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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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32

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12. August 1992
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BOSNIEN/SERBIEN

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive
Menschenrechtsverletzungen

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG
NEUER UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungsnahme des US-Außenministeriums

USA KUNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE
SCHRITTE GEGEN DAS EHEMALIGE
JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

FLÜCHTLINGE

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger

UMWELT

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung
prognostiziert

PROBLEMS OF COMMUNISM

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism"
veröffentlicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten fordern eine
Sondersitzung der UNO-Menschenrechtskommission,
um die "gefährliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern, einschließlich der angeblich "massiven" Menschenrechtsverletzungen in Internierungslagern.

"Angesichts dieser Umstände ... ersuchen die Vereinigten Staaten um die Einberufung der Menschenrechtskommission in einer Dringlichkeitssitzung zum
frühestmöglichen Zeitpunkt, um die gefährliche Situation im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern," schrieb
Abram.

Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Botschafter Morris B. Abram,
unterbreitete das Ersuchen am 5. August 1992 in
einem Schreiben an das UNO-Menschenrechtszentrum in Genf.

Die UNO-Menschenrechtskommission ist das wichtigste Element im System der Vereinten Nationen zur
Überwachung der Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und insbesondere der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte.

"Meine Regierung möchte Ihre Aufmerksamkeit auf
die gefährliche Verschlechterung der Menschenrechtssituation im früheren Jugoslawien richten," schrieb
Abram an den Stellvertretenden Generalsekretär für
Menschenrechte und Leiter der Genfer UNO-Vertretung, Antoine Bianca.

Die aus 53 Mitgliedern bestehende Kommission kommt
jährlich sechs Wochen im Februar und März zusammen, aber 1990 hat der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen (U.N. Economic and Social Council - ECOSOC), der die Arbeit der Kommission überwacht, neue Verfahren zur Einberufung einer Sondersitzung der Kommission verabschiedet, wenn die
Mehrheit der Mitglieder zustimmt.

"Berichte über Konzentrationslager geben Anlaß zu
großer Besorgnis über möglicherweise massive Menschenrechtsverletzungen," so Abram. "Berichten zufolge werden Bürger zusammengetrieben und standrechtlich erschossen. Dörfer werden zerstört und
Häuser dem Erdboden gleichgemacht."
Abram verwies ferner darauf, daß internationalen
Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu den
Stätten der angeblichen Brutalität verwehrt wird.

Dies ist das zweite Mal, daß ein Ersuchen um eine
Sondersitzung einging. Das erste wurde im Juni von
der Arabischen Liga vorgebracht, als sie um eine
Sitzung über die israelisch besetzten Gebiete bat.
Diese Sitzung fand jedoch nicht statt, weil eine Abstimmung der Kommissionsmitglieder nicht die erforderliche Mehrheit von 27 Jastimmen erbrachte.

* * * * *

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG NEUER
UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungnahme des US-Außenministerlums
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten drängen auf die unverzügliche Verabschiedung einer neuen UN-Resolution, die "gegebenenfalls" die militärische Absicherung der Hilfslieferungen nach ganz
Bosnien-Herzegowina einschließlich der Internierungslagergestatten würde, erklärte das US-Außenministerium am 10. August 1992.

Woche wurden aus einigen Internierungslagern Folterungen und standrechtliche Erschießungen berichtet.

Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums, Richard Boucher, stellte bei einer
Pressekonferenz fest, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hätten sich auf den Wortlaut
eines Resolutionsentwurfs geeinigt, der China und
Rußland, den anderen Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats, UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
sowie den Mitgliedern des 15 Nationen umfassenden
Rats vorgelegt werden soll.

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dem IKRK Zugang zu verschaffen", erklärte der Stellvertretende Pressesprecher. "Wir bestehen weiterhin
darauf, daß alle an dem bosnischen Konflikt beteiligten
Parteien alle Internierungslager für Inspektionen des
IKRK öffnen und natürlich die dort möglicherweise
stattfindenden Menschenrechtsverletzungen beenden
müssen."

"Wir wollen sie so schnell wie möglich durchsetzen", so
Boucher.
Die Vorgehensweise bei den Vereinten Nationen ist
Teil breitgefächerter diplomatischer Bestrebungen der
Vereinigten Staaten zur Bewältigung der andauernden
Krise in Bosnien-Herzegowina.
Das wichtigste unmittelbare Ziel ist, wie Boucher betonte, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in Bosnien
und anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens zu
verschaffen, in denen Kampfhandlungen stattfinden.
Boucher verwies auf ein Schreiben der bosnischen
Serben an das Rote Kreuz mit der Bestätigung, dem
IKRK Zugang zu allen unter ihrer Kontrolle stehenden
Einrichrichtungen zu gewähren. Der Brief enthielt
jedoch keinen Hinweis auf die Bereitschaft der Serben,
die Einrichtungen dem IKRK zu übergeben. Die bosnischen Serben behaupten, dem IKRK würde die
Besichtigung von Omarska gestattet, einem der 12
Lager, die sich angeblich unter ihrer Kontrolle befinden
und eines der Lager, in dem Berichten zufolge Mißhandlungen stattgefunden haben. In der vergangenen

AMERIKA DIENST 32

In den letzten beiden Wochen gab es "sehr viel spezifischere Informationen und eindeutige Beschuldigungen, was in den Internierungslagern vor sich geht",
stellte Boucher fest.

"Wir haben keine Frist gesetzt", so Boucher. "Unseres
Erachtens sollte dies unverzüglich erfolgen, und darauf drängen wir."
Boucher zufolge erwarten die Vereinigten Staaten
auch, im Sicherheitsrat "rasch eine Resolution zu
Kriegsverbrechen voranzubringen". Mit einer solchen
Resolution würden alle Staaten aufgefordert, dem Rat
fundierte oder begründete Informationen zur Verfügung zu stellen.
Über 35 der 53 Mitgliedstaaten haben den amerikanischen Appell zur Einberufung der ersten Sondersitzung der UN-Menschenrechtskommission vom 13. bis
14. August 1992 in Genf unterstützt, bei der die Menschenrechtssituation im ehemaligen Jugoslawien erörtert werden soll, erklärte Boucher. John Bolton,
Abteilungsleiter im US-Au ßeministerium für internationale Organisationen wird bei der Sondersitzung den
Vorsitz der amerikanischen Delegation führen.
Andere amerikanische Initiativen werden bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) weiterentwickelt, einschließlich der
Aufforderung zu einer baldigen Dringlichkeitssitzung
des Ausschusses Hoher Beamten (AHB) der KSZE

Seite 1

�über die Entsendung eines Sonderberichterstatters in
das ehemalige Jugoslawien. Darüber hinaus befaßt
sich die KSZE mit den Befürchtungen, daß der bosnische Konflikt sich in andere Regionen des ehemaligen
Jugoslawiens und die Nachbarstaaten ausbreiten könnte.

richten zufolge verlief die Luftbrücke am 10. August mit
24 vorgesehenen Flügen reibungslos.

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Verabschiedung einer UN-Resolution über die militärische
Absicherung der Hilfslieferungen nach Bosnien erörtern NATO-Behörden, wie sie die Aktivitäten des UNGeneralsekretärs und anderer Organisationen am besten
unterstützen können. "Ich möchte nicht behaupten,
daß die NATO in irgendeiner Weise das einzige Organ
ist, aber zweifelsohne verfügt die NATO über sehr
große Fähigkeiten", erläuterte Boucher.

Der Stellvertretende Pressesprecher verwies darauf,
daß der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) am 8. August 1992 "Ermittlungsteams" nach Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien entsandt hat. "Diese Teams
werden eine Bedarfsermittlung in den Bereichen
medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Obdach
sowie der Kapazitäten vor Ort zur Durchführung der
humanitären Programme vornehmen", stellte er fest.
"Diese Ermittlung wird zu einem aktualisierten Stand
des finanziellen und personellen Bedarfs für die Hilfsprogramme im ehemaligen Jugoslawien führen."

Die von der UNO unterstützte Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern nach Sarajevo wurde am 8. August
mit 20 Flügen wiederaufgenommen. Mit 4 amerikanischen Flugzeugen wurden 235,6 Tonnen Hilfsgüter
eingeflogen, so Boucher. Am 9. August landeten 21
Maschinen - davon 3 amerikanische - mit 271,3 Tonnen Hilfslieferungen in Sarajevo, und vorläufigen Be-

Am Wochenende haben die Vereinigten Staaten Briefe an die politsch Verantwortlichen in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina mit dem Vorschlag der
unverzüglichen Herstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen geschickt. "Wir haben noch
keine Antwort erhalten, rechnen jedoch in Kürze damit",
erklärte Boucher.

* * * *

*

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA KÜNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE SCHRITTE
GEGEN DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika ad interim, Lawrence
Eagleburger, erläuterte am 5. August 1992 eine Reihe diplomatischer Initiativen der Vereinigten Staaten mit dem
Ziel, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in BosnienHerzegowina und Serbien zu verschaffen.
In seiner vorbereiteten Rede stellte Eagleburger fest, amerikanische Diplomaten im ehemaligen Jugoslawien
hätten der dortigen Führung gegenüber auf "unverzüglichem, ungehindertem und kontinuierlichem Zugang zu
allen Gefangenenlagern" für das IKRK beharrt.
Indem er auf die zunehmende Zahl von Berichten über Internierungslager verwies, fügte der Außenminister ad
interim hinzu, einige dieser Berichte deuteten mögliche Hinrichtungen, Folterungen und andere gravierende
Menschenrechtsverletzungen an.
Er unterstrich die diplomatischen Aktionen der Vereinigten Staaten, mit denen der Zugang zu Gefangenenlagern
für das IKRK durch die Parteien im ehemaligen Jugoslawien, die Vereinten Nationen, die UN-Menschenrechtskommission, die Europäische Gemeinschaft und den KSZE-Mechanismus unterstützt werden soll. Er verwies
ferner darauf, daß die Vereinigten Staaten Rußland gebeten haben, seinen Einfluß bei den Serben geltend zu
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Lawrence Eagleburger im Wortlaut.

In der vergangenen Woche wurde eine wachsende
Zahl von Berichten über Internierungslager in BosnienHerzegowina und Serbien vorgelegt, die auch die
Möglichkeit von Hinrichtungen, Folterungen und anderen gravierenden Menschenrechtsverletzungen andeuten. Diese Berichte umfassen Pressekonferenzen, Beschuldigungen und Gegendarstellungen der
Parteien sowie Berichte von anderen in der Region.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat neun
Einrichtungen besichtigt, in denen 4.300 Gefangene
registriert wurden. Das IKRK berichtete über äußerst
schwierige Haftbedingungen, konnte jedoch keine
Beweise für Konzentrationslager finden. Dennoch
liegen zahlreiche Berichte über andere Gefangenenlager vor, die das Rote Kreuz nicht besichtigen durfte,

Unverzügliches Handeln ist erforderlich, um die Wahrheit aufzudecken und eventuell verübte Grausamkeiten zu verhindern. Gestern morgen haben wir eine
Reihe von Schritten unternommen, um diesen Zugang
zu ermöglichen:

und in diesen fanden angeblich einige dieser Greueltafpn ststt

Europäischen Gemeinschaft innehat und damit

Obwohl unbestätigt, sind diese Berichte außerordentlieh beunruhigend. Es ist lebenswichtig daß absolut
alle Gefangnisse und Internierungslager für das Rote
Kreuz und andere neutrale Parteien geöffnet werden.

AMERIKA DIENST 32

"

.

.

Wir

haben

unsere diplomatischen Vertreter
angewiesen, sofort Kontakt zu hochrangigen
serbischen, bosnischen und kroatischen Regierungsvertretern aufzunehmen und darauf zu
bestehen, daß dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz
unverzüglich, ungehindert
und kontinuierlich Zugang zu allen Intemierungsla ern
9
gewährt wird,

Wjr haben Großbritannien&gt; das den Vorsitz der

auch die anderen Mitglieder der EG gebeten,
ähnliche Maßnahmen zu ergreifen,
wir haben Rußland aufgefordert, seinen Einfluß
gegenüber Serbien zu diesem Zweck geltend zu
machen

Seite 1

�Wir haben um eine Stellungnahme des Sicherheitsrats gebeten und diese gestern abend
erhalten. Darin wurde diese Bitte befürwortet
und die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen daran erinnert, daß sie individuell
für Verletzungen der Genfer Konvention zur
Verantwortung gezogen werden können.
Heute haben wir eine außerordentliche Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf
gefordert, um die Situation im Detail zu prüfen, gravierende Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und
auf den ungehinderten Zugang zu Internierunglagern
zu drängen. Wir blicken auf die Menschenrechtskommission in der Erwartung, daß sie ihr Mandat in diesem
Zusammenhang mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten zwingend ausübt, dem Zugang zu den Lagern gewährt werden sollte, damit er diese Beschuldigungen prüfen und den Mitgliedern der Vereinten
Nationen seine Empfehlungen unterbreiten kann. Hierbei
handelt es sich um das erste Treffen dieser Art in der
Geschichte der Menschenrechtskommission. Wir haben
die Regierungen weltweit zur unverzüglichen Unterstützung dieses Appells gedrängt, noch bevor der
offizielle Vorschlag verteilt wurde, damit das Treffen so
bald wie möglich stattfinden kann. Der Vorschlag ist
jetzt in Genf unterbreitet worden und fordert die 53
Mitgliedstaaten bis 19.00 Uhr MESZ am Montag, den
10. August 1992 zu einer Stellungnahme auf. Wir
hoffen, noch vor diesem Zeitpunkt die erforderliche
Zusage von mindestens 27 Mitgliedern zu erhalten.

Beobachtern nach Rumänien erleichtern, um
sicherzustellen, daß die Auswirkungen der UNOSanktionen auf die serbische Wirtschaft so
verheerend wie möglich sind.
Wir erarbeiten eine Resolution des Sicherheitsrates, die Staaten und Organisationen zur
Sammlung fundierter Informationen bezüglich
"Kriegsverbrechen" auffordert und diese Informationen dem Sicherheitsrat zur Verfügung stellt.
Heute konnten wir Anzeichen beobachten, daß unsere
Bitten erhört werden.
In Belgrad hat Premierminister Panic unserem
Geschäftsträger versprochen, internationale Beobachter zur Besichtigung angeblicher Lager in
Serbien und Montenegro einzuladen. Panic
versicherte darüber hinaus seine Unterstützung
der Erklärung der UNO-Präsidentschaft, mit der
die Öffnung der von Serben und Bosniern unterhaltenen Lager gefordert wird.
Presseberichten zufolge hat die Führung der
sogenannten "Serbischen Republik Bosnien"
erklärt, sie sei zur Öffnung aller Einrichtungen
für internationale Inspektionen bereit.
Der bosnische Präsident Izetbegovic hat unserem Geschäftsträger in Belgrad gegenüber erklärt,
er habe den internationalen Beobachtern Zugang zu allen Einrichtungen in Bosnien angeboten.

Darüber hinaus unternehmen wir unverzüglich folgende Schritte:
Wir fordern die KSZE auf, den entsprechenden
Mechanismus der KSZE zur menschlichen
Dimension in Gang zu setzen, um den Prozeß
der Wahl eines Berichterstatters zu überwachen, der diese Beschuldigungen prüfen soll.
Wir unternehmen erneute Anstrengungen zur
verschärften Durchsetzung der Sanktionen
zusätzlich zu den Anfang dieses Monats in die
Wege geleiteten Bestrebungen, die Erfolge gezeitigt haben. Wir werden die Entsendung von

Präsident Tudjman hat unserem Generalkonsul
in Zagreb gestern versichert, er werde Kontakt
zu der kroatischen Führung in Bosnien aufnehmen, um deren uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem IKRK zu fordern.
Diese Versprechungen sind begrüßenswert, aber was
zählt, sind Taten. Wir können keine Entschuldigungen
wie in der Vergangenheit dulden, daß die Sicherheit
der IKRK-Delegationen nicht gewährleistet werden
könne, um deren wichtige Mission zu blockieren. Wir
werden darauf drängen, daß den Worten Taten folgen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

�FLÜCHTLINGE
12. August 1992

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger
Der Verfasser ist Stellvertretender Außenminister. DernachfolgendeArtikelistseinerjüngstenAnhörungvordem
Rechtsunterausschuß des Senats für Einwanderung und Flüchtlingsfragen entnommen.
Das Bild des Flüchtlings - einer Person, die der Verfolgung in die Freiheit zu entfliehen sucht - war eines der
mächtigsten Symbole der Ära des Kalten Krieges. Das
Ende des Kalten Krieges hat somit einen positiven
Effekt auf eine Reihe gravierender, traditioneller Flüchtlingsprobleme gehabt. Die freiwillige Rückkehr - die
wünschenswerteste und dauerhafteste Lösung für
Flüchtlinge - ist inzwischen für Hunderttausende Latein-amerikaner, Kambodschaner, Angolaner und Afghanen möglich geworden. Andernorts auf der Welt
besteht Grund zu der Annahme, daß ein Großteil der
16 Millionen Flüchtlinge in den nächsten Jahren in ihre
Heimat zurückkehren kann. Obwohl politische Lösungen in zahlreichen Bereichen noch viel zu wünschen
übrig lassen, fühlen wir uns ermutigt, daß die überwältigende Mehrheit der rückkehrenden Flüchtlinge die
Schwierigkeiten überwinden und den Wiederaufbau
ihrer vom Krieg zerstörten Heimat in Angriff nehmen
will.
Bedauerlicherweise hat das Ende des Kalten Kriegs
auch neue Probleme für bestimmte Teile der Welt mit
sich gebracht. Zwei erwähnenswerte Beispiele sind
Nagorny-Karabach und Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise wurde in diesen Gebieten die Tyrannei des
Staates durch gewalttätige Manifestationen des lange
schwelenden ethnischen und religiösen Hasses ersetzt. Wir alle sind entsetzt über die Fernsehberichte
unschuldiger Menschen, die bei dem Versuch in Sarajevo Brot zu kaufen, ermordet werden - der Stadt, die
während der Olympiade 1984 für die Erlangung sozialer Harmonie angesichts der ethnischen Vielfalt gefeiert wurde. Nachdem ich amerikanischer Botschafter
im ehemaligen Jugoslawien war, bin ich zutiefst erschüttert, mitansehen zu müssen, daß blanker Wahnsinn und Chaos jetzt dort regieren, wo sehr wohl eine
der Erf olgsstories der Zeit nach dem Kalten Krieg hätte
stattfinden können.

AMERIKA DIENST 32

Es ist ebenso ironisch, daß der Berliner Luftbrücke
vergleichbare Szenen jetzt im Sarajevo des Jahres
1992 wiederholt werden. Wie 1948 muß die internationale Staatengemeinschaft nicht nur über das Wohlergehen des belagerten Volkes, sondern auch über die
Sicherheit derjenigen besorgt sein, die Hilfe anzubieten versuchen. Während damals die Motivation derjenigen, die die Hilfsbestrebungen zu vereiteln suchten,
Ideologie war, ist die Motivation heute Nationalismus
und jahrhundertealter Haß. Unter der Schirmherrschaft des UN-Sicherheitsrats und der ausgezeichneten Koordination des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligen sich die
Vereinigten Staaten an multilateralen Bestrebungen,
damit die humanitäre Hilfe den Menschen in Sarajevo
zugute kommt.
Näher an unserer Heimat arbeiten wir seit dem Putsch
auf Haiti im September 1991 auf die Wiedereinsetzung
einer demokratischen Regierung in diesem Land hin.
In den vergangenen Monaten ist die Zahl der von der
amerikanischen Küstenwache aufgegriffenen Haitianerdrastisch angestiegen. Als temporäre Maßnahme
haben wir den US-Marinestützpunkt in Guantanamo
Bay auf Kuba als Auffanglager für Asylsuchende eingerichtet. Es wurde jedoch bald offenkundig, daß
Guantanamo selbst als Magnet wirkte und die Zahl der
haitianischen Auswanderer unsere Kapazität zu ihrer
Unterbringung auf dem Stützpunkt sprengte. Am 24.
Mai 1992 wurde die US-Küstenwache durch einen
Präsidialerlaß angewiesen, aufgegriffene Haitianer direkt
nach Haiti zurückzuschicken, wo die Bearbeitung von
Flüchtlingsanträgen erfolgen kann. Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß die einzelnen haitianischen
Fraktionen eine demokratische politische Lösung
aushandeln können.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten haben sowohl finanziell als
auch politisch bei der Rückführung von Flüchtlingen
eine aktive Rolle gespielt und werden dies auch in
Zukunft tun. Dennoch muß ein beträchtliches Maß an
internationaler Zusammenarbeit und Unterstützung
erfolgen, wenn diese Chancen nicht vergeudet werden
sollen. Wie wir in Südostasien im Rahmen des umfassenden Aktionsplans festgestellt haben, entscheidet
sich eine zunehmende Zahl von Asylsuchenden für die
Rückkehr in ihre Heimat, wenn deutlich wird, daß die
Umsiedlung in Drittländer keine Option für diejenigen
ist, denen der Flüchtlingsstatus nicht zuerkannt wird.
Wir haben ferner in Vietnam, im Irak und andernorts
die Erfahrung gemacht, daß die Nachbetreuung und
sorgfältige Berücksichtigung der Bedürfnisse der in
ihre Heimat Zurückgekehrten entscheidend ist. Beispielsweise ist die Räumung von Minen - obwohl
gefährlich und kostspielig - unabdingbar für die sichere
Rückkehr von Kambodschanern, Salvadorianern und
Angolanern. In Afghanistan müssen Straßen und
Bewässerungssysteme wiederaufgebaut werden. Und
nur durch Rehabilitierung und Entwicklung der wirtschaftlichen Infrastruktur kann Äthiopien auf die Repatriierung seiner Bürger hoffen und die erneute Auswanderung der rückkehrenden Flüchtlinge vermeiden, die
bei der nationalen Wirtschaftslage nicht überleben
können.
Wir haben auch gelernt, daß Zusammenarbeit zwischen Flüchtlings- und Entwicklungsbehörden erforderlich ist, wenn die Repatriierung erfolgreich sein soll.
Den Bedürfnisse der Rückkehrenden und der im Lande Umgesiedelten muß im Rahmen von nationalen
Wiederaufbau- und Entwicklungsprogrammen Rechnung getragen werden. In der Erkenntnis der Notwendigkeit zur Überbrückung der Kluft zwischen Repatriierung und Entwicklungshilfe in Mittelamerika wurde ein
Modell für die Reintegration nicaraguanischer und
anderer mittelamerikanischer Flüchtlinge geschaffen,
in das Erfahrungen mit Flüchtlingen und bei der Entwicklungshilfe Eingang gefunden haben. Der UNHCR
und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erarbeiten einen ähnlichen Ansatz für
Kambodscha.
Die internationale Staatengemeinschaft hat auch erkannt, daß die Antworten den Umständen angemessen sein müssen, die Flüchtlingsströme bewirken.
Nach dem Golfkrieg sahen sich die Vereinten Nationen
mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert, eine
wirksame Reaktion auf einen Flüchtlingsstrom von
über einer Million Menschen binnen weniger Tage
hervorzubringen. Die Koordinierung zwischen den
UN-Behörden und nichtstaatlichen Organisationen
(NGOs) stellte ein größeres Problem dar. Glücklicherweise konnten das amerikanische Militär und unsere
Koalitionspartner die zur Rettung mehrerer hundert
Menschenleben erforderlichen Maßnahmen ergreifen,
während Konditionen zu ihrer Rückkehr in den Irak in
relativer Sicherheit geschaffen wurden.
Seite 2

Die aus der irakischen Flüchtlingskrise gelernten
Lektionen haben zu Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit des UNHCR geführt. Pläne zur Sicherstellung,
daß UNHCR- und andere Mitarbeiter zur unverzüglichen Entsendung in einem Notfall zur Verfügung stehen, wurden in die Praxis umgesetzt. Entwürfe für
Abkommen wurden vorbereitet, um die effektive und
beschleunigte Beteiligung der NGOs zu ermöglichen
sowie ein Bestand von bei einer Flüchtlingskrise für
gewöhnlich benötigtem Material angelegt.
Ende letzten Jahres wurde im Zusammenhang mit den
Bestrebungen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zur Reform der Vereinten Nationen die Position
eines Stellvertretenden Generalsekretärs für humanitäre Hilfe und ein rotierender Nothilfefonds in Höhe von
50 Millionen Dollar geschaffen. Diese Initiativen tragen bereits im Hinblick auf den Strom somalischer
Flüchtlinge nach Kenia und burmesischer Rohingyas
nach Bangladesch Früchte wie auch bei der Krise im
ehemaligen Jugoslawien.
Die internationale Staatengemeinschaft wendet darüber hinaus ihre bisher gewonnenen Erfahrungen bei
der Verhinderung weiterer Flüchtlingskrisen an. Der
UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) arbeiten mit den neuen Regierungen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion bei der
Bereitstellung der erforderlichen technischen und juristischen Ausbildung zur Behandlung von Flüchtlingen,
Umsiedlern und Emigranten zusammen. Die Vereinigten Staaten fördern und beteiligen sich aktiv an diesen
multilateralen Aktivitäten.
Wir sind ferner der Überzeugung, unsere eigenen auf
nationaler Ebene mit ethnischer und kultureller Vielfalt
gewonnenen Erfahrungen sollten mit anderen geteilt
werden. Mit einer Reihe technischer Hilfsprojekte vor
Ort übertragen wir führenden Vertretern der neuen
Regierungen im ehemaligen Sowjetblock Aufgaben in
Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors für
Flüchtlings- und Emigrationsfragen. Das Büro für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten des
US-Außenministeriums stellt rechtsstaatliche Ausbildung für Juristen aus Osteuropa und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zur
Verfügung. Wir erinnern diese Regierungsvertreter
wiederholt daran, daß unsere bilateralen Beziehungen
von dem Maß abhängen, in dem die Menschenrechte
- insbesondere die von Minderheiten - in ihren Ländern
respektiert werden. In der Tat wurde das Thema der
internationalen Wanderbewegungen auf Drängen von
Außenminister Baker jetzt auf die Tagesordnung der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) gesetzt.
Wenn die derzeitigen Trends anhalten und vorbehaltlich unvorhergesehener Entwicklungen könnte die Zahl
der Personen, die sich ständig in den Vereinigten
Staaten niederlassen wollen, bis Mitte der neunziger
Jahre sinken. Der Vorschlag des Präsidenten für das
AMERIKA DIENST 32

�Haushaltsjahr 1993 bewilligt die Mittel für die Aufnahme von 122.000 Flüchtlingen - eine Reduzierung um
10.000 verglichen mit dem laufenden Haushaltsjahr.
Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, die
Zahl von 122.000 Zulassungen folgendermaßen aufzuschlüsseln: Ostasien (einschließlich vietnamesischer Einwanderer mit einem amerikanischen Elternteil): 52.000, ehemalige Sowjetunion: 50.000, Naher
Osten/Südasien: 7.000, Afrika: 7.000, Osteuropa:
1.500 und Lateinamerika/Karibik: 3.500. In dieser
Zahl ist ein Spielraum für 1.000 Personen aus Regionen enthalten, in denen sich die zugeteilten Kontingente als unzureichend erweisen könnten.
Unser Programm wird kurzfristig weiterhin zahlreiche
der durch den Kommunismus geschaffenen humanitären Probleme ansprechen. Ehemalige Gefangene in
Umerziehungslagern aus Vietnam und religiöse Minderheiten, denen lange das Recht zur Auswanderung
aus der Sowjetunion verweigert wurde, stellen eindeutig die große Mehrheit der im Haushaltsjahr 1993
aufzunehmenden Flüchtlinge. Wir hoffen jedoch, in
nicht allzuferner Zukunft unsere Verpflichtungen gegenüber diesen Gruppen zu erfüllen. Ist dieser Punkt
einmal erreicht, ginge der erste Weg zur Aufenthaltsberechtigung in den Vereinigten Staaten für Personen
aus Vietnam und der ehemaligen Sowjetunion über die
normalen Einwanderungkanäle.
Das Auf nahmeprogramm der Vereinigten Staaten zielt
auf Personen ab, deren humanitäre Bedürfnisse den
Vereinigten Staaten besondere Sorge bereiten und für

die eine Repatriierung oder lokale Integration keine
echte Option darstellt. In den vergangenen Jahren hat
die Einschätzung des UNHCR des weltweiten Bedarfs
für Umsiedlungsregionen einen kontinuierlichen Rückgang aufgewiesen. Obwohl die Vereinigten Staaten
ständig über 50 Prozent der vom UNHCR anerkannten
Flüchtlinge umsiedeln, arbeiten wir gemeinsam mit
dem UNHCR an der Verbesserung unserer Reaktionsfähigkeit auf Flüchtlinge in Hochrisikokategorien im
Einklang mit unseren eigenen Zielen und Engpässen.
Voraussichtlich werden neue und unvorhersehbare
Flüchtlingsprobleme auftreten - teils dramatisch wie
die Situation im ehemaligen Jugoslawien, teils langsam aber unaufhaltsam wie der Druck des Bevölkerungswachstums auf die soziale und politische Stabilität. Aus diesem Grund müssen wir uns vor Augen
führen, daß die Flüchtlingsproblematik mit dem Ende
des Kalten Kriegs nicht verschwinden wird. Sie wird
zweifelsohne weniger klar umrissen und nicht so leicht
an einer allgemeinen politischen Ursache festzumachen sein.
Wir müssen weiterhin Lösungen für Flüchtlingsprobleme erarbeiten. Im derzeitigen Umfeld - frei vom
Wettstreit der Supermächte - sind die Aussichten für
die Vereinten Nationen ausgezeichnet, die in ihrer
Charta vorgesehene Rolle für die Behandlung von
Flüchtlingen und anderer Themen von Besorgnis für
die internationale Staatengemeinschaft zu übernehmen. Die Vereinigten Staaten begrüßen die Gelegenheit, einen Beitrag zu diesen Bestrebungen zu leisten.

* *

AMERIKA DIENST 32

*

Seite 3

�UMWELT
12. August 1992

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT
SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamtes EPA, William Reilly, zufolge planen die
Vereinigten Staaten vermehrte wissenschaftliche Forschung zur Unterstützung ihrer Umweltprogramme.
Bei einer Pressekonferenz am 10. August 1992 anläßlich des 27. Internationalen Kongresses der Geographen erklärte Reilly, er werde "im nächsten Monat"
eine Entscheidung über die Ernennung eines wissenschaftlichen Beraters treffen, der zu allen vom EPA
vorgeschlagenen Bestimmungen Stellung nimmt. Das
EPA benötige mehr mit der Verwaltung befaßte Wissenschaftler und er werde sein bestehendes Team um
sechs "Wissenschaftler von Weltrang" ergänzen, so
Reilly. Das EPA müsse mehr auf Fachwissen von
außen zurückgreifen, fügte Reilly hinzu, und daher
würden 35 Prozent der EPA-Forschungsprogramme
an Universitäten vergeben.
Reilly verwarf die Idee, die Vereinigten Staaten lägen
beim Transfer von Umwelttechnologien in die Dritte
Welt hinter Japan und den europäischen Nationen. Er
bekräftigte, daß amerikanische Technologien in den
Entwicklungsländern sehr gefragt seien, insbesondere im Hinblick auf Geräte wie Katalysatoren zur Abgasreduzierung, Filter für Kohlekraftwerke sowie Chemikalien und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft.
Reilly zufolge kontrollieren die Vereinigten Staaten 40
Prozent des auf 200 Milliarden Dollar geschätzten
Weltmarkts für Umweltgüter und fügte hinzu, die Entwicklungsländer müßten selbst mehr Umweltschutz
betreiben und sich nicht nur auf Auslandshilfe verlassen. Er zitierte Mexiko als gutes Beispiel eines Entwicklungslandes, das beim Umweltschutz auf eigene
Ressourcen zurückgreift.
In einer vom US-Landwirtschaftsministerium veranstalteten Podiumsdiskussion hatten die Experten zuvor
die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die
weltweite Nahrungsmittelproduktion dargelegt.
Martin Perry von der Oxford University erklärte, die von
50 Wissenschaftlern in 18 Ländern über 3 Jahre hinweg durchgeführte Studie belege eine Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion in den in der Nähe des
AMERIKA DIENST 32

Äquators gelegenen Breitengraden und eine Aufstokkung in den "höheren Breitengraden" aufgrund der
durch die Erderwärmung herbeigeführte ngrößere Verdunstung in den wärmeren Ländern.
Parry fügte hinzu, Studien zufolge wird die gesamte
Nahrungsmittelproduktion der Welt negativ beeinf lu ßt,
und ihre Verfügbarkeit variiere von Region zu Region.
Industrienationen werden weniger betroffen sein als
die Entwicklungsländer, stellte er fest.
Robert Chen von der Brown University erklärte, die
sozialen Kosten der Anpassung an die veränderten
Umweltbedingungen werden die armen Länder stärker
treffen als die reichen.
Mohamed El-Ashry, Direktorder Abteilung Umwelt bei
der Weltbank verwies darauf, daß die von der Bank
geleitete Globale Umweltfazilität nach dem Erdgipfel in
Rio "zu einem entscheidenden Finanzierungsmechanismus für die Entwicklungsländer" bei der Verwirklichung der bei dem Gipfeltreffen vereinbarten Ziele
geworden ist.
Er erklärte, die Kredite der Bank zur Bewältigung
spezifischer Umweltprobleme expandierten und Gespräche mit den von Entwicklungsprojekten betroffenen Menschen seien eine Priorität.
El-Ashry bekräftigte die notwendige Unterstützung bei
der Schaffung eines Netzes von erstklassigen Forschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern.
Ihm zufolge würden solche Zentren "starke einheimische Kapazitäten für Wissenschaft und Technologie
zur Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung"
freisetzen und den Entwicklungsländern helfen, "sich
effektiver an internationalen Diskussionen und Verhandlungen über die Umwelt zu beteiligen".
An dem Kongreß nehmen 3.000 Geographen aus 65
Ländern teil.
Seite 1

�PROBLEMS

OF

COMMUNISM
12. August 1992

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel zieht eine Bilanz des 40jährigen Bestehens der Broschüre
"Problems of Communism".
Es begann 1952 während der Anfänge des Kalten
Kriegs und auf dem Höhepunkt des heißen Kriegs in
Korea. Nach 40jähriger Berichterstattung über die
kommunistische Welt stellt die vom US-Informationsamt USIA herausgegebene Broschüre "Problems of
Communism" jetzt ihr Erscheinen ein, da ihre Aufgabe
offenkundig erfüllt ist.
In einer Würdigung der Leistungen der Publikation
stellte der Direktor des US-Informationsamts, Henry
Catto, fest, obwohl "Problems of Communism zu Recht
seine Aufgabe als vollbracht erklären kann, steht die
Zeitschrift als Modell für seriöse wissenschaftliche
Analysen der Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts".
Paula Dobriansky, Abteilungsleiterin für Maßnahmen
und Programme des Amts verwies auf die beachtliche
Leistung von "Problems of Communism", die darin
bestanden habe, daß die Broschüre nie polemisch,
vielmehr eine Publikation gewesen sei, "die nicht nur
aufgrund ihrer wissenschaftlichen Beiträge, sondern
auch wegen ihrer Objektivität hohes Ansehen genoß".
Vielleicht aus diesem Grund, so Dobriansky, hatte das
Magazin bei den politisch Verantwortlichen im In- und
Ausland großen Einfluß. Von besonderem Wert war,
daß es als "Indikator für Trends" in der kommunistischen Welt diente, fügte sie hinzu.
Wayne Hall, Herausgeber der Publikation seit 1986,
schloß sich Dobrianskys Darstellung an. Ihm zufolge
hat "Problems of Communism nie ermahnt oder vorgeschrieben, sondern vielmehr eine seriöse und nüchterne Analyse der Ereignisse in der kommunistischen
Welt vorgenommen." Die Herausgeber haben stets
versucht, "die Fallstricke beider Extreme zu vermeiden
- Verfechter des Kalten Kriegs oder Befürworter einer
reibungslosen Entspannung zu sein", fügte er hinzu.

AMERIKA DIENST 32

"Die Publikation hat den Lesern in aller Welt - in über
100 Ländern - demonstriert, daß sich die amerikanische Politik auf Analysen gründet statt auf automatische Reaktionen", stellte Hall fest. Weil diese Publikation im Gegensatz zu anderen Produkten des Amts
auch in den Vereinigten Staaten verbreitet wurde,
"mu ßte sie sich dem Test wissenschaftlicher und fachlicher Überprüfung in diesem Land stellen, und das hat
zu ihrem Erfolg beigetragen", so Hall.
Diese Ansicht wird auch von denjenigen geteilt, die
nicht zu USIA gehören. Blair Ruble, geschäftsführende Direktorin des Kennan Institute for Advanced Russian Studies, erklärte, "Problems of Communism war
das erste Forum, das die Gesichtspunkte von Spezialisten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die Broschüre hatte außerordentlich großen Erfolg."
Dennoch ist es Ruble zufolge bedauerlich, daß "Problems of Communism" zu diesem Zeitpunkt ihr Erscheinen einstellt, denn es gibt "viele gemeinsame
Probleme der nachkommunistischen Ära, die des
Studiums würdig sind. Das Journal war in einer guten
Position, hier als Motor zu dienen", stellte sie fest.
Dobriansky erklärte, US IA "engagiere sich bereits sehr
stark für die Herausforderung des Aufbaus von Demokratie und Unterstützung des freien Unternehmertums." Sie verwies darauf, daß Informationsgespräche im Foreign Press Center, Austauschprogramme,
Publikationen und andere Aktivitäten des Amts diese
Aufgabe erfüllen und "wir daran arbeiten, sie noch
effektiver zu machen". Dies geschieht unter anderem
mit Hilfe von Sondersendungen der Voice of America.
Die Publikation Freedom and Prosperity behandelt die
praktische Umsetzung von Demokratie und Marktwirtschaft, wie etwa die Förderung des Unternehmertums,
Anziehung von Auslandsinvestitionen und Schaffung
unabhänggier Medien.

Seite 1

�Hall erklärte, er bevorzuge keine speziellen Artikel, sei
aber sehr stolz auf die Analyse der ethnischen Spannungen in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
wie auch auf die Untersuchung der Zeitschrift zur
wachsenden dortigen Wirtschaftskrise in den ausgehenden Tagen des Kommunismus. Er erklärte, ebenso stolz darauf zu sein, daß die Zeitschrift eine Stimme
vieler Dissidenten gewesen sei, auch von Jiri Dienstbier, der 1968 unter Pseudonym einen Artikel über die
sowjetische Invasion der Tschechoslowakei verfasste. Über 20 Jahre später schloß sich Dienstbier
Vaclav Havels friedlicher Revolution an und wurde
Außenminister seines Landes.
Auf die Frage nach den Fehlschlägen der Zeitschrift
erklärte Hall: "Nun, wir alle haben den Zusammenbruch verpaßt." Aber er fügte hinzu: "Wir waren mit
vielen unserer Artikel auf dem richtigen Weg. Niemand
konnte vorhersehen, wann es zum Knall kommen
würde." Dobriansky erklärte dazu, die Zeitschrift habe
zwar nicht den Zeitpunkt vorausgesehen, an dem der
Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa zerfallen würde, aber "die Widersprüche im
System, die zu seinem Niedergang geführt haben",
prognostiziert. Die Politik der amerikanischen Regierung unter den Präsidenten Reagan und Bush half ihr
zufolge auch bei der Förderung des Zusammenbruchs.
Der Gründungsherausgeber der Zeitschrift war Abraham Brumberg, der sie 18 Jahre lang, seit ihrer Gründung vor 40 Jahren bis 1970, leitete. Unter seiner

Führung errang die Publikation ihren Ruf der Unabhängigkeit. Der Klappentext weist darauf hin, daß in
Beiträgen geäußerte Ansichten nicht unbedingt die
Politik der amerikanischen Regierung repräsentieren.
Am Anfang war seine Aufgabe keinesfalls leicht. Eine
Vorschrift des Amts verbot die Erwähnung von Marx,
Engels, Lenin und Stalin, ganz zu schweigen von
deren Zitaten. Schließlich befand man sich in den
frühen fünfziger Jahren. Aber in der Ausgabe zum 40.
Jahrestag schrieb Brumberg, daß er ganz einfach "die
Vorschriften mißachtet" habe. Letztlich "überwog der
gesunde Menschenverstand", fügte er hinzu.
Unter den Beiträgen in der letzten Ausgabe der Zeitschrift sind Artikel über Deutschland nach der Wiedervereinigung und den Verlauf der friedlichen Revolution
in der CSFR. Ferner gibt es einen Artikel über die Krise
des Autoritarismus in Nordafrika.
Hall zufolge sind zahlreiche Trugschlüsse über den
Kommunismus durch den Zusammenbruch der gescheiterten Ideologie zutage getreten. Einer der wichtigsten war seine Annahme, daß Menschen im wesentlichen von den Kräften der Geschichte geformt
werden, auf die sie nur geringen Einfluß und wenig
Kontrolle ausüben können. Die Ereignisse der letzten
Jahre beweisen das Gegenteil, erläuterte Hall. "Sie
zeigen, daß einzelne Menschen in der Geschichte
etwas bewirken können."

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 32

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien/ Serbien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern UNCHR-Sondersitzung zum ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA drängen auf Verabschiedung neuer UN-Resolution zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungsnahme des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA kündigen neue diplomatische Schritte gegen das ehemalige Jugoslawien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Lösungen für Flüchtlingsproblematik erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lawrence Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltkongress der Geographen konzentriert sich auf Umweltprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Problems of Communism&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Publikation zum Kommunismus stellt erscheinen ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

12. August 1998

16

BOMBENANSCHLÄGE

CLINTON: DIE VERANTWORTLICHEN WERDEN
VOR GERICHT GEBRACHT
Erklärung des Präsidenten

DIE AMERIKANISCHE FLAGGE WEHT
WELTWEIT AUF HALBMAST
Proklamation des Präsidenten

TERRORISTISCHE GEWALT HAT KEINE
CHANCE
Erklärung des Vizepräsidenten

ALBRIGHT VERURTEILT FEIGE TERRORAKTE
Erklärung der Außenministerin

USA WERDEN NICHT RUHEN, BIS DIE
VERANTWORTLICHEN GEFASST SIND
Rede von Außenministerin Albright

MILITÄR UNTERSTÜTZT HILFE FÜR DIE OPFER
Erklärung des Verteidigungsministers

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�IRAK

CLINTON: DIE SANKTIONEN BLEIBEN IN
KRAFT
Erklärung des Präsidenten

KOSOVO

KOSOVO BLEIBT WICHTIGE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

NATO

DIE HERAUSFORDERUNGEN DER NATO
IM 21. JAHRHUNDERT
Rede von Verteidigungsminister Cohen

LUFTBRÜCKE

HAMRE: "BERLIN IST HERAUSRAGENDES
SYMBOL UNSERER FREIHEIT"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

DIE GLOBALE WIRTSCHAFTSLAGE UND IHRE
AUSWIRKUNGEN AUF DIE VEREINIGTEN
STAATEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

USA STREBEN WELTWEITES INTERNET OHNE
HANDELSHEMMNISSE AN
Rede von Wirtschaftsminister Daley

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

�B O M B E N A NS C H LA GE
12. August 1998

Clinton: Die Verantwortlichen
werden vor Gericht gebracht
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam.

Ich hoffe, Sie verstehen, daß ich das Bedürfnis habe,
eine Erklärung zu den Bombenanschlägen auf unsere
Amerikanischen Botschaften in Afrika heute morgen
abzugeben. Eine Explosion in Nairobi (Kenia) tötete
und verwundete unzählige Menschen. Wir haben
Berichte, daß mehrere Amerikaner unter den Toten
sind. Eine weitere Explosion in Daressalam (Tansania) forderte ebenfalls zahlreiche Opfer. Zu diesem
Zeitpunkt liegen uns noch keine Berichte vor, daß bei
dem Anschlag Amerikaner getötet wurden, obwohl
unsere Botschaft das Ziel gewesen zu sein scheint.
Beide Explosionen verursachten großen Sachschaden
an unseren Botschaften und den Nachbargebäuden,
wie Sie vielleicht bereits auf den Bildern gesehen
haben, die im Fernsehen gesendet werden. Obwohl
es scheint, daß die Anschläge koordiniert waren, hat
sich bisher noch niemand dazu bekannt.
Während ich spreche, haben wir Notfallhilfeteams des
Verteidigungs- und des Außenministeriums in die
Region entsandt. Zu diesen Teams gehören medizinisches Personal, Katastrophenhilfeexperten, Experten
für die Spurensicherung und Spezialisten für Terrorismusbekämpfung.
Wir haben entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für unsere Botschaften und
militärischen Einrichtungen in der gesamten Region
und weltweit ergriffen.

Diese Akte terroristischer Gewalt sind verabscheuungswürdig - sie sind unmenschlich. Wir werden alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die
Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, unabhängig
davon, was dafür erforderlich ist oder wie lange es
dauert. Ich möchte den Tausenden und Abertausenden hart arbeitender Männer und Frauen im USAußenministerium und in unseren anderen Regierungsbehörden, die in unseren Botschaften im Ausland
tätig sind, sagen, die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten,
ist unerläßlich für unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand. Aus diesem Grund ist Ihr Wohlergehen
unerläßlich für uns, und wir werden alles in unserer
Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß
Sie in Sicherheit ihre Arbeit tun können.
An die Familienangehörigen und Freunde der amerikanischen und afrikanischen Opfer dieser feigen Anschläge gewandt, sage ich, wir schließen Sie in unsere
Gedanken und Gebete ein. Im Gedenken an diejenigen, die ihr Leben lassen mußten, habe ich angeordnet, daß die amerikanische Flagge auf allen Regierungsgebäuden hier im Inland und auf der ganzen Welt
auf halbmast gesetzt wird. Wir sind entschlossen,
Antworten und Gerechtigkeit zu bekommen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Die amerikanische Flagge weht
weltweit auf halbmast
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation von Präsident Clinton, die
amerikanische Flagge im Gedenken an die Opfer der Bombenanschläge in Kenia und Tansania weltweit auf
halbmast zu setzen.

Als Zeichen des Gedenkens an die bei den Bombenanschlägen auf die Botschaften der Vereinigten
Staaten in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania)
Getöteten ordne ich hiermit kraft des mir als Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika durch Absatz 175
von Titel 36 des Gesetzbuchs der Vereinigten Staaten
verliehenen Amtes an, daß die Flagge der Vereinigten
Staaten am Weißen Haus und auf allen öffentlichen
Gebäuden und Geländen, allen militärischen Einrichtungen und Marinestützpunkten und auf allen
Schiffen der Bundesregierung im District of Columbia
und überall in den Vereinigten Staaten und ihren
Territorien und Besitzungen bis zum Sonnenuntergang
am Sonntag, dem 9. August 1998, auf halbmast ge-

setzt wird. Ich ordne ferner an, daß die Flagge für die
gleiche Zeitspanne auf allen Botschaften, Gesandtschaften, Konsulaten und anderen Einrichtungen der
Vereinigten Staaten im Ausland, einschließlich aller
militärischen Einrichtungen, Schiffe und Marinestützpunkte auf halbmast wehen soll.
Zum Zeugnis dessen habe ich diese Proklamation
eigenhändig unterschrieben am 7. August im Jahre
des Herrn neunzehnhundertachtundneunzig und im
zweihundertunddreiundzwanzigsten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
WILLIAM J. CLINTON

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Terroristische Gewalt hat keine Chance
Erklärung des Vizepräsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Vizepräsident Gore aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Afrika.

Ich möchte den Familien, Freunden und Mitbürgern
aller bei den tragischen Bombenanschlägen auf die
Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam Getöteten oder Verletzten mein tief empfundenes
Mitleid aussprechen.
Hunderte unschuldiger Menschen - Kenianer, Tansanier, Amerikaner und andere - müssen jetzt für den
Rest ihres Lebens Angehörige vermissen und bekla-

gen, die sie bei dem heutigen Terroranschlag verloren
haben. Das ist tragisch und sinnlos. Keine ehrenwerte Sache kann je durch terroristische Gewalt
vorangebracht werden.
Niemand sollte Zweifel daran haben, daß die Vereinigten Staaten alles Erforderliche tun werden, um die
Verantwortlichen für diese schreckliche und feige Tat
zu verfolgen und sie vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Albright verurteilt feige Terrorakte
Erklärung der Außenministerin

ROM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vom 7. August 1998.

Ich möchte den Opfern der entsetzlichen Bombenanschläge mein aufrichtiges Beileid aussprechen, die
heute auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in
Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) verübt
wurden.
Die Anschläge hatten zahlreiche Verletzte und großen
Sachschaden an beiden Botschaften und Nachbargebäuden zur Folge. Tragischerweise mußten wir
auch erfahren, daß es viele Tote gab, darunter auch
Botschaftsangehörige in Nairobi. Wir sind jetzt dabei,
diese Meldungen zu überprüfen und die nächsten
Angehörigen zu benachrichtigen, bevor wir die Informationen veröffentlichen. Ich fühle mit den Familien
dieser tapferen Amerikaner, unserer Ortskräfte und
den Bürgern der betroffenen beiden Länder, die bei
diesen tragischen Bombenanschlägen ums Leben
gekommen oder verletzt worden sind.
Unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam leisten
Heldenhaftes unter den denkbar schwierigsten
Bedingungen. Sie arbeiten mit den Kommunalbehörden beider Länder zusammen, um die Opfer aus den
Trümmern zu bergen und den Verletzten dringend
benötigte medizinische Versorgung zukommen zu
lassen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten
mobilisiert zur Zeit alle erforderlichen Kapazitäten

innerhalb und außerhalb der Region, um alle Aspekte
dieser menschlichen Katastrophe zu bewältigen.
Ich habe mit dem kenianischen Außenminister Godana
gesprochen, um ihm mein Beileid für den tragischen
Tod kenianischer Bürger und mein Mitgefühl für die
Verletzten auszusprechen und die uneingeschränkte
Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der Bewältigung dieser Tragödie anzubieten. Ich werde mich in
Kürze mit dem tansanischen Außenminister Kikwete in
Verbindung setzen, um ihm dieselbe Botschaft zu
übermitteln.
Bis jetzt hat sich noch niemand zu diesen gemeinen
und feigen Terrorakten bekannt. Ich möchte dem
amerikanischen Volk jedoch versichern, wenn sich
bestätigt, daß diese Akte terroristischer Natur waren,
dann werden die Vereinigten Staaten keine Mühe
scheuen und alle ihnen zur Verfügung stehenden
Mittel einsetzen, um die Verantwortlichen dieser
abscheulichen Taten zu verfolgen und zu bestrafen.
Ich beabsichtige, unverzüglich in die Vereinigten
Staaten zurückzukehren, um mich mit dem Präsidenten über diese Herausforderung der Sicherheit
unserer Nation zu beraten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

USA werden nicht ruhen, bis die
Verantwortlichen gefaßt sind
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Bombenanschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vor Mitarbeitern des USAußenministeriums vom 10. August 1998.

Ich habe gerade mit Botschafterin Prudence Bushneil
und dem Gesandten John Lange gesprochen. Ich
habe ihnen gesagt, daß wir all ihre Bemühungen vor
Ort uneingeschränkt unterstützen und sie unserer
Hochachtung für ihre Arbeit versichert. Und sie
wiederum waren äußerst dankbar für alles, was hier für
sie getan wird. Unser heutiges Zusammentreffen
erinnert uns an etwas sehr wichtiges: Auch wenn wir
überall auf der Welt verstreut sind und -uns mit unseren
jeweiligen Fachgebieten befassen - wenn es wirklich
darauf ankommt, sind wir eine Familie. Wir teilen
dieselben Ziele, dieselben Risiken und Gefühle der
Trauer und des Schmerzes, wenn wir ein Familienmitglied verlieren.
Und heute sagen wir auf Wiedersehen zu Freunden
aus jedem Teil unserer Familie: zu Jay Bartley, zu
Julian Bartley, zu Jean Dalizu, zu Ken Hobson, zu
Arlene Kirk, zu Michelle O'Connor, zu Sherry Olds, zu
Molly Hardy, zu Tom Shah, zu Prabhi Kavaler, zu
Sergeant Nathan Aliganga, zu Louise Martin.
Die Opfer, um die wir trauern, waren Angehörige des
auswärtigen Dienstes, des öffentlichen Dienstes und
der Streitkräfte.
Andere waren engagierte Ortskräfte, ohne die unsere
Missionen im Ausland unmöglich funktionieren könnten. Und natürlich waren es Kenianer und Tansanier
aus allen Lebensbereichen, die nicht mehr leben, weil
sie an einem Tag zufällig in einer Amerikanischen
Botschaft zu tun hatten oder an ihr vorbeigingen. So
hat wieder einmal ein sinnloser, feiger Akt des Terrors
unschuldige Leben zerstört und unseren Glauben an
eine friedlichere Zukunft auf die Probe gestellt. Wieder

AMERIKA DIENST 16

einmal kommen wir zusammen, um Freunde und
Kollegen zu beklagen, die weit von zu Hause entfernt
ums Leben kamen. Und wieder einmal fragen wir:
Warum? Warum jetzt? Warum sie und nicht wir? Und
wieder einmal gibt es keine guten Antworten auf
unsere Fragen.
Das Wichtigste, das wir tun können, ist, den Überlebenden zu helfen, die Freunde zu ehren, die wir
verloren haben, die Hinterbliebenen in unsere Gebete
einzuschließen und vor allem, den Geist des Pflichtbewußtseins und Engagements am Leben zu erhalten,
der ihrem Leben so viel gegeben hat, denn es waren
ehrenwerte Leben, die sich dem Dienst für unser Land
und seinen Idealen verschrieben haben. Es waren
gute Menschen, die wußten, daß ein Leben ohne Sinn
bloßes Existieren ist und daß der höchste Sinn nicht in
dem besteht, was wir für uns selbst erwerben können,
sondern in dem, was wir durch unsere Verwandtschaft
miteinander erreichen können.
Es waren engagierte Mitarbeiter, die wußten, was wir
alle wissen, aber selten bewußt fühlen oder aussprechen - daß die Arbeit, die wir machen, gefährlich
ist. Wir alle gehen an den Gedenktafeln in der Eingangshalle vorbei und denken an die Menschen, deren
Namen dort stehen. Manchmal fällt unser Blick auf die
leere Stelle auf der zweiten Gedenktafel, und wir
wissen in unserem tiefsten Inneren, daß solange die
Welt ist wie sie ist und solange es Amerikaner gibt, die
ihr Land lieben wie wir es tun, mehr Namen diese
Stelle füllen werden. Während wir hier stehen, werden
wir daran erinnert, daß Außenpolitik nicht etwas
Abstraktes ist, daß sie letztlich nicht von Nationen oder
Ministerien durchgeführt wird, sondern von Menschen

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�- Menschen, die dorthin gehen, wo es wenig Bequemlichkeit und viele Gefahren gibt; von Menschen, die
unsere Ideale fördern, unsere Beziehungen pflegen,
unsere Hilfe verteilen und unsere Bürger schützen;
von Menschen, die mit Stolz und Freude die Herausforderung und das Abenteuer angehen, Amerika auf
der Welt zu vertreten. Das sind die Menschen, deren
wir heute gedenken und die wir heute ehren.

großem Mitgefühl unter den denkbar schwierigsten
Umständen reagiert haben. Wieder einmal hat die
schlimmste Tragödie das Beste in allen von Ihnen
hervorgebracht. Ich weiß, daß die kommenden Tage
für viele unserer Kollegen hart sein werden, und wir
müssen einander behilflich sein, um unsere Arbeit zu
erledigen. Aber wir müssen einander auch Raum und
Zeit zum atmen geben.

Es ist mir unmöglich, die Gefühle derer zum Ausdruck
zu bringen, die sie gut kannten, insbesondere derjenigen, die sie nicht nur als Kollegen kannten, sondern
als Eltern, als Kinder, als Ehemann und Ehefrau, als
Brüder und als Schwestern. Aber ich kann einige
Worte darüber sagen, was sie in Afrika getan haben
und warum sie dort waren. Unsere Kollegen haben mit
den Kenianern und Tansaniern zusammengearbeitet,
um die Armut zu mildern, Demokratie aufzubauen, die
Umwelt zu schützen und Krankheiten zu bekämpfen.
Sie halfen Amerikanern und Afrikanern, Arbeitsplätze
zu schaffen, indem sie den Handel zwischen unseren
beiden Länder erweiterten. Und sie halfen Amerikanern, die in Not waren. Sie unterstützten sich gegenseitig, um diese Ziele zu verwirklichen.

Präsident Clinton und ich werden auch alles in unserer
Macht Stehende tun, um unsere Bürger und Mitarbeiter
im Ausland und die Bürger unserer Gastländer zu
schützen. Wir arbeiten mit der Administration und dem
Kongreß zusammen, um einen Haushaltsantrag
vorzubereiten, der uns den Wiederaufbau der Botschaftsgebäude und die Fortsetzung unserer Präsenz
in Kenia und Tansania gestattet und den unerläßlichen
Schutz für unsere Vertretungen auf der ganzen Welt
bietet, die zusätzlichen Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen, Metalldetektoren, Barrikaden und Kommunikationsverbindungen haben könnten.

So müssen wir uns wieder fragen, wie so etwas
Schreckliches einer Gruppe von Menschen geschehen
konnte, die so viel Gutes taten. Eine teilweise Antwort
ist vielleicht, daß sie angegriffen wurden, weil sie so
viel Gutes taten. Vielleicht wurden sie ausgesucht,
weil sie ein Land repräsentieren, das der mächtigste
Verteidiger von Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit der Welt ist, denn so unvollkommen wir
auch sind - wir stehen für die Werte von Toleranz,
Offenheit und Pluralismus, die jetzt in allen Teilen der
Welt Fuß fassen, weil wir stark sind und weil wir
unsere Stärke zur Lösung von Konflikten einsetzen,
von denen einige wünschen, daß sie für immer
andauern. Wie sollen wir also auf dieses schreckliche
Verbrechen reagieren? Offensichtlich besteht unsere
oberste Verantwortung gegenüber den Überlebenden
und den Familien. Wir werden weiter die Trümmer
beseitigen, alle Opfer erreichen, die Ärzte, Medikamente und Blutkonserven einfliegen, die zur Behandlung
der Verletzten benötigt werden. Wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um den Familien derjenigen Trost zu spenden, die gestorben sind und die
schreckliche Last zu erleichtern, die sie fühlen. Aus
diesem Grund werde ich nach Deutschland fliegen, um
die Verletzten zu besuchen, unsere verstorbenen
Kollegen zu ehren und sie nach Hause zu begleiten.
Wir werden mit den Bürgern und Regierungen von
Tansania und Kenia zusammenarbeiten, um ihnen bei
der Bewältigung ihrer Verluste behilflich zu sein, die und das dürfen wir nicht vergessen - sogar noch
größer sind als unsere. Das haben wir rund um die
Uhr getan seit dem Augenblick, als diese Tragödie
geschah. Ich bin sehr stolz auf die Mitarbeiter in
unseren Missionen im Ausland und hier im Außenministerium, die mit unglaublicher Kompetenz und mit

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Auf längere Sicht werden wir auch den zusätzlichen
Bedarf an Mitarbeitern und Verwaltung prüfen, der für
die Gewährleistung eines sicheren Betriebs unserer
Vertretungen weltweit erforderlich ist. Wir werden
ferner Konsultationen mit Regierungsvertretern von
Tansania und Kenia führen, um geeignete Wege zu
ihrer Unterstützung in dieser Zeit des Verlusts zu
finden. Wir müssen die feigen Attentäter finden und
bestrafen, die diese Tat begangen haben. Präsident
Clinton hat eindeutig klargestellt, daß wir nicht ruhen
werden, bis das geschehen ist. Und es wird geschehen, denn das Gedächtnis unserer Nation ist lang, und
unser Arm reicht weit. Heute morgen möchte ich eine
Belohnung von bis zu 2 Millionen Dollar für Informationen bekanntgeben, die zur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen führen. Aber wir haben
heute noch eine andere Verantwortung, die ebenso
entscheidend für die Verstorbenen, die Lebenden und
für alle Amerikaner ist. Diese Vereinigten Staaten,
diese Nation mit hohen Grundsätzen und Zielen,
lassen sich nicht einschüchtern. Wir werden unsere
Anstrengungen verdoppeln, Frieden zu schaffen und
Intoleranz zu bekämpfen. Wir werden unserer Verantwortung gerecht werden, uns in der Welt weiterhin zu
engagieren, weiterhin für die Werte einzutreten, die die
Friedensstifter hochhalten und für die Zukunft, die die
Bombenleger fürchten. Denn auch wenn Terror
Gebäude zu Schutt und Lachen zu Tränen werden
läßt, kann - und wird - er nie Amerika von seinem
Zweck oder seiner Präsenz auf der Welt abschrecken.
Das ist die beste Antwort, die wir den verabscheuungswürdigen Feiglingen geben können, die dies getan
haben.
Das ist das Beste, was wir tun können, um den Dienst
der Männer und Frauen zu ehren, die ihr Leben bei
dieser Tragödie verloren haben - uns zu entscheiden,
wie sie es getan haben, nicht Gefangene der G-

AMERIKA DIENST 16

•

�eschichte zu sein, sondern sie zu gestalten. Ich
verspreche Ihnen, daß ich das mit aller Entschlossenheit und allem, was ich aufbieten kann, mit Ihrem
Beistand und Ihrer Unterstützung in den kommenden
Wochen, Monaten und Jahren tun werde.

dem unerschütterlichen Glauben an den Wert der
Arbeit, die wir gemeinsam tun, um den Schutz unserer
Menschen zu gewährleisten und eine Welt aufzubauen, die sicherer, wohlhabender, gesünder und freier
ist.

Man sagt, daß man alles, was man tut, mit Glauben tut.
Lassen Sie uns heute morgen auseinandergehen mit

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

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�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Militär unterstützt Hilfe für die Opfer
Erklärung des Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister Cohen aus
Anlaß der Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam am 7. August 1998.

Ich möchte den Familienagehörigen derjenigen mein
Mitgefühl aussprechen, die bei den Bombenanschlägen auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi
(Kenia) und Daressalam (Tansania) ums Leben
gekommen oder verwundet worden sind.
Diese Bombenanschläge erinnern uns an die Bedrohung für Amerikaner durch Terroristen, deren
einziges Mittel, Amerika anzugreifen, solch feige Akte
sind. In den vergangenen Jahren hat das US-Verteidigungsministerium dramatische Schritte zur Verbesserung der Sicherheit seiner in Übersee stationierten Streitkräfte unternommen. Aber wie die Bombenanschläge zeigen, werden wir nie alle Risiken beseitigen können, mit denen sich unsere Truppen und

Diplomaten konfrontiert sehen, wenn sie unserem
Land in Übersee dienen.
Der Verlust eines amerikanischen Soldaten oder
Diplomaten durch solche Akte ist ein Menschenleben
zuviel. Unsere Männer und Frauen in Uniform dienen
stolz und selbstlos auf der ganzen Welt in dem
Wissen, daß sie sich im Ausland zusätzlichen Gefahren gegenübersehen, weil sie Uniform tragen.
Das Militär unterstützt die Bemühungen der USRegierung, den Opfern dieser Katastrophe zu helfen.
Wir werden auch mit dem FBI zusammenarbeiten, um
die Mörder, die diesen Terroranschlag verübt haben,
vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

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�IRAK

12. August 1998

Clinton: Sanktionen bleiben in Kraft
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 6. August 1998 vom Weißen Haus
herausgegebene Erklärung von Präsident Clinton.

Die jüngste Weigerung des Irak, mit den internationalen Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist
inakzeptabel. Weit davon entfernt, den Tag vorzeitig
herbeizuführen, an dem die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen den Irak aufhebt - wie der
Irak es beabsichtigt - verlängert die Nichteinhaltung
der Verpflichtungen durch den Irak diese Sanktionen
und unterwirft die irakische Volkswirtschaft strengen
internationalen Kontrollen.
Als eine Bedingung für den Waffenstillstand im Golfkrieg forderten die Vereinten Nationen - und der Irak
stimmte dieser Forderung zu - die Offenlegung der
nuklearen, chemischen und biologischen Waffen und
deren Trägersysteme binnen zwei Wochen sowie
deren Zerstörung. Im Februar dieses Jahres bekräftigte der Irak diese Verpflichtung in einem mit UNGeneralsekretär Annan unterzeichneten Abkommen.
Mit anderen Worten: Es stand in der Macht des Irak,
eine Aufhebung der Sanktionen durch die Erfüllung
seiner Verpflichtungen zu erreichen, die Inspektoren
ihre Arbeit beenden zu lassen und die anderen
relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats einzuhalten.
Statt zusammenzuarbeiten, hat der Irak den Großteil
dieses Jahrzehnts seine Verpflichtungen gegenüber
der internationalen Gemeinschaft nicht eingehalten.
Jüngste Entdeckungen der Waffeninspektoren darunter neue Dokumente über im iranisch-irakischen
Krieg verwendete chemische Munition und Reste von

Nervengas auf irakischen Gefechtsköpfen - unterstreichen nur die Nichteinhaltung der Verpflichtungen
des Irak gegenüber der Welt.
Die jüngste Weigerung des Irak, mit den UN-Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist ein weiterer
fehlgeleiteter Versuch, die internationale Gemeinschaft
zu spalten, um die Aufhebung der Sanktionen zu
erlangen. Mit diesen Sanktionen wurden dem Irak
über 120 Milliarden Dollar an Ressourcen für den
Wiederaufbau seines Militärs und den Bau weiterer
Massenvernichtungswaffen verweigert. Seine derzeitige Taktik wird wieder fehlschlagen. Solange der
Irak seinen Kurs nicht ändert und uneingeschränkt mit
den internationalen Waffen Inspektoren zusammenarbeitet, werden die Vereinigten Staaten alle Bemühungen zu einer Änderung des Sanktionsregimes
vereiteln. Damit wird der irakischen Führung das
verweigert, was sie am meisten wünscht: Ein Ende der
Sanktionen. Weil wir das im letzten Winter begonnene
Programm ÖI-für-Nahrungsmittel erweitert haben, wird
das irakische Volk weiterhin die Lebensmittel, Medikamente und anderen unerläßlichen Lieferungen erhalten, die es benötigt.
Es war stets am Irak, seine Massenvernichtungswaffen
offenzulegen und zu zerlegen, und das wird auch in
Zukunft so sein. Wir werden nach wie vor entschlossen darauf hinarbeiten, daß der Irak diese Verpflichtung einhält.

* * * * *

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�KOSOVO
12. August 1998

Kosovo bleibt wichtige
außenpolitische Priorität der USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sondergesandte des Präsidenten und
der Außenministerin für die Implementierung des Daytoner Abkommens, Robert S. Gelbard, am 23. Juli 1998 vor
dem Ausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Beziehungen gehalten hat.

Ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, vor
diesem Ausschuß zu sprechen und unseren Dialog
über die andauernde Krise im Kosovo fortzusetzen,
der für die Administration eine wichtige außenpolitische
Priorität darstellt. Wir begrüßen Ihre Ansichten über
die Situation im Kosovo. Das Interesse des Kongresses am Kosovo hilft uns, in Belgrad und bei
anderen die Bedeutung zu unterstreichen, die die
Vereinigten Staaten diesem Problem beimessen, und
verstärkt unseren Einfluß auf die Parteien bei der
Lösung des Problems.
Der Konflikt im Kosovo ist angesichts der fortgesetzten
Weigerung Belgrads, die zur Stabilisierung der Situation erforderlichen Schritte zu unternehmen sowie des
daraus resultierenden schnellen Wachstums der
Größe und Fähigkeiten der bewaffneten Widerstandsbewegung der Kosovo-Albaner in eine neue und
möglicherweise noch gefährlichere Phase eingetreten.
Louise Arbour, die Chefanklägerin des Internationalen
Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, erklärte vor kurzem, auf die Situation im
Kosovo treffe unter dem relevanten Völkerrecht die
Definition "bewaffneter Konflikt" zu. Dadurch fällt der
Konflikt zweifelsohne in den Zuständigkeitsbereich des
Tribunals. Es besteht ganz eindeutig eine dringende
Notwendigkeit für sinnvollen Dialog und sofortige
Maßnahmen zur Verringerung der Spannungen,
einschließlich einer umfassenden Einstellung der
Feindseligkeiten.
Obwohl wir uns über die Aktionen der Kosovo-Befreiungsarmee - UCK - Sorgen machen, dürfen wir nicht
die Tatsache aus den Augen verlieren, daß Belgrad

AMERIKA DIENST 16

die Konfrontation im Kosovo initiiert hat und Präsident
Milosevic und seine Regierung die Hauptverantwortung dafür tragen, die für eine Beendigung der
Gewalt notwendigen Schritte zu unternehmen. Die
Verpflichtungen Belgrads gegenüber der internationalen Völkergemeinschaft sind unmißverständlich in
den Erklärungen der Kontaktgruppe vom 12. Juni und
8. Juli enthalten. Diese Forderungen müssen erfüllt
werden, damit Belgrad seine Beziehungen zur übrigen
Welt normalisieren kann und die Bundesrepublik
Jugoslawien in die Völkergemeinschaft aufgenommen
wird. Milosevic muß:
die an repressiven Aktionen im Kosovo beteiligten Sicherheitskräfte abziehen,
einen sinnvollen Dialog mit der Führung der
Kosovo-Albaner über die Herbeiführung einer
politischen Lösung einleiten,
sich mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge und dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz auf ein Programm für die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen
einigen,
völlig freien Zugang für internationales Personal,
einschließlich
Mitarbeitern
von
Nichtregierungs- und humanitären Hilfsorganisationen sowie Journalisten sicherstellen und
die Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft zur Beobachtung der Ereignisse vor Ort

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�im Kosovo durch die Gewährung vollständigen
und ungehinderten Zugangs unterstützen.
Der Zugang von Mitarbeitern internationaler und
nichtstaatlicher Organisationen zum Kosovo hat sich
letzten Monat verbessert. Belgrad hat jedoch nichts
zur Erfüllung unserer anderen Forderungen unternommen, insbesondere bei Sicherheitsbelangen und der
Frage des Dialogs. Tatsächlich hat sich Präsident
Milosevic um eine Neudefinition seiner Verpflichtungen
bemüht, indem er dem russischen Präsidenten Jelzin
am 16. Juni in Moskau eine Reihe stärker eingeschränkter Verpflichtungen vorlegte.
Wir haben
unsere Ansichten jedoch in keinerlei Hinsicht geändert.
Milosevic muß allen seinen Verpflichtungen gegenüber
der Kontaktgruppe nachkommen. Andernfalls werden
wir weiterhin nach Wegen suchen, den Druck auf
Belgrad zu erhöhen, sich in die richtige Richtung zu
bewegen.
Tatsächlich hat Präsident Milosevic selbst bei den
eingeschränkteren Verpflichtungen, die er Präsident
Jelzin in Moskau unterbreitete, keine wirklichen
Fortschritte gemacht.
Unsere Ansichten hierzu
unterscheiden sich ehrlich gesagt von denen der
russischen Regierung. Das ist einer der Gründe,
warum die jüngste Erklärung der Kontaktgruppe zum
Kosovo unseres Erachtens nicht weit genug geht,
Belgrad genau klarzumachen, was erwartet wird.
Ein Gebiet, auf dem wir eng mit den Russen sowie
einer Reihe europäischer Regierungen zusammenarbeiten, ist die Errichtung einer signifikanten internationalen Präsenz vor Ort im Kosovo. Die Einrichtung
der diplomatischen Beobachtermission im Kosovo
(KDOM) ist eine bedeutende diplomatische Entwicklung, die unsere Fähigkeit zum sofortigen Einholen von
Informationen über die Entwicklungen im Kosovo
beträchtlich verbessern und allen Einwohnern des
Kosovo - Serben und Kosovo-Albanern gleichermaßen
- die internationale Besorgnis vor Augen führen wird.
Der US-Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien
wurden 23 amerikanische Mitarbeiter als Beobachter
sowie zur Unterstützung der KDOM zugeteilt, in der
bereits 10 tätig sind. Andere Länder, einschließlich
einiger Mitgliedstaaten der EU, Rußlands und Polens,
haben bereits Mitarbeiter für diese Aufgabe vorgesehen oder werden das in Kürze tun. Trotz weiterer
Zusagen uneingeschränkter Zusammenarbeit errichten
die Behörden in Belgrad weiterhin Hindernisse für die
umfassende Durchführung der Mission. Erst kürzlich
verweigerten sie die Erteilung einer Flugerlaubnis für
vier amerikanische Transportflugzeuge, die benötigte
Beförderungsmittel, Kommunikationsgerät und medizinische Versorgungsgüter für die KDOM an Bord
hatten.
Die KDOM-Beobachter bereisen den Kosovo und
sprechen mit Regierungsvertretern, Kombattanten und
Privatleuten um sicherzustellen, daß wir ein voll-

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ständiges Bild von den Ereignissen im Kosovo erhalten. Die Mission stellt auch eine konkrete internationale Verpflichtung für weiteres Engagement im
Kosovo dar, bis eine politische Lösung erzielt wird.
Akkurate neueste Informationen sind wichtig. Aber
Informationen müssen einen politischen Entscheidungsfindungsprozeß unterstützen, der die Sache des
Friedens im Kosovo voranbringt. Unsere eigenen
diplomatischen Bestrebungen werden fortgesetzt. Der
Botschafter in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Chris Hill, der sich in dieser Frage
stark engagiert hat, reist in dem Bestreben zwischen
Belgrad und Pristina hin und her, die Verhandlungen
Wiederaufleben zu lassen. Ein Aspekt der Mission von
Botschafter Hill ist die Arbeit mit den Kosovo-Albanern
an der Förderung der Aufstellung eines bevollmächtigten Verhandlungsteams, das das gesamte politische
Meinungsspektrum der kosovo-albanischen Gemeinde
repräsentiert, einschließlich extremistischer Elemente.
Solange die Ansichten derjenigen auf der albanischen
Seite, die sich an den Kämpfen beteiligen, nicht
vertreten sind, sind sowohl eine Einstellung der
Feindseligkeiten als auch die Aushandlung einer
umfassenden politischen Lösung unwahrscheinlich.
Aus diesem Grund haben wir einen Dialog mit der UCK
eingeleitet. Die UCK ist vor Ort eine Realität, und so
sehr wir auch die Anwendung von Gewalt auf allen
Seiten verurteilen, wird sie doch bei jeglicher Einstellung von Feindseligkeiten eine Rolle spielen.
Botschafter Hill ist mehrmals - auch diese Woche - mit
Präsident Milosevic zusammengetroffen, um ihn zur
Erfüllung seiner Verpflichtungen und den für eine
Wiederbelebung der Aussichten auf Dialog notwendigen Schritten zu drängen. Der Druck auf Milosevic
wächst. Die neuen Sanktionen - von denen das
letzten Monat von der Kontaktgruppe vereinbarte
Investitionsverbot die wichtigste darstellt - haben die
ohnehin instabile serbische Volkswirtschaft weiter
unterminiert. Eine vom US-Finanzministerium vor
kurzem durchgeführte Beurteilung der Volkswirtschaft
der Bundesrepublik Jugoslawien kam zu dem Schluß,
daß die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen
in der Bundesrepublik Jugoslawien auf einen neuen
Tiefpunkt gesunken sind, weshalb das Land zweifelsohne als "der kranke Mann Europas" bezeichnet
werden kann.
Zusätzlich zur Kontaktgruppe arbeiten wir in anderen
multilateralen Foren daran sicherzustellen, daß für
Belgrad immer mehr auf dem Spiel steht. In New York
führen wir Konsultationen mit Freunden und Verbündeten über mögliche Aktionen im UN-Sicherheitsrat zur
Unterstützung der Forderungen der Kontaktgruppe.
Als Teil unserer umfassenderen regionalen Strategie
haben wir bereits das Mandat für UN-Operationen in
Bosnien, auf der Halbinsel Prevlaka und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien erneuert.

AMERIKA DIENST 16

�In den NATO-Räten ist die Planung für mögliche
Aktionen der NATO beinahe abgeschlossen.
Obwohl noch keine Entscheidung bezüglich des
Einsatzes von Gewalt getroffen wurde, bleiben alle
Optionen - einschließlich einer umfangreichen militärischen Intervention im Kosovo - auf dem Tisch. Die
Planung der NATO verläuft fristgerecht, und Milosevic
weiß, daß das keine leere Drohung ist.

Serben und anderer. Die Vereinigten Staaten und
andere in der internationalen Gemeinschaft haben den
Mißbrauch der serbischen Sicherheitskräfte im Kosovo
und den Einsatz willkürlicher und übermäßiger Gewalt
gegen albanische Nichtkombattanten hervorgehoben.
Wir haben darüber hinaus die Angriffe auf serbische
Zivilisten und deren Entführung durch die UCK verurteilt. Die Kosovo-Beobachtermission wird diesen
Berichten weiterhin nachgehen und der internationalen
Gemeinschaft möglichst bald Informationen zur
Verfügung stellen.

Die sich verschlechternde Situation im Kosovo ist eine
Bedrohung des regionalen Friedens und der Sicherheit. Die mögliche Ausweitung des Konflikts auf
Nachbarstaaten ist weiterhin die größte Sorge, und wir
und unsere Verbündeten haben Präsident Milosevic
gegenüber klar gemacht, daß eine Ausweitung des
Konflikts auf Albanien oder Mazedonien nicht toleriert
wird. Albanien ist besonders gefährdet. Die albanischen Behörden haben wenig Kontrolle über das
nördliche Drittel ihres Landes - eine Situation, die
andauernde Instabilität im Kosovo schürt und auch von
ihr geschürt wird. Wir arbeiten mit der Regierung von
Albanien zusammen, um die Sicherheit im Norden zu
verstärken. Dazu zählt die internationale Ausbildung
der albanischen Polizei und eine völlig neue NATOZelle in Tirana für die Koordinierung der Zusammenarbeit durch die Partnerschaft für den Frieden. Die
jüngsten heftigen Gewaltakte in der Region Orahovac
und Berichte über auf albanisches Territorium abgefeuerte serbische Granaten unterstreichen die Dringlichkeit der Situation und die regionalen Auswirkungen
eines andauernden Konflikts.

Das Den Haager Tribunal hat sich zur Prüfung von
Berichten über mögliche Kriegsverbrechen im Kosovo
- beider Seiten - verpflichtet. In einem Fall wurden drei
serbische Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Belgrad
waren, um über die Internationale Organisation für
Migration einen Einwanderungsantrag in die Vereinigten Staaten zu stellen, von bewaffneten Albanern
aus einem Bus gezerrt und als Geiseln genommen.
Zwei der Entführten wurden freigelassen, aber einer der 26-jährige Djurdje Cuk - wird immer noch vermißt.
Unsere Abscheu über die Aktionen der serbischen
Sicherheitskräfte im Kosovo bedeutet nicht, daß den
albanischen Extremisten freie Hand gelassen werden
sollte. Weitere Gewalt - unabhängig davon, wer dafür
verantwortlich ist - wird eine politische Verhandlungslösung nur erschweren. Wir haben das den UCKAnführern gegenüber in unseren Gesprächen bis
heute klar gemacht und werden bei künftigen Treffen
weiterhin die Bedeutung von Zurückhaltung unterstreichen.

Es gibt nahezu 14.000 registrierte Flüchtlinge in
Nordalbanien, die vor der Gewalt im Kosovo geflohen
sind. Über 80.000 wurden innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien umgesiedelt, fast 22.000 von ihnen
in Montenegro.
Die Vereinigten Staaten haben
beträchtliche Hilfe zur Verfügung gestellt - zur Zeit 8,5
Millionen Dollar - um den internationalen Hilfsorganisationen bei der Bewältigung der Krise behilflich zu sein.
Zu diesen Bestrebungen zählt der Schutz von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie die Eventualfallplanung
in Mazedonien.

Berichte, daß die serbische Polizei für das Verschwinden einer großen Zahl von Kosovo-Albanern verantwortlich ist, sind außerordentlich besorgniserregend.
Wir haben die Notwendigkeit mehrfach unterstrichen,
daß die Belgrader Behörden unabhängige forensische
Ermittler zulassen, die Beschuldigungen standrechtlicher Erschießungen in der Region Drenica im Kosovo
prüfen sollen. Wir erwarten, daß das Internationale
Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien und unsere Verbündeten dies zur Priorität
erklären.

Wir müssen unsere Investitionen in die Stabilität in
Mazedonien schützen und die kontinuierliche Entwicklung demokratischer Institutionen in dem Land fördern.
Die UNPREDEP spielt weiterhin eine wichtige Rolle,
und es besteht generelle Übereinstimmung, daß das
Mandat verlängert werden sollte. Wir haben unsere
bilateralen Hilfsbestrebungen in Mazedonien von 2
Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf über 11
Millionen Dollar in diesem Jahr aufgestockt, und wir
haben ein NATO-Clearinghaus für die Sicherheit
Mazedoniens eingerichtet, um multilaterale Hilfe
anzukurbeln.

Belgrads Verhängung einer Lebensmittelblockade
gegen den Kosovo verschärft die bereits gefährliche
Situation für die albanische Bevölkerung im Kosovo.
Wir haben glaubwürdige Berichte gesehen, daß
Belgrad die Nahrungsmittellieferanten angewiesen hat,
nur staatlich betriebene Geschäfte im Kosovo zu
beliefern, die alle von den Serben kontrolliert werden.
Wir habe diese Art von Einschüchterungstaktik schon
vorher erlebt und verurteilen solche Aktionen als
Verletzung der Menschenrechte und zynische Manipulation der Schwächsten im Kosovo.

Wir sind auch besorgt über die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Kosovo - ethnischer Albaner, ethnischer

AMERIKA DIENST 16

Wir sind weiterhin der Überzeugung, daß eine Lösung
für die Probleme des Kosovo innerhalb der bestehenden internationalen Grenzen gefunden werden muß

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�und kann. Die gesamte internationale Gemeinschaft
ist sich bewußt, daß nur eine richtige Selbstverwaltung
des Kosovo die legitimen Beschwerden der kosovoalbanischen Gemeinde beheben und Stabilität in
dieser instabilen Region fördern kann. Der UCK wird
es weder gelingen, sich mit Waffengewalt von der
Bundesrepublik Jugoslawien zu lösen, noch kann
Belgrad seine Autorität im Kosovo mit einem Schlagstock in eiserner Faust bewahren. Für keine Seite gibt
es eine Lösung auf dem Schlachtfeld. Nur offener
Dialog und ernsthafte Verhandlungen können die
derzeitige Pattsituation überwinden.
Es gibt keine schnelle Lösung für den Kosovo. Es
handelt sich um ein schwieriges und komplexes
Problem, das über die Jahre durch Belgrads Kompromißlosigkeit und Mangel an demokratischen Institutionen geschaffen wurde. Die amerikanische
Führungsrolle wird unerläßlich sein, um Fortschritte bei
diesem Problem zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten haben beträchtliche Investitionen in die Stabilität auf dem Balkan getätigt.
Andauernde Unruhen und Gewalt im Kosovo bedrohen
diese Investitionen. Wir müssen zügig und entschlossen handeln, um den Konflikt im Kosovo zu

beenden, angefangen mit einem Abkommen über die
Einstellung der Feindseligkeiten.
Eine wirklich tragfähige und dauerhafte Lösung des
Kosovoproblems wird die Entwicklung starker demokratischer Institutionen in Serbien und der Bundesrepublik Jugoslawien erfordern. Es muß eine neue
Generation von Politikern - mit größerem Verständnis
und Respektierung der Tradition der europäischen
Demokratie - geben, die ihr Schicksal selbst in die
Hand nimmt. In Montenegro hat Präsident Milo
Djukanovic diesen Prozeß bereits begonnen. Seine
Reformpolitik - und die seiner neuer Regierung - hat
unsere uneingeschränkte Unterstützung. Serbien
hinkt hinterher, aber selbst in Serbien gibt es einige
vielversprechende junge Politiker, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um ihre Entwicklung zu
echten Führungspersönlichkeiten zu unterstützen.
Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen nochmals für die
Aufmerksamkeit danken, die Ihr Ausschuß diesem
Problem widmet. Wir möchten weiterhin eng mit Ihnen
und den anderen Mitgliedern des Ausschusses
zusammenarbeiten, um eine friedliche Lösung der
Probleme des Kosovo zu fördern.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�NATO
12. August 1998

Die Herausforderungen der NATO im 21. Jahrhundert
Rede von Verteidigungsminister Cohen

WASHINGTON - (AD) - Wir brauchen "eine neue NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht, die vor uns
liegenden Chancen zu ergreifen und die uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden", erklärte USVerteidigungsminister William Cohen am 30. Juni 1998 beim Transatlantic Forum" der Westeuropäischen Union
in Washington. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Dieses Frühjahr vor ungefähr 50 Jahren erklärte
Walter Lippman, die Welt befinde sich in einer gefährlichen Strömung. Die Tschechoslowakei war hinter
dem kommunistischen Eisernen Vorhang verschwunden. Kommunistische Rebellen bedrohten die Bevölkerung Griechenlands und der Türkei, und kommunistische Blockaden schnitten Berlin ab, was zur
historischen Berliner Luftbrücke führte. 1948 war klar,
was der Journalist Norman Cousins damals mit
folgenden Worten beschrieb: "Es schien sich ein neuer
Krieg anzubahnen."
Um diesen Krieg zu vermeiden, kamen Diplomaten
aus den europäischen Demokratien in Brüssel zusammen und verpflichteten sich ihrer gemeinsamen
Verteidigung. Ihre Entschlossenheit trug dazu bei,
Amerika davon zu überzeugen, daß Europa bereit war:
Bereit zur Übernahme der Last, der in Freiheit lebenden Hälfte Europas die Freiheit zu bewahren; bereit
zum Wiederaufbau seiner Nationen mit Hilfe des
Marshallplans; und ein Jahr später bereit, gemeinsam
mit den Vereinigten Staaten einem neuen Bündnis,
genannt NATO, beizutreten. Tatsächlich bedeutete
der Brüsseler Pakt von 1948, der schließlich zur
Westeuropäischen Union führte, einen Schritt zur
kollektiven Verteidigung, die während des letzten
halben Jahrhunderts der Kern der transatlantischen
Partnerschaft gewesen ist.
Heute befindet sich die Welt nicht mehr in einer
gefährlichen Strömung, aber sie ist immer noch in
Gefahr. Auf der einen Seite der Welthalbkugel sehen
wir bemerkenswerte neue Chancen, boomende
heimische Märkte, atemberaubende Technologien und
mutige neue Demokratien. Auf der anderen Seite

AMERIKA DIENST 16

sehen wir jedoch alarmierende neue Gefahren,
verbrecherische
Regime,
wiederaufflammenden
ethnischen Haß und exotische biologische Viren und
Seuchen. Aus diesem Grund brauchen wir eine neue
NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht,
die vor uns liegenden Chancen zu ergreifen und die
uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden.
Die NATO ist in erster Linie ein Militärbündnis. Ihre
wichtigste Mission bleibt die kollektive Verteidigung
ihrer Mitgliedstaaten. Gleichzeitig müssen wir jedoch
sicherstellen, daß die NATO den neuen Gefahren
begegnen kann, indem sie regionale Stabilität fördert,
Konflikte vermeidet, Gefahren und Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen verringert und Aggression
und Zwang jenseits ihrer Grenzen abschreckt.
In dieser Hinsicht ist die laufende Mission zur Stabilisierung Bosniens ein ausgezeichnetes Beispiel. Es ist
eine Operation unter Leitung der NATO.
Daran
beteiligt sind viele Nationen, die im Rahmen der
Partnerschaft für den Frieden bereits gemeinsame
Manöver mit der NATO abhalten. Die Operation
konzentriert sich auf ein Land außerhalb des NATOTerritoriums und zielt auf die Gewährleistung regionaler Stabilität ab. Der Erfolg der NATO-Präsenz in
Bosnien zeigt sich an der enormen Umgestaltung, die
ich während der letzten Jahre beobachtet habe. Es
gibt neue bosnisch-serbische Führer, die Hoffnung
wecken, daß alle Bosnier eines Tages zusammen
arbeiten und leben können.
Eine neue gemeinsame Flagge weht jetzt über den
Regierungsgebäuden in Bosnien, und seit letzter
Woche gibt es eine neue gemeinsame Währung.

Seite 1

�Immer mehr Familien kehren nach Hause zurück, und
immer mehr Kriegsverbrecher müssen sich in Den
Haag verantworten.
Aber obwohl Bosnien den richtigen Kurs eingeschlagen hat, ist die harte Arbeit der NATO noch nicht
beendet. Der Erfolg der für diesen Herbst anberaumten Wahlen ist von entscheidender Bedeutung. Und
der Kosovo ist eine ernste Mahnung, daß der Balkan
immer noch ein Pulverfaß sein kann. Daher ist es
richtig, daß wir unsere stabilisierende Präsenz in
Bosnien aufrechterhalten und dazu beitragen sicherzustellen, daß eine dauerhafte Friedensstruktur Fuß
fassen kann.
Um in Zukunft Operationen wie die in Bosnien durchzuführen, muß die NATO - und insbesondere die
europäischen NATO-Mitgliedstaaten - jedoch die
Fähigkeit zur Verlagerung ihrer Streitkräfte haben.
Glücklicherweise möchte Europa eine aktivere Rolle
bei der europäischen Sicherheit spielen. Die Vereinigten Staaten stimmen dem zu. Unser Engagement
für eine größere Rolle Europas zeigt sich an unserer
Unterstützung der WEU als Medium für die Stärkung
der europäischen Säule der NATO. Unser Engagement wird auch in unserer Unterstützung für das
Konzept der Alliierten Streitkräftekommandos und der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
(ESVI) innerhalb der NATO offenbar, die trennbare,
aber nicht getrennte Mittel des Bündnisses für mögliche Operationen unter Führung der WEU zur Verfügung stellt.
Wenn Bosnien die Gestaltung zukünftiger Missionen
verrät, verrät es auch die Schwierigkeiten, die aus
einem großen Gefälle zwischen den Fähigkeiten der
Streitkräfte einer Koalition entstehen können. Um eine
flexiblere NATO aufzubauen, muß das Bündnis
mehrere Schritte zur Aufstellung vollständig kompatibler Streitkräfte unternehmen.
Erstens müssen wir die Interoperabilität unserer
Streitkräfte wirklich verbessern. Ich möchte Ihnen ein
Beispiel nennen. In den frühen Tagen der Dislozierung nach Bosnien hatten wir große Schwierigkeiten,
miteinander zu kommunizieren, weil wir inkompatibles
Gerät besaßen. Seitdem haben wir uns mit diesen
Mängeln befaßt, aber die Truppen müssen immer noch
mehr Informationen und Daten auf effizientere Weise
austauschen. Daher muß die Verbesserung unserer
Kommunikationsfähigkeit eines unserer Ziele sein nicht durch völlig gleiches Gerät, sondern durch die
Kompatibilität der gesamten Systeme.
Zweitens müssen wir unsere Fähigkeit zur Fortsetzung
der Operationen unserer dislozierten Truppen bewahren. Bosnien erinnert uns erneut daran, daß
Operationen lange dauern können und möglicherweise selbst die am besten vorbereiteten Logistiksysteme vor große Herausforderungen stellen. Die

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Befehlshaber müssen nicht nur wissen, daß Gerät
bereit steht, sondern auch, wo es sich befindet und
wann es ankommt. Daher müssen wir sicherstellen,
daß unsere Streitkräfte durch modernste logistische
Nachschubsysteme gestützt werden - durch einen
ununterbrochenen Fluß entscheidender Informationen
zwischen denjenigen in den Nachschublinien und den
Truppen an den Frontlinien.
Je mehr wir uns auf computergestützte Informationssysteme verlassen, desto stärker sind wir den Cyberterroristen ausgesetzt, die sich unbegrenzte Möglichkeiten zur Lähmung unserer Infrastruktur, elektrischen
Versorgungsnetze, Banken-, Finanz- und weltraumgestützten Kommunikationssysteme ausdenken. Alle
diese Einrichtungen sind anfällig für Angriffe durch
Cyberterroristen. Daher muß sich die NATO auf
Methoden und Technologien konzentrieren, die diese
neuen gezielten Versuche vorhersehen und vereiteln,
Giftpfeile auf unsere Achillesferse zu schießen - oder
in diesem Fall in unseren Datenbanken Gift zu legen.
Die NATO muß sich auch gegen die Bedrohung durch
chemische und biologische Waffen impfen lassen,
damit unsere Streitkräfte auf jedem Schlachtfeld
kämpfen und gewinnen können, selbst wenn es durch
biologische oder chemische Waffen verseucht ist. Wir
sind bereit zur Stärkung unserer Fähigkeit, diese
neuen Terrorwaffen zu entdecken und uns dagegen zu
verteidigen. Beispielsweise haben wir die Anweisung
gegeben, daß alle unsere Soldaten gegen Anthrax
geimpft werden. Wir impfen unsere gesamte Streitmacht. In einigen Ländern, beispielsweise Großbritannien, geschieht das auf freiwilliger Basis. Bei uns
ist es vorgeschrieben. Wir haben dieses Vorhaben
begonnen und werden es auch fortsetzen.
Das Bündnis hat also die Doktrin entwickelt, Pläne zur
Abwehr dieser Massenvernichtungswaffen zu machen.
Aber um den amerikanischen Dichter Robert Frost zu
paraphrasieren, müssen wir in diesem besonderen Fall
noch Meilen gehen, bevor wir uns ausruhen oder
essen dürfen.
Schließlich müssen wir die Vollständigkeit unserer
Informationssysteme verbessern. Das Jahrtausend
droht, nicht mit einem Knall, sondern mit einem Absturz
zu beginnen - dem Absturz der Computer, deren
Benutzer in der Regierung dem drohenden Jahr 2000Problem gegenüber entweder blind und gleichgültig
sind oder einfach davon überwältigt werden. Wir
dürfen nicht vergessen, daß unsere Informationssysteme verkettet und nur so stark und sicher wie ihr
schwächstes Glied sind.
Dies sind einige der Herausforderungen, denen wir
gegenüberstehen, wenn wir die NATO ins 21. Jahrhundert bringen. Wir werden aber auch mit Herausforderungen bei der Aufnahme neuer NATO-Mitgliedstaaten konfrontiert.

AMERIKA DIENST 16

�Ich verließ Brüssel vor einigen Wochen in der Zuversicht, daß unsere europäischen Verbündeten schon
bereit sind, ihren gerechten Teil der Last bei der
Integration dieser wiedergeborenen Demokratien in
das Bündnis zu übernehmen. Vor einigen Wochen
besuchte ich Polen und sah dort ein Volk, das durch
die Dynamik des Aufbaus einer stabilen Demokratie,
einer freien Gesellschaft und eines vielversprechenden freien Marktes belebt wurde.
Sehr interessant fand ich eine Wand im Büro des
Verteidigungsministers. Er hatte eine Plakette und
einen Stern neben allen Ländern angebracht, die die
Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO ratifiziert
haben. Ich freute mich zu sehen, daß die Vereinigten
Staaten dort neben sechs weiteren Staaten vertreten
waren, die den Beitritt Polens, Ungarns und der
Tschechischen Republik zur NATO befürwortet haben
und Sicherheit nicht nur gewährleisten, sondern auch
genießen.
Um die Dynamik des Bündnisses für das 21. Jahrhundert zu bewahren, müssen wir jedoch weiterhin
auch jene Partner mit einbeziehen, die keine NATOMitgliedstaaten sind. Der Erfolg der Partnerschaft für
den Frieden zeigte sich an einem wahrhaft unglaublichen Anblick in Brüssel. Als ich vor einigen Wochen in
Brüssel war und meine Blicke entlang eines Tisches
schweifen ließ, der diesem hier ähnelt, sah ich nicht
nur NATO-Mitgliedstaaten, sondern auch die Vertreter
der PfF-Nationen: Gesichter aus Deutschland, Georgien, Kanada und Kasachstan an ein und demselben
Tisch im Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat, die
miteinander sprachen und arbeiteten - ein Anblick, der
noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Zu sehen, wie Vertreter von Staaten wie Litauen sich
mit dem russischen Verteidigungsminister zusammensetzen und über Wege zu Zusammenarbeit, gemeinsamen Übungen und Ausbildung sprachen, war ein
wahrhaft bemerkenswerter Anblick.
Ebenso wie unsere Offiziere, die PfF-Operationen und
-Übungen planen, bin ich der Ansicht, daß offensichtlich ist, warum die PfF jetzt einen unverzichtbaren
Grundstein für regionale Stabilität und Sicherheit
darstellt. Wir müssen sicherstellen, daß die PfF
bestehen bleibt, um die Nationen auf eine potentielle
NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten, aber auch zusehen, daß sie um ihrer selbst willen erhalten bleibt. Das
Programm der Partnerschaft für den Frieden sollte die
Nationen vorbereiten, die nicht unbedingt eine NATOMitgliedschaft anstreben, ihnen die Gelegenheit zu
gemeinsamen Übungen mit uns, zum Testen ihres
Ansatzes zur Lösung militärischer Probleme und
einem Erfahrungsaustausch mit uns sowie zur Beobachtung unserer Manöver und Problemlösung
geben. Das ist an sich schon eine besondere Erfahrung. Daher sollten wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß die Länder
die Gelegenheit erhalten, sich auf eine NATO-Mitglied-

AMERIKA DIENST 16

schaft vorzubereiten, aber auch, die PfF um ihrer
selbst willen fortzusetzen.
Die Frage, wie diese Länder am besten auf eine
NATO-Mitgliedschaft vorbereitet werden können, war
das Hauptthema einer Konferenz in Kopenhagen, an
der ich teilgenommen habe. Unter Führung von
Verteidigungsminister Haekkerup kamen alle Verteidigungsminister der baltischen und nordischen Nationen
zusammen, um über die weitere Schaffung von
Bedingungen für die baltischen Staaten zu sprechen,
damit diese durch die offene Tür der NATO gehen
können. Und wir erinnerten unsere baltischen Freunde
daran, daß zwar keinem Land eine Mitgliedschaft
garantiert wird, aber auch keinem eine Mitgliedschaft
aufgrund seiner geographischen Lage verweigert wird.

Eine Nation, deren geographische Lage sie in die
einzigartige Position versetzt, alte Trennlinien zu
überbrücken, ist die Ukraine. Die Ukraine nähert sich
jetzt der europäischen Hauptströmung an - auf der
Grundlage der vor einem Jahr zwischen der NATO und
der Ukraine abgeschlossenen Charta. Als ich mich mit
meinen Amtskollegen in der NATO zusammensetzte,
kamen wir beim ersten Treffen der NATO-UkraineKommission in Brüssel erstmals mit den Ukrainern
zusammen. Wir bekräftigten erneut, daß eine unabhängige, demokratische, wohlhabende und stabile
Ukraine für die neue Sicherheitsordnung eines ungeteilten Europas unerläßlich ist.
Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auch auf die
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
richten.
Auch das war im NATO-Hauptquartier
offensichtlich. Die historische Grundakte vom vergangenen Jahr verpflichtet die NATO und Rußland zu
einer Zukunft der Konsultationen und Kooperation. Wir
führten während der spannungsgeladenen Tage der
Kosovo-Krise, über die wir hier sicher gleich sprechen
werden, sehr offene Diskussionen mit dem russischen
Verteidigungsminister. Dies ist aber auch ein Teil des
sich abzeichnenden neuen Europas. Die Tatsache,
daß sich Nationen zu Gesprächen mit Rußland über
die europäische Sicherheit betreffende Fragen zusammensetzen, ist eine bemerkenswerte Veränderung, die während einer sehr kurzen Zeitspanne
stattgefunden hat.
Unsere Vision der NATO für das 21. Jahrhundert ist
wirklich umfassend. Und während die düsteren Bilder
des Kalten Krieges langsam aus unserem kollektiven
Gedächtnis schwinden, besteht - mit den Worten von
T.S. Eliot - die Gefahr, daß "uns die plötzliche Erleuchtung kommt, daß wir die Erfahrung machten, aber nicht
die Bedeutung erfaßten". Unsere Hoffnung und unsere
Herausforderung für die Zukunft liegt darin, zukünftigen
Generationen in Europa die Erfahrung eines Kontinents zu ersparen, der gespalten ist - auf dem die eine
Hälfte in Gefahr, die andere in Frieden lebt; die eine

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�Hälfte in Angst, die andere in Freiheit. Es ist aber auch
unsere Herausforderung sicherzustellen, daß sie die
Bedeutung dieses Jahrhunderts erfassen, daß Freiheit
nicht umsonst erlangt werden kann, sondern unsere
kollektive Stärke, Entschlossenheit und Kraft zur

Schaffung einer Grundlage der Freiheit in Europa
verlangt, die das Vermächtnis für zukünftige Generationen sein wird,
Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�LUFTBRÜCKE
12. August 1998

Hamre: "Berlin ist herausragendes Symbol
unserer Freiheit"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister
Dr. John Hamre aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke am 23. Juli 1998 im National Air and
Space Museum in Washington gehalten hat.

Zunächst möchte ich den Veranstaltern des heutigen
Abends für ihren großzügigen Beitrag zu dieser Feier
danken: Der United Services Organization in Washington, der Deutschen Botschaft, der Stadt Berlin,
dem German Marshall Fund, dem American Council on
Germany und dem American Institute for Contemporary German Studies. Wir sind Ihnen sehr dankbar, daß
Sie diese amerikanischen Helden ehren, die vor 50
Jahren ihrem Land und der Freiheit dienen wollten.

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie
sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol - ein
Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit. Als die
Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die mit
fast unüberwindbaren Schwierigkeiten konfrontiert
waren, Felder zu Rollbahnen machten und die Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer Brücke in
der Luft entluden.

Ich möchte auch den Deutschen meinen Dank dafür
aussprechen, daß sie während der vergangenen 50
Jahre amerikanische Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen so herzlich willkommen geheißen
haben. Ich danke Ihnen.

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie auch die
Zukunft, denn die Luftbrücke war wirklich ein Teil des
Kalten Krieges.

Während wir den 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke
feiern, feiern wir auch 50 Jahre der dauerhaften
Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Es ist eine Freundschaft, die in
unseren gemeinsamen Opfern, unseren gemeinsamen
Erfolgen und unserer gemeinsamen Vision von
Demokratie und Freiheit gründet. Es ist eine Freundschaft, die wir Amerikaner zu schätzen wissen und
auch im nächsten Jahrhundert pflegen möchten.

An jedem Tag der Luftbrücke donnerten unsere Piloten
durch den deutschen Luftraum in einer Schlacht der
Ideen, nicht der Kugeln - einer Schlacht um Freiheit
und Demokratie. Und sie machten einen der dunkelsten Tage der Freiheit zu einem der größten Triumphe
der Freiheit.

Die Freundschaft zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten wurde an einem der definierenden
Augenblicke dieses Jahrhunderts geboren. Vor 50
Jahren fiel Joseph Stalins Eiserner Vorhang um ein
freies Berlin, und das letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs wurde zum ersten Schlachtfeld des Kalten
Kriegs. In den frühen Tagen der Blockade bat der
Berliner Bürgermeister Ernst Reuter eindringlich:
"Völker der Welt, schaut auf Berlin!"

AMERIKA DIENST 16

Für Amerika stellte die Luftbrücke einen Weckruf dar.
Sie brachte uns die Erkenntnis, daß wir uns nicht hinter
die Sicherheit unserer Küsten und der atlantischen
Barriere zurückziehen konnten. Nach zwei Weltkriegen bestätigte die Luftbrücke, daß die amerikanische und europäische Sicherheit untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Luftbrücke bewies, daß
Vermeidung von Tyrannei und Zerstörung in der
Zukunft Wachsamkeit und Engagement in der Gegenwart verlangen.
Und sie bekräftigte erneut, daß
Freiheit nie umsonst erlangt werden kann.

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�Es darf keinen Zweifel daran geben: Die Geschichte
wird die Ereignisse in Berlin nicht vergessen - Ereignisse, die zeigen, daß der Geist der Freiheit die
mächtigsten Mauern der Unterdrückung niederreißen
kann. Heute erinnert uns dieser Geist daran, daß
Amerika in der Welt und in Europa engagiert bleiben
muß. Dieser Geist lebt fort, inspiriert und nährt das
transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, den Europäern bei der Gestaltung ihrer
Zukunft zu helfen. Er ist lebendig, wenn wir neue
Brücken bauen und Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die Hand der Freundschaft und NATOMitgliedschaft reichen. Er ist lebendig in der Partnerschaft für den Frieden und in unseren Bestrebungen
zur Schaffung einer Grundlage der Zusammenarbeit
mit den im Übergang befindlichen Ländern wie Rußland und die Ukraine. Und er ist lebendig, wenn wir an
Orten wie Bosnien gegen den Haß angehen. Tatsächlich hilft uns der Geist von Berlin - der Geist der
Freiheit - alte Trennlinien zu überwinden, um unseren
europäischen Freunden beim Aufbau eines neuen
Europas für ein neues Jahrhundert zu helfen.
Letzten Monat hatte ich die Ehre, an der Eröffnung
des AlliiertenMuseums teilzunehmen. Das Alliierten-

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Museum beheimatet jetzt eines der bekanntesten
Symbole des Kalten Krieges, das Wachhaus Checkpoint Charlie. Der Checkpoint Charlie ist eines der
Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen
der Amerikaner und aller Verbündeten hat. Er war der
Übergang zur Freiheit und ein schwacher aber
trotziger Stützpunkt gegen die Tyrannei.
Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem Museum in
Berlin zu sehen - seine Arbeit als Wachhaus ist getan.
Jetzt wollen wir uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies
benötigen. Wir wollen uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für
Betonmauern und Stacheldraht gibt, um Menschen im
Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns
dem Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der
Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Wir Amerikaner wollen uns erneut dazu
verpflichten, aktive Partner in Europa zu sein. Wir
wollen den Mut derjenigen als Symbol dieses Engagements nehmen, die Piloten der Luftbrücke waren. Und
wir wollen Berlin immer als herausragendes Symbol
dieser Freiheit ansehen, die wir hochhalten und immer
verteidigen müssen. Vielen Dank.

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�WIRTSCHAFT
12. August 1998

Die globale Wirtschaftslage und ihre
Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers vor der National Governors Association in Milwaukee, Wisconsin, vom 4. August 1998.

Ich möchte den Großteil meiner heutigen Ausführungen auf die Erörterung der globalen Wirtschaftslage,
der Reaktion der Vereinigten Staaten darauf und der
unerläßlichen Rolle des IWF bei dieser Reaktion
verwenden. Ich werde mit einigen Worten zu den
Gegebenheiten hier in Amerika beginnen.
Die amerikanische Volkswirtschaft ist heute die
stärkste seit einer Generation: 16 Millionen neue
Arbeitsplätze in den vergangenen fünfeinhalb Jahren,
stabile Preise, Reallöhne, die schneller als in den
letzten 25 Jahren steigen, und ein nicht mehr existierendes Haushaltsdefizit. Beim Amtsantritt der ersten
Clinton-Administration wurde für 1998 ein Defizit von
357 Milliarden Dollar prognostiziert. Wie Sie wissen,
erwarten wir heute einen beträchtlichen Haushaltsüberschuß.
Diese Erfolge stellten sich ein, weil unsere Maßnahmen klug waren und - im tieferen Sinne - weil
Amerika hervorragend in der Lage ist, die von Daniel
Yergin beschriebenen Vorteile zu nutzen.
Aufstrebende Märkte ebnen den Weg für die erste
wirklich globale Wirtschaft der Welt. Länder mit drei
Milliarden Einwohnern haben sich dem Markt angeschlossen, und die Bevölkerung erlebte eine
Verdoppelung, manchmal eine Verdreifachung der
Einkommen in einer einzigen Generation. Und wenn
Sie an die aufstrebenden Märkte denken - an Lateinamerika, Zentral- und Osteuropa, an Asien - dann ist
Amerika mit all diesen Regionen auf einzigartige Weise
verbunden und in der einzigartigen Lage, von ihnen zu
profitieren.

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Die Informationstechnologie und das moderne wettbewerbsfähige Finanzwesen katapultieren uns in ein
postindustrielles Zeitalter. Und wenn Sie darüber
nachdenken, was diese neue Wirtschaft bedeutet - sei
es AIG bei Versicherungen, McDonalds bei Schnellimbißketten, Waltmart im Einzelhandel, Microsoft bei der
Software, die Harvard University im Bildungsbereich dann sind die führenden Unternehmen amerikanisch.
Und dennoch "kennt die Geschichte weder Ruhepausen noch Stagnation", wie es ein kluger ehemaliger
US-Außenminister einmal formuliert hat. So stark
unsere Volkswirtschaft ist, so gut wir für den Wettbewerb gerüstet sind - unsere Fähigkeit, diesen Erfolg
in einer noch enger verflochtenen Welt fortzusetzen,
wird in hohem Maße von den Ereignissen jenseits
unserer Küsten abhängen. Und wenn man sich auf
der Welt umblickt, dann gibt es heute enormen Grund
zur Sorge.
I. Eine entscheidende Zeit für die globale Wirtschaft
Was als asiatische Finanzkrise bezeichnet wird, hat
heute nicht nur in diesen Ländern, sondern weltweit
äußerst beträchtliche Auswirkungen.
Die Volkswirtschaften von Thailand, Indonesien, Korea
und Malaysia werden voraussichtlich alle in diesem
Jahr beträchtlich schrumpfen - im Falle Indonesiens
um über 12 Prozent - wobei Arbeitslosigkeit und
Inflation in ungeahnte Höhen schnellen.
Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt,
befindet sich seit sieben Jahren in einer Rezession
und sieht sich mit einer Bankenkrise konfrontiert, die

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�um ein Vielfaches größer ist als unsere Krise der Sparund Darlehenskassen Anfang der achtziger Jahre.
In Südafrika, wohin die Vereinigten Staaten mehr
exportieren als in alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion, erlebten wir in den vergangenen drei Monaten
eine Abwertung des Rand um über 20 Prozent.
Und in Rußland werden die andauernden Strukturprobleme durch die Auswirkungen der Asienkrise
verschärft und werfen ernsthafte Fragen bezüglich der
Zukunft auf. Rußlands Probleme wiederum haben das
Potential, die Probleme Zentraleuropas - und der Welt
- zu werden.
Täuschen Sie sich nicht. Die Eindämmung dieser
Probleme ist von entscheidender Bedeutung für die
Zukunft Amerikas. Es geht um die Sicherung amerikanischer Arbeitsplätze, amerikanischer Spareinlagen
und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein Drittel unseres Wachstums in dieser Expansionsphase ist auf den Handel zurückzuführen, und er ist
der Hauptmotor für hoch bezahlte Arbeitsplätze. Mehr
als 30 Prozent dieser Exporte - und 40 Prozent
unserer Agrarexporte - gehen nach Asien. Die Exporte
in die krisengeschüttelten Volkswirtschaften sind Jahr
um Jahr bereits um nahezu ein Drittel zurückgegangen. Private Prognosen legen nahe, daß die Krise
dem Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten in
diesem Jahr einen halben, wenn nicht sogar einen
Prozentpunkt des Bruttoinlandsprodukts hinzufügen
könnte.
Erwägen Sie die Auswirkungen einer andauernden
Krise auf Kalifornien, von wo ungefähr die Hälfte der
Exporte des vergangenen Jahres nach Asien ging.
Oder Colorado, wo die Exporte nach Thailand allein
zwischen 1993 und 1996 um nahezu das Vierfache
zunahmen.
Die amerikanischen Märkte waren in den vergangenen
Jahren bemerkenswert stark - auch während des
letzten Jahres - und die amerikanischen Spareinlagen
hängen immer mehr von unseren Märkten ab. Die
Geschichte lehrt uns jedoch, daß die Leistung unserer
Märkte immer enger mit der Leistung der globalen
Märkte verbunden ist, weil die Rentabilität unserer
Unternehmen zunehmend von diesen Märkten abhängt, und weil immer mehr Kapital über internationale
Grenzen fließt.
Der Kalte Krieg ist vorüber, aber die Welt ist immer
noch ein gefährlicher Ort. In zu vieler Hinsicht - in
Bezug auf die nationalistischen Kräfte, wirtschaftliche
Frustration, schwelende ethnische Konflikte, den
Mangel an Nationen verbindenden Institutionen ähnelt Asien Europa an bestimmten Punkten Anfang
dieses Jahrhunderts. In diesem Licht gesehen, ist eine

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das Ausbrechen der Krise verhindernde starke
Reaktion die Vorneverteidigung der Hauptinteressen
Amerikas.
Ich bin überzeugt, daß wenige Themen, mit denen wir
uns befassen, so wichtig für den Beginn des 21.
Jahrhunderts sind, wie unsere Bewältigung dieser
Krisen. Unser Ziel ist klar: Stabilität und Wachstum in
Asien und Rußland wiederherzustellen und die
Ausbreitung der Krise auf andere Märkte zu verhindern. Ich möchte kurz ausführen, was das bedeutet.
II. Eine effektive Reaktion
Unsere Reaktion bei der Bewältigung dieser Lage
gründet auf drei Prinzipien.
Erstens ist eine starke innenpolitische Antwort die
absolute Voraussetzung für die Wiederherstellung von
Stabilität, weil jede finanzielle Unterstützung für eine
Volkswirtschaft direkt versickert, wenn unsere Maßnahmen unsolide und unsere Regierungen nicht
glaubwürdig sind. Das bedeutet eine solide Geld- und
Fiskalpolitik; das bedeutet Maßnahmen zur Stärkung
des Finanzsystems und es bedeutet Strukturreformen,
um die Wirtschaft zu öffnen, die Transparenz zu
erhöhen und die Marktkräfte agieren zu lassen.
Zweitens enthalten souveräne Finanzkrisen in vieler
Hinsicht Elemente einer Prophezeiung - einen Sturm
auf die Banken, jeder erwartet ein Scheitern, oder
jeder erwartet von allen anderen, daß sie ein Scheitern
erwarten, das zu einem Run führt, sich als Erster
abzusetzen, und so das Scheitern verursacht. Temporäre konditionierte internationale finanzielle Unterstützung bietet den Ländern eine Brücke, um diese
Prophezeiung zu umgehen.
Drittens muß es starke Maßnahmen zur Unterstützung
des Wachstums in den führenden Volkswirtschaften
der Region geben, weil kein Land in einem Umfeld
regionaler Deflation und sinkender Nachfrage sicher
aus einer Krise hervorgeht.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin das
Ihre für die Bewahrung einer soliden
Wirtschafts- und Finanzpolitik tun, die die
Grundlage für das nachhaltige Wirtschaftswachstum bildet, das wir heute erleben.
Die Chinesen haben erkannt, daß ihr andauerndes Engagement zur Bewältigung der
Probleme ihres Finanzsektors und die Aufrechterhaltung einer stabilen Währung entscheidend für die Stabilität Asiens sein werden.
Japan, die größte asiatische Volkswirtschaft, spielt
eine noch entscheidendere Rolle. Die neue Regierung
hat die Bedeutung steuerlicher Maßnahmen zur

AMERIKA DIENST 16

�Ankurbelung der Inlandsnachfrage erneut bekräftigt
und geht entschlossen die Probleme im Finanzsektor
an. Aber nicht nur das Vertrauen hat abgenommen,
sondern auch der Spielraum für weiteren Aufschub.
Die Krise setzt sich weiter fort und beinhaltet sehr
große Herausforderungen. Es steht außer Frage, daß
die am stärksten betroffenen Länder enorme wirtschaftliche Härten spüren. Das ist angesichts des
massiven Abzugs von Privatkapital unvermeidlich. Es
ist jedoch ermutigend, daß es in den Ländern, die als
Erste betroffen waren und die entschiedensten
Maßnahmen ergriffen haben, Anzeichen für eine
Eindämmung gibt:
In Korea und Thailand ist der Run auf die Währung
beendet, und die Produktion zeigt Anzeichen für eine
Stabilisierung. Der Wert des koreanischen Won ist seit
Januar um mehr als 35 Prozent gestiegen, wodurch
sein Verfall zu nahezu vier Fünfteln wieder rückgängig
gemacht wird, und das Importvolumen ist in den letzten
Monaten tatsächlich angestiegen.
In Lateinamerika half eine schnelle Antwort auf den
Druck des Marktes in Brasilien bei der Wahrung der
Stabilität in einer Region, die vor nicht allzu langer Zeit
als höchst gefährdet angesehen wurde.
Der Fall Mexiko ist aufschlußreich. Anfang 1995
steckte Mexiko in der Krise und war nur wenige Tage
von der Zahlungsunfähigkeit entfernt. In jenem Jahr
schrumpfte die Wirtschaft um sechs Prozent. Aber
durch entschiedene Maßnahmen und gebundene Hilfe
der Vereinigten Staaten und des IWF wuchs sie im
darauf folgenden Jahr um über fünf Prozent und hat
diese Wachstumsrate seitdem beibehalten.
Die
Arbeitslosigkeit ist gesunken, Investitionen und
Reallöhne steigen.
Die Umsetzung der von mir angesprochenen Grundsätze beinhaltet zweifellos Fragen des Gleichgewichts.
Nationale Souveränität sollte respektiert, der nationalen Politik Rechnung getragen werden, und
Hilfsleistungen dürfen keine gegen die Helfenden
gerichteten heftigen Reaktionen hervorrufen. Diese
Kriterien müssen gegen glaubwürdige Maßnahmen
abgewogen werden, um die Krise einzudämmen, die
Gefahr zukünftiger Krisen zu verringern und das
Vertrauen zu erhöhen. In Asien bilden die im Zusammenhang mit der kapitalistischen Vetternwirtschaft
stehenden Probleme den Kern der Krise, und aus
diesem Grund müssen Strukturreformen den Großteil
der vom IWF angebotenen Lösung darstellen.
Wirtschaftswachstum - nicht Sparmaßnahmen - ist das
Hauptziel der Förderprogramme, aber die Wiederherstellung des Vertrauens in die Märkte ist für die
Wiederankurbelung
des
Wirtschaftswachstums
unerläßlich, wobei die Erzielung eines Gleichgewichts

AMERIKA DIENST 16

insbesondere dann schwierig ist, wenn die Banken in
Konkurs gehen und die Währungen verfallen. Es sollte
hervorgehoben werden, daß die Zinssätze in Korea
und Thailand fast wieder das Niveau von vor der Krise
erreicht haben und in realen Zahlen sogar weit unter
dem Niveau vor der Krise liegen. Und in Thailand hat
sich die Regierung entschlossen, die im IWF-Programm vorgesehene Ausweitung der Finanzleistungen
nicht voll auszunutzen.
Es muß ein Gleichgewicht zwischen dem Gebot der
Wahrung des Vertrauens und der Vermeidung eines
Ausstiegs von Investoren gefunden werden, die es
besser wissen sollten. Finanzminister Rubin hat oft
gesagt, er würde keinen Pfennig geben, um irgendeinen Gläubiger oder Investor zu unterstützen, aber
das Gebot der Schaffung von Vertrauen und der
Vermeidung von Katastrophen kann unter gewissen
Umständen zu Maßnahmen zwingen, die für einige
Gläubiger von Vorteil sind. Allerdings haben Investoren in Asien mit Ausnahme von Japan manchen
Schätzungen zufolge eine Dreiviertelbillion Dollar
verloren, teilweise infolge der von Korea und Indonesien sowie dem IWF eingeführten Programme für den
Abbau der Schulden des Privatsektors.
Ein letztes Gebiet, auf dem ein Gleichgewicht erzielt
werden muß, ist die Gewährung von gebundener Hilfe.
In jedem Krisenland liegt es im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft, das Vertrauen in die
Märkte zu stärken, während die nationalen Politiker
bestrebt sind, zügig aber klug vorzugehen. Dies ist ein
Grund, warum der IWF auf Veranlassung der Vereinigten Staaten begonnen hat, außerplanmäßige
Kredite mit Strafzinsen zu belegen.
III. Der weitere Weg
Die Vereinigten Staaten haben ein außerordentliches
Interesse an der weltweiten Eindämmung von Finanzproblemen. Am wichtigsten auf dem weiteren Weg
werden die von anderen Ländern, insbesondere Japan
und Rußland, unternommenen Schritte sein.
Die von Japan ergriffenen Maßnahmen zur Lösung
seiner Probleme und Ankurbelung seiner Wirtschaft
sind für die Zukunft der Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung.
Der Erfolg der russischen Regierung bei der Durchsetzung ihres Reformprogramms ist in wirtschaftlicher und
politischer Hinsicht von größter Bedeutung.
Und als weltweit größte und stärkste Volkswirtschaft
spielen wir ebenfalls eine entscheidende Rolle. Am
wichtigsten ist, unsere Wirtschaft stark zu halten,
weiterhin eine Vorbildfunktion zu erfüllen und andere
zu den notwendigen politischen Schritten zu ermutigen.

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�Ebenfalls von Bedeutung ist es, dem IWF die erforderliche Unterstützung zu geben. Der IWF ist
bislang bei der Eindämmung der asiatischen Finanzkrise von entscheidender Bedeutung für uns gewesen.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Ohne den IWF
gäbe es keine effektive internationale Antwort auf die
Ereignisse in Asien, und wir wären zweifelsohne mit
einer weitaus ernsteren und für die amerikanischen
Interessen viel schädlicheren Situation konfrontiert als
es heute tatsächlich der Fall ist. Es hätte keine
gebundenen Reformen gegeben; es hätte Abwertungen größeren Ausmaßes und eine stärkere Verringerung der Fähigkeit dieser Länder gegeben, unsere
Waren zu kaufen. Und ich bin zuversichtlich, daß auf
die Vereinigten Staaten - bei Ereignissen wie diesem jetzt viel mehr Druck ausgeübt würde, mit Steuergeldern unilateral zu reagieren.
Die Krisen haben vom IWF ihren finanziellen Tribut
gefordert, und derzeit hat der IWF weniger als 10
Milliarden Dollar zur Verfügung, die er klug als Reaktion auf eine Intensivierung der derzeitigen Krise
einsetzen könnte. Darüber hinaus könnte der Mangel
an Ressourcen möglicherweise beim Auftreten
weiterer Probleme den Aktionsradius beschränken,
und durch die Verringerung des Vertrauens könnten
die mangelnden Mittel die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Probleme erhöhen. Die Zuweisung neuer Ressourcen an den IWF muß noch von den Vereinigten
Staaten genehmigt werden.
Die Erfüllung unserer Verpflichtungen kostet den
amerikanischen Steuerzahler keinen Pfennig. Die
Zuweisung von Mitteln für den IWF wird im Haushalt
mit keinerlei Nettokosten verbucht, weil der IWF wie
eine internationale Kreditgenossenschaft agiert. Wir
und andere Länder stellen eine Kreditlinie zur Verfügung, und wenn der IWF unsere Mittel in Anspruch
nimmt, erhalten wir im Gegenzug eine liquide, verzinste Forderung an den IWF.
Daß der IWF unerläßlich ist, heißt nicht, daß wir mit der
Institution in ihrer jetzigen Form zufrieden sein müssen. Der IWF muß transparenter und der Öffentlichkeit
stärker verantwortlich sein, mehr externe Beurteilung

* *

Seite 4

zulassen und daran arbeiten, den Märkten mehr
Informationen zur Verfügung zu stellen. Unter dem
Druck der Vereinigten Staaten hat der IWF auf diesen
Gebieten einige Fortschritte gemacht, ist aber noch
nicht am Ziel. Für mich ist klar, daß der weitere Weg
für die Vereinigten Staaten darin besteht," auch in
Zukunft Einfluß auf den Ansatz des IWF zur weltweiten
Wirtschaftspolitik zu nehmen.
Vielleicht liegt der weitere Weg aber auch darin, auf die
Zeit zurückzublicken, in der es wie in den dreißiger
Jahren keine wirksame internationale Reaktion auf
Finanzkrisen gab. Das Ergebnis waren konkurrierende Abwertungen, Deflation, Schrumpfung und weitverbreitete Wirtschaftskrisen, die allesamt die Weichen für
den in der Menschheitsgeschichte größten Konflikt
stellten.
Mein Nachredner heute morgen schrieb eloquent, die
Geschichte der amerikanischen Diplomatie schwanke
"zwischen Isolation und Engagement". In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren neigten wir in eine
Richtung - mit verheerenden Konsequenzen für
Amerika und die übrige Welt. Unter der Führung von
Franklin D. Roosevelt und unseren führenden Politikern nach dem Krieg schwangen wir entschieden - und
triumphierend - in die andere Richtung um.
Angesichts der Tatsache, daß wir unsere Außenstände
bei den Vereinten Nationen nicht begleichen und
wahrscheinlich unseren Sitz in der Generalversammlung verlieren, angesichts der Tatsache, daß wir keine
angemessene Finanzierung des IWF gewährleisten
können, kann die Schlußfolgerung nur lauten, daß wir
gegen ein anderes Ausschwingen des Pendels in
Richtung gefährlicher Isolation ankämpfen. Jetzt
stehen Amerikas Erfolg und wirtschaftliche Stärke in
Frage. Sehr stark in Frage steht heute auch unsere
Fähigkeit, diesen Erfolg gut zu investieren. Einfach
ausgedrückt: In einer solchen Zeit nicht in einen
effektiven IWF zu investieren, würde der Annullierung
der Lebensversicherung gleichkommen, nachdem man
gerade krank geworden ist. Wir sollten dieses Risiko
einfach nicht eingehen. Und mit Ihrer Hilfe werden wir
gar kein Risiko eingehen. Ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
12. August 1998

USA streben weltweites Internet
ohne Handelshemmnisse an
Rede von Wirtschaftsminister Daley

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Anhörung von US-Wirtschaftsminister William Daley
vor dem Wirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses vom 29. Juli 1998.

Herr Vorsitzender, zuerst möchte ich Sie und die
Ausschußmitglieder zu dem besonderen Nachdruck
beglückwünschen, den Sie auf dieses neue Informationszeitalter und die Rolle des Internet legen.
Anfang dieses Monats, als ich Präsident Clinton nach
China begleitete, besuchte ich Studenten in einem
Internet-Cafe. Ich sah, wie Ärzte das Internet zur
Beantwortung medizinischer Fragen nutzten. Man
sagte mir, daß derzeit eine Million Chinesen online
sind. In Amerika sind es 100 Millionen Menschen.
Irgendwann im ersten Jahrzehnt des nächsten Jahrhunderts werden eine Milliarde Menschen weltweit
Internet-Zugang haben.
Ich sehe sie als eine Milliarde Kunden für in den
Vereinigten Staaten hergestellte Produkte.
Das Wichtigste an dieser Technologie ist meines
Erachtens, daß ein kleines Geschäft jetzt seine
Produkte weltweit absetzen kann - ebenso wie eine zu
den 100 größten Unternehmen zählende Firma mit
einem riesigen Verteilersystem das heute kann. Diese
Welt unterscheidet sich enorm von der, die ich bei
Beginn meiner Tätigkeit vorfand.
Heute möchte ich zunächst erörtern, wie wir im
Wirtschaftsministerium uns dafür einsetzen, daß jedes
amerikanische Unternehmen mit dem Bestandteil
".com" (für commercial organizations = kommerzielle
Anbieter, z.B. Firmen) in seiner Internet-Adresse
exportieren kann. Zweitens werde ich darlegen, wie
wir daran arbeiten sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hindernisse aufbauen, die den
Handel im Internet blockieren. Drittens werde ich über
mein Engagement sprechen, unser Ministerium zu

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einem Modell für E-Commerce (elektronischen Handel)
zu machen - zum E-Commerce-Ministerium des 21.
Jahrhunderts.
Kleine und mittelständische Unternehmen benötigen
vor allem Marktzugangsinformationen. Ich kann Ihnen
berichten, daß die Unternehmen diese Informationen
suchen und wir sie mit Blitzgeschwindigkeit zur
Verfügung stellen.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurde
unsere Webseite, die solche Informationen bereitstellt,
wöchentlich von fast einer Million Menschen besucht.
Sie können nach 250 Handelsabkommen suchen. Sie
können Informationen über 100 Länder abrufen.
Ab dem kommenden Herbst werden wir im ganzen
Land Seminare für potentielle Internet-Exporteure über
die Vermarktung von Produkten im Internet veranstalten. Bald werden wir kleinen Unternehmen, die
an Exportsteigerungen interessiert sind, Handelstips
und internationale Beschaffungsmöglichkeiten elektronisch übermitteln. Wir werden ein Experiment mit 100
ländlichen Unternehmen beginnen, denen wir Hinweise geben, sobald diese von unseren Dienststellen
in Übersee zur Verfügung gestellt werden.
Und wir entwickeln eine virtuelle Handelsmesse, auf
der verkaufsfertige amerikanische Produkte rund um
die Uhr elektronisch angeboten werden.
Wenn ich eine Handelsmission leite, stehen unsere
Produkte einige Tage lang im Rampenlicht. Aber im
Internet sind die Geschäfte immer offen.

Seite 1

�Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben einen Pavillon
bei derCyberExpo in China. Die Produktkataloge und
Dienstleistungen unserer Unternehmen werden
tagtäglich rund um die Uhr ausgestellt. Zehntausend
Chinesen besuchen den Pavillon jeden Tag. Es
besteht also ein eindeutiges Interesse von Seiten
amerikanischer Unternehmen, ihre Produkte abzusetzen, und von Seiten der Verbraucher im Ausland,
sie zu kaufen.
Zweitens wenden wir viel Zeit damit auf sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hemmnisse
errichten, die den Handel im Internet blockieren
würden. In diesem Jahrhundert gab es nicht immer
umfassenden und fairen Marktzugang. Aber das
Internet bietet die Chance für einen Neuanfang. Ich
hoffe, daß die Menschen im nächsten Jahrhundert im
Internet Waren ebenso ungehindert wie Ideen austauschen können.
Unter der Führung von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore haben die Vereinigten Staaten als erstes
Land eine umfassende Politik für E-Commerce
entwickelt. Mehr als ein Dutzend Länder sind unserem
Beispiel gefolgt. Viele internationale Handelsorganisationen haben elektronischen Handel ebenfalls zu
einem zentralen Thema gemacht.
Ich kann heute über einige positive Ergebnisse
berichten.
Alle 132 Mitglieder der Welthandelsorganisation
stimmten zu, derzeit keine Zölle auf elektronische
Übermittlungen zu erheben.
Die OECD führt Analysen durch, um bei der Bildung
eines Konsenses über die Rolle von E-Commerce
behilflich zu sein.
Im Rahmen der Verhandlungen über die Schaffung
einer Freihandelszone für den gesamtamerikanischen
Kontinent wurden vom Forum für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) und unseren
Nachbarn in dieser Hemisphäre Ausschüsse für die
Förderung von elektronischem Handel ins Leben
gerufen.
Im vergangenen Jahr stimmten 43 Staaten, die 95
Prozent des Welthandels im Informationstechnologiebereich repräsentieren, einer Abschaffung der Zölle für
eine Reihe von Produkten bis zum Jahr 2000 zu.
Diese beinhalten Halbleiter, Platinen und Netzwerkausrüstung. Derzeit handeln wir ein Folgeabkommen,
das sogenannte ITA-II aus, um zusätzliche Produkte
abzudecken.
Unter der Schirmherrschaft der Weltorganisation für
geistiges Eigentum (WIPO) haben wir zwei Verträge
für den Schutz von urheberrechtlich geschützten
Arbeiten, musikalischen Darbietungen und Tonauf-

Seite 2

Zeichnungen ausgehandelt. Ich wußte die prompten
Beratungen dieses Ausschusses über die Gesetze zu
ihrer Durchführung zu schätzen. Ich hoffe, daß das
Gesetz während dieser Sitzung von allen verabschiedet wird.
Wir sind auch mit mehreren anderen Aktivitäten befaßt.
Bezüglich der Standards sind wir jetzt meines Wissens
die einzige Regierung, die per Gesetz verpflichtet ist,
dem Privatsektor die Entwicklung technischer Standards für das Internet zu überlassen. Viele Regierungen schreiben Standards selbst zwingend vor, was
meiner Ansicht nach falsch ist und veraltete Technologie zur Folge hat. Und ich bin mir voll und ganz
bewußt, daß andere Länder Standards als de facto
Handelshemmnisse verwenden können, um andere
Unternehmen auszuschließen. Deshalb arbeiten wir
darauf hin, das zu verhindern.
Während wir an der Erweiterung des Schutzes der
Privatsphäre in den Vereinigten Staaten arbeiten,
versuchen wir, bei diesem Thema potentielle Probleme
mit der Europäischen Union abzuwenden. Sie verfolgt
einen völlig anderen Ansatz als wir. Ihre Direktive zum
Schutz der Privatsphäre tritt im Oktober in Kraft und
könnte Millionen von Transaktionen zwischen uns und
ihr verhindern, wenn die EU das Gefühl hat, daß wir
nicht den angemessenen Schutz der Privatsphäre
bieten. Offensichtlich führen wir intensive Diskussionen, um solche Probleme zu vermeiden.
Der dritte und letzte Bereich ist meine Verpflichtung,
unser Ministerium zu einem Modell für elektronischen
Handel zu machen.
Ich glaube, daß wir als Vertreter von Unternehmen das
tun sollten, was Unternehmen tun. Das bedeutet den
aggressiven Einsatz des Internet, um das Wirtschaftsministerium zu einem freundlicheren Ministerium für
die Amerikaner zu machen.
Vor kurzem haben wir einen Leiter der Informationsabteilung aus dem Privatsektor eingestellt, der unsere
Initiativen zu elektronischem Handel leiten soll. Roger
Baker kommt von VISA zu uns, wo er ein großes
online-Banksystem eingerichtet hat. Wir möchten, daß
er im Wirtschaftsministerium etwas Ähnliches macht.
Ich möchte einige Beispiele dessen anführen, was wir
für die Verbraucher tun. Wir haben begonnen, über
das Internet Anträge für Warenzeichen anzunehmen
und werden bald Anträge für Exportlizenzen annehmen.
Ab nächsten Monat können die Amerikaner zwischen
über 370.000 technischen Publikationen auswählen
und dafür bezahlen, die während der vergangenen
zehn Jahre herausgegeben wurden. Bis Ende dieses
Jahres wird der vollständige Text aller Patente seit

AMERIKA DIENST 16

�dem Jahr 1976 online zur Verfügung stehen und
gesucht werden können.
Wir beginnen, Informationen über Marktchancen
elektronisch an Unternehmen mit Minderheitsbeteiligung zu verschicken. Unsere Census-Webseite wird
durchschnittlich eine halbe Million Mal täglich besucht.
Und ich bin stolz, bekanntgeben zu dürfen, daß Sie
jetzt alle Anhörungen unseres Ministeriums vor dem

*

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Kongreß auf unserer Homepage finden können.
Offensichtlich wird das bei unserer Kommunikation mit
Ihnen, Ihren Mitarbeitern und den Zuschauern von CSpan behilflich sein.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, vor dem Ausschuß eine Rede zu halten. Ich bitte,
daß die lange Version meiner Anhörung in das Protokoll aufgenommen wird und beantworte jetzt gerne Ihre
Fragen.

* * *

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Getreu der Tradition und den demokratischen Prinzipien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA gewähren Territorien die Selbstbestimmung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Körperkonstitution und Blutdruck&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fettleibigkeit vermutlich Ursache für ungenaue Messungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewebeprobenentnahme am Dünndarm ohne Operation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mikrofilter erleichtert Krebsdiagnose&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Kamera unter den Streichern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Adrian Siegel, Cellist des Philadelphia Orchestra, photographiert berühmte Dirigenten und Solisten&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Isländischer Komponist findet Amerikas Musikleben "erstaunlich"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jon Thorarinsson berichtet über seine Amerikareise&lt;/em&gt;</text>
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Nummer

35

12. September 1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß
- Auszüge WIRTSCHAFT
US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus
- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies Von Sam Burks

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen,
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet Von John J. Harter

INFORMATION
Audio-Visuelle Geräte und Systeme
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technik für den Umweltschutz
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss
Schwefelmonoxid im interstellaren Raum

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�? a m e r i k a dienst
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Dokumentation

Postfach 300

Telex:

08-85432

35/1973

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN US-KONGRESS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 10. September eine Sonderbotschaft an den Kongreß gerichtet, in der dieser ersucht wird, die VorrangGesetzesvorlagen der Regierung vordringlich zu behandeln und zu verabschieden. Amerika, so unterstrich Nixon, "sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die noch gelöst werden müssen".
Die wichtigsten Teile der Botschaft des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Wenn der Kongreß jetzt für die letzten Monate der Legislaturperiode
1973 zusammengetreten ist, steht er erneut vor einer entscheidend wichtigen
Aufgabe.
Unser Land sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die
rasch gelöst werden müssen.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln im Kampf
gegen die steigenden Preise. Und sie wollen, daß jeder mögliche Schritt jetzt
getan wird - nicht erst in einem Jahr oder in der nächsten Sitzungsperiode
des Kongresses.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in
diesem Jahr, damit wir genügend Heizmaterial für unsere Wohnungen, genügend
Energie für unsere Fabriken und genügend Treibstoff für unsere Verkehrsmittel
haben.

�Sie fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in diesem
Jahr, damit Verbrechertum und Drogenmissbrauch bekämpft werden. Der
Prozentsatz schwerer Verbrechen geht zum ersten Male seit 17 Jahren auf
nationaler Ebene zurück, und die Amerikaner wollen, daß diese Entwicklung
anhält.
Es besteht ferner eine dringende Notwendigkeit, die Qualität unserer
Schulen zu verbessern, die Bundesprogramme für unsere Städte und Gemeinden
zu reformieren, eine bessere Berufsausbildung anzubieten, unsere Wohnungsbauprogramme zu reorganisieren, eine Reform unserer Wahlkampfpraktiken
durchzuführen, die Bestand hat, sowie unsere Position auf den Weltmärkten
zu stärken.
Von überragender Bedeutung ist die anhaltende Verpflichtung Amerikas,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten. Unser Volk
lebt jetzt zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in Frieden und
es erwartet von seinen Führern, daß sie alles Erforderliche tun, um den
Frieden zu wahren - unter anderem auch solche Maßnahmen, die die starke
Verteidigungsposition der USA

erhalten.

Gleichzeitig ist klar, daß zahlreiche Kongreßmitglieder

zu Beginn

der Herbstsitzung der Legislative den Wunsch haben, sich vermehrt in die
Regierungsarbeit einzuschalten. Sie möchten, daß das amerikanische Volk
mehr Respekt vor dieser großen Institution hat, und daß ihre Autorität
wächst.
Ich persönlich begrüsse eine solche Renaissance des Kongresses. Aber
ich glaube auch, daß der Präsident eine starke Position haben muß - und
ich werde mich weiterhin allen Bemühungen widersetzen, das Präsidentenamt
solcher Vollmachten zu entkleiden, die es haben muß, um wirksam arbeiten
zu können - doch glaube ich ebenso, daß der Kongreß eine starke Position
haben sollte.
Wenn ich dem Kongreß heute diese Botschaft unterbreite, so möchte
ich seine Aufmerksamkeit auf über 50 Gesetzesentwürfe lenken, die ich im
Laufe dieses Jahres bereits vorgelegt habe. Diese Entwürfe haben jetzt
zusammen mit meinen normalen Ermächtigungsgesetzen höchste Dringlichkeit,

�Dringlichkeit, wenn wir unserer Verantwortung nachkommen wollen.
Im Geiste einer verantwortungsbewußten Zusammenarbeit, die zwischen der
Exekutive und dem Kongreß bestehen muß, wenn wir in diesem Herbst einen
echten Fortschritt erzielen wollen, bin ich voll und ganz bereit, eng mit
den Mitgliedern des Kongresses zusammenzuarbeiten, soweit es um eine Abänderung dieser Gesetzesvorlagen geht ...
Es gibt natürlich beätimmte Prinzipien von entscheidender nationaler
Bedeutung, bei denen es keine Kompromisse geben kann - die Notwendigkeit,
Haushaltsdisziplin zu üben, eine starke nationale Sicherheitsposition zu
behalten und die erforderlichen Vollmachten der Exekutive zu erhalten.
Doch innerhalb diesen Grenzen bin ich bereit, wo immer möglich, praktikable
Kompromisse zur Lösung unserer nationalen Probleme zu suchen.
Keine Frage liegt der amerikanischen Öffentlichkeit heute mehr am
Herzen als die steigenden Verbraucherpreise. Der Kampf gegen die Inflation
muß für uns für den Rest dieses Jahres oberste Priorität haben.
Die Exekutive hat sich bereits aktiv in diesen Kampf eingeschaltet:
- Wir haben nachdrückliche neue Wirtschaftskontrollen verfügt, die zur
Reduzierung der Inflationsrate bis Ende des Jahres beitragen sollen.
- Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung des Lebensmittelangebots ergriffen, so daß die Erzeugung mit der wachsenden Nachfrage Schritt
halten wird. Das Landwirtschaftsgesetz, das den Kongreß im letzten Monat
passiert hat und unterzeichnet worden ist, wird wesentlich hierzu beitragen.
- Drittens hat das Federal Reserve System (US-Bundesbank) angemessene Kontrollen der Geldflüsse innerhalb der Wirtschaft ausgearbeitet, was
für die Eindämmung der Inflation unerläßlich ist.
Wir bewegen uns in der richtigen Richtung, aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir auch die
eine, wichtigste Waffe in unserem Arsenal einsetzen: die Kontrolle des
Bundeshaushalts. Jeder Dollar, um den wir das Defizit im Bundeshaushalt
verringern, ist ein weiterer Schlag gegen Preiserhöhungen. Und wir können
im Augenblick nichts Wirksameres im Kampf gegen die Inflation tun, als das

- 3 -

�das Defizit völlig zu beseitigen und den Bundeshaushalt auszugleichen.
Eines der wichtigsten, dem Kongreß gegenwärtig vorliegenden Gesetze
ist die von mir eingebrachte Vorlage zur Reform des Handels von 1973. Es ist
wichtig, daß dieses Gesetz in den kommenden vier Monaten verabschiedet wird.
Dieses Gesetz bringt die wohl bedeutsamste Reform unserer Einstellung
gegenüber dem Welthandel seit über einem Jahrzehnt. Aber es basiert auf
einer starken Tradition, die seit den Tagen Franklin Roosevelts stets gewahrt wurde, und es gibt der Exekutive die erforderlichen Vollmachten, damit
sie die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen mit anderen Ländern
wirksam vertreten kann.
Die vor uns liegenden Wochen und Monate sind eine besonders wichtige
Zeit für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dieser Monat bringt die
offizielle Eröffnung einer neuen und äußerst wichtigen Runde von Handelsverhandlungen in Tokio und die Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) und
der Weltbank in Nairobi. Die Tagung in Nairobi ist für die Verhandlungen
über eine Reform des internationalen WährungsSystems von größter Wichtigkeit.
Die aus diesen beiden Konferenzen erwachsenden Entscheidungen werden der
Weltwirtschaft auf viele Jahre hinaus eine neue Form geben. Die Vereinigten
Staaten können sich an diesen Gesprächen weit wirksamer beteiligen, wenn
der Kongreß die Hilfsmittel bereitstellt, die das von mir vorgeschlagene
Gesetz für eine Reform des Handels enthält.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine offenere Handelswelt
anstreben. Wir sind der Ansicht, daß künstliche Schranken für den Handel
zwischen den einzelnen Ländern oftmals Schranken für die Prosperität innerhalb dieser Länder selbst bilden. Das Handelssystem sollte jedoch nicht
nur offener sondern auch fairer sein. Der Handel muß für alle Länder nach
gleichen Spielregeln abgewickelt werden - er muß unseren Arbeitern, Farmern
und Geschäftsleuten die Möglichkeit bieten, solche Erzeugnisse, die sie am
billigsten produzieren nach anderen Ländern zu exportieren, sowie als Verbraucher die Güter zu kaufen, die ihre Partner in anderen Ländern am
billigsten herstellen. Für die Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Handelssystem müssen unsere Unterhändler mit Vollmachten ausgestattet sein, die denen ihrer Gesprächspartner aus anderen Ländern entsprechen.

Meine

�Meine Vorlage über eine Reform des Handels enthält eine Reihe solcher
Vollmachten und würde damit unsere Verhandlungsposition stärken. Ich betone
erneut, daß der Kongreß einen Mechanismus schaffen sollte, der ihm für engere
Konsultationen und eine engere Zusammenarbeit mit der Exekutive am besten geeignet erscheint, um sicherzustellen, daß seine Auffassungen angemessen vertreten werden, wenn die Handelsverhandlungen voranschreiten.

Gleichzeitig habe ich aber auch entsprechende Maßnahmen gefordert, um
sicherzustellen, daß die Vorteile eines expandierenden Handels auf faire Weise
allen Teilen unserer eigenen Bevölkerung zugutekommen und kein Teil unserer
Wirtschaft unfaire Lasten auf sich nehmen muß. Meine Vorschläge würden uns
größere Flexibilität für die Gewährung geeigneter Hilfe geben, wenn Importe
schwerwiegende binnenwirtschaftliche Probleme schaffen. Sie würden ferner
unsere Programme für Anpassungshilfe sowie andere

Formen von Kompensation

liberalisieren, um den aufgrund steigender Importe freigesetzten Arbeitern
zu helfen. Sie würden uns weiter in die Lage versetzen, uns besser mit den unfairen Handelspraktiken anderer Länder zu befassen und durch Ausweitung des
Handels einen Teil der zu hohen ausländischen Dollarkredite abzusaugen, die zu
Störungen auf dem Binnenmarkt führen könnten.

Andere in der Vorlage enthaltene

Vollmachten würden uns größere Flexibi-

lität für den Einsatz unserer Handelspolitik im Kampf gegen die Inflation
geben, für die Korrektur unserer Zahlungsbilanz, für die Ausweitung unserer
Exporte und für die Förderung unserer außenpolitischen Ziele. Eine Bestimmung
dieser Gesetzesvorlage würde den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigungsklausel auf solche Länder anzuwenden, die noch nicht in den Genuß dieses
Status kommen. Sie wäre besonders nützlich für die Ziele unserer Außenpolitik,
und ich werde diese Bestimmung weiterhin nachdrücklich unterstützen.

In seiner Gesamtheit stellt das vorgeschlagene Gesetz für eine Reform
des Handels von 1973 einen entscheidend wichtigen Baustein dar, wenn wir uns
jetzt um die Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens in der Welt
und seine dynamische und stabile Wirtschaft im eigenen Land bemühen. Bei den
vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen würde dieses Gesetz es uns ermög- 5 -

�ermöglichen, mehr Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, bessere Absatz-

i

markte für die amerikanischen Erzeuger, umfassendere Möglichkeiten für die
amerikanischen Investoren und niedrigere Preise für die amerikanischen Verbraucher sicherzustellen.

Gesetz zur Regelung des Exports

Die von meiner Regierung am 13. Juni vorgeschlagene Änderung des Gesetzes
zur Regelung des Exports (Export Administration Act) stellt eine weitere Waffe
dar, die im Kampf gegen die steigenden Preise nützlich sein könnte.

Eine der

wichtigsten Ursachen für den jüngsten inflationistischen Preisauftrieb waren
der ungewöhnlich starke Wirtschaftsboom im Ausland und die hieraus resultierende
zusätzliche Nachfrage nach unseren Erzeugnissen. Insgesamt gesehen sollte dieser
Boom als eine gesunde, langfristige Entwicklung für unsere Wirtschaft wie auch
i

für die übrigen Länder gewertet werden. Ich sagte jedoch bereits im Juni:
Wenn wir in den Vereinigten Staaten ernste Verknappungen haben und uns entscheiden müssen, ob wir den Auslands- oder den Inlandsbedarf decken sollen,
'dann muß der amerikanische Verbraucher Vorrang haben'.

Aus diesem Grunde habe ich um neue und flexiblere Vollmachten ersucht, um
bestimmte Kontrollen für Lebensmittel und andere Exportgüter verfügen zu können,
wann und wo sie erforderlich sind. Ich werde jedoch weiterhin ständige Kontrollen ablehnen, weil sie das gesamte Gefüge gesunder Handelsbeziehungen durcheinanderbringen und stören können und so den Kampf gegen die Inflation erschweren. Unsere begrenzten Kontrollen bei Sojabohnen sind am letzten Freitag
abgeändert worden, so daß neue Exportkontrakte voll erfüllt werden könnet;.
Dieser Schritt wurde getan, weil wir überzeugt sind, daß die Vorräte und die
Erträge der neuen Ernte für die Deckung unseres eigenen Bedarfs mehr als ausreichend sind.
Trotzdem ersuche ich weiterhin um die im Juni geforderte Vollmacht, um
sicherzustellen, daß wir notfalls neuen Gegebenheiten schnell entsprechen
können. Ich möchte ferner betonen, daß neue Kontrollen nur verfügt werden,
wenn sie absolut notwendig sind ...
Gesetz
- 6 -

�\.

Gesetz zur Verwertung von Lagerbeständen

Eine weitere wichtige Maßnahme, die der Kongreß im Kampf gegen die
steigenden Preise ergreifen kann, ist die Gewährung der erforderlichen Vollmachten, damit ein Teil unserer nationalen Bestände an strategisch wichtigen
Rohstoffen verkauft werden kann - Rohstoffe, die nicht länger aus Gründen
der nationalen Sicherheit benötigt werden. Ich habe im April um eine solche
Vollmacht ersucht, damit Waren im Wert von 4 Milliarden Dollar aus unseren
Beständen abgegeben werden können. Solche Verkäufe, die eine Steigerung des
Angebots an wichtigen Rohstoffen auf dem Markt ermöglichen, könnten dazu beitragen, dem hart bedrängten amerikanischen Verbraucher Erleichterung zu verschaffen. Weiter könnte dieses Gesetz dazu beitragen, Arbeitsplätze für Arbeiter zu erhalten und zu beschaffen, deren Arbeitsplatz davon abhängig ist,
daß genügend Grundstoffe wie Aluminium, Zinr,und Kupfer, bei denen das Angebot
knapp ist, zur Verfügung stehen.

Die Vorräte der US* an strategisch wichtigen Rohstoffen sind noch immer
auf die wirtschaftlichen und militärischen Realitäten der fünfziger Jahre ausgerichtet - praktisch wurden 95 Prozent der derzeitigen Bestände vor 1959 angekauft. In den siebziger Jahren haben sich jedoch unsere militärischen Erfordernisse geändert - und genauso hat sich unser Wirtschaftspotential, um
ihnen entsprechen zu können, geändert. Die von mir vorgeschlagenen neuen Richtlinien für die Bevorratung würden unsere nationale Sicherheit angesichts dieser
veränderten Realitäten peinlich genau schützen, gleichzeitig aber unsere wirtschaftliche Position wesentlich stärken. Ich bedaure es, daß diese Vorlage in
den letzten Monaten nicht schneller vorangekommen ist. Zwecks Verbesserung der
Wirksamkeit, Sparsamkeit und Preisstabilität ersuche ich erneut um seine
rasche und positive Verabschiedung ...

Vordringliche

- 7-

�Vordringliche Aufgabe auf dem Energie-Sektor

Ich habe schon früher betont, und möchte dies hiermit ganz ausdrücklich
wiederholen, daß die Lücke zwischen dem für Amerika vorausberechneten kurzfristigen Energiebedarf und den uns verfügbaren einheimischen Energiereserven
in einem Maße größer wird, das unsere unmittelbare Aufmerksamkeit erfordert.

Ich bin dabei, alle angemessenen Maßnahmen im Rahmen meiner Kompetenzen
zu ergreifen, um zu einer Steigerung unserer Vorräte und zu einer Abschwächung
unseres Bedarfs zu kommen. Für die weitere Zukunft habe ich Pläne für eine umfangreiche Ausweitung unserer Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen angekündigt, und ich habe Gouverneur John Love, meinen Chefberater in Energiefragen,
gebeten, in Zusammenkünften mit offiziellen Vertretern der Bundesstaaten sich
um eine vorübergehende Modifizierung der Luftqualitäts-Grenzwerte zu bemühen.
Solche Abänderungen würden helfen, im kommenden Winter den Brennstoffmangel

'

zu reduzieren. Darüber hinaus werde ich in Kürze mit Mitgliedern der US-Atomenergie-Kommission zusammentreffen, um zu ermitteln, ob wir Atomkraftwerke
rascher in Betrieb nehmen können. Aber das Energieproblem verlangt mehr als
nur Maßnahmen des Präsidenten. Es verlangt auch, daß der Kongreß handelt.

Es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß der Kongreß nicht auf den Anstoß
durch Energieverknappung wartet, um die Gesetze zu verabschieden, die zur
Deckung unseres Bedarfs notwendig sind. Wir haben regional in diesem Sommer
bereits Unzulänglichkeiten in bezug auf die Benzinversorgung erlebt, und im
kommenden Winter dürfen wir ähnliche Probleme in bezug auf Heizöl haben.

Langfristig gesehen sind die Prognosen für eine ausreichende Energieversorgung der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Wir besitzen die Hilfsquellen
und die Technologie, um unseren wachsenden Bedarf zu decken. Um jedoch den Anforderungen auf weite Sicht gerecht werden und kurzfristige ernste Probleme
vermeiden zu können, müssen wir eine konzentrierte Anstrengung unternehmen, die
die Regierung, die amerikanische Industrie und das amerikanische Volk gleichermaßen mobilisiert.
Ich
- 8 -

i

�Ich habe kürzlich um die Verabschiedung von sieben wichtigen, dem Kongreß
unterbreiteten Energie-Gesetzesvorlagen ersucht. Nicht alle von ihnen können
im gleichen Tempo behandelt werden. Vier sind jedoch von äußerster Dringlichkeit und verlangen eine Entscheidung noch vor Jahresende. Diese vier würden
den Bau der Alaska-Pipeline, den Bau von Tiefwasser-Häfen, die Freigabe der
Erdgaspreise und die Schaffung neuer Standardvorschriften für den Tagebau ermöglichen. Alle vier dieser Gesetzesvorlagen sind sowohl auf unseren kurzfristigen als auch auf unseren langfristigen Bedarf ausgerichtet.

Alaska-Ölleitung

Unser erstes Ziel in bezug auf gesetzliche Maßnahmen - ein Ziel, das noch
in diesem Monat erreicht werden sollte - ist die Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Alaska-Ölleitung. Der Bau der Pipeline würde uns mit zusätzlich 286 000 Tonnen Öl pro Tag versorgen, über die wir die volle Kontrolle
haben und die uns zur gleichen Zeit um drei Milliarden Dollar pro Jahr von notwendigen Importen entlasten würden. Ich habe eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen, um jede weitere Verzögerung im Bau der Alaska Ölleitung zu vermeiden,
und ich stelle mit Genugtuung fest, daß beide Häuser des Kongresses diesen Gesetzesvorschlag mit gewissen Abwandlungen bereits verabschiedet haben. Ich ersuche dringend darum, daß der Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus seine Aufmerksamkeit so bald wie nur irgend möglich diesen Vorlagen zuwendet, damit mit dem Bau der Pipeline begonnen werden kann.

Tiefwasser-Häfen

So lange die einheimischen Hilfsquellen nicht voll erschlossen sind und
der technologische Fortschritt an einem Punkt angelangt ist, an dem genügend
Energiequellen zur Verfügung stehen, sind wir auf die Einfuhr von ausländischem
Erdöl angewiesen. Gegenwärtig sind jedoch die Hafenanlagen unzureichend ausgestattet, um unseren Einfuhrerfordernissen gerecht zu werden.
Wegen
- 9 -

�Wegen unserer begrenzten Hafen-Kapazitäten können die Supertanker, die
gegenwärtig für den Erdöltransport dienen, nicht in beliebigen Häfen an unserer
Atlantikküste entladen werden. Ich habe deshalb Maßnahmen vorgeschlagen, die
zum Bau und Betrieb von Tiefwasser-Häfen ermächtigen, und zwar in einer Weise,
die mit unseren vordringlichen Umweltschutzmaßnahmen in Einklang steht und
die Rechte und Verantwortlichkeiten der betreffenden Bundesstaaten berücksichtigt.

Wir dürfen diese wichtigen Gesetze nicht hinausschieben. Würden wir dies
tun, so bedeutete dies eine weitere Verzögerung wirtschaftlicher Einfuhren von
Erdöl und erhöhte Kosten für den amerikanischen Verbraucher, eine unnötige Gefährdung unserer Küstengebiete und weitere Verluste an Einkünften zugunsten
kanadischer und karibischer Häfen, die bereits in der Lage sind, die Ladungen
großer Supertanker zu löschen.

Erdgas
i

Über mehrere Jahre haben Bestimmungen der Bundesregierung in bezug auf
Erdgas dazu beigetragen, den Preis für dieses Produkt künstlich niedrig zu
halten. Große Industrieverbraucher haben dieses System der Preisregulierung begrüßt - es half ihnen, ihre Brennstoffkosten niedrig zu halten, und da Erdgas
außerdem der sauberste unserer fossilen Brennstoffe ist, hat es sie auch in die
Lage versetzt, Umweltschutz-Vorschriften bei künstlich niedrigen Kosten einzuhalten. Dieses Vorschriftensystem hatte jedoch leider auch zur Folge, daß die
Produzenten entmutigt wurden, ihre Kapazität auszuweiten. Infolge des hohen Verbrauchs durch die Industrie und der gleichzeitigen Zurückhaltung der Produzenten,
neue Erdgasvorkommen zu suchen und zu erschließen, sehen wir uns jetzt einer
Erdgasverknappung gegenüber.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß wir bei Erdgas allmählich auf freie
Marktpreise hinarbeiten, indem wir zulassen, daß sich der Preis für Erdgas
aus neu erschlossenen einheimischen Vorkommen entsprechend dem Angebot und der
Nachfrage auf dem freien Markt einpendelt. Dieses Verfahren müßte zu einer

�einer sichereren Versorgung mit Erdgas zu einem Preis führen, der fühlbar
niedriger ist als der für andere Energiequellen. Obgleich es dabei kurzfristig
zu einer Erdgas-Preiserhöhung kommen kann, dürfte sich diese in engen Grenzen
halten.

Tagebau

Unsere am reichsten vorhandene Energiequelle ist Kohle. Wir müssen lernen,
mehr davon zu verwenden, und wir müssen lernen, dies in einer Weise zu tun,
bei der weder das Land, das wir bewohnen, noch die Luft, die wir atmen, geschädigt werden.

Tagebau ist einerseits die wirtschaftlichste Form von Bergbau, andererseits aber die Methode, mit der die meisten UmweltZerstörungen angerichtet
werden. Die durch Tagebau verursachten Schäden sind jedoch wieder gutzumachen,
das Land ist rekultivierbar. Meines Erachtens trägt die Bergbauindustrie die
Verantwortung dafür, solche Rekultivierungsmaßnahmen zu ergreifen, und ich
meine, man muß dies von ihr verlangen.

Ich habe einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der Normen für die Bodenreklamation festsetzt und Bestimmungen für den gesamten Bergbau über und unter
Tage in den Vereinigten Staaten enthält. Für die Einhaltung dieser Standardvorschriften hätten die Bundesstaaten zu sorgen. Ich ersuche erneut um die Verabschiedung dieser Vorlage, denn sie würde uns in die Lage versetzen, das Angebot
an einem höchst wirtschaftlichen Brennstoff zu steigern und dabei gleichzeitig
die ernsten Umweltschaden, die wir in der Vergangenheit als Preis in Kauf
nehmen mußten, zu verhindern.

Reorganisation der Bundesenergiepolitik

Die oben erörtertenvier Gesetzesvorlagen zum Thema Energie können und
sollten vom Kongreß in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Regierung hat
- 11 -

�hat drei weitere Maßnahmen vorgeschlagen, deren baldige Verabschiedung wichtig,

t

jedoch nicht so vordringlich ist, daß sie noch in diesem Jahr behandelt werden
müßte. Ich möchte hoffen, daß diese Maßnahmen weit oben auf der Liste der in
Zukunft zu behandelnden Gesetzesvorlagen stehen.

Eine dieser Vorlagen sieht eine Reorganisation der Bundesenergiepolitik
vor. Während Energie eines der akutesten Probleme unseres Landes ist, und
während die Erhaltung und effektive Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen
ein zwingendes Gebot unserer Politik darstellt, ist es gegenwärtig unmöglich,
diese miteinander in Beziehung stehenden Ziele in einem koordinierten Verfahren
anzugehen. Unsere Fähigkeit, Hilfsquellen zu bewirtschaften und für unsere Bedürfnisse Sorge zu tragen, darf nicht in den Fesseln alter administrativer
Formen und Institutionen verbleiben.

Ich habe wiederholt erfahren, wie notwendig gründliche Reorganisationen
.
.
.
bei der Exekutive in der Bundesregierung sind. Ich glaube, die Notwendigkeit

•

einer Reorganisation ist auf dem Gebiet der natürlichen Hilfsquellen besonders
akut. Ich habe bereits dringend ersucht - und ich erneuere dieses dringende Er- '
suchen - , ein Ministerium für Energie und natürliche Hilfsquellen zu schaffen,
das es uns erlaubt, mit diesen Fragen in einer umfassenderen und effektiveren
Weise fertig zu werden.
Ich ersuche den Kongreß außerdem, eine neue, unabhängige Behörde für
Energieforschung und

-entwicklung zu schaffen, damit wir in Zukunft den best-

möglichen Gebrauch unserer Forschungs- und Entwicklungsmittel sicherstellen
können. Unsere Anstrengungen auf den Gebieten Forschung und Entwicklung könnten
die ergiebigsten Lösungen für das Energieproblem herbeiführen. Aus diesem
Grunde gab ich kürzlich Pläne bekannt, in den nächsten fünf Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein entsprechendes Programm in die
Wege zu leiten. Der Kongreß braucht in diesem Jahr keine gesetzlichen Maßnahmen
zur Bereitstellung von Mitteln zu ergreifen; aber in den kommenden Jahren wird
es für den Kongreß erforderlich sein, eine solche Ausstattung mit Geldmitteln
zu genehmigen.
Da
:'
- 12 -

�Da die Vorschriften bei den Atomenergie-Hilfsquellen besser und gerechter
durchgeführt werden können, wenn sie nicht mehr mit dem Komplex Entwicklung
und Förderung gekoppelt sind, habe ich außerdem im Reorganisationspaket eine
eigene und unabhängige Atomenergiekommission für die Durchführung dieser bedeutsamen Aufgabe vorgesehen.

Standort von Kraftwerken
Eine der wichtigsten Energiefragen, denen wir uns 1973 gegenübersehen,
ist die, ob wir genügend Strom verfügbar machen können, um unsere Städte zu
beleuchten, Gebäude zu kühlen und zu heizen und unsere Industrie in den kommenden Jahrzehnten mit Betriebsstrom zu versorgen. Eine der Lösungen für dieses
Problem liegt in der gesteigerten Nutzung von Kernenergie. Man schätzt, daß
bis zum Jahr 2000 annähernd die Hälfte der Stromerzeugung in den Vereinigten
Staaten auf Kernenergie basieren wird.

Wir verfügen nunmehr über angemessene Sicherheitsbestimmungen und -maßnahmen, um zu gewährleisten, daß Kernkraftwerke sicher und in bezug auf Umweltschutz akzeptabel sind. Aber die Art und Weise, in der wir manchmal diese
Sicherheitsmaßnahmen anwenden, verursacht unvernünftig große Verzögerungen
beim Bau. In ähnlicher Weise kam es zu unverhältnismäßig langer Verzögerung
bei der Standortsuche für Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten
und noch immer - und dies auch für die nächsten drei Jahrzehnte - den Hauptanteil unserer Stromerzeugungskapazität stellen. Ich habe dementsprechend Gesetzes vorschlage vorgelegt, die den Prozeß der Standortermittlung für Kraftwerke und Stromleitungen vereinfachen, gleichzeitig aber weiterhin öffentliche
Gesundheit und Umwelt voll schützen. Diese Gesetzesvorlage wird seit zwei
Jahren geprüft, und mir liegt außerordentlich viel daran, sie aus den Ausschüssen herauszubekommen und als Gesetz wirksam werden zu lassen.

Wiederherstellung

�Wiederherstellung und Erneuerung unserer Umwelt

i

In meiner Botschaft vom 15. Februar dieses Jahres an den Kongreß konnte
ich berichten, daß unsere Nation aus einer Ära der Vernachlässigung der Umwelt
in eine Ära der Wiederherstellung und Erneuerung der Umwelt eingetreten ist.
Der 92. Kongreß half in den Jahren 1971 und 1972 mit der Verabschiedung einer
Anzahl wichtiger Maßnahmen, um diesen Prozeß in Gang zu bringen.

Leider hat der Kongreß 19 meiner Vorlagen zum Umweltschutz bisher nicht
behandelt, und die Regierung leitete sie deshalb im letzten Winter dem neuen
Kongreß wieder zu. Während die Mehrzahl dieser Maßnahmen noch immer auf Behandlung wartet, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß ihnen der Kongreß seine Aufmerksamkeit zuwendet.

Manche sagen, wir seien das Opfer unseres eigenen Erfolges - insofern
nämlich, als wir auf dem Gebiet des Umweltschutzes wichtige Gesetze verabschiedet haben, und viele nunmehr versucht sind, sich auf diesen Lorbeeren
auszuruhen. Aber eine solche lässige Haltung wäre gefährlich. Es gibt viele Ge- *
biete auf dem Sektor Umwelt, die noch behandelt werden müssen. Drei besonders
wichtige Fragen sind die nationale Politik der Bodennutzung, Vorschriften für
toxische Substanzen und die Gewährleistung der Sicherheit von Trinkwasser ...

Bekämpfung von Verbrechen und Drogenmißbrauch ...

Gesetz zum Heroinhandel

Trotz unserer ermutigenden Fortschritte bei der Ausschaltung der Quellen
für Drogenmißbrauch in Amerika haben wir bei dieser wichtigen Aufgabe noch
einen langen Weg vor uns. Der Schwerpunkt beim Drogenproblem in den Vereinigten
Staaten liegt bei den 'harten Drogen1 - mit Heroin an der Spitze. Heroinhandel
ist mit dem ganzen Spektrum von Kriminalität verflochten, vom international
organisierten Verbrechen bis zum Straßenraub. Der Heroinhandel ist eines der
- 14 -

�der einträglichsten Gebiete krimineller Aktivität, und wir werden niemals in
der Lage sein, damit wirksam fertigzuwerden, bis die Maßnahmen, die wir dagegen zum Tragen bringen können, so schwerwiegend sind, wie heute der damit
zu erzielende Gewinn attraktiv erscheint.

Untersuchungen aus der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß zehntausende jener,
die wegen Rauschgiftdelikten in Haft genommen wurden, sofort wieder für ein
Jahr und länger auf die Straße zurückkehren, wenn es ihnen gelingt, bei den
Gerichten bis zur Verhandlung Zeit zu gewinnen. Noch alarmierender ist die
Tatsache, daß viele Tausende rechtskräftig wegen Rauschgiftdelikten Verurteilter
ihre Gefängnisstrafe niemals antreten. Solche Tatsachen bedeuten, daß die
Strafen für den Handel mit harten Drogen eine unwirksame Abschreckung sind, wenn
man sie mit den möglichen Profiten aus dieser kriminellen Multi-MilliardenDollar-Aktivität vergleicht.
Die Schlußfolgerung ist einfach. Wir brauchen Gesetze, die uns in die
Lage versetzen, Heroinhändler von den Straßen weg zu bekommen. Ich habe einen
Gesetzesvorschlag unterbreitet, der genau das erreichen würde. Er sieht harte
neue Strafen für Heroinhändler vor, einschließlich eines Minimums an zwangsläufig abzubüßenden Gefängnisstrafen. Er würde auch einem Richter erlauben,
die Gefahr für die Allgemeinheit abzuwägen, die sich aus der Freilassung eines
in Haft genommenen Heroinhändlers gegen Kaution ergäbe.

Heroinhandel ist eine eindeutige und allgegenwärtige Gefahr, über deren
schlimme Auswirkungen sich alle vernünftigen Menschen einig sein können. Während zahlreiche Vorschläge, die ich dem Kongreß vorlegte, möglicherweise einer
längeren Zeit der Prüfung bedürfen, ist vernünftigerweise nicht anzunehmen,
daß sich darunter auch jene befinden, in denen es um die Notwendigkeit der
Zerschlagung des Heroinhandels geht. Deshalb ersuche ich darum, daß der Kongreß
sofort den Gesetzesvorlagen seine Aufmerksamkeit widmet,welche uns helfen,
diesen Markt des Elends auszuschalten.
Umstellung

- 15 -

�Umstellung auf das metrische System

Amerikaner halten an ihrer Tradition fest und tun Dinge gern auf ihre
eigene Weise. Nachdem wir von Kindheit an an die Vorstellung von Inch, Meile
oder Pfund (US-Pfund) gewöhnt sind, bereitet es uns begreifliche Schwierigkeiten, uns die Begriffe Zentimeter, Kilometer, Gramm oder Kilo vorzustellen.
Wenn wir uns jedoch überlegen, daß der übrigen Welt unser Maßsystem genau die
gleichen Schwierigkeiten bereitet, dann müssen wir, so traurig das ist, zu
dem Schluß kommen, daß wir außer Tritt sind.

In einer Welt des integrierten Handels und der wachsenden persönlichen
Kontakte ist es für uns nur klug, unsere Vorstellungen und Instrumente der
Maße

und Gewichte anzupassen.

Ich habe dem Kongreß empfohlen, die entsprechenden Gesetze über eine Umstellung Amerikas auf das metrische System zu verabschieden. Dies kann auf
vernünftige Weise geschehen, ohne abrupte oder alles störende Auswirkungen.
Ich freue mich, daß der Vorschlag der Administration gegenwärtig dem zuständigen
Unterausschuß des Repräsentantenhauses vorliegt. Ich bitte darum, daß der Senat
ebenfalls ohne Verzug die Maßnahmen für diese notwendige Umstellung erörtert.

Verteidigung - Außenpolitik - Auslandshilfe
Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt lebt Amerika im Frieden. Nun
müssen wir lernen, diesen Frieden zu erhalten - eine Aufgabe, die zumindest
genau solche Anforderungen stellt und in vieler Hinsicht sogar noch subtiler
ist als das Ringen um die Beendigung des Krieges.

Nach einem Krieg besteht stets die Versuchung, in eine Periode des Rückzugs und der Isolierung einzutreten. Aber gewiß haben wir aus den in der Vergangenheit mit der überstürzten Abrüstung gemachten Erfahrungen gelernt, daß
man dieser Versuchung widerstehen muß. Und sicherlich haben wir auch gelernt,
daß unser Fortschritt bei der Sicherung des Friedens in weitem Maße der Beibe-

�Beibehaltung unserer militärischen Stärke und der standhaften, verantwortungsbewußten Rolle, die wir in der Weltpolitik gespielt haben,zu verdanken ist.

In den letzten Jahren ist es schon beinahe Mode geworden, einfach zu erklären, daß man alles, was wir im eigenen Lande irgendwie an Extraprogrammen
haben wollen, ja mühelos dadurch finanzieren können, daß man das Verteidigungsbudget um fünf oder zehn oder auch zwanzig Milliarden Dollar beschneidet. Diese
Einstellung ist schlimmer als bodenloser Leichtsinn - sie ist selbstmörderisch.
Auch wenn wir das beste Angebot an innenpolitischen Programmen in der ganzen
Welt hätten, so würde dies doch nichts bedeuten, wenn wir unsere Freiheit verloren hätten oder wegen unserer Schwäche in den Abgrund eines nuklearen Krieges
gestoßen würden.

Die Hoffnung der Welt auf Frieden hängt von Amerikas Stärke ab - sie hängt
absolut davon ab, daß wir nie in die Position der zweitstärksten Macht der
Welt zurückfallen ...

Wir sind nun bereits seit Jahren in den langen und mühseligen Prozeß verwickelt, durch Verhandlungen zu einer beiderseitigen Begrenzung der strategischen
Nuklearwaffen zu gelangen. Abkommen von historischer Bedeutung sind bereits
erreicht und weitere stehen in Aussicht. Außerdem finden in diesem Jahr Gespräche statt, die auf eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa gerichtet sind. Aber der eigentliche Punkt, um den es bei all
diesen Verhandlungen geht, ist folgender: Wenn der Friede erhalten bleiben
soll, dann müssen die Begrenzungen und Reduzierungen auf beiden Seiten erfolgen.
Über das,was die eine Seite umsonst herzugeben bereit ist, wird die andere Seite
gar nicht erst verhandeln.

Wenn Amerikas Friede und Amerikas Freiheit wert sind, erhalten zu bleiben,
dann sind sie auch die Kosten wert, die mit dem für ihre Erhaltung jeweils
notwendigen Grad an militärischer Stärke verbunden sind. Wir dürfen nicht in
die Torheit verfallen, den Grad dieser Stärke herabzusetzen und damit unsere
Hoffnungen und die Hoffnungen der Welt auf eine friedliche Zukunft zu untergraben.
Obwohl

�Obwohl mein Budget für die Militärausgaben - gemessen in konstanten
Dollar - seit 1968 um fast ein Drittel herabgesetzt worden ist, droht der
Kongreß mit weiteren Verteidigungskürzungen, die die größten seit 1949 sein
würden. Eine solche einseitige Maßnahme - ohne die genau gleichen Konzessionen
von Seiten unserer Gegner - könnte die Chancen für weitere Rüstungsbegrenzungen
oder -reduzierungen unterminieren. Ich werde daher solchen Kürzungen aktiv
Widerstand entgegensetzen.

Das mit der Sowjetunion im vorigen Jahr unterzeichnete Abkommen über
Rüstungsbegrenzungen hat dem rapiden Anwachsen der Zahl der strategischen Waffen
endlich Halt geboten. Trotz dieses konkreten Erfolges bleibt noch viel zu tun,
um eine kontinuierliche Stabilität zu gewährleisten und unsere Verhandlungen
über ein ständiges Abkommen in bezug auf die strategischen Rüstungen zu unterstützen. Ein energisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm ist unerläßlich,
um die unbedingte Gewähr zu bieten, daß kein Gegner jemals einen entscheidenden
Vorteil durch einen technologischen Durchbruch erzielen wird und daß massive
Dislozierungsaufwendungen daher nicht erforderlich sein werden. Aber der Kongreß
ist dabei, die Mittel für die Forschung und Entwicklung bis unter die von der
Vernunft gebotenen Mindestgrenzen zu beschneiden, einschließlich unserer Programme für Raketen und Luftverteidigung. Auch die Trident- und B-1-Programme,
die für die Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Abschreckung entscheidend
wichtig sind, laufen Gefahr, völlig beschnitten zu werden.

Zu all dem hat der Senat auch noch eine tief einschneidende und unannehmbare Kürzung unserer militärischen Mannschaftsstärke um 156 000 Mann beschlossen. Eine solche Maßnahme würde uns dazu zwingen, die Zahl der Schiffe
unserer Seestreitkräfte zu verringern, während die Sowjetunion ihre Marine
weiterbin in einem bisher beispiellosen Ausmaß ausbaut, und die Stärke unseres
Heeres und unserer Luftwaffe zu reduzieren, während die Sowjetunion und die
Chinesen weiterhin weitaus größere Streitkräfte unterhalten.

Zu diesen Reduzierungen kommt ferner noch ein gewichtiger Vorschlag vom
Senat, der wesentliche einseitige Truppenabzüge aus Europa fordert - ein Fehler,
der eine gefährliche Auflösung des NATO-Bündnisses einleiten könnte. Die Ver- 18 -

�Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen
am 30. Oktober. In diesem Augenblick unmittelbar vor den Verhandlungen würden
Truppenkürzungen in Europa und die Reduzierung der militärischen Mannschaf t.sstärke unsere Chancen zerstören, mit den Staaten des Warschauer Paktes zu
einem Abkommen über die Verringerung der Truppenstärken in Europa auf einer
Basis der Gegenseitigkeit zu gelangen. Würde es dem Kongreß gelingen, diese
geplanten Kürzungen durchzusetzen, dann würden die Vereinigten Staaten weitreichende Konzessionen machen, noch ehe die eigentlichen Gespräche begonnen
haben.

Genau so unannehmbar sind Kürzungen bei anderen Verteidigungsprogrammen.
Es ist wider alle Logik, die Kapazitäten Amerikas in eben dem Augenblick zu
beschneiden, in dem die Sowjetunion ihre eigenen verstärkt. Und es würde
schwierig sein, die heiklen Situationen im Nahen Osten und Asien zu stabilisieren, wenn der Kongreß die wirksamen Mittel nimmt, die die Stabilität möglich machten.

Eine weitere Angelegenheit, die für mich allerersten Rang hat, ist unsere
Verpflichtung gegenüber einem gesunden Programm bilateraler und multilateraler
Auslandshilfe. Ich habe dem Kongreß im Frühjahr vernünftige und annehmbare Forderungen für unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme unterbreitet. Diese
Programme stellen ein zentrales Element in der Befähigung Amerikas dar, mit
seinen Verbündeten für die Erhaltung des Friedens und der Stabilität in der
Welt zusammenzuarbeiten. Unglücklicherweise hat der Kongreß meine Forderungen
nicht günstig behandelt.

Das Repräsentantenhaus hat das Militärhilfeprogramm bereits um 25 Prozent
gekürzt und der Senat hat es um die Hälfte reduziert. Nicht nur wurden die
Mittel in ungewöhnlicher Weise gekürzt, sondern außerdem wurden im Ausschuß
restriktive Zusätze eingebracht, denen im Plenum vielleicht noch weitere
folgen. Ich kann es nicht hinnehmen, daß diese entscheidend wichtigen Programme
in solcher Hast und Reaktion verstümmelt werden.

Die
- 19 -

�r

Die laufenden Hilfsprogramme werden mit Hilfe einer Übergangsermächtigung
finanziert, die am 30. September abläuft. Dieser Zustand ist unbefriedigend, vor
allem angesichts der Anforderungen, die sich aus den nordvietnamesischen Waffenstillstandsverletzungen in Kambodscha ergeben. Dabei will der Kongreß weiterhin
nicht nur geringere Dollarbeträge zur Verfügung stellen, sondern erhebt darüber
hinaus sogar noch die unsinnige Forderung nach Zugang zu heiklen Informationen
und verlangt entgegengesetzt wirkende Bedingungen bei bestimmten Programmen.
Diese Forderungen sind unannehmbar; sie würden unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Welt schwer beeinträchtigen.

Ich habe die Absicht, alles nur erdenkliche zu tun, um die Mittel für die
Sicherheitshilfe-Anforderungen im Haushalt 1974 zu erhöhen. Ich werde mich auch
nachdrücklich gegen alle Versuche des Kongresses wenden, unvernünftige Forderungen zur Beschränkung der notwendigen außenpolitischen Hoheitsrechte der Exekutive durchzusetzen. Ein Geist der überparteilichen Zusammenarbeit hat das
Stahlgerüst gebildet, das Amerika über den kalten Krieg und über Vietnam getragen hat. Wir dürfen die großen Möglichkeiten des friedlichen Fortschritts
in der Nachvietnam-Ära nicht durch den Verlust dieses starken überparteilichen
Geistes gefährden.

Wenn wir ein wirklich dauerhaftes Gebäude des Friedens bauen wollen,
dann muß unser Fortschritt bei der Reform des Handels- und WährungsSystems
der Welt von Anstrengungen begleitet sein, den ärmeren Ländern zu einem gerechteren Anteil an der wachsenden Prosperität der Welt zu verhelfen. Zu diesem
Zweck ersuche ich den Kongreß, unseren fairen Anteil an den Beiträgen zu den
multilateralen Entwicklungsbanken zu bewilligen - sowohl die anstehenden Beiträge, die jetzt dem Kongreß vorliegen, als auch andere Vorschläge, über die
ich gegenwärtig mit dem Kongreß berate und die in naher Zukunft offizell eingebracht werden. Unsere bilateralen Hilfsprogramme sind ebenfalls ein wesentlicher Teil unserer Anstrengungen, die Entwicklung in der Welt zu fördern,
und ich ersuche den Kongreß, diesen Programmen seine volle Unterstützung zu
geben.
All
- 20 -

�All diese Anstrengungen stellen kurzfristige Investitionen in Frieden
und Fortschritt dar, die von gewaltiger langfristiger Bedeutung sind. Wenn
wir versuchen, hier heute ein paar Dollar einzusparen, so kann uns das morgen
weit mehr kosten.

Wenn der Kongreß, die Administration und die Bevölkerung in den kommenden
Wochen zusammenarbeiten, können wir viele in dieser Botschaft aufgezeigte
Ziele erreichen. Und wir werden am wirksamsten zusammenarbeiten, wenn wir im
Auge behalten, daß unsere letztliche Verantwortung nicht gegenüber einer Partei
noch einem geistigen Standpunkt, ja noch nicht einmal gegenüber einem Regierungszweig besteht. Unsere letztliche Verantwortung besteht gegenüber dem
Volk - und alles was wir tun, muß von dessen besten Interessen geleitet sein."

- 21 -

�amerika dienst
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Jp

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35/1973

US-FINANZMINISTER ZEIGT VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat auf einer Pressekonferenz am 7. September im Weißen Haus einen vorsichtigen
Optimismus hinsichtlich der kommenden Handelsverhandlungen und der Reform des
internationalen Währungssystems an den Tag gelegt. Die wesentlichen Auszüge
der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:

"Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich (am 6. September) einige Zeit
allein mit Präsident Nixon verbracht, um die Reise nach Tokio, Nairobi, Moskau,
Bonn und Jugoslawien und die damit verbundenen Zwecke zu erörtern. Und dann
sprachen wir über den Großhandelspreisindex und was hier zu tun wäre ...

Zunächst über die Reise: Wie es der Präsident sieht - und wie wir es alle
sehen - kommen wir im Verlauf weniger Wochen mit unseren Handelspartnern zusammen - als erstes bei der Eröffnung wichtiger Verhandlungen, die mit der Gestaltung des Handels zu tun haben. Darunter fallen Zollschranken und nichttarifäre

Handelsschranken. Dazu werden Erörterungen von Schutzbestimmungen

und -Systemen und von vielen anderen Fragen gehören. Hier handelt es sich um
die Eröffnung eines langen und schwierigen Prozesses - eines Prozesses, der
nach unserer Auffassung für das amerikanische Volk fruchtbar sein wird und
ebenso für andere Völker in der Welt.

Es
- 1 -

�1
Es wird schwierig werden, aber bei der Erörterung von Handelsfragen

J|

sollte doch niemand vergessen, daß es sich im Grunde um eine Situation handelt,
in der jeder gewinnen kann. Wir werden die Interessen der Vereinigten Staaten
hart vertreten, aber in einem Rahmen, in dem jeder aus diesen Verhandlungen
einen Gewinn ziehen kann.

Zweitens werden wir als ein Team zu der Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank gehen, und wir werden an einer weiteren Tagung
des Zwanzigerausschusses teilnehmen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte auf
dem Gebiet der internationalen Währungsreform, und wir werden, das liegt auf
der Hand, auch die Probleme der Entwicklungsländer und der Gewährung von Hilfe
an diese Länder erörtern.

Wir werden dann weiter nach Rußland reisen. Diese Reise war zur Zeit
des Gipfeltreffens dort vereinbart worden. Es wird eine reguläre Sitzung der
Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission stattfinden und wir werden eine
Reihe von Fragen erörtern, die für die weitere Arbeit dieser Kommission grundlegend sind. Und dann werde ich über Bonn zurückreisen, um dort mit meinem
Freund Helmut Schmidt zusammenzutreffen und vor der Deutschen Gesellschaft
für

Auswärtige Politik zu sprechen. Anschließend werde ich einen Gegenbesuch

in Jugoslawien machen. Diese gsamte Reise ist ein Versuch, unsere internationale
Wirtschaftspolitik im Interesse einer friedlichen und aufblühenden Welt weiter
voranzutreiben.

Ich freue mich, im Zusammenhang hiermit - und das betrifft die Weltwirtschaft - in Namen des Präsidenten bekannt geben zu können, daß wir im Weißen
Haus eine Konferenz des Präsidenten über Exportausweitung veranstalten werden.
Diese Konferenz wird am 11. Oktober um 0145 PM (Ortszeit) im Ostzimmer des
Weißen Hauses beginnen. Wir rechnen mit einer Teilnahme von rund 250 Vertretern
führender Exportunternehmen aus allen Teilen der USA. Handelsminister Dent
wird auf dieser Konferenz federführend sein.

Ich möchte betonen, daß die Unternehmer nicht auf diese Weise zum Export
angehalten werden sollen, sondern es soll ihnen aufgezeigt werden, daß die

- 2 -

�die amerikanischen Erzeugnisse jetzt überall auf der Welt wettbewerbsfähig
sind. Es liegt nunmehr bei unseren Unternehmen, unseren Produzenten, diese
Tatsache zu nutzen und in das Exportgeschäft einzusteigen. Dadurch werden
Arbeitsplätze und die Voraussetzungen geschaffen, daß wir die benötigten wichtigen Importe bezahlen können.

Neben der Erörterung dieser Fragen werden wir uns natürlich auch mit all
den Punkten befassen, die vorgebracht werden und den Export erschweren könnten
und bei denen die Regierung helfen könnte ...

Einmal zeigen die statistischen Berichte über die Arbeitsmarktentwicklung ... daß die Wirtschaft stark ist und die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
niedrig bleibt ... Auf der anderen Seite erleben wir ein schreckliches Drama
- das Problem der steigenden Preise - das uns bedrückt und das durch den heute
veröffentlichten Index der Großhandelspreise noch dramatisiert wird ...
Wie Sie wissen, wurden diese Zahlen Mitte August zusammengestellt ... Greift
man verschiedene Agrarprodukte heraus und nimmt man die prozentuale Veränderung
gegenüber dem Höchststand bei dem betreffenden Produkt Mitte August ..., dann
ergeben sich folgende Zahlen: Sojabohnen minus 47 Prozent, Sojabohnenschrot
minus 56 Prozent, Sojabohnenöl minus 41 Prozent, Weizen minus 10 Prozent Weizen hat noch eine anziehende Tendenz -, Mais minus 30 Prozent, Rinder
minus 15 Prozent, Schweine minus 35 Prozent - allein gestern ein Rückgang um
5 Dollar pro 1O0 Pfund Lebendgewicht - Brathähnchen minus 27 Prozent ...

Frage: Wenn Sie jetzt die Statistiken über den Rückgang der Preise für
Agrarprodukte während der letzten Tage anführen, wollen Sie den Verbrauchern
damit sagen, wie Sie das in der Vergangenheit wiederholt getan haben, daß das
Schlimmste nunmehr hinter uns liegt?

Antwort: ... Dieser Rückgang hat praktisch ... Tag für Tag seit dem Höchststand, den die Großhandelspreise erreicht hatten, angehalten, und wenn die
Preise auf dem derzeitigen Stand bleiben oder noch weiter nachgeben, dann
dürfte das bedeuten, daß auch die Lebensmittelpreise zurückgehen werden. Und
natürlich hängt dies auch zu einem großen Teil von der Ernte, nicht nur hier,
- 3-

�hier, sondern auch im Ausland, ab. Die Ernte ist noch nicht eingebracht, die
Aussichten sind jedoch sehr gut, und natürlich bemühen wir uns sehr um eine erneute wesentliche Ertragssteigerung im kommenden Jahr. Das ist es, was wir zur
Lösung des Problems unternehmen ...

Frage: Herr Minister, die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr für
über eine Milliarde Dollar Weizen an die Sowjetunion verkauft ... Können Sie
uns sagen, ob hier ein Trugschluß hinsichtlich der Auswirkungen für die amerikanische Landwirtschaft vorlag und ob diese neue Konferenz zu weiteren Agrarexporten anspornen soll?

Antwort: Der amerikanische Weizen ist wettbewerbsfähig; allerdings ist
es interessant, daß wir aus anderen Ländern Beschwerden über zu hohe Preise erhalten, daß sie nicht so viel kaufen können, wie sie möchten, und ob wir nicht
ihre Käufe subventionieren könnten.

Und wir sagen: 'nein ... Ihr bezahlt genau den gleichen Preis, den die
Amerikaner bezahlen'. Und das wirkt sich natürlich meines Erachtens erheblich
auf die Auslandsnachfrage aus ... Zum Beispiel erhalten wir jetzt aufgrund
des vom Präsidenten im Juni angeordneten Programms im voraus Informationen
über die Exportpläne, und uns liegen Zahlen über das vor, was im August geschehen soll ... Ich glaube, die Größenordnung liegt etwa zwischen 3,2 uni
4,1 Millionen Tonnen ...

Nach dem Stand vor Beginn der letzten Augustwoche sind 2 177 Millionen
Tonnen exportiert worden. In der letzten Augustwoche dürfte es noch etwas mehr
geworden sein. Wir haben diese Zahlen noch nicht vorliegen, aber es ist klar,
daß die tatsächlich exportierten Mengen wahrscheinlich nicht mehr als zwei
Drittel der ursprünglich für den Export vorgesehenen Menge ausmachten. Es ist
viel Spekulation und viel Luft in diesen Zahlen, und dies wird meines Erachtens nunmehr erkannt. Das wirkt sich jetzt auf die Preise aus. Die Preisrückgänge, die ich Ihnen verlesen habe, sind enorm, und man beginnt sich jetzt
zu fragen, ob all diese Nachfrage wirklich echt war oder ob sie angesichts der
höheren Preise dahinschwindet ...
Wir

�r

Wir bemühen uns natürlich darum, in Gesprächen mit den Sowjets, mit anderen,
mit unseren Handelspartnern, eine Vorstellung darüber zu bekommen, wie groß der
Bedarf wirklich sein wird. Wir haben Sitzungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu diesem allgemeinen Thema angeregt
und wir sind der Ansicht, daß solche Konsultationen und Abkommen darüber, wie
groß die zu importierenden Mengen wirklich sein werden, sehr nützlich sein können.

Aber natürlich sind wir auch der Auffassung, daß die amerikanische Landwirtschaft ein Gebiet ist, auf dem wir einen erheblichen Wettbewerbsvorteil
haben und auf dem wir große Mengen exportieren können. Wir haben dies natürlich
in all den Jahren getan und glauben, daß wir das auch weiterhin tun können. Wir
möchten diese Märkte erschließen, die Erzeugung steigern und diese Produkte im
Ausland verkaufen ...

Frage: Herr Außenminister, der Präsident hat auf seiner Pressekonferenz
recht nachdrücklich betont, daß es durchaus gemeinsame Bemühungen seitens der
westlichen, Erdöl verbrauchenden Ländern geben könnte, um zu bestimmten Maßnahmen zu kommen, die die arabischen Erdölexporte aus dem Nahen Osten in die
USA im Falle unfairer Enteignungen oder Preisfestsetzungen herabdrücken würden.
Werden Sie mit irgend einem unserer europäischen Verbündeten auf Ihren Reisen
nach Nairobi und Tokio über dieses Problem sprechen?

Antwort: Ja, auf allen Konferenzen der Finanzminister, zu denen ich gekommen bin, sprachen wir über die Fragen, die anstanden, aber wir führten daneben während der Mittagspause und auf den Gängen auch Gespräche, und diese
befaßten sich auch mit Energie und Lebensmitteln sowie damit, wie wir diese
Probleme handhaben werden. Denn das Problem der Versorgung und das Problem der
sehr großen Preissteigerungen betrifft jeden. Praktisch sind wir wahrscheinlich
von den großen Industriestaaten am besten weggekommen. Diese Fragen beschäftigen
alle.

Abgesehen von dem, was auf der Basis von Gesprächen mit unseren Lieferanten
und den Konkurrenten auf diesem Gebiet erreicht werden kann, erscheint es mir
wichtig, daß wir uns hinsetzen, um unser Energieproblem hier im eigenen Land
- 5-

�*
Land und unter anderen Verhältnissen wie in jedem anderen Land zu lösen. Wir

,,

können das erreichen. Wir verfügen über die grundlegenden Energievorkommen.
Wir müssen lediglich lernen, Energievorkommen in einer Weise zu erschließen
und zu nutzen, die mit unseren Umweltzielen vereinbar ist ...

Frage: Werden Sie auf Ihrer Reise gemeinsame Maßnahmen mit den übrigen
Verbraucherländern erörtern?

Antwort: Wir werden darüber sprechen, was für alle von Nutzen sein könnte.
Ich möchte keine bestimmte Richtung aufzeigen, die die Gespräche nehmen
könnten ...

Frage: Herr Minister, ist der Dollar Ihrer Ansicht nach gegenüber den
anderen Hauptwährungen unterbewertet? Steht dies in einem Zusammenhang mit den
hohen Lebensmittelpreisen in den Vereinigten Staaten und haben Sie für Nairobi
und Tokio irgend einen Plan, um dieses Problem zu lösen?

Antwort: Meines Erachtens ist der Dollar im Augenblick etwas unterbewertet. •
Wir haben im Frühjahr, im März glaube ich, in Verhandlungen einen Kurs festgesetzt und wir hielten ihn damals für richtig. Der Handel mit dem Dollar erfolgte
auf einem zum Teil floatenden Markt. Der Dollar-Kurs hat sich im Juli etwas
verschlechtert. Er hat sich seitdem wieder etwas erholt, und wir haben, wie dies
gestern bekannt gegeben worden ist, einen etwas anderen Interventionskurs verfolgt, als wir mit unseren Kollegen auf der Pariser Konferenz vereinbart hatten,
auf der das jetzt von uns benutzte System festgelegt wurde, indem wir nicht
intervenieren, um einen Preis zu stützen, sondern indem wir intervenieren, um
einen geordneten Markt aufrecht zu erhalten. Angesichts dieses Prozesses und
der, wie ich glaube, wachsenden Erkenntnis, daß der Dollar unterbewertet ist,
hat sich der Wert des Dollar geändert.

Und nun zu dem zweiten Teil Ihrer Frage, natürlich glaube ich, je niedriger
der Wert des Dollar ist - um es einmal so auszudrücken, um so billiger ist es,
Dinge in den Vereinigten Staaten zu kaufen. Und bis zu einem gewissen Maß haben
wir natürlich sehr hart gearbeitet, um eine Änderung des Dollar-Kurses zu bewirken.

Wir
- 6 -

�Wir hielten ihn für überbewertet, so daß unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten stark benachteiligt waren. Aber wir wollen hier nicht zu weit gehen
nur aus dem einen Grunde, den Ihre Frage anschneidet.

Frage: Herr Minister, der starke Anstieg der Lebensmittelpreise im Frühjahr und Sommer scheint sich in den letzten Lohnabsprachen dieses Jahres noch
nicht niedergeschlagen zu haben. Können Sie sagen, warum das so ist, und dazu
Stellung nehmen, wie lange die Arbeitnehmer noch Geduld üben sollen, wenn der
Anstieg der Lebensmittelpreise und die Inflation ganz generell nicht unter
Kontrolle kommen?

Antwort: Ich glaube, es gibt eine ganze Reihe von Gründen für das meines
Erachtens hervorragende Verhalten bei den TarifVerhandlungen dieses Jahres.
Zunächst einmal sollte man sich daran erinnern, daß die Unterhändler, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Verhandlungsrunden - und wir haben dies
Ende letzten Jahres gesagt und Ihnen gegenüber betont - im Gegensatz zu diesen
Situationen, in ihre Verhandlungen eintraten, nachdem sie in der dreijährigen
Laufzeit ihres Vertrages einen echten Einkommenszuwachs gehabt hatten und nachdem eine relative Zunahme der Beschäftigtenzahl in dieser Zeit erzielt worden
war, so daß sie sich im Gegensatz zu früheren Runden in einer relativ guten
Position befanden ...

Meines Erachtens ist von Seiten der Unternehmer wie auch der Arbeitnehmer
wirklich staatsmännisches Verhalten an den Tag gelegt worden. Ich glaube, daß
unsere Beamten innerhalb der Regierung mit dazu beigetragen haben ... Die Tarifverhandlungen dieses Jahres sind nahezu abgeschlossen. Die Verhandlungen in der
Automobilindustrie dauern noch an und es stehen noch einige andere Verhandlungen
bis Ende des Jahres an, aber die großen TarifVerhandlungen haben wir im allgemeinen hinter uns ... Was nun die Lebensmittelpreise anbetrifft ..., so glaube
ich, liegt es in der Natur der Sache, warum es so wichtig ist, daß wir alles
in unseren Kräften stehende tun, um das Inflationsproblem zu bekämpfen, das
Angebot an Agrarprodukten zu steigern, eine disziplinierte Währungspolitik zu
verfolgen und alles vernünftigerweise nur mögliche zu tun, um die Inflation
unter Kontrolle zu bringen.
Frage:
- 7-

�1

Frage: Herr Minister, meines Wissens zirkuliert seit etwa einem Monat
i,

ein Regierungserlaß im Weißen Haus, demzufolge die Steuervergünstigungen für
Exporteure solcher Erzeugnisse ausgesetzt werden würden, die den Exportkontrollen
des Handelsministeriums unterliegen. Erstens, rechnen sie in naher Zukunft damit,
daß der Erlaß unterzeichnet und veröffentlicht wird, und zweitens, aus welchem
Grund ist die Unterzeichnung dieses Erlasses jetzt um mehrere Wochen verzögert
worden?
Antwort: ... Der Präsident hat dargelegt, daß seine Politik gegen Exportkontrollen gerichtet ist. Wir haben außer den vor einigen Monaten verfügten
Exportkontrollen, die Ende dieses Monats auslaufen sollen, keine weiteren erlassen.

Wir haben die Lage sehr sorgfältig beobachtet und wir halten es für recht
wahrscheinlich, daß im Lebensmittelbereich keine weiteren Kontrollen verfügt
zu werden brauchen. Wenn die Ernte gut eingebracht ist, wie wir dies zur Zeit
erwarten, und wir hier die Preisveränderungen halten können ... dann werden wir
natürlich keine weiteren Exportkontrollen benötigen ...

Frage: Herr Minister, mit welchem zeitlichen Ablauf rechnen Sie bei dem
i

jetzt dem Kongreß vorliegenden Handelsgesetz?
Antwort: ... Der Ausschuß arbeitet sich durch die Materie recht gut durch.
Die Mitglieder scheinen der Auffassung zu sein, daß sie Ende dieses Monats
oder Anfang Oktober ihre Arbeit beendet haben werden ...

Frage: ... Was halten Sie davon, wenn das Handelsgesetz keine Vollmacht
zu Verhandlungen über die Meistbegünstigungsklausel für Rußland oder China enthalten einschließen würde?

Antwort: Der Präsident erachtet die Meistbegünstigungsklausel für wichtig.
Sie ist für unsere sich jetzt entwickelnden Beziehungen zu diesem Teil der Welt
- nicht nur Rußland und China, sondern auch zu anderen Ländern - wichtig. Wir
möchten, daß sie in das Gesetz einbezogen wird, der Präsident hat dies unter- 8-

�f

unterstützt und wir haben mit Mitgliedern des Kongresses zusammengearbeitet,
um festzustellen, welche Formulierung angebracht wäre. Wir sind sehr daran
interessiert, daß dies verabschiedet wird, und der Präsident hat diesen Standpunkt von Anfang an vertreten und vertritt ihn noch heute."

- 9 -

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35/1973

MULTINATIONALE GESELLSCHAFTEN VERSTÄRKEN PRODUKTION
IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -

Von Sam Burks

WASHINGTON - (AD) - Die Umsätze der multinationalen Gesellschaften außerhalb ihrer Heimatländer nehmen gegenwärtig doppelt so rasch zu wie das Bruttosozialprodukt der Welt, und es steht zu erwarten, daß Anfang der achtziger Jahre
rund 25 Prozent der gesamten Produktion der nicht-kommunistischen Welt auf
solche Gesellschaften entfallen werden. Im Gefolge dieser Expansion wird sich
die Produktionstätigkeit dieser Firmen immer mehr aus den Vereinigten Staaten,
Europa und Japan in die weniger entwickelten Gebiete der südlichen Hemisphäre
verlagern.

Dies geht aus einer am 4. September vom "Diebold Institute for Public
Policy Studies" - eine mit der Dieboldgruppe für Internationale Unternehmensberatung assoziierte Stiftung - veröffentlichten Studie hervor, die den Titel
"Wirtschaft und Entwicklungsländer - eine Studie über die Rolle privater Unternehmer bei der wirtschaftlichen Entwicklung" trägt. Die Veröffentlichung dieser
122 Seiten zählenden Studie erfolgte zu dem gleichen Zeitpunkt, da in New York
auf Einladung der Vereinten Nationen eine Expertengruppe sich mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen multinationaler Firmen befaßte.
Einen
- 1 -

�Einen Hauptgrund für diese Expansion nach Süden sieht die Studie darin,
daß die reichen Länder nunmehr in eine nach-industrielle Ära eintreten, in der
sie sich immer stärker auf die Bereitstellung von technologischem Wissen und
Dienstleistungen konzentrieren, statt selbst Güter zu produzieren. Gleichzeitig
wächst ihre Fähigkeit, durch ein geschicktes Offerieren des für die Produktionssysteme erforderlichen technologischen Wissens sowie neuer Ausbildungsmethoden
für Unternehmer und Fachkräfte solche Kenntnisse anderen Ländern zu vermitteln.

Die Studie führt sieben traditionelle Gründe für die Verlagerung der
Produktion in weniger entwickelte Länder an - der Wunsch, sich Zugang zu billigeren
Arbeitskräften und billigerer Energie zu verschaffen; aus den sich verändernden
Handelsgepflogenheiten Vorteile zu ziehen; in der Nähe eines expandierenden Auslandsmarktes zu sein; zu verhindern, daß die Konkurrenz vorher bereits die Märkte
und Versorgungsquellen mit Beschlag belegt; den einheimischen Antitrust-Bestimmungen zu entgehen; sich gegen zyklische Schwankungen auf den Binnenmärkten
abzusichern; sowie aus einer voll integrierten Geschäftstätigkeit auf größerer
Ebene Nutzen zu ziehen.

Die europäischen Länder werden nach Auffassung der Studie nicht länger
Fabrikarbeiter importieren, wie sie dies in den fünfziger und sechziger Jahren
taten. Vielmehr werden sie ihre Fabriken nach Süden dorthin verlagern, wo die
Gastarbeiter früher herkamen. Junge japanische Arbeiter sind zum Beispiel nicht
mehr bereit, in kleinen, nur niedrige Löhne zahlenden einheimischen Betrieben
zu arbeiten, die schon immer Einzelteile für die großen japanischen Konzerne
hergestellt haben. Die Folge ist, daß japanische Firmen bereits dazu übergegangen sind, Kontraktbetriebe in den Niedriglohnländern Südostasiens und Lateinamerikas zu errichten.

Die Diebold-Studie warnt, daß diese erwartete Ausweitung der Produktion
in den Entwicklungsländern durch einen Nationalismus in den Gastländern verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden könnte. Um dieser Gefahr auszuweichen, wird den multinationalen Gesellschaften geraten, folgenden Kurs zu
verfolgen:
- Es

�- Es sollte vermieden werden, daß die als Ersatz für Importe errichteten
Unternehmen sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden, sofern nicht
überzeugende Argumente hierfür bestehen - zum Beispiel fehlendes einheimisches Kapital oder keine geeigneten einheimischen Partner. Bei exportorientierten Unternehmen könnte es jedoch angebracht sein, wenn sie
sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden.

- Es sollte zugestanden werden, daß die einheimischen Arbeitskräfte das
Gefühl haben müssen, daß sie mit zur Ausbildung herangezogen und ebenfalls in Spitzenpositionen beschäftigt werden und daß sie wo möglich,
in ihrem Lande Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführen können.

- Es sollte nicht versucht werden, weit über den ortsüblichen Sätzen liegende
Löhne zu zahlen, sondern stattdessen vereinbart werden, höhere Steuern
zu zahlen, um so zur Entwicklung der Infrastruktur beizutragen und eine
Lohninflation zu verhindern.

- Es sollte nicht versucht werden, Steuern durch Manipulationen von Dienstleistungen oder Transferpreisen zu umgehen.

- Es sollte vereinbart werden, Abkommen in gewissen Zeitabständen immer
wieder neu auszuhandeln.

- Es sollte vermieden werden, Werke auf Gebieten zu errichten, die bisher
stets eine Domäne einheimischer Investoren waren.

- Es sollte möglichst viele Aufträge an einheimische Kontraktfirmen vergeben werden.
- Es sollten keine besonderen Konzessionen in Anspruch genommen werden,
die nicht auch den einheimischen Geschäftsleuten zugänglich sind.

- Es sollten Aktien an einheimische Tochtergesellschaften ausgegeben werden,
sofern eine funktionsfähige Börse besteht.
Ganz
- 3-

�Ganz allgemein kommt die Studie zu der Feststellung: "Wenn ein Entwicklungsland

ein eigenes festes

Wirtschaftsethos sowie ein eigenes Wirtschafts-

leben hat, dann dürften die multinationalen Gesellschaften der Welt auch einen
Weg finden, um an seine Tür zu klopfen und um Zugang zu ersuchen. Dann wird es
Sache des Entwicklungslandes sein, darüber zu entscheiden, unter welchen Bedingungen ihnen dies gestattet werden wird". Auf der anderen Seite, so warnt
die Studie, wird eine Entwicklungspolitik, die nicht erfolgreich ist, das
einheimische

Wirtschaftsethos abtöten und Schranken gegen die Mitarbeit aus-

ländischer Unternehmen errichten, die unter solchen Umständen nicht in dieses
Land werden kommen wollen.

Die Studie empfiehlt den Regierungen der Gastländer folgende Schritte, um
private Investitionen anzuziehen und im Lande zu halten:

- Sie sollten unabhängige einheimische Firmen dabei unterstützen, damit sie
als Zulieferbetriebe ausländischer multinationaler Unternehmen fungieren
können, wobei die großen Möglichkeiten aber auch die besonderen Probleme
beachtet werden sollten, die sich für die Zulieferbetriebe der japanischen
Großunternehmen ergaben.

- Sie sollten es ablehnen, Produktionsziele für Fertigungsindustrien über
einen langen Zeitraum hinaus im voraus aufzustellen, da ein großer Teil
der Produktion in den nächsten 20 Jahren aus völlig neuen Erzeugnissen bestehen wird. Aus dem gleichen Grunde sollten jedoch Ziele für "Infrastruktur"
Industrien gesetzt werden.

- Sie sollten Schulungs- und Ausbildungsprogramme importieren, bei denen
Verfahren unter Ausnutzung moderner Fernmeldeeinrichtungen und Großrechenanlagen benutzt werden.
- Sie sollten die staatlichen Entwicklungsanstrengungen auf die Bereitstellung von Fernmelde- und Transporteinrichtungen konzentrieren und
nicht auf die Arbeit der Fertigungsindustrien.
- Sie
- 4 -

�- Sie sollten den Multinationalen den Betrieb exportorientierter Unternehmen, die Tätigkeit im Bergbau und auf dem Erdölsektor sowie die
Führung moderner technologisch hoch entwickelter Betriebe gestatten.

- Sie sollten gemeinsamen Unternehmen Vorrang einräumen, um so technologische Kenntnisse zu importieren, sofern in dem betreffenden Entwicklungsland die eigene wirtschaftliche Infrastruktur weit genug entwickelt ist,
damit mehrere gemeinsame Unternehmen auf dem gleichen Industriesektor miteinander konkurrieren können. Ist dies nicht der Fall, dann sollte den
multinationalen Unternehmen die Arbeit unter nicht-monopolistischen Bedingungen gestattet werden oder es sollten technologische Kenntnisse auf
Wettbewerbsbasis importiert werden.

- Es sollte dafür gesorgt werden, daß einzelne Industrien für eine gewisse
Zeit besonderen Schutz erhalten, damit sie den Import übernehmen und
selbst exportieren können. Wird dies nicht erreicht, so soll der Schutz
entzogen werden.

- Es soll versucht werden, die multinationalen Gesellschaften fair und gerecht zu besteuern, ihnen aber gleichzeitig der Vorteil billiger Arbeitskräfte belassen werden.

- Es soll ein "Expertenberatungsdienst" geschaffen werden, entweder in
Form eines internationalen Instituts oder als unabhängige Beratergruppe,
um festzustellen, wie die multinationalen Gesellschaften ihr Rechnungswesen aufbauen.

- Die Besteuerung soll so gestaltet werden, daß die Vergabe von Kontrakten
an einheimische Firmen gefördert wird.

- Es soll eine nationale Politik auf der Annahme entwickelt werden, daß
die Entwicklungsländer über ein nicht voll ausgenutztes Potential an
Arbeitskräften verfügen, die in wachsendem Maße angelernt werden können.
Die
- 5 -

�Die Diebold-Studie ist die zweite einer Reihe von Untersuchungen, die
sich mit der sich wandelnden Rolle der Privatunternehmen in einer nach-industriellen Gesellschaft sowie den Möglichkeiten für eine Steigerung der Produktivität im privaten und öffentlichen Sektor befaßt.

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35/1973

US-DELEGATION OPTIMISTISCH ÜBER TOKIOER HANDELSVERHANDLUNGEN
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -

Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vertreter der Vereinigten Staaten für die Handelsverhandlungen in Tokio vom 12. bis 14. September haben sich optimistisch über
die Aussichten geäußert, eine neue Ausweitung des Welthandels und eine Reform
der internationalen Regeln für diesen Handel herbeizuführen. Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) in der japanischen
Hauptstadt wird nach Auffassung von Botschafter William D. Eberle, dem Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, zu einem "zentralen
Punkt" werden, um die "allgemeine Richtung und den Ton" der kommenden Verhandlungen zu bestimmen.

Der 20-köpfigen amerikanischen Delegation unter Führung von Finanzminister
George P. Shultz gehören neben Eberle unter anderem der Staatssekretär für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im Außenministerium, William J. Casey; der
Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan; der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Herbert Stein; und der Stellvertretende
Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter Harald B. Malmgren, an.

Botschafter Eberle will die Zusammenkunft in Tokio weder als "zeremonielle
Formalität" noch als "Punkt der Konfrontation" gesehen wissen. Die Verhandlungen
werden nach seiner - sicherlich von allen Fachleuten geteilten - Auffassung

- 1-

�Auffassung langwierig, weitgreifend, technisch und kompliziert sein. Die hohe
Ebene der Delegierten der beteiligten Länder und Institutionen dürfte nach
Ansicht Eberles das Zustandekommen einer "gemeinsamen Deklaration" erleichtern,
die die Richtschnur für die kommenden detaillierten Verhandlungen bieten soll.
Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Oktober in Genf auf der Ebene
des GATT-Ausschusses fortgesetzt und dürften in der ersten Hälfte 1974 in ihr
eigentliches Sachstadium treten.

Die Ziele sind bekannt: Liberalisierung der Zollsätze, Abbau der nichttarifären Handelsschranken, Liberalisierung des Agrarhandels und Reform der
internationalen HandelsregeIn, vor allem hinsichtlich der Schutzbestimmungen
für einheimische Industrien.

Für die gemeinsame Deklaration sind bereits weitgehende Vorbereitungen
getroffen worden, wobei die Frage des Zusammenhangs zwischen HandelsVerhandlungen und WährungsVerhandlungen, sprich Währungsreform, sowie die Position
der am weitesten zurückliegenden Entwicklungsländer noch umstritten sind.

Der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan, der offiziell
den Titel "Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik" trägt,
rechnet mit einer sehr aktiven Rolle der Entwicklungsländer bei den kommenden
Handelsverhandlungen. Diese Verhandlungen können nach Auffassung Flanigans den
Entwicklungsländern große wirtschaftliche Vorteile bringen, wenn sie gekillt
sind, sich an der wirtschaftlichen Expansion zu beteiligen. Ihr Lebensstandard
könne auf die Dauer nur gehoben werden, wenn sie ihre Güter und Erzeugnisse
in den "Hauptstrom des Welthandels" einbringen können.

Flanigan sieht ferner eine große Chance für die Entwicklungsländer in
der Steigerung der Privatinvestitionen. Gerade das Privatkapital könne zu einer
wirksamen Quelle der Entwicklung werden. Allerdings, so räumt Flanigan ein, sei
in diesem Zusammenhang die Verstaatlichung ohne Entschädigung in manchen Ländern
zu bedauern, da sie das zur Entwicklung dringend gebrauchte ausländische Kanital
abschrecke. Jedes Land, so betonte Flanigan, habe natürlich das Recht, innerhalb seiner Grenzen Betriebe zu verstaatlichen, aber das Land habe dann auch

�auch die Pflicht, eine entsprechende Entschädigung zu leisten. "Wir sind der
Auffassung", so erklärt der Wirtschaftsberater des Präsidenten, "daß es ein
schwerer Fehler für ein Land ist, ausländische Investitionen zu verstaatlichen,
wenn es selbst nicht über genügend Kapital verfügt".
Die Nixon-Administration wird nach den Worten Flanigans weiterhin für
bilaterale und multilaterale Auslandshilfe für die Entwicklungsländer eintreten. Allerdings dürfe man sich über die Wirkung der offiziellen Hilfe - die
bei allen OECD-Ländern zusammen nur zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der
Entwicklungsländer ausmacht - keinen Illusionen hingeben. Neben den Privatinvestitionen sei für die Entwicklungsländer vor allem ein Abbau der Zoll- und
Handelsschranken in der ganzen Welt - vor allem auf dem Agrarsektor - von entscheidender Bedeutung.

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35/1973

AUDIO-VISUELLE GERÄTE UND SYSTEME
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

Vom 11. bis 15. Oktober 1973 - parallel zur Buchmesse - zeigen im USHandelszentrum in Frankfurt am Main über fünfundzwanzig amerikanische Hersteller ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der audio-visuellen Geräte
und Systeme. Einige dieser Firmen kommen mit ihren Erzeugnissen erstmals
nach Deutschland und suchen auf diesem Wege Kontakte zu deutschen Unternehmen.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Videorecorder (Band und Kassette), Anlagen
für die Produktion von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder für Originalbänder), Bandkopiergeräte,
Prüfeinrichtungen und Reinigungsgeräte, VCR-Software, Bildplattensysteme, EVRBauteile und -Software, Projektionswände, CCTV-Geräte, Mattscheibenprojektoren
für Super-8-Kassetten, Bausteine für Lernmaschinen, computergesteuerte Unterrichtssysteme, Software für computerunterstütztes Lernen, Simulationseinrichtungen, Overhead-Projektoren, Transparent-Kopiergeräte für Overhead-Projektoren
und Bildstreifen-Dia-Projektoren.

Auf der angeschlossenen Tagung am 12., 13. und 14. Oktober werden Experten
in Fachvorträgen zu den jüngsten Erfahrungen auf dem Sektor der Audiovision
Stellung nehmen.
Anmeldungen und Programme durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt am Main,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Telefon (0611)-72 08 Ol, Telex 41 65 35.
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35/1973

TECHNIK FÜR DEN UMWELTSCHUTZ
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss

- (AD) - In einer Gemeinschaftsausstellung zeigen 15 der amerikanischen
Firmen, die die internationale Fachmesse "Technik im Umweltschutz" beschicken
(ENVITEC 73, 8. - 14. Oktober 1973 in Düsseldorf), ihre neuesten Entwicklungen
an Apparaturen und Verfahren. Sie wenden sich, wie die anderen der z.T. ebenfall
auf nationalen Gemeinschaftsständen vertretenen 330 Aussteller

aus 15 Ländern,

an Interessenten der verschiedensten Fachbereiche. Diese repräsentieren in
erster Linie Behörden, Industrieunternehmen und kommunale Betriebe, welche z.B.
Wasser und Abwässer behandeln und überwachen, bei denen feste, flüssige und gasförmige Abfallstoffe anfallen oder die sich mit Lärmschutz befassen.

Zu dem mit der Messe verbundenen Weltkongreß der "Internationalen Union
zur Verhütung von Luftverschmutzung" werden Wissenschaftler und Ingenieure,
Beauftragte von Verwaltung und Politik aus 18 Ländern nach Düsseldorf kommen.
Die Veranstaltungen und die persönlichen Kontakte bieten reichlich Gelegenheit,
Erfahrungen und Meinungen über Probleme und mögliche Verbesserungen von Umweltschutzmaßnahmen und nicht zuletzt über Wege zu einer Verminderung dadurch entstehender Belastungen für Wirtschaft und Staat auszutauschen.

Die Kosten sind enorm. So schätzte vor ca. einem Jahr der Beirat Präsident Nixons für Umwelthygiene die Aufwendungen, die allein in den Vereinigten

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Vereinigten Staaten in den Jahren 1971 bis 1980 für den Umweltschutz aufzubringen sind, auf 287 Milliarden Dollar. Die Bewältigung solcher zwingenden
Aufgaben bereitet schon den Volkswirtschaften der Industrieländer in finanzieller, handelspolitischer und technischer Hinsicht erhebliche Schwierigkeiten.
Und diese Schwierigkeiten tragen zu den - vielfach recht umstrittenen - Bestrebungen bei, die künftige Industrieentwicklung zugunsten des Umweltschutzes
zu steuern und sogar für ein wirtschaftliches "Null-Wachstum" zu plädieren.
Sie erklären auch, weshalb manche Entwicklungsländer auf Forderungen nach mehr
Umweltschutz allergisch reagieren - auch wenn sie sich darüber klar sind, daß
Umweltschäden vor nationalen Grenzen nicht Halt machen und reiche wie arme
Länder treffen.

Einer Fachmesse wie ENVITEC 73 kommt deshalb u.a. die Aufgabe zu, das
Verständnis für den ungemein weitreichenden Komplex "Umweltschutz" zu fördern.
Sicherlich gibt sie auch Anregungen, wie durch Rationalisierung der Umwelttechnik der Preis für den Umweltschutz verringert und durch eine nationale bzw.
regionale Harmonisierung der Umweltpolitik deren Effektivität gesteigert werden
könnte.

Daß es dabei kaum ohne Kompromisse abgeht, zeigt beispielsweise die
Suspendierung der für 1976 vorgesehenen verschärften amerikanischen Bestimmungen
zur Emission von Stickstoffoxiden für ein ganzes Jahr durch die US-Behörde für
den Umweltschutz (EPA). Sie gab damit dem Ersuchen der Automobilwerke Ford,
General Motors und Chrysler statt, es für die 1976er Modelle noch bei einer
Abgas-Toleranzgrenze von 2 Gramm Stickstoffoxiden pro Meile zu belassen. Der
vorgesehene Grenzwert von 0,4 g/Meile sei, wie die Firmen darlegten, in der
Serienfertigung einfach noch nicht realisierbar. Aber selbst die Einhaltung des
Zwischengrenzwertes von 2 g/Meile erfordert bei den meisten Autotypen den Einbau einer Zusatzausrüstung für die Abgas-Rezirkulation (EGR-System). Durch diese
Vorrichtung, die 10 Dollar kostet, wird gleichzeitig die Kilometerleistung verbessert. Die für 1976 ebenfalls vorgesehene strikte Reduzierung der Emission
von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid wird allerdings von der Zwischenlösung in bezug auf Stickstoffoxide nicht berührt.
Auch
- 2-

�Auch der jüngste Vorschlag Präsident Nixons, schwefelreiches Rohöl als
Energierohstoff zu verwenden, um Versorgungsengpässe kurzfristig zu überwinden,
und in diesem Zusammenhang die strengen Kontrollen für die Emission von Schwefeldioxid vorübergehend etwas zu lockern, ist ein Kompromiß. Er wurde im Zusammenhang mit einem neuen Acht-Punkte-Dringlichkeitsprogramm für die Energieversorgung der Vereinigten Staaten vorgelegt.

In den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten gelten zwar noch immer
unterschiedliche Vorschriften für die Reinhaltung der Luft. Die Bundesstaaten
haben jedoch Mindestanforderungen zu beachten, wie sie z.B. die EPA in bezug
auf Luftqualität im Zusammenhang mit Luftverschmutzung bei außergewöhnlichen
Witterungsbedingungen stellt. Im übrigen werden die von der EPA bisher festgesetzten Grenzwerte, die bundesweit gelten, von den Einzelstaaten erst nach Ablauf einer gewissen Frist mit der Anpassung ihrer eigenen staatlichen Vorschriften
an diese Grenzwerte übernommen.
Für Schwefeloxide, feste Partikel und Staub, Kohlenmonoxid, photochemische
oxidierende Verbindungen, Kohlenwasserstoffe und Stickstoffoxide liegen "BundesGrenzwerte" bereits vor, die Ausdehnung solcher Bestimmungen auf weitere Schmutzund Schadstoffe in der Luft ist wahrscheinlich. Dabei wird zwischen einem
"primären" Grenzwert, der die Gesundheit der Allgemeinheit schützen soll, und
einem - meist niedrigeren -"sekundären"Grenzwert unterschieden. Letzterer ist
eine Schutzmaßnahme für das Allgemeinwohl, die beispielsweise die Mengen von
Schmutz- und Schadstoffen wegen ihres Einflusses auf Kleidung, Gebäude, Metalle,
Vegetation, Agrarprodukte, Tiere, etc., begrenzt.

So können z.B. Schwefeloxide in der freien Luft von gewissen Konzentrationen an das Auftreten von Erkrankungen der Atmungsorgane begünstigen, die
Todeshäufigkeit erhöhen und zu Schäden an Bauwerken oder anderen Sachwerten
sowie an Anpflanzungen führen. Um ganz spezielle Erscheinungen wie Gesundheitsschäden zu vermeiden, ist der nationale primäre Maximalwert (als jährlicher
Mittelwert) auf 80 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bzw. 0,03 Teile Schwefeloxide
in 1 Million Teilen Luft (abgekürzt ppm) festgesetzt. Der sekundäre Grenzwert
dagegen, der eine Beeinträchtigung des Allgemeinwohls verhindern soll, liegt

- 3-

�liegt - als arithmetisches Mittel - bei 60 Mikrogramm/cbm bzw. bei 0,02 ppm,
wobei die EPA auch kürzere Fristen der Exponierung als ein ganzes Jahr berücksichtigt.

Die Umweltschutzbehörde EPA gibt zu den bundeseinheitlichen Maximalwerten auch die technischen Informationen zur Bekämpfung und Kontrolle der
betreffenden Schadstoffe, zu den Kosten für die Emissionskontrolle, zu allen
bekannten Verfahren sowie Alternativ-Methoden, die eine spezielle Form der
Luftverschmutzung verhindern. In diesem Rahmen von Schutzmaßnahmen sind dann
die Einzelstaaten dafür verantwortlich, Emissions-Grenzwerte für Schmutz- und
Schadstoffe festzusetzen, die von einer bestimmten Quelle, z.B. einem Industriebetrieb, ausgehen. Neu errichtete Betriebe sind durch Bundesgesetz verpflichtet,
von vornherein die bestmöglichen Verfahren zur Abluftreinigung anzuwenden.
Aber noch immer belaufen sich die Schäden, die in den USA jährlich durch verschmutzte Luft an Gesundheit und Sachwerten angerichtet werden, auf schätzungsweise 16 Milliarden Dollar.

Acht amerikanische Firmen in der US-Gemeinschaftsausstellung für ENVITEC 73
sind auf Ausrüstungen und Verfahren für den Sektor "Reinhaltung der Luft" spezialisiert und bieten u.a. an:

Freeman Laboratories, Inc. (Rosemont, Illinois) zeigt eine Anzahl von Meßgeräten zur Überwachung von Stickoxiden, Schwefeloxiden, Schwefelwasserstoff,
Chlor und anderen Schadstoffen.

Horiba Instruments, Inc. (Santa Ana, Kalifornien) zeigt Geräte und Systeme
zur Automobilgasüberwachung, einschließlich Geräte für die Fahrzeugprufung
in bezug auf Emissions-Grenzwerte.

Metal Bellows Co. (Sharon, Massachusetts) zeigt geschweißte Metall-Membrandruckdosen. Die von dem Unternehmen gebauten Vakuum-Kompressorpumpen basieren
auf einer Technologie, die für Druckdosen, wie sie die Luft- und Raumfahrt benötigt, entwickelt wurde.
Monitor

�Monitor Labs., Inc. (San Diego, Kalifornien) zeigt eine neue Baureihe
von Gasanalysengeräten, die nach dem Chemolumineszenz-Verfahren arbeiten
und über die Messung des Ozongehaltes die Bestimmung und Aufzeichnung von
Schadstoffkonzentrationen ermöglichen. Das System 7000 bietet die Möglichkeit
einer vollständigen Datenerfassung, so daß man an einer Reihe von strategisch
plazierten Meßplätzen innerhalb einer Kontrollregion in kürzester Zeit Informationen zur Überschreitung von Emissions- und Immissionswerten bekommt.

Research-Cottrell (Bound Brook, New Jersey), das wohl größte Unternehmen
der Welt auf dem Gebiet "Umwelttechnik", zeigt Elektrofilter zur Reinigung von
Industrieabgasen. Darüber hinaus befaßt es sich mit allen Aspekten der Luftreinhaltung, von der Beratung bis zur Errichtung schlüsselfertiger Systeme.

Scott Research Laboratories, Inc. (Plumsteadville, Pennsylvania) zeigt
Meßinstrumente und -Geräte für Emissionsmessung, Datenverarbeitung, statistische
Analysen, Entwürfe und Bau von Meßsystemen, etc.

Summit Filter (Summit, New Jersey) präsentiert sein Spezialerzeugnis,
die doppelwandige Filterkerze System 720, die sich in jede Standard-Entstaubungsanlage einbauen läßt.

Western Precipitation - Joy (Los Angeles, Kalifornien) zeigt elektrische
Abschneider (Gewebefilter) für hohe und niedrige Temperaturen, Mehrfach-Zyklonenentstauber, Hoch- und Niederdruck-Gaswäscher, Luftschleusen, Staub-Austragorgane und Prüfgeräte.

Alle genannten Firmen sind an Vertretungen in Europa und an Fabrikationsabkommen mit europäischen Unternehmen interessiert.

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SCHWEFELMONOXID IM INTERSTELLAREN RAUM

- (AD) - Mit einem Radioteleskop des Kitt Peak-Observatoriums in Arizona
entdeckten die beiden amerikanischen Astrophysiker Dr. Carl A. Gottlieb und
Dr. John A. Ball Schwefelmonoxid-Moleküle im Sternbild Orion. Die Zahl der
bisher bekannt gewordenen chemischen Verbindungen, aus denen die Moleküle in
den unendlich weiten Räumen zwischen den Sternen bestehen, erhöht sich damit
auf 22. Nach der Entdeckung der 21. Verbindung dauerte es allerdings ein ganzes
Jahr, bis man die nächste fand.

Eine ganze Anzahl dieser Moleküle zählt zu den organischen Verbindungen,
was natürlich immer wieder zu Spekulationen über mögliche Vorstufen für die
Entstehung von Leben im Kosmos Anlaß gibt. Das auf der Erde unbeständige
Schwefelmonoxid (SO), dessen Moleküle mit Hilfe der 3 mm-Frequenz erfaßt wurden,
ist die fünfte kosmische Verbindung, die Schwefel enthält. Mit Ausnahme der
schon vor längerer Zeit entdeckten Verbindung Silizium-Monoxid enthalten die
übrigen Molekülen eines oder mehrere der häufigsten Elemente - nämlich Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff.

Die neue Entdeckung ist für die Forschung deshalb von besonderer Bedeutung,
weil dadurch eine Möglichkeit eröffnet wurde, Rückschlüsse auf die Häufigkeit
von Sauerstoff im Kosmos und auf die Prozesse der Molekülbildung zu ziehen.
Allerdings sind dafür sehr komplizierte und langwierige Berechnungen notwendig.
Die Kenntnis dieser Prozesse hilft jedoch, z.B. die Evolution der Sterne und
der interstellaren Gase besser zu verstehen.
Die
- 1 -

�Die 3 mm-Radioimpulse von den Schwefelmonoxid-Molekülen, die inzwischen
auch ein Radioobservatorium der Universität Texas auf dem MT. Locke empfing,
wurden entdeckt, als man mit der Antenne des Kitt Peak-Observatoriums Orion A
anpeilte. Dies ist eine Radioquelle im Sternbild Orion,dessen helle Gaswolken
gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Einer Mitteilung der amerikanischen
"National Science Foundation" zufolge, die die Untersuchungen von Gottlieb und
Ball unterstützte, veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Entdeckung im
"Astrophysical Journal".

- 2 -

�</text>
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1

Information
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ii

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete

Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

Präsident Carter:

Feste Diplomatie erforderlich

- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik
- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -

Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen
auf Kuba

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Prüfung von Umweltchemikalien
- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an

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12. September 1979

37

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR STATIONIERUNG DER M-X RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 7. September 1979 seine Entscheidung über die neue Generation nuklearer Interkontinentalraketen bekanntgegeben. In einer längeren Erklärung erläuterte der Präsident diese Entscheidung.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Ich habe eine Erklärung über das neue strategische Abschreckungssystem
abzugeben, die ich als recht bedeutsam erachte. Manche Beobachter werden
sie auf eine Stufe stellen mit zwei anderen zentralen Entscheidungen, die in
diesem Jahrhundert von Präsidenten getroffen wurden: die eine war die Errichtung des Strategischen Luftkommandos selbst unter Präsident Truman, die andere
die spätere Entscheidung Präsident Kennedys über die Einführung des Systems
der verbunkerten Minuteman-Raketen.
Nahezu

30 Jahre lang hat unser Land nunmehr vor jedem Angriff abge-

schreckt und den Frieden durch ein sich ergänzendes System von Kernwaffen
zu Lande, zur See und in der Luft gesichert, ein System, das allgemein als die
"Strategische Triade" bekannt ist.
Durch

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�»•

&lt;

Durch die Aufrechterhaltung der besonderen Stärke und Vorteile, die eine
jede dieser drei getrennten Waffengattungen bietet, machen wir es jedem Feind
unmöglich, einen Gegenschlag auf sie alle auszuführen.
Meine Administration hat nun mit einem Programm zur Modernisierung und
Verbesserung aller drei Systeme der gesamten strategischen Triade begonnen,
um jeden Angriff zu überleben.

Unsere Bomberflotte wird verstärkt durch Marsch-

flugkörper, die mit Kernsprengköpfen ausgerüstet sind.

Unsere strategische

Unterseebootflotte wird durch Trident-U-Boote und Trident-Raketen verbessert.
Als Folge der zunehmenden Zielgenauigkeit der strategischen Systems wurden jedoch die festen, landgestützten Interkontinentalraketen (ICBMs) oder
die verbunkerten Interkontinentalraketen wie unsere Minuteman immer anfälliger gegen Angriffe.

Ein System beweglicher Interkontinentalraketen wird

diese Verwundbarkeit erheblich vermindern.

Deshalb entschied ich vor eini-

gen Monaten, daß die umfassende Entwicklung und Dislozierung einer neuen,
großen, beweglichen Interkontinentalrakete, bekannt als die M-X, in Angriff
genommen werden soll.

Ich habe diese Entscheidung getroffen, um unserem Land

jetzt und in Zukunft eine sichere strategische Abschreckung zu gewähren.
Die M-X wird es uns ermöglichen, mit einer modernisierten, unübertroffenen, überlebensfähigen strategischen Abschreckung durch unsere Triade aus
Interkontinentalraketen, U-bootgestützten Raketen und Schweren Bombern fortzufahren:

die mit Marschflugkörpern ausgerüstete Triade aus ICBMs, U-boot-

gestützten ballistischen Raketen und Schweren Bombern.
Die Art und Weise, in der wir die M-X dislozieren, um ihren eigenen Schutz
vor einem Angriff zu vergrößern, ist lebenswichtig für ihre Fähigkeit zur
Verteidigung unseres Landes.
Zur Zeit meiner Entscheidung für den Bau der M-X, legte ich fünf wesentliche Kriterien fest, die ein Stationierungssystem zu erfüllen hat.

- 2 -

Erstens:

�»

Erstens:

es muß zu der Fähigkeit der Strategischen Streitkräfte beitragen,

einen Angriff zu überleben.

Zweitens:

es muß verifizierbar sein, um einen

Maßstab zu setzen, der als Vorläufer für die Verifizierbarkeit mobiler ICBMSysteme auf beiden Seiten dienen kann.

Drittens:

es muß die nachteiligen

Auswirkungen auf unsere Umwelt so gering wie möglich halten. Viertens:
seine Dislozierung muß für den amerikanischen Steuerzahler zu einem vernünftigen Preis möglich sein.

Und fünftens:

es muß in Einklang mit existieren-

den SALT-Vereinbarungen stehen sowie mit unserer Zielsetzung bei SALT III,
umfangreiche gegenseitige Verminderungen der strategischen Waffen auszuhandeln.

Im Licht dieser Kriterien und nach umfassender Konsultation mit Verteidigungsminister Harold Brown und meinen anderen wichtigsten Beratern

habe

ich mich für die folgende Struktur der Stationierung des M-X-Raketensystems
entschieden:

die M-X wird beweglich in einem Bunkersystem entlang eines

Straßennetzes stationiert, das in unseren westlichen Wüstengegenden konstruiert werden und dessen Gesamtgebiet 25 Quadratmeilen nicht überschreiten wird.

Dieses System wird aus 200 Raketentransportern oder -Startanlagen bestehen, die alle rasch beweglich sind auf Spezialstraßen, die annähernd 23
horizontale Unterstände verbinden.

Lassen Sie mich darlegen, wie dieses System die Kriterien erfüllt, die
ich festgelegt habe.

Erstens:

es erhöht die Überlebensfähigkeit unserer Ra-

keten durch die Vervielfachung der Anzahl von Zielen, die angegriffen werden
müßten.

Denn da nicht feststeht, in welchem der 23 Unterstände sich die

Rakete befindet, müßten alle 23 Unterstände angegriffen werden, um sicherzugehen, daß die Rakete selbst angegriffen wird.

Die Fähigkeit der Raketen zur raschen Fortbewegung stellt sicher, daß
kein Angreifer in der Lage ist, vorzeitig herauszufinden, wo die Raketen disloziert sind, und dann nur diese Stellungen angreifen könnte.

Tatsächlich

wären die Raketen in der Lage, ihre Unterstände noch während der Flugzeit

- 3 -

�&lt;

Flugzeit einer feindlichen Interkontinentalrakete zu wechseln.

Zudem ist

das System beweglich genug, so daß wir die Dislozierungsskala nach oben oder
unten in Beantwortung einer zukünftigen feindlichen Bedrohung anpassen oder
aber mit zukünftigen SALT-Verhandlungen fortfahren können.
Zweitens:

das System ist angemessen verifizierbar.

Das spezielle

Straßennetz ist auf vorbezeichnete Gebiete begrenzt, und die begleitenden
Raketentransportfahrzeuge werden nicht in der Lage sein, sich auf anderen
als auf den gekennzeichneten Straßen fortzubewegen.
Die Unterstände werden so entworfen, daß sie geöffnet werden können,
um nachzuweisen, daß in ihnen keine zusätzlichen Raketen verborgen sind.
Diese und andere Eigenschaften werden dieses System angemessen verifizierbar machen.
Drittens hält das System die Auswirkung auf die Umwelt so niedrig wie
möglich. Die Bunker sind ebenerdig. Die Öffentlichkeit wird weiterhin Zugang zu den Gebiet haben. Nur die Unterstände selbst werden eingezäunt
sein. Das gesamte System wird, wie ich eben sagte, der öffentlichen Benutzung lediglich etwa 25 Quadratmeilen Land entziehen.
Viertens: das System ist erschwinglich. Die veranschlagten Kosten
über eine volle 10-Jahresperiode, also die Gesamtkosten, die die Entwicklung, die Herstellung und die Dislozierung umfassen, belaufen sich auf 33
Milliarden Dollar, den Dollarwert von 1980 zugrundegelegt. Obwohl sich diese Erstellungskosten mit fortlaufendem Programm etwas ändern können, ist es
doch wichtig, festzustellen, daß die Kosten für dieses System, ausgedrückt
in einem gleichbleibenden Dollarwert, nicht höher sein werden als die Kosten
für jedes der ursprünglichen drei Stützen unserer strategischen Triade
- sei es die B-52-Waffe, die Polaris-Poseidon-Waffe oder das Minuteman ICBMSystem.
Schließlich steht das System in Einklang mit den vorhandenen SALT-Ver-

�SALT-Vereinbarungen und mit unseren Ziel Vorstellungen für SALT III.

Indem wir dieses System dislozieren, machen wir der Sowjetunion klar,
daß sie keinerlei strategische Vorteile aus dem fortgesetzten nuklearen
Wettrüsten erzielen kann.

Dies ist eine grundlegende Vorbedingung für

wirkungsvollere Abkommen über Rüstungskontrolle.

Ebenso wichtig ist die

Tatsache, daß dieses System in die Richtung auf eine Verminderung der strategischen Waffen zielt, da wir besseren Schutz mit weniger Raketen erhalten.

Ohne ein solch bewegliches Bunkersystem wäre der einzige Weg zur Auf-

rechterhai tung unserer Abschreckung eine starke Erhöhung der Anzahl unserer
strategischen Systeme oder Kernraketen.

Im Verlauf einer Reihe von Entscheidungen, die zu dieser Ankündigung
führten, habe ich die potentielle Bedrohung unserer Minuteman-Waffe sorgfältig untersucht.

Diese Bedrohung ist echt.

Das System, das ich hier aus-

geführt habe, wird diese Gefahr am ehesten bannen, während es gleichzeitig
die Bedingungen erfüllt, die ich zu Beginn im einzelnen angegeben habe.
Das System ist überlebensfähig, es ist verifizierbar, es hat die geringste
Auswirkung auf die Umwelt, es ist finanziell erschwinglich, und es steht
in Einklang mit unserem Ziel

der ausgedehnten Verminderung der strategischen

Waffen bei SALT.

Zusammenfassend:

dieses System wird die Sicherheit unseres Landes

vergrößern, indem es sowohl unsere strategische Abschreckung verstärkt als
auch die Aussicht auf wirkungsvollere Rüstungskontrolle bietet.
System ist kein Verhandlungsgegenstand.

Dieses

Es ist ein System, das Amerika

braucht und für seine Sicherheit haben wird.

Ich bin zuversichtlich, daß

das amerikanische Volk seine Dislozierung unterstützen wird.

Unglücklicherweise leben wir noch nicht in einer solchen Welt, die es
uns erlauben würde, alle unsere Mittel in den Dienst des Friedens zu stellen.
Und als Präsident habe ich keine höhere Pflicht als diejenige, die Sicherheit
der Vereinigten Staaten über jeden Zweifel hinaus zu schützen.

- 5-

Solange die

�I

die Bedrohung eines Krieges andauert, werden wir alles tun, was notwendig
ist, um diese Bedrohung der Sicherheit unseres Landes zu bannen.

Wenn

SALT II ratifiziert und SALT III erfolgreich ist, wird vielleicht die Zeit
kommen, da kein Präsident mehr diese Art Entscheidung zu treffen haben wird
und das M-X System das letzte Waffensystem von solch ungeheuer zerstörerischer
Gewalt sein wird, das wir je bauen mußten.

Ich bete inständig für diese Zeit;

aber bevor sie kommt, werden wir bauen, was wir bauen müssen, sogar während
wir weiterhin für gegenseitige Zurückhaltung bei der strategischen Rüstung
arbeiten.

+ + + + +

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12. September 1979

37

PRÄSIDENT CARTER FORDERT HÖHEREN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 11. September 1979 in zwei
gleichlautenden Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Präsidenten des Senats den Kongreß darüber informiert, daß er für das Haushaltsjahr 1980 um die Bewilligung von zusätzlichen 2,7 Milliarden Dollar für
den Verteidigungshaushalt nachsuchen werde.
Der Text des Schreibens hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich bin sicher, daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß wir weder die
legitimen amerikanischen Interessen im Ausland wirkungsvoll sichern noch Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung zu Hause ungefährdet aufrechterhalten können,
wenn unsere nationale Sicherheit nicht durch angemessene Verteidigungskräfte
geschützt wird. Die grundlegende Verantwortung des Präsidenten - eine Verantwortung, die er mit dem Kongreß teilt - besteht darin, Verteidigungskräfte
zu unterhalten, die angemessen sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu garantieren. Diese Administration stellte sich dieser Verantwortung, indem sie sofort und nachdrücklich vorging, um den Abwärtstrend bei

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bei den amerikanischen Verteidigungsanstrengungen umzukehren.

Dies zeigt

eine Analyse der Trends bei den effektiven Verteidigungsausgaben seit Mitte
der sechziger Jahre. Auf den NATO-Gipfeltreffen im Mai 1977 und 1978 überzeugten wir unsere Verbündeten davon, sich uns zur Verfolgung des Ziels eines
tatsächlichen dreiprozentigen jährlichen Wachstums der Verteidigungsausgaben
sowie bei einem ehrgeizigen und langfristigen Verteidigungsprogramm für das
Bündnis anzuschließen.

Zusammen bedeutete dies einen Wendepunkt - nicht nur

für die Vereinigten Staaten, sondern für das gesamte Bündnis.
Was uns anbelangt, so handelten wir umgehend, um diesen Entschluß in die
Tat umzusetzen.

Wir genehmigten die Produktion der XM-1 Panzer; wir erhöhten

wesentlich die Anzahl unserer Panzerabwehr-Lenkflugkörper; wir dislozierten
F-15 und zusätzliche F-lll in Europa sowie Ausrüstung für zusätzliche Landstreitkräfte.

Wir verminderten den Rückstand bei der

Schiffsüberholung und

schlichteten vertragliche Meinungsverschiedenheiten, die den Fortgang beim
Schiffbau bedrohten.

Bei den strategischen Systemen beschleunigten wir die

Entwicklung und begannen mit der Beschaffung der weitreichenden luftgestützten
Marschflugkörper, mit der Dislozierung der Trident I-Raketen sowie mit der
Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht durch unsere Verpflichtung zur Dislozierung der M-X Rakete in überlebensfähiger Stationierung.
Diese und weitere Initiativen waren die Bausteine eines entschlossenen
Programms, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten militärisch stark
bleiben. Die Vorlage des Budgets für das Haushaltsjahr 1980 letzten Januar
war entworfen worden, um dieses Programm fortzuführen. In den darauffolgenden
Monaten ist die Inflationsrate jedoch höher gestiegen, als bei den Kostenkalkulationen im Zusammenhang mit diesem Verteidigungsprogramm angenommen worden war. Demzufolge habe ich die Absicht, dem Kongreß unverzüglich einen
Zusatz zum Verteidigungshaushalt zuzusenden, um genügend Geldmittel bereitzustellen, damit im Haushaltsjahr 1980 mit der Durchführung eines Verteidigungsprogramms der Administration fortgefahren werden kann, das sich auf unsere genaueste Abschätzung der im Verlauf des Haushaltsjahres zu erwartenden
Inflationsrate stützt. Obwohl die genauen Berechnungen, die zur Vorbereitung
- 2 -

�Vorbereitung eines Gesetzeszusatzes notwendig sind, im Moment noch durchgeführt werden, erwarte ich, daß der Zusatzbetrag ungefähr 2,7 Milliarden Dollar
an Haushaltsvorgriffsmitteln über die Budgetforderung der Administration vom
Januar 1979 hinaus umfassen wird.

Inflationsausgleich als solcher ist nicht genug, um sicherzustellen,
daß wir auch im Haushaltsjahr 1980 mit einem angemessenen Verteidigungsprogramm fortfahren.

Auch müssen das Programm und die Mittel im wesentlichen

so genehmigt und bewilligt werden, wie wir sie vorgelegt haben.

Deshalb wer-

de ich im Verlauf der Beratungen des Kongresses über den zweiten Haushaltsbeschluß Obergrenzen für die nationale Verteidigung für das Haushaltsjahr
1980 in Höhe von 141,2 Milliarden Dollar an Haushaltsvorgriffsmitteln und
130,6 Milliarden Dollar an Ausgaben unterstützen.

Außerdem werde ich den

Kongreß ersuchen, das Verteidigungsprogramm der Administration für das Haushaltsjahr 1980 zu unterstützen, und insbesondere die Bewilligungsausschüsse,
die Geldmittel auch zuzuteilen, die zu seiner Durchführung notwendig sind.

Zudem plane ich für das Haushaltsjahr 1981 einen weiteren realen Anstieg
der Verteidigungsausgaben.

Das Verteidigungsministerium arbeitet zur Zeit

die Einzelheiten dieses Haushalts aus.

Es wäre aus diesem Grund verfrüht,

die Merkmale dieses Budgets über die Feststellung hinaus zu beschreib- ,
daß es mit dem breitangelegten Vorstoß unseres Verteidigungsprogramms fortfahren wird und daß ich die Absicht habe, auch weiterhin unsere gegenseitigen
Verpflichtungen mit unseren NATO-Verbündeten unterstützen werde.

Obwohl dieses Verteidigungsprogramm angemessen ist, ist klar, daß wir
noch mehr ausgeben könnten und dadurch mehr militärische Schlagkraft erhalten würden.

Aber unsere nationale Sicherheit beinhaltet mehr als die reine

militärische Schlagkraft; es gibt noch andere legitime Forderungen, die an
unsere Haushaltsmittel gestellt werden.

Diese miteinander im Widerstreit

liegenden Prioritäten werden uns stets begleiten bei dieser ausgedehnten Vielfalt von Budgetentscheidungen, die zu treffen sowohl der Kongreß als auch
der Präsident aufgerufen sind.

Die Verteidigungsausgaben sind in der Tat

- 3 -

�Tat - in konstanten Dollar ausgedrückt - niedriger als im Jahr 1963 und
stellen einen viel niedrigeren prozentualen Anteil am Bruttosozialprodukt
dar (5 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent).

Es gibt Leute, die glauben,

daß dies einen Rückgang der amerikanischen Militärmacht verursacht hat und
daß das militärische Gleichgewicht sich nun gegen uns neigt.
nicht daran, aber ich bin über die Trends beunruhigt.

Ich glaube

Ich glaube, es ist

für uns notwendig, diesen Trends entgegenzuarbeiten.
Der Verteidigungsminister wird dem Kongreß in den kommenden Monaten
die hervorstechenden Züge unseres Verteidigungsprogramms hinsichtlich der
Ziele, die es unserer Meinung nach zu erreichen gilt, darlegen sowie das
5-Jahres-Verteidigungsprogramm unterbreiten, durch das wir diese Ziele erreichen wollen. In diesem Zusammenhang wird er neben vielen anderen Themen
auch ausführen, wie das M-X Programm sowie unsere anderen strategischen Programme zur Aufrechterhaltung des wesentlichen Gleichgewichts zwischen den
zentralen strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beitragen werden, wie wir planen, die nuklearen Gefechtsfeldwaffen in
Zusammenarbeit mit unseren NATO-Verbündeten zu modernisieren, und wie unsere
Programme für die allgemeinen Streitkräfte sowohl zu unserer militärischen
Fähigkeit beitragen, unsere NATO-Verbündeten zu unterstützen als auch rasch
Streitkräfte zu dislozieren, um unsere vitalen Interessen in anderen Gebieten
zu verteidigen. Diese Darstellung kann als Grundlage für kommende Diskussionen
dienen (einschließlich öffentlicher Anhörungen), die es uns erlauben werden,
den nationalen Konsens zu schaffen, der ein grundlegendes Erfordernis für ein
starkes und sicheres Amerika ist.

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PRÄSIDENT CARTER: FESTE DIPLOMATIE ERFORDERLICH
Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. September 1979 die
Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba als eine sehr ernsthafte Angelegenheit bezeichnet, die die amerikanischen Beziehungen zu Moskau
nachteilig beeinflussen könne.

Gleichzeitig betonte er, die gegenwärtige

Situation erfordere eine feste Diplomatie und nicht Panik oder Übertreibung.
Die Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte mir ein paar Minuten Zeit nehmen, um zu Ihnen über die Anwesenheit der sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba zu sprechen.

Die Fakten

im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit sind von Außenminister Vance sehr
eingehend dargelegt worden, einmal in seiner öffentlichen Erklärung,zum anderen in seiner Aussage vor dem Kongreß.

Kurz zusammengefaßt sind es die

folgenden:
Infolge der intensivierten nachrichtendienstlichen Bemühungen sind wir
zu der Erkenntnis gekommen, daß eine sowjetische Kampfbrigade derzeit in
Kuba stationiert ist.

Wir haben gewisse Anhaltspunkte, die darauf hin-

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�hinweisen, daß sich eine solche Einheit schon einige Zeit, vielleicht sogar
mehrere Jahre, auf Kuba befunden hat.
Die Brigade besteht aus 2000 bis 3000 Soldaten.

Sie ist mit konventio-

nellen Waffen wie etwa 40 Panzern und einigen Feldartilleriegeschützen ausgerüstet und hat als geschlossener Verband Übungen durchgeführt.
Es ist keine Angriffseinheit.

Sie besitzt weder Luft- noch Seetrans-

portausrüstung und verfügt auch über keine Waffen, die für einen Angriff auf
die Vereinigten Staaten geeignet wären.
über den Zweck dieser Kampfeinheit besteht noch keine Klarheit.

Doch

hat der Außenminister in meinem Sinne und für unsere Nation gesprochen, als
er am Mittwoch erklärte, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade
auf Kuba eine sehr ernsthafte Angelegenheit ist und daß dieser Status quo
nicht akzeptabel ist.
•

Wir sind uns unserer Fähigkeit sicher, unser Land oder ein jedes Land
unserer Freunde vor einer Aggression von außen verteidigen zu können.

Die

Frage, die sich stellt, ist von anderer Art. Sie betrifft die Stationierung
sowjetischer Kampftruppen hier in der westlichen Hemisphäre, in einem Land,
das als sowjetischer Handlanger bei militärischen Abenteuern in anderen Gebietender Welt, wie beispielsweise in Afrika, auftritt.
Es ist unser Recht, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion unsere Interessen und Belange respektiert, wenn die Sowjetunion erwartet, daß wir ihre
Gefühle und Belange respektieren. Andernfalls werden die Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern unausweichlich nachteilig beeinflußt werden. Wir verfolgen diese Angelegenheit mit der Sowjetunion sehr ernsthaft und stehen in
enger Konsultation mit dem Kongreß.
Lassen Sie mich betonen, daß es sich hier um eine sensitive Angelegenheit handelt, der sich unsere Nation gegenübersieht.

- 2 -

Wir alle und unsere

�unsere Nation als Ganzes müssen nicht nur mit Festigkeit und Stärke, sondern
auch mit Ruhe und einem Sinn für Proportionen reagieren.
Die Situation von heute erfordert eine feste Diplomatie und nicht Panik
oder Übertreibung.

Wenn Außenminister Vance diese Angelegenheit in den kom-

menden Tagen mit sowjetischen Vertretern erörtert wird, können der Kongreß
und das amerikanische Volk dazu beitragen, einen erfolgreichen Ausgang dieser
Erörterungen und Verhandlungen zu gewährleisten, indem sie eine Atmosphäre
erhalten helfen, in der unsere Diplomatie arbeiten kann.
Ich weiß, daß ich für die führenden Vertreter im Kongreß, mit denen
ich heute Nachmittag zusammengekommen bin, und auch für meine eigene Administration spreche, wenn ich meiner Überzeugung Ausdruck gebe, daß unsere
Nation sich auch weiterhin als ruhig und bedacht
schlossen erweisen wird.

- 3 -

wie auch als stark und ent-

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12. September 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS ZUR NATO-POLITIK
Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas

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�WASHINGTON - (AD) - Außenminister Vance unterstrich in einer am 10. September 1979 veröffentlichten Erklärung, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, ihre europäischen Verbündeten mit konventionellen wie mit Kernwaffen zu verteidigen.

In Anspielung auf kürzlich geäußerte Befürchtungen, daß

sich "der amerikanische Nuklearschirm" im Fall eines Angriffs auf Europa
nicht öffnen werde, zitierte Vance den amerikanischen Präsidenten, demzufolge "die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik" ist, und fügte hinzu:

"Daran hat sich nichts geändert, und wir beabsichtigen keine Än-

derung vorzunehmen."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Die Sicherheit Europas und die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind
untrennbar.

Diese zentrale Tatsache ist die Grundlage unserer strategischen

Doktrin und unserer Verteidigungsplanung seit mehr als vier Jahrzehnten.
Unsere Verbündeten sind mit uns überzeugt, daß unsere gegenseitige Sicherheit
gemeinsame Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar
ist.

Amerikas Verpflichtung, bei der Verteidigung Europas mit allen notwen-

digen Mitteln - sowohl nuklearen als auch konventionellen - zu helfen, sollte
nicht in Frage gestellt werden.

Die umfangreichen Streitkräfte, die wir in

Europa disloziert haben, sind ein konkreter Beweis dieser Verpflichtung.
Präsident Carter stellte in seiner Erklärung zum dreißigsten Jahrestag
der Allianz fest, "die entschlossene Unterstützung der NATO durch den Kongreß und das amerikanische Volk bringt deren tiefe Überzeugung zum Ausdruck,
daß die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik ist".
Die grundlegende Strategie der NATO ist die der flexiblen Antwort.
Zu verschiedenen Gelegenheiten hat Präsident Carter die amerikanische Unterstützung dieser Strategie zum Ausdruck gebracht.

Daran hat sich nichts ge-

ändert, und wir beabsichtigen auch keine Änderung vorzunehmen.
Die

�Die zur Zeit innerhalb der NATO laufenden Verteidigungsanstrengungen
zeigen die gemeinsame Entschlossenheit der Verbündeten, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Um die konventionellen Streitkräfte der NATO zu

verbessern und die kombinierten Hilfsquellen wirkungsvoller zu verwenden,
führt das Bündnis ein langfristiges Verteidigungsprogramm durch.

Wir arbei-

ten bei der Planung der Modernisierung unserer europabezogenen nuklearen
Gefechtsfeldwaffen zusammen.

Und wir entwickeln eine einheitliche Haltung

des Bündnisses hinsichtlich zukünftiger Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen.
Gleichzeitig verwirklichen die Vereinigten Staaten ein umfassendes
und energisches Programm zur Modernisierung aller Teilbereiche unserer strategischen Streitkräfte. Unsere Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung des
strategischen Gleichgewichts zeigte sich letzte Woche erneut, als der Präsident ankündigte, daß wir die uneingeschränkte Entwicklung der neuen M-X
Rakete mobiler Stationierung betreiben werden, die bei völliger Verifizierbarkeit gemäß SALT die langfristige Überlebensfähigkeit unserer landgestützten strategischen Waffen sicherstellen wird.
Unsere strategischen Modernisierungsprogramme spiegeln unsere Entschlossen
heit wider, nicht nur das strategische Gleichgewicht, sondern auch die Kapazität zur flexiblen Antwort - sowohl hinsichtlich des Ausmaßes als auch der
Ziele dieser Antwort - auf jeden Angriff gleich welcher Stärke gegen uns
selbst oder unsere Verbündeten aufrechtzuerhalten.
Dies war die Politik der Vereinigten Staaten seit vielen Jahren. Dies
wird auch weiterhin die Politik der Vereinigten Staaten sein. Und wir werden die zur Durchführung dieser Politik notwendigen Streitkräfte unterhalten.
Diese Modernisierung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte
wird ja gerade deshalb vorgenommen, weil die Verbündeten dadurch vor einer
Aggression abzuschrecken suchen, daß sie die Integrität und Glaubwürdigkeit
- 3 -

�Glaubwürdigkeit unserer Optionen für unsere Antwort in ihrer gesamten
Bandbreite gewährleisten.

Um vor einem Angriff abzuschrecken, muß die

NATO - erkennbar - sowohl die Fähigkeit als auch die Flexibilität und Entschlossenheit besitzen, angemessen zu antworten.

Nur so können wir dem

Warschauer Pakt den Preis des Anzetteins oder der Fortführung eines Konfliktes und die Gefahr vor Augen führen, daß sich ein konventioneller regionaler Konflikt in Europa durch Eskalation zu einem umfassenden Nuklearkrieg ausweiten könnte.
Die Sicherheit des Bündnisses hängt nicht nur von den kollektiven
militärischen Streitkräften und der gemeinsamen Entschlossenheit ab - so
unabdingbar diese sind.

Sie hängt gleichermaßen ab von den gemeinsamen

Bindungen zwischen den verbündeten Völkern und ihrer schöpferischen Kraft
und Vitalität, wenn es darum geht, den Herausforderungen zu begegnen, denen
wir uns gemeinsam gegenübersehen.

Wir sind von der fortgesetzten Fähig-

keit des Bündnisses überzeugt, diese aufzubringen.

+ + + + +

�1
I

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12. September 1979

37

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER VANCE ZUR ANWESENHEIT SOWJETISCHER TRUPPEN
AUF KUBA

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
5. September 1979 zu Beginn seiner Pressekonferenz in einer Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Stellung genommen und betont, daß
die USA dies als "sehr ernsthafte Angelegenheit" ansehen. Er unterstrich, daß
dieser Vorgang im Gegensatz zu der seit langem bestehenden Politik der USA
stehe und daß Washington die Angelegenheit in den nächsten Tagen mit der Sowjetunion besprechen wolle. Ferner sicherte er der Öffentlichkeit umfassende Informationen zu.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Lassen Sie mich mit ein paar Bemerkungen über die Anwesenheit einer
sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba beginnen. Wir sehen das als eine sehr
ernsthafte Angelegenheit an, die unsere Beziehungen zur Sowjetunion berührt.
Die Anwesenheit dieser Einheit steht im Gegensatz zu der seit langem bestehenden amerikanischen Politik.

Der

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�Der Nachweis, daß es sich bei dieser Einheit um eine Kampftruppe handelt,
wurde kürzlich durch unsere Nachrichtendienste erbracht.

Sie sind nunmehr zu

dem Schluß gekommen, daß diese Einheit schon seit mindestens Mitte der siebziger Jahre auf Kuba ist.

Eine erneute Analyse der älteren, bruchstückhaften

Daten im Lichte der erst in jüngerer Zeit gesammelten Informationen läßt darauf
schließen, daß Teile einer sowjetischen Brigade wahrscheinlich schon seit
den frühen siebziger Jahren auf Kuba sind, möglicherweise sogar noch eher.
Der Prozeß der erneuten Analyse älterer Informationen dauert noch an.
Die Einheit scheint aus 2000 bis 3000 Mann zu bestehen.

Sie umfaßt mo-

torisierte Schützenbataillone, Panzer- und Artilleriebataillone sowie Kampfund Nachschubeinheiten.

Diese Zahlen kommen noch zu dem Personal der mili-

tärischen und militärtechnischen Berater auf Kuba hinzu, die wir zur Zeit auf
etwa 1500 bis 2000 schätzen.
Die genaue Aufgabe der Kampfeinheit ist unklar. Die Brigade verfügt
nicht über Luft- und Seetransporteinrichtungen, die sie zu Angriffsoperationen
befähigen würden. Ihre Anwesenheit wird aber auch nicht durch unsere bilateralen Vereinbarungen mit den Sowjets aus den Jahren 1962 oder 1970 gedeckt.
Trotzdem stellt die Anwesenheit einer sowjetischen Kampftruppe auf Kuba
eine Angelegenheit ernster Besorgnis dar.
Ich werde diese Angelegenheit mit den Sowjets in den kommenden Tagen
weiterverfolgen.
Ich werde dieses Thema heute nachmittag mit dem außenpolitischen Ausschuß des Senats erörtern und das von uns den Sowjets gegenüber geplante Vorgehen darlegen. Wir werden die Presse und die Öffentlichkeit dabei umfassend
informieren. Ich bin mir Ihres Verständnisses dafür sicher, daß dem Interesse unseres Landes nicht damit gedient wäre, wenn ich mich hier auf Einzelheiten dieses Vorgehens einlassen würde.
+ + + + +
- 2 -

�12. September 1979

37

PRÜFUNG VON UMWELTCHEMIKALIEN
Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -

- (AD) - Etwa 50 000 verschiedene chemische Substanzen befinden sich
auf dem Markt, und ungefähr 1000 werden jährlich neu eingeführt. In den wenigsten Fällen werden sie rein verwendet; die Zahl der Zubereitungen und
Mischungen schätzt man sogar auf über eine Million. Sie werden wegen bestimmter Vorzüge für den industriellen, wirtschaftlichen oder privaten Verbrauch
fabriziert. Welche Reaktionen und Wechselwirkungen mit bzw. in der Umwelt
aber im Laufe der Zeit durch sie eintreten, ist im allgemeinen noch kaum erforscht. Epidemiologische Studien im weitesten Sinne könnten hier weiterhelfen - aber angesichts der Kosten und des Aufwandes an Personal und Versuchsanlagen versteht es sich von selbst, daß nur einzelne Schwerpunkte herausgegriffen werden können. Ein Musterbeispiel sind noch immer die Studien,
die schließlich in den sechziger Jahren enge Zusammenhänge zwischen Zigarettenrauchen und bestimmten Krebserkrankungen aufgedeckt haben - aber erst zu einem Zeitpunkt, als Millionen und Abermillionen von Menschen der Gefahr über
Jahrzehnte ausgesetzt gewesen waren.

Im

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�Im Gegensatz zu physikalischen Faktoren wie ionisierenden Strahlen
oder ultraviolettem Sonnenlicht, die in Abhängigkeit von der Dosis Krebs
erzeugen (wobei jedoch über die Langzeitwirkung äußerst niedriger Dosen
noch keine Aussagen gemacht werden können), sind erst relativ wenige chemische und biochemische Stoffe als Kanzerogene erkannt.

Wie wichtig dies-

bezügliche Untersuchungen sind, zeigt das Beispiel der Nitrosamine:

Im

Organismus werden aus Bausteinen, die als Einzelsubstanzen keineswegs gefährlich zu sein brauchen, krebserzeugende Verbindungen synthetisiert.
Erst in jüngster Zeit hat die Forschung damit eine weitere Quelle für das
Auftreten von Krebs erkannt.
Das Nationale Krebsforschungsinstitut der Vereinigten Staaten testet
in einem vor wenigen Jahren angelaufenen Programm in Versuchen an Ratten
und Mäusen systematisch die mögliche kanzerogene Wirkung von Chemikalien
- in erster Linie von solchen, die die Industrie produziert.

(Auch die

Natur bringt in bestimmten Pflanzen kanzerogene Stoffe hervor.)

Aber

selbst in diesem Programm ist die Beschränkung auf "Schwerpunktchemikalien"
wie Farbstoffe, Insektizide und Pestizide, Kosmetika, Produkte und Zwischenprodukte der petrochemisehen Industrie samt einzelner Komponenten geboten.
Denn die Prüfung einer einzigen Substanz in Tierversuchen ist langwierig
und mit ca. 250 000 Dollar Kosten anzusetzen.
Wenn unter der Einwirkung von Umweltchemikalien (übrigens sind auch
Viren als mögliche Quelle anzusehen) ein Organismus Krebs entwickelt, so
bedeutet das, daß in den Chromosomen Mutationen stattgefunden haben, die
ganz bestimmte Veränderungen in der Zellphysiologie hervorrufen. Es müssen
z.B. Gene - die kleinsten Einheiten der Träger von Erbanlagen - außer Funktion gesetzt worden sein, die das normale Zellwachstum steuern. Forschungen
in diesem Mikrobereich der Biologie wurden im Zusammenhang mit der Entwicklung der sog. Gentechnologie außerordentlich intensiviert und erweitert.
Als eines der "Nebenprodukte" ist ein regelrechter Schnelltest auf die mögliche Karzinogenität von Substanzen zu werten, den Dr. Bruce N. Arnes, Professor der Biologie an der Universität Kalifornien in Berkeley, im Verlauf

- 2 -

�Verlauf von mehr als zehn Jahren entwickelte und ständig weiter verbesserte.
Er erlaubt die rasche und äußerst empfindliche Prüfung "mutagener" Chemikalien, die damit auf ihre krebsauslösende oder krebsfördernde Wirkung, aber
auch auf andere für Mensch und Umwelt ungünstige Folgen untersucht werden
können.

Etwa 2000 staatliche und private Laboratorien auch außerhalb der

USA wenden ihn bereits an.

Am Anfang stand ein Projekt der Grundlagenforschung:

Dr. Arnes und seine

Mitarbeiter wollten herausfinden, wie bei Salmonellen Gene im DNS-Molekül,
das die gesamte Erbsubstanz enthält, als Reaktion auf veränderte Nährstoffe
aktiviert oder "abgeschaltet" werden.

Es zeigte sich u.a., daß z.B. ein

Bakterienstamm, bei dem es zu bestimmten Mutationen, d.h. Änderungen der
genetischen Substanz, gekommen und das Wachstum beeinträchtigt war, durch
eine weitere, künstlich herbeigeführte Mutation zu rapidem Wachstum gebracht
werden konnte.
kennen.

Eine eingetretene Mutation sei, so Prof. Arnes, leicht zu er-

Man könne in einer einzigen Schale Kulturen mit einer Milliarde

Bakterien züchten.

Mutiert nur ein einziges Bakterium, so bilden seine Ab-

kömmlinge schon innerhalb von 24 Stunden eine sichtbare neue Kolonie.

Aufgrund der Ergebnisse Tausender von Experimenten konnte Arnes aufzeigen, daß fast alle Chemikalien, die bei Tieren und Menschen Krebs auslösen,
auch in Bakterien Mutationen beim wichtigsten biologischen Molekül, der
Desoxyribonukleinsäure (DNS), hervorrufen.

Mit dem Salmonellentest kann

dies heute sehr schnell herausgefunden werden.
findlicher

Er wurde kürzlich noch emp-

gemacht, indem den Bakterienkulturen homogenisiertes Ratten-

lebergewebe zugesetzt wird, um gewissermaßen im Simulationsverfahren Prozesse auszulösen, mit denen der Organismus "aktive" Formen karzinogener Substanzen hervorbringt.

Der Arnes-Test wurde zum wichtigen Spurensucher:

Durch ihn fand man

kanzerogene Substanzen in einer Anzahl von Haarfärbemitteln und in einem
Imprägnierpräparat für Kinderschlafanzüge, das diese unbrennbar machen sollte.

Die Firma DuPont Co. entschied jetzt, zwei neue Freon-Treibmittel, die

- 3 -

�die eigentlich ozonschädliche Verbindungen ersetzen sollten, nicht zu produzieren, weil sie sich als mutagen erwiesen hatten. Dies sind nur ein paar
aus einer Fülle von Beispielen.
Andere Wissenschaftler haben zahlreiche weitere Kurztests zur Ermittlung und Messung der Mutagenität entwickelt.

Einige von ihnen, z.B. die

Verwendung tierischer Zellen in Gewebekulturen, hält Arnes für sehr aussichtsreich.

Da jedoch mit jedem der Schnellverfahren nur einige wenige Karzinogene

ausfindig gemacht werden können, auf die beispielsweise andere Tests gar
nicht ansprechen, bevorzuge man immer mehr die "Test-Batterie".

"Wir müssen

Wege finden, um Schwerpunkte zu setzen", so Arnes, "damit Risiken für den Menschen herausgefunden und definiert werden können."

In der Praxis sei es ein-

fach nicht möglich, jedes karzinogene Agens zu verbieten.

Gegenwärtig ar-

beiten er und einige Kollegen an der Analyse der Ergebnisse von etwa 1000
veröffentlichten Krebstests aus Tierversuchen.

Die Ergebnisse dieser Studie

sollten, wie Arnes meint, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, welche Chemikalien für den Menschen eine besondere Gefahrenquelle darstellen und deshalb
samt ihren möglichen Kombinationen als erste unter die Lupe genommen werden
müssen.
(Die bisherigen Ergebnisse der Forschungen von Prof. Arnes auf dem Gebiet der Kanzerogene sind in einer vom "California Poiicy Seminar" veröffentlichten Broschüre zusammengefaßt. Sie trägt den Titel: "Environmental
Chemicals Causing Cancer and Genetic Birth Defects: Developing a Strategy
to Minimize Human Exposure". Sie kann vom "Institut of Governmental Studies,
University of California, Berkeley, California 94720" bezogen werden und
kostet drei Dollar.)
+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Feste Diplomatie erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Prüfung von Umweltchemikalien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -&lt;/em&gt;</text>
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nrormniion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States ot America

37

12. September 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus
- Erklärung des Präsidenten Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion WIRTSCHAFT
Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen
- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt
Industrieaktivitäten im Weltraum
- Erste Produkte für den Markt Infrarotastronomie am Südpol
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

T

^-- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mIERin?
pDlElno *

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

REAGAN EMPFÄNGT GROMYKO IM WEISSEN HAUS
-Erklärung des Präsidenten-

Washington -

(AD) - Präsident

Reagan

kündigte

zu Beginn

seiner

Pressekonferenz vom 11. September 1984 an, daß der sowjetische Außenminister Gromyko die Einladung zu einem Treffen mit ihm am 28. September
im Weißen Haus angenommen hat.

Die Erklärung des Präsidenten sowie die diesen Punkt betreffenden
Fragen der Journalisten haben folgenden Wortlaut:
PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte gern eine kurze Erklärung abgeben und
werde dann gern auf Fragen antworten. Ich habe den stellvertretenden
sowjetischen Ministerpräsidenten und Außenminister Andrei Gromyko eingeladen, mit mir am 28. September im Weißen Haus zusammenzutreffen. Und
Herr Gromyko hat angenommen.

Ich glaube, es ist wichtig, die Gelegenheit zu nützen, die sich durch
Herrn Gromykos Aufenthalt in den Vereinigten Staaten bietet, um sich über

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sich über eine ganze Bandbreite von Themen internationaler Bedeutung zu
unterhalten.

Eine meiner höchsten Prioritäten besteht darin, Wege zu finden, um
den Umfang der Waffenarsenale zu verringern und unser Arbeitsverhältnis
zur Sowjetunion zu verbessern. Ich hoffe, daß mein Treffen mit ihm zu
diesem Ziel beiträgt, während unsere Administration weiterhin auf eine
sicherere Welt hinarbeitet.

FRAGE: Herr Präsident, nach dreieinhalb Jahren sehr geringen Fortschritts bei den amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

könnte mancher

dies als eine politische List Ihrerseits ansehen, um auf Mr. Mondales Behauptung zu reagieren, Sie seien in diesem Bereich zu nachlässig gewesen.
Was würden Sie dazu sagen?

PRÄSIDENT REAGAN: Nun, ich glaube, die Tatsachen widerlegen eine solch« Unterstellung. Faktum ist, daß wir bei einer ganzen Reihe von Gelegenheiten Treffen mit der Sowjetunion vorgeschlagen haben, und dies aus
mehreren Gründen. Wir haben kein Treffen mit ihr abgebrochen. Und da gerade die Eröffnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen bevorsteht
und er seine Absicht lautwerden ließ, daran teilzunehmen, so habe ich
eine Einladung ausgesprochen, während seines Aufenthalts doch auch gleich
nach Washington zu kommen.

FRAGE: Glauben Sie, daß die Sowjets jetzt der Meinung sind, Sie würden sicherlich wiedergewählt und wollen daher aus diesem Grund jetzt ein
Treffen?
PRÄSIDENT REAGAN: Sie müssen sie schon selbst nach den Gründen dafür
fragen.
FRAGE: Glauben Sie, Sie können mit der Einladung den Leuten zeigen,
daß Sie eben nicht der Mann sind, der den Finger rasch am Abzug hat, wie
manche Sie darstellen wollen?
PRÄSIDENT REAGAN:

- 2 -

�PRÄSIDENT REAGAN: Das Wichtigste ist, daß ich Außenminister Gromyko vielleicht davon überzeugen kann, daß die Vereinigten Staaten nichts Böses im
Schilde führen.

* * * * *

- 3-

�12. September 1984

37

DIE ZIELE DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -

Salt Lake City -(AD)- Das Ziel der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ist die Gewährleistung einer gesicherten Abschreckung und erhöhter
Stabilität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies erklärte der amerikanische Chefunterhändler

bei den START-Verhandlungen,

Edward L. Rowny, am 5. September 1984 in Salt Lake City in einer Rede vor
dem Verband ehemaliger Soldaten, der "American Legion". Rowny bot seinem
Publikum einen Überblick über die Rüstungskontrollvorschläge der ReaganAdministration und äußerte sich zuversichtlich über eine Wiederaufnahme
der START-Verhandlungen mit den Sowjets.
Seine Ausführungen, die wir auszugsweise wiedergeben, hatten folgenden
Wortlaut:
Im Bestreben, neue bedeutungs- und sinnvolle Rüstungskontrollabkummen
auszuhandeln, hat Präsident Reagan kühne und phantasiereiche Schritte ergriffen. Sein einziges Ziel in diesen Verhandlungen besteht darin, die
WeLt für uns und unsere Kinder sicherer zu machen. Kann man daraus vielleicht folgern, daß der Präsident unflexibel und gegen Rüstungskontrolle

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gegen Rüstungskontrolle ist ? Sie sind sicherlich nicht dieser Meinung,
und ich kann Ihnen aufgrund meiner engen Zusammenarbeit mit ihm versichern, daß auch ich dies nicht zu glauben vermag.

Die Vorschläge, die die Vereinigten Staaten in Genf unterbreitet haben, sind fair und gerecht und geeignet, die Welt sicherer zu machen. Wir
jedenfalls würden sie sogleich annehmen, wenn sie von den Sowjets unterbreitet würden. Sie werden sowohl unseren Interessen als auch denen der
Sowjets gerecht. Man kann sogar sagen, daß sie den Interessen der ganzen
Welt dienen würden.

Was die Vereinigten Staaten überwinden wollen, ist jene Art von Rüstungskontrollabkommen der Vergangenheit, die einen weiteren Ausbau der
strategischen Waffen zuließen. Als wir die Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Waffen (SALT) abgeschlossen hatten, glaubten
wir, daß es uns gelungen sei, die strategischen Rüstungsprogramme der
Sowjets zu bremsen. Daher stoppten wir unsere eigenen Großprogramme, obwohl die Sowjets gleiches nicht taten. Die gesamten 70er Jahre hindurch
fuhren die Sowjets fort, neue Waffen zu bauen, wobei sie über alle vernünftigen Sicherheitsbedürfnisse weit hinausgingen. Um es mit den Worten
des ehemaligen Verteidigungsministers Brown zu sagen: "Als wir rüsteten,
rüsteten auch die Sowjets; als wir aufhörten zu rüsten, rüsteten die Sowjets trotzdem weiter." Bei den Verhandlungen über eine Verminderung der
strategischen Waffen (START) sind wir bestrebt, dafür zu sorgen, dau die
Rüstung heruntergeschraubt, nicht aber angekurbelt wird.

Der beunruhigendste Aspekt der sowjetischen Rüstung liegt in dem massiven Ausbau der Interkontinentalraketen (ICBMs). Dieser Ausbau steht in
einem völligen Mißverhältnis zu allen legitimen Sicherheitsbedürfnissen
der Sowjetunion. Diese Systeme sind deshalb die gefährlichsten von allen,
weil sie eine kurze Flugzeit haben, weil sie eine große Anzahl äußerst
treffsicherer Gefechtsköpfe mit hoher Sprengkraft tragen können und weil
ihre Unterbringung in ortsfesten Silos sie verwundbar macht. Diese Verwundbarkeit der ICBMs kann in Krisenzeiten ein erhebliches Maß an Instabilität hervorrufen.
Während
- 2 -

nach

�Während nach den sowjetischen Vorschlägen bei den START-Verhandlungen
eine Vermehrung der Zahl der Raketengefechtsköpfe um die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes zulässig wäre, müßte dieser Bestand nach den amerikanischen Vorschlägen um ein Drittel vermindert werden. Außerdem zielt
der amerikanische Vorschlag darauf ab, durch eine Verringerung des sowjetischen Arsenals den Vorteil von mehr als 3 : 1 abzubauen, den die Sowjets unter dem Gesichtspunkt des Wurfgewichts der Raketen haben. Das
Wurfgewicht ist deshalb so wichtig, weil man es nutzen kann, um sowohl
die Zerstörungskraft als auch die Treffgenauigkeit einer Rakete zu erhöhen. Außerdem ist die Seite, die einen Überschuß an ungenutztem Wurfgewicht besitzt, in der Lage, die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Raketen
schlagartig zu erhöhen. Indem sie betonen, daß ihre Vorschläge zu einer
20prozentigen Verringerung des Wurfgewichts ihrer ICBMs führen würden,
geben die Sowjets zu erkennen, daß ihnen die Bedeutung dieses Kriteriums
mittlerweile voll bewußt geworden ist.

Der amerikanische Vorschlag zielt auf eine umfassende Verminderung
der atomaren Bestände beider Staaten ab. Während der eineinhalbjährigen
Verhandlungen haben wir den Sowjets unsere Vorschläge sorgfältig erläutert, wobei wir eines vorausgesetzt haben: daß sowohl wir als auch die
Sowjets an einem stabileren strategischen Kräfteverhältnis interessiert
sind. In einigen Fällen haben sich die Sowjets unseren Auffassungen angeschlossen; in anderen Fällen haben sie dies nicht getan. Im Bestreben,
den von den Sowjets geäußerten Bedenken Rechnung zu tragen, hatte micn
der Präsident ermächtigt, erhebliche Veränderungen in unserer Position
vorzunehmen und zusätzliche, neuartige Vorschläge einzubringen, um eine
gemeinsame Grundlage mit den Sowjets zu entwickeln. Präsident Reagan hatte mich von Anfang an angewiesen, flexibel zu sein, auf die Sowjets einzugehen und mir alles anzuhören, was sie zu sagen hatten. Kein amerikanischer Vorschlag ist jemals in ultimativer Form unterbreitet worden.

Im Verlaufe der Verhandlungen haben die Sowjets bezüglich der Folgen,
die die amerikanischen START-Vorschläge für die strategischen Waffen der
Sowjetunion haben würden, einige extreme und unbegründete Vorwürfe erhoben. Insbesondere haben sie uns vorgeworfen, daß unser Vorschlag sie gemäß den von uns vorgegebenen Kriterien zu einer völligen Umstrukturierung
- 3 -

�völligen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte in einem "beispiellosen Umfang" zwingen würde, während die Streitkräfte der Vereinigten Staaten angeblich SO gut wie unberührt bleiben würden.

Die Grundannahme der Sowjets in diesem Zusammenhang war, daß der amerikanische Vorschlag sie zum Bau neuer strategischer Waffen zwingen würde. Die Sowjetunion versuchte, sich als ein Land zu präsentieren, daß
nichts sehnlicher wünscht, als seine Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden, von den Vereinigten Staaten aber gegen seinen Willen zu immensen Rüstungsanstrengungen und zum Bau von Waffen gezwungen wird, an denen
ihm eigentlich nicht das mindeste liegt. Dieses Bild hält einer genauen
Prüfung nicht stand. Tatsächlich ist offenkundig, dab die Sowjetunion
keineswegs aufgehört hat, neue Waffen zu bauen, noch hat sie aufgehört,
neue Waffen zu testen und aufzustellen. Vielmehr hat sie die Entwicklung
in allen Bereichen kräftig vorangetrieben. Beispielsweise hat die Sowjetunion mit der Einführung eines neuen Typs raketentragender U-Boote begonnen. Es handelt sich dabei um die TYPHOON, das größte U-Boot, das je gebaut worden ist. Ferner erproben die Sowjets zwei neue Typen landgestützter Interkontinentalraketen und zwei neue Typen von unterseebootgestützten Raketen, von denen einer für die TYPHOON vorgesehen ist. Was schwere
Bomber angeht, so bauen die Sowjets nicht nur weitere Maschinen der Typen
BEAR und BACKFIRE, sondern haben auch einen weiteren Typ in der Flugerprobung, nämlich die BLACK JACK, die größer ist als die B-1B, die der erste neue schwere Bomber ist, den die Vereinigten Staaten seit einem Vierteljahrhundert einführen.

Wir glauben, daß Stabilität unser gemeinsames Ziel ist. Da die Sowjets mir zu verstehen gegeben haben, daß auch sie das strategische Kräfteverhältnis auf eine stabilere Grundlage zu stellen wünschen, ist der
Abbau und die Zerstörung eines Teils der gegenwärtig vorhandenen amerikanischen wie sowjetischen Waffen notwendig.

Kritiker unserer Politik, die sagen, daß wir zu viel von den Sowjets
verlangen, sollten sich einmal fragen, was sie eigentlich wollen. Wie
können diese Kritiker uns beschuldigen, nicht genug zu tun oder es mit
der Rüstungskontrolle nicht ernst zu meinen, dann aber andererseits sa- 4 -

�andererseits sagen, daü unsere Vorschläge, die nicht nur umfangreiche RüstungsVerminderungen, sondern sogar das gänzliche Verbot einiger Arten
von Waffen vorsehen, zu weit gehen oder ein höheres Mab an Rüstungskontrolle darstellen, als die Sowjets akzeptieren werden ? Wie können wir
und die Sowjets das strategische Kräfteverhältnis

auf eine stabilere

Grundlage stellen, ohne gefährliche und destabilisierende Raketen zu beseitigen V Wie kann man die Rüstung vermindern, wenn nichts beseitigt
werden soll ? Grundsätzlich ist festzuhalten, daß wir die Sowjets keineswegs zu einer radikalen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte zwingen wollen. Vielmehr wollen wir einen allmählichen Übergang zu Systemen anregen,
die mehr Stabilität erlauben.

Ein anderer Hauptvorwurf der Sowjets besagte, daß der amerikanische
Vorschlag

sie

zu

weitreichenden

Rüstungsverminderungen

zwinge,

die

Streitkräfte der Vereinigten Staaten aber unberührt lasse. Dies ist nicht
wahr. Auch die Vereinigten Staaten würden erhebliche Rüstungsverminderungen vornehmen müssen. Ich möchte betonen, daß die RüstungsVerminderungen
auf unserer Seite keineswegs belanglos oder auf die Beseitigung alter,
unerwünschter Systeme beschränkt sein würden, ich möchte nachdrücklich
darauf hinweisen, daß die Vereinigten Staaten gemäß dem von ihnen selbst
eingebrachten Vorschlag gezwungen sein würden, etwa ein Drittel der gegenwärtig vorhandenen Raketengefechtsköpfe zu beseitigen, u.a. einen Teil
der neuesten und schlagkräftigsten Waffen. Nach allen objektiven Maßstäben wären dies tiefgreifende Schritte, die die sowjetische Anschuldigung
widerlegen, daß der amerikanische Vorschlag nur die Sowjetunion zu Rüstungsverminderungen zwingen würde.

Seit dem Beginn der START-Verhandlungen im Jahre 1982 hat Präsident
Reagan in seinem Bestreben, zu einem Übereinkommen zu gelangen, ein hohes
Maß an Flexibilität bewiesen. Zunächst sind einige Tatsachen zu erwähnen,
vor deren Hintergrund diese Thematik zu sehen ist. In seiner Rede vor dem
Eureka-College im Mai 1982 schlug der Präsident vor, die Zahl der ballistischen Raketen auf jeweils 850 - was der Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Bestandes entspricht - zu verringern und die Zahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen auf jeweils b 000 zu senken, was
gleichbedeutend mit einer Verkleinerung der gegenwärtig bestehenden ame- 5 -

�bestehenden amerikanischen und sowjetischen Arsenale um ein Drittel wäre.
In Eureka schlug der Präsident weiterhin vor, daß man sich in den Verhandlungen zunächst auf die gefährlichsten und destabilisierendsten Systeme, d.h., auf die ballistischen Raketen konzentrieren solle. Wir haben
dabei jeaoch die übrigen Elemente der strategischen Streitkräfte und die
schweren Bomber keineswegs vernachlässigt. Bei den START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten von Anfang an bezüglich der schweren Bomber
einen zahlenmäßigen Gleichstand auf einem Niveau vorgeschlagen, das deutlich unter dem liegen sollte, daß nach den Bestimmungen des SALT-II-Vertrags zulässig ist.

Die Sowjets wollten jedoch keine so umfangreichen Rüstungsverminderungen vornehmen, wie wir. Sie behaupteten, daß wir etwas zu verbergen
suchten, indem wir unser Hauptaugenmerk auf die Raketen richteten, im
Frühjahr 1983 trugen wir den sowjetischen Vorbehalten Rechnung, indem wir
unseren Vorschlag in dreierlei Hinsicht abänderten. Erstens: Da die Sowjets eine Obergrenze von 850 nicht akzeptierten, änderten wir unseren
Vorschlag so ab, dab unsere Zahl näher bei der von ihnen vorgeschlagenen
lag. Zweitens: Da die Sowjets gleichzeitig über alle Arten von Waffen
verhandeln wollten, legten wir alles auf einmal auf den Tisch. Drittens
schließlich gaben wir den Sowjets zu verstehen, daß sie ihren Vorteil von
3 : 1 beim Wurfgewicht der Raketen nicht so weit aufgeben mußten, daß ein
völliger Gleichstand erzielt worden wäre. Natürlich möchten wir einen
solchen Gleichstand lieber heute als morgen hergestellt sehen. Wir sind
an sofortigen Rüstungsverminderungen interessiert, werden aber auch weiter auf solche Verminderungen und auf Gleichstand hinarbeiten. Von der
Verfolgung dieser vorrangigen Ziele werden wir nicht ablassen. Indem wir
die genannten und andere technische, aber dennoch bedeutsame Abänderungen
an unseren Vorschlägen vornahmen, bezeugten wir unsere Bereitschaft zur
Flexibilität und einer ernsthaften Verhandlungsführung. Die Sowjets ihrerseits nahmen ebenfalls gewisse Änderungen an ihrer ursprünglichen Position vor.

Infolge unserer Bereitschaft, um eines Abkommens willen Flexibilität
an den Tag zu legen und neue Vorschläge einzubringen, wurden im Frühjahr
und Sommer 1983 große Fortschritte erzielt, größere Fortschritte, als
- 6 -

�Fortschritte, als allgemein erkannt wird.

Wir waren der Meinung, daß unser Vorschlag vom Herbst 1983, der Konzessionen in einem Bereich als Gegenleistung für Konzessionen in einem
anderen Bereich vorsah, den Weg zu einem Abkommen ebnen könne. Beispielsweise sind wir dazu bereit, die Zahl unserer unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und unserer Bomber zu verringern und die Zahl
der von Flugzeugen aus gestarteten Marschflugkörper (ALCMs) zu begrenzen,
die wir an sich bauen dürften. Wir sind bereit, diejenigen Waffen, die
den Sowjets Sorge bereiten, zu vermindern oder zu begrenzen, wenn sie im
Gegenzug die Waffen vermindern oder begrenzen, die uns Sorge bereiten.
Wir brachten auch das Abbau-Konzept in die Diskussion ein, das vorsieht,
daß mehr Waffen abgebaut werden müssen als aus Modernisierungsgründen neu
gebaut werden. Dieses Konzept ist deshalb so wichtig, weil es den Beginn
der Entwicklung einer überparteilichen Position in der Rüstungskontrollpolitik im Kongreß markiert.

Im November letzten Jahres verließen die Sowjets aus Protest gegen
die Stationierung von Pershing-II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCMs) in Europa die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF). Wie wir uns vergegenwärtigen müssen, werden die besagten
Waffensysteme aufgrund eines entsprechenden Ersuchens unserer europäischen Verbündeten aus dem Jahre 1979 stationiert. Mit ihnen soll der großen Bedrohung begegnet werden, die sich aus der von den Sowjets im Jahre
1977 begonnenen Stationierung von über 1 000 auf Ziele in Europa gerichteten SS-20-Gefechtsköpfen ergeben hat.

Niemand kann vorhersagen, was die Sowjets tun werden. Als sie die
INF-Verhandlungen verließen, haben sie nicht gesagt, daß sie überhaupt
nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden. Sie haben einfach
nur gesagt, daß sie nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden,
bevor sie ihre Neubewertung der strategischen Lage abgeschlossen hätten.
Aufgrund meiner zehnjährigen Erfahrung, die ich in unmittelbaren Verhandlungen mit den Sowjets gewonnen habe, bin ich jedoch davon überzeugt, daß
ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch keine Frage des "ob", sondern lediglich eine Frage des "wann" ist. Sie haben immer entsprechend ihren
- 7 -

�entsprechend ihren Interessen gehandelt, und es liegt in ihrem Interesse
- ebenso wie in unserem - dab die Gefahr eines Atomkriegs verringert wird.

All dies stellt eine gewaltige Herausforderung für die Vereinigten
Staaten dar. Eines ist klar: Wir müssen mit der Modernisierung unserer
Streitkräfte fortfahren. Dadurch bekommen die Sowjets einen Grund mehr,
mit uns zu verhandeln. Sie sind kalt rechnende Realisten. Sie haben mir
zu verstehen gegeben, daß auch sie einen Atomkrieg vermeiden wollen.
Außerdem wissen sie, daß sie langfristig keine Chance haben, mit den Vereinigten Staaten im technologischen Bereich Schritt zu halten. Daher kann
ihnen ein kostspieliger Rüstungswettlauf nichts einbringen. Ferner müssen
wir um der Stabilität willen das Ungleichgewicht korrigieren, das wir haben entstehen lassen. Wenn wir dies tun, erreichen wir zweierlei: Erstens
gewährleisten wir unsere eigene Sicherheit, indem wir für mehr Stabilität
sorgen. Zweitens sind wir dann eher in der Lage, ein Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln. Die Sowjets haben uns schließlich oft genug gesagt,
daß sie umsonst keine Konzessionen machen. Die landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die die Sowjets aufgebaut haben, verschaffen ihnen die Möglichkeit zum Erstschlag. Die Sowjets haben
über 8U0 schwere und mittelschwere ICBMs aufgestellt, darunter 308 der
Ungeheuer von Typ SS-18. Die ICBMs von Typ MINUTEMAN, über die die Vereinigten Staaten z.Z. verfügen, erreichen nur ein Drittel der Schlagkraft
der mittelschweren sowjetischen Raketen vom Typ SS-19 und SS-17 und nur
ein Sechstel der Schlagkraft der SS-18.

Die PEACEKEEPER- oder MX-Rakete stellt eine begrenzte Antwort auf den
einseitigen Vorteil dar, den die Sowjets durch ihre schweren und mittelschweren ICBMs erlangt haben, und selbst aus dieser Antwort spricht Mäßigung. Weder haben wir versucht, genauso große und schlagkräftige Raketen
zu bauen, wie die SS-18, noch haben wir versucht, genauso viele Raketen
zu

bauen,

wie

die

Sowjets

besitzen.

Wir beabsichtigen lediglich,

100 PEACEKEEPER-Raketen aufzustellen, d.h., nur die Hälfte der Zahl, die
von früheren Administrationen vorgeschlagen worden ist. Dies entzieht der
sowjetischen Behauptung, daß wir eine Erstschlagsfähigkeit

anstreben,

jegliche Grundlage.
Schließlich
- 8 -

besteht

�Schließlich besteht unser Ziel darin, einen Atomkrieg durch Abschrekkurifj zu verhindern. Dies Ziel könnten wir erreichen, indem wir mit den
Sowjets gleichziehen, aber das wollen wir gar nicht. Worum es uns geht,
ist, die Abschreckung in einer solchen Weise zu sichern, daß gleichzeitig
auch ein höheres Mab an Stabilität gewährleistet wird. Dies ist dann möglich, wenn wir zu einer Übereinkunft mit den Sowjets kommen, die dafür
sorgt, daß das Rüstungsniveau auf beiden Seiten gesenkt wird, und zwar
dergestalt, daß das Kräfteverhältnis zwischen uns auf eine stabilere
Grundlage gestellt wird.

Ich glaube, daß sich den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine
historische Gelegenheit bietet, die Entwicklung hin zu immer größeren
atomaren Arsenalen auf beiden Seiten umzukehren. Es steht auber Zweifel,
daß wir unsere ernsthaften Bestrebungen, solch tiefgreifende Rüstungsverminderungen herbeizuführen, fortsetzen müssen und werden. Ich glaube aber
auch, dab der Vorschlag, den wir nun auf den Tisch gelegt haben, der beste ist, den es während der zehn Jahre, in denen ich Verhandlungen mit
den Sowjets geführt habe, je gegeben hat. Er kann den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und sogar der gesamten Menschheit in vielfacher Weise zum Nutzen gereichen.

Als für uns nach mehreren Monaten des Verhandeins offenkundig wurde,
daß wir mit unseren ursprünglichen Vorschlägen die Sowjets überforderten
und daß sie nicht dazu bereit waren, im Interesse der Stabilität erhebliche Änderungen in der Struktur ihrer Streitkräfte vorzunehmen, veränderten wir unsere Position. Ohne unseren grundlegenden Prinzipien untreu zu
werden oder unsere langfristigen Ziele aufzugeben, änderten wir unsere
Vorschläge ab, um den Hauptvorbehalten Rechnung zu tragen, die die Sowjets gegen sie hegten. Die Sowjets ihrerseits änderten ihre ursprünglichen Vorschläge in mehrerlei Hinsicht, um unseren Vorbehalten Rechnung zu
tragen, wovon wir angenehm überrascht waren. Dies führte dazu, daß wir im Gegensatz zu der in der Öffentlichkeit vorherrschenden Meinung - bei
den START-Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielen konnten, bevor
die Sowjets den Verhandlungstisch verließen.

Im Hinblick auf den Umfang, den Inhalt und die Tragweite seiner Rü- 9 -

�seiner Rüstungskontrollvorschlage ist Präsident Reagan weiter gegangen,
als jeder andere Präsident vor ihm. Er hat erhebliche Verringerungen bei
mehr Typen und Kategorien von Atomwaffen - und sogar die völlige Beseitigung einiger Arten - angestrebt, als jeder seiner Vorgänger. Seien Sie
daher versichert, daß die Rüstungskontrolle eine wichtige Angelegenheit
ist und daß wir sie sehr ernst nehmen.

- 10 -

�12. September 1984

37

STRENGE US-GESETZE GEGEN AUSLANDISCHE SUBVENTIONEN
-USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums-

WASHINGTON - (AD) - Ausländische Waren, die mit Hilfe von Subventionen
der Regierungen ihrer Ursprungsländer in die Vereinigten Staaten gelangen, werden künftig aufgrund strikter amerikanischer Gesetze mit beträchtlichen Zöllen zu rechnen haben, um damit einem unfairen Wettbewerb
auf dem amerikanischen Markt entgegenzuwirken.
Dem amerikanischen Handelsministerium zufolge haben die Vereinigten
Staaten 1984 bereits entweder formell oder informell sechs Warentypen aus
11 Ländern geprüft, die der Ansicht des Ministeriums zufolge von ihrem
Ursprungsland subventioniert sein könnten.
Die
amerikanische
Handelsgesetzgebung
ermöglicht
es
dem
Handelsministerium,
bei
subventionierten
Einfuhren
Ausgleichszölle
(Ausgleichsabgaben) zu verhängen, sollte ein inländischer Industriezweig
materiell geschädigt werden, der ähnliche Produkte herstellt, oder sollte
er aufgrund subventionierter Importe der Gefahr eines solchen Schadens
ausgesetzt sein. Zweck dieser Bestimmung ist, einen jeglichen unfairen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�jeglichen unfairen Vorteil auszugleichen, der aufgrund ausländischer Subventionen gegenüber einem amerikanischen Hersteller erlangt werden
könnte.
Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge steht dieses Handelsgesetz der Vereinigten Staaten auch in Einklang mit den internationalen
Handelsvereinbarungen, wie sie im Zusammenhang mit dem Allgemeinen Zollund Handelsabkommen (GATT) ausgehandelt wurden. So erlaubt GATT es beispielsweise einem Mitgliedstaat, Ausgleichszölle zu erheben, wenn es zu
dem Schluß gelangt, daß die Auswirkungen einer Subvention, die ein anderer Mitgliedstaat androht oder durchführt, einem seiner eigenen Industriezweige einen materiellen Schaden zufügt bzw. zuzufügen droht.
Während allgemeines internationales Einverständnis dahingehend zu
herrschen scheint, daß Subventionen einem Land gegenüber einem anderen
gewisse Vorteile einräumen, so herrscht eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit dahingehend, welche Praktiken eine Subvention darstellen und
wann die GATT-Regeln es erlauben, Ausgleichszölle zu verhängen.
Gilbert B. Kaplan, beim US-Handelsministerium für solche Untersuchungen zuständig, erklärte gegenüber dem amerikanischen Informationsamt
(USIA), daß gemäß des Gesetzes über Handelsvereinbarungen von 1979 Ausgleichszölle festgesetzt werden können, um sowohl Export- als auch Importsubventionen auszugleichen.
Ihm zufolge wird eine Praxis, durch die eine Regierung den Export
unterstützt, als Exportsubvention angesehen - ganz gleich, ob diese
Praxis allen Exporten zur Verfügung steht oder lediglich den Exporten
eines einzelnen Industriezweiges.
"Am häufigsten sind Steuerabschreibungen bei Exporten, staatliche
Subventionen, die von einer Steigerung der Exporte abhängig gemacht
werden, sowie andere Praktiken, bei denen es um einen Bonus für Exporte
geht," so Roland MacDonald, der im Handelsministerium die Untersuchungen
- 2-

�die Untersuchungen über Ausgleichszolle leitet, in einem Interview mit
USIA.
Eine öffentliche Subvention ist, wie Kaplan erklärte, ein "Vorteil,
den eine Regierung einem bestimmten Industriezweig bzw. einer Reihe von
Industriezweigen gewährt, der aber in dem Land als ganzem nicht allen Industriezweigen insgesamt gewährt wird." Dies stellt für bestimmte Industriezweige einen wirtschaftlichen Vorteil dar, der sie im Wettbewerb gegenüber anderen Produzenten ähnlicher Güter begünstigt.
Zu den Kategorien von Praktiken, die gemäß dem amerikanischen Ausgleichszollgesetz Subventionen darstellen, gehören:
— Kapital, Darlehen oder Darlehensgarantien unter Bedingungen, die
nicht in Einklang mit normalen Geschäftsbedingungen stehen;
Güter oder
gewährt werden;

Dienstleistungen,

die

unter

Präferenzbedingungen

-- Bereitstellung von Mitteln oder die Erlassung von Schulden zur
Abdeckung von Verlusten, die ein bestimmter Industriezweig gemacht hat;
— Übernahme jeglicher Kosten oder Ausgaben bei Produktion und Vertrieb.
Kaplan betonte, daß Subventionspraktiken den amerikanischen Ausgleichszöllen nicht unterliegen, wenn die Hilfen der Regierung generell
allen Industrien eines Landes zugänglich seien.
MacDonald wies darauf hin, daß die gemäß amerikanischem Recht als
Subventionen definierten Praktiken diejenigen umfassen, die der GATTKodex als solche auflistet - sich jedoch nicht auf diese beschränken.
Dem Handelsministerium zufolge wurden seit 1982 unter anderem die
folgenden Subventionspraktiken aufgedeckt, die Ausgleichszölle zur Folge
haben:
— Stahlprodukte aus Korea:

�-- Stahlprodukte aus Korea: Die dortige Regierung ermöglichte eine
präfereniieile Exportfinanzierung. So bot sie steuerliche Exportanreize
für staatliche Firmen, für Stahlerzeuger, für die regionale Entwicklung
und für Firmen in ausländischem Besitz. Die koreanischen Firmen erhielten
Zollvergünstigungen auf Rohstoffe für Fertigwarenexporte und zogen Nutzen
aus den Zuschüssen zu den Transportkosten für Stahlhersteller.
— Kohlestahldraht aus Südafrika: Die südafrikanischen Hersteller
zogen Vorteile aus Programmen für Exportanreize, Vorzugspreise beim
Schienenverkehr für Transporte ins Ausland sowie staatliche Rückzahlungen
bei derlei Transporten. Die südafrikanische Regierung übernahm die Finanzierungskosten bei speziellen Industriezweigen, einschließlich der Stahldrahthersteller.
—Stahlblech und Walzstahl aus Großbritannien: Die britischen Hersteller erhielten Vorzugsdarlehen und Kapitalzuschüsse zu Bedingungen,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Kriterien standen. So übernahm
zum Beispiel die Regierung Verbindlichkeiten der Stahlfirmen, um die Bildung einer vom Staat gestützten Gesellschaft zu ermöglichen und brachte
je nach Bedarf Mittel in diese Gesellschaft ein. Die Regierung stellte
außerdem Darlehen für regionale Entwicklung bei ausgewiesenen Produktionssektoren und Zuschüsse bei der entsprechenden beruflichen Ausbildung
zur Verfügung.
--Unlegierter Stahl aus Brasilien: Die Regierung stellte der
Stahlindustrie Kapital und langfristige Darlehensgarantien zur Verfügung,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Bedingungen standen. Sie vergab
außerdem Vorzugsdarlehen und Steuervergünstigungen bei Stahlerzeugung und
-export, Steuerrückzahlungen an die Stahlindustrie aus Steuerzahlungen
der anderen Industriezweige sowie Steuerbefreiung bei Importerzeugnissen
für Projekte dieser Industrie.
Bei der Frage, ob es zu einem Ausgleichszoll kommen soll oder nicht,
gilt es eine weitere Unterscheidung dahingehend zu treffen, ob die
- 4-

�ob die Subvention in einer Marktwirtschaft oder einer Planwirtschaft vergeben wird. In einer grundlegenden Entscheidung vom 2. Mai 1984 kam das
amerikanische Handelsministerium zu dem Schluß, daß das amerikanische
Ausgleichszollgesetz aufgrund der Definition der Subvention "keine Anwendung auf Planwirtschaften" finden soll: Subventionen sind Maßnahmen,
die durch die Zuweisung von Mitteln die Marktkräfte des Angebots und der
Nachfrage verzerren. Kaplan gegenüber USIA: "Wir gelangten zu dem Schluß,
daß es keine Marktkräfte gibt, wenn die gesamte Wirtschaftsstruktur subventioniert wird. Gegen diese Entscheidung liegen derzeit Einsprüche vor,
aber solange der entsprechende Schiedsspruch aussteht, wird es keine Ausgleichszollfälle geben, die Planwirtschaften betreffen."
Es könne jedoch wegen der Gesetze, die sich mit subventionierten Importen befassen, zwischen verschiedenen Ländern zu Meinungsverschiedenheiten kommen, weil GATT den Regierungen keine festumrissene Ratschläge
gibt, wie der Vertreter einer anderen Behörde gegenüber USIA erklärte. So
verlangen die GATT-Regeln im Bereich Subvention und Ausgleichszölle - wie
dies im Verlauf der Tokio-Runde der Handelsverhandlungen 1973-1979 beschlossen wurde - bei Exportsubventionen für Fertig- und Halbfertigwaren
von Industriestaaten eindeutig deren Verbot; weder GATT noch der Kodex
definiere jedoch exakt, was eine Subvention ist.
GATT zufolge ergeben sich auch aus subventionierten Exporten eines
Landes, die die Exporte gleicher Natur eines Drittstaates verdrängen,
Nachteile. Aus diesem Grunde sollten im Rahmen des GATT Konsultationen
stattfinden, um über eine Begrenzung der Subventionen zu sprechen. Doch,
so ein Regierungsvertreter, ergeben sich hierbei Probleme, weil die
GATT-Bestimmungen, die sich mit Drittländermärkten befassen, nicht präzise genug sind.
So verlangen bestimmte GATT-Regelungen von einem Land, auf Rohstoffe
nicht mehr Exportsubventionen zu vergeben, als zu einem "angemessenen Anteil" dieses Rohstoffs auf dem Weltmarkt führt. Andere Regelungen wiederum erlauben

den Entwicklungsländern

Exportsubventionen

.5-

bei Fertigwaren,

�bei Fertigwaren, Halbfertigwaren und Rohstoffen, vorausgesetzt, diese
Subventionen führen nicht zur Schädigung der Exporte oder der Industrie
anderer Länder.
Allerdings, so der Regierungsvertreter, definiert GATT nicht diesen
"angemessenen Anteil" und die Staaten sind sich hinsichtlich einer
gemeinsamen Definition nicht nähergekommen.
In einem Fall etwa, in dem die Vereinigten Staaten einen Fall von
Exportsubventionen bei GATT zur Regelung einbrachten, erklärten die
Vereinigten Staaten, daß subventionierte Exporte es der Europäischen,
Gemeinschaft ermöglichten, ihren Anteil am Weizenmehlmarkt auf Kosten
anderer Weizenmehlexporteure -wie etwa der Vereinigten Staaten und
Kanadas- zu vergrößern. Bei GATT wurde indessen erklärt, man wisse nicht,
was "ein angemessener Anteil" sei und sei "praktisch nicht in der Lage,
zu einer Entscheidung zu gelangen."
"Wir", so der amerikanische Regierungsvertreter, "sind der Meinung,
daß GATT und der Subventionskodex eine Art rechtlicher Dokumente sind,
während die Europäische Gemeinschaft, unterstützt von einer Reihe anderer
Länder, die Haltung einnimmt, es handle sich hierbei um eine Art von
Verhandlungs- oder Konsultationsregelungen, nicht jedoch um rechtliche
Verpflichtungen, über die Jahre hinweg hat dies natürlich eine gewaltige
Auswirkung auf das Funktionieren von GATT."

***********

_ 6-

�T

Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

RAUMFÄHRE "DISCOVERY" IN DIENST GESTELLT

- (AD) - Acht Stunden nach dem Start der amerikanischen Raumfähre
DISCOVERY am 30. August 1984 zu ihrem sechstä'gigen Jungfernflug wurde der
erste Auftrag ausgeführt: Die Besatzung setzte den kommerziellen Nachrichtensatelliten SBS 4 in der Umlaufbahn ab, 294 km über der Erdoberfläche. Automatisch zündete 45 Minuten später das Feststofftriebwerk von
SBS 4 für den Weitertransport - zunächst in eine elliptische Übergangsbahn. Die Aktivierung eines weiteren kleinen Feststofftriebwerks führte
den Satelliten schließlich in die kreisförmige geostationäre Bahn in 36
000 km Höhe. Er ist Eigentum der Fa. Satellite Business Systems, die
Kommunikationssysteme für Wirtschaft und Industrie anbietet. Das 485 kg
schwere Gerät ist mit zehn Transpondern ausgerüstet. Fünf davon dienen
der Ausweitung des SBS-Telefondienstes, fünf werden an eine Gesellschaft
für Satellitenfernsehen vermietet. Die Drei ersten SBS-Satelliten sind
nach wie vor in Betrieb und voll ausgelastet, über SBS 4 können 1 300
Ferngespräche gleichzeitig laufen.
Auch das Absetzen und der Weitertransport der Nachrichtensatelliten
TELSTAR (im Auftrag von "American Telephone and Telegraph") und SYNCOM
(im Auftrag der Fa. Hughes für den Mietbetrieb durch die US-Marine)

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die US-Marine) verliefen planmäßig.

TELSTAR war, wie SBS 4, mit einem

inzwischen verbesserten PAM-Antrieb ausgerüstet (PAM ist die Abkürzung
für "payload assist module").

Der von der Fa. McDonnell Douglas ent-

wickelte Nutzlasten-Zusatzantrieb war bereits einige Male mit Erfolg verwendet worden, hatte jedoch beim Start zweier Nachrichtensatelliten von
Bord der Raumfähre CHALLENGER im Februar 1984 versagt.

Sowohl PALAPA B

(Auftraggeber war die indonesische Regierung) als auch WESTAR 6 (für das
amerikanische Fernmeldeunternehmen Western Union) gerieten damals in viel
zu niedrige, nutzlose Bahnen.

Wie jetzt die NASA (US-Amt für Luft- und

Raumfahrt) mitteilte, soll bei einem Raumtransporterflug im November 1984
versucht werden, zunächst PALAPA B, vielleicht auch Westar 6 zu bergen.
Ein Neustart dieser Satelliten wäre dann Mitte 1985 möglich.

Der neun Tonnen schwere SYNCOM-Nachrichtensatellit

ist von seiner

Formgebung her auf den Raumtransporter als Trägergerät zugeschnitten und
auf diesen angewiesen.

Nach dem Ausrollen aus dem Frachtraum der Raum-

fähre wird der Koloß mit einem eingebauten, mit Flüssigtreibstoff arbeitenden Raketenmotor zur geostationären Bahn katapultiert.

Es war vor allem die Aufgabe von Dr. Judith Resnik, nach Dr. Sally
Ride die zweite Amerikanerin im Weltraum, den neuartigen Sonnenenergie-Kollektor zu betreuen.

Voll entfaltet hat die segelähnliche Kon-

struktion (Gewicht: 90,8 kg) eine Breite von 32 m, ist jedoch verpackt
nur wenige Meter lang und 18 cm hoch.

Sie kann ohne Schwierigkeiten

wieder gefaltet, zur Erde zurückgebracht und mehrfach wiederverwendet
werden.

Die Solarzellen, mit denen das "Segel" besetzt ist, erzeugen

zusammen 12,5 kW Strom.

Der Kollektor ist eine von zahlreichen Appara-

turen, die erprobt werden, um ihre Eignung zur Energieversorgung künftiger Raumstationen zu testen.

Charles Walker von der Fa. McDonnell Douglas, erster Nicht-Astronaut
an Bord eines amerikanischen Raumtransporters, war für die Überwachung
einer Elektrophorese-Apparatur

zuständig, mit der

hochreine Ausgangs-

stoffe für pharmazeutische Produkte gewonnen werden.
higkeit ist unter Weltraumbedingungen,

- 2 -

d.h.

Die Leistungsfä-

in der Schwerelosigkeit,

�der Schwerelosigkeit, 700 Mal größer als auf der Erde. Bei der jetzt erprobten Apparatur handelt es sich bereits um den Prototyp einer für den
Betrieb im Weltraum entwickelten Fabrikationsanlage.

Einsatzmaterial für

den kontinuierlichen Trennungsprozeß durch Elektrophorese war ein Hormon,
von dem zur Aufnahme klinischer Versuche größere Mengen erforderlich
sind, als bisher zur Verfügung standen.

* * * * *

- 3-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
12. September 1984

37

INDUSTRIEAKTIVITÄTEN IM WELTRAUM
- Erste Produkte für den Markt -

- (AD) - Nachrichtensatelliten waren bisher die einzigen Entwicklungen der Raumfahrttechnik, die Unternehmen der Wirtschaft für eigene Aktivitäten im All einsetzten.

Jetzt hat der Raumtransporter der Industrie

neue Wege eröffnet, und zwar für eine "Fabrikation im Weltraum".

Sowohl

die Erprobung erster Versuchsausrüstungen für die Reinigung oder Abtrennung bestimmter Komponenten aus Mischsubstanzen oder die Herstellung winziger Latex-Kügelchen bei den ersten Einsätzen amerikanischer Raumtransporter als auch die Experimente im Europäischen Weltraumlabor SPACELAB
während des COLUMBIA-Kluges im November 1983 lieferten dazu aufschlußreiche Daten.

Beim Jungfernflug der Raumfähre DISCOVERY (30. August bis 5. September 1984), des dritten Raumtransporters der Vereinigten Staaten, wurde
ein weiterer wichtiger Schritt getan.

Die Firma McDonnell Douglas hatte

einen ihrer Ingenieure, Charles Walker, mit auf die Reise geschickt, um
eine Apparatur zu betreuen, die bereits als Prototyp für eine kommerzielle pharmazeutische Produktionsanlage gilt.

Es war eine Elektropho-

rese-Apparatur, mit der in der Schwerelosigkeit in einem kontinuierlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�einem kontinuierlichen Prozeß eine hormonelle Substanz in Mengen gewonnen
wurde, die die Durchführung von Tierversuchen und die klinische Erprobung
im nächsten Jahr erlauben.

Die Betriebsdauer der Maschine an Bord der DISCOVERY betrug 100 Stunden.

Der Sprecher der Fa. McDonnell Douglas, die bei diesem Project mit

der Ortho Pharmaceutical Corporation zusammenarbeitet, machte keine Angaben darüber, um welches Hormon es sich handelte.

Er sagte lediglich, daß

es "eines Tages für die Behandlung einer Reihe von Krankheiten von Nutzen
sein soll". Mit einer größeren Maschine, die im kommenden Jahr bei "Space
Shuttle"-Flügen eingesetzt werden soll, dürfte die Produktionsmenge bereits kommerziellen Umfang erreichen.

Beide Firmen hoffen, das neue Hor-

mon 1987 auf den Markt bringen zu können. Mit diesem Verfahren wird im
elektrischen Feld aus der flüssigen Mischung von Substanzen biologisches
Material abgetrennt.

Dabei ist die Schwerelosigkeit ein ganz wichtiger

Faktor, um sehr hohe Konzentrationen, dazu in besonders großem Reinheitsgrad, zu bekommen.

Wie James Beggs, der Administrator der NASA, berichtete, stehen gegenwärtig 20 Firmen aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen mit der NASA
wegen Fabrikationsprojekten im Weltraum in Verhandlung.

Neben pharmazeu-

tischen Produkten interessieren vor allem Elektronik-Materialien, Gläser
und neuartige Legierungen.

Das US-Bundesamt für Technische Normen wird

Anfang 1985 an Bord von Raumtransportern mit einem Speziaireaktor erzeugte Latex-Kügelchen u.a. als Eichmaterial zulassen.

Dank der schwerelosen

Bedingungen im Weltraum konnten diese Kügelchen, die z.B. auch als Trägersubstanz für Medikamente dienen, in völlig einheitlicher Größe hergestellt werden (was auf der Erde nicht gelingt).

Sie sind ein Hundertstel

Millimeter groß und dürfen als "Standard-Referenz" verwendet werden.

In

Industrie und medizinischer Forschung werden sie z.B. auch zum Eichen
empfindlicher Instrumente benutzt.

Die NASA wird ca. 600 "Einheiten" des

Latex-Materials zu je 400 Dollar verkaufen.

Eine "Einheit" ist ein Glas-

röhrchen von 5 ccm Inhalt, das etwa 15 Millionen Latex-Kügelchen in Wasser aufgeschwemmt enthält.
Anfang

- 2 -

November

�Anfang November 1984 nimmt die 3M Company ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Herstellung von Produkten im Weltraum auf.

An Bord

des Raumtransporters wird ein Experiment aus der organischen Chemie installiert.

Firmensprecher James Schwinn erläuterte, daß man neuartige

und qualitativ besonders hochwertige Kristalle züchten wolle.

Das neue

Material werde in erster Linie im Computerbau und in der Kommunikationstechnik zur Informationsübertragung mit Licht verwendet.

Auch sei die

Herstellung ultradünner Filme für die Elektronik und andere Industrien
geplant.

Das eigentliche Programm sei sehr umfangreich und auf einen

langen Zeitraum ausgelegt.

* * * * *

- 3-

�37

12. September 1984

INFRAROTASTRONOMIE AM SÜDPOL
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

- (AD) - "Sonnenseismologie" werden einige amerikanische und französische Wissenschaftler

in

der

im

Oktober

schungssaison 1984/85 am Südpol betreiben.

beginnenden

Antarktis-For-

In der von den Vereinigten

Staaten unterhaltenen Amundsen-Scott-Station ist eine Gruppe französischer Astrophysiker bei ür. Martin A. Pomerantz von der Universität
Delaware und seinen amerikanischen Kollegen zu Gast, um gemeinsam mit
diesen unter Einsatz neuentwickelter Instrumente Oszillationen der Sonne
zu beobachten.

Daß die Sonne "pulsiert", wurde 1975 zum ersten Mal beobachtet.

Vier

Jahre später begann die sog. Polar-Astronomie, als zum ersten Mal in den
Polargebieten ein paar kleine Instrumente, Spezialkonstruktionen, für die
Sonnenforschung erprobt wurden.

Trotz der harten Lebensbedingungen bie-

tet der Südpol gerade für die Solarforschung manche Vorteile: Mitte September geht am Südpol die Sonne auf und verschwindet erst wieder Mitte
März, läßt also den Astrophysikern eine ungewöhnlich lange ununterbrochene Beobachtungszeit.

'Ähnlich günstige Verhältnisse finden Wissenschaft-

�finden Wissenschaftler für Sternenbeobachtungen - allerdings sind dazu
die polaren Wintermonate erforderlich.

Die Sonne kommt nicht mehr über

den Horizont, ihr Licht kann Untersuchungen mit verschiedensten Instrumenten an den Sternen nicht stören.

Allerdings wurden am Südpol im

"Austral-Winter" (Sommer auf der Nordhalbkugel) schon Temperaturen unter
minus 80 Grad Celsius gemessen.

Im Gegensatz zum Nordpol, der inmitten eines vereisten Meeres liegt,
befindet sich die Südpolstation auf einem riesigen Block von Eis, der
festem Gestein aufliegt.

Fernrohre am Südpol haben etwa die gleiche

günstige Postion wie ein Observatorium auf einem 3 300 m hohen Berg.
Auch sind Tage und Nächte am Südpol häufig klar und wolkenfrei - ganz im
Gegensatz zu dem oft unter Nebel liegenden Nordpolargebiet.
hohe Windstärken sind erfahrungsgemäß selten.

Stürme und

Und weil die Luft meist

trocken wie in der Wüste ist, bleibt die Absorption von Licht bestimmter
Wellenlängen aus - ein Faktor, der für die Infrarotastronomie eine entscheidende Rolle spielt.

Das solare Seismologieprojekt ist Teil des bisher unfangreichsten
Programms der Vereinigten Staaten für astrophysikalische Forschung in der
Antarktis.

Langzeitbeobachtungen der Sonne liefern Daten zum Aufbau des

Sonneninnern und der dynamischen Prozesse, insbesondere zur Dynamik der
sog. Konvektionszone unter der sichtbaren Sonnenoberfläche.

Der gröbte

Teil der Sonnenaktivitität hat dort ihren Ursprung.

Bei den verwendeten Kompakt-Instrumenten

(einige wurden

schon im

Antarktissommer 1982/83 erprobt) handelt es sich u.a. um ein neuartiges
optisches Teleskop und ein spezielles Resonanzspektrometer, das auf eine
einzige Spektrallinie fixiert wird.

Es vermag selbst geringste Verän-

derungen der Wellenlängen zu registrieren.
längenverschiebungen

An Hand der erfaßten Wellen-

können die Wissenschaftler ermitteln, in welchem

Ausmaß sich die Sonnenoberfläche hebt und senkt.

Mit einem Fotometer für den Submillimeterbereich wird Prof. Pomerantz
vom Südpol aus auch erstmals den südlichen Teil der galaktischen Ebene

- 2 -

�galaktischen Ebene und kosmische Molekülwolken im Nachbarbereich beobachten.

Die Untersuchungen geschehen im Zusammenhang mit der Frage, ob

die Sternenbildung ein kontinuerlicher Prozeß ist oder ob er sich stoßweise vollzieht.

Außerdem wird die "Temmperatur", d.h. die Bewegungs-

energie der Staubpartikel in bereits abgesonderten Materiezusammenballungen, die der Sternenbildung vorausgehen, gemessen.

Zur chemischen

Evolution in unserem Milchstraßensystem werden von diesen Studien ebenfalls Informtionen erwartet.

Mit einem transportablen Kompaktinstrument (Apertur: 15 cm) setzt eine andere amerikanische Forschergruppe die Beobachtung der periodisch
auftretenden Dunkeleffekte am Sonnenrand fort.
chung von Helligkeitsschwankungen der Sonne.

Dies dient der Untersu-

Die Daten werden im Natio-

nalen Sonnenobservatorium der USA in Sunspot (New Mexico) analysiert.

Für eine weitere Wissenschaftlergruppe beginnt die Arbeit erst im
Juni 1985, weil sie für ihre Untersuchungen am Stern Gamma 2 Velorum (im
Sternbild Vela) auf Lichtschwankungen und bestirnte Spektrallinien der
Elemente Helium und Kohlenstoff auf "Nachtbedingungen" angewiesen ist.
Vergleichende Beobachtungen werden an drei weiteren Sternen unternommen,
außerdem werden das veränderliche "Hintergrundleuchten" des Firmaments
und Unterschiede in der Durchlässigkeit der Erdatmosphäre für bestimmte
Wellenlängen gemessen.

- 96 Forschungsprojekte Mit insgesamt 96 Forschungskprojekten aus verschiedenen Disziplinen neben Astronomie z.B. Geologie, Atmosphärenforschung, Gletscherforschung,
Ozeanography und Biologie - wollen sich in der bevorstehenden Saison in
der Antarktis mehr als 300 Wissenschaftler befassen.

Für die Vereinigten

Staaten, die seit nunmehr drei Jahrzehnten regelmäßig Naturwissenschaftler in die Antarktis entsenden, werden die vorgesehenen Projekte von der
National Science Foundastion (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung) finanziert und koordiniert.
Auf Fossiliensuche

�Auf Fossiliensuche geht eine 19köpfige Gruppe aus sechs amerikanischen Universitäten und Instituten auf der Seymour-Insel (vor der Ostküste der Antarktischen Halbinsel), wo 1982 Fossilien von Säugetieren gefunden wurden.

Dies bestätigte damals Theorien, denen zufolge Landsäu-

getiere, vor allem Beuteltiere, in der einst klimabegünstigten, warmen
Antarktis zuhause waren.

Das Studium von Sedimenten aus Kreidezeit bis

Tertiär, was eine 1U0 Millionen bis 40 Millionen Jahre zurückliegende
Periode der Erdgeschichte umfaßt, gilt zahlreichen Arten pflanzlicher und
tierischer Fossilien.

Von besonderem Interesse sind Fossilien von Wir-

beltieren - von Fischen, Vögeln, Land- und Meeresreptilien sowie von
Säugetieren.

Denn die Seymour-Insel ist einer der wenigen Orte auf der

Erde, wo Überreste von Lebewesen aus dieser Periode kontinuierlich dokumentiert sind.

Bodenproben aus dem heute völlig kahlen Gebiet könnten

außerdem Hinweise liefern, ob auch hier, wie schon in einigen anderen
Teilen der Erde nachgewiesen, eine "Iridium-Anomalie" im Übergang von
Kreidezeit zu Tertiär festzustellen ist.

Die Existenz einer an Iridium reichen Schicht - eines chemischen Elements, das zu den Edelmetallen der Platingruppe zählt - wurde erstmals
1980 von vier Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (unter ihnen
der Physiker und Nobelpreisträger Luis W. Alvarez) als mögliches Anzeichen gewertet, daß vor ca. 65 Millionen Jahren ein riesiger Komet oder
Asteroid auf die Erde gestürzt sei.

Diese Katastrophe könnte infolge

einer plötzlichen Kälteperiode, die Staub- und Schuttmassen nach dem Einschlag in der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum verursachten, zum
Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten geführt haben.
Der feine Staub, der in den folgenden Jahren allmählich zu Boden
sickerte,

enthielt

verhältnismäßig

viel

Iridium

und

andere

Elemente, wie sie gewöhnlich in Eisenmeteoriten vorkommen.

seltene

Die Theorie,

daß eine Vielzahl von Arten, von Einzellern bis zu Ammoniten und Dinosauriern, der Katastrophe zum Opfer fielen, wurde durch die Ergebnisse
einer neuen Studie teilweise erhärtet.

Eine amerikanische Forschergruppe

unter der Leitung von Dr. Walter Alvarez, Professor für Geologie und Geophysik an der Universität Kalifornien in Berkeley, überprüfte kritisch
- 4 -

�überprüfte kritisch die Hypothesen von sieben verschiedenen Wissenschaftlerteams, zu denen diese auf Grund ihrer Untersuchungen zum Verschwinden
niederer und höherer Spezies des Pflanzen- und Tierreiches während des in
Frage stehenden Zeitabschnitts gekommen waren.

Vor allem die Berichte

über vier Gruppen wirbelloser Meerestiere aus einem Gebiet, von dem kontinuierliche geologische Daten über die gesamte Periode vorliegen, führten Alvarez und Mitarbeiter zu der Schlußfolgerung, daß diese Arten
plötzlich, vielleicht sogar innerhalb eines einzigen Jahres ausgelöscht
wurden. Die klassische Theorie der Paläontologie, derzufolge gegen Ende
der Kreidezeit eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten allmählich ausgestorben ist, wird von den Forschern nicht in Frage gestellt.

Sie for-

dern jedoch weitere Studien in bezug auf andere Fossiliengruppen, um mehr
wissenschaftliches Material zu bekommen, das die vermutete Katastrophe
besser als das bisher vorliegende belegen könnte.
- Reine Luft - wie lange noch? -

Ein ausgeklügeltes Experiment zum Studium großräumiger Luftströmungen
zur und aus der Antarktis unternehmen Wissenschaftler des Los Alamos National Laboratory unter der Leitung von Dr. Paul R. Guthals.

Noch hat

die Antarktis die sauberste Luft, die es auf der Erde überhaupt gibt.
Wie lange noch?

Wird die mit Staub und chemischen Verbindungen aller Art

beladene Luft aus den Industrieländern bis zur Antarktis vordringen?

Wie

wird die zunehmende Industrialisierung von Ländern der Dritten Welt auf
der Südhalbkugel schließlich die Erdatmosphäre beeinflussen?

Frühere Luftuntersuchungen in der Antarktis ergaben u.a., daß die
chemische Zusammensetzungen von Aerosolen (Luftschwebstoffen) am Südpol
in den Sommermonaten anders sind als in den Wintermonaten.

Wahrschein-

lich muß mit saisontypischen Strömungsrichtungen gerechnet werden.
Bereits im Juni und Juli 1984 hat die Gruppe Guthals angefangen, von
Flugzeugen aus über Gebieten zwischen Neuseeland und der Antarktis Schweres Methan als Spurengas in Höhen von 5 500 und 6 000 m freizusetzen.

Im

Oktober werden nochmals zwei deutlich unterscheidbare Formen von Schwermethan in 5 500 m Höhe und wenige Meter über der Wasseroberfläche frei-

�Wasseroberflacne freigesetzt.

Das Gas besteht aus seltenen schweren Iso-

topen von Wasserstoff und Kohlenstoff, so daß die mit den Luftströmungen
zur Antarktis getragenen Partikel in den dort auf Forschungsstationen von
fünf Ländern regelmäßig genommenen Luftproben auffallen werden.

Man er-

hofft sich Hinweise zur Beantwortung der Fragen, wie schnell und auf welchen Wegen die Spurengase zur Antarktis transportiert und wie stark sie
verdünnt wurden.

Die Meßdaten könnten eine bessere Basis für die Vorher-

sage des Transports von Aerosolen zur Antarktis schaffen - Aerosolen, die
natürlichen Ursprungs sind oder durch menschliche Aktivität verursacht
sein können.

Windströmungen in der Antarktis entstehen, indem das Defi-

zit an Luftmassen, die zu den Meeren hin und über den Meeren abströmen,
durch eine ständige Zufuhr von Luft aus hohen Schichten der Atmosphäre
ausgeglichen wird.

* * * * *

- 6-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Industrieaktivitäten im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Produkte für den Markt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infrarotastronomie am Südpol&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- In der Antarktis beginnt wieder die Saison - Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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&lt;§ntassy of the United States of America
Libtsry Services
Deichmanns Aue 29

0
*

cimGrikci
dienet

6300 Bonn 2
U. S. I nformation Service
Embassy of the United States of America

12. September 1990

36

GOLFKRISE

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION "WIRD NICHT
BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers
in Brüssel

DEUTSCHLANDPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters in München

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFK RISE
36

12. September 1990

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION
"WIRD NICHT BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
»
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses hat Präsident Bush am 11.
September 1990 erklärt, "eine neue Partnerschaft der Nationen" stehe gemeinsam gegen die irakische
Besetzung Kuwaits. Er bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten diese Aggression nicht hinnehmen werden.
Bush forderte erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Rückzug des Iraks und die Wiederherstellung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait. Darüber hinaus erklärte der Präsident: "Wir erleben heute einen
einzigartigen und historischen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst sie ist, bietet auch eine seltene
Gelegenheit, einer historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten
... kann eine neue Weltordnung entstehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses, verehrte Gäste, liebe amerikanische
Mitbürger,
wir haben uns heute abend hier versammelt, um die
bedeutsamen und tragischen Ereignisse am Persischen Golf zu erörtern. Nach Verhandlungen und
Versprechungen des irakischen Diktators Saddam
Hussein, keine Gewalt anzuwenden, überfiel in den
frühen Morgenstunden des 2. August eine mächtige
irakische Armee den vertrauensvollen und erheblich
schwächeren Nachbarstaat Kuwait. Innerhalb von
drei Tagen standen 120 000 irakische Soldaten mit
850 Panzern in Kuwait und marschierten nach Süden,
um Saudi-Arabien zu bedrohen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloß, dieser Aggression entgegenzutreten.
Heute halten die mutigen Angehörigen unserer Streitkräfte in jenen fernen Wüsten und auf fernen Meeren
Wache, Seite an Seite mit Streitkräften aus über 20
anderen Ländern.
Sie gehören zu den besten Männern und Frauen der
Vereinigten Staaten von Amerika. Und sie leisten
hervorragende Arbeit.
Diese tapferen Amerikaner waren augenblicklich be-

AMERIKA DIENST 36

reit, ihre Ehegatten und Kinder zurückzulassen, um an
einer Front zu dienen, die eine halbe Weltreise entfernt
liegt. Sie erinnern uns daran, worin die Stärke der
Vereinigten Staaten liegt. Das tun sie.
Unter den schwierigen Bedingungen am Golf ist die
Moral unserer Soldaten außergewöhnlich gut. Im
Angesicht der Gefahr sind sie mutig, gut ausgebildet
und engagiert.
Ein Soldat, der Obergefreite Wade Merrit aus Knoxville
in Tennessee, der heute in Saudi-Arabien stationiert
ist, schrieb seinen Eltern von seinen Ängsten, seiner
Liebe zu seiner Familie und seinen Hoffnungen auf
Frieden. Er schrieb aber auch: "Ich bin stolz auf mein
Land und seinen festen Standpunkt gegenüber einer
unmenschlichen Aggression. Ich bin stolz auf meine
Armee und ihre Männer. ... Ich bin stolz darauf,
meinem Land zu dienen."
Wade, ich möchte Ihnen nur sagen, daß die Vereinigten Staaten stolz auf Sie sind. Unser Dank gebührt
jedem Soldaten, Matrosen, Marineinfanteristen und
Flieger, der am Persischen Golf im Dienste des Friedens steht.
Ich möchte darüber hinaus dem Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs, General Powell, den Stabschefs selbst, unserem Kommandeur am Persischen
Seite 1

�Golf, General Schwartzkopf, und den Männern und
Frauen des Verteidigungsministeriums danken - Sie
haben eine solch hervorragende Arbeit geleistet.

zu vereiteln.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ihre Arbeit sei getan.
Wir alle wissen jedoch, daß dies nicht der Fall ist.

Wir erleben heute einen einmaligen und außerordentlichen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst
sie ist, bietet auch eine seltene Gelegenheit, einer
historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser
fünftes Ziel - eine neue Weltordnung - entstehen: eine
neue Ära, freier von der Bedrohung des Terrorismus,
stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in
der Suche nach Frieden. Ein Zeitalter, in dem die
Staaten der Welt, Ost und West, Nord und Süd, in
Harmonie gedeihen und leben können.

Wenn es jemals an der Zeit war, sein Land über sich
selbst zu stellen und Patriotismus über eine Partei,
dann ist diese Zeit jetzt gekommen. Ich möchte allen
Amerikanern für ihre Unterstützung unserer Streitkräfte und ihres Auftrags danken, besonders den in diesem Hause versammelten.
Diese Unterstützung wird in der kommenden Zeit noch
wichtiger sein.
Heute abend möchte ich Ihnen deshalb erläutern, was
auf dem Spiel steht - was wir gemeinsam unternehmen
müssen, um zivilisierte Werte in der ganzen Welt zu
verteidigen und unsere wirtschaftliche Stärke im Inland zu erhalten.
Unsere Ziele am Persischen Golf sind eindeutig, sie
sind definiert und allseits bekannt:
Der Irak muß sich vollständig, unverzüglich und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen.
Die rechtmäßige Regierung Kuwaits muß
wiederhergestellt werden.
Die Sicherheit und Stabilität des Persischen
Golfs muß gesichert werden.
Amerikanische Bürger im Ausland müssen
geschützt werden.
Dies sind nicht nur unsere Ziele. Sie wurden vom
UNO-Sicherheitsrat in den vergangenen Wochen fünfmal
gebilligt. Die meisten Länder teilen unsere Sorge um
Prinzipien, und zahlreiche Staaten haben ein Interesse
an der Stabilität des Persischen Golfs. Es handelt sich
eben nicht, wie Saddam Hussein es gerne hätte, um
die Vereinigten Staaten gegen den Irak. Der Irak steht
gegen die Welt.
Wie Sie wissen, bin ich gerade von einem sehr produktiven Treffen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow heimgekehrt. Ich freue mich, daß wir zusammenarbeiten, um ein neues Verhältnis aufzubauen. Unsere gemeinsame Erklärung von Helsinki hat
der Welt gegenüber unsere gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, der irakischen Bedrohung des Friedens entgegenzutreten. Ich zitiere: "Wir sind gemeinsam der Überzeugung, daß die Aggression des Iraks
nicht toleriert werden darf. Eine friedliche Weltordnung
ist unmöglich, wenn größere Staaten ihre kleineren
Nachbarn verschlingen können."
Es ist eindeutig, daß sich kein Diktator mehr auf die
Ost-West-Konfrontation verlassen kann, um eine
gemeinsame Aktion der UNO gegen eine Aggression

Seite 2

Eine neue Partnerschaft der Nationen hat begonnen.

Hunderte von Generationen haben diesen verschlungenen Pfad zum Frieden gesucht, während Tausende
von Kriegen tobten. Heute kämpft eine neue Welt
darum, geboren zu werden. Eine Welt, die sich von der
uns bekannten stark unterscheidet. Eine Welt, in der
die Herrschaft des Rechts das Gesetz des Dschungels
ablöst. Eine Welt, in der die Nationen ihre gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Recht anerkennen.
Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen achtet.
Die vor uns liegende Prüfung ist groß - und das gleiche
gilt für den Einsatz, der auf dem Spiel steht. Dies ist der
erste Angriff auf die von uns angestrebte neue Welt,
die erste Prüfung unseres Muts. Hätten wir nicht mit
klarer Entschlossenheit auf diese erste Provokation
reagiert und würden wir unsere Entschlossenheit nicht
weiterhin unter Beweis stellen, wäre dies ein Signal für
gegenwärtige und potentielle Despoten in der ganzen
Welt.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen gemeinsame lebenswichtige Interesse verteidigen. Und sie
werden es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen die
Herrschaft des Rechts unterstützen. Und sie werden
es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen sich
gegen Aggressionen zur Wehr setzen. Und sie werden es tun.
Und noch eines - beim Streben nach diesen Zielen
werden sich die Vereinigten Staaten nicht einschüchtern lassen.
Lebenswichtige Grundsatzfragen stehen auf dem Spiel.
Saddam Hussein versucht tatsächlich, einenStaat von
der Landkarte zu tilgen.
Wir übertreiben nicht. Und wir übertreiben auch nicht,
wenn wir sagen: Saddam Hussein wird scheitern.
Darüber hinaus stehen lebenswichtige Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel. Der Irak selbst kontrolliert
etwa 10 Prozent der Welterdölreserven. Mit Kuwait

AMERIKA DIENST 36

�kontrolliert der Irak die doppelte Menge. Ein Irak, dem
es gestattet wäre, Kuwait zu schlucken, würde die
wirtschaftliche und militärische Macht, aber auch die
Arroganz besitzen, seine Nachbarn einzuschüchtern
und unter Druck zu setzen - Nachbarn, die den Löwenanteil der übrigen Welterdölreserven kontrollieren. Wir
können es nicht zulassen, daß solch lebenswichtige
Bodenschätze von jemandem beherrscht werden, der
so rücksichtslos handelt. Und wir werden es nicht
zulassen.
Die jüngsten Ereignisse haben eindeutig gezeigt, daß
es für die amerikanische Führungsrolle keinen Ersatz
gibt. Im Angesicht der Tyrannei sollte niemand Zweifel
an der amerikanischen Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit haben.
Niemand sollte an unserer Ausdauer zweifeln. Wir
werden unseren Freunden zur Seite stehen.
Auf die eine oder andere Weise muß der Führer des
Iraks diese grundsätzliche Wahrheit lernen.
Von Beginn an haben wir uns Hand in Hand mit
anderen darum bemüht, eine möglichst breite internationale Reaktion auf die irakische Aggression herbeizuführen. Das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit und Verurteilung des Iraks ist einmalig.
Streitkräfte von Ländern aus vier Kontinenten sind dort
auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien anwesend,
um oinen Angriff abzuschrecken und. falls nötig, abzuwehren. Moslems und Nicht-Moslems, Araber und
Nicht-Araber, Soldaten aus vielen Ländern stehen
Seite an Seite, entschlossen gegen die Ambitionen
Saddam Husseins.
Wir können nun auf fünf Resolutionen des UNOSicherheitsrats bauen, in denen die irakische Aggression verurteilt, der unverzügliche und bedingungslose
Abzug des Iraks und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits gefordert und der zynische und egoistische Versuch des Iraks, Kuwait zu
annektieren, kategorisch abgelehnt wird.
Schließlich haben die Vereinten Nationen die Freilassung aller ausländischen Staatsbürger verlangt, die
gegen ihren Willen und unter Verletzung des Völkerrechts festgehalten werden. Es spricht jedem menschlichen Anstand Hohn, diese Menschen als "Gäste" zu
bezeichnen. Sie sind Geiseln, und die ganze Welt
weiß es.
Premienninisterin Thatcher hat es treffend gesagt:
"Wii schachern nicht um Geiseln. Wir werden nicht auf
das Niveau herabsinken, daß wir Menschen als Tauschobjekte benutzen. Niemals."
Natürlich sind wir mit unseren Herzen bei den Geiseln
und ihren Familien. Aber unsere Politik kann sich nicht

AMERIKA DIENST 36

ändern, und sie wird sich nicht ändern. Die Vereinigten
Staaten und die Welt werden sich nicht erpressen
lassen.
Heute sind Vereinte Nationen in greifbare Nähe gerückt, die so handeln, wie sich das ihre Gründer
vorgestellt hatten. Vieles davon verdanken wir der
hervorragenden Führung von Generalsekretär Perez
de Cuellar. Die Vereinten Nationen verleihen ihren
Worten durch Maßnahmen Nachdruck. Der Sicherheitsrat hat bindende Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak verhängt, mit denen der Irak um die Beute
seiner illegalen Eroberung gebracht werden soll. Der
Sicherheitsrat hat femer den entscheidenden Schritt
unternommen, den Einsatz aller notwendigen Mittel zu
billigen, um die Einhaltung der Sanktionen zu gewährleisten.
Zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten
befinden sich heute Schiffe der amerikanischen Marine auf Patrouille in nahöstlichen Gewässern. Sie
haben bereits über 700 Schiffe gestoppt, um die
Sanktionen durchzusetzen. Drei führende Politiker in
der Region, mit denen ich gestern gesprochen habe,
versicherten mir, daß die Sanktionen funktionieren.
Der Irak fühlt den Druck.
Wir hoffen weiterhin, daß die Führung des Iraks noch
einmal nachrechnen wird, was ihre Aggression sie
gekostet hat. Das Land ist vom Welthandel abgeschnitten. Es ist nicht in der Lage, sein Öl zu verkaufen. Und nur ein Bruchteil der Waren kommt durch.
In den Vereinigten Staaten können die tatsächlichen
Kosten unserer Führungsrolle äußerst hoch sein. Aus
diesem Grund sind Außenminister Baker und Finanzminister Brady mit Staats- und Regierungschefs aus
aller Welt zusammengetroffen, um zu unterstreichen,
daß die Lasten dieser gemeinsamen Bemühungen
geteilt werden müssen. Wir sind bereit, unseren
Beitrag und noch mehr zu leisten, um diese Last zu
tragen, aber wir bestehen darauf, daß auch andere
ihren Anteil übernehmen.
Die meisten unserer Freunde und Verbündeten haben
darauf positiv reagiert. Um die Kosten zu bestreiten,
haben sich die Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits
und der Vereinigten Arabischen Emirate bereit erklärt,
unsere dort stationierten Truppen mit soviel Nahrungsmitteln und Treibstoff zu versorgen, wie sie benötigen.
Darüber hinaus wird den tapferen Staaten an der
Frontlinie, wie etwa der Türkei und Ägypten, großzügige Hilfe geleistet.
Es rührt mich persönlich, berichten zu können, daß
diese internationale Reaktion auch die bedürftigsten
Opfer dieses Konflikts einbezieht - die Flüchtlinge. Wir
haben unsererseits 28 Millionen Dollar Hilfe bereitgestellt. Das ist jedoch nur ein Teil von dem, was benötigt

Seite 3

�wird. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf Saudi-Arabien, Japan und einige europäische
Länder verweisen, die uns bei diesen humanitären
Bestrebungen unterstützt haben.
Darüber hinaus müssen auch die Belastungen im
Energiebereich getragen werden. Die ölproduzierenden Länder fangen bereits den Produktionsausfall im
Irak und in Kuwait auf. Mehr als die Hälfte des Ausfalls
konnte ersetzt werden. Wir können mit hervorragender Kooperation rechnen. Wenn die Förderländer,
einschließlich der Vereinigten Staaten, weiterhin Schritte zum Ausbau der Öl- und Gasförderung unternehmen, können wir die Preise stabil halten und uns vor
Härten schützen. Darüber hinaus haben wir zusammen mit unseren Verbündeten die Möglichkeit, ö l aus
unserer Treibstoffreserve für strategische Zwecke
abzuleiten, wenn die Umstände dies erfordern. Ich
habe bereits darauf verwiesen, wie wichtig Sparsamkeit ist, um unseren Energiebedarf so gering wie
möglich zu halten. Wir müssen aus einer größeren
Bandbreite unserer Energiequellen Nutzen ziehen:
Kohle, Erdgas, Wasser und Atomkraft. Unsere Vernachlässigung dieser Bereiche hat dazu geführt, daß
wir abhängiger von ausländischem Öl sind als je zuvor.
Außerdem sollte niemand es auch nur wagen, von
dieser Krise zu profitieren.
Ich kann nicht vorhersagen, wie lang es dauern wird,
um den Irak von einem Abzug aus Kuwait zu überzeugen. Sanktionen werden Zeit brauchen, bevor ihre
beabsichtigte Wirkung durchschlägt. Wir werden
weiterhin alle Optionen mit unseren Verbündeten
erwägen, aber eins sollte klar sein: Wir werden diese
Aggression nicht dulden.
Unser Interesse und unser Engagement im Golf haben
keinen vorübergehenden Charakter. Sie bestanden
bereits vor der Aggression Saddam Husseins und
werden sie überdauern. Lange nachdem all unsere
Truppen zurückkehren, werden die Vereinigten Staaten Hilfe für die Länder am Persischen Golf als permanente Aufgabe betrachten. Unsere Aufgabe besteht
unter anderem darin, eine künftige Aggression abzuschrecken. Unsere Aufgabe ist es, unseren Freunden
bei ihrer Selbstverteidigung zu helfen. Und wir wollen
die Weiterverbreitung chemischer und biologischer
Technologie sowie ballistischer Raketen und vor allem
Nukleartechnologie einzudämmen.
Ich möchte aber betonen, daß die Vereinigten Staaten
dem irakischen Volk nicht feindlich gegenüberstehen.
Unser Streit betrifft den irakischen Diktator und seine
Aggression. Die Annexion Kuwaits wird dem Irak nicht
gestattet werden. Das ist keine Drohung oder Großtuerei, sondern Tatsache.
Unsere Fähigkeit, als Großmacht im Ausland etwas
bewirken zu können, hängt von unserem Verhalten im
Inland ab. Unsere Wirtschaft, unsere Streitkräfte,
unsere Energieabhängigkeit und unser Zusammen-

Seite 4

halt bestimmen, ob wir unseren Freunden helfen und
uns unseren Gegnern stellen können.
Wenn Amerika führen will, muß es stark und vital
bleiben. Unsere Führungsrolle in der Welt und unsere
innenpolitische Stärke beruhen auf Gegenseitigkeit
und verstärken sich gegenseitig; sie sind seit jeher eng
verknüpft.
Um unsere Führungsrolle zu erhalten, müssen wir
unser Haushaltsdefizit ansprechen - nicht nach der
Wahl oder im nächsten Jahr, sondern jetzt.
Höhere ölpreise verlangsamen unser Wachstum, urtd
höhere Verteidigungsausgaben würden unser Defizitproblem nur verschlimmern. Dieses Defizit ist bereits
umfangreicher als es sein sollte - geschätzte 232
Milliarden Dollar im nächsten Jahr. Es muß - und wird
- abgebaut werden.
Meine Freunde im Kongreß, wir müssen noch in diesem Monat gemeinsam handeln - bevor das nächste
Haushaltsjahr am 1. Oktober beginnt - um das wirtschaftliche Haus Amerikas in Ordnung zu bringen. Die
Situation im Golf läßt uns zu der Erkenntnis gelangen,
daß wir wirtschaftlich verwundbarer sind als wir das
jemals hätten sein sollen. Die Amerikaner dürfen nie
mehr in eine - wirtschaftliche oder militärische - Krise
geraten und dabei in solchem Maße abhängig von
ausländischem ö l sein und eine so überwältigende
Schuldenlast tragen.
Die meisten Amerikaner sind der endlosen Kämpfe im
Kongreß und zwischen den einzelnen Bereichen der
Regierung über Haushaltsprobleme müde. Es ist an
derZeit, daß wir zusammenhalten - und unsere Aufgabe erfüllen. Es ist an uns, dies wieder in den Griff zu
bekommen.
Diese Aufgabe besteht aus vier Teilen.
Erstens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat im
Rahmen eines Haushaltsabkommens wachstumsorientierte Steuermaßnahmen verabschieden - um
eine Rezession in naher Zukunft zu vermeiden und um
langfristig Spareinlagen, Investitionen, Produktivität
und Wettbewerbsfähhigkeit zu steigern. Diese Maßnahmen umfassen die Ausweitung von Anreizen für
Forschung und Entwicklung, Steuererleichterungen
für Hauskäufer, die Einrichtung von steuerlich begünstigten Sparplänen für Familien, Anreize für die Schaffung von Gewerbegebieten und Initiativen zur stärkeren Ölförderung im Inland sowie eine Senkung der
Kapitalertragssteuer.
Zweitens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
ein durchdachtes mehrjähriges Verteidigungsprogramm
verabschieden - das nicht nur die Verbesserung der
Ost-West-Beziehungen, sondern unsere umfassendere Verantwortung widerspielt, mit den permanenten
Risiken gesetzloser Aktionen und regionaler Konflikte
fertigzuwerden. Auch angesichts unserer Verpflich-

AMERIKA DIENST 36

�tungen am Golf kann ein fester Verteidigungshaushalt
real reduziert werden, und wir sind bereit, das zu
akzeptieren. Aber einen Abbau der Verteidigung über
einen Punkt hinaus, an dem unsere Sicherheit bedroht
wird, kann ich niemals akzeptieren.

Sie muß das Wachstum der verdeckten Staatsschulden ansprechen.

Die Welt ist immer noch gefährlich. Zumindest das ist
eindeutig. Die Stabilität ist nicht gesichert. Amerikanische Interessen sind weitreichend. Die wechselseitige Abhängigkeit ist gestiegen. Regionale Instabilität
kann weltweite Auswirkungen haben. Dies ist nicht die
Zeit, um Amerikas Fähigkeit zum Schutz seiner lebenswichtigen Interessen zu aufs Spiel zu setzen.

Ich fordere den Kongreß auf, mir ein umfassendes
Fünfjahresprogramm zum Defizitabbau als Gesetzespaket an die Hand zu geben - inklusive Maßnahmen,
die gewährleisten, daß es vollständig durchgeführt
werden kann. Amerika ist der halbherzigen Defizitreduzierungen, des Ich-verspreche-heute-und-zahlemorgen müde. Genug ist genug. Es ist Zeit für ein
Programm, das glaubwürdig und reell ist.

Drittens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
Maßnahmen zur Förderung der heimischen Energiegewinnung und -einsparung verabschieden, um die
Abhängigkeit von ausländischem Öl zu vermindern.
Diese Maßnahmen sollten meine Vorschläge einbeziehen, die Anreize für inländische Öl- und Gasgewinnung zu erhöhen, auf andere Treibstoffe auszuweichen und die Entwicklung der Energievorkommen in
Alaska ohne Schaden für die Tierwelt zu beschleunigen.
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten zurZeit
des Ölembargos Anfang der siebziger Jahre fast 6
Millionen Barrel Öl pro Tag importiert. Vor der irakischen Invasion in diesem Jahr waren die Ölimporte der
Vereinigten Staaten auf fast 8 Millionen Barrel pro Tag
gestiegen. Wir haben die falsche Richtung eingeschlagen. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um
diesem Trend gegenzusteuern.
Viertens: Der Kongre ß sollte noch in diesem Monat ein
Fünfjahresprogramm verabschieden, im Rahmen
dessen die geschätzte Schuldenlast und das Defizit
um 500 Milliarden Dollar - eine halbe Billion - reduziert
werden kann. Wenn wir gemeinsam mit dem Kongreß
bis Ende des Monats ein zufriedenstellendes Programm erarbeiten können, können wir die Axt der
"Zwangsmaßnahmen" - einschneidende Kürzungen,
die unsere militärische Fähigkeit bedrohen und erhebliche Störungen im Inland hervorrufen würden - abwenden.
Ich möchte dem amerikanischen Volk mitteilen können, daß wir das Defizitproblem ein für allemal gelöst
haben. Damit ich das tun kann, muß eine Haushaltsvereinbarung folgende Bedingungen erfüllen:
Sie muß die von mir empfohlenen Maßnahmen umfassen, um das Wirtschaftswachstums anzukurbeln und
die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern.
Sie muß gerecht sein. Alle sollten einen Beitrag
leisten, aber die Belastung sollte nicht für bestimmte
Programme oder Personengruppen überdurchschnittlich ausfallen.

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Sie muß den Haushaltsprozeß reformieren und weiterhin muß sie reell sein.

Schließlich muß das Programm zum Defizitabbau
zwar neue Einnahmequellen erschließen, aber jede
Maßnahme vermeiden, die das Wirtschaftswachstum
bedroht oder uns in die Tage zurückversetzt, als
Einkommenssteuern bestrafenden Charakter hatten.
Das ist ein Weg, den wir nicht einschlagen sollten.
Ich bin mit den jüngsten Fortschritten sehr zufrieden,
auch wenn es dabei nicht immer reibungslos zuging.
Aber jetzt ist es an der Zeit, etwas zu tun.
Ich hoffe, daß wir einen verantwortungsbewu ßten Plan
ausarbeiten können. Aber mit oder ohne Vereinbarung vom Haushaltsgipfel fordere ich beide Häuser
des Kongresses auf, bis zum 28. September eine klare
und eindeutige Entscheidung über ein Paket zum
Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden Dollar zu
treffen.
Wenn der Kongreß mir keinen Haushalt geben kann,
werden die Amerikaner unweigerlich harte Zwangsmaßnahmen hinnehmen müssen.
Ich hoffe und vertraue jedoch darauf, daß der Kongreß
das tun wird, was er tun muß. Wir in der Exekutive
werden das unsrige tun.
Unsere Fähigkeit, unseren Pflichten im Ausland nachzukommen, hängt letztlich auch vom politischen Willen
und vom Konsens im Inland ab. In Demokratien - wo
wir nur mit der Zustimmung der Regierten regieren - ist
es niemals einfach Und obwohl freie Menschen in
einer freien Gesellschaft ein Recht auf Differenzen
haben, haben Amerikaner in Zeiten, wo sie angegriffen
oder herausgefordert wurden, immer zusammengestanden.
Wieder einmal sind Amerikaner hervorgetreten, um
mit ihren Familien einen tränenreichen Abschied zu
feiern, bevor sie zu feindlichen und fernen Ufern aufbrachen. In diesem Augenblick dienen sie gemeinsam
mit Arabern, Europäern, Asiaten und Afrikanern, um
den Grundsatz und den Traum von einer neuen Weltordnung zu verteidigen. Deshalb schwitzen sie und
quälen sich im Sand und der Hitze und der Sonne.

Seite 5

�Wenn man sich trotz aller Gegensätze zusammenschließen kann, wenn alte Gegner wie die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für eine gemeinsame
Sache kämpfen, dann können wir, die wir das Glück
haben, in diesem Hause - aus Demokraten, Republi-

kanern, Liberalen und Konservativen - anwesend zu
sein, erst recht zusammenfinden, um unsere Pflicht
hier zu erfüllen.
Ich danke Ihnen, guten Abend und Gott schütze Amerika.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�GOLFKRISE
36

12. September 1990

BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Überfall des Iraks auf Kuwait ebenso wie alle zukünftigen
Aggressionen Bagdads am Golf zum Scheitern verurteilt. "Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait kann
nicht Bestand haben, und die Welt mu ß sicher sein, daß er auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist," erklärte Baker am 10. September 1990 nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrats in Brüssel.
Darüber hinaus stellte Baker klar, daß "die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression zweifelsohne
von uns allen getragen werden müssen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker in leicht gekürzter Fassung:
BAKER: Bevor ich Ihre Fragen entgegennehme,
möchte ich Ihnen kurz die wichtigsten Punkte unserer
heutigen Gespräche erläutern.
Erstens, wie ich vergangene Woche vor dem Kongreß
und heute vor dem Nordatlantikrat erklärt habe, sind
wir der Meinung, daß die nichtprovozierte Invasion und
andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak ein
politischer Prüfstein für das Funktionieren der Welt
nach dem kalten Krieg ist.
Die Art und Weise, in der wir und eine Koalition
demokratischer Staaten reagieren, wird ein Maßstab
dafür sein, wie gut sich die westlichen Sicherheitsorganisationen, also NATO und WEU, auf die Gefahren
von heute und die Bedrohungen von morgen einstellen
können.
Zweitens habe ich die Mission zur Teilung von Verantwortung erläutert, mit der unser Finanzminister und ich
uns in der vergangenen Woche befaßt haben. Wir
bezeichnen diese Mission aus gutem Grund als "Teilung von Verantwortung".
Die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression müssen zweifelsohne von uns allen getragen
werden. Die übergeordnete Verantwortung für den
Aufbau einer friedlicheren Welt rechtfertigt solche Lasten
durchaus.
Meine Reise in die Goifstaaten und nach Ägypten war
- so denke ich - besonders produktiv: politisch, militärisch und wirtschaftlich. Ich fand eine regionale Koalition vor, die sich entschlossen der irakischen Aggres-

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sion entgegenstellt. In Ägypten ist Präsident Mubarak
sowohl politische als auch militärische Verpflichtungen
eingegangen, um eine regionale Allianz gegen Saddam Hussein zu unterstützen. Die Golfstaaten haben
ein besonders wichtiges Engagement zugesagt.
Nachdem ich während meiner Anreise zur NATO
soeben mit unseren Botschaftern in Saudi-Arabien
und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen
habe, freue ich mich, ankündigen zu können, daß sich
Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate verpflichtet haben, bis zum Jahresende annähernd 12 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.
Dazu gehört auch Wirtschaftshilfe an Länder wie Ägypten
und die Türkei, die beim Wirtschaftsembargo gegen
den Irak an vorderster Front stehen.
Nahezu die Hälfte dieser 12 Milliarden Dollar wird
eingesetzt, um die Kosten des amerikanischen militärischen Engagements am Golf zu tragen. Ein erheblicher Teil dieses Beitrags wird in materiellen Leistungen bestehen: Treibstoff, Wasser, Verpflegung und
anderes unentbehrliches Material.
Damit komme ich zu einer meines Erachtens zentralen
Tatsache bei der Teilung von Verantwortung, nämlich,
daß Geld allein nicht ausreichend ist. Die zugesagten
Milliarden Dollar können nicht hoch genug veranschlagt werden, aber alles Geld der Welt kann nicht die
Luft- und Seetransportfähigkeiten ersetzen, die heute
benötigt werden, um schwer bewaffnete Einheiten zu
ihrem Einsatzort und Flüchtlinge nach Hause zu transportieren. Die demokratischen Industriestaaten Europas und Asiens, die umfangreiche Luft- und See-

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�transportfähigkeiten besitzen, können helfen, indem
sie Schiffe und Flugzeuge für diesen lebenswichtigen
Bedarf zur Verfügung stellen. Von meinen hier versammelten Kollegen habe ich heute morgen vernommen, daß die Bereitschaft zu einer positiven Antwort in
diesem Bereich besteht.
Drittens habe ich das gestrige Treffen Präsident Bushs
mit Präsident Gorbatschow erläutert. Ich möchte
zunächst feststellen, daß die Sowjets in der weltweiten
Koalition, die Saddam Hussein erfolgreich isoliert hat,
stets sehr verläßliche Partner waren.
In seinen Gesprächen mit Präsident Bush bekräftigte
Präsident Gorbatschow sein Engagement für die
Vereitelung der irakischen Aggression. Es bestanden
wirklich keine substantiellen Meinungsverschiedenheiten über die Bewältigung des Golfkonflikts zwischen den beiden Präsidenten. Insbesondere möchte
ich hier die sowjetische Unterstützung für den Grundtenor hervorheben, wie er in der gestrigen gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck kommt: "Nichts unterhalb der vollständigen Erfüllung der Resolutionen des
UNO-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Auch hier am
Konferenztisch der NATO haben sich unsere Kollegen
ausnahmslos hinter dieses Prinzip gestellt, das Teillösungen ausschließt.
Zum Schluß habe ich meine Kollegen auf die Notwendigkeit hingewiesen, in die Zukunft zu blicken. Wenn
unsere kurzfristigen Ziele erfüllt und insbesondere
dieser besondere Fall der irakischen Aggression gelöst ist, werden wir weiterhin zusammenstehen, um
jede zukünftige Aggression des Iraks zu verhindern.
Sicherlich werden die friedliebenden Regierungen am
Persischen Golf und die internationale Staatengemeinschaft kreative, multilaterale Vereinbarungen in
Erwägung ziehen müssen, um sich gegen künftige
Aggressionen abzusichern.
Zusammen mit den Ständigen Mitgliedern des UNOSicherheitsrats müssen die Regierungen in der Region
einschneidende international gebilligte Maßnahmen
und Verfahren prüfen, um die von den irakischen
Massenvernichtungswaffen ausgehende Bedrohung
zu verringern. Der Nichtverbreitungsvertrag muß
eindeutig gestärkt werden, und möglicherweise werden weitere Maßnahmen erforderlich sein, wenn ein
Gesetzloser wie Saddam Hussein in wenigen Jahren
in den Besitz von Atomwaffen gelangen kann.
Die Grundlinie ist also ganz klar folgende: Saddam
Husseins Aggression gegen Kuwait kann nicht Bestand haben, und die Welt muß sicher sein, daß er
auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist.
Frage: Herr Außenminister, zunehmende Erwartungen deuten darauf hin, daß Sie Syrien besuchen
werden. Können Sie uns über den Zweck dieses
Besuchs Auskunft geben und erklären, ob die Syrer
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Militär- oder Finanzhilfe odereine Kombination daraus
erhalten werden? Die Ägypter haben eine solche
Kombination bekommen. Die Saudis werden Waffen.
erhalten. Sie haben gerade von der Verbreitung von
Waffen gesprochen. Eines der Länder, über die sich
die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit in Zusammenhang mit der Verbreitung von Waffen Sorgen
machten, war Syrien. Könnten Sie dazu Stellung
nehmen?
Antwort: Um auf den Kern der Frage einzugehen, so
liegen mir Informationen vor, daß einige Golfstaaten
Syrien gegenüber bereits gewisse Verpflichtungen
eingegangen sind. Zweitens hat der Präsident mich
gebeten, nach Damaskus zu reisen, und ich werde von
Moskau aus dorthin fliegen, wahrscheinlich am Donnerstag abend. Die Gespräche werden dann am
Freitag stattfinden.
Meines Erachtens gibt es keinen schlagenderen Beweis
für die Isolation Saddam Husseins in der arabischen
Welt als die Ablehung des irakischen Überfalls auf
Kuwait durch Syrien. Das Land hat bedeutende Streitkräfte für den multinationalen Truppenaufmarsch bereitgestellt. Diese Präsenz ist wichtig. Die Haltung des
Landes in dieser Frage ist sicherlich bedeutsam, da es
an den nördlichen Irak angrenzt und über substantielle
Streitkräfte verfügt.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Syrien waren in der Vergangenheit nicht gut, und
wir würden eine Verbesserung dieser Beziehungen
begrüßen. Eine solche Verbesserung hängt jedoch
noch von anderen Faktoren ab als von der Tatsache,
daß wir uns heute in dieser Frage auf der gleichen
Seite befinden. Wir haben weiterhin bestimmte Differenzen mit Syrien, und wir erwarten, daß diese Differenzen ebenso wie unser beiderseitiges Interesse
daran zur Sprache kommt, die Isolation Saddam
Husseins aufrechtzuerhalten und diese nichtprovozierte Aggression zunichte zu machen.
Frage: Worum werden Sie Hafis al-Assad bitten?
Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes von ihm? Was ist
der wirkliche Zweck Ihrer Reise?
Antwort: Wie ich bereits andeutete, sind wir der
Meinung, daß die Position Syriens in dieser ganzen
Angelegenheit sehr wichtig ist. Das Land hat Truppen
in die Region entsandt. Offengestanden sind wir sehr
an der syrischen Einschätzung der Lage und insbesondere der Position von anderen arabischen Ländern
interessiert. Der Präsident war der Ansicht, daß es ein
wichtiger Zeitpunkt sei, um einen direkten Dialog mit
der Führung Syriens aufzunehmen.
Frage: Um zu unterstreichen, was er getan hat?
Antwort: Nun, Syrien hat sehr zu den internationalen
Bemühungen beigetragen, Saddam Hussein zu isolieren. Das Land hat die UNO-Resolutionen offen unterstützt, und es unterstützt heute die Tatsache der
AMERIKA DIENST 36
5

�amerikanischen Präsenz in Saudi-Arabien. Es ist
wichtig, daß wir ein direktes Gespräch über die Lage
am Golt und darüber tühren, wie wir zusammenarbeiten könnten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Frage: Das US-Außenministerium hat Syrien aut die
Liste von Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Syrien ist vom US-Außenministerium und
dem CIA der Verwicklung in den Bombenanschlag auf
eine Maschine der Pan Am bei Lockerbie bezichtigt
worden. Bis heute entsprach es der Politik des Außenministeriums, Syrien zu isolieren. Ich verstehe nicht,
wie Sie - weil das Land uns in dieser einen Frage
unterstützt - plötzlich all das beiseiteschieben können,
eine Kehrtwendung machen und Syrien durch Ihren
Besuch aufwerten - den ersten Besuch eines hochrangigen US-Vertreters seit Jahren.
Antwort: Ich habe gerade erklärt, daß wir weiterhin
Schwierigkeiten mit Syrien haben. Sie haben auf
einige der wichtigsten Probleme verwiesen, und wir
wei den diesen Besuch nutzen, um diese Probleme zur
Sprache zu bringen. Mir scheint es außerordentlich
wichtig zu sein, daß wir in einer Lage, wie wir sie am
Golf derzeit haben, mit einem wichtigen arabischen
Land zusammenarbeiten, das in diesem Fall dieselben
Ziele verfolgt wie wir. Das bedeutet nicht, daß die
früher belasteten Beziehungen über Nacht gut werden, und es bedeutet nicht, daß wir nicht auch weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten haben werden.
Ich bin ziemlich sicher, daß Syrien auch weiterhin
einige Probleme mit den Vereinigten Staaten haben
wird. Aber bei diesen Fragen und zu diesem äußerst
wichtigen Problem, was getan werden muß, um die
nichtprovozierte Aggression durch den Irak zu vereiteln, verfolgen wir dieselben Ziele.
Frage: Werden Sie Syrien unter anderem darum
bitten, die PFLP-GC auszuweisen, jene terroristische
Gnippe, die für den Anschlag auf die Pan Am-Maschine verantwortlich ist?
Antwort: Wir werden mit den Syrern weiterhin über
die PFLP-GC sprechen, und wir werden ihnen weiterhin die Probleme erläutern, die sich für uns aus der
Anwesenheit dieser Gruppe in Syrien ergeben sowie
die Schwierigkeiten, die uns die Präsenz der Gruppe
überhaupt bereitet. Ich möchte Sie daran erinnern,
daß ich vor einem Jahr bei den Vereinten Nationen ein
Gespräch mit dem syrischen Außenminister hatte und
daß wir die Syrer auch weiterhin durch unseren Botschafterin Damaskus über unsere Haltung in Kenntnis
setzen. Wir unterhalten ja Beziehungen mit Syrien.
Frage: Haben Sie Ihre Partner heute um die Entsendung von Bodentruppen gebeten? Haben Sie dabei
um die Entsendung eines symbolischen Kontingents
gebeten, oder was genau haben Sie gewollt? Und wie
war die Reaktion darauf, welche Reaktion hatten Sie
sich erhofft?

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Antwort: Erstens sollten wir uns alle der Tatsache
bewußt sein, daß zwei NATO-Länder eine erhebliche
landgestützte Präsenz in der Region unterhalten: die
Vereinigten Staaten von Amerika und die Türkei. Zwei
weitere NATO-Länder haben ebenfalls Bodentruppen
in der Region: Großbritannien und Frankreich. Ich
habe erklärt, daß wir zusätzliche Bodentruppen in der
Region begrüßen würden, wenn andere am Konferenztisch vertretene Länder es als angemessen betrachten würden, sie zu entsenden. Wir würden dies
begrüßen, selbst wenn es sich nur um symbolische
Kontingente handelte. Dies waren meine Worte.
Frage: Herr Au ßenminister, vielleicht konnten Sie das
Interview des NATO-Oberbefehlshabers, General
Galvin, in einer Londoner Zeitung lesen, der es jetzt als
unvermeidlich bezeichnete, daß die NATO ihre Operationen nach außerhalb ihres Bündnisgebiets in die
Region verlagern müsse. Sind Sie der Meinung, daß
die NATO direkt in die neuen Sicherheitsvereinbarungen nach Bewältigung der Irak-Krise, die Sie vorhin
erwähnten, eingebunden werden sollte?
Antwort: Ich habe das Interview mit General Galvin
nicht gelesen. Ich möchte hier nur darauf verweisen,
daß die rechtliche Frage, ob es sich bei der Irak-Krise
um eine Angelegenheit handelt, die außerhalb des
Bündnisgebiets der NATO liegt, nicht zur Sprache
gekommen ist. Es gab eine breite Diskussion über die
Krise. Vollständige Konsultationen. Sie sind über
unsere Bitten informiert. Einige standen mit den
NATO-Streitkräften im Mittelmeer in Zusammenhang,
einige mit AWACS, einige mit einer Vielzahl anderer
Dinge.
Niemand war jedoch der Meinung, es sei unangemessen, daß wir uns treffen, um über die Reaktion auf
diese Krise zu sprechen. Man kann einzeln reagieren
und kollektiv, indem man Konsultationen und politische Diskussionen über die Bedeutung der Krise und
unsere Reaktion darauf abhält. Das haben wir gemeint, das haben wir im Verlauf des vergangenen
Jahres gemeint, wenn wir gesagt haben, die politische
Komponente des Bündnisses sollte gestärkt werden,
und genau das findet jetzt statt.
Ich habe General Galvins Erklärung nicht kommentiert. Ich möchte dies nicht tun, weil ich sie nicht
gelesen habe. Ich möchte Ihnen jetzt noch die Liste
unserer Anfragen vorlesen.
Erstens haben wir im Hinblick auf militärische Aktivitäten darum ersucht, daß der Oberausschuß für Zivile
Verteidigungsplanung, vielleicht in Zusammenarbeit
mit der WEU, die ziemlich umfangreichen Beiträge für
den Luft- und Seetransport koordiniert. An dieser
Stelle möchte ich noch anmerken, daß mir am Konferenztisch heute weitere Luft- und Seetransportkapazitäten angeboten wurden, die über frühere Offerten
hinausgehen.

Seite 3

�Zweitens habe ich um eine Erweiterung des Einsatzbereichs des Marineeinsatzverbands für das Mittelmeer nach Osten gebeten, um eine Präsenz im östlichen Mittelmeer zu gewährleisten und damit zum
Schutz der Flanken beizutragen.

Dänemark hat mir während des Treffens eine Notiz
zukommen lassen, derzufolge das Land zwei Frachter
für den Transport ägyptischer Truppen bereitstellen
werde. Und das sind die einzigen Angebote, die ich
hier mit gutem Gewissen bekanntgeben kann.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit bei der Aufklärung
habe ich eine Erweiterung des AWACS-Erfassungsbereichs in der südlichen Region vorgeschlagen, die
sich auf die Stationierungen in der Türkei stützen kann.

Frage: Gerade haben Gespräche zwischen Bagdad
und Teheran stattgefunden. Ich würde gern erfahren,
ob die amerikanische Regierung die Möglichkeit einer
Aufhebung des Embargos durch den Iran in Erwägung
gezogen hat?

In bezug auf die Türkei haben wir die Mitgliedstaaten
gebeten, sich soweit wie möglich daran zu beteiligen,
um die gegenwärtigen Bemühungen zur Erleichterung
der wirtschaftlichen Belastungen zu unterstützen, die
der Türkei durch die Krise entstehen.
Was Ägypten betrifft, so haben wir die Mitgliedstaaten
darum gebeten, auf bilateraler Grundlage Wirtschaftsund Militärhilfe zu leisten, Transportkapazitäten und
logistische Unterstützung für den Transport ägyptischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien bereitzustellen.
Darüber hinaus haben wir Luft- und Seetransportkapazität für diejenigen Länder erbeten, die um solche
Hilfe zur Evakuierung ihrer Flüchtlinge aus Jordanien
ersuchen.
Sodann haben wir die Mitgliedstaaten aufgefordert,
den Staaten Mittel- und Osteuropas, deren Volkswirtschaften durch die Einhaltung der Sanktionen geschädigt werden, weitere Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Zum Schluß haben wir alle Mitgliedstaaten gebeten,
ihre Bemühungen zur Einhaltung der Sanktionen noch
zu verstärken, damit das Embargo so undurchlässig
wie möglich ist. Möchten Sie, daß ich auch noch die
Dinge aufzähle, die am Konferenztisch zusätzlich
genannt wurden?
Frage: Ja.
Antwort: Im Hinblick auf die Bundesrepublik Deutschland hat deren Außenminister von zusätzlicher Luftund Seetransportkapazität gesprochen.
Von den Niederlanden wurde zusätzliches Material
zum Schutz vor chemischer und biologischer Kriegführung genannt.
In bezug auf Belgien war die Rede von belgischen
Flugzeugen für Ägypten, zum Heimtransport von Flüchtlingen aus Kuwait. Femer von zusätzlicher Nahrungsmittelhilfe an Ägypten, insbesondere der Lieferung von
20 000 Tonnen Weizen.
Norwegen erklärte, es werde zusätzliche humanitäre
Hilfe für Flüchtlinge bereitstellen und nach parlamentarischen Konsultationen auf unsere speziellen Wünsche eingehen. Die griechische Handelsmarine stellt
drei Schiffe für den Seetransport im Rahmen der
multinationalen Bemühungen zur Verfügung.

Seite 4

Antwort: Der Iran hat konsequent erklärt, daß er die
UNO-Resolutionen zu befolgen gedenkt. Der Iran
steht mit dem Irak in Friedensverhandlungen oder kurz
vor deren Abschlu ß. Die arabischen Regierungen, mit
denen wir gesprochen haben, gehen nicht davon aus,
da ß die alte Feinschaft verschwunden ist, daß die alten
Animositäten ausgeräumt wurden. Sie sind deshalb
der Meinung, daß sich der Iran auch weiterhin an den
internationalen Konsens halten und das Embargo
beachten wird.
Frage: Bei ihren Äußerungen über chemische und
biologische Massenvernichtungswaffen im Irak - ich
nehme an, das schlie ßt atomare Waffen ein - haben sie
zwei Dinge gesagt. Eines war die Verwendung des
Wortes einschneidend - einschneidende international
sanktionierte Verfahren. Ferner haben sie am Ende
dieser Äußerung etwas über andere Mittel gesagt, die
über die Vereinbarungen zur Nichtverbreitung hinausgehen. Können Sie erklären, was Sie mit einschneidenden Maßnahmen meinen und was diese anderen
Mittel sein könnten?
Antwort: Wenn ich im einzelnen hätte erläutern
wollen, was diese anderen Mittel sind, so hätte ich das
im einzelnen dargelegt und nicht im allgemeinen. Ich
möchte darauf nicht näher eingehen. Ich möchte
lediglich sagen, daß es nun an der Zeit ist, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in Zukunft im Hinblick
auf andere Länder eine Wiederholung dieser Ereignisse verhindern können oder daß er sich eine atomare
Fähigkeit verschafft. Weithin wird ja angenommen,
daß er nicht mehr weit davon entfernt ist. Einschneidend, damit meine ich Vor-Ort-Inspektionen und ähnliche Dinge. Wir müssen uns einfach Gedanken
darüber machen, wie wir der Weiterverbreitung von
atomaren, chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen in der ganzen Welt Einhalt gebieten
können.
Frage: Vor wenigen Tagen hat der dänische Außenminister nach dem Treffen der EG-Außenminister in
Rom erklärt, Europa sollte sich jetzt zusammenreißen
und bereit sein, in Zukunft gemeinsam militärisch zu
handeln und die Rolle des Weltpolizisten nicht länger
nur den Vereinigten Staaten zu überlassen. Was
halten sie von dieser Erklärung?

AMERIKA DIENST 36

�Antwort: Wir begrüßen die Bemühungen aller, die
uns bei der Lösung dieses Problems helfen wollen, und
so weit ich sagen kann, arbeitet die internationale
Staatengemeinschaft ausgesprochen gut zusammen,
wobei nahezu alle Staaten je nach ihren Fähigkeiten
substantielle und bedeutsame Beiträge leisten. Ich
werde nachher mit der EG sprechen. Wir haben heute
morgen den italienischen Außenminister gehört, der
sowohl als Außenminister Italiens als auch aufgrund
der gegenwärtigen EG-Präsidentschaft seines Landes Stellung genommen hat. Ich gehe davon aus, daß
man dort einige wichtige Dinge beschließen wird, aber
es ist natürlich ihre Sache zu verkünden, welche
Schritte das sein werden.
Frage: Ich möchte noch einmal auf Syrien zurückkommen, denn soweit ich sagen kann, hat jeder hier auf die
eine oder andere Weise versucht, anzudeuten, daß
wir, wenn wir Syrien in unseren Schirm einbeziehen, in
gewisser Weise eine Linie überschreiten - denn in der
Tat ist doch Syrien ebenso wie der Irak ein gesetzloser
Staat, der bereits wesentlich länger auf unserer Terrorismusliste steht als der Irak. Das dortige Regime hat
in der Stadt Hama 20 000 seiner eigenen Bürger
massakriert. Und wenn man jetzt sozusagen erklärt,
Syrien beteilige sich irgendwie an der internationalen
Koalition gegen den Irak aufgrund seiner Besorgnis
über das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, so ist dies
wirklich unaufrichtig. Dieses Regime hat eine...
Antwort: Das habe ich nicht behauptet. Sie haben
niemals eine solche Behauptung von mir vernommen.
Frage: Aber ich meine, sind Sie nicht besorgt...
Antwort: Ich sage nur, daß sie da sind.
Frage: Sie sind da, aber machen Sie sich keine
Sorgen darüber, da ß wir dadurch, da ß wir sie einbeziehen, unsere eigene moralische Glaubwürdigkeit in
dieser Frage schwächen?
Antwort: Ich weiß nicht, was sie mit "einbeziehen"
meinen. Wir werden uns zusammensetzen und mit
ihnen direkte Gespräche führen, ebenso wie wir mit
einer Reihe anderer Regierungen gesprochen haben,
mit denen wir weniger formelle Beziehungen unterhaltei i als sie mit Syrien schon seit langem bestehen. Wir
sprechen mit Vietnam. Wir sprechen mit Phnom Penh.
Wir reden mit vielen Leuten aus vielen unterschiedlichen Gründen. Und ich habe Ihnen gegenüber die
Gespräche qualifiziert, die ich in Syrien führen werde.
Frage: Um noch einmal auf Ihre Bemerkung über die
Isolierung des Iraks zurückzukommen. An der anderen Flanke des Iraks befindet sich der Iran, und ich
frage mich, ob die von Ihnen erläuterten Prinzipien
über Gespräche mit Syrien auch auf den Iran zutreffen? (unverständlich) ein Signal an den Iran zu senden, daß wir diese Hürden dort überwinden möchten?

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Würden wir beispielsweise in Betracht ziehen, iranisches Öl zu kaufen? Wie steht es mit der Geiselfrage
als noch zu lösendem Problem?
Antwort: Wir würden alle Maßnahmen des Iran
begrüßen, die zur Isolierung des Iraks beitragen. Darauf
können Sie wetten. Wurde dem Iran diese Botschaft
übermittelt? Darauf können Sie wetten. Würden wir
heute nach Teheran reisen? Nein. Aus Gründen, die
jedermann gut bekannt sind, unterhalten wir mit dem
Iran überhaupt keine Beziehungen. Wir haben Beziehungen zu Syrien, obwohl diese nicht gut sind. Wir
haben dort eine Botschaft. Wir haben schon seit
langem einen Botschafter dort, und das ist eine völlig
andere Lage. Wir haben jedoch Kanäle, über die wir
mit dem Iran sprechen, und ich möchte feststellen, daß
wir die Tatsache begrüßen, daß der Iran sich zur
Einhaltung der Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Irak und der UNO-Sanktionen bekannt hat.
Frage: Als Sie diese Botschaft sandten, haben Sie
danach über diese Kanäle eine Antwort vom Iran
erhalten?
Antwort: Ja.
Frage: Und wie lautete diese Botschaft?
Antwort: Vielen Dank für Ihre Botschaft.
Frage: Zur Frage der Bodentruppen haben Sie uns
lediglich mitgeteilt, was Sie im Rat erklärt haben,
nämlich, daß Sie eine zusätzliche Präsenz begrüßen
würden, selbst wenn sie nur symbolisch wäre. Haben
Sie am Tisch eine Antwort, irgendwelche Reaktionen
vernommen?
Antwort: Wir haben über bilaterale Kanäle Antworten
erhalten, und ich habe lediglich erwähnt, daß wir
zusätzliche Bodentrupen begrüßen würden. Zwei
Länder unterhalten bereits erhebliche landgestützte
Kampftruppen in der Region. Ich erwähnte die Vereinigten Staaten und die Türkei. Auch Großbritannien
und Frankreich haben dort Bodentruppen. Wir würden
weitere landgestützte Streitkräfte begrüßen, selbst
wenn sie nur symbolisch wären.
Frage: Welche Antworten haben Sie bilateral erhalten?
Antwort: Wir befinden uns noch im Diskussionsprozeß.
Frage: Berichten zufolge haben die Sowjets einen
neuen KSE-Vorschlag unterbreitet, der wesentlich
niedrigere Streitkräfteniveaus vorsieht. Sind Sie darüber informiert? Werden Sie darüber in Moskau
sprechen? Nehmen Sie diesen Vorschlag ernst? Und
wie wird er Ihre Bemühungen beeinflussen, einen
Vertrag noch dieses Jahr zu erreichen?

Seite 5

�Antwort: Ich habe diesen Vorschlag nicht gesehen.
Ich kenne ihn nicht. Vor nicht allzu langer Zeit gab es
Andeutungen, daß sie ein Niveau für die - amerikanischen - Truppen definieren würden, das sie für angemessen halten. Vielleicht haben sie das in Wien
getan. Ich habe diesen Vorschlag noch nicht gesehen.
Durch die zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der Sowjetunion getroffenen Vereinbarungen
über den Umfang der Bundeswehr und den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutsch-

land sind die Beschlüsse von Ottawa überholt worden.
Diese Beschlüsse sind nicht mehr gültig. Wir, die
Vereinigten Staaten und die Sowjets, haben darüber
gesprochen, zuletzt in Irkutsk. Die Frage der amerikanischen Truppenstärke ist noch nicht gelöst. Möglicherweise werden die Sowjets einseitig Ideen im Hinblick darauf präsentieren, was ihrer Meinung nach ein
angemessener Umfang unserer Streitkräfte sein sollte. Ich nehme an, daß wir darüber in Moskau sprechen
werden, wenn sie in dieser Beziehung etwas vorgelegt
haben.

*

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�DEUTSCHLANDPOLITIK
12. September 1990

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters
MÜNCHEN - (AD) - Anläßlich einer lägung der Katholischen Akademie in Bayern erklärte Botschafter Walters
am 7. September 1990 in München, die Entwicklung einer neuen Politik hänge "vielleicht in geringerem Maße
von uns ab als von der Rolle, die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen will - ein Thema, das sicher
in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die gegenwärtige Krise am Golf
höchst aktuell ist". Botschafter Walters zufolge ist es in diesem Zusamenhang besonders wichtig, "Institutionen,
die zum Erfolg unserer Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den neuen Realitäten in Europa
anzupassen".
Walters nahm insbesondere auch zur Vereinigung beider deutscher Staaten Stellung und bekundete seine
Zuversicht, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Der Botschafter erklärte: "Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die
politische Mauer, die 45 Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht durch eine wirtschaftliche Mauer
ersetzt wird. Diese wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines
Erachtens nicht ausschlagen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Walters's Rede im Wortlaut. (Es gilt das gesprochene Wort)

Es ist mir eine besondere Ehre, als Teilnehmer an
dieser Vortragsreihe zur aktuellen politischen Lage in
Ihrer schönen Stadt zu weilen. Insbesondere freue ich
mich über die Gelegenheit, diese Konferenz mit einer
Rede über ein geeintes Deutschlands im europäischen Kontext eröffnen zu dürfen.
In gewisser Weise habe ich hier in Schwabing erst
Freundschaft mit Deutschland und seinen Menschen
geschlossen. Nach einem Skiunfall landete ich hier im
Krankenhaus und entschloß mich, in der langen Zeit
der Genesung Deutsch zu lernen. In dieser Zeit
machte ich die erste Bekanntschaft mit den Freuden
und Unwägbarkeiten Ihrer Sprache. Inzwischen habe
ich all die kleinen Eigenarten akzeptieren gelernt, aber
Sie müssen zugeben, daß es für einen Ausländer
schwierig ist, eine Sprache zu begreifen, in der, grammatisch gesehen, "die Männlichkeit" weiblichen Geschlechts, "der Feminismus" aber männlich ist. Um
die Verwirrung zu erhöhen, ist "das Weib" sächlich,
obwohl dies dem Selbstverständnis der deutschen
Frauen bestimmt nicht entspricht.
AMERIKA DIENST 36

Ebenso wie eine gemeinsame Sprache verbindet,
können gemeinsame Werte und Grundsätze Menschen zusammenführen. Deshalb freue ich mich
besonders, bei der Katholischen Akademie über ein
Thema sprechen zu dürfen, das uns alle gleichermaßen angeht: die Bewahrung des Friedens in Europa.
Vierzig Jahre lang hat man ein solches Thema relativ
sicher bearbeiten können, weil die amerikanische
Deutschlandpolitik demselben Grundmuster folgte.
Unsere Politik basierte auf der Annahme ständiger
Konfrontation zwischen Ost und West, der erfolgreichen Zusammenarbeit westlicher Demokratien und
dem besonderen Verhältnis zur Bundesrepublik, wie
es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.
Dieses Verhältnis besteht natürlich ebenso weiter wie
die Zusammenarbeit. Aber eine Grundvoraussetzung
unserer Politik hat sich glücklicherweise überholt. Die
Teilung Deutschlands und Europas ist beendet, und
damit ist zum Teil auch dieser Politik die Basis entzogen. Die Entwicklung einer neuen Politik hängt viel-

Seite 1

�leicht in geringerem Maße von uns ab als von der Rolle,
die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen
will - ein Thema, das sicher in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die
gegenwärtige Krise am Persischen Golf höchst aktuell
ist.
Diese neuen Gegebenheiten erfordern jedoch wahrscheinlich keine neue amerikanische Deutschlandpolitik - wie ich sie definiert habe. Es ist meines Erachtens
viel wichtiger, Institutionen, die zum Erfolg unserer
Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den
neuen Realitäten in Europa anzupassen.
Wie Sie wissen, war ich sowohl beobachtend als auch
aktiv an manchen großartigen Ereignissen im Europa
des zwanzigsten Jahrhunderts beteiligt, aber die Zeit,
in der wir heute leben, ist wirklich einzigartig. Ich
möchte Ihnen heute sowohl aus dem Blickwinkel eines
amerikanischen Bürgers als auch aus der Perspektive
des Regierungsvertreters darlegen, wie wir die jetzige
Situation in Europa einschätzen und welchen Kurs wir
in bezug auf diese Institutionen steuern werden.
Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit die Völker
Osteuropas eines nach dem anderen auf friedliche Art
und Weise ihre stalinistische und kommunistische
Vergangenheit zugunsten von Freiheit und freier
Marldwirtschaft abgeschüttelt haben. Aber diese atemberaubenden Ereignisse scheinen heute bereits weit
zurückzuliegen.
Es dauerte mehr als vierzig Jahre, bis die unmenschliche Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg
überwunden werden konnte. Ich muß Ihnen ferner in
aller Bescheidenheit sagen, daß ich sehr stolz auf die
führende Rolle bin, die mein Land beim Zustandekommen dieser positiven Entwicklung gespielt hat. Viele,
die in den vergangenen 45 Jahren unsere Politik
kritisierten, hatten im letzten Jahr Grund, sich von der
Klugheit des von uns gesteuerten Kurses zu überzeugen. Einige waren ehrlich genug, mir das einzugestehen. Wir haben erreicht, was der chinesische Philosoph Sun Tsu vor 2 000 Jahren als den größten aller
Siege bezeichnete: Einen Gegner zu besiegen, ohne
gegen ihn zu kämpfen.
Der kalte Krieg ist jetzt vorbei. Demokratie ist jetzt die
gewählte Regierungsform aller Menschen in Osteuropa, einschlie ßlich der Sowjetunion, die immer noch mit
ihrem Übergang zu einer neuen Gesellschaftsform zu
kämpfen hat.
Wir im Westen erkennen, daß Michail Gorbatschow
eine entscheidende Rolle gespielt hat, indem er eine
Dynamik in Gang setzte, mit der die politische Landschaft Osteuropas verändert werden konnte. Aber der
Versuch, sein eigenes Land zu einer glaubwürdigen
Demokratie westlicher Art umzugestalten, ist Herrn
Gorbatschow bei weitem noch nicht gelungen. Auch
die Perestrojka kam nicht aus heiterem Himmel. Sie ist

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vielmehr die Politik eines klugen und kreativen Politikers, aber auch das Ergebnis zweier anderer Faktoren: der Unmöglichkeit, ein stolzes Volk dauerhaft zu
unterjochen und der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Westens, sich der Ausbreitung des
Kommunismus zu widersetzen. Die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes, jährlich zur Verteidigung der
Freiheit 300 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen,
hat Gorbatschow eindeutig gezeigt, daß sein Land mit
dieser Entschlossenheit nicht konkurrieren kann.
Was die Wirtschaft betrifft, muß der Kreml noch einen
weiten Weg zurücklegen, bevor er die Perestrojka
verwirklicht und das sowjetische Volk überzeugt hat,
daß sie funktioniert. Im Zuge der neuen Offenheit
treten lang unterdrückte Konflikte zwischen einzelnen
Volksgruppen zutage, und die vor langer Zeit zwangsweise erfolgte Neugliederung der Republiken bedroht
gegenwärtig den Zusammenhalt der Sowjetunion.
Ungeachtet der Ergebnisse von Gorbatschows Experiment können wir sicher sein, daß die Gestalt der
künftigen Sowjetunion erhebliche Auswirkungen auf
die Sicherheitsinteressen Europas und damit auch auf
die der Vereinigten Staaten haben wird. Auch wenn
sich die Sowjetunion in einzelne Staaten aufspalten
sollte, würde allein Rußland weiterhin eine wichtige
Rolle im militärischen Kräftegleichgewicht Europas
spielen. General De Gaulle hat dazu erklärt, die
Geographie sei eine der Konstanten der Geschichte,
und deshalb wird Europa immer mit einem großen,
mächtigen Land an seiner Ostgrenze rechnen müssen.
Die Vereinigten Staaten und tatsächlich die gesamte
westliche Welt haben stets betont, daß zwischen der
Teilung Berlins, Deutschlands und Europas ein enger
Zusammenhang besteht. Es ist weder eine Überraschung noch ein Zufall, daß die Wiedervereinigung an
all diesen Fronten gleichzeitig stattfindet. Wir haben
unser politisches Ziel der Überwindung dieser Spaltungen erreicht - mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit und
einem festen Glauben an unsere Gesellschaften und
gemeinsamen Werte.
Wir in den Vereinigten Staaten sind sehr stolz darauf,
bei der Bestimmung des Kurses der Ost-West-Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine führende
Rolle gespielt zu haben. Wir haben nicht nur viel Geld
in den Wiederaufbau Europas und die Sicherheit
Deutschlands gesteckt, sondern auch uns selbst eingebracht. Wir haben die Freude geteilt, die in den
Tagen nach dem 9. November in Deutschland zu
spüren war, als die Mauer fiel und die Deutschen nach
so vielen Jahren der Trennung wieder vereint waren.
Wir haben immer hinter Ihnen gestanden und stehen
Ihnen weiterhin auf dem komplexen Pfad zur Einheit
bei. Manche behaupten, daß die Wiedervereinigung
zu schnell komme, wir in den Vereinigten Staaten sind
jedoch der Ansicht, daß die deutsche Einheit seit
langem überfällig ist.

AMERIKA DIENST 36

�Unser gemeinsamer Ansatz zur Verwirklichung dieses
Ziels wird vielleicht in dem von den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik unterzeichneten Deutschlandvertrag von 1954 am
deutlichsten ausgedrückt. Dort heißt es in Artikel 7,
Absatz 2: "Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelungen werden die Unterzeichnerstaaten
zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: Ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich demokratische
Verfassung, ähnlich wie die Bundesrepublik, besitzt
und das in die Europäische Gemeinschaft integriert
ist."
Niemand hätte zu der Zeit einen genauen Plan aufstellen können, wie der Prozeß der deutschen Einheit
verlaufen sollte. Dennoch haben die Westmächte und
die Bundesrepublik ihre Ziele entschlossen und eindeutig dargelegt und die Grundsätze für einen solchen
Prozeß definiert.
Unmittelbar vor der Vereinigung beider deutscher Staaten
sollte uns das Wissen darüber mit Stolz erfüllen, daß
der Prozeß so friedlich verlaufen ist, wie es im Sinne
des Deutschlandvertrags lag. Diese Leistung sollte
nicht unterschätzt werden, weil sie ein einmaliges
Kapitel der europäischen Geschichte bezeichnet. Es
ist das erste Mal seit Menschengedenken, daß die
Grenzen Europas konfliktfrei verändert wurden. Historisch gesehen ist dies eine Leistung von gro ßer Bedeutung, die uns Hoffnung macht, tatsächlich etwas aus
den tragischen Fehlern der Vergangenheit lernen zu
können.
Im Hinblick auf das zweite erklärte Prinzip von Artikel
7, Absatz 2, wird ein vereinigtes Deutschland nicht nur
eine liberal-demokratische Verfassung wie die der
Bundesrepublik Deutschland erhalten, sondern eben
das Grundgesetz haben, das der Bundesrepublik so
gute Dienste geleistet hat. Und schließlich wird ein
vereinigtes Deutschland fest in der Europäischen
Gemeinschaft verankert sein, als Eckpfeiler von NATO
und EG.
Die Führung einer echten Demokratie beinhaltet das
politische Mandat, Maßnahmen zu verwirklichen, die
Frieden und Wohlstand garantieren. In den Vereinigten Staaten sind wir uns sehr wohl bewußt, daß
wirtschaftlicher Wohlstand und politische Stabilität im
Inland Hand in Hand gehen. Die Stärke des politischen
und wirtschaftlichen Systems eines Landes hat dann
wiederum einen heilsamen Effekt auf die Fähigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft, Frieden zu
bewahren.
Wir stehen heute an der Schwelle zur Umgestaltung
unserer Sicherheitsstrukturen und damit auch unserer
politischen Strukturen, um uns den neuen Herausforderungen und Risiken der Zukunft zu stellen. Präsident Bush und Außenminister Baker haben bei verschiedenen Gelegenheiten über eine neue Architektur

AMERIKA DIENST 36

in Europa gesprochen. Bei dieser Debatte geht es um
mehr als den Modus, in dem die Vereinigten Staaten
ihre Beziehungen zum neuen Europa in den kommenden Jahrzehnten definieren. Sie betreffen den Kern
dessen, wie die Länder Europas ihre Beziehungen als
zum ersten Mal ungeteilter und freier Kontinent neu
gestalten wollen.
Wenn ich anspreche, wie Veränderungen in Zukunft
gehandhabt werden sollen, möchte ich die aktuellen
Strukturen in Europa ansprechen, die meiner Ansicht
nach weiter eine wichtige Rolle spielen werden, wenn
sie sich der neuen politischen und wirtschaftlichen
Landschaft anpassen. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle der NATO, den
KSZE-Prozeß und die EG eingehen. Obwohl wir all
diese Strukturen einzeln behandeln können, möchte
ich darauf verweisen, daß sie in einem zunehmend
interdependenten Europa enger verknüpft sein werden als je zuvor.
Es heißt, ewige Wachsamkeit sei der Preis der Freiheit, und ich habe keinen Zweifel daran, daß Streitkräfte bei der Bewahrung des Friedens weiterhin eine
entscheidende Rolle in der Zukunft Europas spielen
werden. Das trifft auf nationale Armeen ebenso zu wie
auf militärische Bündnisse. Gleichzeitig bin ich davon
überzeugt, daß Europa und Nordamerika ein größeres
Maß an Sicherheit mit niedrigeren Streitkräfteniveaus
anstreben.
Als Voraussetzung für einen solchen Zustand jedoch
müssen alle Länder - große und kleine - äußerste
Vorsicht walten lassen, um zu gewährleisten, daß eine
Streitkräftereduzierung niemanden in eine nachteilige
militärische Lage bringt. Aus diesem Grund erscheinen mir die laufenden Rüstungskontrollverhandlungen, insbesondere die Wiener Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte, als ein wichtiger Faktor bei
der Gestaltung der künftigen Sicherheitsordnung in
Europa.
Meines Erachtens liegt es im Interesse Europas, daß
die Vereinigten Staaten ihre Präsenz hier aufrechterhalten. Die amerikanische Präsenz in Europa - sowohl
in Form des atomaren Schutzschilds als auch unserer
auf europäischem Territorium stationierten Truppen war, wie Sie mir wohl zustimmen werden, einer von
mehreren Faktoren, die zur Bewahrung des Friedens
seit 1945 beigetragen haben. Mir scheint, daß die
Sowjetunion, wenn sie die Stabilität und ein berechenbares Sicherheitssystem in Europa aufrechterhalten
will, das Interesse an einer anhaltenden US-Präsenz in
Europa teilt. Es ist ein ermutigendes Zeichen für unser
verbessertes Verhältnis zur Sowjetunion, daß Moskau
diese Realität heute öffentlich und in vertraulichen
Gesprächen anerkennt.
Damit komme ich zum Eckpfeiler der transatlantischen
Beziehungen - der NATO. Zu Beginn des Jahres habe
ich eine Rede über die amerikanische Deutschland-

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�politik gehalten, in der ich äußerte, daß die weitere
Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der
NATO ein Grundprinzip unseres Verhältnisses sei.
Dies löste Kontroversen aus, da vielfach behauptet
wurde, die Sowjetunion könne ein vereinigtes Deutschland in der NATO niemals akzeptieren. Nun, wir haben
gesehen, daß das nicht der Wahrheit entsprach. Darüber
hinaus sollte niemand auch nur eine Minute lang davon
ausgehen, die sowjetische Zustimmung zur Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO sei gegen die wohlverstandenen Interessen der UdSSR erteilt worden.
Wenn es um ihre Interessen geht, sind die Sowjets
ausgesprochen zäh.
Es wurde ferner viel von Veränderungen der NATO
gesprochen - einige fordern, die NATO solle angesichts der abnehmenden Bedrohung durch den Osten
eine weniger militärische und mehr politische Rolle
spielen. Hier mag eine andere Auffassung vorherrschen, aber aus der Sicht der Vereinigten Staaten hat
die NATO stets eine grundsätzlich politische Rolle
gespielt. Da die NATO niemals einen Krieg führte, hat
sie sich in der Tat ausschließlich mit Sicherheitspolitik
befaßt.
Wird sich die NATO verändern? Ich bin sicher, daß sie
dies tun wird. Falls Sie es noch nicht getan haben, so
empfehle ich Ihnen, sowohl die von den Außenministern zum Abschluß des Nordatlantikrat-Treffens in
Schottland am 7. und 8. Juni 1990 verabschiedete
"Botschaft von Turnberry" als auch die Londoner
Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels vom 6.
Juli 1990 zu lesen. Die NATO sucht eine neue militärische Strategie, um sich den Realitäten von heute
anzupassen. Die führenden Vertreter der NATO haben
eine Liste von Vorschlägen zur Stärkung der KSZE
vorgelegt, und als Symbol der sich abzeichnenden
Veränderungen wird Präsident Gorbatschow wahrscheinlich bis Ende des Jahres das NATO-Hauptquartier in Evere besuchen.
Ich habe häufig gehört - und es entspricht den Tatsachen - wenn es die NATO nicht gegeben hätte, hätten
die Staaten des Westens etwas schaffen müssen, um
ihre Kernfunktion zu erfüllen. Die Grundpositionen des
Westens sind durch den Konsultationsmechanismus
der NATO formuliert und entwickelt worden.
Der erfolgreiche Abschluß des INF-Abkommens, die
anhaltenden Fortschritte beim KSZE-Prozeß sowie
die Formulierung gemeinsamer Positionen in den
gegenwärtig stattfindenden Wiener Verhandlungen
wären ohne die NATO undenkbar. Und all dies zusätzlich zu den kollektiven Sicherheitsmaßnahmen, die
unter dem Dach der NATO entwickelt wurden. Offen
gesagt, es fällt mir schwer, mir ein stabiles und friedliches Europa ohne die NATO vorzustellen. Ferner ist
es meine persönliche Überzeugung, daß der amerikanische Kongreß einer fortgesetzten US-Militärpräsenz
in Europa nur im Rahmen der NATO zustimmen würde. Sie ist kein müder alter Wachhund, der darauf

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wartet, eingeschläfert zu werden, sondern einer, der
ein paar neue Tricks lernen kann und lernen wird.
Seit nahezu vierzig Jahren wird von einigen Pessimisten der Verfall der NATO beschworen. Betrachtet
man ihre Anpassungsfähigkeit und ihren erprobten
Wert als Institution, so bin ich sicher, daß die NATO
nicht nur überleben, sondern gedeihen wird. Jedes
Mitglied des Bündnisses und auch die europäischen
Staaten, die nicht Mitglied der NATO sind, sind sich
eindringlich der Tatsache bewußt, daß Europa ohne
eine kraftvolle und effektive Bündnisstruktur zur gefährlichen Tradition bilateraler Sicherheitsabmachungen zurückkehren könnte. Es ist zweifelhaft, ob solche
Sicherheitsstrukturen im künftigen Interesse Europas
liegen.
Die KSZE hat bis heute aus einer Serie von Konferenzen und Zusammenkünften bestanden - mit einem
Wort: aus einem Prozeß. In den vergangenen Monaten sind mehrere Vorschläge zur Institutionalisierung
der KSZE unterbreitet worden, um ihr neue Substanz
und eine strukturelle Grundlage als Sicherheitsorgan
der Zukunft zu geben. Die Hauptanziehungskraft der
KSZE besteht darin, daß sie alle Nationen aus Ostund Westeuropa zusammenführt. Sie hat eine stolze
Bilanz vorzuweisen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Weiterentwicklung des KSZE-Prozesses
und bemühen sich, jeden der drei Körbe der KSZE mit
neuer Substanz zu füllen.
Es besteht zunehmend Konsens darüber, daß die
KSZE künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, um Ost
und West institutionell einander näher zu bringen.
Einer möglichen sicherheitspolitischen Rolle der KSZE
wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die politisch
Verantwortlichen der NATO-Staaten forderten in ihrer
Londoner Gipfelerklärung einen KSZE-Gipfel im November, auf dem Wege zum Ausbau und zur Institutionalisierung der KSZE erörtert werden sollen. Darüber
hinaus schlugen sie die Schaffung eines KSZE-Zentrums zur Konfliktverhütung vor.
Als ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen bin ich mir der Nachteile einer großen multilateralen Organisation besonders bewußt, bei der viele
Nationen praktisch ein Vetorecht besitzen. Beschlüsse und Resolutionen einer solchen multilateralen
Organisation, sei es die UNO oder die KSZE, spiegeln
den kleinsten gemeinsamen Nenner wider. Je größer
die Organisation, desto kleiner der Nenner, und die 35
in der KSZE vertretenen Staaten repräsentieren ein
breites Spektrum von Interessen und Anliegen, die nur
schwer unter einen Hut zu bringen sind. Heute läßt
sich lediglich sagen, daß die KSZE ein großes Potential besitzt. Die Vereinigten Staaten messen der KSZE
beim Aufbau eines neuen Europas eine bedeutende
Rolle bei. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß die
KSZE die Möglichkeit in sich birgt, die NATO ersetzen
zu können. Es wird Aufgabe der 35 Mitgliedstaaten
sein, eine institutionelle Struktur zu entwickeln, die

AMERIKA DIENST 36

�Probleme nicht nur ansprechen, sondern auch lösen
kann. Gegenwärtig ist es schwierig vorherzusagen,
welche Form die KSZE in der Zukunft annehmen wird.
Da sie jedoch in den vergangenen 15 Jahren eine solch
bedeutsame Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt hat, besitzt sie das Potential, gemeinsame Werte zu vertiefen und ein größeres Maß
an konstruktiver Interdependenz zwischen den europäischen Staaten zu schaffen.
Schließlich möchte ich noch kurz auf die Europäische
Gemeinschaft und den Europäischen Binnenmarkt
eingehen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus,
daß die Europäische Gemeinschaft eine zentrale Rolle
bei der Gestaltung des künftigen Europas - und in
erheblichem Maß auch der Welt insgesamt - spielen
wird. Betrachtet man unser Handelsvolumen mit der
EG von 364 Milliarden Dollar pro Jahr, so liegt es auf
der Hand, daß die Entwicklung dieser Organisation für
uns von lebenswichtigem Interesse ist.
Die Herausforderungen sind enorm. Heute, da die
politische Teilung zwischen Ost und West in den
Hintergrund tritt, bleibt eine riesige wirtschaftliche Kluft
bestehen, die geschlossen werden muß, wenn Frieden und Stabilität in Europa von Dauer sein sollen.
Ebenso wie das Nachkriegseuropa Hilfe zum Wiederaufbau seiner Volkswirtschaften benötigte, erfordern
die noch schwachen Demokratien Osteuropas Beistand beim Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen
künftiger politischer Stabilität. In Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern
ist die EG in einer idealen Position, um diese Aufgabe

zu erfüllen.
Obwohl ein vereintes Deutschland mit der dringenden
Aufgabe konfrontiert sein wird, die Wirtschaft in der
einstigen DDR zu sanieren, werden die anderen europäischen Staaten von Deutschland die Übernahme
einer Führungsrolle bei diesem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas erwarten. Berücksichtigt man den
au ßergewöhnlichen Flei ß und das Organisationstalent
des deutschen Volkes, so hege ich persönlich keinerlei
Zweifel, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht
allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die politische Mauer, die 45
Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht
durch eine wirtschaftliche Mauer ersetzt wird. Diese
wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines Erachtens nicht
ausschlagen.
Die für 1992 geplante Einführung des EG-Binnenmarkts erhält angesichts der Entwicklungen in Osteuropa im vergangenen Jahr zusätzliche Bedeutung. Wir
sind der Meinung, daß er als Triebfeder für die Förderung und Durchführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in den heruntergewirtschafteten Teilen Europas
dienen kann. Außenminister Baker hat in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 dazu ausgeführt:
AMERIKA DIENST 36

"Zwischen dem Prozeß der europäischen Integration und erweiterter Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Nachbarländern in Ost und West sehen wir
keinen Interessenkonflikt. Unseres Erachtens
hängt die Attraktivität der Europäischen Gemeinschaft für die Länder des Ostens vor allem
von ihrer kontinuierlichen Lebensfähigkeit ab.
Und die Lebensfähigkeit der Europäischen
Gemeinschaft hängt wiederum von ihrem anhaltenden Engagement für das Ziel eines geeinten Europas ab, wie es seine Gründerväter
vorgesehen hatten - frei, demokratisch und seinen
nordamerikanischen Partnern eng verbunden."
Ich möchte hinzufügen, daß Sicherheit und Stabilität in
Europa nicht allein davon abhängen, was die Europäer
für ihre eigenen Gesellschaften tun. Im vergangenen
Jahr hat sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in
der Bundesrepublik verständlicherweise auf die erstaunlichen Entwicklungen in Europa konzentriert, ich
möchte jedoch darauf verweisen, daß die Führungsrolle des Westens zur Lösung größerer internationaler
Probleme und zur Gewährleistung der Stabilität in
unseren Ländern erforderlich ist.
Präsident Bush hat häufig erklärt, daß die Vereinigten
Staaten diese Last nicht allein tragen könnten und die
aktive Beteiligung ihrer demokratischen Verbündeten
an der Lösung weltweiter Probleme anstreben, die uns
alle angehen.
Im vergangenen Monat wurden wir im Anschluß an die

irakische Invasion Kuwaits am 2. August Zeuge der
Eskalation von Spannungen im Nahen Osten. Die
internationale Staatengemeinschaft hat diesen ruchlosen Akt der Aggression zu Recht mit einer Reihe von
Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats aufs schärfste
verurteilt. Angeführt von meinem Land wurden massive internationale Bestrebungen in die Wege geleitet,
um den Irak zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait zu
zwingen und weitere Aggression der irakischen Streitkräfte zu verhindern.
Abgesehen von der Gefährdung der kontinuierlichen
Ölversorgung - die für alle unsere Volkswirtschaften
von grundlegender Bedeutung ist -, haben die aggressiven Aktionen des Iraks im Nahen Osten direkte
Konsequenzen für unserer Sicherheitsinteressen. Wir
haben auf diese irakische Bedrohung reagiert, werden
dies auch in Zukunft tun und erwarten Solidarität unter
unseren Verbündeter» bezüglich der Ziele unserer Politik.
Wirtschaftssanktionen können nur funktionieren, wenn
die gesamte Staatengemeinschaft sie befolgt. Der
Boykott des Iraks wird praktisch weltweit anerkannt
und hat bereits Folgen gezeitigt. Die Vereinigten
Staaten haben darüber hinaus die Führungsrolle bei
der Entsendung von über Hunderttausend Soldaten
nach Saudi-Arabien zum Schutz vor weiterer Aggression übernommen. An diesen kollektiven Sicherheits-

Seite 5

�bestrebungen sind jedoch nicht nur amerikanische
Truppen und Gerät beteiligt. Kleine und große Nationen einschließlich zahlreicher arabischer Länder haben ihren Beitrag zur Bekämpfung der irakischen
Bedrohung geleistet, indem Soldaten und Waffen
entsandt wurden. Saddam Hussein erhält eine unmi ßverständliche Lektion über den Preis von Aggression
gegen einen friedlichen Nachbarn.
Unter Bezugnahme auf das, was ich zu Beginn meiner
Ausführungen über europäische Institutionen gesagt
habe, möchte ich feststellen, daß die NATO-Mitgliedstaaten zur Erörterung der Entwicklungen im Nahen
Osten und Koordinierung ihrer Aktivitäten im Verteidigungsbereich täglich Sitzungen anberaumt haben. Es
gibt keinen besseren Beweis für die anhaltende Bedeutung der NATO für die Europäische Gemeinschaft.
Kein anderes Forum ist so erfahren und war so erfolgreich bei der Suche nach Konsens zu entscheidenden
Aspekten unserer gegenseitigen Sicherheit.
Am 21. August veröffentlichte die Europäische Gemeinschaft eine der am schärfsten formulierten Erklärungen, die ich je gesehen habe. Darin wurde der Irak
verurteilt, weil er westliche Staatsbürger gegen ihren
Willen im Irak und in Kuwait festhielt und festgestellt,
daß die Europäische Gemeinschaft die Irakis persönlich für jegliche Beeinträchtigung des Wohlergehens
der Geiseln verantwortlich machen würde. Am gleichen Tag legte die Westeuropäische Union eine Erklärung über zusätzliche Schritte zur Unterstützung des
Militäreinsatzes vor. Diese Art von Entschlossenheit,
Solidarität und getreuer Einhaltung von Prinzipien wird
sicherstellen, daß wir uns auch in Zukunft an Frieden
und Wohlstand erfreuen können.
Meines Erachtens sollte jedoch nochmals betont werden, daß unsere Sicherheitsinteressen heute nicht
länger national definiert sind. Der Überfall auf Kuwait
belegt eindeutig, daß die weltweiten Ereignisse direkten Einfluß auf unsere Gesellschaften haben. Wir
dürfen uns weder den Luxus erlauben noch haben wir
die Option, die Hände in den Scho ß zu legen und nichts
zu tun.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Reihe von
Problemkreisen ansprechen, die im Inland Anlaß zur
Sorge geben, jedoch internationales Vorgehen für eine
Lösung erforderlich machen:
Umweltverschmutzung ist nicht länger ein lokales
Phänomen. Die Vergrößerung«des Ozonlochs über
der Antarktis und der kontinuierliche Raubbau an den
tropischen Regenwäldem haben unmittelbare Konsequenzen auf die Umwelt der übrigen Welt.
Drogen sind eine Geißel der Menschheit. Sie trifft
besonders die jüngere Generation und stellt eine
Bedrohung unserer Stabilität im Inland dar. Internationale Zusammenarbeit im Justizwesen und bei der
Strafverfolgung muß sich auf diejenigen konzentrie-

Seite 6

ren, die mit dieser todbringenden Geißel Handel treiben. Drogen findet man dort, wo das Geld für ihren
Kauf vorhanden ist - und Europa ist zweifelsohne nicht
immun.
Die Bedrohung des Terrorismus existiert immer noch,
und nur durch die kluge Kombination von politischem
Aktivismus und wirksamer Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit können wir Terroranschlägen gegen
unsere Bürger im In- und Ausland auch in Zukunft
Einhalt gebieten.
Die wirtschaftliche Kluft zwischen den wohlhabenden
Nationen des Nordens und den armen Entwicklungsländern des Südens wird breiter. Wir müssen mit
großen Völkerwanderungen vom Süden in den Norden
auf der Suche nach einem besseren Leben rechnen.
Flüchtlingsströme werden meiner Prognose nach eines der Hauptprobleme des nächsten Jahrhunderts
sein.
Und schließlich leben wir in einer Welt, in der Waffen
mit enormer Vernichtungsfähigkeit allzu leicht in die
falschen Hände geraten können. Die potentielle Zerstörung, die ein aggressiver Diktator wie Saddam
Hussein mit solchen Waffen nicht nur an seinem
eigenen Volk, sondern in der ganzen Welt anrichten
kann, gibt allen Ländern Anlaß zu großer Sorge. Die
Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle dabei
übernommen, der Weiterverbreitung von chemischen
und atomaren Waffen ein Ende zu setzen.
Dies sind in der Tat Herausforderungen, denen wir uns
in den kommenden Jahren stellen müssen. Heute
werden wir in vielfältiger Weise Zeuge der Schaffung
einer neuen Friedensordnung in Europa. Um Präsident Bush zu zitieren, besteht unsere Aufgabe darin,
"diese friedliche Revolution zu konsolidieren und die
Strukturen für dauerhaften friedlichen Wandel bereitzustellen".
Die Instrumente und Strukturen für westliche Zusammenarbeit müssen diesen neuen Realitäten angepaßt
werden. Es ist an uns, eine neue Architektur für ein
neues Zeitalter zu entwerfen und in die Praxis umzusetzen. Diese neue Architektur muß Raum für vertraute, bewährte Strukturen wie die NATO bieten und der
Tatsache Rechnung tragen, daß sie auch neue Aufgaben erfüllen können.
Vielleicht bin ich nur ein unverbesserlicher Optimist,
aber meines Erachtens haben wir keinen Grund zur
Sorge über Veränderungen. Wir begrüßen sie, und
zweifelsohne haben die Millionen von Menschen in
Osteuropa und der Sowjetunion lange genug darauf
gewartet. Entwicklung und Aufbau einer neuen Architektur für Europa sind keine einfache Aufgabe. Sie
muß jedoch vollbracht werden, weil wir keine akzeptable Alternative haben. Weder Europa noch die Vereinigten Staaten können sich einen Fehlschlag leisten.
Ich bin davon überzeugt, daß die Kombination von uns

AMERIKA DIENST 36

�derzeit zur Verfügung stehenden Strukturen und Institutionen zusammen mit weiteren, noch zu entwickelnden Strukturen uns zu einer vielversprechenderen
Zukunft für die gesamte Menschheit führen wird. Die

Geschichte und nachfolgende Generationen werden
uns nicht verzeihen, wenn wir diese au ßerordentliche
Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 36

Seite 7

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: irakische Aggression "wird nicht Bestand haben" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: jede Aggression am Golf zum Scheitern verurteilt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutschlandpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ein geeintes Deutschland im europäischen Kontext &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters in München&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist Amerika (XI)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwanzig amerikanische Dichter und Schriftsteller schreiben über "ihre" Stadt - W-Hollow (Kentucky)&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Jesse Stuart&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuerscheinungen auf dem amerikanischen Büchermarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sozialkritische Romane von Budd Schulberg, Penn Warren und Herman Wouk&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie fliegen durch die Ionosphäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konstruktion und Arbeitsweise von Spezial-Raketen für Forschungszwecke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4000km-Flüge - vom gleichen Sender geleitet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Navarho, ein Radio-Luftnavigationssystem mit besonders weitem Bereich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus den Ländern hinter dem eisernen Vorhang&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles erwartet "Ära der friedlichen Veränderungen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Foster Dulles auf dem 37. Jahreskonvent des amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes "American Legion" am 10. Oktober 1955&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überblick über die von den USA in der Abrüstungsfrage verfolgten Ziele&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des Sonderbeauftragten für Abrüstungsfragen, Harold E. Stassen, vom 7. Oktober 1955 auf der Schlußsitzung des UN-Unterausschusses für Abrüstungsfragen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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