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                    <text>W.ERIKA DIENST

-

SONDERBEILAGE 1966

XIX - 3

PRESIDENT JOHNSON UNTERBEITET BOTSCHAFT UEBER DIE
LAGE DER NATION (Wortlaut)

XIX - 3

WISSENSCHAFT, STAAT UND WELTRAUMFORSCHUNG
Ansprache Sr. Exzellenz, des Botschafters der Vereinigten
Staaten in der Bundesrepublik Deutschland,
GEORGE C. MCGHEE, gehalten am 14. Januar 1966 vor der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitaet zu Bonn

XIX - 4

DER AMERIKANISCHE STAATSHAUSHALT 1966/67
Zusammenfassung und Auszuege der Haushaltshotschaft, die
Praesident Johnson dem amerikanischen Kongress am 24. Jan.
1966 vorgelegt hat.

XIX - 4

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSBEMUSHUNGEN IN VIETNAM
Eine Chronologie.

XIX - 5

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSBEMÜHUNGEN IN VIETNAM
Eine Chronologie.
Berichtigung und Ergaenzung zur Sonderbeilage XIX-4.

XIX - 5

DER WIRTSCHAFT3''ERICHT PRAESIDENT JOHNSONS
Auszuege aus dem Wirtschaftsbericht, den Praesident Johnson
dem amerikanischen Kongress am 27. Januar 1966 unterbreitete.

XIX - 8

DER VIETNAM-KONFLIKT
NICHT INNERER AUFRUHR SONDERN BEWAFFNETER ANGRIFF VON AUSSEN
Erklaerung die der amerikanische Aussenminister, Dean Rusk,
am 18. Februar 1966 vor dem Aussenpolitischen Ausschuss des
Senats abgegeben hat.

XIX -11

WELTHANDELSPOLITIK UND DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN
Ansprache Sr. Exzellenz, des Stellv. Sonderbeauftragten
des US-Praesidenten fuer Handelsverhandlungen,
Botschafer W. Michael Blumenthal

XIX -13

EIN LAISTUNGSFAEHIGE3 VERKEHRS- UND TRANSPORTSYSTEM ALS
VORAUSSETZUNG FUER PROSPERITÄT UND WC
TEN
Eine Botschaft Praesident Johnsons an den US-Kongress
2. Maerz 1966.

XIX -21

SICHERHEIT BERUHT NICHT AUF WAFFEN ALLEIN
von Robert S. McNamara
US-Verteidigungsminister
(Wortlaut)

XIX *26

ERKLAERUNG MCNAMARAS ZUR ATLANTISCHEN ALLIANZ
21. Juni 1966 "Hearings" ueber die amerikanische NATOPolitik und die damit im Zusammenhang stehenden Themenkreise.

�XIX - 27

DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN
Wortlaut einer Erklaerung, die Staatssekretaer
Georg W. Ball, am 30. Juni 1966 im Rahmen der "Hearings"
ueber die NATO-Politik abgegeben hat.

XIX * 31

VERHANDLUNGEN SIND KEIN EINGESTÄNDNIS DES VERS AGENS
Wortlaut einer Ansprache Praesident Johnsons am 26. Aug.66,
vor der Universitaet Denver anlaesslich der üeberreichung
der Ehrendoktorwuerde und der Grundsteinlegung zum Bau
eines neuen Raumfahrtinstituts.

XIX - 32

USA WAEREN JEDERZEIT ZUM ABZUG AUS VIETNAM BEREIT
Lyndon B. Johnson
(Wortlaut)

XIX - 33

SUEDVIETNAM PROTESTIERTE BEI DER INTERNATIONALEN KONTROLLKOMMISSION GEGEN DIE INFILTRVTION DER ENTMILITARISIERTEN
ZONE DURCH BEWAFFNETE ELEMENTS DER REGULAEREN N0RDVIETNAMESISCHEN ARMEE
(Wortlaut)

XIX - 35

ABBAU DER HANDESSCHRANKEN WEITERHIN US-ZIEL IN DER
KENNEDY-RUNDE
Zehnter Jahresbericht des US-Praesidenten ueber das
Programm fuer den Abschluss von Handelvereinbarungen
(Mehrere Auszuege im vollen Wortlaut und das Begleitschreiben des Praesidenten)

XIX - 37

DIE EUROPA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
Wortlaut einer Rede des amerikanischen Praesidenten,
vor dem Verband der amerikanischen Leitartikler und
Kommentatoren, f. Oktober 1966.

XIX - 39

I. GIPFELKONFERENZ IN MANILA
II. DIE DEKLARATIONEN VON MANILA
Wortlaut des gemeinsamen Schlusskommuniques,
und gleichzeitig unterzeichneten Deklarationen.

XIX - 42

NICHT-KOMMUNISTISCHER KONSENSUS IM PAZIFIK
Aus "The Economist", London, 29. Oktober 1966.

XIX - 43

DIE NATO, DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA
Ansprache des Generalsekretaers der NATO, Manlio Brosio,
18.November 1966.
VERTRAG UEBER DIE FRIEDLICHE NUTZUNG DES WELTRAUMS
Wortlaut des Vertragsentwurfs, 8. Dezember 1966.

XIX - 46

�AMERIKA DIENST
U n i t e d
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Tel:

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Beilage

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XIX - 3

PRÄSIDENT JOHNSON UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
(Wortlaut)

�PRÄSIDENT JOHNSON UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Botschaft über
die Lage der Nation (State of the Union
Message), die Präsident Lyndon B. Johnson
am 12. Januar 1966 auf einer gemeinsamen
Sitzung des amerikanischen Kongresses verlesen hat.

"Ich trete heute vor Sie, um zum drittenmal über die Lage der
Nation zu berichten.
Ich komme, um Ihnen zu danken und um Ihnen erneut über den Dank
der Nation hinaus meinen eigenen Tribut zu zollen. Denn dieser Kongreß
hat sich bereits ein ehrenvolles Kapitel in der Geschichte Amerikas
gesichert.
Unser Land steht gegenwärtig in einem brutalen und bitteren Konflikt in Vietnam. Ich möchte diese Auseinandersetzung etwas später
heute abend mit Ihnen erörtern. Sie muß im Mittelpunkt unseres Sorgens
und Trachtens stehen.
Aber wir werden es nicht zulassen, daß jene, die in Vietnam auf
uns schießen, einen Sieg über Wunsch und Wollen des amerikanischen
Volkes erringen. Unsere Nation ist mächtig genug - unsere Gesellschaft
ist gesund genug - unser Volk ist stark genug -, um unsere Ziele in
der übrigen Welt zu verfolgen, während wir hier im eigenen Lande eine
Große Gesellschaft aufbauen.
Und dies sind die Dinge, um die ich Sie heute abend ersuchen
möchte:
1. Die Mittel bereitzustellen, um die im vergangenen Jahr verabschiedeten großen Gesundheits- und Erziehungsprogramme mit voller Kraft

�Kraft fortzuführen.
2. Die Mittel bereitzustellen, um unseren Krieg gegen die Armut
mit Kraft und Entschlossenheit fortzusetzen.
3. Unserem Auslandshilfeprogramm, das Hunger, Seuchen und den
Mangel an Wissen in den Ländern, die zur Selbsthilfe entschlossen
sind, auf wirksamste Weise bekämpfen soll, eine neue und kühne Richtung zu weisen - und solchen Ländern zu helfen, die ihr Bevölkerungswachstum kontrollieren wollen.
4. Eine Ausweitung des Handels zwischen den Vereinigten Staaten
und Osteuropa sowie der Sowjetunion zu ermöglichen.
5. Gesamte Stadtkerne und Slums in verschiedenen unserer Städte
völlig und in nie zuvor versuchtem Umfang neu aufzubauen.
6. Die kostspielige und nicht mehr zumutbare Verschmutzung unserer Flüsse zu bekämpfen und als Krönung grose Ströme mit ihren gesamten
Einzugsgebieten völlig zu säubern.
7. Der wachsenden Gefahr der Kriminalität in den Städten zu begegnen - durch Ausbau der örtlichen Rechtsvollzugsorgane - und durch Stärkung des gesamten Bundessystems von der Vorbeugung bis zur Bewährung.
8. Weitere Maßnahmen zu treffen, um unserem ganzen Volk Gleichheit
vor dem Gesetz zu gewährleisten - und zwar durch wirksame Ausschaltung
jeder Diskriminierung bei der Auswahl der Geschworenen in einzelstaatlichen und Bundesgerichtshöfen - durch Erklärung jeder Obstruktion
öffentlicher und privater Bemühungen zur Sicherung der Bürgerrechte zu
einem schweren, auf Bundesebene zu ahndenden Verbrechen und durch Ächtung jeder Diskriminierung bei Verkauf und Vermietung von Wohnraum.
9. Mir bei der Modernisierung und Straffung der Bundesregierung
durch Schaffung eines neuen Verkehrsministeriums und durch Reorganisation verschiedener bereits bestehender Dienststellen zu helfen. Ich
meinerseits werde unser Bundesbedienstetensystem in den Spitzengruppen
umstrukturieren, damit Männer und Frauen ohne Schwierigkeit auf jene
Plätze gestellt werden können, wo sie am dringendsten benötigt werden
und wo Fähigkeit sowohl verlangt wie auch belohnt wird.

�10. Es den Mitgliedern des Repräsentantenhauses zu ermöglichen,
wirksamer im Dienste der Nation zu arbeiten, indem durch einen Verfassungszusatz die Amtszeit eines Abgeordneten auf vier Jahre verlängert wird, und zwar gleichlaufend mit der des Präsidenten.
Wegen Vietnam können wir nicht alles tun, was wir tun sollten oder
gern tun würden.
Wir werden Verschwendung und Unfähigkeit erbarmungslos verfolgen.
Wir werden sicherstellen, daß bei der Verausgabung jedes einzelnen
Dollar so sparsam und so vernünftig verfahren wird, daß daraus zu erkennen ist, daß wir wissen, wie schwer der Steuerzahler dafür arbeiten
mußte.
Und wir werden weiterhin die Bedürfnisse unseres Volkes erfüllen.
Allein im letzten Jahr erhöhte sich der von uns erzeugte Wohlstand um
47 Milliarden Dollar; und er wird sich in diesem Jahr wiederum auf
insgesamt 720 Milliarden Dollar steigern.
Weil unsere Wirtschaftspolitik höhere Steuereinkünfte erbrachte,
wird - wenn Sie alle Programme billigen, die ich vorschlage - unser
gesamtes Defizit eines der niedrigsten seit vielen Jahren sein - nur
1,8 Milliarden Dollar. Die Gesamtausgaben im Regierungsbudget werden
112,8 Milliarden Dollar betragen. Die Einkünfte werden 111 Milliarden
Dollar betragen.
Auf Bargrundlage - also so, wie Sie und ich unser Familienbudget
führen - wird der Bundeshaushalt in diesem Jahr einen Überschuß ergeben.
Das heißt, wenn wir sämtliches Geld, das unsere Regierung einnimmt und
ausgibt, rechnen, so wird unsere Regierung im Finanzjahr 1967 eine halbe
Milliarde Dollar mehr einnehmen als ausgeben.
Ich bin heute abend nicht hierhergekommen, um für angenehmes Wohlleben und müßiges Vergnügen zu plädieren. Ich bin hierhergekommen, um
zu empfehlen, daß Sie - die Vertreter der reichsten Nation der Erde,
die gewählten Diener eines Volkes, das in einem auf dieser Welt unübertroffenen Überfluß lebt - allen Amerikanern die Grundvoraussetzungen anständiger Lebenshaltung verschaffen.
Es

- 3 -

�Es gibt Menschen, die ausrufen: Wir müssen Opfer bringen. Fragen
wir sie lieber: Wen wollen sie opfern? Wollen sie die Kinder opfern,
die lernen wollen - die Kranken, die Betreuung verlangen - die Familien,
die noch im Elend leben, aber auf eine Heimstatt hoffen? Wollen sie die
Chance der Notleidenden opfern - die Schönheit unseres Landes - die Hoffnung unserer Armen?
Die Zukunft mag weitere Opfer fordern. Wenn, dann werden wir sie
bringen.
Aber wir werden nicht auf jene hören, die diese Opfer auf Kosten
der Hoffnungen der Unglücklichen in einem Lande der Fülle bringen wollen.
Ich bin überzeugt, wir können die Große Gesellschaft weiter aufbauen
und in Vietnam kämpfen. Wenn jedoch einige dies nicht glauben, dann, im
Namen der Gerechtigkeit, sollen sie den Beitrag jener verlangen, die unserer Segnungen voll teilhaftig sind, nicht aber es den Händen jener entreißen, die in Not sind.
Und niemand soll glauben, daß die Unglücklichen und Bedrängten in
diesem Lande in ihrer Hoffnung verlassen und allein sind. Hunderte ihrer
Diener und Beschützer sitzen jetzt vor mir hier in diesem großen Raum.
Drei Wege führen zur Großen Gesellschaft:
- Ausweitung der gesunden Wirtschaft und Vermehrung des Überflusses
unseres Landes.
- Gerechtigkeit, die es unserem gesamten Volk gestattet, an der Freiheit und den unbegrenzten Möglichkeiten Amerikas teilzuhaben.
- Ausschöpfen unserer geistigen Kräfte und unseres Überflusses, um
unser Leben zu bereichern.
An erster Stelle steht das Wachstum der Wirtschaft - der Wohlstand
des Landes, der das Wohlergehen unserer Menschen begründet und die Voraussetzungen für den Fortschritt schafft.
Ich kann Ihnen berichten, was Sie selbst in fast jeder Stadt und auf
dem Lande gesehen haben werden. Dieses Land steht mitten in der Prosperität. Die Arbeiter verdienen mehr Geld denn je zuvor. Das Einkommen nach

�nach Abzug der Steuern ist in den letzten fünf Jahren um 33 Prozent und
im vergangenen Jahr allein um 5 Prozent gestiegen.
Heute stehen mehr Menschen in Arbeit als je zuvor - die Zahl der
Arbeitsplätze hat sich im vergangenen Jahr um 2,5 Millionen erhöht.
Die Unternehmergewinne nach Abzug der Steuern sind größer denn je
zuvor - sie sind in den letzten fünf Jahren um 65 Prozent und mehr gestiegen und haben allein im vergangenen Jahr eine Zunahme um 20 Prozent
zu verzeichnen gehabt.
Und das durchschnittliche Einkommen in der Landwirtschaft ist höher
als je zuvor - in den letzten fünf Jahren betrug der Anstieg 40 Prozent
und im vergangenen Jahr allein 22 Prozent.
Ich bin heute nachmittag vom Finanzminister unterrichtet worden,
daß unser Zahlungsbilanzdefizit nach seinen vorläufigen Schätzungen von
2,8 Milliarden Dollar im Jahre 1964 auf 1,3 Milliarden Dollar oder noch
weniger im Jahre 1965 abgebaut worden ist. Dieser Erfolg wurde durch die
patriotische und freiwillige Zusammenarbeit von Wirtschaft und Banken mit
unserer Regierung erzielt.
Wir müssen jetzt noch stärker zusammenarbeiten, um das Zahlungsbilanzdefizit völlig zu beseitigen.
Während unsere Wirtschaft immer neuen Höchstständen entgegengeht,
müssen wir unsere Wachsamkeit gegenüber der Geldentwertung verstärken,
die die Lebenshaltungskosten anschwellen läßt und am Wert der Ersparnisse
jeder einzelnen Familie zehrt. Um eine Geldentwertung zu verhindern, ist
es unerläßlich, daß Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf dem Preis- und Lohnsektor Zurückhaltung üben.
Ich erachte es angesichts der erhöhten Militärausgaben für wünschenswert, daß Sie die erst vor zwölf Tagen in Kraft getretene Senkung der Verbrauchssteuern bei Kraftfahrzeugen sowie bestimmter Telefonsteuern vorübergehend wieder rückgängig machen.
Wir sollten ohne Erhöhung der Steuersätze oder auch nur eine Erhöhung
der insgesamt zu entrichtenden Steuersumme
- unser

- 5 -

�- unser System des Steuerabzuges so verbessern, daß die Amerikaner
ihre Steuern mehr den laufenden Einnahmen entsprechend entrichten können;
- die Einziehung der Körperschaftssteuern beschleunigen;
- wir sollten ferner weitere Vereinfachungen des Steuersystems vornehmen.
Ich hoffe, daß diese Maßnahmen ausreichen werden. Falls jedoch die
Erfordernisse des Vietnam-Krieges dies notwendig machen sollten, werde
ich nicht zögern, mich mit dem Ersuchen um zusätzliche Bewilligungen und
zusätzliche Einnahmen erneut an den Kongreß zu wenden.

Der zweite Weg ist die Gerechtigkeit.
Auf einen einfachen Nenner gebracht, bedeutet Gerechtigkeit, daß die
Hoffnungen des Menschen nicht durch seine Hautfarbe begrenzt werden dürfen.
Ich schlage daher vor:
- Gesetze, die unumgehbare Bestimmungen schaffen, welche jegliche
Diskriminierung bei der Auswahl von Geschworenen bei bundes- und einzelstaatlichen Gerichten ausschließen und den Justizminister ermächtigen,
für die Beachtung dieser Bestimmungen zu sorgen.
- Gesetze, die die Befugnisse der Bundesgerichte auf die Strafverfolgung jener ausweiten, die Bürgerrechtshelfer oder andere, die ihre
verfassungsmäßigen Rechte ausüben, entweder ermorden, tätlich angreifen
oder einschüchtern, und die die Strafen dafür auf ein Maß festsetzen,
das der Schwere des Verbrechens entspricht.
- Sich auf die vollste verfassungsmäßige Autorität der Bundesregierung stützende Gesetze, die beim Verkauf oder der Vermietung von Wohnraum jede rassische Diskriminierung verbieten.
Um jener anderen Nation innerhalb der Nation - nämlich den Armen zu helfen, deren Nöte das Gewissen Amerikas jetzt aufgerüttelt haben,
werde ich den Kongreß ersuchen, den Kampf gegen die Armut nicht nur fortzusetzen, sondern ihn noch zu intensivieren.
Für

- 6 -

�Für jene, die auf den Farmen und in den ländlichen Gebieten Amerikas leben, müssen wir für die Zukunft planen, indem wir verschiedene
neue Raumordnungsbezirke schaffen, das Erziehungswesen durch den Einsatz
eines Lehrerkorps verbessern, bessere Gesundheitsprogramme aufstellen,
körperliche Untersuchungen durchführen und angemessene und verfügbare
medizinische Hilfsquellen erschließen.
Für unsere Arbeitnehmer schlage ich vor, die Arbeitslosenversicherung zu verbessern, die Bestimmungen über die Mindestlöhne auszudehnen,
und - durch Aufhebung von Absatz 14 (B) des Taft-Hartley-Gesetzes - die
Arbeitsgesetze in allen unseren Einzelstaaten den Gesetzen jener 31 Bundesstaaten anzugleichen, die keine Bestimmungen über das 'Recht auf den
Arbeitsplatz* haben.
Und ich beabsichtige ferner, den Kongreß zu ersuchen, Maßnahmen in
Betracht zu ziehen, die uns - ohne daß wir uns unstatthaft in die einzelstaatlichen und örtlichen Belange einmischen - in die Lage versetzen,
Streiks zu begegnen, die den nationalen Interessen nicht wiedergutzumachenden Schaden zuzufügen drohen.
Der dritte Weg ist der Weg der Freisetzung vorhandener Kräfte. Es
gilt unseren Erfolg für die Erfüllung unseres Daseins zu nutzen. Eine
Nation ist nur groß, wenn aus ihr ein großes Volk erwächst. Ein großes
Volk aber erwächst nicht aus Reichtum und Macht, sondern aus einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder zur vollen Entfaltung ihrer schöpferischen Kräfte anspornt. Nur das ist eine Große Gesellschaft.
Poch langsam und mühselig - an der Schwelle des Durchbruchs - ist
I

die Erkenntnis gekommen, daß Wohlstand für alle an sich noch nicht genug
ist. Inmitten aller Fülle lebt der moderne Mensch bedrückt von Kräften,
die den Inhalt seines Lebens bedrohen und einengen und die durch materiellen Überfluß des einzelnen allein nicht zu bewältigen sind.
Wir können diese Kräfte bändigen und meistern - unserem Leben größeren Inhalt geben -, wenn wir alle - Regierung und Bürger - kühn genug
sind, alte Wege zu verlassen, und wagemutig genug, neue Gefahren auf
uns zu nehmen, und wenn unser Traum- und Zukunftsbild uns wert genug erscheint, die unbegrenzten Fähigkeiten unseres großen Volkes auf den Plan
zu rufen.
Wir
- 7 -

�Wir müssen in diesem Jahr weiter daran arbeiten, den Inhalt des
Lebens eines jeden Amerikaners zu bereichern.
Lassen Sie uns die großangelegten Gesundheits- und Erziehungsprogramme des vergangenen Jahres verwirklichen und verbessern, wobei wir
allen denen, die ihr Leben in unseren Streitkräften einsetzen, besondere
Chancen einräumen wollen.
Ich fordere das Repräsentantenhaus auf, die bereits vom Senat gebilligten drei Programme - für das Lehrerkorps, die Mietbeihilfen und
die Selbstverwaltung des Distrikts Columbia - zu verabschieden.
Wir müssen in einigen unserer Großstadtgebiete am Neuaufbau ganzer
Stadtteile und Viertel, in denen in einigen Fällen bis zu 100 000 Menschen
leben, mithelfen. Privatwirtschaft und Staat müssen gemeinsam an die Aufgabe herangehen, Wohnhäuser und Fabriken, Parks und Krankenhäuser und all
die anderen notwendigen Elemente eines blühenden Gemeinwesens zu schaffen,
in dem unsere Menschen ein erfülltes Leben führen können.
Ich werde weiter Vorschläge unterbreiten, durch die die Planung des
Wachstums ganzer Großstadtgebiete Anreiz und Belohnung erfahren soll.
Von all den achtlosen Verwüstungen unseres natürlichen Erbes ist
keine schändlicher als die fortgesetzte Verseuchung und Vergiftung unserer
Flüsse und der Luft.
Wir müssen gemeinschaftliche Anstrengungen unternehmen, um die Verseuchung mehrerer großer Flüsse und ihrer Einzugsgebiete zu unterbinden indem wir zusätzliche Bundesmittel für die Planung und den Bau jener Einrichtungen bereitstellen, die erforderlich sind, um die Gewässer ganzer
Einzugsgebiete sauber zu halten und sie zu einer Quelle der Freude und
Schönheit für unser Volk zu machen.
Um die zunehmende Kriminalität und Gesetzlosigkeit anzupacken und zu
überwinden, müssen wir ein umfassenderes Programm zur Modernisierung und
Stärkung der örtlichen Polizeiorgane schaffen.
Unser Volk hat ein Recht darauf, sich zu Hause und auf der Straße
sicher zu fühlen. Dieses Recht muß gesichert werden.
Ebenso

- 8 -

�Ebenso wenig dürfen wir versäumen, der Vernichtung von Leben und
Eigentum auf unseren Autostraßen Einhalt zu gebieten.
Ich werde ein Straßensicherheitsgesetz (Highway Safety Act of 1966)
vorschlagen, um den Zuständen auf unseren Autostraßen ein Ende zu bereiten,
durch die bereits heute täglich 135 Amerikaner getötet und jährlich drei
Millionen verkrüppelt oder verletzt werden und durch die die Vernichtung
von Eigentum im Wert von 80 bis 90 Milliarden Dollar in den nächsten zehn
Jahren droht.
Wir müssen auch der Irreführung des amerikanischen Verbrauchers vorbeugen - indem wir verlangen, daß auf sämtlichen Verpackungen klar und
wahrheitsgemäß ihr Inhalt angegeben ist, daß sämtliche Zinsen und Kreditgebühren unmißverständlich dargelegt werden und daß schädliche Drogen
und Kosmetika aus unseren Geschäften ferngehalten werden.
Es ist der Geist unserer Verfassung, daß unter ihrem Schutz fortdauernder Institutionen und verwurzelter Prinzipien weiter Raum für die
reiche Fruchtbarkeit amerikanischer politischer Schöpfergabe vorhanden
ist.
Wir müssen uns wandeln, um dem Wandel gerecht zu werden.
Ich schlage Schritte zur Modernisierung und Straffung der Exekutive
sowie zur Modernisierung des Verhältnisses zwischen Stadt, Einzelstaat
und Nation vor.
Ein neues Verkehrsministerium ist zur Zusammenfassung unserer Zuständigkeiten im Verkehrswesen erforderlich. Der gegenwärtige Aufbau 35 Regierungsbehörden mit jährlichen Ausgaben von 5 Milliarden Dollar verhindert, den wachsenden Anforderungen der Nation, den Bedürfhissen
der Wirtschaft, dem Anspruch des Steuerzahlers auf höchste Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit gerecht zu werden.
Ich werde ein Programm zum Bau und zur Erprobung eines neuen Überschal ltransportflugzeuges vorschlagen, das mit dreifacher Schallgeschwindigkeit - mehr als 3200 Kilometer in der Stunde - fliegen kann.
Zu einer Überprüfung unseres bundesstaatlichen Systems - des Verhältnisses zwischen Stadt, Einzelstaat, Nation und ihren Bürgern- bedürfen

- 9-

�bedürfen wir einer aus den hervorragendsten Gelehrten und Vertretern der
Öffentlichkeit bestehenden Konmission. Ich werde sie bitten, damit zu
beginnen, einen schöpferischen Föderalismus zu entwickeln, der die großartige Mannigfaltigkeit unserer Einrichtungen und unserer Menschen am
besten zum Tragen bringt, um die Probleme zu lösen, die Träume des amerikanischen Volkes in Erfüllung gehen zu lassen.
In dem Maße, wie der Wahlvorgang komplizierter und kostspieliger wird,
müssen wir es jenen, die nicht über persönlichen Reichtum verfügen, ermöglichen, sich um öffentliche Ämter zu bewerben, ohne in Abhängigkeit von
wenigen großen Geldgebern zu geraten. Ich werde Vorlagen unterbreiten, um
die gegenwärtig bestehenden unrealistischen Einschränkungen der Spenden
zu revidieren - um das endlose Überhandnehmen von Ausschüssen durch Erweiterung des Gesetzes auch auf lokale und einzelstaatliche Komitees zu unterbinden - um die Bestimmung, daß Spenden in vollem Umfang öffenzulegen
seien, mit scharfer

Strafandrohung zu verbinden - und um die Beteiligung

der Bevölkerung dadurch anzuregen, daß auch kleinere Spenden an die Partei
oder den Kandidaten steuerlich begünstigt werden.
Um den Kongreß in seiner Arbeit zu stärken, ersuche ich mit Nachdruck
um eine Verfassungsänderung in dem Sinne, daß die Amtszeit der Mitglieder
des Repräsentantenhauses auf vier Jahre verlängert wird. Diese Änderung
sollte frühestens 1972 in Kraft treten.
Die gegenwärtig geltende zweijährige Amtszeit zwingt die meisten Abgeordneten dazu, enorme Energie auf den nahezu ununterbrochenen Wahlkampf
zu verwenden, und beraubt so das Land des vollen Maßes ihrer Fähigkeiten
und Kenntnisse. Darüber hinaus ist heute die Regierungsarbeit weitaus
komplizierter als in unseren Anfängen und erfordert mehr Zeit zur Erlernung
und Beherrschung der technischen Aspekte der Gesetzgebungsarbeit. Und eine
längere Amtszeit wird mehr hochqualifizierte Männer für das politische
Leben gewinnen. Der Nation, dem Prinzip der Demokratie und jedem einzelnen
Wahlbezirk ist mit Wahlen nur alle vier Jahre besser gedient. Und ich
ersuche Sie um schnelles Handeln.

Das

- 10 -

�Das Maß der Gefahr
Heute ist das Haß der Gefahr in Vietnam voll.
Dieser Konflikt ist keine Episode für sich, sondern ein weiteres
großes Ereignis im Rahmen der Politik, die wir mit aller Konsequenz seit
dem zweiten Weltkrieg verfolgen.
Prüfstein dieser Politik sind die Interessen der Vereinigten Staaten das Wohlergehen und die Freiheit unseres Volkes. Aber eine Nation geht
unter, wenn sie diese Interessen aus enger Sicht betrachtet.
In einer klein und gefährlich gewordenen Welt könnte das Streben
nach engherzigen Zielen Zerfall oder sogar Verderben bringen.
Ein Amerika von unbeschreiblicher Macht - jedoch von einer feindseligen oder verzweifelten Welt umgeben - wäre weder sicher, noch könnte
es eine Zivilisation schaffen, die den Menschengeist befreit.
Um dieses Zieles willen halfen wir beim Wiederaufbau Europas, gewährten wir Griechenland und der Türkei Hilfe und verteidigten wir die Freiheit Berlins.
Um dieses Zieles willen haben wir den jungen, neuentstandenen Staaten
zur Erlangung der Unabhängigkeit verholfen, haben wir ihnen durch das
Friedenskorps eine helfende Hand geboten und haben wir das gewaltigste
Wirtschaftshilfeprogramm der Welt vorangetrieben.
Um dieses Zieles willen arbeiten wir am Aufbau einer Hemisphäre, in
der Demokratie und soziale Gerechtigkeit herrschen.
Um dieses Zieles willen haben wir die Verteidigung gegen die kommunistische Aggression übernommen - in Korea unter Präsident Truman - in der
Straße von Formosa unter Präsident Eisenhower - in Kuba unter Präsident
Kennedy - und wiederum in Vietnam.
Heute muß Vietnam im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen, aber
aus der gesamten Welt dringen Probleme und Möglichkeiten auf die amerikanische Nation ein. Ich werde sie in den kommenden Monaten in umfassender
Welse erörtern und werde den fünf kontinuierlichen Linien der Politik
folgen, die Amerika unter vier Präsidenten verfolgt hat.
Richtlinien
- 11 -

�Richtlinien der Politik
Der erste Grundsatz ist Stärke.
Wir sind heute stark genug, alle unsere Verpflichtungen zu erfüllen.
Wir werden für das nächste Finanzjahr Ausgaben in Höhe von 58,3 Milliarden Dollar benötigen, um diese notwendige Macht aufrechtzuerhalten.
Während die besonderen Ausgaben für Vietnam im nächsten Finanzjahr
um schätzungsweise 5,8 Milliarden Dollar ansteigen dürften, werden alle
anderen Ausgaben im gesamten Bundeshaushalt nur um 0,6 Milliarden Dollar
anwachsen. Dies ist aufgrund der strengen, kostenbewußten Sparmaßnahmen
möglich, die vom Verteidigungsministerium und der Regierung schlechthin
eingeleitet worden sind.
Ein zweiter Grundsatz der Politik ist das Bemühen, die modernen
Massenvernichtungsmittel zu kontrollieren, abzubauen und schließlich
völlig zu beseitigen.
Wir werden mit allem Nachdruck die vorliegenden Vorschläge weiterverfolgen und nach neuen suchen, um die Rüstungen zu kontrollieren und
der weiteren Verbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
Ein dritter Hauptgrundsatz unserer Außenpolitik ist es, am Aufbau
jener Zusammenschlüsse mitzuarbeiten, die die großen Möglichkeiten und
die Erfordernisse der Welt von heute reflektieren.
Durch Stärkung der gemeinsamen Verteidigung, durch Anregung des Welthandels, durch Erfüllung neuer Hoffnungen dienen diese Staatenverbände
der Sache einer prosperierenden Welt.
Wir werden in diesem Jahre neue Maßnahmen treffen, um die Allianz
für den Fortschritt, die Einheit Europas, die atlantische Gemeinschaft,
die regionalen Organisationen der Entwicklungskontinente und jenen überragenden Verband - die Vereinten Nationen - stärken zu helfen.
Wir werden uns bemühen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu
stärken, Zollschranken abzubauen, und das internationale Finanzwesen
zu verbessern.
Ein

- 12 -

�Ein vierter Grundzug der Politik ist das Bemühen, das menschliche
Dasein verbessern zu helfen.
Vom Marshallplan an bis jetzt hat diese Politik ihre Grundlagen in
den Forderungen des Mitgefühls und in dem sicheren Wissen gehabt, daß
nur ein Volk, dessen Zukunft Ansporn und Hoffnung bietet, einen sicheren
und friedlichen Staat aufbauen wird.
Ich schlage in diesem Jahr bedeutsame neue Richtlinien für unser
Programm der Auslandshilfe vor, um jenen Ländern zu helfen, die sich
selbst helfen.
Wir werden:
- einen weltumfassenden Angriff gegen die aus Hunger, Krankheit und
Unwissenheit entstehenden Probleme führen;
- das einzigartige Können und Geschick sowie die Hilfsquellen Amerikas - auf dem Gebiet der Landwirtschaft und der Düngung - jenen Ländern
zugänglich machen, die sich um die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft bemühen;
- all jenen helfen, die die jungen Menschen in anderen Ländern erziehen, und den Kindern auf anderen Kontinenten die gleichen Erziehungsund Ausbildungsmöglichkeiten bieten, die wir unseren eigenen Kindern zu
geben versuchen. Zur Förderung dieser Ziele werde ich ein Internationales
Erziehungsgesetz (International Education Act of 1966) vorschlagen.
Ich werde weiterhin ein Internationales Gesundheitsgesetz (Internalional Health Act of 1966) vorschlagen,
- um Krankheiten durch ein erneutes Bemühen entgegenzutreten, den
von niemand betreuten Leidenden in der Welt die modernen Methoden und
Erkenntnisse der Heilkunde zukommen zu lassen - und Pocken und das Gelbe
Fieber auszurotten sowie noch in diesem Jahrzehnt die Malaria in den
meisten Gebieten unserer Erde unter Kontrolle zu bringen;
- um Ländern, die sich um eine Kontrolle ihres Bevölkerungswachstums
bemühen, durch Intensivierung unserer eigenen Forschungen und Bereitstellung von Mitteln für ihre Bemühungen zu helfen.
Für

- 13 -

�Für das nächste Jahr schlagen wir die Aufwendung von einer Milliarde
Dollar für alle diese Aufgaben Vor - und wir fordern alle, die die Mittel
dazu besitzen, auf, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen.

Das unaufhaltsame Streben
Das fünfte und wohl wichtigste Prinzip unserer Außenpolitik ist die
Unterstützung der nationalen Unabhängigkeit - des Rechtes eines jeden
Volkes, sich selbst zu regieren und seine eigenen Institutionen zu gestalten.
Denn eine friedliche Weltordnung wird nur dann möglich sein, wenn
jedes Land den Weg geht, den es selbst gewählt hat.
Wir entsprechen diesem Prinzip, indem wir die Beendigung der Kolonialherrschaft unterstützen.
Wir entsprechen diesem Prinzip,im Ausland wie auch im eigenen Lande,
indem wir weiterhin die Beherrschung der Mehrheit durch eine Minderheit
oder die Unterdrückung einer Rasse durch eine andere ablehnen.
Wir entsprechen diesem Prinzip, indem wir Brücken nach Osteuropa
schlagen. Ich werde den Kongreß um Ermächtigung zur Aufhebung der besonderen Zollrestriktionen ersuchen, die eine Ausweitung des Handels zwischen
Ost und West behindern.
Das unaufhaltsame Streben nach nationaler Unabhängigkeit ist die
stärkste Kraft auf der heutigen Welt.
In Afrika, in Asien und in Lateinamerika macht sie die Absichten
derer zunichte, die andere ihren Ideen oder ihrem Willen Untertan machen
wollen.
Sie höhlt die Einigkeit des einstigen stalinistischen Imperiums aus.
In den letzten Monaten haben eine Reihe von Staaten diejenigen ausgestoßen, die diese Länder den ehrgeizigen Zielen des kommunistischen
China dienstbar machen wollten.
Die Gesichchte ist auf der Seite der Freiheit. Sie ist auf der Seite
der Staatswesen, die durch die schöpferische Kraft jedes einzelnen Volkes

- 14 -

�Volkes geschaffen wurden. Die Geschichte begünstigt kein bestimmtes
System und keinen bestimmten Glauben - es sei denn, daß Gewalt angewendet wird.
Das ist der Grund, warum wir dieses grundlegende Prinzip unserer
Politik verteidigen müssen - in Berlin, in Korea, in Kuba und jetzt
in Vietnam.

Ein fernes Land
Denn heute - wie schon an vielen anderen Tagen - kämpfen und sterben junge Amerikaner in einem fernen Land.
Heute - wie schon an vielen anderen Tagen - ist die amerikanische
Nation aufgerufen, das Blut ihrer Söhne und die Früchte ihrer Arbeit
für die Freiheitsliebe zu opfern.
Wie viele Male - zu meinen und zu Ihren Lebzeiten - hat sich das
amerikanische Volk zusammengefunden, um wie jetzt seinen Präsidenten
von Konflikten und Gefahren sprechen zu hören.
Und jedes Mal hat es mit all den Anstrengungen geantwortet, die
für die Sicherheit und die Freiheit der Nation erforderlich waren.
Dies ist auch heute in Vietnam wieder der Fall.
Vor noch nicht allzu vielen Jahren war Vietnam ein friedliches,
wenn auch mit Schwierigkeiten kämpfendes Land. Im Norden gab es eine
unabhängige kommunistische Regierung. Im Süden bemühte sich ein Volk um
den Aufbau einer Nation, wobei es die freundschaftliche Unterstützung
der USA fand.
Es gab Kreise in Südvietnam, die dem eigenen Volk die kommunistische Herrschaft aufzwingen wollten. Aber sie erzielten nur geringe Fortschritte. Ihre Hoffnung auf Erfolg war schwach. Dann - vor wenig mehr
als sechs Jahren - entschloß sich Nordvietnam zur Eroberung. Von da bis
auf den heutigen Tag schwoll der Strom von Soldaten und Nachschub aus
dem Norden nach dem Süden immer mehr an, wobei die Überbleibsel der Revolution in der Aggression untergingen.
Mit

- 15 -

�Mit dem wachsenden Ansturm

kristallisierte sich unsere Entschei-

dung heraus. Wir konnten gehen, Südvietnam seinen Angreifern und sicherer Eroberung überlassen. Oder wir konnten bleiben und an der Seite des
südvietnamesischen Volkes kämpfen.
Wir blieben.
Und wir werden bleiben, bis die Aggression aufgehört hat.
Wir bleiben, weil eine redliche Nation ein Volk, das sein Leben und
seine Unabhängigkeit auf unser feierliches Versprechen gesetzt hat, nicht
der Grausamkeit seiner Feinde überlassen kann. Und das ist ein Versprechen, das von drei amerikanischen Präsidenten erhärtet wurde.
Wir bleiben, weil es in Asien - und auf der ganzen Welt - Länder
gibt, deren Unabhängigkeit zum großen Teil auf ihrem Vertrauen auf amerikanischen Schutz beruht. Der Gewalt in Vietnam zu weichen, würde dieses
Vertrauen schwächen, die Unabhängigkeit vieler Länder untergraben und
den Appetit der Aggressoren anregen. Wir müßten in einem Land nach dem
anderen kämpfen oder einen großen Teil Asiens der kommunistischen Herrschaft überlassen.
Und wir haben nicht die Absicht, Asien der Unterwerfung preiszugeben.

Die Wandlung des Krieges
Im vergangenen Jahr wandelte sich die Natur des Krieges in Vietnam
erneut. In schnell anwachsender Zahl überschritten Bewaffnete aus dem
Norden die Grenze, um sich mit bereits im Süden befindlichen Kräften zu
vereinigen. Angriffe und Terror nahmen zu, angespornt und ermutigt durch
den Glauben, den Vereinigten Staaten ermangele es des Willens zum Weiterkämpfen und der Sieg sei in greifbarer Nähe.
Trotz unseres Wunsches, den Konflikt zu begrenzen, war es nötig,
zu handeln: um die wachsende Aggression abzuwehren - um den Menschen im
Süden Mut einzuflößen - und um dem Norden unsere Entschlossenheit klarzumachen. Deshalb begannen wir mit begrenzten Luftangriffen gegen militärische Ziele in Nordvietnam und brachten unsere Kampftruppen auf ihre
gegenwärtige Stärke von 190 000 Mann.
Diese
- 16 -

�Diese Schritte haben nicht das Ende der Aggression gezeitigt, aber
sie haben deren Erfolg vereitelt. Der Einsatz und die Tapferkeit der
Amerikaner und ihrer Verbündeten - und der ausdauernde Mut der Südvietnamesen, deren Ausfälle im vergangenen Jahr das Achtfache der unseren
betrugen - machten es dem Feind unmöglich, seine Ziele zu erreichen.
Der Feind steht nicht mehr dicht vor dem Sieg. Die Zeit steht nicht
mehr auf seiner Seite. Es gibt keinen Grund, die amerikanische Verpflichtung in Zweifel zu ziehen.
Unser Entschluß, standzuhalten, ist ebenso stark wie unser Wunsch
nach Frieden.
Die Suche nach Frieden
i

Im Jahre 1965 führten wir mit unseren Freunden und Gegnern in aller
Welt 300 private Gespräche über den Frieden in Vietnam.
Seit Weihnachten ist die amerikanische Regierung mit Einfallsreichtum und Ausdauer erneut darum bemüht, alle Hindernisse einer friedlichen
Lösung zu beseitigen. Seit nunmehr zwanzig Tagen haben wir und unsere
vietnamesischen Verbündeten keine Bomben mehr auf Nordvietnam abgeworfen.
Fähige und erfahrene Vertreter unserer Sache haben im Namen Amerikas
über vierzig Länder besucht. Wir haben mit mehr als hundert Regierungen mit allen 113 Regierungen, zu denen wir Beziehungen unterhalten, und mit
einigen, zu denen wir keine Beziehungen unterhalten - Gespräche geführt.
Wir haben die Vereinten Nationen informiert und an alle UN-Mitgliedstaaten
appelliert, auf jede nur mögliche Weise zur Erreichung des Friedens beizutragen.
In öffentlichen Erklärungen und in privaten Mitteilungen - gegenüber
Gegnern und Freunden, in Rom und Warschau, in Paris und Tokio, in Afrika
und in der ganzen westlichen Hemisphäre - haben wir unseren Standpunkt
klargestellt.
Wir wollen weder Gebiet noch Stützpunkte, weder wirtschaftliche
Herrschaft noch ein militärisches Bündnis in Vietnam. Wir kämpfen für den
Grundsatz der Selbstbestimmung - daß das südvietnamesische Volk durch

- 17 _

�durch freie Wahlen, ohne Gewaltanwendung, Terror und Furcht, selbst über
seinen eigenen Kurs entscheiden kann. Wir sind der Meinung, daß das ganze
vietnamesische Volk eine freie Entscheidung über die große Frage der Wiedervereinigung treffen sollte.
Das ist alles, was wir für Südvietnam wollen. Und wenn es auf dieser
Erde eine einzige Nation gibt, die weniger als dies für ihr Volk verlangt,
dann möge sie sich zu Wort melden.
Wir haben ebenfalls klar zu verstehen gegeben - von Hanoi bis New
York -, daß unsere Suche nach Frieden keiner willkürlichen Beschränkung
unterliegt. Wir stehen zu den Genfer Abkommen von 1954 und 1962. Wir werden uns an jedem Konferenztisch einfinden, über jeden Vorschlag sprechen
- seien es vier Punkte oder vierzehn Punkte oder vierzig Punkte - und die
Ansichten jeder Gruppe in Erwägung ziehen. Wir werden auf eine Feuereinstellung hinarbeiten - sofort oder wenn es zu Gesprächen gekommen ist.
Wir werden entsprechend handeln, wenn andere ihre Gewaltanwendung verringern; und wir werden unsere Soldaten zurückholen, sobald sichere Garantien
vorhanden sind, daß Südvietnam seine Zukunft selber gestalten kann.
Wir haben das alles gesagt, und wir haben zur Antwort aufgefordert auf sie gehofft und auf sie gewartet.
Bis jetzt haben wir keine Antwort erhalten, aus der sich Erfolg oder
Fehlschlag herauslesen ließe.
Wir haben unseren Wunsch nach Frieden vielen Nationen und Völkern
vorgetragen, weil wir diesen Planeten zusammen mit anderen bewohnen, deren
Zukunft weitgehend von unserem Handeln abhängt und deren Rat wir für unsere
eigenen Hoffnungen brauchen.
Wir fanden Verständnis und Unterstützung. Und wir wissen, daß sie
heute abend mit uns auf eine Antwort warten, die zum Frieden führen kann.

Die nächste Zukunft
Ich wünschte, ich könnte Ihnen heute abend genau sagen, wie der Konflikt in den kommenden Monaten verlaufen wird. Aber wir können nicht wissen,
was die Zukunft erfordern mag. Vielleicht werden wir uns einem langen und

, 18 -

�und harten Kampf oder einer langen und harten Konferenz oder sogar
beidem gleichzeitig gegenübersehen.
Bis der Friede kommt - aber auch wenn er nicht kommt -, ist unser
Kurs klar. Wir werden handeln, wie wir es müssen, um die Unabhängigkeit
des tapferen südvietnamesischen Volkes zu schützen. Wir werden uns bemühen, den Konflikt zu begrenzen, denn wir wollen weder mehr Zerstörung
noch mehr Gefahren.
Aber wir werden unseren Soldaten geben, was sie brauchen: jedes
Geschütz, jeden Dollar und jede Entscheidung - was immer dies kostet
und wie groß auch immer die Aufgabe sein mag.
Und wir werden dem südvietnamesischen Volk weiterhin dabei helfen,
für die vom Krieg Heimgesuchten zu sorgen, den Fortschritt auf dem Lande
zu fördern und inmitten der Unsicherheit und der Schrecken des Krieges
die heilende Hoffnung auf den Frieden nach besten Kräften zu wecken.
Lassen Sie mich absolute Klarheit schaffen: Aus den Tagen können
Monate und aus den Monaten können Jahre werden, aber wir werden bleiben,
solange uns die Aggression zum Kämpfen zwingt.
Es mag Leute geben, die keinen Frieden wollen, deren Ambitionen so
weit reichen, daß der Krieg in Vietnam für sie nur ein willkommenes und
geeignetes Zwischenspiel in einem gewaltigen Plan bedeutet, sich die
Gesahichte gefügig zu machen. Aber anderen muß es jetzt klar sein, daß
die Wahl nicht zwischen Frieden und Sieg liegt. Sie liegt zwischen Frieden und den Verheerungen eines Konflikts, bei dem sie nur verlieren können.
Die Menschen in Vietnam, im Norden und im Süden, suchen das gleiche:
die Erfüllung der Bedürfnisse aller Menschen, Nahrung, Obdach und Erziehung - die Möglichkeit, zu bauen und zu arbeiten und den Boden zu bestellen ohne den willkürlichen Schrecken des Krieges. Sie haben den Wunsch,
mit der Würde eines Menschen zu leben, der sein eigenes Geschick bestimmt.
Lange schmerzvolle Jahre hindurch, in Krieg, Revolution und selten in Frieden, haben sie sich um die Erfüllung dieser Bedürfnisse bemüht.
Verbrechen

- 19 -

�Verbrechen an der Menschheit
Es ist ein Verbrechen an der Menschheit, daß so viel Mut und so
viel Willenskraft und so viele Träume in den Flammen von Krieg und Tod
untergehen müssen.
Wir rufen daher all denen, die in den Konflikt verwickelt sind,
erneut zu: Laßt uns den Frieden wählen und mit ihm die wunderbaren
Werke des Friedens und darüber hinaus die Zeit, zu der die Hoffnung,
der Ketten ledig, nach Vollendung strebt und das Leben dem Leben dient.

Die Lage der Nation
Dies ist die Lage der Nation.
Aber über all dem - Reichtum, Verheißung und Erwartung - sind wir
uns voller Bedrückung der amerikanischen Männer im Krieg bewußt.
Wie viele Männer, die mich heute abend hören, haben ihrer Nation in
anderen Kriegen gedient, und wie viele - wie gar so viele - können mich
nicht mehr hören.
Der Krieg in Vietnam ist nicht wie diese anderen Kriege. Und doch:
Krieg bleibt immer Krieg. Krieg bedeutet, daß junge Menschen in der
Blüte ihres Lebens sterben. Krieg bedeutet, daß man einen Menschen zu
töten trachtet, den man nicht einmal so weit kennt, daß man ihn hassen
könnte.
Wer also den Krieg kennt, der weiß, daß der Wahnsinn in der Welt
noch nicht ausgestorben ist.
Viele Von Ihnen tragen mit mir an der Last, die dieses Wissen bedeutet. Und doch besteht ein Unterschied, denn letztlich muß ich den
Befehl geben, zu schießen, obwohl sich alles in mir dagegen sträubt.
Denn wir haben Kinder, die eine Ausbildung erhalten sollen, und Kranke,
die geheilt werden sollen, und Menschen, die befreit werden sollen. Wir
haben Arme, deren Lebensstandard gehoben werden soll, und Städte, die
gebaut werden sollen, und eine Welt, der geholfen werden soll.
Doch

- 20 -

�Doch wir tun, was wir tun müssen.
Ich bin hoffnungsvoll, und ich werde mich dafür einsetzen, daß
dieser Krieg ein Ende findet und daß unsere Söhne wieder ein Leben
führen können, wie sie es sich wünschen.
Wenn aber andere unsere Sicherheit in Frage und die Ernsthaftigkeit unserer Überzeugung mit Feuer und Schwert auf die Probe stellen,
dann dürfen wir nicht zurückweichen - oder wir werden die Verheißung
zweier Jahrhunderte erschüttert sehen. Ich glaube, Sie wollen nicht,
daß ich ein solches Risiko eingehe. Und aus diesem Glauben schöpfe
ich als Ihr Präsident Kraft für die bevorstehenden Prüfungen.
Das Werk muß nun unser Werk sein. Mit den Narben der Schwäche
des Menschen, so wie Gott uns lenken und leiten mag, müssen wir trotz
allem - und allein im Gedanken an unsere Sterblichkeit - strebend uns
bemühen um das Edle im irdischen Leben.

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- 21 -

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XIX - 3

WISSENSCHAFT, STAAT UND WELTRAUMFORSCHUNG

Ansprache
Sr. Exzellenz, des Botschafters der Vereinigten Staaten
in der Bundesrepublik Deutschland,

GEORGE C. MCGHEE

gehalten am 14. Januar 1966
vor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn

�WISSENSCHAFT, STAAT UND WELTRAUMFORSCHUNG

Am 20. Dezember 1965 erhob Präsident Johnson während des Staatsdiners im Weißen Haus für Bundeskanzler Erhard, der zu Besuch in Washington weilte, sein Glas zu einem Toast auf den Ehrengast. Der Präsident zitierte die Mahnung Goethes, daß jeder Mensch sich jeden Tag
darum bemühen sollte, etwas Vernünftiges zu sagen. Er kam dann auf einige wichtige aktuelle Themen zu sprechen; von größtem Interesse für
uns heute abend ist jedoch sein Vorschlag über ein neues gemeinsames
Programm der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Weltraumforschung.
"Wir haben", erklärte der Präsident, "bereits ein gemeinsames
Weltraum-Unternehmen in Angriff genommen. Im Sommer vereinbarten unsere
beiden Regierungen, daß die Vereinigten Staaten einen in Deutschland
gebauten Satelliten starten, der Meßdaten aus den unteren Zonen des
Strahlungsgürtels der Erde liefert. Nunmehr wollen wir mit Ihnen - und
mit anderen - einen noch viel kühneren Plan erörtern, um etwas gemeinsam zu unternehmen, was jeder für sich allein nicht so leicht bewältigen könnte. Modellfälle wären zwei Projekte, die im Programm der Weltraumforschung einen hervorragenden Platz einnehmen. Beide stellen hohe
Anforderungen und beide sind sehr kompliziert. Im einen Fall geht es
um die Entsendung einer Sonde zur Sonne, im anderen zum Planeten Jupiter. Die Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung so großartiger Projekte würde unser Wissen und technisches Können beträchtlich mehren."
Auch Bundeskanzler Erhard war - und dies keineswegs aus reinem
Zufall - mit einem Vorschlag zu engerer Zusammenarbeit in der Weltraum-

�Weltraumforschung nach Washington gekommen. In seiner Erwiderung begrüßte der Kanzler die Anregung des Präsidenten und sagte u.a.: "Ich
habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, daß große Pläne von jener
Faszination erfüllt sind, die auch die Menschen anrührt und die schon
ein Teil des Gelingens ausmacht."
Ich kann Ihnen darüber hinaus versichern, daß diese Worte mehr
als Höflichkeitsfloskeln waren. Die Ansprachen kennzeichneten zum
einen das Ausmaß, in dem die Erforschung des Weltraums - ursprünglich
eine vornehmlich nationale Angelegenheit - Teil der internationalen
Beziehungen geworden ist. Zum anderen erhielt mit diesem Austausch von
Plänen auch die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland wie auch zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa eine neue Dimension. Ich möchte die
Gelegenheit, hier in der großen, berühmten Bonner Universität sprechen
zu können, dazu benutzen, einige Aspekte der weitreichenden Möglichkeiten für die Menschheit und die Völker zu behandeln, die sich heute
aus der Weltraumforschung ergeben.
Historiker haben viele Seiten gefüllt, um den Einfluß des Unbekannten, Neuen auf die Entwicklung des menschlichen Charakters zu
schildern. Früher einmal, als nur ein Bruchteil der Erdoberfläche erforscht und in die Zivilisation einbezogen war, lockten Länder und
Meere den Menschen. Die "Front" bei uns in Amerika war bis gegen Ende des
19. Jahrhunderts der "Wilde Westen". Wenn man den Westen in Liedern
und Filmen auch oftmals übertrieben dargestellt hat, so war er doch
in jedem Fall ein Ventil für den Tatendrang wissensdurstiger, rastloser und ehrgeiziger Mitbürger.
Während die Weltbevölkerung immer stärker zunahm, moderne Transport- und Nachrichtenmittel den Globus zu nachgerade Nadelkissengröße
zusammenschrumpfen ließen, verschwand auch weitgehend das "Neuland"
oder die "Front" im geographischen Sinn. Manche behaupten, in Wirklichkeit gäbe es gar nichts mehr zu entdecken. Meines Erachtens liegen aber die Dinge anders. Es gibt sehr wohl noch Neues zu finden und dieses Neue stellt an uns mitunter weit größere Anforderungen als

- 2-

�als das von einst. Lediglich die Natur des Unerforschten hat sich
gewandelt.
In den letzten 75 Jahren wurde die Welt Zeuge einer nach Art
und Umfang bisher einmaligen wissenschaftlichen und technischen
Revolution. In den zahlreichen Phasen dieser Revolution vollzogen
sich in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zwei besonders bedeutsame Entwicklungen: einmal die Nutzbarmachung der Kernenergie, die
sich nunmehr - rund 27 Jahre nach der grundlegenden Entdeckung Professor Otto Hahns hier in Deutschland im Jahre 1938 - zu einer der
wichtigsten Quellen für die Erzeugung elektrischer Energie entwickelt, zum andern die Erforschung des Weltraums.
Wir haben die stürmische erste Entwicklungsperiode des Zeitalters der Raumfahrt seit 1960 miterlebt. Vielleicht in noch größerem Maße als der Kernreaktorbau oder die Isotopentrennung mit ihren
diffizilen

Problemkomplexen stellt heute der Weltraum faszinieren-

des Neuland für das Denken und, in gewissem Sinne, auch für die geistige Haltung dar - das gilt mehr oder weniger für die ganze Menschheit. Seit der Mensch zum Bewußtsein erwacht ist, weiß er um die beherrschende Rolle der Sonne in seinem Leben. Die Sonne war die Quelle
von Licht und Wärme. Nach der Sonne benannte er seine Götter - sie
war das Ordnungsprinzip im täglichen Leben. Auch unser nächster Nachbar im Raum, der Mond, übt seit eh und je einen besonderen Zauber auf
den Menschen aus. Und kaum weniger stark ist der Reiz der übrigen
Planeten unseres Sonnensystems und der anderer Gestirne. Der unendliche Weltraum ist noch immer Neuland, das der Erforschung harrt. Der
Mensch hat jetzt jedoch erstmals das notwendigste Instrumentarium entwickelt, um diese Erforschung voranzutreiben - in einem Ausmaß, das er
nie für möglich gehalten hätte.
Viele Nationen haben Anteil an diesem Fortschritt. Zwei jedoch
überragen alle übrigen schon auf Grund ihrer reichen Hilfsquellen und wegen der Tatsache, daß sie entschlossen waren, diese Hilfsquellen
für die Weltraumforschung einzusetzen: die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion. Der wichtigste Faktor für den inzwischen erreichten Leistungsstand Amerikas in der Raumfahrt war eine von unserer Regierung

- 3 -

�Regierung organisierte und finanzierte große gemeinsame Anstrengung an ihr waren unsere Universitäten, unsere Wissenschaft und unsere Industrie gleichermaßen beteiligt. Auf die komplexe Struktur unserer
wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung kann ich
hier nicht im einzelnen eingehen. Einige der Grundfakten möchte ich
aber doch ausführlicher behandeln.
Im vergangenen Jahr betrugen in den USA die laufenden Ausgaben
für Forschung und Entwicklung ungefähr 20 Milliarden Dollar; das entspricht etwa drei Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts.
Davon trug die Bundesregierung 14,8 Milliarden, während der Rest in
der Hauptsache von der Privatwirtschaft aufgebracht wurde. Fast sieben Milliarden Dollar, oder knapp die Hälfte der Gesamtaufwendungen
der Bundesregierung, flössen der Weltraumforschung zu. 70 Prozent
dieser Summe entfielen auf zivile Weltraumprojekte. Wiederum ein Zehntel davon war für Grundlagenforschung bestimmt, während technologische
Aufgaben neun Zehntel verschlangen - die Entwicklung der kostspieligen
und komplizierten Geräte, die für die praktische Weltraumforschung benötigt werden. Die Maschinen und Apparaturen für die Raumfahrt kosten
viel Geld.
Die Bereitstellung dieser Mittel bedeutet ein erhebliches und auch
in Zukunft weiterbestehendes Engagement der Regierung der Vereinigten
Staaten auf dem Gebiet der Weltraumforschung. Diese Verpflichtung einzugehen war übrigens keine leichte Sache. Sie aufrechtzuerhalten erfordert in jedem Jahr Rechenschaftsberichte vor dem amerikanischen Kongreß mit nicht weniger als 4000 Druckseiten im Protokoll. Rundfunk und
Fernsehen berichten umfassend über amerikanische Weltraumunternehmen.
Die gesamte amerikanische Öffentlichkeit beteiligt sich lebhaft an der
fortgesetzten Debatte über unser Raumfahrtprogramm. Der Kongreß wie
auch der amerikanische Steuerzahler sind jedoch nach wie vor davon überzeugt, daß unser wagemutiger Vorstoß in den Weltraum den täglichen Aufwand von 10 Cent pro Kopf der Bevölkerung lohnt, der zu seiner Finanzierung erforderlich ist. Es geht, wie Präsident Johnson sagte, '•nicht
um die Frage, ob wir es uns leisten können, auf dem Mond zu landen. Die

- 4 -

�Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, nicht zum Mond zu fliegen. Denn ein derartiges Versäumnis wäre ebenso katastrophal, als
hätten wir die Erforschung des Atoms versäumt".
Schenken Sie mir nun für einige Minuten Ihre Aufmerksamkeit
bei einer Betrachtung der Geschichte des amerikanischen Weltraumprogramms und des bisher Erreichten. Das amerikanische Weltraumprogramm
begann mit den Vorbereitungen zum Internationalen Geophysikalischen
Jahr, einem breit angelegten Programm informeller Zusammenarbeit von
Wissenschaftlern vieler Länder mit dem Ziel, Untersuchungen auf
allen nur erdenklichen Gebieten der Erdforschung auszuweiten und zu
koordinieren. Das IGJ, wie es meist nur genannt wird, war für die
Jahre 1957 und 1958 angesetzt. Während der ersten vorbereitenden internationalen Wissenschaftlerkonferenz in Rom im Jahr 1954 wurden jedoch
auch die ersten konkreten Vorschläge für den Start künstlicher Satelliten gemacht. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion
akzeptierten die Empfehlungen. Im Juli 1955 gab das Weiße Haus bekannt,
Präsident Eisenhower habe Pläne für den Abschuß eines kleinen Satelliten als Teil des amerikanischen Beitrags zum IGJ genehmigt. Das Weltraumzeitalter wurde somit aus internationaler Zusammenarbeit heraus
geboren. Als Wissenschaft gewann es jedoch erst Bedeutung, nachdem es
der Sowjetunion im Oktober 1957 gelungen war, SPUTNIK I in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Die Herausforderung, die der SPUTNIK für Amerika
darstellte, war eindeutig. Ein neues Zeitalter war angebrochen, und
Amerika durfte nicht abseits stehen.
Die Reaktion der Vereinigten Staaten bestand in der Gründung der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt - der berühmten NASA - und in einer
zunehmenden Aktivität auf allen Gebieten der Raumfahrt. Seitdem sind
acht Jahre vergangen. Die Zahl der bei der NASA Beschäftigten beläuft
sich jetzt auf 34 000. Das Budget der NASA für das Haushaltsjahr 1966
beträgt 5,2 Milliarden Dollar. Allerdings werden 90 Prozent der NASAAufgaben außerhalb regierungseigener Institutionen ausgeführt.
Fast 10 000 Wissenschaftler, Forscher, Studenten und Techniker an
rund 150 Universitäten befassen sich zur Zeit mit Raumfahrtprojekten und

- 5 -

�und damit verwandten Aufgaben. Ihre Arbeit fördert Forschung und Lehre
in nahezu allen Wissensbereichen, insbesondere auf Gebieten, die jeweils mehrere wissenschaftliche Disziplinen vereinigen - WerkstoffForschung, Biotechnik, Energiequellen, Nachrichtenwesen und Datenverarbeitung, Gebiete also, auf denen jetzt viele der erregendsten grundlegenden Erfindungen gemacht werden.
Etwa 400 000 Männer und Frauen sind in den Laboratorien und Betrieben von fast 20 000 amerikanischen Firmen beschäftigt, die mit
Raumfahrt- und verwandten Projekten befaßt sind. Die neuen Techniken,
die sie begründen, finden in zahllosen Anwendungsmöglichkeiten außerhalb der Raumfahrt ihren Niederschlag - durch neue Materialien, neue
Konstruktionen und die Fähigkeit, ungewöhnliche, neuartige Ifaweltbedingungen herzustellen. Sie erarbeiten neue Möglichkeiten für mathematische Berechnungen und neue Erkenntnisse über die Funktionen des
menschlichen Organismus. Darüber hinaus werden neue Vorrichtungen zum Orten,
Messen, Senden, Empfangen, Fotografieren und Aufzeichnen entwickelt.
Die vielseitige technische Entwicklung, die sich aus allen Einzelschritten auf den Gebieten Luftfahrt, Atomenergie und Raumfahrt ergibt,
ist der Gegenwert für unsere Investition in Höhe von rund 100 Milliarden Dollar seit dem zweiten Weltkrieg. Eine detaillierte Analyse des
unmittelbaren Nutzens von Luftfahrt- und Weltraumforschung für andere
Gebiete, auch "spin-off* genannt, ist schwierig. Gemessen an einzelnen
Erfindungen ist er nicht groß. Gemessen an dem allgemeinen, die Gesellschaft als Ganzes erfassenden technologischen und wissenschaftlichen
Stimulus jedoch ist der Impuls enorm. Er schließt viele sensationelle
Entwicklungen ein, die schon im Grenzbereich des allgemeinen technischen Fortschritts liegen. Die Leistungsfähigkeit der Industrie eines
Landes stellt eine ungeheuer wichtige nationale Kraftreserve für die
Zukunft dar. Ohne das Stimulans des Raumfahrtprogramms hätte sich diese
Leistungsfähigkeit nicht in einem solchen Maße entfaltet.
Von Anfang an hat sich die NASA bewußt auf ein umfassendes, "totales" Weltraumprogramm konzentriert. Jede nur denkbare Anwendungsmöglichkeit für Erdsatelliten und Raumflugkörper wurde in Erwägung gezogen.
Viele

- 6 -

�Viele der NASA-Programme sind bereits mit Erfolg durchgeführt und bringen jetzt unmittelbar Dividende. Auf der Basis der von der NASA geleisteten Pionierarbeit hat die amerikanische Gesellschaft für Fernmeldesatelliten (COMSAT) eine sehr zweckmäßige Nachrichtenverbindung zwischen
Europa und Amerika über den Satelliten EARLY BIRD hergestellt. COMSAT
ist jetzt dabei, mit Hilfe wesentlich verbesserter künstlicher Satelliten ein weltweites Fernsprech- und Fernsehnetz aufzubauen.
Erst vor vier Jahren unterbreitete Präsident Kennedy den Vereinten
Nationen den Vorschlag, ein globales Netz zur Wetterbeobachtung und
Wettervorhersage zu schaffen. Die jüngsten Serien von Wetterbeobachtungssatelliten der NASA, T1R0S und NIMBUS, bildeten einen wichtigen
Schritt zur Verwirklichung dieses Planes. Dreizehn Länder verfügen bereits über Einrichtungen, mit denen sie Wolkenfeldbilder empfangen können - und zwar direkt von NASA-Satelliten, die die Erde umkreisen. Die
geringen Kosten der dafür benötigten Ausrüstung machen die Benutzung
von Wettersatelliten auch für ein Land mit einem sehr bescheidenen Budget erschwinglich. Das ist für Entwicklungsländer mit einer vielfach
landwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsstruktur von besonderer Bedeutung.
Zur Zeit wird auch eine Reihe von geodätischen Satelliten gestartet, die eine äußerst präzise geopraphische Kartographie ermöglichen.
Wir werden in der Lage sein, geographische Örter auf der Erdoberfläche
sowohl in horizontaler als in vertikaler Ebene bis auf wenige Meter
genau zu bestimmen. Eine Anzahl von Satelliten mit speziellen Meßgeräten sind bereits in Umlauf, um Kernexplosionen im Weltraum zu orten
und die Erdoberfläche zu beobachten. Immer mehr Satelliten und Raumflugkörper verschiedenster Typen erforschen die Hochatmosphäre und die
Ionosphäre, die Strahlengürtel und Magnetfelder der Erde und den mysteriösen Sonnenwind.
Die Mondsonden vom Typ RANGER brachten insgesamt 17 000 brauchbare
Bilder von der Mondoberfläche, aus Höhen von ca. 1600 km bis unmittelbar vor dem Aufschlag auf dem Mond aufgenommen. Die interplanetaren
MARINER-Sonden ermöglichten neuartige Beobachtungen an Venus und Mars

- 7-

�Mars aus großer Nähe - sie gaben Meßdaten über Magnetfelder der Planeten,
die dort herrschenden Temperaturen und die Dichte und Zusammensetzung
ihrer Atmosphäre.
MARINER IV brachte den größten wissenschaftlichen Fortschritt für
die Weltraumforschung seit der Entdeckung der die Erde umgebenden Van
Allenschen Strahlenzonen im Jahr 1958. Sie werden sich sicherlich erinnern, im Fernsehen und in der Zeitung im Juli vergangenen Jahres einige
der 22 Aufnahmen von der Marsoberfläche gesehen zu haben, die über eine
Entfernung von 216 Millionen km zur Erde übertragen wurden. MARINER IV
war eine großartige technische Leistung. Die erfolgreiche Durchführung
des Experiments setzte voraus, daß 138 000 Baukomponenten der Sonde
funktionierten. Die Aufnahmen machte MARINER IV nach einem siebeneinhalb Monate langen, gefahrenvollen Anflug durch den Weltraum. Die Bilder, die er aufnahm, zeigten uns den Nachbarplaneten Mars aus bisher
größter Nähe.
Die umfangreichsten finanziellen Verpflichtungen in bezug auf die
Raumfahrt erwuchsen aus dem Entschluß der amerikanischen Regierung, die
Erforschung des Weltraums mit bemannten Flugkörpern zu fördern. Mit der
für seine Amtsführung so charakteristischen Weitsicht und Begeisterungsfähigkeit unterbreitete Präsident Kennedy im Mai 1961 dem Kongreß einen
Vorschlag zur Intensivierung des amerikanischen Weltraumprögramms. Projekt APOLLO - das amerikanische Vorhaben, bis zum Jahr 1970 zwei Astronauten auf dem Mond zu landen - war geboren. Gegenwärtig verschlingt das
Programm für die bemannte Raumfahrt mehr als die Hälfte ades amerikanischen Raumfahrt-Etats. Dann und wann wird auch die Frage gestellt, ob
dies die Sache überhaupt wert sei.
Dr. Hugh Dryden, der berühmte Wissenschaftler und stellvertretende
Direktor der NASA, hielt wenige Wochen vor seinem Tod im Dezember 1965
in Hawaii eine Rede über bemannte Rammfahrt. Er sagte damals u.a.:
"Hauptziel des APOLLO-Programms ist die Schaffung einer nationalen Kompetenz für den bemannten Raumflug bis hin zum Mond, die das industrielle
Potential, das Potential an Fachkräften, Bodenanlagen, Flugkörpern
und betriebstechnischen Erfahrungen gleichermaßen umfaßt. Der Einsatz

- 8 -

�Einsatz dieses gesamten

Potentials für den bemannten Flug zum Mond

und zurück zur Erde sowie für künftige Projekte der Weltraumforschung
ist darauf abgestellt, den Vereinigten Staaten die führende Stellung
im Weltraum zu bringen. Dann werden wir auch in der Lage sein, entsprechend unseren nationalen Interessen alles Erforderliche in bezug
auf künftige Untersuchungen und die künftige Nutzbarmachung dieser
neuen Umwelt zu tun."

,

Der Direktor der NASA, James Webb, hat unser Ziel eindeutig umrissen, als er erklärte: "Es ist unser nationales Ziel, die Ausrüstungen zu schaffen und sie so zu gebrauchen, daß jedes wichtige Weltraumunternehmen neue Erkenntnisse einbringt, und dann Systeme zu bauen, die
unter Anwendung dieser Erkenntnisse nützliche Arbeit leisten - in Satelliten, Observatorien auf Umlaufbahnen, im Nachrichtenwesen und auf
anderen Gebieten. Mit dem APOLLO-Programm, auf das sich gegenwärtig
unser nationales Raumfahrtprogramm konzentriert, führen wir der ganzen
Welt diese unsere Fähigkeit vor Augen." Ich freue mich, Ihnen hier berichten zu können, daß der amerikanische Zeitplan für das APOLLO-Programm eingehalten wird. Die so erfolgreichen jüngsten GEMINI-Flüge
haben uns in unserem Vertrauen noch mehr bestärkt, unser Ziel, die
Landung auf dem Mond, termingerecht zu verwirklichen.
Mitunter wurde behauptet, mit dem APOLLO-Programm sollten die
Sowjets im Wettlauf zum Mond um jeden Preis geschlagen werden. Meines
Erachtens kann man das von uns verfolgte Ziel besser darstellen.
Amerika ist entschlossen, sein Weltraumprogramm unbeirrt weiterzuverfolgen. Der Raumflug mit bemannten Geräten ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Programms. Für die erste bemannte Weltraumexpedition
kommt nur ein Ziel in Frage - der Mond, mit einer mittleren Entfernung
von 384 000 km. Er ist das "Sprungbrett" zu den Planeten. Auf dem Mond
finden wir alle die Probleme, an denen wir im Hinblick auf die Raumfahrt
besonders interessiert sind - die nahezu unbekannte Beschaffenheit der
Oberfläche, das Fehlen der Atmosphäre, die extremen Temperaturschwankungen, die intensive Strahlung und eine nach unseren Begriffen lebensfeindliche Umwelt. Die ganze bemannte Raumfahrt der Zukunft wird auf den
Ergebnissen basieren, die die Expedition zum Mond einbringt.

�Bitte verstehen Sie mich richtig. Jeder Amerikaner hofft, daß
amerikanische Astronauten als erste den Mond betreten. Die Sowjetunion macht geltend, ihr Ziel sei, die Vereinigten Staaten auf allen
Gebieten menschlichen Strebens zu überflügeln. Wir sind jedoch fest
davon überzeugt, daß eine freie Gesellschaftsordnung nicht nur die
besten Möglichkeiten für die Entfaltung des einzelnen bietet, sondern
auch in Wissenschaft und Technik erfolgreich konkurrieren kann. Wir
begrüßen diese Gelegenheit zu einem friedlichen Wettbewerb mit der
UdSSR.
Da sie jedoch nie sicher sein können, ob die Sowjets diesen Wettbewerb immer auf einer rein friedlichen Basis führen werden, haben die
Vereinigten Staaten auch ein militärisches Weltraumprogramm aufgebaut.
NASA befaßt sich ausschließlich mit der Erforschung des Weltraums zu
friedlichen Zwecken. Die Vereinigten Staaten vertreten die Ansicht,
daß der Weltraum der gemeinsamen, friedlichen Nutzung durch alle Nationen offenstehen sollte. Dies ist auch in der von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gemeinsam befürworteten Resolution ausdrücklich
hervorgehoben, die 1961 in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
eingebracht wurde. Und doch darf ein Punkt nicht übersehen werden. Die
Fähigkeit, den Weltraum zu beherrschen, könnte mit der Fähigkeit gleichbedeutend sein, auch die Erde zu beherrschen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hofft, daß die Atmosphäre des
Kalten Krieges, durch Verdächtigungen und Mißtrauen gekennzeichnet, eines
Tages verschwindet. Aber bis dies erreicht werden kann, müssen die Länder
der freien Welt, wie die Bundesrepublik klar erkannt hat, stark und einig
bleiben. Wir müssen über die Kenntnisse und die Fähigkeiten verfügen, die
es uns ermöglichen, mit jeder Art von Aggression fertig zu werden, auch
der aus dem Weltraum. Und dies ist der Grund, weshalb das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten ein eigenes und unabhängiges Weltraumprogramm durchführt.
Ich komme jetzt auf das derzeitige NASA-Programm der internationalen
Zusammenarbeit im Weltraum zu sprechen. Die NASA wurde bei ihrer Gründung
vom amerikanischen Kongreß ausdrücklich angewiesen, ihre Aufgaben in

- 10 -

�in Zusammenarbeit mit anderen Staaten durchzuführen. Daraufhin entwickelte die NASA ein wichtiges Programm zur internationalen Zusammenarbeit, in das gegenwärtig 69 Staaten auf allen Kontinenten einbezogen
sind. Diese Zusammenarbeit ist außerordentlich vielfältig.
Die NASA hat Satelliten gestartet, die von Großbritannien, Kanada,
Italien und Frankreich entwickelt, finanziert und gebaut wurden. Im
Rahmen eines ähnlichen Vorhabens bereitet die Bundesrepublik den Start
eines Satelliten vor. Darüber hinaus wird ausländischen Wissenschaftlern
Gelegenheit gegeben, eigene Experimente in das Aufgabenprogramm einzelner NASA-Satelliten aufnehmen zu lassen. Bei fast allen NASA-Raumflugkörpern, einschließlich der bemannten Raumschiffe, besteht auf dieser
Basis die Möglichkeit einer Beteiligung des Auslands.
Ein umfassendes internationales Forschungsprogramm mit Raketensonden ist bereits angelaufen. Eine Raketensonde transportiert wissenschaftliche Instrumente beispielsweise bis in 160 km Höhe und fällt
dann wieder zur Erde zurück, ohne in eine Umlaufbahn einzutreten. Solche
Sonden sind wesentlich billiger als Satelliten und geben vielen Ländern
Gelegenheit, selbst mit sehr begrenzten Mitteln sinnvolle Raumforschungsvorhaben auszuführen. Bis heute sind über 150 Raketensonden, bei angemessener Kostenteilung, in Zusammenarbeit mit 17 Staaten abgeschossen
worden. Vielfach entwickelten sich aus den Raketensonden-Projekten umfassende regionale Forschungsprogramme. Allen interessierten Wissenschaftlern sind die Ergebnisse der dabei vorgenommenen Untersuchungen
uneingeschränkt zugänglich.
Weitere gemeinsame Projekte sehen die Beobachtung von NASA-Satelliten durch ausländische Wissenschaftler vor. Im Rahmen des transozeanischen Fernmeldeverkehrs über Satelliten der Typen TELSTAR, RELAY und
SYNCOM wurden auf Grund vertraglicher Vereinbarungen mit der NASA von
anderen Staaten besondere Bodenstationen errichtet. Die NASA hat ein
umfassendes Austauschprogramm für Wissenschaftler ins Leben gerufen,
unter dem bisher 151 Wissenschaftlern aus 30 Ländern ein Studienaufenthalt in den USA ermöglicht wurde; außerdem wurden an 113 junge Wissenschaftler mit abgeschlossenem Hochschulstudium aus 17 Staaten Stipendien

- 11 -

�Stipendien vergeben und 234 Techniker aus 19 Ländern in den Vereinigten
Staaten ausgebildet. Die verschiedenen Institute und Einrichtungen der
NASA zählten bisher rund 15 000 Wissenschaftler aus 121 Ländern und
Territorien zu ihren Besuchern.
Ungeachtet des Wettbewerbs zwischen uns und der UdSSR im Weltraum
haben wir mit der Sowjetunion eine begrenzte Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet vereinbart. Zugegeben, es ist in dieser Hinsicht bisher wenig
geschehen; das Programm geht jedoch weiter. Trotz der vielen Spannungen
zwischen den USA und der UdSSR sind wir fortgesetzt - soweit dies mit
unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten vereinbar ist - um Mittel
und Wege bemüht, die Verbindung zwischen unseren beiden Ländern nicht
abreißen zu lassen. Die Weltraumforschung könnte eine Brücke zwischen
unseren Völkern schlagen. Wir glauben, allen Nationen die Hand zur friedlichen Zusammenarbeit in der Weltraumforschung reichen zu können, ohne
dadurch die Interessen unserer freien Welt zu gefährden.
Was aber können wir künftig von der Weltraumforschung erwarten? Ein
Raumfahrtprojekt erfordert Spezialisten, bestimmte Techniken und Zeit.
Ein wesentlicher Teil des NASA-Programms besteht in der Planung. Die unmittelbare Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA ist durch
den Zeitplan für das Projekt APOLLO klar vorgezeichnet. Es sind fünf weitere GEMINI-Flüge vorgesehen, bei denen die Technik des Rendezvous und
des Ankoppeins an einen anderen Flugkörper in der Satellitenbahn verbessert und verfeinert wird. Das Manöver des sogenannten Andockens ist in
jedem Fall bei einer Expedition zum Mond unerläßlich. Während eines der
nächsten GEMINI-Flüge wird sich ein Astronaut längere Zeit außerhalb des
Raumschiffs aufhalten - ein weiterer Test der Fähigkeit des Menschen,
bestimmte Aufgaben im Weltraum durchzuführen.
Das Projekt APOLLO bedeutet Weltraumforschung in einem Umfang, der
alles bisher Dagewesene weit übertrifft. Es verlangt die Entwicklung der
gigantischen Trägerrakete SATURN V, die etwa das 15fache der Schubkraft
der modifizierten TITAN II erreicht, mit der die GEMINI-Raumschiffe gestartet werden. Darüber hinaus muß das aus drei Hauptsegmenten bestehende
APOLLO-Raumschiff durchkonstruiert und seine Erprobung in Erdumlaufbahnen

- 12 -

�Erdumlaufbahnen abgeschlossen sein.
Ebenfalls als Vorbereitung der APOLLO-Expedition zum Mond sind
zwei weitere Mondforschungsprogramme mit unbemannten Sonden geplant,
die zusätzliche Informationen über die Mondoberfläche liefern sollen.
Das eine ist das Projekt SURVEYOR, das die weiche Landung eines unbemannten Geräts auf dem Mond vorsieht. SURVEYOR führt automatisch
Bodenuntersuchungen durch und übermittelt Fernsehaufnahmen von seiner
unmittelbaren Umgebung auf der Mondoberfläche. Das zweite ist das
Projekt LUNAR ORBITER, die Entsendung einer Photosonde, die in nur
35 km Abstand den Mond umkreist, um fortlaufend Fernsehaufnahmen von
einem breiten Streifen seiner Oberfläche zu machen.
Nach dem Abschluß der ersten APOLLO-Expedition werden die Vereinigten Staaten in der Lage sein, pro Jahr acht APOLLO-Raumschiffe
zu starten. Die Grundtypen der APOLLO-Raumschiffe sind später so zu
modifizieren, daß sie für bemannte Raumflüge mit einer Dauer bis zu
45 Tagen eingesetzt werden können.
Ein Spezialgebiet für die bemannte Raumfahrt wäre die Montage und
regelmäßige Wartung großer und komplizierter Geräte in Erdsatellitenbahnen. So könnten beispielsweise große optische und Radioteleskope in
Positionen jenseits der Erdatmosphäre eine Fülle neuer wissenschaftlicher Daten bringen. Um solche kostspieligen Systeme über große Zeiträume hinweg funktionsfähig zu erhalten, dürften wir in bezug auf ihre
Bedienung und Wartung auf Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler
angewiesen sein, die gleichzeitig als Astronauten ausgebildet sind und
sich mit Hilfe des Rendezvous-Manövers von einem Raumschiff aus zu
ihnen begeben. Die im Rahmen der Projekte GEMINI und APOLLO erarbeitete
Technik des Andockens wäre eine Voraussetzung für solche Unternehmen.
Voraussagen darüber, was in zehn Jahren sein wird, sind auf einem
Gebiet schwierig, das es vor zehn Jahren noch gar nicht gab. Aber es
ist anzunehmen, daß Änderungen und Verbesserungen der grundlegenden
Technik für die Expedition zum Mond das bemannte Raumfahrtprogramm bis
weit in die siebziger Jahre hinein beherrschen werden. Die Planung für
den Aufbau von bemannten Mondbasen scheint heute noch verfrüht.
Auf

- 13 -

�Auf dem Gebiet der Erforschung des Weltraums mit unbemannten
Geräten wird man sich in den nächsten Jahren auf den Komplex ErdeSonne konzentrieren. Hier sind vor allem interplanetare Sonden von
großem Nutzen. In seinen Gesprächen mit Bundeskanzler Erhard in Washington hob Präsident Johnson als ein mögliches Projekt der Zusammenarbeit die Entsendung von Sonden zur Sonne und zum Planeten Jupiter
besonders hervor. Sie sind erstrangige wissenschaftliche Projekte
für die nächste Zukunft.
In der Anwendung der Kernenergie als Antriebskraft für ein Raumfluggerät wurden Fortschritte erzielt. Auch an der Entwicklung von
Plasma-Antriebssystemen wird intensiv gearbeitet, besonders hier in
Deutschland. Auf den Gebieten Nachrichtentechnik, Wettervorhersage
und Kartographie sind, unter weitgehender Anwendung bereits vorhandener Systeme, vielversprechende Entwicklungen - zum Nutzen aller im Gang.
Deshalb dürften in der Erforschung des Weltraums sowohl mit unbemannten als auch mit bemannten Geräten in den nächsten zehn Jahren
nur wenige Projekte notwendig werden, die nicht unter Verwendung der
bereits verfügbaren oder noch in der Entwicklung stehenden Systeme
durchgeführt werden könnten. Wahrscheinlich werden die Fortschritte in
diesem Zeitraum in erster Linie in der Verbesserung der Bodenanlagen,
der wichtigsten Gerätekomponenten oder der Flugerprobung der heute bzw.
in Kürze verfügbaren neuen Grundausrüstungen bestehen.
Das bedeutet alles in allem, daß für die nahe Zukunft der Weltraumforschung eine entsprechende Raumflugtechnik bereits existiert
oder in Kürze vorhanden sein wird. Präsident Johnson erklärte, Amerika
sei bereit, diese fortgeschrittene technische Kapazität mit anderen zu
teilen. Amerika ist sich darüber klar, daß mancherorts behauptet wird,
die USA und die Sowjetunion wollten die Weltraumforschung allein beherrschen - daß für Länder mit weniger reichen Hilfsquellen wenig Aussicht bestehe, sich wirksam zu beteiligen. Aber die Vereinigten Staaten
sind weit davon entfernt, den Weltraum zu ihrer Domäne zu machen - dies
beweist schon allein ihre beispiellose Bereitwilligkeit, ihre Programme

- 14 -

�Programme offenzulegen und mit anderen zusammenzuarbeiten. Wir glauben
sogar, daß viele Länder eine bedeutsame Rolle übernehmen können.
Die Möglichkeiten für wissenschaftliche Forschung im Weltraum sind
unbegrenzt. Die Untersuchung der höheren Schichten der Atmosphäre mit
ihren rätselhaften elektromagnetischen Phänomenen, des ganzen Komplexes
der solaren Strahlung und der magnetischen Eigenschaften der Erde selbst
bilden nur die ersten Phasen einer umfassenden Erforschung des Weltraums. Spezielle Techniken von praktisch unbegrenzter Vielfalt werden
erforderlich sein. Die Wissenschaftler und Ingenieure jeder Nation werden in der Lage sein, mitzuarbeiten. Jedes Land wird fachliche Kompetenzen auf diesem oder jenem Gebiet entwickeln, so daß jedes auf seine
Weise führend in der Weltraumforschung sein kann - und zwar mit allen
Konsequenzen, insbesondere dem Auftrieb für Wissenschaft, Technik und
Industrie.
Ich möchte an dieser Stelle zwei internationale Weltraumprogramme
hervorheben, die für Deutschland und ein technisch hochstehendes und
vereintes Europa von großer Bedeutung sind. Ich meine die europäische
Organisation für die Entwicklung von Satellitenträgern (ELDO) und die
europäische Organisation für Weltraumforschung (ESRO). Diese Körperschaften wurden in der Überzeugung geschaffen, daß sie den europäischen
Ländern die Möglichkeit geben würden, ihre Raumfahrtprojekte in Programmen von gemeinsamem Interesse zusammenzufassen und somit ihre nationalen Hilfsquellen optimal zu nutzen.
Ziel von ELDO ist die Entwicklung europäischer Trägerraketen; die
Pläne für den Start einer dreistufigen ELDO-Rakete im Jahr 1968 sind
fertiggestellt. ESRO, deren Aufgabe die Förderung der europäischen Zusammenarbeit in der friedlichen Erforschung des Weltraums ist, wurde
nach dem Muster des so erfolgreichen europäischen Kernforschungszentrums
(CERN) aufgebaut. Im Mittelpunkt des Arbeitsprogramms dieser Institution
stehen Entwurf und Bau von Nutzlasten für Raketensonden und Erdsatelliten und der Abschuß von interplanetaren Sonden. Die enge Zusammenarbeit
zwischen ESRO und den nationalen Institutionen der europäischen Länder
wie auch der Vereinigten Staaten bedeutet einen wichtigen gemeinschaftlichen Beitrag zu echter und schöpferischer Forschung. Ich stelle mit

- 15 -

�mit Freude fest, daß ESRO I (ein Ionosphärenforschungssatellit auf polarer Umlaufbahn) und ESRO II (ein Meßsatellit für sonnenphysikalische
Forschungen und zur Untersuchung der kosmischen Strahlung) auf Grund einer Vereinbarung mit ESRO durch die NASA gestartet werden.
Wir in den Vereinigten Staaten unterstützen diese wissenschaftliche
Integration Europas im Streben nach der Eroberung des Weltraums. Es ist
dies eine bedeutsame Entwicklung - nicht nur im Hinblick auf die Zukunft
Europas, sondern auch die der gesamten freien Welt. Wir werden diese
Entwicklungen weiterhin fördern und unseren vollen Beitrag dazu leisten.
Auf diesen Punkt möchte ich gleich etwas näher eingehen.
Es wurde damit argumentiert, daß der Aufbau von Organisationen wie
ESRO Anstrengungen der einzelnen Länder überflüssig mache. Das trifft
unseres Erachtens nicht zu. Wie der im Mai 1965 von der deutschen Weltraumkommission veröffentlichte Bericht betont, können die Vorteile internationaler Zusammenarbeit im Weltraum nur von einer Nation voll genutzt werden, deren Investitionen für eigene Projekte in Weltraumforschung und Raumfahrttechnik eine entsprechende Größenordnung aufweisen.
So können sich deutsche Firmen nur dann erfolgreich um ESRO-Aufträge
bemühen, wenn in Deutschland eine entsprechend große Kapazität in bezug
auf den Entwurf und den Bau von Raumflugkörpern vorhanden ist. Diese
Kapazität kann nur entwickelt werden, wenn ein eindeutiges Engagement
mit dem Ziel der Schaffung eines eigenen Weltraumprogramms besteht.
Wenden wir uns nun dem deutschen Weltraumprogramm zu, und betrachten wir kurz seine Beziehungen zu dem der Vereinigten Staaten. Im August 1965 wurden die Verhandlungen zwischen der NASA und dem Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung über das erste gemeinsame Satellitenprojekt abgeschlossen. Demnach baut die deutsche Industrie auf
Grund vertraglicher Vereinbarungen mit dem Ministerium einen von deutschen Wissenschaftlern entworfenen Satelliten (den Satelliten 625-A),
mit dem die Spektren und Ströme energiereicher Teilchen im inneren
Strahlengürtel der Erde erforscht werden sollen. Die NASA wird den für
1968 vorgesehenen Start des Satelliten durchführen und Einrichtungen
für seine Beobachtung und den Empfang der Meßdaten zur Verfügung stellen.
Dem
- 16 -

�Dem zwischen uns geschlossenen Vertrag liegt der Gedanke zugrunde,
daß jedes Land in eigener Verantwortung seinen Anteil - auf finanziellem
und wissenschaftlichem Gebiet - übernimmt. Jedoch bestehen schon seit
längerer Zeit verschiedene gemeinsame Forschungsprojekte unter Verwendung von Raketensonden. Die Station Raisting der Deutschen Bundespost
ist bereits Teil des Bodenstellennetzes für die Nachrichtenverbindung
mit Amerika über EARLY BIRD. An vier Orten in Deutschland sind bereits
bzw. werden Stationen zum Empfang der von den NASA-Satelliten TIROS und
NIMBUS übermittelten Wolkenbilder eingerichtet. Deutschland arbeitet
außerdem in der Ionosphärenforschung mit der NASA in der Weise zusammen,
daß die Ergebnisse der Beobachtungen vom Boden aus mit Satellitenmessungen koordiniert werden.
Die vielleicht umfassendste Zusammenarbeit zwischen uns auf dem
Gebiet der Weltraumforschung liegt jedoch in den vielen persönlichen
Kontakten zwischen deutschen und amerikanischen Luft- und Raumfahrtforschern. Der größte Teil der deutschen Spezialisten auf diesen Gebieten hat bereits mehr oder weniger lange in den Vereinigten Staaten gearbeitet. Ein besonderes Beispiel hierfür ist Professor Priester von
der Universität Bonn, der abwechselnd für das Bonner Institut für Astrophysik und Extraterrestrische Forschung und das "Goddard Institute for
Space Studies" in den Vereinigten Staaten tätig ist. Eines der bisherigen Ergebnisse dieser Zusammenarbeit ist eine Reihe wertvoller, gemeinsam erarbeiteter wissenschaftlicher Berichte. Der Rektor Ihrer Universität, Professor Groth, hielt anläßlich seiner Amtsübernahme im November vergangenen Jahres eine äußerst bemerkenswerte Vorlesung über photochemische Reaktionen in der Hochatmosphäre. Untersuchungen dieser Art
wären für gemeinsame Experimente mit Raketensonden und Satelliten besonders geeignet.
Ich habe im Vorangegangenen die Geschichte, die laufenden Vorhaben
und die künftigen Ziele unseres Weltraumprogramms ausführlich behandelt.
Nun möchte ich auf Präsident Johnsons Trinkspruch für Bundeskanzler
Erhard zurückkommen. Als Möglichkeiten für eine erweiterte Zusammenarbeit
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Weltraum-

- 17 -

�Weltraumforschung hat der Präsident, wie bereits erwähnt, die Entsendung von Sonden zum Jupiter und zur Sonne vorgeschlagen. Diese Projekte
sind nicht als ausschließliche Objekte einer möglichen Zusammenarbeit
zwischen unseren Ländern zu betrachten. Sie umfassen jedoch zwei wichtige Gebiete, auf denen Europa und Amerika gemeinsame Anstrengungen
machen können, um Antworten auf Fragen von grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung zu finden.
Ein deutsch-amerikanisches und europäisch-amerikanisches Übereinkommen, diese Projekte gemeinsam in Angriff zu nehmen, würde unserer
gegenwärtigen Zusammenarbeit einen wesentlich größeren umfang geben. Es
würde eine erhebliche Ausweitung der Weltraumprogramme in Deutschland
und in anderen daran beteiligten europäischen Staaten erforderlich machen. Um Verhandlungen mit Deutschland und Vertretern anderer interessierter Regierungen in Europa über eine verstärkte Zusammenarbeit in
die Wege zu leiten, werde, wie der Präsident bekanntgab, in Kürze eine
Delegation unter der Leitung des Direktors der NASA, James Webb, nach
Europa entsandt.
Über die organisatorische Grundlage einer internationalen Zusammenarbeit im Weltraum haben wir noch keine festen Vorstellungen.
Das einzigartige Ziel, die riesigen damit verbundenen Kosten und
die Notwendigkeit enger Zusammenarbeit vieler wissenschaftlicher Disziplinen verlangen von uns jedoch, lebensfähige und angemessene Mechanismen für die praktische internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Die
Größenordnung der Aufgabe fordert eher eine umfassende Organisation denn
kleine, unabhängige Programme.
Auf Grund der bisherigen Erfahrungen bei der Durchführung von Raumfahrtprogrammen sind an die Organisationsnormen höchste Ansprüche zu
stellen, damit Verluste, Verzögerungen und unzureichende Koordinierung
vermieden werden. Mit dem Begriff "Systems Management1* wurde ein neuer
Terminus eingeführt, der die wichtigsten Aufgabenkomplexe umreißt, die
für eine optimale Kontrolle unserer umfangreichen Raumfahrtprogramme erforderlich sind. Das Hauptproblem, das mit den bestehenden Organisationen
schwer zu lösen ist, liegt darin, die Qualitätskontrolle bei großen Systemen auf der Basis extrem kleiner Toleranzen durchzuführen.

- 18 -

In

�In unseren Bemühungen, die internationale Zusammenarbeit in der
Raumfahrt zu fördern, kommt den westeuropäischen Ländern, und der
Bundesrepublik im besonderen, größte Bedeutung zu. Diese Länder mit
einer überaus hochentwickelten Technik und Industrie vermögen, wie
sie bereits überzeugend demonstriert haben, die Verantwortung für die
Durchführung wichtiger Raumfahrtprojekte zu übernehmen. Umgekehrt profitiert ihre Industrie in hohem Maße von den engen politischen Bindungen, die zwischen Amerika und Europa bestehen. Eine erweiterte Zusammenarbeit im Weltraum würde die Idee der atlantischen Partnerschaft
stärken - im Rahmen der atlantischen Gemeinschaft.
Nach dem erfolgreichen Abschluß des Testflugs GEMINI 5 im August
vergangenen Jahres forderte Präsident Johnson die Welt zur Mitarbeit
auf. Dies gilt heute, nach den Flügen von GEMINI 6 und 7, in noch stärkerem Maße. Er sagte damals: "Die Fähigkeit unseres Landes, in der Raumfahrt zu führen, wird heute nirgends mehr in Frage gestellt. Freimütig
und stolz verfolgen wir unseren Weg, stets bereit, unser Wissen und
unsere Errungenschaften mit der ganzen Menschheit zu teilen. Und somit
möchte ich die an alle Staaten gerichtete Einladung Amerikas erneuern,
um diese Pioniertat eine Pioniertat aller werden zu lassen." In seinem
Trinkspruch auf Bundeskanzler Erhard richtete er diese Einladung noch
einmal unmittelbar an Deutschland und Europa.
Amerika hofft, daß sich die Bundesrepublik nun, da sie Präsident
Johnsons Einladung angenommen hat, mit Energie einem neuen Programm der
Zusammenarbeit im Weltraum mit uns und anderen Staaten widmen wird. In
welchem Ausmaß sich Deutschland und Europa auf den neuen Gebieten von
Wissenschaft und Technik, die

dlt*We ltraumforschung

heute verkörpert,

engagieren wollen, müssen sie selbst entscheiden. Aber es ist eine Entscheidung von eminenter Bedeutung - nicht nur für sie, sondern für die
technische Zukunft und die Stärke der freien Welt.

+ ++++

- 19 -

�AMERIKA DIENST
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Tal:

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Beilage

3 0 0

0 8 - 8 5 4 3 2

XIX - 4

DER AMERIKANISCHE STAATSHAUSHALT 1966/67

Zusammenfassung und Auszüge
der Haushaltsbotschaft, die Präsident Johnson
dem amerikanischen Kongreß am 24. Januar 1966 vorgelegt hat

�PRÄSIDENT JOHNSON LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wesentlichen Punkte der
Haushaltsbotschaft mit Auszügen

WASHINGTON - Präsident Lyndon B. Johnson hat am 24. Januar 1966
dem amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das am 1.
Juli beginnende Finanzjahr 1966/67 vorgelegt, der mit Einnahmen von
111 Milliarden Dollar und Ausgaben von 112,8 Milliarden Dollar ein
Defizit im ordentlichen Regierungshaushalt von 1,8 Milliarden Dollar
ausweist. Der Gesamtzahlungsplan der Regierung, der die treuhänderisch
verwalteten Fonds einschließt, weist dagegen Einnahmen von 145,5 Milliarden Dollar und Ausgaben von 145 Milliarden Dollar aus, so daß sich
ein Überschuß von 500 Millionen Dollar ergibt.
Das neue Budget 1967 steht im Zeichen der anhaltenden wirtschaftlichen Expansion der Vereinigten Staaten und spiegelt einmal die steigenden Verteidigungsanforderungen der USA sowie die Entschlossenheit
des Präsidenten wider, seine Konzeption der "Großen Gesellschaft" weiter voranzutreiben. Während die Anforderungen auf militärischem Gebiet,
vor allem für den Kampf gegen die kommunistische Aggression in Südvietnam, als dringend notwendige Vorsorge angesehen werden, sind die erhöhten Voranschläge auf sozialpolitischem Gebiet der Ausdruck der Entschlossenheit des Präsidenten, diese Aufgaben auf keinen Fall hintanzustellen.
Der Präsident stellt in seiner Haushaltsbotschaft an den Kongreß
der Vereinigten Staaten zu Beginn fest:
'•Mit

�"Mit dieser Botschaft übermittle ich Ihnen heute das Budget der
Vereinigten Staaten von Amerika für das Haushaltsjahr 1967.
Ein Budget ist nicht einfach eine Kontenaufstellung. Es ist vielmehr ein Aktionsprogramm.
Das Programm der Bundesregierung, das dieses Budget empfiehlt,
gründet sich auf folgenden fundamentalen Prämissen:
- In internationalen Angelegenheiten sind wir entschlossen, mit
allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln Frieden zu suchen;
- aber wir sind voll und ganz bereit, die Kosten für die Zurückweisung der Aggression zu tragen.
- Auf innenpolitischem Gebiet sind wir entschlossen, voll Vertrauen
den Aufbau der Großen Gesellschaft voranzutreiben;
- aber wir werden dies methodisch und verantwortungsbewußt und in
einem Tempo tun, das den Anforderungen aufgrund unserer Verpflichtungen
in Südostasien an die Hilfsquellen der Nation entspricht.
Das Budget 1967 trägt den Stempel der unruhigen Welt, in der wir
leben.
Es erstellt die Mittel, die wir nach unserer jetzigen Voraussicht
zur Erfüllung unserer Verpflichtungen in Südostasien benötigen. Wenn
unsere Bemühungen um die Sicherstellung eines ehrenhaften Friedens
Früchte tragen, brauchen wir diese Mittel nicht auszugeben. Es wäre
jedoch eine Torheit, ein Budget vorzulegen, das hinsichtlich der Dekkung der militärischen und wirtschaftlichen Kosten für die Aufrechterhaltung unserer Streitkräfte in Vietnam unzureichend wäre. Und diese
Kosten sind beträchtlich.
In diesem Rahmen habe ich versucht, ein ausgeglichenes Programm
auszuarbeiten.
- Wir sind eine reiche Nation und können es uns leisten, im eigenen Lande Fortschritte zu machen und gleichzeitig unsere Verpflichtungen draußen zu erfüllen - ja wir können uns gar keinen anderen Kurs
erlauben, wenn wir stark bleiben wollen. Aus diesem Grunde brauche ich
den Fortschritt in den Programmen der neuen und lebenswichtigen Großen

- 2-

�Großen Gesellschaft nicht zu bremsen, um so die Kosten unserer Anstrengungen in Südostasien zu decken.
- Aber selbst eine wohlhabende Nation kann nicht all ihre
Wünsche auf einmal erfüllen. Aus diesem Grunde ist die Rate des
Fortschritts in den neuen Programmen etwas kleiner gehalten worden,
als dies vielleicht in weniger unruhigen Zeiten vorgeschlagen worden wäre; viele ältere und weniger dringliche Aufgaben sind reduziert
oder zurückgestellt und bei allen Aspekten der Regierungsarbeit ist
auf Sparsamkeit geachtet worden.
- Gleichzeitig möchte ich sicherstellen, daß die notwendige Erhöhung der Regierungsausgaben so finanziert wird, daß die wirtschaftliche Stabilität erhalten bleibt.
Aus diesem Grunde schlage ich verschiedene steuerliche Maßnahmen
vor, um die Regierungseinnahmen zu erhöhen. Mit diesem ausgeglichenen
Programm können wir:
- unseren internationalen Verpflichtungen mit Festigkeit nachkommen;
- die weitere Prosperität und wirtschaftliche Stabilität im eigenen Lande aufrechterhalten;
- die Produktivität, das Einkommen und den Lebensstandard unserer
ärmeren Mitbürger steigern;
- all unseren Bürgern ein erfüllteres Leben sichern;
- unsere nationalen Hilfsquellen für die kommenden Generationen
schützen und erhalten.
Und wir können diese Ziele erreichen, ohne unsere wirtschaftlichen Hilfsquellen in ungerechtfertigter Weise zu überfordern oder
unsere stetige wirtschaftliche Expansion in Frage zu stellen.'•
Eine Gegenüberstellung des Gesamtzahlungsplanes mit dem der beiden letzten Jahre ergibt folgendes Bild:

Finanzjahr

- 3

�Finanzjahr
1966
1967
(Voranschlag)
in Milliarden Dollar
1965

Haushaltseinnahmen

93,1

100,0

111,0

Einnahmen aus Treuhandfonds

31,0

33,5

41,6

Abzüglich interne Transaktionen

-4,4

-5,3

-7,1

119,7

128,2

145,5

96.5

106,4

112,8

Gesamteinnahmen
Haushaltsausgaben
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)
Ausgaben aus Treuhandfonds
Abzüglich interne Transaktionen
Gesamtausgaben
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)
Defizit/Überschuß im Gesamtzahlungsplan

(96,4) (101,7) (102,3)
29.6
33,8
37,9
-3,7
-5,2
-5,7
122,4

135,0

145,0

(122,3) (130,3) (134,5)
-2,7

-6,8

40,5

Der Präsident unterstreicht in seiner Botschaft nachdrücklich die
von den Vereinigten Staaten feierlich eingegangene Verpflichtung, bei
der Verteidigung Süd-Vietnams gegen die Aggression zu helfen. "Und wir
sind entschlossen", so erklärt er wörtlich, "diese Verpflichtung einzuhalten." In gleicher Weise, so betont der Präsident, bestehe aber auch
die Verpflichtung, allen Amerikanern bessere wirtschaftliche, soziale
und kulturelle Möglichkeiten zu geben, "und wir sind genauso entschlossen,
auch diese Verpflichtung einzuhalten". Diese beiden Verpflichtungen, so
hebt der Präsident hervor, erforderten große Kosten, "aber diese Kosten
können und werden wir auf uns nehmen".
Wörtlich fährt der Präsident fort: "Die von uns angestrebten Ziele
können nicht eines ohne das andere verwirklicht werden. Wir können nicht
für Frieden und Freiheit in Vietnam kämpfen, während wir im eigenen Lande
die Menschenwürde und die Chancen für den einzelnen opfern. Denn es würde
ein Scheinsieg sein, wenn unsere Bemühungen um den Weltfrieden auf Kosten

�Kosten des Fortschritts im eigenen Lande erfolgten. Wir müssen uns
ferner darüber im klaren sein, daß eine echte Große Gesellschaft auch
über ihre eigenen Grenzen hinausblickt. Freiheit, Gesundheit und Wohlergehen der gesamten Menschheit sind ihr ein echtes Anliegen. Der Kampf
in Vietnam muß unterstützt werden. Der Fortschritt in Richtung auf eine
Große Gesellschaft im eigenen Lande muß unverändert bestehenbleiben.
Dieser Haushalt weist die Mittel zur Erreichung beider Ziele aus. Ich
ersuche den Kongreß und alle Amerikaner, die in ihm aufgestellten Prinzipien und Programme zu unterstützen.H

Wirtschaftliches Wachstum
Die beispiellose ununterbrochene Wirtschaftsexpansion der vergangenen fünf Jahre, so betont Johnson, habe eindeutig gezeigt, wie sehr
ausgewogene fiskalische Maßnahmen zur Prosperität des Landes beitragen
können. Durch eine kluge Steuer- und Ausgabenpolitik sei es gelungen,
für den bisher längsten Zeitraum seit Ende des letzten Krieges ein stetiges Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Bei Fortsetzung dieser Politik werde die Wirtschaftsexpansion auch im laufenden Kalenderjahr und
darüber hinaus fortdauern. Das Bruttosozialprodukt werde bei einem voraussichtlichen Zuwachs von 46 Milliarden Dollar bis Ende 1966 auf 722
Milliarden Dollar - plus/minus 5 Milliarden Dollar - ansteigen.
Der Präsident weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß das
Bruttosozialprodukt der USA im vergangenen Kalenderjahr um 5,5 Prozent
zugenommen hat, daß 1965 fast 2,5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze
geschaffen wurden, daß das Verbrauchereinkommen und die Gewinne der
Wirtschaft neue Höchststände erreichten und daß die Arbeitslosenquote
Ende 1965 mit 4,1 Prozent ihren niedrigsten Stand seit über acht Jahren
aufwies.
Eine expandierende Wirtschaft, so führt Johnson aus, bedeute aberauch höhere Einnahmen für den Staat sowie größere wirtschaftliche Hilfsquellen zur Erfüllung der militärischen und der internationalen Verpflichtungen der USA sowie für den Fortschritt in Richtung auf die Große Gesellschaft. Trotzdem müsse die Regierung die einzelnen Programme sorgfältig

- 5-

�sorgfältig gegeneinander abwägen und ihre wirksame Durchführung sicherstellen. Der Preis für den sozialen Fortschritt oder für die Verteidigung der Freiheit dürfe nicht eine Geldentwertung sein. Die Steuer- und
Währungspolitik der Regierung müsse darüber hinaus darauf abgestellt
sein, das Zahlungsbilanzdefizit weiter einzuengen, das im vergangenen
Jahr auf über die Hälfte des Standes von 1964 reduziert werden konnte.
Dies sei durch das freiwillige Programm der Wirtschaft wie auch durch
Maßnahmen der Regierung zur Einschränkung der Auslandsausgaben, wo
immer möglich, erreicht worden. Doch müßten alle diese Anstrengungen
weiter fortgesetzt werden.
Fiskalische Maßnahmen
Johnson unterstreicht in seiner Botschaft, daß sich die Ausgabenerhöhungen im neuen Haushalt - abgesehen von den zusätzlichen Aufwendungen für Vietnam - lediglich auf 0,6 Milliarden Dollar stellen. So
seien die erhöhten Aufwendungen für die Programme der Großen Gesellschaft durch Kürzungen bei anderen, weniger dringlichen Programmen sowie anderweitige Einsparungen nahezu aufgefangen worden. Die aufgrund
der Wirtschaftsexpansion zu erwartenden höheren Steuereinnahmen reichten
jedoch angesichts der Entwicklungen in Vietnam nicht zur Deckung aller
Ausgaben aus. Er habe daher vorgeschlagen, die Einbehaltungsrate bei der
Einkommensteuer der voraussichtlichen Steuerschuld anzupassen, die Abführung der Körperschaftssteuer zu beschleunigen sowie die mit dem 1.
Januar in Kraft getretenen Verbrauchssteuersenkungen bei Kraftfahrzeugen
und im Telefonverkehr vorübergehend rückgängig zu machen. Auf diese Weise
könne mit Gesamteinnahmen von 111 Milliarden Dollar gerechnet werden, so
daß das Defizit im ordentlichen Regierungshaushalt lediglich 1,8 Milliarden Dollar betragen werde. Dies sei - trotz der erhöhten Kosten in Südostasien - ein wesentlich niedrigeres Defizit, als für das laufende Haushaltsjahr zu erwarten stehe, und das niedrigste seit sieben Jahren überhaupt. Unter Zugrundelegung des Gesamtzahlungsplans ergebe sich sogar
ein Überschuß von 500 Millionen Dollar. Allerdings, so fügt der Präsident einschränkend hinzu, könne niemand den Lauf der Entwicklungen in
Südostasien genau voraussagen, und dies bedeute, daß die tatsächlichen

- 6-

�tatsächlichen Ausgaben sowohl über wie auch unter den derzeitigen Anforderungen liegen könnten. Doch trage der neue Haushalt den Unsicherheitsfaktoren durch entsprechende Flexibilität, die eine Anpassung an
die sich ändernden Bedingungen ermöglichen solle, weitgehend Rechnung.
Sollten die Bemühungen um einen Frieden in Vietnam Erfolg haben, so
könnten die freiwerdenden Mittel zur Lösung inneramerikanischer Aufgaben verwandt werden. Auf der anderen Seite werde er jedoch nicht
zögern,falls die Entwicklungen in Südostasien dies erforderten, zusätzliche Mittel anzufordern.

Ausgabeermächtigungen
An Ausgabeermäciitigungen für den Ordentlichen Regierungshaushalt
- um die einzelnen Programme durchführen zu können - fordert der Präsident insgesamt 121,9 Milliarden Dollar. Hierbei handelt es sich um
106,3 Milliarden Dollar an neuen Ausgabeermächtigungen und 15,6 Milliarden Dollar an ständigen Ausgabeermächtigungen, die vom Kongreß nicht
erneut bewilligt werden müssen. Der größte dieser Posten ist der Zinsendienst für die Staatsschuld.
Die Ausgabeermächtigungen für den Ordentlichen Regierungshaushalt bleiben um 4,1 Milliarden Dollar hinter den Voranschlägen für das
laufende Haushaltsjahr zurück. Ein großer Teil dieses Rückgangs entfällt auf das Verteidigungsministerium und die von diesem verwaltete
Militärhilfe. Diese Entwicklung ist auf die dem Kongreß im Finanzjahr
1966 vorgelegten zusätzlichen Bewilligungsanträge zur Finanzierung
der besonderen Aufwendungen in Südostasien zurückzuführen.
Die Ausgabeermächtigungen im Rahmen der Treuhandfonds werden mit
42,6 Milliarden Dollar - plus 7,5 Milliarden Dollar - ausgewiesen.

Die

- 7-

�Die Gesamtausgaben der Regierung schlüsseln sich wie folgt auf:
Finanzjahr
1966
1967
(Voranschlag)
in Milliarden Dollar

1965

Haushaltsausgaben:
Nationale Verteidigung
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)
Internationale Angelegenheiten
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)
Weltraumforschung und Technik

50,2
(50,1)
4.3

( 4,3)

56,6

60,5

(51,9) (50,2)
3,9

4,2

( 3,9) ( 4,0)

5,1

5,6

5,3

Landwirtschaft

4,9

4,3

3,4

Nationale Hilfsquellen

2,8

2,9

Handel und Transportwesen

3,5

3,2

3,1
2,7

Wohnungsbau und Städteentwicklung

-0,1

-0,1

Gesundheits- und Sozialprogramme

5,9

8,4

-0,1
10,0

Erziehungswesen

1,5

2,3

2,8

Kriegsteilnehmerversorgung

5,5

5,1

5,7

11,4

12,1

12,9

2,4

2,5
0,1

2,6
0,4

-0,9

-0,5

-0,7

96,5

106,4

112,8

Zinsendienst
Allgemeine Regierungsausgaben
Sonstiges
Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Gesamtsumme Haushaltsausgaben
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)

- «•

(96,4) (101,7)(102,3)

Treuhandfonds:

23,2

26,6

31,1

Handel und Transportwesen

3,9

3,8

3,9

Wohnungsbau und Städteentwicklung

2,0

1,2

Nationale Verteidigung

1,1
0,8

0,9

0,9

Kriegsteilnehmerversorgung

0,6

0,6

0,7

Sonstiges

0,6

0,7

0,9

Gesamtsumme Treuhandfonds

-0,6
29,6

-0.8
33,8

-0.8
37,9

Abzüglich interne Transaktionen

-3,7

-5.2

-5,7

122,4

135,0

145,0

Gesundheits- und Sozialprogramme

Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung

Gesamtsumme der Ausgaben
(ohne zusätzliche Aufwendungen für
Vietnam)
- 8 -

(122,3) (130,3)(134,5)

�Regierungsprograrame und Ausgaben
"Die in diesem Haushalt vorgeschlagenen Programme", so heißt es
in der Botschaft, "sind darauf abgestellt, den nationalen Interessen,
soweit dies im derzeitigen Augenblick im Rahmen der Gesamtausgaben
möglich ist, weitestgehend gerecht zu werden.
Die an uns gestellten militärischen Anforderungen sind groß. Aber
sie haben uns nicht zu einer kurzsichtigen Politik bewegen können, den
Krieg gegen Armut, Unwissenheit und Krankheit aufzugeben. Wir werden
in Richtung auf unser Ziel - eine Große Gesellschaft - weiter voranschreiten. Der gegenwärtige Haushalt sieht eine beträchtliche Auswei'ng der Programme zur Lösung unserer inneramerikanischen Probleme vor.
Um das Geld des Steuerzahlers besser anzulegen, sind der gesamten
Regierungsarbeit, was Notwendigkeit und Dringlichkeit anbetrifft, bestimmte Normen zugrunde gelegt worden. Einige Programme sind überarbeitet worden, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen, einige sind eingeschränkt
und andere sind gestrichen worden. Die Einsparungen aufgrund dieser
Maßnahmen ermöglichen uns erhöhte Ausgaben bei Programmen von größerer
Dringlichkeit.
In den drei Jahren - vom Finanzjahr 1964 bis zum Finanzjahr 1967 wird sich die Struktur unseres Bundeshaushaltes wesentlich wandeln.
Ohne die zusätzlichen Aufwendungen in Vietnam werden die Haushaltsausgaben für die normalen Regierungsprogramme um 4,6 Milliarden Dollar das ist ein Zuwachs von nur 1,5 Prozent pro Jahr - ansteigen. Innerhalb des Gesamtrahmens verläuft die Tendenz bei den verschiedenen Programmen sehr unterschiedlich. Von 1964 bis 1967 werden sich die Gesamtausgaben bei den wichtigen Programmen zur Verwirklichung des Zieles
einer Großen Gesellschaft
- auf dem Gebiet des Gesundheitswesens,
- auf dem Gebiet des Erziehungswesens,
- für den Krieg gegen die Armut,
- für die Ausbildung von Fachkräften,
- für den Wohnungsbau und die Städteplanung
um 6,2 Milliarden Dollar erhöhen. Die nicht vermeidbaren Kosten für den

�den Zinsendienst werden um 2,1 Milliarden Dollar ansteigen. Aber die
Ausgaben bei allen übrigen Programmen werden um 3,7 Milliarden Dollar
zurückgehen."
Nationale Verteidigung
Für die Ausgaben des Verteidigungsministeriums werden im neuen
Haushalt 57,2 Milliarden Dollar eingesetzt. Das sind 4,2 Milliarden
Dollar mehr, als gegenwärtig für das laufende Haushaltsjahr veranschlagt werden. Hierin sind nicht enthalten die Ausgaben anderer Regierungsstellen auf diesem Gebiet. An neuen Ausgabeermächtigungen zur Durchführung der erforderlichen Programme - fordert der Präsident
insgesamt 58,9 Milliarden Dollar an,gegenüber 48,6 Milliarden Dollar
im Finanzjahr 1966. Allerdings hatte die US-Regierung während des
laufenden Haushaltsjahres um mehr als 5 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln nachgesucht, um den verstärkten Einsatz amerikanischer
Streitkräfte zur Abwehr der Aggression in Vietnam finanzieren zu können. Im neuen Haushaltsjahr sollen die US-Streitkräfte um über 105 700
Mann verstärkt werden, wodurch sich die Gesamtstärke auf 3 093 109
Mann erhöhen wird.
"Aggressive Kräfte stellen gegenwärtig unseren Willen und unsere
feierliche Zusage, einem tapferen, angegriffenen Verbündeten zu helfen,
auf die Probe", so heißt es in der Botschaft Johnsons wörtlich. "Die
USA werden sich weiterhin um eine gerechte Lösung in Vietnam bemühen.
Gleichzeitig müssen wir die für unser Fortbestehen erforderlichen Mittel
und Kräfte bereitstellen, bis dieses Ziel erreicht ist. Der Haushalt für
1967 entspricht diesen Erfordernissen, so wie wir sie jetzt sehen.
Die Kosten werden groß sein. Die Verteidigungsausgaben, die notwendig sind, damit wir den besonderen Anforderungen in Südostasien gerecht
werden können, werden sich auf 4,6 Milliarden Dollar für 1966 und auf
10,3 Milliarden Dollar für 1967 bei aufen. Sollte es früher zu einer
Lösung kommen, dann werden viele dieser Ausgaben nicht nötig sein. Die
Vorsicht erfordert jedoch, daß wir sie bereits jetzt in unseren Haushalt einplanen.
Wir

- 10 -

�Wir müssen ferner Verteidigungsstreitkräfte aufrechterhalten, die
eventuellen Aufgaben in anderen Teilen der Welt gerecht werden. Die in
diesem Haushalt empfohlenen Mittel gewährleisten die Aufrechterhaltung
und Verbesserung des breiten Rahmens der Streitkräfte, die wir für die
Erfüllung all unserer Verteidigungserfordernisse benötigen...'•
Im einzelnen teilen sich die neuen Ausgabeerraächtigungen, um die
Präsident Johnson nachsucht, wie folgt auf:
18,7 Milliarden Dollar für Personalkosten;
15,7 Milliarden Dollar für Betriebskosten;
16,4 Milliarden Dollar für Beschaffungsprogramme;
6,9 Milliarden Dollar für Forschung, Entwicklung und Erprobung;
0,6 Milliarden Dollar für den Bau militärischer Anlagen;
0,5 Milliarden Dollar für Wohnbauprogramme für Soldatenfamilien;
0,1 Milliarden Dollar für Aufgaben der Zivilverteidigung.
Aus der Haushaltsbotschaft geht weiter hervor, daß die US-Armee,
die US-Marine und die US-Luftstreitkräfte im neuen Finanzjahr Aufträge
für den Bau von 1673 Hubschraubern und 1078 Flugzeugen vergeben werden.
Zu diesen Flugzeugen gehören besonders konstruierte Maschinen für die
Partisanenbekämpfung, Riesendüsentransporter vom Typ G-141, Düsenjagdbomber des Typs FB-111, der neue gigantische Düsentransporter C-5A sowie Schlachtflugzeuge. Die FB-111 soll an die Stelle der B-52-Düsenbomber sowie anderer veralteter Flugzeugtypen treten.
Ferner sollen im neuen Haushaltsjahr insgesamt 51 Kriegsschiffe
neu gebaut oder umgebaut werden. Hierunter befinden sich ein neuer mit
Atomkraft angetriebener Flugzeugträger, zwei Lenkwaffenzerstörer, fünf
Atom-Jagdunterseeboote und zehn Begleitzerstörer.
Das neue Budget sieht ferner den Bau weiterer Minuteman-II-Interkontinentalraketen vor, bis der Bestand von insgeamt

1000 dieser Ge-

schosse erreicht ist, wobei an 20 Einheiten zu je 50 Raketen gedacht
ist. Dieser Typ soll schließlich durch die neue Minuteman-III-Interkontinentalrakete mit verbesserter Armierung ersetzt werden. Der Bau
von Polaris-U-Booten soll ebenfalls fortgesetzt werden, bis die USA

- 11 -

�USA über insgesamt 41 dieser Boote verfügen, die mit jeweils 16 PolarisRaketen ausgerüstet sind. Gleichzeitig werden die Forschungsarbeiten für
die Poseidon-Interkontinentalrakete fortgesetzt, die einmal die PolarisA-3 ersetzen soll. Ferner wollen die USA eine neue Boden-Luft-Rakete zur
Flugzeug- und Raketenabwehr entwickeln sowie die Forschung zur Entwicklung der Nike-X-Raketenabwehrrakete und einer Luft-Boden-Rakete fortsetzen, mit der die neue FB-111 ausgerüstet werden soll. Für die USArmee soll die Lance-Rakete mit einer Reichweite von 70 Kilometern entwickelt werden, die als Ersatz für die Typen Honest John und Little John
gedacht ist.
Präsident Johnson verweist in dem Abschnitt über die nationale Verteidigung wiederholt auf die Hilfe der USA für Süd-Vietnam. "Unsere
nationalen Verteidigungsbemühungen", so heißt es in der Botschaft wörtlich, "werden in diesem und im kommenden Jahr schwerwiegend von zwei
wesentlichen Zielen beeinflußt. Das erste Ziel ist die Bereitstellung
der Streitkräfte und Ausrüstungen, die benötigt werden, um Süd-Vietnam
bei der Wahrung seiner Unabhängigkeit zu unterstützen. Das zweite Ziel
ist die Aufrechterhaltung und Verbesserung unserer ausgewogenen strategischen und konventionellen Streitkräfte. Diese Streitkräfte, die jeder
Form einer Bedrohung unserer lebenswichtigen Interessen begegnen sollen,
sind mit einem großen Kostenaufwand aufgebaut worden. Solange die Spannungen des Kalten Krieges andauern, werden weiterhin große Summen nötig
sein, um die Überlegenheit unserer Streitkräfte gegenüber den Streitkräften eines jeden potentiellen Aggressors zu wahren. Keines dieser
beiden Ziele darf außer acht gelassen werden. Der Haushalt 1967 sowie
die für das gegenwärtige Finanzjahr angeforderten zusätzlichen Mittel
werden beiden Zielen gerecht...
Die erhöhten Ausgaben für 1966 und 1967 spiegeln in erster Linie
den verstärkten Konflikt in Vietnam wider, der zu der Entsendung weiterer US-Streitkräfte sowie zu einem verstärkten Einsatz und Verbrauch
von Kampfausrüstungen, Nachschubgütern und Munition geführt hat. Gewisse andere Faktoren, wie die wesentliche Erhöhung der Bezüge unserer
Soldaten, ...tragen ebenfalls zu einem Teil dieser Auigabenerhöhungen
bei.
Das

- 12 -

�Das Budget für das Finanzjahr 1967 setzt uns ferner in den Stand,
jenen finanziellen Erfordernissen in Vietnam zu entsprechen, die wir
zum gegenwärtigen Zeitpunkt voraussehen können, und zwar, ohne daß dadurch unsere für andere Aufgaben eingesetzten Streitkräfte geschwächt
werden...
1967 werden wir erstens die Wirksamkeit und die Überlebensfähigkeit unserer strategischen Streitkräfte verbessern, zweitens unsere
konventionellen Streitkräfte durch die Verbesserung ihrer Feuerkraft,
ihrer Beweglichkeit und ihres Durchhaltevermögens stärken und drittens
mit allem Nachdruck die Forschungs- und Entwicklungsprogramme vorantreiben, die zur Bereitstellung der Waffen und zur Gewährleistung der
Verteidigung in der Zukunft erforderlich sind..."
Johnson weist in seiner Botschaft weiter darauf hin, daß die
Militärhilfe der USA in erster Linie jenen Ländern zugute kommen soll,
die in der Nachbarschaft des kommunistischen China und der Sowjetunion
liegen. Von Süd-Vietnam abgesehen, sollen im Haushaltsjahr 1967 rund
drei Viertel der gesamten Militärhilfe der USA solchen Ländern zufließen.
In dem Abschnitt über die Militärhilfe heißt es wörtlich: "Die
Sicherheit der freien Welt kann nicht von einer Nation allein gehütet
werden. Der Verlust der Freiheit irgendwo auf der Welt ist eine Angelegenheit von lebenswichtiger Bedeutung für alle freien Völker. Die
Vereinigten Staaten gewähren deshalb jenen freien Nationen Unterstützung, die nicht selbst in der

Lage sind, angemessene militärische

Streitkräfte zu unterhalten. Diese Hilfe zeitigt gegenseitige Vorteile:
sie verbessert die Fähigkeit der Empfängerländer, mit einer Subversion
und Aggression fertig zu werden, und reduziert die Anforderungen an
unsere Streitkräfte.
Unsere Hilfe ist in erster Linie für jene verwundbaren Länder gedacht, die nahe dem kommunistischen China und der Sowjetunion liegen.
Süd-Vietnam ausgenommen, werden 1967 etwa drei Viertel des gesamten
militärischen Hilfeprogramms jenen Ländern zugute kommen. Mit unserer
Unterstützung werden sie in der Lage sein, etwa drei Millionen Mann
unter Waffen zu halten..."

Inter-

- 13 -

�Internationale Aufgaben
In seiner Botschaft fordert der Präsident 3,386 Milliarden Dollar
für die wirtschaftliche und militärische Auslandshilfe, wobei zum erstenmal in diesem Budget die Militärhilfe für Süd-Vietnam nicht unter
den Tätigkeiten des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung (AID) aufgeführt wird. Die Vietnam-Militärhilfe ist dem amerikanischen Verteidigungsministerium übertragen worden.
Ferner sind in der Auslandshilfe verschiedene Aufgaben anderer
amerikanischer Regierungsstellen im Ausland nicht eingeschlossen.
Die AID soll für das kommende Haushaltsjahr 2,469 Milliarden Dollar
für die Wirtschaftshilfe und 917 Millionen Dollar für die Militärhilfe
erhalten.
'•So wie wir der direkten militärischen Bedrohung der Freiheit und
Sicherheit begegnen", so schreibt der Präsident in seiner Haushaltsbotschaft, "so müssen wir auch weiterhin an eine friedliche Welt denken,
in der:
- die Freiheit gedeihen kannj
- Hunger und Krankheit nicht mehr länger zu den Gegebenheiten des
Lebens gehören;
- jedem Ausbildungsmöglichkeiten offenstehen; und
- alle Völker und Nationen blühen und gedeihen können.
Die Sicherheit auf lange Sicht und das dem amerikanischen Volke
angeborene Mitgefühl für andere fordern eine Politik, die uns der Verwirklichung einer solchen Welt näher bringt.
Der Kongreß und die Öffentlichkeit fordern zu Recht, daß unsere
Hilfeprogramme so wirksam gestaltet sind, daß sie ihren Zweck erfüllen.
Während der letzten Monate habe ich diese Programme sorgfältig überprüft, und ich schlage aufgrund meiner Feststellungen folgende Schritte
vor:
Erstens werde ich dem Kongreß eine Sonderbotschaft übermitteln,
in der große Initiativen auf dem Gebiet des internationalen Gesundheitsund Erziehungswesens vorgeschlagen werden...
Zweitens

- 14 -

�Zweitens schlage ich vor, unsere Lebensmittel- und Landwirtschaftshilfe für die hungernden Völker in den Entwicklungsländern auszuweiten
und neu zu orientieren. Wir werden unsere Hilfe darauf abstellen, daß
die Empfängerländer ihre eigene landwirtschaftliche Erzeugung steigern
und so mit der Zeit immer unabhängiger von der amerikanischen Lebensmittel-Hilfe werden. Dabei wird die zunehmende Wirtschaftshilfe für die
landwirtschaftliche Entwicklung eng auf ein neues Lebensmittel-für-denFrieden-Programm abgestimmt werden...
Drittens werden wir unsere Anstrengungen, Empfängerländer zu nachhaltigen Maßnahmen der Selbsthilfe zu ermutigen, verstärken. Unsere
Wirtschaftshilfe wird den Ländern zukommen, die entschlossene Schritte
tun, um sich selbst zu helfen.
Viertens werden wir unsere wirtschaftliche Unterstützung noch mehr
auf Schwerpunkte konzentrieren. Im Haushaltsjahr 1967 werden sich die
Ausgaben des US-Amtes für Internationale Entwicklung (AID) außerhalb
Süd-Vietnams zu fast zwei Dritteln auf neun Entwicklungsländer erstrekken (Indien, Pakistan, die Türkei, die Republik Korea, Brasilien, Chile,
Kolumbien, Nigerien und Tunesien).
Fünftens schlage ich vor - um unsere Programme noch wirksamer zu
gestalten -, die Mittel für einen Zeitraum von fünf Jahren zu bewilligen.
Meine Empfehlungen werden in näheren Einzelheiten in weiteren Botschaften dargelegt werden..."
Im Rahmen der Wirtschaftshilfe sind 665 Millionen Dollar für Entwicklungskredite, 231 Millionen Dollar für das Programm der technischen
Zusammenarbeit, 543 Millionen Dollar für die Allianz für den Fortschritt,
747 Millionen Dol lar für Wirtschaftshilfe zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft und 282 Millionen Dollar für Not- und Sonderfälle vorgesehen.

Weltraumprogramm
Der von Präsident Johnson in seiner Haushaltsbotschaft für die
amerikanische Weltraumbehörde (NASA) angeforderte Betrag beläuft sich

- 15 -

�sich für das am 1. Juli beginnende neue Haushaltsjahr auf 5,012 Milliarden Dollar und liegt damit geringfügig

unter den 5,183 Milliarden

Dollar des auslaufenden Jahres.
Wie der Präsident betont, wird diese reduzierte Summe ausreichen,
um die im Rahmen des Apollo-Raumflugprogramms für Ende 1969 vorgesehene
Landung einer bemannten Raumflugkapsel auf dem Mond durchführen zu können.
Über zwei Drittel der vom Präsidenten angeforderten Summe werden
für bemannte Raumflüge aufgewandt werden. Drei Testflüge einer ApolloRaumflugkapsel, in der später drei amerikanische Astronauten zum Mond
fliegen werden, sollen im Verlauf des Jahres 1966 stattfinden.
Außerdem sind fünf weitere Flüge einer Zwei-Mann-Raumflugkapsel
vorgesehen, mit denen das Gemini-Projekt seinen Abschluß finden wird.
Nach Schätzung des amerikanischen Präsidenten werden die tatsächlichen Ausgaben der NASA im neuen Finanzjahr bei 5,3 Milliarden Dollar
und damit um 300 Millionen Dollar unter denen des vorausgegangenen
Jahres liegen.
Dieser Ausgabenrückgang - der erste seit Gründung der NASA im
Jahre 1958 - wird möglich, weil die im Rahmen des Saturn-Apollo-Programms notwendigen wichtigsten Bauten und Testeinrichtungen bereits
erstellt worden sind.
Der neue riesige Mond-Flughafen in Kap Kennedy,.von dem die amerikanischen Astronauten zu ihrem Mondflug starten werden, ist zu 90
Prozent fertiggestellt. Die gewaltige Fabrikationsstätte für die
Saturn-Rakete in Michoud bei New Orleans und die Raketentestanlagen
im Staate Mississippi sind betriebsfertig. Die Arbeiten an der Saturn1-B-Rakete und der Saturn-5 schreiten zügig voran.
Der Präsident weist in seiner Botschaft darauf hin, daß die Saturn-5 im Jahre 1967 zum ersten Mal starten und eine unbemannte ApollbFlugkapsel hochtragen wird. Die Saturn-5 ist 16mal so stark wie die
beim Gemini-Programm verwendete Titan-Rakete.

Atom-

- 16 -

�Atomprogramm
Der Präsident ersucht den US-Kongreß um die Bereitstellung von
insgesamt 2,263 Milliarden Dollar für die amerikanische Atomenergiekommission (AEC). Der Betrag liegt um 103 Millionen Dollar unter dem
Voranschlag für das am 30. Juni zu Ende gehende laufende Haushaltsjahr.
Nach den Voranschlägen des Präsidenten werden die tatsächlichen
Ausgaben der AEG im Jahre 1967 bei 2,3 Milliarden Dollar und damit um
rund 90 Millionen Dollar unter denen des alten Haushaltsjahres liegen.
Die Ausgabensummen liegen etwas höher als die angeforderten Beträge, weil gewisse Überhanggelder, für deren Ausgabe vom Kongreß
bereits in früheren Jahren die Ermächtigung erteilt worden ist, im
Haushaltsjahr 1967 herangezogen werden sollen.
Für die Programme zur Nutzbarmachung der Atomenergie für friedliche Zwecke hat Präsident Johnson in seiner Haushaltsbotschaft einen
Betrag eingesetzt, der um 40 Millionen Dollar über der Summe des vergangenen Haushaltsjahres liegt.
Von diesen 40 Millionen Dollar ist der größte Teil für folgende
Projekte vorgesehen:
Arbeiten an "BrutM-Leistungsreaktoren, die zugleich für die Stromerzeugung und die Produktion von Kernbrennstoff verwendet werden können;
Studien im Zusammenhang mit der geplanten Atom-Wasserentsalzungsanlage, die bei einer Kapazität von rund 600 Millionen Liter Frischwasser
pro Tag auch eine beträchtliche Elektrizitätsmenge liefern wird;
Arbeiten zur Weiterentwicklung kleiner Generatoren, die, mit Radioisotopen als Energiequelle, als Stromerzeuger für Raumflugkörper dienen
sollen;
Verbesserungen an der riesigen Teilchenbeschleunigeranlage bei
Brookhaven (New York)
sowie Grundlagenforschung in der Medizin und Radiologie.
Für die Forschungs- und Entwicklungsprogramme bei Leistungsreakto
ren für den zivilen Sektor ist im Budget der AEC die Erhöhung der im

- 17 -

�im vorausgegangenen Haushaltsjahr mit 81,8 Millionen Dollar eingesetzten Summe auf 94,48 Millionen Dollar vorgesehen.
Für die Tätigkeit der AEC im militärischen Bereich fordert
Präsident Johnson unter anderem:
813,528 Millionen Dollar für Waffenprogramme;
3 54,228 Millionen Dollar für die Produktion von Kernsprengstoff
und
163,015 Millionen Dollar für die Beschaffung von Uranerzen in
den Vereinigten Staaten und im Ausland.
Ferner fordert der Präsident 639 Millionen Dollar für die Durchführung der unterirdischen Kernwaffenversuche und weitere Arbeiten zur
Entwicklung eines Feststellungs- und Ortungssystems seismischer Vorkommnisse.

Sonstige Programme und Aufgaben
Auf die inneramerikanischen Programme eingehend, unterstreicht
der Präsident die große Bedeutung der amerikanischen Landwirtschaft,
die nicht nur den Inlandsmarkt mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln versorge, sondern auch große Mengen Agrarerzeugnisse für den
Export bereitstelle. Darüber hinaus versetze sie die USA in die Lage,
die wirtschaftliche Entwicklung anderer Länder zu fördern. Der Präsident kündigt neben der Fortführung bestehender Programme zur Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft auch eine Reihe neuer Maßnahmen an.
Im Rahmen des Lebensmittel- und Landwirtschaftsgesetzes von 1965
soll in Zukunft verstärkter Nachdruck auf Direktzahlungen an die Farmer gelegt wenden. Ferner soll das Landwirtschaftsministerium größere
Vollmachten erhalten, um die Agrarprogramme neuen Gegebenheiten anzupassen. Das Landwirtschaftsministerium soll in Zukunft verstärkt beratend auf die Landwirtschaft einwirken. Darüber hinaus, so betont
der Präsident, sollen neue Wege zur Steigerung der Rentabilität beschritten und die bestehenden Programme für die Landbevölkerung weiter
verbessert werden.

ner

- 18 -

�Der Präsident weist weiter auf die Notwendigkeit der Erhaltung
der natürlichen Hilfsquellen hin und betont im besonderen, wie dringlich es sei, der Verschmutzung der Gewässer und der Luft Einhalt zu
gebieten. Auf dem Gebiet des Verkehrswesens schlägt der Präsident ein
gemeinsames Programm von Regierung und Industrie zur Entwicklung eines
sicheren Überschall-Passagierflugzeuges vor.
Weiter fordert Johnson den Ausbau des Verkehrsnetzes und kündigt
an, daß die Regierung im Hinblick auf die ständig wachsende Bevölkerungszahl den Verkehrsproblemen besondere Aufmerksamkeit schenken wird.
Weitere Abschnitte der Botschaft befassen sich mit Sozialmaßnahmen,
dem Gesundheitswesen, dem Erziehungswesen, dem Wohnungsbau und der
Städteplanung. Der Präsident hebt ferner die Notwendigkeit ständiger
Bemühungen um eine Straffung des Regierungsapparates hervor und kündigt
an, daß er dem Kongreß bereits in Kürze eine Reihe von Vorschlägen hierzu unterbreiten wird.
Johnson weist ferner darauf hin, daß sich das Ausmaß der öffentlichen Verschuldung angesichts der Haushaltsdefizite der letzten Jahre
ständig erhöht habe. Nach den derzeitigen Schätzungen werde die Staatsschuld mit dem 30. Juni dieses Jahres 320 Milliarden Dollar betragen und
bis zum 30. Juni 1967 auf 321,7 Milliarden Dollar ansteigen.
Das derzeitige Limit, das bis zum 30. Juni dieses Jahres gelte,
gebe der Regierung mit einem Kreditplafond von 328 Milliarden Dollar
ausreichenden Spielraum. Da nach diesem Zeitpunkt der alte Kreditplafond
von 285 Milliarden Dollar wieder gelte, sei es jedoch notwendig, daß der
Kongreß rechtzeitig entsprechende Maßnahmen beschließe.

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- 19 -

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Beilage

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0 8 - 8 5 4 3 2

XIX - 4

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSBEMÜHUNGEN IN VIETNAM

Eine Chronologie

�DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSBEMÜHUNGEN IN VIETNAM

Eine Chronologie

22. Dezember 1965

Die alliierten Befehlshaber in Südvietnam weisen ihre Truppen an,
anläßlich des Weihnachtsfestes eine 30stündige Waffenruhe beginnend am
24. Dezember um 181 Uhr und endend am 25. Dezember 24 Uhr (Saigoner
Ortszeit) zu wahren. Die Vietcong hatten zuvor einen 12stündigen Waffenstillstand zu Weihnachten angeboten.

23. Dezember 1965

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärt, das Interesse der
Vereinigten Staaten an einer friedlichen Regelung in Südostasien bestehe uneingeschränkt fort. Er stellt fest, daß der 30stündige Waffenstillstand zum Weihnachtsfest "für sich selbst spricht".
Ein Sprecher der Vereinten Nationen erklärt: "Generalsekretär U
Thant begrüßt die Ankündigung eines Waffenstillstands in Vietnam von
ganzem Herzen und hofft, daß auf ihn eine Zeit des Überlegens, des
Verhandeins und schließlich des Friedens folgen werde."

26. Dezember 1965

Papst Faul VI. läßt in einem Brief eines Apostolischen Delegaten
an einen Mitarbeiter des Weißen Hauses seine "große Freude über den
Waffenstillstand anläßlich des Weihnachtsfestes" zum Ausdruck bringen.
In dem Brief heißt es, der Papst habe eine Sonderbotschaft an führende
Regierungsmitglieder in Süd- und Nordvietnam gerichtet, in der er diese
ersucht, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um eine gerechte und
friedliche Lösung herbeizuführen.
Die
- 1 -

�Die alliierten Befehlshaber in Saigon ordnen die Wiederaufnahme
der Operationen in der Luft und zu Lande in Südvietnam an und beschuldigen die Vietcong, den 30stündigen Waffenstillstand zu Weihnachten
über 60mal verletzt zu haben, der von den alliierten Truppen strikt
eingehalten worden »ei. Die Luftangriffe auf Nordvietnam werden nicht
wiederaufgenommen.

27. Dezember 1965

Vizepräsident Humphrey verläßt Washington, um nach Tokio, Manila,
Taipeh und Seoul zu reisen.

28. Dezember 1965

Ein Sprecher des US-Außenministeriums berichtet, es liegen keinerlei Anzeichen für eine Verhandlungsbereitschaft Hanois vor.
Ho Chi Minh behauptet gegenüber Papst Paul VI., "die führenden
amerikanischen Politiker wollen den Krieg, nicht den Frieden", und
fordert die Annahme der vier Punkte Hanois durch die Vereinigten Staaten.
Von amerikanischer Seite wird der dritte dieser Punkte - dem zufolge die inneren Angelegenheiten Vietnams im Einklang mit dem Programm
der kommunistischen Nationalen Befreiungsfront geregelt werden müssen als unannehmbar bezeichnet, da er Hanoi am Konferenztisch das einbringen würde, was es durch militärische Maßnahmen nicht zu erreichen vermochte. Dennoch wird von amerikanischer Seite die Bereitschaft bekundet,
in Gespräche über die vier Punkte Hanois einzutreten.

29. Dezember 1965

Botschafter Arthur J. Goldberg, der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, sucht Papst Paul VI. im Vatikan auf, um ihm im Namen
Präsident Johnsons für seine Bemühungen um Waffenruhe in Vietnam anläß-

- 2 -

�anläßlich des Weihnachtsfestes und um den Weltfrieden zu danken. Goldberg trifft mit dem italienischen Staatspräsidenten Guiseppe Saragat
und Ministerpräsident

Aldo Moro zusammen.

In Warschau konferiert der amerikanische Sonderbotschafter W.
Averell Harriman mit führenden polnischen Staatsmännern. In einer Verlautbarung der amerikanischen Botschaft heißt es, Polen in seiner Eigenschaft als Mitglied der Internationalen Kontrollkommission in Vietnam sei durch Harriman über die Ansichten der US-Regierung bezüglich
Vietnams unterrichtet worden.
In Tokio führt Vizepräsident Humphrey Gespräche mit dem japanischen Ministerpräsidenten Eisaku Sato und übergibt ihm ein Memorandum,
das die amerikanischen Schritte zur Herbeiführung des Friedens in Vietnam zusammenfassend darstellt. Er fliegt anschließend nach Manila weiter, um dort als Leiter der amerikanischen Delegation bei der Amtseinführung des philippinischen Staatspräsidenten Ferdinand E. Marcos zu
fungieren.
McGeorge Bundy, der Referent Präsident Johnsons für Fragen der
nationalen Sicherheit, erörtert die Lage in Vietnam in Ottawa mit dem
kanadischen Ministerpräsidenten Lester Pearson.(Kanada ist ebenso wie
Polen und Indien Mitglied der Internationalen Kontrollkommission in
Vietnam).
Am Sitz der Vereinten Nationen verlautet, die Vereinigten Staaten
halten Generalsekretär U Thant über ihre fortgesetzten Friedensbemühungen in Vietnam ständig auf dem laufenden und der Generalsekretär sei im
voraus von der Mission Harrimans und Goldbergs unterrichtet worden.

30. Dezember 1965

Der Pressereferent des Weißen Hauses, Bill Moyers, erklärt, Präsident Johnson tue alles, was in seinen Kräften steht, um die Welt einschließlich der kommunistischen Staaten davon zu überzeugen, daß ••wir
aufrichtig bereit sind, mit allen zusammenzuarbeiten, die unsere Friedenssehnsucht teilen". Der Präsident halte es für wünschenswert, eine
'••

- 3 -

�eine möglichst große Zahl von führenden Staatsmännern in aller Welt
noch einmal über die amerikanischen Ansichten bezüglich Südostasiens
zu unterrichten. Diese Ansichten seien nach wie vor die gleichen, die
der Präsident in seiner Rede vor der Johns-Hopkins-Universität im
April vergangenen Jahres dargelegt habe.
(In jener Rede erklärte der Präsident, der Friede setze ein Südvietnam voraus, das "über sichere Garantien verfügt und in der Lage
ist, seine eigenen Beziehungen zu allen anderen selbst zu gestalten,
ohne jede Einmischung von außen, ohne Bindungen an eine Allianz, ohne
Stützpunkt

für ein anderes Land zu sein". Um einen solchen Frieden

zu erreichen, führte der Präsident damals aus, halten sich die Vereinigten Staaten zu "Gesprächen ohne Vorbedingungen" bereit).
Außenminister Rusk betont in einem in Kanada ausgestrahlten Fernsehinterview, die Vereinigten Staaten würden es den Südvietnamesen
überlassen, darüber zu entscheiden, ob sie Dinge wie die Wiedervereinigung mit dem Norden oder eine bündnisfreie Außenpolitik wünschen oder
nicht.

31. Dezember 1965

Präsident Johnson entsendet den Unterstaatssekretär und Leiter der
Afrika-Abteilung im US-Außenministerium, G. Mennen Williams, zu Besprechungen mit führenden Staatsmännern afrikanischer Länder nach Afrika.
Williams reist aus Washington nach Marokko ab.
In Paris erörtert Botschafter Goldberg die Vietnam-Frage mit dem
französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und Außenminister Maurice Couve de Murville.

1. Januar 1966
Der Staatssekretär im US-Außenministerium, Thomas Mann, trifft auf
der Ranch Präsident Johnsons in Texas ein und erstattet dem Präsidenten
Bericht über seine Reise nach Mexiko. Dort war er auf Wunsch Johnsons mit

�mit Staatspräsident Gustavo Diaz Ordaz zusammengetroffen, um ihn über
die amerikanischen Friedensbemühungen zu unterrichten.
Vizepräsident Humphrey sucht nach Beendigung seines 58stündigen
Besuchs der Philippinen in Taipeh den Präsidenten der Republik China,
Chiang Kai-shek, auf.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Moyers, teilt mit, Präsident Johnson habe noch einmal alle amerikanischen Botschafter aufgefordert, die Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind, über die
amerikanische Haltung in der Vietnam-Frage zu informieren.
In London trifft Botschafter Goldberg mit dem britischen Premierminister Harold Wilson und Außenminister Michael Stewart zusammen.
In Jugoslawien führt Sonderbotschafter Harriman Gespräche mit
Staatspräsident Josip Tito und überbringt ihm eine persönliche Botschaft Präsident Johnsons zur Vietnam-Frage.

2. Januar 1966
Vizepräsident Humphrey kehrt von Seoul aus nach Beendigung
seines Besuchs in vier asiatischen Ländern nach Washington zurück.
Während seines 24stündigen Aufenthalts in der Republik Korea hatte
er Besprechungen mit Staatspräsident Park Chung Hee und Ministerpräsident Chung II Kwon.
Unterstaatsekretär Williams trifft in Algier ein. Er erläutert
dem algerischen Ministerpräsidenten Houari Boumedienne die amerikanische Vietnampolitik und reist nach Tunis weiter.

3. Januar 1966
Die Abgesandten Präsident Johnsons fahren anläßlich ihrer Besuche
in weiteren Hauptstädten Asiens und Afrikas in ihren Bemühungen fort,
Amerikas Wunsch zu erläutern, daß der Friede in Vietnam wiederhergestellt werde.
Botschafter

�Botschafter Harriman trifft in Peschawar mit dem pakistanischen
Staatspräsidenten Ajub Khan zusammen, nachdem er in New Delhi Besprechungen mit dem indischen Ministerpräsidenten Shastri geführt hatte.
Er reist anschließend nach Teheran weiter, um mit dem Schah von Persien zusammenzutreffen.
In Afrika sucht Unterstaatssekretär Williams den äthiopischen
Kaiser, Halle Selassie, in Addis Abeba auf und reist anschließend
nach Nairobi, der Hauptstadt Kenias, weiter.
Vizepräsident Humphrey berichtet Präsident Johnson über seine
Asienreise und teilt anschließend mit, er habe den asiatischen Staatsmännern Kopien des amerikanischen Memorandums über Vietnam-Initiativen
der USA übergeben. In dem Memorandum, das unmittelbar danach vom Weißen Haus veröffentlicht wird, sind 14 Punkte bezüglich der Möglichkeiten
zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam aufgeführt. Das Memorandum
schließt mit den Worten: '"Wir haben alles für den Frieden angeboten
außer der Preisgabe von Vietnam."

4. Januar 1966

Das Weiße Haus veröffentlicht den Wortlaut einer Botschaft Papst
Pauls an Präsident Johnson, in der der Papst die Hoffnung zum Ausdruck
bringt, die amerikanische Vietnam-Initiative werde den Frieden in Südostasien herbeiführen.
Unterstaatssekretär Williams erörtert die Vietnam-Frage mit führenden Staatsmännern Tansanias und Ugandas.

5. Januar 1966

Botschafter Goldberg erneuert in einem Schreiben an UN-Generalsekretär U Thant den amerikanischen Appell an die Vereinten Nationen
und ihre Mitgliedstaaten, an der Wiederherstellung des Friedens in
Südostasien mitzuarbeiten. Das Schreiben, das als Dokument des Sicherheitsrates allen UN-Mitgliedstaaten zugeleitet wurde, faßt sämtliche

�sämtliche Punkte zusammen, die die Abgesandten Präsident Johnsons
führenden Politikern in aller Welt in Diskussionen über die Vietnam-Frage vorgetragen haben.
Unterstaatssekretär Williams trifft in der ghanaischen Hauptstadt Accra ein, nachdem er in Lagos, der Hauptstadt Nigeriens, die
Vietnam-Frage mit Premierminister Abubakar Tafawa Balewa

erörtert

hatte.
Nach Besprechungen mit dem Staatspräsidenten der Vereinigten
Arabischen Republik, Abdel Gamal Nasser, in Kairo reist Botschafter
Harriman nach Bangkok zu Vietnam-Gesprächen mit Regierungsvertretern
Thailands weiter.
Außenminister Rusk unterrichtet die Botschafter der lateinamerikanischen Staaten in Washington von den Friedensbemühungen der USA
in Vietnam.

6. Januar 1966

Sonderbotschafter Harriman trifft in Tokio zu diplomatischen
Besprechungen über die Vietnam-Frage ein.
In Afrika konferiert Unterstaatssekretär Williams mit Regierungsvertretern der Republik Elfenbeinküste und dem liberianischen Staatspräsidenten William Tubman in Monrovia über die Vietnam-Frage. Williams reist zu weiteren Vietnam-Gesprächen nach Guinea weiter.
In Washington veröffentlicht das Außenministerium abermals die
Liste der 14 Punkte, die die offizielle Haltung der Vereinigten Staaten bezüglich Vietnams zusammenfassen.

7. Januar 1966

In Tokio versichert Ministerpräsident Eisaku Sato Botschafter
Harriman, Japan werde die Vereinigten Staaten bei ihren Bestrebungen
unterstützen, eine Konferenz über den Vietnamkonflikt zustande zu bringen.
Balewa wurde am 15. Januar im Verlauf eines Militärputsches seines
Amtes enthoben.

�Unterstaatssekretär Williams beendet seine Mission in Afrika mit
•inen Besuch bei dem Staatspräsidenten von Mali, Modibo Keita, in
Bamako. Davor hatte Williams noch in Dakar eine Aussprache mit dem
senegalesischen Präsidenten Leopold Senghor.
Der demokratische Fraktionsvorsitzende im US-Senat, Michael Mansfleld, erklärt nach einer Zusammenkunft mit Präsident Johnson, die
Aussetzung der Bombenangriffe auf Nordvietnam sei zeitlich nicht begrenzt und er rechne nicht mit ihrer baldigen Wiederaufnahme.
Das US-Verteidigungsministerium gibt bekannt, es seien seit dem
24. Dezember 1965 keine Bombenangriffe auf Nordvietnam mehr durchgeführt worden. Das Ministerium trat mit dieser Erklärung einer Meldung
des rotchinesischen Rundfunks entgegen, amerikanische Flugzeuge hätten
am 5. Januar einen Angriff auf nordvietnamesisches Gebiet unternommen.

9. Januar 1966

Papst Paul VI. schaltet sich erneut in die Kampagne zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam ein. Er bittet die beim Vatikan
akkreditierten Botschafter von 55 Ländern, ihre Regierungen dringlich
aufzufordern, auf eine Beendigung des Konflikts in Vietnam hinzuwirken.
In Washington berichtet Unterstaatssekretär Williams Präsident
Johnson über seine Besuche in 14 afrikanischen Staaten. Im Anschluß
an die Zusammenkunft mit dem Präsidenten erklärte er vor Journalisten,
fast die Hälfte aller besuchten afrikanischen Staaten hätten ihm zugesichert, daß sie die Kommunisten zur Einwilligung in Verhandlungen
auffordern werden.
Sonderbotschafter Harriman trifft in der australischen Hauptstadt Canberra zu dreitägigen Besprechungen mit Premierminister Sir
Robert Menzies und anderen hohen Regierungsvertretern ein.

10. Januar 1966

�10. Januar 1966

Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Moyers, teilt mit, Sonderbotschafter Harriman werde sich am 12. Januar von Canberra aus nach
Saigon begeben, um mit Vertretern der südvietnamesischen Regierung
und dem amerikanischen Botschafter Henry Cabot Lodge zu konferieren.
Moyers erklärt vor Journalisten, es bestehe "berechtigter Anlaß
zu dem Schluß", daß die Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit den
Bemühungen um die Beendigung des Kriegs in Vietnam direkten Kontakt
mit Hanoi aufgenommen haben.
Aus informierten Kreisen in Washington verlautet, das Regime in
Hanoi habe anläßlich einer Zusammenkunft zwischen einem seiner Vertreter und einem amerikanischen höheren Beamten eine Mitteilung der
amerikanischen Regierung entgegengenommen. Nach Mitteilung dieser
Kreise stehe ein Antwort Hanois noch aus.
Amerikanische Regierungssprecher wiederholen die Versicherung,
die sogenannte Nationale Befreiungsfront werde keine Schwierigkeiten
haben, ihre Ansichten auf einer Friedenskonferenz über Vietnam zu
Gehör zu bringen. Berichte aus Hanoi, denen zufolge Alexander N.
Schelepin, Mitglied des Präsidiums des Zentralkomitees der KPdSU,
dort erklärt habe, die Vereinigten Staaten müßten sich wegen einer
Beilegung des Vietnamkonflikts direkt an die Nationale Befreiungsfront wenden, werden amerikanischerseits mit einer erneuten Darlegung
der Haltung der USA, wie sie Präsident Johnson, Außenminister Rusk
und andere wiederholt aufgezeigt hatten, beantwortet.
Am Sitz der Vereinten Nationen gibt Botschafter Goldberg Generalsekretär U Thant einen detaillierten Überblick über die amerikanischen
Bemühungen zur Beendigung des Vietnamkonflikts auf friedlichem Wege
und durch Verhandlungen.

11. Januar 1966

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11. Januar 1966

Ein Sprecher das amerikanischen Außemninisteriums teilt vor
Pressevertretern mit, er könne keine "weiteren Einzelheiten" bezüglich der amerikanischen Mitteilung an Nordvietnam bekanntgeben.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Moyers, erklärt, die amerikanische Friedensinitiative hinsichtlich Vietnams sei "eine Angelegenheit der Auswertung, des Hörens, des Wartens, des fortgesetzten
Tuns all dessen, was getan werden kann, und des Hoffens".
Die Aussetzung der amerikanischen Luftangriffe gegen militärische
Ziele in Nordvietnam dauert an.

12. Januar 1966

Präsident Johnson erklärt in seiner Botschaft über die Lage der
Nation, Amerikas Friedenssuche seien keine willkürlichen Grenzen gesetzt. Er führte wörtlich aus: "Wir stehen zu den Genfer Abkommen von
1954 und 1962. Wir werden uns ah jedem Konferenztisch einfinden, über
jeden Vorschlag sprechen - seien es vier Punkte oder 14 Punkte oder
40 Punkte - und die Ansichten jeder Gruppe in Erwägung ziehen. Wir werden auf eine Feuereinstellung hinarbeiten - sofort oder wenn es zu Gesprächen gekommen ist. Wir werden entsprechend handeln, wenn andere
ihre Gewaltanwendung verringern; und wir werden unsere Soldaten zurückholen, sobald sichere Garantien vorhanden sind, daß Vietnam seine Zukunft selber gestalten kann. Wir haben das alles gesagt und wir haben
zur Antwort aufgefordert - auf sie gehofft und auf sie gewartet.*
Der Präsident erklärt, er habe bei seiner Friedenskampagne bisher
"keine Antwort erhal.ten, aus der sich Erfolg oder Fehlschlag herauslesen ließe".
Botschafter Harriman trifft auf dem Weg nach der laotischen Hauptstadt Vientiane zu einem kurzen Besuch in Bangkok ein. In Saigon erklären Vertreter der US-Botschaft, Harriman werde nicht wie beabsichtigt

- 10 -

�beabsichtigt am 12. Januar in Vietnam eintreffen, sondern erst zu einem
späteren Zeitpunkt.

13. Januar 1966
Vizepräsident Humphrey und Außenminister Rusk sprechen in New Delhi
mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Alexej Kossygin. Die Gesprächspartner waren zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den
verstorbenen indischen Ministerpräsidenten Lal Bahadur Shastri am 12.
Januar nach der indischen Hauptstadt gekommen.
Vizepräsident Humphrey und Außenminister Rusk konferieren ferner
mit dem amtierenden indischen Ministerpräsidenten Gulzarilal Nanda und
anderen indischen Regierungsbeamten. Humphrey sucht den Vizepräsidenten
der Vereinigten Arabischen Republik, Husayn Mahmud Al-Shafei, auf, und
Rusk hat Besprechungen mit dem iranischen Außenminister Abbas Aram und
dem japanischen Vertreter bei den Beisetzungsfeierlichkeiten, Naka
Funada.
Nach diesen Besprechungen begibt sich Vizepräsident Humphrey nach
Washington, um Präsident Johnson Bericht zu erstatten.
In Vientiane führt Harriman Gespräche mit dem laotischen Ministerpräsidenten Souvanna Phouma. Er verweist erneut auf Präsident Johnsons
Entschlossenheit, "Südvietnam Gelegenheit zu geben, über seine eigene Zukunft selbst zu bestimmen". Der Sonderbotschafter reist anschließend
nach Bangkok weiter.
In Saigon erklärt die US-Botschaft, die amerikanischen Truppen
werden gemeinsam mit ihren südvietnamesischen Verbündeten den informellen
Waffenstillstand anläßlich des vietnamesischen Neujahrsfestes einhalten.
Der dreitägige Waffenstillstand soll am 21. Januar beginnen.
Die Aussetzung der US-Luftangriffe gegen Nordvietnam dauert an.

14. Januar 1966

- 11 -

�14. Januar 1966

Außenminister Rusk reist von New Delhi nach Bangkok weiter, wo er
mit Sonderbotschafter Harriman zusammentrifft.

15. Januar 1966

Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman treffen in Saigon au Besprechungen mit der südvietnamesischen Regierung und US-Botschafter Lodge ein.

16. Januar 1966
Im Abschlußkommunique über ihre Besprechungen in Saigon weisen
Außenminister Rusk und der südvietnamesische Premierminister Ky darauf
hin, daß "gegenwärtig keine Anzeichen für die Bereitschaft Nordvietnams
vorliegen, positive Schritte in Richtung auf den Frieden zu unternehmen".
Vietnam und seine Verbündeten müssen jedoch, so heißt es in dem Kommunique weiter, alle Vorschläge und Initiativen, die zum Frieden führen könnten, weiterhin aufmerksam verfolgen.
Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman treffen aus Saigon kommend in Manila ein und erörtern die Vietnam-Frage mit dem philippinischen Staatspräsidenten Ferdinand E. Marcos und Außenminister Narciso
Ramos.

17. Januar 1966

Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman fliegen über Guam
nach Washington zurück, um Präsident Johnson Bericht zu erstatten.
Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter Goldberg, erklärt in einer Rede in New York, daß nunmehr jedes
denkbare Mißverständnis hinsichtlich des Wunsches der Vereinigten Staaten,
den Vietnamkonflikt zum Verhandlungsgegenstand einer Konferenz zu machen,

- 12 -

�machen, ausgeräumt sei.

18. Januar 1966

Botschafter Goldberg weist in einem Fernsehinterview darauf hin,
daß die Aussetzung der Bombenangriffe auf Nordvietnam nicht befristet
sei und daß sich die Vereinigten Staaten "mitten in einer Friedensoffensive" befinden.

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Beilage

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XIX - 5

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSBEMÜHUNGEN IN VIETNAM

Eine Chronologie

(Berichtigung und Ergänzung zu unserer
Sonderbeilage XIX - 4 vom 28.1.1966)

�14. Januar 1966
Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman erörtern in
Bangkok die Vietnam-Frage mit dem thailändischen Ministerpräsidenten
Thanom Kittikachorn und Außenminister Thanat Khoman.
In Washington erklärt ein Sprecher des US-Außenministeriums, es
bestehen keinerlei grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam in bezug auf Friedensverhandlungen.

15. Januar 1966
Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman treffen in
Saigon mit dem südvietnamesischen Ministerpräsidenten Nguyen Cao Ky
zusammen.

16. Januar 1966
Im Abschlußkommunique über die Besprechungen zwischen Außenminister
Rusk und Ministerpräsident Ky heißt es, Südvietnam und seine Verbündeten
"müssen weiterhin alle notwendigen militärischen Maßnahmen ergreifen und
alle Vorschläge und Initiativen, die zum Frieden führen könnten, aufmerksam verfolgen". In dem Kommunique wird ferner darauf hingewiesen,
daß die Auffassungen der Regierungen Südvietnams und der Vereinigten
Staaten "in allen wesentlichen Punkten"übereinstimmen.
Außenminister Rusk und Sonderbotschafter Harriman treffen aus Saigon
kommend in Manila ein und erörtern die Vietnam-Frage mit dem philippinischen Staatspräsidenten Ferdinand £. Marcos und Außenminister Narciso
Ramos.
In Washington berichten Vizepräsident Humphrey und der Sicherheitsreferent des Präsidenten, Bundy, in getrennten Fernsehsendungen, die
Vereinigten Staaten warten noch immer auf ein positives Echo Hanois auf
ihre Bemühungen, den Vietnamkonflikt zum Gegenstand von Verhandlungen zu
machen.
17. Januar 1966

- 12 -

�17. Januar 1966
Dar Pressereferent des Weißen Hauses, Moyers, erklärt, die Vereinigten Staaten haben, was die Wiederaufnahme der Bombardierung militärischer Ziele in Nordvietnam

angeht, weder einen Termin gesetzt noch

eine diesbezügliche Entscheidung getroffen. Er fügt hinzu: "Dies ist
eine Angelegenheit, die tagein, tagaus eine äußerst sorgfältige Analyse
erfordert."
In New York erklärt der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter Goldberg, daß nunmehr jedes denkbare Mißverständnis hinsichtlich des Wunsches der Vereinigten Staaten ausgeräumt
sei, den Vietnamkonflikt durch Verhandlungen zu bereinigen.

18. Januar 1966
Botschafter Goldberg weist in einem Fernsehinterview darauf hin,
daß die Aussetzung der Bombenangriffe auf Nordvietnam nicht befristet
sei, und daß sich die Vereinigten Staaten "mitten in einer Friedensoffensive" befinden.

19. Januar 1966
Der Pressereferent des Weißen Hauses, Moyers, bezeichnet die Aussetzung der Bombenangriffe auf Nordvietnam als "Gegenstand fortgesetzter
Überprüfungen und Analysen" und betont, daß bisher diesbezüglich keine
Frist gesetzt worden sei.

20. Januar 1966
Präsident Johnson empfängt Außenminister Rusk und Botschafter
Harriman zur Berichterstattung über ihre Gespräche mit den ausländischen
Staatsmännern, die sie im Zusammenhang mit der amerikanischen Friedensinitiative besucht hatten.
Der Präsident begibt sich anschließend nach Independence, Missouri,
und erklärt dort, der Weg zum Frieden könne beschritten werden, sobald
sich "andere entscheiden, die Vernunft an die Stelle des Terrors zu setzen".
21. Januar 1966
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�t

21. Januar 1966
Außenminister Rusk unterstreicht auf einer Pressekonferenz in
Washington die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, weiterhin
"mit Geduld und Ausdauer" nach Wiederherstellung des Friedens in Vietnam
zu streben, gleichzeitig'aber auch "zu tun, was nötig ist, um die kommunistische Aggression gegen dieses Land abzuwehren". Er erklärt ferner,
die einzige Antwort der Kommunisten auf die amerikanische Friedensiniati ve bestehe bisher in Schmähungen, Bomben und Granatwerferfeuer.
In einer Rede in Boston, Massachusetts, versichert der Stellvertretende Staatssekretär für politische Angelegenheiten im USrAußenministerium, U. Alexis Johnson, die Wahl zwischen einem baldigen Frieden
und einem härteren Krieg in Vietnam liege bei dem nordvietnamesischen
kommunistischen Regime. Er weist Hanoi darauf hin, daß die überwältigende Mehrheit des amerikanischen Volkes die von Präsident Johnson bekundete Entschlossenheit der USA teile, solange in Südvietnam zu verbleiben,
wie die kommunistische Aggression dies erforderlich mache.
In Saigon teilt ein amerikanischer Sprecher mit, die kommunistischen
Vietcong hätten die von ihnen angekündigte Waffenruhe vom 19. Januar
Mitternacht bis zum 23. Januar Mitternacht anläßlich des vietnamesischen
Neujahrsfestes in der Anfangsphase durch 15 Angriffe oder Störaktionen
gegen südvietnamesische Truppen mehrfach verletzt. Der Sprecher beschuldigt die Vietcong ferner, sie hätten im gleichen Zeitraum 34 Angriffe
gegen die alliierten Streitkräfte unternommen, weist aber gleichzeitig
darauf hin, daß diese Aktionen die Einhaltung der für die Zeit vom
20. Januar mittags bis 23. Januar 6 Uhr morgens angekündigten Waffenruhe
durch die südvietnamesischen und alliierten Truppen nicht beeinflussen
werden.

22. Januar 1966
Präsident Johnson stellt erneut fest, "die Friedensbemühungen werden
nicht eingestellt", obwohl die Aggression in Vietnam andauert. Diese
Erklärung des Präsidenten ist in einem Brief enthalten, den er an eine

- 14 -

�eine Gruppe amerikanischer Kongreßmitglieder richtete, die ihn zuvor in
einem Schreiben ihrer Unterstützung in der Frage der Friedensinitiative
versichert hatten.
Vizepräsident Humphrey erklärt in einem über die "Stimme Amerikas"
verbreiteten Fernsehinterview, die Vereinigten Staaten hätten sowohl den
Willen als auch die Macht, der Aggression in Vietnam zu begegnen und dort
einen "gerechten und dauerhaften Frieden" herbeizuführen.

23. Januar 1966
In einem transatlantischen Fernsehinterview führt Außenminister Rusk
aus, die Vereinigten Staaten vermißten bisher jedes direkte oder indirekte
Echo auf die Aussetzung der Bombenangriffe und ihr Angebot von Friedensgesprächen. Barsche Erklärungen, die fortgesetzte Einschleusung weiterer
nordvietnamesischer Soldaten nach Südvietnam und die mehrfache Verletzung
der Waffenruhe anläßlich des vietnamesischen Neujahrsfestes durch die
Vietcong seien die bisher einzige Reaktion. Der Außenminister versichert
aber dennoch, die "Vereinigten Staaten werden weiterhin alle nur denkbaren
Möglichkeiten für eine friedliche Regelung in Südostasien prüfen".
Sonderbotschafter Harriman erklärt in einem über ein anderes Fernsehnetz ausgestrahlten Interview, Hanoi und Peking stünden mit ihrem
Desinteresse an einem Frieden in Südostasien "isoliert von der Weltmeinung"
da. Er führt aus, es lägen keine Beweise vor,'daß die Nordvietnamesen den
Krieg beenden wollen. Unter Hinweis auf die Tatsache, daß Bombenangriffe
seit dem 24. Dezember ruhen, erklärt der Sonderbotschafter: "Sie haben seit
nunmehr 31 Tagen eine Chance, und sie haben das Tempo des Krieges nicht
verlangsamt."
Die alliierten Streitkräfte nehmen nach Ablauf der Waffenruhe anläßlich des vietnamesischen Neujahrsfestes die Operationen wieder auf.

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DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT JOHNSONS

Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht, den
Präsident Johnson

Beilage

dem amerikanischen Kongreß

am 27. Januar 1966

unterbreitete

XIX - 5

�PRÄSIDENT JOHNSON LEGT WIRTSGHAFTSBERICHT VOR
(Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Johnson hat dem amerikanischen Kongreß am 27. Januar 1966 seinen Wirtschaftsbericht unterbreitet, der
einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten
gibt und die wirtschaftspolitischen Empfehlungen des Präsidenten darlegt.
In dem mit zahlreichen Tabellen und Statistiken angereicherten,
306 Seiten umfassenden Bericht, den der Präsident aufgrund des Beschäftigungsgesetzes (Employment Act) von 1946 dem Kongreß im Januar eines
jeden Jahres vorzulegen hat, unterstreicht Johnson, daß sich die amerikanische Wirtschaft gegenwärtig inmitten des größten Wirtschaftsaufschwunges in der Geschichte der USA befindet. Dieser Aufschwung, so betont der Präsident, trete nunmehr in sein sechstes Jahr ein, ohne daß
Zeichen eines Nachlassens festzustellen seien.
Der Wirtschaftsbericht umfaßt den eigentlichen Bericht des Präsidenten sowie den von seinem Wirtschaftsbeirat zusammengestellten Jahresbericht, der aus einem Begleitschreiben und den nachstehend aufgeführten sieben Abschnitten besteht:
1. Auf dem Wege zur Vollbeschäftigung,
2.

Aussicht auf Stabilität von Kosten und Preisen,

3.

Stärkung des Arbeitskräftepotentials,

4.

Gebiete, auf denen 1966 auf gesetzgeberischem Wege weiterer

Fortschritt erzielt werden kann,
5.

Fortschritt und Probleme der Landwirtschaft,
6.

- 1-

�6.

Die Weltwirtschaft,

7.

Das Beschäftigungsgesetz: 20 Jahre politischer Erfahrungen.

Die wesentlichen Auszüge des Wirtschaftsberichtes des Präsidenten
haben folgenden Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Vor einem Jahr

habe ich berichtet, daß wir 'inmitten des größten

Wirtschaftsaufschwunges in der Geschichte irgendeines Landes* stehen.
Dieser Aufschwung, der nunmehr in sein sechstes Jahr eintritt, dauert
unvermindert an.
- Der Wert der in unserem Land jährlich produzierten Güter und
Dienstleistungen erhöhte sich von 1960 bis 1965 um über ein Drittel.
Allein im vergangenen Jahr verzeichnete unser Bruttosozialprodukt einen
Rekordzuwachs von 47 Milliarden Dollar.
- Die ständig steigende Produktion führte zu einer noch nie dagewesenen Zunahme der Einkommen der amerikanischen Bevölkerung. Das Persona leinkommen erreichte im Dezember eine Jahresrate von insgesamt 550
Milliarden Dollar und ist damit in den letzten fünf Jahren um 37 Prozent
und in den vergangenen zwölf Monaten um 7,5 Prozent gestiegen.
- In den vergangenen fünf Jahren nahm die Zahl der Beschäftigten
in Amerika um fast 7 Millionen zuj 1965 allein um etwa 2,5 Millionen.
Die Arbeitslosenrate ging von 6,6 Prozent im Dezember 1960 - und einem
Höchststand von 7,1 Prozent im Mai 1961 - auf 4,1 Prozent im Dezember
1965 zurück.
- Die Bezahlung der Arbeitskräfte ist besser denn je zuvor. Der
durchschnittliche Nettowochenlohn eines Industriearbeiters mit drei
Familienangehörigen erhöhte sich in den vergangenen fünf Jahren um 26
Prozent und in den vergangenen zwölf Monaten allein um vier Prozent.
- Die Gesellschaftsgewinne lagen im vergangenen Jahr nach Abzug
der Steuern um 67 Prozent höher als vor fünf Jahren und um 20 Prozent
höher als 1964.
- Und das Durchschnittseinkommen in der Landwirtschaft stieg im
vergangenen Jahr um 23 Prozent und hat damit alle Rekorde übertroffen.
Industrie
- 2 -

�Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft - unsere Arbeiter, Gewerbetreibenden und freiberuflich tätigen Männer und Frauen - kommen heute
in den Genuß einer Prosperität, die weit über das hinausgeht, was sich
je ein Volk zu irgendeiner Zeit irgendwo auf der Welt erträumt hat.
Ein neues Wirtschaftsklima
Angesichts dieses noch nie dagewesenen und anhaltenden Wachstums
tauchen Fragen auf, wie sie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr zu
hören waren:
- Wird die Produktionskapazität ausreichen, um den Bedarf an Gütern
und Dienstleistungen voll decken zu können?
- Werden unsere Unternehmer genügend Arbeitskräfte zur Aufrechterhaltung ihrer Produktion finden?
- Können wir in wichtigen Industrien oder bei wichtigen Fachkräften
Engpässe vermeiden, die unsere Expansion beeinträchtigen würden?
- Können wir einer destruktiven Lohn-Preis-Spirale entgehen?
- Können wir die Programme der Großen Gesellschaft fortsetzen und
gleichzeitig unseren Verteidigungserfordernissen nachkommen?
Ich kann Jede dieser Fragen zuversichtlich mit Ja beantworten.
Aber die Tatsache, daß diese Fragen ernsthaft gestellt werden und
ernsthaft beantwortet werden müssen, zeigt bereits zur Genüge, daß wir
uns in einem neuen Wirtschaftsklima befinden. Wir nähern uns der vollen
Ausnutzung unserer Hilfsquellen, und dies wirft neue Probleme auf.
Denen, die diese neuen Probleme fürchten, möchte ich folgendes entgegenhalten:
- Dies sind genau die Probleme, auf die wir fast zehn Jahre lang
gewartet haben.
- Diese Probleme sind der Preis unseres Erfolges.
- Dies sind begrüßenswerte Probleme der Prosperität.
Während der vergangenen fünf Jahre haben wir sehr unterschiedlichen
wirtschaftlichen Problemen gegenübergestanden. Bei der Bewältigung dieser

- 3 -

�dieser Probleme haben wir gelernt, daß
- Rezessionen nicht unvermeidbar sind;
- eine hohe Produktion nicht zwangsläufig Überproduktion bedeutet;
- eine Expansion nicht zwangsläufig zu Geldentwertung oder Störungen des Gleichgewichts der Wirtschaft führen muß, die eine weitere Expansion unterbinden;
- der Wohlstand die der amerikanischen Wirtschaft innewohnende
Stärke und Dynamik nicht beeinträchtigt;
- die Automation nicht zu Massenarbeitslosigkeit führen muß;
- die Millionen Arbeitslosen nicht arbeitslos bleiben müssen;
- durch klug angewandte und die Expansion begünstigende fiskalische
Maßnahmen ein hoher Beschäftigungsstand wiederhergestellt werden kann;
und
- die Expansion in den Vereinigten Staaten Hand in Hand mit einer
Stärkung der Zahlungsbilanz und einer gesunden Währung gehen kann.
Wir haben gelernt, wie wir die Prosperität erreichen können. Nun
müssen wir sie erhalten, uns mit ihren Problemen befassen und das Beste
aus den Möglichkeiten machen, die sie bietet.

Vietnam und unsere Wirtschaft
Wir sehen uns den großen Aufgaben gegenüber, die der Wohlstand mit
sich bringt, während wir gleichzeitig rund 200 000 unserer Mitbürger
und unsere Hilfsquellen und Milliarden Dollar für die schwere Aufgabe
der Verteidigung der Freiheit in Vietnam aufbieten müssen. Die wahren
Kosten dieses Konflikts sind Tod, Schmerzen und Kummer, Unterbrechung
des beruflichen Werdeganges und Trennung von der Familie. Diese Kosten
sind nicht meßbar. Aber die wirtschaftlichen Kosten des Vietnamkonfliktes
bürden uns keine untragbaren Lasten auf.
Allerdings vergrößert der Vietnamkonflikt die normalen Probleme der
Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Prosperität. Er erlegt bestimmten
Industrien besondere Laßten auf und erhöht in gleicher Weise die Unsicherheit, sowohl was die fiskalische Planung der Regierung als auch was
die private Planung der Wirtschaft angeht. Diese Unsicherheit unterstreicht

- 4 -

�unterstreicht die Notwendigkeit einer flexiblen Regierungspolitik und
verantwortungsbewußter privatwirtschaftlicher Entscheidungen.
Auf die für Vietnam eingesetzte Produktion entfallen weniger als
eineinhalb Prozent unseres Bruttosozialproduktes. Die hierfür erforderlichen Aufwendungen sind Teil der Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften
und Gütern. Die private Nachfrage der Verbraucher und der Wirtschaft
sowie die zivilen Vorrangprogramme der Regierung könnten und würden jedoch diese Produktion auch ohne Krieg in Vietnam aufnehmen - und das
wäre uns wesentlich lieber. Unsere Prosperität ist nicht von unseren
militärischen Anstrengungen abhängig.

Prinzipien der Wirtschaftspolitik
In einer Zeit hoher Prosperität sieht sich die Wirtschaftspolitik
neuen Problemen gegenüber. Sie wird jedoch auch weiterhin von den
grundlegenden Prinzipien bestimmt, die uns in der Vergangenheit so gute
Dienste geleistet haben.
Im kommenden Monat werden es zwanzig Jahre her sein, daß das Beschäftigungsgesetz (Employment Act) von 1946 - das diesen Bericht vorschreibt - Gesetzeskraft erlangte. Die Prinzipien unserer Wirtschaftspolitik gehen auf dieses Gesetz sowie auf die Erfahrungen zurück, die
wir in zwei Jahrzehnten mit diesem Gesetz gewonnen haben.
Das Grundlegende und Revolutionierende an diesem Beschäftigungsgesetz ist, daß es der Bundesregierung eine Mitverantwortung für die
Tätigkeit der amerikanischen Wirtschaft auferlegt. Die Form dieser
Mitverantwortung wurde im Laufe der Jahre durch die Empfehlungen von
vier Präsidenten und die Gesetze von zehn Kongressen immer deutlicher
umrissen.
Als Hauptaufgaben der von der Bundesregierung verfolgten Wirtschaftspolitik erachte ich heute:
1. Die Vollbeschäftigung ohne Geldentwertung zu erreichen; die
Steuer- und Währungspolitik so zu gestalten, daß die Gesamtnachfrage
mit unserem wachsenden Produktionspotential Schritt hält, während

- 5-

�während gleichzeitig die Ausweitung dieses Potentials durch Maßnahmen
auf dem Gebiet der Ausbildung, der Forschung und Entwicklung sowie der
Arbeitsmarktpolitik und durch verstärkte private und öffentliche Investitionen gefördert wird;
2. dazu beizutragen, durch Stärkung des Arbeitspotentials und Beseitigung von Diskriminierung, Unwissenheit und Krankheit allen neue
Möglichkeiten zu eröffnen;
3. bei der Lösung sozialer und wirtschaftlicher Probleme mitzuhelfen, die weder von privater Seite noch von einzelstaatlichen und
kommunalen Behörden allein bewältigt werden können - wie der Ausbau
des Transportwesens, die Erhaltung gesunder Umweltbedingungen, die
Sanierung der Landwirtschaft oder die Neugestaltung unserer Städte;
4. einen Ausgleich der Zahlungsbilanz unseres Landes zu erreichen
und zu erhalten sowie auf Verbesserungen in der internationalen Wirtschaftsordnung hinzuarbeiten;
5. einen gesunden Wettbewerb zu erhalten und zu fördern;
6. nationale Ziele so weit wie möglich durch freiwillige Mitarbeit
von Wirtschaft, Gewerkschaften und anderen Gruppen zu verwirklichen.
Die Anerkennung dieser Verantwortung der Bundesregierung verringert weder die Verantwortung des einzelnen oder privater Wirtschaftsgruppen, noch schränkt sie ihre Freiheit ein; ebensowenig wird die
Autorität der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden in Frage gestellt.
Es geht hier um neue und immer schwierigere Probleme einer immer
komplizierteren und in gegenseitiger Abhängigkeit stehenden Wirtschaft
und Gesellschaft. Nur die Bundesregierung kann die hieraus erwachsenden
Aufgaben auf sich nehmen. Die Bundesregierung kann jedoch nicht von
sich aus Wohlstand schaffen, die Arbeitslosigkeit verringern, eine Geldentwertung vermeiden, die Zahlungsbilanz ausgleichen, unsere Städte neu
aufbauen, die Landwirtschaft stärken, die Armut beseitigen oder die
Volksgesundheit heben.
Nur

- 6-

�Nur durch eine schöpferische und kooperative Partnerschaft aller
privaten Interessen und aller Regierungsstellen - einen schöpferischen
Föderalismus - können unsere wirtschaftlichen und sozialen Ziele verwirklicht werden. Die Erfolgsgeschichte Amerikas wurde von einer solchen Partnerschaft geschrieben. Und die außergewöhnlichen wirtschaftlichen und sozialen Erfolge in den letzten Jahren wurden dadurch erzielt, daß diese Partnerschaft noch dynamischer gestaltet und das Vertrauen in ihre Wirksamkeit neu begründet wurde.

Unsere wirtschaftlichen Erfolge
Unsere Wirtschaft ist so gewaltig und unsere Fortschritte waren
so schnell, daß es schwerfällt, unsere Erfolge in der richtigen Perspektive zu sehen. Hier einige Beispiele:
- In nur sieben anderen Ländern der Welt ist die Gesamtproduktion
eines Jahres so groß wie unser Produktionszuwachs im vergangenen Jahr.
- Der Wert des Anlagevermögens unserer Privatunternehmen - gemessen
in konstanten Preisen - hat sich allein 1965 in dem gleichen Maße erhöht wie in den vier Jahren von 1957 bis 1960 zusammen.
- Allein die Zunahme der Bareinnahmen des Bundes in den Finanzjahren von 1961 bis 1967 wird - trotz Steuersenkungen um 20 Milliarden
Dollar - die gesamten Bareinnahmen des Bundes in jedem einzelnen Finanzjahr in Friedenszeiten vor 1951 übersteigen.

Arbeitsplätze, Einkommen und Produktion
Die Liste unserer wirtschaftlichen Erfolge im Jahre 1965 beginnt
bei der Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten durch Schaffung von:
- 2,4 Millionen mehr Arbeitsplätzen insgesamt;
- 1 Million mehr Arbeitsplätzen für Jugendliche;
- 350 000 mehr Arbeitsplätzen für Farbige;
- 900 000 mehr Arbeitsplätzen für Frauen;
- 1,2 Millionen

- 7-

�- 1,2 Millionen mehr Arbeitsplätzen für Fabrikarbeiter;
- 900 000 mehr Arbeitsplätzen in der Fertigung;
- 450 000 mehr Arbeitsplätzen bei einzelstaatlichen und Kommunalbehörden;
- 1 Million mehr Arbeitsplätzen im Handel und im Dienstleistungsgewerbe.
Sie setzt sich bei den Löhnen fort:
- Die Durchschnittsstundenlöhne nahmen in der Industrie um 3 Prozent, im Einzelhandel um 4,5 Prozent zu.
- Die Durchschnittswochenlöhne nahmen in der Industrie um 3,5 Prozent, im Handel um 3,3 Prozent zu.
Die übrigen Einkommen stiegen wie folgt:
- das landwirtschaftliche Einkommen um 22 Prozent;
- das Durchschnittseinkommen der selbständigen Gewerbetreibenden
und der freiberuflich Tätigen um 7,5 Prozent;
- die Dividenden um insgesamt 12 Prozent.
Die Kapitalgesellschaften hatten einen ebensolchen Aufschwung zu
verzeichnen, stiegen doch
- die Gewinne vor Abzug der Steuern um 15 Prozent;
- die Gewinne nach Abzug der Steuern um 20 Prozent;
- die nicht ausgeschütteten Gewinne um 29 Prozent.
Nachdem mehr Menschen in Arbeit standen und mehr verdienten,
- stieg das Personaleinkommen um insgesamt 39 Milliarden Dollar
oder 7,5 Prozent;
- erhöhte sich das Verbrauchereinkommen nach Abzug der Steuern um
34 Milliarden Dollar oder ebenfalls 7,5 Prozent.
Regierung und Verwaltungen profitierten von dieser Einkommensausweitung in folgender Weise:
- Die

- 8 -

�- Die Bareinnahmen der Regierung erhöhten sich um 8,5 Milliarden
Dollar;
- die Einzelstaaten und Gemeinden nahmen 4,3 Milliarden mehr ein,
wodurch sich die Notwendigkeit von Steuererhöhungen zur Bestreitung
ihrer Ausgaben verringerte.
- die höheren Einkünfte von Einzelpersonen, Gesellschaften und Regierung resultierten aus der Ausweitung der Produktion:
(Veränderung 1965 gegenüber 1964 in Milliarden Dollar)
Produktion von Gütern und Dienstleistungen für den Verbraucher

+29,5

Produktion neuer Anlagen und Ausrüstungen

+

Produktion für den Bedarf der Bundesregierung

+ . 1,5

Produktion für den Bedarf der einzelstaatlichen und Kommunalbehörden
Produktion zur Erhöhung der Lagerbestände

+
+

9,5

5,0
2,5

unverändert

Wohnungsbau
Produktion für den Export
(abzüglich Import)

M

Bruttosozialprodukt (Gesamtproduktion)

+ 47

1,5

Wir konnten unsere Gesamtproduktion im vergangenen Jahr um weitere
47 Milliarden Dollar steigern, weil:
- unser Arbeitskräftepotential einen Nettozugang von 1,4 Millionen
Menschen zu verzeichnen hatte;
- für diese zusätzlichen Arbeitskräfte und 400 000 Arbeitslose
Arbeitsplätze geschaffen wurden;
- jeder Beschäftigte während des Jahres im Durchschnitt einige
Stunden länger arbeitete; und
- jede in der Privatwirtschaft geleistete Arbeitsstunde im Durchschnitt einen Produktivitätszuwachs von 2,8 Prozent gegenüber 1964 erbrachte.
Der erhöhte Beschäftigtenstand und die höhere Produktivität wurden
ermöglicht, weil durch die Investitionen der Wirtschaft eine wesentliche

- 9-

�wesentliche Ausweitung der Produktionskapazität erreicht wurde; weil
die neuen und die vorhandenen Kapazitäten besser genutzt wurden als
in den vorangegangenen Jahren; und weil unsere Arbeitskräfte eine
bessere Ausbildung und Schulung hatten als früher. Unsere Bemühungen,
die ungelernten Arbeitskräfte an den sich schnell verbessernden Aufstiegschancen teilhaben zu lassen, waren eine Investition in unsere
Produktionskapazität und sie werden es auch künftig sein.
Die verstärkte Marktnachfrage, die diese höhere Erzeugung auslöste, kam von allen Sektoren. Die beiden dominierenden Kräfte waren
jedoch die starke Zunahme der Aufwendungen der Wirtschaft für neue
Anlagen und Ausrüstungen sowie der weitere Verlaß auf die Verbraucherausgaben, die mit den Verbrauchereinkommen Schritt hielten. Verbrauchssteuersenkungen und erhöhte Zuwendungen der Sozialversicherung trugen
1965 ebenfalls dazu bei, die Einkünfte und Ausgaben der Haushaltungen
ansteigen zu lassen. Die im Steuergesetz von 1964 vorgesehenen Steuersenkungen bildeten das ganze Jahr hindurch eine Stütze für die private
Nachfrage. Bis Ende des Jahres hatten sie auf diese Weise mit 30 Milliarden Dollar zur Erhöhung des Bruttosozialproduktes beigetragen.

Fortschritte für die Benachteiligten
Die benachteiligten und weniger begüterten Mitglieder unserer
Gesellschaft hatten ebenfalls an den wirtschaftlichen Gewinnen des Jahres 1965 teil:
- Für die Armen, die arbeiten konnten, machte sich der Rückgang
der Arbeitslosigkeit, die Zunahme der Arbeitszeit und die Erhöhung der
Löhne bemerkbar.
- Für die Armen, die mehr leisten konnten, wurden bessere Ausbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz geschaffen; sie erhielten Unterstützung bei der Arbeltssuche und bessere Bildungsmöglichkeiten; diskriminierende Schranken wurden abgebaut.
- Für die Armen, die nicht verdienen konnten, gab es höhere Unterstützungen, neue Programme der ärztlichen Betreuung und bessere Sozialleistungen.
- Für
- 10 -

�- Für die Armen, die noch zu jung zum Verdienen waren, gab es
bessere Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten, Beihilfen, durch die
ein längerer Schulbesuch ermöglicht wurde, sowie eine bessere gesundheitliche Betreuung...
Der Kampf gegen Armut, Unwissenheit, Krankheit, Diskriminierung
und unzulängliche Aufstiegsmöglichkeiten muß fortgesetzt werden.

Verbesserung der Zahlungsbilanz
Im Jahre 1965 konnten wir unser Zahlungsbilanzdefizit auf weniger
als die Hälfte des Betrages von 1964 und 1963 reduzieren. Wir haben
einer skeptischen Welt bewiesen, daß ein freiwilliges Programm, das
sich auf die patriotische Mitarbeit der Wirtschaft und der Banken
stützt, Erfolge zeitigen kann.
Wir erzielten 1965 beträchtliche Fortschritte
- trotz der Tatsache, daß unser neues Programm erst zu Ende des
ersten Quartals anlief;
- trotz größerer Verantwortungen und Pflichten in Vietnam;
- trotz eines zeitweiligen Rückgangs unseres Außenhandelsüberschusses;
- trotz der Tatsache, daß die britische Regierung amerikanische
Wertpapiere und andere Guthaben im Werte von mehr als einer halben
Milliarde Dollar flüssig machte.
Die Entwicklung von Kosten und Preisen
Bis vor einem Jahr waren die Kosten und Preise in den USA gegenüber 1958 im wesentlichen unverändert geblieben. Im vergangenen Jahr
wurde diese Entwicklung, vor allem durch ein Ansteigen der Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, gestört. Aber trotzdem haben wir gegenüber unseren Hauptkonkurrenten in Übersee nicht an
Boden verloren, deren Preise und Kosten im allgemeinen noch stärker
gestiegen sind als unsere.
Einige
- 11 -

�I

Einige international gehandelte Rohstoffe - insbesondere Metalle
und Häute - kosten uns heute mehr. Und höhere Preise für Erdölerzeugnisse und bestimmte Maschinen haben unsere Preis-Indizes ebenfalls
etwas nach oben getrieben.
Aber die Arbeitskosten - das wesentlichste Element in der Kostenstruktur - sind kaum gestiegen, da der Produktivitätszuwachs größtenteils die mäßigen Steigerungen der Arbeitskosten pro Stunde wettmachte.
Auf zahlreichen Sektoren unserer Wirtschaft ist Preisstabilität
immer noch die Regel, und einige wichtige Preise bewegen sich den sinkenden Kosten folgend immer noch nach unten...
Wirtschaftliche Aussichten für 1966
Die Nachfrage wird 1966 weiterhin rasch ansteigen, und die Produktion wird dieser Entwicklung Rechnung tragen. Die Höhe der Investitionsaufwendungen zeigt das starke Vertrauen der Wirtschaft in steigende
Umsätze, zunehmende Gewinne und einen hohen Betriebsstand, die zur weiteren Expansion und Modernisierung anspornen. Die wachsenden Verteidigungsausgaben der Bundesregierung bilden einen gewichtigen neuen Faktor
im Wirtschaftsbild. Aufgrund wachsender Bundesbeihilfen werden die Ausgaben der einzelstaatlichen und Kommunalbehörden weiter zunehmen. Das
steigende Verbrauchereinkommen aus Löhnen, Dividenden, Zinsen, freiberuflicher Arbeit sowie aus der Landwirtschaft wird erneut weitgehend
für Ausgaben zur Verbesserung des Lebensstandards aufgewandt werden.
Diese Faktoren werden 1966 unser Bruttosozialprodukt fast ebenso
stark anwachsen lassen wie im vergangenen Jahr, das einen Rekordzuwachs
von 47 Milliarden Dollar brachte. Für 1966 wird das Bruttosozialprodukt
- mit einem Spielraum von 5 Milliarden Dollar nach oben und nach unten auf 722 Milliarden Dollar veranschlagt. Unter Zugrundelegung dieses Betrages rechnen wir:
- mit zusätzlichen 40 Milliarden Dollar an Ausgaben und Produktion
für den privaten und öffentlichen zivilen Bedarf;
- mit

- 12 -

�- mit einem Absinken der Arbeitslosigkeit unter 4 Prozent und damit unter die Jahresdurchschnitte seit 1953;
- mit einer wesentlichen Ausweitung der Produktionskapazität unserer Industrie;
- mit einer weiteren guten Zunahme der Produktivität; und
- mit einer vollen Ausnutzung unserer Produktionskapazität ohne
irgendwelche Überbeanspruchung oder Anspannung.

Steuer- und Finanzpolitik
Das von mir für 1966 empfohlene Programm des Fiskus zielt auf eine
Vollbeschäftigung ohne Geldentwertung ab. Es ist ein verantwortungsbewußtes Programm. Es trägt der Tatsache Rechnung, daß eine dynamische
private Nachfrage und die erforderlich werdenden Verteidigungsausgaben
das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aus den Angeln heben
könnten, das unsere Steuer- und Finanzpolitik in den vergangenen Jahren
beharrlich angestrebt und jetzt so wirksam erreicht hat.
Bis zu diesem Jahr verlangte die Wahrung dieses Gleichgewichtes
fiskalische Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage. Jetzt ist ein solcher Anreiz nicht mehr länger angebracht.
Ich habe jedes einzelne Regierungsprogramm überprüft, um Raum für
die Verteidigungserfordernisse zu schaffen. Ich habe weniger dringliche
zivile Programme stark reduziert oder völlig eingestellt. Aber ich bin
nicht gewillt, wie ich dies in meiner Botschaft über die Lage der
Nation angedeutet habe, für unseren Fortschritt in Richtung auf die
Große Gesellschaft ein Moratorium zu erklären. In meinem Haushalt werden 3,2 Milliarden Dollar zusätzlich für unseren Krieg gegen Armut, Unwissenheit und Krankheit bereitgestellt. Einsparungen in anderen Bereichen werden die Ausweitung des Regierungshaushaltes - abgesehen von den
zusätzlichen Aufwendungen für Vietnam - auf lediglich 600 Millionen
Dollar begrenzen...

Unsicherheitsfaktoren

- 13 -

�Unsicherheitsfaktoren
Wir haben die Wirtschaftslage nach bestem Wissen zu ergründen versucht. Dieses Jahr war die Beurteilung ungewöhnlich schwierig. Wenn die
jetzt von mir vorgeschlagenen steuerlichen Maßnahmen im Zusammenwirken
mit dem mäßigenden Einfluß der Währungspolitik die Gesamtnachfrage
nicht in den Grenzen der Produktionskapazität des Landes halten sollten, werde ich nicht zögern, weitere fiskalische Maßnahmen zu beantragen, um die privaten Ausgaben zu bremsen. Genauso wenig werde ich zögern,
um weitere derartige fiskalische Maßnahmen nachzusuchen, wenn zusätzliche Verteidigungserfordernisse dies im Laufe des Jahres notwendig machen sollten. Und ich werde die Gelegenheit zu einer Änderung meines
Budgets begrüßen, falls ein Nachlassen der internationalen Spannungen
geringere Verteidigungsausgaben ermöglichen sollten, als jetzt vorgesehen sind.
Unsere Verteidigungserfordernisse sind groß; aber unser Wirtschaftswachstum ist noch weit stärker. Die an unsere Wirtschaft gestellten Anforderungen sind hoch, aber ihre Produktionskapazität ist enorm. Sicherlich stehen uns Überraschungen bevor, aber unsere Fähigkeit, mit veränderten Umständen fertig zu werden, ist groß und wird immer größer.

Wahrung der Kosten- und Preisstabilität im Jahre 1966
Eines der Probleme der Prosperität, denen wir uns 1966 gegenübersehen, ist die Wahrung der Stabilität von Kosten und Preisen bei Vollbeschäftigung. Die Grundvoraussetzung für eine Stabilität der Preise
ist eine Finanzpolitik der öffentlichen Hand, die verhindert, daß die
Gesamtnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen das mögliche Angebot
übersteigt. Aber die Geschichte lehrt, daß noch mehr notwendig ist:
Verantwortungsbewußtsein seitens der Sozialpartner gegenüber den Interessen der Öffentlichkeit bei der Festsetzung von Löhnen und Preisen.
Die kräftige Wirtschaftsentwicklung, die wir für 1966 voraussehen,
wird die Gewerkschaften dazu verlocken, kostensteigende Lohnerhöhungen

- 14 -

�Lohnerhöhungen zu fordern, und die Wirtschaft anreizen, die Preise zu
erhöhen, selbst wenn die Gewinnspannen völlig ausreichend sind. Die
Gewerkschaften müssen sich vor Augen halten, daß zunehmende Beschäftigung und Produktivität die Grundlage für höhere Löhne sind, und die
Unternehmer müssen sich darüber im klaren sein, daß eine expandierende
Wirtschaft die Hauptquelle für einen Gewinnzuwachs bildet. Diese Grundlagen dürfen nicht gefährdet werden.
Die Bundesregierung hat nicht die Vollmacht, Höchstgrenzen für
Löhne und Preise festzusetzen. Aber wenn 200 000 unserer Mitbürger
ihr Leben bei der Verteidigung der Freiheit in Übersee einsetzen, dann
ist es die Pflicht der Regierung, diejenigen, die sich hier in den USA
in Sicherheit der Prosperität erfreuen, dazu aufzufordern, daß sie von
ihrer Freiheit in der Preis- und Lohngestaltung in verantwortungsbewußter Weise Gebrauch machen...

Internationale Wirtschaftspolitik für 1966
Die Zielsetzungen unserer internationalen Wirtschaftspolitik für
1966 sind:
- Unser noch verbliebenes Zahlungsbilanzdefizit zu korrigieren,
damit der Dollar weiterhin stark bleibt;
- auf einen Abbau der Handelsschranken hinzuarbeiten, damit alle
Nationen in den Genuß eines freieren Handels kommen;
- das internationale WährungsSystem zu verbessern, damit dieses
weiterhin eine gesunde und stetige Expansion der Weltwirtschaft zu
fördern vermag;
- gemeinsam mit den übrigen vom Glück begünstigten Nationen an
der Lösung der großen internationalen Aufgabe unseres Zeitalters zu
arbeiten: den Entwicklungsländern, die zur Selbsthilfe bereit sind,
dabei zu helfen, schnellere Fortschritte in Richtung auf ein besseres
Leben in Freiheit zu erzielen.

Zahlungsbilanz

- 15 -

�Zahlungsbilanz
Im Jahre 1965 wurden entscheidende Fortschritte in Richtung auf
einen Abbau unseres Zahlungsbilanzdefizits erzielt. Wenn auch die
1965 erreichten Ergebnisse befriedigend sind, so können wir es uns
nicht leisten, in unseren Anstrengungen nachzulassen. Wir haben noch
keinen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz erreicht.
Das Ziel für 1966 ist ein Ausgleich der Zahlungsbilanz. Das setzt
voraus, daß
- die Wirtschaft weiterhin voll und ganz im Rahmen der verbesserten Richtlinien über den Kapitalfluß mitarbeitet, die im Dezember bekanntgegeben wurden;
- die Banken und Finanzinstitute weiterhin so ausgezeichnet mitarbeiten wie im vergangenen Jahr;
- die Wirtschaft in diesem Jahr trotz der hohen Inlandsaufträge
noch mehr Erzeugnisse im Ausland absetzt;
- Wirtschaft und Gewerkschaften Kosten und Preise stabil halten,
damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Güter und Dienstleistungen auf
dem Weltmarkt erhalten bleibt;
- die Regierung mit Nachdruck darauf hinarbeitet, den DollarAbfluß nach dem Ausland im Rahmen ihrer Hilfs- und Verteidigungsprogramme sowie all ihrer sonstigen Tätigkeiten auf ein Minimum einzuschränken;
- der Kongreß das von mir im vergangenen Jahr empfohlene Steuergesetz verabschiedet, um die Investitionsmöglichkeiten für Ausländer
in den Vereinigten Staaten zu verbessern;
- wir unsere Anstrengungen verstärken, unseren eigenen Staatsbürgern wie auch den Ausländern einen Anreiz zu Reisen in den Vereinigten Staaten zu geben.
Ich erteile hiermit Weisung, daß diese Anstrengungen Vorrang erhalten sollen.
Welthandel

- 16 -

�Welthandel

Das Jahr 1966 ist das Jahr, in dem die Welt bei der Liberalisierung
des internationalen Handels einen gewaltigen Schritt vorankommen kann,
wenn

die Kennedy-Runde der Verhandlungen über den Abbau der Handels-

schranken für alle Warenkategorien erfolgreich abgeschlossen wird. Das
daraus resultierende Wachstum des Welthandels und des Welteinkommens
würde allen Ländern, den Entwicklungsländern wie den Industriestaaten,
zugute kommen. Die Vereinigten Staaten werden alles tun, was in ihren
Kräften steht, um wieder sinnvolle Verhandlungen in Gang zu bringen.
Dieses große Projekt der internationalen Zusammenarbeit darf nicht fehlschlagen.
Wir werden unsere Bemühungen zur Verbesserung der Handelschancen
der Entwicklungsländer fortsetzen, indem wir zur Stabilisierung des Rohstoff handeis beitragen, die regionale Integration, wo immer möglich,
fördern, ihnen Zugang zu Märkten bieten und die Exportförderung aktiv
unterstützen.

Reform des internationalen Währungssystems
In dem Maße, in dem wir einen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz
erreichen und aufrechterhalten, wird der Dollar nicht mehr länger die
internationalen Währungsreserven erhöhen, wie dies in der Vergangenheit
der Fall war. Wir haben bereits vor langer Zelt gelernt, daß wir uns
nicht allein auf Gold stützen können. Die freie Welt muß nach neuen Liquiditätsquellen zur Unterstützung des ständig zunehmenden internationalen
Handels- und Zahlungsverkehrs suchen, statt immer nur auf Defizite in der
amerikanischen Zahlungsbilanz zu rechnen.
Wir drängen daher gemeinsam mit anderen Nationen darauf, daß
- ein ausreichendes und ordnungsgemäßes Wachstum der internationalen
Währungsreserven sichergestellt,
- der Ausgleich von Überhängen bzw. Fehlbeträgen in Zusammenarbeit
von Überschuß- und Defizitländern verbessert und
- das
- 17 -

�- das Währungssystem, das der Welt in der Vergangenheit so gute
Dienste geleistet hat, gestärkt wird.
Ich hoffe, daß die großen Industriestaaten - und danach die gesamte
Gemeinschaft der freien Nationen - eine Übereinkunft erreichen werden,
die durch einen wohl erwogenen Beschluß der Völkergemeinschaft neue
Reserven schafft, die dem wirtschaftlichen Wohl aller dienen...

Wirtschaftshilfe
Wir haben unsere Auslandshilfepolitik zu einem wirksameren Instrument gemacht, mit dem wir einer der größten Aufgaben in der Geschichte
gegenübertreten können: der Entwicklung der Verarmten, aber erwachenden
und unruhigen zwei Drittel der Welt.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, weiterhin jene Länder zu unterstützen, die bewiesen haben, daß sie sich für die Aufgabe einsetzen, ihre
Volkswirtschaften unter freiheitlichen Bedingungen auszuweiten und zu
stärken.
In den vergangenen Jahren habe ich bewußt jede weitere Erhöhung
unserer Auslandshilfe-Anforderung vermieden, während wir gleichzeitig
ein sparsames, aber wirkungsvolles Programm ausarbeiteten, um jedem ausgegebenen Dollar die maximale Wirkung zu verleihen.
Heute sind wir bereit, mit besonderem Nachdruck auf drei Gebieten
vorzugehen, auf denen zu helfen die USA besonders qualifiziert sind:
- auf dem Gebiet der Landwirtschaft, um die Nahrungsmittelproduktion
dort zu fördern, wo sie mit der stark ansteigenden Bevölkerungszahl nicht
Schritt hält;
- auf dem Gebiet des Gesundheitswesens, um Millionen von Menschen
zu helfen, die umfassender zum eigenen wirtschaftlichen Fortschritt beitragen könnten;
- auf dem Gebiet der Erziehung und Ausbildung, um did modernen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, die für die Entwicklung notwendig

- 18 -

�Nach einem kurzen Überblick über die Bemühungen auf dem Gebiet der
städtischen Neuordnung mit ihren sozialpolitischen Auswirkungen und den
Anstrengungen zur Bekämpfung der Verschmutzung von Luft und Gewässern
kommt der Präsident zum Verkehrswesen.

Verkehrswesen
"Den revolutionierenden technischen Neuerungen auf dem Gebiet des
Verkehrswesens während des vergangenen halben Jahrhunderts standen keinerlei entsprechende Fortschritte in unserer einschlägigen Politik oder
im Aufbau unserer Bundesdienststellen gegenüber.
Ich empfehle daher die Schaffung eines Verkehrsministeriums, das
- die umfassenden Bundesförderungsprogramme für Fernverkehrsstraßen, Wasserwege, Flugverkehr und Schiffahrt verwaltet und
- künftig federführend ist für die Ausarbeitung einer neuen, den
heutigen Gegebenheiten entsprechenden Verkehrspolitik...

Sozialpartner - Sicherung der Stellung der Gewerkschaften
Ein starkes und von Verantwortungsbewußtsein getragenes Kollektivverhandlungswesen bildet ein wichtiges Werkzeug einer freien und gesunden Wirtschaft. Um seine Wirksamkeit zu erhöhen und die Politik in Arbeitsfragen gegenüber den Gewerkschaften innerhalb des gesamten Landes
einheitlich zu gestalten, ersuche ich den Kongreß erneut, den Abschnitt
14 (B) des Taft-Hartley-Gesetzes aufzuheben.

Notstände durch Streik
Der jüngste Verkehrsstreik in New York demonstrierte eindeutig unseren Mangel an Handhaben, extreme Störungen des Lebens in einer Stadt
von acht Millionen Menschen auszuschließen.
Ich beabsichtige, den Kongreß darum zu ersuchen, Maßnahmen zu erwägen, die es uns gestatten, ohne die Zuständigkeit der einzelnen Bundesstaaten und der Kommunalbehörden zu sehr zu beeinträchtigen, Streiks

- 19 -

�Streiks wirksam entgegenzutreten, die dem nationalen Interesse nicht
wiedergutzumachenden Schaden zufügen könnten.

Arbeitslosenversicherung
Unser Arbeitslosenversicherungssystem hat mit den Fortschritten
der Wirtschaft nicht Schritt gehalten. Es ist jetzt an der Zeit, es zu
modernisieren, solange die Arbeitslosigkeit niedrig ist und die Kosten
eines verbesserten Versicherungsschutzes leicht aufgefangen werden können. Wir brauchen ein Programm, das für einen größeren Kreis von Arbeitnehmern sowie bei längerer Arbeitslosigkeit realistischere Zuwendungen
vorsieht, das Mißbräuche beseitigt und eine wirksame und verantwortungsbewußte Verwaltung gewährleistet, und das die steuerliche Grundlage
dieses Systems erweitert und seine Finanzierung verbessert. Ich ersuche
den Kongreß um die Verabschiedung eines solchen Programmes.

Faire Arbeitsnormen
Millionen von Arbeitnehmern auf der untersten Stufe unserer Lohnskala genießen noch immer nicht den Schutz der Bundesmindestlohnbestimmungen. Zudem sollten wir diesen Schutz selbst durch Erhöhung der
Mindestlöhne verbessern.
Ich empfehle die Ausdehnung des Gesetzes über faire Arbeitsnormen
auf eine große Zahl weiterer Arbeitnehmer. Bei der Verabschiedung eines
Gesetzes über höhere Mindestlöhne sollte der Kongreß sorgfältig dessen
Auswirkungen auf die unter der Norm liegenden Einkommen, auf die Stabilität von Kosten und Preisen und auf die Verfügbarkeit von Arbeitsmöglichkeiten für solche Arbeitskräfte prüfen.

Reform und Vereinfachung des Steuersystems
Im Hinblick darauf, daß auf fiskalischem Gebiet Zurückhaltung geboten erscheint, kann ich dieses Jahr keine spezifischen - wenn auch
noch so wünschenswerten - gesetzlichen Maßnahmen, wie etwa eine

wesent-

liche Senkung der Nettosteuersätze, empfehlen. Die Gefahr einer Geld-

- 20 -

�Geldentwertung aufgrund der gesteigerten Nachfrage wäre zu groß, und
jede spezifische Steuersenkung zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde den
Zeitpunkt hinausschieben, da wir eine wirkliche, allgemeine Senkung
der Steuern vornehmen können.
Obwohl eine Steuersenkung in diesem Jahr nicht möglich ist, besteht doch die Notwendigkeit für die Verbesserung unseres Steuersystems,
der die Aufmerksamkeit der Regierung gilt und die von allen Amerikanern
unterstützt werden sollte.
Unser Hauptziel sollte die Vereinfachung der Steuergesetze sein.
Ein weiteres Ziel wäre eine gerechtere Verteilung der Steuerlast. Die
großen Unterschiede in der Besteuerung von Personen mit etwa gleichen
Einkommen müssen verringert werden. Ferner sollte, sobald eine Steuersenkung erneut möglich wird, der Entlastung jener besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, die mit ihrem Einkommen nahezu am Rande der Armut leben. Und schließlich müssen wir die besonderen Steuervergünstigungen überprüfen..."
Nach Empfehlungen zum Schutz der Spareinlagen kommt der Präsident
zu Maßnahmen zum Schutz des Verbrauchers.

Verbraucherschütz
"Ich habe bereits Wirtschaft und Gewerkschaften aufgerufen, bei
der Erhaltung der Stabilität von Kosten und Preisen zusammenzuarbeiten.
Aber auch der Verbraucher hat die Pflicht, sich preisbewußt zu verhalten.
Um dieser Pflicht nachkommen zu können, muß der Verbraucher Zugang
zu eindeutigen, unverfälschten Informationen über die zum Verkauf angebotenen Erzeugnisse und Dienstleistungen haben. Dadurch wird er in die
Lage versetzt, die am rationellsten arbeitenden Erzeuger und Händler zu
bevorzugen, die ihm den höchsten Gegenwert oder den niedrigsten Preis
bieten.
Wir sollten nicht länger mit der Beseitigung irreführender und
täuschender Verpackungs- und Etikettierungspraktiken warten, die unter

- 21 -

�unter den Verbrauchern nur Verwirrung schaffen. So sollte ein Gesetz
über faire Verpackung und Etikettierung verabschiedet werden...
Schlußfolgerungen
Vor einigen Jahren war viel von dem 'europäischen Wirtschaftswunder' die Rede. Heute spricht man jenseits des Ozeans und überall
in der Welt wieder vom 'amerikanischen Wirtschaftswunder'.
Denn die amerikanische Wirtschaft hat in den vergangenen fünf
Jahren erneut die zuversichtliche Lebenskraft, die innere Dynamik
und die gewaltige Produktivität unter Beweis gestellt, die sie lange
Jahre gekennzeichnet hatten. Wir hatten uns eine Zeitlang auf einem,
wie es uns schien, Plateau des Wohlstandes ausgeruht. Heute können
wir erneut den starken Schwung des Fortschritts verzeichnen - aber
eines neuen, stetigen und ausgewogenen Fortschritts.
Wir haben der Welt erneut bewiesen, was freie Menschen und eine
freie Wirtschaft erreichen können. Die Völker, die um wirtschaftliche
Entwicklung bemüht sind, sehen mit erneutem Interesse, daß freie
Märkte und wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit ein gewaltiger Motor
des Fortschritts sein können.
Darüber hinaus erwirbt sich in der Welt ein Amerika neuen Respekt,
das damit befaßt ist, seinen Überfluß zur Verbesserung menschlicher
Lebensumstände einzusetzen - Respekt für ein Volk,
- das gleichzeitig mit der Verteidigung der Freiheit einen Feldzug gegen die Axnut unternimmt;
- das sich darum bemüht, seine Städte großartiger zu gestalten
und die Schönheiten seiner Landschaft zu erhalten;
- das entschlossen ist, jahrhundertealte Schranken des Vorurteils
und der Ungerechtigkeit niederzureißen;
- das entschlossen ist, das Erziehungs- und Bildungsniveau auf
allen Ebenen zu verbessern;
- das

- 22 -

�- das entschlossen ist, bei jedem Vorhaben hervorragende Leistungen zu fördern und zu belohnen;
- das seinen älteren Mitbürgern neue gesundheitliche Betreuungsprogramme und größere soziale Sicherheit bietet;
- das sich erbietet, seinen Überfluß und seine technischen Erfahrungen mit einer bedürftigen Welt zu teilen.
Der neue Elan und Fortschritt Amerikas kann eine Quelle der Befriedigung sein. Und dennoch können wir uns nicht auf den Leistnngen
der Vergangenheit ausruhen. Anhaltende Probleme fordern unsere Entschlossenheit und unseren Einfallsreichtum heraus.
Wahrscheinlich wird unsere ernsthafteste wirtschaftliche Aufgabe
im Jahre 1966 darin bestehen, im wesentlichen die Stabilität der Kosten
und Preise zu wahren, die so entscheidend zu unserem ausgewogenen Fortschritt beigetragen hat.
Ich weiß nicht, welche zusätzlichen Verteidigungslasten die amerikanische

Wirtschaft im Jahre 1966 zu tragen haben wird. Was für Bürden

es auch immer sein mögen, sie werden getragen werden und sie werden
gering sein im Verhältnis zum Wachstum unseres Wohlstandes. Aber in
einer Wirtschaft, die sich der vollen Ausnutzung ihrer Hilfsquellen
nähert, erschweren die neuen Erfordernisse in Vietnam unsere Aufgabe,
die Preisstabilität zu wahren.
Um Sicherungsmaßnahmen gegen die Gefahr eines inflationistischen
Drucks zu treffen, habe ich die amerikanische Bevölkerung aufgefordert, ihre Steuern schneller zu entrichten, und darum ersucht, eine geplante Steuersenkung zu verschieben. Stellt sich heraus, daß weitere
Sicherungen nötig sind, dann sollten wir meiner Überzeugung nach höhere
Steuern erheben, statt eine Geldentwertung zu akzeptieren, die die ungerechteste und unberechenbarste Form der Besteuerung ist.
Wir wissen, daß wir unsere wachsende Wirtschaft weder in eine
Zwangsjacke zu stecken noch auf Gegentouren laufen zu lassen brauchen.
Aber das Ausmaß der fiskalischen oder monetären Zurückhaltung, das zur

- 23 -

�zur Vermeidung inflationistischen Druckes nötig sein wird, wird direkt
von der Zurückhaltung und Mäßigung abhängen, die jene üben, die über
Löhne und Preise bestimmen können.
Ich ersuche erneut jeden Gewerkschaftsführer und jeden Unternehmer,
der im Jahre 1966 Preis- oder Lohnentscheidungen zu treffen hat, sich
immer vor Augen zu halten, daß seine Entscheidungen nicht nur die Löhne
seiner Mitglieder oder die Erträge für seine Aktionäre berühren. Eine
kurzsichtige Verfolgung kurzfristiger Interessen wird, auf längere
Sicht gesehen, weder die Interessen der Gewerkschaften noch die der
Unternehmer fördern, und ganz gewiß nicht die Interessen der Nation.
Ich bin davon überzeugt, daß die überwältigende Mehrheit der privaten Entscheidungen im Jahre 1966 vernünftig und verantwortungsbewußt
sein wird - genauso, wie ich entschlossen bin, dafür zu sorgen, daß die
öffentlichen Entscheidungen in jeder Weise verantwortungsbewußt sein
werden.
Ist dies der Fall, dann wird das amerikanische Wirtschaftswunder
im Jahre 1966 die wichtigste Einzelkraft im wirtschaftlichen Fortschritt
der Menschheit bleiben."

+++++

- 24 -

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I,

S e r v i c e

P o s t f a c h

T• I • x i

Beilage

3 0 0

0 8 - 8 5 4 3 2

XIX - 8

DER VIETNAM-KONFLIKT
NICHT INNERER AUFRUHR SONDERN BEWAFFNETER ANGRIFF VON AUSSEN

Erklärung

die der amerikanische Außenminister, Dean Rusk, am 18. Februar 1966
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats abgegeben hat

WASHINGTON - (AD) - Die Erklärung Außenminister Rusks vor dem Außenpolitischen
Senatsausschuß gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Hintergründe des
Vietnam-Konflikts und die amerikanischen
Bemühungen um eine politische Lösung.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen
den vollen Text der Erklärung des Außenministers zur Kenntnisnahme und eventuellen
Veröffentlichung im Wortlaut oder in Auszügen.

�DER VIETNAM-KONFLIKT
NICHT INNERER AUFRUHR SONDERN BEWAFFNETER ANGRIFF VON AUSSEN

Der unmittelbare Anlaß zu dieser Informationssitzung ist der Antrag des Präsidenten, für das Amt für Internationale Entwicklung (AID)
einen zusätzlichen Betrag von 415 Millionen Dollar zu bewilligen, von
denen 275 Millionen Dollar für Südvietnam bestimmt sein sollen. Der
Leiter dieses Amtes, David Bell, und ich haben beide bereits zu dem genannten Zusatzantrag ausgesagt. Der Themenkreis dieser Informationssitzung wurde, wie der Vorsitzende dieses Ausschusses betont hat, auf
die sehr umfassenden und weitreichenden Aspekte unserer Interessen und
unseres Engagements in Südostasien ausgedehnt. Ich für meinen

Teil be-

grüße die Gelegenheit, diese wichtigen Fragen hier vor diesem Ausschuß
erörtern zu können.
Nach dem zweiten Weltkrieg, der die Vereinigten Staaten in die
Rolle einer Weltgroßmacht drängte, sahen wir Amerikaner uns vor eine
Reihe von schwierigen Aufgaben und Proben gestellt. Alles in allem haben
wir sie recht gut bestanden. Heute sehen wir uns in Südostasien einer
weiteren Bewährungsprobe gegenüber, die uns erneut Blut und Gut kostet.
Südvietnam liegt weit von den Vereinigten Staaten entfernt, und die
Fragen, die es aufwirft, scheinen weitab von unserem Alltag und unseren
unmittelbaren Interessen zu liegen. Es ist deshalb wichtig, daß wir unsere Mission und unsere Zielsetzungen in jenem weit entfernten Land voll
verstehen - und uns über sie, soweit möglich, einig sind.
Warum sind wir in Vietnam? Sicherlich nicht, nur weil wir über Macht
verfügen und es uns Spaß macht, sie zu gebrauchen. Wir betrachten uns
nicht als Weltpolizisten. Wir streifen nicht in aller Welt umher auf der
Suche nach einem Streit, in den wir eingreifen könnten. Ganz im Gegenteil. Ebensowenig, wie wir der Weltgendarm sind, sind wir der Weltrichter;
das wissen wir selbst. Sollten andere Staaten, Institutionen oder regional«

- 1-

�regionale Organisationen Lösungen für die Streitigkeiten finden können,
die gegenwärtig die Lage beeinträchtigen, so kann uns das nur recht sein.
Wir sind jedoch in Vietnam, weil die dort aufgeworfenen Probleme eng mit
unserer eigenen Sicherheit verflochten sind und weil der Ausgang dieser
Auseinandersetzung den Charakter der Welt, in der wir und unsere Kinder
leben werden, weitgehend beeinflussen kann. Die Lage, der wir uns in Südostasien gegenübersehen, ist offensichtlich vielschichtig; die ihr zugrunde liegenden strittigen Fragen aber sind relativ einfach und tatsächlich grundlegend. Ich bin sicher, daß die Amerikaner, die ein tiefes und
reifes Verständnis für ihre Verantwortung in der Welt besitzen, durchaus
in der Lage sind, das Unterholz dieser Vielschichtigkeit zu durchdringen
und zu den einfachen Grundfragen vorzustoßen, die unsere Interessen im
weitesten Sinne und unsere grundlegenden Zielsetzungen berühren. Ich betrachte es daher als einen Vorzug, diese Probleme heute morgen hier mit
diesem Ausschuß diskutieren, Ihren Rat einholen und gleichzeitig die
Streitfragen, mit denen wir konfrontiert sind, dem Verständnis des amerikanischen Volkes nahebringen zu können.
Ich gehe an diese Aufgabe nicht in der Annahme heran, daß irgend
jemand, wo auch immer, alle Antworten parat habe oder daß alle Weisheit
der Regierung oder dem Staat zuzusprechen sei. Die hier in Rede stehenden
Fragen berühren das Wohl aller Amerikaner, und ich bin überzeugt, daß
sich alle Amerikaner gemäß der Tradition eines freien und unabhängigen
Volkes selbst ihre Meinung bilden werden. Alle diejenigen unter uns, die
im Zusammenhang mit der Führung unserer Außenpolitik besondere Verantwortung tragen, mußten sich schon seit langem ernste und tiefe Gedanken über
diese Probleme machen. Der Präsident, seine Kollegen im Kabinett und der
Kongreß, die unter unserem Verfassungssystem die größte Verantwortung zu
tragen haben, sind zu gewissen Schlußfolgerungen gelangt, die die Grundlage unserer gegenwärtigen Politik abgeben. Hier scheint mir der Hinweis
angebracht, daß diejenigen, die offiziell für die Führung unserer Staatsgeschäfte verantwortlich sind, Entscheidungen zu treffen haben, und daß
sie die Entscheidungen anhand gewisser Alternativen fällen müssen. Niemand
unter uns, die wir der Exekutive und Legislative angehören, wird seiner
Verantwortung nur dadurch genügen, daß er einer Meinung Ausdruck gibt - es

- 2 -

�es wird von uns vielmehr verlangt, darüber zu befinden, was diese Nation
tun und lassen muß, und es wird ferner von uns verlangt, die Konsequenzen
aus diesen unseren Entscheidungen auf uns zu nehmen.
Was sind unsere Weltsicherheitsinteressen, die von dem Kampf in Vietnam berührt werden?
Sie können nicht einfach nur im Zusammenhang mit Südostasien oder
nur im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Monate gesehen werden.
Wir müssen das Problem in der richtigen Perspektive betrachten. Wir müssen
erkennen, daß das, was wir in Südvietnam zu erreichen trachten, Teil eines
Prozesses ist,der seit langem andauert - eines Prozesses der Verhinderung
der Expansion und Ausweitung der kommunistischen Herrschaft durch die Anwendung von Gewalt gegen die schwächeren Nationen am Rande des kommunistischen Machtbereichs.
So sieht das Problem für uns aus. Auch die Kommunisten selbst sehen
nicht das Problem für sich allein. Sie betrachten den Kampf in Südvietnam
als Teil eines größeren Plans zur ständigen Ausweitung der kommunistischen
Macht durch Gewalt und Bedrohung.
Ich habe im Verlaufe der Befragungen bemerkt, daß Einwände gegen die
Benutzung des Begriffs "kommunistische Aggression" erhoben werden. Es
scheint mir, daß wir uns selbst oder unsere Bevölkerung nicht verwirren
sollten, indem wir unsere Augen vor dem verschließen, was dieser Begriff
wirklich bedeutet. Die Krise, die den Hintergrund der Nachkriegszeit abgibt, hat ihren Angelpunkt in einer großen Auseinandersetzung gerade über
die politische Gestalt der Welt. Noch bevor die Kanonen im zweiten Weltkrieg schwiegen, fanden sich viele Staaten zusammen und berieten lange
und eingehend, wie die Struktur des internationalen Lebens aussehen,
welcher Art die Welt sein sollte, die aufzubauen wir versuchen wollten;
und sie arbeiteten diese Ideen in die Charta der Vereinten Nationen ein.
Diese Charta schafft eine internationale Gesellschaft unabhängiger Staaten,
kleiner und großer, die das Recht auf eine eigene nationale Existenz haben,
die das Recht haben, frei zu sein von Aggression,die frei über ihre Landesgrenzen hinweg im gemeinsamen Interesse zusammenarbeiten und ihre Streitfragen durch friedliche Mittel lösen. Aber die kommunistische Welt ist zu

3 -

�zu ihrer Forderung nach dem zurückgekehrt, was sie als '•Weltrevolution'*
bezeichnet, - einer Welt des Zwanges in direktem Widerspruch zur Charta
der Vereinten Nationen. Es mag innerhalb der kommunistischen Welt Meinungsverschiedenheiten über Methoden und Praktiken und über die Führung
innerhalb der kommunistischen Welt selbst geben, aber allen gemeinsam ist
das Festhalten an der "Weltrevolution" und deren Förderung durch das, was
jene als "Befreiungskriege1* bezeichnen.
Wir stehen also in Vietnam vor etwas, vor dem wir schon bei vielen
Gelegenheiten standen - vor der Notwendigkeit, der Ausweitung der kommunistischen Macht Einhalt zu gebieten, um in einer gefährdeten Welt ein
vernünftiges Maß an Stabilität aufrechtzuerhalten. Diese Stabilität wurde
in den Nachkriegsjahren durch den Mut und die Tapferkeit freier Nationen
bei der Verteidigung der Unantastbarkeit der nach dem Kriege geschlossenen
territorialen Abkommen geschaffen. Und wir haben während der letzten 15
Jahre eine gewisse Stabilität erreicht. Sie darf jetzt nicht aus den
Angeln gehoben werden.
Wie so viele unserer heutigen Probleme, rührt der Kampf in Südvietnam
von den Zusammenbrüchen zweier Weltkriege her. Der zweite Weltkrieg vollendete einen im ersten begonnenen Prozeß. Er zerstörte ein Machtgefüge,
das seit 100 Jahren bestanden hatte. Er setzte neue Kräfte und Energien
frei, die die Landkarten der Welt neu gestaltet haben. Er schwächte nicht
nur die aktiv im Kampf stehenden Nationen, sondern hatte auch weitreichende
Nebenwirkungen. Er unterminierte die Grundlagen der Kolonialsysteme, durch
die eine Handvoll Mächte ein Drittel der Weltbevölkerung kontrollierte.
Und die Stürme des Wandels und des Fortschritts, die während der letzten
20 Jahre so heftig wehten, haben diese Gebilde fast gänzlich beseite gefegt.
In der Zwischenzeit nutzten die kommunistischen Staaten das Durcheinander einer Übergangszeit in dem Bemühen aus, die kommunistische Kontrolle
auf andere Gebiete der Welt auszudehnen.
Die Vereinigten Staaten sahen sich erstmalig den Drohungen und dem
Ehrgeiz der Kommunisten in Europa gegenüber, als eine Nation an den Grenzen
der Sowjetunion nach der anderen aufgrund der Anwesenheit der Roten Armee
unter die Herrschaft Moskaus fiel.
Um

- 4-

�Um dieser Woge Einhalt zu gebieten, schufen die Vereinigten Staaten
den Marshall-Plan mit dem Ziel, die Nationen Westeuropas zu stärken, und
gingen dann daran, mit diesen Nationen über die NATO ein kollektives
Sicherheitssystem aufzubauen. Dank diesem System wurde dem Vordringen der
sowjetischen kommunistischen Macht Einhalt geboten, und die Sowjetunion
paßte ihre Politik dieser Situation immer mehr an.
Aber innerhalb eines Jahres nach der Gründung der NATO übernahmen
die Kommunisten in China die Macht. Dies brachte eine neue und schwere
Bedrohung, insbesondere jener schwachen und jungen Staaten des Fernen
Ostens, die aus Kolonialreichen hervorgegangen waren. Die Probleme in
Asien lagen natürlich anders als Jene in Europa. Aber das Ergebnis war
mehr oder weniger das gleiche: Instabilität, Unsicherheit, und Verwundbarkeit gegenüber dem Stärkeren und dem Aggressor. Westeuropa mit seinen
fest begründeten Staatsformen und traditionellen sozialen Institutionen
erholte sich rasch. Aber einige der jungen Nationen Asiens - insbesondere
jene, die seit einem Jahrhundert oder länger keine Selbstregierung gekannt hatten - standen und stehen noch heute vor einem viel gewaltigeren
Problem.
Die erste Bewährungsprobe in Asien kam in Korea, als die Streitkräfte
der Vereinten Nationen - vor allem Amerikaner - den Vorstoß des kommunistischen Nordkorea zum Stillstand brachten, der durch materielle Hilfe seitens
der Sowjetunion unterstützt wurde. Sie hielten auch die nachfolgende chinesische Armee auf. Sie geboten den kommunistischen Anstrengungen Einhalt,
die gezogene Linie zu verschieben und die kommunistische Kontrolle schließlich auf die gesamte koreanische Halbinsel auszudehnen.
Wir führten den Koreakrieg - der, wie der Kampf in Vietnam, in einem
Tausende von Meilen entfernten Gebiet ausgetragen wurde -, um einen Grundsatz aufrechtzuerhalten, der von entscheidender Bedeutung für die Freiheit und Sicherheit Amerikas ist - den Grundsatz nämlich, daß es der kommunistischen Welt nicht erlaubt werden darf, sich auszudehnen, indem sie die
in und nach dem Kriege getroffenen Arrangements eines nach dem anderen
überrennt - Vorkehrungen, die getroffen worden sind, um die äußersten Grenzen der gewaltsamen kommunistischen Expansion zu markieren.
Noch

5 -

�Noch vor Beendigung des Koreakrieges machten sich die Vereinigten
Staaten unter Präsident Truman daran, die Lage im Pazifik durch einen
Friedensvertrag mit Japan und durch bilaterale Sicherheitsverträge mit
Japan und den Philippinen sowie durch den ANZUS-Pakt mit Australien und
Neuseeland zu festigen und zu konsolidieren. Kaum war der Koreakrieg zu
Ende, da entschloß sich Frankreich, das einen langwierigen Kampf in
Indochina geführt hatte, seine politische Präsenz in Südostasien aufzugeben. Nach kurzen Verhandlungen kam eine Einigung mit den kommunistischen Streitkräften zustande, die die nationalistische Bewegung in ihre
Gewalt bekommen hatten. Das Ergebnis war die Teilung Indochinas in vier
Teile: ein Königreich Kambodscha, ein Königreich Laos und Vietnam, das am
17. Breitengrad zwischen den kommunistischen Kräften im Norden und einer
nichtkommunistischen vietnamesischen Regierung im Süden aufgeteilt wurde.
In der Erkenntnis, daß die Kommunisten ihre Ambitionen nicht aufgegeben hatten, unternahm die amerikanische Regierung unter Präsident Eisenhower Schritte, um die Lage durch weitere Bündnisse zu sichern. Es wurden
zweiseitige Verträge mit der Republik Korea und der Republik China auf
Formosa abgeschlossen. Im Mittleren Osten schloß sich die sogenannte
"nördliche Kette" von Ländern südlich der Sowjetunion im Bagdad-Pakt zusammen, der die heute als CENTO - Zentralpakt-Organisation - bekannte
Einrichtung begründete. Die Vereinigten Staaten traten diesem Bündnis, dem
Großbritannien, die Türkei, Persien und Pakistan angehören, nicht formell
bei. Aber wir sind mit der CENTO eng assoziiert und haben zweiseitige
Militärhilfeabkommen mit ihren regionalen Mitgliedern, die von der Regierung Eisenhower geschlossen wurden.
Um die Nationen Südostasiens zu unterstützen, übernahmen die Vereinigten Staaten die Führung bei der Schaffung einer Allianz, die in einem
Vertrag niedergelegt und durch ein kollektives Sicherheitssystem verstärkt
ist, das als SEATO - Südostasienpakt-Organisation - bekannt ist. In diesem
Bündnis schlössen sich die Vereinigten Staaten mit Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland, Thailand, Pakistan und den Philippinen

zu-

sammen, um nicht nur die Sicherheit der Mitgliedstaaten zu garantieren,
sondern auch bestimmten Protokollstaaten und -territorien zu Hilfe zu kommen, wenn diese es wünschten.
Südvietnam
- 6-

�Südvietnam wurde in das Protokoll aufgenommen. Die Vereinigten
Staaten gehören nicht zu den Signataren der Genfer Vereinbarungen von
1954, die Frankreich mit den kommunistischen vietnamesischen Streitkräften, als Vietminh bekannt, getroffen hat. Aber Staatssekretär Walter Bedell Smith erklärte auf Anweisung, daß die Vereinigten Staaten
die Abmachungen nicht antasten und "Jede Erneuerung der Aggression
unter Verletzung der ... Abmachungen mit ernster Besorgnis und als
ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit betrachten würden".
Die Erklärung von Staatssekretär Smith war nur eine einseitige
Erklärung; die Vereinigten Staaten gingen jedoch durch ihren Beitritt
zur SEATO eine feierliche vertragliche Verpflichtung von weitreichender
Wirkung ein. Artikel IV Absatz 1 besagt: "Jeder Vertragschließende anerkennt, daß eine Aggression in Form eines bewaffneten Angriffs ... seinen
eigenen Frieden und seine eigene Sicherheit gefährden würde, und verpflichtet sich in diesem Fall zu handeln, um in Übereinstimmung mit seinen verfassungsmäßig vorgeschriebenen Verfahren der gemeinsamen Gefahr
zu begegnen."
Diese fundamentale Verpflichtung im Rahmen der SEATO hat von Anfang
an unsere Handlungen in Südvietnam bestimmt.
Die Sprache dieses Vertrags verdient sorgfältige Beachtung. Er erlegt den Signataren nicht nur für alle gleichermaßen bindende, sondern
auch getrennte Verpflichtungen auf. Die Feststellung, daß ein bewaffneter
Angriff vorliegt, bedarf keiner Kollektiventscheidung, damit die Verpflichtung jedes einzelnen Mitglieds wirksam wird. Der Vertrag verlangt ferner
keine kollektive Entscheidung über die Maßnahmen, die zu ergreifen sind,
um einer gemeinsamen Gefahr zu begegnen. Wenn die Vereinigten Staaten zu
dem Schluß gelangen, es sei ein bewaffneter Angriff gegen irgendeinen
Staat erfolgt, auf den sich der Schutz gemäß diesem Vertrag erstreckt,
dann sind sie verpflichtet "zu handeln, um der gemeinsamen Gefahr zu begegnen", ohne Rücksicht darauf, welcher Ansicht die übrigen Vertragspartner sind oder welche Maßnahmen sie ergreifen.
Die weitreichenden Implikationen dieser Verpflichtung waren auch
diesem Ausschuß klar, als er bei lediglich einer Gegenstimme, der des

- 7-

�des inzwischen verstorbenen Senators Langer, empfahl, der Senat möge der
Ratifizierung dieses Vertrags zustimmen. In dem betreffenden Ausschußbericht heißt es:
"Der Ausschuß verschließt sich nicht den Risiken, die dieser Vertrag
birgt. Er ist sich völlig darüber im klaren, daß die Übernahme dieser zusätzlichen Verpflichtungen die Vereinigten Staaten in weiten Teilen des
Pazifischen Ozeans auf einen Kurs des Handelns festlegt. Diese Risiken
stehen jedoch im Einklang mit unseren Hauptinteressen. Weit größere Gefahren liegen darin, einen möglichen Gegner nicht von vornherein auf das
hinzuweisen, was er von uns zu erwarten hat, und ihn nicht vor irrigen
Auffassungen zu bewahren, die ihn zu einer Fehleinschätzung unserer Absichten verleiten könnten.1*
Aufgrund der Empfehlung des Ausschusses billigte der Senat den Vertrag mit 82:1 Stimmen, wobei die Gegenstimme wiederum von dem verstorbenen Senator Langer abgegeben wurde. Alle Mitglieder dieses hohen Ausschusses, die damals dem Senat angehörten, haben für diesen Vertrag gestimmt.
Unser multilaterales Engagement unter dem SEATO-Pakt wurde durch
eine Reihe bilateraler Verpflichtungen und unmittelbarer Zusicherungen
gegenüber der Regierung Südvietnams erhärtet und erweitert. Am 1. Oktober
1954 richtete Präsident Eisenhower ein Schreiben an Präsident Diem, in
dem er ihm anbot, "die Regierung von Vietnam beim Aufbau und bei der Erhaltung eines starken, lebensfähigen Staatswesens zu unterstützen, das
Versuchen der Subversion oder Aggression mit militärischen Mitteln entgegenzutreten vermag". Im Jahre 1957 gaben Präsident Eisenhower und Präsident Diem eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie auf "den umfassenden
Aufbau vietnamesischer kommunistischer Streitkräfte in Nordvietnam*» hinwiesen und in der es hieß:
"Nach Feststellung der Tatsache, daß die Republik Vietnam den Schutz
des Artikels IV des kollektiven Südostasien-Verteidigungsvertrags genießt,
kamen Präsident Eisenhower und Präsident Ngo Dinh Diem überein, daß eine
Aggression oder Subversion, die die politische Unabhängigkeit der Republik Vietnam bedroht, als eine Gefahr für Frieden und Stabilität anzusehen
wäre.**
Am
- 8 -

�Am 2. August 1961 erklärte Präsident Kennedy: "Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Republik Vietnam
nicht wegen des Fehlens von Unterstützung, die die Vereinigten Staaten zu
leisten vermögen, an die Kommunisten verlorengeht.**
Am 14. Dezember 1961 verwies Präsident Kennedy in einem Schreiben an
Staatspräsident Diem auf die Erklärung, die die Vereinigten Staaten zum
Abschluß der Genfer Konferenz von 1954 abgegeben hatten. Der Präsident
brachte noch einmal zum Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten "bereit
sind, der Republik Vietnam zu helfen, ihr Volk zu schützen und ihre Unabhängigkeit zu wahren". Diese Verpflichtung wurde seit jener Zeit mehrfach bekräftigt.
Das also sind die Verpflichtungen, die wir bezüglich des Schutzes
von Südvietnam als Teil des Schutzes unseres "eigenen Friedens und unserer eigenen Sicherheit" übernommen haben. Wir haben amerikanische Streitkräfte zum Kampf in die Dschungel jenes mit Krieg überzogenen Landes gesandt, weil Südvietnam nach dem Wortlaut des SEATO-Paktes Opfer einer
"Aggression in Form eines bewaffneten Angriffs" geworden ist.
Was das Vorliegen und den Charakter dieser Aggression angeht, können
wohl kaum ernsthafte Zweifel bestehen. Dieser Krieg ist ganz eindeutig
ein "bewaffneter Angriff", der von dem Regime in Hanoi zynisch und systematisch gegen das Volk Südvietnams geführt wird.
Das nordvietnamesische Regime ist bewußt darauf aus, die tatsächliche
Problemstellung zu verwirren, indem es seine Aggression als einen inneren
Aufruhr darzustellen sucht. Wir dürfen uns durch dieses Ablenkungsmanöver
nicht täuschen lassen. Wir haben es mit einer vertrauten kommunistischen
Praxis zu tun. Da den Bemühungen der Kommunisten, ihre Macht durch klassische Formen der Gewalt auszudehnen, wie im Fall der Invasion in Korea,
Einhalt geboten wurde, haben sie im Laufe der Jahre die komplizierte
Theorie der sogenannten "nationalen Befreiungskriege" entwickelt, um ihre
Aggressionen zu tarnen.
Ein "nationaler Befreiungskrieg" beruht nach dem kommunistischen
Glossarium auf der Taktik des Terrors und der Sabotage, der Tarnung und
der Subversion. Er erweist sich für sie insofern als nützlich, als er

- 9-

�er einer organisierten und skrupellosen Minderheit vor allem in jenen
Ländern einen Vorteil verschafft, in denen geographische Gegebenheiten
eine

Infiltration im verborgenen begünstigen.
Gleichzeitig haben die Kommunisten noch einen subtileren Grund,

dieser Art der Aggression den Vorzug zu geben. Sie schafft in praktisch
jeder Situation Verwirrung, die sie zu ihrem eigenen Vorteil ausnützen
können.
Dennoch ist das Wesen des Konflikts in Vietnam trotz aller Versuche
der Kommunisten, den Sachverhalt zu verwirren, sehr klar.
Lassen Sie mich kurz die Sachlage darstellen.
Rückblickend kann wohl niemand bezweifeln, daß das Regime in Hanoi
bei der Zustimmung zu den Vereinbarungen von 1954 eindeutig von der Annahme ausging, die Südvietnamesen würden innerhalb relativ kurzer Zeit
unter seine Herrschaft geraten. Der Süden schien mit Schwierigkeiten
überlastet. Seine schier unüberwindlichen Probleme wurden durch die Notwendigkeit erschwert, fast eine Million Nordvietnamesen aufzunehmen, die
nach Abschluß der Vereinbarungen von 1954 das wahre Gesicht des Kommunismus kennengelernt hatten und nach dem Süden geflohen waren. Hinzu kam,
daß der Norden im Süden noch über verborgene Hilfsquellen verfügte. Zur
Zeit des Abschlusses der Vereinbarungen von 1954 erhielten zahlreiche
Kommunisten, die in den Reihen der Vietminh gekämpft hatten, von der LaoDong-Partei in Hanoi die Anweisung, im Süden zu bleiben, ihre Waffen zu
verbergen und sich zu bemühen, den südvietnamesischen Staat auszuhöhlen.
Die diesbezüglichen Anstrengungen waren in den ersten Jahren ziemlich erfolglos. Zum Kummer des Regimes in Hanoi machte Südvietnam trotz der
außerordentlichen Probleme, denen es sich gegenüber sah, erhebliche Fortschritte, während Nordvietnam immer mehr ins Hintertreffen geriet. Infolgedessen mußten die kommunistischen Machthaber in Nordvietnam zu dem Schluß
kommen, es seien noch größere Anstrengungen nötig, sollte die Subversion
in Südvietnam erfolgreich sein.
Während der ersten fünf Jahre nach der Genfer Konferenz schuf Hanoi
eine geheime, politisch-militärische Organisation in Südvietnam, die sich
auf die Kader stützte, die zum Verbleib in Südvietnam aufgefordert worden

- 10 -

�worden waren. Ein Großteil der Tätigkeit dieser Organisation bestand in
der Durchführung von Anschlägen auf ausgewählte führende Zivilpersönlichkeiten in Südvietnam. Von 1957 bis 1959 wurden mehr als tausend Zivilisten
ermordet oder entführt. Allein im Jahre 1960 ermordeten Terroristen.1400
Angehörige örtlicher Behörden und entführten weitere 700, während bewaffnete Guerillakämpfer 2200 Angehörige der Streitkräfte und der Polizei
töteten.
Im September 1960 hielt die Lao-Dong-Partei - die kommunistische
Partei in Nordvietnam - in Hanoi ihren 3. Parteitag ab. Auf diesem Kongreß wurde die Schaffung einer besonderen Gliederung zur Durchführung
subversiver Aktionen in Südvietnam gefordert. Drei Monate später wurde
die Nationale Befreiungsfront als eine politische Fassade für die aktive
Guerillakriegführung geschaffen. Im Jahr 1960 begann das Regime in Hanoi
vollausgebildete Parteiangehörige nach Südvietnam einzuschleusen, die die
Partei zur Zeit der Regelung von 1954 nach Nordvietnam beordert hatte. In
der Zeit nach 1954 hatte man diese Männer in der Kunst der Sabotage und
Subversion unterwiesen. Nunmehr erhielten sie Order, in den Dörfern junge
Menschen mit Gewalt oder durch Überredung zu rekrutieren und Kader zu
bilden, die den Kern für den Aufbau von Guerillaeinheiten abgeben konnten.
Dies alles wurde durch den Rechtsausschuß der Internationalen Überwachungs- und Kontrollkommission dokumentarisch belegt. Jene Körperschaft,
die zur Überwachung der Einhaltung des Waffenstillstands in Vietnam geschaffen worden ist, besteht aus Vertretern Indiens, Polens und Kanadas.
Der Rechtsausschuß berichtete 1962 mit der Gegenstimme der polnischen
Vertretung:
"Es ist erwiesen, daß Munition und andere Nachschubgüter aus der Nordzone in die Südzone in der Absicht verbracht worden sind, feindselige
Aktionen einschließlich bewaffneter Angriffe gegen die Streitkräfte und
die Behörden der Südzone zu unterstützen, zu organisieren und durchzuführen.
Es ist erwiesen, daß die PAVN (d.h. die nordvietnamesische Armee)
gestattet, daß die Nordzone dazu benutzt wird, zu feindseligen Aktionen
in der Südzone, die auf einen Sturz der Behörden im Süden gerichtet sind,
aufzustacheln, diese zu begünstigen und zu unterstützen."

- 11 -

�In dem Dreijahreszeitraum von 1959 bis 1961 hat das nordvietnamesische Regime 10 000 Mann in den Süden eingeschleust. Im Jahre 1962 wurden
weitere 13 000 Personen eingeschleust, und bis Ende 1964 dürften von den
Nordvietnamesen insgesamt über 40 000 bewaffnete und unbewaffnete
Querillakämpfer nach Südvietnam entsandt worden sein.
Vor über einem Jahr begann das Reservoir der Kommunisten an Südvietnamesen, die nach dem Norden gegangen waren, zu versiegen. Seitdem
stellen geborene Nordvietnamesen die Mehrheit der in den Süden eingeschleusten Personen. In jüngerer Zeit begann Hanoi damit, Elemente der
nordvietnamesischen Armee in ständig wachsender Stärke und Zahl einzuschleusen. Heute liegen Beweise dafür vor, daß neun Regimenter der regulären nordvietnamesischen Armee in geschlossenen Verbänden im Süden
kämpfen.
Ich habe diese Fakten - mit denen die meisten von ihnen hinreichend
vertraut sind - noch einmal dargelegt, weil sie mir über jeden Zweifel
hinaus zu beweisen scheinen, daß der Krieg in Vietnam ein Akt äußerer
Aggression ist, genau als hätte das Regime in Hanoi eine Armee über den
17. Breitengrad entsandt, statt bewaffnete Kräfte im verborgenen einzuschleusen. Dieser Punkt ist wichtig, denn er berührt den Kern unseres
eigenen Engagements. Ein erheblicher Teil der bezüglich des Ringens in
Südvietnam herrschenden Verwirrung resultiert aus dem Unvermögen, die
Natur des Konflikts zu begreifen.
Denn wäre der Krieg in Südvietnam - wie es die Kommunisten hinzustellen versuchen - lediglich ein innerer Aufruhr, dann hätten die Vereinigten Staaten keine eigenen Kampftruppen in Südvietnam stehen. Das
vorliegende Beweismaterial führt jedoch eindeutig zu dem Schluß, daß es
sich tatsächlich um etwas gänzlich anderes handelt: um eine systematische Aggression Hanois gegen das Volk von Südvietnam. Es handelt sich
wiederum um das Bestreben eines in der einen Hälfte eines geteilten
Landes bestehenden kommunistischen Regimes, die Bevölkerung der anderen
Hälfte des Landes gegen ihren Willen mit Waffengewalt unter seine Botmäßigkeit zu bringen.
Bis-

- 12 -

�Bisher habe ich das Wesen unserer Verpflichtungen in Südvietnam
und die Gründe, warum wir sie eingegangen sind, darzustellen versucht.
Ich war bemüht, diese Verpflichtungen in den Rahmen unserer umfassenderen Anstrengungen zu stellen, welche darauf gerichtet sind, die Kommunisten an der Zerstörung jener Arrangements zu hindern, die die Grundlage
unserer Sicherheit bilden. Diese Politik wurde gelegentlich als statisch
und steril angegriffen. Man hat behauptet, sie trage den ungeheuren Wandlungsvorgängen in der Welt nicht genügend Rechnung.
Behauptungen dieser Art scheinen mir an dem entscheidenden Punkt
vorbeizugehen. Die von uns verfolgte Politik erstreckt sich auf weit
mehr als nur die Verteidigung des Status quo. Sie zielt darauf ab,
jenen Grad von Sicherheit zu gewährleisten, der notwendig ist, damit sich
Wandel und Fortschritt bei gegenseitigem Einvernehmen und nicht unter
Zwang vollziehen können. Gewiß - und das wird häufig hervorgehoben -,
die Welt steht in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht still. Auf
beiden Seiten des Eisernen Vorhanges sind die Dinge im Fluß. Der Kommunismus ist heute nicht mehr monolithisch; er hat nicht mehr nur ein Gesicht, sondern viele, und das tiefe Schisma zwischen den beiden großen
Machtzentren der kommunistischen Welt - Moskau und Peking - gehört eindeutig zu den bedeutendsten politischen Tatsachen unserer Zeit.
Auch in der Sowjetunion sind bedeutende Wandlungen und Veränderungen
im Gange - und für die Staaten Osteuropas trifft das in vielleicht noch
höherem Maße zu. Diese Wandlungsvorgänge wurden durch unsere Bemühungen
um die Aufrechterhaltung unserer in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg
in Gestalt der Gründung der westlichen Allianz getroffenen Vorkehrungen
nicht beeinträchtigt. Sie wurden durch Entwicklungen im Inneren ausgelöst,
sie finden statt, weil das kommunistische Regime in Moskau erkannt hat,
daß die westliche Allianz die Ausdehnung seines Herrschaftsbereichs durch
Anwendung von Gewalt nicht zulassen kann.
Im Laufe der Zeit wird es vielleicht auch im Fernen Osten zu solchen
Entwicklungen kommen. Peking - und die kommunistischen Länder, die in
seinem Schatten leben - werden einsehen müssen, daß sie die in der Welt
bestehenden Grenzen nicht gewaltsam neu ziehen können.
Es

- 13 -

�Es ist mithin kein statisches Konzept, das wir verfolgen.
Denn im Gegensata zu den Kommunisten glauben wir wirklich an die
soziale Revolution und nicht wie sie an die als Revolution getarnte
Gewalt. Wir glauben an den konstruktiven Wandel und wir ermutigen ihn.
Dies war der Sinn der von Präsident Johnson anläßlich der Honolulu-Konferenz eingeleiteten Initiativen: die südvietnamesische Regierung in
ihren Reformbestrebungen zu unterstützen, damit alte Ungerechtigkeiten
beseitigt werden und alle Menschen ein besseres Leben führen können.
Bei der Erfüllung unserer Verpflichtungen in Südvietnam setzen wir
in erheblichem Umfang militärische Macht ein. Zugleich machen wir Nordvietnam und der Welt klar, daß unsere Streitkräfte für einen begrenzten
und klar definierten Zweck eingesetzt werden.
Was wir in Südvietnam zu erreichen suchen, ist die Schaffung von
Verhältnissen, wie sie die Genfer Vereinbarungen des Jahres 1954 herbeiführen sollten. Mit anderen Worten, wir erstreben die Wiederherstellung
der Integrität des zwischen der französischen Regierung und den unter der
Führung Ho Chi Minh stehenden kommunistischen Kräften getroffenen Übereinkommens - eines Übereinkommens, dem sich außerdem Großbritannien, das
kommunistische China, die Sowjetunion, Laos und Kambodscha angeschlossen
haben. Diese Regelung ist Teil jenes Gefüges von Vereinbarungen, das den
Schlü ssel für die Stabilität in der Welt von heute darstellt.
Unglücklicherweise sind Begrenzung und Charakter unserer Zielsetzungen dem Denken der kommunistischen Welt fremd.
Die Kommunisten können daher vielleicht nur schwer einsehen, daß die
Vereinigten Staaten keinen Gebietszuwachs erstreben; weder in Südvietnam,
noch irgendwo anders in Südostasien. Wir wollen unsere Truppen nicht länger in diesem Gebiet belassen, als dies für die Sicherung der Freiheit des
südvietnamesischen Volkes notwendig ist. Wir wollen keine ständigen Militärstützpunkte und keine Handelsvorteile. Wir verlangen nicht, daß sich
die Regierung von Südvietnam mit uns verbündet oder sich in irgendeiner
Weise an uns gebunden fühlt. Wir wollen nur, daß das südvietnamesische
Volk das Recht und die Möglichkeit hat, seine Zukunft in Freiheit und ohne
Zwang oder Bedrohung selbst zu bestimmen.
Seit

- 14 -

�Seit Monaten tun wir alles, was nur möglich ist, um dem Regime in
Hanoi klarzumachen, daß eine politische Lösung der beste Weg ist. Wäre
dieses Regime bereit, die Aggression gegen den Süden einzustellen, könnte
ein Friedensschluß fast eine Sache von Stunden sein. Käme es dazu, könnten sich die Menschen in Nordvietnam unbehelligt um ihre eigenen Probleme
kümmern. Denn wir wollen nicht das Regime in Hanoi zerschlagen oder das
nordvietnamesische Volk zwingen, eine andere Regierungsform anzunehmen.
Und wir wären - unter friedlichen Verhältnissen - durchaus bereit, das
nordvietnamesische Volk wie andere Völker Südostasiens an der technischen
und wirtschaftlichen Hilfe teilhaben zu lassen, die wir und andere Staaten
diesem Gebiet gewähren.
Das ist die einfache Botschaft, die wir Hanoi durch viele Kanäle zu
übermitteln suchten. Wir haben auf jede mögliche Art versucht, der kommunistischen Welt klarzumachen,wie leicht der Frieden herbeigeführt werden
könnte, wenn Hanoi nur wollte.
Wir haben alle Mittel der Diplomatie ausgeschöpft. Noch niemals*in
der Geschichte

hat man, so viel ich weiß, soviel Mühe - nicht nur seitens

der Vereinigten Staaten, sondern auch auf Seiten vieler anderer Staaten aufgewendet, um einen kostspieligen und gefährlichen Krieg einer politischen Lösung näher zu bringen. Ich weiß, Sie sind generell mit den einschlägigen Tatsachen vertraut.
Aber bisher waren die Stimmen der anderen Seite scharf und negativ.
Das Regime in Hanoi ist nicht willens, auch nur irgendeine der gebotenen
Möglichkeiten zu Verhandlungen wahrzunehmen. Alles, was wir zu hören bekamen, erschöpfte sich in dem andauernden Beharren darauf, nicht zu verhandeln, es sei denn, wir akzeptieren ihre vier Punkte im voraus. Die
vier Punkte in der von Hanoi vorgeschlagenen Form laufen jedoch darauf
hinaus, eben jene Grundsätze preiszugeben, für die wir kämpfen, und die
Bevölkerung Südvietnams gegen ihren Willen der Herrschaft eines kommunistischen Regimes zu überantworten.
Wollen wir die Situation realistisch beurteilen, dürfen wir weder
die Härte der kommunistischen Seite unterschätzen noch die Aussicht auf
eine leichte politische Lösung überschätzen.
Von

- 15 -

�Von Zeit zu Zeit wurde uns vorgeschlagen, eine Konferenz in Genf
anzuregen, die Vermittlerdienste der gemeinsamen Vorsitzenden der damaligen Konferenz in Anspruch zu nehmen, das Problem vor die Vereinten
Nationen zu bringen oder eine Schlichtung durch neutrale Staaten anzustreben.
Wir haben all diese Schritte, in den meisten Fällen wiederholt,
unternommen - ohne Ergebnis.
Es wurde ferner von Regierungen und Einzelpersonen auf beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs angedeutet, ein Frieden sei unmöglich, solange amerikanische Flugzeuge Bombenflüge über Nordvietnam ausführen,
Verhandlungen aber wären möglich, wenn die Bombardierung eingestellt
würde.
Auch letzteres taten wir - sogar zweimal. Die jüngste Pause dauerte
- wie man sich in diesem Ausschuß erinnern wird - länger als 37 Tage.
Eine Reaktion blieb auch in diesem Falle aus.
Wir werden natürlich alles tun, was mit unseren nationalen Zielen
vereinbar ist, um eine Lösung auf diplomatischem Wege zu finden. Hinsichtlich der Bedingungen eines ehrenhaften Friedens, wie wir ihn sehen,
gibt es keine Zweifel. Wir haben sie wiederholt erläutert. Erst vor kurzem haben wir sie in Form von 14 Punkten zusammengefaßt:
1. Die Genfer Verträge von 1954 und 1962 sind eine ausreichende Grundlage für den Frieden in Südostasien.
2. Wir würden eine Konferenz über Südostasien oder über einen Teil
davon begrüßen.
3. Wir würden "Verhandlungen ohne Vorbedingungen", wie die 17 Staaten
es definierten, begrüßen.
4. Wir würden bedingungslose Verhandlungen, wie Präsident Johnson es
formulierte, begrüßen.
5. Ein Waffenstillstand könnte der erste Punkt der Tagungsordnung
einer Konferenz oder Gegenstand von Vorverhandlungen sein.
6. Hanois vier Punkte könnten zusammen mit anderen Punkten, die andere Staaten vorzuschlagen wünschen, diskutiert werden.

- 16 -

�7. Wir wollen keine US-Stützpunkte in Südostasien.
8. Wir haben nicht die Absicht, US-Truppen in Südvietnam zu belassen, wenn der Friede gesichert ist.
9. Wir unterstützen freie Wahlen in Südvietnam, die den Südvietnamesen eine Regierung nach eigener Wahl geben können.
10. Die Frage der Wiedervereinigung Vietnams soll Gegenstand der
eigenen freien Entscheidung der Vietnamesen sein.
11. Die Länder Südostasiens können bündnisfrei oder neutral bleiben, wenn sie dies wünschen.
12. Wir würden unsere Hilfsquellen viel lieber für den wirtschaftlichen Aufbau in Südostasien als für den Krieg verwenden. Wenn der Friede
erreicht ist, könnte sich Nordvietnam an einem regionalen Aufbauprogramm
beteiligen, zu dem wir mindestens eine Milliarde Dollar beisteuern wollen.
13. Der Präsident hat erklärt: "Die Vietcong werden keine Schwierigkeiten bezüglich ihrer Vertretung und der Darlegung ihrer Ansichten haben,
sobald und sofern sich Hanoi nur entschließt, die Aggression einzustellen.
Ich halte dies für kein unüberwindliches Problem."
14. Wir haben in aller Öffentlichkeit und in geheimen Gesprächen erklärt, wir könnten als eine Friedensgeste die Bombardierung Nordvietnams
einstellen, obgleich von der Gegenseite keinerlei Hinweis oder Andeutung
vorlag, wie sie darauf reagieren würde.
Diese 14 Punkte wurden öffentlich bekannt gemacht. Unsere Regierung
hat unmißverständlich klargestellt, welche Art Frieden wir zu akzeptieren
bereit sind - einen Frieden, der die Sicherheit Südvietnams garantiert,
einen Frieden, der der bewaffneten Aggression ein Ende setzt, die eine
Verletzung internationaler Abkommen und des Völkerrechts darstellt.
Wir haben diesen unseren Standpunkt der anderen Seite direkt und
durch Vermittler unterbreitet. Welche Haltung nimmt demgegenüber das
Hanoi-Regime ein?
Sowohl Hanoi als auch Peking haben die von uns vorgeschlagenen bedingungslosen Verhandlungen wiederholt abgelehnt. Statt dessen bestehen

- 17 -

�bestehen sie darauf, wir sollten uns noch vor dem Eintritt in irgendwelche Diskussionen mit dem Vier-Punkte-Programm einverstanden erklären.
Die Formulierungen, die sie dabei benutzen, variieren von Mal zu Mal.
Einmal bezeichnen sie die vier Punkte als die "einzige Grundlage", ein
andermal als "die korrekteste Grundlage" für Verhandlungen. Im Endeffekt
läuft es jedoch auf das gleiche hinaus. Sie bestehen darauf, wir sollten
ihre Generallinie akzeptieren und dann mit ihnen lediglich darüber verhandeln, wie diese zu verwirklichen sei. Die Forderung nach einer vorherigen
grundsätzlichen Übereinstimmung ist eine bekannte kommunistische Verhandlungstaktik. Das bedeutet nicht, daß man über die grundlegenden Punkte
frei diskutieren oder sie großzügig interpretieren könnte. Es bedeutet
genau das, was es besagt.
Wir haben diese vier Punkte einer gründlichen Prüfung unterzogen.
Was zeigte sich hierbei?
Der erste Punkt fordert "Anerkennung der fundamentalen nationalen
Rechte des vietnamesischen Volkes: Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit
und territoriale Unantastbarkeit". Dieser Punkt fordert ferner den Abzug
der US-Streitkräfte, die Schleifung unserer Militärstützpunkte und die
Lösung unseres Militärbündnisses mit der Regierung von Südvietnam "in
voller Übereinstimmung mit den Genfer Vereinbarungen".
Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, eine Rückkehr zu den
Bestimmungen der Genfer Vereinbarungen zu unterstützen und ihre Truppen
abzuziehen und ihre Militärstützpunkte aufzulösen, sobald die Vereinbarungen von allen Beteiligten eingehalten werden. Wir haben außerdem
erklärt, daß wir ein Militärbündnis mit einem freien Südvietnam weder
erwarten noch fordern werden.
Der zweite Punkt bezieht sich auf die Militärklauseln der Genfer
Vereinbarungen; auch damit könnten wir uns unter den vorgenannten Bedingungen einverstanden erklären.
Der vierte Punkt besagt, die Frage der friedlichen Wiedervereinigung
solle vom vietnamesischen Volk selbst und ohne fremde Einmischung geregelt werden. Auch damit wären wir einverstanden, wenn Einigkeit darüber
bestünde, daß im Norden und im Süden zuerst Bedingungen geschaffen werden
müssen, die die Durchführung wirklich freier Wahlen ermöglichen.

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�Es ist Punkt drei, der die kommunistische Haltung in ihrem Kern enthüllt. Dieser Punkt fordert, daß "die inneren Angelegenheiten Südvietnams
durch das südvietnamesische Volk selbst in Übereinstimmung mit dem Programm
der Nationalen Befreiungsfront geregelt werden müssen".
Um die Bedeutung dieses Punktes zu verstehen, muß man nicht nur prüfen,
was mit dem "Programm der Nationalen Befreiungsfront" gemeint ist, sondern
sich etwas mehr mit dem Charakter der Befreiungsfront selbst sowie mit dem
Zweck befassen, dem sie innerhalb der taktischen Konzeption des nordvietnamesischen Regimes dient.
Wenden wir uns zunächst der Befreiungsfront zu. Sowohl Hanoi als auch
Peking haben immer wieder klargemacht - und andere kommunistische Mächte
haben sich ihnen dabei angeschlossen -, daß Verhandlungen nur möglich sind,
wenn die Vereinigten Staaten die Nationale Befreiungsfront als den "einzigen echten Vertreter des gesamten südvietnamesischen Volkes" anerkennen.
Welche Auswirkungen würde ein Eingehen auf diesen Vorschlag haben,
und warum bestehen die Kommunisten so hartnäckig auf ihn?
Es liegt ganz klar auf der Hand, daß die Nationale Befreiungsfront
genau das ist, was ihr Name impliziert: eine kommunistische Frontorganisation, eine Gliederung, die bewußt die Fiktion stützen soll, daß der
Krieg in Vietnam ein innerer Aufruhr sei. Die Befreiungsfront ist, wie
die Fakten deutlich zeigen, eine Erfindung der kommunistischen Partei
Nordvietnams, die der politischen Verschleierung ihrer Aktivität im Süden
des Landes dient.
Wie ich bereits vorher festgestellt habe, wurde die Befreiungsfront
im Jahre 1960 von der kommunistischen Partei Nordvietnams - der Lao-DongPartei - ins Leben gerufen, und zwar bald nachdem der führende Militär
Nordvietnams, General Giap, verkündet hatte: "Der Norden ist die revolutionäre Basis für das gesamte Land." Die Personen, die zu Führern der
Befreiungsfront ernannt wurden, sind dem vietnamesischen Volk im Norden
wie im Süden weitgehend unbekannt. Zu behaupten, daß sie die Hoffnungen
und Bestrebungen des vietnamesischen Volkes repräsentieren, ist einfach
absurd. Das wesentliche Faktum ist, daß zu keiner Zeit irgendeine Einzelperson von politischer Bedeutung in Südvietnam der Befreiungsfront ange-

- 19 -

�angehört oder sich mit ihren politischen Zielen identifiziert hat. Wenn
es auch unter einigen führenden vietnamesischen Politikern oder Gruppen
verschiedene Ansichten bezüglich der Frage geben mag, wie das Land geführt werden soll, so herrscht unter ihnen doch Einmütigkeit hinsichtlich
der Tatsache, daß die Befreiungsfront nicht für sie spricht.
Im Jahre 1961 suchte Hanoi die Fiktion des lokalen Ursprungs der Befreiungsfront durch Gründung einer scheinbar unabhängigen kommunistischen
Partei als Hauptelement der Befreiungsfront zu stützen. Hanoi schuf aus
dieser Erwägung die Revolutionäre Volkspartei. In einem in Umlauf gebrachten geheimen Schriftstück, das vom 7. Dezember 1961 datiert, wurde
den Parteimitgliedern mitgeteilt: "Die Revolutionäre Volkspartei besitzt
nur den Anschein einer unabhängigen Existenz. Praktisch ist unsere Partei
nichts anderes als die Lao-Dong-Partei Vietnams, geeint vom Norden bis
zum Süden unter dem zentralen Exekutivkomitee der Partei, dessen Chef Präsident Ho ist ... In allen diesbezüglichen Erläuterungen muß dies - vor
allem in Südvietnam - streng geheimgehalten werden,damit der Feind nicht
Kenntnis von unseren Zielen erlangt."
Die Revolutionäre Volkspartei hat die Rolle, die sie innerhalb der
Befreiungsfront spielt, nicht verschleiert. Sie hat sich offen als das
dominierende Element bezeichnet. Am 15. Februar 1961 ging

der Vietcong-

Ausschuß für den Süden sogar noch weiter, als er erklärte, die kommunistische Partei werde zu gegebener Zeit "in aller Öffentlichkeit Schritte
unternehmen, um die Revolution in Südvietnam anzuführen". Mit anderen
Worten, die Kommunisten erklärten ihren Anhängern, daß sie im richtigen
Augenblick die Maske fallenlassen und aus der Tarnung der Nationalen Befreiungsfront heraustreten werden.
Somit verfolgen die Kommunisten ein klares Ziel,wenn sie darauf bestehen, wir sollen die Nationale Befreiungsfront als den einzigen Repräsentanten des südvietnamesischen Volkes anerkennen. Für sie ist das keine
Verfahrensfrage, sondern eine Frage von lebenswichtiger Bedeutung. Sie
beharren auf der Anerkennung der Befreiungsfront als alleinigen Sprecher
für die Bevölkerung Südvietnams durch uns, da die Anerkennung der Befreiungsfront in dieser Eigenschaft praktisch bedeuten würde, daß wir den

- 20 -

�den kommunistischen Standpunkt, der Konflikt sei eine innere Angelegenheit, und damit eine Lösung zu den Bedingungen Hanois akzeptieren - was
wiederum bedeuten würde, daß wir Südvietnam der Kontrolle des kommunistischen Nordens ausliefern.
Trotz dieser klaren Realitäten haben wir hinsichtlich der Befreiungsfront in der Vergangenheit keinen Vernunftsgründen unzugänglichen Standpunkt
eingenommen, und wir tun dies auch heute nicht. Der Präsident hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation erklärt, daß 'Vir uns an jedem Konferenztisch einfinden, über jeden Vorschlag sprechen - seien- es vier
Punkte oder vierzehn Punkte oder vierzig Punkte - und die Ansichten jeder
Gruppe in Erwägung ziehen" werden, und das schließt natürlich neben anderen Gruppen auch die Befreiungsfront ein.
Insoweit also, wie die Befreiungsfront als Vertreter einer Gruppe
gelten kann, können die Ansichten dieser Gruppe gehört werden. Die Frage
der Befreiungsfront sollte sich daher, wie Präsident Johnson gesagt hat,
nicht als ein "unüberwindliches Problem" erweisen.
Sie bleibt nur ein Problem, weil Hanoi die Befreiungsfront weiterhin
hartnäckig dazu benutzt, seine eigene Grundkonzeption zu untermauern, daß
die Befreiungsfront die Hoffnungen und Bestrebungen des südvietnamesischen
Volkes repräsentiere - und es daher kontrollieren sollte.
Die Bedeutung dieses Problems tritt klar zutage, wenn man das sogenannte "Programm der Nationalen Befreiungsfront" näher betrachtet, wie es
am 29. Januar 1961 verkündet und mit einer zweiten Veröffentlichung vom
11. Februar des gleichen Jahres revidiert und erweitert wurde. Der erste
Punkt dieses Programms enthüllt die ganze Absicht der Kommunisten. Er
fordert den Sturz der südvietnamesischen Regierung in Saigon und die Errichtung einer Koalitionsregierung, aus der die (jetzige) Regierung in
Saigon gänzlich ausgeschlossen wäre.
Mit anderen Worten, das Regime in Hanoi stellt die folgenden Vorbedingungen auf, denen die Vereinigten Staaten zustimmen müßten, bevor die
Kommunisten an Verhandlungen auch nur dächten:
Erstens, daß die südvietnamesische Regierung gestürzt wird.
Zweitens

- 21 -

�Zweitens, daß die Befreiungsfront, die Kreatur und der Handlanger
Hanois, bei Verhandlungen als einziger Vertreter des südvietnamesischen
Volkes akzeptiert wird.
Drittens, daß Südvietnam der Gewalt einer von den Kommunisten gebildeten Koalitionsregierung unterstellt wird, aus der die südvietnamesische
Regierung ausgeschlossen wäre.
Ich möchte daher mit der Aufzählung bestimmter einfacher Feststellungen schließen, die den Kern des Problems und der amerikanischen Politik in
Südvietnam bilden:
1. Grundtatsache ist, daß eine Aggression in Form eines bewaffneten
Angriffs Nordvietnams auf Südvietnam stattfindet.
2. Die Vereinigten Staaten sind verpflichtet, Südvietnam bei der Abwehr dieser Aggression zu helfen.
3. Unsere Verpflichtungen in Südvietnam wurden nicht isoliert von anderen übernommen, sondern sind Teil unserer systematischen Bestrebungen
der Nachkriegszeit, einen stabilen Frieden zu gewährleisten.
4. Die Südostf»sierürihra^t hat weltweite Auswirkungen, müssen wir doch
klarstellen, daß die Vereinigten Staaten ihr Wort halten, wo immer sie es
gegeben haben.
5. Kein Land ist am Frieden in Südostasien oder sonstwo mehr interessiert als die Vereinigten Staaten. Wenn der bewaffnete Angriff gegen
Südvietnam eingestellt wird, kann es rasch Frieden geben. Jede Verbindung
und jede Möglichkeit zu Kontakten, Gesprächen oder Verhandlungen wird
offengehalten werden, damit wir keine Friedenschance übersehen.

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- 22 -

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WELTHANDELSPOLITIK UND DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN

Ansprache
Sr. Exzellenz, des Stellv. Sonderbeauftragten des
US-Präsidenten für Handelsverhandlungen,

BOTSCHAFTER

Beilage

W. MICHAEL BLUMENTHAL

gehalten am 16. März 1966 zu Bonn
vor der Carl Schurz Gesellschaft in Deutschland e.V.

A

�WELTHANDELSPOLITIK UND DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN
Von Botschafter W. Michael Blumenthal
Der Welthandel hringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile mit sich,
er trägt auch zu besserem gegenseitigen Verstehen und besserer Zusammenarbeit bei. Diese Feststellung gilt ebenso für den Austausch von
Menschen wie von Gütern. Die Carl Schurz Gesellschaft ist Ausdruck dieses gegenseitigen Verständnisses und der gegenseitigen Annäherung, die
ein Mann zwischen zwei großen Nationen zu schaffen in der Lage war. Carl
Schurz hat dazu beigetragen, ein andauerndes Interesse an deutscher
Sprache und Literatur im Mittelwesten der Vereinigten Staaten zu entfachen; seine liberalen Grundsätze haben auch unseren öffentlichen Dienst
mitgeprägt; sein Mut und seine Tapferkeit kamen der amerikanischen Demokratie genauso zugute, wie sie der Sache der Demokratie in Deutschland
zum Vorteil gereicht hatten.
Sowohl als Führer von Menschen als auch als Vorkämpfer eines freien
Gedankenaustausches hat Carl Schurz das geistige Klima seiner Zeit beeinflußt. Deutsche und Amerikaner haben gleichermaßen von seiner Arbeit
profitiert. Heute nun sind wir gemeinsam um die Vollendung eines anderen
großen Werkes bemüht, das nicht nur unseren beiden Ländern zum Vorteil
gereichen kann, sondern allen Völkern. Es geht hierbei mehr um den Austausch von Gütern als Ideen. Aber aus diesem Güteraustausch resultiert
letztlich auch ein besseres gegenseitiges Verständnis für die Interessen
und Bedürfnisse des anderen. Ich meine damit natürlich unsere gemeinsamen Bemühungen, die laufenden Handelsverhandlungen in Genf erfolgreich
zu Ende zu führen.
Für die Vorteile, die sich aus einem lebhaften und wachsenden Güteraustausch ergeben, liefert der deutsch-amerikanische Handel ein gutes
Beispiel. Seit 1950 hat sich der bilaterale Güteraustausch verfünffacht,
und der jährliche Handel in beiden Richtungen beläuft sich gegenwärtig,

- 1 -

�gegenwärtig, bei einem fast ausgeglichenen Verhältnis, auf 1,3 Milliarden Dollar. Im Jahre 1965 erhöhten sich allein die deutschen Einfuhren
aus den Vereinigten Staaten um vierzehn Prozent, während die Ausfuhren
nach den USA im gleichen Zeitraum um zwanzig Prozent anstiegen. Unser
Handel umfaßt praktisch das gesamte Warenspektrum: Fleisch, Getreide,
Chemikalien, Automobile, Eisen und Stahl, Maschinen, Textilien, Papier.
Die Bundesrepublik Deutschland profitiert von den niedrigen Produktionskosten im amerikanischen Maisgürtel, und etwa 350 000 Amerikaner erwerben jährlich jenes Symbol deutscher Wertarbeit und Zuverlässigkeit: den
Volkswagen.
Man kann den Handel jedoch nicht allein unter bilateralen Gesichtspunkten betrachten. Ein Dichter sagte einmal: "Wie das Blut, so muß auch
der Handel den ganzen Kreislauf durchfließen." Weniger poetisch, dafür
aber praxisnah ausgedrückt, heißt das, daß nur der multilaterale, alle
Länder und alle Produkte umschließende Güteraustausch optimal die Vorteile ausschöpfen kann, die der Welthandel bietet. Die Bundesrepublik
Deutschland zum Beispiel importiert aus den Partnerländern des Gemeinsamen Marktes für rund eine halbe Milliarde Dollar Waren mehr, als sie
dorthin exportiert. Das hier entstehende Außenhandelsdefizit wird durch
den Handel mit anderen Ländern ausgeglichen - so durch den Güteraustausch
mit den EFTA-Ländern, der der Bundesrepublik Deutschland einen Überschuß
von 1,5 Milliarden Dollar erbringt. Die Vereinigten Staaten weisen im
Handel mit der EWG bei den Fertigwaren einen geringen Passivsaldo auf,
erzielen aber im Agrarexport einen gesunden Überschuß. Die beiden größten
Exportmärkte der USA sind Kanada und Japan. Für die Bundesrepublik
Deutschland sind es die EFTA-Länder, in die 43 Prozent der deutschen Exporte in Drittländer gehen, was wertmäßig etwa dem Vierfachen der deutschen USA-Exporte entspricht.
Handelsstruktur und Absatzmöglichkeiten sind in allen Ländern verschieden. Alte Handelsbeziehungen sind nicht nur einer steten Wandlung
unterworfen, aus ihnen entwickeln sich auch ständig neue. Es ist diese
wechselseitige Abhängigkeit im Handel der Länder untereinander, die
Nutzen und Möglichkeiten des freien Welthandelssystems begründen.
Zur

- 2 -

�Zur Zeit unternehmen wir die bedeutendste Anstrengung, die je zum
Abbau von Handelsschranken gemacht wurde: die Kennedy-Runde, die im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens - GATT - durchgeführt
wird. In ihrem Umfang weltweit, umschließt sie eine breite Skala von
Handelsinteressen - einige davon zueinander in Widerspruch stehend, die
meisten jedoch einander ergänzend. Die einzige praktikable Basis für
den Abschluß eines Abkommens ist in Anbetracht solch verschiedenartiger
Verhältnisse ein genereller, sich auf alle Erzeugnisse erstreckender
Abbau von Handelsschranken durch alle bedeutenden handeltreibenden Länder. Es geht uns in der Kennedy-Runde in der Tat darum, alle bestehenden Zollschranken um die Hälfte zu reduzieren und eine ganze Anzahl anderer Hindernisse für Welthandelsgüter teilweise oder ganz aus dem Wege
zu räumen. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel, aber die sich für den Welthandel daraus ergebenden Vorteile allein schon rechtfertigen diese Anstrengung.
Es steht in der Kennedy-Runde jedoch mehr auf dem Spiel als vermehrte Exportmöglichkeiten. Der Erfolg oder Mißerfolg dieser Verhandlungen wird ohne Zweifel den künftigen Verlauf der Handelsbeziehungen bestimmen. Der Ausgang wird mit Sicherheit auch die Einstellung der USA
zur Frage der multilateralen Liberalisierung des Handels beeinflussen.
Ebenso wird der Ausgang allen Ländern die Bedeutung des Artikels 110 der
Römischen Verträge vor Augen führen, in dem die Absicht der Gemeinschaft
bekundet wurde, auf eine harmonische Entwicklung des Welthandels und auf
einen Abbau der Zollschranken hinzuarbeiten. Desgleichen wird der Ausgang
entweder zu einer Harmonisierung der Handelspolitik hinsichtlich landwirtschaftlicher Rohprodukte führen oder aber auf dem Weltmarkt eine
neue Welle engstirniger und auf Kosten anderer verfochtener Selbstinteressen hervorbringen. Und schließlich wird der Ausgang entweder die Entwicklungsländer von unseren Absichten, ihre Exporte zu fördern, wirklich
überzeugen oder aber große Enttäuschungen und Verzweiflung hervorrufen.
Die Kennedy-Runde tritt jetzt aus einer Phase der Ungewißheit und
der Skepsis heraus. Die Verhandlungsflaute, die zu einem guten Teil aus
den inneren Problemen des Gemeinsamen Marktes resultierte, läßt sich mit
den Worten eines frühen amerikanischen Patrioten umschreiben, der von

- 3-

�von den Zeiten sprach, "in denen die menschliche Seele auf eine Probe
gestellt wird".
Diese Zeiten sind vorüber. Das entscheidungsbefugte Gremium der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ist wieder arbeitsfähig. Für die
Kennedy-Runde bedeutet das erneute Aktivität mit dem Ziel einer baldigen und für alle Beteiligten erfolgreichen Beendigung der Verhandlungen. Und daher erscheint eine Bestandsaufnahme in der derzeitigen
Situation angebracht. Wir sitzen bereits drei Jahre am Verhandlungstisch. Was haben wir bisher erreicht? Welche Problemkomplexe liegen
noch vor uns?
Was wir vor allem erreicht haben, ist eine klare Kenntnis der
diesbezüglichen Tatsachen - das Wissen um die Handelsinteressen und
Schutzsysteme in allen an den Verhandlungen teilnehmenden Ländern.
Wir haben alle Aspekte der tarifären und nichttarifären Handelsschranken sorgfältig überprüft. Keiner kann behaupten, wir würden überhastet
und schlecht vorbereitet in die entscheidende Phase der Kennedy-Runde
gehen. Die technische Arbeit ist abgeschlossen, und wir sind jetzt
darauf vorbereitet, die notwendigen Entscheidungen, die zum Abschluß
der Verhandlungen erforderlich sind, zu treffen.
Ganz konkret gesprochen: Wir haben weitreichende Angebote für
Industriegüter gemacht, und zwar auf der Basis einer generellen 50prozentigen Senkung der Zölle. Die Ausnahmen von dieser Regelung wurden
auf ein absolutes Minimum beschränkt. Wir hoffen, diese Ausnahmen im
Laufe der restlichen Verhandlungen zahlenmäßig noch weiter zu reduzieren.
Auf der anderen Seite haben wir auf dem Agrarsektor bislang nur
wenig erreicht. Die Arbeit ist hier weit hinter den allgemeinen Fortschritten der Verhandlungen zurückgeblieben. Vieles bleibt noch zu tun.
Konzentrierte Anstrengungen in der Absicht, rechtzeitige Entscheidungen
auf dem Agrarsektor zu erreichen, sind von großer Bedeutung, wenn ein
einigermaßen ausgewogenes Rahmenabkommen erzielt werden soll.
Schließlich waren die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern
besonders lohnend. Diesen Ländern geht es in der Kennedy-Runde um lebens-

- 4 -

�lebenswichtige Einsätze. Die Ausweitung der Exporte ist für jene
freien, aber unterentwickelten Länder von entscheidender Bedeutung,
die nach den Worten des verstorbenen Präsidenten Kennedy ständig
"zwischen anhaltendem wirtschaftlichem Wachstum und wirtschaftlichem
Chaos schweben".
Die Vereinigten Staaten haben mit mehr als zwanzig teilnehmenden
Entwicklungsländern ausgiebige Verhandlungen geführt. Unsere Importe
aus diesen Ländern belaufen sich auf 2,1 Milliarden Dollar. Hiervon
werden bereits Waren im Wert von 1,3 Milliarden Dollar zollfrei in
die Vereinigten Staaten eingeführt. Bei den zollpflichtigen Einfuhren
in Höhe von 800 Millionen Dollar haben wir bisher eine generelle 50prozentige Senkung der Zölle auf rund 600 Millionen Dollar oder 75 Prozent
der Gesamtstimme angeboten. Dazu gehört auch das Angebot, die Zölle für
bestimmte, hauptsächlich aus tropischen Ländern importierte Produkte
ganz zu beseitigen. Wir hoffen, unser Angebot in den nächsten Monaten
noch verbessern zu können. Dies ist ein wesentlicher Erfolg, der große
handelspolitische Bedeutung für den Export dieser Länder besitzt. Er
kann als konkreter Beweis dafür angesehen werden, daß die Kennedy-Runde
diesen um ihre Existenz kämpfenden Nationen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas etwas zu bieten hat.
Aber unsere Erfolge hängen weiter von der Lösung der noch vor uns
liegenden Probleme ab. Es gibt sicherlich noch viele Probleme, die gelöst werden müssen, wenn auch einige Grundfragen weiterhin den Kern
unserer Gespräche bilden. Ein klares Verständnis dieser Probleme und
der Wille, sich objektiv mit ihnen auseinanderzusetzen, können den Ausschlag über Erfolg oder Mißerfolg dieser Verhandlungen geben. Daher
möchte ich heute abend einigen dieser Kernfragen besondere Aufmerksamkeit schenken.

II

- 5 -

�II
Auf dem industriellen Sektor sieht die Kennedy-Runde eine 50prozentige Senkung der Zölle für alle Produkte vor. Dieses lineare Zollsenkungsverfahren ist logisch und in sich ausgewogen. Es wird innerhalb des Gemeinsamen Marktes angewendet und wurde früher von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als Verfahren für multilaterale Zollsenkungen vorgeschlagen. Wie hoch der gegenwärtige Schutz auch sein mag, durch die
Kennedy-Runde wird er halbiert. Gleichgültig, wie hoch das Durchschnittsniveau in einem einzelnen Land ist. Je höher der Durchschnittszoll, desto
größer die voraussichtliche Senkung des Importpreises.
Es ist daher störend, daß die Durchschnittszollsätze gelegentlich
in die Diskussion über die Erreichung eines Ausgleichs der Handelsvorteile gebracht wurden. Dies ist deshalb besonders störend, weil - von den
ungewöhnlich niedrigen Zollsätzen in einigen kleineren EFTA-Ländern abgesehen - kein bedeutender Unterschied im durchschnittlichen Schutzzollniveau zwischen den wichtigsten westlichen Handelsnationen besteht.
Eine prominente deutsche Autorität in Handelsfragen wies mich kürzlich auf eine statistische Untersuchung über Durchschnittszölle hin, aus
der hervorging, daß die amerikanischen Zölle etwas höher sind als die
Gemeinsamen Außenzölle der EWG. Er fragte sich, ob sich auf Grund des
Verfahrens einer generellen 50prozentigen Senkung hieraus nicht ungleiche
Konzessionen ergäben. Als wir dieser Frage nachgingen, stellten wir, je
nach der Berechnungsmethode, zumindest fünf verschiedene durchschnittliche Zollsätze fest. Ich möchte Ihnen dafür einige Beispiele geben: Der
einfache Durchschnitt aller Zolltarife stellt sich sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die EWG auf rund vierzehn Prozent. Bei
Industrieprodukten liegen die Vereinigten Staaten um zwei Punkte höher,
bei den landwirtschaftlichen Produkten die EWG um rund neun Punkte.
Gemessen an den Gesamtimporten belaufen sich die durchschnittlichen EWGTarife auf 8,3 Prozent, die der USA auf 7,6 Prozent; klammert man aber
die landwirtschaftlichen Importe aus, so liegt der amerikanische Zollsatz wieder um zwei Punkte höher. Das Mittel der Zollsätze liegt noch

- 6 -

�noch näher beieinander, nämlich bei etwa dreizehn Prozent, wobei der
mittlere Satz der Vereinigten Staaten in allen Fällen geringfügig
unter dem der EWG liegt.
Welches ist nun die beste oder gerechteste Bemessungsgrundlage?
Es gibt weder eine "beste11 Methode, noch gibt es eine schlüssige Antwort auf die Frage der relativen Zollsätze. Der vielleicht umfassendste
Versuch, die relativen Zollsätze der EWG und der USA zu ermitteln, ist
von dem unabhängigen "Ausschuß für Wirtschaftliche Entwicklung" in einer
Studie unternommen worden, die den Titel trägt "HandelsvertragsVerhandlungen für eine bessere freie Weltwirtschaft". Die wichtigste Feststellung
dieser Untersuchung, der ich gern zustimme, ist, daß eine weitgehende
Übereinstimmung der beiden Zollsysteme besteht und daß'Wen Differenzen in
den errechneten durchschnittlichen Zollsätzen der USA und der EWG relativ
geringe Bedeutung beigemessen werden sollte".
Ich glaube, daß mein deutscher Freund und ich letztlich zu der gleichen Ansicht kamen. Die Diskussion über die durchschnittlichen Zollsätze
kann zwangsläufig keine allgemeingültigen Schlußfolgerungen erbringen.
Sie kann nur dazu beitragen, das eigentliche Ziel der Kennedy-Runde zu
verschleiern: den umfassenden und gleichmäßigen Abbau aller dem Handel
im Wege stehenden Hindernisse.
Obwohl im Grunde ganz anders geartet, steht auch die Frage der Zolldisparitäten für einzelne Waren in Beziehung zu den durchschnittlichen
Zollsätzen. In dem einstimmig gefaßten Ministeratsbeschluß vom Mai 1963
ist anerkannt worden, daß in solchen Fällen, wo große Diskrepanzen in
den Zollsätzen für eine spezielle Ware den Handel erheblich beeinflussen,
Sonderbestimmungen generell und automatisch für Zollsenkungen in Anwendung gebracht werden sollen.
Leider ist bisher noch keine Übereinstimmung über das Verfahren zur
Feststellung von Disparitäten erreicht worden. Die Schwierigkeit besteht
häufig darin, daß die Handelsauswirkungen einer Disparitätsklausel in
erster Linie von Drittländern verspürt werden. Zwischen den Zollsätzen
der Vereinigten Staaten und der EWG mag eine größere Spanne bestehen,
aber wenn es um den Handel hauptsächlich zwischen der EWG und der EFTA

�EFTA geht, so wirkt sich eine Disparitätsregel eher hemmend auf den
intereuropäischen als auf den amerikanischen Handel aus.
Zur Begründung einer nach der Disparitätenregelung wird die

An-

nahme angeführt, daß in hohen Zollsätzen ein übermäßiger Schutz enthalten ist, und daß die 50prozentige Senkung eines hohen Zollsatzes
weniger bedeutungsvoll sein würde als die 50prozentige Senkung eines
niedrigen. Aber dies ist nicht unbedingt der Fall. Für Erzeugnisse wie
Automobile, landwirtschaftliche Maschinen und für einige Spezial-Papiererzeugnisse sind die Zölle des Gemeinsamen Marktes wesentlich höher
als die der USA; aber dies bedeutet nicht, daß eine 50prozentige Senkung
der EWG-Zölle nicht von handelspolitischer Bedeutung wäre. In ähnlicher
Weise lassen viele der hohen amerikanischen Zölle bereits jetzt wesentliche Importe zu, und eine 50prozentige Senkung könnte von gleichem,
wenn nicht noch größerem Handelswert sein, als entsprechende Senkungen
bei niedrigen Zöllen im Ausland.
Bisher ist die EWG der einzige Teilnehmer, der seine Absicht bekanntgegeben hat, sich der Disparitäten zu bedienen, obwohl alle Länder
begreiflicherweise das gleiche tun könnten. Einige EFTA-Länder, deren
Zölle allgemein recht niedrig sind, könnten tatsächlich den überwiegenden Teil ihrer Importe, deren größter Teil aus den EWG-Ländern stammt,
der Disparitätenregelung unterwerfen.
Die Vereinigten Staaten haben die Gefahr einer Ausweitung der Disparitätenregelung erkannt und sich erneut zu ihrer Einstellung bekannt,
sie auf solche Fälle zu begrenzen, die eindeutig einen bedeutenden
Handelseffekt haben. Wir haben ebenso immer wieder auf die Grundtatsache verwiesen, daß eine generelle 50prozentige Zollsenkung alle Disparitäten automatisch um die Hälfte vermindert.
Die Disparitätenfrage bleibt ein Problemkreis der Verhandlungen.
Sie kann zu einer gefährlichen Aufweichung der grundlegenden Reziprozitätsbasis führen, die in der 50-Prozent Linearregel enthalten ist. Wenn
diese Frage doch in einer vernünftigen Art angegangen wird und man sich
auf solche Fälle beschränkt, die einen bedeutenden Handelseffekt haben,
kann und wird sie hoffentlich erfolgreich gelöst werden.
Aus

- 8 -

�Aus all den eben angeführten Gründen bietet sich die lineare Zollsenkung als die beste Grundregel für ein umfassendes und bedeutendes
Abkommen im Rahmen der Kennedy-Runde an. Wegen der weitgehenden Übereinstimmungen im Gesamtzollniveau können wir die Durchschnittstarife als
zusätzliche Komplikation ignorieren. Zolldisparitäten müssen andererseits
auf Fälle mit konkreter handelspolitischer Bedeutung beschränkt werden.
Innerhalb dieses Rahmenwerkes wird eine allgemeine 50prozentige Senkung
aller Zölle wesentliche und ausgewogene Exportmöglichkeiten für jeden
Verhandlungsteilnehmer schaffen.
Ein anderes kritisches Problem der Kennedy-Runde bildet der ChemieSektor. Einige unserer Verhandlungspartner - insbesondere die wichtigen
europäischen Exportländer von Chemikalien - bestehen darauf, daß die
Vereinigten Staaten etwas bezüglich des sogenannten American Selling
Price System - der Zollfestsetzung - kurz ASP genannt - unternehmen. Die
Frage des amerikanischen Verkaufspreises steht insbesondere in Beziehung
zum Umfang des Einfuhrschutzes, den es gewissen Sektoren der amerikanischen chemischen Industrie gewährt. Ich möchte zwei allgemeine Feststellungen zu dieser Frage treffen, die, wie wir wissen, für eine Anzahl
Länder von erheblichem Interesse ist.
Erstens: Handelsvertragsverhandlungen sind Prozesse des Aushandelns,
in denen die Teilnehmer vergleichbare Konzessionen machen müssen; das heißt,
sie haben gleiche Anstrengungen zu unternehmen und gleichwertige Konzessionen zu bieten, die in ihrer Gesamtheit letztlich das Abkommen ausmachen. Das ist das, was wir im weitesten Sinne des Wortes unter Reziprozität verstehen. Damit die Vereinigten Staaten in der Lage sind, Konzessionen beim American Selling Price zu machen, müßten wir Konzessionen
vergleichbaren Wertes von den anderen interessierten Ländern erhalten.
Weder von den Vereinigten Staaten noch von der EWG, noch von irgendeinem
anderen Teilnehmer werden oder können einseitige Konzessionen verlangt
werden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Rahmen der Kennedy-Runde über
den ASP zu verhandeln. Aber Konzessionen in dieser Hinsicht können nur in
die Schlußvereinbarungen eingearbeitet werden, wenn die Vereinigten Staaten

- 9-

�Staaten dafür den vollen Gegenwert erhalten. Zum Teil muß diese Gegenleistung auf dem Chemie-Sektor liegen. Die amerikanische chemische
Industrie kann mit unbestreitbarem Recht verlangen, daß sie, wenn sie
um Konzessionen auf dem Gebiet des ASP ersucht wird, im Austausch dafür
verbesserte Exportmöglichkeiten erhält. Zum Teil könnten die Gegenleistungen auf dem Gebiet des American Selling Price Systems auch durch
Konzessionen auf dem Sektor der nichttarifären Handelsschranken kompensiert werden. In der Kennedy-Runde führen wir tatsächlich Besprechungen
über eine Anzahl sogenannter nichttarifärer Handelsschranken, deren
Abbau oder Aufhebung auf der Basis der Gegenseitigkeit - ich betone
Gegenseitigkeit - wir in diesen Verhandlungen zu bewerkstelligen hoffen.
Wir diskutieren auch über eine einheitliche Kodifizierung des Begriffs
internationales Dumping. Die Vereinigten Staaten haben speziell Forderungen nach größeren Exportmöglichkeiten für amerikanische Kohle angemeldet sowie die Beseitigung der diskriminierenden Auswirkungen der
europäischen Automobilsteuer auf in Amerika hergestellte Kraftwagen verlangt. In diesem Verhandlungsrahmen könnten und sollten die Schwierigkeiten des ASP-Systems - auch soweit sie über den direkten Zollschutz
hinausgehen, den es bietet - besprochen werden.
Meine zweite Feststellung zum ASP ist, daß die Bedeutung des amerikanischen Verkaufspreissystems nur an Hand von Tatsachen voll ermessen
werden kann. Was sind nun aber diese Tatsachen? Ein sehr wesentliches
Faktum besteht darin, daß nur ein Teil der amerikanischen chemischen
Industrie - kein großer Teil - durch das ASP-System geschützt wird. Betroffen sind im wesentlichen die Importe von Benzolverbindungen und gewissen daraus hergestellten Produkten. Ich sehe ein, daß das ASP-System
für die Hersteller dieser speziellen Erzeugnisse von Bedeutung sein kann.
Aber wir wissen auch, daß der größte Teil der chemischen Produktion und
auch des Handels mit chemischen Stoffen in den USA und in anderen Ländern
Erzeugnisse umfaßt, die nicht vom ASP-System berührt werden. Hinzu kommt
noch, daß der durch das ASP-System gewährte Schutz in seinem Umfang sorgfältig und objektiv ermittelt werden muß. Die amerikanische Zcllkommissiou
hat eine solche Erhebung durchgeführt, und wir hoffen, noch im Laufe J ä r
Genfer Verhandlungen unseren Verhandlungspartnern ein viel klareres Bild

- 10 -

�Bild über die tatsächlichen Auswirkungen des ASP-Systems geben zu
können.
Wenn ich mich jetzt dem landwirtschaftlichen Sektor der Verhandlungen
zuwende, möchte ich noch einmal meine besondere Besorgnis über die bisherigen Versäumnisse zum Ausdruck bringen und auf den großen Berg von
Arbeit hinweisen, der noch vor uns liegt. Die bisherigen geringen Fortschritte auf diesem Gebiet sind besonders enttäuschend, vor allem deshalb, weil die Handelsmöglichkeiten für Agrarprodukte ganz erheblich sind.
Billige importierte Nahrungsmittel sind eine wichtige Hilfe zur Stabilisierung der Lebenshaltungskosten und zur Erreichung einer maximalen wirtschaftlichen Wachstumsrate auf anderen Sektoren der Wirtschaft. Die hohen
finanziellen Belastungen, die durch die Förderung der Produktion von teuren
einheimischen Nahrungsmitteln entstehen, können andererseits sowohl die
Preisstabilität als auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.
Wir haben nicht die Absicht, in der Kennedy-Runde die Struktur der
Landwirtschaft anderer Staaten zu zerstören. Unter gar keinen Umständen
ist eine Regierung bereit, ihre Landwirtschaft zu opfern. Wir sind vielmehr
bemüht, in zwei Richtungen vorzustoßen. Erstens wollen wir die bestehenden
Handelsströme auf dem Agrarsektor erhalten und die gefährlichen Tendenzen
in Richtung auf eine unwirtschaftliche Ausdehnung neuer Produktion verhindern, insbesondere in den Industrieländern, denen sich viel vorteilhaftere
Alternativlösungen für den Einsatz ihrer Mittel bieten. Und zweitens möchten wir die eine stete Verbrauchssteigerung bei Agrarerzeugnissen behindernden Handelsschranken abbauen, um dadurch zu einer leistungsfähigeren Weltproduktion und zu einem leistungsfähigeren Welthandel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu kommen.
Eine bedeutende Gruppe von Agrarerzeugnissen stellt in den Verhandlungen das Getreide dar. Wir haben bereits vorbereitende Gespräche für ein Internationales Getreideabkommen geführt. Ein derartiges Abkommen hätte sich
im wesentlichen mit den oberen und unteren Grenzen der Weltmarktpreise zu
befassen, mit der Versorgungslage sowie mit der Verfügbarkeit von Überschußprodukten für die bedürftigen und unter Nahrungsmittelmangel leidenden Gebiete in der Welt. Es ist im Interesse aller Teilnehmer an der Kennedy-Runde, ein
solches Abkommen auszuhandeln, aber die Hauptentscheidungen müssen noch getroffen
werden, wenn ein annehmbares Abkommen erzielt werden soll.

- 11 -

_ .

�Bei einer großen Anzahl anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse sind
die Verhältnisse recht unterschiedlich. Für einige erscheint eine Zoll•enkung der einzig vernünftige und gangbare Weg zu sein, um eine geordnete
Handelsausweitung sicherzustellen. Bei anderen dagegen - wie etwa bei
Fleisch und Milchprodukten - wird nach umfassenderen Lösungen geforscht
werden müssen.
Als bedeutender Exporteur von preisgünstigen landwirtschaftlichen
Produkten haben die Vereinigten Staaten von Anfang an Fortschritte auf
dem Agrar-Sektor als ein notwendiges Ausgleichselement in den Gesamtverhandlungen im Rahmen der Kennedy-Runde betrachtet. Sie tun es auch heute
noch. Nach einstimmigem Beschluß der Minister aller Teilnehmerstaaten
sollte es ein Ziel der Kennedy-Runde sein, "annehmbare Voraussetzungen
für den Zugang landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu den Weltmärkten zu
schaffen, um dadurch eine bedeutende Entwicklung und Ausweitung des Welthandels mit solchen Erzeugnissen zu erreichen". Besondere Anstrengungen
müssen in der kurzen noch verbleibenden Zeit unternommen werden, um die
notwendigen Entscheidungen zu treffen, damit das angestrebte Ziel erreicht
wird.

III

Ich habe einige der speziellen Fragen umrissen, die in der KennedyRunde noch vor uns liegen. Die Zeit ist jetzt gekommen, sich ernsthaft
und endgültig mit ihnen zu befassen. Die Zeit selbst ist zu einem entscheidenden Faktor beim Abschluß der Verhandlungen geworden. Das Jahr 1966
ist das entscheidende Jahr für die Kennedy-Runde.
Es gibt eine Reihe von Gründen, die die Festlegung des zeitlichen Ablaufs der Beratungen von zunehmender Bedeutung erscheinen lassen. Seit
die Minister aller Teilnehmerstaaten sich zu einer Liberalisierung des
Handels bekannten, sind drei Jahre vergangen. Wir haben jetzt den Punkt
erreicht, wo wir uns entscheiden müssen, ob wir diese ehrgeizige Aufgabe
vollenden wollen oder nicht. Sicherlich umschließen HandelsvertragsVerhandlungen eine Unzahl technischer Einzelheiten; aber gerade das macht
stete Fortschritte um so notwendiger und erhöht die Gefahr, daß zu Ver-

- 12 -

�Verzögerungstaktiken Zuflucht genommen wird.
Für Europa ist es von besonderer Dringlichkeit, daß die KennedyRunde bald zum Abschluß gebracht wird. Mit jedem Jahr vergrößert sich
die Kluft zwischen den beiden Hälften Europas - dem Gemeinsamen Harkt
und der Kleinen Freihandelszone. Ende dieses Jahres werden die Binnenzölle der EFTA auf Null herabgesetzt, und alles spricht dafür, daß die
der EWG Mitte 1967 ebenfalls auf Null herabgesetzt werden. Je größer
die Zolldiskriminierung ist und je länger sie wirksam bleibt, um so
größer wird die wirtschaftliche Kluft und das zwangsläufig damit verbundene Interesse an einem permanent gespaltenen Europa. Vor einem
Monat hat sich die Internationale Handelskammer für eine schnelle Beendigung der Kennedy-Runde mit allem Nachdruck eingesetzt und erklärt,
daß "diese Verhandlungen das geeignetste Mittel seien... ein Wiederaufleben des Protektionismus zu verhindern und die Schwierigkeiten zu umgehen, die - wie einige Länder fürchten - aus der Existenz regionaler
Wirtschaftsblöcke in Europa erwachsen könnten".
Ein anderes brennendes Welthandelsproblem resultiert aus der Notwendigkeit, die Exporterträge der Entwicklungsländer zu vermehren. Diese
Länder haben ihre Ungeduld über das langsame Verhandlungstempo bereits
lautstark geäußert. Und wenn im Laufe eines Jahres keine konkreten und
wesentlichen Ergebnisse erzielt werden, wird sich der Druck, Alternativlösungen zu finden, in fragwürdige Richtungen verstärken. Die KennedyRunde ist in den Augen vieler dieser Länder der Säuretest für unsere Absichten, und in diesem Stadium wird selbst eine Verzögerung um drei oder
fünf Jahre herbe Enttäuschungen in ihren schwer ringenden und exporthungrigen Volkswirtschaften hervorrufen.
Das Auslaufen der amerikanischen Verhandlungsvollmacht ist ein anderer Faktor, der den Zeitdruck in der Kennedy-Runde mit verstärkt. Der
Kongreß hat dem Präsidenten eine FünfJahresfrist für den Abschluß der
Verhandlungen eingeräumt, und man kann nur zu gut verstehen, daß jene,
die sich für die Gewährung dieser Vollmacht eingesetzt haben, auch Ergebnisse sehen wollen. Sind für Länder, die sich so einstimmig für dieses
Ziel ausgesprochen haben, fünf Jahre wirklich kein ausreichender Zeitraum,

- 13 -

�Zeitraum, um ein Abkommen zu erzielen? Es wäre geradezu peinlich und
nicht überzeugend, das bejahen zu wollen.
Wir haben in der Kennedy-Runde in der Tat den Scheideweg der Entscheidung erreicht. Unsere Fähigkeit, schwierige Entscheidungen noch in
diesem Jahr zu treffen, wird den Ausschlag geben über Erfolg oder Mißerfolg. Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung - eine Entscheidung für das Scheitern.
Ein fester Zeitplan für 1966 ist dann nicht unvernünftig, wenn
alle Teilnehmerstaaten sich verpflichten, ihn einzuhalten. Auf jeden
Fall werden sich die Auswirkungen von Zollsenkungen über einen Zeitraum
von mindestens fünf Jahren erstrecken, das heißt bis 1971, und es gibt
Sicherheitsklauseln, um in besonders dringlichen Fällen Produkte von den
vollen Zollsenkungen oder von der Mindestlaufzeit auszunehmen. Die einzige wirkliche Voraussetzung ist der Wille, sich aktiv für ein faires und
ausgewogenes Abkommen zwischen allen Teilnehmern einzusetzen.
Wir haben gerade ein beängstigendes Zwischenspiel hinter uns. Das
lange Warten hat einige der ersten Förderer der Kennedy-Runde entmutigt
und verhärtet. Lange und schwierige Verhandlungen neigen dazu, die Ideale
zu trüben und die schwachen Seiten eines jeden Zieles sichtbarer werden
zu lassen. Aber wir sollten nicht das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren, zu dem uns die Tagesentscheidungen hinführen. Die Kennedy-Runde
kann ein neues Zeitalter der Prosperität und der Zusammenarbeit im Welthandel einleiten; sie kann aber auch zu einem Wendepunkt werden, der zu
einer nach innen gerichteten Wirtschaftspolitik der Verdächtigungen und
des Mißtrauens zurückführt.

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�AMERIKA DIENST
U n i t e d
5 3 2 0
T e l :

S t a t e s
B a d

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g

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S e r v i c e

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Beilage

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EIN LEISTUNGSFÄHIGES VERKEHRS- UND TRANSPORTSYSTEM ALS
VORAUSSETZUNG FÜR PROSPERITÄT UND WOHLERGEHEN

Eine Botschaft Präsident Johnsons an den US-Kongreß

Einen Überblick über die bisherige Entwicklung des amerikanischen Verkehrsund Transportwesens und die Aufgaben,
die der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft auf diesem Gebiet für die
Zukunft erwachsen, gab Präsident Johnson
in einer Botschaft an den US-Kongreß vom
2. März 1966.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen den Text dieser wichtigen Verkehrsanalyse zur Kenntnisnahme und eventuellen
Veröffentlichung im Wortlaut oder in Auszügen.

�INHALTSÜBERSICHT

Straßen- und Schienenverkehr
Aufsicht (S. 2, 12), Beschäftigte (S. 2), Straßendichte (S. 3), Tote (S. 3, 13), Landschaftsschutz
(S. 3), Sicherheit (S. 8-9, 11-17), Massenverkehr
(S. 11), Unfallziffem (S. 13), künftige Planung
(S. 23)
Luftfahrt
Aufsicht (S. 2, 12), Beschäftigte (S. 2), FlugplatzZubringerdienst (S. 3, 24), Sicherheit (S. 8-9, 20),
Tote (S. 13), Schadensregelung (S. 19), ÜberschallLuftverkehr (S. 20-21), Flugzeuglärm (S. 21-22)
Schiffahrt
Aufsicht (S. 2, 12), Beschäftigte (S. 2), Schnellfrachter (S. 3, 22), Tote (S. 13), Sicherheit
(S. 18-19), Schiffbau (S. 22-23)
Verkehrssicherheit
Straßen- und Schienenverkehr (S. 8-9, 11-17), Luftverkehr (S. 8-9, 20), Schiffsverkehr (S. 18-19)
Verkehrsministerium
Schaffung (S. 6-7), Zuständigkeit und Aufgaben
(S. 7-12), Zusammenarbeit mit anderen Behörden
(S. 9-11)

�An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Die amerikanische Nation wurde vor zwei Jahrhunderten geschaffen.
Dreizehn spärlich besiedelte Kolonien, die sich über rund 2000 km entlang der Atlantikküste erstreckten, vereinigten ihr getrenntes Streben
in einem gemeinsamen Staatswesen.
Drei Bande einten sie: das kulturelle Band einer gemeinsamen
Sprache; das moralische Band der Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie;
und das physische Band einiger weniger Straßen und Gewässer, die dem
friedlichen Handel unter den Bürgern der Kolonien dienten.
Zwei Jahrhunderte später ist die Sprache noch die gleiche, und auch
das Verlangen nach Freiheit und Demokratie besteht fort. Das physische
Band aber - jenes dünne Geflecht beschwerlicher Pfade und primitiver
Straßen - entwickelte sich zu einem leistungsfähigen Verkehrsnetz, von
dem Prosperität und Wohlergehen unserer gesamten Gesellschaft abhängen.
In einem Land, das einen ganzen Kontinent überspannt, bildet das
Verkehrssystem das einende Band.

Die Entwicklung unseres Verkehrssystems
Um das erstaunliche Wachstum des amerikanischen Verkehrswesens aufzuzeigen, braucht man den Blick nicht zurück auf die sechziger Jahre des
18. Jahrhunderts zu wenden.
Vor zwanzig Jahren gab es in den Vereinigren Staaten 31 Millionen
Kraftfahrzeuge; heute sind es 90 Millionen und bis 1975 werden es knapp
120 Millionen sein.
Vor zwanzig Jahren gab es rund 2,4 Millionen km befestigter Landund Stadtstraßen in den Vereinigten Staaten; bis heute hat sich diese
Zahl fast verdoppelt.
Vor zwanzig Jahren gab es 38 000 Privat- und Verkehrsflugzeuge;
heute sind es über 97 000.
Vor

- 1 -

�Vor zwanzig Jahren legten die Maschinen der kommerziellen Fluggesellschaften rund 335 Millionen Flugkilometer zurück, im vergangenen
Jahr 1,6 Milliarden.
Vor fünfundzwanzig Jahren wurden im amerikanischen Güterverkehr
rund 900 Milliarden Tonnenkilometer geleistet, im Jahr 1964 2,2 Billionen.
Die Produktion von Transportmitteln hielt mit dieser Entwicklung
Schritt: sie hat sich seit 1947 verdreifacht. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Transport- und Verkehrssektor 4,5 Milliarden Dollar für
neue Anlagen und Betriebsmittel aufgewandt.
Transport und Verkehr gehören in den Vereinigten Staaten zu den
wichtigsten Beschäftigungszweigen. Es gibt
737 000 Eisenbahnbedienstete,
270 000 Beschäftigte im Städte- und Nahverkehr,
230 000 Beschäftigte im Flugverkehr, und fast
1 Million beschäftigte Männer und Frauen im Bereich
des Kraftverkehrs und Güterumschlagwesens.
Zusammen mit den Beschäftigten der Binnen- und Seeschiffahrt sowie der Pipeline-Betriebsgesellschaften beträgt die Gesamtzahl der
Männer und Frauen, die ihren Lebensunterhalt durch eine Tätigkeit im
Zusammenhang mit der Beförderung von Menschen und Gütern verdienen,
weit über 2,5 Millionen.
Die Bundesregierung unterstützt oder beaufsichtigt so gut wie alle
Verkehrsträger. Im vergangenen Jahr allein wurden über 5 Milliarden
Dollar aus Bundesmitteln in das Transport- und Verkehrswesen investiert:
in den Bau von Fernstraßen, in den Ausbau von Binnenwasserstraßen und
Hafenanlagen und -einrichtungen, in den Betrieb von Fluglinien und in
den Bau von Flugplätzen sowie durch Gewährung von Subsidien für die
Schiffahrt. Die Bundesregierung ist Eigner von 1500 der insgesamt 2500
seegängigen Frachtschiffe der amerikanischen Handelsflotte.
Auf das Transport- und Verkehrswesen - Nachfolger der Pferdebahnen
und Segelschiffe aus der Kolonialzeit - entfällt Jeder sechste Dollar,
den

- 2-

�den die amerikanische Wirtschaft ausgibt. Im Jahr 1965 bezifferte sich
dieser Betrag auf 120 Milliarden Dollar - eine Summe, die das Bruttosozialprodukt unseres Landes von 1940 übersteigt.

Mängel unseres Transportsystems
So sehr das amerikanische Transportsystem von pulsierendem Leben
erfüllt ist und so mannigfaltig es sich darbietet - es ist dennoch nicht
gut genug.
Es ist nicht gut genug - auch wenn auf 1 km

2

Land ungefähr 0,6 km

Straße entfallen -, solange es nicht zeitraubende, entnervende und
kostspielige

Verkehrsstauungen zu verhindern vermag.

Es ist nicht gut genug - auch wenn es uns elegante und leistungsfähige Düsenflugzeuge zur Verfügung stellt -, solange die Fluggäste von
und zu den Flughäfen ebenso lange Zeit unterwegs sind wie in eben diesen
Flugzeugen auf Strecken von Hunderten von Kilometern.
Es ist nicht gut genug - auch wenn es Autobahnen für schnelle Kraftfahrzeuge bereitstellt -, solange es den Tod von 50 000 Menschen auf
unseren Straßen allein in diesem Jahr nicht zu verhindern vermag.
Es ist nicht gut genug, wenn die öffentliche Hand oder Privatunternehmer 15 Millionen Dollar in ein riesiges Schneilfrachtschiff investieren und wir dann erleben, daß es tagelang im Hafen liegen muß, ehe es
beladen werden kann.
Es ist nicht gut genug, wenn es neue kreuzungsfreie Straßen zur Verbindung der Stadtzentren mit den Vororten schafft, dabei aber die Landschaft rücksichtslos

und irreparabel verschandelt.

Es ist nicht gut genug, wenn es am Althergebrachten um seiner selbst
willen festhält und darüber die Chance vertut, dem ganzen Volk auf wirtschaftlichere und wirksamere Weise zu dienen.
Und es ist nicht gut genug, wenn es den Erfordernissen des Amerikas
von gestern zu entsprechen sucht, statt mitzuhelfen, unseren Handel auszuweiten und die Produkte unseres Landes in aller Welt abzusetzen.
Woher

- 3-

�Woher diese Mängel rühren
Unser Transport- und Verkehrswesen entstand nicht auf einem Reißbrett und unter Berücksichtigung aller Erfordernisse und Möglichkeiten
unserer Wirtschaft. Das war auch gar nicht möglich, denn es wuchs mit
dem Land selbst - bald kräftig expandierend, bald sich konsolidierend,
ganz wie sich die Aussichten besserten oder verschlechterten.
Die Investitionen und die Verbesserungen der gebotenen Dienstleistungen entsprachen somit jeweils den besonderen Erfordernissen
ihrer Zeit. Forschung und Entwicklung, die gewissermaßen sporadisch
und mitunter auch planlos betrieben wurden, waren zumeist auf ein ganz
bestimmtes Transportmittel zugeschnitten.
Infolgedessen fehlt heute in Amerika ein koordiniertes Transportund Verkehrssystem, das Passagieren und Gütern den mühelosen und raschen
Übergang von einem Transportmittel auf das andere und damit die Wahl des
für den jeweiligen Zweck bestgeeigneten gestattet.
Menschen und Güter haben sich somit dem Verkehrs- und Transportsystem in seiner jeweiligen Gestalt anzupassen trotz der Unannehmlichkeiten und Kosten, die verursacht werden durch
alternde und oftmals überalterte Transporteinrichtungen und -mittel;
Verkehrswege, die in erster Linie auf die Bedürfnisse einer landwirtschaftlich orientierten Gesellschaft ausgerichtet sind;
einen Service, der angesichts der Wirtschaftsexpansion, der Bevölkerungszunahme, der Veränderungen in der Bodennutzung und der neuen Vorstellungen hinsichtlich der Standortwahl für Industriebetriebe, der Lagerhaltung und des Absatzes längst überholt ist;
die ungenügende Nutzung neuer technischer Methoden, die in anderen
Sektoren der Wirtschaft entwickelt worden sind; und
Programme und Richtlinien, die die private Initiative behindern und
den Anreiz für Neuerungen dämpfen.
Die Folge hiervon ist die Vergeudung von menschlicher Energie,
Material und Steuergeldern der Bürger. Wir haben uns zu lange mit dieser

�dieser Verschwendung abgefunden. Wir dürfen es nicht dulden, daß sie
weiter getrieben wird.
Zu viel hängt von der Güte und Wirtschaftlichkeit unseres Transport- und VerkehrsSystems ab. Selbst wenn das Wachstum der Verkehrswirtschaft lediglich mit dem derzeitigen Wachstum der Gesamtwirtschaft
Schritt hält, wird sich die Beförderungsleistung in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln. Aber das dürfte eine allzu vorsichtige Einschätzung der Entwicklung sein. Der Personenverkehr wächst weit schneller
als unser Bruttosozialprodukt - eine Folge der zunehmenden Mobilität
eines Volkes, das in materiellem Wohlstand lebt und sich steigender
Einkommen erfreut.

Die Verantwortung von Wirtschaft und Staat
Die Vereinigten Staaten sind das einzige große Land der Erde, das
sich vornehmlich auf ein im Privatbesitz befindliches und von der Privatwirtschaft betriebenes Verkehrs- und Transportwesen stützt. Dieses
Verfahren hat sich bewährt und muß deshalb beibehalten werden.
Aber der Privatbesitz wurde nur ermöglicht durch
die Erteilung staatlicher Konzessionen und die Investierung öffentlicher Mittel;
den Bau von Schleusen, Dämmen und Kanälen entlang unserer Ströme
und Binnenwasserstraßen;
die Schaffung eines riesigen Straßennetzes;
den Bau und den Betrieb von Flugplätzen und Fluglinien;
I

den Ausbau von natürlichen und den Bau von künstlichen Häfen;
direkte Zuschüsse für die Handelsschiffahrt;
die Ausübung des Enteignungsrechtes;
Zuschüsse für die Beschaffung von Transporteinrichtungen und -mittein
und für Modell projekte im Bereich des Massentransports; und
die Landschenkungen zur Förderung des Eisenbahnbaus, in der Vergangenheit.
Ein
- 5 -

�Ein weitblickender Staat hat sich als ein gleichwertiger Partner
des privaten Unternehmertums erwiesen, als es darum ging, das Bedürfnis der Amerikaner nach größerer Mobilität zu befriedigen.
Diese Partnerschaft gilt es nunmehr mit allen Mitteln eines
schöpferischen Föderalismus weiter auszubauen. Der Preis einer Paralysierung des Transportwesens in der Zukunft wäre untragbar hoch. Die
Segnungen eines leistungsfähigen VerkehrsSystems aber sind nicht minder
groß. Wir können uns weder den Luxus der Untätigkeit leisten noch einfach in dem alten Trott fortfahren.
Wir müssen allen Reisenden und Absendern die Gewähr bieten, daß
sie voll in den Genuß der Ergebnisse der modernen Wissenschaft und Technik gelangen.
Wir müssen verläßliche Unterlagen erarbeiten, wie wir sie für vernünftige Entscheidungen benötigen.
Wir müssen die institutionellen und politischen Schranken beseitigen, die die Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse und den Wandel
behindern.
Wir müssen die Bemühungen der privaten Wirtschaft unterstützen, dem
amerikanischen Verbraucher einen umfassenderen und besseren Service für
jeden Dollar zu bieten, den er für Transportzwecke ausgibt.
Wir müssen die verwaltungsmäßigen Befugnisse unserer Transportbehörden in einem einzigen, einheitlichen Regierungsorgan zusammenfassen.
Auf diese Weise werden sich die verkehrspolitischen Richtlinien und die
Unterstützung für die einzelnen Transportmittel günstig auf die gesamte
Volkswirtschaft auswirken.
Schaffung eines Verkehrsministeriums
Ich ersuche den Kongreß dringend, ein Verkehrsministerium mit Kabinettsrang für den Minister zu schaffen.
Ich empfehle, diesem Ministerium rund 100 000 Arbeiter und Angestellte zu unterstellen und ihm die Verwaltung von fast 6 Milliarden
Dollar an Bundesmitteln zu übertragen, die wir gegenwärtig für Verkehr

- 6-

�Verkehr und Transport ausgeben.
Ich ersuche dringend um die Schaffung eines solchen Ministeriums,
um auf diese Weise den wachsenden Bedürfnissen dieses großen Volkes zu
dienen, die Erfordernisse unserer expandierenden Industrie zu befriedigen und dem Anspruch des Steuerzahlers auf größtmögliche Leistung bei
größter Sparsamkeit seitens des Staates gerecht zu werden.
Wenn ich dies tue, so komme ich damit den Empfehlungen zahlreicher
prominenter Amerikaner nach:
Im Jahr 1936 empfahl ein Sonderausschuß des US-Senats die Schaffung
eines Verkehrsministeriums oder, als Alternativlösung, die Zusammenfassung
aller Befugnisse im Bereich des Verkehrs- und Transportwesens im Handelsministerium.
Im Jahr 1949 empfahl der Transportausschuß der Hoover-Kommission die
Schaffung eines Verkehrsministeriums.
Im Jahr 1961 empfahl Präsident Eisenhower in seiner Haushaltsbotschaft ein solches Ministerium.
Im Jahr 1961 empfahl eine Studiengruppe des Binnen- und Außenhandelsausschusses des Senats, alle Förderungs- und Sicherheitsprogramme der Bundesregierung auf dem Transportsektor einem Verkehrsministerium zu übertragen.
Zahlreiche Kongreßmitglieder haben Gesetzesvorlagen zur Schaffung
eines solchen Ministeriums eingebracht. Private Bürger, die führenden
Fachleute unseres Landes auf diesem Gebiet, haben mir das gleiche empfohlen. Es ist an der Zeit, diesen Empfehlungen nachzukommen.

Der Zuständigkeitsbereich des Verkehrsministeriums
Ich schlage vor, die folgenden Behörden und Funktionen im Verkehrsministerium zusammenzufassen:
1. Das derzeitige Amt des Staatssekretärs für Verkehr im Handelsministerium mit seinem gesamten technischen und wissenschaftlichen Stab
sowie die ihm obliegende Transportplanung im Falle eines Notstands.

- 7-

�2. Die Hauptabteilung Straßenbau im Handelsministerium (Bureau of
Public Roads) und das von ihr verwaltete Programm zum Bau von Bundesfernstraßen.
3. Das Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt (Federal Aviation Agency
- FAA). Dieser Schlüsselbehörde, die mit Fragen der Flugsicherheit und der
Förderung und der Finanzierung des Flugverkehrs befaßt ist, soll in ihrer
Gesamtheit in das neue Ministerium eingegliedert werden und ihre bisherigen Aufgaben dort fortführen.
•

•'

4. Die Küstenwache (Coast Guard), deren Aufgaben in Friedenszeiten
in erster Linie im Bereich des Verkehrs und der Sicherheit der Schiffahrt
liegen. Die Küstenwache ist als Ganzes aus dem Finanzministerium in das
neue Ministerium überzuführen. Wie in der Vergangenheit wird sie in Kriegszeiten als Teil der US-Marine fungieren.
5. Das Bundesamt für die Seeschiffahrt (Maritime Administration) samt
seinen Befugnissen zur Gewährung von Bau- und Betriebszuschüssen.
6. Die Sicherheitsfunktionen des Bundesamtes für die Zivilluftfahrt
(Civil Aeronautics Board - GAB),seine Aufgabe, Flugzeugunfälle zu untersuchen und die wahrscheinlichen Ursachen festzustellen, und seine Befugnisse als Rechtsmittelinstanz in allen einschlägigen Sicherheitsfragen.
7. Die Sicherheitsfunktionen und die Aufgaben der Abteilung Wagenparkaufsicht des Bundesamtes für den Binnenverkehr (Interstate Commerce
Commission - ICC), insbesondere die Überwachung und Durchsetzung der
Sicherheitsbestimmungen bei den Eisenbahnen, im Güterkraftverkehr, im
Betrieb von Pipelines, sowie die Zuteilung von rollendem Material in Zeiten der Verknappung.
8. Der Lotsendienst für die Schiffahrt auf den Großen Seen, die Entwicklungsgesellschaft für den St. Lorenz-Seeweg, die Alaskische Eisenbahn,
und bestimmte weniger bedeutsame Funktionen anderer Behörden im Bereich
von Transport und Verkehr.
Wie sich aus dieser Liste ersehen läßt, empfehle ich die Zusammenfassung all jener Funktionen und Bundesbehörden im Verkehrsministerium,
die vornehmlich der Förderung und Sicherheit des Verkehrs dienen.
Eine

- 8-

�Eine Verkehrssicherheitskommission
Keine Funktion des neuen Ministeriums und keine Verantwortung des
Ministers wird schwerer wiegen als die für die Sicherheit. Wir müssen
die Sicherheit unserer Bürger auf Reisen zu Lande, zu Wasser und in der
Luft gewährleisten. Ich schlage deshalb vor, im Rahmen des Verkehrsministeriuras eine Nationale Verkehrssicherheitskommission zu schaffen,
die unabhängig von den übrigen Organen des Ministeriums arbeiten soll.
Einzige Aufgabe dieser Kommission wird die Gewährleistung der
Sicherheit der Benutzer aller Verkehrsmittel sein. Es wird die Berichte
von Verkehrsunfällen auswerten und die Ursachen erforschen, die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften überwachen, darüber befinden, ob
diese Sicherheitsvorschriften selbst ausreichend sind, und die Sicherheitsaufgaben erfüllen, die ihm vom Bundesamt für den Binnenverkehr
und vom Bundesamt für die Zivilluftfahrt übertragen werden.
Ich erachte die Funktionen di eser Kommiss ion für so wichtig, daß
ich den Kongreß ersuche, dem Präsidenten die Vollmacht zur Benennung
ihrer fünf Mitglieder zu erteilen.

Die Relationen des neuen Ministeriums zu anderen Bundesbehörden
Fragen der Verkehrsentwicklung und -Sicherheit fallen in den Zuständigkeitsbereich verschiedener Ministerien und Bundesämter. Eine vernünftige Verwaltung setzt voraus, daß zwischen dem neuen Verkehrsministerium
und den betreffenden Stellen und Kompetenzen eine zweckmäßige und enge
Beziehung hergestellt wird.
1. Die Bezuschussung durch das Bundesamt für die Zivilluftfahrt
Zuschüsse für die Luftfahrt, die gegenwärtig nur für Flugdienste im
Nahbereich gewährt werden, fördern die Entwicklung unseres heimischen
Transportsystems ganz eindeutig. Die Vergabe von Zuschüssen - die entsprechende

Weisungsbefugnisse voraussetzt - ist unabdingbarer Bestand-

teil des Lizenzierungsverfahrens für die Flugverkehrsträger.
Aus diesem Grund wird die Bezuschussung von Fluglinien auch weiterhin im Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für die Zivilluftfahrt

- 9-

�Zivilluftfahrt belassen werden. Der Verkehrsminister wird jedoch Richtlinien und Kriterien ausarbeiten, die das Bundesamt in seiner Tätigkeit
berücksichtigt. Auf diese Weise wird das Zuschußprogramm auf die gesamte
nationale Verkehrspolitik abgestellt.
2. Das Wasserstraßenbauprogramm des Fionierkorps
Das Pionierkorps der US-Armee (Corps of Engineers) leistet mit dem
Bau von Schleusen und Hafenanlagen, der Vertiefung von Schiffahrtswegen
und der Befestigung der Ufer von Binnenwasserstraßen einen erheblichen
Beitrag zur Förderung des Schiffsverkehrs. Das Verkehrsministerium wird
die Verantwortung für solche Bauvorhaben nichtübernehmen, der Minister
jedoch bei der Planung von Wasserbauvorhaben mitwirken.
Mit Billigung des Präsidenten wird der Verkehrsminister auch Normen
und Kriterien für die wirtschaftliche Bewertung von Investitionen des
Bundes im Bereich des Verkehrs und Transports herausgeben. Im Falle von
Mehrzweckeprojekten im Bereich des Wasserbaus ist er dabei gehalten, die
Empfehlungen des Wasserwirtschaftsrates (Water Resource Council) zu berücksichtigen.
3. Internationaler Flugverkehr
Der Verkehrsminister wird innerhalb der Exekutive maßgebend für die
Formulierung der langfristigen Politik in Fragen der internationalen Luftfahrt sein. Während die außenpolitischen Aspekte des internationalen Flugverkehrs in den Zuständigkeitsbereich des Außenministers fallen, wird der
Verkehrsminister sicherstellen, daß unsere diesbezügliche Politik im Einklang mit der allgemeinen Verkehrspolitik des Landes steht.
Das Bundesamt für die Zivilluftfahrt, das der politischen Weisungsbefugnis des Präsidenten unterliegt, beaufsichtigt die internationalen
Fluglinien und -tarife, soweit die Vereinigten Staaten hiervon berührt
werden. Seine Befugnisse haben weitreichende Auswirkungen auf unsere
Außenpolitik, unsere Zahlungsbilanz und die Entwicklung der amerikanischen
Luftfahrt. Der Verkehrsminister wirkt an den Maßnahmen des Bundesamtes
für die Zivilluftfahrt mit, die die internationale Luftfahrtpolitik betreffen.
4.

- 10 -

�4. Massenverkehrsmittel in den Großstädten
Das Verkehrsministerium und das Ministerium für Wohnungsbau und
Städteplanung müssen bei allen Entscheidungen zusammenwirken, die den
innerstädtischen Verkehr betreffen.
Die Zukunft der Massenverkehrsmittel in den Städten, Sicherheit,
Bequemlichkeit, ja sogar die Existenz ihrer Benutzer, hängen von einer
großzügigen und rationellen Planung ab. Soll die Bundesregierung zu
dieser Planung beitragen, dann muß sie mit einer Stimme sprechen.
Das Ministerium für Wohnungsbau und Städteplanung trägt die Hauptverantwortung für ein koordiniertes Vorgehen der Bundesbehörden in allen
Fragen der städtischen Entwicklung. Es kann seine Aufgabe jedoch nicht
ohne den Rat, die Unterstützung und die Mitarbeit des Verkehrsministeriums
erfüllen.
Ich werde die beiden Minister auffordern, mir innerhalb eines Jahres
nach Errichtung des neuen Ministeriums Mittel und Wege zu empfehlen,
durch die sich diese Zusammenarbeit am ehesten verwirklichen läßt - nicht
nur im Grundsätzlichen, sondern in der Praxis.
Aufgaben des Verkehrsministeriurus
Das Verkehrsministerium wird
die wichtigsten bereits bestehenden Programme zur Förderung von Verkehr und Transport in Amerika koordinieren;
dafür Sorge tragen, daß im gesamten Verkehrswesen die neuesten technischen Erkenntnisse Eingang finden, indem es Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft fördert;
die Sicherheit sämtlicher Transportmittel erhöhen;
die private Wirtschaft ermutigen, sich der neuen technischen Möglichkeiten uneingeschränkt und rasch zu bedienen;
dafür Sorge tragen, daß der breiten Öffentlichkeit der bestmögliche
Service zum niedrigstmöglichen Preis geboten wird;
den jeweiligen Stand und die Planung der einzelnen Verkehrsträger
analysieren, um rMe schwächsten Elemente des heutigen Verkehrssystems zu

- 11 -

�zu stärken;
Normen und Kriterien für Investitionen erarbeiten wie auch
Bemessungsverfahren, die Behörden und Industrie bei Investitionen im
Bereich von Verkehr und Transport als Richtschnur dienen können.
Das Bundesamt für den Binnenverkehr
Das neue Ministerium, das ich empfehle, wird die wirtschaftlichen
Weisungsbefugnisse des Bundesamtes für den Binnenverkehr, des Bundesamtes für die Zivilluftfahrt und des Bundesamtes für die Seeschiffahrt
nicht ändern.
Ich empfehle jedoch eine Änderung des Modus zur Benennung des
Leiters des Bundesamtes für den Binnenverkehr (ICC). Heute wird der
Leiter dieser wichtigen Behörde - als einziger unter allen Chefs weisungsbefugter Bundesämter - nicht vom Präsidenten ernannt, sondern im
jährlichen Turnus unter den elf Mitgliedern des Aufsichtsgremiums bestimmt. Das ist kein vernünftiges Verfahren für eine Behörde, deren Einfluß im Bereich des Schienen-, Straßen-, Wasserstraßen- und PipelineTransports so weit reicht.
Das Bundesamt für den Binnenverkehr trägt die schwere und mit hohen
Anforderungen verbundene Verantwortung, die einschlägigen Bestimmungen
des Bundes den jeweiligen Erfordernissen und Möglichkeiten einer dynamischen Wirtschaft anzupassen. Es baufsichtigt etwa 18 000 Verkehrsbetriebe und hat im Jahrrund 7000 Fälle zu bearbeiten. Es ist undenkbar,
daß ein Privatbetrieb vergleichbarer Größe und Bedeutung alle Jahre den
Direktor wechselt.
Ich werde dem Kongreß in Kürze einen Reorganisierungsplan für die
ICC zuleiten, dem zufolge der Präsident die Vollmacht erhalten soll,
aus den elf Mitgliedern des Aufsichtsgremiums den Leiter der ICC auszuwählen und dessen Entscheidungsbefugnisse zu erweitern.
Verkehrssicherheit
Im vergangenen Jahr starben 105 000 Amerikaner den Unfalltod. Über
die Hälfte von ihnen wurden bei Verkehrsunfällen oder bei Freizeit und
Erholung getötet, die in engem Zusammenhang mit dem Verkehr stehen. Es

- 12 -

�Es forderte
der Kraftverkehr

49 000,

der Flugverkehr

1300,

die Schiff- und Bootsfahrt 1500, und
der Schienenverkehr 2300 Opfer.
Millionen Amerikaner wurden bei Verkehrs- und Transportunfällen
verletzt - die überwiegende*Mehrheit im Straßenverkehr.
Die Verkehrsträger haben jeweils eigene Verkehrssicherheitsprogramme unterschiedlicher Wirksamkeit entwickelt. Was fehlt, ist ein
umfassendes, auf das gesamte Verkehrs- und Transportwesen zugeschnittenes Programm. Bewährte Sicherheitsmaßnahmen für ein Verkehrsmittel werden vielfach nicht von anderen übernommen.
Im vergangenen Jahr erreichte die Ziffer der Straßenverkehrstoten
einen neuen Höchststand. Nach den Voraussagen werden dieses Jahr auf
unseren Stadt- und Landstraßen über 50 000 Menschen sterben, d.h., wir
werden über 50 000 nützliche und vielversprechende Menschenleben einbüßen, und ebenso viele Familien werden von schwerem Kummer heimgesucht
werden.
Der Blutzoll, den wir Amerikaner seit der Erfindung des Automobils
dem Straßenverkehr entrichtet haben, ist wahrlich unglaublich hoch. Es
starben 1,5 Millionen Menschen - eine Ziffer, die höher ist als die Gesamtzahl der Gefallenen sämtlicher unserer Kriege. Kein anderes Attribut des modernen Lebens hat dem amerikanischen Volk mehr Bequemlichkeit
und mehr Unheil gebracht

als das Automobil.

Die Gründe des Versagens
Das Gemetzel auf unseren Straßen muß aufhören. Wie ich schon vor
einigen Wochen erklärte, müssen Vernunft an die Stelle selbstmörderischen Wahns und Sicherheit an die Stelle von Anarchie treten. Wie müssen
die Schwächen unseres Verkehrssicherheitsprogramms ausmerzen:
Unser Wissen über die Unfallursachen ist denkbar unzureichend.
Die Ansichten der Fachleute widersprechen sich häufig und verwirren
deshalb.
Die

- 13 -

�Die laufenden Sicherheitsprogramme sind zu uneinheitlich. Behörden
und private Einrichtungen gehen getrennt und ohne wirksame Koordinierung
vor.
Es fehlt eine klar definierte Verantwortlichkeit des Bundes.
Die Mittel zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr sind unzulänglich.
Weder die private Wirtschaft noch die mit dem Kraftverkehr befaßten
Regierungsstellen behandeln die Probleme der Verkehrssicherheit gemäß
ihrer Dringlichkeit. Dabei wissen wir, daß aufwendige Autobahnen, leistungsfähige Motoren und hübsche Karosserien das Massaker nicht beenden
können.
Was geschehen kann
Die Mittel der Einzelstaaten und Gemeinden reichen nicht aus, um
die Voraussetzungen für eine rasche Senkung der Ziffer der Verkehrstoten
zu schaffen. Die Bundesregierung muß deshalb zusätzliche Mittel für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Es gilt, laufende Programme zu erweitern und auf bisher vernachlässigten Gebieten Pionierarbeit zu leisten.
Die Verantwortung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit muß in einem umfassenden Verkehrssicherheitsprogramm zusammengefaßt und dem Verkehrsministerium übertragen werden.
Ich habe bereits unter der derzeitig bestehenden Gesetzgebung eine
Reihe von Maßnahmen eingeleitet:
1. Um die Verantwortlichkeit des Bundes auszuweiten, wird dem Handelsminister die Verantwortung für die Koordinierung der Maßnahmen des
Bundes zur Erhöheng der Sicherheit auf den bundeseigenen Fernstraßen
übertragen. Der Minister ist angewiesen, innerhalb seines Ministeriums
eine eigene Hauptabteilung Verkehrssicherheit einzurichten, die später
in das Verkehrsministerium übergeführt werden soll. Der Präsidialausschuß für Fragen der Verkehrssicherheit wird reorganisiert, gestärkt
und ausschließlich aus Bundesmitteln finanziert werden. Der interministerielle Straßenverkehrssicherheitsausschuß wird rekonstituiert und
die ihm angehörenden Minister werden weiter gehende Befugnisse erhalten.
2.
- 14 -

�2. Um unsere Sicherheitsprogramme mit größerem Nachdruck abwickeln
zu können, ersuche ich um Erhöhung der Mittel für die Forschung, die Auswertung von Unfallunterlagen, die Verbesserung der ärztlichen Unfallhilfe, die Aufklärung und Prüfung von Kraftfahrern und die Verbesserung
der technischen Einrichtungen zur Verkehrsüberwachung.
Ich habe den Handelsminister auch aufgefordert, sich eine genaue
Übersicht über sämtliche Mittel zu verschaffen, die für die Förderung
der Verkehrssicherheit zur Verfügung stehen, um sicherzustellen, daß
sie so wirkungsvoll wie möglich eingesetzt werden.
3. Um die Fahrbedingungen im Kraftverkehr zu verbessern, habe ich
angeordnet, die Sicherheitseinrichtungen entlang den Bundesfernstraßen
mit größtem Nachdruck auszubauen.
4. Um Verletzte vor dem Tod zu bewahren, habe ich den Minister für
das Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen angewiesen, in Zusammenarbeit mit dem Handelsminister unverzüglich Aufklärungsaktionen einzuleiten mit dem Ziel, Möglichkeiten für eine wirksame Unfallhilfe an Ort
und Stelle und den raschen Transport in ein Krankenhaus aufzuzeigen. Er
wird dabei mit einzelstaatlichen und örtlichen Behörden sowie mit einschlägigen privaten Organisationen zusammenarbeiten.
5. Um zu einem besseren Verständnis der Ursachen von Straßenverkehrsunfällen zu gelangen, habe ich den Handelsminister gebeten, zur Untersuchung von Unfällen Teams aufzustellen, die uns neue Erkenntnisse über
Straßenverkehrsunfälle und ihre Ursachen vermitteln sollen.
6. Um die Regierungsfahrzeuge sicherer zu machen, habe ich den
Leiter des Bundesamtes für Allgemeine Verwaltungsdienste und den Handelsminister gebeten, gemeinsam eine detaillierte Studie über zusätzliche
Sicherheitsvorrichtungen, die an Regierungsfahrzeugen angebracht werden
sollen, zu erstellen.

Das Verkehrssicherheitsgesetz von 1966
Mehr - viel mehr - bleibt noch zu tun. Das amerikanische Volk verdient ein wirkungsvolles Straßenverkehrssicherheitsprogramm.
Ich

- 15 -

�Ich bin

überzeugt, daß sich der Kongreß - derselbe Kongreß, der

im vorigen Jahr dem Handelsminister weitreichende Vollmachten für die
Vereinheitlichung der Sicherheitsmaßnahmen auf den einzelstaatlichen
Fernstraßen gab - unseren Bemühungen um die Schaffung eines solchen
Programms anschließen wird.
Ich ersuche den Kongreß dringend, das Verkehrssicherheitsgesetz
von 1966 zu verabschieden.
Ich ersuche darum, die Straßenverkehrssicherheitsprogramme der
Einzelstaaten mehr als bisher zu unterstützen.
Ich ersuche darum, eine Bundesstraßenforschungs- und Testanstalt
zu errichten.
Als ersten Schritt empfehle ich ein SechsJahresprogramm mit einem
Aufwand von 700 Millionen Dollar. Die drei Bestandteile dieses Programms sind nicht weniger wichtig als die Probleme, die es einer Lösung
zuführen soll.
Erstens werden die Bundesbeihilfen an die Einzelstaaten für Maßnahmen zur Erhöhung der Straßenverkehrssicherheit erhöht. Mit diesen
mittein kann jeder Staat unter den vom Handelsminister gebilligten
Normen ein umfassendes Sicherheitsprogramm für seine Fernstraßen entwickeln, das sich auf die Fahrerausbildung, die Führerscheinprüfung,
fortschrittliche Verkehrsregelungsmethoden, regelmäßige technische Fahrzeugüberprüfungen und den Polizei- und Rettungsdienst erstrecken soll.
Zweitens muß die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge verbessert werden.
Bei Entwicklung und Bau neuer Automobile ist größerer Nachdruck auf
Sicherheit zu legen. Fahrzeuge, die auf dem (vom Bund regulierten) Binnenmarkt angeboten werden, müssen so konstruiert und ausgestattet sein, daß
sie maximalen Sicherheitsanforderungen genügen. Die Autos von morgen
müssen hinsichtlich ihrer Betriebssicherheit den zu setzenden Normen
genügen.
Ich empfehle, den Handelsminister zu ermächtigen, die erforderlichen
Sicherheitskriterien für Fahrzeuge und Fahrzeugteile festzusetzen. Gelangt
der Handelsminister nach Ablauf von zwei Jahren zu dem Schluß, daß die

- 16 -

�die freiwillig akzeptierten Sicherheitsnormen unzulänglich sind, kann er
für das gesamte Gebiet den Vereinigten Staaten verbindliche Sicherheitsvorschriften erlassen. Er wäre d.-s weiteren berechtigt, den Verkauf von
Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, die diesen Normen nicht genügen, im gesamten Binnenhandel zu untersagen.
Drittens werden die Forschungsanstrengungen der Bundesregierung zur
Erhöhung der Sicherheit auf den Fernstraßen verstärkt.
Ich empfehle die Errichtung eines Bundesforschungs- und Testinstituts
für Fragen der Straßenverkehrssicherheit. Es werden Mittel für Forschungsarbeiten und Tests auf vielen Teilgebieten benötigt. Ein besseres Verständnis der menschlichen und - was Straße und Fahrzeug angeht - technischen
Faktoren, die die Ursachen für Tod und Verletzung bilden, liegt im öffentlichen Interesse. Wir müssen wirksamere Gegenmaßnahmen und objektive Normen als Richtschnur für unsere Programme entwickeln. Wir benötigen besondere Sachverständigenteams zur Untersuchung von Verkehrsunfällen; die
Auswertung exakter Unfalldaten muß auf das ganze Land ausgedehnt werden.
Wir müssen Stipendien und Forschungsmittel bereitstellen, um die besten
Köpfe und Talente unseres Landes für diese dringende Aufgabe zu gewinnen.
Dieses neue Straßenverkehrssicherheitsprogramm soll nach Schaffung
des Verkehrsministeriums in die Regie des Verkehrsministers übergehen.
Der Kongreß zögerte nicht, wenn die Umstände es verlangten, rigorose
Sicherheitsnormen für andere Transportmittel festzusetzen. Die gegenwärtig
hohe yuote tödlicher Verkehrsunfälle auf unseren Straßen zwingt zu ähnlichen
energischen und wirkungsvollen Maßnahmen zum Schutz von Millionen Familien,
die Autos besitzen. Wenn wir diesem Gemetzel nicht Einhalt gebieten, wird
eines Tages jeder zweite Amerikaner auf unseren Straßen getötet oder schwer
verletzt werden.

Sicherheitsnormen für Kraftfahrzeugreifen
Ich ersuche den Kongreß dringend, die Senatsdrucksache 2669 mit Vorrang zu verabschieden, die Sicherheitsnormen für im Binnenhandel beförderte
oder gehandelte Kraftfahrzeugreifen vorsieht.
Die

- 17 -

�Die meisten der den amerikanischen Fahrzeughaltern angebotenen
Autoreifen stammen aus der Fertigung angesehener Firmen und sind gründlich geprüft. Manches deutet jedoch darauf hin, daß überall im Lande in
steigendem Maße Reifen minderer Qualität an ahnungslose Kunden verkauft
werden. Die für die Insassen schneller Automobile mit der Benutzung
solcher Reifen verbundenen Gefahren sind evident.
Senatsdrucksache 2669 würde den Handelsminister ermächtigen, vorläufige Sicherheitsnormen festzusetzen und im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Der Minister wäre gehalten, diese Normen zwei Jahre nach
Verabschiedung des Gesetzes zu überprüfen und nötigenfalls zu modifizieren. Im Rahmen eines seiner Weisungsbefugnis unterliegenden Forschungs- und Entwicklungsprogramms wären die Mindestnormen für neue
Reifen zu verbessern und entsprechende Normen für runderneuerte Reifen
aufzustellen.
Im Interesse unserer Fahrzeughalter sollte die Senatsvorlage unverzüglich verabschiedet werden, damit die Gefahr von Unfällen, die durch
Reifendefekte verursacht werden, gebannt wird.

Sicherheit auf See
Im vergangenen Jahr kamen 90 Männer und Frauen ums Leben, als der
Erholungsdampfer "Yarmouth Castle" in Brand geriet und in den ruhigen
Gewässern des Karibischen Meer

unterging. Die "Yarmouth Castle" unter-

lag nicht den Sicherheitsnormen - zum Teil aufgrund des Prinzips der
"wohlerworbenen Rechte", da sie 1937 gebaut worden war, noch ehe diese
Bestimmungen erlassen wurden

Wir dürfen aber nicht zulassen, daß das

Leben unserer Mitbürger von dem Baujahr eines Schiffes abhängt.
Die Küstenwache ist gegenwärtig dabei, die Untersuchung des Untergangs der "Yarmouth Castle" abzuschließen. Die Abteilung Seeschiffahrt
im US-Handelsministerium hat ihre Untersuchungen über die finanzielle
Haftung bereits beendet.
Im weiteren Verlauf dieser Sitzungsperiode - sobald unsere Untersuchungen abgeschlossen und ihre Ergebnisse ausgewertet sind - werden
wir dem Kongreß Gesetzentwürfe zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen

- 18 -

�Sicherheitsmaßnahmen und der Haftungsbestimmungen bezüglich der Eigner und
Führer der Fahrgastschiffe unterbreiten, die aus unseren Häfen auslaufen.

Schadensregelung bei Flugzeugunfällen
Die Vereinigten Staaten haben ihre Absicht bekundet, die Warschauer
Konvention aufzukündigen. Unter den Bestimmungen dieser Vereinbarung ist
die Haftung der Luftverkehrsgesellschaften der Mitgliedstaaten je Fluggast im Todesfall auf 8300 Dollar beschränkt. Gegenwärtig werden im Rahmen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation Gespräche über die
Erhöhung der Haftung je Fluggast auf allen Flugrouten der Welt geführt.
Wir vertreten den Standpunkt, daß die obere Grenze der Haftung auf 100 000
Dollar festgesetzt werden solle.

Forschung und Entwicklung
Auf technischem Gebiet nehmen die Vereinigten Staaten heute die
führende Stellung in der Welt ein. Trotz dieser Tatsache - und trotz der
Bedeutung, die dem Transport und Verkehr für den Wettbewerb auf den internationalen Märkten zukommt - gibt die Bundesregierung, wenn man von
den Ausgaben für die nationale Sicherheit und die Raumfahrt absieht, weniger als ein Prozent ihres gesamten Forschungs- und Entwicklungsetats für
Zwecke der Verkehrs- und Transportforschung aus.
Nach unserer Auffassung vom Staat fällt dem privaten Unternehmertum
die Hauptlast und -Verantwortung für Forschung und Entwicklung auf dem
Transport- und Verkehrssektor zu. Der Staat kann jedoch helfen. Er kann
die Forschung und Entwicklung auf ein umfassendes Transportsystem ausrichten und entsprechende Planungen .durchführen - bei Aufgaben, die außerhalb des Verantwortungsbereichs der Privatwirtschaft liegen und deren
Kräfte übersteigen.
Durch staatlich geförderte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
können wir:
einen Beitrag zur Erhellung der vielschichtigen Beziehungen unter den
Komponenten eines umfassenden Transportsystems leisten;
umfassendes

- 19 -

�umfassendes und zuverlässiges Datenmaterial für Entscheidungen
sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Bereich erarbeiten;
Bereiche des Transport- und Verkehrswesens ermitteln, in denen
die Privatwirtschaft mit Erfolg sicherere und leistungsfähigere Dienste
für die Öffentlichkeit bereitzustellen vermag;
Vorkehrungen für eine intensivere Nutzung aller verfügbaren öffentlichen Mittel treffen;
die technischen Voraussetzungen schaffen, die zur Gewährleistung
angemessener inneramerikanischer und internationaler Transport- und
Verkehrsdienste in Zeiten des Notstandes unerläßlich sind; und
zum rascheren Fortschritt in allen Bereichen des Transports und
Verkehrs - Luftfahrt, Seetransport, Schienenschnellverkehr und Fahrzeugsicherheit - beitragen.
Das Verkehrsministerium wird - in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft sowie verschiedenen Bundesbehörden und im Einklang mit der
nationalen Verkehrspolitik - ein koordiniertes Forschungs- und Entwicklungsprogramm durchführen. Das Ministerium kann Hilfestellung bei der
Übertragung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung in die
Wirtschaftspraxis leisten.

Überschall-Luftverkehr
Die Vere inigten Staaten nehmen auf dem Gebiet des Flugzeugbaus die
führende Stellung ein. Wir beabsichtigen, diese Stellung zu behaupten.
Wie ich schon in meiner Botschaft über die Lage der Nation angekündigt habe, schlage ich den Bau und die Flugerprobung eines auf eine
Geschwindigkeit von 3200 km/st ausgelegten Überschallflugzeuges vor.
Unser Überschallflugzeug muß dem Fluggast ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Sicherheit bieten.
Es muß den Fluggesellschaften wie auch dem Hersteller einen angemessenen Gewinn garantieren.
Seine

- 20 -

�Seine Betriebseigenschaften müssen denen jedes anderen vergleichbaren Fluggeräts überlegen sein.
Es muß zum günstigst möglichen Zeitpunkt auf den Markt gebracht
werden.
Ein intensives Forschungs- und Entwicklungsprogramm, das den Bau eines
Überschallflugzeuges zum Ziel hat, ist bereits angelaufen. Bisher wurden hierfür 231 Millionen Dollar bewilligt.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung dieses Fluggeräts und seiner
Triebwerke ist ein scharfer Konstruktionswettbewerb im Gange, der eine
Fülle von Ergebnissen zeitigen wird.
Für das HaushaltJahr 1967 ersuche ich um die Bewilligung von 200
Millionen Dollar für die Einleitung der Prototyp-Phase des Überschallflugzeuges. Mein Antrag schließt Mittel für den Abschluß des Konstruktionswettbewerbs, für die Erweiterung der wirtschaftlichen Kostenanalysen,
die Untersuchung des sogenannten Lärmteppichs sowie für das Anlaufen der
Prototyp-Fertigung ein.
Wir hoffen, 1970 mit der Flugerprobung des Überschallflugzeuges beginnen und die ersten Maschinen bis 1974 in Dienst stellen zu können.

Flugzeuglärm
Das Zeitalter des Düsenverkehrs hat unserem Luftverkehrswesen Fortschritt und Prosperität beschert. Moderne Düsenflugzeuge sind in der
Lage, Passagiere und Frachten über einen Kontinent hinweg mit Geschwindigkeiten zu befördern, die nahe an der Schallgrenze liegen.
Der Fortschritt brachte jedoch auch ganz neue Probleme eigener Art
mit sich. Der von den Flugzeugen erzeugte Lärm wird nach und nach zu
einer Quelle des Ärgernisses und der Sorge für Tausende von Mitbürgern,
die in der Nähe unserer großen Flughäfen wohnen. Dieses Problem verschärft
sich zunehmend, je mehr Flughäfen von Düsenflugzeugen angeflogen werden
und je mehr das Luftverkehrsaufkommen wächst. Seine Lösung ist weder einfach noch ist sie kurzfristig möglich. Dennoch müssen wir nunmehr unverzüglich gemeinsame Anstrengungen zur Minderung der Lärmbelästigung durch

- 21 -

�durch Flugzeuge unternehmen« Ich weise daher heute den Sonderberater
des Präsidenten für Wissenschaftsfragen an, in Zusammenarbeit mit den
Leitern des Bundesaufsichtsamtes für die Luftfahrt und des Bundesamtes
für Luft- und Raumfahrt sowie den Ministern für Handel und für Wohnungsbau und Städteplanung ein Aktionsprogramm zur Bewältigung dieses Problems zu erarbeiten. Ich fordere diese Gruppe auf,
die Entwicklung des Lärmpegels zu untersuchen und mögliche
Nutzungsformen für Land in Flugplatznähe zu ermitteln;
Fühlung mit den betroffenen Gemeinden und der örtlichen Wirtschaft aufzunehmen; und
Empfehlungen für Initiativen auf Regierungsebene auszuarbeiten,
die die Voraussetzung für weitere Fortschritte auf diesem Gebiet sind.

Neue Konzeptionen im Schiffbau
Nachdem die führende Stellung der Vereinigten Staaten auf marinetechnischem Gebiet lange Zeit unangefochten war, haben andere Länder
nunmehr stark aufgeholt und die Vereinigten Staaten in einigen Fällen
sogar überflügelt.
Die amerikanische Handelsschiffahrt hat wegen ihrer im Vergleich
zu den übrigen Wettbewerbspartnern erheblich höheren Kostenbelastung
im Welt-Frachtgeschäft Einbußen erlitten, die nur bis zu einem gewissen
Grade durch technische Verbesserungen ausgeglichen werden können.
Das Verteidigungsministerium hat jüngst ein Programm für die Entwicklung von Schnelltransportschiffen für die Beförderung von militärischem Nachschub eingeleitet. Diese Konzeption sieht die Übertragung
der in anderen Verteidigungs- und Raumfahrtprogrammen bereits erprobten
Konstruktionsprinzipien auf die Schiffahrt vor.
Zur Erzielung ähnlicher Ergebnisse im kommerziellen Schiffbau
weise ich die Minister für Handel und für Verteidigung, den Sonderberater
des Präsidenten für Wissenschaftsfragen sowie die Atomenergiekommission
an, eine Studie über die neue fortschrittliche Konzeption im Schiffbau
zu erstellen.
Zum
- 22 -

�Zu den Aufgaben dieser Gruppe gehören:
Intensivierung der Forschung, Entwicklung und Planung auf dem Gebiet schneller Großraumschiffe, die speziell für den Behälter- und
Falettenverkehr zwischen den wichtigsten Häfen der Welt bestimmt sind;
Forschung auf dem Gebiet seetüchtiger Tragflügelschiffe mit einer
Geschwindigkeit von mehr als 100 Knoten; und
weitere Untersuchungen der Anwendungsmöglichkeiten der Atomkraft
für den Antrieb von Handelsschiffen.
Unsere privaten Werften müssen auch künftig den Erfordernissen
unseres Landes genügen. Durch Forschung und Entwicklung sowie durch
Standardisierung im Schiffbau können sie produktiver und wettbewerbsfähiger werden. Wir beabsichtigen, unsere Anstrengungen auf dem Gebiet
der Handelsschiffahrt über das geplante Verkehrsministerium wesentlich
zu intensivieren.

Modernisierung des Schienen- und Straßenverkehrs
Im vergangenen Jahr ergriff der Kongreß wirksame Maßnahmen zur Verbesserung des Schienen- und Straßenverkehrs, als er ein Gesetz über das
Forschungs- und Entwicklungsprogramm für schnelle Landtransportmittel
verabschiedete. Dieses Programm wird in kürzester Zeit im Rahmen der
bestehenden Forschungsmöglichkeiten verwirklicht werden.
Die Verbesserung des Fernstraßenwesens sollten wir mit ähnlichem
Weitblick und Einfallsreichtum in Angriff nehmen. Bestimmte Abschnitte
des Bundesfernstraßensystems stellen heute schon die besten und leistungsfähigsten Straßen der Welt dar. Auf ihnen können die Kraftfahrzeuge
schneller, sicherer und in größerer Dichte fahren als auf den herkömmlichen Straßen. Die Transportkosten sind geringer und für die Abwicklung des Verkehrs geht in Relation zu seiner Dichte weniger Land verloren.
Da das Schnellstraßennetz nach rund zehn Jahren Bauzeit nunmehr etwa
zur Hälfte fertiggestellt ist, können jetzt auch die einzelstaatlichen
Fernstraßen sowie die Straßen geringerer Ordnung noch verbessert und dem

- 23 -

�dem verstärkten Verkehr angepaßt werden.
Ich habe demgemäß den Handelsminister angewiesen,
Mittel und Wege zur Schaffung von Mechanismen zur Lenkung und Überwachung des Verkehrs zu prüfen, um die Kapazität und Sicherheit unseres
Fernstraßennetzes zu erhöhen;
Möglichkeiten zur Verbesserung des Verkehrsflusses - insbesondere
in unseren Städten - erforschen zu lassen, um die bestehenden Straßenverbindungen besser auszunützen;
Möglichkeiten zum Bau eigener Verkehrswege für bestimmte Beförderungsmittel ins Auge zu fassen, wobei das Schwergewicht auf der Verbesserung der Massenverkehrsmittel liegen soll.

Systemforschung
Einige unserer aussichtsreichsten Chancen im Bereich von Forschung
und Entwicklung ergeben sich auf den weniger ins Auge fallenden und
vielfach vernachlässigten Sektoren unseres Transportwesens.
Wir geben Milliarden Dollar für den Bau neuer Straßen, aber vergleichsweise geringe Summen für Einrichtungen der Verkehrsüberwachung
aus.
Die Entwicklung schneller Strahlflugzeuge lassen wir uns Millionen
Dollar kosten - die Lösung des Problems eines schnelleren Zubringerdienstes für Fluggäste, aber nur wenige.
Wir haben ein beachtliches Gemeinschaftsprogramm von Staat und
Wirtschaft zur Ausweitung der Exporte aufgebaut, dulden es aber gleichzeitig, daß eine gewaltige Maschinerie der Bürokratie unsere Anstrengungen teilweise wieder zunichte macht. Für die Abwicklung unseres Außenhandels in aller Welt sind nicht weniger als 810 verschiedene Formulare
für Einfuhren und Ausfuhren erforderlich. Allein in den Vereinigten
Staaten werden bis zu 43 verschiedene Formulare für ein einziges Exportgeschäft benötigt. 80 Formulare können für die Einfuhr bestimmter Waren
erforderlich sein. Das ist einfach zuviel der Bürokratie.
Ich

- 24 -

�Ich weise die Minister für Finanzen, Handel und Justiz an, diese
Probleme unter Anwendung der Methoden der Systemforschung anzugehen.
Ich habe sie auch bereits angewiesen, ab sofort alle unnötigen bürokratischen Maßnahmen zu unterlassen, die unsere Import- und Exportprogramme behindern.

Transportwege und -mittel für Amerika
Die Gründerväter kamen per Kutsche nach Philadelphia, um an der
Verfassunggebenden Versammlung teilzunehmen. Von der schier unvorstellbaren Vielschichtigkeit des Verkehrs- und Transportwesens in unserer
Zeit und seinen Problemen konnten sie nichts ahnen. Dennoch erkannten
auch sie bereits, wie sehr der Handel zwischen den Staaten im nationalen Interesse liegt. In früherer Zeit brachte der amerikanische Kongreß
dieses Interesse sogar unmittelbar zum Ausdruck, indem er Gelder für
den Ausbau von Straßen und Wasserwegen bewilligte.
Noch wichtiger ist jedoch in diesem Zusammenhang, daß uns die
Gründerväter ein elastisches Regierungs- und Verwaltungssystem hinterließen. Die Gemeinden, die Einzelstaaten und die Bundesregierung können
sich zusammenschließen - und in vielen Fällen mit Privatunternehmen
zusammengehen -, um gemeinsam in echtem föderalistischem Geist die bestmögliche Lösung für schwierige Probleme zu finden.
Und gerade die Erfordernisse unseres Verkehrs- und Transportwesens,
die mit dem Anwachsen unserer Bevölkerungszahl und der industriellen
Expansion ständig zunehmen, verlangen, daß wir mit neuen Institutionen,
neuen Forschungsprogrammen und neuen Anstrengungen reagieren, um sichere
und gleichzeitig schnelle Verkehrsmittel bereitstellen zu können.
Das Verkehrs- und Transportwesen unserer Zeit kann das wirtschaftliche Wachstum fördern - oder blockieren.
Es kann den Weg zur Arbeitsstelle, zu den Angehörigen und zu den
Erholungszentren für jeden verkürzen - es kann aber statt dessen auch
plötzlichen und sinnlosen Tod bringen.
Es

- 25 -

�Es kann für jeden einzelnen die Erhöhung seines Lebensstandards
bedeuten - oder aber seine Lebenshaltungskosten um ein Vielfaches erhöhen.
Es kann Bequemlichkeit, Freude und ein Tor zu neuen Horizonten bedeuten - es kann aber auch Bemühungen sinnlos machen, sie beeinträchtigen und hemmen.
Die Entscheidung liegt bei uns.
Wir bauen die Kraftfahrzeuge, die Eisenbahnen, die Flugzeuge, die
Schiffe, die Straßen und die Flughäfen. Wir können, so wir dies wollen,
ihre sichere und wirksame Benutzung auf Jahrzehnte im voraus planen,
um so das Leben für alle Amerikaner angenehmer zu machen.
Das von mir in dieser Botschaft umrissene Programm ist der erste
Schritt in Richtung auf dieses Ziel. Ich ersuche den Kongreß dringend,
es rasch zu verabschieden.

(gez.) Lyndon B. Johnson

- 26 -

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XIX - 21

SICHERHEIT BERUHT NICHT AUF WAFFEN ALLEIN

von Robert S. McNamara
US-Verteidigungsminister

MONTREAL (Kanada) - (AD) - In einer Ansprache vor
dem Amerikanischen Zeitungsverlegerverband (American Society of Newspaper Editors) am 18. Mai 1966
in Montreal verwies der amerikanische Verteidigungsminister auf die Tatsache, daß Ordnung und Sicherheit auf der Welt mehr auf Entwicklung und Wohlstand
als auf Waffen beruhen. Die Beziehungen zu den Ländern des Sowjetblocks einschließlich Rotchinas, so
führte der Minister aus, erforderten heute einen
neuen Realismus.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen den
vollen Text der Rede des Verteidigungsministers zur
Kenntnisnahme und eventuellen Veröffentlichung im
Wortlaut oder in Auszügen.

�SICHERHEIT BERUHT NICHT AUF WAFFEN ALLEIN

Jeder Amerikaner darf sich glücklich schätzen, der Gelegenheit erhält, diese wunderschöne Inselstadt }.n diesem so gastfreundlichen Land
zu besuchen. Mir als Verteidigungsminister aber bereitet es besondere
Genugtuung, diese längste Grenze der Welt zu überschreiten, kommt einem
hier doch erst so recht zu Bewußtsein, daß es gleichzeitig die am wenigsten geschützte Grenze der Welt ist. Man beginnt hier zu begreifen, eine
wie negative und enge Konzeption von der Verteidigung doch unser Jahrhundert überschattet.
Es besteht bei uns noch immer eine fast unausrottbare Tendenz,
unsere Sicherheit als ein ausschließlich militärisches Problem und das
militärische Problem wiederum ausschließlich als ein Problem der Waffensysteme und militärischen Ausrüstungen zu betrachten.
Die einfache, nackte Wahrheit ist, daß der Mensch von heute noch
immer in den gleichen stereotypen Vorstellungen von Krieg und Frieden
denkt, denen seine Vorväter verhaftet waren. Die Tatsache, daß diese
Vorväter sowohl in jüngerer wie in älterer Zeit in ihren Bemühungen um
die Vermeidung von Kriegen und die Verbreitung des Friedens so wenig
erfolgreich waren, scheint unsere Tendenz zu klischeehaftem Denken nicht
zu

dämpfen.
Wir neigen noch immer dazu, die nationale Sicherheit fast gänzlich

einem Status bewaffneter Bereitschaft gleichzusetzen, dem Besitz auch
eines unerschöpflichen und furchterregenden Arsenals von Waffen. Wir
neigen noch immer zu der Annahme, daß es in erster Linie diese rein
militärischen Dinge sind, die die Sicherheit zu gewährleisten vermögen.
Wir werden noch immer von der Vorstellung verfolgt, daß allein Waffen
den Ausschlag geben.
Wie beschränkt diese Vorstellung ist, wird klar, wenn man sich einmal überlegt, welche Art von Frieden zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada herrscht.
Er

- 1 -

�Er bietet ein sehr überzeugendes Beispiel. Dies ist doch die Lage:
Zwei moderne Staaten - beide technisch hoch entwickelt, jeder im Besitz
eines ungeheuer weiten Territoriums, beide ausgestattet mit großem
natürlichen Reichtum und beide auf militärischem Gebiet sehr tüchtig stehen sich gegenüber, lediglich durch eine unbewachte Grenze von
Tausenden Kilometern Länge voneinander getrennt. Und dennoch sind überhaupt keine Umstände in irgendeiner vorstellbaren Zukunft denkbar,
deretwegen unsere beiden Völker Krieg miteinander führen könnten.
Diese unvorstellbare Idee kann man als absurd abtun.
Warum ist das so? Ist es deshalb, weil wir beide bereit sind,
unsere Militärmaschinerien augenblicklich gegeneinander in Gang zu setzen?
Ist es deshalb so, weil der eine seine Waffen auf die lebenswichtigsten
Ziele des anderen gerichtet hat? Ist es deshalb so, weil wir beide nach
dem modernsten Stand der Technik bis an die Zähne bewaffnet sind und nur
dies uns hindert, Krieg

gegeneinander zu führen?

Solche Vorstellungen sind, auf unsere beiden Länder angewandt,
geradezu lächerlich.
Kanada und die Vereinigten Staaten leben miteinander in Frieden
aus Gründen, die mit unserer jeweiligen militärischen Bereitschaft nicht
das geringste zu tun haben. Wir leben in Frieden - in einem echten Frieden - dank einer unendlichen Fülle ähnlicher Ansichten, gleicher Grundsätze und gemeinsamer Ideale.
Auch zwischen uns bestehen Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede. Und wir wollen um unserer für beide Seiten so fruchtbringenden
Beziehungen willen hoffen, daß keines unserer beiden Länder je zu einer
sterilen Kopie des anderen werden wird.
Das Entscheidende ist, daß alles andere als militärische Waffen die
Basis unseres gemeinsamen Friedens bilden. Das soll nun keineswegs besagen, daß die Konzeption der militärischen Abschreckung in der Welt von
heute nicht mehr gültig ist. Unglücklicherweise ist sie so gültig wie je
in bezug auf unsere möglichen Gegner. Aber im Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und Kanada ist sie gegenstandslos.
Wir

- 2-

�Wir sind keine Gegner, und wir werden auch nie Gegner sein. Es ist
aber nicht die gegenseitige militärische Abschreckung, die uns hindert,
zu Feinden zu werden, sondern die gemeinsame Achtung vor gemeinsamen
Grundsätzen. Ich erwähne dies, so offenkundig es auch ist, einfach als
eine Art reductio ad absurdum der Konzeption, derzufolge in der Mitte
des 20. Jahrhunderts Waffen das ausschließliche oder auch nur primäre
Element eines dauerhaften Friedens darstellen.
Es ist uns in den Vereinigten Staaten in den letzten fünf Jahren
gelungen, ein viel besseres Gleichgewicht auf dem militärischen Sektor
zu erreichen. Das war der Auftrag, den ich von Präsident Kennedy und
Präsident Johnson erhalten hatte. Und mit ihrer Unterstützung und der
des Kongresses waren wir in der Lage, einen noch stärkeren Militärapparat aus Land-, See- und Luftstreitkräften bei gleichzeitiger Erhöhung der Mobilität und Verbesserung der materiellen Ausrüstung aufzubauen - und dabei noch eine eindeutige Überlegenheit hinsichtlich der
nuklearen Abschreckungsmacht über jede mögliche Kombination von Gegnern
zu gewinnen.
Unsere Fähigkeit, sowohl einen Atomkrieg als auch einen Krieg mit
konventionellen Waffen zu führen und Versuchen der Subversion entgegenzutreten, konnte erheblich gesteigert und verbessert werden, und wir
haben dies mit einem Militärhaushalt erreicht, der, am Bruttosozialprodukt gemessen, niedriger war als in der Vergangenheit.
Was die Kampfbereitschaft angeht, waren die Vereinigten Staaten
militärisch nie zuvor stärker als heute. Wir sind entschlossen, diese
Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Denkt man aber tiefer über diese Dinge nach, dann wird einem klar,
daß die militärische Macht für sich allein nicht das wesentlichste
Element unserer Sicherheit ist. Ein Staat kann durchaus den Punkt erreichen, an dem er sich durch den Kauf zusätzlicher Waffen keine zusätzliche militärische Sicherheit mehr erkaufen kann. Wir haben diesen
Punkt erreicht.
Für eine mächtige Nation - eine bereits hinreichend bewaffnete
Nation - wird das Wesen ihrer Beziehungen zur übrigen Welt zum entscheidenden Faktor. So betrachtet gibt es drei große Gruppen von Staaten:

�1. Die Länder, die um ihre wirtschaftliche Entwicklung ringen;
2. diejenigen freien Staaten, die ein Maß an Stärke

und Prosperität

erreicht haben, das es ihnen gestattet, einen Beitrag zur Erhaltung
des Friedens in der Welt zu leisten; und 3. und letztens jene Nationen, die sich versucht fühlen könnten, sich selbst zu unseren Gegnern
zu machen.
Zu jeder dieser Gruppen müssen die Vereinigten Staaten, wollen
sie ihre eigene Sicherheit wahren, eine spezifische Art von Beziehungen unterhalten.
Erstens müssen wir jene Entwicklungsländer schützen helfen, die
unsere Hilfe wirklich benötigen und erbitten

und die - als entschei-

dende Vorbedingung - willens und fähig sind, sich selbst zu helfen.
Zweitens müssen wir eine wirksamere Partnerschaft mit jenen Völkern anregen und verwirklichen, die sich mit uns in die Verantwortung
für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens teilen können und sollten.
Drittens müssen wir alles tun, was wir unter realistischen Gesichtspunkten zu tun vermögen, um das Risiko eines Konflikts mit jenen zu verringern, die sich versucht fühlen könnten, die Waffen gegen uns zu erheben.
Lassen Sie mich diese drei besonderen Formen der Beziehungen zu
anderen hier etwas eingehender darstellen.
Erstens: unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern.
Gegenwärtig befinden sich rund hundert Länder im schwierigen Stadium des Übergangs von einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft. Es gibt in diesen Ländern keine einheitliche Rate des Fortschritts, und sie reichen von primitiven, heterogenen Staaten, die durch
Stammesrivalitäten gespalten sind und nur durch äußerst schwache politische Kräfte lose zusammengehalten werden, bis zu

relativ hoch entwickel-

ten Gesellschaften, die sich auf dem besten Wege zum Aufbau einer ertragreichen Landwirtschaft und leistungsfähigen Industrie befinden.
Dieser allgemeine Drang, eine höhere Entwicklungsstufe zu erreichen,
der sich insbesondere auf der ganzen südlichen Erdhälfte Bahn bricht, ist

- 4 -

�ist in der Geschichte ohne Parallele. Er hat von alters her in Teilnahmslosigkeit versunkene Gebiete der Erde zu bewegten Schauplätzen des Wandels
werden lassen.
Dies ist natürlich alles in allem kein sehr friedlicher Prozeß. In den
letzten acht Jahren allein kam es zu nicht weniger als 164 größeren Gewaltausbrüchen von internationaler Bedeutung, von denen sich jeder einzelne als
eine ernste Herausforderung der Autorität und eine Bedrohung selbst des Bestandes des fraglichen Staates erwies.
Insgesamt waren 82 Staaten hiervon betroffen. Es fällt auf, daß nur 15
von diesen 164 Gewaltausbrüchen militärische Konflikte zwischen zwei Staaten
waren, und nicht einer ein offen erklärter Krieg. Ja, es hat seit Ende des
zweiten Weltkriegs überhaupt nirgendwo auf der Welt eine offizielle Kriegserklärung gegeben.
Auf unserer Erde zu leben, wird immer gefährlicher, nicht nur wegen
einer möglichen nuklearen Katastrophe, sondern auch aufgrund der großen Anzahl der de facto-Konflikte und weil die Tendenz zu solchen Konflikten eher
stärker

als

schwächer wird. Zu Beginn des Jahres 1958 waren in der Welt

insgesamt 23 seit längerem andauernde Rebellionen im Gang. Bis zum 1. Februar 1966 war diese Zahl auf insgesamt 40 gestiegen. Des weiteren hat sich die
Gesamtzahl der Gewaltausbrüche Jahr für Jahr erhöht: im Jahre 1958 waren es
34, 1965 schon 58.
Wichtiger als alles andere ist jedoch die Tatsache, daß eine direkte
und permanente Beziehung zwischen dem Auftreten von Gewalt und dem wirtschaftlichen Status des betroffenen Landes besteht. Die Weltbank teilt die
Nationen auf der Basis des Pro-Kopf-Einkommens in vier Kategorien ein: reiche,
wohlsituierte, arme und sehr arme Nationen. Zu den reichen Nationen zählen
Länder mit einem Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 750 Dollar und darüber. In
den USA beziffert sich dieser Meßwert gegenwärtig auf mehr als 2700 Dollar.
Es gibt insgesamt 27 dieser reichen Nationen. Sie verfügen über 75 Prozent
der materiellen Güter der Erde; dabei entfallen auf sie nur 25 Prozent der
Weltbevölkerung. Seit 1958 hat nur einer dieser 27 Staaten einen größeren
inneren Aufruhr auf seinem eigenen Territorium erleben müssen.
Wie aber sieht es am anderen Ende der wirtschaftlichen Bewertungsskala aus! Von den 38 sehr armen Nationen - Ländern mit einem Pro-Kopf-

- 5-

�Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 100 Dollar im Jahr - hatten nicht
weniger als 32 unter größeren Konflikten zu leiden, Praktisch entfielen
während dieses Zeitraums von acht Jahren durchschnittlich zwei größere
Gewaltausbrüche auf jedes dieser Länder. Dies ist beträchtlich, und was
noch schlimmer ist, es handelte sich vorwiegend um Konflikte von längerer
Dauer.
Diese Tendenz herrscht, wie nicht anders zu erwarten, auch in den
beiden anderen Kategorien - den armen Staaten und den Ländern mit mittlerem Einkommen - in etwa vor. Seit 1958 kam es in 87 Prozent der sehr
armen, in 69 Prozent der armen und in 48 Prozent der wohlsituierten
Länder zu ernsten Gewaltaktionen.
Es kann also keine Frage sein, daß eine unabdingbare Beziehung zwisehen Gewalt und wirtschaftlicher Rückständigkeit besteht und daß der Trend
zur Gewaltanwendung zu- und nicht abnimmt.
Es wäre mithin doch sehr beruhigend, wenn sich die Kluft zwischen
den reichen und den armen Nationen schlösse und der wirtschaftliche Rückstand aufgeholt würde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die wirtschaftliche
Kluft wird vielmehr immer breiter.
Schon 1970 wird über die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Erde in
den unabhängigen Ländern der südlichen Halbkugel leben. Aber auf diese
hungernde Hälfte der Menschheit wird dann nur ein Sechstel des Bruttosozialproduktes der Welt entfallen. Im Jahre 1975 etwa wird in diesen
Staaten die Zahl der Kinder unter fünfzehn Jahren so groß sein wie die
Gesamtbevölkerungsziffer der Industrieländer des Nordens.
Selbst in unseren eigenen Wohlstandsgesellschaften haben wir Grund
genug, uns wegen der Spannungen Sorgen zu machen, die sich unter den
minderbemittelten Jugendlichen entwickeln, verstärken und schließlich zu
Jugendkriminalität und Verbrechen ausarten. Was kann man von der Jugend
einer ganzen Hemisphäre erwarten, in der sich wachsende Verzweiflung nur
zu leicht in Ausbrüchen von Gewalt und Extremismus Luft macht?
Das jährliche Einkommen pro Kopf der Bevölkerung steigt in rund der
Hälfte der achtzig Entwicklungsländer, die Mitglieder der Weltbank sind,

- 6-

�sind, um sage und schreibe ein Prozent oder weniger im Jahr. Bis Ende
dieses Jahrhunderts werden diese Länder - bei gleichbleibenden wirtschaftlichen Wachstumsraten - ein Pro-Kopf-Einkommen von knapp 170 Dollar im
Jahr, die USA aber ein solches von 4500 Dollar erreichen.
Die Folgerung, die wir alle daraus ziehen müssen, lautet einfach
und zwangsläufig: Aufgrund des sicheren Zusammenhangs zwischen wirtschaftlicher Stagnation und dem Auftreten von Gewalt werden die künftigen Jahre
für die Nationen der südlichen Halbkugel erfüllt sein von Gewalt. Dies
wäre selbst dann der Fall, wenn die doch so offensichtliche Gefahr einer
kommunistischen Subversion nicht existierte.
Sowohl Moskau als auch Peking betrachten trotz erbitterter interner
Auseinandersetzungen den gesamten Modernisierungsprozeß als einen idealen
Nährboden für den Kommunismus. Sie verfügen auf dem Gebiet der subversiven
Kriegführung im Inneren über reiche Erfahrungen,und sie haben es in der
Kunst der politischen Gewaltanwendung sowohl in der Lehre als auch in der
Praxis sehr weit gebracht. Die Tatsache wird vielfach verkannt, daß die
Kommunisten es verstehen, die völlig berechtigten Beschwerden und Anliegen
einer aufstrebenden Gesellschaft zu usurpieren, zu manipulieren und
schließlich für ihre eigenen Zwecke auszubeuten.
Es wäre jedoch eine grobe Vereinfachung, den Kommunismus bei allen
Konflikten in der Welt der Entwicklungsländer als den zentralen Faktor zu
betrachten. Kommunisten waren nur in 58 von den 149 wichtigsten Fällen des
inneren Aufruhrs während der letzten acht Jahre verwickelt - das sind
38 Prozent unter Einschluß der sieben Fälle, in denen sich der Aufruhr
gegen ein kommunistisches Regime selbst richtete.
Wenn es in einer in Spannung lebenden Welt irgendwo zu Gewalttätigkeit kommt, dann löst dies in dem verzweigten Adernetz der internationalen Beziehungen Schockwellen aus, gleichgültig, ob Kommunisten beteiligt
sind oder nicht; die Sicherheit der Vereinigten Staaten aber hängt auch
von der Sicherheit und Stabilität von Nationen auf der anderen Seite des
Erdballs ab.
Doch weder unser Gewissen noch der gesunde Menschenverstand sagen uns,
daß die Vereinigten Staaten der Weltpolizist sind, sein sollten oder sein

- 7-

�sein könnten. Ganz im Gegenteil, die Erfahrung bestätigt, was die menschliche Natur vermuten läßt: daß nämlich in den meisten Fällen innerer
Gewaltausbrüche die Landesbewohner, gestützt auf ihre Traditionen, am
ehesten die Lage zu meistern vermögen.
Die Vereinigten Staaten haben kein Mandat von oben, auf die Welt
aufzupassen, und sie haben auch keine Neigung, dies zu tun. Es hat
klassische Fälle gegeben, in denen unser bewußter Verzicht auf Handeln
die klügste Art des ^

&lt;* as überhaupt war. Wird unsere Hilfe nicht ge-

wünscht, wäre es in den meisten Fällen unklug, sie von uns aus anzubieten.
Kein Gebot zwingt uns, wankenden Regierungen beizustehen, die die
Gewalttätigkeit selbst heraufbeschworen, indem sie den berechtigten Wünschen der Bürger des Landes vorsätzlich nicht nachkamen.
Darüber hinaus wird die fortschreitende Technik im kommenden Jahrzehnt die Notwendigkeit verringern, Stützpunkte im Ausland zu unterhalten
und Stationierungsrechte in bestimmten Gebieten zu besitzen. Die ganze
Konzeption der Vorwärtsbereitstellung wird sich mit der Zeit ändern.
Aber so einleuchtend solche Vorhaltungen auch klingen mögen - die
eine unabänderliche Tatsache bleibt bestehen, daß unsere Sicherheit
direkt von der Sicherheit der Entwicklungsländer abhängt.
Unsere Aufgabe muß es sein, die Entwicklungsländer, die unsere Hilfe
wirklich brauchen und suchen und sichtlich bereit und fähig sind, sich
selbst zu helfen, bei der Erlangung und Wahrung ihrer Sicherheit zu unterstützen. Die Schwierigkeit liegt darin, daß wir die Bedeutung des Wortes
Sicherheit in diesem Zusammenhang nicht immer ganz begreifen. In einer in
der Phase der Modernisierung stehenden Gesellschaft bedeutet Sicherheit
Entwicklung.
Sicherheit ist nicht mit Waffen gleichzusetzen - wenngleich sie dieser oft nicht entbehren kann. Sicherheit heißt nicht militärische Stärke
- wenngleich auch diese eine Rolle spielen mag. Sicherheit ist nicht militärisches Handeln im traditionellen Sinne - wenngleich sie auch solches
einschließen kann.
Sicherheit

- 8 -

�Sicherheit ist Entwicklung, und ohne Entwicklung kann es keine
Sicherheit geben. Ein Entwicklungsland, das sich nicht tatsächlich entwickelt, wird seine Sicherheit nicht zu wahren vermögen. Es kann aus
dem ganz einfachen Grund seine Sicherheit nicht wahren, weil seine Bürger ihre menschliche Natur nicht abstreifen können. Wenn Sicherheit etwas
voraussetzt, dann ist es ein Minimum an Ordnung und Stabilität.
Ohne innere Entwicklung, möge sie noch so langsam voranschreiten,
sind Ordnung und Stabilität einfach unmöglich. Sie sind deshalb nicht
möglich, weil sich die menschliche Natur nicht über ein bestimmtes Maß
hinaus unterdrücken läßt. Sie bäumt sich auf - aus innerem Antrieb.
Das sehen wir nicht immer ein, und das sehen auch die Regierungen der im
Aufbau begriffenen Länder nicht immer ein.
Wenn ich aber betone, daß die Sicherheit aus der Entwicklung erwächst,
dann will ich damit nicht sagen, daß ein Entwicklungsland nicht von innen
her unterwandert werden kann; daß es nicht einer Aggression von außen zum
Opfer fallen kann; oder nicht zum Opfer einer Kombination beider Umstände
werden kann.
Das kann es durchaus, und um das Auftreten eines der beiden Umstände
oder beider zu verhindern, bedarf eine Nation einer angemessenen militärischen Stärke, weil sie nur dann mit diesem spezifischen Problem fertig zu
werden vermag. Aber das spezifische militärische Problem ist nur ein Teil
des umfassenderen Problems der Sicherheit.
Militärische Macht kann dazu beitragen, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten - aber nur insoweit, als in'einer sich entwickelnden Gesellschaft bereits eine Grundlage für Recht und Ordnung existiert: die grundlegende Bereitschaft der Bevölkerung zur Mitarbeit. Recht und Ordnung sind
der Schild, unter dessen Schutz das zentrale Element der Sicherheit nämlich die Entwicklung - erreicht werden kann.
Wir veranstalten mit diesen Worten kein semantisches Spiel. Es ist
ein Unglück, daß wir allzu lange in einem semantischen Dschungel umhergeirrt sind. Wir sind so weit gekommen, daß wir "Sicherheit'» ausschließlich
mit militärischen Begriffen und ganz besonders mit Waffen assoziieren. In
Wirklichkeit liegen die Dinge ganz anders. Wir müssen uns den tatsächlichen

- 9-

�tatsächlichen Gegebenheiten anpassen, wenn wir dafür sorgen wollen, daß
die Sicherheit auf der südlichen Halbkugel fortbesteht und wächst.
Entwicklung bedeutet wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Fortschritt. Sie bedeutet einen befriedigenden Lebensstandard - und das,
was in einem frühen Stadium der Entwicklung als "befriedigend1* gelten
mag, wird man in einem späteren Stadium als "nicht mehr befriedigend"
ansehen.
Die Sicherheit wächst in dem Maße, in dem die Entwicklung voranschreitet. Und hat die Bevölkerung eines Landes erst einmal ihre eigenen menschlichen und natürlichen Hilfsquellen organisiert, um das selbst
hervorbringen zu können, was sie zum Leben braucht und erwartet, und hat
sie gelernt, im höheren nationalen Interesse einen friedlichen Ausgleich
unter konkurrierenden Forderungen zu schaffen - dann wird ihr Widerstand
gegen Aufruhr und Gewalttätigkeit erheblich zunehmen. Umgekehrt wird die
tragische Notwendigkeit entfallen, daß verzweifelte Menschen ihre Zuflucht zu

Gewalt nehmen, um nach den Geboten der Menschenwürde leben zu

können.
Ich habe schon erklärt, daß die Rolle der Vereinigten Staaten darin
besteht, diesen im Aufbau einer modernen Gesellschaft begriffenen Nationen bei der Erreichung und Wahrung der Sicherheit zu helfen - vorausgesetzt, daß sie unsere Hilfe brauchen und suchen und eindeutig willens
und fähig sind, sich selbst zu helfen.
Doch welcher Art soll

unsere Hilfe sein?

Sie sollte auf jeden Fall zur Entwicklung beitragen. Auf militärischem Gebiet umfaßt Hilfe heute zwei große Kategorien. Wir sollten den
Entwicklungsländern in dem Maße Ausbildungs- und Waffenhilfe leisten,
wie dies zur Erhaltung des Schutzschildes notwendig ist, hinter dem die
Entwicklung voranschreiten kann. Die Größe dieses Schildes v. riiert Von
Land zu Land. Von entscheidender Bedeutung ist dabei jedoch, daß dieser
Schild ein Schild bleibt und nicht zum Ausgangspunkt für eine Aggression
gegen andere wird.
Die zweite - und oft nicht richtig eingeschätzte - Kategorie der
militärischen Unterstuetzung für eine aufstrebende Nation ist die Aus-

- 10 -

�Ausbildung der Angehörigen der Streitkräfte für den zivilen Einsatz.
Der Begriff Zivileinsatz ist wieder eines dieser semantischen Puzzlespiele. Viel zu wenig Amerikaner und Regierungsbeamte in den Entwicklungsländern verstehen voll und ganz, was Zivileinsatz der Streitkräfte eigentlich bedeutet.
Im wesentlichen bedeutet er die Heranzieheng der Soldaten eines
Landes zu traditionsgemäß an sich nichtmilitärischen Aufgaben, d.h.
zu Projekten auf Gebieten wie Erziehung, öffentliche Arbeiten, Volksgesundheit und Hygiene, Landwirtschaft etc., die dem Wohl der Bevölkerungdienen - kurzum zu allem, was mit dem wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt zusammenhängt.
Hier wurden bereits eindrucksvolle Ergebnisse erzielt. Während
der letzten vier Jahre wurden in allen Teilen der Welt in von Amerika
unterstützten Zivileinsätzen über 15 000 Kilometer Straßen angelegt
oder instand gesetzt, über 1000 Schulen errichtet, Hunderte von Krankenhäusern und Kliniken gebaut, und schätzungsweise vier Millionen
Menschen ärztlich und zahnärztlich betreut.
Das Bemerkenswerte daran ist, daß all dies von Einheimischen in
Uniform getan wurde. Ganz abgesehen von den eigentlichen Entwicklungsprojekten, wandelt das Programm das negative Bild vom Soldaten als dem
gewaltsamen Wahrer des Status quo von Grund auf.
Aber Hilfe nur auf dem militärischen Sektor reicht nicht aus. Die
Wirtschaftshilfe ist von ebenso entscheidender Bedeutung. Der Präsident
besteht darauf, daß unsere Hilfe gezielt und aufgrund absolut realistischer Überlegungen gewährt wird: daß die Unterentwicklung direkt an den
Wurzeln angegangen und nicht lediglich versucht werden soll, die Symptome abzuschwächen. Seiner grundlegenden Überzeugung nach ist jede amerikanische Wirtschaftshilfe - wie umfangreich sie auch immer sein mag nutzlos, wenn das Empfängerland nicht selbst entschlossen die Hauptlast
auf sich nimmt. Das wird Kriterium und entscheidende Vorbedingung für
unsere gesamte künftige Hilfe sein.
Nur die Entwicklungsländer selbst können die fundamentalen Maßnahmen ergreifen, die erst die Hilfe von außen sinn- und bedeutungsvoll

-.11 -

�bedeutungsvoll werden lassen. Solche Maßnahmen sind oft unangenehm und
erfordern häufig politischen Mut und Entschlossenheit. Versäumt man jedoch, schmerzhafte, aber unbedingt notwendige Reformen durchzuführen,
dann muß das unausweichlich zu noch viel schmerzhafterer revolutionärer
Gewalttätigkeit führen. Unsere Wirtschaftshilfe soll eine vernünftige
Alternative zu solcher Gewalttätigkeit bieten. Sie soll helfen, an die
Stelle des tragischen inneren Konflikts den friedlichen Fortschritt zu
setzen.
Bei ihren Bemühungen wollen die Vereinigten Staaten verständnisvoll und großzügig vorgehen. Dennoch ist dies ein Unterfangen, das sie
nicht allein durchführen können. Und so erwarten sie von jenen Staaten,
die es zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit und Prosperität gebracht
haben, daß sie mehr zur Entwicklung - und damit zur Sicherheit - der
sich erneuernden Welt beitragen.
Damit bin ich bei dem zweiten Komplex der Beziehungen angelangt,
den ich eingangs erwähnt habe: die Politik der Vereinigten Staaten, die
eine wirksamere Partnerschaft mit jenen Staaten anregt und anstrebt, die
ihren Teil der Verantwortung im Ringen um die Sicherung des Weltfriedens
übernehmen können und sollten.
Amerika wendet für sein Militär einen höheren Prozentsatz seines
Bruttosozialprodukts auf als jede andere größere Nation der freien Welt.
Dies war schon so, bevor wir mehr Mittel für Südostasien bereitstellen
mußten. Wir hatten in den vergangenen Jahren genau so viele Männer unter
den Waffen wie alle Staaten Westeuropas zusammen - obwohl ihre Bevölkerung eineinhalb mal größer ist als unsere.
Das amerikanische Volk hat nicht die Absicht, sich seinen Verpflichtungen in irgendeinem Teil der Welt zu entziehen. Es kann aber einfach
niemand von ihm erwarten, daß es auf unbestimmte Zeit einen unverhältnismäßig großen Anteil der gemeinsamen Lasten trägt. Wenn zum Beispiel
andere Staaten wirklich glauben - wie sie behaupten -, daß es in unser
aller Interesse liegt, eine Ausdehnung des wirtschaftlichen und politischen Einflusses Rotchinas über seine Grenzen hinaus zu verhindern, dann
müssen sie auch aktiver am Schutz unseres gesamten Verteidigungsbereichs
teilnehmen.

„,

- 12 -

�Ich möchte eines hier ganz klar herausstellen: Es geht nicht
darum, die Neutralität oder die Bündnisfreiheit irgendeines Staates
in Frage zu stellen. Es geht vielmehr ganz entschieden darum, daß
die Unabhängigkeit solcher Staaten letzten Endes nur durch Kollektivabkommen untereinander und mit ihren Nachbarstaaten

voll gewährlei-

stet werden kann.
Die simple Wahrheit ist, daß der Tag kommen wird, an dem kein
noch so mächtiges Land allein auf sich gestellt mehr etwas für die
Erhaltung des Friedens außerhalb seiner Grenzen zu tun vermag. Regionale und internationale Friedensorganisationen sind noch sehr neu. Um
sich entwickeln zu können, müssen sie erst Erfahrungen sammeln und
durch sinnvolle und praktikable gemeinsame Aktionen gestärkt werden.
Kanada könnte in dieser Hinsicht ein Vorbild für alle Staaten
abgeben. Wie Premierminister Pearson vergangene Woche in New York so
beredt dargelegt hat, "ist Kanada nicht minder tief in die Weltpolitik
verstrickt als jedes andere Land gleicher Größe. Wir schicken uns darein, weil wir in 50 Jahren gelernt haben, daß uns ein Fernbleiben von
der Politik, die über Krieg und Frieden entscheidet, im Falle ihres
Scheiterns nicht blutige Oper und andere Folgen erspart. Wir haben es
1914 erfahren und 1939 noch einmal... Darum sind wir stolz darauf, daß
unsere Soldaten bei jeder Friedensmission der Vereinten Nationen dabei
waren - in Korea, in Kaschmir, am Suezkanal, im Kongo und auf Zypern".
Die Organisation der Amerikanischen Staaten und ihr Eingreifen in
der Dominikanischen Republik, die Unterstützung der südvietnamesischen
Regierung mit Truppen und Hilfsmaterial durch mehr als dreißig Nationen,
und selbst die parallellaufenden Vermittlungsbemühungen der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion im pakistanisch-indischen Konflikt - dies
alles, im Verein mit den Bemühungen der Vereinten Nationen, sind erste
Schritte, um einseitige Versuche, der Gewalt entgegenzutreten, durch
ein multinationales Vorgehen zu ersetzen. Sie sind richtungweisend für
künftige Schritte zur Erhaltung des Friedens.
Es genügt nicht, dieser Idee lediglich zuzustimmen; wir müssen
vielmehr all unsere Fähigkeiten, unsere materiellen Hilfsquellen und

- 13 -

�und unser ganzes Sinnen und Trachten auf die Verwirklichung dieses
Gedankens verwenden.
In Westeuropa - einem Gebiet, dessen überschäumende wirtschaftliche Vitalität der Weisheit des Marshallplangedankens ein Denkmal gesetzt hat - sind die Probleme der Sicherheit weder statisch noch völlig
neu. Fundamentale Wandlungen bahnen sich an, dennoch werden gewisse
unumgängliche Realitäten bestehenbleiben.
Die konventionellen Streitkräfte der NATO zum Beispiel bedürfen
nach wie vor eines nuklearen Rückhaltes, den zu bieten weit über die
Möglichkeiten eines jeden westeuropäischen Landes hinausgeht. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, den Hauptanteil der nuklearen
Abschreckung zu bestreiten.
Die europäischen Mitglieder des Bündnisses hegen den ganz natürlichen Wunsch, aktiver an der nuklearen Planung mitzuwirken. Eine der
Hauptaufgaben der Allianz ist es deshalb heute, Partnerschaften und
Institutionen zu schaffen, durch die eine wirksame gemeinsame atomare
Planung möglich wird. Wir haben mit der Errichtung des Sonderausschusses
der NATO-Verteidigungsminister einen praktischen und vielversprechenden
Anfang gemacht. Gemeinsame Planung und Konsultation sind wesentliche
Bestandteile eines jeden vernünftigen Ersatzes für die nicht tragbare
und gefährliche Alternative unabhängiger nationaler Nuklearstreitkräfte
innerhalb der Allianz.
Auch über unsere Allianz hinaus müssen wir Mittel und Wege finden,
die Weitergabe von Kernwaffen zu verhindern. Das ist eine zwingende Notwendigkeit.
Natürlich sind Verträge zur Verhinderung der Weiterverbreitung von
Kernwaffen mit gewissen Risiken verbunden. Sie sind jedoch nicht vergleichbar mit den Gefahren, die eine Vergrößerung der Zahl der Atommächte heraufbeschwören würde. Im Risikokalkül bedeutet eine Vermehrung
der unabhängigen Atommächte nicht lediglich eine Addition der Gefahren.
Wir würden die Risiken nicht einfach summieren, wir würden sie mit wahnsinniger Schnelligkeit vervielfachen.
Wenn

- 14 -

�Wenn wir ernsthaft bemüht sein wollen, unseren Kindern eine Welt
zu hinterlassen, die nicht von der Vernichtung durch Kernwaffen bedroht ist, müssen wir das Problem der Weiterverbreitung lösen. Vernünftige Abmachungen über ein Verbot der Weitergabe sind durchführbar,
denn wir teilen mit allen unseren Gegenspielern das Interesse, eine
gegenseitige Vernichtung, wie sie von einer verantwortungslosen x-ten
Macht ausgelöst werden könnte, zu verhindern.
Das bringt mich

zur dritten und letzten Art von Beziehungen, die

die Vereinigten Staaten pflegen müssen: die Beziehungen zu Ländern, die
versucht sein könnten, die Waffen gegen uns zu erheben.
Diese Beziehungen erfordern Realismus. Aber Realismus drückt sich
nicht in einer verhärteten, unelastischen, einfallslosen Haltung aus.
Realistisches Denken ist rastloses, schöpferisches Denken - frei von
naiven Illusionen und voller praktischer Alternativen.
Es gibt durchführbare Alternativen in unseren gegenwärtigen Beziehungen sowohl zur Sowjetunion als auch zu Rotchina. Ein tiefer ideologischer Abgrund trennt uns von ihnen - und trennt sie bis zu einem
gewissen Grad auch voneinander.
Bemühungen unsererseits um eine ideologische Annäherung sind
zwecklos. Aber eine Bresche in die - wenn auch selbstverschuldete Isolierung eines mächtigen Staates wie Rotchina zu schlagen, verringert
die Gefahr möglicher katastrophaler Mißverständnisse und bietet beiden
Seiten einen größeren Anreiz, Streitigkeiten durch Verhandlungen anstatt
durch Gewaltanwendung beizulegen.
Wir haben manche Möglichkeiten, Brücken zu Staaten zu schlagen, die
bisher vernünftige Beziehungen zu uns ausgeschlagen haben. Wir können
das über wohlausgewogene Handelsbeziehungen, diplomatische Kontakte und
in manchen Fällen sogar durch den Austausch militärischer Beobachter
erreichen. Wir müssen uns darüber klarwerden, wo wir diese Brücken
schlagen wollen, welche Verkehrsströme sie aufnehmen sollen, und auf
welchen gemeinsamen Fundamenten sie errichtet werden können. Keine Brükke ist nur an einem Ufer verankert. Will man einen Abgrund überbrücken,
muß die Brücke auf beiden Ufern ruhen.
Abgründe

- 15 -

�Abgründe sind im allgemeinen gefährlich. Mancher wagt es nicht
einmal, über ihren Rand zu schauen. Aber in einer von thermonuklearen
Waffen überschatteten Welt können wir uns ein politisches Schwindelgefühl nicht leisten.
Präsident Johnson hat diese Dinge klar beim Namen genannt. Indem
wir Brücken zu denen schlagen, die sich zu unseren Widersachern gemacht haben, "können wir dazu beitragen, eine Gemeinschaft der Interessen, eine Gemeinschaft des Vertrauens und eine Gemeinschaft des Strebens zu schaffen".
Lassen Sie mich im Hinblick auf das gemeinsame Streben einen konkreten Vorschlag an die Adresse der heutigen jungen Generation in den
Vereinigten Staaten richten. Es ist dies eine gewissen Idealen verbundene, aktive und hingabefähige Generation. Das hat sie sehr eindrucksvoll bewiesen: durch ihre Arbeit innerhalb des Friedenskorps im Ausland

und durch ihre Bereitwilligkeit, freiwillig an dem Entscheidungs-

kampf gegen Armut und fehlende AufStiegschancen in unserem eigenen Land
teilzunehmen.
Wie die Dinge liegen, wird gegenwärtig nur ein Bruchteil der wehrpflichtigen jungen Männer eingezogen. Das ist eine Ungerechtigkeit.
Es scheint mir, als könnten wir dieser Ungerechtigkeit entgegenwirken, indem wir von jedem jungen Menschen in den Vereinigten Staaten
verlangen, zwei Jahre lang seinem Land zu dienen - sei es bei einer der
Waffengattungen, im Friedenskorps oder durch freiwillige Mitarbeit an
einem anderen Entwicklungsprojekt in Amerika oder im Ausland.
Wir könnten andere Länder ermutigen, das gleiche zu tun, und wir
könnten Austauschprogramme ausarbeiten - ähnlich denen, die das Friedenskorps bereits plant.
Dies ist kein völlig neuer Vorschlag, und er wurde als unpassend
zu einem Zeitpunkt kritisiert, da wir in einen Krieg verwickelt sind.
Aber ich glaube, daß genau das Gegenteil zutrifft. Heute ist dies
mehr angebracht denn je zuvor, würde ein solcher Schritt doch unterstreichen, welchen eigentlichen Zweck wir in Vietnam und darüber hinaus

- 16 -

�hinaus überall in der Welt verfolgen, wo Zwang, Ungerechtigkeit oder
ein Mangel an Aufstiegschancen herrschen.
Er würde der zentralen Konzeption der Sicherheit sinnfälligen Ausdruck geben - der Konzeption, eine Welt der Menschenwürde und Entwicklung zu schaffen, in der jedermann sich ein besseres Dasein erhoffen
kann.
Gemeinsame Interessen - gegenseitiges Vertrauen - gemeinsame Anstrengungen: das sind die Ziele. Können wir diese Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion und zum kommunistischen China erreichen? Sind
sie in der Lage, diese Ziele in ihrem gegenseitigen Verhältnis zu erreichen?
Die Antwort auf diese Fragen findet sich in der Antwort auf eine
Frage von noch tieferer Bedeutung: Was ist der Mensch? Ist er ein vernunftbegabtes Wesen? Wenn er es ist, dann können diese Ziele am Ende
doch verwirklicht werden. Ist er es nicht, dann ist alle Mühe vergebens.
Der bisherige Verlauf der Geschichte läßt den Schluß zu, daß der
Mensch tatsächlich ein mit Vernunft begabtes Wesen ist - begabt aber auch
mit einer nahezu unerschöpflichen Fähigkeit, töricht zu handeln. Seine
Entwicklungsgeschichte scheint mir den zwar schleppenden, aber beharrlichen Versuch des Menschen zu dokumentieren, seine Vernunft über seine
Tierhaftigkeit zu stellen.
Er macht Pläne für Utopia, ohne sie je völlig verwirklicht zu sehen.
Und im Endeffekt rackert er sich verbissen mit dem einzigen Stoff ab, der
ihm wirklich jederzeit zu Gebote steht: seine teils komische, teils tragische, teils boshafte und teils bewunderungswürdige Natur.
Ich für meinen Teil möchte jedenfalls die Hoffnung auf eine freie
Weltgemeinschaft der Völker nicht aufgeben. Denn Zwang kann den Menschen
nur in Fesseln schlagen; ihn aber über sich selbst hinaus zu heben, vermag nur das freiheitliche Denken.

- 17 -

�U n i t e d
5 3 2 0
T e l :

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B a d

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g

6 0 1 - 3 2 4 0

I,

S e r v i c e

P o s t f a c h

T e l e x

3 0 0

0 8 - 8 5 4 3 2

xix: - 26

ERKLÄRUNG MCNAMA.RAS ZUR ATLANTISCHEN ALLIANZ

WASHINGTON - (AD) - Wortlaut einer Erklärung,
die der Verteidigungsminister der Vereinigten
Staaten, Robert S. McNamara, am 21. Juni 1966
im Rahmen der vom 20.-30. Juni 1966 stattfindenden "Hearings" über die amerikanische NAT0Politik und die damit im Zusammenhang stehenden Themenkreise vor dem Senatsunterausschuß
für nationale Sicherheit und internationale
Tätigkeiten abgegeben hat.

�ERKLÄRUNG MCNAMARAS ZUR ATLANTISCHEN ALLIANZ

"Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder; ich freue mich,
an dieser Stelle Gelegenheit zu haben, zum Thema 'Atlantisches Bündnis'
auszusagen. Ehe wir über unsere Hoffnungen hinsichtlich der Zukunft
der Allianz und über einige unserer aktuellen Probleme sprechen, halte
ich es für angemessen, eine Bestandsaufnahme zur gegenwärtigen Situation
des Bündnisses zu machen.
Einer Ihrer Zeugen hob hervor, daß das atlantische Bündnis Ausdruck,
nicht Ursache der wechselseitigen Abhängigkeit Europas und Nordamerikas
sei. Dem stimme ich durchaus zu. Die grundlegende Erwägung für uns ergibt sich aus dem lebenswichtigen Sicherheitsinteresse der Vereinigten
Staaten, daß keine möglicherweise feindselige Macht Westeuropa

mit sei-

nen riesigen menschlichen und materiellen Reserven beherrschen dürfe. Es
ist ein elementares, jegliche formellen Vertragsvereinbarungen weit überragendes Interesse der Vereinigten Staaten, daß Europa frei bleibt und
seine Sicherheit bewahrt. Unter allen Umständen werden die Vereinigten
Staaten helfen, diese Sicherheit und Freiheit zu schützen.
Das ist jedoch keine einseitige Sache. Für die freien Nationen
Europas ist es gleichermaßen wichtig, daß die Vereinigten Staaten frei und
stark bleiben und in der Lage sind, zur europäischen Sicherheit beizutragen. Die Freiheit und Sicherheit Amerikas und Europas sind voneinander
abhängige Größen. Diese feste Basis unserer gemeinsamen nationalen Interessen veranlaßte die Vereinigten Staaten, in die beiden großen europäischen Kriege dieses Jahrhunderts einzugreifen.

Ohne Frage würden

sie das in Zukunft wieder tun.
In Anbetracht dieser Umstände entspricht es jedoch nicht der Wahrheit, daß der Form und dem Aufbau des atlantischen Bündnisses keine Bedeutung zukämen. Form und Aufbau sind sowohl vom militärischen als auch
vom politischen Standpunkt

aus wichtig. Der militärische Aspekt des

Bündnisses, ein geschichtliches

Novum, ist seine Organisation in Frie-

denszeiten, die ein integriertes Oberkommando für den Krieg vorsieht,
und seine detaillierte militärische und logistische Friedensplanung für

- 1 -

�für gemeinsame Anstrengungen im Kriegsfall. Angesichts der schnellen
Operationen und der Art der modernen Waffen ist überhaupt keine Zeit,
sich mit solchen Dingen noch zu befassen, wenn die Feindseligkeiten
erst einmal begonnen haben. Aus diesem Grunde ist es für verbündete
Nationen eine Angelegenheit von allergrößter Bedeutung, im Frieden
detailliert zu erörtern und sich darüber zu einigen, wie sie ihre
gemeinsamen Streitkräfte koordinieren, einsetzen und befehligen würden, falls sie gezwungen sind, der Aggression einer feindlichen Macht
zu begegnen.
Erscheinungsbild, Form und Aufbau sind wichtig. Ein Bündnis mag
nur Ausdruck einer ihm zugrundeliegenden politischen Übereinstimmung
und Solidarttät sein, aber es ist eine wichtige Manifestation. In den
Augen eines potentiellen Gegners könnte die Manifestation der Institutionen eines Bündnisses als der einzige deutliche Ausdruck der
ihm zugrundeliegenden gemeinsamen Interessen erscheinen. Hierin liegt
die Gefahr einer Fehleinschätzung durch einen potentiellen Gegner.
Hierin liegt auch die Gefahr zu Hader und Zwist unter den Partnern der
atlantischen Allianz und zur Übertreibung unserer Differenzen. Wir sind
eine Allianz freier Nationen. Die Allianz hat niemals völlig gleiche
Ansichten in allen wichtigen Fragen gehabt und wird sie auch niemals
haben. Genau so soll es sein. Wichtig ist, daß wir offen miteinander
reden, daß wir die Ansichten des anderen beachten und respektieren und
daß wir Meinungsverschiedenheiten nicht als ein Zeichen für Böswilligkeit interpretieren.
Nach diesen allgemeinen Bemerkungen möchte ich jetzt einige detailliertere Erklärungen zu der Handlungsweise Frankreichs, die uns zwingt,
unsere Truppen und Einrichtungen aus Frankreich zurückzuziehen, und über
ihre Auswirkungen auf die militärische Stärke der Allianz abgeben. Ferner
möchte ich den allgemeinen Stand des Bündnisses und die wohl wichtigste
Frage von allen behandeln: die Zukunft der NATO und unsere gemeinsamen
Sicherheitsinteressen im europäischen Rahmen.
Notwendige Reaktionen auf die Haltung Frankreichs
Ich halte es für angebracht, auf eine Erörterung der militärischen
Auswirkungen des französischen Vorgehens auf die Allianz zunächst zu

2

�zu

verzichten. Kurz zusammengefaßt wäre zu sagen, daß es die mili-

tärische Stärke des Bündnisses in keiner Weise beeinträchtigen wird.
Eine der Folgen, die allgemein mit der Möglichkeit in Verbindung
gebracht werden, daß sich die Franzosen im Fall eines wirklichen Konflikts an der Verteidigung Europas nicht beteiligen, wäre der Verlust
französischen Bodens als Operationsfeld und als eines sicheren Ports,
von dem aus unser Nachschub die Truppen an der Front erreichen könnte.
Verhandlungen im Anschluß an die Beschlüsse, die kürzlich auf der Tagung in Brüssel gefaßt wurden, werden mehr Licht in die französischen
Absichten bringen. In bezug auf die Rolle, die das französische Territorium spielt, sollte ich jedoch sagen, daß weder die Vereinigten Staaten noch ihre Verbündeten je einen Krieg ins Auge gefaßt haben, in dem
der Rückzug auf französischen Boden durch ein Schlachtfeld Deutschland
als eine für das Bündnis akzeptable Strategie erachtet wird.

m

Unsere militärische Strategie ist und bleibt die Vorwärtsverteidigung Westeuropas, was in Mitteleuropa eine Verteidigung an der Grenze
Westdeutschlands bedeutet. Unsere Verpflichtungen, unsere militärischen
Maßnahmen, unsere Strategie und unsere Truppen sind soweit wie nur irgend möglich an dieser Vorwärtsstrategie orientiert und darauf eingerichtet, jedwede Kräfte und Waffen einzusetzen, die zur Durchführung dieser
Vorwärtsverteidigung notwendig werden könnten.
Somit wird unseres Erachtens die Möglichkeit, daß französisches Gebiet selbst Operationsfeld wird, derart unwahrscheinlich, daß sie heute
außer

acht gelassen werden kann. Das bedeutet nicht, daß wir einer vol-

len französischen Mitarbeit nicht sehr viel mehr den Vorzug gegen würden.
Erwägungen in bezug auf den Nachschub und den garantierten freien Zutritt
7u französischem Territorium und Luftraum sowie zu französischen Gewässern
lassen, zusätzlich zu den bemerkenswerten militärischen Möglichkeiten der
Streitkräfte Frankreichs, klar erkennen, daß es sich hier um wertvolle
Dinge handelt. Im Hinblick auf alle diese Angelegenheiten wie auch auf
andere notwendige gemeinsame Vereinbarungen über eine mögliche Zusammenarbeit im Kriegsfall werden wir und unsere Verbündeten mit den französischen Behörden verhandeln. Zur Zeit sind Gespräche zwischen den Deutschen, den Franzosen und den anderen Mitgliedern der NATO im Gang, um

3

�um

geeignete Bedingungen für Maßnahmen im Frieden zu finden, die

die Zusammenarbeit im Krieg regeln.
Was ist nun, von den allgemeinen strategischen oder militärischen
Auswirkungen auf die Allianz einmal abgesehen, angesichts der französischen Haltung unmittelbar erforderlich? Zunächst müssen wir unsere
Bodentruppen (in erster Linie aktives und Reservepersonal für den
Nachschub und für Depots) sowie unsere Luftwaffenstaffeln und unsere
Kommandostellen aus Frankreich abziehen. Wir werden diese Aufgabe im
Verlauf des nächsten Jahres durchgeführt haben.
Im besonderen treffen wir jetzt folgende Maßnahmen:
A. Zwei Staffeln von Flugzeugen des Typs C-130 werden zur Zeit von
Frankreich nach Mildenhall in Großbritannien verlegt. Sie sind gegenwärtig auf dem Luftstützpunkt Evreux in Frankreich stationiert. Die
Konmandostellen der 322. Luftwaffendivision, die für unsere Luftbrükkenoperationen im gesamten europäischen Befehlsbereich zuständig ist,
wird vom Luftstützpunkt Chateauroux in Frankreich nach High Wycombe in
Großbritannien verlegt, wo früher Einheiten der 7. Luftwaffendivision
des Strategischen Luftkommandos (SAC) stationiert waren. Diese Verlegungen dürften bis zum 1. September beendet sein.
B. Alle amerikanischen Depots in der Bundesrepublik Deutschland
und Italien werden daraufhin überprüft, inwieweit Vorräte entfernt werden können, die den Bedarf des Kommandobereichs überschreiten, wodurch
für die Aufnahme von Depotgütern Platz geschaffen werden soll, die
gegenwärtig in Frankreich lagern. Alle im Zuge dieser Aktion als Überschuß identifizierten

Güter werden nach den Vereinigten Staaten zu-

rückgebracht oder auf andere Gebiete verteilt, wo sie benötigt werden.
C. Bestimmte kriegswichtige Vorräte, die jetzt in Depots in Frankreich lagern, werden in unsere Depots in Deutschland und Italien überführt.
D. Es werden eine Reihe von Pachtvereinbarungen sowie Abkommen
über den Bau neuer Depots in der Bundesrepublik und anderen europäischen
Ländern getroffen, um eine ausreichende Lagerkapazität für die Aufnahme
bestimmter zusätzlicher Vorräte zu gewährleisten, die unseren Kampftruppen

4 -

�Kampftruppen in Deutschland als Reserve zur Verfügung stehen.
E. Daneben befassen wir uns zur Zeit mit folgenden Fragen:
1) Verlegung

der noch verbliebenen Vorräte und der Nachrichten-

einheiten, die zur Zeit in,Frankreich stationiert sind. Das schließt
die Möglichkeit späterer Vereinbarungen mit den Franzosen über die
Lagerung und die Zugangsrechte zu Anlagen in Frankreich im Kriegsfall
nicht aus.
2) Straffung und Zusammenlegung unserer Befehlsstellen für den
europäischen Bereich der US-Armee in Deutschland.
3) Alternativmöglichkeiten für die Verlegung der amerikanischen
Kommandostellen in Europa, die zur Zeit in der Nähe von Paris etabliert
sind. Wir prüfen u.a. die Möglichkeit einer Verlegung dieser Stellen
in bereits vorhandene Komplexe, damit auf Neubauten weitgehend verzichtet werden kann.
4) Die Verlegung der sechs amerikanischen Aufklärungsflugstaffeln,
die jetzt in Frankreich stationiert sind, möglicherweise auf andere europäische Stützpunkte außerhalb Frankreichs und zum Teil auch nach den Vereinigten Staaten im Rahmen einer Doppelstationierung.
In bezug auf Organisation, Nachschubwesen und Beweglichkeit wurden
große Fortschritte erzielt, seitdem sich die ersten amerikanischen militärischen Einheiten in Frankreich etablierten. Wir beabsichtigen, bei der
vorzunehmenden Verlegung diese Vorteile voll und ganz wahrzunehmen. Wir
beabsichtigen ferner, von den in Europa bereits vorhandenen Einrichtungen
voll Gebrauch zu machen, um Neubauten und Kosten auf ein Minimum zu beschränken. Ich halte es nur für fair, wenn ich sage, daß wir mit diesen
Verlegungen und Umorganisationen im Laufe der Jahre eine Situation zu
erreichen hoffen, die im Hinblick auf die amerikanischen Ausgaben und
auf die Zahlungsbilanz wesentlich besser ist als der Status quo.
Alles in allem werden sich diese Umgruppierungen, wenn sie auch
kurzfristig Mißhelligkeiten, Unbequemlichkeiten und Kosten mit sich bringen, nicht wesentlich auf das generelle Kampfpotential der amerikanischen
Streitkräfte in Europa, auf unsere Strategie oder auf die Sicherheit des
Bündnisses als Ganzes auswirken.

Wie

5

-

�Wie Sie wissen, müssen auch die militärischen Hauptquartiere
der NATO Frankreich verlassen. Es gibt deren zwei - SHAPE, dem,
wie wir erwarten, die Benelux-Staaten, vermutlich Belgien, einen
neuen Standort anbieten werden, und AFCENT (Alliierte Streitkräfte
Europa Mitte) mit seinen dazugehörigen Land- und Luftkommandos, die
in einem der Benelux-Staaten oder in Deutschland untergebracht werden sollen. Wir hoffen, daß beide Hauptquartiere im Verlauf der Umsiedlung modernisiert weeden. Wir erwägen auch die Möglichkeit, den
Nordatlantikpakt zu verlegen. Die Kosten dieser Umsiedlungen - sowohl die Ausgaben der NATO, an denen die USA mit etwa 25 Prozent
beteiligt sind, als auch die Ausgaben der USA, soweit sie nicht
aufteilbar sind - sind noch nicht bekannt. Wir werden alles unternehmen, um diese Kosten auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Ich möchte ein Wort über unsere Haltung gegenüber der französischen Regierung auf Grund ihrer jüngsten Entscheidungen hinzufügen.
Wir würden natürlich eine andere Haltung von ihrer Seite vorziehen.
Aber wir sehen keinen Nutzen für uns oder unsere Verbündeten darin,
über die Haltung der französischen Regierung zu streiten und die Ausübung ihrer souveränen Vorrechte zu kritisieren oder in Frage zu
stellen. Es gibt innerhalb des Bündnisses viel Konstruktives zu
leisten, und diesen positiven Dingen möchte ich mich vor allem zuwenden .

Die positiven Aufgaben des Bündnisses
Es gibt zwei Kategorien positiver Aufgaben: die eine ist in erster
Linie militärischer und die andere in erster Linie politischer Natur,
jedoch mit weitreichenden Auswirkungen auf die Sicherheit verknüpft.
In der ersten Zeit des Bündnisses begannen viele unserer europäischen Partner gerade damit, sich von den

Verheerungen des zweiten

Weltkrieges zu erholen, und unsere Gedanken wurden beherrscht von der
Notwendigkeit einer Abschreckung und Verteidigung gegen etwas, das uns
als unmittelbare Bedrohung erschien. Heute befinden wir uns in einer
wesentlich anderen Situation. Unsere europäischen Bündnispartner sind
wohlhabend und selbstbewußt geworden. Die Streitkräfte der NATO sind
sehr stark, wenn man die von unseren Verbündeten und uns selbst für

6

�für die Verteidigung Europas aufgewandten Gesamtausgaben oder die
Gesamttruppenstärke unserer Verbündeten und unserer eigenen Streitkräfte mit den Streitkräften und den Ausgaben eines beliebigen potentiellen Gegners oder einer Gruppe von Gegnern vergleicht.
Daher besteht das Hauptproblem nicht in der Gesamttruppenstärke
oder dem Gesamtaufwand an Mitteln für die Verteidigung. Obwohl
ich der Meinung bin, daß einige unserer europäischen Bündnispartner einen größeren Prozentsatz ihres Bruttosozialprodukts für die
Verteidigung aufwenden könnten und sollten, ist meiner Ansicht
nach das, was man das Managementproblem der gemeinsamen Verteidigung
nennen könnte, das Hauptproblem. Es bestehen wesentliche Unterschiede
in unseren jeweiligen Verteidigungsbeiträgen, in der Stärke unserer
Streitkräfte im Verhältnis zu den Bedrohungen und Planungen und in der
Aufteilung der Verteidigungslasten. In allzu vielen Fällen stehen
die Streitkräfte der verschiedenen Länder des Bündnisses, hinsichtlich Truppenstärke, Ausrüstung, Versorgung und räumlicher Gliederung
in einem unzulänglichen logischen Verhältnis zueinander. In allzu
vielen Fällen stehen die Planungen der Militärbehörden in einem
unrealistischen Verhältnis zu Schätzungen der ihnen tatsächlich zur
Verfügung stehenden Mittel und dem stark anzunehmenden Ausmaß der
Ernstfälle, vor die sie gestellt werden könnten.
Allzu oft spielten in der Vergangenheit die Regierungen der
einzelnen Staaten keine ausreichende direkte Rolle in der militärischen Planung des Bündnisses; und sie überließen die Hauptverantwortung bei der Schaffung einer starken und leistungsfähigen Streitmacht Militärstellen, die nicht die politische oder finanzielle Verantwortung trugen. Meiner Ansicht nach besteht bei den Regierungen
vor allem die Tendenz, manche planende und 'denkende' Funktion den
internationalen Befehlshabern der NATO zu überlassen und sich dann
nicht mehr darum zu kümmern. 'Integrierte' Befehlshaber und Stäbe,
die die Dinge von einem Gesamt-NATO-Gesichtspunkt betrachten und nicht
einem Einzelstaat, sondern der NATO als Ganzem verpflichtet sind,
sind natürlich wünschenswert und notwendig. Sie haben sicher ihre
Vorzüge. Aber als unentbehrliches Pendant dazu ist eine dauernde,
intensive Beteiligung ziviler und militärischer führender Vertreter

7

�Vertreter der Nationalregierungen an diesen entscheidend wichtigen
Planungen notwendig. Nur so können wir einen Realismus in unserer
Auffassung und eine energische Unterstützung bei der Durchführung
von NATO-Plänen und -Tätigkeiten durch die Regierungen der Mitgliedstaaten sicherstellen.
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß im letzten
Jahr, oder in den letzten beiden Jahren, ein wesentlicher Wandel
im Geist und in der Substanz des alliierten Managements der Verteidigungsstreitkräfte eingetreten ist. Die Allianz hat damit
begonnen, eine wirkungsvolle Kräfteplanung aufzustellen, bei der
die Länder ihre Verteidigungsausgaben Jahre im voraus festsetzen
und diese Pläne im Rahmen einer gemeinsamen Konzeption der Allianz
auf die zu erwartenden Eventualfälle und auf die wirksamste Streitmacht abstimmen, die mit den vorhandenen Mitteln erworben und unterhalten werden kann. Viele der Unausgeglichenheiten von Land zu Land,
von Streitmacht zu Streitmacht und von Planung zu vorhandenen Mitteln
bleiben bestehen, aber wir haben ernsthaft damit begonnen, uns zusammenzusetzen und eine gemeinsame Konzeption für die Kräfteplanung
zu entwickeln.
Mir scheint, ein wesentlicher Faktor in diesen Bemühungen ist
die zunehmende Bereitschaft der Verteidigungsbehörden der verschiedenen Regierungen, in den militärischen Angelegenheiten des Bündnisses eine aktive Rolle zu übernehmen. Ohne diese Bereitwilligkeit
wäre kaum ein Fortschritt möglich, welche formellen Maßnahmen auch
immer getroffen würden. Die aktive Beteiligung meiner Kollegen an
den Verteidigungsangelegenheiten des Bündnisses haben mich sehr
ermutigt, und ich hoffe, daß diese Beteiligung in naher Zukunft stark
zunehmen wird. Vielleicht

trägt die gegenwärtige Diskussion über die

NATO als willkommener Nebeneffekt zu einem besseren Verständnis
dieser Notwendigkeit zwischen unseren Freunden innerhalb des Bündnisses bei.
Der zweite wesentliche Gesichtspunkt im Management der Verteidigung des Bündnisses ist das vieldiskutierte Problem der Kernwaffen
und der nuklearen Strategie. Auch hier haben mich die jüngsten

-

8

-

�jüngsten Ereignisse ermutigt. Jahrelang führten wir eine mehr oder
weniger abstrakte Debatte, wobei sich unsere Gespräche um generelle
dogmatische Begriffe drehten. Unsere Gespräche schienen weitgehend
auf der Annahme zu beruhen, daß es eine einzige doktrinäre Antwort
oder Lösung für bestimmte Probleme gebe, für die es in Wirklichkeit
vielleicht keine generelle Lösung gibt.
Wir nahmen 1962 die sogenannten 'Athener Richtlinien' an, die
einige generelle Richtlinien für Fälle aufstellten, in denen Kernwaffen angewandt werden könnten, sowie einige generelle Grundsätze
für die Konsultation über die Anwendung von Kernwaffen, aber diese
Grundsätze schienen sich ebenfalls nicht wesentlich auf die Diskussion auszuwirken.
Wir sind jetzt in eine Ära eingetreten, die ich für eine Periode
der größeren Reife in unserer Erörterung der strategischen und verteidigungspolitischen Angelegenheiten halte. Im November 1965 gründete
der Nordatlantikpakt einen besonderen, aus den Verteidigungsministern
von zehn NATO-Staaten bestehenden Ausschuß für die Prüfung der Möglichkeiten einer stärkeren Beteiligung und Konsultation. Seitdem hielten meine Kollegen und ich und unsere Vertreter in den verschiedenen
Arbeitsausschüssen eine Anzahl von Sitzungen ab, in deren Verlauf es
zu einer freimütigen, informellen Erörterung unserer jeweiligen Ansichten zu diesen Fragen kam.
Eine Arbeitsgruppe für Nachrichten- und Datenaustausch befaßte
sich eingehend mit Art und Umfang der Aufklärüngs- und Nachrichtendiensttätigkeit - dem Informationsminimum, wie wir es nennen - das
für eine Mitgliedsregierung für die Konsultation über den möglichen
Einsatz von Kernwaffen notwendig oder nützlich ist. Eine Arbeitsgruppe
für das Fernmeldewesen hat eine Reihe von alternativen Fernmeldesystemen erörtert, die es den Bündnispartnern in wesentlich größerem
Umfang ermöglichen würden, sich im Notfall gegenseitig zu informieren
und zu konsultieren. In der Arbeitsgruppe für nukleare Planung schließlich haben wir die strategische nukleare Kapazität der Allianz, ihre
taktischen Atomwaffen, die möglichen Umstände und Folgen ihres Einsatzes
sowie die organisatorischen Mittel und Wege

-

9

geprüft und erörtert, wie

�wie die Allianz ihre künftigen Erörterungen dieser Themen weiterführen sollte. Wir haben, und das ist das wichtigste, angefangen,
uns mit diesen Dingen pragmatisch, realistisch und detailliert zu
befassen. Ich bin überrascht gewesen, wie fruchtbar diese Erörterungen gewesen sind - und wieviel leichter die Verständigung in einer
kleinen Gruppe ausreichend bis ins einzelne vorbereiteter verantwortlicher nationaler Vertreter ist. Ich glaube, wir sollten diese
Arbeit fortsetzen, und wir sollten eine permanente Form finden, um
das Problem der nuklearen Planung und Konsultation in dieser pragmatischen, realistischen und detaillierten Form anzupacken.
Um nicht mißverstanden zu werden, möchte ich an dieser Stelle
betonen, daß meine Auffassungen über eine richtige Konsultation
über Kernwaffen in keiner Weise etwas mit der Diskussion über mögliche gemeinsame oder kollektive Nuklearstreitkräfte der Allianz
zu tun haben - also etwa mit der Debatte über 'Waffen' oder 'keine
Waffen'. Wenn sich unsere europäischen Verbündeten für irgend eine
kollektive Streitmacht entscheiden sollten, dann wären die Vereinigten Staaten bereit, sich daran zu beteiligen. Eine solche Streitmacht
müßte jedoch für die Europäer akzeptabel sein, die es am direktesten
angeht. Was ich hier hervorheben möchte ist, daß die nukleare Planung
und Konsultation, mit der wir uns gegenwärtig im Sonderausschuß und
in den Arbeitsgruppen befassen, eine Notwendigkeit ist und bleiben
wird - gleichgültig was aus irgendwelchen Vorschlägen für eine
kollektive Streitmacht werden wird.
Soviel zum Management der Verteidigungsprobleme der Allianz.
Ich möchte mich jetzt einer Frage zuwenden, die in meinen Augen die
wichtigste ist, die wir heute erörtern - nämlich der Zukunft des
atlantischen Bündnisses. Das führt uns direkt zu dem zentralen Merkmal der europäischen Sicherheitssituation - dem Deutschlandproblem.
Das Deutschlandproblem
Die Gründe für die Anwesenheit amerikanischer Streitkräfte in
Deutschland sind klar. Sie stehen dort auf Grund fundamentaler Erwägungen der amerikanischen Sicherheit, die ich bereits früher dargelegt
habe. Sie stehen dort, um zu der Abschreckungskraft und der militärischen

10

-

�militärischen Macht der Allianz beizutragen. Sie stehen dort auf
Grund der amerikanischen Verantwortlichkeit für eine endgültige
Beilegung der Folgen des zweiten Weltkrieges und auf Grund der
amerikanischen und alliierten Verantwortlichkeit für die Freiheit
Berlins. Sie stehen dort, weil unsere deutschen Freunde, unsere
anderen Verbündeten und wir selbst das amerikanische Interesse an
und die Verpflichtung gegenüber der europäischen Sicherheit und
Stabilität ganz klar herausstellen wollen. Sie stehen dort, weil
sie dort gewünscht werden.
Es ist sehr viel über die zahlenmäßige Stärke der amerikanischen Streitkräfte in Europa und die Auswirkungen unserer Verpflichtungen in Südostasien auf die amerikanischen Streitkräfte in Europa
geredet und spekuliert worden. Lassen Sie mich einfach und kategorisch
erklären, daß die Vereinigten Staaten in der Lage sind, ihre Kampfkraft in Europa aufrechtzuerhalten und daneben weiterhin wie geplant •
Truppen nach Südostasien zu entsenden.
Die amerikanische Armee in Europa hatte Ende des vergangenen
Jahres eine zahlenmäßige Stärke von etwa 225 000 Mann. Es ist bei einer
Streitmacht dieses Umfangs nicht ungewöhnlich, daß im Zuge routinemäßiger Ablösungen und Versetzungen zeitweise Schwankungen in der festgelegten Stärke bis zu 5000 Mann auftreten. In diesem Frühjahr tritt ein
zeitweiliger, etwas höherer Abzug ein, wobei im zweiten Halbjahr 1966
die Wiederherstellung der ursprünglichen Stärke geplant ist. Ich kann
nach bestem Wissen sagen, daß die zeitweilige Reduzierung der Mannschaftsstärke alles in allem etwa 15 000 betragen wird. Die Wiederauffüllung
mit neu ausgebildetem und qualifiziertem Ersatz beginnt jetzt in einem
Tempo, daß bis Dezember wieder der ursprüngliche Stand von 225 000 Mann
erreicht sein wird. Die Kampfkraft der amerikanischen Streitkräfte in
Europa wird durch diese geringen Schwankungen in den normalen Ersatzund Ablösungsquoten nicht wesentlich beeinträchtigt werden.
Es drängt in der Tat vieles auf eine Verringerung der Zahl dieser
Streitkräfte, - einer Zahl, die vor mehreren Jahren und unter anderen
Voraussetzungen festgesetzt wurde. Inzwischen sind unsere westeuropäischen Freunde wieder zu Wohlstand und Stärke gelangt und können
folglich auch wieder größere Streitkräfte ins Feld schicken als in der

11

�der Vergangenheit. Auch kann die fortgesetzte negative Auswirkung
auf unsere Zahlungsbilanz nicht übersehen werden, wenn wir mehr als
200 000 Mann in Deutschland unterhalten. Ein weiterer Gesichtspunkt
ist die sehne11wachsende Kapazität unserer Luftbrücken- und SeeTransporteinrichtungen innerhalb unseres Verteidigungssystems, die
eine Revision unserer traditionellen Auffassung über Zeit und Anstrengung, die notwendig sind, um größere Kampfeinheiten an verschiedenen Schauplätzen, die über den ganzen Erdball verstreut liegen, zum
Einsatz zu bringen, erforderlich: macht. Unsere potentiellen Gegner
sind sich heute der soliden Stärke des Bündnisses bewußt. All das
Drängen auf Reduzierung der gegenwärtigen Mannschaftsstärke der USStreitkräfte in Europa hat berechtigte Gründe. Sie müssen als eine
Angelegenheit, die sowohl die gemeinsame Verantwortung innerhalb
der Allianz als auch die Politik der Vereinigten Staaten betrifft,
ernsthaft erwogen werden. .Allerdings muß jede solche Forderung auch
auf die damit verbundenen Konsequenzen für die politische und militärische Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
sorgfältig geprüft werden, und es sollte eindeutig klargestellt werden, daß die Vereinigten Staaten unter den gegenwärtigen Umständen nicht
die Absicht haben, ihre Kampfkraft in Europa zu verringern oder größere
Einheiten der siebten Armee abzuziehen.
Welches sind nun die gegenwärtigen Umstände, welches die Möglichkeiten, und welcher Art sind die Probleme, die wir darin sehen? Welche
Zukunft gibt es für die Allianz und wie könnte diese gestaltet sein?
Wie es seit etwa zwanzig Jahren der Fall war, so steht Deutschland
auch heute im Mittelpunkt der Überlegungen der Allianz und der Sicherheitserwägungen Europas im allgemeinen. Die Existenz der Allianz hat es
möglich gemacht, daß die Bundesrepublik Deutschland frei ist und weitgehend ist es auch das Verdienst der Allianz, daß die Bundesrepublik
heute wieder ein friedliches und harmonisches Verhältnis zu ihren
europäischen Nachbarn hat. Durch die Allianz konnte Deutschland einen
seinen Hilfsmitteln entsprechenden Beitrag zur Verteidigung des Westens
leisten. Es ist die Allianz, die - durch die Stationierung alliierter
Streitkräfte in Deutschland - die Kollektiwerteidigung Westeuropas
und die Manifestation der andauernden Verpflichtung der Alliierten, zu

12

-

�zu einer endgültigen Friedensregelung in Mitteleuropa und zur Wiedervereinigung Deutschlands selbst gleichzeitig möglich macht.
Die Allianz hat die Wunden, die zwei große Kriege dieses Jahrhunderts geschlagen haben, heilen helfen. Die enge Bindung deutscher
und französischer Offiziere wie auch deutscher Offiziere mit Offizieren anderer Länder in den Institutionen der Allianz, hat wesentlich
zur Wiederaussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland beigetragen.
Wir hoffen, daß diese Beziehungen bestehen bleiben, so weit dies unter
den veränderten Umständen nur irgend möglich ist.
Wir glauben, daß die Anwesenheit britischer Truppen in Deutschland
nicht nur eine militärische, sondern auch eine sehr wichtige politische
Funktion erfüllt. Unsere europäischen Partner, die Deutschen eingeschlossen, sehen in der weiteren britischen Beteiligung ah den kollektiven
Verteidigungseinrichtungen in Deutschland einen Eckpfeiler im Gesamtgefüge der Allianz.
Es ist jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, daß wir nicht einfach
auf dem Status quo verharren. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, daß
Europa in Bewegung geraten ist. Unsere europäischen Verbündeten sind dabei, eine Bestandsaufnahme der Situation in Europa vorzunehmen, um
herauszufinden, wie groß die Gefahr ist, die eine potentielle sowjetische
Aggression für sie bedeutet, in welchem Maße die NATO in ihrer gegenwärtigen Form der neuen Situation gerecht oder nicht gerecht wird, die durch
die überall in Europa In Fluß geratene Politik geschaffen wurde, und
welche Möglichkeiten für eine

Friedensregelung in Europa bestehen. Ich

meine, daß ihre Schlußfolgerungen sich von den unseren nicht sehr unterscheiden. Sie glauben wie wir, daß die Allianz notwendig ist, daß sie
aber weder ein Bremsklotz für den politischen Fortschritt auf dem Wege
zur Wiederaussöhnung ganz Kontinentaleuropas, noch ein Hindernis bei
der Überwindung der durch Europa verlaufenden Trennungslinie sein sollte.
Sie sind wie wir der Überzeugung, daß die integrierten Einrichtungen der
Allianz zur Stärkung des Bündnisses beitragen, daß sie aber nicht starr
sind, und auf keinen Fall der vollen Ausschöpfung nützlicher Kontakte
durch einzelne Länder oder Ländergruppen mit ihren östlichen Nachbarn
oder mit der Sowjetunion im Wege stehen sollten.

13

�Sie gehen davon aus, daß,auch wenn das Gleichgewicht der Kräfte
in der Welt wiederhergestellt ist, jede dauerhafte Regelung in Europa,
die allen europäischen Völkern Sicherheit und Freiheit bietet, unausweichlich eine direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion erfordert. Sie wissen wie wir, daß die deutsche Wiedervereinigung nicht durch Gewalt herbeigeführt werden kann und wohl
kaum über Nacht kommen wird. Wir sind aber alle überzeugt, daß sie
eines Tages kommen muß und wir die Pflicht haben, sie so rasch herbeizuführen, wie dies mit friedlichen Verfahren und mit der Selbstbestimmung des deutschen Volkes in beiden Teilen des geteilten Landes vereinbar ist. Wir glauben, wir sollten heute alle nur möglichen Schritte
tun, die uns heute diesem Ziele näherbringen, und morgen alle jene,
die sich dann anbieten werden.
Meiner Meinung nach herrscht unter den meisten Europäern Übereinstimmung darüber, daß diese wesentlichen Erwägungen der Maßstab
sein sollten, nach dem wir einzelne, kleinere Vorschläge beurteilen.
Die NATO kann eine wesentliche Rolle bei der sich anbahnenden politischen Entwicklung in Europa spielen. Sie kann den Rückhalt geben, durch
den ein politisches Sondieren möglich wird. Sie kann den Verbündeten
als Konsultationsform dienen, wenn es um die Kontaktaufnähme einzelner
Mitglieder mit osteuropäischen Ländern geht. Sie kann Forum für Abrüstungskonsultationen der NATO-Mitglieder sein; für Mitgliederkonsultationen, wenn es um Form und Inhalt von Vorschlägen für eine europäische
Friedensregelung geht, die gemeinsam von einer Reihe der meistbetroffenen Staaten ausgearbeitet und den übrigen europäischen Ländern und der
Sowjetunion unterbreitet werden; wenn es um Fortschritte in den großen
Zeitfragen und um die ernste Gefahr geht, die sich aus einer Weitergabe
der Atomwaffen ergibt. Sie entwickelt sich in der Tat rasch zu einem
Forum, in dessen Rahmen einige dieser großen Fragen mit uns und unseren
Verbündeten erörtert werden.
Die NATO ist also keineswegs nur ein militärisches Überbleibsel
aus einer anderen Zeit, ohne eine Chance für weiteres Wachstum und weitere Entwicklung, die den Wandlungen Europas und der Welt Rechnung tragen. Sie ist durchaus in der Lage, auf dem Gebiet der Sicherheit und im
Bereich der politischen Konsultation zu der Festigung der Bindungen,
die unsere Beziehungen in der atlantischen Gemeinschaft zusammenhalten,
ihren Teil beizutragen.

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XIX - 27

DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN

WASHINGTON - (AD) - Wortlaut einer Erklärung,
die der Stellvertretende Außenminister der
Vereinigten Staaten, Staatssekretär Georg W.
Ball, am 30. Juni 1966 im Rahmen der Hearings
über die amerikanische NATO-Politik vor dem
Außenpolitischen Ausschuß des Senats abgegeben
hat.

�DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN

Dieser Ausschuß erweist der Nation mit dieser sehr tiefgehenden
Untersuchung einen ausgezeichneten Dienst, ist doch keine Frage für
den Frieden der Welt wichtiger als die der Beziehungen der europäischen
Staaten untereinander und die der Beziehungen Europas zu Amerika.
Die Geschichte bezeugt: Sämtliche weltweiten Kriege der letzten
drei Jahrhunderte hatten ihren Ursprung in den handelspolitischen
Rivalitäten und im Machtehrgeiz europäischer Staaten. Die Gefahr ist
heute eher größer als geringer, da jede ernsthafte Störung in Westeuropa einen frontalen Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion auszulösen droht. Und dabei leben wir in einem
Kernzeitalter.
Doch ebenso groß wie die Gefahr, sind in Europa auch die Chancen
zu konstruktivem Handeln. Westeuropa und Nordamerika zusammen sind die
Werkstatt der Welt. Auf sie entfallen 90 Prozent der Industriekapazität
der freien Welt, und sie verfügen über ein unermeßliches Reservoir an
Kapital, technischem Wissen und geschulten Arbeitskräften.
Das sind Aktiva von unschätzbarem Wert. Sie bilden die Basis für
Fortschritt und Sicherheit, nicht nur für die atlantischen Staaten,
sondern auch für Männer und Frauen, die in den weiten Entwicklungsgebieten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas leben.
Es liegt deshalb entschieden auch in unserem Interesse, wenn sich
Westeuropa so organisiert, daß es diese Aktiva darauf verwendet, den
i Frieden zu gewährleisten und den Zielsetzungen unserer gemeinsamen
Kultur zu dienen.
Wir sollten nicht zögern, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir
haben sowohl das Recht als auch die Pflicht, eine klare Haltung zur
Frage des inneren Aufbaus Europas einzunehmen und diese klar auszusprechen. Wir haben uns dieses Recht verdient. Denn zweimal innerhalb
der Lebensspanne vieler unter uns wurden die Vereinigten Staaten

1

�Vereinigten Staaten aufgerufen, Europa vor der Aggression zu retten,
und auch heute schützt unsere militärische Macht Europa vor neuen
Gefahren.
Sicherlich haben sich die Verhältnisse seit der ersten Nachkriegszeit geändert. Die Völker Europas konnten den Wiederaufbau
vollenden und erfreuen sich einer Prosperität, wie sie sie nie zuvor
gekannt haben. Die Europäer leben nicht mehr länger in der beständigen
Furcht vor einem sowjetischen Angriff. Und auch die kommunistische
Welt hat sich verändert: sie hat ihren monolithischen Charakter eingebüßt, sie ist gespalten und gebunden durch den Streit zwischen Moskau
und Peking und das Schwinden der sowjetischen Autorität in Osteuropa.
All dies scheint geeignet, die Konturen der Konfrontation zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu verwischen und die
bipolare Gesamtstruktur der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzulösen.
Diese Entwicklungen üben als Ganzes einen starken Einfluß auf das
Denken der Menschen aus. Mit zunehmendem Wohlstand fühlen sich die
westeuropäischen Völker nicht mehr so stark von den Vereinigten Staaten
abhängig, und sie streben deshalb ganz natürlich danach, in dieser im
Wandel befindlichen Welt eine aktivere und auf das neue Selbstvertrauen
gestützte Rolle zu spielen.
Das ist alles gut und richtig. Diese Dinge sind sämtliche auf der
Habenseite der Freiheit und - wenn wir und unsere europäischen Freunde
uns klug verhalten - auch des Friedens zu verbuchen. Sie sind zum
großen Teil Ergebnis der erfolgreichen Politik, die wir während der
letzten beiden Jahrzehnte gemeinsam verfolgten; sie sind den gemeinsamen von uns errichteten Institutionen zu verdanken. Doch weder Politik
noch Institutionen sind unveränderlich, und es ist durchaus an der
Ordnung, daß wir uns - wie unsere Alliierten - ernsthafte Gedanken
über die sich wandelnden Realitäten und darüber machen, welchen Weg
wir gehen wollen und wie wir unser Ziel am besten erreichen.
Zwei Fragen vor allem erfordern unsere Aufmerksamkeit:
Laufen die Interessen der Vereinigten Staaten und Westeuropas nach
wie vor von Grund auf parallel?
Und

-

2

-

�Und wenn ja, wie können wir diese Interessen verfolgen?
Die Antwort auf die erste Frage scheint mir ganz klar. Wir und
unsere europäischen Verbündeten sitzen in dem selben Boot und werden
miteinander darin fahren oder untergehen.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten hängt von der Sicherheit
Westeuropas ab, und die westeuropäischen Länder zählen, was ihre
Sicherheit angeht, nach wie vor auf,uns. Die Worte des Nordatlantikpaktes haben heute wie einst Gültigkeit: "Ein Angriff auf einen ist
ein Angriff auf alle11.
Auch der wirtschaftliche Wohlstand ist unteilbar. Die Prosperität
hängt auf beiden Seiten des Atlantiks davon ab, was im atlantischen
Raum als Ganzem vorgeht.
Wir haben große Aufgaben, die wir gemeinsam erfüllen müssen.
Die schwierigste davon ist, die aus dem zweiten Weltkrieg herrührenden hartnäckigen Probleme zu lösen - die Streitfrage zwischen Ost
und West. Ohne eine gemeinsame Zielstrebigkeit und ohne gemeinsames
Handeln werden wir kaum Fortschritte auf dem Wege zu ihrer Lösung
erzielen.
Unsere gemeinsame Verantwortung geht weit über unsere Landesgrenzen hinaus, haben die atlantischen Staaten doch auch die gemeinsame
Pflicht, den Völkern in den Entwicklungsgebieten zu Frieden und Fortschritt zu verhelfen.
Auf Grund dieser Überlegungen ist die erste Frage mit einem Ja
zu beantworten. Die Veränderungen der jüngsten Zeit haben unsere gemeinsamen Interessen nicht verringert, sondern vermehrt. Wie können wir
im Lichte dieser Veränderungen diesen Interessen nicht nur heute,
sondern auch in Zukunft am besten dienen?
Die Antwort scheint mir zu lauten, daß wir uns zunächst einmal
eine klare Vorstellung von den Beziehungen der atlantischen Staaten untereinander bilden und dann an ihr festhalten müssen. Nur auf diese Art
und Weise können wir ein Gebäude errichten, das Bestand hat. Und was die
groben Umrisse dieses Gebäudes angeht, sollten wir uns von den geschichtlichen Erfahrungen und dem gesunden Menschenverstand leiten lassen.
Die

3

-

�Die erste Lektion der Geschichte ist klar: Die Welt sollte niemals
wieder unter der Gefahr leben müssen, die ein Europa darstellt, in dem
jeder einzelne Nationalstaat seine eigenen Interessen auf Kosten seiner
Nachbarn durchzusetzen oder mit Hilfe einer Politik der Koalitionsbildung oder des Gleichgewichts der Kxtflt:e ein Obergewicht über sie zu erreichen
sucht. Drei Jahrhunderte hindurch gebar dieses System einen blutigen
und sinnlosen Krieg nach dem anderen. Zu einem Europa von 1914 oder 1939
zurückzukehren, wäre eine geradezu unglaubliche Torheit.
Unsere europäischen Freunde haben dies klar erkannt. Eine der hoffnungsvollsten Entwicklungen der Nachkriegszeit war ihr Entschluß, die
Einigkeit an die Stelle nationaler Rivalität zu setzen und diesbezüglich
ein für allemal »it der Vergangenheit zu brechen.
Sie haben diesen Entschluß durch Handlungen bekräftigt. Durch den
Vertrag von Rom schufen sechs europäische Staaten gemeinsame Institutionen,
die sich gemeinsamer Grundsätze und Praktiken zur Erreichung gemeinsamer
wirtschaftlicher Ziele bedienen. In wenigen Jahren konnte die europäische
Wirtschaftsgemeinschaft bemerkenswerte Fortschritte in Richtung auf die
Integration der Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten machen. Die EWG hat
dazu beigetragen, ein prosperierendes Europa zu schaffen und den Lebensstandard der europäischen Völker auf einen nie zuvor gekannten hohen Stand
zu bringen, und die so erreichte Prosperität trug ihrerseits wieder zur
Wohlfahrt der gesamten atlantischen Welt bei.
Der Aufbau eines stabilen Europas aber erfordert mehr als die wirtschaftliche Integration. Er kann nur durch Fortschritte auf dem Weg zur
politischen Einheit verwirklicht werden. Solange sich die westeuropäischen
Völker nicht auf der Basis der Gleichheit unter gemeinsamen Gesetzen und
Institutionen zusammenfinden, besteht keine Gewähr, daß die nationalistischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit für alle Zeit aufgehört
haben.
Heute blockieren natürlich ernste Hindernisse den Weg zur politischen
Einigung in Europa. Bei einem so schwierigen Unterfangen aber wie diesem
wäre es ein ernster Fehler, die Zukunft an Hand des Tagesgeschehens beurteilen zu wollen, gehorcht die politische Einigung doch einer Logik, die

- 4-

�die auf die Dauer zwingend ist. In Westeuropa leben über eine Viertelmilliarde Menschen, die zu den höchstgebildeten, bestgeschulten und
tüchtigsten Bewohnern dieser Erde zählen. Europäer spielten seit altersher In der Weltpolitik eine wichtige Rolle. Heute aber sehen sie sich
vor die harte Tatsache gestellt, daß sie eine solche Rolle trotz ihrer
geistigen Fähigkeiten und materiellen Hilfsquellen nicht spielen können,
es sei denn, sie richten ihr gesamtes Sein auf die Notwendigkeiten des
modernen Zeitalters aus.
Die Welt der Nachkriegszeit wurde schließlich von einer neuen und
entscheidenden Realität bestimmt: dem Übergewicht zweier Nationen, der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Beide Länder umfassen einen
ganzen Kontinent, und jedes von ihnen verfügt über mindestens ebenso
große wenn nicht größere Menschen- und Materialreserven als alle westeuropäischen Länder zusammen. Das Aufkommen zweier solcher Mächte spiegelt die Erfordernisse und Auswirkungen eines technisierten Zeitalters
wider, und veränderte das gesamte Gefüge der Weltpolitik. Europäische
Nationen, die noch vor einem Viertel Jahrhundert im Mittelpunkt der weltpolitischen Bühne standen, finden sich nun plötzlich in die Nebenrolle
von Staaten mit nur noch begrenzten Möglichkeiten zur Beeinflussung des
Laufs der Dinge in der Welt gedrängt.
Ich bezweifle, daß sich die Völker Europas lange damit zufrieden
geben werden, bei den wichtigen politischen Vorgängen mehr oder weniger
beiseite zu stehen. Solange aber Europa seine heutige, innere Form beibehält, wird seine Beteiligung nur begrenzt sein können. Wenn die Europäer
jedoch die ihnen aufgrund ihres Wirtschaftspotentials und ihrer Fähigkeiten zustehende Rolle spielen wollen, ist ihnen der Weg klar vorgezeichnet:
sie müssen sich eine politische Basis schaffen, die den Erfordernissen der
modernen Welt angemessen ist.
Die Frage der Größenordnung ist für unsere transatlantische Partnerschaft von großer Bedeutung. In den letzten Jahren wurde verschiedentlich
der Gedanke geäußert, ob es nicht besser wäre, das Ziel der Einheit Europas
gänzlich aufzugeben und stattdessen zu versuchen, auf direktem Wege die

- 5 -

�die Schaffung eines atlantischen politischen Gebildes anzustreben. Dieser
Vorschlag scheint mir auf eine falsche Alternative hinauszulaufen, dif&gt;
Wahl zwischen Schritten zur Einigung Europas und der Schaffung einer
engeren Partnerschaft zwischen den Ländern diesseits und jenseits des
Atlantik.. Zwischen diesen beiden Ideen besteht kein Widerspruch, sie
gehen vielmehr Hand in Hand. Ein gesundes Verhältnis zwischen Europa und
Amerika kann nur dann entstehen, wenn das Gleichheitsprinzip auf der
soliden Grundlage des effektiven Kräfteverhältnisses beruht.
Denn solange die Diskrepanz hinsichtlich der Größe und des Umfangs
der Hilfsquellen zwischen Amerika und den getrennt handelnden Ländern
Europas fortbesteht, muß jedes atlantische Bündnis unbefriedigend bleiben.
Manche Europäer sind wegen des, wie sie es nennen, ungebührlichen Übergewichts Amerikas in den gemeinsamen Beratungsgremien besorgt; und manche
europäische Industrielle fürchten sich vor der erdrückenden Macht amerikanischer Unternehmungen.
Aber selbst unter den gegenwärtigen Verhältnissen läßt sich etwas tun,
um diese Befürchtungen zu zerstreuen. So könnte unsere Regierung größere
Anstrengungen unternehmen, die Konsultation zu intensivieren - auch wenn
unsere diesbezüglichen Versuche bisher kein großes Echo gefunden haben.
Auf die Dauer können die Vereinigten Staaten die Gleichheit zwischen Westeuropa und Amerika weder als ein Geschenk vergeben noch dadurch schaffen,
daß sie einseitige Handlungen vermeiden. Die Ungleichheit resultiert aus
der Tatsache, daß wir Amerikaner uns eines einheitlichen Komplexes von
Institutionen bedienen und somit alle Hilfsquellen unseres Kontinents auf
ein einziges Ziel ausrichten können, während die Europäer nicht dazu in
der Lage sind. Denn noch ist Europa nicht so organisiert, daß es, wie
Präsident Kennedy es ausdrückte, "eine gemeinsame Sprache spricht und mit
einem gemeinsamen Willen handelt"".
Die Bemühungen um die Schaffung der Grundlagen für eine atlantische
Partnerschaft können - und brauchen - natürlich nicht bis zum Zeitpunkt
des Entstehens eines vereinten Europa hinausgeschoben werden. Es gibt
schon jetzt vieles, was wir tun können und tun sollten. Seit einigen Jahren
sind die atlantischen Staaten innerhalb der OECD und der NATO darum bemüht,

- 6 -

�bemüht, ihre Einrichtungen für ein gemeinsames Handeln auf dem Verteidigungssektor sowie in der Wirtschafts- und Außenpolitik zu verbessern,
und wir sollten mit dieser Arbeit fortfahren.
Aber wir sollten uns hinsichtlich der Grenzen eines möglichen Fortschritts keinen Illusionen hingeben. Solange Europa nicht vereinigt ist,
bleibt das wesentliche Ziel der Gleichheit mehr Formalität als Realität.
Die Einheit Europas und die atlantische Partnerschaft bedeuten mehr
als nur Stabilität des Westens. Sie sind unentbehrlich für eine endgültige Regelung der großen, offenen Fragen, der Hinterlassenschaft des
Krieges. Dieser Punkt kann nicht stark genug hervorgehoben werden. Eine
dauerhafte Ost-West-Regelung läßt sich weder durch eine fortgesetzte
Zersplitterung Europas noch durch die Auflösung der institutionellen
Bindungen erreichen, die den Westen einen, sondern nur dadurch, daß die
Westmächte ausgehend von ihrer Einigkeit eine Situation herbeiführen,
die eine Lösung ermöglicht.
Vorbedingung für eine solche Regelung ist ganz offenkundig eine
Änderung der Haltung der sowjetischen Regierung. Soweit Veränderungen
dieser Art bereits eingetreten sind, waren sie nie die Folge unabhängiger
Handlungen einzelner westlicher Staaten. Sie resultierten teilweise aus
Verlagerungen und Bewegungen innerhalb des Sowjetsystems. Sie resultierten,
und das ist mindestens ebenso wichtig, aber auch aus der Tatsache, daß die
Westmächte gemeinsam Situationen schufen, denen sich die Sowjetunion anpassen mußte. Gemeinsame Aktionen des Westens haben die Expansionsbestrebungen der Sowjets gedämpft.
Stabilität und Wohlstand, die der wirtschaftlichen Integration Westeuropas folgten, weckten in Osteuropa neue Aspirationen Und regten zu neuen
Gedanken an. Durch Sublimieren nationalistischer Ambitionen hat die Einigkeit des Westens traditionelle Befürchtungen der osteuropäischen Völker
vermindert. Kurz, die Einheit des Westens steht ernsthaften Bemühungen um
eine Ost-West^Regelung nicht entgegen, sondern eröffnet vielmehr den einzig möglichen Weg zu diesem Ziel.
Wir sollten natürlich eine Lösung nicht um ihrer selbst willen anstreben. Wir müssen vielmehr eine Regelung erreichen, die die Voraus-

- 7 -

�Voraussetzung für die Gewährleistung der Stabilität und eines dauerhaften Friedens in ganz Europa schafft - eine Regelung, die Bestand hat.
Das bedeutet, daß sie frei von inhärenten Belastungen und Spannungen sein
muß. Die Hauptbedingung für eine solche Regelung ist, daß sie allen gegenüber fair sein muß. Sie muß auf demselben grundlegenden Prinzip beruhen, das auch für gute dauerhafte Beziehungen innerhalb des Westens
unabdingbar ist: dem Prinzip der Gleichheit.
Das ist die Kernfrage. Keine sichere europäische Regelung kann das
deutsche Volk geteilt lassen. Ebensowenig darf eine endgültige Regelung
das deutsche Volk andauernder Diskriminierung aussetzen. Das hat man
schon einmal versucht und zwar, wie wir wissen, vergeblich. Wir müssen
eine bessere Lösung anstreben und keine Improvisationen, die zwangsläufig einen labilen Zustand schaffen.
Der Westen muß sich bei seinen Bemühungen um eine dauerhafte Regelung von dem Gefühl der Sicherheit und Einigkeit leiten lassen, um den
Prozeß in Gang zu bringen, der die Beendigung der Teilung Europas zu
bewerkstelligen vermag.
Wir spielen bei diesen Bemühungen eine konstruktive Rolle. Wir
wollen Bedingungen schaffen, die eine Wiedervereinigung Europas ermöglichen, ohne daß die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion in diesem
Glücksfall eine Bedrohung für sich selbst sehen.
Darum verfolgen die Vereinigten Staaten gegenüber den Staaten Osteuropas und der Sowjetunion eine Politik friedlicher und enger Beziehungen. Wir versuchen weder die Regierungen dieser Länder zu stürzen
noch sie in Gegensatz zur Sowjetunion zu bringen oder sie gegeneinander
auszuspielen. Niemand würde davon profitieren, wollte man Osteuropa wieder balkanisieren. Wir wollen Brücken nach dem Osten schlagen, damit
die Sowjetunion und die osteuropäischen Staaten zu erkennen beginnen,
daß die Bemühungen zur Beendigung der Teilung Europas und Deutschlands
auch in ihrem eigenen Interesse liegen.
Wir alle - Amerikaner, Russen, Europäer - können aus einem Näherrücken Nutzen ziehen. Auf diese Weise können wir das Risiko eines
Krieges reduzieren, das bittere Vermächtnis nationaler Konflikte auf

- 8-

�auf ein Mindestmaß beschränken und die greifbaren Erfolge wirtschaftlicher Zusammenarbeit vermehren, damit die materiellen Güter und die
Fähigkeiten, die Europa, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
in so reicher Fülle besitzen, fortan der Sache der Menschheit dienen.
Was wir also für Europa anstreben,ist nach unserer festen Überzeugung
das, was auch die meisten Europäer wünschen. Deshalb bleibt Amerika
so wichtig für die Zukunft Europas.
Ein solcher Friede und eine solche Stabilität lassen sich in Europa
nicht durch irgendwelche plötzlichen oder dramatischen Gesten erreichen.
Die Schwierigkeiten sind vielfältig und die Hindernisse groß. Der Weg
zur schließlichen Beendigung der Teilung Europas und Deutschlands Ist
noch lang. Aber ein erster Schritt ist getan.
Es bestehen bereits zahlreiche Kontakte zwischen Ost und West.
Diese Kontakte müssen erweitert werden. Deshalb hat der Präsident den
Kongreß um die Vollmacht ersucht, die Meistbegünstigungsklausel auch auf
die osteuropäischen Staaten auszudehnen. Es müssen ferner die kulturellen
Kontakte verstärkt werden, und es scheint mir hier die Feststellung angebracht, daß es amerikanische Stiftungen waren, die die erste größere
Initiative zur Entwicklung eines solchen Kulturaustausches zwischen Ost
und West ergriffen haben.
Wichtig ist auch, die multilateralen Bindungen zu erweitern. Die
bestehenden multilateralen Institutionen wie die OECD, können auf die
sich hier abzeichnenden Möglichkeiten eingehen - und sie werden dies
zweifellos auch tun.
Wenn wir auf diese Weise dazu beitragen können, die vorhandenen
Unterschiede im Lebensstandard der europäischen Länder zu verringern, die
Ost-West-Verbindungen zu entwickeln und den Handel zu erleichtern, dann
können wir einige der Voraussetzungen für die Lösung grundlegender politischer und Sicherheitsfragen schaffen. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, sich an diesem Bemühen zu beteiligen, denn nach unserer Ansicht
stellt es ein ernsthaftes und konstruktives Mittel dar, um auf die Beendigung der Teilung Europas hinzuarbeiten.
Genau

- 9-

�Genau wie der Friede und die Stabilität in Westeuropa durch die
Aussöhnung zwischen den Deutschen und ihren westlichen Nachbarn gefördert wurden, so liegt unserer Überzeugung nach auch im Osten eine Aussöhnung zwischen dem deutschen

Volk und insbesondere den Polen, den

Tschechen und den Russen im Interesse aller. Die Bundesrepublik
Deutschland bekräftigte vor kurzem ihren Wunsch nach Herstellung
freundschaftlicher Beziehungen zum Osten, und die Vereinigten Staaten
werden tun, was in Ihrer Macht steht, diese wünschenswerten Bestrebungen zu unterstützen. Das Beharren in altem Haß - so wahr und bitter
seine Ursachen auch sein mögen - liegt nicht im Interesse Europas und
bedeutet in unserem Atomzeitalter für uns alle eine Gefahr;
Dies also sind die Grundprinzipien, die unsere Politik bestimmen.
Die veränderten Bedingungen beeinträchtigen ihre grundsätzliche Gültigkeit nicht. Dies besagt jedoch nicht, daß es sich erübrigt, ihre Anwendung im Lichte der veränderten Umstände neu zu überprüfen oder daß
alle seit dem Kriege geschaffenen institutionellen Arrangements vollkommen sind und keiner Korrektur bedürfen.
Gewiß werden aufgrund der jüngsten Schritte der französischen Regierung einige Korrekturen im Aufbau der Nordatlantikpaktorganisation notwendig werden. Die Allianz konnte diesen Schritten jedoch begegnen und
ihren Kurs mit bemerkenswerter Festigkeit halten.
Unsere erste gemeinsame Aufgabe war es, für eine massive Verteidigung und wirkungsvolle Abschreckung zu sorgen. Wir haben kürzlich auf
der Tagung in Brüssel gute Fortschritte in dieser Richtung erzielen können. Die vierzehn NATO-Partner Frankreichs einigten sich darauf, das
militärische Hauptquartier der NATO zu verlegen und werden voraussichtlich in einigen Monaten auch über die Verlegung des Nordatlantikrates
entscheiden. Sie schufen ferner die Grundlagen für Verhandlungen mit
Frankreich bezüglich der französischen Streitkräfte in Deutschland.
Verteidigung und Abschreckung sind indessen nicht die einzigen
Zielsetzungen der NATO. Sie muß auch jene Einigkeit in den Zielsetzungen
schaffen, die eine dauerhafte Ost-West-Regelung zu erleichtern vermag.

Damit

- 10 -

�Damit will ich natürlich nicht sagen, wir sollten in der NATO
ein Instrument für Verhandlungen sehen. Sie kann aber dazu dienen,
daß Verhandlungen einzelner westlicher Staaten mit dem Osten einem
gemeinsamen Ziele dienen und nicht Gegenstand eines Wettstreits um
nationale Vorteile werden. Nur auf dieser Basis haben wir Aussicht
auf Erfolgs
Ich habe versucht, Ihnen in dieser kurzen Erklärung die wesentlichen Elemente der Europapolitik der Vereinigten Staaten darzulegen.
Es handelt sich vornehmlich um die folgenden:
Erstens, die Staaten Westeuropas zu ermutigen, ihre alten nationalen Rivalitäten bei der Schaffung einer neuen, auf dem Prinzip der
Gleichberechtigung beruhenden politischen Einheit hintanzusetzen;
zweitens, gleichzeitig am Aufbau der institutionellen Arrangements weiter zu arbeiten, die zu einer wirksameren Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und einem nach Einheit strebenden Europa
führen können; und
drittens, weiterhin alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um
die Voraussetzungen zu schaffen, die eine sichere und dauerhafte Regelung der Frage der Teilung Europas möglich machen.
Diese Prinzipien bilden den weitgespannten Rahmen der amerikanischen Politik. Offensichtlich kann keine dieser Aufgaben von den Vereinigten Staaten allein bewältigt werden. Amerikanische Bemühungen
allein können die Einigung Europas nicht herbeiführen - dies ist in
erster Linie Sache der Europäer. Wir können für uns allein kein wirksames Verhältnis zu den westeuropäischen Völkern herstellen, gehört
doch mehr als einer dazu, eine Partnerschaft zu bilden.
Schließlich können wir allein für. uns auch die grundsätzliche
Frage der Teilung Europas nicht lösen. Dies wird nur möglich sein,
sobald Bedingungen geschaffen sind, die die Sowjetunion zu den hierzu
notwendigen Entscheidungen veranlassen können.
Aber eines können wir: durch treues Festhalten an diesen Prinzipien
ihre Preisgabe verhindern und ihre Verwirklichung fördern. Wir stehen
nicht allein. Der gesunde Menschenverstand, die Logik, die Lehren der
Geschichte und der Wunsch der Völker, ihr Teil zur Befriedung der Welt
beizutragen, stehen uns bei.
Dies, Herr Vorsitzender, sind starke Bataillone an unserer S&amp;ita.

+ ++++
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11 -

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XIX - 31

VERHANDLUNGEN SIND KEIN EINGESTÄNDNIS DES VERSAGENS

WASHINGTON - (AD) - Wortlaut einer Ansprache,
die der amerikanische Präsident Lyndon B.
Johnson am 26. August 1966 vor der Universität
Denver anläßlich der Überreichung der Ehrendoktorwürde und der Grundsteinlegung zum Bau
eines neuen Raumfahrtinstituts gehalten hat.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen
den vollen Text dieser Ansprache zur Kenntnisnahme und eventuellen Veröffentlichung im
Wortlaut oder in Auszügen.

�VERHANDLUNGEN SIND KEIN EINGESTÄNDNIS DES VERSAGENS

In den nahezu drei Jahren, die ich nunmehr Präsident bin, habe ich
bei zahlreichen Anlässen über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten
gesprochen. Ich hoffe natürlich, daß meine Mitbürger diese Reden gelesen
haben und ihrer eingedenk sind. Als ehemaliger Schullehrer aber weiß ich,
daß selbst große Literatur nicht immer weltweiten Beifall findet. Mein
Optimismus ist demnach nicht allzu groß.
Die Vereinigten Staaten sind, wie wir uns selbst oft gerne ins Gedächtnis zurückrufen, eine starke und wichtige Kraft in der Welt. Unser
Umgang mit anderen Staaten ist für uns von großer Bedeutung, er hat tiefgreifende und wichtige Rückwirkungen auf das Leben von Menschen in anderen Ländern, und er drückt der größten aller Aufgaben des Menschen in
unserer Zeit - dem Streben nach Frieden - seinen Stempel auf.
Der Begriff Demokratie bleibt bedeutungslos, wenn die führenden
Staatsmänner das Verständnis für die ihnen gestellten Aufgaben nicht
auch in dem Volk zu wecken vermögen, dem sie dienen. Nur dann kann ein
Volk richtig reagieren - sei es in Form einer wohlinformierten Unterstützung oder Opposition.
Ich möchte heute nicht auf einzelne Länder, einzelne Bereiche unserer Politik oder besondere Probleme von Konflikten oder Verhandlungen eingehen, die gegenwärtig unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Ich werde
statt dessen einige der Regeln und Grundsätze herausstellen, die nach meinem Dafürhalten als Präsident für die Führung unserer Außenpolitik maßgebend sein sollen. Das wird uns, wie ich hoffe, besser verstehen lehren,
wie wir auf die endlöse Folge von Problemen reagieren und reagieren sollten, die aus allen sechs Kontinenten und über sämtliche Meere hinweg auf
Washington zukommen.
Die

- 1 -

�Die dominierende Regel, die ich hier erneut bekräftigen möchte,
besagt, daß unsere Außenpolitik die Fortführung unserer Innenpolitik
sein muß. Die sicherste Richtlinie für unser Handeln gegenüber dem Ausland ist immer das, was wir im eigenen Lande tun.
Die großen schöpferischen Perioden der amerikanischen Außenpolitik
waren die Zeiten großer Leistungen im eigenen Lande. Lincoln, Wilson und
Franklin Roosevelt, um nur drei zu nennen, projizierten ihre Vorstellungen von dem, was Anlaß zur Besorgnis gab wie auch von dem, was zu leisten
sei, auf die gesamte Welt. Ich mißtraue jedem außenpolitischen Experten,
wie wohlinformiert er auch sein mag, wenn er über die Politik der Vereinigten Staaten nicht Bescheid weiß.
Der Grund hierfür ist ganz einfach. Die Politik ist das Mittel, mit
dem Menschen ihren Hoffnungen und Aspirationen kollektiven Ausdruck verleihen. Können wir annehmen, daß sich die der Amerikaner grundlegend von
denen der Angehörigen der Länder unterscheiden, aus denen unsere Vorväter
kamen? Doch sicher nicht. Und wir würden das Vertrauen und die Achtung
anderer Nationen verlieren, wollten wir von der Annahme ausgehen, was für
Amerikaner notwendig sei, wäre zu gut für andere Völker.
Die Regel besagt, um es noch einmal zu wiederholen: eine gesunde
Außenpolitik ist im wesentlichen der verlängerte Arm dessen, was wir zu
Hause tun und erstreben. Lassen Sie mich hierzu einige konkrete Beispiele
anführen.
Ich denke zunächst an die Probleme, die wir in den letzten Jahren in
unseren Städten hatten. Wir können uns nicht mit Gewalt abfinden, und wir
halten diejenigen, die zur Gewalt aufstacheln, nicht für harmlos. Wir
wissen um Menschen, die aus der Not anderer Kapital schlagen wollen und
bestrebt sind, Aufruhr und Protest in eigenen Gewinn umzumünzen. Ih.ien
liegen weder die Interessen unserer Armen noch die Interessen unseres Staates am Herzen, denn sie wollen zerstören und nicht aufbauen.
Wenn es aber zu Gewaltakten kommt, dann ist unsere erste, instinktive
Reaktion zu fragen: "Warum? Was ist die Ursache? Und was können wir tun?"
Wir suchen nach den tieferen Ursachen, die Unmut und Spannung nähren. Wir

- 2 -

�Wir suchen nach den Ursachen der Not und unwürdiger Zustände, wir suchen
nach den Spuren der Unterdrückung und Vernachlässigung vergangener Zeiten.
Das gleiche gilt für alle anderen Länder. Wenn wir klug sind, so
sehen wir nicht in jedem Aufstand gegen die herrschende Autorität die Hand
eines Schurken. Dort, wie auch zu Hause, ist es der gesunde amerikanische
Instinkt, der uns fragen heißt, ob nicht Unterdrückung, Not und Vernachlässigung die tieferen Ursachen sind.
Es kam mir schon manchmal der Gedanke, ob ein Marsmensch, den man
etwa im Zuge eines der größeren Raumforschungsprojekte der Johnson Ära
hierher brächte, nicht zutiefst beeindruckt sein müßte von der Tatsache,
daß die Völker auf diesem Planeten verschiedene Sprachen sprechen, verschiedener Hautfarbe sind und sogar dem ersten Anschein nach unter verschiedenen politischen Systemen leben.
Er würde feststellen, daß es hier ein Gebiet vergleichsweisen wirtschaftlichen Wohlstandes gibt, das sich über den nördlichen Teil dieser
Hemisphäre, ganz Europa und tief hinein in die Sowjetunion erstreckt. Dort
haben die meisten Menschen zumindest genug zu essen, genug anzuziehen,
Schulen, die sie unterrichten, Ärzte, die sie betreuen und warme Wohnungen,
die sie schützen.
Und unser Besucher vom Mars würde ferner feststellen, daß dieses Gebiet im allgemeinen, und von Wahljahren in den Vereinigten Staaten abgesehen, eine Zone politischer Ruhe ist. Die Regierungen sind fest etabliert,
es gibt kaum Revolutionen. Und selbst die Kriege zwischen den Staaten - es
herrscht ja kein völliger Friede - wurden in den letzten zwanzig Jahren
größtenteils in Worten geführt, wie ihm nicht entgehen würde. Worte können
verwunden, aber als ein Veteran im Senat der Vereinigten Staaten mit zwölfjähriger Erfahrung.könnte ich ihm ohne weiteres bestätigen, daß sie nicht
töten.
Unserem Touristen würde aber auch bald auffallen, daß es noch einen
anderen Teil der Welt gibt, wo die Regierungen von Unsicherheit bedroht
sind, wo Menschen auf der Straße demonstrieren, wo Guerillas in den
Dschungeln lauern, wo Armeen einander über unsichere Grenzen hinweg arg-

- 3-

�argwöhnisch beobachten und verschiedentlich sogar das Feuer aufeinander
eröffnen, und wo Bauern ohne Land oder Menschen ohne Arbeit sich häufig
in Protest erheben.
Und dieser Teil der Welt, das würde unserm Marsreisenden klar werden,
ist sehr arm. Er würde seine eigenen Schlußfolgerungen ziehen, was die Ursachen der Ruhe innerhalb eines Landes oder zwischen mehreren Ländern sind.
Und er würde dabei sicher nicht fehlgehen. Ich aber würde diesen Herrn
dann vielleicht bitten, ein hohes Amt in meiner Regierung zu übernehmen.
Lassen Sie mich Ihnen noch eine zweite Nutzanwendung dieser Regel vor
Augen führen. Wir hier in den Vereinigten Staaten halten nicht viel von
Gewalt. Wir wissen jedoch, daß andernfalls friedliebende Menschen zur Anwendung von Gewalt getrieben werden können. Wir sehen in der Gewalt die
Manifestation eines Versagens. Wenn es zur Gewaltanwendung kommt, sei es
in einem städtischen Slumgebiet anläßlich einer Oemonatration oder bei
der Aufstellung von Streikposten, sehen wir in ihr eine Manifestation des
Versagens. Wir bemühen uns dann, die Herrschaft von Recht und Gesetz wieder herzustellen und Verhandlungen in Gang zu bringen. Denn zu verhandeln
ist kein Eingeständnis des Versagens, es beweist vielmehr gesunden Menschenverstand. Wir halten gemeinsame Verhandlungen über politische Fragen für
erfolgversprechend, solange verhandelt wird. Erst wenn solche Verhandlungen
abgebrochen werden, sprechen wir von Versagen.
Das gilt besonders für die Außenpolitik. Auch hier ist Gewalt ein
Aspekt des Versagens. Auch hier sind die Herrschaft des Rechts und die Aufnahme von Verhandlungen Kennzeichen des Erfolgs.
Wer nach Prinzipien verfährt, wird manchmal beschuldigt, zu verallgemeinern. Ich möchte daher einmal mehr sagen, daß diese Regel auch ohne Einschränkung für Vietnam gilt. Wir werden es als ein Zeichen des Erfolges
werten, wenn sich alle an diesem Konflikt beteiligten Parteien am Konferenztisch einfinden. Wir Amerikaner sind in Verhandlungen erfahren. Und wir
haben von Verhandlungen nichts zu fürchten. Wir Amerikaner kennen das Wesen
fairer Verhandlungen, und niemand braucht Verhandlungen mit uns zu fürchten.
Ich

- 4-

�Ich möchte Ihnen noch eine dritte Anwendung dieser Regel vor Augen
führen. Wir hier in den Vereinigten Staaten mögen es nicht, wenn man uns
sagen will, was wir zu tun haben. Und wir können es noch weniger leiden,
wenn man uns sagen will, was wir zu denken hätten. Nicht jeder Schritt,
den die amerikanische Regierung unternommen hat, seit ich Präsident wurde,
fand überall auf der Welt Beifall. Ich zweifle auch daran, daß alle unsere
künftigen Schritte Beifall finden werden.
Aber wir verteidigen - und zwar ganz bewußt - das Recht eines jeden,
gegen das, was wir fordern und tun, zu opponieren. Wir verlangen nur, daß
man in unserer Opposition zur Opposition die Ausübung eben jenes Rechts
erblickt, für das wir eintreten: des Rechts der freien Rede.
Auch wollen wir weder die Freiheit schmälern noch wünschen wir eine
Gleichschaltung des Denkens oder Verhaltens zu erzwingen. Ich stehe nicht
nur in meiner Eigenschaft als Präsident für die Verfassung und den ersten
Verfassungszusatz ein, sondern auch weil ich Amerikaner bin und weiß, was
Freiheit bedeutet.
Wir finden wiederum bestätigt, daß die amerikanische Innenpolitik als
Richtlinie für unsere Außenpolitik dient. Alle Menschen verlangen nach
Jener Würde, die uns die verfassungsmäßigen Bürgerrechte garantieren. Alle
verlangen nach dem Recht, ihre Meinung frei äußern zu können, und alle
Menschen werden durch Diktatur und Meinungskontrolle an ihrer vollen Entfaltung gehindert.
Hier möchte ich mich wiederum nicht damit begnügen, eine Regel aufzustellen, sondern auch ihre Anwendung erläutern. Die Vereinigten Staaten
haben kein Mandat, sich einzuschalten, wo immer eine Regierung unseren
Vorstellungen nicht voll entspricht. Wir werden aber die Achtung anderer
Völker nur dann erringen - und verdienen - wenn sie wissen, auf we1oher
Seite wir stehen.
In den kommunistischen Ländern stehen wir auf selten derjenigen, die
Jahr für Jahr den Kreis der Gespräche zu erweitern suchen. Solange diese
Männer und Frauen nicht aufgeben, wird sich der Kommunismus in einem Zu«
stand des Wändeis befinden, und zwar einer Wandlung zum Guten.
In

- 5 -

�In den lateinamerikanischen Ländern stehen wir auf Seiten derjenigen,
die für verfassungsmäßige Regierungen eintreten, und nicht auf Seiten
derer, die behaupten, Diktaturen seien für eine wirkungsvolle wirtschaftliche Entwicklung oder als Bollwerk gegen den Kommunismus notwendig. Wir
haben bereits unmißverständlich klargemacht, daß wir dort, wo die persönliche Freiheit gefährdet ist, nicht auf seiten der ungezügelten Macht
stehen.
In Afrika stehen wir auf Seiten derjenigen, die auf die volle Gleichberechtigung aller Rassen hinarbeiten, und auf seiten auch derer, die sich
für stabile und ordnungsgemäße Regierungen einsetzen - denn nur solche gewähren dem einzelnen Bürger Schutz.
In Vietnam treten wir für gerechte und ordnungsgemäße Wahlen ein, die
dem Willen des Volkes dieses schwer heimgesuchten Landes größtmöglichen
Ausdruck geben. Wir haben bereits hinreichend klargestellt, daß die Vereinigten Staaten das, was durch diesen Willen frei und gerecht zum Ausdruck gebracht wird, anerkennen werden.
Sie werden feststellen, daß diese Regeln - und das ist so gut wie
sdlbstverständlich - keine Anwendung finden, die wir nicht auch billigten,
wenn es um die Vereinigten Staaten ginge. Sie werden sehen, warum ich
unsere Innenpolitik für eine gute Richtschnur für unser Verhalten gegenüber dem Ausland halte.
Lassen Sie mich ein viertes und letztes Beispiel der Regel anführen,
daß unsere Außenpolitik daheim in Amerika beginnt.
Die Vereinigten Staaten sind - nach den Maßstäben, die die Welt
gemeinhin anwendet - ein erfolgreiches Gemeinwesen. Vieles ist noch zu
tun. Aber in der kurzen Zeitspanne von zweihundert Jahren - einem kürzeren Zeitraum, als ihn die in der Geschichte als Kreuzzüge bekannten kriegerischen Unternehmen in Anspruch nahmen - haben wir eine ganze Menge
erreicht. Auch zögerten wir nicht, über die Ursachen nachzudenken.
Wir wissen, wir sind ein tatkräftiges Volk. Und wir sind intelligent.
Und wir erkannten schon frühzeitig die Bedeutung des öffentlichen Schulwesens. Und wir besaßen einen an Hilfsquellen reichen Kontinent. Und wir

- 6-

�wir hatten einen gesunden Plan für den Aufbau unseres Wirtschaftssystems.
Und unser Schöpfer war uns zweifellos wohlgesinnt.
Aber ich bezweifle, daß dies unsere verhältnismäßig glücklichen
Lebensumstände erklären kann. Auch andere Völker sind tatkräftig. Auch
andere sind intelligent. Es gibt andere Teile der Welt, die von der Natur
nicht weniger begünstigt sind. Andere Völker sind ebenso gebildet. Unser
Wirtschaftssystem ist kein großes Geheimnis und es genießt keinen Patentschutz. Es hieße heute und in dieser Zeit zu weit gehen, annehmen zu
wollen, Gott sei uns allein wohlgesinnt.
Unser Vorteil war, glaube ich, daß wir schon frühzeitig erkannten,
wie außerordentlich wirksam soziale Gerechtigkeit ist. Wir fanden heraus,
daß der Mensch, wenn man ihm die Früchte seiner Arbeit garantiert - und
das eben bedeutet soziale Gerechtigkeit -, zu einer schöpferischen Kraft
von ungeheurer Leistungsfähigkeit wird. Er wurde dem anspruchsvollsten
aller Arbeitgeber unterstellt, nämlich sich selbst. Beraubt man einen
Menschen dieses Gefühls der angemessenen Entlohnung, so reduzieren sich
seine Anstrengungen und Leistungen auf einen Bruchteil.
Es kann keinen Zweifel über die Gründe geben, warum der Süden im
vergangenen Jahrhundert hinter dem Norden zurückblieb. Es war nicht der
Bürgerkrieg; wären Kriegsauswirkungen so nachhaltig, müßten Deutschland
und Rußland noch auf rund achtzig Jahre hinaus darniederliegen. Innerhalb zwanzig Jahren nach dem Bürgerkrieg erreichte der Baumwollanbau, der
durch den Krieg und die Sklavenbefreiung am stärksten in Mitleidenschaft
gezogen worden war, wieder das Vorkriegsvolumen. Auch mangelte es dem
Süden nicht an menschlichen oder natürlichen Hilfsquellen.
Der Süden blieb zurück, weil er im Verband der amerikanischen
Republik nicht allen seinen Bürgern die volle Gleichberechtigung

.nd das

uneingeschränkte Empfinden gab, Teil einer gerechten Gesellschaft zu sein.
Dies ist der Fehler, den wir in den vergangenen paar Jahren entschlossen
wiedergutzumachen suchten. Und hier haben wir es wiederum mit einer Regel
zu tun, deren Anwendbarkeit über unsere Küsten hinausreicht. Sie umreißt
die Theorie, die unseren Anstrengungen in Lateinamerika, in Südasien und
gegebenenfalls auch in anderen Teilen der Welt zugrunde liegt.

- 7-

T

,

�Ich bin in einer Farmgegend aufgewachsen. Ich weiß, wie sich Farmer
verhalten. Ich habe nie einen Farmpächter erlebt, von dem man einen rückhaltlosen Einsatz erwarten konnte, solange er damit rechnen mußte, daß
alles was er tat, nur dem Besitzer zugute kam.
Ich habe in meinem Leben einige ziemlich redegewandte landwirtschaftliche Berater getroffen. Ich bin aber noch nie einem begegnet, der einen
Mann dazu zu überreden vermochte, dort zwei Ballen Baumwolle anzubauen,
wo vorher nur einer geerntet worden war, wenn er nicht sicher sein konnte,
daß zumindest der eine der beiden Ballen ihm gehören werde.
Und soziale Gerechtigkeit ist auch nicht lediglich eine Angelegenheit einer vernünftigen Aufteilung des Bodenbesitzes. Sie bedeutet Arbeit
für einen angemessenen Lohn unter dem Schutz freier Tarifverhandlungen und
eine Regierung, die ehrlich arbeitet, sich um Leistung bemüht und das Geld
der Steuerzahler in angemessener Weise nutzt. Soziale Gerechtigkeit bedeutet auch Bildung, ausreichende Ernährung und Fürsorge für Jene, die wie Kinder - nicht in der Lage sind, ihre Rechte in der Gesellschaft wahrzunehmen. Sie besteht, und das ist vielleicht das allerwichtigste, in dem
einfachen Bewußtsein, daß die Leiter nach oben nicht so überfüllt ist, um
nicht noch Raum für Sie zu bieten.
Unsere Außenpolitik umfaßt wie unsere Innenpolitik alle die wichtigen
Dinge - von Bildung über Arbeit, Gesundheit und Ordnung bis zu Gerechtigkeit für alle.
Von hier, von Denver aus, schien es einst ein weiter Weg bis zu unseren Küsten zu sein, und ein noch weiterer bis zu anderen Ländern. In jener
Zeit schienen zweifellos die Probleme der Außenpolitik weit abgelegen. Und
es heißt ja auch, Mangel an Stolz und Selbstvertrauen sei niemals eine
Schwäche der Männer und Frauen dieser Berglandschaft gewesen. Es gab mithin genug, was ihre Aufmerksamkeit hier in der Heimat beanspruchte.
Aber jetzt sind die Küsten sehr nahe gerückt, und London, Paris,
Moskau und Tokio nur ein paar Flugstunden entfernt. Denver ist zu einem
Zentrum lebhafter Erörterungen außenpolitischer Fragen geworden, zu einem
Ort, wo man ein sehr feines Gespür für ihre Problemstellungen und auch für
die politischen Maßnahmen hat,

die von Ihrer und meiner Generation

- 8 -

�Generation verlangt werden.
Aber Sie werden meinen Ausführungen heute nachmittag auch entnehmen,
daß Sie einen weiteren Vorteil für sich verbuchen können. Sie befinden
sich

innerhalb der Vereinigten Staaten

in einer strategisch sehr wich-

tigen Position. Das ist ein sehr bedeutsamer Grund zur klugen Beurteilung
der Außenpolitik. Unser Land ist eine große, freiheitsliebende und fortschrittliche Demokratie - bis zu seinen äußersten Grenzen und auch über
sie hinaus. Es ist einfach unvorstellbar, daß Amerikaner in Denver und
Des Moines ein anderes Gesicht zur Schau tragen als Amerikaner in Paris,
Mexiko City, Karatschi oder Saigon. Und ich darf wohl sagen, daß wir uns
auch gegenüber Moskau, Peking oder Hanoi nicht anders verhalten.
Ich freue mich sehr, unter Ihnen weilen und die Stätte sehen zu
können, an der Ihr neues Institut für Weltraumforschung entsteht. Ich
hatte zunächst vor, mehr zum Thema Weltraumforschung zu sagen. Aber als
ich erfuhr, daß so viele Studenten an dieser Veranstaltung teilnehmen
würden, entschied ich mich für ein Thema, das je zu einem Drittel Wissenschaft, Kunst und Hoffnung ist - für das Thema Außenpolitik. Auf diesem
Gebiet sind wir alle Studenten, sind wir alle Lernende.

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LYNDON B. JOHNSON:
USA WÄREN JEDERZEIT ZUM ABZUG AUS VIETNAM BEREIT

Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Lyndon B.Johnson,
die er anläßlich des amerikanischen "Tag der Arbeit1*
(Labor Day) am 5. September 1966 in Lancaster (Ohio)
gehalten hat.

XIX

-

32

�USA WÄREN JEDERZEIT ZUM ABZUG AUS VIETNAM BEREIT

Während des ganzen Labor-Day-Wochenendes bin ich durch Amerika gereist und habe über Amerika gesprochen. Überall habe ich das eine durchgängig gültige Thema wiederholt:
- daß die Stärke unseres Landes in der Verantwortung seiner Bürger
liegt;
- und daß unser wahrer Reichtum sich aus unserem Sinn für das Allgemeinwohl herleitet.
Hier in Lancaster - als Abschluß eines langen Tages für mich, ist
es an der Zeit, daß ich mich unseren Aufgaben und Verantwortlichkeiten
im Ausland zuwende.
Unsere Zeitungen sind voll von Berichten über Vietnam. Meldungen vom
Schlachtfeld jagen durch den Äther. Und das Fernsehen bringt in nie zuvor
gekannter Weise Bilder sowohl von der Tapferkeit wie der Brutalität der
Kämpfe direkt in unser Heim.
Wir alle verfolgen mit schwerer Sorge und tiefer Anteilnahme die
Geschehnisse dieses Kampfes auf einem eine halbe Welt von uns entfernten
Schauplatz. Denn in diesem Ringen kämpfen und sterben unsere Männer. Und
es ist richtig, daß wir uns grundlegende Fragen über die Aussichten für
den Frieden und über die Welt, in die unsere Kinder hineinwachsen werden,
stellen.
Ich möchte daher mit Ihnen kurz über vier fundamentale

Tatsachen

sprechen, die die Außenpolitik unseres Landes formen.
Warum sind wir in Vietnam?
Keine Eltern und keine Frau möchten ihren Sohn oder ihren Mann hinausziehen und sein Leben einsetzen sehen. Kein amerikanischer Soldat hat
den Wunsch zu töten oder getötet zu werden. Kein Präsident wünscht, unsere

- 1-

�unsere jungen Männer in die Schlacht zu schicken. Tief in unserer Seele
- tief in unserer Geschichte - liegt das leidenschaftliche Verlange",
nach Frieden.
Wir müssen aber mit der Welt - so wie sie ist - fertig werden, und
wir können nicht der simplen Tatsache aus dem Wege gehen, daß Frieden
und Sicherheit vieler Nationen in Gefahr sind, wenn es Aggressoren gestattet wird, in einem strategischen Gebiet der Welt Erfolg zu haben;
wenn Verträge von entscheidender Wichtigkeit gebrochen werden, und wenn
Menschen und Waffen illegal über international anerkannte Grenzen gebracht werden, um kleine Nationen zu erobern.
Die Geschichte bietet uns Beispiele aus jüngster Zeit, um diese
Überzeugung zu untermauern. Wenn Europa sich heute des Friedens erfreut,
so deshalb, weil freie Männer fest und entschlossen in Griechenland und
Berlin standen. Vielleicht wirft es ein schlechtes Licht auf unsere Welt,
daß die Menschen begrenzte Kriege führen müssen, um größere Kriege zu
verhindern, aber dies ist nun einmal der Zustand unserer Welt und wir
können ihn durch bloßes Wünschen nicht ändern.
Wir haben heute in Lateinamerika den Frieden, weil die Völker der
Hemisphäre in einer gemeinsamen schwierigen Lage während der Kuba-Raketenkrise und dann erneut in der Dominikanischen Republik zusammenarbeiteten.
Auch in Asien waren tapfere Männer bereit, der Gefahr ins Auge zu
sehen und die Aggression zurückzuweisen - einst in Korea, jetzt in Vietnam.
Freie Nationen mögen nicht immer die gleichen Bindungen und Verpflichtungen haben. Unsere Standpunkte mögen sich unterscheiden und unsere Interessen voneinander abweichen. Aber wir stehen nicht allein in der Überzeugung, daß Wachsamkeit und Mut und Zusammenarbeit der Preis für die Freiheit und die Säulen einer sicheren Weltordnung sind, in der Menschen die
Gestaltung ihres Lebens ohne Furcht vor Gewaltsamkeiten verbessern können.
Das ist der Grund, warum vierzehn Mitglieder der NATO zusammenwirken,
um das, was von uns in so langer und geduldiger Arbeit aufgebaut wurde, zu
erhalten. Zu gegebener Zeit mag es möglich sein, daß reduzierte sowjetische

- 2 -

�sowjetische Truppen in Ostdeutschland oder eine neue militärische Technologie eine Verlegung einiger unserer für die europäische Verteidigung
zugesicherten Truppen gestattet werden. Aber das ist eine Entscheidung,
zu der wir alle in der NATO zusammen gelangen müssen. Wir werden nicht
unbedacht das bewährte Instrument der Sicherheit für die 500 Millionen
Menschen in der atlantischen Welt schwächen.
Alle unsere Anstrengungen,so weit sie in geographischer Hinsicht
auch auseinander liegen und so unterschiedlich im Ausmaß sie auch sein
mögen - von der NATO über die Organisation der amerikanischen Staaten
(GAS) bis zu Vietnam - erwachsen aus der Verpflichtung, an der Erhaltung des Friedens und der Bewahrung der Ordnung in der Welt mitzuhelfen.
Das ist der Grund, warum unsere Männer heute mit den Soldaten aus
vier anderen Nationen zur Unterstützung Vietnams kämpfen. Sie sind dort,
weil dort die Aggression ist.
Diese Truppen aber werden heimkehren - ihre Stützpunkte werden für
konstruktive Friedensaufgaben zur Verfügung gestellt werden -, sobald
die Aggression aufhört. Wenn irgend jemand mir den Zeitplan zeigt, nach
dem die Aggression zum Stillstand gebracht wird, und die sich illegal in
Südvietnam befindenden Truppen aus dem Norden abgezogen werden - dann
werde auch ich den genauen Plan für einen Rückzug unserer Truppen aus
Vietnam auf den Tisch legen.
Der Aggression Einhalt zu gebieten aber ist der Anfang, jedoch
nicht das Ende unserer Politik.
Wir sehen uns einem zweiten fundamentalen Faktum gegenüber: daß nämlich die Menschen noch andere Feinde haben - Hunger, Krankheit, Unwissenheit und Armut -, denen mit dem gleichen Mut und der gleichen Ausdauer
entgegengetreten werden muß.
Hier auf der westlichen Hemisphäre arbeiten wir nach wohldurchdachten Plänen an der Schaffung eines besseren Lebens für alle. In diesem Jahr - dem dritten aufeinanderfolgenden Jahr - gelingt es unseren
lateinamerikanischen Nachbarn, die großen Allgemeinziele der Allianz für
den Fortschritt zu erreichen.
Vor

- 3 -

�Vor einiger Zeit traf

ich mit Vertretern der neuen Organisation

für afrikanische Einheit zusammen. Wir versprachen, mit ihnen in dem
Bemühen zusammenzuarbeiten, die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen ihres Landes zu beschleunigen. In Kürze werden wir mit den Afrikanern und anderen, die bereit sind, Afrika zu helfen, spezifische Mittel
und Wege erörtern, um dieses Versprechen in die Tat umzusetzen.
In Asien haben die freien Nationen beachtliche Fortschritte erzielt.
Korea konnte bisher in jedem Jahr eine achtprozentige Steigerung seines
Bruttosozialprodukts verzeichnen. Auch Formosa , Thailand, die Philippinen,
Malaysia und Singapur machen Fortschritte in der Auseinandersetzung mit den
schwierigen Problemen der Entwicklung. Und das Gleiche gilt - trotz des
Krieges - für Vietnam. Selten at ein Volk inmitten eines Konfliktes versucht, seine Gestalt als Nation zu gewinnen und zu festigen, wie es die
Vietnamesen jetzt tun. Ich erhalte fast täglich Kampfberichte von dieser
Front, und ich freue mich, berichten zu können, daß Fortschritte gemacht
werden.
In diesem Sommer trafen wir uns in Washington mit Freunden aus Japan
und Europa zur Erörterung eines universalen Problems: dem Wettlauf zwischen
Bevölkerungszunahme und Nahrungsmittelerzeugung. Westeuropa und die Japaner
haben bereits gezeigt, daß die rapide Bevölkerungszunahme unter Kontrolle
gebracht werden kann. Andere Nationen müssen hiervon lernen, wenn unsere
Investirrungsbemühungen Erfolg haben sollen.
Die Völker unserer Erde aber wollen mehr als nur Sicherheit. Sie
wollen sogar mehr als bloßen wirtschaftlichen Fortschritt. Und dies führt
uns zu dem dritten fundamentalen Faktum unserer Außenpolitik. Die Völker
anderer Staaten wollen in stärkerem Maße an der Gestaltung ihres eigenen
Geschicks teilhaben.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg gab es nur zwei wirkliche Weltmächte. Heute gewinnt eine Welt von Staaten aus vielen Nationen - großen
und kleinen - Gestalt. Sie wollen nicht irgendeines anderen Satelliten
sein.
In der modernen Welt müssen sich die Nationen zusammengruppieren, um
eine wirksame Kraft darzustellen. Das ist der Grund, warum wir unsere aktive

- 4-

�aktive Unterstützung Jenen in Europa zuteilwerden lassen, die weiterhin
am Aufbau der Einheit arbeiten, sowie jenen in Lateinamerika, die auf eine
wirtschaftliche Integration hinarbeiten, und jenen in Afrika, die eine neue
umfassende Struktur regionaler Organisation aufbauen, und schließlich jenen
in Asien, die sich bemühen, einen neuen Geist regionaler Verständigung und
Zielsetzung zu schaffen.
Unser Ziel bei der Förderung dieser Welt regionaler Partnerschaft ist
nicht ohne Eigeninteresse. Denn in dem Maße, wie sie innerhalb eines starken Gebildes vereinter Nationen an Kraft gewinnt, können wir mit einer allmählichen Verringerung der Lasten rechnen, die wir in der letzten Generation
zu tragen hatten. Und wir können mit einem verstärkten Wachstum und einer
verstärkten Stabilität in allen Teilen der Welt rechnen.
Aber selbst das ist noch nicht genug. Denn es gibt ein viertes fundamentales Faktum, sofern wir einer größeren Vision von der Welt, in der wir
leben, treu bleiben wollen. Über den derzeitigen Konflikt hinaus müssen
wir uns für die Aufgabe der Versöhnung vorbereiten, die zu einem Frieden
von Dauer führt.
In Europa hat unsere Partnerschaft das Fundament für den Brückenschlag
nach dem Osten gelegt. Wir und unsere Freunde in Westeuropa sind bereit, so
weit und so schnell an den Bau dieser Brücken zu gehen, wie der Osten seinerseits dazu bereit ist.
In Asien hegen wir eine ähnliche Hoffnung, obwohl heute noch Wolken über
ihm lagern, die von Krieg und Bitterkeit herrühren. Dennoch aber sehen wir
dem Tag entgegen, an dem jene Kräfte auf dem chinesischen Festland bereit
sein werden, uns auf halbem Wege entgegenzukommen - bereit, ihre immense
Begabung und Energie für die Verbesserung des Lebens ihrer Bevölkerung einzu setzen - bereit, friedlich ihren Platz als eine der Großmächte Asiens
und der Welt einzunehmen.
Wir träumen von einer Welt des Friedens, aber wir wissen auch, daß
die Kräfte, die Feindschaft hervorrufen, tiefverwurzelt sind und nicht
leicht nachgeben werden.
Doch

- 5 -

�\

Doch werden auf allen Kontinenten Tag für Tag stille Siege erfochten. Aus der Tiefe wirken Kräfte für einen wahren Frieden; sie
schaffen langsam - fast unmerklich die Bedingungen und Institutionen
für eine unerschütterliche Hoffnung.
Wenn wir ermüden, wenn wir verzweifeln, dann würde viel verloren
sein. Aber wenn wir die Lehren der Vergangenheit beachten, wenn wir
die Rolle des Mitgefühls und der Zusammenarbeit, der besonnenen Voraussicht und des Verstandes, der Selbstdisziplin und des gesunden
Menschenverstandes im internationalen Zusammenleben stärken - dann
kann unsere Hoffnung Wirklichkeit werden und können unsere Triumphe
von Dauer sein.
Das ist meine tiefe Überzeugung: daß wir, das amerikanische Volk,
den Mut und die Geduld und die Ausdauer haben, um in Vietnam zu bestehen; und daß wir auf diese Periode der Bewährung als auf einen der
großen Wendepunkte in der Geschichte zurückblicken werden.
Und ich glaube, daß die Geschichte von uns sagen wird: durch unseren
Mut und unseren Glauben haben wir die Freiheit erhalten und das Tor zum
Frieden geöffnet.

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SÜDVIETNAM PROTESTIERTE BEI DER INTERNATIONALEN
KONTROLLKOMMISSION GEGEN DIE INFILTRATION DER
ENTMILITARISIERTEN ZONE DURCH BEWAFFNETE ELEMENTE
DER REGULÄREN NORDVIETNAMESISCHEN ARMEE

Die Protestnote wurde von der Verbindungsstelle der Regierung der Republik Vietnam der Internationalen Kontrollkommission zugeleitet und am 6. September 1966 im. Rahmen einer
Pressekonferenz durch den Leiter der Verbindungsstelle, Ton
That Aji, und den südvietnamesischen Außenminister, Tran Van
Do, zur Veröffentlichung freigegeben. Das Dokument hat folgenden Wortlaut:

�REPUBLIK VIETNAM
Außenministerium
Verbindungsstelle zur Internationalen Kontrollkommission
Saigon, den 5.September 1966

Die Verbindungsstelle zur Internationalen Kontrollkommission entbietet dem Generalsekretariat der Internationalen Kontrollkommission
ihre Grüße und gibt sich die Ehre, angesichts der gegenwärtigen Spannung
in der entmilitarisierten Zone auf das Schreiben der Kommission Nr.
0PS/V/(86)/1849 vom 19. August 1966 über die Einhaltung der für die besagte Zone geltenden Bestimmungen zu verweisen.
Die Verbindungsstelle teilt die durchaus berechtigte Sorge der
Kommission in dieser Sache, hält es jedoch für notwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß sich seit der Unterzeichnung des Genfer Abkommens über die Einstellung der Feindseligkeiten in Vietnam vom Jahre 1954
die Regierung der Republik Vietnam - obgleich sie nicht zu den Unterzeichnern des Abkommens gehört - der Kommission gegenüber stets einer
ehrlichen und fruchtbaren Zusammenarbeit befleißigte,um ihr bei ihrer
Friedensmission in Vietnam behilflich zu sein.
Bedauerlicherweise hat der in Vietnam heute bestehende Kriegszustand, der ein Ergehnis der von der nordvietnamesischen Regierung gelenkten Aggressionstätigkeit ist, eine Situation geschaffen, die jegliche Kontrollmaßnahmen unmöglich macht und den Frieden in Südviet iam
in hohem Maße gefährdet.
Diese Situation ist dadurch besonders bedrohlich geworden, daß bewaffnete nordvietnamesische Elemente Anfang des Jahres damit begannen,
nicht nur kleine selbständige oder einzelne Gruppen, sondern ganze
Einheiten durch die entmilitarisierte Zone in den Süden einzuschleusen.
Den eklatantesten Fall lieferte die Division 324 B der regulären nord-

- 1-

�nordvietnamesischen Armee, die kürzlich, im April, Mai und Juni 1966,
über Furten des Ben-Hai-Flusses in Südvietnam eingedrungen ist.
Diese Division hat seit dem 15. Juli massierte Angriffe gegen
nationale und alliierte Streitkräfte im Raum von Cam-Lo in der Provinz Quang Tri mehrere Kilometer südlich der entmilitarisierten Zone
geführt. Bei den schweren Kämpfen wurden zahlreiche Gefangene gemacht,
die als Angehörige verschiedener Regimenter der Division 324 B der
nordvietnamesischen Armee (PAVN) identifiziert wurden. Wichtige Dokumente konnten im Kampfgebiet sichergestellt werden.
Um die Glaubwürdigkeit der oben aufgeführten Fakten zu untermauern,
konnte die Verbindungsstelle nach Rücksprache mit den zuständigen Dienststellen der vietnamesischen und alliierten Streitkräfte, die an den
Kämpfen gegen Einheiten der Division 324 B beteiligt waren, nachstehend
verzeichnete Informationen und Dokumente zusammentragen, die sie laut
ihrem Schreiben 0. 2984-PDVN/CT/2 vom 11. August 1966 der Internationalen Kontrollkommission nunmehr zuleitet.

A. Vernehmungsprotokolle:
Die Verbindungsstelle übermittelt der Kommission anbei die Photokopien der Vernehmungsprotokolle von zwölf (12) Angehörigen verschiedener Regimenter der Division 324 B der regulären nordvietnamesischen
Armee, die im Zuge der Operationen "Hastings" und "Lam Son 289" im
Gebiet der Quang-Tri-Provinz in Gefangenschaft gerieten. Sie heißen:
1. Nguyen Thanh Binh, Soldat; 2.Aufklärungskompanie, 90. Regiment,
Division 324 B.
2. Nguyen Van Ha, Unteroffizier; 1.Kompanie, T. 1

803. Regiment.

3. Le Van Hong, Soldat; Kompanie K.l, Bataillon T.l, 883. Regiment.
4. Tran Si Ly, Soldat; 1.Kompanie, 5.Bataillon, 812.Regiment.
5. Hoang Van Que, Soldat; 1.Kompanie, 107.Bataillon, 90.Regiment.
6. Nguyen Ngoc Thanh, Soldat; 1.Kompanie, 6.Bataillon, 812.Regiment.
7.

�7. Dinh Van Tu, Soldat; 3.Kompanie, 7.Bataillon, 90.Regiment.
8. Vo Hong Van, Soldat; Aufklärungskompanie C.18, 803.Regiment.
9. Pham Van Viet, Soldat; 3.Kompanie, 9.Bataillon, 90.Regiment.
10. Nguyen Si Vlnh, Soldat; 4.Kompanie (schwere Artillerie),
6.Bataillon, 812.Regiment.
11. Mai Hong Nhi, Leutnant; 3.Kompanie, 5.Bataillon, 812.Regiment.
12. Bui Thanh Quang, Soldat; 3. topographische Abteilung,
Division 324 B.
Von diesen zwölf (12) Gefangenen wurden vier von einem Untersuchungsausschuß der Kömmission in Saigon vernommen. Außer Leutnant
Mai Hong Nhi, der der Kommission am 4. und 6. August 1966 zur Vernehmung vorgeführt wurde, sind auch die drei Gefangenen Pham Van Viet,
Nguyen Thanh Binh und Tran Si Ly am 17., 18. und 19. August 1966 vor
den Kommissionsausschuß gebracht worden. Die Verbindungsstelle ist
bereit, der Kommission auch die übrigen acht Gefangenen vorzuführen,
falls diese sie zu vernehmen wünscht.
Alle namentlich aufgeführten Gefangenen haben die nachstehenden
formellen Aussagen gemacht:
- daß sie Angehörige verschiedener Regimenter der Division 324 B
der regulären nordvietnamesischen Armee sind;
-• daß sie nach einer vorbereitenden Ausbildung in Nordvietnam
von den kommunistischen Dienststellen im Norden den Befehl erhielten,
in Südvietnam einzudringen;
- daß sie mit modernen Waffen ausgerüstet wurden, die von der
Regierung in Peking und anderen Staaten des kommunistischen Blocks
geliefert worden waren;
- daß sie die entmilitarisierte Zone durchquerten, um in verschiedenen Gebieten der Provinz Quang Tri zu operieren; anderen Angehörigen
der Division 324 B zufolge, die kürzlich gefangengenommen wurden, waren

- 3 -

�waren bestimmte Divisionseinheiten, die bei Luftangriffen schwere
Verluste erlitten hatten, wieder nach Nordvietnam zurückgekehrt, wo
sie neu formiert und nach einer Atempause erneut zur Infiltration
des Südens über die entmilitarisierte Zone eingesetzt werden. Die
Verbindungastelle ist in der Lage, diese Gefangenen der Kommission
vorführen zu lassen, falls die Kommission dies wünscht.
B. Weitere Dokumente
Berichte vom Ort des Geschehens, Gefangenenaussagen und im
Kampfgebiet erbeutete Notizbücher von Angehörigen der eingedrungenen
Division 324 B beweisen, daß bewaffnete nordvietnamesische Elemente
die beiden nachstehend erläuterten Infiltrationsrouten durch die entmilitarisierte Zone benutzen:
Die erste, am westlichsten gelegene Route verläuft zunächst südlich der Landstraße 102 (XD 9875) und dann in westlicher Richtung und
tritt bei Punkt XD B 572 in die entmilitarisierte Zone ein, überquert
den Ben-Hai-Fluß bei Funkt XD 9468 und verläßt die entmilitarisierte
Zone wieder im Bereich von XD 9365.
Die zweite Route tritt bei Punkt YD 1280 in die entmilitarisierte
Zone ein und überquert den Ben-Hai-Fluß bei YD 1076. Dann gabelt sich
die Route: die westliche Teilstrecke verläuft auf etwa 10 Kilometer
Länge parallel zum Ben-Hai-Fluß, dreht dann nach Süden ab und tritt
bei Punkt YD 0066 aus der entmilitarisierten Zone aus. Die östliche
Teilstrecke verläuft nach Überquerung des Flusses in südlicher Richtung und verläßt die entmilitarisierte Zone bei YD 0972.
Als zusätzliches Beweismaterial werden der Kommission 16 Luftaufnahmen

£r.B*eriert von 1 - 16) zugeleitet, auf denen die Orte der

Überquerung der entmilitarisierten Zone, Lastwagenparks, Biwakplätze,
Versorgungsdepots, Geschützstellungen für Schneilfeuerwaffen und
Grabensysteme zu erkennen sind:
Photo Nr. 1 zeigt Furten am Ben-Hai-Fluß sowie Zu- und Abfahrtswege an diesen Stellen, im gleichen Gebiet, in dem nach Aussage von
Hai Hong Nhi dessen Einheit die entmilitarisierte Zone durchquerte.
Photo

�Photo Nr. 2 zeigt eine andere Stelle, an der nach Aussage von
Tran Si Ly dessen Einheit den E*A"Hai~Fluß überschritt.
Photo Nr. 3 läßt einen weiteren Flußüberquerungspunkt und etwas
erkennen, das möglicherweise ein Lastwagenpark und Versorgungsdepots
sind.
Photo Nr. 4 wurde am 15. Juli 1966 aufgenommen und zeigt den
südlichen Teil der Route 102, die von Bui Thanh Quangs Gruppe am 16.
Mai befahren wurde. Eine zweite Aufnahme, die zu einem späteren Zeitpunkt nach Luftangriffen gemacht wurde, läßt eine verstärkte Frequentierung dieses Gebiets durch die nordvietnamesische Armee erkennen.
Photo Nr. 5 zeigt offenbar ein feindliches Biwakgebiet;
Photo Nr. 6 Stellungen für Schnellfeuergeschütze;
Photo Nr. 7 einen Flußübergang;
Photo Nr. 8 einen weiteren Flußübergang;
Photo Nr. 9 drei andere Flußübergangsstellen;
Photo Nr. 10 Grabenbefestigungen und offenbar Mannschaftsunterkünfte;
Photo Nr. 11 zeigt drei Grabensysteme und wahrscheinlich 48
Stellungen für Schnellfeuer- und Luftabwehrgeschütze. Dieses Bild
ist eine Vergrößerung des bezeichneten Gebiets;
Photo Nr. 12 zeigt offenbar einen Lastwagenpark;
Photo Nr. 13 Befestigungen und vermutlich auch Geschützstellungen;
Photo Nr. 14 eine befestigte Ortschaft sowie möglicherweise
Granatwerferstellungen und Grabensysteme;
Photo Nr. 15 weitere Grabensysteme und wahrscheinlich auch Geschützstellungen;
Photo Nr. 16 eine befestigte Ortschaft.
Diese

�Diese Aufnahmen sind nur einige von vielen anderen, die deutlich
zeigen, daß die nordvietnamesische Armee (PAVN) dabei ist, in der entmilitarisierten Zone Bauten und Einrichtungen militärischen Charakters
zu erstellen, die in flagranter Verletzung des 1954 abgeschlossenen
Genfer Abkommens über die Einstellung der Feindseligkeiten in Vietnam
bewaffneten Elementen als Sammelpunkte und Leitstellen und als Stützpunkte und Ausgangsbasen für Angriffe dienen, die auf eine Direktinvasion in Südvietnam tAf*4*A~*.\.
Im Rahmen der durch diese Situation notwendig gewordenen Verteidigungsmaßnahmen haben Streitkräfte der mit der Republik Vietnam verbündeten Länder Luftangriffe auf nordvietnamesische Ziele in der entmilitarisierten Zone durchgeführt.
Seit dem 25. Juli 1966 wurden über 400 sekundäre Explosionen, die
von Munitions- und Waffendepots herrührten, registriert. Darüber hinaus sind Reisvorratslager, Lastwagenparks, Biwakzonen und nicht näher
identifizierte Versorgungseinrichtungen in der entmilitarisierten Zone
ausgemacht worden. Eine große Anzahl dieser militärischen Einrichtungen
wird gegenwärtig durch nordvietnamesische Flakbatterien gesichert.
Angesichts der augenblicklichen ernsten Situation in der entmilitarisierten Zone richtet die Verbindungsstelle an die Kommission den
dringenden Appell und bittet sie, zur Unterstützung ihrer Friedensmission in Vietnam eine Inspektion an Ort und Stelle anzuordnen und
sich selbst von der flagranten Verletzung des Status besagter Zone
durch die kommunistische Führung Nordvietnams zu überzeugen.
Um die Kommission bei dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen
und zum Beweis ihres unablässigen und aufrichtigen Bemühens, mit der
Kommission zusammenzuarbeiten, erklärt sich die Regierung der Repv.olik
Vietnam (Südvietnam) bereit, der Kommission die Lufttransportmittel
und alle Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, die erforderlich sind,
um eine Feldinspektion in der südlichen Hälfte der entmilitarisierten
Zone unverzüglich durchzuführen.
Die

- 6 -

�Die Verbindungsstelle weist darauf hin, daß sie die volle Sicherheit der Mitglieder des Inspektionsteams wegen der Präsenz bewaffneter
Elemente der Division 324 B der nordvietnamesischen Armee (PAVN) und
der Existenz von Luftabwehrstellungen innerhalb der entmilitarisierten
Zone nicht garantieren kann.
Die Verbindungsstelle nimmt die Gelegenheit zum Anlaß, das Generalsekretariat der Internationalen Kontrollkommission ihrer Hochachtung zu
versichern.

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ABBAU DER HANDELSSCHRANKEN WEITERHIN US-ZIEL IN DER KENNEDY-RUNDE
Zehnter Jahresbericht des US-Präsidenten über das Programm
für den Abschluß von Handelsvereinbarungen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Lyndon B. Johnson leitete
dem US-Kongreß am 20. September 1966 den "Zehnten Jahresbericht über das Programm für den Abschluß von Handelsvereinbarungen" zu, in dem er u.a. einen Überblick über
Verlauf und Zielsetzungen der Kennedy-Runde und die Vorschläge der Vereinigten Staaten zu einer möglichst weitgehenden Liberalisierung des Welthandels nicht nur mit
Industrieerzeugnissen, sondern auch Agrarprodukten gab.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen das Begleitschreiben des Präsidenten zu diesem Bericht und mehrere
Auszüge aus ihm im vollen Wortlaut zur Kenntnisnahme und
eventuellen Veröffentlichung.

�ABBAU DER HANDELSSCHRANKEN WEITERHIN US-ZIEL IN DER KENNEDY-RUNDE
Zehnter Jahresbericht des US-Präsidenten über das Programm
für den Abschluß von Handelsvereinbarungen

Begleitschreiben:

An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Beiliegend der Zehnte Jahresbericht über das Programm für den Abschluß von Handelsvereinbarungen gemäß Absatz 402 (A) des Gesetzes über
die Ausweitung des Handels von 1962. Der Bericht erstreckt sich auf das
Kalenderjahr 1965.
Der Welthandel hat im Jahre 1965 über den bisherigen Umfang hinaus
zugenommen und das Leben der Menschen in allen Teilen der Erde bereichert.
Der amerikanische Außenhandel, der sich auf Rekordhöhe bewegte, trug wesentlich zu dieser Aufwärtsentwicklung bei, und das amerikanische Volk kam
voll in ihren Genuß.
Die Erfolge des Jahres 1965 machten jedoch auch in eindrucksvoller
Weise das gewaltige ungenutzte Potential des Weltmarktes sowie die Wichtigkeit eines Fortschrittes in der Kennedy-Runde der ZollVerhandlungen
deutlich - jener großen multilateralen Anstrengung, ein rascheres Wachstum des Welthandels herbeizuführen. In jüngster Zeit sind diese Verhandlungen wieder intensiviert worden. Die Hauptbeteiligten erneuerten ihre
Entschlossenheit, zu einem Abkommen zu gelangen. Die Vereinigten Staaten
werden in diesen Verhandlungen auch weiterhin nach Kräften bemüht bleiben,
einen weitgehenden Abbau der Handelsschranken für alle Produkte, einschließlich der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, sicherzustellen.
Das ständige Wachstum und der unbehinderte Fluß des Welthandels sind
von entscheidender Bedeutung für die uneingeschränkte Prosperität im eigenen Lande, das wirtschaftliche Wachstum und die Stabilität in den Industrieländern und den Fortschritt in den Entwicklungsländern. Wir werden
alles tun, was in unserer Macht steht, um in den vor uns liegenden Jahren
den 1965 erreichten wesentlichen Fortschritt weiterauszubauen.
(gez.) Lyndon B. Johnson
- 1-

�Auszüge:
Die sechste Runde der Handelsverhandlungen unter dem allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen (GATT), die Kennedy-Runde, begann im Mai 1964
in Genf. Die Ziele dieser Verhandlungen wurden damals in einer einstimmig
angenommenen Erklärung des GATT-AusSchusses für Handelsverhandlungen auf
Ministerebene abgesteckt.
Nach der Übereinkunft der Minister sollten die Verhandlungen alle
Warenkategorien umfassen, annehmbare Bedingungen für den Zugang zu den
Weltmärkten auch für Agrarprodukte schaffen und sich sowohl auf Zollwie auch auf andere Handelsschranken erstrecken; ferner sollte man alle
erdenklichen Anstrengungen unternehmen, die Hindernisse für die Ausfuhren
der weniger entwickelten Länder abzubauen, von diesen nicht die volle
Reziprozität ««»arten und eine umfassende, lineare Zollsenkung bei einem
absoluten Mindestmaß an Ausnahmen als Verhandlungsziel ansehen. Als
"Arbeitshypothese" wurde eine 50prozentige lineare Senkung der Zölle
akzeptiert

. Man kam ferner überein, daß Ausnahmen - Positionen, auf

die die Zollsenkung nicht in vollem Umfang anzuwenden sei - auf jenes
Maß beschränkt werden sollten, das mit Rücksicht auf vorrangige nationale Interessen unerläßlich ist.
Die Ausnahmelisten für nicht-landwirtschaftliche Produkte wurden
am 16. November 1964 ausgetauscht. Die Vereinigten Staaten, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Großbritannien, Japan und Finnland
unterbreiteten ihre Listen; Dänemark, Norwegen, Österreich, Schweden
und die Schweiz erklärten, daß sie bei voller Reziprozität auf jede
Ausnahmeregelung verzichten wollten. Kanada legte eine positiv zu
bewertende Liste von Zollkonzessionen vor, obgleich es zu den Ländern
gehörte, die Verhandlungen auf der Basis linearer Zollsenkungen nicht

Damals erklärten sich 15 Staaten bereit, die Verhandlungen auf der
Grundlage dieser Hypothese zu führen.

- 2 -

�nicht zugestimmt hatten. Andere Länder versicherten, sie werden ihre
2)
Angebote im Jahre 1965 unterbreiten
Da einer der Teilnehmer, die EWG, nicht zu Verhandlungen über
landwirtschaftliche Produkte bereit war, wurde der Austausch der
Agrarangebote zurückgestellt. Diese Aussetzung war auch deshalb erforderlich, weil keine Übereinstimmung unter den wichtigsten Teilnehmerstaaten bezüglich der Richtlinien und Verfahrensweisen für die
Verhandlungen auf dem Agrarsektor bestand. Wie die Vereinigten Staaten
jedoch klar zu verstehen gaben, bedeutete die Entscheidung, die Verhandlungen auf dem industriellen Sektor ohne eine solche Übereinstimmung
auf dem Agrarsektor voranzutreiben, keinen Wandel in ihrer grundlegenden
Auffassung, daß die Liberalisierung des Handels mit Agrarprodukten Teil
des Schlußabkommens über die Kennedy-Runde bilden müsse.
Mit den Ausnahmewünschen für Industrieprodukte auf dem Verhandlungstisch begann im Januar die Anfangsphase der tatsächlichen Verhandlungen unter jenen Ländern, die Ausnahmelisten vorgelegt hatten. In
gemeinschaftlichen Gruppensitzungen wurden von allen Seiten detaillierte
Begründungen für jede einzelne Position auf den Ausnahmelisten gegeben,
und es fehlte auch nicht an Gelegenheit, Detailfragen zu jedem einzelnen
Punkt vorzubringen.
Als diese Phase abgeschlossen war, wurden die Verhandlungen das
ganze übrige Jahr hindurch auf bilateraler Basis weitergeführt, wobei
jedes Land Gelegenheit zu einer eingehenden technischen Analyse und zur
Darlegung seiner Interessen und seiner Besorgnisse hinsichtlich der
Ausnahmen hatte, die von anderen Teilnehmerstaaten vorgeschlagen worden
waren.
Vor
Nach dem Wortlaut einer Resolution des Ausschusses für Handelsverhandlungen vom 16.Mai 1964 sind Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika
der besonderen Kategorie von Ländern zuzurechnen, deren Außenhandel bzw.
Wirtschaftsstruktur so geartet ist, daß eine gleichmäßige lineare Senkung ihrer Zölle nach dem Prinzip wertmäßig gleicher Konzessionen keine
hinreichende Kompensation für die eingehandelten Vorteile darstelle.
Diese Länder sollten deshalb positive Angebote bezüglich spezifischer
Produkte an Stelle linearer Zollsenkungen mit entsprechenden Ausnahmen
vorlegen. Australien, Neuseeland und Südafrika unterbreiteten ihre dement sprechenden Angebote im Jahre 1965.
- 3 -

�Vor Januar 1965 stand dem Chefdelegierten der Vereinigten Staaten
zu den Verhandlungen in Genf lediglich ein kleiner Stab zur Seite. Bei
Eintritt in die Erörterungen der Ausnahmelisten wurde eine stark vergrößerte amerikanische Delegation von Washington nach Genf entsandt.
Bis Mitte Frühjahr 1965 hatte sich ein Stab von rund 30 US-Vertretern
in Genf in die Arbeit eingeschaltet, darunter höhere Beamte und technische Spezialisten, die vom Außen-, Handels-, Landwirtschafts-, Arbeitsund Innenministerium sowie von der Zollkommission und von der Dienststelle
des Sonderbevollmächtigten des Präsidenten für Handelsverhandlungen abgestellt worden waren.
Die Delegation gliederte sich vor allem in Länderteams, die sich
auf die Verhandlungsprobleme eines Landes bzw. einer Gruppe von Ländern
konzentrierten. Die Teams waren bereits in Washington auf dieser Basis
zusammengestellt worden und hatten dort schon an den Vorbereitungen für
die Verhandlungen teilgenommen. Sie brachten somit nach Genf profunde
Kenntnisse der amerikanischen Handelsinteressen und der Probleme der
Staaten mit, auf die sie sich spezialisiert hatten.
Die Verhandlungsteilnehmer kamen überein, die multilateralen und
bilateralen Erörterungen, die der Klarstellung technischer Aspekte der
Ausnahmelisten der Linear-Staaten und der Angebotslisten der NichtLinear-Staaten dienten, durch Zusammenkünfte begrenzter Teilnehmergruppen
zu ergänzen, uro die Probleme bestimmter Industriezweige zu erörtern. Dies
lief jedoch nicht auf eine Übereinkunft hinaus, sektorweise zu verhandeln.
Die Länder, die besondere Ein- und Ausfuhrinteressen in den Bereichen
Chemie, Holzschliff und Papier, Aluminium, Stahl und Baumwolltextilien
hatten, traten in Beratungen ein, um besondere Probleme des Welthandels
mit diesen Produkten in der Absicht zu diskutieren, eine maximale Einbeziehung dieser Warenkategorien in die Gesamtverhandlungen sicherzustellen.
Die Disparitätenfrage, die man in der Anfangsphase der Kennedy-Runde
eingehend erörterte, ohne eine Einigung zu erzielen, wurde 1965 nicht
wieder aufgegriffen. Die EWG hatte darauf bestanden, daß in Fällen, in
denen die Zölle auf ein und dasselbe Produkt zwischen verschiedenen Ländern stark differierten, das Land mit dem Hochzoll im Zuge der Verhandlungen

- 4 -

�Verhandlungen über Lineare Zollsenkungen größere Nachlässe gewähren
sollte als das Land mit dem Niedrigzoll. Hauptziel dieses Vorschlags
waren bestimmte US-Zollsätze. Man war sich schon bei Verhandlungsbeginn darüber einig, daß eine besondere Disparitätenregelung in den
Fällen getroffen werden müsse, in denen Disparitäten hinsichtlich
ihrer Auswirkungen auf den Außenhandel eines Landes von erheblicher
Bedeutung sein konnten; es gelang jedoch nicht, eine Formel zu entwickeln, die einfach anzuwenden wäre und keinerlei negative Auswirkungen auf Drittländer haben würde.

+ ++
In Vorbereitung der Genfer Erörterungen über die außertariflichen
Handelshindernisse wurden in Washington Untersuchungen angestrengt, um
die Auswirkungen der in anderen Ländern bestehenden Einfuhrhindernisse
auf den US-Außenhandel zu sondieren und Vorschläge bezüglich des amerikanischen Vorgehens in dieser Frage zu entwickeln.
Nach der Schaffung der entsprechenden Arbeitskreise in Genf, wurden die Gespräche über die einer allgemeinen Erörterung zugänglichen
außertariflichen Handelsschranken - beispielsweise die Einkaufspolitik
der Regierungen und die Antidumping-Maßnahmen - aufgenommen. Es begannen auch bilaterale Erörterungen über Maßnahmen, die einer Diskriminierung gegen Waren eines bestimmten Landes gleichkommen - z.B. die
Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuern, die sich als gegen amerikanische
Automobile gerichtet erwiesen haben. Es begannen des weiteren im Rahmen der Bereichsstudien Teilerörterungen über die außertariflichen
Handelsschranken in bezug auf bestimmte Warengattungen - darunter Verhandlungen auf dem Chemiesektor, wo das amerikanische System der Verzollung nach dem Verkaufspreis (American Selling Frice System - ASP)
zur Diskussion stand, das auf Chemikalien Anwendung findet.

+ ++

- 5 -

�Die Notwendigkeit, die Hindernisse im Handel mit den Entwicklungsländern abzubauen, wurde auch in der Ministererklärung zu Beginn der
sechsten Verhandlungsrunde im Mai 1964 unterstrichen. Das Prinzip, In
den Handelsverhandlungen mit den Entwicklungsländern auf volle Reziprozität zu verzichten, wurde in den mit Zustimmung der Minister der verhandelnden Länder gefaßten Entschließungen gebilligt und im neuen Teil IV
des GATT-Vertrags im Februar 1965 durch die vertragsschließenden Parteien
als verbindlich auch für künftige Verhandlungen erklärt.
Ein Unterausschuß des Ausschusses für Handelsverhandlungen wurde
errichtet und beauftragt, sich mit der Frage der Einbeziehung der Entwicklungsländer zu befassen. Er einigte sich auf Verfahrensweisen, die
jenen Ländern Gelegenheit geben, ihre besonderen Interessen anzumelden,
jene Produkte zu benennen, deren Ausschluß von den Verhandlungen durch
die industrialisierten Staaten sie empfindlich treffen würde und jene
Produkte namhaft zu machen, bei denen sie eine über 50 Prozent hinausgehende Senkung der Zölle als besonders wünschenswert erachten. Gleichzeitig sollten auch die besonderen Bedürfnisse, die sich für die Katwicklung und den Handel dieser Länder ergeben, unter dem Gesichtspunkt
ihres Beitrags zur Gesamtzielsetzung der Liberalisierung des Handels
überprüft werden.
Der Ausschuß für HandelsVerhandlungen regte an, allen Entwicklungsländern, die ihre Absicht zur Teilnahme an den Verhandlungen offiziell
kundgetan hatten, Einzelheiten über die von den Industriestaaten gewünschten Ausnahmen bei jenen Erzeugnissen mitzuteilen, die von besonderem Interesse für sie sind - und zwar noch ehe jene ihrerseits Mitteilung über den Beitrag machen, den sie anzubieten bereit sind. Zahlreiche Entwicklungsländer haben sich auf dieser Basis in die sechste
Verhandlungsrunde eingeschaltet und im Herbst 1965 Erklärungen betreffend ihrer Angebote abgegeben bzw. angekündigt.
Mit Rücksicht auf die entscheidende Bedeutung bestimmter Erzeugnisse
für die Volkswirtschaften vieler Entwicklungsländer«wurde ein besonderer
Arbeltskreis für tropische Erzeugnisse wie Kakao, Kaffee, Ölsaaten und
pflanzliche Öle und tropische Hölzer geschaffen.

+ ++
- 6 -

�In der Anfangsphase der sechsten Runde der Handelsverhandlungen
bemühten sich die Vereinigten Staaten um eine Übereinkunft unter den
Teilnehmerstaaten bezüglich der Richtlinien für die Führung der Agrarverhandlungen. Während dieser gesamten Gespräche beharrten die Vereinigten Staaten auf dem Standpunkt, Ziel der Agrarverhandlungen müsse eine
ebenso weitgehende Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen
Produkten wie mit Industrieprodukten sein. Insbesondere dort, wo feste
Zollsitze das einzige oder hauptsächliche Handelshindernis darstellen,
müsse die generelle lineare Zollsenkung um 50 Prozent bei einem absoluten Minimum an Ausnahmen erreicht werden. Wo andere Formen der Abschirmung verwendet werden, z.B. variable Abgaben, gelte es, eine Liberalisierung des Handels zu erzielen, die einer 50prozentigen Senkung der festen
Zollsätze gleichkommt. Die EWG setzte sich jedoch weiterhin mit Nachdruck
für ein System ein, das die Verhandlungen auf ein Einfrieren des derzeitigen Agrarprotektionismus verschiedener Länder beschränken würde, und
zwar Warengruppe für Warengruppe.
Nachdem die Industrieangebote im November 1964 unterbreitet worden
waren, wurden Anfang 1965 die Bemühungen um eine Übereinkunft bezüglich
der Richtlinien für die Agrarverhandlungen eingestellt; statt dessen
wurde der 16. September als Termin für den Austausch der Agrarangebote
festgesetzt. Man kam überein, daß jedes Teilnehmerland seine Agrarangebote nach den eigenen Möglichkeiten und in Übereinstimmung mit den Anweisungen der Minister unterbreiten werde, die einen verbesserten Zugang zu den Weltmärkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse als das
geeignete Mittel zur Entwicklung und Ausweitung des Handels mit solchen
Produkten bezeichnet hatten. Die Verlängerung der Frist für die Abgabe
der Agrarangebote bis September erfolgte auf Antrag der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft, die mehr Zeit für die Fertigstellung ihrer
internen Marktordnungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse benötigte.
Die Gemeinschaft vertrat den Standpunkt, sie könne ihre Agrarangebote
in der Kennedy-Runde erst dann formulieren, wenn die wichtigsten internen Entscheidungen bezüglich des Ausmaßes der Preisstützung und der
gemeinsamen Agrarpolitik bezüglich der wichtigsten Erzeugnisse ergangen
sind. Was die Verhandlungen über Getreide anging, gab die Gemeinschaft

- 7 -

�Gemeinschaft im Frühjahr 1965 jedoch zu verstehen, daß sie zur Aufnahme
von Gesprächen bereit sei, da über die Höhe der Getreidepreise innerhalb
der Gemeinschaft bereits im Dezember 1964 entschieden worden war.
Am 17. Mai wurden die Agrarverhandlungen der Kennedy-Runde mit dem
Austausch beschränkter Getreideangebote seitens der wichtigsten Einund Ausfuhrländer eröffnet. Einen Monat später kamen die Teilnehmerstaaten zu zweiwöchentlichen Gesprächen zusammen, um sich um eine Klärung
der Angebote zu bemühen. Die Vereinigten Staaten verfolgten bezüglich
eines Weltgetreideabkommens drei Zielsetzungen: ihren Getreideexporteuren
einen besseren Zugang zu den Weltmärkten zu verschaffen; ein System einer
gerechten Beteiligung der Getreideexport- und Importländer an der Anpassung der Getreideerzeugung an den Bedarf zu entwickeln; und gewisse
Zusagen bezüglich einer multilateralen Beteiligung an der Nahrungsmittelhilfe zu erhalten. Obwohl der Fortschritt auf den ersten Sitzungen gering
war, zeichnete sich doch die Möglichkeit künftiger Erfolge ab.
Wegen innerer Schwierigkeiten waren die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Euratom und die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl
vom 30. Juni 1965 an das gesamte restliche Jahr hindurch nicht in der
Lage, größere Entscheidungen zu treffen3)
Da die Vertreter der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in vielen
Bereichen nur ein begrenztes und in anderen überhaupt kein Verhandlungsmandat hatten, konnte in der zweiten Hälfte 1965 von einer wirksamen Teilnahme der EWG an den Verhandlungen immer weniger die Rede sein, so daß
sich das Verhandlungstempo verringerte.
Die Gemeinschaft vermochte deshalb ihre Agrarangebote zu dem vereinbarten Termin, dem 16. September, nicht fertigzustellen. Die Vereinigten
Staaten kamen dennoch zu dem Schluß, daß die Vorlage der übrigen Agrarangebote zu dem genannten Termin insofern nützlich sein könne, als sich
auf diese Weise die allgemeinen Verhandlungen trotz des Fehlens der EWG-

Frankreich begann am 13. Juni mit einem Boykott der entscheidungsbefugten Gremien, den es sieben Monate aufrecht erhielt. In den ersten Monaten
des Jahres 1966 bahnte sich jedoch eine Lösung der Probleme an, die die
Krise ausgelöst hatten, und die Gemeinschaft war Mitte 1966 in der Lage,
wieder an den Verhandlungen der Kennedy-Runde teilzunehmen.

- 8 -

�EWG-Angebote vielleicht ein Stück vorantreiben ließen. Sie stießen
hierbei auch auf Verständnis bei anderen wichtigen Agrarhandelsländern, die mit den Vereinigten Staaten die Überzeugung teilten,daß
die Agrarverhandlungen

ein entscheidender Teil der Kennedy-Runde

seien.
Demgemäß unterbreiteten alle wichtigen Agrarstaaten ihre Angebote,
hielten allerdings jene, die für die EWG von primären Interesse waren,
bis zu dem Zeitpunkt zurück, an dem die EWG ihrerseits in der Lage
sein würde, eigene Vorschläge zu machen. Dieser Schritt brachte uns
in dem Bemühen, die Verhandlungen voll in Gang zu halten, nur geringe
Erfolge, da der Bereich der Agrarangebote der Teilnehmerstaaten angesichts des Fernbleibens der EWG von den Verhandlungen sehr eng begrenzt
war.
Während der letzten Monate des Jahres 1965 beschränkte sich die
Tätigkeit wegen der Krise innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hauptsächlich auf den bilateralen Gedankenaustausch unter den
aktiven Teilnehmern, der einer Abklärung der unterbreiteten Agrarangebote und der Beurteilung der Frage diente, inwieweit diese ausreichend
seien.
Nach weiteren Zusammenkünften auf technischer Ebene wurden auch die
Getreideverhandlungen bis zur Beendigung der inneren Krise der EWG ausgesetzt.

+ ++
Auf die Beschlußfassung über die Angebote, die die Vereinigten
Staaten in der Kennedy-Runde zu machen gedachten, folgte eine ausgedehnte Periode öffentlicher Informationssitzungen und eingehender interministerieller Beratungen. Die Unterbreitung der Ausnahmelisten für Industrieprodukte und der Agrarangebotslisten bedeutete nicht das Ende
dieser Tätigkeit. Der Ausschuß für Außenhandelsinformationen, der sich
aus Vertretern des Landwirtschafts-, Handels-, Verteidigungs-, Innen-,

- 9 -

�Innen-, Arbeits-, Außen- und Finanzministeriums zusammensetzt und von
einem Mitglied des Amtes des Sonderbevollmächtigten des Präsidenten
für HandelsVerhandlungen geleitet wird, nahm auch weiterhin von allen
interessierten Seiten Informationen bezüglich aller für die Verhandlungen relevanten Angelegenheiten entgegen. Hierzu gehörten auch Ergänzungen und Berichtigungen früherer Stellungnahmen zur wirtschaftlichen Situation einzelner Industrien, Darlegungen von Vertretern
verschiedener Industriezweige, die vorher nicht gehört worden waren,
und Erklärungen betreffend die Importrestriktionen anderer Länder.
Der Ausschuß machte diese Informationen den mit der Formulierung der
politischen Richtlinien beauftragten Gremien zugängig, die den Sonderbevollmächtigten bei der Abfassung seiner Instruktionen für die Delegation in Genf beraten.
Darüber hinaus fanden regelmäßige Tagungen des Öffentlichen
Beratungsausschusses für HandelsVerhandlungen statt, einem Gremium
aus 45 vom Präsidenten ernannten Vertretern der Industrie, der Landwirtschaft, der Gewerkschaften, des Erziehungswesens und der Verbrauchergruppen. Dieser Ausschuß aus prominenten Bürgern, dessen Vorsitz
der Sonderbevollmächtigte des Präsidenten führt, berät diesen an Hand
der Ergebnisse der erarbeiteten Informationen bei der Führung der Verhandlungen und steht durch häufige Besuche auch in engem Kontakt mit
der Delegation in Genf.
Eine Gruppe von rund 290 technischen Spezialisten aus den Bereichen
der Industrie, Landwirtschaft und Gewerkschaften erwies sich als eine
Quelle wichtiger fachlicher Informationen, derer sich das Amt des Sonderbevollmächtigten in seinen fortgesetzten Bemühungen bedient, stets
über sämtliche einschlägigen Entwicklungen in der amerikanischen
Gesamtwirtschaft auf dem laufenden zu bleiben.

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DIE EUROPA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

Wortlaut einer Rede, die der amerikanische Präsident,
Lyndon B. Johnson, am 7. Oktober 1966 in New York anläßlich einer Tagung des Verbandes amerikanischer Leitartikler und Kommentatoren (National Conference of
Editorial Writers) gehalten hat.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen die Rede zur
Kenntnisnahme und eventuellen Veröffentlichung.

�DIE EUROPA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

Ich erinnere mich, wie vor Jahren Franklin Roosevelt zu den 'Töchtern
der amerikanischen Revolution* sprach. Er begann seine Rede nicht mit den
Worten 'Meine Freunde' sondern 'Meine Miteinwanderer'. Und er tat recht
daran. Die meisten unserer Vorväter kamen

aus Europa - aus dem Osten oder

dem Westen, dem Norden oder dem Süden. Sie siedelten sich in London im
Staat Kentucky, in Paris in Idaho und in Rome im Staat New York an. Chicago
ist neben Warschau eine der großen polnischen Städte der Welt. Und New York
ist für die Hälfte der europäischen Nationen eine zweite Hauptstadt. Das
ist die Geschichte unseres Landes.
Die Amerikaner und alle Europäer haben Gemeinsamkeiten, die gewichtiger sind als die politischen Unterschiede. Wir haben eine einheitliche Kultur, wir teilen ein gemeinsames Schicksal, unsere Zukunft ist eine gemeinsame Aufgabe.
Heute erinnern uns vor allem zwei Jahrestage an die Interdependenz
zwischen Europa und Amerika:
- der 30. September, an dem vor siebzehn Jahren die Berliner Luftbrücke eingestellt wurde;
- und der 7. Oktober, an dem vor vier Jahren der Atomteststoppvertrag ratifiziert wurde.
Das zeugt von einem gesunden Gleichgewicht, das kein Zufall ist. Es
spiegelt den Ausgleich wider, den die atlantischen Verbündeten zwischen Bestimmtheit und Konzilianz, zwischen Festigkeit und Flexibilität, zwischen
Entschlossenheit und Hoffnung aufrecht zu erhalten versucht haben. Die
Berliner Luftbrücke war ein Akt wohlabgewogener Festigkeit. Ohne diese
Festigkeit wären der Marshallplan und der Wiederaufbau Westeuropas unmöglich gewesen. Jenes hoffnungsvolle, fortschrittliche Werk, die Europäische

- 1 -

�Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, hätte niemals entstehen können. Der
frische Wind des Wandels, der durch Osteuropa weht, wäre heute nicht spürbar.
Das alles sind Früchte unserer Entschlossenheit. Der Atomteststoppvertrag ist das Ergebnis unserer Hoffnung. Zusammen mit über einhundert
anderen Unterzeichnerstaaten haben wir uns verpflichtet,

von einer Ab-

schreckung durch Terror zu einer mehr kooperativen internationalen Ordnung überzugehen. Wir müssen weiter voranschreiten, um alle Kernwaffen und den Krieg selbst - zu ächten.
Ein gerechter Friede ist auch weiterhin unser Ziel. Aber wir wissen,
daß sich die Welt wandelt. Unsere Politik muß den Realitäten von heute nicht von gestern - entsprechen. In allen Teilen der Welt sind neue Kräfte
im Kommen, neue Staaten, neue Hoffnungen, neue Männer. In diesem Geiste
wollen wir den Aufgaben entgegensehen, vor denen die atlantischen Nationen
stehen.
Europa lebt seit 1945 in Frieden. Aber es ist ein unsteter Friede überschattet von der Drohung der Gewalt. Europa ist geteilt. Mitten durch
das Herz einer großen und stolzen Nation verläuft eine unnatürliche Linie.
Die Geschichte lehrt uns, daß der Friede in Europa nicht gesichert sein
wird, solange diese grausame Teilung nicht beseitigt ist.
Wir müssen uns einer der großen, unerledigten Aufgaben unserer Generation zuwenden: Europa zu einen.
Unser Ziel ist es nicht, andere Regierungen zu stürzen, sondern den
Völkern Europas zu helfen:
- einen Kontinent aufzubauen, in dem die Völker Ost- und Westeuropas
zum gemeinsamen Wohl zusammenarbeiten;
- einen Kontinent aufzubauen, in dem die Bündnisse einander nicht in
bitterer Feindseligkeit gegenüberstehen, sondern in dem sie einen Rahmen
bilden, in dem Ost und West zur Gewährleistung der Sicherheit aller zusammenarbeiten können.
In einem wiederhergestellten Europa kann und wird Deutschland vereinigt
sein. Das bleibt weiterhin ein lebenswichtiges Ziel der amerikanischen

- 2 -

�amerikanischen Politik. Es kann nur durch eine zunehmende Aussöhnung erreicht werden. Einen kürzeren Weg gibt es nicht.
Wir müssen auf drei Gebieten vorangehen. Wir müssen:
- erstens die Nato modernisieren und die übrigen atlantischen Institutionen stärken;
- zweitens die Integration der westeuropäischen Gemeinschaft fördern;
und
- drittens den Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen beschleunigen.
Lassen sie mich nun der Reihe nach zu jedem dieser Punkte etwas sagen.
1. Unsere erste Sorge ist es, daß die Nato stark bleibt und mit der
Zeit Schritt hält. Die atlantische Allianz hat ihre Lebenskraft unter Beweis gestellt. Gemeinsam haben wir den Bedrohungen des Friedens widerstanden, denen wir uns gegenübersahen, und wir werden auch Bedrohungen zu begegnen wissen, die in der Zukunft auf uns zukommen mögen.
Zweifle niemand an der Verbindlichkeit amerikanischer Zusagen! Wir
werden die Lehren der dreißiger Jahre nicht vergessen, als Isolierung und
Abkehr unser Beitrag zur gemeinsamen Katastrophe waren.
Wir haben uns verpflichtet und wir~werden fest bleiben.
Aber die atlantische Allianz ist ein lebendiger Organismus. Sie muß
sich den sich ändernden Bedingungen anpassen. Es wird bereits vieles getan,
um sie in ihrem Aufbau zu modernisieren:
- Wir straffen die Nato-Befehlseinrichtungen;
- wir unternehmen Schritte, einen ständigen nuklearen Planungsausschuß zu bilden;
- wir erhöhen die Schnelligkeit und die Sicherheit des Nachschubs
über den Atlantik.
Wir müssen jedoch noch mehr tun. Die Allianz muß zu einem Forum für
immer engere Konsultationen werden. Diese sollten den ganzen Bereich der
gemeinsamen Anliegen - von den Ost-West-Beziehungen bis zur Behandlung von
Krisenfällen - umfassen.
Die
- 3 -

�Die atlantische Allianz ist das zentrale Instrument der atlantischen Gemeinschaft, aber nicht das einzige. Die atlantischen Nationen
beteiligen sich auch über andere Institutionen tatkräftig an konstruktiven Projekten.
Im Rahmen der Kennedy-Runde verhandeln wir mit den übrigen Nationen
der Freien Welt über einen allseitigen Abbau der Zölle. Unser Ziel ist
es, den Welthandel von willkürlichen und künstlichen Beschränkungen zu
befreien.
Wir befassen uns ferner mit dem Problem einer internationalen Währungsreform.
Wir prüfen, wie Wissenschaft und Technik am besten als gemeinsame
Hilfsquelle entwickelt werden können. Kürzlich hat die italienische Regierung einen Vorschlag zur Verringerung des technologischen Rückstands
Westeuropas gegenüber den Vereinigten Staaten gemacht. Dieser Vorschlag
verdient es, sorgfältig geprüft zu werden. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, mit den europäischen Nationen bezüglich aller Aspekte dieses Problems zusammenzuarbeiten.
Schließlich, und das ist vielleicht am wichtigsten, arbeiten wir
gemeinsam daran, das Wachstum der Entwicklungsländer zu beschleunigen.
Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, den Millionen von Menschen in diesen
Ländern bei der Hebung ihres Lebensstandards zu helfen. Die reichen Nationen können nicht als eine Insel des Überflusses in einem Meer der Armut
leben.
So wie die Institutionen der atlantischen Gemeinschaft wachsen, wachsen
auch die Aufgaben, vor denen wir stehen.
2. Unsere zweite Aufgabe ist es, die weitere Einigung des Westens
nachdrücklich voranzutreiben. Das Streben nach dieser Einheit bedeutet
weder ein Hinauszögern noch ein Vernachlässigen der Suche nach Frieden.
Dafür gibt es gut Gründe:
- Ein geeintes Westeuropa kann als unser gleichberechtigter Partner
am Aufbau einer friedlichen und gerechten Weltordnung mithelfen;
- Ein

- 4 -

�- ein geeintes Westeuropa kann friedliche Initiativen gegenüber dem
Osten mit größerer Zuversicht ergreifen;
- die Einheit kann einen Rahmen abgeben, in dem ein vereinigtes
Deutschland ein voller Partner sein könnte, ohne alte Befürchtungen heraufzubeschwören.
Wir sehen der Ausweitung und weiteren Stärkung der europäischen
Gemeinschaft entgegen. Die Hindernisse sind groß. Aber Beharrlichkeit
hat bereits mehr Früchte gezeitigt als irgendeiner von uns vor zwanzig
Jahren zu hoffen wagte.
Die Umrisse des neuen Europa sind klar zu erkennen. Es ist ein stärkeres, geeinteres, aber offenes Europa - dem auch Großbritannien angehört
- mit engen Bindungen zu Amerika.
3. Ein großes Ziel eines geeinten Westens ist es, den Schnitt durch
Europa zu heilen, der heute den Osten vom Westen und Bruder vom Bruder
trennt. Diese Spaltung muß auf friedlichem Wege geheilt werden. Sie muß
mit der Zustimmung der osteuropäischen Länder und der Sowjetunion geheilt
werden. Das kann nur geschehen, wenn es Ost und West gelingt, eine sichere
Basis für ein gegenseitiges Vertrauen zu schaffen.
Nichts ist wichtiger für den Frieden. Wir müssen das Ost-West-Klima
verbessern, um die Vereinigung Deutschlands im Rahmen eines größeren,
friedlichen und blühenden Europa zu erreichen. Unsere Aufgabe ist es,
eine Aussöhnung mit dem Osten zu erreichen - einen Übergang von der engen
Konzeption der Koexistenz zu der größeren Vision des friedlichen Engagements.
Die Amerikaner sind bereit, ihren Beitrag zu leisten. Unter den
letzten vier Präsidenten war unsere Politik gegenüber der Sowjetunion die
gleiche. Wo erforderlich, werden wir die Freiheit verteidigen; wo möglich,
werden wir mit dem Osten beim Aufbau eines dauerhaften Friedens zusammenarbeiten.
Wir lassen uns durch unsere Meinungsverschiedenheiten über Vietnam
oder sonstwo nicht daran hindern, alle Möglichkeiten zu sondieren. Die
Sowjetunion und die Nationen Osteuropas sollen wissen, daß wir und unsere

- 5 -

�unsere Verbündeten mit ihnen Schritt für Schritt so weit gehen werden,
wie sie zu gehen bereit sind.
Wir - Amerikaner wie Europäer - wollen unsere Anstrengungen verstärken. Wir streben gesunde wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen
zu den kommunistischen Staaten an.
- Ich werde den Kongreß um seine baldige Zustimmung zum amerikanischsowjetischen Konsularabkommen ersuchen.
- Wir werden auf gesetzliche Vollmachten zum Abschluß von Zollabkommen dringen, die es erlauben, die Meistbegünstigungsklausel bei der
Zollbehandlung auf die kommunistischen Länder Europas auszudehnen.
Und ich gebe heute folgende neuen Schritte bekannt:
- Wir werden die Exportkontrollen im Ost-Westhandel für Hunderte von
nicht-strategischen Gütern verringern.
- Ich habe heute eine Direktion unterzeichnet, die es der ExportImportbank gestatten wird, die Garantie für Handelskredite an vier weitere osteuropäische Länder - Polen, Ungarn, Bulgarien und die Tschechoslowakei - zu übernehmen. Das entspricht guten Handelspraktiken, und wird
dazu beitragen, Brücken nach Osteuropa zu schlagen.
- Der Außenminister überprüft die Möglichkeit, die Last der polnischen Verschuldung gegenüber den USA durch Verwendung unserer Guthaben in
polnischer Währung für Zwecke zu verringern, die dem Wohle beider Staaten
dienlich wären.
- Die Export-Importbank ist bereit, amerikanische Exporte für das
sowjetisch-italienische Fiat-Autowerk zu finanzieren.
- Wir verhandeln über ein Zivilluftabkommen mit der Sowjetunion, das
den Reiseverkehr in beiden Richtungen erleichtern wird.
- Die amerikanische Regierung hat in diesem Sommer weitere Maßnahmen
getroffen, um Reisen nach kommunistischen Ländern in Europa und Asien zu
erleichtern. Wir beabsichtigen, die diesbezüglichen Bestimmungen noch
weiter zu lockern.
- In

- 6-

�- In den letzten Wochen haben die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten begonnen, Wolkenaufnahmen von Wettersatelliten auszutauschen.
Auf diesen und vielen anderen Wegen werden die Verbindungen mit
dem Osten durch die Vereinigten Staaten und andere atlantische Nationen
gestärkt. In den bestehenden atlantischen Organisationen sollte man sich
um eine Einigung auf eine generelle diesbezügliche Politik bemühen. Die
Grundsätze, die dLe Ost-West-Beziehungen leiten sollen, werden zur Zeit
im Nordatlantikrat erörtert.
Auch die OECD kann eine wichtige Rolle im Handel und bei der Herstellung von Kontakten mit dem Osten spielen. Die westlichen Nationen
können hier Mittel und Wege erkunden, wie man die Sowjetunion und die
osteuropäischen Staaten zur Mitarbeit an Aufgaben von gemeinsamem Interesse und gemeinsamem Nutzen bewegen kann.
Hand in Hand mit diesem Maßnahmen zur Stärkung der Ost-West-Beziehungen müssen Maßnahmen zur Beseitigung der territorialen und Grenzstreitigkeiten gehen, die eine Quelle von Spannungen und Reibungen in
Europa bilden. Die atlantischen Nationen sind gegen jede Anwendung von
Gewalt zur Änderung der bestehenden Grenzen. Dies ist auch ein fundamentaler Grundsatz unserer amerikanischen Außenpolitik. Wir respektieren
die Integrität der Grenzen einer Nation.

Die Aufrechterhaltung alter

Feindschaften liegt in niemandes Interesse. Unser Ziel besteht in einer
wahren europäischen Versöhnung. Das müssen wir dem Osten klarmachen.
Ferner ist es unsere Politik, die Ausbreitung nationaler Kernwaffenprogramme - in Europa und sonstwo - zu verhindern. Aus diesem Grunde werden wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, zu einem Abkommen zu
gelangen, das eine Proliferation von Atomwaffen verhindert.
Wir erstreben eine stabile militärische Lage in Europa - eine L g e ,
in der Spannungen verringert werden können. Zu diesem Zweck werden die
Vereinigten Staaten auch weiterhin ihren Beitrag zu einer wirksamen westlichen Abschreckung leisten. Eine Schwächung dieser Abschreckung könnte
andere in Versuchung führen und den Frieden in Gefahr bringen.
Die atlantischen Verbündeten werden weiterhin gemeinsam prüfen, welche
Stärke die NATO angesichts technischer Veränderungen und der jeweiligen

- 7 -

�jeweiligen Bedrohung braucht. Eine Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte in Mitteleuropa würde sich natürlich auf das Ausmaß dieser Bedrohung auswirken.
Sollten sich ändernde Umstände zu einer schrittweisen und ausgewogenen Revision der Truppenstärken auf beiden Seiten führen, dann könnte
eine solche Revision - zusammen mit den anderen von mir erwähnten Maßnahmen - dazu beitragen, allmählich ein neues politisches Klima zu
schaffen.
Es wird ein langer Prozeß sein, in Europa zu einem wahren Frieden
und zur Versöhnung zu gelangen.
Die Bindungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren atlantischen Partnern gewähren die Stärke, von der die Sicherheit der Welt abhängt. Unsere Interdependenz ist absolut.
Unser Ziel - in Europa und überall - ist ein gerechter und sicherer
Friede. Er kann am besten durch gemeinsames Handeln erreicht werden. Deshalb gelobe ich, daß Amerika sein Bestes tun wird, um
- der Allianz neuen Schwung zu verleihen;
- die Bewegung in Richtung auf eine westeuropäische Einheit zu
unterstützen; und
- in den Beziehungen zwischen Ost und West zu einer weitreichenden
Verbesserung zu gelangen.
Unser Ziel ist es, mit dem bitteren Erbe des zweiten Weltkrieges
fertig zu werden. Der Erfolg in diesem Bemühen wird uns dem Tag näher
bringen, an dem wir Europa und der Welt den Frieden endgültig gesichert
haben werden.

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I. GIPFELKONFERENZ IN MANILA

Wortlaut des gemeinsamen Schlußkommuniques, das von den
sieben an der Gipfelkonferenz in Manila beteiligten
asiatischen und pazifischen Staaten am 25. Oktober 1966
herausgegeben wurde.
Seite

1-9

II. DIE DEKLARATIONEN VON MANILA

Wortlaut der von der asiatischen Gipfelkonferenz gleichzeitig mit dem Schlußkommunique unterzeichneten beiden
Deklarationen über die "Ziele der Freiheit" und "Frieden
und Fortschritt im asiatischen und pazifischen Raum".
Seite 10 - 12

�GIPFELKONFERENZ IN MANILA

Gemeinsames

Kommunique

Einleitung
1. Auf Einladung des Präsidenten der Philippinischen Republik trafen
nach Konsultationen mit dem Präsidenten der Republik Korea und den Ministerpräsidenten von Thailand und der Republik Vietnam die führenden Männer
von sieben Nationen des asiatischen und pazifischen Raumes am 24. und 25.
Oktober 1966 in Manila zu einer Gipfelkonferenz zusammen, um den Konflikt
in Südvietnam zu erörtern und über ihre größeren Zielsetzungen in Asien
und im Pazifik zu sprechen. Die Teilnehmer waren: Ministerpräsident Harold
Holt von Australien, Präsident Park Chung Hee von der Republik Korea,
Ministerpräsident Keith Holyoake von Neuseeland, Präsident Ferdinand E.
Marcos von den Philippinen, Ministerpräsident Thanom Kittikachorn von
Thailand, Präsident Lyndon B. Johnson von den Vereinigten Staaten von
Amerika und Präsident Nguyen Van Thieu und Ministerpräsident Nguyen Cao Ky
von der Republik Vietnam.
Grundsätzliche Politik
2. Die auf dieser Konferenz vertretenen Nationen sind vereint in
ihrer Entschlossenheit, daß die Freiheit Südvietnams gesichert werden muß,
in ihrem Friedenswillen und in ihrer tiefen Sorge um die Zukunft Asiens
und des Pazifik. Einige von uns sind jetzt in unmittelbarer Nähe der tatsächlichen Gefahr, während andere deren Bedeutung durch bittere Erfahrungen in der Vergangenheit kennengelernt haben. Diese Konferenz symbolisiert
unsere geroeinsamen Zielsetzungen und großen Hoffnungen.
3. Wir sind vereint in unserer Entschlossenheit, daß das südvietnamesische Volk nicht durch aggressive Gewalt erobert werden darf und
sich des angeborenen Rechtes erfreuen soll, seine eigene Lebensform und

- 1 -

�und seine eigene Regierungsform zu wählen. Wir werden in enger Konsultation miteinander unsere militärischen und alle sonstigen Anstrengungen
so nachdrücklich und so lange wie notwendig fortsetzen, bis die Aggression beendet ist.
4. Gleichzeitig ist unsere gemeinsame Zielsetzung der Frieden der Frieden in Südvietnam und im übrigen Asien und Pazifik. Unsere gemeinsame Verpflichtung besteht in der Verteidigung des südvietnamesischen
Volkes. Unsere einzige Forderung an die Führer Nordvietnams ist die Aufgabe ihrer Aggression. Wir sind bereit, jeden Weg zu gehen, der zu einem
gerechten und sicheren Frieden führen könnte, ob über Erörterungen und
Verhandlungen oder über gegenseitige Maßnahmen beider Seiten zur Verringerung der Gewaltanwendung.
5. Wir sind vereint in unserem Ausblick auf eine friedliche und
blühende Zukunft ganz Asiens und des Pazifik. Wir haben daher in einer
besonderen Deklaration eine Grundsatzerklärung abgegeben, die als Richtschnur unserer gemeinsamen Maßnahmen auf diesem weitergesteckten Gebiet
dienen soll.
6. Die in Verfolg der darin niedergelegten politischen Grundsätze
ergriffenen Maßnahmen müssen im Einklang mit unseren jeweiligen verfassungsmäßigen Verfahren stehen.
Die militärische Anstrengung
7. Die vietnamesische Regierung berichtete von dem bedeutenden militärischen Fortschritt im Kampf gegen die Aggression. Sie erwähnte mit besonderer Dankbarkeit den wesentlichen Beitrag der Streitkräfte der freien
Welt.
8. Die vietnamesischen Führer wiesen jedoch darauf hin, daß die
Truppenbewegung aus Nordvietnam weiterhin in großem Umfang anhält, und
daß entschlossenes militärisches Handeln sowie die Unterstützung durch
die freie Welt weiterhin notwendig sind, um der Gefahr zu begegnen. Die
Notwendigkeit zu einem solchen militärischen Handeln und der Unterstützung
muß, was Umfang und Dauer anbetrifft, von der Intensität und Dauer der
kommunistischen Aggression abhängen.

- 2 -

�9. Im Verlauf ihrer Erörterungen besprachen die Staatsmänner auch
das Problem der Kriegsgefangenen. Die Konferenzteilnehmer bemerkten, daß
Hanoi sich stets geweigert habe, mit dem Internationalen Komitee des
Roten Kreuzes hinsichtlich der Anwendung der Genfer Konventionen zusammenzuarbeiten, und forderten Hanoi hierzu auf. Sie bekräftigten erneut
ihre Entschlossenheit, sich voll und ganz an die Genfer Konventionen von
1949 für den Schutz der Kriegsopfer zu halten, und begrüßten die von dem
Exekutivausschuß der Liga der Rotkreuzgesellschaften am 8. Oktober 1966
angenommene Resolution, in der die Beachtung der Genfer Konventionen im
Vietnamkonflikt, die volle Unterstützung des Internationalen Komitees
des Roten Kreuzes und unverzügliche Maßnahmen zur Repatriierung schwerkranker und verwundeter Kriegsgefangener gefordert werden.
Sie kamen überein, in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee
des Roten Kreuzes auf die Erfüllung dieser Resolution hinzuwirken, und
gaben ihre Bereitschaft kund, unter der Schirmherrschaft des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes oder im Rahmen eines anderen geeigneten
Forums zusammenzukommen, um über den sofortigen Kriegsgefangenenaustausch
zu sprechen.
Befriedung und revolutionierende Entwicklung
10. Die vertretenen Regierungen richteten ihre besondere Aufmerksamkeit auf die beschleunigten Bemühungen der vietnamesischen Regierung, eine
soziale Revolution der Hoffnung und des Fortschritts zu gestalten. Noch
während der Konflikt anhält,schreiten die Bemühungen voran, die Zwangsherrschaft der Armut, Krankheit, Unwissenheit und die soziale Ungerechtigkeit
zu überwinden.
11. Die vietnamesischen Führer bekundeten ihre Absicht, einen beträchtlichen Teil der bewaffneten Streitkräfte für Säuberungs- und Sicherungsaufgaben auszubilden und bereitzustellen, um damit einen Schild zu schaffen,
hinter dem eine neue Gesellschaftsform aufgebaut werden kann.
12. Auf dem Gebiet der revolutionierenden Entwicklungen sollen die
Maßnahmen entsprechend den in den vergangenen eineinhalb Jahren konzipierten Richtlinien erweitert und intensiviert werden. Die Ausbildung der diese

- 3

�diese revolutionierende Entwicklung tragenden Kader wird verbessert
werden. Die Elektrizitäts- und Wasserversorgung wird verbessert werden.
Neue und bessere Schulen werden gebaut und mit Lehrkräften besetzt werden. Die Flüchtlinge werden auf neue Berufe umgeschult werden. Das Gesundheitswesen und die medizinische Betreuung werden ausgebaut werden.
13. Die vietnamesische Regierung erklärte, daß sie an einer Reihe
von Maßnahmen arbeitet, die dazu bestimmt sind, die Landwirtschaft zu
modernisieren und dem Bauern die Früchte seiner Arbeit zu sichern. Bestimmungen zur Landreform und Regelung der Pachtverhältnisse werden mit
Vorrang behandelt werden. Kredite für die Landwirtschaft werden erweitert
werden. Der Fruchtanbau wird verbessert und vielfältiger gestaltet werden.
14. Die vietnamesischen Führer betonten, daß zum Aufbau von Vertrauen
und Zusammenarbeit unter der Bevölkerung diese Maßnahmen von der allgemeinen Überzeugung getragen werden müßten, daß Ehrlichkeit, Tüchtigkeit und
soziale Gerechtigkeit die festen Pfeiler sind, auf denen die Programme der
vietnamesischen Regierung ruhen.
15. Dieses Programm kann mit Recht den Beifall aller an der Konferenz
teilnehmenden Regierungen finden, da es der Bevölkerung von Vietnam die
Aussicht auf eine lichtere Zukunft eröffnet. Jede Regierung sicherte die
Fortsetzung ihrer Unterstützung entsprechend ihren Mitteln zu - sei es
in Form von finanziellen Mitteln, qualifizierten Technikern oder Ausrüstungen. Sie verwiesen in diesem Zusammenhang ferner auch auf die Hilfe
auf nichtmilitärischem Gebiet, die von anderen Ländern gewährt wird, und
gaben der Hoffnung Ausdruck, daß diese Hilfe wesentlich verstärkt werden
wird.
Wirtschaftliche Stabilität und Fortschritt
16. Der Konferenz wurde von dem Erfolg der vietnamesischen Regierung
bei der Eindämmung der Inflation berichtet, die - wenn ihr nicht begegnet
würde - alle Anstrengungen zunichtemachen könnte, dem vietnamesischen Volk
ein erfüllteres Leben zu bieten. Die vietnamesischen Führer versicherten
jedoch erneut, daß die Inflation nur durch ständige Anstrengung unter Kontrolle gehalten werden könne. Sie sprachen von ihrer Absicht, nachdrückliche

- 4 -

�nachdrückliche Stabilisierungsprograirane durchzuführen, die Ausgaben in
Grenzen zu halten, die Staatseinkünfte zu erhöhen und die Spartätigkeit
zu fördern, um die inflatorische Lücke im Jahre 1967 auf dem niedrigst
möglichen Stand zu halten. Sie planen ferner, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die maximale Nutzung des Hafens von Saigon sicherzustellen, damit dringend benötigte Einfuhren zur Aufrechterhaltung der militärischen
Anstrengung und zur Stärkung der zivilen Wirtschaft rascher nach Vietnam
fließen können.
17. In einem Ausblick auf die fernere Zukunft ihres reichgesegneten
Landes legten die vietnamesischen Vertreter ihre Auffassungen und Pläne
für den Aufbau einer expandierenden Nachkriegswirtschaft dar.
18. Wo dies möglich ist, werden militärische Anlagen zu diesem
Zweck umgewandelt und entsprechende Planungen einbezogen werden.
19. Die konferierenden Nationen bekräftigten ihre anhaltende Unterstützung der vietnamesischen Anstrengungen, wirtschaftliche Stabilität
und Fortschritt zu erreichen. Thailand gab im besonderen seine Bereitschaft kund, umfangreiche neue Kredithilfe für den Kauf von Reis zu gewähren, und die anderen vertretenen Nationen berichteten über eine Reihe
von Plänen für die Lieferung von Nahrungsmitteln oder anderen mit der
wirtschaftlichen Situation zusammenhängende Maßnahmen. Gleichzeitig kamen
die Teilnehmer überein, an andere Nationen sowie an internationale Organisationen, die sich der vollen und freien Entwicklung einer jeden Nation
verschrieben haben, um weitere Unterstützung für die Republik Vietnam zu
appellieren.
Politische Evolution
20. Die Vertreter Vietnams wiesen darauf hin, daß selbst währ nd der
Tagung der Konferenz Maßnahmen getroffen wurden, um ein neues verfassungsmäßiges System für die Republik Vietnam durch die Tätigkeit der verfassungsgebenden Versammlung zu schaffen, die im vergangenen Monat von einem so
großen Teil der Wählerschaft gewählt worden war.
21. Die Vertreter Vietnams gaben der Erwartung Ausdruck, daß die
Arbeit an der Verfassung rasch voranschreiten werde und noch vor dem für

- 5 -

�für März 1967 festgesetzten Termin abgeschlossen werden könne. Die Verfassung wird sodann verkündet werden, und innerhalb von sechs Monaten
werden Wahlen abgehalten werden, um eine repräsentative Regierung zu
bilden.
22. Die vietnamesische Regierung ist der Ansicht, daß der demokratische Prozeß auf lokaler wie nationaler Ebene gestärkt werden muß. Die
vietnamesische Regierung gab bekannt, daß sie zu diesem Zweck mit der
Durchführung von Dorf- und Gemeindewahlen Anfang 1967 beginnen wird.
23. Die Regierung von Vietnam gab ferner bekannt, daß sie ein Programm für die nationale Aussöhnung vorbereitet. Sie erklärte ihre Entschlossenheit, jenen Vietnamesen, die irregeführt oder auf die Seite des
Vietcong gezwungen worden sind, alle Türen öffnen zu wollen. Die Regierung versucht, sie zurückzuführen, damit sie unter einer Amnestie oder
durch andere Maßnahmen als freie Menschen an dem nationalen Leben teilhaben können. Ehemalige Feinde werden lediglich ersucht, ihre Waffen
niederzulegen und ihre Fähigkeiten in den Dienst des südvietnamesischen
Volkes zu stellen.
24. Die anderen an der Konferenz teilnehmenden Staaten begrüßten
die von den vietnamesischen Vertretern zum Ausdruck gebrachte Erwartung,
daß die Arbeit an der Verfassung planmäßig voranschreiten werde, und
pflichteten der Überzeugung der Regierung der Republik

von Vietnam bei,

daß der Aufbau einer repräsentativen und verfassungsmäßigen Regierung
sowie die Eröffnung eines Weges zur nationalen Versöhnung unerläßlich
für die Zukunft eines freien Vietnam sind.
Die Suche nach Frieden
25. Die Konferenzteilnehmer widmeten einen großen Teil ihrer Beratungen den Friedenszielen und der Suche nach einer friedlichen Regelung in
Südvietnam. Sie erörterten im einzelnen die zahlreichen Bemühungen um den
Frieden, die von ihnen selbst und von anderen unternommen worden sind, sowie die Schritte der Vereinten Nationen und seiner Heiligkeit, des Papstes,
Es herrschte die klare Einsicht, daß die Beilegung des Krieges in Vietnam
von der Bereitschaft und dem Willen der Beteiligten abhängt, zusammen eine

- 6 -

�eine gerechte und vernünftige Lösung zu suchen und zu finden. Sie stellten fest, daß Hanoi noch immer kein Anzeichen erkennen ließ, durch sein
Handeln oder durch seinen Eintritt in Gespräche oder Verhandlungen irgendeinen Schritt in Richtung auf den Frieden zu tun. Die Suche nach Frieden
muß fortgesetzt werden.
26. Die Regierung der Republik Vietnam erklärte, daß sich das vietnamesische Volk nach all den Leiden des Krieges in über zwei Jahrzehnten
mehr als jedes andere Volk nach Frieden sehnt. Es begrüßt jede Initiative,
die zu einer Beendigung der Feindseligkeiten führen, die Unabhängigkeit
Südvietnams bewahren und sein Recht schützen wird, seine eigene Lebensform zu wählen.
27. Damit ihr Standpunkt und ihre Hoffnungen ihren Verbündeten in
Manila und ihren Freunden überall in der Welt klar vor Augen treten, hat
die Regierung der Republik Vietnam ihre Ansichten über- die entscheidend
wichtigen Elemente des Friedens in Vietnam feierlich verkündet:
1) Einstellung der Aggression: In Vietnam geht es um einen Kampf, der
der Erhaltung der Werte dient, die den Völkern überall auf der Welt seit
Anbeginn der Geschichte am Herzen lagen - die Unabhängigkeit der Völker
und die Freiheit des einzelnen. Das südvietnamesische Volk fordert lediglich, daß die Aggression, die seine Unabhängigkeit bedroht, und der von
außen unterstützte Terror, der seine Freiheit bedroht, eingestellt werden.
Kein Volk, das vor sich selbst Achtung hat, kann weniger fordern; kein
friedliebendes Land darf mehr fordern.
2) Erhaltung der territorialen Integrität Südvietnams: Das südvietnamesische Volk verteidigt sein eigenes Territorium gegen diejenigen, die
durch. Gewalt und Terror das zu erreichen suchen, was sie mit friedlichen
Mitteln nicht erreichen können. Wenn das südvietnamesische Volk such
volles Mitgefühl für das Los seiner Brüder im Norden hat und das Regime
im Norden verabscheut, hat es doch nicht den Wunsch, die Bevölkerung des
Nordens zu bedrohen, ihr Schaden zuzufügen oder in ihr Land einzudringen.
3) Wiedervereinigung Vietnams: Die südvietnamesische Regierung und
das südvietnamesische Volk bedauern die Teilung Vietnams in einen nördlichen und in einen südlichen Teil. Diese durch die Genfer Abkommen von

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�von 1954 herbeigeführte Teilung, so unglücklich und bedauerlich sie ist,
wird jedoch respektiert werden, bis eine Wiedervereinigung aufgrund der
freien Entscheidung aller Vietnamesen erreicht ist.
4) Lösung der internen Probleme: Das südvietnamesische Volk will
•eine eigenen, internen Meinungsverschiedenheiten beilegen und ist bereit,
hierzu ein Programm der nationalen Aussöhnung in Angriff zu nehmen. Sobald die Aggression beendet ist, wird das südvietnamesische Volk schneller
in Richtung auf eine Aussöhnung aller Teile der Gemeinschaft voranschreiten und auf demokratischem Wege Fortschritte in Richtung auf Menschenwürde,
Wohlstand und einen dauerhaften Frieden erzielen.
5) Abzug der verbündeten Truppen: Das südvietnamesische Volk wird
seine Verbündeten ersuchen, ihre Truppen abzuziehen und ihre Stützpunkte
und Anlagen zu räumen, sobald die militärischen und subversiven nordvietnamesischen Verbände zurückgezogen sind, die Infiltration aufhört und das
Ausmaß der Gewalttätigkeit damit zurückgeht.
6) Wirksame Garantien: Das südvietnamesische Volk besteht angesichts
seiner seit 1954 gemachten Erfahrungen darauf, daß alle Verhandlungen,
die zu einer Einstellung der Feindseligkeiten führen, wirksame internationale Garantien einschließen. Es ist hinsichtlich der Anwendung und
wirksamen Gestaltung derartiger Garantien aufgeschlossen.
28. Die übrigen teilnehmenden Regierungen überprüften und bekräftigten diese Punkte als unerläßliche Bestandteile des Friedens und vereinbarten, daß sie auf dieser Grundlage in engen gegenseitigen Konsultationen
handeln würden, um den Konflikt beizulegen.
29. Im besonderen erklärten sie, daß die alliierten Truppen in der
Republik Vietnam stehen, weil dieses Land das Opfer einer Aggression ist
und seine Regierung um Unterstützung der Bevölkerung bei der Abwehr der
Aggression nachgesucht hat. Sie werden nach eingehenden Konsultationen
abgezogen werden, sobald die andere Seite ihre Streitkräfte nach dem
Norden zurückzieht, die Infiltration einstellt, und das Ausmaß der Gewalttätigkeit damit zurückgeht. Diese Truppen werden so bald wie möglich und
nicht später als sechs Monate, nachdem die obigen Voraussetzungen erfüllt
sind, zurückgezogen werden.
Weitere
- 8 -

�Weitere Konsultationen zwischen den Teilnehmerstaaten
30. Alle Konferenzteilnehmer stimmten darin überein, daß der Wert
einer Konferenz der sieben Länder durch die offenen und eingehenden
Diskussionen zur Genüge erwiesen worden ist. Man stimmte ferner darin
überein, daß zusätzlich zu den bereits auf diplomatischem Wege geführten eingehenden Konsultationen regelmäßige Zusammenkünfte der Botschafter dieser Länder mit der Regierung der Republik Vietnam in Saigon stattfinden sollten. Konferenzen ihrer Außenminister und ihrer Regierungschefs werden ebenfalls stattfinden, soweit dies notwendig ist.
31. Am Schluß dieser Konferenz brachten alle Teilnehmer Präsident
Marcos und der Regierung der Philippinischen Republik ihren tiefempfundenen Dank dafür, daß sie Manila als Konferenzort vorgeschlagen hat,
sowie ihre Anerkennung für die ausgezeichneten Vorbereitungen zum Ausdruck.

- 9-

�DIE DEKLARATIONEN VON MANILA

ZleLe der Freiheit

Wir, die sieben in Manila versammelten Nationen, bekunden unsere
Einmütigkeit, unsere Entschlossenheit und unsere Absicht, gemeinsam die
Ziele der Freiheit in Vietnam sowie im asiatischen und pazifischen Raum
anzustreben. Diese Ziele sind:
1) Freiheit von Aggression
2) Überwindung von Hunger, Unwissenheit und Krankheiten
3) Aufbau einer Region der Sicherheit, der Ordnung und des
Fortschritts
4) Aussöhnung und Friede in ganz Asien und im gesamten pazifischen
Raum.

Frieden und Fortschritt im asiatischen und pazifischen Raum
Wir, die Führer der sieben in Manila versammelten Nationen, wünschen
Frieden und Fortschritt für den asiatisch-pazifischen Raum;
bauen auf die Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen,
die die Unterdrückung von Aggressionshandlungen und die Achtung vor dem
Prinzip der gleichen Rechte und der Selbstbestimmung der Völker fordern;
sind entschlossen, daß die Aggression nicht belohnt werden darf;
respektieren das Recht aller Völker, über ihre eigene Regierungsform
zu bestimmen und sich diese zu erhalten;
streben eine Beilegung des Krieges in Vietnam mit friedlichen Mitteln
an;
t sind durch die wachsende regionale Verständigung und die regionale
Zusammenarbeit der freien Nationen in Asien und im Pazifik wesentlich
ermutigt;
und verkünden hiermit diese Grundsatzerklärung, auf der sich unsere
Hoffnungen auf künftigen Frieden und Fortschritt im asiatischen und pazifischen Raum begründen:
1.

- 10 -

�1. Die Aggression darf keinen Erfolg haben:
Der Friede und die Sicherheit Asiens und des Pazifik, ja der ganzen
Welt, sind unteilbar. Die Länder des asiatischen und pazifischen Raumes
sollen sich ihrer Unabhängigkeit und Souveränität frei von jeder Aggression, von ausländischer Einmischung oder der Herrschaft irgendeines
Landes erfreuen. Wir machen uns die hart erkämpften Lehren der Geschichte
zu eigen, daß eine erfolgreiche Aggression in irgendeinem Teil der Welt
den Frieden gefährdet, und sind entschlossen, unseren verschiedenen Verpflichtungen im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen sowie der einzelnen gemeinsamen Sicherheitspakte nachzukommen, so daß die Aggression
im asiatischen und pazifischen Raum keinen Erfolg haben wird.
2. Wir müssen die Fesseln der Armut, der Unwissenheit und der Krankheit zerbrechen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß es im asiatischen und pazifischen
Raum, der ein reiches Erbe an inneren Werten und Menschenwürde aufweist,
die Pflicht eines jeden Landes ist, sich an einer wachsenden Offensive
gegen Armut, Unwissenheit und Krankheit zu beteiligen. Denn sie fesseln
die Menschen an ein Leben der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung,
die die Wurzeln für Gewalttaten und Kriege bilden. Wenn die Menschen wissen,
daß ein Fortschritt möglich ist und auch erreicht wird, wenn sie überzeugt
sind, daß ihre Kinder ein besseres, erfüllteres und reicheres Leben führen
werden, dann erheben sie ihre Häupter voll Hoffnung und Stolz. Nur dann
kann es eine dauerhafte nationale Stabilität und eine dauerhafte internationale Ordnung geben.
3. Wir müssen die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, sozialem und
kulturellem Gebiet innerhalb des asiatischen und pazifischen Raumes stärken.
Gemeinsam mit unseren übrigen Partnern in Asien und im pazifischen
Raum werden wir die Institutionen und die Praxis für eine regionale Zusammenarbeit entwickeln. Durch ständige Anstrengungen wollen wir in diesem
riesigen Raum, in dem fast zwei Drittel der Menschheit leben, eine Zone
der Sicherheit, der Ordnung und des Fortschritts schaffen, wobei wir uns
des gemeinsamen Schicksals dieses Gebietes angesichts seiner eigenen

- 11 -

�eigenen Traditionen und Bestrebungen gewärtig sind. Die Völker dieses
Gebietes haben ein Recht darauf und tragen auch die Hauptverantwortung
dafür, sich mit ihren eigenen Problemen zu befassen und ihre eigene
Zukunft gemäß ihrem eigenen Wissen und ihren eigenen Erfahrungen zu gestalten. Die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet
für eine regionale Entwicklung sollte allen Ländern dieses Gebietes,
unabhängig von Glauben oder Ideologie offen stehen, die wirklich eine
Politik des Friedens und der Eintracht unter allen Völkern verfolgen.
Länder außerhalb dieses Gebietes werden als Partner begrüßt werden, die
für das gemeinsame Wohl arbeiten, und ihre Mitarbeit wird in Formen angestrebt werden, die mit der Unabhängigkeit und der Würde der asiatischen und pazifischen Nationen in Einklang stehen.
Ein friedliches und fortschrittliches Asien, in dem die Nationen
für das gemeinsame Wohl zusammenarbeiten können, wird ein wichtiger
Faktor bei der Schaffung von Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt
sowie bei der Verbesserung der Aussichten auf eine internationale Zusammenarbeit und ein besseres Leben für die gesamte Menschheit sein.
4. Wir müssen überall in Asien Aussöhnung und Frieden anstreben.
Wir bedrohen nicht die Souveränität oder die territoriale Integrität
unserer Nachbarn - gleichgültig, welche ideologischen Bindungen sie
haben. Wir verlangen lediglich, daß dies erwidert wird. Die ideologischen Streitigkeiten und Ambitionen und die schmerzlichen Gegensätze,
die die Folge nationaler Befürchtungen und Mißstände sind, sollten der
Vergangenheit angehören. Hieraus resultierende Aggressionen dürfen keinen
Erfolg haben. Wir werden unseren vollen Beitrag zur Schaffung einer Umwelt leisten, in der eine Aussöhnung möglich ist. Denn in der Welt von
heute bleibt dem Menschen und den Völkern keine andere Wahl, als zu
lernen, miteinander als Brüder zusammenzuleben.

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NICHT-KOMMUNISTISCHER KONSENSUS IM PAZIFIK

Aus "The Economist", London, 29.Oktober 1966.
Nachdruck nur mit Quellenangabe und dem Vermerk
Copyright, The Economlst Newspaper Ltd., 1966
gestattet.

�NICHT-KOMMUNISTISCHER KONSENSUS IM PAZIFIK

Die Johnson-Doktrin für Asien beginnt sich bezahlt zu machen. Den
entscheidenden Test, die Bewährungsprobe auf dem Schlachtfeld, hat sie
allerdings noch vor sich: Nordvietnamesen und Vietcong werden voraussichtlich in diesem Winter erneut zu demonstrieren suchen, daß sie in
Südvietnam nicht vor den Amerikanern und ihren Verbündeten kampfesmüde
werden. Es wäre in höchstem Maße überraschend, würden die Kommunisten
auf die ihnen in Manila am 25. Oktober angebotenen Bedingungen eingehen,
ohne noch einmal versucht zu haben, den amerikanischen Kampfeswillen zu
brechen. Die Politik Präsident Johnsons aber zahlt sich in einer anderen
Weise aus und wird letzten Endes auch über den Ausgang des Ringens auf
dem Schlachtfeld entscheiden. Das hat man bisher noch nicht klar genug
erkannt, beginnt es jedoch nunmehr zu begreifen.
Was im Jahr 1966 in und um Südostasien geschieht, ist genau das
gleiche, was sich 1947 in und um Südosteuropa ereignete. Als Präsident
Truman damals die Zusicherung gab, die Vereinigten Staaten werden Griechenland und die Türkei verteidigen, erreichte er damit zwei Dinge. Er
schuf einen Kristallisationskern, um den sich die nicht-kommunistischen
Kräfte jenes Gebietes sammeln konnten; und er löste innerhalb des kommunistischen Lagers einen heftigen Meinungsstreit zwischen denen aus, die
sich angesichts der amerikanischen Zusicherung zurückziehen wollten, und
jenen, die den Bürgerkrieg in Griechenland bis zum Ende durchzukämpfen
wünschten. Es dauerte, von der Verkündung der Truman-Doktrin im Jahre
1947 an gerechnet, zweieinhalb Jahre, bis die griechischen Kommunisten
einsahen, daß sie die Macht in Athen nicht mit Waffengewalt' erringen
konnten; aber einsehen mußten sie es doch.
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der gegenwärtigen Krise
in Asien ab. Auf der nicht-kommunistischen Seite ist Präsident Johnson
dabei, einen Konsensus im pazifischen Raum zustande zu bringen; auf der
kommunistischen Seite weitet sich die Kluft zwischen China und Rußland

- 1 -

�Rußland von Stunde zu Stunde, und Kossygin fällt es auffällig schwer,
selbst seine kleineren kommunistischen Verbündeten zum Festhalten an
einer gemeinsamen Linie zu bewegen.
Die Neun-Mächte-Konferenz in Moskau, die am 21. Oktober zu Ende
ging, sollte - diese Absicht bestand sicherlich - mit der Verurteilung
Chinas in irgendeiner Form ausklingen. Hierin allein ist der Grund für
das Fernbleiben Nordvietnams und Nordkoreas zu sehen. Einer gegen China
gerichteten Erklärung zuzustimmen, hätte ihnen Schwierigkeiten gebracht.
Aber selbst jene neun Länder, die schließlich an der Moskauer Konferenz
teilnahmen, gelangten dann zu dem Schluß, daß sie einer solchen Erklärung
nicht beipflichten konnten; die Rumänen, und vielleicht auch die Kubaner,
beschlossen, Kossygin auf seinem Wege nicht länger zu folgen. So fuhren
denn die Mitglieder dieser Versammlung hoher Würdenträger - Parteivorsitzende, Ministerpräsidenten und Verteidigungsminister von neun der
vierzehn kommunistischen Staaten dieser Erde - unter dem gedämpften
Trommelwirbel eines Kommuniques nach Hause, das lediglich von einem
"Meinungsaustausch" sprach. Kossygin hat demzufolge noch nicht jene Basis
der Einigkeit, die er für beide ihm offenstehende Marschrichtungen in der
Vietnampolitik braucht. Es gelang ihm nicht, die äußerst mißtrauischen
Chinesen zur Annahme eines gemeinsamen umfassenden Militärhilfeprogramms
für Vietnam zu überreden - doch diesen Weg wünscht er wohl ohnehin nicht
zu gehen. Es ist ihm aber - zumindest bisher - auch nicht gelungen, die
anderen großen kommunistischen Parteien zum offenen und endgültigen Bruch
mit China zu bewegen, der unabwendbar ist, sollte er sich für ein Arrangement mit den Amerikanern entscheiden.
Man vergleiche diese Situation mit den Ergebnissen der Pazifikreise
Präsident Johnsons. Das Wichtigste des am 25. Oktober veröffentlichten
Abschlußkommuniques von Manila

sind nicht die Bedingungen für einen

schrittweisen Abzug der alliierten Truppen aus Südvietnam, die darin angeboten werden. Sie werden erst später Gewicht bekommen, falls und wenn
die Nordvietnamesen die Beurteilung ihrer Siegeschancen revidieren. Das
ist noch nicht der Fall. Was heute zählt, sind die Früchte der Bemühungen Johnsons um das Zustandekommen eines nicht-kommunistischen Konsensus

- 2-

�Konsensus im Pazifik. Die sechs asiatischen und südpazifischen Länder,
die in Manila vertreten waren, tragen sämtlich in der einen oder anderen
Form zu den Kriegsanstrengungen in Vietnam bei. Sie sind sämtlich Mitglieder des im Juni dieses Jahres gegründeten Asiatisch-pazifischen Rates
(ASPA), dem auch Japan, Formosa und Malaysia angehören. In den Diskussionen von Manila begann sich eine gemeinsame Politik bezüglich Südostasiens
abzuzeichnen, der sich im Laufe der Zeit voraussichtlich auch die nicht
in Manila vertretenen ASPA-Mitglieder anschließen werden. Präsident Johnson hat etwas fertiggebracht, das weder Acheson mit dem ANZUS-Pakt noch
Dulles mit der SEATO ganz gelang. Begünstigt durch die Angst der meisten
Asiaten vor China, beginnt Johnson ein Sicherheitssystem für den Westpazifik aufzubauen. Die Tagung in Manila deutet auf einen möglichen Zusammenschluß der ANZUS-Pakt- mit den SEATO-Pakt-Staaten und die Schaffung
eines aktionsfähigen politischen Apparates für beide hin.
Beim Aufbau dieser neuen Allianz erhält die amerikanische Diplomatie
kräftige Schützenhilfe durch den Parteivorsitzenden Mao und die Rote Garde.
Es mehren sich die Anzeichen dafür, daß viele der Anliegerstaaten des
Pazifischen und des Indischen Ozeans den amerikanischen Schutzschirm ganz
gern sehen, unter dem sie Zuflucht vor einem - wie sich inzwischen erwiesen hat - gefährlichen und außer Rand und Band geratenen China suchen
können. Die Menschen, die in Australien und Neuseeland zusammenströmten
und Johnson ihre Ovationen darbrachten, wissen, von welcher Seite ihnen
in Zeiten der Bedrängnis Hilfe werden kann. Und selbst Indien, wo Frau
Gandhi öffentlich für die Einstellung der Bombardierung Nordvietnams plädiert, bringt die Furcht vor dem großen Nachbarn jenseits des Himalaja
in geheimen Gesprächen sehr viel anders lautende Kommentare hervor.
Immer mehr Asiaten erhoffen sich von den Amerikanern Schutz vor einer
Gefahr, der sie - weil es sich um eine nukleare Bedrohung handelt - aus
eigener Kraft nicht Herr werden können. Sie fühlen sich andererseits aber
auch durch die Überreste der Ideologie von einem dritten Weltkrieg gehemmt,
das bestehende Schutzbedürfnis offen einzugestehen. Hauptthema der Tagung
von Manila war die Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in Südvietnam und die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen südostf. tiatischert

- 3 -

�südostasiatischen Raums. Die Idee eines künftigen asiatischen Sicherheitssystems blieb unausgesprochen, war aber dennoch latent vorhanden. Die Vereinigten Staaten haben aus ihrer Erfahrung mit der SEATO gelernt, die
Dinge nicht zu übereilen und mehr Nachdruck auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit als auf die militärischen Belange zu legen. Für den Erfolg
der amerikanischen Politik ist es wichtig, daß die größeren unter den
asiatischen Mächten - Japan, Indien und später einmal auch Indonesien eines Tages die ihnen zukommende Rolle spielen werden. Sie werden sich
dazu nur bereit finden, wenn ihre öffentliche Meinung auch nicht durch
den leisesten Hinweis auf die Möglichkeit schockiert wird, die Vereinigten
Staaten könnten eine Politik verfolgen, die auf eine permanente amerikanische Präsenz in Asien abzielt. Viele Asiaten sind heute der Auffassung,
eine amerikanische militärische Präsenz sei angesichts der derzeitigen
Politik Chinas und der chinesischen Bombe eine - unangenehme - Notwendigkeit. Die meisten sprechen dies ungern laut aus und wünschen in jedem
Fall, daß diese Präsenz nicht von Dauer sei.
Das ist der Hintergrund, vor dem die Zusicherung von Manila gesehen
werden muß, alle ausländischen Truppen innerhalb sechs Monaten nach dem
Abzug der Nordvietnamesen aus dem Süden aus Südvietnam abzutransportieren.
Es ist dies ein Angebot, das die amerikanischen Friedensbemühungen glaubwürdig macht. Es ist aber auch ein Versprechen, welches bezeugt, daß die
Vereinigten Staaten auf lange Sicht keine Ambitionen in Südostasien haben.
Es gibt den alliierten Staaten einschließlich Japans mit seinem bilateralen Verteidigungspakt mit den USA zu verstehen, daß sie letztlich einmal
auf eigenen Füßen stehen müssen. Auf diese Weise hofft Johnson, die Asiaten
allmählich dahin bringen zu können, die Verantwortung für ihre Sicherheit
schrittweise selbst zu übernehmen. Die Vereinigten Staaten dürften ihre
Stützpunkte in Thailand noch einige Zeit behalten; deren Funktion aber
wäre, sobald Frieden in Vietnam herrscht, in erster Linie als vorgeschobene nukleare Basen für den Ernstfall zu dienen. Nur wenn Japan und Indien
einen wirksamen nuklearen Schutz in irgendeiner Form erhalten - sei es
durch eine gemeinsame Garantie, den Erwerb von Raketen unter einem ZweiSchlüssel-System oder den Aufbau eigener nuklearer Kapazitäten -, werden
die Vereinigten Staaten nicht länger allein für den Atomschutzschirm
sorgen müssen.
Die
- 4 -

�Die amerikanischen Bedingungen für den Abzug aus Vietnam beinhalten
aber auch eine Botschaft, die an Ho Chi Minh gerichtet ist. Sie zeigt
Form und Gestalt eines möglichen Kompromisses auf. Diese Botschaft fordert
ihn auf, die Hoffnung fahren zu lassen, die Kommunisten in Südvietnam an
die Macht zu bringen

(wiewohl diese im politischen Leben des Landes nach

dem Krieg die Rolle einer Minderheitengruppe spielen könnten, wobei allerdings über die Frage, wie sie sich eingliedern lassen,erst noch zu sprechen wäre), und bieten ihm als Gegenleistung die Aussicht an, daß das
nicht-kommunistische Südvietnam zumindest

nicht Stützpunkt amerikani-

scher Truppen sein werde. Vielleicht kann sich Ho Chi Minh nie mit dem
Scheitern seiner ein ganzes Leben lang gehegten ehrgeizigen Pläne abfinden, Vietnam unter kommunistischer Herrschaft wiederzuvereinigen,und entschließt sich zum Weiterkämpfen. Tut er dies aber, läuft er Gefahr, das
Schlimmste heraufzubeschwören. Wenn das Schlachtenglück weiterhin gegen
ihn ist, wird er es schließlich dahin bringen, daß die kommunistischen
Kräfte im Süden auf einige wenige Banden gejagter Guerilla-Kämpfer zusammenschrumpfen, während eine gewaltige amerikanische Armee :vör seinem Tor
zum Süden steht. Ho Chi Minh hat die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:
Südvietnam zu einem zweiten Griechenland oder zu einem zweiten Südkorea
werden zu lassen. Das ist eine Wahl, die nicht zuletzt die Russen interessiert, denn auch sie sehen eine ständige amerikanische Garnison in
Asien ungern. Hier ist der Punkt, an dem sich der Entschluß Johnsons vom
vergangenen Jahr, eine Expeditionsstreitmacht zu entsenden, bezahlt zu
machen beginnt. Die amerikanische Armee in Vietnam ist, auch für sich
allein genommen, heute bereits ein wichtiges Faustpfand für Verhandlungen
zur Beendigung des Krieges.
Vor fünf Jahren noch schien die Vorstellung von stabilen Verhältnissen
in Südostasien Ausgeburt eines Opiumrausches zu sein. Heute besteht eine
echte Aussicht, jenes schwer heimgesuchte Gebiet zu befrieden. Die Veränderungen in der Regierung Indonesiens haben zum Entstehen neuer Machtverhältnisse im Pazifik beigetragen. Den größten Beitrag aber stellt das
amerikanische Aufgebot in Vietnam dar. Um an der Peripherie Chinas ein
stabiles System aufbauen zu können, mußten die Vereinigten Staaten erst
den Beweis erbringen, daß sie es ernst meinen. Die von ihnen in Vietnam

- 5 -

�Vietnam eingesetzten Machtmittel zeigen, was ein amerikanischer Präsident zu tun vermag, um die Expansion eines so anmaßenden Systems einzudämmen. Er vollbrachte es Ende der vierziger Jahre in Europa, und er
versucht es jetzt in Asien. Wenn sich das Bündnis, in das Johnson gegenwärtig die amerikanische Politik zu kleiden trachtet, in Vietnam zu behaupten vermag, werden sich alle jene, die die Guerilla-Kriegführung
auch in anderen Gebieten Asiens zu erproben wünschen, einen solchen
Versuch zweimal überlegen. Welches Urteil die Geschichte auch immer
über Präsident Johnsons Vietnam-Politik fällen wird, er hat klargestellt,
daß die Vereinigten Staaten willens sind, ihren Einfluß in Asien wie in
Europa geltend zu machen. Eine Verlagerung des Gewichts Amerikas nach
seiner pazifischen Flanke hin macht sich bemerkbar.

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DIE NATO, DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA

WASHINGTON - (AD) - Ansprache des Generalsekretärs der NATO, Manlio Brosio, gehalten
am Freitag, dem 18. November 1966 vor dem
Nationalen Presseklub in Washington.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen
den vollen Text der Rede zur Kenntnisnahme
und Veröffentlichung im Wortlaut oder in
Auszügen.

�DIE NATO, DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA

Ich freue mich, hier bei Ihnen sein zu dürfen. Ich war bereits mehrmals als Botschafter in Begleitung führender italienischer Politiker wie
z.B. Scelba und Fanfani Ihr Gast. Nunmehr stehe ich für mich allein hier
vor Ihnen, nicht mehr als Repräsentant eines Landes sondern eines Bündnisses, das Organisation und Hoffnung zugleich einer Gemeinschaft von
Staaten ist. Als Vertreter einer rein internationalen Organisation bin
ich in einem engeren Sinne nicht für die Handlungen irgend eines Landes
verantwortlich. Angesichts so vieler Auftraggeber sind mir zwar keine
strikten Grenzen gesetzt, es steht mir aber auch nicht an, die spezifische Haltung eines unter den verbündeten Ländern zu vertreten; andererseits ist aber auch der Versuch manchmal sehr mühsam, ihre Politik auf
eine gemeinsame Formel zu bringen. Wie der Papst, habe auch ich keine
eigenen Divisionen hinter mir. Er gebietet immerhin über eine gewaltige
geistige Macht, mir dagegen .stehen lediglich mein persönliches Urteil,
das noch dazu oft wenig bedeuten dürfte,zu Gebote und mein tiefer Glaube
an die Zielsetzung und Notwendigkeit unseres Bündnisses, der vielleicht
etwas mehr bedeuten mag. Sie geben mir den Mut, in ernsten Situationen
meine geringe persönliche Kraft in die Waagschale zu werfen.
Lassen Sie mich nun einige wesentliche Punkte herausstellen. Ich
will es dann Ihnen überlassen, sie mit subtiler und erfahrener, dabei
aber gesitteter und wohlmeinender Könnerschaft noch klarer herauszuarbeiten oder auch zu verwerfen.
Da mein Thema "Die NATO, die Vereinigten Staaten und Europa" heißt,
betrifft der erste Punkt, den ich hier mit vollem Recht herausgreifen
möchte und der Sie meines Erachtens sehr interessieren dürfte, den derzeitigen Zustand unseres Bündnisses. Wie Sie alle wissen, setzte die
französische Regierung ihre Verbündeten im März davon in Kenntnis, daß
sich Frankreich aus der integrierten Verteidigungsstruktur herauslösen
werde. Es wäre müßig und unaufrichtig, den Ernst dieser französischen
Entschlüsse bagatellisieren zu wollen, haben sie doch zweifellos eine

- 1 -

�eine der ernstesten Krisen in der siebzehnjährigen Geschichte der NATO
ausgelöst. Sie alle sind sich dieser Tatsache bewußt, und sämtliche
Zeitungen waren in den letzten acht Monaten voll von Berichten über
Schwierigkeiten innerhalb der NATO. Im Laufe der Zeit, so scheint mir
jedenfalls, konnten jedoch die meisten dieser Schwierigkeiten überwunden
werden. Beherrschende Tatsache ist nicht die Handlungsweise Frankreichs,
sondern die feste Entschlossenheit der 14 Verbündeten Frankreichs, das
NATO-Bündnis in ihrem eigenen nationalen Interesse aufrechtzuerhalten.
Der Rat wird nach Brüssel verlegt, und die militärischen Kommandostellen
werden aus Frankreich abgezogen - das Oberkommando der alliierten Streitkräfte in Europa (SHÄPE) wird nach Belgien, das Hauptquartier des Abschnitts Mitte (AFCENT) nach den Niederlanden und der Militärausschuß von
Washington nach Europa umziehen. Kanada und - in noch größerem Ausmaß die Vereinigten Staaten gruppieren ihre bisher auf französischem Boden
stationierten Truppen um und ziehen sowohl Streitkräfte als auch Vorräte
aus Frankreich ab. Alles in allem sind die 14 Staaten dabei, die NATO
rasch und mit Erfolg umzuorganisieren.
Während sich die NATO so selbst reorganisiert, haben sich in der
Welt eine Reihe von Entwicklungen vollzogen, die noch größere Fragen aufwerfen. Manche Europäer sind angesichts der Möglichkeit besorgt, daß das
Engagement der Vereinigten Staaten in Asien zu einer Schwächung der für
Europa zur Verfügung stehenden amerikanischen Truppenstärken und Hilfsquellen und zu einem Nachlassen Ihres Interesses an den europäischen
Fragen führen könnte. Ich aber stehe auf folgendem Standpunkt:
Obgleich das nordatlantische Bündnis nicht direkt in den VietnamKonflikt verwickelt ist, nimmt es doch starken Anteil an ihm und sein Ausgang kann ihm nicht gleichgültig sein.
Einige meiner hervorragenden amerikanischen Freunde, die mit der derzeitigen Politik der Vereinigten Staaten nicht gerade sympathisieren,
haben mir gegenüber nachdrücklich betont, die europäischen NATO-Verbündeten hätten die Pflicht, der amerikanischen Regierung klarzumachen, daß
der ganze Feldzug dort ein Fehler sei, und daß sie diesen Fehler korrigieren müsse - je eher, umso besser für Europa, das Bündnis und den Frieden

- 2-

�Frieden der Welt. Ich verwahre mich energisch gegen eine solche Auffassung. Meiner Überzeugung nach würde ein militärischer Rückschlag oder
ein schlechter und auf Verzicht und Preisgabe basierender Friede in Vietnam das unbedingt notwendige Vertrauen der Verbündeten der USA in amerikanische Zusicherungen untergraben. Das derzeitige amerikanische Engagement in Vietnam entspringt nicht dem Zufall - es steht vielmehr völlig
im Einklang mit der Haltung, die die Vereinigten Staaten gegenüber dem
Genfer Frieden im Jahr 1954 eingenommen haben. Die USA, die jene Regelungen nicht unterzeichnet haben, erklärten damals, sie würden diese Abmachungen respektieren und "jede Erneuerung der Aggression in Verletzung
(dieser) Vereinbarungen mit schwerer Sorge und als eine ernste Bedrohung
des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit ansehen11.
Wie ich die Dinge beurteile, geht es nicht so sehr darum, ob die eine
oder andere Regierung in Südvietnam nach Auffassung dieser oder jener
unter uns gut oder schlecht ist?, sondern darum, ob dort überhaupt irgendwelche Aussichten auf den Aufbau eines Rechtsstaates bestehen - eines
Staates, der nicht auf totalitärer Gewalt, Unterdrückung und Terror, sondern auf dem echten Ausdruck des freien Willens des Volkes von Südvietnam
beruht. Noch immer glauben einige Leute, die einzig leistungsfähige Regierung wäre dort eine kommunistische Regierung. Sicherlich sind die Kommunisten, was dit Erringung der Macht, die Vernichtung ihrer Feinde und die
Terrorisierung von Menschen bis zu ihrer völligen Unterwerfung angeht, sehr
tüchtig. Ob das Volk aber glücklich lebte, das wäre sehr die Frage. Ich als
Europäer und Angehöriger der atlantischen Gemeinschaft kann in dem Bewußtsein, wie schwierig die ersehnte Friedensregelung tatsächlich zu treffen
ist, der US-Regierung nur vollen Erfolg wünschen und dem amerikanischen
Volk und seinen Soldaten für den Mut und die Entschlossenheit danken, die
sie in diesem schwierigen Ringen um

Freiheit und Frieden beweisen.

Mein zweiter Punkt betrifft die Politik der Sowjetunion. Wie sieht
die weltweite Politik Moskaus aus? Inwieweit haben neuere Entwicklungen
die russische Strategie und Taktik beeinflußt? Bei der Beurteilung ihrer
Politik müssen wir es sorgfältig vermeiden, den Anfang eines langwierigen,
historischen Prozesses mit einem erzielten Endresultat oder eine mögliche
und wünschenswerte Entwicklung mit der Realität zu verwechseln. Es besteht

3

�besteht kein Zweifel darüber, daß sich die Russen - nach Kuba, dem
Schwinden ihrer Hoffnungen in bezug auf Berlin, Chruschtschows Abdankung
und dem Bruch mit China - vorsichtig und relativ gemäßigt geben - jedenfalls in ihren Taten, wenn auch nicht immer in ihren Worten. Doch müssen
wir sie deshalb sogleich als gute, vernünftige und friedliche Neo-Konservative ansehen, die den Versuch unternehmen, die sich so skandalös betragenden "bösen Buben", die Chinesen, zu zügeln? Meine Antwort lautet:
Lassen Sie uns sehr vorsichtig sein! Die Sowjetunion möchte nicht in
einen Krieg verwickelt werden - besonders nicht in einen größeren Krieg.
Das ist keine Frage. Ob sie ihren Einfluß für den Frieden überall geltend
machen wird wie in Taschkent, wo sie einwandfrei ein Interesse daran hatte,
als Friedensstifter aufzutreten und zu gelten - das ist sehr wohl eine Frage.
Was Vietnam betrifft, so nimmt man in gut informierten Kreisen heute
allgemein an, daß die Sowjetunion den Frieden gerne herbeiführen möchte,
aber nicht kann. Ich wage die Richtigkeit dieser Auffassung nicht anzuzweifeln, aber Vorsicht und Vernunft sagen einem, daß die Sowjetunion
einen Frieden vorzieht, der ihre Position im Lager der Kommunisten und der
Neutralen stärkt. Man muß deshalb vernünftigerweise davon ausgehen, daß
die Sowjets in dem - für sie - geeignetsten Augenblick versuchen werden,
die Vereinigten Staaten dazu zu überreden, einen "schlechten" Frieden anzunehmen - d.h. das südvietnamesische Volk zuerst dem Vietkong und später
Hanoi zu überantworten. Vielleicht irre ich mich; aber meiner Meinung nach
haben die Sowjets in Vietnam die Wahl zwischen zwei Alternativen, die
beide ihren Interessen bestens dienen: die unbegrenzte Fortdauer eines
Krieges, der allmählich China und die USA in einen langwierigen, wenngleich
nicht unmittelbaren Konflikt hineinziehen würde, oder ein Friede kommunistischer Prägung.
Das führt mich zu meinem dritten Punkt und damit mehr zu Europa. In
Europa konnten wir - vornehmlich dank den Vereinigten Staaten sowie ihrem
allgemeinen und nuklearen Potential - als erstes wichtiges Ergebnis der
Existenz und Einheit der NATO das Risiko einer tatsächlichen Aggression
auf ein Mindestmaß reduzieren. Jetzt aber hat die Sowjetunion den Schwerpunkt ihrer Politik von der unmittelbaren militärischen Bedrohung auf das
Gebiet diplomatischer und politischer Aktivität verlagert, und dort geht

- 4 -

�geht der Kampf weiter. Da die Russen niemals von ihrem Ziel ablassen
werden, sowohl eine dominierende europäische als auch eine asiatische
Großmacht zu sein, können sie das Bestehen einer natürlichen Bindung
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa nicht hinnehmen und werden
aus diesem Grunde versuchen, die atlantische Allianz auszuhöhlen und zu
vernichten. Sie werden keine andere Großmacht in Europa tolerieren, die
ebenso stark oder stärker ist als sie, und sie werden deshalb versuchen,
ein geeintes freies Europa jedweder Gestalt zu zersplittern, zu unterwandern und zu verwässern. Sie kennen die entscheidende Rolle Deutschlands sowohl im atlantischen Bündnis als auch in einem geeinten Europa
und versuchen aus diesem Grunde, die Teilung Deutschlands aufrechtzuerhalten, es zu demoralisieren und zu einem Unsicherheitsfaktor für die
freie Welt zu machen. Noch für keine dieser grundlegenden europäischen
Probleme konnte bisher eine endgültige Lösung gefunden werden. Ein politisch geeintes Europa liegt noch in weiter Ferne, das atlantische Bündnis mußte einen starken Schlag hinnehmen und Deutschland befindet sich
in einem Stadium der Unruhe.
Wir haben wohl die erste Halbzeit der Fußballschlacht mit einem Vorsprung von einem Tor gewonnen, die schwierige zweite Spielhälfte, in der
wir gewissermaßen gegen den Wind spielen müssen, ist noch nicht zu Ende
und der Ausgang noch ungewiß. Der Sieg fällt nicht immer dem zu, der das
erste Tor schießt, sondern eher dem Standhaften, der den richtigen Augenblick erfaßt, um aus der Tiefe des Feldes heraus mit übermächtiger Gewalt
anzugreifen. Wir müssen auf der Hut sein, damit wir auf diplomatischer
Ebene nicht etwa die Chance eines Sieges, oder wenigstens die eines fairen
und ehrenvollen Unentschieden verspielen.
Mein vierter Punkt gilt der Weiterentwicklung und näheren Definition
des dritten Punktes. Heute stellt Deutschland das Hauptproblem dar, und
die Aussicht auf eine Lösung dieses Problems schien zu keinem Zeitpunkt
weniger gewiß. Die Wiedervereinigung Deutschlands läßt sich natürlich
nicht in naher Zukunft verwirklichen. Die Integrierung Deutschlands in
ein politisch geeintes freies Europa scheint unter den gegenwärtigen Umständen ebenfalls recht zweifelhaft. Zweck und Ziel der atlantischen
Allianz laufen im Augenblick Gefahr,durch unkontrollierte Tendenzen in

- 5 -

�in Richtung auf eine einseitige Detente und ein Nachlassen der militärischen Anstrengungen verschleiert zu werden. Niemand wird natürlich etwas
gegen eine Intensivierung der Bemühungen haben, die Beziehungen zwischen
Ost und West auf dem Gebiet des Handels, der Kultur, der Touristik oder
der Wissenschaft zu verbessern. Dies alles mag bis zu einem gewissen
Grad zur Schaffung einer besseren Atmosphäre beitragen, die einem politischen Übereinkommen mit der Sowjetunion in der Berlin- und Deutschlandfrage förderlich ist. Es gibt jedoch Grenzen für die Bemühungen um eine
Wiederaussöhnung jenseits derer sie in die Sanktionierung des Status quo
umschlagen. In diesem Augenblick könnte Deutschland der Versuchung erliegen, direkte Verhandlungen mit den Sowjets zu wagen. Wir dürfen nicht den
Fehler machen und glauben, die Sowjets würden in Europa eine nicht-expansionistische Politik im wahren Sinne des Wortes betreiben. Der Status quo,
den sie befürworten, ist ein mächtiges Instrument in ihrer Hand, um Westdeutschland unter Druck zu setzen, von dem das Kräftegleichgewicht in
Europa weitgehend abhängt.
In dem Bericht eines wichtigen, wenn auch inoffiziellen Treffens, an
dem unlängst Experten aus Ost und West teilnahmen, hieß es abschließend:
"Aus den Ausführungen unserer osteuropäischen Teilnehmer war ihre Auffassung herauszuhören, die USA werden aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verpflichtungen oder ihres Engagements in Asien dazu gezwungen sein, hinsichtlich ihrer Interessen und ihres Einflusses in Europa zurückzustecken, die
NATO werde auseinanderbrechen und der Osten könne, wenn er lang genug warte,
bilateral mit einer Anzahl zersplitterter, kleiner und mittlerer westeuropäischer Staaten verhandeln."
Die gegenwärtige Situation ist so unklar, daß für die nächste Zukunft
weder die Möglichkeit einer "schmerzlichen Überprüfung" seitens Deutschlands noch eine Kehrtwendung der Sowjets gegenüber diesem Land - Aufgabe
der unversöhnlichen Feindschaft und Angebot einer Regelung auf Kosten des
Westens - ausgeschlossen werden kann. Um diesen sehr realen Gefahren zu
entgehen, sollten die Westmächte nie das von allen westdeutschen Politikern
dauernd wiederholte wichtige Prinzip vergessen, daß jeder Schritt auf dem
Weg zu einer Detente von einem Fortschritt in der Lösung des Deutschland-

- 6-

�Deutschlandproblems begleitet sein müsse. Wenn wir diese entscheidend
wichtige Forderung nicht vergessen, kann eine aktive Entspannungspolitik positive Ergebnisse zeitigen; lassen wir sie jedoch außer acht,
können wir ungewollt und unerwartet an den gefährlichen Punkt gelangen,
an dem es kein Zurück mehr gibt.
Lassen Sie mich fünftens diese Fragen aus einem engeren europäischen
Blickwinkel betrachten. Es gehört heute schon beinahe zum guten Ton, von
unseren lobenswerten Bemühungen um eine Detente, als Bemühungen um die
Beendigung der Teilung Europas zu sprechen. Das ist nicht nur die französische Formel eines Europas,das vom Atlantik bis zum Ural reicht, es ist
auch die manchmal in den USA und Europa gebrauchte Formel für den Zusammenschluß des geographischen Gebietes Europa vermittels neuer freundschaftlicher Beziehungen zwischen Ost und West. Einige deutsche Parlamentarier
sprachen sogar von einer "Europäischen Gemeinschaft", die auch die osteuropäischen Länder - mit Ausnahme der Sowjetunion, die nur zur Hälfte
europäisch und eigentlich eurasisch ist - umfaßt, als einer Möglichkeit
zur Wiedervereinigung Deutschlands. Diese Dinge könnten sich in der Zukunft als vielversprechende Perspektiven erweisen, vermögen jedoch in der
Gegenwart auch gefährliche Verwirrung stiften. Das freie Westeuropa strebt
seit Kriegsende den trotz einiger Fortschritte weit von seiner Verwirklichung entfernten wirtschaftlichen Zusammenschluß und die politische Einheit an - Bestrebungen, denen bisher sehr wenig Erfolg beschieden war.
Zweifellos sollte jegliches Einheitsstreben auf ein möglichst großes Europa
hinzielen, das auf der Basis politischer und menschlicher Freiheit beruht.
Man kann aber den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Heutzutage von einem
vereinten Europa oder einer europäischen Gemeinschaft zu sprechen, der sowohl freie als auch totalitäre Staaten mit unterschiedlichen Regierungsformen unterschiedslos angehören, kann nur Verwirrung hervorrufen und die
unerläßlichen Bemühungen um die politische Vereinigung eines wahrhaft
freien Europas schwächen. Die Prawda begrüßte in ihrer Ausgabe vom 29.
Oktober natürlich die Tendenz zu einer "paneuropäischen" Politik, die nur
zur Beherrschung Europas durch die Sowjetunion führen kann. Eine derartig
eilige Zustimmung seitens der Kommunisten sollte uns die Augen öffnen und
allen freien Staaten des Westens Grenzen und Gefahren eines ungehemmten

- 7-

�ungehemmten Wettlaufs in Richtung auf eine bedingungslose Entspannung
und das verschwommene Ziel einer Wiedervereinigung Europas zeigen. Die
gesunde politische Logik läßt gebieterisch den Zusammenschluß des freien
Westeuropa als die einzige Grundlage für die stufenweise Lösung der
Deutschlandfrage und als den ersten Schritt zu einer echten Aussöhnung
mit Osteuropa und der Sowjetunion erscheinen. Allein dieser Kurs ist
mit der atlantischen Allianz und mit engen Bindungen zwischen den USA
und Europa vereinbar, weil die paneuropäische Idee im Sinne der Russen
unweigerlich zu einem Europa aus schwachen Einzelstaaten führen müßte,
von denen jeder eine andere Politik verfolgen und nach und nach zu neutralistischen und semi-neutralistischen Tendenzen neigen würde.
Um einen letzten Funkt anzuführen: Ich kann die mitunter in den
Vereinigten Staaten geäußerte Ansicht nicht ignorieren, daß der militärische Beitrag der europäischen Mitglieder der NATO nicht den Hilfsquellen angemessen ist, die ihnen ihre neue wirtschaftliche Stärke an
die Hand gab. Als Europäer muß ich zugeben, daß Tatsachen diese Ansicht
einigermaßen berechtigt erscheinen lassen, und es ist nur natürlich,
wenn die Amerikaner meinen, sie hätten die Last und Mühsal lange genug
getragen. Wir müssen - unddas ist für uns alle in der NATO wichtig sicherstellen, daß die militärische Position der Allianz nicht durch unkluge Maßnahmen irgendeines Mitgliedstaats, sei es eines europäischen
oder amerikanischen, gefährdet wird.
Zu modernisieren und zu rationalisieren ist eine Sache; aus finanziellen oder noch dubioseren politischen Gründen Einschränkungen vorzunehmen, ist eine andere Sache. Bestünde die Bedrohung nicht mehr, gäbees
überhaupt keinen Grund für den Unterhalt irgendwelcher Streitkräfte über
Polizei- und Sicherungskräfte hinaus. Schwäche aber wird die Bedrohung
wieder aufleben lassen. Die einzige wirkliche Basis zur Bemessung unserer
Streitkräfte ist nach wie vor die Stärke des Gegners. Angesichts des Ausbleibens einer kontrollierten Abrüstung gibt es keine brauchbarere Alternative zur Sicherung des Friedens, als ein vernünftiges und angemessenes
Gleichgewicht der faktischen militärischen Stärke zu wahren. Läßt die
Bedrohung nach, d.h., verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Aggression, so verringert sich deshalb keineswegs auch die Stärke, die nötig ist

- 8-

�ist, um den gegnerischen Streitkräften gewachsen zu sein, sollte es
dennoch zu einer Aggression kommen.
Strategisch gesehen können uns technische Verbesserungen und eine
größere Mobilität eine längere Vorwarnzeit verschaffen, wie auch mehr
Zeit, zusätzliche Kräfte einsatzbereit zu machen. Sie gestatten vielleicht auch eine andere Verteilung der Streitkräfte. Der verstärkte
Einsatz von Luftstreitkräften kann die konventionelle Stärke insgesamt
vermehren, und den Bedarf an Landstreitkräften vermindern. Aber eine
Verringerung der konventionellen Streitkräfte liefe fast mit Sicherheit
auf einen frühzeitigeren Einsatz nuklearer Waffen und eine entsprechende
Anpassung ihrer strategischen und taktischen Anwendung hinaus. Die umfassendere Frage, die ich damit angeschnitten habe, fordert Zeit und
sorgfältige Prüfung. Ein von vorschnellen finanziellen und politischen
Erwägungen diktiertes Verhalten könnte unsere Feinde nicht täuschen,
wohl aber - das wäre das Risiko - die Moral unserer Freunde untergraben.
Ich bin überzeugt, daß eine gründliche Überprüfung der vorhandenen Verteidigungsmittel der Allianz ein wirksameres, anpassungsfähigeres und
moderneres Abschreckungs- und Verteidigungssystem einbringen kann.
Auf einem speziellen Gebiet hat der Sonderausschuß, das sog.
McNamara-Komitee für nukleare Angelegenheiten, bereits einen vielversprechenden Anfang gemacht. Dieser Ausschuß wird sich, wie ich hoffe,
als ein äußerst nützliches Instrument zur Steigerung der Schlagkraft
und der politischen Solidarität unseres Bündnisses erweisen.
Lassen Sie mich dem hinzufügen, daß der Zeitpunkt noch nicht da ist,
an dem das Bündnis in seiner Wachsamkeit nachlassen kann. Glaubten wir
etwas anderes, befänden wir uns in einem gefährlichen Irrtum. Und noch
einen weiteren Punkt sollte man stets beachten - die überaus wichtige
Rolle der militärischen Stärke in Politik und Diplomatie. Waffen sind
nicht nur für den Kampf und zur Abschreckung einer Aggression da, sie
haben auch Gewicht im Bereich der Diplomatie. Zusammen mit allen übrigen
Faktoren wirtschaftlicher, materieller und politischer Stärke sind sie
die stummen und unsichtbaren, aber oft entscheidenden Partner am Verhandlungstisch.
Abschließend

- 9-

�Abschließend möchte ich bemerken, daß sich die atlantische Allianz
jetzt Problemen anderer Art gegenübersieht. Eines davon ist den Initiativen Frankreichs zuzuschreiben; es darf aber inzwischen als geregelt
gelten. Die NATO hat durch diese Initiativen nicht gerade eine Stärkung
erfahren, liefert jedoch in dieser schwierigen Zeit einen bemerkenswerten
Beweis ihrer Einigkeit, Spannkraft und Entschlossenheit. Das zweite Problem ergibt sich aus finanziellen, politischen und militärischen Erwägungen, die eine Überprüfung der Stärke und Stellung unserer Streitkräfte
angeraten erscheinen lassen. Es muß mit größter Sorgfalt angegangen werden. Es sollte nicht nur in uneingeschränkter und vertrauensvoller Zusammenarbeit aller NATO-Verbündeten geprüft und gelöst werden - dies ist nur
die verfahrensmäßige Seite der Angelegenheit. Es sollte vielmehr vor allem
in der Absicht angepackt werden, Qualität und Schlagkraft der NATO-Streitkräfte zu verbessern und zu stärken, selbst wenn gewisse zahlenmäßige Veränderungen und Umgruppierungen beschlossen werden - und dies ist der
eigentliche Kern der Sache.
Und ein letztes: Der Wind der Entspannung weht auch um unsere Allianz.
Er kann gesund und belebend sein, sofern wir dreier Dinge eingedenk bleiben: daß die Einheit des freien Europa eines der Hauptziele der westlichen
Welt, daß ein freies Deutschland die Grundvoraussetzung für ein freies und
geeintes Europa und daß eine starke NATO mehr denn je der unerläßliche
Schutzschild ist, unter dem allein wir nicht nur diese beiden Ziele zu erreichen, sondern auch die Sicherheit Deutschlands und Europas weit in die
Zukunft hinein zu gewährleisten vermögen. Nur auf dieser Grundlage können
wir gemeinsam die Aussöhnung auf breiterer Basis und die Errichtung noch
größerer Gemeinschaften anstreben, soll unser Werk auf Fels und nicht auf
Sand gegründet sein.

+ ++++

- 10 -

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XIX - 46

VERTRAG ÜBER DIE FRIEDLICHE NUTZUNG DES WELTRAUMS

WASHINGTON - (AD) - Der Ausschuß für Weltraumfragen der
Vereinten Nationen hat den Entwurf zu einem Vertrag
über die friedliche Nutzung des Weltraums fertiggestellt,
der der UN-Vollversammlung zur Beschlußfassung durch
ihre Mitglieder unterbreitet und noch vor Ende der diesjährigen Sitzungsperiode verabschiedet werden soll.
Die Initiative zu einem solchen Vertrag ging von Präsident Johnson aus, der am 7. Mai 1966 den amerikanischen
Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Arthur J.
Goldberg, beauftragt hatte, eine Erörterung dieses
Fragenkomplexes in den zuständigen UN-Körperschaften in
die Wege zu leiten. Der jetzt vorliegende Entwurf gibt
u.a. der UN-Entschließung vom 17. Oktober 1963 juristisch bindende Form, in der die an Raumfahrt und Weltraumforschung beteiligten Staaten aufgefordert werden,
keine Massenvernichtungswaffen im Weltraum zu stationieren. Das Abkommen soll ferner allen Nationen gleichberechtigten Zugang zu allen Himmelskörpern und den dort
eventuell zu errichtenden Anlagen gewährleisten.
AMERIKA DIENST übermittelt den Redaktionen den Wortlaut
des Vertragsentwurfs, der vom US-Außenministerium am
8. Dezember 1966 veröffentlicht wurde.

�VERTRAG ÜBER DIE FRIEDLICHE NUTZUNG DES WELTRAUMS
Entwurf

Die Signatarstaaten dieses Vertrages,
inspiriert von den großartigen Möglichkeiten, die sich der Menschheit als Folge des Vorstoßes in den Weltraum bieten,
in Anerkennung des gemeinsamen Interesses aller Menschen am Fortschritt in der Erforschung und Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke,
im Vertrauen darauf, daß die Erforschung und Nutzung des Weltraums
zum Wohle aller Völker ohne Ansehen ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes fortgeführt wird,
in dem Wunsch, zu einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit
sowohl hinsichtlich der wissenschaftlichen als auch der juristischen
Aspekte der Erforschung und Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke
beizutragen,
im Vertrauen darauf, daß eine solche Zusammenarbeit dem gegenseitigen
Verständnis förderlich ist und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen
den Staaten und Völkern stärkt,
unter Hinweis auf die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen
am 13. Dezember 1963 einstimmig angenommene Entschließung Nr. 1962 (XVIII),
die die Bezeichnung "Erklärung über die juristischen Prinzipien zur Regelung der Tätigkeit der Staaten auf dem Gebiet der Erforschung und Nutzung
des Weltraums** trägt,
unter Hinweis auf die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen
am 17. Oktober 1963 einstimmig angenommene Entschließung Nr. 1884 (XVIII),
in der die Staaten aufgefordert werden, sich der Verbringung von Objekten
mit Kernwaffen oder anderer Massenvernichtungswaffen in Erdumlaufbahnen
oder der Installierung derartiger Waffen auf Himmelskörpern zu enthalten,
unter
- 1-

�unter Berücksichtigung der Entschließung Nr. 110 (II) der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 3. November 1947, mit der jede Propaganda verurteilt wird, die dem Zwecke dient oder geeignet wäre, den
Frieden auf irgendeine Weise zu bedrohen, zu brechen oder einer Aggressionshandlung Vorschub zu leisten, und von der Auffassung ausgehend, daß
die vorgenannte Entschließung auf den Weltraum anzuwenden sei,
in der Überzeugung, daß ein Vertrag über die Prinzipien zur Regelung
der Tätigkeit der Staaten auf dem Gebiet der Erforschung und Nutzung des
Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, die Zielsetzungen und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen fördern wird,
kommen wie folgt überein:

ARTIKEL I
Die Erforschung und Nutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes
und anderer Himmelskörper, wird zum Vorteil und im Interesse aller Länder
ohne Ansehen ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes durchgeführt und ist eine Domäne der gesamten Menschheit.
Der Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper,
steht bei freiem Zugang zu allen Gebieten von Himmelskörpern allen Staaten
ohne jedwede Diskriminierung auf der Basis der Gleichberechtigung und in
Übereinstimmung mit dem internationalen Recht für Zwecke der Erforschung
und Nutzung offen.
Es besteht Freiheit der wissenschaftlichen Forschung im Weltraum,
einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper; bei dieser Forschung
sollen die Staaten die internationale Zusammenarbeit erleichtern und fördern.

ARTIKEL II
Der Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper,
unterliegt nicht einer nationalen Besitznahme durch Beanspruchung von
Hoheitsrechten, durch Benutzung oder Besetzung oder durch irgendwelche
anderen Mittel.
ARTIKEL

- 2-

�ARTIKEL III
Die Signatarstaaten des Vertrags führen Unternehmungen zur Erforschung und Benutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer
Himmelskörper, in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht samt der
Charta der Vereinten Nationen im Interesse der Erhaltung des Weltfriedens
und der internationalen Sicherheit sowie einer Förderung der internationalen Zusammenarbeit und Verständigung durch.

ARTIKEL

IV

Die Signatarstaaten des Vertrags verpflichten sich, keine Objekte
auf eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen, die Kernwaffen oder irgendwelche anderen Massenvernichtungswaffen tragen, und keine derartigen
Waffen auf Himmelskörpern oder anderweitig im Weltraum zu stationieren.
Der Mond und andere Himmelskörper werden von allen Signatarstaaten
des Vertrages ausschließlich zu friedlichen Zwecken benutzt. Die Errichtung militärischer Stützpunkte, Anlagen und Befestigungen, das Erproben
von Waffen - gleich welcher Art - und die Durchführung militärischer
Manöver auf Himmelskörpern sind verboten. Die Verwendung von Militärpersonal für die wissenschaftliche Forschung oder andere friedliche
Zwecke wird nicht untersagt. Ebensowenig wird die Benutzung jedweder für
die friedliche Erforschung des Mondes und anderer Himmelskörper notwendigen Ausrüstungen oder Anlagen untersagt.

ARTIKEL

V

Die Signatarstaaten des Vertrages betrachten Astronauten als Repräsentanten der Menschheit im Weltraum und gewähren ihnen bei Unfall, Not
oder einer Notlandung auf dem Territorium eines anderen vertragschließenden Staates oder auf hoher See jede mögliche Hilfe. Wenn Raumschiffbesatzungen eine Notlandung vornehmen, müssen sie sicher und unverzüglich in das Land zurückgeführt werden, in dem ihr Raumfahrzeug registriert
ist.
Bei

- 3 -

�Bei der Durchführung von Unternehmen im Weltraum und auf Himmelskörpern unterstützen die Astronauten eines Partnerstaates die Astronauten
anderer Fartnerstaaten auf jede erdenkliche Weise.
Die Signatarstaaten des Vertrages informieren sofort die anderen
Partnermächte oder

den Generalsekretär der Vereinten Nationen über von

ihnen im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper,
entdeckte Phänomene jedweder Art, die eine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Astronauten darstellen können.

ARTIKEL

VI

Die Signatarstaaten des Vertrages tragen internationale Verantwortung
für nationale Unternehmen im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper - unabhängig davon, ob solche Unternehmen Sache von
Regierungsbehörden oder nicht-staatlichen Stellen sind - und tragen Sorge
dafür, daß nationale Unternehmen in Übereinstimmung mit den in diesem
Vertrag festgelegten Bestimmungen durchgeführt werden. Die Unternehmungen
nicht-staatlicher Organisationen im Weltraum, einschließlich des Mondes
und anderer Himmelskörper, erfordern die Zustimmung und fortgesetzte
Überwachung durch den zuständigen Staat. Wenn Unternehmungen im Weltraum,
einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, von einer internationalen Organisation durchgeführt werden, sind sowohl die internationale
Organisation als auch die in einer solchen Organisation vertretenen Partnerländer dafür verantwortlich, daß dies in Übereinstimmung mit dem vorliegenden Vertrag geschieht.

ARTIKEL VII
Jeder Signatarstaat des Vertrages, der den Start eines Objekts in
den Weltraum, zum Mond und auf andere Himmelskörper vornimmt oder organisiert, und jeder Partnerstaat, von dessen Territorium oder Anlagen aus
das Objekt gestartet wird, trägt internationale Verantwortung für den
Schaden, der durch ein solches Objekt oder dessen Bestandteile einem anderen Partnerstaat oder seinen natürlichen oder juristischen Personen

- 4 -

�Personen auf der Erde, im Luftraum oder im Weltraum samt Mond oder
anderen Himmelskörpern zugefügt wird.

ARTIKEL VIII
Ein Signatarstaat des Vertrages, bei dem ein in den Weltraum gestartetes Objekt registriert ist, behält die Jurisdiktion und Kontrolle über
dieses Objekt und über jegliches dazugehörende Personal, während der Zeit,
in der es sich im Weltraum oder auf einem Himmelskörper befindet. Die
Eigentumsrechte an Objekten, die in den Weltraum aufgelassen wurden, einschließlich der auf einem Himmelskörper gelandeten oder zusammengebauten
Objekte, sowie an ihren Bestandteilen werden von der Tatsache ihres
Aufenthalts im Weltraum oder auf einem Himmelskörper oder von ihrer Rückkehr zur Erde nicht berührt. Solche Objekte oder deren Bestandteile, die
außerhalb der Grenzen des Partnerstaats, bei dem sie registriert sind,
aufgefunden werden, müssen dem betreffenden Partnerstaat zurückgegeben
werden, wobei dieser auf Verlangen vor der Rückgabe Erkennungsdaten beizubringen hat.

ARTIKEL IX
Bei der Erforschung und Benutzung des Weltraums, einschließlich des
Mondes und anderer Himmelskörper, sollen sich die Vertragspartner von dem
Prinzip der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung leiten lassen
und ihre gesamte Tätigkeit im Weltraum, einschließlich des Mondes und
anderer Himmelskörper, mit gebührender Rücksichtnahme auf die entsprechenden Interessen aller anderen Partnerstaaten ausüben. Die Partnerländer
führen Untersuchungen im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer
Himmelskörper, sowie Forschungsprojekte in der Weise durch, daß dort
jede schädliche Kontamination vermieden wird. Umgekehrt treffen sie, wo
immer nötig, geeignete Maßnahmen, um schädliche Veränderungen in der
irdischen Umwelt als Folge des Einschleppens extraterrestrischer Materie
zu verhindern.
Wenn ein Partnerland des Vertrages Grund zu der Annahme hat, daß ein
von ihm oder seinen Staatsbürgern geplantes Unternehmen oder Experiment im

- 5-

�im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, Tätigkeiten anderer Vertragspartner bei der friedlichen Erforschung und
Nutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, ernstlich stören könnte, so muß es entsprechende internationale
Konsultationen abhalten, bevor es ein solches Unternehmen oder Experiment
fortführt. Ein Vertragspartner, der Grund zur Annahme hat, daß ein von
einem anderen Vertragspartner geplantes Unternehmen oder Experiment im
Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, sich
unter Umständen auf Projekte der friedlichen Erforschung und Nutzung des
Weltraums samt Mond und anderen Himmelskörpern schädlich auswirkt, kann
Konsultationen über das Unternehmen oder Experiment verlangen.

ARTIKEL

X

Um die internationale Zusammenarbeit bei der Erforschung und Benutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen dieses Vertrages zu fördern,
berücksichtigen die Partnerstaaten des Vertrages auf der Basi: der Gleichberechtigung jegliches Ersuchen anderer Signatarstaaten, Gelegenheit zu
erhalten, den Flug von Objekten im Weltraum zu beobachten, die durch die
betreffenden Staaten gestartet worden sind.
Welcher Art eine solche Gelegenheit zur Beobachtung sein soll und
unter welchen Bedingungen sie gewährt werden könnte, wird durch Übereinkommen zwischen den betreffenden Staaten festgelegt.

ARTIKEL XI
Um die internationale Zusammenarbeit bei der friedlichen Erforschung
und Benutzung des Weltraums zu fördern, erklären sich die Signatarstaaten,
die Unternehmungen im Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer
Himmelskörper, durchführen, damit einverstanden, sowohl den Generalsekretär der Vereinten Nationen als auch die Öffentlichkeit und die Wissenschaftler in aller Welt in größtmöglichem und zweckdienlichem Umfang von
der Natur, der Durchführung, den Orten und den Ergebnissen solcher Unternehmungen zu unterrichten. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen ist

- 6 -

�ist gehalten, die betreffenden Informationen unmittelbar nach ihrem Eingang wirksam weiterzuverbreiten.

ARTIKEL XII
Alle Stationen, Einrichtungen, Geräte und Raumfahrzeuge auf dem
Mond und anderen Himmelskörpern sind Vertretern anderer Partnerstaaten
des Vertrages auf der Basis der Gegenseitigkeit zugänglich. Die Beauftragten melden einen geplanten Besuch so rechtzeitig an, daß entsprechende Konsultationen stattfinden und maximale Vorsichtsmaßnahmen getroffen
werden können, um die Sicherheit zu gewährleisten und eine Störung des
normalen Betriebs der zu visitierenden Einrichtung zu vermeiden.

ARTIKEL XIII
Die Bestimmungen dieses Vertrages gelten für die Unternehmungen der
Signatarstaaten des Vertrages bei der Erforschung und Benutzung des Weltraums, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, gleichgültig,
ob solche Unternehmungen von einem einzelnen Partnerstaat oder gemeinsam
mit anderen Staaten, beziehungsweise im Rahmen der Programme internationaler zwischenstaatlicher Organisationen, durchgeführt werden.
Treten in Verbindung mit Unternehmungen, die internationale zwischenstaatliche Organisationen bei der Erforschung und Benutzung des Weltraums,
einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, durchführen, in der
Praxis irgendwelche Fragen auf, so sind diese von den Signatarstaaten des
Vertrages entweder mit der zuständigen internationalen Organisation oder
mit einem oder mehreren Mitgliedstaaten der betreffenden internationalen
Organisation zu klären, die dem Vertrag beigetreten sind.

ARTIKEL XIV
1. Dieser Vertrag steht allen Staaten zur Unterzeichnung offen.
Jeder Staat, der diesen Vertrag vor seinem Inkrafttreten gemäß Paragraph 3
dieses Artikels nicht unterzeichnet, kann ihm zu jedem anderen Zeitpunkt
beitreten.

- 7-

�2. Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung durch die Signatarstaaten. Die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden und Beitrittsurkunden erfolgt bei den Regierungen der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, des Vereinigten Königreiches von Großbritannien
und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika, die hiermit
zu Depositarmächten bestimmt werden.
3. Dieser Vertrag tritt in Kraft, sobald fünf Regierungen, einschließlich der Regierungen der zu Depositarmächten im Rahmen dieses
Vertrags bestimmten Staaten, die Ratifikationsurkunden hinterlegt
haben.
4. Für Staaten, deren Ratifikations- oder Beitrittsurkunden nach
Inkrafttreten des Vertrags hinterlegt werden, tritt der Vertrag mit
dem Tag der Hinterlegung ihrer Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
in Kraft.
5. Die Depositarmächte sind angewiesen, alle Signatarstaaten und
die dem Vertrag später beitretenden Staaten über den Zeitpunkt der
Hinterlegung jeder einzelnen Ratifikations- und Beitrittsurkunde, den
Zeitpunkt ihres Inkrafttretens und über andere Bekanntmachungen unverzüglich zu unterrichten.
6. Dieser Vertrag wird von den Depositarmächten gemäß Artikel 102
der Charta der Vereinten Nationen registriert.

ARTIKEL XV
i

Jeder Signatarstaat kann Zusätze zu diesem Vertrag vorschlagen.
Diese Zusätze werden für alle Vertragspartner, die sie akzeptieren,
rechtsverbindlich sobald die Mehrheit der Vertragspartner sie gebilligt
hat; für jeden anderen Vertragspartner treten sie mit dem Zeitpunkt in
Kraft, an dem er ihnen zustimmt.

ARTIKEL

- 8-

�ARTIKEL XVI
Jeder Partnerstaat kann ein Jahr nach Inkrafttreten des Vertrags
durch schriftliche Mitteilung an die Depositarmächte seine Mitgliedschaft kündigen. Der Austritt wird ein Jahr nach Eingang der schriftlichen Kündigung rechtswirksam.

ARTIKEL XVII
Die Hinterlegung dieses Vertrags, dessen in chinesischer, englischer, französischer, russischer und spanischer Sprache ausgefertigten
Texte in gleicher Weise authentisch sind, erfolgt in den Archiven der
Depositarmächte. Ordnungsgemäß beglaubigte Kopien dieses Vertrags werden
den Regierungen der SignatarStaaten und später beitretenden Staaten von
den Depositarmächten zugeleitet.
Zum Zeugnis dessen haben die Unterzeichneten, ordnungsgemäß bevollmächtigt, diesen Vertrag signiert.

(Gegeben am

zu London, Moskau und Washington am

Tage des

Eintausendneunhundert

+++++

- 9-

)

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;XIX - 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidnt Johnson unterbreitet Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaft, Staat und Weltraumforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Sr. Exzellenz, des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;George C. McGhee, gehalten am 14. Januar 1966 vor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Staatshaushalt 1966/67&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung und Auszüge der Haushaltsbotschaft, die Präsident Johnson dem amerikanischen Kongress am 24. Jan. 1966 vorgelegt hat.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Friedensbemühungen in Vietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Chronologie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Friedensbemühungen in Vietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Chronologie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Berichtigung und Ergänzung zur Sonderbeilage XIX - 4&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht Präsident Johnsons&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht, den Präsident Johnson dem amerikanischen Kongress am 27. Januar 1966 unterbreitete&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Vietnam-Konflikt&lt;br /&gt;Nicht innerer Aufruhr sondern bewaffneter Angriff von Außen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung die der amerikanische Außenminister, Dean Rusk, am 18. Februar 1966 vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats abgegeben hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Welthandelspolitik und deutsch-amerikanische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Sr. Exzellenz, des Stellv. Sonderbeauftragten des US-Präsidenten für Handelsverhandlungen, Botschafter W. Michael Blumenthal&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 13&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein leistungsfähiges Verkehrs- und Transportsystem als Voraussetzung für Prosperität und Wohlergehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Botschaft Präsident Johnsons an den US-Kongress 2. März 1966&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 21&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit beruht nicht auf Waffen allein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert S. McNamara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Verteidigungsminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 26&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung McNamaras zur atlantischen Allianz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;21. Juni 1966 "Hearings" über die amerikanische NATO-Politik und die damit im Zusammenhang stehenden Themenkreise&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 27&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Dinge beim Namen nennen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Erklärung, die Staatssekretär Georg W. Ball, am 30. Juni 1966 im Rahmen der "Hearings" über die NATO-Politik abgegeben hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 31&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen sind kein Eingeständnis des Versagens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Ansprache Präsident Johnson am 26. Aug. 66, vor der Universität Denver anläßlich der Überreichung der Ehrendoktorwürde und der Grundsteinlegung zum Bau eines neuen Raumfahrtinstituts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 32&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wären jederzeit zum Abzug aus Vietnam bereit&lt;br /&gt;Lyndon B. Johnson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 33&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Südvietnam protestierte bei der internationalen Kontrollkommission gegen die Infiltration der entmilitarisierten Zone durch bewaffnete Elemente der regulären nord-vietnamesischen Armee&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 35&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abbau der Handesschranken weiterhin US-Ziel in der Kennedy-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zehnter Jahresbericht der US-Präsidenten über das Programm für den Abschluss von Handelvereinbarungen (Mehrere Auszüge im vollen Wortlaut und das Begleitschreiben des Präsidenten)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 37&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Europa-Politik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede des amerikanischen Präsidenten, vor dem Verband der amerikanischen Leitartikler und Kommentatoren 7. Oktober 1966&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 39&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;I. Gipfelkonferenz in Manila&lt;br /&gt;II. Die Deklarationen von Manila&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des gemeinsamen Schlusskommuniques, und gleichzeitig unterzeichneten Deklarationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 42&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht-kommunistischer Konsensus im Pazifik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus "The Economist", London, 29. Oktober 1966&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 43&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO, Die Vereinigten Staaten und Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Generalsekretärs der NATO, Manlio Brosio, 18. November 1966&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;XIX - 46&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertrag über die friedliche Nutzung des Weltraums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Vertragsentwurfs, 8. Dezember 1966&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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12. April 1972

15

INFORMATION:

Inhalt

Vertrag über das Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel
unterzeichnet
-Präsident Nixon würdigt Bedeutung des AbkommensDOKUMENTATION:
Die Einstellung der Bombardierung Nordvietnams 1968 und die Warnungen
der USA
-Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-PolitikerWIRTSCHAFT:
Der amerikanische Dollar 1972
Von Dorothy Crook
Erweiterung des Gemeinsamen Marktes erschwert US-Getreideexporte
Von Sam W. Morris
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO-Nachrichten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1972

VERTRAG ÜBER DAS VERBOT DER ANWENDUNG BAKTERIOLOGISCHER KAMPFMITTEL UNTERZEICHNET

-Präsident Nixon würdigt Bedeutung des Abkommens-

WASHINGTON --(AD)-» Im Beisein von Präsident Nixon sowie von mehr als 70 diplomatischen Missionschefs ist am 10. April in Washington der Vertrag über ein
Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel unterzeichnet worden.
Gleichzeitig lag diese Konvention in London und Moskau zur Unterschrift aus.
Der 15 Artikel umfassende Vertrag tritt in Kraft, wenn er von 22 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, ratifiziert worden ist. In Washington unterzeichneten Vertreter von über 70 Ländern das Abkommen, das den offiziellen Titel trägt: "Der Vertrag über das Verbot der Entwicklung, der Herstellung und der Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung". Die Konvention
war 1971 auf der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und mit überwältigender Mehrheit von der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Unterschrift
empfohlen worden..
In einer kurzen Ansprache würdigte Präsident Nixon die Bedeutung dieses
Abkommens, wobei er erklärte, daß jede Großmacht den Grundsatz verfolgen müsse,
weder direkt noch indirekt irgendeine andere Nation zur Anwendung von Gewalt zu
ermutigen.
In
-1-

�In New York forderte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kurt
Waldheim, alle Länder auf, diesen neuen Vertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Er bezeichnete das Abkommen als eine bedeutende Leistung auf dem Gebiet der Abrüstung.
Präsident Nixon führte in seiner Ansprache unter anderem aus:
".... Der sowjetische Botschafter hat (in seiner Ansprache) auf die Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen hingewiesen. Wir arbeiten
auf dieses Ziel hin - auf ein Ziel, das, wie der Botschafter gesagt hat, nicht
nur den Interessen des Friedens zwischen unseren beiden Ländern, sondern auch
den Interessen des Friedens der gesamten Welt dienen wird.
Wenn wir jedoch auf diese verschiedenen Abkommen blicken, dann müssen wir
uns darüber klar sein, wieviel sie bedeuten, und was immer noch getan werden
muß, damit wir unser Endziel erreichen. Was diese Abkommen anbetrifft, so sind
sie grundsätzlich kein Selbstzweck. Sie begrenzen die Rüstungen, aber sie bedeuten noch nicht das Ende des Krieges. Sie sind Mittel zur Erreichung eines
Zieles, und dieses Ziel ist der Friede«
Das Abkommen, das hier heute unterzeichnet wird, hat eine sehr große Bedeutung. Es bedeutet, daß alle Wissenschaftler der Welt - eine wahrhaft weltweite
Gemeinschaft - ungeachtet ihrer Sprache, ihrer Rasse und ihrer Herkunft nunmehr
ihre ganze Energie auf den Kampf gegen den Feind der gesamten Menschheit, nämlich die Krankheit, richten können, statt an der Entwicklung biologischer Waffen zu arbeiten, die die eine Nation gegen die andere einsetzen könnte.
Aus diesem Grunde ist dieses Abkommen von so enormer Bedeutung für alle
diejenigen, die seine Entstehung mitverfolgt haben. Aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß diese Abkommen nur ein Mittel zur Erreichung eines Zieles
sind; wir müssen uns ebenfalls darüber im klaren sein, daß mehr getan werden
muß, um unser Ziel zu verwirklichen: nicht nur die Begrenzung der Rüstungen,sondern die Beendigung der Kriegsdrohung, die über der Welt schwebt.
Was

-2-

i

�Was dieses Ziel anbetrifft, so sehen wir es als Aufgabe an, daß jedes Land
der Welt auf die Anwendung von Gewalt, auf die Anwendung der Aggression gegen
andere Nationen verzichten muß. Wir müssen uns ferner über eine weitere Aufgabe
im klaren sein, nämlich, daß eine große Verantwortung insbesondere auf den Großmächten ruht, daß jede Großmacht den Grundsatz verfolgen muß, weder direkt noch
indirekt irgendeine andere Nation zu ermutigen, Gewalt oder bewaffnete Aggression
gegen einen ihrer Nachbarn anzuwenden.
Dies sind die großen Prinzipien, die wir letztlich verwirklichen müssen, wenn
wir wirklich eine Welt des Friedens haben wollen, und ich bin überzeugt, daß jeder von uns auf diese großen Prinzipien hinarbeiten wird, wo wir heute diesen
Schritt ergreifen."
In Washington wurde der Vertrag von den Vertretern folgender Länder unterzeichnet :
Afghanistan, Äthiopien,Australien, Belgien, Bolivien, Botswana, Brasilien,
Bulgarien, Bundesrepublik Deutschland, Burma, Burundi, Ceylon, Chile, Costa Rica,
Dahome, Dominikanische Republik, El Salvador, Finnland, Ghana, Großbritannien,
Haiti, Honduras, Iran, Irland, Island, Italien, Japan, Jordanien, Jugoslawien,
Kambodscha, Kanada, Kolumbien, Laos, Lesotho, Libanon, Liberia, Malawi, Mali,
Malaysia, Mauritius, Mexiko, Mongolische Volksrepublik, Nepal, Neuseeland,
Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Österreich, Pakistan, Peru, Philippinen, Polen,
Republik China, Republik Korea, Republik Vietnam, Rumänien, Rwanda, Schweiz,
Senegal, Sowjetunion, Spanien, Südafrika, Togo, Tschechoslowakei, Türkei, Tunesien, Ungarn, Venezuela, Vereinigte Staaten, Yemen, Zaire, Zentralafrikanische
Republik, Zypern.
I I II IIII

-3-

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15/1972

DIE EINSTELLUNG DER BOMBARDIERUNG NORDVIETNAMS 1968 UND
DIE WARNUNGEN DER USA
-Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-Politiker-

WASHINGTON --(AD)-- Angesichts der Tatsache, daß die gegenwärtige nordvietnamesische Invasion Südvietnams über die entmilitarisierte Zone zwischen den
beiden Ländern eine eindeutige Verletzung der grundlegenden Verständigung
ist, die am 31. Oktober 1968 zu der Einstellung der amerikanischen Bombenangriffe auf den Norden führte, dürften die nachfolgenden Auszüge aus Erklärungen maßgebender amerikanischer Politiker ein klares Bild über die seitherigen Entwicklungen und die ständigen Bemühungen der USA um den Frieden geben.

Rede Präsident Johnsons an das amerikanische Volk vom 31. Oktober 1968
"Am letzten Sonntagabend und während des Montag erhielten wir dann die
Bestätigung der grundlegenden Verständigung, um die wir uns bei den Nordvietnamesen seit einiger Zeit hinsichtlich der entscheidenden Fragen bemüht hatten.
Ich verbrachte den größten Teil des Dienstag damit, jede Einzelheit dieser
Angelegenheit mit dem Kommandeur unserer Truppen in Vietnam zu erörtern, mit
General Abrams

Als Ergebnis all dieser Entwicklungen habe ich nunmehr

angeordnet, daß alle Bombardierungen Nordvietnams aus der Luft, von See her
und durch Artillerie ab Freitagmorgen 0800 Uhr Washingtoner Zeit (1400 Uhr
deutscher Zeit) eingestellt werden.... Was wir nunmehr erwarten - und was wir

�wir mit Recht erwarten können - sind sofortige, produktive, ernsthafte und
intensive Verhandlungen in einer Atmosphäre, die zum Fortschritt beiträgt. Wir
haben das Stadium erreicht, wo produktive Gespräche beginnen können. Wir haben
der anderen Seite klargemacht, daß solche Gespräche nicht andauern können, wenn
sie daraus militärischen Vorteil zieht. Es kann keine produktiven Gespräche in
einer Atmosphäre geben, wo die Städte beschossen und die entmilitarisierte Zone
mißbraucht wird.
Ich glaube, ich sollte Sie, meine amerikanischen Mitbürger, warnen, daß
Arrangements dieser Art niemals hundertprozentig sicher sind. Auch formelle
Verträge sind niemals hundertprozentig sicher, wie die Erfahrung uns gelehrt
hat... Wir könnten irregeführt worden sein - und wir sind auch auf einen solchen
Fall vorbereitet. Wir beten zu Gott, daß dieser Fall nicht eintritt."

Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers Dean Rusk vom 1. November 1968
"Frage: Herr Außenminister, welche direkten Zusicherungen, wenn überhaupt,
haben die Vereinigten Staaten, daß Nordvietnam keine Eskalation des Krieges betreiben oder die entmilitarisierte Zone verletzen und unsere Truppen in Gefahr
bringen wird?
Antwort: Nordvietnam weiß genau, was von ihm in dieser Situation verlangt
wird. Sie wissen, was wir in Bezug auf die Gespräche erwarten, und sie wissen,
was wir in Bezug auf die Gegebenheiten erwarten, unter denen ernsthafte Gespräche vorankommen können. Sie wissen, daß wir für die Sicherheit unserer eigenen
und die unserer verbündeten Kampfgruppen sorgen werden. Es gibt kein Mißverständnis in dieser Beziehung. Die Situation ist für sie ganz klar, und auch nach
unserer Ansicht. Ich kann die genauen Einzelheiten nicht darlegen, aber die
kommenden Tage und Wochen, so glaube ich, werden zeigen, worum es geht.
Frage: Herr Außenminister, dies ist möglicherweise die gleiche Frage,
aber Sie sagten in Ihrer Erklärung, daß wir - abgesehen davon, was dritte uns
gesagt haben - unsere eigenen Gründe für die Annahme haben, daß unsere Maßnahme
-2-

�Maßnahme einen konstruktiven Schritt darstellt. Können Sie uns irgendwelche Hinweise dafür geben, warum wir dies für einen konstruktiven Schritt halten?
Antwort: Ich glaube, wir haben Ihnen gegenüber angedeutet, daß sich die
Dinge über das Wochenende in einer solchen Weise zu entwickeln begannen, daß wir
guten Grund für die Annahme hatten, daß es im Falle der Einstellung der Bombardierung ernsthafte Gespräche geben würde, an denen die Regierung Südvietnams
teilnehmen würde,und daß diese Gespräche unter förderlichen Bedingungen voranschreiten könnten - das heißt, unter Bedingungen an der Front, was die tatsächliche Situation im Kampfgebiet anbetrifft.
Jetzt hat der Präsident gestern abend gesagt, daß die Dinge auch verkehrt
verlaufen können. Er hat erklärt, selbst formelle Verträge sind niemals hundertprozentig. Wir könnten also enttäuscht werden, aber es gibt keinen Zweifel nicht
nur über unsere Erwartungen, sondern auch darüber, daß die andere Seite unsere
Erwartungen kennt.
Frage: Wir gehen also von mehr als nur einer Annahme aus?
Antwort: Wir gehen von mehr als einer reinen Annahme aus."

Interview des Staatssekretärs für die US-Luftstreitkräfte, Dr. Harold Brown,
mit der National Broadcasting Company (NBC) vom 4. November 1968
"Die Stabschefs der US-Streitkräfte haben dem Präsidenten ihre Empfehlungen
vorgelegt und ihm gegenüber erklärt, daß dies ein durchaus akzeptables militärisches Risiko ist und daß dieser Schritt ihres Erachtens zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Hinblick auf die militärische Lage, die Verbesserung der militärischen
Lage und die Tatsache unternommen werden sollte, daß wir weiterhin Aufklärungsflüge durchführen werden und daß General Abrams ermächtigt ist, bei jeder Gefährdung seiner Truppen Gegenmaßnahmen zu ergreifen."
Pressekonferenz
-3-

�Pressekonferenz von Verteidigungsminister Clark Clifford vom 12. November 1968

"Frage: Würden Sie zu den von mehreren Journalisten erhobenen Vorwürfen
Stellung nehmen, daß die Regierung schon vor dem Bombardierungsstopp und der Bekanntgabe der grundlegenden Verständigung am 31. Oktober wußte, daß die südvietnamesische Regierung sich nicht an den Gesprächen in Paris beteiligen würde, und
würden Sie uns sagen, ob die südvietnamesische Regierung sich unseren Diplomaten
gegenüber unhöflich verhalten hat?
Antwort: .... Saigon war über die anderen Vereinbarungen, auf die wir hinarbeiteten, voll unterrichtet - also über die grundlegende Verständigung bezüglich der entmilitarisierten Zone und die Verständigung in Bezug auf die Städte.
Wir führten lange Gespräche bezüglich der Aufklärung. Sie wurden voll auf dem
laufenden gehalten."

Interview des amerikanischen Verteidigungsministers Clark CLifford mit der
Amerikanischen Broadcasting Company (ABC) vom 24. November 1968
"Frage: Herr Minister, die Nordvietnamesen behaupten, wir verletzten die
grundlegende Verständigung, weil wir unsere Aufklärungsflüge fortsetzten. Haben
wir die Absicht, diese Flüge einzustellen?
Antwort: Nein. Es ist für den Präsidenten äußerst wichtig zu wissen, was
in Nordvietnam vorgeht. Wenn es dort irgendeine ungewöhnliche Massierung gibt,
sei es an Truppen oder an Kriegsmaterial, so muß er sofort davon unterrichtet
sein. In den Pariser Verhandlungen ist in all diesen Monaten den Vertretern
Nordvietnams klar gemacht worden, daß wir die Aufklärungsflüge fortsetzen werden.
Wir tun dies Tag für Tag, die ganze Zeit schon. Wir verfolgen sehr genau, was vor
sich geht, da wir, falls es zu irgendwelchen Entwicklungen kommt, die die Gefahr
für unsere Truppen erhöhen, möglicherweise Maßnahmen ergreifen müssen.
Wenn

-4-

�Wenn Hanoi seinen guten Willen beweisen will, indem es die Voraussetzungen
für diese Gespräche erfüllt, und sich an die grundlegende Verständigung hält,
dann ist er (der Präsident) bereit, voranzugehen. Wenn sie uns irgendwann zeigen, daß es ihnen nicht ernst ist und daß sie nicht guten Willens vorangehen,
so zweifle ich nicht im geringsten daran, daß der Präsident zu unserer früheren
Konzeption zurückkehren muß, und das bedeutet, den Gegner unter Druck zu halten,
und das würde notfalls auch Bombardierungen einschließen."

Presseunterrichtung durch den amerikanischen Chefdelegierten bei den Pariser
Vietnam-Gesprächen, W. Averall Harriman, vom 4. Dezember 1968 im Weißen Haus
"Die grundlegende Verständigung war insofern ganz eindeutig, daß wir klargestellt hatten, daß ernsthafte Gespräche und genausowenig auch der Bombardierungsstopp nicht fortdauern können, wenn sie nicht die entmilitarisierte Zone
respektierten und die wahllose Bombardierung der großen Städte unterließen."

-Präsident Nixons Warnungen an Hanoi bezüglich des Einsatzes amerikanischer
LuftstreitkräftePressekonferenz vom h. März 1969
Frage: Herr Präsident, die kommunistische Offensive in Vietnam hat Spekulationen ausgelöst, die besagen, daß Ihre Regierung getestet werden soll, besonders in Bezug auf die grundlegende Verständigung vom 1. November vergangenen
Jahres, die zur Einstellung der Bombardierungen führte. Würden Sie uns dazu Ihre
Meinung sagen?
Antwort: Wenn wir von der kommunistischen Offensive reden, so ist es
meiner Ansicht nach wichtig, zunächst zu analysieren, was diese Offensive
bedeutet und welches ihre Ziele sind im Vergleich zu der Offensive vom vergangenen

-5-

�vergangenen Jahr. Dann müssen wir überlegen, was diese Offensive in Bezug auf
eine Verletzung der grundlegenden Verständigung zur Zeit des Bombenstopps bedeutet... Diese Absprache lief darauf hinaus, daß ein weiterer Beschuß oder weitere Angriffe auf die Städte, die großen Städte in Südvietnam, nicht mit produktiven Friedensgesprächen in Paris zu vereinbaren sein würden. Wir prüfen diese
spezielle Offensive - und wir prüfen sie sehr sorgfältig - daraufhin, ob ihr
Ausmaß eine Verletzung dieser grundlegenden Verständigung darstellt. In technischer Hinsicht könnte man sie als eine Verletzung bezeichnen.. Ob wir jedoch
zu dem Schluß kommen, daß diese Verletzung so erheblich ist, daß sie Maßnahmen
unsererseits erfordert, das ist eine Entscheidung, die wir sehr bald treffen
werden, wenn diese Angriffe in ihrem gegenwärtigen Ifafang andauern
Ein anderer Aspekt sollte noch erwähnt werden: Ich möchte mit dieser Analyse nicht den Ernst dieser Angriffe herabsetzen, denn die amerikanischen Verluste haben sich, wie ich festgestellt habe, während dieser Angriffe verdoppelt.
Daher ist es notwendig, daß der amerikanische Präsident bei der Bewertung dieser
Angriffe diese grundlegende Verständigung nicht nur im Zusammenhang mit den Angriffen auf die Städte, sondern auch im Zusammenhang mit seiner Pflicht sieht,
die in Vietnam kämpfenden amerikanischen Soldaten zu schützen.
Wir haben nicht überstürzt gehandelt, aber die Tatsache, daß wir Geduld
und Nachsicht üben, sollte auch nicht als ein Zeichen der Schwäche ausgelegt
werden. Wir werden die fortgesetzte Verletzung einer Absprache nicht dulden. Darüber hinaus werden wir aber auch keine Angriffe hinnehmen, die zu höheren Verlusten unter unseren Soldaten zu einer Zeit führen, da wir uns aufrichtig darum
bemühen, am Konferenztisch in Paris Frieden zu schaffen. Falls diese Angriffe
fortdauern, wird eine entsprechende Erwiderung erfolgen
Frage: Herr Präsident, würde von Ihnen eine angemessene Reaktion in Betracht gezogen, falls die Angriffe in Südvietnam anhalten? Würde eine solche
angemessene Reaktion die Wiederaufnahme der Bombardierungen des Nordens einschließen?
Antwort:

�Antwort: .... Um die Frage zu beantworten, möchte ich nur sagen, die Vereinigten Staaten besitzen eine Reihe von Möglichkeiten, um zu reagieren. Es
existieren verschiedene EventualpLäne, die in die Tat umgesetzt werden können.
Alle diese Pläne werden von mir geprüft. Wir werden uns des Planes bedienen, der
unserer Meinung nach den Aktionen der anderen Seite angemessen ist. Ich werde
nicht vorzeitig andeuten, ich werde nicht öffentlich bekanntgeben und ich werde
nicht drohen - das würde uns meiner Ansicht nach nicht helfen - daß wir den
Norden bombardieren oder etwas anderes unternehmen werden."

Pressekonferenz vom 14. März 1969
"Der Präsident: Es wird meine Politik als Präsident sein, nur einmal
eine Warnung auszusprechen, und ich will sie jetzt nicht wiederholen. Alles, was
in der Zukunft getan werden muß, wird getan werden. Es wird keine weitere Warnung mehr geben... Wir haben eine Warnung erteilt. Wir werden nicht noch einmal
eine Warnung aussprechen. Wenn wir zu dem Schluß kommen, daß die Verlustziffer
höher ist, als wir sie hinnehmen können, dann werden Maßnahmen folgen."

Fernsehansprache zur Vietnam-Politik vom 3. November 1969
"Sollten das Ausmaß der Infiltration oder unsere Verluste zunehmen, während
wir uns um eine Reduzierung der Kampfhandlungen bemühen, so wird dies die Folge
einer bewußt getroffenen Entscheidung des Gegners sein.
Hanoi könnte keinen größeren Fehler begehen, als anzunehmen, daß eine Zunahme der Gewalttätigkeit zu seinem eigenen Vorteil gereichen würde. Wenn ich
zu dem Schluß kommen sollte, daß verstärkte gegnerische Aktionen unsere in
Vietnam verbleibenden Truppen gefährden, dann werde ich nicht zögern, nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Situation zu begegnen.
Dies ist keine Drohung. Dies ist eine politische Erklärung, die ich als
Oberbefehlshaber unserer Streitkräfte abgebe, um meiner Pflicht nachzukommen,
die amerikanischen Soldaten, wo immer sie stehen, zu schützen."
Fernsehansprache
-7-

�Fernsehansprache vom 15. Dezember 1969
"Ich habe jedoch immer gesagt, daß wir Risiken für den Frieden auf uns
nehmen müssen. In diesem Zusammenhang möchte ich die Führer in Hanoi daran erinnern, daß sie ebenfalls ein Risiko eingehen, wenn die Infiltration und das
Ausmaß der Feindtätigkeit anwachsen, während wir unsere Streitkräfte reduzieren.
Ich wiederhole die Erklärung, die ich in meiner Rede vom 3. November gemacht
habe:
Hanoi könnte keinen größeren Fehler begehen, als anzunehmen, daß eine Zunahme der Gewalttätigkeit zu seinem eigenen Vorteil gereichen würde. Wenn ich
zu dem Schluß kommen sollte, daß verstärkte gegnerische Aktionen unsere in
Vietnam verbleibenden Truppen gefährden, dann werde ich nicht zögern, nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Situation zu begegnen '

Pressekonferenz vom 30. Januar 1970
"Wir beobachten weiterhin die Situation und wir werden darauf vorbereitet
sein, entsprechend zu handeln. Ich möchte jedoch alle, und besonders den Gegner,
an das erinnern, was ich am 3. November gesagt und am 15. November wiederholt
habe. Wenn wir in einer Zeit, in der wir versuchen, die Kämpfe in Vietnam zu
deeskalieren, feststellen, daß der Gegner aus unserem Truppenabzug Vorteil
zieht, um durch eine Eskalation der Kämpfe unsere verbleibenden Truppen zu gefährden, dann verfügen wir über die Mittel - und ich werde bereit sein, von
diesen Mitteln Gebrauch zu machen -, um entsprechend dieser Situation nachdrücklich zu handeln - nachdrücklicher, als wir dies in der Vergangenheit getan haben."

Fernsehansprache vom 20. April 1970
"Ich möchte jedoch die Führer Nordvietnams erneut daran erinnern, daß sie
ein ernstes Risiko eingehen, falls sie versuchen sollten, die Gelegenheit zu
benutzen, um die Sicherheit unserer verbleibenden Streitkräfte in Vietnam durch

�durch verstärkte militärische Tätigkeit in Vietnam, in Kambodscha oder in Laos
zu gefährden, während wir diese Risiken für den Frieden auf uns nehmen.
Ich wiederhole, was ich am 3. November und am 15. Dezember erklärt habe.
Wenn ich zu dem Schluß komme, daß eine verstärkte Feindtätigkeit unsere verbleibenden Streitkräfte in Vietnam gefährdet, dann werde ich nicht zögern, harte und
wirksame Maßnahmen zu ergreifen,um mit dieser Situation fertig zu werden.11

Fernsehansprache vom 30. April 1970

"In meinem Vietnam-Bericht an die Nation vor zehn Tagen gab ich die Entscheidung bekannt, im Laufe der nächsten 12 Monate weitere 150 000 amerikanische
Soldaten abzuziehen. Ich sagte damals, daß ich diese Entscheidung trotz unserer
Sorge über die zunehmende Feindtätigkeit in Laos, Kambodscha und Südvietnam
träfe.
Ich warnte damals, daß ich nicht zögern würde, feste und wirksame Maßnahmen
zu treffen, wenn ich zu dem Schluß käme, daß die erhöhte Feindtätigkeit in
einem dieser Gebiete das Leben der in Vietnam verbleibenden Amerikaner gefährden
würde.
Trotz dieser Warnung hat Nordvietnam seine militärische Aggression in allen
drei Gebieten - vor allem in Kambodscha - verstärkt."

Pressekonferenz vom 8. Mai 1970
"Ich will keine Spekulationen darüber anstellen, was die Nordvietnamesen
möglicherweise tun. Ich will lediglich sagen, daß ich es, wenn die Nordvietnamesen das tun, was sie nach Meinung einiger Leute tun könnten, nämlich mit
massierten Kräften von 250 000 oder 300 000 Mann über die entmilitarisierte
Zone hinweg gegen unsere dort stehenden Marinekorpseinheiten anzutreten,
-9-

�anzutreten, sicherlich nicht zulassen würde, daß unsere Männer dort niedergemetzelt werden, ohne stärkere und wirksamere Kräfte gegen Nordvietnam einzusetzen.
Ich glaube, daß wir die Führer Nordvietnams in dieser Hinsicht mehrfach gewarnt haben. Und weil wir sie gewarnt haben, glaube ich nicht, daß sie über die
entmilitarisierte Zone vorrücken werden."

Fernsehinterview vom 1. Juli 1970
"Um nun auf Ihre Frage zurückzukommen - wenn Sie zunächst einmal von ReEskalation sprechen, so planen wir nicht, erneut nach Kambodscha vorzustoßen.
Wir planen jedoch - und ich werde diese Macht einsetzen, ich werde sie soweit
notwendig einsetzen - , durch die Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten den
Nachschub von Menschen und Material, den ich als gegen Südvietnam gerichtet erachte, zu unterbinden. Das ist Teil meiner Aufgabe des Schutzes amerikanischer
Soldaten.
Nun wollen wir einmal die anderen Möglichkeiten einer Eskalation betrachten.
Zum Beispiel haben wir, wie Sie wissen, die Bombardierung im Norden eingestellt.
Und wie Sie auch wissen, war einer der Punkte der sogenannten Absprachen zu dem
Zeitpunkt, als wir die Bombardierung einstellten, der, daß amerikanische Aufklärungsflüge über Nordvietnam stattfinden könnten, um festzustellen,ob der Gegner
einen

neuen Angriff plane. Und diese Aufklärungsflüge sollten keinen Angriffen

ausgesetzt sein.
Jetzt wird von den Nordvietnamesen ständig auf diese Flugzeuge geschossen.
Ich habe darum, als wir am 30. April mit unserer Operation begannen, einige Angriffe auf Stellungen in Nordvietnam angeordnet, von denen aus unsere Flugzeuge
beschossen wurden.
Sollten diese Angriffe sich wiederholen, werde ich natürlich unsere Luftmacht auf die nordvietnamesischen Stellungen ansetzen, von denen aus unsere Flugzeuge angegriffen werden. Dies ist meine Pflicht, um die amerikanischen Soldaten,
unsere jungen Männer, zu verteidigen, wenn sie angegriffen werden."
Pressekonferenz
-10-

�Pressekonferenz vom 10. Dezember 1970
"Wenn unsere Flugzeuge beschossen werden, dann werde ich nicht nur anordnen, daß sie das Feuer erwidern, sondern ich werde auch anordnen, daß die Raketenstellung zerstört wird und daß der militärische Komplex um diese Stellung
herum ebenfalls durch Bomben zerstört wird.
Darüber hinaus gibt es eine weitere grundlegende Verständigung hinsichtlich
der Bombenangriffe auf Nordvietnam. Auf einer Reihe von Pressekonferenzen sowie
in meiner Rede vom 3- November und in vier Fernsehansprachen an das amerikanische
Volk habe ich dies erklärt, und ich erkläre es heute abend erneut: zu einer Zeit,
da wir uns aus Südvietnam zurückziehen, ist es von lebenswichtiger Bedeutung,
daß der Präsident der Vereinigten Staaten als Oberbefehlshaber die Maßnahmen ergreift, die zum Schutze unserer verbleibenden Truppen notwendig sind, weil die
Zahl unserer Erdkampftruppen beständig zurückgeht.
Sollte ich zu dem Schluß kommen, daß die Nordvietnamesen durch ihre Infiltration unsere verbleibenden Truppen gefährden, sollten sie dadurch eine bestimmte Kapazität gewinnen und darangehen, diese Kapazität möglicherweise einzusetzen, um die Kampfhandlungen in Südvietnam zu verstärken, dann werde ich die
Bombardierung militärischer Anlagen in Nordvietnam, der Pässe, die von Nordvietnam nach Südvietnam führen, der militärischen Komplexe und der militärischen
Nachschublinien anordnen. Das wird die Reaktion sein, die dann von mir erfolgt."

Fernsehinterview vom 4. Januar 1971
"Ich hege nicht den Wunsch, die Bombardierung von Nordvietnam wieder aufzunehmen. Wir wollen nicht zu der Bombardierung der strategischen Ziele in Nordvietnam zurückkehren, ja wir wollen nicht einmal militärische Ziele bombardieren, wenn es nicht notwendig wird - und das ist der entscheidende Faktor -, um
amerikanische Truppen zu schützen.
Was

.11-

�Was nun die grundlegende Verständigung anbetrifft, so wollen wir diese einmal näher untersuchen.
Erstens, es gab eine grundlegende Verständigung,. Präsident Johnson hat dies
gesagtj Dean Rusk hat dies gesagt, Clark Clifford hat dies gesagt und Harriman
hat dies gesagt. Es bestand eine grundlegende Verständigung, daß nach Einstellung
der Bombardierung unbewaffnete Aufklärungsflugzeuge über Nordvietnam fliegen könnten, ohne angegriffen zu werden. Wir mußten darauf bestehen, denn sonst hätten wir
keinerlei Aufklärung darüber gehabt, ob sie etwa einen Angriff gegen uns planten.
Wenn sie also jene Kampfflugzeuge beschießen, dann, so habe ich Anweisung
erteilt, werden wir die Sam-Raketenstellungen - oder was immer es war, das auf
unsere Flugzeuge geschossen hat - herausgreifen. Wir werden das auch weiterhin
tun, und wenn sie (die Kommunisten) behaupten, es gäbe keine grundlegende Verständigung in dieser Richtung, dann gibt es auch für uns keinerlei Einschränkungen; das dürfen wir nicht vergessen. Nun, die andere grundlegende Verständigung
ist eine, die von mir ausging. Es ist eine neue Verständigung, die parallel zu
unserem Vietnamisierungsprogramm und zu unserem Abzugsprogramm läuft.... Der
Präsident der Vereinigten Staaten trägt als Oberbefehlshaber die Verantwortung
dafür, daß sich diese (in Vietnam verbleibenden amerikanischen) Soldaten nicht
einem überwältigenden Angriff aus dem Norden ausgesetzt sehen. Darum müssen wir
die Aufklärung fortsetzen und darum werde ich auch als Oberbefehlshaber Bombenangriffe gegen Schlüsselgebiete befehlen müssen, wenn der Gegner in einer Zeit,
da wir deeskalieren, in einer Zeit, da wir uns zurückziehen, seine Infiltration
zu verstärken beginnt - Truppen und Nachschub über den Mu-Gia-Pass und über andere
Pässe zu bewegen beginnt.
Das war einer der Gründe für diesen Schlag, und wir werden

es erneut tun,

wenn unsere in Vietnam verbleibenden Truppen weiterhin bedroht werden - aber
nur gegen militärische Ziele, und nur, wenn es notwendig ist.
Ich habe das nicht erst vor einem Monat, sondern schon im November klargemacht. Sie werden sich an den 3.

November erinnern, ich meine meine Rede vom

3. November, als ich die Nordvietnamesen warnte, daß ich zurückschlagen würde.

�würde, wenn sie in einer Zeit, da wir unsere Truppen abziehen, ihre Infiltration
verstärkten und unsere verbleibenden Truppen bedrohten.
Ich habe das bei acht verschiedenen Gelegenheiten im Fernsehen und im Rundfunk erklärt. Ich habe das auch in anderen Botschaften an sie (die Nordvietnamesen) gesagt, die bei ihnen sehr laut und sehr deutlich angekommen sind. Es kann
also keine Frage bezüglich der grundlegenden Verständigung geben - und darum
haben wir dies getan.

Pressekonferenz vom 4. März 1971
"Ich habe bei zehn verschiedenen Anlässen erklärt...... daß wir in zweifacher Hinsicht unsere Luftmacht gegen den Norden einsetzen würden. Erstens,
daß wir jene Raketenstellungen angreifen würden, von denen her unsere Flugzeuge
beschossen werden; das ist gesehen, und wir werden dies fortsetzen. Zweitens,
daß ich Angriffe auf die Nachschubwege, die Infiltrationswege und die militärischen Komplexe anordnen würde - wie das bereits in der Vergangenheit der Fall
war - wenn nach meiner Feststellung eine verstärkte Infiltration aus Nordvietnam unsere in Südvietnam verbleibenden Truppen zu einer Zeit, da wir abziehen,
gefährdet. Ich werde das auch in Zukunft tun, wenn ich feststelle, daß eine
derartige Aktivität seitens Nordvietnams unsere verbleibenden Truppen in Südvietnam, insbesondere im Verlaufe unseres Abzuges, gefährden könnte. Die dritte
Frage ist nun, ob die Vereinigten Staaten durch den Einsatz ihrer Luftmacht
eine südvietnamesische Operation gegen Nordvietnam unterstützen könnten oder
nicht. Und die Frage darauf ist, daß ein solcher Plan in dieser Regierung nicht
erwogen wird."

Fernsehinterview

�Fernsehinterview mit dem Columbia Broadcasting System (CBS) vom 2. Januar 1972

"Frage: ... Jeder denkt an die Wiederaufnahme der ausgebreiteten Bombardierung von Nordvietnam. Können Sie uns über das, was wir bereits von den Behörden in Saigon und aus den Erklärungen von Verteidigungsminister Laird wissen, hinaus etwas über den militärischen Nutzen dieser Aktion sagen?
Antwort: Was den militärischen Nutzen anbetrifft, so lassen Sie mich zunächst erklären, warum wir es getan haben. Sie waren im Pressesaal des Weißen
Hauses wie immer anwesend, als ich die letzte Bekanntgabe über einen Truppenabzug machte, der die Zahl unserer Soldaten bis zum 1. Februar auf 139 000 Mann
senken wird. Und ich habe damals erklärt, daß ich für den Fall, daß der Gegner
seine Infiltration -verstärken oder andere Tätigkeiten beginnen würde, die nach
meiner Auffassung unsere verbleibenden und geringer werdenden Streitkräfte gefährden würden, Maßnahmen treffen würde , um mit dieser Situation fertig zu werden.
Die meisten von Ihnen haben darüber berichtet, und die meisten Korrespondenten haben darüber geschrieben. Ich habe genau das gemeint, was ich gesagt
habe. Der Gegner hat seine Infiltration verstärkt. Er hat die Absprache von
1968 verletzt, als man sich über die Einstellung der Bombardierung einigte,
und auf unsere unbewaffneten Aufklärungsflugzeuge geschossen. Der Gegner hat am
19. Dezember Saigon beschossen.
Unter diesen Umständen hatte ich keine andere Wahl, als in diesem Falle
ausgewählte militärische Ziele und Nachschubbasen zu bombardieren. Dies waren
die einzigen Gebiete, die getroffen wurden."
•Miinm

-14-

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15/1972
DER AMERIKANISCHE DOLLAR 1972
Von Dorothy Grook
WASHINGTON --(AD)— Die Unterzeichnung des Dollargesetzes durch Präsident
Nixon, durch das der Goldpreis von 35 auf 38 Dollar pro Unze Feingold heraufgesetzt wird, hat in der amerikanischen Öffentlichkeit wie auch in der Presse
kaum Beachtung gefunden.
Eine Änderung der offiziellen Dollarparität wirkt sich auf die Binnenwirtschaft praktisch nur wenig, wenn überhaupt, aus, denn Außenhandel und
sonstige Auslands-Transaktionen machen nur einen verhältnismäßig kleinen Teil
des Bruttosozialproduktes aus. Auch ist es den Amerikanern seit 1934 durch
Gesetz verboten, Goldmünzen oder Goldbarren zu besitzen. Der Wert des USDollar - wie auch jeder anderen Währung - liegt in seiner Kaufkraft. So interessiert sich denn der Amerikaner mehr für das Auf und Ab der Preise auf
dem Binnenmarkt und weit weniger für Änderungen der Devisenkurse.
Da jedoch der Dollar seit vielen Jahren die Basis für die Bewertung der
meisten ausländischen Währungen bildet, ist das Interesse an dem neuen offiziellen Goldpreis im Ausland weit größer. Der Außenhandel, der USA macht
zwar nur einen kleinen Teil des US-Bruttosozialproduktes aus, doch ist sein
Anteil am Welthandel - etwa ein Sechstel - weitaus größer.

Charakteristisch

-1-

�Charakteristisch für den US-Dollar heute ist, daß sein Goldwert zwar offiziell festgelegt, daß er jedoch nicht frei in Gold konvertierbar ist. Damit ist
der US-Dollar in dieser Hinsicht praktisch den meisten anderen Währungen gleichgestellt. Von maßgebender amerikanischer Seite ist darauf hingewiesen worden,
daß eine Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold von dem

Ergebnis der Verhand-

lungen über ein neues internationales WährungsSystem abhängig sei, das für alle
beteiligten Länder zufriedenstellend sein müsse.
Bei der Unterzeichnung des neuen Dollargesetzes hat Präsident Nixon betont,
er rechne mit dem Beginn solcher umfassenden Verhandlungen noch in diesem Jahr,
bei denen nicht nur Handelsfragen, sondern auch die Konvertierbarkeit der Währungen erörtert werden sollten. "Die Dollaranpassung", so erklärte der Präsident,
"bildet einen grundlegenden Ausgangspunkt bei den Bemühungen um eine neue Stabilität der Weltwirtschaft."
Auf der jüngsten Tagung der Finanzminister der Zehnergruppe bestand allgemeine Übereinstimmung, daß der amerikanische Dollar - wie. auch die Volkswirtschaften der westlichen Länder ganz allgemein - seit der Neufestsetzung der Wechselkurse am 18. Dezember "echte Fortschritte" zu verzeichnen hatten. Dabei wurde
auch hervorgehoben, daß die Spekulation gegen den Dollar auf den internationalen
Devisenmärkten so gut wie aufgehört habe. Als weiteres positives Zeichen wurde
die Zinsentwicklung in Europa und in den Vereinigten Staaten, die zu einer Annäherung der Zinssätze geführt habe, sowie die Entschlossenheit der Notenbanken aller
Länder gewertet, die im Dezember getroffene Übereinkunft zu unterstützen. Und es
herrschte Übereinstimmung darüber, daß die amerikanische Wirtschaft 1972 mit einem
Wachstum von fünf bis sechs Prozent, bei einer wesentlich größeren Stabilität von
Kosten und Preisen, rechnen könne.
Der Dollar und die weitere Entwicklung des Dollarkurses dürften auch ein Gesprächsthema auf der jetzt in Santiago beginnenden Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen sein, wobei den Interessen der einzelnen Entwicklungsländer im
besonderen Rechnung getragen werden dürfte. Wie bei allen Währungs- und Handelsproblemen geht es hier um wirtschaftliche Fragen, die für diese Länder von grundlegender Bedeutung sind.

„ ., .,
Zweifellos
-2-

�Zweifellos wird es eine gewisse Zeit - vielleicht bis 197A - dauern, um
die voneinander abweichenden nationalen Interessen anzugleichen, so daß alle
zufriedengestellt sind. Die gegenwärtigen Vereinbarungen sind jedoch lebensfähig und führen zu wirtschaftlichen Verbesserungen. Auch die Aussichten sind
günstig, daß die jetzt entwickelte Form der internationalen Gespräche, Verhandlungen und Zusammenarbeit zu weiteren positiven Vereinbarungen führen wird
Das Ziel ist, wie Präsident Nixon es bezeichnet hat, nicht Flickwerk, sondern
ein neues Währungssystem, das sich auf lange Zeit hinaus bewähren wird.

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15/1972

ERWEITERUNG DES GEMEINSAMEN MARKTES ERSCHWERT US-GETREIDEEXPORTE
Von Sam W.Morris

WASHINGTON —(AD)--. Die Erweiterung des Gemeinsamen Marktes im Jahre 1973,
der dann mit zehn Mitgliedsstaaten der größte regionale Handelsblock der
Welt ist, dürfte erhebliche nachteilige Auswirkungen für die amerikanischen
Agrarexporte, vor allem bei Weizen und Futtergetreide, nach Europa haben.
Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) betreibt eine gemeinsame
Agrarpolitik, die erstmals 1962 Anwendung fand und die auf einem protektionistischen System variabler Abschöpfungen sowie einer Stützung hoher Binnenpreise basiert. Die Abschöpfungen schwanken von Tag zu Tag und sollen verhindern, daß billigere Getreideimporte das Niveau der Binnenpreise stören. Die
Preisstützung der EWG beträgt zum Beispiel bei Weizen etwa drei Dollar pro
Bushel.
Da die Europäische Gemeinschaft keine offizielle Anbaukontrollen hat und
den Bauern hohe Preise garantiert, suchen diese natürlich durch Anbauerweiterung ihr Einkommen zu steigern. Diese Anbauausweitung und das Bestehen der

-1-

�der Gemeinschaft auf einem Abschöpfungsbetrag von 60 Dollar pro Tonne amerikanischen Weizens trifft den amerikanischen Export hart.
Seit 1957 unterlagen die amerikanischen Weizenverkäufe an

die Europäische

Gemeinschaft starken Schwankungen. 1957 waren es noch 188 Millionen Dollar,
1965 nur 35 Millionen Dollar. Im darauffolgenden Jahr war ein Anstieg auf 102
Millionen Dollar zu verzeichnen, doch dieser Betrag ging dann ständig wieder
zurück, bis er 1970 bei 47 Millionen Dollar lag. 1971 konnten die USA aufgrund
der schlechten siebziger Weizenernte in den EWG-Ländern wieder für 82 Millionen
Dollar Weizen dorthin ausführen.
Der Anbau von Weizen und Futtergetreide hat in der EWG so stark zugenommen,
daß die Exportabhängigkeit dieser Länder immer mehr zurückgegangen ist. Im Gegenteil hat der durch hohe Preise stimulierte Anbau bei Weizen zum Beispiel zu
beträchtlichen Überschüssen geführt, die nunmehr exportiert werden müssen.
Damit die Getreideexporte der EWG auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig sind,
wurde der Export dieser Überschüsse stark subventioniert. Ohne solche Subventionen würden sich die Getreideüberschüsse der EWG auf den Auslandsmärkten nicht absetzen lassen, da der Binnenpreis der EWG bei Weizen weit über dem Weltmarktpreis
liegt. Die Mittel für die Exportsubventionierung werden weitgehend durch die variablen Abschöpfungen aufgebracht. Einer direkten Exportsubventionierung der EWG
bei Weizen von 1,65 Dollar pro Bushel steht eine solche der USA von lediglich
13 cent pro Bushel gegenüber. Und bei Futtergetreide gibt es überhaupt keine amerikanischen Exportsubventionierungen.
Die Vereinigten Staaten sind natürlich über die Ausweitung des Getreideanbaus in der EWG beunruhigt. Und wenn die EWG auf zehn Länder erweitert ist, die
Handelspräferenzen auf sieben weitere europäische Länder ausgedehnt werden und
die gemeinsame EWG-Agrarpolitik trotz aller Einwände unverändert bleibt, dann
befürchtet man in Washington, daß der Gemeinsame Markt bis 1980 bei allen Getreidearten nahezu autark sein wird. Dies würde für die Vereinigten Staaten den
Verlust eines ihrer wichtigsten Exportmärkte bedeuten.
Vor
-2-

�Vor einigen Wochen hat die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft den Importzoll für amerikanischen Mais um 11 Prozent erhöht, was von dem amerikanischen
Landwirtschaftsminister Earl L. Butz scharf kritisiert worden ist. Rund 40 Prozent der amerikanischen Maisexporte gehen in die EWG-Länder. Butz hatte diesen
Schritt der EWG als eine schwere Enttäuschung und einen Rückschlag für den Welthandel bezeichnet und betont, daß diese 11 prozentige Zollerhöhung noch zu der
Mehrbelastung für amerikanischen Mais von 20 bis 30 Prozent aufgrund der Neufestsetzung der Wechselkurse hinzukomme.
Eine kürzliche amerikanische Studie deutete an, daß der Bedarf der EWG an
Importgetreide bis zum Jahre 1980 - gegenüber 1970/71 - um fast 20 Millionen
Tonnen zurückgehen wird. Die zu erwartenden großen Überschüsse der EWG bei einzelnen Getreidearten, so heißt es in der Studie, seien eine ernste Herausforderung für die traditionellen Exportländer wie die USA, Kanada, Argentinien und
Australien und würden zu einem zusätzlichen Druck auf die Weltmärkte und einem
hieraus resultierenden Preisverfall führen.
Die Rekordweizenernte des Jahres 1971 hatte die EWG bereits gezwungen, die
Überschüsse durch zusätzliche Exporte abzubauen. Die Vereinigten Staaten, aber
auch Kanada, Argentinien und Australien, hatten sich nachdrücklich gegen dieses
ungewöhnlich starke "Dumping" verwahrt. In den jüngsten Handelsgesprächen konnten dann die amerikanischen Vertreter die EWG dazu bewegen, freiwillig einen
größeren Teil ihrer Überschüsse einzulagern, statt sie zu Dumpingpreisen auf
die Weltmärkte zu werfen.
Aber nicht nur die Nachfrage nach amerikanischem Weizen hat in Europa nachgelassen, sondern auch

bei Futtergetreide hat die EWG ihre Selbstversorgung

von rund 80 Prozent im Jahre 1956 auf 85 Prozent im Jahre 1970 steigern können,
obwohl der Futtergetreidebedarf der EWG-Länder in dieser Zeit um rund 58 Prozent zugenommen hat. Ja, seit 1966, dem letzten Jahr vor Inkrafttreten der
genieinsamen EWG-Agrarpolitik konnten die Vereinigten Staaten aus dem ständig
steigenden Futtergetreidebedarf der EWG-Länder aufgrund des Protektionismus

�Protektionismus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft keinen Nutzen mehr
ziehen.
Während infolge der ständig steigenden Einkommen auf der Welt und der
hieraus resultierenden qualitativen Verbesserung der Ernährung der weltweite Bedarf an Futtergetreide laufend zunimmt, dürften die hohen Binnenpreise der erweiterten EWG und die ausbleibende Umstrukturierung der Landwirtschaft dieser
Länder das künftige Wachstum ihrer Futtermittelimporte einschränken. Allerdings
könnte der wachsende Futtermittelbedarf in Japan und in Asien diesen Ausfall
für den amerikanischen Export zum Teil wieder wettmachen. Auch rechnen die Vereinigten Staaten damit, künftig mehr Futtergetreide nach der Sowjetunion, nach
Osteuropa und vielleicht auch nach der Volksrepublik China exportieren zu kennen.
Da die Bauern in den EWG-Ländern für ihr Getreide infolge der Subventionen
einen höheren Preis als auf dem Weltmarkt erzielen und aufgrund der variablen
Abschöpfungen gegen den Importwettbewerb abgeschirmt sind, ist es für die USA
schwer, in Europa ins Geschäft zu kommen. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Zoll-und Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, hat erst kürzlich
wieder darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten von der EWG eine Reorganisation ihrer Agrarpolitik wünschten, damit die vollen Kosten von den Bauern
dieser Länder selbst getragen werden und nicht noch die Bauern anderer Länder
die Kosten und Schwierigkeiten der Anpassungen mit übernehmen müssen. Wörtlich
sagte Eberle: "Wenn Länder unrationell erzeugte Überschüsse aufweisen, dann
sollte es eine multilaterale Zusammenarbeit hinsichtlich der Einlagerung und
der Verwendung geben. Ist jedoch die EWG der Ansicht, sie müsse aus politischen
Gründen bestimmte Methoden zur Stützung des Agrareinkommens verfolgen, dann sollte sie auch Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß die Auswirkungen auf
andere Länder neutralisiert werden."
In der letzten Verhandlungsrunde mit der EWG haben die Vereinigten Staaten
versucht, diese zu einer Senkung ihrer grundlegenden Preisstützung und zu einer
stärkeren Zurückhaltung bei der Preissubventionierung zu bewegen. Die Vereinigten

-4-

�Vereinigten Staaten würden anstelle der Preisstützung direkte Zuwendungen an
die Bauern lieber sehen. In diesem Zusammenhang wird amerikanischerseits darauf
verwiesen, daß die Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren eine ähnliche
Preisstützung für die Landwirtschaft hatten, wie es sie jetzt in der EWG gibt,
daß die USA diese jedoch dann zugunsten direkter Zuwendungen an ihre Farmer aufgegeben haben. Auf diese Weise würden die amerikanischen Farmer heute veranlaßt,
ihren Anbau besser der tatsächlichen Nachfrage anzupassen.
Während die von der EWG angewandte Preisstützung zu einer Stimulierung des
Anbaus führe, benutzten die Vereinigten Staaten diese direkten Zuwendungen dazu,
die Farmer zu einer Einschränkung des Anbaus zu bewegen; hier liege, so wird
betont, der entscheidende Unterschied.
Die Handhabung der Zoll-und der nicht zollursächlichen Handelsschranken
durch die EWG behindere, so wird von amerikanischen Experten betont, den US-Handel und verhindere den Zugang amerikanischer Agrarexporte zum Europäischen Markt
zu solchen Bedingungen, wie sie den europäischen Exporten nach den USA eingeräumt werden. Die USA gestatteten fast allen ausländischen Agrarimporten einen
völlig unbehinderten Zugang zum amerikanischen Markt. Allerdings sei die EWG
nicht die einzige regionale Handelsorganisation, die protektionistische Maßnahmen aufweise und eine Handelsliberalisierung behindere, so wird weiter erklärt. Der Welthandel werde vielmehr heute in einer Atmosphäre abgewickelt, in
der durch Subventionen die Binnenpreise hoch und die Verbraucherpreise niedrig
gehalten, während die Importe durch Restriktionen eingeschränkt und Anreize
für die Ausweitung des Exports gewährt würden. Das Ergebnis seien im Gegensatz
zueinander stehende nationale Preis-und Handelsstrukturen, von denen viele im
Hinblick auf die Weltmarktpreise für Getreide völlig unrealistisch seien.

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�t

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15/1972
APOLLO-NACHRICHTEN
—(AD)-- Kurz vor Antritt des Rückflugs zur Erde am 25. April wird die
Besatzung von APOLLO 16 einen kleinen Forschungssatelliten freisetzen. Er
ist genau so gebaut und ausgerüstet wie der Kunsttrabant des Mondes, den
die APOLLO 15-Besatzung am 4. August 1971 im Mondorbit zurückließ. Etwa
sechs Monate lang übermittelte er Meßdaten über Magnetfeld, Schwerefeld
sowie die Dichte von Elektronen und Protonen.
Der 36 kg schwere neue "Subsatellit", wie ihn die Weltraumbehörde
NASA bezeichnet, soll den Mond in Höhen zwischen 102 und 139 km umkreisen.
Der größte Teil der Instrumente befindet sich in einem sechseckigen Behälter
von 79 cm Länge und 36 cm Durchmesser, dessen Außenflächen mit Sonnenzellen
besetzt sind. Sie liefern den Betriebsstrom und laden die Batterien immer
wieder auf, so daß nicht nur im Sonnenlicht, sondern auch auf der Nachtseite des Mondes fortlaufend beobachtet werden kann.
Der Subsatellit rotiert in seiner Umlaufbahn mit 12 Umdrehungen pro
Minute. Da das Magnetometer an einem eineinhalb Meter langen Ausleger angebracht ist, wurden zum Ausgleich dafür zwei weitere Ausleger von gleicher
Länge eingebaut, um die Flugstabilität zu sichern. Die bei einem Umlauf gesammelten Meßdaten werden in regelmäßigen Abständen zur Erde gefunkt und
im Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien) ausgewertet.

+
Expeditionen

�Expeditionen zum Mond in Zahlen
APOLLO-Flug
Jahr
Datum
Flugdauer
(Stund.:Min )

11

12

14

15

16

1969

1969

1971

1971

1972
(geplant)

16.-24.7.

14.-24.11.

31.1.-9.2.

26.7.-7.8.

16.4.-28.4.

195:18

244:36

216:02

295:12

290:36

43 900

43 945

44 550

46 818

46 786

550

558

-1
Gewicht des Raumschiffs mit Mondfähre (in kg)
auf dem Mond abgesetzte Nutzlast
(in kg)

104

166

209

21:36

31:31

33:31

66:54

72:58

Aufenthalt außerhalb der Mondfähre
(Stund.:Min.)

2:24

7:29

9:23

18:33

21:00

im Gelände zurückgelegte Strecken
(in km)

0,25

2,0

3,3

27,9

25,7

20,7

34,1

42,8

76,6

88,6

30

45

34

74

75

Aufenthaltsdauer
auf dem Mond
(Stund.:Min.)

zurückgebrachte Boden-und Gesteinsproben (in kg) »
Mondumkre i sungen
insgesamt

�Das Magnetfeld des Mondes ist für die Forschung noch immer ein Rätsel.
Vor der ersten Landung von Menschen auf dem Mond war angenommen worden, daß die
in Mondnähe (vor allem durch EXPLORER 35) ermittelten Meßwerte in erster Linie
auf interplanetare Magnetfelder zurückzuführen seien und der Mond - wenn überhaupt - nur ein äußerst schwaches Magnetfeld haben könne. Aber die ersten Messungen an Ort und Stelle, die Untersuchung der Bodenproben und die Signale von den
Magnetometern, die am Landeplatz von APOLLO 12 und 15 von den Astronauten zurückgelassen wurden, zeigen deutlich, daß auch an der Oberfläche des Mondes zwar
schwache, aber doch eindeutig feststellbare magnetische Feldstärken vorhanden
sind.
Die Reaktionen des Mondmagnetfeldes mit dem Sonnenwind sind jedoch völlig
andere als die Wechselwirkungen zwischen diesem Wind, d.h. dem

von der Sonne

ständig abströmendem Plasma, und dem Tausendmal stärkeren irdischen Magnetfeld.
Dieses wird unter dem "Druck" des Sonnenwindes auf der Tagseite gestaucht (auf
ca. 60 000 km zusammengepresst), auf der Nachtseite dagegen mehr als 700 000 km
weit in den Raum hinaus verlängert. In der Randzone der "magnetischen Schale"
der Erde kommt es zu Turbulenzen, dann folgt im Übergangsbereich zum Eigenmagnetfeld der Erde, zur sogenannten Magnetosphäre, eine magnetisch neutrale Zone.
Auf dem Mond dagegen dringt der Sonnenwind auf der Tagseite bis zur Oberfläche
vor - sofern sich der Mond auf seiner 28-Tage-Wanderung nicht gerade auf der
Nachtseite der Erde innerhalb von deren Magnetosphäre befindet - und verstärkt
vermutlich das Eigenmagnetfeld, so daß im "Windschatten" auf der Nachtseite niedrigere Werte gemessen werden. Diese entsprechen jedenfalls dem Eigenmagnetfeld
des Mondes, das Rückschlüsse auf physikalische Eigenschaften des Mondinnern zuläßt.
Die magnetische Feldstärke ist jedoch örtlich verschieden. Am Landeplatz
von APOLLO 12 beträgt sie 38 Gamma, während die APOLLO 14-Mannschaft mit einem
tragbaren Magnetometer z.B. an einem Punkt 103 Gamma, 1 200 m entfernt davon
jedoch nur 43 Gamma ermittelte (Erdmagnetfeld zum Vergleich: ca. 60 000 Gamma

-3-

�Gamma an den Polen, 30 000 Gamma am Aequator). Die APOLLO 16-Astronauten
Young und Duke werden wiederum ein stationäres Magnetometer installieren und bei
Exkursionen ein ortsbewegliches Instrument mitführen, um örtliche Veränderungen
der Feldstärke an der Oberfläche zu registrieren. Darüberhinaus nehmen sie eine
Gesteinsprobe vom APOLLO 12-Landeort für die Dauer ihres Aufenthaltes mit auf
den Mond und bringen sie wieder zur Erde zurück. Die vier Gramm

schwere Probe,

die in den letzten zwei Jahren gründlich untersucht wurde, besaß anfangs eine
"weiche" und eine "harte" Magnetisierungskomponente. Die weiche Komponente
wurde durch Behandlung im elektrischen Wechselfeld entfernt, die harte Komponente dagegen blieb erhalten. Ist die Probe nach der Rückkehr vom Mond wieder
mit einer "weichen" Magnetisierungskomponente aufgeladen, so wird das als Anzeichen dafür gewertet, daß diese ursprünglich gar nicht vom Mond, sondern aus
interplanetaren Magnetfeldern oder von der Erde stammte. Fehlt die weiche Komponente jedoch, so dürfte sie, als sie zum ersten Mal ermittelt wurde, tatsächlich
lunaren Ursprungs gewesen sein.

I I I I M I I I I l-l 1 4 1

-4-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 12.04.1972</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertrag über das Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Nixon würdigt Bedeutung des Abkommens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Einstellung der Bombardierung Nordvietnams 1968 und die Warnungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-Politiker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Dollar 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dorothy Crook&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erweiterungen des Gemeinsamen Marktes erschwert US-Getreideexporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam W. Morris&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO-Nachrichten</text>
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                    <text>a m e r i k a
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19. A p r i l 1972

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Inhalt

Martin J.. H i l l e n b r a n d zum neuen US- Bo t s c h a f t e r i n Bonn n o m i n i e r t
Hanoi b e a n t w o r t e t e a m e r i k a n i s c h e s Verhandlungsangebot mit I n v a s i o n
in Südvietnam
- W o r t l a u t der E r k l ä r u n g von B o t s c h a f t e r

Porter-

USA v e r s t ä r k e n Anstrengungen zur Sicherung der E n e r g i e v e r s o r g u n g
••Von unserem S o n d e r k o r r e s p o n d e n t e n F a c h a u s s t e l l u n g und Tagung " K u n s t s t o f f e und i h r e V e r a r b e i t u n g "
%
DOKUMENTATION:
Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA
-Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Nathaniel SamuelsWlRTSCHAFT:
Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt
-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VQAUS-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage
Stellung
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington«
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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16/1972

MARTIN J. HILLENBRAND ZUM NEUEN US-BOTSCHAFTER IN BONN NOMINIERT

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat den Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten im State Department, Martin J. Hillenbrand, zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika

in der Bundesrepublik Deutsch-

land nominiert. Er tritt an die Stelle von Kenneth Rush, der das Amt des
Stellvertretenden Verteidigungsministers der USA uebernommen hat. Die Ernennung Hillenbrands muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Wie der stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses, Gerald Warren,
am 17. April zu verstehen gab, wird Hillenbrand, der seit Februar 1969 die
Europa-Abteilung im amerikanischen Außenministerium leitet, zunächst weiter
als Koordinator der Pläne für die Reise Präsident Nixons nach der Sowjetunion
fungieren. Warren konnte nicht sagen, wann ein neuer Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten ernannt wird.
Martin Joseph Hillenbrand wurde am 1. August 1915 in Youngstown im Staate
Ohio geboren. Er erwarb 1937 an der Universität Dayton den Grad eines Bachelor
of Arts und setzte dann seine Studien an der Columbia-Universität in New York
fort, an der er 1938 zum Master of Arts promovierte und 1948 die Doktorwürde
erlangte. 1963 wurde ihm von der juristischen Fakultät der Universität Dayton
die Ehrendoktorwürde verliehen.
Hillenbrand
-1-

�Hillenbrand ist Berufsdiplomat. Er trat 1939 in den Auswärtigen Dienst
der Vereinigten Staaten und war dann als Vizekonsul in Zürich (1939-1940),
Rangun (1940-1942), Kalkutta (1942-1944) und Lourenco Marques (1944-1945) tätig. Im Oktober 1945 wurde Hillenbrand nach Bremen versetzt, wo er im März
1946 zum Konsul ernannt wurde.
Im akademischen Jahr 1949/50 absolvierte er an der Harvard-Universität
zwei Studiensemester in Wirtschaftswissenschaften. Von 1950 bis 1952 leitete
Hillenbrand die Unterabteilung Deutsche Regierung und Verwaltung im amerikanischen Außenministerium, Nach vierjähriger Tätigkeit als Erster Sekretär und
Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der Vertretung der USA bei der NATO wurde
er 1956 in Berlin Leiter der Politischen Abteilung bei der dortigen US-Mission.
Nach Erhebung in den Rang eines Generalkonsuls im Februar 1958 wurde er im
September in die Washingtoner Zentrale zurückgerufen, wo er zunächst als
Direktor des Deutschland-Büros und dann als Sonderberater des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten und Direktor der Arbeitsgruppe Berlin tätig
war. Als einer der jüngsten Diplomaten 1962 zum Gesandten ernannt, wurde Hillenbrand 1963 als stellvertretender Missionschef nach Bonn berufen, wo er bis 1967
wirkte.
Im September 1967 wurde Hillenbrand zum ersten amerikanischen Botschafter
in Ungarn ernannt, nachdem die Vereinigten Staaten und Ungarn 1966 übereingekommen waren, ihre diplomatischen Vertretungen von Gesandtschaften zu Botschaften
zu erheben.
Am 20, Februar 1969 wurde Martin J. Hillenbrand auf sein Amt als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im State Department vereidigt,
nachdem ihn Präsident Nixon Anfang Februar für diesen Posten benannt hatte.
Hillenbrand ist mit Faith Stewart verheiratet. Sie haben eine Tochter,Ruth,
und zwei Söhne, David und John.
Martin J.

�I

Martin J. Hillenbrand ist Verfasser eines 1949 erschienenen Buches, das
den Titel "Power und Morals" trägt und sich mit der Frage der Ethik in der
Weltpolitik befaßt. Im Jahre 1960 wurde ihm die Superior Service Award, eine
der höchsten Auszeichnungen des State Department, verliehen.

II i H

!•[•!

-3-

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16/1972

HANOI BEANTWORTETE AMERIKANISCHES VERHANDLUNGSANGEBOT
MIT INVASION IN SÜDVIETNAM
-Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter-

PARIS -_(AD)-- Präsident Nixon hat am 1. April auf geheimem Wege Hanoi wissen lassen, daß die USA zur Wiederaufnahme der Vietnamgespräche bereit seien.
Die Antwort der Kommunisten sei jedoch die breit angelegte Invasion Südvietnams gewesen.
Dies erklärte der amerikanische Chefdelegierte bei den Pariser Vietnamgesprächen, Botschafter William J. Porter, am 13- April bei seiner Rückkehr
nach Paris. Porter

hatte sich zu Konsultationen in Washington aufgehalten.

Die Erklärung, die der amerikanischer Botschafter bei seiner Ankunft abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Ich werde hier heute vormittag vom Manuskript sprechen. Wir halten es
für nützlich, eine kurze Erklärung abzugeben, um all den Unsinn aus der Welt
zu schaffen, der sich im Zusammenhang mit den Pariser Friedensgesprächen
angesammelt hat.
Sie

-1-

�Sie werden sich daran erinnern, daß Präsident Nixon am 25, Januar in
Übereinstimmung mit Präsident Thieu einen Acht-Punkte-Vorschlag unterbreitet
hat, der ohne Frage eine vernünftige Basis für Gespräche und Verhandlungen
darstellt. Sie werden sich ebenfalls erinnern, daß die andere Seite sich hartnäckig weigerte, gemeinsam mit uns unsere Vorschläge zu prüfen - oder auch die
ihrigen, die sie zuvor in ultimativer Form auf der Basis unterbreitet hatte,
daß sie ohne Widerrede zu akzeptieren seien. Die einzige Antwort, die wir auf
den Acht-Punkte-Vorschlag des Präsidenten erhielten, war ein massiver militärischer Aufmarsch.,
Am 23. März erklärten die südvietnamesische Delegation und die amerikanische Delegation, daß wir zukünftigen Zusammenkünften zustimmen würden, falls
die andere Seite vorschlüge, spezifische Themen im Zusammenhang mit einer friedlichen Regelung zu erörtern. Wir stellten ferner klar, daß wir selbst Zusammenkünfte vorschlagen würden, falls die Ereignisse dies wünschenswert erscheinen
ließen. Dies war das aufrechte Bemühen, die Gespräche auf eine sachliche Basis
zu stellen. Die Nordvietnamesen und der Vietcong verkündeten daraufhin lauthals,
daß wir die Verhandlungen sabotierten. Man muß sich hier fragen, wie man etwas
sabotieren kann, dessen Existenz sie nie zuließen.
Wie Sie wissen, kehrte ich zu Konsultationen nach den Vereinigten Staaten
zurück.
Ich kann hier zum ersten Mal mitteilen, daß Präsident Nixon nach einer
gründlichen Überprüfung der Situation persönlich anordnete, daß auf geheimem Wege
eine Botschaft an die andere Seite übermittelt wurde, in der unsere Bereitschaft
zur Wiederaufnahme der Pariser Gespräche am 13. April erklärt wurde.
Die einzige Antwort auf dieses Angebot erfolgte in Form einer sich ausweitenden Invasion der Republik Südvietnam durch nordvietnamesische Truppen, was
ein klassisches Beispiel für die Unwahrheit der Vietcong-Erklärung ist, daß

-2-

�daß keine nordvietnamesischen Truppen an dieser militärischen Invasion beteiligt seien.
Wir haben seither Erklärungen gehört, daß die andere Seite Zusammenkünfte
wünsche. Wir bezweifeln das nicht; aber niemand, der mit der Geschichte der Pariser Gespräche vertraut ist, kann behaupten, daß die Tatsache, Zusammenkünfte
zu haben, gleichbedeutend mit der Tatsache sei, daß auch verhandelt werde.
Wenn wirklich der Wunsch zu verhandeln vorhanden ist, dann kann die andere Seite - wie wir ihr erklärt haben - uns das auf jedem Wege, den sie wünscht,
wissen lassen. Und man wird uns bereit und willens finden, auf dieser Basis zu
beginnen. Es ist hier schon zu viel Zeit vergeudet worden, was schlimm genug ist,
aber der Gedanke, sich nur mit vorgehaltener Pistole zu treffen, was ebenfalls
eine Zeitvergeudung wäre, ist sogar noch weniger akzeptabel.
Was nun die Zukunft angeht, so werde ich hier für einige Zeit bleiben,um
damit die Möglichkeit zu einer Wiederaufnahme (der Gespräche) zu bieten, vorausgesetzt, daß die andere Seite zur Zusammenarbeit bereit ist."
Auf die Frage, wann Präsident Nixon seine Botschaft übermittelt habe, erklärte Botschaft Porter:
"Die Botschaft wurde am 1. April abgesandt und von der anderen Seite am
2. April empfangen."

I-IH-1-H t H-l-

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16/1972

USA VERSTÄRKEN ANSTRENGUNGEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG
-Von unserem SonderkorrespondentenWASHINGTON —(AD)-« Die Vereinigten Staaten verbrauchen wesentlich mehr Energie, als sie selbst produzieren, und sind auf diesem Gebiet - vor allem was
Ol anbetrifft - von Einfuhren abhängig. Der Innenausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses hat sich vom 10. bis 18. April mit dem Problem der Energieversorgung befaßt, und die zuständigen Vertreter der Nixon-Administration
haben versichert, daß alle Anstrengungen unternommen werden, um die USA in
dieser Hinsicht unabhängiger zu machen.
Wenn sich der Energieverbrauch weiterhin in dem bisherigen Tempo steigert,
dann müssen die Vereinigten Staaten mit einer Verknappung von Öl, Gas und
Strom rechnen. Trotz aller Anstrengungen wird es nach Auffassung von Regierungsvertretern zunächst zu gewissen Unbequemlichkeiten und Preissteigerungen
kommen. Innenminister Rogers Morton versicherte jedoch vor dem Ausschuß: "Wir
sind überzeugt, daß wir auf lange Sicht in der Lage sein werden, mit der Energiekrise fertig zu werden."
Der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, John Irwin, der
anstelle von Außenminister Rogers vor dem Ausschuß erschien, hob hervor, daß es
im Interesse Amerikas liege, die Abhängigkeit von importierter Energie auf ein
-l-

�ein Minimum zu reduzieren. Die entsprechenden Maßnahmen müssten jedoch mit
anderen Wirtschafts-und Sicherheitszielen vereinbar sein. "Gleichzeitig", so
fügte der Staatssekretär hinzu, "sollten wir versuchen, unsere Politik enger
mit der anderer Verbrauchernationen zu koordinieren" • vor allem mit Japan
und westeuropäischen Nationen.
Der Ausschußvorsitzende Wayne Aspinall stellte fest, daß die Amerikaner
mehr Energie verbrauchen, als sie produzieren, und ein Kollege von ihm verwies
in diesem Zusammenhang auf die interessante Tatsache, daß die Vereinigten Staaten mit 209 Millionen Menschen nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellen,
jedoch rund ein Drittel der Gesamtenergiemenge verbrauchen. Dabei wird mit einer
jährlichen Zunahme von 3,5 Prozent gerechnet.
Der wissenschaftliche Berater Präsident Nixons, Dr. Edward David, und andere Regierungsvertreter nannten folgende Schritte auf diesem Gebiet:
- Industrie und Öffentlichkeit sollen zu rationellerer Nutzung der Energiequellen aufgerufen werden. So kann beispielsweise der Nutzeffekt von Kraftwerken von 35 auf 60 Prozent erhöht werden.
- Ölbohrungen sollen bis in größere Tiefe vorangetrieben und die Bohrungen
vor der Küste intensiviert werden. Die Nutzung von verflüssigtem Erdgas und Kohle
soll verstärkt werden. Ferner soll mehr Öl aus Kanada, Venezuela und anderen
Ländern der westlichen Hemisphäre importiert werden.
- In diesem Jahrzehnt wird in verstärktem Maße Öl aus Alaska zur Verfügung stehen, und die Produktion von Öl aus Ölschiefer soll intensiviert werden.
Ferner soll mehr Gas aus Kohle gewonnen werden, und auch Atomkraftwerke werden
immer mehr Energie liefern. Die Versuche, mit Hilfe von Brutreaktoren auf dem
Kernspaltungs-und Verschmelzungswege "saubere Energie" zu gewinnen, werden mit
Hochdruck fortgesetzt.
- Im übrigen werden die Wissenschaftler in den nächsten Jahrzehnten mit
Brennstoffzellen, Kombinationen von Gas-und Dampfturbinen und magnetohydro-2-

�magnetohydrodynamischen Experimenten arbeiten, um weitere Energiequellen zu
erschließen. Schließlich wird man versuchen, durch Umwandlung von Sonnenenergie
und Erdwärme, Nutzung der Gezeitenströme, des Windes und der Wärmeunterschiede
von Ozeanen dem Menschen diese gewaltigen Energiereservoire nutzbar zu machen.
Von Regierungsseite wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß
die USA in ihrer Energieversorgung zwar zu rund 5o Prozent vom Öl abhängen, daß
die Lösung des Energieproblems jedoch alle möglichen Brennstoffe und Energiequellen einschließt.
Der Direktor des US-Amtes für Notstandsplanung, General George Lincoln,
hob vor dem Ausschuß hervor, daß die Energiepolitik heute die gleiche Bedeutung
und den gleichen Rang habe wie die Sicherheits-und Außenpolitik. "Die Sicherstellung der Energieversorgung wird rasch zu einer entscheidenden Komponente
der nationalen Sicherheit", so erklärte er.
Die Vereinigten Staaten verbrauchen, wie vor dem Ausschuß dargelegt wurde,
täglich 16 Millionen Barrels Öl - verglichen mit 12 Millionen Barrels in Westeuropa und annähernd 4 Millionen in Japan. Bis 1980 wird in den USA mit einem
Anstieg des Verbrauchs auf 24 bis 30 Millionen Barrels pro Tag gerechnet und
auf 24 Millionen Barrels in Westeuropa und 10 Millionen Barrels in Japan. Bis
zum Jahre 2000 erwartet man eine Verdreifachung des Energiebedarfs.
Nach Schätzungen von Staatssekretär Irwin wird der amerikanische Ölbedarf
im Jahre 1980 zu 35 bis 5o Prozent aus Importen gedeckt werden müssen. Gegenwärtig, so führte der Staatssekretär aus, werde "in allen Ecken der Erde1», in
der Arktis, im Gelben Meer, in Afrika und in Südamerika nach Öl gebohrt, und
es sei durchaus möglich, daß sich die Vereinigten Staaten den Europäern und
den Japanern in der Suche nach Öl in der östlichen Hemisphäre anschließen müssten. Nach Auffassung Irwins liegen fast drei Viertel der Weltreserven an Erdöl
-rund 400 Milliarden Barrels- im Nahen Osten.
In

-3-

�In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, daß die öl fördernden und
exportierenden Staaten (OPEC) ihre Preise erhöht haben und jetzt den Mitbesitz
an den Ölquellen und Raffinerien fordern. Man könne mit einem Anstieg der 0 1 preise rechnen, so sagte Irwin, der die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer wirtschaftlich lohnend m a c h e . Damit sei aber auch praktisch eine Höchstgrenze für
den Ölpreis gesetzt.
Übereinstimmend wurde im Ausschuß festgestellt, daß die amerikanische Energie die billigste in der Welt sei, daß die Amerikaner jedoch in Zukunft mit höheren Preisen rechnen und wohl in den nächsten Jahren auch noch einige Luftverschmutzung in den Städten hinnehmen müssten.

1-1 I 1-1+

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FACHAUSSTELLUNG UND TAGUNG "KUNSTSTOFFE UND IHRE VERARBEITUNG"

—(AD)»* Vom 15. bis 19. Mai 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Kunststoffe und ihre
Verarbeitung". Bisher haben sich rund 20 amerikanische Hersteller angemeldet, die ihre neuesten Geräte und Verfahren auf diesem Sektor vorstellen
werden. Parallel zur Ausstellung findet eine Vortragsreihe statt, die sich
mit verarbeitungstechnischen Fragen befaßt.
Ausstellungs-und Tagungsunterlagen können beim US-Handelszentrum
(600 Frankfurt am Mains Bockenheimer Landstraße 2-4) kostenlos angefordert
werden.

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16/1972

DIE EUROPÄISCHE EINIGUNG UND DER ATLANTISCHE PARTNER USA

Wortlaut der Ansprache, die der Stellvertretende Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im USAußenministerium, Nathaniel Samuels, am 14. April 1972
auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in
Leverkusen gehalten hat.

�Die freundliche Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Teilnahme
an dieser Veranstaltung ehrt mich sehr, und ich danke für die Gelegenheit,
meine Gedanken über die Beziehungen eines sich zusammenschließenden Eurooas
zu seinem atlantischen Partner - die Vereinigten Staaten - vor einem so außerordentlichen Kreis von Sprechern und Zuhörern, darlegen zu dürfen.

Die strukturen der Zusammenarbeit und der Konflikte zwischen diesen
beiden großen Partnern sind ebenso zahlreich wie vielfältig. Die grundlegende
Harmonie, die unsere Beziehung charakterisiert, ist manchmal tief und sinnvoll, gelegentlich auch voller Dissonanzen und verwirrend. Kurz gesagt,
unsere Gesellschaften sind von pulsierendem Leben erfüllt, und unser gegenseitiges Verhältnis läßt sich nicht immer mit dem wiederkehrenden Refrain
einer abgedroschenen Melodie vergleichen.

Die Musik des Augenblicks ist nicht ohne Dissonanzen, hat aber dennoch
ihre wesentliche und unlösliche Harmonie nicht verloren. Da keiner von uns,
wie ich meine, den Wunsch hegt, daß unsere Beziehung von den Dissonanzen
beherrscht wird,

dürfte es uns wohl anstehen, einige Noten zu ändern,

einige Akkorde neu zu fassen und einige Themen zu überarbeiten um den
Völkern auf beiden Seiten das Atlantiks die Gewißheit zu geben, daß der
angeschlagene Rhythmus ihren innersten Aspirationen gemäß ist.

Wenn

- 1 -

�Wenn ich mehr Nachdruck auf die Harmonie als auf Dissonanzen lege, so
tue ich dies, weil ich es im gegenwärtigen Zeitounkt für notwendig halte,
die fortbestehende Einigkeit in unseren Zielsetzungen zu bekräftigen und
nicht etwa die Divergenzen hinsichtlich kurzfristiger Ziele zu betonen und
auszuweiten.

Während der letzten Jahre haben sich - um ganz offen zu sein - die
Vorstellungen der Vereinigten Staaten von Europa und die Vorstellungen
Europas von den Vereinigten Staaten allmählich gewandelt. Vor 20 Jahren,
als die europäische Gemeinschaft Gestalt anzunehmen begann, fragten sich
viele Amerikaner, ob die umfassende Unterstützung, die wir diesem großen
Vorhaben gewährten, einen mächtigen Mitarbeiter in der Weltpolitik oder
eine mächtige dritte Kraft mit unsicherer Orientierung würde schaffen helfen.
Manche nahmen an, daß ersteres der Fall sein werde und traten deshalb rückhaltlos für die Konzeption und den Inhalt eines integrierten und schließlich
vereinigten Europas ein. Jenen hingegen, die das Entstehen einer mächtigen
und unabhängigen dritten Kraft in der Weltpolitik voraussahen, wurde oft
entgegengehalten, daß die Vereinigten Staaten eine derartige Entwicklung
nicht zu fürchten brauchten - daß die moralische Gesundheit einer Nation
wie des Individuums nicht durch Dominanz, sondern durch die Notwendigkeit
gefordert und bereichert werde, Meinungsverschiedenheiten auszuräumen und
eine gemeinsame Politik auf der Grundlage der Partnerschaft zu erstreben.

Heute, nach zwei Jahrzehnten der Erfahrung mit dem Prozeß der europäischen
Einigung, ist die Realität einer mächtigen europäischen Körperschaft in der
Weltpolitik gegeben, die aus einem zersplitterten Geflecht nationaler

- 2 -

�nationaler Souveränität erwächst - einem Gebilde, das den grundlegenden
Charakter seiner Bindungen zu den Vereinigten Staaten anerkennt, gleichzeitig aber auch seine eigene spezifische Identität zu finden sucht und
entschlossen eine Position einnimmt, die es ihm gestattet, den Verlauf der
Dinge im Sinne seiner eigenen Auffassungen und Interessen zu beeinflussen.

Die Verwirklichung unserer Vision und der Erfolg unserer Bemühungen
steilen "jedoch die Amerikaner ebenso wie die Eurooäer zwangsläufig vor
die Notwendigkeit, ihre wechselseitigen Beziehungen der Welt der siebziger
Jahre anzupassen, die sich bereits heute weitgehend von der der fünfziger
Jahre unterscheidet, während die bipolare Welt der fünfziger Jahre im
letzten Viertel dieses Jahrhunderts dem Entstehen multipler Machtzentren
Platz macht.

Für die Amerikaner ist das sich entfaltende historische Schauspiel
soweit es unsere Beziehungen zu Europa angeht, nicht ohne Probleme. Wir
sind uns dessen bewußt, daß wir gewaltige moralische Anstrengungen und
materielle Hilfsquellen auf den Wiederaufbau Europas verwendet haben, daß
wir auf diese Weise mithalfen, uns Konkurrenten wie auch Mitarbeiter zu
schaffen, daß wir Kapital in großem Umfang und technisches Wissen im Überfluß exportiert haben, um wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen und die
politische Stabilität um anderer und unserer selbst willen zu gewährleisten.
Wenn wir einerseits die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser beispiellosen
Anstrengungen für die Vereinigten Staaten näher betrachten, stellen wir
fest, daß unsere Exporte an Industrieprodukten in die europäische Gemeinschaft kräftiq und unsere Ausfuhren an landwirtschaftlichen Produkten trotz
der Behinderung durch Handelsschranken alles in allem - wenn auch vornehm-

- 3 -

�vornehmlich bei ungeschützten Erzeugnissen - zugenommen haben, während
unsere Auslandsinvestitionen geradezu beträchtlich gestiegen sind. Die
europäische Gemeinschaft, Europa als Ganzes und die Vereinigten Staaten
waren sichtlich sämtliche Nutznießer dieser Entwicklung - und mit ihnen
im allgemeinen auch die Entwicklungsländer.

Andererseits erleiden die USA seit rund 20 Jahren laufend Zahlungsbilanzdefizite, weil staatliches und privates Kapital nach Europa und in
andere Teile der Welt strömt, weil die weltweiten Strukturen in Handel
und Produktion durch diesen Prozeß verändert wurden und weil die Verteidigungslasten fortbestehen. Hochtechnisierte Industrien haben ihrer eigenen
Auslandskonkurrenz auf die Beine geholfen, weniger technisierten Industrien
fällt es immer schwerer, sich angesichts der niedrigen Löhne in anderen
Ländern zu behaupten, die Landwirtschaft wird daran gehindert, protektionistische Handelsschranken für verschiedene ihrer wichtigsten Exportprodukte
zu überwinden, und der Geltungsbereich der unseren Interessen zuwiderlaufenden
Handelspräferenzen dehnt sich vom Mittelmeer auf Afrika und nunmehr auch
auf die nicht der Gemeinschaft angehörenden Länder Europas aus.

Auf dem Währungssektor sind wir, wie sich in der Rückschau auf unsere
Erfahrungen während der letzten Jahre vor der jüngsten Neufestsetzung der
Wechselkurse sagen läßt, oftmals nur einer widerstrebenden Bereitschaft
seitens mancher Überschußländer begegnet, ihre Wechselkurse, ihre Steuerund Geldpolitik sowie ihre Handelspraxis und Handelspolitik auf die Notwendigkeit eines besseren internationalen Gleichgewichts auszurichten.

Nach

- 4 -

�Nach Ansicht von Beobachtern von außerhalb hat sich während der letzten
Jahre ein deutlicher wenn auch subtiler Wandel vollzogen, in dessen Verlauf
Europa, schwach und zaudernd im Aufschwung begriffen aber dennoch furchtsam,
prosperierend aber ohne Glauben an sein Glück, entschlossen aber nicht
selbstbewußt, fast unmerklich begann, seine eigene Stärke zu fühlen und
seine eigenen Ziele mit nur begrenzter Rücksicht auf die Konsequenzen für
andere zu verfolgen.

Ich weiß, daß viele unter Ihnen dies als eine unzutreffende und ungerechte Beurteilung mancher Züge der europäischen Politik und Einstellung
ansehen werden. Wenn man jedoch die atlantische Partnerschaft mit europäischen *ugen betrachtet, wird die Zurückweisung dieser Beurteilung verständlich. Nach europäischer Auffassung kam die Politik des generell offenen
Handels mit Industrieprodukten und der ungehinderten Investitionen den
amerikanischen Ausfuhren und Investitionen sehr zugute. Wenn die Agrarpolitik der europäischen Gemeinschaft gegenüber gewissen Agrarexporten der
Vereinigten Staaten voreingenommen war, so war dies

nach europäischer Auf-

fassung mit Rücksicht auf die Anstrengungen zur Erreichung gewisser innerer
sozialer und wirtschaftlicher Ziele Europas notwendig, die nur in mehreren
Jahren erreicht werden können. Wenn Handelspräferenzen eingeräumt und erweitert wurden, die gewisse europäische und afrikanische Länder beqünstigen,
dann nur, weil die europäische Gemeinschaft glaubt, sie habe eine Verantwortung für die wi rtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität im
Mittelmeerraum und in Afrika übernommen, wo beide atlantischen Partner gemeinsame Interessen verfolgen. In europäischen Augen ist eine ähnliche Po-

- 5-

�Politik auch gegenüber jenem Teil Europas notwendig, der sich nicht der
Gemeinschaft anschließen wird - nicht nur zum Besten Europas, sondern auch
um der grundlegenden und langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten
willen. Im monetären Bereich erblickt Europa in der im Laufe der Jahre erfolgten Ansammlung gewaltiger Dollarbestände einen greifbaren Beweis dafür, daß es sich wie ein stiller Teilhaber verhielt und gewisse Schritte
der amerikanischen

Außenpolitik/die es nicht selten mißbilligte, untätig

hinnahm.

+ ++

Wenn ich heute so viel Zeit auf die Darlegung einiger der veränderten
Betrachtungsweisen innerhalb der atlantischen Partnerschaft verwendet habe,
dann geschah dies, weil ich auf einige wenige intellektuelle und haltungsmMßige Veränderungen hinweisen möchte, die meines Erachtens geeignet sind,
unsere grundlegende Einigkeit in den Zielsetzungen und im Handeln endlich
wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig störende Tendenzen
auszufiltern, die auf eine Soaltung und eine Vertiefung der 'teinungsverschiedenheiten hindeuten.

Erstens müssen wir auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen das Prinzip
der Universalität und der Nichtdiskriminierung mit der Praxis des zunehmenden
Regionalismus in Einklang bringen.
Zweitens

�Zweitens dürfen wir, auch wenn wir an den politischen Geboten einer
in allen unseren Ländern vereinbarten Agrarpolitik festhalten wollen, die
Vernunft nicht daran hindern, die diesbezügliche Politik auf beiden Seiten
des Atlantiks zu durchdringen.

Drittens besteht eine weite geistige Kluft zwischen unseren Vorstellungen bezüglich der Verpflichtungen von Überschuß- ebenso wie von
Defizitländem bezüglich der Zahlungsbilanzorobleme, die es zu überbrücken
gilt.

Viertens müssen wir, was die Entwicklungsländer angeht, aus dem
geistigen Wirrwarr herauskommen, in dem wir alle ratlos herumirren,
und Klarheit bezüglich der Prinzipien schaffen, die auf Länder sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher und oolitischer Entwicklungsstufen anzuwenden
sind.

Fünftens müssen wir unsere bilateralen Beziehungen vertiefen und sie
gleichzeitig in den wesentlichen und in der Welt von heute unentbehrlichen
multilateralen Rahmen integrieren.

Im Hinblick auf den Handel, einschließlich des Agrarhandels, können wir
nicht davon ausgehen, daß die Ausweitung eines einzelnen Marktes innerhalb
eines begrenzten Raumes, und die Ausdehnung eines Netzes von Handelsorivileqien auf einige ausgewählte Länder außerhalb seiner geongraohischen Grenzen,
.lutomatisch im allgemeinen internationalen Interesse liegt. Vom Gemeinsamen Markt wurde erwartet, daß die Aufhebung der Handelsschranken innerhalb der Sechsergemeinschaft nicht nur deren eigenen Handel und deren

- 7 -

�deren Wirtschaftswachstum stimulieren und fördern würde, sondern auch, daß
die Dynamik dieses Prozesses auch Länder außerhalb dieser Zollunion zugute
konmen werde. Wie wir alle wissen, haben sich diese Erwartunqen fast in jeder
Hinsicht erfüllt, und es herrscht deshalb die Überzeugung vor, d.iß die Erweiterung der Sechsergemeinschaft zur Zehnergemeinschaft zu einem noch
größeren einheitlichen Markt sich wiederum stimulierend auf die Volkswirtschaften der Mitglieder wie der Nichtmitglieder auswirken wird.
Keiner von uns kann natürlich mit Sicherheit sagen, in welchem Maße der
einheitlich

europäische Markt im letzten Jahrzehnt zum allgemeinen Wachstum

von Handel und Wirtschaft beigetragen hat und eine wie gLoße Rull« .uidore
Faktoren dabei gespielt haben. Wir sind überzeugt, daß die Elrwai l.eriuig der
europäischen Gemeinschaft durch die Aufnahme von Großbritannien, Dänemark,
Norwegen und Irland zum wirtschaftlichen Wohl Europas und der übrigen Welt
beitragen wird; es würde Europa aber gut anstehen, wenn es im Zuge dieser
Entwicklung die Vision eines universalen Handels und einet von Diskriminierung
freien Welt im Auge behielte, anstatt zu versuchen, seinen ».kjwrnn hinter
den Mauern des agrarwirtschaffliehen Protektionisinus und eines Systems von
Präferenzabkommen mit Nichtmitgliedstaaten in Europa und (Jbersee zu konsolidieren. Bis jetzt gibt es wenige, wenn überhaupt irgendwelche Anzeichen, die
auf. Schritte in Richtung auf eine Modifizierung bestimmtei, den Interessen
der Nichtmitgliedstaaten zuwiderlaufender Maßnahmen hinweisen; das ist ein
störendes Element in unseren Beziehungen. Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß die europäische (Gemeinschaft die Augen nicht vor den Problemen schließen
kann, die sich durch die Erweiterung der Gemeinschaft für das übrige Europa
ergeben; wir erwarten aber auch, daß eine echte atlantische PattnetSchaft die

- 8-

�die Gemeinschaft und die übrigen europäischen Staaten dazu bestürmt, ihre
Verhältnisse in einer Weise zu regeln, die den Vereinigten Staaten nicht
unannehmbare finanzielle Belastungen auferlegt. Wir verstehen die Sorge der
europäischen Gemeinschaft um ihre Nachbarn im Mittelmeerraum und um die
früheren afrikanischen Kolonien, entdecken aber in dem System der sogenannten
umgekehrten Präferenzen Reste kolonialen Denkens und hoffen darauf, daß
dieser Typ von Handelsbeziehungen allmählich aufgegeben wird.

Das Festhalten am System solcher Präferenzen wird unausweichlich Gegenreaktionen auslösen. Es könnte - wie dies bereits geschehen ist - einige
Leute in anderen Ländern zu der Überlegung veranlassen, ob die Bildung von
Handelsblöcken nicht in ihrem Interesse liege - sei es um ein Gegengewicht
zum europäischen Handelsblock zu schaffen oder, um sich nicht vom europäischen
Präferenzsystem erfaßte Märkte in anderen Teilen der Welt zu sichern. Jone
Entwicklungsländer, die sich durch das europäische Präferenzsystem benachteiligt fühlen, stehen ihrerseits vor demselben Problem und werden sich
fragen, ob sie sich nicht auch bestimmten Industriemärkten anschließen
sollen.

Man kann jedoch die einzigartigen Bedingungen Europas nicht auf die
übrige Welt anwenden. Die geographische Nähe, die historischen und kulturelle
Bindungen, die politische Entwicklung und die wirtschaftlichen Verflechtungen,
die eine europäische Gemeinschaft möglich gemacht haben, sind andernorts
nicht gegeben. Der regionalen Zusammenarbeit ist eine gewisse Logik und
Zweckdienlichkeit eigen und sie hat ihren eigenen Wert, aber wir können dies^
ihre Vorteile sicherlich mit einer weltweiten Ordnung vereinbaren und die

- 9 -

�die Zersplitterung einer Weltgemeinschaft vermeiden, die der Zusammenarbeit
und nicht der Spaltung bedarf.

Auf monetärem Gebiet habe ich van der Verpflichtung der Defizitwie auch der überschußländer gesprochen, Anpassungsprozesse als einen
normalen Bestandteil des internationalen Lebens zu akzeptieren. Wir
operieren innerhalb eines Währungssystems, in dem im allgemeinen noch immer
die überlebte Auffassung vorherrscht, die Defizitländer seien verpflichtet,
ihre Politik zu ändern, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, während den
überschußländem keine solche moralische Pflicht obliegt, ihre Überschüsse
auszugleichen. Beide stehen vor dem Problem, ihre äußeren gegen ihre inneren
Zielsetzungen aufzuwiegen, beide haben aber auch - Defizit- wie Überschußländer - die Verpflichtung, das internationale System arbeitsfähig zu machen.

Auf beiden Seiten des Atlantik besteht ein großes Bedürfnis, die
praktische Einsicht und die moralische

Verr&gt;flichtung sowohl der überschuß-

als auch der Defizitländer zur Überzeugung zu erheben, daß es notwendig ist,
eine Innen- und Außenpolitik zu betreiben, die auf ein Gleichgewicht in
unseren Angelegenheiten hinzielt. In dieser Hinsicht ist in den letzten
Jahren viel erreicht worden, und unsere europäischen Partner haben ein Verständnis, eine Einsicht und eine Geduld an den Tag gelegt, die in den USA
gut aufgenommen wurden.

Was die Entwicklungsgebiete der Welt angeht, kommen wir zu der Einsicht, daß sich gewisse Entwicklungsländer bezüglich des Standes und der
Art ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stark voneinander unterscheiden. Wir
leben hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung nicht alle in der gleichen

- 10 -

�gleichen Zeit. Wenn ich zuvor von Universalität und Nichtdiskriminierung
sprach, bezog ich mich hauptsächlich auf die im weitesten Sinne stärker
entwickelten Gebiete der Welt, zu denen die Industrienationen und eine
Reihe von Ländern gehören, die in ihrer Entwicklung auf einer Stufe zwischen
einer industrialisierten und einer nichtindustrialisierten Gesellschaft
stehen. Wir sind jedoch inzwischen vom Prinzip der Meistbegünstigung im
Handel abgewichen, als wir der Konzeption allgemeiner Handelspräferenzen
für weniger entwiekelte

Länder nähertraten, und es mag durchaus sein,

daß die Welt es künftig für zweckmäßig hält, bei den einzelnen Gruppen von
Entwicklungsländern stärker zu differenzieren, um unterschiedlichen Graden
der wirtschaftlichen Entwicklung entSDrechend Rechnung tragen zu können.
Die beiden großen atlantischen Partner haben die gemeinsame Aufgabe und auch
ein gemeinsames Interesse daran, ihre respektive Einstellung bezüglich der
Hilfe für die weniger entwickelten Gebiete der Erde neu zu durchdenken.

Lassen Sie mich abschließend noch ein Wort sagen über einen denkbaren
Apparat zur Vertiefung der bilateralen atlantischen Beziehungen, das heißt
die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der europäischen Gemeinschaft.

Die Notwendigkeit,uns Gedanken um einen solchen Mechanismus zu machen,
erwächst aus dem Reichtum, der Breite und Mannigfaltigkeit unserer Partnerschaft. Die Halt long Amerikas und Europas zu Dutzenden von Problemen und
Fragen stellt

ein nächtiges und oft beherrschendes Element im interna-

tionalen Leben dar.
Es

- 11 -

�Es wird natürlich zwischen uns ein Meinungsaustausch über zahllose
Fragen jeder Art geführt, und wir haben in den 1/ifsten beiden Jahren eine
sehr informelle KbnsultativgruDoe aus Vertretern der Vereinigten Staaten
und der Euronäischen Kommission gebildet, die sich mit bestimmten Problemen
von gemeinsamer Interesse befaßt. Darüber hinaus kam es auch außerhalb
der KonsultativgruDDe zu einem rein informellen, ja fast Dersönlichen Gedankenaustausch mit den ständigen Vertretern der EWS-Mitgliedstaaten in
Br'issel. Sollte die Gemeinschaft in Zukunft einen breiter ausgelegten und
systematischer arbeitenden Mechanismus oder andere Mittel zur Abwicklung
unserer Angelegenheiten von gemeinsamen Interesse vorschlagen wollen, werden
wir gerne bereit sein, ihre Vorschläge zu erörtern.

Wir sol'ten jedoch die Tatsache nicht aus den Augen «wrltemn, 'la*
unsere Benr'ihungen um die Stärkung unserer bilateralen Beziehungen auf der
Erkenntnis beruhen, daß ein solches Vorgehen die multilateralen Prozesse
des internationalen Lebens bereichern kann. Wenn ein angemessener bilateraler
Mechanismus mithilft, die Gewähr zu schaffen, daß die Politik des einen
Partners den Interessen des anderen Rechnung trägt, wird dies auch sicherstellen helfen, daß wir beide den Interessen anderer Länder und anderer
Kontinente Rechnung tragen.

Wenn ich heute nicht über unsere jeweiligen Beziehungen zu Jaoan,
Kanada, Lateinamerika, Australien und Neuseeland, zum Subkontinent Indien
und Pakistan, zu den kcmnunistischen Staaten in Eurooa und Asien sowie
über unser Verhältnis zu eino^lnen Ländern in allen Teilen der Welt spreche,
dann deshalb, weil ich meine Ausführungen auf lie atlantischen Beziehungen
beschränken möchte. Es steht jedoch fest, daß die bilateralen Beziehungen

- 12 -

�Beziehungen zwischen den europäischen und den aorerikanischen Partnern
keinesfalls die wünschenswerten und notwendigenbilateralen Beziehungen zu
anderen Ländern oder die multilateralen Beziehungen und Institutionen beeinträchtigen dürfen, an den wir beide starken Anteil nehmen.

Die Vereinigten Staaten und Europa, das sowohl die der Gemeinschaft
angehörenden als auch die ihr nichtangehörigen europäischen Länder einschließt, sind von einer Größenordnung und Bedeutung, die beiden eine gewaltige Rolie in dex. Weltpolitik und einen tief reichenden Einfluß auf
sie zuweisen. Die wahren Ursprünge meines Landes, unsere gemeinsame
atlantische Geschichte, unser gemeinsames kulturelles Erbe, die gemeinsamen
Qualen und Triumphe, die wir in allen Bereichen menschlicher Bemühungen
erlebt haben, und das Gebäude unserer wirtschaftlichen Interdependenz sie alle gehen ein in unsere heutigen Beziehungen auf den Gebieten der
Politik, der Wirtschaft und der Sicherheit, die ebenso natürlich wie notwendig sind. Zusammenarbeit und nicht Konfrontation, Wettbewerb und nicht
Konflikt sind unsere Bestimmung.

- 13 -

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16/1972

CONNALLY: VOLLES VERTRAUEN IN DEN DOLLAR GERECHTFERTIGT

-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA-

WASHINGTON -• (AD) -- Der amerikanische Finanzminister John B. Connally hat
in einem Interview mit der Stimme Amerikas am 16. April versichert, die Finanzund Währungspolitik der USA rechtfertige ein volles Vertrauen in den Dollar.
Die wesentlichen Auszüge aus diesem Interview haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Minister, im vorigen Monat (März) gab es in Europa erneut
recht hektische Spekulationen gegen den Dollar, und dem begegnete man hier in
Washington mit außerordentlicher Ruhe. Ist diese Ruhe nun echt oder nur gespielt?
Antwort: Nein, ich meine sie ist echt... Wir glauben, daß wir auf dem
Wege zu einer sehr starken wirtschaftlichen Expansion sind. Wir glauben, daß
wir bei der Bekämpfung der Inflation mehr fertig bringen als irgend ein anderes
großes Industrieland, ich weiß das. Wir glauben, daß unsere Preise und unsere
Löhne mit einer geringeren Rate steigen als bei den anderen Industrienationen
der Welt. Wir glauben daher, daß wir bis Ende dieses Jahres unsere Situation
besser im Griff haben werden als die meisten anderen Länder, und es wird - und
zwar zu Recht - in der ganzen Welt ein erneutes Vertrauen herrschen, daß wir
unsere fiskalischen und monetären Angelegenheiten wirklich so behandeln, daß
die Menschen volles Vertrauen in den Dollar haben dürfen.
Ich
-1-

�Ich kann hier nicht umhin einzuwerfen..., was von manchen Leuten vielleicht
als Hohn und Spott aufgefaßt wird..., daß ich immer darauf hinweisen möchte,
daß der Dollar konvertierbar ist... hier und heute... und zwar voll konvertierbar in jede Ware oder Dienstleistung, die irgend jemand in der Welt von den Vereinigten Staaten kaufen will ....
Frage: Herr Minister, Sie haben xu erkennen gegeben, daß sie nicht glauben,
die Verhandlungen über ein neues Währungsabkommen sollten in dem Forum der
Zehnergruppe - jenem Forum, das das Smithsonian-Abkommen aushandelte - geführt
werden. Was für ein Forum möchten Sie?
Antwort: .... Darf ich hier einen kleinen Einwand machen und vielleicht
noch ein Wort dazu sagen. Ich habe versucht, klar zum Ausdruck zu bringen, daß
die Verhandlungen meiner Meinung nach nicht ausschließlich in der Zehnergruppe
geführt werden sollten.
Ich glaube, die Zehnergruppe hat bei den Beratungen über ein neues internationales Währungssystem eine Rolle zu spielen, aber ich bekenne offen, daß
es meiner Meinung nach zusätzliche Foren geben sollte, in denen diese Angelegenheit ebenfalls in allen Einzelheiten erwogen und erörtert wird; und ohne daß
ich irgendwelche fixen oder starren Ansichten hätte, daß irgendeine Idee ausgeschlossen sein sollte, möchte ich doch sagen, daß die Erörterungen natürlich
von den Nationen gepflogen werden sollten, die formell oder informell zur Zehnergruppe gehören.
Nach meiner Meinung sollten die Gespräche darüber hinaus unter den Nationen
geführt werden, die dem Vorstand des Internationalen Währungsfonds angehören.
Und ich bin nicht sicher, ob nicht sogar noch eine dritte - mehr oder weniger
ad hoc zusammengekommene - Gruppe zumindest konsultiert werden sollte, und ich
möchte meinen, daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich alles nur Menschenmögliche tun würden, um mit in keiner dieser Gruppen vertretenen Nationen
einige der Probleme zu erörtern, vor denen wir in dem neuen Währungssystem
stehen werden.
Frage:
-2-

�Frage: Es ist angeregt worden, daß andere Länder mehr tun sollten, um den
Vereinigten Staaten und dem Dollar zu helfen, um größere Verantwortung zu übernehmen. Was können sie tun - was sollten sie tun - , um unserem Lande zu helfen?
Antwort: Da komme ich natürlich immer wieder auf etwas zurück, was ich für
die eigentlich fundamentale Frage halte, daß wir nämlich unsere Währungsprobleme
niemals wirklich lösen können, wenn wir nicht über ein System sprechen, das sehr
häufige Aufwertungen und Abwertungen der verschiedenen Währungen in der Welt erlaubt, und wenn kein besseres Gleichgewicht in Handelsfragen geschaffen wird,
denn das sind schließlich die Dinge, die die Diskrepanz in Zahlungsbilanzen hervorrufen.
In einigen Fällen können andere Nationen ohne Frage ihre Märkte öffnen. Ich
glaube, da? gilt sicherlich für Japan. Ich mache kein Hehl daraus. Ich habe meinen Freunden in Japan gesagt, daß sie bestimmte Praktiken üben, daß sie Dinge
tun,die zu unserem Nachteil sind..,., und daß es eine Grenze gibt, bis zu welchem
Maße wir ihnen zugestehen können, den amerikanischen Markt zu sättigen, ohne daß
auch wir für einige Produkte Zugang zu ihrem Markt hätten.
Das gleiche gilt auch für die Länder in aller Welt, Wir müssen mit allen
von ihnen bezüglich von Änderungen unserer Handelspraktiken ins reine kommen.
Und schließlich möchte ich sagen, daß der größte Teil der übrigen Welt eine
fundamentale Entscheidung zu treffen haben wird, bevor wir ein neues Währungssystem errichten können, und diese Länder müssen selbst - einzeln oder kollektiv die Frage beantworten, ob sie jemals bereit sein werden, den Vereinigten Staaten
einen Überschuß zuzugestehen.
Frage: Bedeutet das, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen?
Antwort: Das bedeutet, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen. Schließlich
haben wir 22 Jahre lang ein Defizit in Kauf genommen. Unsere Defizite sind der
Überschuß eines anderen. Wenn wir also irgendeine Art von Konvertierbarkeit aufrechterhalten sollen, dann liegt es auf der Hand, daß wir ein System haben müssen,

-3

�müssen, das uns ebenso erlaubt, zu gewinnen wie zu verlieren - oder wir können
niemals eine realistische Konvertierbarkeit haben,
Wenn wir also wirklich eine Konvertierbarkeit im streng monetären Sinne
haben sollen - eine Konvertierbarkeit in Reserveguthaben

- dann werden wir ein

System haben müssen, das den Vereinigten Staaten erlaubt, gelegentlich einen Überschuß zu haben.
Frage:.., In Amerika herrscht seit vielen Jahren eine gewaltige Begeisterung
für den Eintritt Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt, und jetzt scheint diese Begeisterung durch eine gewisse Vorsicht gedämpft zu werden. Könnten Sie uns
gewisse Hinweise darauf geben, auf die Überlegungen, die diesen Mangel an Begeisterung in Washington verursacht haben?
Antwort: Darf ich Ihnen darauf eine persönliche Antwort geben.,..
Ich glaube nicht, daß es ein Nachlassen der Begeisterung über den Beitritt
Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gibt- Wenn es heute eine gewisse Vorsicht
im Denken der Leute in Washington gibt, dann deshalb, weil wir den Gemeinsamen
Markt heute nach dem Gesichtspunkt, betrachten, wie er in den siebziger Jahren
verfahren wird.
Meine persönliche Auffassung ist die, daß trotz der besten Absichten Einzelner und von Regierungen in einer Zeit, da der Gemeinsame Markt versucht, sich als
wirtschaftliche Einheit, als politische Einheit und als finanzielle Einheit zu
vervollkommnen, es unausweichlich ist, daß er nach innen blicken wird. Das muß
so sein.,.., und ich meine das nicht kritisch.... Man wird einfach nach innen
blicken, weil dort die Probleme liegen werden.,..
Was meiner Meinung nach uns angeht, ist, wie wir - wenn das der Fall ist reagieren, wie wir uns in internationalen Währungsangelegenheiten und in Welthandel sfragen verhalten werden. Das ist der einzige Anlaß zur Vorsicht...."

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16/1972
US-WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER NIMMT ZUR INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSLAGE STELLUNG
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington-

Lawrence B. Krause, der in internationalen
Wirtschafts-und Finanzkreisen als anerkannte
Autorität für währungs-und wirtschaftspolitische Fragen gilt, hat nach seinem Studium an
der Universität von Michigan und der HarvardUniversität neben seiner Lehrtätigkeit an namhaften amerikanischen Hochschulen wichtige
Stellungen im öffentlichen Dienst bekleidet.
Unter anderem war er als Berater des State Department und des US-Sonderbeauftragten für Zollund Handelsfragen sowie in besonderen Missionen
für den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten tätig.
Zahlreiche seiner Veröffentlichungen wurden in
bekannten amerikanischen und internationalen
Zeitschriften abgedruckt. In den letzten Jahren
hat die Brookings Institution unter anderem seine Bücher "European Economic Integration and
the United States", Britain*s Economic Prospects"
sowie "Sequel to Bretton Woods: A Proposal to
Reform the World Monetary System" herausgebracht.
Krause, der im Dezember 1929 in Detroit geboren
wurde und 1958 an der Harvard-Universität zum
Dr. phil. promovierte, hat zahlreiche akademische Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Er
wird Anfang Mai Vorträge in Frankfurt und Berlin halten sowie zu Gesprächen mit führenden
Bankleuten zusammentreffen.

-1-

�Frage: Glauben Sie, daß es für ausländische Zentralbanken notwendig sein
wird, mehr Dollar aufzunehmen, damit die Neufestsetzung der Wechselkurse in
den nächsten zwei oder drei Jahren richtig zur Wirkung kommen kann?
Antwort: Es mag durchaus notwendig werden, daß sie etwas mehr hereinnehmen. Ohne Frage werden bestimmte Zentralbanken mehr hereinnehmen müssen, da
jedes Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Ländern stets in Dollar ausgeglichen wird. Wenn Frankreich oder Großbritannien ein Defizit haben und
Deutschland weist einen Überschuß aus, dann erhält Deutschland Dollar, auch
wenn Frankreich Dollar verliert. Ich rechne aber auch mit einem Rückfluß von
Dollar, die früher aus spekulativen Gründen abgewandert sind. Sie werden ganz
allmählich in den nächsten zwei Jahren zurückfließen,und dies wird zu einem
Ausgleich beitragen. Aber Ihre Frage zielt in die richtige Richtung, nämlich
daß es zwei Jahre dauern wird, bis die Verbesserung der Zahlungsbilanz aufgrund der Abwertung zum Tragen kommt. Es wird noch einer gewissen weiteren
Finanzierung bedürfen.
Frage: Wird dies soweit ins Gewicht fallen, daß es für einige dieser Länder zu gewissen Problemen führt, wenn sie diese Dollar aufnehmen müssen?
Antwort: Die Aufnahme von Dollar führt zu zwei Arten von Problemen. Da
ist einmal die Angst, man erhalte Geld, das dann an Wert verliert. Diese Befürchtung hat jeder Bankier, nicht nur ein Zentralbankier. Ich möchte meinen,
daß sie diese Angst ertragen könnten. Es handelt sich hier nicht um Institutionen,die auf Gewinn aus sind. Sie erhalten einen guten Zinssatz.

Und wenn

die Alternative für sie Gold ist, dann ist es wohl klar, daß sie mit Dollar
besser dran sind, denn der Zinssatz ist höher als jede vorstellbare Entwertung pro Jahr. Aber das ist nur das eine ihrer Probleme. Das zweite Problem
ist die Inflation im Inland. Wenn Zentralbanken ausländische Währungen aufnehmen müssen, dann wirkt sich dies stimulierend auf die Geldausweitung im
Inland aus. Darüber haben sie keine Kontrolle. Sie können dies auszugleichen
versuchen, doch ist dies eine automatische monetäre Expansion innerhalb der
-2-

�der Volkswirtschaft. Deutschland hat sich von Zeit zu Zeit diesem Problem gegenübergesehen. Es kann so schwerwiegend sein, daß es innerhalb ihrer Volkswirtschaften eine Inflation auslöst. Und das ist ihre Hauptsorge.
Das wird für sie auch weiterhin Anlaß zur Besorgnis sein. Zahlreiche Länder werden sich überlegen müssen, "wie können wir eine antiinflationäre Politik
entwickeln, die nicht so stark von dem Währungssystem abhängig ist, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war".
Frage: In letzter Zeit ist davon gesprochen worden, daß einige Länder möglicherweise zu Währungskontrollen verschiedenster Art greifen werden, wenn sie
vor die Notwendigkeit gestellt werden, Dollar aufnehmen zu müssen, und sie
könnten Kontrollen einführen, statt Dollar aufzunehmen. Halten Sie das für
möglich?
Antwort: Das ist eine reale Möglichkeit. Wenn Länder bei irgendeiner Sache
ein Problem sehen, dann werden sie oft den direkten Weg einschlagen wollen. So
hat sich Frankreich bei dem Kapitalzufluß in der Vergangenheit verhalten, und
Italien hat eine solche Tradition aufzuweisen. Bei Deutschland ist das überhaupt nicht der Fall, und Großbritannien hat einen gemischten Kurs eingeschlagen. Das Problem bei solchen Kontrollen ist, daß sie nicht funktionieren, oder
jedenfalls nicht sehr gut. Soweit sie den Zufluß abstoppen, wird etwas Natürliches und nicht etwas Unnatürliches verhindert. Es trifft den kleinen Mann,
nicht die Großen. Und vor allem sind solche Kontrollen nicht sehr wirkungsvoll.
Ich wäre überrascht, wenn Kontrollen eine Lösung des Problems wären.
Frage: Die Vereinigten Staaten sind von manchen Leuten kritisiert worden,
weil sie nicht genug tun, um den Kapitalabfluß aus den Vereinigten Staaten zu
kontrollieren. Können oder sollten die Vereinigten Staaten noch mehr tun?
Antwort: Ich möchte sagen, sie sollten etwas weniger tun. Kapitalkontrollen wurden eingeführt, um eine Abwertung zu verhindern. Man versuchte, unsere
Zahlungsbilanz ohne Änderung des Wertes des Dollar zu korrigieren. Aber das

-3

�das ging nicht. Daher haben wir den Dollar abgewertet, und jetzt gibt es keinen
Grund mehr für die Kapitalkontrollen, die wir haben. Natürlich würden Probleme
aufgeworfen werden, wenn man sie plötzlich, über Nacht einstellen würde. Aber
es ist ganz klar, daß wir in Richtung auf ihre Liberalisierung voranschreiten
sollten, denn Kontrollen jeder Art sind in sich selbst nicht wünschenswert.
Frage: Wie steht es mit den Bewegungen kurzfristigen Kapitals? Muß etwas
unternommen werden, um sie mehr unter Kontrolle zu bringen?
Antwort: Kurzfristiges Kapital reagiert sehr feinfühlig auf die jeweiligen Zinssätze in den verschiedenen Ländern; und die natürlichen Marktkräfte
werden solche Geldabflüsse aus den Vereinigten Staaten sehr schnell weniger
werden lassen,und sehr bald werden sie in der umgekehrten Richtung fließen.
Wenn die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr und im kommenden Jahr - 1973 weiter expandiert, dann werden wir wahrscheinlich kurzfristiges Kapital anziehen. Das dürfte kein Problem werden, da andere Länder über eine Menge Reserven
verfügen, die sie abbauen können. Ich halte dies in diesem Jahr und im kommenden
daher für ein weitaus geringeres Problem - von den natürlichen Wirtschaftskräften her gesehen -, als es im Augenblick aussieht.
Frage: Glauben Sie, daß irgendwelche Kontrollen oder irgendwelche neuen
Methoden in Bezug auf die Bewegungen kurzfristigen Kapitals einen Platz in der
langfristigen Reform des internationalen Währungssystems einnehmen werden?
Antwort: Absolut. Wenn wir ein festes System von Wechselkursen, ohne irgendwelche Kontrollen des Handels und der Kapitalbewegungen haben wollen, dann werden
wir einen Mechanismus zur Finanzierung solcher Bewegungen, falls sie auftreten,
brauchen. Meines Erachtens werden schon allein die größeren Bandbreiten bei
den Wechselkursen solche Bewegungen verlangsamen, und auch häufigere Veränderungen der Wechselkurse werden die Bewegungen verlangsamen. Aber ich glaube, die
Regierungen wollen eine gewisse Sicherheit, mehr Sicherheit gegen die Möglichkeit plötzlicher Abflüsse, die ihre Reservebasis verschwinden lassen. Daher wird

-4-

�wird dies Teil einer grundlegenden Gesamtreform sein. Es ist unvorstellbar, daß
wir genügend Weltreserven schaffen könnten, so daß jedes Land über genügend
Mittel verfügte, um damit gegen eine Verknappung im Falle kurzfristiger Kapitalbewegungen gesichert zu sein. Daher brauchen wir einen Mechanismus, eine Art
Lagerhaus oder einen Bestand an Liquidität, der zur Finanzierung solcher Abflüsse benutzt werden kann. Mein eigener Vorschlag ist, daß dies der Internationale Währungsfonds (IWF) sein sollte. Aber es ist auch möglich, dies auf andere
Weise zu arrangieren.
Frage: Sie sprechen von der Finanzierung solcher Kapitalbewegungen und
nicht von ihrer Kontrolle?
Antwort: Absolut. Meines Erachtens kann man sie nicht kontrollieren. Ich
glaube, wenn ein Mechanismus entwickelt würde, um sie zu kontrollieren, dann
würde man damit das Kind mit dem Bade ausschütten. Man müßte jede einzelne internationale Transaktion kontrollieren. Sie werden feststellen, daß dann nicht nur
Kapital, sondern auch Handel, langfristige Investitionen, Touristenverkehr,
alle diese Dinge schließlich in Kontrollen enden würden. Und das wäre nicht wünschenswert.
Frage: Was halten Sie von einigen Hilfsmitteln, die in letzter Zeit benutzt
wurden, wie verschiedene Depoterfordernisse bei Ausländereinlagen?
Antwort: Ich möchte das nicht als "Kontrolle" bezeichnen. Hier wird ein
Preismechanismus angewandt, um sie weniger attraktiv zu machen. Natürlich müssen
die einzelnen Länder sich darüber im klaren sein, daß man, wenn man bestimmte
Arten von Kapital verteuert, andere Arten von Kapital, die eng hiermit zusammenhängen, nunmehr attraktiver macht. Anders gesagt, Geld kann durch beide Kanäle
fließen. Sie können bestimmte Formen von Abflüssen verlangsamen. Einige von
ihnen werden in unterschiedlicher Form abgelenkt. Das ist bekannt. Wenn man Kapitalkontrollen einführt oder in diesem Falle den Preis bestimmter Formen von Kapitalbewegungen verteuert, dann können Sie damit rechnen, daß die Geldabflüsse
andere Kanäle finden. Aber man hofft, daß der Gesamtfluß dadurch verlangsamt
wird.
++II 1 &gt; Hl I
-5-

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"WOCHE DER ERDE" - NATIONALE AKTION FÜR UMWELTSCHUTZ
Amerikanische Bürgerkomitees und Behörden appellieren an das
Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen

--(AD)— Vor zwei Jahren begingen viele Tausende von Amerikanern, meist
Studenten und Oberschüler, den "Tag der Erde", um ihrer Besorgnis über die
bedrohte Umwelt nicht nur in Amerika, sondern in praktisch allen Ländern
Ausdruck zu geben. Jetzt sind solche Aktionen auf eine ganze Woche ausgedehnt. Präsident Nixon ersuchte die Gouverneure der Bundesstaaten, in der
"Woche der Erde" vom 17. - 23. April 1972 allen Bürgern Gelegenheit zu geben,
sich an Programmen und praktischen Schritten zu beteiligen, mit denen die
Umwelt restauriert werden soll.
Neben Bürgergruppen für Umweltschutz, die sich im ganzen Land gebildet
haben, sind in diesem Jahr auch wichtige Regierungsbehörden an der Programmplanung für die "Woche der Erde" beteiligt. Sie bildet bereits einen Auftakt
für die Umweltschutzkonferenz im Juni 1972, die unter der Schirmherrschaft de
Vereinten Nationen in Stockholm abgehalten wird.
Die bisherigen Erfahrungen mit der Aktion "Woche der Erde" zeigten, wie
Senator Gaylord Nelson erklärte, daß es Jahrzehnte nationaler Anstrengungen
bedürfe, um die Umwelt zu restaurieren. Gleichzeitig führten die inzwischen
gewonnenen Erfahrungen zu wichtigen Revisionen der ursprünglichen Pläne und

�und Programme. Sie sind heute realistischer und stellen die Zeit besser in
Rechnung, die für eine Beseitigung und künftige Verhinderung von Schäden tatsächlich gebraucht werden wird.
Umfragen lassen erkennen, wie groß die Unterstützung für Umwelt Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung ist. 75 Prozent der Befragten erklärten dabei u.a.,
für eine ausreichende Finanzierung entsprechender Maßnahmen auch willens zu
sein, mehr Steuern zu bezahlen.
Denis Hayes, der 1970 als Student die ersten Aktionen organisierte und heute
im Auftrag der Smithsonian Institution Fragen des wirtschaftlichen Energiebedarfs untersucht, betont: "Heute versuchen wir, eine Bewegung auf sehr viel
breiterer Basis zu bilden, die sich, um grundlegende Reformen zu erreichen, auch
auf das Verkehrswesen und auf die Energieproduktion konzentriert."
Auf Grund einiger von Bürgervereinigungen für den Umweltschutz angestreng ten Prozesse wurde beispielsweise der Bau einer Ölpipeline in Alaska zurückgestellt und die Vergabe weiterer Lizenzen für Ölbohrungen im Golf von Mexiko
sowie der Bau neuer Kraftwerke vorläufig gestoppt. Mit solchen Prozessen sollen
zwar solche Projekte nicht mit allen Mitteln unterbunden werden, aber man will
sicherstellen, daß sie wirklich im Einklang mit den Umweltschutzgesetzen
stehen.
Obgleich die Politiker von derartigen Bürgeraktionen nicht gerade entzückt
sind, erklärte z.B. Innenminister Rogers C.B. Morton kürzlich vor einem Ausschuß des US-Senats: "Die Erwägung von Fragen der Umweltsituation bei bestimmten politischen Entscheidungen

führte alles in allem dazu, daß jetzt mehr

Informationen eingeholt werden und die Behörden Auswirkungen auf die Umwelt
von vorneherein berücksichtigen. Auch die Öffentlichkeit wird mehr als bisher
informiert, wie sich Maßnahmen der Regierung auf die Umweltsituation auswirken."

Ein
-2-

�Ein Musterbeispiel dafür sind die zweieinhalbjährigen Untersuchungen im
Auftrag des US-Innenministeriums zum Bau einer 1200 km langen Erdölleitung in
Alaska, die von den Ölfeldern der Prudhoe-Bucht im Norden zum eisfreien Hafen
Valdez im Süden führen soll, von wo aus Tanker das Öl zum Puget«Sund im Staate
Washington und zu den kalifornischen Häfen bringen würden. In einem vielbändigen Bericht wurde Ende März 1972 das Ergebnis*dieser Studie über das 3,5 Milliarden-Dollar-Projekt von sieben großen Ölfirmen veröffentlicht. Die Quintessenz:
Es ist nicht möglich,ohne tatsächliche oder mögliche Schädigungen des Landes
sowie der Tier-und Pflanzenwelt die Leitung zu bauen. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet die Frage, wie ein Auftauen des unter Dauerfrost stehenden Bodens,
über den 85 Prozent der Pipeline führen würde, zu verhindern sei. Das zweite
große Problem ist die Forderung der Umweltschützer, das letzte große Naturparadies, das Alaska darstellt, unter allen Umständen zu erhalten. Um dem gerecht zu
werden, schlug die Industrie vor, etwa die Hälfte der Strecke in einem Felsoder Kiesbett, die andere Hälfte aufgeständert zu montieren, damit der Kontakt
mit dem Permafrostboden verhindert und die Tierwanderungen nicht gestört werden.
Die Entscheidung der Bundesregierung wird zurückgestellt, bis Präsident Nixons
Beirat für Umwelthygiene, die US-Bundesbehörde für Umweltschutz und andere zuständigenOrgane den Bericht des Innenministeriums studiert und entsprechende
Empfehlungen unterbreitet haben.
Die Meinungen über mancherorts geäußerte Befürchtungen gehen auseinander,
daß verstärktes Umweltbewußtsein zu übertriebenen Reaktionen führe, neue Projekte verzögere und in Zeiten erhöhter Arbeitslosigkeit sogar die Schließung
bereits in Betrieb befindlicher Anlagen erzwinge. Allerdings warnen Sprecher
der Industrie vor einem "Overkill", vor einem zu heftigen Vorpreschen in Umweltfragen. William D. Ruckeishaus, der Leiter des Bundesamtes für Umweltschutz, räumt ein, daß manche Umweltschützer tatsächlich "unmögliche" Gütegrade für Luft und Wasser forderten. Gleichzeitig weist er aber die Behauptung
zurück, die Industrie werde mit Vorschriften zu stark gegängelt. Seine Behörde

-3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin J. Hillenbrand zum neuen US-Botschafter in Bonn nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi beantwortete amerikanisches Verhandlungsangebot mit Invasion in Südvietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA verstärken Anstrengungen zur Sicherung der Energieversorgung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fachausstellung und Tagung "Kunststoffe und ihre Verarbeitung"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium Nathaniel Samuels -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Lawrence B. Krause in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz</text>
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Dokumentation

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18

3. Mai 1972

Inhalt
INFORMATION:
Verifizierungsproblem weiterhin im Mittelpunkt der Genfer Abrüstungskonferenz
•Vertagung bis zum 2o. Juni«

Presseausweise für TRANSPO 72
-Mitteilung für Korrespondenten-

DOKUMENTATION:
Präsident Nixon kündigt weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
-Wortlaut der Fernseh-und Rundfunkansprache vom 26. April«

WIRTSCHAFT:
Konsultationsgespräche zwischen den USA und der EWG waren überaus
nützlich
-Samuels zieht Bilanz-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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18/1972

VERIFIZIERUNGSPROBLEM WEITERHIN IM MITTELPUNKT DER
GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ

-Vertagung bis zum 20. JuniGENF --(AD)-- Die Genfer Abrüstungskonferenz hat in den neun Verhandlungswochen während ihrer Frühjahrstagung einige der Hauptschwierigkeiten, die
überwunden werden müssen, ehe ein internationales Verbot der chemischen
Waffen erzielt werden kann, schärfer ins Licht gerückt.
Außerdem wurden bei den Debatten die noch weiterhin bestehenden Differenzen in Bezug auf das andere vordringliche Projekt deutlich, das die Konferenz sich in diesem Jahr vorgenommen hat - den Abschluß eines Vertrages
über das Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche.
Die Konferenz,die am 29. Februar ihre Sitzung eröffnet hatte, vertagte
sich am 27. April auf den 20. Juni.
Der amerikanische Delegationsleiter, Botschafter Joseph Martin, betonte
in seiner Rede auf der Abschlußsitzung, er rechne zuversichtlich damit, daß
während der Sommersitzungen eine fruchtbare und zusätzliche Arbeit in Bezug
auf das Problem der chemischen Waffen geleistet werden könne. Die Vorbedingungen dafür seien geschaffen. Auch die Bemühungen um einen Vertrag, der unterirdische Atomwaffenversuche verbietet, seien fortgesetzt worden, ohne daß sich
hier allerdings Fortschritte schon deutlich abzeichneten.
Botschafter

�Botschafter Martin wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf das Arbeitsprogramm hin, das die Vereinigten Staaten am 21. März vorgelegt hatten, und gab
seiner Überzeugung Ausdruck, daß dieses Programm die Untersuchung des Problems
der C-Waffen aktiviert und einen Dialog innerhalb der Konferenzdelegation in
Gang gebracht habe, der für alle fruchtbar sein werde.
In dem von den USA vorgelegten Arbeitsprogramm werden die technischen und
wissenschaftlichen Probleme präzisiert, die gelöst werden müssen, ehe man zu
einem Abkommen über ein Verbot der chemischen Waffen gelangen kann. Gleichzeitig wird eine Reihe von Methoden und Möglichkeiten zur Lösung dieser Probleme
vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten hatten an dem von der Sowjetunion eingebrachten
Entwurf einer Konvention über das Verbot chemischer Waffen Kritik geübt, da er
nach amerikanischer Auffassung Mängel enthält. Der Entwurf war am 28. März von
der Sowjetunion und sechs ihrer Verbündeten vorgelegt worden. Die kritischen
Einwände der USA gegen diesen Entwurf waren aber bei weitem nicht so scharf
wie die verschiedener anderer Mitglieder der Konferenz.
Der sowjetische Entwurf enthält nur eine einzige Klausel, die sicherstellen soll, daß die vorgeschlagene Konvention auch eingehalten wird - nämlich die
Anrufung des Weltsicherheitsrates im Falle des bestehenden Verdachts eines Verstosses gegen die Bestimmungen der Konvention. Dies wäre identisch mit der Bestimmung, die in die am 10. April in Washington, London und Moskau unterzeichnete Konvention über Toxine und biologische Waffen aufgenommen wurde.
Viele Länder vertraten die Auffassung, daß ein solches Verfahren für biologische Waffen wohl ausreichend sei, da diese als wenig geeignetes Instrument
für die Verteidigung gegenüber einem Angriff angesehen werden, daß es aber
nicht genüge, um die Einhaltung der Bestimmungen eines Verbots chemischer Waffen
zu sichern. Die chemischen Waffen seien als Kampfmittel erprobt, so wurde argumentiert, und ihr Besitz gebe einem Staat ein starkes Abschreckungsmittel gegen
einen anderen in die Hand, der einen Angriff mit chemischen Waffen führe.
Botschafter

�Botschafter Martin sprach in diesem Zusammenhang die Hoffnung aus, daß
sich keine der Delegationen der Abrüstungskonferenz im derzeitigen Verhandlungsstadium auf die Haltung versteifen werde, daß ein bloßes Beschwerdeverfahren,
wie es die Konvention über die biologischen Waffen vorsieht, die beste und
alleinige Gewähr sei, die man für eine Konvention über chemische Waffen erlangen
könne.
Andere Konferenzmitglieder haben weitaus nachdrücklicher und schärfer auf
diese im sowjetischen Vertragsentwurf bestehende Lücke hingewiesen. Noch ehe der
Entwurf der Konferenz unterbreitet worden war, hatte die schwedische Delegierte Alva Myrdal am 14. März vor der Konferenz erklärt, daß Schweden die in der
biologischen Konvention enthaltene Kontrollklausel nicht als geeignetes Modell
ansehe. Aufgabe der Konferenz sei es, eine befriedigendere Formel zu finden.
Botschafter Martin betonte in seiner Rede während der Abschlußsitzung, daß
die Vereinigten Staaten noch keine Entscheidung über eine ihnen am besten erscheinende Lösung für das Problem der Kontrolle der chemischen Waffen getroffen
hätten. Es sei jedoch logisch und sinnvoll, so sagte der Botschafter weiter, daß
die Konferenz die Grundelemente einer möglichen Begrenzung eingehend prüfe.
Diese Prüfung werde es den Vereinigten Staaten erleichtern, zu Schlußfolgerungen
über praktisch durchführbare Lösungen zu gelangen.
Die Frage der Verifizierung ist es auch, die letztlich den Differenzen in
Bezug auf das Problem der Einstellung unterirdischer Kernwaffenversuche zugrunde
liegt.
Seit Jahren hat die Sowjetunion behauptet, daß hochempfindliche, weite
Räume erfassende Meßinstrumente imstande seien, die Einhaltung eines solchen
Verbotes zu sichern - daß man mit ihnen heimlich durchgeführte Tests aufspüren,
zwischen solchen und natürlichen Erdbeben unterscheiden und den, der gegen die
Vertragsbestimmungen verstößt, überführen könne.
Die Vereinigten Staaten bezweifeln, daß dies möglich ist. Botschafter
Martin hatte in einer Rede am 21. April auf der Abrüstungskonferenz den Stand-

�«

Standpunkt der Vereinigten Staaten noch einmal unterstrichen, daß "trotz
jüngster Verbesserungen in den seismischen Methoden zur Entdeckung und Identifizierung unterirdischer Explosionen eine wirksame Verifizierung eines Verbots
unterirdischer Versuche die Inspektion an Ort und Stelle einschließen m u ß ,
w e n n das notwendige M a ß v o n Sicherheit gegeben sein soll, das für jedes Verbot
einer entscheidend w i c h t i g e n W a f f e w e s e n t l i c h i s t . "
Verschiedene Staaten haben m ö g l i c h e W e g e und M e t h o d e n zur Überbrückung dieser zwischen den Positionen der Supermächte bestehenden Kluft vorgeschlagen. Dazu gehören der Vorschlag eines Moratoriums für unterirdische K e r n w a f f e n v e r s u c h e ,
bis m a n zu einer Einigung über die Verifizierung bindender Vertragsbestimmungen
gelangt ist, sowie die Idee eines "Schwellen"-Grenzwertes, durch den die Stärke
der Versuche beschränkt w e r d e n soll, die in einer Interimsperiode gestattet sein
w ü r d e n , während m a n sich um ein Übereinkommen in der Frage der Verifizierung bemüht.
Hinter dem Schwellenplan steckt die Überlegung, dais weitreichende Meßinstrumente, über deren Verlässlichkeit m a n im Falle kleiner Kernwaffenexplosion e n unterschiedlicher Meinung sein k a n n , allgemein doch für ausreichend sicher
zur Entdeckung und Identifizierung größerer D e t o n a t i o n e n angesehen w e r d e n .

IM I I I i

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18/1972

PRESSEAUSWEISE FÜR TRANSPO 72

-Mitteilung für Korrespondenten-

WASHINGTON --AD-- Für die TRANSPO 72 - United States International Transportation Exposition (Internationale Verkehrsausstellung in den USA) die vom 27. Mai bis 4. Juni auf dem üulles International Airport bei
Washington, D.C. stattfindet, können Korrespondenten aller Medien jetzt
Presseausweise beantragen. Anträge sind zu richten an:

John F. Judge, IE-30
TRANSPO 72
800 Independence Avenue, S.W.
WASHINGTON, P.C. 20591
USA
Telegrammanschrift: TRANSPO
Telefon:

202/426-8955

Schriftliche oder telegrafische Anträge müssen enthalten:
Namen und/oder Auftraggeber, Zahl der beantragten Presseausweise und
volle Anschrift. Für jeden Presseausweis muß ein Antragsformular eingereicht
werden. Die Zulassungen werden bis zum 18- Mai 1972 mit der Post versandt:
-1-

�nach diesem Datum ausgestellte Presseausweise können am Presseschalter der
TRANSPO 72 neben dem Haupteingang der Ausstellung abgeholt werden.
Für die akkreditierten Korrespondenten wird eine große Pressezentrale
als Arbeitsraum zur Verfügung stehen.

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18/1972

PRÄSIDENT NIXON KÜNDIGT WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN
-Wortlaut der Fernseh-und Rundfunkansprache vom 26.April»

WASHINGTON--(AD)~« Präsident Nixon hat in seiner Fernseh-und Rundfunkansprache am 26. April bekanntgegeben, daß während der nächsten beiden Monate
weitere 20 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam nach den USA zurückkehren
werden. Damit werde sich die amerikanische Truppenstärke in Vietnam bis zum
1. Juli auf 49 000 Mann verringern.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
"Während der letzten drei Wochen haben Sie gelesen und gehört, daß eine
massive Invasion Südvietnams durch die kommunistischen Armeen Nordvietnams
im Gange ist.
Heute abend möchte ich Ihnen aus erster Hand einen Bericht über die
militärische Situation in Vietnam, über die von mir hinsichtlich der Rolle
der amerikanischen Truppen in diesem Konflikt getroffenen Entscheidungen
sowie über die Bemühungen geben, die wir übernehmen, um am Verhandlungstisch
den Frieden zu erreichen.
Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich einen kurzen Überblick über die
Situation bei meinem Amtsantritt gebe, sowie über die Maßnahmen, die wir
seither ergriffen haben, um das amerikanische Engagement im Krieg zu beenden,
und dem seit so vielen Jahren leidenden Volk Südostasiens Frieden zu bringen.
Am

-1-

�Am 20. Januar 1969 betrug die amerikanische Truppenstärke in Vietnam
549 000 Mann. Unsere Verluste beliefen sich bis zu 300 Mann wöchentlich. In jedem
Monat wurden 30 000 junge Amerikaner eingezogen.
Heute, 39 Monate später, wird die Zahl der in Vietnam stationierten Amerikaner aufgrund unseres Vietnamisierungsprogramms, das den Südvietnamesen bei der
Entwicklung ihrer Selbstverteidigung hilft, bis zum 1. Mai auf 69 000 Mann reduziert sein. Unsere Verluste, selbst während der gegenwärtigen umfassenden gegnerischen Offensive sind um 95 Prozent reduziert worden. Gegenwärtig erhalten
weniger als 5 000 Mann im Monat Gestellungsbefehle und wir hoffen, diese Zahl im
nächsten Jahr auf Null senken zu können.
Wie ich in meiner Fernsehansprache an die Nation am 25. Januar mitteilte,
haben wir sowohl in öffentlichen als auch in vertraulichen Verhandlungssitzungen
die großzügigsten Friedensbedingungen angeboten. Unser jüngster Vorschlag enthielt eine sofortige Feuereinstellung, den Austausch aller Kriegsgefangenen, den
Abzug aller unserer Streitkräfte innerhalb von sechs Monaten sowie international
überwachte neue Wahlen in Vietnam, bei denen alle politischen Elemente einschließlich der Kommunisten beteiligt sein und mitwirken sollten. Einen Monat vor Abhaltung dieser Wahlen würden Präsident Thieu und Vizepräsident Huong zurücktreten.
Hanois verächtliche Antwort auf dieses Angebot war einmal die Weigerung, unsere Vorschläge auch nur zu erörtern, und gleichzeitig eine massive Eskalation ihrer
militärischen Tätigkeit auf dem Schlachtfeld. Im Oktober letzten Jahres, im gleichen Monat, da wir dieses Friedensangebot an Hanoi unterbreiteten, ging aus unseren Geheimdienstberichten hervor, daß der Gegner einen größeren Angriff vorbereitete. Wir hielten uns jedoch bewußt von einer militärischen Antwort zurück. Statt
dessen setzten wir geduldig die Pariser Gespräche fort, weil wir dem Gegner jede
Chance geben wollten, am Verhandlungstisch eine ausgehandelte Lösung zu erreichen,
statt einen militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld zu suchen - einen Sieg, den
wir nicht zulassen können.
Und schließlich, vor drei Wochen, am Osterwochenende begannen sie mit ihrer
Invasion Südvietnams. Drei nordvietnamesische Divisionen drangen über die ent-

-2-

�entmilitarisierte Zone nach Südvietnam vor, und zwar unter Verletzung der von
ihnen im Jahre 1954 unterzeichneten Verträge sowie unter Verletzung der grundlegenden Verständigung, die sie mit Präsident Johnson im Jahre 1968 erreicht hatten,
als dieser die Bombardierung Nordvietnams als Gegenleistung für ein Arrangement
einstellte, das die nordvietnamesische Verpflichtung einschloß, die entmilitarisierte Zone nicht zu verletzen. Kurz nach der über die entmilitarisierte Zone
hinweggetragenen Invasion drangen drei weitere nordvietnamesische Divisionen weiter im Süden in Südvietnam ein. Im Zuge der zunehmenden Offensive nahm der Gegner
unter flagranter Verletzung der Absprache über einen Stopp der Bombardierungen
von 1968 wahllos zivile Bevölkerungszentren unter Beschuß.
Die Fakten sind klar. Gegenwärtig kämpfen mehr als 120 000 nordvietnamesische Soldaten im Süden. Zwölf der dreizehn regulären nordvietnamesischen Kampfdivisionen haben ihr eigenes Land verlassen, um einen Aggressionskrieg auf das Gebiet ihrer Nachbarn zu tragen. Welchen Vorwand sie auch immer benutzten, um von
einem Bürgerkrieg in Südvietnam zu sprechen, davon kann nun keine Rede mehr sein.
Was wir hier miterleben - was dem vietnamesischen Volk brutal auferlegt wird ist ein klarer Fall nackter und unprovozierter Aggression über eine internationale
Grenze hinweg. Das einzige Wort dafür heißt: Invasion,
Diesem massiven Angriff widerstanden zu Lande ausschließlich südvietnamesische Streitkräfte und in einem Gebiet südkoreanische Streitkräfte. Amerikanische Bodentruppen waren nicht beteiligt, und es werden auch keine beteiligt sein.
Zur Unterstützung dieser Verteidigungsanstrengung der Südvietnamesen habe ich Angriffe auf militärische Ziele des Gegners sowohl in Süd-als auch in Nordvietnam
durch amerikanische Luft-und Seestreitkräfte angeordnet.
Ich habe einen Bericht vor mir liegen, den ich heute morgen von General
Abrams erhalten habe. Er beurteilt die Lage wie folgt:
1. Die Südvietnamesen kämpfen in ihrer Selbstverteidigung tapfer und gut
und fügen der eindringenden Streitmacht, die nicht den leichten Sieg errang, den
manche vor drei Wochen vorausgesagt hatten, sehr schwere Verluste zu.
2^
-3-

�2. Unsere Luftangriffe sind von entscheidender Bedeutung für den Schutz
unserer eigenen verbleibenden Streitkräfte und für die Unterstützung der Südvietnamesen in ihren Anstrengungen, ihre Heime und ihr Land vor einer kommunistischen Eroberung zu schützen.
3. General Abrams sagt voraus, daß noch mehrere Wochen sehr harter Kämpfe
folgen werden, bei denen die Südvietnamesen einige Schlachten verlieren und
einige gewinnen werden. Er ist jedoch überzeugt, daß es bei einer Fortsetzung
unserer Unterstützung in der Luft und zur See dem Gegner nicht gelingen wird,
sein verzweifeltes Spiel zu gewinnen, Südvietnam ein kommunistisches Regime
aufzuzwingen, und daß die Südvietnamesen dann ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt haben werden, sich zu Lande selbst gegen künftige gegnerische Angriffe
zu verteidigen.
Gestützt auf diese realistische Beurteilung von General Abrams und nach
Konsultation mit Präsident Thieu, Botschafter Bunker, Botschafter Porter und
meinen Hauptberatern in Washington habe ich heute abend drei Entscheidungen mitzuteilen:
1. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß sich die Vietnamisierung als ausreichend erwiesen hat, so daß wir unser Programm des Abzugs amerikanischer
Truppen fortsetzen können, ohne daß dadurch unser Gesamtziel der Sicherung des
Fortbestandes Südvietnams als unabhängiges Land Schaden nimmt. Daher kündige
ich heute abend an, daß im Verlaufe der nächsten beiden Monate weitere 20 000
Amerikaner von Vietnam nach den USA zurückgebracht werden. Diese Entscheidung
findet die volle Zustimmung Präsident Thieus und General Abrams*. Dadurch wird
unsere Truppenstärke am 1. Juli auf 49 000 Mann gesenkt sein - eine Reduzierung
um eine halbe Million Mann, seit diese Administration ihr Amt übernahm.
2

Ich habe Botschafter Porter angewiesen, morgen an den Verhandlungstisch

in Paris zurückzukehren, allerdings mit einem sehr spezifischen Ziel vor Augen.
Wir nehmen die Pariser Gespräche nicht einfach wieder auf, um weitere leere Propaganda und bombastische Sprüche von den Delegierten Nordvietnams und des Vietcong

-4-

�Vietcong zu hören, sondern um mit dem konstruktiven Vorhaben, Frieden zu machen,
voranzukommen. Wir nehmen die Pariser Gespräche mit der festen Erwartung wieder
auf, daii über alle verfügbaren Kanäle produktive Gespräche folgen werden, die
einen raschen Fortschritt nach sich ziehen. Was uns angeht, so wird es unser vorrangiges Thema sein, den Gegner zu einer Einstellung seiner Invasion Südvietnams
und zur Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen zu veranlassen.
Und schließlich habe ich angeordnet, daß unsere Luft-und Seeangriffe auf militärische Einrichtungen auf Nordvietnam so lange fortgesetzt werden, bis die
Nordvietnamesen ihre Offensive in Südvietnam beenden.
Ich habe den Vorschlag glatt zurückgewiesen, daß wir als Bedingung für die
Rückkehr an den Verhandlungstisch die Bombardierung Nordvietnams einstellen. Man
hat den Vereinigten Staaten dieses Paket schon einmal, nämlich im Jahre 1968,
verkauft, und wir werden es im Jahre 1972 nicht noch einmal kaufen.
Schauen Sie auf die Tatsachen: Bis zum 1. Juli werden wir über 90 Prozent
unserer Streitkräfte, die im Jahre 1969 in Vietnam stationiert waren, zurückgezogen haben. Bevor die Invasion des Gegners begann, hatten wir unsere Lufteinsätze
um die Hälfte verringert. Wir haben überaus großzügige Friedensbedingungen angeboten. Das einzige, was wir abgelehnt haben, ist,der Forderung des Gegners zuzustimmen, die gesetzmäßig konstituierte Regierung Südvietnams zu stürzen und an ihrer
Stelle dem Volk eine kommunistische Diktatur aufzuzwingen.
Wie Sie sich erinnern werden, habe ich bei zahlreichen Gelegenheiten, während
der letzten drei Jahre warnend darauf hingewiesen, daß - sollte der Gegner auf
unsere Friedensbemühungen mit einer Intensivierung des Krieges antworten - ich
aus drei Gründen handeln würde, um diesem Angriff zu begegnen:
um die dort verbleibenden amerikanischen Soldaten zu schützen; um die Fortsetzung unseres Abzugsprogramms zu ermöglichen und um zu verhindern, daß dem südvietnamesischen Volk gegen seinen Willen ein kommunistisches Regime aufgezwungen
wird mit dem unvermeidlichen Blutbad, das dann für Hunderttausende folgen würde,
die sich einer kommunistischen Aggression entgegenzustellen wagten.
Die
-5-

�Die Luft-und Seeangriffe der letzten Wochen sind durchgeführt worden, um
diese Ziele zu erreichen. Sie waren nur gegen militärische Ziele gerichtet, die
die Invasion des Süden unterstützen. Die Bombardierung wird erst aufhören, wenn
diese Invasion aufhört.
Den Kommunisten ist es nicht gelungen, das südvietnamesische Volk politisch
zu gewinnen. General Abrams ist der Überzeugung, daß es ihnen auch nicht gelingen wird, Südvietnam militärisch zu erobern. Die einzige Hoffnung, die ihnen
bleibt, ist, im Kongreß der Vereinigten Staaten und beim Volk der Vereinigten
Staaten den Sieg zu erringen, den sie unter der südvietnamesischen Bevölkerung
oder auf dem Schlachtfeld in Südvietnam nicht gewinnen können.
Die große Frage ist damit, wie wir, das amerikanische Volk auf diese letzte
Herausforderung reagieren werden.
Wollen wir uns vor Augen halten, worum es geht - nicht nur für Südvietnam,
sondern auch für die Vereinigten Staaten und für die Sache des Friedens in der
Welt. Wenn ein Land, von Großmächten mit den modernsten Waffen ausgerüstet, in
ein anderes Land einfallen und dieses erobern kann, dann werden andere Länder
dadurch ermutigt, genau das gleiche zu tun - im Nahen Osten, in Europa und an
anderen internationalen Gefahrenpunkten. Wenn die Kommunisten in Vietnam einen
militärischen Sieg erringen, dann würde sich das Kriegsrisiko in anderen Teilen
d-er Welt gewaltig vergrößern. Wenn jedoch andererseits die kommunistische Aggression in Vietnam fehlschlägt, dann wird sie auch anderswo in der Welt entmutigt,
und die Chancen für den Frieden steigen.
Wir machen nicht den Versuch, Nordvietnam oder irgendein anderes Land zu
erobern. Wir streben nach keinem Territorium und nach keinem Stützpunkt. Wir
haben die großzügigsten Friedensbedingungen angeboten - einen Frieden, der für
beide Seiten ehrenhaft,ist- wobei Südvietnam und Nordvietnam die Unabhängigkeit
des anderen respektieren.
Aber wir werden uns nicht besiegen lassen; und wir werden niemals unsere
Freunde einer kommunistischen Aggression preisgeben.
Wir

-6-

�Wir sind in diesem Konflikt sehr viel weitergekommen. Die Südvietnamesen
haben große Fortschritte erzielt und tragen gegenwärtig die Hauptlast des
Kampfes, Wir können jetzt den Tag sehen, an dem überhaupt keine Amerikaner
mehr dort beteiligt sein werden.
Wenn wir uns aber jetzt dem Ende dieser langen und schweren Auseinandersetzung nähern, dann müssen wir standfest sein. Wir dürfen nicht wanken,. Denn
alles, was wir im Laufe der Jahre gewagt und erreicht haben, steht in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Spiel. Wenn wir unsere Freunde jetzt im Stich
lassen, werden wir ohne Frage auch uns selbst und unsere Zukunft im Stich lassen.
Wenn wir jetzt standhaft bleiben, werden zukünftige Generationen Amerika für
seinen Mut und seinen Weitblick in dieser Bewährungsprobe dankbar sein.
Das ist der Grund, warum ich sage: Laßt uns unsere Soldaten aus Vietnam
nach Hause zurückbringen; laßt uns den Krieg in Vietnam beenden, aber laßt uns
ihn in einer Weise beenden, daß die Brüder und Söhne der tapferen Männer, die
in Vietnam gekämpft haben, nicht eines Tages in einem anderen Vietnam kämpfen
müssen.
Jeder, der dieses Amt hier trägt, fühlt die schwere Last der Verpflichtung
gegenüber künftigen Generationen. Niemand, der dieses Amt hier trägt, hat das
Recht, irgendeine Maßnahme zu ergreifen, durch die die große Verpflichtung der
Führerschaft Amerikas in der Welt aufgegeben oder die Achtung vor dem Amt des
Präsidenten der Vereinigten Staaten geschwächt würde.
Zu Anfang dieses Jahres habe ich eine historische Reise nach Peking unternommen; im nächsten Monat werde ich nach Moskau reisen, wobei ich hoffe, daß
auch dies eine Reise für den Frieden sein wird. In den 18 Ländern, die ich als
Präsident besucht habe, habe ich große Achtung vor dem Amt des Präsidenten der
Vereinigten Staaten gefunden. Gestützt auf den Bericht Dr. Kissingers habe ich
Grund zu der Annahme, daß ich die gleiche Achtung vor der Präsidentschaft finden werde, wenn ich Moskau besuche.
Ich
-7-

�Ich weiß nicht, wer in den kommenden Jahren dieses Amt hier tragen wird.
Aber ich weiß wohl, daß auch zukünftige Präsidenten so wie ich Auslandsreisen
für den Frieden unternehmen werden. Wenn die Vereinigten Staaten in Vietnam die
Millionen Menschen, die sich auf uns verlassen haben, verraten, dann wird der
Präsident der Vereinigten Staaten, wer immer er auch sein mag, weder die Achtung

verdienen noch erfahren, die notwendig ist, wenn die Vereinigten Staaten auch weiterhin die große Rolle spielen sollen, die uns bei der Mitarbeit an der Schaffung
eines neuen Gebäudes des Friedens in der Welt bestimmt ist. Dies würde auf einen
Verzicht auf unsere Moral, auf eine Aufgabe unserer Führungsrolle unter den
Nationen sowie auf eine Einladung an die Mächtigen dieser Welt hinauslaufen,
über die Schwachen herzufallen. Damit würde dem Frieden die Chance genommen,die
der Frieden verdient. Das werden wir niemals tun.
Wollen wir uns also als Nation in einer entschlossenen und klugen Politik
des Friedens zusammenschließen - nicht eines Friedens der Kapitulation, sondern
eines Friedens in Ehren, nicht eines Friedens für unsere Zeit, sondern eines
Friedens für die zukünftigen Generationen.
Ich danke Ihnen und gute Nacht".

I I HIHI I M

-8-

�i

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18/1972

KONSULTATIONSGESPRACHE ZWISCHEN DEN USA. UND DER EWG
WAREN ÜBERAUS NÜTZLICH
-Samuels zieht Bilanz-

BRÜSSEL --(AD)-- Nach Ansicht des Stellvertretenden Staatssekretärs für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department, Nathaniel Samuels, waren
die Konsultativgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft, die am 27. und 28. April in Brüssel stattfanden, "konstruktiv
und überaus nützlich". Samuels leitete die amerikanische Delegation, der ferner
der Staatssekretär im State Department, John Irwin, der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Zoll-und Handelsfragen, William Eberle, sowie der amerikanische Botschafter bei den Europäischen Gemeinschaften, J. Robert Schätzel, angehörten.
Wie Samuels nach Abschluß der Konferenz vor Journalisten mitteilte, konzentrierten sich die Gespräche in erster Linie auf die allgemeine Politik im
Hinblick auf die Zukunft der Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen
Gemeinschaft. Dies gelte für die Art und Weise, in der der Konsultationsprozeß
fortgesetzt und vertieft werden solle sowie auch für spezifische Fragen, die
jetzt in Brüssel behandelt wurden.
Auch nach Ansicht des Mitgliedes der Europäischen Kommission, Ralf
Dahrendorf, der für die auswärtigen Beziehungen der Kommission zuständig ist
und die EWG-Delegation leitete, waren die Gespräche "überaus konstruktiv".
Samuels unterstrich, daß auf beiden Seiten der Wunsch vorhanden gewesen
sei, so weitgehend wie möglich in Handelsfragen zusammenzuarbeiten. Die USA und
-1-

�und die Gemeinschaft, so erklärte er. hätten die ''allgemeine Strategie" im Hinblick darauf erörtert, wie man sich in zukünftigen Verhandlungen mit Handelsfragen befassen wolle. Dazu habe auch gehört, wie in den Vereinigten Staaten und
in der Europäischen Gemeinschaft die notwendige Unterstützung zum Beginn weltweiter Gespräche zu erlangen seien. Der amerikanische Delegierte wies darauf
hin, daß seine Regierung sehr wahrscheinlich nicht in der Lage sein werde, den
amerikanischen Kongreß vor Anfang 1973 um die notwendige Gesetzgebung zur
Durchführung solcher Handelsverhandlungen zu ersuchen.
In Beantwortung einiger Fragen erklärte Samuels wörtlich:
"Meine persönliche Beurteilung der gegenwärtigen Situation in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf einen Protektionismus ist folgende: Wir müssen zugeben, daß es gegenwärtig eine sehr beträchtliche protektionistische Strömung
in gewissen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und auch im amerikanischen
Kongreß gibt, und zwar aufgrund vielerlei Bedingungen. Wir haben ein sehr großes
Zahlungsbilanzdefizit. Wir haben ein beträchtliches Arbeitslosenproblem., Es gibt
in einigen Bereichen unserer Industrie beträchtliche Verzerrungen und Anpassungsschwierigkeiten, die auf die hohen Importe zurückzuführen sind. Aus einer Vielzahl von Gründen ist daher die Neigung festzustellen gewesen, ein protektionistisches Denken in einigen Bereichen unserer Wirtschaft zu fördern.
Was die Regierung anbetrifft, so werden alle Anstrengungen gemacht, um diese
Strömung unter Kontrolle zu halten, während gleichzeitig Bemühungen unternommen
werden, um mit den grundlegenden Problemen fertig zu werden. Sollte es uns gelingen, unsere Zahlungsbilanz zu verbessern, sollte es uns gelingen, die Arbeitslosenrate wesentlich zu reduzieren - und in dieser Hinsicht hat es in jüngster
Zeit einige Verbesserungen gegeben - und sollte unsere Wirtschaft auch künftig
die Schwungkraft behalten, die sie in den letzten Wochen offensichtlich erlangt
hat, dann glaube ich, daß einige Aussicht darauf besteht, daß wir diese protektionistische Strömung mildern und die Kräfte für einen liberalen Handel mobilisieren können, die immer noch in großer Zahl in den Vereinigten Staaten vorhanden sind. Ich halte es für unwahrscheinlich, daß sich noch während der augenblicklichen Sitzung des Kongresses in diesem Jahr etwas in Form einer wichtigen
-2-

�wichtigen Gesetzgebung in Handelsfragen ergeben wird.... Ich glaube, daß wir
im nächsten Jahr nach den Wahlen und nach einer Verbesserung der Verhältnisse,
die ich vorher angeführt habe, in den USA ein besseres Klima für Maßnahmen in
Richtung auf eine weitere Handelsliberalisierung haben werden11.
Samuels wies auf die Notwendigkeit hin, das gesamte multilaterale Handelssystem wirksamer zu gestalten. Es gehe nicht nur darum, sich mit den Fragen zu
befassen, die für die Europäische Gemeinschaft und die USA von direktem Interesse seien, sondern man müsse auch überlegen, wie man gemeinsam die anderen
internationalen Gremien, an denen die USA und die Europäische Gemeinschaft beteiligt sind, wirksamer als in der Vergangenheit gestalten könne. Die soeben
in Brüssel beendeten Gespräche hätten sich in dieser Richtung bewegt.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verifizierungsproblem weiterhin im Mittelpunkt der Genfer Abrüstungskonferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vertagung bis zum 20. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseausweise für TRANSPO 72&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mitteilung für Korrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon kündigt weiterhin Truppenabzug aus Vietnam an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernseh- und Rundfunkansprache vom 26. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konsultationsgespräche zwischen den USA und der EWG waren überaus nützlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Samuels zieht Bilanz -&lt;/em&gt;</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

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Information
und
Dokumentation

08-85432

Nummer

19

10. Mai 1972

Inhalt

INFORMATION

Nixon kündigt neue Maßnahmen in Südostasien an
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8. Mai USA informieren Weltsicherheitsrat über neue Maßnahmen
- Wortlaut des Schreibens von Botschafter Bush HINTERGRUNDMATERIAL
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
I. Die US-Marine rüstet sich für Zukunftsaufgaben
Von Hubert G. Collins
Die wahre Mehrheit: 1972
- Von Richard M. Scammon I. Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil
II. Der amerikanische Wähler und die Parteien
WIRTSCHAFT
USA begrüßen ausländische Investitionen
- Informations-Seminar in Düsseldorf Die Entwicklungsländer und die internationale Währungsreform
Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Modell für ein gemeinsames Docksystem
Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen
nehmen Gestalt an
Text in Braille-Schrift vom Computer

B E I L A G E

"NUR DIESE EINE ERDE"
UN-Konferenz über die menschliche Umwelt
Stockholm, Juni 1972

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
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Information

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Information

300

08-85432

19/1972

NIXON KÜNDIGT NEUE MASSNAHMEN IN SÜDOSTASIEN AN

-Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8.Mai-

WASHINGTON --(AD)—

Präsident Nixon hat nach einer längeren Sitzung des Na-

tionalen Sicherheitsrates in einer Rundfunk-und Fernsehansprache am Abend
des 8. Mai (Ortszeit) neue Maßnahmen angekündigt, um den Krieg in Südostasien
zu beenden.
„

Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Vor fünf Wochen - am Osterwochenende - begannen die kommunistischen
Armeen Nordvietnams eine massive Invasion Südvietnams - eine Invasion , die
möglich wurde durch Panzer, Geschütze und andere moderne Offensivwaffen, die
Hanoi von der Sowjetunion und anderen kommunistischen Staaten geliefert
wurden.
Die Südvietnamesen haben tapfer gekämpft, um diesen brutalen Angriff
abzuwehren. Die Verluste waren auf beiden Seiten sehr hoch. Was am tragischsten ist, in den Städten, die die Nordvietnamesen in mutwilliger Mißachtung
menschlichen Lebens beschossen haben, sind unter der Zivilbevölkerung über
20 000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, als Verluste zu beklagen.
Wie ich in meinem Bericht an die Nation vor zwölf Tagen bekanntgegeben
habe, ist die Rolle der Vereinigten Staaten beim Widerstand gegen die
Aggression auf Luft-und Seeangriffe auf militärische Ziele in Nord-und Südvietnam beschränkt gewesen.
Wie

-l-

�Wie ich in diesem Bericht weiter ausgeführt habe, haben wir auf die massive
militärische Offensive Nordvietnams mit weitreichenden neuen Friedensbemühungen
reagiert, die darauf abzielten, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.
Am 20, April entsandte ich Dr, Kissinger zu viertägigen Besprechungen mit
Generalsekretär Breschnew und anderen sowjetischen Führern nach Moskau. Ich
wies ihn an, unseren Wunsch nach einer raschen Lösung des Krieges und unsere
Bereitschaft zu unterstreichen, alle nur möglichen Wege zu prüfen. Zu jenem
Zeitpunkt zeigten die sowjetischen Führer ein Interesse daran, den Krieg auf
einer für beide Seiten gerechten Basis zu Ende zu bringen. Sie drängten auf
Wiederaufnahme der Verhandlungen in Paris, und sie ließen erkennen, daß sie
ihren konstruktiven Einfluß geltend machen würden.
Ich bevollmächtigte Dr. Kissinger, mit dem nordvietnamesischen Verhandlungschef Le Duc Tho am Dienstag, den 2 Mai, zu einem Geheimgespräch in Paris
zusammenzutreffen. W:e Sie wissen, nahm Botschafter Porter am 27. April und
dann am 4. Mai die öffentlichen Friedensverhandlungen wieder auf. Alles, was
wir auf diesen Konferenzen, sowohl den öffentlichen wie den vertraulichen, vom
Gegner hörten, war eine bombastische Rhetorik und die Wiederholung seiner Forderung nach Kapitulation.
So hatte ich beispielsweise Dr, Kissinger für das Geheimgespräch am 2.Mai
ermächtigt, über jeden nur denkbaren Weg zum Frieden zu sprechen.
Die Nordvietnamesen weigerten sich glattweg, auch nur irgendeine dieser
Möglichkeiten zu erörtern, Sie weigerten sich auch, ihrerseits eine neue Möglichkeit anzubieten. Stattdessen verlasen sie lediglich wörtlich ihre früheren
öffentlichen Forderungen.
liier das, was bei den mehr als dreijährigen öffentlichen und vertraulichen
Verhandlungen mit Hanoi herausgekommen ist:
Die Vereinigten Staaten haben bei voller Zustimmung unserer südvietnamesischen Verbündeten ein Maximum dessen angeboten, was irgendein Präsident

-2-

�Präsident der Vereinigten Staaten anbieten konnte. Wir haben eine Deeskalation
der Kämpfe angeboten. Wir haben eine Waffenruhe mit einem Termin für den Abzug
aller amerikanischen Streitkräfte angeboten. Wir haben neue Wahlen angeboten,
die unter Beteiligung der Kommunisten sowohl im Überwachungsgremium als auch
bei den Wahlen selbst international überwacht werden sollen. Präsident Thieu hat
angeboten, einen Monat vor den Wahlen zurückzutreten. Wir haben einen Gefangenenaustausch angeboten und zwar in einem Verhältnis von zehn nordvietnamesischen
Gefangenen für einen amerikanischen Gefangenen, den sie freilassen.
Nordvietnam hat auf alle diese Angebote in unverschämter und beleidigender
Weise reagiert. Die Nordvietnamesen haben sich glattweg und mit Arroganz geweigert, über die Beendigung des Krieges und die Herbeiführung des Friedens zu verhandeln.
Ihre Antwort auf jedes von uns unterbreitete Friedensangebot war eine Eskalation des Krieges. Allein in den zwei Wochen, seit ich die Wiederaufnahme
der Verhandlungen anbot, hat Hanoi drei neue militärische Offensiven in Südvietnam begonnen.
In diesen zwei Wochen hat sich die Gefahr, daß den 17 Millionen Menschen
in Südvietnam eine kommunistische Regierung aufgezwungen werden könne, vermehrt.
Und die kommunistische Offensive hat nunmehr den Punkt erreicht, daß sie das
Leben von 60 000 amerikanischen Soldaten, die sich noch in Vietnam befinden,
ernsthaft gefährdet.
Für uns gibt es in diesem Krieg jetzt nur noch zwei Fragen.
Erstens: Sehen wir angesichts einer massiven Invasion tatenlos zu, gefährden das Leben von 60 000 Amerikanern und überlassen die Südvietnamesen
einer langen Nacht des Terrors?
Das wird nicht geschehen. Wir werden tun, was immer notwendig ist, um das
Leben der amerikanischen Soldaten und die amerikanische Ehre zu schützen.
Zweitens

�Zweitens: Schließen wir angesichts der völligen Unnachgiebigkeit am Konferenztisch uns unserem Gegner an, um in Südvietnam eine kommunistische Regierung einzusetzen?
Auch das wird nicht geschehen. Wir werden die Grenze zwischen Großzügigkeit und Verrat nicht überschreiten.
Wir haben nunmehr eine klare, harte Wahl zwischen drei Kursen des Handelns:
Sofortiger Abzug aller amerikanischen Streitkräfte; die Fortsetzung der Verhandlungsversuche oder entscheidende militärische Maßnahmen zur Beendigung des
Krieges.
Ich weiß, daß viele Amerikaner für den ersten Kurs des Handelns sind
- den sofortigen Abzug, Sie glauben, der Weg zur Beendigung des Krieges sei der
Abzug der Vereinigten Staaten und die Bedrohung unserer verbliebenen Streitkräfte werde beseitigt, indem wir diese einfach abziehen.
Vom politischen Standpunkt aus könnte ich diese Wahl sehr leicht akzeptieren. Schließlich habe nicht ich über eine halbe Million Amerikaner nach
Vietnam geschickt. Seit ich mein Amt übernahm, habe ich vielmehr 500 000 Mann
aus Vietnam heimgeholt.
Unsere Verpflichtung in Vietnam jedoch hier und heute aufzugeben, würde
bedeuten, 17.Millionen Südvietnamesen der kommunistischen Tyrannei und dem kommunistischen Terror auszuliefern. Es würde bedeuten, Hunderte amerikanischer
Kriegsgefangener in kommunistischen Händen zu lassen, ohne daß wir einen Hebel
für Verhandlungen über ihre Freilassung hätten.
Eine amerikanische Niederlage in Vietnam würde überall in der Welt zu solchen Aggressionen ermutigen - Aggressionen, bei denen kleinere, von ihren
großen Verbündeten bewaffnete Nationen versucht sein könnten, willkürlich benachbarte Nationen anzugreifen - im Nahen Osten, in Europa und in anderen Gebieten wäre der Weltfrieden in ernster Gefahr.
Der
-4-

�Der zweite Kurs des Handelns ist die Fortsetzung des Versuches, eine Regelung auf dem Verhandlungswege herbeizuführen» Das ist der Kurs, den wir von
Anfang an vorgezogen haben, und wir werden ihn weiterverfolgen. Wir wollen
verhandeln, Aber wir haben jedes nur vernünftige Angebot gemacht und haben
jeden nur möglichen Weg versucht, um diesen Krieg am Konferenztisch zu beenden«
Das Problem ist, wie Sie alle wissen, daß man zwei braucht, um zu verhandeln,
und die Nordvietnamesen weigern sich heute - wie während der ganzen letzten
vier Jahre - arrogant, über irgendetwas anderes als über eine Auferlegung,
ein Ultimatum zu verhandeln, daß die Vereinigten Staaten 17 Millionen Menschen
in Südvietnam, die keine kommunistische Regierung wollen, ein kommunistisches
Regime auferlegen.
Hieraus wird also klar, daß das, was eine Wahl zwischen drei Kursen des
Handelns zu sein scheint, für die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit überhaupt
keine Wahl ist. Das Töten in diesem tragischen Krieg muß aufhören. Wenn wir
einfach abzögen, würde das das Blutvergießen nur noch verschlimmern. Wenn wir
uns einzig und allein auf Verhandlungen verließen, würden wir einem unnachgiegiben Gegner die Zeit einräumen, die er braucht, um seine Aggression auf dem
Schlachtfeld voranzutreiben.
Es gibt nur einen Weg, um das Töten zu beenden, und das ist, dafür zu sorgen, daß die international Geächteten in Nordvietnam keine Kriegswaffen in die
Hand bekommen.
Während des gesamten Krieges in Vietnam haben die Vereinigten Staaten ein
Maß an Zurückhaltung geübt, das in den Annalen des Krieges einmalig ist
Das war unsere Pflicht als eine große Nation - eine Nation, die - und da~
rauf können wir als Amerikaner stolz sein - daran interessiert ist, daß Amerika
immer den Frieden und nicht die Eroberung anstrebt. Wenn jedoch der Gegner jede
Zurückhaltung aufgibt, seine gesamten Streitkräfte in den Kampf auf dem Gebiet
seines Nachbarn wirft und sich weigert zu verhandeln, dann stehen wir einfach
vor einer neuen Situation.
Unter
-5"

�Unter diesen Umständen, wo 60 000 Amerikaner bedroht sind, würde jeder
Präsident, der nicht entschlossen handelte, das Vertrauen seines Landes und die
Sache des Weltfriedens verraten.
Ich habe daher entschieden, daß Hanoi die Waffen und Nachschubgüter verwehrt
werden müssen, die es ,.ur Fortsetzung der Aggression benötigt. In voller Koordinierung mit der Republik Vietnam habe ich die folgenden Maßnahmen angeordnet,die
durchgeführt werden, während ich zu Ihnen spreche*

L.

Alle Einfahrten nordvietnameäscher Häfen werden vermint werden, um

den Zugang zu diesen Häfen und nordvietnamesische Flottenoperationen von diesen
Häfen aus zu unterbinden.
2

Die amerikanischen Streitkräfte sind angewiesen worden, innerhalb der

Binnengewässer und der beanspruchten Hoheitsgewässer Nordvietnams angemessene
Maßnahmen zu ergreifen, um die Lieferung jeglichen Nachschubs zu unterbinden
3.

Die Schienen-und anderen Verbindungswege werden im höchstmöglichen

Maße abgeschnitten.
4.

Die Luft-und Seeangriffe gegen militärische Ziele in Nordvietnam

werden fortgesetzt.
Diese Maßnahmen richten sich gegen keine andere Nation. Länder, die gegenwärtig Schiffe in nordvietnamesischen Häfen liegen haben, sind bereits unterrichtet worden, daß ihre Schiffe drei Tageslichtoerioden haben werden, um den
Hafen sicher verlassen zu können

Nach diesem Zeitpunkt werden die Minen

scharf, und jedes Schiff, das versucht, diese Häfen zu verlassen oder anzulaufen, tut das auf eigenes Risiko.
Diese von mir befohlenen Maßnahmen werden aufhören, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
1.

AI e amerikanischen Kriegsgefangenen müssen wieder ausgeliefert

werden.
-6^

�2.

In ganz Indochina muß eine international überwachte Waffenruhe

herrschen.
Wenn die Kriegsgefangenen freigelassen worden sind und die international
überwachte Waffenruhe begonnen hat, werden wir jegliche Gewaltanwendung in
ganz Indochina einstellen.
Zu jenem Zeitpunkt werden wir den völligen Abzug aller amerikanischen
Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten.
Diese Bedingungen sind großzügige Bedingungen. Es sind Bedingungen, die
keine Kapitulation und keine Demütigung von irgendjemand fordern. Sie würden
es den Vereinigten Staaten gestatten, ehrenhaft abzuziehen. Sie würden das
Töten beenden; sie würden unsere Kriegsgefangenen heimbringen; sie würden Verhandlungen über eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten; sie würden es allen Nationen, die in diesem langen Krieg so gelitten haben
- Kambodscha, Laos, Nordvietnam, Südvietnam - erlauben, sich endlich den dringenden Aufgaben des Aufbaus und des Friedens zuzuwenden. Sie verdienen es, daß
Nordvietnam ihnen unverzüglich zustimmt.
Es scheint mir angebracht, daß ich meine Ausführungen heute abend mit einider
gen Feststellungen abschließe, die an jede einzelne/von der fortdauernden Tragödie des Vietnamkrieges betroffenen Parteien gerichtet sind.
Erstens an die Führer in Hanoi: Ihr Volk hat bereits zu viel unter Ihrem
Eroberungsstreben gelitten. Bringen Sie seinem Leid doch etwas anderes entgegen
als anhaltende Arroganz! Wählen Sie stattdessen den Weg eines Friedens, der
Ihre Opfer wiedergutmacht, die wahre Unabhängigkeit für Ihr Land garantiert
und eine Ära der Versöhnung einleitet.
An das südvietnamesische Volk: Sie werden auch weiterhin in Ihrem Widerstand gegen die Aggression unsere feste Unterstützung haben. Es ist Ihr Geist,
der über den Ausgang des Kampfes entscheiden wird. Es

ist Ihr Wille, der die

Zukunft Ihres Landes gestalten wird.
An
-7-

�An andere Nationen, vor allem an jene, die mit Nordvietnam verbündet sind:
Pie Maßnahmen die ich heute abend bekanntgegeben habe, sind nicht gegen Sie gerichtet. Thr einziger Zweck ist es, das Leben von 60 000 Amerikanern zu schützen,
die für den Fall, daß die kommunistische Offensive weiterrollt, ernsthaft gefährdet wären, und

zu verhindern, daß 17 Millionen Menschen durch eine bruta-

le Aggression eine kommunistische Regierung auferlegt wird.
Insbesondere richte ich meine Feststellungen heute abend an die Sowjetunion. Wir respektieren die Sowjetunion als eine Großmacht. Wir erkennen das
Recht der Sowjetunion an, ihre Interessen zu verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Die Sowjetunion ihrerseits muß unser Recht anerkennen, unsere Interessen zu verteidigen.
In Vietnam sind keine sowjetischen Soldaten bedroht. Aber 60 000 Amerikaner
sind bedroht. Wir erwarten von Ihnen nichts anderes, als daß Sie Ihren Verbündeten helfen

Und Sie können von uns nichts anderes erwarten, als daß wir weiter-

hin unseren Verbündeten helfen. Aber lassen Sie uns - und alle Großmächte sollten das tun - unseren Verbündeten nur zum Zwecke der Verteidigung helfen, und
nicht, um Invasionen gegen ihre Nachbarn durchzuführen, sonst wird die Sache
des Friedens, die Sache, an der wir beide ein so großes Interesse haben, ernsthaft gefährdet sein.
Unsere beiden Länder haben in den Verhandlungen der jüngsten Monate bedeutsame Fortschritte erzielt

Wir stehen vor wichtigen Abkommen über die Begrenzung

der nuklearen Rüstungen, über den Handel und über eine Reihe anderer Fragen.
Wir dürfen nicht in den dun1 Len Schatten eines früheren Zeitalters zurückgleiten. Wir verlangen nicht von Ihnen, daß Sie Ihre Prinzipien oder Ihre Freunde
opfern. Aber Sie sollten es auch nicht zulassen, daß durch die Unnachgiebigkeit
Han is die Aussichten, die wir gemeinsam und geduldig vorbereitet haben, ausgelöscht werden

Wir - die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - stehen an

der Schwelle eines neuen Verhältnisses, das nicht nur den Interessen unserer
beiden Länder, sondern auch der

ache des Weltfriedens dienen kann. Wir sind be-

reit, den Aufbau dieses Verhältnisses fortzusetzen
liegt die Verantwortung bei Ihnen.

Wenn dies nicht gelingt,
.. ,

-8-

�Und schließlich möchte ich dem amerikanischen Volke sagen:
Ich bitte Sie um die gleiche nachhaltige Unterstützung, die Sie in schweren
Stunden Ihren Präsidenten immer gegeben haben. Mehr als auf irgend jemand wird
die Welt auf Sie blicken.
Ich weiß, wie &lt;,ehr Sie das Ende dieses Krieges wünschen. Ich weiß, wie sehr
Sie die Heimkehr unserer Soldaten wünschen. Ich glaube, daß Sie aus all dem,
was ich in den letzten dreieinhalb Jahren gesagt und getan habe, erkannt haben,
wie sehr auch ich das Ende des Krieges und die Heimkehr unserer Soldaten
wünsche.
Sie wollen Frieden, Ich will Frieden, Aber Sie wollen auch Ehre und keine
Niederlage. Sie wollen einen echten Frieden, nicht einen Frieden, der lediglich
ein Vorspiel zu einem neuen Krieg ist.
Wir müssen in diesem Augenblick in Zielsetzung und Entschlossenheit zusammenstehen. Wie so oft in der Vergangenheit waren es nicht wir Amerikaner, die die
Ausflucht in einen Krieg suchten. Er ist uns durch einen Gegner aufgezwungen
worden, der jeder Friedensouvertüre unsererseits nichts als Verachtung entgegengebracht hat
Darum, meine amerikanischen Mitbürger, bitte ich Sie heute abend um Ihre
Unterstützung für diese Entscheidung

- eine Entscheidung, die nur einen Zweck

hat: den Krieg nicht zu verlängern, den Krieg nicht zu eskalieren, sondern diesen Krieg zu beenden und einen Frieden zu gewinnen, der dauerhaft ist. Mit
Gottes Hilfe, mit seiner Unterstützung werden wir dieses große Ziel erreichen".

H I HI

-9-

�Der zweite Kurs des Handelns ist die Fortsetzung des Versuches, eine Regelung auf dem Verhandlungswege herbeizuführen. Das ist der Kurs, den wir von
Anfang an vorgezogen haben, und wir werden ihn weiterverfolgen. Wir wollen
verhandeln. Aber wir haben jedes nur vernünftige Angebot gemacht und haben
jeden nur möglichen Weg versucht, um diesen Krieg am Konferenztisch zu beenden.
Das Problem ist, wie Sie alle wissen, daß man zwei braucht, um zu verhandeln,
und die Nordvietnamesen weigern sich heute - wie während der ganzen letzten
vier Jahre - arrogant, über irgendetwas anderes als über eine Auferlegung,
ein Ultimatum zu verhandeln, daß die Vereinigten Staaten 17 Millionen Menschen
in Südvietnam, die keine kommunistische Regierung wollen, ein kommunistisches
Regime auferlegen.
Hieraus wird also klar, daß das, was eine Wahl zwischen drei Kursen des
Handelns zu sein scheint, für die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit überhaupt
keine Wahl ist. Das Töten in diesem tragischen Krieg muß aufhören. Wenn wir
einfach abzögen, würde das das Blutvergießen nur noch verschlimmern. Wenn wir
uns einzig und allein auf Verhandlungen verließen, würden wir einem unnachgiegiben Gegner die Zeit einräumen, die er braucht, um seine Aggression auf dem
Schlachtfeld voranzutreiben.
Es gibt nur einen Weg, um das Töten zu beenden, und das ist, dafür zu sorgen, daß die international Geächteten in Nordvietnam keine Kriegswaffen in die
Hand bekommen.
Während des gesamten Krieges in Vietnam haben die Vereinigten Staaten ein
Maß an Zurückhaltung geübt, das in den Annalen des Krieges einmalig ist.
Das war unsere Pflicht als eine große Nation - eine Nation, die - und darauf können wir als Amerikaner stolz sein - daran interessiert ist, daß Amerika
immer den Frieden und nicht die Eroberung anstrebt. Wenn jedoch der Gegner jede
Zurückhaltung aufgibt, seine gesamten Streitkräfte in den Kampf auf dem Gebiet
seines Nachbarn wirft und sich weigert zu verhandeln, dann stehen wir einfach
vor einer neuen Situation.
Unter
-5-

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19/1972

USA INFORMIEREN WELTSICHERHEITSRAT ÜBER NEUE MASSNAHMEN
-Wortlaut des Schreibens von Botschafter BushVEREINTE NATIONEN, New York --(AD)— Die Vereinigten Staaten haben den
Weltsicherheitsrat am 8. Mai davon unterrichtet, daß die neuen Schritte,
die sie in Südostasien unternehmen, "Maßnahmen der kollektiven Selbstverteidigung" seien. Unmittelbar nach der Rede Präsident Nixons unterbreitete
der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, dem Präsidenten des Sicherheitsrates den Text dieser Ansprache
sowie ein erläuterndes Begleitschreiben als offizielles Dokument.
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gab heute bekannt,daß
er die US-Streitkräfte in Südostasien angewiesen habe, im Verein mit den
Streitkräften der Republik Vietnam und als Antwort auf die neuen bewaffneten
Angriffe durch Noudvietnam zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Der Präsident
ordnete die Verminung der Einfahrten der Häfen Nordvietnams und die Unterbindung der Versorgung Nordvietnams auf dem Seewege an. Gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen werden, hiermit diese Maßnahmen der kollektiven
Selbstverteidigung dem UN-Sicherheitsrat gemeldet.
Die massive Invasion, die von den Streitkräften Nordvietnams über die
entmilitarisierte Zone und über internationale Grenzen hinweg durchgeführt
wird, und die fortgesetzte Aggression jener Streitkräfte gegen Volk und
Territorium der Republik Vietnam haben bisher noch nie dagewesene Gefahren
für die Streitkräfte der Republik Vietnam, für die Republik Vietnam selbst
und für jene amerikanischen Streitkräfte geschaffen, die sich noch in jenem
-1-

�jenem Land befinden. Diese Invasion stellt eine krasse Verletzung der Absprachen dar, die 1968 im Zusammenhang mit der Einstellung der Bombardierung nordvietnamesischen Territoriums ausgehandelt worden waren. Der umfang dieser erneuten Aggression und die Art und Weise, in der sie geleitet und unterstützt
wird, zeigen mit großer Deutlichkeit, daß Nordvietnam einen totalen Versuch
unternommen hat, Südvietnam mit militärischer Gewalt zu erobern und den geordneten Abzug der amerikanischen Streitkräfte zu stören.
Zur gleichen Zeit, da Nordvietnam diese massive Invasion begonnen hat,
hat es sich sowohl öffentlich als auch in Geheimgesprächen geweigert, über
die Herbeiführung einer friedlichen Beilegung des Konflikts in Südostasien
zu verhandeln.
Ein wesentlicher Teil des Nachschubs zur Unterstützung der Invasion Südvietnams kommt auf dem Seewege nach Nordvietnam. Es ist entscheidend wichtig,
diese Belieferung von See her zu unterbinden, damit Nordvietnam nicht weiterhin den Nachschub sowohl für seine Streitkräfte im Einsatz als auch für seine
Versorgungsbasis laufend ergänzen kann.
Dementsprechend haben die Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten
von Amerika als Mindestmaßnahmen zur Abwehr dieser Bedrohung gemeinsam beschlossen, die folgenden Maßnahmen kollektiver Selbstverteidigung zu ergreifen:
Die Einfahrten der Häfen Nordvietnams werden ab 9. Mai 09:00 Uhr Saigoncr
Zeit vermint, und die Minen werden ab 11. Mai, 18:00 Uhr Saigoner Zeit automatisch scharf

Dies räumt Schiffen anderer Länder, die derzeit in nordviet-

namesischen Häfen liegen, eine Frist von drei Tageslichtperioden ein, um
sicher auslaufen zu können. Die Minen werden in den Binnengewässern und den
beanspruchten Hoheitsgewässern Nordvietnams so verlegt werden, daß die Einfahrt in nordvietnamesische Häfen und nordvietnamesische Flottenoperationen
von diesen Häfen aus unterbunden werden. Außerdem weisen die Republik Vietnam
und die Vereinigten Staaten ihre See-und Luftstreitkräfte an, geeignete Maßnahmen innerhalb der Binnengewässer und der beanspruchten Hoheitsgewässer

�Hoheitsgewässer Nordvietnams zu treffen, um den Nachschub nach Nordvietnam von
See her zu verhindern.
Über diese und andere allgemeine Verlautbarungen dieser Maßnahmen hinaus
werden die Seestreitkräfte der Republik Vietnam und der Vereinigten Staaten
außerdem alle Schiffe, die sich den Binnengewässern und beanspruchten Hoheitsgewässern Nordvietnams nähern, von diesen Maßnahmen in Kenntnis setzen.
Wie aus obigem ersichtlich, sind die Maßnahmen, die von den Streitkräften
der USA und Südvietnams ergriffen werden, in Ausmaß und Zielsetzung begrenzt.
Der Präsident gab ferner bekannt, daß, sobald eine international überwachte
Waffenruhe in ganz Indochina zustandegekommen ist und die Kriegsgefangenen freigelassen worden sind, wir jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen
und die US-Streitkräfte aus Südvietnam innerhalb von vier Monaten abziehen werden.
Ich ersuche darum, daß dieses Schreiben und der beigefügte Text von Präsident Nixons Verlautbarung als Dokument des Sicherheitsrates in Umlauf gebracht
werden."

I I H I l-l

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19/1972

DIE MILITÄRISCHE MA.CHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS

Die großen Entspannungsbemühungen des Westens
hätten ohne die militärische Macht der Vereinigten Staaten kaum Aussicht auf Erfolg. Während
die Nixon-Doktrin einen Abbau des amerikanischen
Engagements in Übersee vorsieht, hat die Sowjetunion mit ihren Verbündeten ihre militärische
Stärke ständig weiter ausgebaut. Angesichts
dieser Entwicklung haben die Verantwortlichen
in den USA ihre strategischen und taktischen
Überlegungen neu durchdacht, Wenn die militärische Macht der Vereinigten Staaten ihrer eigentlichen Aufgabe der Sicherung des Friedens und
der Verteidigung des eigenen Territoriums sowie
dessen der Verbündeten dienen soll, dann müssen
nach amerikanischer Auffassung eine ausreichende nukleare Abschreckung sowie die Möglichkeit
gesichert sein, diese Militärmacht zur Erfüllung
der Verteidigungsverpflichtungen gegenüber den
Verbündeten auch in Übersee rasch und wirksam
zur Geltung bringen zu können.
In einer Reihe von vier Artikeln soll hier der
Versuch gemacht werden, die amerikanischen
Anstrengungen auf diesem Gebiet aufzuzeigen.
Im Hinblick auf den gewaltigen sowjetischen
Flottenaufbau steht ein Artikel über die amerikanische Marine an erster Stelle

I Die

�I. DIE US-MARINE RÜSTET SICH FÜR ZUKUNFTSAUFGABEN

Von Hubert G. Coli ins

Die Bedeutung der Flottenmacht der Vereinigten Staaten ist aufgrund der
Nixon-Doktrin und angesichts des gewaltigen Aufbaus der sowjetischen Flotte,
die heute ihre Flagge auf allen Weltmeeren zeigt, größer geworden als jemals
zuvor, Admiral Elmo Zumwalt, der vor einem Jahr den Befehl über die amerikanische Marine übernahm, ist mit 50 Jahren der bisher jüngste Flottenchef der USA
und sicherlich auch der reformfreudigste.
Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird hat der Modernisierung der Marine höchste Priorität eingeräumt, wobei die Abschreckung vor einem
nuklearen Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten die wichtigste Aufgabe der US-Navy ist und bleibt.
Eines der Hauptprobleme - vor allem, wenn eines Tages die Wehrpflicht in
den USA abgeschafft wird - ist der Personalmangel. Hier hat Admiral Zumwalt
durch Lockerung der Bekleidungsvorschriften, Erweiterung der Freizeit und
Wochenendflüge für Familienangehörige zu den im Ausland befindlichen Schiffsbesatzungen bereits Schritte unternommen, um den Beruf des Seemanns attraktiver zu machen.
Das Kernstück der amerikanischen Marine ist die Flotte von 41 atomgetriebenen Unterseebooten mit Polaris-Raketen. Jedes Boot führt 16 solcher Raketen
mit sich, die Nuklearsprengköpfe über eine Entfernung von rund 4 600 km tragen
können. Ein Teil dieser Abschreckungsflotte - 31 Boote - wird gegenwärtig auf
die noch mächtigere Poseidon-Rakete umgerüstet, die 10 Sprengköpfe für zehn
verschiedene Ziele mit sich führen kann. Das Arsenal von nuklear-bestückten
Raketen auf Unterseebooten beläuft sich derzeit auf 656, und nach der Umrüstung
auf die Poseidon-Rakete werden sich über 5 000 Nuklearsprengköpfe auf See
befinden.
Für
-2-

�Für die Zukunft richtet sich die Planung auf ein neues Super-Unterseeboot
mit einem Unterwasser-Langstrecken-Raketensystem (Underwater long-range missile
System) oder kurz "ULMS" . Diese Riesenunterseeboote sollen 20 bis 30 Raketen
mit Mehrfachsprengköpfen mitführen. Mit einer Reichweite von fast 10 000 km
könnten diese Raketen praktisch jedes gegnerische Ziel erreichen. Wenn der Kongreß die notwendigen Mittel bewilligt, könnten die ersten ULMS 1977 oder 1978 vom
Stapel laufen. Damit würden die USA eine ziemlich unverletzliche "ZweitschlagKapazität" besitzen.
Die zweite Säule der amerikanischen Flottenstärke sind die 13 AngriffsFlugzeugträger . schwimmende Flugplätze, von denen aus Kampfflugzeuge mit einem
Aktionsradius von bis zu 1 100 km operieren können. Die Bedeutung dieser Waffe
ist nicht zuletzt im Korea-Krieg und im Mittelmeer deutlich geworden. Einer dieser Flugzeugträger, die ENTERPRISE, ist atomgetrieben, und zwei weitere Träger
dieses Typs sind im Bau: die NIMITZ wird voraussichtlich 1974 in Dienst gestellt
werden, und die EISENHOWER 1975 vom Stapel laufen. Die EISENHOWER wird 13 Jahre
ohne Brennstoffaufnähme operieren können. Die Marineleitung möchte über insgesamt vier atomgetriebene Flugzeugträger, von denen zwei im Atlantik und zwei im
Pazifik stationiert werden sollen, verfügen.
Im Hinblick auf die Tatsache, daß die sowjetische Unterseebootsflotte der
amerikanischen zahlenmäßig um über das Doppelte überlegen ist, sind die Flugzeugträger der US-Navy auch - drei ausschließlich - auf die Unterseebootbekämpfung
eingerichtet. Die Marineleitung möchte die Träger mehr und mehr mit Maschinen des
neuen Typs F-14 ausrüsten, die sich offensichtlich besser bewähren als die F-lll.
Die F-14 wird mit der Phönix-Luftrakete ausgestattet.
Admiral Zumwalt strebt ferner zum Schutz der Flugzeugträger eine Flotte
von Flugkörper-Fregatten an, von denen jeweils vier einem Träger zugeteilt werden
sollen. Ein Prototyp dieser Klasse, die TRUXTON, hat erst kürzlich auf einer
Nonstop-Testfahrt um den Indischen Ozean die Kapazität solcher Schiffe unter
Beweis gestellt.
Die
-3-

�Die beste Waffe gegen Unterseeboote sind jedoch Unterseeboote selbst.
Während die sowjetischen Boote im allgemeinen schneller sind, sind die amerikanischen leiser und damit schwerer zu orten. Die neuen atomgetriebenen 688 to-Boote
der US-Navy sind nach Ansicht von Fachleuten das wirksamste Instrument zur Bekämpfung gegnerischer U-Boote
Neben den großen - aber auch sehr teuren - Flugzeugträgern wird in Zukunft
auch der "Mini-Träger", das sogenannte "Seekontrollschiff", eine große Rolle
spielen. Im Januar 1972 hat die US-Marine einen Prototyp in Dienst gestellt. Ein
zweiter Typ für Überwachungsaufgaben ist der Zerstörer-Hubschrauberträger, Hier
werden die Vorteile des kleinen Zerstörers oder der Fregatte mit einem leichten
Luft-Mehrzwecksystem oder kurz LAMPS verbunden. Dieses kombinierte System wird
gegenwärtig auf der umgebauten Lenkwaffen-Fregatte STERETT im Pazifik erprobt.
Als Hubschrauber isc der Typ "Seasprite" mit drei Mann Besatzung und modernsten
RADAR-und SONAR-Einrichtungen vorgesehen.
Diese neuen Seekontrollschiffe - die später auch mit Senkrechtstartern
(VTOL) ausgerüstet werden sollen, werden die Flugzeugträger zwar nicht ersetzen,
aber eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Sicherung der Schiffahrtswege
spielen.
Eine der radikalsten Neuerungen - von der sich Fachleute viel erhoffen ist jedoch die Entwicklung sogenannter Oberflächengleiter oder Luftkissenboote.
Mit Hilfe verschiedener Systeme wird der Reibungswiderstand des Wassers praktisch
ausgeschaltet, so daß ganz wesentlich höhere Geschwindigkeiten erzielt werden
können. Die amerikanische Marine hat umfassende Versuche auf diesem Gebiet begonnen. Selbst Flugzeugträger könnten eines Tages mit einem solchen Antriebssystem operieren., wobei dann die Eigengeschwindigkeit fast der des landenden
Flugzeuges entspräche und dieses damit die. Eigenschaften eines Senkrechtstarters
bezw. -landers gewinnen würde.
Die Versuche laufen gegenwärtig mit zwei 10O-to-Modellen, Eines der Modelle
arbeitet nach dem Prinzip des Luftkissens, d, h, der Bootskörper hebt sich völlig

-4-

�völlig aus dem Wasser. Das zweite Modell benutzt das Prinzip der eingeschlossenen
Luftblase (Captured Air Bubble) oder kurz CAB. Dieses Boot bleibt in Kontakt mit
der Wasseroberfläche, wobei der Energieaufwand nur etwa ein Drittel gegenüber
dem ersteren Modell beträgt, da beim Luftkissen die Luft ständig nach allen Seiten entweicht. Man rechnet bei den neuen Gleiter-Modellm mit Geschwindigkeiten
von 100 bis 125 Knoten (180 bis 225 km/St), und bis 1980 hofft man. Prototypen
in der Größenordnung von 10 000 to entwickeln zu können. Admiral Zumwalt hat
hier von "einer neuen Dimension" der US-Navy gesprochen.
Wie immer all diese technischen Entwicklungen verlaufen mögen, so ist doch
eines sicher, daß die Verantwortlichen in Washington die ungeheure Bedeutung
der Flotte für die Zukunft erkannt haben und alles in ihren Kräften stehende
tun werden, um die amerikanische Marine auch in Zukunft zu einem schlagkräftigen
und modernen Instrument der Erhaltung des Friedens zu machen.

-5-

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19/1972

DIE WAHRE MEHRHEIT: 1972
-Von Richard M. Scammon-

Richard M. Scammon ist ein international anerkannte" Meinungsforscher und Experte für
Wahlanalysen und Fragen der Bevölkerungsstatistik. Er war von 1961-1965 Direktor des
Statistischen Bundesarates der USA und leitet
gegenwärtig das Wahlforschungszentrum in
Washington. Scammon ist der Verfasser des
mehrbändigen wahlstatistischen Werkes "AMERICA
VOTES" (Amerika wählt) und Mitautor des Bestsellers "THE REAL MAJORITY" (Die wahre Mehrheit), in dem das Verhalten des amerikanischen
Wählers analysiert wird.
In der Folge bringen wir vier Artikel von
Richard M. Scammon, in denen er sich mit den
amerikanischen Wahlen in diesem Jahr befaßt.
I

-

Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil

Eine Erörterung der politischen Szenerie in den Vereinigten Staaten,
so wie sie sich im Jahre 1972 darbietet, muß mit einer Strukturanalyse der
Gesamtwählerschaft - sozusagen mit ihrer Anatomie - beginnen. Im November 1972
wird es in Amerika rund 140 Millionen Menschen geben, die ihrem Alter nach
wahlberechtigt sind. Von diesen potentiellen Wählern werden einige nicht
stimmberechtigt sein, weil sie entweder noch nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen oder noch nicht lange genug in ihrem Wahlbezirk wohnen
oder weil andere gesetzliche Gründe im Wege stehen. Man kann damit rechnen,daß
von der Gesamtzahl der wahlberechtigten Amerikaner etwa 85 Millionen zur Wahlurne gehen und 55 Millionen ihr Wahlrecht nicht ausüben werden. Bei den
85 Millionen, die in diesem November ihre Stimmen für die Präsidentschaftskandidaten abgeben werden, lassen sich eine ganze Reihe von Merkmalen aufzeigen.
Die

�Die Gesamtheit der Wähler zeigt in immer stärkerem Maße einen großstädtischen
Charakter. Zu den bedeutsamsten Phänomenen im Nachkriegs-Amerika zählen die
Landflucht und die Flucht aus den Stadtzentren. Der Zug zu großstädtischer Lebensform - worunter ich vor allem die Vorstädte und Außenstadtbezirke Amerikas verstehe - ist mehr und mehr zu einer beherrschenden Kraft im politischen Leben der
Vereinigten Staaten der siebziger Jahre geworden.
Unter den Wählern des Jahres 1972 überwiegt die Zahl der Frauen um ein weniges. Die Männer sterben einfach schneller hinweg3und die Langlebigkeit der Frauen
gibt diesen zahlenmäßig ein gewisses Übergewicht unter den Erwachsenen. Bis vor
fünf oder sechs Jahren war der Anteil der nicht zur Wahl gehenden Frauen gegenüber der Zahl der nichtwählenden Männer um so viel größers daß es den Männern
immer noch gelang, die Mehrheit bei der Gesamtzahl der Wähler zu stellen,. Diesmal
wird das nicht der Fall sein. Wenn man bei den Wahlen des Jahres 1972 auf eine
Gesamtwählerzahl von 85 Millionen kommen wird, dann wird sich diese Zahl auf
43 Millionen Frauen und 42 Millionen Männer verteilen.
Bei der Wählerschaft im Jahre 1972 wird es sich ferner im wesentlichen um
eine weiße Wählerschaft handeln: etwa 90 Prozent Weiße, neun Prozent Schwarze
und ein Prozent andere Minderheiten.
Das Gros der in diesem Jahr zur Wahl gehenden Amerikaner wird der mittleren
Altersgruppe angehören. Das Durchschnittsalter des amerikanischen Wählers lag im
Jahre 1968 bei 47 Jahren.

In diesem Jahr wird sich das Durchschnittsalter auf

44 oder 45 Jahre verringern - die Gründe dafür liegen einmal in der Senkung des
Wahlalters und der dadurch hinzukommenden Gruppe der 18-, 19- und 2o-jährigen
Wähler sowie in der verhältnismäßig großen Zahl von Wählern in den Altersgruppen
von 21 bis 25 Jahren, die sich aus dem starken Anstieg der Geburtenzahlen in
den Nachkriegsjahren erklären. Aber auch in diesem Wahljahr wird sich der
Durchschnittswähler als eine Person darstellen, die schon seit 2o Jahren ihr
Wahlrecht ausübt, nicht jedoch als ein Bürger, der zum erstenmal zur Wahlurne
geht.
Wird
-2-

H

�Wird der Zuwachs an jüngeren Wählern eine einschneidende Änderung des Wahlgeschehens bedeuten? Ich möchte das bezweifeln. Einer meiner Kollegen hat bei
einer Analyse von Meinungsumfragen aus jüngster Zeit festgestellt, daß die jungen Menschen in den Vereinigten Staaten geneigt sind, zu etwa sieben Prozent mehr
für die Demokraten zu stimmen als der amerikanische Durchschnittswähler.
Interessant an dieser Zahl ist für mich die Tatsache, daß sie genau der
Situation von 1940 entspricht. Außerdem bilden die jungen Wähler keinen monolithischen Block. Untersuchungen haben gezeigt, daß

bei den jungen Wählern

tatsächlich weniger eine Generationenkluft zu ihren titern vorhanden ist als
vielmehr eine Kluft der Klassen. Der junge Arbeiter hat ein stärkeres Gefühl
der Gemeinschaft mit seinem als Arbeiter tätigen Vater als zum Beispiel mit
einem jungen Mann seiner Altersgruppe, der zu den Reichen gehört.
Dem Wähler des Jahres 1972 geht es einigermaßen gut - er ist nicht gerade
reich, aber auch nicht arm. Es gibt unter der Wählerschaft des Jahres 1972 keine
massive und bedrückende Armut.
Die Mitte charakterisiert den Wähler dieses Jahres; er ist nicht nur mittleren Alters und gehört nicht nur zur Mittelklasse, sondern auch was Erziehung
und Ausbildung angeht, steht er in der Mitte. Nicht der akademische Grad ist
die Norm; für die meisten Amerikaner ist es eher der Abschluß einer höheren
Schule.
Vor vier Jahren konnte man sagen, daß der durchschnittliche Wähler eine
47-jährige weiße Frau sei, die in einem Vorort von Dayton (Ohio) lebt, eine
höhere Schule besucht hat und mit einem Mann verheiratet ist, der einen technischen Beruf ausübt. Für dieses Jahr dürfte etwa das Gleiche gelten, mit der einen
Ausnahme, daß das Durchschnittsalter des Wählers vermutlich zwei oder drei Jahre
niedriger sein wird.

Das

-3°

�Das also ist die Anatomie des Wählers. Der Hinweis auf Geschlecht,
Hautfarbe, Alter, Lebensstand, Ausbildung und Wohnort des Wählers ist jedoch
nur ein Anfang. Als nächstes gilt es jetzt zu untersuchen, was diese voraussichtlich 85 Millionen Wähler veranlaßt, so zu wählen, wie sie dies tun.

I-I-H-I I 1 4

.4-

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II. DER AMERIKANISCHE WÄHLER UND DIE PARTEIEN

Der durchschnittliche amerikanische Wähler geht keineswegs völlig in
der Politik auf - er ist kein totales "zoon politikon". Die Zahl der Amerikaner, die sich tagaus tagein mit Politik beschäftigen, dürfte sehr klein
sein, was jedoch nicht bedeutet, daß der amerikanische Wähler nicht in der
Lage wäre, eine sehr präzise und genau überlegte Entscheidung an der Wahlurne zu fällen.
Seine alltäglichen Interessen konzentrieren sich auf seine nächste Umgebung und auf seine Person selbst. Seine Hauptanliegen sind seine Gesundheit,
sein Job, seine wirtschaftliche Lage, seine Familie und seine Hobbies, Was
ihn berührt, ist sicherlich nicht das, was man als totales politisches
Engagement bezeichnen könnte*
Nach welchen Gesichtspunkten trifft er nun seine politische Wahl? Im
großen und ganzen wird seine politische Entscheidung von der Überlieferung
geprägt. Im wesentlichen wird seine Entscheidung von dem beeinflußt, was
seine Eltern sind. Dies liegt umso näher, als die beiden großen politischen
Parteien in den Vereinigten Staaten nicht als geschlossene ideologische Einheit betrachtet werden können.
Das Parteisystem in den USA ist sehr viel lockerer strukturiert als in
vielen anderen Ländern

Es gibt keine strikte Parteidisziplin, es gibt kein

Festhalten an einer Parteiideologie, die sich auf spezifische historische
oder dogmatische Grundsätze aufbauen würde. Und es gibt auch keine im echten
Sinne nationale Partei mit unwandelbaren Charakteristika, die jahrein
aus dasselbe "Image" zeigen würde.
So

- 1 -

jahr-

�So wie im Leben Amerikas Veränderungen auftreten, so dringen sie gewöhnlich auch in das Denken der beiden großen Parteien ein. Nicht zuletzt
wegen des Systems der Vorwahlen, die für die Nominierung der jeweiligen
Kandidaten bedeutsam sind, variieren die amerikanischen Parteien von Einzelstaat zu Einzelstaat, ja selbst von Bezirk zu Bezirk. Die Demokratische
Partei in Mississippi ist nicht die Demokratische Partei von Minnesota und
die Republikanische Partei von Maine ist nicht die Republikanische Partei
in Kalifornien. Und da nun das Etikett nicht so sehr viel bedeutet, gibt
es auch keinen Grund, warum man nicht das Parteietikett mit der Zugehötigkeit zu einer Religionsgemeinschaft mitnimmt, die wiederum in erster Linie
von den Eltern her bestimmt wird.
Es gibt noch andere Gründe, warum sich Leute als Republikaner oder
Demokraten bezeichnen. Hier spielt zunächst einmal der soziale und wirtschaftliche Stand eine Rolle,, Die Reichen von heute neigen dazu, anders
zu wählen als die Armen. Wenn man die demographischen Fakten auf der Karte
einer typischen Großstadt auswertet, dann wird man herausfinden, daß die
Wahlbezirke, die im Jahre 1968 am stärksten für Richard Nixon gestimmt
haben, auch diejenigen sind, wo das meiste Geld zu Hause ist. Und jene
Wahlbezirke, in denen Hubert H. Humphrey die meisten Stimmen erhielt,
sind jene, wo man das wenigste Geld findet. Dies scheint eine übersimplifizierte Beobachtung zu sein, sie ist jedoch die Grundlage eines Großteils
der Parteipolitik im heutigen Amerika.
Es gibt natürlich noch weitere Gründe, sich einer Partei verbunden zu
fühlen. Dazu gehört die Loyalität zum Parteinamen. Diese Loyalität mag auf
Religionszugehörigkeit zurückgehen. So wählen Juden und Katholiken im großen
und ganzen eher demokratisch als Protestanten. Auch die ethnische Herkunft
mag eine Rolle spielen,und es gibt sicherlich noch eine Fülle von historischen
Problemen und Umständen, die die politische Entwicklung mitgeprägt haben viele davon vielleicht längst vergessen. So kann es beispielsweise in Kentucky
und Tennessee zwei Bezirke geben, die nebeneinander liegen und die von
Menschen bevölkert sind, die so arm sind wie Kirchenmäuse. Der eine Bezirk
wählt demokratisch und der andere republikanisch, weil hier der entscheidende
Faktor ist, wer im Jahre 1861 zu welcher Armee ging; anders ausgedrückt, wer
- 2-

�wer Sklaven besaß und wer nicht; wer für die Südstaaten kämpfte und wer für
die Nordstaaten.
Dieses Grundmuster der traditionellen Bindung oder des sozial-wirtschaftlichen Status ist jedoch in den letzten Jahren durch zwei Dinge verändert worden: erstens gibt es eine wachsende Zahl von Amerikanern, die
sich selbst als Unabhängige bezeichnen - sie machen keine Mehrheit

aus,

aber doch immerhin vielleicht ein Viertel der Bevölkerung. Hier handelt es
sich meist um jüngere Menschen und um Leute aus dem Süden, die sich nicht
mehr als Nationaldemokraten bezeichnen wollen, es aber auch nicht über sich
bringen, sich Republikaner zu nennen - und man findet diese sogenannten Unabhängigen auch unter denen, die kein Interesse an Politik haben und sich
damit auch keiner Partei verpflichtet fühlen.
Vielleicht noch wichtiger ist eine zweite Tatsache: Obwohl die große
Mehrheit der Amerikaner sich selbst entweder als Republikaner oder als
Demokraten bezeichnet, ist in den letzten Jahren offensichtlich eine Veränderung dahingehend eingetreten, daß eine größere Zahl von Republikanern
und Demokraten bereit ist,

unter besonderen Umständen für jemand von der

anderen Seite zu stimmen. Diese Menschen fühlen sich nicht mehr an ihr
Parteietikett gebunden, sondern vertrauen mehr auf ihr eigenes Urteil. Sie
werden zwar weiterhin hauptsächlich republikanisch oder demokratisch wählen,
aber sie sind auch bereit, für ein oder zwei oder drei Kandidaten der Opposition zu stimmen.
In manchen Kreisen des Mittelstandes kann man heute einen beinahe
pathologischen Antipartei-Standpunkt finden. Wenn auf einem Wahlzettel über
zwei wichtige Posten abzustimmen ist, dann ist die Chance groß, daß diese
Menschen einmal für einen Republikaner und einmal für einen Demokraten
stimmen. Sie fürchten, als sture Parteigänger angesehen zu werden,und betrachten sich als kühne und tapfere Verfechter eines unabhängigen Geistes.
Wenn man heute durch eine typische amerikanische Großstadt fährt, dann
kann man wahrscheinlich schon vorher sagen, welche Wahlkreise republikanisch
und welche demokratisch wählen werden. Das eigentliche Problem liegt darin,

- 3-

�)

darin, daß man nicht weiß, welchen Schwung das Pendel am Wahltag nehmen
wird - daß man nicht weiß, welchen Ausschlag die Unabhängigen oder die sowohl-als-auch-Wähler für die eine oder die andere Partei oder den einen
oder anderen Kandidaten geben werden. Es ist durchaus möglich, daß eine
Wahl dadurch entschieden werden kann, wie groß dieser Ausschlag ist, vor
allem, wenn das Ergebnis so knapp ist, wie dies

bei einigen unserer letzten

Wahlen der Fall war.
Keine Partei hat die Mehrheit der Wähler als ständige Anhänger, so
daß die Politik in den Vereinigten Staaten - wie in den meisten Ländern im wesentlichen in dem Prozeß der Bildung von Koalitionen besteht.. Wenn
es um die politischen Vorstellungen des Einzelnen oder einzelner Gruppen
ginge,und diese sich organisieren würden, dann gäbe es in den Vereinigten
Staaten wahrscheinlich 300 politische Parteien oder mehr.
In jedem politischen System geht es darum, Koalitionen zu bilden,

um diese unterschiedlichen Auffassungen und Interpretationen unter einen
Hut zu bringen. Niemand wird dabei all das bekommen, was er will, aber
durch den Anschluß an eine Koalition so viel wie möglich. Der ideale
politische Kandidat ist die Person, die die Fähigkeit hat, divergierende
Elemente einer Koalition möglichst erfolgreich zusammenzuhalten. Er muß
Führungsqualitäten besitzen, um die divergierenden Elemente zusammenzubringen, um Lösungen für die Probleme der Nation zu finden.

+ + + 4- +

- 4-

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19/1972

USA BEGRÜSSEN AUSLANDISCHE INVESTITIONEN
-Informations-Seminar in Düsseldorf-

BONN «-(AD)-- Die Vereinigten

Staaten haben ein Aktionsprogramm entwickelt,

das das Ziel hat, Investitionen ausländischer Gesellschaften in den USA
aktiv zu unterstützen. Tm Rahmen einer Informationskampagne sollen deutsche
Unternehmer über die Investitionsmöglichkeiten in den USA unterrichtet werden» Dazu gehören auch ein~oder zweitägige Informations-Seminare, die in
gewissen Abständen abgehalten werden sollen. Das erste Seminar dieser Art
- das Symposium "Invest in USA!t - findet am 16, und 17. Mai in Düsseldorf
statt.
In einer Presseerklärung wies der amerikanische Geschäftsträger in Bonn,
Gesandter Frank E. Cash, am 3, Mai darauf hin, daß die US-Regierung Investitionen ausländischer Gesellschaften in den Vereinigten Staaten begrüßt und aktiv
unterstützt.
Die Erklärung des amerikanischen Geschäftsträgers hat folgenden Wortlaut:
Investitionen amerikanischer Gesellschaften im Ausland fanden in den
Nachkriegsjahren beträchtliche Beachtung, Weniger bekannt ist die Tatsache,
daß die amerikanische Regierung Investitionen ausländischer Gesellschaften
in den Vereinigten Staaten begrüßt und aktiv unterstützt. Es war lange unsere
Politik, den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen zu begünstigen, der,
wie wir glauben, ein gesundes wirtschaftliches Wachstum fördert, gemeinsame
Interessen schafft und zu Frieden und Wohlstand in der freien Welt beiträgt.
Die
-1-

�Die Vereinigten Staaten haben immer Investitionen willkommen geheissen. Als
jedoch während der letzten Jahre der Abfluß von Kapital aus den Vereinigten Staaten für Direktinvestitionen ein ernsthafter Faktor unseres Zahlungsbilanzdefizits
wurde, wurde ein Aktionsprogramm entwickelt

mit dem Ziel, einen gegengewichtigen

Fluß von Kapital in die Vereinigten Staaten anzuregen. Wir glauben, daß ebenso
wie die Direktinvestitionen amerikanischer Gesellschaften in Westeuropa in vielen
Fällen der beste Weg sind, eine Basis in diesem Markt zu errichten, dasselbe für
ausländische Gesellschaften gilt, die einen größeren Anteil am gewaltigen und
prosperierenden amerikanischen Markt gewinnen möchten.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Staaten hat die amerikanische Regierung
auf verschiedene Weise versucht, diesen Gedanken den ausländischen Gesellschaften
nahezubringen. Vor sechs Jahren sandte die amerikanische Regierung den ersten
Industrie-Entwicklungs-Attache nach Europa. Anfang 1972 gesellte sich ihm ein
zweiter hinzu. Des weiteren sind alle unsere Dienststellen in Deutschland - die
Botschaft in Bonn, die U.S.Mission in Berlin und die sechs Generalkonsulate in der Lage, eine Fülle von Informationen über Investitionsmöglichkeiten in den
Vereinigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Von Zeit zu Zeit senden einzelne
Bundesstaaten und Regionen Investitions-Gruppen nach Übersee. Diese Aktionen
jedoch neigen eher dazu, passiv zu wirken und von einer Initiative seitens der
deutschen Geschäftsleute abzuhängen.
Wir fangen jetzt an, ein aktiveres Programm zu entwickeln, indem wir Informationen verteilen, die direkte Kontakte unserer Handelsattaches mit potentiellen deutschen Investoren einschließen. Dies wird in gewissen Abständen ergänzt
durch ein-oder zweitägige Informations-Seminare, wovon das erste für den 16. und
17. Mai 1972 in Düsseldorf vorgesehen ist.
Bis jetzt haben sich etwa 85 deutsche Geschäftsleute für dieses Seminar angemeldet. Ihnen werden sich etwa 55 bis 60 Regierungsvertreter einzelner amerikanischer Bundesstaaten und etwa 15 Sachverständige der Regierungen und aus der
Privatwirtschaft aus Europa und den Vereinigten Staaten hinzugesellen. Sie werden
zusammen über solch bedeutende Investitionsfragen diskutieren wie: Marketing-2-

�Marketing-Konzepte, Standortwahl, Finanzierung, Arbeitskräfte, die Vereinigten
Staaten als Ausgangsbasis für Exporte und Rechts-sowie Steuerfragen,
Einer Ihrer prominenten Industriellen, Herr Dr. Konrad Henkel.. Präsident
des Verbandes der Chemischen Industrie, hat sich bereit erklärt, die Begrüßungsansprache zu halten. Mr, Robert P, Beshar, Deputy Assistant Secretary of Commerce,
wird auch einer der ersten Redner sein, Das vollständige Programm stellen wir
Ihnen hiermit heute zur Verfügung,
Ich habe bereits eingangs erwähnt, daß es für eine deutsche Gesellschaft
gute Gründe geben muß, wenn sie eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten
errichten soll» Welches sind die Schlüsselfaktoren?
1. Der Markt. Vor ein paar Jahren veröffentlichte die Chase Manhattan Bank
einen ausgezeichneten Führer für Investitionen in den Vereinigten Staaten mit
dem vielsagenden Titel: "Die Billionen-Dollar-Wirtschaft". Der Titel sagt
alles c Nach allen Maßstäben «• Nationaleinkommen, Produktion, Bevölkerung oder
Geographie - sind die Vereinigten Staaten einer der größten und dynamischsten
Märkte der Welt.. Er wächst mit beachtlicher Geschwindigkeit, und im Jahre 1980
wird ein Drittel aller Haushalte ein Einkommen von 15 000 Dollar oder etwa
50 000 DM haben.
2. Ein günstiges Investitionsklima. Die Politik der amerikanischen Regierung
ist es, ausländische Investitionen zu begrüßen und zu ermuntern und den ausländischen Firmen dieselbe Behandlung zuteil werden zu lassen wie amerikanischen
Firmen. Die verhältnismäßig geringen Behinderungen von Geschäften machen es neuen Firmen leicht, Fuß zu fassen, sich zu betätigen und zu wachsen.
3. Eine günstige Gelegenheit, klein anzufangen. Entgegen der allgemeinen Ansicht muß eine ausländische Gesellschaft nicht die Größe von General Motors
oder General Electric haben, um es auf dem amerikanischen Markt aufnehmen zu
können, Tatsache ist, daß 96 Prozent der 400 000 Hersteller in den Vereinigten
Staaten weniger als 250 Arbeitnehmer beschäftigen, und 52 Prozent aller Firmen
-3-

�Firmen beschäftigen 9 oder weniger P e r s o n e n . K l e i n e Firmen spielen auch eine
große R o l l e , w e n n es sich um große T r a n s a k t i o n e n h a n d e l t , besonders w e n n ihr
E r z e u g n i s ein seltenes Bedürfnis befriedigt. Für die Herstellung der Boeing 7 4 7 ,
zum B e i s p i e l , w e r d e n Erzeugnisse von 1 500 w i c h t i g e r e n und 15 000 z w e i t r a n g i g e n
Lieferanten v e r w e n d e t , die über den ganzen Kontinent der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
verstreut sind. Ihre Lieferungen für die 747 m a c h e n die Hälfte der H e r s t e l l u n g s k o s t e n des fertigen Flugzeuges a u s .

4 . Der Zugang zu K a p i t a l , Technologie und F i n a n z i e r u n g s a n r e i z e n .

Eine F i r m a , die

sich entschließt, eine Niederlassung in den Vereinigten S t a a t e n zu e r r i c h t e n ,
hat einen leichten Zugang zu unserem großen und gut entwickelten K a p i t a l m a r k t .
In d e n m e i s t e n F ä l l e n k ö n n e n Gelder billiger geliehen w e r d e n als irgendwo anders auf der W e l t . Die m e i s t e n Bundesstaaten und S t ä d t e bieten eine attraktive
L i s t e v o n Finanzierungsanreizen einschließlich S t e u e r e r m ä ß i g u n g e n , A-usbildungsp r o g r a m m e n für A r b e i t s k r ä f t e und Industrieanleihen m i t sehr n i e d r i g e n
Zinsen.

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19/1972

DIE ENTWICKLUNGSLÄNDER UND DIE INTERNATIONALE WÄHRUNGSREFORM

Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)-« Die Forderungen der Entwicklungsländer nach einer aktiven
Rolle bei der Neugestaltung des internationalen Währungssystems sind in
Washington keineswegs auf taube Ohren gestossen. Amerikanische Regierungskreise sind sich durchaus im klaren darüber, daß die Interessen dieser Nationen
beispielsweise durch Entscheidungen über die Schaffung und Verwendung internationaler Reserveguthaben und durch die Wechselkurspolitik entscheidend berührt werden.
Die Vereinigten Staaten haben sich daher zum Anwalt der Srhaffung eines
neuen Verhandlungsforums gemacht, in dem einerseits die Entwicklungsländer
vertreten wären, das jedoch auf der anderen Seite klein genug wäre, um der
ganzen Vielfalt der komplizierten und miteinander verknüpften Fragen Herr
werden zu können.
Vom Standpunkt der Entwicklungsländer konzentriert sich das Interesse
an der internationalen Währungsreform sehr stark auf die Möglichkeit, die
Sonderziehungsrechte (SDRS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Mittel für zusätzliche Entwicklungshilfe für die Länder mit Niedrigeinkommen zu
benutzen. Nun sind Zweifel an diesem Vorschlag laut geworden, weil man befürchtet, diese zusätzliche Funktion der Sonderziehungsrechte könnte ihre
Hauptfunktion gefährden: nämlich als Ergänzung oder Alternative für Gold
oder Dollar in den internationalen Reserven der einzelnen Länder zu dienen.
Die USA wären bereit, den Vorschlag auf jeden Fall zu prüfen; Vertreter des
-1-

�1
des amerikanischen Finanzministeriums halten es jedoch für unklug, hier eine Entscheidung zu treffen, bevor andere Aspekte der internationalen Währungsreform geklärt sind.
Die Entwicklungsländer wollen verständlicherweise sichergehen, daß die vereinbarten Regeln und Abmachungen einer Neuordnung des internationalen Währungssystems ihre besonderen Probleme in Rechnung stellen und nicht nur den Interessen der Industrienationen, sondern auch denen der Entwicklungsländer dienen.
Manche Experten in den Entwicklungsländern sind der Auffassung, daß Regeln,
die für die Industrienationen gut sind - wie etwa die Regelung der Wechselkurse
- nicht unbedingt für Länder geeignet sinds die noch am Anfang ihrer Industriealisierung stehen, Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Pierre-Paul
Schweitzer, ist gegenteiliger Auffassung. Auf der Dritten Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD III) in Santiago räumte
Schweitzer zwar ein, daß beide Gruppen unterschiedliche Probleme haben; dies
'

könne jedoch nur bedeuten, "daß die Verhaltensnormen, die das System beherrschen
sollten, auf eine so flexible Anwendung abgestellt sein müssen, daß sie diesen
besonderen Problemen und Bedürfnissen Rechnung tragen können." Auch Schweitzer
sprach sich für eine Prüfung der besonderen Verwendung der Sonderziehungsrechte
aus, fügte jedoch hinzu, daß es auch noch andere Möglichkeiten der Kanalisierung
von Entwicklungshilfemitteln gebe, die eingehend untersucht werden müssten.
Generalsekretär Manuel Perez Guerrero setzte sich in seinem Bericht an die
UNCTAD ebenfalls für eine Verknüpfung von Sopderziehungsrechten und Entwicklungshilfe ein. Er stellte ferner die Annahme in Frage, daß die Behebung der amerikanischen Zahlungsbilanzschwierigkeiten ausschließlich durch eine Anpassung der
bilateralen Beziehungen der USA zu ihren Haupthandelspartnern - Westeuropa, Kanada und Japan - erreicht werden könne und müsse, Eine bessere Lösung, so meinte
er,sei eine Erhöhung der Importe Japans und Westeuropas aus den Entwicklungsländern und ein verstärkter Kapitalfluß nach den Entwicklungsländern aus Westeuropa und Japan. So könnten diese Länder zu einer Behebung der Schwierigkeiten
in den USA beitragen, da, wie er sagte, etwa ein Fünftel der zusätzlichen Ex-2-

�Exporterlöse der Entwicklungsländer von diesen wahrscheinlich in den USA ausgegeben würden
Auch der Interamerikanische Ausschuß der Allianz für den Fortschritt
(CIAP) der Organisation der Amerikanischen Staaten (CAS) hat sich für eine Verbindung von Sonderziehungsrechten und Entwicklungshilfe ausgesprochen» Der Ausschuß, dem Wirtschaftler aus sechs lateinamerikanischen Ländern und aus Nordamerika angehören, machte jedoch noch weitere Empfehlungen. So sollte Gold weiter als Währungsreserve dienen, seine traditionelle Rolle jedoch abgebaut werden; die Währungsreform sollte rasch vorangetrieben werden, um eine Aufsplitterung des Weltwährungs-und Handelssystems in Handelsblöcke mit "Währungsgebieten"
zu verhindern; und Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen und Reservewährungen
sollten sich ebenfalls der internationalen Disziplin unterwerfen und verpflichtet sein, übermäßige Überschüsse abzubauen - so wie die Defizitländer zum Abbau der Defizite gezwungen worden sind.
Die Konferenz in Santiago und andere Foren werden den Entwicklungsländern
noch reichlich Gelegenheit bieten, ihre Auffassungen in diesen Fragen darzulegen.

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MODELL FÜR EIN GEMEINSAMES DOCKSYSTEM

Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen
nehmen Gestalt an

(AD) - Von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) und der
Sowjetischen Akci 'emie der Wissenschaften wurde kürzlich die zweite Berichtsserie der amerikanisch-sowjetischen Arbeitsgruppen gebilligt, die
die Möglichkeiten für gemeinsame Rendezvous- und Dockmanöver von bemannten
Raumschiffen untersuchen. Obgleich noch keine bindende Entscheidung über
gemeinsame Raumfahrtunternehmen getroffen wurde, einigten sich die amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftler und Ingenieure über gewisse technische Einzelelemente, in erster Linie solche des Docksystems, das zunächst
einmal in einem Modell in natürlicher Größe dargestellt und erprobt werden
soll.
Allerdings gibt es in Vorbereitung eines gemeinsamen Unternehmens
unendlich viele technische Detailfragen zu bedenken. Dazu gehören nicht
nur die Lebenserhaltungssysteme, die Steuerungs- und Kontrollsysteme der
von den beiden Ländern entwickelten bemannten Raumschiffe und die Notwendigkeit sowie die Möglichkeiten für Anpassungen, sondern auch Probleme der
Stabilisierung nach einer Koppelung der Nachrichtenverbindungen zur Erde
oder der Flugüberwachung vom Boden aus. Die Gespräche werden im Sommer 1972
in den USA fortgesetzt.

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TEXT IN BRAILLE-SCHRIFT VOM COMPUTER

- (AD) - An der Technischen Universität Massachusetts (MIT - Boston)
wurde mit finanzieller Hilfe vom Gesundheitsministerium der USA ein Computersystem zur sofortigen Übersetzung englischer Texte in die Braille-Blindenschrift entwickelt. Innerhalb von 90 Sekunden druckt der Computer eine
komplette Seite in Braille-Schrift aus, während allein dieser Vorgang bei
Anwendung moderner Verfahren nach dem herkömmlichen System bis zu 10 Minuten
in Anspruch nimmt.
Besonders wichtig ist jedoch die Tatsache, daß jeder, der mit einer
Schreibmaschine umgehen kann, in der Lage ist, die Computer-"Übersetzungsanlage" zu bedienen. Sie besteht aus einer Fernschreibmaschine herkömmlicher
Bauweise und einer Spezial-Druckmaschine für Braille-Schrift. Beide sind
über eine gewöhnliche Telefonleitung an den Computer, ein Gerät aus der
Serienproduktion, angeschlossen.
Im Raum Boston (Massachusetts) sowie in Manitoba (Kanada) benutzen
derzeit Universitätsstudenten versuchsweise das neue System. In Atlanta
(Georgia) dagegen wird es bereits von Schulen im regulären Unterricht angewandt. Die städtischen Behörden ließen einen Schnelldrucker für Brailleschrift installieren, um auch blinden Kindern die Teilnahme am normalen
Unterricht zu ermöglichen. Nach Meinung der Experten könnten durch verbreitete
Nutzung des neuen Verfahrens stark sehbehinderten oder blinden jungen Menschen
endlich uute Chancen gegeben werden, sich einem ihren Fähigkeiten wirklich
entsprechenden Beruf zuzuwenden, anstatt sie zu veranlassen, sogenannte
Blindenberufe zu ergreifen. Auch die Herstellung von Tageszeitungen in
Braille-Schrift dürfte keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bereiten,
da manche Verlage sowieso bereits Computer in das Setzverfahren eingeschaltet haben.

+

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon kündigt neue Maßnahmen in Südostasien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA informieren Weltsicherheitsrat über neue Maßnahmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens von Botschafter Bush -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;I. Die US-Marine rüstet sich für Zukunftsaufgaben&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wahre Mehrheit: 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard M. Scammon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;I. Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;II. Der amerikanische Wähler und die Parteien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen ausländische Investitionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Informations-Seminar in Düsseldorf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklungsländer und die internationale Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Modell für ein gemeinsames Docksystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen nehmen Gestalt an&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Text in Braille-Schrift vom Computer</text>
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17. Mai 1972

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
II. Die US-Armee wird gestrafft
Von Hubert G. Collins
Die
Von
III.
IV.

wahre Mehrheit; 1972
Richard M. Scammon
Die Wahlkampfthemen
Die Persönlichkeit der Kandidaten

WIRTSCHAFT
Volcker zeigt Hauptpunkte für Reform des Weltwährungssystems auf
- Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal Die US-Handelspolitik kämpft an zwei Fronten
Von Eugene Brake

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Innenminister: Alaska-Ölleitung kann gebaut werden
Streptokokken durch Färbetest unterscheidbar
Schizophrenie - eine Enzymmangelkrankheit
Neuer Detektor ermöglicht starke Reduzierung der Strahlenbelastung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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20/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
II. Die US-Armee wird gestrafft

Von Hubert G. Collins

Auch die amerikanische Armee wird - wie Marine und Luftwaffe - neue
Konzeptionen entwickeln, um den Aufgaben der Zukunft gerecht werden zu
können. Gerade im Zeitalter des nuklearen Gleichgewichts werden die konventionellen Streitkräfte, d.h. in erster Linie die Armee, den Ausschlag geben.

Der Stabschef der US-Army, General William Westmoreland, hat eine umfassende Studie der Aufgaben der Landstreitkräfte angeordnet, denn die
Armee müsse neue Probleme lösen und neue Lösungen für alte Probleme finden.
Westmoreland, der selbst Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in
Vietnam war, vertritt die Auffassung, daß sich die Armee aus der "VietnamZwangsjacke" lösen müsse , die zu einem defensiven taktischen Denken geführt
habe.

Wie bei der Marine - und in gewissem Umfang auch bei der Luftwaffe ist die Lösung der künftigen Aufgaben auch ein Personalproblem. Mit der ins
Auge gefaßten Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in den USA wird man den
Beruf des Soldaten in der Armee einigermaßen attraktiv gestalten müssen, um
junge Menschen anzulocken. Die heutigen höchst komplizierten Waffensysteme
verlangen ein professionelles Interesse und ihre Beherrschung läßt sich _im

- 1 -

�1

im Rahmen einer normalen Ableistung der Dienstpflicht meist kaum erlernen.
Ein Berufsheer wird billiger, schlagkräftiger und effektiver - vorausgesetzt,
es finden sich genug Freiwillige.

Hier sind bereits umfassende Reformen im Gange. Kartoffelschälen und
Bodenschrubben, unnötige Inspektionen und überkommener Formalismus werden
aus dem Dienstplan gestrichen und der Soldat wieder seiner eigentlichen Aufgabe zugeführt. Die Würde des Einzelnen soll über die Schikane triumphieren,
und nach eigenem Geschmack eingerichtete Einzelzimmer sollen an die Stelle
der traditionellen Öde der Kaserne treten. Hier schrecken die amerikanischen
Planer nicht davor zurück, alte Tabus anzupacken.

Das alles gilt auch für das amerikanische Marinekorps, die "Marines"
oder "Ledernacken", die sich als selbständige Truppe zwar eher zur Marine
zählen, aber in ihren eigentlichen Aufgaben doch unter die allgemeine Kategorie des infant.ristischen Einsatzes fallen.

Die US-Armee soll in ihrer gestrafften Form ihre derzeitigen 13 Divi
sionen beibehalten, Zwei davon bilden als Luftlandedivisionen in den Vereinigten Staaten die strategische Reserve, die innerhalb von Stunden in jedem
Teil der Welt eingesetzt werden kann. Eine Luftlandebrigade - eventuell auf
Hawaii stationiert - ist als Eingreifreserve im Pazifik vorgesehen. In Europa
sollen vier Divisionen stationiert bleiben und in Korea eine.

Diese Freiwilligenarmee der Zukunft mit ihren mannschaftsmäßig kleineren
Divisionen wird sich in verstärktem Maße auf die Reserve verlassen müssen.
In der Tat sind bereits heute manchen Reserveeinheiten Aufgaben von regulären
Einheiten übertragen und manche Reserveeinheit könnte rascher in Übersee zum
Einsatz kommen als eine aktive Einheit. Ausrüstung und Waffen der ArmeeReserve werden laufend auf den neuesten Stand gebracht. Da der Unterhalt
einer Reservedivision billiger ist, bekommt man für das selbe

Geld mehr

Abschreckung a s bei einer aktiven Division.
Die

- 2-

�Die Armee experimentiert ferner mit einer neuen, integrierten Division,
bei der Reservebataillone an Wochenenden und in den Sommerwochen gemeinsame
Ausbildung mit den aktiven Einheiten erfahren und mit diesen Übungen abhalten.
Im Falle einer Mobilmachung würden die Reserveeinheiten sofort in die aktive
Division integriert.

Auch bezüglich des Kampfeinsatzes gibt es völlig neue Vorstellungen.
So experimentiert die Erste Kavalleriedivision in Texas mit dem revolutionären
"Dreischlag-Einsatz". Eine Brigade ist mit Panzern und Schützenpanzern ausgerüstet, eine Brigade ist luftmobil, also mit Hubschraubern "beritten", und eine
völlig neue Art von Brigade, die sogenannten "Luftkavallerie-Kampfbrigade"
kombiniert die Feuerkraft der Artillerie mit der Beweglichkeit des Hubschraubers.

Die moderne Luftkavallerie-Division, deren Konzeption sich in Vietnam
bewährt hat und die auch für europäische Verhältnisse geeignet sein dürfte,
wird als das schlagkräftigste Instrument für einen raschen Gegenschlag gegen
einen Aggressor angesehen. Sie wird mit dem Cheyenne-Hub schrauber ausgerüstet
werden, der mit der neuen TOW-Panzerabwehrrakete bestückt ist. Mit dieser
Rakete ist jeder bisher bekannte Panzer im Tag- oder Nachteinsatz zu brechen.

Ob es der verstärkte Einsatz des Computers oder ein mobiles Flugabwehrsystem mit Raketen (SAM-D) ist, die Armee wird sich aller technologischen
Fortschritte bedienen, ohne dabei den Menschen, den Soldaten, aus dem Auge
zu verlieren.

Und auch das Marinekorps wird in Zukunft gestraffter und "reiner" seine
Aufgabe als Elitetruppe erfüllen. Der Krieg in Vietnam hat nicht zuletzt
eine zahlenmäßige Verstärkung dieser Truppe gebracht, und man erwartet, daß
es nach Vietnam wieder sehr viel schwerer werden wird, bei den "Marines"
angenommen zu werden.

Gerade im Zeitalter der Nixon-Doktrin ist es für die USA wichtig,
über eine Streitmacht zu verfügen, die rasch eingesetzt werden kann, um
die Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im Notfall ^u
- 3-

�zu schützen. Das Marinekorps, das eine eigene Teilstreitkraft ist, wird sich
in stärkerem Maße auf seine traditionelle Rolle als Landungsstreitmacht konzentrieren. Seine Aufgabe wird es nicht zuletzt sein, verbündete Landstreitkräfte an kritischen Punkten zu unterstützen und eine gegnerische oder vom
Gegner besetzte Küste zu stürmen.

Stärker als bei anderen Waffengattungen werden bei den "Marines"
Disziplin und Drill im Vordergrund stehen, aber auch der Einzel« und Gruppenkämpfer, dem die modernsten technischen. Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Der Befehlshaber des Marinekorps, General Robert Cushman,und sein
Stellvertreter, General Raymond Davis, haben «wie viele Offiziere und Mannschaften - Vietnamerfahrung.
Die Ledernacken sind stolz auf ihre gepanzerten Landungsfahrzeuge
(APC), schachtelartige Panzerfahrzeuge mit einem Maschinengewehrturm ,die
mit robusten Dieselmotoren und Düsen angetrieben durch die Brandung den
Strand erklimmen können und bei einem Aktionsradius von fast 500 km jeweils
25 Mann transportieren.

Der Hubschrauber, vor allem der Chinook (CM-46), spielt ebenfalls eine
entscheidende Rolle für die Beweglichkeit. Hinzu kommt das eigene Luftgeschwader, über das jede Marinekorps-Division verfügt. Für die taktische Luftunterstützung wird man vor allem auf den Senkrechtstarter (VTOL) zurückgreifen,
wie ihn die Briten mit dem Harrier entwickelt haben.

Das Problem des Transports über das Meer wird mit sogenannten Mehrzweckschiffen (LHA) gelöst, moderne Schiffe, die ein Bataillon mit Fahrzeugen,
Hubschraubern und Flugzeugen aufnehmen können. Hier entstehen Kampfeinheiten,
die bis zu 90 Tage selbständig und unabhängig operieren können.

Ob

. 4 -

�Ob bei Armee oder Marinekorps, die Tendenz der Zukunft ist ohne Frage
Qualität an Stelle von Quantität. "Die Armee von heute", so sagte General
Westmoreland kürzlich, "ist eine dynamische Organisation, stolz auf die
Tradition und optimistisch was die Zukunft betrifft ... Sie wird weiterhin
eine furchtbare Streitmacht sein - entschlossen, den Frieden zu wahren."

+ + + +

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20/1972

DIE WAHRE MEHRHEIT: 1972
Von Richard M. Scammon

III. Die Wahlkampfthemen

Mit der von Jahr zu Jahr wachsenden Zahl der Unschlüssigen bei den Republikanern und Demokraten und bei den erfahrungsgemäß in ihrer Wahlentscheidung schwankenden Unabhängigen ergibt sich eine Lage, in der aktuelle
Probleme und Streitfragen in vielen Fällen eine für den Wahlausgang entscheidender Bedeutung erlangen können als dies in der Vergangenheit der Fall
gewesen ist.

Dazu sei in Parenthese bemerkt, daß ich mit solchen aktuellen Problemen
und Streitfragen » seien sie innen- oder außenpolitischer Natur - Dinge meine,
die die Menschen wirklich bewegen, nicht aber solche, die lediglich das Interesse der Leute wecken. So kann es durchaus sein, daß sich viele Leute außerordentlich für die Arthritis interessieren, was sie aber im allgemeinen kaum
dazu veranlassen dürfte, republikanisch oder demokratisch zu wählen. Wovon
wir sprechen, das sind Fragen, die sie zumindest so stark bewegen, daß sie
und sei es auch nur zeitweilig ihre Loyalität gegenüber ihrer alten Partei
aufgeben und sich zu der anderen bekennen. Wir sprechen also über Dinge, die
die

Menschen dazu bringen, ihre Ansichten zu ändern.
Wie

- 1 -

�Wie steht es nun für das Wahljahr 1972 hinsichtlich solcher Fragen und
Probleme? Welche könnten Einfluß auf die Wahl gewinnen?

Am eigentlichen Wahltag im November dürften die Fragen der Außenpolitik
relativ geringes Gewicht haben. Im großen und ganzen endet die Politik am
eigenen Interessenhorizont des Wählers. Sofern das Interesse über diese Linie
hinausreicht, umfaßt es im allgemeinen jedoch nicht die jeweiligen republikanischen und demokratischen Argumente und Gegenargumente. Meist findet sich
in jeder Partei eine bunte Mischung der verschiedenartigsten Standpunkte in

bezug auf die Außenpolitik. Die amerikanische Außenpolitik ist daher bei
Präsidentschaftswahlen fast nie eine Frage von besonderem Gewicht gewesen,
es sei denn das Land befände sich tatsächlich im Krieg oder es gehe um entscheidende Interessen Amerikas in Übersee. Eine solche Lage bestand im Jahre
1968 - inwieweit sie heute besteht ist fraglich. Wenn Präsident Nixon seine
Politik des Abzugs amerikanischer Truppen aus Vietnam fortsetzt und es doch
noch zu einer Regelung auf dem Verhandlungswege kommt, dann könnte das Engagement der Vereinigten Staaten in Vietnam im November so gering sein, daß
daraus keine Frage von entscheidender Bedeutung für die Wahlen gemacht werden
kann. Man wird allerdings abwarten müssen, ob sich diese Tendenz bis zum November halten wird.

Wenn also die Außenpolitik nur eine geringere Rolle spielt, jedenfalls
eine, die kaum Anlaß geben wird, daß Wähler, die für Nixon stimmten, zu den
Demokraten gehen oder demokratische Wähler im Jahre 1972 zur Partei Nixons
überwechseln, welches werden dann die für die Wahlen entscheidenden Fragen
sein?

Da wäre zuerst einmal die Wirtschaftslage zu nennen, worunter man ganz
allgemein die Frage der Arbeitsplätze, der Einkommen, der Wohnungen und was
das System sonst bietet verstehen kann. Dies wird die wichtige Frage sein, wie
sie es immer in der amerikanischen Politik gewesen ist, besonders aber seit
1932, als Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten gewählt wurde. Wenn die Wirtschaft gut läuft, wenn die Einkommen steigen, die Preise aber nicht - und
wenn es reichlich Arbeit gibt, dann dürfte dies ganz zweifellos Präsident
- 2-

�Präsident Nixon helfen. Sollten sich die Verhältnisse anders entwickeln, so
würde es ihm schaden - was zweifellos keine besonders tiefgründige Erkenntnis
ist, aber doch immer wieder gesagt werden muß.
Das einzige, was wirklich zählen wird, ist das, was die Leute in bezug
auf die Wirtschaftslage tatsächlich sehen und spüren. Es wird dabei nicht
darum gehen, ob die Phase II der Nixonschen Wirtschaftspolitik verfassungswidrig ist oder ob wir in den Sozialismus hineintreiben oder uns immer weiter
vom System des freien Unternehmertums wegbewegen oder ob wir mehr oder weniger
Kontrolle in bezug auf dies oder das brauchen. Es wird dabei ganz einfach um
ein sehr pragmatisches Urteil gehen, die Frage nämlich, ob dieser Mann, der
Präsident, "sein Geschäft versteht" - soweit es die Wirtschaft betrifft - oder
nicht1. Ist man überzeugt, daß er es tut, dann gewinnt er. Ist man aber der
Überzeugung, daß er es nicht kann, dann verliert er.

Es gibt ferner eine ganze Fülle von Problemen im Wahljahr 1972, die wir
die sozialen Probleme genannt haben. Es handelt sich dabei um die Kombination
von Problemen im Zusammenhang mit Rasse, Verbrechen, Rauschgift, Pornographie,
Studenten Unruhen, Rassenkonflikten und verlassenen Idealen » wenn man es so
nennen will -, alles Fragen, die für viele Menschen Anlaß zur Sorge sind und
zu denen die Kandidaten Stellung nehmen müssen. Tatsache aber ist, daß auch
dies keines jener großen die Wähler bewegenden Probleme im- Jahre 1972 sein
wird, es sei denn, daß es sich in explosiver, tumultuöser Form "auf der Straße
entlädt - wie es in Watts und Newark der Fall war - oder daß es an den Universitäten oder anderswo zum Ausbruch kommt. Verbrechen ist im allgemeinen
ein Problem lokaler oder kommunaler Art und steht unter der Kontrolle der
zuständigen Organe. Außerdem gibt es für die weiße Bevölkerung - zumindest
in den Stadtzentren des Ostens der Vereinigten Staaten dagegen ein Mittel.
Man läuft davon - und das hat denn auch die weiße Bevölkerung zum großen
Teil getan. Die Flucht aus den Zentren der Städte

in die Vorstädte und Vor-

orte ist eine Weise, wie man mit dem Problem "fertig werden" kann.

Eine

�Eine der sozialen Fragen, die die Nation im Augenblick verbittert, ist
das Problem der Schulbusse, das "busing" - die Beförderung der Schulkinder
in Schulen, die von ihrem Wohnhaus relativ weit entfernt liegen, um auf diese
Weise ein besseres rassisches Gleichgewicht in den Klassen zu erreichen. Diese
Frage bewegt die Schwarzen, die verstreut in von Weißen der mittleren und
unteren mittleren Einkommensgruppe bewohnten Vorstadtsiedlungen leben, vor
allem in Gebieten, in denen das Einkommen der Hausbesitzer nicht ausreicht,
um sich diesem Verfahren durch erneuten Umzug oder Einschulung der Kinder in
Privatschulen zu entziehen. Das "busing" kann durchaus zu einem wichtigen
Wahlthema werden, da sie auch durch den Appell Präsident Nixons an den Kongreß,
ein Moratorium für die

Durchführung zu erwirken, nicht aus der Welt geschaffen

wurde. Es wird auf nationaler Ebene nicht so große Bedeutung erlangen, wie bei
den Vorwahlen in Florida am 14. März, aber es ist ein wichtiges Problem, denn
das Wohlergehen der eigenen Kinder ist eines der elementaren Dinge, das alle
Amerikaner stark bewegt.

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20/1972

IV. Die Persönlichkeit der Kandidaten

Wenn es in Amerika in diesem Wahljahr keine "einschneidenden "Probleme
oder Fragen von entscheidendem Gewicht für den Wahlkampf gibt, welche Bedeutung wird dann die Frage der Persönlichkeit und des Charakters der Kandidaten gewinnen? Welchen Mann soll man mit der "Geschäftsführung" betrauen?
Die Wähler werden sich fragen: Ist er einer, der sich einsetzt und dem man
vertrauen kann? Würde man ihm sein eigenes Haus vermieten? Würde man ihn als
Anwalt haben wollen?

Die Hauptkandidaten müssen bemüht sein - und zwar sowohl in der Nominierungskampagne als auch im eigentlichen Wahlkampf - sich als Führerfigur als eine Persönlichkeit mit hohen Führungsqualitäten

- darzustellen, als

Männer, in die man Glauben und Vertrauen setzen kann, denen man Kredit einräumt und mit denen man gut zu fahren meint, wenn man ihnen für vier Jahre
das höchste Amt anvertraut. Um die Wählerblöcke der Parteikoalitionen zu verstärken muß man sich an die Unabhängigen und an all die Wähler wenden, die
bewußt ihre Stimme aufteilen und im Werben um ihre Gunst ist die Frage der
Persönlichkeit des Kandidaten umso bedeutsamer, wenn es an wirklich "einschneidenden

Fragen" fehlt.

Zur Frage der Persönlichkeit - des Charisma - läßt sich heute wohl nur
sagen, daß keiner der Kandidaten - weder bei den Demokraten noch bei den
Republikanern - solche charismatischen Züge für das amerikanische Volk besitzt. Präsident Nixon wird respektiert aber - wie ich glaube - nicht unbedingt verehrt und geliebt. Von ihm geht ganz gewiß nicht diese besondere per-

- 1 -

�persönliche Ausstrahlung aus, die man bei Präsident Eisenhower fand oder die
Präsident Roosevelt bei der vorigen Generation besaß. Unglücklicherweise gilt
aber das Gleiche auch für die Demokraten. Auch bei den Demokraten gibt es
niemand, der die Leute so zu begeistern vermöchte

wie beispielsweise Prä-

sident Eisenhower dies im Jahre 1952 konnte. Es gibt Kandidaten vom rechten
Flügel der Partei, aus der Parteimitte und vom linken Flügel. Aber ich glaube,
man darf wohl sagen, daß es bisher noch keinem gelungen ist, die Herzen der
Wähler zu packen. Bei keinem von ihnen gibt es diesen kometenhaften Aufstieg
aus dem Nichts wie damals im Jahre 1940 bei Wendeil Willkie. Keiner hat die
Phantasie des amerikanischen Volkes wirklich entflammt - weder der derzeitige
Präsident noch diejenigen,die sich um sein Amt bewerben.

Das sind die Probleme, wie ich sie sehe, und das sind die Bedingungen
der Parteiloyalität und der Reaktionen von Seiten der Wählerschaft. Damit
haben wir sozusagen eine Anatomie der Wahl. Bringt man dies nun alles zusammen und rührt gut um, was ergibt sich dann für das Wahljahr 1972?

Für die republikanische Seite ergibt sich eigentlich nur eine sinnvolle
Möglichkeit und das ist die erneute Nominierung Präsident Nixons.
Für die Demokraten wird der Ablauf des Geschehens weitgehend davon
abhängen, wie die verschiedenen Kandidaten aus den Vorwahlen hervorgehen.
Die "Primaries" und die öffentlichen Meinungsumfragen werden damit auch
weiterhin einen bedeutenden Einfluß auf die Delegierten ausüben, die im Juli
dieses Jahres auf dem Parteikonvent in Miami Beach über die Nominierung ihres
Präsidentschaftskandidaten entscheiden.
Wird das Ergebnis der Meinungsumfragen die Wähler stark beeinflussen?
Die Antwort darauf lautet: Nein! Die Meinungsumfragen haben aber einen gewissen
Einfluß auf die Delegierten, weil diese in ihnen ein Instrument sehen, das wenn auch nicht mit letzter wissenschaftlicher Methodik so doch nach gewissen
wissenschaftlichen Kriterien, die besser sind als die meisten anderen sichere Aufschlüsse darüber gibt, was die Wähler wollen - und gerade darauf
kommt es dem Konvent ja an! Aufgabe des Parteikonvents ist es, unter den Kan- 2-

�Kandidaten denjenigen zu finden, der bei den Wählern den durchschlagendsten
Erfolg verspricht und mit dem man die Wahl im November gewinnen kann.
Die "Primaries" - die Vorwahlen - sind mitentscheidend für die Auswahl
dieses Mannes. Bei den Vorwahlen werden zwei Drittel der Delegierten für die
Nationalkonvente gewählt, während das andere Drittel aus den örtlichen Parteikonventen und Wahlausschüssen hervorgeht. So wichtig diese legale Funktion der
Vorwahlen ist, so wichtig ist ihre psychologische Funktion. Die Vorwahlen
sind außerdem von großer Bedeutung, weil sie uns ein Bild von der relativen
Stärke der einzelnen Kandidaten geben. Schon lange vor der eigentlichen Wahl
lassen sie die für die Wähler bedeutsamen Fragen klarer hervortreten und
helfen mit, die Koalitionen zusammenzuschweißen.

Die hauptsächlichen Veränderungen, die wir heute bei den politischen
Parteien beobachten, sind durch die Schaffung und Erweiterung des Systems
der Vorwahlen entstanden. Wenn man die Macht über die Kontrolle der Nominierungen in die Hände der Allgemeinheit legt,so ändert das natürlich den
Charakter der politischen Parteien. Die alte politische Partei - im Sinne
einer fest organisierten Gruppe, die in einer Stadt die Macht hat - gibt es
schon lange nicht mehr. Die wichtigste Veränderung besteht darin, daß die
Öffentlichkeit nicht länger mehr von den Nominierungen abhängig ist, die
innerhalb der Partei statt von der Allgemeinheit getroffen wurden und daß
der Wähler die Freiheit hat, unter solchen Kandidaten zu wählen, die er aus
Rundfunk und Fernsehen besser kennt als je zuvor.

Der demokratische Prozeß ist schon eine erstaunliche Sache. Er bringt
nicht notwendigerweise den Mann an die Spitze, den man sich wünscht. Nicht
immer ist der geschickteste und tüchtigste Kandidat am Ende auch der Sieger.
Dennoch kann man wohl sagen, daß der demokratische Prozeß ein Resultat erbringt, gegen das man die wenigsten Einwände erheben kann. Ich muß dabei
immer an den ausgezeichneten Kommentar eines namhaften amerikanischen Leitartiklers denken, der erklärte, daß man sich in einer wahrhaft demokratischen
Gesellschaft in der Tat lieber von den ersten zweitausend Personen im Bostoner
Telefonbuch regiert sähe als von der Gesamtheit der Fakultät der HarvardUniversität.
+ + + -t- +
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20/1972

VOLCKER ZEIGT HAUPTPUNKTE FÜR REFORM DES WELTWAHRUNGSSYSTEMS AUF
Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal -

MONTREAL, Kanada - (AD) - Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat am 12= Mai in einer Rede auf der internationalen Währungskonferenz 1972 in Montreal die Hauptpunkte aufgezeigt, an
denen sich nach Auffassung der amerikanischen Regierung jedes Reformmodell
eines internationalen Währungssystems orientieren müsse. Der Staatssekretär,
der in seinem Ministerium für Währungsfragen zuständig ist, erklärte hierzu
wörtlich:

" .., Im Verlaufe dieser Konferenz haben wir sehr erhellende und
brillante Darlegungen der Übel gehört, die das Währungssystem heimsuchen,
sowie der Methoden, wie man damit fertig werden kann« Nachdem ich jedoch diesen
weiten Bereich an Meinungen gehört habe, werden Sie, so glaube ich, verstehen
können, warum wir in den Vereinigten Staaten keinen vorfabrizierten Plan für
eine Reform haben, mit dem wir eine wartende Welt überraschen könnten - genau
so wenig wie wir, offen gesagt, andere Nationen schon bereit gefunden haben,
ihr abgewogenes Urteil bekanntzugeben. Selbst die Übereinstimmung, die sich
angeblich herausbildet, daß nämlich eine größere Flexibilität der Wechselkurse in jedem zukünftigen System nötig sei, verbirgt wesentliche Unterschiede des Denkens und geht einfach über einige ungelöste Dilemmas und Schwierigkeiten im Funktionsmechanismus hinweg.
Wir

- 1 -

�Wir haben ferner verschiedene Ansichten über die Konvertierbarkeit, über
Fundierungsmechanismen, über die Art und Weise der Reserveschöpfung, über die
allmähliche Ausschaltung des Dollar als Reservewährung, über die Art des
Zahlungsbilanzausgleichs

sowie über andere Dinge gehört.

Dies sind alles relevante und wichtige Tagungsordnungspunkte, wenn man
über die Währungsreform spricht. Wenn wir an diese Tagesordnung herangehen,
so werden wir in einigen Fragen ieste Auffassungen haben - wie beispielsweise
in der Frage, daß der Trend zu einer geringereren Bewertung des Goldes verstärkt werden sollte -, und in anderen Fragen sind die Aussichten offen beispielsweise was die Rolle der Reservewährungen anbetrifft.

Unserer Meinung nach ist es aber noch wichtiger, daß bei der Erörterung
der verschiedenen Währungsmechanismen diese, unseren gemeinsamen Zielvorstellungen und einer realistischen Einschätzung der zugrundeliegenden wirtschaftlichen Kräfte gegenübergestellt werden. Bestimmte Mechanismen funktionieren gut oder schlecht - je nachdem sie eben einer einhelligen Auffassung
bezüglich der Art eines internationalen Wirtschaftssystems entsprechen, das
die Nationen wirklich wollen. Die grundlegenden Ziele, Vorstellungen und Wirtschaftsstrukturen sollten die Mechanismen bestimmen - nicht umgekehrt.

Ich möchte heute vier der zugrundeliegenden Fragen ansprechen, denen
gegenüber sich jedes Reformmodell bewähren muß. Ich behaupte nicht, daß
diese Liste umfassend ist. Ich glaube jedoch, daß sie Probleme von entscheidend
wichtiger Bedeutung einschließt. Ohne Frage reflektiert sie einige der Hauptanliegen der Vereinigten Staaten.

1. Wir müssen die Auswirkungen des Versuchs, Symmetrie in unseren
monetären Vereinbarungen zu erreichen, genau überprüfen. Das Konzept der
Symmetrie wird gewöhnlich mit Vorstellungen verbunden, die man zusammenfassen
könnte als Schaffung eines reinen Aktiva-Ausgleichssystems (pure asset
•»et:*. L.tnuent

System), das Ende der Rolle der Reservewährungen und die Ein-

führung rechtzeitiger und wirksamer Maßnahmen zur Beseitigung entstehender
Zahlungsbilanzungleichgewichte. Das würde unter anderem einschließen, daß

- 2-

�daß den Vereinigten Staaten die Anwendung von Wechselkursänderungen und
anderen Instrumenten zur Beseitigung äußerer Ungleichgewichte zugestanden
wird, die denen voll entsprechen, die anderen Ländern schon seit langem
zur Verfügung stehen.

Nach mehr als 20 Jahren eines Zahlungsbilanzdefizits und der Erkenntnis der schweren Belastungen für den Dollar gibt es einige Aspekte eines
solchen Systems, die in den Vereinigten Staaten natürlich Anklang finden.
Aber wir müssen auch die übrigen Auswirkungen genau untersuchen. Angesichts
unserer geschwächten finanziellen Auslarlsposition müßten wir zunächst mit
einer Reihe von US-Überschüssen beginnen, die unsere Reserven verstärken
würden. Nach der Anfangsperiode könnte kein Land auf lange Sicht gesehen
damit rechnen, beständig Überschüsse zu halten.

So sieht das logisch aus. Aber wie würde die Praxis aussehen?

Gibt es unter den Überschußländern Kandidaten, die ihre Wechselkurse
ändern, ihre Importe liberalisieren oder andere politische Schritte ergreifen wollen,um Überschußpositionen rasch in Defizite zu verwandeln?
Wir wissen, wie wir einen Druck auf Defizitländer ausüben können; wie
aber sehen die geeigneten Mechanismen und die Zuchtmittel für entsprechende
Maßnahmen gegen Überschußländer aus? Und werden - was nach wirtschaftlichen
Begriffen auf das gleiche hinausläuft - andererseits andere Länder in Zukunft
bereit sein, es hinzunehmen, daß ihre Überschüsse durch die Ausübung der
Freiheit der USA, ihre Wechselkurse oder ihren sonstigen politischen Kurs
zu ändern, in Defizite verwandelt werden?

Wenn dem nicht so ist, dann sollten wir uns besser irgendein anderes
System überlegen. Sicherlich würden wir - wie dies auch jede andere Nation
tun würde - ein System ablehnen, das den Ausgleich nur durch das Mittel
einer Deflation im eigenen Lande erzwingt, die zu akzeptieren keine moderne
Regierung bereit ist.
2. Wenn

3 -

�2. Wenn wir davon ausgehen, daß im Augenblick grundsätzliche Übereinstimmung darüber herrscht, daß ein symmetrisches System und rasche Zahlungsbilanzanpassungen wünschenswert sind, dann bleiben doch prinzipielle Meinungsverschiedenheiten darüber, wie diese Anpassungen vorgenommen werden
sollten. Die Vereinigten Staaten haben tief im Innern eine Auffassung - die
im Denken wie in der Praxis verwurzelt ist - daß wir ein Marktgleichgewicht
wollen - keinen Ausgleich, der nur durch ständige oder immer wiederkehrende
Kontrollen des Kapitals oder anderer Zahlungen aufrechterhalten werden kann.
Ein solches Gleichgewicht bedeutet für die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit eines großen laufenden Zahlungsbilanzüberschusses - der wiederum
einen beachtlichen Handelsüberschuß verlangt. Sonst werden wir nicht in der
Lage sein, Hilfe zu gewähren. Wir würden praktisch (gegen die Gesetze der
Natur) verlangen, daß das Kapital bergauf fließt zum reichsten Land und zwar
von den Ländern,die weniger gut ausgestattet sind.

Trotz unserer Grundauffassungen in dieser Frage haben wir es als notwendig erachtet, in dieser Übergangsperiode, bis sich unsere Zahlungsbilanz
dem Ausgleich nähert, die bestehenden Kontrollen für den Kapitalabfluß aus
den Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Ein Schreiben, das diese Entscheidung für das ganze Jahr 1972 bestätigt, ist an die Unternehmen abgegangen, die unter dem direkten Investitionsbeschränkungsprogramm arbeiten.
Die einzige Modifizierung des Programms wird darin bestehen, daß besondere
Vorsorge getroffen werden wird, um zu vermeiden, daß die Fähigkeit dieser
Unternehmen, ihre Exporte zu finanzieren, unabsichtlich beeinträchtigt wird.

3. Einige der vorgeschlagenen Modelle für das Währungssystem setzen
von ihrer Natur her ein hohes Maß an Koordinierung der nationalen Währungs-,
Fiskal- und der sonstigen Politik voraus. Niemand von uns, der die Vorteile
des internationalen Handels genießen möchte, kann wie auf einer Insel für
sich allein leben. Die ins Einzelne gehende und ständige Koordinierung der
verschiedenen Instrumente der Politik würden uns jedoch schwere Beschränkungen
auferlegen, die über die hinausgehen, die irgendeine nationale Regierung bereit
oder in der Lage gewesen wäre hinzunehmen.
4. Es

�4. Es gibt noch eine Frage anderer Art und Manifestation, die sich durch
das ganze Gewebe unserer Währungs- und Handelsordnung zieht. Sie hat Auswirkungen für jedes Land, aber im heutigen Zusammenhang kann ich sie mit zwei
Worten ausdrücken:

Wohin Europa?'

Wir hören viel von den Tugenden eines «Eine-Welt-Systems* und von der
Furcht vor Blöcken. Es ist jedoch eine greifbare Tatsache, daß wir einen
großen und sich ausweitenden Präferenz-Handelsblock haben. Es vergeht kaum
eine Woche, da wir nicht einen Bericht über die eine oder andere Zusammenkunft
lesen, um dieses Gebiet durch Präferenzabkommen noch weiter auszudehnen oder
seinen Zusammenhalt auf dem Währungsgebiet zu verstärken.
t

Blockt ist ein emotionsgeladenes Wort, aber ich benutze es nicht un-

bedingt im kritischen Sinne.' Schließlich haben die Vereinigten Staaten lange
genug die Entwicklung des Gemeinsamen Marktes politisch unterstützt. Darüber
hinaus könnte die Währungseinheit in Europa an sich, und wenn sie zustandegebracht werden könnte, per Saldo ein konstruktives Element in einer Weltwährungsordnung werden.

Wovor wir uns fürchten, sind natürlich antagonistische, konkurrierende
Blöcke, die in aggressiver Weise um sich selbst herum ein System von Handelsund Finanzrestriktionen und -kontrollen aufbauen und ausweiten. Wir sind,
offen gesagt, über einige solcher Tendenzen, wie wir sie in Europa sehen,
beunruhigt.

Was bleibt bei der Ausweitung der Gemeinschaft, ergänzt durch Handelspräferenzabkommen - bestehende

oder ins Auge gefaßte - die sich auf über

60 Länder und über die Hälfte des industriellen Handels erstrecken, von jenem
Eckstein unseres Handelssystems, der 'Meistbegünstigungs"-Prinzip genannt
wird? Wird ein regionales Zahlungssystem, statt darin integriert zu werden,
an die Stelle eines multilateralen Systems treten? Was bedeuten Wechselkursanpassungen, wenn auf großen landwirtschaftlichen Sektoren, auf denen
die Vereinigten Staaten und Kanada zu - grob gesagt - den halben Preisen
produzieren wie Europa und wo sie einen großen Wettbewerbsvorteil haben, ein
- 5-

�ein System variabler Abgaben unserer Erzeugnisse automatisch abschreckt?

Wie Sie wohl schon lange gemerkt haben, bin ich bei meinem heutigen
Auftreten hier nicht von der Vorstellung ausgegangen, daß wir vor einer
leichten Aufgabe stünden, die nach einem vorhandenen Plan rasch gelöst
werden könnte. Schließlich stehen wir vor keiner geringeren Aufgabe, als
lebenswichtige nationale Interessen im Rahmen eines vereinbarten, realistischen
und wünschenswerten Währungs- und Handelssystems miteinander in Einklang zu
bringen. Wir müssen unseren Weg durch eine Hindernisbahn politischer Empfindlichkeiten

und einfachen Versagens der Kommunikation suchen.

Auf der anderen Seite jedoch habe ich ein wachsendes Gefühl des Vgrtrauens.
Ich bin überzeugt, daß eine Übereinstimmung über die Art und Weise entsteht, wie wir im Rahmen eines Mandats verfahren, das weitgehend genug ist
und das den gemeinsamen Willen widerspiegelt, voranzukommen und mit den zugrundeliegenden Problemen fertig zu werden» Wir beginnen uns von den Hemmungen zu lösen, etwas Vertrautes verteidigen zu wollen, nur weil es eben
vertraut ist, auch wenn es nicht mehr funktioniert. Was wir gemeinsam haben,
ist die Unzufriedenheit mit dem Gegenwärtigen.
Und was wir auch gemeinsam haben, ist eine Verantwortung für die Zukunft. Es geht um unsere gemeinsame Prosperität und die größere Harmonie
der politischen und wirtschaftlichen Weltgemeinschaft.
Sehen Sie bitte die Rolle der Vereinigten Staaten in all dem nicht
falsch. Es wäre töricht zu glauben, wir könnten es alleine schaffen. Sie
kennen jedoch unsere grundlegenden Traditionen und Neigungen - nach außen
zu blicken, mit anderen zusammenzuarbeiten, unsere Prosperität in einem
größeren Ganzen zu finden. Wir erwarten von anderen, daß sie die große Verantwortung ausüben, zu der Stärke verpflichtet.
Von dieser Basis ausgehend haben wir allen Grund zu der Erwartung,
daß wir zusammen auf den Leistungen der Vergangenheit aufbauen können."
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DIE US-HANDELSPOLITIK KÄMPFT AN ZWEI FRONTEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Handelspolitik der amerikanischen Regierung ist
nur dann begreiflich, wenn man sie nicht nur im Zusammenhang mit einer
etwaigen Konfrontation zwischen den USA und anderen Ländern sieht. Es ist
so, daß die Regierung in Washington sozusagen in der Mitte steht und auf
der einen Seite die Angriffe protektionistischer Kräfte abwehren muß und
auf der anderen Seite versucht, ihre liberale Handelspolitik gegenüber anderen
Ländern durchzusetzen.

Wie andere demokratischen Länder können die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um ein offeneres Handelssystem nur fortsetzen, wenn die Regierung
weiterhin genügend politische Unterstützung für ihre liberale Handelspolitik
mobilisieren kann. In den USA ist diese Unterstützung in letzter Zeit gefährlich ausgehöhlt worden - was beispielsweise durch die Tatsache deutlich
wird, daß die amerikanischen Gewerkschaften weitgehend das Lager der Verfechter des Freihandels verlassen haben.

Wenn die amerikanische Regierung die politische Basis für ihre Handelspolitik im eigenen Lande wiedergewinnen will, wird sie gelegentlich nachdrücklicher die Beseitigung von Ungerechtigkeiten im internationalen Handel
fordern müssen, als sie das sonst vielleicht getan hätte. In anderen Fällen

- 1-

�Fällen wird sie Maßnahmen treffen müssen, die auf den ersten Blick als
widersprüchlich zu der verkündeten liberalen Handelspolitik erscheinen
mögen. Kleinere taktische Rückzüge auf politisch so heiklen Gebieten wie
Textil- und Stahleinfuhren mögen jedoch nötig sein, um den anhaltenden
Vormarsch auf breiter Front zu sichern.
Das Dilemma, vor dem die amerikanische Regierung steht, ist von dem
Staatssekretär im US-Finanzministerium, Charls E. Walker, am 21. April
auf einer Tagung der Asiatischen Entwicklungsbank in Wien offen dargelegt
worden:

"Die für die politischen Entscheidungen Verantwortlichen in der NixonAdministration stehen wie ein Mann nachdrücklich für einen liberalen und
expandierenden multilateralen Handel mit möglichst wenig Behinderungen ein",
so sagte er. "Aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß für viele arbeitende
Menschen in den USA das Handelsdefizit meines Landes zu Recht oder Unrecht
als ein Export von Arbeitsplätzen angesehen wird." Dies, so betonte er, sei
einer der Hauptgründe für das Anwachsen des protektionistischen Denkens in
den Vereinigten Staaten und stelle Präsident Nixon und seine Berater vor
schwierige politische Entscheidungen. Es sei unbedingt notwendig, den isolationistischen Druck zunächst abzuwehren und ihn dann ins Gegenteil zu verkehren, und zwar mit Hilfe von Maßnahmen, die einer Ausweitung des Welthandels statt seiner Beschränkung dienen. Die neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons vom August vorigen Jahres habe sich gerade das zur Hauptaufgabe gemacht.

Die zentrale Forderung der Nixon-Administration ist eine neue globale
Runde umfassender Handelsverhandlungen, die bereits Ende 1973 beginnen soll.

Wie wird jedoch die amerikanische Regierung die Vollmacht für einen
weiteren Abbau von Handelsschranken in den USA erhalten können, wenn mächtige
Kräfte gleichzeitig weitere Restriktionen fordern?

Die
- 2-

�Die Strategie der Regierung in Washington läuft kurz formuliert darauf
hinaus, sich die Unterstützung der Gruppen zu erhalten, die von einem verstärkten Handel profitieren - vor allem Farmer und exportorientierte

In-

dustriezweige - und den Arbeitern zuzusichern, daß sie nicht die Zeche bezahlen müssen, wenn es darum geht, dem Verbraucher durch freiere Importe
Preisvorteile zu gewähren.

Aus diesen Gründen können Orangen und Grapefruit zu einem wichtigen
Problem der amerikanischen Handelspolitik werden. Schließlich sind die
Farmer immer nachhaltige Befürworter einer liberalen Handelspolitik gewesen, denn für sie sind die Exportmärkte wichtig.

Die Bemühungen, die Auswirkungen verstärkter Importe auf die Arbeitsplätze amerikanischer Arbeiter aufzufangen, können verschiedene Formen annehmen. Ein Weg, der von der Nixon-Administration bevorzugt eingeschlagen
wird, ist der, den betroffenen Firmen bei der Anpassung und der Stärkung der
eigenen Konkurrenzfähigkeit zu helfen, oder sie beim Übergang zur Herstellung
anderer,vom Import weniger gefährdeter Erzeugnisse zu unterstützen. Hier
bietet die Gesetzgebung ausreichende Möglichkeiten, allerdings waren die
Maßstäbe für die Gewährung einer solchen Unterstützung zu strikt. Die Administration wird daher wohl im Rahmen neuer Handelsgesetzesvorlagen hier
eine Abhilfe zu schaffen suchen, indem sie eine Erleichterung für die Anpassungshilfe vorschlagen wird.

Nun mag aber in manchen Fällen eine solche Anpassungshilfe nicht genügen.
Die bestehende "Ausweichklausel'1 - die im Falle ernsthafter Gefährdung amerikanischer Betriebe durch Importe eine völlige oder teilweise Zurückziehung von
Handelskonzessionen erlaubt - ist nicht ganz zufriedenstellend. Weder Befürworter des Freihandels noch importgeschädigte Arbeiter und Unternehmer sind
hundertprozentig mit dieser Klausel zufrieden.

Sowohl die Kommission, die im Auftrage Präsident Nixons die Handels- und
Investitionspolitik der USA überprüft hat, als auch private Gruppen

wie die

Nationale Planungsgesellschaft haben auf die Notwendigkeit eines besseren
3 -

�1

besseren Schutzes hingewiesen. Von allen Seiten werden Verfahren befürwortet,
die den Schock der Anpassung an sich verändernde Verhältnisse im Handel
besser abfangen, aber auf der anderen Seite keine anhaltende Gefährdung der
Vereinbarungen über eine Liberalisierung des Handels mit sich bringen.

Die Frage des Schutzes der einheimischen Wirtschaft dürfte eines der
Themen sein, das bei den kommenden globalen Handelsgesprächen erörtert
werden könnte. Eine Verbesserung der Anpassungshilfe und verbesserte Verfahren zum Schutze einheimischer Industriezweige dürften eine der wichtigsten
Voraussetzungen für einen Fortschritt zu einem offeneren Welthandel sein.

. 4-

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US-INNENMINISTER: ALASKA-ÖLLEITUNG KANN GEBAUT WERDEN

- (AD) - Nach sorgfältiger Abwägung des Für und Wider in der Frage
der Errichtung einer Ölleitung für den Transport von Rohöl aus dem Fördergebiet von Nordalaska gab jetzt US-Innenminister Rogers C. B. Morton bekannt, daß seine Behörde keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Bau einer
Transalaska-Pipeline habe; sie soll die Ölfelder an der Purdhoe-Bucht mit
dem Hafen Valdez an der Südküste Alaskas verbinden.

Diese Zustimmung setzt allerdings die Einhaltung der vorgesehenen umfangreichen Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz voraus. Die Risiken,
die Kosten und der Zeitaufwand für dieses Projekt sind im Vergleich zu den
Problemen, die bei den Alternativplänen in Kauf zu nehmen wären, wesentlich
akzeptabler. Die Pipeline könnte bei planmäßigem Verlauf der Bauarbeiten
1976 in Betrieb genommen werden und schon im Jahr 1980 eine Tageskapazität
von 230 000 bis 280 000 Tonnen Erdöl haben. Ohne das Alaska-Öl beliefe sich
die Eigenproduktion der USA auf etwa 1 285 000 bis 1 715 000 Tonnen täglich,
während der Bedarf an Erdöl bis dahin zwischen 3 000 000 und 3 500 000 Tonnen
pro Tag betragen dürfte.

Das für die Erschließungsarbeiten notwendige Land würde vom Bundesstaat Alaska zur Verfügung gestellt. Das am Bau der Pipeline interessierte
Firmenkonsortium hätte allerdings dafür Sorge zu tragen, daß die Leitung

-

I

-

�Leitung

gegen mögliche Beschädigungen durch Erdbeben mit allen technischen

Mitteln geschützt bzw. ein Auslaufen von Öl verhindert wird. Ähnlich strenge
Bestimmungen ergeben sich für den Weitertransport durch Tanker von Valdez
zu den Häfen der amerikanischen Bundesstaaten am Pazifik.

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20/1972

STREPTOKOKKEN DURCH FARBETEST UNTERSCHEIDBAR

- (AD) - Eine neue Methode zur Bestimmung der Virulenz von Streptokokken
und damit zur Unterscheidung pathogener von nicht pathogenen Bakterien dieser
Gruppe entwickelten Wissenschaftler der Georgetown-Universität (Washington,
D.C.) unter der Leitung des Mikrobiologen Dr. Robert I. Krasner. Im wesentlichen handelt es sich um die Abwandlung eines Färbetests mit NitroblauTetrazolium (NBT), der zum Nachweis der im Kindesalter auftretenden Granulosis.
Erkrankung angewandt wird.

Bei früheren Forschungen wurde der NBT-Färbetest u.a. dazu benutzt, die
Fähigkeit weißer Blutzellen zur Zerstörung eindringender Bakterien zu ermitteln. Dabei lag das Schwergewicht der Untersuchungen darauf, ausfindig zu
machen, welche Rolle die Wirtszellen,die weißen Blutzellen also, bei der Abwehr bakterieller Infektionen spielen. Dr. Krasner und seine Kollegen dagegen
wollten am Beispiel der Streptokokken ausfindig machen, was mit den Bakterien
selbst geschieht. Sie stellten fest, daß harmlose (avirulente) Streptokokken
von den weißen Blutzellen aufgenommen und abgetötet werden. Das zeigt sich
an der Farbänderung. Das ursprüngliche Gelb geht infolge der Reduktion zu
Formazan in Blau-Schwarz über, wobei die Dunkelfärbung umso stärker in Erscheinung tritt, je aktiver die weißen Zellen gegenüber den Bakterien sind.
Die virulenten Streptokokken dagegen, die Infektionen wie rheumatisches
Fieber auslösen, werden von den weißen Blutzellen kaum angegriffen, so daß
es praktisch nicht zu einer Farbänderung kommt. Nach Dr. Krasner nimmt der

�der Test nur drei bis vier Stunden in Anspruch. Sein Wert liegt gegenwärtig
vor allem darin, daß er neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Eigenschaften
von Bakterien aufzeigt, die Infektionskrankheiten verursachen.

Die Bekämpfung von bakteriellen Infektionen mit dem Antibiotikum Streptomycin und einer Gruppe verwandter Antibiotika ist seit langem gebräuchlich.
Wissenschaftler der Harvard-Universität gelang es nunmehr, die Wirkungsweise
dieser Substanzen bei der Veränderung bzw. Störung der Eiweiß-Synthese in
der Zelle in bezug auf einzelne Phasen dieses Mechanismus aufzuklären. Dr.
Brian J. Wallace (als Gastforscher aus Australien) und Dr. Bernard D. Davis,
Professor für bakterielle Physiologie an der Harvard-Universität in Cambridge
(Mass.), berichteten darüber kürzlich auf der Jahrestagung der Amerikanischen
Gesellschaft für Mikrobiologie in Philadelphia. Das Schlüsselelement bilden
dabei die Ribosomen, Partikel, an denen die Proteinsynthese abläuft und die
durch die sogenannte Boten-RNS (bestimmter Typ von Ribonukleinsäure) miteinander verbunden sind. Obgleich Streptomycin nur einige der zahlreichen
Funktionen eines Ribosoms ausschaltet, setzt es eine zyklische Reaktionskette in Gang, die das Zellwachstum permanent blockiert.

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20/1972

SCHIZOPHRENIE - EINE ENZYMMANGELKRANKHEIT?

- (AD) - In einem Vortrag vor der Amerikanischen Gesellschaft für
Psychiatrie in Dallas (Texas) erläuterte einem Bericht der New York Herald
Tribüne zufolge Dr. J. Gottlieb von der Wayne-Universität (Detroit, Michigan)
aufsehenerregende Ergebnisse seiner nahezu 40jährigen Forschungen zur Aufklärung der Ursachen von Schizophrenie. Zusammen mit dem Biochemiker Dr. Charles
Frohman gelang es ihm, ein kleines Eiweißkörperchen zu isolieren, das der
Körper in Stress-Situationen psychischer oder physischer Natur produziert.
Dieses S-Protein besitzt nach Feststellung der beiden Wissenschaftler bei
Schizophrenen eine korkzieherähnliche Form, bei gesunden Personen dagegen
ist es ähnlich wie ein Blasebalg oder eine Feder gefaltet. Dieser Formunterschied sei, so Dr. Gottlieb, maßgebend für die Wirkungsweise des Proteins.
Sie führe bei Schizophrenen zu einer erhöhten Aufnahme von Tryptophan (einer
essentiellen Aminosäure) im Hypothalamus, dem Zwischenhirn mit dem Erregungszentrum. Tryptophan wiederum ist wichtig für die Bildung von Serotonin, das
bei der Übermittlung von Botschaften zwischen den Gehirnzellen eine große
Rolle spielt.

In überaus mühevoller Arbeit untersuchten die Wissenschaftler u.a.,
welche Verbindungen im Zwischenhirn unter dem Einfluß von Tryptophan entstehen. Eine davon, Dimethyltryptamin, ruft Psychosen und Halluzinationen
hervor. Diese Verbindung wurde schon früher im Blut und Urin von Kranken
im akuten Schizophrenie-Anfall in wesentlich höheren Konzentrationen fest-

- l -

�»

festgestellt, als sie bei nicht-schizophrenen Personen zu beobachten ist.
Es muß also eine Substanz geben, die im gesunden Organismus die ganze Reaktionskette und somit auch die Produktion und Aktivität des korkzieherförmigen S-Proteins steuert. Die Substanz von der Natur eines Enzyms Dr. Gottlieb nennt sie Anti-S-Protein - konnte nach langwierigen Tierexperimenten jetzt isoliert werden. Sie ist nur im Gehirn gesunder Tiere
nachzuweisen, nicht aber bei Versuchstieren mit typischen Schizophreniemerkmalen. Sie reguliert die Produktion des korkzieherförmigen S-Proteins,
d.h. sie beschränkt sie im gesunden Organismus auf die Perioden mit besonderen seelischen oder körperlichen Belastungen. Beim SchizophrenieKranken dagegen läuft diese Produktion ungeachtet der jeweiligen Belastungssituation weiter, so daß es zu einer Art "Eigenvergiftung" im Erregungszentrum des Gehirns kommt. Diesen Prozeß mit einer geeigneten Substanz in
der richtigen Dosis am richtigen Ort zu unterbrechen, wäre der nächste
logische Schritt. Nach Meinung Dr. Gottliebs sind dazu noch manche Jahre
wissenschaftlicher Vorarbeit im Laboratorium erforderlich.

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NEUER DETEKTOR ERMÖGLICHT STARKE REDUZIERUNG DER STRAHLENBELASTUNG

- (AD) - Die Verwendung eines neuartigen Szintillationsdetektors macht
es möglich, die Strahlendosis, der ein Patient während der diagnostischen
Tests bei Verdacht auf Krebs oder bei bestimmten Erkrankungen der Schilddrüse ausgesetzt wird, auf den tausendsten Teil zu reduzieren. Dennoch ist
die Methode, wie Dr. Paul B. Hoffer von der Krebsforschungsklinik der Universität Chicago (Argonne Cancer Research Hospital) erklärte, ebenso genau
wie die übrigen Scanning-Verfahren bei der Verwendung von Radioisotopen zu
diagnostischen Zwecken.

Das in den letzten Jahren bei mehr als 600 Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen erprobte neue Gerät arbeitet mit einem Halbleiter-Detektor, der
mit einem Pulshöhenanalysator für sehr schmale Meßfelder gekoppelt ist. Nach
Meinung Dr. Hoffers gibt das Instrument die Möglichkeit, zur Lokalisierung
von Krebsgeschwülsten, u=a. auch im Gehirn, nunmehr gewisse Radioisotope zu
verwenden, die wegen ihrer geringen Strahlenintensität und damit schwierigen
Erfaßbarkeit bisher nicht für diagnostische Untersuchungen in Frage kamen.

+

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;II. Die US-Armee wird gestrafft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wahre Mehrheit: 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard M. Scammon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;III. Die Wahlkampfthemen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;IV. Die Persönlichkeit der Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker zeigt Hauptpunkte für Reform des Weltwährungssystems auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des US-Staatssekretärs in Montreal -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die US-Handelspolitik kämpft an zwei Fronten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Innenminister: Alaska-Ölleitung kann gebaut werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Streptokokken durch Färbetest unterscheidbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schizophrenie - eine Enzymmangelkrankheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Detektor ermöglicht starke Reduzierung der Strahlenbelastung</text>
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24. Mai 1972

Inhalt
INFORMATION
Umweltschutz-Abkommen zwischen USA und UdSSR
USA und Sowjetunion beschließen Erweiterung der Zusammenarbeit
in der Medizin
DOKUMENTATION
Nixon: Die friedliche Zusammenarbeit muß Wirklichkeit werden
- Wortlaut des Trinkspruchs im Kreml Nixon erhofft vom Moskauer Gipfeltreffen Fortschritte für den Frieden
- Auszüge aus einer Erklärung vor Journalisten Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 19. Mai
- Auszüge HINTERGRUNDMATERIAL
*•
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
III. Die US-Luftwaffe wird modernisiert
Von Hubert G. Collins
WIRTSCHAFT
George P. Shultz - der neue amerikanische Finanzminister
Ein Fachmann für Wirtschaftsfragen
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Üb erschallflug und Umwelt
Neues Forschungsprojekt in USA
Neuer Impfstoff gegen Meningitis
Fahrzeuge für Industrie- und Entwicklungsländer
TRANSPO 72 - Erste internationale Verkehrsausstellung in Washington

B E I L A G E
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN IN USA
Das Wahljahr 1972

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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UMWELTSCHUTZ-ABKOMMEN ZWISCHEN USA UND UdSSR

- (AD) - Als "ein historisches Ereignis in mehrfacher Hinsicht" bezeichnet Russell Train, der Vorsitzende des amerikanischen Präsidialbeirats
für Umwelthygiene, das am 23. Mai 1972 von Präsident Nixon und Staatspräsident Podgorny in Moskau unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Abkommen
über eine Zusammenarbeit in Fragen des Umweltschutzes. Es ist das erste umfassende Abkommen auf diesem Gebiet zwischen zwei Weltmächten und sieht
konkrete gemeinsame Programme sowie die Durchführung spezieller Projekte vor.
Der übliche Rahmen internationaler Zusammenarbeit auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet wurde damit durchbrochen. Insbesondere werden sich beide
Nationen gemeinsam um die Entwicklung neuer Technologien bemühen, die keine
zusätzlichen Umweltbelastungen schaffen. Die Einführung solcher Technologien
in die industrielle Praxis und Untersuchungen zu ihren Auswirkungen auf das
Wirtschaftsleben sind weitere Hauptpunkte des Abkommens.

Einzelne Gebiete für langfristige Zusammenarbeit sind u.a. wie folgt
definiert: Probleme der Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, Umweltverschmutzung, Städtesanierung, Naturschutz, biologische und genetische Aus-

�Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Einfluß von Umweltveränderungen auf
das Klima, Erdbebenvoraussage, ökologische Systeme in Arktis und Subarktis,
gesetzliche und administrative Maßnahmen zur Umwelthygiene. Für die Ums-etzung der Vereinbarung in die Praxis ist eine amerikanisch-sowjetische Kommission verantwortlich, die einmal im Jahr abwechselnd in Washington und in
Moskau zusammentritt. Von amerikanischer Seite werden ihr Vertreter aller
für Umweltfragen zuständigen Behörden angehören. Angesichts der Bedeutung
des Abkommens und des zügigen Ablaufs seiner Vorbereitungen - sie kamen im
Herbst 1971 in Gang und wurden mit dem Besuch einer vierköpfigen amerikanischen Delegation unter der Leitung von Dr. Gordon MacDonald (Mitglied des
Beirats für Umwelthygiene) Anfang Mai 1972 in Moskau abgeschlossen - ist
schon in Kürze mit der Aufnahme gemeinsamer aktiver Programme zu rechnen.

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21/1972

USA UND SOWJETUNION BESCHLÜSSEN ERWEITERUNG DER ZUSAMMENARBEIT
IN DER MEDIZIN

WASHINGTON - (AD) - Die wissenschaftliche Forschung und Zusammenarbeit,
die amerikanische und sowjetische Ärzte in die Lage versetzt, die "Grenzen
des Wissens zu erweitern", ist das Ziel des neuen Abkommens zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das am 23. Mai in Moskau unterzeichnet wurde.

In Washington erläuterte der Minister für Gesundheits-, Erziehungs- und
Fürsorgewesen, Elliot R. Richardson, auf einer Pressekonferenz das neue Abkommen. Danach werden Wissenschaftler beider Länder auf den verschiedensten
Ebenen zusammenarbeiten, wobei sich die Anstrengungen in erster Linie auf
drei Hauptgebiete konzentrieren werden: Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs
und Umwelthygiene. Ferner sollen gemeinsam neue medizinische Ausrüstungen
und Geräte sowie Medikamente entwickelt werden. Von besonderem Interesse ist
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Chemotherapie von Krebserkrankungen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Abkommens ist die ständige Zusammenarbeit mit internationalen medizinischen Organisationen, insbesondere mit
der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zusätzlich zu dem Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen ist ein Austausch von
technischem Gerät und pharmazeutischen Erzeugnissen vorgesehen.
Das

- 1-

�Das Abkommen ist mit der Unterzeichnung in Kraft getreten. Eine Billigung durch den amerikanischen Kongreß ist nach den Worten von Minister
Richardson nicht erforderlich. Beide Länder haben eine gemeinsame Kommission
gebildet, die die einzelnen Vorschläge ausarbeiten soll. Die beiden Vorsitzenden sind Dr. Roger 0. Egeberg auf amerikanischer und Dr. Dimitri
Venedictow auf sowjetischer Seite.

- 2-

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21/1972

NIXON: DIE FRIEDLICHE ZUSAMMENARBEIT MUSS WIRKLICHKEIT WERDEN
- Wortlaut des Trinkspruchs im Kreml -

MOSKAU - (AD) - Präsident Nixon hat am 22. Mai anläßlich eines Essens,
das die sowjetische Führung ihm zu Ehren im Kreml gab, auf die Bedeutung der
(

friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie den Völkern der Welt hingewiesen. In einem Trinkspruch sagte der
amerikanische Präsident, bei allen Meinungsverschiedenheiten hätten die USA
und die Sowjetunion ein mächtiges, gemeinsames Interesse an Frieden und Sicherheit.

Der Trinkspruch Nixons hat folgenden Wortlaut:
"Ich möchte meinen Dank für die Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen,
die Sie Mrs. Nixon und mir sowie allen Mitgliedern unserer Delegation anläßlich dieses ersten Besuches eines amerikanischen Präsidenten in Moskau erwiesen haben.

Der Mut des russischen Volkes, das über Generationen hinweg diese Stadt
heldenhaft gegen Invasoren verteidigt hat, führt einem eines lebhaft vor
Augen: Die einzige Möglichkeit, diese Stadt zu betreten, ist, sie in Frieden
zu betreten.

Wir alle können die Geschichte in diesem großen Palast spüren. Hier
trafen Russen und Amerikaner in Waffenbrüderschaft zusammen, um einige der

- 1 -

�'

der Hauptentscheidungen des zweiten Weltkrieges auszuarbeiten, womit ein Beispiel für die Zusammenarbeit in Kriegszeiten gesetzt wurde - eine Zusammenarbeit, der in Friedenszeiten zu folgen, wir zu lange Zeit gebraucht haben.
In dieser Woche treffen wir hier in diesen Mauern zusammen, um Entscheidungen
zu treffen, die mithelfen können, daß der Weg zum Frieden für alle Welt geebnet wird.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind Großmächte. Unsere
Völker sind große Völker. In der langen Geschichte unserer Länder haben wir
einander niemals in einem Krieg bekämpft. Lassen Sie uns jetzt Entscheidungen
treffen, die sicherstellen werden, daß dies auch niemals in Zukunft der Fall
sein wird,

Das amerikanische Volk wünscht Frieden. Ich weiß, daß auch die Völker
der Sowjetunion Frieden wünschen. Ich hoffe zutiefst, daß wir als die Vertreter unserer beiden Völker zusammenarbeiten können, um sicherzustellen, daß
alle Völker der Erde sich der Segnungen des Friedens erfreuen können.

An die Gipfeltreffen der Vergangenheit denkt man wegen ihres 'Geistes'
zurück. Wir müssen danach streben, daß man an das Moskauer Gipfeltreffen
wegen seiner Substanz zurückdenkt

Eine mehr als zweijährige, sorgfältige Vorbereitung hat unsere gemeinsame
ernsthafte Zielsetzung erwiesen und uns zu diesem Treffen geführt mit der
Bereitschaft, konkrete Abkommen zu schließen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit konzentrierte sich unsere Aufmerksamkeit auf unsere relativen Positionen der Stärke, Aber im Nuklearzeitalter
gibt es keine Sicherheit in einem Übergewicht der Stärke. Die Großmächte
haben diese Tatsache erkannt: Abkommen, die sich auf der Ausnützung der angenommenen Schwäche einer Seite stützen, veranlassen diese nur, ihre Bemühungen, den Gleichstand zu erreichen, zu verdoppeln} Abkommen jedoch, die
auf beiderseitiger Respektierung und auf Gegenseitigkeit basieren, haben

- 2-

�haben weit größere Aussichten, von Bestand zu sein.

Weil wir beide bereit sind, auf der Basis der Gleichheit und der beiderseitigen Achtung voranzukommen, ist dies ein Augenblick, an dem wir die friedliche Zusammenarbeit Wirklichkeit werden lassen können. Um aus dieser Möglichkeit das meiste herauszuholen, sollten wir uns darüber im klaren sein, daß
wir trotz zahlreicher fundamentaler und tiefgehender Meinungsverschiedenheiten
ein mächtiges,gemeinsames Interesse an Frieden und Sicherheit haben.

Wir sollten uns darüber im klaren sein, daß große Nuklearmächte die
feierliche Verpflichtung haben, bei jeder Krise Zurückhaltung zu üben und
positive Maßnahmen zu ergreifen, um eine direkte Konfrontation zu verhindern.

Einer Großmacht fällt auch eine große Verantwortung zu. Immer dann, wenn
Macht nicht von Verantwortung begleitet wird, ist der Friede in Gefahr. Lassen
Sie uns dafür sorgen, daß unsere Macht immer nur eingesetzt wird, um den
Frieden zu wahren, niemals, um ihn zu brechen.

Wir sollten uns ferner darüber im klaren sein, daß es die Pflicht der Großmächte ist, in Konflikten oder Krisen andere Nationen dahingehend zu beeinflussen, daß sie sich in ihrem Verhalten Mäßigung auferlegen.

Lassen Sie mich darlegen, was wir meines Erachtens beide in dieser
Woche erreichen möchten.

1. Wir möchten die Arbeit an den Fragen abschließen, die durch jahrelange
geduldige Verhandlungen bis zur Entscheidung gebracht worden sind. Bilaterale
Fragen dienen uns als Ausgangspunkt: Unsere beiden Länder können bei der Erforschung des Weltraums, der Bekämpfung der Krankheiten und bei der Verbesserung der Umwelt zusammenarbeiten. Ein Fortschritt in der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit wird beiden Ländern zum Nutzen gereichen. Die beiden größten
Volkswirtschaften der Welt stehen sich gegenwärtig in relativer Isolierung
gegenüber. Die Möglichkeit für neue kommerzielle Beziehungen eröffnet eine
große Chance des Fortschritts für unsere beiden Völker.
Die

�Die Aufmerksamkeit der Welt richtet sich vor allem auf die Möglichkeit
einer ersten Begrenzung der strategischen Rüstungen. Zum ersten Mal würden
große Nationen einem weiten Bereich ihrer wichtigsten Waffensysteme Restriktionen auferlegen. Ein Abkommen auf diesem Gebiet könnte der Anfang dafür
sein, daß sich unsere Länder von einem verschwenderischen und gefährlichen
Wettrüsten ab - und einer größeren Produktion für den Frieden zuwenden.

Wenn bei diesen bilateralen Fragen eine positive Haltung zutage tritt,
dann wird die Lösung anderer Fragen in anderen Teilen der Welt neuen Auftrieb erhalten.

Wenige Minuten nach meinem Amtseid als Präsident der Vereinigten Staaten
erklärte ich meinen Landsleuten, daß die Zeit gekommen sei, um von einer Ära
der Konfrontation zu einer Ära der Verhandlungen zu gelangen. In dieser Woche
können wir den Beweis dafür liefern, daß die Ära der Verhandlungen zwischen

den mächtigsten Ländern der Welt begonnen hat. Es liegen harte Verhandlungen
vor uns, und Staatsmänner, die sich mit wirklichen Meinungsverschiedenheiten
befassen, werden ihren Teil an Hindernissen zu überwinden haben.
Wir haben verschiedene Interessen und verschiedene Methoden, und keiner
von uns wird zögern, darauf hinzuweisen. Aber die Grundlage eines gesunden
Wettstreits muß die Bereitschaft sein, in Fragen von ausschlaggebender Bedeutung zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen.

Daher treffen wir nicht nur in einer Atmosphäre des guten Willens zusammen, den wir ohne Frage haben. Wir treffen nicht nur zusammen, um Abkommen
abzuschließen, von denen ich hoffe, daß wir sie abschließen können. Wir
treffen zusammen, um ein neues Zeitalter in den Beziehungen zwischen unseren
beiden großen und mächtigen Ländern einzuleiten.

Indem

ich auf dieses Zukunftsbild blicke, lassen Sie mich die amerika-

nische Verpflichtung bekräftigen:
Die

„ 4 -

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit allen Nationen bei der Schaffung
einer friedlichen Welt eng zusammenzuarbeiten, in der jedes Land über sein
eigenes Geschick entscheidet.

Unsere beiden Völker lernten, einander zu bewundern, als wir uns zusammenschlössen, um in Zeiten des Krieges einen gemeinsamen Feind zu besiegen. Wir
lernten, einander zu respektieren als Gegner in einer Zeit der Spannung nach
dem Kriege. Lassen Sie uns nun lernen, in einer Zeit des Friedens zusammenzuarbeiten.

Wir wollen uns immer vor Augen halten: Wenn wir damit beginnen, die Last
der bewaffneten Konfrontation von unseren Völkern zu nehmen, dann erhöhen wir
damit die Friedenshoffnungen aller Völker der Welt.
Niemals haben zwei Völker eine größere Aufgabe oder ein größeres Ziel
gehabt. Wollen wir uns den Hoffnungen des sowjetischen Volkes, des amerikanischen Volkes und aller Völker auf dieser Erde wert erweisen, wenn wir gemeinsam auf dieses Ziel einer friedlichen Welt hinarbeiten."

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21/1972

NIXON ERHOFFT VOM MOSKAUER GIPFELTREFFEN FORTSCHRITTE FÜR DEN FRIEDEN
- Auszüge aus einer Erklärung vor Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hofft, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf dem Gipfeltreffen in Moskau zu einer "konstruktiven
Beziehung" gelangen, in deren Rahmen beide Mächte ihren Einfluß geltend machen,
um "die

Aggression zu entmutigen und die Kräfte des Friedens zu ermutigen."

In einer längeren Erklärung vor Journalisten, die ihn begleiten, gab der
amerikanische Präsident am Vorabend seiner Abreise einen Überblick über seine
Erwartungen, wobei er hervorhob, daß die Rüstungskontrolle, der Handel sowie
die Weltraumforschung die Gebiete sein dürften, auf denen am wahrscheinlichsten
Vereinbarungen zwischen den beiden Ländern während der Gipfelgespräche erreicht werden könnten.

Präsident Nixon führte unter anderem aus:

" ... Ich dachte, es wäre vielleicht nützlich, Ihnen einen kleinen Überblick über die Reise sowie einige Informationen zu geben, die Ihnen bei Ihrer
Berichterstattung hilfreich sein könnten. Diese Reise ist alles in allem
vielleicht über drei Jahre geplant worden. Sie werden sich erinnern, daß ich
bereits auf meiner ersten Pressekonferenz hier im Weißen Haus nach einem
Gipfeltreffen gefragt worden bin.

Damals

�Damals äußerte ich mich recht pessimistisch über Gipfeltreffen, es sei
denn, sie seien gut im voraus geplant. Ich sagte das, weil ich - wie auch
Sie - gewisse Erinnerungen an die Gipfeltreffen der Vergangenheit hatte. Ich
sehe noch deutlich vor mir, was damals in der Presse darüber geschrieben
wurde. Es war da die Rede vom «Geist von Wien', vom 'Geist von Genf1, vom
'Geist von Glassboro' und vom 'Geist von Camp David'. Worauf all diese Treffen hinausliefen, waren Äußerlichkeiten, ein Gefühl der Hoffnung in der Welt und vor allem in den Vereinigten Staaten -, und dann kam die Enttäuschung,
weil es nur sehr viel Gerede gab, aber kaum Wesentliches erreicht wurde.

Diese Reise nun ist in der Hauptsache auf das Wesentliche, statt auf
Äußerlichkeiten gerichtet - wobei ich nicht überbetonen möchte, was Sie
vielleicht an Wesentlichem erwarten.
Wir unternehmen diese Reise nicht nur, um eine neue Beziehung zu eröffnen, wie das im Hinblick auf die Peking-Reise der Fall war. Das war
natürlich überaus wichtig; es war wichtig, genau zu diesem Zweck nach Peking
zu reisen, wenn schon sonst nichts anderes erreicht werden konnte. Und unserer
Meinung nach war dies auch für andere Dinge nützlich.
In diesem Falle jedoch ist es so, daß wir seit langem Beziehungen mit
der Sowjetunion unterhalten. Es haben auf den verschiedensten Ebenen Kontakte
stattgefunden - auf Kabinettsebene -, und hohe sowjetische und amerikanische
Regierungsvertreter sind während des Weltkrieges und nach dem Kriege immer
wieder zusammengetroffen.

Was nun in den letzten dreieinhalb Jahren geschähest folgendes: Wir
haben auf verschiedenen Gebieten einen langen Prozeß begonnen, in dessen Verlauf auf beiden Seiten ... festgestellt werden sollte, ob ein Treffen der Regierungsvertreter auf Gipfelebene nützlich sein würde; das ist der Grund,
weshalb wir erst vor einigen Monaten eine Entscheidung - eine beiderseitige
Entscheidung übrigens - trafen, daß ein solches Treffen dienlich wäre.
Sie
- 2-

�Sie werden sich erinnern, daß das Einzelereignis, das die sowjetische
und unsere Entscheidung hinsichtlich eines Gipfeltreffens zustandebrachte,
das erfolgreiche Viermächte-Abkommen über Berlin war. Wir waren der Meinung,
daß wir, wenn wir beide auf diesem so kritischen Gebiet Fortschritte erzielen konnten, dann mit einiger Hoffnung auf Erfolg versuchen sollten, auch
auf einigen anderen, ebenfalls schwierigen Gebieten Fortschritte zu machen

Um nun auf dieses Gipfeltreffen zu kommen, so möchte ich meinen, daß
es nicht nützlich wäre, Spekulationen darüber anzustellen, welche Abkommen
oder Absprachen nun daraus resultieren könnten. Ich möchte hier nur die
drei Themen ansprechen, über die so sehr viel in der Presse geschrieben worden
ist - drei Themen, drei Gebiete, die auf der Tagesordnung stehen und bei denen
die Möglichkeit - keinesfalls die Gewißheit -,aber doch die Möglichkeit besteht,
daß Einigung erzielt wird, vorausgesetzt, daß wir auf höchster Ebene einige
immer noch bestehende Engpässe überwinden können.

Das eine Gebiet ist natürlich die Rüstungsbegrenzung. Auf diesem Gebiet
sind beträchtliche Fortschritte gemacht worden. Es müssen allerdings noch
einige sehr schwierige Probleme gelöst werden. Wir werden sie direkt ansprechen. Ich werde sie während meines Besuches offen mit Parteichef Breschnew
erörtern, und wir hoffen, daß wir auf diesem Gebiet eine Einigung erreichen
werden.

Beide Seiten sind sich jedoch darüber im klaren, da.C, einige sehr schwierige
Probleme vor uns liegen, bei denen nur eine Entscheidung auf Gipfelebene eine
Einigung bringen kann. Wir sind hoffnungsvoll, aber wir möchten hier doch nicht
den Eindruck hervorrufen, daß mit Gewißheit eine Einigung erreicht werden kann.

Das zweite Gebiet ist der Handel. Sie alle haben natürlich die Reisen
von Landwirtschaftsminister Butz und von Handelsminister Stans nach der Sowjetunion verfolgt und natürlich auch die Reisen, die der sowjetische Landwirtschaftsminister und der sowjetische Handelsminister nach den Vereinigten Staaten
unternommen haben. Sie trafen hier mit (unserem neuen) Handelsminister Peterson
sowie mit (dem Vorsitzenden des Rates für Internat ionale Wirtschaftspolitik)

- 3-

�Wirtschaftspolitik) Peter Flanigan zusammen - und natürlich auch ich hatte
Zusammenkünfte mit beiden.

In diesem Zusammenhang traf ich mit den führenden Mitgliedern des Kongresses zusammen, um Dinge zu erörtern wie die Meistbegünstigungsklausel,
die Frage

von Krediten und anderes. Ich möchte sagen, daß die Chancen für

einige positive Ergebnisse gut sind - nicht sicher, aber zweifellos gut.
Sie werden das bestimmt während Ihres Aufenthalts in der Sowjetunion sehr
genau verfolgen.

Ein drittes Gebiet, das ich Ihrer Aufmerksamkeit anempfehle, ist der
Bereich der Zusammenarbeit im Weltraum. In diesem Zusammenhang muß ich an
die Rede denken, die ich im Jahre 1959 über das Fernsehen an das sowjetische
Volk richtete. Ich hatte schon fast vergessen, ... daß ich damals erklärte,
'laßt uns zusammen zum Mond fliegen1.
Ich möchte hier nun nicht im einzelnen darauf eingehen, worüber wir
sprechen werden - laßt uns zusammen zum Mond oder laßt uns zusammen zum Mars
fliegen -, aber ich weiß, daß während der letzten Monate beträchtliche Fortschritte im Hinblick auf eine Zusammenarbeit bei der Erforschung des Weltraums erzielt worden sind. Wir werden versuchen, einen Höhepunkt dieses Fortschrittes auf diesem Gebiet zu erreichen.

Wenn ich von diesen drei Bereichen spreche, dann heißt das nicht, daß
es keine anderenThemen gibt. Ich meine nur, daß dies Gebiete sind, die beträchtliche Verheißungen bieten dürften.

Was nun die anderen Tagesordnungspunkte anbetrifft, so haben beide
Seiten Themen unterbreitet. Über die Tagesordnung herrscht Einigung. Sie
wird in erster Linie bilaterale Themen enthalten. Ich möchte betonen, daß
alle Gespräche, die wir führen werden, die Interessen des einen Landes gegenüber dem anderen im Auge haben werden und daß sie nicht auf Kosten oder zum
Nachteil der Interessen eines unserer beiden Länder gegenüber seinen Verbündeten oder anderen Ländern in der Welt erfolgen werden.
Andererseits

�Andererseits steht die Erörterung solcher Punkte auf der Tagesordnung
wie Vietnam und andere Gebiete der Welt, wo die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion manchmal miteinander in Widerspruch stehende Interessen haben.

Ich möchte im Zusammenhang mit diesen Gebieten jetzt nichts weiter
sagen, denn nur die Ergebnisse unserer Gespräche werden zeigen, ob ein Fortschritt möglich ist. Im Hinblick auf einige dieser Gebiete sind wir - wie
Sie wissen - ziemlich weit von einander entfernt. Ich kann hier nur sagen,
daß es offene, freie und freimütige Gespräche über diese Gebiete geben wird,
die sich auf die Erörterungen stützen, die wir hierüber zu einem früheren
Zeitpunkt geführt haben.

Nun noch ein Wort zu der Vorbereitung (dieser Reise). Ich möchte hier
nun nicht den Eindruck erwecken, daß -.:;. alles auf der Präsidentenebene erfolgte

Ich habe sowohl auf dem Korrespondenzwege wie auch über andere

Kontakte einen umfangreichen Meinungsaustausch direkt mit Parteichef Breschnew
geführt. Dieser Meinungsaustausch - obwohl ich mit Breschn-w nur 1959 kurz
zusammentraf - bedeutet meines Erachtens, daß wir beide zumindest von einer
Basis ausgehen werden, w o wir unsere Differenzen kennen und deshalb in der
Lage sein werden, schnell die Probleme anzupacken, die wir - und vielleicht
nur wir - auf höchster Ebene lösen .innen.

Darüber hinaus hatte natürlich das State Department auf einigen Gebieten
die Hauptverantwortung; das Handelsministerium, das Landwirtschaftsministerium,
der Wissenschaftsbea ter, unsere Leute von der NASA und zahlreiche andere Experten - sie alle haben auf den Zeitpunkt hingearbeitet, da dieses Treffen
stattfinden würde.

Wenn wir nun nicht a .f all den Gebieten, die erörtert werden, eine Einigung erreichen werden - und natürlich wird dies nicht der Fall sein - dann
werden wir zumindest den Prozeß der Verhandlung fortsetzen, so daß es nach
dem Gipfeltreffen nicht nur einen Dialog, sondern möglicherweise künftige
Einigungen geben wird

Das hängt von dem ab, was auf dem Gipfeltreffen ge-

schieht . . .
Darf
- 5-

�Darf ich meine Ausführungen mit einem letzten Gedanken abschließen.
Jeder in dieser Regierung hat während der letzten Monate - manche seit Jahren außerordentlich hart für diese Reise gearbeitet: die SALT-Delegation, unsere
Leute im Außenministerium, die Leute in den anderen von mir erwähnten Ministerien, der Stab des Weißen Hauses - und natürlich hat Dr. Kissinger mit seiner
Reise nach der Sowjetunion und seinen Gesprächen mit Parteichef Breschnew und
anderen sowjetischen Führern einen enormen Beitrag geleistet. Es handelt sich
um eine Reise, die wir alle mit einer gemeinsamen Zielsetzung unternehmen,
nämlich den Versuch zu machen, eine andere Beziehung herzustellen, eine Beziehung, bei der es zwar auch weiterhin sehr wesentliche Meinungsverschiedenheiten geben wird - das dürfen wir niemals vergessen - im Denken, in der Einstellung usw. - aber eine Beziehung, bei der zwei Großmächte unter Beachtung
ihrer Interessen zu der Entscheidung kommen, daß wir auf bestimmten Gebieten
künftig zusammenarbeiten sollten, statt gegeneinander.

Wenn ich also versuche, Ihnen hier einen gewissen Eindruck von dem zu
geben, was zu erwarten steht, dann möchte ich Ihre Hoffnungen nicht zu hoch
spannen, weil es einige verwickelte Probleme gibt, die es noch zu lösen gilt.
Was den Ausschlag geben wird - ob sie gelöst werden können - wird die Haltung
der sowjetischen Führer sein und auch unsere eigene Haltung.
Ich kann so viel sagen: Nach der Korrespondenz, die ich geführt habe,
und nach den Kontakten, die ich direkt mit Parteichef Breschnew während der
letzten Tage gehabt habe, ist seine Haltung positiv.

Botschafter Dobrynin kam gestern nach Camp David und überbrachte mir eine
persönliche Botschaft von Parteichef Breschnew, in der einige Fragen angeschnitten werden, über die wir sprechen müßten, aus der aber auch eine positive
Haltung zu erkennen ist bezüglich des Versuches, einige dieser Meinungsverschiedenheiten zu bereinigen. Wenn wir uns also auf dem Gipfel treffen, dann
wird es sich nicht lediglich um einen jener 'Geiste' handeln, die kommen und
gehen, sondern wirklich um einige Substanz, die bleibt - eine Substanz, die bedeuten wird, daß das amerikanische Volk und das russische Volk, trotz Unterschiede in Denkweise und Regierungsform von Volk zu Volk eine freundlichere

�freundlichere Beziehung haben werden, und eine Substanz, durch die - und das
hoffe ich mehr als alles andere - der Sache des Friedens gedient sein wird ...

Parteichef Breschnew hat (bei dem Besuch Dr. Kissingers) seinen Wunsch
zum Ausdruck gebracht, daß wir bei dem Gipfeltreffen einigen Fortschritt erzielen, ... und er sagte, es sei wichtig, einen Schritt zu tun - nicht nur
einen kleinen Schritt, sondern einen Schritt, der bedeutsam für die Beziehungen
unserer beiden Länder ist, weil wir dann wissen werden, wohin wir gehen ...

So tun wir also einen Schritt. Wie groß die Schritte sein werden, das
werden Sie, meine Damen und Herren selbst zu bewerten haben. Wir hoffen,
daß es ein bedeutsamer Schritt sein kann

Er wird nicht alle Meinungsver-

schiedenheiten beenden, aber er könnte sicherlich bedeuten, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - auf dem sehr sorgsamen Gerüst aufbauend, das wir in der Vergangenheit errichtet haben - eine konstruktive Beziehung schaffen könnten, in deren Rahmen beide großen Nationen ihren Einfluß nicht nur gegenseitig, sondern auch in anderen Gebieten der Welt geltend
machen werden, wo sie Einfluß haben, um die Aggression zu entmutigen und die
Kräfte des Friedens zu ermutigen.

Das ist unser Ziel. Wir vertrauen darauf und hoffen, daß dies auch das
sowjetische Ziel sein wird, denn wenn diese beiden großen Nationen in Konflikt kämen, sei es direkt oder sei es, daß sie wegen Auseinandersetzungen
in anderen Teilen der Welt, wo sie indirekt berührt werden, in einen Konflikt
hineingezogen würden, dann wäre dies eine Bedrohung des Weltfriedens, der
sicherlich jeder von uns mit sehr großer Besorgnis entgegensehen würde ..."

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21/1972

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER ROGERS AM 19. MAI
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 19. Mai, einen Tag vor der Moskau-Reise Präsident Nixons, auf einer
Pressekonferenz zur internationalen Lage Stellung genommen. Die einleitende
Erklärung des Außenministers sowie die Fragen und Antworten - soweit sie
Europa und die Moskau-Reise betreffen - haben folgenden Wortlaut:

Außenminister Rogers: Zunächst möchte ich feststellen, daß das deutsche
Parlament offensichtlich die Ostverträge mit der Sowjetunion und mit Polen
ratifiziert hat. Und wenn auch der letzte Schritt im Ratifizierungsprozeß
noch nicht erfolgt ist, so ist es doch meines Erachtens ziemlich sicher, daß
er erfolgen wird. Und dies ist für mich ein Anlaß zu erklären, daß die amerikanische Regierung den Schritt des Parlaments der Bundesrepublik und die Ratifizierung dieser Verträge mit der Sowjetunion und mit Polen mit Befriedigung
betrachtet. Der Weg zur Unterzeichnung des Viermächte-Schlußprotokolls ist
nunmehr frei, das das Berlin-Abkommen in Kraft setzen wird - ein Abkommen,
das Präsident Nixon als einen Meilenstein bezeichnet hat. Die Frage des
Zeitpunktes werden wir natürlich mit Großbritannien, Frankreich und der
Sowjetunion erörtern. Sobald das Protokoll unterzeichnet ist, wird ... der
Weg für multilaterale oder zumindest für bilaterale Sondierungen im weiteren
Verlauf dieses Jahres offen sein. Wir wissen noch nicht, ob sie multilateral
oder bilateral sein werden. Diese Frage wird auf der Ministerratstagung zur

- 1 -

�zur Diskussion anstehen, die sich mit der Möglichkeit einer Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Jahre 1973 befassen wird.

Daher sind wir erfreut, daß diese Verträge ratifiziert worden sind. Und
wir werden jetzt hierüber auf der Ministerratstagung in Bonn, in etwa einer
Woche, sprechen ...

Frage: Herr Außenminister, ich möchte gerne eine die Sowjetunion betreffende Frage stellen. Wie erklären Sie es sich in bezug auf Vietnam, daß
die sowjetische Reaktion auf die Verminung des Hafens von Haiphong so gemäßigt war? Bestand irgendeine geheime Absprache zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über diese Schritte?

Antwort: Ich möchte natürlich zu dem ersten Teil Ihrer Frage keine Spekulationen anstellen. Den zweiten Teil Ihrer Frage kann ich kategorisch beantworten: Nein, es gab keine diesbezügliche geheime Absprache oder irgendeine
geheime Abmachung in dieser Hinsicht.

Frage: Herr Außenminister, wird Vietnam ein Punkt sein,der in Moskau erörtert wird? Haben Sie irgend welche Hinweise dafür, daß Sie sowjetische
Unterstützung für eine Friedensinitiative gewinnen können?

Antwort: Wir möchten zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Spekulationen
darüber anstellen, was auf dem Gipfeltreffen erreicht werden kann und was
nicht. Und so will ich dies auch nicht tun. Der amerikanische Präsident gibt
heute nachmittag eine Erklärung ab, die sich - soweit ich weiß - mit dem
Gipfeltreffen befassen wird und in der er darlegt, wie er dieses Treffen
sieht - die allgemeine Haltung, die wir in bezug auf dieses Treffen einnehmen werden.. Und daher möchte ich angesichts dieser Erklärung des Präsidenten vor der Presse von jeder Stellung™,,, Abstand nehmen ...

Frage: Herr Außenminister, Sie reisen von Moskau aus nach Bonn. Welche
weiteren Fragen werden nach Ihrer Ansicht neben der Konferenz über die Sicherheit in Europa dort noch erörtert werden?
Antwort:

�Antwort: Wir werden natürlich nicht nur über die Konferenz selbst und
über die Tagesordnung für diese Konferenz sprechen, sondern wir werden auch
die Frage beiderseitiger und ausgewogener Truppenreduzierungen erörtern, die
praktisch hiermit zusammenhängt. Wir werden ferner die Gelegenheit nutzen,
um unseren NATO-Verbündeten über die Ergebnisse unserer Gespräche zu berichten,
die wir in der Sowjetunion führen werden.

Wie Sie wissen, war ich vor einigen Wochen in Europa und habe sie
(unsere Verbündeten) über die Schritte unterrichtet, die wir ergreifen
werden, sowie über die Haltung, die wir gegenüber der Sowjetunion eingenommen haben. Und sie werden natürlich an den Ergebnissen des Gipfeltreffens
sehr interessiert sein. So werde ich die1 Gelegenheit nutzen, hierüber zu
berichten.

Frage: Herr Außenminister, erwägen Sie, im kommenden Monat selbst nach
Berlin zu fliegen, um das Viermächte-Abkommen zu unterzeichnen?

Antwort: Dies ist eine der Fragen, die wir erörtern werden, und es ist
möglich, daß es in Berlin irgendwann im Juni durch die Außenminister der vier
Mächte unterzeichnet werden wird. Über Zeitpunkt und Ort sind bisher keine
endgültigen Entscheidungen getroffen worden.

Frage: Herr Außenminister, können Sie uns über den Stand der SALT-Verhandlungen unterrichten?

Antwort: Die SALT-Verhandlungen sind plangemäß vorangekommen, und es
sind dabei gute Fortschritte gemacht worden. Es besteht natürlich Hoffnung,
wie wir dies bereits früher zum Ausdruck gebracht haben, daß sie auf höchster
Ebene zum Abschluß gebracht werden.

Ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß es bei all diesen Verhandlungen
noch ungelöste Probleme gibt, die von den Führern der beiden Länder erörtert
werden müssen. Und wenn wir erfolgreiche Abkommen ausarbeiten, so wird dies

- 3-

�dies letztlich durch den amerikanischen Präsidenten und die führenden Männer
der Sowjetunion geschehen ...

Frage: Herr Außenminister, wird der Nahe Osten auf der Moskauer Tagesordnung stehen, und wenn ja, welche Haltung werden die Vereinigten Staaten
zu diesem Gesprächspunkt einnehmen? Welche Ziele in bezug auf den Nahen
Osten können billigerweise von diesem Gipfeltreffen erwartet werden?

Antwort: Wir haben keine feste Tagesordnung. Daher möchte ich keine
Fragen dazu beantworten, was auf der Tagesordnung stehen wird. Der Nahe
Osten ist jedoch ganz offensichtlich eine Frage, die erörtert werden wird;
daran besteht kein Zweifel ...

Frage: Herr Außenminister, ich weiß, Sie möchten nicht darüber sprechen,
was auf der Tagesordnung in Moskau stehen wird, aber Sie sagten, daß die Ratifizierung der Ostverträge den Weg für Gespräche über eine Sicherheitskonferenz im kommenden Jahr geebnet habe. Ist dies ein Punkt, über den Sie
erst mit den Sowjets sprechen und über den Sie dann den Verbündeten berichten werden oder werden Sie warten, bis Sie weitere Konsultationen mit den
Verbündeten geführt haben?

Antwort: Wir haben mit den Verbündeten eingehende Konsultationen über
die Konferenz über Sicherheit in Europa geführt. Dies war unser Hauptanliegen
auf den letzten Ministerratssitzungen, und auch auf meiner Zusammenkunft
mit dem NATO-Rat vor einigen Wochen haben wir darüber gesprochen. So ist,
was die Konferenz über Sicherheit in Europa anbetrifft, alles klar. Ohne
Zweifel wird diese Frage bei unseren Gesprächen mit den sowjetischen Führern
aufgeworfen werden.

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21/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
III. Die US-Luftwaffe wird modernisiert

Von Hubert G. Coli ins

Das Kernstück der amerikanischen Luftwaffe ist das Strategische Luftkommando (SAC), das mit über 1000 Interkontinentalraketen und einer Flotte
von Bombern vom Typ B-52 eine gewaltige Abschreckungsmacht aufbietet. Es
ist - auch im amerikanischen Kongreß - gesagt worden, die Interkontinentalrakete habe das Bombenflugzeug überholt und zu einem Museumsstück werden
lassen.

Der Befehlshaber des Strategischen Luftkommandos, General Bruce K.
Holloway,selbst erfolgreicher Jagdflieger im zweiten Weltkrieg, hat dies
nachdrücklich bestritten. Ein Bomber, so argumentiert er, kann aus verschiedenen Richtungen und Höhen und mehrere Ziele nacheinander angreifen.
Er kann die verschiedensten Waffen mitführen und sein Ziel aussuchen. Und
vor allem er kann zurückkehren oder auch zurückgerufen werden, während eine
Rakete nach dem einmal erfolgten Start nicht zurückgeholt werden kann.

Die B-52 kann 30 Tonnen nuklearen oder herkömmlichen Sprengstoffs
mitführen und hat bei dem heute üblichen Auftanken in der Luft praktisch
einen unbegrenzten Aktionsradius. Sie kann ferner zwei Luft-Boden-Raketen
vom Typ Hound Dog mitführen, die eine Reichweite von rund 800 km haben. Im
Zuge der Modernisierung ist hier an eine neue Luft-Boden-Rakete - eine
- 1 -

�eine Kurzstrecken-Angriffsrakete oder SCRAM - gedacht, die eine gegnerische
RADAR-Anlage mit Überschallgeschwindigkeit unterlaufen kann. Mit der SCRAM
ausgerüstet könnte die B-52 bis zu 24 Nuklearwaffen mitführen, d.h. die gesamte Bomberflotte theoretisch über 5000. Die ersten SCRAM-Raketen sollten
noch in diesem Jahr einsatzbereit sein.

Für die weitere Zukunft wird ein völlig neues Bombenflugzeug vom Typ
B-l entwickelt, das sehr viel kleiner als die B-52 werden soll. Mit Schwenkflügeln ausgestattet soll die Maschine mit doppelter Schallgeschwindigkeit
fliegen. Im Einsatz selbst kann die Maschine mit fast Schallgeschwindigkeit
praktisch über dem Boden manövrieren.

Aber nicht nur im strategischen Bereich ist mit umwälzenden Modernisierungen zu rechnen, sondern auch die taktische Luftwaffe entwickelt ständig
neue Waffensysteme.
Eine gewaltige Neuerung ist der noch immer viel umstrittene Jagdbomber
vom Typ FA-111. Diese Maschine hatte eine etwas unglückliche Anfangsentwicklung, da bei den ersten Erprobungen - als sie noch unter der Bezeichnung
TFX flog - eine Reihe von Unfällen auftrat. Trotz vieler AnlaufSchwierigkeiten hielten führende Offiziere der US-Luftwaffe - auch gegen Widerstände
im Kongreß - an dieser Maschine fest, die, wie sie sagen, einzigartig für
die gestellten Aufgaben ist.

Die FB-111 ist praktisch zwei Flugzeuge in einem. Bei jedem Wetter kann
sie als Bomber oder Jäger eingesetzt werden, und sie ist auch zwei Bomber in
einem - sie kann strategisch und taktische Einsätze fliegen. Sie hat den
doppelten Aktionsradius und die doppelte Geschwindigkeit des alten F-100
Super Sabrejet und kann mit zwei Nuklearwaffen unter jedem Flügel bei einem
Einsatz so viel Kampfkraft aufbringen wie eine ganze Staffel von sechs
F-4 Phantom. Dem Strategischen Luftkommando sind allein 66 FB-111 zugeteilt
worden. Wenn sie in der Luft aufgetankt werden, können sie ein interkontinentales Ziel schneller erreichen als die B-52.
Es
- 2-

�Es ist vor allem die Möglichkeit der raschen Dislozierung an praktisch
jedem Punkt der Erde, die die FB-111 zu einem besonders wichtigen Instrument
der Verteidigung macht

Erst kürzlich löste ein Geschwader dieser Maschinen

auf einem NATO Flugplatz in England die langsam veraltenden F-100 ab.

Auch die FB-111 benutzt das moderne Prinzip des Schwenkflügels und kann
dadurch bei Start und Landung mit einem relativ kurzen Rollfeld auskommen.
Beim Flug mit zurückgeklappten Flügeln erreicht sie eine Geschwindigkeit von
2,5 Mach - eine .:^eieinhalbfache Schallgeschwindigkeit. Mit Hilfe eines
RADARS und eines Bord omputers kann die Maschine automatisch den Erhebungen
und Vertiefungen der Erdoberfläche folgen, ohne daß der Pilot zu steuern
braucht.

Die Planer der US-Airforce

sehen als Hauptaufgabe der Maschine die

Zerstörung der gegnerischen Luftwaffe auf den Flugplätzen, um so die Luftüberlegenheit sicherzustellen.
Ein völlig neues Konzept der amerikanischen Luftwaffe - das gerade mit
der Nixon-Doktrin besondere Bedeutung gewinnt - ist der transportable Flugplatz. Mit Hilfe von Transportmaschinen wird die komplette Einrichtung eines
Flugplatzes, einschließlich von rund 400 Gebäuden, dorthin gebracht, wo sie
gebraucht wird. Alles was .ür diesen "Flugplatz aus der Dose" nötig ist, ist
ein Kollfeld und Wasser

Mit diesen Grundvoraussetzungen - die nach Fest-

stellung der Experten an rund 1400 Orten der Welt vorhanden sind - kann die
amerikanische Luftwaffe innerhalb eines Tages einen vollen Flugbetrieb einrichten. Bei einem Versuch in den Vereinigten Staaten hat eine Einheit von
1700 Mann einen verlassenen Flugplatz innerhalb von 29 Stunden betriebsklar
gemacht und innerhalb von 72 Stunden war er voll einsatzbereit.

Die OLUidausrüstung dieses "fliegenden Flugplatzes" besteht aus drei
"Paketen". Das eine enthält in einem Behälter von rund 2,4 mal 2,4 mal 3,9 m
eine zusammenlegbare Halle, die in eine über

7

m lange Werkstatt mit allen

Maschinen und Geräten verwa delt werden kann. Die Wände bestehen aus zwei
Schichten von Leichtaluminium. Das zweite Paket enthält eine zusammenleg- 3-

�zusammenlegbare Unterkunft, die auf rund 10 m ausgezogen werden kann und
12 Klappbetten enthält. Ein drittes Paket enthält die Bauelemente für
Schuppen, die als Lagerräume verwandt werden können und eine Größe von
9 mal 14 m bei 3,3 m Höhe haben. Und schließlich werden transportable Hangars
mitgeführt, die aufgebaut eine Länge von 24 m, eine Tiefe von 17,6 m und eine
Höhe von 6 m haben und zwei Jagdflugzeuge vom Typ F-4 aufnehmen können.

Mit all diesen und zahlreichen anderen Neuentwicklungen wird die
amerikanische Luftwaffe ständig auf dem modernsten Stand gehalten, um
ihrerAufgäbe der Sicherung des Friedens gerecht werden zu können.

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GEORGE P. SHULTZ - DER NEUE AMERIKANISCHE FINANZMINISTER

Ein Fachmann für Wirtschaftsfragen

Mit George P. Shultz hat Präsident Nixon einen seiner respektiertesten
und mächtigsten Berater zum Nachfolger für den zurückgetretenen Finanzminister
John B. Connally nominiert. Mit der zu erwartenden Billigung durch den Senat
wird der bisherige Leiter des Amtes für Planung und Haushalt und frühere Arbeitsminister ein Amt antreten, das gerade im Hinblick auf die Neugestaltung
des Internationalen Währungssystems von besonderer Bedeutung weit über die
Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus ist.

Am 13. Dezember 1920 in New York geboren, studierte Shultz an der
Princeton-Universität Jura (Bachelor of Law 1942) und dann Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology, wo er 1949 promovierte.
Bis 1957 war er als Dozent und Professor an der wissenschaftlichen Fakultät
dieser berühmten amerikanischen Hochschule tätig. Als Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und ab 1962 als dessen
Dekan hat Shultz die Richtung des von ihm bewunderten bekannten amerikanischen
Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman vertreten. Auch als ihn Präsident

- 1 -

�Präsident Nixon 1969 als Arbeitsminister und dann 1970 als Planungs- und
Haushaltsdirektor in sein Kabinett berief, hat sich Shultz immer für das
freie Spiel der Marktkräfte ausgesprochen.
Shultz hat sich in Washington und darüber hinaus einen Ruf als fähiger
Administrator und Verhandler erworben und ist bekannt dafür, daß er ihm
gestellte Aufgaben anpackt und löst. Bevor der frühere Gouverneur von Texas,
John Connally, auf der Washingtoner Szene erschien, wurde Shultz in der
Presse als der zweitmächtigste Mann nach dem Präsidenten in innenpolitischen
Fragen bezeichnet. Der als freundlich, kühl, intellektuell und bestimmt
charakterisierte Professor hat sein Prinzip vom freien Spiel der Kräfte selbst
in der in dieser Richtung orientierten Nixon-Administration nicht immer durchsetzen können. So folgte man beispielsweise seinen Empfehlungen nicht, das bestehende System der strikten Erdöleinfuhrquoten durch einen festen Zollsatz
zu ersetzen, der eine flexiblere Einfuhrpolitik erlaubt hätte. Ebenso ist
Shultz immer ein Gegner von Lohn- und Preiskontrollen gewesen, hat jedoch
wie andere Wirtschaftler seiner Richtung die Kontrollen befürwortet, die
Präsident Nixon unter dem Zwang der Umstände im August vorigen Jahres einführte.

In vielen innenpolitischen Fragen - wie etwa Arbeitnehmer-ArbeitgeberBeziehungen, Beschäftigungspolitik und gleiche Arbeitschancen für Schwarze ist Shultz ein Liberaler.

Der neue Finanzminister der Vereinigten Staaten hat noch wenig Gelegenheit gehabt, seine Auffassungen über internationale Währungsfragen zu äußern.
Es bestehen jedoch keine Anzeichen, daß der Wechsel in der Führung im Finanz-

�Finanzministerium irgendeine bedeutsame Änderung der amerikanischen Zielsetzungen bezüglich der Reform des internationalen Währungssystems oder bezüglich anderer wirtschaftlicher Fragen bedeuten würde. Shultz hat eine
zentrale Position in der Schaltstelle der innenpolitischen Macht mit einem
Posten eingetauscht, der ihm sicherlich eine stärkere internationale Bedeutung geben wird. Von seiner Ausbildung und seinen Fähigkeiten her wird er
keine Mühe haben, die neuen, großen Aufgaben zu bewältigen.

Als Nachfolger im Amt für Planung und Haushalt ist der bisherige Haushaltsdirektor und erste Mitarbeiter von Shultz, Caspar Weinberger, ausersehen worden.
Bis zur Bestätigung von Shultz durch den Senat wird Connally das Amt
des Finanzministers weiter verwalten, in dem er sich durch seine Offenheit,
Entschlossenheit und feste Haltung einen Namen gemacht hat. Bereits bei
seiner Berufung nach Washington - als einziger Demokrat im republikanischen
Kabinett Nixon - hatte Connally angekündigt, daß er sein Amt nur für ein
Jahr übernehmen wolle. Nachdem diese Frist im Dezember vorigen Jahres abgelaufen war und gerade die Neuordnung des internationalen Währungssystems anstand - die dann unter seiner Ägide mit dem Smithsonian-Abkommen auch zustande kam - hatte er in eine Verlängerung um sechs Monate eingewilligt.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von
George P. Shultz zur Verfügung
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ÜBERSCHALLFLUG UND UMWELT
Neues Forschungsprojekt in USA

- (AD) - Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Lawrence-Laboratoriums
in Livermore (Kalifornien) sollen mögliche Umweltauswirkungen des Flugverkehrs mit Überschallgeschwindigkeit untersucht werden. Die vom US-Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie, die mindestens 30 Monate in Anspruch
nehmen wird, soll insbesondere die Frage klären helfen, inwieweit die Flugzeugabgase die Verhältnisse in der Stratosphäre so zu beeinflussen vermögen,
daß sich mit der Zeit die Bedingungen in der Troposphäre, der Zone des
Wettergeschehens, grundlegend verändern.

Unter Berücksichtigung aller nur erdenklichen Faktoren werden die
Wissenschaftler des Livermore-Laboratoriums, eines Instituts der US-Atomenergie-Kommission, Computer-Modelle ausarbeiten,

die z.B. Voraussagen

über mögliche Veränderungen von Bewölkung, Eindringtiefe der UltraviolettStrahlung von der Sonne und der Temperaturen an der Erdoberfläche geben.
Physiker, Mathematiker, Meteorologen und Chemiker werden an dem Projekt mitwirken.

Die Überschallflugzeuge, die gegenwärtig von England, Frankreich und
der Sowjetunion entwickelt werden, bewegen sich in Flughöhen zwischen 16 000
und 22 000 m, also bereits in der bis knapp 60 000 m Höhe reichenden Stra-

-

I

-

�Stratosphäre. Im einzelnen geht es um die Klärung folgender Probleme:

1) Durch Wasserdampf und Rauchpartikel aus den Abgasen der SST-Flugzeuge (Überschall-Transportmaschinen), die in der Stratosphäre freigesetzt
werden, könnten die Temperaturen am Erdboden verändert werden, weil sie
Energie

von der Sonne aufnehmen und reflektieren. Jedoch kann nach dem

gegenwärtigen Stand unseres Wissens noch nichts darüber gesagt werden,
ob dadurch die Temperaturen absinken oder ansteigen bzw. in welchem Ausmaß sie sich verändern würden.

2) Kondensstreifen würden sich wahrscheinlich sehr lange Zeit in
der Atmosphäre halten, vor allem über der nördlichen Hemisphäre, wo kalte
Luftmassen ihr Auftreten begünstigen.

3) Verschiedene Berechnungen lassen vermuten, daß Stickstoffoxyde
aus den Abgasen von SST-Flugzeugen in der Stratosphäre mit Ozon reagieren
und einen Teil davon zerstören. Dadurch würde ein wichtiger Schutzschild
gegen die Ultraviolettstrahlung von der Sonne in seiner Wirksamkeit geschwächt. Aber auch dieser Punkt verlangt noch umfassende Klärung. Andererseits hat sich nämlich gezeigt, daß unter gewissen Voraussetzungen Stickstoffoxyde kondensiert werden und ohne weitere chemische Reaktionen mit
Niederschlägen zur Erde gelangen. Andere Vermutungen gehen dahin, daß in
der Stratosphäre Ozon und Stickstoffoxyde nebeneinander existieren können,
d.h. daß der Effekt des Abbaus von Ozon durch andere Effekte neutralisiert
wird.

- 2 -

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21/1972

NEUER IMPFSTOFF GEGEN MENINGITIS

- (AD) - Einen ersten Großversuch m i t einem neuartigen Vakzin gegen
M e n i n g i t i s , d a s speziell für die Schutzimpfung v o n Kleinkindern entwickelt
w u r d e , unternehmen D r . Martha Lepow, D r . Ronald Gold und D r . Irving
Goldschneider v o n der Universität Connecticut im A u f t r a g des Nationalen
Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in Bethesda

(Maryland).

Mit Einverständnis der Eltern w e r d e n 200 Babies im Alter v o n etwa drei
M o n a t e n m i t dem Vakzin geimpft und anschließend ein Jahr lang unter Beobachtung bleiben.

Der Impfstoff wurde bei 250 000 Armeeangehörigen bereits m i t großem
E r f o l g angewandt. Nach Ansicht D r . Goldschneiders, der an der Entwicklung
des Vakzins maßgebend beteiligt w a r , blieb bei dem bisher geimpften Personenkreis die Anzahl v o n Meningitis-Fällen auf e i n Zehntel der normalerweise
auftretenden Krankheitsfälle

beschränkt. Im Verlauf des ersten Großversuchs

bei Kindern soll vor allem die Bildung v o n A n t i k ö r p e r n gegen Meningokokken
eingehend untersucht w e r d e n .

In den Vereinigten S t a a t e n treten 90 Prozent aller M e n i n g i t i s f ä l l e ,
die jährlich gemeldet w e r d e n , bei Kindern a u f . Schon allein diese Tatsache
m a c h t die Entwicklung eines speziell für Kinder geeigneten Impfstoffes zu
einer überaus wichtigen A u f g a b e . Meningitis-Epidemien w e r d e n in einem g e w i s s e n Zyklus im Abstand v o n ca. 15 Jahren verzeichnet. Bei der letzten
großen Epidemie in den Vereinigten Staaten während der fünfziger Jahre kam

- 1 -

�kam es zu 50 000 bis 80 000 Erkrankungen mit teilweise schwerwiegenden
Folgen. In der Statistik rangiert Meningitis unter den zehn gefährlichsten
Krankheiten, die das Leben von Kindern bedrohen. Eine besondere Schwierigkeit der Schutzimpfung ergibt sich jedoch aus der Tatsache, daß verschiedene
Erregertypen die gefürchtete

Hirnhautentzündung verursachen können (z.B.

Haemophilus influenzae Typ B, Meningococcus A, B und C). Zum Schutz gegen
jeden Erregertyp ist ein besonderes Vakzin erforderlich.

Die wirksame Substanz in dem neuen Vakzin, das gegen Meningococcus A
und C immunisiert, ist ein Polysaccharid aus der Hülle des Bakteriums; sie
ist leichter herzustellen und sicherer anzuwenden als ein Vakzin, das aus
lebenden oder abgetöteten Viren oder Bakterien gewonnen wird. Parallel zu
dem genannten Projekt laufen im Auftrag der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA vier weitere großangelegte Studien, die alle darauf abzielen, das epidemische

Auftreten von Meningitis völlig auszuschalten.

- 2-

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21/1972

FAHRZEUGE FÜR INDUSTRIE- UND ENTWICKLUNGSLÄNDER
TRANSPO 72 - Erste internationale Verkehrsausstellung in Washington

(AD) - Mehr als 350 Privatfirmen und eine Anzahl offizieller ausländischer Vertretungen stellen auf der TRANSPO 72 aus, der ersten Internationalen Ausstellung für den Land-, Luft- und Seeverkehr; sie findet vom
27. Mai bis 4. Juni 1972 auf dem Dulles International Airport in der Nähe von
Washington statt

Die Schau präsentiert in großer Vielfalt neue technische

Entwicklungen und Projekte, die auf besondere Bedürfnisse der Industrie- und
der Entwicklungsländer abgestellt sind. Fast 1,5 Millionen Besucher werden
erwartet, etwa &gt;0 000 davon aus Übersee

Wie ein Sprecher der TRANSPO 72 erklärte, zeigen die USA u.a. Ausrüstungen, die Entwicklungsländern "den Sprung vom 19. ins 20. Jahrhundert"
ermöglichen - u.a. den beschleunigten Ausbau von Häfen mit neuartigen Piers,
die in acht Monaten errichtet werden (gegenüber einer Bauzeit von drei
Jahren für hölzerne Piers). Die Autofirmen Ford und General Motors führen
neue billige Vielzweckfahrzeuge vor, die vor allem Betriebsbedingungen im
südostasiatischen Raum gerecht werden. Das neue Allzweckfahrzeug von General
Motors z.B.,dessen Serienproduktion Ende Mai in Tampoi (Malaysia) aufgenommen
wird, hat einen Vierzylindermotor mit 37 PS und einen leiterähnlichen Rahmen,
an dem eine Vielzahl einfacher Ausrüstungen oder zu transportierender Geräte
angehängt werden kann. Das Fahrzeug ist nach Angaben eines Sprechers des
Unternehmens robust, vielseitig, wirtschaftlich im Betrieb, leicht zu mon-

- 1 -

�montieren und zu reparieren. Die Fa. General Electric stellt u.a. ein Antriebssystem für Aggregate vor,die in riesigen Bergbau-Transportmaschinen
mit einem Aufnahmevermögen bis 230 Tonnen, bei Bohrausrüstungen und Schleppwagen für Jumbo-Jets und andere Großfahrzeuge im Gelände verwendet werden.

Helikopter verschiedenster Typen demonstrieren die Möglichkeiten zur
medizinischen Versorgung oder Evakuierung der Bevölkerung in abgelegenen
Gebieten oder für das Absetzen von Maschinen und Ausrüstungen in Dschungellichtungen oder auf Berggipfeln, wo es keine Straßen gibt. Sie wurden u.a.
bereits dazu benutzt, Sendetürme oder Gerüste für elektrische Überlandleitunge
zu installieren. Auch Kleinflugzeuge, Lasten-Helikopter, Ausrüstungen für
Speicher und Materiallager oder neuartige Schleppausrüstungen für Schiffe
dürften verbreitet Interesse finden. Jeden Vormittag sind Sondervorführungen
mit technischen Neuheiten vorgesehen.

+ ++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz-Abkommen zwischen USA und UdSSR&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Sowjetunion beschließen Erweiterung der Zusammenarbeit in der Medizin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Die friedliche Zusammenarbeit muss Wirklichkeit werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Trinkspruchs im Kreml -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon erhofft vom Moskauer Gipfeltreffen Fortschritte für den Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Erklärung vor Journalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 19. Mai&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;III. Die US-Luftwaffe wird modernisiert&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George P. Shultz - der neue amerikanische Finanzminister&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Fachmann für Wirtschaftsfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überschallflug und Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Forschungsprojekt in USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Impfstoff gegen Meningitis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fahrzeuge für Industrie- und Entwicklungsländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;TRANSPO 72 - Erste internationale Verkehrsausstellung in Washington&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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31. Mai 1972

22

Inhalt
INFORMATION:
Die Grundsatzerklärung von Moskau
-WortlautGemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique
des Gipfeltreffens in Moskau
-Wortlaut-

zum Abschluß

Fernsehansprache Präsident Nixons in Moskau
-Wortlaut DOKUMENTATION:
Amerikanisch-sowjetischer Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme
-WortlautAmerikanisch-sowjetisches Interimsabkommen über die Begrenzung von
Offensivwaffen
•Wortlaut«
P r o t o k o l l zum Interimsabkommen über d i e Begrenzung von Offensivwaffen
-WortlautA m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen zur Vermeidung von Z w i s c h e n f ä l l e n
auf hoher See
-WortlautA m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Kommunique über E r r i c h t u n g e i n e r Handelskommission
-WortlautA m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen über d i e Zusammenarbeit im Weltraum
-Wortlaut-

V

A m e r i k a n i e c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen über d i e Zusammenarbeit im Umweltschutz
-WortlautA m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen über Wissenschaft und Technik

-Wortlaut«

y

A m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen ü b e r Z u s a m m e n a r b e i t
nischen Forschung
-Wortlaut-

in der medizi-

WIRTSCHAFT:
S t e i n e r l ä u t e r t Stand der amerikanischen
-Wortlaut-

Wirtschaft

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1972

DIE GRUNDSATZERKLÄRUNG VON MOSKAU
-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)-- Präsident Nixon und der sowjetische Parteichef Breschnew
haben am 29. Mai zum Abschluß des Gipfeltreffens eine Grundsatzerklärung
für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unterzeichnet.
Die 12 Punkte umfassende Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Grundsätze für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sind:
geleitet von ihren Verpflichtungen aufgrund der Charta der Vereinten Nationen
und dem Wunsche, die friedlichen Beziehungen zueinander zu stärken und diese
Beziehungen auf eiremöglichst feste Grundlage zu stellen;
aus der Erkenntnis heraus, daß es notwendig ist, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Kriegsgefahr zu beseitigen und Bedingungen zu schaffen, die
die Verringerung der Spannungen auf der Welt und die Stärkung der allgemeinen
Sicherheit und der internationalen Zusammenarbeit fördern;
aus

-1-

�aus der Überzeugung heraus, daß die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen und deren zum beiderseitigen Vorteil gereichende Entwicklung auf
solchen Gebieten wie Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur diesen Zielen entsprechen und zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und einer sachlichen
Zusammenarbeit beitragen werden, ohne in irgendeiner Weise die Interessen dritter Länder zu präjudizieren;
aus dem Bewußtsein heraus, daß diese Ziele den Interessen der Völker beider
Länder entsprechen,

wie folgt übereingekommen:
1.

Sie werden von dem gemeinsamen Schluß ausgehen, daß es im Nuklearzeitalter

keine andere Alternative gibt, als die gegenseitigen Beziehungen auf der Grundlage einer friedlichen Koexistenz zu gestalten. Unterschiede in der Ideologie
und in den Gesellschaftssystemen der USA und der UdSSR sind keine Hindernisse
für die bilaterale Entwicklung normaler Beziehungen, die auf den Grundsätzen der
Souveränität, der Gleichberechtigung, der Nichteinmischung in innere Angelegen-,
heiten und des beiderseitigen Vorteils beruhen.
2-

Die USA und die UdSSR legen größten Wert darauf, das Entstehen von Situatio-

nen zu verhindern, die zu einer gefährlichen Verschlechterung ihrer Beziehungen
führen könnten. Sie werden daher ihr Äußerstes tun, um militärische Konfrontationer
zu vermeiden und den Ausbruch eines Nuklearkrieges zu verhindern. Sie werden in
ihren gegenseitigen Beziehungen stets Zurückhaltung üben, und sie werden bereit
sein, zu verhandeln und Meinungsverschiedenheiten mit friedlichen Mitteln beizulegen. Gespräche und Verhandlungen über offenstehende Fragen werden in einem
Geiste der Gegenseitigkeit, des beiderseitigen Entgegenkommens und des beiderseitigen Vorteils geführt werden.
Beide Seiten erkennen an, daß Bestrebungen, direkt oder indirekt einen einseitigen Vorteil auf Kosten des anderen zu erreichen, nicht im Einklang mit
diesen Zielen stehen.
Die

�Die Voraussetzungen für die Erhaltung und Stärkung friedlicher Beziehungen
zwischen den USA und der UdSSR sind die Anerkennung der Sicherheitsinteressen der
Vertragspartner auf der Basis des Grundsatzes der Gleichberechtigung und des Verzichts auf Anwendung oder Androhung von Gewalt.

3.

Die USA und die UdSSR tragen wie andere Länder, die ständige Mitglieder des

Weltsicherheitsrates sind, eine besondere Verantwortung, alles in ihrer Macht
stehende zu tun, daß es nicht zu Konflikten oder Situationen kommt, die zur Erhöhung internationaler Spannungen dienen würden. Demgemäß werden sie die Förderung
von Bedingungen anstreben, unter denen alle Länder in Frieden und Sicherheit leben
können und nicht Gegenstand einer Einmischung in ihre

inneren Angelegenheiten

von außen werden,

4.

Die USA und die UdSSR beabsichtigen, die Rechtsgrundlage für ihre gegenseiti-

gen Beziehungen auszuweiten und die erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen,
damit bilaterale Abkommen, die sie geschlossen haben, und multilaterale Verträge
und Abkommen, denen sie gemeinsam als Vertragspartner angehören, gewissenhaft
durchgeführt werden5.

Die USA und die UdSSR bekräftigen ihre Bereitschaft, die Praxis eines Gedanken-

austausches über Probleme von beiderseitigem Interesse fortzusetzen und, wenn erforderlich, einen solchen Gedankenaustausch auf höchster Ebene, einschließlich
von Treffen der führenden Männer beider Länder, zu führen.
Beide Regierungen begrüßen eine Zunahme produktiver Kontakte zwischen Vertretern der gesetzgebenden Körperschaften beider Länder und werden sie erleichtern.
6.

Die Vertragspartner werden ihre Bemühungen fortsetzen, die Rüstungen sowohl

auf bilateraler als auch auf multilateraler Basis zu begrenzen. Sie werden weiterhin besondere Anstrengungen unternehmen, um die strategischen Rüstungen zu begrenzen, Wo immer möglich, werden sie konkrete Abkommen schließen, die der Erreichung dieser Ziele dienen.
Die
-3-

�Die USA und die UdSSR betrachten als das letztliche Ziel ihrer Bemühungen
die Erreichung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung und die Errichtung
eines wirksamen Systems der internationalen Sicherheit in Übereinstimmung mit
den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen.

7.

Die USA und die UdSSR betrachten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen als

ein wichtiges und notwendiges Element der Stärkung ihrer bilateralen Beziehungen
und werden daher das Wachstum solcher Beziehungen fördern. Sie werden die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Organisationen und Unternehmen der beiden Länder und den Abschluß von geeigneten Vereinbarungen und Kontrakten - einschließlich langfristiger - erleichtern.
Beide Länder werden zur Verbesserung der See-und Luftverbindungen zwischen
ihnen beitragen.
8.

Beide Seiten betrachten es als angebracht und nützlich, gegenseitige Kon-

takte und Zusammenarbeit auf den Gebieten

der Wissenschaft und der Technolo-

gie zu entwickeln. Wo angebracht, werden die USA und die UdSSR geeignete Abkommen schließen, die sich auf die konkrete Zusammenarbeit auf diesen Gebieten
erstrecken.

9.

Beide Seiten bekräftigen ihre Absicht, die kulturellen Beziehungen zuein-

ander zu vertiefen und ein besseres Kennenlernen der kulturellen Werte des anderen zu unterstützen. Sie werden für die Schaffung verbesserter Bedingungen für
einen Kulturaustausch und den Reiseverkehr sorgen.

10.

Die USA und die UdSSR werden bestrebt sein, dafür zu-sorgen, daß ihre Be-

ziehungen und ihre Zusammenarbeit auf den obenerwähnten und auf anderen in ihrem
beiderseitigen Interesse liegenden Gebieten auf fester und langfristiger Grundlage beruhen. Um diesen Bemühungen einen dauerhaften Charakter zu geben, werden
sie auf allen Gebieten, wo dies durchführbar ist, gemeinsame Kommissionen oder
andere gemeinsame Gremien einsetzen.
11.
-4-

�11.

Die USA und die UdSSR erheben weder für sich selbst den Ansprach in der

Weltpolitik auf irgendwelche besonderen Rechte oder Vorteile, noch würden sie
einen solchen Anspruch von einer anderen Seite anerkennen. Sie erkennen die
souveräne Gleichberechtigung aller Staaten an.
Die Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen richtet sich
nicht gegen irgendwelche dritten Länder oder deren Interessen.

12.

Die in diesem Dokument dargelegten Grundsätze berühren nicht Verpflich-

tungen irgendwelcher Art, die von den USA oder der UdSSR in Bezug auf andere
Länder früher eingegangen worden sind.

Moskau, den 29. Mai 1972
Für die Union der Sozialistischen

Für die Vereinigten Staaten

Sowjetrepubliken

von Amerika
Richard Nixon

Leonid I. Breschnew

Präsident der Vereinigten Staaten

Generalsekretär des Zentralkomitees
der KPdSU

von Amerika

+ n-H

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22/1972

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUM ABSCHLUSS
DES GIPFELTREFFENS IN MOSKAU

- Wortlaut -

MOSKAU - (AD) - Zum Abschluß des Gipfeltreffens in Moskau wurde am
29. Mai ein gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique herausgegeben,
das folgenden Wortlaut hat:

Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique

Im gegenseitigen Einvernehmen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken statteten der Präsident der
Vereinigten Staaten und Mrs. Nixon der Sowjetunion vom 22. bis 30. Mai 1972
einen offiziellen Besuch ab.

Der Präsident wurde von Außenminister William P. Rogers, dem Berater des
Präsidenten, Dr. Henry A. Kissinger, und anderen amerikanischen Regierungsvertretern begleitet. Während seines Aufenthaltes in der UdSSR besuchte Präsident
Nixon neben Moskau die Städte Leningrad und Kiew.

Präsident Nixon und L. I. Breschnew, Generalsekretär des Zentralkomitees

�Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion; N. V. Podgorny,
Vorsitzender des Präsidiums des Obersten

Sowjets der UdSSR, und A. N. Kossygin,

Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR, führten Gespräche über fundamentale
Probleme der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und der gegenwärtigen internationalen Lage.

An den Gesprächen nahmen ferner teil:

auf amerikanischer Seite: William P. Rogers, Außenminister; Jacob D. Beam,
amerikanischer Botschafter in der UdSSR; Dr. Henry A. Kissinger, Berater des
Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit; Peter M. Flanigan, Berater
des Präsidenten, und Martin J. Hillenbrand, Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten im US-Außenministerium.
auf sowjetischer Seite: A. A. Gromyko, Außenminister der UdSSR; N.S.
Patolitschew, Außenhandelsminister; V. V. Kusnezow, Stellvertretender Außenminister der UdSSR; A. F. Dobrynin, sowjetischer Botschafter in den USA; A.M.
Alexandrow, Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU; G. M.
Kornijenko, Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

Die Gespräche erstreckten sich auf einen weiten Bereich von Fragen gemeinsamen Interesses und waren offen und gründlich. Sie zeigten jene Gebiete genauer
auf, wo Aussichten für die Entwicklung einer stärkeren Zusammenarbeit bestehen,
und ebenso jene Gebiete, wo die Standpunkte beider Seiten unterschiedlich
sind.

- Bilaterale

�- Bilaterale Beziehungen -

Geleitet von dem Wunsch, den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine
stabilere und konstruktivere Grundlage zu geben, und eingedenk ihrer Verantwortung für die Erhaltung des Weltfriedens und die Förderung der internationalen Entspannungen haben die beiden Seiten ein Dokument mit dem Titel angenommen "Grundsätze für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken",das für die USA von
Präsident Nixon und für die UdSSR von Generalsekretär Breschnew unterzeichnet
worden ist.

Beide Seiten sind überzeugt, daß die Grundsätze dieses Dokuments neue
Möglichkeiten für die Entwicklung friedlicher Beziehungen und einer beiderseits nutzbringenden Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR eröffnen
werden.

Nach Prüfung verschiedener Bereiche der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben die beiden Seiten vereinbart, daß eine Verbesserung
der Beziehungen möglich und wünschenswert ist. Sie haben ihre feste Absicht
bekundet, nach den Grundsätzen zu handeln, die in dem oben erwähnten Dokument
niedergelegt sind.

Als Folge des Fortschritts, der in den dem Gipfeltreffen vorangegangenen
Verhandlungen wie auch im Verlauf des Treffens selbst gemacht worden ist, wurde
eine Reihe wichtiger Abkommen erreicht. Dies wird die bilaterale Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem Interesse wie auch in solchen Bereichen
verstärken, die die Sache des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit betreffen.
- Begrenzung
- 3 -

�- Begrenzung der strategischen Rüstungen -

Die beiden Seiten widmeten dem Problem einer Verminderung der Gefahr
eines Atomkrieges ihre Hauptaufmerksamkeit. Sie glauben, daß die Einschränkung des Wettrüstens mit strategischen Waffen einen bedeutsamen und greifbaren Beitrag zu dieser Sache leisten wird.

Die beiden Seiten messen dem Vertrag über die Begrenzung der ballistischen
Raketenabwehrsysteme sowie dem Interimsabkommen über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen, die zwischen ihnen
abgeschlossen worden sind, große Bedeutung bei.

Diese Abkommen, die als Ergebnis der Verhandlungen in Moskau abgeschlossen
wurden, stellen einen bedeutenden Schritt in Richtung auf eine Einschränkung
und schließliche Beendung des Wettrüstens dar.
Sie sind ein konkreter Ausdruck der Absicht beider Seiten, zur Verminderung der internationalen Spannungen und zur Stärkung des Vertrauens zwischen
Staaten beizutragen sowie die Verpflichtung auszuführen, die von ihnen in dem
Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Artikel VI) übernommen worden sind. Beide Seiten sind überzeugt, daß der Abschluß der oben erwähnten Abkommen einen praktischen Schritt darstellt, um die Menschheit vor
der Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges zu schützen. Somit steht dies im
Einklang mit den lebenswichtigen Interessen des amerikanischen und des sowjetischen Volkes wie auch den lebenswichtigen Interessen aller übrigen Völker.

Die beiden Seiten beabsichtigen, die aktiven Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen fortzusetzen und sie in einem Geist

�Geiste des guten Willens, der Respektierung der beiderseitigen legitimen
Interessen sowie der Beachtung des Prinzips gleicher Sicherheit zu führen.
Beide Seiten sind ferner überzeugt, daß das am 30. September 1971 in Washington
zwischen den USA und der UdSSR unterzeichnete Abkommen über Maßnahmen zur
Verminderung des Risikos des Ausbruchs eines Nuklearkrieges nicht nur den
Interessen des sowjetischen und des amerikanischen Volkes, sondern den Interessen der gesamten Menschheit dienst.

- Handels- und Wirtschaftsbeziehungen -

Beide Seiten haben Maßnahmen mit dem Ziele vereinbart, günstigere Bedingungen für die Entwicklung kommerzieller und sonstiger wirtschaftlicher
Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR zu schaffen. Die beiden Seiten
stimmen darin überein, daß realistische Bedingungen für die Ausweitung wirtschaftlicher Beziehungen bestehen. Diese Beziehungen sollten auf der Basis beiderseitigen Nutzens und in Übereinstimmung mit den allgemein akzeptierten
internationalen Praktiken entwickelt werden.

In dem Glauben, daß diesen Zielen mit dem Abschluß eines Handelsvertrages zwischen den USA und der UdSSR gedient sein würde, haben die beiden
Seiten beschlossen, die erforderlichen Arbeiten für den Abschluß eines solchen
Abkommens in naher Zukunft zu beenden. Sie stimmten darin überein, daß Kreditvereinbarungen für die Entwicklung des beiderseitigen Handels wie auch baldige Anstrengungen zur Lösung der sonstigen finanziellen und wirtschaftlichen
Fragen wünschenswert sind. Es wurde vereinbart, daß eine Pacht- und Leihregelung

gleichzeitig mit einem Handelsabkommen ausgehandelt werden soll.
Im
- 5 -

�Im Interesse einer Ausweitung und Erleichterung der kommerziellen Verbindungen zwischen den beiden Ländern und zur Ausarbeitung spezifischer

Ver-

einbarungen haben die beiden Seiten beschlossen, eine gemeinsame AmerikanischSowjetische Handelskommission einzusetzen. Ihre erste Sitzung wird im Sommer
1972 in Moskau abgehalten werden.

Jede Seite wird dazu beitragen, die Schaffung wirksamer Arbeitsvereinbarungen zwischen Organisationen und Firmen der beiden Länder sowie den Abschluß langfristiger Kontrakte zu fördern.

- Schiffahrtsangelegenheiten - Zwischenfälle auf See -

Die beiden Seiten kamen überein, die Verhandlungen fortzusetzen, die
auf ein Abkommen über Schiffahrtsangelegenheiten und ähnliche Fragen abzielen.
Sie sind der Ansicht, daß ein solches Abkommen die Ausweitung des Handels
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion positiv beeinflussen
würde.

Zwischen den beiden Seiten wurde ein Abkommen über Maßnahmen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf See und im darüber liegenden Luftraum zwischen
Schiffen und Flugzeugen der amerikanischen und sowjetischen Marinestreitkräfte
erzielt. Durch die Vereinbarung von Verfahrensweisen für dicht beieinander
operierende Schiffe und Flugzeuge der Marinestreitkräfte beider Länder wird
dieses Abkommen die Möglichkeiten für gefährliche Zwischenfälle verringern.

- Zusammenarbeit

- 6 -

�- Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik -

Es wurde anerkannt, daß die nunmehr eingeleitete Zusammenarbeit, etwa
in der Atomforschung, Weltraumforschung, im Gesundheitswesen und auf anderen
Gebieten, beiden Nationen zugutekommt und einen positiven Beitrag zu ihren
allgemeinen Beziehungen geleistet hat. Man war sich einig darüber, daß verstärkte wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit auf der Basis beiderseitigen Nutzens und gemeinsamer Anstrengungen zur Erreichung gemeinsamer
Ziele im Interesse beider Nationen liege und zu einer weiteren Verbesserung
:'.hrer bilateralen Beziehungen beitragen würde. Unter diesen Zielsetzungen
unterzeichneten die beiden Seiten ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf
den Gebieten von Wissenschaft und Technik. Es soll eine gemeinsame Kommission
für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit eingesetzt werden, die
Programme für eine Zusammenarbeit vorschlägt und festlegt.

- Zusammenarbeit im Weltraum -

Angesichts der Rolle, die die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
hei der friedlichen Erforschung des Weltraums spielen, unterstrichen beide
Seiten die Bedeutung künftiger bilateraler Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.
Um die Sicherheit bei bemannten Raumflügen und künftige Chancen für gemeinsame wissenschaftliche Experimente zu verbessern, kamen die beiden Seiten überein, geeignete Vorkehrungen zu treffen, um Kopplungsmanöver zwischen amerikanischen und sowjetischen Raumfluggeräten und Raumstationen zu ermöglichen.
Das erste gemeinsame Kopplungsexperiment von bemannten Raumschiffen der beiden
Länder, einschließlich gegenseitiger Besuche von Astronauten und Kosmonauten

�Kosmonauten im Raumschiff des anderen, ist für 1975 vorgesehen. Die Planung
und Durchführung dieses Fluges wird von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) und der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften gemäß den Grundsätzen und Verfahrensweisen verwirklicht, wie sie in gemeinsamen Konsultationen
entwickelt wurden.

- Zusammenarbeit im Gesundheitswesen -

Die beiden Seiten schlössen ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen ab, das einen fruchtbaren Beginn des Wissensaustauschs über
die gemeinsamen Feinde Krankheit und Invalidität und gemeinsamer Maßnahmen
gegen sie darstellt. Erste Forschungsanstrengungen im Rahmen des Programms
v/erden sich auf Gesundheitsprobleme konzentrieren, die für die ganze Welt Bedeutung haben - Krebs, Herzkrankheiten und toxikologische Auswirkungen der
Umwelt.

Diese Zusammenarbeit wird in der Folgezeit auf andere Gesundheitsprobleme
von beiderseitigem Interesse ausgedehnt werden. Die beiden Seiten verbürgten
sich dafür, die Programme der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen uneingeschränkt
zu unterstützen, und sie kamen überein, die aktive Beteiligung der beiden Regierungen an der Arbeit internationaler Organisationen im Gesundheitswesen
fortzusetzen.

- Zusammenarbeit

�- Zusammenarbeit beim Umweltschutz -

Die beiden Seiten kamen überein, ein Programm der Zusammenarbeit zum
Schutz und zur Verbesserung der menschlichen Umwelt in die Wege zu leiten.
Durch gemeinsame Forschung und gemeinsame Maßnahmen hoffen die Vereinigten
Staaten und die UdSSR, zur Erhaltung einer gesunden Umwelt in ihren Ländern
und in der übrigen Welt beizutragen.

Im Rahmen des neuen Abkommens über die Zusammenarbeit beim Umweltschutz
werden in naher Zukunft in Moskau Konsultationen über spezielle Projekte der
Zusammenarbeit aufgenommen.

- Austausch auf den Gebieten von Wissenschaft, Technik,
Bildungswesen und Kultur -

Beide Seiten anerkennen die Bedeutung des am 11. April 1972 in Moskau
unterzeichneten Abkommens über Austauschvorhaben und Zusammenarbeit in den
Jahren 1972 - 1973 auf den Gebieten von Wissenschaft, Technik, Bildungswesen,
Kultur sowie auf anderen Gebieten. Die Fortsetzung und Ausweitung bilateraler
Austauschvorhaben auf diesen Gebieten wird zu besserer Verständigung führen
und dazu beitragen, den allgemeinen Stand der Beziehungen zwischen den beiden
Ländern zu verbessern. Innerhalb

des durch dieses Abkommen geschaffenen

weiten Rahmens sind beide Seiten übereingekommen, die Gebiete der Zusammenarbeit

zu erweitern, wie dies in neuen Abkommen in bezug auf Weltraum, Gesund-

heitswesen, Umwelt und Wissenschaft und Technik zum Ausdruck kommt.
Die
- 9 -

�Die amerikanische Seite gab angesichts der Existenz eines umfangreichen .
Programms des Englisch-Unterrichts in der Sowjetunion ihre Absicht zu erkennen,
Programme des Russisch-Unterrichts in den Vereinigten Staaten zu fördern.

- Internationale Fragen -

Europa

Im Verlaufe der Erörterungen über die internationale Lage stellten beide
Seiten günstige Entwicklungen bei der Verminderung der Spannungen in Europa
fest.

Unter Anerkennung der Bedeutung, die die Entwicklungen in Europa, wo beide
Weltkriege ihren Ursprung hatten, für den Weltfrieden haben, und eingedenk
der Verantwortung und der Verpflichtungen, die sie aufgrund entsprechender Abkommen mit anderen Mächten teilen, beabsichtigen die USA und die UdSSR, weitere
Anstrengungen zur Sicherung einer friedlichen Zukunft für Europa, die frei von
Spannungen, Krisen und Konflikten ist, zu unternehmen.

Sie stimmen darin überein, daß die territoriale Integrität aller Staaten
:"n Europa respektiert werden sollte.

Beide Seiten betrachten das Viermächte-Abkommen vom 3. September 1971
bezüglich der Westsektoren Berlins als ein gutes Beispiel für eine fruchtbare
Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ländern, unter ihnen die USA und die
UdSSR. Die beiden Seiten glauben, daß die Durchführung dieses Abkommens in
naher Zukunft, zusammen mit anderen Schritten, die Lage in Europa weiter ver^

�verbessern sowie zu dem erforderlichen Vertrauen zwischen Staaten beitragen
wird.

Beide Seiten haben den am 12. August 1970 unterzeichneten Vertrag zwischen
der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland begrüßt. Sie hoben die Bedeutung
der Bestimmungen dieses Vertrages wie auch anderer kürzlicher Abkommen als
einen Beitrag zum Vertrauen und zur Zusammenarbeit zwischen den europäischen
Staaten hervor.

Die USA und die UdSSR sind bereit, geeignete

Beiträge zu den positiven

Trends auf dem europäischen Kontinent in Richtung auf eine echte Entspannung
und die Entwicklung von Beziehungen einer friedlichen Zusammenarbeit zwischen
den europäischen Ländern auf der Basis der Prinzipien der territorialen Integrität und der Unverletzbarkeit der Grenzen, der Nichteinmischung in innere
Angelegenheiten, der souveränen Gleichberechtigung, der Unabhängigkeit und des
Verzichts auf Anwendung oder Androhung von Gewalt zu leisten.

Die USA und die UdSSR stimmen darin überein, daß multilaterale Konsultacionen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nach
der Unterzeichnung des Viermächte-Schlußprotokolls zum Abkommen vom 3. September
1971 beginnen könnten. Die beiden Regierungen sind sich darin einig, daß die
Konferenz sorgfältig vorbereitet werden sollte, damit sie in konkreter Form
spezifische Probleme der Sicherheit und Zusammenarbeit prüfen und so zu der
fortschreitenden Verminderung der zugrundeliegenden Ursachen für die Spannungen
in Europa beitragen kann. Diese Konferenz sollte zu einem Zeitpunkt zusammentreten, der von den betro fenen Ländern zu vereinbaren ist, allerdings ohne
ungebührliche Verzögerung.
Beide
- 11 -

�Beide Seiten sind der Ansicht, daß dem Ziel einer Gewährleistung von
Stabilität und Sicherheit in Europa durch eine beiderseitige Reduzierung der
Streitkräfte und Rüstungen, vor allem in Mitteleuropa, gedient sein würde.
Eine Übereinkunft über diese Frage sollte die Sicherheit keiner der beiden
Seiten vermindern. Eine entsprechende Vereinbarung über die Verhandlungsverfahren in dieser Frage sollte so bald wie möglich zwischen den betreffenden
Ländern in einem besonderen Forum erreicht werden.

- Naher Osten -

Die beiden Seiten haben ihre Position in dieser Frage dargelegt. Sie
haben ihre Unterstützung einer friedlichen Lösung im Nahen Osten, im Einklang
mit der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates, erneut bekräftigt.

Unter Hinweis auf die Bedeutung einer konstruktiven Zusammenarbeit der
betroffenen Parteien mit dem Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs, Botschafter Jarring, haben die USA und die UdSSR ihren Wunsch bekräftigt, ihre
Rolle bei der Herbeiführung einer friedlichen Lösung im Nahen Osten zu spielen.
Nach Ansicht der USA und der UdSSR würde die Erzielung einer solchen Lösung
Aussichten auf Normalisierung der Situation im Nahen Osten eröffnen und im
besonderen das Prüfen weiterer Schritte gestatten, um eine militärische Entspannunge in diesem Raum herbeizuführen.

- Indochina -

�- Indochina -

Jede Seite hat ihren jeweiligen Standpunkt hinsichtlich des in Vietnam
andauernden Krieges sowie der Situation im indochinesischen Raum als ganzem
dargelegt.

Die amerikanische Seite hat die Notwendigkeit unterstrichen, den militärischen Konflikt so bald wie möglich zu einem Ende zu bringen, und bekräftigt,
daß sie zu dem Prinzip steht, daß es dem südvietnamesischen Volk überlassen
sein sollte, selbst und ohne jede ausländische Einmischung über die politische
Zukunft Südvietnams zu entscheiden.

Die amerikanische Seite hat ihre Auffassung erläutert, daß der schnellste
und wirksamste Weg zur Erreichung der oben dargelegten Ziele Verhandlungen
sind, die zur Rückkehr aller in diesem Raum gefangengehaltenen Amerikaner, zur
Verwirklichung einer international überwachten, ganz Indochina umfassenden
Waffenruhe sowie dem anschließenden Abzug aller in Südvietnam stationierten
amerikanischen Truppen innerhalb von vier Monaten führen, wobei die Lösung der
politischen Fragen den Völkern Indochinas überlassen wird.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Bereitschaft wiederholt, in ernsthafte
Verhandlungen mit der nordvietnamesischen Seite einzutreten, um den Krieg in
Indochina auf einer für alle gerechten Basis zu beenden.

Die sowjetische Seite hat ihre Solidarität mit dem gerechten Kampf der
Völker Vietnams, Laos und Kambodschas für ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit
und ihren sozialen Fortschritt unterstrichen. Bei fester Unterstützung der
Vorschläge der Demokratischen Republik Vietnam und der Republik Südvietnam, die

- 13 -

�die eine realistische und konstruktive Basis für die Lösung des Vietnamproblems bilden, tritt die Sowjetunion für eine Einstellung der Bombardierung
der Demokratischen Republik Vietnam und für einen vollständigen und eindeutigen
Abzug der Truppen der USA und ihrer Verbündeten aus Südvietnam ein, so daß
die Völker Indochinas die Möglichkeit haben würden, selbst und ohne jede ausländische Einmischung über ihr Schicksal zu entscheiden.

- Abrüstungsfragen -

Die beiden Seiten haben ihre Standpunkte zur Rüstungsbegrenzung und zu
Abrüstungsfragen dargelegt.

Die beiden Seiten stellen fest, daß ihre gemeinsamen und gleichlaufenden
Maßnahmen während der letzten Jahre die Ausarbeitung und den Abschluß von Verträgen erleichtert haben, die das Wettrüsten eindämmen oder einige der gefährlichsten Waffenarten ächten. Sie stellen ferner fest, daß diese Verträge von
einer großen Zahl der Länder der Welt, die ihnen beitragen, begrüßt worden
sind.

Beide Seiten betrachten die Konvention über das Verbot der Entwicklung,
der Herstellung und der Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung als eine wesentliche Abrüstungsmaßnahme. Sie sind gemeinsam mit Großbritannien

Depositarmächte der Konvention,

die kürzlich für alle Länder zur Unterzeichnung ausgelegt worden ist. Die USA
und die UdSSR werden ihre Anstrengungen fortsetzen, ein internationales Abkommen über die chemischen Waffen zu erreichen.
Die
- 14 -

�Die USA und UdSSR werden, von der Notwendigkeit ausgehend, daß den Sicherheitsinteressen der beiden Länder auf der Basis des Prinzips der Gleichheit
Rechnung getragen werden muß, und ohne Präjudizierung der Sicherheitsinteressen dritter Länder aktiv an Verhandlungen mit dem Ziele teilnehmen, neue
Maßnahmen zur Einschränkung und Beendigung des Wettrüstens auszuarbeiten. Das
letztliche Ziel ist eine allgemeine und vollständige Abrüstung, einschließlich
einer nuklearen Abrüstung, unter strikter internationaler Kontrolle. Eine Weltabrüstungskonferenz könnte zu gegebener Zeit eine Rolle bei diesem Prozeß
spielen.

- Stärkung der Vereinten Nationen -

Beide Seiten werden sich darum bemühen, die Wirksamkeit der Vereinten
Nationen auf der Basis der strikten Einhaltung der UN-Charta zu stärken. Sie
betrachten die Vereinten Nationen als ein Instrument, um den Weltfrieden und
die internationale Sicherheit zu wahren, um Konflikte zu verhindern und um
eine internationale Zusammenarbeit zu entwickeln. Daher werden sie ihr Bestes
tun, um die Bemühungen der Vereinten Nationen im Interesse des Weltfriedens
zu unterstützen.

- 15 -

�Beide Seiten haben unterstrichen, daß die bei den Verhandlungen in Moskau
erreichten Abkommen und Vereinbarungen wie auch Inhalt und Art dieser Verhandlungen in keiner Weise gegen irgendein anderes Land gerichtet sind. Beide
Seiten handeln in Kenntnis der Rolle, der Verantwortung und der Hoheitsrechte
ihrer beteiligten Staaten, der bestehenden internationalen Verpflichtungen und
Abkommen sowie der Prinzipien und Zielsetzungen der UN-Charta.

Beide Seiten sind der Auffassung, daß im Verlaufe der auf höchster Ebene
geführten Gespräche positive Ercobnisse erzielt worden sind. Diese Ergebnisse
;:eigen, daß es trotz der Unterschiede zwischen den sozialen Systemen, Ideologien
und politischen Prinzipien der USA und der UdSSR möglich ist, eine zum beiderseitigen Vorteil gereichende Zusammenarbeit zwischen den Völkern der beiden
Länder zu erreichen, die im Interesse der Stärkung des Friedens und der internationalen Sicherheit liegt.

Beide Seiten haben ihren Wunsch bekundet, bei einer Reihe von Fragen, die
erörtert wurden, die engen Kontakte fortzusetzen. Sie stimmten darin überein,
daß regelmäßige Konsultationen über Fragen von beiderseitigem Interesse, darunter auch Treffen auf höchster Ebene, nützlich sein würden.

Als Zeichen seiner Dankbarkeit für die ihm in der Sowjetunion zuteilgewordene Gastfreundschaft hat Präsident Nixon Generalsekretär L. I. Breschnew,
den Vorsitzenden N. V. Podgorny und den Vorsitzenden A. N. Kossygin eingeladen, die Vereinigten Staaten zu einem beiderseits genehmen Zeitpunkt zu
besuchen.

Diese Einladung ist angenommen worden.
+ + + + +

- 16 -

�, amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

19-3240

Information

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T e I e x : 08 - 8 54 32

22/1972

FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT NIXONS IN MOSKAU
-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)«» Präsident Nixon hat am 28„ Mai in Moskau eine Ansprache gehalten, die gleichzeitig vom sowjetischen und amerikanischen Rundfunk und
Fernsehen übertragen wurde.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Ich bin Ihrer Regierung außerordentlich dankbar, daß sie mir die Gelegenheit gegeben hat, direkt zu der Bevölkerung der Sowjetunion zu sprechen
- Ihnen eine Botschaft der Freundschaft von der gesamten Bevölkerung der Vereinigten Staaten zu bringen und mit Ihnen einige meiner Gedanken über die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und über den Weg zu Frieden und
Fortschritt in der Welt zu teilen.
Dies ist mein vierter Besuch in der Sowjetunion. Bei diesen Besuchen habe ich eine große Achtung vor der Bevölkerung der Sowjetunion gewonnen - vor
Ihrer Stärke, Ihrer Großzügigkeit, Ihrer Entschlossenheit, vor der Vielfalt
und dem Reichtum Ihres kulturellen Erbes, vor Ihren vielen Errungenschaften.
In den drei Jahren, seit ich im Amt bin, ist es eines meiner Hauptziele
gewesen, ein besseres Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion herzustellen.
Unsere beiden Länder haben vieles gemeinsam. Was jedoch das Wichtigste
ist, wie haben niemals einen Krieg gegeneinander geführt. Im Gegenteil, die
-1-

�die Erinnerung, daß sich Ihre Soldaten und unsere im Jahre 1945 als Verbündete
an der Elbe umarmt haben, ist in Millionen von Herzen in unseren beiden Ländern
stark geblieben, Es ist meine Hoffnung, daß diese Erinnerung als eine Inspiration für die Erneuerung der sowjetisch-amerikanischen Zusammenarbeit in den
siebziger Jahren dienen kann. Als Großmächte werden wir manchmal Konkurrenten
sein, aber wir brauchen nie Gegner zu sein.
Als ich vor dreizehn Jahren Ihr Land als Vizepräsident besuchte, habe ich
eine Rundfunk-und Fernsehansprache an die Bevölkerung der Sowjetunion gerichtet,
so wie ich heute abend zu Ihnen spreche- Ich sagte damals: "Lassen Sie uns
einen friedlichen

Wettstreit führens nicht nur um die besten Fabriken zu bauen,

sondern um ein besseres Leben für unsere Völker zu schaffen. Lassen Sie uns
bei der Erforschung des Weltraums zusammenarbeiten... Unser Ziel soll nicht
der Sieg über andere Völker sein, sondern der Sieg der gesamten Menschheit über
Hunger, Not, Elend und Krankheit, wo immer es sie auf der Welt gibt.*
Auf unseren Zusammenkünften diese Woche haben wir damit begonnen, einige
dieser Hoffnungen zu erfüllen.
Kurz bevor wir am Montagnachmittag hier eintrafen, ging ein kurzer Regen
über Moskau nieder, den man, wie man mir sagte, 'Pilzregen* nennt -- ein warmer
Regen, nach dem der Sonnenschein durchbricht, der die Pilze wachsen läßt und
der daher als ein gutes Omen betrachtet wird»
Der Monat Mai ist etwas früh für Pilze —

aber als unsere Gespräche voran«

gingen, war das, was daraus erwuchs, noch viel besser: Eine Zahl weitreichender
Abkommen, die zu einem besseren Leben für unsere beiden Völker führen können,
und zu einer besseren Chance für den Frieden.
Wir sind über gemeinsame Vorhaben im Weltraum übereingekommen. Wir sind
über Wege übereingekommen, um zum Schutz der Umwelt zusammenzuwirken, die Gesundheit zu fördern und in Wissenschaft und Technologie zusammenzuarbeiten.
Wir
-2-

�Wir sind über Mittel und Wege zur Verhinderung von Zwischenfällen auf
hoher See übereingekommen.
Wir haben eine Kommission zur Erweiterung des Handels zwischen unseren
beiden Nationen eingesetzt.
Was aber am wichtigsten ist - wir haben einen historischen ersten Schritt
in Richtung auf die Begrenzung der nuklearen strategischen Waffen getan.
Dieses Rüstungskontrollabkommen ist nicht dazu bestimmt, der einen Seite
einen Vorteil über die andere zu verschaffen. Wir sind beide starke Nationen.
Jede respektiert die Stärke der anderen. Jede wird die Stärke beibehalten, die
notwendig ist, um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.
Aber bei einem uferlosen Wettrüsten zwischen zwei großen Nationen würde es
keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Indem wir uns zusammen diese Grenzen setzen, kann die Bevölkerung unserer beiden Staaten und aller Staaten Gewinner sein.
Wenn wir diesen Geist einer ernsthaften Zielsetzung beibehalten, der unsere Gespräche in dieser Woche gekennzeichnet hat, dann können diese Verträge uns
auf einen neuen Weg der Zusammenarbeit zum Wohle unserer Völker und zum Wohle
aller Völker führen.
Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt: 'Mache mit den Menschen Frieden
und streite mit deinen Sünden*.
Die Nöte und die Übel, die alle Menschen in allen Nationen plagen, diese
und diese allein sind es, gegen die wir kämpfen sollten.
Blicken wir auf die Aussichten für den Frieden, dann sehen wir, daß wir
einen bedeutsamen Fortschritt in Bezug auf die Verringerung der möglichen
Quellen eines direkten Konflikts zwischen uns gemacht haben. Aber die Geschichte
lehrt uns, daß große Nationen oft ohne ihren Willen durch Konflikte zwischen
kleineren Nationen in einen Krieg hineingezogen wurden. Als Großmächte können
3-

�können und sollten wir unseren Einfluß geltend machen, damit dies nicht geschieht.
Unser Ziel sollte es sein, die Aggression in anderen Teilen der Welt zu entmutigen und vor allem unter jenen kleineren Nationen, die von uns Führung und
Beispiel erwarten.
i

Große Macht bedeutet auch große Verantwortung. Wenn ein. Mensch mit Riesenschritten geht, dann muß er sorgfältig darauf achten, wohin er seinen Fuß setzt.
Echten Frieden kann es nur geben, wenn die Schwachen genau so sicher sind wie

die

Starken.
Je wohlhabender und mächtiger unsere eigenen Länder werden, desto mehr haben
wir durch Krieg und Kriegsdrohung irgendwo in der Welt zu verlieren.
Namens der Vereinigten Staaten kann ich folgendes sagen:
Es gelüstet uns nicht nach dem Territorium irgendeines anderen, wir streben
nicht nach der Herrschaft über irgendein anderes Volk.
Wir wollen das Recht, in Frieden zu leben - nicht nur für uns selbst, sondern für alle Völker auf dieser Erde.
Wir werden unsere Macht nur einsetzen, um den Frieden zu wahren, niemals
um ihn zu brechen: nur um die Freiheit zu verteidigen, niemals um sie zu zerstören.
Ein Land, das seine Nachbarn nicht bedroht, hat nichts von den Vereinigten
Staaten zu befürchten.
Sowjetische Bürger haben mich oft gefragt: Will Amerika wirklich Frieden?
Ich glaube, unser Handeln beantwortet diese Frage weit besser, als Worte
dies tun könnten.
Wenn wir keinen Frieden wollten, würden wir die Stärke unserer Streitkräfte nicht in den letzten drei Jahren um eine Million Mann verringert haben - um
fast ein Drittel.
.4_

Wenn

�Wenn wir keinen Frieden wollten, würden wir nicht so hart darauf hingearbeitet haben, ein Abkommen über die Begrenzung von Nuklearwaffen zu erreichen,
eine Berlin-Regelung zu erzielen, den Frieden im Nahen Osten zu erhalten, bessere Beziehungen zur Sowjetunion, zur Volksrepublik China und zu allen übrigen Ländern der Welt zu errichten.
Mrs. Nixon und ich schätzen uns sehr glücklich, daß wir die Gelegenheit
haben, die Sowjetunion zu besuchen und die Bevölkerung der Sowjetunion kennenzulernen,die so freundlich und gastlich, so mutig und stark ist.
Die meisten Amerikaner werden niemals Gelegenheit zu einem Besuch der
Sowjetunion und die meisten sowjetischen Bürger niemals Gelegenheit zu einem Besuch Amerikas haben. Die meisten von Ihnen kennen unser Land nur von dem, was
Sie in Ihren Zeitungen lesen und von dem, was Sie im Rundfunk und Fernsehen und
in Filmen hören und sehen. Das ist nur ein Teil des wirklichen Amerikas. Ich
möchte diese Gelegenheit benutzen und versuchen, Ihnen etwas von dem zu vermitteln, was Amerika wirklich ist - nicht was seine Naturschönheiten, seine großen
Städte, seine Fabriken, seine Farmen oder seine Autobahnen anbetrifft, sondern
was seine Bevölkerung anbetrifft.
In vieler Weise ist sich die Bevölkerung unserer beiden Länder sehr ähnlich.
Wie die Sowjetunion so ist auch unser Land groß und vielfältig. Unsere Bevölkerung arbeitet gleich der Ihren hart. Gleich Ihnen haben wir Amerikaner einen
starken Wettbewerbsgeist, aber wir lieben auch Musik und Dichtung wie auch Sport
und Humor sehr. Vor allem sind wir, gleich Ihnen, ein offenes, natürliches und
freundliches Volk. Wir lieben unser Land. Wir lieben unsere Kinder. Und wir
wünschen Ihnen und Ihren Kindern den gleichen Frieden und Reichtum, den wir uns
für unsere Kinder wünschen.
Wir Amerikaner sind Idealisten. Wir glauben zutiefst an unser eigenes
Regierungssystem. Wir schätzen unsere persönliche Freiheit. Wir würden - sollte
es notwendig sein - kämpfen, um sie zu verteidigen, wie wir das früher getan
haben. Aber wir glauben auch zutiefst an das Recht einer jeden Nation, ihr eige-5-

�eigenes System zu wählen. Deshalb haben wir - so sehr wir unser eigenes System
für uns schätzen - nicht den Wunsch, es irgendeinem anderen aufzuzwingen.
Wenn wir jetzt diese Woche der Gespräche abschließen, gibt es gewisse fundamentale Prämissen des amerikanischen Standpunktes, die meiner Ansicht nach
eine Betonung verdienen.
Bei der Führung dieser Gespräche war es nicht unser Ziel, die Welt in Einflußsphären aufzuteilen, ein Kondominium zu schaffen oder in irgendeiner Weise
zusammen gegen die Interessen irgendeiner anderen Nation zu konspirieren. Wir
waren vielmehr bestrebt, einen besseren Rahmen der Verständigung zwischen unseren beiden Nationen z.u schaffen, Fortschritte in unseren bilateralen Beziehungen zu erzielen, Mittel und Wege zu finden, um sicherzustellen, daß zukünftige
Reibungen unsere beiden Länder - und damit die Welt - niemals in einen Krieg
hineinziehen werden.
Wenn unsere beiden Nationen auch groß und mächtig sind, so wird die Welt
doch nicht mehr von zwei Supermächten beherrscht. Die Welt ist ein besserer und
sichererer Ort, weil ihre Macht und ihre Hilfsquellen breiter verteilt sind.
Darüber hinaus sind seit dem zweiten Weltkrieg mehr als 70 neue Nationen entstanden. Wir können keinen echten Frieden haben, solange sie und alle Nationen
nicht das Gefühl haben können, an diesem Frieden teilzuhaben.
Amerika sucht bessere Beziehungen nicht nur zur Sowjetunion, sondern zu
allen Nationen. Die einzig vernünftige Grundlage für eine friedliche und progressive internationale Ordnung ist die souveräne Gleichberechtigung und die
gegenseitige Achtung. Wir glauben an das Recht einer jeden Nation, ihren eigenen
Kurs abzustecken, sich ihr eigenes System zu wählen und ihren eigenen Weg ohne
Einmischung von seiten anderer Nationen zu beschreiten.
Wenn wir in die fernere Zukunft blicken, dann hängt der Frieden auch von
einem anhaltenden Fortschritt in den Entwicklungsländern ab. Zusammen mit änderet
fortschrittlichen Industriestaaten tragen die Vereinigten Staaten und die Sowjet,
union in dieser Hinsicht eine zweifache Verantwortung: Einerseits Zurückhaltung
bei all jenen Tätigkeiten zu üben, die - wie die Lieferung von
-6-

Waffen - den

�den Frieden in den Entwicklungsländern gefährden könnten, und zum anderen, sie
bei einer geordneten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung - ohne politische Einmischung - zu unterstützen.
Manche von Ihnen kennen vielleicht die alte Geschichte, die man sich in
Rußland von einem Wanderer erzählt, der nach einem anderen Dorf ging. Er kannte
den Weg, aber nicht die Entfernung. Schließlich traf er auf einen Holzfäller,
der neben der Straße Holz schlug. Er fragte ihn: »Wielange wird es dauern, bis
ich in das Dorf komme?' Der Holzfäller antwortete: 'Das weiß ich nicht1.
Der Wanderer ärgerte sich, weil er überzeugt war, daß der Holzfäller aus
jenem Dorf stammte und daher auch wissen mußte, wie weit es war. Und so machte
er sich denn wieder auf den Weg.

Nach einigen Schritten rief der Holzfäller

ihm nach: »Halt! Du wirst etwa 15 Minuten brauchen!8.
Darauf drehte sich der Wanderer um und fragte ihn: 'Warum hast Du mir das
nicht gleich gesagt?' Der Holzfäller erwiderte: »Weil ich noch nicht wußte,
wie lange Schritte Du machst'.
In unseren Gesprächen diese Woche mit den Führern der Sowjetunion haben
beide Seiten Gelegenheit gehabt, die Länge unserer Schritte in Richtung auf
Frieden und Sicherheit zu messen.
Ich glaube, daß diese Schritte beträchtlich gewesen sind und daß wir uns
jetzt wirklich auf dem langen Wege befinden, der uns in ein neues Zeitalter
der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern führen wird. Es ist für unsere
beiden Völker wichtig, daß wir diese Schritte fortsetzen.
So wie unsere beiden Länder lernen zusammenzuarbeiten, so werden unsere
Völker auch einander besser kennen lernen können.
Vermehrte Zusammenarbeit kann auch für unser tägliches Leben sehr viel
bedeuten,
So wie wir lernen, im Weltraum, im

Gesundheitswesen, in umweltfragen,

in Wissenschaft und Technologie zusammenzuarbeiten, so kann unsere Zusammenarbeit
-7-

�Zusammenarbeit kranken Menschen helfen, wieder gesund zu werden. Sie kann dazu
beitragen, daß die Industrien mehr Konsumgüter produzieren. Sie kann uns allen
helfen, daß wir uns sauberer Luft und sauberen Wassers erfreuen können. Sie
kann unser Wissen von der Welt um uns herum erweitern.
So wie wir unseren Handel erweitern, so kann jedes unserer Länder mehr
Güter des anderen kaufen und mehr eigene Waren verkaufen.
So wie wir Erfahrungen mit der Rüstungskontrolle sammeln, so können wir
den Tag näherbringen, da weitere Abkommen die Rüstungslast unserer beiden Nationen und die Kriegsgefahr in der Welt verringern können.
In allen Zeiten der Geschichte, durch alle Jahrhunderte hindurch hat die
Menschheit darum gerungen, frei von Angst zu leben - sei es die Angst vor den
Elementen oder die Angst vor dem Hunger oder die Angst vor eigenen Machthabern
oder die Angst vor den Nachbarn in anderen Ländern,
Und doch haben die Menschen immer wieder die Ursache der einen Angst beseitigt, nur um dann einer anderen anheimzufallen. Nunmehr muß unser Ziel eine
Welt frei von Angst sein - eine Welt, in der die menschlichen Energien von

der

Kriegsproduktion weg und zu einer größeren Produktion für den Frieden hingewendet werden, weg von Eroberung und hin zu Erfindung, zu Entwicklung und zu
schöpferischer Tätigkeit - eine Welt, in der wir zusammen jenen Frieden schaffen können, der mehr ist als nur das Nichtvorhandensein von Krieg, der den Menschen in die Lage versetzt, jene höheren Ziele zu verfolgen, nach denen sich
sein Geist sehnt.
Gestern habe ich einen Kranz auf dem Friedhof niedergelegt, der zum Gedenken an die tapferen Menschen angelegt wurde, die während der Belagerung Leningrads im zweiten Weltkrieg starben. Auf dem Friedhof sah ich das Bild eines
zwölfjährigen Mädchens. Es war ein hübsches Kind. Ihr Name war Tanja. Die Seiten
ihres Tagebuches erzählen die schreckliche Geschichte des Krieges. In den einfachen Worten eines Kindes schrieb sie vom Tode ihrer Familienangehörigen: Sena
im Dezember, Otra im Januar, Leka, dann Onkel Wasja, dann Onkel Ljoscha, dann
-8-

�dann Mutter und dann die Sawitschews und dann schließlich diese Worte, die
letzten Worte ihres Tagebuches: *Alle sind tot, nur Tanja ist übrig geblieben*.
Wenn wir jetzt auf eine friedlichere Welt hinarbeiten, lassen Sie uns an
Tanja denken - und an die anderen Tanjas, und an ihre Brüder und Schwestern überall auf der Welt, Lassen Sie uns alles in unseren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß keine anderen Kinder das erdulden müssen, was Tanja durchgemacht
hat - und daß Ihre Kinder und die unsrigen, alle Kinder der Welt ihr ganzes Leben
gemeinsam in Freundschaft und Frieden leben können."

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22/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHER VERTRAG ÜBER DIE BEGRENZUNG DER
ABM-SYSTEME
-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 26. Mai einen Vertrag über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme (ABM) abgeschlossen, der von Präsident Nixon
und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichnet wurde.
Der Vertrag hat folgenden Wortlaut:
26.Mai 1972
Vertrag
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Begrenzung von ballistischen Raketenabwehrsystemen

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, nachfolgend als die Vertragspartner bezeichnet, sind
von der Prämisse ausgehend, daß ein Nuklearkrieg verheerende Folgen
für die gesamte Menschheit haben würde;
aus der Erwägung heraus, daß wirksame Maßnahmen zur Begrenzung der
ballistischen Raketenabwehrsysteme ein wesentlicher Faktor bei der Einschränkung des Wettrüstens mit strategischen Offensivwaffen sein und zu
-1-

�zu einer Verminderung der Gefahr des Ausbruchs eines Krieges mit Kernwaffen
führen würde;
von der Prämisse ausgehend, daß die Begrenzung von ballistischen Raketenabwehrsystemen sowie bestimmte vereinbarte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung strategischer Offensivwaffen zur Schaffung günstigerer Bedingungen für
weitere Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstung beitragen
würden;
eingedenk ihrer Verpflichtungen gemäß Artikel VI des Vertrages über die
Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen;
unter Betonung ihrer Absicht, zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Einstellung des nuklearen Wettrüstens zu erreichen und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der strategischen Rüstung, zur nuklearen Abrüstung sowie zur allgemeinen
und vollständigen Abrüstung zu ergreifen;
aus dem Wunsche heraus, zur internationalen Entspannung und zur Stärkung
des Vertrauens zwischen Staaten beizutragen,
wie folgt übereingekommen:

Artikel I
1.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, die ballistischen Raketenab-

wehrsysteme (ABM) zu begrenzen und in Übereinstimmung mit den Bestimmungen dieses Vertrages weitere Maßnahmen zu ergreifen.
2.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine ABM-Systeme für eine Ver-

teidigung des Territoriums seines Landes zu dislozieren und keine Base für eine
solche Verteidigung einzurichten sowie keine ABM-Systeme zur Verteidigung eines einzelnen Gebietes zu dislozieren, ausgenommen wie dies in Artikel III
dieses Vertrages vorgesehen ist.
Artikel
-2-

�Artikel II

1.

Im Sinne dieses Vertrages ist ein ABM-System ein System zur Abwehr stra-

tegischer ballistischer Raketen oder ihrer Elemente in einer Flugbahn, das
gegenwärtig besteht aus:
(A) ABM-Abfangraketen; dies sind Abfangraketen, die für eine Rolle im
Rahmen des ABM konstruiert und disloziert worden sind, oder Raketen eines Typs,
der auf ABM-Eigenschaften getestet worden ist.
(B) ABM-Abschußvorrichtungen; dies sind Abschußvorrichtungen, die für den
Start von ABM-Abfangraketen konstruiert und disloziert worden sind, und
(C) ABM-Radareinrichtungen; dies sind Radareinrichtungen, die für eine
Rolle im Rahmen des ABM konstruiert und disloziert worden sind, oder Einrichtungen, die auf ABM-Eigenschaften getestet worden sind.

2.

Zu den ABM-System-Komponenten, die in Absatz 1 dieses Artikels aufgeführt

sind, gehören solche, welche:
(a) einsatzbereit
(b) im Bau
(c) in der Erprobung sind,
(d) überholt, repariert oder umgebaut werden oder
(e) eingemottet sind.

Artikel III
Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine ABM-Systeme oder ihre Komponenten zu dislozieren, ausgenommen:
(A)

innerhalb eines ABM-System-Dislozierungsgebietes mit einem Radius von

150 Kilometern und dem Mittelpunkt in der Hauptstadt des Vertragspartners
-3-

�Vertragspartners darf ein Vertragspartner dislozieren;
1) nicht mehr als 100 ABM-Abschußvorrichtungen und nicht mehr als 100 ABMAbfangraketen an den Startplätzen, und
2) ABM -Radareinrichtungen innerhalb von nicht mehr als sechs ABM-Radarkomplexen, wobei das Gebiet jedes Komplexes kreisförmig sein muß und nur einen
Durchmesser von höchstens drei Kilometern haben darf, und

(B) innerhalb eines ABM-Dislozierungsgebietes, das einen Radius von 150 Kilometern hat und in dem ICBM- (Interkontinentalraketen)-Abschuß-Silos liegen
darf ein Vertragspartner dislozieren:
1) nicht mehr als 100 ABM-Abschußvorrichtungen und nicht mehr als 100 ABMAbfangraketen an den Startplätzen;
2) zwei große ABM-Radareinrichtungen mit phasengesteuerter Richtwirkung,
die im Wirkungsbereich mit entsprechenden ABM-Radareinrichtungen vergleichbar
sind, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrages in einem ABM-System Dislozierungsgebiet, in dem ICBM-Abschuß-Silos liegen, einsatzbereit oder im
Bau sind, und
3) nicht mehr als 18 ABM-Radareinrichtungen, von denen jede einen geringeren Wirkungsbereich haben muß als die kleinere der beiden oben genannten großen
ABM-Radareinrichtungen mit phasengesteuerter Richtwirkung.

Artikel IV

Die in Artikel III vorgesehenen Begrenzungen sollen nicht gelten für ABMSysteme oder ihre Komponenten, die für die Entwicklung oder für Versuchszwecke
verwandt werden und innerhalb gegenwärtiger oder zusätzlich vereinbarter Versuchsgebiete liegen. Jeder Vertragspartner darf nicht mehr als insgesamt

�insgesamt 15 ABM-Abschußvorrichtungen in Versuchsgebieten besitzen.

Artikel V

1.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine ABM-Systeme oder Komponenten

zu entwickeln, zu testen oder zu dislozieren, die seegestützt sind, luftgestützt sind, weltraumgestützt sind oder mobil landgestützt sind.
2.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine ABM-Abschußvorrichtungen

zu entwickeln, zu testen oder zu dislozieren, von denen mehr als eine ABM-Abfangrakete zur gleichen Zeit von jeder Vorrichtung gestartet werden könnte, keine
dislozierte Abschußvorrichtung dahingehend abzuändern, daß sie mit einer solchen
Fähigkeit ausgestattet würde, und keine automatischen oder halbautomatischen
oder ähnliche Systeme für die rasche Neuladung von ABM-Abschußvorrichtungen zu
entwickeln, zu testen oder zu dislozieren.

Artikel VI

Um die Garantie für die Wirksamkeit der Begrenzungen der ABM-Systeme und
ihrer Komponenten, wie sie in diesem Vertrag vorgesehen sind, zu fördern, verpflichtet sich jeder Vertragspartner:

(A)

KeinenRaketen, Abschußvorrichtungen oder Radareinrichtungen außer ABM-

Abfangraketen, ABM-Abschußvorrichtungen oder ABM-Radareinrichtungen die Fähigkeit zu verleihen, strategischen ballistischen Raketen oder ihren Elementen
in einer Flugbahn entgegenzuwirken und sie nicht auf ABM-Eigenschaften zu
testen, und
(B)

in der Zukunft keine Radareinrichtungen für ein Frühwarnsystem gegen einen

Angriff mit strategischen ballistischen Raketen zu dislozieren, mit Ausnahme
an Plätzen entlang der Peripherie seines nationalen Territoriums und nach
-5-

�nach außen gerichtet.

Artikel VII
Vorbehaltlich der Bestimmungen dieses Vertrages darf eine Modernisierung
und ein Ersatz von ABM-Systemen oder ihrer Komponenten vorgenommen werden.

Artikel VIII
ABM-Systeme oder ihre Komponenten über die Zahl hinaus oder außerhalb der
Gebiete, wie in diesem Vertrag spezifiziert,febensowie ABM-Systeme oder ihre
Komponenten, wie durch diesen Vertrag verboten, werden im Rahmen vereinbarter
Verfahren innerhalb des kürzesten vereinbarten Zeitraums zerstört oder demontiert.

Artikel IX

Um die Lebensfähigkeit und Wirksamkeit dieses Vertrages sicherzustellen,
verpflichtet sich jeder Vertragspartner, keine ABM-Systeme oder Komponenten davon, wie sie durch diesen Vertrag begrenzt werden, nach anderen Staaten zu verbringen und sie nicht außerhalb seines nationalen Territoriums zu dislozieren.

Artikel X

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine internationalen Verpflichtungen einzugehen, die im Widerspruch zu diesem Vertrag stehen würden.

Artikel XI

Die Vertragspartner verpflichten sich, aktive Verhandlungen über die Begrenzung von strategischen Offensivwaffen fortzusetzen.
Artikel
-6-

�Artikel XII

1.

Zum Zwecke der Sicherstellung der Einhaltung der Bestimmungen dieses Ver-

trages wird jeder Vertragspartner ihm zur Verügung stehende nationale technische
Mittel der Verifizierung in einer Weise anwenden, die in Übereinstimmung mit den
allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts steht.

2.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, nicht in die nationalen technischen

Mittel der Verifizierung des anderen Vertragspartners, der in Übereinstimmung
mit Absatz 1 dieses Artikels handelt, einzugreifen.
3.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine absichtlichen Verschlei-

erungsmaßnahmen anzuwenden, die die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen
dieses Vertrages durch nationale technische Mittel behindern. Diese Verpflichtung
soll keine Änderung der gegenwärtigen Bau-,, Montage-, Umwandlungs-oder Überholungsverfahren erfordern.

Artikel XIII

1.

Zur Förderung der Zielsetzungen und Durchführung der Bestimmungen dieses

Vertrages werden die Vertragspartner unverzüglich eine Ständige Beratende Kommission einsetzen und werden innerhalb dieses Rahmens:

(A) Fragen erörtern, die die Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen
und damit in Beziehung stehende Situationen betreffen, die als nicht eindeutig
erscheinen mögen;
(B) auf freiwilliger Basis solche Informationen verfügbar machen, die der
eine oder der andere Vertragspartner für notwendig erachtet, um ein Vertrauen
in die Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen zu gewährleisten;
(C) Fragen erörtern, die einen unbeabsichtigten Eingriff in die nationalen
technischen Mittel der Verifizierung beinhalten;
(D)
-7-

�(D) etwaige Veränderungen in der strategischen Situation erörtern, die
eine Auswirkung auf die Bestimmungen dieses Vertrages haben;
(E) sich auf Verfahren und Daten für die Zerstörung oder die Demontage
der ABM-Systeme oder ihrer Komponenten in den durch die Bestimmungen dieses Vertrages vorgesehenen

Fällen einigen;

(F) soweit angebracht mögliche Vorschläge für eine weitere Stärkung der
Lebensfähigkeit dieses Vertrages erörtern, darunter auch Vorschläge für Vertragszusätze in Einklang mit den Bestimmungen dieses Vertrages;
(G) soweit angebracht Vorschläge für weitere Maßnahmen erörtern, die auf
eine Begrenzung der strategischen Rüstungen abzielen.

2.

Die Vertragspartner werden auf dem Wege der Konsultationen Statuten für

die Ständige Beratende Kommission aufstellen - und können sie, falls angebracht,
durch Zusätze erweitern, die die Verfahrensweisen, die Zusammensetzung und
andere relevante Angelegenheiten betreffen.

Artikel XIV

1.

Jeder Vertragspartner kann Zusatzbestimmungen zu diesem Vertrag vorschla-

gen. Vereinbarte Zusätze sollen in Einklang mit den für das Inkrafttreten dieses Vertrages maßgeblichen Verfahren ihrerseits in Kraft treten.

2.

Fünf Jahre nach Inkrafttreten dieses Vertrages - und danach in Abständen

von jeweils fünf Jahren - werden die Vertragspartner zusammen eine Überprüfung
dieses Vertrages vornehmen.
Artikel

�Artikel XV

1.

Dieser Vertrag soll von unbegrenzter Dauer sein.

2.

Jeder Vertragspartner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität das

Recht haben, von diesem Vertrag zurückzutreten, wenn er zu der Entscheidung gelangt, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Gegenstand
dieses Vertrages stehen, seine höchsten Interessen gefährdet haben. Er soll
dann dem anderen Vertragspartner sechs Monate vor dem Zurücktreten von dem Vertrag von seiner Entscheidung Kenntnis geben. Eine solche. Bekundung soll eine
Erklärung über die außergewöhnlichen Ereignisse einschließen, die der seine
Absicht bekundende Vertragspartner als seine höchsten Interessen gefährdend ansieht.
Artikel XVI

1.

Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung in Einklang mit den verfassungsmäs-

sigen Verfahren jedes Vertragspartners. Der Vertrag soll am Tage des Austausche
der Ratifikationsurkunden in Kraft treten.

2.

Dieser Vertrag soll gemäß Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen

hinterlegt werden.

Gegeben in Moskau am 26. Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

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22/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES INTERIMSABKOMMEN ÜBER DIE BEGRENZUNG
VON OFFENSIVWAFFEN

- Wortlaut -

MOSKAU - (AD) - Die Vereinigten Staaten von Amerika haben am 26. Mai
tait der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ein Interimsabkommen über
die Begrenzung von strategischen Offensivwaffen abgeschlossen, das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichnet wurde.

Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Interimsabkommen
zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
und
den Vereinigten Staaten von Amerika
über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen
Offensivwaffen
Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und die Vereinigten
Staaten von Amerika, nachfolgend als die Vertragspartner bezeichnet, sind
aus der Überzeugung heraus, daß der Vertrag über die Begrenzung der
ballistischen Raketenabwehrsysteme (ABM) und dieses Interimsabkommen über

- I -

�über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen zur Schaffung günstigerer Bedingungen für aktive Verhandlungen über
die Begrenzung strategischer Rüstungen sowie zur internationalen Entspannung
und zur Stärkung des Vertrauens zwischen Staaten beitragen werden;
unter Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen strategischen Offensiv- und Defensivwaffen;
eingedenk ihrer Verpflichtung gemäß Artikel VI des Vertrages über die
Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen
wie folgt übereingekommen:

Artikel I
Die Vertragspartner verpflichten sich, nach dem 1. Juli 1972 nicht mehr
mit dem Bau weiterer fester landgestützter Abschußvorrichtungen für ballistische Interkontinentalraketen (ICBM) zu beginnen.

Artikel II

Die Vertragspartner verpflichten sich, keine landgestützten Abschußvorrichtungen für leichte Interkontinentalraketen oder für Interkontinentalraketen älteren Typs, die vor 1964 disloziert wurden, zu landgestützten Abschußvorrichtungen für schwere Interkontinentalraketen von Typen, die danach
disloziert wurden, umzubauen.

Artikel III

Die Vertragspartner verpflichten

- 2 -

sich, die Abschußvorrichtungen für

�für Unterseeboot-gestützte ballistische Raketen (SLBM) und moderne ballistische
Raketen-Unterseeboote auf die Zahl zu begrenzen, die am Tage der Unterzeichnung dieses Interimsabkommens einsatzbereit und im Bau befindlich waren, und
darüber hinaus die Abschußvorrichtungen und Unterseeboote, die nach den von
den Vertragspartnern festgelegten Verfahren als Ersatz für eine gleiche Anzahl von ICB" -Abschußvorrichtungen älteren Typs, die vor 1964 disloziert wurden,
oder für Abschußvorrichtungen auf älteren Unterseebooten gebaut wurden.

Artikel IV

Vorbehaltlich der Bestimmungen dieses Interimsabkommens darf eine Modernisierung und ein Ersatz strategischer ballistischer Oi fensivraketen und
vor, Abschußvorrichtungen, die von diesem Interimsabkommen erfaßt werden, vorgenommen werden.

Artikel V

1. Zum Zwecke der Sicherstellung der Einhaltung der Bestimmungen dieses
Interimsabkommens wird jeder Vertragspartner ihm zur Verfügung stehende
nationale Mittel der Verifizierung in einer Weise anwenden, die in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts steht.

2. Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, nicht in die nationalen
technischen Mittel der Verifizierung des anderen Vertragspartners, der in
Übereinstimmung mit Absatz 1 dieses Artikels handelt, einzugreifen.

3. Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, keine absichtlichen Verschleierungsmaßnahmen anzuwenden, die die Verifizierung der Einhaltung der
- 3 -

�der Bestimmungen dieses Interimsabkommens durch nationale technische Mittel
behindern. Diese Verpflichtung soll keine Änderungen der gegenwärtigen Bau-,
Montage-, Umwandlungs- oder Überholverfahren erfordern.

Artikel VI

Zur Förderung der Zielsetzungen und Durchführung der Bestimmungen dieses
Interimsabkommens werden die Vertragspartner die Ständige Beratende Kommission
benutzen, die gemäß Artikel XIII des Vertrages über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme in Übereinstimmung mit den Bestimmungen jenes
Artikels eingesetzt wurde.

Artikel VII

Die Vertragspartner verpflichten sich, weiterhin aktive Verhandlungen
über die Begrenzung strategischer Offensivwaffen zu führen. Die in diesem
Interimsabkommen vorgesehenen Verpflichtungen sollen nicht den Umfang oder
die Bedingungen der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen präjudizieren, die im Veralufe weiterer Verhandlungen ausgearbeitet werden mögen.

Artikel VIII

1. Dieses Interimsabkommen soll nach Austausch schriftlicher Annahmeerklärungen der beiden Vertragspartner in Kraft treten; dieser Austausch
soll gleichzeitig mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden des Vertrages
über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme erfolgen.
2. Dieses

- 4 -

�2. Dieses Interimsabkommen soll für einen Zeitraum von fünf Jahren in
Kraft bleiben, es sei denn, es wird zuvor durch ein Abkommen über vollständigere
Maßnahmen zur Begrenzung strategischer Offensivwaffen ersetzt. Es ist das Ziel
der Vertragspartner, weitere aktive Verhandlungen mit dem Zweck zu führen,
ein solches Abkommen so bald wie möglich abzuschließen.

3. Jeder Vertragspartner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität das Recht haben, von diesem Interimsabkommen zurückzutreten, wenn er zu
der Entscheidung gelangt, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang
mit dem Gegenstand dieses Interimsabkommen stehen, seine höchsten Interessen
gefährdet haben. Er soll dann dem anderen Vertragspartner sechs Monate vor
dem Zurücktreten von diesem Interimsabkommen von seiner Entscheidung Kenntnis
geben. Eine solche Bekundung soll eine Erklärung über die außergewöhnlichen
Ereignisse einschließen, die der seine Absicht bekundende Vertragspartner als
seine höchsten Interessen gefährdend ansieht.

Gegeben in Moskau am 26. Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer
und russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

+ + + + +

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22/1972

PROTOKOLL ZUM INTERIMSABKOMMEN ÜBER DIE BEGRENZUNG VON
OFFENSIVWAFFEN
-WortlautMOSKAU --(AD)-» Nachfolgend der Wortlaut des Protokolls zum Interimsabkommen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von
strategischen Offensivwaffen:
Protokoll
zum Interimsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, nachfolgend als die Vertragspartner bezeichnet, sind
gemäß dem Übereinkommen über bestimmte Begrenzungen hinsichtlich der Abschußvorrichtungen für Unterseeboot-gestützte ballistische Raketen und moderner ballistischer Raketen-Unterseeboote und über Verfahren des Ersatzes in
dem Interimsabkommen
wie folgt übereingekommen:

Die Vertragspartner gehen davon aus, daß gemäß Artikel III des Interimsabkommens für die Zeitspanne, während der dieses Abkommen in Kraft bleibt:
-1-

�bleibt:

die Vereinigten Staaten nicht mehr als 710 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf Unterseebooten (SLBM) und nicht mehr als 44 moderne
ballistische Raketen-Unterseeboote haben dürfen. Die Sowjetunion darf nicht
mehr als 950 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf Unterseebooten
und nicht mehr als 62 moderne ballistische Raketen-Unterseeboote besitzen;
zusätzliche Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf Unterseebooten bis zu dem oben genannten Stand in den USA - über 656 Abschußvorrichtungen
für ballistische Raketen auf nuklear-angetriebenen Unterseebooten - und in der
UdSSR - über 740 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf nuklear-angetriebenen Unterseebooten -.einsatzbereit und im Bau, können als Ersatz für eine
gleiche Anzahl von Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen älterer Typen,
die vor 1964 disloziert worden sind, oder Abschußvorrichtungen für ballistische
Raketen auf älteren Unterseebooten einsatzbereit werden;
die Dislozierung von modernen SLBM auf einem Unterseeboot, gleichgültig
welchen Typs,wird gegen den Gesamtstand der für die USA und die UdSSR erlaubten
SLBM aufgerechnet.

Dieses Protokoll wird als integraler Bestandteil des Interimsabkommens betrachtet.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Sowjetrepubliken

Der Präsident der Vereinigten

Der Generalsekretär des Zentral-

Staaten von Amerika

komitees der KPdSU

-2-

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22/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR VERMEIDUNG VON
ZWISCHENFÄLLEN AUF HOHER SEE
-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)-- Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die
Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 25. Mai
in Moskau ein Abkommen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See und
über den Meeren unterzeichnet.
Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind:
aus dem Wunsche heraus,die Sicherheit von Schiffen ihrer beiderseitigen
Streitkräfte auf hoher See und von Flügen ihrer Militärflugzeuge über den
Meeren zu gewährleisten;
und geleitet von den Prinzipien und Bestimmungen des Völkerrechtes
wie folgt übereingekommen:

Artikel

�Artikel 1

Für dieses Abkommen sollen die folgenden Definitionen gelten:

1. "Schiff" bedeutet:
(A) Ein Kriegsschiff der Seestreitkräfte der Vertragspartner, das äußere
Kennzeichen führt, die es als Kriegsschiff seines Landes ausweisen; das unter
dem Kommando eines von der Regierung ordnungsgemäß eingesetzten Offiziers
steht; dessen Name im Schiffahrtsregister aufgeführt ist und das eine Besatzung
hat,die sich an die übliche Disziplin auf See hält.
(B) Marinehilfsschiffe der Vertragspartner; hierunter fallen alle Schiffe
der Marine, die die Flagge eines Marinehilfsschiffes führen dürfen, sofern
von einem der Vertragspartner eine derartige Flagge geschaffen wurde.
2. "Flugzeug" bedeutet:
Alle Fluggeräte mit einer militärischen Besatzung, die schwerer als Luft
und die leichter als Luft sind, ausgenommen Raumfahrzeuge.

3. "Formation" bedeutet:
Ein aufgrund eines Befehls zusammengestellter Verband von zwei oder mehr
Schiffen, die zusammen fahren und normalerweise zusammen manövrieren«

Artikel 2
Die Vertragspartner werden Maßnahmen ergreifen, um

die das Kommando über

ihre jeweiligen Schiffe führenden Offiziere anzuweisen, sich streng an Buchstaben und Geist der internationalen Bestimmungen zur Vermeidung von Kollisionen

-2-

�Kollisionen auf See zu halten, die im folgenden als Seefahrtsregeln bezeichnet
werden. Die Vertragspartner erkennen an, daß ihre Freiheit zur Durchführung von
Operationen auf hoher See auf den Prinzipien basiert, die unter dem anerkannten
Völkerrecht geschaffen wurden und in der Genfer Konvention über die hohe See
von 1958 kodifiziert worden sind.

Artikel 3

1.

Wenn immer Schiffe dicht beieinander operieren, sollen sie - es sei denn,,

daß sie nach den Seefahrtsregeln Kurs und Geschwindigkeit halten müssen - weit
genug von einander entfernt bleiben, um das Risiko einer Kollision zu vermeiden.
2.

Schiffe, die sich in der Nähe einer Formation des anderen Vertragspartners

treffen oder dort operieren, sollen, auch wenn sie sich an die Seefahrtsregeln
halten, alle Manöver vermeiden, die die Entfaltung der Formation behindern
würden.
3.

Formationen sollen keine Übungen in Gebieten mit dichtem Schiffsverkehr

durchführen, für die international anerkannte Verkehrsregeln bestehen.

4.

Schiffe,die andere Schiffe beobachten, sollen sich in einer Entfernung hal-

ten, die das Risiko einer Kollision ausschließt, und sie sollen ferner alle Manöver vermeiden, die die von ihnen beobachteten Schiffe belästigen oder gefährden.

Ein beobachtendes Schiff soll, es sei denn, die Seefahrtsregeln erfordern

Beibehaltung von Kurs und Geschwindigkeit, nach gutem seemännischem Verhalten
frühzeitig positive Maßnahmen ergreifen, damit die beobachteten Schiffe nicht
belästigt oder gefährdet werden.

5.

Wenn Schiffe der beiden Vertragspartner in Sichtweite voneinander manövrie-

ren, sollen sie sich an solche Signale (Flaggen-, Schall-und Lichtsignale), wie
sie die Seefahrtsregeln und der internationale Signalkodex vorschreiben, oder
-3-

�oder an andere beiderseits vereinbarte Signale halten, um ihre Operationen
und Absichten zu signalisieren.

6.

Schiffe der Vertragspartner sollen keine Angriffe simulieren, indem sie

Geschütze, Raketenträger, Torpedorohre und andere Waffen auf ein vorbeifahrendes Schiff des Vertragspartners richten, keine Objekte in Richtung auf vorbeifahrende Schiffe des Vertragspartners in Bewegung setzen, und sie sollen auch
nicht mit Such-oder anderen starken Scheinwerfern die Navigationsbrücke vorbeifahrender Schiffe des anderen Vertragspartners anstrahlen.
7.

Wenn Übungen mit getauchten Unterseebooten durchgeführt werden, sollen die

übenden Schiffe die entsprechenden Signale setzen, wie sie der internationale
Signalkodex vorschreibt,um Schiffe vor der Anwesenheit von Unterseebooten in
dem Gebiet zu warnen.

8.

Wenn Schiffe eines Vertragspartners sich Schiffen des anderen Vertragspart -

ners, die Operationen gemäß Paragraph 4 (C) der Seefahrtsregeln durchführen,
und besonders Schiffen mit startenden oder landenden Flugzeugen sowie unterwegs
auftankenden Schiffen nähern, sollen sie entsprechende Maßnahmen ergreifen, damit die Manöver dieser Schiffe nicht gestört werden, und sie sollen sich von ihnen in ausreichender Entfernung halten.

Artikel 4
Die Kommandanten von Flugzeugen der Vertragspartner sollen größte Vorsicht
und Sorgfalt walten lassen, wenn sie sich Flugzeugen und Schiffen des anderen
Vertragspartners nähern, die auf oder über der hohen See operieren. Dies gilt
insbesondere für Schiffe mit startenden oder landenden Flugzeugen. Und im Interesse der beiderseitigen Sicherheit sollen sie nicht zulassen, daß durch einen
simulierten Einsatz von Waffen Angriffe gegen Flugzeuge und Schiffe simuliert,
Kunstflugübungen über Schiffen durchgeführt oder Gegenstände in einer die
-4-

�die Schiffe oder die Schiffahrt gefährdenden Form abgeworfen werden,

Artikel 5

1.

Schiffe der Vertragspartner,die in Sichtweite eines anderen operieren, sol-

len die entsprechenden Signale setzen, wenn sie mit dem Starten oder Landen von
Flugzeugen beginnen.
2.

Flugzeuge der Vertragspartner, die im Dunkeln oder nach Instrumenten über

der hohen See fliegen, sollen, wenn immer möglich, Navigationslichter zeigen.

Artikel 6

Beide Vertragspartner sollen:
1.

dafür sorgen, daß als Regel nicht weniger als drei bis fünf Tage im voraus

über das für Informationen und Warnungen bestehende Seerundfunknetz alle Aktionen auf hoher See bekanntgegeben werden, die eine Gefahr für die Schiffahrt oder
für Flugzeuge in der Luft darstellen.

2.

in stärkerem Maße informative Signale aus dem internationalen Signalkodex

benutzen, um die Absichten ihrer jeweiligen Schiffe zu signalisieren, wenn sie
nahe beieinander manövrieren. Bei Nacht, oder unter Bedingungen, die die Sicht
beeinträchtigen, oder bei Beleuchtungsverhältnissen und bei Entfernungen, bei
denen sich Signalflaggen nicht mehr erkennen lassen, sollen Scheinwerfer benutzt werden, um Schiffe von Manö/ern zu unterrichten, die die Bewegungen anderer behindern oder das Risiko einer Kollision in sich bergen.

3.

auf Versuchsbasis Signale benutzen,die über die im internationalen Signal-

kodex aufgeführten hinausgehen. Solche Signale sollen der Zwischenstaatlichen
-5-

�Zwischenstaatlichen Beratenden Schiffahrtsorganisation (IMCOJ zur Prüfung und
Unterrichtung anderer Länder mitgeteilt werden.

Artikel 7

Die Vertragspartner sollen entsprechende Informationen austauschen,wenn es
zu Kollisionen, Zwischenfällen, die Schäden verursachen, sowie sonstigen Zwischenfällen auf See zwischen Schiffen und Flugzeugen der Vertragspartner kommt •
Die amerikanische Marine soll solche Informationen über den sowjetischen Marineattache in Washington, und die sowjetische Marine soll solche Informationen über
den amerikanischen Marineattach6 in Moskau geben.

Artikel 8

Dieses Abkommen soll mit dem Tage seiner Unterzeichnung in Kraft treten und
für die Dauer von drei Jahren in Kraft bleiben. Es verlängert sich danach ohne
irgendwelche Schritte seitens der Vertragspartner um einen weiteren Zeitraum von
jeweils drei Jahren.
Dieses Abkommen kann von jedem Vertragspartner durch schriftliche Mitteilung
an den anderen mit einer Frist von sechs Monaten aufgekündigt werden.

Artikel 9
Die Vertragspartner werden ein Jahr nach dem Zeitpunkt der Unterzeichnung
dieses Abkommens zusammentreffen, um die Durchführung seiner Bestimmungen zu
überprüfen. Ähnliche Konsultationen sollen danach jährlich oder noch häufiger,

-6-

�häufiger, falls die Vertragspartner dies beschließen sollten, abgehalten werden,

Artikel 10

Die Vertragspartner werden Mitglieder zur Bildung eines Komitees designieren, das spezifische Maßnahmen im Einklang mit diesem Abkommen prüfen wird. Als
besonderen Teil seiner Arbeit wird das Komitee die praktische Durchführbarkeit
genau festgesetzter Entfernungen prüfen, die bei der Begegnung

zwischen Schif-

fen, zwischen Flugzeugen sowie zwischen Schiffen und Flugzeugen eingehalten werden sollen. Das Komitee wird innerhalb von sechs Monaten nach dem Tage der Unterzeichnung dieses Abkommens zusammentreten und seine Empfehlungen den Vertragspartnern zur Entscheidung während der in Artikel 9 vorgesehenen Konsultationen
vorlegen.

Gegeben in Moskau am 25. Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ÜBER ERRICHTUNG EINER
HANDELSKOMMISSION
-Wortlaut-

MOSKAU — ( A D ) — Die Vereinigten Staaten und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken haben am 26. Mai in Moskau in einem Kommunique die Bildung
einer gemeinsamen Handelskommission bekanntgegeben.
Das Kommunique1 hat folgenden Wortlaut:
Um die Entwicklung von beiderseits vorteilhaften Handelsbeziehungen und
damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Fragen zwischen den beiden Ländern zu
fördern, sind die sowjetische Führung und der Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, Richard M. Nixon, übereingekommen, eine Amerikanisch-Sowjetische
Handelskommission einzusetzen.
Die amerikanisch-sowjetische Kommission soll verhandeln über:
- ein Gesamthandelsabkommen, einschließlich der gegenseitigen Einräumung
der Meistbegünstigungsklausel;
- Vereinbarungen für die gegenseitige Gewährung von Regierungskrediten;
- Maßnahmen zur beiderseitigen Gründung von Geschäftseinrichtungen zwecks
Förderung des Handels;
- ein Abkommen zur Einrichtung eines Schiedsverfahrens für die Beilegung
von Handelsstreitigkeiten.
Sie
-1-

�1
f

Sie soll die mögliche amerikanisch-sowjetische Beteiligung an der Erschließung natürlicher Hilfsquellen sowie der Gewinnung und dem Verkauf von
Rohstoffen und anderen Produkten prüfen.
Sie soll das Spektrum der amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen aufzeigen und die Fragen herausarbeiten und w e n n möglich lösen, die für beide Beteiligten von Interesse sein könnten, wie beispielsweise Patente und Lizenzen.
Die Kommission wird abwechselnd in Moskau und in Washington tagen. Die
erste Sitzung der Kommission wird im Juli dieses Jahres in Moskau stattfinden.

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22/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ZUSAMMENARBEIT IM

WELTRAUM
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)— Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 24. Mai in Moskau ein Abkommen über die
Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums für friedliche
Zwecke unterzeichnet.
Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sind:
in Anbetracht der Rolle, die die USA und die UdSSR bei der Erforschung
und Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke spielen;
in dem Bemühen um eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen
den USA und der UdSSR bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke;
angesichts der positiven Zusammenarbeit, die die Vertragspartner auf
diesem Gebiet bereits durchgeführt haben;
aus dem Wunsche heraus, die aus der Erforschung und Nutzung des Weltraums
für friedliche Zwecke gewonnenen Ergebnisse der friedlichen Forschung zum
Nutzen der Völker der beiden Länder und aller Völker der Welt verfügbar zu
machen;
unter
-1-

�unter Berücksichtigung der Bestimmungen des Grundvertrages über die Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraumes, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, sowie des Abkommens über die Rettung
und Rückführung von Astronauten sowie der Rückgabe von in den Weltraum geschossenen Objekten;
in Übereinstimmung mit dem am 11. April 1972 unterzeichneten Abkommen über
den Austausch und die Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem, technischem und
kulturellem Gebiet, im Bildungswesen und auf anderen Gebieten zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
und zur Weiterentwicklung der Grundsätze für eine beiderseitig nützliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern
wie folgt übereingekommen:

Artikel 1
Die Vertragspartner werden auf den Gebieten der Weltraummetereologie, beim
Studium der natürlichen Umwelt, der Erforschung des erdnahen Raumes, des Mondes
und der Planeten sowie der Weltraumbiologie und der Weltraummedizin zusammenarbeiten;
sie werden insbesondere zusammenarbeiten, um angemessene Maßnahmen zu ergreifen, vurch die die praktische Ausfüllung der abschließenden Berichte zu den
Gesprächen über die Zusammenarbeit im Weltraum zwischen der amerikanischen Raumfahrtbehörde (NASA) und der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften vom 21. Januar 1971 gefördert und erreicht werden wird.

Artikel 2
Die Vertragspartner werden eine solche Zusammenarbeit mit Hilfe eines beiderseitigen Austausches von wissenschaftlichen Informationen und Delegationen,
durch Konferenzen von Wissenschaftlern und Spezialisten beider Länder und auch
auf anderen Wegen durchführen, die beiderseitig vereinbart werden. Gemeinsame
-2-

�Gemeinsame Arbeitsgruppen können zur Entwicklung und Verwirklichung entsprechender Programme der Zusammenarbeit eingesetzt werden.

Artikel 3

Die Vertragspartner haben vereinbart, Projekte zur Entwicklung geeigneter
Rendezvous- und Koppelsysteme für bemannte Raumffluggeräte und Raumstationen
der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion durchzuführen, um die Sicherheit
der bemannten Raumflüge zu fördern und die Möglichkeit für die Durchführung gemeinsamer wissenschaftlicher Experimente der Zukunft zu gewährleisten. Es ist
geplant, daß der erste experimentelle Flug zum Testen dieser Systeme im Laufe
des Jahres 1975 durchgeführt wird, wobei das Koppelmanöver eines amerikanischen
Raumfahrzeuges vom Typ Apollo mit einem sowjetischen Raumfahrzeug vom Typ
Sojus und Besuche von Astronauten in den gegenseitigen Raumschiffen ins Auge
gefasst werden. Die Verwirklichung dieser Projekte wird auf der Grundlage von
Prinzipien und Verfahren erfolgen, die in Übereinstimmung mit dem Abschlußbericht der Konferenz zwischen Vertretern der amerikanischen Raumfahrtbehörde und
der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften über die Frage der Entwicklung angemessener Systeme für Rendezvous und Andocken bemannter Raumfahrtgeräte und
Raumstationen der Vereinigten Staaten und der UdSSR vom 6. April 1972 entwickelt
wurden.

Artikel 4
Die Vertragspartner werden internationale Bemühungen um die Lösung von
Problemen des internationalen Völkerrechtes bei der Erforschung und Nutzung des
Weltraums für friedliche Zwecke ermutigen mit dem Ziel der Stärkung der Rechtsordnung im Weltraum und der weiteren Entwicklung des internationalen Weltraumrechtes; sie werden auf diesem Gebiet zusammenarbeiten.

Artikel

�Artikel 5

Die Vertragspartner können durch beiderseitige Übereinkommen andere Gebiete der Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums für
friedliche Zwecke bestimmen.

Artikel 6
Dieses Abkommen wird nach seiner Unterzeichnung in Kraft treten und
für die Dauer von fünf Jahren in Kraft bleiben. Es kann durch beiderseitige
Übereinkommen der Vertragspartner modifiziert oder erweitert werden.

Gegeben in Moskau am 24. Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer
und russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ZUSAMMENARBEIT
IM UMWELTSCHUTZ

-Wortlaut-

MOSKAU —(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 23. Mai in Moskau ein

Abkommen

über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes unterzeichnet.
Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind:
aufgrund der ihres Erachtens großen Bedeutung der Probleme des Umweltschutzes;
von der Annahme ausgehend, daß die richtige Nutzung der derzeitigen wissenschaftlichen, technischen und organisatorischen Leistungen bei einer angemessenen Kontrolle ihrer unerwünschten Folgen die Verbesserung der Wechselbeziehung von Mensch und Natur ermöglichen kann;
aus der Erwägung heraus, daß die Entwicklung der gegenseitigen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes unter Berücksichtigung der Erfahrungen von Ländern mit unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Systemen
für die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sowie für andere Länder von Nutzen sein wird;
aus der Erwägung heraus, daß wirtschaftliche und soziale Entwicklung
zum Wohle künftiger Generationen heute den Schutz und die Pflege der menschlichen Umwelt erfordert;
aus
-1-

�aus dem Wunsche heraus, die Schaffung einer engeren und langfristigen
Zusammenarbeit zwischen interessierten Organisationen beider Länder auf diesem
Gebiet zu erleichtern;
in Übereinstimmung mit dem am 11. April 1972 unterzeichneten Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über den Austausch und die Zusammenarbeit auf den Gebieten von
Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur und auf anderen Gebieten in den
Jahren 1972-1973, und in Weiterentwicklung der Prinzipien einer beiderseitig
förderlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern

wie folgt übereingekommen:

Artikel 1

Die Vertragspartner werden die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes auf der Basis der Gleichberechtigung, der Gegenseitigkeit und des
beiderseitigen Nutzens entwickeln.

Artikel 2
Diese Zusammenarbeit zielt darauf ab, die wichtigsten Aspekte der Umweltprobleme zu meistern, und dient der Ausarbeitung von Maßnahmen, Verschmutzung
zu verhüten, Verschmutzung und ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu untersuchen
und die Basis für eine Kontrolle der Auswirkungen der menschlichen Tätigkeiten
auf die Natur zu entwickeln.
Sie wird vor allem auf den folgenden Gebieten verwirklicht werden:
Luftverschmutzung;
-2-

�Luftverschmutzung;
Wasserverschmutzung;
Umweltverschmutzung in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Produktion;
Verbesserung der städtischen Umwelt;
Naturschutz und der Aufbau von Schutzgebieten;
Verschmutzung der Meeresgewässer;
biologische und genetische Folgen von Umweltverschmutzung;
Einfluß von Umweltveränderungen auf das Klima;
Erdbebenvorhersage;
arktische und subarktische ökologische Systeme;
rechtliche und administrative Maßnahmen zum Schutze der Umweltqualität.

Im Zuge dieser Zusammenarbeit werden die Vertragspartner besonderes Augenmerk auf gemeinsame Anstrengungen richten, um die vorhandenen Technologien zu
verbessern und neue Technologien zu entwickeln, die die Umwelt nicht verschmutzen,
diese neuen Technologien in den täglichen Gebrauch einzuführen sowie deren wirtschaftliche Aspekte zu untersuchen.
Die Vertragspartner erklären, daß sie im beiderseitigen Einverständnis die
Ergebnisse einer solchen Zusammenarbeit anderen Ländern zugänglich machen werden.

Artikel 3

Die Vertragspartner werden kooperative Tätigkeiten auf dem Gebiet des Umweltschutzes auf folgenden Wegen durchführen:
Austausch von Wissenschaftlern, Spezialisten und Forschungsbeauftragten;
Organisation bilateraler Konferenzen, Symposien und Expertentagungen;
Austausch von wissenschaftlichen und technischen Informationen sowie von
Unterlagen und Ergebnissen der Umweltforschung;
Gemeinsame Entwicklung und Durchführung von Programmen und Projekten
auf den Gebieten von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und
-3-

�und Entwicklung;
andere Formen der Zusammenarbeit, die im Zuge der Verwirklichung dieses
Abkommens vereinbart werden mögen.

Artikel 4

Von den Zielen dieses Abkommens ausgehend werden die Vertragspartner, soweit dies angebracht ist, das Zustandekommen und den Ausbau von direkten Kontakten und der direkten Zusammenarbeit zwischen amtlichen, öffentlichen und
privaten Institutionen und Organisationen beider Länder fördern und erleichtern,
ebenso, soweit angebracht, den Abschluß getrennter Abkommen und Kontrakte.

Artikel 5

Für die Verwirklichung dieses Abkommens wird ein gemeinsamer amerikanischsowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes
eingerichtet werden. In der Regel soll dieser gemeinsame Ausschuß einmal im
Jahr, und zwar abwechselnd in Washington und Moskau, zusammentreten. Dieser gemeinsame Ausschuß soll konkrete Maßnahmen und Programme der Zusammenarbeit billigen, die beteiligten Organisationen benennen, die für die Verwirklichung dieser
Programme verantwortlich sind, und den beiden Regierungen entsprechende Empfehlungen unterbreiten.
Jeder Vertragspartner wird einen Koordinator ernennen. Diese Koordinatoren
werden zwischen den Sitzungen des gemeinsamen Ausschusses den Kontakt zwischen
den Beteiligten in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aufrechterhalten,
die Verwirklichung der einschlägigen kooperativen Programme überwachen, die
einzelnen Teile dieser Programme spezifizieren und die Tätigkeiten von Organisationen koordinieren,

die in Übereinstimmung mit diesem Abkommen an der

Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes teilnehmen.
Artikel

�Artikel 6

Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere
Abkommen zwischen den beiden

Vertragspartnern präjudiziert.

Artikel 7

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und fünf
Jahre in Kraft bleiben. Danach wird es für jeweils weitere fünf Jahre verlängert werden, es sei denn, ein Vertragspartner setzt den anderen mindestens
sechs Monate vor dem Erlöschen des Abkommens von dessen Aufkündigung in Kenntnis.
Die Aufkündigung dieses Abkommens soll die Gültigkeit von Abkommen und
Kontrakten zwischen interessierten Institutionen und Organisationen der beiden
Länder, die auf der Basis dieses Abkommens geschlossen wurden, nicht berühren.

Gegeben in Moskau am 23. M a i 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER WISSENSCHAFT UND TECHNIK

-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 24 Mai 1972 in Moskau ein Abkommen
über die Zusammenarbeit auf den Gebieten von Wissenschaft und Technik unterzeichnet .
Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind:
aus der Erkenntnis heraus, daß aus der Entwicklung der Zusammenarbeit auf
den Gebieten von Wissenschaft und Technik für beide Länder Nutzen erwachsen
kann;
und aus dem Wunsche heraus, die Gestaltung engerer und regelmäßigerer
Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen und technischen Organisationen
beider Länder zu unterstützen;
in Erwägung dessen, daß eine solche Zusammenarbeit dazu dienen wird,die
freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu stärken;
in Übereinstimmung mit dem zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken getroffenen und am 11.
April 1972 unterzeichneten Abkommen über den Austausch und die Zusammenarbeit
auf den Gebieten von Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur sowie auf
anderen Gebieten sowie zur Weiterentwicklung der beiderseitigen ersprießlichen
-l-

�ersprießlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern

wie folgt übereingekommen:

Artikel 1
Die beiden Vertragspartner verpflichten sich, die wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens, der Gleichberechtigung und der Gegenseitigkeit zu unterstützen und zu entwickeln.

Artikel 2
Das Hauptziel dieser Zusammenarbeit besteht darin, beiden Vertragspartnern
umfassende Möglichkeiten zu schaffen, um die Anstrengungen ihrer Wissenschaftler und Spezialisten bei den Arbeiten an wichtigen Problemen zu vereinigen,
deren Lösung den Fortschritt von Wissenschaft und Technik zum Wohle beider Länder und der Menschheit fördern wird.

Artikel 3
Zu den Formen der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik sollten gehören-;
A.

Austausch von Wissenschaftlern und Spezialisten;

B. Austausch wissenschaftlicher und technischer Informationen und Do
kumentat ionen;
C-

Gemeinsame Entwicklung und Durchführung von Programmen und Projekten
auf den Gebieten von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und
Entwicklung;

-2-

�D.

gemeinsame Forschung, Entwicklung und Erprobung sowie Austausch
von Forschungsergebnissen und Erfahrungen zwischen wissenschaftlichen
Institutionen und Organisationen;

E.
F

Organisation gemeinschaftlicher Kurse, Konferenzen und Symposien;
angemessene Unterstützung von beiden Seiten bei der Schaffung von
Kontakten und Vereinbarungen zwischen Unternehmen der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, wo immer sich gemeinsame Interessen
ergeben, und

G,

andere Formen der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit,
über die beiderseitige Einigung erzielt wird.

Artikel 4
1

In Verfolg der Ziele dieses Abkommens werden die beiden Vertragspartner

in angemessener Weise die Schaffung und den Ausbau direkter Kontakte und direkter Zusammenarbeit zwischen Behörden, Organisationen und Firmen der beiden
Länder, und, soweit angebracht, auch den Abschluß von Durchführungsabkommen
über besondere kooperative Tätigkeiten, die gemäß diesem Abkommen unternommen
wurden, unterstützen und erleichtern.
2.

Solche Abkommen zwischen Behörden, Organisationen und Unternehmen werden

in Übereinstimmung mit den Gesetzen der beiden Länder geschlossen werden.
Solche Abkommen können sich erstrecken auf die Themen der Zusammenarbeit, die
Organisationen, die an der Durchführung von Projekten und Programmen beteiligt
sind, auf die einzuschlagenden Verfahren sowie auf alle anderen in Frage kommenden Details -

Artikel 5
Sofern in einem Durchführungsabkommen nicht anders vorgesehen, soll jeder
der Partner oder beteiligten Behörden, Organisationen und Unternehmen die

�die Kosten für seine Beteiligung und die Kosten für das Personal für die
gemäß diesem Abkommen unternommenen kooperativen Tätigkeiten in Übereinstimmung
mit den bestehenden Gesetzen in beiden Ländern tragen.

Artikel 6
Nichts in diesem Abkommen soll dahingehend ausgelegt werden, daß es andere
Abkommen auf den Gebieten von Wissenschaft und Technik, die zwischen den Vertragspartnern geschlossen werden, präjudiziert.

Artikel 7
1.

Zur Durchführung dieses Abkommens soll eine gemeinsame amerikanisch-sowjeti-

sche Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit eingesetzt
werden. Diese wird wenigstens einmal im Jahr, und zwar abwechselnd in Moskau
und Washington, rusammentreten,

2

Die Kommission soll Vorschläge zur Entwicklung der Zusammenarbeit auf spe-

ziellen Gebieten erörtern,

jeweils geeignete Vorschläge und Empfehlungen für

die beiden Vertragspartner vorbereiten, Maßnahmen und Programme für die Durchführung dieses Abkommens ausarbeiten und billigen, in entsprechender Weise die
Behörden. Organisationen oder Unternehmen bestimmen, welche für die Durchführung
der kooperativen Tätigkeiten verantwortlich sind, und sich darum bemühen, daß
die Verwirklichung gewährleistet wird.

3 - Das Exekutivorgan, das für die Gewährleistung der Durchführung des Abkommens
auf seiner Seite verantwortlich sein wird, soll für die Vereinigten Staaten von
Amerika das Amt für Wissenschaft und Technik im Präsidialamt sein, und für die
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken das Staatskomitee für Wissenschaft
und Technik beim Ministerrat der UdSSR..

_.
Die
«4-

�Die gemeinsame Kommission wird sich aus amerikanischen und sowjetischen
Delegationen zusammensetzen, die auf gleichberechtigter Basis zusammengestellt
werden und deren Vorsitzende und Mitglieder von den jeweiligen Exekutivorganen
unter Billigung der jeweiligen Vertragspartner ernannt werden sollen. Arbeitsund Verfahrensregeln der Kommission sollen von den Vorsitzenden vereinbart
werden.
4,

Um ihre Funktionen ausüben zu können, kann die Kommission temporäre oder

ständige gemeinsame Unterausschüsse, Beratungsgremien oder Arbeitsgruppen
bilden.
5.

Während der Zeit zwischen Sitzungen der Kommission können Zusätze oder

Änderungen zu den bereits gebilligten kooperativen Tätigkeiten im beiderseitigen Einvernehmen vorgenommen werden.

Artikel 8

1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und fünf

Jahre in Kraft bleiben. Es kann in beiderseitigem Einvernehmen der Vertragspartner modifiziert oder verlängert werden.

2.

Die Aufkündigung dieses Abkommens soll die Gültigkeit von Abkommen nicht

berühren, die in seinem Rahmen zwischen Behörden, Organisationen und Unternehmen der beiden Länder geschlossen worden sind.

Gegeben in Moskau am 24

Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer und

russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind

-5-

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜEER ZUSAMMENARBEIT
IN DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
-Wortlaut-

MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen

Sowjetrepubliken haben am 23. Mai 1972 in Moskau ein Abkommen

über die Zusammenarbeit in der medizinischen Forschung und im Gesundheitswesen unterzeichnet.
Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind:
angesichts der Bedeutung, die die medizinische Forschung und das Gesundheitswesen für die heutige Menschheit haben;
in dem Bewußtsein, daß ein Zusammenschluß zu gemeinsamen Anstrengungen
wünschenswert ist, um diese zu fördern;
aus dem Wunsche heraus, die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu erweitern
und so eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitsstandes zu erreichen;
aus dem Wunsche heraus, die Übereinstimmung zu bekräftigen, die in den
am 11. Februar 1972 unterzeichneten schriftlichen Vereinbarungen zwischen dem
amerikanischen Ministerium für das Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialwesen
und dem sowjetischen Gesundheitsministerium erzielt wurden;
und in Übereinstimmung mit dem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über Austausch
-1-

�Austausch und Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technik, Erziehungswesen, Kultur
und auf sonstigen Gebieten, das am 11. April 1972 unterzeichnet worden ist,

wie folgt übereingekommen:

Artikel 1

Die Vertragspartner werden eine beiden Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit auf den Gebieten der medizinischen Forschung und im Gesundheitswesen entwickeln und ausbauen. Durch beiderseitige Zustimmung und auf der Basis
der Gegenseitigkeit werden sie die verschiedenen Richtungen dieser Zusammenarbeit festlegen, wobei die Vertragspartner von der Erfahrung ausgehen, die sie
im Verlaufe früherer Kontakte, Besuche und Austauschprojekte gesammelt haben.
Die Vertragspartner vereinbaren, ihre ersten gemeinsamen Anstrengungen
auf die Bekämpfung der weitest verbreiteten und ernstesten Krankheiten wie
Herz-und Gefäßkrankheiten und umweltbedingte Erkrankungen zu konzentrieren,
weil diese eine große Gefahr für die Menschen bilden, ferner auf die Lösung der
Probleme,die sich im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Umwelt auf die menschliche Gesundheit ergeben, und auf die Lösung anderer wichtiger Probleme des
Gesundheitswesens.

Artikel 2
Die in dem vorangegangenen Artikel vorgesehene Zusammenarbeit könnte im besonderen auf folgende Weise verwirklicht werden:
-- durch koordinierte wissenschaftliche Forschungsprogramme uid andere Tätigkeiten auf dem Gebiet des Gesundheitswesens., die im beiderseitigen Interesse
liegen;
durch

�-- durch Austausch von Spezialisten und Delegationen;
—

durch Veranstaltung von Kolloquien, wissenschaftlichen Konferenzen

und Vorlesungen;
—

durch Austausch von Informationen;

~

durch Vertrautmachen mit technischen Hilfsmitteln und Ausrüstungen.

Artikel 3
Die Vertragspartner werden die Schaffung direkter und regelmäßiger Kontakte zwischen amerikanischen und sowjetischen medizinischen Institutionen und
Organisationen fördern und erleichtern.
Die Vertragspartner werden ferner den Austausch von Ausrüstungen, pharmazeutischen Erzeugnissen und von technologischen Entwicklungen fördern und erleichtern, die mit der Medizin und dem Gesundheitswesen in Zusammenhang stehen.

Artikel 4
Die Vertragspartner werden den internationalen medizinischen Organisationen ,
vor allem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weiterhin Unterstützung gewähren, und sie werden diesen Organisationen die Möglichkeit geben, die von den
Vertragspartnern erarbeiteten Erkenntnisse, auch die im Rahmen ihrer gemeinsamen
Anstrengungen erworbenen Erkenntnisse, zu vermitteln.

Artikel 5

Die Vertragspartner werden den gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Ausschuß für Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Gesundheitswesens mit der praktischen Durchführung dieses Abkommens beauftragen. Der gemeinsame Ausschuß wird
in regelmäßigen Abständen zusammentreten, um die spezifischen Programme für

-3-

�für eine Zusammenarbeit aufzustellen und erforderlichenfalls Unterausschüsse
einzusetzen; er wird für die Überwachung der Durchführung dieser Programme verantwortlich zeichnen.

Artikel 6
Die Zusammenarbeit wird auf der Basis der von dem gemeinsamen Ausschuß ausgearbeiteten beiderseitigen Abkommen finanziert, wobei die Etats des amerikanischen Ministeriums für Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialwesen und des sowjetischen Gesundheitsministeriums sowie die Mittel der an der direkten Zusammenarbeit teilnehmenden Institutionen herangezogen werden.

Artikel 7
Dieses Abkommen soll nach seiner Unterzeichnung in Kraft treten und für
die Dauer von fünf Jahren in Kraft bleiben. Danach kann es um jeweils weitere
fünf Jahre verlängert werden, sofern nicht eine Vertragspartei die andere
wenigstens sechs Monate vor Ablauf von der Beendigung in Kenntnis setzt.

Gegeben in Moskau am 24. Mai 1972 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

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22/1972

STEIN ERLÄUTERT STAND DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
-Wortlaut-

PARIS -«(AD)~- Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons,
Herbert Stein, hat am 24. Mai auf der Eröffnungssitzung der Ministerratstagung
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
die Situation der amerikanischen Wirtschaft sowie die kurzfristigen Aussichten erläutert. Die Ausführungen Steins haben folgenden Wortlaut:
"Die amerikanische Wirtschaft befindet sich gegenwärtig in einer starken
Expansion, die sich auf breiter Basis vollzieht. Gleichzeitig werden weitere
Fortschritte bei der Reduzierung der Inflationsrate gemacht.
Wir rechnen für die restlichen Monate des Jahres 1972 und für Anfang
1973 mit einem weiteren Anstieg der realen Gütererzeugung und der Beschäftigung, der sich, verglichen mit den vergangenen neun Monaten, wahrscheinlich
noch beschleunigen wird, während die Inflationsrate gleichzeitig weiter zurückgehen wird.
Um diese beiden Dinge gleichzeitig zu erreichen, wird es einer gewissen
Zurückhaltung in der Haushalts-und Währungspolitik der Regierung bedürfen,
während das Programm zur Kontrolle von Preisen und Löhnen entschlossen durchgeführt wird.
Die wachsende Stärke der Wirtschaft zeigt sich in der Zunahme der gesamten Gütererzeugung (bereinigtes Bruttosozialprodukt) in der Zeit vom
dritten Quartal 1971 bis zum ersten Quartal 1972 um - auf Jahresbasis 5,7 Prozent, gegenüber einer Zunahme um 2,4 Prozent im vorangegangenen Haushaltsjahr (drittes Quartal 1970 bis zweites Quartal 1971).
Die

�Die Gesamtbeschäftigtenzahl ist im vergangenen Jahr um 2,2 Millionen gestiegen, und nur die ungewöhnlich schnelle Zunahme des Arbeitskräftepotentials
hat einen Rückgang der Arbeitslosenrate verhindert.
Die Zunahme der Wachstumsrate seit dem letzten Sommer ist durch fiskalische und monetäre Maßnahmen der Regierung gefördert worden. Hierunter fielen
auch die Aufhebung der Verkaufssteuer auf Kraftfahrzeuge, eine Senkung der
Einkommensteuer, die Einführung eines Steuerkredits für Investitionen der Wirtschaft und die Liberalisierung der Abschreibungsbestimmungen.
Der Anstieg der Bundesausgaben hat sich beschleunigt, wobei diese Beschleunigung nur vorübergehend sein soll. Die Geldbestände haben nach einer
Zeit praktischer Stabilität jetzt wieder zugenommen. Diese Einflüsse waren
zusätzlich zu den Verbesserungen auf dem privaten Wirtschaftssektor, die bereits im Gang sind oder bevorstehen.
Die jährliche Inflationsrate, wie sie im Index der Verbraucherpreise festgehalten wird, hatte 1969 und Anfang 1970 etwa sechs Prozent erreicht. Danach
ist sie auf etwa vier Prozent Anfang 1971 zurückgegangen. Mit Beginn der neuen
Wirtschaftspolitik im August 1971 betrug die jährliche Zunahme 2,8 Prozent;
das ist bestimmt eine der niedrigsten Inflationsraten in den Industrieländern.
Der Rückgang der Inflationsrate seit dem vergangenen August ist wahrscheinlich zu einem gewissen Maße auf die anti-inflationistischen Kräfte, die in der
Wirtschaft am Werk sind, sowie auf das Vorhandensein eines großen ungenutzten
Wirtschaftspotentials zurückzuführen.
Das Programm zur Kontrolle von Preisen und Löhnen hat jedoch ebenfalls
wesentlich zu diesem Ergebnis beigetragen. Die Art dieses Kontrollsystems wird
außerhalb der Vereinigten Staaten im allgemeinen nicht verstanden, möglicherweise, weil es so stark von unserer üblichen Praxis abweicht.
Es sollte klar sein, daß der größte Teil der amerikanischen Wirtschaft
von dem Programm erfaßt wird, das sowohl für Löhne wie für Preise gilt, sehr
spezifische quantitive Normen setzt und das gesetzlich verankert ist.
Wir
-2-

�Wir sind der Ansicht, daß sich die Zunahme der Gütererzeugung und der Beschäftigtenzahl beschleunigt hat und sich in den restlichen Monaten dieses Jahres
noch schneller als im vierten Quartal 1971 und im ersten Quartal 1972 vollziehen
wird.
In den vorangegangenen Quartalen war die Zunahme der Gütererzeugung durch
die negativen Auswirkungen rückläufiger Lagerbestände in der Wirtschaft und
steigender Nettoimporte beeinträchtigt worden.
Es ist unwahrscheinlich, daß sich diese Faktoren weiterhin negativ auswirken werden. Und wenn von ihnen jetzt eine positive Wirkung ausgeht und noch andere Expansionskräfte hinzukommen, dann wird sich die Zunahme der Gütererzeugung
verstärken-. Zusammen mit einem möglichen Rückgang der Wachstumsrate des Arbeitskräftepotentials wird dies zu einer Senkung der Arbeitslosenrate führen.
Wenn die Auftriebskräfte in der Wirtschaft jetzt weiter zunehmen, muß der
Notwendigkeit, inflationistische Exzesse zu verhindern, wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wir wollen und brauchen ein schnelleres Wirtschaftswachstum, als wir bisher erreicht haben, doch ist offensichtlich, daß es bei der Expansionsrate irgendwo ein Zuviel gibt, wo dann der Nachfragedruck wieder aufleben würde, der die Inflation ausgelöst hat, die wir jetzt mit so viel Mühe unter
Kontrolle gebracht haben.
Die Haushaltspolitik der Regierung will alles vermeiden, was zu solchen Exzessen beitragen könnte. Im einzelnen ist vorgesehen, die Ausgaben im Finanzjahr
1972/73 (1. Juli 1972 bis 30. Juni 1973) auf dem ursprünglich veranschlagten
Stand zu halten. Dies würde im kommenden Finanzjahr ein weniger schnelles Ansteigen der Ausgaben bedeuten, als dies im jetzt zu Ende gehenden Finanzjahr
der Fall war.
Die Währungsbehörden sind sich ebenfalls der Notwendigkeit bewußt, eine zu
schnelle Expansion zu vermeiden, und es kann damit gerechnet werden, daß sie dem
bei ihren Maßnahmen Rechnung tragen werden.
Wir
-3-

�Wir sind in der glücklichen Lage, daß unsere binnen- und unsere außenwirtschaftlichen Zielsetzungen im Einklang miteinander stehen. Ich freue mich, die
Anregung des Generalsekretärs unterstützen zu können, daß Länder mit hohen Zahlungsbilanzüberschüssen und wirtschaftlicher Stagnation schnell zu einem hohen
Beschäftigtenstand zurückkehren sollten. Auch hier ergibt sich eine Situation,
in der die Erfordernisse der binnen-und der außenwirtschaftlichen Zielsetzungen
übereinstimmen.
Wenn wir auch das Feuer der Inflation nicht erneut schüren wollen, so glauben
wir doch, daß genügend Raum gegeben ist, um ohne ein derartiges Risiko in Richtung
auf eine stärkere Expansion voranzuschreiten. Damit ist der Rahmen gesetzt für
die Anpassung der internationalen Zahlungsbilanz, die mit der im vergangenen Dezember vereinbarten Neufestsetzung der Wechselkurse in Gang gekommen ist.
Fortschritte in Richtung auf die notwendige Stärkung der laufenden Konten
der USA können, wie der Generalsekretär betont hat, nur allmählich erfolgen. Dem
Sekretariat der OECD ist ferner dafür zu danken, daß es zu einer realistischen Einschätzung der anfänglichen, nachteiligen Auswirkungen der Neufestsetzung der
Wechselkurse beigetragen hat, die ohne jeden Zweifel in unseren ersten Zahlungsbilanzstatistiken für das erste Quartal dieses Jahres ihren Niederschlag fanden.
Voraussagen über die Entwicklung der Zahlungsbilanzen lassen sich nicht mit
wissenschaftlicher Exaktheit machen, und niemand weiß, wann sich die ersten Zeichen einer Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanzposition zeigen werden Natürlich rechnen wir nicht damit, daß sich die Verbesserung unserer monatlichen
Handelsstatistiken ohne jede Unterbrechung fortsetzen wird. In einer Zeit, in
der ein breites Spektrum politischer Maßnahmen auf eine Anpassung abzielt, können
wir meiner Meinung nach jedoch zuversichtlich sein, daß es zu einer Verbesserung
kommen wird.
Zusammenfassend kann ich berichten, daß die Vereinigten Staaten mit ihren
binnenwirtschaftlichen Maßnahmen dem Rezept gefolgt sind, das auch für ihre internationale Position gilt.
Zur
-4-

�Zur Eindämmung unserer Inflation haben wir den klassischen Weg fiskalischer
und monetärer Zurückhaltung beschritten und eine lange Zeit wirtschaftlicher
Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit auf uns genommen. Im August vergangenen Jahres haben wir das umfassendste und weitgehendste System zur Kontrolle von Preisen
und Löhnen auf uns genommen, das die Vereinigten Staaten jemals in Friedenszeiten
gehabt haben.
Und als das Anti-Inflationsprogramm zu wirken begann, haben wir das Steuer
der Haushalts-und die Währungspolitik in eine Richtung herumgeworfen, daß eine
nachhaltige, nicht-inflationistische Expansion der amerikanischen Wirtschaft gefördert wurde, die bestimmt im Interesse der Weltwirtschaft als ganzem liegt."

•H-l + H h

-5-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Grundsatzerklärung von Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommuniqué zum Abschluss des Gipfeltreffens in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fernsehansprache Präsident Nixons in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetischer Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll zum Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Kommuniqué über Errichtung einer Handelskommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Zusammenarbeit im Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit in der medizinischen Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stein erläutert Stand der amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;</text>
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23

7. Juni 1972

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" °

Erklärung von Außenminister Rogers zur Eröffnung der Stockholmer Umweltkonferenz
- Wortlaut Bauelemente für Elektrotechnik und Elektronik
Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt
DOKUMENTATION
Präsident Nixon berichtet lern US-Kongreß über sei-te Moskau-Reise
- Wortlaut der Ansprache vom 1. Juni Das gemeinsame amerikanisch-polnische Kommunique
zum Abschluß des Nixon-Besuches
- Wortlaut Das gemeinsame amerikanisch-:; ranische Kommunique
zum Abschluß des Nixon-Besuches
- Wortlaut Ansprache des amerikanischen Außenministers Rogers anläßlich der Unterzeichnung des Schlußprotokolls des Berlin-Abkommens am 3. Juni
- Wortlaut Ansprache des amerikanischen Außenministers Rogers im Schloß Charlottenburg am 3. Juni
- Wortlaut WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technik allein kein Mittel gegen Verkehrsmisere
Umweltwacht vom Satelliten
Fernaugen inspizieren Meere, Land und Atmosphäre
Meßbojenprogramm wird ausgebaut

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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23/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS ZUR ERÖFFNUNG
DER STOCKHOLMER UMWELTKONFERENZ
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 5. Juni in Washington anläßlich der Eröffnung der von den Vereinten
Nationen in Stockholm abgehaltenen Konferenz über die menschliche Umwelt
folgende Erklärung abgegeben:

Die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt,die
heute in Stockholm eröffnet wird, läßt in vollem Ausmaße ein internationales
Anliegen sichtbar werden, das die Völker und Regierungen der Welt in den
kommenden Jahren immer stärker beschäftigen wird. Die Vereinigten Staaten
werden hinter niemandem zurückstehen, wenn es darum geht, ihre Kraft dafür
einzusetzen, die globale Umwelt zu erhalten und zu verbessern.
Wir
Lr erwarten in Stockholm auf drei Gebieten wesentliche Fortschritte:
Erstens soll die Konferenz die Bemühungen beleben, um vermehrte Kenntnisse
von dem zu erlangen, was in der Umwelt auf diesem Planeten geschieht. Dies
erfordert ein umfassendes Überwachungssystem, das zum Beispiel auch ein weltweites System von Stationen einschließt, um den Grad der Luftverschmutzung
zu messen.

Zweitens soll die Konferenz zu internationalen Konventionen,Abkommen
und sonstigen Vereinbarungen über solche Probleme ermutigen, wo ein Handeln

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23/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS ZUR ERÖFFNUNG
DER STOCKHOLMER UMWELTKONFERENZ
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 5. Juni in Washington anläßlich der Eröffnung der von den Vereinten
Nationen in Stockholm abgehaltenen Konferenz über die menschliche Umwelt
folgende Erklärung abgegeben:

Die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt,die
heute in Stockholm eröffnet wird, läßt in vollem Ausmaße ein internationales
Anliegen sichtbar werden, das die Völker und Regierungen der Welt in den
kommenden Jahren immer stärker beschäftigen wird. Die Vereinigten Staaten
werden hinter niemandem zurückstehen, wenn es darum geht, ihre Kraft dafür
einzusetzen, die globale Umwelt zu erhalten und zu verbessern.
Wir erwarten in Stockholm auf drei Gebieten wesentliche Fortschritte:
Erstens soll die Konferenz die Bemühungen beleben, um vermehrte Kenntnisse
von dem zu erlangen, was in der Umwelt auf diesem Planeten geschieht. Dies
erfordert ein umfassendes Überwachungssystem, das zum Beispiel auch ein weit
weites System von Stationen einschließt, um den Grad der Luftverschmutzung
zu messen.

Zweitens soll die Konferenz zu internationalen Konventionen,Abkommen
und sonstigen Vereinbarungen über solche Probleme ermutigen, wo ein Handeln

- 1 -

�Handeln und keine Forschung notwendig ist. Wir denken dabei besonders an
Konventionen, um das Ablassen von Schmutzstoffen in die Weltmeere zu kontrollieren und um das überkommene Erbe auf solchen Bereichen zu erhalten, die,
was die Natur, die Kultur oder die Geschichte anbetrifft, eine besondere Bedeutung haben.
Da die meisten Umweltprobleme auf regionaler, nationaler oder individueller Ebene gelöst werden müssen, soll die Konferenz drittens die regionalen
und örtlichen Anstrengungen fördern und unterstützen.
Um zur Verwirklichung dieser und anderer wichtiger Ziele beizutragen
hat der Präsident die Schaffung eines Umweltfonds der Vereinten Nationen
vorgeschlagen, der aus freiwilligen Zuwendungen der Regierungen finanziert
werden soll. Unseres Erachtens sollte für den Fonds als erstes Ziel innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren ein Betrag von 100 Millionen Dollar
angestrebt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, bis zu 40 Millionen
Dollar beizutragen, wenn die restlichen 60 Millionen Dollar, von denen wir
hoffen, daß die übrigen Länder sie beisteuern werden, aufgebracht sind.

Eine feste und zentrale Kontrolle und eine vereinbarte Prioritätenliste sind unerläßlich, damit die Tätigkeit der Vereinten Nationen auf dem
Gebiet der Umwelt wirksam geleitet werden kann. Daher werden wir in Stockholm
die Ernennung eines UN-Administrators vorschlagen. Er soll die Vollmacht
haben, um - entsprechend den politischen Richtlinien eines überstaatlichen
Gremiums im Rahmen des ECOSOC - den Fonds zu verwalten und alle Umweltprogramme der Vereinten Nationen zu koordinieren.

Nach Ansicht der amerikanischen Regierung sind die siebziger Jahre ein
Jahrzehnt, in dem die Vereinten Nationen bewußt der Nutzbarmachung des wissenschaftlichen Fortschritts für das Wohl aller Völker Vorrang einräumen
sollten. Nachdem das Hauptanliegen in den fünfziger Jahren die Wahrung
des Friedens war und in den sechziger Jahren als zweites Anliegen die
wirtschaftliche Entwicklung hinzukam, sollten die Vereinten Nationen unserer

- 2-

�unserer Ansicht nach für dieses Jahrzehnt ein drittes Hauptziel setzen die Nutzbarmachung von Wissenschaft und Technologie für die Verbesserung
des Lebens der Menschen durch im Wettstreit zueinander stehende internationale Maßnahmen zu fördern. Es gibt kein Gebiet, auf dem diese Aufgabe
vordringlicher ist, als das Gebiet der menschlichen Umwelt.
Es wird manchmal behauptet, daß Umwelt eine Angelegenheit reicher Leute
sei und daß die Entwicklungsländer wenig von internationalen Maßnahmen auf
diesem Gebiet zu erwarten hätten. Diese Behauptung wird durch die Anwesenheit von Vertretern der großen Mehrheit der Völker der unterentwickelten
Welt widerlegt.

Es ist nur natürlich, wenn es den Entwicklungsländern ein besonderes
Anliegen ist, daß Schritte zur Erhaltung der Umwelt den Entwicklungsprozeß
fördern müssen und nicht behindern dürfen. Wir in den Vereinigten Staaten

teilen diese Besorgnis, und in unserer eigenen Umweltpolitik tragen wir dem
voll Rechnung;

- Wir versichern feierlich, daß Umweltfragen nicht als Vorwand für Handelsdiskriminierungen gegen Erzeugnisse der Entwicklungsländer oder anderer
Länder oder zur Einschränkung ihres Zugangs zum amerikanischen

Markt benutzt

werden. Es darf keinen wirtschaftlichen Protektionismus im Namen des Umweltschutzes geben.
- Wir versichern feierlich, daß eine Verpflichtung zur Verbesserung der
Umwelt nicht zu Lasten unserer bezüglich

der wirtschaftlichen Entwick-

lung eingegangenen Verpflichtungen gehen wird.

Maßnahmen zum Schutz der Umwelt stehen keineswegs im Gegensatz zur
wirtschaftlichen Entwicklung, sondern sind vielmehr ein integraler Bestandteil von ihr. Dies besagt nun nicht, daß solche Maßnahmen den Industriestaaten als Bedingung für eine Beteiligung an Entwicklungsprojekten starr
aufgezwungen werden. Die solchen Sicherheitsmaßnahmen gegebene relative
Priorität muß zwischen den Geber- und den Empfängerländern vereinbart werden.

�werden. In unserer eigenen Entwicklungshilfepolitik übertragen wir die
Hauptverantwortung für die Festlegung der Entwicklungsprioritäten den
Empfängern der Hilfe.

Wir bedauern es, daß die Sowjetunion und eine Reihe ihrer Verbündeten offensichtlich aus politischen Gründen - beschlossen haben, sich den Ländern,
die hier in Stockholm zusammengekommen sind, nicht anzuschließen. Wir hoffen
jedoch, daß sich die Sowjetunion und die übrigen Länder voll an den internationalen Initiativen und Bemühungen beteiligen werden, die im Anschluß
an diese Konferenz notwendig werden.Das am 23. Mai von uns in Moskau unterzeichnete Abkommen - das umfassendste Umweltabkommen, das bisher zwischen
zwei großen Ländern erreicht worden ist - ist ein ermutigendes Zeichen dafür, daß die Sowjetunion unsere Auffassung von der Bedeutung dieser Frage
teilt.

+ ++++

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23/1972

BAUELEMENTE FÜR ELEKTROTECHNIK UND ELEKTRONIK
Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt

--(AD)--Vom 12.bis 16.Juni 1972 ist das US-Handelszentrum in Frankfurt (Main)
Schauplatz einer Spezialausstellung zum Thema "Steckverbindungen und passive
Bauelemente für die Elektrotechnik und Elektronik". Achtundzwanzig Aussteller, die zusammen mehr als 65 US-Firmen repräsentieren, wollen mit dieser Veranstaltung dem Fachmann Gelegenheit geben, das umfangreiche amerikanische
Angebot auf diesem Markt an Ort und Stelle zu prüfen.
Im einzelnen werden ausgestellt: Stecker-und Steckverbindungen, Miniaturverteiler, Potentiometer, Widerstände, Kondensatoren, Ferritkerne, Solenoi.de,
Relais, Spulen, Halbleiter-Steckelemente, Sicherungsautomaten, Miniaturtransformatoren, Schalter, passive Schaltungselemente, Testanschlüsse und Prüfstecker, Vakuumbauteile, Transducer, Verdrahtungssystem?., Litzen und Kabel
sowie Abisoliereinrichtungen, Innerhalb der Produktgruppen werden die verschiedensten Typen und Ausführungen nach allen gängigen Spezifikationen
einschließlich MIL und NAS angeboten.
Auf der am 13. und 14. Juni stattfindenden Fachtagung werden

Fachleute

zu aktuellen Fragen und Neuentwicklungen dieses Industriezweiges Stellung
nehmen.
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23/1972

PRÄSIDENT NIXON BERICHTET DEM US-KONGRESS ÜBER SEINE

MOSKAU-REISE
-Wortlaut der Ansprache vom l.Juni-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am Abend
des 1. Juni auf einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser über seine soeben
beendete Moskau-Reise berichtet. Die Rede des amerikanischen Präsidenten,
der erst kurz zuvor nach Washington zurückgekehrt war, hat folgenden Wortlaut:
Ihre Begrüßung in diesem hohen Hause heute abend hat für Mrs.Nixon und
mich eine ganz besondere Bedeutung. Wir schätzen uns sehr glücklich, daß wir
so oft ins Ausland reisen und dort die Vereinigten Staaten von

Amerika ver-

treten konnten. Nach jeder Reise sind wir beide uns jedoch darin einig, daii
der beste Teil der Reise jeweils die Rückkehr nach Amerika ist.
In den letzten 13 Tagen haben wir mehr als 16 000 Meilen im Flugzeug
zurückgelegt und vier Länder besucht. Und überall, wohin wir kamen - Österreich, die Sowjetunion, Persien und Polen » konnten wir das sich beschleunigende Tempo des Wandels in den alten traditionellen Beziehungen und den aufrichtigen Wunsch der Völker nach Freundschaft mit dem amerikanischen Volk
empfinden. Überall keimen jetzt neue Hoffnungen auf eine Welt, die nicht meh
von Furcht, Not und Krieg überschattet wird. Und als Amerikaner können wir
stolz darauf sein, daß wir jetzt eine historische Möglichkeit haben, eine
bedeutende Rolle dabei zu spielen, mit zur Verwirklichung des ältesten
Traumes der Menschheit beizutragen - eine Welt, in der alle Nationen sich
der Segnungen des Friedens erfreuen können.
Auf

�Auf dieser Reise haben wir zahlreiche bedeutende Sehenswürdigkeiten gesehen;
aber ein Bild wird stets unauslöschlich in unserer Erinnerung bleiben - die
Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika, wie sie im Frühlingswind hoch über
den alten Mauern des Kreml wehte.
Für Millionen Amerikaner war der Kreml während des letzten Vierteljahrhunderts das Zeichen einer unnachgiebigen Feindschaft gegenüber allem,was wir
verehren. Und für Millionen von Russen galt die amerikanische Flagge seit langem
als ein Symbol des Bösen. Niemand würde geglaubt haben, selbst noch vor ganz
kurzer Zeit, daß diese beiden, offensichtlich nicht miteinander zu vereinbarenden
Symbole zusammen gesehen würden, so wie wir sie in diesen wenigen Tagen gesehen
haben.
Dies bedeutet nun nicht, daß wir von Moskau die Verheißung eines sofortigen
Friedens mit zurückbringen, aber wir bringen doch den Beginn eines Prozesses zurück, der zu einem dauerhaften Frieden führen kann. Und deshalb habe ich diese
außergewöhnliche Maßnahme ergriffen und um diese Sondersitzung des Kongresses
nachgesucht - weil wir eben vor uns eine außergewöhnliche Chance haben.
Ich bin heute abend nicht hierhergekommen, um neue Ankündigungen in einem
dramatischen Rahmen zu machen. Dieses Gipfeltreffen hat bereits seine Schlagzeilen gemacht. Es hat jedoch noch kaum begonnen, der Welt seine Zeichen aufzusetzen. Und ich möchte Sie ersuchen,heute abend -während die Ereignisse noch
frisch sind und das Eisen noch heiß ist- gemeinsam mit mir mit der Überlegung
zu beginnen, wie wir mitwirken können, daß diese Zeichen so sein werden, wie
wir es gerne möchten.
Die Grundlage ist gelegt für ein neues Verhältnis zwischen den beiden mächtigsten

Nationen der Welt. Und es ist nun an uns - an uns allen hier in diesem

hohen Hause, an uns allen in ganz Amerika, zusammen mit anderen Nationen auf
dieser Grundlage ein neues Gebäude zu errichten - ein Gebäude, in dem sich die
Hoffnungen der Menschheit vereinigen können, und das Schutz gewährt vor den
Stürmen der Konflikte.
Als

�Als einen ersten Schritt, um Ihre Zustimmung zu einigen der von uns erreichten Abkommen und für die Genehmigung der Mittel zur Durchführung anderer
zu erlangen, und auch als Ausdruck der Einheit, mit der diese Regierung und
dieses Land von hier aus weiter gehen müssen, gebe ich dem Kongreß diesen sofortigen Bericht über die Ergebnisse des Moskauer Gipfeltreffens.
Allen hier in diesem hohen Haus ist bekannt, wie sich die amerikanischsowjetische Gipfeldiplomatie während der Zeit des kalten Krieges gestaltete.
Jedes Gipfeltreffen führte zu einer kurzen euphorischen Stimmung - zum Geist
von Genf, zum Geist von Camp David, zum Geist von Wien und zum Geist von Glasboro -.
bedeutsame Fortschritte in den wirklich schwierigen Fragen wurden jedoch nicht
erzielt.
Und schon damals habe ich in dieser Administration erklärt, daß die Aussichten auf konkrete Ergebnisse, nicht nur auf eine Verbesserung der Atmosphäre, unser

Kriterium für ein Treffen auf höchster Ebene sein würden. Und ich

habe ferner unsere Absicht angekündigt, auf einem weiten Gebiet miteinander
zusammenhängender Fragen Verhandlungen mit der Sowjetunion zu führen, mit dem
Ziele, durch Erfolge einen Auftrieb zu geben, bei dem Fortschritte auf einem
Gebiet zum Fortschritt auf anderen Gebieten beitragen könnten.
Das ist die Basis,auf der wir die Gespräche der letzten Woche vorbereitet
und geführt haben. Das war ein Arbeitsgipfeltreffen. Wir haben nicht versucht,
einen oberflächlichen »Geist von Moskau* zu schaffen, sondern solide Fortschritte bei der Lösung der schwierigen Fragen angestrebt, die unsere beiden
Länder und auch die Welt so lange gespalten haben. Wenn wir einen Blick auf
die Zahl und das Ausmaß der erzielten Abkommen werfen, so haben wir, wie ich
meine, dieses Ziel erreicht.
Aus der Erkenntnis der Verantwortung der hochentwickelten Industriestaaten,
ein Beispiel im Kampf gegen den gemeinsamen Feind der Menschheit zu geben, haben
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vereinbart, bei den Bemühungen um
eine Verringerung der Verschmutzung von Luft und Wasser und eine Verbesserung
der Umweltbedingungen zusammenzuarbeiten. Wir haben vereinbart, auf den Gebieten der medizinischen Wissenschaft und des öffentlichen Gesundheitswesens, vor
-3-

�vor allem bei der Bekämpfung von Krebs und Herzkrankheiten,zusammenzuarbeiten.
Aus der Erkenntnis, daß das Forschen.nach nützlichem Wissen die Unterschiede der Ideologien und der Gesellschaftssysteme überwindet, haben wir
vereinbart,

die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der

Sowjetunion auf zahlreichen Gebieten der Wissenschaft und der Technologie
auszuweiten.
Wir haben uns zu Plänen für ein erregendes neues Unternehmen zusammengetan - ein neues Unternehmen zur gemeinsamen Erforschung des Weltraums, das
- vorausgesetzt, daß der Kongreß die Mittel bewilligt - mit einem gemeinsamen
Raumflug eines Apollo-Raumschiffes und eines sowjetischen Raumschiffes 1975
beginnen soll.
Bei der Entwicklung der Formen der Zusammenarbeit und der Stärkung der
institutionellen Bindungen auf Gebieten friedlicher Unternehmungen werden diese
von mir erwähnten vier Abkommen auf beiden Seiten ein wachsendes und wohl fundiertes Interesse an der Erhaltung guter Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern schaffen.
Eine Ausweitung des amerikanisch-sowjetischen Handels wird ebenfalls Vorteile für unsere beiden Länder bringen. Wenn die beiden größten.Volkswirtschaf ten der Welt damit beginnen, in einem weit größeren Ausmaß miteinander Handel
zu treiben, dann wird der Lebensstandard in unseren beiden Ländern steigen und
das Interesse beider am Frieden wird wachsen.
Der Fortschritt auf diesem Gebiet vollzieht sich planmäßig. Auf dem Gipfeltreffen haben wir eine gemeinsame Handelskommission eingesetzt, die die Verhandlungen für ein umfassendes Handelsabkommen zwischen den

Vereinigten Staaten

und der UdSSR zum Abschluß bringen wird.
Wir rechnen damit, daß die endgültigen Bestimmungen dieses Abkommens im
weiteren Verlauf dieses Jahres festgelegt werden. Zwei weitere Verträge,die

-4-

�die wir in der letzten Woche erreichten, haben eine weitaus stärkere Auswir kung auf die Suche nach Frieden und Sicherheit in der Welt.
Der eine ist das zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Marine
geschlossene Abkommen, das die Möglichkeiten gefährlicher Zwischenfälle zwischen unseren Schiffen und Flugzeugen auf See wesentlich einschränkt.
Und zweitens, und das ist von größter Bedeutung, gibt es den Vertrag und
die damit verbundene Übereinkunft der Regierungen, durch die zum ersten Mal
sowohl offensive als auch defensive strategische Nuklearwaffen in den Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion begrenzt werden.
Drei Fünftel aller Menschen,die heute auf dieser Erde leben, haben ihr
ganzes Leben im Schatten eines Nuklearkrieges verbracht, der durch das Wettrüsten zwischen den Großmächten hätte ausgelöst werden können. Am vorigen Freitag waren wir in Moskau Zeuge des Beginns für das Ende dieser Ära, die 1945
ihren Anfang nahm. Wir vollzogen den ersten Schritt in Richtung auf eine

neue

Ära von beiderseitig vereinbarter Zurückhaltung und Rüstungsbegrenzung zwischen den beiden wichtigsten Nuklearmächten.
Mit diesem Schritt dienten wir der Sicherheit beider Nationen. Wir haben
damit begonnen, die verschwenderische und gefährliche Schraube nuklearer Waffen, die die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern eine Generation lang
bestimmte, anzuhalten. Wir haben damit begonnen, den

Grad der Angst durch den

Abbau der Ursachen der Angst zu verringern - zum Nutzen unserer beiden Völker
und aller Völker der Welt.
Der ABM-Vertrag wird umgehend dem Senat zur Beratung und Zustimmung zur
Ratifizierung zugeleitet, und das Interimsabkommen über die Begrenzung bestimmter Offensivwaffen wird beiden Häusern zur Zustimmung unterbreitet,da wir Vereinbarungen von dieser Bedeutung nur auf einer Basis voller Partnerschaft zwischen der Exekutive und Legislative innerhalb unserer Regierung treffen
können.
Ich
-5-

�Ich ersuche diesen Kongreß und ich ersuche die Nation, diese Abkommen genau zu prüfen. Ich bin davon überzeugt, daß eine solche Prüfung die Wahrheit
dessen, was ich dem sowjetischen Volk vor einigen Tagen über das Fernsehen gesagt habe, nur unterstreichen wird: daß dies ein Abkommen ist, das im Interesse
beider Länder liegt. Wenn wir uns vor Augen führen,wie das strategische Gleichgewicht später in den siebziger Jahren ausgesehen haben würde, hätte es keine
Rüstungsbegrenzung gegeben, dann ist es vom Standpunkt der Vereinigten Staaten
aus klar, daß die Abkommen einer weiteren Schraube des Wettrüstens Einheit gebieten - einer Entwicklung, die sich zu unserem Nachteil ausgewirkt haben würde,
da wir gegenwärtig keine

Bauprogramme für jene Waffenkategorien haben, die ein-

gefroren worden sind, und da keine neuen Bauprogramme zu irgendwelchen neuen
Waffen in diesen Kategorien während der Zeit des Einfrierens geführt haben könnten.
Meine Kollegen hier im Kongreß! Ich habe zusammen mit meinen Hauptberatern
über drei Jahre lang das strategische Gleichgewicht bis ins kleinste Detail geprüft, und ich kann Ihnen heute abend versichern, Ihnen, den Mitgliedern des
Kongresses, und dem amerikanischen Volk, daß die gegenwärtigen und die geplanten
strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten ohne Frage ausreichen, um unsere Sicherheit und den Schutz unserer lebenswichtigen Interessen zu gewährleisten.
Keine Macht auf Erden ist stärker, als es die Vereinigten Staaten von Amerika
heute sind. Und keine wird stärker sein, als es die Vereinigten Staaten von Amerika in Zukunft sind.
Das ist die einzige nationale Verteidigungsposition, die jemals für die Vereinigten Staaten akzeptabel sein kann. Und ich ersuche den Senat und den Kongreß, diese Position durch die Billigung der Abkommen für eine Begrenzung der
Rüstungen zu schützen, auf die ich mich hier heute abend bezogen haben. Und mit
der verantwortungsbewußten Zusammenarbeit des Kongresses werde ich alle erforderlichen Schritte tun, um diese Position in unseren künftigen Verteidigungsprogrammen zu wahren.
Neben

�Neben den

Gesprächen, die zu den von mir genannten spezifischen Abkommen

geführt haben, hatte ich mit Generalsekretär Breschnew und seinen Kollegen auch
umfassende, sehr offene und ausgedehnte Gespräche über verschiedene Teile der
Welt,wo amerikanische und sowjetische Interessen miteinander in Konflikt gekommen sind.
Im Hinblick auf den Abbau der Spannungen in Europa bekundeten wir unsere
Absicht, später in diesem Jahr multilaterale Konsultationen bezüglich einer
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in ganz Europa zu pflegen. Wir
haben ferner vereinbart, mit Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen in Mitteleuropa voranzuschreiten.
Das Problem der Beendigung des Vietnamkrieges, auf das die Hoffnungen
aller Amerikaner gerichtet sind, war eines der am ausführlichsten erörterten
Themen auf unserer Tagesordnung. Es würde nur die Suche nach Frieden gefährden,
würde ich hier jetzt alles wiedergeben, was über dieses Thema gesagt worden
ist. Ich will nur das eine sagen: jede Seite hat offensichtlich ihren eigenen
Standpunkt und ihre eigene Einstellung zu dieser sehr schwierigen Frage. Gleichzeitig jedoch haben beide, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, den
beherrschenden Wunsch,einen stabileren Frieden in der Welt zu erreichen.
Ich unterstreiche hier vor Ihnen noch einmal, daß diese Regierung kein
höheres Ziel hat, als den Vietnamkrieg zu einem baldigen und ehrenhaften Ende
zu bringen - ein Ziel, dem Sie, wie ich weiß, alle zustimmen. Wir sind dabei,
den Krieg in Vietnam zu beenden, aber wir werden ihn in einer Weise beenden,
die unsere Freunde nicht verraten, das Leben der mutigen, noch in Vietnam stationierten Amerikaner nicht gefährden, das Vertrauen der vom Gegner festgehaltenen Gefangenen nicht zerstören und die Ehre der Vereinigten Staaten von Amerika
nicht beflecken wird.
Ein
-7-

�Ein weiteres Gebiet, über das wir sehr ausführliche, offene und ausgedehnte Gespräche führten, war der Nahe Osten. Ich habe die Verpflichtung des
amerikanischen Volkes für den Fortbestand des Staates Israel und für eine Regelung, die gegenüber allen Ländern in diesem Gebiet gerecht ist, wiederholt. Beide
Seiten haben in dem Kommunique ihre Absicht erklärt, die Jarring-Friedensmission
sowie andere geeignete Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. Das abschließende Ergebnis der Moskauer Konferenz war die Unterzeichnung einer richtungweisenden Erklärung mit dem Titel "Grundsätze für die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken". Wenn diese zwölf Grundsätze in die Wirklichkeit umgesetzt werden, dann können sie einen festen Rahmen für die zukünftige
Entwicklung besserer amerikanisch-sowjetischer Beziehungen bilden.
Sie beginnen mit der Erkenntnis, daß die beiden Nuklearmächte, von denen
jede die Macht hat, die Menschheit zu vernichten, keine andere Alternative
haben, als in einer friedlichen Koexistenz miteinander zu leben, weil es bei
einem Nuklearkrieg keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben würde.
Die Grundsätze verpflichten beide Seiten, eine direkte militärische Konfrontation zu vermeiden, sowie eine konstruktive Führungsrolle und Zurückhaltung an
den Tag zu legen, wo es um kleinere Konflikte in anderen Teilen der Welt geht,
die die Großmächte in einen Krieg hineinziehen könnten.
Sie schwören jeder Absicht ab, Einflußzonen zu schaffen oder gegen die
Interessen irgendeines anderen Landes zu konspirieren - ein Punkt, den ich heute
abend noch einmal unterstreichen möchte, indem ich erkläre, daß Amerika seine
Bindungen mit allen Nationen hochhält, von unseren ältesten Verbündeten in
Europa und Asien angefangen, wie ich bei meinem Besuch in Persien betont habe,
bis zu unseren guten Freunden in der dritten Welt und unserem neuen Verhältnis zur Volksrepublik China.
Die

-8-

�Die Verbesserung der Beziehungen hängt natürlich nicht nur von Worten, sondern weitaus mehr von Taten ab. Die Grundsätze, auf die wir uns in Moskau einigten, sind einer Straßenkarte ähnlich. Nachdem jetzt die Karte vorgezeichnet
wurde, ist es Sache jedes Landes, sich an sie zu halten. Die Vereinigten Staaten
beabsichtigen, diesen Grundsätzen zu folgen. Die Führer der Sowjetunion haben
eine ähnliche Absicht zu erkennen gegeben.
Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß die sowjetische Ideologie noch
immer eine Kampfansage an einige der elementaren Werte Amerikas beinhaltet. Die
sowjetischen Führer bleiben dieser Ideologie verschrieben. Wie die Nation, die
sie führen, sind sie in völliger Hingabe an ihre Sache Konkurrenten der Vereinigten Staaten und werden dies auch künftig sein.
Deshalb müssen wir bei der Gestaltung unserer Politik für die kommende
Zeit unsere Verteidigung auf einem angemessenen Stand halten, bis es zu einer
beiderseitigen Übereinkunft über die Begrenzung der Streitkräfte gekommen ist.
Die bewährte Politik der Wachsamkeit und Festigkeit, die uns zu dem Gipfelgespräch führte, ist die einzige Politik, die uns sicher zu weiteren Fortschritten in der Erreichung von Vereinbarungen zur Verringerung der Kriegsgefahr
bringen kann.
Unsere Erfolge in den Gesprächen über die Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT) und in den Berlin-Verhandlungen, die den Weg nach Moskau öffneten, kamen zustande, weil wir uns in den letzten drei Jahren beharrlich Vorschlägen zur einseitigen Aufgabe des ABM-Projektes, zum einseitigen Abzug unserer Truppen aus Europa und zu drastischen Kürzungen des Verteidigungsetats
widersetzten. Und dem Kongreß gebührt die Anerkennung des amerikanischen Volkes dafür, daß er den Mut hatte, gegen solche Vorschläge zu stimmen und
Amerika die Stärke zu erhalten, die es für den Schutz seiner Interessen
braucht.
Während
-9-

�Während wir die Gespräche über die strategischen Waffen fortsetzen und dabei einen dauerhaften Vertrag über Offensivwaffen, zu erreichen suchen, müssen
wir die Lehren aus den bisherigen Gesprächen gut im Gedächtnis behalten.
Desgleichen müssen wir fest zu unseren NATO-Partnern stehen, wenn Verhandlungen mit dem Ziel einer neuen Entspannung und einer beiderseitigen Verringerung der Streitkräfte in Europa positive Ergebnisse bringen sollen. Die Erhaltung
der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt
ist die Grundlage, auf der alle unsere anderen Initiativen für Frieden und
Sicherheit in der Welt basieren müssen. Während wir bessere Beziehungen zu jenen
suchen, die unsere Gegner waren, werden wir unsere Freunde und Verbündeten in
der Welt nicht aufgeben.
Und in dieser Zeit müssen wir unsere Wirtschaft aktiv und wettbewerbsfähig
erhalten, wenn die Erweiterung des Ost-West-Handels überhaupt von Bedeutung werden soll, und wir nicht wollen, auf den Weltmärkten von dem wachsenden Wirtschaftspotential Japans, Westeuropas, der Sowjetunion und der Volksrepublik China
verdrängt zu werden. Damit Amerika auch künftig seine Rolle behält, an einer friedlichen Welt mitzubauen, müssen wir der amerikanischen Wirtschaft ihre Führungsrolle in der Welt erhalten.
Und wir müssen unseren eigenen Schwung der inneren Erneuerung des Wachstums
und der Reform in unserem Land erhalten, wenn sich die Verheissung der Möglichkeiten für gemeinsames Handeln mit den Sowjets erfüllen soll. Während wir draußen
nach Vereinbarungen für den Aufbau des Friedens suchen, müssen wir den Fortschritt
Amerikas im Innern sichern.
Wenn das von uns angestrebte neue Zeitalter jemals Wirklichkeit werden
soll, dann ist es von größter Bedeutung, daß wir Amerika im Geiste stark erhalten
- als eine Nation, die stolz ist auf ihre Größe als eine freie Gesellschaft, die

-10-

�die von ihrer Aufgabe in der Welt überzeugt ist. Wollen wir uns unserer Lebensform
ebenso mit ganzem Herzen verschreiben, wie die kommunistischen Führer, mit denen
wir zu einer neuen Beziehung zu gelangen suchen, ihrem System verschrieben sind.
Wollen wir immer in unseren Worten und in unseren Taten mit Stolz das zeigen, was
unsere innere Überzeugung ist - unseren Glauben an Amerika.
Das sind nur einige der Herausforderungen des Friedens. In gewisser Weise
sind sie noch schwieriger als die Herausforderungen des Krieges. Aber wir sind
ihnen gewachsen. Und während wir ihnen gerecht werden, können wir auch voranschreiten und die weitreichenden Möglichkeiten des Friedens sondieren, die sich
nun mit dieser Serie von Gipfelgesprächen für die Welt eröffnet haben.
Seit Jahrzehnten war Amerika in feindseliger Konfrontation mit den zwei
großen kommunistischen Mächten, der Sowjetunion und der Volksrepublik China, gefangen. Mit der einen standen wirin vielen Punkten in Berührung, und gegenüber
der anderen waren wir fast völlig isoliert; aber unsere Beziehungen zu beiden
waren in einer tödlichen Sackgasse angelangt.
Alle drei Länder waren Opfer jener Art der Knechtschaft, vor der George
Washington vor langer Zeit mit den Worten warnte: "Die Nation, die gegen eine andere in einen gewohnheitsmäßigen Haß verfällt, ist ein Sklave ihrer eigenen Feindseligkeit."
Jetzt aber haben in dem kurzen Zeitraum von vier Monaten diese Reisen nach
Peking und Moskau uns von ständiger Konfrontation zu befreien begonnen. Wir sind
zu besserem Verstehen, zu gegenseitiger Achtung, zur Beilegung von Differenzen
Punkt um Punkt mit den beiden wichtigsten kommunistischen Mächten gelangt.
Diese eine Serie von Zusammenkünften hat eine unvollkommene Welt nicht plötzlich vollkommen gemacht. Es gibt immer noch tiefe Unterschiede im Denken. Noch
immer herrscht in manchen Teilen der Welt ein uralter Haß. Die Gefahr von Krieg
ist nicht beseitigt worden - aber sie hat sich verringert. Wir machen Fortschritte
in Richtung auf eine Welt, in

der die Führer der Staaten ihre Meinungsverschieden-

heiten durch Verhandlungen und nicht durch Gewalt beilegen, und in der sie lernen,
-11-

�lernen, mit ihren Meinungsverschiedenheiten zu leben, so daß ihre Söhne nicht
für diese Meinungsverschiedenheiten sterben müssen.
Es passte in diesen Rahmen ganz besonders, daß diese Reise,die auf die Errichtung einer solchen Welt abzielte, ihren Abschluß in Polen fand. Kein Land
hat unter dem Krieg mehr zu leiden gehabt als Polen - und kein Land hat mehr
vom Frieden zu gewinnen. Aus den Gesichtern der Menschen,die uns gestern in
Warschau einen so herzerfrischenden Empfang bereiteten - und dann heute morgen
und heute nachmittag wieder - sprachen nur zu deutlich die Leiden des letzten
Krieges und die Hoffnung auf einen künftigen Frieden. Man

konnte dies in ihren

Gesichtern lesen. Dies machte mich entschlossener denn je, daß Amerika alles in
seinen Kräften stehende tun muß, um dazu beizutragen, daß diese Hoffnung auf
Frieden für alle Völker der Welt Wirklichkeit wird.
Wenn wir jetzt diese Bemühungen fortsetzen, wird unserer Einigkeit der
Zielsetzungen und des Handelns überragende Bedeutung zukommen.
Denn die Gipfeltreffen des Jahres 1972 sind nicht das Verdienst nur einer
Person oder einer Partei oder eines Zweiges unserer Regierung. Sie sind vielmehr
Teil eines großen nationalen Strebens nach Frieden. Jeder Amerikaner kann für
sich einen Teil des Verdienstes an dem bisherigen Erfolg dieses Strebens beanspruchen, und jeder Amerikaner hat ein wichtiges Interesse an seinem Erfolg in
Zukunft.
In die Hände Amerikas ist eine einmalige Chance gelegt worden. Noch niemals
hat es einen Zeitpunkt gegeben, da Hoffnung gerechtfertigter oder Selbstgefälligkeit gefährlicher gewesen wäre. Wir haben einen guten Anfang gemacht, und weil
wir diesen Anfang gemacht haben, erlegt uns die Geschichte nunmehr die besondere
Verpflichtung auf, dies auch durchzustehen. Wir können diese Gelegenheit packen
oder wir können sie verpassen; wir können diese Chance, ein neues Gebäude des
Friedens in der Welt zu errichten, nützen, oder wir können sie entgleiten lassen. Wir wollen also gemeinsam diese Gelegenheit packen, damit unsere Kinder
und die Kinder in aller Welt frei von Furcht und frei von dem Haß leben können,
-12-

�können, die durch die Jahrhunderte hindurch das Schicksal der Menschheit gewesen
sind.
Und dann werden einmal die Historiker eines zukünftigen Zeitalters von
diesem Jahr 1972 schreiben können: nicht daß dies das Jahr war, in dem Amerika
auf die Höhe des Gipfels ging, um dann wieder in die Tiefen des Tales zurückzufallen, sondern daß dies das Jahr war, in dem Amerika dazu beitrug, die Welt
aus den Niederungen ständigen Krieges zu den Höhen eines dauerhaften Friedens
zu führen.

-13-

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23/1972

DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-POLNISCHE KOMMUNIQUE
Zum Abschluß des Nixon-Besuches
- Wortlaut -

WARSCHAU - (AD) - Das zum Abschluß des Besuches von Präsident Nixon in
Polen am 31. Mai und 1. Juni herausgegebene gemeinsame Kommunique1 hat folgenden Wortlaut;

I
Auf Einladung des Präsidenten des Staatsrates der Volksrepublik Polen,
Henryk Jablonski, und des Vorsitzenden des Minis terrates, Pjotr Jaroszewicz,
statteten der Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon und Mrs. Nixon,
Polen am 31. Mai und 1. Juni einen offiziellen Besuch ab.

Am ersten Besuchstag führte der Erste Sekretär des Zentralkomitees der
Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek, Gespräche mit Präsident Nixon.

Am 1. Juni stattete Präsident Nixon dem Präsidenten des Staatsrates,
Henryk Jablonski, einen Besuch ab und führte mit ihm Gespräche.

Am zweiten Besuchstag wurden zwischen dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek, dem Vor-

- 1 -

�Vorsitzenden des Ministerrates, Pjotr Jaroszewicz, und Präsident Nixon Besprechungen geführt.

An diesen Gesprächen nahmen folgende Personen teil:
auf amerikanischer Seite:
der amerikanische Außenminister, William P. Rogers; der Botschafter der
Vereinigten Staaten, Walter J. Stoessel; der Berater des amerikanischen Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten, Martin J. Hillenbrand

auf polnischer Seite:
der Stellvertretende Ministerpräsident und Vorsitzende der Planungskommission, Mieczyslaw Jagielski; der polnische Außenminister Stefan Olszowski;
der Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei,
Franciszek Slachcic; der Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei Jan Szydlak; der polnische Botschafter Witold
Trampczynski; der Minister für Wissenschaft, Hochschulen und Technologie,
Jan Kaczmarek; der Minister für Außenhandel, Tadeusz Olechowski; der stellvertretende Vorsitzende der Planungskommission Henryk Kisiel; der stellvertretende Außenminister Romuald Spasowski; der Regierungssprecher, Unterstaatssekretär, Wlodzimierz Janiurek.

Besprechungen wurden außerdem geführt zwischen dem amerikatschen Außenminister, William P. Rogers, und dem polnischen Außenminister, Stefan Olszowski.

Während der Gespräche hatten beide Seiten Gelegenheit zu einem nützlichen
Gedankenaustausch über internationale Fragen,die für sie von besonderem Interesse waren. Sie erörterten ferner die wichtigsten Themen auf dem Gebiet bilateraler Beziehungen. Die Gespräche waren offen, sachlich und konstruktiv. Sie
wurden in einer Atmsophäre geführt, die vom Wunsche gekennzeichnet war, die
Position des anderen besser zu verstehen und die gegenseitigen Beziehungen
zu erweitern und zu vertiefen.
Präsident

- 2-

�Präsident Nixon und Mrs. Nixon gaben ihrem herzlichen Dank für die in
Polen genossene Gastfreundschaft Ausdruck. Der Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika lud den Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen
Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek; den Präsidenten des Staatsrates,
Henryk Jablonski und den Ministerpräsidenten, Pjotr Jaroszewicz, zu einem
Besuch der Vereinigten Staaten zu einem für beide Seiten genehmen Zeitpunkt
ein. Die Einladung wurde mit Freuden angenommen.

II.
1. Beide Seiten stimmten überein, daß die Entwicklung einer friedlichen
Zusammenarbeit zwischen den Staaten auf den Grundsätzen der territorialen
Integrität und der Unverletzbarkeit der Grenzen, der Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten, der souveränen Gleichberechtigung und der Zurückweisung der Anwendung oder Androhung von Gewalt beruhen müsse.

2. Beide Seiten legten ihre Ansichten bezüglich der Situation in Europa
dar. Sie bekräftigten,daß die Ausweitung der Beziehungen zwischen allen
Staaten, die an der Sicherheit in Europa interessiert sind, von hervorragender Bedeutung für den Weltfrieden ist. Beide Seiten begrüßten die Ausdehnung
der Zusammenarbeit in Europa auf allen Gebieten und brachten ihre Überzeugung
zum Ausdruck, daß echte Sicherheit unteilbar ist und nur erlangt werden kann,
wenn Europa als ein Ganzes betrachtet wird. Die auf Souveränität, Gleichberechtigung und gegenseitiger Achtung beruhenden Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Polen tragen zu Frieden und Stabilität in Europa und
zu einer günstigen Entwicklung der internationalen Gesamtlage bei.

3. Beide Seiten begrüßten den am 7. Dezember 1970 unterzeichneten Vertrag zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland, einschließlich seiner
Grenz-Bestimmungen. Sie erwähnten besonders die Bedeutung der Bestimmungen
dieses Vertrages wie auch anderer kürzlicher Vereinbarungen als Beitrag zum
Vertrauen und der Zusammenarbeit unter europäischen Staaten.
4. Beide

�4. Beide Seiten stimmten darin überein, daß eine Verringerung der Streitkräfte und Rüstungen auf der Basis der Gegenseitigkeit vor allem in Mitteleuropa zu dem Ziel beitragen würde, Sicherheit uid Stabilität in Europa zu
garantieren. Jedes etwa erreichte derartige Abkommen darf nicht die Sicherheit der einen oder der anderen Seite verringern. Beide Seiten stimmten überein, daß die interessierten Staaten so bald wie praktikabel ein geeignetes
Übereinkommen über Verfahren für Verhandlungen in dieser Frage in einem besonderen Forum erzielen sollten. Die Verringerung der Streitkräfte und
Rüstungen in Mitteleuropa wäre ein wichtiger Schritt in Richtung auf das Ziel
einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung.

5. Beide Seiten brachten die Überzeugung zum Ausdruck, daß eine Europäische Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einen wichtigen Schritt nach vorn in dem großangelegten und langfristigen Prozeß der
Normalisierung der Beziehungen und der Entspannung in Europa darstellen
könnte. Sie stimmten darin überein, daß die Konferenz sorgfältig vorbereitet
sein müsse,und daß in diesem Zusammenhang ohne unangebrachte Verzögerung
multilaterale Konsultationen beginnen sollten. Beide Seiten brachten ihre
Bereitschaft zum Ausdruck, zusammenzuarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen.

6. Beide Seiten legten ihre bekannten Standpunkte zum Krieg in Vietnam
und zur Lage in Indochina dar. Wesentliche Auffassungen beider Seiten in
dieser Frage blieben gegensätzlich.

III.
1. Beide Seiten stellten mit Befriedigung die wachsenden kommerziellen
und anderen wirtschaftlichen Bindungen zwischen beiden Ländern fest und
kamen zu dem Schluß, daß es beträchtliche Möglichkeiten für ein künftiges
weiteres Wachstum gebe. Davon ausgehend erörterten beide Seiten Fragen bezüglich des Handelsaustausches sowie Finanz- und Kreditangelegenheiten.
Die
- 4-

�Die polnische Seite ließ ein Interesse an verstärkten Käufen von Kapitalgütern, Lizenzen und Technologie in den Vereinigten Staaten erkennen.

Die amerikanische Seite sagte zu, weitere Schritte zu einem verstärkten
bilateralen Handel und verstärkter bilateraler wirtschaftlicher Zusammenarbeit in konstruktiver Weise zu erwägen.

2. Beide Seiten werden zu verstärkten Handelsbeziehungen führende Informationen austauschen. Im Interesse einer Ausweitung und Erleichterung
der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern und zwecks Ausarbeitung
konkreter Schritte zur Verwirklichung dieses Zieles haben die beiden Seiten
beschlossen, eine gemeinsame polnisch-amerikanische Kommission einzusetzen.

3. Beide Seiten werden Kontakte und Zusammenarbeit zwischen wirtschaftlichen Organisationen und Unternehmen beider Länder ermutigen und unterstützen.

4. Beide Seiten gaben ihrer Befriedigung über das wachsende Programm der
wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit Ausdruck und beurteilten
die beiderseits vorteilhaften Ergebnisse positiv. Der Besucheraustausch auf
Kabinettsebene vom vorigen Jahr, der die Aufmerksamkeit auf die Entwicklung
der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit lenkte, bekräftigte,
daß die weitere Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wünschenswert ist.

Beide Seiten bekundeten ihr Interesse am Abschluß einer zwischenstaatlichen Vereinbarung über eine umfassende Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Wissenschaft, Technologie und Kultur. Geeignete institutionelle Vorkehrungen
werden getroffen werden, um die Arbeit auf diesen Gebieten zu fördern.

5. Beide Seiten stimmten überein, daß die Zunahme gegenseitiger wirtschaftlicher und persönlicher Kontakte, einschließlich des Tourismus, die
weitere Entwicklung von Verkehrsverbindungen zwischen Polen und den Vereinigten Staaten auf dem Seewege wie auch auf dem Luftwege rechtfertige.
Beide Seiten rechnen in naher Zukunft mit der Unterzeichnung eines Luftver-

- 5-

�Luftverkehrsabkommens und der Herstellung gegenseitiger und regulärer Luftverbindungen.

6. Beide Seiten brachten ihr Interesse an der Feier des 500. Geburtstages von Nikolaus Kopernikus zum Ausdruck und besprachen Möglichkeiten
solcher Feiern.

7. Beide Seiten begrüßten die Unterzeichnung des Konsularabkommens
durch Außenminister William P. Rogers und Außenminister Stepan Olszowski
und den Abschluß eines Abkommens über die gleichzeitige Errichtung neuer
Konsulate in New York und Krakau am 1. Dezember 1972. Beide Vertragspartner
begrüßen diese Schritte als konkreten Beweis für den Ausbau der Beziehungen
zwischen beiden Staaten.

8. Beide Seiten unterstrichen den positiven Einfluß, der auf ihre gegenseitigen Beziehungen durch die Traditionen der Geschichte, des Gefühls und
der Freundschaft zwischen dem polnischen und dem amerikanischen Volk ausgeübt wird. Eine wichtige Rolle spielen in dieser Hinsicht viele amerikanische
Staatsbürger polnischer Herkunft, die ein Interesse an dem Land ihrer Vorväter behalten. Beide Seiten erkennen an,daß dieses Interesse und der sich
daraus ergebende Kontakt einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung bilateraler
Beziehungen darstellen.

+ ++++

- 6-

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DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-IRANISCHE KOMMUNIQUE
Zum Abschluß des Nixon-Besuches

- Wortlaut -

TEHERAN - (AD) - Das zum Abschluß der Gespräche, die Präsident Nixon
während seines Besuches in Teheran am 30. und 31. Mai geführt hatte, veröffentlichte amerikanisch-iranische Kommunique hat folgenden Wortlaut:

Auf Einladung Seiner Kaiserlichen Hoheit, des Schah-in-Schah Arjamihr
und Ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Schabanu von Iran haben der Präsident der
Vereinigten Staaten und Mrs. Nixon dem Iran am 30. und 31. Mai 1972 einen
offiziellen Besuch abgestattet. Der Präsident und Mrs. Nixon wurden von Ihren
Kaiserlichen Hoheiten, der iranischen Regierung und dem iranischen Volke mit
außergewöhnlicher Freundlichkeit und Herzlichkeit empfangen.

Während seines Besuches führte der Präsident mit Seiner Kaiserlichen Hoheit, dem Schah-in-Schah in einer Atmosphäre, die von Herzlichkeit und Aufrichtigkeit gekennzeichnet war, und die zwischen den beiden Ländern bestehenden
engen und freundschaftlichen Beziehungen widerspiegelte, Gespräche.

Der
- 1 -

�Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit erörterten die jüngsten Entwicklungen auf internationaler Ebene. Der Präsident berichtete Seiner Kaiserlichen Hoheit von seinen Besuchen in Moskau und in Peking sowie von seinen Bemühungen um die Verringerung der Ost-West-Spannungen und die Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in Südostasien. Sie vertraten die Auffassung,
daß der Konflikt in Indochina auf dem Verhandlungswege beigelegt werden sollte
und daß die Genfer Abkommen als Basis für die Lösung von Problemen zwischen
den Staaten dieses Raumes wie auch als Garantie ihres Rechts auf Selbstbestimmung ohne ausländische Einmischung dienen könnten.

Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit erörterten ferner die Entwicklung im Nahen Osten. Sie waren erfreut darüber, daß die Waffenruhe weiterhin
eingehalten wird, gaben jedoch ihrer Besorgnis über die im Nahen Osten bestehende ernste Situation Ausdruck und bekräftigten ihre Unterstützung einer
friedlichen Regelung, die im Einklang mit der Sicherheitsratsresolution 242
steht.

Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit stimmten darin überein, daß
Sicherheit

und Stabilität im Gebiet des Persischen Golfes für die anliegenden

Staaten von lebenswichtiger Bedeutung sind. Beide vertraten die Auffassung,
daß die Anliegerstaaten die Hauptverantwortung für die Sicherheit im Gebiet
des Persischen Golfes tragen.

Seine Kaiserliche Hoheit bekräftigte die Entschlossenheit

des Iran, seinen

Beitrag zu dieser Verantwortung zu leisten.

Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit stimmten ferner darin überein, daß die wirtschaftliche Entwicklung und das wirtschaftliche Wohl der An-

- 2 -

�Anliegerstaaten des Persischen Golfes von

Wichtigkeit für die Stabilität

dieses Raumes sind. Der Iran erklärte sich bereit und gewillt, mit seinen
Nachbarn zur Förderung einer Atmosphäre zusammenzuarbeiten, in der Stabilität und Fortschritt gedeihen können.

Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit gaben der Hoffnung Ausdruck,
daß Pakistan und Indien Wege finden werden, um eine gerechte und ehrenvolle
Regelung der bestehenden strittigen Fragen zu finden. Sie wiesen mit Genugtuung auf die von beiden Ländern ergriffene Initiative hin, die durch weitere
Gespräche zu einer friedlichen Regelung in Südasien zu führen verspricht, die
auf dauerhaften Bindungen der Freundschaft und der gegenseitigen Achtung beruht .

Der Präsident brachte seine Bewunderung zum Ausdruck für die eindrucksvollen Leistungen des Iran bei der Entwicklung einer starken Wirtschaft und
der erfolgreichen Verwirklichung der "weißen Revolution" Seiner Kaiserlichen
Hoheit.

Seine Kaiserliche Hoheit erläuterte die Hauptaspekte des neuen Fünfjahresplanes des Iran, wobei er besonderes Gewicht auf die Landwirtschaft und sozioökonomische Projekte legte. Der Präsident wiederholte die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten, mit dem Iran

zusammenzuarbeiten, soweit dies bei diesem

umfassenden Programm und wichtigen Vorhaben angebracht ist.

Der Präsident und Seine Kaiserliche Hoheit erörterten ferner das weltweite Rauschgiftproblem. Sie stellten fest, daß der Iran und die Vereinigten
Staaten nachdrückliche Maßnahmen gegen den verbotenen internationalen Rausch-

- 3 -

�Rauschgifthandel ergriffen haben. Beide waren befriedigt über die wirksamen
Maßnahmen des Iran zur Kontrolle der einheimischen Opiumgewinnung. Der Präsident zeigte Verständnis für die erklärte Politik des Iran, den Anbau von Mohnkapseln im Inland einzustellen, sobald die Nachbarn des Iran ebenfalls den Anbau von Mohnkapseln in ihren Ländern einstellen. Sie stimmten darin überein,
daß die beiden Regierungen ihre enge Zusammenarbeit in den internationalen
Foren, die sich mit Rauschgiftfragen befassen, fortsetzen sollten. Der Präsident nahm mit Genugtuung von der aktiven Unterstützung Kenntnis, die der Iran
der letzten Konferenz der Vereinten Nationen gewährt hat, die ein Protokoll
zur Einheitskonvention über Narkotika von 1961 angenommen hatte. Der Präsident bekräftigte die Unterstützung einer regionalen Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Rauschgiftfragen durch die Vereinigten Staaten.

Beide Seiten gaben ihrer tiefen Genugtuung über die ausgezeichneten Beziehungen, die zwischen ihren beiden Ländern bestehen, sowie der Erwartung
Ausdruck, daß dies auch in der Zukunft weiterhin so bleiben werde. Seine
Kaiserliche Hoheit unterstrich erneut die Entschlossenheit des Iran, sein Verteidigungspotential zur Gewährleistung der Sicherheit des Landes zu stärken.
Der Präsident bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin, so wie
in der Vergangenheit, mit dem Iran bei der Stärkung seiner Verteidigung zusammenarbeiten werden. Sie bekräftigten erneut daß sie das souveräne Recht
eines jeden Landes respektieren werden, über sein eigenes Schicksal auf seine
Weise ohne jede ausländische Einmischung zu bestimmen.

Als Ausdruck seiner Dankbarkeit für die ihm und Mrs. Nixon gewährte herzl
che Gastfreundschaft hat der Präsident Ihre Kaiserlichen Hoheiten eingeladen,
zu einem beiderseits genehmen Zeitpunkt die Vereinigten Staaten zu besuchen.
Die Einladung wurde mit tiefer Dankbarkeit angenommen.
+ + + + +
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ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS ROGERS
ANLÄSSLICH DER UNTERZEICHNUNG DES SCHLUSSPROTOKOLLS
DES BERLIN-ABKOMMENS AM 3. JUNI
- Wortlaut -

Die Unterzeichnung des Schlußprotokolls des Berlin-Abkommens ist ein
Akt von tiefer Bedeutung für die Bevölkerung von Berlin und Deutschland.
Sie ist ein Akt von gleich tiefer Bedeutung für die Menschen in Europa und
die Sache des Friedens in der Welt. Über 25 Jahre lang war Berlin ein
Mittelpunkt von Spannungen zwischen Ost und West. Spannungen die zeitweilig die Stabilität Europas und der Welt bedrohten. Das Abkommen, das
wir gerade unterzeichnet haben, könnte dazu dienen, diese Spannungen zur
Ruhe zu bringen.

Für die Bevölkerung Berlins bietet das Abkommen eine Verbesserung ihres
täglichen Lebens. Einst waren in Berlin nur die nackten Auswirkungen der
Teilung zu sehen. Jetzt ist der Beginn eines Heilungsprozesses in Sicht.
Einst waren so gut wie keine Besuche in Ost-Berlin und der Deutschen
Demokratischen Republik möglich. Jetzt haben über eine Million Berliner
in wenigen Wochen solche Besuche gemacht und viele von ihnen Verwandte
und Freunde wiedergesehen, von denen sie jahrelang getrennt waren. Für die
hier Lebenden ist Berlin keine isolierte Insel mehr.

Für die Völker Europas ist dieses Abkommen ein Schritt zum Abbau von
Schranken - Schranken, die diese Stadt und diesen Kontinent nur allzulange

- 1 -

�allzulange gespalten haben. Der Erfolg dieser Verhandlungen wird ein Ansporn sein, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um ein sich einiges
Europa in Frieden zu schaffen. Berlin, das ein ViertelJahrhundert lang
ein Symbol der Spaltung war, könnte jetzt ein Symbol der Hoffnung für
die Zukunft Europas werden.

Allen, die den Frieden schätzen, zeigt dieses Abkommen, daß selbst die
hartnäckigsten Probleme sich durch realistische und geduldige Verhandlungen
meistern lassen, und daß, sofern der Frieden gefördert wird, es keine Verlierer, sondern nur Gewinner gibt.

Die vier Regierungen, die heute dieses Protokoll unterzeichnet haben,
können mit der von ihnen geleisteten Arbeit zufrieden sein. Mit dem Abschluß ihrer unerläßlichen Ergänzungsabkommen haben auch die deutschen Behörden grundlegend zu diesem Ergebnis beigetragen. Sie streben

nun zu-

sätzliche Verhandlungen an - Verhandlungen, die wie wir ernsthaft hoffen,
ihre gegenseitigen Beziehungen weite r verbessern und noch mehr Hindernisse
für größere Freizügigkeit der Menschen aus dem Weg räumen werden.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, der entschlossenen
Bevölkerung von Berlin meine Anerkennung auszusprechen. Ihre Haltung, ihr
Mut

und ihre Festigkeit haben es uns ermöglicht, heute hier zu stehen.

Dieses Abkommen ist eigentlicht ihre Leistung. Diejenigen, die es unterzeichnen und diejenigen, die damit beauftragt sind, es durchzuführen,
nehmen den Berlinern gegenüber eine feierliche Verpflichtung auf sich.

Dieses Protokoll hier verpflichtet jede Regierung, dafür zu sorgen,
daß das Abkommen getreulich durchgeführt wird. Dies ist natürlich das
Herz aller Dinge, denn erst die Umsetzung der Worte des Abkommens in die
Tat kann wahren Fortschritt bringen. Die Vereinigten Staaten werden die mit
dem Abkommen übernommenen Aufgaben erfüllen. Und wir werden unsere Verpflichtung, die Sicherheit und Lebensfähigkeit Berlins zu wahren, aufrechterhalten.

Das
- 2-

�t

Das amerikanische Volk, das sich mit der Bevölkerung Berlins tief verbunden fühlt, teilt die Hoffnung, daß dieser Tag in der Geschichte einst
als ein Tag dastehen wird, der ein besseres Leben für Millionen von Berlinern
und Deutschen einleitete. Wir hoffen, daß er als ein Tag gelten wird, an dem
entscheidende Fortschritte zum Ausgleich zwischen den Völkern ganz Europas
gemacht wurden. Wir hoffen, daß er einst als der Tag empfunden werden wird,
an dem dem Gebäude eines dauerhaften Friedens ein wichtiger Baustein hinzugefügt wurde.
Ob der 3. Juni 1972 einst in der Geschichte diesen Platz einnehmen wird,
hängt von den entschlossenen Bemühungen der Regierungen in Ost und West ab.
Im Namen Präsident Nixons gelobe ich, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten das ihre dazu tun wird.

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�•4

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ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS ROGERS
IM SCHLOSS CHARLOTTENBURG AM 3. JUNI
- Wortlaut -

Herr Minister Schumann, Herr Minister Home, Herr Bürgermeister, meine
Damen und Herren, Bürger und Bewunderer einer großen Stadt, Berlin:

Die Augen der Welt sind heute auf Berlin gerichtet. Sie sieht den Schlußakt des Berlin-Abkommens als eine Gelegenheit zu weiteren Bemühungen auf dem
,

Wege zum Frieden. Sie sieht an dem Abkommen, daß sich komplizierte Probleme
durch Verhandlungen konstruktiv bewältigen lassen.
Alle,die daran mitgearbeitet haben, dieses Berlin-Abkommen zu schließen,
haben das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Doch vergessen wir dabei nicht,
daß das Berlin-Abkommen ein Abkommen für Berlin ist,daß sein Zweck darin
besteht, die Lebensbedingungen für die Berliner zu verbessern und ihre Sicherheit zu erhöhen.

Ich denke, daß das Abkommen, dessen Schlußprotokoll

wir heute unter-

zeichnet haben, diesen Zweck erfüllen wird. Berlin wird weiter blühen als
ein Wirtschafts- und Kulturzentrum in Europa. Leichterer Zugang und mehr
Sicherheit werden der Stadt neue Möglichkeiten schaffen. Am Kreuzweg zwischen
Ost und West wird sich Berlin als Mittelpunkt beim Austausch von Gütern,
Menschen und Ideen entwickeln.
Es

- 1 -

�Es gibt da zwei kritische Elemente, die Berlins bemerkenswertes Wachstum
ermöglicht haben und zu seinem künftigen Wachstum beitragen werden.

Sie werden im Berlin-Abkommen ausdrücklich bestätigt. Erstens: Ihre engen
Bindungen zur Bundesrepublik sollen aufrechterhalten und weiterentwickelt
werden. Die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle
Entwicklung Berlins und der Bundesrepublik sind Hand in Hand gegangen. Jetzt
sind sich alle darüber einig, daß dies weitergehen wird.

Zweitens: Die einmütige Verpflichtung der westlichen Alliierten, die
Sicherheit Berlins zu bewahren, ist heute so fest wie eh und je. In der
Vergangenheit wurden solche Verpflichtungen oft in Augenblicken der Krise
wiederholt. Heute bekräftigen wir sie in nicht weniger feierlicher Form
in einer Zeit,der Hoffnung und des realistischen Optimismus.
Die Bundesrepublik, der Senat und die Alliierten haben lange und eng
dabei zusammengearbeitet, dieses Berlin-Abkommen zu erzielen. Es ist, wie
Präsident Nixon erklärte, ein Meilenstein - für Europäer, für Deutsche und
ganz besonders für die Bevölkerung Berlins.

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23/1972

TECHNIK ALLEIN KEIN MITTEL GEGEN VERKEHRSMISERE

- (AD) - Die Probleme des Massenverkehrs in den Großstädten und industriellen Ballungszentren können von den Ingenieuren und Verkehrsplanern nicht
allein gelöst werden. Vielmehr müssen daran mit gleicher Intensität politische
Institutionen, Organisationen der Wirtschaft und nicht zuletzt Wissenschaftler
auf Grund eingehender soziologischer Analysen mitarbeiten. Das war das Fazit
des Internationalen Kongresses für Verkehrs fragen,der größten der 17 Konferenzen, Tagungen und Symposien, die zur internationalen Verkehrsausstellung
"TRANSPO 72" in Washington zusammengekommen waren. Auf den meisten anderen
Konferenzen wurden abgegrenzte Themen behandelt, etwa Flugverkehr und Luftfracht, Fahrzeug- und Straßensicherheit, Verkehr und Umwelt oder experimentelle
Sicherheitsfahrzeuge.

Die fast 5000 Teilnehmer am Kongreß für Verkehrs fragen hörten in zahlreichen Parallelsitzungen Expertenberichte aus vielen Ländern über Versuche
und Ideen, die das alltägliche Dilemma bei der Fahrt zum Arbeitsplatz und nach
Hause mit hoffnungslos verstopften Straßen, unpünktlichen und überfüllten
öffentlichen Verkehrsmitteln beseitigen oder zumindest mildern sollen. Man
war sich einig darüber, daß die verschiedenen Formen der Teilnahme des ein-

- 1 -

�einzelnen am Verkehr - Fahrt im eigenen Wagen, in Omnibussen, mit Taxis, in Uund S-Bahn, Zurücklegen bestimmter Strecken zu Fuß - im Großstadtbereich irgendwie in ein System einbezogen werden müßten, das bei allgemein hohem Nutzeffekt
zeit- und kräftesparend für den Bürger und Berufstätigen ist und auch hinsichtlich der Kosten bewältigt werden kann.

James M. Beggs, Staatssekretär im US-Verkehrsministerium, berichtete,
daß nach Abschluß einer Reihe von Studien zu diesem Thema im Jahr 1974 ein
erstes Demonstrationsprojekt in einer amerikanischen Großstadt in Angriff
genommen werde, das die Möglichkeiten und Grenzen solcher integrierter Verkehrssysteme in der Praxis aufzeigen solle. Die in europäischen Großstädten wie
Hamburg und London geleistete Pionierarbeit werde von Fachleuten des US-Verkehrsministeriums bereits eingehend studiert.

»

Aber selbst die totale Integration aller Arten der Fortbewegung im Verkehr wird nach Meinung der Experten nicht ausreichen, um für die Verkehrsprobleme dauerhafte Lösungen zu finden. Vielmehr müsse die Verkehrsplanung auch
auf sämtliche anderen Aspekte der Städteplanung, ebenso auf die Lage im Wohnungswesen, in Industrie und Wirtschaft, die Entwicklungspläne von Industrie- und
Wirtschaftsunternehmen, auf Dienstleistungsbetriebe, die Lage und Inanspruchnahme von Erholungszentren etc. abgestimmt werden. Die Gewohnheiten, die Interessen, Aktivitäten und Bedürfnisse des Bürgers stellten außerdem eine Größe dar,
die bisher viel zu wenig beachtet worden sei.

Sicherheitsauto
Das Projekt "Experimentelles Sicherheitsauto" der CCMS-Arbeitsgruppe der

- 2 -

�der NATO (CCMS - NATO-Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft) wurde
nach der Zusammenkunft von Stuttgart im Herbst 1971 in einer dritten viertägigen Konferenz in Washington erneut erörtert. Regierungs- und Firmenvertreter der Bundesrepublik, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans,
Schwedens und der USA berichteten über den gegenwärtigen Stand ihrer Entwicklungsprogramme und tauschten neueste Erfahrungen aus. Fest steht, daß Serienautos der Bauweise, wie sie als Prototypen der Experimentierfahrzeuge vorgestellt wurden, aus Kostengründen niemals gebaut werden. Dennoch hat die Idee,
das Autofahren von der Konstruktion der Fahrzeuge her sicherer zu machen, auch
in den nicht der NATO angehörenden Staaten Japan und Schweden ihre Befürworter gefunden.

In den Vereinigten Staaten sind die Bemühungen derzeit auf die Entwicklung eines 1800 kg schweren Fahrzeuges konzentriert, an der die Firmen AMF,
Ine, Fairchild, General Motors und Ford Motor Company beteiligt sind. Prototypen für Sicherheitsautos in Kompaktbauweise und leichtere Ausführungen werden
von den Firmen Daimler Benz, Volkswagen, Opel, BMW, Renault, British Leyland,
Citroen, Peugeot, Fiat, Saab, Volvo, Toyota, Nissan und Honda entwickelt. Die
USA wollen drei Hauptziele erreichen: Entwicklung neuer Methoden und Maßstäbe
für Sicherheit im Kraftfahrzeug, uneingeschränkte Zusammenarbeit aller Beteiligten beim Austausch neuer Entwicklungen und Erfahrungen auf diesem Gebiet
und Einführung der mit den Prototypen demonstrierten Sicherheitsmerkmale in
die Sicherheitsvorschriften bei der Fahrzeug-Serienproduktion.

Zwei amerikanische Prototypen, nämlich das Versuchs fahrzeug von Fairchild
Industries und AMF, Inc., haben Kollisionstests bei 80 km/st gut überstanden.

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�überstanden. Ende Juni soll einem der beiden Hersteller der Auftrag zur Entwicklung zusätzlicher Fahrzeugprototypen erteilt werden, wobei auch die Erfahrungen der Partnerfirmen Verwendung finden.

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UMWELTWACHT VOM SATELLITEN
Fernaugen inspizieren Meere, Land und Atmosphäre

- (AD) - Gründliche Erforschung der Erde statt des Weltraums ist die Aufgabe von ERTS-A, des 811 kg schweren ersten Bodenbeobachtungssatelliten, der
von den Vereinigten Staaten Anfang Juli 1972 gestartet wird. Er ist Vorläufer
einer ganzen Familie von Meßrobotern, die bessere Methoden zur Auffindung und
Nutzbarmachung von Rohstoffen und zur Überwachung von Vegetation oder Gewässern,
von bestimmten Veränderungen zu Lande und in der Luft entwickeln helfen. Die
Aufgaben sind ungemein vielfältig. Sie reichen von Forst-, Land- und Wasserwirtschaft, Fischereiwesen, geologischer Prospektierung und Wetterbeobachtung
bis zu Warnungen vor ausgedehnter Luft- und Wasserverschmutzung, vielleicht auch
bis zur Vorhersage von Überschwemmungen,

Dürre und Vulkanausbrüchen.

ERTS-A soll von der amerikanischen Westküste aus in eine nahezu kreisförmige polare Umlaufbahn in 880 km Höhe gebracht werden. Auf jedem Umlauf,
der 103 Minuten dauert, erfaßt der Satellit einen 185 km breiten Streifen der
Erdoberfläche. Dieser ist beim darauffolgenden Durchgang um 2400 km nach
Westen verschoben, weil sich die Erde in der Zwischenzeit nach Osten weitergedreht hat. 24 Stunden später jedoch beträgt die Westverschiebung zu dem be- 1-

�betreffenden Aufnahmegebiet nur 160 km, so daß sich auf den Fernsehaufnahmen
und bei den spektrometrischen Daten die Randzonen der am Vortage beobachteten
Streifen überlappen. Die Umlaufbahn wird so gelegt, daß die Durchgänge über
jedem Ort immer wieder zu der Tageszeit erfolgen, in der das Sonnenlicht praktisch im gleichen Winkel einfällt. Dies ist für die Interpretation von Veränderungen überaus wichtig.

ERTS-A beobachtet die Erde mit mehreren "Augen". Drei Fernsehkameras
fotografieren unabhängig voneinander den gleichen Flächenausschnitt von 185
mal 185 km im grünen, roten und infraroten (vom menschlichen Auge nicht mehr
wahrnehmbaren) Bereich. Das spektrometrische Abtastgerät erfaßt die gleichen
drei Spektralbereiche sowie einen weiteren Ausschnitt aus dem längerwelligen
Infrarot. In dieser Kombination läßt sich eine Vielzahl von Einzelelementen
und Zuständen (z.B. Vegetationsschäden durch Chemikalien oder Parasitenbefall
von Pflanzen auf größeren Anbauflächen) zu einem Zeitpunkt erfassen, wo sie
im normalen Licht noch gar nicht in Erscheinung treten.

Die Fotos und Meßdaten von ERTS-A gehen an drei Aufnahmestationen in den
Vereinigten Staaten und an eine vierte in Kanada. Der Versuchssatellit übermittelt aber nicht nur eigene Beobachtungen, sondern sammelt auch die Meßdaten
von 100 Geräten an der Erdoberfläche, die automatisch Temperaturen, Strömung
und Wasserhöhe sowie den Verschmutzungsgrad in Flußläufen registrieren und
auf Abruf per Funk melden.

Kopien aller Fotos sowie die übrigen Informationen werden insgesamt 300
in- und ausländischen Spezialisten, von denen 50 an Instituten in 20 europäischen Ländern tätig sind, zur Analyse übersandt. Die Erfahrungen, die diese

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diese bei der Auswertung machen werden, bilden die Grundlage für Verbesserungen
in bezug auf Ausrüstung und Aufgabenbereich künftiger Erdbeobachtungssatelliten,
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß schon Mitte der siebziger Jahre ein ganzes
Netz solcher Satelliten, wie es sich bei der Wetterbeobachtung bereits bewährt hat, für Routineaufgaben zur Verfügung steht.

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MESSBOJENPROGRAMM WIRD AUSGEBAUT
- (AD) - Die US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA)
vergab weitere Verträge in Höhe von fast 2,1 Millionen Dollar für die Entwicklung automatischer Meßbojen an die Firmen General Electric, Magnavox
Company und Lockheed Missile and Space Company. Die als Driftbojen oder als
verankerte Meßbojen vorgesehenen Versuchsgeräte sollen Anfang nächsten Jahres
im Golf von Mexiko eingesetzt werden. In der Erprobung befinden sich bereits
Prototypen, die mit 100 Tonnen Gewicht allerdings zwei- bis viermal so schwer
sind wie die jetzt in Auftrag gegebenen Meßautomaten. Sie widerstehen Windgeschwindigkeiten von 150 Knoten, Strömungen von 10 Knoten und 18 m hohen Wellen.
Ca. 100 Sensoren ermitteln ozeanographische und atmosphärische Bedingungen.
Das "Nationale Meßbojen-Programm" der USA sieht die Entwicklung automatisch arbeitender Geräte vor, die in Küstengewässern und auf hoher See, in
Buchten, Flußmündungen und großen Binnenseen im Interesse der Fischerei, der
Schiffahrt und des Bäderbetriebs an den Küsten sowie der Landwirtschaft und
anderer wetterabhängiger Wirtschaftszweige laufend die Umweltbedingungen beobachten und ihre Meßdaten auf Abruf - auch an Satelliten - melden. Das Programm
ist u.a. als ein amerikanischer Beitrag zu der im Aufbau begriffenen Weltwetterwacht und einer weltweiten, integrierten Meeresbeobachtung gedacht.
+ + + ++

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Rogers zur Eröffnung der Stockholmer Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bauelemente für Elektrotechnik und Elektronik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon berichtet dem US-Kongress über seine Moskau-Reise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vom 1. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das gemeinsame amerikanisch-polnische Kommuniqué zum Abschluss des Nixon-Besuches&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das gemeinsame amerikanisch-iranische Kommuniqué zum Abschluss des Nixon-Besuches&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des amerikansichen Außenministers Rogers anlässlich der Unterzeichung des Schlussprotokolls des Berlin-Abkommens am 3. JUni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des amerikanischen Außenministers Rogers im Schloss Charlottenburg am 3. Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technik allein kein Mittel gegen Verkehrsmisere&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltwacht vom Satelliten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernaugen inspizieren Meere, Land und Atmosphäre&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meßbojenprogramm wird ausgebaut</text>
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1 4 . J u n i 1972

INFORMATION:

Inhalt

Nixon legt ABM-Vertrag dem Kongreß zur Ratifizierung vor
-Wortlaut des BegleitschreibensRichard Kleindienst, der neue amerikanische Justizminister

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung
Von Hubert G.Collins

WIRTSCHAFT:
US-Haushaltsdefizit niedriger als erwartet
Von Eugene Brake
Hoher EWG-Getreidepreis verteuert Futtermittel für westdeutsche
Bauern
Von George A. Parks und Roger E. Neetz
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zwanzig Prozent mehr Kohlensäure im Jahre 2000 ?
US-Wissenschaftler berechnet künftige KlimaVeränderungen
Schallsonde für Luftüberwachung
Steroidhormone steigern Penicillinwirkung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1972

NIXON LEGT ABM-VERTRAG DEM KONGRESS ZUR RATIFIZIERUNG VOR

-Wortlaut des Begleitschreibens-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß die
ausgefertigten Kopien des Vertrages über eine Begrenzung der ABM-Systeme
sowie das Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen, die
beide am 26. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet worden waren, zugeleitet. Das
an den Senat und an den Sprecher des Repräsentantenhauses gerichtete Begleitschreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich lege hiermit die ausgefertigten Kopien des Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme und das Interimsabkommen über bestimmte Maßnahmen
hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen, die am 26. Mai
1972 in Moskau unterzeichnet worden waren, vor. Kopien dieser Verträge werden
ebenso dem Sprecher des Repräsentantenhauses übersandt. Ich ersuche den Senat
um seinen Rat und Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrages und bitte um
eine Bekundung der Unterstützung seitens beider Häuser des Kongresses für das
Interimsabkommen über die Begrenzung strategischer Offensivwaffen.
Diese

-l-

�Diese Abkommen, Ergebnis umfassender Bemühungen dieser Administration,
stellen einen bedeutsamen Schritt dar in Richtung auf eine neue Ära einer
beiderseitig vereinbarten Zurückhaltung und einer beiderseitig vereinbarten
Begrenzung der Rüstungen zwischen den wichtigsten Nuklearmächten.
Die Bestimmungen der Abkommen werden im einzelnen in dem Bericht des
Außenministers erläutert, den ich beifüge. Ihr Hauptzweck ist: der ABM-Vertrag schränkt die Dislozierung von Raketenabwehrsystemen auf zwei bestimmte
Gebiete ein, und zwar auf einem niedrigen Stand. Das Interimsabkommen begrenzt
die Gesamtstärke der offensiven strategischen Raketenstreitkräfte. Zusammen
werden die beiden Abkommen für ein stabileres strategisches Gleichgewicht in
den nächsten Jahren sorgen, als dies möglich gewesen wäre, wenn das Wettrüsten mit strategischen Waffen unkontrolliert weitergegangen wäre. Das ist
nicht nur für die Vereinigten Staaten und für die Sowjetunion von Nutzen,
sondern für alle Nationen der Welt.
Die Abkommen bilden einen wichtigen Schritt,um das Wettrüsten unter
Kontrolle zu bekommen, allerdings nur einen ersten Schritt; sie versperren
nicht alle Wege für ein strategisches Wettrüsten.
So wie die Aufrechterhaltung einer starken strategischen Position ein
wichtiges Element beim Erfolg dieser Verhandlungen bildete, so ist es jetzt
genauso wichtig, daß wir gesunde strategische Modernisierungsprogramme fortführen, um unsere Sicherheit zu gewährleisten und sicherzustellen, daß dauerhaftere und umfassendere Abkommen über eine Begrenzung der Rüstungen erreicht
werden können.
Das Verteidigungspotential der Vereinigten Staaten bleibt hinter dem
keines anderen Landes zurück. Ich bin entschlossen, daß dies weiterhin so bleiben wird. Die Bestimmungen des ABM-Vertrages und des Interimsabkommens werden
es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die von uns für erforderlich erachteten
Schritte zu ergreifen,um eine strategische Position beizubehalten, die unsere

�unsere lebenswichtigen Interessen schützt und unsere weitere Sicherheit gewährleistet.
Neben der Stärkung unserer nationalen Sicherheit eröffnen diese Verträge
eine Möglichkeit für neue und konstruktivere amerikanisch-sowjetische Beziehungen, die durch die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten auf dem Verhandlungswege statt der Feindseligkeit und Konfrontation der vorigen Jahrzehnte
gekennzeichnet werden.
Diese Abkommen stellen einen greifbaren Beweis dafür dar, daß die Menschheit nicht für immer unter dem drohenden Schatten eines Nuklearkrieges leben
muß.

Sie geben erneute Hoffnung, daß die Menschen und Nationen durch Zusammen-

arbeit Erfolg beim Aufbau eines dauerhaften Friedens haben können.
Da diese Verträge einem der höchsten Ziele unseres Landes auf wirksame
Weise dienen - nämlich eine sicherere und friedlichere Welt zu schaffen, in
der Amerikas Sicherheit voll gewahrt ist - empfehle ich nachdrücklich, daß
der Senat sie unterstützt und die Beratungen über sie ohne Verzögerung aufnimmt .
Gegeben im Weißen Haus am 13. Juni 1973

gez. Richard Nixon

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RICHARD KLEINDIENST, DER NEUE AMERIKANISCHE JUSTIZMINISTER

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Senat hat am 8. Juni mit 64 gegen
19 Stimmen die Ernennung von Richard Kleindienst zum neuen amerikanischen
Ju.?;tizminister bestätigt.
Kleindienst, der von Präsident Nixon als Nachfolger von John Mitchell
zum neuen Justizminister ausersehen worden war, ist für dieses Amt wohl vorbereitet. Bereits seit dem 31. Januar 1969 war er stellvertretender Justizminister. Und als John Mitchell im März 1972 sein Amt niederlegte, um die
Vorbereitungen des Wahlkampfes für Präsident Nixon zu leiten, wurde Kleindienst
vom Präsidenten mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministers beauftragt.
Der in Arizona gebürtige, 48jährige Kleindienst war bereits lange vor
seinem Eintritt in das Justizministerium im politischen Leben seines Heimatstaates aktiv tätig gewesen. Er wurde in Winsley, Arizona, als Sohn eines
Eisenbahners geboren und besuchte dort auch die Volksschule. In seinem Heimatort lebten zahlreiche Navajo-Indianer sowie Amerikaner chinesischer und mexikanischer Abstammung, während die Weißen in der Minderzahl waren. Trotzdem

�Trotzdem wurde Kleindienst zum Vorsitzenden der Schülervertretung seiner Schule
gewählt.
Von 1942 bis 1945 diente Kleindienst in der amerikanischen Luftwaffe, aus
der er nach Kriegsende mit dem Range eines Oberleutnants entlassen wurde. Anschließend studierte er an der Harvard-Universität Jura, legte 1947 sein
Examen mit magna cum laude ab und promovierte 195o. Noch als Student in Harvard
heiratete er Margaret Dunbar, eine Studentin des Radcliffe-College. Aus dieser
Ehe gingen vier Kinder hervor.
Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums trat Kleindienst in eine
Anwaltsfirma in Arizona ein und bald darauf wurde er Partner der Anwaltsfirma
Shimmel, Hill, Kleindienst und Bishop. Von 1953 bis 1954 gehörte er dem Abgeordnetenhaus von Arizona an. Im Jahre 1964 unterstützte er aktiv die Präsidentschaftskandidatur von Senator Barry Goldwater, während er sich gleichzeitig,
allerdings erfolglos, um das Amt des Gouverneurs seines Heimatstaates bewarb.
Drei Jahre später übernahm Kleindienst in Arizona die Vorbereitung des Wahlkampfes für die schließlich erfolgreiche Kandidatur Präsident Nixons, um
dann als Stellvertreter von John Mitchell auf nationaler Ebene maßgebend
an der Ausrichtung des Wahlkampfes für Präsident Nixon beteiligt zu sein.
Kürzlich wurde Kleindienst zum neuen Präsidenten der amerikanischen Anwaltskammer gewählt

ein Amt, das er am 1. Oktober antreten wird.

Jede Nominierung für einen Kabinettsposten bedarf gemäß der amerikanischen Verfassung der Bestätigung durch den US-Senat. Und in diesem Zusammenhang hat d&lt;r neue Justizminister nochmals seine Ansichten zu einigen wichtigen
Fragen vor Jen Senatoren dargelegt. So lehnt Kleindienst jede Legalisierung
des Besitz s und Genusses von Marihuana ab. In Fällen, in denen die nationale
Sicherheit bedroht ist, können nach Ansicht von Kleindienst elektronische
Uberwachu:. ..smittel auch ohne gerichtliche Verfügung eingesetzt werden. Dies

�Dies schließt auch die Telefonüberwachung ein, die Kleindienst jedoch nur
in wenigen Ausnahmefällen angewandt wissen will. Kleindienst ist ganz generell
gegen die Todesstrafe, doch glaubt er, daß sie in einigen wenigen Fallen, bei
Entführungen, Mord und Bombenanschlägen, beibehalten werden sollte. Gleich
seinem Vorgänger will auch der neue Justizminister nachdrücklich für die
Verwirklichung der Wahlgesetze und der anderen Bürgerrechtsgesetze eintreten.
Das vorgeschlagene Bundesgesetz für eine Kontrolle des Besitzes von Handfeuerwaffen hält Kleindienst für undurchführbar; diese Frage sollte nach seiner Ansicht von den einzelnen Bundesstaaten geregelt werden.

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24/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung

Von Hubert G. Collins

Präsident Nixon hat bei seinem Besuch in Moskau einen, wie er selbst
sagte, "historischen ersten Schritt in Richtung auf die Begrenzung der
nuklearen strategischen Waffen" erreicht. Er fügte jedoch hinzu, daß die
USA - ebenso wie die Sowjetunion - "die Stärke beibehalten, die notwendig
ist, um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen."
Die Vereinigten Staaten werden die nukleare Stärke aufrechterhalten,
die notwendig ist, um sicherzustellen, daß kein Aggressor den Frieden
bricht und einen Nuklearkrieg gegen die USA oder ihre Verbündeten entfesselt .
Die amerikanische Nuklearmacht reicht vom Strategischen Luftkommando
der USA (SAC) über die taktischen Nuklearwaffen der Luftwaffe und die Polarisund Poseidon-Raketen der US-Marine bis zu den taktischen Gefechtsfeldwaffen
der Armee. Dieses gewaltige Arsenal bietet bis zu einem weltweiten, gesicherten Abkommen über einen Abbau der Nuklearwaffen die Gewähr, daß sich niemand
der Illusion hingeben könnte, ungestraft mit solchen Waffen angreifen zu
können.
Das
-1-

�Das Strategische Luftkommando (SAC) verfügt über rund 1 500 nuklearbestuckte strategische Raketen und Bomber, die zusammen mit den Unterseebootgestützten Raketen den Kern der amerikanischen Abschreckungsmacht darstellen.
Dem SAC unterstehen unter anderem 1054 verbunkerte Raketen, deren Silos über
den amerikanischen Mittelwesten verstreut sind. Davon sind 54 Flüssigkeitsraketen vom Typ Titan II, die die größten Gefechtsköpfe der amerikanischen Arsenale tragen können und eine Reichweite von rund 10 000 Kilometer haben.
Die übrigen rund 1 000 Raketen entfallen auf den Typ Minuteman, eine Feststoffrakete, die etwas leichter, dafür aber schneller und genauer ist als die
Titan. Das neueste Modell, die Minuteman III,ist die einzige landgestützte
Rakete mit einer Mehrfachsprengkopf-Kapazität (MIRV), d.h., sie kann gleichzeitig drei bis sieben Gefechtsköpfe tragen, die unabhängig voneinander auf
verschiedene Ziele eingeplant werden können.
Die Unterseebootsflotte der USA verfügt über 656 nuklearbestückte Raketen, wobei die ballistischen Raketen vom Typ Polaris teilweise durch modernere
Raketen vom Typ Poseidon ersetzt werden, die Mehrfachsprengköpfe mit zehn Gefechtsköpfen tragen können. Nach dem Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen
Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen werden die USA nicht
mehr als 710 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf Unterseebooten
(SLBM) und nicht mehr als 44 moderne Unterseeboote für solche Raketen besitzen
dürfen.
Neben den ballistischen Raketen sind die Bomber des Strategischen Luftkommandos keineswegs als veraltet anzusehen, und hier geht die Entwicklung
von der B-52 zur B-l weiter. Allein die gegenwärtige Bomberflotte der USA
könnte theoretisch 5 000 Nuklearwaffen mitführen. Ein Teil dieser strategischen Bomber ist ständig einsatzbereit, um für einen etwaigen Überraschungsangriff gerüstet zu sein.
Eine

-2-

�Eine wichtige Rolle bei der nuklearen Abschreckung und Verteidigung spiel
natürlich das Frühwarnsystem, das jeden etwaigen gegnerischen Raketen-oder
Bomberstart so rechtzeitig anzeigt, daß entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Ebenso wichtig sind die vielfältigen Sicherheitsmaßnahmen
und -Vorkehrungen gegen einen ungewollten Zwischenfall. Hier sorgt ein kompliziertes System von Kontrollen und Gegenkontrollen unter der Bezeichnung
"fail safe", daß keine dieser furchtbaren Waffen sozusagen "aus Versehen" zum
Einsatz gelangt.
Was die strategischen Defensivwaffen betrifft, so hat der amerikanischsowjetische Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme einen bedeutsamen
Einschnitt in das Wettrüsten gebracht. Für das amerikanische ABM-System sind
Raketen vom Typ Spartan und Sprint erprobt worden. Die größere Spartan-Rakete
kann nukleare Gefechtsköpfe mit einer Wirkung bis zu einer Megatonne mitführen und gegnerische Flugköprer bereits über der Atmosphäre in einer Entfernung
von Hunderten von Kilometern abfangen.
Die etwas kleinere Sprint-Rakete ist für eine konzentrierte Verteidigung
im näheren Bereich gegen Raketen gedacht, die die Spartan-Abwehr durchbrochen
haben.
Zu diesem ABM-System gehören Weitbereich-und Nahbereich-Radareinrichtungen, die zusammen mit Computern das Leitsystem bilden. Auch diese Radareinrichtungen sind im Moskauer Vertrag begrenzt worden.
Die nukleare Stärke der Vereinigten Staaten ist - ob nun in einem Gleichgewicht des Schreckens oder einem Gleichgewicht der Vernunft - zu einem friedenserhaltenden Faktor in der Welt geworden und wird dies im Rahmen weiterer
möglicher Vereinbarungen über eine Begrenzung der strategischen. Rüstungen
auch bleiben.

"Wenn wir keinen Frieden wollten", so sagte Präsident Nixon in

seiner Fernsehansprache in Moskau, "würden wir nicht so hart darauf hingearbeitet haben, ein Abkommen über die Begrenzung von Nuklearwaffen zu erreichen."

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24/1972

US-HAUSHALTSDEFIZIT NIEDRIGER ALS ERWARTET
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-™ Als die Voranschläge der Regierung im Januar zwischen
den Haushaltseinnahmen und Ausgaben eine Lücke von fast 39 Milliarden Dollar ankündigten, war man im In-und Ausland eher erschrocken als erfreut
ob der gewaltigen Höhe dieses Defizits, mit dem das am 3o.Juni auslaufende
gegenwärtige Finanzjahr in den USA abschließen sollte.
Nach den neuesten, jetzt veröffentlichten Schätzungen der Regierungsexperten dürfte dieses Defizit im amerikanischen Haushalt jedoch bei weitem nicht so groß werden. Vielmehr glaubt man heute, nur noch mit einer
Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von rund 26 Milliarden Dollar rechnen
zu müssen. Das wären etwa drei Milliarden Dollar mehr als im vorangegangenen
Finanzjahr 1970/71.
In beiden Finanzjahren waren die Haushaltsdefizite auf eine rückläufige Entwicklung der Regierungseinnahmen zurückzuführen und nicht auf ein zu
starkes Ansteigen der Ausgaben. Und in beiden Haushaltsjahren konnten die
vorhandenen Kapazitäten der Wirtschaft bei weitem nicht ausgenutzt werden.
Aufgrund der besonderen Struktur des amerikanischen Steuersystems bewirkt

-1-

�bewirkt eine Wirtschaftsflaute aber stets eine starke Schrumpfung der Regierungseinnahmen .
Vollbeschäftigung und volle Auslastung der Kapazitäten in der Wirtschaft sind noch nicht wieder erreicht, so daß man in Regierungskreisen für
das neue Finanzjahr 1972/73 mit einem Defizit rechnet, das eventuell noch um
eine Milliarde Dollar höher als das im laufenden Finanzjahr 1971/72 liegen
wird.
Wie wirken sich diese Haushaltsdefizite nun auf die Maßnahmen der amerikanischen Regierung zur Bekämpfung und Eindämmung der Inflation aus? Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, erklärte
hierzu dieser Tage vor einem Kongreßausschuß: "Weist der Haushalt ein Defizit
aus, wenn die Kapazitäten in der Wirtschaft nicht ausgelastet sind, und ist
dies der Hauptgrund für das Defizit, dann dürfte das kaum zu einer inflationistischen Übernachfrage führen." Und er fuhr fort, "die Haushaltsdefizite
in den Finanzjahren 1970/71 und 1971/72 standen in

Zusammenhang mit einer

wesentlichen Senkung der Inflationsrate in diesen Jahren, und unseres Erachtens wird dies im Finanzjahr 1972/73 ebenso der Fall sein".
Einer der Gründe dafür, daß das diesjährige Haushaltsdefizit hinter den
ursprünglichen Schätzungen zurückbleiben wird, ist, daß zahlreiche Steuerzahler zur großen Überraschung des Finanzministeriums ihre Steuervorauszahlungen überzahlt hatten; die FinanzVerwaltung wird also im neuen Haushaltsjahr
mit erheblichen Steuerrückerstattungen rechnen müssen.
Als diese Tatsache erstmals festgestellt wurde, befürchtete man vielerorts, die erhoffte Wiedererholung der Wirtschaft von der Rezession der Jahre
1971/72 würde durch dieses nicht gewollte Abschöpfen von Kaufkraft ins Stocken
geraten.. Dem war aber, wie die Entwicklung zeigte, nicht so. Vielmehr konnte
Dr. Stein vor dem Kongreßausschuß darauf hinweisen, daß aufgrund der vorliegen-

-?_

�vorliegenden Statistiken das von dem Wirtschaftsbeirat für die Gütererzeugung
angesteuerte Ziel, eine Steigerung des Bruttosozialproduktes in diesem Kalenderjahr um 100 Milliarden Dollar auf 1 145 Milliarden Dollar, erreicht werden
dürfte.
Auf einem Gebiet haben sich jedoch die Hoffnungen

der Regierung bisher

nicht erfüllt: Es ist nicht gelungen, die Arbeitslosigkeit entscheidend abzubauen. Die Beschäftigtenzahl hat zwar zugenommen, doch hat diese sehr beträchtliche Zunahme noch zu keinem wesentlichen Rückgang der Arbeitslosenrate geführt,
die nach den neuesten Statistiken bei 5,9 Prozent liegt. Die Erklärung für
diese Tatsache ist, daß das Arbeitskräftepotential in den letzten Monaten fast
ebenso stark zugenommen hat wie die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze.
Die ungewöhnlich große Ausweitung des Arbeitskräftepotentials kann jedoch
nicht unbegrenzt andauern. Sie ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen,
daß zahlreiche verheiratete Frauen eine Arbeit angenommen haben, um ebenfalls
zum Familieneinkommen beizutragen. Sobald das Arbeitskräftepotential aber nurmehr den normalen Zuwachs zu verzeichnen hat und wenn die gegenwärtige Ausweitung von Gütererzeugung und Beschäftigtenzahl anhält, dann wird auch die Arbeitslosenrate sehr schnell von dem hohen Stand zurückgehen, den sie seit nunmehr anderthalb Jahren aufwies.

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24/1972

HOHER EWG-GETREIDEPREIS VERTEUERT FUTTERMITTEL FÜR WESTDEUTSCHE
BAUERN
Von George A.P^rks und Roger E.Neetz

WASHINGTON --(AD)-,- In westdeutschen Wirtschaftskreisen wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik wird in immer
stärkerem Maße darüber diskutiert, ob nicht niedrigere Getreidepreise
innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) einen wichtigen
Schritt zur Lösung der wichtigen Handelsfragen bilden könnten, die in
Bezug auf die Vereinigten Staaten und andere Länder anstehen.
Niedrigere Getreidepreise werden in der EWG, und besonders in der
Bundesrepublik, aus traditionellen Erwägungen für politisch undurchführbar
betrachtet. Die gegenwärtigen Diskussionen konzentrieren sich weitgehend
auf eine beträchtliche Preiskorrektur nach unten für den Teil der Getreideerzeugung, der auf Futtermittel oder auf den Export entfällt. Die Preise
für Weizen und Roggen, soweit dieses Getreide für den menschlichen Verbrauc
bestimmt ist, könnten auf dem derzeitigen Niveau belassen oder sogar noch
weiter heraufgesetzt werden.
Die

�Die Argumentation läuft darauf hinaus, daß so die starke Abhängigkeit der
EWG von hohen Getreidepreisen zur Stützung der Agrareinkommen abgebaut und
gleichzeitig die gemeinsame Agrarpolitik auf wirksamere Alternativen verlagert
werden könnte. Eine solche Politik könnte im Falle ihrer Annahme die Einkommenschancen für die westdeutschen Landwirte beträchtlich erweitern.
Obwohl in Westdeutschland gegenwärtig bis zu 2o Millionen Tonnen Getreide
jährlich geerntet werden, kann man die Bundesrepublik kaum als eines der wichtigen kommerziellen Getreideländer und schon gar nicht als einen potentiellen Getreideexporteur zu Wettbewerbsbedingungen bezeichnen. Westdeutschland
hat seit 1964 rund 5 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr eingeführt. Von Bedeutung dürfte in diesem Zusammenhang ferner sein, daß das Agrareinkommen
der Landwirtschaft nicht so stark vom Getreideanbau abhängig ist, da ein großer
Teil des geernteten Getreides auf den Höfen für Futterzwecke verwendet wird.
Die derzeitige westdeutsche Agrarpolitik ist jedoch auf stark subventionierte Exporte von Getreide abgestellt, das angesichts der hohen Preise im
Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik angebaut worden war, und unterstützt
gleichzeitig hohe Abschöpfungen für Getreideimporte aus Drittländern. Diese
protektionistische Maßnahme der gemeinsamen Agrarpolitik führt dazu, daß der
Handel von den am rationellsten arbeitenden Erzeugern und Exporteuren von
Getreide wegdirigiert wird.
Traditionsgemäß war der Schutz des Getreideanbaus immer schon der Kern
der deutschen Agrarpolitik. Nach dem Getreidepreis waren die Preise für alle
anderen Agrarprodukte, darunter auch Futtermittel und tierische Erzeugnisse,
ausgerichtet. Einer beträchtlichen Zahl kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe, die ihren Lebensunterhalt aus ihren Einkünften aus landwirtschaftlicher
Arbeit bestreiten mußten, wurde aus politischen Gründen Schutz gewährt.

Die

�Die schnelle Abnahme der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft seit den
fünfziger Jahren hat die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft von rund
26 Prozent im Jahre 1955 auf weniger als 10 Prozent im Jahre 1970 zurückgehen
lassen. Damit wurde die deutsche Agrarerzeugung immer kapitalintensiver, und
vor allem der Getreideanbau wurde nicht mehr so stark von Lohnschwankungen beeinflußt. Die fortschreitende Mechanisierung hat in einer Zeit steigender Löhne
zu einem immer stärkeren Anbau angeregt. Während jedoch die Größe der Bauernhöfe wie auch die Höhe der Hektarerträge bei Getreide immer weiter zunahmen,
steht das hohe Preisniveau im Rahmen der verfolgten Agrarpolitik praktisch im
Widerspruch zu den Gesetzen des Wettbewerbsvorteils.
Besonders die hohen Getreidepreise haben die Betriebskosten für die meisten
landwirtschaftlichen Betriebe erhöht, da der größte Teil der Bareinkünfte der
Bauern - 75 Prozent - aus dem Verkauf tierischer Erzeugnisse herrühte gegenüber
nur 8,5 Prozent aus dem Verkauf von Getreide. Somit hat eine ständig zurückgehende Zahl von Höfen, auf denen vorwiegend Getreide angebaut wmd, und das sind
in Deutschland allgemein die größeren Höfe, am meisten von dem hohen Preisniveau
profitiert.
Ferner haben aufgrund der durch die gemeinsame Agrarpolitik festgelegten
hohen Getreidepreise Ernteerträge und Anbaufläche bei Getreide zugenommen. Die
Anbaufläche ist seit 1965 um rund fünf Prozent ausgeweitet worden, und die
Ernteerträge haben um 50 Prozent von 13,9 Millionen Tonnen im Jahre 1965 auf
20,8 Millionen Tonnen im Jahre 1971 zugenommen.

Die Hälfte der eingebrachten

Ernteerträge entfällt auf Weizen und Roggen.
Als Westdeutschland in der Zeit von 1965 bis 1971 zwei allgemeine Preisrückgänge aufzuweisen hatte - eine im Zusammenhang mit der Koppelung der
Preise an die Rechnungseinheit und die andere aufgrund der Aufwertung der

-3-

�der Aufwertung der Deutschen Mark - erhielten die Bauern wenigstens zu einem
Teil Kompensationen für diese Preisveränderungen. Somit bleibt der preisliche
Anreiz weiterhin Hauptgrund für die Ausweitung des Getreideanbaus.
Interessanterweise findet diese Ausweitung angesichts eines rückläufigen
Verbrauchs von Getreide für Ernährungszwecke statt, wodurch Westdeutschland
künstlich in eine Wettbewerbssituation hineingezwungen wird, die gegenüber
den rationeller arbeitenden Erzeugern nur durch hohe Subventionen gehalten
werden kann. Ferner muß es größere Mengen einheimischen Weizens als kostspieligen Ersatz für billiger importierbares Futtergetreide benutzen. Sowohl
die Hinwendung zum Export wie auch die Verwendung von Weizen anstelle von
Futtergetreidt

sind noch durch hohe Subventionen gefördert worden, die aus

dem gemeinsamen Europäischen Ausrichtungs-und Garantiefond für die Landwirtschaft (EAGFL) gezahlt werden.
Im Jahre 1970 hat der EAGFL rund 820 Millionen Dollar und 1971 rund
725 Millionen Dollar zur Stützung der Getreidepreise für Ankäufe, Export
und die Subventionierung von Weizen, der statt für Ernährungszwecke als Futtergetreide verwendet wird, ausgegeben. In den letzten Jahren hat Westdeutschland über zwei Millionen Tonnen Getreide jährlich exportiert und wurde so zum
Empfänger beträchtlicher EWG-Mittel für die Exportsubventionierung. Gleichzeitig profitierte es von den Subventionen, die bei einer anderweitigen Verwendung von Weizen gezahlt werden. Die Zuwendungen, die die Bundesrepublik so vom
EAGFL erhält, haben also weit schneller zugenommen als ihre Beiträge, denn die
Importe, die der variablen Abschöpfung unterliegen, wie zum Beispiel Getreide
und Geflügel, gingen zurück, während der deutsche Getreideexport anstieg.
In den sechziger Jahren setzte eine schnelle Ausweitung der deutschen
Fleischerzeugung ein. Die Geflügel - und die Schweinehaltung - in beiden Fällen
werden beträchtliche Mengen an Futtergetreide benötigt - nahm schneller als

-4-

�als die Zahl der Rinder zu. Bis 197o war bei Geflügel gegenüber dem Durchschnitt
der Jahre 1957-61 eine Zunahme um 59 Prozent und bei Schweinen um 34 Prozent
zu verzeichnen.
Die wachsende Zahl deutscher Bauern, die sich nunmehr der Viehwirtschaft
zuwandten, stellte fest, daß die Produktionskosten aufgrund der hohen EWG-Getreidepreise höher waren, als wenn sie Futtergetreide von rationeller arbeitenden
Erzeugern kaufen würden.
Nach den derzeitigen Schätzungen werden in Westdeutschland rund 15,5 Millionen Tonnen Getreide als Futtermittel verbraucht; die Bauern verkaufen jedoch an
andere landwirtschaftliche Betriebe oder Getreidehändler lediglich 1,4 Millionen

Tonnen Futtergetreide wie Gerste, Hafer und Mais. Wertmäßig beliefen

sich

im Erntejahr 1969/70 die Barverkäufe der Bauern nur auf 1,4 Prozent der Gesamtumsätze, während die Futtermittelimpcr te seit dem Erntejahr 1965/66 durchschnittlich vier Millionen Tonnen pro Jahr betrugen;

das sind über 25 Prozent des ge-

samten Getreidebedarfs für Futterzwecke. Es ergibt sich also ein Verhältnis zwischen Futtermittelimporten und Barverkäufen von 2 zu 3.
Ein großer Teil der Importe wird für Mischfutter verwendet. Seit 1966

waren

es in Westdeutschland jährlich mehr als 3 Millionen Tonnen Getreide. Dies zeigt
deutlich, daß selbst bei einer stark ausgeweiteten Eigenerzeugung Importgetreide
immer noch wesentlich zu dem wachsenden Mischfutterbedarf beiträgt. Bauern mit
begrenzten Einkommensmöglichkeiten, die Viehwirtschaft betreiben und nicht Getreideselbstversorger sind, suchen es zu vermeiden, von anderen Bauern teures
einheimisches Getreide anzukaufen, sondern bemühen sich um Mischgetreide in
der Hoffnung, auf diese Weise etwas an dem Preisvorteil des Importgetreides zu
profitieren, das für das Mischgetreide benutzt wird.

Trotzdem

�Trotzdem lassen sich die Einkommen in der Landwirtschaft nicht mit denen in
anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft vergleichen. Der große Nachdruck, der
auf hohe Getreidepreise gelegt wird, bleibt ein Paradoxon zu den Einkommenszielen der deutschen Agrarpolitik. Beispielsweise liegen die meisten Preise für
Agrarerzeugnisse auf den Weltmärkten unter denen der EWG. Vergleicht man jedoch
die Weltmarktpreise für tierische Erzeugnisse mit denen für Getreide, so liegen
die ersteren weitaus höher.
Da die in den EWG-Ländern beim Getreideanbau anfallenden Kosten höher als
in anderen Ländern sind, liegen auch die Einnahmen der Bauern aus dem Verkauf
tierischer Erzeugnisse niedriger, sofern sie nicht mehr des billigeren Importgetreides verfüttern können. Die EWG wird bei der Überprüfung ihrer gesamten
Absatzpolitik vielleicht eine Möglichkeit finden, ihre Preisrelationen mit dem
Ziel einer Erhöhung der landwirtschaftlichen Einkommen

für eine möglichst

große Zahl von Bauern zu korrigieren.
Ein Überblick über die Fortschritte der deutschen Landwirtschaft über
einen längeren Zeitraum zeigt, daß die Agrarerzeugung seit 1965 um jährlich
1,6 Prozent zugenommen hat. Dies ist weit weniger als die Zunahme der Agrarimporte.die im gleichen Zeitraum um 5,4 Prozent pro Jahr stieg. Ende der sechziger Jahre waren Import und Eigenerzeugung wertmäßig mit jeweils 5,5 bis
6 Milliarden Dollar etwa gleich.
Bedeutsam für das Gesamtbild ist die Tatsache, daß die Importe an Fleischwaren und tierischen Erzeugnissen von 8,3 auf 10,3 Prozent der Gesamteinfuhren
stiegen, während die Getreideimporte wertmäßig von 11 auf weniger als 9 Prozent
zurückgingen. Betrachtet man diesen Handel unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Möglichkeiten für die deutschen Bauern, so wird offensichtlich,
daß Veränderungen der Binnenpreise für Futtergetreide die Ausweitung der ein-

-6-

�einheimischen Fleischerzeugung bei niedrigeren Kosten fördern könnten. Auf
der anderen Seite könne eine zunehmende Produktivität beim Getreideanbau die
Einkommen der Hauptgetreideerzeuger ohne Preiserhöhungen stabil erhalten. Wenn
jedoch der Produktivitätszuwachs eine Senkung der Getreidepreise nicht voll
kompensiert, so könnten steuerliche Entlastung, zusätzliche Zahlungen für
Bodenkonservierung und entsprechende Agrarprogramme einen Teil des Einkommensrückgangs auffangen. Im Rahmen einer solchen Politik würden die Einkünfte
aus der Viehhaltung steigen.
Westdeutschland bewegt sich bereits in Richtung auf eine mehr marktorientierte Politikv obwohl die Regierung immer noch nicht bereit ist, eine Politik
der niedrigeren Kosten für Futtergetreide einzuschlagen. Seit der Verabschiedung des Marktstrukturgesetzes vom Mai 1969, das die Erzeuger ermutigen will,
sich den Marktchancen anzupassen, ist die größte Zahl der neuen Erzeugerorganisationen für den Kauf und Verkauf tierischer Erzeugnisse gegründet worden.

Niedrigere Getreidepreise könnten ferner die Erzeugung wie auch den
Verbrauch tierischer Erzeugnisse in der EWG fördern und so für eine große Zahl
deutscher Bauern die Märkte ausweiten und die Einkommen steigern. Damit könnten niedrigere Getreidepreise als Möglichkeit zur Ausweitung der Einkommen
und nicht als Mittel zum Schutz der Einkommen betrachtet werden.

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24/1972
ZWANZIG PROZENT MEHR KOHLENSÄURE IM JAHRE 2000 ?
US-Wissenschaftler berechnet künftige Klimaveränderungen

—(AD)-- An Hand eines umfassenden Modells für den quantitativen Austausch
von Kohlendioxid (C00) zwischen Atmosphäre, Meer, Flora und Fauna versucht
Dr. Lester Machta, Leiter der Abteilung Aeronomie des US-Amtes für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA), mögliche künftige Klimaveränderungen zu
berechnen. In dem Modell sind ältere Beobachtungen bis zurück zur Mitte des
19. Jahrhunderts, weltweite Messungen seit den vierziger Jahren sowie detaillierte Studien zum gegenwärtigen Zustand und zu der in den nächsten drei
Jahrzehnten zu erwartenden C09-Belastung der Atmosphäre durch Industrieprozesse usw. berücksichtigt.
Die Schlußfolgerung des Wissenschaftlers, daß um das Jahr 2000 der
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre rund 20 Prozent höher liegen werde als
heute, basiert auf unzählig vielen Faktoren. Einige davon sind bekannte physikalische Prozesse und chemische Umsetzungsvorgänge mit mengenmäßiger Berechnung des Stoffaustausches zwischen Stratosphäre und Troposphäre, zwischen
den unteren Luftschichten und dem Meer, zwischen Wasser in großer Meerestiefe

-l-

�Meerestiefe und Oberflächenwasser. Ferner sind Schätzungen von Ökologen einbezogen, z.B. über die Menge des von lebender Materie aus der Luft oder aus
dem Wasser aufgenommenen Kohlenstoffs und über dessen Verweildauer in der
Biosphäre. So wird für Bäume eine Bindungszeit von durchschnittlich 40 Jahren
angesetzt, während z.B. der in Blättern enthaltene Kohlenstoff schon nach
zwei Jahren wieder in den Kreislauf zurückgelangt. Auf Grund der Beobachtung
von radioaktivem Kohlenstoff-14 aus Kernwaffenversuchen ergab sich für Kohlenstoff-14 eine mittlere Verweildauer von fünf Jahren in der Atmosphäre bis zur
Absorption an der Meeresoberfläche.
Die Kohlendioxid-Konzentration der Luft, die für das Jahr 1970 mit 322 ppm
("parts per million"=Teilchen in einer Million Luftpartikel) errechnet wurde,
wird vor allem durch die Aufnahme der Verbrennungsprodukte von Kohle, Öl und
Erdgas bis zum Jahre 1980 stärker ansteigen als danach, weil dann der Anteil
von Atomkraft an der Energieerzeugung immer mehr ins Gewicht fällt. Der weltweite Verbrauch an fossilen Brennstoffen wird Wirtschaftsanalysen zufolge bis
1980 um jährlich 4 Prozent, in den darauffolgenden 20 Jahren um jährlich 3,5
Prozent zunehmen.
Kohlendioxid, dem bei wachsender Konzentration in der Atmosphäre ein
"Treibhauseffekt" mit allgemeiner Erhöhung der Durchschnittstemperaturen
auf der Erde zugeschrieben wird, weil es zwar die Sonnenenergie zur Erdoberfläche passieren läßt, jedoch nicht die von der Erde wieder abgegebene Strahlung, scheint allerdings nur einer von vielen Faktoren zu sein, die die Temperaturen der unteren Luftschichten beeinflussen. Denn trotz des nachgewiesenen
weltweiten Anstiegs des Kohlensäuregehalts der Luft in den letzten Jahrzehnten
ist nach Dr. Machta auf der nördlichen Halbkugel seit den vierziger Jahren sogar eine Abkühlung zu beobachten.
In

�In die Untersuchungen zu der Frage, welche Rolle andere Aerosole neben
dem Kohlendioxid für die Klimaentwicklung spielen könnten, ist neuerdings die
Astronomie eingeschaltet. In dem von der amerikanischen "National Science
Foundation" finanzierten Projekt ASTRA (Astronomische und satellitentechnische
Verfahren für die Atmosphärenforschung) soll u.a. durch Sichtung spektrographischer Aufnahmen aus zurückliegender Zeit auf sogenannte Erdlinien, die die
Auswertung der Sonnen-und Sternenspektren stören, der Anteil und die Zusammensetzung fester und flüssiger Schwebstoffe in der Atmosphäre geklärt werden.
Dieser Störeffekt, der jetzt der Aeronomie zugutekommt, machte sich in
den letzten Jahrzehnten zunehmend unangenehmer bemerkbar. Über der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington z.B. nahm

den Beobachtungen von Astronomen

zufolge die Lufttrübung durch Schwebstoffe in 60 Jahren um 57 Prozent zu, wovon ca. zwei Drittel örtliche Ursachen haben. Aber auch abseits von großen
Städten wird ähnliches beobachtet - über Mauna Loa (Hawai) wurde ein Anstieg
der Lufttrübung um 30 Prozent in zehn Jahren, über Davos (Schweiz) um 80 Prozent in 30 Jahren, und über dem Gletschergebiet des Kaukasus gar um das Zwanzigfache in der Zeit zwischen 1930 und 1960 verzeichnet. "Praktisch alle
neuen Stoffe, die die Industrie präsentiert (pro Jahr etwa 500 neue Verbindungen), sind auch in der Atmosphäre zu finden", berichten Dr. Paul W. Hodge
(Professor der Astrophysik) und Dr. Robert J.Charlson (Professor für Chemie
der Atmosphäre) von der Staatsuniversität Washington. Die Archive der 102
großen Observatorien rund um die Erde bergen deshalb nach Meinung der Wissenschaftler für die Klima-und Atmosphärenforschung unendlich wertvolle Schätze,
die es nun zu heben gelte.

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SCHALLSONDE FÜR LUFTÜBERWACHUNG

— ( A D ) - - Die kontinuierliche Beobachtung von Inversionsschichten mit
einer Schallsonde zur Verbesserung der Methoden der Voraussage gefährlicher Luftverschmutzung in Industriegebieten erprobt gegenwärtig
Dr. Freeman F. Hall (Institut zur Erforschung der Atmosphäre, Boulder,
Colorado). Es handelt sich um eire verhältnismäßig einfache Apparatur,
bestehend aus einem Schalltrichter und einem Mikrophon. Die vom Trichter
senkrecht nach oben abgestrahlten Schallwellen ziemlich kurzer Frequenz
werden von Schichten wärmerer Luft zurückgeworfen, so daß das Mikrophon
einen Teil der Schallenergie wieder empfängt. Die Echowellen, die von
einem Meß-Schreiber fortlaufend registriert werden, zeigen somit den Temperaturverlauf - bis etwa 45o m Hoehe - über dem Boden an.
Dr. Hall verwendet seit Ende 1971 die Schallsonde in Verbindung mit
Radiosonden, die an Ballons bis in ca. 3000 m Höhe aufgelassen werden. Die
Meßdaten dieser Instrumente sind jedoch häufig irreführend, weil es bei
einer Inversion häufig zu äußerst dynamischen Vorgängen in den Luftschichten
mit "Wellen" kommt, die sich um Hunderte von Metern auf und ab bewegen und
bei denen es auch Erscheinungen gibt, die Brandungswellen oder schweren
Brechern ähneln. Messungen der Ballonsonden aus einem solchen Wellenkamm

-l-

�Wellenkamm oder Wellental, von deren Existenz nichts bekannt ist, können
zu falschen Schlußfolgerungen über die Höhe der Inversion und deshalb auch
über die Fähigkeit der unteren (kalten) Luftschichten zur Aufnahme und
"Verdünnung" von Staub und Abgasen führen.
Mit Hilfe der Schallsonde werden diese sogenannten Schwerewellen ("gravity waves") vor allem bei tiefliegender Inversion sehr viel genauer erfaßt.
Außerdem können der Aufbau

einer Überlagerung von kalter mit warmer Luft

und die Entwicklung von Instabilitäten beobachtet sowie das Aufbrechen einer
solchen Inversion besser vorhergesagt werden. Nach Meinung Dr. Halls müßte
es unter Ausnutzung des Dopplereffekts auch möglich sein, Geschwindigkeit
und Richtung von Winden in einigen hundert Metern Höhe fortlaufend zu ermitteln. Dies müßte mit drei Schallsonden in bestimmter Anordnung geschehen, von
denen eine die Schallimpulse senkrecht abstrahlt, während die beiden anderen
sie im Winkel von 45 Grad aussenden.

Frequenzveränderungen beim Echo und

Laufzeit der Impulse sind die Parameter, aus denen Windgeschwindigkeit und
Windrichtung bis in ca. 450 m Höhe errechnet werden können.

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STEROIDHORMONE STEIGERN PENICILLINWIRKUNG

—(AD)-- Bei Tierexperimenten stellten Mikrobiologen von der Harvard-Universität fest, daß verschiedene Keimdrüsenhormone in Verbindung mit
Penicillin die Möglichkeiten zur Bekämpfung schwerster Infektionen mit
grampositiven Bakterien, z.B. Staphylococcus aureus, wesentlich verbessern. Sowohl die Ausbreitung der Infektion mit verbreiteten Absiedlungen
in Organen wie Herz, Lunge oder Leber als auch die Virulenz der Bakterien
wird dabei verringert. Dr. Thomas Fitzgerald und seine Mitarbeiter von der
"School of Public Health" führen diese Wirkung auf dadurch ausgelöste Veränderungen der Funktion der Zellmembranen zurück. Beobachtet wurden in Einzelexperimenten mit Staphylokokken-K^-lturen bei der Kombination von Penicillin mit Keimdrüsenhormonen ausgeprägte Veränderungen bei der Aufnahme
von Nährstoffen, beim Transport von Aminosäuren in die Zellen und aus den
Zellen, bei der Inkorporation von Substraten in Makromolekülen und beim
Aussickern bestimmter Zellprodukte. Die Wissenschaftler empfehlen, die Untersuchungen wesentlich zu intensivieren, um diese Kombinationstherapie
für die Bekämpfung von Septikämie (schwerer Blutvergiftung) nutzen zu
können.

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon legt ABM-Vertrag dem Kongress zur Ratifizierung vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Kleindienst, der neue amerikanische Justizminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Haushaltsdefizit niedriger als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hoher EWG-Getreidepreis verteuert Futtermittel für westdeutsche Bauern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George A. Parks und Roger E. Neetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwanzig Prozent mehr Kohlensäure im Jahre 2000 ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Wissenschaftler berechnet künftige Klimaveränderungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schallsonde für Luftüberwachung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steroidhormone steigern Penicillinwirkung&lt;/p&gt;</text>
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