d er De mokrat ie en tmuti gt fühlen. AI 1 die Lander Latein amerika s, di e sich schw erwie genden
inneren Wirtscha ftspr obleme n gegen übers ehen, würde n erl eben,
wie die radikale n Ele mente bei der Ausn ützung dies er Pr obleme
zu ihren eigenen dest ruktiv en Zwec ken n euen M ut sc höpfe n.
Auße rdem wur de ein kommu nistische r Sieg in Ni carag ua weltweit Fol gen für die Pol itik der USA n ach si ch zie hen. in den
Augen un sere r Gegner, d ie un s auf die Probe stell en wo llen,
würde er uns ere Glaubwü rdigk eit schwe r erschütter n, un d ebenso
würde es uns bei denjen igen ergehen, die si ch an allen Ecken
und Ende n de r We lt auf unser e Unterst ützung in ih ren K ämpfen
gegen di e Ty rann ei verl assen
Wenn d ie Dem okrati ebest rebungen
in Nicar agua aus gelösch t wer den, wo d ann we rden w ir no ch behaupten könn en, daß wir sie fördern u nd unt erstüt zen? Wenn
ein bewa ffne ter Aggress or vo r unserer eigen en Hau stür seinen
Willen h aben kan n, trot z des gewaltig en Wid erstan ds ge gen ihn
im In- u nd i m Au sland, wie w erden wir dann in wei t ent fernteren Gege nden gla ubwürdi g unseren Ruf wahren könne n, da ß wir
Aggresso ren absc hrecken ?
Die aus beiden Parteien zusammengesetzte Kissinger-Kommission hat in ihrem 198A erschienenen Bericht die möglichen Folgen eines Versagens unsererseits bei der Eindämmung des gegenwärtigen Konflikts in Mittelamerika drastisch geschildert.
Ihres Erachtens würden dies die Konsequenzen sein:
- "Eine Reihe von Entwicklungen, deretwegen wir uns gezwungen sehen könnten, enorme Mittel zur Verteidigung der südlichen Zugänge zu den Vereinigten Staaten einzusetzen, was
unsere Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen anderswo einschränken würde..."
"Eine starke Vermehrung der Zahl marxistisch-leninistischer Staaten und infolgedessen eine Zunahme der Gewalt,
Vertreibung und politischer Unterdrückung in der Region."
"Die Erosion unserer Fähigkeit, weltweit Entwicklungen beeinflussen zu können, weil der Eindruck entstehen würde,
- 10 -

�entstehen würde, daß wir nicht einmal imstande waren,
wichtige Entwicklungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu beeinflussen."
Wessen Vision?
Damit komme ich zu meinem abschließenden Argument. Auf
lange Sicht ist die Debatte über die militärische Hilfe für
den nicaraguanischen Widerstand keine Angelegenheit der Parteienpolitik. Es ist dies vielmehr eine Debatte darüber, welche moralischen und politischen Grundsätze bei der Gestaltung
der Zukunft dieser Hemisphäre gelten sollen, eine Debatte darüber, wessen Vision es gestattet werden soll, den Sieg davonzutragen. Eine Vision - die Vision der Demokraten in ganz
Nord-, Mittel- und Südamerika - ist die des wirtschaftlichen
Fortschritts, der freien Institutionen, der Rechtsstaatlichkeit. Die andere ist die Vision von zwei, drei, vielen Nicaraguas - eine Hemisphäre der brennenden Kirchen, der eingestellten Zeitungen, der zermalmten Opposition.
Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande
sein, die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern. Werden wir zusehen, wie die Hemisphäre von den
Kräften des Totalitarimus als Geisel genommen wird? Das ist
die Frage, die der Kongreß beantworten muß. Im Interesse der
Sicherheit des eigenen Landes und auch im Interesse der jungen
demokratischen Nationen, die von uns Unterstützung erhoffen,
sollten wir den Menschen in Nicaragua das geben, was sie in
ihrem Kampf für die ihnen von Somoza vorenthaltenen und dann
von einer bewaffneten kommunistischen Minderheit weggenommenen
Freiheiten brauchen.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
%

Information

^

19. März 1986

11

DR. JAMES C. FLETCHER ALS NASA-ADMINISTRATOR NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat Dr. James
C. Fletcher gebeten, die Leitung der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erneut zu übernehmen. Sobald der Senat die
Berufung bestätigt hat, wird Dr. Fletcher (66) das Amt antreten, das er von 1971 bis 1977 schon einmal innehatte. Er löst
Dr. James M. Beggs ab, der vor einigen Monaten auf eigenen
Wunsch von seinen Aufgaben entbunden wurde und im Februar 1986
offiziell zurücktrat. Die kommissarische Leitung hatte Dr.
William Graham.
Dr . Fleteher erk lärt e sich ber eit, das Amt nur zu übernehmen, s ofern kein and erer geeig nete r Kandida t gefun den werde.
Sein Z ögern beru he, wie er in eine m In tervi ew mit der New York
Times (6. Mä rz 1 986) erk lärte, kei nesw egs a uf fina nzie llen Erwägung en. A m me iste n fa lle fü r ih n in s Gew icht, d aß e r dann
seine Berate rtät igke it i m Rahm en d er " Strat egische n Ve rteidigungsi nitiat ive" (SD I) a ufgebe n mü sse. Seh on vor läng erer
Zeit w ar unt er d er L eitu ng Fle tche rs f ür da s Weiße Hau s und
das am erikan isch e Ve rtei digung smin iste rium ein Ber icht über
die te chnisc he D urch führ barkei t ei nes solch en Vert eidi gungssystems ausgea rbei tet word en. G egen wärt ig is t er In habe r des
Whitef ord-Le hrst uhls für Techn ik u nd E nergi eressou rcen an der
Univer sität Penn sylv ania . Als ing enie urtec hnische r Berater
ist er in de r In dust rie sehr g efra gt.
Seine Kollegen und Freunde waren stets sicher, daß die
Probleme, denen sich die NASA infolge des CHALLENGER-Unglücks

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�CHALLENGER-Unglücks vom Januar gegenübersieht, Fletcher nicht
davon abhalten werden, die Leitung der NASA wieder zu übernehmen. "Er ist ein Mensch, der es liebt, gefordert zu werden",
sagte ein langjähriger Mitarbeiter. "Er ist ruhelos und dynamisch und will ständig neue Welten erobern."
Das erste Projekt in der bemannten Raumfahrt, das in der
ersten Amtszeit Fletchers durchgeführt wurde, war das SKYLABProgramm. Drei Astronautengruppen verbrachten damals insgesamt 172 Tage in der als Laboratorium eingerichteten Station,
die die Erde umrundete. Weitere Höhepunkte waren das AP0LL0SOJUS-Projekt, als im Jahr 1975 ein amerikanisches und ein sowjetisches Raumschiff in der Erdumlaufbahn zum Rendezvous kamen und aneinanderkoppelten, sowie das Projekt VIKING mit der
Landung von unbemannten Sonden auf dem Mars.
Getreu seiner Überzeugung, daß Raumfahrtprogramme finanziell tragbar und vom wissenschaftlichen wie technischen
Standpunkt aus lohnend sein sollen, kündigte Fletcher Ende
1971 Pläne für einen "wiederverwendbaren Raumtransporter" an,
der wie eine Rakete starten, wie ein Raumschiff in die Umlaufbahn eintreten und wie ein Flugzeug landen werde.
James C. Fletcher wurde am 5. Juni 1919 in Misburn, New
Jersey, geboren. Es entsprach der Familientradition, daß er
Physik studierte - zunächst an der Brigham Young University in
Provo, Utah, dann an der Columbia University in New York.
Nach der Graduierung zum "Bachelor of Arts" im Jahr 1940 war
er für Forschungsprojekte der amerikanischen Marine tätig, anschließend als Dozent an der Princeton University. Im Jahr
1948 wurde er am California Institute of Technology mit einer
Arbeit aus dem Gebiet der Physik promoviert.
Noch im gleichen Jahr ging Fletcher in die Luft- und Raumfahrtindustrie, wo er zunächst für die Hughes Aircraft Company
und dann für die Romo-Wooldridge Corporation tätig war. Zehn
Jahre später gründete er zusammen mit einem Kompagnon ein eigenes Unternehmen, die Space Electronics Corporation. Als
dann 1960 diese Firma mit der Aerojet-General Corporation fusionierte, wurde Fletcher Präsident des neuen Unternehmens,
später (von 1961 - 1964) Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Im Jahr 1964 nahm er das Angebot der Universität von Utah
an, deren Präsident zu werden, und löste alle Verpflichtungen
in der Industrie. 1971 holte ihn Präsident Nixon als neuen
NASA-Administrator nach Washington. Dort war er außerdem zunächst Berater, später Mitglied des Präsidialbeirats für Wissenschaft. Mehrere Organisationen aus dem Gebiet von Luftund Raumfahrt beriefen ihn in ihren Vorstand. Fletcher ist
verheiratet und hat drei Töchter.
* * * * * *

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

19. März

11

1986

BESUCHER BEIM KOMETEN HALLEY
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufkläruna" -

- (AD) - "Dieses Mal sind wir zum Kometen gekommen", äußerte begeistert der amerikanische Astrophysiker Carl Sagan
aus New York, als er im Kontrollzentrum für die VEGA-Sonden in
Moskau im Kreis von Kollegen aus aller Welt das Eintreffen der
ersten "Innenaufnahmen" vom Halleyschen Kometen miterlebte.
Die sowjetische Sonde VEGA 1 funkte die Farbbilder. Sie zeigten den Kern im vorderen Teil des Kometenkopfes aus ca. 9 000
km Abstand. Damit hatte die aufregendste Phase der 1981 ins
Leben gerufenen Aktion "International Halley Watch" begonnen.
Unge fähr 1 000 Astro nome n un d Ast roph ysik er l n 50 Ländern,
unte rstü tzt v on fa st 700 Ama teur astro nome n in all en E rdteilen,
hatt en s ich z usamm engeta n, u m de n Korn eten bei sei ner Wiederkehr nac h 76 Jahre n rund um die Uhr z u be obac hten - und dies
so g rund lieh und d etaill iert , wie es ohne die heu te v erfügbaren tech nisch en Hi lfsmit tel bish er ni e mö glic h wa r. Allerding s näherte sich Komet Hai ley beim Durc hgan g 19 86 d er Erde
nur auf 62 Mi llion en Kil omet er, währe nd i m Ja hr 1 910 die gering ste Dista nz 22 ,5 Mil lion en K ilome ter betr ug. Dam it war er
dama ls z war 5 8 Mal weite r en tfer nt al s der Mond. Abe r wie in
den Jahr hunde rten zuvor gab es n och i mmer Men sehe n, b ei denen

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�bei denen das Auftauchen des immer heller werdenden Objektes
am Himmel mit dem riesigen leuchtenden Schweif Unbehagen, ja
Furcht auslöste. Gerüchtemacher hatten Hochkonjunktur - manche prophezeiten z.B. Vergiftungen durch Substanzen im Kometenschweif. Die Erde ging durch einen Teil des Schweifes hindurch. Schaden nahm niemand, aber es regnete Sternschnuppen.
Noch nie ist es gelungen, Staubkörnchen von Kometen einzufangen. Das sind jene Partikel, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen und als "Sternschnuppen" sichtbar werden.
Als ein Projekt für die neunziger Jahre ist vorgesehen, mit
Hilfe einer Instrumentensonde Proben von einem Kometen zu nehmen, zur Erde zu holen und hier zu analysieren.
Für die Hall ey-Studi en wur den Forsch ungss atelli ten d er Sowjetunio n, Europ as, Japa ns und der Verei nigte n Staa ten a ufgeboten. Es ging vor alle m daru m, d ie Exi stenz eines fest en
Kerns in nerhalb der Hüll e aus Gase n und Staub def in itiv nachzuweisen , seinen Aufbau sowie sein e Akti vität unter dem Einfluß der Sonne z u unters uchen, vie lleich t auch sich ere A nhaltspun kte für seine Zu sammen setz ung un d den Mater iever lust
infolge der Aufw ärmung i m Inne rn d es Son nensy stems zu be kommen. Da rüber hi naus wil 1 man auch die W echse lwirku ngen zwisehen St rahlung und Mate rie de r Sonne mi t der Komet enmat erie
besser e rkennen und vers tehen lern en. B eobac htunge n von der
Erde aus , vor allern auf der No rdha lbkuge 1 boten wen ig Sp ektakuläres - nicht zuletzt deshal b, w eil si ch de r Hall eysch e Komet zum Zeitpunk t seiner größt en S onnenn ähe jenseit s der Sonne
befand.
So die nten unbemannte Sonden als vorgeschobene Beobachter
Von ihnen wurden VEGA 1 und 2 am 6. und 9. März 1986, vier Tage später GI0TT0 in die "Höhle des Löwen" geschickt. Die
VEGA-Kamer as überstanden die Passage in 9 000 bzw. 8 200 km
Abstand vo m Kern. Für die Kamera von GIOTTO dagegen war das
Staubbomba rdement, das der Sonde bei Annäherung auf 640 km an
den Kern e ntgegenprasselte, zu viel. Nach der Übermittlung
von 3 500 hervorragenden Aufnahmen, die GIOTTO alle vier Sekünden zur Erde gefunkt hatte, kam plötzlich kein Bild mehr,
Dennoch si nd die Wissenschaftler, die in der Missionszentrale
in Darmsta dt das große Ereignis dieser Nahbegegnung mit dem
Kometen Ha H e y an den Bildschirmen und Anzeigetafeln zwecks
Gewinnung von Meßdaten verfolgten, vollauf zufrieden. Die
Auswertung aller Forschungsprojekte, die unter recht verschicdenen Aspe kten angelegt waren und durchgeführt wurden, geschieht in enger internationaler Zusammenarbeit.

Kometen - Reste

�Kometen - Reste von Urmaterie
Komete n si nd n ach heut iger Auf fass ung der Wis sens chaf tler
idea le Objekte , um Mat erie aus der Frü hzei t unser es S onnen system s zu studi eren . In ih nen dürf ten, von der We ltra umkäl te
"tie fgefro ren" , Elemen te k onse rvie rt s ein, aus de nen sich das
Sonn ensyst em v or c a. 4 ,5 M illi arde n Ja hren entwic kelt hat
mit einem Ster n, d er S onne , im Zen trum , um den di e ne un bi sher
und Ringen kre isen.
beka nnten Plan eten sam t eigene n Mo nden
n
Va
aber
h
s
mi
n
"k
sehe
t
de
gabu nden" a uf s ich, die
osmi
Was und wi at e , pe
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chei nbar sp orad isch, im
ode
hin rn des eder nens
ms a ufta uche n? Die Forschu ng h at he ryste
Son
Inne efunde
aß e be i Komete n so gar "Farnilien" gibt , deren
ausg lieder n, d h, w s
ie d er H alle ysch e Ko met, auf El u p s enbah nen
sie
Mitg gen.
ser
eine
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bewe andere Den ner derBr groß unkt die plan Bahn en bild et d ie So nne,
eten wie Ju pite r, Sa
en A ußen
den , Urann ei
iter seh wing t de r Komet Hai ley in de n
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h inau s, n ämli ch 5 ,1 M illiard en K i lometer.
inte Umkeh tare n Ra um
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Sein Pluto, rpun kt 1 d ih im Bere ich 23 e chen den PI anet en Ne ptun
rrei chen, u m 38 Jahr
n im Jah r 20
und er wie Er wir
en.
der
ersc
hein
hier
zu
spät
Alle diese Kometen gehören auf jeden Fall zum Sonnensystem. Bei anderen, die nach bisherigem Wissen nur einmal auftauchten, ist dies fraglich. Astrologen im "Reich der Mitte"
führten schon im Jahr 613 v. Chr. zuverlässige Aufzeichnungen
über Kometen. Knapp 400 Jahre später, 240 v. Chr., wurde in
China aufgrund der Aufzeichnungen erkannt, daß manche der rätselhaften Objekte periodisch wiederkehren. Unter ihnen befand
sich jener Schweifstern, der 2 000 Jahre später im Abendland
nach Edmond Halley bekannt wurde.
Dies em engl ischen Mat hema tiker und N atur forsche r, Sc hüler
Isaa c Newtons, war es als ers tem g elunge n, d ie Bahn eine s Komete n zu berech nen. Hall ey s tudie rte Au fzei chnunge n übe r alle
seit dem 14. Ja hrhund ert beob achte ten Ko mete n. Dab ei fi el die
Ä'hnlichk eit der Bahne n vo n dr ei Sc hweifs tern en auf, die im AbHand elte es
stan d vo n 76 bz w. 75 Jahr en e rschi enen w aren
sich wom öglich um ein und den selbe n Korne ten, dessen Auft auchen
Hall ey i m Jahr 1682 s elbs t mi terle bte? Er b estimmt e sei ne
Bahn in Form ei ner El lips e, i n der en ein em B rennpun kt di e Sonne 1 iegt und sa gte se ine Wied erkeh r für das Jahr 17 58 vo raus.
Die Prop hezeihu ng Hai leys , der 1742 starb, t raf ein . Nur in
bezu g au f die g roßte Sonn ennä he un d dami t di e Phase der stärksten Hei ligkeit hatte er sich um e in paa r Monate ge irrt.
Zur Zeit wandern schätzungsweise 170 Kometen im Sonnensystem. In der Tiefe des interplanetaren Raumes sind sie nur an
einem schwachen Leuchteffekt infolge der Reflexion von Sonnenlicht am festen Kern auszumachen. In einer Sonnenentfernung,
- 3 -

�einer Sonn enentfernu ng, di e ung efähr der Umla ufba hn de s Planeten J upite r entspricht, be ginnt Kern mater ie z u su blimi eren,
d.h. Teile davon geh en dur ch ei ne ge wisse Erw ärmu ng vo m festen
direk t in den gasför migen Zusta nd üb er. Auch Sta üb wi rd freigeset zt. Die Gasmol eküle um de n Ker n beg inne n un ter L ichtanregun g zu fluoreszie ren. Durch die Wirku ng d er u ltrav ioletten
Sonne nstra hlen bei t iefere m Vor dring en zu m Ze ntru m wir d Wasserda mpf d issoziiert , d.h. in W asser Stoff und Sau ersto ff aufgespa lten. Die nebe lig-fa serig e Gashülle um den feste n Kern
wachs t. Sonnenwind und Ko rpusk ulars trahl ung von der S onne
ionis ieren Gasmolekü le der Hüll e. T eilwe ise werd en si e auch
wegge blase n, so daß sich e in Sc hweif ausb ilde t, d er du rch
Nachs chub aus dem Ko metenk opf 1 angsa m grö Ger wird . Staubteilchen werde n mitgeris sen. Meist ist der S chwe if m ehrst rahlig
ausge bilde t, wobei z wische n ein em ge krümm ten Ante il mi t hoher
Staub konze ntration u nd ein em eh er ge radli nige n PI asma- Anteil
aus i onisi erten Gase n unte rschi eden werde n ka nn. Für beide
Kompo nente n gilt: S ie sin d inf olge des a nstr ömen den S onnenwinde s, de s Licht- und Str ahlun gsdru cks d er S onne von dieser
fortg erich tet.
Ab er w ie entst ehen , woher k omme n Korn eten? D er holl andische Ast ronom Ja n Oo rt f ormul iert e im Jahr 195 0 eine Hypothese, der zufolge sie aus einer "Wo lke" von Über resten des Nebels s tamm en könnt en, aus dem S onne und Planeten konden sierten, u nd d ie unser Son nens ystem wie eine Schale umgibt. Thre
Entfer nung zum Zen trum kön ne 30 000 , vielleicht sogar 1 00 000
AE bet rage n, was e inem hal ben b is e inein halb Lic htjähre n entsprach e. ("AE" is t die as trono misc he Me ßeinheit , die auf der
mittle ren Entfernu ng E rde- Sonne = 149,6 Millione n km - basiert. ) Nach der (Dortsche n Hyp othe se wä re es de nkbar, daß
sich u nter der Gra vita tion seinw irku ng vo rbeizieh ender g rößerer
Objekt e Klumpen au s dieser Wölk e lösen. Manche treiben weiter
ins AI 1 hinaus, an dere gel angen auf eine n Kurs, der ins Innere
des So nnen Systems führ t. Deren wei teres Schicks al häng t dann
von vi elen Faktore n ab , bei denen e rneut Gravita tionsei nflüsse
und ni cht zuletzt die Stru ktur des "schm utzigen Schneeb alls"
eine R olle spielen
S0 bezeichne te de r am erika nische Astro physi ker F red
Whipp le 19 50 als erst er d ie Ko meten, die e r als Zusa mmenballunge n von Wasse reis, gef roren en Gase n und mete oriti schem Materia 1 aus Staub und Gest einsb rocken sieht
Sp ektra luntersuchu ngen haben dies best ätigt
Bei Annäh erung an d ie Sonne
setzt , wie schon erwä hnt, Subl imation ein. Ang esich ts der beobach teten Turbu lenze n in den leuchte nden Masse n und der jüngsten Erfah rungen mit GIOT TO un d den V EGA-S onden sehe int dies
auch explo sionsa rtig zu g esche hen, wo für d ie kr assen Unterschie de de r Stau bkonz entr ation en in d er Ga shüll e des Kometen
Halle y spr echen. Sol che Ausbr üche, d ie de m Gas strah 1 aus ei-

�aus einer Raketendüse vergleichbar sind, können sogar Richtungsänderungen des Kometen zur Folge haben. Dabei wird natürlich Materie vom festen Kometenkern "verbraucht". Gleichzeitig verdichtet sich der Staubmantel um den Kern, der zusammen mit der Gashülle den Kometenkopf bildet.
Intensive Beobachtungen seit Dezember 1985
Die Intensivphase der Beobachtung des Halleyschen Kometen
begann im Dezember 1985 und dauert bis Mitte April 1986. Er
bewegt sich gegenläufig zur Erde und zu den anderen Planeten.
Die Tatsache, daß seine Ellipsenbahn zur Erdumlaufbahn um 18
Grad geneigt ist, kompliziert den Anflug von Sonden. Deshalb
wurde das Rendezvous von VEGA 1 und 2, von GIOTTO ebenso wie
das der japanischen Sonden SUISEI und SAKIGAKE in 154 000 km
bzw. 7 000 000 km Abstand vom Kern auf die Tage im Monat März
1986 gelegt, in denen der Halleysche Komet sich in einer Position befand, wo die Ebene seiner Bahn die Ebene der Planetenbahnen schneidet. So hielt sich der Energieaufwand für die
Kurssteuerung der Halley-Sonden in Grenzen.
Die SUISEI-Messungen sollen helfen, die Sublimationsrate
des Kerns und damit den Masseverlust des Kometen während einer
Sonnenumrundung zu ermitteln. Mit Hilfe von SAKIGAKE will man
vor allem Geschwindigkeiten, Dichte und Temperaturen des Sonnenwindes erforschen, der dem Kometen entgegenströmt. GIOTTO
sollte u.a. mit Massenspektrometern die Zusammensetzung des
aus dem Kern freigesetzten Staubes analysieren helfen. Andere
Instrumente untersuchten Gasmoleküle und Ionen in der "Koma",
der hellscheinenden Hülle um den Kern, sowie das Magnetfeld um
den Kometenkopf.
Für diese speziellen Projekte hatte ICE Pfadfinderdienst
geleistet und deshalb eine unschätzbar wertvolle Hilfe bedeutet. Dieser vor neun Jahren gestartete NASA-Forschungssatellit bestritt am 11. September 1985 das erste Rendezvous mit
einem Kometen, das es in der Geschichte der Raumfahrt gab.
Nach sorgfältig vorbereiteten Kursänderungen, für die auch die
Gravitationskraft des Mondes genutzt wurde, passierte ICE, zur
Kometensonde umfunktioniert, den Kometen Giacobini-Zinner an
der "Nahtstelle" zwischen Kopf und Schweif, ca. 8 000 km vom
Kern entfernt. Die von ICE übermittelten Meßdaten, aber auch
die Erfahrung, daß eine Sonde ein solches Wagnis überleben
kann, erleichterte die endgültige Programmplanung für die
Halley-Sonden bis hin zu deren Navigation in den letzten Stadien des Anfluges.
Ende März wird ICE durch Messungen in 31 Millionen Kilometern Abstand vom Kometen Halley sowohl die Untersuchungen der
- 5 -

�Untersuchungen der internationalen Sonden als auch die der
amerikanischen Forschungssonden SOLAR MAX und PIONIER 12 weiter ergänzen. Infolge der inzwischen wieder größeren Sonnenentfernung ging die Aktivität des Kometen bereits zurück, was
die Sublimationsrate beeinflußt.
Sowohl der Sonnenforschungssatellit SOLAR MAX als auch die
Venussonde PIONIER 12 wurden nur vorübergehend zur Beobachtung
des Halleyschen Kometen umdirigiert. Aus seiner Umlaufbahn um
die Erde untersuchte SOLAR MAX von Anfang Januar bis März 1986
z.B. den Einfluß des Magnetfeldes der Sonne sowie von Sonnenwind und Sonnenfackeln auf den Kometen. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis der Reaktionen zwischen der von
der Sonne ausgestoßenen Materie und solarer Strahlung einerseits und der Kometenmaterie andererseits geleistet.
PIONIER 12 umkreist als künstlicher Satellit den Planeten
Venus. Das verschaffte der Sonde einen Logenplatz, um den
Halleyschen Kometen in der Zeit seiner größten Annäherung an
die Sonne (Perihel) als einziges Forschungsgerät direkt zu beobachten. Dieser Punkt wurde am 9. Februar 1986 erreicht, der
Abstand des Kometen zur Sonnenoberfläche betrug 88 Millionen
Kilometer. PIONIER 12 war dabei vom Kometen, der sich im Raum
zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Merkur und Venus befand, 43 Millionen Kilometer entfernt. Seit dem 6. März ist
PIONIER 12 wieder frei für seine eigentliche Aufgabe, die Sondierung der Venus und ihrer dichten Wolkenhülle.
Beobachtungen mit PIONIER 12
Erste Auswertungsergebnisse von den Meßdaten des amerikanischen Forschungssatelliten PIONIER 12 bei der Beobachtung
des Halleyschen Kometen liegen inzwischen vor. Sie besagen
u.a.:
- Die Sublimation von Wassereis aus dem Kometenkern schwankt
außerordentlich stark. Zwischen dem 2. und 5. Februar lag
sie bei 35 bis 40 Tonnen pro Sekunde. Unmittelbar nach
dem Durchgang durch das Perihel am 9. Februar wurde sie
auf 70 Tonnen pro Sekunde geschätzt. Am 18. Februar sank
sie plötzlich auf 30 t/sec ab, um aber tags darauf wieder
fast 70 t/sec zu erreichen. Dies lasse, laut Dr. Ian
Stewart (Boulder, Colorado), der für das PIONIER-Projekt
verantwortlich ist, auf einen ganz unregelmäßigen Aufbau
des festen Kerns schließen. (VEGA 1 und 2, vor allem aber
die GIOTTO-Messungen, haben dies inzwischen bestätigt.)
- Der Kometenkern ist von einer riesigen Wolke von atomarem
Wasserstoff umgeben. Sie entsteht durch die Spaltung
- 6 -

�die Spaltung (Dissoziation) von Wassermolekülen unter der
Einwirkung der ultravioletten Strahlung (UV-Licht) von der
Sonne. Ihr Durchmesser dürfte mehr als 20 Millionen Kilometern, ihre Länge mehr als 30 Millionen Kilometer betragen. Erst mit Hilfe des UV-Spektrometers an Bord von
PIONIER 12 war ihre tatsächliche Ausdehnung zu erfassen.
Sie ist mindestens 20 mal größer als der Kometenkopf auf
Fotos erscheint, die im sichtbaren Licht gemacht wurden.
Die Dichte der eiförmigen Hülle nimmt von innen nach außen
ab. Sie besteht aus konzentrischen Schichten verschiedener Elemente wie Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel und
Wasserstoff. Dies sind Hinweise auf die Zusammensetzung
des Kometenkerns. Wie Stewart weiter berichtete, scheinen
Kometen mehr Kohlenmonoxyd zu enthalten, als bisher angenommen wurde. In diesem Zusammenhang seien Meßdaten vom
Planeten Uranus, die VOYAGER 2 im Januar 1986 übermittelte, von besonderem Interesse. Sie zeigen erheblich höhere
Kohlenmonoxydwerte an als erwartet.
Die Sublimationsrate vor und nach der Perihelphase ermöglicht laut Dr. Stewart auch genauere Rückschlüsse auf
die Rotation des Kometen. Sie wurde bisher auf eine Umdrehung in zwei Tagen geschätzt. Gute Anhaltspunkte liefere die Freisetzung von Eis aus dem Kern. Durch die
Energieaufnahme von der Sonne verstärkt sich die "Helligkeit" der Wasserstoffatome bei Betrachtung im UV-Licht auf
das 30fache, so daß solche Helligkeitsausbrüche, über einen längeren Zeitraum beobachtet, Hinweise auf die Rotation geben könnten.
Hohe Wasserdampfentwicklung durch Sublimation lassen darauf schließen, daß es sich beim Kometen Halley um einen
verhältnismäßig jungen Kometen handle. Er dürfte mindestens weitere 400 Perioden hinter sich bringen, d.h. noch
in 30 000 Jahren seine Bahn ziehen, bis seine Kernmaterie
weitgehend verbraucht sei. Die Mengen von Wasserdampf,
die nach dem Periheldurchgang erzeugt würden, ließen, so
Stewart, Rückschlüsse auf die Dicke des Staubmantels um
den Kern zu. Dies wiederum sei in Indiz für sein Alter je stärker verkrustet und weniger durchlässig der Mantel,
desto älter ist der Komet.

* * * * *

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt Kongress auf Verabschiedung der Contra-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehrede des Präsidenten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nicaraguanische Widerstandsbewegung braucht US-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. James C. Fletcher als NASA-Administrator nominiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Besucher beim Kometen Halley&lt;br /&gt;- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufklärung" -&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 6 . März 1986

12

I N H A L T

DOKUMENTATION
Weinberger;

Sowjetische SS-25-Rakete verletzt SALT I und II

- Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1986" -

Nitze;

Verbündete unterstützen SDI-Forschung

- Rede vor der Vereinigung für Verteidigungsbereitschaft -

Abrahamson;

Bündnisstaaten wünschen verstärkt Mitarbeit an

SDI-Forschung
- Pressekonferenz in Würzburg -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wahrheit über Drogen - eine wirksame Waffe
- Neue UN-Konvention soll Zerschlagung der Händlerkartelle
erleichtern -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

26. März 1986

12

Weinberger:

Sowjetische SS-25 verletzt SALT I und II

- Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1986" -

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Weinberger schreibt in seinem Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1986", daß die Sowjetunion
mit der Stationierung neuer Interkontinentalraketen vom Typ SS-25 im vergangenen Jahr "die Welt mit weiteren Beweisen für ihr intensives Streben
nach militärischen Offensivwaffen konfrontierte, mit denen sie ihre politischen Ziele gegenüber dem Westen zu unterstreichen in der Lage sind".
Die Stationierung der SS-25 verletze den SALT II-Vertrag und die Art und
Weise der Aufstellung liefe SALT I zuwider.
Das Vorwort hat folgenden Wortlaut:
Bereits bei seiner Einführung im Jahr 1981 hat "Die sowjetische Militärmacht" sofort die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen
und wurde als ein ausführlicher, ehrlicher und zuverlässiger Bericht über
militärische Entwicklungen innerhalb der sowjetischen Streitkräfte betrachtet. Der Bericht lieferte Informationen, die von den Sowjets selbst
nicht zugänglich gemacht werden. Aufeinanderfolgende Ausgaben haben detailliert die laufenden Entwicklungen auf militärischem Gebiet in der Sowjetunion beschrieben und stützten sich dabei auf die Meinung, daß freie
und informierte Menschen überall am besten die Vorzüge und Programme be-

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�Programme beurteilen können, die ihre Regierungen erarbeitet haben, um
der sowjetischen Herausforderung zu begegnen - einer Herausforderung, der
sich alle freien Nationen gegenübersehen.
Im Gegensatz zu den Bürgern der Sowjetunion können die Völker demokratischer Nationen ihr Recht ausüben und Entscheidungen ihrer jeweiligen
Regierungen in Frage stellen. Die Entscheidungsfindung in der Sowjetunion unterliegt jedoch keiner Überprüfung oder Erörterung durch die Öffentlichkeit. Die sowjetische Führungsspitze kann einen großen Prozentsatz des Bruttosozialprodukts für Verteidigungsprogramme ausgeben - ein
Preis, den keine westliche Nation zu zahlen bereit wäre oder sich in
Friedenszeiten aufbürden müßte. Die Gewinne, die sich daraus für das sowjetische Militär ergeben, können nicht übersehen oder ignoriert werden
und sollten im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Sicherheit der
freien Welt betrachtet werden. Um jetzt und in den nächsten Jahren ein
vollständiges und genaues Urteil über die sowjetische Herausforderung zu
ermöglichen, liefert die nun vorliegende Ausgabe von "Die sowjetische Militärmacht" Informationen über Trends beim sowjetischen Militär.
Mit der anfänglichen Stationierung mobiler Interkontinentalraketen
(ICBM) vom Typ SS-25 in einsatzfähigen ICBM-Regimentern im Jahr 1985 konfrontierte die Sowjetunion die Welt mit weiteren Beweisen für ihr intensives Streben nach militärischen Offensivwaffen, mit denen sie die politischen ziele der Sowjetunion gegenüber dem Westen zu unterstreichen in
der Lage ist. Die Stationierung der SS-25 verletzt SALT II und die Art
und Weise der Aufstellung läuft SALT I zuwider.
Die Einführung der neuen, in hohem Maße überlebensfähigen und mobilen
SS-25-Raketen der fünften Generation begann, als die Stationierung der
silogestützten SS-18 Mod 4 Interkontinentalraketen der vierten Generation
ihrem Ende zuging. Gleichzeitig wurden die Testabschüsse der auf Schienen fahrbaren SS-X-24-lnterkontinentalraketen der fünften Generation
fortgeführt. Vorbereitungen sind auch für Testflüge dreier Interkontinentalraketen der Zukunft im Gange, die auf den Fähigkeiten der vierten
und fünften Generation aufbauen. Bis Mitte der neunziger Jahre werden
fast alle der im Augenblick von der Sowjetunion stationierten strategischen nuklearen Angriffswaffen - Interkontinentalraketen (ICBM), unterseebootgestützte ballistische Raketen (SLBM) und bemannte strategische
Bomber - durch neue, ausgefeiltere strategische Kernwaffensysteme ersetzt
worden sein.
Gleichzeitig mit den offensiven strategischen Entwicklungen des Jahres 1985 ist die Sowjetunion bei ihren modernen strategischen Verteidigungssystemen weitergekommen. Die Konstruktion von neuen Uber-HorizontRadarsystemen und von Radargroßanlagen mit phasengesteuerter Abtastung,
die in der Lage sind, mit verbesserter Genauigkeit mehrere Ziele aufzufinden, wurde fortgeführt. In dem rings um Moskau in Stellung gebrachten
Raketenabwehr- oder ABM-System befanden sich zwei neue Klassen von silogestützten Abwehrflugkörpern im fortgeschrittenen Teststadium. Noch
wichtiger ist die Tatsache, daß weiterhin Forschungsarbeiten durchgeführt
- 2-

�Forschungsarbeiten durchgeführt wurden, die für die Errichtung eines landesweiten ABM-Systems notwendig sind. Im Jahr 1985 hat die Sowjetunion
weiter an modernen strategischen Veteidigungs- und Weltraumprogrammen gearbeitet, die sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Hochenergielasern, wuchtabhängigen Waffen, Hochfrequenzwaffen und Teilchenstrahlwaffen
beschäftigten. Diese Programme haben bereits bodengestützte Laser im
Entwicklungsstadium hervorgebracht, die gegen Satelliten eingesetzt werden können. Bis Mitte der achtziger Jahre wird die Sowjetunion wohl soweit fortgeschritten sein, daß sie Laser zum Abschuß von Raketen im Flug
testen wird.
In den vergangenen fünf Jahren haben aufeinanderfolgende Ausgaben von
"Die sowjetische Militärmacht" das fortschreitende Wachstum und die Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte aufgezeigt, quer durch das gesamte Spektrum der Strategischen Raketen-Streitkräfte, Land-, Luft- und
Seestreitkräfte und der Luftabwehrstreitkräfte.
- im Laufe dieser fünf Jahre sind die sowjetischen Landstreitkräfte erheblich ausgeweitet worden und das Konzept der Verwendung großer
Landstreitkräfte-Einheiten, die fast zweimal so groß wie Panzer-Divisionen sind, wird zur Zeit daraufhin untersucht, ob Operationen
schnell und in großem Stil durchgeführt werden können.
- Kampfpanzer vom Typ T 64, T 72 und T 80 wurden dem sowjetischen operativen Bestand von etwa 52 600 Panzern in einer Größenordnung von
etwa 2 300 Panzern pro Jahr hinzugefügt.
- Seit 1981 hat die Sowjetunion etwa 3 800 neue Jagdflugzeuge und Abfangjäger für ihre Luftstreitkräfte und 47 neue Uberwasserkampfschiffe für ihre expandierenden Seestreitkräfte produziert.
- Die Anzahl der stationierten, mobilen SS-20-Abschußeinrichtungen, deren Raketen mit drei Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgestattet sind,
hat sich von 250 im Jahr 1981 auf 441 im Jahr 1985 erhöht, was eine
Zunahme von 750 auf 1 323 nukleare Gefechtsköpfe darstellt, wobei
weitere Gefechtsköpfe auf Nachladeflugkörpern zur Verfügung stehen,
die bereitstehen, Ziele in Europa, dem Mittleren Osten und Asien auf
Entfernungen bis zu 5 000 Kilometern anzugreifen.
Im Hinblick auf die Zukunft gibt es keine Anzeichen dafür, daß Moskau
den Prozentsatz der Mittel verringert, die für die sowjetischen Streitkräfte bereitgestellt werden, oder etwa die industriellen Fähigkeiten,
die für die fortlaufende Modernisierung der Streitkräfte aufgewendet werden: die Forschung und Entwicklung sowie den Diebstahl westlicher Technologie, die für Generationen von Waffensystemen benötigt wurden, oder
den Einsatz für verbesserte Bereitschaft, Mobilität und Ausdauer zur Unterstützung sowjetischer Truppen sowie die fortgesetzten Machtdemonstrationen außerhalb der sowjetischen Grenzen. Durch jede einzelne dieser
Maßnahmen wächst die sowjetische Militärmacht weiter an
•
Entwicklungen im
- 3 -

�Entwicklungen im vergangenen Jahr:
- Die Sowjets haben, zusätzlich zur Stationierung der SS-25, weiterhin
die schienenfahrbaren Interkontinentalraketen SS-X-24 getestet.
- Das vierte TYPHOON-Unterseeboot und das dritte Unterseeboot der DELTA
IV-Klasse, beide mit strategischen ballistischen Raketen ausgerüstet,
liefen vom Stapel und vergrößern die Zahl der leistungsfähigeren und
weitreichenden SLBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) der sowjetischen Unterseeflotte. Zusätzliche Einheiten sind im Bau. Eine noch
neuere Klasse strategischer Raketen-Unterseeboote wird der Streitmacht wahrscheinlich Anfang der neunziger Jahre hinzugefügt werden.
- Zusätzliche Einheiten der neuen bemannten strategischen Uberschallbomber vom Typ BLACKJACK wurden gebaut, um an ausgefeilten Testflügen
dieses neuen Bombers teilzunehmen, die nukleare Marschflugkörper des
Typs AS-15 mit einer Reichweite von 3 000 Kilometern tragen wird.
Gleichzeitig wurden neue BEAR-H Bomber hergestellt, von denen etwa 40
gegenwärtig als Träger der AS-15 Marschflugkörper dienen.
- Die vermehrte Stationierung der strategischen luftgestützten Marschflugkörper wurde von ausgefeilten Tests see- und bodengestützter Varianten dieser Plugkörper begleitet. In den kommenden zehn Jahren
werden die Sowjets wahrscheinlich 2 000 bis 3 000 dieser nuklearen
Marschflugkörper stationieren und somit eine völlig neue Dimension
breitgefächerter, offensiver, strategischer und nuklearer Fähigkeiten
schaffen.
- Mit der fortgesetzten Stationierung der Boden-Luft-Rakete vom Typ
SA-10 und dem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium der neuen Luftabwehrraketen-Abschußeinrichtungen (SAM) des Typs SA-X-12 arbeitet die
Sowjetunion weiterhin an der landesweiten Stationierung fortschrittlicher Systeme, die nicht nur die Luftabwehrfähigkeiten gegen bemannte Bomber, sondern auch Fähigkeiten gegen Marschflugkörper und einige
Arten von Raketen besitzen.
- Der neue Flugzeugträger von 65 000 BRT der sowjetischen Marine, der
die halbe Verdrängung und Flugzeugtransportkapazität der Flugzeugträger der KIEW-Klasse hat, ist vom Stapel gelaufen und wird gegenwärtig
in Vorbereitung ihrer ersten Seeerprobungen Ende der achtziger Jahre
ausgerüstet.
- Beide Generationen sowjeticher Raumfahrzeuge sind bei ihren Testflügen mit neuen Mittellast-Startraketen, die bemannte Weltraumflugzeuge
in eine Umlaufbahn tragen können, zunehmend erfolgreich. Im Augenblick werden Tests an der Schwerlast-Startrakete durchgeführt, die
sowjetische Raumfähren und Weltraumstationen mit einer Nutzlast von
über 100 Tonnen in Umlaufbahnen bringen können.

Der Mach-2, ein

�- Der Mach-2, ein Uberlegenheitsjäger mit Allwetterfähigkeit vom Typ
Su-27/FLANKER ist einsatzfähig geworden und fällt zusammen mit dem
MiG-29/FULCRUM in die neue Generation hochentwickelter sowjetischer
Kampfflugzeuge.
In jedem Jahr hat Moskau im Rahmen seiner Kampagne, Technologie der
freien Welt auf legalem oder illegalem Wege zu erhalten, Tausende von
westlichen Ausrüstungsgegenständen und mehrere zehntausend nicht-geheimer, geheimer und gesetzlich geschützter Dokumente erhalten. Fast jedes
militärische Forschungsprojekt der Sowjets - gut über 4 000 jährlich Ende
der siebziger und über 5 000 Anfang der achtziger Jahre - profitiert von
diesen Dokumenten. Einige sowjetische Bewaffnungen und Ausrüstungen, denen eine Schlüsselposition zukommt, basieren wenigstens teilweise auf
Technologien der freien westlichen Welt. Als Beispiele hierfür mag die
look-down/shoot-down Fähigkeit der neuen Su-27/Flanker und Mig-29/Fulcrum-Kampflugzeuge dienen, die neuen Hubschrauber vom Typ Mi26/HALO,
die zum Transport von schwerem Gerät ausgerüstet sind, und die roll-on/roll-off Fähigkeit sowjetischer Handelsschiffe, die Operationen der Seestreitkräfte unterstützen. Die Aufnahme von Technologien der freien
westlichen Welt nimmt so sehr überhand, daß die Vereinigten Staaten und
andere freie Nationen faktisch die militärische Aufrüstung der Sowjetunion unterstützt haben. In der Erkenntnis dieses neuralgischen Punktes
haben die Nationen der freien westlichen Welt zusammengearbeitet, um sowjetischen Versuchen zum Erwerb westlicher Technologie entgegenzuwirken.
"Die sowjetische Militärmacht 1986" liefert eine neue, zuverlässige
Beurteilung der sowjetischen Entwicklungen in weltweiten, kriegsschauplatzgebundener und konventioneller Hinsicht, der diesen Entwicklungen
zugrundeliegenden Doktrin und der strukturen, die die sowjetischen
Streitkräfte unterstützen. Die diesjährige Ausgabe geht im einzelnen auf
die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollvereinbarungen ein
und auf die Bedrohung des Friedens, die durch die sowjetische Rolle in
regionalen Konflikten entsteht. Die Aggression der Sowjets oder ihrer
Vertreter in Afghanistan, Kambodscha, Angola, Äthiopien und Nicaragua
darf nicht außer Acht gelassen werden.
Schließlich berichtet "Die sowjetische Militärmacht 1986" über Maßnahmen und Programme der Vereinigten Staaten und über die Schritte, die
wir oder unsere Verbündeten unternommen haben, um der fortgesetzten sowjetischen Herausforderung zu begegnen. Der Bericht legt auch die zur
Modernisierung unserer nuklearen Abschreckung unternommenen Schritte dar,
die Fähigkeiten unserer konventionellen Streikräfte sowie unsere Forschungsbemühungen bei der Strategischen Verteidigungsinitiative. Wir
hoffen, daß eines Tages die Bedrohung einer nuklearen Massenvernichtung
drastisch abgebaut und schließlich ganz ausgeschaltet werden kann. Um
dieses Ziel zu verfolgen, müssen wir weiterhin alle notwendigen Schritte
unternehmen, um Frieden und Freiheit zu erhalten.

* * * * * *
- 5-

�«fc° s *&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VON"**

26. März 1986

12

NITZE:

VERBÜNDETE UNTERSTÜTZEN SDI-FORSCHÜNG

- Rede vor der Vereinigung für Verteidigungsbereitschaft -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Amerikanischen Vereinigung
für Verteidigungsbereitschaft hat der Sonderberater des Präsidenten und
des Außenministers für Abrüstungsfragen, Paul Nitze, am 18. März erklärt,
daß die Verbündeten die Beharrlichkeit Präsident Reagans bei der Forschung für die Strategische Verteidigungsinitiative sowie den amerikanischen Widerstand gegenüber sowjetischen Bemühungen in Genf, das SDIForschungsprogramm von vorneherein zu verbieten, unterstützen.
Die Rede Nitzes hat folgenden Wortlaut:
In den drei Jahren, die seit dem Beginn des SDI-Forschungsprogramms
verstrichen sind, haben Sie schon beeindruckende Fortschritte bei Ihren
Untersuchungen von Technologien erzielt, die für die strategische Verteidigung gegen einen Angriff mit ballistischen Raketen von Nutzen sein
könnten. Anläßlich dieses Essens zu Ehren derer, die heute abend für besondere technische Leistungen in bezug auf die strategische Verteidigung
ausgezeichnet werden, drücken wir unsere Anerkennung für den technischen
Erfindergeist und die Beiträge von Forschungsteams und Einzelpersonen
aus, die eine Schlüsselrolle bei diesen innovativen Forschungsbemühungen
spielen. Aufgrund der Anstrengungen ihrer wissenschaftlich-technischen
Gemeindschaft haben die Vereinigten Staaten gute Gründe für die Annahme,
daß die SDI-Technologie das Versprechen für eine machbare, überlebensfä-

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�machbare, überlebensfähige und kostenwirksame Verteidigung in sich
birgt. Sollte dieses Versprechen zur Realität werden, so werden die Vereinigten Staaten sich Elementen der Verteidigung widmen, mit deren Hilfe
ein sichereres und zuverlässigeres Mittel zur Sicherstellung von Abschreckung und weltweiter Sicherheit im 21. Jahrhundert zur Verfügung gestellt werden kann.
Technologische Innovationen, wie die von uns heute abend hier anerkannten, widerspiegeln den freien, offenen und wettbewerbsorientierten
amerikanischen Geist. Die Erzielung herausragender Leistungen in Wissenschaft und Technik, in der Kunst und im Staatsdienst hat lange Zeit unsere Bemühungen als Volk gekennzeichnet. Die gebündelte Wirkung unserer
außenpolitischen Leistungen, wie sie vorige Woche im Bericht von Präsident Reagan an den Kongreß skizziert worden sind und die Wirkung unserer
Technologie haben uns in unseren Bemühungen, eine gerechte und sichere
Weltordnung zu schaffen und zu erhalten, eine Führungsrolle einnehmen
lassen. Die Arbeit, die von uns heute abend geehrt wird, bildet eine der
Grundlagen für diese Führungsrolle in der Welt. Der fundamentale Unterschied zwischen unserer Arbeit auf dem Gebiet der Forschung für die strategische Verteidigung und ähnlicher Arbeit in der Sowjetunion wird zum
Beispiel in der seit langem von uns gespielten konstruktiven Rolle bei
der Suche nach Frieden und der Unterstützung von repräsentativen Institutionen in der ganzen Welt deutlich sowie in der defensiven Natur unserer
Verteidigungskonzeption und unserer Sicherheitsvorkehrungen.

Die Notwendigkeit von SDI
Unser Bedarf für das SDI-Forschungsprogramm läßt sich zusammenfassen,
indem wir uns kurz der Ursprünge dieses Programms erinnern. Die Rede des
Präsidenten vom März 1983 drückte seine starke Überzeugung aus, nach der
wir die Basis unserer gegenwärtigen Verteidigungskonzeption überprüfen
sollten, um herauszufinden, ob wir Aggressionen nicht dadurch abschrecken
könnten, daß wir der Verteidigung ein größeres Gewicht einräumen anstatt
uns so sehr auf die Androhung vernichtender atomarer Vergeltung zu verlassen. Diese Überzeugung reflektiert sowohl unsere Enttäuschung über
die Verschlechterung des strategischen Gleichgewichts seit der Unterzeichnung des SALT I-Vertrages als auch unsere Hoffnung, daß neue defensive Technologien negative Entwicklungen auf dem Gebiet strategischer Offensivwaffen abmildern können.
Die Vereinigten Staaten sind von der Annahme ausgegangen, daß die im
ABM-Vertrag festgelegte Begrenzung von Verteidigungsmitteln die Grundlage
für weitere Verhandlungen bilde, und diese zu bedeutenden Reduzierungen
bei den Offensivwaffen führen würde. Die Theorie war einfach: wenn beide
Seiten überlebensfähige atomare Vergeltungswaffen auf einem annähernd
gleichen Niveau besäßen und beide Seiten andererseits schutzlos gegenüber
den atomaren Fähigkeiten der jeweils anderen Seite wären, dann würde keine Seite einen Anreiz für einen Erstschlag besitzen, unter welchen Umständen auch immer. Wenn eine Seite einen Erstschlag auslösen würde.

�auslösen würde, dann könnte sie niemals hoffen, der Vergeltung des Gegners zu entgehen. Deshalb würden stabile und bedeutende Verringerungen
auf gleiche Fähigkeitsniveaus die Sicherheit beider Seiten verbessern.
Stattdessen zeigten die Sowjets jedoch wenig Bereitschaft, Maßnahmen
zuzustimmen, die zu sinnvollen Begrenzungen oder Einschnitten bei den im
Rahmen von SALT II ermöglichten atomaren Offensivpotentialen führen würden. Innerhalb des durch SALT I und SALT II gezogenen Rahmens dislozierten die Sowjets eine große Anzahl von mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten ballistischen Raketen von ausreichender Sprengkraft und Zielgenauigkeit, um die Grundvoraussetzung des SALT-Prozesses dadurch zu verletzen, daß eine reale Bedrohung für die Uberlebensfähigkeit des gesamten
landgestützten Teils des amerikanischen Vergeltungspotentials geschaffen
wurde. Das Wachstum der sowjetischen atomaren Fähigkeiten im allgemeinen
und die Asymmetrie der Gegenschlagfähigkeiten im besonderen stehen der
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten fundamental entgegen.
Zusätzlich hat die Sowjetunion ein umfassendes Programm von Forschung, Entwicklung und Stationierung einer strategischen Luftverteidigung und einer ballistischen Raketenabwehr auf der Basis gegenwärtig existierender Techniken weitergeführt. Einige Ergebnisse dieser Arbeit, zum
Beispiel das Radarsystem von Krasnojarsk, stellen eine Verletzung bestehender Rüstungskontrollverpflichtungen dar. Außerdem unternehmen die Sowjets ein energisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm zur Abwehr
ballistischer Raketen, das auf fortschrittlichen Technologien basiert.
Bezeichnenderweise haben sich die Sowjets jahrelang mit Forschungsund Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Laserwaffen, Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen und Waffen mit kinetischer Energie für eine
landgestützte und raumgestützte strategische Verteidigung beschäftigt.
Dies sind einige derselben Technologiebereiche, in denen Sie das SDIForschungsprogramm untersuchen und gegen die die Sowjetunion eine massive
Propagandakampagne eingeleitet hat. Die sowjetischen Arbeiten in diesen
Bereichen erstrecken sich klar auf angewandte Forschung und Entwicklung
und nicht nur auf Grundlagenforschung, wie sie uns glauben machen wollen. Das sowjetische landgestützte Laser-System in Sary Shagan, zum Beispiel, könnte potentiell sowohl für eine Abwehr ballistischer Raketen als
auch für Antisatelliten-Operationen angewendet werden.
Wir sollten uns nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß die sowjetischen Offensiv- und Defensivfähigkeiten reale Bedrohungen für die
Sicherheit des Westens darstellen. Unsere Arbeit hinsichtlich SDI ist
weitgehend eine Reaktion auf das unverminderte Anwachsen dieser Bedrohung, insbesondere während der letzten 20 Jahre. In SDI sehen wir sowohl
neue Fähigkeiten als auch einen neuen Ansatz zur Korrektur des sich verschlechternden strategischen Gleichgewichts.
Unsere Zustimmung zum ABM-Vertrag basierte auf der Einsicht, wonach
jede Verteidigung - nach dem damaligen Stand der Technik - durch zusätz-

�durch zusätzliche Offensivsysteme überwunden werden konnte, zu geringeren
Kosten, als dies mit der zusätzlichen Bereitstellung von ausgleichenden
Verteidigungssystemen der Fall wäre. Heute gibt es jedoch neue Technologien, die unsere Ansichten über die Kostenwirksamkeit von strategischen
Verteidigungssystemen umkehren könnten. Das Zielüberlappungsexperiment
(Homing Overlay Experiment) stellt ein Symbol dafür dar, daß neue Technologien auf das Gebiet strategischer Verteidigungssysteme anwendbar sind.
Vor 15 Jahren war für eine ABM-Abfangvorrichtung ein nuklearer Gefechtskopf notwendig, um einen ankommenden Flugkörper beim Eindringen in die
Atmosphäre zu vernichten. Erst vor zwei Jahren demonstrierte das Zielüberlappungsteam die Fähigkeit, einen eindringenden Flugkörper durch präzises Abfangen und direktes Auftreffen zu zerstören.
Wenn die SDI-Forschung die Machbarkeit von überlebensfähigen und
kostenwirksamen Verteidigungssystemen beweist, dann werden die Vereinigten Staaten die Möglichkeit haben, die Führung des SDI-Programms zu überprüfen. Wenn wir an diesem Zeitpunkt angelangt sind, werden wir, nach
Konsultationen mit unseren Verbündeten, mit der Sowjetunion diskutieren
und, wenn notwendig, über Veränderungen im strategischen Verteidigungssystem im Einklang mit den Artikeln XIII und XIV des ABM-Vertrages verhandeln. Diese Möglichkeit enthält das Versprechen, daß das strategische
Gleichgewicht wieder in einer Weise stabilisiert werden kann, die die Sicherheit des Westens mit größerem Vertrauen bis ins nächste Jahrhundert
erhalten wird. Zusätzlich hat die Möglichkeit einer erfolgreichen SDIForschung eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Sowjets an den Genfer
Verhandlungstisch zurückzubringen, wo wir versuchten und und immer noch
versuchen, strategisch bedeutsame Reduzierungen bei offensiven Atomwaffen
zu erreichen.

SDI und die Genfer Verhandlungen
Die Vereinigten Staaten haben sich voll und ganz dem SDI-Forschungsprogramm verpflichtet, das in völliger Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt wird. Bei den Genfer Verhandlungen über nukleare und
Weltraumwaffen wollen die Vereinigten Staaten das Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung diskutieren und gemeinsam mit der Sowjetunion herausfinden, wie ein gemeinsamer Übergang zu einem mehr auf Verteidigung
gestützten System erzielt werden kann, sollten sich Defensivtechnologien
als realisierbar erweisen.
In der vierten Verhandlungsrunde gab es in der sowjetischen Haltung
zum Thema Verteidigung und Weltraum keine nennenswerte Bewegung.
Gorbatschows Vorschlag vom 15. Januar enthielt keine Hinweise auf einen
Umschwung ihres Beharrens auf einem Verbot von SDI. Die Sowjets sind bei
dieser letzten Verhandlungsrunde nicht auf die Tagesordnungspunkte der
Vereinigten Staaten eingegangen und haben es vorgezogen, ihre eigennützigen und unannehmbaren Vorstellungen von "Angriffswaffen im Weltraum" und
"zielgerichteter Forschung" voranzutreiben. Sie würden gern die Fähigkeiten und die Forschung der Vereinigten Staaten durch Definitionstricks

�durch Definitionstricks unterbinden, ohne dabei Einschränkungen bei ihren
eigenen Waffensystemen und ihrer Forschung hinzunehmen.
Die Vereinigten Staaten können die eigennützige sowjetische Auffassung von "Angriffswaffen im Weltraum" nicht akzeptieren, die am Boden
stationierte Systeme einschließt, die so konstruiert sind, daß sie Objekte im Weltraum zerstören können und auch solche Systeme im Weltraum, die
Ziele im Weltall oder auf der Erde zerstören können. Dieser Definition
liegt ein subjektives Urteil über den Zweck, zu dem ein System konstruiert wurde, zugrunde. Die Sowjets haben klargemacht, daß sie sich selbst
alleine das Recht vorbehalten, solche Urteile zu fällen. Die Haltung der
Vereinigten Staaten besagt, daß ein Abkommen sich auf bestimmte Systeme
beziehen muß und daß Beschränkungen sich auf konkrete Fähigkeiten stützen
müssen, nicht auf subjektive Beurteilungen von Absichten.
Die Arbeit über Fragen der Verteidigung und des Weltraums in Genf
kann solange nicht vorankommen, bis die Sowjets ihre Definition aufgeben. Darüber hinaus kann die Arbeit bei START keine Fortschritte machen,
bis die Sowjets nicht die Verknüpfung zwischen einem Fortschritt bei den
START-Verhandlungen und einer vorangehenden Übereinkunft mit den Vereinigten Staaten über eine Abschaffung von "Angriffswaffen im Weltraum"
aufgeben.
Das strategische Verteidigungsprogramm der Vereinigten Staaten befindet sich in völliger Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag. Die sowjetische Vorstellung einer "zielgerichteten Forschung" ist eine künstliche
Kennzeichnung, die die Tatsache ausnutzt, daß die Vereinigten Staaten ihre Forschungsziele öffentlich vorstellen und sie somit "zielgerichtet"
erscheinen lassen. Die sowjetische Behauptung, daß ihre Forschung "fundamentaler Art" und ohne Absicht sei, entbehrt der Glaubwürdigkeit. Die
Sowjets lehnen es ganz einfach ab, das zuzugeben, was wir als den Charakter und den großen Umfang ihrer eigenen strategischen Verteidigungsaktivitäten kennen.
Die von den Sowjets in Genf aufgeworfenen Hindernisse werden die Vereinigten Staaten nicht davon abhalten, ihre SDI-Forschung fortzusetzen.
Wir werden weiterhin darüber diskutieren, welche Möglichkeiten uns SDI
für die Abschaffung der Drohung mit gegenseitiger Vernichtung bietet.
Indem wir den Sowjets und der Welt unseren Standpunkt klarmachen, werden
wir damit die sowjetische Propagandakampagne in Frage stellen, deren Ziel
darin besteht, Zweifel über die Absichten der Vereinigten Staaten zu wekken. Es ist in dieser Hinsicht wichtig, darauf hinzuweisen, daß befreundete Regierungen es unterstützen, daß der Präsident weiterhin der SDIForschung verpflichtet bleibt und daß die Vereinigten Staaten in Genf
sowjetischen Bemühungen widerstehen, das SDI-Forschungsprogramm als eine
Voraussetzung für den Fortschritt bei Gesprächen über nukleare Offensivwaffen abzuschaffen.

Der weitere

�Der weitere Verhandlungsrahmen
Bei den Vorbereitungen für das Gipfeltreffen im vergangenen November
äußerte der Präsident den Wunsch, Rüstungskontrollfragen in ihrem Gesamtzusammenhang zu behandeln. SDI ist ein sehr wichtiger Teilbereich des
Themas Verteidigung und Weltraum. Ich habe bereits an anderer Stelle
über START und INF gesprochen. Alle zusammengenommen bilden sie die Gespräche über nukleare und Weltraumwaffen (NST). Aber beim Gipfeltreffen
wurden auch andere wichtige Bereiche der Rüstungskontrolle diskutiert.
Die Abschaffung chemischer Waffen wird vom Komitee für Abrüstung in Genf
diskutiert, über die Begrenzung konventioneller Waffensysteme wird bei
den Verhandlungen über Truppenabbau in Europa (MBFR) in Wien gesprochen.
Vertrauensbildende Maßnahmen werden in Stockholm unter der Schirmherrschaft der Konferenz über Abrüstung in Europa (KVAE) verhandelt. Darüber
hinaus wird gegenwärtig über zahlreiche Fragen diskutiert, die mit Atomtests und dem Vertrag zur Nicht-Weiterverbreitung von Kernwaffen in Zusammenhang stehen.
Aber zusammengenommen machten alle Rüstungskontrollfragen nur etwa
ein Viertel der Tagesordnung beim Gipfeltreffen aus. Es wurde auch die
ganze Bandbreite anderer bilateraler Fragen behandelt sowie wichtige regionale Angelegenheiten, wie zum Beispiel Afghanistan, Äthiopien, Angola,
Nicaragua und der Südjemen. Darüber hinaus konnten Menschenrechtsfragen
und der Terrorismus nicht ignoriert werden und erhielten angemessenen
Raum. Man kam überein, daß es in diesem Jahr ein weiteres Treffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow in Washington geben sollte und dann wieder 1987 in Moskau. Wir schlugen Juni oder Juli
oder vielleicht auch den November nach der Wahl vor. Darauf haben die Sowjets nicht geantwortet. Wir hoffen, daß es ein Gipfeltreffen geben wird
und daß der Dialog auf dieser Ebene fortgesetzt werden kann. Aber eins
ist offensichtlich: daß wir nicht auf die Bereitschaft der Sowjetunion
zählen können, über ein Abkommen zu verhandeln, das auch unsere und nicht
nur ihre Interessen berücksichtigt.
Die Lehre daraus ist klar. Die Vereinigten Staaten müssen eine konstruktive und umfassende Außenpolitik haben. Die Erklärung des Präsidenten an den Kongreß vom 14. März legt genau eine solche Außenpolitik dar.
Ich empfehle dringend, daß jeder sie liest. Ich empfehle weiterhin, daß
Sie den vollständigen Text von Herrn Gorbatschows Ansprache zur Eröffnung
des sowjetischen Parteikongresses am 26. Februar lesen. Die Ansprache
dauerte sechs Stunden; es handelte sich um 45 000 Worte. Aber umso genauer man diese beiden Erklärungen liest, umso klarer wird der Kern dessen zum Vorschein kommen, was die kommunistische Partei der Sowjetunion
antreibt im Gegensatz zu dem, was die treibende Kraft für die lose Verbindung freier demokratischer Länder darstellt, die danach streben, eine
Welt zu erhalten, in der sie sich nach eigenen Wünschen frei entwickeln
können.

Zusammenfassung
- 6-

�Zusammenfassung
Wir müssen bereit sein, die Freiheit der Vereinigten Staaten und die
Interessen einer solchen Koalition entweder durch Übereinkünfte auf dem
Verhandlungswege über diejenigen Rüstungsbeschränkungen, die wahrhaft einem sinnvollen Frieden dienen, zu unterstützen, oder, wenn die Sowjetunion es so will, durch unsere eigenen Bemühungen, wenn entsprechende Abkommen fehlen. In jedem Fall können Frieden und Abschreckung nur durch
das gesichert werden, was wir selbst tun. Ein wichtiger Anteil dessen,
was wir selbst tun können, wird von Ihrer Gruppe repräsentiert und besonders von denjenigen unter Ihnen, die wir hier heute abend ehren.
Ohne das SDI-Forschungsprogramm wäre das Beste, worauf die Vereinigten Staaten hoffen könnten, die Fortsetzung des bisherigen zustands der
Abschreckung durch das primäre Vertrauen auf die Androhung einer verheerenden Vernichtung durch Kernwaffen. Ein Überhang an sowjetischen Vorteilen bei nuklearen Offensivsystemen bedroht die Stabilität dieser Form
von Abschreckung. SDI bedeutet für die Vereinigten Staaten eine Möglichkeit, die Anwendbarkeit einer stabileren und verläßlicheren Form von Abschreckung zu überprüfen, die nicht nur den amerikanischen, sondern auch
weltweiten Sicherheitsinteressen zugute käme.

»

- 7-

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

12

26. März 1986

ABRAHAMSON:

BÜNDNISSTAATEN WÜNSCHEN VERSTXRKT MITARBEIT
AN SDI-FORSCHÜNG
- Pressekonferenz in Würzburg -

WÜRZBURG - (AD) - Der Leiter der Organisation für die Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI), Generalleutnant James Abrahamson, hat auf
einer Pressekonferenz, die nach der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe
der NATO in Würzburg am 20. März 1986 stattfand, erklärt, "daß eine größere Anzahl von Bündnisstaaten an einer Teilnahme am SDI-Forschungsprogramm interessiert" ist. Nach Abrahamsons Worten "besteht ein großes,
wachsendes Interesse seitens vieler unserer Verbündeten, das uns mit Genugtuung erfüllt".
Im folgenden bringen wir die Pressekonferenz von General Abrahamson
im Wortlaut:
ABRAHAMSON: Ich freue mich darauf, Ihre Fragen zu beantworten. Jedermann hat ständig Fragen zu SDI. Es ist vielleicht besonders wichtig
zu betonen, daß ich hier vorhin einen kurzen Bericht über die jüngsten
technischen Fortschritte des Programms präsentiert habe. Dabei habe ich
die nächsten Schritte bei der Untersuchung des globalen Systems, das wir
mit SDI meinen, erwähnt und außerdem die Konzentration auf einige Gebiete
der kriegsschauplatzgebundenen Verteidigung angesprochen, an denen wir

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�denen wir meiner Meinung nach alle sehr interessiert sind. Es war also
lediglich ein Bericht über den neuesten Stand der Entwicklung für die Minister. Wir hatten uns vom ersten Tage des Programms an verpflichtet,
alle unsere Verbündeten voll auf dem laufenden zu halten, damit sie unsere Fortschritte verstehen können. Und selbstverständlich bedeutet unser
Angebot einer Teilnahme für sie ein noch stärkeres Mittel für das Verständnis dieses Prozesses. Ich möchte versuchen, es so auszudrücken zum Verständnis unserer Erfolge und Fehlschläge. Und nun werde ich gerne
Ihre Fragen beantworten.
FRAGE: (inhaltlich wiedergegeben) Könnten Sie uns etwas detaillierter über die kriegsschauplatzgebundene nukleare Verteidigung aufklären,
über ihre Funktionsweise, über Ihre Ideen in diesem Zusammenhang, welche
neuen Ideen Sie gegenwärtig entwickeln?
ANTWORT: Ich habe nicht versucht, all diese Details vorzustellen.
Ich denke, es ist wichtig, daß wir versuchen zu verstehen, wie einige der
Technologien, die wir gegenwärtig entwickeln sowohl bei einer Bedrohung
durch weitreichende als auch durch Kurzstreckenwaffen anwendbar sind.
Wir denken, daß dies lebenswichtig ist. Wir haben Planstudien durchgeführt, welche ein Mittel darstellen, um herauszufinden, welche Art von
System am besten gegen die Bedrohung durch Langstrecken- sowie Kurzstrekkenwaffen geeignet sein würde. Und zusätzlich zu diesen andauernden Arbeiten auf dem Gebiet der grundlegenden Technologie wird einer der wichtigsten nächsten Schritte darin bestehen, einige dieser Planstudien auf
Studien hier in Europa auszudehnen. Und wir glauben, daß dies von entscheidender Bedeutung ist.
FRAGE: (Zusatzfrage zu der vorhergehenden Frage über kriegsschauplatzgebundene Verteidigung.)
ANTWORT: Unsere Planstudien zeigen uns bis jetzt, daß wir nicht nur
an ein Kurzstreckenverteidigungskonzept im traditionellen Sinne denken
sollten, sondern daß wir unserer Meinung nach hier eine gestaffelte Verteidigung benötigen, so wie wir auch eine gestaffelte Verteidigung für
die Langstreckenbedrohung benötigen; denn gerade durch solch eine gestaffelte Verteidigung wird das wichtige Element der Stabilität eingeführt,
weil es eben die Zielbestimmung für die andere Seite zu einem solch
schwerwiegenden Problem macht. Und dies ist die Quintessenz dessen, wie
solche Verteidigungssysteme gerade in Krisensituationen zur Abschreckung
und Stabilität beitragen können.
Ein anderes Problem ist es, eine Staffelung für Kurzstreckensysteme
zu schaffen. In gewisser Hinsicht ist es leichter, da man nicht Tausende
von Kilometern überbrücken muß. Und wenn man mit Kurzstreckensystemen zu
tun hat, dann bedeutet die Erdkrümmung kein großes Problem. Andererseits
ist es in gewisser Hinsicht schwieriger, weil man in einem kurzfristigeren zeitlichen Rahmen arbeiten muß. Und man muß sichergehen, daß man eine solide Verteidigung hat. Ich glaube jedoch, daß die Technologiesprünge, die dafür notwendig sind, nicht so groß sein werden wie einige der
- 2-

�einige der Technologiesprünge, die für ein allgemeines, globales Verteidigungssystem notwendig sind. Sie sollen sich gegenseitig ergänzen - eines wird Teil des anderen sein, und es ist sehr wichtig, daß wir beide in
Angriff nehmen und dabei gleichgeartete Fähigkeitsniveaus anstreben.
FRAGE:

Welche Reichweite ist bei den Kurzstreckensystemen gemeint?

ANTWORT: Wir haben versucht, die gesamte Bedrohung in Erwägung zu
ziehen. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Die für ein Interkontinentalsystem angewandte Technologie wird unserer Meinung nach auf die
gleiche Weise auch direkt für Systeme wie die SS-20-Mittelstreckenrakete
anwendbar sein. Wenn man Technologien auf verschiedene Art und Weise anwenden will, fangen die Schwierigkeiten da an, wo man es mit den eigentlichen Kurzstreckenraketen zu tun bekommt - wie die SS-21 und die SS-23
oder vielleicht zukünftige Versionen dieser Systeme.
FRAGE: Erwarten Sie, daß weitere Länder an SDI teilnehmen werden,
nachdem sich die Bundesrepublik Deutschland für eine Teilnahme entschieden hat?
ANTWORT: Oh ja. Es besteht ein großes, wachsendes Interesse seitens
vieler unserer Verbündeten, das uns mit Genugtuung erfüllt.
FRAGE:

Können Sie bestimmte Länder nennen?

ANTWORT: Ich denke, daß dies all die Länder sind, von denen Sie
solch einen Schritt erwarten würden, plus einige andere Länder, von denen
Sie solches vielleicht nicht erwarten würden. Ich denke, daß ein großes
Interesse besteht, wie es ja auch in den von uns für Regierungsbeamte und
Industrievertreter arrangierten Reisen durch die Vereinigten Staaten zum
Ausdruck gekommen ist. Sie kamen aus elf Ländern, und dies ist ein großer Teil derer, die wir eingeladen haben.
FRAGE: Haben Sie - wie wir auch - einen gewissen noch verbleibenden
Skeptizismus über SDI unter den Verbündeten erlebt?
ANTWORT: Natürlich. Kritiker und Skeptiker gibt es auch in unserem
eigenen Land. Aber ich glaube, wenn die Leute sich mehr mit diesen Fragen und unseren Arbeiten beschäftigen, statt auf die Definition des Problems und dessen Dramatisierung durch die Kritiker zu hören - erlauben
Sie mir diesen Seitenhieb -, dann sie Realität und Fortschritte viel besser verstehen und das Problem wird von selbst verschwinden. Die Beiträge
der Verteidigungssysteme für unsere gesamte Sicherheit werden jedenfalls
von den Leuten verstanden, in zunehmendem Maße akzeptiert und sogar unterstützt.
FRAGE: Erstens: Erfüllt die Übereinkunft, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet werden wird, Ihre Erwartungen und, zweitens, was wird nach dem Abschluß dieses Abkommens substantiell und qualitativ anders sein, als in
der jetzigen Situation?
ANTWORT: Erstens
- 3-

�ANTWORT: Erstens möchte ich den Dingen nicht zuvorkommen - ich denke, daß die gestrige Pressekonferenz sowie die von Minister Weinberger
und allen deutschen Vertretern auf den verschiedenen Ebenen ausgedrückten
Verpflichtungen und Erklärungen unsere Absicht umschreiben. Ich denke,
es wäre falsch, wenn ich ihnen vorgreifen würde und werde deshalb auf das
endgültige Abkommen warten. Offengestanden bin ich sehr erfreut über die
Fortschritte, die wir auf diesem Gebiet erzielt haben.
FRAGE: Waren Sie in Ihren Gesprächen heute vormittag in der Lage,
den Verbündeten eine Vorstellung vom Preis einer Verteidigung am Kriegsschauplatz zu geben?
ANTWORT: Das ist wirklich eine berechtigte Frage, die mir fortwährend sowohl von den Kongreßabgeordneten der Vereinigten Staaten als auch
von anderen Leute gestellt wird. Die einzige Antwort, die ich darauf
wirklich geben kann, lautet, daß hierauf zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
keine vernünftige Antwort möglich ist. Und im übrigen stellen auch andere Leute unvernünftige Vorhersagen an - Kritiker, die Kalkuationen aufstellen, und davon gibt es zur Zeit eine Menge - weil niemand im Augenblick schon die Forschungsergebnisse kennt.
Wichtig ist, daß wir ein Forschungsprogramm durchführen. Ein Ziel
dieses Forschungsprogramms - und das habe ich versucht, den Ministern
aufzuzeigen - war der Versuch, alles zu verkleinern und die Kosten aller
Einzelelemente der Systems drastisch zu verringern. Ich habe ihnen Komponenten gezeigt, die bereits in einem Ausmaß verkleinert worden sind,
wie Sie sich das wirklich noch kaum vorstellen können. Und weil ich noch
nicht weiß, wo all dies hinführen wird, kann ich Ihnen noch keine vernünftigen Zahlen nennen, aber ich kann bereits sagen, daß die Philosophie
des Programms darin besteht, Forschung in ein richtiges Verhältnis zu ihrem Preis zu setzen, was sich von dem, was wir bisher getan haben, ein
wenig unterscheidet. Und ich meine, daß dies eine gute Neuerung in unseren Bemühungen darstellt. Es wird eine Zeit kommen, wenn wirklich jeder
diese Kosten kennen und verstehen sollte. Aber wir sollten weit genug im
Programm fortgeschritten sein, daß Sie sich auf diese Schätzungen verlassen können, so daß sie an Bedeutung gewinnen, wenn es an die Entwicklung
und Herstellung geht.
FRAGE: Haben Sie bei den Verbündeten die Bereitschaft zur Beteiligung an den Kosten vorgefunden?
ANTWORT:

Ich denke, daß Sie denen diese Frage stellen sollten, nicht

mir.
FRAGE: Könnten Sie das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Bundesrepublik Deutschland in groben Zügen mit der anglo-amerikanischen Übereinkunft vergleichen?
ANTWORT: Zu meinem Bedauern kann ich das nicht. Das ist wirklich
verfrüht und es handelt sich um private Abkommen. Ich glaube, daß es das

�es das Wichtigste hierbei ist, daß wir alle auf der Grundlage gleicher
Prinzipien arbeiten, und mit Hilfe dieser Prinzipien soll versucht werden, ein Forschungsprogramm zu definieren, das für beide Seiten von Nutzen und für alle Beteiligten sicher sein wird. Und da wir es mit einem
Forschungsprogramm zu tun haben, in dem viele Ideen noch in verschiedene
Richtungen weiterverfolgt werden können, so sind doch alle Nationen daran
interessiert, daß auf eine vernünftige Art und Weise mit diesem Nutzen
umgegangen wird. Das ist das Thema der Übereinkünfte und wir versuchen,
konsequente Prinzipien in die Tat umzusetzen.
FRAGE: Ist das Abkommen auf die Phase der Forschung beschränkt oder
betrifft es auch die Entwicklungsphase des Programms?
ANTWORT: Das einzig gebilligte Programm ist ein Forschungsprogramm
und keines der Abkommen geht darüber hinaus, weil es darüber hinaus noch
kein definiertes und gebilligtes Programm gibt. Bedenken Sie, daß das
Forschungsprogramm auf eine wesentliche Entscheidung abzielt, die besagt,
daß es praktikabel ist, die beschreibt, was es uns kostet und auch versteht, wie es unserem Bedürfnis nach einer sicheren Welt am besten entgegenkommen kann. In diesem Sinne sollte es nur bis zu diesem Punkt gebilligt werden. Ich habe großes Vertrauen, daß wir an einem angemessenen
Punkt des Forschungsprogramms positive Antworten geben können. Aber alles, was wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben, ist ein Forschungsprogramm. Aber wir machen beträchtliche Fortschritte. Es ist wirklich sehr
befriedigend. Mein Vertrauen auf ein positives Resultat nimmt jeden Tag
zu.
FRAGE:

Können Sie uns Anhaltspunkte für diesen Fortschritt geben?

ANTWORT: Ich kann Ihnen zum Beispiel Einzelteile von Raketen und
elektronischen Komponenten zeigen, bei denen große Teile durch immer
kleinere ersetzt werden. Ich habe an anderer Stelle eine heutige Navigationshilfe vorgestellt, mit Ring-Laser, die recht schwer ist und wir
testen sie zum Beispiel in der F-15, und dann habe ich ihnen Versionen
derselben Art von eingebauten Meßgeräten gezeigt. Dann zeigte ich ihnen
die nächste Generation, eine automatische Instrumenteneinheit, die lediglich aus einer Reihe von faseroptischen Spulen besteht. Die Generation
danach arbeitet bereits auf ganz anderen Grundlagen. Wenn Sie die Größe
und fortschreitende Vereinfachung dieser Elemente betrachten, wird alles
sehr klar. Übrigens könnte diese Art automatischer Meßgeräte nicht nur
für Systeme der Strategischen Verteidigungsinitiative angewandt werden,
sondern auch in Raketen der Zukunft, taktischen Raketen, Flugzeugen, allen Arten von Fahrzeugen.
Das ist ein Anhaltspunkt für den Fortschritt. Es geht aber noch weiter. Sie wissen, daß wir zufriedenstellende Fortschritte bei einigen der
größeren Laser-Systeme gemacht haben, die wir weiterentwickelt haben, und
daß wir die bodengestützte Version eines sehr großen Frei-Elektronenlasers ausgewählt haben. Und wir haben jetzt mit dem begonnen, was wir ein
integriertes Experiment nennen, und all das zusammengefügt. Das ist das
- 5-

�Das ist das Verdienst des Personals des Livermore Laboratory in Kalifornien, das den leistungsfähigsten Laser der Welt entwickelt hat und das
uns gezeigt hat, daß sie einzelne Komponenten dieser sehr großen Laser
herstellen können. Das ist sehr befriedigend.
FRAGE:
wiesen.

Sie haben kürzlich auf große Durchbrüche im Programm hinge-

ANTWORT: Das Wort "Durchbrüche" wird manchmal falsch angewandt. Ich
habe es nur im Zusammenhang mit zwei oder drei verschiedenen Dingen verwendet. Wir haben erhebliche Fortschritte gemacht.
FRAGE:

(Nicht hörbar) ....

ANTWORT: Ich habe mit den Ministern, nicht den Ministern bei dieser
Zusammenkunft, aber mit vielen Vertretern unserer verbündeten Nationen
über diese "Durchbrüche" gesprochen. Durchbrüche wurden zum Beispiel bei
atmosphärischer Kompensation gemacht, bei der die Atmosphäre so umgewandelt wird, daß Laserenergie hindurchgehen kann. Ich nenne das einen
Durchbruch. Das haben wir in diesem Herbst geleistet. Die Arbeiten zum
Frei-Elektronenlaser und all jenen Komponenten, für die Art und Weise,
wie wir Elektronenstrahlen durchbringen und beschleunigen können; das
nenne ich einen Durchbruch. Und ich haben ihnen heute vormittag eine
ganze neue Art und Weise der Konstruktion von Infrarot-Detektoren gezeigt, die Kosten spart und sie gegen Radioaktivität resistent macht.
FRAGE: Könnten Sie vielleicht klarstellen, was Sie den Ministern
verdeutlichen wollten hinsichtlich einer möglichen Verwendung im Bereich
des Krigsschauplatzes? Wollten Sie damit sagen, Sie erwägten den Kriegsschauplatzaspekt und betrieben auch dahingehende Forschung? Oder wollten
Sie damit sagen: Wenn die Verbündeten derlei von uns wünschen, dann
könnten wir diese Forschung auch betreiben? Oder aber: Die Verbündeten
sollten sich selbst hierum kümmern?
ANTWORT: Soll ich mich nun für A, B oder C entscheiden? Wir betreiben bereits eine ansehnliche Forschung in diesem Technologiebereich, der
dieses Problem angeht. Außerdem haben sowohl ich als auch andere, die
von uns ausgeschickt wurden, gesehen, daß es auch in Europa umfangreiche
und sehr effiziente Technologie gibt, die zur Lösung dieses Problems wie auch anderer Probleme - beitragen kann, die wir nicht nur in Europa,
sondern auch in Israel und sogar in Japan einer Lösung zuführen wollen.
Beiträge können also von vielen unserer Verbündeten kommen. Wir machen
gewissermaßen die architektonischen Studien, analysieren das Geben und
Nehmen in dem Bemühen, den besten Weg zu finden, den wir bei der Verteidigung des Kriegsschauplatzes gehen können; dabei beabsichtigen wir,
durch die nächsten Schritte eine erweiterte und bessere Definition möglicher Systeme zu erhalten, die uns letztlich das gewünschte kosteneffiziente System erbringen werden. So viel zu Ihrer Kategorie A - wenn ich
das nicht verwechselt habe.
FRAGE:

Wenn Sie

�FRAGE: Wenn Sie davon sprechen, was sie den Ministern zeigten - bedeutet dies, daß Sie tatsächlich irgendwelche Komponenten mitbrachten und
auf den Tisch legten?
FRAGE:

Warum können wir davon nichts sehen?

ANTWORT:
kommen kann.

Weil es im Zimmer des Ministers liegt und ich es nicht beEs findet dort gerade ein Treffen statt.

FRAGE: Sie erwähnten Japan. Ich habe davon gehört, daß Japan aller
Wahrscheinlichkeit nach irgendeine Art von Beteiligung an SDI ankündigen
wird.
ANTWORT: Meine Politik hinsichtlich dieser Art von Fragen, in wieweit und wann und wo unsere Verbündeten einbezogen sind, ist die: Sie
sollten diese selbst fragen.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Aber sie gehen ganz offenkundig diesen Weg.
Das ermutigt mich sehr.
Sie sind ermutigt?

ANTWORT: Ja. Vielleicht haben wir später einige jener Komponenten
zur Verfügung, denn im Moment sind sie, wie ich schon sagte, im Zimmer
des Ministers. Ich glaube, alle waren erfreut. Ich war sicher darüber
erfreut, sie ihnen zeigen zu können, da es bei diesem Programm wirklich
sehr konkrete Fortschritte gibt. Ich bin höchst angetan von der Tatsache, daß der technische Fortschritt im Gegensatz zu all dem, was darüber an Negativem gesagt wurde, daß der technische Aspekte des Problems
das einfachste ist - viel einfacher als der politische Aspekt.
FRAGE: Können Sie uns eine Vorstellung von dem zeitlichen Rahmen geben, der für eine Entscheidung bei SDI vorgesehen ist?
ANTWORT: Ich bin froh, daß sie mich danach fragen, denn ich will
hier keinen falschen Eindruck erwecken. Wir haben gute Fortschritte gemacht und ich bin dadurch sehr ermutigt. Andrerseits ist dies ein sehr
komplexes Problem, und ich möchte Sie nicht mit den Worten verlassen, na,
morgen haben wir's - das wäre falsch. Was ich vor unserem Kongreß aussagte, ist, daß wir trotz einiger, ziemlich erheblicher Einschnitte, die
der Kongreß bei unserem Budget gemacht hat, in der Lage waren, durch die
bereits geleistete kreative Forschungsarbeit die Probleme zu meistern.
Ergebnis dieser Forschung ist eine Entscheidung und eine technische
Grundlage für den nächsten Schritt. Diese Entscheidung wird meiner Meinung nach in die frühen neunziger Jahren fallen. Das ist zeitlich der
entscheidende Meilenstein. Ich werde natürlich nicht sagen, es wird der
23. Januar 1992 um 12 Uhr Mittag sein. Das ist es nicht. Wenn wir weiterhin solchen Fortschritt machen, wenn er sich gar beschleunigt und es
- 7-

�und es die entsprechendenden Leistungen gibt, könnte das sogar früher der
Fall sein. Möglicherweise könnten wir über genügend Informationen verfügen, um eine verantwortungsbewußte und wirksame Entscheidung zu treffen.
Wenn wir andererseits bei unseren Mitteln beschnitten werden oder der
technische Fortschritt sich verlangsamt, so könnte es auch etwas später
sein.
FRAGE: Was würde Grundlage dieser Entscheidung sein?
Entwicklung oder was sonst?

Beschaffung,

ANTWORT: Bedenken Sie, daß es sich hier um ein Forschungsprogramm
handelt (TEILWEISE UNVERSTÄNDLICH) die Grundlage für ein technologisches Entwicklungsprogramm, das dann zu einer Dislozierung führt. Aber
wir hoffen, eine solide Grundlage zu haben. Es ist ja hier anders: Man
muß nicht plötzlich mit allem anderen aufhören und beim Bau eines neuen
Flugzeuges ganz von vorn anfangen. Man hat ja eine gewaltige technologische Grundlage, hat schon andere Flugzeuge gebaut. Es geht jetzt nur
um den Schritt, sie schneller oder höher fliegen zu lassen oder mehr
Elektronik einzubauen. Das haben wir ja schon getan. Deshalb treiben
wir die Forschung, um eine genügend breite Grundlage zu bekommen, auf der
eine Entscheidung hinsichtlich technischer Entwicklung getroffen werden
kann. Deshalb sage ich auch, wir könnten in einer Position sein, dieses
Entwicklungsprgraomm zu beginnen. Ich bin da sehr zuversichtlich - was
die Kosten angeht, was unser Wissen um die Gegenmaßnahmen anbelangt, die
getroffen werden könnten, also das militärische Aktion-Reaktion-Spiel,
das sehr schwierig ist; und wir nehmen uns viel Zeit, um zu verstehen, in
wieweit... es ist dies also eine Entwicklungsentscheidung.
FRAGE: Können Sie uns noch einmal den Gesamtbetrag nennen, der Ihnen
zur Verfügung steht?
ANTWORT: Wir haben im Haushaltsjahr 1985 1,7 Milliarden Dollar beantragt und haben 1,4 Milliarden erhalten. Für das Haushaltsjahr 1986
haben wir das Doppelte beantragt und erhielten 2,75 Milliarden; das also
ist für dieses Jahr unsere Programmgrundlage. Für das Haushaltsjahr 1987
beantragen wir 4,8 Milliarden Dollar.

* * * * *

I

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

26. März 1986

12

WAHRHEIT ÜBER DROGEN - EINE WIRKSAME WAFFE
Neue UN-Konvention soll Zerschlagung der Händlerkartelle erleichtern -

NEW YORK - (AD) - Vor 550 Jugendlichen, Vertretern von Elternvereinigungen aus allen Bundesstaaten der USA sowie zahlreichen Gästen aus mittel- und südamerikanischen Ländern setzte sich Nancy Reagan auf der achten PRIDE-Konferenz in Atlanta, Georgia, mit eindringlichen Worten dafür
ein, die Lehren aus den durch Drogenmißbrauch entstandenen Tragödien zu
ziehen. Nur wenn der einzelne, und vor allem der junge Mensch, entschlossen sei, "nein" zum Drogenkonsum zu sagen und zu dieser Haltung zu
stehen, gebe es Hoffnung, daß Drogenmißbrauch von der Bildfläche verschwindet. Die Tagung steht dieses Mal unter der Schirmherrschaft des
amerikanischen Nationalen Instituts zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch
und des US-Informationsamtes (USIA).
PRIDE ("Parent's Resource Institute of Drug Education") wurde ins Leben gerufen, um Hilfestellung bei Drogenproblemen zu geben und die Eltern
gefährdeter Jugendlicher zu beraten. Die Aktion entwickelte sich zu einer regelrechten Anti-Drogen-Bewegung. In allen Bundesstaaten schlössen
sich Eltern zu Gruppen zusammen, die inzwischen in mehr als 9 000 Gemeinden Basisarbeit leisten. Ein wichtiger Teil davon sind intensive Bemühungen, dem Drogenkonsum vorzubeugen - durch Aufklären, Informieren,
überzeugen. Ein Höhepunkt der diesjährigen Kampagnen werden die für den
22. Mai geplanten Demonstrationsmärsche von Jugendlichen und Erwachsenen
sein, die unter dem Motto stehen: "Sag 'nein' zu Drogen".
Umfassende Kenntnisse

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�Umfassende Kenntnisse über die zerstörerische Wirkung von Suchtstoffen für die körperliche, geistige und seelische Gesundheit sollten nach
Meinung des amerikanischen Justizministers Edwin Meese sehr viel mehr als
bisher vermittelt werden. "Die Wahrheit über Drogen ist eine Waffe, die
im Kampf gegen den Drogenmißbrauch noch viel zu wenig genutzt worden
ist... Je mehr wir, medizinisch gesehen, über Drogen wissen, desto gefährlicher werden sie. Wir müssen erkennen, daß wir in unseren verschiedenen Gesellschaften einfach nicht genug getan haben, um die Wahrheit
deutlich zu machen... Drogenkonsum ist kein passives Verbrechen ohne Opfer, das nur den angeht, der Drogen nimmt. Vielmehr haben wir gelernt,
daß keine Nation, die ihre Gesundheit, ihre Unabhängigkeit und ihre Freiheit schätzt, sich gegenüber dem aggressiven Vordringen der Narkotika
lange neutral verhalten kann. Der Vormarsch der Drogen hat psychologische, wirtschaftliche und sogar politische Auswirkungen, und er weist
Züge auf, die Aggression und Unterwerfung bedeuten."
Auf der Tagung in Thailand im März 1986 trafen sich Mitarbeiter des
amerikanischen Bundesamtes für Drogenbekämpfung, des internationalen Referats des amerikanischen Außenministeriums für Suchtstoffangelegenheiten, des US-Informationsdienstes und anderer Stellen, um Mittel und Wege
zu einer wirksameren Zusammenarbeit mit asiatischen Ländern bei der Bekämpfung illegaler Drogen zu erörtern. Das Endziel sei darin zu sehen,
so Meese, "in allen geographischen Schlüsselregionen die Kontrolle über
den Anbau und die Produktion illegaler Drogen, die in die Vereinigten
Staaten exportiert werden können, zu behalten". Die wichtigsten Schritte
in dieser Richtung seien Anbaukontrolle in den Herkunftsländern und die
Blockierung von Drogen auf dem Weg von den Ursprungsgebieten über Transitländer zu den Vereinigten Staaten.
Auf internationaler Ebene wolle man die Kontrolle von Suchtstoffen zu
einer vorrangigen Frage der Außenpolitik und diplomatischen Aktivität aller Nationen machen. Denn Drogen seien zu einem weltweiten Problem geworden. Deshalb forderte UN-Generalsekretär Perez de Cuellar für 1987
die Einberufung einer Weltkonferenz, um das Problem auf breitester internationaler Basis zu behandeln. Die Aufmerksamkeit solle vor allem denjenigen Ländern gelten, in denen Drogen konsumiert werden, sowie jenen,
die sie produzieren. Die frühere Gewohnhei, grundsätzlicht zwischen ihnen zu unterscheiden, trete immer mehr in den Hintergrund. Präsident
Reagan bringe nunmehr auch auf den Wirtschafts-Gipfelkonferenzen der sieben größten Industrienationen das Drogenproblem zur Sprache. Auch in
diesem Jahr werde das, anläßlich der Konferenz in Tokio, wieder geschehen. International koordinierte Fahndungsmaßnahmen seien von größter Bedeutung, um das Drogenkartell zerschlagen zu können.
Unter "Anbaukontrolle" versteht Meese die Unterbindung des illegalen
Anbaus von Drogenpflanzen sowie die Vernichtung solcher Anpflanzungen.
Die Zahl der Länder, die hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen zur
Zusammenarbeit mit den USA und der Annahme technischer Unterstützung aus
den USA bereit sind, stieg von zwei im Jahr 1981 auf 14 im Jahr 1986. in
den Vereinigten Staaten selbst werden seit Bekanntwerden illegaler An- 2 -

�illegaler Anpflanzungen insbesondere von Cannabis gemeinsam mit den Behörden der 50 Bundesstaaten massive Vernichtungsaktionen durchgeführt.
Als Folge ähnlicher Aktionen in anderen Ländern erfuhr z.B. die Marihuana-Produktion in Kolumbien, Belize und Jamaika sowie der Schlafmohn-Anbau
in Burma und Thailand erhebliche Einbußen. Jedoch müßte, wie Messe betonte, den Anstrengungen in diesen Ländern die Anbaubegrenzung in deren
Nachbarstaaten folgen. Andernfalls erreiche man nichts anderes als nur
eine Produktionsverlagerung.
Einen wichtigen Weg zur "Internationalisierung der Drogenkontrolle"
sehen die Vereinigten Staaten in Trainingsprogrammen. Das gelte, so
Meese, vor allem für eine Umstellung der Landwirtschaft zur Einführung
drogenfreier Anbauprogramme in den traditionellen "Drogenländern". Auch
gebe es noch viel zu lernen - beispielsweise über die Art der bei Vernichtungsaktionen einzusetzenden Chemikalien sowie über kriminalistische
und polizeiliche Maßnahmen, um Händlern auf die Spur zu kommen und ihrer
habhaft zu werden.
In den Vereinigten Staaten erfahre die Strategie der Drogenbekämpfung
mit ihren fünf Hauptpunkten "Erziehung und Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation, Vollzug der Gesetze, internationale Suchtstoffkontrolle und
Forschung" durch die von Nancy Reagan angeregten und geförderten Pr-:g...ime eine überaus wichtige Unterstützung, erklärte Meese. Mit Erleichterung sei zu vermerken, daß in den letzten paar Jahren z.B. der Marihuana-Konsum unter Oberschülern nicht nur nicht weiter zugenommen habe, sondern sogar zurückgegangen sei. Regelmäßiger Gebrauch werde heute von der
Mehrheit der älteren Oberschüler als schädlich, ja ehrenrührig angesehen.
Das reicht aber nicht aus, um der Drogengefahr Herr zu werden. So
sah sich jetzt das amerikanische Erziehungsministerium zu einem Appell an
alle Schulbehörden veranlaßt, sämtliche Rechtsmittel einzusetzen und auszuschöpfen, um Drogen und den Handel mit Drogen ein für allemal aus den
Schulen zu verbannen. Dr. ehester Finn, Unterstaatssekretär für Forschung und Verbesserung des Erziehungswesens, hob die besondere Verantwortung der kommunalen und einzelstaatlichen Behörden hervor, sich um
"harte" Lösungen zu kümmern. Die Bundesregierung kann nach der amerikanischenVerfassung in erster Linie nur beratende Funktionen ausüben. Wenn
jedoch sowohl von den Justizbehörden als auch von den Pädagogen mehr Aktivität erforderlich ist, dann muß sie eben praktiziert werden", meinte
Finn. Die Drogenerziehungsprogramme in ihrer gegenwärtigen Form hält das
Erziehungsministerium nicht für ausreichend, um "mit dieser Seuche unter
unserer Jugend fertig zu werden".

Schmutziges Kokain
Auf zusätzliche gesundheitliche Gefahren durch Kokain wies Ende Februar John C. Lawn, der Leiter der DEA, hin (DEA = Drug Enforcement Administration - Bundesvollzugsbehörde für die Drogenbekämpfung). Einem Bericht der "Washington Post" zufolge sieht Lawn in der Tatsache, daß die

�daß die Hälfte der Proben von beschlagnahmtem Kokain aus Florida Benzol
enthielt, "eine extrem gefährliche Situation". Seit der strengen Überwachung der Ausfuhren von Xther, der in Kolumbien zu 98 Prozent für die
Verarbeitung illegalen Kokains benutzt wurde, werde dort jetzt Benzol
verwendet. John F. Phelps, der Chef der Fahndungsabteilung von DEA, befürchtet, daß Kokainsüchtige und Personen, die regelmäßig Kokain nehmen,
dadurch ständig Benzol ausgesetzt sind. Ihre Zahl wird allein in den USA
auf vier bis fünf Millionen geschätzt. Benzol ist ein krebserregender
Stoff. Seit etwa zwei Jahrzehnten ist bekannt, daß es Leukämie verursacht.
Lateinamerika ist eine der "Drogenregionen", die die Vereinigten
Staaten sorgfältig beobachten. Von dort kommt das gesamte illegale Kokain, der größte Teil des Marihuana und mehr als ein Drittel des in den
USA konsumierten Heroins. Weitere 18 - 20 Prozent Heroin kommen aus
Burma, Laos und Thailand - dem "Goldenen Dreieck". Die Herkunftsländer
der restlichen 50 Prozent des Heroin, das seinen Weg in die USA findet,
sowie des größten Teils des in Europa konsumierten Heroins sind Iran,
Afghanistan und Pakistan ("Goldener Halbmond"). Daß unter solchen Umständen in der Drogenbekämpfung nur mit enger internationaler Zusammenarbeit überhaupt etwas zu erreichen ist, liegt auf der Hand.
Das amerikanische Außenministerium gibt pro Jahr ca. 60 Millionen
Dollar für internationale Programme zur Bekämpfung von Suchtstoffen aus.
Weitere Projekte werden - meist auf bilateraler Basis - vom Amt für internationale Entwicklung (A.I.D.) und einigen anderen amerikanschen Behörden finanziert. Von der UN-Weltkonferenz 1987 erhoffen sich die Mitarbeiter dieser Organisationen einen umfassenden Erfahrungs- und Informationsaustausch, der die Basis für wirksamere künftige Projekte abgeben
könnte. Denn immer deutlicher wird offenbar, daß es gar nicht nur um
Narkotika wie Heroin, Kokain und Cannabis-Produkte geht, sondern in zunehmendem Maße auch um sogenannte psychotrope Substanzen wie Amphetamine,
Barbiturate und Halluzinogene sowie die neuen "Analog"-Drogen. Letztere
sind den bekannten psychoaktiven Drogen sehr ähnlich. Jedoch reicht die
Veränderung ihrer chemischen Struktur aus, um sie als andere Verbindung
zu klassifizieren und so der Kontrolle durch die Behörden zu entziehen.
Mit diesem Problem befaßt sich jetzt DEA im Rahmen eines Notstands-Programms, das es der Behörde gestattet, jede dieser neuen Analog-Drogen sofort unter Kontrolle zu bekommen.
Ihre größte Gefahr ergibt sich daraus, daß durch einen noch so geringen Irrtum von Seiten des Chemikers, der sie herstellt, eine zwar sehr
ähnliche, aber doch veränderte Molekularstruktur entstehen kann, die gefährliche, ja verheerende Nebenwirkungen im Gefolge hat. So führt beispielsweise eine dieser Analog-Droge zu Symptomen, die der Parkinsonschen
Krankheit sehr ähnlich sind.
Auch zwischen Drogen und der Immunschwächekrankheit AIDS bestehen Zusammenhänge. Nicht nur die Verwendung verseuchter Injektionsnadeln kann
eine Ursache der Erkrankung sein. Vielmehr gebe es Anhaltspunkte, wie
- 4 -

�Anhaltspunkte, wie kürzlich Jon Thomas
rium berichtete, daß Drogenkonsum ganz
bar anfälliger für AIDS machen könne.
dem individuellen Immunsystem zu tun.
Frage sei jedenfalls nötig.

vom amerikanischen Außenministeallgemein den Betreffenden offenMöglicherweise habe dies etwas mit
Sehr viel mehr Forschung zu dieser

Gegenwärtig wird von den für Drogen zuständigen UN-Kommissionen eine
neue Drogenkonvention ausgearbeitet - die dritte nach jener von 1961 über
Narkotika und der von 1971 über psychotrope Substanzen. Manche zweifeln
die Notwendigkeit einer weiteren Konvention an. Sie soll jedoch, so
Thomas, die bereits vorliegenden ergänzen, neue Fahndungs- und Vollzugsverfahren und neue "Instrumente" für die Bekämpfung des Drogenhandels berücksichtigen. Hierzu gehören beispielsweise die Beschlagnahme von Vermögen und Gegenständen bei Händlern, verbesserte Auslieferungsverfahren
und erhebliche Verbesserungen im Vollzugswesen auf der Basis internationaler Zusammenarbeit, bei gegenseitiger Information und Rechtshilfe.
Die Aufwendungen der amerikanischen Bundesregierung für die Bekämpfung von Drogenmißbrauch und Drogenhandel belaufen sich auf ca. 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Dabei sind aber weder die Aufwendungen für
Vollzugsmaßnahmen und andere Aktivitäten seitens der einzelstaatlichen
und kommunalen Behörden noch die Bemühungen solcher Stellen um Programme
zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch und Vorbeugung in der Bevölkerung oder
in den Schulen berücksichtigt - von den zahlreichen privaten Initiativen
in Stadt und Land ganz zu schweigen.

- 5 -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjetische SS-25-Rakete verletzt SALT I und II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1986" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze: Verbündete unterstützen SDI-Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Vereinigung für Verteidigungsbereitschaft -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abrahamson: Bündnisstaaten wünschen verstärkt Mitarbeit an SDI-Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in Würzburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahrheit über Drogen - eine wirksame Waffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue UN-Konvention soll Zerschlagung der Händlerkartelle erleichtern -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

9. April

13

1986

I N H A L T

Dokumentation
Menschenrechtskonferenz: Botschafter Michael Novak in Bern
- Menschliche Kontakte von entscheidender Bedeutung -

Hintergrundmaterial
Die Energiepolitik der Vereinigten Staaten
- Neuer nationaler Energieplan dem Kongreß zugeleitet Lowitz: Überprüfung vor Ort Voraussetzung für Verbot chemischer
Waffen
- Ausführungen des US-Botschafters bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

Wirtschaft
Gipfel von Tokio dient Fortführung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
- Rede von Staatssekretär Wallis -

Wissenschaft und Technik
Fremde Gene direkt auf Maiszellen übertragen
- Einschleusen durch Zellmembran im elektrischen Feld -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

-

9 . A p r i l 1986

13

MENSCHENRECHTSKONFERENZ:

BOTSCHAFTER MICHAEL NOVAK IN BERN

- Menschliche Kontakte von entscheidender Bedeutung -

BERN - (AD) - Botschafter Michael Novak, Leiter der amerikanischen
Delegation bei der Berner Menschenrechtskonferenz, an der insgesamt 35 Nationen teilnehmen, sprach am 3. April 1986 zu den Delegierten einer vorbereitenden Konferenz zum Expertentreffen über menschliche Kontakte (HCEM),
das vom 15. April bis zum 26. Mai in Bern stattfindet. Bei diesem Treffen, das ein Teil des Helsinki-Prozesses ist und ein Ergebnis der Madrider
Folgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa darstellt,
werden u.a. Fragen der Familienzusammenführung, der Ehen zwischen Bürgern
unterschiedlicher Nationalitäten sowie das Recht auf Bewegungsfreiheit
diskutiert.
Botschafter Novak bezog sich in seiner Rede auf ein Treffen mit Präsident Reagan Ende März im Weißen Haus, der ihn um eine Erklärung zu der
Frage bat, "welchen Stellenwert normale menschliche Kontakte zwischen Einzelpersonen und Familien für die Bürger der Vereinigten Staaten haben".
Zu seiner kurzen Unterredung mit dem Präsidenten sagte Novak, "die
Bürger der Vereinigten Staaten, so Reagan, beurteilen politische Systeme
nach der Beschaffenheit der sozialen Kontakte, die sie zulassen".
Im folgenden geben

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�Im folgenden geben wir die Rede des Botschafters in Auszügen wieder:
Bei den Vorbereitungen zu diesem Treffen dachten wir an die Schlußakte
von Helsinki aus dem Jahr 1975 zurück, an das Jahr 1980, als unter Präsident Jimmy Carter die Madrider Folgekonferenz begann und an das Jahr 1983,
in dem die Madrider Konferenz, die im wesentlichen kontinuierlich verlief,
unter Präsident Reagan zu Ende ging. In diesem selben Sinne der Kontinuität nimmt unsere Delegation heute die Arbeit auf.
In der Welt hat sich seit dem Jahr 1975, seit 1980 und auch seit 1983
viel verändert. Wir sehen uns einer neuen Revolution im Bereich der Kommunikation und bei den technischen Mitteln gegenüber, mit denen zwischenmenschliche Kontakte, unabhängig von zentraler Kontrolle, hergestellt werden können. Wir sehen eine neue Technologie mit Personal Computern, Textverarbeitungssystemen, Glasfasern und Satelliten vor uns, die einzelnen
Menschen die Freiheit einräumt, sich wie niemals zuvor mit anderen Menschen auf der ganzen Welt zu verständigen. Wir sehen eine Welt kleiner,
tragbarer Fernsehgeräte und Telefone voraus, mit deren Hilfe Einzelpersonen in der Lage sein werden, mit anderen Menschen auf der ganzen Welt
Kontakte herzustellen.
Sowohl politisch als auch technologisch sehen wir uns einer neuen Welt
gegenüber. Wir erkennen, daß ein neues Zeitalter anbricht. In den letzten Jahren haben wir miterlebt, wie die Vereinigten Staaten und Kanada,
Westeuropa und sogar Osteuropa zu neuer Blüte gelangt sind.
Wir sehen eine neue, starke, junge Führungspersönlichkeit als Generalsekretär der Sowjetunion und hinter ihm eine neue Generation sowjetischer
politischer Führer, die in ihren produktivsten Jahren gegenüber der Geschichte, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, Verantwortlichkeiten einlösen
werden muß.
Aus diesem Grund haben wir mit großem Interesse und in großer Erwartung den Worten des Generalsekretärs in Genf zugehört, die den Geist der
Zusammenarbeit bei Menschenrechtsfragen betrafen. Wir haben es hoffnungsund erwartungsvoll vermerkt, daß er dieselben Worte vom "neuen und positiven Geist" der Zusammenarbeit bei Menschenrechtsfragen auf dem 27. Kongreß
in Moskau wiederholte. Diese Worte könnten den Beginn eines neuen Zeitalters einleiten. Es wird einiges davon abhängen, wie viel davon in die
Wirklichkeit umgesetzt wird.
Darüber hinaus wurden mir eben diese Worte von Präsident Reagan, der
mich in dieses Amt berufen hat, ins Gedächtnis gerufen, als ich unmittelbar vor meiner Abreise nach Bern die Gelegenheit zu einer kurzen Unterredung mit ihm hatte. Präsident Reagan bat mich, Ihnen und der Welt mitzuteilen, welchen Stellenwert normale zwischenmenschliche Kontakte zwischen
Einzelpersonen und Familien für die Bürger der Vereinigten Staaten haben.
Die Bürger der Vereinigten Staaten, so Reagan, beurteilen politische Systeme nach der Beschaffenheit der sozialen Kontakte, die sie zulassen.
Und seine Worte brachten mich auf den Gedanken, daß es zunächst mal keinen

�mal keinen Anlaß für scharfe Worte und keinen Anlaß für öffentliche Zurschaustellung gibt. Für die Bürger der Vereinigten Staaten sind Verbesserungen in der konkreten Realität des Lebens vieler Einzelpersonen wichtig.
Für uns ist die Realität viel wichtiger als Worte.
Als ich mich auf dieses Treffen vorbereitete, habe ich einige Reden
gelesen, die anläßlich der vorbereitenden Treffen in Madrid gehalten wurden. Diese Treffen sind sehr wichtig für uns, weil unsere Kollegen in
Madrid die Gründungsväter der Treffen in Bern waren. Sie haben während
der vorbereitenden Treffen in Madrid oft von der Notwendigkeit gesprochen,
ohne Illusionen, auf der solden Grundlage der Realität vorzugehen und dabei eine klare Überarbeitung der Schlußakte vorzunehmen, die ihnen seit
1975 so viele Enttäuschungen bereitet hatte.
Botschafter Max Kampelman, mein Vorgänger als Chef der amerikanischen
Delegation in Madrid, wies selbst darauf hin, wie unsere Kollegen in
Madrid sich immer wieder gegenseitig einschärften, daß sie den Weg der
Vernunft zu gehen hätten, daß Pragmatismus das Wichtigste sei und daß sie
sich auf die konkreten Verbesserungen für den einzelnen Menschen konzentrieren sollten.
So sprach Botschafter Kampelman zum Beispiel in seiner Abschlußrede am
15. Juli 1983 in Madrid im Hinblick auf die sechs Verbesserungen, die
Madrid dem Thema zwischenmenschliche Kontakte der Schlußakte von Helsinki
hinzugefügt hatte, diese Sätze, die auch für unser heutiges Treffen in
Bern von Bedeutung sind:
"Nach Monaten der Diskussion und des Stillstands kam man einen Schritt
voran. Der Westen ist der Meinung, daß es von Bedeutung ist, nach Madrid
und vor dem nächsten Folgetreffen ein Forum zu haben, auf dem die Frage
der zwischenmenschlichen Kontakte sorgfältig erörtert wird - und zwar auf
einem Expertentreffen, an dem die Repräsentanten aller 35 Staaten teilnehmen. Wir sehen in einem solchen Expertentreffen eine Möglichkeit, mehr
Klarheit und vielleicht auch mehr gegenseitiges Verständnis unter uns herzustellen, damit bei dem nächsten Folgetreffen diese Frage vielleicht weniger problembeladen ist.
Die Regierung der Schweiz teilte unsere Auffassung und ludt die Teilnehmerstaaten zu einem Expertentreffen ein, um sich im April 1986 mit der
Frage der zwischenmenschlichen Kontakte zu befassen. Dem stimmte schließlich auch die Sowjetunion zu. Es wurde ein so später Termin festgesetzt,
um genügend Zeit für die Beantwortung der Frage zu haben, wie es um die
Einhaltung der sechs neuen Bestimmungen des Madrider Abkommens bestellt
sein würde. Wir sehen in diesem Treffen eine wichtige Entwicklung."
Unsere Gründerväter in Madrid sahen also in den Berner Treffen einen
möglichen Wendepunkt. Das wird besonders deutlich, wenn wir einmal über
eines der ersten Wörter nachdenken, die im Madrider Dokument erscheinen.
Das Wort heißt "Entspannung". Schon 1980 fing das Wort "Entspannung" an,
seine Klarheit und seinen positiven Beiklang zu verlieren. Es ist ein

�Es ist ein Wort, dem - wenn ihm heutzutage überhaupt noch irgendeine Bedeutung geblieben ist - drei Aspekte innewohnen, über die ich zum Abschluß
noch etwas sagen möchte: Frieden, Zusammenarbeit, Sicherheit. Jede dieser
drei Realitäten hängt in erster Linie von der Qualität zwischenmenschlicher Kontakte ab, ja, wird hiervon eigentlich beherrscht.
Nehmen wir den Frieden. Was ist Frieden? Frieden ist die Situation,
in der es ungehindert zu zwischenmenschlichen Kontakten kommt. Friede ist
die Kraft geordneter Ruhe, wie schon der heilige Augustinus sagte - eine
Ordnung in Gesetz, Brüderlichkeit, Freiheit und Zwanglosigkeit.
Was ist Zusammenarbeit? Zusammenarbeit herrscht, wenn Menschen nicht
nur zueinander in Kontakt stehen, sondern auch miteinander arbeiten. Sie
helfen einander, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen, das sie sich
gemeinsam und freiwillig gesetzt haben. Zu Zusammenarbeit gehören Freiheit und Wahlfreiheit. Zu Zusammenarbeit muß es auf freiwilliger Basis
kommen. Sie ist eine wertvolle Form des zwischenmenschlichen Kontaktes.
Was ist Sicherheit? Sicherheit ist die Situation, in der Menschen in
gegenseitigem Kontakt und in Freiheit ohne Furcht und ohne Bedrohung leben.
Frieden, Zusammenarbeit und Sicherheit - zu jedem gehört ganz unabdingbar das Konzept zwischenmenschlicher Kontakte. Es ist die Qualität
dieser zwischenmenschlichen Kontakte, die uns erkennen läßt, ob wir Frieden, Zusammenarbeit und Sicherheit haben. Denn sie kommen durch freie
zwischenmenschliche Kontakte zustande und sind ohne Furcht und ohne Zwang
gewählt.
Wir Amerikaner sehen unsere geistigen Wurzeln in Europa. Wir sehen,
wie Europa - Ost und West - über die Jahrhunderte hinweg als zwei Xste aus
einer gemeinsamen Wurzel erwuchs, wir sehen, wie Europa in eine neue Sra
der engeren Kontakte eintritt, hervorgerufen durch eine neue Technologie
und eine neue Politik. Jene, die sich für diese neue Sra vorbereiten
möchten, müssen jetzt Entscheidungen über die Qualität der zwischenmenschlichen Kontakte treffen, die das Leben in Europa um die Jahrtausendwende
bestimmen werden.
Obgleich also diese Treffen in Bern nur einen kleinen und bescheidenen
Ort auf dem großen Feld der zwischenstaatlichen Beziehungen darstellen, so
ist wiederum dieses kleine und bescheidene Feld ein Ort von entscheidender
Bedeutung. Die Zukunft Europas wird in entscheidender Weise von der Qualität der zwischenmenschlichen Kontakte geprägt werden.
Es ist die Hoffnung meiner Delegation, daß es in der neuen Xra, in die
wir eintreten, eine Verbesserung der konkreten Realität der Menschen geben
wird, nämlich einen neuen Geist der Zusammenarbeit bei humanitären Fragen.
Und es ist dieser Geist, in dem wir uns auf die Zusammenarbeit mit jeder
einzelnen Delegation in diesem Raum freuen - ein produktiver Geist, der
sich dem Weg der Vernunft und des Pragmatismus verpflichtet fühlt. Und
dabei werden wir uns insbesondere um konkrete Ergebnisse bei Einzelfällen
und um konkrete Verbesserungen im Leben vieler einzelner Menschen bemühen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

9. April 1986

13

DIE ENERGIEPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
Neuer nationaler Energieplan dem Kongreß zugeleitet -

WASHINGTON - (AD) - Eine marktorientierte Energiepolitik, die sich auf
die riesigen amerikanischen Ressourcen für die Produktion, aber auch auf
Energieeinsparung durch technische Innovationen stützt, bietet nach Ansicht der amerikanischen Regierung die besten Aussichten, die kraftvolle
Entwicklung der letzten fünf Jahre auf dem Energiesektor zu erhalten.
Diese Einstellung kommt erneut in dem am 26. März 1986 dem amerikanischen
Kongreß vorgelegten "Plan für die nationale Energiepolitik" deutlich zum
Ausdruck.
Weitere Hauptpunkte im jüngsten Energieplan Präsident Reagans sind:
- Abbau von Bundeskontrollen, die eine effiziente Energienutzung beeinträchtigen;
- verstärkte Erschließung einheimischer Energieressourcen, vor allem im
äußeren Schelfgebiet und auf bundeseigenem Land;
- effiziente Nutzung vorhandener Energie;
- Vorsorge für Mangelsituationen auf dem Energiesektor;
- internationale

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�- internationale Zusammenarbeit zur Erschließung alternativer Energiequellen und Vereitelung von Unterbrechungen der Ölversorgung.
Dem Bericht zufolge erreichten die Vereinigten Staaten Energiestabilität und machten wesentliche Fortschritte zur Erzielung von Energiesicherheit. Und "dank der drei wichtigen Elemente 'Energieeinsparung, reiche
Kohlevorräte und Kernkraft' entwickelt unser Land beharrlich Stärke im Bereich der Energie".
Im jüngsten energiepolitischen Plan der amerikanischen Regierung wird
in bezug auf Energiequellen u.a. ausgeführt:
- öl und Gas: Auch wenn die Inlandsproduktion von Erdöl im Jahr 1985
ihren höchsten Stand seit 1973 erreicht hat, wird sie in den kommenden
Jahren erwartungsgemäß stetig absinken. Dieser Trend kann gebremst
werden, wenn man zur Exploration in Schelfgebieten und auf bundeseigenem Land ermutigt. Die Regierung Reagan setzt sich außerdem für die
vollständige Aufhebung der Preisbildung für Erdgas in der laufenden
Legislaturperiode des Kongresses ein (die ölpreisbindung wurde 1981
aufgehoben).
- Kohle: Kohle ist nach wie vor die reichhaltigste Energiequelle der
Vereinigten Staaten. Die Ressourcen machen etwa 80 Prozent der erschließbaren fossilen Brennstoffe aus. Die Regierung wird Projekte
der Grundlagenforschung unterstützen, die einer effizienteren Kohlenutzung und verringerter Umweltbelastung gelten und gleichzeitig einem
stärkeren Verbrauch bundeseigener Kohle den Weg ebnen.
- Kernkraft: Kernkraft ist gegenwärtig die zweitgrößte Quelle für
Stromerzeugung und dürfte in den neunziger Jahren den Gesamtenergiebedarf in den Vereinigten Staaten zu etwa 18 Prozent decken. Jedoch
wurden seit 1978 keine Kernkraftwerke mehr in Auftrag gegeben; manche
Kraftwerksprojekte, die sich bereits im vorgeschrittenen Baustadium
befanden, wurden annulliert. Um diese Situation bereinigen zu helfen,
beabsichtigt die amerikanische Regierung die Durchführung von Programmen zu einer Reform des Genehmigungsverfahrens, für die sichere Ablagerung von Atommüll, für Forschung und Entwicklung auf dem Sicherheitssektor, für Information und Aufklärung der Öffentlichkeit und
schließlich zur Beseitigung von Exportbarrieren für Kernreaktoren und
nukleare Ausrüstungen amerikanischer Herkunft.
- Einsparung: Energieeinsparung hat sich "als der schnellste Weg zur
Verringerung des Bedarfs an neuen oder importierten Energieressourcen
erwiesen. In der Tat trägt sie jetzt mehr zum Ausgleich unserer nationalen Energiebilanz bei als jede einzelne Energiequelle." Da der
Markt am ehesten Energieeinsparungen bestimmt, wird sich die Regierung
auf Forschungsanstrengungen in anderer Richtung und auf Gemeinschaftsprojekte mit der Privatindustrie konzentrieren.
- Erneuerbare Energie:
- 2 -

�Erneuerbare Energie: Von der
projekte gelten vor allem der
Energie (beispielsweise Holz,
Effizienz und die Lebensdauer
zu senken.

Bundesregierung geförderte ForschungsEntwicklung von Systemen mit eneuerbarer
Wasserkraft und Sonnenenergie), um die
der Anlagen zu steigern und die Kosten

Elektrizität': Die Vereinigten Staaten haben derzeit eine Uberkapazität bei der Stromproduktion. Aber angesichts der gegenwärtigen Erwartungen von weiterem Wirtschaftswachstum und der sich daraus ergebenden Steigerung des Strombedarfs dürfte diese Situation vorübergehender Natur sein. Der beste Weg, eine ausreichende und effiziente
Stromversorgung zu gewährleisten, besteht darin, bei Stromversorgungsunternehmen rechtzeitige und angemessene Investitionen zu fördern und
in bezug auf behördliche Vorschriften ein günstigeres Klima zu schaffen.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Hintergrundmaterial
9. April 1986

13

LOWITZ: ÜBERPRÜFUNG VOR ORT VORAUSSETZUNG FÜR VERBOT CHEMISCHER WAFFEN
- Ausführungen des US-Botschafters bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

GENF - (AD) - Auf der Konferenz für Abrüstung in Genf haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß obligatorische Überprüfungen vor Ort
die Voraussetzung für die Verifizierung eines Verbots chemischer Waffen
bilden.
In einer am 3. April 1986 vor dem aus 40 Mitgliedern bestehenden Gremium gehaltenen Rede erklärte der Vertreter der Vereinigten Staaten, Botschafter Donald Lowitz, daß kurzfristige Überprüfungen das "zentrale Thema" bei Verhandlungen über ein umfassendes Verbot der Entwicklung und
Herstellung, dem Transfer und Gebrauch chemischer Waffen darstellen.
Kurzfristige Überprüfungen wurden zuerst 1984 von den Vereinigten Staaten
vorgeschlagen, als Vizepräsident Bush der Abrüstungskonferenz den Entwurf
einer Konvention zum Verbot chemischer Waffen unterbreitete. Laut diesem
Vorschlag könnte jedes Land, das zweifei an der Einhaltung eines etwaigen
Verbots chemischer Waffen hegt, eine Überprüfung vor Ort in einem anderen
Land verlangen, und dieses Land müßte einem solchen Verlangen sehr kurzfristig zustimmen.
Lowitz erklärte, daß "eine der Hauptschwierigkeiten" seit 1984 in dem
"offensichtlichen Widerwillen einiger Länder besteht, sich auf die Verifizierungsmaßnahmen zu verpflichten, die notwendig wären, um die Einhai-

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�die Einhaltung der Bestimmungen eines umfassenden Verbots chemischer Waffen zu gewährleisten".
Insbesondere forderte er die Sowjetunion auf, den in der gemeinsamen
Erklärung des Genfer Gipfels ausgedrückten Optimismus sowie die Erklärung
des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow in die Tat umzusetzen, in
der er die "Annahme" des Konzepts der Verifizierung vor Ort bei der Beseitigung der Produktionseinrichtungen für chemische Waffen andeutete.
"Auf der Abrüstungskonferenz haben wir von den Delegationen der Gruppe
sozialistischer Staaten viel über die Wichtigkeit der Verifizierung gehört," erklärte Lowitz vor dem Gremium für Abrüstungsverhandlungen. "Bis
jetzt haben diese Erklärungen jedoch meist aus allgemeinen Feststellungen
bestanden."
"Wir haben geduldig darauf gewartet, daß die Delegation der Sowjetunion detaillierte Vorschläge zur Verifizierung auf den Tisch legt.
Solche Vorschläge könnten einen positiven Schritt darstellen, der uns unserem Ziel näherbringt." Lowitz erklärte weiterhin, daß die Abrüstungskonferenz "immer noch auf detaillierte Informationen wartet, die notwendig sind, um die allgemeinen Erklärungen von Generalsekretär Gorbatschow
zum Thema der Verifizierung in konkrete Verhandlungsvorschläge umzusetzen" .
Die Vereinigten Staaten haben ihrerseits, wie Botschafter Lowitz betonte, "jeden Versuch" unternommen, um ihre Ansichten zum Problem der
Einhaltung "und darüber, warum die Vereinigten Staaten obligatorische
kurzfristige Überprüfungen für ein effektives und verifizierbares Verbot
chemischer Waffen für unentbehrlich halten", zu erläutern. Der amerikanische Überprüfungsvorschlag "anerkennt die entscheidende Notwendigkeit
einer Verifizierungsregelung, die für potentielle Verletzer eine glaubwürdige Abschreckung darstellen würde".
Er forderte die Sowjetunion auf, einen "neuen Vorschlag" zur Verifizierung vorzulegen, da das von ihr vorgeschlagene Überprüfungssystem "auf
freiwilliger Basis" weder eine glaubwürdige Abschreckung noch das notwendige Vertrauen in ein solches Verbot schaffen könne.
Lowitz legte den Delegierten der Abrüstungskonferenz außerdem ein Papier vor, in dem diejenigen Bestimmungen des amerikanischen Konventionsentwurfs erläutert werden, die die von besonderen Inspektionen vor Ort
betroffenen Produktionsstätten für chemische Waffen berühren. Er erklärte, daß das Papier einen Zusatz zu Artikel X der vorgeschlagenen Konvention enthält, der "dazu dient, es noch klarer zu machen", daß die Verpflichtung zu Überprüfungen vor Ort gleichermaßen auf alle Staaten zutrifft und sowohl private als auch öffentliche Einrichtungen betrifft.
(Der Zusatz streicht den Begriff "staatlich kontrolliert" bei der Bezugnahme auf von Inspektionen vor Ort betroffene Einrichtungen und ersetzt
ihn durch neue Begriffe, um zu betonen, daß auch private Einrichtungen
darin einbezogen sind.)
"Der wichtigste
- 2-

�"Der wichtigste Punkt besteht darin, daß in der Regelung keine Lücken
für mögliche Verletzungen der Konvention enthalten sind," erklärte Lowitz
und schloß: "Ich hoffe, daß andere Delegationen sich uns anschließen und
Vorschläge unterbreiten, die ihre eigenen Positionen effektiv klarstellen, und zwar nicht nur solche in bezug auf das Thema der Verifizierung
und Einhaltung, sondern auch diejenigen, die alle anderen Probleme bei
den Verhandlungen über die Konvention über chemische Waffen betreffen."

* * * * *

.

�1

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V,ON

^

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

*

9. April 1986

13

GIPFEL VON TOKIO DIENT FORTFÜHRUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN

ZUSAMMENARBEIT

- Rede von Staatssekretär Wallis -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem American Enterprise Institute erklärte der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium Allen
Wallis am 7. April 1986, daß die Reagan-Administration auf dem kommenden
Weltwirtschaftsgipfel in Tokio ein Anhalten des Trends zu effektiverer
wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen den Industriestaaten erwartet.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
In weniger als einem Monat wird Präsident Reagan nach Tokio reisen, um
am 12. Treffen der Führer der sieben bedeutendsten Industriestaaten und
der Europäischen Gemeinschaft teilzunehmen. Dies wird das vierte Gipfeltreffen sein, an dem ich als persönlicher Vertreter Präsident Reagans
teilnehmen werde. Während der Vorbereitungen in diesem Jahr hat mich besonders das Ausmaß der Übereinstimmung hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen unter den Teilnehmerstaaten beeindruckt.
Heute möchte ich meine Bemerkungen besonders auf die vier wirtschaftlichen Ziele konzentrieren, die allen Teilnehmerländern von Tokio gemeinsam sind:
Erstens, die

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�- Erstens, die Stärkung und Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums
in den Gipfelstaaten;
- zweitens, das Wirtschaftswachstum auch mehr noch in den anderen Staaten der Welt, darunter den hochverschuldeten Entwicklungsländern, zu
verbreiten;
- drittens, die Stärkung und Erweiterung der Freiheit des internationalen Handels; und
- viertens, die Verbesserung der Funktionsweise des internationalen Währungssystems.

1.

Das Wirtschaftswachstum in den Teilnehmerstaaten

Die Teilnehmerländer am Weltwirtschaftsgipfel haben in der Vergangenheit bereits ihre eigenen Volkswirtschaften in großem Maß gestärkt. Sie
kontrollieren das Wachstum der Geldmenge und reduzieren damit die Inflation. Einige haben damit begonnen, das Ausmaß und die Einmischung der Regierung sowie unnötige Ausgaben und Vorschriften zu verringern. Viele bemühen sich darum, ihre Besteuerungssysteme zu verbessern, um Hemmnisse für
Arbeitswillen, Spareifer und Investitionsbereitschaft abzubauen. Und diese Bemühungen tragen Früchte: Als Gruppe befinden sich die Gipfelstaaten
gegenwärtig im vierten Jahr eines ununterbrochenen Wirtschaftsaufschwungs,
ohne erneuten Anstieg der Inflation. Im Jahr 1984 wuchsen die Konsumentenpreise in den Teilnehmerländern im Mittel um weniger als vier Prozent
an, welches das beste Ergebnis seit den sechziger Jahren darstellt.
Wir machen uns jedoch Sorgen über einige Aspekte der wirtschaftlichen
Leistung einiger anderer Teilnehmerstaaten. Es gibt ernste strukturelle
Hindernisse für ein Anwachsen der Beschäftigtenzahl in Europa. Die Arbeitslosenzahlen in Europa, die traditionell immer viel niedriger waren
als unsere, sind inzwischen zweistellig, und eine Besserung ist nicht in
Sicht.
Das grundsätzliche Problem in Europa beruht auf dem tiefverwurzelten
Widerstand gegen einen Wandel, der die effiziente Nutzung wirtschaftlicher
Ressourcen verhindert. Diese strukturellen Hindernisse haben besonders
negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, wo sie sowohl das Angebot als
auch die Nachfrage nach Arbeitskräften verzerren. Verkrustungen auf dem
Arbeitsmarkt erstrecken sich auf hohe Mindestlöhne, Beschränkungen der Unternehmerrechte auf Einstellung und Entlassung und subventionierte Wohnungsprogramme. In einigen Ländern reduzieren überhöhte Arbeitslosen- und
Sozialhilfezahlungen die wirtschaftlichen Anreize zu arbeiten.
Während solche Verkrustungen in Europa besonders ernste Formen angenommen haben, leidet auch Japan teilweise an Ineffizienz. Ein Hauptgrund
für den großen Handelsüberschuß Japans besteht darin, daß es in diesem
Land, abgesehen von einigen wenigen Exportsektoren, so wenig gute Möglich- 2 -

�gute Möglichkeiten zu investieren gibt. Ein Großteil der japanischen Ersparnisse, die übrigens sehr hoch sind, wird im Ausland angelegt, besonders in den Vereinigten Staaten. Obwohl wir vom Zustrom japanischen Kapitals profitieren, wäre es gesünder, wenn die japanische Wirtschaft effizienter arbeiten würde. Dann würde mehr Kapital im Lande selbst investiert, sein Handelsüberschuß würde verringert und der Handel zwischen
Japan und den Vereinigten Staaten würde beiden Ländern mehr Nutzen bringen.
Der kürzlich erfolgte Rückgang der ölpreise, der das Ergebnis der
Marktkräfte darstellt, wird zweifellos auf dem Gipfeltreffen zur Sprache
kommen. Es gab ein breitangelegtes Zusammenspiel zwischen den Konsumenten, die ihren Ölverbrauch stark gedrosselt haben, und den Produzenten,
die auf die hohen Preise mit der Erhöhung ihrer Produktionskapazität reagiert haben. Diese Kapazität übertrifft zur Zeit bei weitem den Verbrauch. Der ölpreis hat sich so weit verringert, daß er sich den Produktionskosten annähert. Ein Ergebnis besteht darin, daß das reale Wirtschaftswachstum in den größeren Industriestaaten 1986 um bis zu einem Prozentpunkt höher ausfallen könnte, während die Inflation um bis zu zwei
Prozentpunkte zurückgeht (falls dies nicht durch die Geldpolitik wieder
zunichte gemacht wird). Wenn wir es erlauben, daß die Vorteile der niedrigen ölpreise voll an die ölverbraucher weitergegeben werden, werden Konsum und Investitionsbereitschaft anwachsen und damit Wirtschaftswachstum
und Beschäftigung stärken.

2. Stärkung der Aussichten auf wirtschaftliches Wachstum in den anderen
Staaten
Das zweite gemeinsame Ziel der Gipfelteilnehmer besteht darin, das
Wirtschaftswachstum weiter unter den anderen Staaten der Welt, darunter
die hochverschuldeten Entwicklungsländer, zu verbreiten.
Finanzminister Baker hat während des Jahrestrffens von IWF und Weltbank in Seoul letzten Oktober den Vorschlag der Vereinigten Staaten für
ein "Programm dauerhaften Wachstums" unterbreitet. Die amerikanische Initiative dient der Verbesserung des Wachstums in hochverschuldeten Staaten
mit mittlerem Einkommen, das durch wirtschaftliche Reformen sowie durch
wirksamere Kreditvergabe multilateraler Entwicklungsbanken und zusätzliche
Darlehen der Geschäftsbanken unterstützt werden soll.
Die Initiative sieht vor, daß die Weltbank in enger Zusammenarbeit mit
dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr strukturelle und sektorale
Darlehen als Projektdarlehen gewähren will, um Schuldnerländern dabei zu
helfen, eine marktorientierte Politik zu betreiben.
Der IWF spielt aber in unserer Strategie eine zentrale Rolle. Obwohl
wir erwarten, daß die von beiden Institutionen geförderten Programme konsequent sind und sich gegenseitig unterstützen, so hat jedes für sich eine
festgelegte Rolle und ein besonderes Verantwortungsgebiet. Bei dem Fonds
handelt es sich um eine Währungsinstitution, nicht um eine Entwicklungs- 3 -

�eine Entwicklungsbank, so daß die Darlehen auf Programme mit kurzer Dauer
beschränkt bleiben müssen. Auf der anderen Seite gewährt die Weltbank zur
Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung Darlehen mit langen Laufzeiten. Ihre besondere Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, daß ihre
Programme und Maßnahmen dazu beitragen, strukturelle Reformen zu schaffen,
ohne die das Geld zu einem Großteil verschwendet sein würde.
Obwohl die Initiative der Vereinigten Staaten einen wichtigen Darlehenszuwachs von Seiten der Weltbank und kommerzieller Banken vorsieht,
werden Darlehen nur zur Unterstützung starker wirtschaftlicher Anpassungsprogramme gewährt. Finanzminister Baker räumt diesem Punkt die höchste
und wichtigste Priorität ein. Ohne solche Reformen, wie die Entwicklung
leistungsfähigerer Kapital- und Aktienmärkte, Rationalisierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, Liberalisierung des Außenhandels und
der Investmentpolitik, Abbau von Zuschüssen, Preisbindungen und Korruption
kann keinerlei Finanzhilfe von außen ein fortschreitendes Wachstum sicherstellen.

3.

Erhaltung des offenen Handelssystems

Ein drittes von uns allen verfolgtes Ziel ist die Erhaltung und Stärkung des offenen Handelssystems. Internationaler Handel und Investitionen
sind für globalen Wohlstand unabdingbar. Die Ereignisse der vergangenen
Jahre bedrohen jedoch das offene internationale Handelssystem. Es ist für
die Vereinigten Staaten - seit einem halben Jahrhundert Vorreiter des
freien Handels - zunehmend schwierig geworden, ihre eigenen Märkte offen
zu halten, angesichts eines ansteigenden Handelsdefizits und der Erkenntnis, daß andere unsere Offenheit ausnutzen, aber nicht erwidern.
Im vergangenen September kündigte Präsident Reagan eine umfassende
Strategie der Vereinigten Staaten zur Stärkung des offenen Handelssystems
an. Diese Strategie hat drei Kernpunkte:
- Erstens die energische Vertretung der Rechte und Interessen der Vereinigten Staaten im internatioanlen Handel unter amerikanischem Recht,
sowie auch im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
und bei bilateralen Verhandlungen,
- zweitens, eine neue Runde multilateraler Verhandlungen über den Handel
im Rahmen von GATT,
- drittens, gemeinsame internationale Bemühungen zur Förderung eines
stärkeren und ausgewogeneren Wachstums in größeren Wirtschaftssystemen
und zur Stärkung des Gegenwerts anderer Währungen.
Wir haben in jedem Bereich dieses Programms Fortschritte erzielt. Von
der Regierung aufgegriffene Fälle unfairer Handelspraktiken haben unseren
Handelspartnern eine wichtige Botschaft vermittelt. Einige Fälle wurden,
entgegen unseren Plänen, nicht öffentlich untersucht, weil die bloße Aus-

�bloße Aussicht darauf andere Nationen veranlaßte, ihre unfairen Handelspraktiken einzustellen.
Unter der Führung von Premierminister Nakasone unernimmt Japan beispiellose Anstrengungen zur Öffnung seiner Handels- und Finanzmärkte, Bemühungen, die amerikanischen Firmen bedeutende neue Möglichkeiten eingeräumt haben. Die sogenannten "MOSS"- (marktorientierte, auf einzelne Sektoren bezogene) Gespräche erzielten, trotz häufiger gegenteiliger Beurteilungen, beträchtliche Erfolge bei den Bemühungen, Japans Märkte für Telekommunikation, Arzneimittel, medizinische Ausrüstungen und forstwirtschaftliche Produkte zu öffnen.
&gt;

'

Verbesserter Zugang zu japanischen Märkten ist sicher ein erstrebenswertes Ziel, aber ein bedeutender Abbau unseres bilateralen Ungleichgewichts im Handel erfordert grundlegendere Änderungen. Premierminister
Nakasone bemüht sich um eine grundlegende Umwandlung der japanischen Wirtschaft. Es wird erwartet, daß er in Kürze Empfehlungen einer Sonderkommission bekanntgibt, die sich mit diesen Fragen beschäftigt hat. Wir wurden von den Untersuchungen der Kommission unterrichtet und begrüßen sie.
Wir freuen uns, daß wir den Bericht mit Herrn Nakasone und anderen japanischen Vertretern anläßlich ihres Besuchs in Washington gegen Ende dieser
Woche beprechen können.
Diskussionen über den Handel beim Wirtschaftsgipfel in Tokio werden
ihr Augenmerk auf eine neue GATT-Runde multilateraler Verhandlungen richten, die der vielversprechendste Weg zu freierem Handel sind, Exporterleichterungen schaffen, effektiv zur Lösungen von Streitigkeiten beitragen
und das Gefüge des internationalen Handelssystems festigen. Allen handeltreibenden Staaten kommt ein wichtiger Anteil bei der Entwicklung eines
umfassenden Programmes zu, um GATT zu reformieren, es dem heutigen Handel
anzupassen und seine Fähigkeit zu erweitern, mit neu aufkommenden Problemen fertigzuwerden.
In der neuen Runde verfolgen die Vereinigten Staaten sechs Hauptziele:
- Erstens, Stärkung der Abläufe des GATT zur Beilegung von Streitigkeiten.

1

- Zweitens, Verbesserung der Disziplin bei den sogenannten "Sicherheitsklauseln", den von den Regierungen im Notfall zu ergreifenden Maßnahmen, um einheimische Industrien vor einem plötzlichen Anstieg der Importe zu schützen.
- Drittens, Beendigung des Chaos beim Handel im Landwirtschaftsbereich.
Hier haben die Vereinigten Staaten zwar auch selbst gesündigt, doch
wurden auch erhebliche Sünden an ihnen begangen. Sie, wie auch die
übrige Welt, würden große Vorteile daraus ziehen, die Landwirtschaft
auf eine stärker marktorientierte Grundlage zu stellen, indem Exportsubventionen beseitigt und Einfuhrhindernisse abgebaut werden.
Viertens, Verbesserung
- 5 -

�- Viertens, Verbesserung der Disziplin bei den nichttarifären Handelsschranken, die den Handel behindern - einschließlich der Probleme der
öffentlichen Aufträge, des Flugzeugsektors und der Subventionen.
- Fünftens, Verbesserung des Marktzugangs auch in den traditionellen Bereichen des Warenhandels durch niedrigere Zölle und weniger restriktive Quoten.
- Sechstens, Ausweitung des GATT auf neue Bereiche, insbesondere Dienstleistungen, Investitionen und geistiges Eigentum.

4.

Das internationale Währungssystem

,

Präsident Reagan forderte in seinem Bericht zur Lage der Nation Anfang
Februar eine stärkere Koordination bei der jeweiligen Wirtschaftspolitik
der wichtigsten Industriestaaten zur Verbesserung der Wechselkursstabilität. Er beauftragte außerdem Finanzminister Baker damit, herauszufinden,
ob es sinnvoll für die Staatengemeinschaft sei, zu einer Diskussion über
Rolle und Beziehungssystem der verschiedenen Währungen zusammenzukommen.
Die Erklärung des Präsidenten hat zu erheblicher Nachdenklichkeit geführt
und die Dringlichkeit der Gespräche beim Internationalen Währungsfonds und
anderen Institutionen noch verstärkt.

»

Die Wechselkurse sind das Hauptbindeglied zwischen den einzelnen
Volkswirtschaften, und der Wechselkurs der Währung eines Landes ist vielleicht der wichtigste Preis seiner gesamten Wirtschaft. Wenn wir internationale Maßnahmen zur Verbesserung der Stabilität der Wechselkurse in
Erwägung ziehen, müssen wir uns über die Ursachen und Funktionen der Veränderungen dieser Wechselkurse sowie darüber im klaren sein, was Zusammenarbeit erreichen kann und was nicht.
Es herrscht wenig ernsthafte Meinungsverschiedenheit über die Gründe
für die Veränderungen der Wechselkurse im vergangenen Jahrzehnt. Und
gleich, welche institutionelle Vereinbarungen Regierungen auch immer treffen, so bleibt Tatsache, daß die Märkte die Wechselkurse auf der Grundlage
dessen bestimmen, wie sie die zugrundeliegenden Bedingungen und Aussichten
der jeweiligen Volkswirtschaft beurteilen.
i

Die meisten Beobachter begrüßen die Bewegungen der Wechselkurse, die
in den vergangenen 14 Monaten stattgefunden haben, wie auch den Geist der
Zusammenarbeit zwischen den im Währungsbereich Verantwortlichen, der sich
im Plaza-Abkommen vom vergangenen September widerspiegelt. Diese Entwicklungen wären jedoch nicht ohne die zunehmende Konvergenz bei der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit der Gipfelstaaten möglich gewesen, die sich im
Verlauf mehrerer Jahre der intensiven Konsultationen und Zusammenarbeit
herausgeschält hat.

Wir müssen
- 6 -

'

�Wir müssen herausfinden, ob diese Tendenz durch Änderungen bei institutionellen Abkommen noch verstärkt werden kann. Sollte dem so sein, so
wäre dies nur von Vorteil; aber wir dürfen auch nicht die Tatsache außer
Acht lasser, daß letztlich eine gute Position auf der Skala der Wechselkurse nur durch eine verbesserte Wirtschaftstätigkeit und durch konsistentere Politik innerhalb der wichtigsten Volkswirtschaften erreicht werden
kann.

Schlußfolgerung
Wir hoffen, daß sich auf dem Gipfel von Tokio der jüngste ?rend in
Richtung auf engere und effizientere Zusammenarbeit in einer ganzen Bandbreite von wirtschaftlichen und politischen Themenbereichen fortsetzen
wird. Dieser Trend beschränkt sich dabei nicht auf die Gipfelstaaten.
Sowohl Demokratie als auch freier Markt breiten sich auf der ganzen Welt
aus. Industrienationen wie auch Entwicklungsländer teilen unseren Wuns
Lösungen für die Probleme des Wachstums und des Handels, des Friedens ur3
der Sicherheit zu finden. Die freien Staaten, die eine solide Wirtschaftspolitik betreiben, haben schon jetzt Erhebliches geleistet und erreicht. Die Vereinigten Staaten können auf ihren Beitrag, ja, auf ihre
führende Rolle bei diesen Leistungen stolz sein. Auf dem Gipfel wird Präsident Reagan deutlich machen, daß wir bereit sind, unseren Beitrag zu
leisten, um die Welt in eine noch bessere Zukunft zu führen.

* * * * *

- 7-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

9. April 1986

13

FREMDE GENE DIREKT AUF MAISZELLEN ÜBERTRAGEN
Einschleusen durch Zellmembran im elektrischen Feld

- (AD) - !)ber erfolgreiche Experimente, bei denen fremde Gene direkt
auf pflanzliche Zellen übertragen wurden, berichtete kürzlich Dr. Virginia
Walbot, Professorin für Pflanzenbiologie an der Stanford-Universität, in
der Zeitschrift "Nature". Direkt übertragen bedeutet, daß auf Bakterien
als Trägermedien für bestimmte Chromosomenabschnitte aus der DNS
(Desoxyribonucleinsäure) der Spenderzelle verzichtet werden konnte. (DNS
ist das reproduzierfähige Molekül im Zellkern und Träger der Erbeigenschaften.) Dieser Umstand ist ein wichtiger Fortschritt bei den Bemühungen, Nutzpflanzen mittels gentechnologischer Verfahren neue Eigenschaften
zu verleihen, die an die nächsten Generationen weitergegeben werden.
Prof. Walbot und ihre Mitarbeiter Michael Fromm und Loverine Taylor
arbeiteten mit einer verbesserten Methode, durch die vorübergehend die Außenmembran von Zellen "porös" gemacht wird. In einem starken elektrischen
Feld können DNS-Fragmente, die groß genug sind, um mehrere Gene zu enthalten, diese Poren durchdringen und sich mit der DNS der Empfängerzellen
verbinden. Dies sei bei den Experimenten im Labor, wie Prof. Walbot berichtete, bei ein bis zwei Prozent der Maiszellen geschehen. Die schwierigste Aufgabe bei der Anwendung des Verfahrens habe darin bestanden, herauszufinden, wie die Empfängerzelle länger lebensfähig erhalten werden
kann.
Die vorübergehende

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�Die vorübergehende Porosität ergibt sich unter der Einwirkung einer
starken elektrischen Entladung. Es sei "mysteriös", daß Zellen eine so
rigorose Behandlung überhaupt überleben, meinte Virginia Walbot. Denn eine Voraussetzung für Leben sei eine intakte Plasmamembran, mit deren Hilfe
sich Zellen gegen Fremdmaterial abschirmen. Die Biologin vermutet, daß
Zeil-Enzyme, die normalerweise Schäden am DNS-Molekül "reparieren", die
Premdgene in die Chromosomen der Empfängerzelle einbauen. Jedenfalls könne diese Methode, weiter verbessert, dazu beitragen, die Entwicklung neuer
Sorten bereits in etwa zwei Jahren zu bewerkstelligen. Bei den bisher üblichen Verfahren dieses Kreuzens und Ruckkreuzens müsse man mit mindestens
sechs Jahren rechnen.
Nach Meinung der Forschergruppe dürfte die neue Methode bei allen
Pflanzen anwendbar sein. Durch gentechnologische Verfahren, bei denen
Bakterien als Zwischenträger benutzt werden, könnten bei manchen Pflanzen
die Erbanlagen bereits verändert werden. Aber diese Methode funktioniert
bei Getreide und anderen wichtigen Nutzpflanzen nicht. Von der "Elektroporation" erhoffe man sich jetzt einen neuen Weg, um nützliche Eigenschaften artfremder Pflanzen auf bestimmte Nutzpflanzen zu übertragen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumenation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtskonferenz: Botschafter Michael Novak in Bern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Menschliche Kontakte von entscheidender Bedeutung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Energiepolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer nationaler Energieplan dem Kongress zugeleitet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lowitz: Überprüfung vor Ort Voraussetzung für Verbot chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Botschafters bei der Genfer Abrüstungskonferenz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfel von Tokio dient Fortführung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Staatssekretär Wallis -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fremde Gene direkt auf Maiszellen übertragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einschleusen durch Zellmembran im elektrischen Feld -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 6 . A p r i l 1986

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Streitkräfte in Libyen erfolgreich
- Präsident Reagans Fernsehansprache an die Nation
Reagan sieht Möglichkeit für Gipfel im Juli
- Pressekonferenz des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Fragen und Antworten zur amerikanischen Aktion gegen Libyen
- Argumente des Weißen Hauses Amerikanisch-europäische Beziehungen
- Unterstaatssekretär Ridgway im Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erste Tests mit experimentellem AIDS-Impfstoff in USA
- Ziel: Impfschutz und wirksame Medikamente -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

14

16. April 1986

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE IN LIBYEN ERFOLGREICH
Präsident Reagans Fernsehansprache an die Nation -

WASHINGTON - (AD) - In einer vom amerikanischen Fernsehen landesweit
übertragenen Ansprache bezeichnete Präsident Reagan am 14. April 1986 den
amerikanischen Einsatz gegen Libyen als Vergeltungsakt für den Anschlag
auf die Diskothek La Belle in Berlin, die auf das Konto libyscher Terroristen geht. "Die Beweislage ist eindeutig", so der Präsident, "daß
der terroristische Anschlag auf die Diskothek La Belle auf direkten Befehl der libyschen Regierung geplant und ausgeführt wurde".
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Meine amerikanischen Mitbürger.
Heute abend um sieben Uhr (EST) haben die Luft- und Seestreitkräfte
der Vereinigten Staaten eine Reihe von Angriffen gegen Hauptquartiere,
terroristische und militärische Einrichtungen unternommen, die Muammar
Gadhafis subversive Aktivitäten dienten. Die Angriffe waren zielgerichtet und sorgfältig darauf abgestimmt, Verluste unter der libyschen Bevölkerung, mit der wir keinen Streit haben, zu vermeiden. Aus ersten Berichten geht hervor, daß unsere Truppen bei ihrer Mission erfolgreich
waren.
Vor einigen Wochen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vor einigen Wochen habe ich in New Orleans Oberst Gadhafi gewarnt,
daß wir seine Regierung für alle weiteren terroristischen Angriffe gegen
amerikanische Bürger zur Rechenschaft ziehen würden. Kurz darauf habe
ich klar gemacht, daß wir antworten würden, sobald wir uns eindeutig
festgelegt haben, wer für die Angriffe verantwortlich zu machen ist.
Am 5. April explodierte in einem von amerikanischen Soldaten besuchten Nachtclub in West-Berlin eine von Terroristen gelegte Bombe. Sergeant Kenneth Ford und eine junge Türkin wurden getötet und 230 weitere
Menschen verletzt, unter ihnen 50 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte. Diese ungeheure Brutalität ist nur die einer Reihe von Untaten
in Oberst Gadhafis Terrorherrschaft.
Die Beweislage ist eindeutig, daß der terroristische Bombenangriff
auf die Diskothek La Belle auf direkten Befehl der libyschen Regierung
geplant und ausgeführt wurde.
Am 25. März, über eine Woche vor dem Anschlag, erhielt das Libysche
Volksbüro in Ost-Berlin Order aus Tripolis, einen terroristischen Anschlag gegen Amerikaner durchzuführen und dabei eine größtmögliche Zahl
von Opfern zu erzielen, ohne Rücksicht auf deren Staatsangehörigkeit.
Libysche Agenten legten daraufhin die Bombe. Am 4. April teilte das
Volksbüro Tripolis mit, daß der Anschlag am folgenden Morgen ausgeführt
würde. Am nächsten Tag berichtete das Volksbüro nach Tripolis über den
großen Erfolg dieser Mission. Wir besitzen dafür unmittelbare, genaue
und unwiderlegbare Beweise.
Wir haben massive Beweise dafür, daß Gadhafi weitere Anschläge gegen
amerikanische Einrichtungen und Diplomaten, ja sogar gegen amerikanische
Touristen geplant hat. Dank der engen Zusammenarbeit mit unseren Freunden wurden einige davon verhindert. Mit Hilfe der französischen Behörden
haben wir kürzlich einen solchen Anschlag vereitelt: Ein geplantes Massaker mit Granaten und Handfeuerwaffen unter Menschen, die vor einer amerikanischen Botschaft auf ihre Visen warteten.
Aber Oberst Gadhafi ist nicht nur ein Feind der Vereinigten Staaten:
Sein langes Register von subversiven Akten und Aggressionen gegen die
Nachbarstaaten in Afrika ist gutdokumentiert und wohlbekannt. Er befahl
die Ermordung von libyschen Landsleuten in unzähligen Ländern; er hat
Terrorakte in Afrika, Europa und dem Nahen Osten sowie auch in der westlichen Hemisphäre unterstützt.
Heute haben wir getan, was wir tun mußten.
wieder tun.
Es erfüllt mich nicht
sche, daß es anders wäre.
war das libysche Volk mit
bin sicher, daß heute die
sind, daß dieser Mann ihr

Wenn nötig, werden wir es

mit Freude, wenn ich dies sage, und ich wünBevor Gadhafi im Jahre 1969 an die Macht kam,
den Vereinigten Staaten befreundet. Und ich
meisten Libyer beschämt und angewidert davon
Land in der ganzen Welt zu einem Synonym für
- 2-

�Synonym für Barbarei gemacht hat. Das libysche Volk besteht aus anständigen Menschen unter dem Joch eines Tyrannen.
Unseren Freunden und Verbündeten, die mit uns bei dem heutigen Einsatz zusammengearbeitet haben, möchte ich nur sagen: Sie haben sich die
fortwährende Dankbarkeit des amerikanischen Volkes errungen.
Europäer, die sich der Geschichte erinnern, können besser als die
meisten von uns verstehen, daß es durch Beschwichtigung des Bösen keine
Sicherheit geben kann. Es muß ein Grundsatz westlicher Politik sein, daß
es für den Terror keinen Zufluchtsort geben darf; und zur Durchführung
dieser Politik bedarf es der Einigkeit und Zusammenarbeit freier Menschen
und freier Nationen.
Bisweilen wird behauptet, daß wir durch die Verhängung von Sanktionen
gegen Oberst Gadhafi oder durch Schläge gegen seine terroristischen Einrichtungen nur die Bedeutung dieses Mannes vergrößern, daß der beste Weg,
mit ihm fertigzuwerden, darin bestehe, ihn zu ignorieren.
Ich teile diese Einschätzung nicht.
Lange bevor ich dieses Amt antrat, hatte sich Oberst Gadhafi schon an
Akten des internationalen Terrors beteiligt, Akten, die ihn außerhalb der
Gemeinschaft zivilisierter Menschen stellten. Jahrelang wurde er jedoch
von keinerlei wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Sanktionen
betroffen. Und die Zahl der blutigen Übergriffe stieg weiter an - genau
wie die der unschuldigen Toten und Verwundeten.
Durch Untätigkeit das Abschlachten amerikanischer Zivilisten und amerikanischer Soldaten zu ignorieren - ganz gleich, ob in Nachtclubs oder
an Terminals von Flughäfen -, ist schlicht und einfach kein Teil amerikanischer Tradition.
Wann immer unsere Bürger auf direkten Befehl eines feindlichen Regimes mißhandelt oder angegriffen werden - gleich, an welchem Ort in dieser
Welt -, so werden wir reagieren, so lange ich im Oval Office sitze.
Selbstverteidigung ist nicht nur unser Recht; sie ist unsere Pflicht.
Sie ist der Zweck hinter der heute nacht unternommenen Mission, einer
Mission, die in vollem Einklang mit Artikel 51 der Charta der Vereinten
Nationen steht. Wir sind davon überzeugt, daß dieser Präventivschlag gegen seine Terroranlagen nicht nur die Fähigkeit von Oberst Gadhafi schmälern wird, Terror zu exportieren; er wird ihm auch Anreize und Argumente
dafür liefern, sein kriminelles Verhalten zu ändern. Ich gebe mich keiner Illusion darüber hin, daß die Aktion der heutigen Nacht den Vorhang
über das Terrorregime Gadhafis fallen lassen wird. Aber diese, wenngleich gewaltsame, Mission kann rechtschaffenen Männern und Frauen eine
sicheren und geschützten Welt näherbringen. Wir werden standhaft bleiben.
Heute nachmittag
- 3-

�Heute nachmittag habe ich mit der Führung des Kongresses darüber gesprochen, was getan wird und die Gründe dafür genannt. Heute abend ehre
ich Geschick und Professionalismus der Männer und Frauen unserer Streitkräfte, die diese Mission durchführten: Es ist eine Ehre, Ihr Oberbefehlshaber zu sein.
Wir Amerikaner sind nicht leicht zu verärgern: Wir streben immer
erst friedliche Möglichkeiten an, bevor wir auf die Gewalt von Waffen zurückgreifen. Und ersteres taten wir zunächst auch. Wir versuchten es
durch stille Diplomatie, durch öffentliche Verurteilung, durch wirtschaftliche Sanktionen und durch die Demonstration militärischer Stärke.
Nichts half.
Trotz unserer wiederholten Warnungen fuhr Gadhafi mit seiner zerstörerischen Politik der Einschüchterung, mit seinem schonungslosen Terror
fort. Er zählte auf die Passivität Amerikas. Er hat sich verrechnet.
Ich warnte ihn, daß es keinen Platz auf Erden geben werde, wo Terroristen sich verbergen und sich in ihren tödlichen Praktiken üben können.
Ich meinte es ernst.
Ich erklärte, wir würden handeln - wenn möglich, mit anderen; falls
erforderlich, allein, um sicherzustellen, daß es für Terroristen nirgends
sicheren Unterschlupf gibt. Heute nacht haben wir gehandelt.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie.

* * * * *

- 4-

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

16. April 1986

14

REAGAN SIEHT MÖGLICHKEIT FÜR GIPFEL IM JULI
- Pressekonferenz des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Während einer Pressekonferenz erklärte Präsident
Reagan am 9. April 1986, daß ein Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im Juni wegen des Zeitdrucks "mittlerweile unwahrscheinlich ist". Seiner Meinung nach ist es jedoch immer noch möglich,
ein Treffen im Juli zu arrangieren.
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in ihren
wesentlichen Teilen:
Nachdem er in seiner Eingangserklärung auf die Notwendigkeit der baldigen Verabschiedung der Haushaltsvorlage durch den Kongreß hingewiesen
hatte, kam der Präsident auf das Thema der Hilfe für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer zu sprechen und erklärte:
"Zwei Ereignisse der letzten Wochen haben der Dringlichkeit unseres
Bemühens um Hilfe für den demokratischen Widerstand Nachdruck verliehen.
Erstens haben die nicaraguanischen Kommunisten Truppen zu einer Such- und
Vernichtungsaktion nach Honduras entsandt, um die Freiheitskämpfer zu erledigen. Zweitens haben die sandinistischen Kommunisten die CONTADORA-Gespräche torpediert - Gespräche mit zwölf anderen lateinamerikanischen

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�anderen lateinamerikanischen Staaten auf der Suche nach Frieden in der Region. Und diese Ereignisse zeigen, daß die Kommunisten Nicaraguas niemals
Frieden mit ihren Nachbarn oder mit ihrem eigenen Volk schließen werden,
wenn der Druck gegen sie nicht verstärkt wird.
Die Kommunisten müssen erkennen, daß sie ihre Gegner nicht vernichten
können, und unsere Unterstützung kann sicherstellen, daß die Freiheitskämpfer nicht vernichtet werden. Diese Unterstützung wird den Bürgern von
Nicaragua eine Wahl ermöglichen, und sie wird der Diplomatie eine Chance
einräumen. Denn heute haben vier von fünf mittelamerikanischen Ländern
demokratische Regierungen; Demokratien, die mit Hilfe unserer überparteilichen Politik zustandegekommen sind. Wir müssen dieser überparteilichen
Politik treubleiben. Und in der kommenden Woche wird es Sache des Repräsentantenhauses sein, diese Tradition aufrechtzuerhalten.
Es ist jetzt wichtig, zu handeln, und wir können uns keine weitere
Verzögerung leisten. Dieser Vorschlag darf nicht zur Geisel irgendeiner
anderen Gesetzesvorlage gemacht werden. Mit seiner Abstimmung in der
nächsten Woche kann das Repräsentantenhaus der Welt zeigen, daß die Vereinigten Staaten zur Verteidigung der Freiheit in Mittelamerika entschlossen
sind.
Die Sowjetunion, Fidel Castro und die Sandinisten sind entschlossen,
die Region zu einer kommunistischen Enklave zu machen. Nun, wir dürfen
und wir werden nicht zulassen, daß dies geschieht."
FRAGE: Herr Präsident, haben Sie substantielle Beweise dafür, daß
Gadhafi für die kürzlich verübten Akte des Terrorismus verantwortlich ist?
Und, falls Sie an größere Vergeltungsschläge denken, werden Sie damit
nicht eine Menge Unschuldiger töten?
ANTWORT: Wir besitzen beträchtliches Beweismaterial über - nun, über
eine ganze Zeitspanne -, wonach Gadhafi ziemlich offen seine Beteiligung
dadurch gezeigt hat, daß er terroristische Akte gefordert und unterstützt
hat - als eine Art von Kriegführung, wie er es ausgedrückt hat.
Momentan kann ich Ihnen jedoch keine bestimmte Antwort darauf geben,
da wir unsere nachrichtendienstliche Arbeit fortsetzen und weiteres Beweismaterial sammeln und da wir noch nicht bereit sind, darüber zu sprechen. Und jede von uns unternommene Aktion würde davon abhängen, was wir
herausfinden. Und deshalb kann ich dazu nicht weiter Stellung nehmen.
FRAGE: Ich weiß, daß Sie sicher lange darüber nachgedacht haben, aber
was ist Ihrer Meinung nach der wahre Grund dafür, daß Amerikaner das
Hauptziel des Terrorismus bilden? Könnte es an unserer Politik liegen?
ANTWORT: Nun, wir wissen, daß dieser tolle Hund des Nahen Ostens das
Ziel einer Weltrevolution vor Augen hat, einer islamisch-fundamentalistischen Revolution, die auf viele seiner arabischen Landsleute zielt. Und
was nun unsere Stellung darin angeht, das wissen wir nicht. Vielleicht
- 2 -

�nicht. Vielleicht sind wir nur der Feind, weil - das ist ein wenig wie
die Besteigung des Mount Everest - wir da sind. Es steht jedoch außer
Frage, daß er uns in wachsendem Maße als Ziel bestimmt hat, und wir sind
uns dessen bewußt. Wie ich schon sagte: wir sammeln Beweismaterial so
schnell wir können.
FRAGE: Oberst Gadhafi hat heute damit gedroht, die Gewalt gegen amerikanische Zivilisten und militärische Ziele in der ganzen Welt weiter zu
eskalieren, falls sein Land angegriffen wird. Hat er die Fähigkeit, hier
auf amerikanischem Boden zuzuschlagen?
ANTWORT: Nun, er besitzt sie; wir wissen, daß es eine Menge seiner
Landsleute in unserem Land gibt. Er hat sogar angedeutet, daß er Menschen
dazu aufrufen könnte, dies zu tun. Und wir schließen diese Möglichkeit
mit Sicherheit nicht aus. Wir werden bereit und wachsam sein für alles,
was er tun könnte. Er hat uns wiederholt gedroht, auch in jüngster Zeit,
daß er diese Art der Kriegführung direkt in unser Land tragen würde.
Natürlich ist es ziemlich schwierig, ihm zu folgen, weil er kurz nach
der jüngsten Bombemexplosion in der TWA-Maschine im Radio bekanntgab, daß
dies ein Angriff auf unschuldige Zivilisten und reiner Terrorismus gewesen
sei und daß er damit nichts zu tun haben wolle. Das ist der gleiche Mann,
der das Massaker an Unschuldigen auf den Flughäfen von Rom und Wien als
edle Tat bezeichnete.
Ich weiß also nicht, ob man das, was er sagt, für bare Münze nehmen
kann. Ich denke, man sollte es einfach ignorieren und sich auf die Suche
nach den Fakten machen.
FRAGE: Welche Vorsichtsmaßnahmen können die Amerikaner Ihrer Meinung
nach treffen, um terroristische Anschläge im eigenen Land zu verhindern?
ANTWORT: Wir tun alles in unserer Macht stehende und ich denke, daß
all unsere Sicherheitsbehörden in Amerika sich dieser Tatsache bewußt
sind. Und wir sind ja nicht völlig hilflos weil, wie ich schon sagte, ich glaube, das war kürzlich, oder das letzte Mal als wir hier zusammengekommen sind - wir im vorigen Jahr durch unser Sammeln von Informationen in
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten 126 geplante Anschläge zunichte gemacht haben, die niemals stattfanden, weil wir die Informationen im voraus
bekommen hatten.
FRAGE: Sie haben erklärt, daß die Manöver in der Großen Syrte dazu
dienten, amerikanische Rechte auf See zu schützen. Können Sie uns als
Oberbefehlshaber mitteilen, was an der Großen Syrte strategisch so wichtig
ist, im Hinblick auf das Konzept der Freiheit der Seeschiffahrt im allgemeinen, daß Sie dafür das Leben amerikanischer Soldaten riskieren würden?
ANTWORT: Als ich dieses Amt antrat - Dieses Gebiet im Mittelmeer war
wegen seiner Breite und Offenheit schon lange ein Ort, der von unserer 6.
Flotte zur Abhaltung von notwendigen Manövern gewählt wurde, und diese Ma-

�und diese Manöver verlaufen oft sehr ähnlich, denn da gibt es neue Rekruten und neue Mannschaften und so weiter und diese müssen in Übung bleiben.
Schon vor meinem Amtsantritt zog Gadhafi diese Linie und erklärte, die Gewässer hinter dieser Linie gehörten ihm. Der Rest der Welt verneinte dies
mit dem Hinweis, daß es sich dabei um internationale Gewässer handelt.
Aber, aus welchem Grunde auch immer: Unsere Marine hat einige Jahre
lang keine Manöver dort abgehalten. Und bei meinem Amtsantritt wurde uns
deutlich, daß, wenn wir unsere normale Ubungstätigkeit nicht wiederaufnehmen, wir seinem Anspruch Glaubwürdigkeit verleihen und dadurch, daß wir
diese Linie beachteten, gewissermaßen akzeptieren, daß dies sein Privatterritorium sei. Und als mir dies unterbreitet wurde, entschied ich nach
reiflicher Überlegung und ausführlichen Konsultationen, daß diejenigen,
die so argumentierten, Recht hatten und daß wir die frühere Praxis der 6.
Flotte wiederaufnehmen sollten. Dies taten wir auch und hielten im Jahre
1981 dort unser nächstes Manöver ab.

«

Nun, dies heißt nicht, daß man mit der ganzen Flotte da hineinfährt,
nur um ihm über diese Linie die Zunge herauszustrecken. Man führt Manöver
im Mittelmeer durch - das heißt jedoch, daß es einige Schiffe an der Flanke gibt, einige Flugzeuge, die während der Übung diese Linie überschreiten. Deshalb war das, was wir taten, nichts Ungewöhnliches. Er eröffnete
die Feindseligkeiten, und wir beendeten sie.
FRAGE: Es gibt jedoch den weit verbreiteten Eindruck, daß die Administration hoffte, Gadhafi zu provozieren, und daß sie darauf vorbereitet
war, die militärische Konfrontation in der Großen Syrte zu eskalieren.
Und ich habe mir nur überlegt, ob Sie an die Zahl derjenigen Amerikaner
gedacht haben, die dadurch ihr Leben hätten verlieren können?
ANTWORT: Ich muß Ihnen sagen, daß es in diesem Amt keine schwierigere
Entscheidung gibt, als eine solche, durch die das Leben unserer jungen
Männer und Frauen in Uniform gefährdet werden kann. Es ist die schwierigste Entscheidung, die man treffen kann. Aber es handelte sich nicht um
eine absichtliche Provokation, indem man sich im Sessel zurücklehnt und
sagt: "Oh, phantastisch, er wird seine Hand ausstrecken und wir werden
ihm auf die Finger hauen." Es ist überhaupt nicht so.
i

Aber sogar die Sowjetunion erkennt an, daß dies internationale Gewässer sind. Und ich wiederhole es noch einmal: Nur die Nichtbenutzung dieses Gebiets, für uns jahrelang eine normale Praxis, würde seinem Anspruch
Glaubwürdigkeit verleihen und eines Tages würden Sie herausfinden, daß die
Welt dies akzeptiert hat. Wir haben daher solche Schritte in der Vergangenheit schon in anderen Gewässern in anderen Teilen der Welt unternommen,
ebenso wie andere Staaten dies schon getan haben, um sicherzustellen, daß
internationale Gewässer auch als solche anerkannt werden.
Es gibt also Zeiten, in denen Menschen gefährdet werden müssen, aber
nicht aus Mutwillen oder um jemanden zu provozieren.
FRAGE:

Wieder

'

�FRAGE: Wieder einmal fordern die Vereinigten Staaten ihre westlichen
Verbündeten auf, sich Ihnen anzuschließen und Gadhafi zu isolieren. Bis
jetzt sind einige libysche Diplomaten in Paris und Bonn ausgewiesen worden, aber sie haben nach diesen jüngsten Anschlägen keine Wirtschaftssanktionen verhängt. Wie groß ist das Ausmaß Ihrer Enttäuschung darüber, daß
die Europäer Ihnen nicht gefolgt sind und was planen Sie dagegen zu tun?
ANTWORT: Nun, wir stehen weiterhin mit ihnen in Verbindung und sprechen mit ihnen und wir fühlen uns von dem, was wir gesehen haben, ermutigt
- diese zwei Länder, die auf dieser Linie gehandelt haben. Und ich bin
ziemlich sicher, daß wir mit unseren Verbündeten während des kommenden
Gipfeltreffens darüber reden werden.
FRAGE: Wenn ich dazu eine weitere Frage stellen dürfte, Sie haben im
Hinblick auf Gadhafi eine harte Sprache benutzt. Heute abend bezeichneten
Sie ihn als den tollen Hund des Nahen Ostens. Machen Sie sich manchmal
eigentlich Sorgen darüber, daß Sie ihm genau das geben, was er möchte die Anerkennung durch den höchsten Amtsträger dieses Landes?
ANTWORT: Sie wissen, daß ich den Begriff "toller Hund" niemals zuvor
benutzt habe, aber ich habe gehört, wie jemand von Ihnen diesen Begriff
heute abend im Fernsehen benutzte und ich dachte, daß er sich gut anhört.
FRAGE: Wenn das neue amerikanische U-Boot am 20. Mai vom Stapel
läuft, dann wird die Zahl der unterseebootgestützten Waffen der Vereinigten Staaten die im SALT II-Vertrag vereinbarte übertreffen, falls Sie
nicht zwei POSEIDON-U-Boote außer Dienst stellen. Werden Sie dies tun?
ANTWORT: Wir warten momentan noch ab, wir haben diese Frage berührt
und wir diskutieren sie weiterhin und ich warte weitere Berichte über tatsächliche Verletzungen seitens der Sowjets ab. Ich weiß, daß ich vor einiger Zeit eine Politik beschlossen habe, wonach wir die Beschränkungen
des SALT II-Vertrages weiterhin beachten, falls die anderen Unterzeichner
dieses Vertrages das gleiche tun.
Wir wissen aber, daß Verletzungen begangen wurden und wir haben uns
noch nicht darauf festgelegt, was für das Gleichgewicht getan werden muß
und was wir tun sollen. Wir sind jedoch bereit, diese Beschränkungen zu
beachten, wenn sie gleichfalls dazu bereit sind. Und ich warte ab - wir
hatten uns mit so vielen anderen Dingen zu beschäftigen, deshalb haben wir
bei diesem Thema noch keine Entscheidung getroffen.
FRAGE: Nun, Sie könnten etwas versuchen, was als proportionale Antwort bezeichnet worden ist. Dies würde bedeuten, daß man diese alten
U-Boote in Trockendocks einmotten könnte, anstatt sie außer Dienst zu
stellen, was einer Lösung dazwischen entsprechen würde?
ANTWORT: Nun, wir diskutieren über all diese Möglichkeiten, und bis
jetzt haben wir einfach noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
FRAGE:

Kann ich

�FRAGE: Kann ich noch einmal auf Gadhafi und den Nahen Osten zurückkommen? Es gab heute Berichte, wonach Sie bereits eine Entscheidung bezüglich Vergeltung getroffen hätten; andrerseits sagten Sie eben, alle
Maßnahmen würden von den Informationen abhängen, die wir erhalten. Kann
man das so verstehen, daß Sie noch keine Maßnahmen zur Vergeltung getroffen haben?
ANTWORT: Diese Frage entspricht Gesprächen über Schlachtpläne, ist
aber keine Frage, die ich beantworten kann - von dem abgesehen, was Sie
mich nun schon seit mehreren Jahren sagen hören: wenn wir konkret jemanden identifizieren könnten, der für diesen oder jenen Akt verantwortlich
ist, würden wir reagieren. Und deshalb versuchen wir herauszufinden, wer
dafür verantwortlich ist, daß ein tapferer junger Sergeant unserer Streitkräfte jetzt tot ist und 50 weitere junge Amerikaner wegen dieser heimtükkischen Attacke in Westberlin verwundet im Krankenhaus liegen. Und wenn
wir genug Beweise für eine Reaktion haben, so werden wir, wie ich glaube,
reagieren. Und das habe ich immer und immer wieder gesagt.
FRAGE: Noch zum gleichen Thema. Es gab aber auch eine Menge Beweise
in Richtung Syrien, obwohl wir in den letzten Monaten nichts hörten, was
auf Syrien als Mittäter verweist. Gibt es dafür Gründe? Hängt das möglicherweise damit zusammen, daß wir glauben, Assad könne dabei helfen, die
Amerikaner aus dem Libanon herauszuholen?
ANTWORT: Nein. Wir werden dort aktiv werden, wohin die Beweise zeigen. Bislang zeigt nichts bezüglich der jüngeren Ereignisse in diese
Richtung.
FRAGE: Ich würde gern auf Sie selbst zurückkommen, Herr Präsident.
Sind Sie angesichts Ihrer Auffassung, wonach ein Gipfeltreffen gut vorbereitet und konkrete Ergebnisse zeitigen müsse, der Meinung, es sei realistisch zu glauben, daß Sie sich noch immer an das von Ihnen bevorzugte
Datum Juni oder Juli halten können?
ANTWORT: Nun, es ist jetzt unserer Ansicht nach ziemlich sicher, daß
Juni nicht mehr möglich ist, obgleich es auf Ministerebene einige Treffen
geben wird, die mit Dobrynin arrangiert wurden. Davon wird es welche hier
noch in diesem Monat geben. Es könnte also noch immer im Juli möglich
sein; aber wenn nicht, dann eben später. Allerdings habe ich eins klargestellt: im Herbst, den Monaten unserer Wahlen, werde ich zu keinem Gipfeltreffen bereit sein, und so werde ich es halten.

ber?

FRAGE: Was wäre nach Juni oder Juli Ihr nächstbester Termin?
November?
ANTWORT:

Dezem-

Nun, das wäre dann wohl nach den Wahlen.

FRAGE: Diese Frage wurde schon in dieser oder jener Form gefragt:
Das Auffangen der Funksprüche mit Gratulationen Gadhafis an das Volksbüro
in Berlin - ist das nicht ausreichender Beweis, um Libyen für das Bomben- 6 -

«•

•

�das Bombenattentat in der Berliner Diskothek verantwortlich zu machen?
ANTWORT: Ich werde zu nichts Stellung nehmen, was enthüllen kann, wo
wir unsere Informationen herbekommen oder ob wir Informationen auf diese
Weise bekommen oder nicht. Und ich werde sicher nichts sagen, was mögliche Quellen hierfür gefährden könnte. Ich kann daher Ihre Frage nicht
beantworten.
FRAGE: Sind Sie nicht besorgt, daß die Eskalation der Spannungen mit
Libyen und in der Region insgesamt das Leben der amerikanischen Geiseln im
Libanon noch mehr gefährden könnte? Verfügen Sie über irgendwelche Nachrichten hinsichtlich ihres Wohlergehens, die Sie uns weitergeben könnten?
ANTWORT: Nein. Im Gegensatz zu dem, was manche Leute glauben, haben
wir uns ständig mit diesem Problem beschäftigt. Wir haben diese Geiseln
nicht eine Minute lang vergessen und unsere Bemühungen richten sich überall dorthin, wo sich eine Möglichkeit zu zeigen scheint. Allen Informationen nach, die uns zur Verfügung stehen, geht es ihnen soweit gut, aber
ich gehe nicht so weit zu glauben, daß das, was wir in Vergeltung für die
jetzigen Terrorakte möglicherweise unternehmen werden, wirklich Auswirkung
auf sie und ihr Wohlergehen haben sollte. Aber noch einmal: Wir müssen
uns mit diesem Terroristenproblem auseinandersetzen; wir dürfen nicht zulassen, daß die Terroristen glauben, sie könnten derlei in dieser Welt tun.
FRAGE: Ist das Problem des Terrorismus so ernst, daß es unangemessen
wäre, wenn das Leben dieser wenigen Amerikaner die amerikanische Politik
bestimmen würde?
ANTWORT: Sie sind stets ein sehr wichtiger Gesichtspunkt. Es würde
von allen uns erhältlichen Informationen abhängen und einer ganz anderen
Lage bedürfen, um die Bedeutung auch nur eines einzigen Amerikaners angesichts eines übergeordneten Zieles oder der Bedrohung von noch mehr Menschen herabzusetzen. Wir reden jetzt nicht davon, ob es sich nur um ein
Treffen oder Verfehlen handelt, wenn sich dort Terrorismus zeigt; wir
sprechen vielmehr von dem Zusammentragen von Beweisen für konkrete Akte.
Dann können wir präventiv tätig werden, wie wir dies allein im letzten
Jahr 126 mal getan haben, um derlei zuvorzukommen. Und dies wird auch
weiterhin so sein. Wir hoffen also, daß es uns gelingt, diese Geiseln zurückzuholen.
FRAGE: Kritiker meinen, Ihre Politik gegenüber Libyen sei zu sehr von
Konfrontation bestimmt. Der frühere Präsident Carter beschrieb Oberst
Gadhafi als ein Stinktier und meinte, man würde ein Stinktier nicht reizen. Was sagen Sie zu Kritikern, die meinen, militärische Vergeltung
bringe nur noch mehr Gewalt mit sich?
ANTWORT: Nun, ersteres kann man natürlich auch anders sehen. Aber
wenn Leute etwas tun und niemand reagiert, nichts passiert ihnen, dann ermutigt man sie nur zu noch mehr. Und jeder kann ihn mit dem Tiervergle.ich
belegen, den er mag; aber ich glaube, er riecht nicht nur schlecht.
FRAGE:

Noch einmal

�FRAGE: Noch einmal hierzu: Folgt aus dem Vorfall in der Großen Syrte
nicht, daß militärische Schritte hier vielleicht wirklich nur noch mehr
terroristische Reaktion herausforderten?
ANTWORT: Nein. Wenn er dies als eine Provokation darstellen wollte,
die auf ihn abzielte, nun, ich habe erklärt, was es war. Es handelt sich
um eine Praxis, die es schon seit vielen Jahren gibt, schon bevor ich in
dieses Amt kam, lange, bevor diese Manöver dort abgehalten wurden; es gab
dies schon siebenmal in meiner Amtszeit. Er mußte so etwas einfach erfinden, um von sich reden zu machen.
FRAGE:
Libyen?

Befinden wir uns in einem nichterklärten Kriegszustand mit

ANTWORT: Nicht auf unsrer Seite - er hat ihn erklärt. Wir haben diese Erklärung nur noch nicht anerkannt - und werden das auch nicht tun.
Wie ich schon sagte: wir werden uns verteidigen und werden sicherlich angesichts konkreter terroristischer Bedrohungen Maßnahmen ergreifen.
FRAGE: Michail Gorbatschow hat Sie gestern im sowjetischen Fernsehen
scharf angegriffen, als er Sie beschuldigte, einen Kalten Krieg zu provozieren und Sie wegen Ihrer Weigerung kritisierte, über einen Atomteststoppvertrag zu verhandeln und dafür, daß Sie eine Verringerung der sowjetischen UN-Delegation hier anordneten. Ist das der Geist von Genf und
was bedeutet er für den nächsten Gipfel?
ANTWORT: Ich wußte nicht, daß er dort all das über mich gesagt hat.
Er muß zu viel Prawda und TASS gelesen haben. Warum schicken wir ihm
nicht einige amerikanische Zeitungen? Nein, seine direkte Kommunikation
mit mir war sicherlich im Geist von Genf - genau wie meine Antworten an
ihn. vielleicht sprach er jetzt vor einer anderen Zuhörerschaft. Wir
versuchen, voranzukommen und planen, wie ich schon sagte, das hiesige Gipfeltreffen. Ich weiß, daß sie sich bezüglich der UN-Maßnahme aufregten,
aber darüber wurden bei uns schon seit langem Überlegungen angestellt.
Die sowjetische Delegation war größer als die beiden nächstgroßen Delegationen in der UN zusammengenommen - wozu die unsrige gehört -, und es gab
genug, von denen wir den Eindruck hatten, daß sie nicht alle UN-Delegierte
waren; sie unternahmen zusätzliche Aktivitäten, die nicht zu unserem Vorteil waren.
FRAGE: Welche Wirkungen haben ihrer Meinung nach kommende Entscheidungen - wie etwa SALT II - auf die Vorbereitungen des Gipfeltreffens?
Haben Sie den Eindruck, ihnen seien hinsichtlich der SALT II-Entscheidung
die Hände gebunden, die ja wegen der Gipfelvorbereitungen noch vor dem 20.
Mai getroffen werden muß?
ANTWORT: Nein, die sollen so weitergehen, zumal viele der Dinge schon
auf dem ersten Gipfeltreffen in Genf bei den privaten Treffen debattiert
und diskutiert wurden. Wir werden sie also bei dem nächsten Treffen wieder aufgreifen und versuchen, hinsichtlich eines Abbaus der Spannungen
- 8 -

�der Spannungen einige greifbare und konkrete Gewinne zu erzielen. Das
hängt alles mit dem zusammen, was ich ihm sagte, als wir uns zum erstenmal
trafen: Ich sagte, Länder mißtrauen einander nicht, weil sie bewaffnet
sind, sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen; und er und ich müssen in Taten - nicht in Worten - vesuchen, das Mißtrauen bis zu dem Punkt
abzubauen, an dem wir diese gewaltigen Waffenarsenale reduzieren können.
FRAGE: Sie verzeihen offensichtlich die Anwendung von Gewalt für die
Freiheitskämpfer in Nicaragua. Warum verurteilen Sie dann die Anwendung
von Gewalt bei Menschen, die Ihrem Außenministerium zufolge Freiheitskämpfer in Südafrika sind?
ANTWORT: Wir verurteilen das nicht. Wir versuchen auf alle mögliche
Weise, Treffen zwischen den Führungen beider Seiten zustande zu bringen.
Wir wissen, daß es innerhalb der südafrikanischen Regierung zwei Parteien
gibt. Die eine hält stur daran fest, mit den Praktiken der Vergangenheit
weiterzumachen. Die andere, und dazu gehört Präsident Botha, will Wandel
und hat schon eine Reihe von Schritten unternommen - so viel wie eben für
sie möglich sind. Aber es ist ähnlich wie hier, wenn ich mit dem Kongreß
zu verhandeln habe - man bekommt nicht immer alles, was man will.
FRAGE: Noch einmal zur Frage der Freiheitskämpfer. Es gibt Berichte,
wonach die Freiheitskämpfer in Angola amerikanische Stinger-Raketen bekommen. Sind Sie nicht besorgt, daß so hochtechnologische amerikanische Waffen in die Hände von Terroristen gelangen können, die den Vereinigten
Staaten nicht freundliche gesonnen sind?
ANTWORT: Ich beantworte keine Fragen über die Natur der Waffen, die
wir in solchen Fällen zur Verfügung stellen. Erstens, weil ich glaube,
daß es für uns die Mühe lohnt, militärisch einer Kraft dieser Art zu helfen; dann gibt es keinen Grund, warum wir ihren Feinden das Wissen vermitteln sollen, welche Waffen sie hat oder welche Waffen sie nicht hat. Deshalb werde ich keine Antwort darauf geben...

* * * * *

- 9 -

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

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14

16. April 1986

FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR AMERIKANISCHEN AKTION GEGEN LIBYEN
- Argumente des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit der gegen Libyen gerichteten
Mission der amerikanischen Streitkräfte veröffentlichte das Weiße Haus in
Washington am 15. April 1985 das folgende Argumentationspapier, das sich
mit der ganzen Bandbreite der dieses Thema berührenden Fragen auseinandersetzt.

Schließung der Libyschen Volksbüros
FRAGE: Was haben unsere Verbündeten getan, um mit uns bei der Bekämpfung des libyschen Terrorismus zusammenzuarbeiten? Warum haben die Deutschen, Franzosen und Italiener nicht zum Beispiel die Libyschen Volksbüros
geschlossen?
ANTWORT: Wir haben bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus
eng mit unseren Verbündeten zusammengearbeitet. Einige haben Maßnahmen
ergriffen, und wir begrüßen ihre Bemühungen. Heute haben die Außenminister der EG auf einer Sondersitzung in Den Haag beschlossen, die Bewegungsfreiheit des libyschen diplomatischen und konsularischen Personals
einzuschränken, die Zahl der Mitarbeiter der Libyschen Volksbüros zu reduzieren und die Visabestimmungen zu verschärfen. Es bleibt noch viel zu
tun, und unsere Konsultationen dauern an.
Sturz Gadhafis

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�Sturz Gadhafis
FRAGE: Versuchen die Vereinigten Staaten, Gadhafi zu töten oder ihn
durch ein besser gesonnenes Regime zu ersetzen?
ANTWORT: Nein, die Vereinigten Staaten versuchen weder, Gadhafi umzubringen noch, sein Regime durch eine Regierung zu ersetzen, die den Vereinigten Staaten gegenüber freundlicher gesonnen ist. Wir versuchen lediglich, Gadhafis Führung und Unterstützung des internationalen Terrorismus zu beenden. Unsere Streitkräfte haben einen Schlag gegen den Nerv des
von Libyen unterstützten Terrorismus durchgeführt.

Botschaft von Gadhafi
FRAGE: Es existieren Berichte, wonach Oberst Gadhafi Präsident Reagan
eine Botschaft übermittelt hat, um Verhandlungen über ein Ende der Krise
zu führen. Ist das wahr und wie wird der Präsident darauf reagieren?
ANTWORT: Wir haben bis jetzt keine formelle Botschaft von Oberst
Gadhafi erhalten. Belgien vertritt die Interessen der Vereinigten Staaten
in Libyen, da wir keine formellen diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Wenn Oberst Gadhafi dem Präsidenten eine Botschaft zukommen lassen möchte,
kann diese durch geeignete Kanäle bei der belgischen Botschaft übermittelt
werden.
Wie wir schon oft erklärt haben, bestünde die beste Botschaft, die
Gadhafi übermitteln kann, in seinen Taten. Wenn er wirklich wünschte, unsere Differenzen zu beenden, dann könnte er seine geplanten Angriffe auf
amerikanische Touristen, Soldaten und Diplomaten abblasen. Wir haben mit
friedlichen Mitteln versucht, Gadhafi davon zu überzeugen, daß seine Politik und seine Akte des internationalen Terrorismus unannehmbar sind und
von der Weltgemeinschaft nicht toleriert werden können.

Sonderbotschafter
FRAGE: Würden Sie Presseberichte kommentieren, wonach der Präsident
einen Sonderbotschafter nach Europa entsandt hat, um den militärischen
Schlag mit unseren Verbündeten zu erörtern? Welche Länder besuchte er?
ANTWORT: Ja, Botschafter Walters hat als Sonderbotschafter des Präsidenten vor diesen Schlägen mehrere Länder in Europa besucht. Ich kann Ihnen aber keine weiteren Einzelheiten dazu mitteilen, welche Länder konsultiert wurden oder was das Thema dieser Konsultationen gewesen ist.

Zusammenarbeit mit den Verbündeten
FRAGE: Würden Sie auf Presseberichte eingehen, wonach einige unserer
Freunde und Verbündeten (Ägypten, Großbritannien, Italien) uns die Benut-

�uns die Benutzung ihrer Luftwaffeneinrichtungen und NATO-Stützpunkten für
diese Operation verweigerten?
ANTWORT: Ich werde über die Diskussionen zu den möglichen militärischen Planungen mit Verbündeten und Freunden keinen Kommentar abgeben.
Ich kann jedoch kategorisch versichern, daß wir entsprechend den mit allen
Verbündeten geschlossenen Abkommen gehandelt haben.
FRAGE:

Wurden irgendwelche Einrichtungen der Verbündeten benutzt?

ANTWORT: Im Hinblick auf alle Fragen bezüglich der militärischen Operation möchte ich Sie an das Verteidigungsministerium verweisen.
FRAGE: (Falls Einrichtungen der Verbündeten nach der Operation benutzt wurden.) Hatten Sie die Erlaubnis der Verbündeten für die Benutzung
von...?
ANTWORT: Wegen der (Verwundeten, Problemen mit den Flugzeugen u.s.w.)
landeten wir in.... Natürlich konnten wir dies nicht im voraus wissen und
haben deshalb dazu auch keine Konsultationen abgehalten. Überdies entspricht es nicht den Gepflogenheiten, über Notfälle wie diesen Konsultationen zu veranstalten.
FRAGE:
tationen?

Mit welchen unserer Verbündeten gab es vor dem Angriff Konsul-

ANTWORT: Natürlich haben wir mit einer Reihe von Freunden und Verbündeten Kontakt aufgenommen. Ich werde keinen Kommentar zu den Einzelheiten solcher Konsultationen abgeben.

Aktionen der Europäischen Gemeinschaft
FRAGE: Warum antworteten Sie mit militärischer Gewalt, nachdem doch
die Sonderkonferenz der EG-Außenminister zur Mäßigung aufgerufen und ein
Waffenembargo gegen Libyen sowie Maßnahmen gegen die Libyschen Volksbüros
verhängt hatte?
ANTWORT: Der Präsident war sich der jüngsten Maßnahmen, die von der
Konferenz der EG-Außenminister ergriffen wurden, bewußt. Diese Maßnahmen
waren:
- Reduzierung des Personals der Volksbüros;
- Beschränkung der Bewegungsfreiheit libyschen diplomatischen und konsularischen Personals; und
- Verschärfung der Visabestimmungen.
Obwohl diese

�Obwohl diese Maßnahmen sicherlich einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, gehen sie unserer Meinung nach nicht weit genug um sicherzustellen, daß damit die von Libyen für die Zukunft geplanten terroristischen Anschläge in mehr als einem Dutzend Ländern vereitelt werden
können.
Im Lichte der unmittelbar von Libyen ausgehenden Bedrohung fühlte der
Präsident eine dringende Verantwortung, zu handeln.
Es sollte auch bemerkt werden, daß die EG diese Maßnahmen erst unternahm, nachdem die Vereinigten Staaten damit begonnen hatten, mit ihren
wichtigsten Verbündeten Konsultationen über mögliche militärische Aktionen
durchzuführen.

Die arabische Reaktion
FRAGE: Bauen Sie Gadhafi durch Ihre Angriffe gegen ihn nicht nur noch
weiter in der arabischen Welt auf? Stimmt es nicht, daß es sich keine
arabische Regierung zum jetzigen Zeitpunkt leisten kann, als ünterstützer
der Vereinigten Staaten gegen Gadhafi zu gelten?
ANTWORT: In bezug auf die besondere arabische Reaktion habe ich (bis
heute) (kann ich keinen Kommentar zu den Motiven hinter diesen Reaktionen
abgeben). Ich möchte jedoch sagen, daß mehrere arabische Länder in der
Vergangenheit privat betont haben, daß sie Verständnis für unseren Willen
haben, uns gegen Gadhafi zu wehren. Ich nehme an, daß wir ähnliche Reaktionen jetzt erleben werden.

Die Sowjets
FRAGE:

Haben Sie die Sowjets informiert?

ANTWORT: Ja. Wie bei der Übung zur Freiheit der Seeschiffahrt haben
wir mit den Sowjets gesprochen, als sich die Dinge entwickelten, um einer
Fehleinschätzung ihrerseits vorzubeugen.
FRAGE: Riskiert man mit dieser amerikanischen Aktion nicht eine direkte Konfrontation mit sowjetischen Truppen? Werden sie nicht ihren Verbündeten Gadhafi unterstützen?
ANTWORT: Wir haben den Sowjets klargemacht, daß unsere Aktionen nicht
gegen sie gerichtet sind. Die Sowjetunion hat keinen Freundschafts- und
Beistandsvertrag mit Libyen, und wir erwarten nicht, daß die Sowjets
Gadhafi aktive militärische Hilfe leisten werden.
FRAGE:

Wurde der Heiße Draht benutzt?

ANTWORT:

Nein, der Heiße Draht wurde nicht benutzt.
Krieg mit Libyen
- 4 -

�Krieg mit Libyen
FRAGE:

Werden die Vereinigten Staaten einen Krieg gegen Libyen führen?

ANTWORT: Nein, die Vereinigten Staaten haben Libyen weder den Krieg
erklärt, noch gegen Libyen Krieg geführt. Wir haben lediglich eine geeignete militärische Antwort durchgeführt, um von Libyen beabsichtigte Akte
des internationalen Terrorismus zu verhindern. Nach der VÖlkerrechtsdoktrin von der Selbstverteidigung sind solche Präventivaktionen erlaubt.

Ermächtigung zur Kriegführung
FRAGE: Haben Sie sich vor diesem militärischen Schlag mit den Führern
des Kongresses beraten, wie dies vom entsprechenden Gesetz (War Powers Resolution) vorgesehen ist?
ANTWORT: Der Präsident hat sich vor dem Beginn der Aktion mit der
Führung von Repräsentantenhaus und Senat beraten und er beabsichtigt, dem
Kongreß binnen 48 Stunden einen umfassenden Bericht vorzulegen.

Planung
FRAGE: Wann hat die Administration entschieden, einen Vergeltungsschlag durchzuführen?
ANTWORT:

Kein Kommentar.

FRAGE: Welche Beweise haben Sie für die Verwicklung Libyens in den
Berliner Bombenanschlag?
ANTWORT: Ende März erfuhren wir, daß Gadhafi einer Reihe von sogenannten Volksbüros, einschließlich desjenigen in Ostberlin, Befehl erteilte, amerikanische Bürger und Einrichtungen anzugreifen. In der Folge wurden Mitglieder Libyscher Volksbüros, die schon früher in terroristische
Aktivitäten verwickelt gewesen waren, in Westberlin von alarmierten amerikanischen und westberliner Sicherheitskräften ausgemacht und identifiziert. Am Abend des 4. April erfuhren wir, daß das Libysche Volksbüro in
Ostberlin Tripolis informiert hatte, daß ein Anschlag am 5. April stattfinden würde. Später teilte das Libysche Volksbüro in Ostberlin nach
Tripolis mit, daß die "Operation" erfolgreich gewesen sei und daß sie
nicht mit dem Libyschen Volksbüro in Ostberlin in Verbindung gebracht werden könne. Das gleiche Muster in der libyschen Planung von Anschlägen auf
Amerikaner und andere Personen wurde schon bei anderen Gelegenheiten identifiziert. Aus verschiedenen Gründen sind ihnen jedoch dabei keine weiteren "Erfolge" gelungen. Dies ist auf die gute Sicherheits- und Aufklärungsarbeit der Vereinigten Staaten sowie auf die gute Zusammenarbeit mit
befreundeten Regierungen zurückzuführen. Wir können es uns jedoch nicht
leisten, in unseren Bemühungen nachzulassen und tatenlos darauf zu warten,
daß Gadhafis Mörder es wieder und wieder versuchen.
Warnungen
- 5 -

�Warnungen
FRAGE: Welche Warnungen haben Sie herausgegeben, nachdem die Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs sich immer mehr verstärkt hatten?
ANTWORT: Wir warnten unsere diplomatischen und militärischen Einrichtungen im Ausland. Diese wurden gleichzeitig gebeten, diejenigen Amerikaner, die sich privat dort aufhalten, zu warnen. Am 27. März traf sich unser Vertreter zu getrennten Gesprächen mit Vertretern der DDR und der
UdSSR, um sie von der Bedrohung der Amerikaner in Westberlin durch das
Libysche Volksbüro in Kenntnis zu setzen und sie darum zu bitten, terroristische Aktionen zu verhindern.
Nachdem wir noch dringendere Warnungen in bezug auf einen bevorstehenden Anschlag erhalten hatten, begannen unsere Sicherheitskräfte in Westberlin, die Angehörigen unserer Streitkräfte aufzufordern, Bars und Nachtclubs zu räumen. Leider hatten sie die Diskothek La Belle noch nicht erreicht, als dort die Bombe am 5. April um 01.30 Uhr explodierte.

Gadhafis Terrorismus
FRAGE: Hinter welchen anderen Terroranschlägen steckte Gadhafi?
ANTWORT: Es war stets unsere Politik, keine Fragen zu beantworten, bei
denen es sich um sensitives Geheimdienstmaterial handelt. Die öffentlich
bekannte Liste all dessen, was zeigt, in wie viele Akte der Aggression
Gadhafi verwickelt war, geht auf viele Jahre zurück und ist eindeutig. Im
Mai 1984 wurde in London eine britische Polizistin vor dem dortigen
libyschen Volksbüro ermordet. Als Konsequenz schlössen die Briten dieses
Büro.
Er hat Mordgruppen in die ganze Welt geschickt - sogar in die Vereinigten Staaten -, um libysche Dissidenten umzubringen, die im Exil leben.
Es gibt überzeugende Beweise dafür, daß Libyen mit den brutalen Angriffen auf die Flugplätze in Rom und Wien am 27. Dezember vergangenen
Jahres in Verbindung gebracht werden kann.
Gadhafi gibt routinemäßig dem palästinensischen Terroristen Abu Nidal
materielle Unterstützung.
Im März war Gadhafi in Tripolis der Gastgeber von etwas, was einer internationalen Konvention von Terroristen gleichkam, an der Hunderte von
Terroristen aus Gruppierungen der ganzen Welt teilnahmen.

Zukünftige Angriffe
FRAGE: Welche Beweise haben Sie dafür, daß derzeit weitere libysche
Terroroperationen geplant oder schon unterwegs sind?
ANTWORT: Wir haben

�ANTWORT: Wir haben höchst zuverlässige nachrichtendienstliche Informationen, daß Gadhafi und seine Hauptmitarbeiter weitere Angriffe auf amerikanische Bürger und Anlagen in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und
Lateinamerika planen.
- In Afrika planen die Libyer Angriffe und überwachen amerikanische Einrichtungen in zehn Ländern. Letzte Woche kamen drei libysche Agenten
in einem afrikanischen Staat an, um einen Bombenanschlag gegen die
Kanzlei unserer dortigen Botschaft durchzuführen und unseren Botschafter zu entführen.
- Im Mittleren Osten haben die Libyer mehrere Angriffe gegen amerikanische Botschaften geplant und haben andere Terrorgruppen dort dazu
ermutigt, ähnliche Anschläge durchzuführen.
- In Lateinamerika haben libysche Diplomaten ....
maten und deren Familienangehörige.

amerikanische Diplo-

- Libyen hat seine Agenten auch angewiesen, Schläge gegen die Handelsinteressen der Vereinigten Staaten durchzuführen - einschließlich amerikanischer Flugzeuge im internationalen Flugverkehr.

Syrien/Iran
FRAGE: Sind nicht Syrien und der Iran für den staatlich unterstützten
Terrorismus genauso verantwortlich wie Libyen? Warum behandeln die Vereinigten Staaten diese Länder nicht genauso wie Libyen?
ANTWORT: Wir sind über die syrische und iranische Unterstützung terroristischer Aktivitäten gleichermaßen besorgt. Beide Staaten stehen auf
unserer "Terrorismusliste"; Kontrollen im kommerziellen Bereich sind die
Folge. Wir haben gesagt, daß wir jene zur Verantwortung ziehen werden,
die verantwortlich sind, sobald wir die nötigen Beweise dafür haben. Im
jetzigen Fall deuten die Beweise auf Libyen.

Amerikanische Maßnahmen gegen den libyschen Terrorismus
FRAGE: Sie sagen, daß dieser amerikanische Angriff auf Libyen eine
Reaktion auf die Terrorkampagne Gadhafis sei, daß jedoch unser letzter
Schlag das Ziel hatte, unsere Schiffe im Verlauf einer Operation zu verteidigen, die der Freiheit der Seeschiffahrt diente. War es nicht von Anfang an Ziel auch dieser Übung, die Angriffe von Rom und Wien zu vergelten?
ANTWORT: Die Vereinigten Staaten können und werden keinen staatlich
unterstützten Terrorismus tolerieren. Dies ist seit langem unsere Politik. Nach den Massakern von Rom und Wien ergriffen wir eine Anzahl politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen, die darauf abzielten, Gadhafi dazu
zu bringen, seine Unterstützung der Terroristen einzustellen. Wir ver-

�Wir verdeutlichten, daß wir gezwungen wären, militärische Maßnahmen zu ergreifen, falls er mit seiner Unterstützung der Terroristen fortfahren würde und unsere anderen schrittweisen Maßnahmen ihn nicht davor abschreckten, wir haben unser Wort gehalten.
Wie wir während der
ten, reagierten wir zur
auf unsere Streitkräfte
ternationalen Gewässern

Operation zum Schutz der freien Seeschiffahrt sagSelbstverteidigung nur nachdem Gadhafi Angriffe
befohlen und durchgeführt hatte, als diese in inoperierten.

Ziele des militärischen Schlags
FRAGE: Was erhofften Sie militärisch zu erzielen, als sie diesen Angriff starteten? Und was hofften Sie, politisch zu erreichen?
ANTWORWT: Unser Ziel war es, Gadhafis Fähigkeit Schaden zuzufügen,
den Export von internationalem Terrorismus zu dirigieren und zu kontrollieren. Die Vereinigten Staaten können genauso wenig wie alle freiheitsliebenden Völker der Welt den Terrorismus tolerieren. Wenn wir diejenigen, die für terroristische Akte verantwortlich sind, eindeutig identifizieren können, so werden wir sie dafür auch zur Verantwortung ziehen. Das
militärische Ziel bestand also darin, Ziele auf eine Weise zu treffen, um
der Fähigkeit Gadhafis Schaden zuzufügen, terroristische Akte durchzuführen. Das politische Ziel war, zu zeigen, daß solche Angriffe die Folge
sind, wenn man Terroraktionen unternimmt - daß man den Terrorismus nicht
unterstützen kann, ohne einen hohen Preis dafür zahlen zu müssen, wir haben beide Ziele mit Erfolg erreicht.
Wir hoffen, daß diese Maßnahme künftige Terrorangriffe abschrecken
wird. Dennoch haben wir keine Illusionen hinsichtlich Gadhafi und anderer
Terroristen und seiner Unterstützung und des Exports von Terrorismus. Es
könnte in der nächsten Zukunft sogar von seiner Seite aus eine Verstärkung
der Angriffe geben. Aber Ziel unserer Reaktion war nicht, ein definitives
Ende seiner terroristischen Taktiken zu erzwingen. Vielmehr ging es uns
darum, ein deutliches Signal dafür zu senden, daß wir den Tod unschuldiger
Amerikaner und anderer nicht mehr länger tolerieren werden. Wir sind zuversichtlich, daß die Botschaft gehört und verstanden wurde.

Entschuldigung für einen Angriff
FRAGE: War ihr eigentliches Motiv nicht von Anfang an eine Provokation Gadhafis, damit Sie eine Entschuldigung dafür bekämen, Libyen direkt
und stärker zu attackieren, als Sie es bisher taten?
ANTWORT: Nein. Oberst Gadhafi trägt die volle Verantwortung für diese Wendung der Ereignisse. Wir wissen, daß seine Terrorkampagne schon
lange vor den Operationen in der Großen Syrte geplant und unterwegs war.
Er benützt lediglich die Operation in der Großen Syrte als passende Ent- 8 -

�passende Entschuldigung für seine unprovozierten Angriffe. Er unterstützt
schon seit langem Terroristen, die wahllos verabscheuungswürdige Verbrechen gegen unschuldige Menschen jeglicher Staatsangehörigkeit begehen.
Die unwiderlegbaren Beweise dafür, daß Gadhafi den brutalen Bombenanschlag
in Berlin befahl, ist für die ganze Welt ein Beweis seiner Feigheit.

Ziele
FRAGE:

Warum wurden von Ihnen gerade diese Ziele ausgewählt?

AMTWORT: Auf der Grundlage ihres Verhältnisses zu Gadhafis Lenkung
und Unterstützung von Terrorismus wurden mit Sorgfalt fünf Ziele untersucht und ausgewählt. Diese fünf Ziele waren:
- Erstens die AI Azziziyah-Kaserne in Tripolis - das Zentrale Hauptquartier der libyschen Planung und Lenkung der terroristischen Angriffe im
Ausland.
- Zweitens, die AI Jumahiriya-Kaserne in Bengasi - eine alternative Kommandozentrale für die AI Azziziyah-Kaserne.
- Drittens, die Sidi Bilal-Hafenanlage libysche Kommandos.

Ausbildungszentrum für

- Viertens, der militärische Teil des Flugplatzes von Tripolis - IL/76Militärtransporter für den Transport von subversivem Material in die
ganze Welt
- Fünftens, der Benina-Militärflugplatz - ein Zentrum der militärischen
Unterdrückung, zentraler Stützpunkt für libysche Kampf- und Bombenflugzeuge. Von dort gelangt auch neues militärisches und subversives
Material in den Krieg gegen den Tschad.
Gleichermaßen sorgfältig wurde auch die Möglichkeit weiteren Schadens
sowie der Verluste unter der unschuldigen Bevölkerung abgewogen. Die Ziele und die Angriffsmittel wurden so ausgewählt, daß derlei Schäden und
Verluste in größtmöglichem Maße verhindert werden konnten.

SA-5-Anlagaen
FRAGE: Die Libyer reparierten mit sowjetischer Hilfe die SA-5-Anlagen
nach unserem Angriff. Und diese waren während unseres jüngsten Angriffs
einsatzbereit. Warum fügte die 6. Flotte zu jenem Zeitpunkt nicht einen
dauerhafteren Schaden zu?
ANTWORT: Unsere Reaktion zum Zeitpunkt der libyschen Angriffe gegen
die amerikanischen Streitkräfte, die in der Großen Syrte eine friedliche
Übung durchführten, wurde als angemessen angesehen. Unser Ziel bestand

�Unser ziel bestand nicht darin, einen unverhältnismäßig großen Schaden anzurichten, sondern unsere Substanz zu schützen und ein deutliches Signal
zu setzen, daß wir reagieren werden, wenn man uns angreift.

Drei Flugzeugträger
FRAGE: Sie setzten drei Flugzeugträger-Kampfgruppen ein, um im vergangenen Monat eine Übung zum Zweck der Navigationsfreiheit durchzuführen.
Warum waren Sie der Meinung, es sei diesmal ausreichend, gegen Libyen mit
nur zweien zuzuschlagen?
ANTWORT: Die Übung zum Schutz der freien Seeschiffahrt war ein schon
lange geplantes Unternehmen, für das wir in der Lage waren, drei solche
Einheiten zusammenzubringen, eine für alle Eventualfälle optimale Konstellation. Die Reaktion auf den libyschen Terrorismus mußte eine sofortige
sein, um weitere, von Libyen dirigierte Terrorakte zu verhindern, die in
mehreren anderen Ländern geplant waren.
Ich möchte Sie für noch spezifischere Antworten an das Pentagon verweisen. Ich kann Ihnen versichern, daß der Präsident einer solchen Operation nicht zugestimmt hätte, wenn die militärischen Planer nicht der Meinung gewesen wären, die Mittel seien genau angemessen, um diese Mission
sicher zu vollenden.

Amerikanische Bürger in Libyen
FRAGE: Wie viele amerikanische Bürger sind noch in Libyen?
dieser Angriff nicht ihr Leben in Gefahr?

Bringt

ANTWORT: Wir haben keine genauen Zahlen, aber wir gehen von schätzungsweise einigen Hundert aus. Unser Angriff sollte weder direkt noch
indirekt die verbleibenden amerikanischen Bürger gefährden, von denen einige sich dort aufhalten, weil sie mit libyschen Bürgern verheiratet sind.
Wir werden die libysche Regierung auch weiterhin für die Sicherheit und
das Wohlergehen aller amerikanischer Bürger verantwortlich machen, die
sich noch in Libyen aufhalten. Ich sollte jedoch darauf hinweisen, daß
der Präsident am 7. Januar alle Amerikaner aufforderte, Libyen zu verlassen.

Kettenreaktion der Gewalt
FRAGE: Als Sie die Übung zum Schutz der freien Seeschiffahrt planten,
waren Sie sich sicher der Tatsache bewußt, daß Sie Gadhafi dazu provozieren würden, mit Terror Vergeltung zu üben und daß dies zu einer Kettenreaktion terroristischer Akte führen würde?
ANTWORT:

- 10 -

Unsere

�ANTWORT: Unsere Übung war Bestandteil unserer weltweiten und seit
langem betriebenen Politik, die Freiheit der Seefahrt und der Präsenz in
internationalen Gewässern zu garantieren. Wir hatten bislang sieben mal
derlei Übungen in der Großen Syrte im Verlauf der letzten fünf Jahre
durchgeführt. Durch diese Manöver hofften wir, einen diskreten Hinweis zu
geben. Sicherlich erwägten wir die Möglichkeit, daß Gadhafi so reagieren
würde, wie er es dann auch tat und daher waren unsere Streitkräfte auch
vorbereitet, als sie von Libyen angegriffen wurden. Ich möchte eines jedoch noch einmal betonen: Wir werden immer so handeln, wie es unseren
Prinzipien entspricht, weil wir der Überzeugung sind, daß anderes Handeln
nur zu terroristischer Erpressung führt.
Zudem setzt Gadhafi den Terrorismus nicht erst seit letzter Zeit ein.
Schon seit einer Reihe von Jahren zögert er nicht, den Terrorismus zu nutzen, um seine eigenen Ziele zu fördern. Was wir in Berlin und andernorts
erlebten, war kein neues Phänomen, sondern Gadhafi handelte nur in gewohnter Weise.

Die nächsten Schritte
FRAGE:

Was erwarten Sie, was als nächstes geschehen wird?

ANTWORT: Das hängt wirklich von Oberst Gadhafi ab. Unsere Position
ist klar und deutlich. Er kann Terrorakte nicht ungestraft durchführen.
Wenn er sich entschließt, seine Leitung und Unterstützung des internationalen Terrorismus einzustellen, hat er von den Vereinigten Staaten nichts
zu befürchten. Wenn er jedoch beschließt, diese Art der Lenkung und Unterstützung fortzusetzen, oder sogar noch zu verstärken, so sind die Vereinigten Staaten bereit, die antiterroristischen Operationen gegen Libyen
so lange fortzuführen, wie notwendig ist, um den von Libyen unterstützten
Terrorismus zu beenden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^TioN

14

16. April 1986

AMERIRANISCH-EUROPXlSCHE BEZIEHUNGEN
Unterstaatssekretär Ridgway im Repräsentantenhaus

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten, Rozanne L. Ridgway, sprach in einer Anhörung vor
dem Unterausschuß für Europa und den Mittleren Osten im Repräsentantenhaus
am 8. April 1986 unter anderem über die "unannehmbaren" Auflagen der Europäischen Gemeinschaft auf die landwirtschaftlichen Exporte der Vereinigten
Staaten.
Ridgways Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich möchte dem Unterausschuß heute mit den neuesten
Entwicklungen in Europa vertraut machen. Seit unserem letzten Zusammentreffen hat die EG unseren landwirtschaftlichen Exporten in den erweiterten gemeinsamen Markt unannehmbare Auflagen gemacht. Außenminister Shultz
ist nach Griechenland und in die Türkei wie auch nach Frankreich und
Italien gereist. Der UN-Generalsekretär hat den Entwurf für ein Rahmenabkommen zur Klärung der Situation auf Zypern vorgelegt. Die französischen
Parlamentswahlen haben zu einer Regierungskoalition der konservativen Parteien geführt, die sich mit dem sozialistischen Präsidenten Mitterrand die
Staatsgewalt teilen. Schweden hat durch die Kugeln eines Attentäters seinen Ministerpräsidenten Olof Palme verloren. Erst in der vergangenen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der vergangenen Woche haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland eine Regierungserklärung über die deutsche Beteiligung am SDIProgramm unterzeichnet.
Ich möchte auf all diese Entwicklungen kurz eingehen und dem Unterausschuß unsere Position bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen darlegen.

Auswirkungen einer Ausweitung der EG für die Vereinigten Staaten
Was den Handel betrifft, so erklärte der Präsident am 31. März im zusammenhang mit der Erweiterung der EG, daß bis zur Aufhebung der ungesetzlichen Quoten auf unsere Exporte von ölsamen und Getreide nach Portugal
durch die EG und der sofortigen Erstattung unserer Verluste bei Getreideund Sorghumhirselieferungen nach Spanien, die Vereinigten Staaten Quotenregelungen treffen und höhere Zölle auf EG-Waren erheben werden.

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Obwohl wir den Beitritt Spaniens und Portugals zur EG begrüßen, so haben wir doch klar genug darauf hingewiesen, daß wir es nicht zulassen werden, daß die Erweiterung der EG als Entschuldigung benutzt wird, um unseren Exporten ungerechte Beschränkungen aufzuerlegen. Bedauerlicherweise
hat unsere Botschaft in Europa bisher noch keine Resonanz gefunden. Zwei
Arten von jetzt in Portugal ergriffenen Maßnahmen sind beunruhigend für
uns: Einfuhrgenehmigungen und Quotenregelungen bei Sojabohnen und die Reservierung von 15,5 Prozent des portugiesischen Getreidemarktes für EGLieferanten. Unserer Ansicht nach laufen diese Schritte den Verpflichtungen der Gemeinschaft im GATT zuwider. Darüber hinaus betrachten wir die
Maßnahmen für Sojabohnen als potentielle Bedrohung unserer gesamten Sojabohnenexporte für die EG. Die Erklärung des Präsidenten vom 31. März
zeigt unseren Entschluß, ungerechtfertigte Handelsbeschränkungen zu verhindern und auf solcherart auferlegte Beschränkungen genauso zu reagieren.

Die Reise des Außenministers in die Türkei und nach Griechenland
Die Reise des Außenministers in die Türkei hat den Prozeß der Erweiterung und Vertiefung unseres Dialogs mit diesem wichtigen NATO-Verbündeten
vorangetrieben. Der Besuch gab dem Außenminister und auch uns, seinen Begleitern, die Möglichkeit, die strategische Bedeutung der Türkei vor Ort
richtig einzuschätzen. Es wurde ferner die Wirksamkeit des umfassenden
und gut konzipierten wirtschaftlichen Reformprogramms von Premierminister
özal offenbar, das die Türkei zu einem Vorbild marktorientierter wirtschaftlicher Entwicklung für all jene Staaten werden läßt, die sich in einem Entwicklungsstadium befinden. Wir erkennen auch nachhaltig die Notwendigkeit, die türkischen Bemühungen zur Modernisierung ihrer Streitkräfte und zur Konsolidierung ihrer demokratischen Einrichtungen auf jede nur
mögliche Art und Weise zu unterstützen und somit die Voraussetzungen für
ein stabiles Wirtschaftswachstum zu schaffen.
Der Außenminister
- 2 -

•

l

�Der Außenminister traf mit Präsident Evren, Premierminister özal, dem
Stellvertretenden Premierminister Erdem, Außenminister Halefoglu, Verteidigungsminister Yavuztürk und anderen hochrangigen Regierungsvertretern
und Parlamentsmitgliedern zusammen. Bei den internationalen Angelegenheiten konzentrierte sich die Diskussion besonders auf den Mittleren Osten
und die Bedrohung des internationalen Gleichgewichts durch den iranischirakischen Krieg.
Bei den Diskussionen bilateraler Angelegenheiten besprachen wir die
Notwendigkeit der Ausweitung unserer Beziehungen in Wirtschaft und Handel
und des amerikanisch-türkischen Abkommens über die Zusammenarbeit in der
Wirtschaft und bei der Verteidigung (DECA). Die Türken bekundeten ihr Interesse auf besseren Zugang für ihre Exporte - speziell Textilien - zum
amerikanischen Markt. Der Außenminister drückte unser Interesse aus, den
Handel mit der Türkei und Investitionen auf nationaler Ebene zu unterstützen, wobei er auf die Komplexität des Textilsektors hinwies. Er erklärte
die Vorzüge, die sich aus dem kürzlich geschlossenen bilateralen Investment-Vertrag wie auch aus dem zur Zeit verhandelten Steuervertrag und anderen gemeinsamen Geschäftsbeziehungen ergeben können.
Der Außenminister beschrieb die Schritte, die wir in den vergangenen
Jahren bei der Unterstützung der Sicherheit geleistet haben und unseren
fortgesetzten Einsatz zur Bereitstellung von Verteidigungsmitteln an die
Türkei im Geiste der Atlantischen Partnerschaft und zum Nutzen unserer
beiden Länder. Ich kann nicht genug auf die Bedeutung hinweisen, mit der
die Regierung ihre Bitte um Sicherheitshilfe für die Türkei unterstreicht.
Den Türken steht von Rechts wegen mehr zu als wir ihnen gewähren können,
und es liegt auch in einer schwierigen Haushaltssituation im Interesse unseres Landes, das Ausmaß dieser Unterstützung anzuheben. Der Minister und
seine türkischen Gesprächspartner sprachen außerdem über unsere gemeinsame
Verpflichtung zum Schutz der Menschenrechte und unsere Besorgnis hinsichtlich der Lage der türkischsprechenden moslemischen Minderheit in Bulgarien.
In Athen traf der Minister mit Ministerpräsident Papandreou sowie hohen Regierungsvertretern zusammen. Die Gespräche verliefen in einer positiven Atmosphäre und stellten einen wichtigen Schritt in unserem ständigen, beiderseitigen Bemühen um eine Verbesserung der Beziehungen dar, im
Einklang mit Papandreous Erklärung vom vergangenen Jahr, wonach sich
Griechenland und die Vereinigten Staaten auf "ruhigere Gewässer" zubewegen
sollten - ein Wunsch, den auch Präsident Reagan teilt. Minister Shultz
und sein griechischer Amtskollege Papoulias kamen im Anschluß überein,
sich in einem solchen Sinne "Schritt für Schritt" in diese Richtung zu bewegen.
Der Minister analysierte die Ergebnisse dieses schrittweisen Prozesses
im einzelnen und beide Seiten waren sich darin einig, daß in den vergangenen Monaten hier erhebliche Fortschritte erzielt worden seien. Wir haben die notwendigen Schritte für einen Verkauf von F-16-Kampfflugzeugen an
Griechenland unternommen. Hinsichtlich der Zivilluftfahrt haben wir ein
Interimsabkommen abgeschlossen und wir arbeiten in den Bereichen Terroris-

�Bereichen Terrorismus und Sicherheitsfragen zusammen. Die griechische
Seite stimmte einer weiteren Zusammenarbeit mit uns in den kommenden Monaten zu, um noch andere anstehende Fragen zu lösen. Wir hoffen, die noch
vorhandenen Probleme ausräumen zu können, um mit den Verhandlungen über
die Stützpunktfrage zu beginnen und zu Gesprächen über ein Abkommen hinsichtlich des Status unserer dortigen Streitkräfte zu kommen, wir müssen
auch mit Gesprächen hinsichtlich eines Abkommens über die Anlagen der
Stimme Amerikas (VOA) in Griechenland beginnen. Im nächsten Monat werden
wir in Athen Gespräche über Handel und Investitionen führen. Und wir werden damit fortfahren, Möglichkeiten zu untersuchen, wie unsere Zusammenarbeit beim Thema Terrorismus noch wirkungsvoller werden kann.
Schließlich führte der Minister auch gute Gespräche bezüglich der Zukunft der militärischen Anlagen der Vereinigten Staaten in Griechenland.
Wir kamen zwar noch nicht zu einer Lösung, waren uns aber darin einig, daß
ernsthafte Gespräche über diese Frage rechtzeitig stattfinden sollten, um
dieses Problem noch vor Dezember 1988 einer zufriedenstellenden Lösung zuzuführen. Der Minister ludt Außenminister Papoulias ein, zu einem noch
festzulegenden Termin nach Washington zu kommen, und dieser nahm die Einladung an.
Der Minister betonte unser Interesse an Frieden und Stabilität in dieser Region wie auch unsere Besorgnis hinsichtlich der anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen unseren griechischen und türkischen Verbündeten. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß sie diese Frage einer
Lösung zuführen und daß Griechenland eine Möglichkeit finden wird, wieder
in vollem Umfang an den Aktivitäten der NATO teilzunehmen.

Die Zyperninitiative des UN-Generalsekretärs
Der Generalsekretär hat mit der Zyperninitiative, die er seit August
1984 verfolgt, einen wichtigen Schritt nach vorn getan. Am 29. März legte
er griechisch- und türkischzypriotischen Repräsentanten einen Entwurf über
ein Rahmenabkommen vor, das Grundsätze über die Natur einer künftigen Bundesrepublik Zypern enthält und mit dem ein Prozeß ins Leben gerufen werden
soll, um auf eine zyprische Gesamtlösung hinzuarbeiten. Während der vergangenen Monate haben Vertreter des UN-Generalsekretariats zwei Gesprächsrunden mit den beiden Seiten in Europa abgehalten. Sie trafen außerdem
mit den Parteien auf Zypern und in New York zusammen, um dieses Dokument
vorzubereiten.
Sollte es von beiden Seiten angenommen werden, so würde es ihnen zum
erstenmal die Möglichkeit zu konkreten Gesprächen über alle anstehenden
Fragen geben und diese könnten als integrales Ganzes angegangen werden.
Dazu gehören die Grundfragen nach einem Truppenabzug und nach internationalen Garantien. Das Abkommen sieht vor, daß der Generalsekretär regelmäßige Gipfeltreffen zwischen den beiden zypriotischen Führern und Arbeitsgruppen arrangiert, im Rahmen derer die Fragen im einzelnen behandelt
würden.
Diese Verhandlungen

�Diese Verhandlungen würden jeder Seite genug Gelegenheit geben, sich
in ausreichendem Maß mit den Absichten der jeweils anderen vertraut zu machen. Und obgleich das Dokument des Generalsekretärs die beiden Parteien
in Zypern dazu verpflichten würde, innerhalb eines vereinbarten Rahmens
Fortschritte in Richtung auf eine umfassende Regelung zu machen, so würde
letztendlich seine Verwirklichung davon abhängen, ob beide Seiten in der
Lage wären, alle Fragen zur beiderseitigen Zufriedenheit auszudiskutieren.
Das Rahmenabkommen selbst würde keine der beiden Parteien unwiderruflich
dazu verpflichten, irgendwelche Einzelergebnisse anzuerkennen. Wenn man
die Fragen als ein "integriertes Ganzes" behandelt - um den Wortlaut des
Rahmenabkommens selbst zu verwenden -, so soll damit gesagt werden, daß
nichts endgültig ist, bevor nicht alle Parteien ihre Zustimmung gegeben
haben.
Wir unterstützen mit Nachdruck diese Bemühungen des Generalsekretärs.
Bei seinem jüngsten Besuch der Türkei und Griechenlands ermutigte Außenminister Shultz die Regierungen beider staten, Ähnliches zu unternehmen.
Die Parteien stehen derzeit an einem möglicherweise historischen Wendepunkt. Wir hoffen, daß sie die Gelegenheit ergreifen und mit dem Generalsekretär auf eine gerechte und dauerhafte Lösung hinarbeiten.

Das spanische Referendum - die nächsten Schritte
Wir sind der Ansicht, daß das westliche Bündnis durch das Votum vom
12. März bezüglich eines weiteren spanischen Verbleibs in der NATO gestärkt wurde. Wir wie auch die anderen Bündnispartner begrüßten das Ergebnis, das einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung auf eine umnfassendere Beteiligung Spaniens an der Gemeinschaft der westlichen Demokratien darstellt. Ministerpräsident Gonzalez machte deutlich, daß Spanien
seine Rolle in der westlichen Verteidigungsgemeinschaft verstärken möchte.
Angesichts dessen kamen unsere beiden Regierungen im Dezember überein, in
der ersten Jahreshälfte 1986 mit den einleitenden Verhandlungen im Rahmen
eines Prozesses zu beginnen, der zu einer Erneuerung der Abkommen für unsere Stützpunkte führen wird. Ein entscheidender Punkt dieses Rahmenwerks
ist, daß jedwede Veränderung hinsichtlich der amerikanischen Militärpräsenz nichts an den Rahmenbedingungen für die Sicherheit beider Länder und
ihrer Verbündeten ändern wird. Der Minister wird dieses sowie andere bilaterale Themen bei dem am 27. Mai stattfindenden Treffen des gemeinsamen
amerikanisch-spanischen Rates in Washington erörtern.

Die neue französische Regierung
Als Ergebnis der jüngsten Parlamentswahlen in Frankreich verfügt jetzt
eine Koalition konservativer Parteien über die Mehrheit in der Nationalversammlung. Staatspräsident Mitterrand hat Jacques Chirac, den Führer
des größten dieser Koalitionspartner, zum Premierminister ernannt. Dieses
Arrangement der "Cohabitation", wie es die Franzosen nennen, zwischen dem
Staatspräsidenten, der von einer Partei kommt, und dem Premierminister und
- 5 -

�Premierminister und dessen Kabinett, die der Opposition angehören, hat es
bislang in den 28 Jahren der Fünften Republik noch nicht gegeben. Während
seiner jüngsten Reise nach Paris ist Minister Shultz mit Präsident
Mitterrand und Premierminister Chirac zusammengetroffen. Er sprach auch
kurz mit dem neuen Außenminister, Jean-Bernard Raimond, der gerade von
seiner vorherigen Position als Botschafter aus Moskau zurückgekommen war.
Der Außenminister versicherte seinen französischen Kollegen, daß wir politischen Wandel gewöhnt sind und uns auf enge Konsultation und Kommunikation mit der neuen Regierung freuen. Die Treffen des Ministers umfaßten
einen weiten Bereich von Themen, einschließlich der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, der Zusammenarbeit gegen den Terrorismus, die OstWest-Beziehungen sowie die Rüstungskontrolle. Der Außenminister ludt seinen französischen Amtskollegen zu einem Besuch Washingtons ein, sobald
dies dessen Planung zuläßt.

Schweden nach Palme
Nach seiner Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für Olaf Palme
in Stockholm fand ein sehr konstruktives Treffen zwischen Außenminister
Shultz und dem neuen schwedischen Ministerpräsidenten Carlsson statt.
Carlsson hat den Ruf eines fähigen Politikers mit einer besonnenen Art und
dem Talent, einen Konsens herbeizuführen. Nach diesem günstig verlaufenen
ersten Treffen erwarten wir, in Zukunft gemeinsam mit seiner Regierung aktiv nach neuen Wegen zu suchen, um unsere gegenwärtig guten Beziehungen
mit Schweden noch besser zu gestalten.

Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland am SDI-Forschungsprogramm
Am 27. März haben Verteidigungsminister Weinberger und der Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland, Martin Bangemann, in
Washington eine Übereinkunft unterzeichnet, die eine umfassende Grundlage
für die Beteiligung der deutschen Industrie, Forschungsinstitutionen und
anderer Einrichtungen am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative in einer Weise bietet, die den Schutz sicherheitsempfindlicher Technologie gewährleistet. Das Abkommen beinhaltet Regelungen für
die ünterbreitung von Angeboten und die Erfüllung von Forschungsaufträgen,
das Recht der Nutzung von Forschungserkenntnissen und anderen Informationen sowie Kontrollmechanismen gegen den ungenehmigten Transfer sensibler
Technologien.
Gleichzeitig wurde ein Gemeinsames Protokoll über die Prinzipien der
technologischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Diese nicht-bindende Übereinkunft befaßt sich mit den allgemeinen Prinzipien für die amerikanischdeutsche Zusammenarbeit im industriellen, wissenschaftlichen, technologischen und Sicherheitsbereich. Sie zeigt Schritte auf, die der Ermutigung einer solchen Zusammenarbeit sowie der Verbesserung der Sicherheit
durch eine wirksame Regelung für den Schutz strategisch sensibler Technologien dienen.
In beiden Abkommen

�In beiden Abkommen hat die amerikanische Regierungs sich besonders
darum bemüht sicherzustellen, daß die Interessen Berlins in angemessener
Weise und im Einklang mit den Rechten und Verantwortlichkeiten der Alliierten berücksichtigt werden.

Der Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Der Genfer Gipfel vom vorigen November hat eine gute Grundlage für einen verbesserten Dialog auf allen Ebenen unserer Beziehungen geschaffen,
vom Präsidenten an der Spitze bis zur breiten Skala der Begegnungen von
Mensch zu Mensch, die wir entwickeln möchten. Wir waren und bleiben entschlossen, Möglichkeiten für Fortschritte auf allen vier zur Debatte stehenden Gebieten weiterzuverfolgen: Rüstungskontrolle, regionale Probleme,
Menschenrechte und bilaterale Angelegenheiten.
Wie Außenminister Shultz schon sagte, waren wir sehr enttäuscht von
dem Mangel an Fortschritten seit dem Genfer Treffen des Präsidenten mit
Gorbatschow. Wir bedauern es insbesondere, daß die Sowjets bis heute noch
nicht auf unseren Vorschlag eines Besuches von Generalsekretär Gorbatschow
in den Vereinigten Staaten in diesem Sommer reagiert haben.
Der Präsident ist heute morgen mit Botschafter Dobrynin zusammengetroffen. Ich kann Ihnen sagen, daß der Präsident klargemacht hat, daß wir
zu Fortschritten bereit sind. Wir möchten beim nächsten Gipfel zu substantiellen Vereinbarungen kommen. Der Präsident hat betont, daß die sowjetische Zustimmung zu einem Termin für das nächste Gipfeltreffen hilfreich sein würde, um die Suche nach Gebieten gegenseitiger Übereinstimmung
zu fördern. Gemäß unserer Erfahrung vom letzten Herbst ist es so, daß die
Existenz eines Termins die Bereitschaft beider Regierungen, Schritte zur
Eingrenzung der Problemkreise, bei denen eine Einigung möglich sein könnte, unterstützt. Der Präsident hat erklärt, daß seine Einladung an Generalsekretär Gorbatschow zu einem Besuch der Vereinigten Staaten mit keinerlei Vorbedingungen verknüpft ist. Er wiederholte, daß sowjetische
Junktims keine Aussicht auf Erfolg hätten.
Wir sind außerdem darüber besorgt, daß auch die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen sich kaum von der Stelle bewegt haben. Die Sowjets bestehen weiterhin auf einigen offenkundig einseitigen und unannehmbaren Positionen. Zum Beispiel möchten sie weiterhin eine Definition "strategischer Systeme" erreichen, die uns gegenüber unfair ist, da sie amerikanische Mittelstreckensysteme und Flugzeuge, sogar auf Flugzeugträgern stationierte, mitzählt, während sie vergleichbare sowjetische Systeme außer
acht läßt. Zusätzlich verlangen sie weiterhin ein formelles Verbot jedweder Forschung für eine strategische Verteidigung, obwohl sie wissen, daß
solch ein Verbot niemals verifiziert werden kann. Die Sowjets haben uns
auch keine ernsthafte Antwort auf unsere Vorschläge vom 1. November 1985
erteilt, die sich auf die START-Verhandlungen und die Verteidigungsund
Weltraumgespräche bezogen.
Im Hinblick auf

�Im Hinblick auf die Menschenrechte haben die Sowjets einige positive
Schritte unternommen, wie etwa die Freilassung Anatolij Schtscharanskijs
und die Lösung von Fällen getrennter Ehepartner und Familien. Im März kam
es jedoch zu einem starken Rückgang der Auswanderungszahlen, die sich vorher schon auf sehr niedrigem Niveau befunden hatten, und die allgemeinen
Aussichten bleiben getrübt. Wir beabsichtigen, den wichtigen Menschenrechtsteil unserer Tagesordnung auf jedem hochrangigen Treffen zur Sprache
zu bringen.
Obwohl die Sowjets noch keinen Termin für den nächsten Gipfel bestimmt
haben, ist das Bild der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen nicht gänzlich negativ. Es gibt positive Elemente, insbesondere im bilateralen Sektor. Die Pläne zur Eröffnung unseres Konsulats in Kiew verlaufen störungsfrei. Das Programm des Präsidenten für Begegnungen von Mensch zu
Mensch beginnt sich zu entfalten. Wir hoffen, daß diese Begegnungen zur
Überwindung der selbstgewählten Isolation der Sowjets beitragen werden, so
daß sowjetischen Bürgern ein besseres Verständnis unserer Gesellschaft und
besonders unseres Friedenswillens und unseres Willens, die ausstehenden
Probleme konstruktiv zu lösen, ermöglicht wird.
Was die regionalen Probleme angeht, so fällt das Bild unterschiedlich
aus. Unser laufender Dialog, wie zum Beispiel unsere Expertengespräche,
hat uns dabei geholfen, ein besseres Verständnis unserer gegenseitigen
Ziele und Absichten zu schaffen. Chet Crocker hat sich am 6. März in Genf
mit seinem sowjetischen Gegenüber getroffen. Wir werden in den nächsten
Monaten vermehrt solche Gespräche führen. Gleichzeitig müssen wir erklären, daß sowjetische Aktionen in den Entwicklungsländern nicht hilfreich
gewesen sind. Insbesondere haben die sowjetischen Lieferungen von SA-5Raketen an Libyen und ihre erhöhten militärischen Lieferungen und Aktivitäten in Ländern wie Afghanistan, Nicaragua und Angola dazu beigetragen,
diese regionalen Probleme zu verschärfen, anstatt sie einer Lösung näherzubringen.

* * * * * *

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

4

16. April 1986

14

ERSTE TESTS MIT EXPERIMENTELLEM AIDS-IMPFSTOFF IN USA
- Ziel:

Impfschutz und wirksame Medikamente -

- (AD) - Unter Anwendung gentechnischer Verfahren entwickelten amerikanische Wissenschaftler ein experimentelles Vakzin, das einen wichtigen
Schritt darstellen könnte, um durch Schutzimpfungen die Ausbreitung der
erworbenen Immunschwäche ("acquired immune deficiency syndrome"-AIDS) zu
unterbinden. Alle bisherigen Versuche, den Organismus von AIDS-Kranken zu
veranlassen, Antikörper gegen das AIDS-Virus zu produzieren, blieben praktisch ohne Erfolg. Nun aber hoffen Forschergruppen, u.a. die der Firma
Bristol-Myers in Seattle (US-Bundesstaat Washington), die in Experimenten
an Affen mit dem Vakzin bereits die Bildung von Antikörpern in Gang setzen
konnte, auch bei Schimpansen eine Schutzwirkung gegen die tödliche AIDSErkrankung zu erreichen. Diese sind die einzigen Primaten, die nach einer
Infektion mit AIDS-Viren an der Immunschwäche erkranken. Aus diesem Grund
kommt den Reaktionen, die sie bei künftigen Versuchsimpfungen entwickeln,
im Hinblick auf einen möglichen AIDS-Impfschütz für den Menschen besondere
Bedeutung zu.
Antikörper zählen zu den natürlichen Abwehrwaffen des Körpers gegen
Infektionen. Jedoch konnte bei AIDS-Erkrankungen, wie Dr. Bernard Moss
vom Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA berichten, eine solche
Reaktion des menschlichen Organismus noch nie nachgewiesen werden. "Jetzt

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�werden. "Jetzt aber haben wir zum mindesten ein Instrument, das uns in
die Lage versetzt, herauszufinden, ob wir damit einen Schutz erreichen
oder nicht", meint Dr. Moss. In seinem Institut war das Vakzin bisher nur
an infizierten Mäusen erprobt worden. Ergebnis: sie entwickelten Antikörper gegen die AIDS-Viren. Gegenwärtig werde der Impfstoff in Versuchen
mit Affen eingesetzt, ehe man beim NIH Experimente an Primaten in Angriff
nehme, erklärte Dr. Moss.
Die Wissenschaftler hoffen, bis Ende des Jahres von der Bundesbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel (Food and Drug
Administration - FDA) die Genehmigung zu erhalten, das neue Vakzin am Menschen zu erproben.
Als Grundmaterial für die gentechnischen Verfahren wurde das Vaccinia-Virus benutzt, mit dem es gelang, Pockenerkrankungen nahezu auszurotten. Seit fast zehn Jahren gibt es sie kaum mehr. Für das neue Projekt
wurde das Vaccinia-Virus so verändert, daß seine Erbsubstanz jetzt ein
wichtiges Gen aus dem AIDS-Virus enthält. Dieses steuert die Produktion
von zwei Oberflächen-Proteinen. Das eine braucht das AIDS-Virus, um an
Zellen zu haften und in sie einzudringen. Das andere hat wichtige strukturelle Funktionen.
Bei den Tierversuchen reagierten die mit dem "umgebauten" VacciniaVirus behandelten Zellen so, als wären sie vom AIDS-Virus infiziert und
hätten dagegen Antikörper entwickelt. Dr. Anthony Fauci, der bei NIH die
AIDS-Forschung koordiniert, verwies auf einer Pressekonferenz am 9. April
1986 in Washington u.a. auf die Möglichkeit, eines Tages das umgebaute
Vaccinia-Virus sogar direkt als Impfstoff oder als ein Mittel zur Erzeugung großer Mengen von Oberflächen- oder Hüllenproteinen zu verwenden, um
so einen Schutz gegen die Erkrankung zu erreichen. In den letzten Jahren
wurde bereits der Nachweis erbracht, daß sich das Vaccinia-Virus beispielsweise umbauen läßt, um gegen Leberentzündungen mit dem Erreger Hepatitis-B, gegen einige Arten von Herpes-Viren und gegen manche anderen
Infektionen zu schützen. Jedoch kam man bei allen diesen Forschungsprojekten noch nicht über das Stadium der Tierversuche hinaus.
Weitere Studien sind nach Ansicht Faucis notwendig, um zu demonstrieren, daß die unter der Wirkung des neuen Vakzins produzierten Antikörper
tatsächlich gegen eine Infektion durch AIDS-Viren schützen. Im allgemeinen haben AIDS-Patienten sogar hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen
das in ihrem Blut zirkulierende Virus. Aber diese Antikörper scheinen ihnen keinerlei Schutz zu geben. Ein weiteres Problem sei die Tatsache, daß
das Retrovirus, das als die Hauptursache für eine AIDS-Erkrankung angesehen wird, ungemein wandlungsfähig ist. Seine genetische Struktur verändert sich sehr rasch, so daß ein Vakzin, das gegen den einen Stamm
schützt, gegen andere Varianten vielleicht keinerlei Immunität erzeugt.
Aber es könnte sein, daß eine kürzlich gemachte Beobachtung weiterhilft:
Teile der Hüllengene bleiben von den Veränderungen unberührt. Antikörper
gegen Proteine, die von diesen "konstanten Regionen" produziert werden,
könnten möglicherweise Schutz gegen ein breites Spektrum von Varianten des
Virus bieten.
Ein weiteres

�Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, daß das AIDS-Virus vielleicht
auch direkt von Zelle zu Zelle übertragen und nicht nur in den Blutstrom
abgegeben wird. Direkte Übertragung aber würde bedeuten, daß Antikörper
es gar nicht zu fassen bekommen.

Medikamente gegen AIDS?
Fauci berichtete auch über gewisse Erfolge in der Suche nach einem Medikament zur Heilung von Personen, die bereits an AIDS erkrankt sind. Das
Präparat Azidothymidin, eines von acht Medikamenten, die zur Zeit intensiv
erprobt werden, geht jetzt als erstes Anti-AIDS-Mittel in das fortgeschrittene Stadium der Erprobung am Menschen. Neben der Fähigkeit, die
Vermehrung von AIDS-Viren zu stoppen, weisen gewisse Anzeichen darauf hin,
daß Azidothymidin (AZT) dazu beitragen könnte, das schwer angeschlagene
Immunsystem von AIDS-Kranken wieder aufzubauen. Eine kürzlich vom Nationalen Krebsforschungsinstitut durchgeführte Studie ergab nämlich, daß das
Präparat bei 15 von 19 Patienten das Immunsystem wieder wesentlich besser
funktionsfähig machte und sich für kurze Zeit die Krankheitssymptome abschwächten.
Dr. Robert Yarchoan vom Krebsforschungsinstitut hob jedoch hervor, daß
sich bei den Patienten zwar eine gewisse Besserung zeigte, aber keine Heilung ihrer AIDS-Erkrankung zu erkennen war. "Wir wissen nicht, ob langfristig das Mittel den Patienten wirklich nützt. Wir haben keinen Beweis
für eine Heilung von AIDS durch AZT". Laut Dr. Samuel Broder, verantwortlich für klinische Studien am Institut, besitzt das Mittel zwei ganz wichtige Vorteile als mögliches Behandlungspräparat bei AIDS: Es kann ins Gehirn eindringen und krankhafte Prozesse, die vom AIDS-Virus verursacht
werden, attackieren, und es kann oral verabreicht werden. Dies ist für
AIDS-Patienten, die möglicherweise lebenslang damit behandelt werden müssen, außerordentlich wichtig. Man weiß heute, daß AIDS-Viren das Gehirn
infizieren. Und das bedeutet, daß ein Präparat, soll es wirksam sein, die
Blut-Hirn-Schranke passieren muß.
In den Vereinigten Staaten sind mehr als 16 000 Menschen an AIDS erkrankt. Die ersten Fälle wurden im Jahr 1981 bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von AIDS-Erkrankungen in weiteren 40
Staaten, darunter auch in vielen europäischen Ländern.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Streitkräfte in Libyen erfolgreich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Fernsehansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht Möglichkeit für Gipfel im Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des Präsidenten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fragen und Antworten zur amerikanischen Aktion gegen Libyen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Argumente des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-europäische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unterstaatssekretär Ridgway im Repräsentatenhaus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Tests mit experimentellem AIDS-Impfstoff in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ziel: Impfschutz und wirksame Medikamente -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>15

2 3 . A p r i l 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Übereinstimmung zwischen Reagan und Genscher bei Terrorismusbekämpfung
- Informationsgespräch mit hohem Regierungsbeamten Bush: OS-Militäraktion gegen Libyen kein bevorzugtes Mittel
- Rede des amerikanischen Vizepräsidenten in New Hampshire (Auszüge)
Vereinigte Staaten prüfen Gorbatschows Abrüstungsvorschläge
- Stellungnahme des US-Außenministeriums Mögliche Vorbereitungen der Sowjets für landesweite ABM-Verteidigung
- Weinberger vor der Gesellschaft für Weltpolitik Vereinigte Staaten loben UNICEF-Hilfe für afghanische Kinder
- Erklärung der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nervenregeneration abhängig vom Cholesterintransport
- Neue Erkenntnisse zur Funktion eines speziellen Eiweißmoleküls

THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985

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�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

et

23. April 1986

15

ÜBEREINSTIMMUNG ZWISCHEN REAGAN UND GENSCHER BEI

TERRORISMUSBEKXMPPÜNG

- Informationsgespräch mit hohem Regierungsbeamten -

WASHINGTON - (AD) - Nach Aussagen eines hohen Regierungsvertreters
trafen Präsident Reagan und Bundesaußenminister Genscher am 16. April
1986 zu einem halbstündigen Gespräch zusammen, das der Beamte als "herzlich und entspannt" bezeichnete. Zwei Fragen, die momentan das öffentliche Interesse bewegen, wurden jedoch nicht angeschnitten: der amerikanische Angriff auf Libyen und die Frage der Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen das Gadhafi-Regime.
Der Regierungsvertreter gab folgende Stellungnahme ab, zu der einige
Fragen gestellt wurden, deren Wortlaut wir hier abdrucken:
Wie Sie wissen, war das Treffen auf etwa fünfzehn Minuten angesetzt;
es dauerte jedoch insgesamt eine halbe Stunde. Ich fand es sehr herzlich
und entspannt. Es bestand eindeutig ein harmonisches Verhältnis zwischen
Präsident Reagan und Bundesaußenminister Genscher.
Den Haupttagesordnungspunkt stellten natürlich die Auswirkungen unserer Aktionen in Libyen dar. Es gab einen Konsens und ganz sicher eine
gemeinsame Auffassung über die Gefahr und Bedrohung des internationalen
Terrorismus. Der Bundesaußenminister hatte eine Reihe von interessanten
Ideen über Maßnahmen, die wir treffen könnten und sollten, um die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus wirkungsvoller zu intensi-

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�zu intensivieren. Er dachte dabei nicht nur an eine engere Zusammenarbeit der westlichen Länder, sondern an eine verstärkte Aktivierung der
gemäßigten arabischen Staaten in dieser Hinsicht. Das wird ohne Zweifel
auch morgen auf der Außenministerkonferenz der EG und wahrscheinlich auch
beim Gipfel in Tokio auf der Tagesordnung stehen. Als der Bundesaußenminister seine Ausführungen beendet hatte, sagte Präsident Reagan: "Ich
freue mich, daß wir auf der gleichen Wellenlänge liegen".
Bei der Diskussion um die Differenzen der Vereinigten Staaten und der
EG über Agrarexporte betonte Genscher die Bedeutung der Behandlung dieser
Krise; es handle sich hier um ein vordringlich politisches Problem, dem
wir größere Aufmerksamkeit widmen müßten.
Der Bundesaußenminister bat den Präsidenten um seine Beurteilung der
Ost-West-Beziehungen vor dem Hintergrund der sowjetischen Entscheidung,
das für Mai vorgesehene Zusammentreffen der Außenminister Shultz und
Schewardnadse nicht abzuhalten. Der Präsident sagte dazu ganz offen, er
sei enttäuscht und die sowjetische Entscheidung schiene ihm nicht im Einklang mit ihren Beteuerungen hinsichtlich der Bekämpfung des Terrorismus
zu stehen.
Der Präsident betonte weiterhin, daß wir die Abrüstung weiter fortsetzen wollen. In diesem Zusammenhang wies Genscher wiederholt auf das
Problem der Verifizierbarkeit hin und auf ihre Bedeutung nicht nur bei
den Gesprächen über Mittelstreckenraketen (INF), sondern auch bei den
Wiener Verhandlungen über einen Truppenabbau in Europa (MBFR) und der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Ich denke, das waren die Hauptpunkte. Der Bundesaußenminister erklärte, daß die Bundesrepublik Deutschland unsere Vorschläge bei INF und
MBFR unterstützt. Es gab einige Ausführungen zu Verhandlungen mit der
Sowjetunion über ein Verbot von Atomtests. Solange wir, so Präsident
Reagan, in der Entwicklung zurückliegen, wäre es nur gerecht, wenn die
Sowjetunion uns den Abschluß vergleichbarer Tests zubilligte. In jedem
Fall sei Verifizierbarkeit sehr wichtig, und der Präsident wies nochmals
darauf hin, daß wir bereits zum Besuch und zur Beobachtung von Tests eingeladen haben.
Ein anderes Thema war die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung der
KSZE-Konferenz, wobei Genscher wiederum auf die vorbildliche Zusammenarbeit nicht nur unter den westlichen, sondern auch unter den neutralen
blockfreien Staaten und mit Madrid verwies sowie darauf, daß es notwendig
sei, eine sorgfältige Strategie auszuarbeiten, bevor wir nach Wien gehen.
Das wird zweifellos auch beim NATO-Treffen in Halifax auf der Tagesordnung stehen. Ich denke, das waren die Hauptthemen des Gesprächs.

FRAGE:

Was ist

�FRAGE: Was ist der Zweck seines (Genschers) Besuchs hier, und wie
lauteten seine Vorschläge zum Terrorismus?
ANTWORT: Der Besuch des Bundesaußenministers stand seit über einem
Monat fest, und er kommt in der Regel einmal im Jahr zu allgemeinen Konsultationen. Er konnte kaum vorhersehen, daß der gesamte Besuch von der
Angelegenheit in Libyen überschattet sein würde, aber das passiert nun
einmal. Was seine Vorschläge betrifft, wäre es mir lieber, er würde sie
selbst vortragen - aber sie waren positiv und der Präsident begrüßte sie.
FRAGE: Hat die Bundesrepublik Deutschland die Bombardierung Libyens
unterstützt?
ANTWORT: Es gab dazu eine ausdrückliche Stellungnahme, aber sie ist
sicher in der gestrigen Regierungserklärung, einer gemeinsamen Erklärung
von CDU und FDP, enthalten, die der Bundesaußenminister nach seinen eigenen Angaben mit aufgesetzt hat. Darüber hinaus gab es heute eine Debatte
im Bundestag. Ich habe davon noch keinen Text, obwohl ich annehme, daß
der Bundeskanzler unter anderem Erkenntnisse des BND bestätigt hat, daß
umfassende Beweise einer libyschen Verwicklung in den Bombenanschlag auf
die Diskothek in West-Berlin vorgelegen haben.
FRAGE: Haben die Verbündeten untereinander darüber geprochen, wie
dem Terrorismus zu begegnen sei, und gab es Unstimmigkeiten über den Bombenangriff auf Libyen?
ANTWORT: Nein, überhaupt nicht. Es gab gar keine Kritik.
eine sehr optimistische, zukunftsgerichtete Diskussion.
FRAGE:

Es war

Was sagte er über die Auswirkungen des wachsenden Terrorismus?

ANTWORT:

Dazu sagte er nichts.

FRAGE: Welche Schritte erwähnte er, die seiner Meinung nach die
Staaten des Mittleren Ostens unternehmen könnten, um sich am Kampf gegen
den Terrorismus zu beteiligen?
ANTWORT: Er hat das nicht näher ausgeführt. Wie ich schon sagte,
glaube ich, daß es besser wäre, wenn er dies selbst beschreiben würde,
aber er hat generell auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Netz der Zusammenarbeit enger zu ziehen, es über die westlichen Länder hinaus auch
auf gemäßigte arabische Staaten auszudehnen. Er hat sogar angedeutet,
daß es Möglichkeiten geben könnte, die osteuropäischen Staaten des Warschauer Pakts einzubeziehen. Der Präsident schien daran sehr interessiert zu sein. Er hat da einige Beispiele aus der Vergangenheit zitiert.
FRAGE: Zu den Wirtschaftssanktionen. Bis jetzt waren sie sehr zurückhaltend bei der Beteiligung. Hat er die Bereitschaft zu einer aktiveren Haltung bekundet?
ANTWORT:

Darüber

�ANTWORT: Darüber wurde nicht gesprochen.
etwas gesagt.
FRAGE:

Keiner von beiden hat dazu

Es gab keine Gespräche über Wirtschaftssanktionen?

ANTWORT:

Nein.

FRAGE: Hat der Präsident ihm eine Frage gestellt, die eine Annäherung der unterschiedlichen Haltung unter den Verbündeten über die Terrorismus-Frage betrifft?
ANTWORT: Nein, er hat den Bundesaußenminister nicht gebeten, irgendwelche besonderen ....zu unternehmen.
FRAGE: Wurde die Frage der heutigen Kämpfe in Libyen oder der Angriff auf den amerikanischen Diplomaten in Khartum heute nacht angeschnitten?
ANTWORT:
FRAGE:

Nein.
Keine von beiden?

ANTWORT:

Nein, keine von beiden.

FRAGE: Ist es nicht verwunderlich, daß der Präsident und der Bundesaußenminister dieses Treffen abhielten und dabei nicht über die im Augenblick vordringlichsten Differenzen der beiden Länder sprachen, wie zum
Beispiel die Wirtschaftssanktionen oder die Haltung der Verbündeten zur
Bombardierung?
ANTWORT: Das würde ich nicht so sehen. Es gab bereits umfassende Gespräche mit den Verbündeten. Wir haben unsere und sie haben ihre Ansichten darlegt. Die Gespräche sind noch im Gange, es ist nicht so, daß sie
erst diese Woche begonnen hätten. Sie gehen auf die Mission des stellvertretenden Außenministers Whitehead und noch weiter zurück. Es ist
klar, daß es zwischen unserem Standpunkt und dem der Europäer Differenzen
gibt. Und es gibt sogar Unstimmigkeiten unter den Europäern. Aber darüber wurde beim Zusammentreffen heute morgen nicht gesprochen.
FRAGE: Sie haben gesagt, Genscher habe um eine Beurteilung des Präsidenten zu den Ost-West-Beziehungen vor dem Hintergrund der Absage des
angekündigten vorbereitenden Treffens zum Gipfel gebeten. Und sie haben
gesagt, daß er enttäuscht war. Hat Genscher seitens der Verbündeten seine
Besorgnis darüber ausgedrückt, daß der Gipfel ...
ANTWORT:

Nein, überhaupt nicht.

FRAGE: Mir ist es nicht ganz klar geworden; war es der Präsident
oder der Bundesaußenminister, der frühere Fälle erwähnt hat, um auf die
Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Staaten des Warschauer Pakts hinzuweisen?
ANTWORT: Das war

�ANTWORT:
FRAGE:

Das war der Bundesaußenminister.
Können sie sagen, welche früheren Fälle es gab?

ANTWORT: Ich kenne dazu keine näheren Einzelheiten, aber es ging um
einen konkreten Fall in Bulgarien, an den Genscher sich erinnerte, weil
er damit befaßt war. Ich möchte darüber hinaus nichts dazu sagen.
FRAGE: Hat der Präsident angedeutet, ob er die Absage des Treffens
zwischen Shultz und Schewarnadse als vorläufigen Rückschlag betrachtet
oder ob es Probleme dabei geben wird, den Faden wieder aufzunehmen?
ANTWORT: Er hat keine Andeutungen gemacht. Er hat nichts gesagt,
daß darauf hindeuten würde, daß es nicht stattfindet. Darüber hinaus hat
er nichts gesagt.
FRAGE: War es der Bundesaußenminister, der das Problem der Agrarexporte aufwarf? Und was hat er dazu gesagt?
ANTWORT: Ja, es war Genscher, der die Frage anschnitt und auf die
Bedeutung hinwies, damit fertigzuwerden. Das war ziemlich typisch für
Genscher, ich meine, die Auffassung, daß es sich um ein politisches Problem handelt und daß wir es nicht erlauben dürfen, daß unsere Differenzen
in Wirtschaftsoder Handelsfragen die politische Zusammenarbeit überschatten. Genscher und unser Außenminister waren in der Vergangenheit Schlüsselfiguren, wenn es darum ging, Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der EG abzuwenden. Daher glaube ich, daß er diesem
Muster folgte, als er dem Präsidenten sagte, daß wir diese Frage politisch behandeln müßten.
FRAGE: Hat der Bundesaußenminister zugesichert, daß die Bundesrepublik Deutschland eine aktivere Rolle dabei spielen würde, einem auf internationaler Ebene koordinierten Ansatz gegen den Terrorismus zu folgen,
ohne solche Einzelheiten wie Wirtschaftsanktionen in Betracht zu ziehen?
Hat er einen aktiven Einsatz versprochen und eventuell Beispiele genannt,
was zu tun sei?
ANTWORT: Das ist keine Frage im Sinne von "Hiermit versichere ich
...", aber es kam bei allem, was er sagte, zum Ausdruck. Seine gesamte
Haltung zu diesem Thema war, daß wir viel mehr tun müßten. Wie Sie wissen, spielte er eine entscheiden Rolle bei der Erklärung der Europäischen
Gemeinschaft von vorgestern. Darauf aufbauend, wird er sich für eine engere Zusammenarbeit der westlichen Staaten einsetzen.

* * * * * *
- 5-

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AMERIKA DIENST
Dokumentation
23. April 1986

15

BUSH:

US-MILITÄRAKTION GEGEN LIBYEN KEIN BEVORZUGTES MITTEL

- Rede des amerikanischen Vize-Präsidenten in New Hampshire (Auszüge)

CONCORD, NEW HAMPSHIRE - (AD) - In einer Rede vor dem Parlament des
amerikanischen Bundesstaates New Hampshire erklärte Vize-Präsident Bush am
17. April 1986, daß die Militäraktion gegen Libyen nicht das bevorzugte
Mittel der Vereinigten Staaten gewesen sei, um mit Muammar Gadhafi fertig
zu werden. Gadhafis fortgesetzte Unterstützung des Terrorismus habe die
Vereinigten Staaten vielmehr gezwungen, sich zu verteidigen.
Im folgenden veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede des amerikanischen Vizepräsidenten:
Wir alle kennen Muammar Gadhafi und das, was er tut und warum er es
tut.
Gadhafi hat sich niemals Mühe gegeben, seine Verstrickung in den Terrorismus zu bestreiten. Es fiel ihm sogar schwer, seinen Stolz auf seine
Untaten zu verbergen. Im September feierte er den 16. Jahrestag seiner
Machtübernahme und erklärte dabei: "Wir haben das Recht, den Terrorismus
zu exportieren."
Trotz erdrückender

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�Trotz erdrückender Beweise für seine Verwicklung in terroristische Aktivitäten haben wir anfänglich nicht mit militärischer Gewalt reagiert.
Wie Präsident Reagan Montag abend erklärt hat, haben wir jedes friedliche
und diplomatische Mittel eingesetzt, um Gadhafi davon zu überzeugen, daß
seine Unterstützung des internationalen Terrorismus unannehmbar ist.
Wir haben Gadhafi diese Möglichkeiten zur Beendigung seiner Unterstützung des Terrorismus gegeben, weil es der richtige Schritt war, dies zu
tun, weil es moralisch richtig war und weil wir den Kampf nicht suchen.
Konfrontationen oder Blutvergießen bereiten uns keine Freude. Militärische Lösungen können für uns niemals die erste Wahl sein. Aber einmal
ist der Punkt erreicht, an dem wir handeln müssen, um uns selbst zu schützen.
Machen Sie sich darüber keine Illusionen: Gadhafi ist ein Terrorist.
Er drückt nicht selbst ab, er versteckt nicht selber Bomben in Koffern.
Er möchte sicher sein, daß er wieder und wieder zu töten in der Lage ist,
und deshalb schickt er andere vor, um sein Werk zu erledigen. Er selbst
liefert jedoch die Inspiration. Er stellt das Geld, die Waffen, die Ausbildung, die falschen Papiere zur Verfügung, und er wählt die Ziele aus.
Und falls seine Killer ihre Unternehmen überleben, überschüttet er sie mit
Belohnungen.
Zusätzlich zu seiner Verantwortung für den Bombenanschlag von Berlin
haben wir substantielle Beweise für seine Verwicklung in terroristische
Aktionen in der ganzen Welt. Er unterstützt Abu Nidal, jenen radikalen
Palästinenser, der für die Massaker auf den Flüghäfen von Rom und Wien
verantwortlich ist. Mit Gadhafis Segen unterhält Abu Nidal seine Operationsbasis in Libyen.
Gadhafi betreibt eine aktive Kampagne, um die Regierungen anderer arabischer Staaten zu destabilisieren. Er schickt seine Agenten aus, um führende Politiker zu ermorden, und er liefert Waffen an radikale Elemente.
In Libyen selbst toleriert Gadhafi keine Gegenmeinung. Er ist für die
Ermordung Dutzender Dissidenten verantwortlich. Er sendet seine Killer
aus, um sie zu töten, selbst nachdem sie aus seinem Land geflohen sind.
Im vorigen Jahr hat die amerikanische Regierung einen Plan Gadhafis vereitelt, in unserem Lande lebende, oppositionelle libysche Studenten zu ermorden. Zur Zeit unseres Luftangriffs am Montag hatten wir nicht weniger
als 30 für die nächsten Monate geplante terroristische Aktionen auf
Gadhafis Todeskalender dokumentiert.
Ich denke, es ist wichtig, Gadhafi in der richtigen Perspektive zu sehen und ihn in den historischen Kontext einzuordnen.
Zuallererst ist er nichts Neues in der Geschichte der Menschheit.
Sein Typus ist nichts Neues unter der Sonne. Bisweilen - vielleicht
manchmal öfter - bringt die Geschichte Gestalten hervor, die Verwirrung
stiften, das Unterste zuoberst kehren und die Welt in Schwierigkeiten
stürzen wollen.
Seit langem
- 2 -

�Seit langem benutzt Gadhafi eine einzige Waffe gegen den Westen und
unser Land: den Terrorismus. Die Androhung sinnloser und blutiger Gewalt
gegen Unschuldige zumeist, wenn diese am wenigsten erwartet wird. Das
Ziel der Terroristen: uns durch Angst und Furcht und Anspannung zu zermürben, uns durch wachsenden Zorn und Frustration auseinanderzureißen,
weil wir nicht gegen diejenigen zurückschlagen können, die uns verwunden,
und wir uns statt dessen gegenseitig schlagen. Gadhafi hat versucht, dieses Ziel im Atlantischen Bündnis zu erreichen - und, lassen Sie mich ganz
offen sein: er hat dabei einige Erfolge erzielt.
Der Terrorismus ist die Taktik des modernen kriminellen Staates, normalerweise eines kleinen und nicht übermäßig mächtigen Staates. Und es
ist nicht überraschend, daß solche Staaten sich immer die freien Staaten
der Welt zum Ziel wählen. Die Sowjetunion bildet nur in den seltensten
Fällen ihr Ziel. Die Ziele sind Amerika und Europa. Die freien Staaten
sind verwundbar, während die Polizeistaaten Häfen der Sicherheit darstellen. Dies ist eine weitere Tatsache, die Leute vom Schlage Gadhafis so
sehr lieben.
Das Ziel dieser kriminellen terroristischen Staaten ist es, uns zu demoralisieren - so viel Furcht zu schaffen, daß wir ihren Forderungen nachgeben, um den Spannungen zu entgehen.
Es ist dies eine Art von moralischer Abrüstung, von der ich jetzt
spreche. Und das ist es genau, wovon offengestanden unsere Verbündeten
bis zu einem gewissen Grad angesteckt worden sind.
Bei unserer gemeinsamen Verteidigung gegen die sowjetische Bedrohung
arbeiten wir eng zusammen, wir haben ausgedehnte Handelsbeziehungen mit
den Verbündeten - unsere historischen Traditionen sind so beschaffen, daß
wir niemals unsere moralischen oder gefühlsmäßigen Bindungen an sie aufgeben werden.
Aber wir sollten offen reden. Das amerikanische Volk wird es nicht
verstehen, wenn wir den Kampf gegen den Terrorismus alleine führen müssen.
Es wird nicht verstehen, warum ein Paria wie Gadhafi von unseren Freunden
nicht wirksamer isoliert werden kann. Es muß ihm zu denken gegen, wenn
unsere Piloten gezwungen werden, stundenlange Umwege zu fliegen, um einen
Verteidigungsschlag gegen den wahllosen Terror durchzuführen. Und das
amerikanische Volk wird fragen, warum nicht mehr getan worden ist - nachdem so viel Zeit vergangen ist -, um den Terrorismus zu beenden, der seine
Unterstützung aus den libyschen Volksbüros bezieht.
Ein Terrorist, der ein unschuldiges Kind ermordet, der einen amerikanischen Diplomaten erschießt, der ein Flugzeug während des Fluges in die
Luft sprengt - dieser Terrorist muß mit dem sicheren Tod und dem Fehlschlag seiner Sache konfrontiert werden. Wir müssen den Preis für die
Terroristen und diejenigen, die ihnen Unterstützung angedeihen lassen, so
hoch ansetzen, daß sie diese grausamste Art der Kriegführung aufgeben.

* * * * * *
- 3 -

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

VoN^

»3. April 1986

15

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN GORBATSCHOWS

ABRUSTUNGSVORSCHLXGE

- Stellungnahme des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - In einer vom amerikanischen Außenministerium am
18. April 1986 vorgelegten schriftlichen Stellungnahme erklärte die Behörde, sie werde die jüngsten Vorschläge des sowjetischen Generalsekretärs
Gorbatschow sorgfältig prüfen und "nähere Erläuterungen zu den Einzelheiten seiner Vorschläge in entsprechenden diplomatischen Foren begrüßen".
Es sei zunächst nicht ganz klar, ob es sich um Vorschläge zu einer neuen
Runde von Rüstungskontrollverhandlungen oder um eine Fortsetzung der augenblicklich stattfindenden Gespräche handele.
Im folgenden geben wir die Stellungnahme des Außenministeriums im
Wortlaut wieder:
Wir werden die heute von Generalsekretär Gorbatschow abgegebenen Erklärung prüfen und würden nähere Erläuterungen zu den Einzelheiten seiner
Vorschläge in entsprechenden diplomatischen Foren begrüßen.
Laut Medienberichten scheint der Vorschlag den augenblicklich stattfindenden Verhandlungen, wie zum Beispiel den Wiener Verhandlungen über
einen Truppenabbau in Europa (MBFR), zu widersprechen. Es ist nicht klari

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�nicht klar, ob Gorbatschow eine neue Art von Verhandlungen oder eine Fortsetzung der bestehenden Gespräche vorschlägt.
Die MBFR-Verhandlungen zielen auf eine Reduzierung und Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa ab, zu denen die amerikanischen
und sowjetischen Truppen in der Region zählen. Sie betreffen Streitkräfte
in der Bundesrepublik Deutschland und den Benelux-Ländern sowie in der
Deutschen Demokratischen Republik, Polen und der Tschechoslowakei auf der
östlichen Seite. Die Verhandlungen betreffen keine sowjetischen Truppen
in der Sowjetunion oder Truppen anderer europäischer Länder.
Wenn die Sowjetunion das Problem des Ungleichgewichts konventioneller
Streitkräfte in Europa ernsthaft angehen will, so glauben wir, daß die vom
Westen in Wien unterbreiteten Vorschläge eine ausgezeichnete Grundlage für
einen konkreten Fortschritt darstellen. Wir sind heute bei MBFR einem Abkommen näher als in der gesamten 13jährigen Geschichte dieser Verhandlungen. Aber der Fortschritt hängt von der sowjetischen Bereitschaft ab, mit
der Flexibilität der jüngsten NATO-Initiative gleichzuziehen.
Am 5. Dezember hat der Westen in Wien einen neuen Anstoß für den Abbau
der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte gegeben (US - 5 000
und UdSSR - 11 500 Soldaten) und vorgeschlagen, die auf beiden Seiten verbleibenden Luft- und Landstreitkräfte zu begrenzen. Die NATO hat den östlichen Vorschlag vom 20. Februar angenommen, die Gespräche zunächst auf
ein Abkommen über eine erste Phase zu richten bevor ein umfassender Abbau
bis zu einem Gleichstand auf beiden Seiten weiterverfolgt wird.
Der Vorschlag der NATO, der darauf abzielt, die seit 13 Jahren festgefahrenen MBFR-Verhandlungen wieder in Gang zu setzen, schafft all das beiseite, was die Sowjets als das größte Hindernis bei den Gesprächen bezeichnet haben - die Lösung der Datenfrage bei den östlichen Truppen vor
der Unterzeichnung eines Vertrages.
Außerdem beinhaltet er ernsthafte und gerechte Verifikationsmaßnahmen,
einschließlich der Verpflichtung zu Inspektionen vor Ort, um die wirksame
Überwachung eines Abkommens zu gewährleisten.
Bis jetzt haben die sowjetischen Antworten auf den NATO-Vorschlag lediglich bereits bestehende, nicht akzeptable Positionen aufgegriffen.
Insbesondere sind sie der im Januar abgegebenen Stellungnahme Gorbatschows
nicht gerecht geworden, worin er seine Bereitschaft ausdrückte, "vernünftige* Überwachung im Rahmen von MBFR zu akzeptieren. Zum Beispiel akzeptieren die Sowjets das Prinzip einer Inspektion vor Ort, behalten sich
aber das Recht vor, gegen entsprechende Anfragen Einspruch zu erheben, eine Bedingung, die alle Bemühungen um Verifizierbarkeit bedeutungslos werden läßt.
Bei MBFR haben die Sowjets für das Abkommen über die erste Phase den
Abbau und die Beschränkungen von Waffen wie von Truppen vorgeschlagen.
Der Westen glaubt, daß die Disposition von Waffen den jeweiligen Ländern
- 2 -

�jeweiligen Ländern überlassen werden muß, die diese abbauen.
Wegen der Vielschichtigkeit der Rüstungsfragen ist die NATO der Auffassung, daß diese zurückgestellt werden sollte, um bald ein Abkommen über
eine erste Phase des Abbaus und der Beschränkung der Truppenstärken zu erzielen.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

e

23. April 1986

15

MÖGLICHE VORBEREITUNGEN DER SOWJETS FÜR LANDESWEITE ABM-VERTEIDIGUNG
- Weinberger vor der Gesellschaft für Weltpolitik -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Gesellschaft für Weltpolitik in Boston am 16. April 1986 gab der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger, nachdem er eingangs über seine Reise in die Pazifikstaaten Süd-Korea, Japan, die Philippinen, Thailand und Australien referiert hatte, die folgenden Erläuterungen zur sowjetischen Raketenrüstung
und zur Frage einer möglichen sowjetischen ABM-Verteidigung:
Ich möchte Ihnen im folgenden einige besonders wichtige Beispiele
nennen, die uns im Verlauf unserer fortwährenden Beobachtung der sowjetischen Aktivitäten aufgefallen sind.
Im Jahr 1985 hat die Sowjetunion zum ersten Mal mobile Interkontinentalraketen vom Typ SS-25 stationiert. Dieses Vorgehen verletzt nicht nur
den SALT II-Vertrag, weil die SS-25 schon mindestens ihr zweites neues
Raketensystem darstellt, sondern es verletzt außerdem SALT I, weil die
Sowjets an den Orten SS-25-Raketen stationiert haben, an denen SS-7-Stellungen gemäß diesem Vertrag abgebaut wurden.
Diese SS-25-Raketen wurden in dem Moment neu eingeführt, als sich die
Stationierung der extrem treffsicheren vierten Generation von siloge-

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�von silogestützten SS-18-Interkontinentalraketen ihrer Vollendung näherte. Außerdem dauern die Tests mit der zur fünften Generation gehörenden
SS-X-24 weiterhin an. Es gibt Vorbereitungen für Testflüge von drei neuen Interkontinentalraketen, deren Entwicklung auf den Fähigkeiten der
vierten und fünften Generation aufbaut. Bis zur Mitte der neunziger Jahre werden fast alle der von den Sowjets gegenwärtig stationierten Nuklearstreitkräfte - Interkontinentalraketen, raketentragende Unterseeboote
und strategische Bomber - durch modernere strategische Nuklearwaffensysteme ersetzt werden. Die Zahl ihrer mobilen Mittelstreckenraketen vom
Typ SS-20 hat sich fast verdoppelt, von 250 im Jahr 1981 auf 441 im Jahr
1985. Dies bedeutet natürlich eine noch größere Anzahl von Gefechtsköpfen, die Asien, Europa und den Nahen Osten bedrohen.
Im Pazifik wird diese Bedrohung weiterhin verdeutlicht durch die sowjetischen Unterstützung der Militärmaschinerie Nord-Koreas und Vietnams,
die dauernden sowjetischen Patrouillenunternehmen in der Nähe der mit uns
verbündeten Länder zu Wasser und in der Luft, durch den sowjetischen Marinestützpunkt Cam Rahn Bay in Vietnam - heute der größte operative Marinestützpunkt außerhalb der UdSSR - und durch Moskaus Streben nach Abschluß von Fischereiabkommen im Süd-Pazifik, wo die Sowjets noch nie
willkommene Gäste waren.
Die Bereitstellung einer effektiven Abschreckung für diese sowjetische Streitmacht ist jedoch weder eine billige noch eine einfache Sache.
Auf jeder Zwischenstation meiner Asienreise habe ich unseren Freunden erklärt, daß wir auf allen möglichen Verhandlungswegen versuchen, mit der
Sowjetunion Vereinbarungen zu erzielen, durch die die Zahl der Atomraketen einschneidend verringert würde, damit wir die Abschreckung auf wesentlich niedrigerem Niveau aufrecht erhalten können. Diese Suche nach
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen, die eine der höchsten Prioritäten des
Präsidenten darstellt, war langwierig und frustrierend; aber wir werden
weitermachen.
In Genf haben wir eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch gelegt,
die alle dem gleichen Zweck dienen: einschneidende und tiefgreifende Reduzierungen bei der Anzahl von Raketen auf beiden Seiten zu erzielen, so
daß wir zu einer Parität finden und die Abschreckung auf einem wesentlich
niedrigeren Niveau sicherstellen können. Solche Vereinbarungen müssen
jedoch überprüfbar sein. Sie müssen zu echten Verringerungen führen und
nicht einfach zu Vereinbarungen, wie dem SALT II-Vetrag, die es den Sowjets erlauben, ihr Arsenal weiter auszubauen.
Die Sowjets haben unsere Vorschläge damit beantwortet, daß sie sich
mehr auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung verlegten anstatt
ernsthaft zu reagieren. Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, weil
wir sicher sind, daß wir eine bessere Methode finden können. Wir müssen
die Abschreckung durch starke, moderne und offensive Nuklearstreitkräfte
aufrecht erhalten, aber wir wollen gleichzeitig Abschreckung auf einem
wesentlich niedrigeren Niveau als dies heute der Fall ist. Damit komme
ich zur Strategischen Verteidigungsinitiative. Ich habe unseren Freunden

�unseren Freunden im Pazifik von unserer Hoffnung hinsichtlich dieses effektiveren und weniger gefährlichen Weges zur Sicherung der Demokratie
und Erhaltung des Friedens in der Zukunft berichtet.
Ich werde oft gefragt, wie es möglich ist, daß ich sowohl unser gegenwärtiges strategisches Modernisierungsprogramm als auch SDI unterstütze. Die Antwort darauf lautet: Während wir uns einmal so mit der Welt
auseinandersetzen müssen, wie sie heute beschaffen ist, so müssen wir
aber auch Schritte unternehmen, um eine bessere Welt der Zukunft zu gestalten.
In den späten vierziger Jahren hatten wir keine Wahl als uns zur Verhinderung einer Aggression auf die nukleare Vergeltung zu stützen. Dies
ist bis heute der Fall. Und trotzdem ist, wie ich oft erklärt habe, die
nukleare Abschreckung ein Mittel zur Friedensbewahrung, das uns Unbehagen
bereitet, obwohl es immer noch unendlich besser ist als den Frieden nicht
zu bewahren.
Das Wissen, daß jeder Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu einer nuklearen Katastrophe eskalieren könnte, trägt
sicherlich heute zur Abschreckung bei. Dieses Wissen drängt uns aber
auch, zu fragen, ob es nicht einen besseren Weg zur Aufrechterhaltung der
Verteidigung des Westens gibt. Der Präsident und ich glauben, daß die
Antwort auf diese Frage in der Strategischen Verteidigungsinitiative
liegt. Wenn wir unsere Bevölkerung - unsere ganze Bevölkerung - verteidigen könnten, würde dies nicht besser sein als die Gewißheit, daß wir
sie rächen könnten? Wenn wir sicher in dem Bewußtsein leben könnten, daß
unser überleben nicht auf der Drohung mit Vergeltung beruht, wäre das
nicht vorzuziehen? Unser Forschungsprogramm für die strategische Verteidigung basiert auf der sehr realen Möglichkeit, daß Wissenschaft und
Technik eine Zukunft zu schaffen in der Lage sind, in der Atomraketen weniger fähig sein werden, ihre schreckliche Mission durchzuführen. Diese
Reise in eine sicherere Welt wird weder einfach noch kurz sein. Aber mit
der Schaffung des SDI-Programms haben wir den ersten von vielen Schritten
getan, die unserer Überzeugung nach am Ende dorthin führen werden.
Es gibt einen zweiten, ungemein wichtigen Grund für die Weiterführung
von SDI. Es ist weithin bekannt, daß die Sowjets während der letzten 15
bis 20 Jahre ihre nuklearen Offensivstreitkräfte wesentlich ausgebaut haben. Es ist jedoch weniger bekannt, daß sie während des gleichen Zeitraums genau so viel in ihre strategischen Defensivsysteme investiert haben. Ihre operativen strategischen Verteidigungssysteme stellen die der
Vereinigten Staaten bei weitem in den Schatten, und sie sind heute aktiv
mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für herkömmliche wie auch für
strategische Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen beschäftigt.
Diese sowjetischen Programme - besonders diejenigen auf dem traditionellen ABM-Gebiet - deuten an, daß die Sowjetunion trotz ihrer Unterschrift
unter dem ABM-Vetrag mit Vorbereitungen für ein landesweites ABM-Verteidigungssystem beschäftigt sein könnte. Aus diesem Grund glauben wir, daß
die Strategische Verteidigungsinitiative unabdingbar für unsere Sicher-

�unsere Sicherheit und das erhabene Ziel unser aller Verteidigung ist.
Außerdem liefert sie uns zumindest eine wichtige Barriere angesichts der
laufenden und umfassenden ABM-Bemühungen der Sowjets.
Wir denken, daß die Welt davon profitieren würde, wenn mehr Staaten
mit ihren besten Talenten mit uns bei der Suche nach einer vollkommen
verläßlichen Verteidigung zusammenarbeiten würden. Viele tun dies
schon; einige wünschen es nicht. Es ist sicherlich Sache jedes einzelnen Staates, dies zu entscheiden. Was aber die Vereinigten Staaten angeht, so sehen wir es als eine unserer vordringlichsten Prioritäten an,
und wir werden weiterhin versuchen, dieses Ziel zu erreichen.
Was bietet uns all dies in der heutigen Situation? Erstens gibt es
ein neues Interesse an einer starken und lebensfähigen Abschreckung.
Wirksame Abschreckung zwingt uns zur Beibehaltung moderner Vergeltungskräfte, glaubwürdiger Pläne für ihre Benutzung und eines Vorrats an hochwertigen Nuklearwaffen, deren Zuverlässigkeit unter anderem durch Tests
gesichert werden muß. In Anbetracht des langfristigen Trends in der sowjetischen offensiven und defensiven Rüstung müssen wir unsere Abschrekkungsfähigkeiten modernisieren, um das unentbehrliche militärische
Gleichgewicht in der näheren Zukunft sicherzustellen.
Zweitens, für die Zukunft können und werden wir unsere technischen
Fähigkeiten und unsere Tüchtigkeit einsetzen, um etwas zu entwickeln, was
vielleicht eine sichere und stabilere Methode darstellt. Zu sagen, daß
dies nicht möglich ist, würde eine Verleugnung unserer Vergangenheit und
unseres Erbes bedeuten, die Ignorierung der schöpferischen Vorstellungskraft und Fähigkeiten des Menschen, die passive Hinnahme einer gefährlichen Welt wie sie ist, anstatt nach Wegen zu suchen, die Gefahr zu verringern und die Sache der Freiheit zu stärken. Das, so möchte ich argumentieren, entspricht nicht dem Charakter der westlichen Demokratie. Ich
habe dies einer Zuhörerschaft in Australien klargemacht, indem ich zitiert habe, was vor fast 23 Jahren von Präsident John F. Kennedy so ausgedrückt wurde:
"Unsere Probleme sind von Menschen gemacht, und deshalb können sie
vom Menschen gelöst werden. Und der Mensch kann so groß sein, wie er
selbst will. Kein Problem des menschlichen Schicksals ist für den Menschen unlösbar. Der Verstand und der Geist des Menschen haben oftmals
das scheinbar Unlösbare gelöst, und wir glauben, daß sie dies wieder tun
können."
Ich glaube ebenfalls, daß sie dies wieder tun können.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. April 1986

15

VEREINIGTE STAATEN LOBEN UNICEF-HILFE FÜR AFGHANISCHE KINDER
Erklärung der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer am 18. April 1986 veröffentlichten Erklärung haben die Vereinigten Staaten am Vorabend des zweiwöchigen Jahrestreffens des Exekutivausschusses der UNICEF, des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, die von dieser Organisation durchgeführten Hilfsprogramme für afghanische Flüchtlingskinder gelobt.
In der von der Pressestelle der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen veröffentlichten und den Delegierten zugeleiteten Erklärung
wird von den Vereinigten Staaten weiterhin mitgeteilt, daß es selten eine
bedürftigere Lage gegeben hat als die der afghanischen Kinder.
Die Erklärung der Vereinigten Staaten hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten nehmen mit großer Befriedigung davon Kenntnis,
daß sich die UNICEF korrekterweise mit Nachdruck der Not von Kindern annimmt, die unter besonders schwierigen Bedingungen leben. Insbesondere
hat die UNICEF die schrecklichen Probleme hervorgehoben, unter denen Kinder durch bewaffnete Konflikte in vielen Teilen der Welt zu leiden haben.
Selten war dies

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�Selten war dies notwendiger als heute. In Afghanistan leiden und
sterben Tausende von Kindern durch die brutale sowjetische Besatzung. Sie
sind in der Tat die Ziele eines sowjetischen Krieges gegen Menschen, deren
einziges Vergehen darin besteht, daß sie furchtlos für ihre eigene Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen. Die Vereinigten Staaten sind tief besorgt über die Not der afghanischen Kinder. Diese Besorgnis wurde oftmals
auch in Unterorganisationen der UNO, in der Generalversammlung und von
vielen Mitgliedsstaaten geteilt. Die Menschenrechtskommission hat in ihrem jetzt schon weitbekannten Ermacora-Bericht kürzlich die große Tragödie
der Kinder in Afghanistan aufgezeigt und enthüllt. Andere unabhängige Delegationen, wie die Helsinki-Beobachtergruppe, Amnesty International und
die asiatische Beobachtergruppe haben ebenfalls die durch diese bewaffnete
Besetzung verursachten Übergriffe dokumentiert.
Nachdem es ihr nicht gelungen ist, den Wunsch nach Freiheit in diesem
Land zu unterdrücken, hat sich die Sowjetunion auf Taktiken verlegt, die
nur mit Barbarentum verglichen werden können. Sie hat Flächenbombardements gegen zivile Ziele, die absichtliche Zerstörung von Ernte und Vieh,
Vergeltungsaktionen gegen Zivilisten und Tausende von Minen eingesetzt, um
den afghanischen Widerstandswillen zu lähmen. Außerdem werden weiterhin
wie Spielzeuge aussehende Bomben benutzt. Wer außer Kindern könnte durch
diese Täuschung verwundet oder getötet werden? Nur diejenigen Frauen und
Kinder, die aus dem Land fliehen, entgehen den kriminellen sowjetischen
Versuchen, sie zu vernichten. Drei Millionen Flüchtlinge haben allein in
Pakistan Zuflucht gesucht.
Die systematische Brutalität der Sowjets in Afghanistan ist reichlich
dokumentiert worden. Der Sonderberichterstatter der Menschenrechtskommission hat Fälle erwähnt, in denen sowjetische Truppen Kinder in einem Haus
einsperrten, das sie danach in Brand steckten. In vielen Dörfern haben
Vergeltungsmassaker stattgefunden, bei denen auch alle Kinder umgebracht
wurden. Insbesondere bildet die absichtliche Verstümmelung von Kindern
ein schreckliches Kennzeichen der sowjetischen Aggression. Bomben in Gestalt von Kugelschreibern, Harmonikas, Spielzeugvögeln und Radios sind von
den sowjetischen Streitkräften benutzt worden, um Kinder zu verletzen, denen dadurch Hände und Beine abgerissen wurden. Solche Taten werden vorsätzlich geplant und verursacht aufgrund der Ambitionen der Sowjetunion in
Zusammenhang mit ihrer Invasion und Besetzung dieses Landes. Solche Tragödien können vermieden werden. Dies kann erreicht werden, wenn die Sowjetunion sich an die Resolutionen der UN-Vollversammlung hält, in denen
der Rückzug ihrer Truppen gefordert wird, die heute für diese Übergriffe
gegen Kinder und die afghanische Bevölkerung verantwortlich sind.
Die Vereinigten Staaten glauben, daß es seit langem an der Zeit ist,
daß Nationen, die sich in einem Konflikt- oder Kriegszustand befinden, das
Grundrecht der Kinder, zu leben und heranzuwachsen, anerkennen und akzeptieren. Kinder sind die Zukunft. Läßt man sie verhungern, so läßt man
die Zukunft verhungern. Tötet man sie, so tötet man die Zukunft.

* * * * * *

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Wissenschaft und Technik

23. April 1986

15

NERVENREGENERATION ABHXNGIG VOM CHOLESTERINTRANSPORT
- Neue Erkenntnisse zur Funktion eines speziellen Eiweißmoleküls

- (AD) - über die Entzifferung der Identität eines Proteins, das bei
der Degeneration und Regeneration von Nervengewebe eine Rolle spielt, berichtete eine Forschergruppe der Stanford-Universität in der Märzausgabe
der: "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Entdeckung,
daß es sich bei dem schon seit einigen Jahren immer wieder beobachteten
Protein um Apolipoprotein E handelt, wurde bei Experimenten mit Ratten gemacht. Es ist ein Eiweißmolekül, das Cholesterin und Fett im Blutstrom
transportiert. Die bisherigen Ergebnisse der Studien, die unter der Leitung von Prof. Eric Shooter, Direktor der Abteilung für Neurobiologie an
der Stanford-Universität, gemacht wurden, könnten das Rätsel lösen helfen,
daß verletzte Nerven unterschiedlich regenerationsfähig sind. So können
periphere Nerven (solche in äußeren Bereichen des Körpers) wieder funktionsfähig werden. Bei Nervengewebe des Gehirns und des Rückenmarks dagegen ist dies im allgemeinen nicht der Fall.
Die Forscher wollen jetzt vor allem die Frage klären, was das Wachstum
und die Regeneration von Nervengewebe steuert. Sie hoffen, "Schalter"
(d.h. Gene oder Proteine) zu finden, die den Prozeß in Gang setzen und
stoppen, wie es für die Funktionsfähigkeit des Organismus erforderlich
ist. Dann könnte vielleicht eines Tages Patienten geholfen werden, die
Hirn- oder Rückenmarksverletzungen erlitten haben.
Es stellte sich

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�Es stellte sich heraus, daß Apolipoprotein E hilft, Cholesterin und
andere Fettmoleküle von Zelle zu Zelle zu transportieren. Shooters Forschergruppe vermutet, daß das Protein Fettmoleküle, die aus verletzten und
degenerierendem Nervengewebe aussickern, regelrecht aufsaugt und sie in
die Umgebungszellen einschleust, um die Fette zu speichern, bis sie für
den Aufbau neuer "Ersatz"-Nerven gebraucht werden.
Gemeinsam mit Prof. Shooter haben sich Dr. Michael Ignatius, Dr. Peter
Gebicke-Haerter und Dr. Pate Skene von der Stanford-Universität sowie Dr.
Karl Weisgraber, Dr. Robert Mahley (Gladstone-Laboratorien für Herz- und
Kreislaufforschung in San Francisco) und Dr. James Schilling (Fa. California Biotechnology, Inc.) an den Untersuchungen beteiligt. Für das Protein begannen sie sich besonders zu interessieren, als sich herausstellte,
daß es in jungem Nervengewebe in relativ großen Mengen produziert wurde,
dagegen in Nerven, die nicht mehr weiterwuchsen, in nur geringer Konzentration zu finden war. Beispielsweise war es in den sich entwickelnden
Nerven junger Ratten überaus reichlich vorhanden, aber nicht mehr bei ausgewachsenen Tieren, deren Nervensystem voll ausgebildet war. Als eine der
aufschlußreichsten Beobachtungen wurde die Tatsache gewertet, daß sich das
Protein in neu sprossenden und sich regenerierenden Nerven im peripheren
Bereich des tierischen Organismus in hohen Konzentrationen sammelte, jedoch nicht in geschädigten Hirn- oder Rückenmarksnerven, die nicht regenerationsfähig sind.

* * * * * *

- 2 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985
Nachstehend ist eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1985
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten
Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der
das betreffende Thema behandelt wird.
Themenkreis
1.

Nummern der Ausgaben

Ost-West-Beziehungen
Genfer Verhandlungen

2, 3, 4, 5, 11, 12, 20,
21, 28, 29, 30, 35

Genfer Gipfel

32, 38, 46, 47, 50

US-UdSSR Beziehungen

11, 12, 27, 35, 41, 43,
45

Sowjetisch-Kubanische
Machenschaften in Mittelamerika und in der Karibik

Sonderdienst 1. April

2.

NATO/Atlantische Verbindung

11, 49

3.

Amerikanisch-Deutschen
Beziehungen

7, 46, 50

Die Vereinigten Staaten
US-Innenpolitik/Lage der Nation 3, 6, 13, 22
Präsident Reagans Amtsantrittsrede

Sonderdienst 22. Jan

Präsident Reagans Botschaft
über die Lage der Nation.

Sonderdienst 7. Feb.

Die US-Wirtschaftspolitik
schafft neue Arbeitsplätze

Sonderdienst 17. April

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in
Straßburg

Sonderdienst 8. Mai

Religion in den USA

17

Nominierungen

29, 45, 49

�5.

6.

Themenkreis

Nummern der Ausgaben

US-Außenpolitik (allgemein)

1, 4, 6, 16, 17

United States Information
Service

40,

US-Nahrungsmittelhilfe in
Afrika

9, 20, 23

Südafrika

36, 39

Mittelamerika und die Karibik

4, 5, 15, 18, 21, 25,
36,

Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen

25

Multilaterale Handelsgespräche

Sonderdienst 17. April
38, 39

US-Außenministerium berichtet
über die Entwicklung der Lage
in Mittelamerika.

Sonderdienst 24. April

Amerikanisch-Chinesische
Beziehungen

29

Verteidigung/Rüstungskontrolle
Abrüstung

6, 9, 13, 18, 22, 23,
34, 42

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)

8, 11, 14, 20, 21, 23,
28, 34, 37, 44, 49, 50

Kernwaffen

3, 5, 33

US Verteidigung (allgemein)

7, 12

Sowjetische Verteidigung und
Verteidigungstechnologie

7, 12, 38, 44

Strategische Verteidigungsprogramme der Sowjets

Sonderdienst 10.10.1985

Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung
in Europa (KVAE)

8, 19, 27, 39

Schlußakte von Helsinki

30

Bündnisse der westlichen Welt

29

�Themenkreis
7.

Nummern der Ausgaben

Wissenschaft und Technik
Weltraum/Raumfähre/
Nachrichtensatelliten

2, 3, 4, 9, 13, 14, 17,
18, 22, 23, 26, 27, 30,
32, 33, 34, 35, 36, 38,
40, 43, 48, 50

Wissenschaft (allgemein)
Kernkraft (allgemein)
Uranforschung

4, 5, 7, 21, 42

Klima/Erde/Meer

8, 13, 28, 49

Titanic

37

Antarktis

9.

10.

17
24

Medizin

8.

11, 42, 44

41

Bedeutende Ereignisse
Bhopal-Unfall

14

Nicholson Ermordung

13

Beiruter TWA Geiseln

24, 26, 27

Internationale Probleme und Themen
Drogenprobleme

5, 16, 19, 25, 34, 37,
40, 43, 46

Terrorismus

14, 25, 26, 27

Menschenrechte

2, 8

Unterdrückte Nationen

29

Umwelt

8, 27

Besondere Themen
Afghanistan

1, 3, 13, 18, 28, 42

Bonner Wirtschaftsgipfel

15, 19

US-Informationen zum Bonner
Wirtschaftsgipfel

Sonderdienste 17, 23,
30. April 1985

- 3-

�Themenkreis

Nummern der Ausgaben

Weltwirtschaft (allgemein)

9, 19, 29

Hochtechnologie

48

Internationaler Währungsfond

33

Botschafter Arthur Burns

17

Botschafter Richard Burt

24, 37, 38, 48,
Sonderdienst 12.12.1985

4. Juli

26

Euronet/Worldnet

7

Anti-Semitismus in der
UdSSR

25

Vereinte Nationen (UNO)

7, 43

*

Reden des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt
No. 38

Gedanken zur Geschichte und Fortentwicklung der
deutsch-amerikanischen Beziehungen
Berlin, 25. September 1985

12.12.1985

Die Deutsch-Amerikanischen Beziehungen in einer sich
wandelnden Welt
- Rede des Us-Botschafters vor der Konrad-Adenauer-Stiftung -

No. 46

Die Zukunft der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen
- Rede des US-Botschafters vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München -

No 48

Hochtechnologie: Die neue industrielle Revolution
- Von Botschafter Richard R. Burt Sonderdienste 1985

22.01.85

Präsident Reagans Amtsantrittsrede

07.02.85

Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation

01.04.85

Die Sowjetisch-Kubanischen Machenschaften in
Mittelamerika und in der Karibik

17.04.85

Die US-Wirtschaftspolitik schafft neue Arbeitsplätze

�17.04.85

Multilaterale Handelsgespräche

24.04.85

US-Außenministerium berichtet über die Entwicklung der
Lage in Mittelamerika

30.04.85

US-Informationen zum Bonner Wirtschaftsgipfel

08.05.85

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg

24.07.1985

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets:
Die 12. WeltJugendfestspiele in Moskau

10.10.1985

Strategische Verteidigungsprogramme der Sowjets
- Bericht des amerikanischen Außen- und
Verteidigungsministeriums * * * * *

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Übereinstimmung zwischen Reagan und Genscher bei Terrorismusbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Informationsgespräch mit hohem Regierungsbeamten &amp;nbsp;-&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: US-Militäraktion gegen Libyen kein bevorzugtes Mittel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Vizepräsidenten in New Hampshire -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten prüfen Gorbatschows Abrüstungsvorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mögliche Vorbereitungen der Sowjets für landesweite ABM-Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Weinberger vor der Gesellschaft für Weltpolitik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten loben UNICEF-Hilfe für afghanische Kinder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nervenregeneration abhängig von Cholesterintransport&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Erkenntnisse zur Funktion eines speziellen Eiweißmoleküls -&lt;/em&gt;</text>
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