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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23
INHALT

DOKUMENTATION:
Reagan: USA werden bei sowjetischer Zurückhaltung SALT II einhalten
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten USA wollen sich bei beiderseitiger Zurückhaltung an SALT halten
- Dokumentation des Weißen Hauses zum Bericht des Präsidenten an den
Kongress Die Strategische Verteidigungsinitative
- Dokumentation des amerikanischen AuGenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Röntgenstrahlen von fernen Milchstraßen
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY
Vorbeugung - Früherkennung - Rehabilitation
- Zielsetzungen der WHO-Mitgliedstaaten für die nächsten Jahre -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12. Juni 1985

23

REAGAN: USA WERDEN BEI SOWJETISCHER ZURÜCKHALTUNG SALT II EINHALTEN
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat betont, daß die Vereinigten
Staaten

auch weiterhin

die Bestimmungen

des SALT-Vertrages einhalten

werden, wenn die Sowjetunion eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt
und bei den Genfer Verhandlungen aktiv Abkommen zur Rüstungsverminderung
anstrebt. In der am 10. Juni 1985 veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Präsidenten
Staaten

zu einem

seien, der

wird

weiter

produktiven

unterstrichen, daß die Vereinigten

Dialog mit der Sowjetunion entschlossen

auf die Reduzierung

des Kriegsrisikos

abziele. Un Moskau

genügend Zeit zu gewähren, den Willen zu beiderseitiger Zurückhaltung zu
demonstrieren, würden die USA ein Unterseeboot der POSEIDON-Klasse außer
Dienst stellen und abwracken, wenn das siebte U-Boot der OHIO-Klasse
"später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird".

Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über eine Verminderung
der strategischen Rüstungen (START), habe ich mich entschlossen, daß die
Vereinigten

Staaten

das

ausgelaufene

SALT

I-Abkommen

oder das nicht

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�oder das nicht ratifizierte SALT II-Abkommen nicht unterlaufen würden,
solange die Sowjet- union eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt.
Trotz meiner ernst- haften Vorbehalte hinsichtlich der Unbilligkeiten des
SALT I-Abkommens und der ernsthaften Mängel des SALT II-Abkommens habe
ich diesen Schritt

ergriffen, um bei Beginn der START-Gespräche eine

Atmosphäre der beiderseitigen Zurückhaltung zu fördern, die ernsthaften
Verhandlungen dienlich wäre.

Seither haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen,
die

die

bestehenden

Vereinigten

Staaten

Rüstungskontrollabkommen
haben

ihren Teil

unterlaufen

dieser Abmachung

würden.

Die

voll und ganz

eingehalten. Die Sowjets haben dies jedoch nicht getan. Sie haben verschiedene Bestimmungen

von

SALT-II

nicht

eingehalten, und wir haben

ernste Bedenken hinsichtlich der (sowjetischen) Einhaltung der Bestimmungen anderer Abmachungen.

Das Verhaltensmuster der sowjetischen Verletzungen unterläuft - wenn
keine Korrektur stattfindet - die Integrität und die Lebensfähigkeit der
Rüstungskontrolle als einem Instrument, das zur Garantie einer sicheren
und stabilen zukünftigen Welt beitragen soll. Die Vereinigten Staaten
werden auch weiterhin gegenüber der Sowjetunion nachdrücklich auf eine
Zerstreuung unserer Bedenken hinsichtlich der sowjetischen Nichteinhaltung hinarbeiten. Wir können es nicht zulassen, daß hier mit zweierlei
Maß gemessen wird, was auf eine einseitige Vertragseinhaltung hinausläuft.

Wir sind weiterhin entschlossen, einen produktiven Dialog mit der
Sowjetunion zu führen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko durch die
Annahme bedeutungsvoller Maßnahmen zu vermindern, die die Sicherheit, die
Stabilität und die Berechenbarkeit verbessern. Ich bin deshalb zu dem
Schluß gekommen, daß es trotz des sowjetischen Verhaltens während der
letzten Jahre weiterhin in unserem Interesse liegt, ein Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung bei strategischen Offensivwaffen
zu schaffen, wenn wir jetzt bei den laufenden Verhandlungen in Genf mit
erneuter Energie
Nukleararsenale

unser

Ziel

verfolgen.

der

realen Verminderung

Es bleibt

der bestehenden

meine höchste Priorität, solche

Reduzierungen zu erlangen.

Die

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten können ein solches Rahmenwerk nicht allein
schaffen.

Es

Schritte

ist

notwendig,

unternimmt,

um

ihre

daß

die

Sowjetunion

Nichteinhaltung

positive,

zu

konkrete

korrigieren,

unsere

anderen Bedenken hinsichtlich einer Nichteinhaltung auszuräumen und ihre
einmalige und ungerechtfertigte

Aufrüstung ins Gegenteil zu verkehren.

Bisher hat sich die Sowjetunion nicht entschieden, in diese Richtung zu
gehen. Un jedoch sicherzustellen, daß jede Möglichkeit zur Schaffung der
von uns angestrebten sicheren, stabilen Zukunft voll aund ganz genützt
wird, bin ich bereit, mehr als das Notwendige in dem Bemühen zu tun, ein
Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung zu erreichen.
Als integralen Teil dieser Politik werden wir zugleich jene Schritte
ergreifen, die nötig sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten

und unserer Verbündeten

zu garantieren, und die aufgrund der

sowjetischen Nichteinhaltungspolitik

erforderlich sind.

Angemessene und

entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung sind notwendig, um unsere Sicherheit zu garantieren, um Anreize für eine Korrektur
der sowjetischen Nichteinhaltung zu bieten und um Moskau klarzumachen,
daß Verletzungen der Rüstungskontrollverpflichtungen

ihren realen Preis

haben.

Gewisse
nicht mehr

sowjetische
rückgängig

Flugerprobung

und

der

Verletzungen
zu machen.
Schritte

sind

schon

aufgrund

ihrer

Natur

Dies ist der Fall hinsichtlich

der

der

die

Sowjetunion

in

bezug

auf

Dislozierung der SS-X-25 Rakete, eines zweiten neuen Typs von Interkontinentalraketen (ICBM), der durch das nichtratifizierte SALT II-Abkommen
untersagt

ist.

Da

die

Sowjetunion

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

dieser

Raketenentwicklung

nicht rückgängig machen kann, behalten sich

die Vereinigten Staten das Recht vor, in angemessener Weise zum angemessenen

Zeitpunkt

darauf

zu

antworten.

Das

Midgetman-Programm

der

kleinen ICBM ist in dieser Beziehung besonders relevant.

Andere
- 3 -

sowjetische

Schritte

�Andere

sowjetische

rückgängig

gemacht

Schritte

und

durch

der Nichteinhaltung
entsprechende

können

vielleicht

sowjetische

Maßnahmen

korrigiert werden. In diesen Fällen werden wir der Sowjetunion zusätzlich
Zeit einräumen, um solche erforderlichen Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.
Während wir die sowjetischen Aktionen auf Beweise positiver, konkreter
Schritte hin überprüfen, die von sowjetischer Seite zur Korrektur dieser
Aktivitäten nötig sind, habe ich das Verteidigungsministerium angewiesen,
eine umfassende Bewertung vorzunehmen mit dem Ziel, spezifische Maßnahmen
aufzuzeigen, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten, um das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm notfalls auszubauen - und
zwar als eine angemessene Antwort und als eine Eingrenzung der militärischen Konsequenzen jener sowjetischen Verletzungen bestehender Rüstungskontrollabkommen, die die Sowjets nicht korrigieren.

Im den Sowjets angemessene

Zeit

zu geben, durch Maßnahmen

ihren

Willen zu beweisen, sich uns zu einem Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, planen wir, gemäß den vereinbarten
Verfahren

ein POSEIDON-SSBN-Unterseeboot

außer

Dienst

zu stellen und

abzuwracken, wenn das siebte amerikanische Unterseeboot der OHIO-Klasse
später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird. Die Vereinigten Staaten
werden
Haltung

sich
bei

jedoch

alle

solchen, in

programmatischen
der

Zukunft

Optionen hinsichtlich

ihrer

sich ergebenden Wegmarkierungen

offenhalten. Wenn solche Wegmarkierungen später erreicht werden, werde
ich die Gesamtsituation daraufhin überprüfen, ob die Sowjets mit ihren
Maßnahmen die Nichteinhaltung korrigiert und Fortschritte in Genf gefördert haben. Dann werde ich von Fall zu Fall eine endgültige Entscheidung
über den Kurs des Handelns der USA treffen.

Ich bin der festen Überzeugung, daß - wollen wir den Rüstungsverminderungsprozeß auf eine stabile und dauerhafte Grundlage stellen und echte
Reduzierungen erreichen - wir uns weiterhin hauptsächlich darauf konzentrieren müssen, den besten Nutzen aus den Aussichten zu ziehen, die die
gegenwärtig in Genf laufenden Verhandlungen bieten. Unsere Politik, einschließlich

der

Schaffung

eines

Interimsrahmenwerkes

echter

�Interimsrahmenwerkes
angemessenen

echter

amerikanischen

beiderseitiger
Antwort

auf

Zurückhaltung

nicht

korrigierte

und

einer

sowjetische

Nichteinhaltung, ist insbesondere darauf gerichtet, über das Notwendige
hinauszugehen, um der Sowjetunion die Möglickeit zu bieten, sich uns bei
diesem Bemühen anzuschließen.

Meine Hoffnung

ist

es, daß

wir

-

sollten

die

Sowjets

sich

uns

anschließen - bei den Genfer Verhandlungen gemeinsam Fortschritte bei der
Ausarbeitung gerechter und verifizierbarer Abkommen erreichen können einschließlich echter Reduzierung des ünfangs der bestehenden Nukleararsenale. Eine solche Leistung würde nicht nur die beste und anhaltendste
Beschränkung

des

Wachstums

nuklearer

Arsenale

gewährleisten,

sondern

dadurch würde auch ein großer Schritt auf dem Wege zur Reduzierung des
Lmfangs dieser Arsenale und zur Schaffung einer sichereren Zukunft für
alle Nationen getan.

* * * * *

- 5-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

USA WOLLEN SICH BEI BEIDERSEITIGER ZURÜCKHALTUNG AN SALT HALTEN
- Dokumentation des Weissen Hauses zum Bericht des
Präsidenten an den Kongress -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 10. Juni 1985 dem
amerikanischen Kongress einen gesetzlich geforderten Bericht über die
Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Einhaltung der Bestimmungen des nicht ratifizierten SALT-II-Vertrages übermittelt. Das Weiße
Haus hat am gleichen Tag eine Dokumentation zu dem vertraulichen Bericht
veröffentlicht, in dem die wesentlichen Punkte wiedergegeben werden. Danach wollen sich die Vereinigten Staaten bei entsprechender Zurückhaltung
der Sowjetunion weiterhin an die Bestimmungen der SALT-Verträge halten
und sich vor allem um eine einschneidende Verringerung der Kernwaffen
bemühen. Nach der Dokumentation

hat

der Präsident

in seinem Bericht

allerdings die Besorgnis der Administration über Vertragsverletzungen der
Sowjets zum Ausdruck gebracht und bei einer weiteren sowjetischen Nichteinhaltung "angemessene Antworten" angekündigt.

Die Dokumentation des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Einleitung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Einleitung

Gemäß der gesetzlichen Bestimmungen des Bewilligungsgesetzes für das
Verteidigungsministerium

für das Haushaltsjahr

1985 (1984/85) hat der

Präsident heute (10. Juni) dem Kongress einen vertraulichen Bericht über
die Schaffung eines Interimsrahmenwerkes für die beiderseitige Zurückhaltung hinsichtlich strategischer Waffen zugeleitete. Nachfolgend eine
nicht als Verschlußsache deklarierte Dokumentation auf der Basis des Berichts des Präsidenten.

Hintergrund unserer derzeitigen Politik

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Waffen (START), beschloß der Präsident, daß die Vereinigten
Staaten weder das ausgelaufene SALT-I-Abkommen noch das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommen

unterlaufen

würden, solange die Sowjetunion eine

gleiche Zurückhaltung üben würde. Trotz ernsthafter Bedenken über die
Unbilligkeiten des SALT-I-Abkommens und der ernsten Mängel des SALT IIAbkommens entschlossen sich die Vereinigten Staaten zu diesem Schritt, um
eine

Atmosphäre

der

beiderseitigen

Zurückhaltung

bei

strategischen

Streitkräften zu schaffen, die zu Beginn von START ernsthaften Verhandlungen förderlich wären. Bei diesem Schritt gingen wir von drei Überlegungen aus:

Erstens, wir waren überzeugt - und sind auch heute noch überzeugt,
daß beiderseitige, verifizierbare Einschränkungen der nuklearen Arsenale
wichtig

sind, vor allem wenn wir versuchen, dem

Ziel einer starken

Verminderung und der schließlichen Abschaffung der nuklearen Bedrohung
näherzukommen, was die SALT-Abkommen nicht erreicht haben. Wir betrachteten die START-Verhandlungen als den Weg zu gerechten und verifizierbaren einschneidenden Verringerungen der nuklearen Arsenale, die wir anstreben. Die Vereinigten Staten waren bereit, der Sowjetunion in Genf
- 2 -

�in Genf

die Elemente

für

solche Abkommen

anzubieten

und

haben

sie

angeboten. Wir waren uns jedoch darüber im klaren, daß die Aushandlung
vernünftiger

Abkommen

Zeit

braucht.

Deshalb

verpflichteten

sich

die

Vereinigten Staaten, die bestehenden Abkommen nicht zu unterlaufen, solange

die Sowjetunion

als

Interimspolitik

gleiche Zurückhaltung

üben

würde, um, wie wir hofften, einen Rahmen der beiderseitigen Zurückhaltung
zu

schaffen, während

wir

Rüstungskontrollprozeß

auf

auf
eine

dem

Wege

zu Abkommen

bessere,

waren,

vernünftigere,

die den

langfristige

Grundlage stellen und echte Verringerungen bringen würde.
Zweitens,

wir

hofften

damals,

daß

die

Führer

der

Sowjetunion

tatsächlich eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legen würden.
Drittens, wir waren der Auffassung, daß die Politik der Interimszurückhaltung sich nicht nachteilig auf unsere nationalen Sicherheitsinteressen auswirken würde - vorausgesetzt, die Administration und der Kongreß
arbeiteten zusammen und die Vereinigten Staaten unternähmen die notwendigen Schritte, um die strategischen Vorteile auszugleichen, die die Sowjetunion in den vorangegangenen zehn Jahren erworben hatte.

Leider haben sich diese Überlegungen in bestimmten wichtigen Aspekten
im Laufe der Zeit als nicht richtig erwiesen.

Einhaltung durch die Vereinigten Staaten

Im Einklang mit der Politik der amerikanischen Interimszurückhaltung
haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen, die bestehende Abkommen unterlaufen hätten. Ja, wir haben uns genauestens an die
Bestimmungen des SALT-I- und SALT-II-Abkommens über strategische Offensivwaffen gehalten. So haben wir beispielsweise acht Polaris-Unterseeboote vollständig abgewrackt, als neue Trident-Unterseeboote in Dienst
gestellt wurden. Kurzum, die Vereinigten Staaten haben sich voll und ganz
an ihr Versprechen gehalten.

Nichteinhaltung der Sowjetunion
- 3 -

�Nichteinhaltung der Sowjetunion

Wie in den beiden umfaßenden Berichten des Präsidenten an den Kongreß
vom Januar 1984 und Februar 1985 im einzelnen dargelegt, hat die Sowjetunion wiederholt

ihre Rüstungskontrollverpflichtungen

verletzt. Obwohl

die Sowjets einige Bestimmungen bestehender Rüstungskontrollabkommen eingehalten haben, haben sie doch wichtige Elemente dieser Abkommen und damit zusammenhängende politische Verpflichtungen verletzt.

SALT II

Was das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommmen angeht, so gehören zu
diesen Verletzungen die Erprobung und Dislozierung einer zweiten neuen
Interkontinentalrakete - der SS-X-25 - und die Verschlüsselung von Meßdaten bei der Erprobung von Raketen, was die Verifizierung von Abkommen
durch nationale technische Mittel erschwert. Die Sowjetunion hat ferner
wahrscheinlich dieses Abkommen hinsichtlich des Verbotes der Dislozierung
von

SS-16-Interkontinentalraketen

verletzt. Ebenso

bleiben

ernsthafte

Besorgnisse hinsichtlich anderer Fragen bestehen - z.B. hinsichtlich des
Verhältnisses von Mehrfachgefechtsköpfen zum Wurfgewicht der SS-X-25, wie
sie bei den Erprobungen zutage trat.

Andere Übereinkommen

Das

Verhaltensmuster

der

sowjetischen

Nichteinhaltung

bestehender

Abkommen reicht darüber hinaus weit über SALT II hinaus. Die Sowjetunion
betreibt den Bau einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung
in Zentralsibirien, was eine Verletzung dse ABM-Vertrages darstellt. Wenn
man andere sowjetische Tätigkeiten im Zusammenhang mit ABM hinzunimmt,
einschließlich der gleichlaufenden Erprobung von Luftverteidigungs- und
- 4 -

�LuftverteidigungsABM-Komponenten,
sowjetische

und
dann

ABM-Komponenten
besteht

Vorbereitungen

sowie

ernsthafter

der

Grund

für eine verbotene

Entwicklung
zur

mobiler

Besorgnis

über

landesweite ABM-Vertei-

digung. Eine solche Entwicklung hätte tiefgreifende Auswirkungen auf das
lebenswichtige

Gleichgewicht

zwischen

Ost

und

West.

Die

Sowjetunion

begeht auch wesentliche Verletzungen sowohl des Genfer Protokolls über
chemische als auch der Konvention über biologische und toxische Waffen.
Nach unserem Ermessen hat die Sowjetunion auch den Begrenzten TeststoppVertrag und die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki verletzt. Es ist
ferner wahrscheinlich, daß die Sowjets die Begrenzungen für die Stärke
nuklearer Erprobungen im Rahmen des Schwellen-Vertrages verletzt haben.

SALT I

Selbst hinsichtlich des SALT-I-Vertrages, wo wir festgestellt haben,
daß sich die Sowjets zwar an den Buschstaben des Abkommens gehalten
haben, haben wir Besorgnisse hinsichtlich ihrer Einhaltung des Geistes
des Vertrages. Nachdem sie beispielsweise mit Nuklearraketen bestückte
Unterseeboote der YANKEE-Klasse abgewrackt haben, um den Beschränkungen
von SALT I zu entsprechen, haben sie bereits ein solches Unterseeboot in
ein längeres Unterseboot als das ursprüngliche umgebaut, das mit modernen
seegestützten Langstrecken-Marschflugkörpern bestückt ist. Das ist zwar
keine Verletzung des Buchstabens von SALT I, aber das entstandene Unterseeboot stellt eine Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten dar, die der Bedrohung durch das ursprüngliche Unterseeboot der
YANKEE-Klasse ähnelt.

Auswirkungen der sowjetischen Nichteinhaltung

Das sind sehr entscheidende Fragen, denn wirksame Rüstungskontrolle
verlangt Ernsthaftigkeit bezüglich der Einhaltung. Das Verhaltensmuster
der sowjetischen Verletzungen berührt in zunehmenden Maße unsere nationale

Sicherheit

und

schafft

Ungewißheit
- 5 -

über

die

Streitkräfte,

die

�Streitkräfte, die die Vereinigten Staaten in der Zukunft benötigen werden. Ebenso bedeutsam, wie es die militärischen Folgen der Verletzungen
selbst sind, wirft dieses Verhaltensmuster der sowjetischen Nichteinhaltung grundsätzliche Bedenken bezüglich der Integrität des Rüstungskontrollprozesses auf, Bedenken, die - wenn sie nicht korrigiert werden die Intergrität und Lebensfähigkeit der Rüstungskontrolle als Instrument
unterlaufen, das dazu beiträgt, eine sichere und stabile künftige Welt zu
gewährleisten.

Die bisherige amerikanische Antwort

Die Vereinigten Staaten haben sich konsequent aller geeigneten diplomatischen Kanäle, einschließlich der Ständigen amerikanisch-sowjetischen
Beratungskommission (SCC), bedient, um die Sowjetunion nachdrücklich zu
drängen, diese Aktivitäten, die uns Sorge bereiten, zu erklären und/oder
sie einzustellen. Damit haben wir absolut klar gemacht, daß wir von der
Sowjetunion

erwarten, daß

sie positive

Schritte

unternimmt, um ihre

Nichteinhaltung zu korrigieren und unsere Besorgnis über ihre Nichteinhaltung zu zerstreuen, um die Integrität bestehender Abkommen zu erhalten
und das positive Umfeld zu schaffen, das für erfolgreiche Aushandlung
neuer Abkommen notwendig ist.

Leider hat die Sowjetunion trotz der langen und wiederholten Bemühungen der Vereinigten Staaten, diese Fragen zu lösen, weder befriedigende Erklärungen noch korrigierende Maßnahmen ergriffen. Die sowjetischen
Verletzungen haben vielmehr angedauert und sind mehr geworden, während
die Sowjets gleichzeitig ihre strategischen Streitkräfte weiter ausgebaut
haben. Die Sowjetunion übte also in der Vergangenheit und übt auch in der
Gegenwart nicht die gleiche Zurückhaltung aus, die wir als Bedingung für
unsere Politik der Interimszurückhaltung gesetzt haben. Dieses sowjetische Verhalten ist grundsätzlich schädlich für die Zukunft der Rüstungskontrolle und für die Sicherheit unseres Landes und unserer Verbündeten.

Angemessene
- 6 -

Antwort

�Angemessene Antwort der USA in Zukunft

Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin mit der Sowjetunion
nachdrücklich um die Zerstreuung unserer Bedenken bezüglich der sowjetischen Nichteinhaltung bemühen. Bei diesem Bemühen können wir uns jedoch
nicht zweierlei Maß auferlegen, das bedeuten würde, daß wir einseitig
Vertragstreue halten und damit praktisch einseitig abrüsten. Zumindest in
den Fällen von sowjetischen Verletzungen, die nicht mehr rückgängig zu
machen sind, müssen wir angemessene und entsprechende Antworten geben,
die

der

Sowjetunion

die

militärischen

Vorteile

dieser

Verletzungen

verwehren. In den Fällen der sowjetischen Verletzungen, die korrigiert
werden

können, sollten

wir

uns vergleichsweise

angemessene Antworten

vorbehalten, die den Sowjets einen Anreiz bieten, positive Schritte zur
Bereinigung der Situation vorzunehmen, und die einen notwendigen Schutz
vor

den militärischen Folgen

sowjetischer Verletzungen

gewährleisten,

wenn es die Sowjetunion unterläßt, die notwendigen Korrekturmaßnahmen zu
ergreifen.

In diesem Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten angemessene und
entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung entwickeln
und wenn notwendig anwenden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu gewährleisten und der Sowjetunion einen echten
Anreiz zu bieten, positive, konkrete Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um unsere Bedenken zu zerstreuen.

Notwendigkeit

des

amerikanischen

Modernisierungsprogramms

für

die

strategischen Streitkräfte

Um unsere grundlegende nationale Sicherheit zu gewährleisten und als
Grundlinie für weitere amerikanische Maßnahmen, müssen die Intergrität
und die Kontinuität des strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten aufrechterhalten werden. Wenn die Modernisierung der ICBMSäule unserer strategischen

Triade nicht voll verwirklicht wird, wie

�wird, wie dies in unserem umfassenden strategischen Modernisierungsprogramm gefordert wird, dann müßten wir alle Aspekte unserer Planung für
die grundlegenden Erfordernisse unserer nationalen Sicherheit neu überdenken.

Die grundlegenden Ziele der Vereinigten Staaten.

3ei allem Verständnis für die Dringlichkeit der obengenannten Probleme dürfen wir jedoch nicht die grundlegenden Ziele der Vereinigten
Staaten aus den Augen verlieren, die unverändert sind. Im Verlauf der
nächsten zehn Jahre ist es Ziel der Vereinigten Staaten, Umfang und
Zerstörungskraft
radikal

zu

der

bestehenden

verringern

und

zu

und

geplanten

offensiven

einer Stabilisierung

Kernwaffen

des Verhältnisses

zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu gelangen. Auch jetzt noch hoffen wir auf eine
Übergangsperiode

zu

Atomwaffenarsenalen

einer
und

stabileren

einer

Welt

verstärkten

-

mit

stark

verringerten

Fähigkeit, vor einem Krieg

abzuschrecken, indem man sich in immer größerem Maß auf nichtnukleare
Verteidigungssysteme und immer weniger auf offensive Kernwaffen stützt,
Eine von der Drohung der militärischen Aggression und von Kernwaffen
befreite Welt ist ein Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und allen anderen Staaten sicherlich Einigkeit besteht.

Die Bedeutung der laufenden Verhandlungen.
Das beste Mittel, um zu diesen Zielen zu gelangen, wäre ein auf dem
weitreichenden Vorschlag zur Verringerung der Kernwaffen gegründetes Abkommen, das wir bei den Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen in Genf vorgelegt haben. Am raschesten würde man sicherlich zu einer stabileren und sichereren Welt gelangen, wenn beide Seiten
zu scharfen Verringerungen

ihrer strategischen Offensivarsenale bereit

wären und insbesondere die große Anzahl der destabilisierendsten Waffen der strategischen Interkontinentalraketen - beseitigen würden, indem sie
sich mit einem verifizierbaren Gesamtbestand von 5 000 Gefechtsköpfen für
die land- und seegestützten Interkontinentalraketen

auf beiden Seiten

einverstanden erklären.
Unglücklicherweise
- 8 -

�Unglücklicherweise

hat

die Sowjetunion

in den vergangenen Jahren

wenig echtes Interesse daran gezeigt, Zurückhaltung beim Zuwachs ihrer
Kernwaffen an den Tag zu legen - ganz abgesehen von sinnvollen Verringerungen oder Fortschritten in Richtung auf ein verifizierbares, ausgewogenes Abkommen, das solche echte Verringerungen erforderlich machen würde.
Im Gegenteil: Trotz der von unseren Unterhändlern in Genf bei den neuen,
in diesem Jahr begonnen Verhandlungen bewiesenen Ernsthaftigkeit und Beweglichkeit hat sich die Sowjetunion von Verhandlungspositionen zurückgezogen, die sie bis dahin gehalten hatte und hat eine überaus intransigente Haltung eingenommen, die jeden Fortschritt ernsthaft behindert. Wir
sind jedoch nach wie vor entschlossen, mit der Sowjetunion einen produktiven Dialog fortzuführen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko zu verringern, indem sinnvolle Maßnahmen zur Erhöhung von Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit ergriffen werden.

Erstellung

eines

Interimsrahmenswerkes

für

gegenseitige

Zurückhaltung.
Es liegt auch weiterhin im Interesse der Vereinigten Staaten, ein
Interimsrahmenwerk der echten gegenseitigen Zurückhaltung bei den strategischen Offensivwaffen zu erstellen, während wir mit neuer Kraft bei
den laufenden Verhandlungen in Genf unser Ziel der echten Verringerungen
beim Umfang der bestehenden Nukleararsenale verfolgen. Die Vereinigten
Staaten können einen solchen Rahmen nicht allein erstellen. Auch die
Sowjetunion muß positive, konkrete Schritte - wie sie oben dargelegt
wurden

- unternehmen,

anderen

Bedenken

militärische

um

ihre Nichteinhaltung

hinsichtlich

Aufrüstung

zu

der Einhaltung

beenden

oder

doch

zu revidieren, unsere
zu

zerstreuen

zumindest

und

ihre

erheblich

zu

verringern, die ihresgleichen nicht hat und völlig ungerechtfertigt ist.
Bislang hat sich die Sowjetunion noch nicht zur Einhaltung dieser Linie
entschließen können. Dennoch ist der Präsident im Interesse der Auslotung
aller Möglichkeiten zur Garantie einer sicheren, stabilen Zukunft bereit,
noch einen weiteren großen Schritt über das Notwendige hinaus in Richtung
auf

den

Versuch

hin

zu

tun,

einen

Interimsrahmen

der

echten,

beiderseitigen Zurückhaltung zu erstellen.

Weitere
- 9 -

Zurückhaltung.

�Weitere Zurückhaltung.

Um der Sowjetunion die Möglichkeit zu geben, sich uns bei der Erstellung eines solchen Interimsrahmens echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, der die laufenden Verhandlungen unterstützen würde,
hat der Präsident beschlossen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
davon Abstand nehmen werden, die bestehenden Abkommen über die strategischen Rüstungen zu unterlaufen - und zwar in dem Maß, in dem die Sowjetunion eine vergleichbare Zurückhaltung übt und vorausgesetzt, daß die
Sowjetunion bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen in Genf aktiv auf
Rüstungsverringerungsabkommen hinarbeitet. Die Vereinigten Staaten werden
ständig die Implikationen dieser Interimspolitik auf die langfristigen
Sicherheitsinteressen

der

Vereinigten

Staaten

und

ihrer

Verbündeten

überprüfen. Damit werden wir die Handlungen der Sowjetunion dahingehend
analysieren, inwieweit sie unsere Besorgnisse hinsichtlich ihrer Vertragsverletzungen, hinsichtlich der ständig sich vermehrenden strategischen Waffen der Sowjetunion und hinsichtlich der sowjetischen Ernsthaftigkeit bei den laufenden Verhandlungen zu zerstreuen vermag.

Angemessene Antwort.
Als integraler Bestandteil der Verwirklichung dieser Politik müssen
wir auch jene Schritte ergreifen, die notwendig sind, um die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu gewährleisten, und die durch die sowjetische Nichteinhaltung notwendig geworden
sind.

Angemessene

Nichteinhaltung

und

entsprechende

Reaktionen

auf

die

sowjetische

sind auch notwendig, um Moskau klarzumachen, daß Ver-

letzungen der Rüstungskontrollabkommen mit echten Kosten verbunden sind.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten solche angemessene und entsprechende Antworten entwickeln und werden jene Maßnahmen ergreifen, die in
Reaktion auf und als Schutz vor den militärischen Folgen nichtkorrigierter sowjetischer Verletzungen

der bestehenden

Rüstungskontrollabkommen

notwendig sind.

Reaktion
- 10 -

auf

�Reaktion auf irreversible sowjetische Verletzungen.

Bestimmte

sowjetische

Verletzungen

sind

ihrer Natur nach nicht

rückgängig zu machen. Dies ist der Fall hinsichtlich der sowjetischen
Flugerprobung

und Schritte

in Richtung auf Dislozierung

der SS-X-25,

eines zweiten neuen Typs der Interkontinentalrakete, wie ihn das nichtratifizierte

SALT

dieser Rakete

II-Abkommen

verbietet. Da

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

der Entwicklung

zu diesem Zeitpunkt von der

Sowjetunion nicht korrigiert werden kann, behalten sich die Vereinigten
Staaten aus diesem Grund das Recht vor, angemessen zu reagieren, und die
Vereinigten Staaten werden dies in angemessener Weise und Zeit tun. das
Programm der kleinen ICBM MIDGETMAN ist in dieser Hinsicht von besonderer
Relevanz.

Reaktion auf reversible sowjetische Schritte.
Andere sowjetische Schritte im Rahmen der Nichteinhaltung könnten
rückgängig gemacht und durch sowjetische Maßnahmen korrigiert werden. In
diesen Fällen werden wir einen weiteren Schritt tun und der Sowjetunion
zusätzliche Zeit zugestehen, um solche erforderliche Korrekturmaßnahmen
zu ergreifen. Während wir das sowjetische Verhalten nach Beweisen für
positive, konkrete

Schritte

überwachen, die ihrerseits

zur Korrektur

jener Maßnahmen notwendig sind, wird das Verteidigungsministerium eine
umfassende

Überprüfung

durchführen,

die

darauf

abzielt,

spezifische

Maßnahmen auszuarbeiten, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten,
um im notwendigen Umfang das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm zu beschleunigen oder auszuweiten; dies wird in angemessenem
Maße und als Schutz vor den militärischen Folgen sowjetischer Verletzungen bestehender Abkommen geschehen, die die Sowjets bislang noch nicht
korrigiert haben.

Neben

der Entwicklung

militärischer

Reaktionen

Vertragsverletzungen

angemessener und
angesichts

nicht

abgewogener
korrigierter

amerikanischer
sowjetischer

wird diese Überprüfung auch die Konsequenzen des
- 11 -

�Konsequenzen

des

anhaltenden

sowjetischen

Streitkräftezuwachses

über-

denken; wie in der jüngsten Beurteilung der Sicherheitsdienste (National
Intelligence Estimate) zu diesem Thema dargelegt wurde, geht es dabei als
Ergebnis der jüngsten Kongreßmaßnahmen um Änderungen beim ICBM-Anteil des
strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten und um die
Frage, wie die zweiten 50 PEACEKEEPER-Raketen angemessen

stationiert

werden könnten. Auch das sowjetische Verhalten während der zweiten und
dritten Runde der Nuklear- und Weltraumgespräche wird dabei voll mit in
Rechnung gestellt.

Kriterien für Optionen bei der Reaktion.

In diesem Kontext der Beurteilung potentieller zukünftiger Schritte
der Vereinigten Staaten werden bestimmte Kriterien benutzt. Die Optionen
werden sich nach den jeweiligen Reaktionen auf spezielle Fälle richten,
wo

sowjetische

Verletzungen

nicht

korrigiert

wurden; damit

soll den

militärischen Konsequenzen solcher sowjetischer Verletzungen vorgebeugt
werden. Dabei muß es sich nicht notwendigerweise um Parallelmaßnahmen
handeln. Vielmehr wird der Versuch unternommen, den Sowjets die potentiellen Vorteile

ihrer Vertragsverletzungen

zu verwehren

und, soweit

möglich, den Sowjets Anreize zu bieten, ihre Schritte zu korrigieren. In
allen Fällen

liegt

die Betonung

auf Optionen, die

die Abschreckung

garantieren, die Stabilität erhöhen und den speziellen Erfordernissen
unserer

nationalen

Sicherheit

unmittelbar

gerecht

werden.

In

dieser

Hinsicht besteht das Ziel der Vereinigten Staaten nicht per se darin,
zusätzliche Streitkräfte aufzubauen, sondern diese Optionen so einzusetzen, daß unsere Sicherheit angesichts nichtkorrigierter sowjetischer
Verletzungen gewährleistet

bleibt und daß den Sowjets Anreize geboten

werden, ihre Handlungen entsprechend zu korrigieren und sich uns dabei
anzuschließen, ein sinnvolles

Interimsrahmenwerk

gegenseitiger Zurück-

haltung zu erstellen.

Zeitplan

der

Prüfung

�Zeitplan der Prüfung durch das Verteidigungsministerium.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung werden dem Präsidenten am 15.
November 1985 zur Analyse vorgelegt. Dies wird dem Präsidenten genügend
Zeit geben, um Optionen

der Vereinigten Staaten hinsichtlich unserer

Politik in Erwägung zu ziehen, während wir uns dem Zeitpunkt nähern, an
dem der nicht ratifizierte SALT II-Vertrag am 31. Dezember 1985 auslaufen
würde; auch können im weiteren Markierungen für eine "Politik des Nichtunterlauf ens" gesetzt werden. Und es gäbe auch genügend Zeit, um programmatische Optionen der Vereinigten Staaten in unmittelbarer Reaktion
auf nicht korrigierte Vertragsverletzungen durch die Sowjets zu erwägen,
indem im Bedarfsfall dem Kongreß Anfang 1986 das Verteidigungsprogramm
des Haushaltes 1987 vorgelegt wird.

Das 7. TRIDENT-Unterseeboot.
Um den Sowjets genügend Zeit zu geben, durch ihre Schritte den Willen
zu signalisieren, sich uns für einen Interimrahmen der echten gegenseitigen Zurückhaltung anzuschließen, hat der Präsident zudem das Verteidigungsministerium angewiesen, im Einklang mit vereinbarten Verfahren ein
bestehendes POSEIDON-U-Boot außer Dienst zu stellen und abzuwracken, da
ein siebtes amerikanisches U-Boot der OHIO-Klasse, die USS Alaska, im
Lauf des Jahres in Dienst gestellt wird. Das Verteidigungsministerium
wird jedoch als Teil seines Berichtes die Bandbreite der den Vereinigten
Staaten zur Verfügung

stehenden Optionen überprüfen und bewerten, um

ähnliche einschneidende Schritte

(einschließlich der Probeläufe weiterer

U-Boote der OHIO-Klasse und der Dislozierung des 121. amerikanischen, mit
luftgestützten

Marschflugkörpern

ausgerüsteten

Schweren

Bombers)

in

Zukunft zu behandeln. Die Vereinigten Staaten werden sich auch in Zukunft
alle programmatischen

Optionen

zur Behandlung

solcher

einschneidender

Schritte offenhalten. Wenn derlei Markierungspunkte erreicht sein werden,
wird der Präsident die Gesamtsituation analysieren und hinsichtlich des
amerikanischen Kurses eine endgültige Entscheidung treffen, die sich aus
der jeweiligen Lage und den sowjetischen Maßnahmen in Richtung auf ein
Eingehen auf die obengenannten Bedingungen ergibt.

Wahl
- 13 -

dieses

Kurses

�Wahl dieses Kurses - Zusammenfassung.
Der Präsident ist der festen Überzeugung, daß wir, um den Prozeß der
Rüstungsverringerung auf eine solide, dauerhafte Grundlage zu stellen,
uns auch weiterhin darauf konzentrieren müssen, das Beste aus dem zu
machen,

was

die

laufenden

Verhandlungen

in

Genf

bieten.

Die

oben

ausgeführte Politik - einschließlich der Erstellung eines Interimsrahmenwerkes für wirklich beiderseitige Zurückhaltung und angemessene amerikanische Reaktion auf nichtkorrigierte sowjetische Nichteinhaltung - soll
vor allem dazu dienen, der Sowjetunion dabei entgegenzukommen, sich uns
bei diesem Bemühen anzuschließen. Es ist unsere Hoffnung, daß wir in
diesem Fall gemeinsam in der Lage sein werden, bei den laufenden Genfer
Verhandlungen Fortschritte bei der Ausarbeitung ausgewogener und verifizierbarer Abkommen zu machen, einschließlich echter Verringerungen beim
Umfang der bestehenden Nukleararsenale. Solch eine Leistung würde nicht
nur die beste und dauerhafteste Beschränkung des Anwachsens der Nukleararsenale gewährleisten, sondern sie wäre auch ein großer Schritt in Richtung auf eine Verringerung des Umfangs dieser Arsenale und in Richtung
auf eine sicherere und stabilere Welt.

* * * * *

- 14 -

�12. Juni 1985

23

DIE STRATEGISCHE VERTEIDIGINGSINITIATIVE
Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische AuGenministerium hat am 4. Juni
1985

in

einer

Dokumentation

Forschungsprogramms

ausführlich

Richtung

und

Lmfang

für die Strategische Verteidigungsinitiative

des
(SDI)

dargelegt. Präsident Ronald Reagan hat in seiner Rede vom 23. März 1983
seine Vorstellung von einer Zukunft aufgezeigt, in der die Staaten dieser
Erde sicher leben könnten in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit
nicht auf der Androhung nuklearer Vergeltung, sondern auf der Fähigkeit
beruhen würde, sich gegen potentielle Angriffe zu verteidigen. Das Forschungsprogramm für die Initiative soll dazu dienen, die Möglichkeiten zu
prüfen, ob und wie diese moderne Technologie zur Verwirklichung dieser
Visison beitragen kann.

Der Strategische Zusammenhang
Das amerikanische SDI-Forschungsprogramm i s t

v o l l und ganz vereinbar

mit den Bestimmungen des ABM-Vertrages und i s t vergleichbar mit der durch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mit der durch den ABM-Vertrag erlaubten Forschung, die die Sowjets seit
vielen Jahren betreiben und ist ferner eine Vorsorgemaßnahme gegen ein
sowjetisches Ausbrechen aus den Bestimmungen des ABM-Vertrages durch die
Aufstellung einer landesweiten Raketenabwehr. Diese wichtigen Tatsachen
müssen hervorgehoben werden. Die Grundziele der Strategischen Verteidigungsinitiative lassen sich jedoch am besten erklären und verstehen, wenn
man das strategische Unfeld betrachtet, mit dem wir für den Rest dieses
Jahrhunderts bis ins nächste Jahrhundert hinein leben müssen

Die Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Nation und die mit
uns verbündeten
unserer

Nationen stehen vor einer Reihe von Herausforderungen

Sicherheit.

Jede dieser Herausforderungen

stellt

ihre eigenen

Ansprüche und bietet ihre eigenen Chancen. Die Erhaltung von Frieden und
Freiheit ist und bleibt für immer unser grundlegendes Ziel. Der wesentliche Zweck unserer Streitkräfte, und vor allem unserer Nuklearstreitkräfte, besteht darin, vor einer Aggression und Zwang auf der Basis der
Androhung militärischer Aggression abzuschrecken. Die Abschreckung, für
die die amerikanischen und verbündeten Streitkräfte sorgen, hat es uns
ermöglicht, uns des Friedens und der Freiheit zu erfreuen. Die Art der
militärischen Bedrohung hat sich jedoch geändert und wird sich auch im
nächsten Jahrzehnt auf sehr grundlegende Weise ändern. Wenn wir unsere
Antwort darauf nicht entsprechend einrichten, dann wird die Abschreckung
weniger stabil werden und unsere Anfälligkeit gegenüber Zwang wird sich
dramatisch erhöhen.

Unsere Vorstellung von Abschreckung: In den letzten zwanzig Jahren
war

unsere Vorstellung,

werden

könnte, von

wie die Abschreckung

der Grundidee

am besten

ausgegangen, um

gewährleistet

vor einem

Konflikt

abzuschrecken, genüge es, wenn jede Seite über die Fähigkeit verfügt und

diese

aufrechterhalten

kann

-,

für

jeden

Angriff

Vergeltung

anzudrohen und damit einem Aggressor Kosten aufzuerlegen, die in keinem
Verhältnis zu einem potentiellen Gewinn stehen. Unsere Vorstellung davon,
welches Risiko unsere Streitkräfte aufrechterhalten müßten, um vor einer
Aggression abzuschrecken, hat sich im Laufe der Zeit geändert. Allerdings
hat sich unsere Vorstellung im Laufe der Zeit nicht geändert, daß wir uns
grundlegend

auf

nukleare Vergeltung

verlassen

müssen, wie

sie

durch

offensive Nuklearstreitkräfte geübt werden kann.

Dieser
- 2 -

Grundgedanke

�Dieser Grundgedanke - daß nämlich im Falle, da jede Seite über annähernd

gleiche Streitkräfte

und eine gleiche Kapazität verfügt, für

jeden Angriff Vergeltung zu üben, Stabilität und Abschreckung aufrechterhalten würden - hat auch als Grundlage für die Einstellung der Vereinigten

Staaten

zu

Rüstungsbegrenzungen

dem

Prozeß

der

Verhandlungen

über

Strategische

(SALT) in den siebziger Jahren gedient. Zur Zeit,

als dieser Prozeß begann, gingen die Vereinigten Staaten davon aus, daß
eine auf der Fähigkeit offensiver Vergeltungsstreitkräfte beruhende Abschreckung nicht nur vernünftig, sondern auch notwendig sei, da wir damals glaubten, keine Seite könne je die Technologie für Verteidigungssysteme entwickeln, die die andere Seite wirksam abschrecken könnten.

Heute ist die Situation jedoch grundlegend anders. Wissenschaftliche
Entwicklungen

und einige neue Technologien bieten inzwischen die Mög-

lichkeit zu Verteidigungssystemen, die früher nicht existierten und die
man sich früher auch kaum vorstellen konnte. Die Entwicklung der Verteidigung ist heute bis zu dem Punkt fortgeschritten, wo man vernünftigerweise untersuchen kann, ob neue Technologien neue Optionen, vor allem
nichtnukleare Optionen, bieten, die uns in die Lage versetzen könnten,
uns der Verteidigung zuzuwenden, nicht nur um die Abschreckung zu stärken, sondern auch um uns den 'Übergang zu einer sichereren und stabileren
Basis für die Abschreckung zu erlauben.

Von gleicher Bedeutung ist die Tatsache, daß die Sowjetunion weder
bei den strategischen Offensiv- noch bei den Defensivstreitkräften die
Zurückhaltung gezeigt hat, die wir uns erhofften, als der SALT-Prozeß
begann. Die Tendenzen in der Entwicklung der strategischen Offensiv- und
Defensivstreitkräfte

der

Sowjets

sowie

die

sich

in zunehmendem Maße

abzeichnende sowjetische Neigung zur Täuschung und zur Nichteinhaltung
bestehender Abkommen werden - wenn ihnen auf lange Sicht nicht Einhalt
geboten wird - das militärische Gleichgewicht und die Gegenseitigkeit der
Verwundbarkeit untergraben, auf denen die Abschreckungstheorie im Wesentlichen aufgebaut wurde.

Sowjetische

Verbesserungen

�Sowjetische Verbesserungen der O f f e n s i v s t r e i t k r ä f t e :
ist

und b l e i b t

Die

Sowjetunion

die Hauptbedrohung unserer Sicherheit und der

Sicherheit

unserer Verbündeten. Im Rahmen weitreichender Bemühungen zur Verstärkung
der m i l i t ä r i s c h e n

Kapazität hat d i e Verbesserung der

der Sowjetunion -

die in

nichtung

erlaubt

-

in

Raketenstreitmacht

zunehmendem Maße eine rasche, harte

immer

Zielver-

größerem Maße d i e 'Überlebensfähigkeit

von

S t r e i t k r ä f t e n bedroht, die wir d i s l o z i e r t haben, um vor einer Aggression
abzuschrecken.

Diese Verbesserung s t e l l t

Herausforderung

unserer

Führungsstruktur,
viele

landgestützten

die s i e b e f e h l i g t ,

entscheidend

wichtige

feste

insbesondere eine

unmittelbare

Vergeltungsstreitkräfte

dar.

und

der

Sie bedroht i n gleicher Weise

Einrichtungen

in

den

Vereinigten

Staaten und i n verbündeten Ländern, auf die sich nukleare Vergeltungsund konventionelle S t r e i t k r ä f t e s t ü t z e n , die unsere k o l l e k t i v e Fähigkeit
d a r s t e l l e n , vor K o n f l i k t und Aggressionen abzuschrecken.

Verbeserung
strebt

der

aktiven

Verteidigung

der

Sowjetunion:

Gleichzeitig

die Sowjetunion auch durch die Entwicklung und Verbesserung der

aktiven Verteidigung nach strategischen V o r t e i l e n . Diese a k t i v e V e r t e i digung g i b t der Sowjetunion i n immer größerem Maße die F ä h i g k e i t , Vergeltungsstreitkräften
gegenzutreten,

der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten

vor

allem

einen sowjetischen

für

den F a l l ,

Erstschlag dezimiert

daß unsere S t r e i t k r ä f t e

entdurch

wären. Auch heute noch i s t

die

a k t i v e Verteidigung der Sowjets umfangreich.

So b e s i t z t die

beispielsweise

Raketen-Raketenabwehrsystem

das

(ABM-System),
verbessert

das

einzige

einsatzbereite

zum Schutze Moskaus d i s l o z i e r t

gegenwärtig

Elemente

dieses

Systems.

ist.
Sie

Die

über

ein

umfangreiches Luftverteidigungsnetz

aggressiver Weise d i e Q u a l i t ä t

Sowjetunion

besitzt

einzige einsatzbereite d i s l o z i e r t e Satellitenabwehr-Kapazität
verfügt

Sowjetunion

auch

die

(ASAT). Sie

und verbessert

in

i h r e r Radaranlagen, i h r e r Abfangjäger und

i h r e r Boden-Luft-Raketen. Sie verfügt ferner über ein sehr umfangreiches
Netz von Frühwarn-Radaranlagen gegen Raketen.

All

diese Elemente geben

i h r heute auf diesem Gebiet einen r e l a t i v e n V o r t e i l i n der

strategischen

Verteidigung,

weiterentwik-

und wenn sich diese Verbesserungen logisch

k e l n , dann könnte das die Grundlage f ü r einen entscheidenden Vorsprung i n
Zukunft bieten.
Verbesserung
- 4 -

der

�Verbesserung der passiven Verteidigung der Sowjetunion: Die

Sowjet-

union g i b t auch b e t r ä c h t l i c h e M i t t e l für Maßnahmen der passiven V e r t e i d i gung

aus,

die

Streitkräfte,

darauf
der

abzielen,

militärischen

die

Überlebensfähigkeit

Befehlsstruktur

Führung zu verbessern.

Diese Anstrengungen reichen

der

jüngsten

Beweglichkeit

der

Schiene und Strasse bis

Typen

und

der

eigenen

der

nationalen

von der

Herstellung

von I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e n

auf

zur weitgehenden Befestigung verschiedener

ent-

scheidend w i c h t i g e r Einrichtungen.
Die sowjetische Forschung und Entwicklung i n der modernen V e r t e i d i gung:

Seit

über

zwei Jahrzehnten hat

weiten Bereichen

der

die Sowjetunion

Anstrengungen

in

strategischen Verteidigung unternommen und a k t i v e

und passive Elemente i n t e g r i e r t .

Die sich daraus ergebenden Entwicklungen

zeigen eine s t e t i g e Verbesserung und Ausweitung der Defensivkapazität der
Sowjetunion.
schen

Darüber hinaus lassen die derzeitigen Muster der

Forschung

betriebenen

und

Entwicklung

und intensiven

-

einschlieölich

Forschungsprogramms

auf

eines
vielen

sowjeti-

seit
der

langem
gleichen

technologischen Grundgebiete, wie sie von unserem SDI-Forschungsprogramm
erfaßt
gleichen
weitere

werden

-

erkennen,

Tempo

anhalten

Verbesserungen

daß diese

werden.
der

Trends

Wenn nichts

Defensive

der

auch
getan

in

Zukunft
wird,

Sowjetunion

die

mit

dann

dem

werden

Wirksamkeit

unserer eigenen derzeitigen Abschreckung untergraben, die sich heute f a s t
ausschließlich auf die Androhung einer nuklearen Vergeltung durch Offensivkräfte stützt.
Programm der

Daher s t e l l t

dieses s e i t langem betriebene sowjetische

defensiven Verbesserungen

allein

eine Herausforderung

der

Abschreckung dar, mit der wir uns befassen müssen.

Sowjetische

Nichteinhaltung

und V e r i f i z i e r u n g :

Und s c h l i e ß l i c h

das Problem der Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
offensivem

wie

defensivem

Anlaß zu ernster

Gebiet

-

einschließlich

ist

sowohl auf

des ABM-Vertrages

-

Sorge. Die sowjetischen T ä t i g k e i t e n wie der Bau i h r e r

- 5 -

�der Bau ihrer neuen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung in der
Nähe

von Krasnojarsk

in Zentralsibirien

haben

ganz unmittelbare und

unheilvolle Folgen. Wenn sie einsatzbereit ist, wird diese Radaranlage
die Fähigkeit der Sowjetunion erhöhen, eine territoriale Raketenabwehr zu
dislozieren. Aus der Erkenntnis heraus, daß derartige Radaranlagen einen
solchen Beitrag

leisten würden, hat der ABM-Vertrag

den Bau solcher

Radaranlagen an solchen Orten ausdrücklich verboten, und dies war einer
der Hauptpunkte, um die Wirksamkeit des Vertrages zu gewährleisten. Die
Aktivitäten der Sowjetunion im Zusammenhang mit dieser Radaranlage stellen eine direkte Verletztung des ABM-Vertrages dar.

Aber über dieses negative Verhalten der Sowjets im Sinne der Nichteinhaltung

bestehender

Rüstungskontrollabkommen

hinaus

unternimmt

die

Sowjetunion noch andere Maßnahmen, die unsere Fähigkeit behindern, die
sowjetische Einhaltung zu verifizieren. Einige dieser Maßnahmen, wie etwa
die verstärkte Verschlüsselung bei Versuchen, zielen direkt darauf ab,
unsere Fähigkeit zur Beobachtung der Einhaltung zu mindern. Auch andere
Handlungen

der Sowjets

verschärfen

das Problem

der Feststellung der

Einhaltung. So erhöhen die Sowjets beispielsweise die Zahl ihrer mobilen
Raketen, vor allem jener mit Mehrfachgefechtsköpfen, sowie anderer mobiler Systeme, was natürlich die Verifizierung mehr und mehr erschwert.
Wenn wir diesen Entwicklungen nicht begegnen, dann könnten wir in absehbarer Zukunft einen Punkt erreichen, an dem wir nur noch wenig Vertrauen
in unsere Beurteilung des Standes des militärischen Gleichgewichts oder
Ungleichgewichts haben könnten - mit allem, was das für unsere Fähigkeit
bedeutet, die Eskalation während einer Krise zu kontrollieren.

Antwort auf die Herausforderung: Als Antwort auf die seit langem vor
sich gehenden offensiven und defensiven Verbesserungen der Sowjets sind
die Vereinigten Staaten gezwungen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, die
darauf angelegt sind, kurzfristig die Sicherheit und Stabilität aufrechtzuerhalten und dies auch in Zukunft zu tun. Wir müssen im wesentlichen
auf drei Gebieten handeln.

Modernisierung der
- 6 -

�Modernisierung
unsere

der Vergeltungsstreitkräfte: Als erstes müssen wir

offensiven

nuklearen Vergeltungsstreitkräfte

modernisieren. Das

ist notwendig, um auf kurze Sicht das offensive Gleichgewicht wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten, und die strategischen Verhältnisse zu
schaffen, die uns entsprechende ergänzende Maßnahmen auf den Gebieten der
Abrüstungsverhandlungen und der Verteidigungsforschung
haben

im

Jahre

1981

unser

strategisches

ermöglichen. Wir

Modernisierungsprogramm

in

Angriff genommen, das den bis dahin herrschenden Abwärtstrend umkehren
soll. Dieses Modernisierungsprogramm ist vor allem darauf ausgerichtet,
eine stabile Abschreckung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die notwendigen Anreize zu bieten, daß sich die Sowjetunion uns in dem Bemühen anschließt, über wesentliche Verringerungen der nuklearen Arsenale beider
Seiten zu verhandeln.

Über das amerikanische
modernisiert

die NATO

strategische Modernisierungsprogramm

ihre weiterreichenden

hinaus

nuklearen Mittelstrecken-

systeme (LRINF). Unsere britischen und französischen Verbündeten haben
ebenfalls

wichtige

Programme

nuklearen

Vergeltungsstreitkräfte

SDI-Forschungsprogramm
Vereinigten

Staaten

in

bestreitet
und

Angriff
zu

genommen,

verbessern.

um
Das

ihre

eigenen

amerikanische

in keiner Weise diese Programme der

ihrer Verbündeten. Das

SDI-Forschungsprogramm

hängt vielmehr von unseren kollektiven und nationalen Modernisierungsanstrengungen ab, um heute Frieden und Freiheit zu sichern, wenn wir die
Möglichkeiten für künftige Entscheidungen dahingehend überprüfen, wie wir
Sicherheit und Stabilität auf längere Sicht stärken könnten.

Neue Optionen bei der Abschreckung: Gleichwohl laßt sich langfristig
durch die vom sowjetischen Verhaltensmuster verursachten Trends - sowie
durch das Beharren der Sowjets auf eben diesem Verhaltensmuster - der
Eindruck nicht vermeiden, eine über einen langen Zeitraum hinweg bestehende

Abhängigkeit

von

Offensivstreitkräften

könnte

keine

stabile

Grundlage für die Abschreckung bieten. Ja, würde man zulassen, daß sich
diese Trends fortsetzen und die sowjetischen Investitionen sowohl bei den
Offensiv-

als

auch

bei

den

Defensivkapazitäten
- 7 -

ungehindert

und

�ungehindert und unbeantwortet andauern, könnte dadurch konsequenterweise
die theoretische wie auch die empirische Grundlage zerstört werden, auf
die sich die Abschreckung seit einer Generation gründet.

Wir müssen

daher

jetzt

auch

Schritte

unternehmen, um zukünftige

Optionen zu behalten, mit deren Hilfe Abschreckung und Stabilität auch
langfristig sichergestellt werden können; und wir müssen dies auf eine
Art und Weise tun, die es uns sowohl ermöglichen, den destabilisierenden
Zuwachs der sowjetischen Offensivstreitkräfte auszugleichen, als auch den
schon seit langer Zeit bestehenden Hang der Sowjets nach immer mehr
Streitkräften in eine stabilisierendere und beiderseitig nutzbringendere
Richtung zu lenken. Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) ist
auf eben diese Ziele ausgerichtet. Kurzfristig reagiert das SDI-Programm
auch

unmittelbar

Anstrengungen
bestehenden
erlaubt

auf

bei

die

den

sowjetischen

sind.

Das

derzeitigen

und

umfangreichen

Raketen-Abwehrraketen
Dislozierungen,

SDI-Forschungsprogramm

wie

-

einschließlich

sie

bietet

sowjetischen

gemäß

eine

der

ABM-Vertrag

notwendige

und

kraftvolle Abschreckung gegenüber einer jeden kurzfristigen sowjetischen
Entscheidung, ihre ABM-Kapazität rasch über den im ABM-Vertrag niedergelegten Umfang hinaus auszuweiten. Dies ist in sich schon eine entscheidende

Aufgabe.

Allerdings

liegt

die

übergreifende,

langfristige

Bedeutung von SDI darin, daß sie die Möglichkeit bietet, die gefährlichen
militärischen Trends, wie sie oben dargestellt wurden, umzukehren, indem
man zu einer besseren, stabileren Grundlage der Abschreckung gelangt und
der Sowjetunion neue und zwingende Anreize für eine wirklich ernsthafte
Vereinbarung von Verringerungen bei den bestehenden offensiven Nukleararsenalen bietet.

Die Sowjetunion hat das Potential der fortgeschrittenen Verteidigungskonzepte - insbesondere jene, die die Startphase, die Nachstartphase
und die Flugphase betreffen - zur Veränderung der strategischen Situation
erkannt. Bei unserer Analyse des Potentials, das diesen Systemen innewohnt, streben wir keine Überlegenheit an und suchen keinen einseitigen
Vorteil. Sollte sich jedoch bewahrheiten, was die SDI-Technologie verspricht,

so

könnte

der

destabilisierende
- 8 -

sowjetische

Vorteil

�sowjetische

Vorteil

Abschreckung
werden,

die

ausgeglichen

beträchtlich
dadurch

Interkontinentalraketen

werden.

gestärkt

stabiler

und

würde,

verringert

und

auf
daß
jene

Auch
eine
sich
von

könnte

dadurch

Grundlage
die

die

gestellt

Bedeutung

der

Verteidigungssystemen

erhöht, die niemanden bedrohen.

Verhandlungen und Diplomatie: Für die kommenden zehn Jahre besteht
das Ziel der Vereinigten Staaten darin, zu einer radikalen Verringerung
bei der Zerstörungskraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen zu gelangen sowie eine Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu erreichen. Gerade auch jetzt gilt unser Bemühen
einer Übgangsperiode zu einer stabileren Welt mit weit weniger Kernwaffen
und

verstärkter

Fähigkeit

zur

durch die erhöhte Konzentration

Abschreckung

eines Krieges, ermöglicht

auf die nichtnuklearen Verteidigungs-

kapazitäten statt auf die offensiven Kernwaffen. Eine Welt frei von der
Bedrohung

durch

militärische

Aggression

und

frei

von Atomwaffen ist

letztlich das Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und
allen anderen Staaten Einhelligkeit herrschen kann.

Zur Unterstützung dieser Zielsetzungen werden wir auch weiterhin mit
Nachdruck die Verhandlungen verfolgen, die zu ausgewogenen und verfizierbaren Abkommen führen sollen, um die bestehenden Kernarsenale beträchtlich zu verringern. Dabei werden wir auch weiterhin flexibel sein, was
die zur Erreichung dieser Verringerung verwendeten Mechanismen anbelangt,
werden diese Mechanismen jedoch auf ihre Fähigkeit hin überprüfen, die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu erhöhen, die
strategische Stabilität zu stärken und die Kriegsgefahr zu verringern.

Gleichzeitig wird jetzt und auch weiterhin das SDI-Forschungsprogramm
in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt. Sollte die
Forschung zu positiven Ergebnissen gelangen, werden wir unsere Verbündeten hinsichtlich der möglichen nächsten Schritte konsultieren. Wir würden
uns dann in angemessenem Maße mit der Sowjetunion konsultieren - wobei

�konsultieren - wobei dies im Einklang mit dem Wortlaut des ABM-Vertrags
geschehen würde, der solche Konsultationen vorsieht -, in welchem Maß die
Abschreckung durch die schrittweise Einführung von Defensivsystemen in
die Streitkräftestruktur
Verpflichtung

bedeutet

beider Seiten verstärkt werden könnte. Diese
nicht,

daß

wir

den

Sowjets

hinsichtlich

der

Ergebnisse ein größeres Veto einräumen würden, als die Sowjets ein Veto
über unsere derzeitigen strategischen und Mittelstreckenprogramme haben.
Unsere diesbezügliche Verpflichtung spiegelt unsere Erkenntnis wider, daß
wir auch weiterhin auf Stabilität achten sollten, wenn unsere Forschung
angemessene Resultate zeitigt. Wir haben bereits in Genf mit dem Prozeß
der bilateralen Diskussion begonnen, die notwendig ist, um den Grjndstein
für eine stabile Integration der fortgeschrittenen Verteidigungssysteme
in die Streitkräfte beider Seiten zu legen, und zwar zu einem Zeitpunkt,
da

es

der

technologische

Fortschritt

und

andere

Erwägungen

dies

wünschenswert erscheinen lassen.

WIE DIE SOWJETUNION SDI SIEHT

Wie bereits erwähnt, gibt es in der UdSSR schon seit langem im Rahmen
der Defensivsysteme aller Art ein intensives Forschungs-, Entwicklungsund Dislozierungsprogramm. Ja, in den letzten zwei Jahrzehnten hat die
Sowjetunion

insgesamt

investiert

wie

Infolgedessen
Bereich

der

in

erfreut
aktiven

in
ihre
sie
und

ihre

strategische

umfangreiche
sich

heute

passiven

Verteidigung

strategische
gewisser

Verteidigung.

ebenso

viel

Offensivrüstung.

wichtiger Vorteile im
Die Sowjetunion wird

sicherlich den Versuch unternehmen, diese umfangreichen, langfristigen
Investitionen zu schützen.

•

WIE DIE VERBÜNDETEN SDI SEHEN

Unsere Verbündeten verstehen den militärischen Kontext, in den die
Strategische Verteidigungsinitiative gestellt wurde und unterstützen das
SDI-Forschungsprogramm. Unser gemeinsames Verständnis spiegelt sich in
- 10 -

�spiegelt sich in der Erklärung wider, die dem Treffen Präsident Reagans
mit Premierministerin Thatcher im Dezember folgte, daß nämlich

—
nicht

erstens: Ziel der Vereinigten Staaten und des Westens insgesamt
ist, Überlegenheit

zu erzielen, sondern das Gleichgewicht auf-

rechtzuerhalten, indem die sowjetischen Entwicklungen in Rechnung gestellt werden;

—

zweitens: die SDI-bezogene Entwicklung aus der Sicht der Vertrags-

verpflichtungen heraus eine Angelegenheit von Verhandlungen zu sein hat;

-- drittens: Hauptziel nicht eine Untergrabung der Abschreckung sondern ihre Verstärkung ist; und
—viertens": die Ost-West-Verhandlungen auf eine Sicherheit mit verringertem Umfang der Offensivsysteme beider Seiten abzielen sollten.
Diese gemeinsame Ansicht spiegelt sich auch in anderen Erklärungen
wider, die seither abgeben wurden - zum Beispiel in den Prinzipien, die
kürzlich die Bundesrepublik Deutschland vorschlug, und wonach

—

die bestehende NATO-Strategie der flexiblen Antwort für das Bünd-

nis ihre volle Gültigkeit

behalten muß, solange es keine wirksamere

Alternative zur Kriegsverhütung gibt; und

—

die politische und strategische Einheit des Bündnisses gewahrt

werden muß. Es darf keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit im Bündnis
geben, und Europas Sicherheit darf nicht von der Nordamerikas abgekoppelt
werden.

SDI-THEMENBEREIOC

Hier nun ein Dutzend zwingender Punkte, die Richtung und Umfang des
Programms umreißen:

1. Ziel
- 11 -

von

SDI

�1. Ziel von SDI ist nicht, Überlegenheit anzustreben, sondern das
strategische

Gleichgewicht

zu bewahren

und

dadurch

eine stabile Ab-

schreckung sicherzustellen.

Ein zentrales Thema der sowjetischen Propaganda ist die Unterstellung, daß SDI dazu dienen solle, die militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten zu sichern. In den richtigen Zusammenhang der strategischen

Herausforderung

gestellt,

vor

der

wir

und

unsere

Verbündeten

stehen, werden unsere Ziele klar und deutlich. Überlegenheit ist sicher
nicht unser Ziel. Auch ist das SDI-Programm

seiner Natur nach nicht

offensiv. Das SDI-Programm ist ein Forschungsprogramm, das darauf abzielt, bessere Wege zu finden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu garantieren, wobei in verstärktem Maße Verteidigungssysteme einbezogen werden, die niemanden bedrohen.

2. Die Forschung wird einige Jahre dauern. Wir beabsichtigen, uns
strikt an die Begrenzungen des ABM-Vertrags zu halten und werden darauf
bestehen, daß die Sowjets das gleiche tun.

Wir führen derzeit ein breitangelegtes Forschungsprogramm durch, das
in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht; dabei gibt es noch keinerlei Entscheidung, über den Forschungsbereich hinauszugehen. Das SDI-Forschungsprogramm

ist

überaus

komplexer

Natur

und

betrifft

eine ganze

Bandbreite von Technologien. Es handelt sich nicht um ein Programm, bei
dem alle Überlegungen hinsichtlich der Ressourcen sich einem Zeitplan
unterzuordnen

haben. Es ist vielmehr ein verantwortungsbewußt organi-

siertes Forschungsprogramm, das sich intensiv um kosteneffiziente Möglichkeiten zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
gegenüber der Bedrohung durch nukleare wie nichtnukleare Interkontinentalraketen aller Reichweiten bemüht. Wir hoffen, daß die Forschung in
einem

Maß

vorangeht, daß erste Entwicklungsentscheidungen

Anfang der

neunziger Jahre getroffen werden könnten.

3.

Wir

haben

keinerlei

vorgefaßte
- 12 -

Meinungen

hinsichtlich

der

�hinsichtlich

der

Verteidigungsoptionen,

die

sich

aus

der

Forschung

ergeben können. Wir werden erst dann mit Entwicklung und Dislozierung
beginnen,

wenn

die

Forschung

signalisiert,

daß

strikten

Kriterien

entsprochen wird.

Die Vereinigten Staaten verfolgen das breitangelegte SDI-Forschungsprogramm auf objektive Weise. Wir haben daher auch keine vorgefaßten
Meinungen hinsichtlich des Ergebnisses dieses Forschungsprogramms. Wir
glauben nicht, daß wir vor einer ganzen Reihe von Jahren in der Lage sein
werden, Entscheidungen über Entwicklung oder Dislozierung aufgrund der
Ergebnisse dieser Forschung zu treffen.

Wir

haben

Ergebnisse

bestimmte

Kriterien

dieser Forschung

festgelegt,

denen

die

jeweiligen

genügen müssen. Manche Optionen, die uns

Interimskapazitäten bieten könnten, mögen dabei eher zur Hand sein als
andere, wobei kluge Planung es erforderlich macht, über Optionen gegen
eine ganze Reihe von Ernstfällen zu verfügen. Dennoch zielt das SDI-Forschungsprogramm nicht in erster Linie darauf ab, Optionen für frühestmögliche

Entwicklungs-und

Dislozierungsentscheidungen

an

die Hand

zu

bekommen, sondern auf Optionen, die am besten den von uns festgelegten
Kriterien entsprechen.

4. Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms werden wir nur jene Verteidigungssysteme als wünschenswert ansehen, die überlebensfähig und in vernünftigem Maße kosteneffizient sind.

Zwei Argumente gegen SDI lauten, die Dislozierung von Verteidigungssytemen

schade

der Krisenstabilität

und

schüre

nur die ungehinderte

Ausbreitung sowjetischer Offensivwaffen. Wir haben spezielle Kriterien
erstellt, um diesen Befürchtungen angemessen und direkt zu begegnen.

Unser Kriterium
Besorgnis. Wäre

der Überlebensfähigkeit richtet sich an die erste

ein Verteidigungssystem

nicht

in angemessenem

Umfang

überlebensfähig, so könnte ein Gegner tatsächlich in einer Krise geneigt
sein, einen Erstschlag gegenüber den verletzlichen Verteidigungselementen
- 13 -

�verletzlichen Verteidigungselementen

zu führen. Die Anwendung des ge-

nannten Kriteriums stellt daher sicher, daß ein solch verwundbares System
nicht disloziert würde und die Sowjets daher auch keinen Anreiz - und
keine Aussicht hätten -, es zu überwinden.

Das Kriterium der Kosteneffektivität wird sicherstellen, daß jedes
dislozierte Verteidigungssystem
zusätzlichen Offensivwaffen

energisch davor abschrecken würde, mit

zu antworten, da diese Waffen mehr kosten

würden als die zusätzliche Verteidigungskapazität, die zu deren Vernichtung nötig wäre. Dies ist weitaus mehr als nur ein wirtschaftliches
Argument, obwohl es in wirtschaftlichen Begriffen ausgedrückt ist. Wir
wollen bei unserer Bewertung der durch die SDI-Forschung geschaffenen
Optionen das Ausmaß in Erwägung ziehen, in dem gewisse Typen von Defensivsystemen von sich aus einen Gegener ermutigen, sie einfach mit einer
zusätzlichen Offensivkapazität zu überwinden zu suchen, während andere
Systeme

einen

Gegenschlag

entmutigen

können.

Wir

streben

defensive

Optionen an, die ganz klar vor Versuchen abschrecken, zusätzliche Offensivkräfte einzusetzen.

Darüber hinaus drängen wir darauf, offensive Nuklearwaffen durch die
Aushandlung

gerechter

und

verifizierbarer

Abkommen

zu vermindern. Zu

diesen Bemühungen gehört eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
Raketen

auf

ein

gleiches

und

wesentlich

niedrigeres Niveau

als das

heutige.

5. Unser Forschungsprogramm ist noch zu neu, um über die Arten von
Defensivsystemen

-

ob

nun

landgestützt

oder

weltraumgestützt

-

zu

spekulieren, die sich für Entwicklung und Dislozierung als möglich und
wünschenswert erweisen könnten.

Ohne Frage ist eine Erörterung der verschiedenen Technologien, die
geprüft werden, nötig, um das Verständnis für das Forschungsprogramm zu
vertiefen. Spekulationen über die verschiedenen Arten von Defensivsystemen, die vielleicht disloziert werden könnten, sind zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch unangebracht. SDI ist ein weitgefächertes Forschungsprogramm,

in

dessen

Rahmen

zahlreiche
- 14 -

Technologien

untersucht

werden.

�untersucht werden. Gegenwärtig sehen wir Vorzüge in dem Potential fortgeschrittener

Technologien, die die Möglichkeiten

einer geschichteten

Verteidigung bieten - mit der Chance also, eine Rakete an verschiedenen
Punkten nach dem Start auszuschalten. Wir sind der Meinung, daß die Möglichkeit einer geschichteten Verteidigung sowohl das Vertrauen in das
Gesamtsystem

fördert

als auch das Problem eines potentiellen Gegners

vergrößert, der versucht, eine solche Verteidigung zu durchdringen. Es
gibt jedoch zahlreiche Wege zu einer solchen Verteidigung.

In diesem Zusammenhang sind wir nach der Rolle der nuklearbezogenen
Forschung

im Hinblick

Verteidigung

auf

unser letztliches Ziel der nichtnuklearen

gefragt worden. Während unser gegenwärtiges Programm den

Nachdruck ohne Frage auf die nichtnuklearen Technologien legt, werden wir
doch die Erforschung der vielversprechenden Konzeptionen fortsetzten, in
deren Rahmen die Nuklearenergie

zum Antrieb von Einrichtungen benutzt

wird, die Raketen in goßer Entfernung zerstören könnten. Es ist ferner
nützlich, sich mit diesen Konzepten zu befassen, um sich ein Bild über
die Möglichkeiten und Wirksamkeit ähnlicher Defensivsysteme zu machen,
die ein Gegner zum Einsatz gegen zukünftige amerikanische Überwachungssowie Defensiv- und Offensivsysteme entwickeln könnte.

6. Der Zweck der von uns angestrebten Defensivoptionen ist klar,
nämlich ein Mittel zur Zerstörung angreifender Raketen zu finden, bevor
diese irgendeines ihrer potentiellen Ziele erreichen können. Letztlich
wollen wir eine Zukunft, in der die Länder in Frieden und Freiheit leben
können und sicher sind in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit nicht
auf

der

Androhung

nuklearer

Vergeltung

beruht. Daher

wird

sich das

SDI-Forschungsprogramm auf Optionen konzentrieren, die die Basis für die
Beseitigung der allgemeinen Bedrohung bietet, welche von den Raketen ausgeht. Somit ist es nicht das Ziel unserer Forschung - und kann es nicht
sein

-

einfach

unsere

Vergeltungsstreitkräfte

vor

einem

Angriff

zu

schützen.

Wenn ein künftiger Präsident sich entschließt, sich in Richtung auf
eine allgemeine Verteidigung

gegen Raketen
- 15 -

zu bewegen, so werden die

�so werden die technologischen Optionen, die wir erkunden, ohne Zweifel
auch

die

Uberlebensfähigkeit

unserer

Vergeltungskräfte

erhöhen. Dies

erfordert eine stabile Konzeption und einen Prozeß, der uns in die Lage
versetzt, den Übergang zu der von uns angestrebten Zukunft in den Griff
zu bekommen. Diese Konzeption und dieser Prozeß müssen sich auf eine
realistische Bewertung nicht nur der amerikanischen, sondern auch der
sowjetischen

Streitkräfte

sowie

der

über

das

laufende

Haushaltsjahr

hinausgehenden Programme stützen.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bleibt
weiterhin unteilbar. Das SDI-Programm zielt darauf ab, die Sicherheit der
Verbündeten wie auch die der Vereinigten Staaten zu stärken. Wir werden
weiterhin eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß im Zuge der fortschreitenden Forschung die Ansichten unserer
Verbündeten sorgfältig in Betracht gezogen werden.

Dies war seit Begin der Strategischen Verteidigungsinitiative ein
fundamentaler Teil der amerikanischen Politik. Wir haben uns ernsthaft zu
Konsulatationen verpflichtet, und solche Konsultationen werden jedem im
Rahmen des SDI-Forschungsprogramms zu ergreifenden Schritt, der sich auf
unsere Verbündeten auswirken könnte, vorausgehen.

8.Nach Erfüllung unserer Forschungskriterien und nach engen Konsultationen mit unseren Verbündeten, wollen wir, wie dies angemessen erscheint, die Sowjets konsultieren und mit ihnen darüber verhandeln - und
zwar gemäß den Bestimmungen des ABM-Vertrages -, wie die Abschreckung
gefördert werden kann, indem sich beide Seiten mehr auf neue Defensivsysteme stützen. Ja, wir haben bereits versucht, bei den Verteidigungs- und
Weltraumgesprächen in Genf eine Diskussion über das Offensiv-DefensivVerhältnis und die Stabilität in Gang zu bringen, um die Grundlage für
eine Förderung solcher möglicher Konsultationen in der Zukunft zu legen.

Falls
Verbündeten

die
zu

Vereinigten
einem

Staaten

künftigen

in

enger

Zeitpunkt

- 16 -

Konsultation
entscheiden,

mit
mit

ihren
der

�mit der Dislozierung von Defensivsystemen voranzugehen, dann beabsichtigen wir, uns der Mechanismen für amerikanisch-sowjetische Konsultationen
zu bedienen, die im ABM-Vertrag vorgesehen sind. Mit Hilfe dieser Mechanismen und unter voller Berücksichtigung des weitgesteckten sowjetischen
Forschungsprogramms auf dem Gebiet der Defensivsysteme werden wir bemüht
sein, in einer stabilen Weise mit der Sowjetunion voranzukommen.

9. Wir haben die Absicht und die Hoffnung, daß - sollten sich neue
Defensivtechnologien als durchführbar erweisen - wir (in enger und anhaltender Konsultation mit unseren Verbündeten) und die Sowjets gemeinsam
einen Übergang zu einem mehr defensivbezogenen Gleichgewicht schaffen
werden.

Sowjetische Propagandisten haben die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie seien hinsichtlich ihrer Verpflichtung, ein Wettrüsten im Weltraum zu
verhindern, wortbrüchig geworden. Dies stimmt in gar keiner Weise. Wir
wollen kein Wettrüsten - wir wollen genau das Gegenteil, nämlich einen
gemeinsamen begehbaren Weg, der dahin führen soll, daß zu allen Zeiten
eine Kontrolle über das Verhältnis von Offensiv- und Defensivsystemen auf
beiden Seiten gewahrt und dadurch das Vertrauen aller Länder in die Wirksamkeit und die Stabilität des sich ergebenden Gleichgewichts verstärkt
wird.

10. SDI stellt keine Änderung unserer Verpflichtungen dar, vor einem
Krieg abzuschrecken und die Stabilität zu stärken.

Eine erfolgreiche SDI-Forschung sowie die Entwicklung von Defensivoptionen würden nicht zu der Aufgabe der Abschreckung führen, sondern
vielmehr zu einer Stärkung der Abschreckung und zu einer Evolution bei
den

Abschreckungswaffen,

indem

nämlich

Defensivsysteme

hinzugefügt

werden, die niemanden bedrohen. Wir würden einen potentiellen Aggressor
abschrecken, indem wir ihm klarmachen, daß wir ihm die Gewinne verwehren,
die er sonst zu erreichen gehofft hätte, statt ihm lediglich mit Kosten
zu drohen, die hoch genug sind, um solche Gewinne aufzuwiegen.

Die
- 17 -

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten unterstützen das grundlegende Prinzip, daß
die jetzt bestehende Methode der Abschreckung sowie die NATO-Strategie
der flexiblen Antwort voll und ganz gültig bleiben und voll unterstützt
werden müssen, solange es keine effektivere Alternative zur Verhinderung
eines Krieges gibt. In klarer Anerkennung dieser Tatsache setzten die
Vereinigten

Staaten

ihr

strategisches

Modernisierungsprogramm

so

nachdrücklich fort und unterstützen so nachhaltig die Anstrengungen ihrer
Verbündeten,

die

eigenen

Verpflichtungen

zur

Aufrechterhaltung

von

Streitkräften - sowohl nuklear wie konventionell - zu erfüllen, welche
für die heutige Abschreckung Sorge tragen.

11. Für die absehbare Zukunft werden offensive Nuklearstreitkräfte
sowie die Aussicht auf nukleare Vergeltung das Hauptelement der Abschrekkung bleiben. Deshalb müssen wir moderne, flexible und glaubwürdige strategische Nuklearstreitkräfte aufrechterhalten.

Hieraus ergibt sich die Tatsache, daß wir eine Reihe von Mitteln
einsetzen müssen, um die Ziele

von heute

zu erreichen, während

wir

gleichzeitig nach besseren Wegen suchen, um unsere langfristigen Ziele zu
erreichen. Hierin

kommt

unser

Grundprinzip

der Aufrechterhaltung

des

amerikanischen strategischen Modernisierungsprogramms und das Prinzip der
so dringend benötigten nationalen Modernisierungsprogramme zum Ausdruck,
die von Großbritannien und Frankreich durchgeführt werden.

12.Unser letztliches Ziel ist es, die Kernwaffen völlig zu beseitigen. Dies ist natürlich ein sehr langfristiges Ziel, das bei Fortsetzung unserer SDI-Forschung gleiche energische Anstrengungen erforderlich
macht, um die durch konventionelle Rüstungsungleichheit gegebene Bedrohung zu beseitigen - sowohl durch konventionelle Streitkräfteverbesserungen als auch durch die Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen und
vertrauensbildende Maßnahmen.

Wir sind uns völlig über den Beitrag im klaren, den Kernwaffen zur
Abschreckung einer konventionellen Aggression leisten. Wir sind uns in
gleicher

Weise

über

die Zerstörungskraft
- 18 -

eines Krieges aufgrund von

�aufgrund von konventionellen und chemischen Mitteln im klaren sowie über
die Notwendigkeit, sowohl vor einem solchen Konflikt abzuschrecken als
auch die Gefahr zu vermindern, die von der Androhung einer Aggression mit
solchen Mitteln ausgeht.

- 19 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

RÖNTGENSTRAHLEN VON FERNEN MILCHSTRASSEN
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY -

(AD)

-Beim

nächsten

Flug

des

amerikanischen

Raumtransporters

DISCOVERY, der voraussichtlich an 17. Juni 1985 beginnt und sieben Tage
dauern

soll, stehen wichtige astronomische Beobachtungen auf dem Pro-

gramm. Mit dem kleinen Forschungssatelliten SPARTAN 1, der u.a. mit zwei
an Teleskope angeschlossenen Zählgeräten zur Messung von Röntgenstrahlen
ausgerüstet ist, will man Galaxienhaufen im Sternbild Perseus sowie das
Zentrum unserer Milchstrasse näher erforschen. SPARTAN 1 wird vom "Kran"
an Bord der DISCOVERY aus dem Nutzlastraum gehoben und im Weltraum freigesetzt. Nach ca. 40 Stunden manövriert Kommandant Daniel Brandenstein
den Raumtransporter so nahe an den Forschungssatelliten heran, daß dieser
wieder eingeholt und zur Erde zurückgebracht werden kann. Auf seine Meßdaten warten Astrophysiker in Instituten, wo man sich speziell mit Röntgenastronomie befaßt.

Turbulente

Galaxienhaufen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Turbulente Galaxienhaufen finden sich im gesamten Universum. Das sehr
heiße Gas, das sie durchdringt, sendet Röntgenstrahlung aus. Auf Grund
der Beobachtung kosmischer Quellen von Röntgenstrahlung konnten inzwischen Galaxienhaufen

ausgemacht werden, die Millionen von Lichtjahren

entfernt sind. (Ein Lichtjahr ist die Strecke, die Licht in 365 Tagen
zurücklegt - das sind ca. 9,6 Billionen Kilometer.)

Ray Cruddace, Projektwissenschaftler vom Forschungslaboratorium der
US-Marine,

bezeichnet

die

Galaxienhaufen

als

die

Grundbausteine

des

Universums. "Gleichgültig, in welche Richtung wir blicken oder wie weit
wir mit unseren Riesenteleskopen sehen können - wir sehen überall diese
Haufen, die das Universum mehr oder weniger gleichmäßig ausfüllen", sagt
er. Erstes Ziel des SPARTAN-Projekts sei es, Herkunft und Verhalten des
heißen Gases zu untersuchen. Die Ergebnisse könnten helfen, das Puzzlespiel vielleicht etwas zu entwirren, wie diese Haufen im Anfangsstadium
des Universums entstanden und wie sie sich in der Folgezeit entwickelten.

Das zweite Projektziel liegt uns auf der Erde näher - nämlich das
Studium des zentralen Bereichs der Milchstraße. "Dieses Zentrum, um das
die Spiralen dieser riesigen Scheibe rotieren, ist dicht vollgepackt mit
Sternen, und es scheint auch häufig der Ort von Ereignissen zu sein, bei
denen erhebliche Energien im Spiel sind", so Crudacce. "Die heftige Aktivität könnte mit einem massiven zentralen Objekt in Zusammenhang stehen,
bei

dem es sich nach Ansicht

mancher Wissenschaftler

um

ein großes

Schwarzes Loch handelt."

Unter einem Schwarzen Loch ist ein massiver Stern sehr hoher Dichte
zu verstehen, der aber nicht direkt zu beobachten ist, weil Licht und
andere Wellen aus dem elektromagnetischen Spektrum von seiner Oberfläche
nicht abgestrahlt werden können. Auf seine Existenz wird auf Grund seines
Einflusses auf einen nahen Begleitstern geschlossen. Morris Aizenman, der
Leiter der Abteilung Astronomieforschung in der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, hebt hervor, daß die Wirkung eines Schwarzen Lochs

�Schwarzen Lochs nicht mit der eines Staubsaugers verglichen werden könne.
"Es wird kein Material angesogen - aber alles Material, das auf irgendeinem Weg hineingelangt, bleibt gefangen und kann nicht mehr hinaus. Da
die Milchstraße

mit

ihren

Spiralarmen wie ein riesiges Rad rotiert,

gelangt sicherlich auch galaktische Materie in ein eventuell im Zentrum
vorhandenes Schwarzes Loch. Aber das ändert über Hunderte von Millionen
Jahren kaum etwas an der Form unserer Milchstraße." Was die oft heftigen
Aktivitäten im Zentrum verursache, wisse man noch nicht. Aber es sei ein
sehr häufiges Phänomen im Universum und könnte im Zusammenhang mit der
kosmischen Evolution von Bedeutung sein.
SPARTAN erweitert das Raketen-Sonderprogramm der US-8ehörde für Luftund Raumfahrt

(NASA) beträchtlich. Während der letzten zwei Jahrzehnte

betrieb man mit Raketen Grundlagenforschung, die, mit zahlreichen Meßinstrumenten ausgerüstet, zu einem ballistischen Flug in die Hochatmosphäre und in den erdnahen Weltraum geschickt wurden. Die Instrumente
wurden freigesetzt, kehrten am Fallschirm zurück und machten dabei die
vorgesehenen Messungen. Das Gerät SPARTAN schafft die Möglichkeit, vom
Space Shuttle aus die Beobachtungszeiten um das Hundert- bis Tausendfache
zu verlängern. Bei den Raketensonden ergeben sich dafür stets nur wenige
Minuten.

Mit optischen Teleskopen läßt sich das Zentrum unserer Milchstraße
übrigens nicht beobachten, weil es von dichten Staubwolken und den Spiralarmen unserer Galaxis verdeckt ist. Auch sind wegen der Absorptionswirkung der Lufthülle Messungen von Röntgenstrahlung nur außerhalb der
Erdatmosphäre möglich. In den letzten fünf Jahren gelang zwar bereits die
Registrierung

zahlreicher

Quellen

von

Röntgenstrahlung,

SPARTAN wegen der Ausdehnung der Beobachtungszeit

jedoch

ist

ein sehr wichtiges

Forschungsinstrument.

Neben dem Kommandanten Daniel Brandenstein und seinem Kopiloten John
Creighton befinden sich weitere fünf Astronauten an Bord der DISCOVERY.
Shannon Lucid, John Fabian und Steven Nagel sind Missionsspezialisten und
Karriereastronauten der NASA. Als Nutzlastspezialist hat Prinz Abdul Aziz

�Prinz Abdul Aziz AI-Saud, ein Neffe des saudischen Königs, u.a. Aufgaben
im Zusammenhang mit dem Start des zweiten Nachrichtensatelliten für die
Arabische Liga zu erfüllen. Das 1260 kg schwere Gerät ist als Relaisstation für ländereigene und regionale Fernsehprogramme, sowie Schul- und
Bildungsprogramme vorgesehen. Der erste ARABSAT wurde mit der Europarakete ARIANE in den sog. geostationären Orbit befördert. MORELOS, ein
weiterer Nachrichtensatellit, der abgesetzt werden soll, ist das erste
Gerät für Mexiko, über das Fernsehprogramme gesendet sowie Telefon- und
Fernschreibdienstleistungen
satellit an Bord

abgewickelt werden. Der dritte Nachrichten-

(TELSTAR) wird im Auftrag des Unternehmens American

Telephone &amp; Telegraph gestartet. Er soll im Fernmeldedienst für die USA,
Alaska, Hawaii und Puerto Rico eingestzt werden.

Der französische Nutzlastspezialist und Wissenschaftastronaut Patrick
Baudry wird einen in Frankreich entwickelten Echokardiographen erproben,
mit dem Anpassungsreaktionen von Herz und Blutgefäßen an die Mikrogravitation, d.h. den fast schwerelosen Zustand, gemessen werden. Mit Hilfe
eines zweiten französischen Experiments werden Muskelaktivität, Kopfbewegungen und Auf- und Abbewegungen der Augen beobachtet und registriert.
Dies geschieht mittels biochemischer elektronischer Sensoren, Bandaufzeichnungen und Aufnahmen mit einer 16-mm-Kamera.

* * * * *

�1 2 . J u n i 1985

23

VORBEUGUNG - FRlJHZRKENNUNG - REHABILITATION
Z i e l s e t z u n g e n der WHO-Mitgliedstaaten f ü r d i e nächsten Jahre -

GENF die

(AD) -

"Gesundheit

Mitgliedstaaten

Generalversammlung
tiert

neut

der

1978.

bis

zum Jahr 2000"

Vorstellung

Dieses M o t t o
von e i n e r

38. Generalversammlung

bekräftigt.

soll,

alle

UN-WsltgeSundheitsorganisation

im Jahr

als utopische

zum Abschluß

der

für

Und es bedeutet

-

versorgung.
reichende

Jeder s o l l

Zu d i e s e n

(WHO)

vielfach

auf

ihrer

fehlinterpre-

Welt ohne K r a n k h e i t e n -

i n Genf

nach wie

(6. -

vor,

um d i e Grundvoraussetzungen f ü r Gesundheit

schen zu s c h a f f e n .

proklamierten

wurde

20. Mai 1985)

daß a l l e s

er-

g e t a n werden

im I n t e r e s s e a l l e r Men-

z . B . Zugang haben zu m e d i z i n i s c h e r Grund-

Voraussetzungen

Ernährung, einwandfreies

gehören

ferner

richtige

und

aus-

Trinkwasser und Schutzimpfungen

gegen

j e n e K r a n k h e i t e n , gegen d i e b i s h e r Vakzine e n t w i c k e l t worden s i n d .

Für
543,3
vier

1986/87

Millionen
Prozent

das Budget

genehmigte
Dollar,

mehr M i t t e l

mit

die

WHO-Generalversammlung

dem

zugeteilt

für

ländereigene

werden.

einen

Etat

von

Gesundheitsprogramme

Im Gesamtumfang

gegenüber dem vorangegangenen Haushalt u n v e r ä n d e r t .

ist

jedoch

Der ame-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Delegierte Neil Boyer, D i r e k t o r der Abteilung "Gesundh e i t s - und Suchtstoffangelegenheiten" im Referat f ü r I n t e r n a t i o n a l e Organisationen des amerikanischen Außenministeriums, hob i n Anbetracht dieser
Tatsache die wirksamen Maßnahmen Dr.
t o r s der

Halfdan Mahlers, des Generaldirek-

WHO, zur Straffung der Administration und Senkung von Verwal-

tungsausgaben bei g l e i c h z e i t i g e f f i z i e n t e r e r

Programmpolitik

mit beson-

derer Anerkennung hervor. Aus dem regulären Budget, das nur zum Ausgleich
der I n f l a t i o n s r a t e erhöht werden d a r f , f l i e ß e n mehr a l s 70 Prozent i n die
Länder- und Regionalprogramme.
Dr. Mahler a p p e l l i e r t e

an die M i t g l i e d s t a a t e n , die

schen Querelen herauszuhalten
f ü r a l l e " zu konzentrieren.

WHO aus p o l i t i -

und sich auf das A r b e i t s z i e l

"Gesundheit

Einstimmig angenommen wurde die Resolution,

H i l f e l e i s t u n g e n f ü r Afrika durch die WHO f o r t z u s e t z e n , mit denen die F o l gen von Trockenheit und Hünger für die Gesundheit der Betroffenen so weit
wie nur irgend möglich gemildert werden s o l l e n .

Die amerikanische Dele-

gation setzte sich für Maßnahmen e i n , die gewährleisten s o l l e n , daß die
Reaktion der

WHO bei Notständen auf dem Gesundheitssektor

lungsländern angemessen und r e c h t z e i t i g e r f o l g t .

in

Entwick-

Das regionale Büro f ü r

A f r i k a , das sich mit Notstandshilfen im Gesundheitswesen und f ü r medizinische Versorgung i n den von Dürre und Hunger heimgesuchten afrikanischen
Ländern befaßt, hatte b e r e i t s von der WHO zusätzliche Unterstützung durch
die Einrichtung einer ständigen Arbeitsgruppe

f ü r Katastrophenhilfe

be-

kommen.

Dem Malaria-Problem,
weitreichende
Zeit gewidmet.

soziale

das

nicht

nur

und w i r t s c h a f t l i c h e

gesundheitliche,

sondern

auch

Konseguenzen h a t , wurde

viel

Die Neuerkrankungen und Rückfälle

nehmen -

i n tropischen und subtropischen Ländern - erschreckend zu.

insbesondere
Niemand ver-

mag zu sagen, ob e i n Impfstoff gegen M a l a r i a , der im günstigen F a l l

in

etwa fünf Jahren zu erwarten wäre, die Menschheit von dieser Geissei t a t sächlich befreien könnte.

Der Lebenszyklus der - an äußere Bedingungen

überaus anpassungsfähigen - Plasmodien-Parasiten i s t

so komplex und e r -

faßt so v i e l e Bereiche i n der Natur, daß die technischen Schwierigkeiten
u n v e r g l e i c h l i c h größer s i n d , a l s es bei der Entwicklung bisher
- 2 -

verfügbar

�bisher verfügbar gemachter Vakzine gegen andere Krankheiten der Fall war.
Jedenfalls sollen die Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet intensiviert und gleichzeitig die Therapie sowie die heute möglichen Schutzmaßnahmen verbessert und gewissenhafter durchgeführt bzw. überwacht werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Dauerbehinderungen, beispielsweise gegen
Verlust des Hörvermögens, und verstärkte Programme für die Rehabilitation
Behinderter wurden veriangt und eingehend erörtert.
die Bedeutung

spezieller

Programme

hingewiesen, um

Außerdem wurde auf
nicht ansteckende

chronische Erkrankungen zu verhindern und besser beherrschen zu können.
Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, in den Gemeinwesen vor allem Aktivitäten zur Vorbeugung bzw. zur Verhinderung und Kontrolle von Herzund Kreislaufkrankheiten, Lungenkrebs, Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen und anderen nichtansteckenden Krankheiten zu fördern.

Die WHO

solle die Bildung von Arbeitsgruppen unterstützen, die sich mit diesen
Erkrankungen und den jeweiligen Verhältnissen in den einzelnen Ländern
befassen, damit Informationen über Möglichkeiten zur Vorbeugung und Kontrolle eher ausgetauscht und verfügbar gemacht werden können.

Die Delegierten setzten sich für partnerschaftliche Zusammenarbeit
zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen ein und appellierten an die

Regierungen, bei der Durchführung von Gesundheitsprogram-

men die Sachkenntnis und Erfahrung nichtstaatlicher Organisationen in Anspruch zu nehmen.

Auch über die Auswirkungen von Mangelernährung in me-

dizinischer Sicht, über Zusammensetzung

geeigneter Mahlzeiten, Gesund-

heitsprobleme älterer Personengruppen, Berufskrankheiten und ihre Verhütung, richtige Abfallbeseitigung, die Bedeutung von Trinkwasserschutz,
die verschiedenen

Infektionskrankheiten

(einschließlich

der erworbenen

Immunschwäche AIDS) sowie Vorsorgeprogramme für Schwangere, Neugeborene
und Kleinkinder wurde diskutiert.

Die gesundheitlichen Folgen zu früher

Schwangerschaften verlangen besondere Aufmerksamkeit.

Die Mitgliedstaa-

ten sollten mithelfen, darauf hinzuwirken, daß Schwangerschaft bei Halbwüchsigen vor Abschluß der Entwicklung beider Partner vermieden wird.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden bei sowjetischer Zurückhaltung SALT II einhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen sich bei beiderseitiger Zurückhaltung an SALT halten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des Weißen Hauses zum Bericht des Präsidenten an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Röntgenstrahlen von fernen Milchstraßen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbeugung - Früherkennung - Rehabilitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zielsetzungen der WHO-Mitgliedstaaten für die nächsten Jahre -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24

19. Juni 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan:

F r e i h e i t der Geiseln oberstes Z i e l der USA

- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

INFORMATION
Richard Burt a l s neuer US-Botschafter i n Bonn vorgesehen
Rozanne L. Ridgway s o l l Nachfolgerin von Richard Burt werden
- Erklärung des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung
Fluoreszierende Algenpigmente a l s Markiersubstanz

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�19. Juni 1985

24

REAGAN: FREIHEIT DER GEISELN OBERSTES ZIEL DER USA
- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan e r k l ä r t e am 18. Juni 1985
auf einer landesweit übertragenen Pressekonferenz unter

Hinweis auf die

Geiselnahme i n B e i r u t , "die Vereinigten Staaten sind heute abend eine Nat i o n , die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d " .
Gleichzeitig

legte der Präsident

eine Reihe von Maßnahmen d a r ,

die Vereinigten Staaten e r g r e i f e n werden, um i n Zukunft die

die

Sicherheit

von Flugpassagieren zu erhöhen.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die f a s t

ausschließlich

im Zeichen des G e i s e l f a l l e s stand, mit folgender Erklärung:
Vor

einer

Stunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Vor einer Stunde kam der Leichnam eines jungen amerikanischen Helden,
des Marinetauchers Robert Dean Stethem, i n einem Sarg i n seine Heimat z u rück, nachdem er zusammengeschlagen und k a l t b l ü t i g erschossen worden war.
Seine Ermordung wie auch das Schicksal der anderen amerikanischen Geis e l n , die

noch immer i n Beirut

unumstößliche Tatsache.

festgehalten werden, u n t e r s t r e i c h t

eine

Die Vereinigten Staaten sind heute abend eine

Nation, die von i n t e r n a t i o n a l e n T e r r o r i s t e n angegriffen w i r d , die

rück-

s i c h t s l o s t ö t e n und unschuldige Bürger zu Gefangenen machen.

I n Reaktion auf diese Tatsache ordne i c h folgende Maßnahmen an:

Ich

habe den Verkehrsminister angewiesen, i n Zusammenarbeit mit dem Außenminister

sofort eine Ausweitung unseres Programms der bewaffneten B e g l e i -

tung auf i n t e r n a t i o n a l e n Flügen amerikanischer Flugzeuge zu sondieren, um
so einen besseren Schutz der Passagiere zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, s o f o r t an a l l e Amerikaner, die
durch

den Internationalen

auszuhändigen, der sie

Flughafen Athen kommen, einen

vor Gefahren warnt.

Reiseratgeber

Diese Vternung wird solange

g e l t e n , bis die griechische Regierung die dortige Sicherheitslage verbessert und b i s sie die Bereitschaft
heitsbestimmungen

des

s i g n a l i s i e r t h a t , sich an die Sicher-

amerikanisch-griechischen

Zivilluftfahrtabkommens

sowie an die Konventionen von Tokio, Montreal und Den Haag h i n s i c h t l i c h
der Verfolgung und der Bestrafung von L u f t p i r a t e n zu h a l t e n .
Ich habe eine umfassende Klärung der Ereignisse um die Entführung des
Flugzeuges i n Athen angefordert.

Ich habe über das Verkehrsministerium

und die Bundesluftfahrtbehörde a l l e amerikanischen Fluggesellschaften e r sucht, zu überprüfen, ob es klug i s t , überhaupt noch Athen a n z u f l i e g e n ,
solange sich die dortige Sicherheitslage nicht bessert.
Des weiteren habe i c h die M i n i s t e r Shultz und Dole angewiesen, mir
darüber Bericht zu e r s t a t t e n , ob wir nicht ausländische Flüge jener Staaten zur Einstellung veranlassen s o l l t e n , deren Regierungen sich n i c h t an
die

entsprechenden

internationalen

Konventionen halten oder

Flughäfen keine angemessene Sicherheit b i e t e n .
- 2-

auf

ihren

Ich rufe a l l e verbündeten

�a l l e verbündeten und befreundeten Regierungen dazu a u f , i h r e Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit auf i h r e n Flughäfen zu verdoppeln und
noch weitere Maßnahmen zu e r g r e i f e n , um die Entführung von Flugzeugen zu
verhindern.
Ich werde sie außerdem ersuchen, S c h r i t t e zu unternehmen, um Reisen
an Orte unmöglich zu machen, wo Gesetzlosigkeit herrscht und wo unschuldige Passagiere schutzlos s i n d .

Und i c h dränge darauf, daß kein Amerika-

ner i n e i n Land des Nahen und M i t t l e r e n Ostens r e i s t , das nicht

öffent-

l i c h diese Schrecknisse v e r u r t e i l t , sich nicht von ihnen d i s t a n z i e r t und
nicht die s o f o r t i g e , sichere Freilassung unserer Mitbürger f o r d e r t .

Las-

sen Sie mich außerdem den Mördern i n B e i r u t und i h r e n Komplizen klarmachen -

g l e i c h , wer sie sein mögen - , daß Amerika T e r r o r i s t e n gegenüber

niemals Konzessionen machen w i r d .
Terrorismus einladen.

Dies zu t u n , würde nur noch zu mehr

Wir werden auch keine andere Regierung darum e r -

suchen oder die drängen, dies zu t u n .

Wenn wir uns e r s t einmal auf d i e -

sen Heg begeben, wird es kein Ende geben - kein Ende auch des Leidens Unschuldiger und kein Ende der b l u t i g e n Lösegelder, die a l l e
Staaten zahlen müssen.

Dieser Akt des Terrorismus i s t

f ü r den Libanon und insbesondere f ü r
geschah.

zivilisierten

e i n Schandfleck

jene Libanesen, i n deren Namen er

Diejenigen im Libanon, die das getan haben, tun ihrem Land und

i h r e r Sache Schaden a n , und w i r werden sie dafür zur Rechenschaft ziehen.

Ich fordere j e n e , die unsere Mitbürger f e s t h a l t e n , dazu a u f , sie ohne
Vorbedingung f r e i z u l a s s e n .

Ich fordere die Führung des Libanon - die po-

l i t i s c h e und die r e l i g i ö s e - dazu a u f , sich i h r e r Verantwortung zu s t e l l e n und a l l e s Notwendige zu t u n , um dieses Verbrechen j e t z t im Namen des
Gottes zu beenden, den sie verehren.

Und ich ersuche auch andere Regie-

rungen, ihre Stimme zu erheben und ihren Einfluß zu nützen.
griff

ist

ein Angriff

auf a l l e Menschen dieser

Dieser An-

Vfelt, die f r e i

Furcht und der Geissei des Terrorismus leben wollen.

von der

Meine Gedanken und

Gebete sind - wie die a l l e r Amerikaner - bei den im Libanon gefangen Gehaltenen und ihren Familien.

Lassen

Sie

mich

�Lassen Sie mich mit etwas Selbstverständlichem schließen.

Wir b e f i n -

den uns mitten i n einer gefährlichen und ungewissen S i t u a t i o n .

Bevor i c h

auf Ihre Fragen eingehe, muß i c h betonen, daß Spekulationen darüber, welche S c h r i t t e wir unter hypothetischen Umständen e r g r e i f e n oder nicht
greifen

könnten,

könnten.

die

Terroristen

nur

zu noch Schlimmerem

er-

veranlassen

Deshalb wird es v i e l e Fragen geben, auf die i c h nicht antworten

kann oder nicht antworten s o l l t e .

Ich glaube, i c h habe i n dieser E r k l ä -

rung praktisch a l l e Punkte b e r ü h r t , die i c h problemlos d i s k u t i e r e n kann,
und i c h b i n s i c h e r , Sie haben dafür Verständnis.

Die wichtigsten Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben f o l genden Wortlaut:
FRAGE:

Die Aufmerksamkeit der Welt konzentriert sich heute abend auf

die Opfer des TW\-Fluges 847.

Aber wie Sie wissen, g i b t es noch sieben

andere Amerikaner, die schon früher e n t f ü h r t worden sind und sich im L i banon i n Gefangenschaft befinden - zwischen d r e i Monaten und einem Jahr.
Werden Sie eine Lösung der gegenwärtigen Krise i n B e i r u t akzeptieren, die
irgendwelche Amerikaner i n Gefangenschaft

belassen würde - die aus dem

Flugzeug Entführten oder j e n e , die b e r e i t s früher e n t f ü h r t wurden.
ANTWORT:

Ganz gewiß geht es i n jedem unserer Gespräche auch um jene

Entführten...

Und wir haben a l l e s unternommen, um herauszufinden, wer

sie i n i h r e r Gewalt h a t , wo sie sich befinden, ob sie zusammen sind oder
g e t r e n n t , und wo sie sich aufhalten k ö n n t e n . . .

Sie können sich

sicher-

l i c h v o r s t e l l e n , daß dies überaus schwierig i s t - i n diesem Gebiet eine
f a s t unmögliche Aufgabe bei a l l den dortigen S p l i t t e r g r u p p e n . . .

Aber wir

haben sie nicht aufgegeben, und bei a l l unseren Gesprächen über die Opfer
der gegenwärtigen Entführung denken wir auch an jene Entführten.
FRAGE:

Können Sie uns sagen, Herr Präsident, was aus der P o l i t i k der

raschen und wirksamen Vergeltung geworden i s t ,
Jahren im Zusammenhang mit

die Sie vor

viereinhalb

dem i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus

angekündigt

haben?
ANTWORT:

Als

ich

�ANTWORT:

Als ich damals darüber sprach, bezog ich mich auf eine Si-

tuation, in der eine Regierung auf der anderen Seite betroffen war, so
daß es eine direkte Quelle des Bösen gab...

Das Problem heute ist die

Frage, wer sind diese Übeltäter, wer sind ihre Komplizen, wo halten sie
sich auf?

Einige Leute meinen, man könnte einen Vergeltungsschlag in die

allgemeine Richtung führen, aber das Ergebnis wäre dann eine terroristische Aktion an sich und das Töten und Opfern unschuldiger Menschen...
Wir haben im Hinblick auf das Sammeln von Geheimdienstinformationen alles
in unseren Kräften Stehende getan, um diese Menschen so wie ihre Aufenthaltsorte, von denen ich sprach, zu finden, und ich kann nur sagen, daß
wir ein beträchtliches Maß an Nachweisen und Beweisen zusammengetragen
haben. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen.

FRAGE:

Sind Sie der Meinung, daß die amerikanische Politik, in der

Vergangenheit sowie in der Gegenwart, zum Anwachsen des Radikalismus und
des Antiamerikanismus im Nahen Osten beigetragen hat?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß dies der Fall ist. Als wir und

unsere Verbündeten sowie andere Länder unsere Friedenstruppe dort hatten,
wurden wir uns darüber im klaren, daß mit dem beginnenden Erfolg dieser
Truppe bei der Wahrung einer gewissen Ordnung in diesem Unruhegebiet der
Terrorismus sich anschickte, gegen alle von uns dort vorzugehen, um unseren Auftrag unmöglich zu machen.

Deswegen zog sich schließlich auch die

internationale Friedenstruppe zurück.

Wir scheinen dort auch Angriffs-

ziel zu sein - dessen bin ich sicher -, weil wir mit Israel befreundet
sind und es unterstützen.

Und es greift dort ein Antiamerikanismus auf

Seiten jener um sich, die keinen Frieden mit Israel wollen...

FRAGE:

Manche fragen sich, warum Sie sich nicht ein wenig mehr auf

Israel stützen, da ja die Vereinigten Staaten auch erklären, daß das
Festhalten der schiitischen Gefangenen gegen das Völkerrecht sei; das ist
unsere Position.
ANTWORT: Ja.
FRAGE:

I s r a e l hat

�FRAGE:

Israel hat erklärt, daß es bereit sei; warum stoßen Sie da

nicht nach?

ANTWORT:

Keil dieses Junktim, das jetzt geschaffen worden ist, dies

für sie und für uns unmöglich macht.

Es bestand kein Zweifel, daß die

Israelis stufenweise - sie hatten ja schon damit begonnen - die Gefangenen freilassen würden.

Aber jetzt ist eine Verbindung geschaffen worden,

wo eine solche Maßnahme praktisch ein Nachgeben gegenüber den Terroristen
bedeuten würde...

Und dann würden die Terroristen wissen, daß sie Erfolg

haben und erreichen können, was sie wollen...

FRAGE:

Zahlreiche Amerikaner sind heute abend enttäuscht und fühlen

sich machtlos.

Sie meinen, irgendwie müßte ein Gegenschlag geführt wer-

den gegen diese Menschen, die unsere Bürger entführt und einige von ihnen
ermordet haben.

Was sagen Sie denen, die der Ansicht sind, irgendwie sei

Amerika durch diese Terroriakte geschwächt und wir könnten unsere Staatsbürger im Ausland nicht mehr schützen?

ANTWORT:

Ich glaube, jene Amerikaner kommen zu vorschnellen Schluß-

folgerungen und sind sich nicht darüber im klaren, wie die Situation
wirklich ist.
enttäuschend.

Ich bin jedoch genauso enttäuscht wie jedermann.

Es ist

Aber, wie ich schon gesagt habe, man muß in der Lage sein,

den Gegner genau zu lokalisieren.

Man kann nicht einfach blind darauf

los schießen, ohne jemanden im Visier zu haben.

FRAGE:

Ich habe heute mit der Ehefrau eines der Geiseln gesprochen,

die eine sehr einfache und klare Frage stellte, welche ich jetzt an Sie
weitergeben möchte.

Sie fragte:

Was würden Sie tun, Hsrr Präsident,

wenn Ihre Frau oder eines Ihrer Kinder sich an Bord dieser Maschine befunden hätten?

ANTWORT:
ken...

Ich müßte immer noch an die Sicherheit aller Geiseln den-

Ja, es wäre eine schreckliche Situation...

Aber, wie ich schon

sagte, man kann den Terroristen nicht nachgeben, ohne sich darüber im
klaren zu sein, daß man dann jemand anderen verurteilen würde, durch die-

�durch dieselben Qualen zu gehen und auch andere Menschen damit zu opfern.

FRAGE:

Ist die sichere Rückkehr der Geiseln Ihr oberstes Ziel, und

wie paßt dies in die anderen Überlegungen, die Sie als Präsident in Rechnung stellen müssen?

ANTWORT:

Die sichere Rückkehr ist das Ziel.

Dies muß jedoch in ei-

ner Waise geschehen, die die Entführer wegen ihres Verbrechens nicht auch
noch belohnt, weil diese dann in der nächsten Woche einen erneuten Versuch unternehmen würden.

Es ist ein feiges Verbrechen, bei dem sie alle

Trümpfe haben, wenn erst einmal diese Menschen in ihrer Gewalt sind. Und
wir müssen immer an deren Sicherheit denken. Man könnte in der Tat außer
sich geraten, wenn man an die eine oder andere Vergeltungsmöglichkeit
denkt; aber ich würde wahrscheinlich eine Reihe von Amerikanern zum Tode
verurteilen, wenn ich dieses täte.

FRAGE:...

Im April 1980 sagten Sie aus der Frustration heraus, die

jeder Amerikaner

angesichts

der

damaligen Geiselkrise empfand: "Dies

hätte nicht einmal sechs Tage dauern sollen, geschweige denn sechs Monate." Gibt es demnach einen Zeitpunkt, ab dem nach Ihrer Meinung das nationale Interesse gebietet, daß gehandelt wird?

ANTWORT:

Damals lagen die Dinge ganz anders als heute.

Das Verbre-

chen damals wurde von einer Regierung begangen... Es handelte sich nicht
um ein Verbrechen mit nicht identifizierbaren Tätern.

Die Situation da-

mals unterschied sich daher von der, vor der wir heute stehen, mit Autobomben und Flugzeugentführungen und dergleichen ...

FRAGE:

Vertritt Herr Berri nicht die Regierung des Libanon?

Und

entsteht dadurch nicht eine Situation, wo er für uns sehr wohl identifizierbar ist?

ANTWORT:

Nun, er hat die Geiseln jetzt vermutlich von den Luftpira-

ten übernommen.

Aber aus der Tatsache, daß er ein Amt, einen sogenannten

"Kabinettsposten" in der libanesischen Regierung innehat, zu folgern, daß
- 7-

�folgern, daß die Regierung des Libanon damit beteiligt sei, würde nach
meiner Auffassung bedeuten, dieser Regierung eine Geschlossenheit zuzuschreiben, die sie tatsächlich nicht hat.

Er handelt als Individuum und

in seiner Eigenschaft als Führer der Amal, einer der Gruppen der schiitischen Moslems im Lande... Er hat seine eigene Miliz und seine eigene Armee.

Man kann also nicht einfach sagen, daß wir es mit der Regierung des

Libanon zu tun haben....

FRAGE:

In Ihrer Rede aus dem Jahre 1981, in der Sie von schneller

und wirksamer Vergeltung sprachen, sagten Sie auch, daß unsere Geduld
Grenzen habe.

Hat unsere Geduld bezüglich des gegenwärtigen Problems

Grenzen, oder sind Sie gewillt, es durchzustehen, solange es auch dauern
mag?

ANTWORT:

Ich muß es durchstehen, solange die Geiseln noch am Leben,

aber in Gefahr sind und solange wir noch eine Möglichkeit haben, sie wieder nach Hause zu bringen...

FRAGE:

Glauben Sie, daß, wie das Außenministerium am 4. April er-

klärte, die Israelis die 700 - 800 schiitischen Gefangenen unter Verletzung des Völkerrechts festhalten? Und falls ja, haben Sie irgendwelche
Zusicherungen von den Israelis, daß sie diese Gefangenen freilassen, wenn
wir die Geiseln zurückbekommen?

ANTWORT:

Wir haben darüber nicht mit ihnen gesprochen.

Wie ich

schon sagte, haben wir uns in keiner Weise in Israel und in das, was dort
geschieht, eingemischt.

Was das Völkerrecht angeht, so bin ich der Auf-

fassung, daß die Verbringung der Gefangenen aus ihrem eigenen in ein anderes Land eine Verletzung der Genfer Vereinbarungen darstellt. ...

FRAGE:

Nabih Berri sagte heute, daß er die Geiseln wieder den Ter-

roristen überstellen werde, wenn die Vereinigten Staaten Israel nicht um
die Freilassung der schiitischen Gefangenen ersuchen.

Würden Sie ihn in

diesem Falle verantwortlich machen?
ANTWORT:
- 8-

Ja, das

�ANTWORT:
FRAGE:

Ja, das würde i c h .
Sie haben wiederholt e r k l ä r t , daß Sie gegenüber dem T e r r o r i s -

mus nicht nachgeben können.

Aber jedesmal, wenn wir einen solchen Zwi-

schenfall e r l e b t e n , wie etwa bei den Soldaten des Marinekorps, die
Beirut
nicht

umgekommen s i n d , dann hat die Administration v i e l
gehandelt.

Besteht

nicht

die

Gefahr,

die

in

geredet, aber

Terroristen

im Nahen

Osten könnten zu der Überzeugung kommen, daß die Vereinigten Staaten mehr
b e l l e n a l s beißen und daß sie diese Dinge ungestraft tun können, w e i l sie
wissen, wir üben keine Vergeltung?

ANTWORT:

Ich hoffe

nicht.

Aber lassen Sie mich darauf hinweisen,

daß bei dem damaligen Zwischenfall der Mann oder die Männer - i c h weiß
n i c h t , w i e v i e l Personen i n dem Lastwagen saßen, die das Verbrechen begangen haben - t o t waren.
ser

Das i s t das w i r k l i c h Schreckliche an einigen d i e -

Terrorakte, daß es sich um eine Gruppe von Menschen handelt,

die

glauben, daß sie d i r e k t i n den Himmel kommen, wenn sie sich und andere i n
die Luft sprengen.

Wie kann man eine
herstellen?

Verbindung

zwischen diesen Menschen und anderen

Gab es jemand, der sie auf diesen Wag schickte?

es nicht wissen.

Wir können

Es b l e i b t einem also nur eine Form der Vergeltung üb-

r i g , d . h . man z i e l t i n die allgemeine Richtung und t ö t e t Menschen.

Nun,

dann i s t man selbst e i n T e r r o r i s t . . .
FRAGE:

Sie haben j e t z t e r l e b t , daß I h r Verteidigungshaushalt im Kon-

greß gekürzt wurde, Sie haben im Kongreß hart um die Zahl der MX-Raketen
kämpfen müssen; Sie haben die Kontroverse um Bitburg e r l e b t - und j e t z t
diese Krise um die Geiseln,

hfeben Sie das Gefühl, daß Ihr

Teflon-Uberzug a l s Präsident etwa abgegangen i s t ?

(feuerfester)

Haben Sie kein Glück

mehr?
ANTWORT:
te...

Ich habe nie geglaubt, daß i c h einen Teflon-Uberzug h ä t -

Und was Bitburg angeht, so habe i c h t r o t z mancher Bemühungen der

Presse die Überzeugung gehabt, daß es moralisch r i c h t i g war, das zu t u n .

�zu tun. Und ich bin glücklich, daß ich es getan habe.

Es war eine wertvolle Erfahrung dort drüben.

Und ich wurde belohnt,

als ich vor 10 000 jungen Deutschen sprach und ich am Ende 10 000 junge
Deutsche unsere Nationalhymne singen hörte - in unserer Sprache.
glaube, das war eine Anerkennung.

Ich

Jenen, die andeuten wollten, daß ich

damit in irgendeiner Form sagen wollte, daß wir den hblocaust vergessen
sollten, kann ich sagen:

Das stimmt überhaupt nicht.

Und auch die Deut-

schen versuchen nicht, den hblocaust zu vergessen.

Ich war erstaunt - nach den 40 Jahren der Freundschaft, die auf all
den Haß und das Böse des hblocaust und des Nazismus gefolgt sind - herauszufinden, daß die Deutschen nicht nur die Schreckenslager und Museen
mit Fotos all der schrecklichsten und verachtungswürdigsten Dinge erhalten haben, die geschehen sind, sondern daß sie auch ihre Schulklassen jedes Jahr dorthin bringen und ihnen zeigen und erklären, daß dies niemals
mehr geschehen darf.

Ich habe niemals auch nur angedeutet, mein Besuch dort sollte so etwas wie ein Vergehen und Vergessen bedeuten.

Die Vergebung muß von je-

mand anders kommen - nicht von uns -, wenn es überhaupt eine Vergebung
gibt, und sicherlich dürfen wir niemals vergessen...

* * * * *

- 10-

�19. Juni 1985

24

RICHARD BURT ALS NEUER US-BOTSCHAFTER IN BONN VORGESEHEN

WASHINGTON -

(AD) -

Präsident

Ronald Reagan hat am 17. Juni

1985

seine Absicht bekanntgegeben, den Unterstaatssekretär f ü r europäische und
kanadische

Angelegenheiten

im amerikanischen

Außenministerium,

Richard

B u r t , zum Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika i n der Bundesrepublik Deutschland zu ernennen.

Burt t r i t t die Nachfolge von Botschaf-

t e r Arthur F. Burns a n , der am 1 1 . Mai i n den Ruhestand getreten

ist.

Die Ernennung von Botschafter Burt bedarf noch der Bestätigung durch den
amerikanischen Senat.

Richard Burt wurde am 3. Februar 1947 a l s Sohn eines amerikanischen
Bergbauingenieurs i n der Nähe der chilenischen Hauptstadt Santiago geboren; er s t u d i e r t e an der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t im Staate New York, Abschluß
B.A.

im Jahr 1969, und an der Fletcher School o f Law and Diplomacy im

Staate Massachusetts, Abschluß M.A. im Jahr 1972.
Bereits im Jahr 1971 begann Burt bei der Zeitung "Boston Globe" i n
Massachusetts

seine

publizistische

Karriere;

1972 war er

in

leitender

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�'

er i n l e i t e n d e r Stellung i n der Forschung an der amerikanischen Marineakademie t ä t i g .

Im Jahr 1973 wurde er Berater der Rand Corporation, des

Hudson-Instituts, des Stanford-Forschungsinstituts, des Europäisch-amerikanischen I n s t i t u t s
republikanischer

für Sicherheit und Forschung und einer Arbeitsgruppe

Abgeordneter

1975 war er M i t a r b e i t e r
Studien (IISS)
1975 wurde.

des

Repräsentantenhauses.

des Internationalen

Instituts

Von 1973
für

bis

Strategische

i n London, dessen S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r er im Jahr

Von 1977 bis 1980 war Burt a l s Korrespondent der "New York

Times" i n Washington t ä t i g .

Im Jahr 1981 übernahm Richard Burt im amerikanischen Außenministerium
das

Referat

für

politisch-militärische

wurde er zum Unterstaatssekretär

Angelegenheiten.

Im Jahr

1983

f ü r europäische und kanadische Angele-

genheiten im State Department ernannt.

In dieser Eigenschaft war er auch

Vorsitzender der Besonderen Beratungsruppe der NATO, i n der die V e r e i n i g ten Staaten i h r e Verbündeten über die Genfer Verhandlungen über nukleare
Mittelstreckensysteme (INF) u n t e r r i c h t e n .
Burt i s t mit der früheren Gahl Lee Hodges v e r h e i r a t e t .

* * # * *

- 2 -

�19. Juni 1985

24

ROZANNE L. RIDGWAY SOLL NACHFOLGERIN VON RICHARD BURT VERDEN
- Erklärung des Vteißen Hauses -

WASHINGTON sicht

(AD) - Präsident Reagan hat am 1 1 . Juni 1985 seine Ab-

bekannt gegeben, Rozanne L.

Ridgway zur Nachfolgerin von Richard

Burt a l s Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten im State Department zu ernennen.

Burt s o l l Botschafter der V e r e i n i g -

ten Staaten i n der Bundesrepublik Deutschland werden.

Frau Ridgway

ist

Berufsdiplomatin und war s e i t 1982 US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Die Ernennung muG noch vom amerikanischen Senat

b e s t ä t i g t werden.
Die Erklärung des Waißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident

hat

heute

seine Absicht

bekannt gegeben, Rozanne

L.

Ridgway zur Unterstaatssekretärin ( f ü r europäische und kanadische Angelegenheiten) zu ernennen.

Sie würde damit Nachfolgerin von Richard B u r t .
Seit

1982 diente

sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Seit 1982 diente sie i n Ost-Berlin a l s US-Botschafterin i n der Deutschen Demokratischen Republik.

Davor war sie von 1981 bis 1982 Sonder-

a s s i s t e n t i n des Außenministers; von 1980 bis 1981 Beraterin im Außenministerium; von 1977 bis 1980 Botschafterin i n Finnland; von 1973 b i s 1975
Stellvertretende

Unterstaatssekretärin

für

Meeres-

mit dem Rang einer Botschafterin im Außenministerium.

und

Fischereifragen

Vor dieser Z e i t

-

von 1972 bis 1973 - war sie im Außenministerium a l s S t e l l v e r t r e t e n d e r D i r e k t o r i n der Planungs- und Koordinierungsabteilung des Büros f ü r i n t e r a merikanische Angelegenheiten sowie - von 1970 bis 1972 - a l s Verantwortl i c h e f ü r ecuadorianische Angelegenheiten t ä t i g .

Zu den vorherigen Arbeitsbereichen gehörten:
- von 1967 b i s 1970 - p o l i t i s c h e Abteilung der US-Botschaft i n Oslo;
- von 196A bis 1967 - Büro für europäische Angelegenheiten des Außenministeriums für den Bereich i n t e r n a t i o n a l e Beziehungen;
- von 1962 bis 196A - Visaabteilung des US-Konsulates i n Palermo;
- von 1959 b i s 1962 - Personalabteilung der US-Botschaft i n Manila;
- von 1957 bis 1959 - Informationsabteilung des Außenministeriums.
Frau Ridgway wurde am 22. August 1935 i n S t . Paul im amerikanischen
Bundesstaat

Minnesota

geboren und schloß

University im Jahr 1957 mit einem B.A. ab.

* * * * *

- 2-

ihre

Studien an der

Hamline

�24

19. Juni 1985

NEUES VERFAHREN ZUR KOMMERZIELLEN URAN-ANREICHERUNG

- (AD) - AVLIS (Abkürzung von "Atomic: Vapor Laser Isotope Separation"
-

Isotopentrennung mit Laserenergie) g i l c i n den Vereinigten Staaten a l s

die kommende Technologie

zur

Uranbrennstoff.

amerikanische

kürzlich

vor

Wie der

Isotopentrennung

Journalisten e r k l ä r t e ,

Verfahrens j e t z t

für

die Anreicherung

Energieminister

weide die

John

von

Hterrington

Weiterentwicklung

dieses

verstärkt g e f ö r d e r t , um die Urananreicherung kostengün-

s t i g e r als bisher betreiben zu können und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein.
Obgleich die amerikanische Regierung die Entwicklung von Urananreicherung nach dem AVLIS-Verfahren bereits s e i t 13 Jahren f i n a n z i e l l u n t e r s t ü t z t , i s t nicht vor 1995 mit dem Bau der ersten GroQanreicherungsanlage
zu rechnen.

"AVLIS i s t die Technologie der Zukunft", so Herrington, "das

Urananreicherungsverfahren
wirtschaftlich

des 2 1 . Jahrhunderts.

Es i s t

technisch und

gesehen leistungsfähiger und e r f o r d e r t niedrigere Produk-

�niedrigere Produktionskosten a l s das Gasdiffusionsverfahren, das b e r e i t s
s e i t dem Zweiten Vteltkrieg angewandt w i r d . "
Die Mehrzahl der Einzelverfahren f ü r den AVLIS-ProzeQ u n t e r l i e g e n der
Geheimhaltung,

sagte

e i n Sprecher

des Energieministeriums.

Forschung,

Entwicklung und Demonstrationsprojekte würden nunmehr i n t e n s i v e r a l s b i s her

vorangetrieben, da das Gasdiffusionsverfahren

künftige technische Verbesserungen b i e t e .

keine Aussichten auf

A l l e r d i n g s könne man mit d i e -

ser Technologie dem Bedarf der Abnehmer für angereichertes Uran im I n und Ausland noch etwa bis zum Jahr 2000 gerecht werden.
Das Gasdiffusionsverfahren
um Uran mit

dem spaltbaren

erfordert

sehr v i e l e l e k t r i s c h e

Isotop U-235 anzureichern.

zeige sich im P r e i s , e r l ä u t e r t e der Sprecher.
die Kosten energiebezogen.
gieintensiv.

Angesichts

Energieministerium

Energie,

Dieser Umstand

Etwa zu 80 Prozent seien

Demgegenüber sei AVLIS weitaus weniger ener-

des Kostenproblems habe man im amerikanischen

beschlossen, eine

sionsanlagen v o r l ä u f i g s t i l l z u l e g e n .

der

drei

amerikanischen

Gasdiffu-

Und um die Kosten weiter zu senken,

werde auch die nach dem Gaszentrifugenverfahren arbeitende Anreicherungsanlage i n der Nähe von Portsmouth (Ohio) nicht weiter ausgebaut.
Energieminister

Herrington machte d e u t l i c h , daß sich die amerikani-

sche Regierung aus der Entwicklung der Zentrifugentechnologie
rückziehen werde.

ganz zu-

Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Einsparung

von Kosten sei es s i n n l o s , noch weitere d r e i bis fünf M i l l i a r d e n D o l l a r
i n dieses Projekt zu stecken.

"Wir schätzen, 400 b i s 500 M i l l i o n e n D o l -

l a r i n den nächsten d r e i Jahren bei der Anreicherung einsparen zu können,
indem wir

nicht

sondern uns auf

gleichzeitig
die

beide

neuen Technologien w e i t e r v e r f o l g e n ,

eindeutig überlegenere Technologie

konzentrieren",

sagte Herrington.
•

Im Jahr 1974 beherrschten die USA lOOprozentig den Markt i n der f r e i en Walt für angereichertes Uran.
teil

weniger a l s

Heute beträgt l a u t

50 Prozent, da b i l l i g e r e r

Firmen angeboten werde.

Herrington der An-

Brennstoff

von europäischen

Die USA produzieren mit dem Isotop U-235 ange- 2 -

�U-235 angereichertes Uran für die Reaktoren von Atomkraftwerken und f ü r
bestimmte Verteidigungsprogramme der amerikanischen Regierung.
gieministerium, das gegenwärtig d r e i Gasdiffusionsanlagen

Das Ener-

betreibt,

hat

86 kommerzielle Abnehmer - 52 i n den Vereinigten Staaten, 3A im Ausland.
Es l i e f e r t außerdem hochangereichertes Uran (mit mehr a l s 90 Prozent Konz e n t r a t i o n an U-235)

an die US-Marine für Antriebszwecke

Verteidigungsministerium.

* * * * *

- 3 -

sowie an das

�Uli//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Juni 1985

24

FLUORESZIERENDE ALGENPIGMENTE ALS MARKIERSUBSTANZ

-

(AD) - Farbintensive Pigmente von Algen werden neuerdings a l s Mar-

kierungsstoffe

für

medizinische Diagnose- und Forschungszwecke

benutzt.

Sie können i n zahlreichen Fällen radioaktive Substanzen ersetzen, die zur
Identifizierung

bestimmter

Zellen oder Moleküle

Zellen oder

Proteine e r f o r d e r l i c h

"angehängt", wirken die

sind.

leuchtend blau b i s

An
roten

Pigmente a l s winzige Fluoreszenz-Signale, die den Wissenschaftler i n die
Lage versetzen, Substancen i n überaus geringen Konzentrationen zu erkennen.

Nach Angaben von Dr. Lubert S t r y e r , Professor f ü r Z e l l b i o l o g i e an

der S t a n f o r d - U n i v e r s i t ä t ,

wurden die

fluoreszierenden Molikule

klinisch

b e r e i t s zur Prüfung von Spenderblut auf anomale B e s t a n d t e i l e , die Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben könnten, und zur Kontrolle des Spiegels
bestimmter Medikamente wie Digoxin im Blut e r p r o b t .

Das amerikanische

Patentamt i n Washington genehmigte Anfang Juni 1985 der Stanford-Univers i t ä t die Patentrechte für dieses neue Verfahren.
Bei den Pigmenten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Bei den Pigmenten handelt es sich um sogenannte Phykobiliproteine.
Sie fluoreszieren mit der zehn- bis zwanzigfachen Intensität der meisten
anderen fluoreszierenden Stoffe, die für Markierzwecke verwendet werden.
Und dieser Umstand bedeutet, daß sie mit hochempfindlichen radioaktiven
Indikatoren für bestimmte Zellen und Moleküle in Konkurrenz treten können.

Für eine diagnostische Anwendung müssen die Proteine eine Bindung

mit den Substanzen eingehen, die erfaßt werden sollen.
ihnen ein sogenanntes konjugiertes System.

Sie bilden mit

Ein solches Konjugat kann

beispielsweise mit einem Antikörper-Molekül zustande kommen - einem vom
Immunsystem des Körpers produzierten Protein, das markiert wird, um anomale Zellen oder verdächtige Substanzen aufzufinden.

Handelt es sich da-

bei z.B. um Antikörper, die Krebszellen "erkennen", könnte der Arzt an
Hand von Gewebeproben unter dem Mikroskop oder mit Hilfe eines leistungsfähigen Instruments zum Sortieren von Zellen die fluoreszierenden Einheiten ausfindig machen.

Antikörper und andere spezifische Proteine wurden inzwischen mit drei
Phykobiliproteinen erfolgreich markiert.
benen und roten Bereich.

Sie fluoreszieren im orangefar-

Heitere Markierpigmente seien in der Entwick-

lung, berichtet Prof. Stryer.

Da die Phykobiliproteine in leicht vonein-

ander abweichenden Farbschattierungen fluoreszieren, wenn ein Lichtstrahl
sie anregt, lassen sich mit ihnen mehrere unterschiedliche Arten von Molekülen oder Zellen gleichzeitig beobachten.

Die von Meeresalgen produ-

zierten Pigmente werden in der Natur beim Photosyntheseprozeß genutzt,
mit dem aus Sonnenlicht die für das Wachstum der Algenzellen benötigte
Energie gewonnen wird.

Die Pigmentproteine sind mit bestimmten Pigmenten

der Galle verwandt.

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freiheit der Geiseln oberstes Ziel der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richard Burt als neuer US-Botschafter in Bonn vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rozanne L. Ridgway soll Nachfolgerin von Richard Burt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Verfahren zur kommerziellen Uran-Anreicherung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fluoreszierende Algenpigmente als Markiersubstanz&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan f o r d e r t i n t e r n a t i o n a l e S c h r i t t e gegen den Terrorismus
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten Außenminister Shultz: Keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
- Erklärung vor dem Außenpolitischen SenatsausschuB USA fordern UdSSR zur Beendigung i h r e r antijüdischen Kampagne auf
- Erklärung des US-Außenministeriums USA bedauern Nicaraguas Abkehr vom CONTADORA-Prozeß
- Erklärung des US-Außenministeriums HINTERGRUNDMATERIAL
Der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (NPT)
- Eine Wartung des amerikanischen Außenministeriums Die Nicaragua-Hilfe im US-Kongreß
- Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" nach sieben Tagen zurück
- Erfolgreiches Laser-Experiment im Weltraum - Neue Forschungen zur
Röntgenstrahlenastronomie Noch gefährlicher a l s Heroin
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

•: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985

REAGAN FORDERT INTERNATIONALE SCHRITTE GEGEN DEN TERRORISMUS
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -

Washington -(AD)- Am 20. Juni 1985 gab Präsident Reagan eine Erklärung ab, in der er die Nationen des Westens zum gemeinsamen Kampf gegen
den Terrorismus aufrief. Sie hat folgenden Wortlaut:
Gestern abend hat ein sinnloser Akt des Terrorismus erneut Amerikanern das Leben gekostet, diesmal in El Salvador. Unter den 15 Toten und
13 Verletzten waren zwei amerikanische Geschäftsleute und vier Soldaten
des Marinekorps (Marines), die nicht im Dienst, unbewaffnet und in Zivil
waren. Außerdem wurden neun unschuldige salvadorianische und guatemaltekische Männer und Frauen getötet; 13 wurden verwundet. Diese Greueltat
wie auch der Bombenanschlag, der sich früher am gestrigen Tage in Frankfurt in der Bundesrepublik Deutschland ereignete, beweisen erneut, daß
die Terroristen nicht nur gegen die Vereinigten Staaten Krieg führen,
sondern gegen die zivilisierte Gesellschaft schlechthin. In diesem Krieg
geben unschuldige Zivilisten das Ziel ab. Dies ist ein Krieg, in dem unschuldige Zivilisten ganz bewußt als Opfer auserkoren werden und in dem
die Angehörigen unserer Streitkräfte in ganz besonderem Maße zu Ziel-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�zu Zielscheiben geworden sind. Das kann nicht so weitergehen. Wir müssen
gegen diejenigen vorgehen, die auf Menschenleben und auf die Werte, die
uns teuer sind, nicht das mindeste geben, und wir müssen gemeinsam mit
anderen Nationen handeln, die genau wie wir demokratische Institutionen
besitzen und Gewaltakten und dem Gebrauch physischer Machtmittel grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Wir im Westen müssen gemeinsam handeln, wie wir dies schon vor mehr als einem Jahrhundert getan haben, um
die Piraterie von den Meeren zu verbannen, und wie wir dies wieder vor 45
Jahren getan haben, um der Bedrohung durch die Tyrannei zu begegnen.

In Reaktion auf den Tod unserer Marines und zivilen Staatsbürger in
El Salvador habe ich den Außenminister und den Verteidigungsminister angewiesen, der Regierung Präsident Duartes mit Hilfe unserer Nachrichtendienste jegliche Art von Hilfestellung zu leisten, die sie braucht, um
die Terroristen, die diesen Gewaltakt begangen haben, zu finden und zu
bestrafen.Zu diesem Zwecke habe ich heute die beschleunigte Auslieferung
der von der salvadorianischen Regierung im Rahmen der sicherheitspolitischen Hilfe angeforderten Güter angeordnet, und ich bin bereit, meine
Sondervollmachten für Notfälle zu nutzen, um die Streitkräfte El Salvadors mit zusätzlichen militärischen Mitteln zu versehen, die ihnen bei
ihrem Feldzug gegen die kommunistische Guerilla dienlich sein können. Die
Guerilla hofft vergebens, daß unsere Entschlossenheit oder unsere Unterstützung für die Wiederbelebung der Demokratie in El Salvador durch Terrorismus erschüttert werden können. Wenn andere militärische Mittel der
Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht zweckdienlich sein können, dann
werde ich sie zur Verfügung stellen. Ich erwarte, daß der Kongreß diese
Maßnahmen unterstützen wird, und ich werde mit den entsprechenden parlamentarischen Ausschüssen des Kongresses darüber beraten, welche weiteren
Schritte in El Salvador und anderswo unternommen werden können, um der
Unterstützung von außen ein Ende zu setzen, die die Terroristen in El
Salvador aus Nicaragua und dem Ostblock erhalten.

Ferner habe ich heute Vizepräsident Bush damit betraut, innerhalb der
amerikanischen Regierung und bei den Beratungen mit unseren Verbündeten
die Federführung zu übernehmen, wenn es darum geht, zu klären, welche militärischen und sonstigen Schritte wir und unsere in gleicher Weise be- 2 -

�Weise bedrohten Freunde unternehmen können, um diesem zunehmend gewalttätigen und

willkürlichen, dabei aber zielgerichteten Anschlag

auf die

Menschlichkeit ein Ende zu bereiten. Vor allem habe ich den Vizepräsidenten gebeten, diese Angelegenheit während der Besuche, die er in der kommenden Woche verschiedenen europäischen Hauptstädten abstatten wird, in
den Vordergrund zu stellen. Nach seiner Rückkehr wird er eine alle Regierungsressorts übergreifende Arbeitsgruppe einberufen, um darüber Empfehlungen zu erarbeiten und mir zur Entscheidung vorzulegen, wie alle verfügbaren Mittel der Vereinigten Staaten bei der Auseinandersetzung mit
diesem Problem am zweckmäßigsten eingesetzt werden können.

Schließlich möchte ich, daß Ihnen, dem amerikanischen Volk, bewußt
ist, daß alles, was wir in dieser Hinsicht unternehmen, nicht in sinnlosem Zorn getan werden darf. Was geschehen ist, erfordert eine wohlerwogene Reaktion auf die Akte der Gesetzlosigkeit derer, die sich nicht an die
Normen der zivilisierten Gesellschaft halten. Als Ihr Präsident glaube
ich, daß unsere Reaktion auf die verbrecherischen Anschläge auf Bürger
unseres Landes den Grundsätzen der Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit
genügen muß. Diejenigen, die solche Akte der Gesetzlosigkeit begehen, und
diejenigen, die dergleichen unterstützen, müssen wissen, daß sie niemals
dazu führen werden, daß wir vor terroristischen Forderungen kapitulieren.
Wir sind sowohl eine friedfertige Nation als auch ein gerechtigkeitsliebendes Volk. Wir geraten von Natur aus nur langsam in Zorn und sind großmütig, wenn es darum geht, denen zu helfen, die in weniger glücklichen
Umständen leben. Keine Nation der Welt verhält sich großzügiger gegenüber
Notleidenden. Aber es gibt auch Grenzen, und diese Grenzen sind jetzt erreicht. Wir können nicht dulden, daß Mitmenschen in Lebensgefahr gebracht
werden, nur weil sie das Glück haben, Staatsbürger dieses großen Landes
zu sein.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

AUSSENMINISTER SHJLTZ:

KEINE KONZESSIONEN AN DIE TERRORISTEN

- Erklärung vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON -

(AD) - Die Vereinigten Staaten werden nach den Worten

von US-Außenminister George Shultz keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
machen und auch andere Staaten nicht drängen, dies zu t u n .
ßenpolitischen Ausschuß

Vor dem Au-

des amerikanischen Senats sagte Shultz

am 19.

Juni 1985, eine solche P o l i t i k könnten sich die USA nicht l e i s t e n .
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich aufgefordert, heute mit einer Erklärung über die Entführungssituation zu beginnen, und ich begrüße diese
Möglichkeit.
Die Haltung der Vereinigten Staaten in der Frage der Entführung ist
klar und eindeutig.

Wir werden gegenüber den Terroristen weder Konzes-

sionen machen, noch werden wir andere Staaten drängen, dies zu tun. Zu-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�tun.

Zugeständnisse unter solchen Umständen kämen einem Nachgeben gegen-

über Erpressern g l e i c h . Und was noch schlimmer i s t ,

dies würde

Terror-

i s t e n ü b e r a l l auf der Welt zu der Annahme ermutigen, daß solche Taktiken
E r f o l g haben können.
Wir müssen unsere Staatsbürger heute und i n der Zukunft vor solchen
abscheulichen Handlungen schützen.

Wir können uns keine P o l i t i k der Kon-

zessionen gegenüber dem Terror l e i s t e n .
Der Führer der Amal-Schiiten und J u s t i z m i n i s t e r Nabih B e r r i , hat die
Verantwortung

für

die Verhandlungen mit den Entführern übernommen.

hat uns v e r s i c h e r t , daß die Passagiere sicher und wohlauf seien.

Er

Wir ha-

ben ihm e r k l ä r t , daß wir ihn verantwortlich halten für die sichere Rückkehr unserer Staatsbürger und die s o f o r t i g e Lösung dieser Angelegenheit.
Wir haben ihm und der libanesischen Regierung gegenüber unsere P o s i t i o n
klargemacht.
Die Entführung i s t moralisch unhaltbar und kann durch k e i n e r l e i Gründe g e r e c h t f e r t i g t

werden.

B e r r i , a l s prominenter S c h i i t e n f ü h r e r ,

sollte

sich darüber im klaren s e i n , daß die Entführung nicht nur eine Sache der
Sicherheit

unserer amerikanischen Staatsbürger

ist,

sondern auch seine

eigenen l a n g f r i s t i g e n Interessen und auch die des Libanon berührt.
Eine Teilhaberschaft an der i n t e r n a t i o n a l e n Völkergemeinschaft gründet sich auf Ansehen und auf die B e r e i t s c h a f t , die Grundsätze von Recht
und Ordnung anzuerkennen und aufrechtzuerhalten, auf denen diese Gemeinschaft r u h t .

Wer diese Verpflichtung nicht übernimmt, muß die Konsequen-

zen a l s Geächteter tragen.

Wird diese Entführung f o r t g e s e t z t , dann wird

dies dem Ruf Libanons irreparablen Schaden zufügen und die Hoffnungen der
verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Lande auf soziale und p o l i t i s c h e Ger e c h t i g k e i t zurückwerfen.
I s r a e l hat e r k l ä r t , daß es seine P o l i t i k
die

Sicherheitssituation

dies

nach I s r a e l verlegt wurden.

gestattet

-

s e i , die Gefangenen - wie

f r e i z u l a s s e n , die

von Ansar

Die Entführung der TWA-Maschine verhindert

�TWA-Maschine verhindert i n der Tat die Durchführung eines Prozesses, der
b e r e i t s begonnen h a t t e .

Den Entführern miß klargemacht werden, daß i h r

Bemühen, die T WA-Passagiere gegen die Ansar-Gefangenen auszutauschen, ohne moralische Rechtfertigung i s t und keinen E r f o l g haben w i r d .

Ja, dies

i s t kontraproduktiv.
Herr Vorsitzender, die amerikanische Regierung wird nicht ruhen, bis
a l l e unsere Staatsbürger wieder i n Sicherheit mit i h r e n Familien v e r e i n t
sind.

Botschafter Bartholomew i n Beirut steht w e i t e r h i n i n Kontakt mit

Nabih B e r r i sowie mit Präsident Gemayel und anderen verantwortlichen l i banesischen Führern.

Wir arbeiten eng mit anderen Regierungen zusammen,

die ihren Einfluß i n dieser Angelegenheit zum Tragen bringen können.
Algerien hat n a t ü r l i c h von Anfang an eng mit uns zusammengearbeitet.
Eine Anzahl anderer Länder i n dieser Region hat auf die eine oder andere
Weise Erklärungen zu diesem Thema abgegeben, dazu gehören auch, bevor a l les begann, (Präsident) Assad von S y r i e n , der sich allgemein über Entführungen a u s l i e ß , h i e r
Irak hat

in

Washington die

seine Verurteilung

durch seine Zeitung.

tunesische

Regierung, auch der

zum Ausdruck gebracht, genauso wie Ägypten

Der Präsident

hat

gerade einen B r i e f

von König

Hussein e r h a l t e n , i n dem dieser mit allem Nachdruck das - wie er schreibt
- "feige Verbrechen" v e r u r t e i l t .

Ich möchte, daß dieser B r i e f i n das o f -

f i z i e l l e P r o t o k o l l übernommen w i r d .

Er wird i n Kürze v e r ö f f e n t l i c h t

wer-

den; dieses Schreiben i s t eine überaus nachdrückliche Erklärung.
Ich bin also der Meinung, daß die i n t e r n a t i o n a l e
sich darüber im klaren i s t , was vor sich geht.
ließ, erhielt

Völkergemeinschaft

Bevor i c h mein Büro ver-

ich eine Nachricht über eine Bombenexplosion i n F r a n k f u r t .

Wir können also sehen, daß sich die Bedrohung durch den Terrorismus ausb r e i t e t ; dieser Bedrohung muß k l a r und eindeutig entgegengetreten werden,
und wir müssen den meiner Meinung nach echten i n t e r n a t i o n a l e n Konsens i n
dieser Frage fördern.
Wir werden auch w e i t e r h i n a l l e uns zur Verfügung stehenden M i t t e l und
Möglichkeiten ausnutzen, um die sichere Freilassung a l l e r Passagiere und
- 3 -

�Passagiere und Besatzungsmitglieder z erreichen, so daß sie zu ihren Familien und den ihnen Nahestehenden zurückkehren können.

Unsere Ent-

schlossenheit, diese Krise zu einem erfolgreichen und baldigen Ende zu
bringen, ist unerschütterlich.

* * *

- 4 -

�26. Juni 1985

25

USA FORDERN UdSSR ZUR BEENDIGUNG IHRER ANTIJÜDISChEN KAMPAGNE AUF
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -

(AD)

-

Das amerikanische Außenministerium hat am 14.

Juni 1985 die Sowjetunion a u f g e f o r d e r t , i h r e d e r z e i t i g e Kampagne zu beenden, mit der sie eine Erneuerung jüdischer Kultur i n der Sowjetunion zu
verhindern

sucht.

Kampagne s t e l l e

ein

In der Erklärung heißt e s , eine Fortsetzung
"echtes

Hindernis

für

die konstruktiven

dieser

Beziehunge

mit der Sowjetunion d a r , die die Vereinigten Staaten anstreben".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Am 1 1 . Juni verhafteten die sowjetischen Behörden den jüdischen Wissenschaftler und Hebraischlehrer Roald Zelichonok.

Fünf Tage vorher wur-

de e i n weiterer Hebräischlehrer, Yevgenij Aizenberg aus Charkow, zu zweieinhalb Jahren Arbeitslager v e r u r t e i l t .

Dem Moskauer Hebräischlehrer Dan

Shapiro wurde verwehrt, Verbindung mit seinem Anwalt aufzunehmen, während

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�aufzunehmen, während er in einem sowjetischen Gefängnis schmachtet und
auf seinen Prozeß wartet.

Insgesamt haben die sowjetischen Behörden seit

Juli letzten Jahres mindestens 14 jüdische Kulturaktivisten verhaftet sieben davon Hebräischlehrer.

Sie sind Hauptopfer dessen, was den Anschein einer offiziellen sowjetischen Kampagne gegen die derzeitige
Kultur in der Sowjetunion hat.

Wiederbelebung der jüdischen

Bislang wurden zehn dieser Menschen ver-

urteilt - einige aufgrund plump gefälschter Vorwürfe angeblich kriminellen Verhaltens, die gezielt darauf gerichtet sind, sie zu diskreditieren.
Zwei wurden nach ihrer Verhaftung brutal zusammengeschlagen.

Wir haben

auch beunruhigende Nachrichten über einen Dritten, Yulij Edelstein, der
in einem Arbeitslager in Sibirien, wo er eine Strafe von drei Jahren verbüßt, immer wieder geschlagen wird.

Viele Juden wurden nicht nur verhaftet und geschlagen, sondern verloren auch ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnungen wurden durchsucht, ihre Telefone unbrauchbar gemacht und ihre Post einbehalten.

Artikel in sowjeti-

schen Zeitungen und Programme im sowjetischen Fernsehen brandmarken Hebräischlehrer und andere jüdische Kulturaktivisten als "zionistisch" und
subversiv - wobei oft sogar ihre Namen genannt werden.

Zionismus wird

mit Nazismus gleichgestellt, und jüdische Führer aus dem Zweiten Weltkrieg werden bezichtigt, den Nazis dabei geholfen zu haben, Juden für die
Todeslager zusammenzutreiben.

Obgleich die staatlichen Stellen in der

Sowjetunion behaupten, ihre Kampagne ziele lediglich auf jene, die sie
Zionisten nennen, gibt es doch keinen Zweifel darüber, daß immer aufs
neue wiederholte, unverantwortliche Unterstellungen wie diese die häßlichen Flammen des Antisemitismus schüren können.

Diejenigen sowjetischen Juden, die man aussucht, um sie zu verfolgen,
haben eins gemein:

Sie wollen ihr ethnisches Erbe bewahren, sie wollen

ihre überkommene Sprache lehren und lernen, und sie wollen die Freiheit
haben, die Sowjetunion zu verlassen und in das Land ihrer Wahl zu reisen.
Das Schlimmste, was je einer von ihnen tat, bestand darin, mündlich und
schriftlich gegen ihre schreckliche Behandlung durch die sowjetischen Be- 2-

�sowjetischen Behörden zu protestieren.

Und dafür wurden sie verhaftet,

geschlagen, isoliert, verunglimpft, ins Gefängnis geworfen.

Wir möchten den äußersten Ernst unterstreichen, mit dem wir diese
Entwicklung beobachten.

Das Andauern dieser Kampagne stellt ein echtes

Hindernis für die konstruktiven Beziehunge mit der Sowjetunion dar, die
die Vereinigten Staaten anstreben.

Wir fordern die Sowjetunion auf, die-

se tragische und unnötige Kampagne einzustellen.

Die Verpflichtungen,

die die Sowjetunion freiwillig in Helsinki und andernorts eingegangen
ist, fordern es, und schlichter menschlicher Anstand verlangt es.

- 3-

�26. Juni 1985

25

USA BEDAUERN NICARAGUAS ABKEHR VOM COMTADORA-PROZESS
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium v e r ö f f e n t l i c h t e am 20. Juni 1985 eine Erklärung, i n der das Bedauern der Vereinigten
Staaten über die Abkehr Nicaraguas vom CONTADORA-Prozeß zum Ausdruck gebracht w i r d .
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wir bedauern den S c h r i t t der nicaraguanisehen Regierung, sich aus dem
CONTADORA-Prozeß zurückzuziehen.
Seit über zwei Jahren bemühen sich die Staaten Mittelamerikas und der
CONTADORA-Gruppe darum, Mittelamerika Frieden zu bringen.
schritt

wurde dabei e r z i e l t ,

Großer F o r t -

zu einem Abkommen zu gelangen, das

manns Interesse an der Sache des Friedens gerecht w i r d .

jeder-

Auf dem T r e f f e n ,

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Auf dem T r e f f e n , das am 18. &gt;Xini i n Panama begann und das gestern ausgesetzt wurde, s o l l t e e i n Vorschlag der CONTADORA-Gruppe über eine Einigung
bei entscheidenden Sicherheitsfragen erwogen werden.
Vor ernsthafte Verhandlungen g e s t e l l t , weigerte sich Nicaragua sogar,
den Vorschlag der CONTADORA-Gruppe auch nur i n Erwägung zu ziehen.

Wie-

derholte Versuche der v i e r CONTADORA-Mitglieder, die Nicaraguaner umzustimmen, zeigten nur zu d e u t l i c h , daß die nicaraguanische Delegation sich
an klare Anweisungen aus Managua h i e l t .
Die Vereinigten Staaten unterstreichen erneut ihre u n g e t e i l t e Unterstützung einer

verifizierbaren

und umfassenden regionalen Lösung.

Ein

gestern v e r ö f f e n t l i c h t e s Kommunigue der CONTADORA-Gruppe z e i g t , daß Costa
Rica, El Salvador, Guatemala und Hbnduras erneut i h r e Verpflichtung bekräftigten,

zu einem regionalen Abkommen zu gelangen.

A l l e Staaten

in

Mittelamerika sind f ü r den Frieden dort v e r a n t w o r t l i c h , und Nicaragua hat
sich gerade dieser Verantwortung e n t l e d i g t .
Wir fordern die Regierung von Nicaragua a u f , sich dem Friedensprozeß
ieder

anzuschließen, wie i h n der

von den CONTADORA-Staaten entworfene

Plan v o r s i e h t .

* * * * *

�26. Juni 1985

25

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHT WUTERVERB^ITUNG VON KERNWAFFEN (NPT)
- Eine Wertung des amerikanischen AußenmLnisteriums -

WASHINGTON -

(AD) -

Das amerikanische AuGenministerium hat im Juni

1985 i n einem Hintergrundartikel

die Fiedeutung des Vertrages über

die

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - Non-F'roliferation Treaty oder NPT
- hervorgehoben.
Seit

dieser Vertrag im März 1970 i n Kraft getreten i s t , i s t er e i n

Eckpfeiler der Bemühungen der Vereinigten Staaten und anderer Länder, die
weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.

Jede amerikanische Ad-

m i n i s t r a t i o n hat a l l e s daran g e s e t z t , eine weltweite Einhaltung des Vertrages zu erreichen.

Kein Rüstungskontrollvertrag i s t von so v i e l e n Län-

dern - 125 - unterzeichnet worden wie der NPT.

Drei der Kernwaffenstaa-

ten - die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die UdSSR - sind M i t glieder des Vertrages; Frankreich und China gehören dem Vertrag nicht a n ,
obwohl Frankreich seine Bereitschaft bekundet h a t , sich so zu v e r h a l t e n ,
a l s ob es Signatarstaat wäre.

Der Vertrag

sieht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Vertrag sieht vor, daß alle fünf Jahre eine tlberprüfungskonferenz
abgehalten werden kann.

Zwei solche Konferenzen haben stattgefunden -

1975 und 1980 - und die dritte ist für September 1985 vorgesehen.

Wie

auf den bisherigen Konferenzen wird auch im herbst dieses Jahres Artikel
für Artikel des Vertrages auf seine Einhaltung überprüft werden.

Der

Nichtweiterverbreitungsvertrag

oder

auch

Atomsperrvertrag

hat

drei Hauptziele:

erstens, eine weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern, was
die treibende Kraft für das Zustandekommen des NPT war;

zweitens, die friedliche nukleare Zusammenarbeit bei entsprechenden
Sicherheiten zu fördern; und

drittens, die Verhandlungen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens
im Sinne einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu fördern,
ein Ziel, das sich bei den multilateralen Verhandlungen über den Vertrag ergab.
Die Sachartikel des Vertrages sind sorgfältig formuliert worden, um
diesen Zielen zu dienen.

Nach den Bestimmungen des Vertrages sind Kernwaffenstaaten verpflichtet , keinen Nichtnuklearstaat bei dem Erwerb von nuklearen Sprengvorrichtungen zu unterstützen (Artikel I).

Umgekehrt sind alle Nichtnuklear-

staaten verpflichtet, auf die Herstellung oder den sonstigen Erwerb von
Kernwaffen zu verzichten (Artikel II).

Der

Vertrag

sieht

vor, daß die

Internationale

Atomenergiebehörde

(IAEA) internationale Sicherheitsvorkehrungen, einschließlich Inspektionen vor Ort, trifft, um sicherzustellen, daß spaltbares Material in den
Nichtnuklearstaaten
III).

nur für friedliche Zwecke verwendet wird

(Artikel

In diesem Artikel werden die Signatarstaaten ferner verpflichtet,

bei nuklearem Material und bestimmtem Gerät, das in Nichtnuklearstaaten

�i n Nichtnuklearstaaten e x p o r t i e r t
mungen zu bestehen.

w i r d , auf den

IAEA-Sicherheitsbestim-

Das System der Sicherheitsbestimmungen

trägt

zur

Überprüfung der Einhaltung bei und i s t darauf angelegt, eine Abzweigung
von spaltbarem M a t e r i a l von f r i e d l i c h e n Zwecken zur Waffenherstellung zu
entdecken und zu verhindern.
I n A r t i k e l IV wird das Recht der Signatarstaaten anerkannt, Kernenergie f ü r f r i e d l i c h e Zwecke zu entwickeln, und es wird weitestgehender Austausch von Gerät, M a t e r i a l i e n und Informationen für die f r i e d l i c h e
zung der Kernenergie gefordert.

Nut-

Die Signatarstaaten s o l l e n auch Zugang

zu a l l e n V o r t e i l e n der f r i e d l i c h e n Anwendung von nuklearen Sprengkörpern
haben ( A r t i k e l V).
A r t i k e l VI l e g t a l l e n Signatarstaaten a u f , i n gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

mit dem Endziel einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu führen.
Der Vertrag verkörpert eine allgemein u n t e r s t ü t z t e Norm der Nichtweiterverbreitung.

Die ö f f e n t l i c h e Meinung der Walt i s t i n steigendem Maße

zu der Auffassung gelangt, den Erwerb von nuklearen Sprengkörpern a l s unrechtmäßig und eine Walt mit so vielen Kernwaffen a l s unerwünscht zu betrachten.
Die Vorbereitungen

für

die Uberprüfungskonferenz

laufen.

Im A p r i l

und Oktober 1984 und im A p r i l 1985 fanden Sitzungen des Vorbereitungsausschusses s t a t t .

Auf diesen Sitzungen wurden hauptsächlich Verfahrensfra-

gen behandelt, wie etwa die v o r l ä u f i g e Tagesordnung, Organisation der A r b e i t und Konferenzdaten.
Von Seiten der Vereinigten Staaten laufen die Vorbereitungen schon
s e i t über zwei Jahren.

Dazu gehören ausführliche Konsultationen mit u n -

seren Verbündeten, mit

neutralen und b l o c k f r e i e n Ländern sowie mit

UdSSR und deren Verbündeten.

Bei diesen Konsultationen haben die V e r e i -

nigten Staaten ihre Bereitschaft
des Vertrages zu sprechen.

der

zu erkennen gegeben, über a l l e

Artikel

Sie haben den wichtigen Beitrag hervorgeho- 3 -

�Beitrag hervorgehoben, den der Vertrag zum Weltfrieden und zur i n t e r n a t i o n a l e n Sicherheit
gebracht,

daß die

leistet.
Konferenz

Und sie
diese

haben die

entscheidend

hbffnung zum Ausdruck
wichtigen

Rüstungskon-

trollabkommen b e s t ä t i g t und b e k r ä f t i g t und zu einer noch s t r i k t e r e n E i n haltung des Vertrages

führen w i r d .

Die Vereinigten Staaten haben i h r e

eigenen Anstrengungen zur Förderung einer noch s t r i k t e r e n Einhaltung vers t ä r k t und auf diplomatischem Wage dafür geworben, daß noch mehr Staaten
dem Vertrag b e i t r e t e n .

Um was geht es bei

der Uberprüfungskonferenz?

Die Debatte

dürfte

sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit bei der f r i e d l i c h e n Nutzung der
Kernenergie ( A r t i k e l IV) und auf die Bemühungen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

(Artikel

VI)

konzentrieren.

Die

Vereinigten

Staaten

können i h r e f r i e d l i c h e nukleare Zusammenarbeit sehen lassen, aber sie bemühen sich dennoch w e i t e r , um diese Zusammenarbeit noch zu verbessern.
Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen, daß einschneidende,
gerechte und v e r i f i z i e r b a r e Verringerungen der Kernwaffen höchste P r i o r i t ä t haben.

Wir h o f f e n , daß die neuen, im März 1985 i n Genf angelaufenen

Verhandlungen mit

der UdSSR uns a l l e dem l e t z t l i c h e n Z i e l

näherbringen

werden - nämlich der Abschaffung a l l e r Kernwaffen.
Wenn wir i n die Zukunft b l i c k e n , dann i s t und b l e i b t der Nichtweiterverbreitungsvertrag
Walt.

von

lebenswichtiger

Bedeutung

für

eine

sicherere

Der E r f o l g der Uberprüfungskonferenz von 1985 wird von v i e l e n Fak-

toren abhängen, vor allem aber von der Einsicht der Signatarstaaten, daß
der

NPT wesentlich

trägt.

zur

internationalen

Sicherheit

und S t a b i l i t ä t

Eine Vtelt ohne NPT würde zu geringerer p o l i t i s c h e r

bei-

Zurückhaltung

und der Vteiterverbreitung von nuklearen Sprengkörpern, zu wachsenden r e gionalen Spannungen und wachsenden regionalen Argwohn sowie zu einer Senkung der Barrieren gegen den Erwerb von Kernwaffen führen und damit zu
einer

Gefährdung

des

internationalen

Friedens

Stabilität.

* * * * *

und der

internationalen

�26. Juni 1985

25

DIE NICARAGUA-HILFE IM US-KONGRESS
Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren -

WASHINGTON - (AD) - Am 6. Juni 1985 nahm der amerikanische Senat e i nen Gesetzesentwurf a n , der die

Wiederaufnahme der amerikanischen

Hilfe

für a n t i s a n d i n i s t i s c h e Rebellen i n Nicaragua v o r s i e h t ; am 12. Juni f o l g t e
das Repräsentantenhaus mit einer eigenen Vorlage.

Aus diesem Anlaß wurde

i n Washington die nachstehende Kurzinformation v e r ö f f e n t l i c h t , i n der der
weitere Gang des Gesetzgebungsverfahrens beschrieben w i r d :
Die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe des Repräsentantenhauses und des Senats zur n i c h t m i l i t ä r i s c h e n H i l f e für

antisandinist-

ische Rebellen i n Nicaragua müssen noch miteinander i n Einklang gebracht
werden.

Das diesbezügliche Verfahren i s t

angelaufen, aber es i s t

noch

nicht abzusehen, wann die Endvorlage f e r t i g g e s t e l l t sein wird und P r ä s i dent Reagan zur Unterzeichnung vorgelegt werden kann.

Der stellvertretende

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�Der s t e l l v e r t r e t e n d e Pressesprecher des Vteißen Hauses, Larry Speakes,
sagte, der Präsident könne das Gesetz, das die H i l f s l e i s t u n g e n b e i n h a l t e t , b i s zum 4 . J u l i unterzeichnen.

Bevor das Gesetzeswerk dem Präsiden-

ten z u g e l e i t e t werden kann, muß jedoch zunächst eine Reihe von S c h r i t t e n
im Kongreß abgeschlossen werden.
1 . Das Bewilligungsgesetz des Senats
Bevor e i n Vermittlungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Se-

nats ernannt werden kann, um die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe

i n Einklang

zu bringen, muß der Senat das

Haushaltsgesetz

verabschieden, das die Senatsversion des Gesetzesentwurfs über H i l f e

für

die Rebellen e i n s c h l i e ß t .
Dieser Gesetzesentwurf des Senats, der n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e i n Höhe von 38 M i l l i o n e n b e i n h a l t e t , war ursprünglich T e i l des Gesetzes zur
A r b e i t des Außenministeriums, wurde aber am 13. Juni vom Bewilligungsausschuß

des Senats

i n e i n Nachtragshaushaltsgesetz

über

13,4

Milliarden

Dollar eingegliedert.
Das Repräsentantenhaus verabschiedete seine Version dieses Nachtragshaushaltsgesetzes am 12. J u n i ; am gleichen Tag stimmte es auch f ü r die
Eingliederung eines Gesetzesentwurfs über n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e f ü r Reb e l l e n i n Nicaragua i n Höhe von 27 M i l l i o n e n D o l l a r .
Das Haushaltsgesetz des Senats kann abgeändert werden, wenn es zur
Abstimmung ins Plenum geht.
2. Der Vermittlungsausschuß
Iftenn das Gesetz vom Senat angenommen worden i s t , wird e i n V e r m i t t lungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Senats ernannt, um eine

gemeinsame Kompromißfassung des Gesetzes zu entwerfen.

Diese Endfassung

muß sodann sowohl vom Repräsentantenhaus a l s auch vom Senat verabschiedet
werden.

I n diesem Stadium können Abänderungen eingebracht werden, aber

�werden, aber wenn sie angenommen werden, muß das Gesetz zurück in den
Vermittlungsausschuß.
3. Hauptfragen
Der

Unterschied

zwischen

den Gesetzesentwürfen

beider

Häuser

des

Kongresses, der im Vermittlungsausschuß &lt;im ehesten zu Auseindersetzungen
führen d ü r f t e , b e t r i f f t

die Rolle des Zentralamtes f ü r Nachrichten und

Abwehr (CIA) bei der Auszahlung der Hilf5geld5r.
ligt

Die Senatsversion

bil-

dem CIA eine solche Rolle z u , während das Repräsentantenhaus

dies

ausdrücklich untersagt.
Andere Unterschiede b e t r e f f e n die HEhe der Geldmittel und der Z e i t raum, über den hinweg sie zur Auszahlung kommen s o l l e n .

Die Senatsver-

sion sieht für das am 30. September endende Haushaltsjahr 1985 14 M i l l i o nen Dollar und f ü r das Haushaltsjahr 1986 24 M i l l i o n e n Dollar vor.
Fassung des Repräsentantenhauses sieht

dagegen 27 M i l l i o n e n D o l l a r

Die
vor,

die bis zum 3 1 . März 1986 i n d r e i 90-Tage-Intervallen ausgezahlt werden
sollen.
Die

Version des Repräsentantenhauses

Dollar a l s B e i h i l f e

sieit

außerdem zwei M i l l i o n e n

für die Durchführung eines von der CONTADORA-Gruppe

e r a r b e i t e t e n Friedensabkommens
Senats wird der Präsident

für

die

Region vor.

I n dem Gesetz des

l e d i g l i c h a u f g e f o r d e r t , die

CONTADORA-Initia-

t i v e zu unterstützen.
4. Die Verteilung der Hilfsgelder
Wenn das Gesetz e r s t einmal endgültig verabschiedet und unterzeichnet
worden i s t ,

wird es dem Präsidenten o b l i e g e n , darüber

zu entscheiden,

welche Widerstandsgruppen bedacht werden und wie schnell sie die

Hilfs-

gelder e r h a l t e n .
Bis zur Einstellung der H i l f e im Jahre 1984 war der G r o ß t e i l der M i t t e l an die Demokratischen S t r e i t k r ä f t e Nicaraguas (FDN) gegangen, die im

�die im N o r d t e i l des Landes operieren.

Eine Reihe von Senatoren und Abge-

ordneten des Repräsentantenhauses haben Präsident Reagan s c h r i f t l i c h

er-

sucht, einen T e i l der Hilfsgelder dem im Süden a k t i v e n Demokratisch-Revol u t i o n ä r e n Bündnis, einer Rebellengruppe unter der Führung Eden Pastoras,
zukommen zu lassen.

- 4 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

"DISCOVERY" NACH SIEBEN TAGEN ZURÜCK
Erfolgreiches Laser-Experiment im Vteltraum - Neue Forschungen
zur Röntgenstrahlenastronomie -

-

(AD) - Der amerikanische Raumtransporter DISCOVERY kehrte am Nach-

mittag des 2A. Juni 1985 nach siebentägigem Flug um die Erde zurück und
landete planmäßig auf einer Bahn der Edwards A i r Force Base i n K a l i f o r nien.

Ein umfangreiches Arbeitsprogramm war bewältigt

- ausgeführt von

fünf amerikanischen, einem französischen und einem arabischen Astronauten.

Dem erten Muslim im Vteltraum, Prinz Sultan b i n Salman b i n Abdal

Aziz AI Saud, war P u b l i c i t y gewiß.

Der erfahrene und passionierte F l i e -

ger i s t e i n Neffe des Königs von Saudi Arabien.
zialist

Er war a l s Nutzlastspe-

dabei, um Experimente auszuführen und u.a. Aufnahmen von seiner

Heimat zur Erleichterung geologischer Untersuchungen zu machen.

Am 2. Flugtag (18. Juni) beobachtete er vom Flugdeck aus das Absetzen des r i e s i g e n N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n ARABSAT aus dem Nutzlastraum der
DISCOVERY, 45 Minuten später den Start des S a t e l l i t e n aus der Umlaufbahn

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Umlaufbahn i n 320 km Höhe für den Aufstieg zur geostationären Bahn 35
680 km über der Erdoberfläche.
Liga
zur

als

Relaisstation

Übertragung

für

ARABSAT dient den Staaten der Arabischen

Telefongespräche, zur Datenübermittlung und

von regionalen

und kommunalen Fernsehprogrammen.

Signale können f ü r den Gebrauch innerhalb der einzelnen Länder
werden, um p o l i t i s c h e
vermeiden.

Probleme unter

Die

kodiert

den arabischen Benutzerstaaten zu

Ein Schwestersatellit war b e r e i t s einige Monate zuvor von der

europäischen Trägerrakete ARIANE auf eine Umlaufbahn gebracht worden.
Schon am ersten Flugtag hatte die DISCOVERY-Besatzung einen Nachricht e n s a t e l l i t e n abgesetzt, der Eigentum der Regierung Mexikos i s t .

Er e r -

möglicht den Anschluß selbst der abgelegensten Regionen des Landes an die
modernen Ubertragungsmittel

der Fernmeldetechnik.

Für etwa e i n

Viertel

der mexikanischen Bevölkerung gab es bisher weder Fernsehen noch Zugang
zum Telefonnetz.
Am 19. Juni e r f o l g t e s c h l i e ß l i c h der S t a r t des d r i t t e n Nachrichtens a t e l l i t e n (TELSTAR D-3), der das Betriebsnetz des Fernmeldeunternehmens
"American Telephone and Telegraph Company" (At&amp;T) wesentlich
Er

wird

im inneramerikanischen

Dienst

sowie

Hawaii, Alaska und Puerto Rico eingesetzt.

für

die

erweitert.

Verbindungen

mit

Jeder der Auftraggeber

be-

zahlte an die NASA (US-Behörde f ü r L u f t - und Raumfahrt) eine S a t e l l i t e n Startgebühr von e l f M i l l i o n e n D o l l a r .
TELSTAR D-3 (Masse: 630 kg) i s t das d r i t t e Gerät einer neuen Generat i o n von Fernmeldesatelliten.
che a l s

Er vermag f a s t viermal mehr Telefongesprä-

die unmittelbaren Vorläufer

Vielseitigkeit

und Leistungsfähigkeit

gleichzeitig
des

zu ü b e r m i t t e l n .

neuen Gerätetyps

zeigt

Die
sich

auch i n der höheren Kapazität für Faksimile- und Datenschnellübertragung,
der Möglichkeit zur g l e i c h z e i t i g e n Abwicklung von Hunderten von Fernsehkonferenzen

und

zur

Übertragung

von bis

zu 24 Farbfernsehprogrammen.

TELSTAR D-Geräte sind mit verbesserten B a t t e r i e n sowie mit Festkörperverstärkern ausgerüstet.

Während die Lebensdauer der bisherigen Fernmelde-

s a t e l l i t e n ca. sieben Jahre b e t r u g , werden für die neue Generation zehn
Jahre angesetzt.

D-l wurde im Jahr 1983 mit einer DELTA-Raketen, D-2 im

�D-2 im August 1984 beim Jungfernflug der DISCOVERY von Bord des Raumtransporters a g e s t a r t e t .

Erfolgreiches LASER-Experiment
Wegen eines Programmierfehlers, durch den die DISCOVERY i n die

fal-

sche P o s i t i o n gebracht worden war, mußte das Laser-Experiment vom 19. Jun i am 2 1 . Juni wiederholt werden.
Insel

Mauri

im P a z i f i k

blaues

Dabei wurde von einer S t a t i o n auf der
Laser-Licht

geringer

Intensität

aufge-

s t r a h l t , um es von einem kleinen Spiegelsystem an einer Seitenluke
DISCOVERY r e f l e k t i e r e n

zu lassen.

der

Die Astronauten konnten beim ersten

Versuch das Laser-Licht von der Erdoberfläche gut ausmachen, jedoch wurde
wegen der falschen Position des Raumschiffs der Spiegel nicht g e t r o f f e n .
Der zweite Versuch zwei Tage später v e r l i e f dann zu a l l e r
Es s o l l t e

vor allem geklärt

werden, ob und inwieweit

Zufriedenheit.

ein

Laser-Strahl

beim Durchgang durch die Atmosphäre v e r z e r r t würde, was das genaue Anpeilen eines Objektes im Weltraum i n Frage s t e l l e n könnte.

Der computerge-

steuerte L a s e r - S t r a h l , am Ausgangsort Mauri nicht einmal
weitete sich zu einem scheinwerferähnlichen L i c h t k e g e l .
Bord der DISCOVERY erfaßte i h n und warf i h n zurück.

bleistiftdick,
Der Spiegel an

M i t H i l f e des Com-

putersystems i n der S t a t i o n Mauri wurde er dem Raumtransporter ca. eine
Minute lang präzise nachgeführt.

Es war das erste Wsltraumexperiment im Rahmen der Forschungen f ü r das
amerikanische SDI-Programm.. Die Meßdaten vom r e f l e k t i e r e n d e n S t r a h l geben den Wissenschaftlern u.a.

Hinweise darauf, ob mit stärkeren Laser-

Strahlen f e i n d l i c h e Flugobjekte genau genug angepeilt
sie zu zerstören.

werden können, um

Im Rahmen der Entwicklung eines leistungsfähigen Ver-

teidigungssystems wurde die NASA ersucht, ab 1987 bei j ä h r l i c h zwei Raumtransporterflügen SDI-Experimente ausführen zu lassen.

Flüssigkeitsmechanik
- 3 -

�Körper unvorstellbar hoher Dichte b i l d e t .

Röntgenstrahlung von Gasen der

Umgebung könnte e i n Hinweis auf seine Existenz s e i n .
DISCOVERY hatte SPARTAN, einen 1000 kg schweren Forschungssatelliten,
an Bord, der mit Teleskopen und empfindlichen Zählgeräten zur Messung der
I n t e n s i t ä t von Röntgenstrahlung ausgerüstet war.
ausgesetzt

und dann wieder

eingeholt,

Er wurde für 45 Stunden

was die Astronautin Dr.

Shannon

Lucid mit H i l f e des 15 m langen Greifarms besorgte. SPARTAN r i c h t e t e s e i ne Teleskope zum S t e r n b i l d Perseus, so Galaxienhaufen a l s Emissionsquellen von Röntgenstrahlung aus sehr heißen Gasen ausfindig gemacht worden
waren.

Die Instrumente tasteten i n diesem Bereich das Firmament a b , r e -

konstruierten

ein

zweidimensionales

Bild

von der

Röntgenlicht-Emission

und sammelten Daten über die Gastemperaturen i n den Galaxienhaufen.
die

intensive

Strahlung

aus

dem Zentrum

unserer

Milchstraße,

Lichtjahre von der Erde e n t f e r n t , s o l l t e beobachtet werden.

Auch

30 000

Die Auswer-

tung der Aufzeichnungen könnte dazu b e i t r a g e n , Theorien der Astronphysik
zur Entwicklung von Glaxienhaufen und zu Energie- und Materieumsetzungen
im Zentrum einer Galaxie wie dem unserer Milchstraße zu untermauern.

- 5 -

�26. Juni 1985

25

NOCH GEFÄHRLICHER ALS HEROIN
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn -

-

(AD)- A l l e

Nationen müßten sich

darauf

e i n s t e l l e n , beim ersten

Auftreten eines Rauschgiftproblems mit dein Gefahren einer S u c h t s t o f f e p i demie k o n f r o n t i e r t
sich selbst

zu werden.

Denn die Erfahrung habe g e z e i g t , daß es

i n einer Gesellschaft,

die bislang von

Rauschgiftproblemen

nicht berührt wurde, mit unglaublicher Geschwindigkeit zur Seuche entwikkelt.

Mit dieser e i n d r i n g l i c h e n

Warnung s k i z z i e r t e Dr. Manuel Gallardo

vom i n t e r n a t i o n a l e n S u c h t s t o f f r e f e r a t

im amerikanischen Außenministerium

die Konzequenzen eines p l ö t z l i c h e n Ausbruches von Drogenmißbrauch.

Neben

den Belastungen i n medizinischer und sozialer H i n s i c h t , die Drogenabhäng i g k e i t mit sich b r i n g e , seien v e r b r e i t e t e Anwendung von Gewalt, Korruption,

politische

und w i r t s c h a f t l i c h e

Instabilität

sowie Aushöhlung der

sozialen Strukturen eines Landes unweigerliche Folgen.

Gallardo , von Hause aus k l i n i s c h e r Psychologe, befaßt sich s e i t mehr
a l s 20 Jahren mit Drogenmißbrauch und i s t s e i t sechs Jahren f ü r das State

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das State Department tätig.

Seine Bemühungen gelten vor allem der Ein-

dämmung des Verlangens nach Suchtstoffen.

So studierte und untersuchte

er an Ort und Stelle, wie sich Ausbrüche von Kokain- und Heroinmißbrauch
überhaupt entwickeln.

Nach Gallardos Meinung sind mangelnde Kenntnis und mangelndes Verständnis für die Auswirkungen von Drogenmißbrauch, die schließlich zu
erwarten sind, Hauptfaktoren im Hintergrund solcher Epidemien.

Das gelte

heute vor allem für Nationen, die zu Anbauländern für Suchtstoffpflanzen
geworden sind.

Die Pflanzen werden meist von armen Bauern angebaut, die

nun plötzlich entdecken, daß sie mit ihrem Erntegut schnell und leicht zu
Geld kommen können.

Ähnlich sei es mit den Verbindungsleuten zum Handel

und mit korrupten Polizei- und Regierungsbeamten.
von ihren Verbindungen zur Drogenszene.

Auch sie profitieren

"Persönliche Beweggründe, auf

die sich die Leute bei der Beteiligung an illegalen Handlungen berufen,
lassen sich immer irgendwie rechtfertigen", sagt Dr. Gallardo.

An das

Opfer denke niemand - es ist "irgendwo da draußen, weit weg, unbekannt".
Fast noch stärker ausgeprägt sei das Bestreben, gegenüber den schlimmen
Auswirkungen nicht nur den Kopf in den Sand zu stecken, sondern von ihnen
auch nach entsprechenden Informationen nichts wissen zu wollen.

Der in solchen Ländern zunächst verhältnismäßig ruhige Zustand ist
meist nich von langer Dauer.

Die 'Drogendynamik" vermag auch in den Ur-

sprungsländern wie in jeder anderen Nation sehr rasch Veränderungen herbeizuführen.

Bei den modernen Suchtstoffen könne nach Meinung von Dr.

Gallardo ohnehin angenommen werden, daß der eine oder andere Teilbereich
des Problems außer Kontrolle gerate. Das beste Beispiel dafür, wie mäßiger Drogenkonsum eskalieren und epidemieartige Ausmaße annehmen könne,
seien die Länder in der Andenregion Südamerikas, wo der Kokastrauch angebaut werde.

Schon vor Jahren habe man diese Staaten darauf hingewiesen,

daß sich aus der Kokaproduktion, wenn sie weiterhin unkontrolliert bleibe, mit der Zeit viele Probleme ergeben würden,

jedoch hätten viele Fak-

toren jegliche Gegenmaßnahmen zu einem frühen Zeitpunkt verhindert.

Heu-

te sei die Region von einer ganzen Reihe von Problemen bedroht, die alle
mit Drogen zusammenhängen.
Zu

den

Konsequenzen

�Zu den Konsequenzen der Tatsache, daß i n den Andenländern 100 000 b i s
200 000 stark Kokainsüchtige leben, zählen Gallardo zufolge massive Korr u p t i o n , die die Gesellschaft aushöhlt, Bestechung zum "Kauf" der ö f f e n t l i c h e n Meinung und der p o l i t i s c h e n Repräsentation, Gewaltverbrechen mit
Drogenhintergrund und, verursacht durch den immensen Geldfluß im Drogenhandel, mögliche p o l i t i s c h e D e s t a b i l i s i e r u n g .

"Wer hätte angenommen, daß

südamerikanische Präsidenten zu der Erkenntnis kämen, daß Drogen zu einer
überragenden
Gallardo.

Gefahr

für

das

Vtohlergehen

der

Region

führen?",

fragt

"Vter hätte geglaubt, daß Richter und selbst der J u s t i z m i n i s t e r

von Kolumbien von Händlern ermordert würden oder daß Bauern, die Drogenpflanzen anbauen, die p o l i t i s c h e n Systeme Südamerikas bedrohen könnten?"
Manche Nationen, unter ihnen besonders Kolumbien, haben die Gefahren e r kannt und handelten überaus z i e l s t r e b i g verantwortungsbewußt.

Sie s t e l l -

ten sich dem Problem, anstatt es übersehen oder wegdiskutieren zu wollen.
Gallardo

zufolge

ist

jedoch Südamerika nicht

die einzige von einer

sich ständig verstärkenden Drogenepidemie bedrohte Region.

Auch i n Pa-

k i s t a n , Jamaika und Großbritannien nehme Drogenmißbrauch i n erschreckender

Weise zu.

Während Haschisch-Konsum bei einem kleinen T e i l der pa-

kistanischen Bevölkerungskreise von jeher ü b l i c h war, sehe sich das Land
j e t z t einem explosionsartigen Anwachsen der Heroinsucht gegenüber.

Denn

der dort angebaute Schlafmohn werde nunmehr auch i n den Inlandsmarkt geschleust.
Ähnlich sei i n Jamaika Marihuana aus den dort w i l d wachsenden P f l a n zen lange Zeit nur für gewisse medizinische oder r e l i g i ö s e Zwecke verwendet worden.

In den l e t z t e n Jahren jedoch wurden i n Jamaika immer weitere

Kreise der M i t t e l s c h i c h t vom Drogenkonsum erfaßt - und dies nicht nur im
Zusammenhang mit Marihuana.
b e r i c h t e t Gallardo.

Vor allem die Kokainsucht

"Psychiater, die während v i e l e r

nehme stark

Jahre i h r e r

zu,

Praxis

nie Leute mit Kokain-Problemen zu sehen bekamen, haben j e t z t Dutzende und
Aberdutzende

von Patienten

mit

Kokainabhängigkeit."

Besonders

seien die Auswirkungen der i n Zigaretten eingedrehten, nicht

schlimm

gereinigten

Kokapaste.

Großbritannien g l a u b t e ,
- 3 -

�Großbritannien glaubte, die Heroinsucht unter Kontrolle zu haben,
sagt Gallardo.

Jetzt aber werde Heroin von jungen Menschen neu entdeckt.

Die Beteiligung der Mafia am Heroinhandel habe auch in Italien einen
Markt für dieses Rauschgift geschaffen.
viele Heroinsüchtige.
gekommen.

Inzwischen gebe es dort sehr

Zu einer ähnlichen Entwicklung sei es in Malaysia

Im Lande selbst werde weder Schlafmohn angebaut, noch sei frü-

her Opium gewohnheitsmäßig konsumiert worden.

Aber die Händlerringe be-

nutzten Malaysia als Durchgangsland und ließen Heroin für den Inlandsgebrauch "aussickern".
inabhängigen.

Jetzt habe Malaysia eine erhebliche Zahl von Hero-

Und das unvermeidliche Aussickern von Drogen konfrontiere

z.B. Nachbarländer der kokainproduzierenden Region Südamerikas, insbesondere die Nachbarländer Brasilien, Argentinien und Venezuela, mit der Gefahr einer Kokainepidemie.

Kokain - eine Todesdroge

Von einer Kokainepidemie ist nach Meinung Gallardos und zahlreicher
anderer amerikanischer Experten vor allem Europa bedroht.

Die Schmuggel-

strategie der Händler ziele auf diese Region, weil sie sich hier einen
ausbaufähigen Markt erwarteten.

Ähnliche Befürchtungen äußerten auch die

Mitglieder einer amerikanischen Delegation, die sich in London, Bonn und
Rom derzeit um verstärkte internationale Zusammenarbeit in der Rauschgiftbekämpfung

bemüht.

Suchtstoffreferaten

Die Delegation setzt sich aus Vertretern von

im amerikanischen Aißenministerium, des amerikani-

schen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und Drogenmißbrauch, der
amerikanischen Behörde für Suchtstoffbekämpfung
Organisationen zusammen.

(DEA) und von privaten

Sie alle suchen nach Mitteln und Wegen, die

Programme der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zur Drogenbekämpfung wirksamer zu gestalten.

Kokain gilt heute in den USA als ein überaus gefährliches Rauschgift,
das immer "hungriger" nach dem Suchtstoff mache. Dr. John McDonald, Arzt
und Leiter des amerikanischen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und
Drogenmißbrauch, berichtete in Bonn über seine Erfahrungen mit Patienten,
- 4 -

�mit Patienten, die marihuana- und kokainabhängig sind.

Kokain löse u.a.

Psychosen aus und beeinträchtige die Funktionen des zentralen Nervensystems.

Es wirke auf jene Gehirnpartien, die auch das Hunger- und Durst-

empfinden steuern.

So sei zu erklären, daß das Verlangen nach Kokain,

das bei Anfängern zunächst Euphorie und scheinbare Leistungssteigerung,
dann aber Depresionen erzeuge, im gewohnheitsmäßigen Gebrauch immer intensiver werde und sich zu einer Sucht steigere, von der loszukommen nur
wenigen gelingt.

Ihre verheerenden gesundheitlichen und die Persönlich-

keit zerstörenden Auswirkungen machten sich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar - und dann sei es meistens schon zu spät, um wirksam gegen
die Schädigungen angehen zu können.

Delegationsmitglied Ann Wrobleski, Stellvertretende Unterstaatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, verwies darauf, daß in Südamerika enorme Mengen von Kokain produziert würden - weitaus mehr, als z.B.
der amerikanische Markt aufnehmen könne.

So werde jetzt Europa mehr und

mehr mit dem Rauschgift überschwemmt. Experten schätzen, sagte Jon Thomas
vom amerikanischen Außenministerium, daß im Jahr 1985 in Osteuropa mit
einem Konsum von 20 Tonnen zu rechnen sei.

In den Vereinigten Staaten

werden z.Zt. im Jahr ca. 60 Tonnen Kokain abgesetzt.

Man könne anneh-

men, daß zehn Tonnen des Rauschgiftes eine Million Menschen kokainabhängig machen.

Wie Frau Wrobleski berichtete, probierten in den USA täglich

5000 Menschen Kokain zum ersten Mal.

Kokain sei heute keineswegs mehr

ein Problem in reichen Familien, sondern sei zu einem "alarmierenden"
Problem des Mittelstandes geworden.

Auch handle es sich längst nicht

mehr um ein "amerikanisches" Problem.

Andere Teile der Welt würden eben-

falls immer stärker davon betroffen, insbesondere Europa, wie schon aus
den beschlagnahmten Mengen bei westeuropäischen Zoll- und Polizeibehörden
erkennbar sei.

Wenn ein Land verhindern wolle, daß Suchtstoffe an Boden gewinnen und
Rauschgiftkonsum zur Epidemie wird, müsse es äußerst aggressiv die Drogensituation überwachen und ständig von neuem analysieren, meinen die
amerikanischen Experten.

Niemand und kein Staat könne es sich leisten,

die Zügel schleifen zu lassen - auch wenn gegenwärtig keine Gefahr zu

�Gefahr zu drohen scheine.
dikal ändern.

Die Situation könne sich sehr schnell und ra-

Von größter Bedeutung sei jedenfalls auch das Aufspüren

der Geldströme aus dem Drogengeschäft und die Beschlagnahme der teilweise
sogar über renommierte Bankinstitute transferierten Gelder.

Dies sei ei-

ner der Punkte, an dem die Drogenbekämpfung wirksam ansetzen könne - allerdings erfordere dies enge und engagierte internationale Zusammenarbeit.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert internationale Schritte gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Shultz: Keine Konzessionen an die Terroristen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Senatsausschuss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern UdSSR zur Beendigung ihrer antijüdischen Kampagne auf&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Nicaraguas Abkehr von CONTADORA-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (NPT)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Wertung des amerikanischen Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nicaragua-Hilfe im US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"DISCOVERY" nach sieben Tagen zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erfolgreiches Laser-Experiment im Weltraum - Neue Forschungen zur Röntgenstrahlenastronomie -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch gefährlicher als Heroin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Delegation in Bonn -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

3. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans nach Entlassung der Geiseln
- Wortlaut Erklärung von Vizepräsident Bush bei Ankunft der freigelassenen
Geiseln
Die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz A. J u l i : Wichtig f ü r die F r e i h e i t i n a l l e r Vfelt
- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag Präsident Reagan l e g t Nahost-Politik der USA dar
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Aufrüstung im Bereich der strategischen Waffen
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
25 Jahre Wetterbeobachtung aus dem Vteltraum
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FEAGANS NACH ENTLASSUNG DER GEISELN

- Wort Laut -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer Fernsehan-

sprache i n der Nacht des 30. Juni 198!
l e t z t e i 39 Geiseln des TV\A-Fluges als
s e l b s t , für

(Ortszeit)

die Freilassung der

einer Moment der Freude für

sie

ihre Angehörigen und f ü r das armrika ilscha Vo Lk bezeichnet,

aber auch c i e T e r r o r i s t e n vor weiteren Anschlägen gewarnt.
Dil? Ansprache des Präsidenten, die e:- naci derr Abflug der Geiseln von
Damaskus nach Frankfurt/Nain h i e l t , hat folgenden l i b r t l a u t :
Die 39 Amerikaner, die von T e r r o r i s t e n

im Libanon 17 Tage lanc

Geiseln festgehalten wurden, sind f r e i , sicher und i r
auf ihrem Weg nach F r a n k f u r t .

als

diesem Augenblick

Sie werden b.ild wieder daheim s e i n .

Das

i s t e i n Moment der Freude

für s i e , für i h r e Angehörigen und für unsere

Nation; und Amerika ö f f n e t

sein Herz im Dankgebet an den Allmächtigen

Gott.

Wir dürfen dankbar s e i n , daß unser G.auben, unser Mut und unsere

F e s t i g k e i t sich ausgezahlt hahen. Aber das ist: kein Augenblick zum F e i e r n .
Wir wollen keinen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir wollen keinen Zweifel daran lassen, daß sieben Amerikaner, die
noch im Libanon gefangengehalten werden, zusammen mit weiteren unschuldigen Geiseln aus anderen Ländern freigelassen werden müssen; daß die Mörder von Robert Stethem und unseren Soldaten des Marinekorps und unseren
Zivilisten in El Salvador zur Rechenschaft gezogen werden müssen; daß jene, die in der ganzen Welt für Terrorakt? verantwortlich sind, von zivilisierten Nationen gestellt werden müsser; daß die internationale Gemeinschaft dafür sorgen muß, daß all unsere Flugplätze sicher sind und der
zivile Luftverkehr geschützt wird und daß sich die Welt zusammenschließen
muß, um entscheidende Maßnahmen zu treffen gegen Terroristen, gegen Länder, die Terroristen fördern, und gegen Länder, die Terroristen sicheren
Unterschlupf gewähren.

Dieses Drama hat uns daran erinnert, wie kostbar und zerbrechlich die
Freiheiten und die Normen des Anstandes in einer zivilisierten Gesellschaft sind, wie sehr ein zivilisiertes Leben vom Vertrauen in andere
Menschen abhängt und wie diese Werte, die wir so hoch halten, auch mit
Tapferkeit verteidigt werden müssen - einer Tapferkeit, die still und
tief in der Seele liegen mag, die aber in jeder Zeit der Gefahr hervortritt , wenn wir sie rufen.

Freiheit, Demokratie und Frieden haben Feinde.
schütterliche Freunde haben.

Sie müssen auch uner-

Die Vereinigten Staaten geben Terroristen

keine Belohnungen und keine Garantien. • Wir machen keine Zugeständnisse.
Wir machen keine faulen Geschäfte.

Länder, die Terroristen eine Heim-

statt gewähren, untergraben ihre eigene Stabilität und gefährden ihre eigene Bevölkerung.

Terroristen merkt euch:
euch zurückschlagen.

Wir werden im Libanon und anderswo gegen

Wir werden gegen eure feigen Angriffe auf amerika-

nische Bürger und amerikanisches Eigentum zurückschlagen.

Mehrere Länder haben sich aktiv an den Bemühungen beteiligt, unsere
Mitbürger frei zu bekommen.
nommen.

Syrien hat eine zentrale Verantwortung über-

Die Bemühungen der algerischen Regierung waren ebenfalls ein

�ebenfalls e i n Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit gegen eine d i r e k te Herausforderung durch gesetzlose T e r r o r i s t e n .

König Hussein hat früh

und nachdrücklich eine Verurteilung der Geiselnahmen ausgesprochen.

Auch

Saudi-Arabien l e i s t e t e einen wirkungsvollen B e i t r a g .
Ehrend der

l e t z t e n 17 Tage standen wir auch i n engem Kontakt

mit

I s r a e l und einer Reihe von Regierungen i n Europa und im Nahen Osten sowie
mit

i n t e r n a t i o n a l e n Organisationen, denen a l l e n die Sicherheit

Freilassung der Geiseln e i n großes Anliegen war.
vergessen und a l l
gestanden haben.
getan haben.
getan i s t .

und die

Wir werden das nicht

jenen Dank sagen, die uns geholfen und uns zur Seite
Und wir werden auch jene nicht vergessen, die das nicht

Wir werden nicht ruhen, ehe nicht der Gerechtigkeit Genüge
Wir werden nicht ruhen, ehe nicht die Weltgemeinschaft

P f l i c h t e n nachkommt.

ihren

Wir a p p e l l i e r e n an j e n e , die dazu beigetragen ha-

ben, die Freilassung dieser T WA-Passagiere s i c h e r z u s t e l l e n , noch größere
Energie und noch größeren Einsatz zu zeigen, um die Freilassung a l l e r anderen, die noch im Libanon festgehalten werden, s i c h e r z u s t e l l e n .
appellieren an die

Und w i r

Weltgemeinschaft, ihre Zusammenarbeit zu s t ä r k e n , um

dieses häßliche, gefährliche Übel des Terrorismus auszurotten.

Ich möchte h i e r noch eine persönliche Bemerkung anfügen.

Wie Sie a l -

l e haben Nancy und i c h diese Tage m i t e r l e b t ; und wie Sie haben wir beide
•um das gebetet, was j e t z t eingetreten i s t .

Und wie Sie danken wir Gott

und harren mit angehaltenem Atem auf i h r e endgültige Heimkehr an unsere
Küsten.

- 3 -

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT BUSH BEI ANKUNFT DER FREIGELASSENEN GEISELN

FRANKFURTMAIN -

(AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush

gab am 1 . J u l i 1985 nach Ankunft der i n Beirut freigelassenen 39 amerikanischen Geiseln die folgende Erklärung ab:
Unsere Leute sind zurück.

Sie sind gesund und werden i n Kürze nach

Hause zu i h r e n Familien kommen.
Während dieser qualvollen Z e i t hatten Sie einen ganz besonderen Platz
i n den Herzen a l l e r Amerikaner - Tag f ü r Tag h o f f t e n und beteten sie f ü r
Ihre sichere Rückkehr.

Sie sind zurück, und Amerika wich nicht von s e i -

nen P r i n z i p i e n ab, um Sie zurückzubringen.

Freunde und Nachbarn h a l f e n

Ihren Familien während der schrecklichen und quälenden Vfertezeit - und
Amerika zeigte sich damit von seiner besten S e i t e .

Und während heute die

Nachricht von Ihrer Freilassung den Äther e r f ü l l t , heißen wir Sie gemeinsam mit Ihren Familien willkommen.

Manchmal schlägt das Schicksal zu und

Postfach 20 03 00 Tel. 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zu und t r i f f t

eine Gruppe von Menschen, und manchmal b r i n g t das Schicksal

eben Tragik und Leiden. Als der TW\-Flug 847 gekapert wurde, bewiesen Sie
Charakter und Mut.

Sie ertrugen diese grausame und schmerzvolle Erfah-

rung tapfer und beherzt.

I h r Land i s t s t o l z auf S i e .

Aber t r a g i s c h war

vor allem auch die brutale Ermordung von Robert Stethem.

Ich stand neben

seiner F a m i l i e , a l s er seine l e t z t e Ruhe fand, und sah die Würde und das
Leid seiner Mutter und seines Vaters.
Dienst seines Landes s t a r b .
Amerikaner

gefangengehalten.

Ihr Sohn war e i n

Held, der im

Und noch heute werden irgendwo im Libanon
Und bei

aller

Freude über

Rückkehr v e r u r t e i l e n die z i v i l i s i e r t e n Menschen i n a l l e r

Ihre

sichere

Vtelt die Taten

d e r e r , deren k r i m i n e l l e s Verhalten das Leiden jener f o r t s e t z t .

Ihre Fa-

m i l i e n , die nicht an der Freude dieses Augenblicks teilhaben können, s o l len wissen, daß unsere Herzen mit ihnen sind und daß wir auch w e i t e r h i n
a l l e Anstrengungen unternehmen werden, um die sichere Rückkehr i h r e r L i e ben zu erreichen.
Sie a l l e .

Ich b i n sehr s t o l z , h i e r zu s e i n , b i n sehr s t o l z auf

Ich b i n s t o l z , mit einem Presidenten zusammenzuarbeiten, der

beim Einsatz der Stärke und der Macht unserer großen Nation Mut, Geduld
und Vfeisheit z e i g t .

Willkommen zu Hause.

* * * * *

- 2-

Gott schütze Amerika.

�3. J u l i 1985

26

DIE VEREINIGTEN STAATEN IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz -

WASHINGTON George Shultz

(AD) - Am 30. Juni 1985 gab amerikanische Außenminister

anläßlich

der Freilassung

von 39 i n

Beirut

festgehaltenen Amerikanern eine Pressekonferenz, auf der er
zu dem Problem des Terrorismus Stellung nahm.

als

Geiseln

ausführlich

Wir geben im folgenden den

Wortlaut der Pressekonferenz wieder:
FRAGE:

Herr Außenminister, können Sie e r k l ä r e n , weshalb S y r i e n , e i n

Land, das von den Vereinigten Staaten oftmals der Unterstützung von Terroristen bezichtigt

wurde, so h i l f r e i c h gewesen i s t ?

Wird sich daraus

eine Veränderung unserer Haltung gegenüber Syrien ergeben?
ANTWORT:

Ich kenne die Gründe n i c h t , hoffe aber, daß sich daraus ab-

lesen l ä ß t , daß Syrien zu der gleichen Schlußfolgerung gekommen i s t , wie
andere

Staaten auch, nämlich, daß L u f t p i r a t e r i e

und Terrorismus

etwas

Schlechtes sind.
FRAGE:

Was i s t

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Telex: 8-85432

�FRAGE:

Was i s t mit den Sieben, die immer noch im Libanon sind? Haf-

fen S i e , daß Syrien sich auch h i e r a l s h i l f r e i c h erweisen könnte? Und wie
steht es mit Vergeltung?
ANTWORT:

Wir haben über die Sieben mit Syrien gesprochen, und wir

haben den meines Erachtens

zutreffenden Eindruck,

daß Präsident

sich i n t e n s i v um eine Lösung dieses Problems bemüht, worüber w i r

Assad
froh

sind.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Und wie steht es mit Vergeltung? . . .
Kein Kommentar dazu.
Herr Außenminister, was körnen Sie uns über die Möglichkeit

einer Freilassung der i n I s r a e l festgehaltenen libanesischen Gefangenen
sagen . . . ?
ANTWORT:

I s r a e l hatte schon vor a l l diesen Ereignissen zu verstehen

gegeben, daß es die Absicht habe, diese Gefangenen f r e i z u l a s s e n , und heute habe i c h Verteidigungsminister Rabin im amerikanischen Fernsehen sagen
hören, daß diese Gefangenen nur z e i t w e i l i g i n h a f t i e r t seien - i c h glaube,
das waren seine Worte - und daß I s r a e l die Absicht habe, sie
sen.

freizulas-

Ich erwarte daher, daß dies geschehen w i r d .
FRAGE:

Wird das nicht

a l s Gegenleistung verstanden werden, selbst

dann, wenn es keine d i r e k t e Verknüpfung gegeben hat?
ANTWORT:
all

Es g i b t keine Verknüpfung, und da die I s r a e l i s

diesen Ereignissen die Absicht

h a t t e n , entsprechend

zu

schon vor
verfahren,

s o l l t e die Geiselnahme sie nicht daran hindern, das auszuführen, was sie
v o l l und ganz tun w o l l t e n .

Es g i b t also keine Verknüpfung, und i c h g l a u -

be, es i s t sehr w i c h t i g , daß wir und andere, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen, zur Kenntnis nehmen, daß eine solche Verknüpfung n i c h t
besteht.
FRAGE:
- 2 -

Herr Außenminister,

�FRAGE:
Israel

hferr

Außenminister,

wollen

noch mit Syrien Gespräche geführt

Sie

sagen,

daß

Sie

weder

mit

haben und daß a l l e s quasi von

selbst abgelaufen i s t ?
ANTWORT:
FRAGE:

N a t ü r l i c h n i c h t . Das w o l l t e i c h n a t ü r l i c h nicht sagen.
Wie i s t es dann gelaufen?

ANTWORT:

Wir haben zahlreiche Gespräche mit v i e l e n Regierungen ge-

f ü h r t , auch mit der israelischen und i n den l e t z t e n Tagen besonders mit
S y r i e n , und wir haben s t e t s b e t o n t , daß diese Geiseln und die anderen,
die

noch

festgehalten

werden, freigelassen werden s o l l t e n .

Wir haben

ferner darauf hingewiesen, daß I s r a e l vor E i n t r i t t dieser Ereignisse dabei gewesen s e i , die Gefangenen zu entlassen, und daß die Geiselnahme daher eindeutig einen Prozeß behindere, der b e r e i t s angelaufen war.
FRAGE:

Können Sie e r k l ä r e n , warum die Dinge gestern ins Stocken ka-

men, warum es eine Verzögerung gab und welche Rolle Syrien bei der Lösung
des Problems gespielt hat?
ANTWORT:

Das Problem bestand augenscheinlich d a r i n , daß die

die sich im Gewahrsam der Hszbollah befanden, nicht

Vier,

freigegeben und mit

der Gruppe der übrigen Geiseln zusammengeführt wurden, aber mir i s t

nicht

bekannt, warum dies geschah und was die B e t e i l i g t e n s c h l i e ß l i c h anderen
Sinnes werden l i e ß .

Ich weiß nur, daß die Syrer gestern abend an uns

herantraten und sagten, daß sie es für n ü t z l i c h halten würden, wenn wir
eine Erklärung mit

einem bestimmten Teror abgäben.

Deshalb

arbeiteten

wir eine Erklärung aus, die die von uns s e i t langem eingenommene Haltung
b e s t ä t i g t e , und v e r ö f f e n t l i c h t e n s i e .
FRAGE:

Haben sie (die Syrer) bei der Abfassung dieses Freilassungs-

szenarios geholfen?
ANTWORT:

Sie haben uns wissen lassen, was die Erklärung ihres Erach-

tens sinnvollerweise

beinhalten

s o l l t e , aber geschrieben wurde sie

von

�sie von uns.

Wie ich bereits sagte, bezieht sie sich auf Dinge, die wir

ohnehin seit langem vertreten, und dürfte daher keinen Anlaß zur Beanstandung geben.

FRAGE:

Liegen Ihnen Hinweise darauf vor, daß der Iran bei der Her-

beiführung oder der Überwindung der Verzögerung zwischen der gestern gescheiterten und der heute erfolgten Freilassung irgendwie beteiligt war?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Ist die Regierung, wie der Präsident sagte, zur Vergeltung

entschlossen?

ANTWORT:

Räumen Sie mir eine Minute Zeit ein, um Ihnen zu erläutern,

welche Politik wir im Hinblick auf die Bekämpfung des Terrorismus verfolgen.

Erstens

...muß innerhalb des amerikani.schen Volkes ein allgemeines

Bewußtsein der Natur dieser Bedrohung und ihrer Bedeutung bestehen, und
auch eine Einsicht, warum es notwendig ist, ihr gegenüber eine bestimmte
Art von Haltung einzunehmen.

Insbesondere muß man sich darüber im klaren

sein, warum es wichtig ist, mit Terroristen keinen Handel abzuschließen.
Zweitens bemühen wir uns sehr intensiv und mit beträchtlichem Erfolg,
unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten auszubauen, so daß wir nicht
nur immer besser in der Lage sind, festzustellen, wer der Täter war,
nachdem etwas geschehen ist, sondern auch - und das ist noch wichtiger auf Dinge aufmerksam zu werden, die geschehen könnten.

Es ist wichtig, daß wir dazu in der Lage sind, es ist wichtig, daß
unsere Freunde dazu in der Lage sind, und es ist wichtig, daß die nachrichtendienstlichen Netze untereinander verflochten sind.

In den vergangenen neun Monaten waren wir in über 60 Fällen in der
Lage, Dingen auf die Spur zu kommen, die wahrscheinlich geschehen wären,
- 4 -

�geschehen wären, die wir aber ans TagesL.cht bringen oder v e r e i t e l n oder
wegen derer wir i n anderer Waise t ä t i g werden konnten.
durchaus etwas.

Wir bewirken also

Und i c h darf sagen, dalö d i e j e n i g e n , die

terroristische

Unternehmungen planen oder ausführen, wahrscheinlich recht überrascht wär e n , wenn sie wüßten, w i e v i e l wir über sie erfahren.
D r i t t e n s müssen wir offenkundig bestimmte Sclxtzmaßnahmen e r g r e i f e n .
Im Augenblick r i c h t e t sich die Aufmerksankeit der Menschen vorrangig auf
Flugzeuge und Flughäfen, und n a t ü r l i c h setzen wir uns dami; s e i t
Jahren auseinander.
Ergebnisse

vielen

Auch hier müssen wir noch mehr tun unc noch bessere

erzielen,

aber

dia

Techniken, die

entwickelt

worden

sind,

funktionieren.

So wurden beispielsweise auf amerikanischen Flughäfen i n den l e t z t e n
20 Jahren
nahmt.

rund 3 000

Waffen und Sprengkörper

jeglicher

Art

beschlag-

Eine andere Frage b e t r i f f t n a t ü r l i c h unsere Botschaftsgebäude und

ähnliche Einrichtungen; auch dort g i b t es Schutzmaß nahmen.
Viertens müssen wir unser« Möglichkeiten ausbauen, a k t i v e

Verteidi-

gungsmaßnahmen zu e r g r e i f e n , :so daß T e r r o r i s t e n i n zunehmendem Maße e r kennen, daß ihre Aktionen i h r e n Preis ha^en, und so daß wi? i n der Lage
s i n d , etwas vorbeugend zu verhindern, wem wir sehen, daß es sich zusammenbraut.
Dies sind also die v i e r Grjndzüge unserer P o l i t i k , und i c h meine, wir
kommen voran.

Es handelt sich h i e r offenkundig um etwas, woran hart und

k o n t i n u i e r l i c h gearbeitet werden muß.
FRAGE:
zu ziehen.

Der Präsident sprach davon, 1ie L u f t p i r a t e n zur Rechenschaft
Kann man realistischerweise

darauf h o f f e n , und wenn j a , wie

s o l l dies ablaufen?
ANTWORT:

Insbesondere

möchten wir

sicherlich

Robert Stethem zusammengeschlagen und erschossen h a t .
in

diesem Augenblick

der Freude über die

herausbekommen, wer
Ich meine, daß wir

Freilassung

von 39 Menschen

�39 Menschen nicht nur an die sieben denken müssen, nach denen wir immer
noch suchen, sondern auch daran, daß einer zusammengeschlagen und ermordet wurde und daß in El Salvador sechs Amerikaner und eine Reihe Salvadorianer erschossen worden sind.

Wir müssen an die Menschen in der abge-

stürzten Maschine der Air India denken.

Man muß auch an die Leute von

der Gepäckabfertigung auf dem Flughafen Narita denken.

Es gibt also eine

Menge von Schandtaten auf der Walt.

Wir möchten aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen, auf jeden Fall
herausfinden, wer geschossen hat, und den Täter zusammen mit seinen Mitverschwörern der Justiz überantworten.

FRAGE:

ANTWORT:

Welcher Art von Justiz könnten sie überantwortet werden?

Wenn sie zu identifizieren sind, dann gibt es vermutlich

auch Rechtsprozesse, und wir werden tun, was wir können, damit sie auch
angewandt werden.

FRAGE:

Herr Außenminister, der Präsident hat seine Dankbarkeit für

die geleistete Hilfe gegenüber Syrien zum Ausdruck gebracht, meines Wissens aber Herrn Berri nicht erwähnt... Wie bewerten Sie die Rolle, die er
bei der Freilassung der Geiseln gespielt hat?

ANTWORT:

Er hat sich selbst in verschiedenen Rollen dargestellt.

hat sich als Vermittler dargestellt.
der Gruppe dargestellt.

Er

Er hat sich als Partei und Mitglied

Ich glaube daher, daß wir uns über Herrn Berri

erst noch klar werden müssen.

FRAGE:

Harr Außenminister, Sie sagten, daß die Terroristen einen

Preis zahlen müssen.

Wenn man aber die weltweite Aufmerksamkeit, die die

Forderungen der Terroristen gefunden haben, sowie die verständnisvollen
Äußerungen der Geiseln und das bisherige Ausbleiben jeder Art von Vergeltung in Betracht stellt, sieht es dann nicht so aus, als ob diese Terroristen keinerlei Preis zahlen mußten, sondern in der Tat gewonnen haben?
ANTWORT:
- 6 -

Ich glaube,

�ANTWORT:

Ich glaube, daß sie doch einen Preis gezahlt haben.

Und

dieser Kampf gegen den Terrorismus ist natürlich eine Sache, die voll in
Gang ist.

Wir stecken mittendrin.

...Jemand stellte eine Frage über die einzelnen Täter, und wir werden
sie suchen.

Ich kann auch sagen, daß in den letzten 15 Jahren 15 Prozent

aller Flugzeugentführungen außerhalb der Vereinigten Staaten auf dem Beiruter Flughafen entweder ihren Ausgang genommen, ihren Abschluß gefunden
oder ihn berührt haben. Der Beiruter Flughafen ist zu einer Art sicherem
Unterschlupf für Terroristen geworden.

Das gehört sicherlich zu den Din-

gen, die wir und andere Staaten berücksichtigen müssen.

Solange Beirut

ein Unterschlupf für Terroristen ist, sollte dieser Ort von der Völkergemeinschaft

nicht frequentiert werden.

Daher müssen wir auf diesen

Flughafen nach meiner Meinung ein waches Auge haben.

FRAGE:

Sie sagten, Sie erwarten, daß Israel die libanesischen Gefan-

genen freiläßt. Höben Sie eine Vorstellung davon, wie lang es dauern
wird, bis alle frei sind?
ANTWORT:

Darüber muß Israel entscheiden; meine Erklärung gründet

sich auf das, was Israel gesagt hat.

FRAGE:

Sehen Sie in der vergangene Nacht vom Außenministerium veröf-

fentlichten Erklärung eine Begrenzung der amerikanischen Möglichkeiten
zur Vergeltung?

ANTWORT:

Die Erklärung gibt unsere Ansichten über den Libanon wie-

der. Ähnliches wurde in der Vergangenheit mehrfach erklärt, und wir haben
nichts dagegen, diese Ansichten erneut zu bekräftigen.

FRAGE: Man sagte hier, die Beurteilung Assads und Syriens stehe noch
aus.

Auch wenn er in diesem Fall hilfreich war:

Die eigentliche Probe

besteht darin, ob er auch noch die sieben anderen herbeischaffen kann.
Ist dies also ein singuläres Moment der Zusammenarbeit oder hat er wirklich seine Position und die amerikanisch-syrischen Beziehungen verbessert?
ANTWORT:

Präsident

�ANTWORT:

Präsident Assad war auch bei anderen Gelegenheiten hilf-

reich - und bei dieser hier ganz sicherlich.

Wir haben Informationen

darüber, daß er sich auch intensiv um das Problem der anderen Geiseln bemüht, und begrüßen das natürlich.

FRAGE:

Wäre es nicht ein guter Gedanke, die Israelis zu ersuchen,

die schiitischen Gefangenen erst dann zu entlassen, wenn wir die sieben
anderen Opfer freibekommen haben?

ANTWORT:

Das würde zu einer Verbindung führen, die wir nicht wollen.

Unsere Geiseln im Libanon sollten freikommen.

Punkt.

Um nichts anderes

geht es hier. Wir wollen das mit nichts anderem in Zusammenhang bringen.

FRAGE:

Warum gab es keinen militärischen Rettungsversuch, als die

Vereinigten Staaten in Algerien eine solche Chance zu haben schienen?

ANTWORT:

Ich möchte keinen Kommentar zu militärisch möglichen Optio-

nen abgeben.

FRAGE:

Sie sagten, diese Terroristen hätten einen Preis bezahlt.

Welcher Preis ist das - nachdem es den Anschein hat, sie hätten bekommen,
was sie wollten?

ANTWORT:

Der Libanon und der Beiruter Flughafen haben sich selbst

durch ihre Handlungen vor der Staatengemeinschaft als Ausgestoßene erwiesen.

Sicherlich ist der Libanon ein Ort erheblichen Chaos, und ich glau-

be, dies allein ist schon ein hoher Preis, den die Menschen dort zahlen
müssen. Und noch ist nicht alles vorbei.

FRAGE:

Dazu noch: Fordern Sie einen weltweiten Boykott des Beiruter

Flughafens? Werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen, um andere
Flugzeuge bzw. unsere Flugzeuge von einem Flug dorthin abzuhalten?

Was

wollen Sie genau hinsichtlich dieses Flughafens machen?

ANTWORT:

Wir werden

�ANTWORT:

Wir werden diesbezüglich mit unseren Freunden sprechen. Wir

hoffen, ein konkretes Handlungsmuster erstellen zu können.

Wir haben je-

denfalls eine sehr klare Vorstellung von diesem Flughafen und das habe
ich hiermit gesagt.

FRAGE:

Sie sprachen von den Leuten, die Robert Stethem erschossen

haben, und daß wir versuchen, sie der Justiz zuzuführen. Sie sprachen dabei von gerichtlichen Schritten. Warden wir also nicht den Versuch machen , Vergeltung im Sinne einer Rache gegen einen größeren Personenkreis
zu üben?

ANTWORT:

Rache ist ein Gefühl, das Menschen überkommt - das geht uns

allen so. Aber vom Standpunkt der aktiven Verteidigung aus gesehen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir Kosten aufzwingen können,
wie die Zukunft aussieht und wie wir all dem zuvorkommen können. Gleichzeitig müsssen alle, die ein Verbrechen begehen - und dies ist sicherlich
in jedermanns Verständnis ein Verbrechen -, der Gerechtigkeit zugeführt
werden; und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit dies
auch geschieht.

FRAGE:

Waren Sie nicht enttäuscht, als die Geiseln auf ihrer Presse-

konferenz nichts Positives über die amerikanische Regierung und ihre Bemühungen , aber viel Positives über die Amal zu sagen hatten?

ANTWORT:

Sie sprachen für sich selbst und sie haben ein Recht auf

ihre eigene Meinung. Sie gingen durch ein Trauma.

Gott schütze sie. Ich

bin froh, daß sie auf ihrem Wag nach Hause sind.

FRAGE:

Noch eine Frage zu den Mördern unseres Mannes.

Wollen Sie

versuchen, daß die Regierung des Libanon sie ausliefert?

ANTWORT:

Ich zeige hier keinen juristischen Wag auf.

Ich sage nur:

"Hier ist eine Person, die zusammen mit anderen einen Mord begangen hat;
kaltblütigen Mord nach brutalen Schlägen". Derlei muß bestraft werden.
FRAGE:
- 9 -

Nun gut.

�FRAGE:

Nun g u t .

Die Frage i s t doch aber, ob Sie versuchen werden,

es im S t i l l e n zu t u n , oder ob es durch die P r i n z i p i e n des i n t e r n a t i o n a l e n
Rechtes geschieht?
ANTWORT:

N a t ü r l i c h , wir sind e i n Volk mit P r i n z i p i e n . Aber i c h g l a u -

be , es s o l l t e getan werden.
FRAGE:

Was den Beiruter Flughafen angeht, so g i b t es meines Wissens

nur v i e r F l u g l i n i e n , die i h n a n f l i e g e n .

Und von der Middle East A i r l i n e

abgesehen, g i b t es nur wöchentliche Flüge.

I s t es a l s Maßnahme genug,

d r e i F l u g l i n i e n anzuweisen, i h r e wöchentlichen Flüge d o r t h i n einzustellen?
ANTWORT:

Wir werden sehen. Ich meine jedoch, daß e i n Flughafen, der

an einer so großen Zahl von Flugzeugentführungen b e t e i l i g t i s t und zu dem
man gewissermaßen kommen kann, um sich dort Verstärkung zu h o l e n , auf u n serer

"Betreten verboten"-Liste

stehen s o l l t e .

Darum geht es doch. Es

geht n i c h t um w i r t s c h a f t l i c h e Sanktionen oder ähnliches.
FRAGE:

Der Präsident sagte, man werde sich an die e r i n n e r n , die uns

geholfen haben und auch an j e n e , die uns nicht geholfen haben.

Wer waren

j e n e , die uns nicht geholfen haben?
ANTWORT:

Ich möchte dazu nichts

sagen; aber wir haben eine

klare

Vorstellung davon.
FRAGE:

Der Präsident

benutzte eine

den Terrorismus zu v e r u r t e i l e n .

ziemlich deutliche Sprache, um

Was g i b t e s , um sie zur Freilassung der

verbliebenen sieben Amerikaner zu zwingen?
ANTWORT:

Sie

werden auf

die

gleichen Überlegungen eingehen,

die

s c h l i e ß l i c h zur Freilassung der 39 anderen heute geführt haben. S i c h e r ,
wenn es Menschlichkeit g i b t , s o l l t e das getan - und zwar s o f o r t getan werden.

Auf jeden F a l l werden wir uns w e i t e r h i n darum bemühen.

Und wie

i c h schon sagte, haben wir den Eindruck, daß Präsident Assad h i e r doch
w i l l e n s i s t , und auch wir werden weiter darauf drängen.
FRAGE:

Wenn Ihnen

�FRAGE:

Wenn Ihnen so viel an Gerechtigkeit liegt und wenn es stimmt,

daß es Libanesen gibt, die schon seit zwei Jahren in Israel in Gefangenschaft sind:

Warum drängen Sie nicht auch gegenüber Israel darauf, daß

dort auch Menschen freikommen, die als potentielle Terroristen gefangengenommen wurden und niemals unter Anklage gestellt wurden?

Wir legten

vor den Vereinten Nationen und ähnlichen Foren gegen alles unser Veto
ein, was ihnen hätte helfen können?

ANTWORT:

Ich möchte hierauf nur sagen, daß die Probleme von Gefange-

nen in Israel und die unserer Geiseln in Beirut in keinem Zusammenhang
miteinander standen.

FRAGE:

ANTWORT:
Sorgen.

(Unverständlich)

Wir machen uns über Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt

Aber was die Behandlung des Terrorismus angeht, so ist einer der

schlimmsten Fehler der, es Terroristen zu ermöglichen, Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Dingen zu schaffen, indem man auf sie eingeht.
Wann wir dies zulassen, kann jeder, der irgendwo in der Welt einen Grund
zur Klage hat, sich ein paar Leute greifen - etwa berühmte Leute wie Sie1.
- und sagen: Die Vereinigten Staaten müssen jetzt etwas gegen seine Sorgen tun, oder er werde sie nicht freilassen.
mitmachen. Das ist die Antwort.

- 11 -

Das aber werden wir nicht

�3. Juli 1985

26

A. JULI:

WICHTIG FÜR DIE FREIHEIT IN ALLER WELT

- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag -

WASHINGTON - (AD) - Der 4. Juli ist nach den Worten Präsident Reagans
der Geburtstag Amerikas, doch sei dies auch ein Tag, der wichtig für jeden ist, der an die Freiheit glaubt.
In

einer

Erklärung

Reagan die amerikanische

zum

amerikanischen

Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitserklärung

ein

nannte

"ausdrucksvolles

Dokument, in dem die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des
einzelnen niedergelegt sind".

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 kennzeichnete sowohl den Anfang einer neuen Nation als auch den Beginn einer
großen Epoche in der Geschichte der Weltpolitik.

An diesem Tag wurde in

Philadelphia eine Republik geboren, die sich auf die Idee der Freiheit
für alle stützt.

Am 4. Juli feiert Amerika seinen Geburtstag, aber dies

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�aber dies ist auch ein Tag, der wichtig ist für jeden, der an die Freiheit glaubt.

Die Unabhängigkeitserklärung eröffnete dem Volk eine Möglichkeit des
Regierens wie niemals zuvor.

Jedem einzelnen wurde der Besitz bestimmter

unveräußerlicher Rechte bestätigt.

Und diese Rechte wiederum setzten un-

ser Volk in die Lage, an seinem politischen System teilzuhaben.

Dies war

eine echte Revolution, der die Idee zugrunde lag, daß die Regierung der
Zustimmung derjenigen bedarf, die sie regiert.

Über Nacht wurden die

Amerikaner als Bürger eines freien Landen anerkannt, wo sie doch vorher
nur koloniale Untertanen eines weitentfernten Monarchen gewesen waren.

Bis auf den heutigen Tag ist dieses ausdrucksvolle Dokument, in dem
die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des einzelnen niedergelegt sind, richtungweisend und aktuell geblieben.
terhin eine tiefgreifende Bedeutung für uns.

Es hat auch wei-

Wir sollten uns der Worte

von John Adams erinnern, der anläßlich seiner Unterzeichnung in einem
Brief an seine Frau Abigail von "der denkwürdigsten Epoche in der Geschichte Amerikas" sprach und schrieb:

"Ich möchte glauben, daß dieser

Tag von den uns nachfolgenden Generationen als der große Jahrestag gefeiert werden wird.

Er sollte durch ernste Gebete an Gott den Allmächtigen

als Tag der Befreiung begangen werden."

Wollen wir uns an diesem Unabhängigkeitstag 1985 von der Weisheit
dieses großen amerikanischen Staatsmannes und all unserer Gründungsväter
leiten lassen.

Lassen Sie uns, wenn wir heute der 209 Jahre der Freiheit

gedenken, Gott um seinen Segen und um seine Hilfe bei der Wahrung des
kostbaren Vermächtnisses der Unabhängigkeitserklärung bitten.

* * * * *

- 2-

�3. J u l i 1985

26

PRÄSIDENT REAGAN LEGT NA HOST-POLITIK DER USA DAR
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident

Ronald Reagan hat erneut b e t o n t , daß

e i n Frieden im Nahen Osten von den unmittelbar B e t e i l i g t e n ausgehandelt
werden müsse und nicht von außen a u f e r l e g t werden könne.
äußerte sich a u s f ü h r l i c h

zur Nah- und M i t t e l o s t p o l i t i k

Der Präsident
der

Vereinigten

Staaten i n einem Interview mit dem arabischen Journalisten Nasser E.'ddin
Nashashibi am 1 1 . Juni 1985, dessen Wortlaut am 26. Juni vom Weißen Haus
v e r ö f f e n t l i c h t wurde.
Die Fragen und Antworten haben folgenden
FRAGE:

Warum zögert

die

amerikanische

tortlaut:
Regierung, eine

Neubelebung

eines Nahost-Friedensplans i n die Wege zu l e i t e n ?
ANTWORT:

Meine I n i t i a t i v e , die ich i n meiner Rede vom 1 . September

1982 e r l ä u t e r t e , i s t noch immer auf dem T i s c h , und wir sind w e i t e r h i n der
Ansicht, daß sie den vielversprechendsten Vorschlag f ü r einen F o r t s c h r i t t

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�einen F o r t s c h r i t t

zum Frieden d a r s t e l l t , der j e u n t e r b r e i t e t wurde.

Wir

haben nicht gezögert, die am K o n f l i k t B e t e i l i g t e n zu drängen, M i t t e l und
Wsge zu f i n d e n , den Friedensprozeß voranzutreiben.

Die Dinge sind j e t z t

i n der Region i n Bewegung geraten, und wir werden das t u n , was angebracht
i s t , um diese Bewegung i n Gang zu h a l t e n .

Aber wir müssen uns darüber im

klaren s e i n , daß der Frieden nur e r r e i c h t werden kann, wenn die B e t e i l i g ten b e r e i t s i n d , d i r e k t miteinander zu verhandeln.
FRAGE:

Wie b e u r t e i l e n Sie den kür;:lichen Besuch von König Hussein

von Jordanien i n Washington?
ANTWORT:

Ich glaube, wir verstehen uns sehr g u t , und i c h bewundere

den Mut und die Würde des Königs.

Die jüngsten S c h r i t t e des Königs und

anderer i n der Region haben dem Friedeisprozeß

neuen A u f t r i e b gegeben.

König Hjseein l i e ß i n Washington seinen Aünsch und den seiner p a l ä s t i n e n sichen Partner nach einer f r i e d l i c h e n Lösung auf dem Verhandlungswege mit
einer

jordanisch-palästinensischen

Delegation auf

der einen und

Israel

auf der anderen Seite i n einem unterstützenden i n t e r n a t i o n a l e n Umfeld e r kennen.

Der König strebt eine f r i e d l i c h e Lösung auf der Grundlage der

Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an.
Der Besuch bot uns Gelegenheit, unsere Auffassungen zu b e k r ä f t i g e n , daß
e i n gerechter und dauerhafter Frieden s.ch der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes wie auch der Sicherheit a l l e r Staaten i n der Region annehmen muß.
Der König b e k r ä f t i g t e unsere gemeinsame V e r p f l i c h t u n g , so rasch wie
möglich -

" i n diesem Jahr", sagte der König - zu d i r e k t e n Verhandlungen

zwischen den B e t e i l i g t e n zu kommen.

Wir h o f f e n , daß wir i n der Lage sein

werden, den B e t e i l i g t e n dabei zu h e l f e n , auf der Grundlage dieser Zusammenkünfte aufzubauen.

Ich b i n überzeugt, daß sich die Ereignisse i n der

r i c h t i g e n Richtung entwickeln.
FRAGE:

Würde e i n Prozeß, der eine Mischung aus dem "Fez"-Plan von

Fahd, der R e a g a n - I n i t i a t i v e , der kürzlichen Entschließung zwischen Jordanien und der PLO und der Resolution 242 d a r s t e l l t , zu einer neuen F r i e - 2 -

�neuen Friedensanstrengung führen, wenn man die Vorbehalte der Israelis in
Rechnung stellt?

ANTWORT:

Ich glaube, daß sich eine neue und zunehmend realistische

Einstellung zum Frieden entwickelt.

Sie gründet sich auf eine Reihe von

Beiträgen, einschließlich der von Ihnen angeführten.

Die Resolution 242

des Sicherheitsrates ist und bleibt die Hauptgrundlage für Verhandlungen.
Ich kann das Endergebnis nicht voraussagen, aber ich bin überzeugt, daß
Sie, wenn der Frieden erreicht sein wird, zurückblicken und sagen können,
daß viele dieser Beiträge eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es ist auch wichtig zu wissen, daß meine eigenen Vorschläge im
großen und ganzen das aufzeigen, was die Vereinigten Staaten in Verhandlungen unterstützen würden.

Wir haben niemandem gesagt, er müsse sich

unseren Standpunkten anschließen.

Es steht allen Beteiligten frei , ihre

eigenen Auffassungen am Verhandlungstisch
davon aus, daß sie das tun werden.

zu vertreten, und wir gehen

Das Wichtigste ist, daß direkte Ver-

handlungen beginnen, denn nur durch ein6;n solchen Prozeß des Gebens und
Nehmens werden Differenzen überwunden und ein gerechter und dauerhafter
Frieden erreicht.

FRAGE:

Da wir jetzt auf dem Wege zu Verhandlungen zwischen den Ara-

bern und den Israelis sind, was erwarter Sie von den Arabern und den Israelis, bevor sie sich zu Verhandlungen zusammensetzen?

ANTWORT:

Wir versuchen uns von allem fernzuhalten, was auch nur so

aussehen könnte, als ob wir Lösungen für die Probleme aufzwingen wollten.
Alles, was wir zu tun versuchen, ist, dazu beizutragen, daß sie zusammenkommen.

Es sieht so aus, als ob es bei den Lösungen darum geht, daß eine

Seite Territorium aufgibt, um dafür eine Grenze zu erhalten, die verteidigt werden kann und an der der Frieden garantiert wird.

Die arabischen

Staaten müssen einsehen, daß Israel das Recht hat, als Staat zu existieren, und daß der Frieden auch den Arabern Sicherheit bieten wird.

FRAGE:
- 3 -

Und was,

�FRAGE:

Und was, Herr Präsident, hoffen S i e , daß die Araber

ihrer-

s e i t s von j e t z t bis zum Beginn kommender Verhandlungen tun werden?
ANTWORT:

Ich h o f f e , daß sich die Araber stärker h i n t e r König Hussein

s t e l l e n und ihn unterstützen werden, s t a t t ihn a l l e i n zu lassen.
FRAGE:

Dieser Punkt i s t sehr w i c h t i g , l-ferr Präsident.

ANTWORT:

König Hussein verdient es zu wissen, daß die Araber ihn i n

dem u n t e r s t ü t z e n , was er zu tun versucht.
FRAGE:

Gibt es etwas, was Sie sich i n diesen Tagen von den I s r a e l i s

wünschen?
ANTWORT:

Die I s r a e l i s warten, wie e:s Peres gesagt h a t , darauf,

sich

an den Verhandlungstisch zu setzen.
FRAGE:

Kürzliche Besuche von König Fahd und Präsident Mubarak haben

diesen das Gefühl v e r m i t t e l t , die Reagan-Administration habe k e i n besonderes Interesse an einer umfassenden Lösung des Nahost-Problems.

I s t es

nicht so, daß dieser Mangel an Interesse verbunden mit den Verheerungen
im Libanon eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten e i g e n t l i c h veranlassen müßte, sich a l l e B e t e i l i g t e n am Mahostkonflikt zu g r e i f e n und i h nen eine Lösung zu d i k t i e r e n , die für a l l e gerecht i s t ?
ATNWORT:

Mit dieser Erklärung b i n ich nicht einverstanden. Ich g l a u -

be n i c h t , daß König Fahd und Präsident Mubarak einen Mangel an Interesse
an einem Frieden im Nahen Osten seitens der Vereinigten Staaten empfinden.

Nichts wäre weiter von der Wahrheit e n t f e r n t a l s d i e s .

Die V e r e i -

nigten Staaten haben e i n t i e f e s und dauerhaftes Interesse an einer umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten, und wir haben diese Tatsache immer
wieder a l l unseren Freunden i n der Region m i t g e t e i l t .
Ich b i n jedoch nicht der Auffassung, daß eine Lösung, die von i r g e n d einer Macht von außen aufgezwungen würde: möglich oder auch nur wünschens-

�nur wünschenswert wäre für die Beteiligten.

Wirklichkeit ist, daß ein

Frieden nur durch die Bereitschaft der Beteiligten erreicht werden kann,
sich an den Verhandlungstisch zu setzen und ihre Differenzen auszudiskutieren. Meine Initiative vom 1. September hat die Standpunkte aufgezeigt,
die die Vereinigten Staaten unterstützen würden, aber ein echter Frieden
kann nur durch die Beteiligten selbst in direkten Verhandlungen erreicht
werden.

FRAGE:

Wie lange werden die Vereinigten Staaten noch den Verlust des

Lebens unschuldiger Menschen im Libanon, im Irak, im Iran, in Israel und
im Westjordanland dulden?

Verdienen die USA dafür auch noch antiamerika-

nische Gefühle, die wir in diesem Gebiet feststellen müssen?

ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt über das Lei-

den der Menschen im Nahen Osten, das durch die vielen Konflikte in diesem Gebiet hervorgerufen wird.

Die Bemühungen, zu Lösungen dieser Pro-

bleme beizutragen, hat zu den mit an oberster Stelle stehenden Aufgaben
der letzten acht Administrationen gehört, und man sollte nicht vergessen,
daß Amerika einen hohen Preis an Menschenleben, Anstrengungen und Ressourcen bezahlt hat.

Wir werden diese Bemühungen nicht aufgeben, aber

die Wirklichkeit ist und bleibt, daß Lösungen nur gefunden werden können,
wenn die am Konflikt Beteiligten ihre eigene Entscheidung treffen, einen
friedlichen Weg zur Beilegung ihrer Differenzen zu suchen.
führen zu Ergebnissen.
und wir arbeiten aktiv

Verhandlungen

Ägypten und Israel haben das eindeutig bewiesen,
daran, den Verhandlungsprozeß

zur Lösung der

Streitigkeiten in der Region zu unterstützen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß Amerikaner und die Völker
des Nahen Ostens einen großen Bereich gemeinsamer Interessen und Werte
haben.

Dies ist ein Bereich, der jeden Tag größer wird durch Handelsbe-

ziehungen, wissenschaftliche Aktivitäten und gemeinsame wissenschaftliche
Anstrengungen.

Die Mitwirkung eines saudischen Astronauten bei der Aus-

setzung des (arabischen Satelliten) ARABSAT ist ein Ereignis, das ein
Ausdruck der großen wissenschaftlichen und mathematischen Leistungen der
Araber ist, lange bevor die Neue Welt entdeckt wurde.

Und es sollte uns

�sollte uns daran erinnern, wie eng unsere Zukunft miteinander verknüpft
ist.

FRAGE:

Wir lesen überall, daß der Sudan die Kornkammer der Walt sein

könnte und nicht nur für dieses Gebiet und für Ägypten, sondern auch für
Äthiopien und die dort sterbenden Massen.

Kann nicht die amerikanische

Regierung alle ihre Ressourcen und Möglichkeiten darauf konzentrieren,
mit einer Luftbrücke Menschen und Gerät in den Sudan zu bringen und Seite
an Seite mit den Einheimischen zu arbeiten, um die Lage zu retten?

ANTWORT:

Wie Sie wissen, wird der Sudan wie seine Nachbarländer in

diesem Jahr von der schlimmsten Dürre sedt 100 Jahren heimgesucht.

Der

fehlende Regen hat zu einem gewaltigen Defizit an Getreide und Millionen
hungernder Menschen geführt.

Die Vereinigten Staaten haben auf diese Ka-

tastrophe reagiert, indem sie eine Million Tonnen Lebensmittel geschickt
haben.

Diese Hilfe hat massive Anstrengungen zur Überwindung der Entfer-

nungen gekostet und ein Transportproblem aufgeworfen.

Wie ich höre, ist

jeder sechste Sudanese von amerikanischer Lebensmittelhilfe abhängig. Der
Sudan hat noch eine weitere Last auf sich genommen, indem er hunderttausende von geflohenen Opfern der Hungersnot und des Krieges in Nachbarländern aufgenommen hat.

Die Vereinigten Staaten haben auf die verschiedenen Appelle der sudanesischen Regierung und der Vereinten Nationen, diesen Flüchtlingen, deren Zahl jetzt eine Million überschritten hat, zu helfen, großzügig reagiert.

Wir sind uns trotz der Verheerungen der Dürre über das landwirt-

schaftliche Potential des Sudan im klaren.

Unsere Entwicklungshilfe legt

besonderen Wert auf die Förderung von Technologie und Einrichtungen, die
der besseren Nutzung der vielen Millionen Hektar Ackerland dienen, die
jetzt brach liegen.

Zusammen mit anderen Geberländern und internationa-

len Organisationen wenden wir uns dem Problem des Wiederaufbaus der Landwirtschaft nach der Dürre zu.

Das wird eine große Anstrengung seitens

des Sudan erfordern, und wir sind bereit zu helfen.

FRAGE:

Fürchten Sie

�FRAGE:

Fürchten Sie n i c h t , daß die Sowjets i h r e P o s i t i o n und i h r e n

Einfluß im Nahen Osten zurückgewinnen und dem Westen P a r o l i bieten könnten?
ANTWORT:

Ich b i n der Meinung, daß der Einfluß der Sowjetunion im Na-

hen Osten an i h r e r Bereitschaft gemessen werden s o l l t e , eine konstruktive
Rolle bei der Lösung der Probleme i n der Region zu s p i e l e n .

Aber die So-

wjets haben sich a l l e s andere als k o n s t r u k t i v verhalten - eine Tatsache,
auf die von den Führern i n der Region o f t hingewiesen wurde.
FRAGE:

Es h e i ß t , M i t t e l - und Südamerika seien aufgrund i h r e r Nähe zu

den Vereinigten Staaten f ü r diese von Bedeutung.

Messen Sie dem M i t t e l -

meer - besonders der T ü r k e i , Griechenland und Zypern - nicht die gleiche
Bedeutung bei?
ANTWORT:

Sowohl

die

westliche

Hemisphäre a l s

auch das Mittelmeer

sind für die Sicherheit der Vereinigten Staaten Gebiete von entscheidender Bedeutung.

Die Türkei und Griechenland sind wichtige

NATO-Partner

und sind für die Aufrechterhaltung der S : a b i l i t ä t i n diesem strategischen
Gebiet der Erde von ausschlaggebender Bedeutung.
Auch unsere Beziehungen zur Regierung von Zypern sind eng und freundschaftlich.
FRAGE:

Warum hat die Reagan-Administration nicht auf das neue Ver-

h ä l t n i s zwischen Libyen und Marokko reagiert?
ANTOWRT:
intensiver

Die marokkanische Regierung und wir hatten eine ganze Reihe

und gründlicher

marokkanisch-libyschen
schen Beziehungen.

Gespräche h i n s i c h t l i c h

Unions-Vertrags

auf

Marokko kennt unsere

die

der Auswirkungen des
amerikanisch-marokkani-

ablehnende

Haltung

zu diesem

V e r t r a g , aber wir sind damit z u f r i e d e n g e s t e l l t , daß der Vertrag n i c h t auf
eine Waise e r f ü l l t w i r d , durch die unsere b i l a t e r a l e n Beziehungen zu Marokko hätten beeinflußt

werden können.

Wir werden a l l e r d i n g s auch wei-

t e r h i n seine Verwirklichung beobachten.
Die Vereinigten
- 7 -

�Die Vereinigten Staaten schätzen i h r e Beziehungen zu Marokko
und wir h o f f e n , daß diese Beziehungen solide bleiben.

sehr,

König Hassan hat

die Gründe f ü r diesen Vertrag genannt und hat darauf hingewiesen, daß er
sich auf

die

frühere

Unsere Einschätzung
wohlbekannt.

Unterstützung Libyens

der

tadelnswerten Natur

Wir werden erst

für

die P o l i s a r i o

des libyschen

bezieht.

Regimes

ist

dann unsere Haltung gegenüber Libyen än-

d e r n , wenn Oberst Ghaddafi seine Unterstützung des i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus und seine Subversion anderer Regierungen e i n s t e l l t .
FRAGE:

Wie sieht die Lösung des Sahara-Konfliktes ziwschen Marokko

und der P o l i s a r i o aus?
ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen um eine

Verhandlungslösung durch eine Feuereinstellung und e i n anschließendes Referendum.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine p o l i -

tische Lösung der einzige Wag zur Beendigung des K o n f l i k t e s i s t .
FRAGE:

Könnte die Reagan-Administration das Gebiet

unterschiedliche Gruppen betrachten:

nicht

als

vier

1 . die Länder Nordafrikas; 2. den

Sudan und Ägypten; 3. die arabische Halbinsel und 4. das fruchtbare Land,
zu dem Jordanien, S y r i e n , der Libanon, I s r a e l und - h o f f e n t l i c h - auch
Palästina
vielleicht

gehören?
leichter

Aus geopolitischer

Sicht

könnten die Probleme dann

gelöst werden, a l s wenn man die gesamte Region a l s

e i n großes Problem b e t r a c h t e t .

V i e l l e i c h t könnten v i e r k l e i n e r e Probleme

eher i n den G r i f f zu bekommen sein a l s e i n großes?
ANTWORT:

Auf Ihre Frage g i b t es keine einfache Antwort.

Wir sehen

den Nahen Osten als eine Region großer V i e l f a l t mit v i e l e n Gemeinsamkeiten.

Wir behandeln i h n a l s eine

Region, sehen aber z u g l e i c h , daß die

einzelnen Länder ihre eigenen Probleme und Interessen haben.

Sicherlich

g i b t es e i n gewisses Maß an Zusammenhang zwischen separaten Ereignissen
und Problemen, aber dies i s t nicht i n a l l e n Fällen so.

Je nach Thema ge-

hen wir die Dinge b i l a t e r a l und m u l t i l a t e r r a l an.
FRAGE:

Wie d e f i n i e r e n

�FRAGE:

Wie definieren Sie - kurz gesagt - die derzeitigen amerika-

nisch-libyschen Beziehungen, wenn es überhaupt welche gibt?

ANTWORT:

Unsere Beziehungen sind minimal.

Wir haben in Libyen keine

offizielle Vertretung, und dies wird so iDleiben, bis Libyen sein Verhalten ändert.

Auch hier sind wir bereit, unsere Beziehungen zu Libyen zu

verbessern - aber nur, wenn Ghaddafi seine Unterstützung des internationalen Terrorismus und seine Subversion von Regierungen vollständig und
für immer aufgibt.
FRAGE:

Früheren Administrationen gelang es doch immerhin fast, das

Dilemma des Nahen Ostens einer Lösung zuzuführen.

Könnten Sie nicht

jetzt, da Sie so überzeugend wiedergewählt wurden, die im Streit liegenden Gruppoen auf Ihre Ranch nach Santa Barbara einladen, wie dies Präsident Carter in Camp David tat?
ANTWORT:

Es geht vor allem um Verhandlungen; der Ort ist nicht das

Problem.
FRAGE:

Wir sahen, wie es Ihnen auf äußerst diplomatische Weise ge-

lang, entgegen allen Erwartungen die Sov/jets wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Ich kann nicht glauben, daß Sie das nicht heute auch

im Nahen Osten schaffen.

ANTWORT:
sant.

Oder?

Die Parallele mit den Abrüstungsverhandlungen ist interes-

Ich wünschte mir, die an dem Konflikt im Nahen Osten Beteiligten

würden sich an einen Tisch setzen und miteinander verhandeln; aber ich
bin sicher, daß die Entwicklung in diese Richtung geht.

Der wichtigste

Aspekt Ihrer Parellele ist der, daß beide - wir und die Sowjetunion übereinkamen, die Rüstungskontrollverhandlungen
spräch stattfinden.

müßten im direkten Ge-

Wir wissen, daß bei den Positionen keine Überein-

stimmung herrscht, und wir sind auch hinsichtlich des Ergebnisses nicht
sicher, aber wir sind davon überzeugt, daß der Versuch sinnvoll ist,
durch direktes Gespräch auf ein Abkommen hinzuarbeiten.

Auch im Nahen

Osten müssen die Parteien zu dem Schluß gelangen, daß es am besten ist,
- 9 -

�besten ist, einen gerechten und dauerhaften Frieden durch direkte Verhandlungen anzusteuern.

FRAGE:

Warum sind Sie gegen die Teilnahme der Sowjets an einer in-

ternationalen Konfrenz über den Nahen Osten - wie dies bereits von vielen
arabischen Staaten und von der Sowjetunion vorgeschlagen wurde?

ANTWORT:
ist:

Das sind eigentlich zwei verschiedene Fragen.

Die erste

Warum sind wir der Meinung, eire internationale Konferenz trage

nicht zu einer friedlichen Lösung bei?
internationale

Unserer Meinung nach würde eine

Konferenz praktisch gesehen nur zu politischem Theater

führen, aber nichts zu einer Lösung beitragen.
können echte Ergebnisse zeitigen.

Nur direkte Verhandlungen

Wir verstehen Jordaniens Wünsch nach

einem unterstützenden internationalen Kontext, in dem direkte Verhandlungen beginnen könnten.

Wir werden unsere Gespräche sowohl mit Jordanien

als auch mit Israel fortsetzen, um zu zeigen, wie ein solcher Kontext am
besten erstellt werden kann.

Die zweite Frage bezieht sich auf die Bereitschaft der Sowjets, zu
Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens beizutragen.

Wir haben immer

wieder gezeigt, daß wir eine konstruktive Haltung der Sowjetunion bei den
Problemen der Region begrüßen würden.

Wir haben auch verdeutlicht, wel-

che Art von Aktivitäten unserer Meinung nach konstruktiv wären.

Bislang

war ihre Haltung jedoch in keinster Wr;ise hilfreich, und wir erkennen
auch keine Hinweise darauf, daß sich dies ändern könnte.

FRAGE:
genkommender

Glauben Sie, daß die neue Führung in der Sowjetunion entgesein könnte, was die Zusammenarbeit mit den Vereinigten

Staaten bei Waltfrieden und Sicherheit, insbesondere in Afrika und im
Nahen Osten, angeht?

ANTWORT:

Diese Frage muß Herr Gorbatschow beantworten.

Wir jeden-

falls sind der Ansicht, unsere beiden Länder sollten ihre Beiträge zu einer friedlichen Lösung der Probleme in diesen Regionen leisten - und sie
nicht erst noch gefährlicher machen. Wir sind auch der Meinung, wir soll- 10 -

�wir sollten Konfrontationen bei diesen Themen zu vermeiden suchen.

Wir

hoffen, daß solche Gespräche dazu beitragen können, Mißverständnisse zu
vermeiden, die sonst zur Konfrontation führen könnten.

Wir haben solche

Ge spräche über das südliche Afrika und den Nahen Osten geführt.

Aber

obgleich diese Gespräche nützlich waren, so haben sie bislang noch keine
größere Bereitschaft seitens der Sowjetunion erkennen lassen, friedliche
Lösungen zu fördern - und nicht zu behindern.

FRAGE:

Wie stellen Sie sich das Ende des Kriegs zwischen dem Iran

und dem Irak vor?

Sollen wir glauben, daß diese regionalen Kriege für

die westlichen Volkswirtschaften notwendig sind, wie wir dies an westlichen Universitäten gelernt haben?

ANTWORT:

Jede Behauptung, wonach

regionale Kriege

irgendwie den

westlichen Wirtschaftsinteressen dienen, ist marxistischer Unsinn und hat
in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten nichts zu suchen.
Wir haben ein zwingendes humanitäres Interesse an der frühestmöglichen Beendigung dieses Blutvergießens. Außerdem würde den Sicherheitsund Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten, ihrer westlichen Verbündeten und ihrer Freunde in der Region am besten durch eine sofortiges
Ende dieses Krieges gedient - eines Kriegsendes, das, beiden Ländern ihre
Unabhängigkeit beläßt und sie in die Lage versetzt, ihre nationale Entwicklung fortzusetzen.

FRAGE:

Glauben Sie nicht, daß die anhaltende Unruhe und die Kriege

im Nahen Osten auch die Sicherheit der "Hintertür" des NATO-Bündnisses
beeinflussen?

ANTWORT:

Ja - und das ist ein sehr beunruhigendes Problem.

Die Welt

kann die Folgen der Instabilität in keinem Teil der Erde ignorieren, und
wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um Lösungen für regionale Probleme zu finden.

FRAGE:
- 11 -

Sind Sie

�FRAGE:

Sind Sie zufrieden, was die Sicherheit der Golf Staaten vor

äußerer Gefahr anbelangt?

ANTWORT:
den.

Nein, ich bin mit der derzeitigen Situation nicht zufrie-

Solange noch der iranisch-irakische Krieg anhält und solange noch

der Iran eine Politik der Unterstützung des Terrorismus verfolgt und sich
weigert, wieder eine verantwortungsbewußte

Rolle in der Staatengemein-

schaft zu übernehymen, werden Stabilität und Sicherheit der Golfstaaten
gefährdet bleiben.

Die Vereinigten Staaten haben ein lebenswichtiges In-

teresse daran, die Freiheit der Schiffahrt im Golf und die Stabilität der
Region insgesamt aufrechtzuerhalten, und wir haben uns zusammen mit unseren Freunden in dem Gebiet - einschließlich Saudi-Arabiens und der anderen Mitglieder des Gulf Cooperation Council - darum bemüht, ihre legitimen Verteidigungsbedürfnisse zu unterstützen und ihre kollektiven Sicherheitsanstrengungen zu ermutigen.

Diese Länder sind jetzt in einer besse-

ren Lage, mit ihren eigenen Mitteln ihre Souveränität und territoriale
Integrität gegen potentielle Gegner zu verteidigen, aber es bleibt noch
mehr zu tun.

Wir sind mit den Golfstaaten der Meinung, daß der einzige

W?g zur Beendigung des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran friedliche
Verhandlungen sind, und wir haben ihre Bemühungen im Rahmen der UN und
auch in anderen Foren unterstützt.

Wir unterstützen auch die Position

Kuweits und anderer Golfstaaten, wonach der einzige Weg zur Vernichtung
des Terrorismus darin besteht, auf seine Forderungen und Provokationen
nicht einzugehen und mit anderen betroffenen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um Wage zur endgültigen Beseitigung dieser Geißel zu finden.

FRAGE: Sehen Sie Lösungen für die Situation in Afghanistan?

ANTWORT:

Der Krieg in Afghanistan ist Folge der Anwesenheit von über

115 000 sowjetischen Soldaten, die versuchen, das afghanische Volk zu unterdrücken.

Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem: den vollständi-

gen Rückzug der sowjetischen Truppen. Eine politische Verhandlungslösung
ist auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik.
Die sowjetischen
- 12 -

�Die sowjetischen Streitkräfte können in ihrem derzeitigen Umfang den
afghanischen

Widerstand nicht niederschlagen, aber der Widerstand kann

auch nicht hoffen, die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben.
Es ist also notwendig, vom Schlachtfeld zum Verhandlungstisch zu gehen.
Wir unterstützen voll und ganz den starken Widerstand der Regierung von
Pakistan gegenüber Einschüchterung über die Grenze hinweg.

Wir sind durch die Ankündigung der Vereinten Nationen ermutigt, gegen
Ende Juni in Genf eine weitere Runde indirekter oder Stellvertretergespräche über Afghanistan zu führen.

Es ist unsere Hoffnung, daß es dort

Fortschritte in Richtung auf eine Lösung geben kann, auch wenn das jüngste Anwachsen der sowjetischen Militäraktivitäten keinen Anlaß zu Optimismus gibt.

In Kontakten mit den Sowjets haben wir auf den verschie-

densten Ebenen unsere Unterstützung für eine politische Verhandlungslösung betont.

Wir werden sicherlich auch weiterhin den sowjetischen Amts-

trägern gegenüber in künftigen Gesprächen unseren Standpunkt klarmachen.

FRAGE:

Wenn wir einmal Ihre offizielle Stellung als Führer der Frei-

en Welt vergessen und offen zwischen uns als Menschen sprechen:

Wie wür-

den Sie die Lage im Nahen Osten lösen?

ANTWORT:

Die amerikanische Verfassung erlaubt es mir nicht, einfach

meine Stellung als Präsident der Vereinigten Staaten zu vergessen.

Den-

noch glaube ich, daß die Vorschläge, die ich am 1. September 1982 unterbreitet habe, den sinnvollsten Weg darstellen, um zum nächsten Schritt
einer Lösung des arabisch-israelischen Konfliktes zu gelangen.

Es ist

jedoch wichtig, festzuhalten, daß es sich hierbei um Positionen handelt,
die die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen einnehmen würden. Wir drängen die anderen Beteiligten nicht, sich ihnen von vornherein anzuschließen; ja, wir erwarten von ihnen vielmehr, ihre eigenen Vorstellungen auf
den Tisch zu legen.

Denn darum geht es ja bei Verhandlungen - daß unter-

schiedliche Standpunkte miteinander ausgesöhnt werden.

Wichtig ist, daß

solche Verhandlungen aufgenommen werden und daß die einzelnen Parteien
ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auf friedliche Weise aus der Welt
schaffen.
FRAGE:
- 13 -

Erlauben Sie

�FRAGE:

Erlauben Sie mir, Herr Präsident, Ihnen noch einmal als einem

großen Mann des Friedens zu danken.

Wir alle sind nur eine kurze Zeit

auf dieser Erde, und worum es vor allem geht, sind das Urteil der Geschichte und die Bewertung durch die Nachwelt.

Die Geschichte aber wird

Sie als einen großen Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit beurteilen.
Gott schütze Sie.
ANTWORT:

Ich verspreche, daß wir uns alle bemühen werden.

Es war

mir eine Freunde, Sie hier zu diesem Gespräch gehabt zu haben. Gott
schütze auch Sie.

- 1A -

�3 . J u l i 1985

26

DIE SOWJETISCHE AUFRÜSTUNG IM BEREICH DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

Washington -(AD)- Der Nationale Nachrichtendienstliche Beirat

(Natio-

nal I n t e l l i g e n c e Council), e i n zwölfköpfiges Sachverständigengremium, das
dem Direktor des US-Zentralamtes f ü r Nachrichten und Abwehr (CIA) unmittelbar u n t e r s t e l l t

i s t , s p r i c h t den Sowjets die Fähigkeit z u , ihre s t r a -

tegischen S t r e i t k r ä f t e

bis M i t t e der neunziger Jahre umfassend zu moder-

nisieren und auszubauen. Ein entsprechender Bericht wurde von V e r t r e t e r n
des Beirats am 26. Juni 1985 im Rahmen einer Anhörung vor einem KongreQausschuß vorgelegt. Er hat folgenden Wortlaut:
Einführung
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die Sowjets nahezu a l l e der nuklearen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite, über die sie gegenwärtig verfügen - d . h . , ihre l a n d - und seegestützten b a l l i s t i s c h e n Raketen sowie ihre schweren Bomber - durch neue, verbesserte Systeme e r s e t z t
haben. Neue mobile Interkontinentalraketen

(ICBM) und mehrere Typen von

Marschflugkörpern stehen vor der I n d i e n s t s t e l l u n g .

Während der

nächsten

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�der nächsten fünf Jahre wird sich die Zahl der Gefechtsköpfe auf s t r a t e gischen Vfeffen um einige Tausend erhöhen; e i n roch umfassenderer Ausbau
i n den neunziger jähren i s t möglich. Wir sind besorgt über die Arbeiten
im Bereich der strategischen Verteidigung, die die Sowjets s e i t
betreiben (so u.a.

langem

e i n umfangreiches Projekt zum Schutz i h r e r Führung),

über die Tatsache, daß sie e i n ausgedehntes Abwehrsystem gegen b a l l i s t i sche Raketen a u f s t e l l e n könnten, und über i h r e erheblichen Anstrengungen
im technologischen Bereich der Richtenerciiewaffen, insbesondere der htochenergielaser.

Die energischen Anstrengurgen der Sowjets bei der

Erfor-

schung, Entwicklung und Aufstellung strategischer Kfeffen sind nichts Neues; sie ergeben sich aus der unentwegten Entschlossenheit zum Ausbau und
zur Verbesserung ihres strategischen P o t e n t i a l s , die sie i n den vergangenen beiden .Jahrzehnten an den Tag gelegt haben.

Die sowjetische Führung bemüht s i c h , ihre S t r e i t k r ä f t e auf die Möglichkeit

vorzubereiten, daß sie t a t s ä c h l i c h einen Atomkrieg führen müs-

sen. Sie haben v i e l e der Probleme der Durchführung m i l i t ä r i s c h e r

Opera-

tionen i n einem Atomkrieg ernsthaft i n A n g r i f f genommen und hierdurch i h re Möglichkeiten

verbessert,

mit

den zahlreichen möglichen Lagen, die

sich i n einem solchen K o n f l i k t ergeben können, fertigzuwerden.
Nach unserer Auffassung würde das Z i e l der Sowjets bei der Planung
i h r e r m i l i t ä r i s c h e n Operationen d a r i n bestehen, einen Atomkrieg zu i h r e n
Bedingungen zu beenden, und zwar durch Neutralisierung der Fähigkeit der
interkontinentalen

und

taktischen

Nuklearstreitkräfte

der

Vereinigten

Staaten zur Verhinderung eines sowjetischen Sieges i n einem Krieg auf dem
europäisch-asiatischen Kontinent.
1 . Strategische Offensivwaffen
Der wichtigste

neuere Trend bei den Offensivwaffen i s t

der Bau von

Stellungen für mobile strategische Raketen, und zwar f ü r M i t t e l s t r e c k e n raketen

(IR3M) vom Typ SS-20 wie auch für neue

Interkontinentalraketen

(ICBM).
- Im

Jahr

1984

leiteten

die

Sowjets

ein

bis

dahin

beispielloses

�dahin

beispielloses

Bauprogramm

für

neue SS-20-Stellungen

ein.

In

keinem der vorhergehenden Jahre i s t mit dem Bau so v i e l e r neuer S t e l lungen begonnen worden.
- Bei den Vorbereitungen

für

die Aufstellung

von zwei neuen mobilen

ICBM, der auf straßengängigen Fahrzeugen montierten SS-X-25 und der
auf

Schienenfahrzeugen montierten S5-X-24, haben die Sowjets

Fortschritte

erzielt.

Daß sich die Sowjets

zur Aufstellung

große

mobiler

ICBM entschlossen haben, i s t gleichbedeutend mit einer Grundentscheidung über den künftigen Ressourceneinsatz, denn Systeme dieser

Art

erfordern erheblich umfangreichere I n f r a s t r u k t u r e i n r i c h t u n g e n a l s s i logestützte Systeme und sind daher i n Betrieb und Wartung weitaus kostenintensiver.
Dank bestimmter P r o j e k t e , die b e r e i t s s e i t

Jahren l a u f e n , wird das

sowjetische strategische Offensivpotential b i s M i t t e der neunziger Jahre
in all

seinen Teilbereichen umfassend modernisiert worden s e i n . Die So-

wjets werden sich zwar auch weiterhin suf o r t s f e s t e , s i l o g e s t ü t z t e ICBM
s t ü t z e n , daneben aber auch eine große Zahl mobiler ICBM a u f s t e l l e n . Auch
die seegestützten Waffen und die Bomberflotte werden i n erheblichem Umfang verbessert werden. Zu den hauptsächlichen Veränderungen, die im Bereich a l l dieser Waffen vorgenommen werden, zählen u.a. die folgenden:
- Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten

gegen gehärtete

Ziele.

Schon

heute besitzen die Sowjets für i h r e ICBM genügend zum Einsatz gegen
gehärtete

Ziele

amerikanische

geeignete

Wiedereintrittsflugkörper,

um

sämtliche

ICBM-Silos und Abschußleitzentralen angreifen zu kön-

nen. I n der Zukunft wird ihnen sogar noch eine größere Anzahl von zum
Einsatz

gegen gehärtete

Ziele

geeigneten

Wiedereintrittsflugkörpern

zur Verfügung stehen. Schon heute hätten sie bei einem solchen Angriff

gute

Chancen, MINUTEMAN-Silos

tatsächlich

zu zerstören.

Die

vorausberechneten Verbesserungen der T r e f f s i c h e r h e i t der neuen schweren ICBM, die die Sowjets nach unseren Annahmen Ende der
Jahre i n Dienst

achtziger

s t e l l e n werden, würden diese Chancen noch d e u t l i c h

erhöhen.
- Eine d e u t l i c h

�- Eine d e u t l i c h bessere Überlebensfähigkeit

des Gesamtpotentials durch

Verbesserungen im Bereich der unterseebootgestützten Raketen (SLBM)
( z . B . Einführung von l e i s e r e n Unterseebooten und von Raketen größerer
Reichweite) und durch die I n d i e n s t s t e l l u n g mobiler ICBM. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde e i n großer T e i l der s i l o g e s t ü t z t e n ICBM der
Sowjets einen amerikanischen A n g r i f f überleben. Vfenn die Vereinigten
Staaten

jedoch

in

den nächsten zehn Jahren t r e f f s i c h e r e r e

Raketen

a u f s t e l l t e n , würden die sowjetischen ICBM-Silos verwundbarer werden.
Die Sowjets werden sich dann zunehnend auf die

Überlebensfähigkeit

i h r e r mobilen ICBM und SLBM verlassen.
- Eine erhebliche Erhöhung der Zahl de:: durch Bomber ins Z i e l zu b r i n genden Gefechtsköpfe i n f o l g e der I n d i e n s t s t e l l u n g neuer Bombertypen,
die

mit

Langstreckenmarschflugkörpem

zum Einsatz

gegen

Landziele

ausgestattet sein werden.
1 . 1 . ICBM
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die gegenwärtig vorhandenen sowjetischen IC8M fast gänzlich durch neue Systeme ersetzt worden s e i n :
- Die Sowjets t r e f f e n Vorbereitungen zur Aufstellung von ICBM des Typs
SS-X-24 i n Silos im Jahre 1986 und a j f schienenbeweglichen Abschußgeräten im Jahre 1987. Wir erwarten, d;*ß die mit zehn Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten ICBM des Typs SS-X-24 an die S t e l l e der
silogestützten

ICBM der Typen SS-1"? und SS-19 t r e t e n werden. Auch

diese ä l t e r e n Typen tragen Mehrfachgefechtsköpfe, jedoch eine g e r i n gere Anzahl.

- Die Sowjets haben mit der Ausmusterung ä l t e r e r
des Typs SS-11 mit Einzelgefechtskopf
zeitig

Vorbereitungen

Einzelgefechtskopf

für

silogestützter

ICBM

begonnen, während sie g l e i c h -

die Aufstellung

der ebenfalls

mit

einem

versehenen, auf straßengängige Fahrzeuge montier-

ten und somit mobilen SS-X-25 t r e f f e n . Wir erwarten, daß die SS-X-25
bis Ende 1985 einsatzbereit sein w i r d .

- Wir erwarten,

�- Wir erwarten, daß im Zeitraum von 1986 bis 1990 zumindest d r e i neue
ICBM-Typen i n die Flugerprobung gehen werden:
- Eine neue s i l o g e s t ü t z t e schwere ICBM a l s Ersatz für die SS-18.
- Eine neue Version der SS-X-2A.
- Eine neue Version der mobilen SS-X-25 mit der Möglichkeit zur Ausrüstung mit Mehrfachgefechtskopf.
1.2. Die SS-20
Man kann davon ausgehen, daß der Bestand an Mittelstreckenraketen des
Typs SS-20 i n f o l g e des ausgedehnten BauProgramms für neue Stellungen b i s
1987 auf mehr a l s 450 a u f g e s t e l l t e Abschußgeräte angewachsen sein w i r d .
1984 wurde mit dem Bau von mehr neuen Stellungen begonnen a l s i n jedem
der vorangehenden Jahre. Die Gesamtzahl läge noch wesentlich höher, wenn
die Sowjets nicht i n den m i t t l e r e n Landesteilen der UdSSR gelegene SS-20Stellungen

aufgelöst

h ä t t e n , um sie

zu Stellungen

SS-X-25 umbauen zu können. Ein Nachfolgemodell

für

für

ICBM des

Typs

die SS-20, das wie

diese d r e i Gefechtsköpfe t r ä g t und wahrscheinlich eine noch höhere Vernichtungskraft haben w i r d , ging 1984 i n die Flugerprobung.
1 . 3 . SLBM
Im Rahmen eines ausgedehnten Modernisierungsprogramms wird der gesamte

sowjetische

Bestand an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten SLBM

erneuert werden; außerdem werden wesentlich bessere mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnete, atomgetriebene Unterseeboote (SSBN) e i n g e f ü h r t . Folgende größere Veränderungen werden vorgenommen werden:
- Indienstnahme von Unterseebooten der DELTA-IV-Klasse und von weiteren
Einheiten der TYPHOON-Klasse. Diese Boote weisen Verbesserungen a u f ,
die

ihre Uberlebensfähigkeit

erhöhen. Eine weitere

neue Klasse

von

Unterseebooten wird wahrscheinlich Anfang der neunziger Jahre eingef ü h r t werden.
- Ab Ende

1985 oder

Anfang

1986 Stationierung

neuer

SLBM vom Typ

�vom Typ SS-NX-23 auf Booten der DELTA-IV- und DELTA-III-Klasse. Die
gegenüber

der

gegenwärtig

auf

den

DELTA-III-Booten

stationierten

SS-N-18-Rakete erhöhte Reichweite der SS-NX-23 wird den mit

dieser

neuen Waffe ausgestatteten SSBN zu einer größeren Uberlebensfä'higkeit
v e r h e l f e n , da sie dann i n der Lage sein werden, i n geringerer E n t f e r nung zu den sowjetischen Küsten zu o p e r i e r e n , wo die sowjetische Mar i n e sie besser decken kann.

- Ein Ersatzmodell

für

die

auf SSBN der TYPHOON-Klasse

stationierte

SS-N-20 wird wahrscheinlich Ende 1985 oder 1986 i n die Flugerprobung
gehen, und eine Rakete von der A r t der SS-NX-23 wird wahrscheinlich
gegen Ende der achtziger Jahre erprobt werden.
1.4. Schwere Bomber
Die

sowjetische

Flotte

von schweren Bombern durchläuft

gegenwärtig

ihre erste große Modernisierung s e i t den sechziger Jahren; b i s M i t t e der
neunziger
sein.

Jahre

werden die

meisten der

ä l t e r e n Bomber e r s e t z t

Schwere Bomber werden dann bei A n g r i f f e n über

worden

interkontinentale

Entfernungen hinweg eine größere Rolle s p i e l e n :
- Luftgestützte Marschflugkörper
1984 e i n s a t z b e r e i t ;

mit

(ALQV) vom Typ AS-15 wurden im Jahre

ihnen wurden Flugzeuge vom Typ BEAR H aus

neuester Produktion ausgestattet.

Indem sich die Sowjets neu herge-

s t e l l t e r Flugzeuge eines ä l t e r e n Baumusters bedienten, waren sie

in

der Lage, ALCM mindestens v i e r Jahre vor dem Zeitpunkt i n Dienst zu
stellen,

zu dem dies möglich gewesen wäre, wenn sie auf den neuen

BLAQXJACK-Bomber gewartet hätten.
- Wir gehen davon aus, daß der BLACKJ^QX 1988 oder 1989 seine Einsatzr e i f e erlangt haben und sowohl ALCM a l s auch Bomben tragen w i r d .
1.5. Marschflugkörper
Die ALCM sind die ersten Modelle in einer Reihe von zum Einsatz gegen
Landziele

bestimmten

Langstreckenmarschflugkörpern,

- 6 -

deren

Einführung

�deren Einführung bevorsteht.

Wir erwarten, daß die Sowjets während der

nächsten

3 000 mit

zehn Jahre 2 000 -

ALCM, seegestützte Marschflugkörper
körper

Nukleargefechtsköpfen

versehene

(SLCM) und landgestützte Marschflug-

(GLCM) s t a t i o n i e r e n werden. Die Stationierung von Marschflugkör-

pern verschafft den Sowjets neue Moglichikeiten, Z i e l e i n den Vereinigten
Staaten aus a l l e n möglichen Richtungen anzugreifen.
1.6. Das Anwachsen des i n t e r k o n t i n e n t a l e r

Offensivpotentials

Vorausschätzungen des Anwachsens der Zahl der Gefechtsköpfe auf den
sowjetischen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite:
- Dieses P o t e n t i a l umfaßt gegenwärtig mehr a l s 9 000 Gefechtsköpfe auf
rund 2 500 Abschußgeräten für b a l l i s t i s c h e Raketen und schweren Bombern. Die meisten Gefechtsköpfe sind auf ICBM montiert.
- Die Zahl der Gefechtsköpfe s t e i g t : Die neuen sowjetischen Unterseeboote der TYPHOON- und DELTA-IV-Klasse, die Bomber vom Typ BEAR H und
die ICBM vom Typ SS-X-24 werden wesentlich mehr Gefechtsköpfe tragen
a l s die Systeme, an deren S t e l l e sie t r e t e n .
- Wenn die Sowjets auch 1990 noch rtnd 2 500 schwere Bomber und Abschußgeräte für Raketen haben und d3bei innerhalb der im Rahmen von
SALT I I

vereinbarten Begrenzungen f ü r jede

Waffenkategorie

bleiben,

wird die Zahl der ihnen zur Verfügung stehenden Gefechtsköpfe b i s dah i n auf mehr a l s 12 000 anwachsen.
- Auch der von den Sowjets im Jahre 1983 bei den Gesprächen über eine
Verminderung der strategischen Waffen (START) u n t e r b r e i t e t e Vorschlag
würde zu einer Erhöhung der Zahl der Gefechtsköpfe führen. A l l e r d i n g s
würden die Sowjets nach den i n diesem Vorschlag vorgesehenen Begrenzungen b i s 1990 etwa 1 000 Gefechtsköpfe weniger haben, a l s sie gemäß
der Begrenzungen von SALT I I haben dürfen.
- Der amerikanische

START-Vorsehlag aus dem Jahre 1983 würde

Trend hingegen umkehren und bis
-

diesen

1990 zu erheblichen Verminderungen
7 -

�erheblichen Verminderungen führen.
- Die Sowjets werden zwar i h r i n t e r k o n t i n e n t a l e s O f f e n s i v p o t e n t i a l auch
ohne Rüstungskontrollbeschränkungen
von 12 000 lichkeit

licht

unbedingt über die Grenze

13 000 Gefechtsköpfen hinaus e r w e i t e r n , aber die Mög-

zu einem erheblichen weitergehenden Ausbau haben sie

e i n d e u t i g ; bis M i t t e der neunziger

ganz

Dahre könnten sie es auf 16 000

b i s 21 000 Gefechtsköpfe bringen. Die kleinere der beiden genannten
Zahlen ergäbe sich bei einem A n h a l t e l der i n der jüngeren Vergangenh e i t zu beobachtenden Trends beim Tenpo der Stationierung neuer Waff e n ; um hingegen die höhere Zahl zu e r r e i c h e n , wäre zwar keineswegs
die Anspannung a l l e r K r ä f t e , aber doch e i n wesentlich höherer Einsatz
von Ressourcen e r f o r d e r l i c h .

Wenn die Sowjets i n den nächsten Jahren die Flugerprobung der
stischen Raketen vorantreiben, deren Stationierungsbeginn
achtziger

und Anfang der

wichtigen Entscheidungen

neunziger
stehen.

Jahre geplant

Insbesondere

ist,

haben sie

balli-

f ü r Ende der

werden sie
rein

vor

technisch

gesehen die M ö g l i c h k e i t , neue ICBM entweder i n einer A r t und Weise zu e r proben, die den i n dem u n r a t i f i z i e r t e n SALT-II-Vertrag enthaltenen Begrenzungen f ü r die Eigenschaften und die Verbesserung von Waffensystemen
e n t s p r i c h t , oder aber e i n Testverfahren zu wählen, das sich über diese
Begrenzungen hinwegsetzt.

2. Strategische Verteidigung
Die aktiven und passiven Einrichtungen der strategischen Verteidigung
der

Sowjets

könnten

zwar

im

Falle

eines

Großangriffs

das

Entstehen

schwerster Schäden nicht verhindern, s o l l e n aber den Schutz der Führung
sowie m i l i t ä r i s c h e r Einrichtungen im engeren und weiteren Sinne zumindest
so weit gewährleisten, daß i h r e Funktionsfähigkeit unter Kriegsbedingungen erhalten b l e i b t . Da die Sowjets im Verlaufe der nächsten zehn Jahre
eine Reihe von neuen Waffentypen einführen und v i e l e der ä l t e r e n Systeme
ausmustern werden, wird sich die Schlagkraft i h r e r strategischen V e r t e i digjng wesentlich erhöhen. Folgende wichtige Entwicklungen sind zu nennen:

2 . 1 . Raketenabwehr

�2 . 1 . Raketenabwehr
- Die Sowjets befassen sich
Entwicklung

seit

und Stationierung

v i e l e n Jahren mit

der Erforschung,

von Raketenabwehrsystemen

(ABM-Syste-

men).
- Wenn das verbesserte ABM-System bei Moskau um das Jahr 1987 herum
f e r t i g g e s t e l l t sein w i r d , wird es IOC) silogestü'tzte Raketen mit hoher
Startbeschleunigung und m o d i f i z i e r t e Abfangraketen vom Typ GALOSH umfassen und damit bedeutsame Abwehrmnglichkeiten gegen begrenzte Ang r i f f e auf besonders wichtige Ziele i n Raum Moskau e r ö f f n e n .
- Man kann davon ausgehen, daß bis zum Ende des Jahrzehnts e i n neues
Netz

von

Radargroßanlagen

mit

phasengesteuerter

Abtastung

(ein-

s c h l i e ß l i c h der bei Krasnojarsk) einsatzbereit sein w i r d . Die Sowjets
werden dann über

stark

verbesserte Möglichkeiten der

Früherfassung

anfliegender b a l l i s t i s c h e r Raketen, der Angriffsbewertung und der genauen Zielverfolgung
nisch

in

verfügen. Diese Radaranlagen werden zwar t e c h -

der Lage s e i n ,

eine unterstützende

Funktion

für

die Ge-

f e c h t s l e i t u n g im Rahmen eines ausgedehnten ABM-Systems zu übernehmen,
aber es i s t

ungewiß, ob die Sowjets diesen Radaranlagen eine

Rolle

bei der umfassenden Aufstellung von A3M-Waffen zugedacht haben.
- Das SA-X-12-System, das im Zeitraum 1985/86 bei den sowjetischen Bodentruppen eingeführt werden s o l l , kann gegen Flugzeuge herkömmlicher
Bauart, Marschflugkörper

und taktische

ballistische

Raketen einge-

setzt werden. Es könnte i n gewissem Umfang auch zum Abfangen e i n i g e r
der Typen von Wiedereintrittsflugkörpern eingesetzt werden, die auf
den strategischen b a l l i s t i s c h e n Raketen der Vereinigten Staaten verwendet werden. Seine technischen Einsatzmöglichkeiten rücken das Problem i n den Vordergrund, daß durch technologische Verbesserungen der
Unterschied zwischen Flugabwehr- und ABM-Systemen verwischt w i r d . Die
Entwicklung

neuerer,

noch komplexerer

Flugabwehrraketensysteme

wird

dieses Problem noch weiter komplizieren.
Was uns besondere Sorge b e r e i t e t , i s t die Tatsache, daß die f o r t l a u -

�die fortlaufenden Entwicklungsarbeiten der Sowjets ihnen die Möglichkeit
zur Aufstellung von ABM-Systemen i n großem Umfang eröffnen könnten. Die
Sowjets besitzen b e r e i t s die Hauptkomponenten für e i n ABM-System, die f ü r
den umfassenden Aufbau von ABM-Einrichtungen über die durch den ABM-Vertrag gesteckten Grenzen hinaus genutzt werden könnten. Zu diesen Komponenten zählen Radaranlagen, e i n o b e r i r d i s c h aufzubauendes Raketenabschußgerät und die Rakete mit hoher Startbeschleunigung, die um Moskau herum
i n Stellung gebracht werden w i r d . Es besteht die M ö g l i c h k e i t , die Produktionseinrichtungen, die

i n Zusammenhang mit dem Ausbau des Moskauer

ABM-Systems geschaffen worden s i n d , auch für den umfassenden Aufbau von
ABM-Einrichtungen zu nutzen. Nach unserer Auffassung könnten die Sowjets
durchaus sehr rasch weitere ABM-Anlagen aufbauen, um die Verteidigungseinrichtungen bei Moskau zu verstärken und besonders wichtige Ziele

in

der westlichen UdSSR zu decken. Bis Anfang der neunziger Jahre könnten
auch wichtige Ziele ö s t l i c h
werden.

des Urals

Ln diese Verteidigung einbezogen

Vtenn die Sowjets derartige Maßnahmen i n Betracht ziehen, werden

sie indessen die m i l i t ä r i s c h e n V o r t e i l e , die solche Verteidigungseinrichtungen i n ihren Augen haben mögen, gegen die N a c h t e i l e , die insbesondere
aus der Reaktion der Vereinigten Staater und i h r e r Verbündeten erwachsen
könnten, abwägen müssen.

2.2. Luftverteidigung
Neue

strategische

Flugabwehrsysteme

mit

Einsatzmöglichkeiten

gegen

Ziele i n geringer Flughöhe werden i n zunehmender Zahl a u f g e s t e l l t werden.
Die Sowjets setzen die Stationierung der neuen, gegen Ziele i n b e l i e b i g e r
Flughöhe einsetzbaren Boden-Luft-Rakete

vom Typ SA-10 f o r t ,

führen neue

Flugzeuge mit verbesserten Einsatzmöglichkeiten gegen t i e f f l i e g e n d e Ziele
ein

und

werden

im

Jahre

1985

das

fliegende

Frühwarn- und

Leitsystem

(AVßCS) vom Typ MAINSTAY i n den Truppendienst übernehmen. Vtenn die

ver-

besserten Systeme zur Truppe kommen, wird es für die d e r z e i t i g verfügbaren Bomber zusehends schwieriger werden, die sowjetische L u f t v e r t e i d i g u n g
zu durchstoßen. Gegen amerikanische Marschflugkörper wäre dieses V e r t e i digungssystem

jedoch

wesentlich

weniger

wirksam.

Vfihrend der

nächsten

zehn Jahre wird die sowjetische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht

in

dar Lage s e i n , im F a l l e eines A n g r i f f s , der von Bombern und Marschflug-

- 10 -

�und Marschflugkörpern gemeinsam vorgetragen wird, genug davon abzuschießen, um zu verhindern, daß die UdSSR schwerste Schäden erleidet. Wir
glauben jedoch, daß die Sowjets imstande sind, viele besonders wichtige
Führungs-, Befehls-, Militär- und Wirtschaftseinrichtungen, die im Kriege
eine bedeutsame Rolle spielen würden, zunehmend besser vor Luftangriffen
zu schützen.

2.3. U-Boot-Abwehr
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen die Sowjets nicht über w i r k same M i t t e l zur Ortung von auf See b e f i n d l i c h e n amerikanischen Unterseebooten, die mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnet sind (SSBN). Wir erwart e n , daß die Sowjets ihre Arbeiten i n a l l e n technologischen Bereichen der
U-Boot-Abwehr

(ASW) auch weiter

hier

Lösungen für

mögliche

mit

Nschdruck

vorantreiben werden, da

die Probleme der Bekämpfung

amerikanischer

SSBN und des Schutzes i h r e r eigenen SSBN vor amerikanischen Jagd-U-Booten
liegen.

Wir sind besorgt über die energische ASW-Forschung und die tech-

nologischen Anstrengungen der Sowjets. Wir glauben jedoch n i c h t , daß die
reale Möglichkeit besteht, daß die Sowjets i n den neunziger Jahren e i n
System einführen könnten, das eine erheb Liehe Gefahr für auf See kreuzende amerikanische SSBN d a r s t e l l e n würde.
2 . 4 . Der Schutz der Führung
Die Sowjets betreiben e i n umfangreiches Programm, das dem Schutz i h r e r Führung d i e n t .

Nach unserer Auffassung würde bei einer

Vorwarnzeit

von nur einigen Stunden e i n großer Teil der kriegsmäßigen Führungsstruktur

die ersten Auswirkungen eines amerikanischen nuklearen Großangriffs

überleben. Wir schätzen, daß für Führungskräfte der nationalen und r e g i o nalen Ebene zumindest 800, v i e l l e i c h t

sogar 1 500 Ausweichstandorte

zur

Verfügung stehen. T i e f u n t e r i r d i s c h angelegte Einrichtungen könnten das
Überleben der obersten nationalen Führung gewährleisten; h i e r i n

besteht

eines der vorrangigen Ziele der sowjetischen Pläne f ü r die Regierung i n
Kriegszeiten.
3. Führungs-

-

11 -

�3. Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen

In den nächsten zehn Jahren wird es zu erheblichen Verbesserungen der
Schlagkraft der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion kommen, aber dennoch würden auf beiden Seiten umfangreiche Teile des militärischen Potentials selbst schwere Atomschläge überleben. Wie sicher sich die Sowjets ihrer Befähigung zum Ausfechten weltweiter Konflikte und zur Begrenzung des Schadens, den die Sowjetunion erleiden würde, sein können, hängt weitgehend von Erwägungen bezüglich der
Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen ab, d.h., von ihrer Fähigkeit, die
Funktionstüchtigkeit

ihrer

eigenen

Fuhrungs- und

Kommandoeinrichtungen

aufrechtzuerhalten, wie auch von ihren Möglichkeiten, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten der Fähigkeit zum Führen und Befehligen ihrer Streitkräfte ganz oder teilweise zu berauben.

- Amerikanische Angriffe könnten zwar viele bekannte, ortsfeste Befehls-,

Kommando- und

Kommunikationseinrichtungen

zerstören, aber

dank der Tatsache, daß die Sowjets s;.ch diesem Bereich schwerpunktmäßig gewidmet haben, besitzen sie he^te zahlreiche gehärtete Schlüsseleinrichtungen

sowie

Kommunikationsanlagen

in Mehrfachauslegung.

Die Sowjets könnten daher höchstwahrscheinlich die Funktionsfähigkeit
ihres Befehls- und Kommandosystems insgesamt aufrechterhalten, obwohl
es wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen würde und sie sich bei
der Gewährleistung seines Weiterbetriebs Schwierigkeiten gegenübersehen könnten.

- Wir glauben, daß die Sowjets fortwährende Angriffe gegen die strategischen Befehls-, Kommando- und Komrrunikationseinrichtungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten richten würden, um die Koordination von Vergeltungsschlägen nach Möglichkeit zu verhindern oder zu
erschweren. Hierdurch würden die Sowjets die Belastung ihrer eigenen
strategischen Verteidigung vermindern und die Fähigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten herabsetzen, zur Regenerierung ihrer Streitkräfte militärische und zivile Ressourcen heranzuziehen.
Die Sowjets würden zwar im Hinblick auf diese Aufgabe erhebliche Anstrengungen unternehmen, sind wahrscheinlich aber keineswegs sicher,
- 12 -

�keineswegs sicher, daß sie diese Ziele auch wirklich erreichen könnten.
4. Das Weltraumprogramm
Das von den Sowjets mit Nachdruck
überwiegend

betriebene Keltraumprogramm ist

militärischer Natur. Mehr als 70 Prozent der sowjetischen

Weltraumunternehmen dienen ausschließlich militärischen Zwecken, und von
den übrigen haben viele eine militärisch-zivile Doppelfunktion. Die Sowjets betrachten den Weltraum als integralen Bestandteil ihres militärischen offensiven und defensiven Gesamt.konzepts und nicht etwa als getrennten oder aussparbaren Bereich. Die Sowjets würden zwar gern in der
Lage sein, dem Feind im Krieg die Nutzung des Weltraums zu verwehren,
aber ihre gegenwärtigen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Satelliten sind
begrenzt und reichen nicht aus, um diesen offenkundigen Erfordernissen
gerecht zu werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bieten nicht nur das speziell dafür konzipierte nichtnukleare Qrbitalabfangsystem, sondern auch
andere Systeme wie die nukleare ABM-Abfangrakete vom Typ GALOSH und zwei
erdgestützte hbchenergielaser die Möglichkeit, einige Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen zu vernichten oder zu stören, aber die mögliche Bedrohung für Satelliten in höheren Umlaufbahnen ist begrenzt. Wahrscheinlich
würden die Sowjets im Verlaufe eines größeren konventionellen Krieges und
im Anfangsstadium eines Atomkriegs vergehen, die Satelliten der Vereinigten Staaten zu vernichten oder zu stören. Ihre diesbezüglichen Mittel
würden jedoch einen Nuklearangriff nicht überleben. Gewisse Verbesserungen bei den sowjetischen Einrichtungen zur Satellitenbekämpfung stehen
jedoch zu erwarten.

5. Richtenergiewaffen

und

mit

kinetischer Energie arbeitende hbchge-

schwindigkeitswaffen
Richtenergiewaffen und mit kinetischer Energie arbeitende Waffen für
eine Reihe strategischer Anwendungsmöglichkeiten könnten eventuell entwickelt werden, so z.B. zur Bekämpfung von Satelliten, zur Flugabwehr,
zum Einsatz auf dem Gefechtsfeld und langfristig auch zur Abwehr ballistischer Raketen.
- 13 -

Es agibt

�Es gibt starke Indizien dafür, daß die Sowjets an der Entwicklung von
HDchenergielaserwaffen arbeiten, und zwar in einigen Fällen schon seit
den sechziger Jahren:

- Nach unserer Schätzung würde ein Laserwaffenprogramm vom Umfang des
sowjetischen in den Vereinigten Staaten ungefähr eine Milliarde Dollar jährlich kosten.

- Man geht davon aus, daß sich in zwei Anlagen auf dem Testgelände bei
Saryshagan l-bchenergielaser befinden, die möglicherweise als Antisatellitenwaffen eingesetzt werden könnten.

- Wir sind besorgt über ein sowjetisches Großprojekt zur Entwicklung
erdgestützter Laserwaffen zur Abwehr von Wiedereintrittsflugkörpern
im Endanflug. Es ist jedoch weitgehemd ungewiß, ob die Verwendung von
erdgestützten Lasern zur Raketenabwehr machbar und durchführbar ist.
Wir erwarten, daß die Sowjets die Funktionstüchtigkeit eines solchen
Systems in den achtziger Jahren testen werden, wobei sie wahrscheinlich eine der Hochenergielaseranlagen bei Saryshagan verwenden werden. Ein einsatzfähiges System könnte erst viele Jahre später in
Dienst gestellt werden, wahrscheinlich erst nach der Jahrtausendwende.
- Die Sowjets scheinen zwei HDchenergielaserwaffen zu entwickeln, die
möglicherweise zur strategischen Luftverteidigung eingesetzt werden
könnten, und zwar zum Objektschutz am Boden und zur See.

- Die Sowjets arbeiten weiter an der Entwicklung eines in ein Flugzeug
eingebauten Lasers.

- Die Sowjets betreiben u.a. auch ein Forschungsprojekt zur Entwicklung
von HDchenergielaserwaffen für den Einsatz im Weltraum. Anfang der
neunziger Jahre könnte der Prototyp einer weltraumgestützten Hochenergielaserwaffe zur Satellitenbekämpfung in einer erdnahen Umlaufbahn erprobt werden, aber selbst wenn die Tests erfolgreich verliefen, könnte ein solches System kaum vor Mitte der neunziger Jahre die
Einsatzreife erlangen.
Ferner betreiben
- 14 -

�Ferner betreiben die Sowjets für das Militär Forschungsarbeiten mit
dem Ziel der Entwicklung von Partikelstrahlenwaffen (PBW). Wir glauben,
daß die Sowjets schließlich einen Versuch zum Bau einer weltraumgestützten PBW unternehmen werden, aber da die technischen Anforderungen ungemein hoch sind, ist es nach unserem Dafürhalten unwahrscheinlich, daß sie
noch vor dem Jahr 2000 einen Prototyp testen werden.
Die Sowjets haben im Bereich der "rechrologien, die zur Entwicklung
von Radiofrequenzwaffen

(RF-Waffen) genutzt werden können, einen hohen

Leistungsstandard erreicht, so daß sie nach unserer Meinung wahrscheinlich in der Lage sind, den Prototyp eineis RF-Waffensystems zu entwickeln.
Eine solche Vteffe kann benutzt werden, um bestimmte Komponenten von Raketen oder Satelliten zu stören oder außer Funktion zu setzen.

Wir befürchten, daß die Programme cer Sowjets im Bereich der Richtenergietechnik schon so weit fortgeschritten sein könnten, daß sie zum
Bau einsatzfähiger erdgestützter Antisatellitenwaffen in der Lage sind.

Seit den sechziger Jahren haben die Sowjets erhebliche Mittel für
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich von Technologien aufgewandt , die möglicherweise zum Bau von mit kinetischer Energie arbeitenden
Hbchgeschwindigkeitswaffen eingesetzt werden können.

6. Mittelaufwand für die erwarteten Entwicklungen und Rüstungskontrollerwägungen

Etwa jeweils ein Zehntel, insgesamt also ein Fünftel der gesamten Rüstungsausgaben, werden für die strategischen Offensiv- und Defensivwaffen
aufgewandt. Obwohl die Programme der Sowjets in den Bereichen der Erforschung, Entwicklung und Aufstellung strategischer

Waffen bereits einen

erheblichen Umfang haben, wird der Aufwand von Mitteln weiter erhöht. Wir
schätzen, daß die Gesamtinvestitionen und Betriebskosten für die sowjetischen Programme in dem Bereich der strategischen Offensivwaffen (Systeme
interkontinentaler Reichweite und Mittelstreckenwaffen) und in dem der
strategischen Defensivwaffen (unter Außerachtlassung der Möglichkeit eines umfassenden Aufbaus von Raketenabwehrsystemen) in den nächsten fünf

- 15 -

�nächsten fünf Jahren zu einer jährlichen Steigerung der sowjetischen Gesamtausgaben für strategische Waffen um fünf bis sieben Prozent führen
werden. (Sollte es zu einer umfassenden Aufstellung von Raketenabwehrsystemen kommen, würde sich die Zuwachsrate auf sieben bis zehn Prozent belaufen.)

Da die Wachstumsrate bei den nichtstrategischen Programmen mit ungefähr drei Prozent angenommen wird, würde eine Steigerung der Ausgaben für
strategische Programme um fünf bis sieben Prozent auf eine jährliche Erhöhung der gesamten Rüstungsausgaben um drei bis vier Prozent hinauslaufen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, daß die sowjetische Wirtschaft für
den Rest des Jahrzehnts nur sehr geringe Zuwachsraten zu verzeichnen haben wird. Wenn nun aber der für die Rüstung aufgewandte Teil des Bruttosozialprodukts größer wird, werden die Sowjets vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob sie die Zuwachsrate der Investitionen kürzen sollen,
obwohl diese von zentraler Bedeutung für die Modernisierung ihrer Wirtschaft sind, oder ob sie die Produktion von Verbrauchsgütern zurückschrauben sollen, obwohl diese im Rahmen der sowjetischen Bemühungen um
eine Anhebung der Arbeitsproduktivität einen hohen Stellenwert hat.

Ungeachtet der ernsten Wirtschaftsprobleme, die seit Mitte der siebziger Jahre bestehen, hatten die militärischen Beschaffungsprogramme der
Sowjets Jahr für Jahr einen erheblichen Umfang; insbesondere beschaffen
die Sowjets auch weiterhin neue strategische Waffen in großer Zahl. So
haben die Sowjets beispielsweise seit Mitte der siebziger Jahre ihr Potential an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten ICBM aufgestellt und
ausgebaut, neue SSBN mit Mehrfachgefechtsköpfen tragenden SLBM in Dienst
gestellt und die mobilen Raketen vom SS-20 eingeführt. In den letzten
Jahren haben die Sowjets ihren Mittelaufwand für neu entwickelte Systeme
erhöht, insbesondere im Hinblick auf die Aufstellung kostspieliger mobiler Raketensysteme. Obwohl die Sowjets vor schweren Wirtschaftsproblemen
stehen, deutet nichts darauf hin, daß sie sich genötigt fühlen, auf
wichtige strategische Rüstungsprogramme zu verzichten, oder daß sie im
Bereich der Rüstungskontrolle größere Zugeständnisse machen werden, um
den wirtschaftlichen Druck zu mildern. Ausschlaggebend für die Rüstungsund Rüstungskontrollentscheidungen der Sowjets werden wahrscheinlich auch

- 16 -

�wahrscheinlich auch weiterhin ihre Einschätzungen des politisch-strategischen Nutzens und die Dynamik der Waffentechnik bleiben. Nach unserer
Auffassung werden die strategischen Waffen bei der Mittelzuweisung auch
weiterhin oberste Priorität behalten und daher von wirtschaftlichen Problemen in geringerem Umfang betroffen werden als jeder andere Teilbereich
der Streitkräfte der Sowjetunion. Wir glauben jedoch auch, daß Entscheidungen über Umfang und Tempo der Modernisierung der strategischen Waffen
infolge der angespannten Wirtschaftslage heute wahrscheinlich in stärkerem Maße als in der Vergangenheit von wirtschaftlichen Faktoren beeinflußt

werden und

daß

einige Stationierungsprogramme

gestreckt werden

könnten.

Wir glauben, daß die Sowjets entschlossen sind, keinerlei Abstriche
an dem zuzulassen, was die UdSSR im vergangenen Jahrzehnt militärisch erreicht hat. Sie sind sich der Tatsache bewußt, daß die neuen strategischen Waffensysteme, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig einführen
oder entwickeln, die Gefährdung ihrer silogestützten ICBM erhöhen, ihre
Anstrengungen im Bereich der U-Boot-Abwehr komplizieren und ihre Luftverteidigung vor zunehmend komplexere Probleme stellen. Durch ihr Verhalten
und ihre Propaganda haben die Sowjets zu erkennen gegeben, daß sie über
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten,
in deren Mittelpunkt fortgeschrittene Technologien stehen, sehr besorgt
sind. Sie glauben, daß SDI sie zwingen könnte, ihre Entwicklungsprogramme
für ballistische

Offensivraketen umzustellen, um diese

Waffen weniger

verwundbar zu machen, oder daß SDI einen kostspieligen Hochtechnologiewettlauf ohne absehbares Ende auslösen könnte, und wahrscheinlich befürchten sie, daß ihre eigenen Anstrengungen in diesem Bereich mit denen
der Vereinigten Staaten nicht Schritt halten können. Wahrscheinlich bereitet ihnen auch die Möglichkeit Sorge, daß SDI zu anhaltenden Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Bereich der strategischen Verteidigung
führen könnte.

Die sowjetische Führung betrachtet die Rüstungskontrollpolitik als
wichtigen Faktor im Rahmen ihrer Bemühungen, strategische Vorteile zu erlangen. Die Sowjets sind dann bereit, im Hinblick auf die Erhöhung der
Leistungsfähigkeit

von Streitkräften und die Aufstellung neuer

- 17 -

Waffen

�neuer Haffen Begrenzungen auszuhandeln, wenn dies ihren Interessen dient.
Moskau glaubt seit langem, daß Rüstungskontrolle zuerst und vor allem die
Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion im Verhältnis zu der ihrer
Gegner schützen muß. Die Sowjets versuchen, die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte sowohl durch den Rüstungskontrollprozeß selbst als
auch durch jedes sich daraus ergebende Abkommen zu begrenzen. In Zukunft
wird im Mittelpunkt der sowjetischen Rustungskontrollpolitik der Versuch
stehen, die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Abwehr ballistischer Raketen und zur Kriegführung im Weltraum zu begrenzen; dies wird
eine ihrer hervorstechendsten Eigenarten ausmachen. Die Sowjets werden
versuchen, sich der Rüstungskontrollverhandlungen als Mittel zur Verzögerung oder Vereitelung des amerikanischen SDI-Programms zu bedienen.

* * * * *

- 18 -

�3. J u l i 1985

26

25 JAhRE WETTERBEOBACHTUNG AUS OEM WELTRAUM

-

(AD) - Mit dem S t a r t des ersten arrerikanischen TIROS-Satelliten am

1 . A p r i l 1960 öffnete sich für die Wetterkundler eine neue und, wie sich
i n 25 Jahren z e i g t e , ungemein wichtige Eeobachtungsperspektive.
nem ViertelJahrhundert

waren sie noch auf

Vor e i -

Wahrnehmungen angewiesen, die

zu Lande und auf den Meeren, v i e l l e i c h t auch noch von Flugzeugen aus gemacht wurden.

Jetzt aber ergab sich die M ö g l i c h k e i t , Strukturen und Zug-

richtung r i e s i g e r

Wblkenfelder und, mitte:ls empfindlicher Sensoren, S t r ö -

mungsmuster und Temperaturen i n den Stockwerken der Erdatmosphäre rund um
den Globus zu beobachten - und rund um cie Uhr dazu.

Die mit diesen Sa-

t e l l i t e n zunehmend umfangreicher und mit

immer größerer Genauigkeit ge-

wonnenen Informationen

b i l d e n heute

Kern der

möglichst

Vorhersagen

zuverlässige

Grundlage für den E r f o l g i s t

der

gebraucht

Wetterdaten, die

werden.

Eine

für

wesentliche

die enge i n t e r n a t i o n a l e Zusammenarbeit von

Wissenschaftlern vor allem aus den USA, Europa, Japan, Indien und der Sowjetunion und ca. 40 weiteren Ländern, die i n der

WMO (UN-Weltorgani-

s a t i o n f ü r Meteorologie) zusammengeschlossen s i n d .
Die neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die neuen Erkenntnisse aus den Gebieten der Meteorologie und Atmosphärenphysik

bedeuteten eine

besondere Förderung

für

die

"Weltwetter-

wacht" der VMO, eines überaus komplexen Beobachtungs- und Vorhersagesystems.

S a t e l l i t e n d a t e n waren gewissermaßen der Motor, um die Leistungen

der VMO k o n t i n u i e r l i c h zu verbessern - nicht nur i n bezug auf die Q u a l i tät

kurzfristigerer

Zeitdauer,

Wettervorhersagen,

sondern auch i n

bezug auf

die

f ü r die Vorhersagen mit r e l a t i v e r Genauigkeit gemacht werden

können.
Die

gegenwärtige

"Flotte"

von

Wetterbeobachtungssatelliten

besteht

zum T e i l aus geostationären Geräten, die auf ä q u a t o r i a l e r Bahn i n 35 680
km Höhe eine p r a k t i s c h feste P o s i t i o n einnehmen, w e i l die Umlaufgeschwindigkeit

eines S a t e l l i t e n i n diesem Abstand der

Rotationsgeschwindigkeit

der Erde e n t s p r i c h t , und zum anderen au:; S a t e l l i t e n auf polaren Umlaufbahnen i n ca. 800 km Höhe.

Deren Bahnebene steht senkrecht zur Bahnebene

der geostationären W e t t e r s a t e l l i t e n , die von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, den Vereinigten Staaten, Japan und Indien g e s t e l l t
den.

wer-

Die S a t e l l i t e n auf polarer Bahn kommen aus den USA und der Sowjet-

union.

Neben ihren Aufgaben zur Wetterbeobachtung und der ständigen Aus-

strahlung von Vfetterdaten, die jeder empfangen kann, der daran i n t e r e s s i e r t i s t , nehmen sie auch Notsignale von Flugzeugen und Schiffen auf und
geben diese an große Bodenstationen weiter.

Die Umlaufbahnen über beide

Pole machen i n f o l g e der West-Ost-Drehung der Erde eine komplette Beobachtung der Erdoberfläche mit j e w e i l s gleichmäßiger Verschiebung um bestimmte Längengradeinheiten möglich.
Ein moderner W e t t e r s a t e l l i t

kostet derzeit 50 bis 100 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Die j ä h r l i c h e n Betriebskosten liegen bei 20 b i s 40 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Mehr a l s

80 Prozent der VMO-Mitgliedstaaten machen vom Direktem-

pfang der Satelliten-Wetterdaten Gebrauch, die durch hydrologische Meßdaten ergänzt werden.

Die übrigen M i t g l i e d e r benutzen die Vorhersagen, die

aus S a t e l l i t e n d a t e n e r a r b e i t e t und über die VMO im Rahmen eines w e l t w e i ten Nachrichtennetzes v e r m i t t e l t werden.

Die Weltwetterorganisation

för-

dert außerdem durch Ausbildungskurse und Forschungsprojekte die Aus- und
Weiterbildung von Spezialisten aus den i h r angeschlossenen Staaten.
* * * * *
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans nach Entlassung der Geiseln&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Vizepräsident Bush bei Ankunft der freigelassenen Geiseln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Juli: Wichtig für die Freiheit in aller Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Nahost-Politik der USA dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit einem arabischen Journalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Aufrüstung im Bereich der strategischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht von Sachverständigen des CIA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;25 Jahre Wetterbeobachtung aus dem Weltraum&amp;nbsp;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. J u l i 1985

27

I N H A L T

DOKUMENTATION
Z i v i l i s i e r t e V ö l k e r müssen gegen T e r r o r i s m u s vorgehen
- Rede P r ä s i d e n t Reagans USA und G r o ß b r i t a n n i e n f o r d e r n E i n s t e l l u n g der Flüge nach B e i r u t
- E r k l ä r u n g von P r e m i e r m i n i s t e r i n Thatcher und V i z e p r ä s i d e n t Bush G i p f e l t r e f f e n kann Verbesserung der a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n
Beziehungen bewirken
- Pressekonferenz von US-Außenminister S h u l t z USA bedauern Mangel an F o r t s c h r i t t e n auf der KVAE
- E r k l ä r u n g des U S - D e l e g i e r t e n zum Abschluß der 6.

Sitzungsperiode

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "CWLLENG"ER" m i t Spacelab-Kombination
- P r o j e k t e zur E r f o r s c h u n g d e r Sonne, t i e f e r kosmischer B e r e i c h e
und der i r d i s c h e n Umwelt "INTELSAT" umspannt d i e Welt
- D i e n s t l e i s t u n g e n f ü r 160 Länder und T e r r i t o r i e n

-

Umweltschutz braucht neue Ideen
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund Themenindex Amerika D i e n s t 1985
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. Juli 1985

27

ZIVILISIERTE VÖLKER MÜSSEN GEGE^ TERRORISMUS VORGEHEN
- Rede Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Am 8. Juli 1985 hielt Präsident Reagan vor der
Amerikanischen Anwaltskammer in Washington eine Rede, in der er die Gemeinschaft der zivilisierten Völker zum gemeinsamen Vorgehen gegen den
Terrorismus aufrief.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden

Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor einem Berufsverband sprechen zu können, der
nicht nur der größte seiner Art auf der Walt ist, sondern sich auch ausschließlich einem Gegenstand widmet, der den Ausgangspunkt jeder freien
Gesellschaft bildet, einem Gegenstand, der zum Kern dessen zählt, was zivilisiertes Leben ausmacht:

dem Gesetz, unseren Gerichten und unserem

Rechtswesen und der Gerechtigkeit selbst.

Ich möchte Ihnen in aller Offenheit sagen, daß ich die Absicht hatte,
heute hier zu erscheinen und mich zu einer Reihe juristischer Fragen zu
äußern:

zu den Problemen unserer Gerichtshöfe, zu der Art und Wsise, in

der unsere Administration dem Kartellrecht und den Bürgerrechtsgesetzen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�den Bürgerrechtsgesetzen Geltung verschafft, sowie zu unserem gegenwärtigen Vorgehen gegen den Drogenhandel und das organisierte Verbrechen im
allgemeinen.

Aber ich fürchte, die Erörterung dieser Dinge wird warten müssen, bis
sich eine neue Gelegenheit findet, denn sie ist von Ereignissen auf der
internationalen Bühne überholt worden, und als Präsident fühle ich mich
genötigt, heute zu diesen Ereignissen Stellung zu nehmen.

Ich meine

aber, daß diese Angelegenheiten Ihr Interesse finden werden, und zwar
nicht nur, weil Sie Amerikaner sind, sondern auch, weil Sie als Juristen
beruflich mit dem Recht und mit der Bedrohung befaßt sind, der es durch
Verbrecher in unserem Lande selbst wie auch in internationalem Maßstab
ausgesetzt ist.

Daß wir heute nicht dazu kommen, die Fragen zu erörtern, die ich ursprünglich ansprechen wollte, hängt mit dem zusammen, was die amerikanischen Geiseln und darüber hinaus ganz Amerika in den vergangenen WDchen
durchmachen mußten.

Das, worum es mir heute geht, greift jedoch sogar noch über die Sorgen hinaus, die uns die schrecklichen Ereignisse in Beirut und El Salvador oder das tragische Ende der Maschine der Air India, der Bombenanschlag auf Narita oder die Entführung der Maschine der Jordanian Airlines
bereitet haben.

Wir müssen über diese Geschehnisse hinausschauen, denn

ich glaube, daß sie, so entsetzlich sie auch sein mögen, unseren Blick
für eine noch größere und düsterere terroristische Bedrohung nicht trüben
dürfen.

Man ist versucht, einen Terroranschlag einfach nur als das willkürliche Werk einer kleinen Gruppe von Fanatikern zu betrachten.

Eine sol-

che Fehleinschätzung ist äußerst gefährlich, denn die Anschläge, denen
sich Amerika, seine Bürger, seine Verbündeten und andere demokratische
Nationen in den letzten Jahren ausgesetzt sahen, verschmelzen in ihrer
Gesamtheit zum Phänomen eines Terrorismus, der durchaus strategische Implikationen und politische Ziele hat.

Und nur, wenn wir die Dinge nicht

aus einem taktischen, sondern aus einem strategischen Blickwinkel sehen,

�Blickwinkel sehen, nur wenn wir uns über das Grundmuster des Terrors und
seine Hintermänner Klarheit verschaffen, können wir hoffen, eine Strategie zu seiner Bekämpfung zu entwickeln.

Kommen wir also zu den Tatsachen.

Folgendes wissen wir:

In den

letzten Jahren kam es beständig und in immer schlimmerem Maße zu Terroranschlägen auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Staaten
der Dritten

Welt, die unseren Interessen wohlwollend

gegenüberstehen.

Die Anzahl der Terroranschläge stieg von rund 500 im Jahre 1983 auf mehr
als 600 im Jahre 1984.

Allein im vergangenen Jahr waren 305 Bombenan-

schläge zu verzeichnen, im Durchschnitt also fast einer pro Tag.

Einige

der schlimmsten Anschläge richteten sich gegen Amerikaner oder amerikanisches Eigentum und amerikanische Einrichtungen.

Diese Tendenz hielt 1985

unvermindert an, und in den meisten Fällen sind unschuldige Zivilisten
die Opfer der Gewalt.

Wenn Terroranschläge auch weiterhin so häufig

bleiben, wie sie es gegenwärtig sind, dann werden wir 1985 rund Tausend
zu verzeichnen haben - das steht uns bevor, wenn die zivilisierten Völker
nicht gemeinsam handeln, um diesem Angriff auf die Menschlichkeit ein Ende zu bereiten.

In den letzten Jahren war der Nahe Osten einer der Hauptbrennpunkte
dieser Anschläge, Anschläge, die sich gegen die Vereinigten Staaten, Israel, Frankreich, Jordanien und Großbritannien richteten.

Auch in Belgi-

en, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich verübten linksgerichtete Terrorgruppen eine Reihe offenkundig koordinierter Terror- und Mordanschläge; sie setzten im Sommer 1984 ein, kulminierten im Januar und Februar dieses Jahres und richteten sich gegen Einrichtungen der Vereinigten Staaten und der NATO sowie gegen Vertreter der Streitkräfte und der
Wirtschaft der genannten Nationen.

Was wissen wir nun über die Ursprünge dieser Angriffe und über das
gesamte Grundmuster der Terroranschläge der letzten Jahre?

Allein im

Jahre 1983 fand das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) eindeutige Indizien für eine Verwicklung des Iran in 57 Terroranschläge oder
konnte solche Indizien erhärten.

Die Mehrzahl dieser Anschläge wurde

zwar im Libanon verübt, aber eine erhöhte Aktivität von mit dem Iran sym- 3 -

�Iran sympathisierenden Terroristen war auch in ganz Europa zu verzeichnen.

In Spanien und Frankreich kam es zu entsprechenden Vorfällen, und

in Italien wurden sieben proiranische libanesische Studenten wegen Vorbereitung eines Anschlags auf die amerikanische Botschaft verhaftet. Derartige Gewaltakte dauern an.

Es wird niemanden von Ihnen überraschen, zu erfahren, daß wir neben
dem Iran noch einen anderen tief in den Terrorismus verstrickten Staat,
nämlich Libyen, namhaft machen konnten.

Nach den uns vorliegenden Indi-

zien bestand bei zumindest 25 der Vorfälle des letzten Jahres eine Ver-

&lt;

bindung zu libyschen Agenten oder sonstigen im Auftrag Libyens handelnden
Kräften.

Die frevelhaften Verstöße des Obersten Gaddafi gegen die Grund-

'

sätze zivilisierten Verhaltens sind natürlich ebenso infam wie die des
Ayatollah Khomeini. Der Vorfall im vergangenen Jahr, bei dem eine britische Polizistin aus der libyschen Botschaft heraus niedergeschossen wurde, bildet nur eines der zahlreichen Beispiele.

Seit September 198A ha-

ben vom Iran unterstützte Terrorgruppen fast 30 Anschläge verübt, und
erst vor kurzem hat die ägyptische Regierung einen von Libyen geförderten
Bombenanschlag auf unsere Botschaft in Kairo vereitelt.

Genau diese von

Libyen an den Tag gelegte Haltung der staatlichen Billigung von Mordanschlägen und Terrorismus veranlaßte die Vereinigten Staaten vor einigen
Jahren, libysche Diplomaten auszuweisen, und auch andere Nationen haben
sich in der Zwischenzeit zu ähnlichen Schritten gezwungen gesehen.

Aber

auch wenn wir wissen, daß Oberst Gaddafi mit dem Terrorismus im Bunde
ist, sollten wir ihm immerhin zugestehen, daß er offen ist:

Kürzlich

sagte er, Libyen sei - ich zitiere - "in der Lage, den Terrorismus bis
ins Innerste Amerikas zu tragen.

Wir sind auch in der Lage zu physischen

Liquidierungen, zu Zerstörungen und zur Brandstiftung innerhalb Amerikas."

Im übrigen ist es auch wichtig, sich hier vor Augen zu halten, daß
das Wissen um die tiefe und anhaltende Verstrickung des Iran und Libyens
in den internationalen Terrorismus keineswegs auf unsere eigene Regierung
beschränkt ist.

Die Polizei in den meisten Ländern Europas hält dies

heute für erwiesen, ganz zu schweigen von den Warnungen, die von Spitzenpolitikern in aller Welt ausgesprochen worden sind.

So hat beispielswei-

se die politische Führung Jordaniens öffentlich erklärt, daß die Zerstö- 4 -

„

�die Zerstörung der jordanischen Botschaft in Tripoli auf libysche Aktionen zurückzuführen sei.

Neben dem Iran und Libyen gibt es noch drei weitere Regierungen, die
den Feldzug des internationalen Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und gemäßigte Länder der Dritten Vfelt aktiv unterstützen.

Zum ersten wäre Nordkorea zu nennen.

Das Ausmaß und die Brutalität

nordkoreanischer Gewaltakte gegen die Vereinigten Staaten und gegen das
mit uns verbündete Südkorea sind aktenkundig.

Flugzeuge unseres Landes

sind abgeschossen worden, bei Grenzzwischenfällen sind Angehörige unserer
Streitkräfte ermordet worden, und vor zwei Jahren wurden vier Mitglieder
des südkoreanischen Kabinetts in Burma von nordkoreanischen Terroristen
bei einem Bombenanschlag in die Luft gesprengt, der eigentlich dem Leben
von Präsident Chun gegolten hatte.

Dieser Vorfall war nur ein weiterer

in einer endlosen Reihe von Angriffen Nordkoreas auf die Republik Korea.

Weniger bekannt und weniger leicht verständlich sind die umfassenderen Verbindungen Nordkoreas zum internationalen Netz des Terrorismus. Es
fehlt heute die Zeit, all die Bemühungen aufzuzählen, die Nordkorea zur
Förderung des Separatismus, der Gewalt und des verdeckten Kampfes in anderen Ländern weit
hat.

jenseits

seiner unmittelbaren Grenzen unternommen

Um nur ein Beispiel anzuführen:

Die Bemühungen Nordkoreas, in dem

freien und gedeihenden Staat Sri Lanka dem Separatismus und dem Terrorismus zur Ausbreitung zu verhelfen, sind eine grundlegende und fortwirkende
Ursache von Spannungen im südlichen Asien, ganz zu schweigen von den Verstrickungen Nordkoreas hier in unserer eigenen Hemisphäre, zu denen beispielsweise ein geheimes Rüstungsabkommen mit der ehemaligen kommunistischen Regierung Grenadas zählte.

Ich werde sogleich auch einiges zur

Verstrickung Nordkoreas in Mittelamerika sagen.

Des weiteren ist Kuba zu nennen, dessen Regierung seit den sechziger
Jahren ganz unverhohlen Terroristen bewaffnet, ausgebildet und angeleitet
hat, die auf zumindest drei Kontinenten operieren, unter anderem in Lateinamerika.

Die CAS hat wiederholt Sanktionen gegen Castro verhängt,
- 5 -

�Castro verhängt, weil er dem Terrorismus an Orten und i n Ländern Vorschub
g e l e i s t e t h a t , die zu zahlreich s i n d , als daß man sie a l l e nennen könnte.

Gleiches g i l t

auch f ü r A f r i k a .

Präsident

Carter beschuldigte

die

Regierung Castros o f f e n der Unterstützung und Ausbildung von katangesischen T e r r o r i s t e n , die von Angola aus einen A n g r i f f auf Zaire unternommen
hatten.

Und sogar im Hinblick auf den Nahen Osten hat Castro selbst be-

s t ä t i g t , daß er Anfang der siebziger Jahre den Sandinisten a k t i v h a l f a l s
sie dort bei den t e r r o r i s t i s c h e n Gruppen der PLO ihre Leute ausbildeten.

Schließlich b l e i b t der jüngste Partner des I r a n s , Libyens, Nordkoreas
und Kubas bei der i n t e r n a t i o n a l e n Terrorkampagne zu nennen:
stische Regime i n Nicaragua.

das kommuni-

Die Sandinisten fördern nicht nur den Ter-

r o r i n El Salvador, Costa Rica und Honduras - d . h . , einen T e r r o r , der u n längst

zur Ermordung von v i e r

amerikanischen M a r i n e i n f a n t e r i s t e n ,

amerikanischen Z i v i l i s t e n und sieben Lateinamerikanern führte - ,

zwei

sondern

i h r Land i s t auch einer der wichtigsten Schlupfwinkel der Vifelt f ü r i n t e r nationale T e r r o r i s t e n .

Angehörige der i t a l i e n i s c h e n Regierung haben N i -

caragua o f f e n beschuldigt, einige der schlimmsten T e r r o r i s t e n I t a l i e n s zu
beherbergen, und wir haben Hinweise darauf, daß nicht nur die

italieni-

schen Roten Brigaden, sondern auch andere Kräfte aus den übelsten Terrorgruppen der

Welt -

der westdeutschen Baader-M einhoff-Bande, der

baski-

schen ETA, der PLO, der Tupamaros und der IRA - i n Nicaragua Unterschlupf
gefunden haben und von der kommunistischen D i k t a t u r dieses Landes unters t ü t z t werden.

Das kommunistische Regime i n Nicaragja hat sich zu einem Knotenpunkt
des Terrornetzes gemacht und b i l d e t geradezu eine F a l l s t u d i e
Ausdehnung.
dinisten

für dessen

Vergegenwärtigen Sie sich für einen Augenblick, daß die San-

nicht

nur

feste

internationale

Bündnisse mit Kuba und Libyen

eingegangen sind - u.a. erhalten sie enorme Mengen an Vfeffen und M u n i t i on-,

sondern auch von Nordkorea

i n großem Umfang u n t e r s t ü t z t

werden.

Sie scheuen sich auch gar n i c h t , einzuräumen, daß sie i n der Schuld der
Regierung des nordkoreanischen D i k t a t o r s Kim Il-Sung stehen.

Sowohl Da-

n i e l a l s auch Humberto Ortega haben Nordkorea unlängst o f f i z i e l l e Staatsbesuche a b g e s t a t t e t , um weitere H i l f e zu erlangen und förmlichere Beziehungen h e r z u s t e l l e n .

Nicaragua i s t also mit Kuba, Libyen und Nordkorea

�und Nordkorea im Bunde.
ziehungen zum Iran?

Bleibt nur noch der Iran.

Wie steht es mit Be-

Nun, erst kürzlich besuchte der iranische Minister-

präsident Nicaragua und übermittelte die Solidaritätsbekundungen des Ayatollahs an die sandinistischen Kommunisten.

Ich sprach vorhin von den strategischen Zielen, die die Beweggründe
all

dieser

terroristischen

Staaten

bilden.

Ich werde hierzu

gleich

selbst einige Anmerkungen machen, aber warum lassen wir nicht zunächst
die Führer dieser außerhalb des Rechts stehenden Regierungen selbst ihre
Ziele darlegen?

Während seines Staatsbesuchs in Nordkorea vernahm Daniel Ortega , der
Führer der Sandinisten Nicaraguas, aus dem Munde Kim Il-Sungs folgendes
über die gemeinsamen Ziele Nordkoreas und Nicaraguas:
der

revolutionären

Staaten der

"Wenn die Völker

Welt den amerikanischen

Imperialismus

überall dort, wo er seine Klauen der Aggression ausstreckt, unter Druck
setzen und ihm Schläge versetzen, dann werden sie ihn zur Machtlosigkeit
verurteilen und es ihm unmöglich machen, sich weiter als Herrscher aufzuspielen."

Und Oberst Gaddafi, der mit Nordkorea ein formelles Bündnis

unterhält, sprach ganz im Sinne Kim Il-Sungs, als er die Aufgaben des
Terrornetzes darlegte:

"Wir müssen Amerika zwingen, an hundert Fronten

überall auf der Erde zu kämpfen.

Wir müssen es zwingen, im Libanon zu

kämpfen, im Tschad zu kämpfen, im Sudan zu kämpfen und in El Salvador zu
kämpfen."

So liegen die Dinge also:

Der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba und Ni-

caragua liegen zwar auf verschiedenen Kontinenten und Tausende von Meilen
getrennt, aber sie verfolgen die gleichen Ziele und Zwecke.

Was ich Ih-

nen sagen möchte, ist, daß die Zunahme des Terrorismus in den letzten
Jahren auf die immer stärkere Verstrickung dieser Staaten in den Terrorismus in jeder Region der Welt zurückzuführen ist.

Wir haben es mit

einem Terrorismus zu tun, der Teil eines Gesamtplanes ist - das Werk eines Bundes terroristischer Staaten.

Die meisten der Terroristen, die

amerikanische Staatsbürger entführen und ermorden und Anschläge auf amerikanische Einrichtungen verüben, werden von einer Kerngruppe radikaler
und totalitärer Regierungen, einer Art neuer, internationaler Mord GmbH,
- 7 -

�Mord GmbH, ausgebildet, finanziert und direkt oder indirekt gesteuert.
All diese Staaten werden von einem einfachen, verbrecherischen Phänomen
vereint:

ihrem fanatischen Haß auf die Vereinigten Staaten, unser Volk,

unseren Lebensstil und unsere Rolle in der Wfelt.

Der strategische Zweck des von diesen gesetzlosen Staaten geförderten
Terrorismus ist klar:

die Vereinigten Staaten zu desorientieren, unsere

Außenpolitik zu stören oder zu ändern, Zwietracht zwischen uns und unseren Verbündeten zu säen, uns wohlgesonnene Nationen der Dritten Vtelt einzuschüchtern, die gemeinsam mit uns auf die friedliche Beilegung regionaler Konflikte hinarbeiten, und schließlich, den amerikanischen Einfluß in
den Gebieten der Vtelt zu unterbinden, wo wir uns um das Entstehen stabiler und demokratischer Regierungssysteme bemühen.

Kurzum:

Es geht dar-

um, uns zum Rückzug zu veranlassen und uns zu zwingen, uns zu verschanzen
und zur "Festung Amerika" zu werden.

Ihr wirkliches Ziel besteht darin,

Amerika aus der Vtelt zu vertreiben.

Deshalb lassen diese terroristischen Staaten denen, die unser Land
angreifen, Vteffen, Ausbildung und Unterstützung zukommen, und deshalb
können wir uns einer Tatsache gewiß sein:

Diese terroristischen Staaten

sind dabei, kriegerische Handlungen gegen die Regierung und das Volk der
Vereinigten Staaten auszuführen, und nach dem Völkerrecht hat jedes Land,
das zum Opfer kriegerischer Handlungen wird, das Recht, sich zu verteidigen.

Den gesetzlosen Regierungen, die den internationalen Terrorismus gegen unser Land fördern, möchte ich jetzt eine kurze Lektion in amerikanischer Geschichte geben.

Verschiedene Male in der Vergangenheit Amerikas

haben ausländische Tyrannen, Kriegstreiber und totalitäre Diktatoren die
allseits bekannte Liebenswürdigkeit, Geduld und Großherzigkeit des amerikanischen Volkes fälschlicherweise als Zeichen der Schwäche oder gar der
Dekadenz ausgelegt.

Es ist richtig:

Wir sind ein unbeschwertes Volk,

nicht leicht in Zorn zu bringen, und wir möchten nicht gerne an jedem Horizont eine Gefahr heraufziehen sehen.

Aber genauso richtig ist, daß es

- wenn die Emotionen des amerikanischen Volkes, sein Patriotismus und
- 8 -

�Patriotismus und sein Ä'rger angefacht werden - keine Grenzen für die nationale Tapferkeit und seine verzehrende Leidenschaft gibt, um die von
allen hochgehaltene Tradition der Freiheit zu schützen.
hat es einmal so ausgedrückt:

Teddy Roosevelt

"Das amerikanische Volk gerät nicht leicht

in Zorn, aber wenn dieser Zorn einmal angefacht ist, dann brennt er wie
eine sich verzehrende Flamme."

Und eine andere führende Persönlichkeit,

dieses Mal ein ausländischer Gegner, nämlich Admiral Yamamoto, warnte
sein eigenes Land nach dem Angriff auf Pearl Harbor, indem er sagte, er
fürchte, "wir haben einen schlafenden Riesen aufgeweckt, und seine Reaktion wird furchtbar sein".

Ja,

wir

Amerikaner,

haben

unsere

Meinungsverschiedenheiten, die

manchmal laut und fast immer in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Das liegt in der Natur unserer offenen Gesellschaft. Aber keine ausländische Macht sollte Meinungsverschiedenheiten für Uneinigkeit halten. Jene, die versucht sind, das zu tun, sollten an unseren Nationalcharakter
und unsere Geschichte denken - eine Geschichte, an deren Weg die Trümmer
von Regimen liegen, die den Fehler gemacht haben, die Energie und den
Willen des amerikanischen Volkes zu unterschätzen.

Lassen Sie mich also für ein einiges Volks sprechen.
fach sagen:

Wir sind Amerikaner.

Wir lieben unser Land.

Ich möchte einWir lieben die

Werte, für die dieses Land einsteht, und wir werden dieses Land immer
verteidigen.

Wir stehen für die Freiheit ein - für unsere eigene und für

die unserer Kinder -, und wir werden immer bereit sein, für diese Freiheit Opfer zu bringen.

Das amerikanische Volk wird also keine - und ich wiederhole:

keine -

Einschüchterung, keinen Terror und keine ausgesprochenen Kriegshandlungen
gegen unser Land und unsere Menschen dulden.

Und insbesondere werden wir

nicht diese Angriffe von gesetzlosen Staaten dulden, die von der seltsamsten Sammlung von kriminellen Außenseitern, Verrückten und gemeinen
Verbrechern seit dem Dritten Reich regiert werden.

Ich habe heute

�Ich habe heute Ihre Zeit in Anspruch genommen, um die Art dieses Netzes terroristischer Staaten aufzuzeigen, so daß wir als Nation wissen,
gegen wen wir stehen und die langfristigen Ziele erkennen, die dieses
Bündnis krimineller Regierungen motivieren.

Nehmen Sie aber nicht auch nur für einen Augenblick an, daß meine
Darlegungen allumfassend sind.

Zunächst einmal gibt es einige terrorist-

ische Organisationen, deren Stärke zwar nicht der Stärke j'ener Gruppen
entspricht, die durch das von mir bereits erwähnte terroristische Netz
unterstützt werden, die sich jedoch auf gewisse Lokalitäten oder Länder
stützen, die nicht notwendigerweise in dieses internationale Netz eingebunden sind.

Und zweitens sind die von mir heute erwähnten Länder nicht

notwendigerweise die einzigen, die den Terrorismus gegen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten unterstützen.

Die Länder, die ich aufge-

zählt habe, sind lediglich diejenigen, die am direktesten mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht werden können.

Nun gilt es, die Tatsache der engen Beziehungen der Sowjetunion zu
fast allen dieser Terroristenstaaten, die ich erwähnt habe, sowie die
Folgen dieser sowjetischen Bindungen auf die bilateralen Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten und anderen demokratischen Staaten im Auge zu
behalten.

Deshalb hat auch Außenminister Shultz - genau wie sein Amts-

vorgänger Haig - in seiner Rede vom 24. Juni vergangenen Jahres offen die
Frage der sowjetischen Unterstützung terroristischer Organisationen aufgeworfen.

Was die Sowjetunion betrifft, so gibt es einen Punkt, den ich heute
nicht unerwähnt lassen kann.

Bei der jüngsten Geiselkrise in Beirut wur-

den 39 Amerikaner brutal gefangengenommen; ein Angehöriger der amerikanischen Marine wurde brutal geschlagen; ein weiterer zusammengetreten und
erschossen; die Familien und Freunde dieser Geiseln erduldeten unbeschreibliche Leiden; und ein Gefühl der Verzweiflung, des Ärgers und der
Hit lief durch unsere Nation wie ein Präriefeuer.

Die sowjetische Regie-

rung nun nahm über ihre staatlich kontrollierte Presse dazu offiziell
Stellung.

Die sowjetische Regierung behauptete nämlich, die Vereinigten
- 10 -

�die Vereinigten Staaten machten sich über diese Krise keine ernsthaften
Gedanken, sondern seien von einer - und ich gebrauche hier das Wart der
Sowjets - "H/sterie" ergriffen.

Die Sowjetunion unterstellte außerdem,

die Vereinigten Staaten suchten nur einen - und ich gebrauche wieder ihre
(forte - "Vorwand" für eine militärische - und noch einmal gebrauche ich
ihre Warte - "Invasion".

Nun, meine Damen und Herren, es gibt für derlei ein nichtsowjetisches
Wort.

Es ist ein äußerst nützliches, über die Zeiten hinweg erprobtes,

ganz und gar amerikanisches Ifort, ein Wart mit tiefen Wjrzeln in unserer
reichen landwirtschaftlichen, bäuerlichen Tradition.

Jetzt gibt es für uns alle in der Gemeinschaft zivilisierter Staaten
viel zu tun.

Wir müssen gegen die kriminelle Bedrohung des Terrorismus

mit dem ganzen Gewicht des Gesetzes vorgehen - sowohl national wie international.

Wir werden Schritte ergreifen, damit jene, die diese Art von

Scheußlichkeiten begehen, wie sie die Welt in den letzten Wachen erlebt
hat, aufgefunden, ergriffen und angeklagt werden.

Wir werden als freie Völker gemeinsam handeln, als Völker, die verhindern wollen, daß unsere Bürger gefangengenommen, erschossen oder durch
Bomben in Flugzeugen umgebracht werden - genau wie wir gemeinsam handelten, um die Meere um die Jahrhundertwende von der Piraterie zu befreien.
Und Sie als Kenner der Gesetze wissen ja , wie das Gesetz die Piraten bezeichnet: "hostis humanis" - " Feinde der ganzen Menschheit".

Es darf

auf Erden keinen sicheren Ort für jene Monster geben, wohin sie sich zurückziehen, wo sie sich ausbilden oder wo sie ihre grausamen und tödlichen Fertigkeiten praktizieren können.

Wir müssen gemeinsam - oder wenn

nötig - auch allein handeln, um sicherzustellen, daß Terroristen nirgends
mehr sicher sind.

Vizepräsident Bush kam vergangene

Wache nach intensiven Gesprächen

mit unseren Verbündeten hinsichtlich praktischer Schritte zur Bekämpfung
des Terrorismus aus Europa zurück.

Er wird auf Regierungsebene eine Ar-

beitsgruppe leiten, um unsere Bemühungen zu überprüfen - und Verbesserun- 11 -

�und Verbesserungen empfehlen -, wie wir dem Terrorismus Einhalt gebieten
können.

Hinsichtlich jener Länder, die solche Akte unterstützen oder die keine Schritte gegen terroristische Verbrecher unternehen, muß die zivilisierte Vtelt sicherstellen, daß auf ihre Unterlassungen und ihre Vergehen
mit Taten reagiert wird, die Beweis unserer gemeinsamen Entschlossenheit
sind, diese Art von Aktivität zu beenden.

So habe ich zum Beispiel unse-

re Verbündeten und andere Staaten dahingehend informiert, daß der Internationale Flughafen Beirut, über den seit 1970 13 Prozent der Flugzeugentführungen der Vtelt liefen, sicher werden muß. Bis dahin sollte der
Flughafen geschlossen werden.

Schließlich möchte ich, daß Sie eine Herausforderung annehmen - nämlich Teil der Lösung des Problems des Terrorismus zu werden.

Sie sorgen

sich grundlegend um das Recht, und das Recht ist es, das die Terroristen
mit den Füßen treten.

Sie müssen dieses Problem in Konferenzen und Ver-

sammlungen ansprechen, um zu einem besseren nationalen und internationalen gesetzlichen Rahmenwerk zu gelangen, um mit dem Terrorismus fertigzuwerden.

Sie müssen dieser Regierung und anderen dabei helfen, durch das

Gesetz die Gesetzlosigkeit zu bekämpfen.

Wo Gesetze erlassen werden müs-

sen, um den zuständigen Stellen das Handeln zu ermöglichen, sollten Sie
dabei helfen, sie zu erlassen oder zu verändern.

In der Vergangenheit

haben Anwälte geholfen, wenn die Zivilisation durch Gesetzesbrecher bedroht war. Jetzt ist die Zeit gekommen, dies erneut zu tun.
Was ich heute dargelegt habe, ist nicht erfreulich, und auch die Lösung wird nicht einfach sein.

Die Antwort auf die Bedrohung durch den

internationalen Terrorismus ist schwierig - aber sie kann gefunden werden.

Sie findet sich in einem klaren Verständnis des Problems und im

Ausdruck unseres nationalen Willens, etwas dagegen zu tun.

Dies war mit

allen wichtigen Fragen so; deshalb war auch unsere Unabhängigkeitserklärung für unsere Revolution wichtiger als jede einzelne militärische Aktivität oder jede einzelne Schlacht.

Und deshalb fangen wir heute keine

politischen Diskussionen an oder konzentrieren uns auf strategische 0p- 12 -

�strategische Optionen, sondern stellen lediglich die Tatsachen über die
Natur des internationalen Terrorismus fest und bekräftigen den Willen
Amerikas, ihm zu widerstehen.

Aber es gibt noch einen anderen Punkt zu erwähnen - den Punkt, den
ich zu Anfang dieser Diskussion angesprochen habe.

Wenn wir den Terror-

ismus unter strategischen, nicht nur unter taktischen Aspekten sehen,
müssen wir zugleich erkennen, daß die größte hbffnung der Terroristen und
ihrer

Helfershelfer - der eigentliche Grund

für die Grausamkeit und

Scheußlichkeit ihrer Taktiken - darin besteht, das amerikanische Volk von
seinen Zielen abzubringen, Uneinigkeit zu säen, unsere Außenpolitik zu
stören oder zu ändern, uns von unserer sehr konkreten hbffnung abzubringen, daß eines Tages

der Alptraum

totalitärer

Herrschaft

enden und

Selbstregierung und individuelle Freiheiten das Geburtsrecht eines jeden
Menschen auf Erden sein werden.

Und hier, liebe Mitbürger, finden wir das eigentliche Motiv hinter
dem

fanatischen

Terrornetzes.

und

zunehmenden Antiamerikanismus

des internationalen

Ich sage schon seit Jahren, daß die Sache der totalitären

Ideologie im Schwinden begriffen ist; daß überall in der Welt Geist und
Wille sich auflehnen, daß die Flut der Sehnsucht

nach Freiheit und

Selbstregierung anschwillt.

Nun, keiner spürt dies deutlicher als jene, die jetzt an der Spitze
der totalitären Staaten stehen, insbesondere jener Nationen an der äußeren Peripherie der totalitären Welt wie der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba
und Nicaragua.

Ihrer Machthaber leben in Furcht; sie wissen, daß die

Freiheit auf dem Vormarsch ist und daß ihre Zeit an der Macht vorüber
sein wird, wenn die Freiheit triumphiert.

Es ist wahr, daß totalitäre Regierungen sehr mächtig sind und kurzfristig gesehen besser organisiert wwerden können als die Demokratien.
Aber wahr ist auch - und niemand weiß dies besser als die totalitären
Machthaber selbst -, daß diese Regime auf eine Waise schwach sind, wie es
eine Demokratie nie sein kann; denn die Zerbrechlichkeit einer totalitä- 13 -

�einer totalitären Regierung ist die Zerbrechlichkeit aller Regime, die
ihre Völker nur dadurch im Griff haben, daß sie sich auf die Instrumente
der Unterdrückung eines Polizeistaates stützen.

Und darum geht es um so viel, darum müssen wir durchhalten.

Es geht

um die Freiheit selbst - unsere eigene und die der ganzen Walt. Ja, Amerika ist noch immer ein Symbol - für einige wenige ein Symbol, das sie
fürchten und hassen.

Aber für viele andere - für viele Millionen andere

- ein Symbol, das man liebt, ein Land, das ein neues Jerusalem bedeutet.

Teddy Roosevelt - und er ist ein Präsident, der sich unter diesen Umständen gut zitieren läßt - formulierte es so:

"Wir hier in Amerika hal-

ten in unseren Händen die Hoffnung der Welt, das Geschick der kommenden
Jahre; und Scham und Schande werden über uns kommen, wenn in unseren Augen das Licht fester Entschlossenheit nachläßt, wenn wir die goldenen
Hoffnungen der Menschen in den Staub treten."

Und dieses Licht fester Entschlossenheit und jene goldenen Hoffnungen
müssen müssen von uns erhalten und geschützt und mit Gottes Hilfe an die
kommenden Generationen weitergereicht werden.

Ich möchte nicht schließen, ohne Ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen.

Wenn ich sage, "Wir sind ein Symbol der Hoffnung", so habe ich

zu Hause auf meinem Schreibtisch einen Brief, unterzeichnet von zehn sowjetischen Frauen. Sie sind alle in einem Gefangenenlager - einem Arbeitslager - in der Sowjetunion.

Das Papier ist nicht größer als 2,5 mal

1 Inch - und doch schrieben sie darauf einen vollständigen Brief, unterzeichneten ihn alle zehn und schmuggelten ihn zusammen mit einem anderen
Dokument - nur wenig größer, vielleicht ein Stück Papier von 3 mal 3 Inch
-, der Liste der Hungerstreiks, durch die sie gegangen waren, aus dem
Land.

Sie schmuggelten diese Dokumente hinaus, damit sie mich erreichen

sollten, denn diese Frauen wollten mir und Ihnen allen sagen, daß die
Vereinigten Staaten dort, wo sie sind, in diesem Gefängnis, immer noch
ihre Hoffnung sind, um durchzuhalten - ihre Hoffnung für die Walt.

Ich

- 14 -

danke

Ihnen

�Ich danke Ihnen allen, Gott segne Sie.

* * # * *

- 15 -

�10. Juli 1985

27

USA UND GROSSBRITANNIEN FORDERN EINSTELLUNG DER FLUGE NACH BEIRUT
- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -

LONDOND - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung kündigten die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der amerikanische Vizepräsident George Bush "als einen sofortigen ersten Schritt" zur Bekämpfung
des Terrorismus ihr Bemühen an, auch die Beteiligung anderer Staaten an
der Einstellung der Flüge nach Beirut zu erlangen.

Die gemeinsame Erklärung, die am 3. Juli 1985 veröffentlicht wurde,
hat folgenden Wortlaut:
Vizepräsident Bush und ich haben eingehend das Thema Terrorismus wie
auch die Bedrohung erörtert, die er für die zivilisierten und demokratischen Völker darstellt. Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und
der Vereinigten Staaten von Amerika erklären ihre Entschlossenheit zur
Zusammenarbeit mit allen gleichgesinnten Staaten zur Bekämpfung dieses

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Bekämpfung dieses Übels. Insbesondere muß dem Terrorismus gegen die internationale Zivilluftfahrt und gegen jene Millionen unschuldiger Passagiere Einhalt geboten werden, die heutzutage mit dem Flugzeug reisen.

Als einen sofortigen ersten Schritt werden das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten von Amerika die Zustimmung all jener Staaten
anstreben, die ihre Sorge um die Sicherheit der zivilen Luftfahrt teilen,
alle Flüge zwischen ihren Ländern und dem Internationalen Flughafen Beirut einzustellen.

Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika werden sich außerdem darum bemühen, die Sicherheit der
zivilen Luftfahrt durch alle angemessenen multinationalen Institutionen,
einschließlich der ICAO (International Civil Aviation Organisation - Internationale Zivilluftfahrtorganisation), zu erhöhen.

Insbesondere betonen sie die Bedeutung folgender Maßnahmen:

- Stärkung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation zur Verbesserung ihrer Möglichkeiten, mit dem gegen die Zivilluftfahrt gerichteten Terrorismus fertigzuwerden.

- Druck auf jene Staaten, die - direkt oder indirekt - den Terrorismus
unterstützen, diese Unterstützung einzustellen.

- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Vollstreckungsbehörden
zwecks größerer Wirksamkeit bei der Bekämpfung von Terroristen.
- Bemühen um verstärkte Verpflichtung bei der Anwendung bestehender Abkommen zur Bekämpfung von Verbrechen gegen die zivile Luftfahrt; sowie

- Zusammenarbeit zur Neubelebung der Erklärung von Bonn aus dem Jahr
1978.

- 2-

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inIE

1J 1 1 k l

2

DlEl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27

10. Juli 1985

GIPFELTREFFEN KANN VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN BEWIRKEN
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- Am 3. Juli 1985 gab der amerikanische Außenminister
George Shultz in Washington eine Pressekonferenz, auf der er die Erwartungen darlegte, die von Seiten der Vereinigten Staaten an ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow geknüpft werden. Die diesbezüglichen Passagen der Pressekonferenz
haben folgenden Wortlaut:

AUSSENMINISTER SHULTZ: Präsident Reagan hat schon oft erklärt, daß er
den Wunsch habe, die Beziehungen und die Kommunikation zwischen uns und
der sowjetischen Regierung zu verbessern und Mittel und Wege zum Abbau
der zwischen uns bestehenden Gegensätze zu finden. Er betrachtet die geplante Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow als eine Gelegenheit zur
Vertiefung des Dialogs und zur Schaffung der Grundlagen für praktische
Schritte zur Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

Bei dieser Begegnung werden sich die beiden Staatsmänner natürlich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Staatsmänner natürlich miteinander bekannt machen; das ist schon gesagt
worden und stellt eine in sich lohnende Sache dar. Nach Auffassung des
Präsidenten besteht der beste Weg, miteinander bekannt zu werden, jedoch
darin, ernsthafte und substanzielle Gespräche über die Hauptprobleme zwischen unseren Staaten zu führen. Wenn wir an diese Gespräche herangehen,
dann wollen wir diese Hauptprobleme in der einen oder anderen Weise erörtern, und soweit ich das beurteilen kann, werden dies auch die Sowjets
wünschen.

Wir geben uns bezüglich des Auseinanderklaffens der amerikanischen
und der sowjetischen Politik keinen Illusionen hin, und auch nicht bezüglich der Tatsache, daß unsere Systeme sich ganz erheblich unterscheiden.
Der Entwicklung unserer Beziehungen eine konstruktivere Richtung zu geben, ist von daher ein schwieriges Problem. Gleichzeitig meine ich aber
auch, daß die politisch Verantwortlichen beider Seiten sich unbedingt der
Aufgabe stellen müssen, Mittel und Wege zu finden, wie zwei unterschiedliche Systeme in der kleinen Welt, in der wir leben, koexistieren können.
Es ist deshalb wichtig, daß wir unsere gemeinsamen Anstrengungen verdoppeln, um Wege zum Abbau von Spannungen zu finden und die Gefahr von Konfrontationen und Konflikten zu verringern. Der Präsident hofft, daß dieses Treffen uns zu Fortschritten in diese Richtung verhelfen kann.

Ich meine, man sollte all dies als einen fortwährenden Prozeß verstehen, und das Treffen zwischen dem Präsidenten und dem Generalsekretär
wird einen sehr wichtigen Teilabschnitt desselben bilden. Ich bin sicher,
daß ihm zielstrebige Vorbereitungsarbeiten vorausgehen werden, und wenn
das Treffen erfolgreich ist, dann wird es eine Art Tagesordnung der Dinge
liefern, mit denen wir uns in der Zukunft zu befassen haben werden. Das
Treffen sollte als bedeutsam betrachtet werden, gleichzeitig aber auch
als Teil eines Prozesses, der bereits in Gang ist, der schon vor der Begegnung in Gang war und der hinterher weitergehen wird.

Da Generalsekretär Gorbatschow erklärt hat, daß er den Wunsch habe,
praktische Mittel und Wege zur Verbesserung der Beziehungen zu finden,
und da die Überlegungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten sich in
die gleiche Richtung bewegen, hoffen und erwarten wir, daß beide Seiten
- 2 -

�beide Seiten an diese Begegnung im gleichen konstruktiven Geist herangehen werden.

Wenn Sie Fragen haben, bin ich gerne bereit, sie zu beantworten.

FRAGE: Meinen Sie, daß diese Begegnung zu irgendwelchen greifbaren
Aktionen führen könnte und daß es etwas gibt, woran wir uns halten können
bzw. wonach wir den Erfolg oder Mißerfolg bemessen können ... ?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es klug wäre, eine Art Punktetabelle
zu konstruieren, auf der man dann den Erfolg einträgt. Ich bin sicher,
daß es eine ernsthafte und substantielle Begegnung sein wird. Das ist mit
Sicherheit das, was wir wollen, und ich bin davon überzeugt, daß die Sowjets das ebenfalls wollen. Welchen Gang das Treffen jedoch nehmen wird,
bleibt abzuwarten. Wir haben mit der Sowjetunion über die große Spannbreite an zwischen uns anstehenden Fragen natürlich zahlreiche Gespräche
geführt und werden vor dem Treffen noch weitere führen, aber wir müssen
ganz einfach abwarten, wie es sich anläßt.

FRAGE: Worin wird seine Substanz bestehen, und was wird die breitgefaßte Tagesordnung im einzelnen beinhalten ?

ANTWORT: Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil wir das nicht ausgearbeitet haben. Ich glaube, wenn die führenden Politiker dieser beiden großen Nationen zusammenkommen, dann wird ihre Begegnung mit einiger Wahrscheinlich eine Art Eigendynamik entfalten, und sie werden bis zu einem
gewissen Grade ihre Tagesordnung selbst aufstellen.

Wir haben natürlich vor, über diplomatische Kanäle Gespräche zu führen, die dazu dienen können, die Begegnung zumindest etwas zu strukturieren, und wir arbeiten selbstverständlich weiter an den Dingen, über die
wir bereits verhandeln. Wir versuchen aber nicht, den Gang der Begegnung
bis ins einzelne festzulegen.

FRAGE: Herr Außenminister, Sie werden Ihren neuen sowjetischen Amtskollegen in Helsinki und wahrscheinlich auch in New York treffen, aber
- 3 -

�treffen, aber das werden nur recht kurze Begegnungen von etwa einem Tag
sein. Könnten Sie sich vorstellen, selbst zu Vorbereitungsgesprächen nach
Moskau zu reisen ...

?

ANTWORT: Dergleichen ist nicht geplant. Ich freue mich auf die Begegnung mit dem neuen sowjetischen Außenminister in Helsinki und begrüße die
Gelegenheit, mit ihm sprechen zu können und ihn kennenzulernen ...

Wir wissen zwar noch nicht definitiv, erwarten aber, daß der neue
Außenminister, wie Sie andeuteten, zur UN-Versammlung nach New York kommen wird. Er würde sich dann wahrscheinlich etwas länger dort aufhalten,
so daß wir während dieser Zeit eine Gelegenheit zu zumindest einem, vielleicht auch mehreren Zusammenkünften hätten.

FRAGE: Mr. Shultz, Herr Gorbatschow hat angedeutet, daß die Sowjets
sich aus den RüstungskontrollVerhandlungen

zurückziehen könnten, da es

dort keine Fortschritte gebe. Wird Präsident Reagan Ihres Erachtens von
daher unter besonderem Druck stehen, diese Angelegenheit voranzubringen,
so daß sich die Sowjets nach dem Gipfeltreffen nicht aus den Verhandlungen zurückziehen ?

ANTWORT; Soweit es uns betrifft, besteht kein besonderer Druck. Es
ist kein besonderer Druck erforderlich, um den Präsidenten für einen
Fortgang der Genfer Verhandlungen zu interessieren. Zu diesem Zweck haben
wir, wie ich meine, recht interessante und entgegenkommende Vorschläge
auf den Tisch gelegt, und unsere Unterhändler sind zur Stelle und verhandlungsbereit. Das ist unsere Haltung, und so wird sie bleiben.

Was Abkommen angeht, so begrüßen wir natürlich immer die Gelegenheit
zu einer guten Vereinbarung, aber wir sind nicht an Abkommen als Selbstzweck interessiert und erwarten das auch nicht von der anderen Seite.

FRAGE: Herr Außenminister, im November wird das von den Sowjets verkündete Moratorium für Mittelstreckenraketen auslaufen, und für November
hat Präsident Reagan einen Bericht über die nächsten Entscheidungen über
die weitere Einhaltung des SALT-II-Abkommens angefordert. Glauben Sie,
- 4 -

�Glauben Sie, daß die Mitte November stattfindende Begegnung im Lichte
dieser Tatsachen zu einem entscheidenden Wendepunkt werden könnte ...

?

ANTWORT: Das wäre sicherlich übertrieben, und vor Begriffen wie "Wendepunkt" möchte ich mich bewußt hüten. Aber wir halten das Treffen sicherlich für sehr wichtig und sind, wie ich schon sagte, bereit zu ernsthaften und substanziellen Gesprächen im Rahmen eines fortwährenden Prozesses. In diesem Sinne wir der Präsident in das Treffen hineingehen.

FRAGE: In den letzten vier Jahren haben Sie und der Präsident sich
buchstäblich heiser geredet, um uns klarzumachen, daß ein Gipfeltreffen
sinnlos sei, wenn es nicht gut vorbereitet werde und gute Aussichten auf
substantielle Ergebnisse biete. Was hat sich geändert ?

ANTWORT: Erstens glaube ich, daß es intensive Vorbereitungsarbeiten
geben wird. Es wird nicht so ablaufen, daß zwei Leute ohne Vorbereitung
zusammentreffen und einfach nur "Hallo" sagen. Wir möchten, daß das Treffen gründlich vorbereitet wird, und da die Sowjetunion dies auch will,
werden wir das auch tun.

Wir haben es mit einer neuen sowjetischen Führung zu tun, die sich
fest etabliert hat. Es gibt einen neuen Außenminister und einen Präsidenten, dessen Amtszeit grundsätzlich noch vor ihm liegt und der seine Politik festgelegt hat, und ich meine, daß es unter diesen Umständen sinnvoll
ist, daß diese beiden Männer (Reagan und Gorbatschow) zusammentreffen.

Wie Sie wissen, waren sie schon vor einiger Zeit übereinstimmend der
Meinung, daß eine Begegnung eine gute Idee wäre, und jetzt haben sie sich
über die Zeit und den Ort geeinigt. Sie haben sich gegenseitig wissen
lassen, daß sie möchten, daß sich aus dem Treffen konstruktivere Beziehungen ergeben. Die ersten beiden Bedingungen sind also erfüllt, und
vielleicht wird auch die dritte erfüllt werden. Auf jeden Fall ist dies
aber der Geist, in dem die Vereinigten Staaten in das Treffen hineingehen.
FRAGE: Die Administration hat in der Vergangenheit erklärt, daß erst
Anzeichen für Fortschritte bei den Rüstungskontrollverhandlungen sichtbar
- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen sichtbar werden müßten, bevor ein Gipfeltreffen Aussicht auf Erfolg biete. Erwarten Sie, daß die Rüstungskontrollverhandlungen zwischen dem gegenwärtigen Zeitpunkt und November einen positiven Verlauf nehmen werden, oder werden sie praktisch bis nach
dem Gipfel auf Eis gelegt ?

ANTWORT; Was uns angeht, so sind wir zu Fortschritten bereit. Wie ich
vor einer Minute sagte, haben wir solide Vorschläge auf den Tisch gelegt,
und unsere Unterhändler sind zu den bei Verhandlungen üblichen wechselseitigen Konzessionen bereit.

Tatsächlich gibt es bei diesen Verhandlungen jedoch keine wirklichen
Fortschritte. Das ist nur eine sachliche Beschreibung ihres Stands, und
das ist alles, was sich gegenwärtig zu diesem Thema sagen läßt. ...

FRAGE; In den vergangenen Jahren hat die Administration davon gesprochen, daß die Sowjets den internationalen Terrorismus unterstützen, insbesondere durch Ausbildung, Bewaffnung und Finanzierung von Terrorgruppen. Tut die Sowjetunion dies nach Ihrem derzeitigen Informationsstand
auch weiterhin, und falls ja, könnte dies ein Gesprächsthema für das Gipfeltreffen werden ?

ANTWORT: Über die Tagesordnung für das Gipfeltreffen muß noch entschieden werden, aber die Luftpiraterie und der Terrorismus sind natürlich ein Thema, mit dem sich jeder auseinandersetzen muß. Wahrscheinlich
werden wir es erörtern wollen.
FRAGE: Was ist mit dem ersten Teil der Frage ?

ANTWORT: Dazu möchte ich nichts sagen.

FRAGE: Mir ist klar, daß es noch zu früh für die Aufstellung der Tagesordnung ist, aber weiß der Präsident vielleicht trotzdem schon, ob er
bei einem Gipfeltreffen Afghanistan oder die Rolle der Sowjets in Mittelamerika erörtern will ?
ANTWORT: Wir
- 6 -

�ANTWORT: Wir selbst haben, allgemein gesagt, eine vierteilige Tagesordnung. Die Sowjetunion hat ihre eigene Tagesordnung, aber wir haben mit
den Sowjets natürlich über Rüstungskontrollfragen gesprochen. Sie sind
sehr wichtig und spielen eine zentrale Rolle. Es gibt eine ganze Reihe
von bilateralen Möglichkeiten und Problemen, wo Fortschritte möglich sind.

Wir haben mit den Sowjets einen Gesprächrahmen über die sogenannten
regionalen Probleme entwickelt. Sie haben eines erwähnt: Afghanistan. Wir
hatten unlängst mit sowjetischen Regierungsvertretern ein Gespräch über
Afghanistan; die regionalen Problemen

sind also in irgendeiner Weise

durchaus Gesprächthemen. Außerdem haben wir die allgemeine Frage der Menschenrechte immer auf unserer Tagesordnung. Tatsächlich beruht ja eines
der grundlegenden Motive für meine Reise nach Helsinki zur Teilnahme an
der Zusammenkunft aus Anlaß des 10. Jahrestages der Schlußakte von Helsinki in dem Bestreben, auf die Verpflichtungen aufmerksam zu machen, die
von den Regierungen aller Signatarstaaten dieser Akte übernommen worden
sind. ...

FRAGE; Wurde Genf von den beiden Supermächten (als Schauplatz des
Gipfeltreffens) ausgewählt, um den Kernwaffengesprächen, die dort stattfinden, einen besonderen Anstoß zu geben ? Und könnten Sie sagen, ob nach
Ihrer Meinung vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis November Fortschritte in
Genf möglich sind, wenn die Sowjets auch weiterhin als Vorbedingung für
echte Verhandlungen fordern, daß die Vereinigten Staaten ihr "Krieg-derSterne"- oder SDI-Programm aufgeben ?

ANTWORT: Nicht unter diesen Bedingungen. Fortschritte sind zwar immer
möglich, aber bis heute haben die Verhandlungen nichts erbracht, was darauf hindeuten würde, daß dies wahrscheinlich ist. Unsere Leute werden
dort aber weitermachen und auch weiterhin mit gutem Willen und guten Vorschlägen weiterarbeiten.

Was die Auswahl Genfs angeht, so ist es eine Stadt, die historisch
als neutrale Stätte gilt, wo Treffen dieser Art abgehalten werden können
und wo es gute Einrichtungen gibt. Es bietet sich also als Schauplatz für
diese Art von Treffen förmlich an.
FRAGE: Ist

�FRAGE: Ist es wahrscheinlich, daß die Polenfrage während des Gipfeltreffens zur Sprache kommt 7

...

ANTWORT: Das kann gut sein. Sie gehört zum Komplex der regionalen
Probleme, aber ich kann nicht sagen, was tatsächlich zur Sprache kommen
wird und was nicht. Sie müssen sich vergegenwärtigen, daß das Treffen
zwar zwei Tage dauern wird, dies aber dennoch ein sehr beschränkter Zeitrahmen ist. Wir werden versuchen, ihn so effektiv wie möglich zu nutzen,
und die Probleme, die die Polenfrage auf wirft, halten wir für sehr wichtig. Aber was tatsächlich zur Sprache kommen wird und wie die Tagesordnung aussehen wird, kann ich heute noch nicht sagen, weil wir sie noch
nicht formuliert haben. ...
FRAGE: Ist es denkbar oder wahrscheinlich, daß die Supermächte einen
Monat nach dem Genfer Treffen zulassen würden, daß SALT II ausläuft ?
ANTWORT: Ich möchte nicht darüber spekulieren, was nach den bevorstehenden Genfer Gesprächen geschehen könnte und was nicht. Wie ich schon
sagte, muß die Tagesordnung erst noch festgelegt werden. ...

- 8 -

�10. J u l i 1985

27

USA BEDAUERN MANGEL AN FORTSCHRITTEN AUF DER KVAE
- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluß der 6. Sitzungsperiode -

STOCKHOLM - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte auf der Stockholmer

Konferenz

über

Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

Maßnahmen und

Abrü- stung i n Europa (KVAE), Botschafter James Goodby, hat das Bedauern
der Vereinigten Staaten über den Mangel an echten F o r t s c h r i t t e n auf der
Kon- ferenz zum Ausdruck gebracht.

In einer Rede auf der Abschlußsitzung

der sechsten Sitzungsperiode der KVAE am 5. J u l i 1985 betonte Goodby, die
Vereinigten Staaten strebten s u b s t a n t i e l l e , konkrete und
Schritte

über die Maßnahmen der Schlußakte

verifizierbare

von Helsinki hinaus an und

seien auch b e r e i t , mit der Sowjetunion über Gewaltverzicht zu sprechen,
wenn diese

endlich

zu w i r k l i c h e n

Vertrauens-

und

sicherheitsbildenden

Maß- nahmen b e r e i t s e i .

Die Rede des amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:

Die

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die amerikanische Delegation hat heute Verstärkung durch sechs hervorragende M i t g l i e d e r des amerikanischen Repräsentantenhaus unter Führung
des Abgeordneten Dante F a s c e l l , Vorsitzender
schusses, e r h a l t e n .

des Außenpolitischen Aus-

Der Abgeordnete Fascell i s t s e i t langem mit dem Hel-

sinki-Prozeß verbunden.

Von 1976 b i s zum Frühjahr dieses Jahres war er

Vorsitzender der Amerikanischen Kommission f ü r Sicherheit und Zusammenarbeit

i n Europa, die die Entwicklungen dieses Prozesses i n a l l e n

verfolgt.

Teilen

Der Kovorsitzende der Kommission, der Abgeordnete Steny hbyer,

w e i l t ebenfalls heute unter uns.

Weiter habe ich die Ehre zu begrüßen

die Abgeordneten U d a l l , Smith, Oollins und Mica, die a l l e eine führende
Rolle im Repräsentantenhaus s p i e l e n .

Daß sie die weite Reise unternommen

haben, um uns i n unserer Arbeit zu u n t e r s t ü t z e n , i s t f ü r mich e i n Grund
zum Stolz und zur Freude.

Ihre Reise i s t eine Demonstration, daß diese

Konferenz und der ganze Helsinki-Prozeß dem amerikanischen Volk und s e i nen V e r t r e t e r n im Kongreß e i n großes Anliegen s i n d .

Wie Präsident Reagan

am 13. Mai zu Beginn dieser Sitzungsperiode e r k l ä r t e , e r f r e u t

sich das

Programm, das die amerikanische Delegation h i e r v e r t r e t e n h a t , der überp a r t e i l i c h e n Unterstützung i n den Vereinigten Staaten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation hat die Arbeit

dieser

sechsten

Sitzungsperiode mit besonderer S o r g f a l t v e r f o l g t - was geschehen i s t , und
was nicht geschehen i s t .

Es war eine Sitzungsperiode, die durch E r e i g -

nisse außerhalb dieses Saales überschattet

wurde; eine Sitzungsperiode,

die a l l jene unter uns enttäuscht h a t , die gehofft h a t t e n , den Beginn e i ner

intensiven Verhandlungsphase

zu erleben;

und eine

Sitzungsperiode,

die uns wegen des Mangels an greifbaren Ergebnissen enttäuscht.
herrscht Grund zur Ermutigung.

Und doch

Der F o r t s c h r i t t wird g e l e g e n t l i c h an der

Art der sich ändernden Schwierigkeiten gemessen und weniger am Fehlen von
Schwierigkeiten.

Und so mag es uns heute auch gehen.

Aus der Sicht von

vor einigen Monaten können wir erkennen, daß die Stockholmer

Konferenz

den Kanal noch t i e f e r ausgehoben h a t , i n dem der große Strom unserer Arbeit f l i e ß t .

Die Probleme sind k l a r e r zutage g e t r e t e n , der Bereich unse-

rer Debatten i s t k l a r e r d e f i n i e r t , unser Vokabular g l e i c h t sich zunehmend
an.
Was das angeht,
- 2 -

�Was das angeht, was in dieser Sitzungsperiode geschehen ist, so können wir sagen, daß die Konferenz wichtige Klarstellungen erhalten hat,
welche militärischen Aktivitäten angekündigt werden sollten, wie und wann
sie angekündigt werden sollten, wie ein Beobachtungsprogramm aufgebaut
werden sollte und wie eine Verifizierungsvereinbarung funktionieren könnte.

Der ehrenwerte Vertreter Finnlands hat das gut formuliert, als er
sagte, daß "Verständnis für den Standpunkt einer anderen Partei natürlich
nicht bedeutet, daß man gleicher Meinung sein muß , daß aber ein solches
Verständnis eine notwendige Vorbedingung für alle internationalen Verhandlungen ist, die auf Ergebnisse abzielen, welche im Interesse und zum
Wohle aller sind.

In dieser Hinsicht sind wir der Erfüllung des Mandats

der Konferenz einen Schritte näher gekommen."

Was nun das angeht, was nicht geschehen ist, so muß gesagt werden,
daß manche unserer Verhandlungspartner die große Möglichkeit dieser Konferenz noch nicht begriffen zu haben scheinen.

Ihre Vorstellung von der

Konferenz bleibt eine begrenzte. Die von den östlichen Delegationen vorgelegten Arbeitspapiere lassen diese begrenzte Vorstellung erkennen. Sehen wir uns das einmal an:

- Die östlichen Vorschläge auf dem Gebiet der Ankündigung erstrecken
sich nur auf großangelegte Manöverund Truppenbewegungen.

Sie lassen

die Forderungn der Schlußakte nach Ankündigung auch kleinerer Manöver
außer acht.

Sie erkennen offensichtlich die vertrauensbildende Wir-

kung der Ankündigung von mehr militärischen Aktivitäten im Sinne unseres Mandates nicht an.

Man muß sich fragen, wie wir mit dieser

Einstellung die Vorhersagbarkeit des militärischen Verhaltens unserer
Länder in Friedenszeiten erhöhen können.

Wie können wir dafür sor-

gen, daß eventuelle Unklarheiten unserer Absichten stärker ausgeräumt
werden, wenn von der Ankündigungspf.licht nur einige wenige große Aktivitäten erfaßt werden?

Die östliche Einstellung
- 3 -

�- Die östliche Einstellung zur Beobachtung ist ebenfalls zu eng und
einschränkend.

Nur großangelegte Aktivitäten sollen beobachtet wer-

den, und selbst diese sollen nur von einigen wenigen Ländern, die
nicht dem gleichen Bündnis angehören, beobachtet werden dürfen - offensichtlich nur von jenen, die nach dem Urteil der östlichen Staaten
Grund haben könnten, sich durch eine bestimmte Aktivität bedroht zu
fühlen.

Diese Einstellung läßt sowohl das Ziel der Vertrauens- und

Sicherheitsbildung unter allen 35 Staaten wie auch das Prinzip der
Gegenseitigkeit außer acht.

- Die östliche Einstellung zur Verifizierung ist auch begrenzt.

Sie

geht von der Anwendung nationaler technischer Mittel aus - mit dem
Ergebnis, daß einige Staaten bei der Feststellung der Einhaltung vereinbarter Verpflichtungen sehr stark im Nachteil wären.

Die einzige

andere Hilfe für die Verifizierung, die offensichtlich allen 35 Staaten geboten werden soll, ist so etwas wie die Möglichkeit eines therapeutischen Gespräches.

Ist diese begrenzte Vorstellung das, was wir uns als Ergebnis von
sechs Jahren der Bemühungen in Madrid und Stockholm wünschen?

Ist das

das militärisch bedeutsame Ergebnis, über das zu verhandeln alle 35 zugestimmt haben?

Ich glaube nicht'.

Gegen diese begrenzte Vorstellung stehen, Herr Vorsitzender, die detaillierten Vorschläge im "Erweiterten Dokument SC.l".

Die in diesen

Vorschlägen aufgezeigte Ankündigungspflicht soll dazu dienen, das Vertrauen durch die Herstellung vorhersagbarer Muster der militärischen Aktivitäten zu stärken. Die Beobachtungspflicht macht es allen Teilnehmerstaaten weitestgehend möglich, sich der Roitinenatur aller angekündigten
Aktivitäten

zu

versichern.

Die

Informationsund

Verifizierungspflicht

bietet allen 35 Staaten auf gleicher Basis Mechanismen für eine Teilhabe
an Informationen sowohl auf einer routinemäßigen Basis der Zusammenarbeit
als auch in Zeiten der Krise.

Sie bietet ferner die Möglichkeit von be-

sonderen Inspektionen militärischer Tätigkeiten vor Ort und gibt damit
den betroffenen Staaten die Gelegenheit der Kooperation, um eine even-

�eine

eventuell destabilisierende

Situation zu vermeiden und die Ver-

pflichtung zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu demonstrieren.

In der Arbeitsgruppe B hat meine Delegation am 2. Juli klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß das genannte Dokument SC.l sich sehr viel
eingehender und wesentlicher als die östlichen Vorschläge mit den Aktivitäten, einschließlich Luftaktivitäten, Flottenaktivitäten und Truppenbewegungen, befaßt, von denen die östlichen Delegationen behaupten, sie
hätten besondere Bedeutung.

Welche Mängel auch immer andere an dem "Er-

weiterten Dokument SC.l" entdecken mögen, es ist kaum zu bestreiten, daß
in dem Falle, in dem die darin vorgeschlagenen Verfahren verwirklicht
würden, diese systematisch und regelmäßig auf ein breites Spektrum militärischer Aktivitäten angewandt würden, um Vertrauen und Sicherheit auf
einer kooperativen Basis zu stärken.

Die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten sind aufgezeigt worden.

Ich

zweifle kaum daran, welche Vorstellung die meisten Delegationen wählen
würden.

Wie ich bereits am 21. Juni erklärt habe, "ist meine Delegation

verpflichtet, hier in Stockholm über wesentliche konkrete und verifizierbare Maßnahmen zu verhandeln - Maßnahmen, die weit über die begrenzten
Sicherheitsmaßnahmen hinausgehen, die vor zehn Jahren in Helsinki vereinbart wurden".

Herr Vorsitzender, unser Mandat beschreibt das Ziel dieser Konferenz
als Ergreifen neuer, wirksamer und konkreter Maßnahmen, um Fortschritte
bei der Stärkung von Vertrauen und Sicherheit zu erzielen und Abrüstung
zu erreichen.

Das Mandat signalisiert, daß das Erreichen dieses Zieles

die Verpflichtung der Staaten nur noch deutlicher unterstreicht, sich in
ihren Beziehungen der Androhung oder Anwendung von Gewalt zu enthalten.
Diese Übereinkunft wurde dem Madrider Mandat aufgrund der westlichen Erkenntnis hinzugefügt, daß die Notwendigkeit besteht, das universell anerkannte Gewaltverzichtsprinzip in praktische, realisierbarae Maßnahmen umzusetzen.

Wie die UN-Studie über Vertrauensbildende Maßnahmen betont,

muß dieses Konzept einem Programm der Vertrauensbildung zugrunde liegen.
Dennoch: Vor etwas
- 5 -

�Dennoch: Vor etwas über einem Jahr sprach Präsident Reagan eine Problematik an, die die Sowjetunion "das Hauptanliegen" dieser Konfernz genannt hat, indem er darauf hinwies, die Vereinigten Staaten seien bereit,
das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn die Sowjetunion konkrete Vertrauens und sicherheitsbildende Maßnahmen jener Art
aushandeln würde, wie sie von den westlichen Staaten vorgeschlagen wurden.

Seither haben meine Delegation wie auch andere immer wieder darüber

diskutiert, auf welche Waise das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt in
ein Dokument eingebaut werden könnte, bezüglich dessen man auf dieser
Konferenz Einigkeit erzielt.
In meiner jüngsten Erklärung zu diesem Thema stellte ich am 24. Mai
bei der Diskussion der Möglichkeit einer organischen Verschmelzung zwischen dem Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt und den vertrauensbildenden Maßnahmen unter anderem fest: "Wir sind der Meinung, daß dieser Weg
eine Möglichkeit eröffnet, zu einer Übereinstimmung hinsichtlich der Verpflichtungen

zu gelangen, die

greifbarer, verifizierbarer Beweis der

friedlichen Absichten einer Nation wären und die somit den Inhalt einer
geeigneten Erklärung unserer Absichten und Ziele - einschließlich des
Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt oder der Androhung des Einsatzes
von Gewalt - sein könnten.
lich

die

neuerliche

Mit anderen Worten: Wir wollen nicht ledig-

Bekräftigung

eines bestehenden Prinzips, sondern

vielmehr die Bestärkung dieses Prinzips durch zusätzliche praktische Verpflichtungen." Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele für
die Bereitschaft meiner Delegation, die Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren:

- Die Erklärung des Vertreters der Vereinigten Staaten in der Arbeitsgruppe A am 12. März, die den sowjetischen Vorschlag über einen Vertrag zur Nichtanwendung von Gewalt kommentierte.

- Die Erklärung meiner Delegation in der Arbeitsgruppe A am 18. Juni,
die bis ins einzelne die Position der Vereinigten Staaten hinsichtlich der ganzen Frage des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt beschrieb.

Im Verlauf derselben Sitzung bezog sich der Vertreter der

�- Vertreter der Niederlande ausdrücklich auf SC. 6; damit spiegelte er
zugleich die Ansichten meiner Delegation wider.

Als Präsident Reagan in Dublin einen Kompromiß vorschlug, zu dem auch
die Frage der Nichtanwendung von Gewalt gehörte und den er erneut im vergangenen Mai in Straßburg aufgriff, ging er davon aus, daß sein Angebot
bei diesen Verhandlungen zu einem Geben und Nehmen führen würde.

Auf das

Angebot reagierte die Sowjetunion jedoch damit, daß sie sagte: "Wir werden unseren Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt mit unseren vertrauensbildenden Maßnahmen kombinieren, und das sollte euch zufriedenstellen."

Nun, das stellt uns eben nicht zufrieden.

Wir sehen seitens der

sowjetischen Delegation wenig Interesse daran, sich ernsthaft mit unseren
im "Erweiterten Dokument SC.l" niedergelegten Vorschlägen auseinanderzusetzen. Die bescheidenen Bemühungen der sowjetischen Delegation hinsichtlich einer Benachrichtigung und Beobachtung wurden von einem Mangel an
Bereitschaft begleitet, über die Praxis der Schlußakte von Helsinki hinsichtlich des Austausches von Informationen hinauszugehen.

Wie ich be-

reits erwähnte, besteht die sowjetische Haltung bezüglich der Verifizierung in dem Vorschlag, nationale technische Mittel, verstärkt durch etwas
diplomatisches Gespräch, seien ausreichend.

Außerdem gab es den Versuch,

die klare Bedeutung des Madrider Mandates hinsichtlich des Verhältnisses
zwischen Marineaktivitäten und militärischen Aktivitäten auf dem europäischen Kontinent zu ändern.

In all dem können wir wenig Einsicht in die Notwendigkeit erkennen,
das Prinzip des Gewaltverzichts im Sinne unseres Mandats zu verstärken,
zu konkreten und praktischen Maßnahmen zu gelangen, die weit über die
Praxis der Schlußakte von Helsinki hinausgehen.

Die allgemeine Tendenz

der Konferenz läuft jedoch auf eine Überzeugung hinaus, die sich nicht
mit bedeutungslosen Abkommen zufrieden geben oder die Verhöhnung unseres
Mandats hinnehmen wird.

Und schließlich wird sich bei allen die Logik

durchsetzen, daß es besser ist, mehr zu tun für die gemeinsame Sicherheit
als weniger. Aber wie lange können wir noch warten?

Herr Vorsitzender,
- 7 -

�Herr Vorsitzender, am Ende der vorigen Sitzungsperiode haben 16 westliche Delegationen das "Erweiterte Dokument SC.l" unterbreitet, das die
umfassende, voll ausgearbeitete Verhandlungsposition unserer Länder darstellt, und zwar in den detaillierten Formulierungen, wie sie für einen
Entwurf notwendig sind.

Meine Delegation hat den 'Äußerungen anderer zu

den sechs Maßnahmen von Dokument SC.l aufmerksam zugehört.

Wir begrüßen

diese Beiträge zu unseren eigenen Gedanken, und wir werden flexibel über
solche Maßnahmen verhandeln.

Am Ende ist es der Inhalt eines Schlußdoku-

ments und nicht die Form, der die Wirksamkeit der Maßnahmen gewährleisten
wird, die wir beschließen.

Das Dokument SC.l ist und bleibt die einzige

detaillierte, umfassende Verhandlungsposition, die auf dem Tisch liegt.
Wir ermutigen andere, ihre Gedanken in vergleichbarer Sprache beizutragen, damit die Konferenz all das Rohmaterial vorliegen hat, das sie
braucht, um in detailliertere Verhandlungen einzutreten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation ist sich der hohen Bedeutung, die
viele unserer Verhandlungspartner der Frage der Zurückhaltung beimessen,
voll und ganz bewußt.

Wir haben untersucht, was von den verschiedenen

Delegationen zu dem Thema Zurückhaltung gesagt worden ist.

Und wir ste-

hen den allgemeinen Zielen, die im Zusammenhang mit Zurückhaltung erwähnt
worden sind, durchaus sympathisch gegenüber.

Mehr Genauigkeit bezüglich

der gewünschten Resultate bei der Zurückhaltung wären jedoch für unsere
weiteren

Untersuchungen

nützlich.

In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß meine Delegation der Überzeugung ist, daß das Dokument
SC.l einen Zurückhaltungseffekt auf militärische Aktivitäten hätte, wie
dies auch von anderen Delegationen anerkannt worden ist.

Ich glaube, man

ist sich generell darüber einig, daß jede Maßnahme der Zurückhaltung sich
auf alle Teilnehmerstaaten gleich und fair erstrecken muß und für keinen
Staat oder keine Staatengruppe einen Nachteil oder Vorteil bringen darf.
Ich muß leider sagen, daß meine Delegation bisher keine Maßnahme der Zurückhaltung gesehen hat, die diese Probe bestehen und die Stabilität
stärken würde - und nicht eher destabilisierende Faktoren einbringen würde.

Wir setzen unsere eigenen Studien fort.

Wir werden jedes hier vor-

gelegte neue Konzept sorgfältig prüfen.
Und schließlich,
- 8 -

�Und schließlich, Herr Vorsitzender, sieht meine Delegation ein positives Anzeichen in der Tatsache, daß die Konferenz in der Lage war, sich
einen Arbeitsplan für die nächste Sitzungsperiode zu geben - ohne lange
Verfahrensdebatten, die uns von der Sachdiskussion abgehalten hätten.
Ich habe während der Sitzungsperiode schon einmal gesagt, daß ich keinen
"bequemen Weg" zum Erfolg der Konferenz sehe.

Der Weg ist voller Hinder-

nisse, und sie sind nicht leicht wegzuräumen.

Nur beharrliche, einfalls-

reiche Arbeit an Sachfragen wird uns weiter bringen.

Der Aufbau dieser

Konferenz, d.h. ihre Arbeitsstruktur, kann zur Leistungsfähigkeit bei der
Bewältigung unserer Aufgaben beitragen, ja das Tempo des Fortschritts
steigern.

Aber es versteht sich von selbst, daß wir einfach eine Ar-

beitsstruktur einführen müssen, wenn das für die Erleichterung unserer
Verhandlungen notwendig ist.

Ein solcher Aufbau kann nicht nur in schematischen Zeichnungen bestehen.

Er erfordert auch das verbindende Material, und das ist bedauer-

licherweise nicht in dem Maße vorhanden, wie die meisten es sich wünschen.

Ein großer Baumeister hat einmal gesagt, daß sich die Form der

Funktion unterordnen muß.

Wenn diese Konferenz diesem Prinzip folgen

will, dann muß sie nach Auffassung meiner Delegation die Funktionen weiter ausbauen, von denen wir hoffen, daß sie unsere Arbeitsstruktur tragen
werden.

Denn es liegt auf der Hand, daß es eher an Übereinkunft über die

Funktion mangelt, die einem Fortschritt im Wege steht, als an der Arbeitsstruktur.

Schließlich und letztlich ist der Schlüssel zum Fort-

schritt nicht in der Form einer Arbeitsstruktur zu finden, sondern in dem
politischen Willen aller Teilnehmer, sich den der Konferenz vorliegenden
Problemen ernsthaft und konstruktiv zuzuwenden und sie zu lösen.

All jene von uns, die das Erweiterte Dokument S C I befürworten, hoffen auf aktivere Verhandlungen im Herbst. Es war und ist unser Ziel, ohne Verzug in intensive und entscheidende Verhandlungen einzutreten.

Das

war der Grund warum wir das Erweiterte Dokument S C I überhaupt vorgelegt
haben.

Ob das möglich sein wird, hängt mehr von der Qualität unserer Er-

örterungen als von der Quantität einfallsreicher Verfahrensweisen ab.
Meine Delegation - und ich bin sicher, daß ich auch für andere spechen
- 9 -

�andere sprechen kann - ist gegenüber allen Vorschlägen offen, wie unsere
Arbeitsstruktur unsere Arbeit wirksamer unterstützen könnte.

Wenn wir

beispielsweise die derzeitige Arbeitsstruktur in einer etwas informellen
Weise nutzen könnten und in der Lage wären, mehr Gemeinsamkeiten zu finden, dann würde das sicherlich uns allen helfen, den Übergang zu einer
entscheidenden Phase unserer Verhandlungen zu bewirken.

Herr Vorsitzender, wenn unsere Delegation im September nach Stockholm
zurückkehren wird, dann werden sich unsere Außenminister in Helsinki getroffen haben, um des 10. Jahrestages der Schlußakte und des Kooperationsprozesses zu gedenken, von dem diese Konferenz ein Teil ist.

Für

die Vereinigten Staaten ist Helsinki eine Mahnung, daß echte Sicherheit
nicht nur eine Frage militärischer, sondern auch ziviler, politischer,
sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und humanitärer Anliegen, d.h.
auch der Menschenrechte, ist.

Wenn die Arbeit dieser Konferenz im nächsten Jahr in Wien beurteilt
werden wird, dann wird dies nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit
dem Fortschritt geschehen, der in der Förderung aller zehn Prinzipien der
Schlußakte gemacht worden ist.

Und die künftige Entwicklung der Sicher-

heitskomponente des Halsinki-Prozesses wird ohne Zweifel von einem solchen ausgewogenen Fortschritt abhängen.

Wie ich auf dieser Plenarsitzung

vor zwei Wbchen gesagt habe, ist die Stockholmer Konferenz ein integraler
Bestandteil des Helsinki-Prozesses, nicht nur weil formelle Übereinkünfte
es so wollen, sondern aufgrund der Wahrheit, daß Menschenrechte, Frieden
und Sicherheit unzertrennlich sind.

Nur auf dieser Basis kann der Geist

der Übereinkunft von Helsinki verwirklicht werden.

Was die amerikanische Delegation angeht, so werden wir unsere Arbeit
hier nach denselben Maßstäben fortsetzen, wie wir sie in anderen Teilen
des Helsinki-Prozesses anlegen, d.h., wir wollen ein Abkommen erreichen,
das von der Sache her bedeutsam und verifizierbar ist, denn ohne das hätte ein Abkommen keine Chance, einen bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit
Europas zu leisten.

Zu Beginn dieser Konferenz hat Außenminister Shultz

darum ersucht, daß wir uns in unseren Verhandlungen so verhalten, daß Hi- 10 -

�daß Historiker

diese

Zusammenkunft

einmal

Ost-West-Beziehungen bezeichnen können.

als einen

Wendepunkt

i n den

Diese Chancen haben wir noch im-

mer, obwohl die Z e i t , die uns b i s Wien b l e i b t , immer kürzer w i r d .

Aber

wir

klug

können diese Herausforderung bewältigen, wenn wir unsere Z e i t

nutzen.

- 11 -

�10. J u l i 1985

27

RAUMFÄHRE "CHALLENGER" MIT SDACELAB-KCMBINATION
Projekte zur Erforschung der Sonne, t i e f e r kosmischer Bereiche
und der irdischen Umwelt -

-

(AD)

-

Wissenschaftler

bezeichnen den bevorstehenden OALLENGER-

l u g , den 19. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters, a l s eines der
a r b e i t s r e i c h s t e n und vom Programm her kompliziertesten Vorhaben, das b i s her im Weltraum unternommen worden s e i .
an Bord i s t f ü r den 12. J u l i vorgesehen.
li,

Der Start mit sieben Astronauten
Sieben Tage später, am 19. Ju-

wird CWLLENGER auf dem Gelände von Edwards A i r Force Base i n K a l i -

fornien zurückerwartet.
C. Gordon F u l l e r t o n , P i l o t beim d r i t t e n Space S h u t t l e - F l u g , i s t Kommandant

der

CH\LLENGER, Waltraumneuling

Roy Bridges der

Kopilot.

Die

Missionsspezialisten Story Musgrave, Anthony England und K a r l Henize sind
Karriereastronauten mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichem

Studium.

Die beiden "Gastforscher" an Bord - Loren Acton und John-David Bartoe -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�John-David Bartoe -

sind als Spezialisten für Sonnenphysik am Lockheed

Research Laboratory i n Palo Alto bzw. am Forschungsinstitut der US-Marine
tätig.
Das zum großen T e i l
Vteltraumlaboratorium

in

der Bundesrepublik entwickelte

SPACELAB f l i e g t

in

neuartiger

wird das Kernstück dieser Mission b i l d e n .
raum

wurden

weitere

u.a.

Teleskope

für

Kombination mit und

Auf d r e i Paletten im N u t z l a s t -

Röntgenstrahlenund

Infrarotastronomie,

wissenschaftliche Meß- und Beobachtungsinstrumente

chungen im f r e i e n Vfeltraum montiert.

und gebaute

für

Untersu-

Sie werden ergänzt durch e i n " I g -

l u " , einen Druckbehälter, i n dem Computer und Aufzeichnungsgeräte
gebracht

unter-

sind (Die Labor-Druckkabine, i n der ohne Raumanzug gearbeitet

werden kann, i s t

dieses Mal nicht dabei).

zwei Tonnen schwer Nutzlast

Hinzu kommt als

wichtigste,

das "Instrument Pointing System" (IPS) aus

den Vferkstätten der Fa. Dornier i n F r i e d r i c h s h a f e n , daß die Ausrichtung
von Teleskopen, Kameras, Spektrometern und anderen Instrumenten auf Geräteträgern wie z.B. den SPACELAB-Paletten mit e i n z i g a r t i g e r Präzision e r laubt.

Kreiselgeräte des IPS-Systems halten die Instrumente auch auf i h -

re Beobachtunsziele
die Erde umkreist.

im Vfeltraum g e r i c h t e t ,

während der

Raumtransporter

Diese neue Technik s o l l Manöver zur Positionsverände-

rung des Space Shuttle ü b e r f l ü s s i g machen, die bisher unternommen werden
mußten, um z.B. die Sonne oder bestimmte Regionen der Sonne zu f i x i e r e n ,
um von diesen scharfen Abbildungen und exakte Meßdaten z.B. von der S t ä r ke der solaren Magnetfelder oder der Heliumkonzentration i n der Sonnenkorona zu bekommen.
Für einige andere der insgesamt 13 Experimente - e l f sind von amerikanischen, zwei von b r i t i s c h e n I n s t i t u t e n vorbereitet worden - i s t

wie-

derum eine exakt dosierte Aktivierung der CHALLENGER-Triebwerke über ganz
bestimmten Referenzpunkten auf der Erde unumgänglich.

Es geht dabei um

Experimente zur Plasmaforschung - i n diesem F a l l zur besseren Erforschung
der irdischen Ionosphäre.

Diese umfaßt Schichten i n der Erdatmosphäre,

wo die Luft nicht aus n e u t r a l e n , sondern aus e l e k t r i s c h geladenen T e i l chen besteht und somit e i n Plasma b i l d e t .

Die Existenz der

Ionosphäre

i s t die Voraussetzung f ü r den Funkverkehr um die Erde mit K u r z - , M i t t e l - 2 -

�Kurz-, Mittel- und Langwellen, weil diese an der Ionosphäre reflektiert
werden, während nur Ultrakurzwellen durch sie hindurchgehen.

Mittels der

TriebwerksZündungen, bei denen wasserbildende Abgase ausgestoßen werden,
will man die Ionosphäre vorübergehend an bestimmten Stellen "durchlöchern" und damit für niederfrequente Funkwellen durchlässig machen.

So

ergäbe sich z.B. eine Möglichkeit, auf der Erde auch niederfrequente Radiosignale von kosmischen Quellen zu empfangen.

* * * * *

- 3 -

�10. J u l i 1985

27

"INTELSAT" UMSPANNT DIE V£LT
- Dienstleistungen für 160 Länder und T e r r i t o r i e n -

-

(AD) - Ein umfangreiches Netz von i n t e r n a t i o n a l e n S a t e l l i t e n weit

draußen im Weltraum ü b e r m i t t e l t

i n Sekundenschnelle Börsenberichte

rund

um die Erde, versorgt selbst die abgelegensten Regionen mit dringend e r betenen oder neuesten medizinischen Informationen und läßt Menschen
aller

in

Vtelt über Fernsehen d i r e k t an Ereignissen wie etwa der Sommerolym-

piade 1984 i n Los Angeles teilnehmen.

INTELSAT, die I n t e r n a t i o n a l e Fern-

meldesatelliten-Organisation, w i c k e l t über ihre leistungsfähigen "Relaiss t a t i o n e n " am Himmel - sie umkreisen die Erde i n knapp 36 000 km Höhe etwa zwei D r i t t e l der transozeanischen Ferngespräche und die Übertragung
p r a k t i s c h a l l e r i n t e r k o n t i n e n t a l e n Fernsehsendungen ab.
Zwischen der Stationierung
Typ INTELSAT V mit

ihres

jüngsten N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n vom

einer ATLAS-CENTAUR-Rakete Ende Juni

1985 und dem

S t a r t des ersten kommerziellen N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n EARLY BIRD am 6. April

1965 liegen nur 20 Jahre.

Aber die neue Technik hat die Kommunika-

tionsmöglichkeiten grundlegend verändert und i n einem noch vor zwei Jahr-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwei Jahrzehnten kaum vorstellbarem Maß e r w e i t e r t .

EARLY BIRD, 32 kg

schwer, wurde von einem i n den USA gegründeten i n t e r n a t i o n a l e n Konsortium
auf den Vfeg gebracht, dem heute 109 M i t g l i e d s t a a t e n angehören.
tellit

Der Sa-

konnte 240 Telefongespräche oder e i n Fernsehprogramm i n Schwarz-

Vteiß übertragen.

Der neueste N a c h r i c h t e n s a t e l l i t ,

INTELSAT V I , der im

nächsten Jahr gestartet werden s o l l , wird eine 170 Mal größere Kapazität
besitzen.

EARLY BIRD war mit Bodenstationen i n sieben Ländern - Bundes-

republik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, I t a l i e n , Kanada, Spanien und den Vereinigten Staaten - verbunden.

Das heutige INTELSAT-Netz

umfaßt 850 Erdefunkstationen, von denen aus mehr a l s 160 Länder und Terr i t o r i e n bedient werden.

Informationen, Nachrichten, Daten jeder erdenk-

l i c h e n Art gehen um die Vfelt.

Über INTELSAT l ä u f t auch der "heiße Draht"

zwischen den Vereinigten Staaten und dem Kreml und der Kontakt unter den
Einheiten der UN-Friedenstruppe.

Am Anfang von INTELSAT stand das amerikanische N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n Gesetz von 1962, mit dem der amerikanische Kongreß die p o l i t i s c h e Absicht
v e r f o l g t e , " i n Übereinstimmung und Zusammenarbeit mit anderen Ländern...
e i n kommerzielles Nachrichtensatelliten-System a l s T e i l eines verbesserten globalen Kommunikationsnetzes" aufzubauen.

Auch s o l l t e dafür gesorgt

werden, daß die vorgesehenen Dienstleistungen den " w i r t s c h a f t l i c h weniger
entwickelten Ländern" ebenso wie den Industrieländern zugute kämen.
erstes wurde COMSAT, dem amerikanischen p r i v a t e n
Unternehmen, die

Verantwortung

für

ben i n a l l e r

Nachrichtensatelliten-

den Aufbau eines

kommerzieller Fernmeldesatelliten übertragen.

Als

weltweiten

Netzes

CCMSAT-Repräsentanten war-

Vfelt um M i t a r b e i t , was zur Unterzeichnung von Interimsver-

einbarungen und s c h l i e ß l i c h zur Bildung von INTELSAT f ü h r t e .
I n der Z e i t von 1965 bis 1972, i n der CCMSAT mit dem INTELSAT-Management beauftragt war, wurden v i e r Generationen von Fernmeldesatelliten gebaut und i n Dienst g e s t e l l t .

Die Zahl der Erdefunkstationen wurde von

ursprünglich fünf Antennen auf e i n weltweites Netz mit 79 Stationen e r w e i t e r t , und zu den anfänglich e l f M i t g l i e d s t a a t e n g e s e l l t e n sich weitere
72 Nationen.
blieb,

Grundprinzip bei a l l e n damaligen und späteren Verhandlungen

wie k ü r z l i c h

INTELSAT-Generaldirektor
- 2 -

Richard

Colino

sagte, die

�sagte, die Wahrung der Leistungsfähigkeit im Rahmen i n t e r n a t i o n a l e r P a r t nerschaft mit Besitzrechten und Entscheidungsgewalt i n den Händen v i e l e r
Nationen.

"Daran durfte

standteil

nicht

gerüttelt

werden.

Dies war f e s t e r

Be-

im Beschluß der Vereinigten Staaten, an ihrem technologischen

Vorsprung andere

teilhaben

zu l a s s e n . "

Heute sei

INTELSAT das e r s t e ,

größte, technisch modernste und unter geographischen wie p o l i t i s c h e n Aspekten v i e l g e s t a l t i g s t e

Satellitensystem f ü r den Allgemeingebrauch.

den 109 Mitgliedstaaten werden d r e i V i e r t e l
gerechnet.

Von

zu den Entwicklungsländern

Die Besitzrechte an INTELSAT lägen zu etwa zwei D r i t t e l n

Händen von 25 Industrieländern.

I n das l e t z t e D r i t t e l

in

t e i l t e n sich 85

Entwicklungsländern, auf deren T e r r i t o r i u m 60 Prozent der Antennenanlagen
stehen.
Die Sowjetunion machte von dem Angebot, sich an INTELSAT zu b e t e i l i gen, keinen Gebrauch.

S t a t t dessen förderte s i e , wie Wreatham G a t h r i g h t ,

e i n ehemaliges M i t g l i e d des Planungsstabes im amerikanischen Außenministerium,

erklärte,

den Aufbau der Konkurrenzorganisation

INTERSPUTNIK.

Aber das INTERSPUTNIK-Netz werde von kaum mehr Ländern genutzt a l s jenen,
die d i r e k t e p o l i t i s c h e Bindungen an die Sowjetunion haben.
Im Verlauf des l e t z t e n Jahrzehnts hat INTELSAT mit erheblicher Unterstützung

von CCMSAT Hinderte

neuer

gramme über S a t e l l i t e n e i n g e f ü h r t .
zufolge

die

inländischen

1975 i n e r s t e r L i n i e

internationaler

Dienstleistungspro-

Zu den größten Erfolgen zählen Golino

Pachtverträge

für

für Entwicklungsländer

Dienstleistungen,
bereitgestellt

die

seit

werden.

Sie

beanspruchen sehr kleine Einheiten der S a t e l l i t e n k a p a z i t ä t und kosten r e l a t i v geringe Gebühren, so daß die einzelnen Länder i h r e S a t e l l i t e n k a p a zität

allmählich ausbauen und die Einrichtung von Bodenstationen, Tele-

fonnetzen und Radiostationen entsprechend i h r e r f i n a n z i e l l e n Möglichkeiten i n A n g r i f f nehmen können.

Etwa zehn Prozent a l l e r

INTELSAT-Einkünfte

kommen aus Inlandspachtverträgen, die j e t z t i n 20 Entwicklungsländern und
i n sieben Industrieländern i n Kraft
für

sind.

Kostengünstige

Pachtverträge

den Inlandsbetrieb ermöglichen jedem Land den Zugang zu D i e n s t l e i -

stungen via Fernmeldesatelliten und zum geostationären Orbit ( d . h . einer
R e l a i s s t a t i o n i n ca. 36 000 km Hb'he, von der aus jeweils bestimmte Regio- 3 -

�bestimmte Regionen auf der Erdoberfläche ständig erreichbar s i n d ) , ohne
e i n eigenes Satellitensystem aufbauen oder technische Einrichtungen eines
anderen Landes i n Anspruch nehmen zu müssen.
Seit

1978 g i b t

es das "INTELSAT Assitance and Development

(IADP)", e i n Hilfsund Entwicklungsprogramm f ü r

Program

jedes Land, das f ü r

Ausbau bestehender Erdefunkstationen, die Planung inländischer

den

Pachtsy-

steme oder den Anschluß nationaler Netze an das INTELSAT-System t e c h n i sche Unterstützung b e n ö t i g t .
tiert.

Inzwischen haben 74 Länder von IADP p r o f i -

M i t dem zu äußerst niedrigen Gebühren für Entwicklungsländer e i n -

gerichteten Inund Auslandstelefonsystem VISTA g i b t INTELSAT den Regierungen dieser Staaten die M ö g l i c h k e i t , auch die abgelegensten Teile des j e weiligen Landes i n das Nachrichtennetz einzubeziehen.
auf Vorschlag

S c h l i e ß l i c h wurde

von Nigeria e i n Ausund Fortbildungsprogramm f ü r junge Aka-

demiker und Spezialisten i n der INTELSAT-Zentrale f ü r Fachgebiete wie F i nanzwesen, Fernmeldetechnik und technische Koordination e i n g e r i c h t e t .

Es

basiert auf einem Trainingsprogramm, das CCMSAT i n der ersten Aufbauphase
der i n t e r n a t i o n a l e n Organisation den M i t g l i e d s t a a t e n anbot.

- 4 -

�10. J u l i 1985

27

IM\€LTSCHJTZ BRAUCHT NEUE IDEEN
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund -

-

(AD) -

"Neue Lösungen für a l t e Probleme" müßten die Nationen f i n -

den, wenn sie Umweltschadstoffe
ausmerzen wollen.
Leiter

unter Kontrolle

bringen und weitgehend

Diese Auffassung v e r t r a t k ü r z l i c h Lee M. Thomas, der

der amerikanischen Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) , im Ver-

lauf einer auf m i n i s t e r i e l l e r Ebene abgehaltenen Konferenz der OECD-Mitgliedstaaten (OECD - Organisation für w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit und
Entwicklung) i n Paris.
besorgniserregenden

"Wir sehen uns j e t z t einer neuen 'Generation'

Schädigungsmöglichkeiten

gegenüber,

von

beispielsweise

den Risiken durch Chemikalien für die menschliche Gesundheit und die Umw e l t , durch den Umgang mit gefährlichen A b f a l l s t o f f e n , durch sauren Niederschlag und durch das Zusammenwirken von Schadstoffen i n L u f t ,
und Boden", e r k l ä r t e

er.

Diese

Probleme

verlangten

Vösser

fachübergreifende

Maßnahmen zur Unschädlichmachung, neuartige H i l f s m i t t e l , generell gesehen
neue Ausgangspositionen und neue Ideen.

"Verhinderung und Kontrolle

von Umweltverschmutzung" war das Thema

der Konferenz, mit der Aktionen für die nächsten fünf Jahre

vorbereitet

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Jahre vorbereitet

werden s o l l t e n .

Die neuen Umweltsorgen und j e t z t

be-

stehenden Möglichkeiten der Umweltschädigung seien schwer zu i d e n t i f i z i e r e n , zu analysieren und anzugehen, meinte der EPA-Chef.

Es bedeute häu-

f i g w i r t s c h a f t l i c h e Belastungen, sie lösen zu wollen - und ebenso, n i c h t s
dagegen zu unternehmen.

Jedenfalls unterschieden sie sich z. T. erheb-

l i c h von den bisher bekanntgewordenen Auswirkungen und e r f o r d e r t e n A k t i o nen auf einer höheren Ebene.

I n den fünf Jahren s e i t der l e t z t e n Kommissions-Sitzung seien i n der
Bekämpfung und Kontrolle v i e l e r Schadstoffe

solide F o r t s c h r i t t e

erzielt

worden durch
- Verringerung der Luftund

Wasserverschmutzung t r o t z

Wirtschaftswach-

stum und Zunahme der Bevölkerungszahlen i n den Industrieländern;
- bessere Bewältigung des Hausmüllproblems;
- Verringerung und S t a b i l i s i e r u n g

der Konzentrationen von bestimmten,

schwer abbaufähigen Chemikalien und Pestiziden i n der Umwelt;
- Schutzmaßnahmen für v i e l e Landschaften, die zu Naturparks und Naturschutzgebieten e r k l ä r t wurden.
Aber es bleibe
schädliche

noch sehr v i e l

Nebenprodukte

neuer

zu t j n

-

Technologien

Schutzvorkehrungen t r e f f e n , forderte Thomas.

vor allem müsse man gegen
von

vornherein

wirksame

Da dies a l l e s Geld k o s t e ,

müßten die Programme der OECD-Länder zur Vermeidung von Doppelgleisigkeit
gut k o o r d i n i e r t werden und meßbare Ergebnisse i n der Form realer Verbesserungen des UmweltzuStandes versprechen.
Zu den wohl
Thomas aus:

vordringlichsten

Fragen i n den nächsten Jahren

führte

" Z u a l l e r e r s t bedeuten die herkömmlichen Luftschadstoffe

Dauerproblem, insbesondere
noch überschritten werden.

i n den Stadtregionen, wo die

ein

Ozonhöchstwerte

Wir brauchen neue Strategien f ü r diese a l t e n

Probleme, w e i l Schadstoffe häufig weit j e n s e i t s des Raumes, i n dem sie

-

2 -

�dem sie f r e i g e s e t z t werden, wirksam werden. So s o l l t e n v i e l e unserer Kont r a llmaßnahmen regional und nicht

l o k a l ansetzen.

Schad- Stoffe schon i n der Atmosphäre.

Auch reagieren v i e l e

Und wenn sich die Konzentration

des einen Schadstoffs ä n d e r t , kann dies auch die Konzentration eines anderen Stoffes

beeinflussen.

Saurer Regen und regionaler

fotochemischer

Smog sind Bespiele für die Schadstoffgemische, die aus feinen P a r t i k e l n ,
Ozon, Schwefeldioxyden, Stickstoffoxyden und i h r e n Sekundärprodukten geb i l d e t werden, die keineswegs nur die I n d u s t r i e - und S t a d t r e g i o n , aus der
sie kommen, beeinträchtigen.
Unsere Erfahrungen

mit

Art

und Ausmaß des toxischen Problems

der

Luftverschmutzung aus den l e t z t e n paar Jahren führten dazu, daß wir j e t z t
einige der Maßnahmen, die wir dagegen unternehmen, ausweiten und mit anderen Schwerpunkten versehen.

Wir haben erkannt, daß toxische Stoffe

in

der Luft weit mehr a l s angenommen mit a l l e n Arten von A k t i v i t ä t e n einer
modernen Gesellschaft i n Zusammenhang stehen.

Das schließt nicht nur den

Betrieb großer Industriewerke e i n , sondern auch A l l t ä g l i c h e s
l i c h e n Bereich wie Autofahren,

im persön-

hfeizen oder chemisches Reinigen.

Wir ha-

ben auch g e l e r n t , daß es sich bei den meisten toxischen Stoffen i n der
Luft

um feine P a r t i k e l

und gasförmige organische Verbindungen

Diese stehen als T e i l des Schwerpunktprogramms zur

handelt.

Schadstoffbekämpfung

unter K o n t r o l l e , was dazu f ü h r t e , daß toxische Luftverschmutzung b e r e i t s
geringer geworden i s t .

Wir beabsichtigen, uns j e t z t vor allem auf die Eindämmung jener Probleme zu konzentrieren, die am meisten mit der Verursachung von Krebs und
anderen Krankheiten zu tun haben könnten.
mittlungen

Methoden

zur

Risikobewertung

größtmöglichen Gesundheitsschutz
schen zu erreichen.

für

die

Wir werden f ü r genauere Eranwenden

und

versuchen,

den

größtmögliche Anzahl von Men-

Unsere Behörde wird a l l e i h r zur Verfügung stehenden

r e c h t l i c h e n Möglichkeiten einsetzen - nicht nur i n bezug auf L u f t r e i n h a l t u n g , sondern bei a l l e n Programmen - , um die v i e l s c h i c h t i g e n und v i e l f ä l t i g e n Aspekte der toxischen Luftverschmutzung anzugehen.

Wasserver schmutzung
-

3 -

�Wasserverschmutzung verlangt
Aufmerksamkeit.

auch i n den entwickelten Ländern große

Viele der städtischen Kläranlagen f u n k t i o n i e r e n nicht so

gut oder sind ü b e r l a s t e t .

Zu v i e l e Industriebetriebe halten sich n i c h t

an i h r e Einleitungsgrenzwerte.

Auf diesen Gebieten müßten Programme zur

Durchsetzung der Vorschriften g e s t r a f f t

und v e r s t ä r k t

der OECD-Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
gen durch großflächig

sowie Erfahrungen

Außerdem sind Belastun-

wirksame Quellen wie S t i c k s t o f f d ü n g e r ,

Pestizide

und Abwässer aus Stadtregionen noch nicht ausreichend vermindert.
ist

e i n komplexes Problem, weil das Vorgehen zur Kontrolle

Dies

ortsabhängig

i s t und Veränderungen i n der Bodennutzung und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Praxis
im Gefolge hat.
Was gefährliche A b f a l l s t o f f e

angeht, so e x i s t i e r e n z a h l l o s e , i n z w i -

schen geschlossene Deponien, von denen unmittelbare Gefahren für die Umwelt

und menschliche Gesundheit

ausgehen.

I n den Vereinigten

Staaten

s t e l l t e n wir f e s t , daß jede Deponie eine spezielle und komplexe Herausforderung

darstellt,

stark s t r a p a z i e r t .

die

unsere

gegenwärtigen analytischen

Hilfsmittel

Bei der Entscheidung über Plätze zur Endlagerung und

der A r t und Weise der Behandlung müssen wir zuvor die Risiken und Kosten
jeder einzelnen Option analysieren.

In den USA versuchen wir

zunächst,

der "Öffentlichkeit die S i t u a t i o n zu erklären - i n der Hoffnung, daß uns
i n f o r m i e r t e Bürger helfen können, für die Risikobewältigung zu v e r n ü n f t i gen Beschlüssen zu kommen.
I n den kommenden Jahren sehen sich unsere Behörden angesichts unserer
Erfahrungen i n den l e t z t e n Jahren wahrscheinlich gezwungen, im t ä g l i c h e n
Umgang mit

gefährlichen A b f a l l s t o f f e n

im Lande selbst die Programme zu

i h r e r Beseitigung drastisch zu ändern.

Wir i n den USA sind d a b e i , sie zu

überprüfen

und wirksamer

zu g e s t a l t e n .

Dabei

sind Veränderungen aus

jüngster Z e i t zu berücksichtigen, zu denen neue Technologien f ü r den Umgang mit gefährlichen A f b f ä l l e n , neue wissenschaftliche Erkenntnisse über
ihre Auswirkungen und, a l s Wichtigstes, die Einsicht gehören, daß gutes
Management das kostspielige Problem der Beseitigung n i c h t
Deponien von Problemmüll vermeidet.

kontrollierter

Vielfach werden gefährliche A b f a l l -

s t o f f e auch i n andere Länder t r a n s p o r t i e r t .

-

Die Bemühungen der OECD, f ü r

4 -

�OECD,

für

diese

Uberwachungs-

und

grenzüberschreitenden

Transporte

Protokollierungssystem

ein

einzurichten,

internationales
sollten

in

den

nächsten Jahren besonderen Vorrang haben.

Chemikalien
Ein schwieriges K a p i t e l s t e l l e n die auf dem Markt vorhandenen Chemik a l i e n und Pestizide dar, die auf i h r e Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit und die Umwelt noch n i c h t ausreichend getestet s i n d .
sen diese Produkte

entsprechend

p r ü f e n , ebenso

j e n e , die

Wir müs-

neu auf

den

Markt kommen s o l l t e n .
Seit

den siebziger

Jahren hat eine Reihe von Ländern innerhalb der

OECD Gesetze zur Kontrolle g i f t i g e r Chemikalien erlassen, und auch i n der
i n t e r n a t i o n a l e n Harmonisierung unserer

rationalen

Programme zur Chemika-

l i e n k o n t r o l l e haben wir mit dem einschlägigen OECD-Programm F o r t s c h r i t t e
erzielt.

Dieses Programm können wir bei der nächsten Fachkonferenz im

Jahr 1986 weiter voranbringen.
Wir a l l e wissen, daß Umweltbelastungen durch g i f t i g e Chemikalien a l s
Schadstoffe aus der Luft ins Wasser, aus Oberflächenwasser ins Grundwass e r , vom Wasser i n den Boden und so f o r t wandern können.
konzentriert

sich unsere

Umweltschutzstrategie

einzelne Trägermedien der Schadstoffe.

auf

Aber noch immer

Einzelprogramme

für

Von nun an müssen wir den mög-

lichen Übergang von einem Medium ins andere unbedingt i n Rechnung s t e l len.

Denken w i r nur daran, daß z.B. durch die Entfernung von Wasserbe-

lastungsstoffen i n Betrieben der organischen Chemie häufig f l ü c h t i g e

or-

ganische Substanzen i n die Atmosphäre entweichen, was i n der Umgebung die
Gesundheit von Menschen beeinträchtigen kann.

Ein weiteres B e i s p i e l sind

die Flächenbelastungen i n der Landwirtschaft.

Da h ä l t man beispielsweise

den Wasserabfluß zurück und läßt Regenwasser i n den Boden e i n s i c k e r n , um
die Verschmutzung von Gewässern durch Pestizide zu verhindern.

Das aber

kann zu einer Pestizidverseuchung des Grundwassers i n unbekanntem Ausmaß
führen.
Des weiteren müssen
-

5 -

�Des weiteren müssen wir uns mit den weltweit i n Erscheinung tretenden
Problemkomplexen der durch menschliche A k t i v i t ä t e n ausgelösten Klimaveränderungen und Ausdünnung der Ozonschicht näher befassen.
enge Zusammenarbeit

- eine Nation a l l e i n könnte nicht

Dies e r f o r d e r t
viel

ausrichten.

So wird der zuständige OECD-Arbeitskreis, der im nächsten Jahr zusamment r e t e n s o l l , uns Gelegenheit geben, die neuesten wissenschaftlichen Bewertungen und die Möglichkeiten f ü r Problemlösungen zu e r ö r t e r n .

Das Zu-

standekommen der Wiener Konvention f ü r den Schutz der Ozonschicht b i l d e t
dafür eine gute Ausgangsposition.

Und es i s t

w i c h t i g , daß wir die

tat-

k r ä f t i g e Arbeit auch i n der Umweltkommission der Vereinten Nationen (UNEP
- United Nations Environmental Program) weiterführen.

Giftige

Chemikalien, gefährliche A b f ä l l e , und die L e i c h t i g k e i t ,

mit

der sie von einem Medium ins andere wandern, bedeuten für uns eine ganz
neue Herausforderung für
recht

Schadstoffkontrollen.

Wenn wir

ihr

nicht

ge-

werden, können die schwer e r a r b e i t e t e n F o r t s c h r i t t e unserer wich-

t i g s t e n Umweltschutzprogramme gefährdet s e i n .

Wir müssen uns immer wie-

der vor Augen führen, daß der Planet, auf dem wir leben, e i n geschlossenes System d a r s t e l l t .

Nichts i s t h i e r so weit abseits gelegen, a l s daß

es zur Abfallgrube gemacht werden könnte.
Und aus diesem Grund müssen wir Wege f i n d e n , um f ü r die Ausarbeitung
unserer Vorschriften und Kontrollprogramme ganze Systeme zu analysieren.
Wir müssen ferner Risiken f ü r die menschliche Gesundheit und die Umwelt
besser abschätzen l e r n e n , worum sich die Vereinigten Staaten b e r e i t s sehr
aktiv

bemühen.

Und wir müssen im Interesse des Risikomanagements Ver-

fahrensweisen zur Beschlußfassung s t r a f f e n und uns mit den Methoden der
Partnerstaaten befassen, um unsere Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu
harmonisieren.
Bei unseren Kontrollmaßnahmen s o l l t e n wir außerdem die R i s i k o v e r r i n gerung und die riskanten Auswirkungen j e g l i c h e r Schadstoffumsetzungen aus
einem Medium ins andere bedenken.

I n den Vereinigten Staaten haben wir

j e t z t mit der Überprüfung unseres Vorschriftenkatalogs begonnen, um Wage
zur Reduzierung oder Ausschaltung des Schadstofftransfers

-

6 -

von einem Me-

�einem Medium ins andere zu finden. Und wir brauchen neue Arten von Informationen - nennen wir sie integrierte Risikoanalyse und neuartige integrierte Management-Programme, damit wir diese Probleme angehen können.
Ebenso sollten wir die Reduzierung von Schadstoffen an der Quelle als
wichtigen Punkt mehr hervorheben.

Wir möchten, daß die Industrie weniger

Geld dafür ausgibt, um vom Risiko doch noch einiges - wenn auch immer weniger - zu profitieren, sondern daß sie mehr Geld aufwendet, um Prozesse
und Produkte zu entwickeln, die von vornherein Schadstoffärmer sind."

* * * * *

- 7-

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985
Nachstehend ist eine Liste der
2. Januar bis zum 3. Juli 1985
Überblick über die wichtigsten
die Nummer der Ausgabe, in der

Thenen, die im Amerika Dienst vom
erschienen sind. Sie gibt einen
Thenenkreise. Angegeben ist jeweils
das betreffende Thema behandelt wird
Nummern der Ausgaben

Themenkreis
1.

Ost-West-Beziehungen
Genfer Verhandlungen

2, 3, 4, 5, 11, 12, 20,
21

US-UdSSR Beziehungen

11, 12

Sowjetisch-Kubanisch
Machenschaften in Mittelamerika und in der Karibik

Sonderdienst 1. April

2.

NATO/Atlantische Verbindung

11

3.

Amerikanisch-Deutsche
Beziehungen

7

Vereinigten Staaten
US-Innenpolitik/Lage der Nation 3, 6, 13, 22
Präsident Reagans Amtsantr ittsrede

Sonderdienst 22. Jan.

Präsident Reagans Botschaft
über die Lage der Nation.

Sonderdienst 7. Feb.

Die US-Wirtschaftspolitik
schafft neue Arbeitsplätze

Sonderdienst 17. April

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in
Straßburg

Sonderdienst 8. Mai

Religion in den USA

17

US-Außenpolitik

(allgemein)

1, 4, 6, 16, 17

US-Nahrungsmittelhilfe in
Afrika

9, 20, 23

Mittelamerika und die Karibik

4, 5, 15, 18, 21, 25

Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen

25

�Themenkreis

Nummern der Ausgaben

Multilaterale Handelsgespräche

Sonderdienst 17. April

US-Außenministerium berichtet
über die Entwicklung der Lage
in Mittelamerika.

Sonderdienst 24. April

Verteidigung/Rüstungskontrolle
Abrüstung

6, 9, 13, 18, 22, 23

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)

8, 11, 14, 20, 21, 23

Kernwaffen

3, 5

US Verteidigung

(allgemein)

7, 12

Sowjetische Verteidigung und
Verteidigungstechnologie

7, 12

Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung
in Europa (KVAE)

8, 19

Wissenschaft und Technik
Welträum/Raumfähre

2, 3, 4, 9, 13, 14, 17,
18, 22, 23, 26

Wissenschaft (allgemein)

11

Kernkraft (allgemein)

17

Uranforschung

24

Medizin

4, 5, 7, 21

Klima

8, 13

Bedeutende Ereignisse
Bhopal-Unfall

14

Nicholson Ermordung

13

Beiruter TWA Geiseln

24, 26

Internationale Probleme und Themen
Drogenprobleme

5, 16, 19, 25

Terrorismus

14, 25, 26

2 -

�Themenkreis

10.

Nummern der Ausgaben

Menschenrechte

2, 8

Umwelt

8

Besondere Themen
Afghanistan

1, 3, 13, 18

Bonner Wirtschaftsgipfel

15, 19

US-Informationen zuir Bonner

Sonderdienste 17, 23,
30. April

Wirtschaftsgipfel
Weltwirtschaft (allgemein)

9, 19

Botschafter Arthur Eurns

17

Botschafter Richard Burt

24

4. Juli

26

Euronet/Worldnet

7

Anti-Semitismus in der
UdSSR

25

Vereinte Nationen (UNO)
Sonderdienste 1985
22.01.85

Präsident Reagans Air tsantr ittsrede

07.02.85

Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation

01.04.85

Die Sowjetisch-Kubanischen Machenschaften in
Mittelamerika und in der Karibik

17.04.85

Die US-Wirtschaftspolitik schafft neue Arbeitsplätze

17.04.85

Multilaterale Handelsgespräche

24.04.85

US-Außenministerium berichtet über die Entwicklung der
Lage in Mittelamerika

30.04.85

US-Informationen zum Bonner Wirtschaftsgipfel

08.05.85

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg
* * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zivilisierte Völker müssen gegen Terrorismus vorgehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Großbritannien fordern Einstellung der Flüge nach Beirut&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen kann Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bewirken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Mangel an Fortschritten auf der KVAE&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluss der 6. Sitzungsperiode -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "CHALLENGER" mit Spacelab-Kombination&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Projekte zur Erforschung der Sonne, tiefer kosmischer Bereiche und der irdischen Umwelt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"INTELSAT" umspannt die Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dienstleistungen für 160 Länder und Territorien -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz braucht neue Ideen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Programme künftig im Vordergrund -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

17. J u l i 1985
INHALT

INFORMATION
USA von sowjetischer Haltung i n Genf enttäuscht
- Erklärung des Pressesprechers des VfeiQen Hauses Erklärung Kampelmans zum Abschluß der zweiten Verhandlungsrunde i n
Genf

HINTERGRUNDMATERIAL
SDI aus der Sicht eines Unterhändlers
- Von Max M. Kampelman Chronologie der Ereignisse i n Afghanistan
- 2. Quartal 1985 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Helfer unter Wasser
- Roboter für Arbeiten i n großer Meerestiefe * * * * *

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�17. J u l i 1985

28

USA VON SOWJETISCHER HALTUNG IN GENF ENTTÄUSCHT
- Erklärung des Pressesprechers des Weißen Hauses -

WASHINGTON -

(AD) - Larry Speakes, Pressesprecher des Weißen Hauses,

brachte i n einer Erklärung, die am 16. J u l i 1985 im Anschluß an die Beendigung der

zweiten Verhandlungsrunde

der Genfer

Rüstungskontrollver-

handlungen abgegeben wurde, seine Enttäuschung über die Sowjetunion zum
Ausdruck, die

"sich a l s unfähig erwies, konkret zu verhandeln und sich

mit klaren Fakten auseinanderzusetzen."
Die Erklärung von Speakes hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben heute die
Runde

der

Hauptziel

Nuklear-

und

Waltraumverhandlungen

in

Genf

zweite

abgeschlossen.

der

Vereinigten Staaten bleiben wesentliche, ausgewogene und

verifizierbare

Verringerungen beim Umfang der bestehenden Nukleararsena-

l e . Die Vereinigten Staaten t r a t e n i n die zweite Runde der Nkjklear- und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Nuklear- und Vfeltraumverhandlungen mit konkreten, d e t a i l l i e r t e n Vorschlägen e i n , um eben dieses Z i e l zu erreichen und waren b e r e i t , i n jedem der
d r e i Verhandlungsbereiche zu F o r t s c h r i t t e n mit der Sowjetunion zu gelangen.
Im Bereich der strategisch-nuklearen Offensivwaffen i s t die amerikanische Delegation f l e x i b e l , um zu den wesentlichen Verringerungen zu gelangen , die wir anstreben und sie i s t
scher a l t e r n a t i v e r

b e r e i t , über eine Reihe s p e z i f i -

Vfege zu verhandeln, die zu d e r l e i Verringerungen f ü h -

ren könnten.
H i n s i c h t l i c h der Nuklearen Mittelstreckensysteme

(INF)

besteht unser

oberstes Z i e l auch weiterhin i n der Beseitigung der gesamten Klasse von
Kernwaffen,

die

von landgestützten

INF-Flugkörper

getragen werden. Zu

diesem Zweck verfügt die amerikanische Delegation über die Beweglichkeit
und über den Ermessensspielraum, auf

e i n Zwischenabkommen hinzuwirken,

dessen Z i e l gleiche amerikanische und sowjetische Begrenzungen i n

welt-

weitem Rahmen auf dem niedrigstmöglichen Niveau wären.
Desgleichen waren und sind wir noch immer zu einem d e t a i l l i e r t e m Meinungsaustausch im Bereich der Verteidigung und des Weltraums b e r e i t .
Während der

zweiten Runde b l i e b

die

sowjetische

Position

bedauer-

licherweise v e r b a r r i k a d i e r t , es gab k e i n e r l e i Bewegung bei i h r e n formalen
Positionen. Die sowjetische Delegation wiederholte i h r e Vorschläge eines
Moratoriums und machte auch w e i t e r h i n F o r t s c h r i t t e - j a , sogar eine Erörterung der Einzelheiten - bei der Verringerung der offensiven Nuklearwaffen -

von der Annahme i h r e r Forderungen nach e i n s e i t i g e n amerikanischen

Konzessionen abhängig, zu denen u n r e a l i s t i s c h e und nicht
Beschränkungen bei

der Forschung

im Verteidigungs- und

verifizierbare
Vfeltraumbereich

gehören würden.
Gegen Ende dieser Runde brachten die Sowjets einige Konzepte v o r , die
mögliche Verringerungen bei den vorhandenen strategisch-offensiven Nukleararsenalen beinhalten könnten. A l l e r d i n g s scheint die bei diesen Konzep-

�diesen Konzepten vorgeschlagene Zählmethode darauf angelegt zu sein, die
Beibehaltung des Hauptbereichs des sowjetischen Vorteils zu begünstigen d.h. ihrer Kapazität zur raschen Zerstörung gehärteter Ziele, also des
besorgniserregendsten Elementes der derzeitigen strategischen Gleichung.
Die Bemühungen der amerikanischen Delegation, auf unsere Fragen über diese Konzepte hinsichtlich der Problemkreise wie Anzahl, Obergrenzen und
Quoten bei möglichen Verringerungen von den Sowjets eine Antwort zu erhalten, blieben bislang im wesentlichen erfolglos. In dieser Hinsicht
sind wir enttäuscht darüber, daß die Sowjetunion sich als unfähig erwies,
konkret zu verhandeln und sich mit klaren Fakten auseinanderzusetzen, sogar dann, wenn diese nur als grobe Verhandlungsziele abgesteckt waren,
lehrend die Vereinigten Staaten sofort darangingen, die sowjetischen Konzepte zu analysieren, weigerten sich die Sowjets leider, über die amerikanischen Vorschläge zu diskutieren.

Zusammengefaßt: Wir sind in etwa dort, wo wir unseren Erwartungen zufolge sein würden - angesichts der Tatsache, daß wir erst am Ende der
zweiten Runde von Verhandlungen solcher Komplexität und Bedeutung stehen.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion im Verlauf der nächsten Verhandlungsrunde
entgegenkommender sein wird.

- 3-

�17. J u l i 1985

23

ERKLÄRUNG KAMPELMANS ZUM ABSChLUSS DER Z E I T E N VERHANDLUNGSRUNDE
I N GENF

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den amerikanischsowjetischen

Rüstungskontrollverhandlungen

in

Genf,

Botschafter

Max

Kampelman, versicherte zum Abschluß der zweiten Runde dieser Verhandlungen am 16. Juli 1985, daß die Vereinigten Staaten entschlossen seien,
nach Wiederaufnahme der Verhandlungen am 19. September ein Rüstungskontrollabkommen zu erreichen. Man werde weder leicht noch rasch ein Abkommen erzielen können, aber es sei ein größerer Nachdruck auf Dialog statt
auf Polemik zu verzeichnen.

Der Leiter der sowjetischen Delegation, Bot-

schafter Viktor Karpow, hatte zum Abschluß der Verhandlungsrunde erklärt,
er sei unzufrieden, da es keinen Fortschritt gegeben habe.

Die erste Runde der Genfer Verhandlungen dauerte vom 12. März bis 23.
April; die zweite begann am 30. Mai
Die Erklärung Kampelmans zum Abschluß der zweiten Verhandlungsrunde
hat folgenden Wortlaut:
Die

amerikanische

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die amerikanische und die sowjetische Delegation haben heute ihre
zweite Verhandlungsrunde abgeschlossen.

Die amerikanische Delegation hat von Anfang an erkannt, daß bei Verhandlungen so komplexer Natur ein Abkommen nicht leicht oder rasch erreicht werden kann. Aber wir stellen einen größeren Nachdruck auf Dialog
und weniger Nachdruck auf Polemik fest.

Kenn unsere beiden Delegationen am 19. September zurückkehren, werden
sich unsere Außenminister getroffen haben.

Die amerikanische Delegation

wird im September ihre Arbeit mit der weiteren Entschlossenheit wieder
aufnehmen, ein wirksames, gerechtes und verifizierbares Abkommen zu erreichen.

Botschafter Tower, Botschafter Glitman und ich werden morgen nach
Brüssel fliegen, um den Nordatlantikrat über die Ergebnisse der zweiten
Verhandlungsrunde zu unterrichten.

Wir werden am Donnerstag zu weiteren

Konsultationen nach Washington zurückkehren und dem Präsidenten und dem
Außenminister unseren Bericht unterbreiten.

* * * * *

�17. J u l i 1985

28

SDI AUS DER SICHT EINES UNTERHÄNDLERS
- Von Max. M. Kampelman -

Der Autor des nachstehenden A r t i k e l s ,
Max M. Kampelman, i s t Chef der amerikanischen Delegation, die i n Genf mit der
Sowjetunion über Nuklearund Vfeltraumwaffen verhandelt. Der A r t i k e l b a s i e r t
auf einer Rede Kampelmans i n Florenz.

Einer der ersten Vorschläge , den die Vereinigten Staaten der sowjetischen Delegation u n t e r b r e i t e t e n , a l s im März 1985 die Verhandlungen über
Nuklear- und Weltraumwaffen begannen, war, sich auf die
der Verhandlungen zu einigen.

Vertraulichkeit

Dieses Übereinkommen untersagt

den M i t -

g l i e d e r n beider Delegationen, sich ö f f e n t l i c h zum I n h a l t der Verhandlungen zu äußern.

Das s o l l dem Zweck dienen, daß beide Seiten i n ihrem Be-

streben, einen F o r t s c h r i t t

zu e r r e i c h e n , o f f e n sprechen und a l t e r n a t i v e

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und alternative Vorschläge unterbreiten können, ohne fürchten zu müssen,
daß dies am nächsten Tag in der "New York Times", der "Prawda" oder dem
"Oorriere della Sera" erscheint.

Wir von der amerikanischen Seite woll-

ten damit natürlich die Sowjetunion davon überzeugen, daß wir es ernst
meinten mit den Verhandlungen und es als unsere Aufgabe betrachteten, zu
den sowjetischen Unterhändlern zu reden und nicht zur Öffentlichkeit, um
damit um öffentliche Anerkennung und Unterstützung zu buhlen.

Ich kann

also nichts darüber sagen, was in Genf passiert. Vorüber ich jedoch sprechen möchte, ist meine Einstellung als Unterhändler zur Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) und darübe::, wie SDI mit Rüstungskontrolle
zusammenhängt.

Gestatten Sie mir, mit einem Zitat zu beginnen, dessen Urheberschaft
dem Leser nicht gleich bekannt sein dürfte. Es lautet:

"Wenn die Sicherheit eines Staates nur auf der gegenseitigen Abschreckung mit Hilfe mächtiger Nuklearraketen beruht, ist sie direkt von
dem guten Willen und den Plänen der anderen Seite abhängig, also von einem höchst subjektiven und unbestimmten Faktor...

Die Schaffung eines wirksamen Raketenabwehrsystems versetzt den Staat
in die Lage, seine Verteidigung in erster Linie von seinen eigenen Möglichkeiten und nicht nur von der gegenseitigen Abschreckung abhängig zu
machen..."

Das ist tatsächlich kein Zitat von Präsident Reagan, Verteidigungsminister Weinberger oder Außenminister Shultz, noch von irgend einem anderen Sprecher der amerikanischen Regierung.

Dieses Zitat stammt von dem

sowjetischen Generalmajor Talenskij, der diese Gedanken in einem Artikel
der sowjetischen Zeitschrift "Internationale Angelegenheiten" im Oktober
1964 äußerte.

Ich möchte meinen, General Talenskij hat uns einen guten

Weg gewiesen, um über die Zwecke und Ziele der Strategischen Verteidigungsinitiative zu sprechen.

An

diesem

entscheidenden

�An diesem entscheidenden Punkt sind sich die Vereinigten Staaten und
ihre

Verbündeten e i n i g

in

der Auffassung, daß unsere Sicherheit

ganz wesentlich vom P r i n z i p der Abschreckung abhängt.

heute

Unsere Auffassung

von Abschreckung basiert notwendigerweise auf der Theorie der b e i d e r s e i tigen Verwundbarkeit bis zur Vernichtung.

Der testen i s t davon ausgegan-

gen, daß i n dem F a l l e , daß jede Seite ihre Fähigkeit bewahren kann, gegen
einen A n g r i f f

der anderen Seite eine nukleare Vergeltung anzudrohen, er

einem Aggressor einen so hohen Preis auferlegen kann, daß er i n keinem
Verhältnis zu den möglichen Gewinnen aus einer Aggression s t e h t .
Fähigkeit

Diese

zur Vergeltung, die von manchen Leuten a l s Gleichgewicht

Schreckens bezeichent

wird,

soll

des

dazu dienen, einen Krieg zwischen Ost

und Vtest zu verhüten.
Unter diesen Prämissen haben wir Begrenzungen der Raketenabwehr-Raketensysteme gefordert und zugestimmt.

Die Begrenzungen bestärkten dieses

Konzept

gewährleisten, daß selbst

der Abschreckung, indem sie

für

den

F a l l , daß eine Seite einen entwaffnenden Erstschlag f ü h r t , die überlebenden Waffensysteme der anderen Seite i n der i_age wären, zu ihren Z i e l e n
durchzudringen und massive Schäden anzurichten.
Diese Form der Abschreckung auf der Basis der beiderseitigen Verwundbarkeit

hat

sich bisher a l s e r f o l g r e i c h erwiesen, einen Krieg

Ost und Vtest zu verhindern.

zwischen

Aber es i s t auch eine unbestreitbare

Tat-

sache, daß aufgrund der raschen technologischen Entwicklungen und einer
massiven sowjetischen Aufrüstung das gegenwärtige System gewisse Schwächen aufweist - Schwächen, die i n Europa ebenso früh erkannt wurden wie
i n den Vereinigten Staaten.
tollen

wir zunächst einmal die g e i s t i g e n Grundlagen einer

Strategie

untersuchen, die auf der b e i d e r s e i t i g e n Verwundbarkeit b i s zur Vernichtung beruht.

Wie i c h b e r e i t s gesagt habe, s t ü t z t sich diese Form der Ab-

schreckung auf die v e r n ü n f t i g e , e i n s i c h t i g e Annahme, daß niemand eine bestimmte Handlung unternehmen w i r d , wenn es auf der Hand l i e g t , daß der
Preis sehr v i e l höher sein wird a l s der Nutzen, den man erwarten könnte.
Diese

Argumentation

�Diese Argumentation ist eine gute Grundlage auf den Gebieten von Handel und Finanzen.

Aber sie mag nicht die beste aller möglichen Formeln

für die internationalen Beziehungen sein, vor allem nicht für Beziehungen
zwischen Systemen, die so radikal verschieden sind wie Ost und West. Der
Banker und der Geschäftsmann arbeiten in einer vertrauten Umgebung und in
einem vertrauten Rahmen, innerhalb derer es relativ leicht ist, das Verhalten und die Absichten aller Beteiligten zu erkennen.

Aber wir müssen

uns doch fragen, wie gut wir die Denkweisen der Sowjets verstehen, und
inwieweit wir wissen, welche Risiken sie unter bestimmten Umständen einzugehen bereit sind.

Gleichzeitig müssen wir uns fragen, wie gut die So-

wjets uns und unseren Willen verstehen, Freiheiten zu verteidigen, die
ihnen völlig fremd sind.
Es gibt genug Gründe zu der Annahme, daß die Weisheit auf diesem Gebiet nicht unfehlbar ist.

Haben die Vereinigten Staaten beispielsweise

1962 mit dem kühnen Spiel Chruschtschows gerechnet, heimlich Raketen nach
Kuba zu schaffen?

Und hat Chruschtschow mit einer so kühnen Reaktion

Präsident Kennedys auf den Versuch gerechnet, das strategische Gleichgewicht zu verändern?

Die Antwort auf beiden Seiten lautet:

Nein.

So ha-

ben also beide Seiten eine Sache, bei der es um ihre internationale Sicherheit ging, falsch eingeschätzt.

Nach dem gegenwärtigen Muster der Abschreckung, vor allem in Krisenzeiten, erfordert Stabilität, daß die Sowjets die Absichten und Fähigkeiten des Westens nicht falsch einschätzen.

Stabilität setzt auch voraus,

daß wir im Westen die sowjetischen Motivationen und Fähigkeiten verstehen.

Die

augenfälligen Unterschiede

zwischen unseren konkurrierenden

Ideologien erschweren die Erfüllung dieser Voraussetzung ungemein.

Da es doch um so viel geht, sollten wir uns daher zu Recht fragen, ob
es für uns im Westen notwendig oder klug ist, sich auf ewig auf etwas zu
verlassen, was General Talenskij als einen "höchst subjektiven und unbestimmten Faktor" bezeichnet hat, d.h. auf unsere unvollkommene Erkenntnis
der Ziele und der Risikobereitschaft der anderen Seite.

Es ist sicher-

lich angebracht, ohne Aufgabe dessen, was wir haben, nach einem besseren

�einem besseren Weg zu suchen, wenn eine bessere Form der Abschreckung gefunden werden kann.

Die Abschreckung bleibt für unsere Sicherheit und für die Erhaltung
des Friedens unerläßlich.

Aber ich bin überzeugt, wir sind alle der Mei-

nung , daß es besser wäre, dem Aggressor seine Ziele zu verwehren, als uns
nur auf unsere Fähigkeit
bestrafen.

zu verlassen, ihn

für seine Aggression zu

Unsere Völker erwarten von ihren Regierungen, daß sie sie vor

einem Angriff schützen und nicht nur, daß sie in der Lage sind, zurückzuschlagen, wenn sie angegriffen werden.

Es ist genau diese Aussicht auf eine wirksamere Abschreckung, die
durch die Forschung auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung geboten
wird.

Wir untersuchen - völlig im Rahmen bestehender Rüstungskontrollab-

kommen - die Möglichkeit, ob Verteidigungstechnologien es uns erlauben
werden, den Preis für einen Angriff auf die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten so hoch zu treiben, daß kein Aggressor sich einen solchen Angriff vorstellen könnte.

Wenn unsere Forschung ergeben sollte, daß eine

wirksame Verteidigung machbar ist, dann wäre diese Verteidigung selbstverständlich gegen Offensivraketen und nicht gegen die Bevölkerung gerichtet.

Und sie würde den Hauptschwerpunkt auf nichtnukleare und nicht

auf nukleare Technologien legen.

Die Debatte über SDI, soweit sie Europa berührt, ist bis zu einem
Punkt angeschwollen, an dem die Gefahr besteht, daß einige der simplen
Wahrheiten bezüglich dieses Forschungsprogramms einfach verwischt werden.

Die Debatte in Demokratien neigt häufig dazu, zu übertreiben und

Probleme bis zur Unkenntlichkeit zu dramatisieren.

Wir alle, die demo-

kratische Institutionen hoch schätzen, sind aufgerufen, die öffentliche
Meinung niemals außer acht zu lassen und ständig mit einem Gefühl der Realität und Verantwortlichkeit an sie zu appellieren.

Lassen Sie mich

versuchen, in diesem Sinne die SDI-Debatte in eine ausgewogenere Perspektive zu rücken.

Stellen Sie sich

�S t e l l e n Sie sich b i t t e mit mir v o r , keiner von uns hätte j e etwas von
SDI gehört, sondern wir unternähmen nur eine nüchterne Analyse der s t r a tegischen Probleme, vor denen wir heute im testen aufgrund der s o w j e t i schen Militärmacht stehen.
Das erste unserer Probleme bestünde d a r i n , da(3 es deutliche Anzeichen
dafür g i b t , daß die Sowjetunion ihre m i l i t ä r i s c h e Strategie nicht auf das
gründet, was unserer Ansicht nach eine b e i d e r s e i t i g vereinbarte Prämisse
der Abschreckung

und gegenseitig

gesicherten Zerstörung war.

Im Jahr

1972 t r a t e n wir unter SALT I dem ABM-Vertrag b e i , der dem Aufbau von Verteidigungsanlagen strenge Begrenzungen aufgrund jener Theorie a u f e r l e g t e ,
wonach es den j e w e i l i g e n nuklearen Offensivwaffen möglich sein
durch ihre Fähigkeit

sollte,

zur Vergeltung vor einer Aggression abzuschrecken.

Die Lebensfähigkeit des ABM-Vertrags hing i n entscheidendem Maß von bet r ä c h t l i c h e n Verringerungen der strategisch-nuklearen Offensivwaffen a b ,
und unser SALT I-Unterhändler betonte dies damals auch.
Leider kam es zu diesen Begrenzungen bei den Offensivwaffen

nicht.

Stattdessen begann die Sowjetunion mit der größten m i l i t ä r i s c h e n A u f r ü stung der Geschichte.

Seit den frühen siebziger Jahren hat die Sowjet-

union d r e i

neue Typen von b a l l i s t i s c h e n

disloziert,

dazu acht verbesserte Versionen bestehender ICBM, fünf neue

Typen

seegestützter

ballistischer

Interkontinentalraketen

Kernwaffen

(SLBM),

fünf

(ICBM)

verbesserte

Versionen bestehender SLBM und einen neuen Interkontinentalbomber.
Gegensatz
disloziert,

hierzu

haben die

Vereinigten

Staaten keine

Im

neuen ICBM-Typen

nur einen neuen Typ von Atomunterseebooten, nur einen neuen

Typ unterseebootgestützter

Raketen und keine neuen Typen eines schweren

Bombers.
Das zweite Problem bestünde i n der Tatsache, daß die Sowjetunion sich
nicht an den ABM-Vertrag gehalten hat.

Die Sowjets haben - i n e i n d e u t i -

ger Vertragsverletzung - eine r i e s i g e Radaranlage bei Krasnojarsk i n S i b i r i e n gebaut.

Und sie haben eine Reihe weiterer Maßnahmen e r g r i f f e n ,

die uns Anlaß zur Sorge geben, daß sie womöglich dabei s i n d , eine landesweite

Verteidigung

gegen

Interkontinentalraketen
- 6 -

vorzubereiten

-

dies

�vorzubereiten - dies trotz ihrer Verpflichtung aus dem Jahr 1972 zum Gegenteil.

Das dritte Problem unserer Analyse besteht darin, daß die Sowjetunion
beim Ausbau ihrer Defensivkapazitäten äußerste Aktivität zeigt.

Sie be-

sitzt das einzige einsatzbereite ABM-System der Welt und hat es gerade
modernisiert.
stem der
Welt.

Sie besitzt das einzige einsatzbereite Antisatellitensy-

Vtelt.

Sie hat das umfassendste Luftverteidigungssystem der

Und sie hat gewaltige Mittel auf die passive Verteidigung zum

Schutz ihrer Führung, ihres Befehlsund Leitsystems, ihrer Industrie und
ihrer Bevölkerung verwandt.

Im Lauf der letzten 20 Jahre hat die So-

wjetunion in etwa so viel für die Defensive wie für die Offensive ausgegeben - ein klarer Hinweis darauf, daß die Gedanken von Generalmajor
Talenskij in seinem Land fortleben.

Das vierte Problem ist das noch intensivierte Forschungsprogramm der
Sowjets auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung.

In vielen Fällen

geht diese Forschung von einer fortgeschrittenen technologischen Basis
aus.

So ist zum Beispiel die Laser-Forschung schon sehr weit vorangekom-

men; so teilten sich ein amerikanischer und zwei sowjetische Wissenschaftler einen Nobelpreis für die Erfindung des Laser.

Es ist daher

ironisch - und natürlich für uns unannehmbar -, daß die Sowjetunion oberste Priorität darin sieht, unser SDI-Programm zu verbieten, während es
der sowjetischen Forschung möglich sein soll, ungehindert fortzufahren.

Diese vier Probleme liegen der Entscheidung von Präsident Reagan zugrunde , die Forschung auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung zu
intensivieren.

Ich benutze das Wbrt "intensivieren", weil wir bereits

ein Forschungsprogramm hatten, als Präsident Reagan sein Amt antrat. Angesichts der vier von mir genannten Probleme wäre es in der Tat für jeden
amerikanischen Präsidenten unklug gewesen, diese Forschung nicht fortzuführen.

Das bringt mich zu dem Hinweis, daß wir ein Forschungsprogramm durchführen.

Eine Entscheidung über eine Fortführung der strategischen Ver- 7 -

�strategischen Verteidigung steht e r s t nach Jahren an; sie wird v i e l l e i c h t
von Präsident Reagans Nachfolger g e t r o f f e n werden, aber sie wird s i c h e r l i c h noch nicht unter Präsident Reagan selbst entscheidungsreif s e i n . Und
ich muß auch betonen, daß die Entscheidung i n keinster
stimmt i s t .

Es g i b t eine Menge Beispiele

für

Heise vorherbe-

Waffensysteme, bei denen

die Forschung abgeschlossen wurde, die aber n i c h t d i s l o z i e r t oder beibehalten wurden.

Der B-70-Bomber und unser eigenes ABM-Systgem sind h i e r -

für gute B e i s p i e l e .

Es wird auch keine Entscheidungen über SDI ohne gründliche Gespräche
und Konsultationen mit unseren Verbündeten geben.

Es gab b e r e i t s

inner-

halb der NATO eine ganze Reihe e r n s t h a f t e r Diskussionen über SDI.

Wir

haben b e r e i t s unsere Verbündeten zur Teilnahme an der wissenschaftlichen
Forschung eingeladen.

Wir begrüßen Vorschläge, Ratschläge und auch Be-

denken unserer Verbündeten.

Wir glauben f e s t an die strategische Einheit

des westlichen Bündnisses; g l e i c h , wie sie sich e n t w i c k e l t , muß SDI e i n
Faktor der Stärkung dieser Einheit s e i n .

Stärkt SDI diese Einheit

nicht,

wird sie nicht w e i t e r v e r f o l g t .
Lassen Sie mich auch dies betonen:

Wir setzen eine Forschung

fort,

die i n vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht - wie auch mit a l l e n anderen Rüstungskontroll-Verpflichtungen,

die

wir

eingegangen sind -

und

dies wird auf Anordnung von Präsident Reagan auch so bleiben.
In einem A r t i k e l i n der Prawda i n diesem Jahr e r k l ä r t e der
ische Marschall Akromejew, daß SDI "nicht mit den P r i n z i p i e n
i s t , die die Grundlage des ABM-Vertrages b i l d e n . "
ne Behauptung, die i n hohem Maß ambivalent i s t .

sowjet-

vereinbar

Dies i s t n a t ü r l i c h e i Aber lassen Sie mich dem

die klare und unzweideutige Erklärung eines Mannes s t e l l e n , f ü r den Mars c h a l l Akromejew einmal a r b e i t e t e .
minister Gretschko -

gleichfalls

Im Jahr 1972 e r k l ä r t e Verteidigungsi n der Prawda - ,

daß der ABM-Vertrag

"keine Begrenzungen f ü r Forschung und Experimente a u f e r l e g t , die darauf
abzielen,

das Problem der Verteidigung

des Landes gegen einen

Angriff

durch Atomraketen zu l ö s e n . "

Ich wiederhole, daß unsere Forschung keine

Verletzung

oder

des

ABM-Vertrages

irgendeiner

- 8 -

anderen

internationalen

�anderen internationalen Verpflichtung darstellt, die wir eingegangen sind.

Was wäre schließlich, wenn wir in einigen Jahren, nach Abschluß unserer Forschungen, nach Konsultation unserer Verbündeten und in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag, zu der Überzeugung kommen würden, die strategische Verteidigung könne zu einer besseren Welt führen?

Wir würden dann

in Konsultationen, wenn angemessen, Verhandlungen, mit der Sowjetunion
darüber eintreten, wie die Abschreckung für beide Seiten durch schrittweise Eingliederung der Denfensivsysteme
beider Seiten verbessert werden könnte.

in die Streitkräftestrukturen
Wir haben schon jetzt den Vor-

schlag unterbreitet, Gespräche über dieses Thema zu beginnen.

Sollten wir uns in Zukunft für SDI entscheiden, würden Abschreckung
und Stabilität das strategische Konzept sein, anhand dessen wir den Wert
der strategischen Verteidigung messen könnten.

SDI bedeutet nicht An-

griff, sondern Abschreckung; sie ist ein Versuch, einen Wag zu finden, um
die Abschreckung mit Hilfe der modernen Technologie zu verbessern.

Präsident Reagan drückt es so aus:

"Langfristig gesehen sind wir zuversichtlich, daß SDI ein entscheidendes Mittel dabei sein wird, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ohne Sorge umfassenden Verringerungen und schließlich sogar der
Beseitigung der Interkontinentalraketen und der Kernwaffen zustimmen können, über die sie derzeit verfügen."

Das Bild, das ich gezeichnet habe, ist kein revolutionäres.

Sicher,

es ist ein Bild revolutionärer Technologien, Technologien, die den Wissenschaftler wie auch den Laien faszinieren, weil sie neue Grenzen für
den menschlichen Geist eröffnen.

Aber es ist kein Bild revolutionärer

Ziele - unser Ziel ist und bleibt eine sicherere und stabilere Welt. Und
es ist auch kein Bild revolutionärer Strategien - die Strategie hinter
SDI bleibt die akzeptierte NATO-Strategie der Abschreckung.

Und es ist

auch kein Bild der revolutionären Beziehungen - unsere Partnerschaft mit
unseren Verbündeten bleibt Eckstein unserer Bemühungen bei SDI wie bei

�wie bei allen anderen Elementen unserer strategischen Politik.

Was ich gesagt habe, soll nicht bedeuten, daß SDI nicht auch eine
Herausforderung für unser Bündnis beinhaltet.

Natürlich gibt es Heraus-

forderungen für die NATO-Strategie, Herausforderungen für die europäische
Einigung, Herausforderungen für die Natur der Sicherheitsgarantien der
Vereinigten Staaten für Europa.
solchen Problemen.

Aber wir standen auch bisher schon vor

Und wir standen vor ihnen in den sechziger Jahren bei

der Debatte über die Strategie der flexiblen Antwort.

Wir standen vor

ihnen in den siebziger Jahren bei der Debatte über die nuklearen Mittelstreckensysteme.

Ich zweifle nicht daran, da wir diese neue Herausfor-

derung überwinden werden, wie wir dies auch bei den früheren Herausforderungen getan haben - mit Kreativität, mit Entschlossenheit und mit dem
aufrichtigen Wünsch nach Frieden.

* * * * *

- 10 -

�17. J u l i 1985

28

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE: IN AFGHANISTAN
- 2 . Q u a r t a l 1985 -

9. April 1985
Afghanische

Widerstandskämpfer

g r i f f e n Ende März zwei große Versor-

gungskonvois südlich des strategisch wichtigen Salang-Straßentunnels a n ,
wobei mehrere hundert Soldaten getötet sowie 90 b i s 115 LkW, Tanklastzüge
und gepanzerte Fahrzeuge vernichtet wurden.

Dies berichteten

Diplomaten und Mujahedin-Sprecher i n Islamabad.

westliche

Aufgrund dieser Berichte

hat der Kommandeur der Mujahedin im Panjsher-Tal, Ahmad Shah Masood mit
H i l f e einer Zeitbombe i n einem Konvoi eine Reihe von Explosionen ausgelöst.

Der zweite Konvoi wurde während eines dreistündigen Kampfes am 30.

März am Eingang des Tales v e r n i c h t e t .

17. April
US-Senator Gordon Humphrey aus New Hampshire, der Kovorsitzende der
ü b e r p a r t e i l i c h e n Arbeitsgruppe f ü r Afghanistan im amerikanischen Kongreß ,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanischen Kongreß, brachte eine Gesetzesvorlage ein, die von 17 weiteren Senatoren unterstützt und in der die Aufhebung der Meistbegünstigungsklausel für Afghanistan gefordert wird.

(Eine ähnliche Vorlage wur-

de am 15. Mai im amerikanischen Repräsentantenhaus vorgelegt).

Die af-

ghanischen Exporte nach den Vereinigten Staaten beliefen sich im Jahr
198A auf 12,9 Millionen Dollar - etwa zwei Prozent der Gesamtexporte des
Landes.

Die amerikanischen Exporte betrugen 7,3 Millionen Dollar.

23. - 25. April
Das Regime i n Kabul veranstaltete e i i e dreitägige Große Ratsversammlung -

ein traditionelles

Stammestreffen, das s e i t

dem kommunistischen

Staatsstreich von 1978 nicht mehr einberufen worden war.
Mujahedin-Sprecher

in

Pakistan

erklärten,

die

1796 Delegierten

weitgehend von dem Babrak Karmal-Regime ausgesucht
versuchen w o l l e ,

die

Unterstützung

Diplomaten und
seien

worden, das dadurch

der Außen- und I n n e n p o l i t i k

Kabuls

durch das Volk zu demonstrieren.
26. A p r i l
I n Neu Delhi gab Muhammed Yusuf Azim, eines der fünf M i t g l i e d e r des
Obersten Gerichtshofes Afghanistans, bekannt, daß er sich nach Indien abgesetzt habe.

Der Richter e r k l ä r t e , einige seiner jüngsten Entscheidun-

gen hätten ihm scharfe Warnungen eingebracht, so daß er seine Verhaftung
fürchten mußte.

Der Richter e r k l ä r t e

f e r n e r , er würde beim UN-Hochkom-

missar

für

das Flüchtlingswesen um einen Status a l s F l ü c h t l i n g nachsu-

chen.

Ihm seien zumindest 100 Todesurteile bekannt, die von speziellen

Revnlutionsgerichten i n Kabul g e b i l l i g t v/orden seien.
seien v o l l s t r e c k t

Zahlreiche U r t e i l e

worden, ohne daß zuvo:r der Oberste Gerichtshof

unter-

r i c h t e t worden s e i .
30. A p r i l
Mehrere hundert afghanische Zivilisten wurden Ende März und im April
von sowjetischen Truppen und Angehörigen der afghanischen Armee im Rahmen

�im Rahmen von Vergeltungsmaßnahmen i n der ö s t l i c h e n Provinz Laghman, sowie i n den Provinzen Kunduz und Samangan im Norden des Landes und i n der
Provinz

Herat

im

Vtesten Afghanistans

getötet.

festliche

diplomatische

Kreise i n Islamabad b e r i c h t e t e n , daß die A n g r i f f e auf die Z i v i l b e v ö l k e rung im Frühling dieses Jahres an I n t e n s i t ä t und Grausamkeit zugenommen
hätten.
2. Mai
Im Jahresbericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London heißt es, der Krieg in Afghanistan werde weitergehen, wobei keine Seite den Sieg erringen werde. Die Sowjetunion, so wird in dem
Bericht weiter erklärt, weigere sich, irgend eine Änderung in der Natur
und der Zusammenstzung des Regimes in Kabul in Erwägung zu ziehen, die
möglicherweise zu einem Verlust der Kontrolle führen könne.

Die sowjet-

ischen Truppen hätten in fünf Jahren zwischen 20 000 und 25 000 Mann an
Verlusten gehabt;

die Stärke der afghanischen Armee habe sich aufgrund

von Desertionen und Einberufungsentziehungen von 90 000 auf 40 000 Mann
vermindert.

Dagegen hätten die Mujahedin ihre Kampfstärke und militär-

ische Koordination trotz der anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen afghanischen politischen Parteien im Ausland vergrößert.

6. Mai
Der sowjetische Botschafter Witaliy Smirnow, erklärte vor Journalisten in Islamabad, 12 sowjetische und 12 afghanische Soldaten seien am
27. April getötet worden, als sie versuchten, aus einem Gefängnis in Zangali in der Nähe von Peschawar zu fliehen.

Pakistan wies später sowjet-

ische und afghanische Proteste zurück, '«onach Provokateure von Afghanistan aus auf afghanische Flüchtlinge in Matanni in der Nähe von Peschawar
gefeuert hätten und durch eigene Explosivstoffe umgekommen seien.

1A. Mai

�14. Mai

Westliche diplomatische Kreise erklärten in Islamabad und Neu Delhi,
eine

sowjetische Einsatzgruppe

von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen

hätten in der Provinz Laghman über 1000 Zivilisten getötet, weil diese
die Mujahedin unterstützt hätten.

15. Mai

Nach Mitteilung

pakistanischer

Regierungsvertreter

haben sich die

Luft- und Artillerieangriffe der Sowjets und des Regimes in Kabul auf pakistanisches Gebiet entlang der nordwestlichen Grenze Afghanistans in
diesem Jahr verdoppelt.

Die "New York Times" berichtete, bis zu diesem

Zeitpunkt im Jahr 1985 sei der pakistanische Luftraum 83 mal verletzt
worden, verglichen mit 88 Luftraumverletzungen im gesamten Vorjahr.

16. Mai

Sieben afghanische politische Parteien, die zuvor in zwei Bündnisse die "Fundamentalisten" und die "Gemäßigten" geteilt waren, haben sich in
einem neuen Bündnis zusammengeschlossen.

Dies geht aus einer gemeinsamen

Erklärung hervor, die die Parteiführer auf einer Pressekonfrenz in Peschawar verlasen.

Der islamische Widerstand Afghanistans, so wurde in

der Erklärung betont, habe einen "überaus sensitiven Punkt" erreicht.
Die Parteien hätten beschlossen, "ihre Kräfte in einer vereinten Front
gegen einen gemeinsamen Feind zu mobilisieren und ihre internen Meinungsverschiedenheiten beizulegen".
Anerkennung bemühen.

Sie wollten sich ferner um internationale

Eine Exilregierung wurde jedoch nicht eingesetzt.

Drei weitere Parteien schlössen sich der neuen Organisation nicht an.

17. Mai
Der S t e l l v e r t r e t e n d e UN-Generalsekretär Diego Oordovez wird Ende Mai
einer M i t t e i l u n g der Vereinten Nationen z u f o l g e , mit V e r t r e t e r n i n I s l a mabad und Kabul über eine v i e r t e Runde i n d i r e k t e r Gespräche i n Genf mit

�Genf mit dem Z i e l einer umfassenden p o l i t i s c h e n Lösung der Afghanistanfrage beraten.
tagt worden.

Eine frühere Gesprächsrunde war i n Genf im Februar

ver-

Die Gespräche waren im Jahr 1982 gemäß einer Resolution der

UN-Vollversammlung aufgenommen worden.
28. Mai
Laut Berichten diplomatischer Kreise und Sprecher der Mujahedin haben
Tausende von sowjetischen

und afghanischen Soldaten, u n t e r s t ü t z t

durch

L u f t s t r e i t k r ä f t e und Panzer, i n der Kunar-Provinz eine großangelegte Offensive
sollte

eingeleitet.

Die

Operation, die

bisher

größte

dieses

Jahres,

sich auf das Kunar-Tal konzentrieren, das i n das C h i t r a l - T a l

Pakistan einmündet.

in

Z i e l dieser Offensive sei e s , die Mujahedin und ihre

Vorräte abzuschneiden und die i n Grenznähe gelegene Garnison Barikowt zu
entsetzen, die s e i t Herbst vergangenen Jahres eingeschlossen i s t .
3 1 . Mai
Der S t e l l v e r t r e t e n d e UN-Generalsekretär Diego Cordovez g i b t

bekannt,

daß Ende Juni die v i e r t e Runde der Gespräche über e i n Afghanistan-Abkommen i n Genf s t a t t f i n d e n s o l l .
Islamabad m i t ,

nachdem er

Oordovez t e i l t e

zuvor dort

sowie

dies vor Journalisten

in

In Kabul Konsultativbespre-

chungen geführt hat.
Pakistanische RegierungsVertreter e r k l ä r t e n , daß sowjetische und a f ghanische Flugzeuge bei v i e r Gelegenheiten i n den Luftraum über der nordwestlichen Grenzprovinz, zum T e i l bis zu 14 Kilometern eingedrungen s e i en. Diese Flugzeuge hätten die Ortschaft Swir im C h i t r a l - T a l bombardiert,
wobei e l f Personen getötet und 32 verwundet worden seien.
gegen diese Bombardierungen Protest e i n .

Pakistan legte

Das amerikanische Außenministe-

r i j m bezeichnete diese A n g r i f f e a l s einen rücksichtslosen "Akt" und f o r derte erneut die Lösung des Afghanistanproblem:; am Verhandlungstisch.

2.

Juni

�2. Juni
Die "Washington Post" t e i l t e
Regierungsvertreter
nistan s e i t

m i t , daß amerikanische und sowjetische

Ende Juni i h r erstes

d r e i Jahren führen wollen.

"Expertengespräch" über AfghaDieses Zusammentreffen fände im

Rahmen b i l a t e r a l e r Gespräche über regionale Probleme s t a t t , wie dies Präsident Reagan i n seiner Ansprache vor der UN-Vollversammlung im September
vergangenen Jahres vorgeschlagen h a t t e .
4. Juni
Der S t e l l v e r t r e t e n d e

UN-Generalsekretär

Diego

Dbrdovez e r k l ä r t e

auf

einer Presskonferenz i n New York, daß die nächste Gesprächsrunde über A f ghanistan am 19. oder 20. Juni s t a t t f i n d e n s o l l t e n .

Er betonte, daß sich

bei den mit diesem Problem befaßten Personen die Erkenntnis durchzusetzen
beginne, daß es keine m i l i t ä r i s c h e Lösung für das Afghanistanproblem gäbe.

Dieses Problem könne nur diplomatisch und p o l i t i s c h gelöst werden.

4. b i s 8. Juni
Die i n der vergangenen Ifoche begonnenen Offensive mit dem Z i e l ,
afghanischen Mujahedin

und

ihre

Gefolgsleute

in

der

Kunar-Provinz

die
im

Osten des Landes zu v e r n i c h t e n , scheint die bisher größte dieses Jahres
zu sein.

In Berichten aus Islamabad hieß e s , etwa 10 000 sowjetische

Truppen seien an dieser Operation, die von sowjetischen Spezialeinheiten
g e l e i t e t werden, eingesetzt.
die

eingeschlossene

Grenze e r r e i c h t .

Garnison

Sowjetische Panzer hätten Berichten zufolge
Barikowt

in

der

Nähe der

pakistanischen

Ein Sprecher der Mujahedin e r k l ä r t e , die Freiheitskämp-

f e r hätten schwere Verluste e r l i t t e n , große Landstriche seien verwüstet
worden und Hunderte von Flüchtlingen seien nach Pakistan geflohen.
1 1 . Juni
I n Berichten aus Islamabad heißt e s , die Kämpfe im Kunar-Teil h i e l t e n
a n , einige sowjetische S t r e i t k r ä f t e

seien jedoch dabei, sich aus der Re-

�der Region zurückzuziehen.

Eine genaue Beurteilung der seit drei Wichen

andauernden Kämpfe könne noch nicht erfolgen, doch hätten beide Seiten
schwere Verluste hinnehmen müssen.

13. Juni
Der indische Ministerpräsident
offiziellen
politische

Besuches i n

Rajiv Ghandi forderte während seines

Washington vor dem amerikanischen Kongreß

Lösung des Afghanistanproblems, und e r k l ä r t e , er

die I n i t i a t i v e des UN-Generalsekretärs zu diesem Zweck.

eine

unterstütze

Er t r e t e für e i -

ne p o l i t i s c h e Lösung e i n , so e r k l ä r t e der indische M i n i s t e r p r ä s i d e n t , die
die Souveränität, I n t e g r i t ä t und Unabhängigkeit und den b l o c k f r e i e n Status Afghanistans garantiere und den Flüchtlingen die Möglichkeit

biete,

sicher und ehrenhaft i n i h r Land zurückzukehren.
18. Juni
Nach diplomatischen Quellen i n Islamabad wurden am 12. Juni auf dem
großen Luftstützpunkt Shindand i n der Provinz Farah 20 afghanische F l u g zeuge i n die Luft gesprengt.

Es bestand -&lt;eine K l a r h e i t darüber, ob diese

Aktion das Ergebnis eines Mujahedin-Angriffes
Luftstützpunkt

auf den schwer bewachten

war oder möglicherweise Sabotage.

( I n einem späteren Be-

r i c h t wurde b e s t ä t i g t , daß es sich um Sabotage gehandelt habe.)
Die unter sowjetischer Führung stehende Streitmacht von 10 000 Soldaten i n der Kunar-Provinz b r i c h t möglicherweise ihren s e i t v i e r Wichen anhaltenden Einsatz zur Zerstörung von Stützpunkten der Mujahedin und zum
Abschneiden der I n f i l t r a t i o n s w e g e ab.

Nach diplomatischen Quellen i n I s -

lamabad e r l i t t e n die Angreifer Verluste von etwa 800 Mann; die Anzahl der
Toten i s t nicht bekannt.
18. bis 19. Juni
Amerikanische und sowjetische Regierungsvertreter t r a f e n i n Washington zu ihrem ersten o f f i z i e l l e n Afghanistangespräch s e i t d r e i Jahren z u -

�Jahren zusammen.

Das amerikanische Außenministerium bezeichnete die Er-

örterungen als offen und sachlich.

Die Washington Post zitierte einen

Vertreter des State Department mit den Werten, daß die Sowjetunion ihren
bekannten Standpunkt wiederholt und erklärt habe, Genf sei der Ort wo
Bewegungen in dieser Frage erwartet werden sollten.

20. bis 25. Juni
V e r t r e t e r Pakistans und Afghanistans werden am 27. August nach Genf
zurückkehren, um die v i e r t e Gesprächsrunde über eine umfassende Lösung
des Afghanistanproblems wieder aufzunehmen, e r k l ä r t e r der S t e l l v e r t r e t e n de UN-Generalsekretär Diego Gordovez vor der Presse, i n Genf.

Er war zu

getrennten Gesprächen mit der pakistaniscnen und der afghanischen Delegat i o n zusammengetroffen.
Stellvertretende

Die soeben beendeten Gespräche, so e r k l ä r t e der

UN-Generalsekretär,

hätten

sich

auf

Vertragsentwürfe

k o n z e n t r i e r t , mit deren H i l f e eine endgültige Lösung herbeigeführt werden
könne.

Eine Reihe schwieriger p o l i t i s c h e r Entscheidungen müsse von den

betroffenen Parteien noch g e t r o f f e n werden, doch seien F o r t s c h r i t t e

er-

z i e l t worden.
25. Juni
Diplomaten i n Islamabad sprachen davon, daß eine Gruppe verärgerter
und unzufriedener

Offiziere

der

afghanischen L u f t s t r e i t k r ä f t e

etwa

20

Flugzeuge auf dem Luftstützpunkt Shindand i n die L u f t gesprengt h ä t t e n .
Die Saboteure seien h i n g e r i c h t e t worden.

Es hieß, diese O f f i z i e r e hätten

Sabotage b e t r i e b e n , w e i l d r e i afghanische P i l o t e n , die i n Herat im Norden
des Landes s t a t i o n i e r t

waren, Anfang dieses Jahres h i n g e r i c h t e t

worden

s e i e n , weil sie i h r e Bomben auf WJ'stengebiete s t a t t auf afghanische Dörfer abgeworfen hätten.
Diplomatische

Quellen

berichteten

ferner,

daß sich

die

Kämpfe

im

Panjsher-Tal i n der l e t z t e n Zeit i n t e n s i v i e r t hätten und daß e i n a f g h a n i scher
worden

General M i t t e
sei.

Am 28.

des Monats entweder
Juni

wurde

in
- 8 -

getötet

Kabul der

oder

gefangengenommen

Tod von

Brigadegeneral

�von Brigadegeneral Ammaduddin, dem Stabschef des 1. Armeekorps, bekanntgegeben, der auf dem "Schlachtfeld" gefallen sei.
"großen Verlustes" wurden nicht bekannt.

* * * * *

- 9-

Nähere Umstände dieses

�28

17. J u l i 1985

HELFER UNTER WASSER
Roboter für Arbeiten i n großer Meerestiefe -

- (AD) - Was zunächst aussichtlos e r s c h i e n , wurde mit H i l f e eines Unterwasser-Roboters

nun doch e r r e i c h t

-

die Auffindung und Bergung von

Flugschreiber und Cockpit-Recorder des am 23. Juni 1985 vor der

irischen

Küste abgestürzten Großraumflugzeugs der F l u g l i n i e

Von den

AIR INDIA.

Aufzeichungen der Instrumente, mit denen Daten von sämtlichen Flugbewegungen und betriebstechnischen D e t a i l s sowie die Äußerungen der Besatzung
i n der Pilotenkabine auf Magnetband festgehalten werden, e r h o f f t die Untersuchungskommission Hinweise auf die mögliche Ursache der Katastrophe.
Sie kam ohne jede Vorwarnung und kostete a l l e n 329 Insassen das Leben.
Am 10. und 1 1 . J u l i holten Spezialisten an Bord eines

französischen

Kabellegeschiffes, die im Auftrag eines i n t e r n a t i o n a l e n Firmenkonsortiums
den i n den USA gebauten Roboter SCARAB normalerweise zum Aufspüren von
Schadstellen, zum Reparieren und Neuverlegen von Transatlantikkabeln benutzen, die elektronischen Dokumente vom Meeresboden i n mehr a l s 2000 m

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�a l s 2000 m T i e f e .

Dies war das erste M a l , daß der über e i n 3000 m langes

Versorgungskabel vom S c h i f f aus ferngesteuerte Roboter i n so großer Wassertiefe operierte.

Er wird über das Kabel mit Strom gespeist, bekommt

die Kommandos für Fortbewegung, Einsatz

von Fernsehkamera und Sonarsy-

stem, f ü r die e l e k t r i s c h e Betätigung der "Arme" und die hydraulische Aktivierung ihrer Greifer.

Auf gleichem Vteg gelangen die Daten und Fern-

sehaufnahmen aus der Tiefe zurück i n die Steuerungs- und Beobachtungszentrale

an Bord des S c h i f f e s .

Der Roboter hat die Ausmaße eines K l e i n -

l a s t e r s und wiegt ca. 2,8 Tonnen.

SCARAB (Abkürzung
Burial" -

Hilfsgerät

für

"Submersible

Craft

for

Assisting

Repair

and

f ü r Unterwasserreparatur und Verlegearbeit am Mee-

resgrund) i s t einer von mehreren Robotertypen, die für bestimmte Einsatzbereiche entwickelt wurden und weiter verbessert werden.
Menschen ersetzen, wenn für
sind.

ihn die Bedingungen vor Ort

Sie s o l l e n den
zu

gefährlich

So werden beispielweise nach dem S t a r t eines Raumtransporters am

Kap Canaveral die ausgebrannten und abgesprengten Raketen mit ferngesteuerten U-Fahrzeugen aus dem A t l a n t i k geborgen.
für

Unterwasserinspektionen

Andere Roboter setzt man

bei bestimmten nuklearen Systemen e i n .

Na-

t ü r l i c h stehen auch bekannte Klein-U-Boote, etwa f ü r Aufgaben im Rahmen
meereskundlicher
Verfügung.

Forschungen oder f ü r

Inspektionen an "Ölplattformen zur

Aber deren Operationsfähigkeit i s t i n bezug auf Zeit und T i e -

fe meist r e l a t i v begrenzt.
Die Bestrebungen der Entwicklungsingenieure

gehen d a h i n , die unbe-

mannten U-Fahrzeuge s c h l i e ß l i c h von der Nabelschnur zum Versorgungsschiff
zu befreien und "autonom", d . h .
Mutterschiff,

in

der

Tiefe

mit möglichst

operieren

wenig I n s t r u k t i o n e n vom

zu lassen.

Gegenwärtig

befinden

sich i n den Vereinigten Staaten d r e i Grundtypen autonomer Unterwasserroboter (ARS - "Autonomous Robot Submersibles") i n der Entwicklung, b e r i c h t e t John Douglas i n der Z e i t s c h r i f t "High Technology".
Im Aussehen wie i n i h r e n Funktionen haben a l l e eine gewisse Ä h n l i c h k e i t mit Meereslebewesen.

Da i s t einmal der "Typ Hai" - schlank gebaut,

f ü r Vorwärtsbewegung und Schwebefähigkeit k o n s t r u i e r t , l e i s t u n g f ä h i g h i n - 2 -

�l e i s t u n g s f ä h i g h i n s i c h t l i c h Reichweite
digkeit,

i n erster Linie

( b i s etwa 1000 km) und Geschwin-

für Suche und Inspektion gedacht.

Allerdings

i s t zu wenig Raum für zusätzliche Energie; vorhanden, un den Schub zu e r höhen und um zusätzliche elektronische Ausrüstungen zu betreiben.
Gewicht
kleine

und

Widerstand

Manipulatorarme

niedrig

bleiben,

verwendbar.

Mit

sind

keine

dem Einsatz

Damit

oder

bestensfalls

für

kommerzielle

Zwecke i s t i n etwa d r e i bis fünf Jahren zu rechnen.
Für die US-Marine wurde b e r e i t s e i n " H a i " mit Schleppsystem gebaut,
der Objekte auf dem Meeresgrund noch i n 6 000 m Tiefe o r t e t und i d e n t i f i ziert.
sind.

Aus 300 m Abstand erfaßt er Objekte, die mindestens 90 cm groß
Das Fahrzeug i s t 60 m b r e i t und 4.2 m lang.

Die Automatik an Bord

des Mutterschiffes umfaßt die Signalverarbeitung, Aufzeichnung und Analyse von Daten aus der Tiefe sowie die Kontrolle des Seitensonar- und des
Schleppsystems.

Drei Transponder am Meeresgrund geben Fixpunkte für die

Navigation sowohl des M u t t e r s c h i f f s als such des Unterwasser-Hilfsgerätes
ab.
Ganz anders der "Typ Krabbe" - e i n starkes Gerät, das am Boden k r i e chen und fähig sein s o l l , schwere Lasten f ü r Bau-, Rettungs- und Reparaturarbeiten

zu

transportieren.

rückwärts bewegen.

Es würde

sich

hauptsächlich

vor-

Starke hydraulische Systeme würden einen oder

und
zwei

greiferähnliche Manipulatoren bewegen und auf 10 Zentimeter genau steuern.

Zwar käme die Energie auch h i e r über Kabel vom M u t t e r s c h i f f ,

aber

Computer im Unterwasserfahrzeug würden die meisten Operationen d i r i g i e r e n .
Die F o r t s c h r i t t e i n der Oomputergraphik könnten es sogar eines Tages
möglich machen, i n

den Speicher

des Unterwasser-Fahrzeugcomputers

eine

Zeichnung von dem gesuchten Objekt einzugeben und vor Ort die Konturen
des gefundenen Objekts mit den vom Computer gesteuerten Manipulatoren abtasten und auf diese

Weise i d e n t i f i z i e r e n zu lassen.

Dies lohnte

sich

vor allem bei starker Wassertrübung.
A l s d r i t t e n ARS-Typ nennen M i t a r b e i t e r eines Zentrums der US-Marine
die "Krake" - e i n vielarmiges, gut drehfähiges Gerät, das um Hindernisse

�um Hindernisse herummanövrieren kann. Drei oder mehr Elektromanipulatoren
mit austauschbaren Werkzeugen würden große Konstruktionssegmente unter
Wasser aufbauen oder reparieren.

Dieses Fahrzeug muß in der Lage sein,

sich um die eigene Achse zu drehen und sich sowohl horizontal als auch
vertikal zu bewegen.

Zwei oder mehr der Manipulatorarme würden es veran-

kern und stabilisieren, während die freien Arme die Arbeit verrichten und
dabei millimetergenau

operieren.

Die Schwierigkeiten zur

Verwicklung

solcher Pläne liegen gegenwärtig bei der Manipulatortechnik.

Geräte vom

"Typ Krake" dürften deshalb erst in etwa 15 Jahren, vom "Typ Krabbe" kaum
vor Ablauf von acht bis zehn Jahren einsatzfähig sein.

# * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA von sowjetischer Haltung in Genf enttäuscht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Pressesprechers des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Kampelmans zum Abschluss der zweiten Verhandlungsrunde in Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SDI aus der Sicht eines Unterhändlers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Max M. Kampelman -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 2. Quartal 1985 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Helfer unter Wasser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Roboter für Arbeiten in großer Meerestiefe -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

i II I M»

• i\ 111

United States Information Service
Embassy of the United States of America

24.

29

Juli

1985

I N H A L T

DOKUMENTATION
REAGAN BETONT PRODUKTIVEN CHARAKTER DER AMERIKANISCH-CHINESISCHEN
BEZIEHUNGEN
- Erklärung des Präsidenten zur Begrüßung von Li Xiannian REAGAN: USA WERDEN AUCH WEITERHIN FÜR UNTERDRÜCKTE NATIONEN EINTRETEN
- Proklamation des Präsidenten BÜNDNISSE DER WESTLICHEN WELT WAHREN FRIEDEN UND FREIHEIT
- Rede von US-Außenminister Shultz in Honolulu DER STAND DER GENFER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Pressekonferenz von Sicherheitsberater McFarlane INFORMATION
JAMES C. MILLER ZUM NEUEN DIREKTOR DES US-AMTES FÜR HAUSHALTSPLANNUNG
ERNANNT
WIRTSCHAFT
FREIER HANDEL MIT ÖLPRODUKTEN GEFORDERT
- US-Energieminister Herrington warnt vor Protektionismus * * * * *

Um Über/endung von
ßelcgeKcmplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�24. Juli 1985

.29

REAGAN BETONT PRODUKTIVEN CHARAKTER
DER AMERIKANISCH-CHINESISCHEN BEZIEHUNGEN
- Erklärung des Präsidenten zur Begrüßung von Li Xiannian -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache zur Begrüßung des chinesischen Präsidenten Li Xiannian am 23. Juli 1985 im Weißen Haus betonte
Präsident Reagan, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
China seien von steigender Produktivität gekennzeichnet. Wenn es auch in
mancher Hinsicht unterschiedliche Meinungen gebe, so werde doch das Prinzip des gegenseitigen Respektes und des beiderseitigen Nutzens im Vordergrund stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, Sie, Präsident Li, heute willkommen zu
heißen. Dies ist Ihre erste Reise in die Vereinigten Staaten und der
erste Besuch eines chinesischen Staatsoberhauptes in unserem Land.
Es

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ist

eine

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Es ist eine große Ehre, Sie, Ihre Frau und die Sie begleitende verdienstvolle Delegation als unsere Gäste bei uns zu haben. Während meines
Besuches in China im vergangenen Jahr hatte ich die Gelegenheit, Präsident Li kennenzulernen. Unter der Leitung
weisen Führern

erfreut

von Präsident

Li und anderen

sich das chinesische Volk größerer

Produktivität

und eines steigenden Lebensstandards.
Das amerikanische Volk

arbeitet

mit ihnen als Freunden und als Ge-

schäftspartner zusammen. Der Handel zwischen uns hat Rekordausmaße angenommen und steigt weiter. Die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit wird in einer ganzen Bandbreite von Unternehmungen genützt, und
auch hier ist ein Anstieg zu erwarten.
Unser

Austausch

trächtlich, nimmt

im

Bildungs-

gleichfalls

und

Kulturbereich,

schon

bislang

be-

zu. Wir befinden uns in der Anfangsphase

der Zusammenarbeit auch bei Drogenkontrolle und beim Antiterrorismus. Und
durch unsere gemeinsame Ablehnung von Aggression verstärken wir nicht nur
unsere beiderseitige Sicherheit, sondern unterstützen zugleich den Weltfrieden.
Unsere beiden Völker sollten stolz darauf sein, daß in ein paar
wenigen Jahren eine solide Grundlage des guten Willens geschaffen wurde.
Unsere Beziehungen sind von wachsender Produktivität gekennzeichnet, die
sich nicht auf einzelne Persönlichkeiten oder auf die Zufälle des Augenblicks gründen, sondern auf die Erkenntnis, daß unsere Nationen in beträchtlichem Ausmaß gemeinsame Interessen haben und auf die Einsicht, wie
viel Vorteile sich für uns aus dem guten Willen zwischen uns ergeben
haben.
Dies bedeutet nicht, daß es nicht Bereiche gäbe, wo Meinungsverschiedenheiten herrschen. Doch werden wir auch weiterhin jede Differenz im
richtigen Verhältnis sehen. Als ich mit Ihnen, Präsident Li, in der
Großen Halle in Peking zusammentraf, schlug ich eine chinesische Weisheit
vor, die als Instrument bei der Schaffung immer stärkerer Beziehungen

�stärkerer Beziehungen zwischen uns dienen kann: hu jing, hu hui - gegenseitige Achtung, beiderseitiger Nutzen. Machen wir in diesem Geiste weiter. Hu jing, hu hui. Als Führer zweier großer Nationen sollten wir nicht
mehr erwarten und nicht weniger akzeptieren.
Präsident Li, wir Amerikaner schätzen die Bindungen, die wir mit dem
chinesischen Volk in den vergangenen dreizehn Jahren aufgebaut haben,
sehr hoch. Wir freuen uns mit Ihnen über den wirtschaftlichen Erfolg,
dessen sich Ihr Land erfreut, und es ist mir ein Vergnügen, bei diesem
Modernisierungsbestreben einen kleinen Anteil zu haben. Wir wünschen dem
chinesischen Volk, was wir uns selbst wünschen - in Frieden zu leben und
sich des Wohlstandes zu erfreuen. Durch Zusammenarbeit können die Völker
unserer beiden Länder dieses hohe Ziel erreichen. Wir sind erfreut, Sie
hier bei uns zu haben.

- 3-

�24. J u l i 1985

28

REAGAN: USA VERDEN AUCH WIITERHIN FlJR UNTERDRÜCKTE NATIONEN EINTRETEN
- Proklamation des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat die Woche vom 2 1 . b i s
27. J u l i 1985 zur "Woche der unterdrückten Nationen" proklamiert und betont , daß sich die USA auch weiterhin für die F r e i h e i t der unterdrückten
Menschen i n a l l e r

Welt einsetzen werden.

verzügliche Freilassung
veröffentlichten

jener

Proklamation

"Wir werden w e i t e r h i n die u n -

f o r d e r n " , so heißt

es i n der am 1 9 . J u l i

"die zu Unrecht v e r f o l g t

und ungerechter-

weise i n h a f t i e r t s i n d " .
Die Proklamation des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die einzigartige und historische Bedeutung unserer Nation hat sich
immer aus unserer Rolle als Modell der politischen Freiheit, der sozialen
Gerechtigkeit und der Chancen für den einzelnen hergeleitet.

Wenn wir

als Nation auch nicht vollkommen sind, so haben wir der Welt doch immer
die Vision der Freiheit geboten.

Es ist eine Vision, die als Triebkraft

hinter all unseren nationalen Bemühungen stand und die uns immer noch als

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�noch a l s Anker des Gewissens d i e n t .

Die Menschlichkeit und Gerechtigkeit

unseres gesamten p o l i t i s c h e n Lebens sowie die F r e i h e i t und Unbegrenztheit
der persönlichen Chancen sind I n s p i r a t i o n f ü r die Völker der Vtelt - sowohl für

d i e j e n i g e n , die

frei

i h r e n Bestrebungen nachgehen können, a l s

auch für solche, die dies nicht können.
Die E i n z i g a r t i g k e i t

unserer Vision von F r e i h e i t r ü h r t nicht nur aus

der h i s t o r i s c h e n Entwicklung her, sondern auch aus der Überzeugung, daß
die Segnungen der F r e i h e i t und der Gerechtigkeit rechtmäßig der gesamten
Menschheit gehören.

Die Vtelt l e i d e t immer noch unter der Bekämpfung d i e -

ses fundamentalen Grundsatzes, aber unsere Überzeugung, daß die p o l i t i sche F r e i h e i t das gerechte Erbe a l l e r Nationen und Menschen i s t ,
unerschütterlich.

bleibt

Unser E i n t r e t e n f ü r dieses P r i n z i p i s t durch die

tra-

gische Geschichte der Eroberung, der Unterjochung und der Unterdrückung,
denen so v i e l e Nationen der Vtelt ausgesetzt s i n d , nicht geschwächt worden.
Wir a l l e

wissen um die

Ideologien, rücksichtsloser

v i e l e n Nationen, die das Opfer

totalitärer

Regime und Besatzungstruppen geworden s i n d .

Dies sind die Nationen, die von Kräften unterdrückt werden, die der F r e i h e i t , der Unabhängigkeit
gegenüberstehen.

und der

nationalen Selbstbestimmung

feindlich

Dieses Leben i n der Unterdrückung und der Kampf dagegen

erfordern besonderen Mut und besondere Opfer.

Die Nationen Osteuropas,

die s e i t Jahrzehnten Eroberung und Unterdrückung kennen; d i e j e n i g e n , die
um i h r e Rettung vor der kommunistischen Expansion i n Lateinamerika kämpf e n , und die Menschen i n Afghanistan und Kamputschea, die gegen Invasion
und m i l i t ä r i s c h e Besetzung seitens i h r e r Nachbarn kämpfen:

Sie a l l e ha-

ben unsere besondere Unterstützung n ö t i g . Für j e n e , die F r e i h e i t , Sicherh e i t und Frieden suchen, sind wir die KJter ihres Traumes.
Unser Land wird auch weiterhin für die F r e i h e i t derjenigen e i n t r e t e n ,
denen die Segnungen der F r e i h e i t

verwehrt werden.

Wir werden w e i t e r h i n

die unverzügliche Freilassung jener f o r d e r n , die zu unrecht v e r f o l g t und
ungerechterweise i n h a f t i e r t s i n d .
ihrer

Solange mutige Männer und Frauen wegen

nationalen Herkunft, ihres r e l i g i ö s e n Glaubens und ihres

Wunsches

nach F r e i h e i t v e r f o l g t werden können, werden die Vereinigten Staaten darauf

dringen, daß die Signatarstaaten der Charta der Vereinten Nationen

�Vereinten Nationen und der Abkommen von Helsinki i h r e Verpflichtungen e r f ü l l e n und die P r i n z i p i e n sowie den Geist dieser i n t e r n a t i o n a l e n Übereinkommen und Vereinbarungen respektieren.
I n jedem Jahr erneuern wir unsere Entschlossenheit, den Kampf um die
Freiheit

in aller

Vfelt zu u n t e r s t ü t z e n , indem wir die Wiche der u n t e r -

drückten Nationen begehen.

Dies i s t eine

toche,

i n der a l l e Amerikaner

aufgefordert werden, sich vor Augen zu führen, daß die F r e i h e i t e n , derer
sie sich als inhärente Rechte e r f r e u e n , v i e l e n Nationen verweigert
den.

wer-

Dies i s t eine Z e i t , i n der wir i n a l l e r Ö f f e n t l i c h k e i t unsere Über-

zeugung bekräftigen

s o l l t e n , daß die Flamme der F r e i h e i t

nicht

ausge-

löscht werden w i r d , solange diese Nationen den Kampf nicht aufgeben und
solange wir i n unserer Unterstützung u n e r s c h ü t t e r l i c h b l e i b e n .

Gemeinsam

mit den Menschen dieser unterdrückten Nationen kämpfen wir gegen m i l i t ä r ische Besetzung, p o l i t i s c h e

Unterdrückung, kommunistische Expansion und

totalitäre Brutalität.
Der Kongreß hat aufgrund der am 17. J u l i 1959 g e b i l l i g t e n Resolution
den Präsidenten ermächtigt und a u f g e f o r d e r t , die d r i t t e Ifoche im J u l i a l s
"Vüche der unterdrückten Nationen" zu bestimmen.
Daher proklamiere i c h , Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, die am 2 1 . J u l i 1985 beginnende hbche a l s Itoche der u n terdrückten Nationen.

Ich fordere die Bevölkerung der Vereinigten Staa-

ten a u f , diese Vtoche mit angemessenen F e i e r l i c h k e i t e n und A k t i v i t ä t e n zu
begehen, um damit das E i n t r e t e n für die i n t e r n a t i o n a l e n P r i n z i p i e n der
Gerechtigkeit und der F r e i h e i t zu b e k r ä f t i g e n , die uns vereinen und anderen Ansporn geben.
Zum Zeugnis dessen unterzeichne i c h diese Proklamation am 19.

Juli,

im Jahr des Herrn 1985 und im 210. Jahr der Unabhängigkeit der V e r e i n i g ten Staaten von Amerika.
gez.
Ronald Reagan
- 3 -

�29

24. J u l i 1985

BÜNDNISSE DER WESTLICFCN CLT VlAHREN FRIEDEN UND FREIFEIT
- Rede von US-Außenminister Shultz i n Honolulu-

HONOLULU -

(AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz be-

tonte am 17. J u l i 1985 i n Honolulu im Rahmen einer vom East-Wsst-Center
und dem P a c i f i c and Asian A f f a i r s Council i n i t i i e r t e n Rede, das weltweite
Bündnissystem der demokratischen Staaten

"hat -

i n Europa wie auch im

größten T e i l Asiens - den Frieden erhalten und die F r e i h e i t bewahrt". Es
sei nicht genug, wenn Verbündete l e d i g l i c h i n der Zusicherung l e b t e n , im
F a l l eines Krieges komme man sich gegenseitig zur H i l f e : "Verbündete müssen gemeinsam daran a r b e i t e n , s i c h e r z u s t e l l e n , daß wir über die Fähigkeit
verfügen, einen solchen Krieg auch auszutragen und zu gewinnen - und daß
unsere Gegner sich dessen bewußt s i n d . Erst das i s t echte Abschreckung."
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden

tortlaut:
Am 4 . Februar

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 4. Februar dieses Jahres lehnte Neuseeland e i n Ersuchen der V e r e i nigten Staaten um Einlauferlaubnis für die BUCHANAN, einen konventionell
angetriebenen Zerstörer der amerikanischen Marine, der an einer Seeübung
des ANZUS-Paktes teilnehmen s o l l t e , ab. Die Regierung von Neuseeland e n t sprach dieser B i t t e n i c h t , weil die Vereinigten Staaten das Vorhandensein
von Kernwaffen an Bord des Schiffes weder bestätigen noch i n Abrede s t e l len wollten.

Die Entscheidung Neuseelands kam nach monatelangen n i c h t ö f f e n t l i c h e n
Konsultationen

zwischen

unseren

beiden

Ländern,

bei

denen

wir

eine

freundschaftliche Lösung auszufinden suchten. Wir wiesen darauf h i n , daß
Zugang unserer Schiffe

zu Häfen zusammen mit unserer weltweit

gültigen

P o l i t i k , das Vorhandensein von Kernwaffen an Bord der Schiffe weder zu
bestätigen, noch i n Abrede zu s t e l l e n , e i n wesentliches Element der S i cherheitsbeziehungen im Rahmen des ANZUS-Paktes d a r s t e l l t . Konsequenz der
neuseeländischen Entscheidung war,

daß kein amerikanisches S c h i f f ,

das

nicht a l s eindeutig ohne Atomwaffen an Bord i d e n t i f i z i e r t werden kann, j e
wieder i n Neuseeland vor Anker gehen könne. Ohne Zugang zu Häfen könnten
wir jedoch unsere Vertragsverpflichtungen weder i n Friedenszeiten noch im
F a l l einer Krise e r f ü l l e n .

Unsere P o l i t i k , das Vorhandensein von Atom-

waffen an Bord unserer Schiffe
stellen, ist
sere

weder zu b e s t ä t i g e n , hoch i n Abrede zu

von entscheidender Bedeutung: Sie hindert Gegner daran, un-

einsatzfähigsten

Schiffe

zu

identifizieren,

erhöht

dadurch

die

Schwierigkeiten einer Zielbestimmung und v e r s t ä r k t somit die Abschreckung.

Es i s t

dies unsererseits keine Herausforderung an das Recht Neusee-

lands, seine eigene P o l i t i k

zu formulieren. Auch andere verbündete, be-

freundete und neutrale Staaten haben i n bezug auf Kernwaffen i h r e eigene
P o l i t i k , erlauben jedoch'Schiffsbesuche.
Kein anderer Verbündeter verweigert jedoch das Einlaufen i n Häfen wegen unserer P o l i t i k des "Weder Bestätigens noch i n Abrede S t e l i e n s " , wie
dies Neuseeland getan hat. S o l l t e es das Z i e l Neuseelands gewesen s e i n ,
die Sicherheit im P a z i f i k zu erhöhen und die Atomgefahr zu v e r r i n g e r n , so
hat es gegen seine eigenen Interessen gehandelt: Durch Schaffung eines
- 2-

�Schaffung eines neuen Elementes des Risikos und der Ungewißheit hat Neuseeland die regionale Stabilität - eines der wichtigsten Bindeglieder bei
den Bemühungen um die Verhinderung eines Atomkrieges - geschwächt. Die
Erosion der westlichen Einheit schwächt aber auch die Position des Westens und seine Erfolgschancen bei der Rüstungskontrolle.

Als

sich

Neuseeland

dazu

entschloß, die BUCHQNAN

zurückzuweisen,

fällte es gleichzeitig die Entscheidung darüber, daß die grundlegenden
operativen Elemente des ANZUS-Vertrages auf sich selbst nicht anwendbar
seien. In einem gewissen Sinn warf Neuseeland seine Arbeit hin - die Aufgabe nämlich, gemeinsam an der Verteidigung unserer gemeinsamen Sicherheit zu arbeiten. Unvermeidlicherweise folgte hieraus eine Annullierung
bzw. Umstrukturierung einer Reihe militärischer Übungen und des militärischen Austausches mit Neuseeland - einschließlich des Manövers, an dem
die BUChANAN hätte teilnehmen sollen.

Wir haben die Tür jedoch offengelassen. Der Präsident erklärte am 7.
Februar: "Es ist unsere größte Hoffnung, daß Neuseeland die traditionelle
Zusammenarbeit wiederherstellt, die zwischen unseren beiden Ländern bestanden hat. Verbündete müssen als Partner zusammenarbeiten, um ihrer gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden." Neuseeland aber bleibt ein
Freund.

Wir hoffen, daß unsere derzeitigen Meinungsverschiedenheiten schließlich überwunden und daß weitere Handlungen unterlassen werden, die diese
Meinungsverschiedenheiten nur noch verstärken könnten.

Unsere Meinungsverschiedenheiten mit Neuseeland sind spezieller und
augenblicklicher Natur - und doch werfen sie die grundsätzlichsten Fragen
über Bündnisse und über Bündnisverpflichtungen in der heutigen Welt auf:
Was ist Sinn und Zweck unserer Bündnisse? Was ist an einem Bündis von Demokratien so unverwechselbar? Wie behandeln wir in einer neuen Ära unsere
Bündnisse zur Förderung der gemeinsamen Zielsetzung?

Das Ziel unserer

�Das Ziel unserer Bündnisse

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sahen sich die westlichen Demokratien, die sich mit der Sowjetunion zusammengetan hatten, um Hitler
zu besiegen, bald selbst einer weiteren Bedrohung von Frieden und Freiheit

gegenüber. Die

Sowjetunion

nutzte

den Vorteil der zeitweiligen

Schwäche der Staaten, die sich um ihre Genesung nach dem Krieg bemühten;
sie strebte eine Ausweitung ihrer Macht und die Kontrolle in Europa und
in Asien an. Der Westen reagierte hierauf mit einer Vereinigung zur gemeinsamen Verteidigung

seiner

Werte und des Weltfriedens. 1949 unter-

zeichneten die Vereinigten Staaten, Kanada und die Staaten Westeuropas
den Nordatlantikvertrag.

Ein Jahr später - nach der kommunistischen Invasion Südkoreas - wurde
dieses Bündnisnetz auf Ostasien und den pazifischen Raum ausgedehnt, wo
die Vereinigten Staaten in Bündnisse mit Japan, Australien und Neuseeland, den Philippinen - sowie später Korea und Thailand - eintraten.

Das Ziel unserer Bündnisse vor 35 Jahren war es, vor Aggressionen gegen die Bündnispartner abzuschrecken, die durch die Sowjetunion und ihre
Stellvertreter begünstigt oder selbst durchgeführt werden würden. Schon
damals herrschte bei allen Klarheit über die sowjetische Macht und ihre
expansionistischen Ziele. Heute sollte dies angesichts der massiven sowjetischen Aufrüstung im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte, der sowjetischen Invasion Afghanistans und der Bemühungen, die Reichweite sowjetischer Macht bis nach Afrika, Asien und Mittelamerika auszudehnen,
nur noch evidenter sein. Der Zweck unserer Bündnisse ist daher auch heute
noch der gleiche: Vor einer sowjetischen Aggression in Europa und Asien
dadurch abzuschrecken, daß über den letzten Schatten eines Zweifels hinweg deutlich gemacht wird, daß die Nationen des Bündnisses Widerstand
leisten, zurückschlagen und den Aggressor bestrafen werden.

Und noch etwas, das vor 35 Jahren galt, gilt auch heute: Es reicht
nicht aus, wenn bei den Verbündeten Übereinstimmung dahingehend herrscht,
da3 sie einander zu Hilfe kommen werden, wenn ein Krieg ausbricht. Worte
- 4t-

�ausbricht.

Worte und Abkommen allein können vor keinem Krieg abschrek-

ken. Verbündete müssen gemeinsam daran arbeiten, sicherzustellen, daß wir
über die Fähigkeit verfügen, einen solchen Krieg auch auszutragen und zu
gewinnen - und daß unsere Gegner sich dessen bewußt sind. Erst das ist
echte Abschreckung."

Die einzigartigen Qualitäten demokratischer Bündnisse

Auch wenn Klarheit über das Ziel unserer Bündnisse herrscht, können
wir erst dann dieses Ziel erreichen, wenn wir uns mit gleicher Deutlichkeit der besonderen Eigenschaften eines Bündnisses von Demokratien bewußt
sind.

Denn unser Bündnissystem der Nachkriegszeit ist einzigartig. In der
Geschichte gab es viele Bündnisse; aber nie zuvor gab es eine solch dauerhafte Partnerschaft zwischen so vielen, der Demokratie verpflichteten
Staaten. Heute sind unsere wichtigsten Bündnisse demokratische Bündnisse;
es sind keine Abkommen zwischen Herrschern oder regierenden Eliten, sondern zwischen Völkern. Den mit anderen Staaten eingegangenen Verpflichtungen muß von den jeweiligen Völkern durch ihre gewählten Vertreter zugestimmt werden, und sie müssen deren Unterstützung genießen.

Diese einzigartige Tatsache ist eine ständige Quelle der Stärke. Die
Bindungen zwischen Völkern mit gemeinsamen Wertvorstellungen können die
immer wiederkehrenden Veränderungen an der Spitze überleben, wo andere
Arten von Bündnissen vielleicht schon zusammengebrochen wären. Die Demokratien sind nicht nur durch das strategische Interesse, sondern auch
durch moralische Bande vereint, die unserer Zusammenarbeit eine besondere
Vertraulichkeit und Vollständigkeit verleihen.

So sagte der portugiesische Präsident Eanes kürzlich in bezug auf die
Beteiligung seines Landes an der Verteidigung der Warte und Grundprinzipien des NATO-Bündnisses: "Geehrt durch seine Wiedervereinigung mit demokratischen Staaten teilt Portugal nunmehr ohne Zögern die historischen
Ideale und wesentlichen Zielsetzungen des Vertrags von Washington."
Allerdings bringen
- 5-

�Allerdings bringen Bündnisses zwischen Völkern - im Gegensatz zu solchen zwischen Herrschern - auch besondere Probleme mit sich und stellen
größere Anforderungen an alle Partner,

Abschreckung vor einer Aggression ist niemals eine leichte Aufgabe,
Aber für Demokratien stellt sich eine besondere Schwierigkeit. Eine Demokratie zu Friedenszeiten

würde sich viel lieber auf die unmittelbareren

und greifbareren sozialen Vorteile für ihr Volk als auf die potentielle
Gefahr konzentrieren, die jenseits des Horizontes existiert. Ja, bisweilen halten wir es für selbstverständlich, daß die Sicherheit selbst ein
entscheidender Teil unseres öffentlichen Wohles ist. Die schmerzlichen
Lektionen dieses Jahrhunderts haben uns unglücklicherweise noch nicht von
der Versuchung befreit, uns der Lasten der Vorsorge zu entledigen.

Eine Demokratie hat daher in Friedenszeiten ihre Schwierigkeiten dabei, sich auf einen Krieg vorzubreiten, um vor einem Krieg abzuschrecken.
Aber es ist eine Illusion zu glauben, Opfer könnten problemlos hinausgeschoben werden und andere würden schon die Pflichten übernehmen.

Tatsache ist, daß die kollektive Abschreckung durch die Verbündeten
den Sicherheitsschirm darstellt, in dessen Schutz die Staaten das Wohlergehen ihrer Völker fördern können.

Wenn auch nur ein Partner sich vor seiner Verantwortung drückt, geraten Gesundheit und Einheit des gesamten Bündnisses in Gefahr. Alle Verbündeten stehen zu Hause vor denselben Problemen; alle würden es vorziehen, ihre Mittel anderweitig einzusetzen, um der Bevölkerung Ihres Landes
raschere und greifbarere Vorteile zu bieten; und alle würden lieber die
politischen Komplikationen vermeiden, die sich unter Umständen durch die
Erfüllung der Bündnisverpflichtungen ergeben. Wenn auch nur ein Partner
nicht zu diesen Opfern bereit ist, so werden sich die anderen fragen, warum sie ihren Anteil der Last tragen sollen. Die Folge wäre eine allmähliche Erosion der Verpflichtung gegenüber der gemeinsamen Sache,

Geteilte Verantwortung
- 6-

�Geteilte Verantwortung

Vtes sind nun genau die "geteilten Verantwortlichkeiten", von denen
Präsident Reagan sprach? Die erste und grundlegendste Verantwortung besteht darin, daß jeder von uns seinen Teil bei der Aufrechterhaltung der
gesamten Abschreckungsstärke des Bündnisses zu tragen hat. Für die Vereinigten Staaten bedeutet dies, daß sie ihre eigene Stärke sowohl im konventionellen wie im nuklearen Bereich wiederherstellen.

Es bedeutet - so gut wie wir dies nur können - Hilfe für unsere Verbündeten dabei, ihre Stärke - sowohl wirtschaftlich wie militärisch aufrechtzuerhalten. Es bedeutet Konsultation und Planung, damit die gemeinsamen Anstrengungen wirksam auf gemeinsame Ziele ausgerichtet werden.
Schließlich - und am wichtigsten - bedeutet es, durch Vtorte wie durch Taten deutlich zu machen, daß wir in aller Entschlossenheit der Verteidigung unserer Verbündeten verpflichtet sind, daß wir gewillt sind, für die
Verteidigung unserer gemeinsamen Ideale und unserer Sicherheit zu handeln.

Unsere Verbündeten haben natürlich gleichermaßen eine ernste Verantwortung, zur Aufrechterhaltung

der Abschreckungsstärke

des Bündnisses

beizutgragen. Sie müssen die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um
ihre eigene Sicherheit zu garantieren - insbesonder im Bereich der konventionellen Verteidigung. Von entscheidender Bedeutung sind auch gemeinsame Manöver

und

nachrichtendienstliche

Zusammenarbeit.

Sie

brauchen

nicht über ihre eigene nukleare Abschreckung zu verfügen; aber wenn sie
die unsrige untergraben - wie dies Neuseeland getan hat -, dann schwächen
sie ihre eigene nationale Sicherheit. Eine Nation allein kann ihren Verpflichtungen nicht selektiv nachkommen, ohne die Sicherheit aller auszuhöhlen und die öffentliche Unterstützung für das Bündnis zu untergraben.

In der modernen Vtelt umfaßt die Sicherung des Friedens und die Verhütung eines Atomkrieges allerdings mehr als die Aufrechterhaltung einer
angemessenen Abschreckung. Wir haben auch die gemeinsame Verantwortung,
uns um ein konstruktiveres Verhältnis zu unseren Gegnern zu bemühen.
Unsere Verbündeten

�Unsere Verbündeten haben das Recht, von den Vereinigten Staaten zu
erwarten, ihre Beziehungen zur Sowjetunion verantwortungsbewußt zu gestalten. Als nukleare Supermächte haben die Vereinigten Staaten wie auch
die Sowjetunion eine besondere Verantwortung darin, sich um eine Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges zu bemühen. Unsere Verbündeten können
von uns erwarten, sinnvolle Vorschläge zu unterbreiten und im Verfolg der
Rüstungsverringerung am Verhandlungstisch alle Wege auszuloten, die nur
irgendwie Aussicht auf Erfolg bieten. Wir werden dies in unserem eigenen
Interesse wie auch dem Interesse der freien Walt tun. Wir konsultieren
unsere Verbündeten auf jeder Stufe des Verhandlungsprozesses und bemühen
uns zusammen mit unseren Verbündeten darum, Positionen vorzulegen, die im Einklang mit der Sicherheit des Bündisses - so flexibel wie nur möglich sind.
In dieser Hinsicht haben auch unsere Verbündeten eine Verantwortung.
Ein Hauptziel der Sowjetunion während der gesamten Nachkriegszeit war ein
Aufbrechen des Bündnisses. Statt sich mit dem Ziel eines ausgewogenen und
stabilen strategischen Gleichgewichts ernsthaft um Rüstungskontrollverhandlungen zu bemühen, haben die Sowjets oft versucht, MeinungsverschieT
denheiten zwischen den Verbündeten hervorzurufen oder auszunützen, was
dazu führte, daß wir untereinander verhandelten, während sie selbst sich
zurücklehnten und auf einseitige Zugeständnisses warteten, für die sie
selbst nichts zu geben hatten.

Unsere Einigkeit ist für den Erfolg der Ost-West-Verhandlungen von
entscheidender Bedeutung. Die Sowjets müssen einsehen, daß ihre Bemühungen, das Bündnis zu spalten, keinen Erfolg haben werden.

Die Mitglieder des Atlantischen Bündnisses wiesen hierauf laut und
deutlich hin, als wir angesichts der größten sowjetischen Propaganda-Kampagne , die es jemals gegeben hatte, unseren INF-Beschluß in die Tat umsetzten. Wir müssen auch weiterhin standhaft bleiben. Die Sowjets müssen
sehen, daß sie nur durch Verhandlungen Begrenzungen unserer Streitkräfte
erlangen können und nur dann, wenn sie bereit sind, Konzessionen zu machen, die den unsrigen entsprechen.
Der Aspekt der
- 8-

�Der Aspekt der Einigkeit ist auch für die derzeitige Diskussion der
Strategischen Verteidigungsinitiative - SDI - relevant. Präsident Reagan
hat die Verantwortung, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Welt
vor der nuklearen Gefahr zu schützen. Aus diesem Grund läßt er Forschung
bei der strategischen Verteidigung betreiben, die - sollte sie sich als
durchführbar erweisen - die Drohung eines Erstschlags verringern und uns
dem Tag näherbringen kann, da die Nukleararsenale abgebaut werden können.

Die sowjetische Propaganda in bezug auf SDI ist sowohl zynisch als
auch heuchlerisch. Die Sowjets arbeiten intensiv an der strategischen
Verteidigung und tun dies seit Jahren. Im Verlauf der vergangenen zwei
Jahrzehnte haben sie in etwa genau so viel für die strategische Verteidigung wie für ihre massiven offensiven Nuklearwaffen ausgegeben. Sie haben um Moskau das einzige einsatzbereite Abwehrsystem der Vfelt gegen ballistische Raketen disloziert. Ihre ausgedehnte Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung bei Krasnojarsk in Sibirien stellt eine Verletzung
des ABM-Vertrags dar. Seit den sechziger Jahren betreiben die Sowjets
Forschung im Bereich fortgeschrittener Technologien für die strategische
Verteidigung, einschließlich hbchenergielasern, Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen und Vfeffen auf der Grundlage kinetischer Energie.

Dies sind die gleichen Technologietypen, die die Vereinigten Staaten
jetzt im Rahmen des SDI-Programms untersuchen. Und es ist nicht überraschend, daß die Sowjets vorschlugen, unsere Forschung zum Stillstand zu
bringen, während sie mit ihrer fortfahren.

Wir sollten uns nicht durch solche zweckdienliche Propaganda in die
Irre führen lassen. Die NATO-Ministertagung in Lissabon im vergangenen
Monat zeigte solide Unterstützung für die amerikanische Position in Genf.
Vtenn wir wollen, daß Genf ein Erfolg wird, dann müssen wir auch weiterhin
sicherstellen, daß die Sowjets keinen Grund für die hbffnung bekommen,
uns wegen SDI auseinanderzudividieren.

Gegenseitiges Vertrauen
- 9-

�Gegenseitiges Vertrauen und breitere Zusammenarbeit

Die gemeinamen Verantwortlichkeiten in einem demokratischen Bündis
sind breiter und tiefer als die Abschreckung vor einer militärischen Bedrohung. Eine solche Partnerschaft hängt von einem tieferen Band des gegenseitigen Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung bei einer ganzen Bandbreite von Aspekten unserer Beziehungen ab.

Viele Herausforderungen der gemeinsamen Interessen liegen schließlich
außerhalb des Geltungsbereichs formeller Verträge. Aber Zusammenarbeit
dabei, mit diesen Herausforderungen fertigzuwerden, ist nicht nur wichtig, um die Interessen der einzelnen Verbündeten zu schützen, sondern
auch, um das gegenseitige Vertrauen zu stärken, das dem gesamten Bündnissystem zugrunde liegt. Wir können nicht zulassen, daß die Feinde unserer
Lebensweise alle Verbündeten nacheinander angreifen, in der HDffnung, man
könne uns auf diese Heise entzweien und uns somit unfähig zu einer koordinierten Reaktion machen.

Das aber ist genau eine der Hoffnungen des internationalen Terrornetzes. In Vtesteuropa haben Terroristen und ihre Helfershelfer versucht, die
Struktur des NATO-Bündnisses zu schwächen, indem sie Furcht säten und
Zerstörung über die Bevölkerungen der NATO-Staaten brachten. Im Nahen
Osten rechnen die Terroristen und ihre Helfershelfer mit der Uneinigkeit,
die wirksame Sanktionen gegen jene verhindert, die den Terrorismus beherbergen. Bei der jüngsten Flugzeugentführung, der TW\ 847, hofften die
Terroristen, Spannungen bei der engen und dauerhaften Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Israel zu verursachen. In Asien versuchten sie unter anderem, die Bindungen Südkoreas zu seinem Vertragspartner, den Vereinigten Staaten, zu schwächen, indem nordkoreanische
Terroristen in Rangun auf südkoreanische Regierungsvertreter ein Bombenattentat verübten und sie töteten.

Diese

mörderischen

Versuche, uns

zu

entzweien, Unsicherheit

und

Furcht unter den Völkern zu säen, sind erfolglos gewesen und werden erfolglos bleiben. Aber wir müssen mehr tun, als nur das Gegenwärtige zu
- 10-

�Gegenwärtige zu sichern. Wir müssen zurückschlagen. Wir müssen einsehen,
daß wir unter ständiger Attacke stehen. Wir müssen zusammenarbeiten, um
sowohl die Terroristen abzuschrecken und zu bestrafen, als auch jene, die
sie unterstützen und ihnen einen sicheren Hafen bieten.

Unsere Bündnisverträge erklären, daQ ein Angriff auf einen Verbündeten ein Angriff auf alle ist. Als diese Verträge unterzeichnet wurden,
waren wir darauf vorbereitet, uns gegen herkömmliche Bedrohungen zu verteidigen.

Damit aber kein Mißverständnis aufkommt: Die Drohung, die der Terrorismus darstellt, ist nicht weniger real, sondern ist auch eine Form der
Kriegsführung, ist auch ein direkter Angriff auf die Interessen des demokratischen Bündnisses. Kein Staat kann sich einfach still verhalten oder
untätig bleiben. Kein Staat kann es sich leisten, seine Interessen so eng
zu definieren, daQ er der Meinung ist, dies alles gehe ihn nichts an.
Kein Staat wird verschont bleiben.

Und der Terrorismus ist nur ein Thema, wo Zusammenarbeit außerhalb
der formellen Bundisse von entscheidender Bedeutung ist. Der Kampf gegen
den internationalen Drogenschmuggel - der eindeutig mit dem Terrorismus
in Zusammenhang steht - erfordert desgleichen die Zusammenarbeit. Wir in
der westlichen Hemisphäre sehen nur zu deutlich die Bemühungen Kubas und
Nicaraguas im Drogenbereich. Keiner von uns kann dieses Problem ignorieren. In mehr oder weniger großem Ausmaß sind wir alle durch die Drogenplage geschwächt. Auf dem Bonner Gipfel und bei ASEAN veröffentlichten
wir zusammen mit unseren Partnern Erklärungen, die unsere verstärkte Entschlossenheit unterstrichen, im Kampf gegen den Drogenhandel und die Terroristen zusammenzuarbeiten, die oft genug davon profitieren.

Das

gleiche

Gebot

der Zusammenarbeit

gilt

für

Wirtschaftsfragen.

Wirtschaftliche Probleme sind oft die Quelle der strittigsten Meinungsverschiedenheiten

zwischen Verbündeten. Innenpolitische Aspekte wiegen

schwer bei vielen wirtschaftlichen Entscheidungen - und dem sollte auch
so sein. Beispielsweise aber ist Protektionismus zerstörerisch für uns
alle.
Wir können es
- 11-

�Wir können es uns nicht leisten, daß wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten die politische Einheit untergraben, die unsere gemeinsame
Sicherheit garantiert - die Sicherheit, die unserem gemeinsamen Wohlergehen zugrundeliegt. Unsere Uneinigkeiten können nur Schatten auf unsere
gemeinsame Zukunft werfen und sere Gegner nur erfreuen.

Auch bei regionalen Fragen sind wir einander Unterstützung schuldig,
wenn die vitalen Interessen eines Verbündeten bedroht sind, sogar dann,
wenn es um keine Vertragsverpflichtungen geht. So sieht sich zum Beispiel
Thailand heute der Bedrohung

durch eine vietnamesische Aggression in

Kamputschea gegenüber. Wir stellen Thailand direkte Hilfe zur Verfügung,
um dem thailändischen Volk dabei zu helfen, seine Sicherheitsinteressen
zu verteidigen. Aber darüber hinaus müssen wir offen für die Bedenken
Thailands sein und offen für seine Vorstellung von dem besten Wag, auf
dem man mit der Lage in Kamputschea und mit den Problemen der vietnamesischen Aggression fertigwerden kann. Desgleichen schulden wir der Republik Korea Unterstützung und Verständnis in ihren Bemühungen, Nordkorea
zu einem direkten und verantwortungsbewußten Dialog zu bewegen.

Vor einigen Jahren standen die Vereinigten Staaten im Südatlantik vor
einem Dilemma: Sowohl Argentinien als auch Großbritannien sind Freunde.
Die amerikanischen Interessen, eng definiert, hätten vielleicht das Einnehmen einer neutralen Position gefordert. Unsere NATO-Verpflichtungen
erfordern von uns nicht, unsere europäischen Verbündeten außerhalb des
nordatlantischen Bereiches zu unterstützen.

Dennoch unterstützten wir das Prinzip, daß solche Dispute nicht gewaltsam gelöst werden sollten. Wir hatten recht, dies zu tun, und wir
hatten recht, unserem NATO-Partner, Großbritannien, dabei zu helfen, dieses Prinzip hochzuhalten.

Wir sind der Meinung, daß es heute in Mittelamerika auch für uns um
ähnlich wichtige Interessen geht. Die Kommunisten Nicaraguas versuchen
mit kubanischer und sowjetischer Unterstützung, auf dem mittelamerikanischen Festland einen totalitären Staat zu konsolidieren. Sie versuchen,
- 12-

�Sie versuchen, ihre Nachbarn zu untergraben, indem sie kommunistische Guerilla

und

Terroristen

unterstützen.

Wir ersuchen unsere Verbündeten

nicht, uns dabei zu helfen, der kommunistischen Aggression in unserer
Hemisphäre aktiv zu widerstehen. Aber wir haben allen Grund zu erwarten,
daß sie nicht unsere eigenen Bemühungen in einer Region untergraben, die
für uns von so lebenswichtiger Bedeutung ist. Verbündete haben die Freiheit, bei vielen politischen Fragen unterschiedlicher Meinung zu sein.
Aber gutes Einvernehmen der Nationen und die Aufrechterhaltung des gegenseitigen Vertrauens fordern Verständnis für jene, die am meisten betroffen sind.

Der Geist der Einheit des Bündnisses

Bevor wir in den Krieg gegen Hitler eintraten, erläuterte Franklin
Roosevelt das Pacht- und Leihprogramm mit einem einfachen Beispiel. Wenn
man sieht, daß das Haus eines Nachbarn brennt, so überläßt man ihm das
eigene Gartenhaus. Und man fordert ihn nicht auf, dafür zu bezahlen, denn
man weiß, daß er es tun wird, wenn er kann. Das ist der Geist der gegenseitigen Unterstützung, der uns leiten muß.

Bisher haben wir und alle unsere Verbündeten hervorragende Arbeit geleistet. Unsere Bündnisse funktionieren. Sie haben die Skeptiker widerlegt und auch jene, die sich immer wieder über Verwirrung beklagt haben.
Seit 35 Jahren hat unser weltweites Bündnissystem in Europa wie auch im
größten Teil Asiens den Frieden erhalten und die Freiheit bewahrt. Seit
35 Jahren sind Nationen und Völker mit unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlicher Geschichte, mit unterschiedlichen Bedürfnissen und unterschiedlichen nationalen Zielen - auch bisweilen mit unterschiedlichen
Vorstellungen von der richtigen Art und Weise, wie den vielen internationalen Herausforderungen zu begegnen sei - dennoch der Partnerschaft zur
Verteidigung dessen, was uns wert ist, verpflichtet.

Wir haben die Abschreckungsstärke bewahrt, von der sowohl unsere Sicherheit als auch unsere Freiheit abhängen. Wir haben darauf hingearbei- 13-

�darauf hingearbeitet, die nuklearen Arsenale zu verringern und unsere
konventionelle Abschreckung zu erhöhen, sogar angesichts der Erkenntnis,
daß , zumindest für den Augenblick, die nukleare Abschreckung für die Sicherheit von uns allen - im atlantischen wie im pazifischen Raum - von
entscheidender Bedeutung ist.

Natürlich stehen wir vor Problemen. Wie könnten freie und souveräne
Völker nicht gelegentlich unterschiedlicher Meinung sein? Aber jene, die
möchten, daß sich die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtungen entledigen, haben eine gefährlich kurzsichtige Vorstellung von unseren Interessen. Eine Walt, in der die Vereinigten Staaten sich aus ihren weltweiten
Bündnissen oder auch nur von einem Teil der Bündnisstruktur zurückgezogen
hätten, wäre in der Tat eine schlimme Welt. Die Argumente für Isolationismus oder Unilateralismus hätten schon vor langer Zeit zerschlagen werden sollen. Das globale Gleichgewicht wäre um so vieles unsicherer. Und
es wäre auch keine ernsthafte Option für unsere Verbündeten: Die Aggression , die wir in so vielen Teilen der Welt sehen, hat gezeigt, daß es
keine Verteidigung in der Isolation gibt. Sich in einer Walt neuer Gefahren aus dem gemeinsamen Sicherheitssystem zurückzuziehen, wäre für einen
jeden von uns töricht.

Jene die möchten, daß wir Meinungsverschiedenheiten in den Bündnissen
ignorieren oder einfach darüber hinweggehen, sind gleich kurzsichtig.
Bündnisse wie die unsrigen müssen sorgfältig gehütet werden, wenn sie gedeihen sollen. Alle Seiten müssen sich des Preises bewußt sein, um den es
geht, wenn die Solidarität geschwächt ist. Die Regierungen müssen ihre
Völker führen und informieren. Alle Seiten müssen dafür sorgen, daß die
Erosion des Geistes der Einheit zwischen ihren Völkern verhindert wird der Einheit, die die entscheidende Grundlage unserer gemeinsamen Freiheit
darstellt.

Präsident Reagan sagte es vor den Vereinten Nationen im vergangenen
September so: "Jedes Bündnis bringt Lasten und Verpflichtungen mit sich,
aber diese sind weit geringer als die Gefahren und die Opfer, zu denen es
kommen würde, wenn die friedliebenden Nationen untereinander uneins und
- 14-

�uneins uns nachlässig hinsichtlich ihrer gemeinsamen Sicherheit wären."

Die amerikanische Unterstützung der Bündnisse ist daher nicht Teil
irgendeiner sentimentalen Anhänglichkeit an Vergangenes und auch keine
gedankenlose Verehrung der Kontinuität. Wir unterstützen unsere Bündnisse
vor allem, weil sie funktionieren. Die Erfahrung hat gezeigt, daß wir unsere Meinungsverschiedenheiten überwinden können, wenn wir eine echte Anstrengung hierzu unternehmen. Und wir unterstützen unsere Bündnisse vor
allem wegen der Iterte und der Ideale, die sie verteidigen sollen. Mögen
Amerika und Amerikas Verbündete stets der weltweiten Sache des Friedens
und der Demokratie, der Sicherheit und des Friedens treu bleiben.

- 15-

�29

24. Juli 1985

DER STAND DER GENFER RUSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Pressekonferenz von Sicherheitsberater McFarlane -

Washington -(AD)- Am 19. Juli 1985 gab der Sicherheitsberater Präsident Reagans, Robert McFarlane, in Washington im Rahmen einer Pressekonferenz Auskunft über den Stand der Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
mit den Sowjets. Wir geben im folgenden den Wortlaut seiner Eingangserklärung sowie Auszüge aus den nachfolgenden Fragen und Antworten wieder.
MCFARLANE: Die zweite Runde der Genfer Verhandlungen über Nuklearund Weltraumwaffen ist soeben abgeschlossen worden, und unsere Unterhändler sind nach Washington zurückgekehrt. Leider hat es bis heute bei den
Gesprächen kaum wirkliche Fortschritte gegeben. Falls die Sowjets irgendwelche Vorstellungen über Rüstungsverminderungen und deren Verwirklichung
im Bereich der Kernwaffen haben, so haben sie diese bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt für sich behalten. Ihre Vorgehensweise ist immer noch eher propagandistisch; es geht ihnen immer noch mehr darum, politisch Punkte zu
verbuchen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen, als ernsthaft zu
verhandeln.
Im Verlauf

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Verlauf der Gespräche haben die Sowjets wiederholt, daß sie auf
verschiedene Arten von Moratorien bestehen, und zwar auf Moratorien, die
insofern unfair sind, als sie bestehende Ungleichgewichte festschreiben
und überdies nicht verifizierbar sein würden.

Außerdem fahren sie damit fort, künstlich starre Verknüpfungen der
verschiedenen Verhandlungskomplexe herzustellen, wobei sie Fortschritte
in einem Bereich vom Gang der Dinge in den anderen abhängig machen. Diese
Verknüpfungen haben praktisch die Form sowjetischer Vorbedingungen angenommen, die unsere Hoffnungen auf Fortschritte bei den Gesprächen außerordentlich trüben. Angesichts der Bedeutung und Komplexität dieser Verhandlungen sind wir enttäuscht, wenn auch nicht überrascht darüber, daß
wir bislang kaum vorangekommen sind. Und ich meine, wenn man sich die Geschichte der Verhandlungen mit den Sowjets anschaut, dann ist klar, daß
dergleichen Geduld erfordert. Fortschritte brauchen sehr viel Zeit.

Es gibt aber auch einige Anzeichen, die sich als vielversprechend erweisen könnten. So haben sich die Sowjets bei dieser Runde als geringfügig weniger polemisch gezeigt als bei der ersten Runde, und in einigen
Gebieten haben sie begonnen, auf unsere Bemühungen um einen ernsthaften
Dialog zu reagieren.

Ich möchte nun die Kernpunkte der letzten Verhandlungsrunde Bereich
für Bereich rekapitulieren, d.h., den Bereich der Verminderung der strategischen Waffen (START), den der Mittelstreckenwaffen (INF) und den der
Weltraumverteidigung.

Bei den START-Verhandlungen, wo die Vereinigten Staaten konkrete Vorschläge über weitgehende Rüstungsverminderungen auf den Tisch gelegt haben, haben auch die Sowjets ein umfassendes Konzept für mögliche Verminderungen der strategischen Waffen vorgelegt. Dieses Konzept bleibt jedoch
sehr unscharf. Die Sowjets haben keinerlei Hinweise darauf gegeben, welche konkreten und genauen zahlenmäßigen Begrenzungen sie anstreben, und
wir wissen auch nicht, in welcher Weise dieses Konzept den besonderen Anliegen der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Verminderung der am
stärksten destabilisierenden Systeme, d.h., der ballistischen Raketen,
- 2 -

�ballistischen Raketen, gerecht werden könnte.

Wir können daher noch nicht abschätzen, ob sich hieraus im Laufe der
Zeit echte Fortschritte ergeben werden. Wir hoffen es. Wir haben die Haltung der Sowjets im Hinblick auf dieses umfassende Konzept geprüft und
werden dies auch weiterhin tun, um festzustellen, ob es irgendeine Grundlage für Fortschritte in der nächsten Verhandlungsrunde bieten kann.

Im Bereich der Weltraumverteidigung haben die Sowjets begonnen, mit
uns ernsthaftere Gespräche zu führen. Sie bestehen jedoch noch immer darauf, auch Forschungsarbeiten zu verbieten, obwohl Forschungsarbeiten nach
dem ABM-Vertrag zulässig sind. Außerdem wäre ein solches Verbot seiner
Natur nach unverifizierbar. Ferner sind sie immer noch nicht auf unsere
sehr ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Einhaltung von Abkommen eingegangen. Sie haben sich darum bisher nicht gekümmert und auch ihr Verhalten nicht korrigiert.

Im Bereich der nuklearen Mittelstreckenwaffen, also im INF-Bereich,
wo die Vereinigten Staaten die völlige Beseitigung dieser gesamten Waffengattung

oder

zumindest

umfassende

weltweite

Rüstungsverminderungen

vorgeschlagen haben, hat sich überhaupt nichts bewegt. Wir glauben, daß
sich bei der am 19. September beginnenden nächsten Runde klarer zeigen
sollte, ob in diesem Bereich kurzfristig Fortschritte zu erzielen sind
oder nicht.

Wir hoffen aufrichtig, daß die Sowjets diese Fragen bis dahin einer
erneuten Betrachtung unterziehen und ihren Unterhändlern im September die
Flexibilität mit auf den Weg nach Genf geben werden, die unsere Unterhändler bereits besitzen. In der Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Gespräche voranzubringen. Der Präsident ist nach wie vor entschlossen, einen echten, fairen
und verifizierbaren Abbau der Kernwaffenarsenale herbeizuführen. Wir haben konstruktive Ideen auf den Tisch gelegt, und der Präsident hat unseren Unterhändlern ein bisher nicht gekanntes Maß an Flexibilität eingeräumt. Wir hoffen, daß auch die Sowjets bei der nächsten Runde zu echten
Konzessionen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit bereit sein werden.
Abschließend möchte

�Abschließend möchte ich betonen, daß wir geduldig bleiben werden. Wir
sind bereit, so lange in Genf zu bleiben, wie notwendig ist, um Abkommen
zu erzielen, die den Interessen beider Seiten gerecht werden. Wir hoffen,
daß auch die Sowjets dazu bereit sind, daß ihnen die Nutzlosigkeit ihres
gegenwärtigen Vorgehens klar wird und daß sie zu einer ernsthafteren Art
des Verhandeins übergehen.

FRAGE: Glauben Sie, daß das Gipfeltreffen (zwischen Reagan und Gorbatschow) aus der Sackgasse herausführen kann - wenn das überhaupt möglich
ist ? ... Und Sie sagten, daß es ernsthafte Gespräche über den "Krieg der
Sterne" gegeben habe. Worum ging es dabei ?

ANTWORT: Ich möchte die zweite Frage zuerst beantworten. Während der
ersten Verhandlungsrunde war der Präsident der Meinung, daß es wichtig
sei, der Sowjetunion sein Konzept klar zu machen, demzufolge es im Laufe
der Zeit beiden Seiten zum Nutzen gereichen würde, wenn sie sich weniger
auf offensive und stärker auf defensive Waffensysteme stützen würden. In
der ersten Runde waren die Sowjets jedoch nicht einmal bereit, sich dies
auch nur anzuhören.

Diesmal hingegen waren sie bereit, sich unsere Erläuterungen über den
möglichen Verlauf eines solchen Entwicklungs-

oder, wenn man so will,

Übergangsprozesses anzuhören und uns darlegen zu lassen, warum er im Interesse beider Seiten läge. Ich würde nicht sagen, daß das brennend wichtig ist, aber es ist immerhin eine Veränderung.

Was das Gipfeltreffen in Genf angeht, so meine ich, daß wir erkannt
haben, daß die mangelnde Bereitschaft der Sowjets, sich außenpolitischen
Fragen zu widmen, sich wahrscheinlich aus der Tatsache erklärt, daß sie
mit innenpolitischen Problemen voll und ganz beschäftigt sind. Die Veränderungen im Politbüro, das Ausscheiden alter und der Aufstieg neuer Leute
belegen dies.

Wenn man nun überlegt, was in Genf herauskommen kann oder auch nicht,
dann meine ich, daß diese grundlegend wichtigen innenpolitischen Angelegenheiten und die Fähigkeit oder Unfähigkeit der Sowjets, hier Lösungen
- 4 -

�hier Lösungen zu finden, darüber entscheiden werden, ob sie bereit sind,
sich (außenpolitisch) zu engagieren.

Der Präsident wird mit der Erwartung zu dem Gipfeltreffen nach Genf
reisen, daß man dort eine Tagesordnung aufstellen wird, auf der sicherlich auch die Rüstungskontrolle stehen wird, und daß man dort Prioritäten
für die Lösung auch anderer anstehender Fragen bilateraler und regionaler
Natur und auch solcher der Menschenrechte setzen wird. Aber es wäre wahrscheinlich unrealistisch, von den Sowjets umwälzende Veränderungen zu erwarten ...

FRAGE: Sie haben die Verknüpfung der drei Rüstungskontrollkomplexe
durch die Sowjets mißbilligt, aber im Januar haben die Außenminister
Shultz und Gromyko im Rahmen ihrer Verständigungsversuche gesagt, daß
diese drei Themenkomplexe in ihrem Zusammenhang erörtert und gelöst werden würden. ...

ANTWORT: Dennoch ist die sowjetische Position nicht legitim. Die Absicht und das Verständnis gingen im Januar eindeutig dahin, daß es eine
offenkundige Beziehung zwischen Offensiv- und Defensivwaffen gebe. ... Im
Bewußtsein dieser Beziehung kann man im START- oder im INF-Bereich die
Dinge vorantreiben und sich auf Abkommen einigen, die den Interessen beider Seiten dienen.

Wenn man annimmt, daß das möglich ist - was wir nachdrücklich tun -,
dann macht es keinen Sinn, daß man die Möglichkeit zu Fortschritten nicht
nutzt, nichts ratifiziert, nichts in Kraft setzt. Solche Fortschritte an
Bedingungen zu knüpfen und sie dazu zu benutzen, dem Gegenüber unvernünftige Zugeständnisse in anderen Bereichen abtrotzen zu wollen, ist ganz
einfach kein Zeichen für guten Willen bei den Verhandlungen.

FRAGE: Welche Standpunkte vertreten beide Seiten gegenwärtig in bezug
auf die Weltraumforschung und die Entwicklung und Erprobung von entsprechenden Systemen ?

ANTWORT: Die Sowjets haben noch letzte Woche auf ein Verbot der Er-

�der Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Stationierung strategischer
Verteidigungssysteme bestanden, obwohl sie im eigenen Lande seit vielen
Jahren selbst ein umfangreiches Forschungsprogramm betreiben. Dabei geht
es durchaus nicht nur um die Erforschung, sondern auch um die Erprobung
und Stationierung von Defensivsystemen. ...

FRAGE: Haben sie im Hinblick auf die Weltraumforschung in irgendeiner
Form zu erkennen gegeben, daß sie flexibel sind ?

ANTWORT: Nein.

FRAGE: Wenn man davon ausgeht, daß alle drei Rüstungskontrollkomplexe
wegen der Frage der Forschung im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) in der Sackgasse stecken, hängen dann zukünftige Fortschritte davon ab, daß sich die Sowjets in dieser Frage rühren, oder gibt
es eine Mittelposition, auf die die Vereinigten Staaten sich zubewegen
könnten - oder sind wir an einem Punkt, wo es allein an den Sowjets
liegt, ob es irgendwelche Fortschritte gibt ? ...

ANTWORT: Der sowjetische Standpunkt zur strategischen Verteidigung
ist aus zwei Gründen unvernünftig: Erstens ist die Vorstellung, daß Forschung etwas Schlimmes sein könne, abwegig. ... Zweitens betreiben die
Sowjets ihr eigenes Programm mit großem Nachdruck, und es ist schon weit
gediehen. Es ist daher unvernünftig, wenn sie behaupten, daß sie dies
dürfen, wir aber nicht. Außerdem spricht sehr viel dafür, daß beide Seiten nur gewinnen könnten, wenn sie sich stärker auf Defensivsysteme stützen würden. Defensivsysteme sind schließlich gegen niemanden gerichtet,
sie fügen Menschen keinen Schaden zu, sie zerstören nichts - außer andere
Waffensysteme. Es gibt also sowohl moralische als auch militärische und
historische Überlegungen, die unsere Position rechtfertigen.

FRAGE: Die amerikanische Position ist mir klar. Mir geht es um etwas
anderes: Können die Vereinigten Staaten in dieser Frage irgendwelche Zugeständnisse machen, oder läuft alles darauf hinaus, daß die Sowjets von
ihrer unnachgiebigen Haltung abrücken müssen ?
ANTWORT: Ich

�ANTWORT: Ich glaube, es gibt keine Grundlage für Veränderungen in der
Position der Vereinigten Staaten. ...
FRAGE: Im Juni gab es angeblich eine Äußerung von Marschall Achromejew, derzufolge ernsthafte Verminderungen bei den Offensivsystemen möglich seien, wenn die Forschungsarbeiten zum "Krieg der Sterne" und zu SDI
wirklich

im Bereich der wissenschaftlichen Forschung blieben. Glauben

Sie, daß das ernst gemeint ist, oder war es nur Propaganda ?
ANTWORT: Da die Sowjets das nicht in Vorschläge umgesetzt haben und
noch nicht einmal bereit waren, auf unsere diesbezüglichen Fragen zu antworten, kann man das wirklich nicht sehr ernst nehmen. ...

- 7 -

�24. J u l i 1985

28

JAMES C. MILLER ZUM NEUEN DIREKTOR DES US-AMTES FÜR WUSWLTSPLANUNG
ERNANNT

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 19. J u l i 1985 den

bisherigen L e i t e r des US-Amtes f ü r den Binnenhandel, James C. M i l l e r , zum
neuen Direktor
Er t r i t t

des Amtes f ü r

Haushaltsplarung

(Budgetdirektor)

ernannt.

die Nachfolge von David A. Stockman a n , der am 1 . August aus

diesem Amt ausscheidet und zur New Yorker Investment-Firma Salomon B r o t h ers geht.

Die Ernennung M i l l e r s muß noch vom amerikanischen Senat bestä-

t i g t werden.
M i l l e r gehört s e i t September 1981 dem Bundesamt f ü r den Binnenhandel
(Federal Trade Oommission) a n , das a l s selbständige Behörde f ü r die S i cherung des f r e i e n Wettbewerbs i n den USA und die Bekämpfung unlauterer
Geschäftsmethoden im Handel verantwortlich i s t .

Zuvor war er E x e k u t i v d i -

rektor der Arbeitsgruppe des Präsidenten f ü r die Abschaffung ü b e r f l ü s s i ger Regierungsverordnungen.

Der neue Budgetdirektor

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Telex: 8-85432

�Der neue Budgetdirektor kann auf eine längere Tätigkeit im Dienst der
amerikanischen Regierung zurückblicken.

In den Jahren 1974/75 arbeitete

er in führender Stellung im Stab des wirtschaftlichen Beirats des amerikanischen Präsidenten, wo er sich als Fachmann für Fragen der Antitrustpolitik einen Namen machte. Außerdem gehörte er unter Präsident Ford der
Uberprüfungskommission an, die sich mit einer Reform der amerikanischen
RegierungsVorschriften befaßte.

Ende der sechziger und Anfang der sieb-

ziger Jahre arbeitete er im Wirtschaftsstab des amerikanischen Verkehrsministeriums.

Auch als Wissenschaftler war Miller lange Jahre tätig.

Er lehrte an

der Universität von Texas und betrieb Forschungsarbeiten an der renommierten Brookings Institution und dem American Enterprise Institute.

Miller wurde am 25. Juni 1942 in Atlanta, Georgia, geboren.

Er stu-

dierte an der Universität von Georgia Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1969 an der Universität von Virginia.

Er ist Verfasser zahlrei-

cher Bücher und Schriften, die sich vor allem mit Fragen der Lohn- und
Preisstabilität, mit der Beseitigung überflüssiger Regierungsverordnungen
sowie mit Problemen der amerikanischen Verkehrspolitik befassen.

Miller ist verheiratet und hat drei Kinder.

- 2 -

�24. J u l i 1985

29

FREIER HANDEL MIT OLPRODUKTEN GEFORDERT
- US-Energieminister Herrington warnt vor Protektionismus -

PARIS/WASHINGTON -

(AD) - Vor der Ministerratskonferenz der I n t e r n a -

t i o n a l e n Energie-Agentur (IEA) i n P a r i s , die s e i t nunmehr zehn Jahren bes t e h t , setzte sich der amerikanische Energieminister John Herrington für
freien

Handel

mit

Preise und V o r t e i l e

Ölprodukten

ein.

Nur

so könnten

wettbewerbsfähige

f ü r den Verbraucher gewährleistet und die wachsende

Gefahr des Protektionismus eingedämmt werden.

Auch sähen die Vereinigten

Staaten wenig Sinn i n m u l t i l a t e r a l e n Produzenten-Verbraucher-Dialogen, ob
auf o f f i z i e l l e r

Ebene oder

in

inoffiziellem

Rahmen.

Diese würden nur

s t a a t l i c h e n Maßnahmen zur Festsetzung von Preisen und Produktionsmengen
den Wag bereiten - f ü r Größen a l s o , die vom Markt bestimmt werden s o l l ten.

Die USA wünschten eine I E A - P o l i t i k , die gegen Verwundbarkeit durch

unsichere Energieversorgung besser zu schützen vermag.

Deshalb befürwor-

teten sie auch rasche F o r t s c h r i t t e auf den Gebieten Kernenergie und der
Nutzung sauberer Kohle.

Herrington verwies

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�Herrington verwies darauf, daß die Reagan-Administration mit besonderem Nachdruck e i n Programm zur Erschließung umfangreicher, noch unber ü h r t e r Energiequellen auf amerikanischem T e r r i t o r i u m v e r f o l g e .
eine sicherere Energieversorgung s e i t
das f r e i e

Spiel

der Marktkräfte

Da f ü r

den Ölschocks der siebziger

e i n wichtiger

Faktor

war,

Jahre

solle

auch

k ü n f t i g der Markt bei der Ausarbeitung und Anwendung von Regierungsprogrammen im Vordergrund stehen.

Diese Programme - beispielsweise der Auf-

bau einer strategischen 'Ölreserve der USA (mit 489 M i l l i o n e n Barrel Vorr a t Ende 1985) oder bestimmte Projekte von Grundlagenforschung und Entwicklung

-

dienten

lebenswichtigen

Sicherheitsinteressen.

Hindernisse

f ü r eine weitergehende Erschließung und Nutzung von 'Öl, Erdgas, Kohle und
nuklearen

Ressourcen sowie f ü r

deren Export

sollten

beseitigt

werden.

Eine solche P o l i t i k der USA d ü r f t e sich f ü r a l l e 21 IEA-Mitgliedstaaten
günstig auswirken, meint Herrington.

Keine Nation sei i n der Lage, w e l t -

weite Energieprobleme a l l e i n anzugehen, noch weniger im Wettbewerb mit
anderen Verbraucherländern.

Die Vereinigten Staaten f ü h l t e n sich im Rah-

men der IEA auch w e i t e r h i n kooperativen Maßnahmen v e r p f l i c h t e t . '

Die IEA

habe während der vergangenen zehn Jahre, unter sehr rasch sich ändernden
Verhältnissen,

ihre

Funktionsfähigkeit,

Flexibilität

und Dynamik

unter

Beweis g e s t e l l t .

Das habe sich vor allem i n der Frage der 'Ölbevorratung g e z e i g t , mit
der die Möglichkeit gegeben s e i , f r ü h z e i t i g auf Störungen der Belieferung
zu reagieren.

Ebenso bedeutsam sei der Konsens h i n s i c h t l i c h der Sicher-

h e i t i n der Erdgasversorgung.
Erschließung

eigener

Deshalb verdienten die F o r t s c h r i t t e i n der

Erdgasvorkommen der

OECD-Länder

(Organisation

für

w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit und Entwicklung) besondere Bedeutung.
Man dürfe auch nicht vergessen, wie groß die Interdependenz der i n ternationalen Wirtschaft

sei.

Viele Verbündete der Vereinigten Staaten,

mit denen die nationale Sicherheit und das w i r t s c h a f t l i c h e Wohlergehen i n
Amerika eng verknüpft s i n d , seien im Energiebereich weitaus v e r l e t z l i c h e r
als

die

Vereinigten Staaten.

So i m p o r t i e r t e

beispielsweise

Westeuropa

noch immer 40 Prozent seines Netto-Energieberdarfs, Japan sogar fast a l les.

I n den l e t z t e n fünf Jahren sei die EnergieSicherung i n den USA e r -

�USA erheblich größer geworden.

Verknappungen gebe es nicht mehr.

Der

gesamte Energieverbrauch im Jahr 198A entspreche etwa dem von 1973, a l s
Bevölkerungszahl und W i r t s c h a f t s a k t i v i t ä t e n im Vergleich zu heute n i e d r i g e r lagen.

Dennoch nähme der w i r t s c h a f t l i c h e Ausstoß weiter zu - t r o t z

des geringeren Pro-Kopf-Verbrauchs an Energie.

Die Energiemenge, die zur

Erzeugung des Bruttosozialproduktes pro Dollar ( i n f l a t i o n s b e r e i n i g t )
n ö t i g t w i r d , sei sogar über 20 Prozent geringer als 1973.

be-

I n den l e t z t e n

v i e r Jahren habe sich die E f f i z i e n z der Energienutzung um 13 Prozent e r höht - dies sei der beste Wert, der i n einem solchen Zeitraum jemals e r r e i c h t wurde.

Aber so eindrucksvoll dieser F o r t s c h r i t t

auch s e i , dürfe

er doch nicht dazu v e r l e i t e n , die Hände i n den Schoß zu legen.

Die USA

müßten für den N o t f a l l gut gerüstet sein und im eigenen Land die Entwicklungen

vorantreiben,

Würden bestehende

die

die

Hindernisse

Erschließung
für

von Ressourcen ermöglichen.

die Produktion und Nutzung e i n h e i m i -

scher Energieguellen wie Kohle, Kernkraft sowie der "Öl- und Erdgasvorkommen nicht
Zeiten.

abgebaut, r i s k i e r e

man die

Wiederkehr

früherer

krisenreicher

Ebenso wichtig bleibe e i n starkes i n t e r n a t i o n a l e s Programm, das

die Verbündeten zu einer P o l i t i k ermutige, die eine e f f e k t i v e r e

Produk-

t i o n und Nutzung von Energie f ö r d e r t .
Sehr zu begrüßen s e i , wie e i n Sprecher des amerikanischen Energieministeriums v e r s i c h e r t e , die Vereinbarung des IEA-Ministerrates, über Angebot und Nachfrage die Marktkräfte bestimmen zu lassen.

Die Regierungen

s o l l t e n es nicht i n der Hand haben, festzulegen, welche Mengen an 'Ölraffinerieprodukten jedes Land importieren d ü r f e . Mit dieser Bestimmung s o l l e d e u t l i c h Druck auf Japan ausgeübt werden, Protektionismus zum Schutz
der inländischen R a f f i n e r i e n einzuschränken und die Importschranken gegen
Raffinerieprodukte aus anderen Ländern zu senken.
e i n i g t e n Staaten stehen mit

Nach Ansicht der Ver-

den bisherigen Gepflogenheiten auch andere

Handelsprobleme zwischen Japan und den USA i n Verbindung.

Da j e t z t

auch v i e l e Entwicklungsländer über eine M i n e r a l ö l i n d u s t r i e

verfügen, wachse den Worten eines Beamten aus dem Energieministerium zufolge die Weltkapazität für Erdölprodukte v i e l schneller an a l s die Nachfrage nach ihnen.

I n Saudi Arabien, Kuweit und Libyen seien d e r z e i t wei-

�derzeit

weitere Raffinerien i n Bau.

Ab 1987 bringen diese pro Tag 1,2

M i l l i o n e n Barrel an Produkten auf den Markt.

Gegenwärtig sind es etwa

800 000 Barrel (1 B a r r e l = 159 L i t e r ) pro Tag.

Ein großer T e i l der Über-

schußkapazitat werde i n die Vereinigten Staaten e x p o r t i e r t , während Japan
a l s Markt noch geschlossen s e i .
US-Energieminister Herrington äußerte sich nach dem Abschluß der Konferenz

sehr

befriedigt

darüber,

daß a l l e

IEA-Länder

einen gemeinsamen

Nenner gefunden haben, um offene Marktbedingungen beizubehalten oder beschleunigt einzuführen.

Man beabsichtige, dies i n der Wsise zu handha-

ben, daß zusätzliche Erdölprodukte von jedem IEA-Mitgliedsland aufgenommen werden können, ohne damit den Markt zu verzerren.

"Offene Märkte ge-

währleisten wettbewerbsfähige Preise und f o l g l i c h V o r t e i l e
braucher", e r k l ä r t e e r .

f ü r den Ver-

"Zu diesem Iffeg g i b t es keine A l t e r n a t i v e , wenn

wir eine steigende Flut von Protektionismus vermeiden w o l l e n , aus dem wir
alle

i n schlechterer

Verfassung hervorgehen würden im Vergleich zu den

Bedingungen, die wir heute haben."

Herrington äußerte sich

überzeugt,

daß Japan e h r l i c h bestrebt s e i , seine Märkte zu öffnen und die Bürde des
wachsenden Angebots zn Erdölprodukten gemeinsam mit anderen IEA-Ländern
zu tragen.

Von einigen IEA-Mitgliedern wurde während der Pariser Konferenz der
Wjnsch nach m u l t i l a t e r a l e n Gesprächen zwischen Ländern der IEA und der
OPEC (Organisation erdölexportierender

Staaten)

vorgebracht.

zahl sprach sich jedoch dagegen aus.

Auf eine Frage von Journalisten

sagte Herrington, daß er den gegenwärtigen Zeitpunkt

für

Die Mehr-

multilaterale

Gespräche von Produzenten und Verbrauchern nicht f ü r geeignet h a l t e und
auch die meisten IEA-Mitglieder dafür e i n t r ä t e n , die 1983 vom M i n i s t e r r a t
entwickelte P o s i t i o n beizubehalten.
ziehungen mit

Die USA seien an konstruktiven Be-

den energieproduzierenden und exportierenden Ländern v i e l

gelegen, und sie seien überzeugt, daß dies am besten auf b i l a t e r a l e r Bas i s zu e r z i e l e n s e i .

Die IEA s e i i n diesem Zusammenhang e i n nützliches

Forum f ü r den Austausch von Informationen.

Auf mögliche

�Auf mögliche Auswirkungen eines

drastischen Absinkens der "Ölpreise

auf dem Weltmarkt angesprochen, e r k l ä r t e

Hrrington:

"Eines der Dinge,

die wir i n der i n t e r n a t i o n a l e n Wirtschaft und i n den Beziehungen zwischen
Ländern brauchen, i s t S t a b i l i t ä t . . .
oder ' r a d i k a l e r

Wenn Sie von 'drastischem Rückgang'

Bewegung i n Preis oder Belieferung'

i c h , daß radikale Bewegungen nicht gut s i n d .

sprechen, so meine

Wir hätten l i e b e r S t a b i l i -

t ä t und allmähliche Veränderung, f a l l s es Veränderungen geben s o l l . "

Als e i n Gebiet von besonderem Interesse f ü r die Vereinigten Staaten
bezeichnete

Herrington verstärkte

schung und Entwicklung.
für

den Rahmen für

internationale

Zusammenarbeit

in

For-

Das Kommunique des IEA-Ministerrats schaffe da-

bemerkenswerten F o r t s c h r i t t

i n den nächsten Jahren.

Auch seien die USA b e s t r e b t , für die Nutzung der noch immer unzureichend
eingesetzten Kernenergie und einer
unter w i r t s c h a f t l i c h

"sauberen Kohle" rasche

tragbaren Bedingungen zu e r z i e l e n .

Fortschritte

Über eine M i t -

wirkung der Regierungen bei der Einsparung von Energie gebe es
schiedliche Standpunkte.

unter-

Jedoch sei man sich e i n i g darüber, daß im l e t z -

ten Jahrzehnt die Bemühungen um Einsparung die Energiesicherheit

gestei-

gert hätten und diese "Energiequelle" k ü n f t i g noch mehr i n Anspruch genommen werden müsse.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei für die USA e i n s t a r k e s , wirksames
Umweltprogramm.

Und sie sähen "eine der Aufgaben der IEA d a r i n , s i c h e r -

z u s t e l l e n , daß der E n e r g i e p o l i t i k das i h r zustehende Gewicht i n Umweltentscheidungen

beigemessen

wird",

erklärte

Herrington.

"Gleichzeitig

wünschen w i r , daß sich die IEA auch w e i t e r h i n eindeutig auf Fragen der
Energiepolitik

konzentriert,

insbesondere auf E n e r g i e p o l i t i k unter

ihren

mannigfaltigen Aspekten."
Auch habe die IEA nach Ansicht der USA eine wichtige Rolle bei der
I d e n t i f i z i e r u n g von Barrieren für die Marktkräfte und zur Förderung eines
f r e i e n Marktes zu s p i e l e n .

Die Höhe des Energieverbrauchs werde w e i t e r -

h i n von Veränderungen der Preise bestimmt.

Die Konsumenten seien nach

den Preisschocks der siebziger Jahre stärker zu a l t e r n a t i v e n , vom Preis
her besser wettbewerbsfähigen Energieträgern übergegangen, und der Nutz-

�der Nutzeffekt der Energienutzung wurde erhöht.

So liege heute der Vfelt-

verbrauch an Öl fünf bis sechs M i l l i o n e n Barrel pro Tag n i e d r i g e r a l s zur
Zeit des höchsten Verbrauchs im Jahr 1979.

Inzwischen erhöhte sich j e -

doch die Ölproduktion aus Ländern, die nicht der OPEC angehören.

Außer-

dem werden neue Ölvorkommen erschlossen, beispielsweise i n Kolumbien, im
Jemen, i n China und im P a z i f i k

vor der Halbinsel S ü d k a l i f o r n i e n .

Alle

diese Faktoren wirkten zusammen und führten b e r e i t s dazu, daß, weltweit
gesehen, die Ölproduktion aus erschlossenen Vorkommen um ca. zehn M i l l i o nen Barrel pro Tag gedrosselt wurde.

G l e i c h z e i t i g s e i , so e r k l ä r t e Her-

r i n g t o n vor dem Energie-Unterausschuß des Repräsentantenhauses mit einem
weiteren Preisdruck
rechnen.

auf

Längerfristige

sicherheitsfaktoren
dem Vfeltölmarkt

dem Ifeltmarkt

f ü r Öl i n der

nächsten Z e i t

zu

Vorhersagen seien zwar mit sehr v i e l mehr Un-

behaftet.

Jedoch sei es denkbar, daß die Lage auf

im nächsten Jahrzehnt wieder etwas angespannter

werden

könnte, wenn die gegenwärtige Überschußproduktionskapazität abgebaut i s t .

- 6 -

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und

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

31. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Schlußakte von Helsinki - Neue Ära f ü r Europa

- Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier Richard B u r t :

USA werden KSZE-Prozeß nicht aufgeben

- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlußakte von Helsinki
Sowjets blockieren F o r t s c h r i t t e bei Verhandlungen über chemische
Waffen
- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation - Katalysator für f r i e d l i c h e Weltraumnutzung
- Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte
im Dienst der Menschheit Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum
- Gründliche Projekte-Bewertung e r f o r d e r l i c h - Neubeginn an der Basis
vorgeschlagen * * * * *

Um Übcr/cndung von
ßeleQexemptaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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J

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

31. J u l i 1985

SHJLTZ: SChLUSSAKTE VON HELSINKI - NEUE A'RA FÜR EUROPA
Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier -

HELSINKI -

(AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz wies

am 30. J u l i 1985 i n Helsinki i n seiner Rede zum zehnten Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte
niemand "die K l u f t

von Helsinki

im Jahr 1975 darauf h i n , daß

zwischen Erhofftem und Erreichtem" b e s t r e i t e n könne;

er betonte jedoch auch, daß dennoch Hoffnung auf "eine neue Ära für die
Beziehungen i n Europa" bestehe, "die die Versprechen von Helsinki neues
Leben einhauchen".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Die p o l i t i s c h e n Werte der Neuzeit, die unserer Z i v i l i s a t i o n zugrunde
l i e g e n , e r b l i c k t e n i n Europa das L i c h t der Welt.

Der Glaube an mensch-

lichen F o r t s c h r i t t , an die Rechte des einzelnen gegenüber dem S t a a t , an

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Telex: 8-85432

�Staat, an eine friedliche internationale Ordnung - dies ist das Vermächtnis, das uns das Denken und die Kultur Europas seit der Aufklärung überliefert haben.

Bisweilen wurde die Flamme dieses humanitären Denkens

durch Unterdrückung, Intoleranz und Krieg zurückgedrängt.

Aber immer

auch waren diese Werte lebendig und bedeuteten für die Menschheit Hoffnung und Inspiration - auf die Erweiterung der Grenzen menschlichen Wissens , auf einen Aufstieg zu höheren Bereichen der menschlichen Existenz,
auf friedliches Zusammenleben mit unseren Nachbarn, auf Vertrauen in
Fortschritt und in Freiheit für uns selbst und unsere Welt.

Tragischerweise ist Europa heute ein geteilter Kontinent.
Ideale der europäischen Zivilisation sind nicht verschwunden.

Doch die
Sie leben

noch immer in jedem Land, in jeder Stadt und jedem Dorf, auf jeder Straße, in jedem Heim, in West und Ost.

Sie verbinden Europa.

Die Barrie-

ren, die Mauern, der Stacheldraht und die Waffen können die Europäer
nicht wirklich von ihrem Erbe trennen.

Die geistige Stärke der europäi-

schen Zivilisation kann nicht durch künstliche und listenreiche, von Regierungen geschaffene Hindernisse auseinandergebrochen werden.

Europa, vergessen wir dies nicht, war auch früher schon geteilt,
wenngleich niemals so radikal.

Politische Systeme von erheblichem Unter-

schied lebten Seite an Seite über Hunderte von Jahre hinweg auf diesem
Kontinent.

Es gab Kaiserreiche, konstitutionelle Monarchien und Dikta-

turen neben Republiken und Demokratien.

Religionskriege brachten über

die Jahrhunderte hinweg unzähligen Unschuldigen den Tod.

Und allein in

diesem Jahrhundert machten die Menschen Europas zwei Weltkriege durch,
die ihren Kontinent verwüsteten.

Nur die heldenhaften Anstrengungen der

westlichen Demokratien und der Sowjetunion retteten Europa vor Hitlers
Tyrannei. Aber Europa hat auch diese schweren Zeiten überstanden.

Und der moderne Gedanke der Freiheit ist seit dem 18. Jahrhundert gewachsen und gediehen.

Er hat alle Konflikte und Teilungen in der Ge-

schichte Europas überlebt, weil selbst in den dunkelsten Augenblicken das
Streben der Menschen nach Freiheit der Rede und des Denken sowie nach ungehinderten

Bewegungsfreiheit

auf

dem

- 2-

ganzen

Kontinent

niemals

ver-

�niemals verschwand.

Der Glaube an die Rechte des einzelnen ist in der

europäischen Philosophie und Geschichte tief verwurzelt.

Vielleicht kann kein Angehöriger meiner Generation hier erwarten, daß
die Mauern und der Stacheldraht wie von Zauberhand noch zu unserer Lebzeit verschwinden werden, aber sicherlich muß sich die Teilung zu Lebzeiten vieler ändern, die heute leben.

Und dennoch gibt es einige Dinge, auf die wir schon jetzt hoffen können:

daß der Gedanke der Freiheit in Europa auch weiterhin wächst, sogar

in den Bereichen der Finsternis hinter den Mauern, und daß Frieden über
diesen Kontinent herrscht, trotz anhaltender Konfrontation zwischen Ost
und West.

Heute stehen Mächte und politische Vterte einander in Europa im

Wettstreit gegenüber.

Ihre Differenzen mögen letztlich vielleicht nicht

miteinander vereinbar sein. Aber wir hoffen dies nicht. Allerdings wird
es Spannungen solange geben, wie manche auch weiterhin darauf beharren,
die grundlegendsten Menschenrechte zu verletzten.

Aber könne wir nicht

wenigstens die Drohung eines bewaffneten Konfliktes verringern?

Können

wir nicht ein größeres Maß an Freiheit für alle Europäer, für alle Menschen erreichen?

Wir, die Erben des europäischen Geistes, müssen ihn für

die kommenden Generationen auf dem ganzen Kontinent lebendig erhalten.

Dies sind die Hoffnungen, die die Konferenz von Helsinki vor einem
Jahrzehnt inspirierten.

Die Staatsmänner in Helsinki begriffen, daß die

beiden Ziele von Frieden und größerer Freiheit in Europa unlösbar miteinander verbunden sind.

Sie erkannten, daß wir es uns selbst und unseren

Kindern schuldig waren, die große europäische Tradition auch in diesen
schwierigen Zeiten am Leben zu erhalten.

Heute begehen wir den zehnten Jahrestag der Schlußakte von Helsinki.
Wenn sich aus der Geschichte der ersten zehn Jahre der Schlußakte eine
einzelne Lektion ziehen läßt, so ist es genau die, daß die Interessen des
einzelnen Menschen ein grundlegender Teil der Sicherheit und der Stabilität in Europa sind.

Größere Sicherheit und ein stabilerer Frieden zwi-

schen unseren Staaten hängen von größerer Freiheit für die Menschen in
Europa ab.
Die Schlußakte

�Die Schlußakte war Ausdruck der humanistischen Tradition Europas.
Sie

akzentuierte

Freiheiten.

die grundlegendsten Menschenrechte und

fundamentalen

Sie forderte einen freieren Fluß von Informationen, Ideen

und Menschen.

Sie bot die Möglichkeit größerer Zusammenarbeit zwischen

Staaten und Menschen.

Sie unterstrich die grundsätzlichen Prinzipien der

Beziehungen zwischen Staaten.

Und sie bekräftigte in ihrer Struktur und

in ihrer Zielsetzung die Erkenntnis, daß Sicherheit, wirtschaftliche Beziehungen, Menschenrechte
gleicher Bedeutung

und Kontakte

zwischen den Völkern alle von

sind und miteinander in Beziehung stehen.

Friede

schließt die Totalität unserer Beziehung ein.

Bei der Unterzeichnung der Schlußakte vor zehn Jahren bestand für uns
als Regierungen die Erkenntnis, daß wir über die traditionelle Tagesordnung von Regierungen hinauszugehen hätten, um Fortschritt in Richtung auf
mehr Sicherheit und auf einen stabileren Frieden zu machen.

Wir erkann-

ten, daß unsere Sicherheitsbedürfnisse über Mauern und Waffen hinausgehen
mußten, daß hierzu auch gehörte, Wage zu finden, um Mißtrauen abzubauen,
Hindernisse zu beseitigen, größeres Vertrauen zu schaffen und die Kontakte zwischen den Völkern in Europa zu verstärken.

Und wir erkannten, daß

dies nur erreicht werden könne, wenn die Verpflichtungen über unsere Regierungen hinausreichen würden, um auch die Hoffnungen, den guten Willen
und die echten Bemühungen unserer Völker einzuschließen.

Und in der Tat wurde der Schlußakte von Helsinki die Aufmerksamkeit
und die Begeisterung unserer Völker zuteil, weil sie all jenem förderlich
war, was die europäische Zivilisation über die Jahrhunderte hinweg verband, und weil sie das Tor für eine bessere Zukunft öffnete. Die Schlußakte beschrieb Wage, um Abgründe zu überbrücken und um zumindest etwas
von dem Mauern niederzureißen, die seit 1945 errichtet worden waren. Sie
bot eine Definition unserer gemeinsamen Sicherheit, die sowohl umfassend
als auch präzise war.

Sie gab den Bürgern aller Teilnehmerstaaten die

Hoffnung, daß sie alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen und zu einer besseren, sichereren Walt beitragen könnten.

Vor allem aber war sie bestrebt,

die Rechte des einzelnen zu bewahren.
Die Botschaft der

�Die Botschaft der Schlußakte bestand darin, daß wir die Teilungen in
Europa abbauen, daß wir die von ihnen verursachten Leiden verringern und
daß wir darauf hoffen können, eines Tages einen ungeteilten, friedlichen
Kontinent zu erleben, wenn wir klug genug, praktisch genug und engagiert
genug sind.

Wir alle waren uns bewußt, daß es nicht leicht sein würde, aus unseren Hbffnungen Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir waren uns bewußt, daß

unsere Erwartungen hinsichtlich dessen, was sein könnte, durch Realismus
gedämpft werden müßten und daß Fortschritt nur langsam kommen würde.

Wir

wußten, daß - wie Präsident Ford es formuliert hatte - , "die Geschichte
diese Konferenz nicht nach dem beurteilen wird, was wir heute hier sagen,
sondern nach dem, was wir morgen tun werden -

nicht nach den Verspre-

chungen die wir machen, sondern nach den Versprechen, die wir halten."
Aber wir wußten auch, daß die hier niedergelegten Ziele und Grundsätze es
wert waren, daß man sich für sie engagierte.

Das Besondere an der Schlußakte bestand darin, daß sie nicht nur Ausdruck von Ziel und

Grundsätzen war; sie war zugleich ein Programm prak-

tischer Schritte, um aus unseren hbffnungen Realität werden zu lassen.
Sie bot einen Maßstab, um den es sich zu bemühen galt und an dem mann unser Verhalten messen konnte.

Vielleicht werden wir nicht so bald den Tag

erleben, da alle Staaten diesem Maßstab gerecht werden, aber durch eben
diese Bemühungen könnten ein sichererer Frieden, mehr Freiheit des einzelnen und somit eine größere Verwirklichung des gewaltigen Potentials
Europas zustande kommen.

Können wir auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken und zumindest
begrenzten Fortschritt sehen?

Ich glaube, die Antwort ist ja - auch wenn

es noch immer die Realität der europäischen Teilung gibt.

Betrachten wir

uns noch einmal diese vergangenen zehn Jahre und beurteilen wir ganz
praktisch und konkret den Fortschritt nach Maßgabe der Schlußakte.
me Erklärungen sind billig.

From-

Echter Fortschritt kann nur in seiner Aus-

wirkung auf den Menschen gesehen werden.
Die Schlußakte
- 5-

�Die Schlußakte hatte einige praktische Auswirkungen.

Heute

reisen

Journalisten ungehinderter

zwischen unseren Ländern.

Eine große Zahl von Bürgern aus einigen osteuropäischen Ländern wurden
mit ihren Familien im Vtesten zusammengeführt.

Wenn wir betrachten, wo-

rauf wir hofften, und was uns möglich erschien, als die Schlußakte unterzeichnet wurde, so trugen unsere Folgekonferenzen in Belgrad und Madrid
dazu bei, diese Öffnungen und Möglichkeiten am Leben zu erhalten.

In

gleichem Maße erhalten unser jüngstes Treffen in Ottawa wie auch die
derzeitigen Verhandlungen in Stockholm unsere Vorstellungen für die Zukunft am Leben.

Das Erreichte sollte nicht unterschätzt werden.

Es hat den Vteg ge-

wiesen, den wir weitergehen müssen, wenn wir in Zukunft unsere Beziehungen auf eine bessere und stabilere Grundlage stellen wollen und wenn wir
die Möglichkeit der Freiheit für alle Europäer schaffen wollen.

Und doch kann zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Schlußakte niemand die Kluft zwischem Erhofftem und Erreichtem leugnen.

Trotz des kon-

kreten Vtertes der Schlußakte als Verhaltensmaßstab wurden die wichtigsten
Versprechen, die vor einem Jahrzehnt abgegeben wurden, nicht eingehalten.

Die Sachlage im einzelnen

In der Schlußakte haben wir uns alle verpflichtet, Anträge von Einzelpersonen auf Familienzusammenführung positiv und auf humane Art und
Vteise zu behandeln.

In den letzten fünf Jahren ist jedoch die Zahl der

sowjetischen Bürger jüdischer Nationalität, denen man, hauptsächlich aus
Gründen der Familienzusammenführung, die Ausreise gestattet hat, von über
51 000 auf 896 gefallen.

Im Hinblick auf sowjetische Bürger deutscher

oder armenischer Nationalität war der gleiche bedauernswerte Trend zu
verzeichnen.

Es gibt mehr
- 6-

�Es gibt mehr als 20 Fälle amerikanisch-sowjetischer Ehen, in denen
dem sowjetischen Ehepartner ungeachtet der in der Schlußakte von Helsinki
enthaltenen Sonderbestimmungen die Ausreiseerlaubnis zweimal oder noch
öfter verweigert wurde.

Juri Balowlenkow, der im Jahre 1978 eine ameri-

kanische Staatsbürgerin geheiratet hat, befand sich vom 25. März bis zum
4. Juli dieses Jahres aus Protest gegen die Tatsache, daß man ihm seit
sechs Jahren die Ausreise verweigert, im Hungerstreik.

Er hat nur eine

seiner beiden Töchter jemals zu Gesicht bekommen und befindet sich in
sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung.

Die Schlußakte sichert jedem einzelnen das Recht zu, von den Bestimmungen des Abkommens Kenntnis zu erhalten und im Einklang mit ihnen zu
handeln.

Die Gruppe von Bürgern, die sich in Moskau zusammengefunden

hatte, um die Durchführung der Schlußakte in der Sowjetunion zu überwachen, löste sich jedoch im September 1982 aus Angst vor weiterer Verfolgung auf.

Es handelte sich dabei um eine Gruppe engagierter sowjetischer

Bürger, die den Entschluß ihres Landes zur Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki mit Genugtuung

und Stolz begrüßt hatten.

Heute jedoch

siecht Jurij Orlow, der Gründer der Gruppe, nach siebenjähriger Haft in
einem Arbeitslager

in einem entlegenen Teil Sibiriens dahin.

Anatoly

Schtscharansky, ein Gründungsmitglied der Gruppe, wurde 1977 unter einer
falschen Anschuldigung inhaftiert, hat einen Teil seiner 13jährigen Haftstrafe im berüchtigten Gefängnis von Christopol abgeleistet und verbringt
nun den

Rest

in einem

der

brutalsten Arbeitslager

der Sowjetunion.

Anatoly Martschenko, ein weiteres Mitglied der Gruppe, leistet gegenwärtig eine 12jährige Haftstrafe ab und darf seit über einem Jahr mit seiner
Familie keinen Briefwechsel mehr führen.

Der Gesundheitszustand von Iwan

Kowaljow, der ebenfalls Mitglied der Gruppe war, hat sich Berichten zufolge seit seiner Verlegung in ein Arbeitslager erheblich verschlechtert.
Seine Gattin und eine

seiner Mitgefährtinnen

in der Gruppe, Tatjana

Osipowa, waren ursprünglich zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden,
aber die Strafe wurde vor kurzem um zwei Jahre verlängert.

Sergej Batowrin, der Gründer einer Friedensgruppe in Moskau, wurde
zunächst schikaniert, dann in eine psychiatrische Anstalt gesteckt und
- 7-

�gesteckt und s c h l i e ß l i c h , a l s er nicht davon abließ , für den Frieden i n
der gleichen Vteise einzutreten wie so v i e l e Tausende junger Menschen i n
anderen Ländern auch, aus seinem Heimatland einfach hinausgeworfen.

An-

deren Friedensaktivisten wie auch solchen Personen, die f ü r die Rechte
der Frauen oder
widerfahren.

für

f r e i e Gewerkschaften gekämpft haben, i s t

ähnliches

Im Januar dieses Jahres wurden i n Moskau die Gründer einer

sozialdemokratischen P a r t e i i n s Gefängnis geworfen.
Am 14. Juni dieses Jahres wurden i n Danzig Bogdan L i s , Adam Michnik
und Wladyslaw Frasyniuk zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und d r e i e i n halb Jahren v e r u r t e i l t .

Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen hatten

vorgeblich nichts mit ihrem eigentlichen "Verbrechen" zu t u n : Sie hatten
bei dem Kampf um f r e i e Gewerkschaften i n der vordersten Reihe gestanden,
wobei anzumerken i s t , daß das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit im Schlußdokument der Madrider Folgekonferenz anerkannt w i r d .
mir

Klebanows, i n

der Sowjetunion eine

Die Versuche WLadi-

f r e i e Gewerkschaft

zu gründen,

trugen ihm jedoch eine v i e r j ä h r i g e Einweisung i n eine psychiatrische

Kli-

nik e i n .
E i n d e r a r t i g e r Mißbrauch der Psychiatrie b l i e b keineswegs auf Gewerkschafter und Friedensaktivisten beschränkt.

I n der Ukraine wird Wladimir

Chailo, e i n evangelischer B a p t i s t , wegen seines Glaubens und seiner Bemühungen um Ausreise mit seiner G a t t i n und seinen 15 Kindern s e i t 1980 i n
psychiatrischen K l i n i k e n festgehalten.

Das Angebot, daß man i h n f r e i l a s -

sen werde, wenn er seinen Glauben aufgäbe, hat er abgelehnt.
All

diejenigen,

die

ihre

religiöse

Überzeugung a k t i v

möchten - und zwar C h r i s t e n , Juden und Moslems - ,
Haft oder Einweisung i n psychiatrische A n s t a l t e n .

praktizieren

r i s k i e r e n Schikanen,
B a p t i s t e n , ukrainische

und l i t a u i s c h e Katholiken, Russisch-Orthodoxe, Adventisten vom Siebenten
Tage und Angehörige der Pfingstbewegung - sie a l l e werden i n zunehmendem
Maße unterdrückt.

Dina Schwedsowa, Wasyl Kobrin, Pater Alfonsas Swarins-

kas, Pater Gleb Jakunin, Pastor N i k o l a i Goretoi und Pastor V i k t o r

Walter

sind nur einige der Christen, die gegenwärtig i n der Sowjetunion wegen
ihres Glaubens Strafen von b i s zu zwölf Jahren im Gefängnis oder i n der

�in der Verbannung ableisten.

Eine kleine Gemeinde der Pfingstbewegung

aus dem Dorf Tschuguewka in der sowjetischen Fernostprovinz hatte in den
vergangenen Monaten schwer zu leiden.

Zehn Gemeindeälteste sind zu bis

zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden, und die anderen verloren ihre
Arbeitsstellen.

Sechs Familien hat man angedroht, ihnen das Sorgerecht

für ihre Kinder zu entziehen.

Seit Juli vergangenen Jahres sind in der Sowjetunion zumindest 16 in
der jüdischen Glaubensgemeinschaft tätige Personen, darunter neun Hebräischlehrer, inhaftiert worden; viele sind aufgrund offensichtlich fingierter Anklagen schuldig gesprochen und zu drei bis vier Jahren Strafoder Lagerhaft verurteilt worden.

Iosif Berenschtein, der gegenwärtig

eine vierjährige Haftstrafe ableistet, wurde im Gefängnis schwer zusammengeschlagen und mit Messerstichen verletzt, so daß er sein Augenlicht
fast verloren hat.

July Edelschtein, der eine dreijährige Strafe ablei-

stet, wurde in einem sibirischen Arbeitslager Berichten zufolge wiederholt zusammengeschlagen, und zwar im Rahmen eines Versuchs der Lagerleitung, "ihm seinen religiösen Fanatismus auszutreiben".

Abusakar Rahimow, ein Moslem aus Taschkent im sowjetischen Zentralasien, wurde 1982 zu sieben Jahren verschärfter Zwangsarbeit verurteilt,
weil er islamisches Schrifttum, u.a. Übersetzungen des Korans, verteilt
hatte.

Im vergangenen Jahr wurden in der Tschechoslowakei sieben Priester
und Nonnen wegen "Widersetzlichkeit gegen die staatliche Aufsicht über
die Kirchen und religiösen Orden" inhaftiert.

Schließlich ist auch Andrei Sacharow, der Mann, der mehr als jeder
andere die Ideale der Schlußakte verkörpert, in seiner Verbannung - wahrscheinlich immer noch in Gorki - nach wie vor völlig von der Außenwelt
isoliert.

Sogar jetzt, während ich spreche, könnte er sich in einer Kli-

nik befinden, da er vor kurzem in einen Hungerstreik getreten war, um
seiner geliebten Gattin zu einer ordentlichen medizinischen Behandlung zu
verhelfen.

Wir haben Grund zu der Annahme, daß man ihn zwangsernährt

hat, um seinen Hungerstreik zum Scheitern zu bringen.
Wir

können

nicht

�Wir können nicht über den Helsinki-Prozeß sprechen, ohne auch über
Menschen zu sprechen, denn ihnen soll die Schlußakte von Helsinki ja eigentlich zugute kommen. Außerdem hat das Schicksal dieser Einzelpersonen
Auswirkungen auf das Verhalten von Tausenden, vielleicht sogar von Millionen von anderen, indem es ihnen vor Augen führt, was mit denen geschieht, die es wagen, von ihren Rechten und Freiheiten Gebrauch zu machen.

Mein Land und die meisten der anderen hier vertretenen Staaten sind
nach wie vor entschlossen, das Programm der Schlußakte und alle ihre Bestimmungen in die Tat umzusetzen.
Geduld erfordern wird.

Wir wissen, daß dies harte Arbeit und

Wir meinen, daß praktische Schritte zur Verbesse-

rung der Zusammenarbeit zwischen Staaten, zur Vermehrung der Kontakte
zwischen den Völkern und zur besseren Gewährleistung der Achtung vor den
Rechten des Individuums den sichersten Prüfstein für politische Absichten
darstellen.

Die Bestimmungen der Schlußakte sind unteilbar.

Auf allen

Gebieten müssen Fortschritte erzielt werden. Auf der Folgekonferenz, die
im kommenden Jahr in Wien stattfinden wird, werden wir erneut eine Gelegenheit zur Bewertung dieser Fortschritte haben.

Wir sind davon überzeugt, daß die Zukunft nicht so düster aussehen
muß wie die jüngere Vergangenheit.

Während wir dem nächsten Jahrzehnt

des KSZE-Prozesses entgegensehen, sollten wir auch einen Blick zurückwerfen und uns die praktischen, nutzbringenden Maßnahmen vergegenwärtigen,
die wir damals aufgelistet haben, und uns selbst an den Maßstäben messen,
die wir aufgestellt haben.

Die Stockholmer Konferenz bietet uns eine Gelegenheit, im militärischen Bereich mehr Vertrauen und Sicherheit herzustellen.

Das von den

westlichen Teilnehmern in Stockholm vorgeschlagene Paket konkreter Maßnahmen bezieht sich auf einige der Ursachen von Kriegen, nämlich auf
Fehleinschätzungen und -Interpretationen.

Diese Maßnahmen könnten dazu

beitragen, sicherzustellen, daß die bestehenden Streitkräfte niemals zum
Einsatz kommen.

Sie ermuntern zu mehr Offenheit über Fragen der Streit-

kräfte und zu einem verstärkten Informationsaustausch, und dies würde das
gegenseitige Verständnis verbessern und die Gefahr eines Uberraschungsan- 10-

�eines Überraschungsangriffs vermindern. Wie Präsident Reagan vor mehr als
einem Jahr in Dublin und erst unlängst wieder in Straßburg erklärte, sind
wir bereit, das Prinzip des Gewaltverzichts - auf das die Vereinigten
Staaten ohnehin verpflichtet sind - zu erörtern, wenn dies die Sowjetunion veranlassen könnte, über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip
eine konkrete Bedeutung verleihen würden.

Es sollte möglich sein, eine

Lösung zu finden, die unsere Sicherheit erhöht, den Frieden in Europa
stärkt und hierdurch schließlich dazu beiträgt, die Lebensbedingungen unserer Völker zu verbessern.

Wir sind bereit, in Stockholm die Dinge in

allen Bereichen voranzutreiben.

Durch Schritte, die eine unmittelbare Bedeutung für das Leben der
Menschen haben, können wir unser aller Sicherheit erhöhen, einen stabileren Frieden schaffen und die Lebendigkeit der europäischen Zivilisation
in der Zukunft stärken.

Die Freiheit des Individuums, über sein Geschick

selbst zu bestimmen, ist nicht nur ein gutes Endziel, sondern auch ein
guter Ausgangspunkt.

Fortschreitende Verbesserungen sind sehr wichtig,

aber dies gilt auch für konkrete Schritte, die z.B. dem Ziel dienen, bessere Auswanderungsbedingungen

zu schaffen, Ehegatten und Personen mit

doppelter Staatsbürgerschaft die Vereinigung mit ihren Lieben zu ermöglichen und Menschenrechtskämpfer und Religionslehrer wieder auf freien
Fuß zu setzen.

Jeder von uns hat die Pflicht, auf Fortschritte zu dringen, wo immer
dies möglich ist.

Eine besonders dringliche Aufgabe besteht darin, der

Ausbreitung chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

In den letzten Jahren

sind solche Waffen zu oft in brutaler Waise eingesetzt worden, und zwar
nicht nur gegen Militärstreitkräfte , sondern auch gegen unschuldige Zivilisten.

Die Wsiterverbreitung und der Einsatz dieser Waffen deuten in

unheilvoller Waise darauf hin, daß gegenwärtig Hemmungen fallen, die lange bestanden haben.

Wir alle müssen uns überlegen, welche Schritte wir

ergreifen können, um dem Einsatz dieser Waffen jetzt Einhalt zu gebieten,
ihre

Weiterverbreitung

zu verhindern und den Bemühungen in Genf mehr

Schubkraft zu geben, d.h., den Bemühungen um einen verifizierbaren Vertrag, der diese Waffen wirklich für immer verbieten würde.
Die Vereinigten
- 11-

�Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben bei den gegenwärtig
in Genf

laufenden

Rüstungskontrollverhandlungen

die

Gelegenheit, zur

Schaffung einer sichereren Vtelt beizutragen, und im November werden die
führenden Persönlichkeiten unserer Länder zusammentreffen, um das gesamte
Spektrum der zwischen uns anstehenden Fragen zu überprüfen.
reit und willens, diese Gelegenheit zu nutzen.

Wir sind be-

Unsere beiden Länder

sollten in geduldiger und ernsthafter Arbeit darangehen, Probleme zu lösen und zum Nutzen unserer beiden wie auch anderer Staaten Abkommen zu
schließen.

Schritte zur Verminderung von Waffen und zur Verbesserung der Sicherheit , Schritte zur Verstärkung des Austauschs im wirtschaftlichen und in
anderen Bereichen sowie Schritte zur Linderung von Leid und zur Bereicherung des Lebens der Menschen - all dies verstärkt sich wechselseitig.
All dies bildet einen Teil des gleichen in der Schlußakte von Helsinki
niedergelegten Gesamtplans zur Sicherheit und Zusammenarbeit.

In ihrer

Gesamtheit könnten solche Schritte eine neue Ära der Beziehungen in Europa einläuten, eine Ära, die den Versprechen von Helsinki und der größeren
Verheißung der Geschichte Europas neues Leben einhauchen könnte.

Diese Schritte sind keineswegs umwälzend oder schwer einzuleiten,
aber sie sind wichtig und haben eine weitergehende Bedeutung.
dern von uns allen

Sie for-

lediglich Mut und den entsprechenden politischen

Willen.

- 12-

�3 1 . J u l i 1985

30

RICHARD BURT: USA VERDEN KSZE-PROZESS NICHT AUFGEBEN
- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlußakte von Helsinki -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer über F e r n s e h s a t e l l i t

geschalteten

Pressekonferenz mit europäischen Journalisten (EURONET) bewertete Richard
B u r t , der kommende US-Botschafter
24.

Juli

i n der Bundesrepublik Deutschland, am

1985 die Ergebnisse der vor zehn Jahren von 35 Staaten u n t e r -

zeichneten Schlußakte von H e l s i n k i .
Auf der p o s i t i v e n Seite seien
- mehr Kontakte zwischen Ost und West,

- ungehindertere Reisemöglichkeiten für Journalisten nach Osteuropa

sowie ein vermindertes Konfliktrisiko in Europa
zu verbuchen.
In negativer

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�I n negativer Hinsicht hatte "sich das, was im Bereich der Menschenrechte i n der Sowjetunion und i n einigen anderen osteuropäischen Staaten
geschieht, nicht verbessert.

Ja, es hat sich v e r s c h l e c h t e r t . "

Das EURONET-Interview mit Botschafter Burt hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Mr. B u r t , vor zehn Jahren wurde die Schlußakte der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit i n Europa (KSZE) h i e r i n Helsinki u n terzeichnet.

Wie würden Sie den KSZE-Prozeß bewerten, und wie s i e h t

Ihr

Grußwort zum 10. Jahrestag der Helsinki-Konferenz aus, der nächste Woche
begangen wird?
ANTWORT:
könnte.

Ich glaube, das i s t

Ich würde erst

die beste Frage, die man mir

einmal sagen, daß ich mich nicht

möchte, da der Außenminister,

stellen

"vordrängen"

der die amerikanische Delegation

nächste

Woche i n Helsinki l e i t e t , unsere S i c h t , was den 10. Jahrestag anbelangt,
darlegen w i r d .

Aber es g i b t

n a t ü r l i c h einige Punkte, die

zehnjährigen Erfahrung mit der Schlußakte sagen könnte.
fen zu sein:

i c h zu der

Und um ganz o f -

Wenn wir die Schlußakte bewerten, erkennen wir einiges an

Plus und einiges an Minus.
Was die p o s i t i v e Seite angeht, so b e k r ä f t i g t e die Schlußakte einige
sehr

wichtige

Verpflichtungen

hinsichtlich

der Menschenrechte, die

die

Staaten b e r e i t s i n früheren Abkommen eingegangen waren, so z. B. i n der
Charta der Vereinten Nationen.
zwischen

Ost

und

Die Schlußakte hat zu größeren Kontakten

West g e f ü h r t ,

Staaten i n Osteuropa.

insbesondere

zu den

nichtsowjetischen

Sie ermöglichte es den J o u r n a l i s t e n , sich ungehin-

derter i n einigen osteuropäischen Ländern zu bewegen; b l i c k t man also auf
diese Leistungen, so müssen wir sagen, daß es einigen F o r t s c h r i t t i n dem
sehr wichtigen Bereich der zwischenmenschlichen Kontakte gegeben hat.
Und n a t ü r l i c h schuf die Schlußakte einige vertrauensbildende Maßnahmen, die zum G r ö ß t t e i l

von den Staaten i n Ost- und Westeuropa

befolgt

werden und d i e , wie wir h o f f e n , die Spannungen v e r r i n g e r t , das Vertrauen

�das Vertrauen vertieft und somit auch das Konfliktrisiko in Europa verringert haben.
Was die negative Seite anbelangt, so müssen wir erkennen, daß die Sowjetunion den Verpflichtungen nicht gerecht geworden ist, die sie in der
Schlußakte übernahm, daß sich das, was im Bereich der Menschenrechte in
der Sowjetunion und in einigen anderen osteuropäischen Staaten geschieht,
nicht verbessert hat.

Ja, es hat sich verschlechtert. Uberwachungsgrup-

pen, die nach der Unterzeichnung der Schlußakte in Ländern wie der Sowjetunion und der Tschechoslowakei gebildet worden waren, wurden verfolgt, ja, die Gründer dieser 'Überwachungsgruppen wurden in der Sowjetunion inhaftiert oder befinden sich in psychiatrischen Kliniken.

Es ist daher wichtig, bei der Beurteilung der zehnjährigen Geschichte
der Schußakte von Helsinki den Taten wie den Werten Aufmerksamkeit zu
schenken, und ich bin sicher, daß Außenminister Shultz bei der Beschreibung unserer Haltung zu diesem zehnjährigen Jubiläum sich nächste Wache
in Helsinki auf die Taten konzentrieren wird.

FRAGE:

Außenminister Shultz wird in Helsinki zum erstenmal seinen

sowjetischen Amtskollegen

Schewardnadse

treffen.

Im November

sich Präsident Reagan und Parteichef Gorbatschow in Genf.

treffen

Wie steht es

heute um die Aussicht der Beziehungen zwischen den Supermächten?

ANTWORT:

Auch das ist wieder eine sehr wichtige Frage.

Wir sind

durch die Tatsache ermutigt, daß dieser Prozeß von Treffen auf höchster
Ebene in Gang gekommen ist.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von

Amerika hat immer wieder betont, daß Dialog ein wichtiger Aspekt unserer
Politik gegenüber der Sowjetunion ist, und wir sähen gern Fortschritte
mit der Sowjetunion bei einer ganzen Bandbreite von Fragen - einschließlich der Rüstungskontrolle und der Frage der Menschenrechte, auf die ich
vor ein paar Minuten abhob, einschließlich der regionalen Probleme in
Ländern wie Afghanistan, in unruhigen Regionen wie Südostasien und im
südlichen Afrika; und wir hätten gerne Fortschritt in unseren bilateralen
Beziehungen.
Aber bei der

�Aber bei der Einbeziehung der Sowjetunion in diesen Dialog ist es
sehr wichtig, daß beide Seiten bereit sind, sich auf halbem Wag zu treffen, daß beide Seiten bereit und willens zu wichtigen Kompromissen sind,
damit es zu Fortschritt kommen kann; und bislang können wir nicht erkennen, daß die Sowjetunion etwa in Genf, im Rüstungskontrollbereich oder im
Bereich der Menschenrechte zu Kompromissen oder zu einer Flexibilität bereit ist, die es ermöglichen würde, einander auf halbem Wage entgegen zu
kommen.

Deshalb warnen wir vor zu hohen Erwartungen sowohl hinsichtlich des
Treffens nächste Wache zwischen Außenminister Shultz und dem neuen sowjetischen Außenminister Schewardnadse, als auch hinsichtlich des Treffens im November zwischen Präsident Reagan und Herrn Gorbatschow.
sind von der Bedeutung der Fortsetzung dieses Dialogs überzeugt.

Wir

Es ist

allerdings auch wichtig, daß unsere Erwartungen im Westen nicht so sehr
steigen, daß wir meinen, nur um des Fortschrittes bei diesen Beziehungen
willen müßten wir unsere Position tiefgreifenden Veränderungen unterziehen.

FRAGE:

In den Vereinigten Staaten bezog man sich auf die Schlußakte

meistens nur als die Menschenrechtsvereinbarungen von Helsinki.

Glauben

Sie nicht, daß dies eine zu große Betonung auf lediglich einen Teil der
Schlußakte legt, während etwa der zweite Teil, der sich auf Handel und
dergleichen bezieht sowie der erste Teil über Sicherheit dabei vergessen
werden?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, denn jedermann denkt auch an den

Sicherheits- und Handelsaspekt.
men.

Beide Seiten wollen ins Geschäft kom-

Sowohl die Wirtschaft im Westen als auch die Regierungen im Osten

haben immer nachdrücklich auf verstärkten Handel gedrängt.
also gewissermaßen Interessenvertretungen
baut.

Es sind hier

für vermehrten Handel einge-

Und natürlich denkt jeder auch an die Sicherheitsfrage.

Derzeit findet ja in Stockholm die KVAE, die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung statt.

Es konzentriert sich also er-

�also erhebliche Aufmerksamkeit auf die Aussicht auf verbesserte v e r t r a u ensbildende Maßnahmen, die auf den Konferenzen von Helsinki und Madrid
aufbauen.
Das Problem besteht d a r i n , daß man l e i c h t die Menschenrechtsdimension
vergessen kann, weil v i e l e Regierungen im Osten, insbesondere i n der Sowjetunion,

diesen Aspekt

der Schlußakte

" D r i t t e n Korb", am l i e b s t e n unter

von H e l s i n k i , den sogenannten

den Teppich kehren würden.

Es

ist

l e i c h t , das Flehen der Menschen zu vergessen, die emigrieren möchten.

Es

i s t l e i c h t , Menschen zu vergessen, die i n den k o n t r o l l i e r t e n , t o t a l i t ä r e n
Gesellschaften f r e i über das Thema Abrüstung oder andere Fragen sprechen
möchten.

Deshalb i s t es w i c h t i g , daß wir eine ausgewogene Diskussion von

Helsinki haben, das von Ihnen angesprochene Gleichgewicht

bewahren und

daran denken, auf das Problem der Menschenrechte hinzuweisen.
ist

Und dies

etwas, was für uns i n den Vereinigten Staaten und insbesondere

für

unsere KSZE-Kommission, zu der ja sehr herausragende M i t g l i e d e r des Kongresses gehören, eine große Bedeutung hat - und wir i n der Reagan-Admin i s t r a t i o n stimmen dieser Sicht der Dinge zu.
FRAGE:

Mr. B u r t , eine l e t z t e Frage,

hürden Sie sagen, daß die Han-

delsembargos und Begrenzungen beim Hochtechnologiehandel zwischen Ost und
Vtest den Verpflichtungen der Schlußakte gerecht werden, was die amerikanische Seite anbelangt?
ANTWORT:

Ich würde s i c h e r l i c h sagen, daß unsere Bemühungen um eine

Kontrolle des Transfers modernster Technologie i n den Osten i n Einklang
mit der Schlußakte von Helsinki s t e h t , da es bei i h r ja doch e i n z i g darum
geht, die Sicherheit i n Europa aufrechtzuerhalten.

Und es erhöht die S i -

cherheit i n Europa n i c h t , wenn die Vereinigten Staaten oder andere westl i c h e Länder der Sowjetunion modernste Technologie zur Verfügung s t e l l e n ,
die f ü r m i l i t ä r i s c h e Zwecke ausgebeutet werden kann und dann die S t r e i t k r ä f t e der westlichen Länder dazu zwingt, mehr für die Verteidigung auszugeben.

Einziger Zweck
- 5-

�Einziger Zweck der Schlußakte von Helsinki ist ja, die Sicherheit zu
bewahren und die Stabilität zu erhöhen, und dies wird nicht dadurch erreicht , daß man der Sowjetunion Technologie zur Verfügung stellt, die sie
zu militärischen Zwecken nutzen kann.

FRAGE:

Glauben Sie, es wäre angsichts der Tatsache, daß der KSZE-

Prozeß ursprünglich blockfrei gedacht war, aus amerikanischer Sicht möglich , diesen Gedanken wiederzubeleben?

ANTWORT:

Es ist sehr wichtig, den KSZE-Prozeß nicht als einen Dialog

zwischen dem NATO-Bündnis und dem

Warschauer Pakt anzusehen.

Es ist

vielmehr aus unserer Sicht des KSZE-Prozesses sehr wichtig für uns, die
Rolle und den Beitrag der neutralen und bündnisfreien Staaten anzuerkennen. Sie können in diesem Prozeß eine hervorragende Rolle spielen und haben dies in der Tat bislang ja auch getan.

Das Endergebnis der Madrider Konferenz vor etwa einem Jahr wurde ja
auch zu einem Großteil von den einfallsreichen und kreativen Ideen der
neutralen und bündnisfreien Länder gestaltet.

Und bei den jetzt laufen-

den KVAE-Verhandlungen in Stockholm spielen diese Staaten ja gleichfalls
eine wertvolle Rolle.

Was also die amerikanische Perspektive anbelangt, so konsultieren wir
natürlich auch hinsichtlich der KSZE-Fragen eng unsere Verbündeten, aber
wir möchten gleichfalls auch unsere Kanäle zu den neutralen und bündnisfreien Ländern weit offenhalten, da sie an diesem Prozeß einen wichtigen
Anteil haben und eine wertvolle Rolle spielen können.

FRAGE:

Vor zehn Jahren wurde das Treffen in Helsinki in einer Zeit,

wie ich sagen möchte, sehr großer Entspannung abgehalten.
wir in einer sehr düsteren Periode.

Heute leben

Wir erwarten uns bestimmte Ergebnis-

se von den Gipfeltreffen zwischen der UdSSR und den USA.

Glauben Sie,

daß von diesem Punkt in naher Zukunft ein gewisser Einfluß ausgehen wird?
Wie sehen Sie die Rolle der Gruppe neutraler und bündnisfreier Staaten in
Europa?
ANTWORT: Nun,
- 6-

�ANTWORT:

Nun, ganz kurz:

Wie schon gesagt können die neutralen und

bündnisfreien Staaten eine wichtige Rolle spielen.

Sie sehen die Pro-

bleme der Außen- und Sicherheitspolitik unter einem kreativen und innovativen Aspekt, und deshalb ist es unser Bestreben, ihre Meinung sowohl
innerhalb als auch außerhalb des KSZE-Rahmens zu hören.

Wann ich aber

noch einmal auf das zurückkommen darf, was Sie eben darüber sagten, daß
die Schlußakte von Helsinki an einem Höhepunkt der Entspannung unterzeichnet worden sei, so glaube ich, daß wir mit uns selbst sehr offen
hinsichtlich der Frage waren, warum es seit Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki in den Vereinigten Staaten wie auch in anderen westlichen
Ländern so viel Enttäuschung hinsichtlich des Entspannungsprozesses gab.
Nach der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erlebten wir die sowjetische Unterstützung der Intervention kubanischer Streitkräfte in Angola.

Dann natürlich die Ankunft kubanischer Soldaten und sowjetischer

Militärberater in Äthiopien.

Wir wurden Zeuge der sowjetischen Invasion

Afghanistans und schließlich erlebten wir während der gesamten siebziger
Jahre eine noch nie dagewesene sowjetische Aufrüstung sowohl bei den nuklearen als auch bei den konventionellen Streitkräften.

Und das bringt mich auf den Ausgangspunkt zurück.

Abkommen sind

wichtig und Dialog ist wichtig, aber Fakten und Taten sind gleichfalls
wichtig, und Abkommen sind nur so wichtig wie die Bereitschaft der Länder, die diese Abkommen unterzeichnet haben, sie auch einzuhalten.

Und

deshalb müssen wir unseren Blick nicht nur auf das richten, was in solchen Abkommen steht, sondern auch auf die Frage der Einhaltung - gleich,
ob es sich um Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen oder um politische
Verpflichtungen der Art handelt, wie sie die Sowjetunion in der Schlußakte von Helsinki eingegangen ist.

Und wenn ich zum Schluß noch eins sagen darf:
fen

Es ist falsch, Tref-

- gleich ob zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Außen-

minister oder zwischen Generalsekretär Gorbatschow und Präsident Reagan an und für sich als mögliche Lösung all dieser schwierigen Probleme anzusehen.

Sie können eine Hilfe sein.

Aber sie können nur dann eine Hilfe

sein, wenn beide Seiten bereit sind, ihr Verhalten so zu ändern und anzu-

�und anzupassen, daß ein stabileres Verhältnis geschaffen wird.

Und was

uns anbelangt, so sind wir hierzu bereit und hoffen, daß auch die Sowjetunion es ist.

FRAGE:

In der Schlußakte wurde der Menschenrechtsfrage große Auf-

merksamkeit gewidmet.

Wie Sie wissen, gründet sich der Internationale

Artikel der Menschenrechte hauptsächlich auf das Recht jeder Nation auf
ihren eigenen Staat und ihre eigene Lebensweise.

Während der vergangenen

zehn Jahre gab es viele Beispiele für Verstösse und Begrenzungen bei diesen Rechten, sowohl in Europa als auch außerhalb dieses Kontinents.

Wenn

Sie der Meinung sind, daß eine der ernstesten Verletzungen der Menschenrechte darin besteht, das Modell der eigenen Gesellschaft einem anderen
Staat aufzuzwingen:

Wie sehen Sie dann die Beziehungen zwischen den Ver-

einigten Staaten und der sandinistischen Regierung in Nicaragua?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß ich unbedingt die Prämisse Ihrer Fra-

ge akzeptiere.

Es ist wichtig, zu sehen, daß die Regierungen der Schluß-

akte von Helsinki übereinkamen, im Bereich der Menschenrechte bestimmte
Dinge zu tun.

Ob richtig oder falsch: Sie kamen überein.

Sie kamen

überein hinsichtlich größerer Bewegungsfreiheit von Menschen, hinsichtlich eines freieren Gedankenaustausches.

Sie setzten einen internatio-

nalen Maßstab für uns, um Verhaltensweisen in diesem Bereich zu beurteilen.

Als Folge dessen haben wir, wie ich meine, völlige Freiheit, die

Haltung einer Regierung in diesem Bereich zu überprüfen.

Es geht nicht

um das Bestreben unsererseits oder anderer Regierungen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.

Diese Staaten kamen

schließlich in Helsinki hinsichtlich bestimmter Maßstäbe im Bereich der
Menschenrechte überein, und alles, was wir hier tun, besteht darin, diese
Frage aufzuwerfen und jene Regierung für die Verpflichtungen verantwortlich zu machen, die sie freiwillig eingegangen sind.

Wenn also zum Bei-

spiel die Sowjetunion meint, die Schlußakte von Helsinki nicht mehr anerkennen zu wollen, diese Bestimmungen im Bereich der Menschenrechte nicht
mehr länger zu unterstützen, dann hat sie die Freiheit, dieses Abkommen
aufzukündigen.

Aber solange Regierungen die Schlußakte von Helsinki an-

erkennen, dann nehmen wir uns in den Vereinigten Staaten die Freiheit - 8-

�die Freiheit - genau wie andere Regierungen dies auch in unserem Fall getan haben -, Fragen der Einhaltung aufzuwerfen.

FRAGE:

Ich würde Ihnen gern eine Frage hinsichtlich der wirtschaft-

lichen Zusammenarbeit stellen, wie sie in der Schlußakte vorgesehen ist.
Ich glaube, man kann sagen, daß die gegenwärtige amerikanische Regierung
meistens

verhältnismäßig

mißtrauisch

westeuropäischen Verbündeten

hinsichtlich

des

Wjnsches

nach mehr wirtschaftlicher

mit den osteuropäischen Staaten war.

ihrer

Zusammenarbeit

Könnten Sie sagen, ob diese Haltung

sich erheblich geändert hat?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß dies wirklich korrekt ist.

Erstens

hat der Präsident in sehr klaren Worten gesagt, daß wir verstärkten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern in Osteuropa unterstützen, und in der Tat nimmt der amerikanische Handel mit vielen Staaten
Osteuropas einschließlich der Sowjetunion zu.

Handelsminister Malcolm

Baldrige war im vergangenen Frühjahr in der Sowjetunion und hat über Möglichkeiten verstärkter wirtschaftlicher Zusammenarbeit und mehr Handel
mit der Sowjetunion gesprochen, wobei natürlich der Handel mit Getreide
ein besonders gutes Beispiel für den beiderseitigen Nutzen des Handels
ist.

Was Jugoslawien anbelangt, hatten wir kürzlich den Besuch von Premierminister Planinc, der äußerst erfolgreich verlief und sich auf die
Möglichkeiten

konzentrierte, wie der amerikanisch-jugoslawische

und die wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärkt werden könnten.

Handel
Es gibt

jedoch einen Bereich, der Anlaß zur Besorgnis gibt, nämlich dem der Zweibereichs-Technologie, also

der

Hochtechnologie, die

zu

militärischen

Zwecken verwendet werden könnte. Es ist offenkundig, daß es nicht in unserem Interesse liegt, der Sowjetunion modernste Technologie zur Verfügung zu stellen, die für militärische Zwecke ausgebeutet werden kann.
Und es gibt kein Abkommen - einschließlich der Schlußakte von Helsinki -,
das uns zwingen würde, derlei Technologie zur Verfügung zu stellen.

Wir sind also

�Wir sind also offen für verstärkten Handel zwischen Ost und West,
müssen aber auf dieses eine Problem der militärischen Technologie achten.

FRAGE:

Könnten Sie mir erklären, was man in Washington derzeit über

den Zusammenhang zwischen dem sowjetischen Verhalten im Menschenrechtsbereich und Fortschritt bei anderen bilateralen Verhandlungen, wie etwa in
Genf, denkt?

ANTWORT:

Es gibt keinen formellen Zusammenhang zwischen Fortschrit-

ten bei den Menschenrechten und Fortschritten bei den Nuklear- und Waltraumgesprächen in Genf.

Wir wünschen Fortschritte bei diesen Gesprächen

in allen diskutierten Bereichen, d.h. Fortschritte bei der Verringerung
der strategischen Waffen, Fortschritte bei der Verringerung der nuklearen
Mittelstreckenwaffen, und wir würden die Sowjets auch gern in einen Dialog über die Frage bringen, wie wir, wenn das möglich ist, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht kommen könnten, wobei größere Betonung auf die strategische Verteidigung gelegt wird.

Wie Sie wissen, gelang uns das bislang roch nicht, weil die Sowjetunion eine Vorbedingung
sagt:

für diese Gespräche gestellt hat, indem sie

Wenn wir unsere Forschung bei der Strategischen Verteidigungsini-

tiative nicht fallenlassen, wird sie nicht zu einem Abkommen über Begrenzungen bei den offensiven Nuklearwaffen bereit sein.

Aber wir haben in

diesem Bereich keine mechanische Verbindung zum Verhalten im Menschenrechtsbereich gefordert oder geschaffen.

Gleiches gilt auch für andere

Elemente der Beziehungen.

Wir wollen die Menschenrechtsfrage mit der Sowjetunion diskutieren,
und ich bin sicher, daß Außenminister Shultz nächste Woche in Helsinki
die Menschenrechtsfrage aufwerfen wird, wenn er sich mit Herrn Schewardnadse zusammensetzt.

Aber wir haben keine mechanischen Parallelabläufe

aufgezwungen.

Nachdem dies gesagt ist, möchte ich jedoch hinzufügen, daß es meiner
Meinung nach schwer ist, für die kommende Zeit konkrete Verbesserungen
- 10-

�konkrete Verbesserungen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen i n a n deren Bereichen wie etwa bei der Rüstungskontrolle , bei regionalen Fragen
oder im w i r t s c h a f t l i c h e n Bereich zu erkennen, solange es nicht zu einer
gewissen Verbesserung bei der Menschenrechtsfrage kommt; nicht einmal so
sehr, weil w i r , die Reagan-Administration, uns etwa zu einer solch mechanischen Verkettung entschlossen h ä t t e n , sondern weil der

amerikanische

Kongreß und das amerikanische Volk sich nur schwer eine

Normalisierung

der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen i n diesem oder jenem Bereich

bei fehlendem F o r t s c h r i t t bei den Menschenrechten v o r s t e l l e n können.

Ich

glaube nämlich, daß es i n der amerikanischen Außenpolitik eine wichtige
moralische, ethische Dimension g i b t und daß es nicht möglich i s t , vor der
Tatsache der sich verschlechternden Menschenrechtslage i n der Sowjetunion
die Augen zu verschließen.
FRAGE:

I s t Ihrer Meinung nach dann das Scheitern des SALT I I - V e r t r a -

ges i n keinster

Vfeise eine Folge oder eine Reflexion jener Haltung, die

Sie gerade zum Ausdruck brachten, von Helsinki?
ANTWORT:
FRAGE:

Vfes meinen Sie mit "das Scheitern des SALT I I - V e r t r a g s " ?

Die Tatsache der N i c h t r a t i f i z i e r u n g . . .

ANTWDRT:

Nein, der Präsident hat k ü r z l i c h e r s t wieder e r k l ä r t , daß

er zunächst auch weiterhin an diesen Begrenzungen f e s t h a l t e n werde.

Er

hat sich auch weiterhin an die Bestimmungen der bestehenden Rustungskontrollabkommen gehalten, obgleich er der Meinung i s t , daß es Probleme mit
diesen Abkommen g i b t .

Und er hat dies gesagt, weil er b e r e i t

ist,

bei

den Beziehungen zur Sowjetunion entgegenkommend zu s e i n .
Um Ihre Frage zu beantworten:
eindeutigen, direkten

Ich glaube also n i c h t , daß es einen

Zusammenhang zwischen dem sowjetischen

Verhalten

bei den Menschenrechten und unserer P o l i t i k der Einhaltung von Rustungskontrollabkommen g i b t .
FRAGE:
- 11-

tos

genau

�FRAGE:

Was genau hoffen Sie aus diesem Treffen zum 10. Jahrestag in

Helsinki zu bekommen?

In wieweit glauben Sie, wenn Sie, wenn die ameri-

kanische Delegation danach nach Washington zurückkehrt, haben sich Ihre
Beziehungen zur Sowjetunion verbessert, oder in wieweit ist die Sache der
Menschenrechte gefördert worden?

ANTWORT:

Zweierlei wäre meiner Meinung nach für die Vereinigten

Staaten in Helsinki nützliche Ergebnisse.

Erstens die Gelegenheit für

den Außenminister, Kontakte zum neuen sowjetischen Außenminister herzustellen - nicht nur die zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion anstehenden Fragen zu besprechen, sondern auch ein Gefühl für den
neuen Gesprächspartner zu bekommen und hoffentlich auch ein Arbeitsverhältnis zu entwickeln, das durch sich selbst nützlich sein kann sowie die
Tagesordnung für ein Treffen zwischen dem Präsidenten und Herrn Gorbatschow im November zu planen.

Zweitens glaube ich im breiteren Kontext der Konferenz selbst, daß
der Außenminister nicht nur die Bedeutung der Menschenrechte im Gesamtzusammenhang der KSZE ansprechen wird; er wird nicht nur einfach den Text
der Schlußakte würdigen, sondern sich auf die Frage der Einhaltung des
Textes konzentrieren, also auf die Bedeutung der Überwachung der Menschenrechtssituation in allen 35 Staaten.
Er wird also sicher unterstreichen wollen, daß Menschenrechte nicht
nur wichtig sind, sondern daß bei mehreren Beispielen, insbesondere in
der Sowjetunion, die Lage sich eher verschlechtert als verbessert hat,
und daß wir ehrlich genug mit uns selbst sein müssen, um über dieses Problem zu sprechen.

FRAGE:

Warum sollte der Westen mit dem Helsinki-Prozeß fortfahren,

wenn die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Paktes in der Vergangenheit wiederholt bewiesen haben, daß sie nicht gewillt sind, dem Text
der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden?
ANTWORT:

Das ist

�ANTWORT:

Das i s t eine gute Frage und meine Antwort i s t , daß e s , wie

ich schon sagte, einiges an Plus g i b t , einige Bereiche, wo es Verbesserungen gegeben h a t .

I n einigen Ländern g i b t es einen ungehinderteren I n -

formationsfluß und es g i b t für die Menschen mehr F r e i z ü g i g k e i t .
Am wichtigsten i s t meines Erachtens aber, daß die Schlußakte von Hels i n k i genau wie die UN-Charta einen Maßstab b i l d e t , den man bei der Beurt e i l u n g der Bereitschaft eines Landes zum Eingehen auf Menschenrechtsfragen anlegen kann.

Sie e r ö f f n e t uns auch M i t t e l und Wage, um solche F r a -

gen zur Sprache zu bringen.

Wenn es die Schlußakte von Helsinki

nicht

gäbe, wäre es für uns z.B. schwieriger, die Frage der Menschenrechte
der Sowjetunion zur Sprache zu bringen.

Die Tatsache, daß die

in

Sowjet-

union der Schlußakte zugestimmt h a t , die Tatsache, daß sie entsprechende
Verpflichtungen

übernommen h a t , und die

Tatsache, daß sie

diesen Ver-

pflichtungen nicht nachkommt, g i b t uns heute die M ö g l i c h k e i t , diese Fragen zur Sprache zu b r i n g e n , und zwar ganz l e g i t i m .
FRAGE:

Wird der gesamte Helsinki-Prozeß nicht i n gewisser Waise da-

durch zur Bedeutungslosigkeit

v e r u r t e i l t , daß F o r t s c h r i t t e i n diesem Be-

reich im Grunde davon abhängen, wie gut die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind?
ANTWORT:

Nein, das glaube i c h n i c h t .

Ich würde geltend machen, daß

ohne den Helsinki-Prozeß und ohne die KSZE der Ost-West-Dialog v i e l l e i c h t
in

noch stärkerem Maße vom amerikanisch-sowjetischen

Dialog

beherrscht

werden würde und daß der KSZE-Prozeß einen Versuch d a r s t e l l t , andere Länder i n diesen Prozeß einzubeziehen.
beispielsweise

Im Rüstungskontrollbereich g i b t es

die Verhandlungen i n Stockholm, wo 35 Staaten Gespräche

über sehr wichtige Fragen f ü h r e n , z.B. über die Beherrschung von Krisen
und über

Vertrauensbildung

im m i l i t ä r i s c h e n und

Bereich.

Ohne diese Konferenz könnte eine Reihe von Ländern am Dialog

über diese Fragen nicht teilnehmen.

sicherheitspolitischen

Im Mittelpunkt des Rüstungskontroll-

dialogs stünden dann im wesentlichen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.
treten.

Ich würde daher genau den entgegengesetzten Standpunkt

Der amerikanisch-sowjetische Dialog i s t

- 13-

ver-

n a t ü r l i c h w i c h t i g ; das

�wichtig; das ist eine Tatsache, an der man nicht vorbeikommt. Der KSZEProzeß hat es jecbch einer großen Anzahl von Staaten ermöglicht, sich an
diesem Dialog direkt zu beteiligen, und aus unserem Blickwinkel ist das
zu begrüßen.

FRAGE:

Mr. Burt, morgen wird in Kopenhagen ein internationales Tri-

bunal zusammentreten, um die, wie es heißt, "illegale sowjetische Besetzung der baltischen Staaten und den Kampf für Freiheit und nationale
Rechte in diesen Staaten" zu erörtern, und zwar, wie es weiter heißt, gemäß dem Abkommen von Helsinki. Andererseits wird oft gesagt, daß dieses
Abkommen die bestehenden geographischen und politischen Gegebenheiten in
Europa bestätigt, also auch die Annexion der baltischen Staaten durch die
Sowjets.

Können Sie dazu etwas sagen?

ANTWORT:

Nun, das ist eine der Fragen, mit denen man sehr leicht und

schnell in Schwierigkeiten geraten kann.

Ich möchte einfach sagen, daß

die Schlußakte die Möglichkeit friedlicher Veränderungen in Europa nicht
ausschließt, und zwar nirgendwo in Europa.
Menschen ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben.

Sie schließt nicht aus, daß
Wir alle erkennen an, daß

Veränderungen stattfinden können und sollten, und wir hoffen, daß sie
tatsächlich stattfinden und zwar in Übereinstimmung mit dem Recht der
Selbstbestimmung.

FRAGE:

Die Konferenz über Menschenrechte innerhalb des Rahmens des

europäischen Sicherheitsprozesses, die im Oktober stattfand, erbrachte
keine sichtbaren Ergebnisse.

Ihre Administration spricht manchmal von

einer Verbindung zwischen dem sowjetischen Verhalten auf dem Gebiete der
Menschenrechte und dem Fortschritt auf anderen Gebieten der Ost-West-Beziehungen.

Vtenn man keinen Dialog über die Menschenrechte mit den So-

wjets haben kann, könnte das dann Fortschritte auf anderen Gebieten ausschließen, wie zum Beispiel bei der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Europa?

ANTWORT:

Wir haben niemals gesagt, daß wir nicht bereit seien, in

Stockholm Fortschritte zu machen, weil die Sowjetunion ihrerseits nicht
- 14-

�ihrerseits nicht bereit ist, Fortschritte in anderen Teilen unserer Beziehungen zu machen. Wir möchten gerne, daß die Stockholmer Konferenz von
sich aus Fortschritte erzielt, und wir sind sehr darum bemüht, bei diesen
Verhandlungen Fortschritte zu machen.

Aber von diesen spezifischen Ver-

handlungen abgesehen, und im Hinblick auf den Helsinki-Proza3 als Ganzes,
meine ich, daß es eine Beziehung zwischen den verschiedenen Teilen gibt,
und wir sollten nicht zulassen, daß die KSZE-Tagesordnung vom Sicherheitsaspekt oder vom wirtschaftlichen Aspekt beherrscht wird.

Wie ich

gerade gesagt habe, ist es recht einfach, die Menschenrechtsfrage einfach
unter den Teppich zu kehren, und wie ich auch bereits zuvor gesagt habe,
scheint es mir, daß auf längere Sicht gesehen, eine wesentliche Verbesserung

im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis als Ganzes nicht möglich

sein wird ohne einige Fortschritte in der Frage der Menschenrechte. Dies
haben wir der Sowjetunion über die verschiedensten Kanäle klargemacht.

FRAGE:

Würden Sie sagen, daß der Westen völlig unschuldig hinsicht-

lich der Respektierung der Menschenrechte ist?

Moskau schlägt manchmal

zurück, indem es die Vereinigten Staaten beschuldigt, die Rechte der
Schwarzen und der Indianer zu mißachten.

ANTWORT:

Nun, keiner ist völlig frei von Schuld auf dem Gebiete der

Menschenrechte.

Aber es ist doch klar, daß es Unterschiede gibt.

Und

nach meiner Ansicht - und ich denke auch nach Ansicht eines jeden ehrlichen Beobachters - gibt es fundamentale Unterschiede zwischen den Problemen der Menschenrechtssituation in den Vereinigten Staaten oder in den
Ländern des Westens in ihrer Gesamtheit und denen der Sowjetunion.

Ja,

ich möchte nicht einmal in eine derartige Diskussion eintreten, weil ich
meine, daß wir anerkennen müssen, daß die Verpflichtung unter der Schlußakte von Helsinki - wonach den Journalisten die Rechte oder Möglichkeiten, hier zu arbeiten, eingeräumt werden, wonach die Helsinki-Uberwachungskommission arbeiten können - bei uns erfüllt werden.

Wir haben

hier in unserem Lande einen Helsinki-'Überwachungsausschuß.

Wir haben

eine KSZE-Kommission.

Wir prüfen sogar die Menschenrechtsfragen in un-

serem Lande, um sicherzustellen, daß wir uns in Übereinstimmung mit jenem
Abkommen befinden.

Und dies ist doch einfach nicht der Fall in der So- 15-

�der Sowjetunion.

FRAGE:

Die Helsinki-Vereinbarungen haben den Dissidenten in der So-

wjetunion im Hinblick auf die Menschenrechte neuen Auftrieb gegeben. Würden Sie dies als ein wichtiges Ergebnis von Helsinki ansehen?

ANTWORT:

Was nach meiner Meinung wichtig ist - das habe ich schon

vorher gesagt - ist, daß die Schlußakte von Helsinki wie die Charta der
Vereinten Nationen uns eine interne Meßlatte an die Hand gibt, eine Möglichkeit, durch die wir Regierungen die Erfüllung oder Nichterfüllung eines international vereinbarten Leistungsstandards beurteilen können.

Und

das ist eben so wichtig.

FRAGE:

Die Zukunft des europäischen Sicherheitsprozesses steht na-

türlich in Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen den Supermächten.
Würden Sie das Faktum, daß es in diesem Herbst zwischen Präsident Ronald
Reagan und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow ein Zusammentreffen
geben wird, als Teil eines konstruktiveren Dialoges bewerten, der sich
auch auf den KSZE-Prozeß auswirken könnte?
ANTWORT:

Wir hoffen natürlich, daß das Treffen in Genf der Beginn

einer konstruktiveren Phase in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sein wird, die wiederum dem europäischen Sicherheitsprozeß zugute kommen
könnte.

Aber wir wissen es nicht.

Ein Zusammentreffen an sich muß das

Verhältnis nicht notwendigerweise verbessern.

Ja, wenn wir zu hohe Er-

wartungen an ein solches Zusammentreffen knüpfen, wenn wir erwarten, daß
dieses Treffen das amerikanisch-sowjetische Verhältnis grundlegend ändern
wird, und dies dann nicht so ist, dann werden unsere Hoffnungen und die
Hoffenungen der westlichen Öffentlichkeit zunichte gemacht und dann könnte dies die gegenteiligen Auswirkungen haben.

Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß wir uns in einem Prozeß
befinden, einem Prozeß der Erörterungen auf hoher Ebene mit den Sowjets.
Herr Gromyko traf im vergangenen Jahr mit dem Präsidenten zusammen. Außenminister Shultz wird in der nächsten Wjche mit Außenminister Scheward- 16-

�Außenminister Schewardnadse in Helsinki sprechen.

Wir hoffen, daß Außen-

minister Schewardnadse mit dem Präsidenten im September in Washington zusammentreffen wird.

Wir beginnen also einen Prozeß des Dialoges mit der

Sowjetunion, der - wie wir hoffen - letztlich konkrete Resultate erbringen wird.

Aber wir müssen unsere Erwartungen in Schach halten, und wir

müssen uns darüber im klaren sein, daß Gespräche noch kein Ersatz für
Handlungen sind, daß wir, soll das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
stabilisiert werden, uns mit dem sowjetischen Militäraufbau auseinandersetzen müssen, mit dem Problem der sowjetischen Menschenrechtsmißachtungen und der Bereitschaft Moskaus, im Ausland militärische Macht einzusetzen oder damit zu drohen.

Das sind die wirklich ernsten Probleme, und

Teil einer effektiven Strategie im Hinblick auf die Gespräche mit den Sowjets ist es, diese Fragen mit den Sowjets zu behandeln und bereit zu
sein, diese Probleme als die wahren Hindernisse in unseren Beziehungen
aufzuzeigen statt sie zu ignorieren.

FRAGE:

Ich möchte Sie bitten, kurz Ihre Meinung, die Meinung Ihrer

Regierung, hinsichtlich der Entwicklung der Menschenrechte in Osteuropa
nach den Vereinbarungen von Helsinki darzulegen.

Hat Helsinki überhaupt

irgendwelche Auswirkungen gehabt, oder ist die Situation unverändert?

ANTWORT:

Ich möchte nur in aller Kürze sagen, daß es im Hinblick auf

Osteuropa schwer ist, zu verallgemeinern.

Meiner Meinung nach hat es in

einigen Ländern Gebiete der Verbesserung gegeben.
es dies nicht.

In einigen Ländern gab

Wir führen mit jenen Ländern eigene bilaterale Gespräche.

In allen Fällen sind die Menschenrechte Teil der Tagesordnung, wenn wir
mit jenen Regierungen sprechen.

Wie ich bereits sagte, gibt es seit der

Unterzeichnung der Schlußakte Gebiete, auf denen Verbesserungen stattgefunden haben, insbesondere in gewissen Ländern in Osteuropa.

Leider hat

es auf dem Gebiete der Menschenrechte in der Sowjetunion wenig Verbesserungen, ja sogar Rückschritte gegeben.

FRAGE:

Was erwarten Sie von Ihrem neuen Posten (als Botschafter der

Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland), und glauben Sie,
daß Sie einiges tun können, um die Beziehungen zwischen der Bundesrepu- 17-

�der Bundesrepublik und der DDR sowie der Sowjetunion entsprechend der
Schlußakte von Helsinki zu verbessern?

ANTWORT:

Nun, ich werde mich mit der Frage, was ich als Botschafter

in Deutschland tun werde, nicht befassen, weil ich noch nicht vereidigt
worden bin, und ich möchte darüber solange nicht sprechen, bis ich tatsächlich diese Verantwortung übernommen habe.

Aber um Ihre weiterreichende Frage zu beantworten, sicherlich steht
die Schlußakte von Helsinki, und das Konzept eines friedlichen Wandels,
das ja eingebettet ist in der Schlußakte, in Übereinstimmung mit einem
Prozeß der deutschen Wiedervereinigung auf der Grundlage der Selbstbestimmung, der friedlichen Wiedervereinigung, in Übereinstimmung mit der
seit langem bestehenden Politik der Bundesregierung und der amerikanischen Unterstützung dieser Politik.

FRAGE:

Mr. Burt, was können die Vereinigten Staaten tun, um Druck

auf die Sowjetunion und ihre Verbündeten zur Verbesserung der Haltung in
der Menschenrechtsfrage auszuüben?
die Meistbegünstigtenklausel.

Ich denke insbesondere an Hebel wie

Könnte man beispielsweise Rumänien diese

entziehen?

ANTWORT:

Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß es aufgrund ei-

ner Entscheidung des amerikanischen Kogresses, die in den siebziger Jahren getroffen wurde, in der amerikanischen Politik eine Art eingebauten
Mechanismus gibt.

Der Jackson-Vanik-Zusatz hat im Falle der Sowjetunion

und anderer osteuropäischer Länder die Gewährung des Meistbegünstigstenstatus mit der Frage der Auswanderung formell verbunden.

Wir haben Rumänien diesen Meistbegünstigtenstatus gewährt, weil dieses Land den Bestimmungen dieses Gesetzes entsprochen hat.
bereit erklärt, einem Auswanderungsprogramm zuzustimmen.

Es hat sich

Und wir haben

im Laufe der Jahr eine Reihe von Gesprächen mit Rumänien über die Auswanderungsfrage geführt und insbesondere im weiteren Sinne über die Menschenrechte, so daß wir Rumänien auch weiterhin diesen Handelsstatus ein- 18-

�Handelsstatus einräumen konnten.

Die Sowjetunion hat von Zeit zu Zeit die Frage der Meistbegünstigung
aufgeworfen und wir haben den Sowjets erklärt, daß wir diese Maßnahme ergreifen könnten, wenn sie bereit seien, dieser Gesetzgebung zu entsprechen.

Aber solange dies nicht der Fall ist, ist dies einfach nicht mög-

lich , und ich sehe in naher Zukunft keine Chance, daß der Jackson-VanikZusatz aufgehoben wird.

Es gibt also diesen eingebauten, in der Gesetz-

gebung vorgesehenen Mechanismus - eine Verknüpfung, wenn Sie so wollen,
zwischen den Wirtschaftsbeziehungen der Vereinigten Staaten mit Ländern
des Ostens und deren Haltung in der Menschenrechtsfrage.

FRAGE:

Mr. Burt, wie ich die Dinge sehe, läuft bei der Schlußakte

von Helsinki sehr viel auf Leistung und Gegenleistung hinaus:

Die So-

wjetunion machte Konzessionen auf dem Gebiete der Menschenrechte, und der
Westen akzeptierte, was sich die Sowjetunion so dringend wünschte, nämlich die Annahme der endgültigen Grenzen, die durch den Zweiten Weltkrieg
in Osteuropa geschaffen wurden.

Als designierter Botschafter in Bonn

werden Sie sich über der Tatsache im klaren sein, daß einige wichtige
Persönlichkeiten in der westdeutschen Regierungskoalition diese endgültigen Grenzen wieder einmal in Frage gestellt haben, und es ist doch sehr
wohl möglich, daß Sie sich in der nächsten Woche in Helsinki Fragen seitens der Sowjetunion und anderer osteuropäischer Länder gegenübergestellt
sehen, wie denn Ihre Antwort auf diese sich neu abzeichnende Haltung in
Deutschland sein wird.

ANTWORT:

Sie haben zwar keine Frage gestellt, aber alles was ich

hierzu sagen möchte, ist sehr einfach, daß die Sowjetunion und gelegentlich einige andere osteuropäische Regierungsvertreter uns gegenüber die
sogenannte "Revanchismus-Frage" aufgeworfen haben.

Wir haben dieses Kon-

zept niemals akzeptiert und wir haben den Sowjets und anderen gegenüber
sehr deutlich und geduldig zum Ausdruck gebracht, daß wir voll und ganz
die Politik und die Standpunkte unserer Verbündeten in Bonn unterstützen.

FRAGE:
- 19-

Mr. Burt,

�FRAGE:

Mr. Burt, haben Ihre Kontakte mit den Vertretern des Sowjet-

blocks während des "Spionenaustausches" im vergangenen Monat Ihre Haltung
gegenüber diesen Ländern in Europa beeinflußt, Ihre Erwartungen hinsichtlich der Art und

Heise, wie man sich mit ihnen auseinandersetzt, und

glauben Sie, daß dies Ihre Arbeitsweise als Botschafter in Bonn und gegenüber den Ländern des Sowjetblocks, soweit Sie mit Ihnen zu tun haben,
beeinflussen wird?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Mr. Burt, Ich teile nicht hundertprozentig Ihre ziemlich op-

timistische Bewertung der zehn Jahre seit den Vereinbarungen von Helsinki.

Ich meine, es ist viel negativer, und als ein Beispiel möchte ich

die Konferenz von Ottawa heranziehen, die ein sehr großer Fehlschlag war.
Es gibt nun einige Leute, sogar in den Vereinigten Staaten - einige Senatoren des Kongresses der Vereinigten Staaten - die vorschlagen könnten,
daß die amerikanische Regierung und ganz allgemein auch die westlichen
Regierungen ganz einfach einseitig den sogenannten "Helsinki-Prozeß" suspendieren sollten.

Trotz alledem - und während Dissidenten hingerichtet

werden, Sacharow verschwunden ist und die sowjetischen Juden einfach abgeblockt werden - wollen Sie diesen glücklichen Jahrestag auf Ministerebene feierlich begehen.

Können Sie eigentlich

sagen, was genau Sie in

Helsinki feiern wollen und was halten Sie zweitens von der Idee einer
einseitigen Suspendierung des Helsinki-Abkommens als eine Antwort auf die
sowjetischen Verletzungen fast aller Paragraphen des Helsinki-Vertrages?
Und die letzte Frage bezieht sich auf einige Erklärungen von Regierungsvertretern in der Reagan-Administration in Washington, in denen angedeutet wird, daß die neue Regierung in Moskau in einigen grundlegenden Fragen flexibler sein könnte - auf dem Gebiete der Menschenrechte und in der
Politik ganz allgemein?

ANTWORT:

Zunächst einmal frage ich mich, ob Sie von demselben Inter-

view sprechen, was mich angeht, weil ich nicht glaube, daß ich mich überaus optimistisch über den Helsinki-Prozeß geäußert habe.

Ich sagte, es

hätte einige positive Entwicklungen gegeben, aber ich denke doch, daß
- 20-

�doch, daß meine Ausführungen einige der negativen Besorgnisse unterstrichen haben, die wir im Hinblick auf diesen Prozeß empfinden.

Wie Sie

wissen, habe ich darauf hingewiesen, daß die Schlußakte von Helsinki
nicht zu irgendwelchen wichtigen Verbesserungen auf dem Gebiete der Menschenrechte in der Sowjetunion geführt hat, und ich stimme mit Ihnen
überein, daß sich die Situation sogar verschlechtert hat.

Ich sprach

über die allgemeine Verschlechterung in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit der Schlußakte von Helsinki, von dem Anwachsen der sowjetischen Militärmacht und dem Einsatz dieser Macht im Ausland.

Ich meine

also , daß wir die Probleme, die es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gibt, sowie die Tatsache, daß die Schlußakte von Helsinki nicht
zu irgendeiner bedeutsamen Verbesserung gerade der Menschenrechtsdimension dieser Beziehungen geführt hat, sehr realistisch einschätzen.

Ich sehe in keiner Weise - weder nach Umfang noch nach Form - das
Treffen in Helsinki in der nächsten Woche als eine Feier an, und ich habe
das Wort "Feier" auch nicht gebraucht. Das Treffen in der nächsten Woche
wird uns allerdings die Gelegenheit bieten, die Walt daran zu erinnern,
daß die Sowjetunion die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki nicht
eingehalten hat.

Punktum1.

Es wird dem amerikanischen Außenminister fer-

ner die Möglichkeit bieten, mit dem neuen sowjetischen Außenminister zusammenzutreffen, und unserer Meinung nach ist es nützlich, diese Kontakte
aufrechtzuerhalten.

Was nun jedoch Ihre Frage hinsichtlich eines Ver-

zichtes auf die Schlußakte von Helsinki angeht, so meinen wir, daß dies
ein Fehler wäre, weil wir in der nächsten Woche, wie ich schon gesagt
habe, die Gelegenheit haben, der Welt vor Augen zu führen, daß die Sowjetunion diese Schlußakte nicht eingehalten hat; und wenn wir dieses
Abkommen aufgeben, dann verlieren wir eben diese Möglichkeit und damit
auch, was ich vorhin schon als "Meßlatte" bezeichnet habe, mit der wir
die Haltung der Sowjetunion in der Menschenrechtsfrage beurteilen können.
Ich glaube also, es wäre kontraproduktiv und kurzsichtig, würden wir einen solchen Schritt ergreifen.

Aber was die allgemeine Tendenz Ihrer

Frage angeht, sowie die Besorgnisse hinsichtlich der sowjetischen Befolgung der Menschenrechte und des Verhältnisses zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sowie der Gründe für die Verschlechterung der
- 21-

�Verschlechterung der Beziehungen, so stimme i c h Ihnen sehr wohl z u .
FRAGE:

Mr. B u r t , habe i c h Sie r i c h t i g verstanden, wenn i c h sage, daQ

der Jackson-Vanik-Zusatz

immer noch G ü l t i g k e i t

h a t , und wenn dies

der

F a l l i s t , bedeutet das dann, daß es eine Verbindung g i b t zwischen Fragen
des Handels und der Menschenrechte, wie beispielsweise

i n diesem F a l l e

der jüdischen Auswanderung aus der Sowjetunion?
ANTWORT:
FRAGE:
habe.

Ja.
Ich wollte nur wissen, ob ich Ihre Antwort richtig verstanden

Ist der Jackson-Vanik-Zusatz immer noch gültig, und wenn ja, be-

deutet dies, daß es eine Verbindung gibt - eine politische Verbindung zwischen Fragen des Handels und der Menschenrechte in der Sowjetunion und
hauptsächlich - wie in diesem Falle - in bezug auf die jüdischen Auswanderer aus der Sowjetunion?

ANTWORT: Und meine Antwort war ja. Es gibt sie.
FRAGE:

Mr. Burt, Solschenizin wurde ein Jahr vor der Unterzeichnung

der Schlußakte von Helsinki aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Auf der

Konferenz, die unlängst in Ottawa stattfand, wurde zum ersten Male kein
Abkommen unterzeichnet, ja nicht einmal entworfen.

War ist nach Ihrer

Meinung für diese außergewöhnliche Situation verantwortlich?

ANTWORT:

Wir sind nicht notwendigerweise der Meinung, daß die Tat-

sache , daß in Ottawa kein Entwurf für ein Abkommen oder eine Erklärung
vorgelegt wurde, bedeutet, die Konferenz von Ottawa sei an sich ein Fehlschlag gewesen.

Zweck der Konferenz von Ottawa war es, die Haltung in

der Menschenrechts frage zu überprüfen, wie dies in dem Mandat der Madrider Folgekonferenz vorgesehen war, und diese Haltung in der Menschenrechtsfrage wurde eingehend überprüft und diskutiert.

Meiner Meinung

nach ist es ein Fehler, jede dieser KSZE-Folgekonferenzen von Helsinki
und Madrid unter dem Gesichtspunkt des Erfolges oder des Fehlschlages zu
beurteilen, nur weil sie vereinbarte Erklärungen hervorgebracht haben
- 22-

�hervorgebracht haben oder nicht.

Was wichtig ist, und ich betone noch

einmal, was wichtig ist, sind die tatsächliche Politik und die Haltung
der Regierungen hinsichtlich der Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki , und es ist nützlich, ja es ist lebenswichtig, daß die 35 Nationen zusammenkommen und eine offene und freie Erörterung über ihre Leistungen im
Rahmen dieser Abkommen führen.

Ich meine, wichtiger als die Frage, ob oder ob nicht Einigung über
ein Stück Papier erzielt wurde, ist die Tatsache, daß ein solches Treffen
stattfindet und daß diese Fragen vorgebracht werden.

Ich meine also , daß

wir mit der Konferenz von Ottawa zufrieden sind, und uns geht es nicht
darum, irgendjemandem die Schuld zu geben.

Natürlich hätten wir am Ende

dieser Konferenz lieber eine Erklärung gesehen, aber wir hätten eine Erklärung, die uns zufriedengestellt hätte, Offensicht nicht erreichen können, weil die Sowjetunion dies nicht zugelassen hätte.

Dennoch haben wir

in Ottawa unser wahres ziel erreicht, das darin bestand, öffentlich und
offen die Fragen der Erfüllung der Menschenrechte anzusprechen.

FRAGE:

Auf der Konferenz von Helsinki im Jahr 1975 wies der damalige

Außenminister Jobert seine Amtskollegen warnend darauf hin, daß die zwei
Großmächte Gespräche führten, und er fügte hinzu:

"Sicherheit muß ver-

dient werden; sie wird nicht in einer Lotterie gewonnen."

Was würden Sie

dazu sagen?

ANTWORT:

Ich denke, das ist absolut richtig.

Sicherheit muß ver-

dient werden, und man gewinnt sie nicht in einer Lotterie.

Deshalb soll-

te dieser Prozeß der Gespräche in Helsinki in der nächsten Woche nur als
Teil eines Gesamtbemühens zur Wahrung der Sicherheit in Europa gesehen
werden - eines Bemühens, das die Versuche der westlichen Länder im NATOBündnis um die Aufrechterhaltung eines militärischen Gleichgewichtes beinhaltet, das die Anstrengungen einiger neutraler und blockfreier Länder
zur Wahrung ihrer eigenen Selbstverteidigungskapazität einschließt, daß
die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen in Genf über eine Verminderung der offensiven Atomwaffen beinhaltet.

All dies ist Teil eines weit-

gefächterten Prozesses, der darauf abzielt, die Sicherheit zu schützen.
- 23-

�zu schützen.

Und ich glaube, es i s t manchmal e i n Fehler, wenn man nur

auf die Diplomatie oder nur auf den KSZE-Prozeß a l s die einzige
f ü r die europäische Sicherheit b l i c k t .

Option

Der KSZE-Prozeß muß nur a l s

ein

Instrument eines weitgespannten Verhandlungsnetzes und anderer A k t i v i t ä ten und Verteidigungsmaßnahmen gesehen werden, die dazu bestimmt

sind,

unsere Sicherheit

einen

zu bewahren und g l e i c h z e i t i g Möglichkeiten

für

f r i e d l i c h e n Handel zu b i e t e n .
FRAGE:

Wie können Ihrer Meinung nach junge Menschen zehn Jahre nach

der Unterzeichnung der Vereinbarung von Helsinki die Ergebnisse

dieser

Absprachen heute sehen und i n t e r p r e t i e r e n ?
ANTWORT:

Das i s t

eine

sehr

gute Frage, und die Antwort muß wohl

s e i n , daß junge Menschen aus der Schlußakte von Helsinki wahrscheinlich
eine Lehre ziehen können.

Irgendwie fühle i c h mich an die Zeit vor dem

Zweiten Weltkrieg e r i n n e r t , an die Erfahrungen h i n s i c h t l i c h der Verträge
und der i n t e r n a t i o n a l e n Konferenzen i n den zwanziger und dreißiger Jahr e n , die einen weiteren großen Krieg i n Europa verhindern s o l l t e n ; und
dann gab es sogar roch den Kellogg-Briand-Pakt, der den Krieg überhaupt
ächtete.

Der Zweite Weltkrieg wurde dann doch n i c h t v e r h i n d e r t , aber das

s o l l keineswegs besagen, daß der KSZE-Prozeß und die Schlußakte von Helsinki

aus den siebziger

Papier d a r s t e l l e n .

Jahren bedeutungslos

sind und nur

ein

Stück

Jedes Papier, auch die Schlußakte von H e l s i n k i ,

ist

nur so g u t , wie die Entschlossenheit der Signatarstaaten dieses Papieres,
s i c h e r z u s t e l l e n , daß die mit diesem Dokument übernommenen Verpflichtungen
auch eingehalten werden.

Und deshalb i s t es nach unserer Ansicht wich-

t i g , daß wir den KSZE-Prozeß f o r t f ü h r e n und daß wir auch w e i t e r h i n sehr
l a u t und sehr k l a r unsere Besorgnisse zum Ausdruck b r i n g e n , wenn diese
Verpflichtungen v e r l e t z t

werden.

Und deshalb wird Außenminister

Shultz

i n der nächsten Wache i n Helsinki sehr offen über die Schlußakte sprechen.

Er wird unsere Enttäuschung zum Ausdruck bringen, nicht weil w i r

gegen die Schlußakte s i n d , sondern weil wir sie erhalten w o l l e n .

FRAGE:

Wenn man an das Treffen i n der nächsten Woche denkt, was i s t

dann nach i h r e r Meinung w i c h t i g e r :

Beispielsweise die Gelegenheit zu b i -

- 24-

�zu bilateralen Gesprächen zwischen Außenminister Schewardnadse und Außenminister Shultz oder die eigentliche Feier?

ANTWORT:

Sie werden mich nicht dazu bringen, diese Frage zu beant-

worten, weil die Zusammenkünfte zwischen den 35 Staatenmännern, die von
den Außenministern abgegebenen Erklärungen ganz offensichtlich wichtig
sind.

Und wichtig ist natürlich auch das bilaterale Gespräch zwischen

dem amerikanischen Außenminister und seinem sowjetischen Amtskollegen.
Ich würde wirklich nicht sagen wollen, daß eine sei wichtiger als das andere.
durch

Was ich aber sagen will, ist, daß beides Hand in Hand geht, daß
den amerikanischen-sowjetischen

Dialog

und die Möglichkeit

für

Fortschritte in diesem Dialog wohl auch der KSZE-Prozeß als Ganzes gefördert werden könnte.

Ich meine also, beides ist wichtig und zwischen bei-

den besteht eine Wechselbeziehung.

FRAGE:

Mr. Burt, Sie reisen anläßlich dieses Jubiläums nach Helsin-

ki, um, wie Sie gerade gesagt haben, zu erklären, daß die Sowjetunion
ihren in der Schlußakte von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen nicht
nachgekommen ist.

Wenn kein Fortschritt in Sicht ist, würden Sie dann

sagen, daß die Zeit gekommen ist, wo man sie (die Schlußakte) als "alcen
Brief, der der Vergangenheit angehört", bezeichnen muß?

ANTWORT:

Nein. Und ich habe den Eindruck, daß Ihre Frage darauf ab-

gestellt ist, Ihnen eine Schlagzeile zu geben.

Ich habe weder gesagt,

daß sie ein toter Brief sei, noch habe ich gesagt, daß sie ein völliger
Fehlschlag sei.

Ich habe vielmehr gesagt, daß wir enttäuscht sind, und

ich glaube, jeder der sich eingehend mit der Schlußakte von Helsinki befaßt und dann die sowjetische Haltung genau unter die Lupe genommen hat,
muß einfach enttäuscht sein.

Wir geben den Prozeß keineswegs auf.

Was

wir tun, ist vielmehr der Versuch, den Prozeß dadurch zu retten, daß wir
ehrlich sind, und daß geschieht, indem man deutlich und offen über die
Lücke zwischen den sowjetischen Verpflichtungen und deren Erfüllung seitens der Sowjetunion spricht in der Hoffnung, daß im Laufe der Zeit diese
Lücke durch Verbesserungen im Hinblick auf die Erfüllung durch die Sowjetunion geschlossen wird.
Ich möchte noch
- 25-

�Ich möchte noch einmal unterstreichen, daß wir diesen Prozeß nicht
aufgeben, weil die Schlußakte, die in diesem Dokument niedergelegten Verpflichtungen, die in dieser Akte zum Ausdruck kommenden Ideale einen sehr
wichtigen internationalen Kodex bieten, der unserer Meinung nach nützlich
ist als eine Möglichkeit, die Länder zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen
zu drängen.

* * * * *

- 26-

�30

31. Juli 1985

SOWJETS BLOCKIEREN FORTSCHRITTE BEI VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -

Genf -(AD)- In einer Rede vor der Genfer Abrüstungskonferenz beschuldigte der amerikanische Delegierte Donald Lowitz am 23. Juli 1985 die Sowjetunion, Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Verbot chemischer
Waffen zu blockieren. Er wies darauf hin, daß die UdSSR ihre Bestände an
Waffen dieser Art in großem Umfang ausgebaut hat, obwohl die Vereinigten
Staaten 16 Jahre lang keinerlei Rüstungsanstrengungen auf diesem Gebiet
unternommen haben. Die Rede des Delegierten hat folgenden Wortlaut:

Wir stehen bei den Verhandlungen über chemische Waffen vor den letzten Wochen der gegenwärtigen Sitzungsperiode, und es erscheint mir wichtig, daß meine Delegation heute zu dieser Frage kurz Stellung nimmt.

In seiner Rede vor der Abrüstungskonferenz im Februar dieses Jahres
hat Kenneth Adelman, der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung der Vereinigten Staaten, erneut unterstrichen, daß unser Land
diesen Verhandlungen vorrangige Bedeutung beimißt. Eine baldige vertragliche Vereinbarung über ein umfassendes und verifizierbares Verbot von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verbot von chemischen Waffen hat für die Vereinigten Staaten nach wie vor
oberste Priorität. Leider haben wir bislang in diesem Jahr wenig konkrete
Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht.

Indem

die Abrüstungskonferenz einen Ausschuß für chemische Waffen

eingesetzt und mit Verhandlungen über diesen Gegenstand betraut hat, hat
sie die Bedeutung und Dringlichkeit eines umfassenden Verbots dieser Waffen anerkannt. Dieser Verhandlungsauftrag ist ein konkreter Ausdruck des
allgemeinen Abscheus vor diesen schrecklichen Waffen sowie des nachdrücklichen Wunsches der Völker in aller Welt, sich ihrer für immer zu entledigen. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Zielsetzung in vollem
Umfang und sind entschlossen, sich nach bestem Vermögen um einen möglichst baldigen Abschluß der Verhandlungen zu bemühen.

Meine Regierung ist über den mangelnden Fortschritt bei diesen Verhandlungen

insbesondere deshalb besorgt, weil gleichzeitig

immer mehr

Staaten in den Besitz chemischer Waffen gelangen, die früher nicht über
dergleichen verfügt haben. Die Weiterverbreitung dieser Waffen gefährdet
nicht nur die Stabilität in Brennpunktregionen

der Welt, sondern er-

schwert auch den Abschluß einer umfassenden C-Waffen-Konvention. Je mehr
Staaten über solche Waffen verfügen, desto schwieriger wird es, wie wir
befürchten, werden, ein weltweites Abkommen über ein völliges Verbot
durchzusetzen.

Ein zweiter Faktor, der unsere Aufgabe dringlich macht, ist der zunehmende Einsatz chemischer Waffen. Die Vereinigten Staaten stehen in der
vordersten Reihe derer, die den Einsatz chemischer Waffen verurteilen,
und zwar überall, wo es zu solchen Einsätzen gekommen ist, also in Südostasien, in Afghanistan und unlängst gegen den Iran. Die vorliegenden
Beweise für den Gebrauch solcher Waffen sind erdrückend. Dennoch haben
viele Nationen die Zuverlässigkeit dieses Beweismaterials in Zweifel gezogen, ohne die Tatsachen einer genauen Überprüfung zu unterziehen, und
leider haben sich nur wenige bemüßigt gefühlt, gegen den Einsatz chemischer Waffen oder gegen das Schneckentempo der Verhandlungen hier auf
dieser Konferenz die Stimme zu erheben.
Das Genfer
- 2 -

�Das Genfer Protokoll aus dem Jahre 1925, das den Einsatz chemischer
Waffen verbietet, ist ein Abkommen von außerordentlicher Bedeutung für
die Menschheit. Es verkörpert die allseitige Verpflichtung der Nationen,
keine chemischen Waffen einzusetzen. Umso bedauernswerter ist es daher,
daß die "Würdigung", die das Abkommen in der jüngeren Vergangenheit erfahren hat, in einem Vertragsbruch bestand. Außerdem verhindert das Genfer Protokoll nicht den Erwerb, die Herstellung, die Lagerung oder die
Weitergabe von chemischen Waffen.

Nach dem Völkerrecht ist der Erwerb chemischer Waffen nicht illegal.
Um der weiteren Verbreitung von chemischen Waffen möglichst wirksam entgegenzutreten und um der Möglichkeit ihres Einsatzes vorzubeugen, müssen
wir ihren Erwerb und Besitz für illegal erklären. Dies läßt sich eindeutig am besten durch eine umfassende C-Waffen-Konvention erreichen. Hierin
liegt einer der hauptsächlichen Beweggründe, die die Vereinigten Staaten
veranlassen, hier auf dieser Abrüstungskonferenz den unverzüglichen Abschluß einer solchen Konvention anzustreben.

Die betrübliche Lage hinsichtlich des Einsatzes von chemischen Waffen
unterstreicht, daß die Konvention irgendeinen Mechanismus enthalten müßte, mittels dessen immer dann, wenn der Verdacht aufkommt, daß sie verletzt wird, jederzeit und überall schnell und unzweideutig Klarheit über
die Tatsachen geschaffen werden könnte. Leider hat es die Delegation der
Sowjetunion wiederholt abgelehnt, auf den allgemeinen Wunsch anderer Delegationen nach verläßlicher Verifizierung der Bestimmungen eines C-Waffen-Verbots einzugehen. Der detaillierte Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Frage der Verifizierung der Einhaltung eines Abkommens wurde von
der sowjetischen Delegation wiederholt als "nicht ernsthaft" abqualifiziert, ohne daß sie indessen konkrete Alternativen vorgelegt hätte, die
der Notwendigkeit Rechnung zu tragen vermöchten, allen Betroffenen die
Gewißheit zu verschaffen, daß die Staaten sich wirklich an die Konvention
halten. Meine Delegation möchte alle anderen Delegationen dazu ermuntern,
genaue und konkrete Vorschläge zu machen, die uns eine solide und vernünftige Grundlage für die Auflösung unserer Meinungsunterschiede verschaffen können. Der amerikanische Entwurf einer solchen Konvention in
Konferenzdokument 500 stellt keinen ultimativen Vorschlag dar, und die
- 3 -

�und die dort vorgesehenen Regelungen werden der Notwendigkeit einer zuverlässigen Verifizierung

gerecht. Wir sind bereit, alle gleich guten

oder besseren Alternativen in Betracht zu ziehen, aber mit weniger wirksamen Lösungen können wir uns nicht zufrieden geben. Die Delegation der
Vereinigten Staaten hat es an Bemühungen zur Belebung des Verhandlungsprozesses nicht fehlen lassen. Noch vor nicht langer Zeit, nämlich im
Rahmen unserer Initiative vom 28. März dieses Jahres, haben wir drei Vorschläge unterbreitet, um die Arbeit des Ausschusses zu beschleunigen.

Er erste besagte, daß die Arbeit durch Ansetzen einer Verhandlungssitzung im Herbst auf eine rationalere Grundlage gestellt werden sollte.
Wenn dies nicht geschieht, sind, wie ich schon damals sagte, Fortschritte
in der Zeit vom August bis zum Februar von vornherein unmöglich. Ich
möchte hinzufügen, daß meine Delegation den Eindruck hat, daß diejenigen,
die gezögert haben, einer Verlängerung des Terminplanes für die Arbeit
des C-Waffen-Ausschusses zuzustimmen, gleichzeitig diejenigen sind, die
von einer weiteren Verbreitung und Verwendung von chemischen Waffen am
stärksten bedroht wären und daher eigentlich am ehesten an einem möglichst baldigen Abschluß der Verhandlungen interessiert sein sollten.

Unsere zweite Anregung war, daß der Ausschuß sich auf solche Fragen
konzentrieren solle, die eine Art Schlüssel zu Fortschritten bilden. In
der Arbeitsgruppe B versucht der Ausschuß, die Frage der Offenlegung der
Lagerbestände an chemischen Waffen anzugehen, aber obwohl gewisse Fortschritte zu verzeichnen waren, haben wir das wichtige Problem des Zeitplans hierfür noch nicht lösen können. Auch in der gleichermaßen wichtigen Frage der Produktionseinrichtungen für chemische Waffen kommen wir
nicht weiter. Es sollte sich von selbst verstehen, daß die Definition
einer Einrichtung für die Herstellung chemischer Waffen zumindest solche
Anlagen einschließt, deren einziger Zweck darin besteht, Chemikalien zu
produzieren, die ausschließlich in chemischen Waffen Verwendung finden.
Unbegreiflicherweise weigert sich die Gruppe der sozialistischen Staaten
in der Arbeitsgruppe A aber, auch nur eine derart grundlegende Definition
zu akzeptieren. Bei der Lösung des weitergehenden Problems, sicherzustellen, daß chemische Waffen nicht unter dem Deckmantel kommerzieller Chemieproduktion hergestellt werden, steckt die Arbeitsgruppe A in gleicher
- 4 -

�in gleicher Weise fest.

In der Arbeitsgruppe C sehen wir einer Prüfung der Frage von Inspektionen auf Begehren mit Interesse entgegen. Es handelt sich hierbei mit
Sicherheit um eine der Kernfragen der Verhandlungen, und wir sollten sie
mit der gebührenden Gründlichkeit erörtern. Eine solche Diskussion über
die dem wichtigen Konzept von Inspektionen auf Begehren zugrunde liegenden Prinzipien wie auch über die Notwendigkeit, daß Staaten aufkommende
Zweifel an ihrer Vertragstreue schnellstens ausräumen müssen, ist eindeutig erforderlich, wenn wir mit unseren Verhandlungen weiterkommen wollen.

Meine letzte Anregung zur Beschleunigung unserer Arbeit bezog sich
auf die Verhandlungsbereitschaft der Delegationen. Ich stelle mit Betrüben fest, daß die Delegation der Sowjetunion vielen Sitzungen der Arbeitsgruppen praktisch

stumm

beigewohnt

hat. Ihr Schweigen war Fort-

schritten sicherlich nicht förderlich und gibt ernsten Anlaß zu der Frage, ob die Sowjetunion ungeachtet all ihrer Behauptungen an einer Konvention über chemische Waffen wirklich interessiert ist. Ferner ist zu
vermerken, daß die sowjetische Delegation zwar unsere Vorschläge zur Frage der Verifizierung kritisiert, selbst aber im C-Waffen-Ausschuß keinen
konkreten Vorschlag zu diesem Thema vorgelegt hat, seit die Vereinigten
Staaten im vergangenen Jahr ihren Entwurf für eine Konvention auf den
Tisch gelegt haben.

Wie ich eingangs sagte, besteht das vorrangige Ziel der Vereinigten
Staaten in einer unverzüglichen Vereinbarung über ein effektives und verifizierbares Verbot chemischer Waffen. Leider werden unsere Verhandlungen jedoch nicht nur durch die Schwierigkeiten behindert, mit denen wir
im C-Waffen-Ausschuß

zu tun hatten, sondern zusätzlich möglicherweise

auch noch durch äußere Faktoren. Das gegenwärtige Ungleichgewicht zwischen den C-Waffen-Potentialen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion könnte sich als ein solches Hindernis erweisen.

Die langen Debatten, die in den letzten fünf Jahren innerhalb unseres
Regierungsapparats und im Kongreß der Vereinigten Staaten geführt worden
sind, belegen zur Genüge, daß es meiner Regierung widerstreben würde, die
- 5 -

�würde, die Produktion chemischer Waffen wieder anlaufen zu lassen. In den
vergangenen 16 Jahren - d.h., während eines Zeitraums, in dem die Vereinigten Staaten einseitig auf die Herstellung chemischer Waffen verzichtet
haben - hat die Sowjetunion ihre C-Waffen-Produktion weiterlaufen lassen
und die Schlagkraft ihrer umfangreichen Streitkräfte für die chemische
Kriegführung fortlaufend erhöht.
Die diesjährige Debatte im amerikanischen Kongreß hat erneut unterstrichen, daß die Administration, der Kongreß und das amerikanische Volk
chemische Waffen weitaus lieber verbieten als bauen würden. Wenn wir hier
unverzüglich eine Konvention ausarbeiten könnten, würden die Vereinigten
Staaten von der Herstellung binärer Kampfstoffe absehen. Ein Hindernis
für den Abschluß unserer Verhandlungen wäre das amerikanische Binärkampfstoff programm ohnehin auf keinen Fall.
Ich möchte diesen Punkt gern näher erläutern. Die Erklärung, die der
geschätzte Vertreter der Sowjetunion, Botschafter Issraeljan, am 18. Juli
dieses Jahres abgab, bildete einen Versuch, angebliche Unterschiede in
den Standpunkten der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Frage der Behandlung von Binärkampfstoffen in der Konvention hervorzuheben.
Die schlichte Wahrheit ist jedoch, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sich im wesentlichen übereinstimmend über die Art der Behandlung dieser Waffen in der Konvention geäußert haben. Die Sowjetunion
möchte sie zusammen mit anderen hochtoxischen, tödlichen Waffen zerstören. Die Vereinigten Staaten wollen dies ebenfalls. Die Sowjetunion möchte sowohl hochtoxische, tödliche Waffen als auch die Herstellung der entscheidenden Vorprodukte binärer Kampfstoffe unzweideutig verbieten. Auch
die Vereinigten Staaten möchten dies. Gegensätze im Grundsätzlichen bestehen hier nicht.
Da die sowjetische Erklärung nun aber ein Gebiet, auf dem im wesentlichen Übereinstimmung besteht, so darstellt, als ob es dort Gegensätze
gäbe, bekommt man den Eindruck, daß sie im Hinblick auf ein eigentlich
bereits gelöstes Problem Verwirrung stiftet. Wir meinen, daß es besser
wäre, gemeinsam an der Lösung der verbleibenden Probleme zu arbeiten,
- 6 -

�zu arbeiten, anstatt zu versuchen, neue Probleme zu schaffen. Die Erklärung der sowjetischen Delegation vom 18. Juli enthielt noch weitere unbegründete Unterstellungen und demagogische Behauptungen, zu denen meine
Delegation bereits Stellung genommen hat. Ich bedauere, daß das notwendig
war, und ich hoffe sehr, daß es seitens der Sowjetunion und ihrer sozialistischen Partner keine weiteren Erklärungen geben wird, die solche Gegenvorstellungen meiner Delegation erforderlich machen.

Bislang konnten in diesem Jahr zwar nur magere Ergebnisse erzielt
werden, aber während der verbleibenden Wochen dieser Sitzungsperiode haben wir noch genügend Zeit für konstruktive Arbeit. Ich rufe alle Delegationen

auf, zusammen

mit

uns ernsthafte Verhandlungsanstrengungen

zu

machen. Wir sollten uns gemeinsam bemühen, Mittel und Wege zu finden, wie
wir unsere Arbeit einem erfolgreichen Abschluß näher bringen können.

Die Konferenz sollte den Verhandlungen über die C-Waffen-Konvention
nur einen einzigen Text zugrunde legen. Eine gute Grundlage dafür bietet
der Anhang zum Bericht 1984 des C-Waffen-Ausschusses, d.h., zum Konferenzdokument

539. Ein

solcher Verhandlungstext, der bereits erzielte

Übereinkünfte einbezieht, würde sicherstellen, daß Fortschritte, die wir
machen, in unsere zukünftigen Verhandlungsrunden übertragen werden.

Die Geschichte bietet uns heute eine einzigartige Gelegenheit: Die
Gelegenheit, chemische Waffen vom Angesicht der Erde zu verbannen. Die
Geschichte wird kein freundliches Urteil über uns fällen, wenn wir es
versäumen, diese Gelegenheit zu ergreifen. Die Delegation der Vereinigten
Staaten ist entschieden für den unverzüglichen Abschluß einer umfassenden
und verifizierbaren C-Waffen-Konvention, und wir sind bereit, unsere Entschlossenheit hierzu unter Beweis zu stellen. Wir hoffen, daß andere Delegationen bereit sind, sich uns hierin anzuschließen.

- 7 -

�31. J u l i 1985

30

RAUMSTATION - KATALYSATOR FÜR FRIEDLICHE WELTRAUMNUTZUNG
Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte
im Dienst der Menschheit -

WASHINGTON -

(AD) - In seiner Proklamation zum 16. Jahrestag der e r -

sten Landung von Menschen auf dem Mond (20. J u l i 1969) verwies Präsident
Ronald Reagan auf die Bedeutung der Raumfahrt a l s Instrument, den Aufbau
und die Funktionssysteme unserer Erde, das Sonnensystem und das Universum
besser zu verstehen.

"Ferngesteuerte S a t e l l i t e n wurden zum Mars, Saturn

und Jupiter entsandt.

Wann a l l e s nach Plan v e r l ä u f t , werden die äußeren

Planeten Uranus und Neptun beim Vorbeiflug der VOYAGER-Sonde 1986 bzw.
1989 näher erkundet.

Innerhalb des nächsten Jahres sind erste

Rendez-

vous-Experimente mit Kometen (Giacobini-Zinner und Halley) geplant.
leistungsstarke

Hubble-Teleskop

wird

in

GALILEO zum Jupiter auf den Wag gebracht.

eine

Erdumlaufbahn, die

Wissenschaftler i n a l l e r

Das
Sonde
Welt

warten gespannt auf die Ergebnisse."
M i t jedem neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Mit

jedem neuen Flug demonstriere und erweitere der

seine Einsatzmöglichkeiten, e r k l ä r t e der Präsident.

Raumtransporter

Im Verlauf des l e t z -

ten Jahres wurden von dem Fluggerät aus S a t e l l i t e n g e s t a r t e t , im Vfeltraum
r e p a r i e r t oder e i n g e h o l t , um zurückgebracht und auf der Erde r e p a r i e r t zu
werden.

Mit dem i n Europa entworfenen und gebauten Waltraumlabor SPACE-

LAB an Bord seien Daten aus einem weiten Spektrum von D i s z i p l i n e n e r f a ß t ,
M a t e r i a l i e n getestet und der Ablauf chemischer Reaktionen v e r f o l g t worden.
Unter der Leitung der NASA (US-Behörde f ü r L u f t - und Raumfahrt) werde, so Präsident Reagan, die Raumstation als nächster logischer
geplant und gebaut.

M i t i h r e r Inbetriebnahme Anfang bis M i t t e der neun-

ziger Jahre werde sie e i n Katalysator f ü r die Ausweitung der
Nutzung des

Weltraums im Dienst

schaft s e i n .
strielle

Schritt

von Wissenschaft,

friedlichen

I n d u s t r i e und

Wirt-

Sie werde a l s Laboratorium f ü r M a t e r i a l v e r a r b e i t u n g , i n d u -

und wissenschaftliche

Forschung, a l s

f ü r Astronomie- und Erdbeobachtungen dienen.

permanentes

Laboratorium

Es sei vorgesehen, sie a l s

Vorrats- und Nachschubdepot und a l s eine Basis zu nutzen, von der aus andere S a t e l l i t e n oder Satelliten-Gruppen
die den ersten

"Industriepark

betrieben und gewartet

im Waltraum" b i l d e t e n .

M i t der

werden,
Partner-

schaft Japans, Europas und Kanadas am Projekt werde auf lange Sicht den
Interessen a l l e r gedient.
"Waltraumforschung i s t
bemerkte Präsident Reagan.

wenig mehr a l s e i n V i e r t e l Jahrhundert

" I n dieser kurzen Z e i t l e r n t e man mehr über

den Kosmos und unseren Bezug zum Kosmos a l s
Jahrhunderten
kenntnissen

zusammengenommen.

aus der

alt",

Von den sich

friedlichen

in

allen

stetig

Waltraumforschung

* * * * *
- 2 -

ausweitenden

und i h r e r

können a l l e h i e r auf dem Raumschiff Erde p r o f i t i e r e n .
J u l i 1969 l e b t w e i t e r . "

vorangegangenen
Er-

Anwendung

Der Geist des 20.

�3 1 . J u l i 1985

30

AMERIKANISCH-SOWJETISCH ZUSAMMENARBEIT UM WELTRAUM
Gründliche Projekte-Bewertung e r f o r d e r l i c h - Neubeginn an der Basis
vorgeschlagen -

-

(AD) - Zum zehnten Jahrestag des amerikanisch-sowjetischen Gemein-

schaftsfluges APOLLO-SOJUS am 17/18. J u l i 1975 hatten das "American I n s t i t u t e of Aeronautics and A s t r o n a u t i c s " , eine p r i v a t e Organisation zur
Förderung von L u f t -

und Raumfahrt, und die amerikanische

Planetarische

Gesellschaft zu einer Konferenz nach Washington eingeladen.

Anwesend wa-

ren auch die amerikanischen Astronauten und sowjetischen Kosmonauten, die
1975 das Rendezvous und Koppelmanöver der beiden bemannten Raumschiffe i n
der Erdumlaufbahn durchführten.

Es kam damals zu gegenseitigen Besuchen

der Besatzungen und gemeinsamen wissenschaftlichen Experimenten im Weltraum.

Seine größte Bedeutung habe der h i s t o r i s c h e Flug mit dem Beweis gefunden, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Zusammenarb e i t fähig s e i e n , e r k l ä r t e n der Amerikaner Deke Slayton und der Sowjet-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Sowjetrusse Alexej Leonov, die 1975 dabei waren.

Dem Zusammenführen

der Raumschiffe im Erdorbit sei die Kooperation von Tausenden und Abertausenden amerikanischer und sowjetischer Fachleute auf der Erde vorausgegangen.

"Ungeachtet der Tatsache, daß wir verschiedene Sprechen spre-

chen, verschiedenen Kulturen angehören, i s t

es beiden Ländern möglich,

für eine konstruktive Sache zusammenzuarbeiten", meinte Slayton.

Auf der Konferenz wurden u.a. die Möglichkeiten für einen gemeinsamen
bemannten amerikanisch-sowjetischen Flug zum Planeten Mars e r ö r t e r t .

Ei-

ne Form der Zusammenarbeit könnte aber auch d a r i n bestehen, daß Geräte i n
diesem oder jenem Lande h e r g e s t e l l t und von a l l e n an einer Raumfahrtmission b e t e i l i g t e n Ländern gemeinsam benutzt werden.

Denn angesichts der

Kosten von Projekten wie dem einer Expedition zum Mars wäre e s , wie Kosmonaut Valery

Kubasov sagte, zur Lösung der anstehenden Probleme

nütz-

l i c h , die Anstrengungen einer Reihe von Ländern zusammenzufassen.
Auf Fragen von J o u r n a l i s t e n , welchen Nutzen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion aus einer künftigen Kooperation i n der Raumfahrt z i e hen könnten, meinte Leonov, daß die Erfahrungen und Errungenschaften j e des der beiden Länder einander ergänzen würden.

"Wir i n der Sowjetunion

haben große Erfahrung i n bemannten Langzeitflögen.

Der l e t z t e Flug dau-

e r t e 237 Tage, und wir beabsichtigen, die Flugdauer weiter auszudehnen,
um zu untersuchen, welche Möglichkeiten der Mensch unter solchen Bedingungen hat.

Auch benutzen wir die Flüge für medizinische Zwecke oder um

a l l e erdenklichen M a t e r i a l i e n herzustellen und K r i s t a l l e zu züchten.

Die

USA haben große Erfahrungen mit dem Einsatz von Raumschiffen des Transporter-Typs.
der

Zweifellos sind a l l e diese Erfahrungen von großem Vfert, die

ganzen Menschheit

gehören s o l l t e n . "

Aber nur die

Regierungen der

beiden Länder hätten die Kompetenz, e r k l ä r t e Leonov, zu sagen, ob es zu
künftigen amerikanisch-sowjetischen Raumfahrtmissionen kommen werde. "Die
notwendige Bedingung f ü r Zusammenarbeit auf jedem Gebiet wäre eine Verminderung der Spannungen und die Verbesserung der Beziehungen zwischen
unseren Ländern."

Analyse f ü r den
- 2-

�Analyse für den US-Kongreß
Ein technisches Memorandum zu einer möglichen Wiederaufnahme der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit im Weltraum wurde am 17. J u l i 1985
vom Amt für

Technologiefolgen-Abschätzung

(OTA), einer

überparteilichen

I n s t i t u t i o n im Dienst des US-Kongresses, v e r ö f f e n t l i c h t .

Der Bericht mit

dem T i t e l "Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum"
deren

sieht i n

Wiederaufnahme eine Gelegenheit zu wesentlichen F o r t s c h r i t t e n auf

einigen Gebieten der Weltraumforschung.
arbeit

Reihe von Differenzen

zwi-

schen den beiden Ländern, wie sie auf der Erde bestünden, beigelegt

sei-

en.

unwahrscheinlich, solange

nicht

Jedoch sei eine solche Zusammeneine

Die Haltung der Sowjetunion gegenüber einer Zusammenarbeit sei davon

geprägt,

"die allgemeine Einstellung zu amerikanisch-swojetischen Bezie-

hungen widerzuspiegeln".
dem Bericht

zufolge

Eine wichtige Herausforderung für die USA sind

Kooperationsvereinbarungen,

die

Zusammenarbeit

im

Waltraum g e h a l t v o l l und lebensfähig e r h a l t e n , g l e i c h z e i t i g aber die Wahrs c h e i n l i c h k e i t mindern, die m i l i t ä r i s c h e n Fähigkeiten der Sowjetunion zu
fördern".

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterzeichneten 1972 eine
Vereinbarung über Zusammenarbeit

im Waltraum, die

1977 erneuert

wurde.

M i t einer von Präsident Reagan im Oktober 1984 unterzeichneten Order wurden die gesetzlichen Grundlagen für die

Waiterverfolgung der Bemühungen

um eine Erneuerung dieses 1982 abgelaufenen Abkommens geschaffen.

Jedoch

haben die zuständigen sowjetischen S t e l l e n auf mehrere amerikanische Vorstöße zur Wiederaufnahme der b i l a t e r a l e n Zusammenarbeit bisher n i c h t reagiert.

Sie h ä t t e n , wie es i n dem Bericht h e i ß t , e r k l ä r t , daß "das SDI-

Programm (Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e )

der USA e i n ernstes Hin-

dernis für jede wesentliche Zusammenarbeit im Waltraum d a r s t e l l t und m i litärische

wie strategische

Fragen von Bedeutung gelöst

werden müßten,

ehe ernsthafte Erörterungen über die Erneuerung einer b i l a t e r a l e n Zusammenarbeit größeren Umfangs im Waltraum i n A n g r i f f genommen werden können".

Der

Bericht

war

von

den

Senatoren

Charles

Matsunaga und Claiborne P e l l angefordert worden.

McC.

Mathias,

Spark

Für sie und eine Reihe

�eine Reihe anderer amerikanischer P o l i t i k e r , die e i n amerikanisch-sowjetisches Weltraumabkommen ins Auge fassen, i s t nach wie vor der damit möglicherweise verbundene Transfer m i l i t ä r i s c h wichtiger
nologie e i n Problempunkt.

" s e n s i t i v e r " Tech-

Die Kontroversen i n den Debatten über die Wie-

deraufnahme kreisen denn auch, wie es i n dem Bericht h e i ß t , um die Fragen, welchen außenpolitischen Zielen mit
werde.

dieser Zusammenarbeit

gedient

Die Analytiker innerhalb von OTA s t e l l t e n f e s t , daß die Sowjets

i h r Raumfahrtprogramm stets dazu nutzten, "nicht nur Kooperation zu f ö r d e r n , sondern auch andere, i h r e r Natur nach eher aus Konkurrenz und Konf r o n t a t i o n gerichtete außenpolitische Ziele zu v e r f o l g e n " .

Zur Klärung bestimmter wissenschaftlicher
Zusammenhang mit e i n r

und technischer Fragen im

amerikanisch-sowjetischen Kooperation im

Weltraum

b e r i e f OTA im Mai 198A einen A r b e i t s k r e i s von 13 amerikanischen Forschern
ein.

Sie a l l e hatten b e r e i t s an Gemeinschaftsprogrammen mit der Sowjet-

union auf den Gebieten Planetenforschung und biologisch-medizinische Wissenschaften m i t g e a r b e i t e t .

Sie empfahlen, eine neuerliche Zusammenarbeit

zunächst auf unterer Ebene mit Datenaustausch zwischen einzelnen Wissens c h a f t l e r n zu beginnen.
Künftige Zusammenarbeit könnte, wie es i n dem Bericht h e i ß t , auf f r ü heren Erfolgen i n der Erforschung der Planeten, der Beziehungen Sonne-Erde und i n der Astrophysik basieren.

Dies würde Probleme eines Technolo-

gietransfers auf e i n Mindestmaß verringern und g l e i c h z e i t i g e i n Maximum
an wissenschaftlichen Ergebnissen erbringen.

Als besonders v i e l v e r s p r e -

chend für eine künftige Zusammenarbeit g i l t der Bereich der Exobiologie,
d.h.

der Erforschung außerirdischen Lebens.

Dazu zählen beispielsweise

auch die Suche nach außerirdischen i n t e l l i g e n t e n Lebewesen sowie gemeinsame Projekte zum Sammeln und Analysieren von Meteoriten aus der Antarktis.

Zu Studien aus den Gebieten der der Astrophysik könnten u.a. SPACE -

LAB-Instrumente wie Röntgenstrahlen-Detektoren bei Langzeitflügen von S0JUS-Raumschiffen erneut eingesetzt werden.

Weitere Möglichkeiten ergäben

s i c h , wie die Wissenschaftler e r k l ä r t e n , z.B. durch eine Koordination getrennter Mars-Missionen oder sogar einer gemeinsamen Mars-Mission, um Bodenproben vom Mars zur Erde zu bringen.
Ein Ergebnis der
- 4-

�Ein Ergebnis der Vereinbarungen von 1972 und 1977 war der

Informa-

tionsaustausch über menschliche Reaktionen auf Raumflugbedingungen.

Von

größtem Vtert f ü r die Vereinigten Staaten seien Daten über die Auswirkungen von Langzeitflügen über das Ausmaß der Entmineralisierung des Skel e t t s und die Veränderungen beim kardiovaskulären System unter dem E i n fluß der Schwerelosigkeit gewesen.

* * * * *

- 5-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Schlussakte von Helsinki - Neue Ära für Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers auf der KSZE-Jubiläumsfeier -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Burt: USA werden KSZE-Prozess nicht aufgeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- EURONET-Interview zum 10. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets blockieren Fortschritte bei Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Delegierten bei der Genfer Abrüstungskonferenz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumstation - Katalysator für friedliche Weltraumnutzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan würdigt Errungenschaften und künftige Projekte im Dienst der Menschheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gründliche Projekte-Bwertung erforderlich - Neubeginn an der Basis vorgeschlagen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen

- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs Reagan b i e t e t ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche an
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kostendämpfung für den Raumflug
- SDI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e "

* * * * *

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�7. August 1985

32

PRÄSIDENT REAGAN: NIEMALS WIEDER EINSATZ VON ATOMWAFFEN
- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer

Erklärung

zum 40. Jahrestag des Abwurfs einer Atombombe auf Hiroshima b e t o n t , daß
a l l e Nationen der Welt dafür sorgen müssen, daß das Atom niemals wieder
a l s Waffe des Krieges Verwendung finden w i r d .

I n seiner Erklärung vom 6.

August 1985 hat der Präsident hervorgehoben, daß die Vereinigten Staaten
a l l e s tun werden, um eine f r i e d l i c h e r e Welt aufzubauen.

Reagan wies auch

darauf h i n , daß das Ende des Zweiten Weltkriegs den Beginn einer
spiellosen Freundschaft

bei-

zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ge-

bracht habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
I n dieser Woche gedenken M i l l i o n e n von Menschen auf der ganzen Welt
des 40. Jahrestages der ersten und einzigen Einsätze von Kernwaffen - Geschehnisse, die einen langen und schrecklichen Krieg beendet haben.

Mit

dem Ende des Krieges entstand eine beispiellose Freundschaft zwischen den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwischen den freien Völkern und demokratischen Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans.

Wenn wir also über die Bedeutung der Ereignisse

vor 40 Jahren nachdenken, dann dürfen wir und die Bevölkerung Japans
stolz darauf sein, daß wir gezeigt haben, daß selbst zwischen früheren
Gegnern im Kriege eine dauerhafte Versöhnung möglich ist.

Wir dürfen niemals vergessen, was die Kernwaffen über Hiroshima und
Nagasaki gebracht haben.

Und doch dürfen wir auch nicht vergessen, daß

die Aufrechterhaltung unserer starken nuklearen Abschreckung vier Jahrzehnte lang die Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Freiheit unserer Verbündeten in Asien und Europa gewährleistet hat.

In Europa bedeu-

ten diese Jahre die längste Friedensperiode seit Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Frieden hat uns nicht selbstgefällig gemacht, denn wir streben
weiterhin nach Hegen, um die Risiken eines Krieges noch mehr zu verringern.

Wie ich oft erklärt habe:

"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen wer-

den und darf niemals geführt werden."

Dieser Jahrestag ist daher nicht

nur Anlaß zur Erinnerung, sondern auch zum Handeln.

Die Vereinigten Staaten werden jeden vernünftigen Schritt tun, um eine friedlichere Welt aufzubauen.

Erst vorige Woche habe ich der sowjeti-

schen Führung eine Einladung zukommen lassen, ein Team sowjetischer Experten nach unserem Versuchsgelände in Nevada zu entsenden, um einen amerikanischen Atomversuch zu beobachten und seine Stärke zu messen.
Angebot gilt ohne Vorbedingungen.

Mein

Den sowjetischen Experten wurde frei-

gestellt, alle Instrumente und Einrichtungen mitzubringen, die sie für
notwendig erachteten, um die Stärke des Versuches zu messen.
war einfach und klar:

Unser Ziel

Einen Prozeß in Gang zu setzen, der hinsichtlich

der Begrenzung von Nuklearversuchen das Vertrauen und die Zusammenarbeit
zwischen unseren Nationen wesentlich erhöhen könnte.

Ich hoffe, daß die sowjetische Führung diese Einladung im Geiste des
guten Willens annehmen wird, in dem sie ergangen ist.

Ich möchte auch an

die Führung der Sowjetunion appellieren, mit uns zusammenzuarbeiten, um
- 2 -

�zusammenzuarbeiten, um einschneidende, v e r i f i z i e r b a r e
ringerungen der Nukleararsenale

und gerechte

zu erreichen; die Fragen bezüglich

Verder

Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen zu lösen und einen kons t r u k t i v e n Dialog über M i t t e l und toege zur Verringerung des Risikos eines
unbeabsichtigten Krieges i n Gang zu bringen.
Wir müssen auch wachsam sein i n unseren Bemühungen, die Ausbreitung
von Kernwaffen zu verhindern - und h i e r müssen a l l e

Nationen die

tragen h e l f e n .

Nukleartechnologie

Jene, die aus dem Transfer s e n s i t i v e r

Last

i n Unruhegebiete der Erde Gewinn schlagen möchten, s t e l l e n eine Bedrohung
des Weltfriedens dar.

Hier miß gehandelt werden, und wir ermutigen a l l e

Länder, sich uns i n der Forderung nach umfassenden Sicherheitsgarantien
a l s Vorbedingung für den Nuklearexport anzuschließen.
Wir sehen der d r i t t e n Uberprüfungskonferenz

für den Nichtweiterver-

b r e i t u n g s v e r t r a g , die i n diesem Monat beginnen w i r d , mit Interesse entgegen.

Die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und a l l e Länder der Welt

müssen das i h r i g e t u n , um zu gewährleisten, daß das Atom niemals wieder
als eine Waffe des Krieges, sondern nur noch a l s Instrument des Friedens
verwendet w i r d .

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

32

REAGAN BIETET STÄNDIGES MORATORIUM FÜR KERNWAFFENVERSUCH AN
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat e i n ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche angeboten, wenn die Sowjets b e r e i t wären, i h r
z e i t l i c h begrenztes Moratorium f ü r Kernversuche nach dem 1 . Januar 1986
i n e i n ständiges Moratorium zu verwandeln oder wenn sie b e r e i t s e i e n , b i l a t e r a l e Inspektionen der Versuche der j e w e i l s anderen Seite zuzustimmen.
Auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 5.
August 1985 betonte der Präsident, daß dieses Angebot für den Zeitpunkt
nach dem Abschluß der gegenwärtigen amerikanischen Versuchsreihe

gelte.

Diese Versuche seien durch die massive sowjetische Aufrüstung notwendig
geworden.

Reagan wies darauf h i n , daß eine Lösung a l l dieser Fragen an

den Konferenztisch i n Genf gehöre, denn wenn man zu einer Einigung über
eine wesentliche Verringerung und schließliche Abschaffung a l l e r Kernwaffen kommen könne, dann gäbe es auch keine Notwendigkeit mehr f ü r Kernwaffenversuche.

Der

Stellvertretende

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses Edward Djerejian erklärte später vor der Presse, der Präsident habe mit seinem Angebot "keine neue Initiative vorgeschlagen".

Die Vereinigten Staaten unterstützten

seit langem das Ziel von Verhandlungen über ein Versuchsverbot im Zusammenhang mit einschneidenden und verifizierbaren Verringerungen der Kernwaffen, wesentlich verbesserten Verifizierungsmethoden, verstärkten vertrauensbildenden Maßnahmen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung.

Im wesentlichen, so betonte der Stellvertretende Sprecher

des Heißen Hauses, gehe es um das Verifizierungsproblem und um den Vorsprung der Sowjetunion in der Entwicklung und Modernisierung von Kernwaffen.

"Wir dürfen nicht vergessen", so betonte Djerejian, "daß die

grundsätzliche Notwendigkeit für unsere Versuche aus der massiven Aufrüstung der sowjetischen Offensivkraft herrührt".

Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die sich zu einem großen
Teil mit Fragen des amerikanischen Haushalts und der Gesundheit des Präsidenten befaßte, mit einer einleitenden Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Ich möchte diese Gele-

genheit benutzen, einen Blick zurück zu tun und auch einen Blick in die
Zukunft auf unsere Erwartungen für diesen Herbst.
tet sich zu einem Jahr des Fortschritts.

Das Jahr 1985 gestal-

Die Wirtschaft erfreut sich gu-

ter Gesundheit, Amerika lebt in Frieden und trägt dazu bei, die Grenzen
der Freiheit zu erweitern.

Wir können Vertrauen aus der Tatsache schöpfen, daß die Zinssätze
noch immer nach unten neigen, daß die Inflationsrate noch immer unter
vier Prozent bleibt und daß in diesem Jahr fast 600 000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Und jetzt, da die Batterien der Wirtschaft neu

aufgeladen sind, starten wir mit neuem Schwung.

Der Weg vor uns läßt ei-

nen starken Arbeitsmarkt erkennen, ohne neue Steuererhöhungen, die uns
bremsen würden und ohne dunkle Walken der Inflation am Horizont.

Aber es gibt
- 2 -

�Aber es gibt vieles, was wir tun können und müssen, um dieses Jahr zu
einem noch besseren Jahr zu machen.

Wir haben die Absicht, eine große

Herbstoffensive zu starten und uns an das Volk zu wenden und mit dem Kongreß zu arbeiten, um große und dringend erforderliche Reformen zu erreichen.

Wir werden unsere Bemühungen um eine Haushaltsreform, um ein Veto-

recht für Einzelposten - das A3 Gouverneure von Einzelstaaten bereits besitzen - und um einen ausgewogenen

Haushalt

intensivieren, um damit

schließlich dem Kongreß aufzuerlegen, daß er nicht mehr ausgibt, als er
einnimmt.

Wir können die chronischen Überausgaben des Kongresses nicht

mit dem Zuckerbrot freundlicher Appelle an gute Absichten verringern,
sondern wir müssen auch in der Lage sein, die Peitsche echter Disziplin
zu schwingen.

Wir werden auch den Gebieten der Landwirtschaft und des Handels besondere Aufmerksamkeit zuwenden, weil sie eine so große Auswirkung auf
den Haushalt und die Gesundheit unserer Wirtschaft haben.

Bis zum Tag

der Arbeit (2. September) werden wir alle Hindernisse für die Verabschiedung der Steuerreform aus dem Wege räumen.

Wir können uns nicht mit den

Ungerechtigkeiten und Erschwernissen der derzeitigen Steuersätze abfinden.

Wir müssen sie durch ein neues System ersetzen, das dem amerikani-

schen Volk niedrigere Hächststeuersätze und eine größere Fairness bietet.
Um unserer Zukunft willen gibt es keine höhere oder dringendere Priorität.

Von Seiten der Legislative erreichten wir nicht alle die Einsparungen, die wir angestrebt haben, aber wir haben an dem Prinzip festgehalten
- und es ist uns gelungen, daran festzuhalten, das ich als entscheidend
wichtig ansehe, wenn es um den Abbau des Haushaltsdefizits geht, daß wir
nicht das Einkommen der Menschen senken, sondern die Ausgaben der Regierung.

Es werden viele Bewilligungsgesetze anstehen, und ich bin ent-

schlossen, jedes von ihnen Zeile um Zeile genau zu prüfen, um, wenn notwendig, mein Veto einzulegen.

Was die Außenpolitik angeht, so haben wir die Woge der schrittweisen
sowjetischen Expansion, die vor fünf Jahren so deutlich zu erkennen war,
zurückgedrängt.

Unsere Bündnisse sind stärker und wir haben unsere Füh-

�unsere Führungsposition wiedergewonnen, wir arbeiten an der Lösung der
internationalen Schuldenlast, wir marschieren der Ausbreitung der Demokratie voran und wir suchen echte Fortschritte in entscheidenden globalen
Fragen von den Menschenrechten bis zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

In Genf sind wir in der besten Position seit über einer Generation,
um echte Verringerungen der Kernwaffen zu erreichen.

Alles, was wir

brauchen, ist eine ernsthafte Einstellung der Sowjets.

Ich sehe meinem

Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf im November dieses Jahres mit Erwartung entgegen.

Und auch dieses:
zubauen.

Wir haben begonnen, unsere Verteidigung wieder auf-

Unsere konventionellen Streitkräfte sind stärker.

Der Kongreß

hat unser strategisches Modernisierungsprogramm unterstützt und unsere
Abschreckung ist stärker.

Aber wir müssen weitermachen und dieses Pro-

gramm abschließen.

Wir setzen auch unsere Forschung auf dem Gebiet unserer nichtnuklearen strategischen Verteidigungsinitiative

fort, die die große hbffnung

bietet, daß wir vielleicht eines Tages die Menschen dieses Planeten vor
der Drohung eines nuklearen Angriffs schnützen können.

Und wir haben ei-

nen Durchbruch erzielt, als der Kongreß die Bedeutung Mittelamerikas für
unsere nationale Sicherheit erkannte und der Hilfe für die Freiheitskämpfer zustimmte.

Die Sache der Freiheit ist die Sache des Friedens und ich möchte all
jenen im Kongreß, die für die Unterstützung der Freiheitsbewegung in Nicaragua , Afghanistan und Kambodscha, und für die Aufhebung des Clark-Gesetzeszusatzes gestimmt haben - der die Hilfe für die Freiheitskämpfer in
Angola verbot -, mein Lob aussprechen.

Wir haben also, wie ich gesagt

habe, gut angefangen, aber es bleibt noch vieles zu tun.

Die außenpolitischen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Herr Präsident,

�FRAGE:

l-terr Präsident, eine Frage zu Südafrika.

Beabsichtigen Sie

die Fortsetzung Ihrer Politik des konstruktiven Engagements oder sind Sie
der Ansicht, jetzt sei bald die Zeit gekommen, Schritte - wie etwa Sanktionen - zu unternehmen?

ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß die Ergebnisse, die dieses kon-

struktive Engagement mit Südafrika gezeitigt haben, ein Fortführen dieser
Politik rechtfertigt.
Sicherlich sind wir alle der Meinung - und wir haben dies auch deutlich gemacht -, daß die Apartheid abstoßend ist...

Man sollte aber auch

das Positive betrachten, das unser sogenanntes "konstruktives Engagement"
bislang mit sich gebracht hat - in immer größerem Maß vollständige zweirassige Eriehung; dann die Tatsache der über 100 Millionen Dollar, die
die dortige amerikanische Geschäftswelt im Lauf der vergangenen Jahre für
Ausbildung und Unterkunft der Schwarzen beigetragen hat; schließlich das
Faktum, daß das Verbot gemischtrassiger Ehen nicht länger existiert; daß
rund

vierzig Geschäftsbereiche

für Geschäfte

freigegeben wurden, die

Schwarzen gehören; Schwarze in der Gewerkschaftsbewegung; verstärkte Aufhebung der Rassentrennung in Hotels, Restaurants, Parks, Sportanlagen und
dergleichen.

Ich kann gar nicht alles aufzählen; aber alles trägt zur letztendlichen Antwort bei.

Und nimmt man die Worte von Buthelezi, des Führers der

Zulu, die ja rund ein Drittel der schwarzen Bevölkerung Südafrikas ausmachen, dann zeigt sich:

Er spricht gegen den Gedanken der Feindschaft,

der Sanktionen und sagt, was auch wir sagen, daß derlei nur den Menschen
schaden würde, denen wir zu helfen suchen.

FRAGE:

Sie werden also Ihr Veto einlegen?

ANTWORT:

... Im Prinzip bleibt es bei dem, was ich schon sagte: Mei-

ner Meinung nach ist die Fortführung unseres derzeitigen Programms der
beste Weg, auf dem wir eine Hilfe für die schwarze Bevölkerung Südafrikas
sein können.
FRAGE: Aber der

�FRAGE:
che.

Aber der Ausnahmezustand geht jetzt schon in seine dritte Wo-

Ihre Regierung hat seine Aufhebung gefordert und doch gab es keine

Reaktion hierauf.

Was werden Sie tun, um der südafrikanischen Regierung

dies stärker zu verdeutlichen?

ANTWORT:

Ich glaube, wir haben schon einigen Einfluß ausgeübt, und

sie selbst haben Fortschritt in diese Richtung versprochen.

Jetzt aller-

dings sprechen Sie von einer Regierungsreaktion auf Gewalt, die für alle
Menschen dort schädlich war.

Wir sahen Gewalt zwischen Schwarzen ebenso

wie seitens der Polizei gegen aufrührerisches Verhalten. Man muß bisweilen auch die Tatsache von Aktionen anerkennen, die in dem Bemühen ergriffen werden, Gewalt zu verhindern.

FRAGE:

Würden Sie Ihr Veto gegen ein Gesetz einlegen, das bereits

vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und das, wie es den Anschein
hat, auch im Senat durchkommen wird?

ANTWORT:

Lassen Sie mich warten, bis ich sehe, was auf meinen

Schreibtisch kommt.

Ich weiß, daß es hier Dinge gibt, die gerade in der

Richtung nützlich sind, von der ich gesprochen habe.

Ich weiß allerdings

auch, daß die Sanktionen nicht nur für die Schwarzen dort Schaden anrichten würden, sondern daß sie auch schlecht für die angrenzenden Staaten
wären, deren Volkswirtschaften hinsichtlich Handel und Wirtschaftsbeziehungen von Südafrika abhängen.

FRAGE:

Könnte man also mit Recht sagen, daß es in der amerikani-

schen Politik keine Änderungen geben wird, daß man die Zügel nicht etwas
strafft?
ANTWORT:

Das hängt davon ab, was Sie unter Änderung verstehen; wenn

Sie damit Sanktionen und dergleichen meinen - nein.

Aber es kann natür-

lich Fluktuationen im Gespräch und in den Beziehungen zu einer anderen
Regierung geben.

FRAGE:
- 6 -

Was halten

�FRAGE:

Was halten Sie von den konservativen Attacken gegen Außenmi-

nister Shultz, er sei nicht antikommunistisch genug?

ANTWORT:

Sie entbehren jeglicher Grundlage und sie sind zutiefst

lächerlich.

Ich habe völliges Vertrauen in Außenminister Shultz und in

die Tatsache, daß er die Politik betreibt, an die ich glaube.

FRAGE:

Sie wissen, Gorbatschow sagte, wir seien Barbaren gewesen,

die Atombombe abzuwerfen.
ANTWORT:

Was halten Sie davon?

Ich dachte immer, es sei barbarisch von Stalin gewesen, 20

Millionen seiner eigenen Landleute umzubringen.

Wir hingegen warfen die Bombe in dem Bestreben ab, das zu beenden,
was der größte Krieg in der Geschichte der Menschheit war.

Der Wider-

stand des Feindes und die Inselkämpfe, die zur Invasion Japans führten,
bewiesen uns, daß wir auf Widerstand bis zum Tode treffen würden.

Man

schätzte die Verluste bei weiterem Vorrücekn auf mehr als eine Million.
Und ich glaube, jenen, die damals diese schreckliche Entscheidung zu
treffen hatten, jetzt etwas anderes unterstellen zu wollen, ist lächerlich.

Schrecklich wie es war, müssen wir meiner Meinung nach doch auch sagen, daß dadurch die Welt eine Vorstellung von dem Schrecken der Kernwaffen erhielt.

Und das hilft uns jetzt vielleicht dabei, uns eines Tages

von ihnen zu befreien.

Dies müssen wir erkennen - und auch die Tatsache ,

daß die Präsenz unserer Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung uns
die längste Periode des Friedens - 40 Jahre Frieden - gebracht hat, die
es jemals gab.

FRAGE:

Hierzu noch:

Warum greifen Sie nicht Gorbatschows Vorschlag

eines gemeinsamen Moratoriums bei Nuklearversuchen auf?

ANTWORT:

Die Sowjetunion ist uns bei der Entwicklung und der Moder-

nisierung der Kernwaffen voraus.

Sie hat eben ihre Versuche beendet, ein
- 7 -

�beendet, ein paar stehen vielleicht noch aus, die sie womöglich noch vor
dem 6. - dem vorgeschlagenen Beginn - dazwischenquetschen werden.

Aber

sie hatte ihre Versuche mit der SS-24, der SS-25 und der SS-18 beendet,
die unserer MX vergleichbar ist. Und wir haben mit den Versuchen bei einigen unserer Waffentypen, die mit den ihrigen Schritt halten sollen,
noch nicht einmal richtig begonnen, geschweige denn die Tests abgeschlossen.

Deshalb kommtihr Vorschlag für ein beiderseitiges - erst einseitiges
- Moratorium für mehrere Monate nach Abschluß ihrer Versuche.
chen nichts mehr zu tun.

Sie brau-

Ihr Drängen auf ein beiderseitiges Moratorium

bedeutet, daß wir dann nicht mehr in der Lage wären, mit ihnen Schritt zu
halten.

Und wir haben hierfür ein Beispiel aus der Zeit Kennedys.

Damals ging es um Versuche bei ABM und dergleichen.

Wir bemühten uns

um einen Vertrag, die Sowjetunion weigerte sich; sie brachte ihre Versuche zu einem Ende. Als dann der Kongreß für uns grünes Licht gab, sagten
die Sowjets sofort zu Präsident Kennedy:

"Oh ja, wir sind jetzt bereit,

über ein Moratorium bei Tests zu sprechen."

Und aus diesem Grund haben wird gesagt:
suche durchführen - genau dieselben wie ihr.

"Wir müssen noch unsere VerIhr könnt gern jemand her-

überschicken und alle unsere Versuche beobachten."

Und wir würden gern noch Folgendes hinzufügen:

Wenn sie nach dem be-

grenzten Moratorium, das etwa im Dezember zu Ende gehen sollte, bereit
sind, es zu einem ständigen Moratorium zu machen oder wenn sie bereit
sind, mit uns übereinzustimmen und bilaterale Inspektionen bei den Test
der jeweils anderen Seite zu haben, so sind wir hierzu auch bereit.

FRAGE:

Sie sagten, alle unsere Versuche zu beobachten?

Sie würden

bis zu einem totalen Moratorium gehen, einem ständigen Moratorium bei allen unterirdischen Tests? Allen Tests?

ANTWORT:
- 8 -

Ich weiß

�ANTWORT:

Ich weiß n i c h t , ob wir i n der Lage wären, unsere b i s zum

Jahresende zu beenden.

Vtenn wir unsere abgeschlossen haben und sie keine

neuen unternehmen FRAGE:

Nun, sie sagen, wir h ä t t e n . . .

ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja, das wäre gut.
. . . unsere i n Nevada abgeschlossen.
Oh nein.

Wir sprechen noch immer vom Typ MIDGETMAN, um

i h r e SS-24 oder SS-25 aufzuwiegen.

Und wir haben bis j e t z t noch nicht

einmal damit angefangen.
FRAGE:
ANTWORT:

Vtenn könnte das sein?
Das weiß ich n i c h t .

kreten Fakten zurückkehren.

Innerhalb eines Jahres?
Lassen Sie uns inzwischen zu zwei kon-

I n Genf s o l l t e n die Entscheidungen g e t r o f f e n

werden und nicht mit Moratorien dieser A r t .

Vfenden wir uns dem Bemühen

z u , e i n f ü r a l l e Mal die Anzahl der Kernwaffen zu v e r r i n g e r n , was hoff e n t l i c h zu i h r e r v ö l l i g e n Beseitigung führen w i r d .
überhaupt keine Notwendigkeit mehr für Versuche.

* * * * *

- 9 -

Dann gäbe es nämlich

�7. August 1985

31

KOSTENDÄMPFUNG FÜR DEN RAUMFLUG
5DI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e " -

-

(AD) - Zu den sich j e t z t abzeichnenden und zukünftigen S t a r t e r f o r -

dernissen i n den neunziger Jahren äußerte sich während einer

dreitägigen

Anhörung Generalleutnant James Abrahamson, Direktor der Organisation für
die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e
ses

für

Wissenschaft

amerikanischen

und Technologie

Repräsentantenhauses.

(SDI) vor Gremien des Ausschussowie des Militärausschusses

des

Seinen

die

Worten

zufolge

Stationierung einer Abschirmung gegen nukleare b a l l i s t i s c h e

würde

Raketen "den

Shuttle-Unternehmen vergleichbare Flüge" e r f o r d e r n , die sowohl der gegenwärtigen als auch der vorgesehenen

rationalen

S t a r t k a p a z i t ä t i n etwa e n t -

sprächen oder sogar merklich darüber lägen.

In einer Diskussion betonte

Abrahamson außerdem die Notwendigkeit einer

"nationalen I n i t i a t i v e "

Senkung der Kosten für den Transport i n den Waltraum.

Ebenso wie das ge-

samte SDI-Programm müsse die Beförderung eines Verteidigungssystems
Raketenabwehr i n den Erdorbit

"kosteneffektiv"

sein.

zur
zur

Wir bringen nach-

folgend den Wortlaut der Erklärung Abrahamsons:
Das Thema ' Transport

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Thema ' Transport i n den Weltraum'
teidigungsinitiative

des

Präsidenten

von

ist

für die Strategische

außerordentlicher

Ver-

Bedeutung.

Der Transport i n den Vteltraum wird i n unseren gegenwärtigen Untersuchungen a l s k r i t i s c h e Technologie und wichtigste Kategorie für den Kostenanstieg i d e n t i f i z i e r t .

Dies wird durch die Folgerungen b e s t ä t i g t , zu denen

das von Dr. Fletcher geführte Team zum Studium der Verteidigungstechnologien gekommen i s t .
den unsere

Die r e l a t i v hohen Kosten für unsere Startsysteme wer-

Fähigkeit,

eine

finanzierbare

strategische

Verteidigung

zu

d i s l o z i e r e n , wesentlich beeinflussen.

Es i s t unsere A b s i c h t , f ü r v i e l e unserer technologischen Forschungsprogramme

den Raumtransporter

Wir gehen davon aus,

als

das primäre

Startgerät

zu benutzen.

im Rahmen der Grundlagenforschungen während der

Haushaltsjahre 1987 bis 1991 den Raumtransporter i n einem Umfang zu nutzen, der i n etwa einem Flug pro Jahr e n t s p r i c h t .

Wir nehmen a n , diesem

Erfordernis am besten gerecht zu werden, wenn wir innerhalb dieser
j e w e i l s zweimal die Hälfte des Frachtraums belegen.
sich ändern.

Zeit

Diese Schätzung mag

So könnte beispielsweise für unseren ersten STS-Flug (Space

Transportation System) im Haushaltsjahr 1987 der gesamte Frachtraum benöt i g t werden.
spielsweise

Außerdem werden zahlreiche SDI-Sekundärexperimente wie b e i das

überaus

erfolgreiche

Hochpräzisions-Nachführexperiment,

das während eines der jüngsten Shuttle-Flüge durchgeführt wurde, i n Erwägung gezogen und bei künftigen Shuttle-Unternehmen m i t g e f ü h r t .

Wir

planen

die

SDI-Forschung

im

Hinblick

auf

ausreichenden

Fort-

s c h r i t t und technische R e i f e , so daß e i n k ü n f t i g e r Präsident ebenso wie
der Kongreß Anfang der neunziger Jahre entwicklungstechnische

Entschei-

dungen f ü r e i n Verteidigungssystem für die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten

treffen

können.

Vfenn diese

Entscheidungen

zu

technischen

Entwicklungen führen s o l l e n , e r f o r d e r t dies zweifellos zusätzliche Transporte i n den Vteltraum.
die Erfordernisse

Es i s t schwierig, j e t z t schon zu sagen, wie groß

wären; grob geschätzt könnten s i e , beginnend mit dem

Haushaltsjahr 1992, fünf Raumtransporterflügen pro Jahr entsprechen. Diese Flugerfordernisse sind mit den Anforderungen vereinbar, die den L u f t s t r e i t k r ä f t e n f ü r die Zusammenstellung der Missionsmodelle auf nationaler

�auf nationaler Ebene und für das Verteidigungsministerium im Zusammenhang
mit STS-Einsätzen eingeräumt wurden.
derungen d e f i n i e r t

Je besser unsere Entwicklungsanfor-

werden können, desto e f f e k t i v e r

werden auch unsere

Fluganforderungen r e v i d i e r t und mit den verantwortlichen Organisation koordiniert.
Vorausschätzungen einer möglichen SDI-Dislozierung sind nur v o r l ä u f i ger Natur und ihrem Wssen nach äußerst dynamisch.
ren wir

viele

mögliche

Startanforderungen.

Schemata

mit

Gegenwärtig a n a l y s i e -

einem b r e i t e n Spektrum

denkbarer

Diese Schemata sind noch keineswegs ausgereift

und

machen es äußerst schwierig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt e i n genaues Missionsmodell

aufzustellen.

Um jedoch auf

Ihre Fragen zu den möglichen

SDI-Startanforderungen für eine System-Dislozierung zurückzukommen, möchte ich eine Anzahl von shuttle-äguivalenten Flügen vorschlagen, die i h r e r
Natur nach der gegenwärtigen und k ü n f t i g vorgesehenen nationalen S t a r t k a pazität entsprächen oder sie sogar d e u t l i c h überstiegen.

Es steht kaum außer Z w e i f e l , daß auf längere Sicht der Umfang der nat i o n a l e n Startanforderungen die gegenwärtigen Startkapazitäten ü b e r s t e i gen w i r d .

Aus diesem Grund gab der Präsident k ü r z l i c h Anweisung f ü r die

Fertigstellung

einer

natonalen Studie

über

Transporte

in

den

Vfeltraum

e i n s c h l i e ß l i c h der e r f o r d e r l i c h e n I n f r a s t r u k t u r , die vom Verteidigungsministerium und dem Amt für L u f t - und Raumfahrt (NASA) gemeinsam ausgearbeitet wird.
gierung

für

Die Studie wird p o t e n t i e l l e Missionserfordernisse der Renationale und z i v i l e

Aufgaben im Vteltraum für die Z e i t ab

1995 ausweisen, die verschiedenen Möglichkeiten für die T r a n s p o r t - I n f r a struktur

zur aufgabengerechten Durchführung dieser Missionen d e f i n i e r e n ,

anwendbare Technologien für die Trägergeräte angeben und s c h l i e ß l i c h die
j e w e i l i g e n Aufgabenspektren benennen.

In der Studie wird man sich mit

a l l e n Aspekten von Startmöglichkeiten befassen, e i n s c h l i e ß l i c h der j e w e i l i g e n Operationen, der
auch am Boden.

Wartung und der L o g i s t i k

sowohl im Weltraum a l s

Die Regierung vertraut darauf, daß die mit der Studie ge-

gebenen Empfehlungen die USA i n die Lage versetzen werden, fortdauernden
Zugang zum Weltraum und die führende Rolle beim Transport i n den Weltraum
zu behalten.

Der endgültige Bericht

s o l l im Mai 1986 vorgelegt werden.

- 3 -

�vorgelegt werden.

Von diesem Bericht wird ein breit angelegtes Technolo-

gie-Investitionsprogramm

für künftige nationale Erfordernisse ausgehen.

Als potentieller Anwender für eine verbesserte nationale Startkapazität
in der Zukunft wird SDI in den nächsten Jahren Forschungsinvestitionen
vornehmen um, dazu beizutragen, daß dramatisch niedrigere Kosten und erhöhte Operationsflexibilität im Bedarfsfall verfügbar sind.

Unser besonderes Interesse gilt einem breiten Spektrum modernster
Technologien.

Diese Technologien könnten sowohl einem nach dem Shuttle-

Prinzip projektiertem Startvehikel als möglicherweise auch einem völlig
neuem System dienen.

Am Anfang steht die Forderung, daß wir unsere ge-

genwärtigen arbeitsintensiven Aufgaben wesentlich reduzieren müssen.

Um

dies zu erreichen, suchen wir nach Verbesserungen in unseren gegenwärtigen Operationen am Boden und im Waltraum, bei der Missionsplanung, in Fabrikation und Produktion, in der Ausarbeitung der Software und in der Logistik.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt unsere künftigen Starterfordernisse
noch ziemlich unklar sind, ist Flexibilität jetzt eines unserer Hauptziele.

Ich bezweifle, daß ein einziger Typ von Startgerät diesen Anforde-

rungen gerecht werden könnte, und es ist wahrscheinlich, daß eine ganze
Familie von Trägergeräten gebraucht würde.

Meines Erachtens liegt auch

der Schlüssel zu künftigen leistungsfähigen Startoperationen für kommerzielle Zwecke in flexiblen Operationen.

Die Vereinigten Staaten und die

westliche Veit haben eine aufregende und lebendige Zukunft in Waltraumaktivitäten aller Art vor sich.

Der Schlüssel zu dieser Zukunft - seien

es Aktivitäten im Interesse der Sicherheit, der wissenschaftlichen Forschung oder der kommerziellen Nutzung - der Schlüssel also liegt in einem
flexiblen und rentablen Waltraumtransportsystem.

Die Vereinigten Staaten

müssen Menschen, Ideen, Geld und Führungskraft investieren, um diese Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan bietet ständiges Moratorium für Kernwaffenversuche an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kostendämpfung für den Raumflug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- SDI-Chef Abrahamson fordert "Nationale Initiative" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

14. August 1985

INHAL

HINTERGRUNOMATERIAL
Keine amerikanischen Vorbedingungen für G i p f e l t r e f f e n
- Euronet-Pressekonferenz der US-Unteistaa:ssekretärin f ü r
europäische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug für die Wissenschaft
- Jüngster CHALLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

* * * * *

Um Über/endung von
ßelegcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�32

14. August 1985

KEINE AMERIKANISCHEN VORBEDINGUNGEN FÜR GIPFELTREFFEN
Euronet-Pressekonferenz der US-Unterstaatssekretärin für
europäische Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - Die Unterstaatssekretärin f ü r europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne Ridgway,
i n einem Fernsehinterview

erklärte

am 7. August 1985, es gebe für das geplante

G i p f e l t r e f f e n zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekr e t ä r Gorbatschow im November dieses Jahres von Seiten der
Staaten

keine

Vorbedingungen.

Rozanne

Ridgway,

die

Vereinigten

Botschafterin

der

Vereinigten Staaten i n Ostberlin war und j e t z t im amerikanischen Außenministerium die Nachfolge von Richard B u r t , dem neuen Botschafter der Vere i n i g t e n Staaten i n Bonn, angetreten h a t , betonte, zwar bestünden bezügl i c h der Menschenrechte Differenzen, die ausgeräumt werden müßten, aber
von Vorbedingungen könne man nicht

sprechen.

Die

Unterstaatssekretärin

nahm i n dem vom US-Informationsamt (USIA) über S a t e l l i t nach Europa ausgestrahlten Fernsehinterview unter anderem auch zu der Frage eines s t ä n digen

Moratoriums

für

Kernwaffenversuche,

zur

Strategischen

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI), zum Helsinki-Prozeß und zum
Ost-Wsst-Verhältnis generell Stellung.

Das Interview hat - in leicht gekürzter Form - folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Wir wissen, daß Sie bei dem Treffen zwischen (US-Außenmini-

ster) Shultz und (dem sowjetischen Außenminister) Schewardnadse in Helsinki dabei waren.

Ich möchte Sie fragen, was Sie von dem fotogenen

Lächeln von Außenminister Schewardnadse halten, von dem so viele Ihrer
Kollegen eingenommen waren; oder haben Sie hinter dem Lächeln und hinter
dem, was der neue sowjetische Stil der 'Öffentlichkeitsarbeit zu sein
scheint, eine Veränderung in der Sache oder einen Wandel in der sowjetischen Außenpolitik festgestellt?

Darf man auf ein erfolgreiches Ergeb-

nis des Gipfeltreffens im November hoffen, nachdem man weiß, daß sich die
Sowjetunion geweigert hat, in Genf über Menschenrechte zu sprechen?

ANTWORT:

Das ist schon eine Frage, die Sie da gestellt haben.

enthält mehrere Elemente.

Lassen Sie mich von oben anfangen.

Sie

Das Zusam-

mentreffen in Helsinki war eine wichtige Zusammenkunft - die erste Zusammenkunft mit dem neuen sowjetischen Außenminister.

Und wir haben, wie

wir hinterher erklärten, festgestellt, daß die Entwicklung dieser Zusammenkunft es uns ermöglicht hat, einen sehr sachlichen Dialog zu führen.
Wir haben auch das Wort offen gebraucht, denn wir stellten fest, daß wir
in der Lage waren, einigermaßen tiefgehend einen ganzen Bereich von Fragen zu besprechen - einen Meinungsaustausch darüber zu führen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich in wichtigen Tagesfragen engagieren.

Wir haben uns sehr davor gehütet, zu versuchen, die an dem Treffen
beteiligten Personen zu beurteilen, so wie andere nicht versucht haben,
uns zu beurteilen.

Die Persönlichkeit spielt in diesem Geschäft natür-

lich eine sehr große Rolle, aber es ging um die Sache.

Außenminister

Shultz erklärte nach dem Treffen, er glaube, es sei ein guter Anfang gemacht worden, und ich glaube, wenn man nach etwas Ausschau hält, was, wie
man sagen könnte, Hoffnung bietet, dann darf man mit einer solchen Beur- 2 -

�solchen Eteurteilung als "guter Anfang" sicherlich zufrieden sein.

Es

liegen noch viele Wochen vor uns, bis es im November zu dem Treffen zwischen Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow kommt.

Es bleibt

noch viel zu tun. Das war nur ein erster Schritt.

FRAGE:

Ich glaube, ein Teil der Frage war auch, ob es in Helsinki

einen sachlichen Unterschied gab?

ANTWORT:

Es handelte sich nicht um eine Zusammenkunft, auf der man

einen Unterschied in der Sache zu vernehmen erwartet.

Es handelte sich,

wie ich sagte, um einen ersten Schritt auf dem Wag nach Genf.

Es war,

wenn Sie so wollen, eine Chance für uns, die Fragenkategorien aufzuzeigen, die uns interessieren.

Es geht hier um Rüstungskontrolle, regionale

Fragen, bilaterale Fragen, Menschenrechte.

Sie haben ganz recht, wir

werden mit der Zeit eine unterschiedliche Tagesordnung haben.

Auf unse-

rer stehen immer die Menschenrechte, aber wir versuchen nicht, uns auf
eine Tagesordnung zu einigen.
ge, die uns interessieren.

Wir sagen ganz einfach:

Das sind die Din-

Helsinki gab uns die Gelegenheit zu diesem

Zeitpunkt des ersten Schrittes, die Probleme darzulegen, über die gesprochen werden muß.

Keine Seite hat den Versuch gemacht, über die Sache

selbst zu sprechen; es war eine Vorbereitung.

FRAGE:

Als frühere Botschafterin in Ostberlin und jetzige Beraterin

von Außenminister Shultz in europäischen Angelegenheiten - welche Strategie gegenüber den Mitgliedern des l/ferschauer Paktes würden Sie vertreten?...

ANTWORT:

Die Administration hat natürlich von Anfang an eine sehr

klare Politik gegenüber Osteuropa eingeschlagen, und wir sind bereit, mit
den Ländern Osteuropas - den Mitgliedern des Warschauer Paktes, wie Sie
sagen - auf individueller Basis umzugehen, je nach dem Inhalt ihrer Politik und ihrem erkennbaren Wjnsch oder nicht erkennbaren Winsen, ein positives Verhältnis mit uns zu haben...

FRAGE:

Ich möchte

�FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf Htelsinki zurückkommen.

Ich g l a u -

be, es wurde unter anderem a l s Anlaß für eine neue Entspannung benutzt.
Die Sowjetunion hat e i n fünfmonatiges Verbot bei Kernwaffenversuchen vorgeschlagen und die Vereinigten Staaten hatten einen anderen Vorschlag unt e r b r e i t e t , wonach die Sowjetunion Beobachter nach Nevada entsenden s o l l t e , um dort einen Versuch zu beobachten.

Kam der sowjetische

Vorschlag

für Sie überraschend?
ANTWORT:

Nein, wir waren überhaupt nicht überrascht.

Die Sowjetuni-

on hat s e i t v i e l e n , v i e l e n Jahren Vorschläge u n t e r b r e i t e t , die unter der
Bezeichnung 'Moratorium" l a u f e n , und es i s t eine ganze Sammlung solcher
Moratorien bekannt.

Wir sind von unserem Standpunkt aus, wie Sie wissen,

der Überzeugung, daß die

anstehenden Probleme nicht

durch d e r l e i

Vor-

schläge gelöst werden können, sondern i n Genf gelöst werden müssen, wo
die Aufgabe, die die Welt gelöst sehen möchte, d a r i n besteht, eine r a d i kale

Verringerung

rascht?

Nein'.

der

Kernwaffen

herbeizuführen.

Unvorbereitet,

über-

Wir sind es gewohnt, daß solche Vorschläge von Z e i t zu

Zeit auftauchen.
FRAGE:

Ifenn wir von dem sprechen, was die Helt möchte, was halten

Sie von einem Versuchsverbot oder einer Versuchsüberwachung?
ANTWORT:

Das Problem, um das es auf diesem enorm komplexen Gebiet

der Rüstungskontrolle geht, i s t

die V e r i f i z i e r u n g .

Beide Seiten müssen

w i r k l i c h e s Vertrauen d a r i n haben können, daß geschlossene Abkommen auch
eingehaltene
werden Sie

Abkommen sind.

Und wenn man dieser Frage nachgeht, dann

sehen, daß wir

durch Technologie, durch Expertenaustausch,

durch - wie im Falle unseres Vorschlags zur Beobachtung von Kernversuchen
- so ins einzelne gehende Dinge wie Vergleichsmessungen M i t t e l und Hege
finden müssen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß die Messungen auf beiden Seiten
die gleichen s i n d .
nicht so dramatisch.

Das i s t

alles

nicht

so a u g e n f ä l l i g und

Die Leute lesen das v i e l l e i c h t

nicht zu Ende, weil es ihnen zu technisch i s t .
zeugung i s t

vielleicht

i n der Zeitung gar

Aber nach unserer Über-

das der e i g e n t l i c h e Kern der Sache - V e r i f i z i e r u n g , V e r i f i -

z i e r b a r k e i t , V e r l ä ß l i c h k e i t , Vertrauen.

Und wir müssen diese Frage an-

�Frage anpacken.

Das war der Grund, warum Präsident Reagan im September

1984 seinen Vorschlag unterbreitet und erst kürzlich näher dargelegt hat.

FRAGE:

Ja schon, aber die Vorschläge der Sowjetunion schienen Aus-

druck dieses neuen Stils zu sein.

Der alte Stil - wie sie beispielsweise

zum "Krieg der Sterne" stehen - schien doch das Haupthindernis in Genf zu
sein,

Warum glauben Sie, daß die Sowjets so sehr dagegen sind?

ANTWORT:

Der Grund ist, wie ich meine, ganz einfach.

Es ist erwie-

sen, daß die Sowjetunion sich seit vielen, vielen Jahren mit solcher Forschung beschäftigt.

Sie hat, wenn man auf die Einzelheiten blickt, auf

diesem Gebiet wahrscheinlich einen großen Vorsprung gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten.

Wir sind uns endlich über die Not-

wendigkeit klar geworden, eine solche Forschung zu betreiben, in die Zukunft zu blicken, unsere strategische Position bis Ende dieses Jahrhunderts zu verbessern.
sich natürlich

Und wenn man einen Vorsprung hat, dann gewöhnt man

daran, sich dieses Vorsprungs

zu erfreuen und möchte

nicht, daß andere aufholen.

Der erste Schritt ist also, daß man sich der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative widersetzt als einer Sache, die angeblich
der Rüstungskontrolle im Wage steht.
Wage.

Dabei steht sie überhaupt nicht im

Der nächste Schritt ist der, daß man dafür sorgt, daß sie mißver-

standen wird und als etwas gesehen wird, was sie gar nicht ist.

Um was

es in WirklLchkeit geht, ist - wie jeder, der die Sache kennt, weiß - ein
außerordentlich kluger Schritt, um die Forschung zu betreiben, die notwendig ist, um herauszufinden, ob es im Sinne der Technologie, der Kosten, der Überlebensfähigkeit usw. wirklich möglich ist, die Elemente einer neuen Position auf der Basis der Verteidigung herauszufinden.

FRAGE:

SDI fand in Europa eine sehr kühle Aufnahme.

Warum glauben

Sie, daß das so war?

ANTWORT:

Manchmal glaube ich, daß wir sagen können, was wir wollen

und zunächst cbch eine kühle Aufnahme finden.

Und dann beginnen die Leu-

�die Leute nachzudenken und es sich zu überlegen und stellen dann schließlich fest, daß der Vorschlag gar nicht so schlecht ist.

Selbstverständ-

lich hat keiner, der die Sache kennt, gesagt, man solle diese Forschung
nicht betreiben.

Und wenn dann schließlich das Verständnis dem unsrigen

gleichkommt, dann haben wir trotzdem noch unter Etiketten zu leiden, und
der Begriff "Krieg der Sterne" hat sich sicherlich als sehr eingängig erwiesen.

Und niemand, der bei der Formulierung einer Schlagzeile, bei der

es um "Krieg der Sterne" oder um eine "Untersuchung der Möglichkeiten für
eine neue strategische Position" geht, die Kahl hat, wird sich für die
längere Formulierung entscheiden.

Und so stehen wir, wenn Sie so wollen,

einem Unterschied zwischen dem, um was es in dem Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und Europa eigentlich geht, und dem, wie es in den
Medien dargestellt wird.

FRAGE:

Es gibt in Europa ein Gegenprojekt, Eureka.

Sehen Sie eine

Art Konkurrenz zwischen beiden Projekten?

ANTWORT:

Nein.

Ich weiß natürlich, daß das ein sehr populäres Thema

ist, aber diese ganze neue Welt der Wissenschaft und Technologie, mit der
sich Wissenschaftler, Techniker und Strategen in Nordamerika und in Europa befassen, hat Platz für alle, und wir sind der Überzeugung, daß SDI
und Eureka miteinander vereinbar sind und bleiben werden...

FRAGE:

Darf ich Sie fragen, ob Sie irgendwie hoffen, eine einheit-

liche westliche Linie im Zusammenhang mit dem kommenden Treffen zwischen
Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow aufrechterhalten zu können?

Und zwar in dem Sinne, in dem die Erklärungen und Reden in Helsinki

abgefaßt waren, wo alle westeuropäischen Länder, wie Sie auch, die Menschenrechtsfrage hervorgehoben haben, obgleich es doch einen Unterschied
gab, denn Sie haben sich deutlicher ausgesprochen:
redet und vielleicht ein bißchen aggressiver.

Sie haben offener ge-

Glauben Sie, daß die West-

europäer bei der Stange bleiben und grundsätzlich die gleiche Linie verfolgen wie Sie, oder sehen Sie eine wachsende Kluft zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten?
ANTWORT:
- 6 -

Ich sehe

�ANTWORT:

Ich sehe keine echte Kluft.

im Stil gehabt.

Wir haben immer Unterschiede

Niemand würde sich doch wohlfühlen, wenn alle Erklärun-

gen in Helsinki über einen Leisten geschlagen worden wären oder genau die
gleichen Dinge hervorgehoben hätten.

Ich möchte in diesem Zusammenhang

nur an die Zusammenarbeit erinnern, die wir in Madrid zur Zeit der Madrider Folgekonferenz erlebt haben...
anbetrifft.

gerade was auch die Menschenrechte

Daß wir es vorgezogen haben, diese Anliegen in Helsinki auf

verschiedene Waise zum Ausdruck zu bringen, ist einfach ein Ausdruck der
Tatsache, daß wir verschiedene Länder sind.
Auftreten von Differenzen.

Ich rechne nicht mit dem

Wir rechnen vielmehr damit, uns durch einen

Konsultationsprozeß über die Auffassungen unserer Verbündeten und anderer
in Europa auf dem laufenden zu halten; zu wissen, was ihre Anliegen sind,
Bescheid zu wissen, was sie über das denken, was wir in den kommenden Wochen und Monaten zu tun gedenken und diese ihre Gedanken in unser eigenes
Denken einzubeziehen.

Ich rechne also nicht damit, daß Differenzen ent-

stehen, denn es hat auch in der Vergangenheit keine gegeben; ich rechne
vielmehr mit einer Ära der weiteren Zusammenarbeit und der sehr, sehr engen Konsultation...

FRAGE:

Können Sie uns eine genauere Vorstellung davon geben, wie

nach Ihrer Auffassung die Tagesordnung in Genf aussehen sollte - vor allem, was das Thema Nummer eins sein sollte?

ANTWORT:

Es gibt natürlich keine festgelegte Tagesordnung - in dem

Sinne, wie wir diesen Begriff "feste Tagesordnung" verstehen.

Aber die

anstehenden Fragen ordnen sich nach unserer Auffassung ohnehin in etwa
vier Kategorien ein - Rüstungskontrolle, die regionalen Fragen, die bilateralen Fragen und, wie schon gesagt, die Menschenrechte.

Und es ist

kein Zufall, daß ich die Liste mit Rüstungskontrolle begonnen habe; ich
habe auch keinen Zweifel daran, daß zwar alle Themen wichtig sind und alle Chancen und Möglichkeiten bieten, daß aber der Hauptschwerpunkt für
alle Menschen auf der Rüstungskontrolle liegt.

Das soll nicht heißen,

daß alles zu schaffen ist. Man muß aber einfach zugeben, daß, wer immer
die Liste der Themen aufstellt, die in Genf erörtert werden sollten, das
Thema Rüstungskontrolle am Anfang steht.
FRAGE:

Eines der

�FRAGE:

Eines der anderen Themen, die Sie genannt haben, sind regio-

nale Probleme. An welche Regionen müßten wir da denken?

ANTWORT:

Natürlich steht Afghanistan weiterhin im Mittelpunkt des

Interesses.

Wir haben in den letzten Monaten die Möglichkeit gehabt, auf

Expertenebene mit der Sowjetunion einen Meinungsaustausch - wenn man das
so bezeichnen kann - über den Nahen und Mittleren Osten, über das südliche Afrika und solche Art von Fragen zu führen.

FRAGE: Mittelamerika?

ANTWORT:

Natürlich , Mittelamerika nicht ausgeschlossen.

FRAGE:

Noch eine Frage zu SDI.

Die Einladung an die europäischen

Staaten zur Teilnahme an dem Forschungsprogramm erging an die europäischen Länder jeweils separat,

Was halten Sie von den europäischen Versu-

chen, im Rahmen der Westeuropäischen Union eine gemeinsame Antwort hierauf zu geben?

ANTWORT:

Diese Frage ist mir im Moment nicht allzu vertraut.

habe mich erst noch einzugewöhnen.

Ich

Das wird Ihnen sicher nicht immer als

Antwort ausreichen, aber lassen Sie mich hier nur so viel sagen: Hie die
Europäer sich organisieren, ist natürlich ganz allein ihre Sache.

Der-

zeit verhandeln wir auf individueller Basis, weil die Europäer selbst auf
diese Heise auf uns reagiert haben.

Bei anderer Entwicklung werden wir

natürlich entsprechend handeln.

FRAGE:

Gibt es für eine europäische Antwort, was Sie betrifft, noch

immer einen zeitlichen Rahmen?

ANTWORT:

Meinen Sie, so viele Tage für dieses und so viele Tage für

jenes?
FRAGE:

Verteidigungsminister Wsinberger hatte einmal einen Zeitplan

von zwei Monaten.
ANTWORT:

Nun, davon

�ANTWORT:

Nun, davon kam man schon vor einiger Zeit ab; Zeitpläne in

dieser Art von Geschäft werden eher durch das Tempo bestimmt, mit der
sich die Technologie entwickelt.

Für mich gibt es jetzt nur den Zeit-

plan, der sich aus dem natürlichen Lauf der Dinge ergibt.

FRAGE:

Auch wenn Sie nun schon fast alle Fragen beantwortet haben,

möchte ich noch einmal auf die Frage des Moratoriums zurückkommen.

Prä-

sident Reagan stimmte am Montag in seiner Pressekonferenz der Möglichkeit
eines Moratoriums zu, sobald die Vereinigten Staaten ihre eigenen Nukleartests beendet hätten. Muß man dies als eine radikale Änderung der amerikanischen Position ansehen?

FRAGE:

Nein, ich glaube, man sollte dies überhaupt nicht so sehen.

Was der Präsident sagen wollte, war wirklich nichts Neues.

Es war die

Bestätigung einer Politik, die wir seit vielen, vielen Jahren verfolgen.
Natürlich möchte man - mit einem Blick nach vorn in der Geschichte - hoffen, daß man einmal in einer Walt anlangt, in der es solche Tests nicht
mehr geben wird.

Aber die Erklärung des Präsidenten vom Montag verdeut-

lichte sehr genau den Kontext, in dem er ein Moratorium sieht, all die
noch zu erledigende Arbeit, die Verifizierung, das Bemühen um vertrauensbildende Maßnahmen, um Verringerung der offensiven Arsenale.
gehört zu jeder Diskussion um ein Moratorium.
Gedanken des Präsidenten.

All dies

All dies lag hinter dem

Es war dies keine radikale Abkehr; wir haben

nichts Neues gesagt.

FRAGE:

Der Präsident sprach von der Möglichkeit eines Moratoriums

nach Abschluß der amerikanischen Versuche.

Wissen Sie, wann das sein

könnte?

ANTWORT:

Für uns ist es ein Gebot der Stunde, die Lücke zu schlie-

ßen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten hinsichtlich der bereits getanen Arbeit existiert.

Wir liegen hier weit zurück

- ich glaube, der Präsident erwähnte das. Er verwies auf die sowjetische
Raketenentwicklung und nannte zwei oder drei der sowjetischen Raketen,
die aufgrund beschleunigter und umfassender Testprogramme entwickelt und

�entwickelt und einsatzfähig gemacht wurden.
getan.

Wir haben nichts dergleichen

Ich kann wirklich nichts über einen Zeitplan sagen.

Ich kann nur

sagen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, eine Haltung einzunehmen, die auf unsere Erfordernisse Rücksicht nimmt; gleichzeitig will
ich hinzufügen, daß das eigentliche Thema nicht Moratorien sind - es geht
nicht um schnelle Antworten. Das Thema ist Genf, wo wir sagen:

Wir sind

flexibel, wir sind da, um radikale Verringerungen bei den strategischen
Cffensivarsenalen zu erreichen.

Und um genau das geht es.

Ist erst das

einmal getan, kann man weitersehen - kann noch mehr bei den Testverboten
und ähnlichem tun.

Es handelt sich um ein umfangreiches Programm.

Es

sträubt sich wirklich gegen einen Zeitplan.

FRAGE:

Sie sagten, das zentrale Thema ist die Frage der Verifizier-

barkeit?

ANTWORT: Absolut.

FRAGE:

Ohne ins Detail zu gehen: Könnten Sie uns sagen, was genau

die Vereinigten Staaten hinsichtlich der sowjetischen Experimente wissen
wollen? Und zweitens: Was ist mit der Einladung sowjetischer Experten zu
Ihren Versuchen?

ANTWORT:

Im Zentrum des Vorschlags, den der Präsident im September

1984 vor den Vereinten Nationen darlegte und den er einige Tage vor dem
Helsinki-Treffen wiederholte, steht die Verifizierbarkeit.

Und es ging

hier um ein sehr einfaches Problem, die Kalibrierung von Instrumenten
durch Experten beider Seiten. Als der Vorschlag zum erstenmal unterbreitet wurde, schlugen wir den Austausch von Experten beider Seiten vor; ein
Expertenteam von uns sollte in die Sowjetunion kommen, um die Kalibrierungsapparatur bei ihren Testanlagen zu überprüfen, eine Gruppe von ihnen, um bei uns dasselbe zu tun.

Hierauf kam nie eine Reaktion; deshalb

tat der Präsident den Schritt einer einseitigen Einladung:

"Iftenn ihr

nicht wollt, daß wir zu euch kommen, gut, dann laden wir euch zu uns ein.
Kommt nach Nevada, bringt eure Meßinstrumente mit..."

Ich glaube, darum

ging der Vorschlag des Präsidenten, Vertreter sollten zum Ort der Versu- 10 -

�der Versuche kommen und mit unseren Experten zusammenarbeiten.

Jemand hat schon darauf hingewiesen:

Wenn Wissenschaftler und Exper-

ten zusammenkommen, gibt es keine Geheimnisse.

Hier kann sich schon ein

gewisses Maß an Vertrauen durch das Wissen aufbauen, das man von dem hat,
was die andere Seite in diesem Bereich tut.
union zustimmt; bislang ist dem nicht so.

Wir hoffen, daß die SowjetAber wir werden weiter hof-

fen ...

FRAGE (Ansager):
stellen.

Bevor wir weitermachen, möchte ich gern eine Frage

Ganz offensichtlich wird das Treffen im November zwischen Prä-

sident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow der Höhepunkt des diplomatischen Jahres sein.

Können Sie uns etwas darüber sagen, wie wir hier in

Washington oder Ihre Abteilung eine Vorstellung von Michail Gorbatschow
erarbeitet? Ist er der neue Junge der alten Truppe?...

ANTWORT:

Man sollte davon ausgehen, daß alle Staaten unabhängig von

ihrem sozialen System von einer Reihe durchgängiger nationaler Interessen
ausgehen, die über alle Veränderungen an der Spitze fortdauern. Man muß
allerdings auch sagen, daß die jeweilige Führung diesen Fragen eine unterschiedliche Bedeutung beimißt, eine unterschiedliche Wahl dahingehend
trifft, wie die Ressourcen eingesetzt werden sollen, in welche Richtung
man seine Leute einsetzt, wie man am besten dem Ganzen dienen will.

Wir

können nunmehr sagen, daß wir einige Veränderungen bei der Akzentuierung
sehen, und sicherlich sehen wir erhebliche Tatkraft, wenn es darum geht,
Probleme auf neue Weise anzugehen.

Aber ich glaube, es ist noch zu früh,

darüber hinauszugehen und positive Ergebnisse oder größere Veränderungen
vorherzusagen - sicherlich keine Umstellung der sowjetischen Interessen,
wie sie die Sowjetunion versteht.

FRAGE (Ansager):

Wir können nicht behaupten, es gäbe schon eine kon-

krete Veränderung in der Ideologie?

ANTWORT:

Und wenn ich zurückblicke, so sehe ich auch nichts, was un-

terstellen könnte, daß Sie damit recht hätten, eine solche zu erwarten.
FRAGE:
- 11 -

Die Sowjetunion

�FRAGE:

Die Sowjetunion hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren

mit einer sehr geschickten Tradition begonnen:

Jedesmal vor einem wich-

tigen Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ließ
die

sowjetische

Regierung

einige

bekannte

politische Gefangene

frei.

Glauben Sie, dies wird auch vor Genf so sein, oder sind Sie unter allen
Umständen dazu bereit, nach Genf zu gehen?

ANTWORT:

Wir haben keine Vorbedingungen für Genf gestellt, wie dies

Ihre Frage unterstellt.

Wie Sie durch die Rede in Helsinki wissen, haben

wir eine Liste von Personen, die für uns repräsentativ hinsichtlich der
verschiedenen Menschenrechtsverletzungen sind, die es in der Sowjetunion
gibt.

Wir würden uns über jeden Freigelassenen freuen.

Aber wir haben

keine Vorbedingungen gestellt.

FRAGE:

Ich habe eine Frage, die sich aus einer Pressekonferenz von

Botschafter Mandelewitsch in Kopenhagen ergibt, der alle Unterstellungen
zurückwies, wonach die Sowjets an einer
oder daß sie überhaupt
bauen.

Weltraumverteidigung arbeiten

irgendwelche Angriffs- oder Verteidigungswaffen

Jetzt hören wir von der amerikanischen Regierung, daß sie an sol-

chen Waffen bauen.

ANTWORT:

Wem sollen wir in Europa glauben?

Ich würde sagen, Sie glauben den Vereinigten Staaten.

Was

die Wahrheit anbelangt, haben wir die besseren Karten.

FRAGE: Können Sie Beweise dafür bringen?
ANTWORT:

Das würde ich sehr gern, nur ist dies hier nicht die rich-

tige Gelegenheit.

Ich meine, die Beweise liegen vor, die Informationen

stehen zur Verfügung; und ich glaube, es gibt aus den ernstzunehmenden
Kreisen unserer Verbündeten kein Argument, das darauf hindeuten würde,
daß wir keine Forschung betreiben sollten, weil etwa die Sowjets dies
nicht täten. Das stimmt ganz einfach nicht - sie betreiben Forschung.

FRAGE:

Die Russen haben damit gedroht, die Genfer Konferenz zu ver-

lassen, wenn Sie mit dem SDI-Programm beginnen.
- 12 -

Was werden Sie in dieser

�in dieser Hinsicht tun?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Sowjets ernsthaft

hieran denken...

Die Genfer Verhandlungen zu verlassen bedeutet, die

zentralen Verhandlungen zu verlassen, die sich mit einem Themenkreis beschäftigen, von dem unsere Völker, von dem die Öffentlichkeit erwartet,
daß er auf eine Waise gelöst wird, die weiterhin Sicherheit gewährleistet, aber auch die Drohung eines Atomkrieges verringert.

Und ich kann

mir nicht vorstellen, daß eine verantwortungsbewußte Führung sich von einem solchen Forum zurückzieht.

FRAGE:

Eine Frage zu den Menschenrechten.

Bisweilen wird nach Hel-

sinki argumentiert, die Frage der Menschenrechte blockiere jede Art von
Gespräch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und vergifte die Beziehungen.

Glauben Sie nicht, daß Sie es durch den Druck, wie

ihn etwa Außenminister Shultz in seiner Rede in Helsinki ausübte , den Sowjets unmöglich machen, einen Wag aus ihrer Lage herauszufinden?

ANTWORT:

Nun, es gibt einen sehr einfachen Wag, den die Sowjets ein-

schlagen können, um aus ihrer Lage herauszukommen.

Sie könnten die Per-

sonen freilassen, deren Namen von der Liste des Außenministers verlesen
wurden.

Mir wurde diese Frage genau wie den anderen Mitgliedern unserer

Delegation in Helsinki gestellt:

"Warum habt ihr das getan? Glaubt ihr,

es hilft?" Ich glaube, es ist absolut notwendig, daß die Vereinigten
Staaten unter Beweis stellen, daß sie noch immer daran glauben, daß die
Menschenrechte und die Rechte des einzelnen der wichtigste Aspekt unserer
Gesellschaft sind. Darum geht es für uns. Und es wäre sicherlich falsch,
wenn wir uns still verhielten und Reden hielten, die ganz andere Prioritäten signalisieren.

Das werden wir nicht tun.

Menschen bedeuten uns

etwas, und unsere Reden spiegeln dies wider.

FRAGE:

Auch die Sowjets haben ja eine öffentliche Meinung, der sie

sich stellen müssen.

Wie könnten die Sowjets Ihrer Vorstellung nach vor-

gehen bei der Ankündigung, Sacharow, Schtscharanski, Orlow und einige andere Systemkritiker freizulassen?
ANTWORT:
- 13 -

Ich glaube

�ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die Sowjets dabei, wie Sie es sehen,

viele Probleme mit ihrer öffentlichen Meinung haben, wenn es überhaupt in
der Sowjetunion eine öffentliche Meinung gibt. Und ich glaube auch nicht,
daß die öffentliche Meinung dort von einem solchen Akt beleidigt wäre.
Manche mögen das für einen falschen politischen Kurs halten, aber die öf
fentliche Meinung ist für die Sowjetunion sicher kein Problem.

FRAGE:

Besteht die Möglichkeit, die Hoffnung, daß die Sowjets die

Freilassung einiger der bekannteren Dissidenten - ich denke an Sacharow,
Schtscharanski - vor dem Treffen im November einleiten?

ANTWORT:

Wir hoffen jeden Tag, daß man diesen oder jenen aus dieser

Gruppe freiläßt, und wir würden jeden Zeitpunkt hierfür begrüßen.

FRAGE:

Noch eine Frage zum Thema Testverbot.

Sind die Vereinigten

Staaten angesichts der Einwände gegen ein einseitiges Moratorium und angesichts der Bedeutung der Verifizierbarkeit noch immer für einen umfassenden Teststoppvertrag?

ANTWORT:
langem.

Die Vereinigten Staaten überprüfen diese Frage schon seit

Dies ist alles Teil eines langen, langen Weges, den es noch zu

gehen gilt.
FRAGE:

lauben Sie, daß das Sowjetsystem so, wie es nun einmal ist,

die Verwirklichung der Menschenrechte, wie wir sie verstehen, überleben
könnte?

Und wenn nein:

Wären die Vereinigten Staaten bereit, in Genf

oder an einem andren Ort zu einer Vereinbarung zu gelangen, ohne darauf
zu bestehen, hinsichtlich dieser Rechte ganz konsequent zu sein?

ANTWORT:

Wir haben immer wieder gesagt, daß das sowjetische Verhal-

ten im Bereich der Menschenrechte die Haltung der Öffentlichkeit hinsichtlich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beeinflußt.
man gar nicht leugnen.

Das kann

So sehen es meine Landsleute; und so werden sie

es immer sehen.
Und wir haben
- 14 -

�Und wir haben gesagt, daß der KSZE-Prozeß ein ausgewogener Prozeß
sein muß, daß die Schlußakte nicht lediglich ein Sicherheitsdokument ist.
Sie ist ein Dokument, das eine Reaktion bei einer ganzen Bandbreite von
Themen erforderlich macht, zu denen auch die zwischenmenschlichen Kontakte und die Menschenrechte gehören.

Aber man muß sehr genau aufpassen, daß man aus der Notwendigkeit
heraus, zwischen uns anstehende Fragen anzupacken, nicht Verhältnisse
schafft, die als Bedingungen oder Vorbedingungen interpretiert werden
könnten.
System.

Man muß die Welt nehmen, wie sie ist.
Wir haben das unsrige.

Die Sowjets haben ihr

Wir haben eine Vorstellung davon, was

die grundlegenden Menschenrechte sind, sie haben die ihre.

Es gibt Un-

terschiede. Daran muß, wenn Sie so wollen, über ganze Menschenalter hinweg gearbeitet werden; inzwischen sollten wir uns auch auf anderes konzentrieren...

Wir sollten versuchen, Vorbedingungen zu vermeiden, denn wir sind bereit, uns der Welt so zu stellen, wie sie ist...

* * * * *

- 15 -

�32

14. August 1985

RAUMFLUG FÜR DIE WISSENS:hAFT
Jüngster CmLLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

- (AD) Nach einem achttägigen Flug mit 127 Erdumkreisungen kehrte der
US-Raumtran:?porter

Ct-ALLENGER am 6.

Raumfähre, die am 29. J u l i
landete

in

der

Mojave-WJ'ste

August

L985 zur Erde zurück.

am Kap Canaveral i n Florida
in

Kalifornien

auf

gestartet

einem

Die
war,

ausgetrockneten

Salzsee innerhalb des Areals von Edwards A i r Force Base.

Eine wissen-

schaftliche Mission mit überaus komplexen und schwierigen Aufgaben, auf
die sich zwei der N u t z l a s t s p e z i a l i s t e n an Bord sieben Jahre lang vorbereitet

h a t t e n , war zu Ende.

Die Auswertung der Meß- und Aufnahmedaten

aus Gebieten der Sonnen-, Atmosphären- und Plasmaphysik, der
U l t r a v i o l e t t - und

Röntgenastronomie,

der

Biologie,

Infrarot-,

Physiologie

und der

technologischen Forschung wird Monate , t e i l w e i s e sogar Jahre i n Anspruch
nehmen.

Es war der 50. bemannte Raumflug der US-Behörde f ü r L u f t - und

Raumfahrt

(NASA),

gleichzeitig

der

achte

Flug

des

Raumtransporters

Challenger.
Die Panne

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Panne während der Startphase, in der sich eines der drei Haupttriebwerke wahrscheinlich infolge der Fehlmessung eines Hitzesensors automatisch abschaltete, konnte durch längere Brenndauer der beiden anderen
Triebwerke und Ablassen von Treibstoff insoweit wettgemacht werden, als
auf diese totise der drohende Abbruch des Fluges mit Notlandung in Spanien
vermieden wurde.

Die ursprünglich vorgesehene Umlaufhöhe von 300 km wur-

de allerdings nicht erreicht.

CWLLENGER umkreiste die Erde ca. 60 km

tiefer, was aber, wie sich inzwischen herausstellte, die vorgesehenen
Messungen und Beoachtungen weitaus weniger beeinträchtigte als zunächst
befürchtet.

Das Programm wurde zumindestens 80 bis 85 Prozent erfüllt.

Eugene Urban, der wissenschaftliche Direktor für den 19. Einsatz eines
amerikanischen
Vtorten:

Raumtransporters, kommentierte

das Unternehmen mit den

"Eine großartige, erfolgreiche Mission".

Gemeint war die Ausbeute an neuen und überaus interessanten Forschungsdaten, die mit Hilfe von 13 Meß- und Experimentierinstrumenten
(Gesamtgewicht:

ca. 15 Tonnen) gewonnen wurde.

Die Mehrzahl von ihnen

war auf drei im Nutzlastraum hintereinander aufgereihten Paletten montiert.

Diese Instrumententräger sind Bestandteil des von der Europä-

ischen Heltraumorganisation ESA beigesteuerten und unter deutscher Leitung entwickelten Vfeltraumlabors SPACELAB.

Die Arbeitsräume für Astro-

nauten, als Druckkabinen konstruiert, waren jedoch dieses Mal nicht dabei, sondern nur das "Iglu".

Dabei handelt es sich um einen kleineren

Druckbehälter zur Aufnahme von Untersystemen für den Betrieb der Computer , für die Datenübertragung und die Temperaturregelung der einzelnen
Forschungsinstrumente.

Die Aktivierung des unter Leitung der Firma Dornier (Friedrichshafen)
gebauten, ca. eine Tonne schweren IPS-Geräts machte anfangs Schwierigkeiten und gelang erst nach mehreren Versuchen.

Es war eine wichtige Kompo-

nente im Programm, denn IPS ("Instrument Pointing System") erlaubt die
Feineinstellung und präzise automatische Nachführung von Teleskopen, Kameras oder Spektrometern zur Beobachtung kosmischer Objekte.

Dies ge-

schieht mit einer möglichen Abweichung von weniger als einer Bogensekunde, wenn die Raumfähre mit rundum abgeschalteten Steuerungsdüsen fliegt,
- 2-

�Steuerungsdüsen f l i e g t , und die Genauigkeit l i e g t immerhin noch bei zehn
Bogensekunden, wenn die

Triebwerke

zu Manövrierzwecken gezündet

werden

müssen.
Ein besonderer E r f o l g sind die Tausende von Aufnahmen von der Sonne,
die unter IPS-Ausrichtung mit v i e r

leistungsstarken Teleskopen von Mag-

n e t f e l d e r n , Eruptionen und r i e s i g e n , aus dem Sonneninneren aufsteigenden
"Blasen" gemacht und zur Erde ü b e r m i t t e l t wurden.
hatten einen Durchmesser von mehr als 100 000 km.
das "System zur Messung solarer Magnet-

Manche dieser Blasen
Eines der Instrumente,

und Bewegungsfelder", diente da-

z u , Stärke, Struktur und Entwicklung von Magnetfeldern i n der Sonnenatmosphäre zu beobachten und mögliche Beziehungen zu anderen solaren Phänomenen und Magnetfeldern auf der Sonne ausfindig zu machen.

Das Korona-He-

lium-Experiment, von Großbritannien beigesteuert, hatte zum Z i e l , die auf
der Sonne vorhandenen heliummengen zu messen.

Dabei wurde i n Verbindung

mit der Emission von U l t r a v i o l e t t s t r a h l u n g das Korona-Gas auf Temperatur e n , Dichte und Zusammensetzung a n a l y s i e r t .

Mit dem vom Forschungsinstitut
laren Ultraviolett-Teleskop
besonders

hohem

(Strahlenkorona)
werden.

der US-Marine (NRL) entwickelten "So-

und UV-Spektrographen" - e i n Instrument

Auflösungsvermögen

-

sollten

Chromosphäre,

und der Übergang zwischen beiden Schichten

mit

Korona

beobachtet

Die von stationären Observatorien nur bei t o t a l e r Sonnenfinster-

nis und dann nur für sehr kurze Zeit sichtbare Chromosphäre, l i e g t

zwi-

schen der Photosphäre, der wenige Hindert Kilometer dicken, leuchtenden
Schicht der Sonnenoberfläche, und der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre, der Korona.

Bisherigen Ergebnissen der Sonnenforschung

zufolge

hat die stark turbulente Chromosphäre eine Ausdehnung von mehreren Tausend Kilometern.
falls

Das v i e r t e

vom NRL eingesetzter

erfaßte Kurz-

Instrument, e i n beim CHALLENGER-Flug eben'Monitor

für

solares

Ultraviolettspektrum",

und Langzeitschwankungen innerhalb des Gesamtspektrums der

von der Sonne e m i t t i e r t e n u l t r a v i o l e t t e n Strahlung.

Schon auf

den ersten B i l d e r n

vom Magnet- und

Bewegungsfeldteleskop

war, wie N u t z l a s t s p e z i a l i s t Dr. Loren Acton von Bord der ChALLENGER den

�CHALLENGER den Projektwissenschaftlern in der Missionszentrale Houston
berichtete, jede kleine Granule zu erkennen.

Als "Granulation" bezeich-

net man die Struktur der nicht gleichmäßig hellen, sondern eher "körnigen" Photosphäre, in der sich helle, in ständigem Wechsel befindliche
Körnchen ("Granula") in runder oder ovaler Ausbildung von dunkler erscheinender Umgebung deutlich abheben.

Sie haben eine "Lebensdauer" von

wenigen Minuten und zeigen Turbulenzvorgänge an.

Das Magnetteleskop gibt der Forschung Gelegenheit, mehr über die Magnetfelder zu erfahren, die schichtweise in der gesamten Sonnenatmosphäre
vorhanden sind.

Diese Magnetfelder spielen eine Schlüsselrolle für die

Struktur und Dynamik der Sonnenatmosphäre.

Manche von ihnen sind viel-

tausendfach stärker als das Magnetfeld unserer Erde.

Jedoch sind sie in

ihren Details von stationären Observatorien aus nicht zu beobachten, weil
die Turbulenzen in der Erdatmosphäre eine Erfassung kurzfristiger Veränderungen unmöglich machen.

Die Wissenschaftler untersuchen auch die Beziehung zwischen Magnetfeldern, Granulen und sog. Supergranulen.

Bei den "normalen" Granulen,

die Durchmesser von etwa 800 - 1000 km haben, handelt es sich um "Blasen"
aufgrund von Konvektionsprozessen.

Sie wirken als riesige "Fahrstühle"

für den Transport von Wärme aus dem "Ofen" im Sonneninnern zur Oberfläche.

Sie dürften bei der Aufheizung der äußeren Sonnenatmosphäre eine

ganz wichtige Rolle spielen.
als die üblichen Granulen.

"Supergranulen" sind etwa 400 Mal größer

Während sich die letztgenannten in etwa 1000

km Tiefe bilden, kommen die Supergranulen aus Bereichen von ca. 15 000 km
unterhalb der Oberfläche.

Das Magnetteleskop übermittelt auch äußerst fein gezeichnete Bilder
von dunklen, sog. Sonnenflecken zur Erde.

Diese treten auf, wenn sich

Magnetfelder unterhalb der Sonnenoberfläche verknaueln und eruptionsartig
durch die Photosphäre, die hell leuchtende Sonnenoberfläche, nach oben
dringen. Man nimmt heute an., daß Sonnenfackeln, d.h. gewaltige Explosionen , mit denen Sonnenmaterie in den Raum hinaus geschleudert wird, eine
Folge des Zusammenbruchs von Magnetfeldern sind, die zwischen den Sonnen-

�den Sonnenflecken bogenförmig über der Sonnenoberfläche

liegen.

Diese

Felder wandern und verändern ihre Form. Sie können sich über Gebiete z w i schen Regionen von Sonnenaktivität mit Materieabstrahlung e r s t r e c k e n , die
in

ihrer

Ausdehnung etwa der

Entfernung Erde-Mond

(mittlerer

Abstand:

384 000 km) entsprechen.
Nach Meinung Urbans schaffen die koordinierten Messungen eine Mögl i c h k e i t , mehr darüber zu erfahren, wie die Sonne t a t s ä c h l i c h

"funktio-

n i e r t " , wie Energie aus t i e f e n Regionen zu weit entfernten anderen Bereichen t r a n s p o r t i e r t

wird und wie Gase auf ihrem toeg vom Sonneninneren

nach außen von e i n paar Tausend Grad Temperatur auf mehr als eine M i l l i o n
Grad aufgeheizt werden.
"Die Sonne, einer

von v i e l e n M i l l i a r d e n Sternen im Universum, kann

uns nicht nur h e l f e n , mehr E i n b l i c k i n die kosmische E v o l u t i o n , sondern
auch i n thermonukleare Prozesse zu bekommen, die Energie
sagt Urban.
nen P r o j e k t ,

produzieren",

Dies diene auch dem inzwischen weltweit i n A n g r i f f genommethermonukleare Prozesse für

die Stromerzeugung nutzbar

zu

machen.
M i t einem f ü r kosmische Röntgenstrahlung empfindlichen Teleskop, das
auf der zweiten SPACELAB-Palette montiert war, versuchte man, extrem h e i ße Objekte zu beobachten, die sehr kurzwellige Strahlung aussenden.

Zu

diesen gehören beispielsweise die r i e s i g e n Hsißgas-Walken, von denen Galaxienhaufen umgeben s i n d .

Man vermutet, daß sie die Entwicklung einer

Galaxis, d . h . eines unserer Milchstraße ähnlichen Systems, beeinflussen.
G l e i c h z e i t i g erfaßte e i n kleines I n f r a r o t t e l e s k o p

"kühlere" Objekte wie

Planeten, aber auch Itolken, aus denen sich e r s t Sterne b i l d e n , sowie f e r ne Galaxien und die sogenannte Hintergrundstrahlung vom Unviersum.

So-

bald nämlich e i n Objekt nicht heiß genug i s t , um Strahlung a l s sichtbares
Licht

auszusenden, e m i t t i e r t

es

langwelligeren Infrarotspektrums.

Energie

hauptsächlich

im Bereich

Vom I n f r a r o t t e l e s k o p erhoffen sich die

Wissenschaftler weitere Erkenntnisse zu den v i e l e n Entdeckungen, die
den l e t z t e n

zwei Jahren mit

werden konnten.

des

IRAS ( I n f r a r o t - A s t r o n o m i e s a t e l l i t )

in

gemacht

M i t H i l f e dieses Forschungssatelliten wurden neue Korne-

�neue Kometen, Materieschwaden um Sterne als mögliche "Brutstätten" für
die Entwicklung von Planetenbegleitern einer anderen Sonne und noch völlig mysteriöse Objekte am Rand des von uns beobachtbaren Universums gefunden.

Zu den Technologieprojekten zählte u.a. die Beobachtung des Verhaltens von supraflüssigem Helium in der Schwerelosigkeit.

Unter irdischen

Bedingungen wird Helium dann superflüssig, wenn es auf eine Temperatur
abgekühlt wird, die nur geringfügig über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius liegt.

Es bleibt nicht als Flüssigkeit am Boden

liegen, sondern steigt die Gefäßwand empor.

j

Das Experiment an Bord der

ChALLENGER Könnte helfen, Unterschiede zwischen normal flüssigem Helium
und superflüssigem Helium zu ermitteln und die Eignung der Superflüssigkeit als Kühlmittel besser zu beurteilen.

Auch die biologischen Experimente dürften manche neuen Erkenntnisse
bringen:

Bei einem ging es um Veränderungen des Knochenstoffwechsels un-

ter Schwerelosigkeit (Astronaut Dr. Musgrave, ein Arzt, entnahm allen Besatzungsmitgliedern in bestimmten Abständen während des Fluges Blutproben, die nun auf ihren Mineralgehalt analysiert werden).

Ein weiteres

Experiment sollte Untersuchungen zum Einfluß der Schwerelosigkeit auf die
Ligninbildung in Pflanzen ermöglichen.
fer-, Kiefern-, Bohnen-

und

Dazu wurde das Wachstum von Ha-

Sonnenblumensetzlingen

beobachtet.

"Wenn

wir mehr darüber wissen, wie Lignin in einer Pflanze gebildet wird, könnten wir vielleicht Pflanzen züchten, die weniger aufwendig vom Stoffwechsel her Energie zum Wachstum produzieren", sagte Urban.

Dann ergäbe sich

eine Möglichkeit, größere Mengen von Pflanzenmaterial für Nahrung, Papierherstellung oder andere Zwecke zu bekommen.

Lignin ist ein Polymer,

das zahlreichen Pflanzen die Steifheit verleiht, um gegen die Schwerkraft
aufrecht zu stehen.

- 6 -

f

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