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und

MUnited States Information Service

12. Mai 1977

12

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat in London
- Wortlaut Erklärung Carters nach dem Londoner Wirtschaftsgipfel
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Die nukleare Proliferation: Eine Bedrohung des Weltfriedens
von Senator Charles H. Percy

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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�I

1
I

3

Dokumentation
United States Information Service

12/1977

REDE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM NORDATLANTIKRAT IN LONDON
- Wortlaut -

London - (AD) - Präsident Carter hat am 10. Mai 1977 auf der Frühjahrssitzung des Nordatlantikrates in London das Atlantische Bündnis als das
"Kernstück" der amerikanischen Außenpolitik bezeichnet und sich für eine
Stärkung der NATO eingesetzt. Der Präsident hat vorgeschlagen, die nächste
Frühjahrstagung im Mai 1978 ebenfalls wieder auf der Ebene der Staats- und
Regierungschefs in Washington abzuhalten, um den Fortschritt seiner Initiativen zu prüfen. Obwohl die Sitzungen des Nordatlantikrates vertraulich
sind und sonst nur eine Inhaltsangabe der dort gehaltenen Reden mitgeteilt
wird, wurde die folgende Ansprache des amerikanischen Präsidenten im vollen
Wortlaut veröffentlicht:
"Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Exzellenzen und Mitglieder des Rats!
Wir treffen uns hier an einem wichtigen Zeitpunkt in der Entwicklung der
internationalen Institutionen, auf die sich unsere Länder stützen.
In

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�In der vorigen Woche verpflichteten sich hier in London die Führer von
sieben Staaten und der Kommission der Europäischen Gemeinschaften,gemeinsam
mit anderen diese

Institutionen auf wirtschaftlichem Gebiet zu stärken.

Heute und morgen wird dieser Rat darüber diskutieren, welche Anpassungen
das Bündnis vornehmen muß, um den militärischen und politischen Anforderungen
der achtziger Jahre gewachsen zu sein.
Zusammengenommen sollten diese Konferenzen den Beziehungen zwischen unseren
industriellen Demokratien neue Impulse geben.
Im Zentrum dieser Bemühungen müssen die starken Bindungen zwischen
Europa und Nordamerika stehen.

Bei der Erhaltung und Stärkung dieser

Bindungen wird meine Administration von bestimmten Grundsätzen geleitet
werden.

In einfachen Worten ausgedrückt:

- Wir werden auch weiterhin das Bündnis zum Kernstück unserer Außenpolitik machen.
- Wir werden ein verläßlicher und treuer Verbündeter bleiben.
- Wir werden im Verein mit Ihnen darauf hinwirken, das Bündnis politisch,
wirtschaftlich und militärisch zu stärken.
- Wir werden den Rat unserer Verbündeten einholen und ihn beachten. Und
wir werden unsererseits offen und freundschaftlich unsere Ansichten darlegen.
Dieses Unterfangen ruht auf einem starken Fundament. Der Zustand des
Bündnisses ist gut. Seine Strategie und Doktrin sind solide. Wir gewinnen
zusätzliche Stärke und neuen Stolz aus der Tatsache, daß all unsere fünfzehn Mitgliedsstaaten jetzt Demokratien sind. Unser Bündnis ist ein Pakt
für den Frieden - und ein Pakt für die Freiheit.
Das Bündnis ist aufgrund des soliden Fortschrittes in Richtung auf eine
westeuropäische Vereinigung und der wachsenden Rolle der Europäischen Gemeinschaft in der Weltpolitik sogar noch stärker geworden. Die Vereinigten
- 2 -

�Vereinigten Staaten begrüßen diese Entwicklung und werden eng mit derGemeinschaft zusammenarbeiten.
Politische Aspekte
In der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren die politischen
Erfordernisse klar: die Stärke des Westens aufzubauen und die sowjetische
Aggression abzuschrecken. Seither sind die Ost-West-Beziehungen weitaus
komplexer geworden. Sie zu gestalten erfordert Geduld und Geschick.
Die Gestaltung der Ost-West-Beziehungen von unserer Seite muß von einer
Vision des Humanen und dem Sinn für Geschichte zugleich geleitet werden
Unsere humane Vision führt uns zur Suche nach einer breiteren Zusammenarbeit
mit den kommunistischen Staaten zum Wohle der Menschheit. Unser Sinn für
Geschichte aber lehrt uns, daß wir und die Sowjetunion weiterhin miteinander konkurrieren werden. Wenn wir aber diese Doppelbeziehung richtig in
den Griff bekommen, dann können wir hoffen, daß die Zusammenarbeit allmählich
die Konkurrenz verdrängen und zu einer immer stabileren Beziehung zwischen
unseren Ländern und der Sowjetunion fuhren wird.
Die Vereinigten Staaten sprechen zur Zeit mit der Sowjetunion über
Mittel und Wege, um die strategische Rüstung zu kontrollieren. Indem wir
uns mit der Sowjetunion kontinuierlich darum bemühen, die Kernwaffen zu
reduzieren und schließlich ganz zu beseitigen, hoffen wir, die Risiken
und Kosten eines anhaltenden Wettrüstens nicht nur zu verringern,sondern
auch eine breitere Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern zu fördern
Die Sowjetunion hat unsere Vorschläge noch nicht akzeptiert. Aber sie
hat erkennen lassen, daß sie ein Abkommen wünscht. Wir werden beharrlich auf
ein baldiges und wirkliches Ende des Wettrüstens hinarbeiten und zwar durch
ein Einfrieren der Modernisierung der strategischen Waffen und durch eine
wesentliche Verringerung ihrer Zahl. Und während wir dieses Ziel verfolgen,
werden wir Sie auch weiterhin über alles konsultieren - nicht nur um Sie
- 3 -

�.

Sie auf dem laufenden zu halten, sondern auch um Ihre Ansichten zu erfahren.
Ich hoffe, daß unsere Länder mit der Sowjetunion auch zu einem Abkommen über die Begrenzung und den Abbau der konventionellen Streitkräfte
gelangen können.

Die Vereinigten Staaten unterstützen nachdrücklich die

Bemühungen des Bündnisses, zu einem Abkommen über eine beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa zu gelangen.»

Ein

solcher Abkommen sollte auf einer Parität in der Stärke der Streitkräfte
durch Gesamthöchststärken für die Streitkräfte der NATO und die des
Warschauer Pakts beruhen. Die Sowjetunion dagegen ist bemüht, das derzeitige
Ungleichgewicht in den konventionellen Streitkräften zu erhalten und nationale
Höchststärken festzusetzen.
werden können.

Ich hoffe, daß diese Hindernisse überwunden

Die beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streit-

kräfte muß ein Mittel sein, um Sicherheit für beide Seiten zu erreichen,
nicht aber um einen einseitigen militärischen Vorteil zu erlangen.
Bei unserem Bemühen um eine Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion und
dem Warschauer Pakt sollten wir auch versuchen, die osteuropäischen Staaten
zu kooperativen Maßnahmen zu bewegen. Es ist nicht unser Ziel, dieses
Gebiet gegen die Sowjetunion aufzubringen, sondern die Chancen für alle
Nationen zu vergrößern, bei der Bewältigung der Aufgaben der modernen
Gesellschaft zusammenzuarbeiten.
Im nächsten Monat werden die Delegierten aus 35 Ländern in Belgrad
zusammenkommen, um die Konferenz vorzubereiten, auf der die seit der
Schlußakte von Helsinki gemachten Fortschritte erörtert werden sollen.
Die Vereinigten Staaten gehen mit Ihnen einig in dem Wunsch, diese Konferenz zu einer nützlichen und konstruktiven Begegnung werden zu lassen.
Wir treten für eine sorgfältige Überprüfung des Fortschritts aller Länder
bei der Verwirklichung aller Teile der Schlußakte ein. Wir gehen an diese
Konferenz im Geiste der Zusammenarbeit heran - nicht der Konfrontation.
Amerikas
- 4

•

�Amerikas Sorge um die Menschenrechte spiegelt nicht den Wunsch wider,
unsere speziellen politischen oder sozialen Verhältnisse irgendeinem
anderen Land aufzuzwingen.

In ihr kommen vielmehr die zutiefst emfundenen

Werte des amerikanischen Volkes zum Ausdruck.
wir stehen.

Die Welt soll wissen, wo

(Wir hegen nicht die Illusion, daß die von uns zum Ausdruck

gebrachte Besorgnis oder die Maßnahmen, die wir ergreifen, einen raschen
Wandel in der Politik anderer Regierungen bewirken wird.
auch nicht, daß die Meinung der Welt ohne Wirkung bleibt.)

Aber wir glauben
Wir werden

weiterhin unserer Überzeugung Ausdruck verleihen - nicht nur, weil wir
uns selbst treu bleiben müssen, sondern auch weil wir überzeugt sind, daß
der Aufbau einer besseren Welt darauf beruht, daß jede Nation die

•ierte

klar zum Ausdruck bringt, die ihrem Leben als Nation Sinn und Bedeutung
geben»

Bei all diesen Aufgaben und anderen, vor denen unser Bündnis steht,
ist für uns von entscheidender Bedeutung, daß wir zusammenarbenen - vor
allem durch engp Konsultation und Kooperation mit dem Atlantikr^t,

Wir

brauchen keine neuen Institutionen, wenn wir die, die uns solange gut gedient hat, noch besser nutzen.

Hierzu versichere ich, daß die Vereinigten

Staaten dem Rat unsere Auffassungen und Absichten in bezug auf das ganze
Spektrum der das Bündnis betreffenden Fragen mitteilen werden,

Der Rat sollte ferner auch langfristige Probleme prüfen, um diese
Konsultation effektiver zu gestalten.

Eine besondere Überprüfung der Ost-

West-Beziehungen durch das Bündnis, vorgenommen vom Rat unter Hmzuz'ehung
nationaler Experten, könnte diesem Zweck dienen.

Eine solche Überprüfung

könnte, sich mit einer Untersuchung künftiger Trends in der Sowjetunion, in
Osteuropa und in den Ost-West-Beziehungen befassen und die Auswirkungen
dieser Trends auf das Bündnis analysieren.

Die Vereinigten Staaten sind

bereit, einen wesentlichen Beitrag zu dieser Studie zu leisten, deren Ergebnisse auf der NATO-Tagung im Mai 1978 erörtert werden könnten
Die

- 5 -

�Die Erreichung unserer politischen Ziele hängt von einer glaubwürdigen
Verteidigung und Abschreckung ab.

Die Vereinigten Staaten unterstützen

die gegenwärtige Strategie der flexiblen Antwort und der Vorneverteidigung,
Wir werden weiterhin unseren Beitrag zu den mächtigen Streitkräften leisten,
die zur Verwirklichung dieser Strategie notwendig sind.

Wir werden eine

wirksame strategische Abschreckung aufrechterhalten, wir werden vielfältige
und moderne Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in Europa belassen, und wir werden unsere dort stationierten konventionellen Streitkräfte aufrechterhalten
und verbessern.
Die Bedrohung des Bündnisses ist in den letzten Jahren stet-"&gt; gewachsen.
Die Sowjetunion hat im wesentlichen eine strategische nukleare Gleichwertigkeit erreicht. Ihre Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte sind verstärkt
worden. Die konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts in Europa
sind offensiv ausgerichtet. Diese Streitkräfte sind viel stärker, als sie
für jeden Verteidigungszweck zu sein brauchten. Seit 1965 sind in den
me sten wichtigen Kategorien neue Waffen zu Lande und zur Luft eingeführt
worden: Artillerie mit Eigenantrieb, mobile taktische Raketen, mobile Luftabwehrkanonen, gepanzerte Mannschaftswagen, taktische Flugzeuge und Panzer.
Das Tempo des Aufbaus im Warschauer Pakt hält unvermindert an.
Lassen Sie mich klar sagen, daß unsere erste Priorität einem baldigen
Abkommen mit der Sowjetunion über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen gilt. Solange wir dieses Abkommen nicht erreicht haben,
muß usnere militärische Stärke aufrechterhalten werden.
Die kollektive Abschreckungsstärke unseres Bündnisses ist wirksam.

Aber

das wird nur so bleiben, wenn wir daran arbeiten, sie zu verbessern. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, eine wesentliche Anstrengung zu diesem
Zweck zu unternehmen - wie Vizepräsident Mondale schon bereits im Januar
mitgeteilt hat - in der Erwartung, daß unsere Verbündeten das gleiche tun
werden.
Es hat
- 6 -

�Es hat reale Erhöhungen in den Verteidigungsausgaben des Bündnisses
gegeben.

Aber die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse setzen dem

praktische Grenzen.

Wir müssen unsere begrenzten Mittel klug verwenden,

vor allem bei der Stärkung der konventionellen Streitkräfte.

Um dies

zu erreichen:
- müssen wir unsere nationalen Programme wirkungsvoller kombinieren,
koordinieren und aufeinander abstimmen;
- müssen wir bessere Mittel und Wege finden, um neue Technologien in
unseren Streitkräften einzuführen;
- müssen wir der Erhöhung der Einsatzbereitschaft dieser Streitkräfte eine höhere Priorität einräumen.
Um diese Ziele zu erreichen, hoffe ich, daß unsere Verteidigungsminister,
wenn sie nächste Woche zusammenkommen, mit der Ausarbeitung eines langfristigen Verteidigungsprogramms beginnen werden, um die Abschreckung und
die Verteidigung des Bündnisses in den achtziger Jahren zu stärken. Dieses
Programm sollte uns dabei helfen, eine Auswahl zu treffen und Prioritäten
zu setzen. Ich möchte den Nachdruck auf eine größere Zusammenarbeit im
Bündnis legen, um sicherzustellen, daß unsere kombinierten Mittel am
effektivsten genutzt werden. Ich möchte aus der im Bündnis bereits geleisteten Arbeit den größten Vorteil ziehen.
Aber Pläne sind nicht genug. Wir müssen sicherstellen, daß unser
Bündnis über die ausreichenden Mittel verfügt, um die Gesamtziele in der
Verteidigung festzulegen, um die nationalen Leistungen an diesen Zielen
zu messen und um gemeinsame Programme zu entwickeln und durchzuführen.
Ich schlage vor, daß unsere Verteidigungsminister in enger Zusammenarbeit
mit dem Generalsekretär sich darüber Gedanken machen, wie die Fähigkeit
des Bündnisses, vereinbarte Programme tatsächlich zu erfüllen, am besten
gestärkt werden kann.
Ich

- 7 -

�Ich hoffe, daß die Verteidigungsminister nach einem Zwischenbericht
an die NATO-Tagung im Dezember 1977 ihr Programm der Frühjahrstagung
(1978) vorlegen werden, die auf Gipfelebene abgehalten werden könnte, um
ihre Empfehlung zu überprüfen.

Ich hoffe auch, daß die für die Verteidigung

zuständigen Verwaltungsleute in der kommenden Wcohe sich darauf einigen
werden, vorrangige Verbesserungen in der Kapazität unserer Streitkräfte
in den nächsten Jahren vorzunehmen. In dem Maße, in dem wir unsere Streitkräfte stärken, sollten wir auch die Zusammenarbeit bei der Entwicklung,
der Produktion und der Beschaffung von Verteidigungsgerät
verbessern.

des Bündnisses

Das Bündnis sollte weder militärisch durch Verschwendung und

Überschneidung, noch politisch durch einen Streit über die Frage geschwächt
werden, wo die Verteidigungsausrüstung zu kaufen sei.
In all unseren Ländern stellen wirtschaftliche und politische Faktoren
ernsthafte Hindernisse dar. Keines unserer Länder, die Vereinigten
Staaten eingeschlossen, sind frei von Fehlern. Wir müssen entscheidende
Anstrengungen unternehmen, um Verschwendung und Überschneidung zwischen
nationalen Programmen zu beseitigen, um jedem unserer Länder die Möglichkeit
zur Entwicklung, Herstellung und zum Verkauf von Verteidigungsgerät
auf
Wettbewerbsbasis zu bieten und um einen technologischen Höchststand bei
allen Kampftruppen des Bündnisses zu wahren. Um diese Ziele zu erreichen,
müssen unsere Länder drei Dinge tun:
Erstens, die Vereinigten Staaten müssen bereit sein, einen echten
transatlantischen Handel mit Verteidigungsgerät
in beiden Richtungen zu
fördern. Dei Entscheidungen meiner Regierung hinsichtlich der Entwicklung,
der Produktion und der Beschaffung von Verteidigungsgerät
werden unter
sorgfältiger Berücksichtigung der Interessen aller Mitglieder des Bündnisses
getroffen werden. Ich habe den amerikanischen Verteidigungsminister angewiesen,nach verstärkten Möglichkeiten zu suchen, dort europäisches Verteidigungsgerät zu kaufen, wo dies eine wirksamere Nutzung der Mittel des
Bündnisses bedeuten würde. Ich werde mit dem Kongreß der Vereinigten Staaten
auf diesesZiel hinarbeiten.
Zweitens

�Zweitens, ich hoffe, daß die europäischen Verbündeten weiterhin ihre
Zusammenarbeit bei der Verteidigungsproduktion verstärken werden.

Ich

begrüße die von mehreren Ihrer Länder ergriffene Initiative in der
Europäischen Programmgruppe.

Eine gemeinsame europäische Anstrengung bei

der Verteidigungsproduktion würde dazu beitragen, Einsparungen eines
Ausmaßes zu erreichen,die bei nationalen Programmen nicht möglich wären.
Eine verstärkte Verteidigungsproduktionsbasis in Europa würde die
Möglichkeiten für einen transatlantischen Transfer von Verteidigungsgerät
in beiden Richtungen vergrößern, während gleichzeitig die Gesamtkapazität
des Bündnisses gestärkt würde
Drittens, ich hoffe, daß die europäischen und die nordamerikanischen
Mitglieder des Bündnisses gemeinsam Mittel und Wege sondieren werden,
um die Zusammenarbeit bei der Entwicklung, der Produktion und der Beschaff ung von Verteidigungsgerät zu verbessern, Diese gemeinsame Prüfung
könnte die Europäische Programmgruppe einschließen, wenn sie jetzt an
Stärke und Zusammenhalt gewinnt. Einige Fragen könnten im Nordatlantikrat
erörtert werden,, Welches Forum hierfür auch immer in Frage kommt, die
Vereinigten Staaten sind bereit, sich in der Weise und mit dem Tempo zu
beteiligen, wie dies unsere Verbündeten wünschen,, Wir sirH bereit, gemeinsam mit Ihnen zu versuchen, die Möglichkeiten für eine gemeinsame Entwicklung neuen Geräts und für eine verstärkte Li zensierung oder den direkten
Kauf von Gerät, das bereits entwickelt worden ist, aufzuzeigen. Gemeinsam
sollten wir nach Mitteln und Wegen suchen, um unsere Ausrüstung zu standardisieren und um sicherzustellen, daß sie von allen Streitkräften des
Bündnisses benutzt werden kann,, Wir sollten sehen, ob Mittel und Wege
gefunden werden können, um in unsere Gespräche eine Stimme einzubringen,
die für die gemeinsamen Interessen des Bündnisses spricht, wenn es darum
geht, Ratschläge hinsichtlich der Zusammenarbeit in der Frage der Verteidigungsaus üstung zu erteilen.
Zusammenfassung

- 9 -

�Zusammenfassung
Zusammenfassend möchte ich sagen:
Es ist nicht genug, wenn wir gemeinsame Zielsetzungen haben; wir
müssen auch die Institutionen für die Verwirklichung dieser Zielsetzungen
stärken.

Wir sind heute zusammengekommen, um unsere Hingabe an eine der

wichtigsten dieser Institutionen zu bekräftigen und um Maßnahmen zu planen,
die zur Bewältigung neuer Herausforderungen beitragen werden.
dieser Maßnahmen können in der nahen Zukunft ergriffen werden.

Einige
Andere

können entwickelt werden, so daß wir sie auf unserem Treffen im nächsten
Jahr zu dieser Zeit überprüfen können.

Ich möchte Ihnen gerne Washington

als den Tagungsort dieser Konferenz anbieten.
Der französische Schriftsteller und Flieger Saint-Exupery schrieb
einmal, daß '^s die nobelste Aufgabe der Menschheit ist, die Menschheit
zu einen.'
In diesem Sinne bin ich überzeugt, daß wir Erfolg haben
werden."
+ + +

- 10 -

�Dokumentation
United States Information Service

12/1977

ERKLÄRUNG CARTERS NACH DEM LONDONER WIRTSCHAFTSGIPFEL
- Wortlaut -

London - (AD) - Im Anschluß an das Wirtschaftsgipfeltreffen in London
hat sich Präsident Carter am 8. Mai für ein Höchstmaß an freiem Handel und
gegen jeden Protektionismus ausgesprochen. An dem Gipfeltreffen nahmen
neben dem amerikanischen Präsidenten die Regierungschefs Großbritanniens
(als Gastgeber), Kanadas, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs,
Italiens und Japans teil.
Die Ausführungen Präsident Carters vor der Presse haben folgenden
Wortlaut:
Ich glaube, die große Beachtung, die in der Welt unseren Gesprächen und
Entscheidungen beigemessen wird, ist durch die starke Anwesenheit der
Nachrichtenmedien angemessen dargestellt. Ich halte es jedoch für gut, wenn
wir uns alle daran erinnern, daß Staatschefs manchmal dazu neigen, ihren
eigenen Einfluß zu übertreiben oder zu überschätzen.
Daran

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�Daran erinnern uns historische Beispiele.

Es gab einmal einen König

von England, der sich einflußreicher dünkte, als er wirklich war.
Jahren hatte er Streit mit dem Parlament.

Vor 328

Er kam hierher in dieses Ge-

bäude, und als er es auf Anordnung des Parlaments verließ, wurde er auf
der Straße geköpft.
Das wird uns wohl kaum passieren, aber wir dürfen nicht vergessen, daß
die Tatsache, daß wir Entscheidungen, ja schwierige Entscheidungen, einmütig gefällt haben, noch keine Garantie dafür bedeutet, daß unsere Entscheidungen auch verwirklicht werden.
Ich habe sehr viel Glück gehabt, daß ich auf meiner ersten Reise mit
erfahrenen Staatsmännern zusammengetroffen bin. Allein fünf von ihnen
waren Finanzminister, ehe sie Präsident oder Ministerpräsident wurden.
Ich habe viel gelernt.

Ich glaube, man darf sagen, daß wir einige weit-

reichende Entscheidungen getroffen haben angesichts einer Welt, deren
Gefüge sich gewandelt hat.
Wir müssen heute ständig damit rechnen, daß die OPEC-Länder etwa für
45 Milliarden Dollar mehr Waren ausführen, als sie einführen. Das
bedeutet, daß die Verbraucherländer, einschließlich meines eigenen Landes,
praktisch ein Defizit von 45 Milliarden Dollar im Jahr haben müssen, Die
meisten von uns können derzeit noch mit diesen Defiziten fertig werden.
Aber die armen und weniger begünstigten Länder der Welt können das nicht.
Das Hauptgesprächsthema, das die meisten Probleme aufwarf, waren der
Handel und die Nutzung neuer Energiequellen. Ich glaube, man darf berichten, daß die Führer, die über diese Punkte sprachen, zu dem Schluß
kamen, daß es keinen Weg gibt, die künftige Prosperität der Welt sicherzustellen, wenn wir nicht ein Höchstmaß an freiem Handel unter unseren Ländern
haben. In einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit besteht eine große Versuchung,
an den Grenzen unserer Länder protektionistische Schranken aufzurichten.
Aber

�Aper nach längeren Erörterungen kamen wir alle zu dem Schluß, daß wir das
vermeiden wollen.
Wir leben heute auch in einer Zeit, in der die Verwendung der Kernenergie für einige Länder, die nicht mit anderen Brennstoffvorkommen
gesegnet sind, von entscheidender Bedeutung ist.

Wir gehören zusammen mit

Kanada und anderen zu den Lieferländern für Kernbrennstoff.
Wir wollen, wenn wir diese Kernbrennstoffe exportieren, sicher sein,
daß sie nicht anschließend in Sprengstoffe umgewandelt werden. Und wie man
mit dieser schwierigen Frage fertig werden kann, ohne in die Selbständigkeit
der Länder einzugreifen, die diese Energie verbrauchen, ist eine sehr
diffizile und heikle Angelegenheit.
Wi&gt;* haben uns, wie Premierminister Callaghan mitgeteilt hat, darauf
geeinigt, dieses Problem in den nächsten zwei Monaten zu prüfen, um eine
Klärung der Begriffe herbeizuführen und den ganzen Kernbrennstoffzyklus zu
begutachten - von der Suche nach Uran und anderen Materialien, über den
Abbau dieser Materialien, die Anreicherung des Brennstoffs, seinen
Tränsport, seinen Verbrauch für die Herstellung von Elektrizität bis zur
sorgfältigen Behandlung der Abfallprodukte und zur Entsorgung. Das ist
eine sehr schwierige Aufgabe, und ich glaube, darüber wurde zum erstenmal
sehr offen gesprochen.
Ein weiterer Punkt, der besprochen wurde und über den bisher noch nicht
berichtet wurde, ist unsere Überzeugung, daß die Zeit gekommen ist für die
internationale Kontrolle und ein Verbot von Ungesetzlichkeiten, Bestechung,
Erpressung und anderen Handlungen, die auf dem Gebiet des Handels und der
Finanz manchmal gutgeheißen wurden. Ich war sehr angetan von der nachhaltic^n Unterstützung aller Regierungschefs für den Versuch, durch die
Vereinten Nationen und durch eigene Maßnahmen dieses lästige Übel, das über
die industrielle Welt gekommen ist, auszumerzen.
Als

- 3 -

�Als letzten Punkt möchte ich folgendes hervorheben: Wir sehen sehr klar
die Notwendigkeit einer Ausweitung der Funktionen solcher Institutionen
wie des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank

und der

regionalen Banken sowie des sich über unsere eigene Gruppe Hinausbewegens
auf unsere natürlichen Verbündeten und Freunde hin, mit denen wir in den
vergangenen Jahren assoziiert waren, und wir begrüßen die sehr gute Haltung
der öllieferländer, wie Saudi-Arabien und anderer, die jetzt nicht nur
den Entwicklungsländern Hilfe zu leisten sich bemühen, sondern die
auch zusammen mit uns an den Entscheidungen teilnehmen wollen, die ihrem
eigenen wirtschaftlichen Einfluß angemessen sind.
Ich glaube, daß wir darüber hinaus einen guten Schritt vorangekommen sind,
wie dies bereits erwähnt wurde, indem wir in offener und angemessener Weise
die kommunistischen und sozialistischen Länder, wie die Sowjetunion,
aufgefordert haben, gemeinsam mit uns Untersuchungen über die sehr
schwierigen Fragen anzustellen, die uns bewegen, und auch jenen Ländern
Hilfe zukommen zu lassen, die vom Glück weniger begünstigt sind.
Wir haben beschlossen, die Funktion der hochqualifizierten Experten,
die die Vorbereitungen für diese Konferenz leisteten, fortzusetzen.
Sie werden ihre Arbeit weiterführen, um sicherzugehen, daß unsere
Konferenz keine leere Diskussion war und nicht mit der Herausgabe eines
sehr einmütigen Berichts ihr Ende gefunden hat. Dies, glaube ich, wird
eine Neuerung sein, die uns alle in den kommenden Wochen und Monaten, wenn

wir wieder zu Hause sind, daran erinnern wird, daß wir Verpflichtungen zu
erfüllen haben und daß unser eigenes Ansehen und unser Ruf auf dem Spiel
stehen, die Versprechungen auch einzuhalten, die wir jetzt an diesem Nachmittag einer Welt geben, die auf uns blickt und von uns die Lösung dieser
schwierigen Probleme erwartet.
Ich

- 4-

�Ich möchte meinen persönlichen Dank gegenüber Premierminister
Callaghan und all denjenigen zum Ausdruck bringen, die geholfen haben,
diese Konferenz so erfolgreich zu machen.

Ich bin ihnen und meinen Kollegen

hier, die mir halfen, aus erster Hand vom Reichtum ihrer Kenntnisse, ihres
Wissens und ihrer Erfahrung zu lernen, sehr dankbar.
Ich danke Ihnen vielmals.
+ + +

- 5 -

�12/1977

DIE NUKLEARE PROLIFERATION: EINE BEDROHUNG DES WELTFRIEDENS
von Senator Charles H. Percy

Charles H. Percy gehört dem Senat seit
1966 als Vertreter seines Heimatstaates
Illinois an. Er ist Republikaner und Mitglied des einflußreichen Außenpolitischen
Ausschusses des Senats. Er hat wesentlich an der Ausarbeitung der gegenwärtig
dem Kongreß vorliegenden Gesetzesanträge über die Verhinderung der Ausbreitung der Atomwaffen md der Fähigkeit zu
ihrer Herstellung - kurz Nonproliferation mitgewirkt. Senator Percy ist der Sprecher
seiner Partei in Nuklearangelegenheiten.
Eines der dringendsten Probleme»

vor denen die Vereinigten Staaten und

die ganze Welt heute stehen, ist die nukleare Proliferation.
Jahrelang haben wir uns eingebildet, nur die technologisch hochentwickelten
Industrieländer seien in der Lage, ein Kernwaffenprogramm in Angriff zu nehmen.
Aber

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�Aber schon im Jahre 1964 trat die Volksrepublik China dem "Klub" der Atommächte bei.

Damit erwies sich, daß ein entschlossenes Volk auch ohne eine

feste industrielle Basis Kernwaffen entwickeln kann.

Im Jahre 1974 brachte

Indien einen, nach eigener Definition, "friedlichen" Kernsprengsatz zur
Explosion.

Es stellte sich heraus, daß auch Entwicklungsländer mit Hilfe

eines Programms der friedlichen Nutzung der Kernenergie Atomwaffen herstellen
können.
Die weltweite nukleare Proliferation hat sich beschleunigt, seit zwei
unserer Verbündeten, Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland, vereinbart haben, Brasilien und Pakistan sensitive Nukleartechnologie zu liefern.
Beide Länder versichern, daß diese bisher nie dagewesenen Exporte strikten
Sicherheitsbestimmungen unterliegen werden.

Aber mit diesen neuen Anlagen

wären Brasilien und Pakistan nur einige weniqe Schritte von der Herstellung
nuklearer Sprengkörper entfernt, ohne irgendein

Abkommen zu verletzen.

Wir haben auch Vermutungen gehört, :'-ß Isrrel Kernwaffen besitze oder
sie rasch herstellen können, und Taiwan (Formosa) hat eine eigene Anlage entwickelt, um die "Asche" von verbranntemReaktorbrennstoff in Plutonium zu
verwandeln - die Grundkomponente einer Kernwaffe. Obwohl Taiwan z"qestimmt
hat, in Zukunft auf eine solche Aufbereitung zu verzichten,
zeigt doch
die Tatsache, daß Taiwan erfolgreich zu einer solchen Fähigkeit gelangen
konnte, daß die bestehenden internationalen Kontrollen große Schwächen
haben. Und schließlich sind mheildrohende Fragen hinsichtlich der Absichten
von Südkorea, Argentinien, Südafrika und Libyen bezüglich der Kernwaffen
gestellt worden.
Einer unserer wichtigsten Faktoren bei der Bekämpfung der Proliferation
ist das wachsende Bewußtsein dieser Bedrohung in den Vereinigten Staaten und
im Ausland.

Diese Erkenntnis geht über die offensichtliche Besorgnis hin-

sichtlich der Auswirkungen der Explosion in Indien und der beabsichtigten
Lieferung von sensitiver Technologie an Brasilien und Pakistan hinaus. £s_

- ? -

�Es kommt zu einer wachsenden Einsicht, daß die bestehenden internationalen
Kontrollen - so lebenswichtig sie sein mögen - weit hinter den beispiellosen
Maßnahmen zurückbleiben, die notwendig sind, um dieser außerordentlichen
Bedrohung Einhalt zu gebieten.
Leider hat jedoch diese Besorgnis doch nicht zur Schaffung einer wirksamen
internationalen Vorschrift gegen die Proliferation geführt. Nachdem wir
die Länder der Dritten Welt durch unsere Untätigkeit nach der Explosion in
Indien eingeladen haben, die Fähigkeit zur Herstellung von Bomben zu erwerben, haben wir auch später nur wenig cietan, um diesen schweren Fehler
zu korrigieren und neue Initiativen zu entfalten.
Ich will damit nicht sagen, daß solche Treffen wie die Londoner Konferenz
der Vertreter von Ländern, die Kernbrennstoffe liefern, und andere bilaterale
Verhandlungen nicht wichtige Resultate erbracht hätten. Solche kooperativen
Bemühungen waren ein erster entscheidend wichtiger Schritt, dessen besonderer Wert vor allem darin bestand, daß durch ihn das politische Fundament für Verhandlungen über weit umfassendere Kontrollen geschaffen wurde,
die notwendig sind.
Wir sind jedoch bisher stets schrittweise und vorsichtig £»n dieses
Problem herangegangen.

So vernünftig ein solches Vorgehen gewiß im normalen

Gang der Außenpolitik sein mag, so müssen wir hier doch mit der Tatsache
fertig werden, daß die Zeit für ein solch behutsames Vorgehen im Kampf gegen
die Poliferation längst vorbei ist. Wir stehen buchstäblich auf der
Schwelle zu einer neuei, Ära, in der die Fähigkeit zur Kernwaffenproduktion
mehr oder weniger Allgemeingut sein wird. Keine unserer Alternativen sind
angenehm,und manche bringen kommerzielle oder politische Risiken mit sich.
Und dennoch bin ich fest davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten eine
kraftvolle und energische Führungsposition übernehmen können und müssen, und
ich bin zuversichtlich, daß unsere Anstrengung durch die Zusammenarbeit
mit anderen Ländern belohnt werden wird, deren Sicherheit gleichfalls
gefänrdet ist.

Ich
- 3 -

�Ich habe zusammen mit den Senatoren John Glenn, Jr. (Demokrat aus Ohio),
Abe Ribicoff (Demokrat aus Connecticut), Jacob Javits (Republikaner aus
New York) und Alan Cranston (Demokrat aus Kalifornien) einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der den Weg weist, wie man entschlossen und in umfassender Weise an das Problem der Proliferation herangehen sollte.

Er

legt völlig neuartige Kriterien für die Abwicklung des Transfers und die Verwendung amerikanischer Nuklnirexporte fest und fordert wesentlich beschleunigte Verhandlungen zur Erreichung einer internationalen Zusammenarbeit bei der Nutzbarmachung dieser Technologie.

Außerdem sieht die Gesetzes-

vorlage Maßnahmen vor, die eine zuverlässige Belieferung mit Kernbrennstoffen
für all die Nationen sicherstellen, die gewillt sind, wirksame Kontrollen zu
akzeptieren, und bietet Anreize für all die Staaten, deren Interesse an der
Kernkraft rein friedlicher Natur ist, auf den Erwerb gefährlicher eigener
nationaler Anlagen zu verzichten.

Schließlich enthält die Gesetzesvorlage

eine Reihe organisatorischer Bestimmungen, die die Formulierung und Handhabung der amerikanischen Nuklearexportpolitik unterstützen sollen.
Präsident Carter hat am 27. April und auch bereits davor in diesem Monat
eine Politik angekündigt, die viele der gleichen von mir oben erwähnten
Ziele anstrebt» Er hat seine eigenen gesetzgeberischen Alternativen vorgetragen.
Ich begrüße die Debatte über diese entscheidend wichtige Frage und
möchte mich selbst einem der Kernpunkte der Erörterung zuwenden. Nach
meinem Dafürhalten ergibt sich aus der von mir vertretenen Gesetzesvorle/e
keineswegs die Forderung nach einem einseitigen Moratorium für die ameri- .1
kam'sehen Nuklearexporte.
Der Entwurf der Gesetzesvorlage ist sehr sorgfältig abgefaßt worden, um
einen Konflikt mit unseren bereits bestehenden Abkommen auf ein Minimum zu
reduzieren und die Chance für eine Stärkung dieser Abkommen vor der Durchführung neuer strikter Kontrollen zu bieten. Darüberhinaus bietet die

- 4 -

�die Gesetzesvorlage - in Anerkennung der Tatsache, daß Umstände und
politische Erfordernisse von Land zu Land sich ändern - die für die
Erreichung praktisch durchführbarer Lösungen notwendige Flexibilität.
Ich will damit nicht sagen, daß diese Gesetzesvorlage vollkommen ist.
Viele durch dieses Gesetzeswerk aufgeworfene Probleme erfordern eine
weitere Untersuchung. Sc wird beispielsweise in der Gesetzesvorlage eine
internationale Vereinbarung erwogen, die Dienstleistungen auf dem Gebiet c »r
Kernbrennstoffe vorsieht, wobei kein Land - auch nicht die Staaten mit
Atomwaffen - sensitive Anlagen auf nationaler Basis betreiben dürften.
Alle solche Dienstleistungen würden unter internationaler Aufsicht erfolgen,
und solche international kontrollierten Anlagen dürften nur auf dem
Territorium der Staaten mit Kernwaffen oder auf internationalem Territorium
liegen. Der Grundes:Janke hierbei ist, keiner Nation irgendeinen Vorteil i er
.ine andere zu versenaffen, indem man ein allgemeines Verbot auf alle
nationalen Anlagen verhängt, während man dem legitimen Energiebedarf entoricht und attraktive Investitionsmöglichkeiten bietet. So außerordentlich
vielversprechend dieser Vorschlag zu sein scheint, so wird er doch zusammen
mit anderen Optionen einer sorgfältigen Überprüfung bedürfen, damit man
sichergeht, daß dies die besten Maßnahmen sind, um den Zielen der Nonproliferation zu entsprechen.
Genauso bin ich mir voll und gan? im klaren, daß ein Gesetzeswerk allein
das Problem der Proliferation nicht zu lösen vermag. Wenn wir nicht intensive
diplomatische Anstrengungen unternehmen, um zu einer internationalen Zusammenarbeit zu gelangen und die tausendfachen Probleme zu lösen, die jede schwungvolle Politik behindern, können wir nicht erfolgreich sein. Aber ich bin
überzeugt, daß die Anstrengungen der Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet ein
wichtiger Schritt sein können, um zu einer vernünftigen internationalen
Regelung zu gelangen, die der Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von
iC.'rnsprengstoffen Eljihalt gebietet.
+ + +
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat in London&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach dem Londoner Wirtschaftsgipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die nukleare Proliferation: Eine Bedrohung des Weltfriedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Senator Charles H. Percy&lt;/em&gt;</text>
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I Dl En

Information
und
Dokumentation

1 1 % k^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19
INHALT

INFORMATION
Haig:

Sowjetische Führung wird START-Verhandlungen begrüßen

DOKUMENTATION
Reagan schlägt drastische Abrüstung der Atomwaffen vor
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College Stoessel:

Gewaltiger Gegensatz zwischen Worten und Taten der

Sowjetunion
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem World
Affairs Council HINTERGRUNDMATERIAL
Reagans Abrüstungsplan:

Ein neuer Appell zur Verbesserung des Ost-

West-Verhältnisses
WIRTSCHAFT
Weidenbaum:

Doppelziel der Bekämpfung von Inflation und Arbeits-

losigkeit erreichbar
- Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des USPräsidenten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Masern sollen ausgerottet werden
- Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm der
Weltgesundheitsorganisation
Ultraschall verstärkt katalytische Reaktionen

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

12. Mai 1982

HAIG: SOWJETISCHE FÜHRUNG WIRD START-VERHANDLUNGEN BEGRÜSSEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig erklärte am 11. Mai 1982 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats, daß die
sowjetische Führung nach seiner Überzeugung die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen begrüßen werde.
Noch sei es zu früh, so fügte Haig hinzu, die amtliche Reaktion auf den Abrüstungsvorschlag Präsident Reagans vorauszusagen, und die erste Reaktion der
sowjetischen Nachrichtenagentur TASS sei negativ. Die von Präsident Reagan
vorgeschlagenen Abrüstungsmaßnahmen seien jedoch mit den früheren Bemühungen
im Rahmen von SALT durchaus vereinbar und müßten daher von der Sowjetunion
generell akzeptiert werden. Haig erinnerte daran, daß seit Monaten mit der
Sowjetunion ein Dialog über dieses Thema geführt werde, und er, Haig, hoffe,
daß bald ein Datum für den Beginn der Verhandlungen in Genf festgelegt werden
könne.
Die Senatoren konzentrierten einen Großteil ihrer Fragen auf das Problem
der Verifizierung. "Wir wollen absolut sicher sein", so sagte der amerikanische
Außenminister, "daß auf beiden Seiten Zutrauen besteht, daß die bei den Verhandlungen eingegangenen Verpflichtungen vertrauensvoll verifiziert werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�verifiziert werden können". Diese Verifizierung werde wahrscheinlich über
die rein nationalen technischen Mittel hinausgehen müssen.

Es sei jedoch

noch zu früh, sich auf Einzelheiten festzulegen.
Haig teilte mit, er hoffe, daß die Verhandlungen in Genf Ende Juni beginnen können, wie der Präsident dies vorgeschlagen habe, aber das könne sich
auch um ein oder zwei Wochen verschieben. Auch bezüglich eines Zeitraums,

j

innerhalb dessen Ergebnisse der Verhandlungen zu erwarten seien, wollte sich
Haig nicht festlegen. Solche tiefgreifenden Abrüstungsanstrengungen könnten Jahre in Anspruch nehmen, so meinte Haig.
als sich selbst theoretische Termine zu setzen.

Es gebe nichts Schlimmeres,
Der amerikanische Außen-

minister räumte ein, daß man auf den Erfahrungen der bisherigen Rüstungskontroi 1verhandlungen aufbauen könne, daß hier jedoch wesentliche Verringerungen gefordert würden und das etwas anderes sei als bei SALT II. Das Ziel rechtfertige sicher, daß mehr Zeit für die Verhandlungen aufgewandt werde.
In seiner Eingangserklärung hatte Haig betont, daß die Vereinigten
Staaten in gutem Glauben in die Verhandlungen gingen und deren Erfolg wesentlich von der sowjetischen Bereitschaft abhängen werde, ernsthaft und in gutem
Glauben zu verhandeln.

Die sowjetische Verhandlungsbereitschaft werde sicher-

lich dadurch bedingt werden, wie sich die Sowjets die militärische und politische Umwelt ohne Abkommen vorstellten.
Haig lehnte erneut den Vorschlag für ein Einfrieren der Kernwaffen auf
dem gegenwärtigen Stand ab, da dies die sowjetische Überlegenheit festschreiben und den Sowjets jeden Anreiz zu Verhandlungen über Verringerungen nehmen
würde.

"Wir wollen über ein Einfrieren hinausgehen", so betonte Haig, "wir

sind der Überzeugung, daß wir echte Verringerungen und damit eine Minderung
des Kriegsrisikos erreichen können".
Der amerikanische Außenminister unterstrich die Notwendigkeit, den Dialog
mit der Sowjetunion aufrechtzuerhalten.

"Wir müssen versuchen, unsere Diffe-

renzen durch Verhandlungen beizulegen, nicht weil das den grundsätzlich
konkurrierenden Charakter unseres Verhältnisses ändern würde, sondern weil
- 2 -

�sondern weil es klar ist, daß auch sie, die Sowjets, lebenswichtige Interessen haben müssen, denen durch einen fairen Kompromiß Rechnung getragen
werden kann."

+ + + + +

�12. Mai 1982

REAGAN SCHLÄGT DRASTISCHE ABRÜSTUNG DER ATOMWAFFEN VOR
- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College -

EUREKA, ILLINOIS - (HD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. Mai 1982 in
einer Rede vor der Abschlußklasse des Eureka-College im Staate Illinois eine
drastische Abrüstung der nuklearen Arsenale der Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion vorgeschlagen. Er hoffe, so sagte Reagan vor Studenten des College,
das er selbst besucht hatte, daß im Juni dieses Jahres Verhandlungen mit der
Sowjetunion beginnen können, um die schrecklichen Interkontinentalraketen beider
Supermächte zahlenmäßig zu verringern oder gar abzuschaffen und damit das Kriegsrisiko wesentlich zu verringern. Dieser Prozeß soll nach Vorstellung des amerikanischen Präsidenten in zwei Phasen ablaufen, und am Ende der ersten Phase sollten
die nuklearen Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand gebracht worden sein, der
um ein Drittel unter dem gegenwärtigen läge.
Amerikanische Regierungskreise bestätigten in diesem Zusammenhang, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gegenwärtig über je 7 500 land- und seegestützte Gefechtsköpfe verfügen; die USA besitzen etwa 1 700 strategische
nukleare Trägerwaffen und die Sowjetunion rund 2 400.
In diesen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�In diesen Regierungskreisen verlautete, daß die amerikanischen Vorstellungen
am 7. Mai in einem Schreiben des Präsidenten an Breschnew und von Außenminister
Haig in einem persönlichen Zusammentreffen mit dem sowjetischen Außenminister
Gromyko sowie über andere diplomatische Kontakte übermittelt wurde. In Washington
rechnet man nicht mit einer glatten Ablehnung dieser Vorschläge, ähnlich wie
1977, durch die Sowjets, die an einer Sondierung solcher Möglichkeiten interessiert
seien.
In amerikanischen Regierungskreisen wird ferner darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit in engem Kontakt mit ihren Verbündeten
in der NATO stehen und Präsident Reagan seine Vorschläge anderen Staats- und Regierungschefs kurz erläutert habe; Außenminister Haig stehe in Kontakt mit anderen
NATO-Außenministern, und die NATO-Vertreter in Brüssel seien am 8. Mai unterrichtet
worden. Die Verbündeten hätten die Initiative Reagans begrüßt.
Der Präsident hat, wie in Washington verlautet, einer interministeriellen
Arbeitsgruppe persönliche Anweisungen gegeben, die amerikanische Verhandlungsposition auszuarbeiten. Dabei habe der Präsident bestimmte Kriterien aufgestellt,
deren Nachdruck auf einer Beendigung der Instabilität liege, die durch die Streitkräfte gegeben sei, die in der Lage wären, einen erfolgreichen "Erstschlag" zu
führen, d.h. die landgestützte Raketenkomponente der anderen Seite auszuschalten.
Es gehe vor allem um die Interkontinentalraketen, die Reagan als den stärksten
destabilisierenden Faktor ansehe. Angestrebt werde eine Gleichheit der Kräfte,
ein verifizierbares Abkommen, eine Förderung der Stabilität und die Gewährleistung
einer ausreichenden Abschreckungsmacht.
Reagan habe, so verlautet weiter, die Arbeitsgruppe angewiesen, eine Verhandlungsposition zu entwickeln, die selbst bei einer zu erwartenden ersten
Kritik seitens der Sowjets vor der amerikanischen Öffentlichkeit vertreten werden
kann.
Nach Washingtoner Vorstellungen sollen in der Phase I beide Seiten übereinkommen, eine gleiche Zahl von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen zu dislozieren, die um ein Drittel unter der derzeitigen Zahl von rund 7 500 liegt, was

�liegt, was eine Verringerung um rund 2 500 Tand- und seegestützte Raketen bedeuten würde. Innerhalb dieser Höchstgrenze soll nicht mehr als die Hälfte dieser
Gefechtsköpfe auf landgestützten Trägerwaffen disloziert werden.
In der Phase II sollten sich beide Seiten auf "gleiche Begrenzungen" der
anderen Aspekte der strategischen Nuklearwaffen, wie etwa die Nutzlast von
Raketen einigen, d.h. über das Gewicht von Gefechtsköpfen, Trägern von Mehrfachgefechtsköpfen, Durchdringungshilfe usw.
In Washington ist man sich darüber im klaren, daß eine solche wesentliche Veränderung der strategischen Streitkräfte Jahre dauern könne.
Amerikanische Regierungskreise weisen ferner darauf hin, daß die Vereinigten
Staaten auch jederzeit während der Verhandlungen bereit seien, über Bomber und
luftgestützte Raketen zu sprechen. In Washington wird hervorgehoben, daß zum
erstenmal in der Geschichte von Verhandlungen über Kernwaffen sowohl über taktische
als auch über strategische Nuklearwaffen gesprochen werde.
Man rechnet in Washington damit, daß die sogenannten START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen) in den ersten Stadien nicht leicht sein werden. Wenn die
sowjetischen Experten sich jedoch mit den Details vertraut gemacht hätten, hoffe
man darauf, rascher zu einem Ergebnis zu kommen als bei den Verhandlungen über
SALT I und SALT II.
Nach kurzen persönlichen Einleitungsworten an die Absolventen seines früheren
College machte Präsident Reagan folgende Ausführungen:
In etwa einem Monat werde ich in Europa mit den Staats- und Regierungschefs
von Ländern zusammentreffen, die unsere engsten Freunde und Verbündeten sind. In
Versailles werden die Führer der Industriestaaten der Welt nach besseren Mitteln
und Wegen suchen, um mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit
fertig zu werden. In Bonn werde ich mit meinen Kollegen aus den Ländern des
Atlantischen Bündnisses zusammenkommen, um jene Bindungen zu erneuern, die

- 3 -

�erneuern, die 37 Jahre lang die Grundlage der Verteidigung der westlichen, der
freien Welt gewesen sind. Ferner werden Treffen in Rom und London stattfinden.
Diese Zusammenkünfte sind bedeutsam.aus einem einfachen aber wichtigen
Grunde. Das Schicksal unserer Nation ist eng mit dem Schicksal unserer Schwesterdemokratien in Westeuropa verknüpft. Die Werte, für die Amerika und alle demokratischen Nationen einstehen, stellen den Gipfel der westlichen Kultur dar.
Andreij Sacharow, der hervorragende Nobelpreisträger und mutige Verfechter der
Menschenrechte in der Sowjetunion, hat in einer in die Freiheit geschmuggelten
Botschaft geschrieben: "... Ich glaube an den westlichen Menschen,ich vertraue
seinem Geist, der praktisch und effizient ist.und gleichzeitig große Ziele anstrebt. Ich habe Vertrauen in seine guten Absichten und in seine Entschlossenheit."
Diese glorreiche Tradition erfordert eine Partnerschaft, um sie zu erhalten
und zu schützen. Nur als Partner können wir hoffen, das Ziel einer friedlichen Gemeinschaft von Nationen zu erreichen. Nur als Partner können wir die Werte der
Demokratie und die Menschenwürde verteidigen, die uns so teuer sind.
Es gibt ein einziges großes Thema in unserer Partnerschaft, das den Gesprächen zugrundeliegen wird, die ich mit europäischen Staatsmännern führen werde:
die Zukunft der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion. Wie sollen wir uns in den
kommenden Jahren der Sowjetunion gegenüber verhalten? Welcher Rahmen sollte unser
Verhalten und unsere Politik gegenüber der Sowjetunion bestimmen? Was können wir
realistischerweise von einer Weltmacht von.so tiefer Angst, Feindseligkeit und
Ambitionen in der Welt erwarten?
Ich glaube, die Einigkeit des Westens ist die Grundlage für jedes erfolgreiche Verhältnis zum Osten. Ohne die Einigkeit des Westens werden wir unsere
Kräfte in Streit und Hader verschwenden, während die Sowjets weiterhin nach Belieben handeln. Wenn wir einig sind, dann haben wir die Stärke, das sowjetische
Verhalten zu mäßigen. Wir haben das in der Vergangenheit getan, und wir werden
es wieder tun können.
Unsere Aufgabe

�Unsere Aufgabe besteht darin, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen
gesunde Ost-West-Beziehungen bestehen können. Ich bin optimistisch, daß wir ein
konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion schaffen können. Wenn wir das jedoch
wollen, müssen wir die Natur des sowjetischen Systems und die Lehren der Vergangenheit erkennen.
Die Sowjetunion ist ein riesiges Imperium, das von einer Elite regiert wird,
die alle Macht und alle Privilegien besitzt. Sie hält daran fest, weil sie wie wir es in Polen erlebt haben -, fürchtet, was passieren könnte, wenn auch nur
ein kleinstes Stück der Kontrolle ihrem Griff entgleitet. Sie fürchtet die Ansteckungsgefahr von auch nur einem bißchen Freiheit - und genau darum hat ihr
System in vieler Weise versagt. Das sowjetische Imperium schwankt, weil starre,
zentralisierte Kontrolle die Anreize zu Innovation, Leistung und persönlicher
Tüchtigkeit zerstört hat. Geistig herrscht ein Klima der Malaise und der Verstimmung
Aber inmitten sozialer und wirtschaftlicher Probleme hat die sowjetische
Diktatur die größten Streitkräfte der Welt geschmiedet. Sie hat das getan, indem
sie die menschlichen Ansprüche der Bevölkerung hintangestellt hat, und dieser Kurs
wird am Ende die Grundlagen des sowjetischen Systems erschüttern. Harry Truman
hatte recht, als er über die Sowjets sagte, daß man, "wenn man versucht, andere
Völker zu erobern oder sich über die gewaltigen Gebiete hinweg auszudehnen, auf
lange Sicht nicht gewinnen kann ...".
Aber mit der militärischen Macht der Sowjets ist die sowjetische Aggressivität gewachsen. Um das zu kompensieren, müssen wir aus den Lehren der Vergangenheit
lernen. Wenn der Westen fest und einig war, hat die Sowjetunion achtgegeben.
Seit 35 Jahren lebt Europa frei - trotz des Schattens der sowjetischen Militärmacht. Durch Einigkeit hat der Westen - wie Sie aus Ihren Studien der modernen
Geschichte wissen werden - den Abzug der Besatzungsstreitkräfte aus Oesterreich
und die Anerkennung seiner Rechte in Berlin gesichert.
Andere politische Kurse des Westens waren nicht so erfolgreich. Der Ost-WestHandel wurde ausgeweitet in der Hoffnung, Anreize für sowjetische Zurückhaltung
zu bieten, aber die Sowjets haben die Vorteile des Handels ausgenutzt, ohne ihr

-

5 -

�ohne ihr Verhalten zu mäßigen. Trotz eines Jahrzehnts ehrgeiziger Rüstungskontroi 1anstrengungen dauert die sowjetische Aufrüstung an. Und trotz der Unterzeichnung
der Vereinbarungen von Helsinki über die.Menschenrechte hat die Sowjetunion ihren
Griff im eigenen Lande und in Osteuropa nicht gelockert.
In den siebziger Jahren vergaßen einige von uns die Warnung von Präsident
Kennedy, der sagte, die Sowjets "haben uns einen Apfel für einen Obstgarten angeboten. Solche Geschäfte machen wir bei uns nicht." Wir sind einem solchen Geschäft
gefährlich nahe gekommen.
Wenn es in den Ost-West-Beziehungen in der Ära der Entspannung zu Enttäuschungen gekommen ist, so hat die Entspannung außerhalb Europas bei jenen, die eine
Mäßigung des sowjetischen Verhaltens erwarteten, zu echter Desillusionierung geführt. Die Sowjetunion unterstützt weiterhin Vietnam in dessen Besetzung von
Kampuchea und seiner massiven militärischen Präsenz in Laos. Sie führt einen
Aggressionskrieg gegen Afghanistan. Sowjetische Stell Vertreterstreitkräfte haben
Instabilität und Konflikt nach Afrika und Mittelamerika gebracht.
Wir nähern uns heute einer extrem wichtigen Phase der Ost-West-Beziehungen,
da die gegenwärtige sowjetische Führung durch eine neue Generation abgelöst wird.
Die derzeitige und die neue sowjetische Führung sollten wissen, daß aggressive
Politik auf eine feste Antwort des Westens stoßen wird. Auf der anderen Seite wird
eine sowjetische Führung, die sich der Verbesserung des Lebens ihrer Menschen
widmet, statt ihre bewaffneten Eroberungen auszuweiten, im Westen einen sympathischen Partner finden. Der Westen wird mit mehr Handel und anderen Formen der
Kooperation antworten. Aber all das hängt vom Handeln der Sowjets ab. Auf dem
Marktplatz von Athen sagte Demosthenes vor 2 000 Jahren: Welcher vernünftige Mann
würde die Worte eines anderen statt seiner Taten als Beweis nehmen, ob er im
Frieden oder im Krieg mit ihm lebt?
Frieden ist nicht das Nichtvorhandensein von Konflikt, sondern die Fähigkeit,
einen Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen. Ich glaube, daß wir das können.
Ich glaube, daß der Westen eine realistische, dauerhafte Politik entwickeln kann,

- 6 -

�entwickeln kann, die unsere Interessen schützt und den Frieden erhält - nicht nur
für diese Generation, sondern für unsere Kinder und Enkel.
Eine solche Politik muß nach meiner Oberzeugung aus fünf Punkten bestehen:
Militärisches Gleichgewicht, wirtschaftliche Sicherheit, regionale Stabilität,
Abrüstung und Dialog. Das sind die Mittel und Wege, mit denen wir in den kommenden
Jahren Frieden mit der Sowjetunion anstreben können. Ich möchte heute dieses Fünfpunkte-Programm aufstellen, das als Richtschnur für die Zukunft der Ost-West-Beziehungen dienen soll.
Erstens ist ein solides militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West
von entscheidender Bedeutung. In der vergangenen Woche veröffentlichte die NATO
einen umfassenden Vergleich zwischen ihren Streitkräften und denen des Warschauer
Paktes. Die Botschaft ist eindeutig: Während des vergangenen Jahrzehnts hat die
Sowjetunion ihre Streitkräfte in allen Bereichen aufgerüstet. Während desselben
Zeitraums gingen die amerikanischen Verteidigungsausgaben real zurück. Die Vereinigten Staaten haben bereits erste Maßnahmen ergriffen, um dieses Jahrzehnt
der Vernachlässigung zu beenden. Und ich sollte auch hinzufügen, daß die Ausgaben
unserer europäischen Verbündeten ebenfalls langsam, aber stetig stiegen - eine
Tatsache, die wir oft hier bei uns nicht richtig erkennen.
Der zweite Punkt, bei dem wir zu einem Konsens mit unseren Verbündeten kommen
müssen, betrifft die wirtschaftliche Sicherheit. Zwischen den westlichen Staaten
gibt es derzeit Konsultationen über den Transfer militärisch bedeutsamer Technologie und über den Umfang von Krediten an den Osten sowie über die Frage der Energieabhängigkeit vom Osten. Wir begreifen, daß die wirtschaftlichen Erfordernisse
mancher unserer Verbündeten sich von den unsrigen unterscheiden. Aber die Sowjets
dürfen keinen Zugang zu westlicher Technologie erhalten, die militärische Anwendungsmöglichkeiten bietet, und wir dürfen nicht die sowjetische Volkswirtschaft
subventionieren. Die Sowjetunion muß sich der schwierigen Wahl stellen, vor der
sie durch ihre Militärhaushalte und ihre wirtschaftlichen Mängel steht.
Das dritte

�Das dritte Element ist regionale Stabilität mit friedlichem Wandel. Im vergangenen Jahr habe ich in einer Rede in Philadelphia und auf dem Gipfeltreffen in
Cancun den grundlegenden amerikanischen Plan zur Unterstützung der Entwicklungswelt umrissen. Diese Prinzipien für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben auch
weiterhin die Grundlage unserer Haltung. Sie bilden keine Bedrohung der Sowjetunion.
Und doch sehen wir, daß die sowjetischen Waffen und von der Sowjetunion unterstützte Truppen in der Entwicklungswelt versuchen, Gesellschaften zu destabilisieren und Moskaus Einfluß auszuweiten.
Ganz oben auf unserer Liste muß Fortschritt in Richtung auf einen Frieden in
Afghanistan stehen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich einer ernsthaften
Anstrengung zur Aushandlung einer Beendigung dieses Konfliktes anzuschließen, der
durch den sowjetischen Einfall in dieses Land hervorgerufen wurde. Wir sind bereit,
bei einer*internationalen Anstrengung mitzuwirken, um dieses Problem zu lösen, um
einen umfassenden sowjetischen Rückzug aus Afghanistan sicherzustellen und um die
Selbstbestimmung für das afghanische Volk zu gewährleisten.
Im südlichen Afrika haben wir in enger Zusammenarbeit mit unseren westlichen
Verbündeten und. den afrikanischen Staaten echten Fortschritt in Richtung auf eine
Unabhängigkeit Namibias erzielt. Diese Verhandlungen werden im Erfolgsfall zu
friedlichen und sicheren Bedingungen im gesamten südlichen Afrika führen. Der
gleichzeitige Abzug kubanischer Soldaten aus Angola ist für das Erreichen der
Unabhängigkeit Namibias von entscheidender Bedeutung - genau wie für die Schaffung
langfristiger Friedensaussichten in dieser Region.
Auch Mittelamerika ist zu einem gefährlichen Spannungsgebiet der Ost-WestBeziehungen geworden. Die Sowjetunion kann nicht der Verantwortung für die Gewalt
und das Leiden in dieser Region entgehen, die durch ihre Unterstützung für die
kubanischen Aktivitäten in Mittelamerika sowie durch ihren beschleunigten Tranfer
von modernster militärischer Ausrüstung an Kuba geschaffen wurden.
Doch war es in Osteuropa, wo die Hoffnungen der siebziger Jahre am größten
waren und wo sie am bittersten enttäuscht wurden. Es bestand die Hoffnung, daß
das polnische Volk sich eine freiere Gesellschaft schaffen könnte. Aber die
-8 -

�Aber die Sowjetunion erlaubte es dem polnischen Volk nicht, sein eigenes Schicksal
zu entscheiden - ebenso wenig wie es dies dem ungarischen Volk im Jahr 1956 und
dem tschechoslowakischen Volk im Jahr 1968 erlaubt wurde.
Wenn das Kriegsrecht in Polen aufgehoben wird, wenn alle politischen Gefangenen entlassen werden und wenn der Dialog mit der Gewerkschaft Solidarität wiederaufgenommen wird, werden die Vereinigten Staaten bereit sein, sich einem Programm
der wirtschaftlichen Unterstützung anzuschließen. Wasserwerfer und Schlagstöcke
gegen das polnische Volk sind kaum jene Art von Dialog, der uns zu Hoffnungen
Anlaß gibt. Es ist an der Sowjetunion und den von ihr abhängigen Regimen,

durch

konkrete Schritte guten Willen zu zeigen.
Der vierte Punkt ist die Abrüstung. Ich weiß, daß dies schwer auf vielen
von Ihnen lastet. Bei unserer Abschlußfeier im Jahr 1931 zitierten wir Carl
Sandburg, der in seinen Zeilen die Mutter Erde so schön sagen läßt:
Seht ihr, wie sich die rotglühende Sonne auf mein Kornfeld senkt?
Seht ihr das Gestade der Gestirne, auf dem Weizen die Wogen der Dämmerung?
Welch eine idyllische Szene ersteht da vor unserem Auge - und welch alptraumhafte Aussicht, daß ein gewaltiger Atompilz eines Tages diese Schönheit zerstören
könnte! Es ist meine Pflicht als Präsident, sicherzustellen, daß dieser schrecklichste aller Alpträume niemals Wirklichkeit wird, daß die Wiesen und die Städte
und die Menschen, die darin wohnen, frei und unberührt bleiben von einem nuklearen
Konflikt.
Ich wünsche über alles, es gäbe eine einfache Politik, die die atomare Gefahr
beseitigen könnte. Aber es gibt nur eine Politik der schweren Wahl, durch die wir
ein stabiles Nukleargleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau erreichen
können.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß das sowjetische Volk, ja, auch die
sowjetische Führung,ein primäres Interesse daran hat, den Einsatz von Kernwaffen
zu verhindern. Die Sowjetunion kennt aus der Erinnerung ihrer Führung die Ver-

9 -

�Führung die Verwüstungen eines totalen konventionellen Krieges und weiß, daß
ein Atomkrieg nur noch schrecklicher wäre. Und doch hat die Sowjetunion bisher
die RüstungskontrollVerhandlungen hauptsächlich als ein Instrument zur Behinderung
amerikanischer Verteidigungsprogramme sowie - in Verbindung mit ihrer eigenen
Aufrüstung - als Mittel zur Vermehrung sowjetischer Macht und sowjetischen
Prestiges eingesetzt.
Leider verstärkt sich seit einiger Zeit der Verdacht, daß die Sowjetunion
ihren Verpflichtungen aus bestehenden Rüstungskontrollvertragen nicht gerecht wird.
Es gibt schlüssige Beweise dafür, daß die Sowjetunion den Laoten und den Vietnamesen Giftstoffe zum Einsatz gegen wehrlose Dorfbewohner in Südostasien zur Verfügung gestellt hat. Und die Sowjets selbst verwenden chemische Waffen gegen die
Freiheitskämpfer in Afghanistan.
Wir müssen für die Rüstungskontrolle in den achtziger Jahren klare Kriterien
erarbeiten. Wenn wir durch Rüstungskontrolle echte und dauerhafte Zurückhaltung bei
den sowjetischen Militärprogrammen erreichen wollen, müssen wir Abkommen anstreben,
die verifizierbar, ausgewogen und militärisch bedeutsam sind. Abkommen, die nur
den Anschein von Rüstungskontrolle bieten, schaffen gefährliche Illusionen.
Im vergangenen November verpflichtete ich die Vereinigten Staaten zur Suche
nach bedeutsamen Verminderungen der nuklearen und konventionellen Streitkräfte.
In Genf haben wir seither Begrenzungen bei den amerikanischen und sowjetischen
Raketen mittlerer Reichweite vorgeschlagen, einschließlich der vollständigen Beseitigung der bedrohlichsten Systeme auf beiden Seiten.
In Wien verhandeln wir zusammen mit unseren Verbündeten über eine Verringerung
t
der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Im Abrüstungsausschuß, dem vierzig Staaten angehören, erstreben die Vereinigten
Staaten ein umfassendes Verbot aller chemischen Waffen.
Seit den

j

r

�Seit den ersten Tagen meiner Administration arbeiten wir an unserer Haltung
hinsichtlich der entscheidenden Fragen der Verhandlungen mit der Sowjetunion über
Rüstungskontrolle bei den strategischen Waffen. Die erforderliche Analyse war
komplex und schwierig. Sie hatte mit Bedacht, mit Sorgfalt und mit Präzision zu
geschehen. Wir haben für diese Verhandlungen eine solide Grundlage geschaffen,
wir konsultieren uns mit der Führung des Kongresses und mit unseren Verbündeten,
und wir sind jetzt bereit, voranzugehen.
Die größte Bedrohung des Friedens durch die Kernwaffen kommt heute von der
zunehmenden Instabilität des nuklearen Gleichgewichts. Dies rührt von dem immer
zerstörerischeren Potential der massiven sowjetischen Aufrüstung bei der
ballistischen Raketenstreitmacht her.
Es ist daher unser Ziel, die Abschreckung zu verstärken und durch bedeutsame
Verringerungen bei den destabilisierendsten Nuklearsystemen, den ballistischen
Raketen - und insbesondere den ballistischen Interkontinentalraketen -, Stabilität
zu erlangen, während gleichzeitig eine nukleare Kapazität beibehalten wird, die
ausreicht, um vor einem Konflikt abzuschrecken, unsere nationale Sicherheit zu
gewährleisten und unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten und Freunden nachzukommen.
Was die nächste Zukunft anbelangt, so werde ich unsere Vertreter bei den
START-Verhandlungen anweisen, ihren sowjetischen Verhandlungspartnern einen
praktischen, schrittweisen Verminderungsplan vorzuschlagen. Unsere Anstrengungen
werden sich darauf konzentrieren, die destabilisierendsten Systeme - die ballistischen Raketen -, die Anzahl der Gefechtsköpfe, die sie tragen, sowie ihr Gesamtzerstörungspotential beträchtlich zu verringern.
Ich hoffe, daß am Ende der ersten Phase der START-Verhandlungen die Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen - der schwerwiegendsten Bedrohung, vor der wir
stehen - auf einen gleichen Stand - mindestens auf ein Drittel unter dem derzeitigen Stand - vermindert werden. Um die Stabilität zu steigern, wäre mein
Vorschlag, daß nicht mehr als die Hälfte dieser Gefechtsköpfe landgestützt ist.

- 11 -

�landgestützt ist. Ich hoffe, daß diese Verminderung der Gefechtsköpfe sowie
beträchtliche Verminderungen bei den Raketen selbst so rasch wie möglich erreicht
werden können.
In einer zweiten Phase streben wir eine gleiche Obergrenze auch bei anderen
Elementen unserer strategischen Kernwaffen an, einschließlich einer Begrenzung
der Nutzlast der ballistischen Raketen auf weniger als das derzeitige amerikanische Niveau. In beiden Phasen werden wir auf Verifizierungsverfahren bestehen,
um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten wird.
Die gewaltige Aufgabe des Abbaus und der Umgestaltung unserer strategischen
Streitkräfte zur Erhöhung der Sicherheit wird viele Jahre konzentrierter Anstrengung erfordern. Aber ich bin der Überzeugung, daß es möglich sein wird, das
Kriegsrisiko durch die Beseitigung der Instabilitäten, die derzeit existieren,
und durch den Abbau der nuklearen Bedrohung zu vermindern.
Ich habe an Präsident Breschnew geschrieben und Außenminister Haig ersucht,
sich hinsichtlich der Einladung zu formellen Verhandlungen über den Abbau der
strategischen Waffen - der START-Verhandlungen - zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit der sowjetischen Regierung in Verbindung zu setzen. Wir hoffen, daß die
Verhandlungen Ende Juni beginnen werden.
Wir werden ernsthaft und in gutem Glauben verhandeln und alle Vorschläge der
Sowjetunion sorgfältig abwägen. Wenn sie im gleichen Geist in diese Verhandlungen
eintritt, so bin ich zuversichtlich, daß wir gemeinsam zu einem Abkommen von
dauerndem Wert gelangen werden, das die Anzahl der Kernwaffen vermindern, das
Anwachsen der strategischen Streitkräfte zum Stillstand bringen und den Weg für
noch weitreichendere Schritte in der Zukunft öffnen wird.
Ich hoffe, daß der heutige Beginn für Sie auch den Beginn einer neuen Ära
kennzeichnet - im doppelten Sinn des Wortes einen neuen Start - in Richtung auf
eine friedlichere und sicherere Welt.
Schließlich schlage
- 12 -

�Schließlich schlage ich als letzten und als zuverlässigsten Punkt für die
Ost-West-Beziehungen den Dialog vor. Ich habe stets daran geglaubt, daß Probleme
dann gelöst werden können, wenn Menschen miteinander reden anstatt übereinander.
Ich habe bereits meinen eigenen Wunsch zum Ausdruck gebracht, mich nächsten Monat
in New York mit Präsident

Breschnew zu treffen. Wenn dies nicht möglich ist, so

hoffe ich, daß ein anderes Treffen vereinbart werden kann, von dem positive Ergebnisse zu erwarten sind. Und wenn wir uns zusammensetzen, werde ich Präsident
Breschnew sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ein neues gegenseitiges
Verständnis zu schaffen, das sich auf den Prinzipien gründet, die ich heute dargelegt habe. Ich werde ihm sagen, daß seine Regierung und sein Volk von den Vereinigten Staaten nichts zu fürchten haben. Die freien Nationen, die friedlich in
der Völkergemeinschaft.leben, können die Tatsache bestätigen, daß wir nur Harmonie
suchen. Und ich werde Präsident

Breschnew fragen, warum unsere beiden Nationen

nicht beiderseitige Zurückhaltung üben können. Warum können unsere Völker sich
nicht der Vorteile erfreuen, die sich aus echter Zusammenarbeit ergeben würden?
Warum können wir nicht die Anzahl dieser schrecklichen Waffen vermindern?
Vielleicht sollte ich mit ihm auch über diese Schule und die jungen Graduierten
sprechen, die sie heute verlassen - über Ihre Hoffnungen für die Zukunft, Ihre
tiefe Sehnsucht nach Frieden und doch Ihre entschlossene Verpflichtung zur Verteidigung Ihrer Werte, sollten sie bedroht sein. Vielleicht würde er Amerika
besser verstehen, wenn er eines Tages einer Feier wie dieser hier beiwohnen
könnte. In dem einzigen System, das er kennt, wären Sie hier aufgrund einer Entscheidung der Regierung, und an diesem Tag wäre die Regierung hier vertreten, um
vielen von Ihnen zu sagen, wo Sie nach Ihrem Abschluß zu arbeiten hätten.
Aber wenn wir zu den Gesprächen nach Europa gehen und uns den bedeutenden
Herausforderungen stellen, vor denen dieses Land steht, dann sollen Sie wissen,
daß ich an Sie denke, an Eureka und daran, was Sie repräsentieren. Ich erinnere
mich, in einem meiner Jahrbücher gelesen zu haben, daß "es die Aufgabe der Prärie
ist, Boden für das Wachsen einer starken westlichen Kultur zu sein." Ich glaube,
daß Eureka diese Arbeit tut. Sie, die Angehörigen der Abschlußklasse von 1982,
sind die Ernte dieses Jahres.
Eureka ist
- 13 -

�Eureka ist eine Institution, und Sie als einzelne halten das Beste der
Ideale des westlichen Menschen hoch. Als Fellow Graduate und als Träger meines
Amtes werde ich alles tun, um dieselben Ideale hochzuhalten.
+++++

- 14 -

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Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Mai 1982

19

STOESSEL: GEWALTIGER GEGENSATZ ZWISCHEN WORTEN UND TATEN DER SOWJETUNION
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem
World Affairs Council -

ASILOMAR, KALIFORNIEN - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Walter Stoessel erklärte am 2. Mai 1982 in Asilomar in Kalifornien
in einer Rede vor dem "World Affairs Council", der "gewaltige Gegensatz" zwischen den friedlichen Absichtserklärungen der Sowjetunion und der Liste ihrer
Taten dürfe nicht außer acht gelassen werden.

Manche seien der Meinung, Frie-

den und Abrüstung könnten durch einseitige Akte der Zurückhaltung erreicht und
"das unverantwortliche Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden
könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden".

Dieses Re-

zept für eine Politik zu übernehmen sei jedoch in höchstem Maß gefährlich,
"gründet es sich doch auf ein fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der
Motive und des tieferen Sinnes der sowjetischen Handlungsweise."
Die Rede Stoessels hat folgenden Wortlaut:
Im Jahr 1982 begehen wir und unsere europäischen Verbündeten den Jahrestag zweier erinnerungswürdiger Ereignisse:

den 35. Jahrestag des Marshai 1-

Planes, der den Weg für die wirtschaftliche Gesundung Europas nach dem Zwei-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�dem Zweiten Weltkrieg ebnete; und den 25. Jahrestag der Römischen Verträge,
durch die die Europäische Gemeinschaft ins Leben gerufen wurde.
Diese Ereignisse bilden zusammen mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im Jahr 1949 handgreifliche Beweise für zwei historische Entwicklungen in diesem Jahrhundert:

die von den Vereinigten Staaten und Europa ge-

troffene Entscheidung, eine kraftvolle und dauerhafte Partnerschaft einzugehen, um Frieden und Wohlergehen zu sichern; und die von den Westeuropäern getroffene Entscheidung, das Trennende der Vergangenheit zu überwinden und sich
gemeinsam der Zukunft zu stellen.
Wenn wir diese Entscheidungen und die daraus folgenden Ereignisse überdenken, so fragen wir uns, wie es um die amerikanisch-europäischen Beziehungen
bestellt ist. Verließe man sich hierbei lediglich auf die Presse, könnte man
den Eindruck gewinnen, daß die Grundlagen der Atlantischen Gemeinschaft zerbröckeln und daß die amerikanisch-westeuropäischen Beziehungen sich im schlechtesten Zustand seit Ende des Zweiten Weltkrieges befinden.
An einem Tag konzentrieren sich die Schlagzeilen auf die Zinsen und auf
die Frage, welcher Weg am ehesten aus der Rezession und der Inflation herausführen könnte, die die Volkswirtschaften aller westlichen Länder erschüttern.
Am nächsten Tag werden auf der ersten Seite die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und den Westeuropäern hinsichtlich Mittelamerikas und hinsichtlich der Strategie in den Mittelpunkt gerückt, mit der dem sowjetischen
und kubanischen Einfluß dort begegnet werden sollte. Dann wieder konzentrieren sich die Medien auf die europäische Friedensbewegung und deren Ablehnung
einer Dislozierung amerikanischer Nuklearsysteme mittlerer Reichweite in Europa oder auf angebliche amerikanisch-europäische Spannungen bei der Frage, wie
auf die Unterdrückung in Polen zu reagieren sei.
Diese und andere Probleme gibt es natürlich, und ich habe die Absicht,
heute einige davon anzusprechen.

In einem Bündnis freier und demokratischer

Staaten sind unterschiedliche Ansichten zu erwarten, ja, sie sind eine Quelle
seiner Stärke und Vitalität.

Dies ist ein großer und guter Unterschied zwischen
- 2 -

�Unterschied zwischen uns und der kommunistischen Welt. Gleichzeitig aber
bin ich der Meinung, daß das Ausmaß dieser Probleme Libertrieben wird und daß
das Atlantische Bündnis immer noch zu allererst durch seine fundamentale Einigkeit gekennzeichnet ist.
Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten teilen wir und unsere europäischen
Verbündeten uns in der gleichen Beurteilung der widrigen Trends im globalen
Mächtegleichgewicht. Wir haben gemeinsam bedeutsame Entscheidungen getroffen,
um die konventionelle und nukleare Verteidigung der NATO zu modernisieren.
Wir arbeiten eng zusammen, um eine politische Lösung der Krise in Afghanistan
zu finden und in Slidwestasien einen neuen Sicherheitsrahmen zu erstellen, der
notwendig ist, um lebenswichtige westliche Interessen zu schützen. Und wir
haben große Fortschritte in Richtung auf eine friedliche Verhandlungslösung
für die miteinander zusammenhängenden Probleme der Freiheit Namibias und des
kubanischen Rückzugs aus Angola gemacht.
Die Beständigkeit und Dauerhaftigkeit des Atlantischen Bündnisses entstammen der Tatsache, daß sich die Grundlagen, auf denen das Bündnis ruht,
noch nicht geändert haben.
- Erstens sind wir, die atlantischen Demokratien, geeint durch gemeinsame
Geschichte, Kultur, Werte und Interessen;
- zweitens bleibt die sowjetische Bedrohung westlicher Werte und westlicher Sicherheit auch weiterhin bestehen; und
- drittens bleibt es auch weiterhin unsere Überzeugung, daß die westeuropäische und die amerikanische Sicherheit unteilbar sind.
Gesundheit und Lebenskraft unseres Bündnisses sind so groß, daß es bei
unseren Argumenten um ganz spezielle Probleme sowie darum geht, dem Bündnis
die bestmögliche Gestalt zu verleihen - und nicht um die Frage, ob es überhaupt ein Bündnis geben sollte.
Diese Grundsätze
- 3 -

�Diese Grundsätze haben in der Vergangenheit dazu gedient, uns zu einen
- und sie werden uns sicherlich auch in der Zukunft einen.

Wir können darauf

vertrauen, daß auch weiterhin unsere gemeinsamen Ideale und Wertvorstellungen
geteilt werden.

Aber wir können genauso sicher sein, daß die sowjetische Her-

ausforderung das zentrale außenpolitische Problem bleiben wird, vor dem wir
stehen.
Die europäisch-amerikanische Partnerschaft ist ein entscheidender Faktor
bei unseren Anstrengungen, vor einer sowjetischen Aggression abzuschrecken
und ein stabileres und konstruktiveres Verhältnis zu Moskau zu schaffen.

Der

Marshäll-Plan und das Nordatlantische Bündnis waren nicht als Mittel entworfen,
Europa zu teilen oder eine Ost-West-Konfrontation zu provozieren, sondern als
Instrumente zur Stärkung des Friedens auf diesem Kontinent.
Der Frieden wurde bewahrt.

Aber zu unserem Bedauern hat die Suche nach

Stabilität und größerer Zusammenarbeit zwischen Ost und West nur wenig dauerhaften Erfolg gebracht.

Ja, gerade im vergangenen Jahrzehnt waren die Ent-

täuschungen am größten.

Zum Teil sind sie Ausfluß der Hoffnungen, die wir heg-

ten.

Zum größten Teil aber sind sie Produkte sowjetischer Politik.
Trotz westlicher Zurückhaltung hat die Sowjetunion in diesem vergangenen

Jahrzehnt ihre konventionellen und nuklearen Streitkräfte in einer noch nie
dagewesenen Weise aufgerüstet - auf ein Niveau, das bei weitem die legitimen
Verteidigungserfordernisse übersteigt.

Die erschreckendste Manifestation die-

ser Aufrüstung sind die SS-20-Raketen mittlerer Reichweite.
Die Sowjets haben mehr als 300 SS-20 disloziert, wobei jede mit drei höchst
treffgenauen Gefechtsköpfen bestückt ist, obgleich die NATO schon seit langem
von einer Dislozierung gleichartiger Raketen absieht.

Durch seine Bedrohung

Westeuropas mit diesen neuen und besseren Raketen bedroht Moskau zugleich auch
das militärische Gleichgewicht auf dem Kontinent und schwächt die Glaubwürdigkeit der Abschreckung des Bündnisses vor einem sowjetischen Angriff.
In gleichem
•

�In gleichem Maße beunruhigend ist die Tatsache, daß Moskau mit zunehmender militärischer Macht der Sowjetunion auch immer mehr Bereitschaft zeigt,
Gewalt - sei es direkt, sei es durch Stellvertreter - anzuwenden, um Instabilitäten in der Entwicklungswelt auszunützen und regionale Entwicklungen in eine
Richtung zu lenken, die für die westlichen Interessen schädlich ist.
Die Liste sowjetischer und von der Sowjetunion unterstützter Interventionen ist lang und wohlbekannt: Angola, Äthiopien, Kampuchea, Afghanistan
und nunmehr Mittelamerika.

Näher an ihren eigenen Grenzen führten die Sowjets

- in Mißachtung ihrer Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki - die
Verhängung des Kriegsrechts in Polen herbei und bewiesen damit erneut ihre
Vorliebe für die Anwendung von Gewalt, anstatt den Völkern zu erlauben, ihre
eigene Zukunft ohne Einmischung von außen zu gestalten.
Wenn wir und die Europäer uns daher mit dem Problem beschäftigen, uns
der sowjetischen Herausforderung zu stellen, dürfen wir den gewaltigen Gegensatz zwischen Moskaus friedlichen Absichtserklärungen und der Liste der sowjetischen Taten nicht außer acht lassen. Es gibt sowohl in Westeuropa als auch
in den Vereinigten Staaten Menschen, deren Argument lautet, man brauche sich
nicht um diese sowjetischen Taten zu sorgen, Frieden und Abrüstung könnten
durch einseitige Schritte der Zurückhaltung erreicht werden, ein Gleichgewicht
militärischer Macht sei nicht länger lebenswichtig und das unverantwortliche
Verhalten der Sowjetunion in instabilen Weltgegenden könne im Verfolg der Entspannung ohne Schaden ignoriert werden.

Dieses Rezept für eine Politik zu

übernehmen wäre jedoch in höchstem Maß gefährlich, gründet es sich doch auf ein
fundamentales Mißverständnis hinsichtlich der Motive und des tieferen Sinnes
der sowjetischen Handlungsweise.
Die Regierungen im Bündnis erkennen diese Gefahr und teilen unsere Besorgnis hinsichtlich der Notwendigkeit einer Stärkung der westlichen Verteidigung.
Wir mögen unsere Meinungsverschiedenheiten bei bestimmten Aspekten der Nachrüstungsanstrengung haben. Aber im wesentlichen haben wir' unsere Fähigkeit
zur Zusammenarbeit bei der Stärkung unserer Verteidigung und bei der Erarbeitung der Grundlagen für ernsthafte RüstungskontrollVerhandlungen mit den Sowjets
- 5 -

�den Sowjets unter Beweis gestellt.
Mit Annahme des historischen Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 über
die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Systeme) haben die Mitglieder der
NATO ihre Stärke und Entschlossenheit bewiesen, mit der Dislozierung amerikanischer Marschflugkörper und PERSHING II-Raketen voranzugehen, während gleichzeitig der Versuch unternommen wird, durch Verhandlungen die Bedrohung zu beseitigen, die die vergleichbaren sowjetischen Systeme darstellen.

Der NATO-

Beschluß des Jahres 1979 spiegelt die seitens der Bündnisregierungen geteilte Ansicht wider, daß die Dislozierung der SS-20 durch die Sowjetunion das
militärische Gleichgewicht in Europa qualitativ verändert hat.
Es ist kein Geheimnis, daß die von uns geplante Raketendislozierung in
einigen europäischen Ländern ihre Kritiker hat. Die Sowjets setzen derzeit
auf die Möglichkeit, daß der NATO-Doppelbeschluß unter dem Druck des organisierten Protestes zerbrechen wird.

Aus diesem Grund haben sie sowohl in der

Öffentlichkeit als auch bei den Genfer Verhandlungen ganz offenkundig einseitige Vorschläge vorgelegt.
meinsame Zielsetzung:

Diese sowjetischen Vorschläge haben alle eine ge-

Sie sollen die Dislozierungen der NATO blockieren und

gleichzeitig den ungehinderten Fortgang des sowjetischen Modernisierungsprogramms ermöglichen.
Ich bin sicher, daß die Regierungen
pflichtung stehen

des Bündnisses fest zu ihrer Ver-

und daß die Sowjets zu der Einsicht gelangen werden, daß

bei den Genfer Gesprächen ernsthafte Verhandlungen nötig sind. Wir freuen uns,
daß die Sozialdemokratische Partei der Bundesrepublik Deutschland auf ihrem
jüngsten Parteitag in München erneut ihre Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß bekräftigt hat.
Die Grundlage für echte Verminderungen bei den Nuklearen Mittel Streckensystemen wurde durch Präsident Reagan geschaffen.

In seiner Rede vom 18. No-

vember machte der Präsident seine Bereitschaft deutlich, die gesamten INFDislozierungen der Vereinigten Staaten aufzuheben, wenn die Sowjets sich bereit erklären, ihre eigenen landgestützten Raketen mittlerer Reichweite abzu- 6 -

�Reichweite abzubauen.

Im Gegensatz zu den sowjetischen Vorschlägen ist die

Null-Lösung ein ernsthaftes und ausgewogenes Angebot, das jene Systeme beseitigen würde, die die beiden Seiten für am bedrohlichsten halten.

Es wurde in

enger Konsultation mit den Verbündeten entworfen und hat ihre volle Unterstützung.
Die Kontroverse über die INF-Systeme war ein Faktor für die Belebung
einer neuen Debatte sowohl hier als auch in Europa über die Rolle der Kernwaffen bei der Verteidigung der NATO.

Unter

Aufwerfung der Frage der weite-

ren Lebensfähigkeit der gültigen Doktrin der nuklearen Abschreckung und der
"flexiblen Antwort"

fordern vier hochstehende frühere amerikanische Regie-

rungsvertreter, die Vereinigten Staaten sollten eine Politik übernehmen, die
keinen Ersteinsatz von Kernwaffen in Europa vorsieht - mit dem Argument, daß
in einer Zeit der nuklearen Parität die Drohung mit einem nuklearen Ersteinsatz eine leere Drohung sei.
Wie gut auch immer gemeint, sind diese Empfehlungen ein Rezept für größere Instabilität und Unsicherheit - nichts anderes.

Der beste Grund, bei

der jetzigen Strategie der NATO zu bleiben, liegt in der Tatsache, daß sie
funktioniert.

Schrecklich wie der Einsatz von Kernwaffen auch wäre:

Die

nukleare Abschreckung und die flexible Antwort haben 37 Jahre lang erfolgreich
den Frieden bewahrt, indem sie sichergestellt haben, daß das Risiko, das mit
einem Krieg verbunden ist, die potentiellen Vorteile einer Aggression aufwiegt.
Es ist gerade die Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten auf einen konventionellen Angriff der Sowjetunion mit Kernwaffen reagieren könnten, wodurch sichergestellt wird, daß die Sowjets nicht angreifen und daß sie keine
politische Hebelwirkung aus ihrer massiven Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften erlangen können.

Ein Verzicht auf die Option eines atomaren

Ersteinsatzes würde trotz seiner oberflächlichen Attraktivität die Kriegsgef a h r in Europa erhöhen, während er gleichzeitig dazu dienen würde, den amerikanischen Nuklearschirm von der Verteidigung Europas wegzunehmen.
Dies besagt
- 7 -

�Dies besagt nicht, daß Kernwaffen die erste Verteidigungslinie der NATO
sein sollten, daß eine Entscheidung zu ihrem Einsatz irgendwie als automatisch
angesehen werden sollte oder daß wir unsere Strategie auf die zweifelhafte Annahme gründen sollten, daß ein Atomkrieg in Europa begrenzt sein könnte. Ja,
es ist eine der wichtigsten Aufgaben der NATO in den achtziger Jahren, die Kapazität des Bündnisses zu stärken, einen sowjetischen Angriff mit konventionellen Streitkräften zurückzuweisen und dadurch die Nuklearschwelle höher zu
setzen.
Unglücklicherweise sind viele von denjenigen, die sich so ungestüm gegen
eine Modernisierung der Nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO wenden, aber
auch nicht geneigt, die notwendigen Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten zu unterstützen - was ihre antinukleare Einstellung eigentlich nahelegen sollte, wenn sie es mit der Verteidigung überhaupt ernst meinen.

Die

NATO-Regierungen müssen eine konzertiertere Anstrengung unternehmen, um die
dringend benötigten Verteidigungsverbesserungen durchzuführen, die das Bündnis
aufgezeigt hat. Eine vermehrte Anstrengung - nicht aber ein Wandel bei der
erprobten Doktrin, die sich als richtig erwiesen hat - ist der Weg, um zu einer
glaubwürdigeren Abschreckung zu gelangen.
Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht den Beitrag unterschätzen, den
unsere Verbündeten zur Verteidigung der NATO beitragen. Einige Amerikaner, die
durch das frustriert sind, was sie als ein europäisches Zögern zur Übernahme
eines größeren Anteils der konventionellen Verteidigungslasten ansehen, haben
sich sogar für einen Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa und für eine
Haltung des Alles-oder-Nichts gegenüber den Verbündeten stark gemacht.
Wie Außenminister Haig festgestellt hat, sollten wir nicht vergessen,
daß unsere NATO-Verbündeten - wenn man das Jahrzehnt der siebziger Jahre als
Ganzes nimmt - ihre Verteidigungsausgaben wesentlich verstärkt haben, während
die amerikanischen Verteidigungsanstrengungen eingeschränkt wurden. Wir sollten auch nicht die Tatsache übersehen, daß die europäischen Mitglieder der
NATO einen höheren Prozentsatz der Luft-, Boden- und Seestreitkräfte stellen,
die die konventionelle Abschreckung der NATO bilden.
- 8 -

Es ist also unfair, mit

�unfair, mit unseren Verbündeten zu hart ins Gericht zu gehen.
Insgesamt haben wir und unsere Verbündeten ein eindrucksvolles Maß an
Einheit im Hinblick auf die Verteidigungs- und Rüstungskontrollpolitik an den
Tag gelegt.
Wenn man sich dem Gebiet der amerikanisch-westeuropäischen Wirtschaftsbeziehung zuwendet, dann ist die Situation zugegebenermaßen komplizierter.
Die Europäische Gemeinschaft, deren 25. Geburtstag wir in diesem Jahr begehen, hat einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt geleistet.
Dies war und bleibt für den Westen als Gesamtheit von Nutzen:

Die Ge-

meinschaft steht nur hinter Kanada als Handelspartner der Vereinigten Staaten zurück, und die Handelsbilanz war kontinuierlich zu unseren Gunsten.
Aber dies hat auch zu schwierigen Herausforderungen auf dem Gebiet der internationalen Handelspolitik geführt.

Das hervorstechendste Problem für die

Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Handel zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft liegt auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Als Ergebnis

der protektionistischen Politik der Gemeinschaft und der internen Subventionen wurden unsere Märkte in Europa in immer stärkerem Maße eingeengt, und
unsere internationalen Märkte sind derzeit durch die subventionierten europäischen Exporte bedroht.

Es sind immer zwei nötig, um einen Handelskonflikt

zu verhüten, und wir sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen; zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es an den Europäern, etwas zu unternehmen.
Die Westeuropäer und wir haben ebenfalls unterschiedliche Ansichten in
bezug auf die Aspekte der Ost-West-Handelspolitik. Unsere Administration hat
den Westeuropäern unsere ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Erdgasleitung
deutlich gemacht, die zwischen Sibirien und Westeuropa gebaut werden soll. Zu
unserem Bedauern sind die Westeuropäer weiter entschlossen, mit diesem Röhrenprojekt voranzugehen.
Im Zuge der Ereignisse in Polen sind wir stärker denn je zu der Ansicht
gelangt, daß die Praxis, steuerlich subventionierte Exportkredite an die
- 9f -

�an die Sowjetunion zu vergeben, überprüft werden muß. Während die Vereinigten Staaten den Sowjets keine subventionierten Kredite gewähren, wetteifern
gegenwärtig andere westliche Staaten miteinander, solche Kredite anzubieten
- mit dem Ergebnis, daß Moskau in der Lage ist, westliche Güter und westliche Technologie zu importieren und dafür mit westlichem Finanzkapital zu
bezahlen. Wir sind ebenfalls besorgt darüber, daß Regierungen an Moskau bei
Warenkrediten Bürgschaften gewähren. Angesichts der prekären Position des
Ostblocks im Hinblick auf harte Währungen, dienen solche Bürgschaften nur
dazu, unvorsichtige Kredite seitens privater Banken zu ermutigen.
Ein weiteres wichtiges Gebiet im Rahmen der Ost-West-Handelspolitik, bei
dem diese Administration der Ansicht ist, daß eine engere Koordination zwischen
den Verbündeten notwendig ist, ist das der Kontrollen des Technologietransfers.
Wir machen uns Sorgen darüber, daß die Expansion des Ost-West-Handels in den
siebziger Jahren zu einem Transfer moderner Technologie in die Sowjetunion
führte, der direkt die militärische Kapazität der Sowjets förderte.
Im Juni vergangenen Jkhres erreichte Präsident Reagan auf der Gipfelkonferenz in Ottawa die Zusicherung seitens der westlichen Staatsmänner, eine
Verstärkung der westlichen multilateralen Kontrollen hinsichtlich des Technologieflusses in den Sowjetblock zu erreichen. Als Folge davon wurde im Januar
in Paris eine Konferenz auf hoher Ebene abgehalten, und die Aussichten für
schärfere Exportkontrollen sind gut.
Unsere Besorgnisse bezüglich der Erdgasleitung, der offiziellen Bürgschaften und des Technologietransfers bedeuten nicht, daß wir für eine Strategie der wirtschaftlichen Kriegführung mit der Sowjetunion eintreten, sondern sie
reflektieren vielmehr die Notwendigkeit für ein umsichtiges und vorsichtiges
Unterhalten der wirtschaftlichen Beziehungen des Westens mit Moskau. Wenn wir
unterschiedliche Ansichten mit unseren Verbündeten hatten, dann bezogen sich
diese nicht auf grundlegende Ziele, sondern sie betrafen die Frage, wie unsere
gemeinsamen Ziele am besten erreicht werden könnten.
Ich werde
- 10 -

�Ich werde in der nächsten Woche nach Europa reisen, um an der Konferenz
der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) teilzunehmen. Auf diesem Treffen werden wir diese und andere Wirtschaftsfragen zwischen Ost und West erörtern, wie auch Probleme der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Industrienationen

und den Entwicklungslän-

dern.
Im Verlaufe der Jahre war eine der Stärken des Bündnisses unsere Fähigkeit, ein gemeinsames und für alle nützliches Vorgehen im Hinblick auf die
meisten politischen wie wirtschaftlichen Fragen aufgrund von Konsultationen
zu entwickeln. Die Probleme, die wir in den achtziger Jahren im Hinblick auf
die Sicherheitspolitik, den Ost-West-Handel und die wirtschaftliche Entwicklung der Dritten Welt anpacken müssen, werden eine noch größere Herausforderung darstellen. Es ist daher also nicht überraschend, daß die Frage, wie
man die Konsultation und Koordination den westlichen Regierungen fördern kann,
jetzt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit auf hoher Ebene steht.
Bundesaußenminister Genscher und der italienische Außenminister Colombo
haben kürzlich die Schaffung neuer Mechanismen und Methoden gefordert, um
die Politik innerhalb der NATO und der Europäischen Gemeinschaft zu koordinieren.

Die amerikanische Regierung begrüßt natürlich die Möglichkeit der

Stärkung dieser Institutionen, die uns in den Jahren nach dem Krieg so gute
Dienste geleistet haben.

Die Konsultationen mit der NATO sowie zwischen den

Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft haben für uns eine Struktur für die anhaltende Erörterung einer Vielfalt von politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen geschaffen.

Die wirtschafts-poli-

tischen Gipfelkonferenzen, die 1975 begannen, boten ein zusätzliches Forum,
auf dem man die in zunehmendem Maße komplizierter werdenden Probleme der Handels- und Währungspolitik anpacken konnte. Wir begrüßen die Vorschläge für
einen noch größeren Dialog zwischen den NATO-Verbündeten und zwischen den
Industriedemokratien der Welt.
Es wird im nächsten Monat eine Anzahl wichtiger Gelegenheiten für einen
intensivierten amerikanisch-europäischen Dialog geben.
- 11 -

Im Juni wird der Prä-

�der Präsident an zwei bedeutenden Gipfeltreffen teilnehmen und sich bilateral
mit verschiedenen unserer engsten Verbündeten beraten:
- in Versailles werden die Vereinigten Staaten mit Frankreich, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Kanada, Japan sowie
Vertretern der Europäischen Gemeinschaft zusammentreffen, um wichtige Wirtschaftsfragen zu erörtern, denen sich die Industriedemokratien gegenübersehen.

Sie werden sich um einen größeren Konsens und eine gemeinsame Beurteilung

von Fragen bemühen, die für das wirtschaftliche Wachstum und das Wohlergehen
des Westens, für den Ost-West-Handel und das internationale Handelssystem
von entscheidender Bedeutung sind.
- In Bonn werden die NATO-Verbündeten auf einem Gipfeltreffen zusammenkommen, um die westliche Partnerschaft und die Richtung zu überprüfen, in der
man in den kommenden Jahren vorangehen sollte. Hier werden wir und die anderen Verbündeten vor allem an die Gebote des Friedens und der Sicherheit denken.' » und damit an ein verantwortungsvolles Verhalten der Sowjetunion und eine
starke westliche Verteidigung, auf die sich sowohl die Sicherheit als auch
der Fortschritt in der Rüstungskontrolle stützen muß.

Ich brauche in dieser

Hinsicht wohl nicht zu unterstreichen, wie sehr Präsident Reagan sich dem
Ziel wesentlicher Reduzierungen bei den Kernwaffen verpflichtet hat.

Ich

rechne damit, daß der Präsident auf dem NATO-Gipfel mit den Verbündeten über
unsere Pläne für die Gespräche über eine Reduzierung der strategischen Rüstungen (START) sprechen wird, die wahrscheinlich in diesem Sommer beginnen werden.
Ich habe Ihnen nur einen teilweisen Überblick über unsere Beziehungen zu
Westeuropa gegeben. Aber ich hoffe, ich habe erfolgreich deutlich gemacht,
daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa im Grunde
gesund sind.

Die Beziehungen zwischen souveränen Demokratien wären nicht ge-

sund, wenn sie nicht durch einen kräftigen Prozeß der Diskussion gekennzeichnet wären, einen Austausch von Meinungen, wenn es Unterschiede gibt.und einen
entscheidend wichtigen Prozeß der Schaffung eines Konsens über grundlegende
Fragen.
Darüber hinaus
- 12 -

�Darüber hinaus wird eine neue Nachkriegsgeneration die Führung der westlichen Nationen in dem vor uns liegenden Jahrzehnt übernehmen.

Es ist umso

wichtiger, daß der politische und wissenschaftliche Austausch zwischen den
Verbündeten intensiviert wird, damit das gegenseitige Verständnis, das die
Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa charakterisiert, auch in Zukunft
aufrechterhalten oder»besser noch»vertieft werden kann.
Es gibt in der Tat zwischen den Verbündeten Spannungen hinsichtlich
einer Reihe von Problemen, die die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten,
unterschiedliche innenpolitische Wirtschaftsprioritäten und Strategien sowie verschiedene Perspektiven in bezug auf die besten Möglichkeiten reflektieren, um dem unverantwortlichen internationalen Verhalten der Sowjets entgegenzutreten.
Aber die Welt hat sich seit der Nachkriegsperiode drastisch verändert,
als wir und die Verbündeten beschlossen, mit Hilfe des Marshall-Planes und
in der Folge durch die NATO unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Darüber

hinaus sind, wie Außenminister Haig in der letzten Woche erklärte, Argumente
die zweite Natur für jedes große Bündnis souveräner Staaten.

Das Bündnis

ist aus früheren Herausforderungen geeint hervorgegangen, und ich bin zuversichtlich, daß unsere Partnerschaft auch im kommenden Jahrzehnt gesund bleiben wird.

+ + + + +

- 13 -

�19

12. Mai 1982

REAGANS ABRÜSTUNGSPLAN: EIN NEUER APPELL ZUR VERBESSERUNG
DES OST-WEST-VERHÄLTNISSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner Rede vor dem EurekaCollege am 9. Mai 1982 Vorschläge für eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearraketen unterbreitet.

Diese gefährlichsten Waffen der Welt

sollen so rasch wie möglich um mindestens ein Drittel reduziert werden. Und
er hofft, daß die Sowjetunion bis Ende Juni in die START-Verhandlungen
(Strategie Arms Reduction Talks = Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen) eintreten wird.
Die Vorschläge Reagans sind das Ergebnis langer, eingehender Analysen
und Untersuchungen seiner Administration.

Reagan war gegen den SALT II-Ver-

trag, den die Vereinigten Staaten nicht ratifiziert haben, da er nach Auffassung weiter Kreise in den USA Moskau begünstigte. Präsident Reagan strebt Abkommen an, die verifizierbar, gerecht und militärisch bedeutsam sind. Und
damit rücken die Raketen in den Mittelpunkt.
Amerikanische Experten betrachten sie als die größte nukleare Gefahr für
den Frieden.

Vor allem stellen sie fest, daß die zahlreichen schweren land-

gestützten sowjetischen Raketen, die mit Mehrfachgefechts köpfen bestückt sind,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�bestückt sind, heute sehr viel treffsicherer sind als die früheren Waffen.
Das bedeutet, daß man sich vorstellen kann, daß diese Raketen benutzt
werden könnten, um mit einem Überraschungsangriff die landgestützten Raketen
Amerikas auszuschalten.

Diese Möglichkeit allein ist schon gefährlich:

Sie

läßt Entscheidungen über Verteidigung und Vergeltung erwarten, die in Minuten getroffen werden müßten.

Die landgestützten Raketen Amerikas stellen

nicht die gleiche Bedrohung der Sowjetunion dar, da sie kleiner sind und weniger Gefechtsköpfe tragen.

Und es ist diese Ungleichheit und die damit ver-

bundene Instabilität, die Reagan korrigieren möchte.
Sein Plan sieht in einer ersten Phase eine Verringerung der Gefechtsköpfe um mindestens ein Drittel vor', wobei beide Seiten auf die gleiche Zahl
begrenzt sein sollen und von den verbleibenden Gefechts köpfen nicht mehr als
die Hälfte landgestützt sein dürfen.

In einer zweiten Phase sollen andere

Elemente der strategischen Nuklearstreitkräfte in gleicher Weise begrenzt werden, wie etwa die Nutzlast von Raketen.
All das bedeutet eine wesentliche Änderung der Rüstungskontrollmethoden
- da die Vereinigten Staaten jetzt mehr anstreben als nur eine einfache Begrenzung der Zahl der Raketen und Bomber - wie in den bisherigen Verträgen.
Ein ganz wesentlicher Aspekt der Verhandlungen wird die Verifizierung sein.
Nach Reagans Oberzeugung haben das sowjetische Volk und die Führung der
Sowjetunion mit ihren Erinnerungen an die Zerstörungen des letzten Krieges
ein primäres Interesse an der Verhütung des Einsatzes von Kernwaffen. Die
Vereinigten Staaten werden auf jeden Fall in gutem Glauben verhandeln und
jeden sowjetischen Vorschlag sorgfältig prüfen. Wenn Moskau im gleichen Geiste
an den Verhandlungstisch kommt, dann besteht eine gute Chance, daß die Waffen
weniger werden und dem Wettrüsten auf Dauer Einhalt geboten wird. Das wird
auch den Weg für bessere Beziehungen in der Zukunft ebnen.
Die Rede

�Die Rede Reagans ist nicht nur wegen ihrer Abrüstungsaspekte wichtig,
sondern auch deshalb, weil sie einen neuen Weg zur Verbesserung der Ost-WestBeziehungen aufzeigt.
An die Adresse Moskaus wie auch der westlichen Verbündeten hat Reagan
einen Fünfpunkte-Vorschlag für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West gerichtet.
Es kann keine Illusionen geben, daß es nicht leicht sein wird, mit
Moskau ins reine zu kommen.

Die anhaltende Aufrüstung der Sowjets, Moskaus

fester Griff in Osteuropa, die Besetzung Afghanistans und das Abenteurertum
der Stellvertreter in Südostasien, Afrika und Mittelamerika lassen keinen
übermäßigen Optimismus zu.
Aber wenn der Westen einig und stark bleibt gegenüber dem aggressiven
Verhalten der Sowjets und auf der anderen Seite der Sowjetunion eine Erweiterung des Handels und andere Formen der Zusammenarbeit anbietet, dann könnte
sich das für alle Beteiligten als vorteilhaft erweisen.
dend ankommt, ist das sowjetische Verhalten.

Worauf es entschei-

Das wird Reagan den Staats- und

Regierungschefs in Europa sagen, wenn er im Juni mit ihnen zusammentrifft.
An der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung kann kein Zweifel bestehen,
und man sollte der Sowjetunion auch keinen leichten Ausweg aus ihren selbst
verschuldeten wirtschaftlichen Schwierigkeiten bieten. Absolut wesentlich
ist ein militärisches Gleichgewicht zwischen Ost und West, und die Vereinigten
Staaten und ihre europäischen Verbündeten müssen weiterhin der sowjetischen
Aufrüstung eigene Verteidigungsausgaben entgegensetzen.

Die westlichen Verbün-

deten müssen sich über die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Sicherheit einig
sein.

Moskau darf keinen Zugang zur westlichen Militärtechnologie gewinnen,

und seine Wirtschaft sollte nicht unbesehen subventioniert werden.
Das Ziel muß jetzt für alle die regionale Stabilität mit friedlichem
Wandel sein. Moskau versucht, seinen destabilisierenden Einfluß in der Dritten

�der Dritten Welt mehr und mehr geltend zu machen. Der Westen muß friedliche wirtschaftliche Entwicklungsprogramme entgegensetzen.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, die Selbstbestimmung Afghanistans zu unterstützen und
wirtschaftliche Hilfe für Polen zu leisten, wenn die Sowjetunion die notwendigen ersten Schritte tut - Truppenabzug aus Afghanistan und Aufhebung des
Kriegsrechts in Polen.
All diese Dinge werden näher rücken, wenn im Juni Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen in gutem Glauben beginnen können.
Die Schwierigkeiten werden natürlich am besten durch den Dialog überwunden - wie Reagan es vorgeschlagen hat. Präsident Reagan ist bereit, mit
dem sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnew zusammenzutreffen.
Die Beziehungen zwischen Ost und West sind in eine außerordentlich wichtige Phase getreten.

Ein auf Treu und Glauben und Zusammenarbeit gegründetes

Verhältnis zwischen Ost und West ist heute notwendiger denn je.

Der Ab-

rüstungsplan Reagans, der einen Weg aufzeigt, liegt auf dem Tisch.

+ + + ++

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Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

12. Mai 1982

WEIDENBAUM: DOPPELZIEL DER BEKÄMPFUNG VON INFLATION UND
ARBEITSLOSIGKEIT ERREICHBAR
Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates
des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Die meisten Mitgliedstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verfolgen weitgehend
die gleichen Wertvorstellungen und Zielsetzungen, erklärte Murray Weidenbaum,
der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, in
einem Interview mit dem USICA-Korrespondenten Jon Schaffer. Er hob hervor,
daß er das Doppelziel der Bekämpfung der Inflation und der Stimulierung des
wirtschaftlichen Wachstums für durchaus erreichbar halte - nicht nur in den
Vereinigten Staaten, sondern auch in den OECD-Ländern.
Weidenbaum, der in diesen Tagen aus Paris zurückgekehrt ist, wo er den
Vorsitz im Wirtschaftspolitiken Ausschuß der OECD innehatte, vertrat in dem
Interview auch noch die folgenden Thesen:
- Die hohen

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Telex: 08-85432

�- Die hohen amerikaniseben-Zi-nssätEe-sifld nicht die primäre-Ursache für
die Schwäche anderer ausländischer Währungen.
- Wechselkursinterventionen sind, außer in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen, ein kostspieliges und unproduktives Unterfangen.
- Die OECD kann ein nützliches Forum zur Förderung der Liberalisierung
des Handels sein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie im Hinblick auf die OECD-Ministertagung und den

Siebener-Gipfel von Versailles und in Erwartung der in einigen Monaten vorgeschlagenen Ministerratstagung des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) das Gefühl, daß die Industriestaaten der OECD im gegenwärtigen Augenblick die richtige Politik betreiben?
ANTWORT:

Es fällt mir schwer, zu verallgemeinern; nach meinem Dafür-

halten, der ich eben erst von der Tagung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD zurückgekommen bin, auf der ich den Vorsitz führte, teilen sich
aber die meisten unserer OECD-Partner in die Wertvorstellungen und Zielsett

zungen, die auch wir in den Vereinigten Staaten verfolgen:

Die schleichende

Inflation erheblich zu vermindern, die unsere Volkswirtschaften heimsucht und zwar auf eine Art und Weise zu vermindern, die ein Umfeld schaffen hilft,
das ein beträchtliches langfristiges Wirtschaftswachstum begünstigt. Es
ist, offen gesagt, schwierig, eine Politik zu betreiben, die dieses zwiefache
Ziel zu verwirklichen sucht, statt sich einfach dazu zu entschließen, entweder die Inflation oder die Arbeitslosigkeit

zu bekämpfen und das jeweils an-

dere Ziel einfach zu ignorieren.
FRAGE:

Lassen Sie mich spezifischer werden:

Es gibt Kreise, die argu-

mentieren, die Japaner sollten beispielsweise ihre Steuer- und Haushaltspolitik lockern, ihre Geldpolitik aber stärker anspannen. Was haben Sie darauf zu
erwidern?
ANTWORT:
. 2 -

Ob

�ANTWORT:

Ob es sich um die in Mißkredit geratene Lokomotiven-Theorie

oder eine Neuauflage der Anweisungen zur Feineinstimmung der Volkswirtschaften handelt - meine Reaktion darauf ist, offen gesagt, sehr negativ.
Grund

Im

genommen ist, so meine ich, der Weltwirtschaft und den an der Welt-

wirtschaft teilnehmenden Ländern besser gedient, wenn jedes von ihnen die
Art von Politik betreibt, von der ich schon gesprochen habe: Statt bewußt
einen inflationären Kurs - das schon gar nicht - oder auch einen deflationären Kurs zu steuern, sollte man eher eine langfristige Politik einleiten.
Eine gesunde Weltwirtschaft ist die Summe aus gesunden einzelnen Volkswirtschaften.
FRAGE: Was halten Sie von der Vorstellung einiger unserer europäischen
Verbündeten, jedes Land könne eine Politik betreiben, die seiner eigenen Volkswirtschaft gemäß ist,und dennoch zu weltweitem wirtschaftlichen Wachstum und
Desinflationierung beitragen?
ANTWORT: Meiner Auffassung nach werden sich die einzelnen Länder wahrscheinlich differenzierterer Methoden bedienen, schon weil sie diesen beiden
politischen Schlüsselzielrichtungen (Inflation und Arbeitslosigkeit) unterschiedliches Gewicht beimessen und auch weil sie unterschiedlichen institutionellen Zwängen unterliegen.
Bedingungen.

Sie handeln unter unterschiedlichen politischen

Ich sehe es aber nicht für besonders sinnvoll an, eine spezi-

fische differenzierende Haltung zu fordern.
FRAGE: Läßt sich eine Wirtschaftspolitik verfolgen, die kurzfristig
ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum hervorruft, ohne der Inflation neue
Nahrung zu geben?
ANTWORT:

Wir haben sicherlich zur Kenntnis genommen, daß die Inflation

eine ernste und schwelende Sorge ist und daß der Krieg gegen die Inflation bestimmt noch nicht vorbei ist. Wir haben in manchen unserer Länder gewisse Anfangserfolge erzielt, müssen aber in unserer Anstrengung fortfahren.

Auf der

anderen Seite können wir die hohen Arbeitslosenraten in so vielen Teilen der
Welt nicht einfach ignorieren; und das ist genau der Grund dafür, daß wir uns
- 3 -

�wir uns in unserem Lande auf ein so ehrgeiziges Programm wie Steuersenkungen
und den Abbau regulierender Vorschriften eingelassen haben, die beide darauf
abzielen, die Hindernisse für das wirtschaftliche Wachstum und damit für die
Ausweitung der Beschäftigung zu vermindern.
Wir versuchen aus der Vergangenheit zu lernen, um eine Politik des
Bremsens und Durchstartenszu" vermeiden - worunter ich die Verlagerung des
Schwerpunktes - von Jahr zu Jahr - von der Konzentration auf die Probleme
der Inflation auf die alleinige Konzentration auf die Probleme der Arbeitslosigkeit verstehe, statt eine langfristige Politik mit dem Ziel in Gang zu
setzen, beide Probleme zu lösen.

Das halten wir für die vernünftigste Methode

des politischen Zugriffs.
FRAGE:

Viele Europäer behaupten, die hohen Zinssätze zwingen sie dazu,

ihre eigenen Zinsen auf einem Niveau zu halten, das höher ist, als sie es eigentlich wünschen, und das eine Schwächung ihrer Währungen zur Folge hat.
Wollen Sie hierzu einen Kommentar abgeben?
ANTWORT: Ja. Es bereitet mir eirjige Schwierigkeiten, das zu erklären.
Blicken wir abermals zurück auf das vergangene Jahr: Es.gab Zeiten, in denen
die Zinssätze in den Vereinigten Staaten stiegen und der Dollar an Stärke gewann - und es kam dann auch eine Reaktion in Westeuropa. Es gab aber auch
Zeiten, in denen die Zinssätze in den Vereinigten Staaten rückläufig waren
und der Dollar dennoch stärker wurde. Wichtige Ereignisse waren auf der anderen Seite des Atlantik eingetreten, die die Wechselkurse beeinflußten.
Wenn die Vereinigten Staaten nicht existierten und wenn es den Dollar
nicht gäbe, würde sich in Westeuropa noch immer eine ganze Reihe von Ländern
vor ernste wirtschaftliche Probleme gestellt sehen.
FRAGE: Wollen Sie damit unterstellen, daß einige der Politiken, die
unsere Verbündeten nach innen verfolgen, die Ursache für einige dieser Probleme sind?
ANTWORT:

Ohne

�ANTWORT:

Ohne ein Urteil darüber fällen zu vjbllen, ob die von anderen

Ländern betriebene Politik angemessen ist oder nicht - wenn diese Länder aber
Nutzen aus einigen dieser Politiken ziehen, so tragen sie doch auch mit an
den Kosten für diese.

Und die Kosten sollte man, genau wie den Nutzen gegen

diese Politiken aufrechnen.
FRAGE: Es gibt Vorschläge, denen zufolge der Yen eine größere internationale Rolle übernehmen sollte. Inwieweit würde dies helfen, die internationale Wirtschaftslage zu verbessern? Und was erhoffen Site sich davon?
ANTWORT:

Ich bringe meine Ansichten nicht in so aktivistischer oder

interventionistischer Art und Weise zum Ausdruck.

Was wir tun, ist, Japan

und andere Länder zu ermutigen, die Schranken für Handel und Investitionen
noch weiter abzubauen.

Dies hätte offenkundig korrektive Rückwirkungen auf

die Währungen, ist aber meines Erachtens auch ein erstrebenswertes Ziel an
sich.

Um ein Gegengewicht für die protektionistischen Pressionen zu schaf-

fen, die rund um die Erde zunehmen, ist es wichtig, daß die einzelnen Länder,
uns eingeschlossen, auch in Zukunft damit fortfahren, ihre Beschränkungen
für einen freieren Fluß von Waren, Dienstleistungen und Kapital weiter abzubauen.
FRAGE:

Inwieweit berührt die Stärke des Dollar

unsere Position im

Handel?
ANTWORT: So wie wir es kurzfristig erwartet haben: nachteilig. Langfristig aber entspricht dies einem Anpassungsprozeß, der funktioniert. Ein
starker Dollar verteuert unsere Ausfuhren und begünstigt die Einfuhren, was
wiederum korrektive Rückwirkungen auf die Devisenkurse zeitigt.
FRAGE:

Werden die Vereinigten Staaten von anderen Ländern irgendwelchem

Druck unterworfen, auf den Devisenmärkten einzugreifen?
ANTWORT: Ich bin mir nicht sicher, ob Druck das richtige Wort ist. Es
werden mir häufig Vorschläge gemacht. Unsere Haltung aber ist ziemlich klar:
- 5 -

�ziemlich klar:

Um zu vermeiden, daß die Märkte in Perioden großer Bean-

spruchung in Unordnung geraten, treten wir dort in Erscheinung.

Es ist aber

unsere Überzeugung - und sie wird durch erhebliche Forschungsanstrengungen erhärtet -, daß staatliche Eingriffe in die Devisenmärkte eine kostspielige
und nicht sehr effektive"Reaktion darstellen.
FRAGE:

Worlin erblicken Sie die wichtigsten Hindernisse für eine stärkere

weltweite wirtschaftliche Erholung?
ANTWORT:

Ich kann den Finger nicht auf einen dramatischen Faktor legen.

Gewiß leitete die Erholung von den öl-Schocks eine längere Anpassungsperiode
ein.

Sie bescherte uns das Erbe des niedrigen Wachstums und vielfach auch

einigermaßen hohe Inflationsraten.

Und es ist die Notwendigkeit, dieses

Zwillingproblems Herr zu werden, das die Politik hemmt.
Ganz gewiß gab es in verschiedenen Ländern Perioden mit starkem Wachstum
und starker Inflation, und es gab auch Perioden, in denen sich sowohl das
Wachstum als auch die Inflation in Grenzen hielten: Es fällt dem Wirtschaftsdoktor in solchen Perioden leichter, das richtige Rezept auszuschreiben, als
in Zeiten, in denen die Inflationsraten hoch und die Wachstumsraten niedrig
sind.
FRAGE: Wollen Sie damit andeuten, daß das Erbe der hohen Inflationsund Arbeitslosenraten bei geringem Wachstum die Wirtschaftspolitik politischen
Lösungen unterwirft?
ANTWORT:
treffen.

Es gilt sicherlich, schwierige politische Entscheidungen zu

Es wurde schon von vielen darauf hingewiesen, daß eine angemessene

Regulierung der Geldmenge eine entscheidene Facette jeder Anstrengung zur Bekämpfung der Inflation ist, und daß das, was man Jahre hindurch als Politik
des leichten Geldes angesehen hat, die Inflation beschleunigt.

Wir haben im

vergangenen Jahr gezeigt, daß eine Politik des engen Geldes dagegen die Inflation erheblich einzuschränken vermag.

Es bedarf dazu aber auch des

politischen Willens.
FRAGE:

Haben

�FRAGE:

Haben Sie eine Vorstellung, wie stark die weltweite Erholung aus-

fallen wird?
ANTWORT:

Ich glaube, niemand rechnet mit Boom-ähnlichen Verhältnissen.

Wir erwarten generell eine bescheidene Erholung - eine langsamere Erholung
als in früheren Zeiten des kräftigen Wachstums nach vorausgegangenen Rezessionen.

Einige Länder haben bessere wirtschaftliche Aussichten als andere -

weitgehend wegen der unterschiedlichen Hinterlassenschaften aus ihrer Wirtschaftspolitik in der Vergangenheit.

Jene Länder, die das Schwergewicht auf

Investitionsanreize legen, scheinen bessere Wachstumschancen zu haben als diejenigen, die dies nicht tun; und das dürfte eigentlich niemanden überraschen.
FRAGE: Seit 1978 schon fordert die OECD das, was sie "positive Anpassung" nennt. Was bedeutet das, und wie sieht die Reagan-Administration ein
solches Vorgehen?
ANTWORT:

Die Sondergruppe für Fragen der positiven Anpassung als Unter-

abteilung des wirtschaftspolitischen Ausschusses der OECD hat inzwischen ihren
Schlußbericht abgeliefert.

Darin wird das Schwergewicht - und nach meinem

Dafürhalten bietet der Ausdruck "positiv" den Schlüssel zum Verständnis dessen - auf die innerhalb der Volkswirtschaften bestehende Notwendigkeit gelegt,
die Schranken auf dem Weg zu größerer Flexibilität zu verringern.

Mit anderen

Worten, man erwartet in dynamischen Volkswirtschaften irgendwelche Verlagerungen in den Hilfsquellen:

beim Kapital, bei den Menschen und bei den Organi-

sationen, Verlagerungen auch von einer Region nach einer anderen, von einem
Wirtschaftssekitqr nach einem anderen, von einem Markt auf einen anderen.
Und aus allen Arten von wesentlichen politischen Gründen hat so gut wie
jedes Land inzwischen eine ganze Reihe von Hindernissen für den Wandel aufgebaut.

Das machte sich besonders in der Zeit der Anpassung an die öl-Schocks

bemerkbar.

Je mehr derartige Hindernisse ein Land aufgerichtet hat, je lang-

samer kommt der Anpassungsprozeß an die öl-Schocks voran.

Und deshalb hat die

OECD nach meinem Dafürhalten mit der Identifizierung des Wesens derartiger
Restriktionen und mit der Herausstellung ihrer hohen Kosten - Senkung der Pro- 7 -

�der Produktivität und des Lebensstandards - wichtige Arbeit geleistet.
FRAGE:

Wenn Sie aber den Blick rund um die Erde schweifen lassen und

Dinge wie die Erhöhung der Subventionen bei Stahl und Agrarprodukten sehen,
gewinnen Sie dann nicht den Eindruck, daß die Politik der positiven Anpassung durch den protektionistischen Druck neutralisiert wird,?
ANTWORT:

Die Methode der positiven Anpassung wirkt auf eine Verminderung,

nicht aber auf eine Erhöhung derartiger Subventionen und andere Arten staatlicher Eingriffe hin.

In einem gewissen Sinne stellt das, was wir zu tun ver-

suchen, einen Versuch dar, ein wirtschaftliches Gegengewicht zu den politischen Pressionen zu schaffen.

Es läuft daraus hinauf, die Öffentlichkeit

davon zu überzeugen, daß ein Land als Ganzes^ besser fährt, wenn es dem besonderen Drängen spezifischer Interessengruppen nicht nachgibt.
FRAGE:

Ist die derzeitige Administration willens, eine solche Politik

zu betreiben?
ANTWORT: Keine Administration betreibt, wie mir scheint, eine heiligenmäßige Politik. Mit anderen Worten, es gibt immer Ausnahmen. Aber ganz gewiß wird diese grundlegende Politik nicht darin bestehen, für Verlierer und
auch nicht für ineffizient arbeitende Betriebe in die Bresche zu springen.
Und wir haben das auch nie versucht. Soweit, so gut; aber wir müssen auf der
Hut bleiben.
FRAGE:

Wenn Sie" zusammenfassen wollten, was nach Ihrem Gefühl die kon-

kreten oder positiven Ergebnisse der bevorstehenden OECD-Ministerratstagung
sein werden, könnten Sie dann Ihren Finger auf einige wenige Dinge legen?
ANTWORT: Es gibt zwei wichtige Dinge. Jedes Land wirbt um Verständnis
für seine eigene Politik und sucht seine Freunde im Ausland über diese zu informieren. Ich verbringe viel Zeit damit, »leinen Gesprächspartnern zuzuhören,
und ich gelange auf diese Weise zu einem besseren Verständnis dessen, was sie
zu tun versuchen. Ich weiß, daß man das gewöhnlich als diplomatische Routine
- 8 -

�diplomatische Routine gering einschätzt.

Ich aber halte das doch für sehr

wichtig.
Zweitens halte ich es für wichtig, den Fortschritt im Kampf gegen die
Inflation in Gang zu halten'und gleichzeitig die Anreize für Investitionen
und für das Wirtschaftswachstum auszuweiten, denn beide müssen ständig gefördert werden.

Und warum?

langwierige Sache sind:

Weil Investitionen ihrem ganzen Wesen nach eine
Die Kosten fallen heute an, die Erträge morgen.

Aber auch auf dem Gebiet des Außenhandels halte ich die OECD für ein
nützliches Forum, wenn es darum geht, die Wichtigkeit des Abbaus von Hemmnissen darzutun - nicht nur von Hindernissen für den Handel und für die Warenströme, sondern auch für Dienstleistungen, die sich aus Investitionen ergeben.

- 9 -

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Mai 1982

19

MASERN SOLLEN AUSGEROTTET WERDEN
Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm
der Weltgesundheitsorganisation -

- (AD) - Die amerikanischen Gesundheitsbehörden rechnen damit, daß bis
Ende 1982 in den Vereinigten Staaten die Masern praktisch ausgerottet sind.
Systematische Impfaktionen haben dazu geführt, daß Mitte des vergangenen
Jahres 90 Prozent, während der ersten vier Wochen dieses Jahres 99,4 Prozent
aller Landkreise keinen einzigen Fall von Masernerkrankung mehr melden mußten,
Dagegen gehören in

vielen anderen Teilen der Welt, vor allem in Entwick-

lungsländern, Masern zu den häufigsten Kinderkrankheiten, ja sogar zu jenen
mit schwerwiegenden Folgen.

Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation

(WHO, Sonderorganisation der Vereinten Nationen) stehen Masern als Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren an erster Stelle. Pro Jahr sterben
schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder an Masern oder an den durch sie verursachten Komplikationen wie Lungenentzündung, Entzündung von Gewebe im Gehirn
oder an Hirnschäden.
Masern zählen zu den sechs Kinderkrankheiten, die die WHO in ihr "erweitertes Impfprogramm" aufgenommen hat. Ziel dieses Programms ist es, bis
zum Jahr 1990 alle Kinder der Welt gegen Diphtherie, Keuchhusten, Masern,

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�Keuchhusten, Masern, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Tuberkulose und Tetanusinfektionen, die sechs häufigsten Erkrankungen im Kindesalter, zu immunisieren. Mit der Durchführung des Programms und einer Analyse internationaler
Gesundheitsprobleme befaßt sich z. Zt. der Weltgesundheitsrat, das oberste
Gremium der WHO, auf seiner Jahrestagung in Genf (3. - 14. Mai 1982).
In den Industrieländern ist der Schutz gegen die häufigsten Kinderkrankheiten bereits selbstverständlich geworden.

Nach Auskunft von Dr. Ralph

Henderson, der das "erweiterte Impfprogramm " leitet, sind jedoch in den Entwicklungsländern jede Minute zehn Todesfälle sowie Erkrankungen mit bleibenden Schäden bei Kindern zu verzeichnen - einfach deshalb, weil die Impfprogramme völlig unzureichend sind.

"Diese sechs Kinderkrankheiten allein führen

dort jährlich bei fünf Millionen Kindern zum Tode und bei weiterer fünf Millionen zu schweren körperlichen Behinderungen, zu Erblindung und geistigen
Schäden", erklärt Henderson.

"In den Vereinigten Staaten sind im Durchschnitt

unter 10 000 Masern-Erkrankungen etwa zwei Todesfälle zu verzeichnen - in Entwicklungsländern kommen auf 100 Erkrankungen zwei Todesfälle, und in Hungergebieten oder in Gebieten mit unterernährter Bevölkerung sterben von 100 erkrankten Kindern sogar mehr als zehn."

Ein weiteres Beispiel seien Tetanus-

infektionen, die, wenn sie schon bei der Geburt erfolgen, für 20 bis 25 Prozent der Kindersterblichkeit verantwortlich sind.
Seit der Einführung eines bis in die Kindergärten und Schulen reichenden
Aktionsprogramms im Oktober 1978 ist es in den Vereinigten Staaten gelungen,
das Auftreten von Masern als Kinderkrankheit massiv zu reduzieren. Das engmaschige Netz eines Meldesystems, in das die Ärzte am Wohnort, die kommunalen
Behörden, die Landkreise, Bundesstaaten, Regionen und schließlich die Bundeszentren für Seuchenkontrolle in Atlanta (Georgia) einbezogen sind, gibt den
Experten die Möglichkeit, alle auftretenden Fälle von Masern im ganzen Land zu
erfassen und die Quelle der Infektion auszumachen.
Aufgrund der Ergebnisse einer Studie von 1980, derzufolge fast 75 Prozent
aller Maserninfektionen im Alter zwischen fünf und 19 Jahren auftreten, wurde
in 39 der 50 Bundesstaaten für den Kindergarten- und Schulbesuch in allen

�in allen Stufen der Impfnachweis zur Pflicht gemacht.

Die restlichen Bundes-

staaten verlangen ihn derzeit nur beim Eintritt in die unterste Stufe von
Kindergarten oder Schule.
Die amerikanischen Gesundheitsbehörden empfehlen, das Baby im Alter von
15 Monaten gegen Masern impfen zu lassen, weil dann der natürliche Schutz zur
Abwehr von Krankheiten, den das Kind von der Mutter mitbekommen hat, nicht
mehr oder nur noch unzureichend wirksam ist.

In den Entwicklungsländern ist

dieser Zeitpunkt früher, und zwar für das Alter von etwa neun Monaten, anzusetzen.

Je nach den gegebenen Ernährungs- und Lebensbedingungen wird dann

ein 92- bis 95prozentiger Impfschutz erreicht, ohne daß die noch vorhandenen
mütterlichen Antikörper die Immunisierung stören.

Dr. Stanley Foster vom

Seuchenzentrum in Atlanta hat beobachtet, daß beispielsweise in Afrika die
Hälfte aller Masernerkrankungen im Alter unter 15 Monaten auftritt.
Dr. Ciro de Quadros von der "Pan American Health Organization", einer
regionalen Behörde der WHO, schätzt, daß derzeit jährlich 80 Millionen Kinder
geboren werden, von denen jedoch weniger als zehn Prozent Impfschutz erhalten.
Und er hebt hervor, daß die Impfung eine besonders billige Maßnahme in der
Gesundheitsfürsorge sei -noch dazu eine Maßnahme, die einfach anzuwenden sei
und hohe Wirksamkeit besitze.
Transport und Lagerung der Impfstoffe verlangen jedoch die Einhaltung bestimmter Regeln, so daß diese rein technischen Dinge ein wesentliches Hindernis zur Einführung wirksamer Impfprogramme in Entwicklungsländern darstellen
können.

Der Masernimpfstoff muß auf dem Wege vom Hersteller bis zur Anwendung

konstant auf einer Temperatur von 4 bis 8° C gehalten werden.

Denn er ist aus

abgeschwächten Lebendviren hergestellt und verliert bei höheren Temperaturen
seine Wirksamkeit.

Wie Dr. Neal Halsey von der Tulane University (New Orleans)

erklärte, befaßte man sich in den letzten fünf Jahren bei einem der WHO-Forschungsprojekte mit der Sicherung der "Kühlkette" für den Impfstoff auch unter primitiven Verhältnissen - sei es z.B. durch den Einsatz von Tiefkühlbehältern, die auch bei Stromausfall noch die erforderliche Kühltemperatur für
24 bis 48 Stunden garantieren, oder durch die Verwendung von mit Solarstrom
- 3 -

�mit Solarstrom betriebenen Kühlvorrichtungen in Gebieten, wo die reguläre
Stromversorgung besonders unzuverlässig ist.
Besonders wichtig ist nach Ansicht von Dr. Foster auch die Ausbildung
und die Überwachung von medizinischem Hilfspersonal sowie die ständige
Kontrolle der "Kühlkette" für den Impfstoff in Entwicklungsländern. "Die
Probleme sind in erster Linie organisatorischer Natur", meinte Foster. Die
Kosten für den Impfstoff'belaufen sich auf 12 bis 20 Cents (0,12 - 0,20 USDollar) pro Kind; gewöhnlich entspräche dies etwa 10 Prozent der Gesamtkosten
der Schutzimpfung eines Kindes.
Das US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) startet in nächster Zeit
ein ähnliches neues Programm zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Kindesalter, das in enger Zusammenarbeit mit Ländern in Afrika und mit internationalen Gesundheitsbehörden durchgeführt wird. Es ist auf acht Jahre angelegt und soll mit 50 Millionen Dollar ausgestattet werden. In erster Linie
bietet es technische Hilfe zur Bekämpfung von Krankheiten.

+ + + + +

�12. Mai 1982

19

ULTRASCHALL VERSTÄRKT KATALYTISCHE REAKTIONEN

- (AD) - Mit Ultraschall hoher Intensität ist es möglich, ungewöhnliche chemische Reaktionen in Gang zu setzen sowie katalytische Wirkungen
zu erzielen, die auf anderem Wege nicht zu erreichen wären. Vor allem lassen sich mit Hilfe von Ultraschall, katalytische Reaktionen in Lösungsmischungen verstärken - nach Ansicht der Initiatoren des Verfahrens wäre bei entsprechender Weiterentwicklung in gewissen Fällen eine Aktivitätsverstärkung
für den Abilauf der chemischen Reaktion sogar bis zum Millionenfachen denkbar.
Die Methode entwickelte Dr. Kenneth S. Susi ick, Professor für Chemie
an der Universität Illinois (Urbana), zusammen mit einigen Mitarbeitern.
Sie sei, wie Dr. Susi ick erklärte, mit der Ultraschallreinigung zu vergleichen, die z.B. zur Säuberung kleiner Gegenstände üblich ist. Jedoch müsse
zur Erzielung katalytischer Reaktionen mit sehr viel höheren Intensitäten
gearbeitet werden.
Katalysatoren sind Substanzen, die chemische Reaktionen beschönigen,
an den Stoffumsetzungen jedoch nicht selbst beteiligt sind.

Bei den meisten

industriell angewandten Katalysatoren handelt es sich um feste Stoffe, an
denen die Mischung, die zur Reaktion gebracht werden soll, vorbei strömt.

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�vorbeiströmt.

Dies sind die sog. "heterogenen" Katalysatoren. Man arbeitet

heute jedoch auch mit "homogenen" Katalysatoren.

Das sind gelöste metal-

lische Verbindungen, die direkt in die normalerweise reaktionsträgen oder
reaktionsunfähigen Lösungsmischungen eingebracht werden. Um jedoch als homogener Katalysator überhaupt funktionsfähig sein zu können, muß häufig die
gelöste metallische Verbindung selbst durch Wärme oder Licht in der Lösung
verändert werden.

Für manche Reaktionen sind allerdings hohe Temperaturen

nicht angebracht, weil dann andere, nicht erwünschte Produkte entstünden.
Die Verwendung von Licht zur Aktivierung solcher Katalysatoren ist auf
Verbindungen beschränkt, die sich durch Licht leicht anregen lassen. Außerdem ist es vor allem bei den lichtsimulierten ("photochemischen") Prozessen
manchmal recht schwierig, sie auf einen für industrielle Prozesse erforderlichen Aktivitätsgrad zu bringen.

Hier kann nun Ultraschall eine wichtige

Starthilfe sein. Denn für die Mischung, die in Reaktion treten soll, wird
dadurch die Zuführung von Wärme weitgehend überflüssig, außerdem ist die gewünschte Reaktion in großtechnischem Ausmaß möglich.

In einem Bericht an

die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF), die das Forschungsprojekt
finanzierte, betont Prof. Susi ick, daß das neue Verfahren thermisch oder
photochemisch geförderte Reaktionen nicht ersetze. Aber es sei geeignet,
sie zu unterstützen bzw. zu ergänzen.

"Wir sind dadurch in der Lage, den

chemischen Ablauf mittels einer recht einfachen und billigen Technik gezielt
zu beeinflussen und zu verändern.

Die Anwendung von intensivem Ultraschall

dürfte sowohl für die Forschung als auch für den Chemiker in der Industrie
zu einem wichtigen Hilfsmittel '-erden."
Für weite Bereiche der Industrie ist es von großer Bedeutung, neue Wege
zur Erzeugung katalytischer Reaktionen gehen zu können, weil solche Reaktionen bei der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Produkte sowie
von Produkten der Mineralölindustrie in zunehmendem Maße eine Schlüssel rolle
spielen.

So erfordert beispielsweise die Gewinnung von Benzin aus Rohöl

einen massiven Einsatz von Katalysatoren.

Ganz ähnlich ist es bei der Um-

wandlung von Krrhle in Brennstoffe oder in Verbindungen, die in der Futtermittel- und Nahrungsmittelindustrie eine Rolle spielen.
+ + + + +
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig: Sowjetische Führung wird START-Verhandlungen begrüßen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan schlägt drastische Abrüstung der Atomwaffen vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vor dem Eureka-College -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stoessel: Gewaltiger Gegensatz zwischen Worten und Taten der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers vor dem World Affairs Council -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Abrüstungsplan: Ein neuer Appell zur Verebsserung des Ost-West-Verhältnisses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weidenbaum: Doppelziel der Bekämpfung von Inflation und Arbeitslosigkeit erreichbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Masern sollen ausgerottet werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aktionen der USA - Beispiel für weltweites Kinderimpfprogramm der Weltgesundheitsorganisation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ultraschall verstärkt katalytische Reaktionen</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
19&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
CLINTON FORDERT BEENDIGUNG DER&#13;
KÄMPFE IN BOSNIEN&#13;
Warnung vor Ausbreitung des Konflikts&#13;
ALBRIGHT WARNT BOSNISCHE SERBEN&#13;
Amerikaner wünschen US-Beteiligung bei&#13;
Friedenssicherung - Kongreßabgeordnete&#13;
kritisieren Rolle Europas&#13;
&#13;
NATIONALER SOZIALER&#13;
DIENST&#13;
&#13;
NATIONALER SOZIALER DIENST&#13;
Auszüge aus der Rede Präsident Clintons&#13;
in New Orleans&#13;
&#13;
SOMALIA&#13;
&#13;
US-TRUPPEN IN SOMALIA RETTETEN&#13;
MENSCHENLEBEN&#13;
Ansprache Präsident Clintons&#13;
vor der Vereinigten Einsatztruppe&#13;
&#13;
HANDEL&#13;
&#13;
KANTOR: URUGUAY-RUNDE BENÖTIGT&#13;
BETEILIGUNG JAPANS UND DER&#13;
ENTWICKLUNGSLÄNDER&#13;
Rede des US-Handelsbeauftragten&#13;
&#13;
NATO&#13;
&#13;
DIE VEREINIGTEN STAATEN IN DER NATO&#13;
UND IN EUROPA:&#13;
NEUE HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Frank Wisner&#13;
&#13;
bitte wenden&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-3392372&#13;
Fax:0228-33 41 02&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
&#13;
USA UNTERBREITEN "AKTIONSPLAN"&#13;
ZU MENSCHENRECHTEN&#13;
Posten eines UN-Hochkommissars erwogen&#13;
&#13;
RAUMFAHRT&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER ZUFRIEDEN MIT&#13;
EXPERIMENTEN DER DEUTSCHEN IM ALL&#13;
D2-Mission erfolgreich beendet&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
CLINTON FORDERT BEENDIGUNG DER&#13;
KÄMPFE IN BOSNIEN&#13;
Warnung vor Ausbreitung des Konflikts&#13;
&#13;
"kompliziert" und äußerte die Ansicht, ein Teil des&#13;
Problems sei vom UN-Sicherheitsrat verursacht worden. "Noch bevor Bosnien überhaupt anerkannt wurde", so Clinton, "verhängten die Vereinten Nationen&#13;
ein Waffenembargo über dieses Gebiet. Die praktischen Auswirkungen des Waffenembargos... bestanden darin, daß die bosnischen Serben das gesamte&#13;
Die Europäer "sind wesentlich näher daran und haben Waffenarsenal der jugoslawischen Armee erhielten,&#13;
ein unmittelbareres Interesse" an der Einstellung der während den Menschen, die gegen sie kämpften,&#13;
Kämpfe, erklärte Clinton und fügte hinzu, er versuche, sämtliche vergleichbaren Waffen vorenthalten wurdie Europäer davon zu überzeugen, mehr zu tun, um den."&#13;
das Risiko einer Ausbreitung der Kämpfe auf andere&#13;
Teile des Balkans zu verringern.&#13;
Der Präsident stellte fest, die Völkergemeinschaft "hatte&#13;
nicht absichtlich, sondern unbeabsichtigt enormen&#13;
Clinton ging auf die Entwicklung in Bosnien ein, als er Einfluß auf das Ergebnis des Krieges, auf sehr nachdie Frage eines Schülers in Bensonville (Illinois) beant- teilige Weise".&#13;
wortete, wo sich der Präsident in Zusammenhang mit&#13;
einer zweitägigen Vortragsreise aufhielt, mit der er um Clinton erklärte jedoch, weder die Vei einigten Staaten&#13;
Unterstützung für sein innenpolitisches Programm warb. noch die Vereinten Nationen sollten sich auf irgendeiner Seite an den Kampfhandlungen beteiligen. "MeiDie Völkergemeinschaft habe "enorme Auswirkungen" nes Erachtens können wir wesentlich mehr tun", so&#13;
auf die Kämpfe in Bosnien gehabt, indem sie "unbeab- Clinton, "um die Parteien zu einer Einstellung der&#13;
sichtigt" lediglich einer Seite Waffen vorenthalten habe, Kämpfe zu bewegen. Wir müssen alles in unserer&#13;
behauptete Clinton.&#13;
Macht Stehende tun, um dieser Idee der ethnischen&#13;
Säuberungen Einhalt zu gebieten - der Ermordung von&#13;
Ihm zufolge hat das Waffenembargo, das von den&#13;
Menschen, Vergewaltigung von Kindern und AusfühVereinten Nationen verhängt wurde, bevor Bosnien&#13;
rung schrecklicher Gewaltakte nur aufgrund der Reli&#13;
ein vielfach anerkannter souveräner Staat wurde, die&#13;
gionszugehörigkert".&#13;
Kämpfe "auf sehr nachteilige Weise" beeinflußt.&#13;
Clinton, dessen Äußerungen im Weißen Haus mitver- Clinton zufolge könnte sich der Konflikt, wenn er nicht&#13;
folgt wurden, stellte fest, er sei sich der Tatsache beendet wird, auf Albanien, Griechenland und die&#13;
bewußt, daß in Bosnien "einige bemerkenswerte Türkei ausdehnen, "was eine Unterminierung des FrieÄhnlichkeiten" zur amerikanischen Erfahrung in Viet- dens in Europa sowie des Wachstums und der Stabinam und auch im Libanon bestünden, "was uns zur lität der Demokratie dort zur Folge haben könnte".&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat am 11.&#13;
Mai 1993 die Staaten Europas-ebenso wie die gesamte Völkergemeinschaft - aufgefordert, mehr zu tun, um&#13;
den Kämpfen in Bosnien-Herzegowina Einhalt zu&#13;
gebieten und die ethnischen Säuberungen dort zu&#13;
beenden.&#13;
&#13;
Vorsicht veranlassen sollte... aber das heißt nicht, daß&#13;
die Vereinigten Staaten nicht mehr in Erwägung ziehen, besonders, wenn wir die Europäer dazu bewegen&#13;
können,... uns zu helfen".&#13;
Clinton bezeichnete das gesamte Geflecht des Bürgerkrieges in Teilen des ehemaligen Jugoslawien als&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Zu einem verwandten Thema äußerte Clinton auf die&#13;
Frage eines anderen Schülers, Kürzungen bei den&#13;
M ilitärausgaben seien möglich, weil sich der Charakter&#13;
der nuklearen Bedrohung infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion verändert habe. "Wir waren&#13;
verpflichtet, die Verteidigungsausgaben aufgrund der&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�abnehmenden Bedrohung zu reduzieren", erklärte er.&#13;
"Und das ist - insgesamt gesehen - gut."&#13;
&#13;
nen verringern. "Insgesamt", so Clinton, "ist dies eine&#13;
gute Sache, aber Sie müssen verstehen, daß dies&#13;
auch einige nachteilige Konsequenzen hat", darunter&#13;
Der Präsident erinnerte sein Publikum jedoch daran, Arbeitsplatzverluste in der Rüstungsindustrie und wirtdaß die "Welt weiterhin ein gefährlicher Ort" sei und die schaftliche Härten für Gemeinden, die von StützpunktVereinigten Staaten als "die einzige militärische Groß- schließungen betroffen sind. Die Einsparungen bei&#13;
macht" aufgerufen seien, "bei Art und Umfang des den Rüstungsausgaben müßten "reinvestiert" werden,&#13;
Abbaus der Verteidigungsausgaben mit Sorgfalt vorso der Präsident, und zwar "in Bildungswesen und&#13;
zugehen".&#13;
Technologie in Amerika, um Arbeitsplätze zu schaffen&#13;
und damit die im Verteidigungsbereich verlorenen zu&#13;
In den kommenden fünf Jahren werden die Vereinigten&#13;
ersetzen".&#13;
Staaten ihre "Grundstreitkräfte" von 2,5 auf 1,4 Millio-&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
ALBRIGHT WARNT BOSNISCHE SERBEN&#13;
Amerikaner wünschen US-Beteiligung bei Friedenssicherung Kongreßabgeordnete kritisieren Rolle Europas&#13;
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die amerikanische Regierung berät weiter mit ihren "Verbündeten über neue,&#13;
nachdrücklichere und härtere Maßnahmen", die ergriffen werden sollen, wenn sich die bosnischen Serben nicht&#13;
an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zum Konflikt in Bosnien-Herzegowina halten, erklärte Botschafterin Madeleine Albright am 6. Mai 1993.&#13;
Sie charakterisierte eine Resolution des Sicherheitsrates vom 6. Mai, die ein Ende der serbischen Aggression&#13;
fordert und vom Krieg gezeichnete bosnisch-muslimische Städte zu "Schutzgebieten" erklärt, als "Beruhigungsmittel".&#13;
"Die einzige Lösung besteht darin, daß sich die bosnischen Serben bereiterklären, Frieden zu schließen, in&#13;
Toleranz mit ihren Nachbarn zusammenzuleben und diejenigen der Gerechtigkeit zu übergeben, die ihr Land in&#13;
den Krieg gestürzt und den guten Namen des serbischen Volkes besudelt haben", äußerte Albright in einer nach&#13;
der einmütigen Verabschiedung der Resolution durch den Sicherheitsrat veröffentlichten Erklärung, die wir&#13;
nachfolgend im Wortlaut abdrucken.&#13;
Wir hatten gehofft, heute im Sicherheitsrat über eine&#13;
Resolution abstimmen zu können, die uns endlich auf&#13;
den langen Weg zurück zum Frieden in BosnienHerzegowina bringen würde. Statt dessen stimmen&#13;
wir über eine Resolution ab, um der serbischen Aggression Einhalt zu gebieten. Erneut hat die Führung&#13;
der bosnischen Serben die Werte mit Füßen getreten,&#13;
die jedem in diesem Saal Anwesenden teuer sind. Wie&#13;
Außenminister Christopher heute bereits in Brüssel&#13;
erklärt hat, spricht die Entscheidung des sogenannten&#13;
Parlamentsder bosnischen Serben den Unterschriften&#13;
von Athen Hohn. Wir sind nicht bereit, dem vorgeschlagenen Referendum Legitimität zu verleihen, da&#13;
es sich dabei um einen weiteren zynischen Trick zu&#13;
handeln scheint, um Zeit zu gewinnen, während die&#13;
bosnischen Serben damit fortfahren, weitere Gebiete&#13;
zu besetzen. Infolgedessen konzentrieren wir uns&#13;
nach wie vor auf die von Präsident Clinton beschlossenen neuen und verschärften Maßnahmen.&#13;
&#13;
die Vereinbarungen zu ratifizieren und forderte statt&#13;
dessen, sie in diesem Monat noch zum Gegenstand&#13;
eines Referendums zu machen.&#13;
Wir sehen uns also mit der Tatsache konfrontiert, daß&#13;
ein selbsternanntes Parlament eines selbsternannten&#13;
Führers erklärt, es benötige die Zustimmung des&#13;
"Volkes", um das Morden einzustellen, für das es&#13;
selbst verantwortlich ist. Wir haben keine Zweifel&#13;
daran, daß den für die Kriegsverbrechen Verantwortlichen erlaubt wird, sich an dem Referendum zu beteiligen, falls es jemals stattfindet. Wir bezweifeln jedoch,&#13;
daß denjenigen, die mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben wurden, die Teilnahme gestattet wird.&#13;
Wirwissen, daß diejenigen, die heute in Frieden ruhen,&#13;
nicht daran teilnehmen werden. Dies ist nicht Demokratie in Aktion. Es ist ein einfacher Trick, um Zeit für&#13;
weitere territoriale Eroberungen zu gewinnen.&#13;
&#13;
Seien wir ehrlich: Die gegenwärtige Resolution ist ein&#13;
Ich bitte meine Mitdelegierten im Sicherheitsrat, kurz Beruhigungsmittel. Die einzige Lösung besteht darin,&#13;
über die Ironie der Geschehnisse der letzten Tage daß sich die bosnischen Serben bereiterklären, Frienachzudenken. Am Sonntag unterzeichnete der selb- den zu schließen, in Toleranz mit ihren Nachbarn&#13;
sternannte Führer der bosnischen Serben, Radovan zusammenzuleben und diejenigen der Gerechtigkeit&#13;
Karadzic, in Athen die verbleibenden Teile der Vance/ zu übergeben, die ihr Land in den Krieg gestürzt und&#13;
Owen-Vereinbarungen. Er machte seine Unterschrift den guten Namen des serbischen Volkes besudelt&#13;
jedoch von der Zustimmung des sogenannten Parla- haben. Ich möchte die Führung der bosnischen Serments der bosnischen Serben abhängig. Diese nicht- ben daran erinnern, daß meine Regierung in den&#13;
gewählte Gruppe zweifelhafter Personen weigerte sich, letzten Tagen deutlich gemacht hat, daß wir mit unseAMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�ren Verbündeten über neue, nachdrücklichere und&#13;
härtere Maßnahmen beraten. Ihre Durchführung oder Nichtbefolgung - dieser und aller anderen einschlägigen Sicherheitsratsresolutionen in den nächsten Tagen wird darüber entscheiden, ob wir und die&#13;
übrige Völkergemeinschaft zu dem Schluß kommen,&#13;
daß der Einsatz von Gewalt unvermeidlich ist.&#13;
Amerikaner wünschen Schlüsselrolle der USA bei&#13;
der Friedenssicherung und stärkere Unterstützung durch andere Länder&#13;
Einer jüngsten Meinungsumfrage zufolge wünschen&#13;
die Amerikaner, daß ihr Land eine Schlüsselrolle bei&#13;
der weltweiten Friedenssicherung spielt. Gleichzeitig&#13;
erwarten sie jedoch auch stärkere Hilfe anderer Länder bei diesen Bemühungen.&#13;
Den Ergebnissen zufolge sind 84 Prozent der Amerikaner - davon 54 Prozent mit Nachdruck - für humanitäre Missionen der amerikanischen Streitkräfte und&#13;
der Vereinten Nationen nach dem Muster der in Bosnien-Herzegowina und Somalia durchgeführten.&#13;
Jedoch wünschen 68 Prozent der Befragten, daß der&#13;
Rest der Welt einen größeren Anteil an den Lasten&#13;
humanitärer Hilfsmaßnahmen und der Beilegung von&#13;
Konflikten trägt. Lediglich 25 Prozent sind der Meinung, die Vereinigten Staaten sollten die gesamten&#13;
Lasten tragen, wenn andere Regierungen ihre Hilfe&#13;
verweigern.&#13;
Die Antworten von etwa 1.000 Personen wurden im&#13;
März und April von American Talk Issues Foundation&#13;
aufgezeichnet, einer überparteilichen, gemeinnützigen demoskopischen Organisation mit Sitz in Washington und Florida. Die Ergebnisse sind Teil einer&#13;
umfassenderen Erhebung, beider Amerikaner gefragt&#13;
wurden, welche Regeln für internationales Verhalten&#13;
sie in den Bereichen Umwelt, Handel, militärische und&#13;
humanitäre Maßnahmen festsetzen würden.&#13;
&#13;
sollten mehr Macht zur Durchsetzung des Völkerrechts haben. Dazu gehörten 62 Prozent, die eine&#13;
amerikanische Beteiligung an einer Weltkonferenz&#13;
wünschen, um die UN-Charta zu überprüfen und Zusätze&#13;
für Fälle auszuarbeiten, in denen einzelne Nationen&#13;
Probleme nicht allein lösen können.&#13;
83 Prozent waren der Meinung, die UN-Charta solle&#13;
geändert werden, um Verfahren vor einem internationalen Gerichtshof gegen nationale Entscheidungsträger zu ermöglichen, die schwerer Menschenrechtsverletzungen, der Kriegführung gegen ethnische Gruppen oder der Verursachung schwerer Umweltschäden&#13;
mit weltweiten Auswirkungen bezichtigt werden.&#13;
Rund 57 Prozent der Befragten gaben an, die Rettung&#13;
Kambodschas und anderer Länder vor dem Versinken&#13;
in Anarchie und Brutalität sei die Art von Ziel, dem sich&#13;
die Vereinten Nationen verpflichten und das die Vereinigten Staaten unterstützen sollten.&#13;
Der Meinungsumfrage zufolge möchten die Amerikaner den Verteidigungshaushalt abbauen, jedoch nicht&#13;
in dem von der Clinton-Administration vorgesehenen&#13;
Umfang. Unsicherheit im Hinblick auf die Anforderungen an die amerikanischen Streitkräfte in Übersee&#13;
veranlaßte 60 Prozent der Befragten, sich die Empfehlung des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs,&#13;
Colin Powell, zu eigen zu machen, die Verteidigungsausgaben um 60 Milliarden Dollar über 5 Jahre zu&#13;
senken. Eine Minderheit befürwortet den Plan des&#13;
Präsidenten, im gleichen Zeitraum 126 Milliarden Dollar&#13;
einzusparen.&#13;
Der Erhebung zufolge wünscht die amerikanische&#13;
Ofentlichkeit eine "neue Weltordnung", in der die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Lösung&#13;
weltweiter Umweltprobleme übernehmen und die&#13;
Vereinten Nationen internationale Waffenverkäufe&#13;
überwachen und besteuern.&#13;
&#13;
Etwa die Hälfte der Befragten gab an, die Vereinigten&#13;
Eine Mehrheit von 57 Prozent gab an, die Clinton- Staaten seien im Golfkrieg bei der Zerstörung des&#13;
Administration leiste gute Arbeit bei dem Versuch, die irakischen Einflusses nicht weit genug gegangen.&#13;
Tragödie in Bosnien-Herzegowina zu beenden. 45&#13;
Prozent erklärten, die Vereinigten Staaten und die Kritik an Rolle Europas in Bosnien&#13;
Vereinten Nationen müßten härtere und entschlossenere Maßnahmen ergreifen, um das ehemalige Jugo- Zwei amerikanische Kongreßabgeordnete haben sich&#13;
am 10. Mai 1993 enttäuscht über die bisherige Rolle&#13;
slawien zu befrieden.&#13;
Europas bei der Lösung der Krise in Bosnien geäu ßert.&#13;
Fünf Optionen ziehen die Amerikaner dem Einsatz Der Demokrat Mike Synar (Oklahoma) und der Repumassiver militärischer Gewalt vor: Diplomatie, Einsatz blikaner Chris Cox (Kalifornien) sprachen sich im&#13;
gemäßigter militärischer Gewalt zur Sicherung huma- Satellitenfernsehen WorldNet des US-Informationsnitärer Hilfslieferungen, Handelsembargos, Einstel- amtes gegen einen Alleingang der Vereinigten Staaten&#13;
lung aller Waffenlieferungen an die kriegführenden aus.&#13;
Parteien sowie die Unterbindung des Handels mit&#13;
Währung und Staatsanleihen kriegführender Länder "Die amerikanische Öffentlichkeit ist über die mangelnden Aktionen Europas bitter enttäuscht", erklärte&#13;
auf den Weltfinanzmärkten.&#13;
Synar. Auf die Frage, welche einseitigen militärischen&#13;
Etwa 80 Prozent gaben an, die Vereinten Nationen Maßnahmen die Vereinigten Staaten ergreifen könnsollten für die internationale Sicherheit verantwortlich ten, antwortete Cox: "Warscheinlich gar keine. Es&#13;
sein, und 86 Prozent meinten, die Vereinten Nationen wäre ein enormer Fehler, wenn wir unter diesen&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Umständen im Alleingang handelten." Ziel der Vereinigten Staaten sei es "ganz Europa bei einer Lösung&#13;
des Problems zu vereinen", fügte er hinzu.&#13;
Synar äußerte, die Clinton-Administration werde "in&#13;
den nächsten 10 bis 14 Tagen alle unsere Optionen"&#13;
prüfen, "und ich gehe davon aus, daß die Entscheidung, was wir tun werden, zum großen Teil davon&#13;
abhängt, was Sie in Europa tun". Derzeit gebe es in&#13;
den Vereinigten Staaten von allen Seiten große Unterstützung für die Maßnahmen des Präsidenten.&#13;
&#13;
Stand von 1990 bis zum Jahr 2000 - für "sehr gut&#13;
erreichbar. Wir erörtern verschiedene Präsidialerlasse und parlamentarische Initiativen, die zusammenwirken, um dies zu erreichen."&#13;
&#13;
"Wir möchten sicherstellen, daß die Behandlung nicht&#13;
schlimmer ist als das derzeitige Problem", erwiderte&#13;
Cox. "Das schrittweise Verbot des Einsatzes von&#13;
FCKW wird sehr kostspielig sein", äußerte er. Schon&#13;
die Umrüstung von Kapitalgütern allein "wird mehr als&#13;
100 Milliarden Dollar kosten, wenn wir in dem heute&#13;
diskutierten Zeitraum zwischen jetzt und dem Jahr&#13;
Bei der Bewertung der Haushaltsvorlage des Präsi- 2000 vorgehen", fügte er hinzu. Cox betonte, man&#13;
denten vertraten die beiden Parlamentarier jedoch müsse die Kosten der "sogenannten grünen Gebühren&#13;
eine völlig unterschiedliche Haltung. Cox erklärte, er oder anderer Steuern oder Vorschriften für die Wirt"stellt die größte Steuererhöhung jeder vergleichbaren schaft" im Auge behalten.&#13;
Fünfjahresperiode in der amerikanischen Geschichte&#13;
dar, mit dem Nettoergebnis, daß er den größten Fünf- Im Hinblick auf Präsident Clintons allgemeine Bilanz in&#13;
jahresanstieg des Defizits in der amerikanischen den vergangenen 100 Tagen stellte Synar fest: "Es ist&#13;
klar, daß der Präsident einen steinigen, aber meines&#13;
Geschichte vorsieht".&#13;
Erachtens ziemlich erfolgreichen Start hatte."&#13;
Synar lobte dagegen den Präsidenten für seine Vorschläge und kritisierte die "riesigen Schulden", die von Cox äu ßerte sich kritischer, insbesondere zum von der&#13;
den republikanischen Administrationen der achtziger Clinton-Administration geplanten Umfang der KürzunJahre angehäuft worden seien. "Dies hatte ernste gen im Verteidigungshaushalt: "Ich prognostiziere,&#13;
Auswirkungen auf unsere Fähigkeit, den Kurs unseres daß Präsident Clinton infolge der Ereignisse in BosLandes in einer Zeit zu ändern, in der wir die Ära des nien, infolge der Entwicklung in Asien, in Nordkorea, in&#13;
Kalten Krieges verlassen", stellte er fest.&#13;
Krisenherden der ganzen Welt sich das nochmals&#13;
überlegen wird und wir zumindest teilweise eine AufheZu Präsident Clintons umwertpolitischen Vorschlägen bung der einschneidenden Kürzungen der Verteidivertraten beide ebenfalls gegensätzliche Ansichten. gungsausgaben in seinem Haushalt erleben werden",&#13;
Synar erklärte, er halte das vom Präsidenten festge- erklärte er.&#13;
legte Ziel - die Reduzierung der Treibhausgase auf den&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�NATIONALER&#13;
&#13;
SOZIALER&#13;
&#13;
DIENST&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
NATIONALER SOZIALER DIENST&#13;
Auszüge aus der Rede Präsident Clintons in New Orleans&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab Einzelheiten eines Programms für einen nationalen sozialen&#13;
Dienst bekannt, das amerikanischen Studenten helfen soll, durch einen Dienst an der Allgemeinheit ihre&#13;
Collegegebühren zu bezahlen.&#13;
"Der nationale soziale Dienst wird den Beginn eines neuen Zeitalters für Amerika markieren, in dem jeder Bürger&#13;
... ein Mittler des Wandels werden kann, ausgerüstet mit dem Wissen und der Erfahrung, die eine Collegeausbildung vermittelt", erklärte Präsident Clinton in einer Rede vor der University of New Orleans am 30. April 1993.&#13;
Das vom Präsidenten vorgeschlagene Programm, das während der Beratung im Kongreß noch modifiziert&#13;
werden könnte, sieht einen Darlehenserlaß von bis zu 10.000 Dollar für diejenigen vor, die vor oder nach Abschluß ihrer weiterführenden Ausbildung Dienst an der Allgemeinheit leisten.&#13;
Clinton schlug auch das neue Ausbildungsförderungsprogramm Excel Account vor, das die bestehenden&#13;
Darlehensprogramme für Studenten verbessern und es einfacher machen soll, "Geld auszuleihen, und noch&#13;
einfacher, es zurückzuzahlen", während gleichzeitig der Säumniszuschlag auf diese Darlehen gesenkt wird.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede Präsident Clintons in New Orleans.&#13;
&#13;
An diesem hundertsten Tag meiner Amtszeit möchte&#13;
ich mich selbst und meine Mitarbeiter erneut zu den&#13;
Werten verpflichten, die unsere Nation in der gesamten Menschheitsgeschichte unvergleichlich gemacht&#13;
haben - Chancen, Verantwortung, Gemeinschaft und&#13;
gegenseitiger Respekt.&#13;
&#13;
Wir werden auch den jungen Menschen in Amerika die&#13;
Chance geben, ihre Darlehen zurückzuzahlen, indem&#13;
sie in ihren Gemeinden im Rahmen eines neuen&#13;
Programms für einen nationalen sozialen Dienst tätig&#13;
werden. In wenigen Tagen werde ich dem Kongreß&#13;
zwei unsere Vorschläge enthaltende Gesetzentwürfe&#13;
zusenden, zur Verbesserung der Chancen für eine&#13;
Heute möchte ich den Vorschlag machen, jene Werte Collegeausbildung und zur Errichtung eines nationain einer Revolution der Chancen für unsere einkom- len sozialen Dienstes. Zusammen werden sie Amerimensschwachen Familien zu verwenden und für jene, kas Engagement fürdie Gemeinschaft Wiederaufleben&#13;
die ausgeschlossen waren. Als ersten Schritt werden lassen und die Kosten einer Collegeausbildung für&#13;
wir die Bedingungen der Darlehen für Collegegebüh- jeden Amerikaner erschwinglich machen.&#13;
ren verbessern und dadurch Studenten aus Familien&#13;
mit mittlerem und niedrigerem Einkommen den Weg Es ist kein Geheimnis, daß in den letzten 10 bis 12&#13;
zum amerikanischen Traum erleichtern - den Weg zu Jahren eine Collegeausbildung ungefährden einzigen,&#13;
weiterführender Bildung.&#13;
wirklich wichtigen Bereich darstellte, dessen Kosten&#13;
noch schneller gestiegen sind als die Kosten im GeIm Gegenzug verlangen wir von unseren jungen sundheitswesen. Und die Eltern aus der Mittelschicht&#13;
Menschen, Verantwortung zu zeigen. Wir werden es und sogar aus der gehobenen Mittelschicht, ganz zu&#13;
einfacher machen, Geld auszuleihen, und noch einfa- schweigen von denjenigen mit niedrigerem Einkomcher, es zurückzuzahlen, aber diesmal muß es zurück- men, haben die Last getragen. Sie zahlen jetzt ungegezahlt werden. Man darf nicht einfach säumig wer- fähr 5 Prozent eines mittleren Einkommens, um einem&#13;
den.&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Kind eine vierjährige Ausbildung in einem öffentlichen Aber diese Excel Accounts sind nur der Anfang. Wir&#13;
College eines Bundesstaates zu ermöglichen.&#13;
hoffen, sie werden mehr und mehr Amerikaner dazu&#13;
verleiten, nicht nur die Gelegenheit zu einer CollegeEin solches Ausbildungsjahr kostet im Durchschnitt ausbildung zu ergreifen und größeres Verantwortungsüber 5.200 Dollar. Das bedeutet, daß die Familien ihre bewu ßtsein zu entwickeln, sondern auch ihre GemeinErsparnisse erschöpfen und viele Studenten sich auf- den durch ein Programm des nationalen sozialen&#13;
grund der Kosten der Collegeausbildung auf einen Dienstes zu unterstützen.&#13;
Teilzeitkurs beschränken oder sogar das Studium&#13;
abbrechen müssen. Die Quote der Studienabbrecher Es war Thomas Jefferson, der dem amerikanischen&#13;
am College ist mehr als doppelt so hoch wie bei den Volk als erster gesagt hat, je mehr man wisse desto&#13;
weiterführenden Schulen. Wir können uns das nicht mehr besitze man. Um seine Worte zu zitieren: "Von&#13;
leisten, und wir können es besser machen ...&#13;
jedem Menschen ist ein Schuldendienst für sein Land&#13;
fällig im Verhältnis zu den Gaben, mit denen die Natur&#13;
Ich schlage einen neuen Weg vor, um die Collegeaus- und das Glück ihn ausgestattet haben." Diese Aussabildung für die Millionen von Studenten zu finanzieren, ge führt uns vor Augen, daß Werte niemals aus der&#13;
die jedes Jahr ein Darlehen beantragen. Wir nennen Mode kommen, die bürgerliche Verantwortung heute&#13;
ihn Excel Account. Mit Hilfe von Excel Account so gut für die Demokratie ist wie zu der Zeit, als&#13;
können Studenten die aufgenommenen Darlehen nicht Thomas Jefferson diese Worte sprach, und Sie Ihrem&#13;
mit einem nach ihrem Darlehen bemessenen Zinssatz, Land etwas zurückgeben müssen, wenn Sie wirklich&#13;
sondern mit einem an ihrem tatsächlichen Einkommen der beste Bürger Ihres Landes sein wollen.&#13;
orientierten zurückzahlen. Denken Sie darüber einmal&#13;
nach. Für Studenten, die in die Verschuldung getrie- Mit einem nationalen sozialen Dienst können wir einer&#13;
ben wurden - und aufgrund ihrer Verschuldung in neuen Generation von Amerikanern buchstäblich eine&#13;
Berufe mit hoher Bezahlung und geringer Befriedi- neue Welt eröffnen, in der weiterführende Bildung&#13;
gung, kann dies einen sehr befreienden Effekt haben. Hand in Hand mit dem vornehmeren Ziel der Bewältigung unserer unerfüllten Bedürfnisse - unserer bilDenken Sie beispielsweise an einen Studenten, der dungspolitischen, sozialen und umweltpolitschen&#13;
hin- und hergerissen ist zwischen einer Laufbahn als Bedürfnisse - zur Sicherstellung der Zukunft geht, die&#13;
Lehrer und einer im Gesellschaftsrecht. Dieser Stu- wir alle teilen werden. Ein nationaler sozialer Dienst&#13;
dent kann jetzt zumindest seine Wahl auf der Grund- wird den Beginn eines neuen Zeitafters für Amerika&#13;
lage seiner Neigung treffen und nicht aufgrund der markieren, in dem jeder Bürger, jeder von Ihnen, ein&#13;
Höhe des ausstehenden Darlehens, denn wir machen Mittler des Wandels werden kann, ausgerüstet mit&#13;
den Vorschlag, daß jeder die Möglichkeit haben sollte, dem Wissen und der Erfahrung, die eine Collegeaussein Darlehen bemessen an seinem tatsächlichen bildung vermittelt und bereit zur Umgestaltung der&#13;
Einkommen und nicht nur an seinen tatsächlichen Welt in der wir leben, Stadt um Stadt, Gemeinde um&#13;
Schulden zurückzuzahlen. Das stellt einen unglaubli- Gemeinde, Block um Block. Ich sage Ihnen, wir&#13;
chen Anreiz dar.&#13;
brauchen Sie...&#13;
Unter dem bestehenden System jedoch haben die wie Sie wissen - mit großen Rechnungen oder einfach&#13;
mit unangenehmer Verantwortung konfrontierten Studenten viel zu oft den Weg der Verantwortungslosigkeit eingeschlagen und sind ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen oder in Verzug geraten,&#13;
weil sie keine Arbeit fanden. Häufig stellt es keine&#13;
große Anstrengung dar, das Darlehen aufzunehmen,&#13;
da die Regierung für 90 Prozent des Geldes eine&#13;
Garantie übernimmt. Wenn also eine Bank ein Darlehen gewährt, kostet es über 10 Prozent, es einzufordern. Wozu führt das? Die Steuerzahler zahlen jedes&#13;
Jahr mehr als 3 Milliarden Dollar für die Darlehen&#13;
anderer, nur für nicht bediente Darlehen, - Geld, das&#13;
für Ihre Ausbildung, für die Schulen hier, fürdie Zukunft&#13;
der Kinder hier ausgegeben werden könnte. Das ist&#13;
nicht in Ordnung.&#13;
&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß wir Ihre Energien und&#13;
Talente nutzen können. Ein Weg besteht in der&#13;
Gewährleistung, daß die häufig vom öffentlichen Dienst&#13;
gebotenen niedrigen Löhne und Gehälter nicht eine&#13;
Straße zum Armenhaus für jemanden mit einem Darlehen für die Collegeausbildung werden. Wie ich&#13;
bereits gesagt habe, werden wir es leichter für Sie&#13;
machen, Ihr College-Darlehen abzuzahlen, aber, wenn&#13;
Sie sich für einen nationalen sozialen Dienst verpflichten, werden wirdie Rückzahlung eines College-Kredits&#13;
erleichtern oder Sie können Punkte dafür sammeln,&#13;
bevor oder während Sie aufs College gehen.&#13;
&#13;
Für jede Dienstzeit - ein oder zwei Jahre - erhalten die&#13;
Teilnehmer am Programm für einen nationalen sozialen Dienst Vergütungen, die für frühere, gegenwärtige&#13;
oder künftige Verpflichtungen verwendet werden können, sei es für das College oder eine moderne BerufsUnter unserem System würde das Bildungsministe- ausbildung. Sie können eine Collegeausbildung erhalrium die Dienste des Finanzamts zu Hilfe nehmen, wir ten und darüber hinaus durch den Dienst vielleicht die&#13;
hätten die Gehaltslisten, und Sie könnten die Rech- beste Erfahrung Ihres Lebens machen. Und das ist&#13;
nung nicht unterbieten...&#13;
eine ziemlich gute Investition...&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Ein weiterer Teil unseres Plans ist, auf das 1990&#13;
verabschiedete Gesetz über den nationalen und&#13;
kommunalen Dienst (National und Community Service&#13;
Act) und die bereits Früchte tragenden Programme&#13;
aufzubauen, die wir... in jedem Bundesstaat dieses&#13;
Landes in die Wege geleitet haben. Ein nationaler&#13;
sozialer Dienst wird keine staatliche Bürokratie werden, sondern an der Basis bei den realen Problemen&#13;
realer Menschen und mit Programmen tätig sein, die&#13;
heute funktionieren. Die Motivation erfolgt auf lokaler&#13;
Ebene, den ich vertraue darauf, daß die Gemeinden in&#13;
diesem Land eigene Entscheidungen treffen können...&#13;
Was dieses Gesetz von anderen ähnlichen Bestrebungen der Vergangenheit unterscheidet, die Dienste für&#13;
unser Land bereitstellten, ist, daß es die Bürokratie der&#13;
Bundesregierung vollständig beseitigt - und glauben&#13;
Sie mir, das wird niemandem entgehen. Wir werden&#13;
ein Unternehmen für einen nationalen sozialen Dienst&#13;
aufbauen, das wie ein großes Risikounternehmen&#13;
operieren wird, nicht wie eine Bürokratie. Und die&#13;
Gemeinden werden, wie ich bereits sagte, die Flexibilität haben, ihre eigenen Programme ans Laufen zu&#13;
bringen...&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Indem es diesem Appell Folge leistet, setzt unser Volk&#13;
eine stolze Geschichte fort. Vor über einem Jahrhundert unterzeichnete Präsident Abraham Lincoln das&#13;
Heimstättengesetz, und die Grenzen dieses Landes&#13;
wurden durch zahllose Familien festgesetzt, die die&#13;
Herausforderung als Gegenleistung für 100 Acre Land&#13;
annahmen, die sie ihr eigen nennen konnten. In den&#13;
dreißiger Jahren rekrutierte Präsident Roosevelt durch&#13;
die Naturschutzbehörde Millionen junger Leute für die&#13;
Wiederherstellung der Umwelt. Roosevelt gab anderen durch die von der Dienststelle für Arbeitsprojekte&#13;
ermöglichten Gebäude eine Chance zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit...&#13;
Vor einer Generation sahen die jungen Menschen&#13;
meiner Generation das Leiden in Lateinamerika, Asien&#13;
und Afrika, und viele von ihnen stellten sich der Herausforderung, die Präsident Kennedy mit der Gründung des Peace Corps bot, das zum wichtigsten&#13;
Botschafter unseres Landes wurde, indem es Brücken&#13;
des Verständnisses zu fernen Kulturen baute. Und&#13;
heute, drei Generationen später, bietet sich Ihnen allen&#13;
eine Herausforderung: Eine neue und eine alte Herausforderung, so alt wie Amerika und so neu wie Ihre&#13;
Zukunft...&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�SOMALIA&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
US-TRUPPEN IN SOMALIA RETTETEN&#13;
MENSCHENLEBEN&#13;
Ansprache Präsident Clintons vor der Vereinigten Einsatztruppe&#13;
WASHINGTON - (AD) - "Wenn Sie alle, die Sie gedient haben, diesen Einsatz nicht geleistet hätten, wären mit&#13;
absoluter Sicherheit Zehntausende von Menschen gestorben. Sie haben ihr Leben gerettet", äußerte Präsident&#13;
Clinton vor den Frauen und Männern der Vereinigten Einsatztruppe in Somalia während einer ihnen zu Ehren&#13;
am 5. Mai 1993 im Weißen Haus abgehaltenen Feierstunde.&#13;
Clinton erklärte, der Erfolg der Einsatztruppe "hat wieder einmal bewiesen, daß unsere Teilnahme an&#13;
multilateralen Bemühungen zeitlich begrenzt und klar definiert sein kann, daß wir im Ausland bestimmte Ziele&#13;
erreichen und dann nach Beendigung unserer Mission nach Hause zurückkehren können."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Ansprache Präsident Clintons.&#13;
&#13;
Um die Größenordnung des von unseren Streitkräften&#13;
in Somalia Geleisteten zu verstehen, muß die Wert nur&#13;
an die Situation in Somalia vor einem halben Jahr&#13;
zurückdenken. Hunderttausende verhungerten, bewaffnete Anarchie beherrschte das Land und die Straßen jeder Stadt und jedes Dorfes. Heute gibt es wieder&#13;
Nahrungsmittel, das Getreide wächst auf den Feldern,&#13;
Schulen und Krankenhäuser werden wieder geöffnet.&#13;
Obwohl noch viel zu tun bleibt, wenn ein dauerhafter&#13;
Friede herrschen soll, kann man sich heute bereits den&#13;
Tag vorstellen, an dem Somalia als funktionierende&#13;
bürgerliche Gesellschaft wiederhergestellt ist.&#13;
Wenn Sie alle, die Sie gedient haben, diesen Einsatz&#13;
nicht geleistet hätten, wären mit absoluter Sicherheit&#13;
Zehntausende von Menschen gestorben. Sie haben&#13;
ihr Leben gerettet. Sie haben den Menschen in&#13;
Somalia die Gelegenheit gegeben, über ihren Hunger&#13;
hinauszublicken und an ihre Zukunft und die Zukunft&#13;
ihrer Kinder zu denken. Obwohl Sie sich auf eine&#13;
Friedensmission begaben, kehrten acht Amerikaner&#13;
nicht zurück. Wir bezeugen jedem von ihnen unsere&#13;
Ehrerbietung. Wir danken ihnen und ihren Familien.&#13;
Amerika wird nie vergessen, was sie getan haben und&#13;
was sie gaben. Ihren Angehörigen sprechen wir unser&#13;
Mitgefühl aus und schließen sie in unsere Gebete ein.&#13;
&#13;
kunft hat. Diese größte humanitäre Hilfsaktion der&#13;
&#13;
Geschichte hat ein wichtiges neues Kapitel in den&#13;
internationalen Annalen friedenserhaltender und&#13;
humanitärer Hilfsleistungen geschrieben.&#13;
Sie haben gezeigt, daß die Arbeit der Gerechten über&#13;
die Waffen der Kriegsherren die Oberhand gewinnt.&#13;
Sie haben demonstriert, daß die Welt bereit ist, ihre&#13;
Ressourcen auf neue Art und Weise zu mobilisieren,&#13;
um den Herausforderungen eines neuen Zeitalters zu&#13;
begegnen. Und Sie haben wieder einmal bewiesen,&#13;
daß die Führungsrolle Amerikas dazu beitragen kann,&#13;
eine internationale Aktion für eine bessere Welt ins&#13;
Leben zu rufen.&#13;
Sie lassen auch eine UNO-Friedenstruppe zurück, der&#13;
viele Amerikaner angehören. Diese Truppe ist ein&#13;
Spiegel des neuen Zeitalters, in das wir eingetreten&#13;
sind, da Amerikaner auf neue Art und Weise daran&#13;
teilnehmen.&#13;
&#13;
Vor wenigen Stunden, als UNITAF zu UNOSOM II&#13;
wurde, übergab General Johnston das Kommando an&#13;
General Bir aus der Türkei. Sie haben die Weichen&#13;
gestellt und es dieser Truppe ermöglicht, ihre Mission&#13;
zu erfüllen, und den Menschen in Somalia, ihre Arbeit&#13;
für Wiederaufbau und die Schaffung einer friedlichen,&#13;
Während wirdie Dienste derjenigen ehren, die zurück- wirtschaftlich unabhängigen und demokratischen bürgekehrt sind, und derjenigen, die nicht zurückkehrten, gerlichen Gesellschaft zu vollenden.&#13;
ist es angemessen darüber nachzudenken, welche Ihre erfolgreiche Rückkehr erinnert uns daran, daß&#13;
Auswirkungen diese erfolgreiche Mission für die Zunoch andere Missionen vor uns liegen - einige sind&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�voraussehbar, andere nicht. Wie stets sind wir bereit&#13;
zur Verteidigung unserer Interessen, zur Zusammenarbeit mit anderen, wenn möglich, und zum Alleingang,&#13;
wenn nötig. In diesem neuen Zeitalter werden wir&#13;
jedoch in zunehmendem Maße mit einer Vielzahl&#13;
multinationaler Partner zusammenarbeiten müssen,&#13;
oftmals in neuen Konstellationen. Sie haben erneut&#13;
bewiesen, daß dies möglich ist. Sie haben erneut&#13;
bewiesen, daß unsere Teilnahme an multilateralen&#13;
Bemühungen zeitlich begrenzt und klar definiert sein&#13;
kann, daß wir im Ausland bestimmte Ziele erreichen&#13;
und dann nach Beendigung unserer Mission nach&#13;
Hause zurückkehren können.&#13;
&#13;
General Johnston und seine Kameraden repräsentieren. Der Grund dafür ist, daß wir immer noch Interessen haben, uns immer noch Gefahren gegenübersehen und immer noch Verantwortung tragen. Die Welt&#13;
hat noch nicht ein Ende des Bösen gesehen, und&#13;
Amerika kann anderen Ländern mit gutem Beispiel&#13;
vorangehen, mehr Verantwortung zu tragen.&#13;
&#13;
Manche werden fragen, warum wir so häufig die Führungsrolle übernehmen müssen. Natürlich können wir&#13;
nicht den Weltpolizisten spielen, aber wir sind die&#13;
führende Nation in der Welt und müssen dies auch&#13;
weiterhin bleiben. Das ist die Aufgabe der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika. Und so öffnet Amerika heute&#13;
Manche werden vielleicht fragen, warum wir nach dem seine Arme zu einem herzlichen Willkommensgruß für&#13;
Ende des Kalten Krieges immer noch die größte Streit- die Heimkehrer.&#13;
macht der Welt unterhalten müssen, der Art, wie sie&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�HANDEL&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
KANTOR: URUGUAY-RUNDE BENÖTIGT BETEILIGUNG&#13;
JAPANS UND DER ENTWICKLUNGSLÄNDER&#13;
Rede des US-Handelsbeauftragten&#13;
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge ist die UruguayRunde von "vordringlicher" Bedeutung für die Clinton-Administration, der Erfolg dieser internationalen Handelsrunde benötige jedoch die uneingeschränkte Beteiligung Japans und der Entwicklungsländer.&#13;
In einer am 5. Mai 1993 vor dem nationalen Presseclub gehaltenen Rede verteidigte Kantor die amerikanische&#13;
Handelspolitik gegen Kritik aus dem Ausland, sie sei einseitig.&#13;
"Länder zur Einhaltung ihrer Abkommen anzuhalten, ist das Gegenteil", stellte Kantor fest. "Wir können die&#13;
Unternehmen und ihre Arbeitnehmer nicht auffordern, das Risiko der Geschäftstätigkeit auf dem Weltmarkt zu&#13;
übernehmen, solange wir nicht garantieren können, daß Abkommen durchgesetzt werden."&#13;
Der Handelsbeauftragte erörterte ferner das Engagement der Administration für das Nordamerikanische&#13;
Freihandelsabkommen und das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit.&#13;
Kantor fügte hinzu, Präsident Clinton erwarte von seinem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten&#13;
Miyazawa in Tokio während des jährlichen Wirtschaftsgipfels der führenden Industrienationen im Juli "konkrete,&#13;
meßbare Fortschritte" bei einer Reihe bilateraler Themen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Handelsbeauftragten im Wortlaut.&#13;
&#13;
Vor etwas mehr als zwei Monaten hat Präsident Clinton vor der American University seine Vision der&#13;
amerikanischen Rolle in der Weltwirtschaft dargelegt.&#13;
Es ist eine auf die Überzeugung gegründete Vision,&#13;
daß wir zum dritten Mal im 20. Jahrhundert vor einer&#13;
historischen Entscheidung stehen.&#13;
"Werden wir die Fehler der zwanziger oder dreißiger&#13;
Jahre wiederholen, uns nach innen zu wenden?",&#13;
fragte er. "Oder werden wir die Erfolge der vierziger&#13;
und fünfziger Jahre wiederholen, indem wir uns nach&#13;
außen wenden?" Seine Amtwort war eindeutig: Wir&#13;
werden uns nach außen wenden und uns an die neue&#13;
Weltwirtschaft anpassen. Wirwerden unsder Konkurrenz stellen und uns nicht zurückziehen.&#13;
Handel ist für die Vision des Präsidenten von der&#13;
Zukunft Amerikas in der Welt ein zentrales Element.&#13;
Handel bedeutet, Geld in der Tasche zu haben. Handel&#13;
bedeutet Arbeitsplätze. Handel bedeutet, daß die&#13;
Arbeiterund Arbeiterinnen in Raleigh in North Carolina&#13;
elektrische Produkte für Computer in 70 Ländern herstellen und verkaufen. Handel bedeutet, daß eine&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Firma in Kalifornien, die im Besitz von Angehörigen&#13;
einer Minderheit ist, elektromechanische Produkte in&#13;
fünf Länder exportiert. Im gesamten Land bedeutet&#13;
Handel, daß Arbeitnehmer Abendessen auf den Tisch&#13;
stellen und ihre Familien versorgen können.&#13;
Die Vorteile des Handels beschränken sich nicht auf&#13;
die Vereinigten Staaten. Wie der Präsident in seiner&#13;
Rede vor der American University weiter ausführte,&#13;
wird das Geflecht des Handels auch weltweiten Wohlstand beeinflussen. "Dennoch bleibt jetzt und für&#13;
absehbare Zukunft die Tatsache bestehen, daß die&#13;
Welt uns als Motor für weltweites Wachstum und als&#13;
führende Nation betrachtet."&#13;
Wir können diesen beiden Aufgaben von Wohlstand&#13;
für die Vereinigten Staaten und einer weltweiten Führungsrolle nicht gerecht werden, wenn wir nicht konkurrenzfähig sind. Die Clinton-Administration hat sich&#13;
verpflichtet, Amerika wettbewerbsfähig zu machen.&#13;
Wir können nur konkurrenzfähig sein, wenn die Handelspolitik integraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik&#13;
ist.&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Tage sind vorüber, als diese Nation Handelsbelange "nationaler Sicherheit" im herkömmlichen Sinne&#13;
des Begriffs unterordnen konnte. Die Strategie des&#13;
"Containment" war während des Kalten Krieges angemessen, es war jedoch eine statische, auf die Eindämmung des sowjetischen Expansionismus abzielende&#13;
Strategie. In jenen Jahren machten wir uns Sorgen&#13;
über die "Weltuntergangsuhr" - deren Zeiger auf kurz&#13;
vor 12 Uhr im Hinblick auf einen Nuklearkrieg standen.&#13;
Lange Zeit warunsere Strategie die gesicherte gegenseitige Vernichtung.&#13;
Heute sind unsere Herausforderungen dynamisch,&#13;
nicht statisch. Auf Humankapital gegründete und&#13;
durch Handel genährte wirtschaftliche Stärke ist eine&#13;
Säule der nationalen Sicherheit in dieser neuen Zeit&#13;
nach dem Kalten Krieg. Unsere Sicherheitsinteressen&#13;
- und die der anderen - sind untrennbar mit Wachstum&#13;
und Fairneß des globalen Handelssystems verbunden.&#13;
Die Wirtschaftspolitik beginnt mit dem Binnenwirtschaftsprogramm des Präsidenten. Die Herausforderungen sind enorm. Die Arbeitslosenquote beträgt&#13;
noch immer 7 Prozent. 10 Prozent der Amerikaner&#13;
beziehen Lebensmittelmarken. Über 16 Millionen&#13;
Menschen suchen Vollzeitbeschäftigung und haben&#13;
dabei kein Glück.&#13;
Wir müssen den amerikanischen Arbeitnehmern die&#13;
Ausbildug zur Verfügung stellen, die sie für gute Arbeitsplätze in den Industrien der Zukunft benötigen.&#13;
&#13;
beitet im Fertigungssektor und verdient nahezu 3.500&#13;
Dollar mehr im Jahr als der amerikanische Durchschnittsarbeiter.&#13;
Wenn sich Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich am&#13;
Handel orientieren, bieten auch sie den Arbeitnehmern&#13;
wertvolle Anreize. Der Durchschnittsverdienst eines&#13;
im Dienstleistungsbereich tätigen Arbeitnehmers im&#13;
Export liegt schätzungsweise 20 Prozent höher als der&#13;
Durchschnittsverdienst im Dienstleistungssektor.&#13;
Handel bedeutet also, daß die Zeiger der Uhr vorrükken, in Richtung auf höhere Einkommen und bessere&#13;
Arbeitsplätze für Amerikaner.&#13;
Nehmen wir zum Beispiel Ron Thomason, einen Lagerarbeiter im großen Bulldozermontagewerk der Firma Caterpillar in East Peoria (Illinois). Er sagt: "Ich&#13;
verdanke Exporten meinen Arbeitsplatz." Im IBMWerk in Rochester (Minnesota) wissen 200 von 900&#13;
Beschäftigten, daß ihre Arbeitsplätze vom Export&#13;
abhängen. Dasselbe gilt für 18 Beschäftigte eines&#13;
Unternehmens für Fertigungssteuerung in Tucson.&#13;
Gleichzeitig haben wir den größten offenen Markt der&#13;
Welt. Wir sind der größte Abnehmer für Exporte aus&#13;
Entwicklungsländern. In vier wichtigen Branchen Textilien und Bekleidung, Stahl, Automobile und Schuhwerk - importieren die Vereinigten Staaten pro Kopf&#13;
zwischen doppelt und zehnmal soviel wie Japan. Bei&#13;
dieser Bilanz wollen die Amerikaner sicher sein, daß&#13;
sie von niemandem übervorteilt werden und andere&#13;
ähnlich offene Märkte einrichten und beibehalten.&#13;
&#13;
Wir müssen unser strukturelles Defizit beheben.&#13;
&#13;
Um unsere Ziele im Handel zu erreichen, werden wir&#13;
Wir müssen für amerikanische Unternehmen das Kapital alle uns zur Verfügung stehenden Verhandlungsinbereitstellen, das sie für Expansion und Konkurrenzfä- strumente einsetzen. Wir werden multilateral, regiohigkeit benötigen.&#13;
nal, bilateral, branchenweise verhandeln. Wir bestehen lediglich darauf, daß ausländische Regierungen&#13;
Und wir müssen der amerikanischen Volkswirtschaft im Rahmen von bestehenden und künftigen Abkomdie Anreize eines prosperierenden Weltmarktes bie- men unsere Rechte respektieren. Und wir werden ihre&#13;
ten.&#13;
respektieren. Wir streben nach Verpflichtungen auf&#13;
Gegenseitigkeit - und vergleichbare Maßnahmen:&#13;
Die Ziele der Handelspolitik der Clinton-Administration&#13;
Bedingungen, die echte Partnerschaft und gegenseitisind klar. Wir wollen mehr ausländische Märkte erge Verantwortung bedeuten.&#13;
schließen. Wir möchten mehr Geschäfte mit den&#13;
bereits geöffneten Märkten tätigen. Wir wollen gegen Wir Amerikaner werden bisweilen der Einseitigkeit&#13;
uns und andere errichtete Handelsschranken abbau- bezichtigt, wenn wir auf der Durchsetzung von Abkomen.&#13;
men bestehen. Länder zur Einhaltung ihrer Abkommen anzuhalten, ist das Gegenteil. Die Durchsetzung&#13;
Wir müssen Vertrauen in das internationale Handelsstärkt die Unterstützung der Vereinigten Staaten für&#13;
system aufbauen. Die amerikanische Öffentlichkeit&#13;
ein offenes Handelssystem - und sie stärkt darüber&#13;
denkt zu häufig, daß Handel schadet, daß Handel&#13;
hinaus auch die Glaubwürdigkeit dieses HandelssyArbeitsplätze wegnimmt. Das Gegenteil trifft zu.&#13;
stems.&#13;
Die Zahlen sprechen für sich. Jede Milliarde Dollar an&#13;
Exporten schafft 20.00 neue Arbeitsplätze in den Wir können Unternehmen und ihre Arbeitnehmer nicht&#13;
Vereinigten Staaten. Heute hängt das Einkommen auffordern, das Risiko der Geschäftstätigkeit auf dem&#13;
von über sieben Millionen Amerikanern allein von den Weltmarkt einzugehen, solange wir nicht garantieren&#13;
Warenexporten ab oder steht zumindest mit ihnen in können, daß Abkommen durchgesetzt werden. Das&#13;
Zusammenhang. Die Mehrzahl dieser Personen ar- ist die Quintessenz echter Partnerschaft und gegenseitiger Verantwortung.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Diese Prinzipien kommen in jeder unserer wichtigen&#13;
Handelsinitiativen zum Ausdruck. Die Uruguay Runde&#13;
ist von höchster Bedeutung, weil das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT) nach wie vor die&#13;
Grundlage des Welthandelssystems bildet. Diese&#13;
Verhandlungen werden nun bereits im siebten Jahr&#13;
geführt. Um ihnen neuen Schwung zu verleihen,&#13;
müssen wir Fortschritte beim Marktzugang erreichen,&#13;
indem wir uns darauf verständigen, die Handelsschranken bei Fertigwaren, Dienstleistungen und Agrarprodukten zu beseitigen - und wir beabsichtigen, die&#13;
Uruguay Runde bis zum 15. Dezember abzuschließen.&#13;
&#13;
plätze etwa 12 Prozent über dem nationalen Durchschnitt. Für 38 von 50 Bundesstaaten ist Mexiko&#13;
darüber hinaus einer der zehn besten Kunden. Fünf&#13;
der zehn am meisten nach Mexiko exportierenden&#13;
Bundesstaaten sind Industriestaaten im Norden. Ohne&#13;
NAFTA werden die Vereinigten Staaten nicht in der&#13;
Lage sein, diese Zuwächse zu festigen und auszubauen.&#13;
&#13;
Im vergangenen Januar hat die EG einseitig für die&#13;
Gemeinschaft gültige Anforderungen bei staatlichen&#13;
Beschaffungen erlassen, die nichteuropäische Anbieter diskriminierten. Es schien keine Alternative zu&#13;
geben als nach unseren Gesetzen Sanktionen zu&#13;
verhängen. Nach zweitägigen intensiven Gesprächen&#13;
einigten sich die Vereinigten Staaten und die EG&#13;
vergangenen Monat darauf, einen wichtigen Teilbereich des Beschaffungsmarkts für beide Seiten zu&#13;
öffnen. Die EG wird die Diskriminierung amerikanischer Anbieter von schwerem elektrischem Gerät&#13;
einstellen. Die Vereinigten Staaten werden die "Buy&#13;
America"-Präferenzen bestimmter bundesweiter Versorgungseinrichtungen, darunter die Tennessee Valley Authority, aufheben. Wir werden weiter über die&#13;
verbleibenden Schranken verhandeln, auch wenn wir&#13;
aufgrund der nichterfolgten Öffnung des Telekommunikationsmarktes Sanktionen verhängen.&#13;
&#13;
Ein vordringlicher Bereich ür diese Administration ist&#13;
fdas Pazifische Becken. Wir möchten als Katalysator&#13;
wirken, um das Pazifische Becken sowie Nord- und&#13;
Südamerika - heute die beiden dynamischsten Regionen der Wert - miteinander zu verbinden.&#13;
&#13;
Die derzeitigen Verhandlungen betreffen mehrere&#13;
Schlüsselbereiche: Beseitigung von Altlasten an der&#13;
Grenze, Kommissionen für Arbeits-und Umweltfragen&#13;
mit Durchführungsbestimmungen, Importschwemmen,&#13;
schärfere Durchführung nationaler Gesetze sowie&#13;
Einige warten ab, daß die Vereinigten Staaten und die Förderung höherer Löhne und Produktivität. Daneben&#13;
Europäische Gemeinschaft die Führungsrolle in die- wird das von uns dem Kongreß zugeleitete Abkommen&#13;
sem Bereich übernehmen, bevor sie ihren eigenen gewährleisten, daß die Arbeitnehmer angemessene&#13;
Beitrag leisten. Wir und die Europäische Gemein- Anpassungshilfen erhalten.&#13;
schaft haben unsererseits die Verantwortung akzeptiert und uns geeinigt, einen Rahmen für den Marktzu- Über NAFTA hinaus sehen wir - beginnend mit Chile gang anzustreben. Wir werden jedoch nurdann erfolg- gute Aussichten für zusätzliche Handelsabkommen&#13;
reich sein, wenn andere - wie Japan und die Entwick- mit erfolgreichen marktorientierten Volkswirtschaften&#13;
in ganz Nord- und Südamerika. Die Kombination aus&#13;
lungsländer - vollwertige Teilnehmer sind.&#13;
politischen und wirtschaftlichen Reformen in dieser&#13;
Die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin, daß wir mit Region ist atemberaubend. Die amerikanischen Exder Europäischen Gemeinschaft zusammenarbeiten porte in die Region expandieren in einem Tempo, das&#13;
und Fortschritte erzielen können, um die Runde abzu- dreimal so hoch liegt wie die Wachstumsrate unserer&#13;
Exporte in die Welt als Ganzes.&#13;
schließen.&#13;
&#13;
1960 erzielten die Pazifikstaaten 8,9 Prozent des&#13;
Bruttosozialprodukts der Welt. Bis zum Jahr 2000 wird&#13;
dieser Anteil nahezu 26 Prozent erreichen. Vierzig&#13;
Prozent des Welthandels der USA werden gegenwärtig mit dem Pazifischen Becken abgewickelt. Im&#13;
vergangenen Jahr übertraf der Handel über den Pazifik den Transatlantikhandel um 50 Prozent.&#13;
&#13;
Dieses Jahr führen die Vereinigten Staaten den Vorsitz&#13;
bei dem als APEC bekannten Forum für asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wir hoffen, daß APEC den Rahmen für erweiterten Handel&#13;
und einen verstärkten Investitionsfluß in der Region&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist ein bereitstellen wird. Wir beabsichtigen, zur Förderung&#13;
zweites wichtiges Glied in der Kette von Handel und dieser Ziele mit unseren asiatischen Partnern zusamWirtschaft. Als Reaktion auf die Senkung der Handels- menzuarbeiten.&#13;
schranken in Kanada und Mexiko sowie in Erwartung Wenn die Vereinigten Staaten zum Pazifik schauen,&#13;
des NAFTA erleben wir einen Aufschwung im Handel denken sie zuerst an Japan. Es gibt kein Land, das für&#13;
und auf dem Arbeitsmarkt. Die Exporte nach Kanada unsere langfristigen Interessen von größerer Bedeustützen bereits schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeits- tung ist. Die Geschichte verbindet unsere beiden&#13;
plätze in den Vereinigten Staaten. Die Zahl der mit Nationen bereits seit über einem Jahrhundert. Wir&#13;
Mexiko in Verbindung stehenden Exportarbeitsplätze waren Gegner und Verbündete. Heute ist unser Bündnis&#13;
ist in den vergangenen fünf Jahren von 300.000 auf von fundamentaler Bedeutung. Unsere gemeinsamen&#13;
700.000 gestiegen. Bei Durchführung des NAFTA mit Interessen und unsere gemeinsamen HerausfordeErgänzungsabkommen werden bis 1995 weitere 200.000 rungen sind umfassend. Aus diesem Grund müssen&#13;
prognostiziert. Die Bezahlung liegt für diese ArbeitsAMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�die Dinge, die uns trennen, offen angesprochen, klar&#13;
ins Auge gefaßt und schließlich gelöst werden.&#13;
&#13;
In ähnlicher Weise sind innenpolitische Maßnahmen&#13;
und Vorschriften für die Zukunft des Handels ebenso&#13;
wichtig geworden wie die an der Grenze ergriffenen&#13;
Wir bemühen uns zur Zeit, die Hindernisse beim handelspolitischen Maßnahmen. Die Innenpolitik ist&#13;
Zugang zu Japans Bau- und Supercomputermarkt zu zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren im&#13;
beseitigen. Dies sind nur zwei Beispiele für die tiefver- Welthandel geworden. Die Regierungen konkurrieren&#13;
wurzelten politischen, sozialen und kommerziellen miteinander, um durch eine Vielzahl innenpolitischer&#13;
Praktiken und Einstellungen, die das Funktionieren Maßnahmen hochbezahlte, hochwertige Arbeitspläteines freien und offenen Welthandelssystems ernst- ze zu schaffen.&#13;
haft verzerren.&#13;
Diese neuen Gegebenheiten diktieren auch die NotAls Ministerpräsident Miyazawa Washington im letz- wendigkeit, sich mit der Umwelt-, Technologie- und&#13;
ten Monat einen Besuch abstattete, erklärte Präsident Wettbewerbspolitik zu befassen. Jede steht mit dem&#13;
Clinton, für Japan sei die Zeit gekommen, substantiel- Handel in engem Zusammenhang und jede stellt eine&#13;
lere Schritte zur Öffnung seines Marktes zu unterneh- Herausforderung an unsere Handelsinstitutionen dar,&#13;
men und eine seiner wirtschaftlichen Stärke entspre- kreativer, offener und flexibler zu werden. Sich damit&#13;
chende Führungsrolle zu übernehmen. Wir müssen und mit anderen Handelsfragen zu befassen, setzt&#13;
jedoch konkrete, meßbare Fortschritte in einer Anzahl Wandel voraus.&#13;
sektoraler und struktureller Fragen machen.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren immer bereit zum Wandel.&#13;
Japan und die Vereinigten Staaten haben sich geei- Wir begrüßen Wandel, leben davon und sind davon&#13;
nigt, spezifische Gebiete für bilaterale Verhandlungen abhängig. Der Präsident hat bereits darauf hingewieauf dem im Juli diesen Jahres stattfindenden Weltwirt- sen, daß wir den Wandel zu unserem Freund machen&#13;
schaftsgipfel in Tokio auszumachen.&#13;
müssen.&#13;
Unsere handelspolitischen Maßnahmen und Aktionen&#13;
haben ein und denselben Zweck: Die Öffnung von&#13;
Märkten und die Schaffung von Handelsmöglichkeiten&#13;
zur Ankurbelung der Weltwirtschaft, Stärkung des&#13;
Welthandelssystems und vor allem Sicherstellung der&#13;
gegenwärtigen und dauerhaften Konkurrenzfähigkeit&#13;
amerikanischer Arbeitnehmer und Unternehmen. Handel&#13;
ist kein Nullsummenspiel, sondern eine Lokomotive&#13;
des Wachstums.&#13;
Diese Administration wird alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Erreichung dieser Ziele einsetzen. Welche Programme wir auch haben mögen Exportförderung, Exportfinanzierung und Unterstützung des Handels - sie sind Werkzeuge einer umfassenden Strategie zur Förderung des Handels.&#13;
Das Handelssystem und die es unterstützenden Institutionen müssen sich an die Realitäten der neuen&#13;
Weltwirtschaft anpassen. Wir brauchen neue Annahmen und eine vollkommen neue Einstellung auf Seiten&#13;
der Vereinigten Staaten und ihrer Handelspartner.&#13;
Tatsache ist, daß die Globalisierung der Produktion&#13;
und der Märkte den Charakter des internationalen&#13;
Wettbewerbs verändert hat. Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist nicht realistisch. "Importierte" Güter werden&#13;
nicht mehr ausschließlich in dem Exportland hergestellt; oft ist auch die Produktion im Inland miteingeschaltet. Handel und Investitionen sind eng miteinander verbunden.&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten wir Handelshemmnisse mit katastrophalen Folgen. Nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg senkten wir die Zölle und bauten&#13;
weltweite Institutionen für die Erweiterung von Handel&#13;
und Investitionen, selbst als wir dem Kommunismus&#13;
Einhalt geboten.&#13;
Das Ende des Kalten Krieges ist der dritte entscheidende Zeitpunkt in diesem Jahrhundert. Wir haben die&#13;
Chance, eine neue Zukunft aufzubauen und sie die&#13;
schönste und dauerhafteste von allen zu machen.&#13;
Anstelle der Weltuntergangsuhr, deren Zeiger auf kurz&#13;
vor 12 Uhr im Hinblick auf einen Nuklearkrieg stehen,&#13;
wollen wir eine "Wachstumsuhr", deren Zeiger auf&#13;
Mittag zeigen. Anstelle der Fähigkeit zur gesicherten&#13;
gegenseitigen Zerstörung streben wir gegenseitig&#13;
garantiertes Wachstum an.&#13;
Zusammen müssen wir den kleinen Teil Klugheit,&#13;
Weitsicht, Mut und Sinn für Gemeinsamkeit mobilisieren, den unsere Eltern an den Tag legten, als sie mit&#13;
der beängstigenden Aufgabe konfrontiert wurden, den&#13;
Faschismus zu besiegen, den Kommunismus einzudämmen und die Welt nach Kriegsende wiederaufzubauen. Ich bin der Meinung, daß wir dieser Herausforderung gewachsen sind.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�NATO&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
DIE VEREINIGTEN STAATEN IN DER NATO UND&#13;
IN EUROPA: NEUE HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Frank Wisner&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Rede mit dem Titel "Die Vereinigten Staaten in der NATO&#13;
und in Europa: Neue Herausforderungen für das Bündnis" wurde am 5. Mai 1993 von Frank Wisner gehalten,&#13;
den Präsident Clinton für das Amt des Staatssekretärs für politische Angelegenheiten im Verteidigungsministerium nominiert hat. Wisner sprach bei einer vom Atlantic Council of the United States und der EUROGRUPPE&#13;
veranstalteten Konferenz zum Thema "Europa und Nordamerika: Interdependenz und Partnerschaft in den&#13;
neunziger Jahren".&#13;
&#13;
Es ist mir ein Vergnügen, vor diesem hochkarätigen&#13;
Publikum über die Vereinigten Staaten in der NATO&#13;
und in Europa zu sprechen.&#13;
Meine Hauptthese lautet, daß wir alle unsere Bemühungen intensivieren müssen, nationale Verteidigungskonzepte und die NATO an die neuen Herausforderungen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg anzupassen.&#13;
&#13;
Entwicklung eines umfassenden Ansatzes zur&#13;
Nichtverbreitung;&#13;
Verbesserung unserer Friedenssicherungsfähigkeiten;&#13;
Intensivierung von Programmen zur Zusammenarbeit mit dem Osten;&#13;
&#13;
Aufrechterhaltung wirksamer VerteidigungssyWie der Minister erklärt hat und wie Dr. Perry in Brüssel&#13;
steme auf der Grundlage gleichgewichtiger Laam 29. März feststellte, engagiert sich die Clintonstenverteilung.&#13;
Administration für ein starkes Bündnis und die Aufrechterhaltung der notwendigen Streitkräfte, um dieNichtverbreitungspolitik&#13;
ses Land zu sichern und unsere vertraglichen Verpflichtungen zu stützen.&#13;
Ich möchte mich zunächst der Herausforderung zuwenden, der Verbreitung von MassenvernichtungsWenn wir uns mit der Vielzahl der anstehenden Proble- waffen Einhalt zu gebieten.&#13;
me beschäftigen, so hat die Administration ihre Aufmerksamkeit auf vier davon konzentriert. Dies sind:&#13;
Verteidigungsminister Aspin hat die Initiative ergriffen,&#13;
um diesen Bemühungen als Schlüsselelement der&#13;
Die von Kernwaffen und anderen nichtkonvennationalen politischen Entscheidungsfindung sowie als&#13;
tionellen Waffen ausgehenden Gefahren;&#13;
entscheidendem Faktor der Verteidigungsplanung einen&#13;
Bedrohungen der regionalen Stabilität in Schlüs- neuen Stellenwert zu verleihen.&#13;
selregionen der ganzen Welt;&#13;
"Nichtverbreitungspolitik" bedeutet unserer Ansicht nach,&#13;
daß&#13;
das traditionelle Programm zur Nichtverbreitung&#13;
das mögliche Scheitern demokratischer Refordurch&#13;
schärfere Maßnahmen ergänzt werden muß, die&#13;
men und die Rückkehr uns feindlich gesonnener&#13;
alle&#13;
Aspekte&#13;
nationaler Macht miteinander verbinden.&#13;
autoritärer Regime;&#13;
Ich kann die potentiellen Gefahren, die bei einem&#13;
mögliche Gefahren für unsere wirtschaftliche Scheitern solcher Bemühungen entstünden, kaum&#13;
überbetonen. Die Verbreitung nichtkonventioneller&#13;
Sicherheit.&#13;
Waffen könnte zum Beispiel nie dagewesene MöglichFür jede dieser Gefahren gibt es analog eine große keiten des Einsatzes von Gewalt zur Erlangung politiHerausforderung für unsere Nationen und die NATO. scher Ziele mit sich bringen - eine Bedrohung, die&#13;
Dies sind:&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�äu ßerst schwierig zu bewältigen u nd unter Kontrolle zu Aus diesem Grund hat der amerikanische Kongreß&#13;
halten wäre.&#13;
800 Millionen Dollar an Nunn-Lugar-Hilfe bewilligt. Die&#13;
Clinton-Administration hat darüber hinaus für das&#13;
Dies betrifft potentiell viele Länder. Tatsächlich besitzt Haushaltsjahr 1994 weitere 400 Millionen Dollar beanoder entwickelt nahezu die Hälfte der Länder im von tragt. Diese Mittel sollen Bemühungen zum Abbau der&#13;
Konflikten heimgesuchten Nahen Osten Massenver- Bedrohung in solch kritischen Bereichen wie dem&#13;
nichtungswaffen.&#13;
sicheren Transport, der gesicherten Lagerung und&#13;
Zerlegung&#13;
von Kernwaffen sowie der Beseitigung von&#13;
Wir haben das ernste Gefahrenpotential im Falle des&#13;
Raketen&#13;
und&#13;
Abschußvorrichtungen erleichtern.&#13;
Irak erlebt. Ich möchte darauf hinweisen, daß der Iran&#13;
ebenfalls den Besitz von Kernwaffen anstrebt, obwohl&#13;
er dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten ist-ganz&#13;
zu schweigen von seinen aktiven Programmen zur&#13;
Entwicklung chemischer und biologischer Waffen.&#13;
&#13;
Diese Bemühungen gehen weit über die Fähigkeiten&#13;
der ehemaligen Sowjetunion hinaus. Amerikanische&#13;
Hilfe ist jedoch schlicht nicht ausreichend - der enorme&#13;
Umfang der Aufgabe erfordert ein hundertprozentiges&#13;
Ich betone die Bedrohung durch den Iran, weil ich nicht Engagement der internationalen Staatengemeinschaft.&#13;
davon ausgehe, daß Europa und die Vereinigten Staa- Insgesamt ist nach unserer Auffassung ein Programm&#13;
ten bei diesem Thema völlig einer Meinung sind, von 3 Milliarden Dollar nötig, um die Erfordernisse&#13;
zumindest im Hinblick auf den Umfang der Maßnah- eines auf Zusammenarbeit gegründeten Abbaus der&#13;
men, die zu treffen wir bereit sind, um der Bedrohung Bedrohung in der ehemaligen Sowjetunion zu erfüllen.&#13;
durch iranische Massenvernichtungswaffen entgegen- Die aus einem solchen Vorhaben resultierenden Vorzutreten. Wie andernorts auch, müssen wir darüber teile für unsere gemeinsame Sicherheit sind offenkunhinaus auf die Beschaffung konventioneller Waffen dig. Wir müssen uns an diesem historischen Scheidedurch den Iran eingehen. Eine übermäßige Anhäu- weg zusammenschließen, um unsere Ressourcen zu&#13;
fung solcher Waffen wird das regionale Gleichgewicht vereinen und diese Aufgabe mit derselben Entschloserschüttern.&#13;
senheit in Angriff zu nehmen, die wir bei anderen&#13;
großen Bestrebungen der Vergangenheit unter BeBei einer umfassenden Einschätzung dessen, wie wir&#13;
weis gestellt haben.&#13;
der Herausforderung der Proliferation begegnen können, würde ich drei Bereiche herausstellen, die beson- 2. Nichtverbreitungsregime und Exportkontrollen&#13;
derer Aufmerksamkeit bedürfen. Dies sind:&#13;
Die zweite Aufgabe im Rahmen der Nichtverbreitungsmultilaterale Hilfe bei der Beseitigung von Waf- bemühungen, die besonderer Aufmerksamkeit bedarf,&#13;
fen;&#13;
betrifft Nichtverbreitungsregime und Exportkontrollen.&#13;
Nichtverbreitungsregime und verbesserte Ex- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, eine gründliche Überprüfung ihres eigenen Instrumentariums&#13;
portkontrollen;&#13;
vorzunehmen und - in Zusammenarbeit mit ihren&#13;
kriegsschauplatzgebundene Raketenverteidi- Verbündeten - die Kontrollen über sicherheitsempfindliche Technologien zu verschärfen und zu rationalisiegungssysteme.&#13;
ren.&#13;
1. Multilaterale Hilfe bei der Beseitigung von&#13;
Angesichts des Endes des Kalten Krieges sind VeränWaffen&#13;
derungen eindeutig erforderlich. Wir sollten über die&#13;
Der erste dieser Bereiche bezieht sich auf ein kürzlich Zukunft des COCOM nachdenken. Vieles ist bereits&#13;
- beim G-7-Ministertreffen in Tokio - von den Vereinig- geändert worden. Noch mehr bedarf der Verändeten Staaten vorgeschlagenes multilaterales Programm rung, wenn wir Partner bei ordentlichem Wirtschaftszur Unterstützung der Entmilitarisierung der ehemali- wachstum sein wollen. Wir müssen jedoch auch&#13;
gen Sowjetunion.&#13;
sensibel für das Risiko sein, daß wir bei der Auflösung&#13;
des COCOM keine schlüssige Alternative haben, um&#13;
Mit rund 27.000 Kernwaffen, die auf Hunderten von&#13;
den Fluß sicherheitsempfindlicher Technologien an&#13;
Standorten über ganz Eurasien verstreut sind, läßt&#13;
die Waffenverbreiter der Welt zu kontrollieren. Wir&#13;
sich schwerlich eine dringendere Aufgabe denken als&#13;
müssen die Anwendbarkeit und Durchsetzung von&#13;
der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der EntnuKontrollen verfeinern und international harmonisieren.&#13;
klearisierung und Rußland bei der Zerlegung seiner&#13;
überschüssigen Kernwaffenbestände zu helfen.&#13;
Einseitige Kontrollen verlieren zunehmend an Effektivität, da alternative Bezugsquellen immer stärker zur&#13;
Jedes dieser Länder ist derzeit mit dem schmerzhaften&#13;
Verfügung stehen. Die Vereinigten Staaten allein&#13;
Übergang zu einer marktorientierteren Ordnung konkönnen die Verbreitung nicht eindämmen, wenn wir&#13;
frontiert, und ihre politisch Verantwortlichen haben&#13;
von unseren Verbündeten und Partnern keine Hilfe&#13;
erklärt, daß sie einfach nicht das Geld haben, um die&#13;
erhalten.&#13;
Zerlegung von Waffen sowie die Entnuklearisierung&#13;
durchzuführen.&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Wir müssen auch die dauerhafte Stärke und Vitalität&#13;
von Einrichtungen wie dem Nichtverbreitungsvertrag&#13;
und der Gruppe der Lieferanten von Atommaterial&#13;
sichern sowie uns um die wirksame Durchführung von&#13;
Abkommen wie der Chemiewaffenkonvention bemühen.&#13;
&#13;
Friedenssicherung&#13;
Die zweite große vor uns liegende Herausforderung ist&#13;
die Friedenssicherung. Sie steht in Zusammenhang&#13;
mit der Gefahr regionaler Instabiität, einem weiteren&#13;
bedeutenden Punkt in Präsident Clintons Verteidigungsprogramm.&#13;
&#13;
Wir sollten uns ebenfalls um die Überwindung der&#13;
derzeitigen Balkanisierung der Regime und Kontrollen Die Gefahren für die regionale Stabilität, die friedensbemühen, wobei verschiedene Waffenarten unter ganz sichernde Maßnahmen erfordern könnten, nehmen&#13;
verschiedene Verträge, Gesetze und Regelungen fal- eindeutig zu. Wir haben ein Interesse an der Verteidilen. Wir mögen vielleicht den Wunsch haben, erhöh- gung von Frieden und Stabilität in Schlüsselregionen&#13;
ten Informationsaustausch zwischen den Regimen auf der ganzen Welt.&#13;
gegen Vertiefung des Bewußtseins von Lücken und&#13;
Jeder von uns mußprüfen, wie wirdieser HerausfordeÜberlappungen abzuwägen.&#13;
rung begegnen können. Die Vereinigten Staaten&#13;
bemühen&#13;
sich um eine Ausweitung ihrer friedenssi3. Kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr&#13;
chernden Fähigkeiten und sind bereit, auf bilateraler&#13;
Als einen dritten Bereich, der Herausforderung der Ebene mit Rußland bei Ausbildungs- und TrainingsNichtverbreitung zu begegnen, würde ich die kriegs- programmen zur Friedenssicherung zusammenzuarschauplatzgebundene Raketenabwehr bezeichnen. beiten. Auch andere sollten ihre Fähigkeiten zur&#13;
Wenn wir eine Abwehr entwickeln können, die die Friedenssicherung verbessern, einschließlich der Lösung&#13;
militärische Wirksamkeit ballistischer Raketen und besonderer Probleme, die ihre Teilnahme erschweren&#13;
nichtkonventioneller Waffen reduziert, können wir einen - beispielsweise die verfassungsrechtlichen Probleme&#13;
Beitrag zur Abschreckung vom Erwerb oder Einsatz Deutschlands.&#13;
solcher Waffen leisten.&#13;
Die NATO spielt hierbei eine entscheidende Rolle.&#13;
Die neue Administration hat erneut unsere Raketenab- Wenn es den NATO-Mitgliedstaaten nicht gelingt, sich&#13;
wehrprogramme geprüft, und wir haben die kriegs- an friedenssichernden und friedenschaffenden Maßschauplatzgebundene Raketenabwehr zur wichtigsten nahmen in Europa und anderen, für unsere gemeinsaPriorität unserer Raketenabwehr gemacht - gefolgt me Sicherheit wichtigen Regionen zu beteiligen, wird&#13;
das Bündnis sich einer ernsthaften Gefahr für sein&#13;
von der nationalen Raketenabwehr.&#13;
langfristiges Überleben als funktionierende Institution&#13;
Die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr stellt gegenübersehen.&#13;
auch ein Gebiet für kooperative Programme dar, im&#13;
Einklang mit der Initiative von Verteidigungsminister Zur Verbesserung seiner Fähigkeiten zur FriedenssiAspin und seinem Stellvertreter Perry zur Wiederbele- cherung mu ß das Bündnis die Auswirkungen friedenssichernder Maßnahmen auf die Verteidigungsplanung&#13;
bung der Rüstungszusammenarbeit.&#13;
durchdenken und Wege finden, um die Franzosen zur&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten im Zusammenhang Teilnahme an der Planung solcher Aktivitäten zu&#13;
mit der Raketenabwehr lange Zeit kooperative Pro- bewegen. Auch muß es die neuentstandenen Demogramme mit einer Anzahl von NATO-Mitgliedstaaten kratien im Osten an der gemeinsamen Planung und&#13;
und Nichtmitgliedstaaten durchgeführt haben, ist es an den gemeinsamen Übungen zur Sicherung des Frieder Zeit, das Potential fü r eine Zusammenarbeit bei der dens beteiligen. Einige dieser Nationen haben bereits&#13;
kriegsschauplatzgebundenen Raketenabwehr inner- bei der Operation Wüstensturm und anderen friedenshalb der NATO zu sondieren.&#13;
sichernden Operationen, einschließlich in Bosnien,&#13;
ihren Willen zur Teilnahme bekundet.&#13;
Wir sollten zumindest versuchen, die Interoperabilität&#13;
der Raketenabwehr zu sichern, die wir und unsere In der NATO werden auf all diesen Gebieten bereits&#13;
Verbündeten stationieren könnten. Wir sind bereit zu Maßnahmen ergriffen. Es besteht die Notwendigkeit,&#13;
gemeinsamer Forschung und Entwicklung im Bereich diese Aktivitäten voranzutreiben und mit Betonung auf&#13;
der Raketenabwehrtechnologie, zur gemeinsamen kreative neue Ansätze zu intensivieren, sowie ihren&#13;
Entwicklung von Abfangjägern, Sensoren sowie Füh- Erfolg sicherzustellen.&#13;
rungs- und Fernmeldeeinrichtungen sowie zur gemeinsamen Benutzung von Sensoren im Weltraum Das ehemalige Jugoslawien&#13;
und anderen Frühwarnsystemen zur Verbesserung&#13;
der Effektivität der kriegsschauplatzgebundenen Die tragische Situation im ehemaligen Jugoslawien&#13;
erfordert natürlich unsere sofortige Aufmerksamkeit.&#13;
Raketenabwehr.&#13;
Der ethnische Konflikt in dieser unruhigen Region ist&#13;
zum Test unserer kollektiven Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Europa geworden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Die NATO hat bereits wichtige Schritte zur Unterstützung der Vereinten Nationen im ehemaligen Jugoslawien unternommen - von der anfänglichen Überprüfung der Sanktionen in der Adria bis zur derzeitigen&#13;
Durchsetzung der Flugverbotszone. Die NATO muß&#13;
jedoch bereit sein, bei der Befriedung dieser Region&#13;
eine größere Rolle zu übernehmen.&#13;
&#13;
beit zwischen unseren Militärs und unseren Verteidigungsapparaten in einen greifbaren Rahmen einfügen.&#13;
&#13;
Wir sollten jedoch durch die NATO auch die Zusammenarbeit mit dem Osten verfolgen. Für die NATO&#13;
sollte dies einen zentralen Platz einnehmen, wenn das&#13;
Bündnis in der Zeit nach dem Kalten Krieg seine&#13;
Insbesondere sollten die Fähigkeiten der NATO den Bedeutung beibehalten soll. Wenn wir nicht daran&#13;
Kern jeder bedeutenden Militäraktion bei der weiteren mitwirken, den Osten in ein neues Sicherheitssystem&#13;
Unterstützung der Vereinten Nationen bilden. Unge- für Europa einzufügen, werden wir vielleicht langfristig&#13;
achtet der jeweiligen institutionellen Vereinbarungen nicht viel zu sagen haben. Der Nordatlantische Koopesollten bestimmte Prinzipien wie ein einheitliches rationsrat (NAKR) und die Gruppe für VerteidigungsKommando gewahrt werden. Und das Bündnis sollte, angelegenheiten sind nur der erste Schritt.&#13;
auch für die Öffentlichkeit sichtbar, eine zentrale Rolle&#13;
Die NATO und die östlichen Verteidigungsminister&#13;
spielen.&#13;
haben diese Bestrebungen als Ergebnis des MinisterAußenminister Christopher ist heute in Europa, um treffens der Gruppe für Verteidigungsangelegenheiten&#13;
über die beste Vorgehensweise zu beraten.&#13;
im NATO-Hauptquartier in Brüssel am 29. März bereits&#13;
im großen und ganzen in die Praxis umgesetzt. Die&#13;
Zusammenarbeit mit dem Osten&#13;
Aufgabe besteht jetzt darin, diesen Prozeß vitaler zu&#13;
Die dritte große Herausforderung für unsere Nationen gestalten und zum Aufbau einer demokratischen Partund die NATO ist die Zusammenarbeit mit den neuent- nerschaft beizutragen, die Nordamerika und den gesamten eurasischen Kontinent umspannt.&#13;
standenen Demokratien Mittel- und Osteuropas und&#13;
der ehemaligen Sowjetunion. Sie stellt den Kern Wir haben die Chance, ein Sicherheitssystem mit dem&#13;
unserer Tagesordnung zur Förderung der Demokrati- Osten zu schaffen und zu konsolidieren, in dem der&#13;
sierung und Vermeidung der Gefahr feindlicher, auto- Einsatz von Gewalt zur Verwirklichung nationaler oder&#13;
ritärer Regime dar.&#13;
ethnischer Ziele ausgeschlossen ist. Wir alle sollten&#13;
sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene&#13;
Die größte sicherheitspolitische Herausforderung, der&#13;
zusammenarbeiten, um das Beste aus dieser Chance&#13;
wir uns gegenübersehen, besteht höchstwahrscheinzu machen. Dem Wunsch der Mittel- und Osteuropäer&#13;
lich darin, unsere ehemaligen Gegner in die Gemeingemäß sollte die NATO das Kernstück dieser Bestreschaft demokratischer, wohlhabender Staaten einzubungen bilden.&#13;
gliedern und eine Umkehr des Reformprozesses zu&#13;
vermeiden. Obwohl das hauptsächlich eine politische Lastenverteilung&#13;
und wirtschaftliche Frage ist, hat sie auch eine sicherheitspolitische Dimension.&#13;
Die letzte große Herausforderung, die sich in dieser&#13;
Zeit des Rüstungsabbaus als besonders schwierig&#13;
Unser Hauptinteresse sollte in der Förderung von erweisen könnte, besteht in der Aufrechterhaltung&#13;
Verteidigungseinrichtungen bestehen, die die demo- einer wirksamen Verteidigung auf der Grundlage gekratische Kontrolle des Militärs sichern, sowie in der rechter Lastenverteilung.&#13;
Entwicklung nationaler verteidigungsorientierter, im&#13;
Einklang mit der umfassenden regionalen Stabilität Das Engagement der Vereinigten Staaten&#13;
stehender Strategien und der Erlangung der Fähigkeit,&#13;
im Einvernehmen mit unseren Partnern zu handeln, Was uns anbetrifft, kann ich Ihnen versichern, daß die&#13;
wenn unsere gemeinsamen Interessen auf dem Spiel Vereinigten Staaten die Beibehaltung äußerst fähiger&#13;
Streitkräfte beabsichtigen, die zur Wahrung unserer&#13;
stehen.&#13;
Interessen voll und ganz in der Lage sind. Wie&#13;
Bis zu einem gewissen Grad können wir diese Interes- Präsident Clinton festgestellt hat, werden wir eine einsen auf bilateraler Ebene verfolgen. Die Vereinigten satzbereite Streitmacht unterhalten. Wir werden&#13;
Staaten veranstalten beispielsweise Folgetreffen zum eine Rückkehr zu den "hohlen Streitkräften" der siebVancouver-Gipfel der Präsidenten Clinton und Jelzin, ziger Jahre vermeiden. Das bedeutet, daß das ameum eine neue Sicherheitspartnerschaft mit Rußland rikanische Militär äußerst fähig und motiviert, mit reaaufzubauen. Wir haben beispielsweise eine umfas- listischer Ausbildung und überlegenem Gerät sein&#13;
sende Überprüfung der Maßnahmen zur Verbesse- wird.&#13;
rung der strategischen Stabilität unternommen, einschließlich der Aufhebung der Zielzuweisung atoma- Gleichzeitig ist die Fähigkeit, im Konzert mit unseren&#13;
rer Raketen. Es ist unser Ziel, mit Rußland offizielle Verbündeten zu handeln, das Kernstück unserer ErAbmachungen auszuarbeiten, die die Zusammenar- fahrung mit der NATO in den vergangenen 40 Jahren.&#13;
Präsident Clinton ist entschlossen, unser Engagement&#13;
&#13;
Seite4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�für das Bündnis aufrechtzuerhalten, und dies mit beträchtlicher Militärmacht zu unterstützen. Obwohl wir&#13;
angesichts der erheblich verringerten Bedrohung unsere&#13;
Streitkräfte in Europa reduzieren können, streben wir&#13;
bis zur Mitte des Jahrzehnts ein Truppenniveau von&#13;
rund 100.000 Mann an und wollen dieses Niveau&#13;
beibehalten. Ich möchte jedoch hinzufügen, daß unsere&#13;
Fähigkeit, dies zu tun, stark vom Finden einer kollektiven Lösung für die Lastenverteilung abhängt und&#13;
davon, ob das Bündnis seine Bedeutung beispielsweise durch neue Missionen wie die Friedenssicherung&#13;
wahren kann.&#13;
&#13;
Ein wesentliches Anliegen des Kongresses ist die&#13;
Notwendigkeit größerer Unterstützung der Verbündeten für die in Europa vorne stationierten amerikanischen Streitkräfte. Wie vom Kongreß zwingend vorgeschrieben, führen die Vereinigten Staaten Verhandlungen über die Kostenverteilung, um größere Unterstützung durch den Aufnahmestaat und dessen Kooperation zu erhalten. Ich möchte alle Verbündeten&#13;
auffordern, den Initiativen zur Kostenverteilung rechtzeitige und greifbare Unterstützung zu gewähren. Wir&#13;
wollen unsere Truppenpräsenz aufrechterhalten, und&#13;
Sie können helfen.&#13;
&#13;
Die Verantwortung Europas&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
&#13;
Die NATO-Streitkräfte können nach Beendigung des&#13;
Karten Krieges sicher reduziert werden. Dieser Abbau&#13;
muß jedoch sorgfältig organisiert und geplant werden.&#13;
Übermäßige, unkoordinierte Reduzierungen könnten&#13;
zu einer gefährlichen Schwächung des Bündnisses&#13;
führen.&#13;
&#13;
Es steht meines Erachtens außer Frage, daß die&#13;
NATO in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine zentrale&#13;
Rolle spielen kann und muß. Wir müssen uns jedoch&#13;
den neuen Herausforderungen stellen, von denen ich&#13;
heute vier erörtert habe:&#13;
Nichtverbreitungspolitik&#13;
&#13;
Obwohl sich die russische Bedrohung stark verringert&#13;
hat, explodieren andere Bedrohungen der internationalen Ordnung. Die europäischen Armeen müssen in&#13;
der Lage sein, ein breites Spektrum von Missionen&#13;
durchzuführen, die Mobilität zu verbessern, die Ausbildung aufrechtzuerhalten und weiterhin Investitionen in&#13;
moderne Rüstungssysteme tätigen. Diese Verpflichtungen erfordern ein Überdenken der nationalen Verteidigungsdoktrinen und -Philosophien, wie etwa die&#13;
Wehrpflicht in zahlreichen europäischen Ländern.&#13;
&#13;
Friedenssicherung&#13;
Zusammenarbeit mit dem Osten und&#13;
Lastenverteilung.&#13;
&#13;
In jedem dieser Bereiche kann auf nationaler und&#13;
multinationaler Ebene sehr viel getan werden. Wir&#13;
befinden uns an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter&#13;
und können nicht einen Ansatz des "business as usual"&#13;
verfolgen. Das Ende des Kalten Krieges bedeutet&#13;
Die Aufrechterhaltung starker militärischer Fähigkei- nicht das Ende ernsthafter Gefahren für die Stabilität&#13;
ten wird für uns alle in den kommenden Jahren schwie- und Sicherheit Europas.&#13;
rig sein - keine unserer Volkswirtschaften floriert unseren Wünschen entsprechend, wir alle sehen uns mit Die Architektur der europäischen Sicherheit ist ein&#13;
drängenden innenpolitischen Bedürfnissen konfron- Thema, das wir gemeinsam erörtern müssen, wenn&#13;
tiert, und unsere Öffentlichkeit will zu Recht eine das Bündnis stabil bleiben soll. Wir verstehen den&#13;
Friedensdividende sehen, nun, da der Kalte Krieg Wunsch Europas nach einer stärkeren europäischen&#13;
Verteidigungsidentität und vertreten die Auffassung,&#13;
beendet ist.&#13;
daß das Bündnis damit leben kann. Architektur ist eine&#13;
Die Anliegen des Kongresses&#13;
Sache - eine andere ist die Bewältigung der vor uns&#13;
liegenden Aufgaben, zu denen nicht zuletzt JugoslaWie Sie wissen, ist gerechte Lastenverteilung für den wien, Friedenssicherung und Ausdehnung der SicherKongreß - und die Administration -von Bedeutung. Wir heit auf die Nationen des ehemaligen Warschauer&#13;
sind uns jedoch bewußt, daß alle Verteidigungsetats Pakts zählen.&#13;
Engpässen ausgesetzt sind, und daher müssen wir&#13;
flexibel und phantasievoll nach Wegen suchen, um die Präsident Clinton hat ein neues Sicherheitsabkommen&#13;
Ziele der Lastenverteilung zu verwirklichen. Investitio- für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten&#13;
nen in die NATO-Infrastruktur sind ein weiteres wich- gefordert: eine Reihe von Rechten und Pflichten, die&#13;
tiges Kriterium des Bündnisses, das auch im Zusam- unsere Völker und politisch Verantwortlichen zum Aufbau&#13;
menhang mit der Lastenverteilung steht. Aus diesem einer sichereren, wohlhabenderen und demokratischeGrund beantragen wir 240 Millionen Dollar vom Kon- ren Welt herausfordert. Wir sollten uns auf unserem&#13;
greß als unseren Beitrag zur Infrastruktur.&#13;
Weg in ein neues Zeitafter und ein neues Jahrhundert&#13;
nicht mit weniger zufriedengeben.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
USA UNTERBREITEN "AKTIONSPLAN"&#13;
ZU MENSCHENRECHTEN&#13;
Posten eines UN-Hochkommissars erwogen&#13;
&#13;
Genf - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 6. Mai&#13;
1993 den "Entwurf eines Aktionsplans zu Menschenrechten" veröffentlicht, der die Benennung eines Hochkommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte fordert, die Abschaffung der Folter bis zum Jahr&#13;
2000 zum Ziel hat und Demokratie sowie den Schutz&#13;
der Rechte von Frauen und Kindern fördern soll.&#13;
&#13;
sei vonnöten, um die Menschenrechte zum integralen&#13;
Bestandteil der Vereinten Nationen bei Friedenssicherung, humanitären Aktionen, Konfliktlösung und anderen Aktivitäten zu machen.&#13;
&#13;
Der Plan empfiehlt die Einbeziehung der Arbeit im&#13;
Bereich der Menschenrechte in friedenssichernde&#13;
Operationen, wie dies in El Salvador und Kambodscha&#13;
Bei einer Pressekonferenz in Genf erklärte Botschaf- der Fall war und stellt fest, das UNO-Ministerium für&#13;
ter J. Kenneth Blackwell, der Plan diene als "Blaupau- Friedenssicherung sollte einen Menschenrechtsspese" für die Förderung amerikanischerziele und spiege- zialisten mit engen Verbindungen zum Menschenle die Verpflichtung der Clinton-Administration wider, rechtszentrum einstellen.&#13;
"neue Ideen" und ein "neues Selbstbewußtsein" bei&#13;
der Unterstützung von Menschenrechten anzubieten. Den Rechten von Frauen wird in dem Plan besondere&#13;
Aufmerksamkeit gewidmet, der die systematische&#13;
Das Dokument umreißt die Aktionen, die - so hoffen die Integration von Frauenthemen in die MenschenrechtsVereinigten Staaten - die UN-Weltkonferenz über programme der Vereinten Nationen fordert. Die VerMenschenrechte bei ihrem Treffen im kommenden einigten Staaten sind der Ansicht, die MenschenMonat in Wien in die Wege leiten wird - dem ersten rechtskommission sollte einen Sonderberichterstatter&#13;
hochrangigen internationalen Gipfeltreffen zu Men- ernennen, der Menschenrechtsverletzungen an Frauschenrechten seit 25 Jahren. "Es ist von vorrangiger en ermitteln soll.&#13;
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre eigenen&#13;
Ansichten und Visionen unterbreiten", erklärte Black- Im Rahmen des Plans würde der Schutz der Vereinten&#13;
well, der amerikanische Delegationsleiter bei den Nationen für Kinder verstärkt. Insbesondere muß der&#13;
Abschaffung von Kinderarbeit, dem Schutz der Rechte&#13;
Vorbereitu ngsgesprächen.&#13;
von Kindern bei bewaffneten Konflikten und dem Schutz&#13;
Das zu gründende Büro des Hochkommissars für der Interessen von besonders gefährdeten Gruppen&#13;
Menschenrechte wäre ein "Verfechter und Sprecher wie Straßenkindern, Flüchtlingen oder Kindern vorfürdie Förderung und den Schutz der Menschenrechte dringliche Aufmerksamkeit geschenkt werden, die durch&#13;
auf der ganzen Welt", führte Blackwell mit der Feststel- den Verkauf oder Handel mit Pornographie oder durch&#13;
lung aus, das Konzept eines Hochkommissars erfreue Prostitution dem Risiko der Ausbeutung ausgesetzt&#13;
sich "breitester" Unterstützung unterden Delegationen sind.&#13;
der Vorbereitungsgespräche.&#13;
Mit dem Appell zur Abschaffung der Folter bis zum&#13;
In dem amerikanischen Plan wird femer eine Reihe Jahr 2000 verbindet der Plan die Forderung, die Vervon Maßnahmen zur verbesserten Wirksamkeit der einten Nationen sollten Rechtsgrundlagen erarbeiten,&#13;
Vereinten Nationen im Bereich der Menschenrechte die eindeutig feststellen, daß es keine gesetzlichen&#13;
vorgeschlagen. Insbesondere vertreten die Vereinig- Verjährungsbestimmungen für Folter gibt.&#13;
ten Staaten die Auffassung, ein einheitlicherer Ansatz&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Rolle des vorgeschlagenen U NO-Hochkommissars für Menschenrechte wird im Detail dargelegt. Der&#13;
Kommissar würde:&#13;
&#13;
beit und den Informationsaustausch unter den&#13;
UNO-Behörden ermutigen und erleichtern,&#13;
die Befugnis haben, ernsthafte Menschenrechtsverletzungen dem Sicherheitsrat zur Kenntnis&#13;
zu bringen, wenn sie den internationalen Frieden und die Sicherheit gefährden,&#13;
&#13;
die Durchführung der Entscheidungen aller UNMenschenrechtsgremien überwachen,&#13;
die Verantwortung für Menschenrechtsfragen in&#13;
den Bereichen Friedenssicherung, Friedenschaffung und humanitäre Hilfsleistungen übernehmen,&#13;
&#13;
unabhängig die Befugnis zur Entsendung von&#13;
Sondergesandten für Wahrheitsfindungsmissionen und zum Ergreifen anderer Initiativen zur&#13;
Förderung der Menschenrechte haben.&#13;
&#13;
alle UNO-Menschenrechtsprogramme koordinieren sowie die Koordinierung, Zusammenar-&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�RAUMFAHRT&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER ZUFRIEDEN MIT&#13;
EXPERIMENTEN DER DEUTSCHEN IM ALL&#13;
D2-Mission erfolgreich beendet&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanischen und deutschen Astronauten an Bord der Raumfähre Columbia&#13;
führten rund um die Uhr Experimente durch, um die Risiken künftiger längerer Weltraummissionen für Menschen&#13;
und lebende Organismen zu senken.&#13;
Die fünf amerikanischen und zwei deutschen Mitglieder der Crew, deren Landung auf der Erde am 6. Mai erfolgte,&#13;
haben in dem in Europa gebauten Weltraumlabor Spacelab 88 medizinische, biologische und andere Versuche&#13;
beendet. Die Experimente liefen unter der Regie des deutschen Kontrollzentrums der D2-Mission in Oberpfaffenhofen bei München.&#13;
&#13;
Der Kommandeur des Shuttle, Steven Nagel, für den&#13;
es die vierte Weltraummission war, erklärte, die Versuche seien "sehr ermutigend" verlaufen. "Die Stimmung&#13;
bei uns ist gut, und wir sind alle sehr optimistisch was&#13;
ein erfolgreiches Ergebnis der Mission betrifft", äußerte er während des Fluges.&#13;
Der für die Nutzlast zuständige Deutsche Walter Brungs&#13;
erklärte am Boden vor Reportern, die Dinge im Weltraumlabor seien gut verlaufen. "Jedermann ist hocherfreut", stellte er fest.&#13;
Die US-Raumfahrtbehörde NASA ließ jedoch verlauten, am 4. Mai seien einige wissenschaftliche Daten&#13;
verlorengegangen, als das Kontrollzentrum aufgrund&#13;
eines an die Raumfähre Columbia geschickten falschen Computerbefehls mehr als eine Stunde lang&#13;
den Kontakt mit dem Shuttle verloren hatte. Der&#13;
Ausfall hatte sich ereignet, als die Columbia von einem&#13;
Nachrichtensatelliten auf einen anderen umschaltete.&#13;
Während des Kommunikationsausfalls konnte das&#13;
Kontrollzentrum in Houston (Texas) kein System in der&#13;
Erdumlaufbahn überwachen oder mit den Astronauten&#13;
Kontakt aufnehmen, obwohl die Crew Nachrichten zur&#13;
Erde schicken konnte. Die Verbindung wurde wiederhergestellt, nachdem die Crew das Problem entdeckt&#13;
und beseitigt hatte.&#13;
Die Astronauten führten mehrere medizinische Versuche durch, einschließlich einer Überwachung ihrer&#13;
eigenen Kreislauf- und Atmungsabläufb mit hochkomplizierten Instrumenten. Dazu gehörte ein von den&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Wissenschaftlern genutztes Gerät zur Messung der&#13;
Lungenfunktion in der Schwerelosigkeit.&#13;
Der amerikanische Astronaut Jerry Ross und sein&#13;
deutscher Kollege Ulrich Walter bliesen am 4. Mai&#13;
abwechselnd in ein mit medizinischen Geräten verbundenes langes Rohr. Sie bliesen in das Gerät zur&#13;
Messung der Lungenfunktion während einer Ruhepause und während sie auf einem Hometrainer radelten. Diesen Test wiederhohen sie mehrmals während&#13;
des Fluges.&#13;
Bei einem anderen medizinischen Versuch wurden&#13;
jedem der vier Astronauten intravenös ungefähr zwei&#13;
Liter einer Salzlösung als Teil eines Forschungsprojektes eingespritzt, wie Wasser in den Beinen und&#13;
andere Weltraumsymptome behoben werden können.&#13;
Ohne die Schwerkraft der Erde wandert die Körperflüssigkeit der Astronauten in ihren Kopf, und der&#13;
Körper reagiert auf den vermeintlichen Flüssigkeitsüberfluß mit vermehrter Urinausscheidung. Bei Rückkehr zu normaler Schwerkraft wandert die Körperflüssigkeit wieder abwärts, weshalb sich ein Astronaut&#13;
kurz nach der Landung schwach auf den Beinen fühlt.&#13;
Dies könnte möglicherweise eine Gefahr darstellen,&#13;
wenn die Astronauten den Shuttle schnell verlassen&#13;
müssen. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der&#13;
Infusion der Salzlösung eine Behebung oder zumindest Linderung dieser Symptome.&#13;
Ein medizinischer Versuch begann bereits vor dem&#13;
Start des Shuttles am 26. April. Wissenschaftler&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�maßen den Blutdruck des deutschen Astronauten&#13;
Hans Schlegel vor, während und nach dem Start mit&#13;
Hilfe eines in einer Armvene steckenden Katheters.&#13;
Das dünne Röhrchen wurde wenige Stunden nach&#13;
dem Start wieder entfernt.&#13;
&#13;
In der Raumfähre Columbia wurden auch Experimente&#13;
mit winzigen Pilzen, Sämlingen, Zellen von Tabakpflanzen, Bakterien, Hefepilzen und weißen Blutkörperchen durchgeführt. Die biologischen Versuche&#13;
werden in einem mit Behältern, Meßinstrumenten,&#13;
Verfahrenskammern, Inkubatoren und Zentrifugen&#13;
Der an Bord der Columbia mitfliegende Arzt, Astronaut ausgerüsteten Biolabor vorgenomment.&#13;
Bernard Harris, erklärte am 4. Mai in einem Interview&#13;
mit Ärzten auf der Erde, Wissenschaftler hätten her- Die Astronauten führten auch Untersuchungen in den&#13;
ausgefunden, daß sich das menschliche Herz in der Bereichen Materialforschung, Physik und AutomatiSchwerelosigkeit des Raumes im Körper des Men- sierung durch. Bei einem Experiment wird ein kleiner,&#13;
schen bewege.&#13;
mit sechs Gelenken versehener und von der Erde aus&#13;
femgesteuerter Roboterarm benutzt, um einen Metall"Es scheint, daß das Herz, das kardiovaskuläre Sy- würfel mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern&#13;
stem, Änderungen unterworfen ist, bei denen das Herz zu fassen, der in einerden Arm umgebenden Umhültatsächlich seine Position ändert", erklärte er. "Ich lung schwebt.&#13;
kann jedoch nicht zeigen, wie weit es sich tatsächlich&#13;
bewegt hat." Harris äußerte auch, daß die Weltraum- Vertreter der deutschen Weltraummission erklärten,&#13;
krankheit nicht mit der Seekrankheit auf der Erde zu der Versuch sei der erste seiner Art, bei dem ein von&#13;
vergleichen sei.&#13;
der Erde gesteuerter Roboter ein frei im Raum schwebendes Objekt ergriff. Die Wissenschaftler hoffen,&#13;
"Aus irgendeinem Grund mag der Darm diese Umge- daß ähnliche Roboter den Astronauten eines Tages&#13;
bung (das All) nicht und hört auf zu arbeiten, und es bei Routinearbeiten im All zur Hand gehen werden.&#13;
dauert zwei oder drei Tage, bis er endlich seine Tätigkeit wiederaufnimmt", erklärte er. Astronauten bekla- Die NASA, die den Shuttle-Flug kontrollierte, verlängen sich oft über Übelkeit während der ersten Tage gerte die Mission um einen Tag aufgrund der ausreieines Weltraumfluges.&#13;
chenden Vorräte an Sauerstoff und anderem lebenswichtigen Nachschub an Bord des Shuttles. Die&#13;
In dem Weltraumlabor befanden sich auch 240 Kaul- Columbia hätte eigentlich am 5. Mai auf dem Kennedy&#13;
quappen und eine ebensolche Anzahl winziger Fische, Space Center in Florida landen sollen.&#13;
um die Entwicklung ihres Gleichgewichtssinnes in der&#13;
Schwerelosigkeit zu testen. Die Astronauten berichte- Deutschland, das 1985 die erste Mission mit einem&#13;
ten am 4. Mai, daß einige der Fische und Kaulquappen Weltraumlabor unterstützte, charterte den gegenwärstarben. Die Wissenschaftler konnten sich den Grund tigen Shuttleflug zum Preis von 150 Millionen Dollar&#13;
hierfür nicht erklären, hofften jedoch, daß einige den und gab weitere 410 Millionen Dollar für die EntwickFlug überleben und dann auf der Erde auf ihre Anpas- lung und Vorbereitung der meisten an Bord der Columsung an die Schwerelosigkeit hin untersucht werden bia durchgeführten Experimente aus.&#13;
könnten.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bundeshilfe - Ja oder Nein?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Schulraumnot in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Kalifornien spricht man vom Kurfürstendamm&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Sprachenschule der US-Army in Monterey&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Gerät zur Bestimmung des Blutvolumens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erhebliche Vereinfachung eines bewährten Verfahrens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;3. Sommer-Shakespeare-Festspiele in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>iilMLM W
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23
INHALT

DOKUMENTATION:
Reagan: USA werden bei sowjetischer Zurückhaltung SALT II einhalten
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten USA wollen sich bei beiderseitiger Zurückhaltung an SALT halten
- Dokumentation des Weißen Hauses zum Bericht des Präsidenten an den
Kongress Die Strategische Verteidigungsinitative
- Dokumentation des amerikanischen AuGenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Röntgenstrahlen von fernen Milchstraßen
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY
Vorbeugung - Früherkennung - Rehabilitation
- Zielsetzungen der WHO-Mitgliedstaaten für die nächsten Jahre -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12. Juni 1985

23

REAGAN: USA WERDEN BEI SOWJETISCHER ZURÜCKHALTUNG SALT II EINHALTEN
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat betont, daß die Vereinigten
Staaten

auch weiterhin

die Bestimmungen

des SALT-Vertrages einhalten

werden, wenn die Sowjetunion eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt
und bei den Genfer Verhandlungen aktiv Abkommen zur Rüstungsverminderung
anstrebt. In der am 10. Juni 1985 veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Präsidenten
Staaten

zu einem

seien, der

wird

weiter

produktiven

unterstrichen, daß die Vereinigten

Dialog mit der Sowjetunion entschlossen

auf die Reduzierung

des Kriegsrisikos

abziele. Un Moskau

genügend Zeit zu gewähren, den Willen zu beiderseitiger Zurückhaltung zu
demonstrieren, würden die USA ein Unterseeboot der POSEIDON-Klasse außer
Dienst stellen und abwracken, wenn das siebte U-Boot der OHIO-Klasse
"später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird".

Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über eine Verminderung
der strategischen Rüstungen (START), habe ich mich entschlossen, daß die
Vereinigten

Staaten

das

ausgelaufene

SALT

I-Abkommen

oder das nicht

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�oder das nicht ratifizierte SALT II-Abkommen nicht unterlaufen würden,
solange die Sowjet- union eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legt.
Trotz meiner ernst- haften Vorbehalte hinsichtlich der Unbilligkeiten des
SALT I-Abkommens und der ernsthaften Mängel des SALT II-Abkommens habe
ich diesen Schritt

ergriffen, um bei Beginn der START-Gespräche eine

Atmosphäre der beiderseitigen Zurückhaltung zu fördern, die ernsthaften
Verhandlungen dienlich wäre.

Seither haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen,
die

die

bestehenden

Vereinigten

Staaten

Rüstungskontrollabkommen
haben

ihren Teil

unterlaufen

dieser Abmachung

würden.

Die

voll und ganz

eingehalten. Die Sowjets haben dies jedoch nicht getan. Sie haben verschiedene Bestimmungen

von

SALT-II

nicht

eingehalten, und wir haben

ernste Bedenken hinsichtlich der (sowjetischen) Einhaltung der Bestimmungen anderer Abmachungen.

Das Verhaltensmuster der sowjetischen Verletzungen unterläuft - wenn
keine Korrektur stattfindet - die Integrität und die Lebensfähigkeit der
Rüstungskontrolle als einem Instrument, das zur Garantie einer sicheren
und stabilen zukünftigen Welt beitragen soll. Die Vereinigten Staaten
werden auch weiterhin gegenüber der Sowjetunion nachdrücklich auf eine
Zerstreuung unserer Bedenken hinsichtlich der sowjetischen Nichteinhaltung hinarbeiten. Wir können es nicht zulassen, daß hier mit zweierlei
Maß gemessen wird, was auf eine einseitige Vertragseinhaltung hinausläuft.

Wir sind weiterhin entschlossen, einen produktiven Dialog mit der
Sowjetunion zu führen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko durch die
Annahme bedeutungsvoller Maßnahmen zu vermindern, die die Sicherheit, die
Stabilität und die Berechenbarkeit verbessern. Ich bin deshalb zu dem
Schluß gekommen, daß es trotz des sowjetischen Verhaltens während der
letzten Jahre weiterhin in unserem Interesse liegt, ein Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung bei strategischen Offensivwaffen
zu schaffen, wenn wir jetzt bei den laufenden Verhandlungen in Genf mit
erneuter Energie
Nukleararsenale

unser

Ziel

verfolgen.

der

realen Verminderung

Es bleibt

der bestehenden

meine höchste Priorität, solche

Reduzierungen zu erlangen.

Die

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten können ein solches Rahmenwerk nicht allein
schaffen.

Es

Schritte

ist

notwendig,

unternimmt,

um

ihre

daß

die

Sowjetunion

Nichteinhaltung

positive,

zu

konkrete

korrigieren,

unsere

anderen Bedenken hinsichtlich einer Nichteinhaltung auszuräumen und ihre
einmalige und ungerechtfertigte

Aufrüstung ins Gegenteil zu verkehren.

Bisher hat sich die Sowjetunion nicht entschieden, in diese Richtung zu
gehen. Un jedoch sicherzustellen, daß jede Möglichkeit zur Schaffung der
von uns angestrebten sicheren, stabilen Zukunft voll aund ganz genützt
wird, bin ich bereit, mehr als das Notwendige in dem Bemühen zu tun, ein
Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung zu erreichen.
Als integralen Teil dieser Politik werden wir zugleich jene Schritte
ergreifen, die nötig sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten

und unserer Verbündeten

zu garantieren, und die aufgrund der

sowjetischen Nichteinhaltungspolitik

erforderlich sind.

Angemessene und

entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung sind notwendig, um unsere Sicherheit zu garantieren, um Anreize für eine Korrektur
der sowjetischen Nichteinhaltung zu bieten und um Moskau klarzumachen,
daß Verletzungen der Rüstungskontrollverpflichtungen

ihren realen Preis

haben.

Gewisse
nicht mehr

sowjetische
rückgängig

Flugerprobung

und

der

Verletzungen
zu machen.
Schritte

sind

schon

aufgrund

ihrer

Natur

Dies ist der Fall hinsichtlich

der

der

die

Sowjetunion

in

bezug

auf

Dislozierung der SS-X-25 Rakete, eines zweiten neuen Typs von Interkontinentalraketen (ICBM), der durch das nichtratifizierte SALT II-Abkommen
untersagt

ist.

Da

die

Sowjetunion

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

dieser

Raketenentwicklung

nicht rückgängig machen kann, behalten sich

die Vereinigten Staten das Recht vor, in angemessener Weise zum angemessenen

Zeitpunkt

darauf

zu

antworten.

Das

Midgetman-Programm

der

kleinen ICBM ist in dieser Beziehung besonders relevant.

Andere
- 3 -

sowjetische

Schritte

�Andere

sowjetische

rückgängig

gemacht

Schritte

und

durch

der Nichteinhaltung
entsprechende

können

vielleicht

sowjetische

Maßnahmen

korrigiert werden. In diesen Fällen werden wir der Sowjetunion zusätzlich
Zeit einräumen, um solche erforderlichen Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.
Während wir die sowjetischen Aktionen auf Beweise positiver, konkreter
Schritte hin überprüfen, die von sowjetischer Seite zur Korrektur dieser
Aktivitäten nötig sind, habe ich das Verteidigungsministerium angewiesen,
eine umfassende Bewertung vorzunehmen mit dem Ziel, spezifische Maßnahmen
aufzuzeigen, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten, um das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm notfalls auszubauen - und
zwar als eine angemessene Antwort und als eine Eingrenzung der militärischen Konsequenzen jener sowjetischen Verletzungen bestehender Rüstungskontrollabkommen, die die Sowjets nicht korrigieren.

Im den Sowjets angemessene

Zeit

zu geben, durch Maßnahmen

ihren

Willen zu beweisen, sich uns zu einem Interimsrahmenwerk echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, planen wir, gemäß den vereinbarten
Verfahren

ein POSEIDON-SSBN-Unterseeboot

außer

Dienst

zu stellen und

abzuwracken, wenn das siebte amerikanische Unterseeboot der OHIO-Klasse
später in diesem Jahr in Dienst gestellt wird. Die Vereinigten Staaten
werden
Haltung

sich
bei

jedoch

alle

solchen, in

programmatischen
der

Zukunft

Optionen hinsichtlich

ihrer

sich ergebenden Wegmarkierungen

offenhalten. Wenn solche Wegmarkierungen später erreicht werden, werde
ich die Gesamtsituation daraufhin überprüfen, ob die Sowjets mit ihren
Maßnahmen die Nichteinhaltung korrigiert und Fortschritte in Genf gefördert haben. Dann werde ich von Fall zu Fall eine endgültige Entscheidung
über den Kurs des Handelns der USA treffen.

Ich bin der festen Überzeugung, daß - wollen wir den Rüstungsverminderungsprozeß auf eine stabile und dauerhafte Grundlage stellen und echte
Reduzierungen erreichen - wir uns weiterhin hauptsächlich darauf konzentrieren müssen, den besten Nutzen aus den Aussichten zu ziehen, die die
gegenwärtig in Genf laufenden Verhandlungen bieten. Unsere Politik, einschließlich

der

Schaffung

eines

Interimsrahmenwerkes

echter

�Interimsrahmenwerkes
angemessenen

echter

amerikanischen

beiderseitiger
Antwort

auf

Zurückhaltung

nicht

korrigierte

und

einer

sowjetische

Nichteinhaltung, ist insbesondere darauf gerichtet, über das Notwendige
hinauszugehen, um der Sowjetunion die Möglickeit zu bieten, sich uns bei
diesem Bemühen anzuschließen.

Meine Hoffnung

ist

es, daß

wir

-

sollten

die

Sowjets

sich

uns

anschließen - bei den Genfer Verhandlungen gemeinsam Fortschritte bei der
Ausarbeitung gerechter und verifizierbarer Abkommen erreichen können einschließlich echter Reduzierung des ünfangs der bestehenden Nukleararsenale. Eine solche Leistung würde nicht nur die beste und anhaltendste
Beschränkung

des

Wachstums

nuklearer

Arsenale

gewährleisten,

sondern

dadurch würde auch ein großer Schritt auf dem Wege zur Reduzierung des
Lmfangs dieser Arsenale und zur Schaffung einer sichereren Zukunft für
alle Nationen getan.

* * * * *

- 5-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

USA WOLLEN SICH BEI BEIDERSEITIGER ZURÜCKHALTUNG AN SALT HALTEN
- Dokumentation des Weissen Hauses zum Bericht des
Präsidenten an den Kongress -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 10. Juni 1985 dem
amerikanischen Kongress einen gesetzlich geforderten Bericht über die
Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Einhaltung der Bestimmungen des nicht ratifizierten SALT-II-Vertrages übermittelt. Das Weiße
Haus hat am gleichen Tag eine Dokumentation zu dem vertraulichen Bericht
veröffentlicht, in dem die wesentlichen Punkte wiedergegeben werden. Danach wollen sich die Vereinigten Staaten bei entsprechender Zurückhaltung
der Sowjetunion weiterhin an die Bestimmungen der SALT-Verträge halten
und sich vor allem um eine einschneidende Verringerung der Kernwaffen
bemühen. Nach der Dokumentation

hat

der Präsident

in seinem Bericht

allerdings die Besorgnis der Administration über Vertragsverletzungen der
Sowjets zum Ausdruck gebracht und bei einer weiteren sowjetischen Nichteinhaltung "angemessene Antworten" angekündigt.

Die Dokumentation des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Einleitung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Einleitung

Gemäß der gesetzlichen Bestimmungen des Bewilligungsgesetzes für das
Verteidigungsministerium

für das Haushaltsjahr

1985 (1984/85) hat der

Präsident heute (10. Juni) dem Kongress einen vertraulichen Bericht über
die Schaffung eines Interimsrahmenwerkes für die beiderseitige Zurückhaltung hinsichtlich strategischer Waffen zugeleitete. Nachfolgend eine
nicht als Verschlußsache deklarierte Dokumentation auf der Basis des Berichts des Präsidenten.

Hintergrund unserer derzeitigen Politik

Im Jahre 1982, am Vorabend der Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Waffen (START), beschloß der Präsident, daß die Vereinigten
Staaten weder das ausgelaufene SALT-I-Abkommen noch das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommen

unterlaufen

würden, solange die Sowjetunion eine

gleiche Zurückhaltung üben würde. Trotz ernsthafter Bedenken über die
Unbilligkeiten des SALT-I-Abkommens und der ernsten Mängel des SALT IIAbkommens entschlossen sich die Vereinigten Staaten zu diesem Schritt, um
eine

Atmosphäre

der

beiderseitigen

Zurückhaltung

bei

strategischen

Streitkräften zu schaffen, die zu Beginn von START ernsthaften Verhandlungen förderlich wären. Bei diesem Schritt gingen wir von drei Überlegungen aus:

Erstens, wir waren überzeugt - und sind auch heute noch überzeugt,
daß beiderseitige, verifizierbare Einschränkungen der nuklearen Arsenale
wichtig

sind, vor allem wenn wir versuchen, dem

Ziel einer starken

Verminderung und der schließlichen Abschaffung der nuklearen Bedrohung
näherzukommen, was die SALT-Abkommen nicht erreicht haben. Wir betrachteten die START-Verhandlungen als den Weg zu gerechten und verifizierbaren einschneidenden Verringerungen der nuklearen Arsenale, die wir anstreben. Die Vereinigten Staten waren bereit, der Sowjetunion in Genf
- 2 -

�in Genf

die Elemente

für

solche Abkommen

anzubieten

und

haben

sie

angeboten. Wir waren uns jedoch darüber im klaren, daß die Aushandlung
vernünftiger

Abkommen

Zeit

braucht.

Deshalb

verpflichteten

sich

die

Vereinigten Staaten, die bestehenden Abkommen nicht zu unterlaufen, solange

die Sowjetunion

als

Interimspolitik

gleiche Zurückhaltung

üben

würde, um, wie wir hofften, einen Rahmen der beiderseitigen Zurückhaltung
zu

schaffen, während

wir

Rüstungskontrollprozeß

auf

auf
eine

dem

Wege

zu Abkommen

bessere,

waren,

vernünftigere,

die den

langfristige

Grundlage stellen und echte Verringerungen bringen würde.
Zweitens,

wir

hofften

damals,

daß

die

Führer

der

Sowjetunion

tatsächlich eine gleiche Zurückhaltung an den Tag legen würden.
Drittens, wir waren der Auffassung, daß die Politik der Interimszurückhaltung sich nicht nachteilig auf unsere nationalen Sicherheitsinteressen auswirken würde - vorausgesetzt, die Administration und der Kongreß
arbeiteten zusammen und die Vereinigten Staaten unternähmen die notwendigen Schritte, um die strategischen Vorteile auszugleichen, die die Sowjetunion in den vorangegangenen zehn Jahren erworben hatte.

Leider haben sich diese Überlegungen in bestimmten wichtigen Aspekten
im Laufe der Zeit als nicht richtig erwiesen.

Einhaltung durch die Vereinigten Staaten

Im Einklang mit der Politik der amerikanischen Interimszurückhaltung
haben die Vereinigten Staaten keinerlei Maßnahmen ergriffen, die bestehende Abkommen unterlaufen hätten. Ja, wir haben uns genauestens an die
Bestimmungen des SALT-I- und SALT-II-Abkommens über strategische Offensivwaffen gehalten. So haben wir beispielsweise acht Polaris-Unterseeboote vollständig abgewrackt, als neue Trident-Unterseeboote in Dienst
gestellt wurden. Kurzum, die Vereinigten Staaten haben sich voll und ganz
an ihr Versprechen gehalten.

Nichteinhaltung der Sowjetunion
- 3 -

�Nichteinhaltung der Sowjetunion

Wie in den beiden umfaßenden Berichten des Präsidenten an den Kongreß
vom Januar 1984 und Februar 1985 im einzelnen dargelegt, hat die Sowjetunion wiederholt

ihre Rüstungskontrollverpflichtungen

verletzt. Obwohl

die Sowjets einige Bestimmungen bestehender Rüstungskontrollabkommen eingehalten haben, haben sie doch wichtige Elemente dieser Abkommen und damit zusammenhängende politische Verpflichtungen verletzt.

SALT II

Was das nicht ratifizierte SALT-II-Abkommmen angeht, so gehören zu
diesen Verletzungen die Erprobung und Dislozierung einer zweiten neuen
Interkontinentalrakete - der SS-X-25 - und die Verschlüsselung von Meßdaten bei der Erprobung von Raketen, was die Verifizierung von Abkommen
durch nationale technische Mittel erschwert. Die Sowjetunion hat ferner
wahrscheinlich dieses Abkommen hinsichtlich des Verbotes der Dislozierung
von

SS-16-Interkontinentalraketen

verletzt. Ebenso

bleiben

ernsthafte

Besorgnisse hinsichtlich anderer Fragen bestehen - z.B. hinsichtlich des
Verhältnisses von Mehrfachgefechtsköpfen zum Wurfgewicht der SS-X-25, wie
sie bei den Erprobungen zutage trat.

Andere Übereinkommen

Das

Verhaltensmuster

der

sowjetischen

Nichteinhaltung

bestehender

Abkommen reicht darüber hinaus weit über SALT II hinaus. Die Sowjetunion
betreibt den Bau einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung
in Zentralsibirien, was eine Verletzung dse ABM-Vertrages darstellt. Wenn
man andere sowjetische Tätigkeiten im Zusammenhang mit ABM hinzunimmt,
einschließlich der gleichlaufenden Erprobung von Luftverteidigungs- und
- 4 -

�LuftverteidigungsABM-Komponenten,
sowjetische

und
dann

ABM-Komponenten
besteht

Vorbereitungen

sowie

ernsthafter

der

Grund

für eine verbotene

Entwicklung
zur

mobiler

Besorgnis

über

landesweite ABM-Vertei-

digung. Eine solche Entwicklung hätte tiefgreifende Auswirkungen auf das
lebenswichtige

Gleichgewicht

zwischen

Ost

und

West.

Die

Sowjetunion

begeht auch wesentliche Verletzungen sowohl des Genfer Protokolls über
chemische als auch der Konvention über biologische und toxische Waffen.
Nach unserem Ermessen hat die Sowjetunion auch den Begrenzten TeststoppVertrag und die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki verletzt. Es ist
ferner wahrscheinlich, daß die Sowjets die Begrenzungen für die Stärke
nuklearer Erprobungen im Rahmen des Schwellen-Vertrages verletzt haben.

SALT I

Selbst hinsichtlich des SALT-I-Vertrages, wo wir festgestellt haben,
daß sich die Sowjets zwar an den Buschstaben des Abkommens gehalten
haben, haben wir Besorgnisse hinsichtlich ihrer Einhaltung des Geistes
des Vertrages. Nachdem sie beispielsweise mit Nuklearraketen bestückte
Unterseeboote der YANKEE-Klasse abgewrackt haben, um den Beschränkungen
von SALT I zu entsprechen, haben sie bereits ein solches Unterseeboot in
ein längeres Unterseboot als das ursprüngliche umgebaut, das mit modernen
seegestützten Langstrecken-Marschflugkörpern bestückt ist. Das ist zwar
keine Verletzung des Buchstabens von SALT I, aber das entstandene Unterseeboot stellt eine Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten dar, die der Bedrohung durch das ursprüngliche Unterseeboot der
YANKEE-Klasse ähnelt.

Auswirkungen der sowjetischen Nichteinhaltung

Das sind sehr entscheidende Fragen, denn wirksame Rüstungskontrolle
verlangt Ernsthaftigkeit bezüglich der Einhaltung. Das Verhaltensmuster
der sowjetischen Verletzungen berührt in zunehmenden Maße unsere nationale

Sicherheit

und

schafft

Ungewißheit
- 5 -

über

die

Streitkräfte,

die

�Streitkräfte, die die Vereinigten Staaten in der Zukunft benötigen werden. Ebenso bedeutsam, wie es die militärischen Folgen der Verletzungen
selbst sind, wirft dieses Verhaltensmuster der sowjetischen Nichteinhaltung grundsätzliche Bedenken bezüglich der Integrität des Rüstungskontrollprozesses auf, Bedenken, die - wenn sie nicht korrigiert werden die Intergrität und Lebensfähigkeit der Rüstungskontrolle als Instrument
unterlaufen, das dazu beiträgt, eine sichere und stabile künftige Welt zu
gewährleisten.

Die bisherige amerikanische Antwort

Die Vereinigten Staaten haben sich konsequent aller geeigneten diplomatischen Kanäle, einschließlich der Ständigen amerikanisch-sowjetischen
Beratungskommission (SCC), bedient, um die Sowjetunion nachdrücklich zu
drängen, diese Aktivitäten, die uns Sorge bereiten, zu erklären und/oder
sie einzustellen. Damit haben wir absolut klar gemacht, daß wir von der
Sowjetunion

erwarten, daß

sie positive

Schritte

unternimmt, um ihre

Nichteinhaltung zu korrigieren und unsere Besorgnis über ihre Nichteinhaltung zu zerstreuen, um die Integrität bestehender Abkommen zu erhalten
und das positive Umfeld zu schaffen, das für erfolgreiche Aushandlung
neuer Abkommen notwendig ist.

Leider hat die Sowjetunion trotz der langen und wiederholten Bemühungen der Vereinigten Staaten, diese Fragen zu lösen, weder befriedigende Erklärungen noch korrigierende Maßnahmen ergriffen. Die sowjetischen
Verletzungen haben vielmehr angedauert und sind mehr geworden, während
die Sowjets gleichzeitig ihre strategischen Streitkräfte weiter ausgebaut
haben. Die Sowjetunion übte also in der Vergangenheit und übt auch in der
Gegenwart nicht die gleiche Zurückhaltung aus, die wir als Bedingung für
unsere Politik der Interimszurückhaltung gesetzt haben. Dieses sowjetische Verhalten ist grundsätzlich schädlich für die Zukunft der Rüstungskontrolle und für die Sicherheit unseres Landes und unserer Verbündeten.

Angemessene
- 6 -

Antwort

�Angemessene Antwort der USA in Zukunft

Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin mit der Sowjetunion
nachdrücklich um die Zerstreuung unserer Bedenken bezüglich der sowjetischen Nichteinhaltung bemühen. Bei diesem Bemühen können wir uns jedoch
nicht zweierlei Maß auferlegen, das bedeuten würde, daß wir einseitig
Vertragstreue halten und damit praktisch einseitig abrüsten. Zumindest in
den Fällen von sowjetischen Verletzungen, die nicht mehr rückgängig zu
machen sind, müssen wir angemessene und entsprechende Antworten geben,
die

der

Sowjetunion

die

militärischen

Vorteile

dieser

Verletzungen

verwehren. In den Fällen der sowjetischen Verletzungen, die korrigiert
werden

können, sollten

wir

uns vergleichsweise

angemessene Antworten

vorbehalten, die den Sowjets einen Anreiz bieten, positive Schritte zur
Bereinigung der Situation vorzunehmen, und die einen notwendigen Schutz
vor

den militärischen Folgen

sowjetischer Verletzungen

gewährleisten,

wenn es die Sowjetunion unterläßt, die notwendigen Korrekturmaßnahmen zu
ergreifen.

In diesem Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten angemessene und
entsprechende Antworten auf die sowjetische Nichteinhaltung entwickeln
und wenn notwendig anwenden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu gewährleisten und der Sowjetunion einen echten
Anreiz zu bieten, positive, konkrete Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um unsere Bedenken zu zerstreuen.

Notwendigkeit

des

amerikanischen

Modernisierungsprogramms

für

die

strategischen Streitkräfte

Um unsere grundlegende nationale Sicherheit zu gewährleisten und als
Grundlinie für weitere amerikanische Maßnahmen, müssen die Intergrität
und die Kontinuität des strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten aufrechterhalten werden. Wenn die Modernisierung der ICBMSäule unserer strategischen

Triade nicht voll verwirklicht wird, wie

�wird, wie dies in unserem umfassenden strategischen Modernisierungsprogramm gefordert wird, dann müßten wir alle Aspekte unserer Planung für
die grundlegenden Erfordernisse unserer nationalen Sicherheit neu überdenken.

Die grundlegenden Ziele der Vereinigten Staaten.

3ei allem Verständnis für die Dringlichkeit der obengenannten Probleme dürfen wir jedoch nicht die grundlegenden Ziele der Vereinigten
Staaten aus den Augen verlieren, die unverändert sind. Im Verlauf der
nächsten zehn Jahre ist es Ziel der Vereinigten Staaten, Umfang und
Zerstörungskraft
radikal

zu

der

bestehenden

verringern

und

zu

und

geplanten

offensiven

einer Stabilisierung

Kernwaffen

des Verhältnisses

zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu gelangen. Auch jetzt noch hoffen wir auf eine
Übergangsperiode

zu

Atomwaffenarsenalen

einer
und

stabileren

einer

Welt

verstärkten

-

mit

stark

verringerten

Fähigkeit, vor einem Krieg

abzuschrecken, indem man sich in immer größerem Maß auf nichtnukleare
Verteidigungssysteme und immer weniger auf offensive Kernwaffen stützt,
Eine von der Drohung der militärischen Aggression und von Kernwaffen
befreite Welt ist ein Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und allen anderen Staaten sicherlich Einigkeit besteht.

Die Bedeutung der laufenden Verhandlungen.
Das beste Mittel, um zu diesen Zielen zu gelangen, wäre ein auf dem
weitreichenden Vorschlag zur Verringerung der Kernwaffen gegründetes Abkommen, das wir bei den Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen in Genf vorgelegt haben. Am raschesten würde man sicherlich zu einer stabileren und sichereren Welt gelangen, wenn beide Seiten
zu scharfen Verringerungen

ihrer strategischen Offensivarsenale bereit

wären und insbesondere die große Anzahl der destabilisierendsten Waffen der strategischen Interkontinentalraketen - beseitigen würden, indem sie
sich mit einem verifizierbaren Gesamtbestand von 5 000 Gefechtsköpfen für
die land- und seegestützten Interkontinentalraketen

auf beiden Seiten

einverstanden erklären.
Unglücklicherweise
- 8 -

�Unglücklicherweise

hat

die Sowjetunion

in den vergangenen Jahren

wenig echtes Interesse daran gezeigt, Zurückhaltung beim Zuwachs ihrer
Kernwaffen an den Tag zu legen - ganz abgesehen von sinnvollen Verringerungen oder Fortschritten in Richtung auf ein verifizierbares, ausgewogenes Abkommen, das solche echte Verringerungen erforderlich machen würde.
Im Gegenteil: Trotz der von unseren Unterhändlern in Genf bei den neuen,
in diesem Jahr begonnen Verhandlungen bewiesenen Ernsthaftigkeit und Beweglichkeit hat sich die Sowjetunion von Verhandlungspositionen zurückgezogen, die sie bis dahin gehalten hatte und hat eine überaus intransigente Haltung eingenommen, die jeden Fortschritt ernsthaft behindert. Wir
sind jedoch nach wie vor entschlossen, mit der Sowjetunion einen produktiven Dialog fortzuführen, der darauf abzielt, das Kriegsrisiko zu verringern, indem sinnvolle Maßnahmen zur Erhöhung von Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit ergriffen werden.

Erstellung

eines

Interimsrahmenswerkes

für

gegenseitige

Zurückhaltung.
Es liegt auch weiterhin im Interesse der Vereinigten Staaten, ein
Interimsrahmenwerk der echten gegenseitigen Zurückhaltung bei den strategischen Offensivwaffen zu erstellen, während wir mit neuer Kraft bei
den laufenden Verhandlungen in Genf unser Ziel der echten Verringerungen
beim Umfang der bestehenden Nukleararsenale verfolgen. Die Vereinigten
Staaten können einen solchen Rahmen nicht allein erstellen. Auch die
Sowjetunion muß positive, konkrete Schritte - wie sie oben dargelegt
wurden

- unternehmen,

anderen

Bedenken

militärische

um

ihre Nichteinhaltung

hinsichtlich

Aufrüstung

zu

der Einhaltung

beenden

oder

doch

zu revidieren, unsere
zu

zerstreuen

zumindest

und

ihre

erheblich

zu

verringern, die ihresgleichen nicht hat und völlig ungerechtfertigt ist.
Bislang hat sich die Sowjetunion noch nicht zur Einhaltung dieser Linie
entschließen können. Dennoch ist der Präsident im Interesse der Auslotung
aller Möglichkeiten zur Garantie einer sicheren, stabilen Zukunft bereit,
noch einen weiteren großen Schritt über das Notwendige hinaus in Richtung
auf

den

Versuch

hin

zu

tun,

einen

Interimsrahmen

der

echten,

beiderseitigen Zurückhaltung zu erstellen.

Weitere
- 9 -

Zurückhaltung.

�Weitere Zurückhaltung.

Um der Sowjetunion die Möglichkeit zu geben, sich uns bei der Erstellung eines solchen Interimsrahmens echter beiderseitiger Zurückhaltung anzuschließen, der die laufenden Verhandlungen unterstützen würde,
hat der Präsident beschlossen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
davon Abstand nehmen werden, die bestehenden Abkommen über die strategischen Rüstungen zu unterlaufen - und zwar in dem Maß, in dem die Sowjetunion eine vergleichbare Zurückhaltung übt und vorausgesetzt, daß die
Sowjetunion bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen in Genf aktiv auf
Rüstungsverringerungsabkommen hinarbeitet. Die Vereinigten Staaten werden
ständig die Implikationen dieser Interimspolitik auf die langfristigen
Sicherheitsinteressen

der

Vereinigten

Staaten

und

ihrer

Verbündeten

überprüfen. Damit werden wir die Handlungen der Sowjetunion dahingehend
analysieren, inwieweit sie unsere Besorgnisse hinsichtlich ihrer Vertragsverletzungen, hinsichtlich der ständig sich vermehrenden strategischen Waffen der Sowjetunion und hinsichtlich der sowjetischen Ernsthaftigkeit bei den laufenden Verhandlungen zu zerstreuen vermag.

Angemessene Antwort.
Als integraler Bestandteil der Verwirklichung dieser Politik müssen
wir auch jene Schritte ergreifen, die notwendig sind, um die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu gewährleisten, und die durch die sowjetische Nichteinhaltung notwendig geworden
sind.

Angemessene

Nichteinhaltung

und

entsprechende

Reaktionen

auf

die

sowjetische

sind auch notwendig, um Moskau klarzumachen, daß Ver-

letzungen der Rüstungskontrollabkommen mit echten Kosten verbunden sind.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten solche angemessene und entsprechende Antworten entwickeln und werden jene Maßnahmen ergreifen, die in
Reaktion auf und als Schutz vor den militärischen Folgen nichtkorrigierter sowjetischer Verletzungen

der bestehenden

Rüstungskontrollabkommen

notwendig sind.

Reaktion
- 10 -

auf

�Reaktion auf irreversible sowjetische Verletzungen.

Bestimmte

sowjetische

Verletzungen

sind

ihrer Natur nach nicht

rückgängig zu machen. Dies ist der Fall hinsichtlich der sowjetischen
Flugerprobung

und Schritte

in Richtung auf Dislozierung

der SS-X-25,

eines zweiten neuen Typs der Interkontinentalrakete, wie ihn das nichtratifizierte

SALT

dieser Rakete

II-Abkommen

verbietet. Da

verbundene Nichteinhaltung

die

mit

der Entwicklung

zu diesem Zeitpunkt von der

Sowjetunion nicht korrigiert werden kann, behalten sich die Vereinigten
Staaten aus diesem Grund das Recht vor, angemessen zu reagieren, und die
Vereinigten Staaten werden dies in angemessener Weise und Zeit tun. das
Programm der kleinen ICBM MIDGETMAN ist in dieser Hinsicht von besonderer
Relevanz.

Reaktion auf reversible sowjetische Schritte.
Andere sowjetische Schritte im Rahmen der Nichteinhaltung könnten
rückgängig gemacht und durch sowjetische Maßnahmen korrigiert werden. In
diesen Fällen werden wir einen weiteren Schritt tun und der Sowjetunion
zusätzliche Zeit zugestehen, um solche erforderliche Korrekturmaßnahmen
zu ergreifen. Während wir das sowjetische Verhalten nach Beweisen für
positive, konkrete

Schritte

überwachen, die ihrerseits

zur Korrektur

jener Maßnahmen notwendig sind, wird das Verteidigungsministerium eine
umfassende

Überprüfung

durchführen,

die

darauf

abzielt,

spezifische

Maßnahmen auszuarbeiten, die die Vereinigten Staaten ergreifen könnten,
um im notwendigen Umfang das amerikanische strategische Modernisierungsprogramm zu beschleunigen oder auszuweiten; dies wird in angemessenem
Maße und als Schutz vor den militärischen Folgen sowjetischer Verletzungen bestehender Abkommen geschehen, die die Sowjets bislang noch nicht
korrigiert haben.

Neben

der Entwicklung

militärischer

Reaktionen

Vertragsverletzungen

angemessener und
angesichts

nicht

abgewogener
korrigierter

amerikanischer
sowjetischer

wird diese Überprüfung auch die Konsequenzen des
- 11 -

�Konsequenzen

des

anhaltenden

sowjetischen

Streitkräftezuwachses

über-

denken; wie in der jüngsten Beurteilung der Sicherheitsdienste (National
Intelligence Estimate) zu diesem Thema dargelegt wurde, geht es dabei als
Ergebnis der jüngsten Kongreßmaßnahmen um Änderungen beim ICBM-Anteil des
strategischen Modernisierungsprogramms der Vereinigten Staaten und um die
Frage, wie die zweiten 50 PEACEKEEPER-Raketen angemessen

stationiert

werden könnten. Auch das sowjetische Verhalten während der zweiten und
dritten Runde der Nuklear- und Weltraumgespräche wird dabei voll mit in
Rechnung gestellt.

Kriterien für Optionen bei der Reaktion.

In diesem Kontext der Beurteilung potentieller zukünftiger Schritte
der Vereinigten Staaten werden bestimmte Kriterien benutzt. Die Optionen
werden sich nach den jeweiligen Reaktionen auf spezielle Fälle richten,
wo

sowjetische

Verletzungen

nicht

korrigiert

wurden; damit

soll den

militärischen Konsequenzen solcher sowjetischer Verletzungen vorgebeugt
werden. Dabei muß es sich nicht notwendigerweise um Parallelmaßnahmen
handeln. Vielmehr wird der Versuch unternommen, den Sowjets die potentiellen Vorteile

ihrer Vertragsverletzungen

zu verwehren

und, soweit

möglich, den Sowjets Anreize zu bieten, ihre Schritte zu korrigieren. In
allen Fällen

liegt

die Betonung

auf Optionen, die

die Abschreckung

garantieren, die Stabilität erhöhen und den speziellen Erfordernissen
unserer

nationalen

Sicherheit

unmittelbar

gerecht

werden.

In

dieser

Hinsicht besteht das Ziel der Vereinigten Staaten nicht per se darin,
zusätzliche Streitkräfte aufzubauen, sondern diese Optionen so einzusetzen, daß unsere Sicherheit angesichts nichtkorrigierter sowjetischer
Verletzungen gewährleistet

bleibt und daß den Sowjets Anreize geboten

werden, ihre Handlungen entsprechend zu korrigieren und sich uns dabei
anzuschließen, ein sinnvolles

Interimsrahmenwerk

gegenseitiger Zurück-

haltung zu erstellen.

Zeitplan

der

Prüfung

�Zeitplan der Prüfung durch das Verteidigungsministerium.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung werden dem Präsidenten am 15.
November 1985 zur Analyse vorgelegt. Dies wird dem Präsidenten genügend
Zeit geben, um Optionen

der Vereinigten Staaten hinsichtlich unserer

Politik in Erwägung zu ziehen, während wir uns dem Zeitpunkt nähern, an
dem der nicht ratifizierte SALT II-Vertrag am 31. Dezember 1985 auslaufen
würde; auch können im weiteren Markierungen für eine "Politik des Nichtunterlauf ens" gesetzt werden. Und es gäbe auch genügend Zeit, um programmatische Optionen der Vereinigten Staaten in unmittelbarer Reaktion
auf nicht korrigierte Vertragsverletzungen durch die Sowjets zu erwägen,
indem im Bedarfsfall dem Kongreß Anfang 1986 das Verteidigungsprogramm
des Haushaltes 1987 vorgelegt wird.

Das 7. TRIDENT-Unterseeboot.
Um den Sowjets genügend Zeit zu geben, durch ihre Schritte den Willen
zu signalisieren, sich uns für einen Interimrahmen der echten gegenseitigen Zurückhaltung anzuschließen, hat der Präsident zudem das Verteidigungsministerium angewiesen, im Einklang mit vereinbarten Verfahren ein
bestehendes POSEIDON-U-Boot außer Dienst zu stellen und abzuwracken, da
ein siebtes amerikanisches U-Boot der OHIO-Klasse, die USS Alaska, im
Lauf des Jahres in Dienst gestellt wird. Das Verteidigungsministerium
wird jedoch als Teil seines Berichtes die Bandbreite der den Vereinigten
Staaten zur Verfügung

stehenden Optionen überprüfen und bewerten, um

ähnliche einschneidende Schritte

(einschließlich der Probeläufe weiterer

U-Boote der OHIO-Klasse und der Dislozierung des 121. amerikanischen, mit
luftgestützten

Marschflugkörpern

ausgerüsteten

Schweren

Bombers)

in

Zukunft zu behandeln. Die Vereinigten Staaten werden sich auch in Zukunft
alle programmatischen

Optionen

zur Behandlung

solcher

einschneidender

Schritte offenhalten. Wenn derlei Markierungspunkte erreicht sein werden,
wird der Präsident die Gesamtsituation analysieren und hinsichtlich des
amerikanischen Kurses eine endgültige Entscheidung treffen, die sich aus
der jeweiligen Lage und den sowjetischen Maßnahmen in Richtung auf ein
Eingehen auf die obengenannten Bedingungen ergibt.

Wahl
- 13 -

dieses

Kurses

�Wahl dieses Kurses - Zusammenfassung.
Der Präsident ist der festen Überzeugung, daß wir, um den Prozeß der
Rüstungsverringerung auf eine solide, dauerhafte Grundlage zu stellen,
uns auch weiterhin darauf konzentrieren müssen, das Beste aus dem zu
machen,

was

die

laufenden

Verhandlungen

in

Genf

bieten.

Die

oben

ausgeführte Politik - einschließlich der Erstellung eines Interimsrahmenwerkes für wirklich beiderseitige Zurückhaltung und angemessene amerikanische Reaktion auf nichtkorrigierte sowjetische Nichteinhaltung - soll
vor allem dazu dienen, der Sowjetunion dabei entgegenzukommen, sich uns
bei diesem Bemühen anzuschließen. Es ist unsere Hoffnung, daß wir in
diesem Fall gemeinsam in der Lage sein werden, bei den laufenden Genfer
Verhandlungen Fortschritte bei der Ausarbeitung ausgewogener und verifizierbarer Abkommen zu machen, einschließlich echter Verringerungen beim
Umfang der bestehenden Nukleararsenale. Solch eine Leistung würde nicht
nur die beste und dauerhafteste Beschränkung des Anwachsens der Nukleararsenale gewährleisten, sondern sie wäre auch ein großer Schritt in Richtung auf eine Verringerung des Umfangs dieser Arsenale und in Richtung
auf eine sicherere und stabilere Welt.

* * * * *

- 14 -

�12. Juni 1985

23

DIE STRATEGISCHE VERTEIDIGINGSINITIATIVE
Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische AuGenministerium hat am 4. Juni
1985

in

einer

Dokumentation

Forschungsprogramms

ausführlich

Richtung

und

Lmfang

für die Strategische Verteidigungsinitiative

des
(SDI)

dargelegt. Präsident Ronald Reagan hat in seiner Rede vom 23. März 1983
seine Vorstellung von einer Zukunft aufgezeigt, in der die Staaten dieser
Erde sicher leben könnten in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit
nicht auf der Androhung nuklearer Vergeltung, sondern auf der Fähigkeit
beruhen würde, sich gegen potentielle Angriffe zu verteidigen. Das Forschungsprogramm für die Initiative soll dazu dienen, die Möglichkeiten zu
prüfen, ob und wie diese moderne Technologie zur Verwirklichung dieser
Visison beitragen kann.

Der Strategische Zusammenhang
Das amerikanische SDI-Forschungsprogramm i s t

v o l l und ganz vereinbar

mit den Bestimmungen des ABM-Vertrages und i s t vergleichbar mit der durch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mit der durch den ABM-Vertrag erlaubten Forschung, die die Sowjets seit
vielen Jahren betreiben und ist ferner eine Vorsorgemaßnahme gegen ein
sowjetisches Ausbrechen aus den Bestimmungen des ABM-Vertrages durch die
Aufstellung einer landesweiten Raketenabwehr. Diese wichtigen Tatsachen
müssen hervorgehoben werden. Die Grundziele der Strategischen Verteidigungsinitiative lassen sich jedoch am besten erklären und verstehen, wenn
man das strategische Unfeld betrachtet, mit dem wir für den Rest dieses
Jahrhunderts bis ins nächste Jahrhundert hinein leben müssen

Die Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Nation und die mit
uns verbündeten
unserer

Nationen stehen vor einer Reihe von Herausforderungen

Sicherheit.

Jede dieser Herausforderungen

stellt

ihre eigenen

Ansprüche und bietet ihre eigenen Chancen. Die Erhaltung von Frieden und
Freiheit ist und bleibt für immer unser grundlegendes Ziel. Der wesentliche Zweck unserer Streitkräfte, und vor allem unserer Nuklearstreitkräfte, besteht darin, vor einer Aggression und Zwang auf der Basis der
Androhung militärischer Aggression abzuschrecken. Die Abschreckung, für
die die amerikanischen und verbündeten Streitkräfte sorgen, hat es uns
ermöglicht, uns des Friedens und der Freiheit zu erfreuen. Die Art der
militärischen Bedrohung hat sich jedoch geändert und wird sich auch im
nächsten Jahrzehnt auf sehr grundlegende Weise ändern. Wenn wir unsere
Antwort darauf nicht entsprechend einrichten, dann wird die Abschreckung
weniger stabil werden und unsere Anfälligkeit gegenüber Zwang wird sich
dramatisch erhöhen.

Unsere Vorstellung von Abschreckung: In den letzten zwanzig Jahren
war

unsere Vorstellung,

werden

könnte, von

wie die Abschreckung

der Grundidee

am besten

ausgegangen, um

gewährleistet

vor einem

Konflikt

abzuschrecken, genüge es, wenn jede Seite über die Fähigkeit verfügt und

diese

aufrechterhalten

kann

-,

für

jeden

Angriff

Vergeltung

anzudrohen und damit einem Aggressor Kosten aufzuerlegen, die in keinem
Verhältnis zu einem potentiellen Gewinn stehen. Unsere Vorstellung davon,
welches Risiko unsere Streitkräfte aufrechterhalten müßten, um vor einer
Aggression abzuschrecken, hat sich im Laufe der Zeit geändert. Allerdings
hat sich unsere Vorstellung im Laufe der Zeit nicht geändert, daß wir uns
grundlegend

auf

nukleare Vergeltung

verlassen

müssen, wie

sie

durch

offensive Nuklearstreitkräfte geübt werden kann.

Dieser
- 2 -

Grundgedanke

�Dieser Grundgedanke - daß nämlich im Falle, da jede Seite über annähernd

gleiche Streitkräfte

und eine gleiche Kapazität verfügt, für

jeden Angriff Vergeltung zu üben, Stabilität und Abschreckung aufrechterhalten würden - hat auch als Grundlage für die Einstellung der Vereinigten

Staaten

zu

Rüstungsbegrenzungen

dem

Prozeß

der

Verhandlungen

über

Strategische

(SALT) in den siebziger Jahren gedient. Zur Zeit,

als dieser Prozeß begann, gingen die Vereinigten Staaten davon aus, daß
eine auf der Fähigkeit offensiver Vergeltungsstreitkräfte beruhende Abschreckung nicht nur vernünftig, sondern auch notwendig sei, da wir damals glaubten, keine Seite könne je die Technologie für Verteidigungssysteme entwickeln, die die andere Seite wirksam abschrecken könnten.

Heute ist die Situation jedoch grundlegend anders. Wissenschaftliche
Entwicklungen

und einige neue Technologien bieten inzwischen die Mög-

lichkeit zu Verteidigungssystemen, die früher nicht existierten und die
man sich früher auch kaum vorstellen konnte. Die Entwicklung der Verteidigung ist heute bis zu dem Punkt fortgeschritten, wo man vernünftigerweise untersuchen kann, ob neue Technologien neue Optionen, vor allem
nichtnukleare Optionen, bieten, die uns in die Lage versetzen könnten,
uns der Verteidigung zuzuwenden, nicht nur um die Abschreckung zu stärken, sondern auch um uns den 'Übergang zu einer sichereren und stabileren
Basis für die Abschreckung zu erlauben.

Von gleicher Bedeutung ist die Tatsache, daß die Sowjetunion weder
bei den strategischen Offensiv- noch bei den Defensivstreitkräften die
Zurückhaltung gezeigt hat, die wir uns erhofften, als der SALT-Prozeß
begann. Die Tendenzen in der Entwicklung der strategischen Offensiv- und
Defensivstreitkräfte

der

Sowjets

sowie

die

sich

in zunehmendem Maße

abzeichnende sowjetische Neigung zur Täuschung und zur Nichteinhaltung
bestehender Abkommen werden - wenn ihnen auf lange Sicht nicht Einhalt
geboten wird - das militärische Gleichgewicht und die Gegenseitigkeit der
Verwundbarkeit untergraben, auf denen die Abschreckungstheorie im Wesentlichen aufgebaut wurde.

Sowjetische

Verbesserungen

�Sowjetische Verbesserungen der O f f e n s i v s t r e i t k r ä f t e :
ist

und b l e i b t

Die

Sowjetunion

die Hauptbedrohung unserer Sicherheit und der

Sicherheit

unserer Verbündeten. Im Rahmen weitreichender Bemühungen zur Verstärkung
der m i l i t ä r i s c h e n

Kapazität hat d i e Verbesserung der

der Sowjetunion -

die in

nichtung

erlaubt

-

in

Raketenstreitmacht

zunehmendem Maße eine rasche, harte

immer

Zielver-

größerem Maße d i e 'Überlebensfähigkeit

von

S t r e i t k r ä f t e n bedroht, die wir d i s l o z i e r t haben, um vor einer Aggression
abzuschrecken.

Diese Verbesserung s t e l l t

Herausforderung

unserer

Führungsstruktur,
viele

landgestützten

die s i e b e f e h l i g t ,

entscheidend

wichtige

feste

insbesondere eine

unmittelbare

Vergeltungsstreitkräfte

dar.

und

der

Sie bedroht i n gleicher Weise

Einrichtungen

in

den

Vereinigten

Staaten und i n verbündeten Ländern, auf die sich nukleare Vergeltungsund konventionelle S t r e i t k r ä f t e s t ü t z e n , die unsere k o l l e k t i v e Fähigkeit
d a r s t e l l e n , vor K o n f l i k t und Aggressionen abzuschrecken.

Verbeserung
strebt

der

aktiven

Verteidigung

der

Sowjetunion:

Gleichzeitig

die Sowjetunion auch durch die Entwicklung und Verbesserung der

aktiven Verteidigung nach strategischen V o r t e i l e n . Diese a k t i v e V e r t e i digung g i b t der Sowjetunion i n immer größerem Maße die F ä h i g k e i t , Vergeltungsstreitkräften
gegenzutreten,

der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten

vor

allem

einen sowjetischen

für

den F a l l ,

Erstschlag dezimiert

daß unsere S t r e i t k r ä f t e

entdurch

wären. Auch heute noch i s t

die

a k t i v e Verteidigung der Sowjets umfangreich.

So b e s i t z t die

beispielsweise

Raketen-Raketenabwehrsystem

das

(ABM-System),
verbessert

das

einzige

einsatzbereite

zum Schutze Moskaus d i s l o z i e r t

gegenwärtig

Elemente

dieses

Systems.

ist.
Sie

Die

über

ein

umfangreiches Luftverteidigungsnetz

aggressiver Weise d i e Q u a l i t ä t

Sowjetunion

besitzt

einzige einsatzbereite d i s l o z i e r t e Satellitenabwehr-Kapazität
verfügt

Sowjetunion

auch

die

(ASAT). Sie

und verbessert

in

i h r e r Radaranlagen, i h r e r Abfangjäger und

i h r e r Boden-Luft-Raketen. Sie verfügt ferner über ein sehr umfangreiches
Netz von Frühwarn-Radaranlagen gegen Raketen.

All

diese Elemente geben

i h r heute auf diesem Gebiet einen r e l a t i v e n V o r t e i l i n der

strategischen

Verteidigung,

weiterentwik-

und wenn sich diese Verbesserungen logisch

k e l n , dann könnte das die Grundlage f ü r einen entscheidenden Vorsprung i n
Zukunft bieten.
Verbesserung
- 4 -

der

�Verbesserung der passiven Verteidigung der Sowjetunion: Die

Sowjet-

union g i b t auch b e t r ä c h t l i c h e M i t t e l für Maßnahmen der passiven V e r t e i d i gung

aus,

die

Streitkräfte,

darauf
der

abzielen,

militärischen

die

Überlebensfähigkeit

Befehlsstruktur

Führung zu verbessern.

Diese Anstrengungen reichen

der

jüngsten

Beweglichkeit

der

Schiene und Strasse bis

Typen

und

der

eigenen

der

nationalen

von der

Herstellung

von I n t e r k o n t i n e n t a l r a k e t e n

auf

zur weitgehenden Befestigung verschiedener

ent-

scheidend w i c h t i g e r Einrichtungen.
Die sowjetische Forschung und Entwicklung i n der modernen V e r t e i d i gung:

Seit

über

zwei Jahrzehnten hat

weiten Bereichen

der

die Sowjetunion

Anstrengungen

in

strategischen Verteidigung unternommen und a k t i v e

und passive Elemente i n t e g r i e r t .

Die sich daraus ergebenden Entwicklungen

zeigen eine s t e t i g e Verbesserung und Ausweitung der Defensivkapazität der
Sowjetunion.
schen

Darüber hinaus lassen die derzeitigen Muster der

Forschung

betriebenen

und

Entwicklung

und intensiven

-

einschlieölich

Forschungsprogramms

auf

eines
vielen

sowjeti-

seit
der

langem
gleichen

technologischen Grundgebiete, wie sie von unserem SDI-Forschungsprogramm
erfaßt
gleichen
weitere

werden

-

erkennen,

Tempo

anhalten

Verbesserungen

daß diese

werden.
der

Trends

Wenn nichts

Defensive

der

auch
getan

in

Zukunft
wird,

Sowjetunion

die

mit

dann

dem

werden

Wirksamkeit

unserer eigenen derzeitigen Abschreckung untergraben, die sich heute f a s t
ausschließlich auf die Androhung einer nuklearen Vergeltung durch Offensivkräfte stützt.
Programm der

Daher s t e l l t

dieses s e i t langem betriebene sowjetische

defensiven Verbesserungen

allein

eine Herausforderung

der

Abschreckung dar, mit der wir uns befassen müssen.

Sowjetische

Nichteinhaltung

und V e r i f i z i e r u n g :

Und s c h l i e ß l i c h

das Problem der Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
offensivem

wie

defensivem

Anlaß zu ernster

Gebiet

-

einschließlich

ist

sowohl auf

des ABM-Vertrages

-

Sorge. Die sowjetischen T ä t i g k e i t e n wie der Bau i h r e r

- 5 -

�der Bau ihrer neuen Radaranlage mit phasengesteuerter Abtastung in der
Nähe

von Krasnojarsk

in Zentralsibirien

haben

ganz unmittelbare und

unheilvolle Folgen. Wenn sie einsatzbereit ist, wird diese Radaranlage
die Fähigkeit der Sowjetunion erhöhen, eine territoriale Raketenabwehr zu
dislozieren. Aus der Erkenntnis heraus, daß derartige Radaranlagen einen
solchen Beitrag

leisten würden, hat der ABM-Vertrag

den Bau solcher

Radaranlagen an solchen Orten ausdrücklich verboten, und dies war einer
der Hauptpunkte, um die Wirksamkeit des Vertrages zu gewährleisten. Die
Aktivitäten der Sowjetunion im Zusammenhang mit dieser Radaranlage stellen eine direkte Verletztung des ABM-Vertrages dar.

Aber über dieses negative Verhalten der Sowjets im Sinne der Nichteinhaltung

bestehender

Rüstungskontrollabkommen

hinaus

unternimmt

die

Sowjetunion noch andere Maßnahmen, die unsere Fähigkeit behindern, die
sowjetische Einhaltung zu verifizieren. Einige dieser Maßnahmen, wie etwa
die verstärkte Verschlüsselung bei Versuchen, zielen direkt darauf ab,
unsere Fähigkeit zur Beobachtung der Einhaltung zu mindern. Auch andere
Handlungen

der Sowjets

verschärfen

das Problem

der Feststellung der

Einhaltung. So erhöhen die Sowjets beispielsweise die Zahl ihrer mobilen
Raketen, vor allem jener mit Mehrfachgefechtsköpfen, sowie anderer mobiler Systeme, was natürlich die Verifizierung mehr und mehr erschwert.
Wenn wir diesen Entwicklungen nicht begegnen, dann könnten wir in absehbarer Zukunft einen Punkt erreichen, an dem wir nur noch wenig Vertrauen
in unsere Beurteilung des Standes des militärischen Gleichgewichts oder
Ungleichgewichts haben könnten - mit allem, was das für unsere Fähigkeit
bedeutet, die Eskalation während einer Krise zu kontrollieren.

Antwort auf die Herausforderung: Als Antwort auf die seit langem vor
sich gehenden offensiven und defensiven Verbesserungen der Sowjets sind
die Vereinigten Staaten gezwungen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, die
darauf angelegt sind, kurzfristig die Sicherheit und Stabilität aufrechtzuerhalten und dies auch in Zukunft zu tun. Wir müssen im wesentlichen
auf drei Gebieten handeln.

Modernisierung der
- 6 -

�Modernisierung
unsere

der Vergeltungsstreitkräfte: Als erstes müssen wir

offensiven

nuklearen Vergeltungsstreitkräfte

modernisieren. Das

ist notwendig, um auf kurze Sicht das offensive Gleichgewicht wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten, und die strategischen Verhältnisse zu
schaffen, die uns entsprechende ergänzende Maßnahmen auf den Gebieten der
Abrüstungsverhandlungen und der Verteidigungsforschung
haben

im

Jahre

1981

unser

strategisches

ermöglichen. Wir

Modernisierungsprogramm

in

Angriff genommen, das den bis dahin herrschenden Abwärtstrend umkehren
soll. Dieses Modernisierungsprogramm ist vor allem darauf ausgerichtet,
eine stabile Abschreckung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die notwendigen Anreize zu bieten, daß sich die Sowjetunion uns in dem Bemühen anschließt, über wesentliche Verringerungen der nuklearen Arsenale beider
Seiten zu verhandeln.

Über das amerikanische
modernisiert

die NATO

strategische Modernisierungsprogramm

ihre weiterreichenden

hinaus

nuklearen Mittelstrecken-

systeme (LRINF). Unsere britischen und französischen Verbündeten haben
ebenfalls

wichtige

Programme

nuklearen

Vergeltungsstreitkräfte

SDI-Forschungsprogramm
Vereinigten

Staaten

in

bestreitet
und

Angriff
zu

genommen,

verbessern.

um
Das

ihre

eigenen

amerikanische

in keiner Weise diese Programme der

ihrer Verbündeten. Das

SDI-Forschungsprogramm

hängt vielmehr von unseren kollektiven und nationalen Modernisierungsanstrengungen ab, um heute Frieden und Freiheit zu sichern, wenn wir die
Möglichkeiten für künftige Entscheidungen dahingehend überprüfen, wie wir
Sicherheit und Stabilität auf längere Sicht stärken könnten.

Neue Optionen bei der Abschreckung: Gleichwohl laßt sich langfristig
durch die vom sowjetischen Verhaltensmuster verursachten Trends - sowie
durch das Beharren der Sowjets auf eben diesem Verhaltensmuster - der
Eindruck nicht vermeiden, eine über einen langen Zeitraum hinweg bestehende

Abhängigkeit

von

Offensivstreitkräften

könnte

keine

stabile

Grundlage für die Abschreckung bieten. Ja, würde man zulassen, daß sich
diese Trends fortsetzen und die sowjetischen Investitionen sowohl bei den
Offensiv-

als

auch

bei

den

Defensivkapazitäten
- 7 -

ungehindert

und

�ungehindert und unbeantwortet andauern, könnte dadurch konsequenterweise
die theoretische wie auch die empirische Grundlage zerstört werden, auf
die sich die Abschreckung seit einer Generation gründet.

Wir müssen

daher

jetzt

auch

Schritte

unternehmen, um zukünftige

Optionen zu behalten, mit deren Hilfe Abschreckung und Stabilität auch
langfristig sichergestellt werden können; und wir müssen dies auf eine
Art und Weise tun, die es uns sowohl ermöglichen, den destabilisierenden
Zuwachs der sowjetischen Offensivstreitkräfte auszugleichen, als auch den
schon seit langer Zeit bestehenden Hang der Sowjets nach immer mehr
Streitkräften in eine stabilisierendere und beiderseitig nutzbringendere
Richtung zu lenken. Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) ist
auf eben diese Ziele ausgerichtet. Kurzfristig reagiert das SDI-Programm
auch

unmittelbar

Anstrengungen
bestehenden
erlaubt

auf

bei

die

den

sowjetischen

sind.

Das

derzeitigen

und

umfangreichen

Raketen-Abwehrraketen
Dislozierungen,

SDI-Forschungsprogramm

wie

-

einschließlich

sie

bietet

sowjetischen

gemäß

eine

der

ABM-Vertrag

notwendige

und

kraftvolle Abschreckung gegenüber einer jeden kurzfristigen sowjetischen
Entscheidung, ihre ABM-Kapazität rasch über den im ABM-Vertrag niedergelegten Umfang hinaus auszuweiten. Dies ist in sich schon eine entscheidende

Aufgabe.

Allerdings

liegt

die

übergreifende,

langfristige

Bedeutung von SDI darin, daß sie die Möglichkeit bietet, die gefährlichen
militärischen Trends, wie sie oben dargestellt wurden, umzukehren, indem
man zu einer besseren, stabileren Grundlage der Abschreckung gelangt und
der Sowjetunion neue und zwingende Anreize für eine wirklich ernsthafte
Vereinbarung von Verringerungen bei den bestehenden offensiven Nukleararsenalen bietet.

Die Sowjetunion hat das Potential der fortgeschrittenen Verteidigungskonzepte - insbesondere jene, die die Startphase, die Nachstartphase
und die Flugphase betreffen - zur Veränderung der strategischen Situation
erkannt. Bei unserer Analyse des Potentials, das diesen Systemen innewohnt, streben wir keine Überlegenheit an und suchen keinen einseitigen
Vorteil. Sollte sich jedoch bewahrheiten, was die SDI-Technologie verspricht,

so

könnte

der

destabilisierende
- 8 -

sowjetische

Vorteil

�sowjetische

Vorteil

Abschreckung
werden,

die

ausgeglichen

beträchtlich
dadurch

Interkontinentalraketen

werden.

gestärkt

stabiler

und

würde,

verringert

und

auf
daß
jene

Auch
eine
sich
von

könnte

dadurch

Grundlage
die

die

gestellt

Bedeutung

der

Verteidigungssystemen

erhöht, die niemanden bedrohen.

Verhandlungen und Diplomatie: Für die kommenden zehn Jahre besteht
das Ziel der Vereinigten Staaten darin, zu einer radikalen Verringerung
bei der Zerstörungskraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen zu gelangen sowie eine Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen Offensiv- und Defensivwaffen - gleich, ob auf der Erde
oder im Weltraum - zu erreichen. Gerade auch jetzt gilt unser Bemühen
einer Übgangsperiode zu einer stabileren Welt mit weit weniger Kernwaffen
und

verstärkter

Fähigkeit

zur

durch die erhöhte Konzentration

Abschreckung

eines Krieges, ermöglicht

auf die nichtnuklearen Verteidigungs-

kapazitäten statt auf die offensiven Kernwaffen. Eine Welt frei von der
Bedrohung

durch

militärische

Aggression

und

frei

von Atomwaffen ist

letztlich das Ziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und
allen anderen Staaten Einhelligkeit herrschen kann.

Zur Unterstützung dieser Zielsetzungen werden wir auch weiterhin mit
Nachdruck die Verhandlungen verfolgen, die zu ausgewogenen und verfizierbaren Abkommen führen sollen, um die bestehenden Kernarsenale beträchtlich zu verringern. Dabei werden wir auch weiterhin flexibel sein, was
die zur Erreichung dieser Verringerung verwendeten Mechanismen anbelangt,
werden diese Mechanismen jedoch auf ihre Fähigkeit hin überprüfen, die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu erhöhen, die
strategische Stabilität zu stärken und die Kriegsgefahr zu verringern.

Gleichzeitig wird jetzt und auch weiterhin das SDI-Forschungsprogramm
in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag durchgeführt. Sollte die
Forschung zu positiven Ergebnissen gelangen, werden wir unsere Verbündeten hinsichtlich der möglichen nächsten Schritte konsultieren. Wir würden
uns dann in angemessenem Maße mit der Sowjetunion konsultieren - wobei

�konsultieren - wobei dies im Einklang mit dem Wortlaut des ABM-Vertrags
geschehen würde, der solche Konsultationen vorsieht -, in welchem Maß die
Abschreckung durch die schrittweise Einführung von Defensivsystemen in
die Streitkräftestruktur
Verpflichtung

bedeutet

beider Seiten verstärkt werden könnte. Diese
nicht,

daß

wir

den

Sowjets

hinsichtlich

der

Ergebnisse ein größeres Veto einräumen würden, als die Sowjets ein Veto
über unsere derzeitigen strategischen und Mittelstreckenprogramme haben.
Unsere diesbezügliche Verpflichtung spiegelt unsere Erkenntnis wider, daß
wir auch weiterhin auf Stabilität achten sollten, wenn unsere Forschung
angemessene Resultate zeitigt. Wir haben bereits in Genf mit dem Prozeß
der bilateralen Diskussion begonnen, die notwendig ist, um den Grjndstein
für eine stabile Integration der fortgeschrittenen Verteidigungssysteme
in die Streitkräfte beider Seiten zu legen, und zwar zu einem Zeitpunkt,
da

es

der

technologische

Fortschritt

und

andere

Erwägungen

dies

wünschenswert erscheinen lassen.

WIE DIE SOWJETUNION SDI SIEHT

Wie bereits erwähnt, gibt es in der UdSSR schon seit langem im Rahmen
der Defensivsysteme aller Art ein intensives Forschungs-, Entwicklungsund Dislozierungsprogramm. Ja, in den letzten zwei Jahrzehnten hat die
Sowjetunion

insgesamt

investiert

wie

Infolgedessen
Bereich

der

in

erfreut
aktiven

in
ihre
sie
und

ihre

strategische

umfangreiche
sich

heute

passiven

Verteidigung

strategische
gewisser

Verteidigung.

ebenso

viel

Offensivrüstung.

wichtiger Vorteile im
Die Sowjetunion wird

sicherlich den Versuch unternehmen, diese umfangreichen, langfristigen
Investitionen zu schützen.

•

WIE DIE VERBÜNDETEN SDI SEHEN

Unsere Verbündeten verstehen den militärischen Kontext, in den die
Strategische Verteidigungsinitiative gestellt wurde und unterstützen das
SDI-Forschungsprogramm. Unser gemeinsames Verständnis spiegelt sich in
- 10 -

�spiegelt sich in der Erklärung wider, die dem Treffen Präsident Reagans
mit Premierministerin Thatcher im Dezember folgte, daß nämlich

—
nicht

erstens: Ziel der Vereinigten Staaten und des Westens insgesamt
ist, Überlegenheit

zu erzielen, sondern das Gleichgewicht auf-

rechtzuerhalten, indem die sowjetischen Entwicklungen in Rechnung gestellt werden;

—

zweitens: die SDI-bezogene Entwicklung aus der Sicht der Vertrags-

verpflichtungen heraus eine Angelegenheit von Verhandlungen zu sein hat;

-- drittens: Hauptziel nicht eine Untergrabung der Abschreckung sondern ihre Verstärkung ist; und
—viertens": die Ost-West-Verhandlungen auf eine Sicherheit mit verringertem Umfang der Offensivsysteme beider Seiten abzielen sollten.
Diese gemeinsame Ansicht spiegelt sich auch in anderen Erklärungen
wider, die seither abgeben wurden - zum Beispiel in den Prinzipien, die
kürzlich die Bundesrepublik Deutschland vorschlug, und wonach

—

die bestehende NATO-Strategie der flexiblen Antwort für das Bünd-

nis ihre volle Gültigkeit

behalten muß, solange es keine wirksamere

Alternative zur Kriegsverhütung gibt; und

—

die politische und strategische Einheit des Bündnisses gewahrt

werden muß. Es darf keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit im Bündnis
geben, und Europas Sicherheit darf nicht von der Nordamerikas abgekoppelt
werden.

SDI-THEMENBEREIOC

Hier nun ein Dutzend zwingender Punkte, die Richtung und Umfang des
Programms umreißen:

1. Ziel
- 11 -

von

SDI

�1. Ziel von SDI ist nicht, Überlegenheit anzustreben, sondern das
strategische

Gleichgewicht

zu bewahren

und

dadurch

eine stabile Ab-

schreckung sicherzustellen.

Ein zentrales Thema der sowjetischen Propaganda ist die Unterstellung, daß SDI dazu dienen solle, die militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten zu sichern. In den richtigen Zusammenhang der strategischen

Herausforderung

gestellt,

vor

der

wir

und

unsere

Verbündeten

stehen, werden unsere Ziele klar und deutlich. Überlegenheit ist sicher
nicht unser Ziel. Auch ist das SDI-Programm

seiner Natur nach nicht

offensiv. Das SDI-Programm ist ein Forschungsprogramm, das darauf abzielt, bessere Wege zu finden, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu garantieren, wobei in verstärktem Maße Verteidigungssysteme einbezogen werden, die niemanden bedrohen.

2. Die Forschung wird einige Jahre dauern. Wir beabsichtigen, uns
strikt an die Begrenzungen des ABM-Vertrags zu halten und werden darauf
bestehen, daß die Sowjets das gleiche tun.

Wir führen derzeit ein breitangelegtes Forschungsprogramm durch, das
in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht; dabei gibt es noch keinerlei Entscheidung, über den Forschungsbereich hinauszugehen. Das SDI-Forschungsprogramm

ist

überaus

komplexer

Natur

und

betrifft

eine ganze

Bandbreite von Technologien. Es handelt sich nicht um ein Programm, bei
dem alle Überlegungen hinsichtlich der Ressourcen sich einem Zeitplan
unterzuordnen

haben. Es ist vielmehr ein verantwortungsbewußt organi-

siertes Forschungsprogramm, das sich intensiv um kosteneffiziente Möglichkeiten zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
gegenüber der Bedrohung durch nukleare wie nichtnukleare Interkontinentalraketen aller Reichweiten bemüht. Wir hoffen, daß die Forschung in
einem

Maß

vorangeht, daß erste Entwicklungsentscheidungen

Anfang der

neunziger Jahre getroffen werden könnten.

3.

Wir

haben

keinerlei

vorgefaßte
- 12 -

Meinungen

hinsichtlich

der

�hinsichtlich

der

Verteidigungsoptionen,

die

sich

aus

der

Forschung

ergeben können. Wir werden erst dann mit Entwicklung und Dislozierung
beginnen,

wenn

die

Forschung

signalisiert,

daß

strikten

Kriterien

entsprochen wird.

Die Vereinigten Staaten verfolgen das breitangelegte SDI-Forschungsprogramm auf objektive Weise. Wir haben daher auch keine vorgefaßten
Meinungen hinsichtlich des Ergebnisses dieses Forschungsprogramms. Wir
glauben nicht, daß wir vor einer ganzen Reihe von Jahren in der Lage sein
werden, Entscheidungen über Entwicklung oder Dislozierung aufgrund der
Ergebnisse dieser Forschung zu treffen.

Wir

haben

Ergebnisse

bestimmte

Kriterien

dieser Forschung

festgelegt,

denen

die

jeweiligen

genügen müssen. Manche Optionen, die uns

Interimskapazitäten bieten könnten, mögen dabei eher zur Hand sein als
andere, wobei kluge Planung es erforderlich macht, über Optionen gegen
eine ganze Reihe von Ernstfällen zu verfügen. Dennoch zielt das SDI-Forschungsprogramm nicht in erster Linie darauf ab, Optionen für frühestmögliche

Entwicklungs-und

Dislozierungsentscheidungen

an

die Hand

zu

bekommen, sondern auf Optionen, die am besten den von uns festgelegten
Kriterien entsprechen.

4. Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms werden wir nur jene Verteidigungssysteme als wünschenswert ansehen, die überlebensfähig und in vernünftigem Maße kosteneffizient sind.

Zwei Argumente gegen SDI lauten, die Dislozierung von Verteidigungssytemen

schade

der Krisenstabilität

und

schüre

nur die ungehinderte

Ausbreitung sowjetischer Offensivwaffen. Wir haben spezielle Kriterien
erstellt, um diesen Befürchtungen angemessen und direkt zu begegnen.

Unser Kriterium
Besorgnis. Wäre

der Überlebensfähigkeit richtet sich an die erste

ein Verteidigungssystem

nicht

in angemessenem

Umfang

überlebensfähig, so könnte ein Gegner tatsächlich in einer Krise geneigt
sein, einen Erstschlag gegenüber den verletzlichen Verteidigungselementen
- 13 -

�verletzlichen Verteidigungselementen

zu führen. Die Anwendung des ge-

nannten Kriteriums stellt daher sicher, daß ein solch verwundbares System
nicht disloziert würde und die Sowjets daher auch keinen Anreiz - und
keine Aussicht hätten -, es zu überwinden.

Das Kriterium der Kosteneffektivität wird sicherstellen, daß jedes
dislozierte Verteidigungssystem
zusätzlichen Offensivwaffen

energisch davor abschrecken würde, mit

zu antworten, da diese Waffen mehr kosten

würden als die zusätzliche Verteidigungskapazität, die zu deren Vernichtung nötig wäre. Dies ist weitaus mehr als nur ein wirtschaftliches
Argument, obwohl es in wirtschaftlichen Begriffen ausgedrückt ist. Wir
wollen bei unserer Bewertung der durch die SDI-Forschung geschaffenen
Optionen das Ausmaß in Erwägung ziehen, in dem gewisse Typen von Defensivsystemen von sich aus einen Gegener ermutigen, sie einfach mit einer
zusätzlichen Offensivkapazität zu überwinden zu suchen, während andere
Systeme

einen

Gegenschlag

entmutigen

können.

Wir

streben

defensive

Optionen an, die ganz klar vor Versuchen abschrecken, zusätzliche Offensivkräfte einzusetzen.

Darüber hinaus drängen wir darauf, offensive Nuklearwaffen durch die
Aushandlung

gerechter

und

verifizierbarer

Abkommen

zu vermindern. Zu

diesen Bemühungen gehört eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
Raketen

auf

ein

gleiches

und

wesentlich

niedrigeres Niveau

als das

heutige.

5. Unser Forschungsprogramm ist noch zu neu, um über die Arten von
Defensivsystemen

-

ob

nun

landgestützt

oder

weltraumgestützt

-

zu

spekulieren, die sich für Entwicklung und Dislozierung als möglich und
wünschenswert erweisen könnten.

Ohne Frage ist eine Erörterung der verschiedenen Technologien, die
geprüft werden, nötig, um das Verständnis für das Forschungsprogramm zu
vertiefen. Spekulationen über die verschiedenen Arten von Defensivsystemen, die vielleicht disloziert werden könnten, sind zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch unangebracht. SDI ist ein weitgefächertes Forschungsprogramm,

in

dessen

Rahmen

zahlreiche
- 14 -

Technologien

untersucht

werden.

�untersucht werden. Gegenwärtig sehen wir Vorzüge in dem Potential fortgeschrittener

Technologien, die die Möglichkeiten

einer geschichteten

Verteidigung bieten - mit der Chance also, eine Rakete an verschiedenen
Punkten nach dem Start auszuschalten. Wir sind der Meinung, daß die Möglichkeit einer geschichteten Verteidigung sowohl das Vertrauen in das
Gesamtsystem

fördert

als auch das Problem eines potentiellen Gegners

vergrößert, der versucht, eine solche Verteidigung zu durchdringen. Es
gibt jedoch zahlreiche Wege zu einer solchen Verteidigung.

In diesem Zusammenhang sind wir nach der Rolle der nuklearbezogenen
Forschung

im Hinblick

Verteidigung

auf

unser letztliches Ziel der nichtnuklearen

gefragt worden. Während unser gegenwärtiges Programm den

Nachdruck ohne Frage auf die nichtnuklearen Technologien legt, werden wir
doch die Erforschung der vielversprechenden Konzeptionen fortsetzten, in
deren Rahmen die Nuklearenergie

zum Antrieb von Einrichtungen benutzt

wird, die Raketen in goßer Entfernung zerstören könnten. Es ist ferner
nützlich, sich mit diesen Konzepten zu befassen, um sich ein Bild über
die Möglichkeiten und Wirksamkeit ähnlicher Defensivsysteme zu machen,
die ein Gegner zum Einsatz gegen zukünftige amerikanische Überwachungssowie Defensiv- und Offensivsysteme entwickeln könnte.

6. Der Zweck der von uns angestrebten Defensivoptionen ist klar,
nämlich ein Mittel zur Zerstörung angreifender Raketen zu finden, bevor
diese irgendeines ihrer potentiellen Ziele erreichen können. Letztlich
wollen wir eine Zukunft, in der die Länder in Frieden und Freiheit leben
können und sicher sind in dem Wissen, daß ihre nationale Sicherheit nicht
auf

der

Androhung

nuklearer

Vergeltung

beruht. Daher

wird

sich das

SDI-Forschungsprogramm auf Optionen konzentrieren, die die Basis für die
Beseitigung der allgemeinen Bedrohung bietet, welche von den Raketen ausgeht. Somit ist es nicht das Ziel unserer Forschung - und kann es nicht
sein

-

einfach

unsere

Vergeltungsstreitkräfte

vor

einem

Angriff

zu

schützen.

Wenn ein künftiger Präsident sich entschließt, sich in Richtung auf
eine allgemeine Verteidigung

gegen Raketen
- 15 -

zu bewegen, so werden die

�so werden die technologischen Optionen, die wir erkunden, ohne Zweifel
auch

die

Uberlebensfähigkeit

unserer

Vergeltungskräfte

erhöhen. Dies

erfordert eine stabile Konzeption und einen Prozeß, der uns in die Lage
versetzt, den Übergang zu der von uns angestrebten Zukunft in den Griff
zu bekommen. Diese Konzeption und dieser Prozeß müssen sich auf eine
realistische Bewertung nicht nur der amerikanischen, sondern auch der
sowjetischen

Streitkräfte

sowie

der

über

das

laufende

Haushaltsjahr

hinausgehenden Programme stützen.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bleibt
weiterhin unteilbar. Das SDI-Programm zielt darauf ab, die Sicherheit der
Verbündeten wie auch die der Vereinigten Staaten zu stärken. Wir werden
weiterhin eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß im Zuge der fortschreitenden Forschung die Ansichten unserer
Verbündeten sorgfältig in Betracht gezogen werden.

Dies war seit Begin der Strategischen Verteidigungsinitiative ein
fundamentaler Teil der amerikanischen Politik. Wir haben uns ernsthaft zu
Konsulatationen verpflichtet, und solche Konsultationen werden jedem im
Rahmen des SDI-Forschungsprogramms zu ergreifenden Schritt, der sich auf
unsere Verbündeten auswirken könnte, vorausgehen.

8.Nach Erfüllung unserer Forschungskriterien und nach engen Konsultationen mit unseren Verbündeten, wollen wir, wie dies angemessen erscheint, die Sowjets konsultieren und mit ihnen darüber verhandeln - und
zwar gemäß den Bestimmungen des ABM-Vertrages -, wie die Abschreckung
gefördert werden kann, indem sich beide Seiten mehr auf neue Defensivsysteme stützen. Ja, wir haben bereits versucht, bei den Verteidigungs- und
Weltraumgesprächen in Genf eine Diskussion über das Offensiv-DefensivVerhältnis und die Stabilität in Gang zu bringen, um die Grundlage für
eine Förderung solcher möglicher Konsultationen in der Zukunft zu legen.

Falls
Verbündeten

die
zu

Vereinigten
einem

Staaten

künftigen

in

enger

Zeitpunkt

- 16 -

Konsultation
entscheiden,

mit
mit

ihren
der

�mit der Dislozierung von Defensivsystemen voranzugehen, dann beabsichtigen wir, uns der Mechanismen für amerikanisch-sowjetische Konsultationen
zu bedienen, die im ABM-Vertrag vorgesehen sind. Mit Hilfe dieser Mechanismen und unter voller Berücksichtigung des weitgesteckten sowjetischen
Forschungsprogramms auf dem Gebiet der Defensivsysteme werden wir bemüht
sein, in einer stabilen Weise mit der Sowjetunion voranzukommen.

9. Wir haben die Absicht und die Hoffnung, daß - sollten sich neue
Defensivtechnologien als durchführbar erweisen - wir (in enger und anhaltender Konsultation mit unseren Verbündeten) und die Sowjets gemeinsam
einen Übergang zu einem mehr defensivbezogenen Gleichgewicht schaffen
werden.

Sowjetische Propagandisten haben die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie seien hinsichtlich ihrer Verpflichtung, ein Wettrüsten im Weltraum zu
verhindern, wortbrüchig geworden. Dies stimmt in gar keiner Weise. Wir
wollen kein Wettrüsten - wir wollen genau das Gegenteil, nämlich einen
gemeinsamen begehbaren Weg, der dahin führen soll, daß zu allen Zeiten
eine Kontrolle über das Verhältnis von Offensiv- und Defensivsystemen auf
beiden Seiten gewahrt und dadurch das Vertrauen aller Länder in die Wirksamkeit und die Stabilität des sich ergebenden Gleichgewichts verstärkt
wird.

10. SDI stellt keine Änderung unserer Verpflichtungen dar, vor einem
Krieg abzuschrecken und die Stabilität zu stärken.

Eine erfolgreiche SDI-Forschung sowie die Entwicklung von Defensivoptionen würden nicht zu der Aufgabe der Abschreckung führen, sondern
vielmehr zu einer Stärkung der Abschreckung und zu einer Evolution bei
den

Abschreckungswaffen,

indem

nämlich

Defensivsysteme

hinzugefügt

werden, die niemanden bedrohen. Wir würden einen potentiellen Aggressor
abschrecken, indem wir ihm klarmachen, daß wir ihm die Gewinne verwehren,
die er sonst zu erreichen gehofft hätte, statt ihm lediglich mit Kosten
zu drohen, die hoch genug sind, um solche Gewinne aufzuwiegen.

Die
- 17 -

Vereinigten

Staaten

�Die Vereinigten Staaten unterstützen das grundlegende Prinzip, daß
die jetzt bestehende Methode der Abschreckung sowie die NATO-Strategie
der flexiblen Antwort voll und ganz gültig bleiben und voll unterstützt
werden müssen, solange es keine effektivere Alternative zur Verhinderung
eines Krieges gibt. In klarer Anerkennung dieser Tatsache setzten die
Vereinigten

Staaten

ihr

strategisches

Modernisierungsprogramm

so

nachdrücklich fort und unterstützen so nachhaltig die Anstrengungen ihrer
Verbündeten,

die

eigenen

Verpflichtungen

zur

Aufrechterhaltung

von

Streitkräften - sowohl nuklear wie konventionell - zu erfüllen, welche
für die heutige Abschreckung Sorge tragen.

11. Für die absehbare Zukunft werden offensive Nuklearstreitkräfte
sowie die Aussicht auf nukleare Vergeltung das Hauptelement der Abschrekkung bleiben. Deshalb müssen wir moderne, flexible und glaubwürdige strategische Nuklearstreitkräfte aufrechterhalten.

Hieraus ergibt sich die Tatsache, daß wir eine Reihe von Mitteln
einsetzen müssen, um die Ziele

von heute

zu erreichen, während

wir

gleichzeitig nach besseren Wegen suchen, um unsere langfristigen Ziele zu
erreichen. Hierin

kommt

unser

Grundprinzip

der Aufrechterhaltung

des

amerikanischen strategischen Modernisierungsprogramms und das Prinzip der
so dringend benötigten nationalen Modernisierungsprogramme zum Ausdruck,
die von Großbritannien und Frankreich durchgeführt werden.

12.Unser letztliches Ziel ist es, die Kernwaffen völlig zu beseitigen. Dies ist natürlich ein sehr langfristiges Ziel, das bei Fortsetzung unserer SDI-Forschung gleiche energische Anstrengungen erforderlich
macht, um die durch konventionelle Rüstungsungleichheit gegebene Bedrohung zu beseitigen - sowohl durch konventionelle Streitkräfteverbesserungen als auch durch die Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen und
vertrauensbildende Maßnahmen.

Wir sind uns völlig über den Beitrag im klaren, den Kernwaffen zur
Abschreckung einer konventionellen Aggression leisten. Wir sind uns in
gleicher

Weise

über

die Zerstörungskraft
- 18 -

eines Krieges aufgrund von

�aufgrund von konventionellen und chemischen Mitteln im klaren sowie über
die Notwendigkeit, sowohl vor einem solchen Konflikt abzuschrecken als
auch die Gefahr zu vermindern, die von der Androhung einer Aggression mit
solchen Mitteln ausgeht.

- 19 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Juni 1985

23

RÖNTGENSTRAHLEN VON FERNEN MILCHSTRASSEN
- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY -

(AD)

-Beim

nächsten

Flug

des

amerikanischen

Raumtransporters

DISCOVERY, der voraussichtlich an 17. Juni 1985 beginnt und sieben Tage
dauern

soll, stehen wichtige astronomische Beobachtungen auf dem Pro-

gramm. Mit dem kleinen Forschungssatelliten SPARTAN 1, der u.a. mit zwei
an Teleskope angeschlossenen Zählgeräten zur Messung von Röntgenstrahlen
ausgerüstet ist, will man Galaxienhaufen im Sternbild Perseus sowie das
Zentrum unserer Milchstrasse näher erforschen. SPARTAN 1 wird vom "Kran"
an Bord der DISCOVERY aus dem Nutzlastraum gehoben und im Weltraum freigesetzt. Nach ca. 40 Stunden manövriert Kommandant Daniel Brandenstein
den Raumtransporter so nahe an den Forschungssatelliten heran, daß dieser
wieder eingeholt und zur Erde zurückgebracht werden kann. Auf seine Meßdaten warten Astrophysiker in Instituten, wo man sich speziell mit Röntgenastronomie befaßt.

Turbulente

Galaxienhaufen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Turbulente Galaxienhaufen finden sich im gesamten Universum. Das sehr
heiße Gas, das sie durchdringt, sendet Röntgenstrahlung aus. Auf Grund
der Beobachtung kosmischer Quellen von Röntgenstrahlung konnten inzwischen Galaxienhaufen

ausgemacht werden, die Millionen von Lichtjahren

entfernt sind. (Ein Lichtjahr ist die Strecke, die Licht in 365 Tagen
zurücklegt - das sind ca. 9,6 Billionen Kilometer.)

Ray Cruddace, Projektwissenschaftler vom Forschungslaboratorium der
US-Marine,

bezeichnet

die

Galaxienhaufen

als

die

Grundbausteine

des

Universums. "Gleichgültig, in welche Richtung wir blicken oder wie weit
wir mit unseren Riesenteleskopen sehen können - wir sehen überall diese
Haufen, die das Universum mehr oder weniger gleichmäßig ausfüllen", sagt
er. Erstes Ziel des SPARTAN-Projekts sei es, Herkunft und Verhalten des
heißen Gases zu untersuchen. Die Ergebnisse könnten helfen, das Puzzlespiel vielleicht etwas zu entwirren, wie diese Haufen im Anfangsstadium
des Universums entstanden und wie sie sich in der Folgezeit entwickelten.

Das zweite Projektziel liegt uns auf der Erde näher - nämlich das
Studium des zentralen Bereichs der Milchstraße. "Dieses Zentrum, um das
die Spiralen dieser riesigen Scheibe rotieren, ist dicht vollgepackt mit
Sternen, und es scheint auch häufig der Ort von Ereignissen zu sein, bei
denen erhebliche Energien im Spiel sind", so Crudacce. "Die heftige Aktivität könnte mit einem massiven zentralen Objekt in Zusammenhang stehen,
bei

dem es sich nach Ansicht

mancher Wissenschaftler

um

ein großes

Schwarzes Loch handelt."

Unter einem Schwarzen Loch ist ein massiver Stern sehr hoher Dichte
zu verstehen, der aber nicht direkt zu beobachten ist, weil Licht und
andere Wellen aus dem elektromagnetischen Spektrum von seiner Oberfläche
nicht abgestrahlt werden können. Auf seine Existenz wird auf Grund seines
Einflusses auf einen nahen Begleitstern geschlossen. Morris Aizenman, der
Leiter der Abteilung Astronomieforschung in der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, hebt hervor, daß die Wirkung eines Schwarzen Lochs

�Schwarzen Lochs nicht mit der eines Staubsaugers verglichen werden könne.
"Es wird kein Material angesogen - aber alles Material, das auf irgendeinem Weg hineingelangt, bleibt gefangen und kann nicht mehr hinaus. Da
die Milchstraße

mit

ihren

Spiralarmen wie ein riesiges Rad rotiert,

gelangt sicherlich auch galaktische Materie in ein eventuell im Zentrum
vorhandenes Schwarzes Loch. Aber das ändert über Hunderte von Millionen
Jahren kaum etwas an der Form unserer Milchstraße." Was die oft heftigen
Aktivitäten im Zentrum verursache, wisse man noch nicht. Aber es sei ein
sehr häufiges Phänomen im Universum und könnte im Zusammenhang mit der
kosmischen Evolution von Bedeutung sein.
SPARTAN erweitert das Raketen-Sonderprogramm der US-8ehörde für Luftund Raumfahrt

(NASA) beträchtlich. Während der letzten zwei Jahrzehnte

betrieb man mit Raketen Grundlagenforschung, die, mit zahlreichen Meßinstrumenten ausgerüstet, zu einem ballistischen Flug in die Hochatmosphäre und in den erdnahen Weltraum geschickt wurden. Die Instrumente
wurden freigesetzt, kehrten am Fallschirm zurück und machten dabei die
vorgesehenen Messungen. Das Gerät SPARTAN schafft die Möglichkeit, vom
Space Shuttle aus die Beobachtungszeiten um das Hundert- bis Tausendfache
zu verlängern. Bei den Raketensonden ergeben sich dafür stets nur wenige
Minuten.

Mit optischen Teleskopen läßt sich das Zentrum unserer Milchstraße
übrigens nicht beobachten, weil es von dichten Staubwolken und den Spiralarmen unserer Galaxis verdeckt ist. Auch sind wegen der Absorptionswirkung der Lufthülle Messungen von Röntgenstrahlung nur außerhalb der
Erdatmosphäre möglich. In den letzten fünf Jahren gelang zwar bereits die
Registrierung

zahlreicher

Quellen

von

Röntgenstrahlung,

SPARTAN wegen der Ausdehnung der Beobachtungszeit

jedoch

ist

ein sehr wichtiges

Forschungsinstrument.

Neben dem Kommandanten Daniel Brandenstein und seinem Kopiloten John
Creighton befinden sich weitere fünf Astronauten an Bord der DISCOVERY.
Shannon Lucid, John Fabian und Steven Nagel sind Missionsspezialisten und
Karriereastronauten der NASA. Als Nutzlastspezialist hat Prinz Abdul Aziz

�Prinz Abdul Aziz AI-Saud, ein Neffe des saudischen Königs, u.a. Aufgaben
im Zusammenhang mit dem Start des zweiten Nachrichtensatelliten für die
Arabische Liga zu erfüllen. Das 1260 kg schwere Gerät ist als Relaisstation für ländereigene und regionale Fernsehprogramme, sowie Schul- und
Bildungsprogramme vorgesehen. Der erste ARABSAT wurde mit der Europarakete ARIANE in den sog. geostationären Orbit befördert. MORELOS, ein
weiterer Nachrichtensatellit, der abgesetzt werden soll, ist das erste
Gerät für Mexiko, über das Fernsehprogramme gesendet sowie Telefon- und
Fernschreibdienstleistungen
satellit an Bord

abgewickelt werden. Der dritte Nachrichten-

(TELSTAR) wird im Auftrag des Unternehmens American

Telephone &amp; Telegraph gestartet. Er soll im Fernmeldedienst für die USA,
Alaska, Hawaii und Puerto Rico eingestzt werden.

Der französische Nutzlastspezialist und Wissenschaftastronaut Patrick
Baudry wird einen in Frankreich entwickelten Echokardiographen erproben,
mit dem Anpassungsreaktionen von Herz und Blutgefäßen an die Mikrogravitation, d.h. den fast schwerelosen Zustand, gemessen werden. Mit Hilfe
eines zweiten französischen Experiments werden Muskelaktivität, Kopfbewegungen und Auf- und Abbewegungen der Augen beobachtet und registriert.
Dies geschieht mittels biochemischer elektronischer Sensoren, Bandaufzeichnungen und Aufnahmen mit einer 16-mm-Kamera.

* * * * *

�1 2 . J u n i 1985

23

VORBEUGUNG - FRlJHZRKENNUNG - REHABILITATION
Z i e l s e t z u n g e n der WHO-Mitgliedstaaten f ü r d i e nächsten Jahre -

GENF die

(AD) -

"Gesundheit

Mitgliedstaaten

Generalversammlung
tiert

neut

der

1978.

bis

zum Jahr 2000"

Vorstellung

Dieses M o t t o
von e i n e r

38. Generalversammlung

bekräftigt.

soll,

alle

UN-WsltgeSundheitsorganisation

im Jahr

als utopische

zum Abschluß

der

für

Und es bedeutet

-

versorgung.
reichende

Jeder s o l l

Zu d i e s e n

(WHO)

vielfach

auf

ihrer

fehlinterpre-

Welt ohne K r a n k h e i t e n -

i n Genf

nach wie

(6. -

vor,

um d i e Grundvoraussetzungen f ü r Gesundheit

schen zu s c h a f f e n .

proklamierten

wurde

20. Mai 1985)

daß a l l e s

er-

g e t a n werden

im I n t e r e s s e a l l e r Men-

z . B . Zugang haben zu m e d i z i n i s c h e r Grund-

Voraussetzungen

Ernährung, einwandfreies

gehören

ferner

richtige

und

aus-

Trinkwasser und Schutzimpfungen

gegen

j e n e K r a n k h e i t e n , gegen d i e b i s h e r Vakzine e n t w i c k e l t worden s i n d .

Für
543,3
vier

1986/87

Millionen
Prozent

das Budget

genehmigte
Dollar,

mehr M i t t e l

mit

die

WHO-Generalversammlung

dem

zugeteilt

für

ländereigene

werden.

einen

Etat

von

Gesundheitsprogramme

Im Gesamtumfang

gegenüber dem vorangegangenen Haushalt u n v e r ä n d e r t .

ist

jedoch

Der ame-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Delegierte Neil Boyer, D i r e k t o r der Abteilung "Gesundh e i t s - und Suchtstoffangelegenheiten" im Referat f ü r I n t e r n a t i o n a l e Organisationen des amerikanischen Außenministeriums, hob i n Anbetracht dieser
Tatsache die wirksamen Maßnahmen Dr.
t o r s der

Halfdan Mahlers, des Generaldirek-

WHO, zur Straffung der Administration und Senkung von Verwal-

tungsausgaben bei g l e i c h z e i t i g e f f i z i e n t e r e r

Programmpolitik

mit beson-

derer Anerkennung hervor. Aus dem regulären Budget, das nur zum Ausgleich
der I n f l a t i o n s r a t e erhöht werden d a r f , f l i e ß e n mehr a l s 70 Prozent i n die
Länder- und Regionalprogramme.
Dr. Mahler a p p e l l i e r t e

an die M i t g l i e d s t a a t e n , die

schen Querelen herauszuhalten
f ü r a l l e " zu konzentrieren.

WHO aus p o l i t i -

und sich auf das A r b e i t s z i e l

"Gesundheit

Einstimmig angenommen wurde die Resolution,

H i l f e l e i s t u n g e n f ü r Afrika durch die WHO f o r t z u s e t z e n , mit denen die F o l gen von Trockenheit und Hünger für die Gesundheit der Betroffenen so weit
wie nur irgend möglich gemildert werden s o l l e n .

Die amerikanische Dele-

gation setzte sich für Maßnahmen e i n , die gewährleisten s o l l e n , daß die
Reaktion der

WHO bei Notständen auf dem Gesundheitssektor

lungsländern angemessen und r e c h t z e i t i g e r f o l g t .

in

Entwick-

Das regionale Büro f ü r

A f r i k a , das sich mit Notstandshilfen im Gesundheitswesen und f ü r medizinische Versorgung i n den von Dürre und Hunger heimgesuchten afrikanischen
Ländern befaßt, hatte b e r e i t s von der WHO zusätzliche Unterstützung durch
die Einrichtung einer ständigen Arbeitsgruppe

f ü r Katastrophenhilfe

be-

kommen.

Dem Malaria-Problem,
weitreichende
Zeit gewidmet.

soziale

das

nicht

nur

und w i r t s c h a f t l i c h e

gesundheitliche,

sondern

auch

Konseguenzen h a t , wurde

viel

Die Neuerkrankungen und Rückfälle

nehmen -

i n tropischen und subtropischen Ländern - erschreckend zu.

insbesondere
Niemand ver-

mag zu sagen, ob e i n Impfstoff gegen M a l a r i a , der im günstigen F a l l

in

etwa fünf Jahren zu erwarten wäre, die Menschheit von dieser Geissei t a t sächlich befreien könnte.

Der Lebenszyklus der - an äußere Bedingungen

überaus anpassungsfähigen - Plasmodien-Parasiten i s t

so komplex und e r -

faßt so v i e l e Bereiche i n der Natur, daß die technischen Schwierigkeiten
u n v e r g l e i c h l i c h größer s i n d , a l s es bei der Entwicklung bisher
- 2 -

verfügbar

�bisher verfügbar gemachter Vakzine gegen andere Krankheiten der Fall war.
Jedenfalls sollen die Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet intensiviert und gleichzeitig die Therapie sowie die heute möglichen Schutzmaßnahmen verbessert und gewissenhafter durchgeführt bzw. überwacht werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Dauerbehinderungen, beispielsweise gegen
Verlust des Hörvermögens, und verstärkte Programme für die Rehabilitation
Behinderter wurden veriangt und eingehend erörtert.
die Bedeutung

spezieller

Programme

hingewiesen, um

Außerdem wurde auf
nicht ansteckende

chronische Erkrankungen zu verhindern und besser beherrschen zu können.
Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, in den Gemeinwesen vor allem Aktivitäten zur Vorbeugung bzw. zur Verhinderung und Kontrolle von Herzund Kreislaufkrankheiten, Lungenkrebs, Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen und anderen nichtansteckenden Krankheiten zu fördern.

Die WHO

solle die Bildung von Arbeitsgruppen unterstützen, die sich mit diesen
Erkrankungen und den jeweiligen Verhältnissen in den einzelnen Ländern
befassen, damit Informationen über Möglichkeiten zur Vorbeugung und Kontrolle eher ausgetauscht und verfügbar gemacht werden können.

Die Delegierten setzten sich für partnerschaftliche Zusammenarbeit
zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen ein und appellierten an die

Regierungen, bei der Durchführung von Gesundheitsprogram-

men die Sachkenntnis und Erfahrung nichtstaatlicher Organisationen in Anspruch zu nehmen.

Auch über die Auswirkungen von Mangelernährung in me-

dizinischer Sicht, über Zusammensetzung

geeigneter Mahlzeiten, Gesund-

heitsprobleme älterer Personengruppen, Berufskrankheiten und ihre Verhütung, richtige Abfallbeseitigung, die Bedeutung von Trinkwasserschutz,
die verschiedenen

Infektionskrankheiten

(einschließlich

der erworbenen

Immunschwäche AIDS) sowie Vorsorgeprogramme für Schwangere, Neugeborene
und Kleinkinder wurde diskutiert.

Die gesundheitlichen Folgen zu früher

Schwangerschaften verlangen besondere Aufmerksamkeit.

Die Mitgliedstaa-

ten sollten mithelfen, darauf hinzuwirken, daß Schwangerschaft bei Halbwüchsigen vor Abschluß der Entwicklung beider Partner vermieden wird.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden bei sowjetischer Zurückhaltung SALT II einhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen sich bei beiderseitiger Zurückhaltung an SALT halten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des Weißen Hauses zum Bericht des Präsidenten an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Röntgenstrahlen von fernen Milchstraßen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Teleskopaufnahmen während des Siebentage-Fluges der DISCOVERY -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbeugung - Früherkennung - Rehabilitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zielsetzungen der WHO-Mitgliedstaaten für die nächsten Jahre -&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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23

NATO

12. Juni 1991

NATO UND GIPFELTREFFEN BEIM
TREFFEN DES NORDATLANTIKRATS
ERÖRTERT
Pressekonferenz von
Außenminister Baker

NATO BESITZT SCHLUSSELFUNKTION FÜR
EINIGUNG EUROPAS
Außenminister Baker bei der
NATO-Au ßenministerkonferenz

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 16. bis 31. Mai 1991

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

HILLS FORDERT AKTIONSPLAN
BIS ZUM 31. JULI 1991
Rede der US-Handelsbeauftragten
beim OECD-Ministertreffen

USA-EUROPA

DIE POLITISCHEN BEZIEHUNGEN
ZWISCHEN DEN USA UND EUROPA
von Robert E. Hunter

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NATO
12. Juni 1991

NATO UND GIPFELTREFFEN BEIM TREFFEN DES
NORDATLANTIKRATS ERÖRTERT
Pressekonferenz von Außenminister Baker
KOPENHAGEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die nach Abschluß des Ministertreffens beim Nordatlantikrat von Außenminister Baker am 7. Juni 1991 in Kopenhagen abgehaltene Pressekonferenz.

Außenminister Baker: Meine Damen und Herren, ich
möchte eine kurze Erklärung abgeben und werde danach gern auf Ihre Fragen eingehen.
Zunächst möchte ich Außenminister Ellemann-Jengen und unseren dänischen Gastgebern für ihre großzügige Gastfreundschaft hier in Kopenhagen danken.
Vergangene Woche haben die Verteidigungsminister
der NATO erhebliche Fortschritte gemacht, um die
militärische Anpassung der NATO voranzutreiben.
Unsere Arbeit hier vervollständigt und fördert diese Bestrebungen, indem sie - jetzt, da nach London Rom
bevorsteht - substantielle Fortschritte bei der politischen Anpassungsfähigkeit der NATO erzielt.
Erstens hat sich das Bündnis auf die wichtigsten Sicherheitsfunktionen geeinigt, die seine Arbeit beim
Aufbau eines neuen Europas und eines neuen Atlantizismus leiten. Sie repräsentieren unsere Vereinbarung über die Ziele, den Charakter und die grundsätzlichen Aufgaben der NATO in Zukunft. Diese wichtigsten Funktionen zeigen, daß wir das Versprechen der
Londoner Erklärung vom Juli letzten Jahres einlösen
und die NATO neuen Realitäten anpassen. Wir ändern unsere militärische Strategie. Wir betonen die
politische Rolle der NATO als ein Bündnis gemeinsamer Werte.

stäbe von diesem Bündnis angenommen worden sind.
Wir sind der Ansicht, daß diese Prinzipien den Sowjets
und den Menschen in Mittel- und Osteuropa verdeutlichen, wie ernst es der NATO damit ist, früheren
Gegnern ihre Hand auszustrecken, um eine Atmosphäre des Vertrauens und der Zusammenarbeit in
ganz Europa aufzubauen.
Viertens hatten wir bei der Frage der Förderung sowjetischer Reformen einen sehr fruchtbaren Gedankenaustausch. In meiner veröffentlichten Einlassung habe
ich betont, daß unserer Meinung nach die Perestrojka
eine Möglichkeit für "neues Denken" in vielen Bereichen bietet - natürlich in der Außen-, aber auch in der
Verteidigungspolitik, der Wirtschaft, der Politik allgemein und in den Beziehungen zwischen der Führung
und den Republiken. Wir haben diese Revolution
begonnen und glauben, daß Präsident Gorbatschow
bei der Perestrojka "den Kurs halten wird", wie er in
Oslo erklärt hat.
Aber er hat in Oslo auch darauf verwiesen, daß "die
Perestrojka jetzt in ihre dramatischste Phase eingetreten ist". Jetzt ist es wichtiger als jemals zuvor, daß die
sowjetische Führung die Gelegenheit ergreift, um mit
Traditionen zu brechen, die sich als nicht durchführbar
erwiesen haben.

Zweitens haben wir unsere Arbeit an vielen Fronten
verbessert, auch beim Verhältnis der sich entwickelnden europäischen Sicherheitsdentität zur NATO sowie
bei den Beziehungen der NATO zur KSZE.

Bei diesem Unternehmen müssen die Sowjets natürlich sich selbst helfen, aber auch wir im Westen können
und werden helfen. Die Vereinigten Staaten werden
mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, um genau
das zu tun.

Drittens freue ich mich, daß viele Initiativen im Hinblick
auf die von Bundesaußenminister Genscher und mir
vorgeschlagenen Beziehungen der NATO-Verbindungs-

Insgesamt hatten wir im Nordatlantikrat ein außerordentlich produktives Treffen. Wir haben dabei das
Versprechen der Londoner Erklärung eingelöst und

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�sehen im Herbst einem Gipfeltreffen in Rom entgegen. wir die politische Dimension des NATO-Bündnisses
Jetzt möchte ich gern Ihre Fragen beantworten.
erweitern wollten. Schließlich ist es nicht nur ein
Sicherheits- und Verteidigungsbündnis, sondern auch
Frage: Herr Außenminister, die Ost-West-Erklärung ein politisches Bündnis, und dies erklärt den Wunsch
spricht von Übergriffen und sichert Ost- und Mitteleu- der NATO-Mitglieder nach politischen Auseinanderropa zu, sie würden vor diesen Übergriffen abge- setzungen, auch wenn solche Gespräche Fragen
schirmt und geschützt. Dennoch bieten Sie der So- behandeln, die bündnisfremde Gebiete betreffen.
wjetunion ein neues freundschaftliches Verhältnis an.
Wer ist also der potentielle Aggressor, oder woran Frage: Sind Sie nach diesem Treffen zufrieden mit
denkt die NATO, wenn sie die Möglichkeit eines Über- den Entwicklungen in der europäischen Gemeinschaft,
griffs in Erwägung zieht? An einen Übergriff im Inland und würden die Vereinigten Staaten die Schaffung
oder an Übergriffe von außen?
einer unabhängigen Sicherheits- und Verteidigungsidentität akzeptieren?
Antwort: Ich denke, Generalsekretär Wörner hat
Ihnen den Abschnitt vorgelesen. Er richtet sich nicht Antwort: Was immer auch geschieht - solange es sich
gegen irgendein Land. Er spiegelt vielmehr die Tatsa- im Einklang mit den bei diesem Treffen getroffenen
che wider, daß die Sicherheit Europas unteilbar ist und Vereinbarungen befindet, sind wir zufrieden. Sie müssen
alle KSZE-Staaten einbezieht - Abschnitt drei spricht bedenken, daß elf von zwölf Mitgliedern der Europäiausdrücklich von der Einbeziehung aller KSZE-Staa- schen Gemeinschaft hier mit am Tisch gesessen haben.
ten, zu denen natürlich auch die Sowjetunion zählt. Die
hier verwendeten Formulierungen ähneln den Worten, Ich möchte Ihr Augenmerk auf das Papier über wichdie in der Pariser KSZE-Charta verwendet wurden. tige Funktionen lenken. Sie werden sehen, daß dieses
Und abgesehen davon wird uns hier eine Lektion in Papier zusammen mit dem Kommunique die von uns
Geschichte erteilt. Wir haben in diesem Jahrhundert vorgetragenen Prinzipien umfaßt, die befolgt werden
zwei heiße und einen kalten Krieg geführt. Der Ge- sollen, wenn wir das Streben Europas nach einer
rechtigkeit halber muß man erwähnen, daß alle in gemeinsamen europäischen Sicherheits- und VerteiOsteuropa anfingen. Daher ist es nur allzu verständ- digungspolitik unterstützen. Dieses Streben unterstütlich, daß wir darüber sprechen wollen, wie wichtig es zen wir in der Tat. Wir wollen ganz einfach sicherstelist, Instabilität zu vermeiden und den Gefahren der len, daß es im Einklang mit dem Bündnis steht und ihm
mangelnden Berechenbarkeit vorzubeugen. Aber Sie keinen Abbruch tut. Sie werden bei dem Papier über
sollten den Abschnitt ganz lesen, nicht nur in Teilsät- wichtige Funktionen sehen, daß es Hinweise darauf
gibt, wie wichtig die Erhaltung einer integrierten militäzen.
rischen Struktur ist.
Frage: Wieviel Zeit bleibt noch, bis die sowjetische
Es wird auf die Tatsache hingewiesen, das wichtigste
Wirtschaft vollständig außer Kontrolle gerät?
Forum für Konsultationen über Angelegenheiten im
Antwort: Ich glaube, Sie können nicht davon ausge- Zusammenhang mit dem Vertrag solle das Bündnis
hen, daß dies zwangsläufig passiert. Dennnoch haben sein, und Sie werden Hinweise erkennen, daß in
die Sowjets selbst sehr offen und ehrlich zugegeben, diesem Bündnis Vereinbarungen oder Entscheidundaß sie schwerwiegende wirtschaftliche Probleme gen getroffen werden sollten. Die Antwort auf Ihre
überwinden müssen. Meiner Meinung nach ist es Frage lautet also Ja.
wichtig, dieses Thema zu erörtern und nach möglichen
Lösungen zu suchen. Wir alle verstehen, daß dies eine Frage: Gesetzt den Fall, daß die als Motor für die
unglaublich schwierige Aufgabe ist, die sie lösen müssen. europäische Identität vorgeschlagene WesteuropäiSie versuchen eine Wirtschaft, die 70 Jahre lang einem sche Union in einigen Jahren in der Europäischen
bestimmten Schema gefolgt ist, in ein vollkommen Gemeinschaft aufgeht, wie es einige Regierungen
entgegengesetztes Modell umzuwandeln, und das wird vorgeschlagen haben. Stünde dies im Einklang mit
nicht einfach sein, insbesondere angesichts der Tatsa- den von Ihnen soeben beschriebenen Grundsätzen?
che, daß es gleichzeitig mit der Umwandlung eines 70
Antwort: Ich kann Ihre Frage im Augenblick nicht
Jahre bestehenden politischen Systems erfolgen muß.
beantworten, da sie erstens hypothetisch ist und ich
Frage: Herr Außenminister, kann die Spannung zweitens nicht weiß, was Sie unter "dann aufgegan(unverständlich), öffnetsichdie NATOjetzt für andere gen" verstehen. Ich möchte nur sagen, daß die von
uns im vergangenen Dezember und erneut bei einem
Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten?
regulären Treffen zwischen den Vereinigten Staaten
Antwort: Nein, sie öffnet sich nicht für Aktivitäten in und den Zwölf formulierten Prinzipien in diesen Dokubündnisfremden Gebieten, aber Sie müssen meiner menten enthalten und wir alle äußerst zufrieden sind.
Ansicht nach zwischen den sicherheitspolitischen und Wir sind sehr erfreut über diese au ßergewöhnlich gute
militärischen Verpflichtungen und Funktionen des Zusammenarbeit und das Fehlen jeglicher MeinungsBündnisses und seiner politischen Dimension differen- verschiedenheiten, wenn Sie so wollen, während diezieren. Beim Londoner Gipfel haben wir erklärt, daß ses Ministertreffens.

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�Offen gestanden liegt das Stadium der Fragen, die
man in der Vergangenheit hätte stellen können, hinter
uns. Und entsprechend unserem ersten Prinzip werden wir - die Vereinigten Staaten - nach wie vor die
Vereinbarungen unterstützen, die unsere europäischen
Verbündeten zur Formulierung der gemeinsamen
europäischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik für
notwendig erachten.
Frage: Welche Fragen hätten gestellt werden können,
die jetzt hinter uns liegen?
*

A

Antwort: Ich werde hier nicht auf Fragen eingehen,
die man zu von uns bereits gelösten Themen hätte
aufwerfen können. Ich weiß, daß es mehr Spaß
macht, über Meinungsverschiedenheiten statt Übereinstimmung zu berichten, aber wir haben hier ein
ziemlich hohes Maß an Übereinstimmung erzielt, und
ich hoffe, Sie werden darüber berichten.
Frage: Herr Außenminister, was können Sie zum
gegenwärtigen Zeitpunkt über die Art Ihrer für heute im
Lauf des Tages anberaumten Gespräche mit Außenminister Bessmertnych sagen? Haben Sie jetzt spezifische Vorschläge zu solchen Themen wie etwa Geheimhaltung von Daten und Herunterfahren der Bestände, die Sie voraussichtlich mit ihm erörtern werden? Und hegen Sie jetzt größere Hoffnung, daß der
START-Vertrag nächste Woche unterschriftsreif sein
wird?
Antwort: Ich möchte die letzte Frage lieber beantworten, nachdem ich heute nachmittag in Genf die Gelegenheit zu einem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister gehabt habe. Wie ich jedoch bereits
gestern gesagt habe, lagen die Gespräche über stragische Waffen praktisch auf Eis, bis wir die ausstehenden Probleme und Fragen bezüglich des Vertrags über
Konventionelle Streitkräfte lösen konnten. Unseres
Erachtens haben wir sie zufriedenstellend so gelöst,
daß die Glaubwürdigkeit des Vertrags gewahrt und die
von den einzelnen Staats- und Regierungschefs vereinbarten Obergrenzen eingehalten werden. Es ist
daher an der Zeit, unsere Gespräche über den STARTVertrag zu intensivieren. Dies kann nicht ohne Anweisung von den Hauptstädten an die Unterhändler erfolgen. Es steht also zu erwarten, daß wir Anweisungen
und Vorschläge bezüglich der ausstehenden Themen
erhalten. Sonst wäre ein Treffen mit dem sowjetischen
Außenminister aus meiner Sicht wenig nützlich.
Frage: Herr Außenminister, ist für Sie ein STARTVertrag denkbar, bei dem noch verbleibende Fragen
nach der Unterschrift gelöst werden, wie es bei einigen
bisherigen Verträgen der Fall war?
Antwort: Es wäre möglich - Sie sollten jedoch, wenn
Sie dies hören, nicht schlußfolgern, daß wir die bisher
als ausstehende Fragen erörterten Themen dadurch
lösen, indem wir sie schlicht und einfach auf die
Folgeverhandlungen verschieben. Das ist nicht unse-

AMERIKA DIENST 23

re Absicht. Während ich hier sitze, kann ich Ihnen nicht
versprechen, daß es nicht einige Probleme geben
wird, die erst in Folgeverhandlungn beigelegt werden.
Es ist in der Vergangenheit geschehen und ich vermute, es kann wieder geschehen - wir beabsichtigen es
jedoch nicht.
Frage: Können Sie uns sagen, ob Sie an einen
bestimmten Termin für den möglichen Abzug amerikanischer Streitkräfte aus dem Irak denken? Werden Sie
heute nachmittag mit Außenminister Bessmertnych
das nächste Gipfeltreffen der Supermächte erörtern,
und können Sie uns ein mögliches Datum dafür nennen?
Antwort: Natürlich werden wir über die Möglichkeit
eines Gipfeltreffens zwischen den Präsidenten Bush
und Gorbatschow sprechen. Beide haben ihre Bereitschaft zu einem Gipfeltreffen zum Ausdruck gebracht.
Man hatte gehofft, es würde in der ersten Jahreshälfte
stattfinden. Wir haben vor kurzem gesagt, dieser
Zeitrahmen sei schwer einzuhalten. Darüber hinaus
haben beide Präsidenten den Wunsch geäußert, bei
einem solchen Gipfel das START-Abkommen vorliegen zu haben. Ich erwarte daher nicht, daß wir über
bestimmte Termine sprechen werden - hoffen Sie nicht
auf die Bekanntgabe eines Datums nach dem Treffen
heute abend. Wir werden über einen Zeitrahmen
sprechen.
Im Hinblick auf Ihre erste Frage zu Irak gibt es kein
festgelegtes Datum. Wir haben erklärt - der Präsident
hat dies eindeutig klargestellt-, daß unsere Streitkräfte
zum frühestmöglichen Termin im Einklang mit der
Erfüllung der Mission, zu der sie entsandt wurden und
im Einklang mit unserem Wunsch abgezogen werden,
Sicherheit und Stabilität für die Bevölkerung im nördlichen Teil des Irak zu gewährleisten und wir Garantien
gegen ihre weitere Verfolgung erhalten.
Frage: Herr Außenminister, kann ein Land des Warschauer Pakts davon ausgehen, von der NATO im
Falle eines Angriffs von irgendeiner Seite verteidigt zu
werden?
Antwort: Das ist eine viel zu hypothetische und
umfassende Frage, als daß ich sie beantworten könnte. Ich haben Ihnen bereits gesagt, worauf sich der
Absatz, auf den Sie sich konzentrieren, meines Erachtens bezieht und was er bedeutet, aber wir haben hier
nichts unternommen, das den Anwendungsbereich
des Nordatlantikvertrags erweitem würde und was
bisher bündnisfremdes Gebiet war, wird, soweit es die
militärischen und sicherheitspolitischen Aspekte dieses Bündnisses betrifft, bündnisfremdes Gebiet bleiben.
Frage: Herr Außenminister, einer der Gründe, warum
sich die Unterzeichnung des START-Vertrags verzögert hat, bestand nicht nur darin, daß Sie die Arbeit an
KSE verschoben haben. Es gab auch Meinungsver-

Seite 3

�schiedenheiten - Ambivalenzen - innerhalb der Administration bezüglich bestimmter Aspekte des Vertrags.

Antwort: Sagten Sie die Rechnung, die er vorlegen
wird?

Antwort: Nein, das ist nicht der Grund, warum sich die
Unterschrift verzögert hat. Wir haben ihn absichtlich
wegen der Probleme beim Vertrag über Konventionelle Streitkräfte bis Ende des Jahres auf Eis gelegt. Das
soll nicht heißen, daß es keine unterschiedlichen
Ansichten im Hinblick auf einige Themen bei den
Verhandlungen über strategische Waffen gibt - ebenso wie bei allen Verhandlungen. Aber es ist uns bisher
immer gelungen, sie zufriedenstellend zu lösen und
beizulegen und diejenigen, die noch ausstehen, sind
meines Erachtens nicht von großer Bedeutung und
werden bis zum Ende der Verhandlungsrunde ebenfalls zufriedenstellend gelöst werden.

Frage: Nun, die Bitte um Unterstützung.

Antwort: Wir wissen nicht, wie sie im einzelnen lauten
wird, und deshalb müssen wir abwarten und es herausfinden. Ich möchte nur sagen, wir müssen uns meines
Erachtens vor Augen führen, daß es sich bei Perstrojka ungeachtet der spezifischen vorgebrachten Vorschläge, über die spekuliert wurde, um eine tiefgreifende politische und wirtschaftliche Reform handelt. Ich
habe dies bereits bei der Beantwortung einer früheren
Frage erwähnt. Diese fundamentalen Veränderungen
werden nicht über Nacht stattfinden. Und während die
Sowjets an dieser Entwicklung arbeiten, sollten wir im
Westen ihnen bei dem schrittweisen Übergang behilfDies ist nicht der wahre Grund, warum er auf Eis gelegt lich sein. Ich denke hierbei an ernsthafte, echte und
wurde. Der wahre Grund ist, daß wir nicht bereit wirksame Bestrebungen zu ihrer Unterstützung. Es
waren, am Vertrag über strategische Waffen ange- liegt stark im Interesse des Westens - Ich glaube, wir
sichts der Meinungsverschiedenheiten weiterzuarbei- haben das bereits zum Ausdruck gebracht und zwar
ten, die wir mit der Sowjetunion beim Vertrag über schon lange bevor viele andere dies gesagt haben -,
Konventionelle Streitkräfte hatten.
daß Perstrojka und den Reformbestrebungen in der
Sowjetunion Erfolg beschieden ist. Aus diesem Grund
Frage: Herr Baker, wie werden Sie die enorme Kluft ist es unsere Pflicht, Hilfe zu leisten. Und wie ich
zwischen der Rechnung überbrücken, mit der Präsi- bereits angedeutet habe, sind wir bereit, dies zu tun.
dent Gorbatschow nach London kommen wird und der
Vorsicht, mit der Ihr Land und die anderen westlichen
G-7 das Thema der Unterstützung für die Sowjetunion
angehen.

*

Seite 4

* * *

*

AMERIKA DIENST 23

�NATO
12. Juni 1991

NATO BESITZT SCHLÜSSELFUNKTION
FÜR EINIGUNG EUROPAS
Außenminister Baker bei der NATO-Außenministerkonferenz
KOPENHAGEN - (AD) -Außenminister Baker zufolge muß die NATO "eine Schlüsselfunktion bei der Schaffung
eines Europas und einer transatlantischen Gemeinschaft übernehmen, die auch die Sowjetunion einbezieht und
die wirklich ungeteilt und frei ist".
In einer Rede beim Außenministertreffen der NATO in Kopenhagen betonte Baker am 6. Juni 1991 die Notwendigkeit, die Verbindungen zur Sowjetunion zu verstärken. "Verbindungen sind ein Weg, um den sowjetischen
Verteidigungssektor in den Abbau von Mi ßtrauen und Furcht einzubinden und gegenseitige Zusammenarbeit zu
fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bakers in Auszügen.

Als wir im vergangenen Dezember zusammentrafen,
wurden unsere Gespräche von der Gefahr eines Krieges
gegen den Irak überschattet. Bevor ich mit meinen
Ausführungen beginne, möchte ich sagen, daß wir
meines Erachtens stolz auf die Entschlossenheit sein
können, die wir alle bewiesen haben, als wir uns zur
Niederwerfung der Aggression Saddam Husseins zusammenschlössen.

Kurzum: die Krise am Golf hat unserem Bündnis
gezeigt, wie neue Realitäten bewältigt und neue Herausforderungen erfolgreich gemeistert werden können. Ich möchte heute auf vier Fragen eingehen, an
deren Lösung wir im Rahmen des Anpassungsprozesses der NATO in den kommenden Monaten arbeiten
müssen.
Umstrukturierung des Bündnisses

Das Bündnis spielte eine lebenswichtige Rolle bei der
Operation Wüstensturm, und es leistet dasselbe bei
der Bewältigung der humanitären Herausforderungen,
die sich danach ergaben. Die NATO hat dazu beigetragen, die politische Einheit des Westens herzustellen, die so ausschlaggebend für die Sicherung dieses
entscheidenden Sieges des Völkerrechts war. Der
Wert unserer andauernden Investitionen in gemeinsame Ausbildung, Logistik und Infrastruktur spiegelte
sich in der Art und Weise wider, in der unsere Streitkräfte beim Transport der Truppen zum Golf und der
Durchführung des Feldzugs zusammenarbeiteten. Wir
können uns in Zukunft auf den Erfahrungsschatz des
Golfkriegs stützen - insbesondere auf die völlig neue
Realität, daß "nichttraditionelle" Herausforderungen
die vitalen Interessen des Bündnisses und seiner
Mitglieder unmittelbar bedrohen können. Dies war am
deutlichsten im Hinblick auf die potentielle militärische
Bedrohung für die Türkei der Fall, aber es galt auch für
andere.

AMERIKA DIENST 23

Ich möchte mit der Überarbeitung der Strategie beginnen.
Beim Londoner Gipfeltreffen haben unsere Staatsund Regierungschefs grundlegende Veränderungen
im Bündnis gefordert - Anpassungen, die dem Umbruch in der Sowjetunion, den neuen Demokratien in
Mittel- und Osteuropa und den politischen Strukturen
Westeuropas gerecht werden. Der Appell des Gipfels
bestand darin, unsere transatlantische Partnerschaft
zu stärken, um die entstehenden Herausforderungen
- politisch, wirtschaftlich und militärisch - der Welt nach
dem kalten Krieg zu bewältigen.
Die Überprüfung der NATO-Strategie ist ein äußerst
wichtiger Mechanismus für die Anpassung des Bündnisses. Wir begrüßen die bereits erzielten Fortschritte
und erwarten, daß rechtzeitig zu dem für November in
Rom geplanten Gipfeltreffen ein Endergebnis vorliegt.

Seite 1

�Seit dem Londoner Gipfel haben wir mit Erfolg die
unerläßlichen Sicherheitsfunktionen definiert, die das
Bündnis im neuen Europa weiterhin erfüllen muß. Wir
haben bedeutende Fortschritte bei der Erarbeitung
einer neuen militärischen Strategie der NATO erzielt,
die die wichtigen Rollen der NATO im Frieden, in
Krisenzeiten und gegebenenfalls im Krieg umreißt.

liehst gering zu haiten, ermutigen wir die europäischen
Verbündeten, ihre Diskussionen über ihre gemeinsame Verteidigungspolitik allen europäischen Mitgliedern der NATO zu öffnen.

Im Vorgriff auf diese neue Strategie haben sich die
Verteidigungsminister der NATO vergangene Woche
auf neue Streitkräftestrukturen geeinigt - und damit die
Verpflichtung des Londoner Gipfels erfüllt, die Streitkräfte der NATO flexibler, mobiler und multinationaler
zu gestalten. Darüber hinaus erleben wir eine Stärkung des europäischen Pfeilers des Bündnisses durch
die Entwicklung einer europäischen Sicherheitsidentität.

Parallel zu diesen Bemühungen sind unsere Staatsund Regierungschefs in London übereingekommen,
daß das Bündnis auf die Veränderungen in Mittel- und
Osteuropa und in der Sowjetunion reagieren muß,
indem es sich formelleren Kontakten mit den ehemaligen Gegnern öffnet. Das Londoner Mandat hat
seinen konkreten Ausdruck in der Einrichtung diplomatischer Verbindungsmissionen mit diesen Ländern
gefunden.

Diese Veränderungen werden das Bündnis erneuem und es auf Jahrzehnte hinaus anpassen.

Unser Ziel ist es, der Sowjetunion und den aufstrebenden Demokratien Mittel- und Osteuropas die Hand zu
reichen - das echte Verständnis der NATO für ihre
legitimen Sicherheitsinteressen, die Umstrukturierung
ihrer Volkswirtschaften im Sinne von Marktprinzipien
und das Wachsen von Freiheit und Demokratie zu
demonstrieren. Als Ergänzung zu unseren Aktivitäten
in anderen Foren, insbesondere der KSZE, werden die
Verbindungsstäbe der NATO dazu beitragen, das
Geflecht von Bindungen aufzubauen, das die Sowjetunion sowie Mittel- und Osteuropa enger mit dem
Westen verbinden wird.

In diesem umfassenderen Zusammenhang unterstützen die Vereinigten Staaten voll und ganz das Konzept
der europäischen Integration, wie sie es immer getan
haben. Wir stehen bereit, die Arrangements zu unterstützen, die Sie, unsere europäischen Verbündeten,
für notwendig halten, um eine neue europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität zum Ausdruck
zu bringen - Arrangements, die das Bündnis stärken
können und müssen. In unseren Gesprächen hier, und
im Rahmen der zwischenstaatlichen Kommission muß
Transparenz herrschen, unsere Schlußfolgerungen
müssen einander ergänzen.
Das grundlegende Prinzip, das unsere Bemühungen
in jedem dieser Foren leiten sollte, ist, daß die Sicherheit Europas untrennbar mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten und Kanadas verbunden ist. Der
Golfkrieg ist lediglich der jüngste Beweis, wie eng
unsere Sicherheitsbedürfnisse miteinander verknüpft
sind. In diesem Jahrhundert wurde dies durch zwei
heiße und einen kalten Krieg bewiesen.
Aus diesen Gründen leuchtet es uns ein, daß eines
unserer Hauptziele darin bestehen muß .sicherzustellen, daß die NATO der wichtigste Ort für unsere
Konsultationen und das Forum für Übereinkünfte zu
allen politischen Maßnahmen ist, die Auswirkungen
auf die Sicherheits- und Verteidigungsverpflichtungen
ihrer Mitglieder gemäß dem Nordatlantikvertrag haben.
Natürlich müssen wir eine wirksam integrierte Militärstruktur beibehalten. Ebenso leuchtet es ein, daß jede
potentielle neue Struktur die des Bündnisses ergänzen
und nicht mit ihnen konkurieren muß.
Wir begrüßen die Bereitschaft der europäischen Verbündeten, die Fähigkeit Europas zum Schutz vitaler
Interessen und Aufrechterhaltung der Herrschaft des
Gesetzes über Europa hinaus zu verbesserrn. Um das
Potential für Gegensätze innerhalb der NATO mögSeite 2

Die diplomatischen Verbindungen der NATO Leitlinien

Dies ist eine historische Aufgabe, die voll und ganz mit
der grundlegenden Mission des Bündnisses in Einklang steht.
Ich möchte hier fünf Prinzipien anbieten, die künftige
Verbindungsbemühungen leiten können.
Erstens sollten unsere Verbindungsbemühungen vertrauensbildend wirken, indemsie unseren ehemaligen Gegnern ein besseres Verständnis von Charakter, Politik und Funktion der
NATO sowie der politischen Werte liefern, die
bei ihrer Gründung Pate standen.
Zweitens sollten die Verbindungsstäbe ein
besseres Verständnis der Sicherheitsanliegen

und -maßnahmen der beteiligten Staaten fördern.
Drittens sollten diese Bemühungen in solchen
Bereichen besonders energisch verfolgt werden, in denen die NATO und ihre Mitglieder
technische Spezialkenntnisse zur Lösung
gemeinsamer Probleme besitzen.
Viertens sollten wir flexibel sein, um auf auftretende Bedürfnisse reagieren zu können.
Fünftens sollten die Verbindungsaktivitäten der
NATO die Maßnahmen der EG, der KSZE, des
Europarats, der OECD und der WEU ergänzen.

AMERIKA DIENST23

�Diese Prinzipien untermauern viele der Initiativen, die
Hans-Dietrich Genscher und ich bei seinem jüngsten
Besuch in Washington vorgelegt haben.
Einfach gesagt, zielen unsere Initiativen darauf ab, den
Osteuropäern und den Sowjets einen Eindruck von der
Substanz unserer Vorstellungen zu vermitteln. Wir
möchten ihnen zeigen, daß wir es mit unseren Verbindungsmissionen ernst meinen. Insbesondere können
wir meines Erachtens Präsident Gorbatschow und den
Reformkurs in der Sowjetunion unterstützen, wenn wir
auch einigen Traditionalisten die Hand reichen, um
ihnen dabei zu helfen, den Übergang zu einer demokratischen, marktorientierten Gesellschaft zu vollziehen.

Instrument machen, mit dem die Sicherheitsanliegen
der KSZE-Länder und insbesondere die Anliegen der
Länder Osteuropas und die Interessen der Sowjetunion berücksichtigt werden.
Wir betrachten den Prozeß politischer Konsultationen
bei der KSZE als Schlüsselelement einer neuen KSZE.
Unsere Treffen in Berlin werden eine Nagelprobe für
diesen Prozeß sein. Die Vereinigten Staaten werden
ihre Bereitschaft dokumentieren, einen angemessen
strukturierten Mechanismus zu vereinbaren, mit dem
offizielle Treffen der KSZE in Notfällen anberaumt
werden können.

Ich möchte nun auf die KSZE eingehen.

Darüber hinaus schlage ich vor, daß wir die Möglichkeit
untersuchen, die ein Untersuchungsausschuß in der
KSZE leisten und wie er unter Umständen ihre Rolle
bei der friedlichen Beilegung von Konflikten stärken
kann.

Seit sechzehn Jahren fördert die KSZE demokratische
Werte in Europa. In der KSZE wie in anderen Gremien
müssen wir die Sowjetunion und die neuen Demokratien Osteuropas fester in einem sicheren und stabilen
Umfeld verankern.

Ich denke, wir sind uns über das Ziel einer Nutzung des
Berliner KSZE-Ministertreffens einig. Dort sollte mit 34
Stimmen Einigung über die Verfahrensweisen für
Sicherheitsverhandlungen nach Helsinki erzielt werden.

Für den Westen stand die KSZE stets für die Wahrung
der fundamentalen Menschenrechte, für Offenheit und
Freiheiten, die unsere Länder als Gemeinschaft vereinen. Dieses Konzept muß unsere Haltung zur KSZE
weiterhin leiten.

Obwohl dieser Prozeß wichtig ist, sollte er uns nicht
vom Grundsätzlichen ablenken.

Die Vorbereitung von Berlin

Daneben müssen wir zeigen, daß die KSZE nicht nur
Katalysator des Wandels ist, sondern daß sie sich
selbst verändern kann, um die Forderungen eines sich
weiterentwickelnden Europas widerzuspiegeln. Die
von uns beim Pariser Gipfel geschaffenen Institutionen der KSZE haben auf diese Forderungen reagiert.
Das Büro für freie Wahlen in Warschau und das
Sekretariat der KSZE in Prag stärken die Fähigkeit der
KSZE, die Demokratie zu fördern und den besonderen
Erfordernissen einer erweiterten Koordinierung auf
politischer Ebene unter den Signatarstaaten gerecht
zu werden.
Wir wollen den Aufgabenbereich des Zentrums für
Konfliktverhütung ausbauen. Dazu zählen: eine Vereinbarung, um den Mechanismus zur friedlichen Beilegung von Konflikten von La Valletta in diesem Zentrum
zu verankern, ein beschleunigter Zeitplan für Treffen
des Konsultativausschusses dieses Zentrums, die
Vereinbarung über ein weiteres Seminar über Militärdoktrinen und eine Vereinbarung zur Überprüfung der
Kommunikationsmittel des Zentrums und ihrer Nutzung als "heißer Draht" bei Notfällen.
Jeder dieser Punkte ist ein eigenständiger Schritt.
Aber zusammengenommen können sie mit der Zeit
aus dem Zentrum für Konfliktverhütung ein wichtiges

AMERIKA DIENST 23

Wir müssen unsere Ziele für neue Sicherheitsverhandlungen in Europa präziser definieren. Wir müssen
einen Ansatz für konventionelle Rüstungskontrolle in
Europa entwickeln, mit dem wir das neue Sicherheitsprogramm nach der Durchführung des KSE-Vertrags,
den Abzug sowjetischer Truppen aus Osteuropa und
den Abschluß der Überprüfung der NATO-Strategie
behandeln können.
Um diese Debatte anzufachen, möchte ich vorschlagen, daß sich die Sicherheitsgespräche nach Helsinki
auf die folgenden Aufgaben konzentrieren:
Verbesserung der Offenheit und des Verständnisses über militärische Aktivitäten in Europa
durch Ausweitung regelmäßiger Dialoge über
Streitkräfte, Streitkräfteplanungen, Verteidigungshaushalte und Militärdoktrin.
Förderung von Stabilität und Sicherheit in Europa durch Entwicklung von Mechanismen zur
Konfliktverhütung und deren Lösung. Dazu
zählen Maßnahmen, denen zwar alle KSZEStaaten zustimmen, von denen aber unter
Umständen nicht alle Mitglieder betroffen sind.
Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz und Vorhersehbarkeit militärischer Aktivitäten mit besonderer Aufmerksamkeit auf der Neugestaltung und Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte in Europa und

Seite 3

�Stärkere Beteiligung an bestehenden Regimen
zur Nichtverbreitung durch Kooperation bei der
Entwicklung nationaler Maßnahmen, um Geschäfte mit konventionellen Waffen zu beschränken und dadurch die Verbreitung chemischer
und biologischer Waffen und der Raketentechnologie einzudämmen und die Umwandlung der
Rüstungsindustrie zu unterstützen.
Ein solcher Ansatz stünde im Einklang mit unserer
Arbeit an anderen Fronten der Rüstungskontrolle. In
diesem Zusammenhang möchte ich auf die von uns
bereits geleistete intensive Arbeit hinweisen, um den
START-Vertrag zum Abschluß zu bringen und einem
Gipfel in Moskau den Weg zu bereiten. Ferner möchte
ich auf das persönliche Engagement des Präsidenten
für unsere Nichtverbreitungsinitiative im Nahen Osten
verweisen - ein Aktionsplan, der unserer Meinung
nach auch die Sicherheit der Länder außerhalb des
Nahen Ostens verbessern wird.
Die Unterstützung der Reformen in der Sowjetunion
Jetzt möchte ich mich einer heute zentralen Frage
zuwenden - der Revolution in der Sowjetunion und der
Reaktion des Westens.
Ich beginne mit zwei deutlichen Trends, die wir im
vergangenen Jahr - wenn nicht seit längerer Zeit - in
der Sowjetunion beobachten konnten.
Erstens haben wir einen Zusammenbruch der alten
Quellen der Legitimität beobachtet. Politisch zeigte
sich dieser Zusammenbruch in dem Krieg der Gesetze
zwischen der Führung und den Republiken. Er zeigte
sich ebenfalls in der Zerstörung der kommunistischen
Partei als dem einzigen Machtzentrum in der politischen Kultur der Sowjetunion. Wirtschaftlich wurde
die Legitimität des Systems zerschlagen, als die alte
Kommandowirtschaft zerstört wurde, ohne daß sie
von neuen Gesetzen einer aufstrebenden Marktwirtschaft gefolgt worden wäre. Zusammengenommen
haben die politischen Probleme der Abspaltungen und
die wirtschaftlichen Probleme des Gefangenseins
zwischen Kommando- und Marktwirtschaft die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Führung in Moskau
unterhöhlt. Die Führung mußte erkennen, daß ihre
außergewöhnliche Rolle bei der Zerstörung des alten
Systems ihr nicht automatisch eine politische Legitimation im neuen System übertrug.
Der zweite Trend hat sich aus diesem Zusammenbruch traditioneller Strukturen ergeben: wir wurden
Zeuge eines neuen Pluralismus und vielleicht einer
neuen Legitimation in der Sowjetunion. An der Basis
gibt es erstmals politische und wirtschaftliche Reformen trotz der widersprüchlichen Signale von oben.
Dieser Pluralismus, in manchen Fällen eine Zersplitterung, tritt nicht nur in der nationalen Politik oder in den
Republiken sondern in vielen sozialen Gruppen auf.

Seite 4

Zum Beispiel sind die Vertreter des militärisch-industriellen Komplexes keineswegs einer Meinung, sondern
dort gibt es sowohl traditionelle als auch reformistische
Elemente.
Im letzten Winter kam es zu einem Zusammenstoß
zwischen diesen beiden widersprüchlichen Trends.
Traditionalistische und dirigistisch orientierte Auffassungen erhielten im vergangenen Herbst und im Frühjahr Auftrieb. Aber die traditionalistischen Lösungen
für die Probleme der Legitimität scheiterten. Das
politische Durchgreifen im Baltikum und die Versuche
zur Einschüchterung der politischen Opposition in
Moskau brachten nur noch mehr Menschen auf die
Straße und unterhöhlten die Legitimation der Führung
noch weiter.
Eine Wirtschaft, der Umtausch von Banknoten per
Dekret und Angriffe auf angebliche Komplotte ausländischer Banken haben es nicht geschafft, das Abgleiten der Wirtschaft zu verhindern. Entsprechend schwand
der Einfluß der nationalen Führung.
Der Bergarbeiterstreik war möglicherweise die größte
Herausforderung für die Legitimation des Regimes,
denn er war sowohl politisch als auch wirtschaftlich
eine Herausforderung für Moskau und ein offener
Angriff auf die Legitimation der Führung. Paradoxerweise markierte er den Anfang eines Wendepunkts in
der sowjetischen Politik.
Denn die Atmosphäre des Bergarbeiterstreiks brachte
am 23. April die Vereinbarung "Eins plus Neun" hervor
- möglicherweise der erste Schritt zur Lösung des
Problems zwischen dem Zentrum und den Republiken. Das Abkommen selbst enthält die nächsten
Schritte - einen neuen Unionsvertrag, eine neue Verfassung und dann Wahlen, die - wenn sie durchgeführt
werden - möglicherweise eine neue politische Legitimität in der Sowjetunion schaffen können.
Aber dies wäre immer noch lediglich eine Rechtsordnung. Sie mü ßte durch eine Struktur von Organisationen vervollständigt werden, ähnlich dem Abkommen
zwischen der Führung und den Republiken über Haushalte und Entscheidungsbefugnis zum Beispiel bei
Eigentumsfragen.
Damit müssen auch politische Reformen einhergehen.
Und auch diese sind mitreißend. Zum Beispiel werden
neue marktwirtschaftliche Programme von Leuten wie
Jawlinsky erwogen. Der Erfolg dieser reformorientierten Politik hängt vollständig von der kontinuierlichen
politischen Wiederannäherung innerhalb der Sowjetunion ab. Und natürlich werden der Erfolg von Perestrojka und Präsident Gorbatschows davon abhängen,
ob sich diese neuen Tendenzen der letzten sechs
Wochen durchsetzen können.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich verpflichtet, sie zu
unterstützen.

AMERIKA DIENST23

�Niemand kann in die Zukunft schauen und uns den
Erfolg sichern. Aber wir vertreten die Auffassung, daß
es sich bei der Sowjetunion um ein Land handelt, das
reich an Bodenschätzen und talentierten Menschen
ist, ein Land, das sich selbst in eine demokratische und
wohlhabende Gesellschaft verwandeln könnte.
Um dieses Potential zu nutzen, müssen die Sowjets
etwas unternehmen, um eine echte Marktwirtschaft
mit Privateigentum, Anreizen, allgemeingültigen Gesetzen über Handel und Wettbewerb, ein gesundes
Währungssystem und reelle Preisen zu schaffen.
Um im In- und Ausland einen angemessenen politischen Kontext zu schaffen, sollten die Sowjets ihre
Bestrebungen fortsetzen, einen Staat auf der Basis
von Rechtstaatlichkeit aufzubauen und freie und faire
Wahlen anstreben.
Moskau muß auf friedlichem Wege, durch Dialog und
Verhandlungen dem Wunsch der Baltenstaaten gerecht werden und einen Unionsvertrag abschließen,
dem zufolge die Republiken die von ihnen angestrebte
Autonomie erhalten.
Moskau sollte seine positive Orientierung in der Außenpolitik beibehalten und die deutlichsten Relikte des
Zeitalters der Stagnation beseitigen, indem es Regimen die Unterstützung aufkündigt, die im Inland Zuflucht zu Repressalien nehmen und im Ausland Subversion betreiben.
Darüber hinaus müssen die Sowjets ihre Bemühungen
zur Umwandlung ihrer Verteidigung beschleunigen
und sich dazu verpflichten, einmal ihren Verteidigungshaushalt offenzulegen und zum anderen den Anteil
ihres BSP für Verteidigungsausgaben erheblich zu
senken. Die Sowjets müssen den Willen entwickeln,

*

AMERIKA DIENST 23

einer neuen Zukunft den Weg zu bereiten - sie müssen
zur Selbsthilfe greifen.
Wenn sie das tun, werden wir sie unterstützen. Wir
können als Katalysator für politische und wirtschaftliche Reformen dienen. Tatsächlich entwickeln wir ein
Paket von Hilfsmaßnahmen, von dem wir hoffen, es
mit Ihnen und anderen koordinieren zu können. Aber
ich glaube nicht im Ernst daran, daß wir Reformen in
der Sowjetunion mit einem Schlag auf den Weg bringen können. Wir müssen uns bewußt sein, daß diese
Veränderungen Arbeit für lange Zeit bedeuten. Bei
unserer täglichen Arbeit wird der Prozeß - mit seinem
gro ßen Ziel - eher Schritt für Schritt erfolgen, aber das
ist ein realistischer und durchführbarer Ansatz.
Darüber hinaus müssen wir diese neue, pluralistische
sowjetische Gesellschaft dafür gewinnen, Reformen
zu unterstützen, wo immer sie sich ankündigen. Deshalb
müssen wir die Beziehungen verbessern. Zusammenarbeit ist ein Weg, wie wir den sowjetischen Militärund Verteidigungssektor einbinden können, um Mißtrauen und Angst abzubauen und die Zusammenarbeit
auf beiden Seiten zu fördern.
Wir sind uns der schwierigen Wahl bewu ßt, vor der die
Sowjetunion steht. Darüber hinaus sind wir uns bewußt, wie schwer sich der Übergang zur Marktwirtschaft gestalten wird. Aber wir werden nicht untätig
zusehen, wie die Sowjets mit diesen Fragen politischer
und wirtschaftlicher Legitimität fertigwerden. Perestrojka könnte die wichtigste Revolution dieses Jahrhunderts sein. Für uns alle steht hier viel auf dem
Spiel. Und die NATO muß eine Schlüsselfunktion bei
der Schaffung eines Europas und einer transatlantischen Gemeinschaft übernehmen, die auch die Sowjetunion einbezieht und die wirklich ungeteilt und frei
ist.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
12. Juni 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 31. Mai 1991
Nachfolgend veröffentlichen wir die letzte Chronologie zu den Ereignissen am Golf.

17. Mai
Der Irak stimmt einem rigorosen System von UNInspektionen seiner militärischen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu. Diese sollen von einer internationalen Kommission durchgeführt werden, die beauftragt wird, die gefährlichsten Waffen des Iraks zu
lokalisieren und zu zerstören. Die Durchführungsbestimmungen, denen der Irak zugestimmt hat, werden
für künftige Inspektionsteams einen Präzedenzfall
schaffen.
Der Schwede Rolf Ekeus als Leiter der vom Sicherheitsrat zur Überwachung der Zerstörung irakischer
Waffen eingesetzten Kommission erklärt, Bagdad habe
alle seine Forderungen angenommen und damit die
fortgesetzte Arbeit seiner Kommission gestattet. Durch
eine Aussetzung der Inspektionen hätte sich der Irak
einer Verletzung der Resolution 678 des Sicherheitsrats schuldig gemacht, in der die Bedingungen der
Alliierten für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen enthalten sind und die Bagdad im Gegenzug für
einen Waffenstillstand im Golfkrieg akzeptiert hatte.
21. Mai
Botschafter Thomas Pickering fordert den Irak auf,
"die allgemeinen Normen zivilisierten Verhaltens einzuhalten und jedem seiner Bürger die volle Achtung
der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu garantieren", insbesondere der kurdischen Minderheit.
In einer Rede vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen (ECOSOC) erklärt Pickering, die
irakische Unterdrückung der Kurden beweise die
Verachtung der irakischen Regierung für die Appelle
der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung willkürlicher Verhaftungen und Exekutionen von

AMERIKA DIENST 23

politischen und religiösen Regimegegnern und vollen
Einhaltung der Menschenrechte aller Bürger.
Die von den Vereinten Nationen und anderen gewährte Interimshilfe für die Kurden sei keine Lösung, erklärt
Pickering.
22. Mai
Der Kongreß verabschiedet ein Gesetz, das 571 Millionen Dollar an Hilfe für Flüchtlinge im Irak und seinem
Grenzgebiet vorsieht.
Nach seiner Unterzeichnung durch den Präsidenten
würden im Rahmen dieses Gesetzes 320,5 Millionen
Dollar aus dem Regionalen Verteidigungsfonds für
den Persischen Golf überwiesen, um die Ausgaben
des Verteidigungsministeriums zu decken. Die amerikanischen Streitkräfte haben nach der Niederlage der
irakischen Armee gegen die Koalitionsstreitkräfte Hilfe
für Menschen bereitgestellt, die durch Saddam Husseins Truppen aus ihrer Heimat vertrieben wurden.
Das Gesetz sieht darüber hinaus die Bereitstellung
von 16 Millionen Dollar für militärische Hilfsorganisationen vor. Ferner werden 67 Millionen Dollar an
internationaler Katastrophenhilfe, 75 Millionen Dollar
an Migrations- und Flüchtlingshilfe, 68 Millionen für
den amerikanischen Flüchtlings- und Migrationshilfefonds sowie 25,5 Millionen Dollar für die internationalen Maßnahmen zur Friedensbewahrung in und um
den Irak bewilligt.
24. Mai
Aufgrund eines Abkommens mit der irakischen Regierung treffen alliierte Truppen in Begleitung eines irakischen Generals in Dahuk ein, um die Grundversorgung wiederherzustellen und etwa 200.000 Flüchtlin-

Seite 1

�ge zur Heimkehr zu ermutigen. Ferner sollen sie mit
der Beseitigung von Minen und Blindgängern beginnen, Stromversorgungs- und Sanitäreinrichtungen
wiederherstellen und "Aufnahmezentren" für heimkehrende kurdische Flüchtlinge aufbauen.
UN-Vertreter in Dahuk erklären, daß von den ehemaligen 250.000 bis 270.000 Einwohnern Dahuks etwa
45.000 zurückgekehrt seien, darunter 12.000 allein in
den letzten drei Tagen.

29. Mai
Vor einer Abschlußklasse der US Air Force Academy
in Colorado Springs schlägt Präsident Bush einen
Abbau von Massenvernichtungswaffen sowie eine
Verringerung der konventionellen Rüstungen im Nahen Osten vor.

Die amerikanische Rüstungskontrollinitiative fordert
alle Staaten, die Waffen an Länder des Nahen Ostens
liefern, dazu auf, Richtlinien für Lieferanten zu erarbeiten. Der Präsident fordert das sofortige Einfrieren
28. Mai
sowie ein späteres Verbot der Boden-Boden-Raketen
Dem Sprecherdes Verteidigungsministeriums, Robert in der Region. Darüber hinaus verlangt er ein Verbot
Hall, zufolge haben insgesamt464.000 amerikanische der Herstellung von Material für Kernwaffen, wie etwa
Soldaten, die an der Operation Wüstensturm teilnah- angereichertem Uran oder geschiedenem Plutonium.
men, inzwischen die Region am Persischen Golf verlassen. 76.000 Soldaten, 14 Prozent der ursprünglich Bush erklärt, er werde sich für die Verwirklichung
entsandten Streitmacht, sind noch in diesem Gebiet dieser Ziele einsetzen, gleichzeitig aber "das legitime
stationiert. Etwa die Hälfte der verbleibenden Truppen Recht jedes Staats auf Selbstverteidigung unterstütsind Reservisten.
zen".

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
12. Juni 1991

HILLS FORDERT AKTIONSPLAN BIS ZUM 31. JUL11991
Rede der US-Handelsbeauftragten beim OECD-Ministertreffen
PARIS - (AD) - Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills hat die Unterhändler bei den Handelsgesprächen
aufgefordert, sich bis zum 31. Juli 1991 auf einen Aktionsplan zu einigen, um Versprechen für den Abbau von
handelsverzerrenden Subventionen einzulösen.
Beim jährlichen OECD-Ministertreffen am 4. Juni erklärte sie, die Teilnehmer der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche sollten ebenfalls bis zum 31. Juli übereinkommen, bilaterale Verhandlungen über Dienstleistungen und Marktzugang zu beschleunigen.
"Wir brauchen keinen Termin, der unzureichende Ergebnisse hervorbringt wir brauchen vielmehr angemessene Ergebnisse, die einen Termin zulassen," betonte Hills.
Als ersten in einer Reihe von Beiträgen zum bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel veröffentlichen wir nachfolgend Botschafter Hills' Rede im Wortlaut.

Wie können wir die Uruguay-Runde erfolgreich zum
Abschluß bringen?
Manche haben den Schluß gezogen, wir sollten als
Ergebnis von Brüssel unsere Erwartungen herunterschrauben. Aber Brüssel hat uns gelehrt, daß ein
Minimalpaket in der Uruguay-Runde nicht möglich ist:
die Entwicklungsländer werden der Öffnung ihrer Märkte
für Waren und Dienstleistungen der OECD-Länder nur
zustimmen, wenn es in den Bereichen Landwirtschaft
und Textilien zu akzeptablen Vereinbarungen kommt.
Eine ähnlich wichtige Lektion haben wir in der jüngsten
Debatte um die Verlängerung unseres Fast-trackVerhandlungsmandatsgelernt: Kongreßabgeordnete
werden ein Paket der Uruguay-Runde nur akzeptieren,
wenn es die Weltmärkte für alle Betroffenen in erheblichem Maße öffnet: Landwirte, Industriebetriebe,
Dienstleistungsuntemehmen und Investoren.
Wenn wir die Runde also erfolgreich abschließen
wollen, müssen wir uns heute auf einen Aktionsplan
einigen, um in jedem wichtigen Verhandlungsbereich
den größtmöglichen Zugang zu erlangen.
In der Landwirtschaft bleiben die Öffnung der Märkte
und der Abbau von Subventionen der Schlüssel für den
Erfolg der Runde. Wir müssen nicht nur die Gespräche
an sich vorantreiben, sondern auf der politischen Ebene
Grundsatzentscheidungen treffen.

AMERIKA DIENST 23

Beim Marktzugang wird die Verringerung und der
Abbau von Hemmnissen in Schlüsselbereichen der
Industrie dem gesamten Paket der Uruguay-Runde
Unterstützung sichern. Für uns bedeutet das, wir
müssen substantielle Forschritte bei der Initiative erzielen, mit der in Schlüsselsektoren Zölle auf der Basis
der Gegenseitigkeit ("zero for zero") abgeschafft werden.
Dies wird den Handel fördern und den OECD-Mitgliedern jährlich Milliarden Dollar an Zollabgaben einsparen. Die OECD-Länder müssen dabei die Führungsrolle übernehmen und ein umfassendes Paket schnüren, das im Sinne ihrer Geschäftsinteressen liegt und
die Beteiligung der Entwicklungsländer gewährleistet.
Bei den Dienstleistungen ist ein besserer Zugang
entscheidend, wenn wir die Unterstützung unserer
Dienstleistungsunternehmen erhalten wollen. Gegenwärtig finden 31 bilaterale Verhandlungen zwischen
den Vereinigten Staaten und anderen Ländern statt,
um die Märkte für Dienstleistungen zu öffnen, aber
unter diesen 31 Ländern finden keine Verhandlungen
statt. Wenn wir die Märkte für Dienstleistungen weltweit öffnen wollen, muß die OECD energisch und
unverzüglich Verhandlungen mitsovielen Ländern wie
möglich aufnehmen.
Im Bereich der staatlichen Beschaffung müssen wir
die ungeheuren Märkte öffnen, die durch staatliche
Monopole abgeschottet sind, insbesondere in den
Bereichen Telekommunikation und Stromversorgung.
Seite 1

�Darüber hinaus waren wir zu Beginn der UruguayRunde bestrebt, das Niveau beim internationalen Schutz
geistigen Eigentums für die Ideen und Produkte unserer Erfinder zu heben. Heute sind jedoch einige
Teilnehmer bereit, geringe Schutzmaßstäbe in Kauf zu
nehmen, nur um ein Abkommen zu erzielen. Wir sind
gegen diesen Ansatz. Ein GATT-Abkommen über
handelsbezogenes geistiges Eigentum (TRIPs) ist nur
von Wert, wenn es Weltklassestandard garantiert und
von allen Ländern befolgt wird. Die OECD-Länder
müssen die Führung übernehmen, um ein solches
Ergebnis zu gewährleisten.
Daraus folgt, daß ein Minimalpaket bei der UruguayRunde nicht geeignet ist. Aber die Vereinbarung eines
Abkommens zu einem umfassenden Paket erfordert
jetzt sowohl im politischen als auch im technischen
Bereich große Anstrengungen. Wenn wir auf den
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde hoffen,
müssen wir uns auf einen Aktionsplan mit Bezugsgrößen in wichtigen Bereichen einigen. Bis zum 31. Juli
sollten wir die folgenden Schritte vereinbart haben:
In der Landwirtschaft müssen wir uns auf Mechanismen einigen, um die Versprechen in je-

dem der drei Verhandlungsbereiche, zum Umfang jährlicher Reduzierungen, dem Zeitraum
des Beginns der Reduzierungen und einem
Text über Gesundheit und Sicherheit einzulösen.
Bei den Dienstleistungen müssen wir uns auf
mehr Engangement bei bilateralen Gesprächen
über Zugang verständigen und ein Rahmenwerk vereinbaren.
Beim Marktzugang müssen wir vereinbaren,
unsere bilateralen und multilateralen Verhandlungen zu beschleunigen, die Fragen der Zollhöchstsätze und der Aufhebung von Zöllen auf
der Basis der Gegenseitigkeit sowie einen multilateralen Text über Stahl auszuhandeln, der
eine Zero-Zollkomponente enthält.
Dies sind Schlüsselbereiche, in denen wir das Tempo
der Verhandlungen beschleunigen müssen, aber auf
der ganzen Linie besteht Handlungsbedarf. Wir brauchen keinen Termin, der unzureichende Ergebnisse
hervorbringt wir brauchen vielmehr angemessene
Ergebnisse, die einen Termin zulassen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 23

�USA

-

EUROPA
12. Juni 1991

DIE POLITISCHEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN
DEN USA UND EUROPA
von Robert E. Hunter
WASHINGTON (AD) - Der Autor ist Vizepräsident der Abteilung regionale Programme und leitet die Unterabteilung Europastudien beim Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington.

Seit über 40 Jahren sind die Vereinigten Staaten
aktiver Verfechter der europäischen Bewegung, aus
der die Europäische Gemeinschaft hervorgegangen
ist. Heute stellen sich jedoch neue Fragen über die
Zukunft dieser einzigartigen transatlatnischen Beziehungen. Diese Fragen erlangen zum gegenwärtigen
Zeitpunkt besondere Bedeutung, da der kalte Krieg
beendet ist und Institutionen für die gemeinsame Sicherheit des Westens zunehmend unwichtiger werden.
Die meisten Analysen zur Europäischen Gemeinschaft
und ihren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
konzentrieren sich auf den Bereich der Wirtschaft.
Dieser Schwerpunkt gewinnt aus zwei Gründen mehr
Nachdruck: durch die Einheitliche Europäische Akte
und den Aufstieg der Geoökonomie. Die erstere
verspricht, die EG in einen echten Binnenmarkt zu
verwandeln, in dem Waren, Dienstleistungen, Kapital
und Arbeitskraft frei zirkulieren. Damit wird die Gemeinschaft sowohl ein besserer Konkurrent in der
Wirtschaft als auch ein Partner der Vereinigten Staaten. Die letztere Entwicklung - der Aufstieg der Geoökonomie - ist weniger offensichtlich und ohne genaue
Definition. Trotzdem ist sie zwingend, da der kalte
Krieg und die Beschäftigung mit einer Konfrontation
durch die Sowjetunion einer größeren Rolle der Wirtschaft Platz gemacht hat, um die Weltpolitik und damit
die transatlantischen Beziehungen zu gestalten.
Beide Phänomene - die Einheitliche Europäische Akte
und Geoökonomie - werden im Hinblick darauf erörtert,
welche wirtschaftlichen Auswirkungen sie auf die
Beziehungen zwischen der EG und den Vereinigten
Staaten haben. Weniger bewußt sind einige der
wichtigen politischen Entwicklungen in den BeziehunAMERIKA DIENST 23

gen zwischen diesen beiden wirtschaftlichen Riesen.
Dennoch werden sie für die Bestimmung der Zukunft
der transatlantischen Beziehungen genauso wichtig
sein.
Die Geschichte zuerst. Ebenso wie ihre europäischen
Partner hatten die Vereinigten Staaten politische Gründe für die Unterstützung der Bestrebungen, die zur
Schaffung der Europäischen Gemeinschaft führten.
Auf dem Kontinent war die ursprüngliche Triebfeder für
die Montanunion, die Europäische Gemeinschaft und
Euratom größtenteils der Wunsch, einen Krieg zwischen Deutschland und seinen Nachbarn fortan auszuschließen. Man wollte die Kluft beseitigen, die
zwischen 1870 und 1945 zu drei Kriegen in Europa
geführt hatte. Die europäische Integration im Bereich
der Wirtschaft war ein funktionales Mittel für dieses
politische Ziel, indem sie Schritt für Schritt die souveränen Rechte jedes Mitgliedstaates im Rahmen eines
größeren Vorhabens unterdrückt. Der Erfolg dieser
Maßnahme läßt sich mit der relativen Leichtigkeit vergleichen, mit der sich die Länder Westeuropas an die
deutsche Einheit angepaßt haben.
Die Vereinigten Staaten hatten ein ähnliches Motiv für
die Unterstützung der europäischen Integration, haben
aber den Wert des wirtschaftlichen Fortschritts betont,
mit dessen Hilfe europäische Gesellschaften den
Übergriffen der Sowjetunion widerstehen und sich an
der westlichen Sicherheit beteiligen sollten.
Dennoch bestand immer ein grundlegendes Problem
im Hinblick auf die jeweiligen Motive der Europäer und
Amerikaner für die Unterstützung der europäischen
Integration und der Gemeinschaft. Eine Reihe von USRegierungen hat die Idee eines starken Westeuropas
Seite 1

�auch verbal unterstützt, das - um einen bekannten
Satz zu zitieren - damit zu einem zweiten "Eckpfeiler"
innerhalb der NATO werden könnte. In Washington
bestand jedoch auch der Wunsch, eine Führungsrolle
im Bündnis und erheblichen Einfluß auf seine Entwicklung und seine Maßnahmen beizubehalten. Deshalb
haben die Vereinigten Staaten in der Praxis nicht
immer Schritte in Richtung auf die europäische Einheit
unterstützt, auch wenn sie das Konzept theoretisch
billigten. Dieser Konflikt zwischen Theorie und Praxis
beschränkte sich nicht nur auf die Wirtschaft - wäre
eine starke, einheitlichere EG nicht auch ein stärkerer
Konkurrent? -, er hat auch die transatlantischen politischen Beziehungen beeinflußt.
Über all die Jahre lieferte die Europäische Politische
Zusammenarbeit (EPZ), die Bestrebung der Gemeinschaft um eine gemeinsame Außenpolitik, das anschaulichste Beispiel für dieses Problem der Motive.
Theoretisch haben die Vereinigten Staaten diesem
Mechanismus zugestimmt. Man war mit den Leistungen der EPZ zur Koordinierung der Ansichten von
Mitgliedstaaten für die KSZE-Folgekonferenzen zufrieden. Aber die Vereinigten Staaten waren weniger
zufrieden mit verschiedenen EPZ-Erklärungen über
arabisch-israelische Friedensbestrebungen, wo die
Vereinigten Staaten als au ßenstehender Unterhändler
große Verantwortung übernehmen mußten. Bei einer
Gelegenheit, der Erklärung der Staats- und Regierungschefs der EG 1980 in Venedig, waren die Vereinigten Staaten ziemlich unzufrieden mit dem, was sie
als europäische Einmischung in Verhandlungen über
die West Bank und den Gazastreifen betrachteten, die
sich damals an einem kritischen Punkt befanden.
Im allgemeinen war den Vereinigten Staaten die von
ihnen wahrgenommene übertriebene Geheimniskrämerei der europäischen Länder bei ihrer Arbeit in der
EPZ egal. Natürlich war ein Motiv der EPZ die Entwicklung einer gemeinsamen Außenpolitik unter den Ländern der Gemeinschaft, die sich von der Außenpolitik
der Vereinigten Staaten unterscheiden würde. Die
EPZ würde die europäische Integration fördern und
darüber hinaus symbolisieren, daß die Europäische
Gemeinschaft unabhängig von der NATO eine eigene
Organisation ist.
Diese unterschiedlichen Ansichten über den Prozeß
der Europäischen Politischen Zusammenarbeit wurden teilweise mit der Verabschiedung des sogenannten Troika-Prinzips gelöst: Es sollte Gespräche mit
den Vereinigten Staaten über Fragen innerhalb der
Kompetenz der EPZ geben, aber nur mit anerkannten
Politikern der Gemeinschaft. Damit waren der gegenwärtige Präsident des Europarats sowie seine unmittelbaren Vorgänger oder Nachfolger gemeint.
Das Ende des kalten Krieges hat all die Fragen einer
europäischen Außenpolitik und der politischen Beziehungen der Europäischen Gemeinschaft zu den Vereinigten Staaten wieder in den Vordergrund treten lasSeite 2

sen. Natürlich erfüllt die NATO weiterhin ihre Aufgabe
als wichtige Sicherheitsinstitution des Westens. Diese
Rolle ist soeben durch die Erklärung bekräftigt worden,
daß die NATO einen multinationalen Schnellen Eingreifverband gründen will und US-Streitkräfte weiterhin auf dem Kontinent stationiert sind.
Ein Gesichtspunkt der Nachkriegszeit ist für die transatlantischen Beziehungen von besonderer Bedeutung.
Die beherrschenden Themen von Diskussionen und
Debatten über den Atlantik hinweg - und diese werden
in Zukunft auch die politischen Beziehungen gestalten
- werden nicht die Sicherheit sondern die Wirtschaft
betreffen. Aus diesem Grund wird es für die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Partner nicht ausreichen, enge Bindungen sowie aktive und regelmäßige Konsultationen zu politischen Fragen innerhalb der
NATO zu haben. Es müssen darüber hinaus grundlegende, direkte institutionelle Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft entwickelt werden. Andernfalls werden
beide Seiten Gefahr laufen, aneinander vorbeizureden, einander mißzuverstehen und vielleicht sogar
Interessenkonflikten zu unterliegen, die sich aus Fehlurteilen im Hinblick auf das Zentrum politischer und
institutioneller Macht auf dem Kontinent ergeben. Mit
anderen Worten: das militärische Gewicht der Vereinigten Staaten auf dem Kontinent wird abnehmen.
Deshalb werden sie politischen Einfluß dadurch geltend machen müssen, daß sie stärker mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Institutionen zusammenarbeiten, anstatt sich hauptsächlich auf die NATO
zu stützen.
Vor diesem Hintergrund war es logisch, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
den Wert einer formellen institutionellen Basis ihrer
Beziehungen erkannten. Dies sollte mit der Erklärung
über die Beziehungen zwischen EG und Vereinigten
Staaten erreicht werden, die beim Pariser Gipfel am
20. November 1990 verabschiedet wurde. Diese
Erklärung umreißt die gemeinsamen Interessen und
Ziele, enthält einige allgemeine Prinzipien der Beziehungen zwischen USA und EG, betont die Notwendigkeit wirtschaftlicher, bildungspolitischer, wissenschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit, trägt einigen
weitgespannten gemeinsamen Interessen wie Bekämpfung des Terrorismus und Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen Rechnung und definiert einen
institutionellen Rahmen für die Beziehungen.
Trotzdem haben nur wenige auf beiden Seiten des
Atlantiks das Dokument gelesen, und bisher hat es
nahezu keine Auswirkungen gehabt. Dies läßt sich
teilweise darauf zurückführen, daß die Erklärung wenig
Neues enthält. Selbst der institutionelle Rahmen ist
auf verschiedene Treffen und Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und Vertretern der EG
begrenzt, von denen die meisten bereits früher existierten. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die
Erklärung keinerlei gegenseitige Verpflichtungen im
AMERIKA DIENST 23

�Hinblick auf die Substanz der transatlantischen Beziehungen enthält, außer in sehr allgemeinen und ungenauen Formulierungen. Das Dokument beinhaltet
darüber hinaus nur wenig, was für die Beziehungen
zwischen USA und EG richtungweisend sein könnte.

,

i

Die relative Schwäche der Erklärung zu den Beziehungen zwischen USA und EG läßt sich darüber hinaus
mit dem ehernen Gesetz der Institutionen erklären:
Sie können nur dann funktionieren, wenn sie einen
echten Bedarf erfüllen. Sowohl die NATO als auch die
EG werden diesem Kriterium gerecht - besonders
letztere, da sie sich mit der Zeit fortentwickelt hat,
indem sie überarbeitet wurde, wann immer sich neue
Möglichkeiten der Integration ergaben. Unter diesem
Gesichtspunkt befinden sich die Beziehungen zwischen EG und Vereinigten Staaten immer noch in
einem Übergangsstadium und entziehen sich deshalb
Bemühungen, sie auf einen formellen Verfahrensrahmen zu reduzieren. Im Zeitalter nach dem kalten Krieg
muß noch mehrZeit vergehen, bis die politisch Verantwortlichen auf beiden Seiten des Atlantiks die neuen
Imperative einer besser definierten und institutionalisierten Beziehung über den Atlantik hinweg deutlicher
erkennen können. Darüber hinaus haben sich die
Vereinigten Staaten noch nicht damit abgefunden, daß
sich ihr politischer Einfluß im militärischen Bereich
verringert hat. Es wird noch nicht akzeptiert, daß die
Europäische Gemeinschaft mit der Zeit ihr wichtigster
Partner in Europa werden muß.
Dieser Prozeß einer Anpassung des Charakters der
amerikanischen Beziehungen mit den europäischen
Partnern kommt heute sehr lebendig in der Debatte
über die europäische Sicherheit zum Ausdruck. Die
Vereinigten Staaten gehen weiterhin vom Primat der
NATO als westlicher Sicherheitsinstitution aus. Einige
amerikanische Vertreter sind sogar der Ansicht, sie
solle exklusiv diese Rolle spielen. In Westeuropa
besteht hingegen erhebliche Unterstützung für andere
Ideen, sei es als Ergänzung zur NATO oder in Form
von Alternativen. Im Hinblick auf Sicherheitsfragen,
die auf den westlichen Teil des Kontinents begrenzt
sind, geht ein Gedanke davon aus, die Entwicklung
einer europäischen außen- und verteidigungspolitischen Identität voranzutreiben. Dabei gehen konkrete
Vorschläge aus den Diskussionen der Zwischenstaatlichen Konferenz II hervor, deren Arbeit dieses Jahr
abgeschlossen werden soll. Eine weitere wichtige
Idee besteht darin, die Westeuropäische Union (WEU),

*

AMERIKA DIENST 23

* *

zu der neun von zwölf EG-Staaten gehören, als stillschweigende Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft zu benutzen, um die Sicherheit im Westen des
Kontinents zu organisieren.
Gegenwärtig lehnen die Vereinigten Staaten jedoch
beide Vorschläge deshalb ab, weil sie die Rolle der
NATO reduzieren würden. Das amerikanische Argument wird meistens in Hinweise auf Effizienz, Wirksamkeit, Glaubwürdigkeit und die Forderung gekleidet, die Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung für eine amerikanische Truppenpräsenz in Europa zu erhalten. Es besteht aber daneben auch die
Besorgnis, daß etwa eine gestärkte WEU den amerikanischen Einfluß bei den Partnern verringern könnte.
Dies wird jedoch so oder so geschehen, insbesondere
da sich die wichtigsten, die Verbündeten betreffenden
Fragen vom Bereich der Ost-West-Sicherheit zur
Wirtschaft verlagern. Diese Abnahme des amerikanischen Einflusses wird sich noch beschleunigen, wenn
die Vereinigten Staaten weiterhin nur eine bescheidene Rolle in dem Bereich spielen, der von den Westeuropäern als primäre "Sicherheits"-Frage betrachtet
wird: der Notwendigkeit, den osteuropäischen Staaten beim Aufbau neuer Demokratien und der Entwicklung von Marktwirtschaften zu helfen.
Es wäre für die Amerikaner wesentlich besser, wenn
sie die Idee paralleler Strukturen unterstützen würden
- die NATO und irgendeine westeuropäische Sicherheitsinstitution. Wenn sich die Sowjetunion weiterhin
strategisch aus Europa zurückzieht und die EG an
Stärke und Geschlossenheit zunimmt, könnte die
europäische Sicherheitsinstitution - die WEU oder ein
Gebilde, das direkter in die EG integriert ist - natürlich
an Bedeutung gewinnen und gleichzeitig Vebindungen
zu den Vereinigten Staaten beibehalten.
Obwohl dies gegenwärtig eine heikle Frage ist, nimmt
sie sich doch im Vergleich zu den Krisen, die im
Atlantischen Bündnis während des kalten Kriegs auftraten, ziemlich geringfügig aus. Es gibt kaum Zweifel
daran, daß bei gutem Willen und geistiger Flexibilität
auf beiden Seiten des Atlantiks ein relativ glatter
Übergang zu einem Zeitalter möglich ist, in dem die
transatlantischen Beziehungen nicht von der NATO,
sondern von Bindungen - formeller und informeller
Natur - zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Gemeinschaft bestimmt werden.

*

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO und Gipfeltreffen beim Treffen des Nordatlantikrats erörtert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Außenminister Baker&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NATO besitzt Schlüsselfunktion für Einigung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker bei der NATO-Außenministerkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 31. Mai 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills fordert Aktionsplan bis zum 31. Juli 1991&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der US-Handelsbeauftragten beim OECD-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Europa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die politischen Beziehungen zwischen den USA und Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert E. Hunter&lt;/em&gt;</text>
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dicrv&gt;t

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
12. Juni 1996

12

AUSSENPOLITIK

NATIONALE SICHERHEIT IM
21. JAHRHUNDERT
Rede von Anthony Lake

NATO

DIE DOPPELTE ERWEITERUNG DER NATO
von Senator Richard Lugar

USA-DEUTSCHLAND

50 JAHRE AMERIKA HAUS FRANKFURT
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

SPORT

WARUM SPORT DAS SPIEL MACHT
von Wilfrid Sheed

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
12. Juni 1996

Nationale Sicherheit im 21. Jahrhundert
Rede von Anthony Lake

CHICAGO - (AD) - Nach Ansicht des Nationalen Sicherheitsberaters, Anthony Lake, schafft die ClintonAdministration die Grundlage für eine Welt nach dem Kalten Krieg, in der die amerikanischen Interessen
geschützt sind und es den Bürgern gut geht.
Nachfolgend veröffentlichen wir den unwesentlich gekürzten Text der Rede, die Lake am 24. Mai 1996 vor dem
Chicago Council on Foreign Relations hielt.

Gegen Ende der ersten Amtszeit der Clinton-Administration möchte ich über die wichtigsten außenpolitischen Herausforderungen sprechen, denen sich

Erstens die Bewältigung von Krisen, wenn sie auftreten. Sei es der Ausbruch von Gewalt in Liberia, der
Versuch zur Sicherung des Waffenstillstands im Nahen

Amerika in den kommenden Jahren gegenübersieht.

Osten oder die Reaktion auf eine Katastrophe wie das

Politiker mögen sich bei Wahlen verändern, aber die
Interessen der Vereinigten Staaten tun das nicht. Die
Art und Weise, wie diese Herausforderungen bewältigt
- oder ignoriert - werden, beeinflußt das Leben jedes
einzelnen Amerikaners und unsere Aussichten für das
kommende Jahrhundert.

Erdbeben von Kobe - der Umgang mit Krisen erfordert
schnelle, hochwertige Arbeit. Sein Erfolg - oder
Scheitern - sind leicht sichtbar und oftmals in den
Schlagzeilen zu finden.

Auf halbem Weg zwischen dem Ende des Kalten
Krieges und dem Anbruch eines neuen Jahrhunderts
lebt unsere Nation in Frieden. Unsere Wirtschaft ist
stark. Die Welle von Demokratie und Marktwirtschaft
breitet sich auf der ganzen Welt aus und beschert
mehr Menschen als je zuvor Freiheit und Wohlstand
und uns neue Chancen.
Diese vielversprechende neue Ära ist jedoch nicht frei
von Risiken. Alte Bedrohungen wie Aggression
verbrecherischer Staaten haben neue und gefährliche
Dimensionen angenommen. Eine Vielzahl moderner
Bedrohungen - von Terrorismus über Drogenhandel
bis zu vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen - machen vor Grenzen nicht halt und unterminieren unsere Sicherheit.
In dieser neuen Welt der Chancen - aber auch der
Gefahren - ist die globale Führungsrolle der Vereinigten Staaten wichtiger denn je. Um wirksam eine
Führungsrolle zu übernehmen, muß unsere Nation
zwei Dinge gleichzeitig erledigen.

AMERIKA DIENST 12

Sie wissen, daß derartige außenpolitische Herausforderungen nicht geordnet und zyklisch alle vier Jahre
auftreten. Jede Administration erbt Probleme, die sie
meistern muß. Bei uns war das nicht anders. Drei der
drängendsten waren die Repression in Haiti, der Krieg
in Bosnien und die Eindämmung des Irak. Da wir die
Diplomatie mit Macht untermauerten, gibt es in Haiti
keine Diktatoren mehr, der Strom verzweifelter Flüchtlinge ist versiegt und dieses Jahr fand die erste
demokratische Machtübergabe statt.
Das letzte
Mitglied der amerikanischen Friedenstruppe kam - wie
versprochen - rechtzeitig nach Hause zurück. Da wir
1994 unsere Truppen unverzüglich und entschlossen
an den Persischen Golf entsandten, zog der Irak seine
an der kuwaitischen Grenze massierten Truppen
wieder ab - und wir bewahrten Frieden und Stabilität in
der Region.
Da wir für den Frieden in Bosnien eintraten, wurde das
Gemetzel beendet. Amerikanische Truppen und ihre
Partner in der IFOR helfen dem bosnischen Volk, sich
den Freiraum zu schaffen, den es zum Aufbau des von
ihnen gewählten Friedens benötigt.

Seite 1

�Ich bin stolz darauf, daß unsere Administration bei der
weltweiten Reaktion auf diese Probleme eine führende
Rolle übernahm. Wichtig war jedoch ebenfalls, daß wir
beim Umgang mit diesen Notfällen auch die Projekte
weiterentwickelten, die über die momentäre Krise
hinausgehen und für die Gestaltung der ersehnten
Zukunft unerläßlich sind.
Das ist der zweite Aspekt der Führungsrolle: Zukünftige Probleme zu antizipieren, Investitionen zu tätigen,
die größeren Nutzen bringen oder größere Kosten in
der Zukunft verhindern sowie das Fundament für
Frieden und Wohlstand von morgen zu legen. Selbst
beim Umgang mit den tagtäglichen Ereignissen
müssen wir uns den wichtigsten Sicherheitsbelangen
widmen, die den Alltag der amerikanischen Bürger
beeinflussen.
Meines Erachtens schaffen wir die Grundlage für eine
Welt nach dem Kalten Krieg, in der unsere Interessen
geschützt sind und es unseren Bürgern gut geht. Wer
in den nächsten vier Jahren an der Spitze dieses
Landes steht, wird die Chance und die Pflicht haben,
auf dieser Grundlage aufzubauen.
Welche "Bauprojekte" stehen denn an? Eines ist die
Stärkung und Erweiterung unserer wichtigsten Bündnisse, während wir das Fundament für den Frieden im
21. Jahrhundert legen. Bei der Reise des Präsidenten
nach Asien letzten Monat unterzeichneten wir eine
neue Sicherheitscharta mit Japan. Gemeinsam mit
Südkorea starteten wir eine wichtige Initiative, die
hoffentlich zu einem dauerhaften Frieden zwischen
dem Norden und dem Süden führt und schließlich die
letzte verbleibende Grenze aus der Zeit des Kalten
Krieges beseitigt. Diese Errungenschaften sowie
unsere Bestrebungen, China in einen produktiven
Dialog einzubeziehen, zielen auf die Verwirklichung
der Vision des Präsidenten von einer friedlichen
asiatisch-pazifischen Gemeinschaft auf der Grundlage
gemeinsamer Bestrebungen und Vorteile ab.
Da unsere Asienpolitik derzeit Schlagzeilen macht,
möchte ich drei andere "Bauprojekte" ansprechen, die
für die nächsten vier Jahre geplant sind: Schaffung

eines ungeteilten, demokratischen Europas, Vorbereitung auf die militärischen Bedrohungen der
Zukunft sowie Aufbau eines neuen Welthandelssystems.
Schaffung eines ungeteilten Europas. Die Geschichte
lehrt uns, daß Amerika darunter leidet, wenn in Europa
Unruhe herrscht, und es Amerika gut geht, wenn
Europa in Frieden und Wohlstand lebt. Heute liegt
nach dem Ende des Kalten Krieges ein friedliches,
demokratisches und ungeteiltes Europa in Reichweite.
Wir haben hart an der Realisierung dieser Vision
gearbeitet, indem wir den europäischen Integrationsprozeß unterstützten.
Wir haben den Nationen

Seite 2

Zentraleuropas und der ehemaligen Sowjetunion bei
der Schaffung von Vorbedingungen für Demokratie
geholfen: faire Wahlen, freie Medien, eine unabhängige Justiz. Wir unterstützten sie beim Wiederaufbau
ihrer zerrütteten Volkswirtschaften.
Diese Bestrebungen zahlen sich aus. Viele Nationen
Zentraleuropas werden von Hilfsempfängern zu
Handelspartnern. Einige - wie Polen und die Tschechische Republik - zählen zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas. Amerika ist heute
der größte Privatinvestor in Rußland, und unser
gesamter Handel mit Rußland ist in den letzten drei
Jahren um 65 Prozent gewachsen. Verstärkter Handel
mit den neuen europäischen Demokratien und ihren
Millionen neuer Verbraucher sowie erhöhte Investitionen in diesen Ländern bedeuten mehr Arbeitsplätze
und höhere Löhne und Gehälter im eigenen Land.
Femer vertiefen wir unsere sicherheitspolitische
Zusammenarbeit mit allen, die unsere Werte und
unsere Vision vom Frieden teilen. Ein wesentlicher
Bestandteil dieses Prozesses ist die NATO-Erweiterung. Die NATO kann für Osteuropa das leisten, was
sie vor 50 Jahren für Westeuropa erreichte: Verhinderung erneuter örtlicher Rivalitäten, Stärkung von
Demokratie gegen zukünftige Bedrohungen, Schaffung
von Bedingungen für das Prosperieren schwacher
Marktwirtschaften.
Vor zwei Jahren legten die Vereinigten Staaten durch
die Gründung der Partnerschaft für den Frieden den
Grundstein für ein neues Europa. Von Rumänien am
Schwarzen Meer bis zu den Sümpfen von Louisiana
bauen PFF-Mitgliedstaaten und NATO-Verbündete
Brücken der Zusammenarbeit. Für einige Länder stellt
die Partnerschaft für den Frieden den Weg zur NATOMitgliedschaft dar, für andere ein aktives Bindeglied
zum Bündnis. Für alle repräsentiert sie eine wirkungsvolle Initiative zur Stärkung von Demokratie, Errichtung
ziviler Kontrolle des Militärs und Entwicklung zu
verantwortungsbewußten Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft.
Wir sehen bereits die Ergebnisse. Derzeit stehen in
Bosnien Soldaten aus mindestens 13 Mitgliedstaaten
der Partnerschaft für den Frieden Seite an Seite mit
NATO-Truppen. Einer dieser Partner - Ungarn - bietet
den Hauptbereitstellungsraum für den amerikanischen
Beitrag zur NATO-Truppe.
In den kommenden vier Jahren müssen wir diese
Errungenschaften für das 21. Jahrhundert konsolidieren. Das bedeutet eine Weiterentwicklung der NATOErweiterung auf dieselbe stetige und transparente
Weise wie seit Beginn. Das bedeutet, Forderungen
nach allzu schnellem Vorgehen zu widerstehen, die
unser Ziel unterminieren könnten, indem sie den
NATO-Konsens über die Aufnahme neuer Mitglieder
aufs Spiel setzen. Es bedeutet aber auch, daß die

AMERIKA DIENST 12

�Nationen, die einen Beitrag zur Stärkung des Bündnisses zu leisten bereit sind, nicht im ungewissen
gelassen werden dürfen. Ein Aufschub der Erweiterung würde die geschaffene Dynamik zerstören und
die neuen Demokratien entmutigen, die so hart für
Reformen gearbeitet haben. Wir werden solche
Verzögerungen nicht zulassen.
Im Zuge der Erweiterung müssen wir uns auch dafür
einsetzen, die Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu einer echten Partnerschaft zu entwickeln.
Unsere Teamarbeit in der Kontaktgruppe sowie unter
unseren Truppen in Bosnien hat gezeigt, daß eine
solche Partnerschaft sowohl möglich als auch produktiv ist. Sie ist der Vorläufer eines ungeteilten Europas,
das vor uns liegt, wenn wir alle über die Vision und
Entschlossenheit zu seiner Erlangung verfügen.
Die Vorbereitung auf die militärischen Bedrohungen
der Zukunft - unser zweites "Bauprojekt" - besteht in
der Vorbereitung auf die realen militärischen Bedrohungen im Zeitalter nach dem Kalten Krieg. Die
Konfrontation der Supermächte ist vorüber. Aber viele
bislang schwelende ethnische und religiöse Konflikte
sind ausgebrochen. Früher konnten verbrecherische
Staaten von denjenigen in Schranken gehalten
werden, die sie bewaffneten und unterstützten. Jetzt
ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, daß sie zur
Erlangung ihrer Ziele den Einsatz von Gewalt wagen.
Die Vereinigten Staaten nehmen diese Entwicklungen
ernst - und wir stärken unsere Verteidigungsfähigkeit
für eine Welt, die gefährlich bleibt. Tatsächlich gelingt
es uns wahrscheinlich besser, uns auf die Bedrohungen einer neuen Ära vorzubereiten als den Nachkriegsgenerationen vor uns. Sie werden sich erinnern,
daß fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg der Abzug
amerikanischer Truppen so weit fortgeschritten war,
daß wir fast von der koreanischen Halbinsel vertrieben
wurden. Fünf Jahre nach Vietnam gab der Stabschef
des Heeres bekannt, wir hätten eine "ausgehöhlte
Armee".
Jetzt, fünf Jahre nach dem Beginn des Abzugs nach
dem Kalten Krieg, hat das amerikanische Militär einen
außergewöhnlichen Transformationsprozeß durchlaufen. Unsere militärische Führungsrolle hat viel
zuwenig Anerkennung für einen der größten Verwaltungserfolge der Geschichte erhalten - den umfangreichen Personalabbau ohne Verlust von Moral
oder erforderlichen Kapazitäten. Ich besuchte heute
morgen das Marineausbildungszentraum im Gebiet der
Great Lakes und war sehr beeindruckt von der Moral
der Marinerekruten, die jetzt Seeleute werden.
Nach der grundlegenden Überprüfung unseres Militärs
- einer Analyse beispiellosen Umfangs - wurden
unsere Streitkräfte zur Bewältigung der Herausforderungen umstrukturiert, denen wir heute und
möglicherweise morgen begegnen. Die Einsatzbereit-

AMERIKA DIENST 12

schaft der Vereinigten Staaten war nie höher - und
unsere Streitkräfte sind für den Umgang mit potentiellen Krisen weltweit vorbereitet und ausgerüstet.
Unsere Strategie verlangt von unseren Streitkräften die
Abschreckung und den notfalls gleichzeitigen Kampf in
zwei großen regionalen Konflikten gleichzeitig. 1994,
als der Irak Kuwait bedrohte, die Spannungen in Korea
wuchsen und die Unruhen in Haiti außer Kontrolle
gerieten, stellten wir unter Beweis, daß unsere Streitkräfte der Aufgabe gewachsen waren - und noch mehr.
Die schnelle, professionelle Dislozierung unserer
Truppen schreckte mögliche Aggression im Nahen
Osten und Asien ab - und gab den Menschen in Haiti
die Chance für eine bessere Zukunft. Ferner führen
sie die Art von neuen Missionen für Frieden und
Freiheit durch, die unser Zeitalter fordert - wie wir in
Haiti, Ruanda und Bosnien gesehen haben.
Zur Wahrung der Überlegenheit unserer Truppen ging
die Clinton-Administration die unerschütterliche
Verpflichtung ein, unseren Soldaten die erforderlichen
Mittel zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieser
Verpflichtung nehmen wir unter veränderten Umständen Anpassungen vor und stellen Mittel bereit. In
den letzten zwei Jahren stockten wir den Militärhaushalt zur Deckung der Kosten unerwarteter Missionen
um nahezu vier Milliarden Dollar auf. Vor dem Hintergrund einer klaren Bestandsaufnahme dessen, was für
Einsatzbereitschaft und Modernisierung erforderlich ist,
entschied Präsident Clinton im Dezember 1994, die
Mittel für unseren langfristigen Verteidigungsplan im
Laufe von sechs Jahren um 25 Milliarden Dollar zu
erhöhen. Der Präsident hat mehrfach erklärt, daß die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten die am besten
ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und einsatzbereitesten der Welt sind - und wir werden die Mittel
bereitstellen, damit das auch in Zukunft so bleibt.
Ebenso wie sich die Administration für die Wahrung
unseres Vorsprungs im konventionellen Bereich
einsetzt, sind wir entschlossen, die Bedrohung für das
amerikanische Volk durch Massenvernichtungswaffen
zu verringern. Als der Eiserne Vorhang fiel, wurden
Chancen für die Schaffung einer Welt eröffnet, die vor
chemischen, biologischen und atomaren Waffen
sicherer ist.
Somit haben wir die ehrgeizigste Rüstungskontrollund Nichtverbreitungsagenda der Geschichte aufgestellt und halten uns daran.
Aufgrund unseres stetigen Engagements in Rußland
und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion sind keine russischen Raketen mehr auf
amerikanische Städte und Bürger gerichtet. START I
und START II - den die russische Duma hoffentlich
bald ratifiziert - sehen die Kürzung der Nuklearwaffenarsenale um zwei Drittel vor, die wir und die Sowjetunion auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges unterhielten. Ferner setzen wir uns für die Stärkung der

Seite 3

�Konvention über biologische Warfen ein und drängen
auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Wir
fordern den Senat auf, diesen lebenswichtigen Vertrag
unverzüglich anzunehmen.
Wir haben die unbegrenzte und bedingungslose
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags sichergestellt. Wir hoffen, daß noch in diesem Jahr ein
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot unterschrieben werden kann - und wir damit die Entstehung
der nächsten Generation von Nuklearwaffen verhindern. Und wir setzen uns dafür ein, daß alle Nationen
die Bestimmungen des Raketentechnologie-Kontrollregimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
befolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit fand eine Debatte über den
Wert von Rüstungskontrollverträgen statt. In der Welt
nach dem Kalten Krieg ist die Antwort klar: Diese
Errungenschaften - das Ergebnis entschlossener
Diplomatie von Administrationen der Demokraten und
Republikaner gleichermaßen - sind real und haben die
Sicherheit des amerikanischen Volkes erhöht.
Aber durch Diplomatie allein erhalten wir keine echte
Sicherheit. Die Beibehaltung unserer Streitkräfte zur
Abschreckung - konventioneller und nuklearer - bleibt
der beste Weg, alle Staaten davon abzuhalten, uns mit
Massenvernichtungswaffen herauszufordern. Jeder
potentielle Feind muß wissen, daß unsere Reaktion auf
einen Angriff mit diesen Waffen absolut überwältigend
und vernichtend sein wird. Auf diese Weise haben wir
bereits 50 Jahre den Frieden gewahrt - und es ist
unsere beste Garantie für die nächsten 50 Jahre und
darüber hinaus.
Wir müssen jedoch auch auf die unwahrscheinliche
Möglichkeit vorbereitet sein, durch unsere militärische
Macht, Rüstungskontrollvereinbarungen und nukleare
Abschreckung nicht verhindern zu können, daß
verbrecherische Nationen einen Raketenangriff gegen
die Vereinigten Staaten oder unsere Streitkräfte
starten. Unsere Administration gibt jährlich 3 Milliarden
Dollar für die Entwicklung und Dislozierung von
Raketenabwehrsystemen aus. Unser Ansatz basiert,
wie der Präsident diese Woche bei der Coast Guard
Academy erklärte, "auf realen Bedrohungen und
pragmatischen Antworten". Er fußt auf der vernunftgemäßen Auffassung, daß wir uns über die Bedrohung
im klaren sein müssen, bevor wir eine Raketenverteidigung aufbauen.
Heute - und in den kommenden Jahren - besteht
unsere größte Bedrohung aus Angriffen mit Kurz- und
Mittelstreckenraketen gegen unsere Truppen oder
unsere Verbündeten. Und die am stärksten gefährdeten Regionen sind der Nahe Osten und Asien. Aus
diesem Grund haben wir die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr zu unserer obersten Priorität
gemacht. Wir haben modernisierte Patriot-Raketen in

Seite 4

Südkorea disloziert. Wir arbeiten mit Japan an der
Modernisierung seiner Abwehrsysteme.
Und wir
schlössen kürzlich ein Abkommen mit Taiwan, um dem
Land Raketenabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu
stellen. Wir arbeiten mit Israel an kriegsschauplatzgebundener Abwehr zusammen. Wir treiben die
Entwicklung einer Reihe moderner Kurz- und Mittelstreckenraketenabwehrsysteme voran, beispielsweise
die Patriot PAC-3, Navy Lower Tier und Army THAAD die 1998 eingesetzt werden können - sowie die
leistungsfähigere Navy Upper Tier, die einige Jahre
später eingesetzt werden kann.
Es ist sinnvoll, die gefechtsfeldgebundene Raketenabwehr an erste Stelle zu setzen. Sie befaßt sich mit
jetzt existierenden Bedrohungen. Wir müssen uns
jedoch auch auf vor uns liegende Bedrohungen
vorbereiten. Obwohl unsere Nachrichtendienste nicht
der Ansicht sind, daß verbrecherische Staaten innerhalb der nächsten 15 Jahre die Fähigkeit zur
Entwicklung von Langstreckenraketen beschaffen,
setzen wir uns für die Einführung eines nationalen
Systems der Verteidigung gegen einen Raketenangriff
möglichst bis zum Jahr 2000 ein, das notfalls 2003
disloziert werden kann.
Dies ist eine rationale Reaktion auf eine Möglichkeit,
die zwar in weiter Ferne liegt, deren Konsequenzen
jedoch schrecklich wären.
Die Alternative zu unserem Plan - die letzten März von
Senat und Repräsentantenhaus unterbreitete Gesetzesvorlage - würde von uns verlangen, daß wir uns
heute für ein Raketenabwehrsystem entscheiden, das
2003 disloziert wird.
Das ist nicht die richtige Art und Weise, Amerika zu
verteidigen. Sie würde uns an den heutigen Stand der
Technologie binden - und uns die Vorteile zukünftiger
Weiterentwicklungen verwehren. Wenn irgendein
Diktator in Zukunft skrupellos werden sollte, wollen wir
nicht mit einer Betamax erwischt werden, wenn wir uns
der neuesten Technologie bedienen könnten.
Dieses Gesetz würde auch die Rüstungskontrollabkommen verletzen, die unsere Sicherheit erhöhen.
Es könnte viele Technologien des gescheiterten
Schemas "Krieg der Sterne" wiederbeleben - einschließlich weltraumgestützter Raketen und Laserwaffen sowie antiballistischer Raketenabwehrsysteme seegestützt oder mit mehreren Standorten. Diese
Systeme würden allesamt den ABM-Vertrag verletzen.
Der ABM-Vertrag bleibt der Grundstein unserer
Rüstungskontrollerrungenschaften - und ihn in Frage
zu stellen würde die derzeitige Verringerung des
russischen Nuklearwaffenarsenals gefährden. Den
Abbau Tausender von Gefechtsköpfen aufzugeben,
um sich vor einer noch nicht existierenden Bedrohung
zu schützen, wäre ein schlechtes Geschäft. Es ergibt
einfach keinen Sinn. Wir können den Vertrag beibehal-

AMERIKA DIENST 12

�ten und gleichzeitig die erforderlichen Verteidigungssysteme einsetzen.
Ein solcher Ansatz wäre nicht nur eine schlechte
Strategie, sondern auch schlechtes Haushalten.
Vergangene Woche schätzte das Haushaltsbüro des
Kongresses, das im Gesetz vorgesehene Programm
würde bis zum Jahr 2010 zwischen 31 und 60 Milliarden Dollar kosten. Zu diesem Preis würde es für
unsere Nation sehr schwierig, die erforderliche
Modernisierung unserer konventionellen Streitkräfte
durchzuführen. Daher ist es nicht erstaunlich, daß die
Sponsoren des Gesetzes ihre Vorlage zurückzogen,
als ihnen diese Veranschlagung vorgelegt wurde obwohl seine Befürworter im Senat entschlossen zu
sein scheinen, es durchzubringen.
Es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, um
Amerika und seine Bürger gegen einen Raketenangriff
zu verteidigen. Ich hoffe, wir können uns überparteilich auf den richtigen Weg einigen. Den praktischen
Weg. Den klugen Weg. Wie Verteidigungsminister
Perry gestern in einem Interview erklärte, sollten wir
bei dieser Frage gemeinsames Terrain finden, beispielsweise im Tenor des Zusatzes zur nationalen
Politik der Verteidigung gegen einen Raketenangriff,
den der Kongreßabgeordnete John Spratt aus South
Carolina vorlegen möchte, wenn das Repräsentantenhaus über die Gesetzesvorlage zur Verteidigung der
Vereinigten Staaten berät. Auf diese Art und Weise
wird unsere Nation über die erforderliche Verteidigung
mit Raketen gegen Bedrohungen verfügen, die sich
entwickeln könnten ... und unsere Streitkräfte erhalten
das beste Gerät und die beste Ausbildung für alle
Missionen, mit denen sie sich unweigerlich konfrontiert
sehen - konventionell und nuklear. Die von mir bisher
erörterten "Bauprojekte" - die Schaffung eines ungeteilten Europas und der Aufbau der richtigen Verteidigung
gegen militärische Bedrohungen, denen wir uns
tatsächlich gegenübersehen - werden offensichtliche
Auswirkungen auf die Sicherheit des amerikanischen
Volkes haben. Aber wir definieren "nationale Sicherheit" im Hinblick auf das tägliche Leben der
Menschen - und das bedeutet nicht nur die militärische
Sicherheit unserer Nation, sondern auch das wirtschaftliche Wohlergehen unserer Bürger, die Grundlage für ihre persönliche Sicherheit. In einem Zeitalter, in
dem Waren und Ideen auf der ganzen Welt gehandelt
werden und in dem Millionen Dollar mit einem Tastendruck auf dem Computer über den Planeten verschickt
werden, ist es offenkundig, daß unser wirtschaftliches
Wohlergehen mit der übrigen Welt verknüpft ist.
Aus diesem Grund haben wir so hart gearbeitet, um
ein neues globales Handelssystem aufzubauen.
Durch sorgfältige Verhandlungen und realistische
Überzeugungsarbeit öffnen wir Märkte für amerikanische Waren und Dienstleistungen und schaffen neue
Chancen für amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer. Mit regionalen Bestrebungen wie NAFTA,

AMERIKA DIENST 12

APEC und dem gesamtamerikanischen Gipfel, internationalen Verhandlungen wie der Uruguay-Runde sowie
harten
bilateralen
Verhandlungen
wie
dem
amerikanisch-japanischen Abkommen über Autoteile
werden Hemmnisse abgebaut und unsere Exporte
erhöht - und wurden allein in den vergangenen drei
Jahren mehr als eine Million gute, hochbezahlte
Arbeitplätze geschaffen.
Sie können die Ergebnisse unserer Strategie an den
Fortschritten bemessen, die wir in Japan erzielt haben.
Es liegt noch weitere harte Arbeit vor uns, aber in den
letzten drei Jahren haben unsere beiden Nationen 21
separate Handelsabkommen unterzeichnet, die alles
von medizinischen Gütern bis zu Computern abdekken. Unsere Exporte in diese Sektoren sind um rund
85 Prozent gestiegen - das bedeutet mehr Arbeitsplätze und bessere Bezahlung für amerikanische
Arbeitnehmer sowie niedrigere Preise und größere
Auswahl für japanische Verbraucher.
Wir haben auch die erste nationale Exportstrategie der
Vereinigten Staaten eingeführt, damit unsere Unternehmen die Chancen nutzen können, die wir durch
Handelsabkommen eröffnet haben.
Mit unserer
Unterstützung konnten amerikanische Firmen seit
November 1993 ausländische Geschäftsverträge im
Wert von über 57 Milliarden Dollar abschließen.
Um diese Leistungsbilanz aufrechtzuerhalten und den
Wohlstand bis ins 21. Jahrhundert zu wahren, muß
unsere Nation bestehende Handelsabkommen
durchsetzen, darunter die mehr als 180 von der
Clinton-Administration geschlossenen. Wir müssen
unsere Vision von freiem Handel auf dem gesamten
amerikanischen Kontinent in konkrete Ergebnisse
umsetzen, auch durch die Erweiterung des NAFTA um
Chile. Und wir müssen auf unserer Blaupause für
freien Handel in der asiatisch-pazifischen Region
aufbauen - dem am schnellsten wachsenden Markt der
Welt.
Schlußfolgerung
Selbst während wir die Grundlagen für das neue
Jahrhundert schaffen - die Bewältigung der Krisen von
heute sowie die Schaffung eines Rahmens für Stabilität, Sicherheit und Wohlstand von morgen - greifen wir
auf dieselben Instrumente wie stets zurück: Diplomatie
wenn möglich, Gewalt wenn nötig. Zusammenarbeit
mit anderen wenn möglich, Alleingang wenn nötig. Die
Bewahrung eines starken Militärs während wir unsere
Bündnisse an neue Anforderungen anpassen. Die
Aufrechterhaltung konstruktiver Beziehungen zu den
Großmächten der Welt - den Nationen mit den größten
Fähigkeiten, uns bei unseren Bestrebungen behilflich
zu sein oder uns zu behindern. Und wir müssen die
erforderlichen Ressourcen zur Durchführung effektiver
Diplomatie zur Verfügung haben, unsere Hilfsprogram-

Seite 5

�me zur Abwendung künftiger Krisen nutzen und unser
Militär unterstützen.

Verträge eingehalten werden, ebenso wie das Schlaglicht der freien Medien zur Aufdeckung von Korruption
beiträgt.

Ebenso wie wir auf im Lauf der Zeit erprobte Instrumente zurückgreifen, erfüllen wir eine zeitlose
Mission. In vielen Regionen sind die Wurzeln der
demokratischen Gesellschaft - Pluralismus, Toleranz,
Freiheit - noch nicht tief. Wie bisher besteht auch
heute unsere besondere Rolle in der Welt im Schutz
und der Stärkung der Gemeinschaft von Demokratien
und offenen Märkten.

In den nächsten vier Jahren haben wir die Chance,
den Weg zu einem vielversprechenden neuen Jahrhundert zu ebnen - in dem Zentraleuropa, wo zwei
Weltkriege begannen, zu einem Anker der Stabilität in
einem ungeteilten, demokratischen Europa wird. In
dem wir mit unseren Verbündeten und Freunden in der
asiatisch-pazifischen Region zusammenarbeiten, um
unsere Sicherheit zu bewahren und eine Zukunft
wachsenden Wohlstands aufzubauen. In dem die
dunkle Wolke der nuklearen Vernichtung dem Sonnenschein des Friedens weicht. In dem offene Gesellschaften gedeihen, verknüpft und gestärkt durch
offene Märkte. In dem unsere Kinder und Kinder
überall auf der Welt deshalb ihre Talente am besten
zur Verwirklichung ihrer Träume nutzen können.

Die Erweiterung der Demokratie ist ein zentrales
Element aller von mir heute erwähnten Herausforderungen. Ein demokratisches Europa wird wahrscheinlich eher den Frieden bewahren und ein starker
Partner bei Diplomatie, Sicherheit und Handel sein.
Demokratische Nationen werden weniger wahrscheinlich Krieg gegeneinander führen - und wahrscheinlich eher gemeinsam mit uns Rüstungskontrolle
fördern, die Weiterverbreitung sowie die Kräfte der
Zerstörung bekämpfen. Und Demokratie unterstützt
die freien Märkte, die Wohlstand fördern, weil die
Rechtsstaatlichkeit zur Gewährleistung beiträgt, daß

* *

Seite 6

Das ist Amerikas Herausforderung an der Schwelle
zum Jahrtausend. Amerika kann - und muß - sie
meistern. Ich denke, es wird uns gelingen.

*

AMERIKA DIENST 12

�NATO
12. Juni 1996

Die doppelte Erweiterung der NATO
von Senator Richard Lugar

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Senator Richard Lugar am 29. Mai 1996 vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn gehaltene Rede in gekürzter Version.

Es ist ein Privileg, Ihnen meine Gedanken über die
Zukunft der Atlantischen Allianz vermitteln zu dürfen.
Dies ist eine besonders wichtige Zeit für eine Bestandsaufnahme des Bündnisses. In den vergangenen zwei Jahren hat die Allianz zahlreiche Themen
erörtert und analysiert, die von der Erweiterung über
die Reform der Kommandostruktur bis zu umfassenderen strukturellen Reformen des Bündnisses reichen,
damit es neue Missionen durchführen kann.
Die Zeit der Erörterungen und Analysen geht jetzt zu
Ende. In den kommenden zwölf Monaten muß die
NATO in drei Schlüsselbereichen Entscheidungen
treffen, die im nächsten Jahrzehnt die europäische
Sicherheit und die transatlantischen Beziehungen
entscheidend beeinflussen werden.
Angefangen mit dem Ministertreffen in Berlin müssen
die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses
folgendes entscheiden:
1.

Wird die NATO ihre Mitgliederzahl erweitern,
und welche Maßnahmen, Anerkennung und
Sicherheit sollte sie den Ländern gewähren,
die nicht unter die erste Wahl fallen?

2.

Wie wird sich die NATO intern reformieren, um
neue Missionen durchzuführen? Dazu zählen
die Verteidigungsverpflichtungen unter Artikel
5 sowie andere nicht in Artikel 5 enthaltene
Missionen wie Krisenmanagement über die
Grenzen des Bündnisses hinaus.

3.

Wie sollten die Beziehungen zwischen der
NATO und Rußland während des Erweiterungsprozesses aussehen? Sollte die NATO

AMERIKA DIENST 12

eine parallele kooperative Partnerschaft mit
Moskau ausbauen?
Wie gute Arbeit die NATO bei diesen Themen leistet,
wird weitreichende Auswirkungen haben. Wir sprechen über das Legen von Grundsteinen einer neuen
europäischen Friedensordnung und den Aufbau einer
neuen NATO, die diesen Namen nicht nur in der
Theorie, sondern auch in der Praxis verdient. Wenn
wir Erfolg haben, werden wir die Grundlage für Jahrzehnte des Friedens und Wohlstands in Europa
geschaffen haben. Wenn wir scheitern, könnten
Historiker auf die Zeit unmittelbar nach dem Ende des
Kalten Krieges als Zeit tragisch verpaßter Chancen
zurückblicken.
Vor allem müssen wir uns bewußt machen, daß eine
historische Debatte über die Zukunft der NATO vor uns
liegt, die auf Jahre hinaus Auswirkungen haben wird.
Es ist eine Debatte, die öffentlich und kontrovers sein
wird - wie es einem Bündnis von Demokratien gebührt,
das sich mit so wichtigen Themen befaßt. Ein Großteil
der Diskussion über das Für und Wider der Erweiterung und anderer Fragen war auf Eliten und Experten
begrenzt - und den einen oder anderen Senator oder
Minister. Auch das wird sich ändern.
Ich sehe diesen öffentlichen Diskussionen erwartungsvoll entgegen. Meines Erachtens haben wir die
historische Chance, Schritte zu unternehmen, die
Frieden und Stabilität in Europa sichern und die bei
den Revolutionen von 1989 und dem Zusammenbruch
des Kommunismus gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit festschreiben werden. Meiner Ansicht
nach werden wir in dieser Debatte den Sieg davontragen - sowohl im amerikanischen Senat als auch im

Seite 1

�Bündnis - vorausgesetzt, wir folgen einigen vernünftigen Richtlinien.
Bevor ich diese Richtlinien darlege, möchte ich die
grundlegenden Fragen aufwerfen, mit denen wir uns
im amerikanischen Senat, den Parlamenten der
NATO-Verbündeten sowie in den beitrittswilligen
Ländern konfrontiert sehen.
Die Vision
In den Vereinigten Staaten werden die Politiker häufig
über das befragt, was wir als die "Vision" bezeichnen.
Was wollen sie erreichen und warum? Was ist ihre
Vision und wie werden einzelne Maßnahmen in ein
Gesamtgefüge von Zielsetzungen passen?
Als
amerikanischer Senator werde ich oft von meinen
Kollegen und Wählern gefragt, warum ich mich so
intensiv mit der NATO und Themen wie NATO-Erweiterung befasse, nun, da der Kalte Krieg vorüber ist.
Je weiter wir uns von den berauschenden Tagen
entfernen, in denen die Berliner Mauer fiel und der
Kommunismus zusammenbrach, desto klarer wird,
daß wir in ein neues Zeitalter eingetreten sind. Im
Europa der Nachkriegszeit sind noch immer reichlich
Gefahren vorhanden. Die Revolutionen von 1989
führten nicht nur zum Zusammenbruch des Kommunismus, sondern auch zum Ende der nach zwei
Weltkriegen geschaffenen Friedensordnung. Auf dem
Spiel stehen Ordnung und Stabilität in ganz Europa.
Und aus diesem Grund sind amerikanische Interessen
im Spiel.
Die NATO kann nicht allein alle Probleme Europas
lösen. Aber ohne einen stabilen Sicherheitsrahmen
gehen wir das Risiko ein, daß Reform und Demokratie
im Osten Europas nicht andauern, sondern von
destruktiven Kräften des Nationalismus und der
Unsicherheit unterlaufen werden. Das Scheitern der
Demokratie im Osten würde unweigerlich auch
tiefgreifende Auswirkungen auf die Demokratie in der
westlichen Hälfte des Kontinents haben. Wenn uns die
Geschichte irgend etwas lehrt, dann, daß die Vereinigten Staaten immer in solche europäischen
Konflikte gezogen werden, weil wir mit unseren vitalen
Interessen letztlich, wenn auch verspätet, engagiert
sind.
Das ist ein Grund, warum ich stets für die NATOErweiterung war. Aber das ist nur ein Grund und ein
Teil meiner Vision, die aus dem besteht, was ich
verhindern und was ich aufbauen möchte. Ich möchte
einen neuen transatlantischen Handel mit einem
geeinten und integrierten Europa eingehen - "ungeteilt
und frei" - in einem permanenten Bündnis mit den
Vereinigten Staaten. Es ist eine Vision der Vereinigten
Staaten und Europas in einer gleichberechtigten
Partnerschaft, die sich der Verwaltung der Sicherheit
Europas sowie der Verfolgung gemeinsamer Inter-

Seite 2

essen über Europa hinaus verschrieben hat. Der alte
transatlantische Handel, der den Europäern eine Form
von amerikanischem Schutz als Gegenleistung für
amerikanischen Einfluß bot, muß durch eine neue
transatlantische Vereinbarung ersetzt werden.
Dies ist eine Vision für das Bündnis, die nicht länger
zwangsläufig auf Europa konzentriert oder darauf
begrenzt ist. Es ist auch eine Vision für das Bündnis,
die über die logische Begründung des Kalten Krieges
hinausgeht, das heißt, einen sowjetischen Angriff auf
Westeuropa abzuschrecken und das Land gegebenenfalls dagegen zu verteidigen. Es ist eine Vision für
ein neues Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und Europa als Kraft zur Förderung westlicher Werte
und Interessen in Europa und darüber hinaus. Wir
benötigen eine neue und sehr viel umfassendere
transatlantische Tagesordnung und einen Dialog, der
sich darauf konzentriert, wo und wie die Vereinigten
Staaten und Europa gemeinsam handeln können und
sollten.
Wie viele von Ihnen wissen, war ich einer der frühesten Befürworter der NATO-Erweiterung in den
Vereinigten Staaten. Ich habe jedoch immer von der
Erweiterung nicht getrennt von, sondern vielmehr als
Teil einer neuen Sicherheitspartnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und einem geeinten Europa
gesprochen. Die Vereinigten Staaten sind eine globale
Macht, ein Land mit Interessen in Europa und darüber
hinaus. Sie sind auch ein Land, das zunehmend
gleichgesinnte Verbündete und Partner zur Bewältigung dieser internationalen sicherheitspolitischen
Tagesordnung benötigt. Wenn die Amerikaner sich
umblicken, sehen sie keinen besseren Kandidaten als
ihre europäischen Verbündeten in der NATO als
diesen Partner.
Wenn das die Vision ist, wie verwirklichen wir sie
dann? Mir gefällt der Begriff "doppelte Erweiterung",
um auch den Prozeß der Reform einzubeziehen, die
meiner Ansicht nach stattfinden muß. Die NATO muß
sich nach Osten erweitern, um die neuen Demokratien
zu integrieren, und sie muß ihre Mission über die
Verteidigung von Grenzen ausdehnen, um Krisenmanagement und vielleicht Friedenssicherung über die
Grenzen des Bündnisses hinweg einzubeziehen. In
beiden Fällen muß das Bündnis entscheiden, wie weit
es gehen möchte, sowohl im Hinblick auf neue Mitglieder als auch bezüglich neuer Missionen. Man kann
sich der Tatsache nicht entziehen, daß die NATO
gleichzeitig Reformen in beiden Bereichen vornehmen
muß, wenn sie die Herausforderungen bewältigen will,
denen wir uns in den kommenden Jahren wahrscheinlich gegenübersehen. Es ist ein grundlegendes
amerikanisches Interesse, daß das Bündnis nicht nur
zur Stabilisierung Osteuropas erweitert wird, sondern
auch, daß die Erweiterung integraler Bestandteil einer
umfassenderen Umgestaltung ist, die Europa zu einem
zunehmend effektiven strategischen Partner der Ver-

AMERIKA DIENST 12

�einigten Staaten auf dem Kontinent und darüber
hinaus macht.

retten, indem wir Reformen in Osteuropa aufschieben
oder verzögern.

Rußland

Das Bündnis kann und sollte enge strategische
Beziehungen zu Rußland haben. Die NATO und
Rußland sind Verbündete bei der IFOR in Bosnien.
Wir hoffen, daß dies keine einmalige Sache ist,
sondern vielmehr der Beginn langfristigerer und
stabilerer Beziehungen. Ich hoffe, eines Tages zu
erleben, daß die Grenzen zwischen einer erweiterten
NATO und ihren östlichen Nachbarn, einschließlich
Rußlands, ebenso stabil und sicher sind wie alle
anderen in Europa.

Jetzt möchte ich das Thema Rußland ansprechen. Wir
sind uns bewußt, wie wichtig die Zukunft Rußlands für
die Zukunft der europäischen und internationalen
Sicherheit ist. Aber wie paßt Rußland in die Vision der
von mir dargelegten transatlantischen Beziehungen?
Meine Vision des Bündnisses ist nicht von der Existenz
oder dem möglichen Entstehen einer neuen russischen Bedrohung im Osten abhängig. Wir wollen
keine NATO, deren Lebensfähigkeit und Erfolg vom
Scheitern in Rußland abhängt. Wir wollen ein Rußland, das erfolgreich Reformen durchführt und dessen
Erfolg bei den Reformen es zu einem interessanteren
und nützlicheren strategischen Partner für das Bündnis
macht.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben enormes
Interesse am Erfolg des Reformprozesses in Rußland.
Ein stabiles und reformiertes Rußland kann ein aktiver
Partner bei der Wahrung der Sicherheit in Europa, der
Lösung regionaler Konflikte und der Bekämpfung der
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen
sein. Wir wollen eine strategische Partnerschaft mit
Rußland gründen, die der Stellung Rußlands in Europa
Rechnung trägt - eine Partnerschaft, die zu formalisierten Beziehungen zum Bündnis führen könnte und
sollte.
In meiner Vision ist der Platz Rußlands klar. Ich sehe
Rußland nicht als Kandidat für eine Bündnismitgliedschaft. Rußland ist einfach zu groß und zu verschieden. Kein Bündnismitglied wird heute oder in
absehbarer Zukunft bereit sein, eine Garantie gemäß
Artikel 5 bis zur russisch-chinesischen Grenze auszudehnen. Und die Russen sind im Gegensatz zu den
Osteuropäern nicht wirklich daran interessiert, die mit
einer NATO-Mitgliedschaft einhergehenden Pflichten
zu übernehmen. Gleichzeitig wird Rußland in diesem
neuen und erweiterten Bündnis unweigerlich mehr sein
als bloß ein Nachbar. Wir hoffen, daß es zu einem
Partner wird - zu einem Land, mit dem wir eine privilegierte Partnerschaft pflegen.
Die von mir ins Auge gefaßte NATO garantiert Stabilität in Zentraleuropa - eine Stabilität, die ebenso im
Interesse Rußlands liegt wie in unserem eigenen. Die
Russen sollten sich bewußt werden, daß sich die
Erweiterung nicht gegen irgend jemanden richtet, und
ganz sicher nicht gegen sie. Die Stabilisierung der
Demokratie in Osteuropa bedroht nicht die Demokratie
in Rußland. Für Rußland ist es besser, wenn Polen in
der NATO ist anstatt außerhalb. Ein Polen, das im
Bündnis sicher ist, wird weniger antirussisch und
interessierter an Zusammenarbeit und Brückenbau
sein. Wir können nicht die Reformen in Rußland

AMERIKA DIENST 12

Aber dazu gehören zwei. Moskau hat sich in zunehmendem Maße gegen eine Erweiterung ausgesprochen, und einige russische Kommentatoren stellen
bereits eine Liste realer oder erdachter "Gegenmaßnahmen" auf, die Moskau angeblich ergreifen muß.
Solches Gerede ist kontraproduktiv.
Ich gehöre zu denjenigen, die nicht nur von Anfang an
die NATO-Erweiterung befürwortet haben, sondern
auch der Ansicht waren, das Bündnis hätte sich
schneller und entschlossener auf eine Ausweitung
zubewegen sollen. Die Clinton-Administration sowie
das Bündnis als Ganzes wählten einen langsameren
Ansatz, als ich ihn bevorzugt hätte. Sie taten das in
der Hoffnung, daß der Umgang mit Moskau in der
Frage der Bündniserweiterung mit der Zeit einfacher
würde, da Rußland die wahre Motivation der NATO
verstehen würde. Trotz meiner eigenen Zweifel war
ich bereit, im Zweifelsfall der Administration und dem
Bündnis recht zu geben.
Jetzt ist es jedoch meiner Ansicht nach kristallklar, daß
eine Politik, die wichtige Entscheidungen aufschiebt,
unser Leben nicht vereinfacht. Einige in Rußland
haben die Geduld des Westens als Zeichen der
Schwäche und Mangel an Entschlossenheit des
Bündnisses fehlinterpretiert. Einige Russen glauben
immer noch, sie könnten die Erweiterung aufhalten und einige verspüren immer noch die Versuchung, es
zu probieren. Während immer deutlicher wird, daß die
Russen die NATO-Erweiterung nicht unterstützen,
erscheint ihnen unsere Politik zunehmend wie eine Art
chinesischer Wasserfolter.
Über mehrere Jahre
hinweg gab das Bündnis häufig Erklärungen über
seine Erweiterungsabsichten ab, und Moskau fühlte
sich daraufhin verpflichtet, seine Ablehnung einer
Erweiterung kundzutun. Wenn nichts geschieht,
könnten Beobachter in Moskau zu dem Schluß
gelangen, sie hätten den Bündniszug verlangsamt
oder sogar zum Stehen gebracht.
Es ist jetzt zu spät, umzukehren und die politischen
Entscheidungen über den Zeitplan rückgängig zu
machen. Wichtig ist jetzt, daß die NATO sich nicht
beirren läßt, sondern sich an ihren vereinbarten
Zeitplan hält und die ursprüngliche Entscheidung über

Seite 3

�eine Erweiterung voranbringt - ungeachtet des russischen Wahlergebnisses.
Schlußbemerkung
Ich möchte meine Ausführungen zusammenfassen.
Es gibt viele andere Faktoren, die ebenfalls die
amerikanische Politik der NATO-Erweiterung beeinflussen könnten. Sollten die demokratischen Reformen in den beitrittswilligen Ländern ins Stocken
geraten, könnte der gesamte Erweiterungsplan auf Eis
gelegt werden. Ferner wird wichtig sein, wen der
nächste Präsident in Schlüsselpositionen wie die des
Außen- und Verteidigungsministers ernennt. Insgesamt kann man jedoch sagen, daß zwar die Ratifizierung der Aufnahme neuer Mitglieder viele Hindernisse und Fallstricke impliziert, es jedoch wenige
Beweise für die Behauptung gibt, sie sei politisch nicht
möglich.
Die Auswirkungen dieser Schlußfolgerung reichen
über die NATO oder sogar die transatlantischen
Beziehungen hinaus. Sie legt nahe, viele Beobachter
würden den politischen Willen Amerikas unterschätzen, nach dem Kalten Krieg im Ausland zu handeln.
Es ist wichtig, solche Fehleinschätzungen zu korrigieren. Der Prozeß, durch den die Großmächte ihre
Rolle auf der Weltbühne definieren, war stets undurchsichtig. Das gilt insbesondere für die Vereinigten
Staaten, wo der Kongreß so viel unabhängige Entscheidungsgewalt im Bereich der nationalen Außenpolitik hat. Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle:
Kriegsausbruch im Ausland, Erfolg oder Scheitern ei-

*

Seite 4

ner amerikanischen Militäroperation, Basisbewegungen wie die für Menschenrechte oder Rüstungskontrolle, umfassende Tendenzen bei der öffentlichen
Meinungsbildung und selbstverständlich die Stärke
und der Stil der von unseren Präsidenten und ihren
wichtigsten Mitarbeitern übernommenen Führungsrolle.
Heute ist die Haltung Amerikas gegenüber der Welt
äußerst mehrdeutig. Wir zogen uns schnell aus
Somalia zurück, gingen aber schließlich nach Bosnien.
Der Kongreß nahm das NAFTA an, weigerte sich aber,
Beistand zur Rettung des mexikanischen Peso zu
leisten und Chile in das NAFTA aufzunehmen. Die
Amerikaner sind stolz auf unsere Führungsrolle im
Nahen Osten oder Südafrika, sehen jedoch untätig zu,
wie die Geldmittel und andere für die amerikanische
Diplomatie erforderlichen Instrumente gekürzt werden.
Die sich abzeichnende Debatte über die NATOErweiterung bietet eine wichtige Chance zur Demonstration der anspruchsvollen und konstruktiven
Führungsrolle der Vereinigten Staaten sowie zu solider
Zusammenarbeit dieser Führung mit den Nationen, die
unsere gemeinsamen Grundwerte teilen und sie
schützen wollen.
Wir müssen dieser Debatte oberste Priorität einräumen.
Die Lebensqualität in allen von der Zukunft des
Bündnisses beeinflußten Ländern hängt davon ab, ob
wir rechtzeitig Erfolg haben.

* * *

*

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�USA-DEUTSCHLAND
12. Juni 1996

50 Jahre Amerika Haus Frankfurt
Rede des Gesandten J. D. Bindenagel
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 22. Mai 1996 zum 50jährigen Bestehen
des Amerika Hauses Frankfurt gehaltene Rede.

Vielen Dank, daß Sie alle gekommen sind. Am
heutigen Abend feiern wir das 50jährige Bestehen des
Frankfurter Amerika Hauses. Seit fünf Jahrzehnten ist
diese Institution - ebenso wie die anderen Amerika
Häuser in Deutschland - eine Begegnungsstätte für
unsere beiden Völker, ein Ort für freie, offene und
ehrliche Gespräche.
Während dieser 50 Jahre war das Haus Zeuge
dramatischer Veränderungen, die Frankfurt und
Deutschland wandelten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Vereinigten Staaten mehr als 50 Amerika Häuser in ganz
Westdeutschland. Einige von Ihnen werden sich
erinnern, daß dies eine unglaublich harte und leidvolle
Zeit war. In jenen Tagen der Unruhe und Unsicherheit
waren die Amerika Häuser Stätten der Zuflucht für den
Geist - und vielleicht auch für die Seele.
Anfangs waren es kleine Leseräume, in denen Filme
gezeigt wurden, Vorlesungen, Ausstellungen und
Konzerte stattfanden. Die Deutschen entdeckten
schnell, daß es Orte waren, an denen freie Männer
und Frauen ihre Meinung austauschen, voneinander
lernen und das gegenseitige Verständnis vertiefen
konnten.
Schriftsteller von William Faulkner bis Toni Morrison,
Musiker von John Cage bis Lionel Hampton, Künstler
und Architekten von Edward Steichen bis Mies van der
Rohe - sie alle kamen im Laufe der Jahre ins Frankfurter Amerika Haus.
Als sich die Welt wandelte, wandelte sich auch
Deutschland. Es baute seine eigenen Bibliotheken
und Kulturinstitutionen wieder auf. Es schuf eine

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stabile Demokratie. Frankfurt gewann seine historische Stellung als Kultur- und Handelszentrum wieder.
Während dieser gesamten Entwicklung spielte das
Amerika Haus weiterhin eine bedeutende Rolle. Und
natürlich trugen das Amerika Haus und seine loyalen,
talentierten Mitarbeiter - Deutsche und Amerikaner
gleichermaßen - dazu bei, diese Veränderungen zu
ermöglichen.
Wir sind der Stadt Frankfurt und dem Bundesland
Hessen dankbar für ihre dauerhafte und tatkräftige
Unterstützung des Amerika Hauses.
Ein besonderes Wort des Dankes gilt heute abend
auch den Organisationen und Einzelpersonen, die im
Lauf der Jahre einen so großen Beitrag zum Amerika
Haus geleistet haben.
Unsere Amerika Häuser haben seit ihren bescheidenen Anfängen einen langen Weg zurückgelegt. Die
ursprünglichen Leseräume sind schon lange durch
CD-ROMs ersetzt worden. Durch Investitionen in neue
Dienstleistungs- und Technologiekonzepte bieten die
Amerika Häuser jetzt mehr Einblick in die Vereinigten
Staaten als je zuvor. In ganz Deutschland sind sie
durch ein elektronisches Netz verknüpft, das neueste
Informationen über Amerika anbietet.
Das Frankfurter Amerika Haus ist wie alle Amerika
Häuser in Deutschland in die institutionelle Landschaft
des deutschen Lebens eingefügt. Die Amerika Häuser
reflektieren die Vielfalt unserer beiden Länder: Sie sind
föderalistisch, wie wir föderalistisch sind, und regional,
wie wir regional sind.
Diese regionale Betonung ist für unsere Aktivitäten in
den neuen Bundesländern von besonderer Bedeutung.

Seite 1

�Das neue Amerika Haus Leipzig und das erweiterte
Amerika Haus Berlin engagieren sich für die große
Aufgabe, den Nachholbedarf von Bürgern der fünf
neuen Bundesländer nach nahezu sechs Jahrzehnten
der Isolation vom Westen zu decken - einer durch
ständige Propaganda verstärkten Isolation.
Ich habe darüber gesprochen, was wir in der Vergangenheit getan haben und was wir hoffentlich in Zukunft
unternehmen können. Aber all diese Aktivitäten finden
vor dem Hintergrund jahrhundertealter gemeinsamer
Geschichte und Erfahrungen statt. Wir, die wir am
heutigen Abend hier versammelt sind - Deutsche und
Amerikaner gleichermaßen - wissen, daß unsere
beiden Völker über Jahrhunderte einzigartige Beziehungen entwickelt haben - entstanden durch die
Einwanderung, zerrissen durch Kriege, geheilt und
gepflegt durch Wiederaufbau und Bündnisse, aufrechterhalten durch zwischenmenschliche Kontakte.
Wir wissen, daß die Geschichte uns auf Gedeih und
Verderb miteinander verbunden hat und das Wohlergehen des einen vom Wohlergehen des anderen
abhängt. Wir wissen auch, daß eine unserer vordringlichsten Aufgaben darin besteht, diese Beziehungen zu
pflegen und Treuhänder ihrer Zukunft zu sein.
Unsere beiden Gesellschaften befinden sich inmitten
eines dynamischen Wandels auf der Suche nach
Lösungen zur Bewältigung der neuen Herausforderungen zunehmend komplexer, multikultureller Gesellschaften. Die Notwendigkeit der Anpassung an neue
Gegebenheiten bleibt bestehen - sei es an das
Informationszeitalter, an ein immer vereinteres Europa
oder an die Forderungen einer wirklich globalen
Wirtschaft.
Das Amerika Haus wird weiterhin unsere Positionen in
glaubwürdiger und bedeutender Weise erklären und
befürworten - Informationen über die offizielle Politik
der Vereinigten Staaten und über die Menschen, Werte
und Institutionen bereitstellen, die diese Politik gestalten und dem deutschen und amerikanischen Publikum
gleichermaßen die Vorteile des internationalen Engagements vermitteln.
Zu dieser Zeit im vergangenen Jahr verlieh die American Chamber of Commerce in Germany in der Paulskirche hier in Frankfurt ihre höchste Auszeichnung den Dr. Leo M. Goodman Award - an alle Amerika
Häuser in Deutschland für ihre über die Jahre erbrachten Leistungen.
An demselben historischen Ort sprach Präsident John
F. Kennedy eine Generation zuvor folgende Worte, die
meines Erachtens noch heute von Bedeutung sind:
"...Denn wir leben in einer Welt wechselseitiger Abhängigkeiten sowie der
Unabhängigkeit - einem Zeitalter des

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Internationalismus sowie des Nationalismus... Heute gibt es keine
ausschließlich deutschen oder amerikanischen oder sogar europäischen
Probleme.
Es gibt internationale
Probleme, und unsere beiden Länder
und Kontinente sind bei den Aufgaben
des Friedens ebenso wie im Krieg
untrennbar miteinander verbunden."
Wir waren außerordentlich erfolgreich bei unseren
gemeinsamen Unternehmungen. Gemeinsam haben
wir Gegner zu Verbündeten und Diktaturen zu Demokratien gemacht. Wir haben Institutionen aufgebaut,
die unsere Sicherheit und wirtschaftliche Stärke
gewährleisteten. Wir standen Seite an Seite und
haben den Sieg im Kalten Krieg davongetragen.
In Bosnien ist heute der Weg zum Frieden der dramatischste Beweis, daß die transatlantische Partnerschaft
unerläßlich bei dem Streben nach einem friedlichen,
wohlhabenden und ungeteilten Europa ist. Zum ersten
Mal dienen Soldaten jedes Landes und jeder Region
Europas bei der gleichen militärischen Operation.
Russen und Litauer, Griechen und Türken, Polen und
Ukrainer, Briten, Deutsche und Franzosen tragen
gemeinsam mit Amerikanern und Kanadiern die
gleichen Risiken unter der gleichen Flagge zur Erlangung des gleichen hehren Ziels. Während wir zur
Überwindung der Spaltungen in Bosnien beitragen,
tragen wir auch zur Überwindung der Spaltung
Europas bei.
Seit 50 Jahren fördert das Amerika Haus Frankfurt das
Beziehungsgeflecht, das die deutsch-amerikanische
Partnerschaft zu einem der größten Erfolge der
Geschichte gemacht hat.
Heute spielt das Amerika Haus weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung der lebenswichtigen menschlichen Bande, die die Stärke und
Widerstandskraft unserer Beziehungen sicherstellen.
Es bringt uns als Menschen zusammen und bewahrt
die Bedeutung und Lebenskraft unserer gemeinsamen
Werte in diesen Zeiten des Wandels. Und mit all dem
schafft das Amerika Haus die Grundlage für eine
integriertere, wohlhabendere Weltgemeinschaft.
Mehr denn je zuvor liegt heute das Schicksal von
Nationen in der Hand der informierten Öffentlichkeit,
auf offenen, transparenten Märkten von Ideen und
Waren, auf den Autobahnen und Nebenstraßen des
immer weiter expandierenden Informationszeitalters, in
freien bürgerlichen Institutionen und freiwilligen
Zusammenschlüssen engagierter Einzelpersonen. In
Anbetracht dieser Aufgabe sehe ich der vielversprechenden Zukunft des Amerika Hauses Frankfurt
erwartungsvoll entgegen.
Ich danke Ihnen.

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�SPORT
12. Juni 1996

Weshalb Sport das Spiel macht
von Wilfrid Sheed

(AD)- Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die faszinierende Interaktion zwischen Sport und
Gesellschaft.
Wilfrid Sheed ist Kritiker, Essayist und Romanautor. Zu seinen Werken zählen unter anderem The Boys of
Winter (1987) und Basebali &amp; Lesser Sports (1991). Sein neuestes Buch In Love With Daylight wurde letzten
Winter bei Simon &amp; Schuster verlegt.
Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von The Wilson Quarterly, Winter 1995.
Copyright (c) 1995, Wilfrid Sheed.

Man kann kaum noch genau sagen, wann das neue
Zeitalter anbrach, doch geschah es wohl irgendwann
inmitten der Rauchschwaden des 19. Jahrhunderts,
daß der Sport sich von einer offiziell als schlecht
bezeichneten Sache zu einer wirklich guten wandelte,
quasi zu einer Säule des Staates. England, wo alles
seinen Anfang nahm, war als imperiale Großmacht in
die Jahre gekommen, und die industrielle Revolution
sorgte dafür, daß Jungen vom Land über Nacht zu
Großstadtjungen wurden. Die Wächter der Gesellschaft begannen, jegliche Form der Unterhaltung im
Lichte dieser Entwicklungen zu betrachten, und das
galt insbesondere für den Sport.
So kam es, daß die Prediger, die zuvor den Sport als
Teufelswerk, als offene Einladung zu Brutalität und
Spielsucht verurteilt hatten (wie sich doch die Zeiten
ändern!), nach und nach erkannten, daß man durch
den Sport Rettung und Läuterung im Dienst für den
Herrn erlangen könnte - und was gut für Gott war, war
auch gut für England. Gleichermaßen entschlossen
sich die Schulmeister, die einstmals das unnütze Spiel
bestraft hatten, dem Beispiel zu folgen und nicht länger
Abwehr zu leisten; und so begannen sie damit, den
organisierten Sport mit einer solchen Schärfe durchzusetzen, daß so manches Kind allein schon den
Begriff "körperliche Ertüchtigung" zu verabscheuen
und zu fürchten lernte.

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Und schließlich überlegten es sich auch die letzten
unter den Beharrlichen, die ja am meisten zu verlieren
hatten - Dickens legendäre Fabrikbesitzer, gemeinsam
mit den etwas humaner veranlagten Geschäftsleuten -,
wobei die Grundlage ihres Sinneswandels die Überlegung war, daß die Arbeiter, wenn sie denn schon
arbeitsfreie Zeit brauchten, diese auf üblere Weise als
im regelgebundenen, vom Schiedsrichter kontrollierten
Wettstreit um Fähigkeiten und Stärke unter freiem
Himmel verbringen konnten.
Aber vielleicht liegt der größte Nutzen überhaupt darin
- wenn man von dem Wirbel ausgeht, der darum
gemacht wird - daß der Sport nicht nur das Mogeln
ächtete, sondern die Anhänger sogar darauf trainierte,
Mogeleien untereinander aufzudecken und zu verachten und dieses Prinzip auch auf sich selbst anzuwenden. Das war von entscheidender Bedeutung.
Eine Nation an der Schwelle zu großen Unternehmungen - gleichzeitig auch eine Nation inmitten einer
Bevölkerungsexplosion, durch welche sie über Nacht
auf Dritte-Welt-Status, oder doch zumindest auf das
Niveau von Downtown Los Angeles hätte zurückgeworfen werden können - brauchte eine Bürgerschaft,
der sie vertrauen konnte. In der Tat erhoben die
Engländer das Konzept des Fair Play zu einem
Fetisch, über den man sich auf der ganzen Welt lustig
machte. Dennoch wurde das Empire durch diesen
Fetisch zumindest genauso aufrecht erhalten wie
durch Gewalt, und bis zum Schluß hat das Talent der

Seite 1

�britischen Sportsfreunde, Gerissenheit und Anständigkeit miteinander zu verbinden, zynischere Nationen
immer wieder aufs Neue verblüfft und frustriert.
Doch durch die derartig begeisterte Förderung des
Sports haben die Mächtigen unabsichtlich ein kleines,
selbst geschaffenes Untier von der Kette gelassen,
wenngleich es sich hierbei um eine gesunde Bestie
handelte. Der Kult um den Sport hat sich bis in die
neunziger Jahre dieses Jahrhunderts weiter verbreitet
und eine Eigendynamik entwickelt, die bei weitem das
übertrifft, was Thomas Arnold (1795-1842), der
englische Rektor einer Public School, den man als
Gründervater der Bewegung "Sport und Charakter"
bezeichnen kann, sich in seinen kühnsten Träumen
vorgestellt hatte. Und die Bildungseinrichtungen, die
ihren Zöglingen in aller Ergebenheit den Sport eingetrichtert haben, müssen nun irgendwann aussetzen,
um ihnen - und sich selbst - zu sagen, daß es ja nur
ein Spiel ist, und dann müssen sie ihnen das auch
beweisen - oder aber dabei zusehen, wie der Sport
immer weitere Auswüchse hervorbringt, bis sowohl
das Establishment als auch seine Schulen darunter
begraben werden: Eine Macht, die gegen Sex antritt,
kann mit Leichtigkeit auch das Bildungswesen niederwalzen. Der Rektor einer großen Universität schrieb
vor einigen Jahren in einem Leserbrief an die New
York Times, daß er den akademischen Fächern an
seiner Universität den gleichen Rang wie dem Sport
einräumen wollte, was als röchelnder Aufschrei zu
verstehen ist und vermuten läßt, daß das Untier bereits
auf seinem Brustkorb hockte und ihm die Luft abzudrücken drohte.
Infolgedessen müssen sich die Geistlichen auch über
den Götzendienst und die Sünde der Verehrung von
Abgöttern Sorgen machen, so wie die reine Zeitvergeudung und die Verschwendung emotionaler
Energien durch den Sport der Geschäftswelt Anlaß zur
Sorge bietet. Ein Fan kann - vielleicht sogar in noch
stärkerem Maße als der Sportler selbst, der ja durch
die Ausübung des Sports einen Teil seiner zwanghaften Energie umsetzen kann - psychologisch so in den
Sport verstrickt werden, daß er den Rest des Lebens
nur noch wie einen langweiligen Traum erlebt, den
man irgendwie durchstehen muß. Wer davon überzeugt ist, kann als Schlafwandler nahezu alles überstehen, sei es ein öder Job, ein unterdrückerisches
Regime oder eine Ehe, der möglicherweise etwas
mehr Aufmerksamkeit gut angedeihen würde.
Die guten und die schlechten Seiten des Sports
gleichen sich auch in den besten aller Zeiten auf das
Vorzüglichste aus. Sieg und Niederlage lösen ein
Gefühl der Freude oder der Verzweiflung aus, das
jenseits der normalen menschlichen Erfahrung liegt.
Äußert ein Politiker, daß er etwas bis ins Mark verabscheut - gleichgültig, ob es sich hierbei um John
Major und sein Verhältnis zum Terrorismus oder um
Senator Windbag und seine Einstellung gegenüber

Seite 2

dem Verbrennen von Nationalflaggen handelt - so hat
man doch Zweifel, ob seine Knochen tatsächlich davon
betroffen sind: wie Dr. Samuel Johnson vielleicht
sagen würde, wird die Markklößchensuppe zum
Abendbrot sicher nach seinem Geschmack sein.
Aber ein Sportanhänger, der miterlebt hat, wie ein
sicherer Baseball-Sieg am Ende der neunten Runde
aus den Händen gleitet oder wie die Arbeit einer
ganzen Saison durch eine Entscheidung des Schiedsrichters in der Verlängerung zunichte gemacht wird, ist
unsagbar verzweifelt. Dieses Gefühl ist nicht in Worte
zu fassen, obwohl Sophokles ihm in seinen Beschreibungen recht nahe kommt. Im Jahr 1942 grämte
sich der Verfasser dieses Textes angesichts der
Niederlage der Dodgers im Spiel gegen die Cardinais
in einem Maße, wie man es keinem 11jährigen abverlangen sollte. Fügte ein Erwachsener einem Kind
vergleichbare Schmerzen zu, so würde er sofort im
Gefängnis landen.
Aber ich kam darüber hinweg und engagierte mich
mehr als je zuvor. Ich erholte mich soweit, daß ich die
Mannschaft der Cardinais in ihrem Spiel gegen das
verhaßte Team der Yankees in der World Series
anfeuerte. Dieser Kreislauf der vorgetäuschten Tode
und Wiedergeburten kann in der Tat das Gesundeste
am Sport überhaupt sein, oder aber auch das Gefährlichste, je nachdem, wie man damit umgeht. Im
schlimmsten Falle führt das zu Aufständen und Tod,
aber im günstigsten Falle kann der Schmerz der
Niederlage reinigend und lehrreich sein, eine sehr gute
Übung für das Leben.
Bei der Lektüre des zweiten Bandes von William
Manchesters Biographie über Winston Churchill mit
dem Titel The Last Lion (1988) beeindruckte mich die
Tatsache, daß der Löwe Churchill sich wunderbar
unerschütterlich zeigte, wenn es um Fragen wie den
Aufstieg Hitlers oder den Niedergang Polens ging,
aber völlig demoralisiert reagierte, wenn seine Eitelkeit
angekratzt wurde, wie zum Beispiel durch eine Niederlage bei einer Nachwahl oder wenn ihm ein bestimmter
Kabinettsposten nicht zugestanden wurde. Wenn man
jedoch vom Sport etwas lernen kann, dann daß
weniger wichtige Dinge mehr weh tun können als die
wichtigen - aber dennoch sind sie genau das: Weniger
wichtig, und es gibt ein paar Kniffe, wie man mit ihnen
umgehen kann, nämlich, indem man den Schmerz
auffängt und ins richtige Licht rückt, fast schon in einer
Art Reflexhandlung.
Eine der angenehmen Seiten der menschlichen
Vorstellungskraft ist die Fähigkeit, sich eine alternative
Wirklichkeit zu schaffen und das Leben anderer
Menschen in seiner Emotionalität vollständig nachempfinden zu können, gleichgültig, ob es sich dabei
um Ödipus oder die Mannschaft der Chicago Cubs
handelt (und darin liegt ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für das zivilisierte Individuum - die Kunst zum

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�einen und der Sport zum anderen). Wenn man jedoch
nicht lernt, daß eine Sache nicht dadurch wichtig wird,
daß man wegen ihrer weint - wenn man allzulang
vergißt, auf welcher Realitätsebene man sich bewegt,
oder wenn man sich nach dem Spielende in Gedanken
nicht vom Stadion in Wrigley Field entfernen mag dann wäre man möglicherweise besser beraten
gewesen, hätte man nie im Leben den Sport zur
Kenntnis genommen.
Das "Kennenlernen von Triumph und Katastrophe"
(Rudyard Kipling hätte einen, sagen wir mal, interessanten Football-Trainer abgegeben: "Ich will, daß ihr
Männer da raus geht und es den beiden Hochstaplern
mit gleicher Münze heimzahlt, habt ihr gehört?") ist nur
eines der vielen Dinge, die der Sport lehrt, und die er
besser lehrt als sonst ein Medium. Die Schwierigkeit
besteht darin, daß in der Schule, wo viele der sportlichen Lektionen gelernt werden, der Sport immer
häufiger mit anderen Lektionen kollidiert, die ebenfalls
gelernt werden müssen.
Die Disziplin eines Trainers ist ganz anderer Art als die
eines normalen Lehrers, denn der Trainer will dasselbe wie die Klasse - den Sieg! Für einen normalen
Lehrer gibt es kein so deutlich definiertes Ziel. Es
hängt größtenteils von ihm ab, ob ein Schüler im
Unterricht aufmerksam ist oder nicht. Das ist ausschließlich eine Angelegenheit zwischen dem jeweiligen Schüler und dem Lehrer, wobei der Schüler im
Vorteil ist, weil er von Verbündeten umgeben ist, von
denen die Mehrzahl kein besonderes Bedürfnis
verspürt, dem Lehrer zu folgen, und das Tempo nur zu
gerne drosselt.
Der Trainer hingegen kommt erst dann zur Klasse,
wenn diese bereits am Siedepunkt ist: Diese Kinder
werden sich in einem Maße für ihn einsetzen, das in
einem Klassenzimmer unvorstellbar wäre, und sie
werden einen Eifer und eine Begeisterung an den Tag
legen, die im normalen Schulunterricht nur die kreativen Kinder erleben. Ein Englischlehrer muß, wenn er
beim Football-Training zuschaut oder einer Veranstaltung beiwohnt, auf welcher seine Schüler die
Schulmannschaften anfeuern, neidvoll anerkennen,
daß seine Schüler zum nationalen Wunder erklärt
würden, könnte er nur einen Bruchteil ihrer Energie für
seinen Lyrikkurs mobilisieren. Im Klassenzimmer ist
der Lehrer jedoch der einzige, der einen derart starken
Einsatz zeigt, vergleichbar einem Trainer, der Liegestütze und Kniebeugen vormacht, während die
Schüler müßig zuschauen und darauf warten, daß ihr
Interesse geweckt wird.
Trotzdem ist der Sport nicht notwendigerweise der
natürliche Feind des Lehrers. Schließlich haben die
jungen Sportler ihre Disziplin ja irgendwo lernen
müssen, und unter den Sportlern arbeitet niemand
härter als die Cracks oder die ehemaligen Cracks,
wenn es gelingt, ihnen den Sinn der Sache genauso

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nahe zu bringen wie den Sinn des Sports. Der große
afroamerikanische Tennisspieler Arthur Ashe sagte
einmal, wenn die Aufnahme in eine Schulmannschaft
ausschließlich von den Zensuren abhinge, würden
diese auf die eine oder andere Art durch den stark
ausgeprägten Wettkampfgeist erreicht.
Vor allem wissen aber alle Sportler etwas, das viele
andere Schüler niemals erfahren werden, nämlich, daß
man ohne Disziplin gar nichts lernen kann. Und beim
Streben nach den Dingen, die sie wünschen, gewöhnen sich die Athleten ein strenges Regime gegenüber
sich selbst und, sofern nötig, auch gegenüber anderen
an.
Jetzt brauchen die Schulen also scheinbar nur noch zu
zeigen, daß ihrer Meinung nach Bildung genauso
wünschenswert ist wie Siegen, selbst wenn sie das
lediglich dadurch zu erkennen geben, daß den Sportlern unter den Schülern genügend Zeit gegeben wird,
sich Bildung anzueignen. Die Wettkämpfe selbst
stellen eigentlich kein Problem dar, da sie ja ein
gottgegebenes Zuckerbrot sind, ein natürlicher Anreiz,
der dazu beiträgt, mit der Schule zu kooperieren, was
immer sie auch von ihren Schülern fordern mag. Das
eigentliche Problem, das wie ein schlimmer Zahnschmerz immer wieder auftritt, besteht darin, daß
jegliche Mäßigung oder objektives Urteilsvermögen
abhanden kommen, sobald man sich für eine der
großen Sportarten anmeldet. Dann muß man sich
entweder hilflos gemeinsam mit den anderen weiterentwickeln, oder aber die ganze Sache über Bord
kippen, wie es Robert M. Hutchins vor über 50 Jahren
an der University of Chicago getan hat, als er seine
Universität aus der Liga der Big 10 (einer stark wettbewerbsorientierten Liga der Universitäten im Mittelwesten der USA) für immer herausnahm, was eine Flut
von Schlagzeilen nach sich zog. Die einsame Größe
dieser Geste zeugt davon, wie unrealistisch es wäre,
weitere Zeichen dieser Art zu erwarten.
Wenn es schon anno 1939, als man nichts weiter als
die finanziellen Zuwendungen einiger ehemaliger
Studenten zu verlieren hatte, schwierig war, sich
einfach zurückzuziehen, so wäre es nahezu unmöglich, dasselbe heute zu tun, da allerorts so viele
Fernsehgelder in Form von Gebühren für die Übertragungsrechte wichtiger Sportveranstaltungen an
Bildungsinstitutionen gezahlt werden. Die Fernsehgelder sind darüber hinaus daran schuld, daß es schwieriger geworden ist, im Training der jungen Sportler
wahre moralische Weisheiten oder spirituellen Ausgleich unterschwellig anzubringen. Weil die Spieler zu
der Auffassung neigen, daß die Uni bereits viel Geld
an ihnen verdient, ohne daß sie selbst etwas dafür
bekommen - wenn man einmal von unterbewerteten
Abschlüssen absieht - ist ihre Hochschule der letzte
Ort, an dem sie nach einer moralischen Richtschnur
suchen.

Seite 3

�Vor vielen Jahren sagte ein berühmter Trainer an der
Yale University seiner Mannschaft, daß das an diesem
Tag stattfindende Spiel gegen die Mannschaft der
Harvard University das Wichtigste sei, das sie jemals
in ihrem Leben tun würden; und seit diesem Tag ist der
Trainer für diesen Ausspruch verlacht worden.
Subjektiv gesehen war er jedoch im Recht: In dem Teil
der Psyche, die einem vormacht, daß Spiele wichtig
genug sind, um sich für sie zu schinden und für sie zu
leiden, war dieses Spiel tatsächlich die allerwichtigste
Sache und würde es auch immer bleiben. Zumindest
bis zum nächsten großen Spiel.
Aber welche Lesart man auch immer bevorzugen mag,
gibt es keine Geschichte, die den Unterschied zwischen dem Sport damals und heute so gut veranschaulichen könnte wie diese. In jenen Tagen wurden
die Spieler mit nichts anderem als Ruhm belohnt, und
so überschütteten die einflußreichen Autoritäten ihre
Sportler förmlich damit.
Einem Trainer von heute
würde es nicht einmal im Traum einfallen, seinem
Team zu erzählen, es solle für die Alma Mater auch
noch das Letzte geben, denn er weiß ja, daß einige der
Spieler nicht gut auf die Uni zu sprechen sind, und es
wäre in der Tat etwas viel verlangt, sein Leben für eine
Institution zu geben, an der man keinen einzigen
ernstzunehmenden Kurs erfolgreich absolviert hat oder
auch nicht einen einzigen Freund gewinnen konnte,
der nicht aus der Welt des Sports kommt, oder wo
nicht einmal genug Zeit für die Teilnahme an den
Proben des Unichors blieb.
Wenn der einzige Gewinn, den die frischgebackenen
Athleten aus dem College erwirtschaften, in dem
Privileg besteht, die Farben der Schule zu tragen und
dafür zu sorgen, daß diese gut zur Geltung kommen,
dann ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, daß sie für
ihre Leiden in barer Münze bezahlt werden, wie heute
vielerorts gefordert wird. Wenn das große Spiel nichts
anderes als ein weiterer Zahltag und das wichtigste
dabei der Talentsucher auf der Tribüne ist, und wenn
die Kampfeshymne einfach nur nach Katzenmusik
klingt, dann sollten die Spieler in der Tat bezahlt
werden.
Aber dieser Ratschlag wurde aus der Verzweiflung
geboren. Zusätzlich dazu, daß wir einen Reinfall mit
den Lohntabellen, konkurrierenden Geboten und
anderen nichtuniversitären Disziplinen erleben würden,
käme es zu einer Öffnung. Eine Professionalisierung
würde der Isolierung des einzelnen Sportlers einen
offiziellen Charakter geben: Ob man in Zukunft zu ihm
als Profisportler aufblickt oder als bezahlte Kraft auf ihn
herabblickt (was wohl vom Wert des jeweiligen
Spielers für die ganze Mannschaft abhängt) - ganz
sicher wird er nie mehr ein normales Mitglied der
Studentenschaft sein, das ganz offensichtlich nicht für
die Dinge bezahlt wird, die es zwischen den Vorlesungen unternimmt. Die Klassenunterschiede, welche die
Universitäten unter großen Anstrengungen abzublok-

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ken versuchen, treten sofort wieder auf, sobald eine
Lohnauszahlung institutionalisiert wird.
Daraufhin könnte ein Kritiker natürlich unverzüglich
einwenden, daß Sportler nun schon eine ganze Weile
keine normalen Mitglieder der Studentenschaft
gewesen sind und es auch in näherer Zukunft nicht
sein werden, und wenn man sie dann als Universitätssportler bezeichnet, so ist das die pure Heuchelei,
unter deren Deckmäntelchen sich die Tatsache
verbirgt, daß man den Sportlern den ihnen zukommenden Anteil nicht ausbezahlt. Eine derartige Kritik wäre
gerechtfertigt. Aber wenn es denn nun so ist und wir
uns von dieser Kritik veranlaßt sehen, von der Möglichkeit Abschied zu nehmen, daß es Gelehrtensportler
geben könnte, dann sollten wir uns vorher ganz genau
bewußt machen, was wir damit aufgeben.
Eine Universität, die ihre Studenten dafür bezahlt, daß
sie für sie an Wettkämpfen teilnehmen, verliert nicht
nur einen Teil ihrer Integrität als Bildungsstätte (d.h. als
unabhängiger Umschlagplatz für akademische Waren
und Dienstleistungen, Vorstellungen und Werte),
darüber hinaus trifft sie auch eine klare Aussage über
das Wesen der Wettkämpfe und ihr Verhältnis zu einer
Vielzahl anderer universitärer Freizeitbetätigungen.
Beispielsweise käme so zum Ausdruck, daß die Band,
die zur Halbzeit die Zuschauer unterhält, das aus Spaß
tut (noch nie hat jemand den Vorschlag gemacht, die
Band zu bezahlen), aber daß jemand, der einen Ball
wirft oder fängt, Arbeit leistet - wobei es von der Art
des dabei verwendeten Balles abhängt, ob diese
Betätigung als Arbeit eingestuft wird oder nicht. Ein
Football steht für Arbeit, ein Volleyball steht für Vergnügen. Was im Fernsehen übertragen wird, fällt
natürlich unter Arbeit, aber auch hier gibt es noch
Unterschiede: Die Spieler arbeiten, die Cheerleader
amüsieren sich. Körbe zu machen ist Arbeit, hinterher
beim Aufräumen zu helfen, ist schon eine Belohnung
an sich.
So würde sich die größte überhaupt denkbare Kluft
zwischen dem Sport und der gesamten restlichen Welt
studentischer Betätigungsfelder auftun, einschließlich
solch aufreibender Dinge wie wochenlanger Nachtschichten zur Fertigstellung der Jahreschronik der
Universität am Stichtag, Proben für Theateraufführungen, bis man vor Erschöpfung schielt, oder auch die
Notwendigkeit, im Labor Überstunden zu machen.
Sämtliche Torturen dieser Art werden als unentbehrlicher Teil der Universitätsjahre betrachtet, so daß man
die Institution sogar dafür bezahlt, das alles zu erleben.
Aber Basketball ist etwas ganz anderes. Für Basketball wird man von der Uni bezahlt.
Ich habe mich nicht nur deshalb so ausführlich mit
dieser hypothetischen Bedrohung auseinandergesetzt,
weil man mancherorts dazu lautstarke Warnungen
vernimmt, sondern weil das Unheil schon so nah ist.

AMERIKA DIENST 12

�Universitätssportler sind schon jetzt eine Kaste für sich
und führen ein behütetes, aber auch ein gefährliches
Leben, das dem der Angehörigen eines Kommandotrupps in Kriegszeiten nicht unähnlich ist, die sowohl
besser als auch schlechter als der Rest der Truppe
dran sind, aber auf alle Fälle immer von ihm getrennt.
Universitätssportler haben oftmals bereits ein gespaltenes Verhältnis zur Verwaltung. Es braucht nicht viel,
um aus einer Mannschaft eine Gewerkschaft zu
machen, die mit einer Beschwerdestelle und dem
fortwährenden Gefühl, Anfeindungen ausgesetzt zu
sein, ausgerüstet ist.
Und die jüngsten Fernsehpräsentationen scheinen zu bestätigen, daß man nicht
mehr weit davon entfernt ist.
Unter diesen Umständen wäre es vergebliche Liebesmüh, von moralischer Unterweisung sprechen zu
wollen, wenn man davon absieht, daß moralische
Unterweisung unvermeidbar ist. Sport ist Unterweisung, das liegt in der Natur der Sache. Er lehrt
Fairneß oder Mogeln, Teamwork oder Egoismus,
Mitgefühl oder Kälte. Ein Trainer, der im Spiel gegen
einen schwachen Gegner dafür sorgt, daß der Punktevorsprung in die Höhe schnellt, hat seiner Mannschaft
viel beigebracht. Und genau das trifft auf den oft
verleumdeten Lou Holtz zu, der am Vorabend eines
Football-Spiels um den Orange Bowl zwei starke
Spieler aus der Aufstellung der Mannschaft von Notre
Dame strich, weil sie seiner Meinung nach ihre
Verachtung für das Team ausgedrückt halten, indem
sie nicht zum Training erschienen waren. Natürlich
kann es aber auch sein, daß die beiden Spieler die Zeit
zum Lernen gebraucht haben, wobei ich nicht sagen
möchte, daß es einfache Lektionen für sie gewesen
sind.
Schulen und Universitäten lehren auch durch die ihnen
eigene Wesensart, und zwar, daß man jetzt für eine
ganze Gemeinschaft und nicht nur für sich selbst
spielt, und wenn man gewinnt, dann wird d&gt;e Gemeinschaft mit einem zusammen eine irrsinnige kollektive
Freude erleben, die früher mehr als nur ein Ausgleich
für die fehlende Bezahlung war. Obwohl es heutzutage anachronistisch und sentimental wirken muß,
auch nur davon zu reden, hat im Laufe der Jahre
gerade diese Erfahrung gleichberechtigt neben
weiteren Faktoren dazu beigetragen, den Stil des
amerikanischen Sports zu definieren, und zwar durch
die simple Tatsache, daß selbst die großen Cracks
ursprünglich vor den und für die ihnen zujubelnden
Kameraden gespielt haben, die sie am nächsten
Morgen im Unterricht wiedersahen.
In dem Maße, in dem wir das verlieren - wenn es denn
zutrifft -, verlieren wir eine Quelle wahrer natürlicher
Rohstoffe und bringen uns um eine Menge Spaß.
Aber die Möglichkeit, daß wir die Athle'en wieder
zurück in die Gemeinschaft werfen könnten, ohne den
Moloch des Universitätssports zu stören, entfernt uns
zu weit vom Sport und bringt uns zum Verhältnis der

AMERIKA DIENST 12

Rassen zueinander. An vielen Universitäten ist den
Schwarzen anscheinend sowieso nicht sehr an der
Gemeinschaft der Weißen gelegen, Sport hin oder her,
und in der Tat ist die Rassenintegration an der Universität wohl in den Sportmannschaften am weitesten
fortgeschritten. Der nächste logische Schritt wäre
dann also, daß die Sportler den Studenten die Werte
vermitteln, die sie im Sport gelernt haben - aber ich
habe Zweifel, ob der Moloch seine Athleten für diese
Zeit entbehren kann.
Wie dem auch sei und was auch immer die Akademiker addieren oder subtrahieren, die Lehre des Sports
pflanzt sich fort und ist dabei wie eine Maschine, die
nicht mehr ausgeschaltet werden kann. Das wirkt sich
auf die gesamte Gesellschaft in einer Weise aus, die
ihr selbst nicht einmal bewußt sein mag. In diesem
Zusammenhang fällt mir ein Erlebnis im Ausland ein,
das ich als ersten Beweis anführen möchte.
Vor einigen Jahren flog ich mit meinem Vater nach Port
of Spain in Trinidad, um dort ein Cricket-Spiel zwischen Australien und der Mannschaft der westindischen Inselstaaten zu sehen. (Wenn ihm der Sinn
danach gestanden hätte, wäre mein Vater sogar zum
Mars geflogen.) Das Match war frühzeitig entschieden,
so daß uns drei Tage blieben, an denen wir nichts mit
uns anzufangen wußten, und deshalb entschlossen wir
uns dann, diese Zeit im Gericht zu verbringen, dem
einer unserer Bekannten zufällig als Richter vorsaß.
Das Klima im Gebäude war drückend, und die großen
Ventilatoren an den Decken machten das Ganze nur
noch schlimmer, indem sie die feuchte Luft in den
Räumen langsam verteilten. Dennoch trugen sowohl
der Richter als auch die Anwälte Perücken und Roben
aus dicken Winterstoffen, und das Gesetz, das sie
Stunde um Stunde in der schwülen Hitze vollstreckten,
war genauso höllisch scharf und gewunden wie alles,
was man an einem kalten Tag im Gericht von Old
Bailey in London zu hören bekommen kann. Man
konnte nicht anders als eine geistige Verbindung
zwischen der sittsam-geziemenden Aggressivität des
Gerichtshofs und den weißgekleideten Figuren zu
ziehen, die wir am Vortage in der gleichen schwülen
Hitze beim Cricket-Spiel erlebt hatten, wie sie ihre
eigene Art von höflicher Härte demonstrierten.
Oberflächlich betrachtet besteht Cricket aus genauso
feingekämmter Seide wie die Regeln bei Gericht oder
der Beginn eines klassischen Kriminalromans: Die
Stimmen sind gedämpft, die Kleidung ist makellos.
Aber innerlich ist die Atmosphäre mörderisch gespannt. Während Amerikaner es bevorzugen, den
Gegner durch Krach und Unverschämtheiten einzuschüchtern, bedienen sich die Engländer und die
Bewohner ihrer ehemaligen Kolonien der Stille und
Höflichkeit eines Tyrannen, so daß der Schlagmann
bei seinem Gang zum Ausgangsmal glaubt, sein
Leben stünde auf dem Spiel.

Seite 5

�Natürlich ist dieser Zusammenhang kein Zufall, es
handelt sich vielmehr um eines der großen Klischees
des Britischen Empire. Zuerst zeigen wir euch unsere
Spiele (sagt Colonel Blimp), und dann werdet ihr
vielleicht auch unsere anderen Institutionen begreifen.
Was mich an den oben beschriebenen Episoden so
beeindruckt hat, ist die Tatsache, daß Trinidad Jahre
zuvor die britische Herrschaft triumphierend abgeworfen hatte, aber sowohl das Spiel als auch die Institutionen uneingeschränkter als je zuvor aufrecht
erhielt.
Wer die Bewohner Trinidads oder Jamaikas oder
Barbados' kennengelernt hat, dem wird ein ganz
eigener Stil aufgefallen sein - höflich, ironisch, hart -,
ein Stil, der nichts mit Rasse und sehr viel mit Kultur zu
tun hat. Und während nur ein Fanatiker behaupten
würde, dieser Stil sei vollständig aus dem Cricket
übernommen, würde ein anderer Fanatiker aus dem
gegnerischen Lager eine Aktivität vollständig ignorieren, auf welche die kleinen Leute in der Gegend mehr
Zeit verwendet haben als sie jemals in der Kirche
zubrachten und der sie mehr Aufmerksamkeit gewidmet haben als sie jemals in der Schule aufbrachten.
Als ein einheimischer Muslim vor ein paar Jahren
Amok lief und versuchte, eine Geiselnahme als
Zeichen des Protestes zu inszenieren, wie wir das aus
der übrigen Welt ja gut kennen, stellte ein ortsansässiger Professor fest: "Wir tun so etwas nicht in Trinidad.
In unserem Land wird schließlich Cricket gespielt."
Einen solchen Satz hat man in England in den letzten
50 Jahren nicht gehört.
In gewisser Weise war Cricket der Vorzeigesport des
gesamten Viktorianischen Ethos: Das Spiel, das die
meiste Geduld und die meiste Disziplin lehrte und das
während längerer Zeitspannen den wenigsten Spaß
vermittelte und am ehesten der Arbeit glich. Die
Tatsache, daß Cricket heute am besten und am
ursprünglichsten im Land des Calypso und der Sonne
gespielt wird, ist deutlicher Beleg für die Kraft des
Sports, der sich auf die ihm eigene Art durchsetzen
kann und, wo immer er Fuß faßt, seinen Stil zum
Tragen bringt, sofern ihm keine andere Sportart
zuvorkommt.
Diese letztgenannte Tatsache hat in ihrer Umkehrung
kürzlich globale Bedeutung erlangt, da sich ja die
Märkte allerorts öffnen wie Blumen im Frühling, und auf
jedem dieser Märkte werden Tausende neuer Fernsehgeräte eingeschaltet um herauszufinden, was die
übrige Menschheit die ganze Zeit so getrieben hat und
welchen Themen ihr Interesse gilt. Die aktuellsten
Botschaften aus Amerika stammen aus der Welt des
Sports, und das in einem Ausmaß, das nicht sportinteressierte Mitmenschen erstaunen mag, die wahrscheinlich denken, daß es immer noch Dinge wie
Spielfilme, Rockmusik und Fast Food sind, die auf
diese Art verbreitet werden.

Seite 6

Jedes dieser Elemente hat seine Zeit gehabt, um
Amerika anzupreisen, im Guten wie im Schlechten,
aber unsere Filme gibt es jetzt bereits so lange, daß
die Ausländer fast schon glauben, sie hätten sie selbst
gedreht. Rockmusik kann weitestgehend auch vor Ort
produziert werden, und McDonald's ist bereits zum
Klischee geworden. (Der wahre Durchbruch wäre,
wenn es genügend Nahrungsmittel für alle gäbe, egal,
wie lange die Zubereitung dauert.) Die amerikanische
Kultur hat einen derart gründlichen Triumph erlebt, daß
die Menschen kaum noch das Amerikanische daran
wahrnehmen.
Aber was immer noch neu und anders an Amerika ist,
sind die Meisterschaften des Super Bowl, die dank der
außergewöhnlich telegenen Anziehungskraft des
American Football mit der Kraft einer neuen künstlerischen Bewegung oder zumindest mit dem Schwung
eines neuen Modetanzes um den Erdball fegten. Die
Menschen in Europa und Australien bleiben die ganze
Nacht auf, um das Spektakel am Bildschirm mitzuverfolgen, und die Wettbüros in London nehmen
Wetten auf das Ergebnis an.
So öffnet sich ein weiteres Fenster der amerikanischen
Seele, und möglicherweise ist es das aufschlußreichste seit dem Jazz, durch den in den zwanziger Jahren
die schwarzen Amerikaner der übrigen Welt als etwas
anderes als Sklaven präsentiert wurden, nämlich als
wahre Meister, die ihre Kunst beherrschen. Der Sport
wird genau dasselbe tun. Aber durch die Bekanntmachung schwarzer Musiker hat der Jazz auch das
Problem der Schwarzen bekannt gemacht, und der
Sport wird das ebenfalls tun. Wenn Ausländer zum
ersten Mal unsere Mannschaften beim Football oder
beim Basketball beobachten, dann wundern sie sich
über die große Anzahl schwarzer Mitspieler, die in
diesem Land anscheinend eine Universitätsausbildung
erhalten können. Unsere Probleme müßten demnach
also gelöst sein, nicht wahr?
Nun ja, nicht ganz. Der Sport dient dazu, die Welt
daran zu erinnern, daß es in Amerika sehr viele
Schwarze gibt. Aber er erinnert sie auch daran, daß
man in der übrigen Zeit nicht so viel von ihnen mitbekommt. Wer zusieht, wie schwarze Amerikaner einen
großen Teil der amerikanischen Musik und so viele
amerikanische Korbleger machen, muß sich fragen,
was diese Menschen in der Zwischenzeit sonst noch
so tun.
Aber das Rassenproblem ist noch nicht einmal das
Entscheidende. Wie eine Nation spielt, kann Aufschluß darüber geben, wie sie lebt. Hitlers Weltbild,
sein ästhetisches Verständnis und, daraus abgeleitet,
auch seine Absichten sind nirgendwo vielsagender
und eindringlicher zum Ausdruck gebracht worden als
bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin oder in
Leni Riefenstahls Film "Olympia" (1936). Ein Blick auf
die ostdeutsche Schwimmerriege in den letzten Jahren

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�des Bestehens ihrer Nation, wie sie, steroidverquollen
und lustlos, auf ihren Sprungbrettern hockte, zeigte
uns, wie leicht der Kommunismus in eine Form des
Nationalsozialismus zurückgeglitten ist (wenn er sich
überhaupt jemals daraus befreit hatte), wo der Sieg als
das einzig Wahre galt, noch jenseits dessen, was der
theatralisch veranlagte Football-Trainer Vince Lombardi vor Augen hatte.
Ein für uns näherliegendes Beispiel der Perversion des
Sports ist der ekstatische Anarchismus britischer
Fußballfans, welche die Gewalt nach ganz Europa
trugen und aufgrund ihres Verhaltens Ende der
achtziger Jahre wie eine schlimme Krankheit oder ein
tollwütiges Tier vom Festland verbannt wurden. Ein
Land, in dem die Wiege des Parlamentarismus und
des Cricket steht und wo derartiges geschehen kann,
gibt zu denken und ist Anlaß dafür, genauere Betrachtungen anzustellen, denn es zeigt, wie sich ein anderer
Zweig des großen viktorianischen Sportabenteuers
entwickelt hat.
Das Rowdytum der Hooligans im Sport ist kein neues
Entwicklungsphänomen. Vielmehr handelt es sich um
eine Rückentwicklung oder auch einen Atavismus.
Gemäß der Legende entwickelten sich Fußball, Rugby
und damit auch American Football aus einem urzeitlichen Spiel, bei dem sich die Bewohner eines
Dorfes ohne Rücksicht auf Verluste - die Legende
berichtet über keine Regeln - bemühten, einen Gegenstand (der, wie ich vermute, nicht so ausgeklügelt wie
ein Ball war) bis ans hinterste Ende eines anderen
Dorfes zu bringen. Das war der totale Krieg, und jeder
warf sich dafür ins Zeug, und obwohl sich das heutzutage recht kurios ausnimmt, wissen wir aus historischen Aufzeichnungen, daß auch die ersten Schulwettkämpfe in England schlichtweg brutal waren und
immer wieder aufs neue entschärft werden mußten beginnend bei der Regel, nur oberhalb des Knies
zutreten zu dürfen, über die Erlaubnis, auch unterhalb
des Knies zuzutreten, bis hin zum völligen Tretverbot bevor das fromme Werk angegangen werden konnte,
das seinerzeit Thomas Arnold vorgeschwebt hatte.
(Wenn die Schlacht bei Waterloo wirklich "auf den
Spielfeldern Etons" entschieden wurde, dann ist das in
gleichem Maße auf die dort erlernte Brutalität wie auf
sportliche Fairneß zurückzuführen.)
Interessanterweise klingt die Beschreibung einer Wahl
in einem Dorf in Charles Dickens Pickwick Papers
(1837), welche die Politik in dieser Zeit veranschaulicht, wie ein nicht zu weit entfernter Cousin der
legendären Dorfspiele: rauh, korrupt und selbstverständlich heiter, immer heiter.
In dieser Phase ging es beim Cricket tatsächlich
kultivierter als bei den Wahlen zu, wie man der
Beschreibung eines Spiels in demselben Buch entnehmen kann. Cricket war der Sport der Landbewohner,
so wie Fußball der der Stadtbewohner war, doch im

AMERIKA DIENST 12

Laufe des Jahrhunderts gewannen beide Sportarten
ebenso wie die Wahlen an Differenziertheit und
Popularität; beide Bereiche stimmten ihre Schritte
aufeinander ab und paßten gut zueinander. Der Sport
lehrte die demokratischen Tugenden der Fairneß und
des Mannschaftsgeistes, und die Demokratie lehrte im
Gegenzug ihre eigenen Lektionen: Was auch immer
man euch erzählen mag, dieses Spiel gehört euch,
den Spielern. Die Regeln, so rätselhaft sie manchmal
auch erscheinen mögen, wurden euch nicht von oben
aufgezwungen, sondern sind dem Sport selbst entwachsen und so gemacht, daß das Spiel jedes Mal
möglichst gut verläuft, und so liegt es ganz einfach in
eurem Interesse, die Regeln zu beachten. (Die Idee,
die Regeln am Interesse der Zuschauer und schließlich an dem der Fernsehkameras auszurichten, kam
erst sehr viel später auf.)
Man kann den Nutzen des Sports für die Demokratie
übertreiben, was auch viele getan haben. Nirgendwo
werden aber die radikal verschiedenen Auswirkungen
desselben Spiels an unterschiedlichen Schauplätzen
so deutlich wie bei einem Vergleich zwischen Indien
und der westindischen Inselgruppe. Als Rudyard
Kipling über "in Flanell gekleidete Idioten am Mal und
schlammverkrustete Flegel im Tor" schrieb, hat er
vielleicht in einem gewissen Maße die Verzweiflung
eines kurzsichtigen, unsportlichen Mannes kundgetan,
aber es war ebenso völlig legitim, mit dem Finger auf
die selbstgefällige Engstirnigkeit der Engländer zu
zeigen, die von allen Seiten mit ihren Spielsachen
umgeben waren, mit Cricket und Football und dem
übrigen Zeug. Seine ersten Erfahrungen hiermit muß
Kipling in Indien gesammelt haben, wo die britischen
Kolonialherren es gewohnt waren, ihre Male zu
markieren und endlose Zeit dem Cricket zu widmen.
Vermutlich erlernten ihre Bediensteten die Demokratie
dadurch, daß sie für ihre Herrschaft die Fänger
spielten.
In Barbados, das sich Schritt für Schritt zur wohl
besten Cricket-Nation der Welt entwickelte, diente das
Spiel in der Tat dazu, die Sklaven ihren Herren
vorzustellen und dafür zu sorgen, daß man auch in
den Stürmen der Emanzipation noch miteinander
redete und auch danach noch freundlich zueinander
war. Ein pensionierter Lehrer, den ich im Bridgetown
Cricket Club kennenlernte, versicherte mir - nur von
Schwarzen umgeben - daß der Übergang von der
weißen zur schwarzen Herrschaft so schmerzlos
vonstatten gegangen war wie nur eben möglich, und
wenn es überhaupt so etwas wie eine farbenblinde
Gesellschaft gäbe, dann in Barbados. Und beide
Seiten sind sich darüber einig, daß Cricket daran nicht
ganz unbeteiligt war.
Das ist ein weiterer Beweis - wenn es denn noch
eines weiteren Beweises bedarf -, daß man den Sport
nicht einfach sich selbst überlassen sollte, sondern
man allerorts Intelligenz und Weitblick walten lassen

Seite 7

�muß, damit überhaupt etwas dabei herauskommt. In
Barbados hat die weiße Minderheit im Laufe der Jahre
ihre Lektion gelernt: Eine Gesellschaft, die zusammen
spielt, sollte tunlichst auch ein paar andere Dinge
gemeinsam machen, gleichgültig, ob es sich bei dieser
Gesellschaft um eine ehemalige Kolonie oder eine
amerikanische Universität handelt.
Aber letztlich liegt alles an dem, was eine Gesellschaft
von den Spielen erhofft. Die Engländer, die sich in
Barbados niederließen, wollten einen Anteil an dem
neuen Land haben, und so wurde das Spiel zu einer
Art vorläufiger Bürgerversammlung; die Angloinder
hingegen hockten quasi am Rand eines großen
Landes und setzten alles daran, nicht zu weit hineinzugeraten: Ein Kolonialbeamter, der allzu indisch
wurde, war völlig nutzlos. Deshalb war das Spiel
lediglich eine Transaktion, ein Händeschütteln, eine
einsame Begegnung am Nachmittag, wenn man so
will. Hinterher zog man sich in den Club zurück, um
das Englischsein neu zu ordnen.
Als in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts
schließlich der Himmel über ihnen einstürzte, wußten
viele Angloinder noch beinahe genauso wenig über
das Land, in das sie eingefallen waren, wie seinerzeit
bei ihrer Ankunft. Wird ein Sport zu ausschließlich
betrieben, so kann dadurch die Vorstellungskraft
eingeengt und die Neugier geschwächt werden. Am
Ende eines guten Tages fühlt man sich dann erschöpft
und befriedigt und ist sicherlich nicht in der richtigen
Stimmung, um noch etwas zu lernen, geschweige
denn, Reformen anzubringen, und die angloindischen
Cricketspieler hatten kaum Zeit gefunden, das Land
kennenzulernen, geschweige denn, sich damit wirklich
auseinanderzusetzen.
In diesem Sinne enttäuschte der Sport sogar die gute
alte Mutter England. (Auch dem Sport sind irgendwo
Grenzen gesetzt.) Die herrschende Klasse Britanniens
glaubte, die eigene Bevölkerung zu kennen, wie auch
die Kolonialbeamten geglaubt hatten, die Einheimischen zu kennen, weil sie mit ihnen gespielt hatten.
Aber sie hatten ja nur mit einigen Menschen aus der
eigenen Bevölkerung gespielt, und sie hatten nur auf
eine bestimmte Art und Weise gespielt.
Cricket spiegelte weder den Rest Englands wider noch
das Jahrhundert, in dem es angesiedelt war. Mit
wenigen Ausnahmen betrachteten britische Jungen
aus der Arbeiterklasse Cricket gar nicht als ihr Spiel,
sondern - wenn überhaupt - als Symbol im Klassenkampf. Während meiner Zeit in England in den frühen
fünfziger Jahren schienen sich die Massen am Lord's
Cricket-Spielfeld im Ton so sehr von den Massen in
Queen's Park und im Fußballfeld Fulham abzuheben
wie ein Eisenbahnabteil erster Klasse von einem Abteil
der dritten Klasse, oder die Bar in einem vornehmen
Salon von dem Tresen in einer Wirtschaft. (Die
Engländer haben ein Talent, einfach alles in Klassen

Seite 8

aufzuteilen.) Der Sport löste nicht das Klassenproblem,
sondern - falls er überhaupt etwas zu der Frage beitrug
- verfestigte es, und Fußball bleibt von seinem Ansatz
her der Sport der Ablehnung, der Sport der Außenseiter.
Sport ist deshalb also nicht notwendigerweise eine
Kraft, die Gutes hervorbringt, sondern einfach nur eine
Kraft, und sein Wert als Barometer liegt darin, daß er
nicht wie die Wachablösung vor dem Palast oder ein
anderes überkommenes Ritual ist, das einem alles,
was man über ein Land von vor 300 Jahren wissen
muß, sagt. Sport ist eher wie ein Küchenfenster zur
Gegenwart, das zeigt, was die Nachbarn unternehmen, um zu bekommen, was sie in diesem Moment
wollen, wenn sie ganz heiß auf etwas sind und sich
gleichzeitig den schärfsten Wettbewerbsbedingungen
aussetzen, die zu erdenken sie in der Lage sind.
Andere Länder, andere Botschaften.
In seinem
geistreichen und unterhaltsamen Buch You Gotta
Have Wa (1990) beschreibt Robert Whiting eine Art
des Baseball, die so mühsam und beladen mit
schmerzhaften Möglichkeiten ist, daß man sich fragt,
warum sich überhaupt jemand darum schert und es
spielt - wenn man in diesem Fall von Spielen reden
kann.
Whiting vergleicht nämlich eine typische
japanische Besprechung am Wurfmal mit einer
Vorstandssitzung bei Mitsubishi.
Was dort am Wurfmal in nervenaufreibender und die
Dynamik zerstörender Ausführlichkeit besprochen
wird, ist das absolute Gebot, eine Schande persönlicher und kollektiver Art zu vermeiden. Keiner will eine
Entscheidung treffen, durch die er oder seine Kollegen
bloßgestellt werden, und außerdem vermeiden sie,
solange sie sich dort draußen aufhalten, nicht nur das
Schlimmste, sondern sie zementieren und propagieren
ihr Wa, den Mannschaftsgeist, der noch viel kostbarer
als der Sieg ist. In diesem Sinne setzen die Japaner
auch eine Prämie für diejenigen aus, die regelmäßig
zum Training erscheinen, an dem sie in voller Länge
festhalten, auch wenn das Training wegen Regen
verzögert wird und das eigentliche Spiel verschoben
werden muß.
Es war schon immer leicht, sich über japanische
Gebräuche lustig zu machen, die Amerikaner heutzutage ohne weiteres zu verstehen nicht in der Lage
sind, und es wäre falsch, anzunehmen, daß diese
groteske Beschreibung schon die ganze Wahrheit
beinhaltet. In Japan sind Schein und Sein immer zwei
Paar Schuhe. Bisher hat sich die Baseball-Philosophie
der Japaner gegen amerikanische Mannschaften
jedoch nicht behaupten können.
Baseball ist die individualistischste aller Mannschaftssportarten, so daß es durchaus geschehen kann, daß
eine Mannschaft, in der jeder nur für sich selbst spielt,
mit Leichtigkeit ein Team schlägt, das ausschließlich

AMERIKA DIENST 12

�für das Kollektiv arbeitet. (Wieviele der selbstaufopfernden Bunt-Schläge kann man denn schon
verwandeln?) Mit anderen Worten, unser Nationalsport
ist passenderweise genau auf Amerikaner zugeschnitten: Individualismus mit einer Prise Kooperationsbereitschaft und einer Menge Toleranz gegenüber anderen
Individualisten, die einem das Herz brechen können.
Und es bleibt wohl ein Rätsel, warum die Japaner mit
all ihrer Fähigkeit zur oberflächlichen Imitation den
Wert dieser Sache scheinbar nicht erfassen können
oder wollen.
Aber Satire-Themen gibt es sicherlich auch in einem
Land wie dem unsrigen, wo die Spieler über derart
wenig Wa verfügen, daß sie eine Weltmeisterschaft
nicht dazu nutzen, ein neues Wa zu schaffen, sondern
ganz einfach dafür, ihren eigenen Preis in die Höhe zu
treiben. Obwohl jeder einzelne einen Beitrag zur
Weltmeisterschaft in einer Geisteshaltung leistet, die
leicht für Wa gehalten werden könnte, bricht die
eingeschworene Bande meist schon am nächsten Tag
auseinander, und jeder beeilt sich, seinen Anteil an der
Trophäe zu Geld zu machen. Mit anderen Worten, es
handelt sich um eine reine Ad-hoc-Zusammenarbeit.
Niemand möchte sich jedoch darin verzetteln.
Das ist wie ein Witz mit doppelter Pointe oder auch ein
Sketch, bei dem der Japaner die Tugend der Zusammenarbeit bis ins lächerliche Extrem steigert,
während der andere Sketchpartner die Regeln in das
entgegengesetzte Extrem ausdehnt und seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit verwirklicht. Die
Amerikaner haben von jeher das Bild des Freischaffenden vergöttert, der als bezahlter Killer zur rechten Zeit
erscheint und wieder geht, bevor die Zivilisation sprich die Teamarbeit - ihn einholt, und unser Herz
schlägt für denjenigen, der sich auf sich selbst verläßt.
Der Spieler, der einfach nur geduldig abwartet, riskiert
Herz, Nerven und sein Talent, denn wenn er sein
Team nicht voranbringt, kann er sich mit dem Geld
nicht einfach in einer Ecke vergraben; er muß jeden
Tag raus und vor Tausenden von lärmenden und leicht
zu verärgernden Fans, deren Sympathien er so
bereitwillig verspielt hat, seine Position im Feld einnehmen.
Die Amerikaner lieben den Ausgestoßenen, aber es
muß ein Ausgestoßener erster Klasse sein, der sich
um der Herausforderung willen dem Haß aussetzt. Die
Hälfte aller amerikanischen Situationskomödien
scheint darum zu gehen, daß die Mächtigen in irgendeiner Form erniedrigt werden - so die Berühmtheit, die
nicht erkannt wird oder der Vater, der am Ende nicht
recht behält. In einer Demokratie ist das ein Quell
endlosen Vergnügens. Deshalb spielt also ein Sportler, der die Zuschauermassen anzieht, indem er mit
einem solchen Vergnügen lockt, seine Rolle in einem
rituellen Spiel, das für Amerika genauso traditionsreich
ist wie die Teezeremonie in Japan.

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Aber wie bei allen Ritualen gibt es eine richtige und
eine falsche Art der Ausführung. In der letzten Zeit
sind derart viele aufgeblasene Angeber und falsche
Champions auf den Plan getreten, daß es schwerfällt,
sich an die mit einer wahren Herausforderung verbundene Aufregung oder an die kleine Prise des Besonderen, die so einem Ereignis hinzugefügt werden
kann, zu erinnern, wie beispielsweise ein hoher
Wetteinsatz in letzter Minute. Mohammed Alis erfundene Fehden und Prahlereien, die eines Falstaff
würdig waren, füllten nicht nur die Zuschauerränge,
sondern wirkten sich auf das innere Wesen seiner
Kämpfe aus: Seine Gegner kämpften stets gegen
einen Mythos an, gegen seinen Mythos, der von ihm
geschaffen und gelenkt wurde, was bereits beim
Namen anfing.
Heute sollte jedermann an die verrückten Tänze, die
nach einem Touchdown vollführt werden, und die
wilden Umarmungen und das Füßetrampeln, das die
meisten Football-Begegnungen begleitet, gewöhnt sein
- sind sie doch Ergüsse einer Hochstimmung, die
teuflisch ablenken und die Symmetrie des Spiels außer
Kraft setzen können, ähnlich wie Blechdosen in einem
Sinfoniekonzert, die uns aber gleichzeitig daran
erinnern, daß die eigentliche Grundlage des Spiels der
Spaß ist und die schwer gerüsteten Maschinen-Menschen auf dem Spielfeld doch noch eine Spur
Leben in sich tragen. Es ist ein gerechter Tausch Vollkommenheit gegen Menschlichkeit - geradewegs
so, wie wir es heute nun einmal tun.
Aber dieses Schauspiel hat auch eine weniger schöne
Seite zu bieten, die ebenfalls etwas über uns aussagt,
und das ist das Ausmaß, in dem sogar die Mannschaftssportarten zum Instrument der Selbstbehauptung und -Vermarktung geworden sind. Manchmal
scheint jeder einzelne Spieler da draußen sich selbst
zu verkaufen, was viele von ihnen seit ihrer Mittelschulzeit in der Tat getan haben. Wie ja auch große
Flöhe von kleineren Flöhen befallen sind, gibt es
heutzutage keine Ebene des sportlichen Wettkampfs,
die zu niedrig wäre, als daß nicht ein Zuschauer aus
einer etwas höheren Ebene als Talentsucher aufträte
und ad infinitum nach neuen Begabungen suchte. Auf
diese Weise wird das Leben zu einer langen Suche
nach dem kritischen Blick des geheimnisvollen
Talentsuchers.
In Diskussionen über den Sport muß man fortwährend
der Versuchung widerstehen, das als böse zu titulieren, was ganz einfach nur dumm ist. Ausländer
werden wohl nie das Ausmaß begreifen, in dem
Amerikaner Spaß haben und sich gleichzeitig verkaufen können. Sich verkaufen kann natürlich jeder, aber
das so überschwenglich und ohne deutlichen Zynismus oder die geringste Spur von Nuttigkeit zu tun,
das können nur wir.

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�Aber letzten Endes ist das alles sinnlos. Ein Stadion
voller Verkäufer, voller Marktschreier, die ihre Ware
anpreisen, wird nicht nur dafür sorgen, daß es nicht
das beste Football-Spiel (oder welches Spiel auch
immer) wird, sondern auch dafür, daß nichts verkauft
wird.
Denselben Rundumschlag haben Angeber ä la Joe
Namath mit leeren Versprechungen vorgenommen, vor
allem mit der Mega-Prahlerei schlechthin, daß ein
Spieler die höchste Summe in der Geschichte des
Sports verlangt, um für ein bestimmtes Team zu
spielen. Zunächst lautete das Geschäft wie folgt: "Gib
mir dein Geld, und ich werde beweisen, daß ich der
Beste bin." Dieser Satz ist nun aber entartet und heißt:
"Wenn ich das Geld kriege, dann muß ich ja wohl der
Beste sein, und beweisen muß ich euch gar nichts."
Die einzige Lücke in dieser Argumentation, die groß
genug ist, um eine ganze Sportart aufzunehmen,
besteht darin, daß der Marktwert sich dadurch bestimmt, auf die breiten Massen eine Anziehungskraft
auszuüben, und neben den Fähigkeiten sind es eine
Menge anderer Dinge, die Massen anziehen.
Mit unseren Sportlern offerieren wir der Welt also eine
bunte Mischung, was auch auf unsere Werte im
allgemeinen zutrifft. Die Figur eines schöntuerischen
Größenwahnsinnigen hat nicht mehr das Geringste mit
dem sportlichen Ideal des 19. Jahrhunderts zu tun,
oder auch mit dem Grund, warum wir überhaupt
Wettkampfspiele veranstalten. Ein solcher Sportler
oder eine solche Sportlerin ist auch irgendwie eine
Karikatur und eine Warnung. Die Tatsache, daß wir
noch vergleichsweise wenig Größenwahnsinnige
haben, ist ein Tribut an die dem Sport innewohnende
gesunde Natur unter dem unglaublichen Druck des
Persönlichkeitskultes.
Eine Sportmannschaft ist ein kleines Parlament, das
auf der Grundlage einer Kriegserklärung arbeitet. Es
wird durch den oft schlechtgemachten Siegeskult
zusammengehalten und am Leben erhalten. Senator
Bill Bradley, ein Demokrat aus New Jersey und
früheres Mitglied der Profi-Basketballmannschaft der
New York Knicks, wurde einmal von einem Journalisten gefragt, ob er nicht meinte, daß die Siegesmanie
bei uns übertrieben wird, wobei er offensichtlich
erwartete, daß der liberale Bill ihm aus vollstem
Herzen zustimmen würde. Aber Bradley wußte zu gut
Bescheid, er hatte ja selbst auf dem Schlachtfeld
gestanden, wo falsches Mitleid genauso wenig bringt
wie in einem richtigen Krieg, und so sagte er: "Nein denn wenn man das Siegen nicht über alles andere
stellt, neigen die Spieler dazu, egoistisch zu werden."
Eine Mannschaft, die gewinnen will, wird sich wie eine
Katze von allem befreien, das ihr Tempo mindert. Will
ein Sportler also angeben und sich selbst darstellen,
so muß er einen Weg finden, das zwischen einzelnen

Seite 10

Pässen oder zwischen einzelnen Spielen zu tun, und
zwar so, daß er das Rampenlicht nicht vollständig
absorbiert und die Mannschaftskameraden, von denen
sich ja vielleicht auch der eine oder andere in Szene
setzen möchte, nicht im Dunkeln stehen läßt. Damit
gelangen wir nun zu einer Gattung disziplinierter
Exhibitionisten, allesamt umgängliche Egotisten, die
nichts so sehr lieben wie abgelichtet zu werden,
während sie gerade ihren Mannschaftskameraden
gratulieren, oder auch interviewt zu werden ("Ich
schätze, keiner kannte Babe Ruth so gut wie ich.") - in
der Tat eine bunte Mischung.
Aber diese Spieler sind ein vereinzeltes Phänomen
unter völlig normalen jungen Leuten, die ihr Land im
Zeitalter des Sports wahrscheinlich genauso einnehmend und korrekt vertreten wie alles, das die Welt
von uns seit den Gls im Zweiten Weltkrieg zu sehen
bekommen hat - und das ebenfalls eine bunte Mischung war. Aber was an ihnen so einnehmend wirkt,
ist eben jene weder von Geld noch vom Fernsehen
verdorbene Kernsubstanz, oder was davon übrig
geblieben ist - eine volkstümliche Eigenart, die der
Sport trotz aller Widrigkeiten aufrechterhält wie eine
alte Religion in einem modernen Land. Das Fernsehen verändert vielleicht das äußere Erscheinungsbild
und auch die Kosten oder sogar die Art und Weise, wie
einige Sportler darüber denken, aber wer das Glück
hatte, mitzuerleben, wie die amerikanische Eishockeymannschaft 1980 in Lake Placid die Russen das
Fürchten lehrte und wie diese Leistung den Spielern
und Fans erst allmählich bewußt wurde, war bei einer
Stemstunde des amerikanischen Sports dabei, die vor
hundert Jahren genauso ausgesehen hätte und sich
auch morgen so ereignen könnte, wenn wir keine
Fehler machen - und wogegen ein Parteitag inzwischen gänzlich gestellt und künstlich sowie im Widerspruch zu seiner eigenen Wesensart erscheint.
Es ist eine große Versuchung zu sagen, daß das, was
der Sportler dem Sport abgewinnt, und was er aus
seinem Leben macht, seine Privatangelegenheit ist
und niemanden etwas angeht. In der Tat ist es aber
ein Anliegen von beträchtlichem öffentlichen Interesse,
daß er so viel wie möglich aus beidem herausholt, weil
der Grat zwischen dem, was ein erfüllter Sportler vom
Leben haben kann und der kaputten Welt des schienbeintretenden Rowdy-Sportlers gefährlich schmal ist,
und zur Zeit wandeln mehr junge Mitbürger darauf als
jemals zuvor in der Geschichte, sei es unsere eigene
oder die der anderen.
Ein Spieler, der über sein Tun nicht nachdenkt, ist wie
ein ungesichertes Gewehr, selbst für seine eigene
Sportart. Da er nicht ganz sicher ist, warum er das
alles tut, tendiert er zur naheliegenden Erklärung: Es
muß am Geld liegen. Und warum auch nicht? Aus
diesem Grund macht es ja auch der Trainer, der
nebenbei einen Vertrag mit dem Sportschuhhersteller
hat, in dessen Produkten unser Spieler jeden Abend

AMERIKA DIENST 12

�antreten muß. Und aus diesem Grund macht es ja
auch die Uni, die danach schielt, an den großen
Ausscheidungen teilzunehmen und im Fernsehen
übertragen zu werden, wofür im Notfall auch die
Unterrichtszeit des Spielers auf null Stunden herabgesetzt wird.
Zu unser aller Glück ergibt sich die beste Gelegenheit
für den Spieler, Geld zu verdienen, aus der Chance,
das Spiel so gut zu spielen, wie er eben kann. Und
das ist auch der Grund, weshalb das System trotzdem
noch zu funktionieren scheint. Aber, wie ich bereits
sagte, ein Spieler mit einer derartigen Motivation ist wie
ein ungesichertes Gewehr. Denn bekommt er kein
Geld oder irgendeine Art von Belohnung neben der
reinen Freude am Spiel, dann kann man bestenfalls
auf seine Unzufriedenheit hoffen, schlimmstenfalls auf
Mogelei und im Normalfall auf Rückzug.
Der Sport in Amerika ist in immer stärkerem Maße
darauf ausgerichtet, den Anschein zu erwecken, daß
alles, was man tut, an etwas anderem orientiert ist das Spiel am Wettkampf, der Wettkampf an einem
wichtigeren Wettkampf im nächsten Jahr, an einer
besseren weiterführenden Schule, einer Universität,
der Profimannschaft, Siege mit der Profimannschaft,
mehr Geld in der Profimannschaft (sonst gehe ich zu
einer anderen, egal welcher), Vertragsklauseln,
Manager, Verdienstmöglichkeiten - so daß man nur
schwerlich zu einem bestimmten Zeitpunkt sagen
kann, das wäre jetzt der Grund. Der Amerikanische
Traum stellt sich derzeit wie ein Befehl dar, sich
weiterzubewegen, bis man von der Kante des Kontinents kippt, und auf gar keinen Fall aufzuhören zu
träumen.
Eine Konstante in dem Ganzen ist natürlich das Geld,
das in jedem Kapitel wie Woody Aliens rätselhafte
Figur des Zelig erscheint und dem Träumer wenigstens etwas Kontinuität gewährleistet. Die psychologische Bedeutung dieser Figur kann man vielleicht nach
der Intensität beurteilen, mit der Ballsportler um
bedeutungslose Zuschläge auf ohnehin schon hohe
Grundgehälter handeln, um aus ihrer jeweiligen
Position das meiste herauszuholen: Wenn man immer
nur wegen des Geldes gespielt hat, dann kann man
jetzt nicht aufhören, obwohl derjenige am meisten
erhält, dessen Vertrag am neusten ist, so daß es
niemals eine Pause gibt.
Die andere Konstante, die sich durch alle Phasen der
Sportabteilung des Amerikanischen Traumes zieht, ist
das Spiel selbst - Baseball, Football, was auch immer
- das, wie eine einsame Heldin des 18. Jahrhunderts,
für gewöhnlich aus dem Labyrinth der Versuchung und
Korruption mehr oder weniger unbeschadet ihrer
Tugenden herausfindet, wenn auch nur, weil bisher
niemand eine gewinnträchtige Art ersonnen hat, es zu
korrumpieren. Im Gegensatz zu Spielfilmen und
anderen Künsten sind Mannschaftssportarten nie

AMERIKA DIENST 12

kommerzieller als wenn sie genau nach Regel gespielt
werden. Selbstverständlich wird das, wenn eine
Kleinigkeit dazu beitragen könnte, den Wettkampf noch
kommerzieller zu machen - dieses entfernen, jenes
kürzen, ein ernannter Schlagmann hier und eine
24-Sekunden-Uhr da - auch getan, aber das Herz des
Sports bleibt rein. Ein Turner, der die rutschige Stange
hinaufklettert, wird dort oben an ein ähnliches Spiel
erinnert, das er als Kind immer gespielt hat - und das
wird für seine Unschuld dort oben garantieren, wenn
sie überhaupt durch irgend etwas gewährleistet
werden kann.
Für Frauen stellt sich hier unter Garantie eine neue
Frage - zu neu, um sie zu beantworten, aber nicht zu
neu, als daß man nicht darüber reden sollte. Wenn
nämlich bestimmte Sportarten in gewisser Weise eine
Lehrzeit zur Vorbereitung auf die Welt der Politik und
der Unternehmen sind sowie eine Flucht daraus, dann
könnte man argumentieren, daß eine große Zahl
Frauen auch diese Sportarten betreiben wollen, wobei
es dahingestellt sei, inwieweit die Spiele ausschließlich
von Männern für Männer geschaffen worden sind beispielsweise Football, wo die wöchentliche Statistik
über Verletzungen wie eine abgemilderte Variante der
Inschrift eines Kriegerdenkmals anmutet.
Deshalb können wir also möglicherweise in Kürze mit
einigen neuen Regeln rechnen, oder sogar auch mit
einem ganz neuen Spiel - doch was ist hierfür die
Richtschnur? Die Frauen waren bisher nur wenig
erfolgreich in ihrem Bemühen, die Geschäftswelt oder
die Politik "freundlicher und sanfter" zu gestalten, weil
die Materie selbst das nicht gestattet: Man kann mit
Aktionärsgeldern nicht freundlich umgehen oder zu
Saddam Hussein sanft sein; man kann ja nicht einmal
sanft gegenüber Margaret Thatcher auftreten, wenn in
ihrem Land etwas nicht stimmt.
Wird sich jedoch der Sport als deutlicher formbar
erweisen? Wieviel Reform ist tragbar, ohne daß die
ursprüngliche Absicht verlorengeht? Die Sachlage läßt
bisher erkennen, daß der Trend üblicherweise in die
entgegengesetzte Richtung geht, so daß der Sport die
Spieler ändert, lange bevor sie den Sport verändern
können. Die meisten Spiele, gleichgültig, ob sie am
Spieltisch oder im Stadion gespielt werden, bestimmen
auf unerklärliche Art nicht nur ganz genau, wie gespielt
werden soll, sondern auch, mit welcher inneren
Einstellung, so daß selbst der sanfteste aller Zeitgenossen plötzlich sein wutverzerrtes Gesicht Stirn an
Stirn mit dem des Schiedsrichters wiederfinden kann,
ohne daß er sich bewußt wäre, wie es dazu kommen
konnte. Und das scheint immer zu gelten, egal, ob
man Andre Agassi oder Martina Navratilova heißt.
Derartige protokollarische Fragen können jedoch
durchaus geklärt werden. Was allerdings nicht geklärt
werden kann, ist das andere, was der Sport bestimmt,
nämlich, daß man die jeweilige Sportart immer so hart

Seite 11

�wie möglich spielen wird, da Gewalt das unvermeidliche und oftmals berauschende Nebenprodukt ist, das
entsteht, wenn man den Fuß von der Bremse nimmt
und zusieht, zu was der Körper imstande ist. Und das
ist ein Bestandteil des Sports, den man nicht wegnehmen kann, ohne den Punkt dahinter zu verlieren.
Wenn man möchte, kann man Boxsportlern Helme
aufsetzen, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren,
und man kann den Star der Mannschaft von der
Quarterback-Position auf die Strafbank schicken, um
so den Spielstand niedrig zu halten, was man jedoch
nicht tun kann, ist, diesen Sportlern zu sagen, die
Sache leicht zu nehmen oder "ein Einsehen zu haben".
Und das, und nicht der körperliche Schmerz, ist
sicherlich der für viele Frauen am schwersten zu
schluckende Aspekt des Wettkampfsports, nämlich die
absolute Unversöhnlichkeit und das eiskalte Beharren
auf den Regeln, das einem das Herz brechen kann,
selbst wenn man sanftestes Touch-Football in einer
Ritterrüstung spielte.
Sport ist tatsächlich genauso gefühlskalt wie das
Leben selbst. Der Schiri erteilt Strafstöße gegen die
Mannschaft, selbst wenn sie mit 50 Punkten im
Rückstand ist, und die Punktetabelle zeigt auch
nachträglich kein geschöntes Ergebnis an, das es
gestattete, sich besser zu fühlen. Es gibt keinen
besseren Ort als das Spielfeld, um die Selbstachtung
gründlichst zu zerstören - und das gilt ebenso für das
Schachbrett, wo ein "Schachmatt in drei Zügen"
schlimmer schmerzen kann als ein Angriff von hinten,
bei welchem der Football-Spieler eine Fraktur beider
Beine erleidet. Was man als Gegenleistung für die
rituellen Erniedrigungen bekommt, ist ein Fingerhut
voller Selbsterkenntnis, einen kleinen, aber kostbaren
Eindruck davon, wie das wirkliche Leben funktioniert,
und soviel an Selbstachtung, wie man sich mittels

*

Seite 12

Schweiß und Muskelarbeit verdienen kann - und
hierbei zeigt sich der Sport etwas nachgiebiger: Er
verleiht Nieten, die sich ernsthaft anstrengen, fast
genausoviel Selbstzufriedenheit wie den Champions.
Auf diese Art haben sich die Männer der Moderne in
den zurückliegenden 150 Jahren auf das Leben
vorbereitet. Wenn eine bedeutende Anzahl von
Frauen sich dazu entschließen würde, denselben Weg
einzuschlagen - und es gibt Anzeichen dafür - so wird
das, wenn schon nichts anderes dabei herauskommt,
die unerschütterlichste aller Binsenwahrheiten auf die
Probe stellen, nämlich daß die Männer von Natur aus
gerecht und die Frauen gnädig sind. Es scheint nur
rechtens anzunehmen, daß Männer nicht im eigentlichen Sinn als Gerechte geboren werden, doch wird
ihnen das aufgedrängt, sobald sie zum ersten Mal
jemanden beschummeln wollen, oder wenn jemand sie
beschummeln will und ihnen dann klar wird, daß
Gerechtigkeit die größte Liebenswürdigkeit ist, die man
zwei Menschen mit auseinanderstrebenden Interessen
zur gleichen Zeit gewähren kann. Nachdem man
lange genug einen Sport gespielt hat, wird die dann
noch verbliebene Liebenswürdigkeit in der Tat sehr
stabiler Natur sein - und natürlich ist die Großzügigkeit
der Athleten gegenüber ihren Mannschaftskameraden
legendär, was auf die Gegner beinahe im gleichen
Maße zutrifft. Worauf man hoffen könnte, wäre, daß
die Frauen oder sonst jemand dieses Kirchturmdenken
aufbrechen, damit der Rest der Welt daran teilhaben
kann.
Wenn das jemals geschehen sollte, bleibt mir nur noch
festzustellen, daß es um ein Vielfaches leichter wäre,
als Fürsprecher der Segnungen des Sports aufzutreten, als es mir in diesem Beitrag möglich gewesen
ist.

*

AMERIKA DIENST 12

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Sicherheit im 21. Jahrhundert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Anthony Lake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die doppelte Erweiterung der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Senator Richard Lugar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;50 Jahre Amerika Haus Frankfurt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Gesandten J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sport&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum Sport das Spiel macht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Wilfrid Sheed&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Juli 1978

17

I N H A L T

INFORMATION
Carter-Besuch unterstreicht Bedeutung der Bundesrepublik
WIRTSCHAFT
Blumenthal umreißt Themen des Bonner Wirtschaftsgipfels
- Rede des US-Finanzministers vor dem Nationalen Presseklub Bonner Wirtschaftsgipfel ein Schritt auf dem Wege zur Weltwirtschaft
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake HINTERGRUNDMATERIAL
Neue Richtlinien für US-Raumfahrtprogramme
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gasmassen im Sonneninnern rotieren verschieden schnell
- Neue Forschungsergebnisse könnten Sonnenfleckenzyklus aufklären helfen
Eine "unnatürliche" Aluminium-Legierung
- Besondere Vorzüge: Höhere Festigkeit, geringeres Gewicht -

Um Übcr/cndunQ von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Juli 1978

17

CARTER-BESUCH UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER BUNDESREPUBLIK

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische Regierungsvertreter in Washington erklärten, der am 14. und 15. Juli 1978 stattfindende Staatsbesuch Präsident
Carters in der Bundesrepublik Deutschland unterstreiche die wichtige Rolle,
die die Bundesrepublik in Europa spiele.
Im Rahmen eines Informationsgespräches am 7. Juli im Zusammenhang mit
der Reise bezeichneten diese Kreise die Bundesrepublik als einen der Hauptverbündeten der USA. Zwischen Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt bestünden sehr enge Beziehungen.
Nach Mitteilung der amerikanischen Regierungsvertreter werden die beiden
Staatsmänner die Ost-West-Beziehungen, einschließlich der Gespräche über die
Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) und der Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR), erörtern.

Weitere

Gesprächspunkte werden die Ereignisse in Afrika sein - Bundeskanzler Schmidt
ist erst kürzlich von einer Afrikareise zurückgekehrt - sowie die Situation
im Nahen Osten, wobei Präsident Carter Bundeskanzler Schmidt über die Ergebnisse des Besuches des amerikanischen Vizepräsidenten Mondale in Israel und
Ägypten unterrichten wird.

Ferner wollen die beiden Staatsmänner über das

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO sprechen und einen Meinungsaustausch über Fragen führen, die auf dem am 16. und 17. Juli in Bonn stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel erörtert werden sollen.
Nach Ansicht der amerikanischen Regierungsvertreter sind von den Gesprächen zwischen Carter und Schmidt keine wesentlichen neuen Initiativen in
bezug auf die MBFR-Verhandlungen zu erwarten, wobei von diesen Kreisen darauf hingewiesen wurde, daß der Westen gegenwärtig den jüngsten sowjetischen
Vorschlag für eine Truppenreduzierung überprüft.

Hinsichtlich der SALT-Ge-

spräche erklärten die amerikanischen Regierungsvertreter, daß die Carter-Administration

die europäischen Verbündeten umfassend über die Verhandlungen

mit der Sowjetunion unterrichtet habe.

Es gäbe einige Fragen der nuklearen

Abrüstung, die für Westeuropa von besonderer Bedeutung seien, und darüber
stünden die USA in kontinuierlichen Erörterungen mit ihren NATO-Verbündeten.
Die amerikanischen RegierungsVertreter wiesen ferner darauf hin, daß die
Inspizierung amerikanischer und deutscher Truppen während des Staatsbesuches
die Verpflichtung der USA gegenüber dem NATO-Bündnis noch unterstreiche.

+ + + + +

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
17

12. Juli 1978

BLUMENTHAL UMREISST THEMEN DES BONNER WIRTSCHAFTSGIPFELS
- Rede des US-Finanzministers vor dem Nationalen Presseklub

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal
hat in einer Rede vor dem Nationalen Presseklub in Washington am 30. Juni 1978
die Themen des kommenden Wirtschaftsgipfels in Bonn umrissen.

Die Rede hat

folgenden Wortlaut:

Präsident Carter wird in Kürze in Bonn mit den Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland, Japans, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Kanadas zusammentreffen, um gemeinsame Wirtschaftsprobleme und mögliche miteinander abgestimmte Lösungen zu erörtern.

Wir wissen seit langem, daß die po-

litischen Schicksale Europas, Japans und Nordamerikas unauflöslich miteinander
verknüpft sind.

Wir sind auch zu der Erkenntnis gekommen, daß die Verknüpfung

unserer Länder in wirtschaftlicher Hinsicht genau so weitgehend ist.

Die Zu-

nahme des internationalen Handels, der Investitionen, der Banktätigkeit, der
Produktion und der Lizensierung in der Zeit nach dem Kriege hat eine neue und
völlig interdependente Weltwirtschaftsstruktur geschaffen.

Obwohl die innen-

politische und wirtschaftliche Situation in jedem Industriestaat einmalig und
spezifisch ist, so kann doch keiner von uns auf irgendeinem

Gebiet einseitig

vorgehen, ohne daß es sich auf die anderen auswirken würde.
Es

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es besteht für uns die kollektive Notwendigkeit, eine angemessene Vereinbarkeit zwischen unseren binnenwirtschaftlichen und unseren weltwirtschaftlichen Zielen zu gewährleisten.

Das ist kein eigentlich neues Problem, aber

es hat durch das außerordentliche Wachstum und die grundsätzlichen Veränderungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen während der letzten Jahre
eine neue Dringlichkeit erlangt.
Es gibt heute Probleme, denen man sich stellen muß. Die Arbeitslosigkeit ist noch immer überall eine Gefahr.

Die inflationären Kräfte, die An-

fang der siebziger Jahre in Gang gesetzt wurden, sind noch nicht überwunden.
Die Anpassung an die Umwälzung durch die öl Preiserhöhung muß noch vollzogen
werden.

Es bestehen riesige Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen und

diese wirken sich weiterhin auf die Devisenmärkte aus. Der Protektionismus
bedroht unser gemeinsames Wohlergehen.
Die Staats- und Regierungschefs in Bonn wissen, daß - will man diese
Probleme überwinden - man sie alle zusammen anpacken muß oder aber erfolglos
bleibt. Aber die Lösung dieser unserer Probleme ist durchaus nicht einfach. ••
Trotz besten Willens auf allen Seiten bringt der vor uns liegende Weg für uns
alle eine Reihe von Hindernissen. Jeder von uns geht von einer unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangsposition aus, sei es,was die wirtschaftliche
Leistung anbetrifft, oder in bezug auf den Wiederaufschwung nach der Energiekrise von 1974 und der Rezession von 1975 oder in bezug auf die äußere Zahlungsbilanzposition. Und, was sehr wichtig ist, jeder von uns muß die spezifischen Umstände im eigenen Lande berücksichtigen.
Ein Gipfel kann daher auch nicht ein Ereignis dramatischer Beschlußfassungen sein, auf dem sofortige Lösungen für tief verwurzelte Probleme verkündet werden. Wir haben es mit schwierigen strukturellen Problemen zu tun,
die erst einmal verstanden werden müssen, und sobald man sie verstanden hat,
einer geduldigen und anhaltenden kooperativen Anstrengung bedürfen. Das ist
die eigentliche "big story" - die große Sache - der Gipfeltreffen.

Das

�Das allem Anschein nach einfache jedoch in Wirklichkeit komplizierte
Ziel der Staatschefs in Bonn besteht darin, ein allgemeines Verständnis für
jene Art von Brückenschlag zur Verbindung der unterschiedlichen makroökonomischen und anderen politischen Maßnahmen zu erzielen, wie es für anhaltendes
wirtschaftliches Wachstum und Stabilität notwendig ist.
Zu diesem Zweck werden die Teilnehmer am Bonner Gipfel eine Reihe von
Problemgebieten erörtern - Wachstum, Arbeitsplätze und Inflation, Energie,
internationale Währungsfragen, Handel und die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern.

Wachstum, Arbeitsplätze, Inflation
Die Vereinigten Staaten kommen auf ihrem Expansionskurs gut voran. Wir
konnten uns von der Rezession des Jahres 1975 rasch erholen und eine reale
Wachstumsrate unseres Bruttosozialproduktes in Höhe von 6,0 Prozent für 1976
und von 4,9 Prozent im vorigen Jahr verzeichnen. In den 38 Monaten der Expansion konnten 9,7 Millionen Arbeiter neu eingestellt werden. Dabei sank
der Prozentsatz der Arbeitslosen von 9,1 Prozent, den er in der Spitze im Mai
1975 erreicht hatte,auf 6,1 Prozent im Mai dieses Jahres. Durch Wachstum im
eigenen Land und Ansteigen der Importe haben die Vereinigten Staaten der Beschäftigungslage in anderen Teilen der Welt einen starken Impuls gegeben.
Unsere Partner des Wirtschaftsgipfels haben weniger spektakuläre Wachstumsraten zu verzeichnen. So lag beispielsweise das Wachstum in der Bundesrepublik
Deutschland im vorigen Jahr bei 2,4 Prozent. Das Wachstum in Frankreich betrug 2,9 Prozent, in Italien 1,7 Prozent, in Kanada 2,6 Prozent und in Großbritannien 0,5 Prozent. Japan konnte mit respektableren Wachstumsraten von
6,3 Prozent und 5,1 Prozent aufwarten, dies gelang ihm aber mehr durch eine
weitere Steigerung der Exporte als durch einen Anstieg der Nachfrage im eigenen Land.
Verstärkt

�Verstärkt durch zeitlich begrenzte Einflüsse hat sich die Inflationsrate für Verbrauchsgüter in den Vereinigten Staaten jetzt einem zweistelligen Wert zu nähern begonnen.

Nach unseren Erwartungen dürfte die Gesamtin-

flationsrate in diesem Jahr bei rund 7 Prozent liegen.
Fall akzeptabel.

Das ist auf keinen

Es hemmt die Spar- und Investitionstätigkeit im eigenen

Lande und beeinträchtigt das Vertrauen in den Dollar im Ausland.
dringend notwendig, die Inflationsrate zu senken.

Es ist

Unsere Partner auf dem

Weltwirtschaftsgipfel erwarten - so wie wir es von uns selbst fordern - daß
wir die Inflation an ihren Wurzeln anpacken, um so auf einem gesunden Wachstumskurs weiterschreiten zu können.
Diesem Zweck dienten die von Präsident Carter am 11. April angekündigten neuen Maßnahmen, die darauf abgestimmt waren, dem inflationären Druck
entgegenzuwirken.

Der in seiner Rede angekündigte Komplex politischer Maß-

nahmen wird von uns nun mit aller Energie durchgeführt.

Wir haben die von

uns vorgeschlagene Steuersenkung reduziert und hinausgeschoben, aber sie so
strukturiert, daß die Expansion von neuen Investitionen in Fabrikanlagen
und Kapazitäten in den Jahren 1980 und 1981 ermutigt wird.

Wir bemühen uns

um eine möglichst starke Drosselung der Ausgaben für die Haushalte der Finanzjahre 1979 und 1980 und sind entschlossen, bis zum Jahre 1981 den Bundeshaushalt dem Ausgleich nahezubringen.

Wir haben Maßnahmen getroffen, um

die inflationäre Auswirkung zu reduzieren, die von regulatorischen Bestimmungen und Beschaffungspraktiken der Regierung ausgehen.
für Fleischimporte heraufgesetzt.

Wir haben die Quoten

Wir gehen den schwierigen Weg, die Lohn-

und Gehaltserhöhungen der Bundesangestellten zu begrenzen.

Und von hier aus-

gehend führen wir eine entschlossene Kampagne, um die Lohn-, Gehalts- und
Preisanstiege im privaten Sektor zu Verlangsamen.
Es ist wichtig, die Maßnahmen zu unterstreichen, die wir zur Unterstützung
eines künftigen nicht-inflationären Wachstums ergreifen.

Das vom Präsidenten

vorgelegte Steuerpaket fordert eine Reduzierung der Körperschafts- und Einkommenssteuersätze und eine Liberalisierung der Steuerabschreibungen für Investitionen.

Das würde die das Kapitaleinkommen hauptsächlich belastenden

Steuern um rund 7 Milliarden Dollar reduzieren und die Ertragslage und den
- 4 -

�den Bargeldfluß für alle produktiven Unternehmen steigern.
Eine zweite entscheidend wichtige Anstrengung liegt im Bereich unserer
Haushaltspolitik.

Wir unternehmen jede Anstrengung, um die Bundesausgaben

als prozentualen Anteil unseres Bruttosozialproduktes zu verringern und exzessive künftige Ausgabenansätze, die über das Jahr 1980 hinausreichen, zu
verhindern.

Unser Ziel ist es, das Haushaltsdefizit für das Finanzjahr 1980

unter die 40 Milliarden Dollar Grenze zu bringen, was gemessen an den derzeitigen Zahlen eine Senkung um 10 Milliarden Dollar ausmachen würde.
leichte politische Aufgabe.

Das ist keine

Trotz der landauf,landab zu vernehmenden Forderun-

gen nach einer Verringerung der Regierungsausgaben, spricht doch alles dafür,
daß jeder Kongreßabgeordnete und jeder Senator - in diesem Falle also jedes
einzelne Kongreßmitglied - mit aller Energie darum kämpfen wird, Abstriche
bei seinen Lieblingsprogrammen zu verhindern.

Aber diese Aufgabe muß ange-

packt werden, und Präsident Carter ist dazu entschlossen.
Unser Programm zur Bekämpfung der Inflation stellt einen entscheidenden
Beitrag zu den Bemühungen dar, die durch das Bonner Gipfeltreffen zum Ausdruck
kommen.
Aber wenn uns auch ohne Frage die Aufgabe zufällt, unsere Inflationsrate zu senken, so müssen doch diejenigen, die Raum genug für ein nicht-inflationäres Wachstum haben, Mittel und Wege für eine Expansion finden, um
ihre Volkswirtschaften gesund zu erhalten und zur wirtschaftlichen Erholung
der Welt beizutragen. Mit diesem Ziel vor Augen werden die Teilnehmer der
Gipfelkonferenz die Möglichkeiten anderer Regierungen - insbesondere Deutschlands und Japans - zur weiteren Stärkung ihrer binnenwirtschaftlichen Nachfrage erörtern.

Währungsfragen
Die Notwendigkeit für eine deutsche und japanische Expansion reicht über
das einfache, jedoch zentrale Problem der Beschäftigung hinaus.
- 5 -

Ganz ohne

�ohne Frage muß die Auswirkung des Absinkens des Dollarwertes auf die Stabilität des Weltwährungssystems ein Anliegen der Teilnehmer des Wirtschaftsgipfels,
einschließlich unseres Präsidenten, sein.

Solche Besorgnisse sind verständ-

lich in einer Welt, in der auf die USA 40 Prozent des Bruttosozialproduktes
der OECD entfallen, in der ein hoher Prozentsatz des Welthandels nach amerikanischen Dollarpreisen ausgerichtet ist und in der 75 Prozent der internationalen Kreditaufnahmen und 80 Prozent der offiziellen Währungsreserven in
Dollar gehalten werden.
Es ist eine Tatsache, daß die zukünftige Stabilität des Dollar sowie
des Währungssystems nicht gesichert werden kann, wenn wir nicht die "Grundlagen" unserer eigenen Wirtschaft in Ordnung bringen, indem wir unsere Inflationsrate und unser Zahlungsbilanzdefizit verringern.

Das ist eine notwendi-

ge, jedoch noch nicht ausreichende Vorbedingung für die Stabilität des Dollar.
Denn es ist ebenso eine Tatsache, daß die Organisation erdölexportierender
Staaten (OPEC) nicht mehr allein über die nachhaltigsten Leistungsbilanzüberschüsse der Welt verfügt:

diese Position teilt sie heute mit Japan, Deutsch-

land und der Schweiz, die zusammengenommen in diesem Jahr über einen Leistungsbilanzüberschuß von nahezu 20 Milliarden Dollar verfügen werden.

Diese Über-

schüsse sind für die Stabilität der Wechselkurse genauso nachteilig wie unser
Handelsdefizit.

Die Basis für ein gut funktionierendes Wechselkurssystem

- innerhalb und außerhalb der Europäischen Gemeinschaft - beruht auf einem
Abbau dieser Zahlungsbilanzungleichgewichte.

Es müssen Mittel und Wege ge-

funden werden, um sie zu senken.

Energie
Die Lösung der langfristigen Energieprobleme der Welt ist die unbedingte
Voraussetzung für ein langfristiges nicht-inflationäres wirtschaftliches
Wachstum.

Es ist allgemein bekannt, daß dies insbesondere für die Vereinigten

Staaten gilt, das einzige Industrieland, das keine voll entwickelte Energiepolitik hat.
Das

�Das amerikanische Volk hat Fortschritte hinsichtlich der Verringerung
des Energieverbrauches erzielt

Unsere Autos verbrauchen weniger Kraftstoff

pro Meile, unsere Häuser sind besser isoliert, die Industrie investiert in
Anlagen und Ausrüstungen zur Energieeinsparung.

Solche Maßnahmen haben den

Energieaufwand unserer Wirtschaft für die Erzeugung von Waren seit 1973 wertmäßig um sechs Cent pro Dollar vermindert.
Wenn auch Fortschritte erzielt worden sind, so haben wir doch als Volk
unsere eigene nationale Sicherheit sowie die wirtschaftliche Stabilität der
Vereinigten Staaten und der Welt dadurch beeinträchtigt, daß wir eine Verzögerung der Verabschiedung eines Energieprogramms zuließen, weil sich unser
Kongreß den harten Tatsachen nicht stellen will. Nach 14 Monaten haben wir
immer noch nicht die Energiegesetzgebung des Präsidenten verabschiedet.
Wir können nicht damit rechnen, daß dieses Problem sozusagen über Nacht
gelöst wird, nur weil der Präsident an einer Gipfelkonferenz teilnimmt. Die
Probleme, die der Kongreß lösen muß, sind in der Tat komplex, Es ist eine
harte Realität des Lebens, daß der Einfluß des Kongresses auf alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen - seien sie nun innen- oder außenpolitischer Natur - weitreichend ist, gleichgültig, wer im Weißen Haus amtiert. Die CarterAdministration steht praktisch an einem entscheidenden Punkt in der Gestaltung eines neuen Verhältnisses zum Kongreß, das diese Veränderung grundlegender Umstände widerspiegelt
In dieser besonders tiefgreifenden Frage der
Energie wird dieser Prozeß ganz besonders auf die Probe gestellt. Diese
strukturelle Veränderung in der amerikanischen Politik wird im Mittelpunkt
eines großen Teils der Erörterungen in Bonn stehen.
Der Präsident ist nach wie vo&gt;- entschlossen, ein wirkungsvolles Energieprogramm durchzusetzen,

Wir werden im Vermittlungsausschuß des Kongresses

hart kämpfen, um die vom Senat Anfang dieser Woche getroffenen Maßnahmen rückgängig zu machen, die es dem Präsidenten verbieten würden, Schritte zur Begrenzung der ölimporte zu ergreifen.

Es ist wirklich eine schlimme und un-

verantwortliche Handlung, wenn die bestehende Vollmacht des Präsidenten der
Vereinigten Staaten auf diese Weise beeinträchtigt wird.
Alle
- 7 -

�Alle Amerikaner müssen Vertrauen in das letztlich vorhandene Verantwortungsgefühl des Kongresses bewahren - daß der Kongreß bald die Unzahl seiner
kurzfristigen politischen Anliegen mit der alles überragenden Notwendigkeit
eines wirksamen Energieprogramms in Einklang bringen und mit der Verabschiedung der Gesetzesvorlage voranschreiten wird.
Der Weltwirtschaftsgipfel wird in bezug auf das Energieproblem mehr tun
müssen, als nur die Probleme zu diskutieren, die durch die Tatenlosigkeit
unseres Kongresses entstanden sind.

Die Teilnehmer werden prüfen müssen,

welche Möglichkeiten für eine Steigerung der Investitionen auf dem Energiesektor im eigenen Lande und außerhalb der eigenen Grenzen bestehen, und zwar
im Hinblick auf eine bessere Nutzung der konventionellen Energiequellen und
einen rationelleren Verbrauch.

Auch die bestehenden Möglichkeiten für eine

Koordinierung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden erörtert werden.

Handel
Was die Probleme des Handels anbetrifft, so werden sich die Blicke der
Gipfel teil nehmer auf die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf richten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind über den protektionistischen Druck im
Ausland beeunruhigt und verfolgen hier sehr aufmerksam seine potentiellen
Auswirkungen auf Europa. Wir hoffen, daß die Teilnehmer am Wirtschaftsgipfel
noch vor Bonn in Genf ein sehr hohes Maß an Übereinkunft in wesentlichen Fragen
der multilateralen Handelsverhandlungen erreicht haben werden, wozu wesentliche Zollsenkungen, Regeln für Exportsubventionen, Ausgleichszölle, Sicherheitsbestimmungen und Praktiken der Regierungsbeschaffung gehören.
Es reicht nicht, wenn jedes Land lediglich bedeutende Verbesserungen
in seinen Zollbestimmungen anbietet, so wichtig und notwendig diese auch sein
mögen.

Der

�Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen Handel sverhandlungen ist die Lösung des Problems der unangemessenen Gewährung
von Subventionen und sonstiger Formen staatlicher Interventionen auf mikroökonomischer Ebene.
ist.

Das ist ein heikles Problem, das sehr schwer zu lösen

Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die Anpassung an Verände-

rungen im Wettbewerb und in den Strömen des Freihandels zu erleichtern, die
beide für ein reibungsloses Funktionieren freier Marktwirtschaften notwendig
sind.

Der Gipfel kann die Autorität der Regierungschefs in eine Überein-

kunft über die Hauptprobleme der multilateralen Handelsverhandlungen einbringen, die geeignet ist, das internationale Handelssystem durch Entwicklung
einer umfassenden langfristigen Strategie zur Erleichterung struktureller
Veränderungen aufrechtzuerhalten.

Die Nord-Süd-Beziehungen
Erfolgreiche Bemühungen, das Welthandelssystem fair und offen zu halten,
sind eine echte Garantie für stabile Nord-Süd-Beziehungen und eine Wirtschaftsordnung, die funktioniert und nicht zerstörerisch wirkt. Wir haben seit
Jahren den Ruf nach "Handel, nicht Unterstützung" befürwortet. Heute ist
eine ganze Reihe von Ländern willens, uns beim Wort zu nehmen. Der brasilianische Finanzminister Simonsen sagte mir vor einigen Wochen, daß Fertigwaren
inzwischen einen Anteil von 52 Prozent an der Gesamtausfuhr seines Landes
ausmachen. Andere Länder - Korea, Mexiko und Taiwan - haben ähnliche industrielle Erfolge aufzuweisen.
Gleichzeitig haben sich die Entwicklungsländer inzwischen in die größten
und am raschesten wachsenden Märkte für amerikanische Exporte verwandelt,
und für den Export dorthin sind inzwischen über eine Million amerikanischer
Arbeitskräfte tätig.

Die Vereinigten Staaten und ihre Gipfelpartner sollten

diesen Entwicklungsländern klarmachen, daß sie sich in zunehmendem Maße ihrer
Verantwortung bewußt werden müssen, ihre Märkte Einfuhrgütern zu öffnen und
ihre Ausfuhrsubventionen abzubauen und gänzlich zu beseitigen.

Der Prozeß,

gleichberechtigte Partner im Welthandel zu werden, ist eine Zweibahnstraße.

In
- 9 -

�In dem Maße, in dem sich die erwähnten Länder weiterentwickeln, muß
die Entwicklungshilfe auf andere Länder verteilt werden, die weniger gut
daran sind.

Auch wenn sich einige Länder in zunehmendem Maße auf die Kapital-

märkte stützen können, nimmt die Notwendigkeit staatlicher Hilfe quantitativ
noch weiterhin zu.

Eine gesunde Weltwirtschaft hängt von höheren Wachstums-

raten in den Entwicklungsländern und der Ausweitung der Erzeugung an Nahrungsmitteln, Energie und anderen Produkten in diesen ab.
Zu diesem Zweck hat die Regierung Carter große Anstrengungen unternommen,
um unser Auslandshilfeprogramm zu erweitern.

Unser Hauptaugenmerk gilt dem

Gebiet der multilateralen Hilfe, auf dem zu jedem Dollar, den wir beitragen,
drei weitere Dollar aus anderen Geberländern hinzukommen - wodurch es möglich
wird, daß der amerikanische Anteil an der weltweiten Entwicklungshilfe rückläufige Tendenzen zeigt, während unser Beitrag real zunimmt.

Um diesen

Multiplikatoreffekt zu erzielen, haben wir dieses Jahr dem Kongreß die Bereitstellung von 3,5 Milliarden Dollar an kurzfristig abrufbaren und zu Vorzugsbedingungen zu gewährenden Mitteln für die Internationale Entwicklungsbank vorgeschlagen.
Wir haben hinsichtlich unserer Beiträge zur Aufstockung der Einlagen
der verschiedenen internationalen Banken ein Vierjahresplafond festgesetzt»
und wir werden keine weiteren Erhöhungen unserer jährlichen Gesamtbeiträge in
naher Zukunft anstreben. Der grundlegende Punkt ist jedoch, daß diese
Administration die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Auslandshilfe
auf ein Rekordniveau festgelegt hat und daß diese Hilfe ein Hauptelement
in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern der Welt darstellt. Wir
ersuchen den Kongreß dringend, dieses Niveau der Auslandshilfe zu billigen.
Alle führenden Politiker, die am Gipfel teilnehmen, insbesondere jene
aus Ländern mit hohen Außenhandelsüberschüssen, müssen sich uns anschließen
und ihre Länder auf einen verstärkten Transfer von Mitteln in die Entwicklungsländer verpflichten.
Schlußbetrachtung

- 10 -

�Schlußbetrachtung
Bei der Analyse unserer Wirtschaftspolitik und unserer Auslandsbeziehungen neigen wir allzu oft dazu, unser Augenmerk auf begangene Fehler zu
konzentrieren - auf das Negative mithin - und darüber unsere Leistungen zu
übersehen.

Es ist richtig, wenn Politiker und Journalisten ihre Aufmerksam-

keit darauf konzentrieren, das richtig zu machen, was bisher falsch gemacht
wurde.

Wir dürfen darüber aber die Fortschritte nicht vergessen, die wir

gemacht haben.
Auf dem letzten Gipfeltreffen in London unterstrichen die Staats- und
Regierungschefs die Notwendigkeit der Schaffung neuer Arbeitsplätze und
der Eindämmung der Inflation. Wir haben seit London erhebliche, wenn auch
nicht einheitliche Fortschritte erzielt. Die Vereinigten Staaten konnten
eine alle Rekorde brechende Wirtschaftsexpansion verzeichnen, die zur Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze führte. Deutschland und Japan vermochten kein so großes Wachstum zu erzielen, hatten dafür aber größere Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Großbritannien wiederum hat es fertiggebracht, seine Zahlungsbilanzposition grundlegend zu verändern. Großbritannien, Frankreich und Italien haben oftmals schmerzliche Stabilisierungsprogramme verwirklicht.
Wi» sehen uns auch weiterhin auf den Gebieten der Zahlungsbilanzen,
des Wachstums, der Inflation, der Energieversorgung, des Außenhandels und
der Auslandshilfe mit ernsten Problemen konfrontiert. Die Teilnehmer am
Gipfeltreffen werden sich gegenseitig konsultieren müssen, was sie in jedem
dieser Bereiche zu tun gedenken und wie sie die innenpolitischen Probleme
bewäH^gen können, vor die sie sich gestellt sehen. Maßstab für ein erfolgreiches Gipfeltreffen wird es sein, was in den darauffolgenden Jahnen geschieht, Zweck der Gipfelpolitik ist es, den Teilnehmern die Identifizierung
dessen zu ermöglichen, was geschehen muß - nicht aber, Ad-hoc-Entscheidungen
über die Einzelheiten unmittelbar erforderlicher Maßnahmen zu treffen.
Ich

- 11 -

�Ich weiß, wieviel Journalisten nach Bonn blicken werden - die meisten
von ihnen voraussichtlich mit unrealistischen Erwartungen.

Man sollte nicht

vergessen, daß das Weltwirtschaftssystem seit dem vorigen Jahr Fortschritte
gemacht hat.

Diese sind teilweise dem Londoner Gipfeltreffen zu verdanken,

und die Bonner Zusammenkunft wird diese Fortschritte weiter führen.

Trotz

großer innenpolitischer Schwierigkeiten bewegen sich die am Gipfeltreffen beteiligten Länder auf ein konzertiertes Handeln hin.
eine gute Nachricht.

+ + + + +

- 12 -

Das allein schon ist

�1

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I

fc

Ulifl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

12. Juli 1978

BONNER WIRTSCHAFTSGIPFEL EIN SCHRITT AUF DEM WEGE ZUR WELTWIRTSCHAFT
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

WASHINGTON - (AD) - Wenn die führenden Vertreter von sieben Nationen
am 16. und 17. Juli in Bonn zu ihrem Wirtschaftsgipfel zusammenkommen, dann
werden sie unter anderem letzte Schwierigkeiten bei den Handelsverhandlungen
(Tokio-Runde) beseitigen, ihre Bereitschaft zu verstärkter Entwicklungshilfe
bekräftigen und vor allem Einzelheiten eines "konzertierten Aktionsprogramms"
für das Wachstum der Weltwirtschaft ausarbeiten müssen.
In amtlichen Kreisen in Washington ist man überzeugt, daß solche "Wirtschaftsgipfel" der wichtigen Industriestaaten der westlichen Welt nützlich
sind, daß man jedoch von diesen Treffen keine spektakulären Entscheidungen
erwarten könne. Der Beweis für den Erfolg eines Wirtschaftsgipfels sei nicht
etwa ein gut formuliertes Kommunique, sondern was in den nächsten sechs Monaten oder in den kommenden Jahren wirklich geschehe. In dieser Hinsicht
könnten Gipfeltreffen schon einen entscheidenden Einfluß haben.
In Bonn werden die Staats- bzw. Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland (als Gastgeber), der Vereinigten Staaten, Japans, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Kanadas zusammenkommen.

Amerikanische Regierungs-

kreise weise darauf hin, daß sich die Führer dieser wichtigen Industrie-

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�Industriestaaten mit der Tatsache abfinden müssen, daß es heute keine separaten nationalen Volkswirtschaften im eigentlichen Sinne mehr gibt, sondern nur noch eine Weltwirtschaft.

Wirtschaftliche Ereignisse in einem wich-

tigen Industrieland wirken sich auf die ganze übrige Welt aus.

Und doch wird

die Wirtschaftspolitik jeweils von einzelnen Regierungen formuliert - und im
Falle aller wichtigen Industriestaaten handelt es sich um demokratische, von
der Bevölkerung dieser Länder gewählte Regierungen.

Ihr Handlungsspielraum

wird also durch politische Forderungen und Anliegen ihrer Wählerschaft eingeschränkt.
Von der Carter-Administration werden Wirtschaftsgipfel als ein Mittel
betrachtet, um diese Kluft zwischen der Realität der Existenz einer einzigen
Weltwirtschaft und der Realität nationaler Wirtschaftspolitiken zu überbrücken.

Der Wirtschaftsgipfel hilft den Staats- und Regierungschefs, ein

besseres Verständnis für die wirtschaftlichen und politischen Realitäten zu
finden, vor denen die anderen Führer stehen.

Das Gipfeltreffen bietet den

Staats- und Regierungschefs ferner Mittel und Wege, bestimmten Zielen internationalen Auftrieb zu geben, die sie alle als wünschenswert betrachten, wie
etwa dem erfolgreichen Abschluß der gegenwärtigen Tokio-Runde von Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels und der parlamentarischen Billigung einer wesentlichen Aufstockung der Mittel der Weltbank.
Die Tagesordnung für das Gipfeltreffen gliedert sich in fünf allgemeine
Gebiete: die makroökonomischen Fragen im Zusammenhang mit Wachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation; Handel; Energie; internationale Währungsangelegenheiten und Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
In amtlichen Kreisen in Washington, wie in den anderen Hauptstädten der Teilnehmerstaaten, wird unterstrichen, daß diese Gebiete in einem engen Zusammenhang miteinander stehen. Was auf einem dieser Gebiete geschieht, beeinflußt
nachdrücklich, was auf anderen geschieht und was Regierungen auf anderen Gebieten tun können.
Hier eine kurze Zusammenfassung dieser fünf Grundthemen aus Washingtoner
Slcnt:

Wachstum
- 2 -

�Wachstum und Inflation
Auf der Tagung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) in Paris Mitte Juni sind die Industriestaaten einstimmig
übereingekommen, daß mindestens sieben Länder - einschließlich aller Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens außer den Vereinigten Staaten - durch geeignete Maßnahmen sicherstellen sollten, daß das Wachstum ihrer Binnennachfrage wesentlich größer wird als im Jahr 1977. Was die Vereinigten Staaten
und Kanada angeht, so wird der Nachdruck auf der Eindämmung der Inflation
liegen.

Man darf davon ausgehen, daß die Staats- und Regierungschefs auf dem

Gipfeltreffen einander mehr im Detail erklären werden, wie sie ihre jeweiligen Ziele erreichen wollen.
Amtliche Kreise in der Bundesrepublik haben auf die Kritik anderer Länder bezüglich der niedrigen Wachstumsraten in den letzten Monaten mit dem
Hinweis geantwortet, daß sie eine befriedigendere Wachstumsrate schon aus
innenpolitischen Gründen anstreben und erreichen wollen. Die einzige Frage
sei, welche Mittel und Wege zur Verfügung stünden, um dieses Ziel zu erreichen.
Amtliche Kreise in Washington lehnen es ab, zu Gerüchten Stellung zu
nehmen, daß die deutsche Bundesregierung eine Steuersenkung von 6 Milliarden
Dollar beschlossen habe, um die Wirtschaft anzuregen. Amtliche Vertreter in
Washington sind der Überzeugung, daß der Bericht verfrüht und es kaum wahrscheinlich sei, daß Regierungen endgültige Entscheidungen über solche Fragen
kurz bevor oder während der Gipfelgespräche treffen würden, die ihnen die
Gelegenheit geben, die Absichten und Pläne ihrer Kollegen kennenzulernen.

Handel
Der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen, Botschafter Robert Strauss, erklärte kürzlich, daß nach dem gegenwärtigen Stand
der Dinge die multilateralen Handelsverhandlungen bis zum Zeitpunkt des Gipfel- 3 -

�Gipfeltreffens nicht den Fortschritt gebracht haben werden, den man erhoffte.
Eines der Hauptprobleme besteht nach Botschafter Strauss darin, daß die Europäische Gemeinschaft ihren Delegierten keine ausreichenden Vollmachten gegeben
habe, auf ein zureichendes Abkommen auf den Gebieten der Importbeschränkungen
für landwirtschaftliche Erzeugnisse und der Exportsubventionen eingehen zu
können.

In amerikanischen Regierungskreisen drängt man darauf, daß die Ver-

handlungsinstruktionen geändert werden.
Auf dem Gipfeltreffen wird sicherlich über den Stand der Handelsverhandlungen gesprochen werden, und Vertreter der Carter-Administration hoffen, daß
das Gipfeltreffen als ein erneuter mächtiger politischer Anstoß zu einer erfolgreichen Lösung der wichtigen Probleme wirken wird, die dem Abschluß eines
bedeutsamen Handelsliberalisierungsabkommen noch im Wege stehen.
Keiner der Teilnehmer an dem Gipfeltreffen hält Protektionismus für eine
gute Sache, aber, so argumentiert man in amtlichen Kreisen in Washington, alle
Regierungen stehen vor protektionistischen Forderungen einiger Sektoren ihrer
Volkswirtschaften.

Energie
Hier werden sich die Gespräche wahrscheinlich auf amerikanische Pläne
zur Einschränkung des Energieverbrauchs und der ölimporte sowie auf Möglichkeiten gemeinsamer oder paralleler Maßnahmen aller Teilnehmerländer des Gipfeltreffens konzentrieren, die Investitionen in die Schaffung alternativer Energiequellen und in die Energieeinsparung zu verstärken.
Die Carter-Administration versucht seit über einem Jahr, ein umfassendes
Paket von Gesetzen für die Energieeinsparung durch den amerikanischen Kongreß
zu bekommen.

Dieses Gesetzpaket ist zwar noch nicht verabschiedet, aber ame-

rikanische Regierungsvertreter weisen darauf hin, daß doch schon ein gewisser
Fortschritt erzielt worden sei, und zwar in folgender Hinsicht:
- Die
- 4 -

�- Die amerikanischen ölimporte liegen im Vergleich zum Vorjahr niedriger.

- Der Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten wächst nicht mehr so
rasch wie die Erzeugung der Gesamtwirtschaft.

- Der Führer der demokratischen Mehrheit im Senat, Robert Byrd, hat die
Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die ersten vier Teile des Energiepakets der Administration verabschiedet werden würden und daß die Menge an
Importöl , die durch diese ersten vier Teile eingespart werden könnte, größer
ist als die Menge, die durch den fünften Teil eingespart würde, bei dem es um
eine kontroverse neue Steuer auf Rohöl geht, das in den USA gefördert wird.

Vor einiger Zeit ließen Regierungssprecher in Washington erkennen, daß
Präsident Carter aus eigener Vollmacht handeln könnte, um die ölimporte zu
drosseln, wenn die Energievorschläge der Administration bis zum Gipfeltreffen
nicht verabschiedet wurden.

Aber seither hat der amerikanische Senat einen

Zusatz verabschiedet - den sogenannten Dole-Zusatz -, der dem Präsidenten
die Vollmacht nehmen würde, Importöl zusätzliche Abgaben aufzuerlegen.

Der Dole-Zusatz ist vom Repräsentantenhaus noch nicht verabschiedet worden.

Im übrigen würde er auf keinen Fall die Vollmacht des Präsidenten ein-

schränken, Quoten für ölimporte zu verhängen.

Man räumt in amtlichen Kreisen

in Washington heute allerdings ein, daß Präsident Carter die Stimmung im
Kongreß berücksichtigen muß, wenn er darüber entscheidet, welche Zusagen er
zum Thema Energie auf dem Bonner Gipfeltreffen machen wolle.

Man ist in amtlichen Kreisen in Washington nicht bereit, darüber zu spekulieren, was Carter zu Energiefragen in Bonn sagen könnte, aber man weist
darauf hin, daß der amerikanische Präsident eine unerschütterliche Entschlossenheit gezeigt hat, das Wachstum der amerikanischen öleinfuhren zu dämpfen - obwohl die Vorschläge auf diesem Gebiet unpopulär sind - und man weist in
Washington ferner darauf hin, daß es an seiner anhaltenden persönlichen Verpflichtung zu diesem Ziel keinen Zweifel geben könne.
Internationale
- 5 -

�Internationale Währungsfragen
Was dieses Gebiet angeht, so wird sich das Interesse auf die Stärke des
Dollar konzentrieren.

Die Vereinigten Staaten haben den Standpunkt vertreten,

daß der Dollar nicht dadurch gestärkt werden könne, daß er durch Marktintervention künstlich hoch gehalten wird, sondern nur durch die Beachtung solcher
grundlegenden Faktoren wie unterschiedliche Wachstumsraten, unterschiedliche
Inflationsraten und Höhe der Rechnung flir die ölimporte. In Regierungskreisen
ist man erfreut über Anzeichen, daß mehr und mehr Länder mit dieser Auffassung
übereinstimmen.
In Bonn wird wahrscheinlich auch über eine engere und verstärkte europäische Währungszusammenarbeit gesprochen werden.

In Washington wird in diesem

Zusammenhang auf Erklärungen von Finanzminister Blumenthal und Präsident Carter
selbst zu diesem Thema hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten sich einer engeren Währungszusammenarbeit unter den europäischen Staaten im Prinzip nicht
widersetzen würden, daß jedoch ihre Meinung bezüglich irgendeines spezifischen
Schemas von den Merkmalen dieses Schemas abhängen werde.

Beziehungen zu den Entwicklungsländern
Die Erörterungen über diesen Punkt der Tagesordnung werden sich wahrscheinlich im wesentlichen darauf konzentrieren, daß eine verstärkte Entwicklungshilfe erwünscht ist.
Vertreter der Carter-Administration weisen darauf hin, daß alle am Bonner
Gipfeltreffen beteiligten Länder diese Entwicklungshilfe wesentlich erhöht haben.

Obwohl die Verhandlungen über eine Aufstockung der Mittel der Weltbank

und der Mittel anderer internationaler Entwicklungsbanken noch im Gange sind,
rechnet man in amtlichen Kreisen in Washington damit, daß das Ergebnis ein
Stand der Mittel sein wird, der es diesen Einrichtungen ermöglichen wird, ihre
Kreditvergabe weiterhin zu steigern.
In
- 6 -

�In amtlichen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß sowohl die bilaterale
als auch die multilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr erhöht worden ist.

+ + + + +

- 7-

�12. Juli 1978

17

NEUE RICHTLINIEN FÜR US-RAUMFAHRTPROGRAMME

WASHINGTON - (AD) - Auf Anordnung Präsident Carters überprüfte ein
Ausschuß des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) der Vereinigten Staaten
die amerikanischen Raumfahrtprogramme.

Aufgrund der Empfehlungen dieses

Gremiums wurden allgemeine Prinzipien formuliert, an denen die künftigen
Programme orientiert werden sollen, um Doppelgleisigkeit und Überlappungen
von Aktivitäten der verschiedenen Organisationen zu verhindern.

Wie es

in einer Verlautbarung des Weißen Hauses vom 20. Juni 1978 zu dem gesamten
Fragenkomplex heißt, wird über eine Kontroll- und Lenkungskommission des
NSC ein Kontroll System geschaffen, damit die Raumfahrtpolitik fortlaufend
überprüft und erforderlichenfalls revidiert werden könne.
ausgewogen sein und ineinandergreifen.

Die Programme sollen

Nur so sei die Gewähr gegeben, daß

die in Wechselbeziehung stehenden Ziele der Nationalen Sicherheit, der
Wirtschaft und Politik und nicht zuletzt der Rüstungsbegrenzung erreicht
werden.

Die administrativen Voraussetzungen für die jüngsten Direktiven

wurden bereits mit dem Raumfahrtgesetz von 1958 geschaffen.
Das "Policy Review Committee" - PRC (Kontroll- und Lenkungskommission)
des Nationalen Sicherheitsrates - soll ein Forum sein, wo alle amerikanischen

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�amerikanischen Bundesbehörden die von ihnen vertretene Politik darlegen
können, wo über vorgeschlagene Änderungen der nationalen Raumfahrtpolitik
beraten und nach Lösungen für Streitfragen gesucht wird, die an die
Kommission verwiesen werden.

Gegebenenfalls sollen umstrittene Projekte

auf kürzestem Wege an den Präsidenten zur Entscheidung weitergeleitet
werden.

Den Vorsitz führt Dr. Frank Press, der Direktor des Amtes für

Forschungs- und Technologiepolitik.
Angesichts der Tatsache, daß das zivile Raumfahrtprogramm an der
Schwelle zu einschneidenen Änderungen steht, ersuchte Präsident Carter
die Kontroll- und Lenkungskommission, die Erfordernisse und Zielsetzungen
für diesen Sektor zu analysieren.

Die Vereinigten Staaten haben eine

breite Basis für die Luft- und Raumfahrt geschaffen.

Jetzt geht es darum,

f

zu bestimmen, wie rühere Investitionen am besten genutzt und in welche
Richtung die künftigen Vorhaben und Ziele gehen sollen, um auch weiterhin
ein aktives Programm zu sichern.

Dazu gehörten u.a. die Bereinigung

eventuell bestehender Konflikte zwischen den verschiedenen Raumfahrtsektoren und die Integration der Raumfahrtpolitik.
Der nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Teil der kürzlich unterzeichneten Präsidialdirektive konzentrierte sich auf Probleme der Überlappung. Langfristige Ziele von kommerziellen, zivilen und Verteidigungsprogrammen werden nicht im Detail erörtert. Jedoch wird die Festlegung
der zivilen Raumfahrtpolitik entsprechend den jetzt formulierten Prinzipien der nächste Schritt sein. Die Hauptziele sind 1) Förderung der
Interessen der USA durch die Erforschung und Nutzung des Weltraums und 2)
Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei der Erhaltung der Freiheit des
Weltraums für alle Aktivitäten, die der Sicherheit und dem Wohlergehen
der Menschheit dienen.
In der Präsidialdirektive sind folgende Grundsätze niedergelegt:
— Die USA betätigen sich auf dem Gebiet der Raumfahrt, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu mehren, nützliche kommerzielle und staat-

- 2 -

�staatliche Anwendungen zu entwickeln und ihre führende Stellung in der
Raumfahrttechnik zu erhalten.
-- Die USA halten sich an die Grundsätze für die Erforschung und
Nutzung des Weltraums durch alle Nationen zu friedlichen Zwecken und
zum Wohl der ganzen Menschheit.

Die Vereinigten Staaten sind gehalten,

mit der Erforschung und Nutzung des Weltraums dem nationalen Wohlergehen
zu dienen.
-- Die USA weisen Souveränitätsansprüche jeder Art auf den Weltraum,
auf Himmelskörper oder auf Teile davon zurück, ebenso jegliche Begrenzung
des fundamentalen Rechts, Weltraumdaten zu erlangen.
-- Die USA vertreten die Ansicht, daß die Raumfahrtsysteme jeder
Nation nationales Eigentum mit dem Recht auf Flug und Betrieb im Weltraum ohne Einmischung Dritter sind. Absichtliche Störung von Raumfahrtsystemen wird als eine Beeinträchtigung von Hoheitsrechten gewertet.
-- Die USA werden Raumfahrtaktivitäten zur Unterstützung ihres
Rechts auf Selbstverteidigung verfolgen und damit die nationale Sicherheit,
die Abschreckung von Angriffen und Abkommen zur Rüstungsbegrenzung stärken.
Sie werden auf wissenschaftlichem, politischen, wirtschaftlichem und/oder
militärischem Gebiet internationale Gemeinschaftsaufgaben wahrnehmen.
Zur Unterstützung nationaler Ziele werden sie aktive und passive Fernerkundungssysteme für Erdbeobachtungen entwickeln und betreiben.
-- Die Vereinigten Staaten werden gegenwärtig bestehende Zuständigkeits- und Managementverbindungen zwischen den verschiedenen Raumfahrtprogrammen und grundsätzlich die enge Koordinierung sowie den engen
Informationsaustausch zwischen den Raumfahrtsektoren aufrechterhalten,
um unnötige Doppelgleisigkeit zu vermeiden und die Nutzbarmachung aller
Anlagen quer durch die einzelnen Programme auf breitester Basis zu

- 3 -

�Basis zu gewährleisten.
-- Das zivile amerikanische Raumfahrtprogramm wird so geführt werden,
daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Erde und das Universum
vermehrt, zivile Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrttechnik entwickelt und praktiziert, die führende Rolle der USA in Weltraumforschung,
Anwendung und Technologie erhalten und innen- wie außenpolitische Ziele
der Vereinigten Staaten im Rahmen folgender Richtlinien gefördert werden:
— Die Vereinigten Staaten werden die kommerzielle Nutzung vorhandener Raumfahrteinrichtungen und Systeme durch amerikanische Unternehmen zum Vorteil der Wirtschaft befürworten und die technologiesche
Position der USA fördern. Jedoch müssen alle amerikanischen Erd- Fernerkundungsstall iten von der US-Regierung genehmigt und überwacht werden
bzw. muß ihr Betrieb im Rahmen entsprechender Vorschriften erfolgen.
-- Weiterentwicklungen der Erdaufnahmetechnik aus dem Weltraum sind
unter Kontrollen zulässig, wenn der Bedarf dies rechtfertigt und sie
in bezug auf zivile Vorteile, nationale Sicherheit und Außenpolitik analysiert worden sind.

Gegebenenfalls werden auch über andere Formen

der Erd- Fernerkundungs Kontrollen eingerichtet.
-- Daten und Ergebnisse aus den zivilen Raumfahrtprogrammen werden
der weitestmöglichen Verbreitung zugeführt, um das menschliche Dasein
zu verbessern und für die USA und andere Nationen bessere RaumfahrtDienstleistungen zu schaffen.
-- Die Vereinigten Staaten werden ein operatives Weltraumtransportsystem (STS- Space Transportation System) über die NASA in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium entwickeln, organisieren und betreiben. Das STS steht allen autorisierten Benutzern offen - aus dem Inund Ausland, von privatwirtschaftlicher und staatlicher Seite. Unter
voller Anerkennung der im wesentlichen offenen Natur des Systems gewähr-

- 4 -

�gewährleistet es für Missionen, die der nationalen Sicherheit dienen,
Startpriorität und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.
Unsere die nationale Sicherheit berührenden Raumfahrtprogramme
umfassen Aktivitäten im Weltraum, die sowohl für Kommando- und Steuerungsaufgaben, Nachrichtenverbindungen, Navigation, Aufgaben der Umweltkontrolle,
Warnung und Überwachung sowie der Verteidigung im Weltraum als auch zur
Formulierung und Durchführung von Maßnahmen nationaler Politik wichtig
sind.

Dies gilt auch für die Planung und Durchführung militärischer

Operationen.

Diese Programme werden im Rahmen folgender Richtlinien

durchgeführt:
-- Fragen der Sicherheit, einschließlich der Bekanntgabe von Daten,
werden in Übereinstimmung mit Regierungsanordungen und anzuwendenden
Direktiven zum Schutz von Informationen, die die nationale Sicherheit
berühren, behandelt.

Produkte und Verfahren der Raumfahrttechnologie

fallen, wo immer möglich, unter niedrigere oder gar keine Geheimhaltungsstufen, damit die Nutzung unserer gesamten nationalen Raumfahrterrungenschaften auf breiter Basis möglich wird.
-- Der Verteidigungsminister richtet ein Programm zur Identifizierung
geeigneter ziviler und kommerzieller Hilfsquellen ein, die im Fall eines
- vom Präsidenten erklärten - nationalen Notstandes in militärische
Operationen zu integrieren sind.
-- Die Lebensdauer von zu entwickelnden Raumfahrtsystemen muß mit
anderen, als Vorzüge erkannten Merkmalen in Einklang stehen, wenn die
Mission ausgeführt werden soll. Mängel, die als solche identifiziert
sind, werden ausgemerzt, und man wird sich auf ein aktives langfristiges
Programm konzentrieren, um durch fortlaufende Verbesserungen der Systeme
eine höhere Lebensdauer zu gewährleisten.
-- Die USA sehen sich wachsendem Druck ausgesetzt, als Reaktion auf

- 5 -

�Reaktion auf entsprechende sowjetische Aktivitäten eine eigene Kapazität
von sogenannten Killer-Satelliten aufzubauen.

Die Vereinigten Staaten und

die Sowjetunion haben aber in der gegenwärtigen Frühphase eine Chance,
durch beiderseitige Zurückhaltung ein ungesundes Wettrüsten auf dem Gebiet
der Weltraumwaffen zu beenden, noch ehe der Welttbewerb ein eigenes Kraftmoment gewinnt.

Die beiden Länder haben bilaterale Gespräche über die

Begrenzung gewisser Aktivitäten gegen Weltraumobjekte aufgenommen, die
nach Ansicht der USA auch mit dem allgemeinen amerikanischen Ziel in
Einklang stehen, das Recht jeder Nation auf ungestörten Flug und Betrieb
ihrer Geräte im Weltraum zu erhalten.
—

Die USA wünschen verifizierbare, umfassende Beschränkungen für

die Leistung und den Einsatz von sogenannten Killer-Satelliten.

Solange

es kein solches Abkommen gibt,werden sie die Entwicklung eigener Kapazitäten energisch verfolgen.

Das amerikanische Weltraum-Verteidigungs-

programm umfaßt als Maßnahme gegen Angriffe ein integriertes Warn-,
Melde- und Verifizierungssystem samt einer entsprechenden Reaktionskanazität, so daß Bedrohungen amerikanischer Weltraumssysteme erfaßt
und wirksame Gegenmaßnahmen getroffen werden können.

+ + + + +

- 6 -

�12. Juli 1978

17

GASMASSEN IM SONNENINNERN ROTIEREN VERSCHIEDEN SCHNELL
Neue Forschungsergebnisse könnten Sonnenfleckenzyklus aufklären helfen

- (AD) - Unterschiedliche Rotationsgeschwindigkeiten der Gasmassen in
verschiedenen Tiefenzonen unter der Sonnenoberflache konnten zum ersten Mal
erfaßt und exakt gemessen werden. Mit diesem Projekt befaßte sich Dr. Franz
Ludwig Deubner vom Fraunhofer-Institut für Sonnenforschung in Freiburg während seines Aufenthalts am Sacramento Peak Observatory (Sunspot, New Mexico)
in den Vereinigten Staaten, wo er auf Einladung des Nationalen Forschungsrates der USA ein Jahr lang als Gastforscher tätig war. Wie die "National
Science Foundation" (Nationale Wissenschaftsstiftung der USA) in einer
Pressemitteilung berichtet, seien die Ergebnisse der Arbeit Dr. Deubners
geeignet, das Phänomen der Sonnenaktivität (und damit indirekt ihres Einflusses auf das Klima unserer Erde) besser zu verstehen.
Sichtbare Oberflächenmerkmale der Sonnenaktivität sind z.B. Flecken,
Fackeln, Protuberanzen, meist begleitet von lokalen Magnetfeldern, welche
viel stärker sind als das allgemeine Magnetfeld unseres Zentralgestirns.
Die Entdeckung der langsam über die Scheibe wandernden Sonnenflecken gab
Galilei bereits vor 369 Jahren den ersten Anhaltspunkt für die Feststellung,
daß die Sonne rotiert.

Die Umdrehungsgeschwindigkeit wurde, bezogen auf die

um die Sonne wandernde Erde, mit 27,3 Tagen ermittelt, wobei aber die Ro-

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�Rotationszeit der Äquatorzone um einige Stunden kürzer, die der polnäheren
Gebiete dagegen um ein paar Tage länger ist.

Auch ist schon seit längerem

bekannt, daß in Schichten über der Photosphäre höhere Geschwindigkeiten zu
beobachten sind.

(Als Photosphäre wird jene mehrere Hundert Kilometer dicke

Schicht bezeichnet, die wir als die Sonnenscheibe erkennen und die uns das
Sonnenlicht gibt.) An ihr ließen sich zum ersten Mal Vorgänge direkt beobachten, die auch in den äußeren Schichten anderer Sterne auftreten, dort aber
wegen der großen Entfernung der Objekte auch mit einem Fernrohr nicht räumlich aufgelöst werden können.
Neuere Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, daß die Oberfläche der
Sonne mit Regionen bedeckt ist, die vertikal pulsieren, und zwar mit einer
Schwindungsperiode von fünf Minuten Dauer.

Diese Oszillation wird durch

Druckwellen - den Schallwellen in der Erdatmosphäre sehr ähnlich - verursacht, die in einer Zone unterhalb der Sonnenoberfläche eingeschlossen sind.
Innerhalb dieser Zone wird durch die Auf- und Abwärtsbewegung riesiger Gassäulen, durch sog. Konvektionsvorgänge, Wärme in Richtung Oberfläche transportiert.
Den heute gültigen Hypothesen zufolge ist in der Koppelung der inneren
Rotation der Sonne mit dieser großräumigen Konvektion die eigentliche Ursache
für das Auftreten der Sonnenflecken zu sehen. Bei diesen handelt es sich um
verhältnismäßig kühle Regionen, die dunkler als die übrige Sonnenoberfläche
erscheinen und deren Häufigkeit und Größe in einem bestimmten Zyklus zuund abnimmt. Sie werden seit Mitte des 18. Jahrhunderts systematisch beobachtet und registriert. Dabei zeigte sich, daß der zeitliche Abstand
zwischen zwei Maxima im Durchschnitt elf Jahre beträgt. Jedoch können zwischen Perioden stärkster Sonnenaktivität, die mit dem Fleckenmaximum einhergehen, gelegentlich auch kürzere und längere Zeiträume liegen. Die Intensität des Maximums ist nicht immer gleich, so daß man noch weitere, längerfristige Perioden vermutet, die den Elf-Jahres-Zyklus überlagern.
Das Auftreten dieser Unregelmäßigkeit läßt sich noch nicht voraussagen,
wohl aber aufgrund gewisser Gesetzmäßigkeiten die Fleckentätigkeit für einige
- 2 -

�einige Monate: Während sich die Entstehungsgebiete von Sonnenflecken, die
sog. Herdzonen auf der nördlichen und südlichen Halbkugel, allmählich zum
Äquator hin verlagern, wandern Einzelflecken gelegentlich auch in entgegengesetzter Richtung zu den Polen - sofern ihre Bewegung bei der meist nur
sehr kurzen Lebensdauer überhaupt zu verfolgen ist. Nur einzelne große
Fleckengruppen (ihr Durchmesser kann einige Hunderttausend Kilometer erreichen) sind manchmal für längere Zeit, d.h. über mehrere Monate, zu beobachten.

Dabei machen sie eine Reihe typischer Entwicklungsstadien durch,

aus deren Ablauf sich die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Fleckenbildung erschließen lassen.
Daß Strömungsmechanismen im Sonneninneren die Fleckentätigkeit steuern,
wird seit längerer Zeit vermutet. Aber bis vor kurzem hielt man es für unmöglich, Messungen darüber anzustellen, wie die Gasmassen unterhalb der
Sonnenoberfläche rotieren. Der gleißend helle Gasball - Durchmesser 1,4
Millionen km, 330 OOOfache Masse der Erde - gestattet keinen Einblick ins
Innere mit optischen Hilfsmitteln.
Mit dem Vakuum-Teleskop, einem Spezialinstrument des Observatoriums
auf dem 2800 m hohen Sacramento Peak, das infolge der völligen Evakuierung
von Luft aus dem Rohr besonders klare Aufnahmen ermöglicht, beobachtete
Dr. Deubner die Oszillationen auf der sichtbaren Sonnenoberfläche. Die Frequenzen dieser Schwingungen, so fand der Forscher, sind davon abhängig,
ob unter der Oberfläche die Schallwellen in Rotationsrichtung oder entgegengesetzt dazu laufen. Dabei entspricht die Frequenzverlagerung der Rotationsgeschwindigkeit der Kovektionsschicht, die die Schallwellen eingeschlossen
hält.
Mit Hilfe einer von Dr. Roger Ulrich (Universität von Kalifornien in
Los Angeles) entwickelten Theorie, mit der die jeweilige Tiefe der Wellen
unterschiedlicher Frequenz errechnet werden kann, ermittelte Dr. Deubner
die tiefenabhängigen Unterschiede in der Rotationsgeschwindigkeit der Gasmassen.

Er kam zu dem Schluß, daß das Gas innerhalb der ersten 9600 km

unter der Oberfläche wie ein fester Körper, und zwar mit der gleichen Ge- 3 -

�Geschwindigkeit wie der Oberflächenbereich selbst rotiert, während sich
die Massen in der nächsttieferen, ca. 4800 km dicken Schicht um etwa 90 m
pro Sekunde (ca. 324 km/st) schneller bewegen.

In Tiefen von mehr als

14 000 km nimmt die Rotationsgeschwindigkeit möglicherweise wieder ab.
Nach Dr. Jack B. Zirker, dem Direktor des Observatoriums, kamen diese
Ergebnisse "ziemlich unerwartet".

Er ist überzeugt, daß die Messungen

Dr. Deubners der theoretischen Forschung helfen können, die gegenwärtigen
Modelle zum Zyklus der Sonnenaktivität zu verbessern,

für Vorgänge also,

die nicht nur für die Wissenschaft von Interesse sind, sondern die für die
Lebensbedingungen auf der Erde, (z.B. Ernteerträge, langfristige Klimaschwankungen) große praktische Bedeutung haben.

+ + + + +

�Wi//cn/chaft
und' f75Tn
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

12. Juli 1978

EINE "UNNATÜRLICHE" ALUMINIUM-LEGIERUNG
Besondere Vorzüge: Höhere Festigkeit» geringeres Gewicht

- (AD) - Das Leichtmetall Aluminium und das Alkalimentall Lithium
mischen sich normalerweise nicht. Am Department für Materialforschung
und -Technik des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston
ist es jedoch einer Gruppe von Wissenschaftlern gelungen, die beiden Elemente zu einer Legierung zu vereinigen, die leichter und fester ist als
die üblichen Aluminiumlegierungen. Außerdem erweist sie sich als besonders
beständig gegen Dauerbelastungen, die häufig die Ursache von Ermüdungsbrüchen sind.
Nach Ansicht von Prof, Nicholas J. Grant, der maßgeblich an den
Forschungsarbeiten des Doktoranden Krishnan Sankaran beteiligt war, könnte
die neue Legierung in der Luftfahrtindustrie bedeutende Anwendungsbereiche
finden. In einem vorläufigen Bericht an die "National Science Foundation"
(NSF- Nationale Wissenschaftsstiftung der USA), die das Forschungsprojekt
förderte, erläutert Prof. Grant das Verfahren: Die beiden Metalle werden
in der Schmelze vereinigt und durch Sprühkühlung, einen extrem schnell

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�schnell ablaufenden Abschreckungsprozess, auch im festen Zustand als
Legierung erhalten.

(Bei der sonst üblichen Abkühlung der Schmelze würden

sich die beiden Elemente wieder voneinander scheiden.)

Das geschmolzene

Material wird in Form sehr feiner Tröpfchen auf eine metallische Oberfläche
sehr hoher Wärmeleitfähigkeit aufgebracht.

Die Rapid-Abschreckung wird

dadurch erzielt, daß man die Tröpfchen eng angeordnete Walzen passieren
läßt.

Sie laufen sofort auseinander und erstarren zu hauchdünnen Plättchen

oder Flocken aus Metall, die nur 0,0025 - 0, 008 mm dick sind.

Danach

kommen sie in einen Aluminiumbehälter; dieser wird erhitzt, die Luft wird
evakuiert.

Schließlich wird die Legierung bei 400° C gepreßt.

auf diese Weise ein sehr feinkörniges kristallines Gefüge.
ist einheitlicht und gut verformbar.

Man erhält

Das Material

Die Zugfestigkeit liegt doppelt so

hoch, der Elastizitätsmodul um 20 Prozent höher als beim Ausgangsmaterial
(herkömmliche Aluminium-Legierung mit 4,5 % Kupfer und 1,6 % Magnesium),
wenn 3 Gewichtsprozent Lithium zugesetzt wurden.

Die Ermüdungsfestigkeit

liegt weit über den Werten anderer AI-Legierungen.
Mittels der Rapid-Abschreckung aus der Schmelze könne man, so Prof.
Grant, "die Natur metallischer Strukturen mit einer Präzision steuern,
von der man früher nicht zu träumen wagte". Die Abkühlung vollzieht sich
so schnell, daß die Elemente gar keine Zeit haben, sich ganz oder teilweise wieder voneinander zu trennen.

+ + + + +

2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA produzieren und lagern Neutronenwaffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mitteilung des Weißen Hauses und des Verteidigungsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister: Neutronenwaffe dient der Hoffnung auf Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interviews Weinbergers mit den Fernsehgesellschaften CBS, NBC und ABC -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika und Ägypten wünschen Wiederaufnahme und Erfolg der Friedensbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Reagans bei Beendigung der Gespräche mit Sadat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig unterstreicht unveränderte Haltung Amerikas gegenüber PLO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des amerikanischen Außenministers mit der Fernsehgesellschaft NBC -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO-Vorbereitungen für TNF-Verhandlungen gehen zügig voran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung wegen wichtiger Klauseln im Seerechtsvertrag besorgt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan genehmigt zwei "Synfuel"-Projekte</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oH *
1 2 . August

28

1987

I N H A L T

INFORMATION

Reagan ernennt Verity zum neuen Handelsminister
- Kurzbiographie von C. William Verity -

DOKUMENTATION

Reagan;

Sowjets sollen Berliner Mauer niederreißen

Demokratie als Ziel in Mittelamerika
- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Information
12. August 1987

28

REAGAN ERNENNT VERITY ZUM NEUEN HANDELSMINISTER
Kurzbiographie von C. William Verity

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den ehemaligen Geschäftsleiter
eines
Stahlunternehmens,
C.
William
Verity,
zum
Handelsminister
der
Vereinigten Staaten und damit Nachfolger von Malcolm Baldrige ernannt.
Bei Bekanntgabe der Nominierung am 10. August 1987 im Weißen Haus erklärte
der Präsident, Verity "teilt meine Verpflichtung zu freiem und fairem Handel"
und drängte auf eine schnelle Bestätigung durch den Senat, sobald der Kongreß
nach der Sommerpause wieder zusammenkommt.

"Seine reiche Erfahrung im Geschäftsleben und Überseehandel macht
ihn zu einem außerordentlich qualifizierten Anwärter für die Leitung des
Handelsministeriums in diesen schwierigen Zeiten", fügte Reagan hinzu.
Der Präsident verlieh seiner Erwartung Ausdruck, daß verity die von
Baldrige
gespielte
"entscheidende
Rolle als einer der führenden Gestalter der amerikanischen internationalen
Wirtschaftspolitik"
fortführen
und protektionistische Maßnahmen ablehnen werde.

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Veritys Ernennung beendete zweiwöchige Spekulationen über Baldriges
Nachfolge.
Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wird er die
Leitung des Handelsministeriums vom
Stellvertretenden
Handelsminister
Clarence Brown übernehmen.
"Ich freue mich besonders über
diese Gelegenheit zu einem, meiner
Meinung nach, historischen Zeitpunkt
im internationalen Handel, an dem ein
Handelsgesetz
die einzelnen
Häuser
durchläuft", erklärte Verity anläß-

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�lieh
seiner
Ernennung.
"Und
ich
möchte ganz klarstellen, Herr Präsident, daß
ich
Ihren
Ausführungen
vollständig beipflichte.
Ich freue
mich darauf, Ihnen bei der Aufgabe,
dieses
Land
wettbewerbsfähiger
zu
machen, behilflich sein zu können".
Ebenso wie Baldrige blickt der
siebzigjährige Verity auf eine Laufbahn in der Wirtschaft zurück.
In
Middletown, Ohio, gebürtig begann er
seinen Berufsweg 1940, ein Jahr nachdem er sein Studium an der Yale Universität mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen hatte, bei Armco Incorporated, einem ortsansässigen Stahlunternehmen mit breitangelegtem Produktionsprogramm.
Im Anschluß an seinen Dienst bei
der US-Marine von 1942-46 nahm er
seine Tätigkeit bei Armco wieder auf,
um im Verlauf der Jahre 1965 zum Präsidenten und von 1971 bis 1982 zum
Vorstandsvorsitzenden
dieses
Unternehmens aufzusteigen.
Von 1980 bis 1981 hatte er das
Amt des Vorsitzenden der amerikanischen Handelskammer inne, das er aufgab, um die Leitung von Präsident
Reagans Beratergruppe für Initiativen
zur Belebung
des Privatsektors im
Jahr 1981 zu übernehmen.
Seit 1983
ist er Mitglied des Konsultativausschusses dieser Gruppe.
Im Jahr 1984 wurde Verity zum
Zweiten
Vorsitzenden
des
amerikanisch-sowjetischen Handels- und Wirtschaftsrates ernannt, einer von den
jeweiligen
Regierungsvertretern
zur
Ausweitung des Handels zwischen diesen beiden Ländern gegründeten Privatorganisation.
Seit jener Zeit hat
er seiner Besorgnis darüber Ausdruck
verliehen, daß amerikanische Firmen
aufgrund der strengen Exportkontrollen Millionen von Dollar bei mögli-

chen Verkäufen an die Sowjets verlieren könnten.
Als Vertreter der Stahlindustrie
kritisierte Verity die US-Regierung
dafür, diesem Industriezweig einerseits kostenintensive Umweltschutzgesetze aufgezwungen und andererseits
nicht stärkere Maßnahmen gegen ausländisches "Dumping" von Stahlprodukten auf amerikanischen Märkten und
unterhalb der Produktionskosten angesiedelte Preise ergriffen zu haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

12. August 1987

28

REAGAN:

SOWJETS SOLLEN BERLINER MAUER NIEDERREISSEN

WASHINGTON - (AD) In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache forderte
Präsident Reagan am 8. August 1987 die Sowjets auf, im Geiste echter "Glasnost" die Berliner Mauer niederzureißen, freie Wahlen zuzulassen sowie alle
politischen Gefangenen zu befreien.
Reagan erklärte, diese Offenheit solle ferner ein Ende des sowjetischen
Imperialismus in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba und Nicaragua bedeuten.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
in dieser Woche wird auf der Welt ein
düsterer Gedenktag begangen. Am Donnerstag vor 26 Jahren marschierten
eine Minute nach Mitternacht Tausende
von ostdeutschen Soldaten aus ihren
Kasernen und errichteten im Schutz
der Nacht und mit Unterstützung der
sowjetischen Truppen die Mauer in
Berlin.
Die heutige Berliner Mauer unterscheidet sich sehr von dem groben
Stacheldraht, den die Berliner vor 26
Jahren am Morgen des folgenden Tages

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vor sich sahen. Zu den Veränderungen
zählen zusätzliche Wachtürme, Panzersperren, rasiermesserscharfe Metallzäune, Flutlicht, Gräben und Hundelaufanlagen.
Die Mauer selbst ist
nunmehr vier Meter hoch und besteht
aus weiß angestrichenem Beton, so daß
jeder, der an ihr hochklettern will,
eine gute Zielscheibe bietet.
Eins hat sich jedoch über die
Jahre hinweg nicht verändert: Obwohl
die Mauer West-Berlin umgibt, sind
nicht die Westberliner die Gefangenen.
Eine
westdeutsche
Zeitung

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�drückte es am Morgen nach der Errichtung der Mauer so aus, "gestern wurde
Ost-Berlin offiziell in ein riesiges
Konzentrationslager verwandelt".

echte
Offenheit, zu
sprechen, zu
schreiben, zu reisen oder etwa zu
kaufen und zu verkaufen?
Oder ist
das eher ein Werbefeldzug?

Es ist mehr nötig als Mauern und
Gewehre, um den menschlichen Geist
einzusperren.
In den vergangenen 26
Jahren haben fast 5 000 Menschen diese Barriere überwunden und sind in
die Freiheit geflüchtet.
Einige haben Tunnel unter der Mauer hindurch
gegraben, andere haben sie mit Hilfe
von Tauen und Seilwinden überwunden,
manche mit Lastwagen die Checkpoints
durchbrochen, andere sind einfach zu
Fuß über das gelaufen, was sowjetische Regierungsvertreter des Ostblocks als "moderne Grenze" und die
Menschen in Berlin als "Todesstreifen" bezeichnen. Bei diesem Wettlauf
um die Freiheit haben wenigstens 74
Männer und Frauen ihr Leben gelassen.

Wie ich im Juni in Berlin erklärt
habe, wäre das Niederreißen der Mauer
eine Möglichkeit, mit der die Sowjets
Engagement für echte Offenheit demonstrieren könnten.
Aber sie könnten
noch mehr tun. Am Ende des Zweiten
Weltkrieges haben die Sowjets Osteuropa freie Wahlen versprochen.
Offenheit sollte die Erfüllung dieses
Versprechens bedeuten.

Im Juni habe ich auf meiner Rückreise vom - Weltwirtschaftsgipfel
in
Venedig Berlin besucht und die Mauer
wiedergesehen.
Wie
früher
bereits
habe ich gesehen, daß die Menschen
auf die frei zugängliche Seite der
Mauer kleine Kreuze gezeichnet haben
- im Gedenken an jene, die beim Versuch, sie zu überwinden, ums Leben
kamen.
Auf der einen Seite Todesstreifen, auf der anderen Andenken an die
bei der Überwindung Getöteten.
An
keinem Ort der Erde ist der Gegensatz
zwischen dem Gefängnis, das der Kommunismus darstellt und dem Geist der
Freiheit, der in der gesamten Menschheit
verwurzelt
ist,
deutlicher
sichtbar.
In den vergangenen Monaten haben
wir aus dem sowjetischen Einflußbereich viel über "Glasnost" gehört.
Glasnost ist ein russisches Wort, das
"Offenheit" heißt.
Aber bedeutet es

Offenheit
sollte ebenfalls die
Befreiung von politischen Gefangenen,
Regimegegnern und anderen Gefangenen
aus Gewissensgründen
bedeuten.
Es
sollte ein Ende des sowjetischen Imperialismus sein, sei es in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba oder
Nicaragua, kurz gesagt, sollte es Offenheit für alle unter sowjetischer
Herrschaft stehenden Nationen geben.
Im Juni habe ich in Berlin erklärt, daß wir in den Vereinigten
Staaten bereit sind, gemeinsam mit
den Sowjets der geteilten Stadt echte
Offenheit zu bringen.
Ich habe Diskussionen über vier
Vorschläge angeregt. Erstens sollten
Wege erforscht werden, um den Zugang
der Zivilluftfahrt nach Berlin auszubauen, so daß die Stadt eines Tages
zu einem Luftkreuz für den Luftverkehr Mitteleuropas werden kann. Zweitens sollten mehr internationale Zusammenkünfte und Konferenzen in Berlin stattfinden, zum Beispiel die
Versammlungen der Vereinten Nationen.
Drittens habe ich ein Austauschprogramm angeregt, so daß junge Ost- und
Westberliner sich leichter besuchen
und kennenlernen können.
Und viertens habe ich vorgeschlagen, daß irgendwann in der Zukunft die Olymp-

- 2 -

�ischen Spiele
sollten.

in

Berlin

stattfinden

Zusammengenommen würden all diese
Vorschläge mehr Offenheit in das Leben nicht nur der Berliner, sondern
auch der Menschen in Osteuropa und
der Sowjetunion bringen.
Wir
sollten daran denken, wie
wichtig dies für jeden von uns als
Amerikaner ist, als ein Volk, das den
Frieden unter den Nationen anstrebt.
Aufgrund
unserer
wiedergewonnenen
Stärke haben wir in den vergangenen
Jahren große Fortschritte in Richtung
auf den Frieden erzielt, besonders im
Bereich der Rüstungskontrollgespräche
mit der Sowjetunion.
Aber so ermutigend dies auch sein
mag, sollten wir doch nicht die Warnung
des tschechischen
Dissidenten
und Schriftstellers Wazlaw Hawel vergessen, der uns vor einiger Zeit
mahnte, daß "Respektierung der Menschenrechte die grundlegende Bedingung und einzig echte Garantie des
wahren Friedens darstellt.
Ein dauerhaften Frieden kann nur das Werk
freier Menschen sein".
Lassen Sie uns an diesem 26. Gedenktag der Berliner Mauer den Entschluß fassen, alles uns Mögliche zu
tun, um den Tag herbeizuführen, an
dem die Mauer niedergerissen und Berlin nicht nur zu einem Sinnbild für
Konfrontation, sondern für Zusammenarbeit zwischen den Völkern Europas
und der ganzen Welt geworden ist.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott segne Sie.

- 3

�^£°s^

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

*

12. August 1987

28
DEMOKRATIE ALS ZIEL IN MITTELAMERIKA

- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Am 5. August 1987 wurde von Präsident Reagan ein Plan
vorgelegt, der darauf abzielt, mit Hilfe erneuter diplomatischer Bemühungen
die Kämpfe zwischen der sandinistischen Regierung und den demokratischen Widerstandskämpfern in Nicaragua zu beenden.
Der Präsident erklärte in diesem Zusammenhang, die vereinigten Staaten
verfolgten
in Mittelamerika mit der "Errichtung wahrhaft demokratischer
Staatsformen" dasselbe Ziel wie auch die Staaten in der Region und die nicaraguanischen Widerstandskämpfer.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans und die Pressekonferenz mit Außenminister Shultz im Wortlaut:

Präsident
Reagan:
Guten
Morgen.
Ich möchte hier eine kurze
Stellungnahme verlesen, nach der ich
mich verabschieden muß. Der Außenminister wird dann Fragen dazu beantworten.
Ich habe gerade eine Zusammenkunft mit den Vorsitzenden der beiden
Parteien des Kongresses beendet und
freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir Einigung über eine erneute
diplomatische
Initiative
in
Mittelamerika erzielt haben, die sich
im Einklang mit dem gemeinsam mit dem

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Sprecher und den Parteivorsitzenden
im Kongreß ausgearbeiteten Friedensplan befindet. Demgemäß habe ich den
Außenminister angewiesen, dieses Dokument
den Staats- und Regierungschefs der fünf Länder Mittelamerikas
zu übergeben, die morgen in Guatemala-Stadt
zusammenkommen, damit
sie
diese Ansichten bei ihren Überlegungen berücksichtigen.
Wie ich bereits vor einigen Monaten auf Ellis Island ausgeführt habe,
hat diese Administration immer auf
Frieden und Demokratie ausgerichtete

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�regionale
diplomatische
Initiativen
unterstützt:
Die Bestrebungen unserer Nachbarn in Mittelamerika, der
demokratischen Widerstandskämpfer in
Nicaragua
und des
nicaraguanischen
Volkes gleichen sich in einem Hoffnungen - der Errichtung wahrhaft demokratischer Staatsformen in der Region mit den verbrieften Rechten der
Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit und dem einfachen Prinzip der
Selbstbestimmung.
Ich begrüße diese Bemühungen beider Parteien im Kongreß und ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß damit eine friedliche Lösung
des Konfliktes in Nicaragua herbeigeführt wird. Ich fordere die anderen
Nationen der Welt auf, diese Bemühungen ebenfalls
zu unterstützen und
keine Aktivitäten zu unternehmen, die
sie gefährden würden.
Frage:
Haben Sie Ihre Meinung
über die Sandinisten geändert, Herr
Präsident?
Frage:
Herr
Präsident,
warum
sind Sie jetzt bereit, den Sandinisten zu vertrauen und sich mit Ihnen
an den Verhandlungstisch zu setzen?
Trauen Sie Ihnen zu, daß sie ihren
Verpflichtungen nachkommen werden?
Antwort:
George
(Shultz)
diese Frage beantworten.

wird

Shultz:
Der
Präsident
war
stets
bereit, sich
für
regionale
Friedensinitiativen
einzusetzen
und
stellt sich voll und ganz hinter diesen Plan, zumal morgen in Guatemala
Stadt die Präsidenten Mittelamerikas
zusammentreffen sowie angesichts der
interessanten Entwicklung der Diskussionen zwischen den beiden Parteivorsitzenden im Kongreß über das, was
wir glauben und was wir vertreten
sollten.
Dies ist also keine Mei-

nungsänderung, sondern
sitive Entwicklung.

eine

sehr po-

Frage:
In
diesem
Plan
haben
wir Änderungen zum Arias-Friedensplan
vorgeschlagen - was wird geschehen,
wenn die Staatschefs einschließlich
Nicaragua übereinkommen, daß sie dem
Arias-Friedensplan zustimmen können?
Würden wir ihn dann unterstützen?
Antwort:
Wir unterbreiten hier
Ideen, die sich in zahlreichen Diskussionen, unter anderem unter der
Leitung
des
Sprechers
des
Repräsentantenhauses, Jim Wright, entwikkelt haben, und woran wir arbeiten
werden, ist der Erfolg.
Mit Erfolg
ist hier die Möglichkeit eines echten
regionalen Friedensabkommen in Mittelamerika
gemeint.
Darauf
zielen
wir ab.
Frage:
Das war aber nicht meine Frage.
Könnten - oder würden wir den Arias-Plan unterstützen, wenn
die Staatschefs ihn voll akzeptieren?
Antwort:
Dieser
jetzt
vom
Sprecher vorgelegte und von uns allen
erarbeitete Plan enthält im wesentlichen dieselben Bestandteile wie der
Arias-Plan, so wie ich ihn verstehe,
nämlich die Absicht, in ganz Mittelamerika
demokratische
Regierungen
einzuführen. Bezüglich des Zeitplans
gibt es noch einige Probleme, die für
alle Beteiligten sehr wichtig sind.
Wir sollten jedoch zunächst abwarten,
was die Diskussionen ergeben.
Frage:
Herr Außenminister, besteht Grund zu der Annahme - die
Sandinisten haben solche Vorschläge
früher oft in Betracht gezogen und
dann abgelehnt.
Was hat sich jetzt
geändert? Warum sollten wir glauben,
daß sie jetzt mehr Interesse dafür
zeigen?

�Antwort:
Natürlich möchte
ich
nicht versuchen, für sie einzutreten,
aber das, was hier vorgelegt wird,
ist vernünftig - es ist von vielen
Leuten hier unter vielen verschiedenen Aspekten diskutiert worden.
Es
befindet sich im Einklang mit den in
der
Region diskutierten
Problemen,
und ich glaube, wir sollten jetzt
einfach sagen, wofür wir sind; die
anderen müssen ihre Meinung vertreten.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Region und besonders in
Nicaragua sind schrecklich, so daß im
Namen der Menschen in der Region noch
viel getan werden muß.
Frage:
Herr
Außenminister,
seitens der Demokraten
im Kongreß
herrscht großes Mißtrauen, daß die
Administration dies in Erwartung der
ablehnenden Haltung der Sandinisten
tut, und daß Ihnen damit für den Rest
dieser Präsidentschaft weitere Hilfe
für die Contras zugesichert wird.
Antwort:
Sie haben hier
Erklärung abgegeben.
Gibt es
auch eine Frage?

eine
dazu

Frage:
Ich
sage, daß
dieses
Mißtrauen bei vielen Demokraten im
Kongreß besteht. Was sagen Sie dazu?
Antwort:
Bei vielen Leuten mit
sehr
unterschiedlichen
Meinungen
herrscht Mißtrauen demgegenüber, und
ich glaube, daß wir die Bemühungen
beider
Parteien als Basis unserer
starken diplomatischen Bemühungen zugrunde legen und alles daransetzen
müssen, um das Ergebnis hervorzubringen, daß meiner Meinung nach jeder
anstrebt.
Frage:
Aber ist das nicht nur
ein Schachzug, um mehr Hilfe für die
Contras zu bekommen?
Frage:

Warum

haben

Sie

die

Führer der Contras nicht gefragt?...
Antwort:
Es
ist kein Schachzug, es handelt sich hier um ernsthafte Bemühungen. Und der Präsident,
der Sprecher und auch andere Diskussionsteilnehmer glauben daran.
Sie
sind heute morgen hierher gekommen
und haben offen gesprochen. Sie hatten eine fruchtbare und ernsthafte
Diskussion. Und wir werden dazu erhebliche Bemühungen unternehmen.
Frage:
Können
Sie
sagen, ob
bereits seitens der nicaraguanischen
Regierung irgendeine Reaktion erfolgt
ist?
Der Sprecher, Mr. Wright, hat
uns einen Brief gezeigt, in dem der
Botschafter, auch wenn er dies nicht
unterschrieben
hat, wenigstens auf
einige positive Reaktionen
zu den
Vorschlägen hinwies. Können Sie uns
sagen, ob Sie dasselbe gehört haben?
Antwort:
Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden
hat gerade erst stattgefunden, und
das Dokument wurde abgesegnet.
Es
wird gerade, so schnell es die Bürokratie
im Außenministerium
zuläßt,
verteilt, so daß jeder den Text vorliegen hat. Die Vorsitzenden werden
sich nach Guatemala-Stadt begeben und
sich dort auf ihre Umgebung einstellen. Aber wir haben weder eine Reaktion vorbereitet noch waren wir in
der Lage, mit ihnen darüber zu sprechen, weil es noch nichts gab, über
das man hätte sprechen können.
Frage:
Was denken die Contras
darüber?
Sie sind Ihnen böse, weil
Sie nicht bereits gestern zu ihnen
gesprochen haben.
Antwort:
Sie treffen gegenwärtig mit dem Präsidenten zusammen, und
ich möchte dabeisein.
Aber meiner
Ansicht nach werden sie so weitermachen wie bisher - sie werden Frie-

- 3 -

�den, Demokratie und Freiheit in Nicaragua anstreben.
Dafür kämpfen sie.
Und wenn es einen Weg gibt, der dorthin führt, werden sie ihn einschlagen.
Frage

Warum haben sie nicht ...

Antwort:
Sie werden für
selbst sprechen, und sie sind
wohl in der Lage, das zu tun.

sich
sehr

Frage:
Wäre der Präsident
einem Waffenstillstand
bereit,
Contra-Hilfe einzustellen?

bei
die

Antwort:
Ist
verteilt worden?
Frage:
Ja, wir
de bekommen.
Antwort:
hier...

der

Friedensplan

haben

Lesen

ihn gera-

Sie

bitte

Frage:
Aber es ist unklar, was
angesichts
eines
Waffenstillstandes
passieren würde.
Antwort:
Das, was
vorgesehen
ist.
Im Hinblick auf Ihre Frage ist
der wichtigste Absatz...
Frage:

Frage:
Was ist, wenn militärische Hilfe erneut gewährt wird ...
Antwort:
Dort steht - humanitäre Hilfe würde weiterhin gewährt.
Frage:
Herr Außenminister, wie
steht es mit erneuten Lieferungen an
die
Contras
in
diesem
Zeitraum?
Strebt die Regierung das Recht an,
mit erneuten Lieferungen fortzufahren?
Antwort:
Es
heißt
hier, daß
Militärhilfe unter diesen auszuarbeitenden
Bedingungen
eingestellt
und
humanitäre Hilfe weiterhin geleistet
würde.
Wenn dies funktioniert, und
wenn die Leute wirklich bereit sind,
sich dafür einzusetzen, sehen wir einen Prozeß voraus, der einen Wandel
im Sinne einer Steuerung hervorbringen wird, so daß es Offenheit, Freiheit und eine Wahlkommission geben
wird, die Empfehlungen ausspricht.
Das ist ist diesem Zusammenhang
vorgesehen. Es sind allgemeine Prinzipien. Ich muß jetzt zu dieser Besprechung gehen.

Punkt Eins.

Antwort:
Unter
Punkt
Eins
steht: "Wir schlagen folgendes vor",
und sie sehen, daß ein Waffenstillstand für alle beteiligten Parteien
annehmenbare Bedingungen haben muß.
Dazu gehört auch die nicaraguanische
Widerstandsbewegung.
Und es ist vorgesehen, daß eine Reihe von Dingen
gleichzeitig
ablaufen würde.
Eins
davon
- wenn
all dies
überhaupt
gleichzeitig erfolgen kann - ist ein
Waffenstillstand,
und dann erfolgt
die Einstellung militärischer Hilfe.
Frage:
Aber
humanitäre
würde weiterhin geleistet?

Hilfe

* * * * *

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