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                    <text>oimolion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Februar 1985

k

INHALT
INFORMATION
Beryl W. Sprinkel zum Nachfolger von Martin Feldstein ernannt
- Neuer Vorsitzender des Virtschaftsbeirates des Präsidenten -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten überprüfen Haltung zu SALT IlrAbkommen
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Shultz: Auslandshilfe ist Investition in die Zukunft
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Auf3enpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sieben Astronauten an Bord
- Neuer CHALLENGER-Flug am 4. März 1985 -

Raumstation - Phase B
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�27. Februar 1985

BERYL W. SPRINKEL ZUM NACHFOLGER VON MARTIN FELDSTEIN ERNANNT
- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten -

WASHINGTON
führenden

-(AD)- Präsident

Reagan

hat

Beryl

W. Sprinkel, einen

Vertreter der monetaristischen Denkrichtung, am 22. Februar

1985 zum neuen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates ernannt. Sprinkel
tritt damit die Nachfolge von Martin Feldstein an, der wieder an die
Harvard- Universität zurückkehrt.
Sprinkel, der seit März 1981 im Finanzministerium als Staatssekretär
für monetäre Angelegenheiten tätig ist, war an entscheidender Stelle bei
der Ausformulierung der Finanz- und Kreditpolitik der Reagan-Administration beteiligt, nachdem er bereits zuvor als strikter Verfechter einer
strengen Kontrolle des Geldzuwachses - gleich, welche kurzfristigen Auswirkungen dies auf die Zinsen haben würde - bekanntgeworden war. Es ist
nicht zuletzt dieser Strategie, die gegen Ende 1979 von der amerikanischen Bundesbank übernommen wurde, zuzuschreiben, daß die Inflationsrate
in den Vereinigten Staaten mittlerweile in den Griff bekommen wurde.

Sprinkel ist Gegner irgendwelcher staatlicher Eingriffe auf dem Geld-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�dem Geldmarkt, um den Dollarwert gegenüber ausländischen Währungen zu beeinflussen. Vielmehr geht seine Überlegung dahin, daß -

wie er vor Re-

portern im Foreign Press Center in Washington vergangenen Dezember sagte
- "wir hoffen, daß bei Wirtschaftswachstum im Ausland - etwa in Westeuropa und Japan - sich auch die Wechselkurse der Währungen dieser Länder
verbessern und sich dadurch die Investitionsentscheidungen wieder weniger
auf die Vereinigten Staaten konzentrieren und wir zu einer graduellen
Verringerung des Dollarwertes gelangen".

Im Finanzministerium war Sprinkel auch für die Entwicklung einer ame-

»

*

rikanischen Politik hinsichtlich der internationalen Finanzinstitutionen
wie etwa dem Internationalen Währungsfonds (INF) zuständig. In einem Interview, das er 1984 der vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebenen
Publikation "Economic Impact" gab, sagte Sprinkel, die Anpassungsprogramme des IWF seien eine pragmatische Reaktion auf die Schuldenprobleme der
Entwicklungsländer: "Kurzfristig wird dieser Prozeß wahrscheinlich ziemlich schmerzhaft sein..., doch schafft er die Voraussetzungen für eine
anhaltende Verbesserung des Lebensstandards, der Produktion und der Beschäftigungssituation."

Vor seinem Eintritt ins Finanzministerium war Sprinkel Vizepräsident
bei der Harris Trust and Savings Bank in Chikago, wo er insgesamt 28 Jahre tätig war. Daneben war er Direktor von "Harris Economics", einem Beratungsdienst dieser Bank in Wirtschafts- und Finanzfragen. Daneben war er
Mitglied des Wirtschaftbeirats der Zeitschrift TIME, Vorsitzender des Beraterausschusses der American Bankers Association sowie Mitglied des Direktionsgremiums der amerikanischen Handelskammer.
M

Sprinkel, 1923 auf einer Farm bei Richmond, Missouri, geboren, studierte an der University of Missouri und der University of Chicago und
schloß diese Studien mit einem M.A. und einem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften ab. Er ist verheiratet und lebt in McLean im amerikanischen Bundesstaat Virginia.

* * * * *

�27. Februar 1985

VEREINIGTE STAATEN 'ÜBERPRÜFEN HALTUNG ZU SALT-II-ABKOMMEN
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Präsident Reagan hielt

am 21. Februar

1985 in

Washington eine Pressekonferenz ab, die überwiegend im Zeichen innenpolitischer Themen, wie der geplanten Steuerreform und der Lage der Farmer,
stand. Die außenpolitischen Passagen, deren Wortlaut wir im folgenden
auszugsweise wiedergeben, bezogen sich auf Fragen der Rüstungskontrolle,
den Nahen Osten, Nicaragua und die Währungspolitik:

SALT-II-Abkommen

FRAGE: Jack Anderson schrieb heute in seiner Kolumne, daß Sie 1981
Moskau hätten wissen lassen, daß Sie das SALT-II-Abkommen selbst dann
nicht unterzeichnen würden, wenn es vom Senat ratifiziert würde, und daß
Moskau Ihnen 1982 mitgeteilt habe, daß die Sowjetunion nicht mehr an den
SALT-II-Vertrag gebunden sei und über dessen Grenzen hinaus aufrüsten
werde. Entspricht das den Tatsachen ? ...
ANTWORT

Ich kann mich an keine derartigen Erklärungen seitens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Erklärungen seitens der Sowjetunion erinnern. Beide Länder haben sich
hauptsächlich wegen der weiterlaufenden Bemühungen um Rüstungskontrollverhandlungen an die Beschränkungen (des SALT-II-Vertrags) gehalten ...
Wir waren der Auffassung, daß es für den Fall, daß es zu neuen Gesprächen
käme, besser sei, an einem Abkommen festzuhalten, das zwar nicht ratifiziert, aber immerhin von unserer damaligen Regierung unterzeichnet worden
war ... Inzwischen sind wir jedoch sicher, daß die Sowjetunion sich über
einige der Beschränkungen hinweggesetzt hat ... Daher steht nun etwas in
Frage, woran wir bislang festgehalten haben. Wenn wir alte Waffen durch
neue ersetzt haben, haben wir stets die alten zerstört. Eine der Vertragsverletzungen der Sowjetunion besteht jedoch darin, daß sie mit Nuklearraketen ausgerüstete Unterseeboote zwar außer Dienst gestellt, sie
dann aber für den Einsatz von Marschflugkörpern umgebaut hat ...

FRAGE: Wollen Sie sich nun weiter an die ausgehandelten Verträge, also z.B. an den ABM-Vertrag halten, während die neuen Verhandlungen anlaufen ?

ANTWORT: Wir werden uns weiter an die Verträge halten, die ratifiziert und in Kraft sind ...
FRAGE: Und SALT-II ?

ANTWORT: Wir werden in einigen Monaten darüber entscheiden, ob wir
genau wie die Sowjetunion dazu übergehen, die vertraglichen Beschränkungen zu verletzen.

Naher Osten

FRAGE: Diese Wochen sind in Wien amerikanische und sowjetische Regierung svert reter zu zweitägigen Gesprächen über den Nahen Osten zusammengetroffen ... Können Sie uns darüber etwas sagen ? ...

ANTWORT: ... Wir waren einfach der Meinung, daß es Zeit für einen
Meinungsaustausch sei, um sicherzustellen, daß es nicht zu irgendwelchen
Fehlkalkulationen kommt, die zu Konfrontationen oder anderen Problemen

2

�anderen Problemen führen könnten. Wir haben die Sowjets über unsere derzeitige Haltung unterrichtet, und sie haben uns die ihre dargelegt; das
war alles.

FRAGE: Strebt die sowjetische Regierung immer noch eine unmittelbare
Verhandlungsrolle im Rahmen der Nahostdiplomatie an ? ...
ANTWORT: Man hat mich noch nicht soweit ins Bild gesetzt, daß ich sagen könnte, ob die Sowjets etwas Konkretes erwähnt haben. Sie haben bislang dazu geneigt, die Vorstellung einer großen internationalen Zusammenkunft zu unterstützen. .Vir sind nicht dafür. Wir glauben nicht, daß so
viele Hände in dem Topf rühren sollten. .Vir gehen auch nicht davon aus,
daß wir selbst an Verhandlungen teilnehmen würden. -Vir haben stets gesagt, daß wir am Rande stehen und nach bestem Vermögen helfen werden, daß
die eigentlichen Verhandlungen aber eine Angelegenheit der Araber, der
Palästinenser und der Israelis sind.

Nicaragua
FRAGE: Außenminister Shultz hat gestern zu verstehen gegeben, dab die
Beseitigung der sandinistischen Regierung Nicaraguas eines der Ziele Ihrer Politik ist ... Ist das Ihr Ziel ?
ANTWORT: Wir wollen sie in ihrer gegenwärtigen Form beseitigen, in
der sie einen kommunistischen, totalitären Staat bildet. Es handelt sich
nicht um eine vom Volke gewählte Regierung ... Wir fühlen uns verpflichtet, Freiheitskämpfern von Afghanistan bis Nicaragua zu helfen, wo wir
können ...

FRAGE: Wenn Sie "beseitigen in ihrer gegenwärtigen Form" sayen, heibt
das dann nicht, daß Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas
befürworten ?

ANTWORT: Was ich sagen will, ist, daß diese gegenwärtige Regierung
nur ein Element im Kampf gegen Somoza war. Die Freiheitskämpfer waren ein
anderes Element dieser Revolution. Nachdem aber der Sieg errungen war,
- 3 -

�errungen war, haben die Sandinisten genau das getan, was zuvor schon Castro auf Kuba getan hatte. Sie schafften sich die anderen Elemente der
Revolution vom Leibe und brachen die Versprechen, die sie der Organisation Amerikanischer Staaten gegeben hatten, nämlich, daü die Ziele ihrer
Revolution Demokratie, Pressefreiheit, Redefreiheit, Gewerkschaftsfreiheit, Wahlen usw. seien ... Die, die gegen die Sandinisten kämpfen, die
Freiheitskämpfer, sind Nicaraguaner, die die Ziele der Revolution wiederherstellen wollen. Wir werden versuchen, ihnen zu helfen.

FRAGE: Lautet die Antwort auf die Frage, ob Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas befürworten, dann Ja ? ...

ANTWORT: Nicht, wenn diese gegenwärtige Regierung anderen Sinnes werden und sagen würde: ... Laut uns die Probleme beilegen und die ursprünglichen Ziele verwirklichen.

Währungspolitik

FRAGE: ... Das Problem unserer Farmer besteht z.T. darin, daü sie wegen des überbewerteten Dollars im internationalen Handel preislich nicht
mehr wettbewerbsfähig sind ... Haben Sie erwogen, etwas zu unternehmen,
um den Wechselkurs des Dollar gegenüber anderen Währungen in Europa und
Asien zu senken ?
ANTWORT: Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als der Dollar unterbewertet war; darüber waren auch nicht sehr viele Leute glücklich. Ich
glaube, das Problem des Dollar besteht heute darin, daß unsere Handelspartner in der Welt bisher keinen so starken Konjunkturaufschwung wie wir
erzielen konnten ... Was wirklich notwendig ist, ist eine Belebung ihrer
Wirtschaft, so daß der Wert ihrer Währungen im Verhältnis zu dem der unseren wieder steigt. Das Problem des Handelsdefizits hat zwei Seiten ...
Einerseits haben wir wegen des hohen Dollarkurses Schwierigkeiten, Güter
im Ausland zu verkaufen ... Gleichzeitig profitieren davon aber auch die
Menschen in unserem Lande, indem sie billige Importwaren kaufen können
... Das hält die Inflation unten. Wenn man herumspielt und versucht, den
Dollarkurs zu senken, ohne sich um diese andere Seite des Problems zu

�Problems zu kümmern, dann setzt man die Inflationsschraube wieder in
Gang, und das wollen wir nicht.
Heltraumwaffen
FRAGE: denn Sie und Frau Thatcher in der Annahme rechtgehen, dalo die
Sowjets beabsichtigen, bei den Verhandlungen in Genf Fortschritte in den
Fragen der Mittelstreckenwaffen und der strategischen Waffen von Zugeständnissen Ihrerseits im Hinblick auf Weltraumdefensivwaffen abhängig zu
machen, zu welchen Konzessionen sind Sie dann bereit, um ein Rüstungskontrollabkommen unter Dach und Fach zu bringen ?

ANTWORT: Wenn es den Sowjets ernst ist mit dem, was sie gesagt haben
- d. h. , daß sie die Kernwaffen wirklich vermindern und sogar ganz beseitigen wollen - dann werden sie nach unserer Überzeugung am Konferenztisch
bleiben und mit uns verhandeln. Alles, was wir vorgeschlagen haben und
tun, ist, Forschungsarbeiten zu betreiben. Nach dem AHM-Vertrag ist das
zulässig; wir verstoßen nicht gegen diesen Vertrag. Wenn sich durch unsere Forschungsarbeiten tatsächlich die Möglichkeit zum Bau einer Defensivwaffe ergibt, die das Gleichgewicht verändern könnte, dann wäre ich, wie
ich wiederholt gesagt habe, bereit, vor deren tatsächlicher Einführung zu
verhandeln und über die Aufstellung und den Einsatz dieser Waffe zu sprechen, so daß sie verwandt werden würde, um die Welt von der nuklearen Bedrohung zu befreien, nicht aber, um uns einen Vorteil gegenüber irgendjemand anderem zu verschaffen ...

* * * * *

- 5-

�27. Februar 1985

SHULTZ: AUSLANDSHILFE IST INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
hat sich vor dem Kongreß für ein kombiniertes Auslandshilfeprogramm in
Höhe von 14,8 Milliarden Dollar eingesetzt.

In einer längeren Erklärung

vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 19. Februar
1985 bezeichnete Shultz die Auslandshilfe als eine kluge Investition in
die Zukunft.

Der amerikanische Außenminister hob hervor, daß die Verei-

nigten Staaten in einer einmaligen Anstrengung seit Oktober vorigen Jahres über 400 Millionen Dollar aufgebracht haben, um über eine Million
Tonnen an Lebensmittel- und sonstiger humanitärer Hilfe nach Afrika zu
schicken.

Als die beiden Hauptempfängerländer amerikanischer Auslands-

hilfe nannte Shultz Israel und Ägypten.

In Europa erhalten die NMTO-

Länder Spanien, Portugal, Griechenland und Türkei Sicherheitshilfe.

Da-

bei streben die Vereinigten Staaten auch eine Lösung der Zypernfrage an.

Der

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Der amerikanische Auf3enminister betonte vor dem Kongreßausschuß, daß
die Anforderungen der Reagan-Administration das "absolute Minimum" seien.

"Unsere Auslandshilfeprogramme

sind von lebenswichtiger Bedeutung

für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele", betonte Shultz.

Die Erklärung des Außenministers hat folgenden ,Vortlaut:

Ich weiß, daß wir uns über die Notwendigkeit einig sind, im Ausland
kluge Investitionen vorzunehmen, um unsere nationale Sicherheit zu stärken, wirtschaftliche und politische Freiheit zu fördern und den humanitären Anliegen des amerikanischen Volkes gerecht zu werden.
fe ist eine solche Investition.

Auslandshil-

Unser Auslandshilfeantrag für das Haus-

haltsjahr 1985 wird diesem Ausschuß jedoch zu einer Zeit unterbreitet, in
der diese Administration und der Kongreß sich verpflichtet haben, unser
Haushaltsdefizit abzubauen.

Als ehemaliger Direktor des Haushaltsamtes

weiß ich vielleicht besser als mancher andere, was für eine gewaltige
Aufgabe das ist und welch schmerzliche .V ahl hier und da getroffen werden
muß.

Aus der Erkenntnis der übergeordneten Bedeutung einer Senkung des
Haushaltsdefizits heraus haben wir unsere wirtschaftlichen und militärischen Hilfsprogramme sorgfältig auf einen Umfang und eine Zusammensetzung gebracht, die den Minimalanforderungen für die Unterstützung unserer
Außenpolitik entsprechen.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß unsere Auslandshilfsprogramme von lebenswichtiger Bedeutung für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele sind.

Eine Welt des Friedens, der Freiheit, der interna-

tionalen Stabilität und des menschlichen Fortschritts kann nicht von den
Vereinigten Staaten allein aufgebaut werden.

,V ir brauchen die Unterstüt-

zung und Kooperation der vielen Freunde und Verbündeten in der ganzen
Welt, die unsere Hoffnungen und Träume von einer besseren .Veit teilen und
die sich auf uns verlassen.

Und wenn wir angesichts der schweren und

manchmal gefährlichen Herausforderungen der modernen -Veit mit ihrer Unterstützung rechnen wollen, dann müssen wir selbst ein verläßlicher Part-

�verläßlicher Partner sein.

Wir müssen konsequent sein in unserer Hingabe

an die Werte, die wir so hoch schätzen und verkünden:

die Förderung des

Wohlstandes, die Verteidigung der Freiheit, der Aufbau der Demokratie und
die Achtung der Menschenrechte, die Linderung

des Leidens sowie der

Schutz unserer Freunde und Verbündeten vor Aggression.

In seiner Botschaft über die Lage der Nation hat Präsident Reagan
darauf hingewiesen, daß "Dollar für Dollar an Sicherheitsunterstützung
ebenso viel zur Sicherheit der Welt beiträgt wie unser eigener Verteidigungshaushalt".

Die Stärkung unserer Freunde ist einer der wirksamsten

Wege, unsere Interessen zu schützen und unsere Ziele zu fördern.

Sie

gibt ihnen die Fähigkeit und das Zutrauen, sich selbst zu verteidigen und
für den Frieden zu arbeiten.

Wenn wir heute bereit sind, den relativ be-

scheidenen Preis zu bezahlen und die notwendigen Opfer zu bringen, dann
können wir uns für die Zukunft einen sehr viel höheren Preis und sehr
viel größere Opfer ersparen.

Auslandshilfe ist eine kluge Investition in

unsere Zukunft und die Zukunft der Welt.

Vor zwei Jahren bin ich zum erstenmal vor diesem ehrenwerten Musschuß
erschienen, um unsere Auslandshilfeprogramme zu rechtfertigen.

Ich habe

damals wie auch im vorigen Jahr versucht aufzuzeigen, wie eng unsere Auslandshilfeprogramme

mit

unseren

grundlegenden

außenpolitischen

Zielen

verflochten sind.

Die Ereignisse der letzten zwei Jahre haben mich mehr denn je überzeugt, daß wir auf dem richtigen Weg sind.

Wir haben unsere Beziehungen

zu unseren Freunden in der Entwicklungswelt gegen den sowjetischen Expansionismus gestärkt.

Wir haben erlebt, daß eine Reihe von Entwicklungs-

ländern sich in Richtung freierer und offenerer Volkswirtschaften bewegen.

Die Welt begreift mehr und mehr, daß statische Wirtschaftssysteme

nicht funktionieren.

Freie Marktwirtschaften funktionieren.

Und wir ha-

ben einen außerordentlichen Fortschritt in der Entwicklung demokratischer
Institutionen und den Niedergang von Diktaturen, vor allem in unserer eigenen Hemisphäre, erlebt.

Es

ist

kein

�Es ist kein Zufall, daß wir mit der Entstehung freierer Gesellschaften auch offenere Volkswirtschaften sehen.
das andere.
Wachstum.

Das eine ergänzt und stärkt

Menschen wollen, wenn sie die Wahl haben, wirtschaftliches

Sie wollen Prosperität.

Sie brauchen nur die persönliche Si-

cherheit und das politische und wirtschaftliche Umfeld, das ihnen die
Ausübung ihres Willens und die Anwendung ihrer Talente erlaubt.

Wenn wir

also die Sicherheit und die territoriale Integrität unserer Freunde unterstützen, dann fördern wir damit die grundlegendsten menschlichen Ziele, nämlich Wohlstand und Freiheit.
nem weiteren Ziel, dem Frieden.

Aber wir dienen damit auch noch ei-

Wir haben im Laufe der Jahre immer wie-

der erlebt,daß wirtschaftlicher Fortschritt, persönliche Freiheit und
Weltfrieden eng miteinander verknüpft sind.
ner zweiten Amtsantrittsrede sagte:

Wie Präsident Reagan in sei-

"Amerika muß der unverbrüchliche

Freund der Freiheit bleiben, denn die Freiheit ist unser bester Verbündeter und die einzige Hoffnung der Welt, die Armut zu überwinden und den
Frieden zu bewahren.

Jeder Schlag, den wir der Armut zufügen, wird ein

Schlag gegen ihre dunklen Verbündeten der Unterdrückung und des Krieges
sein.

Jeder Sieg der menschlichen Freiheit wird ein Sieg des Weltfrie-

dens sein."

Heute erleben wir in der Dritten Welt Entwicklungen, die, wenn wir
sie weiterhin fördern, zu einer sichereren und blühenden Welt führen werden.

Es ist unvermeidbar, daß es gelegentlich Rückschläge gibt, aber

wenn wir den Kurs halten, dann wird nach meiner 'Überzeugung das Muster
stabiler und demokratischer Regierungen immer deutlicher hervortreten und
wachsen und stärker werden.

Es bleibt noch viel zu tun.

Der wirksamste Beitrag, den wir der Ent-

wicklungswelt leisten können, ist die Aufrechterhaltung einer gesunden
amerikanischen Volkswirtschaft. Unsere wirtschaftliche Wachstumsrate 1983
war einer der Hauptgründe für den scharfen Anstieg der Einfuhren aus
nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländern auf 92,3 Milliarden Dollar - etwa 14 Prozent mehr als im Jahr davor.

Die Entwicklungsländer

werden im Jahr 1984 noch mehr Gewinn aus dem starken Wachstum unserer
Wirtschaft ziehen.

Darüber hinaus profitieren viele der Entwicklungslän- 4 -

�der Entwicklungsländer von den niedrigeren Kosten des Schuldendienstes
als Ergebnis des Fortschritts, den wir bei der Senkung der amerikanischen
Zinssätze erzielt haben.

Sie gewinnen, wie wir, auch von unserer Ver-

pflichtung, protektionistische Kräfte nicht hochkommen zu lassen.

Mehr als durch jeden anderen Faktor wird jedoch die Innenpolitik
dieser Länder durch Stärke und Durchhaltekraft ihrer Volkswirtschaften
und ihrer politischen Institutionen bestimmt.

Unsere Auslandshilfe kann

jene entscheidend wichtigen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um diese Ziele zu erreichen.
Aus diesem Rahmenvorstellungen

heraus haben

wir eine

sorgfältige

Haushaltsprüfung vorgenommen, um dafür zu sorgen, daß die Summe unserer
Mittel und jeder einzelne Posten das absolute Minimum betragen, das für
die Verwirklichung und Unterstützung unserer Außenpolitik notwendig ist.

Überblick über den Haushalt 1986 und die Ergänzungsvorlage 1985

Die Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 beläuft sich auf
insgesamt 14,8 Milliarden Dollar, d.h. um 300 Millionen weniger als der
Stand der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr 1985.

Wie

ich später darlegen werde, müssen wir noch den Umfang der Wirtschaftshilfe für Israel festlegen.

Wenn diese Zahl schließlich mit einbezogen sein

wird, dann wird die Gesamtsumme unserer Anforderung höher liegen als im
Vorjahr.

Die Wirtschaftshilfe - die Entwicklungshilfe, Lebensmittelhilfe

nach dem Gesetz PL 480, den Wirtschaftsunterstützungsfonds sowie Beiträge
zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen
auf 8,2 Milliarden Dollar.

einschließt - beläuft sich

Die Militärhilfe, zu der Zuwendungen, Kredite

und Ausbildungshilfe gehören, beträgt 6,6 Milliarden Dollar.

Die weiteren 4,5 Milliarden Dollar, die für internationale Angelegenheiten beantragt werden - Haushaltsposten 150 - dienen hauptsächlich der
Finanzierung der Tätigkeiten des Außenministeriums, des US-Informationsamtes (USIA), der Export-Import-Bank, des Ausschusses für Internationale

�für Internationale Sendungen, unserer geschätzten Beiträge zu internationalen Organisationen, der Beiträge zu Friedensmissionen der Vereinten Nationen und der Beteiligung Amerikas an multilateralen

internationalen

Konferenzen.

Im Rahmen der Ausgaben für internationale Angelegenheiten - Haushaltsposten 150 - würden nach unserem Antrag einige Posten steigen und
andere zurückgehen.

Die Funktion 150 liegt jedoch insgesamt wesentlich

unter dem für das Haushaltsjahr 1985 verabschiedeten Stand.

Dies wird so

bleiben, selbst wenn eine zusätzliche Summe für Israel, die wir vielleicht beantragen werden, bewilligt wird.

Diese Erhöhungen und Verringe-

rungen in den einzelnen Bewilligungsposten lassen die Prioritäten der
Administration und den Grundgedanken des Einfrierens erkennen, der auf
die Aufstellung dieses Haushaltsvoranschlages angewandt wurde.

Sie las-

sen ferner unsere Bemühungen erkennen, unsere knappen Mittel so zu verteilen, daß sie einen maximalen Ertrag für unsere Außenpolitik erbringen
und dazu beitragen, den dringenden Entwicklungs- und Sicherheitsbedarf
unserer strategischen Partner zu decken.

Unsere Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 enthält nur
eine bescheidene neue Initiative - ein verstärktes .Virtschaftshilfepaket
für die Andendemokratien Ecuador, Peru und Bolivien.

Mit dieser einzigen

Ausnahme stellt unser Haushaltsantrag 1986 im großen und ganzen ein Programm der Kontinuität dar, nach dem wir arbeiten, und läßt sowohl die gesamtfiskalischen Begrenzungen erkennen, nach denen wir uns richten müssen, als auch die Tatsache, daß viele unserer früheren Initiativen - vor
allem in Mittelamerika - gut im Zuge sind und einen Fortschritt zu zeigen
beginnen.
Hie

in der Vergangenheit ist der größte Einzelposten unseres Aus-

landshilfeantrages - 28 Prozent der Gesamtsumme - für Israel und Ägypten
vorgesehen.

Dieser Prozentsatz wird natürlich höher liegen, wenn wir die

rtirtschaftshilfefonds für Israel einschließen.

Die Hilfe für Länder, die

uns Stützpunktrechte einräumen - Spanien, Portugal, Griechenland, die
Türkei und die Philippinen - machen weitere 16 Prozent aus; Staaten, in
denen wir militärischen Zugang haben, oder Frontstaaten wie Korea und
- 6 -

�Korea und Thailand bekommen weitere 13 Prozent.

Mittelamerika und die

Karibik machen weitere 11 Prozent unseres Antrages aus.

Die Programme

für alle anderen Staaten belaufen sich nur auf 12 Prozent der insgesamt
beantrag- ten Mittel.

Diese 12 Prozent sind jedoch auf über 80 verschie-

dene Länder und Regionalprogramme verteilt.

Und schließlich machen Bei-

träge zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen und freiwillige Beiträge an internationale Organisationen und Programme rund 12 Prozent des Antrags aus; die restlichen Beträge werden aufgewandt für das amerikanische
Friedenskorps, die Auswanderer- und Flüchtlingshilfe, internationale Maßnahmen zur Rauschgiftkontrolle und eine Reihe kleinerer Programme.
rienn ich mich jetzt den einzelnen Posten unseres Antrages zuwende,
dann möchte ich folgende kurze Bemerkungen machen:

- Für die Entwicklungshilfe beantragen wir 2,1 Milliarden Dollar, um
gegen die große Armut in Afrika und Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten anzukämpfen und dazu beizutragen, die Grundlagen für wirtschaftlichen Fortschritt zu legen.

Wir legen großen Nachdruck auf

politische Reformen, eine größere Heranziehung des privaten Sektors
und auf Technologietransfer, um Durchbrüche in der Entwicklung zu erzielen.

Diese -JirtSchaftsprogramme sind ein entscheidender Aspekt

unserer außenpolitischen Gesamtziele.

- In einem engen Zusammenhang mit dem Entwicklungshilfeantrag steht ein
Antrag auf 1,3 Milliarden Dollar im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes
480 für Lebensmittelhilfe
freundete Regierungen.

und Zahlungsbilanzunterstützung

für be-

Lebensmittel sind und bleiben das Kernstück

der humanitären Antwort des amerikanischen Volkes auf die tragische
Hungersnot in Afrika.

- Die 2,8 Milliarden Dollar, die wir für den rtirtschaftsunterstützungsfonds beantragt haben, liegen um eine Milliarde Dollar unter dem Betrag, der in der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr
1985 bewilligt wurde.

Dies ist zum Teil auf die Tatsache zurückzu-

führen, daß wir abgewartet haben, irgendwelche Mittel für Israel im

�Israel im Rahmen dieses Fonds zu beantragen.

Ich werde auf die Frage

der Wirtschaftshilfe für Israel später zurückkommen.

- Unser Antrag für Militärhilfe - d.h. direkte Kredite für ausländische
Militärkäufe und Zuwendungen für Militärhilfeprogramme - liegt 860
Millionen Dollar über den Bewilligungen von 1985.

Der größte Teil

dieses Anstiegs, nämlich 525 Millionen Dollar, entfällt auf Israel 1,8 Milliarden Dollar gegenüber 1,4 Milliarden Dollar 1985 - und
'Ägypten - mit 1,3 Milliarden Dollar gegenüber 1,175 Milliarden Dollar.

Darüber hinaus wurde unser Militärhilfeantrag für die Türkei

von dem Stand von 700 Millionen Dollar 1985 auf 785 Millionen Dollar
erhöht.

Für die Philippinen beantragen wir eine Erhöhung um 75 Mil-

lionen Dollar gegenüber dem Stand des Haushaltsjahres 1985.

- Die 2,5 Milliarden Dollar, die wir für die Haushaltsunterfunktion 153
beantragt haben, schließen entscheidend wichtige Mittel zur Förderung
unserer

Sicherheitsprogramme

angesichts

wachsender

terroristischer

Drohungen gegen amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen ein.

Ferner werden zusätzliche Mittel beantragt, um die Fähig-

keit des Außenministeriums zu verbessern, außenpolitische Informationen zu sammeln und zu interpretieren.

Zusammen mit unserem Antrag für das Haushaltsjahr 1986 unterbreiten
wir drei Nachtragsanträge für das Haushaltsjahr 1985.

Dazu gehören 235

Millionen Dollar an neuen Ausgabeermächtigungen, um unser Ein-MilliardenDollar-Hilfspaket für die Opfer der Hungersnot abzuschließen, die weiterhin große Teile Afrikas südlich der Sahara heimsucht; 237 Millionen Dollar, um unseren rückständigen Zahlungen an mehrere multilaterale Entwicklungseinrichtungen nachzukommen; und 252 Millionen Dollar, um vor allem
zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen im Ausland zu treffea

DIE REGIONEN

�DIE REGIONEN

Lateinamerika und die Karibik

Nirgendwo erscheint die dynamische Verknüpfung von Auslandshilfe und
nationalen Interessen der Vereinigten Staaten wie auch die von Demokratie
und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten in klarerem Licht als in
Lateinamerika und in der Karibik. Gerade im vergangenen Jahr hat sich mit
aller Deutlichkeit gezeigt, daß eine demokratische Entwicklung und eine
Absage sowohl an die kommunistische Linke als auch an die extreme Rechte
die Schlüsselfaktoren für einen dauerhaften Frieden und für eine Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards bildea

Unsere Strategie der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung von prodemokratischen Kräften hat sich als tragfähig erwiesen. In Anbetracht der Vielschichtigkeit der Lage sollten wir einen Blick
auf die bisherigen Ergebnisse werfen.
Noch 1979 mußte man vier der fünf Staaten Mittelamerikas als undemokratisch bezeichnen, aber in den vergangenen sechs Jahren ist es zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Nur Nicaragua ist heute immer noch eine Diktatur, wobei an die Stelle eines rechtsgerichteten Tyrannen eine
linksgerichtete Tyrannei getreten ist. Nur Costa Rica hat sich politisch
nicht verändert: Wie damals schon ist es auch heute ein durch und durch
demokratisches Staatswesen, obwohl es sich zunehmend und berechtigterweise Sorgen über die Bedrohung macht, der es sich durch das neue und schwer
bewaffnete kommunistische Willkürregime in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ausgesetzt sieht.

In El Salvador waren die spektakulärsten Fortschritte zu verzeichnen.
Noch vor einem Jahr war man in den Vereinigten Staaten, in Westeuropa und
sogar in Lateinamerika vielfach der Ansicht, daß El Salvador in einen
endlosen Krieg zwischen linksgerichteten Guerilleros und rechtsgerichteten Todesschwadronen verstrickt sei. Die Nationale Überparteiliche Kom- 9-

�überparteiliche Kommission für Mittelamerika hielt jedoch an der "Überzeugung fest, daß eine aus Wahlen hervorgegangene Demokratie und ein politischer Dialog - nicht aber eine dem Land von außen aufgezwungene "Teilung der Macht" - eine tragfähige Grundlage abgeben würde, von der aus
die unauflöslich ineinan- der verflochtenen wirtschaftlichen, sozialen,
allgemein- und sicherheitspolitischen Probleme angegangen werden können.
Es bedurfte verstärkter wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Unterstützung, um der Demokratie, den Reformen und der wirtschaftlichen
Niederbelebung eine Chance zu geben, sich durchzusetzen.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, daß der von Präsident Duarte eingeschlagene lieg derjenige war, der die beste Gewähr für mehr Achtung vor
den Menschenrechten und für eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschen bot.

Die Salvadorianer selbst haben im Jahre 1984 in den beiden

Wahlgängen der Nationalwahlen diese 'Überzeugung zum Ausdruck gebracht und nochmals, auf einer anderen Ebene, als ein ziviles Schwurgericht fünf
ehemalige Mitglieder der Nationalgarde des Mordes an vier amerikanischen
Ordensschwestern für schuldig befand. Diese demokratische Erneuerung fand
die einmütige Unterstützung der Nationalen Überparteilichen Kommission,
Präsident Reagans, einer Parteigrenzen übergreifenden Mehrheit des Kongresses sowie der europäischen Sozial- und Christdemokraten.

Es wäre naiv, zu behaupten, daß in El Salvador heute alles einen .Veg
der Reformen, der politischen Mitte und des Friedens geht.

Die Fort-

schritte sind jedoch tiefgreifend und unbestreitbar. Sie sind zu einem
nicht geringen Teil dem festen Einstehen der Vereinigten Staaten für bestimmte Prinzipien und für die Freunde Amerikas in El Salvador zu verdanken.

Nicht nur die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in El Salvador,
sondern auch die in Guatemala bezeugen, wie gefährlich es ist, Urteile
auf der Grundlage von Klischees zu fällen. Guatemala, das oftmals als das
Land mit den "schärfsten inneren Gegensätzen" und den "geringsten Aussichten auf eine demokratische Entwicklung" betrachtet wurde, hat solche
herkömmlichen Urteile Lügen gestraft. Die vor sieben Monaten abgehaltenen
- 10 -

�Monaten abgehaltenen Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung wurden
nicht nur weithin als ehrlich und offen anerkannt, sondern enthüllten zur
Überraschung vieler Beobachter auch, daß Kräfte der Mitte die politische
Mehrheit bilden. Daß die Guatemalteken fast ausschließlich aus eigener
Kraft diesen ,Veg eingeschlagen haben, ist ermutigend.

Es gibt jedoch eine Frage, an der sich immer noch beträchtliche Meinung sgegensätze entzünden: Nicaragua. Nährend wir in ganz Mittelamerika
demokratische Reformen fördern, begünstigen die Sowjetunion und Kuba die
Errichtung einer kommunistischen Diktatur in Nicaragua.

Solange die Kräfte der Diktatur keine Hemmungen haben, im Namen des
"proletarischen Internationalismus" den Untergrundkampf anzuheizen und zu
unterstützen, wäre es absurd, wenn die demokratischen Staaten sich selbst
nicht das Recnt zugeständen, die Sache der Demokratie voranzubringen.
Der Friede und die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelamerika erfordern sowohl eine verläßliche, sich über viele Jahre erstreckende Finanzhilfe als auch die Gewißheit, daß diese langfristigen Verpflichtungen
auch weiterhin an Gerechtigkeit, Reformen und Freiheit geknüpft bleiben.
Unterstützung durch beide Kongreßparteien ist wesentlich, wenn die Initiative für Mittelamerika den Ansprüchen der überparteilichen Kommission
gerecht werden soll, die gefordert hatte, daß die Vereinigten Staaten eine bis 1989 gültige Verpflichtung übernehmen sollten, in einer kontinuierlichen und voraussagbaren Weise eine Kombination von wirtschaftlichen,
diplomatischen,

allgemein-

und

sicherheitspolitischen

Hilfsmaßnahmen

durchzuführen, deren einzelne Elemente sich wechselseitig verstärken.

Im Rahmen dieser Initiative sollen durch eine Kombination aus umfangreichen wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen und politischen Reformen die Wurzeln der Armut und des politischen Aufruhrs beseitigt werden.

Viele Ar-

beiten sind bereits in Angriff genommen worden. Gespräche mit den Empfängerländern über makroökonomische Anpassungsprozesse finden statt. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Stabilisierung sind Fortschritte erzielt
worden. Im April werden in einzelnen Regionen technische Ausbildungspro- 11 -

�technische Ausbildungsprogramme anlaufen. In dem Bestreben, das Justizwesen der betreffenden Länder zu verbessern, haben wir mit verschiedenen
Regierungen und nicht regierungsamtlichen Organisationen die Zusammenarbeit aufgenommen.

Durch die AID (die amerikanische Behörde für Interna-

tionale Entwicklung - Agency for International Development) und die Export-Import-Bank ist ein Versicherungsprogramm für Handelskredite aufgestellt worden. Die Wiederbelebung und Stärkung der Mittelamerikanischen
Bank für Wirtschaftliche Integration wird geprüft.

Ferner unterstützen

wir aktiv die Wiederbelebung des Gemeinsamen Marktes Mittelamerikas.

Auch der demokratische Trend in der Andenregion ist eindrucksvoll.
Alle der fünf Länder dort besitzen demokratisch gewählte Regierungen. Wie
ihre lateinamerikanischen Nachbarländer im Norden sehen sich auch viele
dieser Staaten ernstzunehmenden Gefahren für ihre Wirtschaft gegenüber.

Ecuador, Peru und Bolivien waren von der letzten weltweiten Rezession
besonders hart betroffen. Ihre Schwierigkeiten wurden durch verheerende
Unwetter, durch Preiseinbrüche bei ihren Hauptexportgütern und im Falle
Perus auch durch eine bösartige maoistische Guerillabewegung noch weiter
verschlimmert.

Die genannten Länder verdienen unsere Hilfe, und es liegt in unserem
Interesse, sie ihnen zu gewähren. Wir schlagen vor, ihre Bemühungen um
wirtschaftliche Erholung mit einem besonderen Andenprogramm zu unterstützen, das im wesentlichen Mittel der Wirtschaftshilfe in Höhe von 70 Millionen Dollar umfassen sollte.

Eine Demokratie, die nicht in der Lage ist, die gravierendsten Wirtsc haftsprobleme anzugehen, wird letzten Endes nicht dauerhafter sein als
die rechts- oder linksgerichteten Diktaturen, an deren Stelle sie getreten ist.
Wir finden es ermutigend, daü die Mehrzahl unserer Nachbarn in Lateinamerika die notwendigen und oftmals schmerzhaften Schritte zur Wiederbelebung der Wirtschaft ergreift. Sie haben die Staatsausgaben gesenkt
- 12 -

�Staatsausgaben gesenkt und den Staatseinnahmen angeglichen. Sie haben aus
Gründen der Devisenersparnis die Einfuhr nicht wesentlicher Güter beschränkt. Sie haben die Wechselkurse ihrer Währungen den wirtschaftlichen
Realitäten angepaßt und so ihrer Exportwirtschaft

neues Leben einge-

haucht. Sie haben in Zusammenarbeit mit den internationalen Finanzinstitutionen ihre Schulden neu geordnet, um eine kontinuierliche und ordentliche Tilgung zu gewährleisten. Sie haben knappe Ressourcen sogar dann
umverteilt, wenn diese in zunehmend geringerem Maße zur Verfügung standen.

Diese Bemühungen fangen an, Ergebnisse zu zeitigen. Die Handelsbilanz
Lateinamerikas mit dem Rest der Welt hat sich erheblich verbessert. Nach
einem Defizit von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1981 war 1984 wieder
ein 'Überschuß von schätzungsweise 37,6 Milliarden Dollar zu verzeichnen.
Das kräftige Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hat für diese
Länder neue Exportmöglichkeiten geschaffen. Auch das reale Prokopfeinkommen ist 1984 um etwa 0,2 Prozent gestiegen - nicht viel, aber besser als
die Schrumpfung um 5,8 Prozent im Jahre 1983 bzw. um 3,3 Prozent im Jahre
1982.

Die Initiative für das Karibische Becken zeigt positive Ergebnisse.
Bei Abzug der Erdölimporte sind die Einfuhren der Vereinigten Staaten aus
dieser Region in den ersten elf Monaten des Jahres 1984 gegenüber 1983 um
19 Prozent gestiegen. Der offene amerikanische Markt bietet den Ländern
der Region auch weiterhin gute Exportmöglichkeiten.

Was Lateinamerika und die Karibik anbelangt, so meine ich, daß die
Administration und der Kongreß Anlaß zu der Schlußfolgerung haben, daß
unsere Politik in den vergangenen vier Jahren erfolgreich war. Das beste,
was wir in den nächsten vier Jahren tun können, ist, unsere Bemühungen
auf der Grundlage einer festen Unterstützung durch beide Kongreßparteien
fortzusetzen.

Die Lehren der jüngeren Vergangenheit und die Richtlinien für die nahe Zukunft lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die Skeptiker hatten
Unrecht im Hinblick auf El Salvador, sie hatten Unrecht im Hinblick auf
- 13 -

�Hinblick auf Grenada und sie haben Unrecht im Hinblick auf Nicaragua, und
zwar immer aus den gleichen Gründen.

Herr Vorsitzender, die Lehren, die die Administration und der Kongreß
gemeinsam aus der Vergangenheit gezogen haben, bilden einen Auftrag für
die Zukunft. Ohne die aktive Unterstützung durch den Kongreß kann die Administration diesen Auftrag nicht erfüllen. Wenn Sie und wir nicht fest
zu unseren Prinzipien und unseren freunden stehen, dann werden wir beide
verlieren.

Ein Margel an politischer Kontinuität würde uns bei der Ver-

wirklichung unserer nationalen Ziele in der besagten Region im Verlaufe
der nächsten Monate und Jahre erheblich im Wege stehea

Afrika

Nach der Erörterung der vielversprechenden Entwicklungen in Lateinamerika wende ich mich nunmehr einer Region zu, in der nach wie vor gravierende Probleme bestehen. Die verzweifelte wirtschaftliche Lage Afrikas
ist mehr denn je ins öffentliche Bewußtsein gerückt.

Ich möchte meine

Darstellung der heutigen Situation in Afrika zum größeren Teil der Wirtschaftskrise widmen, die dort besteht.

Das bedeutet nicht, daß ich den

Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der nationalen
Sicherheit der Länder Afrikas für unbedeutend halte. Sicherheitspolitische Unterstützung bleibt für viele von ihnen wesentlich. Staaten, die
von libyschem Abenteurertum oder von mit sowjetischen Waffen versehenen
feindseligen Nachbarn bedroht sind, können nicht die Energie und die Ressourcen aufbringen, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung notwendig
wären.

Wirtschaftlich brüchige Gesellschaften wiederum sind die, die für

Subversion oder direkte Angriffe am anfälligsten sind.

Die Mittel, die wir im Rahmen des Haushaltsplans für 1986 für Afrika
beantragt haben, belaufen sich auf etwas mehr als 1,2 Milliarden Dollar.
Davon sind rund i7 Prozent für Militärhilfe veranschlagt, also ungefähr
der gleiche Betrag wie im Haushaltsjahr 1985. Der Löwenanteil von mehr
als einer Milliarde Dollar ist für die Wirtschaftshilfe vorgesehen. Der
- 14 -

�Vorgesehen.

Der Militäranteil ist zwar klein, aber dennoch äußerst wich-

tig, wenn wir die Ausbildungs- und logistischen Unterstützungsprogramme
fortführen wollen, die wir in die -Vege geleitet haben, und wenn wir denjenigen unter unseren Freunden, die sich Bedrohungen gegenübersehen, zumindest ein Minimum an Rüstungsmaterial zukommen lassen wollen. Die Tatsache, daß das Hörn von Afrika in so geringer Entfernung vom Nahen Osten
und außerordentlich wichtigen Tankerrouten im Roten Meer und im Indischen
Ozean liegt, verleiht unserem Interesse an der Herstellung politisch stabiler und wirtschaftlich gesunder Bedingungen in dieser Region eine zusätzliche strategische Dimension von entscheidender Bedeutung. Daher bemühen wir uns um die Mittel, die notwendig sind, um dem Sudan, Kenia,
Somalia und Djibouti bei der Bewältigung ihrer wirtschaftlichen Probleme
zu unterstützen und dem Sudan und Somalia dabei zu helfen, den sehr realen Gefahren für ihre Sicherheit zu begegnen.

Im südlichen Afrika arbeiten wir auch weiterhin nachdrücklich auf eine gerechte und dauerhafte Regelung für Namibia auf der Grundlage der Resolution Nr. 435 der Vereinten Nationen hin. Desgleichen bemühen wir uns
um eine Änderung des abstoßenden Apartheidsystems in der Republik Südafrika und um die politische und wirtschaftliche Stabilität der Region im
allgemeinen. Die Mittel, die wir für Programme in südafrikanischen Staaten beantragt haben, werden uns in die Lage versetzen, den Ursachen der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Region direkt zu Leibe zu rücken.
Wie in Ostafrika, so beabsichtigen wir auch im südlichen Teil des Kontinents, dem destabilisierenden Einfluß der Sowjetunion und des Ostblocks
entgegenzutreten, indem wir Wirtschaftshilfe leisten und eine Alternative
zur Ausbildungs- und sonstigen Militärhilfe der Sowjetunion und des Ostblocks anbieten. Mosambik hat bewiesen, daß es wirklich die Absicht hat,
sich aus seiner starken Abhängigkeit von der Sowjetunion zu lösen und
sich auf eine Position echter Blockfreiheit zuzubewegen. Die kleinen MAPund IMET- (internationale militärische Ausbildungs- und Schulungs-) Programme Mosambiks sind im Hinblick auf eine Ermutigung dieses Prozesses
von besonderer Bedeutung.

In Westafrika hat sich in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, was die
- 15 -

�was die Dürre, von der die Region heimgesucht war, die langfristige wirtschaftliche Stagnation und das libysche Abenteurertum angerichtet haben.
Unsere Unterstützung dient sowohl der Bewältigung der unmittelbaren Krise
als auch der 'Überwindung der Langzeiteffekte der Wirtschaftskrise.

Ich möchte mich insbesondere auf die beiden drängendsten Krisen konzentrieren, denen sich Afrika heute gegenübersieht: den Hunger und die
wirtschaftliche Stagnation. In den vergangenen Monaten sind Tausende und
Abertausende von Afrikanern umgekommen. Nach unseren Schätzungen ist das
Leben von 14 Millionen Afrikanern weiterhin in Gefahr. Wenn sie überleben
sollen, braucnen sie schnellstens Hilfe in Form von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Unterkünften.

Das Problem der Unterernährung ist noch umfassender. Die Ernährung
von schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung Afrikas unterschreitet das
zur Erhaltung der Gesundheit erforderliche Minimum.

Afrika ist die ein-

zige Region der Welt, in der im Verlaufe der vergangenen beiden Jahrzehnte die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf der Bevölkerung abgenommen hat das Ergebnis eines Produktivitätsrückgangs bei gleichzeitig rapide anwachsender Bevölkerung. Die Abhängigkeit Afrikas von Nahrungsmittellieferungen von außerhalb hat in erschreckendem Tempo zugenommen.

Während der

letzten 20 Jahre sind die kommerziellen Getreideeinfuhren Afrikas um neun
Prozent jährlich gestiegen.

Nicht nur die schwere gegenwärtige Nahrungsmittelkrise, sondern auch
die enttäuschenden wirtschaftlichen Leistungen Afrikas haben es für viele
seiner Staaten schwierig gemacht, ihre Schulden zu tilgen, was viele dieser Länder von einer Finanzkrise in die nächste getrieben hat.

Die Wirt-

schaftskrise zwingt die Staaten Afrikas, sich regelmäßig um Umschuldung
zu bemühen. 1984 betrafen 10 der 14 umschuldungen im Club von Paris afrikanische Länder.

Die Vereinigten Staaten haben eine beispiellose Kampagne in die Wege
geleitet, um Afrika sowohl Wirtschaftshilfe als auch Nahrungsmittelnothilfe zu leisten.

In diesem Zusammenhang haben wir unsere Entschlossen- 16 -

�unsere Entschlossenheit zur direkten Hilfeleistung für die Notleidenden
von politischen oder ideologischen Gegensätzen mit irgendwelchen Regierungen nicht beeinträchtigen lassen.

Seit Oktober letzten Jahres haben

wir über 400 Millionen Dollar aufgewandt, um mehr als eine Million Tonnen
an Nahrungsmittelnothilfe und anderen humanitären Hilfgütern nach Afrika
zu schicken.

Wenn man die normalen Nahrungsmittelhilfsprogramme der AID

dazurechnet, dann ist unsere gesamte Nahrungsmittelhilfe für Afrika sogar
noch größer - sie beläuft sich dann bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt des
laufenden Haushaltsjahres auf fast 600 Millionen Dollar.

Die von uns ge-

genwärtig beantragten 235 Millionen Dollar für zusätzliche Nothilfemittel
für Afrika wird unsere uesamtaufwendungen für Nahrungsmittel- und Nothilfe in diesem Jahr auf über eine Milliarde Dollar bringen.

Ich meine, wir

können mit Recht stolz sein auf das, was wir in so kurzer Zeit leisten
konnten.

Auch die unmittelbare Reaktion des amerikanischen Volkes und der Privatwirtschaft war beeindruckend.

Durch großzügige Spenden an freiwillige

private Hilfsorganisationen konnten abermals viele Tausende von Menschenleben gerettet werden.

Die freiwilligen Mitarbeiter dieser Hilfsorgani-

sationen verteilen vor Ort Nahrungsmittel, Medikamente, Bekleidung und
Zelte an die Opfer der Dürre in den abgelegensten Teilen Afrikas.

Sie

kümmern sich auch sonst um diese Menschen, nehmen dabei äußerste Strapazen auf sich und riskieren sogar das eigene Leben.

Humanitäre Hilfe die-

ser Art entspricht den besten Traditionen Amerikas und den Herten, für
die Amerika einsteht.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich vor allem auf die unmittelbare Dürrekatastrophe gerichtet, aber es liegt auf der Hand, daß
die wirtschaftlichen Probleme Afrikas tiefgründige Ursachen haben, die
schon viele Jahre zurückliegea

Die Dürre hat die Probleme verschärft, aber sie ist nicht die Hauptursache der afrikanischen Wirtschaftskrise.

Viele afrikanische Regierun-

gen räumen ein, daß politische Fehler der Vergangenheit zu der gegenwärtigen Wirtschaftskrise beigetragen haben.

Wir müssen daher, während wir

die unmittelbare Krise angehen, gleichzeitig nach dauerhafteren Lösungen
- 17 -

�dauerhafteren Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme Afrikas suchen.
Die Vereinigten Staaten stehen an der Spitze derer, die versuchen, den
Ländern Afrikas dabei zu helfen, von planwirtschaftlichen Wirtschaftsmodellen zu solchen überzugehen, die den Kräften des Marktes erlauben, sich
frei zu entfalten, und

die

insbesondere

den Kleinbauern

angemessene

Preisanreize bieten. Zu den strukturellen Problemen, mit denen man sich
auseinandersetzt, zählen ineffiziente Staatsbetriebe, unrealistisch hohe
Wechselkurse, Negativzinsen auf Bankguthaben, unwirtschaftliche Subventionen für Verbraucher und künstlich niedrig gehaltene Herstellerpreise.
Abgesehen von der Nothilfe, mittels derer der Dürrekatastrophe und der
Hungersnot begegnet werden soll, leisten die Vereinigten Staaten Afrika
Wirtschaftshilfe, deren Umfang von 787 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1981 auf mehr als eine Milliarde Dollar im Haushaltsjahr 1985 gestiegen
ist.

Für das Haushaltsjahr 1986 haben wir für die Wirtschaftshilfe wie-

derum insgesamt eine Milliarde Dollar beantragt.

Um reformwilligen Regierungen bei der Durchführung

wünschenswerter

Reformen zu helfen, hat die Administration zwei neue Programme eingeleitet:

1. Der Afrika-Fonds für 'Wirtschaftspolitische Reformen:

Es handelt

sich dabei um ein Programm, für das im Haushaltsjahr 1985 Mittel der
Wirtschaftshilfe in Höhe 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden und
das folgende Hauptziele hat:
- Erstens, denjenigen afrikanischen Ländern zusätzliche Hilfe zu leisten, die dabei sind, politische Veränderungen durchzuführen, oder
die bekundet haben, daß sie bereit und in der Lage sind, einen wachstumsorientierten politischen Kurs einzuschlagen; und

- zweitens, das internationale Hilfssystem für Afrika durch eine bessere Koordination der multilateralen und bilateralen Mittelvergabe auf
Länderebene zu stärken.
Dieses politische Reformprogramm befindet sich zwar noch im Anfangs- 18 -

�im Anfangsstadium, aber bislang waren die Reaktionen auf diese neue Initiative ermutigend.

Die afrikanischen Staaten beginnen in wachsender

Zahl, ihre nationale Wirtschaftspolitik grundlegend zu ändern.

Vor allem

sind sich die politisch Verantwortlichen Afrikas besser denn je zuvor
über die Vorzüge der freien Marktwirtschaft gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen im klaren,

dir sind dabei, die ersten afrikanischen Län-

der auszuwählen, die in den Genuß dieses Sonderprogramms kommen sollen.
Darüber hinaus bitten wir andere Geberländer und die internationalen Finanzinstitutionen, mit uns zusammenzuarbeiten und sich an der Finanzierung dieser Unternehmungen zu beteiligen.

Am Rande sei vermerkt, daß

unsere Sicht der Wurzeln der gegenwärtigen .Wirtschaftskrise in Afrika
weltweit von vielen anderen Staaten geteilt wird.

Den letzten Bericht

der .Weltbank über das Afrika südlich der Sahara, in dem betont wird, daß
wirtschaftliche Reformen erforderlich sind, um dem wirtschaftlichen Niedergang Afrikas Einhalt zu gebieten, haben wir mit besonderer Genugtuung
zur Kenntnis genommen. Die Weltbank hat unlängst ein Sonderorgan eingerichtet, das reformwilligen Ländern finanzielle Hilfe leisten und damit
unsere eigenen Bemühungen ergänzen und stützen wird.

2. Die Initiative "Nahrungsmittel für den Fortschritt". Sie wurde unlängst vom Präsidenten angekündigt und dient ebenfalls dem Ziel politischer Reformen, ist aber ausschließlich dem landwirtschaftlichen Bereich
gewidmet.

Diese Initiative wird sich der Nahrungsmittelhilfe bedienen,

um in strategisch bedeutsamen afrikanischen Ländern Reformen im landwirtschaftlichen Schlüsselbereich zu fördern.

Der Hauptakzent liegt auf der

Unterstützung marktwirtschaftlicher Ansätze bei der Preisgestaltung für
landwirtschaftliche Erzeugnisse, auf der Förderung der Vermarktung dieser
Erzeugnisse und auf Hilfestellung bei der Beschaffung und Verteilung von
Düngemitteln, Saatgut und anderen landwirtschaftlichen Grundstoffen.

Ei-

nes der Ziele dieser Initiative besteht darin, reformwilligen Ländern
über einen Mehrjahreszeitraum
Verfügung zu stellen.

hinweg

amerikanische

Nahrungsmittel

zur

Der Verkauf dieser .Waren im Rahmen der jeweiligen

nationalen Wirtschaft würde den Regierungen Mittel an die Hand geben, derer sie sich bedienen könnten, um die notwendigen Anreize und Vorgaben
für die 3auern zu schaffen, gleichzeitig aber für die Verbraucher in den

- 19 -

�in den Städten die Begleiterscheinungen des Übergangs zur Marktwirtschaft
abzumildern.

Die Einzelheiten dieses Vorschlags - so u.a. über die Höhe

der benötigten Mittel und darüber, woher sie genommen werden sollen werden dem Kongreß in Kürze zugeleitet.

Naher Osten und Südasien

Eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele dieser Administration
besteht darin, zur Schaffung eines dauerhaften Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn beizutragen. Es gibt für den Frieden im
Nahen Osten keine raschen und einfachen Lösungen, aber unsere Hilfestellung ist für die Förderung dieses Friedensprozesses von entscheidender
Bedeutung. Bei der Suche nach Frieden sind Israel und Ägypten auch weiterhin unsere wichtigsten Partner, und diese beiden Staaten würden auch
die größten Empfängerländer der von uns vorgeschlagenen Auslandshilfe für
das Haushaltsjahr 1986 sein. Unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme sind nötig, um die Sicherheit und die Wirtschaft Jordaniens zu stärken, da beide von entscheidender Bedeutung dabei sind, Jordanien in die
Lage zu versetzen, sich den Risiken zu stellen, die damit verbunden sind,
eine wirklich bedeutsame Rolle in diesem Friedensprozeß zu spielen. Unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien und zu den arabischen Golfstaaten sind
wichtige Elemente unserer Bemühungen, den Friedensprozeß zu fördern und wie ich später noch erläutern werde - unsere Interessen im Persischen
Golf zu schützen.

Die Vereinigten Staaten sind seit mehr als drei Jahrzehnten der Sicherheit Israels verpflichtet. Unser Vorschlag zur Sicherheitshilfe zielt
darauf ab, die gewaltige Last zu verringern, die Israels Verteidigungserfordernisse seinen Schultern aufbürden.

Das Programm des Haushaltsjahres

1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wird Israel in die Lage
versetzen, im militärischen Bereich gegenüber seinen potentiellen Gegnern
in der Region einen qualitativen Vorsprung beizubehalten. Weiterer Fortschritt in Richtung Frieden hängt zum Teil davon ab, ob Israel genügend
Vertrauen in seine Fähigkeit hat, Druck von außen zu widerstehen, aber

- 20 -

�widerstehen, aber auch Vertrauen in Unterstützung und Hilfe seitens der
Vereinigten Staaten. Aus diesen Gründen empfehlen wir einen beträchtlichen Anstieg der Auslandsverkäufe militärischer Güter an Israel auf Kredit.
Die amerikanische und die israelische Regierung kamen im vergangenen
Oktober überein, eine Gemeinsame Gruppe für Wirtschaftliche Entwicklung
ins Leben zu rufen, um die wirtschaftliche Entwicklung in Israel, die
Rolle der amerikanischen Hilfe zur Unterstützung des israelischen Anpassungsprogramms sowie die längerfristigen Entwicklungsziele Israels einer
Überprüfung zu unterziehen. Auf einem Treffen im Dezember legten Vertreter der israelischen Regierung das jährliche Weißbuch vor, das die Wirtschaftsziele Israels sowie die Hilfserfordernisse für den Rest dieses
Fiskaljahrs und des Haushaltsjahres 1986 darlegt.

Unsere Sicherheitshilfe spiegelt die amerikanische Verpflichtung zu
Israels Sicherheit und wirtschaftlichem Wohlergehen wider. Außerdem haben
wir unsere Bereitschaft angedeutet, zusätzliche Hilfe in Unterstützung
eines

umfassenden

israelischen

Wirtschaftsprogramms

zur

Verfügung

zu

stellen, das sich wirksam mit den grundlegenden Unausgewogenheiten der
israelischen Volkswirtschaft auseinandersetzt. Denn ohne ein solches Reformprogramm würde eine weitere amerikanische Hilfe die wirtschaftlichen
Probleme Israels nicht lösen, sondern nur dazu beitragen, sie zu verewigen. Mehr noch: Ohne wirtschaftliche Anpassung würde Israel in Zukunft
nur noch stärker von amerikanischer Hilfe abhängen. Die israelische Regierung hat mittlerweile schon

beträchtlichen Fortschritt dabei erzielt,

ein Anpassungsprogramm zu entwickeln. Aber weiterer Fortschritt ist notwendig, wenn dieses Programm Israel wieder auf den Pfad wirtschaftlicher
Gesundung zurückführen soll, und die zusätzliche amerikanische Hilfe wird
daher daher einem solch nützlichen Zweck dienen. Unsere Gespräche werden
sich auch weiterhin nicht nur auf kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen,
sondern auch auf Israels längerfristige Entwicklungsziele konzentrieren,
damit die Bürger dieses Landes auf eine hellere, gedeihlichere Zukunft
hoffenkönnen. Beim Besuch von Ministerpräsident Peres im vergangenen Oktober kamen wir überein, zur Förderung von Auslandsinvestitionen in Israel zusammenzuarbeiten - insbesondere auf dem Hochtechnologiesektor, wo

- 21 -

�Hochtechnologiesektor, wo Israel überaus wettbewerbsfähig ist. Die Regierungen beider Länder überprüfen derzeit die existierenden Programme sowie
die Rahmenbedingungen, die zur Verbesserung des Investitionsklimas in Israel beitragen und ausländisches Kapital ins Land bringen könnten. Es ist
offensichtlich, daß im Fall Israel - genau wie bei anderen Staaten - die
Mobilisierung des inund ausländischen Kapitals von einer Atmosphäre abhängt, die den privaten Unternehmensbereich ermutigt sowie angemessene
Steuerstrukturen und eine Politik des entsprechenden Marktpreises ermöglicht. Initiativen des Privatsektors sind am ehesten dazu in der Lage,
dazu beizutragen, daß Israel seine Entwicklungsziele erreicht, und wir
sind von dem Interesse ermutigt, das sich auch in dieser Hinsicht in beiden Ländern bemerkbar gemacht hat. Unser Ziel ist es, Israel bei dessen
eigenen Bemühungen dahingehend zu unterstützen, die grundlegenden Bedingungen zu schaffen, die in einem Zeitalter neuer Technologie für wirtschaftliches Wachstum notwendig sind.

Das Camp-David-Abkommen wie auch der ägyptisch-israelische Friedensvertrag bleiben auch weiterhin der Eckstein unserer Friedenspolitik im
Nahen Osten. Ägypten hat immer wieder bewiesen, wie sehr es das damit Erreichte zu schätzen weiß, wurde doch wiederholt die Möglichkeit zurückgewiesen, mit einem Abrücken hiervon den Preis für die erneute Übernahme
der historischen Führungsrolle in der arabischen Welt zu bezahlen. Unsere
Hilfe gibt Ägypten die Möglichkeit, stark genug zu bleiben, um auch weiterhin dem Druck radikaler Kräfte zu widerstehen, die das Erzielte zunichte machen wollen. Ägypten bleibt eine wichtige Kraft der Mäßigung und
der Stabilität - nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Afrika, wo es
eine wichtige Rolle bei dem Bemühen der afrikanischen Staaten spielt, vor
libyschem

Abenteurertum

abzuschrecken.

Ägyptens

Fähigkeit, diese

Ab-

schreckungsrolle auch weiterhin beizubehalten, hängt in einem hohen Maß
von unserem Beistand ab. Das Programm des Haushaltsjahres 1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wurde erweitert, um Ägypten in die
Lage zu versetzen, auch weiterhin veraltete sowjetische Ausrüstung zu ersetzen und eine glaubwürdige Abschreckungsmacht in der Region zu bleiben.

Gleichfalls von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten ist es,

- 22-

�ist es, im Mittleren Osten den Zugang der Freien Welt zu den lebenswichtigen Ölquellen des Persischen Golfs jetzt und in Zukunft offenzuhalten.
Die Staaten des Persischen Golfs fördern über 25 Prozent des Ölbedarfs
der Freien Welt. Durch unsere Hilfe erhöhen wir die Sicherheit unserer
Freunde in diesem Gebiet. Oman arbeitet eng mit den Vereinigten Staaten
auf unser gemeinsames Ziel hin, Sicherheit und Stabilität in diesem so
wichtigen Gebiet sowie die ungehinderte Durchfahrt der Schiffe durch die
Straße von Hormus zu gewährleisten; das Abkommen mit Oman über die Benutzung seiner Einrichtungen stellt für das amerikanische Oberkommando einen
entscheidenden Aspekt dar. Obgleich sie keine amerikanischen Finanzhilfen
erhalten, haben die anderen GolfStaaten und Saudi-Arabien, die zusammen
mit Oman Mitglieder im Rat für Zusammenarbeit der GolfStaaten sind, Willen und Fähigkeit bewiesen, sich selbst gegen eine Verstrickung in den
iranisch-irakischen Krieg zu wehren. Die Administration führt derzeit eine umfassende Überprüfung unserer Sicherheitsinteressen und unserer Strategien in diesem Bereich durch, wobei sie sich besonders auf die Frage
konzentriert, wie unsere verschiedenen Programme im Sicherheitsbereich
unsere Bemühungen beim Friedensprozeß ergänzen und zu einer allgemeinen
Stabilität der Region beitragen können.

Im nördlichen Afrika unterhalten wir seit langem enge Beziehungen zu
Marokko und Tunesien als echten Freunden und, geopolitisch gesehen, strategisch gelegenen Partnern. Marokko - mit dem wir Transit- und Manöverabkommen haben - und Tunesien sind beide in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Unser Hilfsprogramm für Marokko zielt in Gemeinschaft mit anderen
Geberstaaten darauf ab, die marokkanische Regierung bei der Durchführung
der notwendigen wirtschaftlichen Reformen zu unterstützen. Wir haben der
marokkanischen Regierung gegenüber unsere Enttäuschung hinsichtlich der
unwillkommenen Entwicklung im Rahmen des libysch-marokkanischen Vertrags
vom August 1984 zum Ausdruck gebracht. Ghadafis aggressives Verhalten gegenüber

seinen Nachbarstaaten

und

seine

anhaltende

Unterstützung

des

weltweiten Terrorismus und der Subversion sind noch immer Grund zur Sorge. Wir haben diese Sorge den Marokkanern vorgetragen und ihnen erklärt,
daß wir die Möglichkeit ausschließen, wonach eine Assoziation mit König
Hassan Ghadafi konstruktiv beeinflussen könnte. Trotz unterschiedlicher

- 23-

�Trotz unterschiedlicher

Meinung

hinsichtlich

der Art

und Weise, wie

Ghadafi zu begegnen sei, besteht das wirtschaftliche und politische Argument für diese Hilfe an Marokko fort, ja, es ist nur noch umso triftiger
geworden.

Südasien

Ein Hauptziel unsrer Außenpolitik in Südasien besteht darin, eine
Verhandlungslösung zu erreichen, um die Sowjetunion zum Rückzug aus Afghanistan zu bringen, damit die Flüchtlinge dorthin zurückkehren und die
Afghanen ihre eigene Souveränität und Unabhängigkeit wiedererlangen können. Bei unseren Bemühungen ist es von ausschlaggebender Bedeutung, die
Sicherheit Pakistans angesichts der sowjetischen Einschüchterung zu garantieren. Unser sechsjähriges Hilfsprogramm

für Pakistan dient genau

diesem Ziel. Es soll die Volkswirtschaft Pakistans und deren Entwicklung
unterstützen und durch Vereinbarungen hinsichtlich militärischer Ausrüstung und Ausbildung zur Stärkung seiner Verteidigung beitragen.
Die Vereinigten Staaten haben in Südasien eine Reihe wichtiger Ziele.
Wir sind darum bemüht, Konflikte zwischen den Staaten der Region zu verhindern, zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beizutragen und den
Erfolg demokratischer Institutionen zu fördern. Indien, die größte Demokratie der Welt, spielt bei Frieden und Stabilität der Region eine entscheidende Rolle. Unser Entwicklungshilfsprogramm für Indien möchte sich,
gestützt auf die starke wissenschaftliche und technische Basis Indiens,
auf intensive Forschung und noch bessere technische Ausbildung konzentrieren. Unsere Hilfsprogramme für Bangladesh, Sri Lanka und Nepal sind
Beweis für die amerikanische Unterstützung der gemäßigten, bündnisfreien
Politik und der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder.

Europa
Die Vorschläge für die Sicherheitshilfe im europäischen Bereich sollen das militärische Ungleichgewicht in Europa beseitigen sowie der yer- 24-

�der verstärkten militärischen Bedrohung durch die Sowjetunion in Mitteleuropa und in Südwestasien entgegenwirken. Die Hilfe unterstützt wichtige
NATO-Verbündete und hat das doppelte Ziel sowohl des weiteren Zugangs der
Vereinigten Staaten zu wichtigen Militäranlagen als auch der Unterstützung dieser Staaten bei der Modernisierung ihrer eigenen Militärkapazitäten. Dadurch fördert unsere Sicherheitshilfe das weitere Vertrauen in
unsere Verpflichtungen, die die Grundlage von Stützpunktabkommen sind.

Ziele der amerikanischen Außenpolitik in Spanien sind die Unterstützung der spanischen Demokratie, die Ermutigung zu Bewegung in Richtung
auf eine offenere Wirtschaft sowie ein Beitrag zur westlichen Verteidigung

durch die Garantie weiteren amerikanischen Zugangs zu wichtigen

Luftwaffen- und Marineeinrichtungen in Spanien. Das Sicherheitshilfsprogramm spielt zum Erreichen dieser Ziele eine entscheidende Rolle.

Das spanische Militär hat eine Rolle übernommen, wie sie für Streitkräfte in einer Demokratie angemessen ist. Unsere Hilfe ist notwendig,
damit Spanien sein Ziel einer Anpassung an NATO-Maßstäbe erreichen kann
und um einen greifbaren Beweis für die Vorteile zu liefern, die sich für
Spanien als Partner des westlichen Bündnisses ergeben und wie sie sich
etwa in seiner bilateralen Beziehung zu den Vereinigten Staaten und in
seiner Mitgliedschaft in der NATO niederschlagen. Unser Sicherheitshilfsprogramm spielt daher eine bedeutsame Rolle dabei, zur Konsolidierung und
Stärkung der neuen demokratischen Institutionen in Spanien beizutragen.

Die Regierung von Premierminister Gonzalez hat den politisch schwierigen Schritt unternommen, die traditionell protektionistische Wirtschaft
Spaniens den Kräften des Marktes zu öffnen. Diese Entscheidung war vor
allem auch deshalb so mutig, weil Spaniens wirtschaftliches Sparprogramm
von hoher Arbeitslosigkeit begleitet war. Doch hat sich die Lage der spanischen Wirtschaft daraufhin im Jahr 1984 eindrucksvoll verbessert. Ohne
unsere Unterstützung hätte das Wirtschaftsprogramm dem spanischen Volk
eine noch weit größere Last auferlegt. Das Sicherheitshilfsprogramm trägt
zur Modernisierung der Wirtschaft durch wissenschaftlichen und technischen Austausch bei und erlaubt es Spanien, seine wirtschaftliche Erho-

- 25-

�wirtschaftliche Erholung ohne Gefährdung seiner militärischen Modernisierung fortzusetzen.

Unsere Ziele hinsichtlich Portugal sind jenen in bezug auf Spanien
gleich. Portugal bemüht sich darum, seine zehn Jahre alten demokratischen
Institutionen zu konsolidieren, während es gleichzeitig eine größere Rolle innerhalb der politischen und militärischen Strukturen des Westens
übernimmt. Zudem führt es ein anspruchsvolles wirtschaftliches Sparprogramm in dem Versuch durch, seine gefährdete Volkswirtschaft zu reformieren, die in Westeuropa an vorletzter Stelle steht. Das amerikanische Sicherheitshilfsprogramm

unterstützt

die

portugiesischen

Bemühungen

um

wirtschaftliche Entwicklung und ermöglicht es Portugal, sein Programm der
militärischen Modernisierung fortzusetzen, das darauf abzielt, in verstärktem Maß Verteidigungsverantwortung im Rahmen der NATO zu übernehmen.

Die amerikanische Sicherheitshilfe für Portugal ist daher eine reale
wie symbolische Unterstützung des Versuchs Portugals, seine Demokratie
und seine freie Marktwirtschaft zu stärken. Sie stellt einen Eckstein bei
Portugals Bemühen dar, innerhalb der NATO eine noch wirksamere Rolle zu
spielen. Und sie dient dazu, den Zielvorstellungen gerecht zu werden, zu
denen die Vereinigten Staaten im Rahmen des Abkommens von 1983 verpflichtet sind.

Unsere Sicherheitshilfe für Griechenland und die Türkei ist ein Beitrag zu den wichtigen strategischen Zielsetzungen an der Südflanke der
NATO. Die Lage der Türkei zwischen der Sowjetunion und dem Nahen Osten
sowie seine Nähe zu Südwestasien macht sie zu einer natürlichen Barriere
gegenüber der sowjetischen Expansion im Mittleren Osten und dem Persischen Golf. Die sowjetische Invasion Afghanistans, der iranisch-irakische
Krieg und die Desintegration des Libanon unterstreichen die Bedeutung eines politisch stabilen und militärisch glaubwürdigen türkischen Verbündeten in dieser unruhigen Region. Unsere militärischen Beziehungen zur Türkei sind für uns auch aufgrund der Tatsache von Vorteil, daß wir die äußerst wertvollen militärischen und nachrichtendienstlichen Anlagen mitbenutzen. Daher haben die Vereinigten Staaten größtes Interesse daran, die
Fähigkeit

der Türkei weiter zu verbessern, ihren NATO-Verpflichtungen

- 26

�NATO-Verpflichtungen nachzukommen und vor einer potentiellen Aggression
in Südwestasien durch die Vorkehrung der Sicherheitshilfe abzuschrecken.

Unsere Interessen beschränken sich nicht auf die Sicherheitsziele der
NATO. Wir haben uns um die Mitarbeit der türkischen Regierung zur Förderung einer friedlichen Regelung der Zypernfrage bemüht. Die türkische Regierung hat die Initiative des UN-Generalsekretärs akzeptiert und unterstützt. Wir arbeiten nun mit allen Parteien daran, um sicherzustellen,
daß die Bemühungen im Anschluß an den jüngsten Gipfel in New York um eine
Beilegung des Konflikts zwischen der Regierung Zyperns und der türkischzypriotischen Gemeinschaft vorankommen. Aus diesem Grund sind wir der
Meinung, daß ein jeder einseitige Versuch, die Sicherheitshilfe für die
Türkei mit Bedingungen hinsichtlich Zypern zu belasten, nicht nur ungerechtfertigt wäre, sondern einen Rückschlag für Aussichten auf eine Regelung des Zypernproblems bedeuten würde.
Im wirtschaftlichen Bereich hat die Türkei weitreichende und mutige
Schritte zur Stabilisierung und Liberalisierung ihrer Wirtschaft unternommen. Die amerikanische Hilfe für die Türkei steht in direktem und konstruktivem Zusammenhang mit den türkischen Bemühungen um die Schaffung
einer freieren und solideren Volkswirtschaft.

Wir bemühen uns auch um einen beträchtlichen Betrag an Sicherheitshilfe für Griechenland. Obgleich wir unsere Meinungsverschiedenheiten mit
der griechischen Regierung haben, so sehen wir diese Differenzen doch im
Rahmen

einer

Beziehung

zwischen

zwei demokratischen

Verbündeten, die

wichtige Interessen teilen. Wir sehen die strategische Bedeutung Griechenlands

im östlichen Mittelmeerraum. Die militärischen Anlagen dort

sind für uns von beträchtlichem Vorteil. Unser Sicherheitshilfsprogramm
ist ein wichtiges Element unserer Beziehungen zu Griechenland. Es wird
nur noch von unseren Anträgen für Israel, Ägypten, die Türkei und Pakistan überboten.

Ostasien und der Pazifik
Auslandshilfe
- 27-

ist

�Auslandshilfe ist eine Investition in die Zukunft, aus der sowohl die
Empfänger als auch der Geber Nutzen ziehen können.

Dies ist besonders

evident im Fernen Osten sowie im Gebiet des Pazifik, wo die aus unserer
Auslandshilfeinvestition resultierenden Erfolge gewaltig sind.

Seit etwa

20 Jahren haben die ostasiatischen Länder eine größere Wachstumsrate er,zielen können als jede andere Region der Welt.

Sie haben diese bemer-

kenswerten Erfolge in erster Linie dadurch erreicht, daß sie sich auf die
Dynamik freier Marktsysteme stützten.

Als Resultat dieses raschen wirt-

schaftlichen Wachstums entfällt auf diese Region ein größerer Anteil unseres Außenhandels als auf irgendein anderes Gebiet der Welt. Da die früheren Hilfeempfänger in diesem Raum jetzt ein Entwicklungsstadium erreicht haben, in dem sie keine bilaterale Unterstützung mehr benötigen in einigen Fällen sind sie sogar selbst zu Geberländern geworden -, entfällt auf Länder im ostasiatischen und pazifischen Raum nunmehr nur ein
geringer Anteil unserer weltweiten Hilfsprogramme - und das trotz der
überaus wichtigen Bedeutung dieser Region für die Vereinigten Staaten.
Aber dennoch hat diese Region, obwohl das Bild im allgemeinen positiv
ist, dringende Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme, denen wir uns stellen müssen. Die Auslandshilfeanforderung der Regierung für das Haushaltsjahr 1986 für Ostasien und den Pazifik, das auf diese Pobleme ausgerichtet ist, beläuft sich auf annähernd 818 Millionen Dollar. Die angeforderte Wirtschaftshilfe von 335 Millionen Dollar konzentriert sich
auf die drei größten Mitglieder des Zusammenschlusses Südostasiatischer
Länder (ASEAN) - die Philippinen, Indonesien und Thailand. Der größte
Teil der für die Militärhilfe angeforderten 483 Millionen Dollar ist dafür bestimmt, vor einer direkten militärischen Bedrohung Koreas und Thailands abzuschrecken und unsere engen militärischen Beziehungen zu den
Philippinen, einem Vertragsverbündeten, zu fördern. Ferner schlagen wir
kleinere Hilfsprogramme in anderen ASEAN-Ländern vor sowie in Burma, einem Land, das in zunehmendem Maße im Rahmen unserer Drogenbekämpfungsmaßnahmen wichtig wird -, und für die Inseln des Südpazifik. Ich möchte
jetzt einige unserer spezifischen Besorgnisse und Anliegen aufzeigen.
Die

Philippinen

�Die Philippinen haben schwierige Zeiten hinter sich, die sich nachteilig auf die Wirtschaft ausgewirkt haben.

Die Regierung hat korrigie-

rende Maßnahmen ergriffen und ein wirtschaftliches Stabilisierungsabkommen mit dem

WeltWährungsfonds

abgeschlossen.

Diese Maßnahmen

lassen

Zeichen des Fortschrittes erkennen.

Die Situation auf den Philippinen

wird ferner durch

militärischen

einen

wachsenden

Aufstand

der

Neuen

Volksarmee, des militärischen Arms der Kommunistischen Partei der Philippinen, erschwert, die sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Schwierigkeiten des Landes zunutze machen konnte.

Die Wiederbelebung de-

mokratischer Institutionen, die Schaffung eines langfristigen Wachstums
durch eine strukturelle Wirtschaftsreform, die Aufrechterhaltung unserer
so wichtigen Sicherheitsbeziehungen sowie der erfolgreiche Widerstand gegen eine kommunistische Machtübernahme auf den Philippinen - dies alles
ist eng miteinander verbunden.

Unser integriertes Wirtschafts- und Mili-

tärhilfeprogramm soll all diese Ziele fördern.

Wie die Philippinen, so ist auch Thailand ein Vertragsverbündeter der
Vereinigten Staaten.

Es ist ebenfalls ein Staat in der ersten Linie und

sieht sich ernsthaften Sicherheitsherausforderungen gegenüber, die durch
die von der Sowjetunion unterstützte vietnamesische Aggression im benachbarten Kamputschea verursacht werden.

Unsere Sicherheitshilfe für Thai-

land unterstützt die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der
sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in den vom Krieg heimgesuchten
Gebieten an der thailändisch-kambodschanischen Grenze, in die wegen der
anhaltenden

brutalen

Angriffe

Flüchtlingen eingeströmt ist.

seitens

Vietnams

eine

große

Zahl

von

Unsere Militärhilfe soll die Modernisie-

rung der thailändischen Verteidigungskräfte fördern, damit eine Abschrekkung vor einer weiteren Aggression Vietnams geschaffen wird.

Die spezifischen Anstrengungen der Philippinen und Thailands werden
durch die ASEAN-Mitgliedschaft dieser Länder verstärkt - ein Zusammenschluß, der die beste Hoffnung auf Frieden und Stabilität in Südostasien
bietet.

In Übereinstimmung mit unserer nachhaltigen Unterstützung von

ASEAN und in Anerkennung der Bedeutung unserer Beziehungen zu Indonesien
haben wir auch für dieses Land Wirtschafts- und Militärhilfe vorgeschla-

- 29

�Militärhilfe vorgeschlagen.

Trotz einer internationalen Rezession hat

Indonesien bei seinem Entwicklungsprogramme und bei der Fortführung einer
gesunden Wirtschaftspolitik weiterhin gute Fortschritte gemacht.

Unsere

Verkäufe von militärischen Gütern an Indonesien haben unsere gemeinsamen
strategischen Interessen in Südostasien gefördert.

Wir planen ferner die

Fortführung des technischen Hilfspogramms für das ASEAN-Gebiet.

In einem

weiteren ASEAN-Land, nämlich Malaysia, wo amerikanische Privatinvestitionen auch in Zukunft einen wesentlichen Katalysator des wirtschaftlichen
Wachstums und der Entwicklung darstellen werden, hat die Regierung Interesse an einer anhaltenden Verteidigungszusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten im Kontext mit dem bündnisfreien Status dieses Landes bekundet.
Malaysia hat bei internationalen Angelegenheiten eine konstruktive Rolle
gespielt und die ASEAN-Strategie, einen Abzug der vietnamesischen Streitkräfte aus Kampuschea zustande zu bringen, nachhaltig gefördert.

Wir

schlagen vor, unser bescheidenes Militärhilfeprogramm zur Unterstützung
dieser Anstren- gungen fortzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Bündnispartner der Vereinigten Staaten ist die
Republik Korea.

Die Verhinderung einer Aggression Nordkoreas gegen Süd-

korea ist unerläßlich für Frieden und Stabilität in diesem Raum und wichtig für unsere eigene Sicherheit.

Bisher waren wir erfolgreich bei der

Abschreckung vor einer Aggression und der Verhinderung eines Wiederauflebens der Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel.

Um unsere Un-

terstützung des amerikanisch-koreanischen Bündnisses aufrechterhalten zu
können, schlagen wir eine Fortsetzung des FMS-Kreditprogramms (Verkauf
militärischer Güter im Ausland) vor, das der Republik Korea die Verbesserung der Kapazität ihrer Kampftruppen gestatten wird, von denen zahlreiche Verbände zusammen mit unseren Truppen entlang der entmilitarisierten Zone stationiert sind und die mit uns im Ernstfall unter einem gemeinsamen Kommando operieren würden.

Multilaterale Entwicklungsbanken

Bisher habe ich die überaus wichtige Rolle unterstrichen, die die bi-

- 30-

�die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Förderung der Sicherheit und der Stabilität der Entwicklungswelt spielt.

Sie werden mir

sicher zustimmen, daß diese Aufgabe bei weitem zu groß isdt, als daß sie
ein Land allein bewältigen könnte.
auch nicht allein zu tun.

Glücklicherweise brauchen wir dies

Unsere Freunde und Verbündeten in der in-

dustrialisierten Welt setzen beachtliche Mittel für die Förderung des
Entwick- lungsprozesses ein, was wiederum Dividenden in Form der Ausweitung des Handels und der Stärkung demokratischer Institutionen abwirft.
Diese Mittel werden jedoch zu knapp, als daß man sie auf unwirksame Weise
einsetzen dürfte.

Ein koordinierter Ansatz zwischen den Geberländern war

schon immer wünschenswert.

Jetzt ist er von entscheidender Bedeutung.

Ein wesentliches Werkzeug, das einer solchen Zusammenarbeit zur Verfügung steht - und auch weiterhin zur Verfügung stehen wird -, ist die
Zusammenfassung eines Teils unserer Ressourcen durch die Multilateralen
Entwicklungsbanken (MDB).

Die Kreditgewährung durch diese Banken stellt

auch weiterhin eine bedeutsame und wachsende Quelle an Investitionskapital für die Entwicklungsländer dar.

Im Haushaltsjahr 1984 gewährten die

Multilateralen Entwicklungsbanken insgesamt 22 Milliarden Dollar an neuen
Anleihen.

Daß ein solches Kreditgewährungsprogramm mit einer amerikani-

schen Einlage von 1,3 Milliarden Dollar fortgeführt wurde, ist der Beweis
für die Vorteile der Heranziehung dieser Banken, um die Lasten der Hilfe
zu teilen.

Die Vereinigten Staaten ziehen direkten Nutzen aus den Bemü-

hungen dieser Banken um starke und anhaltende Fortschritte in den Entwicklungsländern, indem mehr amerikanische
verkauft werden.

Güter und

Dienstleistungen

Ja, ein beträchtlicher Teil des amerikanischen Handels-

defizits ist dem Rückgang der Käufe schuldengeplagter Entwicklungsländer
zuzuschreiben - einem Rückgang, der mit Hilfe einer angemessenen Entwicklungshilfe in sein Gegenteil verkehrt werden kann.

Während die Multilateralen Entwicklungsbanken eine wertvolle Quelle
der Entwicklungsfinanzierung darstellen, spielen sie eine genauso wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Kreditaufnehmern gesunde marktorientierte Ratschläge hinsichtlich der jeweiligen Wirtschaftspolitik zu erteilen.

Ferner legen sie ihren Klienten eine finanzielle Disziplin in

- 31

�Disziplin in bezug auf deren Entwicklungsziele auf.

Auch stellen diese

Institutionen immer mehr Mittel für Projekte und Programme zur Verfügung,
die das private Unternehmertum in der Entwicklungswelt fördern sollen,
über viele Jahre hinweg hat die Tochterorganisation der Weltbank, die Internationale Finanzierungsgesellschaft

(IFC), sich auf die spezifischen

Bedürfnisse des Privatsektors konzentriert.
banken

Die regionalen Entwicklungs-

fangen jetzt an, dem Beispiel der Weltbank zu folgen.

Das ver-

stärkte Eintreten dieser Institutionen für das private Unternehmertum
wird sich vielleicht eines Tages als einer der wichtigsten Faktoren bei
der Unterstützung eines erfolgreichen Entwicklungsprozesses erweisen.

Wir sind davon überzeugt, daß die Multilateralen Entwicklungsbanken
bei der Förderung des weltweiten Wachstums und der Entwicklung sowie bei
der Stärkung des Beitrages des privaten Sektors zu diesem Prozeß eine
entscheidend wichtige Rolle spielen müssen.

Wir erwachten daher unsere

Beteiligung an diesen Banken als notwendige Ergänzung unserer bilateralen
Hilfepolitik.

In den vergangenen Jahren hat sich diese Administration in

engen Konsultationen mit dem Kongreß darum bemüht, die sich aus einer effektiven Unterstützung dieser Institution ergebenden Kosten zu reduzieren, während gleichzeitig eine führende Rolle der Vereinigten Staaten
beibehalten wurde.

Wir waren bei der Aushandlung eines Gesamtauffül-

lungsrahmens erfolgreich, der unserer Meinung nach den Erfordernissen der
Kreditnehmer angemessen ist, aber gleichzeitig unseren finanziellen Zwängen Rechnung trägt.

Die Wahrung einer amerikanischen Führungsrolle hängt

jedoch davon ab, daß wir unseren Verpflichtungen in amgemessener Weise
nachkommen.

Ich fordere daher den Kongreß auf, unsere Anforderungen für

das Haushaltsjahr 1986 in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar sowie unseren
Ergänzungsantrag für das Haushaltsjahr 1985 in Höhe von 237 Millionen
Dollar voll und ganz zu unterstützen.

Zusammenfassung
Zum Abschluß, Herr Vorsitzender, möchte ich das Grundsätzliche der
diesjährigen Haushaltsvorlage unterstreichen.

- 32-

Wir haben die Verantwor-

�die Verantwortung, an der Politik festzuhalten, die bisher gegriffen hat
oder zu greifen beginnt.

Schnellrezepte, die an der eigentlichen Sache

vorbeigehen, oder die Hoffnung auf diplomatische Wunder sind keine verantwortungsbewußten Optionen.

Wenn wir jedoch zusammenstehen, unsere

Grundsätze und unsere Freunde entschlossen, kalkulierbar und realistisch
verteidigen - und dies mit der Standfestigkeit, die diese Probleme erfordern -, dann können wir obsiegen.

Und genau diesem Ziel dient unsere An-

forderung für das Haushaltsjahr 1986.

* * * * *

- 33 -

�27. Februar 1985

SIEBEN ASTRONAUTEN AN BORD
- Neuer 3HAü_ENGER-Flug am 4. März 1985 -

- (AD) - Mit sieben Mann an Bord soll Challenger am 4. März 1985 zum
nächsten Raumtransporterflug starten.

Es ist das 16. Unternehmen im Rah-

men des amerikanischen "Space Shuttle"-Programms.

Während der vier Flug-

tage ist u.a. vorgesenen, einen kanadischen Fernmeldesatelliten sowie den
zweiten TDRS-Satelliten im All abzusetzen.

Der Start war ursprünglich

für den 20. Februar anberaumt, mußte jedoch wegen Reparaturarbeiten am
Hitzeschild auf das jetzige Datum verschoben werden.

Bei TDRS handelt es sich um einen zweieinviertel Tonnen schweren
Nachrichtensatelliten, der in einer erdsynchronen Bahn 35 890 km über dem
Äquator südwestlich von Hawaii stationiert werden wird.

Er dient zur

'Überwachung der Flugbahn anderer amerikanischer Satelliten sowie als besonders leistungsfähige Relaisstation zur Aufnahme und Weitergabe von Daten, die von bis zu 26 Forschungssatelliten ausgestrahlt werden.

Gleich-

zeitig können der Sprechfunkverkehr mit der Besatzung von Raumtransportern in der Erdumlaufbahn und die Flut von Meß- und Arbeitsdaten, die an

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die an Bord eines Raumtransporters anfallen, über das TDRS-System bewältigt werden.

Schon zwei solcher Satelliten, entsprechend postiert, geben

der NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die Möglichkeit, auf die
meisten der bisher bei bemannten Raumfahrtmissionen benutzten Bodenstationen zu verzichten.

Diese vermögen jeweils nur während eines Fünftels

der Zeit, die ein Orbiter in niedriger Umlaufbahn zu einer Erdumkreisung
benötigt, mit ihm Funkkontakt zu halten.

Mit TDRS würde die ständige

Verbindung auf mindestens t&gt;5 Prozent der Dauer eines Erdumlaufs erhöht,
erklärte Lome Robinson von der NASA.

Das erste TDRS-Gerät wurde im April 1983 gestartet.

Ein drittes soll

im November 1985 bei einem späteren Space Shuttle-Flug abgesetzt werden
und als Ersatz zur Verfügung stehen, wenn eines der beiden anderen ausfiele.

Ein TDRS-Nachrichtensatellit kostet ca. 100 Millionen Dollar und

verkörpert die neuesten Entwicklungen der Nachrichtentechnik und Elektronik.

Das TDRS-System wird von der NASA auf zehn Jahre gegen eine Jahres-

gebühr von 250 Millionen Dollar gemietet.

Eigentümer und Betreiber ist

das private Unternehmen SPACECOM (Space Communications Company).

Der bevorstehende CHALLENGER-Flug steht unter dem Kommando von Karol
Bobko, Kopilot ist Donald Williams.

Als Missionsspezialisten wurden Rhea

Seddon, Jeffrey Hoffman und David Griggs von der NASA ausgewählt, als
Nutzlastspezialisten der Franzose Patrick Baudry und Jake Garn, Senator
des US-Bundesstaates Utah.

Senator Garn, Oberst im Reserveoffizierskorps

der US-Luftstreitkräfte und Vorsitzender des für die NASA-Gelder zuständigen Senatsausschusses, ernielt im November 1984 eine Einladung der NASA
zur Teilnahme an einem Raumtransporterflug.

Er nimmt an medizinischen

Experimenten teil, die der weiteren Erforschung der Raumkrankheit gelten.
Zwar sind deren Symptome, die vor allem in den ersten Tagen eines Weltraumflugs bei etwa 40 Prozent der Astronauten auftreten, bestens bekannt,
aber nur teilweise ihre Ursachen.

Das Auftreten der Raumkrankheit ist

dazu angetan, das Arbeitsprogramm zu stören und den Fortgang einer Raumflugmission zu beeinträchtigen.

Patrick Baudry aus Frankreich beabsichtigt, eine Reihe von Experimen- 2 -

�von Experimenten zur Anpassung des menschlichen Organismus an die Schwerelosigkeit durchzuführen.

Dazu gehören u. a. die Messung der Geschwin-

digkeit und Menge des strömenden Blutes und die Ermittlung von Veränderungen dieser Daten in der Start- und Landephase.
mentierausrüstung

Kernstück der Experi-

ist ein Echograph, mit dem Ultraschallaufnahmen

vom

schlagenden Herzen und anderen Organen sowie von Blutgefä'üen und Volumenveränderungen beim strömenden Blut zeitgleich zum Vorgang gemacht werden
sollen.

Die dafür erforderlichen Apparaturen kommen aus Frankreich und

wurden an Bord der CHALLENGER installiert. Der Einfluü von Seheindrücken
auf den Gleichgewichtssinn bei Schwerelosigkeit soll erneut untersucht
werden.

Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, daü Seheindrücke zur

Raumkrankheit beitragen können, wie auch
Rolle dabei spielen.

- 3 -

Veränderungen im Innenohr eine

�27. Februar 1985

RAUMSTATION - PHASE 8
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben -

- (AD) - Für vorbereitende Arbeiten zum Programm "Raumstation" der
Vereinigten Staaten hat die NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) 230
Millionen Dollar aus ihrem Gesamtbudget von 7,9 Milliarden Dollar vorgesehen (Aufwendungen im Jahr 1985: 155,5 Millionen Dollar).

Wie NASA-Chef

James M. Beggs vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte, seien in erster Linie Definition
der Raumstation und Voranalysen geplant. "Nach unseren gegenwärtigen Terminvorstellungen könnte im Jahr 1987 mit der Entwicklung der Hardware begonnen werden."

Diese Planung gebe internationalen Partnern die Möglich-

keit, so Beggs, im Gleichtakt mit der NASA an eigenen Beiträgen zur Raumstation zu arbeiten.

Nach der Bundesrepublik Deutschland haben inzwi-

schen weitere Mitgliedstaaten der Europäischen .Veitraumbehörde ESA ihre
Bereitschaft zur Teilnahme an der Definitions- und vorläufigen Entwurfsphase (Phase B) erklärt.

Ziel der NASA ist es, innerhalb eines Jahr-

zehnts eine ständig besetzte Raumstation im Orbit zu haben.

Diese Station

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese Station soll nach Umfang und Leistungskapazität so ausgelegt
sein, daß sie über mehrere Jahrzehnte in Betrieb gehalten werden kann.
In knapp 500 km Höhe wird sie auf einer um 28,5 Grad zur 'Äquatorebene geneigten Bahn um die Erde kreisen.

Zylinderförmige Druckmodule dienen als

Quartier, Labor- und Arbeitsräume für die Besatzung.

Diese besteht aus

sechs bis acht Spezialisten; jede Gruppe soll sich einige Monate in der
ständig besetzten Station aufhalten.

Die bemannte Weltraumbasis wird von

zwei oder mehr frei fliegenden unbemannten Plattformen begleitet.

JBle

sind Träger von Instrumenten und Ausrüstungen für Langzeitversuche sowie
für die Herstellung bestimmter Produkte und werden von der bemannten Station aus betreut.

Zumindest eine unbemannte Plattform soll in eine pola-

re oder polnahe Umlaufbahn gebracht werden.

Für deren Versorgung und Be-

treuung werden Raumtransporter zuständig sein.

Die Raumfähren haben eine Schlüsselrolle in dem gesamten Programm.
Sie befördern sämtliche Elemente für die Raumstation in den vorgesehenen
Orbit, damit sie dort zusammengebaut werden können.

Außerdem befördern

sie Astronauten, Versorgungsgüter, Ersatzteile, wissenschaftliches Material und Produkte, die im Weltraum erzeugt wurden.

Die Erfahrungen, die

im Laufe der Zeit gesammelt werden, bilden eine Grundlage für Veränderungen, aber auch für die Verwendung von Systemen zur Erweiterung der Raumstation.

Weisungszenträle in der praktischen Arbeit für das vor einem Jahr in
Angriff genommene Programm ist das Johnson-RaumfahrtZentrum in Houston
(Texas).

Im vergangenen Jahr wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet, die

verfügbare Technologien nach ihrer Einsatzfähigkeit für das Projekt Raumstation sondieren und sich um die Weiterentwicklung
neuer Technologien kümmern.

vielversprechender

Vier NASA-Zentren sind in die Arbeiten für

Definition und vorläufigen Entwurf eingeschaltet.

Die Federführung für

das Gesamtprojekt liegt bei einer neugeschaffenen Abteilung der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt in Washington.

Ausschreibungen für die Phase B (Definition vorläufiger Entwurf) sind
bereits ergangen.

Nach Abschluß der Prüfung der eingereichten Vorschläge
- 2 -

�eingereichten Vorschläge durch die NASA im Frühjahr 1985 werden die ersten Verträge über sog. Arbeitspakete (mit 18 Monaten Laufzeit) vergeben.
Erste VertragserteiLungen über Entwicklung und Bau von Hardware-Elementen
werden 1987 erwartet. Interessierte Firmen wurden aufgefordert, sich an
der Konfiguration "Power Tower" (Gerüststruktur von Moduleinheiten und
Kraftwerk) für Definitionsstudien zu orientieren.

Dies ist eine von meh-

reren Konzeptionen für den Bau einer bemannten Raumstation.

Jedoch wird

von vornherein angenommen, daß es im Verlauf der Studien zu wesentlichen
Änderungen kommen wird.

Der Beteiligung internationaler Partner wird große Bedeutung beigemessen.

Die Regierungen der interessierten Länder finanzieren eigene De-

finitions- und Entwurfsprogramme, die parallel zu den bei der NASA laufenden Programmen durchgeführt werden.

Eine internationale Beteiligung

könnte sich auf drei Ebenen vollziehen: 1) als Mitarbeit von Benutzern,
die Missionen definieren und die Raumstation für eigene Zwecke nutzen;
2) Mitarbeit bei Definitions- und Entwicklunysaufgaben sowie bei der Planung von Aktivitäten, die von einer Raumstation aus wahrgenommen werden
können; 3) aktive Mitwirkung beim Betrieb der Raumstation.

Eigene Pläne und Aktivitäten interessierter Länder zum Projekt Raumstation wurden erstmals im Herbst 1984 mit Vertretern der NASA im Rahmen
internationaler Expertengespräche

erörtert.

Bereits im Frühjahr

1984

hatte sich in den Vereinigten Staaten der wissenschaftliche Beraterausschuß für die NASA konstituiert, zu dessen Vorsitzenden Prof. Peter Banks
(Stanford-Universität) berufen wurde.

Die 22 Mitglieder dieses Komitees

sind Forscher, Universitätsprofessoren und Leiter wissenschaftlich-technischer Laboratorien, auch aus der Industrie.

Der Ausschuß soll die NASA

u. a. bei der Planung wissenschaftlicher Aufgaben für eine Raumstation sowie bei der Koordinierung schon bestehender Programme der Weltraumforschung mit speziellen, von einer Weltraumbasis aus durchzuführenden Projekten unterstützen.

Auch soll er Kontaktstelle für Wissenschaftler der

verschiedensten Fachrichtungen sein, welche Vorschläge zur Nutzung der
Raumstation unterbreiten wollen.

Die NASA berief außerdem ein Beraterko-

mitee für Automatisierung und Robotertechnik - für Technologien also, die
beim Betrieb der Raumstation wichtig sind.
Konkurrenz für den
- 3 -

�Konkurrenz für den Raumtransporter

Vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik verwies NASA-Chef 3eggs
darauf, daß dem Raumtransporter als Trägergerät für Satelliten, die von
diesem in der Umlaufbahn abgesetzt werden, sowohl von dem europäischen
Konsortium ARIANESPACE als auch von der US-Luftwaffe Konkurrenz durch die
Verwendung von Verlustraketen erwachse.

ARIANESPACE habe sich in den

letzten 14 Monaten einen erheblichen Anteil am Markt für den Start kommerzieller Satelliten gesichert.

Die Europäische Weltraumbehörde ESA be-

absichtige nunmehr den Bau von ARIANE 5, einer Trägerrakete, mit der sehr
viel größere Nutzlasten oder auch ein bemanntes Raumschiff gestartet werden könnten.

Die US-Luftstreitkräfte planten den Aufbau einer Reserve an

(nicht wiederverwenbaren) Trägerraketen für den Start von Satelliten.
Das US-Amt für Meere und Atmosphäre (NOAA) habe sich dafür entschieden,
drei Wetterbeobachtungssatelliten mit TITAN 2-Raketen, die ebenfalls zu
den Verlustraketen zählen, starten zu lassen.

Solche Entwicklungen be-

deuten wachsende Konkurrenz für die wiederverwendbare Raumfähre.

* * * * *

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beryl W. Sprinkel zum Nachfolger von Martin Feldstein ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten überprüfen Haltung zu SALT II-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Auslandshilfe ist Investition in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sieben Astronauten an Bord&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer CHALLENGER-Flug am 4. März 1985 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumstation - Phase B&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 1S85

10
1
INHALT

&gt;

DOKUMENTATION
Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen
werden schwierig
- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA richten Supercomputer-Zentren ein
Metalle in Medikamenten
- Schlüsselmoleküle:

Komplexverbindungen -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�6. März 1983

10

NITZE: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
WERDEN SCHWIERIG

- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Paul Nitze warnte am 26. Februar 1985
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats vor übertriebenen Hoffnungen auf rasche Ergebnisse bei den anstehenoen amerikanischsowjetischen RüstungskontrollVerhandlungen.

Diese Verhandlungen, so sag-

te Nitze, der jetzt als Sonderberater für Abrüstungsfragen für Präsident
Reagan und Außenminister Shultz tätig ist, müßten von der Solidarität des
Atlantischen Bündnisses, der Unterstützung durch aen amerikanischen Kongreß und den Modernisierungsanstrengungen der Verteidigung der Vereinigten Staaten getragen werden, wenn wirksame und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen zustande kommen sollen, wie sie die Reagan-Administration erhofft.

Die Ausführungen von Botschafter Nitze vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich freue mich, heute vormittag mit Ihnen über das strategische Konzept der Vereinigten Staaten für die kommenden Genfer Verhandlungen sprechen und Ihnen meine Gedanken bezüglich aes Inhalts aieser Verhandlungen
mitteilen zu können.

Bei der Vorbereitung des Januar-Treffens mit Außenminister Gromyko
haben wir ein strategisches Konzept entwickelt, das unsere Vorstellungen
umfaßt, wie wir uns die Entwicklung des* amerikanisch-sowjetischen strategischen Verhältnisses denken.

Dieses Konzept, das unsere Haltung in

den im nächsten Monat beginnenden Verhandlungen im wesentlichen bestimmen
wird, kann in vier Sätzen zusammengefaßt werden:

Während der nächsten zehn Jahre besteht das Ziel aer Vereinigten
Staaten in einer radikalen Verringerung der Kraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen sowie in der Stabilisierung des Verhältnisses zwischen offensiven und defensiven Nuklearwaffen, ob sie am Boden
oder im Weltraum stationiert wären.

Wir rechnen schon jetzt mit einer

Übergangsperiode zu einer stabileren Welt mit einem stark verminderten
Stand an Kernwaffen und einer verstärkten Fähigkeit, vor einem Krieg abzuschrecken auf der Basis eines wachsenden Beitrags von nichtnuklearen
Verteidigungssystemen gegen offensive Nuklearwaffen.

Diese Übergangspe-

riode könnte zu der schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen - ob
offensiv oder defensiv - führen.

Eine Welt frei von Kernwaffen ist ein

Endziel&gt; auf das wir, die Sowjetunion und alle anderen Länder uns einigen
können.
Dieses Konzept umfaßt drei Zeitphasen:

das kurzfristige Ziel, die

Übergangszeit und das endgültige Ziel.

Das kurzfristige Ziel

Auf kurze Sicht - d.h. mindestens für die nächsten zehn Jahre - werden wir weiterhin die Abschreckung auf der letztlichen Drohung mit der
nuklearen Vergeltung aufbauen.

Die heutige Technologie bietet keine AI-

�keine Alternative.

Das voraussetzend werden wir auf radikale Verringerungen der Zahl und
der Kraft strategischer Kernwaffen und Mittelstreckenkernwaffen drängen.
Die nuklearen Arsenale sind insgesamt zu groß und potentiell vernichtend,
vor allem was die mehr destabilisierenden Kategorien, wie die starke Interkontinentalraketen - uno SS-20-Streitmacht der Sowjets mit Mehrfachgefechtsköpfen, angeht.

Gleichzeitig werden wir versuchen, eine Umkehr in der Aushöhlung des
ABM-Vertrages herbeizuführen, wie sie durch sowjetische Maßnahmen entstanden ist.

Dazu gehört beispielsweise der Bau einer Radaranlage mit

phasengesteuerter Abtastung bei Krasnojarsk in Sibirien.

Was die nahe Zukunft anbetrifft, so haben wir die Absicht, aas Forschungsprogramm der Strategischen Verteidigungsinitiative

(SDI) fortzu-

setzen - und zwar im vollen Einklang mit dem ABM-Vertrag, der eine solche
Forschung gestattet.

Wir gehen in gleicher Weise davon aus, daß die So-

wjets ihre Untersuchungen der Möglichkeiten neuer defensiver Technologien
fortsetzen werden, wie sie das schon seit Jahren intensiv getan haben.

Die Übergangszeit
Sollten sich in Zukunft neue Verteidigungstechnologien als machbar
erweisen, dann würden wir gerne einen Übergang zu einem stabileren und
verläßlicheren Gleichgewicht auf der Basis einer Mischung von offensiven
und defensiven Systemen anstreben.

Wir haben angeboten, schon jetzt - in

den kommenden Verhanalungen - mit den Sowjets darüber zu sprechen, wie
wir einen solchen Übergang zusammen bewältigen könnten.

Ich möchte feststellen, daß wir bei der Beurteilung oer Anwendbarkeit
neuer defensiver Technologien einen strengen Maßstab anlegen werden.

Die

Technologie muß Defensivsysteme hervorbringen, die bis zu einem vernünftigen Grad überlebensfähig sind; wenn nicht, wären diese Verteidigungs- 3 -

�diese Verteidigungssysteme selbst ein verlockendes Ziel für einen Erstschlag.

Das würde die Stabilität eher schwächen als stärken.

Darüber hinaus müssen jene Verteidigungssysteme im letzten kosteneffektiv sein, d.h. effektiv genug und billig genug, um zusätzliche Verteidigungskapazität zu schaffen, damit die andere Seite keinen Anreiz erhält, sich zusätzliche Offensivkapazitäten zuzulegen, um die Verteidigung
zu überwinden.

Sonst könnten die Defensivsysteme, wenn sie nicht aurch

gegenseitige Übereinkunft eingegrenzt werden, eine Weiterverbreitung von
Gegenmaßnahmen und Offensivwaffen auslösen, um die dislozierten Verteidigungssysteme zu überwinden, statt die Anstrengungen von der Offensive auf
die Defensive zu verlegen.
Wenn die neuen Technologien diesen Anforderungen nicht entsprechen
können, dann sollten wir sie nicht dislozieren.

Unsere Abschreckung wür-

de dann weiterhin auf der letztlichen Androhung der nuklearen Vergeltung
basieren.

Wir hoffen jedoch und hegen große Erwartungen, daß die Wissen-

schaft mit der Herausforderung fertig werden wird.
Sollte ein Übergang möglich sein, dann würde die Rüstungskontrolle
eine wichtige Rolle spielen. Wir würden beispielsweise einen weiteren
Abbau der offensiven Kernwaffen anstreben.
Wir würden davon ausgehen, daß beide Seiten gleichzeitig damit beginnen würden, überlebensfähige und kosteneffektive Verteidigungssysteme zu
erproben, zu entwickeln und zu dislozieren - mit besonderem Nachdruck auf
nichtnukleare Verteidigungssysteme. Die Abschreckung würde sich dann mit
der Zeit mehr auf eine Mischung von offensiven Kernwaffen und Defensivsystemen stützen, statt auf die Drohung offensiver Nuklearwaffen allein.
Der Übergang würde einige Zeit dauern, vielleicht Jahrzehnte, wenn
die amerikanischen und sowjetischen Arsenale an strategischen Kernwaffen
und nuklearen Mittelstreckensystemen wesentlich zurückgingen, würden wir
danach streben, über Verringerungen anderer Typen von Kernwaffen zu verhandeln und irgendwie auch die anderen Kernwaffenmächte in die Verhand-

�die Verhandlungen einbeziehen.

Das endgültige Ziel

Wenn die richtigen technischen und politischen Umstänae gegeben wären, dann würden wir darauf hoffen, den Abbau aller Nuklearwaffen bis zum
Punkt Null fortsetzen zu können.

Das hätte natürlich weitreichende Aus-

wirkungen auf das militärische Gleichgewicht auf allen Ebenen.

Wenn bei-

spielsweise die nukleare Aoschreckung fehlt, dann wäre ein stabiles konventionelles Gleichgewicht noch sehr viel wichtiger als heute.

Wir müß-

ten dann besondere Aufmerksamkeit dem Problem zuwenden, wie wir zusammen
mit unseren Verbündeten der Drohung begegnen oder sie verminoern könnten,
die durch Ungleichgewicht der konventionellen Rüstungen entstehen würae.

Die völlige Abschaffung von Nuklearwaffen würde von weitverbreiteten
Dislozierungen nichtnuklearer Verteidigungssysteme begleitet.
den die Gewähr bieten, daß für den

Diese wür-

Fall, daß ein Land betrügen wollte,

indem es beispielsweise heimlich Raketen baut, dieses Lano keinen ausnutzbaren militärischen Vorteil erringen würde.

Um die Verteidigungssy-

steme zu überwinden, müßte der Betrug schon erhebliche Dimensionen annehmen, dann aber würde er nicht unbemerkt bleiben, und angemessene Gegenmaßnahmen könnten getroffen werden.

Sollten wir aie endgültige Phase erreichen, dann würde die Aoschrekkung auf die Fähigkeit der Verteidigung gestützt, dem nuklearen oder konventionellen Angriff eines potentiellen Aggressors den Erfolg zu verwehren.

Das strategische Verhältnis könnte dann als ein Verhältnis der ge-

genseitig garantierten Sicherheit bezeichnet weroen.

Anmerkungen

Nachdem ich unser strategisches Konzept umrissen habe, möchte icn
einige Anmerkungen dazu machen.
Erstens, das

�Erstens, das Konzept steht in vollem Einklang mit der Abschreckung.
Nicht nur auf kürzere Sicht, sondern auch in der Übergangsphase und in
der Endphase würde die Abschreckung weiterhin die Basis für das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bilden.

Abschreckung erfordert, daß ein potentieller Gegner überzeugt sein
muß, daß die Risiken und Kosten einer Aggression bei weitem die Gewinne
überwiegen, die er sich erhoffen könnte.

Die populäre Vorstellung von

Abschreckung besteht darin, daß es darum geht, einen Aggressor durch die
letztliche Drohung mit nuklearer Vergeltung mit hohen potentiellen Kosten
zu konfrontieren.

Aber Abschreckung kann auch wirksam funktionieren, wenn man die Fähigkeit besitzt, dem Angreifer die Gewinne zu verwehren, die er zu erzielen hofft.

Unsere Aosicht ist, das Gleichgewicht der Abschreckung von

einem hauptsächlich auf der letztlichen Androhung einer verheerenden nuklearen Vergeltung basierenden Verhältnis auf ein Verhältnis zu verlagern, bei dem die Kernwaffen auf beiden Seiten stark verringert sind und
nichtnukleare Verteidigungssysteme eine immer größere Rolle spielen,

wir

sind der Überzeugung, daß das letztere Verhältnis eine viel gesündere Basis für ein stabiles und verläßliches strategisches Verhältnis bieten
würde.

Lassen Sie mich jedoch dazu sagen, daß für die absehbare ZuKunft,
selbst in den frühen Stadien eines möglichen Übergangs, offensive Nuklearstreitkräfte das entscheidende Element der Abschreckung bilden werden.
Ich appelliere daher an

Sie, das Strategische Modernisierungsprogramm zu

unterstützen.

Zweitens, wir sind uns darüber im klaren, daß die Übergangszeit wenn sich Verteidigungstechnologien als anwendbar erweisen und wir uns
entscheiden sollten, in diese Richtung zu gehen - recht kompliziert sein
könnte.

Wir müßten eine Mischung von überlebensfähigen Offensiv- und De-

fensivsystemen zustande bringen, die mit der Zeit den Anreiz für einen
- 6 -

�für einen Erstschlag in einer Krise immer mehr verringern würde. Aus diesem Grunde wollen wir ja den Übergang zu einer kooperativen Anstrengung
mit den Sowjets zusammen machen, und darum haben wir angeboten, jetzt mit
ihnen über die Fragen zu sprechen, mit denen wir fertig werden müßten.

Als drittes möchte ich sagen, daß wir uns, obwohl wir alles versuchen, unser Ziel einer Welt zu erreichen, aus der die Nuklearwaffen verschwunden sind, darüber im klaren sind, daß es dann noch immer große Risiken gäbe.

Die Technik der Herstellung von Kernwaffen ist weithin be-

kannt und kann nicht mehr ausgelöscht werden.
ausbricht oder betrügt, wäre weiterhin vorhanden.

Die Gefahr, daß jemand
Darüber hinaus bestün-

de auch das potentielle Problem der Atomoombe im Koffer und ähnliches.
Aber wenn auch nicht alle Risiken ausgeschaltet werden können, so
können sie doch stark verringert werden.
ko; man muß die Alternativen abwägen.

Nichts ist gänzlicn ohne Risi-

Es scheint mir, daß die Risiken

des Betruges oder der Atombombe im Koffer in einer Welt, in aer es keine
Nuklearwaffen in den Militärarsenalen mehr gibt, weiteaus geringer wären
als die Risiken und potentiellen Kosten eines möglichen Zusammenbruchs
des gegenwärtigen Abschreckungsregimes, das allein auf der letztlichen
Androhung einer massiven nuklearen Vergeltung basiert.

Die Genfer Gespräche

Dieses Konzept macht unsere Haltung bei den Genfer Verhandlungen im
nächsten Monat deutlich.

Bei diesen Verhandlungen werden wir Positionen

darlegen, die in Einklang mit dem von mir gerade umrissenen Konzept stehen und die dieses weiter fördern sollen.

Die Administration bemüht sich derzeit intensiv darum, die amerikanischen Positionen für jeden dieser drei Verhandlungsbereiche abzustecken der strategischen Kernwaffen, der nuklearen Mittelstreckensysteme

UNF)

sowie der Verteidigungs- und Weltraumwaffen.
Aus dem Meinungs- 7 -

�Aus dem Meinungsaustausch zwischen Außenminister Shultz und Herrn
Gromyko im Januar sowie aus den sich hieran anschließenden sowjetischen
Medienkommentaren wird deutlich, daß zwischen den Haltungen beider Seiten
erhebliche Unterschiede bestehen.

Bei den strategischen Waffen sprechen die Sowjets von ihrer Bereitschaft, "radikale Verringerung" sowie den Verzicht auf neue Typen bei
strategischen Waffen - wie etwa den Marschflugkörpern großer Reichweite,
den ICBM, den SLBM und den Bombern - in Erwägung zu ziehen.

Es ist nicht klar, ob die Sowjets die "radikalen Verringerungen" in
dem von uns vorgeschlagenen Sinn akzeptiert haben.

Ihr Angebot, auf neue

Typen strategischer Waffen zu verzichten, scheint wenig mehr als ein Neuaufguß des sowjetischen Vorschlags über ein Einfrieren der Kernwaffen zu
sein.

Bei INF wiederholten die Sowjets die bekannten Elemente ihrer Position, zum Beispiel, die amerikanischen LRINF seien "strategische Systeme"
und die britischen wie auch die französischen Systeme müßten mit in die
Rechnung einbezogen werden.

Wahrscheinlich fordern sie eine Beendigung

der amerikanischen Dislozierungen und der sowjetischen "Gegenmaßnahmen",
gefolgt von Verringerungen bei den Mittelstreckenraketen in Europa.

Die

Sowjets haben keinen Abzug der schon dislozierten amerikanischen Raketensysteme als Vorbedingung für Verhandlungen gefordert.

Es ist noch un-

klar, ob sie auch weiterhin die Möglichkeit eines Abkommens ausschließen,
das einige amerikanische Dislozierungen erlaubt.

Was den dritten Bereich anbelangt, so bestehen die Sowjets auf der
"Nichtmilitarisierung" des Weltraums; damit meinen sie ihrer eigenen Aussage nach ein Verbot aller Waffen im Weltraum, die "dazu entwickelt
sind", Objekte im Raum oder auf der Erde anzugreifen, sowie alle Systeme
auf der Erde, die "dazu entwickelt sind", Objekte im Weltraum anzugreifen.

Sie haben ihren Widerstand gegen Forschungsbemühungen für derlei

Systeme zum Ausdruck gebracht, und dies trotz ihrer eigenen konkreten Anstrengungen in diesem Bereich, zu denen die einzigen derzeit einsatzbe-

�derzeit einsatzbereiten ABM- und Antisatellitensysteme gehören.

Es hat Überlegungen hinsichtlich einer baldigen Möglichkeit für neue
Begrenzungen in diesem Bereich gegeben.

Wir werden natürlich jeden so-

wjetischen Vorschlag auf diesem Gebiet sorgfältig prüfen. Aber meiner eigenen Ansicht nach sind derlei Möglichkeiten zur Zeit begrenzt.

Lassen

Sie mich dies etwas näher ausführen.

Man kann die Verteidigungs- und Weltraumverhandlungen nicht mit einem
Tauschgeschäft vergleichen, bei dem ein paar Teppiche gegen ein Kamel gehandelt werden.

Es ist dies ein ganz anderer und weit ernsthafterer Ver-

handlungstypus.

über die meisten der Verteidigungs- und Weltraumprobleme wurde vor
vielen Jahren verhandelt und ein Abkommen erzielt; derzeit gibt es nicht
mehr so viel, worüber zu verhandeln wäre.

Das sowjetische Gerede über die "Nichtmilitarisierung" des Weltraums
ist Unsinn.

Es gibt eine Vielzahl von Militärsatelliten im Raum, die

meisten davon gehören den Sowjets.

Und ich möchte hinzufügen, daß einige

dieser Militärsatelliten auf beiden Seiten - wie etwa Warn-, Kommunikations- und NTM-Satelliten (National Technichal Means) - einen sehr großen
Nutzen haben.

Die Stationierung

von Massenvernichtungswaffen,

einschließlich

von

Kernwaffen, im Weltraum ist durch den Weltraumvertrag untersagt.
Kernexplosionen

zu Versuchszwecken im Weltraum sind durch das Be-

grenzte Teststoppabkommen untersagt.
Alle Systeme, die gegen Gefechtsköpfe strategischer Raketen - ob im
Weltraum oder sonstwo - eingesetzt werden können, unterliegen dem ABMVertrag.

Dieser Vertrag untersagt die Dislozierung von ABM-Systemen im

Weltraum oder auf der Erde - mit Ausnahme klar begrenzter, bodengestützter Elemente.
ABM-Systeme,
- 9-

die

�ABM-Systeme, die ansonsten laut ABM-Vertrtag erlaubt sind, sich jedoch auf "andere physikalische Prinzipien" stützen, unterliegen der Gemeinsamen Erklärung D des Vertrags.

Derlei Systeme können nicht ohne

vorherige Konsultation und Vertragszusatz disloziert werden.

Darunter

fallen Hochenergie-Laser, Neutralteilchen-Strahlensystem, Systeme auf kinetischer Energie etc.

Deshalb bietet der ABM-Vertrag - sollten neue De-

fensivtechnologien sich als realisierbar erweisen - eine Grundlage für
Diskussionen darüber, wie diese Systeme in die Streitkräftestruktur beider Seiten integriert werden könnten.

Die Forschung kann durch ein Abkommen weder überwacht noch kontrolliert werden.

Ich bin der Überzeugung, daß die Sowjets gleichfalls die-

ser Ansicht sind.

Die einzige Aktivität im Raum, über die noch zu verhandeln wäre, sind
die, durch Obiges nicht abgedeckten ASAT-Systeme. Hierbei handelt es sich
um eine besondere Klasse.

Außeratmosphärische

ABM-Systeme

-

einschließlich

des

bestehenden

Galosh-ABM-Systems, das in der Nähe von Moskau disloziert ist - sind ihrer Natur nach ASAT-Systeme.

Satelliten sind zumeist empfindlicher als

Wiedereintrittsflugkörper (RV) und bewegen sich auf vorhersagbarem Kurs;
sie sind daher verwundbarer als die RV auf ihrem ballistischen Flugweg.
ASAT-Systeme mit ABM-Kapazität sind bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt.

Im Grunde genommen hat jede ballistische Rakete, die einen nuklearen
Gefechtskopf in den Raum und auf eine Erdumlaufbahn bringen kann, potentiell ASAT-Kapazitäten.

Die wesentlichsten ASAT-Kapazitäten, die nicht durch bestehende Begrenzungen abgedeckt werden, sind die nichtnuklearen Systeme, die zwar in
der Lage sind, Satelliten anzugreifen, jedoch keine ICBM-RV attackieren
können.

Zu dieser besonderen Systemklasse gehören das einsatzbereite so-

wjetische koorbitale ASAT-System sowie das von Flugzeugen aus dislozierte
- 10-

•

�aus oisiozierte Miniaturträgersystem, das derzeit von den Vereinigten
Staaten entwickelt wird.

Zwar ist die Beobachtung von Versuchsreihen für die Beurteilung der
Fähigkeiten eines Systems von großer Bedeutung; doch ist ein System erst
einmal ausreichend auf seine Einsatzfähigkeit hin getestet - wie dies bei
dem sowjetischen koorbitalen ASAT-System der Fall ist -, dann läßt sich
seine Dislozierung

nur noch unter viel größeren Schwierigkeiten über-

wachen.

Kurz: Der Vorschlag, alle ASAT-Systeme zu verbieten, ist nur sehr
schwer, wenn nicht gar unmöglich zu verwirklichen.

Ich persönlich bin

skeptisch, was ein militärisch bedeutsames und verifizierbares Verbot der
Erprobung und der Dislozierung von nichtnuklearen Systemen angeht, die
zwar in der Lage sind, Satelliten anzugreifen, aber keine RVs abwehren
können.
Ich glaube daher, daß die viel wichtigere Frage im Verteidigungs- und
Weltraumbereich erst einmal die ist, ob man die Sowjets zu der Einsicht
bringen kann, wie wichtig es ist, daß auch sie sich an den ABM-Vertrag
halten und aufhören, seine Grundlagen auszuhöhlen und zu untergraben.
Längerfristig gesehen ist dies das Forum, auf dem wir die Gelegenheit
haben werden, mit ihnen die beiderseitigen Vorteile zu besprechen, die
sich daraus ergeben würden, wenn wir zu einer Übereinkunft dahingehend
gelangen könnten, wie hochmoderne Defensivsyteme - erwiesen sie sich denn
als einsatzbereit - zu längerfristigem und beidseitigem Vorteil in die
Streitkräfte beider Seiten integriert werden könnten.

Neben unseren erheblichen Meinungsverschiedenheiten geht unsere Vorstellung und die der Sowjets auch hinsichtlich der Beziehung auseinander,
in der die drei Themenbereiche zueinander stehen sollten.

Die Sowjets

sind der Meinung, daß die drei Bereiche - strategische Kernwaffen, nukleare Mittelstrecken - sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen - nicht
nur in ihrer Wechselbeziehung diskutiert werden sollten, sondern daß es
nicht möglich sei, in einem Bereich zu einem Abkommen zu gelangen, ohne
- 11-

�gelangen, ohne daß auch in den anderen ein solches zustande kommt.

Wir

sind anderer Meinung: Sollte in einem Bereich ein Abkommen erzielt werden, so würde die gegenläufige Bestimmung wenig Sinn machen, derzufolge
nämlich ein Abkommen verhindert würde, das den Interessen beider Seiten
dienen könnte.

Wie Sie sehen können, liegt vor den Unterhändlern eine klarumrissene
Aufgabe; der Prozeß wird komplex und wahrscheinlich langwierig sein.

Ich

erwarte nicht, daß die Sowjets sofort unseren Standpunkt oder unser Konzept darüber akzeptieren werden, wie die strategische Beziehung in Zukunft aussehen könnte.

Aber mit Hartnäckigkeit, Geduld und konstruktiven

Ideen hoffen wir, daß die Sowjets die Vorteile unserer Position erfassen
werden, daß sie nämlich ihren nationalen Interessen genau so wie den unsrigen dienen würde.

Schlußfolgerung

Wichtig ist, unsere Erwartungen nicht zu hoch zu stecken und uns
selbst wie auch die Öffentlichkeit auf einen langen Prozeß vorzubereiten.
Das Übereinkommen vom Januar, in Genf mit neuen Verhandlungen zu beginnen, hat unser kompliziertes und kompetitives Verhältnis zur Sowjetunion
nicht verändert.

Die Gespräche im Januar haben nur erneut bestätigt, daß

diese Verhandlungen schwierig sein werden.

Wie ich dargelegt habe, haben die Sowjets sich sehr darum bemüht, eine Wechselbeziehung zwischen jenen Verhandlungsbereichen herzustellen, in
denen sie versuchen werden, das westliche Interesse an raschem Fortschritt bei den Verhandlungen als Hebel zu verwenden.

Die Tatsache, daß sich die Sowjets zu diesen Gesprächen bereiterklärt
haben, bedeutet nicht, daß sie auch bereit sind, ihre unannehmbare Position am Verhandlungstisch aufzugeben oder mit ihrer Propagandakampagne
außerhalb des Konferenzsaales aufzuhören.

Es ist daher wahrscheinlich, daß die Sowjets bei den neuen Verhand- 12-

�neuen Verhandlungen plötzlich den Versuch unternehmen werden, den Fortschritt bei den Mittelstreckenwaffen und den strategischen Kernwaffen als
Geisel für Bewegung unsererseits im Verteidigungs- und Weltraumwaffenbereich zu verwenden, wo sie eindeutig die Absicht haben, das amerikanische
Forschungsprogramm bei der strategischen Verteidigung zu behindern.

Dabei werden sie jede Gelegenheit ergreifen, unterschiedliche Meinungen innerhalb des NATO-Bündnisses und innerhalb der Vereinigten Staaten
auszunützen.

Wie 1983 wird Moskau versuchen, sich über den Kopf der westlichen Regierungen hinweg an die Öffentlichkeit im Westen zu wenden.
cher, daß dies, wie 1983, ein Fehlschlag sein wird.

Ich bin si-

Dies wird natürlich

einer koordinierten Anstrengung auf unserer Seite bedürfen - sowohl hier
im Lande wie auch mit unseren ausländischen Freunden -, um sicherzustellen, daß die Sowjets zu der Schlußfolgerung gelangen müssen, daß es keine
Alternative zu ernsthaften Verhandlungen gibt.

Insbesondere wird die Unterstützung durch den Kongreß von ausschlaggebender Bedeutung sein, um die Sowjets davon zu überzeugen, daß ihre
Kampagne in der Öffentlichkeit keine Früchte bringt und sie sich uns zu
ernsthaftem Verhandeln anschließen müssen.

Seitdem die Sowjets Ende 1983 die Genfer Gespräche verlassen haben,
haben wir unsere Bereitschaft deutlich gemacht, ohne Vorbedingungen an
den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Man kann nur Spekulationen darüber

anstellen, was die Sowjets dazu veranlaßte, mit uns in neue Verhandlungen
einzutreten, ohne auf eine Reihe von Dingen zu bestehen, die sie inzwischen so überaus intensiv verfochten haben.

Ein plausibles Motiv ist sicher dies, daß sie ein Instrument schaffen
wollten, um Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben - ein Instrument,
das einzig durch Verhandlungen an die Hand gegeben wird.

Entgegen ihren

Erwartungen wurde es ihnen durch ihr Verlassen der Verhandlungen Ende
1983 nur noch schwerer gemacht, die öffentliche Meinung in Europa und
- 13-

�Europa und Amerika gegen die amerikanische Haltung hinsichtlich einer
ganzen Reihe von Sicherheits- und Rüstungskontrollfragen zu mobilisieren.

Wir können davon ausgehen, daß sie die Tatsache wiederaufgenommener
Verhandlungen dafür einsetzen werden, um erneut zu behaupten, die amerikanischen Programme und die amerikanische Haltung würden die Aussicht auf
Erfolg der Verhandlungen gefährden.

Wir sind der Meinung, daß dieses Argument grundlos ist. Im Gegenteil:
Genau wie die Solidarität des Bündnisses und die Stärke der Unterstützung
im Kongreß für die amerikanischen Bemühungen um eine Modernisierung der
Verteidigung im Inland wie im Ausland entscheidende Faktoren für die Erklärung unseres bisherigen Erfolges sind, sind wir auch der Überzeugung,
daß sie für die Aussicht auf Erfolg bei wirksamen und verifizierbaren Rüstungskontrollvereinbarungen von entscheidender Bedeutung sind, die, so
unsere Hoffnung, am Ende des Prozesses stehen werden, der jetzt beginnen
soll.

Aus diesen Gründen, so meine ich, wäre es unklug, den Kurs zu ändern
und unsere Verpflichtung zu unseren strategischen Modernisierungsprogrammen, insbesondere der MX-Rakete, zu verringern.

Dies zu tun, würde der

Sowjetunion ein Signal der Schwäche und des Mangels an Entschlossenheit
setzen - zu einem Zeitpunkt, da wir bei unserer Zielsetzung Einhelligkeit
und Einigkeit beweisen müssen -, und würde den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten eine wichtige militärische Kapazität verwehren.
Es wäre auch höchst unklug, die Forschung bei der strategischen Verteidigung zu beschneiden.

Diese Forschung ist, in vollem Einklang mit

dem ABM-Vertrag, eine Anzahlung für eine Zukunft, von der wir alle hoffen, daß sie verwirklicht werden kann - eine Zukunft der radikalen Verringerung und Beseitigung der Kernwaffen. Als solches ist sie entscheidender Teil unseres umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontrollprogramms zur nationalen Sicherheit.
* * * * *

- 14-

�6. März L965

10

MX-RAKETE WESENTLICH FÜR AUFRECHTE RHALTUNC DER ABSCHRECKUNG
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

Washington -(AD)- Zwei führende Vertreter der Reagan-Administration,
Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger, haben den Kongreß aufgefordert, das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu unterstützen, da es
wesentlich für die Aufrechterhaltung des Friedens und der StaDilität wie
auch für die Durchsetzung der amerikanischen Position bei den Rüstungskontrollverhandlungen sei. Die Minister erschienen am 26. Februar iyöi&gt;
gemeinsam vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats. Wir geoen
ihre Erklärungen im folgenden leicht gekürzt wieder.

Die Erklärung von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit, hier vor Ihnen erscheinen und meiner
Unterstützung für das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte Ausdruck verleihen zu können. Dieses Thema ist
von enormer Bedeutung für unsere Diplomatie, da die Modernisierung der
strategischen Streitkräfte unmittelbare Auswirkungen auf unsere nationale

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unsere

nationale

Sicherheit, unsere

Rustunyskontrollziele

und

unsere

grundlegendsten außenpolitischen Ziele hat.
Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Außenpolitik

... Macht und Diplomatie stellen keine getrennten Dimensionen der Politik dar; sie sind vielmehr untrennbar miteinander verbunden. Deshalb
trete ich heute vor Sie hin, um Sie dringlich zu ersuchen, der Modernisierung der strategischen Streitkräfte, insbesondere aber der MX-PEACEKEEPER-Rakete, die einen zentralen Pfeiler

dieses Modernisierungspro-

gramms bildet, Ihre Unterstützung zu leihen. ...

Die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte ist wesentlich.
Die strategische Aufrüstung der Sowjetunion hält unvermindert an. Seit
wir die MUNIUTEMAN

ilX, unsere modernste Interkontinentalrakete (luBM),

eingeführt haben, hat die Sowjetunion drei neue ICBM-Typen eingeführt,
nämlich die SS-17, die SS-lö und die SS-19. Von der SS-19, die in inren
Abmessungen in etwa der MX entspricht und sechs Gefechtsköpfe trägt, wurden 36ü Stück aufgestellt, von der sehr viel größeren und mit zehn uefechtsköpfen ausgerüsteten SS-18 hingegen 308. Darüberhinaus werden die
Sowjets innerhalb der nächsten beiden Jahre mit der Aufstellung zweier
weiterer neuer Typen - der SS-X-24 und der SS-X-25 - beginnen. Dies bedeutet fünf neue sowjetische ICBM-Typen gegenüber nur einem amerikanischen, eben der MX.

Ein glaubwürdiges, flexibles

strategisches Strextkräftekonzept

der

Vereinigten Staaten ist von entscheidender Bedeutung für ein stabiles
Gleichgewicht der Kräfte, auf dem Frieden und Sicherneit beruhen. Die MX
wiederum ist ein entscheidendes Element dieses stabilen Gleichgewichts.
Sie stellt eine Erwiderung dar, die vier aufeinander folgende Administrationen - und zwar sowohl demokratische als auch republikanische - für
notwendig gehalten haben, um zumindest teilweise ein Gegengewicht zu dem
äußerst schlagkräftigen sowjetischen ICBM-Potential zu schaffen.

Die MX ist nach dem SALT-II-Vertrag zulässig. Ihr Beitrag zum strategischen Gleichgewicht bildete sogar eine der Voraussetzungen, auf denen

�au ^dnen dieser Vertrag beruhte. Auch die überparteiliche Scowcroft-Kommission kam, wie im übrigen auch ich, zu dem Schlub, daß die MX einen wesentlichen Bestandteil einer modernisierten strategischen Triade bilden
müsse.

Wenn die Sowjets in der Lage wären, wirksame Schläge gegen unsere
landgestützten ICBM zu führen, während unser eigenes landgestütztes Abschreckung spotential dies nicht in vergleichbarer Weise vermöchte, könnten sie meinen, daß sie in einem entscheidenden Bereich des strategischen
Kräfteverhältnisses deutlich im Vorteil seien, und sie könnten versuchen,
mittels nuklearer Erpressung politischen Druck auszuüben. Ein derart einschneidendes Ungleichgewicht im Bereich der strategischen Waffen könnte
sie sehr wohl veranlassen, in einem regionalen Konflikt oder auch in einer größeren Krise kühner aufzutreten.

Wir müssen die Einführung der MX jetzt vorantreiben, weil sie ein
glaubwürdiges Mittel der Abschreckung darstellt. Nach Jahren der Planung
und nach Aufwendung von Milliarden von Dollar bietet nur die MX die Möglichkeit, dieses ernstzunehmende strategische Ungleichgewicht enalich zu
korrigieren. Viele Kritiker der MX haben sich besonders auf den Zusammenhang zwischen der Art inrer Aufstellung und ihrer Überlebensfähigkeit
konzentriert, ich möchte diesbezüglich drei Argumente geltend machen:

Erstens müßten sowjetische Planer in der ungewissen Lage, die währena
eines Krieges bestehen würde, damit rechnen, daß einige unserer MX-Kaketen einen Angriff überstehen und im Rahmen von Vergeltungsschlägen gegen
die Ziele eingesetzt werden könnten, die für die Sowjets den höchsten
Wert haben, so u.a. gegen die Raketen, die die Sowjets für weitere angriffe auf unser Land in Reserve halten würden.

Zweitens muß die Überlebensfähigkeit der MX in Zusammenhang mit den
anderen Elementen unserer strategischen Triade gesehen werden. Die drei
Säulen dieser Triade - Bomber, Unterseeboote und landgestützte Raketen erhalten die Abschreckung aufrecht, indem sie die sowjetischen Planungen
erheblich komplizieren. Falls die Sowjets einen Großangriff erwägten, sähen sie sich gezwungen, zu wählen, welche der Säulen unserer Triade sie
- 3 -

�Triade sie treffen wollen, wobei ihre Entscheidung die Möglichkeiten,
auch die jeweils anderen Säulen wirksam anzugreifen, erheblich einschränken würde. Beispielsweise ist es nicht möglich, unsere Bomoerstützpunkte
und ICBM-Silos gleichzeitig anzugreifen, ohne daß uns die Möglichkeit
bleibt, in gewissem Umfang Vergeltung zu üben. Die Abschreckung beruht
darauf, daß die sowjetischen Planer wissen, daß sie einen erfolgreichen
Erst- oder Entwaffnungsschlag gar nicht erst in Erwägung zu ziehen brauchen.

Drittens können die Möglichkeiten der Härtung von Silos in der Zukunft erheblich verbessert werden, wodurch auch die Überlebensfähigkeit
der MX-Streitmacht steigen würde. Die Scowcroft-Kommission hat dies in
ihrem Bericht erwähnt, und der Kongreß hat die entsprechenden Forschungsmittel bewilligt. Die Aussichten sind gut und vielversprechend, so daß
sichergestellt werden kann, daß die MX selbst in fernerer Zukunft ein
Schlüsselelement der Triade bleiben wird.

Außerdem ist es wichtig, sich klar zu machen, daß das Ganze unsere
strategischen Triade größer ist als die Summe ihrer einzelnen Bestandteile. Im Gesamtzusammenhang gesehen, wird die MX unsere Triade, auf der unsere Sicherheit seit so vielen Jahren beruht, als Ganze stärken und damit
auch die Abschreckung und den Frieden.

Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Rüstungskontrolle

Auch im Hinblick auf unsere rüstungskontrollpolitischen Ziele spielt
die MX zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zentrale Holle, wenn wir im Laufe
der Jahre etwas gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dab die Sowjets
Stärke und Standfestigkeit respektieren. Ich bin davon überzeugt, daß die
Standfestigkeit, die wir und unsere Verbündeten in den letzten Jahren bezeugt haben, indem wir die Aufstellung neuer Mittelstreckenwaffen vorangetrieben und den Versuchen der Sowjets, uns und unsere Verbunaeten zu
entzweien, widerstanden haben, die Sowjets zu der Erkenntnis gebracht
hat, daß sie ihre Ziele nicht durch politischen Druck erreichen können
und daß sie sich nicht bequem zurücklehnen und auf einseitige Zugeständnisse warten dürfen, sondern stattdessen am Konferenztisch
- 4 -

verhandeln

�Konferenztisch verhandeln müssen.

Dank des Zusammenhalts und der Entschlossenheit des Westens während
dieser Zeit und auch dank der Unterstützung beider Kongreßparteien für
das Programm zur Modernisierung der strategischen Streitkräfte während
der letzten drei Jahre ist unsere Verhandlungsposition heute stark. Die
Sowjets müssen erkennen, daß wir entschlossen sind, unsere Sicherheit zu
schützen, so lange keine entsprechenden Rüstungskontrollabkommen bestehen, und daß es genauso sehr in ihrem wie in unserem Interesse liegt,
Mittel und Wege zu finden, die Kernwaffenarsenale und die Kriegsgefahr zu
verringern. Diese Grundlage der Stärke verbessert die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen.

Die neuen Waffen sind keine "Faustpfänder für die Verhandlungen"; sie
bilden einen Teil der Stärke, auf der wirkliche Verhandlungen beruhen,
und ein dringend notwendiges Modernisierungsprogramm, das sich im Linklang mit den bestehenden Hustungskontrollabkommen befindet. Sie stellen
ein wesentliches Element unseres Abschreckungskonzepts aar, und sie bilden die Grundlage, auf der eine wirkungsvolle und ausgewogene Rüstungskontrollregelung getroffen werden kann.

Verhandlungen auf der Grundlage von Stärke und Einigkeit
Wie Sie wissen, stehen wir kurz vor der Eröffnung einer neuen Kunde
von Rüstungskontrollverhandlungen in Genf. Sowohl das amerikanische Volk
als auch seine Regierung - d.h., der Kongreß und der Präsident - hoffen,
daß diese Verhandlungen Früchte tragen werden. Wir müssen bereit sein,
unsere Ideale und Interessen zu verteidigen, ganz gleich, ob die Verhandlungen erfolgreich sind oder nicht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich
jedoch seit langem um konstruktivere und produktivere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir haben während des ganzen Jahres 15o4 betont, wie wichtig
es sei, den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit dem Ziel der Verminderung der Kernwaffenarsenale wiederaufzunehmen.

Das Jahr 1983 hat unter positiven Vorzeichen begonnen. Die Ergebnisse
meiner Zusammenkünfte mit Muljenminister Gromyko im Januar kennzeichnen
- 5 -

�Januar kennzeichnen einen möglicherweise wichtigen Neubeginn. Die Übereinkunft, am 12. März in Genf neue Verhandlungen zu eröffnen, bedeutet
die Wiederaufnahme des Dialogs über die wichtigsten strategischen Fragen,
denen sich unsere beiden Nationen heute gegenübersehen. Wir werden die
Gelegenheit dieser Verhandlungen dazu nutzen, unsere Ansichten über die
Entwicklung der strategischen Abschreckung in vollem Umfang zu erörtern,
d.h., unter anderem auch unsere Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative, von der wir hoffen, dab sie uns in die
Lage versetzen wird, eine neue strategische Gesamtlaye zu schaffen, die
auf Verteidigung und nicht einfach auf der Aussicht auf Beiderseitige Garantierte Zerstörung (Mutual Assured Destruction) beruht. Wir haben einen
Prozeb in Gang gebracht, der sowohl für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten als auch für den Frieden und die Sicherheit in der Welt Nützliches erbringen kann.

Der Erfolg erfordert jedoch Festigkeit und Entschlossenheit, ein gewisses Maß an Flexibilität und ein gewisses Mab an Vorsicht. Er verlangt
aucn etwas noch grundlegenderes, nämlich Einigkeit im eigenen Lande über
die Wichtigkeit dieser Erfordernisse wie auch über die Bedeutung einer
Grundlage der Stärke.

Wir müssen in diese Verhandlungen als ein einiges Volk hineingehen.
Wenn wir am Verhandlungstisch Platz nehmen, um all diese Fragen mit der
Sowjetunion zu erörtern, ist es wesentlich, dab wir mit einer Stimme
sprechen und nicht den Anblick einer Nation bieten, die im Konflikt mit
sich selbst liegt und sich Blöben gibt, die die Sowjets ausnützen können,
oder die bei ihnen die falsche Hoffnung erweckt, dab sie einseitige Zugeständnisse machen werde, für die die Sowjets keine uegenleistung erbringen müßten. Die Verhandlungen, in die wir bald eintreten werden, finden
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion statt. Wir können
und dürfen nicht zulassen, dab sie zu Verhandlungen herabsinken, die wir
selbst untereinander führen. ...

Dies ist nicht die Zeit, um Zweifel an unserer nationalen Entschlossenheit aufkommen zu lassen. Wenn wir unsere Unterhändler nach Genf an
den Konferenztisch schicken, dann sind wir es ihnen und uhserem Land
- 6 -

�unserem Land schuldig, daß wir sie in die Lage versetzen, aus einer möglichst starken Verhandlungsposition heraus anzutreten und die Nation voll
hinter sich zu wissen. Das heißt, daß keine einseitigen Zugeständnisse
ins Spiel gebracht werden dürfen, die die Anreize zum Verhandeln für die
Sowjets verringern könnten. Das heißt ferner, daß Programme, die für unser strategisches Konzept von entscheidender Bedeutung sind, nicht zusammengestrichen werden dürfen. Das heißt weiter, dau wir gemeinsam hinter
einer soliden Verhandlungsposition stehen müssen, die die besten Aussichten dafür bietet, daß wir das Ziel, um das es uns, wie ich weiß, allen
geht, aucn erreichen.
(Ende der Erklärung von Außenminister Shultz)
Die Erklärung von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:

Die Sowjets haben von Mitte der siebziger Jahre bis heute 8Uö Interkontinentalraketen der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 mit fast 6 UUU neuen
Gefechtsköpfen aufgestellt. Zwei neue sowjetische ICBM der fünften Generation, die SS-X-24 und die SS-X-25, befinden sich in der Flugerprobung.
Unsere Erwiderung, die MX-PEMCEKEEPER, ist nach einer zwölfjanrigen, aber
immer noch nicht abgeschlossenen Debatte noch nicht über das Stadium der
Flugerprobung hinausgekommen.

Die Flugerprobung der MX war ein voller Erfolg. Die Treffsicherheit,
die wir erzielen, übertrifft sogar noch die strengen Vorgaben der Typenspezifikation. Dennoch und trotz der fast 13 Milliarden Dollar, die wir
insgesamt in das MX-Programm gesteckte haben, und trotz der strategischen
Rüstungsprogramme der Sowjets gibt es immer noch Stimmen, die dazu raten,
die Vorbereitungen für die Einführung dieser Rakete anzuhalten und weiter
darüber zu debattieren, was zu tun ist.

Eigentlich sollte inzwischen jedermanns Debattierbedürfnis gestillt
sein. Der früheste Zeitpunkt, zu dem diese Waffe, die zur Modernisierung
unserer Triade dringend notwendig ist, ihre Einsatzreife erlangen kann,
ist der Dezember 19Ö6. Wir können es uns nicnt erlauben, noch länger zu
warten. Die Verzögerungen haben zu dem strategischen Ungleichgewicht beigetragen, dem wir uns heute gegenübersehen und das wir korrigieren müssen.
Wenn die
- 7 -

�Wenn die Abschreckung wirksam bleiben soll, dann müssen wir sicherstellen, daß der sowjetischen Führung klar ist, daü ein Vergeltungsschlay
unsererseits den Preis eines Angriffs in eine für sie nicht mehr hinnehmbare Höhe treiben würde. Diese Aufgabe ist nicht einfach, denn während
wir uns in den siebziger Jahren dazu beglückwünschten, daü wir die Sowjetunion davon überzeugt hatten, daü ein Atomkrieg nicht zu gewinnen
ist, leitete die sowjetische Führung während dieses nämlichen Zeitraums
ein massives Rüstungsprogramm in die Wege, um unserem Abschreckungspotential die Grundlagen zu entziehen. Die Gesamtschau dieser Anstrengungen
vermittelt heute ein klares Bild:

- Indem die Sowjets ihr Luftverteidigungssystem, das ohnenin schon das
umfangreichste und weitestentwickelte der Welt war, weiter modernisierten und ausbauten, versuchten sie, die Bombersäule unserer Triade
matt zu setzen.

- Indem sich die sowjetische Führung mit den Raketen der Typen SS-18
und SS-19 eine begrenzte Erstschlagsfähigkeit zulegte, versuchte sie,
sich in die Lage zu versetzen, einen amerikanischen Vergeltungsangriff durch einen Präventivschlag zu verhindern.
- Indem die Sowjets ihre Raketensilos und Abschuüleitanlagen härteten
und Hunderte von verstreut gelegenen, gehärteten Befehls- und Kommandoeinrichtungen schufen, versuchten sie, sich in die Lage zu versetzen, einen Vergeltungsschlag einzustecken und dennoch die militärischen Machtmittel, die politisch-militärischen Führungsmittel und die
übrigen zur Kriegführung notwendigen Mittel zu behalten, die für den
sowjetischen Staat so wichtig sind.

Wenn die sowjetische Führung infolge unseres Unvermögens, auf diese
Bemühungen zu reagieren, zu der Überzeugung käme, dak) die Risiken der Androhung oder des tatsächlichen Gebrauchs von militärischer Gewalt gegen
uns oder unsere Verbündeten auf ein hinnehmbares Mab aogesunken seien,
dann wäre die Abschreckung in der Tat gefährdet.

Glücklicherweise sind wir jetzt dabei, zu reayieren. Wir überholen
- 8 -

�Wir überholen unsere Triade. Wir haben luftgestützte Marschflugkörper,
die von B-52-Bombern abgeschossen werden, eingeführt, und im vergangenen
Jahr wurde der erste B-1-Bomber ausgeliefert. Wir haben die ProDieme des
TRIDENT-Unterseebootprogramms bereinigt; an diesem Programm wird jetzt
stetig gearbeitet. Aber eine starke Triade Pracht drei starke Säulen. Wir
besitzen nach immer kein modernisiertes ICBM-Potential. Wir sind immer
noch nicht in der Lage, prompte und glaubwürdige Vergeltungsschläge gegen
die entsprechenden gehärteten Waffen der Sowjets, die für sie eine so
große Rolle spielen, androhen zu können.

Die Kommission des Präsidenten für die strategischen Streitkräfte,
die Scowcroft-Kommission, überprüfte Anfang 1983 unser strategisches Abschreckungspotential im Lichte dieser unerfreulichen Tatsachen, im Lichte
dieser Tatsachen schlug die Kommission einen später dem Kongreß vom Präsidenten vorgelegten Stufenplan für die Modernisierung unseres ICBM-Potentials vor. Um diese wichtigen, unmittelbaren Mängel zu beseitigen, war
in dem Plan die Aufstellung von 100 MX-Raketen in bestehenden M1NUTEMANSilos gefordert. Ls steht kein anderes System zur Verfügung, das kurzfristig in ähnlich überzeugender Weise demonstrieren konnte, daß die sowjetische Führung trotz allem, was sie zur Härtung und zahlenmäßigen Vermehrung ihrer Waffen unternommen hat, nicht damit rechnen kann, einen Atomkrieg zu gewinnen. Daher brauchen wir die MX zur Mufrechterhaltung der
Abschreckung.

Wir braucnen das MX-Programm auch, um eine kleine ICBM mit nur einem
Gefechtskopf bauen zu können. Viele der wichtigsten Komponenten dieser
neuen kleinen Rakete werden von der MX abgeleitet sein, so u.a. die i_enkund Steuerungssysteme, Computerbauteile und -Software, die Hilfssysteme
des Gefechtskopfs und der Gefechtskopf selbst. Daher hängen unsere Pläne
zur Entwicklung stabilerer strategischer Verhältnisse - nicht nur für die
zweite Hälfte der achtziger, sondern auch für die erste Hälfte der neunziger Jahre - in entscheidendem Maße davon ab, was der Kongreß in diesem
Jahr unternimmt.

Ferner wird die MX es den Sowjets als geboten erscheinen lassen, sich
nicht mehr in so starkem Maße auf große ICBM mit vielen Gefechtsköpfen zu
- 9 -

�Gefechtsköpfen zu stützen. Die MX wird somit sowohl zur crhöhung der
Uberlebensfähigkeit unserer neuen kleinen ICBM beitragen (indem sie die
Fähigkeit der Sowjets, nukleares Sperrfeuer zu schieben, vermindert) als
auch die Stabilität im strategischen Bereich weiter verbessern.

Wie dem Ausschuß bekannt ist, stehen wir im Begriff, die Verhandlungen mit den Sowjets in Genf wiederaufzunehmen. Wir streben umfassende
beiderseitige und verifizierbare Verminderungen der strategischen Arsenale beider Seiten an. Die Fortführung des MX-Programms ist von entscheidender Bedeutung dafür, ob es uns gelingt, die von uns angestrebten tiefgreifenden Verminderungen tatsächlich herbeizuführen.

Es gibt dafür zwei wesentliche und offenkundige üründe. Wenn wir erstens zu erkennen geben, daß wir keine Anstalten machen, die gegenwärtig
bei uns bestehenden Mängel zu beseitigen, besteht für die Sowjets nur wenig Anreiz zu ernsthaften Verhandlungen. Warum sollten sie ihr Arsenal
verkleinern, wenn wir signalisieren, daß wir ihnen gestatten, ihre gegenwärtigen Vorteile zu behalten und vielleicht sogar noch auszubauen ?

Wenn wir zweitens ein Programm anhalten oder verlangsamen, dessen
entscheidende Bedeutung wir an sich erkannt haben, geben wir der sowjetischen Führung unmißverständlich zu verstehen, daß uns der Wille und die
Entschlossenheit fehlen, unsere Ziele in der Welt zu erreichen.

Um in Genf Erfolg zu haben, müssen wir die gleiche Standfestigkeit
und Entschlossenheit an den Tag legen, die die Sowjets bereits veranlaßt
hat, den Kurs zu ändern und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ihre
Augen sind heute auf uns gerichtet.
Ich möchte abschließend noch etwas weiter in die Zukunft schauen. Wie
dem Ausschuß bekannt ist, sind der Präsident, ich und Außenminister
Shultz entschlossen, die neuen technologischen Möglichkeiten zu prüfen,
die uns vielleicht in die Lage versetzen können, die Bedrohung zu beseitigen, die von den ballistischen Kaketen aller Reichweiten ausgeht. Die
ersten Ergebnisse unserer Studien und die bis zum heutigen Tag bereits
durchgeführten Forschungsarbeiten sind ermutigend. Wir sehen die Möglich- lü -

�die Möglichkeiten zur Entwicklung dieser Technologien und zur Schaffung
voll wirksamer, kosteneffektiver und überlebensfähiger Üefensivsysteme
optimistisch.

i

Während wir aber diese Forschungsarbeiten durchführen, müssen wir die
Abschreckung gegen einen Angriff weiter wirksam halten. Auch wenn die
Entscheidung, von der Forschung zur Entwicklung überzugehen, einmal getroffen würde, würden wir immer noch eine wirksame Abschreckung aufrechterhalten müssen. Und da die Einführung von Defensivsystemen sich über einen Zeitraum von Jahren hinziehen würde, würden wir sicherstellen müssen,
daß auch während dieser Übergangsperiode die Stabilität gewahrt bleibt.
Eine starke und moderne Triade wird für die Abschreckung sorgen, die
wir brauchen, um diesen Weg gehen zu können. Eine starke und moderne
Triade braucht eine starke ICBM-Säule. Und zu einer starken ICBM-Säule
gehören 10U MX-Raketen.
Ich ersuche den Ausschuß, sich an die Spitze der Bemühungen zu stellen, den Kongreß dazu zu bewegen, die Beschränkungen aufzuheben, denen
die Beschaffungsfinanzierung der MX im Haushaltsjahr 1985 unterworfen
wurde, und unseren Anträgen für das Haushaltsjahr 1986 für die Produktion
der MX zu entsprechen.

* * * * *

- 11 -

�März 1985

USA RICHTEN SUPERCOMPUTER-ZENTREN EIN

- (AD) - Vier Supercomputer-Zentren will die Nationale rtissenschaftsstiftung der USA (NSF - National Science Foundation) im Verlauf der nächsten fünf Jahre einrichten und in Betrieb nehmen.
Erich Bloch am 25. Februar 1985 bekannt.

Dies gab NSF-Direktor

Sie werden mit 2GU Millionen

Dollar finanziert und sind für die Universität Kalifornien in San Diego,
die Universität Illinois, die Cornell-Universität in Ithaca (New York)
und das John von Neumann-Institut in der Nähe von Princeton (New Jersey)
vorgesehen.

Bereits Ende 1985 oder Anfang 1986 sollen sie amerikanischen

Wissenschaftlern und Ingenieuren aus dem ganzen Land zur Verfügung stehen.

Bloch verwies darauf, da(3 die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
"von unseren ausländischen Handelspartnern in die Schranken gefordert
wird.

Es ist klar geworden, daß die Festigung unserer Forschungsbasis,

mit der dieser Herausforderung begegnet werden muü, weitgehend vom Zugang
unserer Wissenschaftler und Ingenieure zu Supercomputern abhängt...

Die-

se werden neue Wege für Problemlösungen und neue Forschungsgebiete eröffnen."
Die modernsten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die modernsten, in den Vereinigten Staaten hergestellten Supercomputer sind Cray XMP und Cyber 205 - sie können 1ÜU Millionen Operationen
pro Sekunde durchführen.

Supercomputer geben den Forschern die Möglich-

keit zur Untersuchung sehr komplexer Probleme, die häufig durch Experimente gar nicht untersucht werden können.

Dazu zählen beispielsweise die

Simulation von Kernreaktorunfällen für Sicherheitsstudien, die Erstellung
von Modellstudien über die Verschmutzung der Atmosphäre oder die Konstruktion neuer Flugzeuge und Autos.

Wie Bloch erklärte, werde jedes Computerzentrum mit einer groben Anzahl von Universitäten und Forschungsinsitituten direkt verbunden sein.
So sei vorgesehen, das Zentrum in San Diego einem Konsortium von 18 Universtitäten anzuschließen; das Management für das John von Neumann-Zentrum werde dem Konsortium für wissenschaftliches Computerwesen übertragen,
einer von 12 wichtigen Forschungsinstitutionen gebildeten gemeinnützigen
Organisation.

Neben der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, Forschern modernste

Computersysteme an die Hand zu geben, werden die Zentren auch Studenten
und Forscher in der Nutzung von Supercomputern ausbilden und der Computerindustrie Anregungen geben, "künftig noch bessere Supercomputer zu
entwickeln."

Der Astrophysiker Larry Smarr, der das Zentrum an der Universität Illinois leiten wird, gab bekannt, daß man für dieses Zentrum in den nächsten fünf Jahren ca. 75 Millionen Dollar von Bundesregierung, bundesstaatlichen Stellen und der Industrie erwarte.

Wichtigstes System des

Zentrums werde zunächst der Cray XMP-Supercomputer sein, zu aem Forscher
von der Universität und aus dem ganzen Land freien Zugang haben. Man werde sich darauf konzentrieren, technologische Fortschritte, üie die Wirtschaft produziere, zu Durchbrüchen in Natur- und Ingenieurwissenschaften
sowie für neue Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie zu nutzen.

Wei-

tere Programmziele neben der Entwicklung schnellerer, leistungsstärkerer
Supercomputer seien sicherere und effizientere Fabriken, eine genauere
und zeitgerechtere Wettervorhersage und Durchbrüche im Studium von Krankheiten wie z. B. von Krebs, sagte Smarr.

Katastrophen wie die von Bhopal

(Indien) sollten durch die mit Hilfe von Supercomputern möglichen Simula- 2 -

�möglichen

Simulationsberechnungen

verhindert werden können.

ausgeschlossen,

d.h.

von

vornherein

"Das gesamte Universum laut sich in diese

Maschinen packen - von der 'Ursuppe', aus der sich Sterne und lilaxien
entwickelten, bis zum kleinsten Elementarteilchen", meinte Smarr.

* * * * *

- 3-

�Wi/scn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 198b

10

METALLE IN M£DIKAMENTEN
- Schlüsselmoleküle: KomplexVerbindungen -

Aus: The Economist. Bei Nachdruck
Angabe der Quelle und Vermerk "Copyright 'The Economicst Newspaper Ldt.,
London, 1984'" erforderlich.

- (AD) - Metalle spielen eine immer größere Rolle in der Pharmazie.
Schon seit langem hilft Gold, Beschwerden bei Polyarthritis zu lindern.
Platin wird bei bestimmten Formen von Krebs benutzt. Manche Wissenschaftler halten auch weniger edle Metalle, z.B. Kupfer, für eine wichtige Komponente.

Sie vermuten dies aufgrund der Entdeckung,daß manche Arznei-

stoffe nur in Verbindung mit Metallen wirksam sind.

Der Körper braucht Metalle für viele Zwecke.

Elemente wie Natrium

und Calciun z. B. sind in jeder Nahrung und praktisch in allen Geweben im
Körper vorhanden.

Andere, Eisen und Kupfer etwa, sind ebenfalls von gro-

Postfach 20 03 00 Tel : 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von großer Bedeutung für die chemischen Vorgänge, werden aber nur in ganz
winzigen Mengen benötigt.
eingebettet.

Meist sind sie in das Zentrum großer Molaküle

So ist beispielsweise das als Sauerstoffträger

wichtige

Blutprotein Hämoglobin um ein Eisenatom herumgebaut.

Zwei weitere Punkte wurden als bedeutsam erkannt. Erstens bilden viele

pharmazeutische

Substanzen

"Komplexverbindungen"

mit Metall-Ionen.

Zweitens ist es typischerweise die Kombination Arzneistoff-Metallkomplex,
der die erwünschte Wirkung erzielt, nicht der Arzneistoff allein.

So

wird vermutet, daß das Antikrebsmittel Bleomycin mit Eisen im Blut reagiert, bevor es zu wirken beginnt.
die Komplexe wichtig sind:

Es gibt zwei Theorien dazu, weshalb

Entweder verändere das Metall-ion die chemi-

schen Eigenschaften des Arzneistoffs, der als Molekül daran haftet, oder
der Arzneistoff helfe, das Metall zum gewünschten Wirkungsort zu transportieren, und ihm neue chemische Eigenschaften zu verleihen.

Prof. John Sorenson von der Universität Arkansas befaßt sich mit den
sog. Chelaten (d.h. Komplexen von Metallen mit organischen Verbindungen)
besonders intensiv, seit er herausfand, daß die Kupferkonzentration im
Blutplasma von Patienten mit Arthritis und anderen Erkrankungen, die mit
Entzündungen einhergehen, erhöht ist.

Bekannt war bereits, daß entzün-

dungshemmende Arzneistoffe mit Metallen, mit Kupfer im besonderen, Komplexe bilden können.

Bekannt war ferner, daß einige von ihnen, wenn Kup-

fer fehlt, Geschwüre verursachen, die gleichen Arzneistoff aber in Verbindung mit Kupfer Geschwüre heilen.

Die Idee, Medikamente zu entwik-

keln, die von vornherein auf Kupferkomplexen basieren, war für Sorenson
eine logische Folgerung aus diesem Sachverhalt.
•

Inzwischen stellte er eine ganze Liste von Erkrankungen zusammen, die
durch Kupferkomplexe beeinflußt werden.

Ihr Umfang ist beeindruckend -

allerdings sagen auch manche, er sei verdächtig.

Seit den zwanziger Jah-

ren weiß man, daß Kupferkomplexe bei einer bestimmten Form von Anämie
hilfreich sind, und seit den dreißiger Jahren ist bekannt, daß sie Rheumakranken helfen können.

Auf der Liste Sorensons stehen ferner Geschwü-

re, Epilepsie (die oft mit Kupfermangel in Zusammenhang gebracht wird),
- 2 -

�gebracht wird), Diabetes und, aufgrund der Ergebnisse von Tierversuchen,
bestimmte Formen von Krebs. So wurde bei einer Mäusepopulation die Anzahl
von Tumoren, die normalerweise durch ein spezielles Carcinogen hervorgerufen werden, auf die Hälfte reduziert.

Interessanterweise verbesserte

die Komplexverbindung auch die Widerstandsfähigkeit der Tiere gegen hohe
Bestrahlungsdosen.

Die meisten dieser Wirkungen, vielleicht sogar alle,

dürften nach Meinung von Sorenson über ein Enzym, und zwar über eine kupferabhängige Superoxid-Dismutase, erfolgen.

Noch sei unklar, ob die Kup-

ferkomplexe das so wichtige Kupfer zum Enzym transportieren oder aber ihm
direkt helfen, das giftige (und krebsverursachende) Superoxid abzubauen.

Die z. T. sehr unangenehmen, außerdem für die Nieren vielfach schädlichen Nebenwirkungen von Gold- und Platinpräparaten versucht man durch
Umstrukturierung der Komplexmoleküle zu mildern.

Das scheint bisher am

besten mit Carboplatin (zur Bekämfpung von Eierstock- und Hodentumoren)
gelungen zu sein.

Die Verbindung verursacht nicht nur weniger häufig und

weniger stark Brechreiz und Beeinträchtigung der Nierenfunktion, sondern
führt auch zu einer besseren Reduzierung des Tumors.

Sie beeinflußt den

Mechanismus der bei Tumoren sich schneller als bei normalen Zellen vollziehenden Zellteilung - auf welche Weise, ist noch nicht bekannt.

Manche große pharmazeutische Unternehmen (z.B. SmithKline Beckman und
Bristol Myers in den Vereinigten Staaten und Rhone Poulence in Frankreich), aber auch Edelmetallproduzenten (wie z.B. Johnson Matthey in England) beginnen bereits mit noch selteneren Metallen zu experimentieren.
Möglicherweise könnte Palladium für die Therapie von Magenkrebs Bedeutung
erlangen.

Alles in allem dürften etwa 5Ü Elemente als Komplexbildner in

Frage kommen, um neue, bessere Medikamente zu entwickeln.

- 3 -

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                <text>Amerikadienst 06.03.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen&amp;nbsp;werden schwierig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA richten Supercomputer-Zentren ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metalle in Medikamenten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlüsselmoleküle: Komplexverbindungen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>mr

und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1J&gt;. März 19öi&gt;

11

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf Verpesserungen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten
- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstunysyesprächen Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf
- Wortlaut der Ankunftserklärung Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e : Engste Konsultation zugesichert
- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas
W r i t e r s Club Die NATO und die amerikanischen S t r e i t k r ä f t e i n turopa
- Erklärung von General Rogers WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Wissenschaftsmedaille 1985
- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und
Ingenieure * * * * *

Um Uber/endung von
ßelegcHempIcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

••' 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�13. März 1985

11

REAGAN DRÄNGT ALF VERBESSERUNG DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Beileidsschreiben des Präsidenten zum Tod Tschernenkos -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Beileidsschreiben vom 11. März 1985 zum
Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko wies
Präsident Reagan auf den Beginn der Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in Genf hin und betonte:

"Wir müssen die

Chance für den Frieden ergreifen."

Wie Larry Speakes, der Pressesprecher des Weißen Hauses, bekanntgab,
wird die amerikanische Delegation zum Begräbnis Tschernenkos - betehend
aus Vizeprasdident Bush, Außenminister Shultz sowie dem amerikanischen
Botschafter
Michail

in Moskau

Gorbatschow,

Arthur
auch

Hartman

eine

- dem

Nachfolger Tschernenkos,

persönliche Botschaft

des Präsidenten

übermitteln, der aus Termingründen - der Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak sowie ein Staatsbesuch des Präsidenten in Kanada stehen an
- nicht selbst an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnehmen wird.
Das Beileidsschreiben

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Telex: 8-85432

�Das Beileidsschreiben von Präsident Reagan an Wassili Kusnetzow, den
amtierenden Staatschef und Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR, hat folgenden Wortlaut:
Gestatten Sie mir, mein Beileid zum Tod des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet, Konstantin Ustinovitsch Tschernenko, zum Ausdruck zu bringen.
In diesem ernsten Augenblick möchte ich die tiefe Sehnsucht des amerikanischen Volkes nach Frieden in der Welt erneut bekräftigen.

Obgleich

die Probleme, die unsere beiden Länder voneinander trennen, vielfältiger
und komplexer Natur sind, können und müssen wir unsere Meinungsverschiedenheiten durch Dialog und Verhandlung aus der Welt schaffen.
Unsere beiden Delegationen setzen sich jetzt in Genf zusammen, um
darüber zu verhandeln, wie die Kernwaffen verringert und beseitigt werden
können. Wir müssen die Chance für den Frieden ergreifen.

Wir müssen We-

ge finden, um die Drohung und den Einsatz von Gewalt bei der Lösung internationaler Dispute zu verringern.

und wir müssen eine Arbeitsbezie-

hung schaffen, die zwischen uns größeres Vertrauen und mehr Zusammenarbeit ermöglicht.
Ich hoffe, daß sich die sowjetische Führung mir in erneuerter Hingabe
anschließt, eine feste und dauerhafte Grundlage für bessere Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern zu schaffen.

* * * * *

�13. März 1985

11

BUSH ÜBERBRINGT FRIEDENSBOTSCHAFT DES US-PRÄ'SIDENTEN

- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, Leiter
der US-Delegation bei der Beisetzung des ehemaligen sowjetischen Staatsund Parteichefs Konstantin Tschernenko, überbrachte bei seiner Ankunft am
12. März 1985 in Moskau eine Friedensbotschaft Präsident Reagans und betonte in seiner Ankunftserklärung, die Vereinigten Staaten hätten "keine
größere Hoffnung und kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren
und konstruktiveren Beziehung zur Sowjetunion".

Die Erklärung von Vizepräsident Bush hat folgenden Wortlaut:

Ich bin im Auftrag Präsident Reagans und des Volkes der Vereinigten
Staaten nach Moskau gekommen, um dem Volk der Sowjetunion unsere Anteilnahme anläßlich des Todes von Präsident Konstantin Tschernenko zum Ausdruck zu bringen. Wir möchten auch der Familie des verstorbenen Präsidenten unser tiefstes Mitgefühl bezeugen.
Präsident

Reagan

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�Präsident Reagan hat mich und Außenminister Shultz gebeten, dem sowjetischen Volk gegenüber die größte Achtung unserer Nation sowie unsere
Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß wir gemeinsam Fortschritte in Richtung auf die Schaffung besserer Beziehungen und einer sichereren Welt machen können.
Ich habe eine Botschaft Präsident Reagans nach Moskau mitgebracht. Es
ist eine Botschaft des Friedens. Wir haben keine größere Hoffnung und
kein größeres Ziel als den Aufbau einer stabileren und konstruktiveren
Beziehung zur Sowjetunion. Präsident Reagan wird in Verfolg dieses Zieles
keine Anstrengung scheuen.
Es wird der Geduld und der Ausdauer bedürfen, denn es ist offenkundig, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in vielen wichtigen
Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Dennoch: Wir sind bereit, diese
Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken, und wir hoffen, daß die neue
sowjetische Führung ebenfalls bereit ist, Lösungen für die anstehenden
Probleme zu finden.

* * * * *

�A

r 31
V

TT

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
13. März 1985

11

VERHANDLUNGSTEAM ZU WEITREICHENDEN ENTSCHEIDUNGEN ERMÄCHTIGT
- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer Abrüstungsgesprächen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 8. März 1985 in Washington nach seinem letzten Zusammentreffen mit der amerikanischen Verhandlungsdelegation vor deren Abreise nach Genf zu den Gesprächen mit der
Sowjetunion, er habe seine Unterhändler angewiesen, "jeden Bereich zu
analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht"; auch gelte dem Bemühen
um eine radikale Verringerung der Kernwaffenarsenale seine "stärkste persönliche Unterstützung".

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Es gehört zu den Herausforderungen des Staatsmannes, sich Visionen
einer besseren, sichereren Welt zu machen und zugleich den Mut, die Ausdauer und die Geduld zu haben, diese Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Seit Anbruch des Atomzeitalters leben alle Menschen mit der Angst

vor einem Atomkrieg und der Gefahr nuklearer Verwüstung. Es ist für uns
ein moralisches Gebot, mit all unserer Macht auf den Tag hinzuarbeiten,
da die Jugend der kommenden Generationen ohne Furcht vor einem Atomkrieg

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Atomkrieg heranwachsen kann.

Aus diesem Grund bekräftigen wir heute erneut diese Vision - die Vision einer Welt, die sich der Beseitigung der Kernwaffen verpflichtet
hat, einer Welt, in der die Technik größere Sicherheit - und nicht größere Furcht - bringt.

Heute begeben wir uns auf einen neuen Weg in Rich-

tung auf Abkommen, die Umfang und Zerstörungskraft der bestehenden Atomraketen radikal verringern.

Staats- und Parteichef Konstantin Tschernenko erklärte im vergangenen Monat:

"Unser oberstes Ziel ist die vollständige Beseitigung der

Kernwaffen auf diesem Planeten, die vollständige Beseitigung der nuklearen Kriegsdrohung."

Ich begrüße diese Erklärung und versichere Herrn

Tschernenko, daß die Beseitigung der Kernwaffen auch oberstes Ziel der
amerikanischen Regierung und des amerikanischen Volkes ist.

Es ist nun unsere Aufgabe und Verantwortung, praktische Schritte zu
unternehmen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sollten

uns keiner Illusion darüber hingeben, daß dies womöglich leicht sein
könnte - denn ein jegliches Unterfangen dieser Größenordnung bedarf der
Zeit.

Und da es hier um die bedeutendsten Sicherheitsinteressen beider

Seiten geht, wird dies wohl lang und schwierig werden.

Wir sind realist-

isch, denn wir wissen, daß unsere Meinungsunterschiede mit der Sowjetunion erheblich sind. Geduld, Stärke und Einigkeit - westliche Einigkeit werden daher nötig sein, wenn das Ergebnis ein Erfolg sein soll.

In der nächsten Woche treffen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Genf zusammen, um einen neuen Dialog über diese Themen zu eröffnen. Vor allem streben wir sobald wie möglich ein baldestmögliches Abkommen über echte und verifizierbare Verringerungen bei den offensiven Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an.

Was uns angeht,

so sind die Vereinigten Staaten bereit, mit Entschlossenheit, Geduld und
vernünftiger 'Überlegung faire und ausgewogene Abkommen auszuhandeln, die
die Gefahr eines Atomkrieges verringern und die strategische Stabilität
vergrößern.
Ich
- 2-

habe

gerade

�Ich habe gerade ein sehr gutes Treffen mit unseren drei Unterhändlern, den Botschaftern Max Kampelman, John Tower und Mike Glitman, zu
Ende gebracht, das Höhe- und Endpunkt einer umfangreichen Vorbereitungsrunde war.

In diesem Treffen habe ich meine Instruktionen für die erste Verhandlungsrunde gegeben.

Diese Instruktionen ermöglichen es unseren Unter-

händlern, jeden Bereich zu analysieren, in dem Aussicht auf Erfolg besteht.

Und sie haben meine persönliche Unterstützung.

Wie alle Amerikaner hege auch ich den Wunsch, daß diese Verhandlungen
ein Erfolg sein werden, und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun,
damit es dazu kommt.

Und ich bete, daß die sowjetische Führung bereit

ist, die gleiche Verpflichtung einzugehen. *

Ich möchte unserem Team für die hervorragende Arbeit danken, die bereits bei der Vorbereitung auf dieses Unterfangen geleistet wurde.

Wäh-

rend Sie sich jetzt auf die Abreise nach Genf vorbereiten, kann ich an
keine willkommenere Botschaft denken als daran, daß Sie ein eindeutiges
Vertrauensvotum des amerikanischen Volkes und des amerikanischen Kongresses besitzen.

Meine Herren Botschafter Kampelman, Tower und Glitman sowie alle anderen Mitglieder unseres Verhandlungsteams:

Ich weiß, daß alle Ihre ame-

rikanischen Landsleute Ihnen den besten Erfolg wünschen.

Und ich weiß

aufgrund meiner Gespräche mit der überparteilichen Führung des Kongresses, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten sich dieser Unterstützung
anschließt.

Deshalb gelten Ihnen allen - jenen, die in Genf sein werden wie auch
jenen, die diese so entscheidende Bemühung von Washington aus unterstützen

- unsere besten Wünsche.

Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3-

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*

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

13. März 1985

KAMPELMAN: WIR KOMMEN IM GEIST DER ZUSAMMENARBEIT NACH GENF
- Wortlaut der Ankunftserklärung -

GENF - (AD) - Der Leiter der US-Delegation bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen

über Nuklear- und

Weltraumwaffen

in Genf, Max

Kampelman, unterstrich am 9. März 1985, die USA kämen im Geist der Zusammenarbeit

unü

nicht

aes

Streites

zu

aen

Aorüstungsverhandlungen.

"Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden", sagte aer amerikanische ChefUnterhändler bei der Ankunft in Genf,

die USA seien Dereit,

eine Brücke für ein konstruktiveres Verhältnis zur Sowjetunion zu bauen.

Kampelman ist Leiter der amerikanischen Gesamtdelegation und gleichzeitig für die Verhandlungen über Weltraum- una Defensivwaffen zuständig.
Der ehemalige Senator des Staates Texas, John Tower, wird auf amerikanischer Seite die Gespräche über strategische Kernwaffen führen, und der
amerikanische Berufsaiplomat Maynaro w. Glitman steht an oer Spitze der
Gruppe, die sich mit den nuklearen Mittelstreckensystemen (INF) befassen
soll.
Die Erklärung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Delegation der Vereinigten Staaten freut sich sehr, hier in Genf
zu sein - einer Stadt, auf der so viele der Hoffnungen aer Welt auf Frieden ruhen.

Unsere Mission ist eine Mission für den Frieden - eine Mis-

sion zur Verminderung der Gefahren eines Atomkrieges und der Bedrohung
durch Kernwaffen.

Präsident Reagan hat mich und meine Kollegen, die Botschafter Tower
und Glitman, angewiesen, bei der Suche nach fairen und gerechten Abkommen
auf dem Verhandlungswege keine Anstrengungen zu scheuen,

üie Vereinigten

Staaten werden gründlich und in verantwortungsbewußter Weise alle Wege
erkunden, die zu einem solchen Ergebnis führen können.

Wir sehen den Ge-

sprächen mit unseren sowjetischen Partnern erwartungsvoll entgegen.
sind bereit, uns ihre Ansichten positiv uno geoulaig anzuhören.

Wir

Darüber

hinaus glauben wir, daß ein Dialog mehr bedeutet als zwei Monologe.

Die

Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten uno oer Sowjetunion sind
tiefgehend.
gen sind

Unsere Meinungsverschiedenheiten über die nuklearen Rüstun-

tiefgreifend

und

werden mit Nachdruck

vertreten.

Es wäre

töricht anzunehmen, daß sie über Nacht überbrückt werden könnten.

Aber

zumindest können wir hoffen, daß unsere über allem stehenoen Ziele die
gleichen sind.

Vor drei Wochen erklärte Außenminister Gromyko, daß "die

völlige Beseitigung der Kernwaffen das höchste Ziel aller Staaten der
Welt werden sollte".

Dies ist ganz gewiß das Ziel Amerikas.

Wir sino

nach Genf gekommen, um erste, konstruktive und sachliche Schritte einzuleiten, die zum Ziel des Friedens in Würde führen können, das alle Völker
anstreben.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
war bedauerlicherweise ein Verhältnis starker Gegensätze.
auch gekennzeichnet von Perioden der Zusammenarbeit.

Aber es war

Vor 30 Jahren un-

terzeichneten wir einen Vertrag, der Österreich die Unabhängigkeit gab.
Und vor 40 Jahren trafen wir uns an der Elbe als Freunde.

Es ist der

�Es ist der Geist der Zusammenarbeit und nicht der Geist des Streites,
den die amerikanischen Unterhändler bei ihrer Ankunft in Genf hervorheben
möchten.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, beim ßau einer Brücke zu

einem konstruktiveren Verhältnis zur Sowjetunion mitzuhelfen.

Wir sind

bereit, eine Brücke zu bauen zu einem globalen Umfeld größerer Stabilität
durch die Bändigung und dann die Beseitigung von Kernwaffen.

Wir wollen

mit aller Tatkraft damit beginnen, eine Brücke zu einer zukünftiyen Welt
zu bauen - einer Welt, die in Frieden lebt, frei ist von Terror und der
Bedrohung der nuklearen Zerstörung.

Dies sind die Anweisungen, die der

Präsident der Vereinigten Staaten uns erteilt hat.

* * * * *

- 3-

�13. März 1985

11

STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE: ENGSTE KONSULTATION ZUGESICHERT

- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane beim
Overseas Writers Club -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans Sicherheitsberater, Robert McFarlane, erklärte im Rahmen einer Diskussion über die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vor amerikanischen und ausländischen Journalisten im Overseas Writers Club am 7. März 1985 in Washington, die Vereinigten Staaten konsultierten aktiv ihre europäischen Verbündeten, um auf
deren Besorgnisse und Fragen im Rahmen dieser Initiative einzugehen.

Dabei betonte McFarlane, daß kein Schritt, der von einer offensiven
Abschreckung, die den Frieden in Europa so wirksam bewahrt habe, wegführen würde, die Stimme der amerikanischen Verbündeten ignorieren könne
oder werde",

unser eigenes nationales 'Überleben hängt davon ab, daS un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�daß unsere Verbündeten vor einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg
sicher sind", sagte McFarlane

Die Bemerkungen des Sicherheitsberaters haben folgenden Wortlaut:

Kein Thema ist heute für die Menschheit von größerer Bedeutung als
die strategische Stabilität.

Die Welt wartet mit Spannung auf die Wie-

deraufnahme der Rüstungskontrollverhandlungen am 12. März.
union ist an den Verhandlungstisch
willkommen.

Die Sowjet-

zurückgekehrt, und wir heißen sie

Vor uns liegt ein schwieriges Stück Weges

Die Vereinigten

Staaten erstreben ausgewogene und verifizierbare Abkommen, die den Umfang
der amerikanischen wie der sowjetischen Arsenale um ein Beträchtliches
verringern sollen.

Wir hoffen, daß die Sowjetunion sich uns in dem kon-

struktiven Bemühen um notwendige Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten anschließen wird.

Diese Meinungsverschiedenheiten sind tiefgehender Natur.

Um dies zu

verdeutlichen, ist es am besten, die Dinge aus historischer Perspektive
zu betrachten.

Wir leben in einer Welt des Wandels.

Wie der gesell-

schaftliche und wissenschaftliche Bereich so hat sich auch das strategische Bild seit den frühen siebziger Jahren, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde, beträchtlich gewandelt.

Bestimmte Hoffnungen und Voraus-

setzungen, die diesem Vertrag zugrunde lagen, sowie das sie begleitende
Zwischenabkommen SALT I wurden erheblichen Wandlungen unterzogen.

Eine der zugrunde liegenden Annahmen bestand darin, daß die beiden
Abkommen zu echten Verringerungen bei den offensiven Nuklearsystemen führen würden.

Dem war nicht so.

In den Verhandlungen hat sich die Sowjet-

union immer wieder geweigert, sinnvolle und verifizierbare Verringerungen
bei den offensiven Nukleararsenalen zu akzeptieren.

SALT II tat nichts

weiter, als Begrenzungen bei den bereits gewaltigen Zahlen der strategischen Waffen festzulegen.

Nunmehr ist deutlich, daß die Sowjetunion nie

die Absicht hatte, einer ungefähren Gleichwertigkeit der strategischen
Offensivwaffen

zuzustimmen, wie dies das SALT I-Abkommen

signalisiert

hatte.
Seit Unterzeichnung
- 2-

�Seit Unterzeichnung von SALT I hat die Sowjetunion acht neue ballistische Raketen , fünf neue U-Boot-Klassen für ballistische Raketen sowie
einen neuen strategischen Bomber disloziert

Im Vergleich hierzu haben

die Vereinigten Staaten nur ein neues Raketensystem sowie eine U-BootKlasse in Dienst gestellt und die Dislozierung des B-l Bombers hinausgeschoben.

Diese Aufrüstung der Sowjetunion hat das Gleichgewicht zwischen

den Streitkräften, das für die Aufrechterhaltung einer stabilen Abschrekkung so dringend erforderlich ist, verändert.

»Vir sind über die Qualität

der neuen ballistischen Raketensysteme der Sowjetunion sehr besorgt.
Krisenzeiten

sind

diese

Waffen

die

destabilisierendsten;

sie

In
sind

schnell, sie tragen eine große Nutzlast, sie sind mobil und treffsicher.
Es wird in zunehmendem Maße offenkundig, daß die Sowjetunion sich eine
überlebensfähige Erstschlagkapazität

zulegt, vor der immer schwieriger

abzuschrecken ist.

Die zweite Annahme war die, daß es bei der strategischen Verteidigung
wechselseitige Zurückhaltung geben würde.

Dies gründete sich auf die

Hoffnung, daß die Sowjets in Doktrin und Praxis zu der 'Überzeugung gelangen würden, die wechselseitige Verletzbarkeit gegenüber den offensiven
Nuklearsystemen

der

anderen Seite

liege im beiderseitigen Interesse.

Diese unschuldige Erwartung erfüllte sich jedoch gleichfalls nicht. Während die Vereinigten Staaten die Dislozierung einer strategischen Verteidigung einstellten, fuhr die Sowjetunion mit der Entwicklung und Dislozierung mehrerer Generationen von antiballistischen Raketen, Suchradar,
Abfangjägern und Boden-Luft-Raketen fort.

Tatsächlich wurde gleich viel

oder sogar mehr für die strategische Verteidigung als für die strategische Offensive ausgegeben.

Rund um Moskau wurde ein Verteidigungssystem

aus ballistischen Raketen disloziert, wie es dies sonst in der Welt nicht
gibt.

In der Sowjetunion wurde während der gesamten siebziger Jahre und

bis Mitte der achtziger Jahre hinein die Forschung und Entwicklung fortgeschrittenster Militärtechnologien, einschließlich modernster Zielenergiewaffen, mit einem Tempo betrieben, das bei weitem unsere eigenen Bemühungen überstieg.

Zudem wird neben bereits dislozierten Raketenanlagen

mit phasengesteuerter Abtastung der Bau einer solchen in Mittelsibirien
betrieben, die offensichtlich in eindeutiger Verletzung des ABM-Vertrags
- 3-

�des ABM-Vertrags Kampftätigkeiten koordinieren kann.

Weiterhin wurde ei-

ne Vielzahl von gehärteten Führungsbunkern gebaut und das bereits dichte
Netz der Zivilverteidigung verstärkt. Zusammengenommen erhöhen diese Maßnahmen die Möglichkeit, daß die Sowjets plötzlich von diesem Vertrag zurücktreten und rasch ihre antiballistische Verteidigung landesweit ausdehnen könnten.

Schließlich - und nicht überraschend - bestand im Westen die Hoffnung, daß diese und andere Rüstungskontrollabkommen in vollem Umfang eingehalten werden würden.

Auch hier wurden wir enttäuscht.

Was die bishe-

rige Einhaltung durch die Sowjets anbelangt, so war sie - bestenfalls enttäuschend.

Besonders beunruhigend ist dies im strategischen Bereich,

wo sowohl Offensiv- als auch Defensivabkommen erheblich verletzt wurden.
Obwohl wir durch diplomatische Kanäle versucht haben, mit der Sowjetunion
über die Beilegung solcher Verletzungen zu sprechen, haben wir bislang
keine zufriedenstellende Reaktion gehabt.

Auf eine weitere Veränderung möchte ich noch eingehen.

Die Annahmen

der amerikanischen Unterhändler im Jahr 1972 hatten auch einen technologischen Hintergrund.

Damals war die Entwicklung einer wirksamen Vertei-

digung gegen Interkontinentalraketen noch nicht möglich.
nische Fortschritt macht nicht halt.

Aber der tech-

Genau wie wir Zeuge dieses Fort-

schritts bei den strategischen Offensivwaffen wurden, so lassen auch die
Durchbrüche der letzten Jahre die Hoffnung zu, daß eine militärisch sichere und kosteneffiziente Verteidigung möglich sein wird.

Das hervortretende Verhaltensmuster der Sowjetunion seit 1972 ist
deutlich und beunruhigend.

Ihre Taten haben unsere Hoffnungen enttäuscht

und echte Rüstungsverringerungen unmöglich gemacht.

Das Gleichgewicht

zwischen den Offensivwaffen, das seit Jahren die Abschreckung zwischen
den Nuklearmächten aufrechterhalten hat, wird von der Sowjetunion erschüttert.

Die Zurückhaltung unsererseits seit SALT I bei der Dislozie-

rung offensiver strategischer Waffen wurde von den Sowjets nicht erwidert.

Statt dessen haben sie Umfang, Mobilität und Zielgenauigkeit ihrer

offensiven Nukleararsenale auch weiterhin erhöht.
Nicht
- 4-

weniger

�Nicht weniger alarmierend - sowohl was Umfang als auch Wirkungsgrad
angeht - sind ihre Investitionen der letzten 20 Jahre bei der strategischen Verteidigung.

Da sie antiballistische Raketen entwickeln, die in-

nerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums verlegt und in großer Zahl
disloziert

werden

können, müssen

wir uns fragen, welchem Zweck dies

dient; wenn sie ein expandierendes Befehls- und Kontrollsystem härten,
müssen wir uns die Frage nach dem Warum stellen; und wenn sie ihre Führung absichern, ihre Raketensilos verstärken und gewaltige Summen für die
Zivilverteidigung verwenden, dann müssen wir uns fragen, wozu?

Der Westen stellt einfach nicht diese immer größere Bedrohung dar,
die derlei sowjetische Schritte erforderlich machen würde.

Aber ange-

sichts der bisherigen Weigerung der Sowjets, hinsichtlich der beiderseitigen und verifizierbaren Verringerung der Offensivarsenale zu einem Abkommen zu gelangen, hat der Westen keine andere Wahl.

Wir müssen prüfen,

wie wir das Gleichgewicht wiederherstellen und andere Mittel zur Aufrechterhaltung

einer stabilen Abschreckung

bereitstellen

können.

Bei

diesen unseren Bemühungen um die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung
des Gleichgewichts stehen wir vor drei miteinander verknüpften Optionen.

Erstens: Wir können den Versuch unternehmen, die Sowjets durch Verhandlungen zu einer Verringerung der Offensivsysteme auf gleichen Umfang
zu bringen.

Dies wird in Genf unsere Hauptaufgabe sein.

Legt man jedoch

die Erfahrungen der Vergangenheit zugrunde, so zeigt sich, daß diese Aufgabe schwer werden wird.

Wir werden offen, flexibel und konstruktiv sein

und uns zusammen mit der Sowjetunion darum bemühen, wirksame, verifizierbare Rüstungsverringerungen auszuhandeln.

Man sollte sich jedoch stets

vor Augen halten, daß es zwei Seiten braucht, damit diese Verhandlungen
zu einem Ziel gelangen.
Zweitens: Wir können versuchen, diese Trends umzukehren, indem wir
einfach das Gleiche tun wie die Sowjets und ein offensives Nukleargleichgewicht

aufrechterhalten.

Kurzfristig

gesehen, werden wir

sicherlich

dieses Gleichgewicht wiederherstellen und aufrechterhalten müssen, bis
uns andere Optionen zur Verfügung stehen. Diesem Zweck dienen unser stra-

�unser strategisches Modernisierungsprogramm und die NATO-Programme einer
LRINF-Raketenmodernisierung.

Schließlich: Wir können unsere Energien einsetzen, um herauszufinden,
ob es nicht eine bessere Möglichkeit gibt, den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten Sicherheit zu bieten - nämlich durch eine verstärkte
Abschreckung mit Hilfe von Defensivsystemen - Systemen also, die niemanden bedrohen.

Wir werden all diese Möglichkeiten über die notwendigen und angemessenen Wege verfolgen.

- Wir werden uns auch weiterhin um ausgewogene und verifizierbare Rüstungsverringerungen bemühen.

Aber es darf dies keine Einbahnstraße

sein, und es wird seine Zeit brauchen.

- Wir werden das nukleare Gleichgewicht aufrechterhalten, bis Alternativen zur Verfügung stehen.

Die "Friedenswahrer"-Rakete (MX) und das

NATO-Modernisierungsprogramm bei den weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensystemen (LRINF) sind in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung.
- Schließlich müssen wir das wachsende Potential der neuen Defensivtechnologien erforschen.

Lassen Sie mich noch etwas zu der Notwendigkeit der Erforschung der
strategischen Verteidigung sagen und Ihnen drei konkrete Argumente an die
Hand geben, warum die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) zu einem
zentralen Punkt unserer Verteidigungsprogramme geworden ist.

Das erste Argument bezieht sich auf die Abschreckung.

Wir haben ei-

nen grundlegenden Faktor hinsichtlich der Welt ignoriert, in der es keine
Verteidigung gibt.

Ohne Verteidigung ist es für einen Angreifer höchst

einfach, seinen Erstschlag zu planen. Wenn ein Angreifer erst einmal seine Interkontinentalraketen gestartet hat, so weiß er recht genau, welchen
- 6-

�genau, welchen Schaden er anrichten wird, denn es gibt nichts, was seinem
Angriff in die Quere kommen könnte.

Er kann also planen und kalkulieren,

welche Waffen er benötigt, um die Streitkräfte der anderen Seite zu zerstören.

Wenn er die entsprechenden Mittel und die entsorechende Absicht

hat, kann er sich dann diese Waffen zulegen.

Letztlich handelt es sich

dann dabei um ein technisches Problem. Nun, die Sowjets haben ihre Kalkulationen gemacht, und sie hatten Zeit und Geld, um sich Waffen zuzulegen.

Aber wenn eine Verteidigung vorhanden ist - selbst eine Verteidigung,
die nicht perfekt ist -, dann stellt sich das Problem ganz anders.

Ein

Angreifer wird dann nicht in der Lage sein, eine Rakete abzufeuern und
ein Ziel zu zerstören.

Er weiß nämlich nicht genau, ob sein Angriffsplan

funktionieren wird, oder - wenn er dies nur teilweise tut - welche Ziele
er verfehlen wird, weil er nicht wissen kann, wie gut unsere Verteidigung
sein wird.

Zwar ist sich auch der Verteidiger seiner Sache nicht sicher.

Aber bei ihm liegt die Entscheidung über den Angriff ja nicht.

Beim Vor-

handensein einer Verteidigung wird also das, was lediglich ein technisches Problem war, plötzlich zu einem wesentlich schwierigeren, kostspieligeren militärischen Problem.

Sogar eine Verteidigung, die unvollkommen

ist, stärkt die Abschreckung, weil sie demjenigen gewaltige Kopfschmerzen
und Ungewißheiten bereitet, der einen Angriff in Erwägung zieht.

Und das

ist gut so.

Beim zweiten Punkt geht es um Menschenleben.

Einfach gesagt, können

wir vor einem Angriff abschrecken, indem wir diesen Angriff zurückschlagen oder indem wir drohen, als Vergeltungsmaßnahme feindliche Zivilisten
zu töten. Meiner Meinung nach ist es gar keine Frage, daß es weit besser
ist, in der Lage zu sein, den Angriff zurückzuschlagen und es dadurch von
vornherein nicht zu einem solchen kommen zu lassen.

Aus den besprochenen

Gründen heraus läßt uns auch die SDI zu einem solchen Schluß gelangen.
Ohne eine Verteidigung müssen wir uns auch weiterhin auf Vergeltung verlassen, um vor einem Nuklearangriff abzuschrecken.

Viele von jenen, die gegen die SDI sind, argumentieren für die garantierte Zerstörung als Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens.

In letz-

�In letzter Zeit wurde viel über einen nuklearen Winter gesprochen.

Bei

aller Ungewißheit ist doch eines klar. Ein nuklearer Winter würde höchstwahrscheinlich durch den Rauch und Qualm von brennenden Städten erzeugt,
die von Kernwaffen getroffen wurden.

Alle Aspekte der Politik dieser Ad-

ministration hinsichtlich strategischer Waffen, einschließlich Süi, zielen darauf ab, uns von dieser Art von Angriff wegzubringen. Jene, die anderer Meinung sind als wir und die auch weiterhin die diskreditierte Politik der garantierten Zerstörung unterstützen, müssen sich der folgenden
Tatsache stellen:

Der Krieg, der sich aus der Verwirklichung ihrer Poli-

tik ergeben könnte, wäre genau die Art von Krieg, die am ehesten diesen
nuklearen Winter herbeiführen würde.

Schließlich möchte ich noch ein Problem ansprechen, das nicht so massiv, vielleicht aber noch dringlicher ist als die Abschreckung vor einem
sowjetischen Angriff.

Unsere Bemühungen um eine Verhinderung nuklearer

Proliferation hatten erheblichen Erfolg.

Sicherlich gibt es heute weni-

ger Länder mit Kernwaffen, als man dies vor 20 Jahren vorhergesagt hätte.
Aber viele Länder bemühen sich auch weiterhin um den Besitz von Kernwaffen.

Und wir wissen, daß viele von ihnen auch über die Technologie für

ballistische Raketen verfügen wollen.

Wir werden unsere Bemühungen bei

der Nonproliferation nicht einschränken.

Aber ich glaube, es ist ein Akt

schlichter Klugheit, Verteidigungssysteme zu untersuchen, die begrenzte
Nuklearangriffe oder Nuklearangriffe aus Versehen vereiteln könnten.

Aus diesen Gründen hat Präsident Reagan unser Land aufgefordert, ein
tatkräftiges Forschungsprogramm in Angriff zu nehmen - nämlich die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI).

Es wird sich auf moderne Vertei-

digungstechnologien konzentrieren mit dem Ziel, Mittel und Wege zu finden, um eine bessere Grundlage für die Abschreckung einer Aggression, die
Stärkung der Stabilität und die Förderung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und unserer Verbündeten zu schaffen.

Unsere Anstrengungen stehen

in voller Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag.

Praktisch gesehen muß eine strategische Verteidigungsoption kosteneffektiv sein, d.h., es muß billiger und leichter sein die Verteidigungs-

�die Verteidigungs- statt die Offensivkapazität zu stärken, denn sonst gäbe es nur den Anreiz, die Offensivrüstungen zu erweitern, die wir ja gerade verringern wollen.

Darüber hinaus muß ein jedes Defensivsystem an-

gesichts eines Angriffes überlebensfähig sein, wenn nicht, würde es zu
seiner eigenen Überwältigung ohne Rücksicht auf die Kosten einladen.
Ziel einer strategischen Stabilität erfordert

Das

einen solch hohen Lei-

stungsstandard.

In unseren Beziehungen mit anderen Ländern müssen die strategischen
Verteidigungsoptionen nicht nur unseren eigenen Sicherheitsanliegen Rechnung tragen, sondern auch aenen unserer Verbündeten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten konsultieren aktiv ihre Verbündeten, um auf deren
Anliegen und Fragen hinsichtlich der SDI eingehen zu können.

Da es sich

hierbei um ein Forschungsprogramm handelt, sind deren Überlegungen von
großer Wichtigkeit, wenn wir die Kapazitäten überprüfen und Leistungskriterien für die Defensivtechnologie setzen.

Ferner kann oder wird kein

Schritt weg von der offensiven Abschreckungsstruktur, die den Frieden in
Europa so wirksam erhalten hat, die Stimme unserer Verbündeten ignorieren.

Unser eigenes Überleben hängt davon ab, daß unsere Verbündeten vor

einem Angriff geschützt und vor jedwedem Krieg sicher sind.

Bei den neuen Verhandlungen in Genf sowie im Rahmen anderer bespräche
hoffen wir, mit der Sowjetunion ein gegenseitiges Verständnis der Sicherheitsanliegen des jeweils anderen zu entwickeln.
streben keine Überlegenheit an.

Die Vereinigten Staaten

Für die Sowjetunion ist es schwer, dies

zu verstehen, weil sie uns nach ihren eigenen Ambitionen beurteilt.

Aber

die historischen Fakten sind in dieser Beziehung klar und eindeutig. Kein
Land hat in der Geschichte so verantwortungsbewußt wie die Vereinigten
Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg gehandelt, als wir eine so überlegene
Position auf dem Gebiet der Waffen innehatten und als wir das einzige
Land waren, das über Kernwaffen verfügte. Falls die Technologie sich als
durchführbar und kosteneffizient erweist, eine Integration von Defensivsystemen in das Streitkräftemix beider Seiten zu erwägen.

Dies würde im

Kontex eines kooperativen, ausgewogenen und verifizierbaren Umfelds erfolgen, das ein Gleichgewicht offensiver und defensiver Streitkräfte in
einer Weise widerspiegelt, die die bestehenden nuklearen Arsenale abbaut,
- 9-

�Arsenale abbaut, während gleichzeitig Sicherheit und Stabilität gefördert
würden.

Falls unsere Forschung die Durchführbarkeit dieser Konzepte er-

weist, wird Kernpunkt eine vereinbarte Übergangsperiode von vielen Jahren
mit der Garantie von Stabilität und Sicherheit sein.

Schließlich gibt es wenigsten vier Fiktionen über die Strategische
Verteidigungsinitiative, die ich ausräumen möchte.

Die erste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine "Militarisierung des Weltraums" versuchten.

Dies ist eine rein sowjetische Propagandalinie, und sie ist in bedrückender Weise irreführend.

Die Aktivitäten im Weltraum kann man im

allgemeinen in drei Kategorien einteilen:
liche und militärische.

kommerzielle, wissenschaft-

Über uns befinden sich gegenwärtig mehr als 8U0

sowjetische Satelliten in einer Umlaufbahn, verglichen mit etwa 40U Satelliten des Westens.

Dies ist ein Verhältnis von zwei zu eins, und -

anders als im Westen - ist die große Mehrheit der sowjetischen Satelliten
militärischer Natur.

Diese militärischen Satelliten bewegen sich über

uns in einem Raum, den die Sowjets mit den einzig derzeit vorhandenen Antisatellitenwaffen bedrohen.

Darüber hinaus war es die Sowjetunion, die

zuerst - nämlich 1957 - die ballistischen Interkontinentalraketen entwikkelte, die durch den Weltraum fliegen und gegenwärtig weit mehr Gefechtsköpfe insgesamt tragen als die amerikanischen Systeme.

Was bleibt dann

noch an Weltraum, den die Sowjetunion noch nicht militarisiert hat?

Der

Weltraum ist schon seit langem für militärische Zwecke benutzt worden.
Wenn die Sowjetunion von der "Verhinderung der Militarisierung des Weltraums" und von einem ASAT-Moratorium spricht, dann ist sie überaus unaufrichtig, weil sie nämlich 15 Jahre der eigenen entschlossenen Anstrengungen auf diesem Gebiet einfach ignoriert.

Die nächste Fiktion besagt, daß die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Konzeption der "beiderseitig garantierten Zerstörung" über den Haufen werfen, auf der die strategische Stabilität angeblich beruhe.

Ich hoffe, ich
- 10 -

�Ich hoffe, ich habe diese Fiktion heute damit aus der Welt geschafft,
daö ich auf den destabilisierenden Verlauf des sowjetischen strategischen
Aufbaus und der immer größer werdenden Abschirmung ihrer Streitkräfte und
ihrer Führung von der "garantierten Zerstörung" hingewiesen habe.

Ein

amerikanisch-sowjetischer Vergleich hinsichtlich der Investitionen in die
sogenannte passive Verteidigungsabschirmung

von Bevölkerung

und wirt-

schaftlichen Basen vor nuklearen Angriffen ist einfach nicht möglich.

So

groß sind die sowjetischen Anstrengungen und so minimal die unsrigen, daß
das Verhältnis schon an Absurdität grenzt.
teidigungsvorbereitungen sind gewaltig.

Die sowjetischen zivilen Ver-

Unsere eigenen kleinen Anstren-

gungen zeigen, daß es uns im Westen überaus schwer fällt, sich ein Leben
nach einem Nuklearkrieg vorzustellen.

Drittens, die Sowjetunion behauptet, daß SDI destabilisierend wirke.

Ihre immer wieder erklärte Furcht vor einem Verschwinden einer stabilen Abschreckung mutet ironisch an.

Die Vereinigten Staaten sind stark

in diplomatischen und privaten Konsultationen engagiert, um die immer rasantere Entwicklung in der strategischen Verteidigung zu analysieren, die
eine Stärkung der Abschreckung in der Zukunft verheißt.

Wie ich schon

zuvor gesagt habe, müssen die strategischen Verteidigungsoptionen auch
die Stabilität stärken, oder sie kommen einfach nicht in Frage.

Die So-

wjetunion andererseits setzt die Entwicklung und Dislozierung einer neuen
Generation von strategischen Offensivraketen fort und erweitert ihre bereits beträchtlichen Verteidigungskapazitäten.

Die Sowjets haben nieman-

den konsultiert und sind der Meinung, sie seien niemandem eine Antwort
schuldig, während sie bei der Verfolgung ihrer eigenen internen Erfordernisse ein stabiles Gleichgewicht zusehends durcheinanderbringen.

Die letzte Fiktion ist, daß die Strategische Verteidigungsinitiative
den Rüstungskontrollprozeß Komplizieren würde.

Die Wahrheit ist vielmehr, daß es die Strategische Verteidigungsinitiative - verbunden mit der deutlichen Entschlossenheit der westlichen
Verbündeten, ihre strategische Abschreckung zu modernisieren - war, die
- 11

�war, die die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückgebracht hat.

Es

gibt in wachsendem Maße Beweise dafür, daß defensive Technologien eine
echte Hoffnung auf Reduzierung der Notwendigkeit offensiver Nukleararsenale darstellen.

Wenn man sich auf Gesprächen einläßt, die auf Rüstungs-

kontrolle abzielen, ohne üüer das zu sprechen, was sich vielleicht als
das beste Mittel zur Unterstützung dieses Bemühens erweist, dann heißt
das doch, daß der gesamte Prozeß an Bedeutung stark verliert.

Präsident

Reagan hat sich ernsthaften und wesentlichen Fortschritten bei der Reduzierung des Umfangs der bestehenden Nukleararsenale und der Förderung von
Sicherheit und Stabilität verschrieben.

Es ist von entscheidender Bedeu-

tung, daß er die moralische Herausforderung akzeptiert hat, alle zu diesem Zweck zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu sondieren.

Abschließend

lassen Sie mich noch einmal unterstreichen, daß die

Strategische Verteidigungsinitiative eine umsichtige und moralische Antwort auf die anhaltenden sowjetischen Maßnahmen ist, die Stabilität und
Sicherheit der Welt gefährden.

Die SDI ist ein Forschungsprogramm, das

voll und ganz mit den Beschränkungen des ABM-Vertrages in Einklang steht.
Dieses Forschungsprogramm soll die Möglichkeit einer strategischen Verteidigung erkunden - angesichts neuer Technologien, die jetzt der Verteidigung zur Verfügung

stehen.

Die Strategische

Verteidigungsinitiative

sucht nach Antworten auf jene Fragen, die friedliebende Länder stellen
müssen.

Wenn wir das Gleichgewicht bewahren wollen, das den Frieden ga-

rantiert, ist das das Mindeste, was es zu tun gibt.

* * * * *

- 12 -

�13. März 1985

11

DIE NATO UND DIE AMERIKANISCHEN STREITKRÄFTE IN EUROPA
- Erklärung von General Rogers -

WASHINGTON - (AD) - Am 1. März 1985 gab NATO-Oberbefehlshaber beneral
Bernard Rogers in einer Annörung vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats einen umfassenden überblick über die Lage der NATO und der
amerikanischen Streitkräfte in Europa. Die Erklärung, die der ueneral abgab, hat folgenden Wortlaut:

Es ist mir ein Vergnügen, wieder einmal vor diesem Ausschuß zu erscheinen, um die Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa zu erörtern.
Da das US-Oberkommando Europa

(United

States European Command

-

EUCOM) den amerikanischen Beitrag zum Alliierten Befehlsbereich Europa
(Allied Command Europe - ACE) darstellt, möchte ich zunächst die sicherheitspolitischen Kernfragen ansprechen, denen sich AJE gegenwärtig gegenübersieht. Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Verteidigungsanstrengungen jeder der einzelnen Nationen des Bündnisses, und auf sie konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Bündnisses insgesamt, insbesondere

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�insgesamt, insbesondere in Zusammenhang mit dessen gemeinsamen sicherheitspolitischen Zielen.

Sicherheitspolitische Probleme der NATQ

Das 36. Jahr des Bestehens der NATO neigt siqh dem Ende zu. Das Bündnis bildet die erfolgreichste Friedensbewegung der Geschichte. Sein Auftrag lautet: Abschreckung. Innerhalb des Bündnisses sind die Form und der
umfang der sicherheitspolitischen Anstrengungen der Mitgliednationen zwar
teilweise auch weiterhin umstritten, aber auf beiden Seiten des Atlantik
besteht Übereinstimmung darüber, daß die wesentlichen Elemente der Abschreckung die folgenden sind:
- eine angemessene Strategie,
- hinreichende militärische Mittel, um dieser Strategie Sgbstanz zu
verleihen, und
- Klarheit über die nötige politische Einmütigkeit und Entschlossenheit, diese Strategie in die Tat umzusetzen.
Eine angemessene Strategie

Was das erste Element, eine angemessene Strategie, angeht, so hat
sich die NATO auf die Abschreckungsstrategie der Flexiblen Antwort festgelegt, die sich auf Militärstreitkräfte in Form einer Triade stützt. Sie
umfaßt strategisch-nukleare, nichtstrategisch-nukleare und konventionelle
Streitkräfte. Diese Strategie beinhaltet eine einmütige Selbst Verpflichtung aller Bündnispartner, nicht als erste militärische Gewalt anzuwenden. Die NATO behält sich jedoch vor, im Falle eines Angriffs zu ihrer
Verteidigung als erste Kernwaffen einzusetzen. Eine solche Kombination
von Gewißheit darüber, daß die NATO auf eine Aggression reagieren würde,
und Ungewißheit über die genaue Art und den Umfang dieser Reaktion stärkt
die Abschreckung, indem sie es den Sowjets unmöglich macht, mit hinlänglicher Zuverlässigkeit die Risiken zu berechnen, die sie mit irgendwelchen aggressiven Akten eingehen würden. Diese Ungewißheit und Unberechenbarkeit bildet den entscheidenden Faktor in der Abschreckungsgleichung
der NATO. Auf ihren Zusammenkünften im Dezember 19ö4 haben die&gt; Auüen- und
Verteidigungsminister der NATO bestätigt, daü die Strategie der Flexiblen
- 2 -

�der Flexiblen Antwort das für die Gegenwart und die überschauoare Zukunft
angemessene Konzept bleibe.
Hinreichende militärische Mittel

Was das zweite Element, hinreichende militärische Mittel, anoelangt,
so muß die NATO für jede der Säulen der Triade genügend Streitkräfte unterhalten, um das zur Abschreckung notwendige Kräftegleichgewicht mit dem
Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben Programme zur Modernisierung ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte eingeleitet. Wenn diese Modernisierungsprogramme in vollem
Umfang durchgeführt werden, wird der Abschreckungswert dieser Streitkräfte hoch bleiben. Der NATO-Beschluß vom Dezember 1979 zur Modernisierung
des nuklearen Mittelstreckenpotentials des Bündnisses trug den erheblichen Mängeln dieser wichtigen Säule unserer Triade Rechnung. Im Dezember
1983 haben wir mit der Durchführung dieses Modernisierungsprogramms begonnen; wir führen es planmäßig und ungeachtet sowjetischer Versuche, uns
daran zu hindern, fort. Das Bündnis braucht mit diesem Modernisierungsprogramm nur weiterzumachen, und wir werden die Lücke in diesem Bereich
unseres Abschreckungsspektrums schließen.

Seit Jahren weisen wir von SHAPE darauf hin, dab die größte Schwäche
der NATO in der konventionellen Säule der Triade liegt, ich habe diesem
Ausschuß schon in der Vergangenheit dargelegt, dab die politische Führung
der NATO

sich im Falle eines konventionellen Angriffs auf AJE senr

schnell vor die Entscheidung gestellt sehen würde, den Einsatz von nuklearen Gefechtsfeldwaffen freizugeben. Diese Lage ergibt sich in erster Linie aus der Tatsache, daß es uns im Hinolick auf ausgebildete Mannschaften, Munition und Reserven an Kriegsmaterial an oinsatzausdauer fehlt.
ACE wird zwar jedes Jahr stärker, aber die Anstrengungen des Bündnisses
können mit

denen

des Warschauer

Pakts

dennoch

auch

weiterhin

nicht

Schritt halten. Die sich ständig weiter verbreiternde Kluft zwischen der
konventionellen Schlagkraft der NATO und der des Warschauer Pakts berührt
die Glaubwürdigkeit der Abschreckung

der NATO, weil sie das Bündnis

zwingt, sich in äußerst hohem Maße auf den frühzeitigen Ersteinsatz von
Kernwaffen zu verlassen. Die Möglichkeit des Ersteinsatzes von Kernwaffen
- 3 -

�von Kernwaffen hat zwar auch weiterhin einen erheblichen Abschreckungswert, aber die Drohung mit einem frühzeitigen Ersteinsatz kann keinen
Ausgleich für' eine deutliche konventionelle unterlegenheit schaffen, denn
man sich in so starkem Maße auf einen frühzeitigen Ersteinsatz von Kernwaffen verlassen muß, so bildet dies keine glaubwürdige Grundlage für eine Abschreckung gegen das, was ich für die wahrscheinlichste Bedrohung
des Bündnisses halte: sowjetischer Druck und Einschüchterungsversuche gegen die Nationen Westeuropas auf der Grundlage der bedrohlichen und massiven militärischen Überlegenheit im Bereich der konventionellen Streitkräfte.

Die Aufrechterhaltung der politischen und wirtschaftlichen Handlungsfreiheit der Nationen Westeuropas liegt ebenso im sicherheitspolitischen
Interesse der Vereinigten Staaten wie in dem Europas. Wenn das militärische Kräfteverhältnis zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt einen
Punkt erreicht, an dem die militärische Lage sogar für ein Verteidigungsbündnis nicht mehr zu retten ist, besteht die sehr reale Gefahr, daß die
politische und wirtschaftliche Handlungsfreiheit Westeuropas unterminiert
werden könnte, da die politisch Verantwortlichen des Westens ihre Entscheidungen unter dem Schatten der militärischen Macht des Warschauer
Pakts treffen müßten.

Die militärische Lage ist für die NATO zwar schwierig, aber weder
hoffnungslos noch irreparabel. Da die NATO ein Verteidigungsbündnis ist,
braucht sie mit dem Warschauer Pakt nicht in jeder Kategorie des Kräftevergleichs im Verhältnis von eins zu eins gleichziehen. Im Rahmen der
NATO-Strategie der Flexiblen Antwort sind Verbesserungen im Bereich der
konventionellen Streitkräfte nur so weit erforderlich, wie sie den Warschauer Pakt zu der Überzeugung bringen, dab sie der NATO eine "realistische Chance" verschaffen, einen nichtnuklearen Angriff mit konventionellen Mitteln oder zumindest ohne frühzeitigen Einsatz von Kernwaffen
zum Scheitern zu bringen. So beschaffene

konventionelle Streitkräfte

müßten
- gewährleisten, daß unsere konventionelle Verteidiyung

lange genug

intakt bliebe, um die politische Führung der NATO in die Lage zu
versetzen,

mit

klarem

Kopf

und

voller Entschlußkraft

eine Ent-

�eine Entscheidung über den Einsatz von Kernwaffen zu treffen;
- den Schutz unserer nuklearen Trägermittel und wichtigen Führungs- und
Befehlssysteme gewährleisten, bis sie benötigt werden, und
- den Warschauer Pakt, falls er angriffe, vor die Alternative stellen,
den Angriff entweder wieder abzubrechen oder selost als erster zu eskalieren und Kernwaffen einzusetzen, was er nicht will.
Als SAJEIR (Oberster Alliierter Befehlshaber Europa) fühle ich mich
durch die Tatsache ermutigt, daß während der letzten Jahre eine Reihe von
schwierigen Entscheidungen getroffen worden sind, die zu einer Verstärkung der konventionellen Streitkräfte im Bereich von AJE führen werden.
Beispielsweise wurde der Umfang des gemeinsam finanzierten Infrastrukturprogramms gegenüber der letzten Tranche von einer Milliarde Infrastrukturverrechnungseinheiten (iMUs) auf drei Milliarden erhöht und somit verdreifacht. Dies wird uns in die Lage versetzen, auf Luftwaffenbasen, über
die im Ernstfall Verstärkungen eingeflogen würden, dringend benötigte Anlagen, so u.a. gehärtete Abstellplätze für Flugzeuge, zu errichten. Im
Dezember vergangenen Jahres beschlossen die Verteidigungsminister außerdem eine weitere Aufstockung der Munitionsbestände. Einer der meines Erachtens wichtigsten Schritte des Bündnisnisses

oestand

darin, daß im

Herbst vergangenen Jahres die langfristigen Planungsrichtlinien für die
Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts angenommen wurden. Ich
glaube, daß die sich daraus ergebende Verbesserung unserer Fähigkeit, die
Operativen Manövergruppen, die zweite und dritte Staffel und die Reserven
des Warschauer

Pakts zu lokalisieren

und mit

konventionellen Waffen

Schläge gegen diese Einheiten zu führen, bevor sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen, sehr wohl bestimmend für den Erfolg unserer konventionellen Verteidigung sein könnte. Uiese tmtscheidungen werden sich
auf die Zeitspanne, während der AJE eine konventionelle Verteidigung aufrechterhalten kann, vorteilhaft auswirken.

Einmütigkeit und Entschlossenheit

Was das dritte Element der Aoschreckung, Bekundung von Einmütigkeit
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie, anbelangt, so setzt
das Bündnis die Stationierung

von INf-Systemen auf europäischem Boden
- 5 -

�europäischem Boden fort. Auf den Zusammenkünften der außen- und Verteidigungsminister im Dezember 1984 bekundeten die Mitgliedstaaten der NATU
erneut ihre Entschlossenheit, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und die Streitkräfteziele der NATO für den Zeitraum 1985 - 199U zu
verwirklichen. Auch die Entscheidungen vom vergangenen Jahr, die ich bereits erwähnte, bezeugten Einmütigkeit bezüglich der gemeinsamen Ziele
und Entschlossenheit zur Durchführung der Strategie. Auch bei einem der
besonders erfolgreichen Projekte des Bündnisses, dem gemeinsam finanzierten fliegenden Frühwarnsystem der NATO, werden Stationierung und Ausbildung planmäßig fortgesetzt. Außerdem haben die meisten Mitgliedstaaten
ungeachtet gravierender Finanzierungsprobleme ihre Verteidigungsausgaben
im Jahre 1984 real erhöht.

Die amerikanische Führungsrolle

Es ist wesentlich, daß die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle im
Bündnis auch weiterhin ausfüllen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Führungsposition in den letzten Jahren gestärkt, indem sie ihren VerDÜndeten
vorgeführt haben, daß eine erhebliche

Verbesserung

des Zustands der

Streitkräfte selbst unter wirtschaftlich schwierigen dedingungen möglich
ist. Der beste Heg, die Verbündeten dazu zu bringen, auch weiterhin auf
eine Verbesserung ihrer konventionellen Verteidigung hinzuarbeiten, besteht für die Vereinigten Staaten darin, das Bündnis dazu anzuhalten,
ihrem eigenen Beispiel nach bestem Vermögen zu folgen, im Falle des Versagens aber nicht mit Repressalien zu drohen. Mit der Unterstützung des
Kongresses kann die NATO auch weiterhin Fortschritte erzielen.

Vorrangige Aufgaben des US-Oberkommandos Europa

Ich wende mich nun der Lage der amerikanischen Streitkräfte in Europa
zu. Während der letzten fünf Jahre hat sich das US-Oberkommando Europa
von vier vorrangigen Aufgaben leiten lassen. Angesichts der fortwährenden
Verbesserung der Schlagkraft der sowjetischen Streitkräfte und des sich
vergrößerten Ungleichgewichts im Bereich der konventionellen Streitkräfte
sind diese Aufgaben wichtiger denn je.
uie erste
- 6 -

�Die erste Aufgabe besteht darin, in angemessener Weise für unsere
Soldaten und deren Familien zu sorgen. Dies bedeutet, daß sie ausreichende Besoldung und materielle Vergütungen, medizinische Betreuung, Unterkünfte und Familienbeihilfen erhalten müssen und daß man ihnen angemessene Einrichtungen zur Verfügung stellen muü, in denen sie arbeiten, leben
und sich erholen können. Dies bedeutet auch, daU wir dafür sorgen müssen,
daß sie "psychisch im Lot" sind. Dazu müssen wir sie einer rigorosen, am
Auftrag orientierten Ausbildung unterziehen und ihnen das Bewußtsein verschaffen, daß sie imstande sind, ihre Ausrüstung ordentlich zu warten,
daß sie Teil eines gut geführten Teams sind und daß es ihren Führern keineswegs "egal" ist, wie es ihnen und ihren Familien geht. Die Herstellung
einer solchen Bewußtseinslage steht mit einer angemessenen Mittelzuweisung zur Deckung von Betriebs- und Materialerhaltungskosten in engem Zusammenhang.

Die zweite Aufgabe des US-Oberkommandos Europa besteht darin, das
beste aus den ihm unterstellten Streitkräften herauszuholen, indem man
sicherstellt, daß sie den Kriterien von ACE für Stellenbesetzung, Ausrüstung, Ausbildung, Materialerhaltung, Versorgung und Zuführung von Verstärkungen genügen. Diese Streitkräfte würden im Ernstfall gemeinsam mit
denen, die die Verbündeten für den Bereich von AJE bereitstellen, unsere
vorderen Verteidigungsstellungen besetzen und müßten sie gegen die erste
Angriffswelle des Warschauer Pakts halten.

Die dritte Aufgabe von EUCQM besteht darin, die erforderliche Modernisierung unserer Waffensysteme fortzuführen und, wie dies bereits geschieht, nach Mitteln zu suchen, die uns besser in die Lage versetzen,
die Truppen des Warschauer Pakts soweit zu dezimieren, daß wir mit ihnen
fertig werden können, wenn sie auf unsere Verteidigungsstellungen treffen. Kurzum: Wir müssen unsere Möglichkeiten, die Folgestaffeln eines Aggressors mit konventionellen Waffen anzuyreifen, verbessern.

Unsere vierte Aufgabe besteht darin, unsere Streitkräfte strukturell
zu verstärken, insbesondere durch mobilisierbare, ausgebildete Reserven.
Den bestehenden strikten haushaltsmäßigen Beschränkungen und anderen vorrangigen Aufgaben muß zwar gebührend Rechnung getragen werden, aber den- 7 -

�aber dennoch ist ein gewisser Ausbau der aktiven Streitkräfte notwendig,
um die Modernisierungsprogramme durchführen und den sich aus der Bedrohung ergebenden Erfordernissen gerecht werden zu können.

Wenn diese Aufgaben erfüllt werden können, so wird dies die gemeinsame Abschreckung stärken und die Fähigkeit der amerikanischen Streitkräfte
zur Vorneverteidigung in der Hauptabwehrlinie ebenso verbessern wie ihre
Fähigkeit zu Angriffen auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts. Dank
der Unterstützung durch den Kongreß konnten in den vergangenen Jahren in
diesen vorrangigen Bereichen bereits Verbesserungen vorgenommen werden.

Die Schlagkraft der Streitkräfte der Vereinigten Staaten konnte in
den vergangenen Jahren zwar erheblich erhöht werden, aber sie haben heute
immer noch nicht den Leistungsstand, den sie haben könnten. Außerdem köi&gt;
nen die amerikanischen Streitkräfte, die zur raschen Verstärkung der NATU
vorgesehen sind, immer noch nicht entsprechend dem erforderlichen Zeitplan verlegt werden. Diese Mängel behindern uns bei der Erfüllung unseres
Auftrags in Europa. Mit der Unterstützung des Kongresses können wir sie
jedoch beheben und damit die Abschreckung stärken.

Vor diesem Hintergrund mö'chte ich nunmehr einige meiner besonderen
Anliegen im Hinblick auf die Verbesserung der Linsatzfähigkeit der EüJOM
unterstellten amerikanischen Streitkräfte darlegen, ich darf ihnen ins
Gedächtnis rufen, daß Einsatzfähigkeit auf vier Faktoren beruht: Einsatzbereitschaft, Einsatzausdauer, Modernisierung und Streitkräftestruktur.
Die Einsatzbereitschaft von U5EUJ0M

Die Einsatzbereitschaft der amerikanischen Kampftruppen in Europa befindet sich heute auf einem höheren Stand als zu jedem anderen Zeitpunkt,
seit ich die Position des USCINJEUR (amerikanischer Oberbefehlshaber Europa) übernommen habe.

Ihnen als Kongreßabgeordneten verdanken wir die Mittel, mit denen
dies Niveau erreicht werden konnte, und wir in Europa wissen das sehr zu
schätzen. Das Personal bildet das wichtigste Element der Einsatzoereit-

- ö-

�der Einsatzbereitschaft einer Truppe, und die Uualitä't und der Ausbildunysstand unserer Soldaten sind besser als alles, was ich in den k'l Jahren meiner aktiven Dienstzeit erlebt habe. Die Herbstmanöver 1984 in Europa und die REFORGER-'übung vom vergangenen Monat haben den Enthusiasmus
und die hohe Moral unserer Truppen gezeigt; hinzu kommen teilweise noch
eine ausgezeichnete Ausbildung, ein hoher Leistungsstand der Einheitsführer und die Übernahme leistungsfähigerer Waffensysteme in den Truppendienst. Wir müssen den Bedürfnissen der Truppe auch weiterhin Rechnung
tragen, so daß sie sich voll ihren militärischen Aufgaben widmen kann,
unsere Nation erwartet von den Angehörigen der Streitkräfte, daß sie die
Interessen ihres Landes ihren eigenen überordnen, und unsere Soldaten tun
genau das. Es ist daher nur recht und billig, daü wir dafür angemessene
Rahmenbedingungen für ihren Dienst schaffen.

Einsatzbereitschaft

Was den Faktor Einsatzbereitschaft angeht, so bestehen einige Mängel.
Es sind zu wenig PüMCUS-Ausrüstung und -Einrichtungen vorhanden (.POMCUS =
Prepositioning of Materiel Confiyured to Unit Sets - Vorabeinlagerung der
Ausrüstung ganzer Einheiten am Einsatzort); gleiches gilt für die Zahl
des Kampfunterstützungspersonals für die bereits an Ort und Stelle befindlichen und die Verstärkungstruppen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist
erst die Hälfte der insgesamt eingeplanten PCMJ US-Tonnage in Depots in
Europa eingelagert. Es ist wesentlich, daß der Kongreß die Fortsetzung
der Verschiffung von PCMU US-Ausrüstung und die Anschaffung von Lagereinrichtungen genehmigt. Das POMCUS-Programm wurde vor einer Reihe von Jahren eingeleitet, da

man erkannte, daß man

zusätzliche

amerikanische

Streitkräfte benötigen würde, um einer Bedrohung begegnen zu können, wenn
sie sich im Frühstadium einer Krise oder eines Konflikts in Europa abzeichnete. Man kam zu dem Schluß, daß POMCUS kostengünstiger und effektiver sein würde als andere Lösungen, die zusätzliche kostspielige strategische Luft- und Seetransportkapazitäten erfordert hätten. Daher verpflichteten sich die Vereinigten Staaten gegenüber ihren Verbündeten, die
Ausrüstung von sechs Divisionen im Rahmen des POMJUS-Programms vorab einzulagern, um eine schnelle Zuführung von Verstärkungen nach Westeuropa zu
gewährleisten.
Für eine
- 9 -

�Für eine Stärkung der konventionellen Abschreckung und Verteidigung
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir in der Lage sind, Verstärkungen
aus den Vereinigten Staaten nach Europa und weiter in ihre Kampfräume zu
bringen. Wenn die Programme, die in den letzten Jahren die Unterstützung
des Kongresses gefunden haben (CRAF, gestreckte C-141, KC-1U, £-5ö,
und schneller Seetransport) in vollem Umfang durchgeführt

C-17

werden, und

wenn die PCMC US-Depots voll aufgefüllt werden, dann wird dies einen großen Schritt in Richtung auf die Gewährleistung der Zuführung der erforderlichen Verstärkungen bedeuten. Ich ersuche den Kongreb dringend um
seine weitere Unterstützung im Hinblick auf diejenigen Teile dieser wichtigen Transportprogramme, deren Finanzierung bislang noch nicht gesichert
ist.
Eine meiner Hauptsorgen gilt der Tatsache, daß USEUCOM in den ersten
Tagen einer Krise oder eines Konflikts nur unzulängliche Kampfunterstützung seinheiten (Combat Service Support - CSS) zur Verfügung stehen würden. Ein entscheidender Faktor, der sich beschränkend auf die Kampfkraft
auswirken kann, liegt in der Verfügbarkeit von Personal und Einrichtungen
zur Bewachung, Wartung und Reparatur von Material und zur Weiterleitung
von Nachschub zu den Kampf verbänden. Dies ist die Funktion der CSS-Einheiten. Was das Heer heute an CSS-Einheiten besitzt, genügt nicht, um die
ersten eintreffenden PQ^ü US-Verbände zu unterstützen, und reicht nocn
nicht einmal für die bereits heute in vornegelegenen Stellungen in Europa
stationierten Kampftruppen. Die gegenwärtig an Ort und Stelle vornandenen
CSS-Einheiten haben im allgemeinen Untersollstärke; bei einigen bis hinunter zu 70 Prozent. Außerdem machen die vor Ort befindlichen CSS-Einheiten nur 56 Prozent dessen aus, was zur Unterstützung der permanent in Europa stationierten

amerikanischen Kampftruppen eigentlich erforderlich

wäre. Falls wirklich POMCUS-Verbände herangeführt würden, würde sich die
Lage noch verschlimmern. Die für sie notwendiyen CSS-Funktionen müuten
zum großen Teil von Reserveeinheiten übernommen werden, die in den Vereinigten Staaten stationiert sind und vielfach personell und materiell Untersollstärke haben. Es muß noch mehr getan werden, um zu gewährleisten,
daß CSS-Reserveeinheiten frühzeitig zur Verfügung stehen. Beim gegenwärtigen Ausrüstungsstand würden viele Reserveeinheiten zunächst in den Vereinigten Staaten bleiben und auf die Zuführung wichtigen Materials warten
- 10 -

�Materials warten müssen. Dieses Material mub schon im Frieden bereitgestellt werden. Für diese Einheiten muU auch in verstärktem Malöe strategischer See- und Lufttransportraum verfügbar gehalten werden.

Ob wir Verstärkungen heranführen können, hängt auch davon ab, daü in
Europa hinreichende Hilfseinrichtungen bestehen, mittels derer die Verstärkungsoperationen befehligt und geleitet werden könnten. Wir brauchen
Einrichtungen für die Unterbringung des Hilfspersonals, dessen Aufgabe es
wäre, die aus den Vereinigten Staaten nach Europa verlegten amerikanischen Heereseinheiten in Empfang zu nehmen und auf den Weitertransport in
die Kampfzone vorzubereiten. Im Frieden entwirft dieses vorne stationierte Hilfspersonal Pläne für die Durchführung dieser Inempfangnahme- und
Weiterleitungsaufgaben, nimmt Verbindung mit dem Personal der Gaststaaten
auf, das ihm im Kriegsfalle bei der Durchführung dieser Aufgaben behilflich sein würde, konzipiert gemeinsam mit ihm entsprechende Pläne und
übernimmt die Befehls- und Leitungsfunktionen für die PlMülS- und Munitionslagereinrichtungen, die der Unterstützung der im entsprechenden Teil
der Bundesrepublik Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte
dienen. Das Riechel-Gebäudes in Rheinberg in der Bundesrepublik Deutschland bildet ein Beispiel für eine Einrichtung von der Art, die notwendig
ist, um sicherzustellen, daü unsere Verstärkungen in Empfang genommen und
zeitgerecnt in ihre Einsatzräume geleitet werden. Es hat eine ideale Lage
mitten auf den Verbindungslinien zur Heeresgruppe Nord und im geographischen Mittelpunkt des Gebiets, in dem PCMCU5- und andere Versorgunys- und
Hilfseinrichtungen angesiedelt sind. Die Vereinigten Staaten haben zur
Zeit 35 Prozent der Anlage zu einem jährlichen Preis von 64U UUU Dollar
angemietet. Beim gegenwärtigen Wechselkurs würde sich der Kaufpreis für
das Gebäude auf 11,8 Millionen Dollar belaufen. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat sich bereit erklärt, den Grund und Boden für die
Nutzung durch die Vereinigten Staaten zum Preis von zwei Millionen Dollar
zu erwerben. Ohne eine solche Einrichtung wäre es fraglich, OD wir Verstärkung soperationen im Bereich der Heeresgruppe Nord in Mitteleuropa befehligen und leiten könnten, und es wäre zweifelhaft, ob die Vereinigten
Staaten ihr Versprechen, notfalls innernalb von zehn Tagen nacn Mobilmachungsbeginn zehn Divisionen und die dazugehörigen Einheiten der Luftwaffe nach vorn zu verlegen, einlösen könnten. Ich bitte den Konyreü drin- 11 -

�KongreB dringend, dem Ankauf des Riechel-Gedäudes seine Unterstützung zu
leihen.

Gemäü einer Initiative des Verteidigungsministers ist USEOLüM aktiv
um Abkommen mit unseren Verbündeten über Unterstützung durch das Gastgeberland in Kriegszeiten (Wartime riost Nation Support - WHNS) bemünt, die
den Mangel an amerikanischen Kampfunterstützungstruppen zu einem großen
Teil ausgleichen können. Unser wichtigster Erfolg bis zun gegenwärtigen
Zeitpunkt ist das WHNS-Abkommen mit der Bundesrepublik Deutschland, in
dem sich die Deutschen formell verpflichtet haben, deutsche Reserveeinheiten und zivile Kräfte in logistischen und anderen Hilfsfunktionen für
die amerikanischen Verstärkungstruppen einzusetzen. Mit zehn anderen verbündeten Nationen haben wir ähnliche, aber weniger umfassende Abkommen
geschlossen, in denen sie sich zur Unterstützung amerikanischer Streitkräfte verpflichtet haben. Die Mittelzuweisung durch den Kongreü zur Finanzierung des amerikanischen Anteils an diesen WHNS-Abkommen bleibt ein
kosteneffektiver und wesentlicher Schritt in Richtung auf eine Verbesserung

der Einsatzbereitschaft

der der NATO

zugeteilten

amerikanischen

Streitkräfte.

Einsatzausdauer

Ich möchte mich nunmehr dem Faktor Einsatzausdauer in der Gleichung
der Einsatzfähigkeit zuwenden. Der Grad der Einsatzausdauer der der NATO
unterstellten amerikanischen Einheiten ist im allgemeinen in den meisten
Bereichen höher, als dies bei anderen Verbündeten der Fall ist. Weitere
Verbesserungen werden vorgenommen. Es bestehen jedoch Engpässe üei einzelnen Munitionsarten, z.B. bei Luft-Luft-Raketen und bestimmten Typen
von Artilleriemunition. Während der letzten fünf Jahre hat sich die Lage
zwar erheblich verbessert, aber die Bevorratung mit wichtigem Heeresgrougerät und Fachversorgungsmitteln für die Luftwaffe ist unzureichend. Wenn
die Versorgung mit diesen Dingen oder mit bestimmten Munitionsarten zum
Erliegen käme, wäre auch die Einsatzfähigkeit der Truppe am Ende.

Ob wir Kampfhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg führen
können, hängt auch davon ab, ob wir imstande sind, besonders wichtige
- 12 -

�besonders wichtige Kampfmittel zu schützen. Uie frühzeitige Verstärkung
der Luftwaffe

in Europa

durch Entsendung

zusätzlicher

amerikanischer

Flugzeuge könnte in erheblichem Maioe zur Abschreckung beitragen oder den
Ausgang eines Konflikts bestimmen. Die Verbündeten haben mehr als 70 Einsatzbasen für die Nutzung durch zur Verstärkung eingeflogene Flugzeuge
zur Verfügung gestellt. Wenn auf diesen Einsatzbasen hinreichende Einrichtungen und geschützte Flugzeugabstellplätze vorhanden wären, so könnten diese Maschinen, wenn sie erst einmal eingetroffen wären, auch über
längere Zeit hinweg für Kampfeinsätze verwendet werden; außerdem wären
sie dann weniger verwundbar. Bevor man sie in längerdauernde Kampfeinsätze schicken kann, ist jedoch die Errichtung von bestimmten unabdingbaren
Grundeinrichtungen (sogenannten Minimum Essential Facilities - MEF) erforderlich. Die Finanzierung dieser MEF-Einrichtungen und der geschützten
Abstellplätze erfolgt im Rahmen des NATO-lnfrastrukturprogramms. Sowohl
die MEF-Anlagen als auch die geschützten Abstellplätze stehen weit ooen
auf der Prioritätenliste des Infrastrukturprogramms. Auf der Grundlage
des gegenwärtigen Finanzierungsrahmens für die Infrastruktur gehen wir
davon aus, daü bis 1987 alle MEF-Projekte und bis 199!) alle AbstellplatzProjekte konkrete Formen angenommen haben werden, wobei ou Prozent der
letzteren schon auf die gegenwärtig Tranche des Infrastrukturprogramms,
also die für den Zeitraum 1985 - 1990, entfallen werden.

Was das NATO-Infrastrukturprogramm angeht, so höre ich seit einiger
Zeit, daß der Kongreß sich über die Rückerstattung amerikanischer Mittel
Sorgen macht, die in der Vergangenheit zur Vorfinanzierung von Projekten
eingesetzt worden sind, für die eigentlich die NATO gemeinsam aufkommen
sollte. In der Tat verhält es sich so, daü die Mittelbewilligung für den
Bau von Militäranlagen im Rahmen der Verpflichtungsermächtigung vom vergangenen Jahr meine Möglichkeiten zur Ausgabe von bewilligten amerikanischen Infrastrukturmitteln im Haushaltsjahr 1985 auf vier Dollar für jeden rückerstatteten Dollar begrenzte. Meines Erachtens
schränkung

ungerechtfertigt, da nach meiner Überzeugung

ist diese Beunsere Bilanz

besser ist, als der Kongreß glaubt.

Im Jahre 1980 haben wir von GSEüJQM uns mit Nachdruck darangemacht,
die Rückerstattung von vorfinanzierten Infrastrukturmitteln effektiver zu
- 13 -

�effektiver zu betreiben. Seit 19dü sind von einem rückerstattungspflichtigen Gesamtbetrag von 473 Millionen Dollar 235 Millionen Dollar rückerstattet bzw. sind die entsprechenden Haushaltstitel aufgelöst worden. Die
restlichen 238 Millionen sollen im Rahmen der Tranche von 19ö5 bis 1990
rückerstattet werden. Zusammengenommen aüdieren sich diese beiden Zanlen
auf 100 Prozent aller vom Kongreß für Vorfinanzierungszwecke in Europa
zur Verfügung gestellten Mittel. Was Ihnen vielleicht nicht bekannt ist,
ist jedoch die Tatsache, daß von den verbleibenden 23ö Millionen Dollar
nur 32,5 Millionen Dollar den Prozeio von der Auftraysvergaüe bis zur Abnahme der erstellten Anlage so weit durchlaufen haben, daß sie schon zum
gegenwärtigen Zeitpunkt zur Rückerstattung fällig werden, ich glaube, unsere Rückerstattungsbilanz rechtfertigt die Aufhebung der 1985 vom Kongreß verhängten Beschränkungen. Ich bitte daher um ihre Beseitigung.

Ein letzter unter die Oberbegriffe Einsatzbereitschaft und Einsatzausdauer zu subsummierender Bereich, in dem erhebliche Verbesserungen und
mithin auch die Unterstützung des Kongresses erforderlich sind, ist der
der kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und des Abtransports unserer Verwundeten. Wenn in der nahen Zukunft in Europa ein Krieg ausbräche, könnten
wir mit den zu erwartenden Verlusten nicht fertig werden. Erforderlich
ist unter anderem die Beschaffung und Vorabeinlagerung am Ort des möglichen Geschehens von Marine-, Not- und allgemeinen Lazaretten, dem dazugehörigen Gerät zur medizinischen Versorgung, medizinischen Nachschubgütern
und zusätzlichem Transportraum zum Abtransport von Verwundeten auf dem
Land- und Luftweg. All dies müßte am Mobilmachungstag zur Verfügung stehen, ich ersuche daher dringend um volle Finanzierung dieses Programms.

Modernisierung
Modernisierung bildet ein weiteres wesentliches Element der Einsatzfähigkeit. Dank der Unterstützung durch den Kongreß kommen nunmehr moderne Flugzeuge, Panzer,

Schiffe, Mehrfachraketenwerfer,

Kampffahrzeuge,

Fernmeldeausrüstung und andere Systeme zur Truppe. Ich hoffe, daß das,
was der Haushaltsentwurf vorsieht, auch tatsächlich bewilligt wird und
daß im Hinblick auf die Folgegenerationen Forschung und Entwicklung zügig
vorangetrieben werden. Heute möchte ich mich bei meinen Darlegungen über
- 14 -

�Darlegungen über diesen Bereich auf das beschränken, was EuJUM am dringendsten braucht.
Die vorne stationierten Streitkräfte der NMFO und die ersten Verstärkungskontingente müssen in der Lage sein, die erste Welle eines Angriffs
des Warschauer Pakts aufzufangen. Um die Truppen, gegen die wir uns danacn in unseren Verteidigungsstellungen behaupten müssen, so weit zu dezimieren, daß wir mit ihnen fertig werden können, müssen wir imstande
sein, den Anmarsch der Folgestaffeln des Warschauer Pakts zur Front zu
verzögern und diese Einheiten - nämlich die Operativen Manövergruppen,
die zweite und dritte strategische Staffel und die Reserven - zu zerschlagen und zu neutralisieren. Wenn der Gegner annehmen muü, daü wir imstande sind, seine erste angreifende Staffel aufzuhalten und gleichzeitig
erfolgreiche Schläge gegen die Folgestaffeln zu führen, so würde dies die
Glaubwürdigkeit der Abschreckung erhöhen, da wir dann eine "reelle Chance" hätten, einen konventionellen Angriff durch den Warschauer Pakt zum
Scheitern zu bringen. Das wichtigste Programm, das USoUCOM

in seiner

Hauptfunktion, der Unterstützung des Alliierten Befehlsbereichs Europa,
durchzuführen hat, ist die Verbesserung unserer Fähigkeit zur Bekämpfung
der Folgestaffeln (Follow-un Forces Attack - FüFAj.

Um einem Angreifer die Fähigkeit zur Fortführung seiner Operationen
zu nehmen, den Schwung seines Angriffs zu brechen und eine erfolgreiche
Vorneverteidigung aufrechtzuerhalten, brauchen wir 1. Mittel der Raumüberwachung und Zielerfassung, 2. Führungs-, Befehls- und üatenaufbereitungsmittel sowie 3. Offensivmittel, die über das hinausgehen, was wir
bislang für die allgemeineren und schwerpunktartigeren Aufgaben der Gefechtsfeldabriegelung aus der Luft benötigt haben. Es stehen verbesserte
Technologien zur Verfügung, die viele der Mängel in den Bereichen der
Raumüberwachung, Aufklärung und Zielerfassung beheben werden. Wenn sie
erst einmal in ausreichender Zahl bei der Truppe sind, werden das Gemeinsame Überwachungs- und Zielbekämpfungsradarsystem (Joint Surveillance and
Target Attack Radar System - JSTARS), das Fortgeschrittene Radarsystem
mit Synthetischer Apertur (Advanced Synthetic Aperture Radar System ASARS) und das Präzisionsortung s- und Angriff System (.Precision Location
Strike System - PLSS) uns die erforderlichen Möglichkeiten zur Raumüber- 15 -

�zur Raumüberwachung und Zielerfassung verschaffen, in Veroindung mit den
Flugzeugen vom Typ TR-1, Bodenstationen zum Empfang und zur Darstellung
von Zieldaten und dem Gemeinsamen Taktischen Informationsverteilungssystem (Joint Tactical Information Distribution System - JTIDS) werden uns
diese Systeme die Mittel an die Hand geben, den Aufgaben gerecht zu werden, die sich unter dem ersten der drei genannten Aspekte des Angriffs
auf die Folgestaffeln des Warschauer Pakts stellen.

Die Vereinigten Staaten haben USEUJOM das Versuchsmodell einer teilstreitkräfteübergreifenden taktischen Datenaufbereitungszentrale, die allerdings erst bedingt einsatzbereit ist, zur Verfügung gestellt. Das System ist in Europa unter der Bezeichnung JTF-LQJE bekannt. Mit JTF-LUUE
wird EUuOM in Zusammenarbeit mit anderen Verbündeten, die ein Datenaufbereitungssystem entwickeln, versuchen, für MGE ein System zur crfassung
und Auswertung von Aufklärungsdaten auf dem Gefechtsfeld (Battlefield lntelligence Gollection and Evaluation System - BlJES) zu errichten. Es
wird noch erheblicher Anstrengungen und eines großen Zeitaufwands bedürfen, um üIGES zum Funktionieren zu bringen und um es in die richtigen
Führungs- und Befehlssysteme einzubinden.
Um die richtige Kombination von kosteneffektiven und auftragsgerechten Abstandswaffen und anderen Waffensystemen zum direkten und indirekten
Angriff im Rahmen der FOFA-Funktion zu entwickeln, müssen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten alle Möglichkeiten der ihnen bereits zur
Verfügung

stehenden

Systeme

ausschöpfen,

um

herauszufinden,

ou

ihre

Reichweite, Treffsicherheit und Zerstörungskraft erhöht werden können.
Bis dahin sollten die Verbündeten gemeinsam alle Möglichkeiten der in
Frage kommenden neuen Technologien zum Einsatz im Rahmen der FüFA-Aufgabe
ausschöpfen.

Eine

andere

wichtige Modernisierung sauf gaue,

die

sich

für cüJUM

stellt, ist die Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen. Mit der Unterstützung des Kongresses ist es uns verhältnismäßig gut gelungen, unsere Abwehrmöglichkeiten gegen chemische Waffen
und unsere Überlebensfähigkeit zu verbessern. Selbst die beste defensive
Schutzausrüstung, die zu haben ist, würde jedoch die Schlagkraft unserer
- 16 -

�Schlagkraft unserer Kampftruppen in ernstzunehmenaer Weise neraüsetzen,
nämlich um 30 bis 50 Prozent.
Mittels ihrer modernen, sowohl offensiven als auch defensiven chemischen Kampfmittel könnten die Sowjets in entscheidenden Frontabschnitten
ihrer Wahl unsere Truppen zum Anlegen ihrer ninderlichen Schutzausrüstung
zwingen, während ihre eigenen Streitkräfte ohne eine solche Behinderung
weiterkämpfen könnten. Wir benötigen moderne chemische Munition, die uns
ein glaubwürdiges Vergeltungspotential verschaffen und die Sowjets vom
Einsatz chemischer Waffen abschrecken würde. Wir hätten dann wieder die
gleiche Situation wie im Zweiten Weltkrieg, als zwar beide Seiten chemische Waffen besaßen, sie jedoch nicht einmal in äußersten Notlagen einsetzten, da jede Seite die Vergeltung der anderen fürchtete.

Wir besitzen bereits ein begrenztes Potential an chemischen Waffen,
aber sie sind unzureichend, überholt und schwer zu lagern und zu warten.
Die Mehrzahl unserer weltweiten Lagerbestände ist veraltet. Die Kampfstoffe sind in Großbehältern eingelagert, oder es stehen keine brauchbaren Trägermittel zur Verfügung, ich bitte daher dringend um ihre Unterstützung für die Herstellung binärer Kampfstoffe der benötigten Art. Wir
brauchen ein modernes, einsetzbares Vergeltungspotentidl, wenn wir die
Sowjets vom Einsatz chemischer Waffen in Europa abschrecken wollen und
wenn wir aus einer Position der Stärke heraus über das verhandeln wollen,
was letztlich unser Ziel ist, nämlich die Beseitigung aller chemischer
Waffen vom Antlitz der Erde.

Der Terrorismus bildet immer noch eine ernstzunehmende Bedrohung für
unsere Streitkräfte. Zur Verbesserung unserer Verteidigungsfähigkeit gegen diese Bedrohung ist bereits viel getan worden, aber weitere Schritte
müssen folgen und werden auch bereits unternommen. So werden z.B. zur Abschreckung terroristischer Anschläge die materiellen Sicherheitsvorkenrungen vervollkommnet, die Antiterrorismusausbildung in Europa wird intensiviert, und der Mannschaftsstand

des Wachpersonals, das mit dem

Schutz unserer Einrichtungen betraut ist, wird erhöht. Wir haben dem
Kampf gegen den Terrorismus eine hohe Prioritätsstufe eingeräumt und versuchen in Zusammenarbeit mit unseren
- 17 -

Verbündeten, diese Bedrohung zu

�Bedrohung zu beseitigen, aber die fortdauernde Unterstützung durch den
Kongreß ist erforderlich.

Schließlich ist eine Modernisierung der amerikanischen Sonderoperationsverbände erforderlich. Die Erreichung der Einsatzziele auf einem
möglichen europäischen Kriegsschauplatz erfordert die Verbesserung der
Einsatzausdauer dieser Verbände und die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten bei Nacht und schlechtem .Jetter, von Möglichkeiten zur Ein- und
Ausschleusung solcher Verbände und von Möglichkeiten zu ihrer Versorgung.
Die Errichtung verläßlicher, gemeinsam nutzbarer, sicherer und schwer abhörbarer Fernmeldeeinrichtungen würde diese operativen Möglichkeiten meßbar verbessern.

Streitkräftestruktur

Ich möchte mich nun dem Element der Einsatzfähigkeit zuwenden, das in
der Streitkräftestruktur besteht. Erweiterungen der Streitkräftestruktur
sind erforderlich, wenn die Bedienung der gegenwärtig vorhandenen und
noch zu beschaffendenrtaffensystemegewährleistet sein soll. Zusätzliche
nationale Anstrengungen zur Entwicklung eines Reservoirs an ausgebildetem, und zwar besonders in Kampffunktionen ausgebildetem Personal, aus
dem heraus Einheiten auf Kriegsstärke gebracht oder die in den ersten Tagen eines Krieges entstehenden KampfVerluste ausgeglichen werden könnten,
ist wesentlich für die konventionelle Verteidigung der NATU. Die Ergebnisse erster Bemühungen deuten darauf hin, daß sich durch gut durchdachte
Pläne in den einzelnen Mitgliedstaaten die Zahl der bei Mobilmachung Ausgehobenen erhöhen ließe. Es müssen Mittel und Hege gefunden werden, urn
diese Bemühungen weiterzuführen und um den Erfordernissen der Mouilmachung und des Ausgleichs von Verlusten gerecht zu werden.

Was mir im Hinblick auf die Struktur der Streitkräfte von USEUuOM besondere Sorge bereitet, ist die gegenwärtig bestehende, vom Kongreß gesetzte

Obergrenze

für

die

Truppenstärke

in

Europa

(european

Troop

Strength - ETS), die bei 326 400 Mann liegt. Die LTS-Obergrenze hat-in
allen Bereichen nachteilige Konsequenzen für die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Europa. Das EUJUM-Hauptquartier hat
- 18 -

�tLCCM-Hauptquartier hat erhebliche Zeit und Mühen auf die Entwicklung eines Verwaltungssystems verwandt, dir haben bis heute mehr als 1U DUO militärische Ausgabepositionen gestrichen, um die ETS-Obergrenze einhalten
zu können, gleichzeitig aber noch Spielraum für wesentliche Modernisierungsvorhaben zu behalten, dir müssen Einheiten in die Vereinigten Staaten zurückschicken, die wir eigentlich brauchen, oder uns damit abfinden,
dab Linheiten, die wir ebenfalls brauchen, mit Verzögerung nach curopa
entsandt werden; manchmal auch beides. Um die ETS-Obergrenze auch weiterhin einhalten zu können, müssen wir uns heute zu Einsparungen beim Personalstand eigentlich benötigter konventioneller Streitkräfte bereitfinden,
wenn wir Raum für das Bedienungspersonal der landgestützten Marschflugkörper (Ground-Launched Cruise Missiles - GLCM) schaffen und die deiterführung von deren Aufstellung sicherstellen wollen, ich glaube, daö wir
es uns nicht länger leisten können und sollten, diese Obergrenze einzuhalten, da wir dann Abstriche an der Kampfkraft machen müssen, die wesentlich für die Abschreckung und die Verteidigung ist.

Ich ersuche den Kongreö, die Obergrenze für die amerikanischen Truppen in Europa aufzuheben. Ich glaube, dab wir eine straffe Verwaltung aller Planstellen in Europa geschaffen haben, was auch die Einheiten einschliebt, deren Führungsstäbe

in den

Vereinigten Staaten

stationiert

sind. Die Argumente für eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung
sind zwingend. Eine Aufrechterhaltung der ETS-Obergrenze für Verbesserungen der konventionellen Verteidigung würde nachteilige Konsequenzen nahen, die schwerer wiegen als alle Vorteile, die sich daraus ergeben können, dab wir unsere Verbündeten anspornen, selbst mehr zu tun. Uie Notwendigkeit, die Stationierung der GLCM fortzuführen, ist ebenfalls zwingend. Ich hoffe, dab der Kongreb und die Administration Mittel und liege
finden können, auf die Verbündeten einzuwirken, ohne Zuflucht zu ETSObergrenzen, Drohungen mit dem Abzug amerikanischer Streitkräfte, Versagen der Unterstützung für das Infrastrukturprogramm oder anderen Strafmaönahmen nehmen zu müssen.

Schlubfolgerungen

Abschliebend möchte ich Ihnen für die Beratungen über den Verteidi- 19 -

�den Verteidigungshausnalt für das Haushaltsjahr 1966 einige bedanken mit
auf den Weg geben.

Erstens: Die Strategie der NATO für die Kriegsverhütung durch Abschreckung und die Verteidigung unserer vitalen Interessen in Westeuropa
ist nach wie vor fundiert. Bei den Streitkräften, die zur vollen Umsetzung der NATO-Strategie der Flexiblen Antwort erforderlich sind, gibt es
jedoch Mängel. Wir haben bereits begonnen, bezüglich der Mängel im Bereich der strategischen und nichtstrategischen Sä'ulen der Streitkräftetriade, auf die sich unsere Strategie stützt, Abhilfe zu schaffen. Was zu
tun bleibt, ist lediglich, diese Programme auch zu Ende zu führen.

Zweitens: Eine weitere Verbesserung der konventionellen Streitkräfte
ist wesentlich und auch machbar, da die NATO als ein Verteidigungsbündnis
auf der Grundlage der Strategie der Flexiblen Antwort mit der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt nicht in jedem dereich des Kräftevergleichs im
Verhältnis von eins zu eins gleichzuziehen braucht. Verbesserungen des
amerikanischen Beitrags zur NATO-Verteidigung

sollten

den Prioritäten

folgen, die ich bereits skizziert habe.

Drittens: Das Oberkommando Europa braucht Ihre Unterstützung im Hinblick auf einige besonders wichtige verteidigungspolitische Programme.
Dies sind:
- Personalpolitische Vorhaben, z.ä.

in den Bereichen Besoldung und me-

dizinische Betreuung; militärische Bauvorhaben und Projekte in den
Bereichen Betrieb und Materialerhaltung zum Zwecke der Ausbildung und
der Errichtung von Hilfseinrichtungen und Unterkünften; Familienbeihilfe und Instandhaltung von Liegenschaften.

- Stationierung aller GLCM und Pershing-II.

- Projekte, die im Hinblick auf eine Mobilmachung von Bedeutung sind,
z.B. Einlagerung von POMCUS-Ausrüstung, Errichtung von Lagereinrichtungen, Bereitstellung von Hilfspersonal und Vornestationierung von
CSS-Einheiten.
- ZU -

�- Programme im Hinblick auf die Erfordernisse der Mobilität und Sachführung von Verstärkungen, insbesondere aber im Hinblick auf die von
den Vereinigten Staaten übernommene Verpflichtung, ihre Truppen in
Europa innerhalb von zehn Tage nach Mobilmachung um zehn Divisionen,
88 taktische Kampf staffeln der Luftwaffe und eine amphibische Brigade
des Marinekorps zu verstärken.

- Mittelzuweisung für das WI-NS-Programm, um die Streitkräfte der Vereinigten Staaten voll und ganz in die Lage zu versetzen, die Kampfkraft
der amerikanischen und NATü-Verbände in Europa gemäü den HNS-AbKommen
zu verstärken.
- Progiamme im Hinblick auf die Erfordernisse der Einsatzausdauer, insbesondere im Hinblick auf die Einlagerung von und Bevorratung mit besonders wichtigen Munitionsarten und Grougerät, dessen Fehlen unsere
Verbände im Ernstfall der Fähigkeit zur Fortführung der Kampfhandlungen berauben könnte.

- Ausbau der Mittel zur kriegsmäßigen Lazarettbetreuung und zum Abtransport von Verwundeten. Erforderlich sind in diesem Zusammenhang
die Beschaffung und Vorabeinlagerung an Ort und Stelle von allgemeinen und Notlazaretten mit entsprechender Ausstattung und Ausrüstung
und allen dazugehörigen medizinischen Versorgungsgütern.

- Einführung der überwachungs- und Zielerfassungssysteme, der Datenaufbereitung s-, Führungs- und Befehlssysteme

sowie Waffensysteme, die

zur wirksamen Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts erforderlich sind. Besondere Beachtung sollte der Standardisierung geschenkt werden; die Systeme sollten mit entsprechendem Gerät der Verbündeten kompatibel sein.

- Entwicklung eines modernen Vergeltungspotentials an chemischen Waffen
auf der Grundlage binärer Kampfstoffe.
- Kampf gegen den Terrorismus.
- Erhöhung der
- 21 -

�- Erhöhung der Schlagkraft der Sonderoperationsverüände, insbesonaere
Verbesserung der Möglichkeiten zur Ein- und Ausschleusung

solcher

Verbände sowie Verbesserung der entsprechenden ui-Systeme (.Liommand,
Controll, Communication = Befehls-, Führungs- und Fernmeldesysteme).

Viertens möchte ich nochmals darauf hinweisen, daü die Aufrüstungsmaschinerie der Sowjetunion und des Warschauer Pakts mit unverminderter
Kraft weiterläuft. Was die NATO braucht, sind gemeinsame, aus den Verbänden aller Verbündeter zusammengesetzte Streitkräfte, deren operative Fähigkeiten in den Augen des Warschauer Pakts so überzeugend sind, daü sie
es ihm nicht geraten erscheinen lassen, seine militärische Stärke gegen
die NATO zum Einsatz zu bringen. Die Kosten, die ein solches Abschrekkungspotential verursacht, sind freilich hoch; das war immer so.

Seit dem Ende des Unabhängigkeitskrieges haben die Bürger unseres
Landes stets vom immerwährenden Frieden geträumt und sich dem Wunschdenken hingegeben, daü es nie wieder Krieg geoen werde. Dies hat immer wieder dazu geführt, daü unsere Nation sich selbst so weit geschwächt hat,
daü keine Abschreckung gegen eine Aggression mehr gegeben war und daü wir
nicht richtig auf den Kampf vorbereitet waren, wenn die Abschreckung
schlieülich versagte. Dazu dürfen wir es nicht noch einmal kommen lassen.
Es wird aber dazu kommen, wenn wir nicht die Schlagkraft und Kampfbereitschaft unserer Streitkräfte und der unserer Verbündeten weiter erhöhen.
Die Maünahmen der jüngeren Vergangenheit haben insgesamt zu einer deutlichen Erhöhung der Wehrkraft der Vereinigten Staaten geführt. Während der
letzten Jahre haben die Amerikaner groüe Opfer gebracht, um das Ungleichgewicht im militärischen Kräftevergleich zu verkleinern. Diese Anstrengungen bewirken durchaus etwas. Der Leistungsstand der Streitkräfte der
Vereinigten Staaten ist heute der nöchste in ihrer Geschichte, ganz
gleich, welchen Maüstab man auch anlegt. Die Soldaten sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und werden gut geführt. Ihr fachliches Können, ihre
Intelligenz, ihr Pflichtgefühl und ihre Bereitschaft, im Dienste unserer
Nation Upfer zu bringen, sind eine Beflugelung für alle, die das ülück
haben, sie befehligen zu dürfen. Die operativen Fähigkeiten der in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Wir können es uns nicht leisten, in unseren
- 22

�in unseren Anstrengungen ausgerechnet dann nachzulassen, wenn sie sich
auszuzahlen beginnen. »Vir müssen auch weiterhin hinreichende Mittel für
die Verteidigung aufwenden, um in den vollen uenuß der Mufwertuny der
Kampfkraft unserer Streitkräfte zu kommen, für die wir bereits so grobe
Opfer gebracht haoen, und um das hohe Niveau zu halten, das wir brauchen,
um unsere Verbündeten dazu anzuspornen, weiterhin mehr für die kollektive
Verteidigung unserer gemeinsamen Werte zu tun, so daß keine andere Nation
es wagen wird, das westliche Bününis anzugreifen.

Abschließend möchte ich bemerken, dab ich die Notwendigkeit zur Verringerung des Haushaltsdefizits sehe und verstehe und auch den Wunsch einiger Kongreßabgeordneter, nicht nur soziale und andere öffentlichkeitswirksame Leistungen, sondern auch den Verteidigungshaushalt zu kürzen,
nachvollziehen kann. Wie ich jedoch schon bei früherer Gelegenheit vor
diesem Ausschuß bemerkte, scheint mir das höchste moralische Gebot für
eine demokratische Regierung darin zu bestehen, die wichtigste aller sozialen Leistungen sicherzustellen, nämlich die, die darin besteht, den
Bürgern die Freiheit, das Leben und den Frieden zu erhalten.

Ich hoffe, daß man bei den Haushaltsberatungen, die unsere Nation
Jahr für Jahr führt, der Tatsache Beachtung schenken wird, dab diese
spezielle soziale Leistung alle anderen übergreift.

- 23 -

�ä

Wi//cn/choft
und Technik

I II13

ITTI3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. März 1985

11

NATIONALE WISSENSCHAFTSMEDAILLE 1985

Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler
und Ingenieure -

WASHINGTON - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Weißen Haus
zeichnete Präsident Reagan am '11. Februar 1985

19 amerikanische Wissen-

schaftler und Ingenieure mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille 19ö5
aus.

Sie wird in Würdigung der Gesamtleistung des Betreffenden und deren

Auswirkungen auf den gegenwärtigen Stand der Forschung in den physikalischen, biologischen, mathematischen und technischen Wissenschaften, in
Verhaltens- und Sozialforschung verliehen.

Ongewöhnlicne Einzelleistun-

gen, die große Bedeutung für wissenschaftliche Ideen und Überlegungen auf
bestimmten Gebieten erlangen könnten, werden ebenfalls gewertet.

"Wir haben immer wieder bewiesen, daß Freiheit plus Wissenschaft mit
Chancen und Fortschritt gleichzusetzen sind", sagte der Präsident in seiner Ansprache.

Er verwies darauf, daß trotz verringerter Regierungsaus-

gaben im Haushalt 1986 eine Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�für Grundlagenforschung in den physikalischen Wissenschaften um 6,7 Prozent angefordert worden sei. Außerdem sei geplant, alle für Wissenschaft
und Technik einzusetzenden Mittel von sofort an bis zum Ende des Jahrzehnts anzuheben.

"Letztlich ist mehr Wissen die Quelle für Innovation,

neue Technologien und menschlichen Fortschritt...

Das ist nun einmal

Sache der Wissenschaft", erklärte Präsident Reagan.

"Unser beneidenswer-

ter Lebensstandard, unsere nationale Sicherheit, unsere Fähigkeit, neue
Arbeitsplätze zu schaffen - mehr als sieben Millionen in den letzten zwei
Jahren... - das braucht neue Begabungen, Erkenntnisse und neues Wissen,
dazu unser Talent, dies alles zu nutzen."

Ausgezeichnet wurden u.a.:

- John Trump, Professor für Elektrotechnik am Massachusetts Institute
of Technology, für die Einführung neuer Verfahren, die die Anwendungsmöglichkeiten für ionisierende Strahlung in Medizin, Industrie
und Kernphysik ausweiten;

- Walter Munk, Professor für Geophysik an der Universität Kalifornien,
für Untersuchungen, die zu einem besseren Verständnis der Erdrotation
und der Wellenbildung in den Meeren führte,

- Bruno Rossi, Professor für Physik (Emerit) am Massachusetts Institute
of Technology, für Forschungsarbeiten zur Natur und zum Ursprung kosmischer Strahlen, außerdem für bahnbrechende Studien, die eine direkte Messung des Sonnenwindes ermöglichen und zur Entdeckung nicht-solarer Röntgenquellen führten;

- Howard Bachrach, ehemaliger Uhefwissenschaftler des U.S. Landwirtschaftsministeriums, für die Identifizierung

eines immunisierenden

Proteins und für seine Beiträge zu genchirurgischen Methoden, mit
denen das erste wirksame Vakzin für die Tier- und Humanmedizin erzeugt wurde;

- Herman

Uoldstine, Vorsitzender

der

- 2 -

Amerikanischen

Philosophischen

�- Amerikanischen Philosophischen Gesellschaft, für grundlegende Beiträge zur Entwicklung des Digitalcomputers, der Computerprogrammierung
und der numerischen Analyse.

Die Medaille wird seit 1962 vergeben.

Dem "Komitee für die Nationale

Wissenschaftsmedaille" werden Vorschläge für die Auswahl von Preisträgern
von der Nationalen Akademie der Wissenschaften und anderen Urganisationen
aus den Bereichen Natur- und Geisteswissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften unterbreitet.

* * * * *

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt auf Verbesserungen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beileidsschreiben des Pärsidenten zum Tod Tschernenkos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush überbringt Friedensbotschaft des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ankunftserklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungsteam zu weitreichenden Entscheidungen ermächtigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zu den Genfer-Abrüstungsgesprächen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Wir kommen im Geist der Zusammenarbeit nach Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ankunftserklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strategische Verteidigungsinitiative: Engste Konsultation zugesichert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Sicherheitsberater McFarlane vor dem Overseas Writers Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO und die amerikanischen Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von General Rogers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Wissenschaftsmedaille 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Ronald Reagan ehrt 19 amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu. März l*8i&gt;

12

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz sieht Chancen für Dialog auf höchster Ebene
- Pressekonferenz des US-Autenministers Sowjets arbeiten intensiv an strategischen Defensivtechnologien
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Sowjets stellen weitere SS-20 auf
- Pressekonferenz von Unterstaatssekretär Richard Burt -

H1NTERÜRUNDMATER1AL
Hoffnung auf bessere amerikanisch-sowjetische Beziehungen
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau
Das nordamerikanische Luft- und Weltraumverteidigungssystem (NORAD)
- Kurzinformation * * * * *

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�12

20. März 1985

SHULTZ SIEHT CHANCEN F"ÜR DIALOG AUF HÖCHSTER EBENE
- Pressekonferenz des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zu Beginn seiner Pressekonferenz am 15. März 1985 in Washington betonte Außenminister George Shultz,
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bestünde "eine Gelegenheit für einen Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen."

Zu den Problemen gehören dem Außenminister zufolge die Verringerung
der Rüstungen, die regionalen Meinungsverschiedenheiten, bilaterale Fragen sowie das Thema der Menschenrechte.

"In jedem dieser Bereiche gibt

es Meinungsverschiedenheiten - objektiv unterschiedliche Wertvorstellungen, wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer
beizulegen sein werden."

Die Erklärung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich war gerade beim Präsidenten und habe ihm über des Vizepräsidenten
und meine Reise nach Moskau sowie über unser Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow Bericht erstattet.

Der Präsident hatte uns eine klare, konstruktive Botschaft mit auf
den Weg gegeben.
Augenblick

Er ist der Meinung, daß dies ein potentiell bedeutsamer

für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist.

Er hat

seine zweite Amtszeit begonnen und seine politischen Vorstellungen sind
überzeugende Wirklichkeit geworden; wir und die Sowjets sitzen in Genf
wieder am Verhandlungstisch; und jetzt gibt es in Moskau diese neue Füh-

i.

rung.

Deshalb haben die beiden Regierungen nun eine Gelegenheit für einen
Dialog auf hoher Ebene, um die einzelnen Probleme anzugehen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen.

Der Präsident ist auch weiterhin bereit,

diesen Prozeß mit Energie und Realismus zu verfolgen.

Hierzu hat er uns

angewiesen, dem Generalsekretär eine freimütige Beurteilung der vor uns
liegenden Hindernisse und Möglichkeiten zu unterbreiten.

Die Themenbereiche selbst sind wohlbekannt: Dazu gehören die Verringerung

der

Rüstungen,

regionale

Meinungsverschiedenheiten,

bilaterale

Fragen sowie die Menschenrechte.
. In jedem dieser Bereiche gibt es Meinungsverschiedenheiten - objektiv
unterschiedliche Wertvorstellungen wie auch Interpretationen des nationalen Interesses -, die nur schwer beizulegen sein werden."
i

Der Präsident hat die feste Absicht, in allen Bereichen auf konstruktivere Beziehungen hinzuarbeiten.

- In Genf ist oberstes Ziel, so bald wie möglich zu einem Abkommen hinsichtlich starker Verringerungen bei den nuklearen Offensivwaffen zu
gelangen.

Außerdem möchten wir mit den Sowjets einen längerfristigen
- 2-

�einen längerfristigen Dialog darüber beginnen, welchen Beitrag die
strategischen

Verteidigungen

Beziehungen leisten könnten.

hinsichtlich

stabilerer

militärischer

Wir sehen auf keiner Seite Hindernisse,

warum wir bei diesen Gesprächen nicht zu einer konkreten Diskussion
kommen sollten.

- Präsident Reagan ist weiterhin der Meinung, daG wir zu einem besseren
Verständnis mit der Sowjetunion hinsichtlich der beiderseitigen Notwendigkeit gelangen

sollten, zu friedlichen Lösungen der Probleme

dieser Welt - insbesondere in Regionen der Krise und der potentiellen
Konfrontation - zu kommen.

- In Widerspiegelung seiner eigenen tiefen 'Überzeugung wie auch jener
des amerikanischen Volkes und des Kongresses sähe der Präsident auch
gerne Fortschritte im Bereich der Menschenrechte.

Er hofft, daß ein

weiterer Dialog und vertrauliche Diplomatie sowie eine tiefere sowjetische Einsicht in die positiven Auswirkungen, die Fortschritte
gerade auf diesem Gebiet auch in anderen Bereiche unserer Beziehungen
haben könnte, Ergebnisse zeitigen.

- Schließlich ist der Präsident bereit, eine Ausweitung der bilateralen
Zusammenarbeit in einer ganzen Bandbreite von Bereichen anzustreben:
Kontakte von Mensch zu Mensch, kultureller Austausch, Sicherheit des
Luftverkehrs, nichtstrategischer Handel und andere Themen des beiderseitigen Interesses.

Derzeit sind wir in einer ganzen Anzahl von Be-

reichen mitten im Gespräch mit den Sowjets.

Es gibt in den Vereinigten Staaten eine natürliche Tendenz, Wandel
optimistisch zu sehen - wir sind eine Nation von Optimisten und das ist
gut so. Wir neigen auch dazu, im Zweifel erst einmal für den anderen zu
sein - und auch das ist gut so.

In diesem Geist setzen wir auch das Ge-

spräch mit der Sowjetunion in mehreren Bereichen fort.
Aber zusammen mit unserem guten Glauben und unserer Hoffnung tragen
wir auch ein gesundes Maß an Realismus mit uns - ein Realismus, der sich

�der sich auf die historische Erfahrung gründet, daß sich unsere Erwartungen nicht immer erfüllt haben.
Wir und die Sowjetunion tragen ein gewaltiges Maß an Verantwortung
für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung eines besseren
Verständnisses. In den kommenden Monaten beabsichtigt der Präsident, alle -seine Bemühungen beiden Zielen zu widmen.

* * * # #

�20. März 1985

12

SOWJETS ARBEITEN INTENSIV AN STRATEGISCHEN DEFENSIVTECHNOLUÜiEN
- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -

Washington -(AD)- Am 14. März 198i&gt; äußerte sich Botschafter Paul Nitze, der Sonderberater des amerikanischen Präsidenten für Fragen der Rüstungskontrolle, im Gespräch mit Journalisten zur Strategischen Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten und zu verschiedenen Fragen der
Rüstungskontrolle. Wir geben den Wortlaut des Gesprächs, das am 16. März
von der "Stimme Amerikas" ausgestrahlt wurde, im folgenden in Auszügen
wieder:

FRAGE; Botschafter Nitze, Präsident Reagan hat klargestellt, daß man
über

die

von

ihm

vorgeschlagene

Strategische

Verteidigungsinitiative

(SD1) zwar sprechen, aber nicht verhandeln könne. Die Sowjets haben darauf erwidert, indem sie erklärt haben, daß sie auf eine Weiterführung der
amerikanischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Rahmen der SDI mit
einer erheblichen Vergrößerung ihres Potentials an Offensivwaffen reagieren würden ... Es wird vielfach angenommen, daß damit die Sackgasse für
die gerade anlaufenden Verhandlungen schon vorgezeichnet sei. Gibt es irgendwelche Gründe für die Annahme, daß eine der beiden Seiten sich in
grundlegenden Verhandlungspositionen noch bewegen kann oder wird, nachdem
sich beide durch so viele öffentliche Erklärungen festgelegt haben ?
ANTWORT: ...

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�ANTWORT: ... Bei der SDI handelt es sich um ein Forschungsprogramm.
Der Sinn der in ihrem Rahmen durchzuführenden Forschungsarbeiten besteht
darin, Defensivsysteme zu entwickeln, mittels derer die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen bekämpft werden können. Da die SDI ein
Forschungsprogramm ist, steht sie auch völlig im Einklang mit dem ABMVertrag. Die Sowjets stimmen mit uns darin überein, daß es nicht möglich
ist, ein Abkommen auszuhandeln, mittels dessen sich Forschung begrenzen
ließe. Wirkliche Probleme würden erst dann auftauchen, wenn diese Forschungsarbeiten zu kosteneffektiven und überleuensfähigen Waffensystemen
führten, in diesem Falle würden die Vereinigten Staaten bestrebt sein,
mit der Sowjetunion darüber zu verhandeln, wie solche Systeme bei den
Streitkräften beider Seiten in einer Art und Weise eingeführt werden
könnten, die die beiderseitige Sicherheit erhöhen würde. Das wäre nicht
destabilisierend, sondern von Vorteil für alle und auch von Nutzen für
den Frieden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir bereit, diese Fragen mit der Sowjetunion zu erörtern, obwohl wir noch gar nicht wissen, wie solche Waffensysteme genau aussehen würden, ich wiederhole: Forschung als solche
ist nichts, worüber man verhandeln kann; das war noch nie möglich. Die
Sowjets schlagen auch gar nicht vor bzw. haben nie vorgeschlagen, daß man
die Forschung vertraglich begrenzen sollte. Was mit solchen Waffensystemen getan werden könnte, falls sie tatsächlich entwickelt würden und
machbar erschienen, ist bereits durch den ABM-Vertrag festgelegt, und wir
schlagen vor, an dem Vertrag festzuhalten und mit den Sowjets zu erörtern, wie solche Systeme bei den Streitkräften beider Seiten eingeführt
werden könnten. ...

FRAGE: Herr Botschafter, man fragt sich vielfach, ob eine Bewilligung
der Mittel für die MX-Rakete durch den Kongreß Auswirkungen auf die Verhandlungen in Genf haben würde. ...

ANTWORT: ... Ich habe bei meiner Anhörung (vor dem Kongreß) gesagt,
daß zwischen der Bereitschaft und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Abschreckungspotentials und
der Möglichkeit

eines sinnvollen Rüstungskontrollabkommens

ein klarer

�ein klarer Zusammenhang besteht ... Als ich gefragt wurde, welche unmittelbaren Auswirkungen sich ergeben würden, sagte ich, daß meines trachtens keine unmittelbare Reaktion erfolgen würde ... Langfristig gesehen
wäre es jedoch sehr schädlich und sogar verheerend für uns, wenn die Mittel für die MX nicht bewilligt würden.

FRAGE: Könnte es nicht sein, daß in dem Falle, daß man eine Ablehnung
der MX durch den Kongreß als Kompromiß der Vereinigten Staaten verstünde,
dies die Sowjets veranlassen würde, ihrerseits Kompromisse zu machen ... V

ANTWORT: Sie erinnern sich sicherlich noch an Harold Brown, der unter
der Carter-Administration Verteidigungsminister war. Ihm wurde einmal eine ähnliche Frage gestellt, und er sagte daraufhin: "Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die Sowjets aufrüsten, wenn wir aufrüsten, aber auch
dann aufrüsten, wenn wir nicht aufrüsten." Wir haben bisher noch nicht
erlebt, daß die Sowjets einseitige Rüstungsverminderungen des Westens honoriert hätten. ...
FRAGE: Wenn die Vereinigten Staaten mit der Forschung und Entwicklung
im SDI-Bereich weitermachten und schließlich auch zur Aufstellung solcher
Systeme übergingen, würden die Sowjets dann im Gegenzug nicht einfach ihr
eigenes Offensivpotential

umstrukturieren, beispielsweise

durch seege-

stützte Marschflugkörper ?

ANTWORT: ... Es ist richtig, daß Marschflugkörper eine andere Art von
Waffen darstellen als die Wiedereintrittsflugkörper ballistischer Raketen. Die gegenwärtig gefährlichsten NuklearSysteme, d.h., die, die am
ehesten das Vergeltungspotential der anderen Seite außer Gefecht setzen
könnten, sind jedoch die Wiedereintrittsflugkörper der ballistischen Raketen. Sie haben eine kürzere Flugzeit, eine hohe Treffsicherheit und eine große Zerstörungskraft. Daher bilden die ballistischen Raketen heute
die Hauptgefahr, und ein Abwehrsystem gegen sie würde somit der Hauptgefahr begegnen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man alle Gefahren aus der
Welt geschafft hätte, wenn man dieser einen erfolgreich begegnen könnte.
•*•

Ich glaube,

�Ich glaube, es wird oft nicht erkannt, daß die Sowjetunion den Defensiv- und den Offensivwaffen immer das gleiche Maß an Aufmerksamkeit geschenkt hat. Nach unseren Schätzungen haben die Sowjets ungefähr jeweils
die Hälfte ihrer Ausgaben für die strategische Rüstung auf Defensiv- und
auf Offensivsysteme verwandt. ... Sie betreiben schon seit langem Forschungsarbeiten im Bereich neuer Verteidigungstechnologien. ... Bei unseren Forschungsarbeiten handelt es sich also keineswegs um eine einseitige
Angelegenheit. Die Sowjets arbeiten sogar schon länger an diesen Dingen
als wir. Sie sind heute die einzigen, die ein effektives ABM-System (Raketenabwehrsystem) haben ... Lin einsatzfähiges ASAT-System (Antisatellitensystem) besitzen sie ebenfalls schon. Wir dagegen haben zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder ein ABM- noch ein einsatzfähiges ASAT-System. Wir
sind erst dabei, ein Forschungsprogramm zur Entwicklung eines solchen Systems einzuleiten. Ich glaube, es ist wichtig für den Westen, keine Lage
entstehen zu lassen, in der nur die Sowjetunion solche Abwehrsysteme besitzt. Die Sowjets verfügen auch über ein sehr starkes Üffensivpotential.
Ihre Möglichkeiten zum Linsatz von Kernwaffen gegen militärische Ziele
sind heute umfassender als die unsrigen. Wenn man dies in Zusammenhang
mit ihrer überlegenen Abwehr sieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß wir
vor einer Lage stehen, in der wieder ein besseres Gleichgewicht hergestellt werden muß. Genau das versuchen wir. Wir können das teilweise erreichen, indem wir selbst nachziehen. Ls wäre jedoch besser, wenn man
sich auf eine echte Verminderung der Offensivwaffen sowie auf eine Begrenzung der Defensivwaffen verständigen könnte.

FRAGL: Herr Botschafter, Sie haben die Bedingungen für die Einführung
von SDI-Systemen genannt: Sie müssen überlebensfähig und kosteneffektiv
sein ... Man hat zuweilen gesagt, daß diese Bedingungen extrem streng und
eigentlich nicht zu erfüllen seien. ...

ANTWORT: ... Wenn ich "überlebensfähig" sage, dann spreche ich nicht
von einem perfekten Abwehrsystem, ich meine vielmehr, daß die Bestandteile eines solchen Abwehrsystems ein vernünftiges Maß an Überlebensfähigkeit besitzen sollten ... Wenn dies nicht der Fall wäre, dann könnte ein
Angreifer seinen ersten Schlag gegen die verwundbaren Teile des Systems
richten, die gesamte Abwehr außer Gefecht setzen und sich dann anschlie- 4 -

�dann anschließend den eigentlichen Zielen zuwenden. Zweitens muß man sicherstellen, daß die Bestandteile eines solchen Systems insgesamt kosteneffektiver sind als Offensivwaffen. Mit anderen Worten: Wenn eine zahlenmäßige Vermehrung der Offensivsysteme billiger wäre, bestünde für die andere Seite ein Anreiz, genau dies zu tun. Man kann die andere Seite hiervon nur abbringen, wenn es möglich ist, die üefensivsysteme so zu konzipieren, daß die Kosten einer Verstärkung des Defensivpotentials geringer
sind als die Kosten einer Verstärkung des Offensivpotentials. ...
FRAGE: Botschafter Nitze, welche Fragen stehen nach ihrer Meinung im
Mittelpunkt des Themenbereichs Mittelstreckensysteme ... i

ANTWORT: Die Hauptfrage, die wir bei den INF-Verhandlungen von 1981
bis zum sowjetischen Auszug im Jahre 1983 nicht lösen konnten, ergab sich
aus der sowjetischen Forderung, daß der OdSSR das Recht zugestanden werden müsse, eine große Anzahl von SS-20-Raketen zu behalten, während die
Vereinigten Staaten keine Pershing-il oder landgestützte Marschflugkörper
besitzen dürften ... D.h., der sowjetische Standpunkt lautete: Null für
die Vereinigten Staaten und eine hohe Zahl für die UdSSR. ...

Heute stellt sich die Frage etwas anders. Die NATO hat eine gewisse
Anzahl von Pershing-il und landgestützten Marschflugkörpern aufgestellt.
Die Sowjets hingegen haben im Rahmen dessen, was sie "Gegenmaßnahmen"
nennen, ebenfalls eine Reihe neuer Waffen aufgestellt. ... Sie haben Raketen der Typen SS-12" und SS-22 vorverlegt, solche des Typs SS-23 aufgestellt und einige ihrer Unterseeboote auf vorgeschobenere Positionen beordert, heute geben sie uns zu verstehen, daß nach ihrer Meinung beide
Seiten da stehenbleiben sollten, wo sie angelangt sind. D.h., wir sollen
bei etwas mehr als 100 INF-Raketen anhalten, während sie für sich das
Recht in Anspruch nehmen, alle ihre SS-2U zu behalten ... Das wäre sicherlich keine besonders gute Lösung. Es wäre eine recht einseitige Lösung. ... Wir liegen also ziemlich weit auseinander. ... Es muß daher intensiv verhandelt werden, insbesondere über diese Kernfrage: Null Waffen
gegen sehr viele. ...

Es würde mich überraschen, wenn sich (in Genf) in den nächsten Mona-

�nächsten Monaten viel ergäbe, was für die Öffentlichkeit sichtbar ist,
denn die Tagesgeschäfte bei den Verhandlungen in Genf müssen vertraulich
gehalten werden ... Das ist wichtig, wenn die Verhandlungen ernsthaft
sein sollen. ... Bei der früheren Verhandlungsrunde in Genf haben wir
über viele Punkte Klarheit herstellen und in sehr vielen Fragen Fortschritte erzielen können. ... Das wäre nicht zu schaffen gewesen, wenn
Botschafter Kwitsinsky oder ich jeden Tag nach unseren Sitzungen eine Erklärung vor der Presse abgegeben hätte. ... Man mub bei diesen Gesprächen
ein gewisses Maü an Vertraulichkeit

wahren, wenn man ernstzunehmende

Fortschritte erzielen will. ...

* * * * *

�20. März 19ö5

12

SOWJETS STELLEN WEITERE SS-2Ü AUF
Pressekonferenz von Unterstaatsseketär Richard Burt -

Brüssel -(AD)- Im Anschluß an eine Tagung der Sonderberatungsgruppe
(SCÜ) der NATO gab Unterstaatssekretär Kichard burt, Vorsitzender der
Gruppe und Leiter der Europaabteilung im amerikanischen Außenministerium,
am 9. März 1983 in Brüssel eine Pressekonferenz, auf der er u.a. mitteilte, daß sich die Zahl der sowjetischen SS-20-Raketen auf 414 erhöht habe.
Außerdem kündigte er für die am 12. März eröffneten RüstungskontrollVerhandlungen in Genf amerikanische Initiativen an. Wir geben im folgenden
die Eingangserklärung Burts und Auszüge aus den nachfolgenden Fragen und
Antworten im Wortlaut wieder.

BURT; Im Anschluß an die Zusammenkunft des Nordatlantikrats heute
morgen, bei der auch die Botschafter Kampelman, Tower und Glitman zugegen
waren, trat am Nachmittag die Sonderberatungsgruppe zusammen, um den iNFAspekt (INF = Intermediate-Range Nuclear Forces = Nukleare Mittelstrekkensysteme) der neuen Verhandlungsrunde zu erörtern, die morgen in Genf
von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eröffnet wird.

Gemeinsam mit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Gemeinsam mit Botschafter Glitman habe ich den Mitgliedern der SCG
erläutert, in welcher Art und Weise die Vereinigten Staaten bei diesen
neuen Verhandlungen eine deutliche Verminderung und wenn möglich eine
völlige Beseitigung der LRiNF-Systeme (LRINF = Long-Range IntermediateRange Nuclear Forces = Nukleare Mittelstreckensysteme Größerer Reichweite) anstreben werden. Wir haben nochmals bestätigt, daß wir an den vom
Bündnis gesetzten Grundkriterien für ein faires und bedeutungsvolles Abkommen festhalten, gleichzeitig aber auch unsere Bereitschaft bekräftigt,
auf unseren früheren initiativen vom September 1983 aufzubauen, die ihnen
innewohnende Flexibilität zu nutzen und allen ernsthaften neuen Vorschlägen der sowjetischen Seite unsere Aufmerksamkeit zu schenKen. Wir haben
darüberhinaus nochmals die Zusicherung des Präsidenten unterstrichen, daß
unseren Unterhändlern Weisungen mit auf den Weg gegeben werden, die sie
in die Lage versetzen, "jeden erfolgversprechenden Weg zu Fortschritten
zu prüfen".

Die Mitglieder der SCG begrüßten die morgige Eröffnung der neuen Verhandlungsrunde und brachten ihre volle Unterstützung für die amerikanische Position zum Ausdruck. Sie vermerkten, daß die amerikanische Position in Genf reichlichen Spielraum für ernsthafte Verhandlungen über ein
faires und verifizierbares Abkommen bietet. Ferner äußerten sie die Auffassung, daß Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen möglich sind,
wenn die Sowjetunion eine vergleichbare Bereitschaft an den Tag legt, auf
die Anliegen des Westens einzugehen. Dementsprechend appellierte die SCG
an die Sowjetunion, bei den neuen Verhandlungen eine ernsthafte und entgegenkommende Haltung einzunehmen.

Abschließend bestätigte die SCG erneut ihre Unterstützung für beide
Aspekte - den rüstungs- und den rüstungskontrollpolitischen - des NATUDoppelbeschlusses aus dem Jahre 1979. Das Bündnis ist nach wie vor bereit, die Aufstellung von LRINF-Systemen im Rahmen eines fairen Rüstungskontrollabkommens abzuwandeln, anzuhalten, rückgängig zu machen oder auszusetzen. Wir waren uns darin einig, daß wir alle bereit sein müssen, bei
dem Ringen um ein solches Abkommen viel Geduld, Beharrlichkeit und Entschlossenheit zu zeigen.

FRAGE: Was
- 2 -

�FRAGE: Was wurde auf der Tagung hinsichtlich des Todes von Tschernenko gesagt ? War man der Meinung, daß dies Auswirkungen auf die Verhandlungen haben'könnte ?

ANTWORT: ... Wenn morgen die neue Verhandlungsrunde eröffnet wird,
wird alles seinen gewohnten Gang gehen. Wir haben uns an solche Zwischenfälle gewöhnt. Was Veränderungen in der sowjetischen Führung angeht, so
haben wir den Eindruck, daß die Sowjetunion in der Lage ist, die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Wir werden unsere Strategie, die auf ein
baldiges Abkommen gerichtet ist, nicht ändern ...

FRAGE: Gibt es Anzeichen für die Aufstellung neuer sowjetischer Raketen ... ?

ANTWORT; Wir beobachten einen stetigen Prozeß der Vermehrung von Raketen des Typs SS-20. Ich würde nicht sagen, daß er sich beschleunigt
hat. Während des vergangenen Jahres war jedoch ein stetiges Anwachsen der
Zahl dieser sowjetischen Waffen zu verzeichnen.

FRAGE: Können Sie uns die gegenwärtige Zahl von SS-20 nennen ... ?

ANTWORT: Wir können die Gesamtzahl der SS-20 heute mit 414 angeben.
•• •

FRAGE: Ist heute darüber gesprochen worden, ob die Gefahr besteht,
daß Gegensätze in der Frage der Weltraumwaffen Fortschritte in den Verhandlungen über INF blockieren könnten ?

ANTWORT: ... Einer der wichtigsten Aspekte der sowjetischen Strategie
besteht eindeutig

darin, die Strategische

Verteidigungsinitiative

der

Vereinigten Staaten dadurch unter Druck zu bringen, daß sie Fortschritte
bei den Verhandlungen in den anderen Bereichen von amerikanischen Zugeständnissen in diesem Bereich abhängig machen ... Diese Strategie wird
sich als Burierang erweisen, weil wir vorhaben, bei den Verhandlungen über
nukleare Offensivwaffen sowohl im Bereich der strategischen Waffen als
auch in dem der INF-Systeme die Initiative zu ergreifen ... Wir glauben,
- 3 -

�Wir glauben, daß wir auf diese Weise die Weltraum- und Defensivwaffen von
den Verhandlungen über Offensivwaffen abkoppeln können und daß sich von
daher der Drück der öffentlichen Meinung nicht gegen uns, sondern gegen
die Sowjets richten wird. Sie können die Strategische Verteidigungsinitiative des Präsidenten nicht zum Vorwand nehmen, um mit uns nicht ernsthaft über die Offensivwaffen zu verhandeln. ...

FRAGE: Bedeutet das, daß Sie neue Vorschläge und Ideen haben ... ?

ANTWORT; Wir haben eindeutig neue Ideen.
FRAGE; Können Sie uns von diesen einen Eindruck vermitteln 1

ANTWORT; Nein ... Wenn wir unsere Vorschläge öffentlich und im Detail
erläuterten, bevor wir sie mit den Sowjets erörtert haben, würde man uns
sofort beschuldigen, Propaganda zu betreiben ...

FRAGE; Handelt es sich bei diesen neuen Vorschlägen um Modifikationen
der Positionen, die Sie zuletzt, d.h., Ende 19Ö3 eingenommen hatten, oder
sind sie radikaler ?

ANTWORT; Ich glaube, man kann sagen, daß es sich um Modifikationen
handelt, da die Vorschläge von 1983 auf recht grundlegenden Prinzipien
beruhten. Beispielsweise haben wir gesagt, daß wir im INF-Bereich nichts
tun werden, was unsere konventionelle Verteidigung schwächt. Wir waren
übereingekommen, daß wir die französischen und britischen Waffen nicht in
die Verhandlungen einbeziehen würden und daß die INF-Systeme weltweit begrenzt werden müßten. Diese Grundsätze bilden auch weiterhin die Leitlinien unserer gesamten Verhandlungsposition ... Ich möchte jedoch hinzufügen, daß innerhalb der durch diese Grundsätze gesetzten Beschränkungen
unseres Erachtens eine Menge Spielraum für eine kreative Verhandlungsführung besteht, falls die Sowjets ihrerseits bereit sind, dabei mitzuwirken. ...

* * * * *

- 4-

�20. März 1985

12

HOFFNUNG AUF BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush, als
Leiter

der

amerikanischen

Delegation

zur Beisetzung

des verstorbenen

sowjetischen Staats- und Parteichefs Konstantin Tschernenko in Moskau,
erklärte dort auf einer Pressekonferenz am 13. März 1985 nach seinem
Treffen mit dem neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow, die Vereinigten Staaten machten "sich große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt."

Die Pressekonferenz des Vizepräsidenten hat in Auszügen folgenden
Wortlaut:
FRAGE: 'Überbrachten Sie ein Schreiben von Präsident Reagan, in dem
Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen in Washington eingeladen wird? Und

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eingeladen wird? Uhd wenn ja: Wie war seine Reaktion? Und wie sind die
Aussichten?
ANTWORT: Ich habe ein Schreiben mitgebracht. Ich werde zwar nichts
über den Inhalt sagen, bin aber der 'Überzeugung, daß der Präsident den
Eindruck hat, ein Treffen wäre nützlich.

FRAGE: Es wird viel darüber geredet, daß nun eine Zeit der Entspannung oder doch zumindest der besseren Beziehungen zwischen Washington und
Moskau käme. Können Sie uns Ihr Urteil zu einer möglichen atmosphärischen
Veränderung geben?

ANTWORT: Ich glaube, beide Seiten hatten den Eindruck eines konstruktiven Gesprächs ohne Polemik. Wenn es innerhalb der letzten Jahre je einen Zeitpunkt gab, an dem ein Fortschritt möglich war, so scheint mir das
jetzt zu sein... Wir hegen große Hoffnungen, daß es in Genf Fortschritte
gibt und große Hoffnungen, daß es auch insgesamt zu einer Verringerung
der Spannungen kommt.

FRAGE: Sprachen

Sie über die Strategische

Verteidigungsoffensive?

Hatten Sie den Eindruck, die neue sowjetische Führung sähe darin ein
unüberwindbares Hindernis für gute Beziehungen?
ANTWORT: ... Wir hatten aus dem Gespräch insgesamt heraus nicht den
Eindruck, irgendetwas sei unüberwindbar.
FRAGE: Inwieweit wurde das Gespräch von Gorbatschow, inwieweit von
Gromyko gelenkt?

ANTWORT: Gorbatschow

lenkte- das' -Treffen und" tat dies mit großem

Selbstvertrauen und großer Sicherheit... natürlich beteiligten sich alle
an der Unterhaltung, aber eindeutig war Gorbatschow der Hauptgesprächspartner, voll Selbstvertrauen in seinen Erklärungen und er hinterließ einen sehr großen Eindruck.

...FRAGE: Welchen Eindruck hatten Sie von Gorbatschows Bereitschaft zu

�Bereitschaft zu einem Treffen mit Reagan?
ANTWORT: Ich kann dies wirklich nicht beantworten. Nicht, um Ihrer Frage
auszuweichen, sondern weil ich Ihnen einfach nichts sagen kann. Aber
wissen Sie, ich habe das sehr angenehme Gefühl - ich kenne den Präsidenten ja nun recht gut - daß es nützlich wäre und gut...

Wir hatten den Eindruck, vielleicht

etwas Fortschritt

gemacht zu

haben, und ich weiß, daß der Präsident dies genauso sehen würde.

* * * * *

- 3-

�20. März 1985

12

DAS NORDAMERIKANISCHE LUFT- UND WELTRAUMVERTEIDIGUNGSSYSTLM (NORAD)

- Kurzinformation -

Washington -(AD)- Die folgende, vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Kurzinformation
bietet einen Überblick über das Nordamerikanische
Luft- und Weltraumverteidigungssystem (North American Aerospace Defense Command, abgekürzt NORAD).
Gegenwärtige Sachlage

Die Vereinigten Staaten und Kanada haben am Ib. März 1985 in Wuebec
ein neues Abkommen über die Modernisierung des nordamerikanischen Luftverteidigung s-, Warn- und Überwachungssystems unterzeichnet. Gemäß dem
Abkommen wird an der Peripherie des Kontinents ein Warnsystem aufgebaut
werden, um der unmittelbaren Bedronung zu begegnen, die sich aus der erhöhten Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion ergibt. Das System
wird in der Lage sein, feindliche Bomber und Marschflugkörper, die innerhalb der Atmosphäre in großer oder geringer Flughöhe in den nordamerikanischen Luftraum eindringen, zu orten und ihren Kurs zu verfolgen.

Überhorizont-Backscatter-Radars (OTH-B) mit großer Reichweite werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Reichweite werden einen Hauptbestandteil dieses Systems bilden. Sie werden auf dem Territorium der Vereinigten Staaten aufgestellt werden und
das östliche, westliche und südliche Vorfeld des nordamerikanischen Kontinents abdecken. Das Kernstück des neuen amerikanisch-kanadischen Verteidigung sabkommens bildet jedoch der Ersatz der veralteten Frühwarnkette
(Distant Early Warning [DEWJ radar line) von NORAD durch das Nordwarnsystem.

Eine Kette vorgeschobener Radarstationen wird sich von Nordalaska
über Nordkanada bis zur Küste von Labrador erstrecken. Im Gegensatz zu

*

der alten DEW-Kette, die von der amerikanischen Luftwaffe betrieben wird,
wird das Nordwarnsystem von Kanadiern bedient, befehligt und bemannt werden. Rund 6ü Prozent der Kosten für das neue Radarsystem werden die Vereinigten Staaten tragen; für die restlichen 40 Prozent kommt Kanada auf.

Bei dem alten DEW-System handelt es sich um eine 3 uUÜ Meilen lange
Kette von Radarstationen, die sich durch das Eis und die Tundra der Arktis zwischen Alaska und Grönland erstreckt. Sie war ursprünglich als erste Verteidigungslinie des nordamerikanischen Kontinents gedacht; der kanadische Teil wurde 1^56 fertiggestellt. Zwischen I9i&gt;9 und 1961 wurden
vier neue Stationen hinzugefügt, so daf3 die DEW-Kette danach bis Grönland
reichte. Ihre Hauptfunktion bestand darin, kernwaffentragende sowjetische
Bomber zu orten, sobald die angreifenden Maschinen über dem nördlichen
Horizont erschienen.

In der Erfassung von in geringer Höhe anfliegenden Objekten durch die
gegenwärtige DEW-Kette klaffen zahlreiche Lücken, die Leistung der Radars
ist schlecht, und der Betrieb und die Wartung des Systems sind kostspielig. Bei der Modernisierung der DEW-Kette geht es im Grunde um den Ersatz
von 31 veralteten Radarstationen (vier in Grönland, 21 in Kanada und
sechs in Alaska) durch 52 neue Radaranlagen.

Diese Radars werden den Luftraum tief genug abtasten können, um auch
technologisch fortgeschrittene, tieffliegende Bomber sowie Marschflugkörper, deren Flugbahn dem Geländerelief folgt, zu orten. Sie werden Informationen über den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit einfliegen- 2 -

•

�Geschwindigkeit einfliegender Maschinen liefern. Von den 52 Kadars werden
39 unbemannte Stationen mit kurzer Reichweite sein. Bei den restlichen 13
handelt es sich um Anlagen mit großer Reichweite, die ein Bedienungspersonal von 23U Mann erfordern.

Weitere Schwerpunkte des gemeinsamen amerikanisch-kanadischen Programms zum Ausbau der Luftverteidigung des Kontinents sind die Abdeckung
Nordamerikas durch fliegende frühwarnssysteme (AWAuS) und die Errichtung
von vorgeschobenen Linsatzbasen und Ausweicheinsatzbasen für Kampf- und
AWACS-Flugzeuge.

Was ist NQRAü ?

Das Nordamerikanische Luftverteidigungssystem

wurde im August 1937

gegründet, als die Vereinigten Staaten und ihr NATO-Partner Kanada ihre
Luftverteidigungskräfte zusammenfaßten und sich somit die Verantwortung
für die strategische Verteidigung der Hemisphäre teilten. 1981 wurde der
Name in Nordamerikanisches Luft- und Weltraumverteidigungssystem abgeändert, um Veränderungen in der Aufgabenstellung von NORAD Rechnung zu tragen.
NORAü ist die erste binationale, alle Teilstreitkräfte einbeziehende
Militärorganisation auf dem Kontinent, L S bezeichnet auch das erste im
Frieden zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada geschlossene Verteidigungsabkommen, in dessen Rahmen Streitkräfte beider Länder einem gemeinsamen Überbefehlshaber unterstellt werden.

Organisation

Nach dem amerikanisch-kanadischen NORAU-Abkommen aus dem Jahre 1957
ist der Oberbefehlshaber von NORAü immer ein amerikanischer Luftwaffengeneral, sein Stellvertreter hingegen ein kanadischer ueneral. Der NORADOberbefehlshaber ist über die Vereinigten Stabschefs der amerikanischen
Streitkräfte bzw. den Generalstabschef der kanadischen Streitkräfte den
Regierungen beider Länder verantwortlich. Dem NORAD-Oberbefehlshaber unterstehen gleichzeitig auch das amerikanische Oberkommando für die Luft-

�die Luft- und Weltraumverteidigung und das Oberkommando für den Weltraum.

Den sieben regionalen Kommandobereichen von NORAü (vier im Kernland
der Vereinigten Staaten, zwei in Kanada und einer in Alaska) sind jeweils
Radarsysteme und Abfangjäger zugeteilt. Diese regionalen Kommandobereiche
tragen die Verantwortung für die Luftraumüberwachung und -Verteidigung in
ihren jeweiligen Gebieten. Die Einsatz- und Operationszentrale von NORAD
ist unterirdisch in einem Berg, dem Cheyenne-Mountain-Komplex, in der Nähe von Colorado Springs untergebracht.

Finanzierung

Kanada kommt gegenwärtig für etwa zehn Prozent der direkten Kosten
von NORAD auf.

Auftrag
Der ursprüngliche Auftrag von NORAu war die Verteidigung des Kernlands der Vereinigten Staaten, Kanadas und Alaskas gegen Bomberangriffe.
Im Jahre 1981 definierten die Vereinigten Staaten und Kanada in einer gemeinsamen Erklärung den Luftverteidigungsauftrag von NORMO neu. im Rahmen
dieses neuen Ansatzes wird folgenden Aspekten besondere Beachtung geschenkt:

- der fortlaufenden Modernisierung

der sowjetischen Bomberflotte und

der Entwicklung von see- und luftgestützten Marschflugkörpern in der
Sowjetunion;
- der

Notwendigkeit

verläßlicher Frühwarnsysteme

zur Erfassung

von

Flugobjekten in der Atmosphäre;
- der Begrenzung des möglichen Schadens für das strategische Vergeltungspotential und die entsprechenden Kommandoeinrichtungen;
- der Beherrschung des Vorfeldes des nordamerikanischen Luftraums und,
falls notwendig,
- der Abwehr von Angriffen in der Atmosphäre.

Zu den Hauptaufgaben von NORAü gehört heute, 1. Ereignisse, die eine

�die eine feindliche Handlung beinhalten könnten, zu registrieren; 2. die
obersten Führungsstellen beider Länder über die Nationale Militärbefehlszentrale in Washington, D.C., bzw. über die Nationale Verteidigungsoperationszentrale des Hauptquartiers für die Landesverteidigung

in Ottawa,

Kanada, rechtzeitig, zuverlässig und unzweideutig vor einem Raketenangriff zu warnen und Art und Umfang eines solchen Angriffs korrekt zu bestimmen; 3. mit Mitteln der Weltraumüberwachung Satelliten in Erdumlaufbahnen zu orten, ihre Bahn zu verfolgen, sie zu identifizieren und zu katalogisieren; 4. im Frieden die Ausübung der Hoheitsrechte im amerikanischen und kanadischen Luftraum zu gewährleisten und eine begrenzte Verteidigung gegen Luftangriffe zu sichern.

Gliederung der Streitkräfte

Folgende Organisationen stellen Streitkräften für NORAD ab:

- Das Luftwaffenoberkommando der kanadischen Streitkräfte stellt annähernd 6 U00 Mann Militärpersonal und 2 000 Zivilbedienstete sowie Abfangjäger, Radarstationen und Befehlszentralen zur Verfügung.

- Das Oberkommando für den Weltraum der amerikanischen Luftwaffe stellt
die Raketenwarn- und Weltraumüberwachungssensoren, die Daten an NORAD
übermitteln, und leitet die Zentrale für Weltraumverteidigungsoperationen und andere Einrichtungen im Cheyenne-Mountain-Komplex.

- Das US-Oberkommando der Taktischen Luftstreitkräfte stellt Abfangjäger, Radaranlagen, Befehlszentralen

und

andere Einrichtungen

der

Luftverteidigung im Kernland der Vereinigten Staaten.

- Das Oberkommando der amerikanischen Luftstreitkräfte in Alaska unterhält LuftVerteidigungsverbände in Alaska.

- Die Fliegertruppen der Nationalgarde, der Marine und des Marinekorps
der Vereinigten Staaten stellen Abfangjäger.

- Das Oberkommando für das Fernmeldewesen der amerikanischen Luftwaffe

�amerikanischen Luftwaffe unterhält Hernmeldeeinrichtungen in den Vereinigten Staaten.

Streitkrä'fteumfang

Lage Anfang der sechziger Jahre: Zu dem Zeitpunkt, als das kontinentale Luftverteidigungspotential von NORAD seine größten Stärke erlangt
hatte, umfaßten die von den Vereinigten Staaten und Kanada abgestellten
Streitkräfte u.a.: 2 612 Abfangjäger, 439 Boden-Luft-Raketen

vom Typ

BOMARC, 274 Batterien mit Boden-Luft-Raketen vom Typ NIKE, 2ö6 Radaranlagen mit großer Reichweite, 81 Radaranlagen in der Frühwarnkette, 148 Vorpostenschiffe mit Radaranlagen zum Schließen von Lücken in der Sicherungskette, 68 Befehlszentralen und 77 Frühwarnflugzeuge vom Typ EC-121.
NORAü unterstanden insgesamt 2U7 0U0 Mann.

Die Lage 1984/85: Im Gegensatz dazu umfaßt das gegenwärtige NORAD-Arsenal: 34U Abfangjäger, keine Boden-Luft-Raketen, 83 Radaranlagen mit
großer Reichweite, 31 Radaranlagen in der Frühwarnkette zur Erfassung von
Bombern in mittlerer und großer Flughöhe, keine Vorpostenschiffe, 7 Befehlszentralen, keine EC-121 und Personal in Stärke von insgesamt 37 UOU
Mann. Dafür verfügt NORAD jedoch heute über 8 fliegende Frühwarnsysteme
(AWACS).

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz sieht Chancen für Dialog auf höchster Ebene&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets arbeiten intensiv an strategischen Defensivtechnologien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Nitze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets stellen weitere SS-20 auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Unterstaatssekretär Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf bessere amerikanisch-sowjetische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Vizepräsident Bush in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das nordamerikanische Luft- und Weltraumverteidigungssystem (NORAD)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzinformation -&lt;/em&gt;</text>
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27. März 1985

INHALT

1

INFORMATION
USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nictiolson
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert
DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 2 1 . März 1985
- Auszüge Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Aufbruch zu den Planeten
Eingehende Klimaanalyse gefordert
- US-Experten schlagen Konsortium f ü r Wetterdaten vor * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

USA FORDERN AUFKLÄRUNG ÜBER DEN TOD VON MAJOR ARTHUR NICHOLSON
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -

Washington -(AD)- Wie am 26. März 1985 aus dem Weißen Haus verlautete, fordern die Vereinigten Staaten von der Sowjetunion eine Zusicherung,
daß es nie wieder zu Zwischenfällen wie der Erschießung eines amerikanischen Verbindungsoffiziers kommen wird. Auf Fragen über den Tod von Major
Arthur Nicholson hin erklärte der Stellvertretende Pressesprecher des
Weißen Hauses, Larry Speakes, daß die Administration die Absicht habe,
sich in Washington und in der DDR weiter um eine Aufklärung des Vorfalls
zu bemühen. "Wir werden bei den Sowjets auch weiterhin auf eine umfassende Erklärung dringen, und wir erwarten definitiv, auch eine zu bekommen.
Wir möchten zugesichert bekommen, daß es niemals wieder zu einem derartigen Vorfall kommen wird," sagte Speakes.

Im Hinblick auf die Äußerung Präsident Reagans, daß der Zwischenfall
ihm ein Gipfeltreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gorbatschow
als "noch dringlicher" erscheinen lasse, erklärte Speakes, daß ein solches Gipfeltreffen ebenso wie die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
einen "Versuch zum Abbau von Spannungen und damit zur Verhinderung sol-

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�Verhinderung solcher Vorfalle" darstelle.

Er bestätigte, daß bei früheren Gelegenheiten Angehörige des sowjetischen Verbindungspersonals in Sperrgebieten der amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik aufgegriffen und unversehrt wieder abgeschoben worden seien. Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten Angehörige
des sowjetischen Verbindungspersonals auch in Zukunft nicht anders behandeln würden.

Speakes meinte, daß das Weiße riaus keine Einwände gegen die Art und
Weise hege, in der sich Verteidigungsminister Weinberger zu der Tragödie
geäußert habe. Nach Presseberichten hatte Weinberger das Verhalten des
sowjetischen Wachsoldaten als erneuten Ausdruck der inzwischen bekannten
sowjetischen "KAL-Mentalität" bezeichnet, eine Anspielung auf den Abschuß
einer Passagiermaschine der Korean Air Lines durch sowjetische Kampfflugzeuge vor 18 Monaten.

Die Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, in der es hieb,
daß Nicholson ein Fenster eines sowjetischen Lagergebäudes geöffnet und
durch die Öffnung photographiert habe, wurde vom Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Bernard Kalb, als "offenkundige Zweckbehauptung"
bezeichnet. "Wir können nur sagen, daß die Tatsache, daß die Sowjets nach
der unentschuldbaren Erschießung von Major Nicholson zu allem Überfluß
auch noch eine derart tendenziöse Darstellung des Vorfalls geben, uns mit
Abscheu erfüllt."
Von Journalisten gefragt, ob der Zwischenfall Auswirkungen auf die
Genfer Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben werde, sagte
Kalb, daß "dieser tragische Vorfall offenkundig nicht zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beitragen wird. Ich halte
es jedoch für unangemessen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt darüber zu spekulieren, welche speziellen Bereiche betroffen sein könnten."

Bereits am 25. März 1985 hatte der Leiter der Europaabteiluny im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Richard ßurt, vor Journalisten zu dem Vorfall Stellung genommen. Seine Erklärung hat folgenden

�hat folgenden Wortlaut:

Major Nicholson gehörte zu einer aus zwei Mann bestehenden Streife
der Militärischen Verbindungsmission der Vereinigten Staaten in der DDR.
Er und sein Begleiter, Sergeant Schatz, waren unbewaffnet und in einem
amerikanischen Militärfahrzeug unterwegs. Letzteres trug Militärkennzeichen und war als amerikanisches Militärfahrzeug zu erkennen. Die Männer
trugen amerikanische Felduniformen.

Die Militärischen Verbindungsmissionen versehen ihren Dienst auf der
Grundlage eines bilateralen Abkommens zwischen den Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das kurz nach Ende des Zweiten
Weltkriegs unterzeichnet wurde; im Jahre 1947, um genau zu sein. Die sowjetische Mission ist bei den amerikanischen Streitkräften in der Bundesrepublik Deutschland akkreditiert und wird strikt im Einklang mit den Bestimmungen des Abkommens von 1947 behandelt.
Der Vorfall ereignete sich gestern, am 24. März, um 15.30 Uhr deutscher Zeit in der Nähe von Ludwigslust in der DDR. Ich zeige ihnen den
Ort des Geschehens. Es war genau hier (zeigt es auf einer Karte). Die
gelben

Markierungen

bezeichnen

sogenannte

PRAs,

Permanent

Restricted

Areas (= Sperrbezirke). Es handelt sich dabei um Gebiete, zu denen die
Sowjetunion den Militärischen Verbindungsmissionen den Zutritt verwehrt.
Der Vorfall ereignete sich genau hier (zeigt es auf der Karte), d.h., in
der Nähe, aber nicht innerhalb eines Sperrbezirks.

Als die Zwei-Mann-Streife angegriffen wurde, befand sie sich nicht
innerhalb eines Sperrgebiets, und es waren keine sowjetischen Soldaten in
Sicht. Major Nicholson war aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, als auf ihn
und seinen Begleiter etwa um 15.30 Uhr von einem sowjetischen Soldaten,
der aus einem nahegelegenen Waldstück hervorgekommen war, Schüsse abgegeben wurden. Die beiden Männer wurden in keiner Weise gewarnt, bevor die
Schüsse fielen. Einer der ungefähr drei Schüsse, die der sowjetische Soldat abgab, traf Major Nicholson in die Brust.

Als sein Begleiter, Sergeant Schatz, ihm zu Hilfe kommen wollte, wur- 3 -

�wollte, wurde er mit vorgehaltener Waffe zurück zu seinem Fahrzeug befohlen. Mehrere andere sowjetische Soldaten erschienen unmittelbar danach
auf dem Schauplatz und hinderten Major Nicholsons Begleiter daran, ihm
Erste Hilfe zu leisten.
Um etwa 16.20 Uhr traf ein sowjetischer Soldat mit einem Verbandskasten ein. Bis etwa 16.50 Uhr wurden keinerlei Versuche gemacht, Major Nicholson zu helfen. Um diesen Zeitpunkt herum stellte man dann fest, daß
er tot war. Bis etwa 18.30 Uhr wurden Vertreter der Militärischen Verbindungsmission in Potsdam über die Art des Zwischenfalls nicht unterrichtet, so daß der erste amerikanische Vertreter den Schauplatz der Schießerei nicht vor 21.00 Uhr erreichen konnte.
Was ich soeben dargelegt habe, beruht auf den Tatsachen, soweit sie
uns heute bekannt sind. Wir werden natürlich die Einzelheiten weiter prüfen und Lücken in der Darstellung des Hergangs ausfüllen, falls es welche
gibt. Ich bin jedoch sicher, daß die weiteren Untersuchungen, wie umfassend sie auch sein mögen, an einer Grundtatsache nichts ändern werden,
nämlich, daß es für die Ermordung von Major Nicholson oder für den Einsatz von Gewaltmitteln irgendwelcher Art nicht die mindeste Rechtfertigung gibt.

�27. März 1985

13

WILLIAM BROCK ZUM NEUEN US-ARBEITSMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 20. März 1985 den
bisherigen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock,
zum neuen Arbeitsminister nominiert.

Brock, der sich konsequent für freien und fairen Handel eingesetzt
hat, wird - nach erfolgter Bestätigung durch den Senat - Nachfolger von
Raymond J. Donovan sein, der am 15. März von seinem Amt zurücktrat.

Der Präsident verwies auf die bisherige Tätigkeit Brocks mit den
Worten: "Er war Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen, und jemand,
der sich vier Jahre lang mit Fragen des Welthandels auseinandergesetzt
hat, kann mit praktisch jedermann verhandeln." Zugleich betonte Reagan,
daß zu den Hauptaufgaben des künftigen Arbeitsministers gehören werde,
"die Beziehungen zur organisierten und nichtorganisierten Arbeitnehmer-

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�nichtorganisierten Arbeitnehmerschaft weiter zu verstärken und sich mit
dem dringlichen Problem der Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere bei den
Minderheiten, auseinanderzusetzen."
Brock war seit Januar 1981 als Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen Persönlicher Vertreter des Präsidenten für die Bereiche des Außenhandels. In dieser Eigenschaft setzte er sich mit einer Vielzahl von Problemen - von landwirtschaftlichen Exportsubventionen bis hin zum Stahldumping auf dem amerikanischen Markt - auseinander.
Er trug auch dazu bei, die amerikanischen Handelspartner - wie etwa
Japan, Kanada und die Europäische Gemeinschaft - von der Notwendigkeit
der Verbesserung und Ausweitung der Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu überzeugen; ihm wird auch viel von dem Verdienst dafür zugeschrieben, daß es Ende 1985 zu einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen kommen dürfte. Gleichzeitig ging er gegen
protektionistische Vorschläge des Kongresses zum Schutz der heimischen
Industrie ebenso nachhaltig an wie gegen unfaire Handelspraktiken mancher
Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Brock hat betont: "Wir müssen den Protektionismus beseitigen... Wir
stehen vor der Wahl, entweder mehr Handel zu treiben und damit mehr Beschäftigung zu schaffen oder aber weniger Handel zu treiben und mehr
Arbeitslosigkeit zu riskieren. Nur durch eine Ausweitung des Handels
können wir hoffen, in flexiblen Wachstumsindustrien und -Sektoren langfristige Arbeitsplätze zu schaffen."
Brock vertrat den US-Bundesstaat Tennessee als Senator von 1970 bis
1977; dem Repräsentantenhaus gehörte er von 1963 bis 1970 an.
Als gemäßigter Republikaner wurde Brock 1977 Vorsitzender des Republikanischen Nationalausschusses, ein Amt, das er bis 1981 ausübte. Durch
ihn stieg das Parteivermögen um mehr als das Doppelte, und die Partei
konnte ihre Abhängigkeit von relativ wenigen vermögenden Parteifreunden
reduzieren, indem die Beiträge von anderen Mitgliedern erhöht wurden.
- 2-

�erhöht wurden. Reagan wies darauf hin, daß Brock in dieser Position "dazu
beitrug, die Republikanische Partei neu zu formieren. Er legte den Grundstein für einen der größten Siege der Republikanischen Partei in mehreren
Jahrzehnten."

William Emerson Brock, III. wurde am 23. November 1930 in Chattanooga
als Erbe der Brock Candy Company geboren. Er besuchte bis 1953 die
Washington und Lee University in Virginia und ging im selben Jahr als
Leutnant zur Marine. Von 1954 bis 1956 diente er bei der Siebten Flotte
im Fernen Osten.
Im Jahr

1956 trat er in die Süßwarenfabrik

der Familie ein und

leitete die Marktforschungsabteilung des Unternehmens. Als Vizepräsident
der Firma eroberte er sich dann seinen Platz im amerikanischen Kongreß.

Brock ist mit der ehemaligen Laura Handly verheiratet; das Ehepaar hat
drei Söhne und eine Tochter.

- 3-

�a11T1E 11lh
1

|

4

)lEl71S 3
mt

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 1 . MÄRZ 1985
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm auf einer Pressekonferenz am 21. März 1985 zu einer Vielzahl innen- und außenpolitischer
Fragen Stellung.

Im außenpolitischen Bereich wurden die Möglichkeiten

eines Gipfeltreffens mit Gorbatschow, die jüngsten Ereignisse in Südafrika, der Besuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland sowie
die Themen Mittelamerika und der Nahe Osten angesprochen.

Auf Fragen

nach der Haltung der Vereinigten Staaten im Nahostkonflikt betonte der
Präsident erneut, daß die Vereinigten Staaten zur Lösung der Probleme
beitragen, aber nicht direkt an Verhandlungen teilnehmen wollten.
ist Sache direkter Verhandlungen
Israel", sagte Reagan wörtlich.

"Dies

zwischen den arabischen Staaten und
Er würdigte die Bemühungen des ägypti-

schen Staatspräsidenten Mubarak und des jordanischen Königs Hussein und
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für alle Friedensbemühungen im Sinne der Abkommen von Camp David zu.

Allerdings komme eine

Zusammenkunft mit der PLO nicht in Frage.

Der Präsident gab

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Der Präsident gab zunächst eine kurze Eingangserklärung ab, die folgenden W ortlaut hat:

Ich möchte zunächst ein paar Worte sagen.

Ich möchte den Senat der

Vereinigten Staaten für seine Entscheidung loben, die Produktion von weiteren 21 MX-Raketen zu bewilligen.

Der Senat hat die Entscheidung von vier Präsidenten gebilligt, daß
die MX-Rakete eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Abschreckung ist.

Jetzt ist die Zeit - die Zeit der Bewährung - für das Reprä-

sentantenhaus gekommen.

Die Abstimmung dort wird die Frage beantworten,

ob wir in Genf Einigkeit demonstrieren, oder ob Amerika der Sowjetunion
als eine Nation gegenüberstehen wird, die in den fundamentalsten Fragen
ihrer nationalen Sicherheit gespalten ist.

Seit über einem Jahrzehnt haben wir über die MX debattiert.

Und wäh-

rend wir debattierten, haben die Sowjets über 600 gleichartige Raketen
disloziert und gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.

Jetzt stehen sie

kurz davor, zwei neue landgestützte strategische Systeme zu dislozieren,
und wir debattieren immer noch.

Vor kurzem haben die Parlamente von vier NATO-Ländern mutig dafür gestimmt, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu
akzeptieren.

Die NATO-Länder warten jetzt darauf, daß der amerikanische

Kongreß den gleichen Mut an den Tag legt - oder die gleiche Entschlossenheit, wie ich sagen möchte.

Keine Anforderung eines amerikanischen Präsidenten für ein wichtiges
strategisches System ist jemals vom amerikanischen Kongreß verweigert
worden.

Es ist diese überparteiliche Einigkeit in Fragen der nationalen

Verteidigung, die die Sowjets (an den Verhandlungstisch) nach Genf zurückgebracht hat.

Wenn diese Tradition in der nächsten Woche im Reprä-

sentantenhaus nicht aufrechterhalten wird, dann ist wenig Aussicht auf
Erfolg in Genf.

Gipfeltreffen
- 2 -

�Gipfeltreffen

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns Ihre Gedanken zu einem Gipfel-

treffen sagen - warum glauben Sie, wäre es gut, sich mit Gorbatschow zu
treffen; was, glauben Sie, könnte erreicht werden; und warum wurden Sie
bisher abgewiesen?

ANTWORT:

Ich möchte eigentlich nicht von einer Zurückweisung spre-

chen, denn der Mann ist erst einige Tage im Amt, und ich kann mir in etwa
vorstellen, was jetzt auf ihn zukommt.

Aber ich habe das gleiche bei je-

dem seiner drei Vorgänger empfunden, und dann kamen Dinge dazwischen, die
es unmöglich machten - es gibt eine Reihe von Dingen, bilateralen Fragen,
zwischen unseren beiden Ländern - andere Dinge, über die wir sprechen
müßten, als die, über die wir verhandeln oder auf Ministerebene miteinander reden, und einige dieser Dinge könnten vielleicht weitergebracht werden, wenn wir uns auf einem Gipfel treffen.

Das ist also, was ich mit einer Tagesordnung von Dingen meine, über
die man sprechen könnte - beiderseitige Probleme, vor denen wir stehen und ich meine, es ist höchste Zeit, daß wir das tun.

FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß das bald zustandekommt?
ANTWORT:

Ich glaube, daß sie gut sein sollten.

Einige von uns hat-

ten ein anderthalbstündiges Gespräch mit ihm (Gorbatschow) - der Vizepräsident und der Außenminister, als sie dort waren.

Ich meine daher, die

Chancen sind gut.

Der Grund, warum ich die Einladung ausgesprochen habe, liegt in der
Art des Protokolls, wie es besteht.

Wenn Sie zurückblicken, wissen Sie,

warum. Wir sind an der Reihe als Gastgeber. Darum habe ich den Vorschlag
gemacht, die Einladung wurde für den Zeitpunkt ausgesprochen, an dem er
(Gorbatschow) es für passend findet.

Südafrika

�Südafrika
FRAGE:

Sir, heute wurden von Regierungsorganen in

Südafrika bei ei-

ner, wie es aussieht, anhaltenden Woge von Gewalt der Regierung der weißen Minderheit gegen die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung 17 Schwarze
erschossen.

Denken Sie daran, Ihre Politik zu ändern und mehr Druck auf

die südafrikanische Regierung auszuüben, um ihr Verhalten zu ändern?
ANTWORT:

Nein.

Ich kenne den Druck, den wir auf sie ausüben, und

ich kenne die Fortschritte, die wir gemacht haben.
noch ein weiter Weg zurückzulegen ist.

Aber wir wissen, daß

Aber - um es einmal so auszudrüc-

ken - ich glaube, die Tatsache, daß diese Menschen einfach getötet wurden
und daß die Gewalt total von der Seite von Recht und Ordnung ausging,
läßt die Tatsache außer acht, daß die Unruhen dort im Namen von anderen
ausgingen.

Das alles ist tragisch, und wir hoffen, daß das behoben wer-

den kann.

Und es ist auch wichtig zu bedenken, daß auf Seiten der Poli-

zei... einige von der Vollzugsseite, die Gewehre benutzten, auch Schwarze
waren - schwarze Polizisten.
FRAGE: Sehen Sie die Situation so, daß Schwarze eine Bedrohung für
die Weißen darstellten, die Gewehre hatten und die Schwarzen keine?
ANTWORT:

Nein.

Ich sage nur, daß es wachsende Gewalt gegeben hat,

und daß es in Südafrika ein Element gibt, das keine friedliche Regelung
dieser Frage will - das eine gewaltsame Lösung will, das Unruhe in den
Straßen will - und das ist das, was dort vor sich geht.

Ich billige das

nicht, was geschehen ist, und ich glaube, daß wir alle, wie ich sagen
möchte, dieses Regime als widerlich betrachten, aber wir werden weiterhin
versuchen, zu einer friedlichen Lösung beizutragen, wenn wir können.

Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns sagen, warum Sie die Entschei-

�die Entscheidung getroffen haben, während Ihrer Deutschlandreise im Mai
am Tag des Sieges in Europa kein Nazi-Konzentrationslager zu besuchen?

ANTWORT:

Jawohl, das kann ich Ihnen sagen.

Ich bin sehr dafür, daß

dieses Mal bei dem Gedenken an die Beendigung des großen Krieges wir
statt der Wiedererweckung der Erinnerungen usw. und der Leidenschaften
jener Zeit diesen Tag vielleicht als den Tag begehen sollten, an dem vor
40 Jahren Frieden und Freundschaft begannen, denn heute finden wir uns
als Verbündete und Freunde der Länder, gegen die wir einst gekämpft haben.

Und daß wir es beinahe als eine Feier des Endes einer 'Ära und des

Beginns dessen begehen sollten, was jetzt für uns rund 40 Jahre des Friedens bedeutet.

Und ich war der Meinung, weil das deutsche Volk - und es leben nur
noch recht wenige, die sich noch an den Krieg erinnern, und sicher kaum
einer, der als Erwachsener irgendwie daran teilgenommen hat - sie (die
Deutschen) haben ein Gefühl, ein Schuldgefühl, das ihnen aufgezwungen
worden ist - und ich halte das für unnötig.

Ich meine, sie sollten Aner-

kennung finden für die Demokratie, die sie aufgebaut haben und die demokratischen Prinzipien, für die sie heute eintreten.

FRAGE:

Hat die westdeutsche Regierung sie gebeten, sich so oder so

zu entscheiden?

ANTWORT:

Nein, aber bei informellen Gesprächen vor einiger Zeit mit

Bundeskanzler Kohl und anderen waren sie der gleichen Ansicht, daß wir
dies als den Beginn von Frieden und Freundschaft zwischen uns begehen
könnten.

Mittelamerika

FRAGE:

Eine Frage zu Mittelamerika:

Stellen Sie, Sir, irgendwelche

'Überlegungen an, die Contras, die gegen die Sandinisten in Nicaragua
kämpfen, als Exilregierung anzuerkennen?
ANTWORT:
- 5 -

Nein,

�ANTWORT:

Nein, daran haben wir überhaupt nicht gedacht, und doch muß

ich Ihnen sagen, daß die Angelegenheit, die jetzt vor dem Kongreß ist die 14 Millionen Dollar (Unterstützung) - nicht das Problem ist.
Es geht darum, daß die Vereinigten Staaten versuchen, einem Volk zu
helfen, dem mit Gewalt, Täuschung und Betrug eine kommunistische Tyrannei
aufgezwungen worden ist, und entweder wir setzen eine Tradition fort, die
wir immer vertreten haben, oder wir geben das ganz auf.
wir sollten das nicht aufgeben.

Und ich meine,

Ich meine, unser Standpunkt ist klar.

* * * * *

- 6-

�27. März 1985

13

WELTWEITE ABSCHEU GEGEN DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -

WASHINGTON - (AD) - In einer Proklamation, die den 21. März 1985 den traditionellen Neujahrsbeginn der Bevölkerung Afghanistans - zum Gedenktag gegen die vor fünf Jahren erfolgte Invasion des Landes durch sowjetische Truppen erklärte, sagte Präsident Ronald Reagan: "Die überwältigende Mehrheit der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu
bereiten."

Der Text der Proklamation hat folgenden Wortlaut:

In einer Zeit des Wohlstands denken wir nicht an Hunger und Mühsal.
In einer Zeit des Friedens denken wir nicht an Leiden und Krieg. In einer
Zeit, da unsere Familien in Gesundheit zusammenleben, denken wir nicht an

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wir nicht an das Leid, das über uns käme, würden sie auseinandergerissen.
Und doch kann das afghanische Volk sich von derlei Gedanken nicht losreissen, denn Terror, Mühsal und Leiden sind zu einem Teil seines Lebens
geworden, seit die Sowjetunion vor über fünf Jahren brutal in dieses Land
eingefallen ist und es besetzt hat.

Der 21. März ist für das afghanische Volk der Beginn eines neuen
Jahres. Dies ist traditionell ein Feiertag, wenn die Familien zusammenkommen, um den Neubeginn des Lebens zu begehen, um sich zu erfreuen und
um Gott für seine vielen Gaben zu danken.

Aber heute dürfte es in Afghanistan schwer sein, sich an die Tage zu
erinnern, als das Land in Frieden lebte, als es genug zu essen gab und
als das Heim der Menschen sicher war, denn die überwältigende Mehrheit
der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu bereiten.

Das Jahr 1984 war für die Afghanen besonders hart. Die Sowjets überkam angesichts ihrer Unfähigkeit, den Geist der afghanischen Freiheitskämpfer zu brechen, ein Gefühl der Vergeblichkeit und sie setzten daher
ihre militärische Macht in verstärktem Maße gegen die Zivilbevölkerung
des Landes ein und zwangen weitere Hunderte und Tausende unschuldiger
Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Berichte über die sowjetischen Scheußlichkeiten und Menschenrechtsverletzungen werden von der Weltöffentlichkeit immer stärker beachtet.
Geachtete Organisationen wie die Menschenrechtskommission der Vereinten
Nationen, wie Amnesty International und wie die Helsinki-Beobachtungsgruppen haben erst kürzlich Studien veröffentlicht, die Einzelheiten des
Terrors aufzeigen, dem das afghanische Volk durch die Sowjets und das
Regime Karmals ausgesetzt ist. Karmals unlegitimierte und brutale Machtausübung dauert nur deshalb an, weil sie durch mehr als 100.000 Soldaten
der sowjetischen Besatzungstruppen gestützt wird.

Alle

Amerikaner

�Alle Amerikaner sind empört über die wachsende Brutalitat der Sowjets
gegen das stolze und freiheitsliebende Volk Afghanistans. Auch hat die
gesamte Staatengemeinschaft diese Besetzung Afghanistans verurteilt. Tatsächlich hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen - mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit aller Staaten - sechsmal eindeutige
Resolutionen verabschiedet, die

- den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan forderten;
- das Recht des afghanischen Volkes bekräftigten, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches
und gesellschaftliche System zu wählen;

- bekräftigten, daß die Bewahrung der Souveränität, der territorialen
Integrität, der politischen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Charakters Afghanistans für eine friedliche Lösung des Problems von entscheidender Bedeutung ist; und

- die Schaffung von Bedingungen forderten, die die afghanischen Flüchtlinge in die Lage versetzen sollen, aus freien Stücken, gesichert und
ehrenhaft wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Alle Amerikaner sind geeint in dem Ziel der Freiheit für Afghanistan.
Ich fordere das amerikanische Volk dazu auf, sich zu einer Zeit, da wir
mit Wohlstand und Sicherheit gesegnet sind, an den afghanischen Kampf gegen Tyrannei und Gewaltherrschaft zu erinnern. Wir sind voll der Bewunderung für den unbeugsamen Mut des afghanischen Volkes, das eine Inspiration für alle freiheitsliebenden Nationen der ganzen Welt ist.

Der Afghanistan-Tag wird dazu dienen, die grundlegenden Prinzipien
wieder in die Erinnerung zurückzurufen, um die es geht, wenn ein Volk um
die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen wie auch um das
Recht, sich ohne Einmischung von außen selbst zu regieren.

Zollen wir

daher dem tapferen afghanischen Volk unseren Tribut, indem wir den 21.

�wir den 21. März 1985 als Afghanistan-Tag begehen. Unsere Bewunderung
gilt auch weiterhin seiner Sache und seiner Standhaftigkeit; wir werden
auch weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um dem tapferen afghanischen Volk humanitäre Hilfe zukommen zu lassen - einschließlich jenen Millionen afghanischer Flüchtlinge, die gezwungen wurden, aus ihrer
Heimat zu fliehen.

Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21. März 1985 zum Afghanistan-Tag.

Zum Zeugnis dessen habe ich dies unterzeichnet am 21. Tag des März im
Jahr unseres Herrn 1985 und im 209. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

(gezeichnet) Ronald Reagan.

* * * * *

- 4-

�27. März 1985

13

NEUER AUFBRUCH ZU DEN PUANETEN

- (AD) - Mehr als zweieinhalb Jahre wird die Sonde GALILEO zum Jupiter unterwegs sein, bis sie (Ende 1988) in die vorgesehene Umlaufbahn um
diesen grötiten Planeten unseres Sonnensystems eintritt.

Wie Geoffrey

Briggs, Direktor des NASA-Programms für die Erforschung

des Sonnensy-

stems, kürzlich auf der 16. Internationalen Konferenz für Mond- und Planetenforschung

(11. -

15. März

1985 im

Johnson-Raumfahrtzentrum

von

Houston, Texas) berichtete, soll diese Orbitersonde im Mai 1986 an Bord
eines Raumtransporters zunächst in eine Erdumlaufbahn und dann mittels
einer Oberstufe der CENTAUR-Rakete auf den Weg zum Planeten Jupiter gebracht werden.

Der Start vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida sei nur

eine Woche nach dem Start von ULYSSES geplant, einer von des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) gemeinsam mit der Europäischen
Weltraumbehörde (ESA) gebauten interplanetaren Sonde zur Erforschung der
Sonne aus einer polaren Umlaufbahn.

Gegenwärtig wird erwogen, GALILEO auch zur Beobachtung eines Kleinplaneten einzusetzen.

Es handelt sich um Amphitrite im Asteroidengürtel

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Telex: 8-85432

�Astero.1 je* .gürtel zwischen Mars und Jupiter, einen Körper von ca. 200
km Durchmesser.

GALILEO wird ihn im Abstand von 10 000 bis 20 000 km

passieren und, da er rotiert, Aufnahmen von großen Teilen seiner Oberfläche machen können.

Die Bildauflösung dürfte ca. 100 m betragen - was

bedeutet, daG das kleinste, noch erkennbare Objekt in Wirklichkeit etwa
100 m groß ist. Mit einem speziellen Spektrometer unter den Instrumenten
von GALILEO würde der Kleinplanet komplett abgetastet.

Daraus ergäben

sich Rückschlüsse auf seine Größe, seine Form, die spezifische Dichte und
auf die Zusammensetzung der Minerale an der Oberfläche.

Die Auswertung

der Daten könnte die Frage beantworten helfen, ob es sich bei "Amphitrite" um das Fragment eines aufgebrochenen Planeten handelt und ob der
Asteroidengürtel möglicherweise eine Quelle für viele der Meteorite ist,
die auf die Erde stürzen.

Wenn GALILEO im Dezember 1988 in eine Umlaufbahn um den Planeten Jupiter eintritt, beginnen zum ersten Mal Langzeituntersuchungen an seiner
Atmosphäre, an seiner Magnetosphäre und an seinen zahlreichen Monden.
Die Sensoren an Bord dieses Orbiters werden durch eine Atmosphärensonde
ergänzt, die GALILEO ausstoßen wird und die in die dichte Wolkenhülle
eindringen soll.

Messungen über Turbulenzen, Strömungsvorgänge und Zu-

sammensetzung der Lufthülle wären für die Wissenschaftler von größtem
Interesse.

Auch ULYSSES wird nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum des Raumtransporters zunächst einmal den Weg in Richtung Jupiter nehmen.

Die

hohe Gravitationskraft dieses Planeten wird jedoch in einem bestimmten
Routenabschnitt dazu benutzt, die Sonde aus der Umlaufebene der Planeten
um die Sonne hinauszukatapultieren und auf eine Sonnen-Umlaufbahn
bringen, deren Ebene nahezu senkrecht zur Planetenebene steht.

zu

Nur so

ist es möglich, Beobachtungen an der Sonne auch in deren polaren Bereichen zu machen.
lich.

Sie waren bisher einer direkten Sondierung nicht zugäng-

Diese könnte jedoch zu einem besseren Verständnis der Sonnenakti-

vität und deren Einfluß auf Klima und Wetter auf der Erde beitragen.

Am 15. und 21. Dezember 1984 wurden von der Sowjetunion zwei VEGA- 2 -

�zwei VEGA-Sonden zur Venus gestartet.

Sie sollen, so berichtete Valeri

Barsukov, im Juni 1985 bei Annäherung an den Planeten Landegeräte absetzen, die durch die dichte Wolkenhülle bis zur Oberfläche vordringen.
ter Ausnutzung der Gravitationsbeschleunigung

Un-

durch den Planeten Venus

hoffe man schließend die VEGA-Sonden auf eine Route zu lenken, von der
aus im März 1986 die Nahbeobachtung des Halleyschen Kometen möglich wird.
Außerdem wird VEGA Ballongondeln mit Meßgeräten in die Venus-Atmosphäre
senden.

Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der USA mit Frankreich und hat

zum Ziel, die Häufigkeit von Blitzentladungen, vertikale Windböen, Temperatur und Druck der Atmosphäre sowie Positionen und Dichte der Wolken zu
untersuchen.

Möglicherweise bringen die Meßdaten eine Erklärung für die

Tatsache, daß die Venus-Wolken an der Oberfläche mit 400 km Stundengeschwindigkeit um den Planeten kreisen, während es tief unten, nahe der
Oberfläche, kaum Bewegung gibt.

Barsukov gab in Houseton auch einen Bericht über die spektakulären
Radar-Bilder, die die beiden Sonden VENERA 15 und 16 aus ihren Umlaufbahnen um die Venus zur Erde übermittelten.

Mit Hilfe des Seitenradars -

Mikrowellen, die die Dichte Wolkenhülle über der nördlichen Halbkugel
durchdringen konnten - bekam man die bisher klarsten Bilder von Einschlagkratern, Hügelland, Gebirgsketten und anderen auffälligen Merkmalen
der Venus-Oberfläche.

"Die Aufnahmen erlauben uns einen Vergleich der

Venus-Oberfläche mit der anderer Planeten", sagte Barsukov.

"Sie zeigen

geologisch junge Formationen, Land mit vulkanischer Aktivität und starker
horizontaler Spannung - ähnlich wie auf der Erde.

Derartige Spannungs-

zonen sind auf dem Mond, auf dem Mars oder Merkur nicht zu finden.

Dem-

nach ist die Venus in dieser Hinsicht wirklich ein Schwesterplanet der
Erde."

Geoffrey Briggs kündigte an, daß die Vereinigten Staaten die VenusForschung mit dem Start einer Radar-Kartierungssonde im April 1988 von
Bord eines Raumtransporters fortsetzen wollen.

Die Sonde soll in eine

Umlaufbahn um die Venus eintreten und im Laufe der Zeit die gesamte Oberfläche des Planeten abtasten.

Die Bildauflösung dürfte etwa zehnmal grö-

ßer sein als die der VENERA-Radarsonden.
Vorerst

konzentriert

�Vorerst konzentriert sich jedoch das Interesse auf den Halleyschen
Kometen, über dessen Erscheinen schon in manchen alten Chroniken berichtet wurde. ' Nur alle 76 Jahre kommt er auf seiner weit ausschwingenden
Bahn in Sonnennähe und zeigt sich dann als der größte und lichtstärkste
Komet in unserem Sonnensystem.

Nie zuvor verfügte die Wissenschaft über

so leistungsstarke und vielseitige Forschungsinstrumente, um Geheimnissen
dieses Wanderers im kosmischen Raum auf die Spur zu kommen. Von der Europäischen Weltraumbehörde ESA wird das Forschungsgerät GIOTTO auf den Kometen angesetzt.

Japan beabsichtigt mit zwei Sonden den 160 Millionen

Kilometer langen Schweif zu beobachten und zu fotografieren.

Die Verei-

nigten Staaten planen neben ihrer Beteiligung an den VEGA-Missionen eine
spezielle Raumtransportermission ("Astro 1"), um u.a. mit drei Teleskopen
Untersuchungen im ultravioletten Spektralbereich am Kometen durchführen
zu können.

Auch in die äußeren Regionen unseres Sonnensystems dringen jetzt Forschungssatelliten vor.

Die amerikanische Sonde VOYAGER 2 passiert im Ja-

nuar 1986 den Planeten Uranus in einem Abstand von 102 000 km und gibt
damit den Wissenschaftlern erstmals die Möglichkeit, den 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel entdeckten Planeten aus relativer Nähe zu beobachten.

Im vergangenen Jahr wurde auf Fotografien mit lichtstarken Fern-

rohren ein Ringsystem um den Uranus gefunden.

VOYAGER 2, im August 1977 gestartet, sandte von seiner Erkundungsfahrt durch den interplanetaren Raum bereits spektakuläre Bilder von
Jupiter und seinen Trabanten sowie von Saturn, dessen Ringsystem und Monden zur Erde.

Von seinem gegenwärtigen Ziel, dem Uranus, ist er noch

etwa 480 Millionen Kilometer entfernt.

Aber er übermittelt bereits Auf-

nahmen, deren Bildauflösung größer ist als auf den Fotos stationärer Teleskope.

Und es ist zu erwarten, daß die Bildschärfe in den nächsten Mo-

naten immer besser wird.

Nach seinem Vorbeiflug am Uranus wird VOYAGER 2

den Planeten Neptun ansteuern.

Briggs berichtete, daß technische Verbesserungen am "Deep Space Net- 4 -

�Space Network" - einer Kette von amerikanischen Bodenbeobachtungsstationen für interplanetare Sonden - zu großen Hoffnungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Uranus- und Neptun-Sondierung berechtigt.
"Als VOYAGER 2 gestartet wurde, konnten wir Meüdaten und andere wissenschaftliche Informationen aus Bereichen nur wenig jenseits der SaturnBahn empfangen", sagte Geoffrey Briggs.

Inzwischen wurde es dennoch mög-

lich, die wegen der großen Entfernung unvorstellbar schwachen VOYAGERSignale weiterhin aufzunehmen und so zu verstärken,

daß sie der wissen-

schaftlichen Analyse zugänglich sind.

Planetenprogramme

Planet

mittlerer Sonnenabstand

Programm

Venus

108 Millionen km

VEGA, VENERA 15, 16,
Venus-Radarkartierung

Jupiter

779 Millionen km

GALILEO, ULYSSES,
VOYAGER 2

Saturn

1427 Millionen km

VOYAGER 2

Uranus

2872 Millionen km

VOYAGER 2

Neptun

45U1 Millionen km

VOYAGER 2

* * * * *

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

27. März 1985

EINGEHENDE KLIMAANALYSEN GEFORDERT
- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -

WASHINGTON - (AD) - Die gegenwärtige Dürre in Afrika ist nach Meinung
amerikanischer Wissenschaftler in erster Linie die Folge von einschneidenden Veränderungen im Erdklima.

Deshalb sei es dringend erforderlich,

weltweit meteorologische Daten zu sammeln, um über die Dauer und das zu
erwartende Ausmaß dieser Dürreperiode zuverlässige Voraussagen machen zu
können.

Anläßlich eines von der amerikanischen Bundesbehörde für Meere

und Atmosphäre (NOAA) Anfang März in Washington veranstalteten internationalen Seminars wurde von amerikanischer Seite die Bildung eines Konsortiums vorgeschlagen, das sich um die Beschaffung solcher Daten kümmert.

Ihm sollen Experten aus den USA und aus afrikanischen Ländern an-

gehören.

Wie Dr. Eugene Rasmusson, der Leiter der Abteilung Diagnostik

des NOAA-Zentrums für Klimaanalyse, erklärte, bemühe man sich um Unterstützung des Vorhabens sowohl durch Organisationen

wie NOAA und WMO

(Weltwetterwacht, Organisation der Vereinten Nationen) als auch durch die
Weltbank und durch Stiftungen, die sich auf afrikanische Angelegenheiten
konzentrieren.
Dr. Alan D. Hecht,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dr. Alan D. Hecht, der Direktor des NOAA-Amtes für Nationale Programme in Klimafragen, verwies in einem Interview auf Aktivitäten, die als
erstes in Angriff genommen werden sollten:

Bessere Datenerfassung, bes-

sere Kommunikation (d.h. Weitergabe der meteorologischen Daten), Ausbildung von Spezialisten in Afrika, damit diese eigene Forschungsprojekte
durchführen können, und Aufbau eines Informationsnetzes sowohl zwischen
afrikanischen Ländern als auch zwischen Afrika und der übrigen Welt.

Durch die wachsende Zahl von Stationen zur Wetter- wie zur Satelliten-Beobachtung fallen, so Dr. Hecht, unvergleichlich mehr Daten an als
in früheren Jahren.

Diese Einrichtungen geben der Forschung "leistungs-

fähige Instrumente" an die Hand, die dazu genutzt werden müssen, alle
Möglichkeiten zu sondieren.

Es gehe u. a. um Forschungen zur Vorhersage

großräumiger Zirkulation in der Atmosphäre oder z. B. um Untersuchungen
zur Auswirkung von Phänomenen wie des El Nino-Effekts (einer Meeresströmung im Pazifik, die infolge regionaler Änderungen ihres Verlaufs periodische Klimaänderungen zur Folge hat). Solche Studien könnten auch dazu
beitragen, Vorhersagen über klimatische Veränderungen und Bedingungen in
anderen Teilen der Welt, etwa in Afrika, Indien oder Brasilien, zu verbessern.
len.

Es seien komplexe Prozesse, die sich in der Atmosphäre abspie-

Aber die Lufthülle ist nun einmal ein Ganzes, so daß sich Vorgänge

z. B. über dem Pazifik oder über Nordamerika weltweit auswirken.

Dr. Sharon Nicholson, Meteorologin an der Clark University in Worcester (Massachusetts), befaßt sich mit der Frage von KlimaVeränderungen
über lange Zeiträume.

Es gebe einige fragmentarische Unterlagen, aus de-

nen hervorgehe, daß Anfang des 19. Jahrhunderts Afrika eine ähnliche
schwere und anhaltende Dürreperiode durchgemacht haben müsse wie jetzt,
erklärte sie.

Dr. Nicholson ist überzeugt, daß die Ursache für die ge-

genwärtige Trockenheit "in einem schwerwiegenden und sehr wichtigen meteorologischen Phänomen" zu suchen sei, das den Menschen zwinge, sich den
Bedingungen anzupassen.

Möglicherweise dürften Methoden der Bodennut-

zung, die jahrhundertelang üblich waren, jetzt grundsätzlich nicht mehr
angewandt werden.
Über neue Erkenntnisse

�Über neue Erkenntnisse aus Satelliten-Daten berichtete Dr. Yale Mintz
vom amerikanischen Goddard-Institut für Weltraumforschung.

Sie betreffen

die Vorgänge, durch die Bodenfeuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt und
zum Niederschlag wird.

Mintz zeigte auf, da(3 die Oberflächenverhältnisse

auf dem Festland

seine Vegetation, insbesondere

und

der Bewuchs mit

Blattpflanzen und Laubbäumen, die Menge der Verdunstungsfeuchtigkeit und
damit auch die Regenmenge bestimmt.

Diese Daten müßten gesammelt und

sorgfältig untersucht werden, sagte Mintz.

Sie seien schon deshalb von

besonderer Bedeutung, weil die Forschung mittels Satelliten noch jung sei
und die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse künftig immer wichtiger
würden.

Dr. Atanas Todorov, Experte der NOAA und der WMO für Agrometeorologie
und Kenner der Verhältnisse in Afrika, forderte die sofortige Beendigung
der verfehlten Bodennutzung.

Dies sei schwer zu bewerkstelligen und

wahrscheinlich sogar unrealistisch, aber es sei der unbedingt notwendige
erste Schritt, wenn Lösungen für die durch den Menschen und die Natur
verursachten überaus komplexen Probleme gefunden werden sollen.

Todorov

und Nicholson traten für flexible Systeme landwirtschaftlicher Nutzung
ein, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren.

"Hände weg von be-

sonders ergiebigen Feldfrüchten, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen gedeihen und zu Mißernten führen, sobald sich diese Bedingungen ändern" , meinten sie.

Vielmehr sollten sich die Bauern auf verschiedenar-

tige Sorten und Pflanzenkulturen umstellen, damit sowohl in trockenen als
auch in regenreichen Perioden Erträge erwartet werden können.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nicholson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 21. März 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Aufbruch zu den Planeten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eingehende Klimaanalyse gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -&lt;/em&gt;</text>
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inIERl

r

Information
und
Dokumentation

Dl ElN!

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. April 1985

14
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan betont Bedeutung des Weltraums für die Wirtschaft
- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -

Gewalt nur eines der Mittel im Kampf gegen den Terrorismus
- Rede von Robert McFarlane -

HINTERGRUNÜMATERIAl.
Nukleare Planungsgruppe der NATO unterstützt amerikanische
SDI-Forschung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationales Interesse an bemannter Raumstation
*&gt;

- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern US-Chemie-Industrie beschließt neue Sicherheitsprogramme
- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal-Unfall -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�3. April 1985

14

REAGAN BETONT BEDEUTUNG DES WELTRAUMS FÜR DIE WIRTSCHAFT
- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -

WASHINGTON - (AD) - Im Verlauf eines Empfangs beim National Space
Club betonte Präsident Reagan am 29. März 1985 in Washington, der Weltraum biete gerade auch der freien Wirtschaft "neue Chancen, wie sie im
begrenzten Raum der Erde nicht vorstellbar sind". Auch die von ihm vorgeschlagene Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) könne es ermöglichen, von einer Abschreckung durch Offensive zu einer Abschreckung durch
Defensive zu gelangen.
Die wesentlichsten Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
Einst wurde die Freiheit Amerikas durch
digt. Heute verändert der wissenschaftliche
se, wie wir über unsere Sicherheit denken.
unsere Wissenschaftler auf, ihre Fähigkeiten

Muskete und Patrone verteiFortschritt die Art und WeiVor zwei Jahren fordere ich
und Energien darauf z u v e r -

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�zu verwenden, einen Weg zu finden, der einmal die Kernwaffen - angefangen
bei den Interkontinentalraketen - überflüssig machen könnte.

Wir wollen

das Gleichgewicht des Schreckens - oder die Gegenseitig Gesicherte Vernichtung (MAD), wie es heißt - überflüssig machen und es durch ein System
ersetzen, durch das ein bewaffneter Konflikt nie begonnea werden und das
keine Massenvernichtung mit sich bringen kann - und das dennoch wirksam
einen Krieg verhindert. Dies sollte niemals lediglich als eine andere Methode der Sicherung von Raketensilos mißverstanden werden.

Die Strategische Verteidigungsinitiative ist bisweilen als "Krieg der
Sterne" bezeichnet worden.

Aber es geht dabei nicht um den Krieg, es

geht um den Frieden. Es geht nicht um Vergeltung, sondern um Verhinderung.

Es geht nicht um Angst, sondern um Hoffnung...

Vor 20 Jahren waren wir ganz einfach noch nicht in der Lage, Systeme zu bauen, die verhindert hätten, daß Interkontinentalraketen ihr
Ziel erreichen.

Dem ist aufgrund des technischen Fortschritts vielleicht

bald nicht mehr so. Und deshalb haben wir mit einem energischen Forschungsprogramm begonnen - einem Programm, das weder Verträge verletzt,
noch die Stabilität der Welt bedroht.
Die Möglichkeit, Interkontinentalraketen

schon während

des Starts

oder im ersten Teil ihres Fluges anzugreifen, würde uns in die Lage versetzen, unsere strategischen Vorstellungen grundsätzlich zu ändern und es
uns ermöglichen, die Betonung von der Offensive auf die Defensive zu verlagern.

Was aber könnte moralischer sein als ein System, das dazu dienen

würde, Leben zu retten und nicht erst zu rächen?

Was wäre friedlicher,

als uns nicht mehr auf unsere Fähigkeit verlassen zu müssen, mit weltweiter Vernichtung zu drohen, sondern uns auf Systeme zu stützen, die überhaupt niemanden bedrohen können?

Wir sprechen nicht einfach von einem Konzept zur Verbesserung der Abschreckung, sondern vielmehr von einer neuen Art der Abschreckung; nicht
nur von etwas, das wir unseren Offensivstreitkräften noch hinzufügen,
sondern von Forschung, um herauszufinden, ob ein umfassendes, nichtnukleares Verteidigungssystem möglich ist, ein Schild, das die Kernwaffen gar
- 2-

�Kernwaffen gar nicht erst ihre Ziele erreichen ließe.

Und die SDI-Forschung zielt auch nicht darauf ab, nur die Vereinigten
Staaten zu schützen.

Unsere Sicherheit ist unauflöslich mit der der an-

deren freien Völker verbunden. Ein wesentliches Element der SDI-Forschung
besteht darin, uns letztlich in die Lage zu versetzen, die Vereinigten
Staaten und unsere Verbündeten von ballistischen Lang- und Kurzstreckenraketen zu schützen.

Deshalb werden wir unsere Verbündeten hinsichtlich

der SDI-Forschung nicht einfach konsultieren, sondern aktiv mit ihnen zusammenarbeiten.

Wir haben jene verbündeten Nationen förmlich eingeladen,

die sich uns dabei anschließen wollen, die SDI zu einer voll kooperativen
Forschungsanstrengung zu machen.

Der Verteidigungsminister

wird diese

bilateralen Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten koordinieren.

Unsere Aktivitäten im Weltraum tragen schon jetzt dazu bei, den Frieden zu bewahren - durch Frühwarnung und durch die Möglichkeit, Rüstungsabkommen zu verifizieren.

Unser Forschungsprogramm ist alles andere als

eine Verletzung bestehender Abkommen:

Wenn unsere Gegner erst einmal das

Ziel unseres Forschungsprogramms richtig verstanden haben, wird es beiden
Seiten in Genf neue Anreize bieten, um die Zahl der Kernwaffen zu verringern, die die Menschheit bedrohen.

Wenn wir die Raketen weniger wirksam

machen, machen wir diese Waffen verhandlungsfähiger.

Und bei einem Er-

folg wird die Rüstungsspirale eine Spirale werden, die nach unten geht.

Wir müssen in dem Maß, wie es die SDI-Forschung ermöglicht, die Chancen und Optionen für Frieden und Rüstungsverringerung ausweiten.

Gleich-

zeitig müssen wir durch unser strategisches Modernisierungsprogramm sicherstellen, daß unsere jetzigen Waffen auch weiterhin in der Lage sind,
ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, bis wir den Punkt erreichen, wo sie
durch ein Defensivsystem ersetzt waerden können.

Möge die Geschichte einst davon berichten, daß in unserer Zeit Amerikas beste Wissenschaftler sich darum bemühten, eine Technologie zu entwickeln, die der Menschheit dabei half, sich von dem nuklearen Panzer zu
befreien. Lassen Sie uns den Weg in ein glücklicheres Kapitel der Menschheitsgeschichte antreten.

Ich bin sicher, daß ein jeder Wissenschaftler
- 3-

�jeder Wissenschaftler Stolz dabei empfinden wird, dazu beizutragen, daß
diese neue Seite der Geschchte aufgeschlagen wird.
Wir haben den Weltraum schon bislang dazu verwendet, unsere Welt sicherer zu machen - und werden dies auch weiterhin tun.

Der Weltraum

trägt auch dazu bei, die Welt wohlhabender zu machen, und bei diesem Unterfangen stehen wir erst am Anfang.

Die Weltraumtechnologie hat bereits

die das Fernmeldewesen revolutioniert und hilft allen - von der Landwirtschaft bis zur Schiffahrt.

Und Industriezweige, die weit entfernt von

unmittelbarem Kontakt zum Weltraumprogramm zu sein scheinen, haben über
alle Erwartungen hinaus daraus Nutzen gezogen...
Der Weltraum sollte und wird in immer größerem Maß ein Ort der Investitionen und der kommerziellen Aktivität werden, ein Zentrum für Unternehmungen der Wirtschaft.

Schon jetzt erkennen Firmen ein großes Po-

tential darin, den Weltraum als neues Umfeld für industrielle Forschung
und Entwicklung von Produkten zu verwenden.

Und während das freie Unter-

nehmertum in den Weltraum expandiert, werden nicht nur neue Wege entdeckt, um die Güter und Dienstleistungen anzubieten, derer wir uns jetzt
erfreuen, sondern neue Chancen, wie sie im begrenzten Raum der Erde nicht
vorstellbar sind, werden sich auftun.

Vor dem Ende des Jahrhunderts wird

es eine kommerzielle Aktivität im Umfang von vielen Milliarden Dollar geben - im Weltraum und wegen des Weltraums...
Die Freiheit des einzelnen und das Gewinnstreben waren der Antrieb
des Fortschritts, der eine amerikanische Wildnis in einen wirtschaftlichen Motor verwandelte, der dem amerikanischen Volk einen Lebensstandard
ermöglichte, der noch immer die Welt mit Neid auf uns blicken läßt. Wir
müssen sicherstellen, daß die gleichen Anreize, die so gut funktionierten, als Amerikas erste Grenze erschlossen wurde, auch jetzt ins Spiel
kommen, wenn es garum geht, die Grenze Weltraum zu überwinden...

* * # * *

�3. April 1985

14

GEWALT NUR EINES DER MITTEL IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Rede von Robert McFarlane -

WASHINGTON - (AD) - Am 25. März 1985 hielt der Sicherheitsberater des
amerikanischen Präsidenten, Robert McFarlane, vor dem National Strateyy
Information Center (NSIC) in Washington eine Rede, in der er sich mit den
Problemen des Kampfes gegen den Terrorismus auseinandersetzte.

Sie hat

folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute abend darlegen, wie sich das Problem des Terrorismus
gegenwärtig darstellt und wie wir nach Auffassung unserer Administration
in den kommenden Jahren vorgehen müssen, wenn wir eine abschreckende Wirkung gegen diese Geißel der zivilisierten Gesellschaft erzielen wollen.

Es ist mir ein besonderes Vergnügen, gerade vor diesem Forum sprechen
zu dürfen.

Das NSIC versteht sich als Bildungsinstitution und wird die-

sem Anspruch auch gerecht.

Es ist überparteilich, und die Menschen, die

mit und in dem Zentrum arbeiten, decken unser gesamtes politisches Spektrum ab und bringen das geistige Leben praktisch aller Bereiche unserer

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Bereiche unserer Gesellschaft ein.

Diese Personen kommen aus den Berei-

chen der Künste und des akademischen Lebens, aus der Wirtschaft und den
Gewerkschaften; ehemalige Regierungsbeamte zählen ebenso zu ihnen, wie
qualifizierte Wissenschaftler aus allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Der gemeinsame Nenner des NSIC ist die Abneigung gegen den Isolationismus, den Passivismus und all die anderen defätistischen Haltungen gegenüber den Herausforderungen, denen sich der Westen Ende des 20. Jahrhunderts gegenübersieht.

Die Verteidigung der Vereinigten Staaten ist

das Hauptanliegen des NSIC und der Gegenstand, dem es seine Arbeit während der vielen Jahrzehnte seines Bestehens gewidmet hat.

Es hat sich

stets um eine effektive Partnerschaft zwischen der Regierung und der Privatwirtschaft sowie zwischen den zivilen und militärischen Stellen innerhalb des Regierungsapparats bemüht.

Das NSIC vertritt die Auffassung,

daß eine wohlunterrichtete Öffentlichkeit der Schlüssel zur Aufrechterhaltung einer angemessenen Landesverteidigung und damit zur Erhaltung des
Friedens ist.

Der Präsident und ich teilen diese Überzeugung und zollen

der Arbeit des NSIC unseren Beifall.

Was das NSIC vor allem auszeichnet, ist seine Bereitschaft, sich einigen der enorm schwierigen Fragen zu widmen, die oft Aspekte haben, die
in politischer oder anderer Hinsicht heikel sind.

Als beispielsweise in

den sechziger und siebziger Jahren viele Colleges und Universitäten ihre
ROTC-Programme einstellten, (ROTC = Reserve Officers Training Corps, eine
Organisation des Verteidigungsministeriums, die Lehrgänge zur Heranbildung von Reserveoffizieren veranstaltet) bemühte sich das NSIC in Zusammenarbeit mit Dozenten für Marine- und Militärwissenschaften, den inhaltlichen Standard und die Überzeugungskraft dieser so außerordentlich wichtigen Rekrutierungsprogramme für Offiziere zu verbessern.

Als sich Ende der siebziger Jahre die Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten Angriffen aus vielerlei Richtungen ausgesetzt sahen, machte sich das NSIC zunächst daran, zu definieren, welches die angemessene
Rolle der Nachrichtendienste in unserer Gesellschaft sei und welche Institutionen dieser Art wir aufrechterhalten müüten.
- 2 -

Daraufhin ging das

�ging cas NSIC dazu über, diesen Auftrag dem amerikanischen Volk darzulegen und zu erklären.

Den Bemühungen des NSIC verdanken wir maßgeblich,

daß die Grundlagen erhalten werden konnten, auf denen wir heute diese
Dienste wieder aufbauen.

Als Ihr Gast möchte ich mich heute abend einem anderen Thema zuwenden, das die Menschen in viele verschiedene Lager teilt und heute erhebliche Gegensätze aufwirft; ein Thema, an dem sich ebenso viele Kontroversen wie konstruktive Untersuchungen entzünden.

Ich spreche vom Thema des

Terrorismus.

In weniger als zwei Jahren hat eine wachsende Zahl von Regierungen
erkannt, daß unter Terrorismus nicht mehr nur die Einzelaktionen einiger
weniger Radikaler, denen es um Schlagzeilen geht, zu verstehen sind.
Terrorismus hat neue und beängstigende Dimensionen angenommen.

Der

Die Häu-

figkeit und Gewalttätigkeit terroristischer Aktionen kann nicht mehr ignoriert werden.

Der Terrorismus hat sein neues Gesicht in der jüngeren Vergangenheit
vielfach unter Beweis gestellt, so z.B. durch die Bombenanschläge auf unsere Botschaften in Beirut und Kuweit, durch den Anschlag auf die amerikanischen und französischen Streitkräfte in Beirut, durch den hinterhältigen Anschlag auf das südkoreanische Kabinett, der sich in Rangun ereignete, durch die Ermordung des Präsidenten Beshir Gemayel und der Ministerpräsidentin Gandhi, durch den Mordanschlag

auf Premierministerin

Thatcher und durch den Anschlag auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz.

Diese terroristischen Anschläge haben uns das beklemmende Gefühl vermittelt, daß sich die Welt irgendwie im Kriegszustand befindet, obwohl es
keine Kriegserklärungen oder klare Fronten gibt.

Wir befinden uns in ei-

nem still schwelenden Kampf gegen einen Feind, der schwer zu finden und
im üblichen militärischen Sinne noch schwerer zu stellen und zu vernichten ist.

Ich weiß, daß
- 3 -

�Ich weiß, daß Sie alle über die Tatsachen und Trends im Hinblick auf
Konflikte geringer Intensität gut unterrichtet sind und daß das NSIC sich
eingehend darüber Gedanken gemacht hat, in welcher Art unser Land darauf
reagieren sollte.

Ich möchte nunmehr die Vorstellungen umreißen, die

sich innerhalb der Administration bilden, um Ihnen einen Eindruck davon
zu vermitteln, wo wir gegenwärtig stehen und welchen Weg unser Land nach
unserer Auffassung einschlagen sollte.

Seit dem Beginn der ersten Amtsperiode Präsident Reagans haben wir
der Analyse verschiedener Aspekte des Problems des internationalen Terrorismus hohe Priorität eingeräumt.

Zum ersten erschien es uns lohnend,

eine gründliche Einschätzung der Natur des Terrorismus und der Art der
Bedrohung, die er für unsere Gesellschaft und unsere Sicherheit darstellt, zu entwickeln.

Dies machte es erforderlich, eine große Menge

nachrichtendienstlicher Informationen wie auch die Erfahrungen anderer
Staaten im einzelnen zu sichten und neue Aufgabestellungen für unsere
Nachrichtendienste zu formulieren, um die Vielzahl von Lücken zu füllen,
die unser Wissensstand aufwies.

Einer der besonders beklemmenden Schlüsse, zu denen wir kamen, lautete, daß die Bedrohung durch den Terrorismus mit Sicherheit von Dauer
sein wird und daß wir bislang nocht nicht über wirksame Mittel verfügen,
mit denen wir ihm begegnen könnten.

Zum zweiten machten wir uns daran,

die Politik der Vereinigten Staaten zu überprüfen.

Inzwischen haben wir

unsere Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf mehrere Arten terroristischer Anschläge sorgfältig abgewogen.

Zum dritten haben wir geprüft,

welche staatlichen Organisationen oder Strukturen bestehen, mittels derer
wir sowohl auf der internationalen als auch auf der nationalen Ebene auf
diese Herausforderung reagieren können.

Dies hat uns veranlaßt, die Wir-

kungsmöglichkeiten der Regierungsbehörden, die in dem Kampf gegen den
Terrorismus eine Rolle spielen - vom FBI, der Justiz und dem CIA bis zum
Finanzministerium, dem Zoll und dem Amt für Alkohol, Tabak und Schußwaffen - erheblich zu verbessern.

Zum vierten haben wir längerfristig ange-

legte Bemühungen eingeleitet, in Zusammenarbeit und Abstimmung mit einigen anderen Regierungen, die unsere Sorgen mittlerweile teilen, verschie- 4 -

�teilen, verschiedene Aspekte des Problems des Terrorismus anzugehen.

In Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen der sieben größten Industriestaaten, das im Mai dieses Jahres in Bonn stattfinden wird und an dem wir
teilnehmen werden, haben wir mit den übrigen Partnern erhebliche Fortschritte erzielen können.

Es ist uns gelungen, eine gemeinsame Sichtwei-

se der Natur der Bedrohung zu entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen unseren sieben Ländern wesentlich zu verbessern, Informationen auszutauschen und unsere nachrichtendienstlichen Mittel so zu koordinieren, daü
die Möglichkeit besteht, Terroristen zu erkennen, aufzuspüren und möglichst auch festzusetzen, bevor sie eine Gelegenheit zum Zuschlagen haben.

Trotz dieser Anstrengungen kam es überall auf der Welt zu weiteren
terroristischen Anschlägen auf Amerikaner und Verbündete unseres Landes.
Das alles ist Ihnen bestens bekannt.

Seit einigen Jahren war die Zahl

und Heftigkeit terroristischer Anschläge relativ konstant geblieben.

In

den vergangenen beiden Jahren haben sich im Grundmuster des Terrorismus
jedoch wichtige Veränderungen ergeben.

Im April 1983 wurde unsere Botschaft in Beirut durch eine Autobombe
praktisch zerstört.

Es handelte sich dabei nicht um den ersten Anschlag

dieser Art, aber um den ersten, der sich gegen die Vereinigten Staaten
richtete.

Im Oktober 1983 kam es zu verheerenden Anschlägen gegen die

Kaserne unserer Marineinfanteristen und gegen das Hauptquartier des französischen Kontingents der multinationalen Friedenstruppe in Beirut.

Im

Dezember des gleichen Jahres wurde ein weiterer Anschlag mittels einer
Autobombe verübt, bei dem beinahe unsere Botschaft in Kuweit zerstört
worden wäre.

Wie aus diesen Anschlägen zu ersehen ist, wurden die ein-

zelnen terroristischen Aktionen urplötzlich bedeutend gewalttätiger.

Seitdem haben weitere Sabotageakte an Flugzeugen, Bombenattentate,
Mordanschläge und Entführungen gezeigt, daü bestimmte Gruppen und Staaten
- und zwar besonders Staaten - zunehmend und in erheblichem Umfang bereit
sind, sich zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele terroristischer Methoden zu bedienen.

In den meisten Fällen wurden diese Anschläge ohne
- 5 -

�Anschläge ohne Rücksicht auf das Leben Unbeteiligter verübt.

Tatsache

ist, daß wir bislang nichts dagegen unternommen haben, und zwar selbst
dann nicht, wenn wir unmittelbar betroffen waren.

Weil wir selbst die

Rechte anderer achten, waren wir wie gelähmt angesichts eines derartigen
Maßes an Brutalität und einer solch ungeheuerlichen Mißachtung der Rechte
Unbeteiligter.

Da wir eine ungemein freie und offene Gesellschaft haben,

besitzt kaum jemand von uns viel Erfahrung im Umgang mit dieser Art von
Extremismus.

Wir sind zum Lernen gezwungen.

Unsere Wertordnung enthält

kaum etwas, was uns auf den Umgang mit-solchen Machenschaften vorbereitet.

Im Verlaufe des Jahres 1984 erhöhte sich die Zahl der terroristischen
Anschläge drastisch.
zent auf rund 600 an.

Im vergangenen Jahr stieg sie weltweit um 25 ProBis 1984 richtete sich die Hauptwucht dieser An-

schläge gegen amerikanische Staatsbürger und amerikanischen Besitz.

Im

vergangenen Jahr jedoch richtete sich eine große Zahl von Anschlägen gegen Frankreich.
rorismus.

Der Nahe Osten ist nach wie vor ein Nährboden des Ter-

Im Jahr 1984 nahm jedoch die Zahl der Anschläge, die in West-

europa auf europäische wie auf Drittländerziele verübt wurden, erheblich
zu.

Auch Privatleute, Geschäftsleute und Frauen wurden vermehrt zur

Zielscheibe von Anschlägen.

Dieser Trend hielt bis Anfang 1985 an.

Diese Anschläge in Westeuropa deuten auf einige Tendenzen innerhalb
des internationalen Terrorismus hin, die uns Anlaß zur Sorge geben.

Mit

zunehmender Häufigkeit verlassen Terroristen und terroristische Gruppen
ihre Heimatländer und begehen im Ausland Anschläge, manchmal in Zusammenarbeit mit Gesinnungsgenossen.

Das Zusammenwirken der deutschen Rote

Armee Fraktion, der italienischen Roten Brigaden und der französischen
Action Directe in den vergangenen Monaten bildet ein Beispiel dafür.
Solche Operationen im Ausland verschaffen den Terroristen weitaus mehr
Spielraum und Freiheit bei der Zielauswahl und darüber hinaus Gelegenheiten, mit anderen Terrorgruppen in verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten und gemeinsam Mitglieder auszubilden sowie von diesen "Waffenbrüdern"
Unterschlupf und Unterstützung, Informationen und Anregungen zur Vervollkommnung ihrer Kampftechniken zu erhalten.

Außerdem sind umherreisende

Terroristen natürlich weitaus schwerer aufzuspüren als solche, die inner- 6 -

�die innerhalb eines einzelnen Landes bleiben.

Die meisten Terroranschlä'ge waren zwar von der herkömmlichen Art und
umfaßten Bombenattentate, Entführungen und Mordanschlä'ge, aber die Methoden der Terroristen werden eindeutig immer ausgefeilter.

Die Verstärkung

der Explosivkraft von Sprengladungen durch Gasflaschen - eine Waffe, die
bei vielen Anschlägen zum Einsatz kam, für die der sogenannte "Islamische
Jihad" (Heiliger Krieg) die Verantwortung übernahm -, Fernzündung der Ladungen oder ihre Zündung durch fanatische Selbstmörder, die sich mit einem Fahrzeug in die Luft sprengten, bilden Beispiele für technisch-taktische Neuerungen.

Schließlich werden die Gefahren, die von der Aktivität

kleiner Terrorgruppen ausgehen, noch erheblich dadurch erhöht, daß bestimmte Staaten diese Gruppen unterstützen, indem sie ihnen bei der Planung behilflich sind, sie finanzieren, ausbilden, mit Dokumenten versehen
und ihnen Unterschlupf gewähren.

Regierungsamtliche Unterstützung im gegenwärtig zu verzeichnenden Umfang hat die Dynamik des Terrorismus, wie wir ihn aus den sechziger und
siebziger Jahren kennen, erheblich verändert.

Unter der Obhut eines

Staates können kleine Terrorgruppen eine außergewöhnliche Zerstörungskraft entwickeln.

Sie können sich nunmehr ausgefeilterer Techniken be-

dienen, von staatlich finanzierten Ausbildungsprogrammen profitieren und
Bestände an Waffen und Gerät anlegen, die schlagkräftiger, tödlicher und
schwieriger aufzuspüren sind.

Sie können sich staatlicher Ressourcen be-

dienen, um bessere Informationen zu erlangen und ihre Planung zu vervollkommnen.

Sie kommen in den Genuß der immensen Vorteile, die der Besitz

von echten Reisedokumenten und manchmal sogar eines diplomatischen Status
bietet, wenn es darum geht, ihre wahre Identität, ihre Bewegungen und Munitionslieferungen zu verschleiern. Nach einem Anschlag finden sie Unterschlupf in einem Staat, der als ihr Gönner auftritt, was ihre Chance,
nach einer solchen Aktion davonzukommen, wesentlich erhöht.

Die Terrorgruppen bezahlen für all dies zwar dadurch, daß sie sich in
wechselndem Maße der Führung und dem Befehl dieses Staates unterordnen
müssen, aber eine solche staatliche Vormundschaft bringt ihnen auch große
- 7 -

�auch große Vorteile.

All dies hat bewirkt, daß der Terrorismus sich zu

einer fundamentalen Bedrohung unserer nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten entwickelt hat; zu einer Bedrohung, die allem Anschein
nach bestehen bleiben und wachsen wird, bis wir gemeinsam wirksame Mittel
finden, mit denen wir ihr begegnen können.

Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre entdeckten Untergrundbewegungen und Terroristen im engeren Sinn, daß sie die öffentliche
Meinung in Ländern wie den Vereinigten Staaten mobilisieren und die Regierungen, gegen die sie kämpften, moralisch, wirtschaftlich und politisch unter Druck setzen konnten, indem sie Meldungen in die internationalen Nachrichtenmedien lancierten.

Von da war es kein weiter Schritt

mehr bis zu der Erkenntnis, daß Anschläge auf Bürger und Einrichtungen
eines anderen Landes einen sicheren Weg bildeten, um die Aufmerksamkeit
der Medien, der 'Öffentlichkeit und des Parlaments dieses Landes auf sich
zu ziehen.

Was den internationalen Terrorismus jedoch zu der Bedrohung für die
Sicherheit gemacht hat, die er heute darstellt, ist die Tatsache, daß
einige Staaten zu der Schlußfolgerung gelangt sind, daß man mittels des
Terrorismus andere Staaten in einer Weise

zu Zugeständnissen

zwingen

kann, wie dies mit den herkömmlichen Mitteln der Diplomatie niemals möglich wäre.

Genau diese Effektivität des Terrorismus als Mittel der Poli-

tik macht seine besondere Verlockung aus und hat dazu geführt, daß er in
den vergangenen Jahren immer häufiger in Erscheinung getreten ist.

Wir

dürfen daher Ausbrüche der Gewalt nicht einmal dann als Ereignisse betrachten, die unsere Interessen nicht berühren, wenn sie nur in kleinerem
Umfang und in entlegenen Regionen auftreten.

Die Bedrohung, der wir uns

gegenübersehen, geht über isolierte und vereinzelte Ausbrüche von Gewalt
hinaus.

Die Bedrohung, der sich die Gesellschaft als ganze heute durch den
Terrorismus ausgesetzt sieht, ist ernster zu nehmen, als die bloße Tatsache, daß es Individuen und Gruppen gibt, deren Zorn sich gegen die Führung ihres Landes richtet.

Diese Bedrohung betrifft in gleicher Weise
- 8 -

�gleicher Weise alle zivilisierten Gesellschaften.

Auch Staatsburger und

Einrichtungen unseres Landes sind bedroht oder real betroffen.

In den

Augen der Menschen, d.h., der Menschen unseres Landes werden durch den
Terrorismus die Richtigkeit unserer Entscheidungen und unsere Fähigkeit
zum Durchhalten unseres politischen Kurses in Frage gestellt und zweifelhaft gemacht.

Der Entscheidungsprozeß innerhalb unserer Regierung wird durch den
Terrorismus gestört.

Das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit

Institutionen wird durch ihn schwer in Mitleidenschaft gezogen.

unserer
Wenn wir

es nicht schaffen, ihm wirksam zu begegnen, wird unsere internationale
Glaubwürdigkeit ernsten Schaden erleiden, wie dies vor fünf Jahren während der Geiselaffaire im Iran schon einmal der Fall war.

Der Terroris-

mus verstärkt viele verschiedene Arten und Quellen der Unzufriedenheit.
Er bildet häufig ein Fanal für Menschen, die eigentlich eine andere Sache
vertreten und sie zumeist auch auf gewaltfreie Art und Weise artikulieren.

Er ist ein attraktives Mittel für kleine und schwache Staaten oder

Gruppen und deren Ehrgeiz.

Er bildet einen natürlichen Brennpunkt der

Desinformation und anderer Arten der Täuschung der Öffentlichkeit.

Er

heizt die Leidenschaften an, die in einer Gesellschaft bestehen, und er
polarisiert sie.

Und schließlich ist er ein verlockendes Instrument,

dessen man sich bedienen kann, um den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch eines Staates voranzutreiben.

Einer der größten politischen Erfolge unserer Zeit beruht in der Tatsache, daß die strategische Abschreckung sich als funktionsfähig erwiesen
hat.

Die strategisch-nukleare Abschreckung leistet uns seit über 4u Jah-

ren gute Dienste.

Sie funktioniert so gut, daß unsere Gegner unkonven-

tionelle Mittel und Wege finden mußten, um uns angreifen zu können.

Un-

ser Problem für die Zukunft besteht darin, daß wir uns unterhalb der
Schwelle, ab der die Abschreckung funktioniert, d.h., unterhalb des strategischen Niveaus, einer heimtückischen neuen Bedrohung gegenübersehen.
Es handelt sich dabei nicht um die Gefahr eines Krieges von der Art, die
wir kennen, und auch nicht um die Gefahr eines nukearen Angriffs, sondern
um eine neue Art der Kriegführung, eben den Terrorismus.
Der Gesamteffekt

�Der Gesamteffekt dieser Taktik der Gewalt in kleiner Dosierung besteht in einer langsamen Untergrabung unserer nationalen Sicherheit.

Er

ergibt sich aus der Tatsache, daß in den Augen unserer Freunde und Verbündeten unsere Verläßlichkeit und unsere Fähigkeit zur Bewältigung von
Problemen allmählich abbröckelt und daß sie uns zunehmend weniger zutrauen, daß wir wissen, wie man mit solchen Herausforderungen fertig wird.
Da die politisch Verantwortlichen solch kleinerer befreundeter Staaten
sich Einschüchterungsversuchen und Drohungen gegen ihre persönliche Sicherheit gegenübersehen, entwickeln sie dann im Laufe der Zeit allmählich
eine Neigung, ihre eigenen Wege zu gehen, da ihre stärkeren Freunde hier
in den Vereinigten Staaten augenscheinlich außerstande sind, sie zu beschützen und solchen Bedrohungen entgegenzutreten.

Ich behaupte nicht, daß es sich beim Terrorismus um eine zentral gelenkte Verschwörung handelt, obwohl, wie Außenminister Shultz erklärt
hat, wenig Zweifel
spielt.

darüber

bestehen, welche Rolle

unser Hauptgegner

Nichtsdestoweniger ergeben sich die Probleme, denen wir uns bei

der Auseinandersetzung mit dieser Bedrohung gegenübersehen, nicht aus der
Existenz eines einzelnen Marionettenspielers, der an allen Fäden zieht,
sondern vielmehr aus der Tatsache, daß die einzelnen Zwischenfälle für
sich gesehen nur ein geringes Ausmaß erreichen und daß die Vielzahl der
beteiligten Spieler aus differenzierten Beweggründen heraus handelt und
Unterstützung

aus unterschiedlichen Quellen erhält.

Für manche Leute

verwischt sich der Unterschied zwischen Terrorismus und Untergrundkampf.
Beim Untergrundkampf handelt es sich um den offenen Gebrauch von Waffengewalt, um Veränderungen oder Zugeständnisse von einer totalitären oder
diktatorischen Regierung zu erzwingen, die sich gegen friedliche Formen
der Behebung
sträubt.

von Mißständen

oder

der

gesellschaftlichen

Veränderung

Dies ist unschwer von den Aktivitäten von Gruppen zu unter-

scheiden, die eine demokratische Gesellschaft angreifen, indem sie Geiseln nehmen oder Koffer voll Sprengstoff in Passagierflugzeuge schmuggeln, die vollbesetzt mit unschuldigen Menschen sind.

Eine wirksame Po-

litik gegenüber der Öffentlichkeit erfordert ein klares Verständnis dieser Dinge.

Es ist wesentlich,
- 10 -

�Es ist wesentlich, daß wir unsere Politik in einer Art und Weise darlegen, die für die Terroristen, ihre regierungsamtlichen Schutzherren und
unsere Freunde und Verbündeten klar verständlich ist.

Es ist in diesem

Zusammenhang jedoch nicht erforderlich, unsere Planung im einzelnen darzulegen oder genau zu erläutern, wie wir auf die Umstände, denen wir uns
im Einzelfall gegenübersähen, reagieren würden.

Das Überraschungsmoment

ist ein Vorteil, den wir nicht aufgeben dürfen.

Wenn es soweit ist, muß

unser Verhalten für sich selbst sprechen.

In Anbetracht all dieser Faktoren arbeitet die Administration auf der
Grundlage einiger Verhaltensgrundsätze, die ich Ihnen heute abend darlegen möchte.

Sie sind in einer Direktive des Präsidenten zum Kampf gegen

den Terrorismus enthalten und sollen unsere Entscheidungsfindung in konkreten Krisensituationen leiten.

Zunächst einmal bildet die Anwendung terroristischer Methoden durch
irgendwelche Personen oder Gruppen im Dienste irgendeiner Sache eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit.

Zweitens dem internationalen Ter-

rorismus muß mit allen rechtlich zulässigen Mitteln entgegengetreten werden.

Drittens, terroristische Aktionen oder Drohungen, die von Staaten

gefördert werden, bilden feindselige Akte, und die, die dergleichen betreiben oder fördern, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Viertens, wenn wir Hinweise darauf erhalten, daß eine terroristische Aktion
gegen uns in Vorbereitung ist, sind

wir verpflichtet, Maßnahmen zum

Schutz unserer Staatsbürger, unseres Eigentums und unserer Interessen zu
treffen.

Fünftens, die Bedrohung durch den Terrorismus stellt eine Ag-

gression dar und rechtfertigt Maßnahmen der Selbstverteidigung.

Es ist

daher wesentlich, die Methoden des Sammeins und Bewertens von Informationen über in terroristische Aktivitäten verwickelte Gruppen und Staaten zu
vervollkommnen, um Angriffe verhindern bzw. zurückschlagen zu können, um
unsere Bürger, Freunde und Verbündeten warnen zu können und um die Erfolgsaussichten terroristischer Anschläge zu verringern.

Secnstens, der

Terrorismus ist ein Problem, das alle demokratischen Nationen betrifft.
Wir müssen daher mit anderen Ländern intensiv zusammenarbeiten, um diese
Bedrohung für die freien und offenen Gesellschaften zu beseitigen.
- 11 -

Wei-

�beseitigen.

Weiterhin müssen wir alle politischen und diplomatischen Re-

gister ziehen, um diejenigen, die sich terroristischer Methoden bedienen
oder sie fördern, zu veranlassen, hiervon Abstand zu nehmen.

Wo immer

dies möglich ist, müssen wir dabei helfen, Mittel und Wege zu finden, dem
legitimen Groll über irgendwelche Mißstände gewaltfreie Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen.

Ferner sollten terroristische Aktionen, die von

Staaten gefördert oder organisiert worden sind, auf jedem uns zugänglichen Forum

in gebührender

Weise

angeprangert

und

verurteilt

werden.

Schließlich sollten wir, wo immer dies möglich ist, befreundeten Nationen, die sich durch terroristische Drohungen oder Aktionen eingeschüchtert fühlen müssen, helfen und sie mit allen uns zur Verfügung stehenden
Mitteln unterstützen, so u.a. beim Sammeln nachrichtendienstlicher Informationen, durch Ausbildungshilfe und auf Anforderung und in Selbstverteidigung auch durch den Gebrauch von Gewalt

All dies spiegelt meiner Meinung nach deutlich die Komplexität der
Herausforderung, vor die uns der internationale Terrorismus stellt, wie
auch die Notwendigkeit für eine sorgfältig durchdachte Reaktion auf ihn
wider.

Die Festlegung dieser Grundsätze ist jedoch nur der Anfang unse-

rer Aufgabe.

Denn genau hier beginnt die Debatte darüber, wie unsere Re-

aktion im einzelnen aussehen sollte.

Die meisten der uns zur Verfügung

stehenden Optionen geben verhältnismäßig wenig, wenn überhaupt, Grund zur
Kontroverse.

Unsere Regierung unternimmt derzeit umfassende Anstrengun-

gen, um die rein äußere Sicherheit unserer diplomatischen Missionen und
anderen Einrichtungen im Ausland zu verbessern.

Zur Pflicht werden die

Ausbildungsprogramme, durch die unser diplomatisches und militärisches
Personal hinsichtlich der Natur der terroristischen Bedrohung und derjenigen Schritte sensibilisiert wird, die ein jeder ergreifen kann, um seinen eigenen Schutz vor einem terroristischen Angriff zu verbessern.

Wir

arbeiten auch eng mit vielen anderen Regierungen zusammen, um Qualität
und Quantität der Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern, die unserem Personal und unseren Einrichtungen im Ausland zur Verfügung stehen, und wir
verstärken unsere Möglichkeiten, um ausländischen Diplomaten, Würdenträgern und Besuchern hier in unserem eigenen Land noch mehr Schutz zu gewähren.
Im vergangenen
- 12 -

�Im vergangenen Jahr haben wir uns auch aktiv an der Ausbildung von
ausländischen Zivilbediensteten beteiligt, die im Bereich Sicherheit und
Terrorismusbekämpfung tätig sind. Unsere eigenen Fähigkeiten bei Beschaffung, Beurteilung und Einsichtnahme in nachrichtendienstliche Ergebnisse
hinsichtlich

terroristischer Aktivitäten wurden verbessert.

Mit Hilfe

des Kongresses haben wir erste Schritte in der Gesetzgebung unternommen,
um die rechtlichen Grundlagen für die Verfolgung und Ergreifung potentieller Terroristen zu stärken und um die Anwendung internationaler Konventionen zu ermöglichen, die ebenfalls zur Verringerung dieser Bedrohung
beitragen können.

In bilateralen und multilateralen Gesprächen streben

wir Abkommen mit anderen Regierungen an, die die Auslieferung tatverdächtiger Terroristen erleichtern, die die Interpretation bestehender Abkommen hinsichtlich des Status des diplomatischen Personals und diplomatischer Missionen straffen und die es ermöglichen, gemeinsam Technologien
im Bereich der Bekämpfung terroristischer Aktivitäten zu nützen sowie die
internationalen Bemühungen in Bereichen gemeinsamen Interessesn, wie der
Sicherheit des Luftverkehrs, zu verstärken.

All diese Programme sind angelaufen und tragen erste Früchte.

Aber

es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis uns ihr volles Potential zur
Verfügung steht.

Wurde auch bisweilen über Tempo, Angemessenheit und

Priorität bei diesen Themen diskutiert, so scheint doch generelle Übereinkunft dahingehend zu bestehen, daß in allen Bereichen weitergearbeitet
werden muß.

Dies ist allerdings nicht der Fall bei dem letzten von mir

genannten Bereich - dem Einsatz von Gewalt -, um terroristischen Attacken
zuvorzukommen bzw. als Antwort auf solche.

Wie ich bereits sagte, liegt begrenzte Gewalt, einschließlich Terrorismus, unterhalb der normalen Schwelle, die eine militärische Reaktion
erforderlich machen würde.

Sowohl Außenminister Shultz als auch Vertei-

digungsminister Weinberger haben der Öffentlichkeit eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, was die Fakten angeht, die dabei eine Rolle spielen, wenn man sich für eine militärische Option entscheidet.

Obwohl die

Medien diese Erklärungen eine Debatte genannt haben, so ist dies eigentlich nicht wirklich der Fall.

Außenminister Shultz hat die Notwendigkeit

- 13-

�die Notwendigkeit betont, die Anwendung von Gewalt als eine realistischerweise zur Verfügung stehende Option in Erwägung zu ziehen, um mit
bestimmten terroristischen Aktionen fertigzuwerden.

Er hat sorgfältig

auf die Risiken und Probleme hingewiesen, die wir in unsere Überlegungen
mit einbeziehen müssen, bevor wir uns für den Einsatz von Gewalt entscheiden - einschließlich der Probleme der Sicherung von Unterstützung
und Zusammenarbeit seitens anderer Regierungen.

Minister Weinberger hat

auf die sehr realen, praktischen Schwierigkeiten hingewiesen, vor denen
die militärische Planung bei dem Versuch steht, Gewalt in geringem Umfang
und über große Entfernungen anzuwenden.

Er hat, wie ich meine, sehr

deutlich darauf hingewiesen, wie schwer hierbei ein Erfolg zu erzielen
ist und hat gleichfalls die Notwendigkeit der Unterstützung durch die
Öffentlichkeit betont, wenn es darum gehen sollte, daß die Vereinigten
Staaten bei der Abwendung eines terroristischen Angriffs auf Gewalt zurückgreifen.
i

Ich persönlich glaube nicht, daß diese Argumente einander ausschließen.

Das Völkerrecht erlaubt die Anwendung von Gewalt zur Selbstvertei-

digung.

Dies ist explizit im Artikel 51 der Charta der vereinten Natio-

nen sanktioniert.

Worum es uns geht, ist eine Reihe von Arbeitsprinzi-

pien, von Regeln, die den sinnvollen Einsatz von Gewalt in bestimmten
Fällen erleichtern, wo diese eindeutig notwendig ist.

Wir wollen, daß

diese Anwendung von Gewalt in einem sinnvollen Verhältnis zur Bedrohung
steht.

Wir wollen, daß sie so genau wie nur möglich zielt.

Wir wollen,

daß sie hinsichtlich des "Wo", des "Wann" und des "Wie" wohlüberlegt ist.
Wir möchten die größtmögliche Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Regierungen und mit dem Kongreß.

Und - am wichtigsten - wir wollen den Er-

folg.
Als Staat standen wir oftmals vor der Notwendigkeit einer wirksamen
Antwort auf begrenzte Gewalt. Sie erinnern sich vielleicht an die Jahre
1803, 1804, als die Vereinigten Staaten sich im Mittelmeer einer erheblichen Plage im Mittelmeer konfrontiert sahen, Piraten nämlich, deren
Raubzüge für die Handelsschiffahrt entlang der nordafrikanischen Küste
eine nicht geringe Gefahr bedeuteten. Präsident Jefferson sandte Stephen
Decatur, um dieses Übel an seiner Wurzel zu beseitigen. Parallel und in
- 14-

�und in Ergänzung hierzu schlug Marineleutnant Presley O'Bannon zu Lande
zu - das Ganze, wie man sagen könnte, unsere erste verdeckte Aktion. Gemeinsam führten Decatur und O'Bannon eine absolut erfolgreiche Antiterroraktion durch, und die zivilisierten Nationen der Erde waren ihnen damals alle dankbar.

Die anarchischen Bedingungen, die zu Decaturs und

O'Bannons Zeit in jener Region herrschten, sind meiner Meinung nach in
vieler Hinsicht dem ähnlich, was wir heute in einigen Gegenden der Erde
erleben - insbesondere im Nahen Osten.

Wie wir alle wissen, bringt der Einsatz von Gewalt in einer so freien
und offenen Gesellschaft wie der unsrigen ganz besondere Probleme mit
sich.

Wir haben nie nachlässig oder gleichgültig Gewalt angewendet.

Da-

durch sind wir, wie ich meine, bei unserer Reaktion in einem erheblichen
Nachteil jenen gegenüber, die sich selbst zu unseren Gegnern ernannt haben.

Die Vereinigten Staaten haben Gewalt nie blind eingesetzt und wer-

den dies auch nie tun.

Aber wir müssen die Freiheit haben, einen bewaff-

neten Schlag gegen Terroristen und jene in Erwägung zu ziehen, die sie
unterstützen, wo eine Bedrohung durch keine anderen Mittel aus der Welt
geschafft oder zumindest verringert werden kann.

Mit Geschick haben Ter-

roristen es fertiggebracht, Unschuldige zu zwingen oder manchmal auch zu
überreden, sie vor Vergeltungsmaßnahmen

zu

schützen.

Diese

Tatsache

sollte unsere Besorgnis hervorrufen, wenn wir dem jeweiligen Fall entsprechend die angemessenen Instrumente einer Antwort auswählen.
dürfen andererseits auch nicht wie paralysiert erstarren.
genau das, was die Terroristen zur Zeit erwarten.

Aber wir

Denn das ist

Genau wie wir mit uns

nicht handeln lassen - und das ist, wie Sie wissen, seit Jahren unsere
erklärte Politik gewesen.

Wir können und werden nicht auf Gewalt ver-

zichten, um Terrorakte zu verhindern, ihnen zuvorzukommen oder um auf sie
zu reagieren, wenn die Umstände den Einsatz von Gewalt sinnvoll erscheinen lassen.

Viele Länder, auch die Vereinigten Staaten, haben die spe-

ziellen Kräfte und Möglichkeiten, die erforderlich sind, um Operationen
gegen terroristische Gruppen durchzuführen.

Wenn wir diese Kräfte nicht einsetzen, wo eben dieser Einsatz eindeutig gerechtfertigt ist, werden wir weder den unmittelbaren Nutzen noch

- 15-

�Nutzen noch den Abschreckungseffekt aus der Tatsache ziehen können, daß
wir sie überhaupt haben.

Wir können nicht so handeln, daß Terrorgruppen

und die sie Unterstützenden den Eindruck erhalten, sie könnten Gewalt
gegen uns frei und ungehindert anwenden.

Diese Abschreckung kann aber

nur dann wirklich Anwendung finden, wenn wir gelegentlich unseren Willen
unter Beweis stellen, einer terroristischen Herausforderung mit angemessener Gewalt zu begegnen.

Zu diesem Zweck müssen wir im Ernstfall auf

entsprechende Beweise hin rasch reagieren.

Solange die Terroristen und

die sie unterstützenden Staaten den Eindruck haben, wir seien in unserer
Reaktion behindert oder unsere Reaktion werde sich in endlosen Konsultationen und Debatten verlieren, haben wir tatsächlich überhaupt keine
Abschreckung.
Das NSIC kann meiner Meinung nach in dieser Sache besonders hilfreich
sein, indem Informationen über die Erfordernisse nach rechtzeitigen, raschen und wirksamen Maßnahmen des Präsidenten bereitgestellt werden, um
so sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten wirklich über eine Abschreckung verfügen, die funktioniert, um Gewalt auf niedriger Ebene zu
verringern und letztlich dazu beiträgt, daß wir tatsächlich notwendige
Gewalt in immer geringerem Maß einsetzen müssen. Unsere Verbündeten und
Freunde wollen nicht, daß wir uns unzureichend gerüstet überall in der
Welt auf militärische Abenteuer einlassen - und das will auch der Präsident nicht. Darüber brauchen Sie sich aber keine Sorge zu machen. Wir
haben keine derartigen Absichten. Wir beabsichtigen allerdings, die Kapazität für den raschen und wirksamen Einsatz von Gewalt aufrechtzuerhalten, falls es der Gewalt bedarf, und zwar je nach Bedarf - in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen.
Der Einsatz von Gewalt ist gefährlich - ja, und wir müssen stets darum bemüht sein, dies wenn möglich zu vermeiden. Aber, und ich wiederhole
es, nicht um jeden Preis. Darauf als Option bei der Bekämpfung des Terrorismus zu verzichten, bedeutet, zu mehr, nicht zu weniger skrupelloser
terroristischer Brutalität einzuladen. Wir sind uns alle einig, daß die
Unterstützung durch die öffentliche Meinung für unsere Außenpolitik schon
im allgemeinen und umso mehr in dem speziellen Fall von entscheidender
Bedeutung ist, wenn es um die Anwendung von Gewalt, gleich welcher Form,
- 16-

�welcher Form, im internationalen Rahmen geht.

Um offen zu sein: Ich glaube, wir haben dieses Mandat. So hat der
Präsident selbst an seiner Haltung keinerlei Zweifel gelassen - und zwar
schon von seinen ersten Tagen im Amt an, als seine Administration den internationalen Terrorismus zum größten Mißbrauch der Menschenrechte erklärte.

Und ich möchte hinzufügen, daß diese Administration über ihren

ehemaligen und jetzigen Außenminister in gleichem Maß auf die Sowjetunion
verwiesen hat und sie als einen Hauptsponsor und -unterstützer einer ganzen Reihe von Staaten und Gruppen ausgewiesen hat, die dem internationalen Terrorismus angehören.

Wir haben keine Beweise dafür, die uns dazu

bewegen könnten, von dieser Sicht abzugehen. Gleiches kann auch von anderen Staaten gesagt werden, die den Terrorismus als Instrument ihrer Politik benützen.

In diesen Fällen sollten wir bereit sein, eine entspre-

chende militärische Antwort gegen angenommene militärische Ziele in einem
Staat zu richten, der uns gegenüber terroristische Maßnahmen ergreift.
Bei der Entscheidung über einen Angriff auf diese militärischen Ziele
müssen wir nicht auf dem absoluten Beweis dafür bestehen, daß die Ziele
einzig dazu verwendet wurden, den Terrorismus zu unterstützen.

Wir soll-

ten auch nicht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus beweisen müssen,
daß ein bestimmtes Element oder eine bestimmte Einzelperson in diesem
Staat für solche Terrorakte verantwortlich ist. Es gibt zum Beispiel ausreichende Beweise dafür, daß radikale Shia-Terroristen auf Lenkung durch
den Iran reagieren, um uns in die Lage zu versetzen, Teheran für solche
Angriffe auf Bürger, Eigentum und Interessen der Vereinigten Staaten verantwortlich zu machen.

Der Terrorismus ist ein empörendes Phänomen, das jene betreiben, die
sich aus eigener Entscheidung
stellen.

außerhalb

der

zivilisierten

Menschheit

Er ist eine Form der Kriegsführung, der sich gegen das Herz der

Zivilisation selbst, gegen ein jegliches annehmbares Schema des politischen und kulturellen Lebens richtet.

Wir können nichts anderes tun als

uns ihm zu stellen, und das bedeutet auch: frontal, wenn nichts anderes
wirkt.

Oberstes Ziel der Terroristen und jener, die sie unterstützen,

- 17-

�sie unterstützen, ausbilden und versorgen, ist es, unsere Werte zu untergraben, unser Selbstvertrauen zu erschüttern und unsere Reaktion zu
schwächen.
In letzter Analyse ist allerdings Gewalt nur eins der Instrumente,
über die wir verfügen.

Auch alle anderen Optionen - Sicherheitsvorkeh-

rungen, Ausbildung, diplomatische Bemühungen, Verbesserung der Institutionen, über die wir unsere Quellen und unser Wissen mit anderen Staaten
teilen, sowie die rechtlichen Methoden, die ich erwähnt habe - müssen auf
integrierte Weise so rigoros wie möglich eingesetzt werden.

Wir müssen

auch weiterhin unsere Fähigkeit unter Beweis stellen, all diese Elemente
der nationalen, wirtschaftlichen, diplomatischen, militärischen, informationstechnischen und verdeckten Möglichkeiten zusammen gegen die Plage
des Terrorismus einzusetzen.

Sollten aber andere Mittel sich als unzu-

reichend erweisen, so muß Gewalt - für sich oder kombiniert mit anderem zur Verfügung stehen.
Die Rechtmäßigkeit dieser Option hängt davon ab, ob wir eine ehrliche
Anstrengung unternommen haben, mit dieser Herausforderung fertig zu werden, ohne Gewalt anzuwenden. Es gibt über diesen Grundsatz innerhalb
dieser Administration keinerlei Diskussion. Und es sollte unter freien
Menschen, die dies bleiben wollen, darüber auch keine geben.

- 18-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. April 1985

14

NUKLEARE PLANUNGSGRUPPE DER NATO UNTERSTÜTZT AMERIKANISCHE
SDI-FORSCHUNG

- Schreiben Weinbergers an die Verbündeten -

LUXEMBURG - (AD) - Auf der regulären Tagung der Nuklearen Planungsgruppe der NATO am 26. und 28. März 1985 in Luxemburg haben die darin
vertretenen Mitglieder des Atlantischen Bündnisses die amerikanische Forschung auf dem Gebiet der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) als
richtig bezeichnet und unterstützt. Dies geht aus dem am 27. März veröffentlichten Schlußkommunique' hervor und wurde auch von NATO-Generalsekretär Lord Carrington auf einer Pressekonferenz am gleichen Tag bestätigt.

Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa (SACEUR), General Bernard
Rogers, hatte den in der Nuklearen Planungsgruppe versammelten Verteidigungsministern ferner seine Pläne für den im Vorjahr in Montebello beschlossenen Abzug von 1400 Nuklearwaffen aus Europa dargelegt.

Im Zuge

dieses Abzuges von Waffen soll auch eine Umdislozierung stattfinden, um
Über- und Unterstationierung in bestimmten Gebieten auszugleichen.
Der

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger hatte die
Mitglieder des Atlantischen Bündnisses sowie Japan, Australien und Israel
in Schreiben an die Verteidigungsminister eingeladen, sich an den Forschungsarbeiten für die Strategische Verteidigungsinitiative zu beteiligen.

Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:

Lieber Kollege,

in dem Zeitrum, seit Präsident Reagan seine Vorstellungen von der
Strategischen Verteidigungsinitiative

(SDI) dargelegt hat, haben viele

unserer Verbündeten informell ihr Interesse an einer Beteiligung an diesem Forschungsprogramm zum Ausdruck gebracht.

Gleichzeitig haben einige

unserer Freunde um eine Klarstellung unserer Politik und unserer Haltung
bezüglich einer solchen Zusammenarbeit gebeten.

Ich schreibe Ihnen heu-

te, um die Auffassungen meiner Regierung zu diesem wichtigen Thema darzulegen und um in einen direkten Dialog mit Ihnen einzutreten.

Wie Sie wissen, besteht der Zweck der Strategischen Verteidigungsinitiative darin festzustellen, ob es kosteneffektive Verteidigungstechnologien gibt, die die Abschreckung stärken und die Stabilität erhöhen könnten. Weil unsere Sicherheit unauflöslich mit der unserer Freunde und Verbündeten verknüpft ist, werden wir in den nächsten Jahren eng mit unseren
Verbündeten

zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß

im Falle einer

künftigen Entscheidung, Defensivsysteme zu dislozieren - eine Entscheidung, bei der die Konsultation mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würde -, die Sicherheit der Verbündeten ebenso wie die der
Vereinigten Staaten vor einer Aggression erhöht würde.

Darüber hinaus

wird sich das SDI-Programm nicht ausschließlich auf eine Nutzung von
Technologien mit einem Potential gegen Interkontinentalraketen (ICBM) und
unterseebootgestützte Raketen (SLBM) beschränken, sondern auch sorgfältig
Technologien mit einem Potential gegen Raketen mit kürzerer Reichweite
prüfen.
Die Vereinigten
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten werden in Übereinstimmung mit ihren bestenenden

internationalen Verpflichtungen, einschließlich des ABM-Vertrages,

mit kooerativer Forschung mit den Verbündeten auf Gebieten der Technologie fortfahren, die zu dem SDI-Forschungsprogramm beitragen könnten.

In

Verfolg dieser Politik ist es den Vereinigten Staaten gestattet - und sie
sind dazu bereit -, solche kooperativen Programme über Daten und Technologie, die unterhalb der Schwelle von Komponenten des ABM-Vertrages liegen, durchzuführen, wie sie mit verbündeten Ländern gegenseitig vereinbart werden könnten.

Wenn Ihr Land daran interessiert ist, mögliche kooperative Anstrengungen oder Beiträge zu prüfen, dann möchte ich Sie bitten, mir im Laufe
von 60 Tagen einen Hinweis Ihres Interesses an einer Beteiligung an dem
SDI-Forschungsprogramm sowie bezüglich der Forschungsgebiete zukommen zu
lassen, in denen Ihr Land führend ist und die Sie als die vielversprechendsten für dieses Programm ansehen.

Um Ihnen eine breitere Basis für

die Beurteilung in Frage kommender Kapazitäten zu geben und um zur Beschleunigung des Prozesses beizutragen, sind die Vereinigten Staaten bereit, in Washington Zusammenkünfte zu arrangieren, damit die wissenschaftlichen und technischen Vertreter Ihrer Regierung sich in diesem
Zeitraum eingehend über das SDI-Programm unterrichten lassen können.

Im Hinblick auf die Möglichkeit, angemessene bilaterale Gespräche
über spezifische Gebiete und Vereinbarungen der Kooperation einzuleiten,
würden wir gerne mit einer baldigen Antwort rechnen.

gez.
Caspar Weinberger

- 3 -

�Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

3. April 1985

INTERNATIONALES INTERESSE AN BEMANNTER RAUMSTATION
- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA) erzielte mit der Europäischen .Veitraumbehörde ESA und den zuständigen Organisationen Kanadas und Japans eine Übereinkunft zur Koordinierung erster Studien über die Entwicklung einer ständig besetzten Raumstation.

Diese soll in den neunziger Jahren in Betrieb genommen werden.

Auf der Basis eines Grundsatzabkommens, über das man sich im März 1985
einigte, werden für die nächsten zwei Jahre Aktivitäten auf diesem Gebiet
zwischen der NASA und den Regierungen befreundeter Länder abgestimmt.
Dies berichtete kürzlich Robert Lottmann, der Leiter der NASA-Abteilung
für Kooperationsprogramme, vor der Auslandspresse in Washington.

In etwa

einem Jahr werde man so weit sein, um endgültig entscheiden zu können,
welche Elemente der Raumstation von den einzelnen ausländischen Partnern
für die vorläufige Entwurfsphase und dann für die Entwicklungsphase übernommen werden.

Die NASA selbst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die NASA selbst beginnt im April 1985 offiziell mit ihren Uefinitionsstudien, die eine Entscheidung über die vorläufige Konfiguration der
Raumstation erleichtern.
rien,

Aufenthaltskabinen,

(Erste Entwurfsaufträge der NASA für LaboratoSteuerung

von

Lebenserhaltungssystemen,

An-

triebssystemen und frei fliegende Plattformen wurden Mitte März 1985 an
eine Anzahl amerikanischer Firmen vergeben.)

"Wir nehmen an", sagte

Lottmann, "daß in etwa einem Jahr die Grundkonzeption der Raumstation
feststeht.

Wir

hoffen auch, daß sich bis zu diesem Zeitpunkt geklärt

hat, welche Funktionen unsere internationalen Partner in der Eingangsphase des Raumstation-Programms übernehmen.

Im kommenden Jahr werden wir

mit den Arbeiten über die derzeit erwarteten Anforderungen an die Raumstation und mit den eigentlichen Entwürfen beginnen; die Hardware-Entwicklung soll im Finanzjahr 1987 aufgenommen werden.

Lottmanns Ausführungen zufolge unterscheidet sich die internationale
Beteiligung am Raumstation-Programm sehr deutlich von früheren Kooperationsprogrammen.

Das Engagement der potentiellen Partner erstrecke sich

von vornherein über Jahrzehnte, und sie wüßten, daß sich dies auf ihre
eigenen Weltraumaktivitäten für die neunziger Jahre und darüber hinaus
erheblich auswirken werde, sagte Lottmann.

Er hoffe, daß die Europäische

Weltraumbehörde (ESA), Kanada und Japan in Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten in dreifacher Hinsicht wichtige Rollen übernähmen - als
Benutzer von Einrichtungen, als Erbauer einzelner Elemente und als Betreiber von Ausrüstungen der Raumstation.

Im "Memorandum of Understand-

ing" sei u.a. vereinbart, daß jeder Partner einen Benutzungsplan für die
Raumstation entwickeln werde und sich zum langfristigen Gebrauch mit allem technischen Drum und Dran verpflichte.

Sein Mitspracherecht beim Be-

trieb des Gesamtsystems sei unumstritten.

Als Beispiel für Projekte, die von einzelnen Ländern erwogen würden,
nannte Lottmann einen Vorschlag Kanadas, Definitionsstudien für eine Wartungs- und Dienstleistungseinheit durchzuführen, die der Raumstation anzugliedern sei.

"Man könnte sie als Werkstatt bezeichnen, in die bei-

spielsweise Satelliten für Reparaturen und zum Nachtanken gebracht würden", sagte Robert Lottmann.

Bei technischen Details würden die Möglich- 2 -

�die Möglichkeiten und Erfahrungen ausgewertet, die bisher mit dem von
Kanada

zum Raumtransporterprogramm

striert worden seien.

beigesteuerten

"Manipulator" demon-

Die Kanadier befaßten sich außerdem mit Solarzel-

lenstrukturen zur Energieversorgung von Nutzlasten und als zusätzliche
Energiequelle für die Raumstation. Japan erwä'gt Lottmann zufolge Möglichkeiten zur Konstruktion eines Vielzweck-Experimentmoduls, zu dem sowohl
eine Labor-Druckkabine als auch eine offene Plattform für wissenschaftliche Instrumente zum Studium der Sterne und des Sonnensystems gehörten.

Auch Entwicklungsländer wurden eingeladen, sich am Raumstation-Programm zu beteiligen.

"Falls sie beim Bau der Hardware nicht mitmachen

können, bestünde für sie dennoch die Möglichkeit, die Station zu nutzen.
Von ihnen bereitgestellte wissenschaftliche und kommerzielle Nutzlasten
würden von den USA und anderen internationalen Partnern in der Raumstation betreut", erklärte Lottmann.

Nach Schätzungen der NASA liegt der Kostenaufwand für die Entwicklung
der Raumstation bei elf bis zwölf Milliarden Dollar - Beiträge der Vereinigten Staaten von ca. acht Milliarden Dollar und der ESA von ca. zwei
Milliarden Dollar eingerechnet.

Die vorliegenden Pläne sehen in den kom-

menden acht bis zehn Jahren die Konstruktion und den Bau von Segmenten
vor (auch Module genannt), die auf der Erde vorgefertigt werden.

Mit dem

Raumtransporter werden die Module in niedrige Erdumlaufbahnen befördert,
dort ausgeladen und von Astronauten zusammengebaut.

Die "Monteure" tra-

gen selbstverständlich Raumanzüge und bewegen sich mit eigenen Antriebsaggregaten über gewisse Strecken frei im Raum.

Zur Raumstation gehören mehrere Module - unter ihnen eine Druckkabine, die sechs bis acht Astronauten als Wohn- und Schlafquartier dient,
und ein weiteres Drucksegment, das als Werkstatt und Labor genutzt werden
kann.

Der Station fest angegliedert sind offene Plattformen für automa-

tische oder ferngesteuerte Experimente sowie zur Aufnahme von Beobachtungsinstrumenten.

Daneben wird es auch frei fliegende Plattformen als

Träger für wissenschaftliche Instrumente in eigenen Umlaufbahnen geben.

Die Besatzungen
- 3 -

�Die Besatzungen der Raumstation befassen sich mit Aufgaben der Grundlagenforschung aus Gebieten von Medizin, Astronomie, kosmischer Physik
und Sonnenforschung.

Sie führen ferner Experimente auf dem Gebiet der

Geowissenschaften sowie technologische Experimente durch, die darauf abzielen, Produkte und Dienstleistungen sowohl für die Industrie als auch
für die Masse der Verbraucher zu entwickeln.

Alle paar Wochen legt ein

Raumtransporter an der Raumstation an, damit die Besatzung ganz oder
teilweise ausgetauscht werden kann und
werden.

Versorgungsgüter herangebracht

"Die Raumstation...

wird ständig bemannt sein", erklärte kürz-

lich NASA-Chef James Beggs.

Darin unterscheide sie sich grundsätzlich

von SKYLAB, dem amerikanischen Projekt von 1973/74, und von dem sowjetischen SALYUT-Projekt.

"Von den neunziger Jahren an werden, so glaube

ich, ständig Amerikaner im Weltraum leben und arbeiten", meinte Beggs.

* * * * *

�14

3. April 1985

US-CHEMIE-INDUSTRIE BESCHLIESST NEUE SICHERHEITSPROGRAMME
- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal-Unfall -

- (AD) - Der Verband der chemischen Industrie in den Vereinigten
Staaten kündigte neue Initiativen zur weiteren Verbesserung der Sicherheitsprogramrne an.

Wie der Verbandsvorsitzende Edwin C. Holmer kürzlich

vor Journalisten sagte, sei dies eine

Reaktion auf Besorgnisse, die nach

dem Unfall in dem Betrieb von Union Carbide in Bhopal (Indien) im Dezember 1984 in der amerikanischen Öffentlichkeit geäußert wurden.

Die un-

mittelbare Antwort jedes Unternehmens sei eine sofortige und gründliche
Überprüfung seiner Sicherheitsmaßnahmen gewesen. Dabei habe sich gezeigt,
daß "Verbesserungen insofern möglich sind, als unsere Katastrophenpläne
in die der kommunalen Stellen wirksamer eingebunden werden können", erklärte Holmer.

Die Initiativen sollen bewirken, daß die chemische Industrie stärker
als bisher in die kommunale Planung für Notstands- und Katastrophenfälle
einbezogen wird.

Sie sollen ferner gewährleisten, daß bei den kommunalen

Stellen alle verfügbaren Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Ab-

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�der Abwehr von Gefahren bekannt sind.

Und sie demonstrieren, daß es die

chemische Industrie für ihre Pflicht hält, Informationen über Gefahren an
die Öffentlichkeit weiterzugeben.

Wie Holmer, Präsident der Exxon Chem-

ical Company, in diesem Zusammenhang erklärte, seien diesen Initiativen
zwei neue Programme zugeordnet - CAER ("Community Awareness and Emergency
Response") sowie das Programm "National Chemical Response and Information
Center".
Dem CAER-Programm liegt die Idee zugrunde, daß der Öffentlichkeit zum
mindestens detaillierte Informationen über die Gefahren, Eigenschaften
und Wirkungen von Chemikalien, über Listen von gefährlichen Substanzen am
Arbeitsplatz sowie über Mitteilungsprogramme in Verbindung mit gesundheitsgefärhdeten Aktivitäten verfügbar gemacht werden sollen.

Dabei han-

delt es sich um Informationen, wie sie von Arbeitgebern entsprechend der
Vorschriften der zuständigen Bundesbehö'rden regelmäßig ausgearbeitet werden.

Das Programm habe zum Ziel, so Holmer, daß das Management des Unternehmens mit den örtlichen Katastrophenschutz-Beauftragten, mit anderen
Industrieunternehmen am Ort und mit interessierten Bürgern Zusammenarbeit, um über Betrieb und Arbeitsablauf zu informieren.

Damit sollen

letztlich "koordinierte Katastrophenschutzpläne für das Gemeinwesen entwickelt werden, die Besorgnisse über Gefahren betreffen, welche sich aus
dem Betrieb eines Chemieunternehmens ergeben könnten, und die Pläne zum
Schutz gegen Naturkatastrophen, Unfälle im Transportwesen und den Ausfall
von Versorgungsanlagen einbeziehen".
Das zweite Programm, werde, wie Holmer hervorhob, überall dort zum
Tragen kommen, wo man von der chemischen Industrie Hilfe oder Unterstützung erwarte.

Dazu sollen u.a. Aktivitäten in Reaktion auf Anforderungen

koordiniert werden, die Informationen über Katastrophenschutzmaßnahmen,
Unterstützung, Ausbildung und eine allgemeine Unterrichtung über Gefahren
von chemischen Stoffen auch außerhalb von Notstandssituationen betreffen.

Das Programm "National Chemical Response and Information Center" wird

�Center" wird in enger Anlehnung an das System "Chemical Transportation
Emergency Center" aufgebaut werden und mit ihm verknüpft sein.

Bei letz-

terem handelt es sich um das Katastrophen schütz- und Warnsystem der chemischen Industrie für die Beförderung ihrer Produkte.

Es gilt beim ame-

rikanischen Verkehrsministerium als die Quelle für Katastrophenschutzinformationen bezüglich gefährlicher Stoffe in Verbindung mit Verkehrsbzw. Transportunfällen. Das bestehende System soll ausgebaut werden, damit

1) rund um die Uhr Informationen über Katastrophenschutzdienste und
medizinisches Personal auch bei Vorfällen verfügbar sind, die mit einem Transport nichts zu tun haben;

2) Hilfe im Notfall an Ort und Stelle auch bei nicht verkehrsbedingten Unfällen möglich ist, und zwar durch ein "gemeinsames Hilfsaktionsnetz" der chemischen Industrie und der professionellen Katastrophenschutzdienste;

3) die Öffentlichkeit über eine zentrale Kontaktstelle, einschließlich einer gebührenfrei anzuwählenden Telefonauskunft, verfügt, um
sich auch außerhalb einer Gefahrensituation Informationen über gefährliche chemische Stoffe zu beschaffen;

4) bestehende Ausbildungsprogramme so ausgebaut werden, daß auf lokaler Ebene auch Katastrophenschutzteams, die nicht der Industrie
angehören, mit entsprechendem Material versorgt werden.

Dem Verband der chemischen Industrie der USA gehören derzeit 17i&gt; amerikanische Unternehmen an.

Sie verfügen zusammen über etwa 90 Prozent

der gesamten Produktionskapazität für chemische Erzeugnisse.

* * * * »

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan betont Bedeutung des Weltraums für die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem National Space Club -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewalt nur eines der Mittel im Kampf gegen den Terrorismus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Robert McFarlane -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Planungsgruppe der NATO unterstützt amerikanische SDI-Forschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationales Interesse an bemannter Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Koordinierungsprogramme der NASA mit anderen Ländern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Chemie-Industrie beschließt neue Sicherheitsprogramme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reaktion amerikanischer Unternehmen auf Bhopal- Unfall -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. A p r i l 1985

15

INHALT

DOKUMENTATION
Amerikanischer Friedensvorschlag für Nicaragua
- Erklärung Präsident keagans -

WIRTSCHAFT

Wachstum und Handel Hauptthemen auf dem Bonner Wirtschaftsgipfel
&gt;

- Rede von US-Staatssekretär Wallis in New York -

* * * * *

Um Übcr/cn Jung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

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4III IC KIIM4

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. April 1985

15

AMERIKANISCHER FRIEDENSVORSCHLAG FLR NICARAGUA
- Erklärung Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Am 4. April 1985 rief Präsident Ronald Reagan die
sandinistische Regierung Nicaraguas und die sie bekämpfende demokratische
Widerstandsbewegung dazu auf, die Waffen niederzulegen und unter Vermittlung der Kirche in Gespräche über die Abhaltung freier Wahlen einzutreten. Seine Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute einen Friedensvorschlag für Mittelamerika bekanntgeben, der die Grundlage für Freiheit und Demokratie in dieser von Unruhe
erschütterten Region bilden und die Sicherheit der Grenzen unseres eigenen Landes, unßerer Wirtschaft und unserer Bürger gewährleisten kann.

Am 1. März trafen die Führer der demokratischen Widerstandsbewegung
Nicaraguas in San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, mit einer breit gefächerten Koalition anderer im Exil lebender nicaraguanischer Demokraten
zusammen. Sie verständigten sich auf einen historischen Vorschlag zur
Wiederherstellung von Frieden und Demokratie in ihrem Lande und unterzeichneten ihn anschließend.
Die Mitglieder

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�Die Mitglieder des demokratischen Widerstandes boten unter der Voraussetzung einen Waffenstillstand an, daß das Regime in Nicaragua sich
dazu bereit erkläre, in einen von der Bischofskonferenz der römischkatholischen Kirche vermittelten Dialog einzutreten, dessen Ziel in der
Wiederherstellung der Demokratie durch freie Wahlen bestehen solle. Bis
zum gegenwärtigen Zeitpunkt lehnt das Regime in Nicaragua dieses Angebot
ab.
Die Staaten Mittelamerikas einschließlich Nicaraguas haben übereinstimmend erklärt, daß eine innenpolitische Aussöhnung eine unumgängliche
Voraussetzung für den Frieden in der Region bilde. Im Gegensatz zu Präsident Duarte von El Salvador, der den Dialog mit seinen Gegnern sucht, haben die Kommunisten in Nicaragua jedoch zumindest bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt den Appellen des Papstes und der nicaraguanischen Bischöfe zur
nationalen Versöhnung die kalte Schulter gezeigt. Wir sind uns darüber im
klaren, daß sich daran ohne irgendwelche Anreize nichts ändern wird.
Aus diesen Gründen fordern viele Nicaraguaner Veränderungen und greifen zu den Waffen, um für die Einlösung der gestohlenen Versprechen von
Freiheit und Demokratie zu kämpfen, 'über 15 000 Menschen - Bauern und
Kleinhändler, Weiße, Schwarze und Miskito-Indianer - haben sich zusammengeschlossen, um für echte Demokratie zu kämpfen.

wir
für
die
ihr

Wir waren schon in der Vergangenheit für Demokratie in Nicaragua, und
sind auch heute für Demokratie. Wir waren schon in der Vergangenheit
nationale Versöhnung, und wir sind auch heute dafür. Wir meinen, daß
Demokratie in Nicaragua genauso viel Unterstützung verdient hat, wie
in El Salvador zuteil geworden ist.

Wir sind stolz auf die Hilfe, die wir El Salvador geleistet haben.
Sie erinnern sich vielleicht daran, daß wir im Jahre 1981 zu hören bekamen, daß die kommunistische Guerilla dabei sei, ihre Endoffensive einzuleiten, daß die Regierung keine Chance mehr habe und daß unsere Haltung
dazu führen werde, daß die Vereinigten Staaten immer tiefer in das Geschehen verwickelt würden.
Nun, die

�Nun, die Kritiker unserer Politik haben Unrecht behalten; Demokratie
und Freiheit sind in El Salvador im Begriff, zu siegen. Präsident Duarte
bringt sein Land wieder in Ordnung und erfreut sich breiter Unterstützung
durch die Bevölkerung. Die amerikanische Hilfe konnte bei alledem strikt
begrenzt gehalten werden.

Die Formel, die sich in El Salvador als richtig erwiesen hat - Unterstützung für Demokratie, Selbstverteidigung, wirtschaftliche Entwicklung
und Dialog - wird sich auch für die gesamte Region als richtig erweisen.
Ohne die Unterstützung durch beide Kongreßarteien

und die Nationale

Überparteiliche Kommission für Mittelamerika unter der Leitung von Henry
Kissinger hätten wir all dies nicht erreichen könnea

Nachdem ich monatelang mit führenden Persönlichkeiten des Kongresses
beraten und mir ihre Bedenken sorgsam angehört habe, unterbreite ich daher heute den folgenden Vorschlag:

Ich rufe beide Seiten auf, die Waffen niederzulegen und auf das Angebot einzugehen, unter Vermittlung der Kirche Gespräche über international
überwachte Wahlen und über eine Beendigung der gegenwärtigen Unterdrückung der Kirche, der Presse und der Rechte des einzelnen aufzunehmen.

Die Angehörigen der demokratischen Widerstandsbewegung ersuche ich,
ihr Angebot eines Waffenstillstands bis zum 1. Juni zu verlängern.

Den Kongreß ersuche ich um die sofortige Freigabe des bereits bewilligten Betrages von 14 Millionen Dollar. Ich verspreche, daü diese Mittel
nicht für Waffen und Munition verwandt werden sollen, solange daü Angebot
eines Waffenstillstands auf dem Tisch liegt. Diese Mittel würden für Nahrungsmittel, Bekleidung, Medikamente und andere lebenswichtige Dinge verwendet werden. Ohne diese grundlegenden Bedarfsgüter kann die demokratische Opposition nicht als Verhandlungspartner auftreten.

Falls die Sandinisten auf dieses Friedensangebot eingehen, werden
diese Beschränkungen bei der Verwendung der Mittel in Kraft bleiben.
Friedensverhandlungen dürfen jedoch nicht zu einem Deckmantel für Täu- 3 -

�für Täuschung und Hinhaltemanöver werden. Wenn nach 60 Verhandlungstagen
keine "Übereinkunft erzielt wird, werde ich diese Beschränkungen aufheben,
falls mich nicht beide Seiten ersuchen, dies zu unterlassen.
Ich möchte betonen, daß die Vereinigten Staaten im Einklang mit den
21 im Rahmen des Contadora-Prozesses definierten Zielen auch weiterhin
folgendes anstreben:
1. Die Erfüllung der von Nicaragua gegenüber der OAS übernommenen
Verpflichtung zur Herstellung demokratischer Zustände.
2. Die Beendigung der Aggression Nicaraguas gegen seine Nachbarn.
3. Den Abzug der nach Tausenden zählenden Militär- und Sicherheitsbediensteten aus dem Ostblock, Kuba und L,ibyen sowie von der PLO und
anderen Stellen.
4. Die Rückführung der nicaraguanischen Streitkräfte auf ein zahlenmäßiges Niveau, das dem der Nachbarstaaten entspricht.
Ich werde heute mit Arturo Cruz, Adolfo Calero und Alfonso Robelo
zusammentreffen, um meinen Vorschlag mit ihnen zu erörtern.
Die Demokratie bildet den Weg zum Frieden. Wenn wir jedoch die tapferen Angehörigen des demokratischen Widerstandes fallen lassen, dann geben
wir den Kommunisten völlig freie Bahn. Die Demokratie kann sich in Mittelamerika durchsetzen, aber der Kongreß muß die Mittel freigeben, durch
die Anreize zum Dialog und zum Frieden geschaffen werden können.
Wenn wir zu wenig Hilfe leisten, dann bedeutet dies ein kommunistisches Mittelamerika und eine Ausbreitung der kommunistischen Subversion
von dort aus nach Süden und Norden. Wir stehen vor der Gefahr, daß 100
Millionen Menschen von Panama bis zu unserer offenen Südgrenze unter die
Herrschaft prosowjetischer Regime geraten könnten. In einem solchen Falle
wären die Vereinigten Staaten von Gewalt, wirtschaftlichem Chaos und einer Flut von Flüchtlingen bedroht.
_ 4 _

Mittelamerika ist

�Mittelamerika ist keineswegs zu einer solch düsteren Zukunft im Zeichen nicht enden wollender Gewalt verurteilt. Wenn die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung zur Hilfeleistung für die, die heute nach Demokratie streben, gerecht werden, können sie eine vielversprechende Zukunft
schaffen, in der der Friede für alle Amerikaner gesichert ist. Laut uns
im Geiste des Osterfestes entsprechend handeln.

Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß in dieser wichtigen Angelegenheit in den kommenden Wochen mit Genugtuung entgegen.
(Ende der Erklärung Präsident Reagans;

Nachdem Präsident Reagan seine Erklärung abgegeben hatte, beantwortete er Fragen von Journalisten. Die Fragen und Antworten haben folgenden
Wortlaut (gekürzt):
FRAGE: Herr Präsident, welche Anreize bestehen für die nicaraguanische Regierung ?

ANTWORT: Nun, das gegenwärtige Blutvergießen zu beenden und aus der
schweren Wirtschaftskrise in ihrem Lande herauszukommen, die wegen all
dem, was jene Regierung getan hat, ständig schlimmer wird.
FRAGE: Herr Präsident, Tip 01 Neill hat gesagt, daß dies ein schmutziger Trick sei und daß Sie der amerikanischen Öffentlichkeit weiszumachen versuchten, daß es um humanitäre Hilfe gehe, während Sie in Wirklichkeit einen Geheimplan zu militärischem Vorgehen verfolgten.

ANTWORT: ... Wenn er dies einen schmutzigen Trick nennt, dann hat er
eine merkwürdige Definition für schmutzige Tricks.

FRAGE: Was veranlaßt Sie zu der Annahme, daß dies den Kongreß geneigter machen wird, die von Ihnen vorgeschlagene Hilfe zu akzeptieren ?

ANTWORT: Die Tatsache, daß der Kongreß bei all seinen Bemühungen, die
Fortsetzung unserer Hilfe für die Contras und die Demokratie in Nicaragua
- 5 -

�in Nicaragua zu behindern, die Notwendigkeit einer friedlichen und politischen Lösung betont hat, d.h., einer Lösung von der Art, über die wir
hier sprechen, also einer Lösung, wie sie sich aus Gesprächen zwischen
den Parteien ergeben würde.
FRAGE; Sie haben klargestellt, daü die 14 Millionen Dollar Ihres Erachtens wesentlich sind. Wenn der Kongreß Ihr Ersuchen ablehnen sollte,
würden Sie dann nach anderen Möglichkeiten der Hilfeleistung für die
Contras suchen, d.h., nach anderen Mitteln und Wegen, um Ihren wünsch
nach einer Umstrukturierung der nicaraguanischen Regierung

weiter zu

verfolgen ?
ANTWORT: Ganz gleich was auch geschieht, wir werden nicht einfach
weggehen und sie sich selbst überlassen.
FRAGE: Würden Sie irgendwelche militärischen Aktionen gegen Nicaragua
erwägen ? Sie scheinen Nicaragua ein "entweder - oder" signalisieren zu
wollen, und die 14 Millionen Dollar sind das Drohmittel. Ist das wirklich
genug, um die Regierung Nicaraguas zu stürzen ?
ANTWORT; Es geht nicht um den Sturz der Regierung, sondern um die
Rückkehr zu den Zielen der Revolution, für die einmal sowohl die Contras
als auch die Sandinisten gekämpft haben. Was militärische Aktionen angeht, so hat dergleichen nie in unserer Absicht gelegen. Das haben wir
immer wieder gesagt.
FRAGE: Falls es zu einem Waffenstillstand und zu Gesprächen käme, die
dann aber zu nichts führten, was geschähe dann mit den 14 Millionen Dollar ? Würden davon dann Waffen für die Contras gekauft ?
ANTWORT: Wie ich bereits sagte, könnten wir nach 60 Tagen, falls keine Übereinkunft erzielt würde und falls uns nicht beide Seiten ersuchen
würden, am ursprünglichen Konzept festzuhalten, die 14 Millionen Dollar
verwenden, um den Contras in jeglicher Art und Weise zu helfen. ...
FRAGE: Machen Sie Ihr Friedensangebot vom Rückzug der sowjetischen,

�der sowjetischen, kubanischen und PLO-Berater aus Nicaragua abhängig oder
nur von Gesprächen und einem Ende der Unterdrückung ?

ANTWORT: Wir meinen, daß dies einen Teil der Übereinkunft bilden
sollte, die erzielt werden muß. Genauso haben auch die Contras argumentiert: daß Nicaragua aufhören muß, eine Bedrohung für seine Nachbarn zu
sein, daß die ausländischen Militärs aus dem Land heraus müssen und daß
es zu den demokratischen Zielen zurückkehren muß, von denen die Sandinisten selbst gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gesagt haben, daß sie das gewesen seien, wofür sie im Rahmen der Revolution
gekämpft hättea

FRAGE: Wissen die Contras von Ihrem Vorschlag ? Haben Sie darüber
vorher mit ihnen oder ihren Führern gesprochen ?

ANTWORT: Wir sind gerade dabei, die Leute davon in Kenntnis zu setzen. Sie gehören zu den ersten, die davon erfahren.

FRAGE: Die Sandinisten haben den Vorschlag, den die Contras in San
Jose gemacht haben, bereits abgelehnt. Was veranlaßt Sie zu der Annahme,
daß sie Ihren Vorschlag annehmen werden ?

ANTWORT: Die Tatsache, daß es hier meines Erachtens um mehr geht. Ich
glaube nicht, daß die Sandinisten auf dem amerikanischen Doppelkontinent
völlig allein stehen und alle ihre Nachbarn auf der anderen Seite wissen
wollen. Und wir glauben, daß wir in dieser Angelegenheit die Unterstützung der Contadora-Staaten haben, und wie ich schon sagte, bringt der
Fortgang der Feindseligkeiten große Probleme für die Sandinisten mit sich.
FRAGE: Sie wollen zusichern, daß die 14 Millionen Dollar nicht für
Waffen

und Munition, sondern für humanitäre Hilfe verwendet werden sol-

len ?

ANTWORT: Das ist richtig.

FRAGE: Können die Contras, wenn sie diese Mittel bekommen, nicht das
- 7 -

�nicht das Geld, mit dem sie bisher Nahrungsmittel kaufen mußten, zun Kauf
von Waffen verwenden ? Wäre das unterm Strich nicht das gleiche ?
ANTWORT: Ich glaube, ihre Lage ist nicht so stabil, daß sie sich mit
irgendetwas selbst versorgen können. Darum haben wir vorgeschlagen, daß
diese Mittel zu dem genannten Zweck verwendet werden sollen, solange sie
verhandeln und eine friedliche Regelung herbeizuführen versuchen.
FRAGE; Irgendwie bringen sie es aber auch so fertig, zu überleben;
d.h., sie bekommen Nahrungsmittel und dergleichen. Wenn Sie ihnen also
Geld für Nahrungsmittel geben, können sie dann nicht die Mittel, die sie
bislang dafür aufwenden mußten, für den Kauf von Waffen verwenden ?
ANTWORT; Ich würde sagen, daß sie in einer nahezu verzweifelten Lage
sind.
FRAGE; Wenn Sie alles bekommen, was Sie wollen, würden Sie dann all
unsere Truppen aus Mittelamerika zurück nach Hause bringen ... ?
ANTWORT: Die einzigen Truppen, die wir dort stehen haben, befinden
sich in verschieden Manövern und Übungen.
FRAGE: Das ist zwar richtig, aber sie befinden sich in Gefahr, besonders diejenigen, die gerade nach Honduras geschickt worden sind.
ANTWORT: Nein. ...
FRAGE: Sir, dort unten gibt es Männer und Frauen, die in Gefahr sind.
Würden Sie versprechen, sie wieder heimzubringen ?
ANTWORT: Wenn Sie zurückschauen, dann werden Sie bemerken, daß wir
auf dem Gebiet unserer Nachbarn seit jeher Dschungelausbildung und dergleichen durchgeführt haben. Im Gegensatz zu dem, was einige Stimmen auf
dem Kapitol lauthals verkünden, sind unsere Truppen nicht in diesen Ländern, um irgendjemanden zu bedrohen. Sie sind dort, weil unser Heer seine
neuen Mannschaften ausbilden muß und weil wir gut ausgebildete Streit-

�ausgebildete Streitkräfte brauchen, die überall kämpfen können, wo es
einmal erforderlich sein könnte. Solche Übungen sind in der Vergangenheit
wiederholt in Honduras durchgeführt worden. Das ist alles. Wir haben dort
keine Besatzungstruppen stehen. Auch in El Salvador haben wir immer noch
nicht mehr als 55 Berater ...

* * * *

- 9-

�15

10. April 1985

WACHSTUM UND HANDEL HAUPTTHEMEN REAGANS AUF DEM BONNER
WIRTSCHAFTSGIPFEL

- Rede von US-Staatssekretär Wallis in New York -

NEW YORK - (AD) - Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Allen Wallis, bezeichnete die
Förderung des wirtschaftlichen Wachstums und des Welthandelssystems als
die wichtigsten Themen, die Präsident Ronald Reagan auf dem Wirtschaftsgipfel in Bonn vom 2. bis 4. Mai 1985 von amerikanischer Seite zur Sprache bringen werde.

Wallis, der wesentlich für die Vorbereitungen des

Bonner Wirtschaftsgipfels verantwortlich ist, sprach am 4. April 1985 vor
dem U.S. Council for International Business in New York.

Als weitere

wichtige Themen nannte er das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern, die Zusammenarbeit bei der Lösung der Hungerprobleme in Afrika, Zusammenarbeit im Umweltschutz, Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer
bemannten Raumstation und Maßnahmen zur Verhütung von Energiekrisen.

Die Ausführungen von Staatssekretär Wallis haben folgenden Wortlaut:
Das Fr üh j ahr br ing t

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�Das Frühjahr bringt eine intensive Runde internationaler Zusammenkünfte, deren Höhepunkt der Bonner Wirtschaftsgipfel sein wird.

Heute in

einer Woche werden der Stellvertretende Außenminister Dam und ich zusammen mit anderen leitenden Regierungsvertretern der Vereinigten Staaten an
der Ministertagung der OECD in Paris teilnehmen.

Nächste Woche werden

hier in Washington die Interims- und Entwicklungsausschüsse des IWF tagen.

Das Gipfeltreffen in Bonn findet vom 2. bis 4. Mai als Eröffnung

des Europabesuches des Präsidenten statt.

Ich möchte heute kurz über unsere Hoffnung für Bonn sprechen.

Zu-

nächst einmal möchte ich jedoch das Gipfeltreffen in die richtige Perspektive rücken.

An den jährlichen Wirtschaftsgipfeln, die 1974 begannen, nehmen die
Staats- und Regierungschefs der sieben größten demokratischen Industrieländer teil:

Japan, Kanada, Großbritannien, die Bundesrepublik Deutsch-

land, Frankreich, Italien und natürlich die Vereinigten Staaten.
der Präsident der Europäischen Kommission ist anwesend.

Auch

Diese Treffen

stellen keinen Anfang oder Selbstzweck dar, sondern sind der wichtigste
Teil eines andauernden Prozesses der Zusammenarbeit und des Dialogs unter
den wichtigen Industriestaaten.

Die Gipfeltreffen bieten nützliche An-

haltspunkte zur Beurteilung dieser Zusammenarbeit.

Die letzten vier Jahre haben eine entscheidende Entwicklung sowohl im
Ton als auch in der Substanz der Gespräche auf höchster Ebene gebracht.
In Ottawa im Jahr 1981 erkannten die meisten Staats- und Regierungschefs,
daß die Tätigkeit ihrer Volkswirtschaften nachließ, aber es fehlte ihnen
an einer klaren Vision, wie die Lage zu beheben sei.

Ja, man war sich

noch nicht ganz im klaren über die Natur der wirtschaftlichen Krise der
Industriewelt,

und

die

marktorientierten

Abhilfsvorschläge

Präsident

Reagans stießen auf unverhüllte Skepsis.

Zur Zeit des Gipfels 1982 in Versailles befanden sich alle großen industriellen Volkswirtschaften in der Rezession, und es lag auf der Hand,
daß ihre wirtschaftlichen Probleme tief verwurzelt waren.

Die Chefs auf

�Die Chefs auf dem Gipfel begannen mit dem schwierigen Prozeß, sich über
Unterschiede in den Ansichten und in der Haltung klar zu werden.

Man

spricht von Versailles gelegentlich als von einem Fehlschlag, weil die
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ländern so klar zu Tage traten und
so stark publiziert wurden.

Es gab Meinungsverschiedenheiten über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West und über die Wechselkurse.

In dem Bemühen, die

Meinungsverschiedenheiten abzubauen, wurden mehrere Prograirane ins Leben
gerufen. Eines dieser Programme war ein Prozeß intensiverter politischer
Konsultation unter den fünf führenden Staaten der Gruppe.

Dies führte zu

einem intensiven Meinungsaustausch über die verschiedenen Punkte, ohne
den es den westlichen Regierungen nicht möglich gewesen wäre, zu einer
Übereinkunft über die Mittel und Wege zur Bewältigung gemeinsamer wirtschaftlicher Herausforderungen zu kommen.

Eine zweite von Versailles ausgehende Initiative war eine gründliche
Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen zu den Ländern des Ostens.
Ein drittes Programm befaßte sich mit der Prüfung der Erfahrungen mit Regierungsinterventionen auf den Devisenmärkten.

Der Wert dieser drei Initiativen wurde auf dem Gipfel in Williamsburg
im Jahr 1983 deutlich.

Der Wirtschaftsgipfel in Williamsburg billigte

kooperative Strategien für die Bewältigung globaler Probleme - die Förderung eines anhaltenden, nichtinflationären Wachstums, eine gesunde Währungs- und Finanzpolitik und eine stärkere Abstützung auf die Kräfte des
Marktes; die Inangriffnahme des internationalen Schuldenproblems durch
einen koordinierten Plan zur Förderung geordneter wirtschaftlicher Anpassungen in wirtschaftlich schlecht stehenden Entwicklungsländern; die Eindämmung des Protektionismus und schließlich die Herbeiführung einer vernünftigen gemeinsamen Haltung bezüglich der Wirtschaftsbeziehungen zum
Ostblock.

Im folgenden Jahr haben diese Strategien Frucht getragen, und so waren die Staats- und Regierungschefs im vorigen Jahr in London in der La-

�in der Lage, die Einstellung zu bekräftigen, die sie in den davorliegenden drei Jahren so mühsam zustandegebracht hatten, und Vorschläge zu machen, wie jede dieser Strategien im Lichte neuerer Erfahrungen verbessert
werden könnte.

Es war eine Gelegenheit, um einmal den wirtschaftlichen

Wiederaufschwung festzustellen und zu feiern und zum andern darauf hinzuweisen, wie andere Länder von unserem nichtinflationären Wachstum und
durch Übernahme der Politik, die es ermöglichte, zu profitieren.

Was bleibt also in Bonn noch zu tun?

Eine ganze Menge. Für die Ver-

einigten Staaten gibt es deutliche Parallelen zwischen den Zielen, die
sich Präsident Reagan zu Beginn seiner zweiten Amtsperiode gesetzt hat,
und den Zielen, die sich nach unserer Überzeugung die sieben größten Industriestaaten der Welt im nächsten Monat in Bonn setzen sollten. Sicherlich besteht eines von vier Zielen darin, mehr zu tun in der gleichen
Richtung.

Es hat keinen Sinn, in eine ungesunde Politik zurückzuverfal-

len, wenn die Politik die wir verfolgen, funktioniert.

Der Aufschwung in

vielen der großen industriellen Volkswirtschaften ist noch immer schwach
und unsicher.

Weil eine gute Wirtschaftspolitik und eine gesunde Wirt-

schaftstätigkeit in den Gipfel-Ländern so entscheidend wichtig ist für
das Wohlergehen der Welt, wird der Präsident auf Maßnahmen dringen, um
die Aussichten auf ein anhaltendes Wachstum und mehr Arbeitsplätze zu
stärken.

Wir gehen davon aus, daß sich der Gipfel auf zwei Gebiete konzentrieren wird:

Beseitigung struktureller Hemmnisse und Sicherung und Stärkung

des internationalen Handelssystems.

Bevor ich auf diese beiden Themen

näher eingehe, möchte ich kurz zusammenfassen, welche andere wichtige
Themen in Bonn besprochen werden dürften.

1.

Das erste ist die Notwendigkeit, die Kooperation fortzusetzen, um

ein anhaltendes Wachstum in den Entwicklungsländern zu fördern.

Die

Haltung, die wir den Problemen der Verschuldung und der Anpassung gegenüber eingenommen haben, hat sich bewährt.

Heute in zwei Wochen

werden bei den Tagungen des Interims- und des Entwicklungsausschusses
des IWF in Washington führende Finanzleute aus der ganzen freien Welt

�freien Welt zusammenkommen, um Bestandsaufnahme zu machen und Vorschläge für die Stärkung unserer gemeinsamen Anstrengungen zu unterbreiten.

Wir werden die Notwendigkeit hervorheben, auf lange Sicht

eine kohärente Politik zu verfolgen, um Anpassung

und anhaltendes

Wachstum zu fördern, und auch die Rollen unterstreichen, die ein offener Handel und private Auslandsinvestionen in diesem Prozeß spielen
müssen.

2.

Ein zweites und besonders dringendes Gebiet des kooperativen Han-

delns auf kurze wie auf lange Sicht ist die Behebung der Ernährungskrise im Subsahara-Afrika.

Die Vereinigten Staaten haben bei diesen

Anstrengungen die führende Rolle

übernommen.

Unsere Hunger- und

Flüchtlingshilfe für Afrika in Höhe von über einer Milliarde Dollar
in diesem Jahr ist mehr als alle anderen Geber zusammen aufgebracht
haben.

Auf lange Sicht ermutigen

wir

grundlegende

Agrarreformen

durch bestehende bilaterale Hilfsprogramme, unser neues Afrikanisches
Wirtschaftsreformprogramm, die Initiative Lebensmittel für den Fortschritt sowie unsere Beteiligung

an multilateralen

Institutionen.

Wir fordern auch eine stärkere Koordinierung der bilateralen Spenden,
um die größtmögliche Auswirkung auf die afrikanische Wirtschaftspolitik und die Entwicklungsaussichten zu erreichen.

3.

Drittens wird in diesem Jahr besonderer Nachdruck auf die Zusam-

menarbeit im Umweltschutz und auf das Verhältnis zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum gelegt werden.

Es werden Studien und

andere Arbeiten geprüft werden, die vom vorjährigen Wirtschaftsgipfel
in Auftrag gegeben wurden, und die Beschlüsse der Umweltminister auf
ihrem Treffen im Dezember vorigen Jahres in London dürften voraussichtlich bestätigt werden.

4.

Viertens gehen wir davon aus, daß die Staats- und Regierungschefs

auf dem Gipfel über die Zusammenarbeit auf anderen speziellen Gebieten sprechen werden, einschließlich über Bemühungen, eine bemannte
Raumstation zu entwickeln, sowie über Maßnahmen, um die Wahrscheinrlichkeit potentieller Störungen der Energieversorgung zu verringern

- 5-

�zu verringern und deren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Um auf die Hauptthemen zu kommen:

Der Hauptnachdruck auf dem dies-

jährigen Gipfeltreffen wird auf der Beseitigung struktureller Hemmnisse
für ein anhaltendes Wachstum liegen.

Der Wiederaufschwung der Weltwirtschaft hat sich im abgelaufenen Jahr
weiter verstärkt. Angeführt von den Vereinigten Staaten betrug das reale
Wachstum des Bruttosozialproduktes in den OECD-Ländern im Jahr 1984 fast
fünf Prozent, und unser Wachstum war mit 6,9 Prozent das höchste seit
1951.

Darüber hinaus konnte auch in diesem zweiten Jahr eines starken

Wachstums ein Wiederaufleben der Inflation vermieden werden.

Im vergan-

genen Jahr lag der Anstieg der Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten kaum über vier Prozent - eine Rate, die, wie wir annehmen, sich in
den nächsten Jahren stabilisieren dürfte. Was die OECD insgesamt angeht,
so ging die Inflation im vergangenen Jahr auf 5,5 Prozent zurück - die
niedrigste Rate seit 1972.

Im übrigen erhöhte sich das reale Wachstum

des Bruttosozialprodukts im vorigen Jahr in den nicht-OECD-Staaten auf
etwa vier Prozent.

Wenn wir dieses dritte Jahr einer aufeinander folgenden nichtinflationären Expansion eintreten, gibt es jedoch auch einige beunruhigende
Anzeichen.

In den Entwicklungsländern sind die wirtscnaftlichen Aussich-

ten noch immer unausgewogen.

Für viele der größeren Entwicklungsländer,

die entweder schwere Probleme des Schuldendienstes vermieden oder im Zusammenwirken mit dem Internationalen Währungsfonds

(IWF) Schritte zur

wirtschaftlichen Stabilisierung unternommen haben, sind die Aussichten
günstig.

Aber vielen anderen geht es nicht besonders gut. Die Inflation

ist noch immer hoch, selbst in einigen der Länder, die in anderen Aspekten des Anpassungsprozesses erfolgreich sind, und eine anhaltende Expansion wird eine verstärkte Anstrenyung zur Lösung grundlegender struktureller Probleme erfordern.

Aber diese Problme sind heute bekannt, und selbst wenn der Fortschritt nicht so rasch kommt, wie wir es uns wünschen, so geht der Trend

�der Trend doch in die richtige Richtung.

Was im Zusammenhang mit dem

Bonner Gipfel vielleicht mehr Sorgen bereitet, ist die Tatsache, daß die
Gipfel-Länder selbst noch sehr viel unerledigte Aufgaben in ihren eigenen
Anstrengungen übrig gelassen haben, einen anhaltenden nichtinflationären
Wiederaufschwung zu gewährleisten.

In den Vereinigten Staaten hat Präsident Reagans "grundlegender Wandel" in der Wirtschaftspolitik bereits augenfällige Ergebnisse gebracht.
Um unsere anhaltende Expansion jedoch zu sichern, müssen wir übertriebene
Regierungsausgaben kürzen, um einen zunehmenden Aderlaß bei den Mitteln
für den privaten Verbrauch und private Investitionen zu verhindern.

Wir

müssen auch unser Steuersystem reformieren, um die Verzerrungen zu beseitigen, die in den gegenwärtigen Steuersätzen liegen, und die abschreckende Wirkung der hohen Spitzensteuersätze bei der Einkommenssteuer zu verringern.

Dies wird durch anhaltende Anstrengungen ergänzt werden, eine

gesunde Währungspolitik zu verfolgen, die mit niedriger Inflationsrate
und einer anhaltenden Wachstumsrate vereinbar ist, sowie durch Bemühungen, die Märkte von Verordnungen zu befreien und andere strukturelle
Hemmnisse zu beseitigen, die das freie Spiel der Kräfte auf dem Markt behindern.

Auch Japan muß weiterhin alle Aspekte seiner Wirtschaftspolitik stärken.

Darüber hinaus muß Japan die Verantwortungen westlicher wirtschaft-

licher Führung in größerem Umfang übernehmen, die ihr der bisherige Erfolg seiner Wirtschaftspolitik und die Stärke seiner Wirtschaft auferlegt
haben.

Um das System des internationalen Handels und der internationalen

Investitionen zu stärken - sowohl zum eigenen Wohle als auch zum Wohle
der anderen Beteiligten an diesem System - muß Japan vollständig und
rasch seine Verpflichtungen zur Liberalisierung des Kapitalmarktes und
zur Öffnung seiner Märkte für Güter und Dienstleistungen erfüllen.

Die größten strukturellen Hindernisse
schaftswachstum sind in Europa zu finden.

für

ein

nachhaltiges Wirt-

Das deutlichste Zeichen dafür

ist die Disparität zwischen dem jüngsten Wachstums- und Beschäftigungsstand in Europa und in anderen großen Industrieländern.
- 7 -

Das 5,5prozen-

�Das 5,5prozentige Wachstum in Japan im vergangenen Jahr und das 4,6prozentige Wachstum in Kanada sind beachtlich.

Diese beiden Volkswirtschaf-

ten haben weiter neue Arbeitsplätze geschaffen, und als Ergebnis ging die
Arbeitslosenrate in Kanada zurück und die Rate in Japan stabiliserte sich
auf einem sehr niedrigen Stand.

Im Gegensatz dazu betrug das Wachstum in den vier am Gipfel beteiligten europäischen Ländern im vorigen Jahr nur etwa zwei Prozent - und das
war die stärkste Wirtschaftstätigkeit seit vier Jahren.

Die Arbeitslo-

senraten, die in Europa historisch weit niedriger liegen als in den Vereinigten Staaten, sind praktisch in die zweistelligen Zahlen gestiegen
und werden in diesem Jahr einen neuen Höchststand erreichen.

Die Arbeitslosigkeit ist zu einem großen sozialen Problem geworden.
Manche Beobachter haben geglaubt, daß das Hauptproblem in demographischen
Faktoren zu suchen sei - dem Eintritt der Frau ins Arbeitsleben und einem
"Baby-Boom", der in Europa später. kam als in den Vereinigten Staaten.
Dies habe eine "Ausbuchtung" auf dem europäischen Arbeitsmarkt verursacht.

Wenn dies stimmte, dann müßte sich das Arbeitslosenproblem Euro-

pas mit der Zeit von allein lösen.

Leider lassen uns die Tatsachen kei-

nen Raum für solche Selbstgefälligkeit.

Das Problem ist nicht nur eine

ständige wachsende Zahl von Arbeitssuchenden:

Die Zahl der Arbeitsplätze

in Europa ist seit 1970 praktisch überhaupt nicht gewachsen.

In diesem

Zeitraum hat die amerikanische Wirtschaft 27 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen.

Diese langfristige Stagnation des Arbeitsmarktes in Europa

ist nicht nur für die europäischen Regierungen Anlaß zur Sorge, sondern
auch für ihre Verbündeten und Handelspartner.
Saat politischer

und wirtschaftlicher

Diese Situation trägt die

Instabilität, der

Schwäche des

Bündnisses und des Schadens für die Weltwirtschaft in sich.

Das wesentliche Problem für Europa ist das tiefsitzende Klischee der
Hindernisse für den Wandex, die eine wirksame Nutzung der wirtschaftlichen Ressourcen verhindern.

Diese strukturellen Hindernisse sind auf

dem Arbeitsmarkt besonders lästig, weil sie sowohl das Angebot von wie
auch die Nachfrage nach neuen Beschäftigten verzerren.
Auf der Nachfrageseite
- 8 -

�Auf der Nachfrageseite hat sich die Arbeit selbst so teuer gemacht,
daß sie sich vom Markt verdrängte - vor allem im Herstellungsbereich.
Diese Situation ist nicht nur durch ständige reale Lohnerhöhungen herbeigeführt worden, sondern auch auf Umwegen durch restriktive Arbeitsgesetze
auf gewerkschaftlich organisierten Sektoren und übertrieben gegensätzliche Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen.

Diese selbst zugefügten Wun-

den wurden durch die Regierungspolitik vertieft - einschließlich hoher
Arbeitsnebenkosten aus Sozial- und Altersversorgungsabgaben und strikter
Regierungsregelementierungen

für Entlassungen.

So kann beispielsweise

eine französische Firma, die mehr als 50 Beschäftigte entlassen will,
aufgrund von Regierungsverordnungen gezwungen werden, bis zu einem Jahr
zu warten, ehe die Entlassungen wirksam werden.

Verordnungen dieser Art

wurden erlassen, um die Arbeitsplätze zu schützen, aber wie die meisten
Eingriffe der Regierung in den Markt haben sie genau das Gegenteil von
dem bewirkt, was sie bewirken sollten.

Unternehmer zögern, auch in guten

Zeiten neue Beschäftigte einzustellen, weil sie wissen, daß sie sie bei
einem Rückgang der Geschäfte nicht entlassen können.

Ein Europäer hat

mir einmal gesagt, das Geheimnis des Erfolgs der amerikanischen Wirtschaft liege in den drei Worten:

"Sie sind entlassen".

Die Regierungspolitik hat auch das Angebot von Arbeitskräften in Europa gedrückt und dessen Anpassung an sich verändernde wirtschaftliche
Bedingungen erschwert.

Kein Industriestaat überläßt die Arbeitslosen und

Bedürftigen ganz und gar sich selbst.

Die Arbeitslosen- und die Sozial-

unterstützung in Europa sind so großzügig, daß sie wesentlich zu einer
Verkrustung der Arbeitsmärkte beigetragen haben.

Arbeitslose werden sich

weniger nachhaltig um einen neuen Arbeitsplatz bemühen oder einen Arbeitsplatz akzeptieren, der ihnen weniger Einkommen bringt als ihr früherer Arbeitsplatz, wenn die Kombination von Sozial- und Arbeitslosenunterstützung mehr oder weniger auf Dauer fast das gleiche ausmacht wie ihr
früheres Einkommen.

Die geradezu abschreckende Wirkung der hohen Einkom-

mensersatzraten in Europa wird durch die Großzügigkeit der Zuwendungen
für Langzeitarbeitslose verstärkt.

Während in den Vereinigten Staaten

die Arbeitslosenunterstützung nach einigen Monaten gekürzt wird, steigt
in einigen europäischen Ländern das kombinierte Einkommen aus Arbeitslo-

�aus Arbeitslosenunterstützung und Sozialbezügen sogar mit der Zeit.

Diese Verkrustungen des Arbeitsmarktes haben nicht nur die Rate des
wirtschaftlichen Wachstums gedrückt, sondern auch seine Form verzerrt.
Unternehmer, die vor einer Steigerung eines ihrer relativen Kostenfaktoren für einen ihrer wesentlichen Inputs stehen, haben es schwerer, zu
konkurrieren und zu expandieren.

Aber sie können zurückschlagen, indem

sie den relativen Anteil ihrer Inputs verändern.

Dies geschieht in Eu-

ropa schon eine ganze Zeit lang. Eine Studie der EG-Kommission vom vorigen Jahr hat herausgefunden, daß die hohen Arbeitskosten zu einer bedeu-

k

tenden Verlagerung auf arbeitsplatzsparende statt arbeitsplatzschaffende
Investitionenn geführt hat.

»

über diese Verkrustungen des Arbeitsmarktes hinaus stehen unsere Gipfel-Partner vor weiteren strukturellen Problemen, die ihre Wirtschaftstätigkeit hemmen.

Zu den Problemen, die am direktesten das Ergebnis von

Regierungspolitik sind -, und damit auch am ehesten zu beheben wären gehören Kontrollen der Finanzmärkte, verstaatlichte Industrien, die unwirtschaftlich arbeiten, und Subventionen.

Die Besorgnisse über die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten in
Europa haben in der Abschwächung europäischer Währungen während der letzten Jahre ihren Niederschlag gefunden - nicht nur gegenüber dem amerikanischen Dollar, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen und dem kanadischen Dollar.

Wir hoffen, daß die Schwäche der europäischen Währungen

in der letzten Zeit dazu beitragen wird, unseren Verbündeten die Dringlichkeit ihrer strukturellen Probleme klar zu machen, die nicht nur eines
der Hauptthemen auf dem Bonner Gipfel, sondern auch in der Arbeit der
OECD in den nächsten Jahren sein dürften.

Unser zweites wichtiges Thema für den Gipfel zielt auf die destruktiven Regierungseingriffe in das internationale Handelssystem ab.

Ich

brauche hier niemanden daran zu erinnern, daß der protektonistische Druck
wächst - nicht nur in Europa, wo die zunehmende Arbeitslosigkeit als Erklärung - wenn auch nicht als Entschuldigung - gelten kann, sondern auch
- 10 -

�sondern auch hier in den Vereinigten Staaten.
selbst zu verstärken:

Der Trend scheint sich

Verfechter von Einfuhrbeschränkungen können auf

"unfaire" Handelspraktiken anderer Länder als Provokation verweisen, und
wenn es ihnen gelingt, den Handel einzuschränken, dann wird oft Gleiches
mit Gleichem vergolten.

So wie die Handelsliberalisierung

das Wirtschaftswachstum

in den

fünfziger und sechziger Jahren angefacht hat, so wird es in den achtziger
Jahren durch den Protektionismus bedroht. Die Schließung von Märkten beseitigt Gewinne aus Handel und Spezialisierung.

Dies gefährdet mehr als

jede andere Gefahrenquelle sowohl den derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung als auch die Aussichten auf eine künftige Expansion. Darüber hinaus macht es unsere Strategie zur Lösung des internationalen Schuldenproblems zunichte. Alle großen Länder der freien Welt haben schwer gearbeitet, um die wirtschaftliche Anpassung zu fördern und zu ermöglichen, die
die in Schwierigkeiten steckenden Schuldnerländer vornehmen müssen, um
ihre wirtschaftliche Gesundheit wiederherzustellen.

Bisher haben sich

solche Anpassungen gelohnt. Die Wachstumsaussichten haben sich in diesen
Ländern gesteigert und die Bedrohung des Weltfinanzsystems ist geringer
geworden.

Wenn die sich in Schwierigkeiten befindlichen Schuldnerländer

für ihre Exporte nicht weiterhin Zugang zu den wachsenden Märkten haben,
wird dieser Prozeß jedoch zum Nachteil aller entgleisen.

Die Lösung liegt auf der Hand:

Es ist wesentlich, diesen Prozeß der

Liberalisierung des Handels zu erneuern.

Hochrangige Verpflichtungen auf

internationalen Treffen, dem Protektionismus zu widerstehen, hat es immer
wieder gegeben.

Aber meist sind es leere Worte.

Wir sind längst über

den Punkt hinaus, an dem Verpflichtungen, weiteren Schaden zu verhüten,
genügen könnten.

Wir müssen in der Lage sein, Forderungen nach Protek-

tionismus im eigenen Lande zu begegnen - bei erkennbarem Fortschritt in
der Beseitigung des Protektionismus im Ausland.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr einigen Erfolg bei der
Zurückdrängung des Protektionismus und den Verhandlungen über die stärkere Öffnung von Märkten erzielt.

Wir befinden uns in der intensivsten

- 11 -

�der intensivsten

Runde bilateraler Verhandlungen mit Japan, die es seit

Jahren gegeben hat. Bilaterale Anstrengungen sind jedoch nur von begrenzter Wirkung.

Jetzt ist die Zeit für eine klare Verpflichtung zu einer

neuen Runde formeller, multilateraler Handelsverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) gekommen. Eine solche Verpflichtung muß sowohl ein bestimmtes baldiges Zieldatum wie auch die Aufforderung zu breiter Beteiligung einschließen.

Sollten die Gipfel-Staa-

ten ihre Absicht erklären, sofort mit Vorbereitungen zu beginnen, wäre es
möglich, daß die formellen Verhandlungen Anfang 1986 beginnen könnten.
Präsident Reagan hat in seiner Botschaft über die Lage der Nation die Bedeutung dieses Ziels für die Vereinigten Staaten klar herausgestellt:
"Heute rufe ich alle unsere Handelspartner - in den Entwicklungsländern
wie in den Industriestaaten - auf, sich uns in einer neuen Runde von Handelsverhandlungen anzuschließen, um Handel und Wettbewerb anzukurbeln und
die Weltwirtschaft zu stärken, und damit im nächsten Jahr zu beginnen."
Wir halten unsere Ohren offen für eine Antwort auf diesen Appell sowohl
auf der OECD-Ministertagung in diesem Monat wie auf dem Wirtschaftsgipfel
im nächsten Monat in Bonn.

Zusammenfassung
Jeder

verantwortungsbewußte

amerikanische

Regierungsvertreter, der

über einen anstehenden Wirtschaftsgipfel spricht, muß seine Zuhörer davor
warnen, dramatische Ereignisse oder große Durchbrüche zu erwarten.

Das

Ziel solcher Treffen besteht nicht darin, die Staats- und Regierungschefs
in spezifische Verhandlungen zu verwickeln, sondern zu einem breitgefächerten und informellen Gespräch zu ermutigen, das es ihnen erlaubt, zu
einem tieferen Verständnis der jeweiligen Standpunkte und deren Begründung zu gelangen.

Diesmal habe ich jedoch die üblichen Grundregeln gebrochen, indem ich
zugegeben habe, daß wir zumindest auf ein Übereinkommen von entscheidender Bedeutung hoffen.

Wenn das freie internationale Handelssystem über-

leben soll, dann dürfen wir uns nicht den Luxus leisten, unsere Schritte
- 12 -

�unsere Schritte dahinzuschleppen oder Haarspalterei zu betreiben.

Wenn

die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel nicht die Gelegenheit ergreifen, sich in einer festen Verpflichtung zusammenzuschließen, um eine
neue Runde von Handelsverhandlungen in Gang zu bringen, dann werden fast
mit Sicherheit die Kräfte des Protektionismus die Oberhand gewinnen.

Um unsere Ziele in Bonn ganz allgemein zusammenzufassen, möchte ich
noch einmal die Botschaft über die Lage der Nation zitieren:
einen guten Anfang gemacht. Aber es ist nur ein Anfang.

"Wir haben

Wir sind nicht

hier versammelt, um uns selbst Glück zu wünschen zu dem, was wir getan
haben, sondern um uns in die Pflicht zu nehmen, das zu vollenden, was wir
noch nicht getan haben."

•

- 13 -

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17. April 1985

&gt;

INHALT

DOKUMENTATION
Neue Realitäten und neue Denkansä'tze
- Von US-Auüenminister George P. Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL

Kampf dem Drogenhandel
- Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�17. Mpril 1*85

16

NEU: REALITÄTEN UND NEUE DENKANSÄTZE
- Von US-Außenminister üeorge P. Shultz -

- (AD) - Die englische Üriginalfassung des nachstehenden Beitrags
des amerikanischen Außenministers
George P. Shultz ist in der Frühjahrsausgabe 1985 der Zeitschrift
FOREIGN AFFAIRS erschienen.
Albert Einstein bemerkte einmal, daß die Entwicklung der Kernwaffen
alles verändert habe, außer unserer Denkweise. Wenn so viel Zeit vergehen
mußte, bis selbst eine so dramatische Entwicklung wie die nukleare Revolution in vollem Umfang verstanden wurde, wieviel länger dauert es dann
normalerweise, bis wir die Implikationen der subtileren, schwer greifbaren geschichtlichen Veränderungen verstehen, die sich um uns herum vollziehen.

Die Weltordnung am Ende des gegenwärtigen Jahrhunderts wird sich mit
Sicherheit ganz wesentlich von der Struktur der Weltpolitik bei Beginn
dieses Jahrhunderts unterscheiden. Die Verteilung der Macht und die Dynamik der internationalen Beziehungen sind einem steten Wandlungsprozeß un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wandlungsprozeß unterworfen, der von vielerlei t-aktoren vorangetrieben
wird: von der Technik, von wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen
und von der oftmals unterschätzten Kraft von Ideen.

Dieser Prozeß geht

weiter, denn die Geschichte kommt niemals zum Stillstand. Während das 21.
Jahrhundert näherrückt, gewinnt Einsteins Beobachtung eine neue Bedeutung: Unsere Denkweise muß sich neuen Realitäten anpassen.

Wir müssen

die neuen Trends unbedingt begreifen und ihre Implikationen verstehen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich nicht in der Rolle
eines Zuschauers. Wir sind mitbeteiligt, und wir engagieren uns. Wiederum
ist Amerika in der Lage, die Richtung, die der Gang der Dinge nimmt, maßgeblich zu beeinflussen, und die traaitionellen Ziele und Werte des amerikanischen Volkes haben sich nicht verändert, Es ist unsere Ff licht, bei
der Ausgestaltung der sich entwickelnden Strömungen nach Maidgabe unserer
Ideale und Interessen mitzuwirken und dazu beizutragen, die weltweite
Stabilität auf eine neue Grundlage zu stellen, so daB für kommende Generationen Friede, Wohlstand und Freiheit gesichert sind.

Welches sind die Kräfte des Wandels V Welche neuen "Denkweisen" sind
erforderlich ? Und welches sind die möglichen Elemente eines neuen und
sichereren internationalen Systems ?

So oder so bleibt das sowjetisch-amerikanische Verhältnis ein entscheidender Bestimmungsfaktor der Aussichten für den'Weltfrieden, obwohl
die politische Vorrangstellung der beiden Supermächte heute weniger ausgeprägt ist als vor einigen Jahrzehnten, Die Gestaltung dieses Verhältnisses angesichts sich wandelnder Bedingungen bleibt eine der großen planerischen Herausforderungen für die Vereinigten Staaten.

Solange das sowjetische System seine Triebkraft aus der Ideologie und
aus einem nationalen Streben nach Vergrößerung der eigenen Macht und nach
Untergrabung der Interessen der demokratischen Staaten bezieht, werden
echte Freundschaft und Zusammenarbeit unmöglich bleiben.

Wenn' es über-

haupt Hoffnung auf dauerhafte Stabilität geben soll, dann muß der Westen
diesem

sowjetischen Machtstreben mit Entschiedenheit

widerstehen.

Im

�widerstehen.

Im Zeitalter der thermonuklearen Waffen haben jedoch beide

Seiten gleichzeitig ein gemeinsames Interesse am Überleben und daher auch
allen Anlaß, ihre Rivalität nicht bis zum Äußersten zu treiben und sich
zu bemühen, die Entwicklung im Bereich der Kernwaffen im Griff zu behalten und Mittel und Wege zur Verminderung der Kriegsgefahr zu finden. Man
kann nicht absehen, ob eine beständige Politik des Westens von dieser Art
im Laufe der Zeit zu einer Mäßigung des sowjetischen Systems führen wird.
Vielleicht wird dies nicht der Fall sein.

Aber wie dem auch sei:

Der

Westen muß auf jeden Fall sowjetischen übergriffen mit Entschiedenheit
entgegentreten, gleichzeitig aber die Tür für konstruktivere Entwicklungsmöglichkeiten offenhalten.
Die Amtsübernahme Gorbatschows könnte heute eine neue Gelegenheit zur
Auslotung solcher konstruktiveren Möglichkeiten eröffnet haben. Präsident
Reagan geht diese Aufgabe in positivem Geiste an, ist sich dabei aber realistischerweise auch der Tatsache bewußt, daß die Schwierigkeiten zwischen unseren Ländern auf objektiven Gegebenheiten beruhen und daß die
Lösung dieser Probleme harter Arbeit bedarf.

Im Gegensatz zur Sowjetunion hatten die demokratischen Staaten lange
Zeit Mühe, ihrer Politik Beständigkeit und innere Schlüssigkeit zu verleihen und sich ihre Selbstdisziplin und ihr Gefühl für Strategie zu bewahren.

Freie Gesellschaften sind oftmals ungeduldig.

Die Haltung des

Westens hat in der Vergangenheit zwischen den Extremen des Pessimismus
und der Weltuntergangsstimmung einerseits und der naiven Empfänglichkeit
für ein sowjetisches Lächeln andererseits hin und her geschwankt.

Wir

haben zu oft dazu geneigt, uns geistig entweder auf die Erhöhung unserer
Stärke oder auf Verhandlungen zu konzentrieren.

Es ist uns schwergefal-

len, beides gleichzeitig zu tun, obwohl dies eindeutig der vernünftigste
Weg ist und darüber hinaus wahrscheinlich der einzige, auf dem wir sowohl
unsere Verteidigungsanstrengungen als auch unsere Verhandlungsfähigkeit
aufrechterhalten können.

In den vergangenen vier Jahren haben sich nichtsdestoweniger die
Rahmenbedingungen des amerikanisch-sowjetischen

Verhältnisses drastisch

�Verhältnisses drastisch verändert.

Als die Vereinigten Staaten vor zehn

oder 13 Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten,
ihre Landesverteidigung vernachlässigten und zögerten, ihre Rolle in der
Weltpolitik auszufüllen, machten sich die Sowjets dies zunutze, indem sie
ihre Aufrüstung rücksichtslos vorwärts trieben.

Sie und ihre Schutzbe-

fohlenen traten in der geopolitischen Arena immer kühner auf.

In der

Annahme, daß der Westen zum Widerstand außerstande sei, intervenierten
sie beispielsweise in Angola, Kambodscha, Äthiopien und Afghanistan.

Sie hatten Grund zu der Annahme, daß das, was sie die weltweite "Korrelation der Kräfte" nennen, sich zu ihren Gunsten veränderte.

Heute besteht unter unseren wichtigsten Verbündeten mehr Einmütigkeit
als je zuvor. Die Vereinigten Staaten sind dabei, ihre militärische Stärke und ihre Wirtschaftskraft wiederherzustellen.

Wir haben unser Selbst-

vertrauen zurückgewonnen, und wir haben einen Präsidenten, den die Bürger
unseres Landes erneut damit betraut haben, eine aktive führungsrolle zu
übernehmen.

im Gegensatz dazu sehen sich die Sowjets tiefgreifenden

strukturellen Wirtschaftsproblemen und unruhigen Verbündeten gegenüber.
In vielen Teilen der Welt befinden sich ihre eigene Diplomatie und ihre
Schutzbefohlenen in der Defensive.

Heute haben wir Grund zu der Annahme,

daB sich die "Korrelation der Kräfte" wieder zu unseren Gunsten verschiebt.

Die beschichte wird uns jedoch nicht die Arbeit abnenmen.

Die Erfah-

rung lehrt, daB die Sowjets immer wieder irgendwo irgendetwas tun werden,
das empörend oder unseren Interessen abträglich ist und die Hoffnungen
auf eine Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses dämpft.

Das Geschehen

in der Tschechoslowakei und in Afghanistan, der Abschuß des koreanischen
Verkehrsflugzeuges und das Verhalten der Sowjets im Hinblick auf die Menschenrechte bilden Beispiele hierfür.

Die Frage ist, wie der Westen auf

solch empörende Dinge reagieren soll. Unser Ziel sollte eindeutig darin
bestehen, so vorzugehen, daß ein disziplinierender Effekt auf das Verhalten der Sowjets hervorgerufen wird.

Gleichzeitig müssen wir so planen,

daß unsere eigene Strategie nicht immer wieder von solchen Schocks aus
- 4 -

�Schocks aus dem Gleis geworfen wird.

Wir dürfen uns niemals so eingleisig auf die Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets konzentrieren, daß wir blind gegenüber Handlungsweisen werden, die die Grundlagen eines stabilen Verhältnisses untergraben.

Symbolische Reaktionen auf unannehmbare Verhaltensweisen der So-

wjets haben ebenso ihren Stellenwert wie Vergeltungsmaßnahmen und Sanktionen.

Die Erfahrung lehrt jedoch auch, daß wir in der Praxis geopoli-

tische Übergriffe der Sowjets dadurch am besten abschrecken oder rückgängig machen können, daß wir in der einen oder anderen Weise denjenigen
helfen, die an Ort und Stelle Widerstand leisten.

Viele Verhandlungsan-

strengungen und sonstige politische Bemühungen, die wir mit den Sowjets
unternehmen, liegen im beiderseitigen Interesse, und genau das sollte
grundsätzlich der Fall sein.

Wir haben daher harte Entscheidungen zu treffen, üb eine wichtige
Verhandlungsrunde

nach irgendeinem

sowjetischen Übergriff

unterbrochen

werden sollte, wird immer eine Rechnung mit vielen Faktoren sein.

Als

die Sowjets im Jahre 1983 das südkoreanische Verkehrsflugzeug abschössen,
sorgte Präsident Reagan zwar dafür, daß die Welt die ganze, ungeschminkte
Wahrheit über diesen Greuelakt erfuhr, aber er schickte nichtsdestoweniger unsere Rüstungskontrollunterhändler

zurück nach Genf, weil er der

Überzeugung war, daß eine Verminderung der Kernwaffen unbedingten Vorrang
haben müsse.

Kurzum: Unser "Denkansatz" muß sich auf eine längerfristig durcnhaltbare, an den Zielen und Interessen Amerikas orientierte Strategie richten, die dem Verhalten der Sowjets Rechnung trägt, sich aber nicht auf
bloßes Reagieren beschränkt.

Line solche Strategie erfordert eine fort-

währende Bereitschaft, Probleme auf dem Verhandlungswege zu lösen, wo
dies in unserem (und voraussichtlich im beiderseitigen) Interesse liegt.
Unsere Möglichkeiten werden in dem Maße wachsen, in dem es uns gelingt,
objektive Fakten zu schaffen, die die Sowjets zunehmend zu der Einsicht
bringen, daß es in ihrem Interesse liegt, in allen Bereichen bessere Beziehungen zu uns herzustellen.

Solche Fakten schaffen wir, indem wir die

�wir die Modernisierung
Freunden

beistehen

und

unserer Landesverteidigung
sowjetischen

fortsetzen, unseren

Herausforderungen

entgegentreten.

Wenn wir für das kommende Jahrhundert das amerikanisch-sowjetische Verhältnis auf eine stabile Grundlage stellen wollen, dann müssen wir lernen, eine langfristig angelegte Strategie zu verfolgen, die gleichzeitig
sowohl auf Stärke als auch auf Verhandlungen beruht.

Auch in einem verwandten Bereich, nämlich dem der Rüstungskontrolle,
sehen wir uns der geistigen Herausforderung eines neuen Zeitalters gegenüber.

Die andauernde technologische Revolution bedeutet, daß das strate-

gische Gleichgewicht und damit auch die Erfordernisse der Abschreckung
niemals statisch sein können.

Leider hinken die herkömmlichen Denkansät-

ze bezüglich vieler dieser Fragen hinter der Wirklichkeit her.

Im Mittelpunkt der strategischen Doktrin, auf die sich der Westen
seit Jahrzehnten festgelegt hat, steht letzten Endes das Gleichgewicht
des Schreckens, d.h., die Konfrontation offensiver Potentiale, mittels
derer sich beide Seiten wechselseitig mit Massenvernichtung bedrohen. Die
Abschreckung hat unter diesen Bedingungen funktioniert, und wir dürfen
das, was sich als funktionsfähig erwiesen hat, nicht aufgeben, bis wir
sicher sein können, daß etwas Besseres auch wirklich zur Verfügung steht.
Aus politischen, strategischen und selbst aus moralischen Gründen sind
wir es jedoch unseren Bürgern schuldig, zu prüfen, ob es etwas Besseres
gibt als die herkömmliche Einsicht, daß unsere

Verteidigungsstrategie

sich auf Offensivdrohungen stützen und unsere Bürger dabei ohne jeden
Schutz vor Angriffen lassen muß.

Die Sowjets haben ihrerseits der stra-

tegischen Verteidigung stets enorme theoretische und praktische Bedeutung
beigemessen. In diesem Zusammenhang sind nicht nur ihr Luftverteidigungsund ihr Zivilschutzsystem zu nennen, sondern auch ihr modernisiertes,
rings um Moskau in Stellung gebrachtes Raketenabwehrsystem und ihre intensiven Forschungsarbeiten im Bereich neuer Defensivtechnologien.

Der Prozeß der Anpassung unseres strategischen Denkens an die beständigen Fortschritte der Technik ist niemals einfach.

Die Vehemenz eines

Teils der Kritik an der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDl) des
- 6 -

�(SDI) des Präsidenten erklärt sich meines Erachtens weniger daraus, daß
die technische Durchführbarkeit dieses Projekts strittig ist - denn die
zukünftigen Forschungsarbeiten werden diese Streitfrage so oder so in objektiver Weise lösen - als vielmehr daraus, da(3 diese Kritiker angesichts
sich wandelnder strategischer Realitäten zur leidenschaftlichen Verteidigung der orthodoxen Doktrin angetreten sind.

Wir treiben die Forschungs-

arbeiten im Rahmen der SDI voran, weil wir hier positive und sogar revolutionäre Möglichkeiten sehen:

Wir könnten Defensivmittel in die Hand

bekommen, die jeden Angriff auf uns oder unsere Verbündeten zum Scheitern
bringen und damit die Gefahr eines offensiven Erstschlags in die Vergangenheit verweisen könnten.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre ein neues

strategisches Gleichgewicht auf der Grundlage defensiver Technologien und
drastisch verkleinerter Uffensivpotentiale die stabilste und sicherste
Regelung überhaupt.
Unser Konzept laut sich wie folgt beschreiben: Für die nächsten zehn
Jahre besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in einer radikalen Verminderung der Schlagkraft der bestehenden und geplanten nuklearen Offensivwaffen und in einer Stabilisierung des Verhältnisses zwischen nuklearen
Offensiv- und Defensivwaffen auf der Erde und im Weltraum.

Wir richten

uns schon heute auf eine Übergangsphase hin zu einer stabileren Welt ein,
in der der Bestand an Kernwaffen erheblich vermindert sein wird und in
der man in verstärktem Maße in der Lage sein wird, die Kriegsverhütung
durch Abschreckung zunehmend auf der Grundlage nicht-nuklearer Abwehrmöglichkeiten gegen nukleare Offensivwaffen zu gewährleisten.

Diese Über-

gangsphase könnte dann schließlich in die völlige Beseitigung aller Kernwaffen, der offensiven wie der defensiven, einmünden.

Eine kernwaffen-

freie Welt bildet das Lndziel, dem wir, die Sowjetunion und alle übrigen
Nationen zustimmen könnten.

Als in den vergangenen Jahrzehnten die politische Vorrangstellung der
Supermächte abzubröckeln begann, vertraten einige Beobachter die Auffassung, dau eine von fünf Mächten beherrschte Welt im Entstehen begriffen
sei, d.h., eine Welt, in der die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion,
Westeuropa, China und Japan die Hauptakteure

sein würden.

Nach der

�Nach der Energiekrise Anfang der siebziger Jahre hoben andere hervor, daß
das Nord-Süd-Verhältnis zunehmend an Bedeutung gewinne.

Wieder andere

sahen das amerikanisch-sowjetische Verhältnis weiterhin im Mittelpunkt.

All diese Sichtweisen beinhalten etwas Wahres. Mitte der achtziger
Jahre liegt jedoch m.t. der tiefgreifendste Trend in der Weltpolitik in
einem anderen Moment, nämlich in der wachsenden Dynamik, dem Zusammenhalt
und der Zusammenarbeit gleichgesonnener Nationen, die wichtige, positive
Ziele teilen.

Solch positive Ziele sind auch die treibende Kraft der amerikanischen
Außenpolitik: Friede, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte, Gerechtigkeit für alle Rassen, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt, verstärkte Zusammenarbeit und Rechtsstaatlichkeit.

Diese Ziele sind Leit-

bilder für Völker und Nationen überall auf der Welt, und sie könnten sich
durchaus als der organisatorische Rahmen für eine die große Mehrheit der
Menschheit

umfassende Weltordnung erweisen.

Schon heute spiegeln sie

sich in den neueren Strömungen in vielen Regionen der Welt und in vielen
Bereichen der Außenpolitik wider.

Die enysten und dauerhaftesten auswärtigen Beziehungen, die Amerika
unterhält, sind natürlich seine Bündnisse mit den anderen demokratischen
Staaten.

Dies ist kein Zufall. Die Bindungen zwischen uns und unseren

demokratischen Freunden im Ausland sind gerade deshalb so dauerhaft, weil
sie auf einer moralischen Grundlage stehen und nicht nur auf gemeinsamen
strategischen Interessen beruhen.

Als George Washington seinen Mitbür-

gern riet, keine permanenten Bündnisse einzugehen, ergab sich seine Haltung zum Teil aus der Tatsache, daß es damals kaum andere demokratische
Staaten gab.

Der unsere zählte zu den ersten, und wir hatten allen An-

laß, uns davor zu hüten, uns mit Ländern einzulassen, die unsere demokratischen Grundsätze nicht teilten.

Auf jeden Fall definieren wir heute

unsere strategischen Interessen so, daß sie die Sicherneit und das Wohlergehen der gesamten demokratischen Welt mit einschließen.

Die Bedingungen der Gegenwart bestimmen die Aufgaben des atlantischen
- 8 -

�des atlantischen Bündnisses.

So ist man sich neuerdings zum Beispiel

darüber im klaren, wie wichtig eine Verstärkung der konventionellen Verteidigung ist, um die Sicherheit Europas zu erhöhen, während man gleichzeitig den Stellenwert der Kernwaffen im Konzept der NATO zunehmend vermindert.

Ein starkes westliches Abschreckungspotential bildet die soli-

deste Grundlage, wenn es darum geht, den Osten zu konstruktiven Verhandlungen zu bewegen.
Verbesserung

Kurzfristig ergreifen die Verbündeten Schritte zur

der Einsatzbereitschaft

und

der

Infrastruktur

der NATO.

Längerfristig ist das Bündnis bestrebt, andere besonders schwerwiegende
Mängel zu beheben und darüber hinaus die grundsätzliche Aufgabe der Verbesserung der Effizienz der Rüstungsbeschaffung der Verbündeten anzugehen.

üie Vereinigten Staaten waren immer für die Einheit Westeuropas, weil
sie wissen, daß ein starkes Europa zwar in mancher Hinsicht ein Konkurrent sein, insgesamt aber im Interesse der freien Welt liegen würde.

Wir

wünschen der Europäischen Gemeinschaft alles Gute, und wir ermutigen unsere europäischen Freunde zu weiteren Fortschritten bei der Entwicklung
eines wirklich ganz Europa umfassenden Marktes und bei der Beseitigung
der strukturellen Verkrustungen, die sowohl weiterem Wirtschaftswachstum
als auch einer effektiven wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit uns im Wege
stehen.

In Europa beobachten wir auch neue und kreative Uenkansätze im Hinblick auf das weitere Streben nach politischer Einheit und auf die Verstärkung der westeuropäischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung.
Wir stehen den beiden genannten Zielen wohlwollend gegenüber. Wenn Europa
eine Hauptrolle in der Weltpolitik spielt, so kann dies dem Westen nur
nützen.

Was die Verteidigung angeht, so sollten die Völker Westeuropas

sie als eine Investition in ihre eigene Zukunft ansehen, nicht aber als
einen Gefallen, den sie den Vereinigten Staaten tun. Bei einigem staatsmännischem Geschick auf beiden Seiten des Atlantiks wird diese Entwicklung die gemeinsame Verteidigung stärken und in den demokratischen Staaten den Sinn dafür schärfen, daß sie gemeinsame politische Zielvorstellungen verfolgen.
Wenn wir über

�Wenn wir über die Entwicklung Europas nachdenken, dann können wir
Osteuropa nicht außer acht lassen.

Seit der Zeit des Marshall-Plans, als

der Westen den Osten zur Mitwirkung einlud, haben wir stets gewollt, daß
der Erfolg Westeuropas wie ein Leuchtfeuer für ganz Europa wirkt,

üie

gegenwärtige politische Teilung des Kontinents ist völlig künstlich.

Sie

besteht nur, weil sie von den Sowjets mit brutalem Machteinsatz erzwungen
wurde, und die Vereinigten Staaten haben sie niemals als legitim oder
dauerhaft anerkannt.
strebungen.

In bestimmten Ländern gibt es Liberalisierungsbe-

Aber alle Völker Osteuropas vermögen Besseres, verdienen

Besseres und sehnen sich nach Besserem.

In den vergangenen Jahren war

ein machtvoller Drang nach freien Gewerkschaften, nach Wirtschaftsreformen, nach politischer und religiöser Freiheit, nach echtem Frieden und
Sicherheit und nach Menschenrechten gemäß den Versprechen der Schlußakte
von Helsinki zu verzeichnen.

Wir hoffen, daß wir den Tag erleben werden,

an dem die Sowjetunion ihre Denkweise ändert und ihre eigene Sicherheit
in Kategorien definiert, die mit der Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit ihrer Nachbarstaaten in Einklang zu bringen sind.

Auch in Ostasien und dem Pazifik verändern neue Realitäten unser Bild
von der Welt.

Die wirtschaftliche Dynamik dieser Region gewinnt als Fak-

tor des amerikanischen Außenhandels, als wirtschaftliches Modell für die
Entwicklungsländer und als einzigartige und vielversprechende Zukunftsvision immer mehr an Bedeutung.

In den freien Ländern Ostasiens war im

vergangenen Jahrzehnt eine jährliche Wachstumsrate von sieben Prozent zu
verzeichnen.

In den vergangenen fünf Jahren war unser Handel mit den

Staaten Ostasiens und des Pazifiks umfangreicher als unser Handel mit
jeder anderen Region, und seine relative Bedeutung wächst weiter.

Im

Jahre 1984 erreichte der Handel der Vereinigten Staaten mit dieser Region
ein Volumen von 165 Milliarden Dollar, was rund 30 Prozent vom gesamten
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten entspricht.
Südostasiatischer Nationen ist zu einem

Der Zusammenschluß

eindrucksvollen Muster wirt-

schaftlicher Entwicklung und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit
geworden.

Die Republik Korea bildet ein spektakuläres Beispiel wirt-

schaftlichen

Erfolgs.

Entsprechend

seiner

gewachsenen

Stärke

spielt

Japan inzwischen eine bedeutsamere Rolle und füllt sie verantwortungs- 10 •

�sie verantwortungsbewußt, positiv und kooperativ aus.

in der Volksrepu-

blik China sind die Hoffnungen auf wirtschaftliche Modernisierung klugerweise in ein kühnes Reformprogramm umgesetzt worden. Chinas langer Marsch
zur Marktwirtschaft ist ein Ereignis von wahrhaft historischen Dimensionen:

Eine große Nation entledigt sich veralteter wirtschaftlicher Dok-

trinen und setzt die Energien ihrer begabten Bevölkerung frei.

Es gibt natürlich auch Probleme, die Gefahren für diese vielversprechende wirtschaftliche Zukunft heraufbeschwören: die sowjetische Aufrüstung in der Region, Akte der Aggression durch die Sowjetunion und ihre
Schutzbefohlenen in Afghanistan und Kambodscha, ungelöste Spannungen auf
der koreanischen Halbinsel, innere Probleme in verschiedenen Ländern.
Ostasien hat ein reiches kulturelles Erbe, aber auch eine turbulente, von
bitteren Konflikten durchzogene Geschichte.

Die Symbolik im Schicksal

von Angkor Wat - ein großartiges antikes Monument, das unter den Gewalttätigkeiten der Neuzeit schwer gelitten hat - bildet sowohl eine Paradoxie als auch eine Warnung.

Dennoch ist die tiefgreifendste Strömung in der Region heute positiver Natur, insbesondere der neuerdings zu verzeichnende Trend in Richtung
auf mehr Zusammenarbeit.

Bei vielen Nationen mit einer enormen Vielfalt

von Kulturen, Rassen und politischen Systemen stellt sich das Gefühl ein,
einer pazifischen Gemeinschaft anzugehören.

Man geht in immer stärkerem

Maße zu regionalen Konsultationen über, und es entwickelt sich ein Gefühl
des gemeinsamen Interesses an der Sicherheit der Region. In diesem Sinne
haben die Vereinigten Staaten ein Jahrzehnt nach Vietnam ihre Position in
Asien mehr als wiederhergestellt.

Wir können auf die Lebenskraft unserer

Bündnisse, Freundschaftsbeziehungen und produktiven Bindungen in dieser
vielversprechenden Region stolz sein.
staatsmännischer

Umsicht

handeln,

Wenn die Nationen mit Weisheit und

dann

könnten

wir

durchaus

an der

Schwelle eines neuen Zeitalters der internationalen Beziehungen im pazifischen Becken stehen.

In Lateinamerika tritt eine andere Strömung zutage: der stetige Vormarsch der Demokratie.

Demokratie ist als Idee natürlich nichts Neues,
- 11 -

�nichts Neues, aber diese neue Entwicklung reviaiert einige Annahmen, die
früher in machen Kreisen über die politische Zukunft der Welt yehegt wurden. Manche Pessimisten pflegten zu behaupten, daß die demokratischen Industriestaaten zu einem permanenten Minderheitenstatus in der Völkergemeinschaft verurteilt seien.

Heute deutet jedoch immer mehr darauf hin,

daß das Ideal der Freiheit lebendig ist und nichts von seiner Ausstrahlungskraft verloren hat. In der westlichen Hemisphäre leben heute über 9U
Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas und der Karibik unter demokratischen Regierungen. 1979 war es im Gegensatz dazu erst ein Drittel.

In

weniger als sechs Jahren wurden die Diktatoren von Argentinien, Bolivien,
Ecuador, El Salvador, Honduras, Panama, Peru, Grenada, Brasilien und
Uruguay durch vom Volke gewählte Demokraten ersetzt. Guatemala befindet
sich im Übergäre; zur Demokratie.

Nachdem die Hemisphäre so lange im

Zwielicht der Diktatur verharrt hat, ist dieser Trend in Richtung auf
freie Wahlen und Regierungen, die das Volk vertreten, etwas, das Zustimmung und Unterstützung verdient.

Die Vereinigten Staaten waren immer ein Vorkämpfer der Demokratie.
Demokratische Institutionen bilden die beste Garantie für die Einhaltung
der Menschenrechte und langfristig auch die beste Garantie für Stabilität.

Auf allen Kontinenten ist ein Trend in Richtung auf Demokratie oder

doch zumindest ein Verlanyen nach Demokratie zu verzeichnen.

Beides be-

legt eindeutig, dal3 die Idee der Freiheit keineswegs ein kulturgebundenes
Anliegen oder ein Monopol der westlichen Industriestaaten ist.
Heute beobachten wir ein bedeutsames neues Phänomen. Nach Jahren des
von Kommunisten angeführten Guerillakrieges gegen prowestliche Regierungen erleben wir jetzt dramatische und ermutigende Beispiele eines vom
Volke getragenen Untergrundkampfes gegen kommunistische Regime.

Heute

kann man sagen, daß in einer Reihe sehr unterschiedlich gelagerter Fälle
- in Nicaragua, in Afghanistan, in Kambodscha und in Afrika - marxistisch-leninistische Machthaber eindeutig bei dem Versuch gescheitert sind,
das Verlangen nach einer Regierung, die das Volk vertritt, zu unterdrükken. Darüber hinaus haben sich kommunistische Systeme durchweg als wirtschaftliche Katastrophen erwiesen. Das amerikanische Volk blickt auf eine
- 12 -

• ' .

�auf eine lange und ehrwürdige Tradition der Unterstützung von Menschen
zurück, die für Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen, im 19.
Jahrhundert unterstützten wir Simon Bolivar, polnische Patrioten und andere, die nach Freiheit strebten, womit wir in gewisser Weise eine Gegenleistung für die Hilfe erbrachten, die uns bei unserer eigenen Revolution
durch andere Nationen wie z.B. Frankreich zuteil geworden war.

Wenn wir

dieser Tradition den Rücken kehrten, würden wir der sowjetischen Auffassung recht geben, daf3 kommunistische Revolutionen unumkehrbar sind, alle
anderen Länder jedoch dem kommunistischen Zugriff weiter offen stehen;
praktisch würden wir dann die Breschnew-Doktrin ins amerikanische Recht
einführen.

So lange kommunistische Diktaturen keinerlei Hemmungen haben,

im Namen des "sozialistischen

Internationalismus"

zum

Untergrundkampf

aufzuhetzen und ihn zu unterstützen, ist auch nicht einzusehen, warum es
den demokratischen Staaten, die die Zielscheibe dieser Bedrohung bilden,
nicht erlaubt sein sollte, ihre eigenen Interessen und die Demokratie
selbst zu verteidigen.

Was in Mittelamerika auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als die
Zukunft der Demokratie. Mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung
versuchen die Sandinisten, in Nicaragua ein totalitäres System zu konsolidieren und den Untergrundkampf in der gesamten Region anzuheizen. Unsere Politik ist darauf gerichtet, Demokratie, Reformen und Menschenrechte zu fördern, die

wirtschaftliche

Entwicklung

zu unterstützen, zum

Schutz gegen die beizutragen, die mit Gewalt die Tyrannei verbreiten
wollen, und Gespräche und Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder der
Region als auch zwischen ihnen anzuregen. Wir unterstützen demokratische
Regierungen und demokratische politische Kräfte gegen die Extremisten der
Rechten und der Linken. Wenn wir die im Stich lassen, die nach Demokratie
streben, dann werden die Extremisten den Sieg davontragen, und die Kräfte
der Mäuigung und des Rechts werden ihre Opfer sein. Mus diesem Grunde hat
die Administration so hart für effektive Verhandlungen, für wirtschaftsund sicherheitspolitische Hilfe und für den überparteilichen, von der
Kissinger-Kommission entwickelten Plan gearbeitet und wird dies auch weiterhin tun. Die vitalen Interessen unserer Nation und unsere moralische
Verantwortung gebieten, da(3 wir unseren Freunden in ihrem Kampf für die

- 15 -

�für die Freiheit und gegen jene, die die gewaltsame Revolution und die
Unterdrückung verherrlichen, beistehen.

Auch in anderen Teilen der Welt beteiligen sich die Vereinigten Staaten aktiv an den Bemühungen um friedliche Lösungen regionaler Konflikte.
Vermittlungsbemühungen dieser Art entsprechen natürlich der traditionellen Rolle Amerikas, aber neue Rahmenbedingungen erfordern beim Streben
nach Fortschritten auf Seiten aller Beteiligten auch stets neue Denkansä'tze.

Im Nahen Osten beispielsweise sind bei einigen der Hauptakteure in
der Region Anzeichen eines neuen Realismus und eines neuen Verantwortungsbewußtseins zu beobachten. Wenn dies anhält, könnten sich hieraus
die Vorbedingungen für Fortschritte ergeben, die sich einstellen werden,
sobald beide Seiten sich darauf verständigen können, sich am Verhandlungstisch zusammenzusetzen. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor
der Überzeugung, daB die Initiative Präsident Reagans vom 1. September
1982 die besten Aussichten auf eine Lösung des Konflikts bietet. Wir
bemühen uns auch in diesem Jahr intensiv, unsere israelischen und arabischen Freunde zu weiteren Schritten in Richtung auf den Frieden zu
ermuntern. Wir

werden

auch

weiterhin

diejenigen

ermutigen, die nach

Frieden streben, und ihnen gegen die beistehen, die für Gewalt sind und
jeglichen Fortschritt zu blockieren versuchen.

Auch im südlichen Afrika müssen die Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle übernehmen. Wir müssen eine doppelte Zielsetzung verfolgen, nämlich Gerechtigkeit für alle Rassen und Sicherheit für die Region. Diese
doppelte Herausforderung verlangt eine ernsthafte Lageanalyse und nüchternes Denken, keinesfalls jedoch emotionale Reaktionen. Wir haben schon
viel erreicht, aber unser EinfluB ist nicht unbegrenzt. Heute sind im
südlichen Afrika grenzüberschreitende Gewaltakte weitaus seltener als zu
jedem anderen Zeitpunkt seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Hinblick auf
eine Regelung für Namibia werden Fortschritte erzielt. Wir haben unsere
Beziehungen zu Mosambik und anderen Staaten der Region gefestigt. Die
Republik Südafrika selbst hat mit vielen ihrer Nachbarn von Zusammenar- 14 -

�von Zusammenarbeit geprägte Beziehungen entwickelt.

Innerhalb der Republik Südafrika ist bereits ein dynamischer Entwicklungsprozeß in Gang gekommen. Heute sind mehr positive Veränderungen zu
verzeichnen als während der siebziger, sechziger oder fünfziger Jahre.
Die positiven Auswirkungen der amerikanischen Präsenz - unsere Diplomatie, unsere Firmen, unsere Hilfsprogramme für schwarze Südafrikaner tragen dazu bei, die Grundlagen für einen weitergehenden Wandel zu schaffen. Mit der Apartheid muß Schluß gemacht werden. Wir müssen als eine
Kraft des konstruktiven, friedlichen Wandels in Erscheinung treten, solange die Möglichkeit dazu noch besteht; nur eine solche Vorgehensweise
steht im Einklang mit den Werten Amerikas. Keinesfalls dürfen wir am Rande stehen und die Kräfte der Polarisierung anfeuern, deren Wirken sich
letztendlich in einem Krieg der Rassen entladen könnte, und es kann nicht
unsere Sache sein, den Menschen Südafrikas ihr Leben noch weiter zu erschweren, denn auch dies könnte zu dem genannten Ergebnis führen.

Auch im Bereich der Weltwirtschaft geht eine wichtige Veränderung vor
sich, eine Veränderung geistiger Art. Die Wirklichkeit ist dabei, in einige seit langem bestehende wirtschaftspolitische

Vorstellungen einzu-

dringen. Heute trifft die Äußerung von Lord Keynes, daß Praktiker immer
die Sklaven irgendwelcher längst verstorbener Wirtschaftswissenschaftler
seien, wahrscheinlich weniger zu als in der Vergangenheit.

Oder viel-

leicht beweisen die Auffassungen über den Ursprung des "Reichtums der
Völker", die Adam Smith vor mehr als zwei Jahrhunderten zum Ausdruck
brachte, heute wieder einmal ihre praktische Gültigkeit.

Auf jeden Fall

haben die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit eine allgemeine, seit
langem überfällige Skepsis gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen, zentraler Planung und staatlichem Dirigismus genährt.

Diese geistige Veränderung

ist zum Teil auf die

außergewöhnliche

Kraft des Aufschwungs in Amerika zurückzuführen. Die Vereinigten Staaten
haben ihr Steuersystem reformiert, um echte Anreize zur Arbeit, zum Sparen, zum Investieren, zur Risiko- und zur Leistungsbereitschaft zu schaffen.

Wir haben die staatliche Reglementierung, staatliche Eingriffe und
- lt&gt; -

�Eingriffe und staatliche Lenkungsversuche eingedämmt. In den Bereichen
Verkehr, Finanzwesen, Kommunikation, Fertigung und Verteilung haben wir
Möglichkeiten zu freierem Wettbewerb geschaffen.
die deutlichste Steigerung
seit 1951 zu verzeichnen.

des Realwachstums

Im vergangenen Jahr war
des Bruttosozialprodukts

Die Inflationsrate war (gemessen am Preisindex

des Bruttosozialprodukts) die niedrigste seit 1967. All dies zusammengenommen hat die Schaffung von zusätzlichen sieben Millionen neuen Arbeitsplätzen innerhalb von zwei Jahren ermöglicht.

Erfolg regt zum Nacheifern an. Ein Trend zum Dezentralisieren, zum
Entreglementieren, zur Reprivatisierung, zum Aufbrechen erstarrter Strukturen und zu einer Vergrößerung des Spielraums der einzelnen Hersteller
und Verbraucher zur freien Zusammenarbeit über den Markt ist nicht nur in
Ostasien, sondern auf allen Kontinenten - d.h., in den anderen Teilen
Asiens, in Europa, Lateinamerika und Afrika - zu verzeichnen. Im Hinblick
auf Afrika umfaßt die amerikanische Reaktion auf die dortige Ernährungskrise nicht nur umfassende Nothilfeaktionen, sondern auch ein längerfristig angelegtes Hilfsprogramm zur Unterstützung der Anstrengungen, die
die afrikanischen Staaten im Hinblick auf Wirtschaftsreformen, insbesondere im Agrarsektor, unternehmen.

Ernstzunehmende Gefahren für die Weltwirtschaft bleiben zwar bestehen, aber die Zukunftsaussichten sind vielversprechend. Eine weltweite
Revolution in der Wirtschaftspolitik und im wirtschaftspolitischen Denken
hat begonnen.

Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie mit einer anderen Revolution zusammenfällt - einer Revolution, die die technologischen Grundlagen der Weltwirtschaft erfaßt hat. Es handelt sich um den Vorgang, den
Walter Wriston als "das mit Macht hereinbrechende Zeitalter der Informationstechnik" bezeichnet hat. Die Mikrochip-Computer, die modernen Mittel
der Telekommunikation und der fortwährende Prozeß der Innovation zusammengenommen verändern nicht nur das Nachrichtenwesen und andere Aspekte
des Alltagslebens, sondern stellen auch die herkömmlichen Vorstellungen
von nationaler Souveränität und von der Rolle der Regierung innerhalb der
- 16 -

�innerhalb der Gesellschaft in frage.

Die bloße Existenz dieser neuen Technologien ist ein weiterer Beleg
für die entscheidende Bedeutung des Unternehmertums - und auch für die
Bedeutung

einer Regierungspolitik, die

schafft - als Quell

technologischer

dem

Unternehmertum

Kreativität

und

Wachstums. Die abgeschlossenen Gesellschaftssysteme

freie Bahn

wirtschaftlichen

des Ustens werden

aller Wahrscheinlichkeit nach auf diesen Gebieten weit zurückfallen, und
auch westliche Gesellschaftssysteme, die die Wirtschaft zu vielen Beschränkungen unterwerfen, laufen Gefahr, dieses Schicksal zu erleiden.
Jede Regierung, die plumpe Versuche unternimmt, den Fluß elektroniscner
Informationen zu lenken, zu reglementieren oder zu besteuern, wird darüber hinaus feststellen müssen, daß sie dabei ist, sowohl das Wachstum
der Weltwirtschaft als auch den Fortschritt im eigenen Lande abzuwürgen.
Dies ist einer der Gründe, aus denen die Vereinigten Staaten auf eine
neue Runde von Handelsgesprächen über diese Dienstleistungsbereiche der
Datenverarbeitung

und der Vermittlung

von Informationen

dringen. Die

gesamte freie Welt hätte durch die Schaffung eines offeneren Systems etwas zu gewinnen, denn gemeinsam können wir schnellere und weitergehende
Fortschritte erzielen, als jeder von uns dies für sich allein vermöchte.

Dies weist auf einen weiteren Vorteil hin, dessen sich der Westen
erfreut. Der freie Fluß von Informationen ist seinem Wesen nach mit unserem politischen System und unseren Werten zu vereinbaren. Die kommunistischen Staaten hingegen fürchten die Revolution der Informationstechnik wahrscheinlich
Westens.

sogar

noch mehr

als die militärische Stärke des

Wir alle erinnern uns noch daran, welche Macht die Botschaft

des Ayatollah, die auf Tonbandkassetten im Iran unters Volk gebracht
wurde, entfalten konnte. Was also könnte im Ostblock

tiefgreifendere

Auswirkungen hervorrufen als ähnliche Kassetten, Rundfunksendungen von
außen, Fernmeldesatelliten oder Photokopierautomaten ? Die totalitären
Gesellschaften stehen vor einem Dilemma: Entweder versuchen sie, diese
Technologien abzuwürgen, was bedeuten würde, daß sie im Rahmen der neuen
industriellen Revolution noch weiter zurückfallen, oder aber sie lassen
diese Technologien zu und müssen sich dann damit abfinden, daß ihre tota- 17 -

�ihre totalitäre Herrschaft unabänderlich verfällt. In Wirklichkeit haben
sie gar keine Wahl, da sie niemals imstande sein werden, die Welle des
technologischen Fortschritts gänzlich abzuwehren.

Die Revolution im weltweiten Kommunikationswesen zwingt daher alle
Nationen, ihr herkömmliches Verständnis von nationaler Souveränität zu
überdenken. Wiederum wird uns die Interdependenz der Welt ins Gedächtnis
gerufen, und wir werden auch daran erinnert, daß nur eine Welt, in der
sich die Freiheit immer weiter ausbreiten kann, mit dem Fortschritt der
Technik und der menschlichen Gesellschaft in Einklang steht.

Die von mir soeben beschriebenen Trends sind überwiegend positiver
Natur. Wir erleben jedoch auch Dinge wie z.ß. durch wirtschaftlichen Wandel bedingte soziale Entwurzelung, Entfremdung in den Städten, politische
Turbulenzen und viele der möglichen Quellen und Formen von Unruhe, die
ich bereits erwähnt habe. Die weitere Entwicklung des internationalen Systems wird nur dann im Sinne dieser positiven Trends verlaufen, wenn wir,
d.h., die Vereinigten Staaten und die gesamte freie Welt, unserer Verantwortung gerecht werden, die gebietet, unsere Interessen zu verteidigen
und den Gang der Dinge gemäß unseren Idealen und Zielen zu gestalten.

Zumindest in einer Hinsicht wird die moderne Welt mit ihrer um sicn
greifenden Technologie, ihrem wachsenden Wohlstand und ihrem Streben nach
Demokratie ironischerweise immer verwundbarer, ich denke natürlich an den
Terrorismus. Obwohl die Welt vor der Gefahr eines großen Krieges immer
sicherer wird, sehen sich die demokratischen Nationen heute paradoxerweise einer zunehmenden Bedrohung durch diese neue Form der Kriegführung gegenüber. Der Terrorismus ist heute immer weniger eine isolierte Erscheinung oder das Werk räumlich begrenzt operierender Fanatiker, sondern zunehmend ein Element einer neuen internationalen Strategie der Feinde der
Freiheit. Er ist eine hinterhältige Waffe, die gezielt gegen die demokratischen Staaten, gegen ihre Interessen, ihre Politik und ihre Freunde,
aber auch gegen vollkommen unschuldige Menschen eingesetzt wird. Es gibt
auch

beunruhigende

Querverbindungen

zum

internationalen

Drogenhandel.

Beim Terrorismus handelt es sich um ein Problem, das uns in stärkerem
- 16 -

�in stärkerem Maße als andere Probleme zur Entwicklung neuer üenkansätze
im Hinblick auf die Sicherung unserer Zukunft zwingt. Während des vor uns
liegenden Jahres müssen wir auf das Auftreten ernstzunehmender terroristischer Bedrohungen in Westeuropa, dem Nahen Osten und Lateinamerika
vorbereitet sein, wobei sich die Terroristen in vielen Fällen der Unterstützung oder Ermutigung durch eine Handvoll skrupelloser Regierungen erfreuen werden.

Eine Gegenstrategie bei der Bekämpfung des Terrorismus muß meines Erachtens viele Faktoren umfassen. Wir und unsere Verbündeten müssen uns
noch nachdrücklicher bemühen, unsere Sicherheit zu verbessern, Informationen auszutauschen, polizeiliche Maßnahmen zu koordinieren und auch
sonst zusammenzuarbeiten. Wir in diesem Lande müssen uns außerdem genau
klarmachen, was in moralischer Hinsicht auf dem Spiel steht. Wenn wir
wirklich an unsere moralischen Werte und an unsere Lebensart glauben,
dann müssen wir auch zu ihrer Verteidigung bereit sein. Passive Maidnahmen
werden wahrscheinlich nicht genügen; Möglichkeiten einer aktiveren Abwehr
und Abschreckung müssen in Betracht gezogen werden und auch den nötigen
politischen Rückhalt finden.

Während wir uns unermüdlich bemühen, den Terroristen keine Uhance zu
lassen und keine Mittel in die Hand zu geben, können und müssen wir
schließlich mit äußerster Standfestigkeit dafür sorgen, daß sie auch ihre
Ziele nicht erreichen. Sie versuchen, uns durch Erpressung zu Kursänderungen in unserer Außenpolitik zu zwingen oder uns aus Ländern oder Regionen zu vertreiben, in denen wir wichtige Interessen haben. Das können
wir nicht zulassen. Unter dieser Art von Druck können wir keine Positionen räumen oder unseren Freunden und unserer Verantwortung den Rücken
kehren. Wenn wir den Terroristen auch nur einen Sieg dieser Art zugestehen, dann machen wir sie nur noch kühner, demoralisieren wir alle, die
sich auf uns verlassen, und machen wir die Weltlage noch gefährlicher.

Das Problem ist natürlich von viel allgemeinerer Art. Es geht um die
Grundfrage des Einsatzes der Macht Amerikas zur Verteidigung unserer Interessen und der Bedeutung unserer Macht als letzter Rückhalt unserer
- 19 -

�Rückhalt unserer Diplomatie. Sie spiegelt sich beispielsweise in dem wider, was oft als die "Herausforderungen der Grauzone" bezeichnet wird.
Dieser Begriff bezieht sich auf die Art von regionalen oder örtlichen
Konflikten oder Krisen, die in einer turbulenten Welt wie der unseren
wahrscheinlich immer wieder auftreten werden und, obwohl sie unterhalb
der Schwelle eines großen Krieges liegen, durchaus wichtige Interessen
des Westens berühren können.

In der Tat verhält es sich so, daß die

meisten der großen Konflikte seit 1945 ihren Ursprung in solchen Konflikten in der Dritten Welt hatten. Das Ende der Kolonialherrschaft hat nicht
zu allgemeinem Frieden und Gerechtigkeit geführt,

Ein großer Teil der

Dritten Welt wird von dem andauernden Kampf zwischen den Kräften der Mäßigung und den Kräften des Radikalismus erschüttert - ein Kampf, der von
der Sowjetunion aktiv ausgenutzt und verschärft wird.

Es wäre absurd, zu glauben, daß Amerika sich solchen Herausforderungen einfach entziehen kann. Die Weltlage ist gekennzeichnet von der Möglichkeit großer Instabilität und zahlreicher Gefahren. Daß wir auf einem
schrunpfenden Planeten und in einer Welt zunehmender Interdependenz leben, ist ein Gemeinplatz. Daraus folgt, daß die Vereinigten Staaten als
die stärkste demokratische Nation der Welt ihrer Verantwortung als Verteidiger der Freiheit, der Werte der Demokratie und des Weltfriedens und
als Bürge für die Sicherheit vieler anderer Nationen gerecht werden müssen.

Die Amerikaner haben stets zutiefst an eine Welt geglaubt, in der

Streitigkeiten friedlich beigelegt werden, eine Welt des Rechts, der internationalen Harmonie und der Menschenrechte. Harte Erfahrungen haben
uns jedoch gelehrt, daß eine solche Welt nicht allein durch guten Willen

und Idealismus geschaffen werden kann. Wir haben gelernt, daß wir stark
sein müssen, um den Frieden erhalten und die Freiheit bewahren zu können,
und daß wir darüber hinaus auch bereit sein müssen, unsere Stärke einzusetzen. Wir sind nicht auf Konfrontation aus, aber wir haben aus den Erfahrungen der dreißiger Jahre die Lehre gezogen, daß Beschwichtigungspolitik gegenüber einem Aggressor nur zur Aggression einlädt und die
Kriegsgefahr erhöht.

Die Amerikaner haben zuweilen zu der Annahme geneigt, daß Macht und
- 2ü -

�Macht und

Diplomatie zwei unterschiedliche Alternativen darstellen. Tat-

sächlich müssen Macht und Diplomatie jedoch stets Hand in Hand gehen,
oder wir werden in dieser Welt sehr wenig erreichen. Macht muß stets von
Zielvorstellungen gelenkt werden.

Gleichzeitig ist es eine harte Tat-

sache, daß eine Diplomatie, die sich nicht auf Stärke stützen kann, stets
Pestenfalls unwirksam

und schlimmstenfalls gefährlich sein wird.

Die

Amerikaner werden immer Hemmungen haben, ihre militärische Stärke einzusetzen; dies ist ein Ausweis unserer moralischen Integrität.

Die Anwen-

dung von Gewalt muß stets das letzte Mittel sein, dessen wir uns nur dann
bedienen, wenn andere Mittel der Einflußnahme sich als unzulänglich erwiesen haben.

Eine Großmacht kann sich jedoch der Last der Entscheidung

nicht so einfach entledigen.

Sie ist für die Konsequenzen dessen, was

sie unterläßt, ebenso verantwortlicn wie für die Konsequenzen dessen, was
sie tut.

Ihre Entscheidungen berühren auf jeden Fall das Schicksal vie-

ler anderer Menschen in vielen Teilen der Welt.

Wenn es um die Entscheidung darüber geht, wie und wo wir unsere Macht
einsetzen sollen, müssen wir klug und umsichtig zu Werke gehen.

Die Ver-

einigten Staaten werden stets politische Lösungen für bestehende Probleme
anstreben.

Solche Lösungen werden sich jedoch nie durchsetzen lassen,

wenn wir der Aggression nicht entgegentreten und wenn unsere Diplomatie
sich nicht auf Stärke stützen kann. Unter der Voraussetzung, daß wir die
Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte fortsetzen, sind wir
hinlänglich darauf vorbereitet, einen nuklearen Großangriff der Sowjets
durch Abschreckung zu verhindern.

Wir müssen jedoch physisch wie psy-

chisch ebenso auf die Herausforderungen mittleren Ausmaßes vorbereitet
sein, denen wir uns unausweichlich gegenübersehen werden.

Ich habe eine große Spannbreite von Themen berührt, und aus dem Gesagten lassen sich zwei sehr wichtige, sehr grundlegende Schlußfolgerungen ableiten.

Erstens: Meines Erachtens ist sich das amerikanische Volk über das,
was in der unmittelbaren Zukunft zu geschehen hat, im wesentlichen einig.
Vor uns liegen Ziele, über die weithin Einmütigkeit besteht, und Aufga- 21 -

�und Aufgaben, in deren Rahmen sich ein weiterer wichtiger Trend verstärken dürfte, nämlich die Neubildung eines nationalen Konsensus über die
Hauptelemente unserer Außenpolitik.

Dies könnte sich als der wichtigste

unter all den positiven Trends erweisen, denn ein großer Teil unserer
Schwierigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten war weitgehend auf die
Tatsache zurückzuführen, daß unser eigenes Volk in verschiedene Lager
gespalten war.

Zweitens: All die unterschiedlichen Themen, die ich berührt habe,
hängen letzten Endes eng zusammen. Die Vereinigten Staaten wollen Frieden
und Sicherheit; wir wollen wirtschaftlichen Fortschritt; wir wollen die
Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte voranbringen. Der herkömmliche Denkansatz besteht darin, hier unterschiedliche Handlungskategorien zu sehen. Wie wir gesehen haben, setzt sich jedoch heute immer
stärker die Einsicht durch, daß hier ein wichtiger Zusammenhang besteht.

Wie ich bereits dargelegt habe, wird immer klarer erkannt, daß wirtschaftlicher Fortschritt an ein politisches Umfeld

der Offenheit und

Freiheit geknüpft ist. In gewissen Kreisen war man früher der Meinung,
daß der Sozialismus das angemessene Modell für Entwicklungsländer sei, da
ein System der zentralen Planung besser zur Mobilisierung und Zuweisung
knapper Ressourcen in der Lage sei. Die historische trfahrung Westeuropas
und Nordamerikas, deren Industrialisierung sich in einem Zeitalter begrenzter Regierungseingriffe vollzog, hielt man nicht für relevant, uie
Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit in der Dritten Welt zeigen jedoch,
daß ein beherrschender Einfluß der Regierung auf eine sich entwickelnde
Volkswirtschaft oftmals die natürlichen Kräfte der Produktion und Produktivität abwürgt und die effektive Verteilung von Ressourcen stört.

In

Entwicklungs- wie in Industrieländern erweist sich als wirklicher Motor
des Wachstums letztlich die natürliche Dynamik von Gesellschaften, die
die Rolle der zentralen Planung so klein wie möglich halten, sich dem
Welthandel öffnen und der Begabung und den Anstrengungen des einzelnen
sowie seiner Bereitschaft zur Übernahme von Risiken und seinen Investitionsentscheidungen freie Entfaltungsmöglichkeiten lassen.
In gleicher Weise
- 22 -

�In gleicher Weise gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Fortschritt,
Freiheit und Weltfrieden. In seiner Rede anläßlich der Verleihung des Nobelpreises erklärte Andrei Sacharow:

"Ich bin davon überzeugt, daß internationales Vertrauen, beiderseitiges Verständnis, Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind
ohne eine offene Gesellschaft mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Publikationsfreiheit, Reisefreiheit und dem Recht des einzelnen, im
Land seiner Wahl zu leben. Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß Gewissensfreiheit im Verein mit anderen Bürgerrechten sowohl die Grundlage für
wissenschaftlichen Fortschritt als auch eine Garantie gegen seinen Mißbrauch für Zwecke, die der Menschheit schaden, darstellt."

Die Implikationen all dessen sind tiefgreifend: Sie besagen, daß die
westlichen Werte der Freiheit und Demokratie, die von gewissen Kreisen
leichthin

als

kulturabhängig,

irrelevant

oder

überholt

wurden, nicht so leicht beiseite geschoben werden können.

abgeschrieben
Diese Werte

bilden den Wuell unserer wirtschaftlichen wie moralischen Stärke, und sie
erweisen sich für die Zukunft der Welt als bedeutsamer, als viele Menschen bislang erkannt haben. Nachdem es mehr als ein Janrhundert lang als
modisch gegolten hat, den marxistischen Mythen über den ökonomischen Determinismus und die "Krise des Kapitalismus" anzuhängen, erweist sich
schließlich, daß der Schlüssel zu Fortschritten der menschlichen Gesellschaft in genau den westlichen Vorstellungen von politischer und wirtschaftlicher Freiheit liegt, von denen der Marxismus zu behaupten pflegte, daß sie veraltet seien. Er hatte unrecht. Der Gipfel der Ironie besteht darin, daß heute gerade das kommunistische System in moralischer
wie in wirtschaftlicher Hinsicht bankrott wirkt. Der Westen hingegen erweist sich als elastisch und regenerationsfähig.

Daher betrifft die wichtigste der Forderungen nacn neuen uenkansätzen
im gegenwärtigen Jahrzehnt unser Selbstverständnis. Wenn Kulturen an sich
glauben, dann gedeihen sie; wenn sie diesen Glauben verlieren, dann verfallen sie. Alle Kulturen treffen auf gewaltige Probleme, aber die Wahr- 23 -

�die Wahrscheinlichkeit, daß eine Gesellschaft

diese

Herausforderungen

meistern kann und sich nicht von ihnen überwältigen läßt, steigt im gleichen Maße, in dem es ihr gelingt, sich diesen unerschütterlichen Glauben
an die Verteidigungswürdigkeit ihrer Werte zu bewahren. Dies ist auch die
Quintessenz der Reagan-Revolution und dessen, wozu der Präsident Amerika
führen wollte.

Im Verlaufe des vergangenen Jahrzehnts hat der Westen eine schwierige
Phase durchlaufen. Aber heute zeichnet sich ein neuer Gang der Dinge ab.
Die nächste Phase der industriellen Revolution wird, wie auch alle vorhergehenden, in der demokratischen Welt eingeleitet, wo dem menschlichen
Geist keine Fesseln angelegt werden und er schöpferisch und innovativ
wirken kann. Auf allen Kontinenten - von Nicaragua bis Kambodscha, von
Polen über Südafrika bis Afghanistan - erweist sich die Sehnsucht nach
Freiheit als die machtvollste politische Kraft dieser Erde.

Während das 21. Jahrhundert näherrückt, ist es an der Zeit, daß sich
die demokratischen Staaten des Wertes ihrer Grundordnung und ihrer Überzeugungen wie auch ihrer Erfolge mit Stolz bewußt werden. Wir sehen uns
zwar Herausforderungen gegenüber, sind aber sehr wohl in der Lage, sie zu
meistern. Die Meinungen darüber, welchem System die Zukunft gehört, wandeln sich. Wenn die freien Nationen ihre Einheit und ihren Glauben an
sich selbst bewahren, dann sind sie wirtschaftlich, technologisch und moralisch im Vorteil.

Die Geschichte steht auf der Seite der Freiheit.

* * * * *

- 24 -

�17. April 1985

16

KAMPF DEJvl DROGENHANDEL

Präsident Reagan und Staatspräsident Betancur unterzeichnen
gemeinsame Erklärung für USA und Kolumbien -

WASHINGTON - (Aü) - Präsident Ronald Reagan und der Staatspräsident
von Kolumbien, Selisario Betancur, setzten sich in einer gemeinsamen Erklärung dafür ein, die Anstrengungen beider Länder zur Ausschaltung des
Handels mit illegalen Drogen "neu zu beleben und zu intensivieren".

Die

am 4. April 1985 in Washington unterzeichnete Erklärung brandmarkt den
Drogenhandel als "verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen kennt und
nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten Länder unter Kontrolle gebracht werden kann".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Sei unserem heutigen Gespräch erörterten wir die Geissei "Rauschgift",

die

unsere

beiden

Nationen,

Menschheit insgesamt heimsucht.

die

gesamte

Hemisphäre

und

die

Wir überprüften die Maßnahmen, die un-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Jie unsere beiden Nationen unternehmen und, einzeln und gemeinsam, unternehmen werden, um die Produktion von illegalen Drogen, den Handel mit ihnen, die Nachfrage und den Konsum zu bekämpfen.

Unsere Nationen wissen um die schrecklichen Auswirkurgen, die Drogenmißbrauch auf Gesundheit und Wohlergehen sowohl des einzelnen als auch im
allgemeinen auf die Wirtschaft und die öffentliche Moral beider Sozialgefüge haben.

Besonders beklagenswert ist es, wenn die Drogengifte bei Ju-

gendlichen und sogar bei kleinen Kindern gefunden werden.

Drogenhandel ist eine verbrecherische Aktivität, die keine Grenzen
kennt und nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller darin verwickelten
Länder unter Kontrolle gebracht werden kann.

Wir sind beide besorgt, daß

die Finanzkraft, die aus den enormen Profiten aus dem Handel mit illegalem Drogen resultiert, eine schlimme Bedrohung der Demokratien in der
westlichen Hemisphäre bedeutet.

Unser gemeinsames Engagement für den

Kampf gegen Rauschgift ist ein integraler Teil der engen Beziehungen, die
zwischen unseren beiden Nationen existieren.

Wir halten es beide für

lebensnotwendig, für diese intensivierte Anstrengung die Mitarbeit anderer Regierungen zu gewinnen.

Uns ist bekannt, daß die Schwere des Problems eine Folge sowohl illegaler Produktion und Verteilung von Drogen als auch die wachsende Nachfrage danach ist.

Uns ist ferner bekannt, daß diese Faktoren in enger

Beziehung zueinander stehen und alle Anstrengungen, einen davon zu bekämpfen, ohne gleichzeitig ebenso energische Maßnahmen gegen die anderen
zu treffen, nutzlos sind.

Deshalb ist jede der beiden Regierungen zur

Übernahme ihrer Verantwortung bereit, sowonl die illegale Produktion als
auch den Drogenmißbrauch auszuschalten.

Die Vereingten Staaten erkennen die Anstrengungen, den Linsatz von
Ressourcen und die Opfer an, die Kolumbien aufgebracht hat, um Anbauerträge und Laboratorien zu zerstören, Lieferungen zu beschlagnahmen und
des Drogenhandels verdächtige Personen gerichtlich zu verfolgen sowie
Händler auszuweisen, die in den Vereinigten Staaten wegen Rauschgiftver- 2 -

�wegen Rauschgiftverbrechen angeklagt sind.

Was die Vereinigten Staaten

angeht, so werden hier die Vollzugsmaßnahmen ausgeweitet, und Vorbeugungs- sowie Auf klä'rung sprog ramme zeitigen positive Ergebnisse in Form
rückläufigen Drogenmißbrauchs.

Wir stimmen voll und ganz überein, daß es notwendig ist, diese intensivierten Anstrengungen fortzusetzen und die engstmögliche Zusammenarbeit
im Kampf gegen Drogen zu gewährleisten.

Beide Nationen bekräftigen er-

neut die Achtung vor unseren gegenseitigen rechtlichen Verpflichtungen,
Händler gemäß dem zwischen uns geschlossenen Vertrag auszuweisen, und
bleiben in engem Kontakt, um in gewissen Zeitabständen das Rahmenwerk unserer Zusammenarbeit im Rechts- und Gesetzesvollzug zu überprüfen und zu
verbessern, wie dies für die Anpassung an veränderte Bedingungen in Anbetracht unserer Erfahrungen notwendig ist.

Mit Befriedigung haben wir von der Aufnahme neuer Maßnahmen zur Zusammenarbeit im Kanpf gegen das Drogenproblem Kenntnis genommen.

Mrs.

Reagan und Mrs. Betancur, die heute Vormittag im Weißen Haus ein Gespräch
führten, werden an der Konferenz der "First Ladies" über Drogenmißbrauch
teilnehmen, die am 24. April in Washington abgehalten wird.

Wir sind

überzeugt, daß solche Tagungen, bei denen sie eine führende Rolle spielen, von bleibender Wirkung sein werdea

Kolumbien erneuert seine Verpflichtung, auf allen Ebenen den Drogenhandel zu bekämpfen, die Ernte und die Laboratorien zu vernichten, wo
Drogen verarbeitet werden, den Transport zum amerikanischen Markt zu verhindern und sich darum zu kümmern, daß die für den Handel Verantwortlichen hart bestraft werden.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich,

ihre Anstrengungen zur Reduzierung des Gebrauchs und der Nachfrage nach
Drogen zu ernöhen, Pflanzungen zu vernichten und die Unterstützung des
Kampfes gegen Suchtstoffe zu verstärken.

Der Preis des Erfolgs war bereits hoch.

Er forderte das Leben eines

kolumbianischen Ministers, das von Rodrigo Lara Bonilla, und das von
Vollzugsbeamten beider Länder.

Wir können nicht zulassen, daß solche üp- 3 -

�solche Opfer umsonst gewecen sind.

Wir verpflichten uns beide, unsere

Anstrengungen zur Zerstörung der Händlernetze neu zu beleben und zu intensivieren.

Unsere Entscheidung

ist unabänderlich, unser Engagement

allumfassend.

Nichts wird uns davon abhalten, diesen Kampf zu führen.

gez.

gez.

Ronald Reagan

Belisario Betancur

* * * * *

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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

24. April 1985
I N H A L T

DOKUMENTATION
Der 8. Mai: Rückblick und Ausblick
- Von Arthur F. Burns, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland Präsident Reagan wird KZ-Gedenkstätte besuchen
- Rede vor der Conference on Religious Liberty USA und UdSSR beenden 5. Gesprächsrunde über Nonproliferationsfragen
- Presseerklärung des US-Außenministeriums -

INFORMATION
Whitehead zum neuen Stellvertretenden US-Außenminister nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mensch im Weltraum durch nichts zu ersetzen
- Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug -

* * * * *

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�17

24. April 1985

DER 8. MAI: RUCKBLICK UND AUSBLICK
- Von Arthur F. Burns -

Bonn -(AD)- Der nachstehende Beitrag des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, erschien mit
Datum vom 29. April 1985 in dem
SPECIAL REPORT: EUROPE TODAY der
Zeitschrift TIME.

Der 8. Mai 1945, ein Datum, das sich für immer in das Bewußtsein all
derer eingegraben hat, die die Umwälzungen des Zweiten Weltkrieges überlebt haben, kennzeichnet einen der großen Wendepunkte der westlichen Geschichte.

Im Rückblick erkennen wir, daß das Kriegsende die längste Ä'ra

des Friedens und des Wohlstands eingeleitet hat, derer sich Europa je erfreut hat.

Daß dies so kommen würde, war im Jahr 1945 noch keineswegs

abzusehen.

Der Krieg hat auch die Bedingungen der europäischen Sicherheit drastisch verändert.

Die große Kriegsallianz der Vereinigten Staaten und

der Sowjetunion brach unter dem Druck des sowjetischen Expansionismus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sowjetischen Expansionismus auseinander.

Aber wie während der Jahre ih-

res Bündnisses spielten beide Mächte auch weiterhin eine zentrale Rolle
für die Zukunft Europas.

Die Konfrontation zwischen Ost und West wurde

zu einer bitteren Tatsache des Lebens in Europa.

In dem Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges legten die Nationen des Westens die Animositäten der Vergangenheit bei und schufen die
Grundlagen für eine neue Ära des Fortschritts.

Durch den weitreichenden

Marshall-Plan Amerikas unterstützt, machten sich die Europäer energisch
daran, ihre Städte und ihre Industrie wieder aufzubauen.

Gemeinsam mit

den Vereinigten Staaten schufen sie ein liberales weltweites Handelssystem.

In Europa begannen sie, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu

gestalten, aus denen die Europäische Gemeinschaft entstand.

Sie nahmen

ehrgeizige Austauschprogramme für Studenten, Journalisten und Lehrer in
Angriff, um die Verständigung unter den Völkern Westeuropas zu fördern.
Angesichts der kolossalen sowjetischen Militärmacht an den Grenzen Westeuropas schlössen sie sich mit den Vereinigten Staaten und Kanada in der
Organisation des Nordatlantischen Bündnisses zusammen.

Infolge dieser

Entwicklungen ist ein Krieg zwischen Nachbarn im Westen heute undenkbar
geworden, und die politische Union Europas ist eine von vielen gehegte
Hoffnung.

Wirtschaftliche Dynamik wurde das Kennzeichen des Nachkriegseuropa.
Die Bundesrepublik Deutschland, die sich im wahrsten Sinne des Wortes aus
den Ruinen erhob, stand in vorderster Linie.

Die Quelle ihres Erfolges

wurde schon 1950 für jeden Besucher Deutschlands sichtbar, wo Bauarbeiter
oft in der Nacht bei elektrischem Licht arbeiteten, um Termine einhalten
zu können.

In dem Jahrzehnt nach 1949 hat sich das Bruttosozialprodukt

Westdeutschlands mehr als verdoppelt.

Dieses rasche Wachstum wurde ohne

Einschränkung der sozialen Errungenschaften erreicht.

Im Gegenteil, das

Land schuf nicht nur ein starkes Wirtschaftssytem, sondern auch ein humanes.

Heute ist die Demokratie in Westdeutschland tief verwurzelt, und

das soziale und wirtschaftliche System sorgt großzügig für die Belange
des Volkes. Dies gilt weitgehend auch für das übrige Westeuropa.

Heute werden diese Leistungen oft nicht hinreichend gewürdigt, und es
- 2 -

�und es ist viel von europäischem Pessimismus die Rede.

In der ganzen

Welt hat man den Eindruck, daß die Strömungen der Zukunft an Europa vorübergehen.

Warum?

Erstens ist die politische Grundlage des europäischen Selbstvertrauens erschüttert worden.

Die Europäer fühlten sich hilflos, als Konflikte

im Nahen Osten die Ölpreise in den Himmel schießen ließen.

Der sowjeti-

sche Expansionismus, der während der Entspannung der siebziger Jahre in
Schach gehalten zu sein schien, hat die Europäer gegen Ende jenes Jahrzehnts erneut beunruhigt.

Die Unterdrückung Polens, die auf die brutale

Invasion Afghanistans folgte, hat gezeigt, daß die weithin gehegten Annahmen bezüglich eines zurückhaltenden sowjetischen Verhaltens nicht mehr
haltbar waren.

Zweitens, und das ist noch wichtiger, hat eine Konjunkturflaute den
Niedergang des politischen Vertrauens begleitet und bis zu einem gewissen
Grad verstärkt. Der Ölpreisschock der siebziger Jahre hat das wirtschaftliche Wachstum gebremst und es der alternden Industrie des Kontinents zusätzlich erschwert, sich zu behaupten.
wirkten in die gleiche Richtung.

Entwicklungen innerhalb Europas

Sein System der sozialen Sicherheit,

das während der fünfziger und sechziger Jahre leicht getragen werden
konnte, hat sich nach 1970 sehr rasch ausgeweitet.

In dem Maße, in dem

die Sozialausgaben und Subventionen für unrentable Unternehmen in die
Höhe gingen, stiegen auch die Steuern und die Haushaltsdefizite.

Die Be-

lastungen der Industrie durch Reglementierung vervielfachten sich, die
Macht der Gewerkschaften nahm zu, die Arbeitsmärkte erstarrten völlig,
und die Inflationsraten schnellten hoch.

Dies hatte zur Folge, daß die

Gewinne allmählich sanken, die Kapitalinvestitionen in Unternehmen nicht
länger gediehen und die Arbeitslosigkeit auf ein beunruhigendes Niveau
stieg.

Diese Entwicklungen standen in scharfem Gegensatz zu einer nach-

haltigen Vermehrung der Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und zu
dem bemerkenswerten Wachstum der freien Volkswirtschaften in Ost- und
Südostasien.

Viele Europäer haben in den letzten Jahren zum erstenmal an

ihrer Fähigkeit zu zweifeln begonnen, mit der Zukunft fertig zu werden.

Ich begreife diese Befürchtungen, aber ich teile sie nicht.

Nach

�nicht.

Nach vierjähriger eingehender Beobachtung der Verhältnisse in

Europa sehe ich Anlaß zum Vertrauen in die Zukunft Westeuropas.

Erstens haben sich die massiven Anstrengungen der Sowjetunion, Zweifel am

militärischen und politischen Engagement Amerikas für Europa zu

wecken, als erfolglos erwiesen.

Westdeutschland, Großbritannien, Italien

und in jüngster Zeit auch Belgien haben unerschütterlich an dem NATO-Beschluß von 1979 festgehalten, modernisierte Kernwaffen zu stationieren,
wenn die Sowjets sich weigerten, ihre auf die Städte und militärischen
Einrichtungen

Westeuropas

gerichteten

tödlichen Waffen

zu verringern.

Das NATO-Bündnis hat damit die schwerste Bewährungsprobe in seiner Geschichte bestanden.

Diese Demonstration

europäischer

Entschlossenheit

hat in nicht geringerem Umfang als Präsident Reagans Strategische Verteidigungsinitiative dazu beigetragen, die Sowjets an den Verhandlungstisch
in Genf zurückzubringen.

Infolgedessen haben sich die Aussichten für den

Weltfrieden verbessert.

Zweitens konnte trotz der weitverbreiteten Arbeitslosigkeit der letzten Jahre die soziale Stabilität in ganz Westeuropa aufrechterhalten werden.

Darüber hinaus sind radikale wirtschaftspolitische Ansätze im all-

gemeinen vermieden worden. Wo sie - wie in Frankreich im Jahr 1981 - versucht worden sind, wurden sie später wieder verworfen.

Drittens hat sich die Konjunktur in Westeuropa in den letzten beiden
Jahren wieder erholt, und wenn auch der Aufschwung bisher bescheiden war,
so

verbessern

Schritt.

sich

die

längerfristigen

Aussichten

doch

Schritt

für

In den wichtigsten Ländern Europas hat man damit begonnen, die

Fesseln zu sprengen, die die Kreativität lähmen und dem konstruktiven
Wandel im Wege stehen.

Die Staatshaushalte werden in Ordnung gebracht,

den inflationären Kräften wird erfolgreich Einhalt geboten, und den Kräften des Marktes wird mehr Spielraum eingeräumt.

Man tritt mehr und mehr

dafür ein, die erdrückende Last zu erleichtern, die die Besteuerung der
Individualeinkommen und geschäftlichen Transaktionen den Unternehmen und
Investitionen aufbürdet.

Langsam aber sicher macht man es innovations-

freudigen Unternehmern leichter, in neue und bereits bestehende Märkte
einzudringen.
Viertens ist

�Viertens ist und bleibt die Leistungsfähigkeit seiner Bevölkerung die
lebenswichtigste

Hilfsquelle

Europas.

Während

meiner

Jahre in West-

deutschland habe ich eine beträchtliche Zeit damit verbracht, mit jungen
Menschen zu sprechen.

Ich fand, daß Hochschulstudenten heute in erster

Linie an ihrem Studium und weniger an Demonstrationen auf den Straßen
interessiert sind.

Ich fand, daß die meisten von ihnen konstruktiv über

ihre Karriere denken und Vertrauen in ihre Zukunft zum Ausdruck bringen eine Haltung, die ich noch vor drei oder vier Jahren nicht entdecken
konnte.

Die Hoffnung, diese fundamentalste aller wirtschaftlichen Kräf-

te, beginnt in der Generation wieder zu blühen, die in 15 oder 20 Jahren
die

politische

wird.

und

wirtschaftliche

Führung

in Deutschland

übernehmen

Ich bin davon überzeugt, daß auch in anderen Teilen Westeuropas

ähnliche Veränderungen im Gange sind.

Wenn wir also des 40. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges
gedenken, dann können alle, die an dem gemeinsamen Unterfangen des westlichen Bündnisses beteiligt sind, mit Befriedigung auf ihre Leistungen
zurückblicken und mit Zuversicht in die Zukunft schauen.

Wir müssen uns

jedoch der ernsten Probleme bewußt bleiben, vor denen wir stehen.

Berlin

ist noch immer eine geteilte Stadt, Deutschland ist noch immer ein geteiltes Land, Europa ist noch immer ein geteilter Kontinent, das Wettrüsten dauert noch immer an, die politische Union der westeuropäischen
Länder ist noch immer nicht erreicht, und die weitverbreitete Arbeitslosigkeit, die ihren Schatten über die Volkswirtschaften Westeuropas wirft,
ist noch immer nicht überwunden.

Man ist sich heute über diese Probleme

besser im klaren, als noch vor einigen Jahren, und es besteht Grund zu
der Hoffnung, daß man ihnen mit allen Mitteln zu Leibe rücken wird.

* * * * *

- 5 -

�24. April 1985

17

PRÄSIDENT REAGAN WIRD KZ-GEDENKSTÄTTE BESUCHEN
- Rede vor der Conference on Religious Liberty-

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan wird während seines Besuches
in der Bundesrepublik Deutschland eines der ehemaligen Konzentrationslager besuchen. Dies erklärte er in einer Rede am 16. April 1985 in
Washington von der "Conference on Religious Liberty".

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine große Ehre, zu dieser Versammlung zu sprechen. Ich
weiß, daß viele von Ihnen von weither gekommen sind, um heute hier zu
sein, und daß Sie hierauf viel Zeit, viel Energie und viel Sorgfalt
verwendet haben. Und ich kann nur, genau wie Sie, hoffen, daß jene, die
überall in der Welt wegen ihrer Überzeugung

leiden, aus Ihrer Arbeit

neuen Mut schöpfen.

Die Geschichte der Religion

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Geschichte der Religion und ihrer Auswirkungen auf die Zivilisation kann nicht in wenigen Tagen, geschweige denn Minuten, zusammengefasst

werden.

Aber

ein

entscheidendes, gemeinsames Kennzeichen

aller

Religionen ist die Unterscheidung, die sie zwischen dem Diesseitigen und
dem Jenseitigen treffen. Aus allen Religionen klingt deshalb letztlich
das Wort aus dem Matthäusevangelium: "Gebt Gott, was Gottes ist, und dem
Kaiser, was des Kaisers ist."

Diese Weisung lehrt uns, daß der Mensch nicht gänzlich dem Staat
unterworfen sein kann, daß es noch ein anderes Reich gibt, einen eben
unerklärlichen Bereich des Denkens und Handelns des einzelnen, der heilig
ist und der Kontrolle des Staates gänzlich entzogen. Dieser Gedanke stand
auch immer im Mittelpunkt der Entwicklung der Menschenrechte.

Nur in einem geistigen Klima, das zwischen der Stadt Gottes und der
Stadt des Menschen unterscheidet, das ausdrücklich die Unabhängigkeit des
Reichs Gottes anerkennt und alle Einmischungen des Staates in dessen Vorrechte verbietet, nur in einem solchen Klima konnte der Gedanke der Menschenrechte des einzelnen Wurzeln schlagen, sich entfalten und schließlich blühen und gedeihen.

'Wir haben dieses Klima in allen Demokratien und in unserer eigenen
politischen 'Überlieferung. Die demokratische Konzeption unserer Gründerväter wurzelte in der 'Überzeugung, daß allen Menschen von ihrem Schöpfer
bestimmte unveräußerliche Rechte verliehen worden sind. Und deshalb schufen sie ein Regierungssystem, dessen erklärtes Ziel der Schutz dieser
gottgegebenen Rechte war und ist.

Aber wie Sie nur allzu gut wissen, gibt es heute viele politische
Regime, die die Vorstellung zurückweisen, derzufolge ein Mann oder eine
Frau zu Gott eine größere Loyalität empfinden darf als zum Staat. Als
Marx sein politisches System entwarf, war eine seiner zentralen Thesen
die, daß religiöse Überzeugung zur Zersetzung seiner eigenen Konzeption
führen könnte. Im kommunistischen System sollte denn auch die herrschende
Partei genau die Attribute für sich in Anspruch nehmen, die der religiöse

- 2-

�die der religiöse Glaube allein Gott zuschreibt und der Staat sollte zum
obersten Richter über die Fragen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der
Moral werden.

Marx nannte die Religion einen Feind des Volkes - eine Droge, Opium
für die Massen. Und Lenin sagte, Religion und Kommunismus seien sowohl in
der Theorie als auch in der Praxis nicht miteinander zu vereinbaren. Die
Religion sei zu bekämpfen.

All dies illustriert nur eine Tatsache, die es, wie ich meine, zu
begreifen gilt. Atheismus ist kein zufälliges Element des Kommunismus,
nicht nur Teil der Sache. Er ist die Sache selbst. In Ländern, die unter
die Herrschaft des Kommunismus geraten sind, ist es oft genug die Kirche,
die die stärkste Barriere gegen ein vollkommen totalitäres System bildet.
Und so sind die totalitären Regime stets bestrebt, entweder die Kirche zu
zerstören oder, wenn sich dies als unmöglich erweist, sie zu untergraben.
In der Sowjetunion wurde die Kirche von der kommunistischen Revolution sofort angegriffen. Aber die Sowjets bezeichnen ihre Maßnahmen - in
Reaktion auf die Empfindlichkeit des Westens hinsichtlich der Verweigerung von Grundfreiheiten - als rein defensiv.

Im Jahr 1945 traf sich Josef Stalin mit Harry Hopkins, den Harry
Truman geschickt hatte, um verschiedene Ost-West-Probleme zu besprechen.
Mitten in einem Gespräch über Politik warf Stalin folgendes ein: 1917, so
Stalin, habe die Kommunistische Partei Rußlands das Recht auf Religionsfreiheit als Teil ihres politischen Programms verkündet. Aber die Kirchen
Rußlands hätten über die Sowjetregierung einen Bann ausgesprochen und die
Gemeindemitglieder

aufgefordert, sich dem

Aufruf

der Roten Armee zu

widersetzen. Was konnten wir anderes tun, so Stalin, als der Kirche den
Krieg zu erklären. Er sicherte Hopkins jedoch zu, daß der Zweite Weltkrieg den Gegensatz zwischen Kirche und Staat beendet habe und der Kirche
jetzt die Religionsfreiheit zugesichert werden könnte. Dies aber ist, wie
Sie wissen, nie geschehen.

Die Geschichte lehrt uns,
- 3-

�Die Geschichte lehrt uns, daß man eine Kirche terrorisieren, nicht aber
all das Gute vernichten kann, was in jedem Menschenherzen wohnt. Und deshalb gibt es trotz der damit verbundenen Gefahren überall in der kommunistischen Welt Christen und Juden und Moslems, die auch weiterhin ihre
Religion ausüben. Viele mußten ihren Mut mit dem Gefängnis bezahlen. Wie
etwa Valerie Martschenko, der erst vor einigen Monaten in einem sowjetischen Gefängniskrankenhaus im Alter von 37 Jahren starb. Er war ein Gelehrter und ein Christ, der noch während seines letzten Gerichtsverfahrens von seinem Glauben an Gott und seinem Vertrauen in das Gute im
Menschen sprach. Oder wie Pater Gleb Yakunin, der erst kürzlich für fünf
Jahre nach Sibirien verbannt wurde. Auch er ein "Gefangener des Glaubens". Oder Bronislaw Borowski, der dafür verurteilt wurde, daß er Bibeln
in die Tschechoslowakei geschmuggelt hatte. Und ihre Namen stehen für
viele.

Dr. Ernest Gordon, Präsident der Organisation CREED, einer christlichen Vereinigung, die sich darum bemüht, Dissidenten zu mehr Rechten zu
verhelfen, sprach auf einer Reise, die er vor kurzem nach Osteuropa
unternommen hatte, mit einem Priester, der zehn Jahre in Haft gewesen
war. Der Priester bat ihn, dem Westen eine Botschaft zu überbringen. Wir
leben, so der Priester, mitten in einem Krieg - nicht einem nuklearen,
sondern einem geistigen. Der Niederschlag der atheistischen Explosion
zeigt sich überall. Aber Dr. Gordon fügte auch hinzu: "Dieser Niederschlag mag zwar überall sein, aber wir sollten uns auch daran erinnern,
daß Gott gleichfalls überall ist und nicht einmal Tyranneien ihn fernhalten können."

Wir in den Vereinigten Staaten haben gegen diese schreckliche Mißhandlung von Menschen protestiert, die nichts weniger als Helden dieses
Jahrhunderts sind. Erst vor kurzem wieder überreichten Mitglieder des
Kongresses, die in Moskau mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentrafen,
diesem eine Liste mit den Namen baltischer und ukrainischer Frauen und
Männer, die aus Gewissensgründen inhaftiert sind; dabei sorgten der Rat
für sowjetische Juden und andere Gruppen sich unermüdlich darum, sicherzustellen, daß die Kongreßdelegation nicht ohne umfangreiche Daten über
die Unterdrückung der Juden in der Sowjetunion dorthin reiste.

Religiöse
•r

4"

Verfolgung

�Religiöse Verfolgung beschränkt sich natürlich nicht nur auf Europa.
Es gibt sie im Iran, dessen Führung praktisch den Baha1 is den Krieg erklärt hat; es gibt sie in Afghanistan, wo das sowjetische Militär gegenüber der moslemischen Bevölkerung zu immer grausameren Maßnahmen greift;
und es gibt eine weitere Variante der Unterdrückung religiöser Freiheit
auch im Nicaragua des sandinistischen Regimes.

In Nicaragua

steht das sandinistische Regime vor einer politisch

aktiven Kirche, die - obwohl sie die Revolution unterstützte - nunmehr
als ein Haupthindernis dabei angesehen wird, die totalitäre Kontrolle zu
vervollständigen. Erst vor kurzem sagte der nicaraguanische Bischof Pablo
Antonio Vega: "Wir leben mit einer totalitären Ideologie, die niemand in
diesem Land möchte."

Die Sandinisten unternehmen den Versuch, die Kirchenhierarchie in ein
schlechtes Licht zu rücken und zu spalten. Und auf einen neuen Bereich
gilt es ganz besonders zu achten: Wie alle kommunistischen Regime tragen
dorthin

reiste.die

Sandinisten

ihre

Ideologie

in

das

Bildungssystem

hinein und haben mit großangelegten Kampagnen begonnen, Kinder und Erwachsene zu indoktrinieren.

Aber die katholische Kirche kämpft darum, ihre Autonomie zu bewahren
und diese Indoktrinierung von ihren Kirchen und Schulen fernzuhalten. Ich
selbst habe gerade eine mündliche Botschaft des Papstes erhalten, in der
er uns drängt, unsere Bemühungen in Mittelamerika fortzusetzen.

Nun, das, was ich erwähnte, ist noch nicht gelöst. Kuba löste das
Problem, indem alle Privatschulen, einschließlich der kirchlichen Schulen, geschlossen wurden. Die allgemeine Lage der Religionsfreiheit in
Nicaragua wird durch Aussagen aus verschiedensten Quellen belegt, am
deutlichsten aber durch jene, die diesem brutalen Regime entronnen sind.

So hörten wir kürzlich von einem Geistlichen der evangelischen Kirche

- 5-

�der evangelischen Kirche in einem nicaraguanischen Ort, der den Freiheitskämpfern mitteilte, die Sandinisten hätten gedroht, 3 000 Mitglieder
seiner Kirche in Umsiedlungslager zu schicken. Der Geistliche und die
Mitglieder seiner Gemeinde verbergen sich inzwischen in Höhlen und provisorischen Behausungen auf dem Lande.

Die Sandinisten bedrohen auch Juden. Zwei nicaraguanische Flüchtlinge, Sarita und Oscar Kellermann, berichteten von einem sandinistischen
Bombenanschlag auf ihre Synagoge. Die Sandinisten beschmierten die Synagoge mit den Worten "Was Hitler anfing, werden wir zu Ende führen". Und
an das Haus der Kellermanns: "Juden raus aus Nicaragua".

Lassen Sie mich hier anfügen, daß Berichte wie diese hier von organisiertem Zwang, Brutalität und Terror der Grund dafür sind, daß wir den
Kongreß um Hilfe ersuchen, damit den Freiheitskämpfern und den Opfern des
sandinistischen Regimes geholfen werden kann.

Wenn ich in diesen Tagen an Nicaragua denke, so meine ich auch jetzt,
daß man jede neue Regierung daran messen kann, ob sie die ungehinderte
Religionsausübung zuläßt oder nicht. Wenn nicht, so kann man sicher sein,
daß sie ein Feind der Menschheit ist, denn sie unternimmt den Versuch,
das zu verbannen, was das Schönste im Herzen des Menschen ist.

Aber wir sollten nicht verzweifelt sein, denn dies ist nicht die Zeit
dafür. Wir leben zwar in einem dramatischen Zeitalter; überall in der
Welt wird die Staatsmaschinerie wie nie zuvor gegen die Religionsfreiheit
eingesetzt. Aber gleichzeitig erscheinen auch überall in der Welt neue
Gruppen Gläubiger, überall in der Dunkelheit zeigt sich Licht, und man
gibt Gott wieder die Ehre.

Vielleicht ist dies die größte Ironie des kommunistischen Experimentes. Es ist ja gerade der Druck, den es ausübt, der wiederum die Kraft,
die Reibung und die Wärme zu erzeugen scheint, die es dem tiefen Glauben
ermöglicht, erneut als Flamme emporzuschlagen.

Ich bin der 'Überzeugung,
- 6-

�Ich bin der Überzeugung, daß das wichtigste Element unserer Verteidigung der Freiheit unser Beharren darauf ist, unsere Stimme für die Sache
der religiösen Freiheit zu erheben. Ich würde es gerne sehen, wenn sich
dieses Land erneut mit ganzem Herzen dieser Sache widmen würde. Ich
schließe mich Ihrem Wunsch an, daß die protestantischen Kirchen Amerikas,
die katholische Kirche und die jüdischen Organisationen sich jener ihrer
Mitglieder erinnern, die in anderen Ländern im Gefängnis oder in Gefahr
sind. Wir sind die Wächter unserer Brüder, wir alle. Und ich hoffe, daß
die Botschaft dieser Konferenz alle in der Welt erreicht, die wegen ihres
Glaubens inhaftiert sind: Tröstet euch, man hat euch nicht vergessen.
Wir, eure Brüder und Schwestern in Gott, haben eure Sache zur unsrigen
gemacht. Und wir geloben, nie einzuhalten, bis ihr die Freiheit wiedererlangt habt, die euer Geburtsrecht als Kinder Gottes ist.

Lassen Sie mich nun für einen Augenblick ein Thema berühren, das
einen Sturm der Kontroverse ausgelöst hat - meine Entscheidung, einen
Soldatenfriedhof in Bitburg zu besuchen, sowie meine Entscheidung, beim
Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland das ehemalige Konzentrationslager Dachau nicht zu besuchen. Es war und bleibt mein Ziel, wie das
von Bundeskanzler Kohl, diesen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
anläßlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes in Europa nicht einfach zur
Erinnerung an den militärischen Sieg vor vierzig Jahren zu nützen, sondern auch an die Befreiung Europas, an die Wiedergeburt der deutschen
Freiheit und an die Versöhnung unserer beiden Länder zu denken.

Mein Ziel war und ist es, nicht die Verbrechen des Dritten Reiches in
den zwölf Jahren seiner Herrschaft erneut zu betonen, sondern die gewaltigen Leistungen des deutschen Volkes in den vierzig Jahren der Freiheit,
der Demokratie und des Friedens zu feiern. Damit sollte die Welt daran
erinnert werden, daß seit dem Ende dieses schrecklichen Krieges die Vereinigten

Staaten

und

die Bundesrepublik

Deutschland

ein historisches

Verhältnis geschaffen haben - nicht zwischen Supermacht und Satellit,
sondern zwischen Schwesterrepubliken, die durch gemeinsame Ideale, durch
Bündnis und durch Partnerschaft miteinander verbunden sind. Damit, daß

- 7-

�Damit, daß Bundeskanzler Kohl und ich übereinkamen, gemeinsam einen Kranz
auf dem Friedhof für die gefallenen Deutschen des Krieges niederzulegen,
sollen die vierzig Jahre der Freundschaft zwischen einem freien Deutschland und den Vereinigten Staaten, zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volk gefestigt werden. Aus diesem Grund habe ich die Einladung
nach Bitburg angenommen, und deshalb gehe ich auch nach Bitburg.

Was meine Entscheidung, nicht nach Dachau, einer jener Stellen der
großen moralischen Obszönität dieser Ära zu gehen, anbelangt, so wurde
sie aufgrund meines irrtümlichen Eindrucks getroffen, ein solcher Besuch
stehe außerhalb des offiziellen Programms. Der jüngste Brief von Bundeskanzler Kohl jedoch machte deutlich, daß die Einladung zum Besuch eines
ehemaligen Konzentrationslagers tatsächlich Teil der geplanten Reiseroute
ist. Ich habe daher diese Einladung nunmehr angenommen und mein Stab in
der Bundesrepublik sucht nach einem Ort, der in unseren zeitlichen Rahmen
paßt.

Ich habe immer gesagt, ich sage es heute und ich werde es auch bei
jener Gelegenheit sagen, daß wir den Holocaust niemals vergessen und nie
wieder zulassen dürfen, daß sich eine solche Scheußlichkeit je wiederholt.

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie alle.

- 8-

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. April 1985

17

USA UND UDSSR BEENDEN 5. GESPRÄCHSRUNDE ÜBER NONPROLIFERATIONSFRAGEN
- Presseerklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium veröffentlichte am
19. April 1985 im Anschluß an die fünfte Runde der amerikanisch-sowjetischen Konsultationen über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen die
folgende Presseerklärung:
Die Vereinigten Staaten und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben gerade ihre fünfte Konsultationsrunde über Nonproliferationsfragen beendet. Diese Konsultationen fanden vom 15. bis zum 19.
April

in Helsinki

statt. Die

vier

vorausgegangenen Treffen hatten -

beginnend im Dezember 1982 - in Washington, Moskau und Wien stattgefunden. Diese Konsultationen rührten ursprünglich von Gesprächen zwischen
Außenminister Shultz und Außenminister Gromyko im Rahmen der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Oktober 1982 her.

Die Konsultationen

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�Die Konsultationen deckten eine ganze Bandbreite von Themen ab einschließlich der Aussichten auf Stärkung des internationalen Nonproliferationssystems, der Dritten ÜberprUfungskonferenz des Nonproliferationsvertrags (NPT), der Bedeutung der nuklearen Exportkontrollen und des
beiderseitigen Bestrebens der Vereinigten Staaten und der UdSSR, die
Internationale Atomenergiebehörde

(IAEA) zu stärken. Die amerikanische

Delegation wurde von Sonderbotschafter Richard T. Kennedy, die sowjetische Delegation von A. M. Petrosyants, dem Vorsitzenden des Staatskomitees für Atomenergie, geleitet.

Botschafter Kennedy charakterisierte diese Konsultationen als freundlich und geschäftsmäßig; beide Seiten hätten ein gemeinsames Interesse
daran, die Proliferation

zu verhindern und anderen Ländern dabei zu

helfen, sich der friedlichen Vorteile der Atomenergie zu erfreuen. Die
amerikanische Delegation brachte ihre besondere Wertschätzung

für das

kooperative Verhältnis zum Ausdruck, das sich zwischen beiden Seiten entwickelt hat und das sie in die Lage versetzte, sowohl technische wie auch
politische Probleme auf produktive Weise zu diskutieren.

Diese Konsultationen haben den Wunsch der USA und der UdSSR verdeutlicht, in einem Bereich positive Ergebnisse zu erzielen, der für die
Sicherheit

der gesamten Welt

von entscheidender Bedeutung

ist. Diese

Konsultationen schaffen zugleich einen positiven Rahmen für die Möglichkeit dieser beiden Länder, auf Fortschritt in Bereichen des beiderseitigen Interesses hinsichtlich der Nonproliferation wie auch umfassenderer
technischer und politischer Fragen hinzuarbeiten.

- 2-

�24. April 1985

17

WHITEHEAD ZUM NEUEN STELLVERTRETENDEN US-AUSSENMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 18. April 1985 John
C. Whitehead zum neuen Stellvertretenden Außenminister der Vereinigten
Staaten

nominiert. Whitehead,

desssen

Ernennung

noch der Bestätigung

durch den amerikanischen Senat bedarf, tritt die Nachfolge von Kenneth
Dam an, der einen Posten als Vizepräsident der Computerfirma IBM übernimmt.

John C. Whitehead, der sich vor kurzem aus dem Bankgeschäft zurückzog, wurde am 2. April 1922 in Evanston im Staate Illinois geboren. Bis
1943 besuchte er das Haverford-College und diente anschließend in der
amerikanischen Marine. Im Jahre 1947 erwarb er den akademischen Grad eines M.B.A. an der Harvard-Universität.

Zuletzt war Whitehead Kopräsident und Seniorpartner der Firma Goldman, Sachs and Company, einer internationalen Investitionsbank; er bekleidete diesen Posten 37 Jahre lang und wird auch weiterhin als Vorsitzender des internationalen Beratungsgremiums der Firma fungieren. Er

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�fungieren. Er hatte ferner Direktorenposten in führenden amerikanischen
Gesellschaften

inne

und

war

Vorsitzender

des

Internationalen

Rettungsausschusses. Ferner ist er Mitglied des Rates für Auswärtige
Beziehungen und des Zentrums für Strategische und Internationale Studien
an der Georgetown-Universität so- wie Treuhänder des Haverford-College
und der Carnegie Corporation. Schließlich gehört er der vom Präsidenten
eingesetzten Kommission für Regierungsaustausch an.

* * * * *

- 2-

�24. April 1985

17

MENSCH IM WELTRAUM DURCH NICHTS ZU ERSETZEN

-Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug
beim 16. Einsatz eines Raumtransporters -

- (AD). - "Wir wissen, daß Sie dort oben einige Enttäuschungen erlebt
haben - aber wir können, alles in allem, stolz sein auf den vierten Flug
der DISCOVERY und auf das, was Sie erreicht haben", sagte Präsident
Reagan in einem Telefongespräch mit den sieben Astronauten, die sich gerade auf die Rückkehr zur Erde am nächsten Tag vorbereiteten. Die Landung
des am 12. April 1985 gestarteten Raumtransporters erfolgte am 19. April
gegen 16 Uhr auf der Piste des Kennedy-Raumfahrtzentrums in Florida. Die
Besatzung, bestehend aus Karol Bobko (Kommandant), Donald Williams (Pilot), den Missionsspezialisten Dr. Margaret Rhea Seddon, David Griggs und
Jeffrey Hoffman sowie Jake Garn, US-Senator von Utah, und Charles Walker
als Nutzlastspezialist für die Fa. McDonnell Douglas, betrat nach sieben
Tagen im Weltraum wieder heimatlichen Boden.

Nach dem

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�Nach dem problemlosen Absetzen des Nachrichtensatelliten ANIK C-l im
Auftrag der kanadischen Gesellschaft "Telesat Canada" wenige Stunden nach
Erreichen der DISCOVERY-Umlaufbahn in ca. 370 km Höhe war am 14. April
SYNCOM IV-3 (auch als LEASAT 3 bezeichnet) an der Reihe. Dieser von der
Firma

Hughes

Communications

Inc. gebaute

riesige

Nachrichtensatellit

sollte über dem Pazifik stationiert werden. Zwei solcher Geräte stehen
der US-Marine bereits zur Verfügung, zwei weitere sind zur Vervollständigung eines weltweiten Nachrichtenverkehrs zwischen mobilen Land-, Seeund Fliegereinheiten erforderlich. Die Satelliten werden von der Herstellerfirma an die US-Marine vermietet.

Eine gewisse Zeit nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum der DISCOVERY in die Erdumlaufbahn hätte das Feststofftriebwerk im Satelliten automatisch zünden sollen, um ihn auf die Betriebshöhe von 35 680 km, eine
sogenannte erdsynchrone Bahn, zu katapultieren. Aber LEASAT, ein zylinderförmiger Koloss von 6,9 Tonnen Masse, blieb "stumm", die Automatik zur
Aktivierung seiner Stromkreise funktionierte nicht. Optische Inspektionen
durch die DISCOVERY-Besatzung ergaben, daß ein 13 cm langer Hebel an der
Außenseite nicht umgelegt war, was nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum
automatisch

hätte

geschehen

sollen.

Dadurch

wäre

das

Energiesystem

schrittweise aktiviert, die Rotation des Satelliten beschleunigt worden.
Nach 45 Minuten hätte das Feststofftriebwerk gezündet.

Im Kontrollzentrum Houston, bei der Firma Hughes und an Bord suchte
man fieberhaft nach Möglichkeiten, um diesen Hebel doch noch zu betätigen. Die Besatzung bastelte aus allen möglichen Utensilien, u. a. ein
paar Metallrohren und mehrfach aufgeschnittenen Kunststoffeinbänden von
Kladden, in denen Eintragungen zum Flugablauf gemacht wurden, zwei Behelf sgeräte. In einem weder geplanten noch zuvor geübten Ausstiegsmanöver
von drei Stunden Dauer befestigten Jeffrey Hoffman und Dave Griggs die
"Fänger", im Aussehen einer Fliegenklatsche recht ähnlich, an der Spitze
des sogenannten Robotarms. Dr. Margaret Rhea Seddon, deren eigentliche
Aufgabe als Ärztin die Durchführung medizinischer Experimente war, sollte
aus dem Orbiter-Cockpit den ferngesteuerten, 15 cm langen Greifarm so an
den Satelliten heranführen, daß einer der Fänger den Hebel am Satelliten
- 2 -

�am Satelliten zu fassen bekam.

In den Morgenstunden des 16. April hatten Bokbko und Williams die
DISCOVERY zum Rendezvous mit LEASAT geführt und sie aus ursprünglich 80
km Entfernung auf nur neun Meter Abstand heranmanövriert. Rhea Seddon gelang es zweimal, mit einem der provisorischen Fanggeräte den Hebel zu
fassen. Sie stand unter großem Zeitdruck. Denn für das "Greifen" und Umschalten standen nur sechs Minuten zur Verfügung, weil für die - bei erfolgreichem Ablauf zu erwartende - Zündung des Satelliten eine ganz bestimmte Position zur Erde notwendig war. Andernfalls hätte die Gefahr bestanden, daß er - bei fristgerechtem Ablauf der elektrischen Automatik
bis zur Zündung - auf falschen Kurs geraten wäre. Außerdem mußte die
DISCOVERY genügend Zeit haben, sich aus dem Brennbereich des starken
Triebwerkes

in

sichere Entfernung

abzusetzen. Aber

nach dem

zweiten

Greifversuch wurde klar, daß der Hebel klemmte, sich überhaupt nicht
rührte. Statt desssen wurde durch ihn eines der drei Kunststoff-"Bänder"
am Fanggerät, die aus dem Kladdendeckel gefertigt waren, abgerissen.

Vom Kontrollzentrum kam die Anweisung, den Versuch abzubrechen. Zwar
hatte man auch ein weiteres Außenmanöver erwogen, in dem ein Astronaut
von einer Arbeitsplattform an der Spitze des Robotarmes aus versuchen
sollte, den Hebel mit der Hand oder mit Hilfe einer Schlinge zu greifen
und zu betätigen. Aber diese Idee wurde bald als zu gefährlich aufgegeben. Der Satellit befand sich ja in Rotation. Für den GreifVorgang selbst
standen jeweils nur Sekunden zur Verfügung, in denen eien unkontrollierte
Bewegung des Astronauten diesen in größte Gefahr hätte bringen können vor allem dann, wenn sich das Objekt, zwar gewichtlos, aber mit 6,9
Tonnen Masse, auf ihn zubewegt hätte.

Und es enthält nach wie vor mehr als drei Tonnen Treibstoff, in
fester und in flüssiger Form. Der für die Lageregelung vorgesehene Flüssigtreibstoff Hydrazin gilt als besonders gefährlich, so daß auch wegen
einer möglichen Bergung des gestrandeten LEASAT 3 im Verlauf eines späteren Raumtransporter-Unternehmens zuvor sehr genau untersucht werden muß,
ob dies überhaupt zu riskieren wäre. Steven Dorfman, Präsident von Hughes
- 3 -

�von Hughes Communications Inc., ist in diesem Punkt noch skeptisch. Aber
er möchte erst einmal die Analyse der Experten abwarten, was die Ursache
des Versa- gens sein könnte.

Auf die Versicherungsprämien für Raumfahrtgeräte dürfte dieser Vorfall seine Auswirkungen nicht verfehlen. LEASAT ist mit 85 Millionen Dollar versichert. Davon werden 30 Prozent von der Gruppe "International
Technology Underwriters" getragen. James Barrett, der Präsident des Unternehmens, ist der Meinung, daß dieser Versicherungsfall "den Markt erheblich beeinflussen wird". Im vergangenen Jahr haben die Versicherungsgesellschaften für den Verlust von Satelliten 282 Millionen Dollar ausbezahlt. (An Startgebühren für LEASAT 3 hatte die Firma Hughes 18 Millio-

&lt;

nen Dollar an die NASA - U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt - bezahlt.)
Alle Beteiligten sind sich darüber einig, daß die NASA bzw. die Astronauten keine Schuld treffe. Der Fehler sei vielmehr bei der Herstellerfirma
oder deren Zulieferern zu suchen.

Charles Walker, Biotechniker, nahm bereits zum zweiten Mal an einem
Raumtransporterflug teil. Seine Aufgabe war erneut, ein Hormon zu synthetisieren, das nur in der Schwerelosigkeit hergestellt werden kann. Welcher Art dieses Hormon ist und welche Funktion es hat, wurde bisher von
McDonnell Douglas nicht bekanntgegeben. Es verlautete lediglich, daß es
in Tierversuchen und dann am Menschen erprobt werden solle. Erfülle es
die Erwartungen, werde man die Produktion im Weltraum für medizinische
Zwecke aufnehmen. Ein weiteres biotechnisches Experiment galt der Kristallzüchtung von Proteinen, um deren Struktur genau bestimmen zu können.
Dies ist die Voraussetzung dafür, "maßgeschneiderte" pharmazeutische Sub-

,

stanzen zur gezielten Beeinflussung bzw. Hemmung anormaler Vorgänge im
Körper zu entwickeln.

»

Senator Garn, Beobachter für den US-Kongreß und Vorsitzender des für
das NASA-Budget zuständigen Unterausschusses, hatte eine Kurzausbildung
als Nutzlastspezialist absolviert. Er wollte sich für medizinische Experimente zur Verfügung stellen und sich an den Versuchen beteiligen, mit
einfachen Mitteln und Spielzeugobjekten die Effekte von Schwerelosigkeit
- 4 -

�von Schwerelosigkeit zu demonstrieren. Der daraus hergestellte Film wird
als Unterrichtsmate- rial in Grundschulen und in den unteren Klassen von
Oberschulen

verwendet

Papiersegler

filmen.

werden.
"Er

Der

fliegt

Senator

eigentlich

ließ

beispielsweise

ganz ähnlich

einen

wie auf der

Erde", kommentierte Jake Garn. "Aber er bewegt sich langsamer und viel
leichter, wenn er geworfen wird, und er durch die Kabine segelt". Als
Garn

ihn

wieder

eingefangen

hatte

und

"fallen"

ließ,

schwebte

der

Papiersegler bewegungslos im Raum.

Jake Garn bekam die Raumkrankheit während der ersten zwei Flugtage
ausgeprägt zu spüren - von Zeit zu Zeit machten sich Übelkeit und Schwindelgefühl äußerst unangenehm bemerkbar. In der Startphase wurden bei dem
ehemaligen Fliegeroffizier bis zum Eintritt des Raumtransporters in die
Erdumlaufbahn zahlreiche Körperfunktionen erfaßt und gemessen: fünf Sensoren waren am Kopf, vier in der Magengegend und drei am Brustkorb befestigt.

Besonders

intensiv

wurden

bei

dem

jüngsten,

amerikanischen Raumtransporters, Reaktionen

dem

16. Flug

eines

des Herz- und Kreislaufsy-

stems der Astronauten beobachtet. Mit Hilfe des in den USA entwickelten
Echokardiographien ließen sich Veränderungen am Herzen und in den Blutgefäßen unter dem Einfluß der Schwerelosigkeit präzise erfassen. Die Daten
geben Anhaltspunkte dafür, mit welchen Gegenmaßnahmen schädlichen Auswirkungen bei langem Aufenthalt im Weltraum begegnet werden sollte.

"Der Echokardiograph sendet Schallwellen aus und nimmt die Echos auf,
die auf einem Bildschirm das untersuchte Organ darstellen", eklärte Dr.
Seddon bei einer Fernsehsendung aus der DISCOVERY den Zuschauern, während
sie Schallköpfe des Instruments am Brustkorb eines der Astronauten befestigte. "Das Bild können wir auf unserem Videoband speichern. Wir können
sogar bei guter Wiedergabe auf dem Bildschirm das Herzinnere von unten
betrachten und dabei in alle vier Kammern hineinsehen. Wir wollen unter
anderem herausfinden, ob und welche Unterschiede sich in bezug auf die
Größe von Herz und Herzkammern sowie auf das Blutvolumen während des Fluges einstellen. Im Weltraum ist es ohnehin anders als auf der Erde, weil
sich hier die Herzposition anscheinend etwas verändert. Deshalb müssen
- 5 -

�Deshalb müssen wir die besten Punkte zum Ansetzen der Schallköpfe erst
suchen."
Senator Garn, der für den US-Senat einen offiziellen Bericht über
seine Eindrücke und Erfahrungen an Bord des Raumtransporters DISCOVERY
ausarbeiten wird, zeigte sich besonders beeindruckt von den Tätigkeiten
und Funktionen eines Astronauten. Das menschliche Denk- und Entscheidungsvermögen, menschliches Handeln im Weltraum sei durch nichts zu ersetzen, meinte er.

* * * * *

- 6 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 8. Mai: Rückblick und Ausblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur F. Burns, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan wird KZ-Gedenkstätte besuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Conference on Religious Liberty -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und UdSSR beenden 5. Gesprächsrunde über Nonproliferationsfragen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseerklärung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Whitehead zum neuen Stellvertretenden US-Außenminister nominiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mensch im Weltraum durch nichts zu ersetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erfahrungen aus dem DISCOVERY-Flug -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimauon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Mai 1985

19

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise
- Pressekonferenz i n Lissabon Reagan:

KVAE t r ä g t zur Minderung der Spannungen i n Europa bei

- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
40 Jahre f r e i e Wirtschaft - 40 Jahre E r f o l g
- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft i n der Nachkriegszeit -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kreuzzug gegen die Drogensucht
- I n t e r n a t i o n a l e Aktionen notwendiger denn j e
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

15. Mai 1985

PRÄSIDENT REAGAN ZIEHT FAZIT SEINER EUROPAREISE
- Pressekonferenz in Lissabon -

Lissabon -(AD)- Unmittelbar vor seiner Rückkehr in die Vereinigten
Staaten gab Präsident Reagan am 10. Mai L985 in Lissabon eine Pressekonferenz, auf der er die Ergebnisse seiner zehntägigen Europareise bewertete. Nachstehend die wichtigsten Auszüge:

PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte Sie heut2 morgen über einige der bedeutsameren Ergebnisse dieser Reise ins Bild setzen und vor unserer Heimreise
einige Ihrer Fragen beantworten.

Diese Europareise hat viele Höhepunkt?, aber auch einige guälende Augenblicke gesehen. Sie führte uns in eine der jüngsten Hauptstädte Europas und in zwei seiner ältesten sowie in eine Stadt, die das fortwährende
Streben Europas nach Einheit symbolisiert. Auf jeder Station dieser Reise
habe ich betont, daß wir Europa helfen wollen, zu wachsen, und daß wir
bereit sind, es in seinen demokratischen Zielen zu unterstützen und bei
der Bewahrung des Frieden;; an seiner Seite zu stehen.
Wenn wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Wenn wir heute die Heimreise antreten, so tun wir dies in dem Bewußtsein, daß die atlantischen Bindungen gefestigt sind und wir unsere Aufgabe erfüllen konnten. Ich möchte zusammenfassen, was, wie ich meine, die
dauerhaften Ergebnisse dieser Reise darstellt.

Unser Besuch in der Bundesrepublik Deutschland hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen

gefestigt

und

die Aussichten

auf fortdauernden

Frieden in Europa verbessert. Die politischen Führer der Bundesrepublik
meinten in Zusammenhang mit unserem Besuch, daß eine neue Seite der deutschen Geschichte aufgeschlagen worden sei. ...

Wir haben uns auf eine gemeinsame Strategie zur Gewährleistung eines
fortdauernden wirtschaftlichen Aufschwungs und zur Schaffung von Arbeitsplätzen geeinigt, und wir sind unserem Ziel der Einleitung einer neuen
Runde multilateraler Handelsgespräche nähergekommen ... Alle auf dem Gipfel vertretenen Staaten bestätigten die Notwendigkeit einer neuen Gesprächsrunde, und alle bis auf einen meinten, daß sie Anfang nächsten
Jahres eröffnet werden sollte.

Wir haben mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß unsere Partner
hinter

unseren Genfer Bemühungen

um eine erhebliche Verminderung der

Kernwaffen stehen. Außerdem haben wir eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Drogenhandels vereinbart.

Vor dem Europaparlament in Straßburg haben wir sodann einen vernünftigen Rahmen für eine Verbesserung der Beziehungen mit den Sowjets abgesteckt, dessen Hauptfaktoren Stärke, Realismus, friedlicher Wettstreit
und Verhandlungen sein sollten. Ich habe der Sowjetunion erneut zu verstehen gegeben, daß Amerika aus ganzem Herzen Frieden wünscht. Die von
uns vorgeschlagenen konstruktiven, dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Initiativen zum Abbau der zwischen uns bestehenden Spannungen
verdienen eine ernsthafte sowjetische Erwiderung.

In Spanien und Portugal haben wir unsere Bindungen zu diesen beiden
eng befreundeten und geschätzten Partnerstaaten vertieft. Es war ermutigend, sich von den politischen und wirtschaftlichen Fortschritten, die
- 2 -

�Fortschritten, die diese beiden mutigen demokratischen Staaten gemacht
haben, an Ort und Stelle überzeugen zu können.

Es war eine ausgedehnte, historische und voll und ganz lohnende Reise. Gegenwartsfragen von großer Bedeutung konnten offen, energisch und
gründlich erörtert werden. Unsere Begegnungen erbrachten eine starke gemeinsame Verpflichtung auf Freiheit, Demokratie, Wachstum und die Einheit
Europas. ...

FRAGE: Haben Sie die Absicht, im Herbst vor den Vereinten Nationen zu
sprechen und dort möglicherweise mit Gorbatschow zusammenzutreffen ? Und
wieso haben Sie eigentlich während dieser Reise Versöhnung mit den Deutschen, die so viel Schreckliches getan haben, gepredigt, ohne der Sowjetunion das gleiche anzubieten ?

ANTWORT: Ich meine, einiges dazu gesagt zu haben. Ich sprach über die
Veränderungen, die nach unserer Auffassung in diesem der Einheit zustrebenden Europa vonstatten gehen sollten. Ich habe aber auch betont, daß
dies friedlich geschehen müsse ... Was den Auftritt vor der U.N. angeht,
so haben wir bislang keine Bestätigung erhalten, daß Herr Gorbatschow
kommen wird ... Ich habe zu verstehen gegeben, daß, falls er käme, die
Tür zu einer Begegnung offen sei ... Das gilt immer noch ...

FRAGE:

Herr

Präsident,

in

der

Vergangenheit

haben

Sie

zwischen

rechtsgerichteten und marxistischen Diktaturen unterschieden und gesagt,
daß die rechtsgerichteten sich zu Demokratien entwickeln könnten, während
kommunistische Diktaturen dies niemals täten. Hier in Europa haben Sie
jedoch Veränderungen in Osteuropa befürwortet, obwohl die kommunistische
Diktatur dort am nachhaltigsten Fuß gefaßt hat. Wie könnten solche Veränderungen vonstatten gehen, und welches wäre Ihre Rolle dabei ?

ANTWORT: Wir haben gesagt, daß wir jedem nach bestem Vermögen helfen
würden, der einen solchen Wandel vollziehen will. Im übrigen haben wir
allein auf dem amerikanischen Kontinent genug Beispiele für den Wandel
von Militärdiktaturen erlebt ... Heute leben rund 90 Prozent der Menschen
Lateinamerikas in Ländern, die demokratisch sind oder danach streben, es
- 3-

�streben, es zu werden ... Die beiden einzigen totalitären Mächte in unserer Hemisphäre sind Nicaragua und Kuba. Es läßt sich also belegen, daß
rechtsgerichtete Regierungen oder Diktaturen sich ändern können. Wir befinden uns hier ja schließlich in einem Land, das den Weg von der Diktatur zur Demokratie gegangen ist. Für Spanien gilt das gleiche ...

FRAGE; Vor einigen Tagen sagte ein Vertreter Ihres Verteidigungsministeriums, nämlich Richard Perle, daß es seines Erachtens an der Zeit sei,
daß die Vereinigten Staaten aufhörten, sich an das SALT-II-Abkommen zu
halten ... Was halten Sie davon ? ...

ANTWORT: In unserem Lande darf jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen, und nur das hat er getan ... Wir haben diesen Vertrag zwar nicht ratifiziert, aber da er von den Unterhändlern unterzeichnet worden war,
hatten wir beschlossen, uns an seine Bestimmungen zu halten. Inzwischen
deutet aber viel darauf hin, daß dies ein ziemlich einseitiger Vorsatz
war. Wenn dem tatsächlich so wäre, bestünde für uns in der Tat kein Anlaß, dabei zu bleiben. Aber darüber wird erst später zu entscheiden sein.
Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir die Bestimmungen des
Vertrages übertreten ...

FRAGE: In praktisch allen Staaten, die Sie in Europa besucht haben,
waren die politisch Verantwortlichen gegen das Handelsembargo gegen Nicaragua ... Wie kommt es, daß einige Ihrer engsten Verbündeten in dieser
Sache nicht hinter Ihnen stehen ? ...
ANTWORT: Es ist keineswegs so, daß sie mit uns hinsichtlich der Bedrohung nicht übereinstimmen. Das tun sie. Sie wissen, was sie von Nicaragua zu halten haben. Wir haben es hier jedoch mit grundsätzlichen Meinungsunterschieden im Hinblick auf Sanktionen zu tun. Wir haben selbst
lange darüber nachgedacht. Es gibt eben einige Regierungen, die dergleichen nicht für eine legitime Waffe halten ...

FRAGE: Wie war der Empfang hier in Portugal im Vergleich zu anderen
Ländern in Europa ? ...
ANTWORT: Ich
- 4 -

�ANTWORT: Ich darf sagen, daß ich überall in Europa von der Herzlichkeit der Menschen und von der offenen Gastfreundschaft, mit der ich willkommen geheißen wurde, beeindruckt war. Das war hier genauso wie in jedem
anderen Lande, und ich habe den Empfang durch die Menschen als große Ermutigung empfunden. Wenn Sie nun bestimmte Demonstrationen vor Augen haben - nun, die erlebe ich auch in meinem eigenen Land. Wo man auch hingeht: Man wird immer eine Gruppe vorfinden, die auf der anderen Seite
steht, und manchmal bringt eine solche Gruppe eben ihre Meinung in einer
rüden und ungehörigen Form zum Ausdruck ... Aber ich habe gelernt, das
als einen Teil des Lebens hinzunehmen. Harry Truman hat gesagt: "Wer Hitze nicht verträgt, sollte aus der Küche herausbleiben." Ich kann also nur
sagen, daß ich sehr zufrieden bin. Ich glaube, ich kann in dem Bewußtsein
die Heimreise antreten, daß mich mit Ihren Regierenden eine solide, persönliche Freundschaft verbindet, und auch das Bündnis und die Übereinstimmung zwischen uns. Ich bin wirklich sehr zufrieden. ...

* * * * *

- 5 -

�19

15. Mai 1985

REAGAN: KVAE TRÄGT ZUR MINDERUNG DER SPANNUNGEN IN EUROPA BEI
- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz

WASHINGTON - (AD) - Zur Eröffnung der sechsten Runde der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE)
erklärte Präsident Reagan am 13. Mai 1985 in Washington, "daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch die Sowjetunion hinsichtlich
konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu einem Abkommen bereit ist. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft in Erwägung ziehen wird."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Morgen, am 14. Mai, tritt die Stockholmer Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in ihre
sechste Runde. Die Konferenz umfaßt alle Staaten der NATO und des Warschauer Paktes sowie die neutralen Länder Europas und ist daher in der

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�daher in der einzigartigen Lage, eine herausragende Rolle bei der Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost und West zu spielen. Ich messe dieser
Konferenz große Bedeutung bei.

Die NATO-Staaten haben in Stockholm gemeinsam eine Reihe konkreter
vertrauensbildender Maßnahmen eingebracht, die das Ziel verfolgen, die
militärischen Aktivitäten in Europa vorhersagbarer und stabiler zu machen
und dadurch sicherzustellen, daß es niemals zum Einsatz irgendeiner Waffe
kommt. Diese Maßnahmen würden zur Ankündigung und zur Beobachtung aller
miltärischer Aktivitäten über einen bestimmten Umfang hinaus verpflichten
und zudem angemessene Verifizierungsmaßnahmen - wie etwa Austausch von
Informationen und Inspektionen vor Ort - beinhalten. Sie dienen dazu, die
Gefahr eines Krieges durch Fehleinschätzung und Mißvertändnisse zu verringern, gegen einen Überraschungsangriff zu schützen und die politischen
Kosten für jeden Staat beträchtlich zu erhöhen, der zur Einschüchterung
anderer Gewalt androhen sollte.

Dieses ehrgeizige Programm hat die volle Unterstützung aller NATOMitgliedstaaten wie auch die überparteiliche politische Zustimmung hier
in unserem Land. Auch die neutralen und bündnisfreien Staaten Europas
unterstützen die im NATO-Vorschlag dargelegten generellen Grundsätze.
In meiner Rede vor dem Europäischen Parlament in der vergangenen
Woche habe ich die Stockholmer Konferenz erneut darauf gedrängt, hinsichtlich

dieses

Maßnahmenpaketes,

wie

es

die

NATO-Länder

vorgelegt

haben, zu einer raschen Einigung zu gelangen. Und ich habe das Versprechen wiederholt, daß die Vereinigten Staaten willens sind, den sowjetischen Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn auch
die Sowjetunion hinsichtlich konkreter vertrauensbildender Maßnahmen zu
einem Abkommen bereit ist. Wir hoffen, daß die Sowjetunion dies ernsthaft
in Erwägung ziehen wird.

In Stockholm haben wir die Möglichkeit, auf praktische Weise an einer
Verringerung

der Spannungen in Europa zu arbeiten. Die Konferenz ist

�Die Konferenz ist nunmehr an einem Punkt angelangt, wo sie in eine noch
intensivere

Verhandlungsphase

eintreten

könnte, wenn

die

Sowjetunion

bereit wäre, sich den anderen Konferenzteilnehmern dabei anzuschließen,
sinnvolle

vertrauensbildende

Maßnahmen

auszuhandeln,

die

beträchtlich

über bestehende Vereinbarungen hinausgehen. Botschafter James E. Goodby,
mein Vertreter auf der Stockholmer Konferenz, hat bei diesem Bestreben
mein ungeteiltes Vertrauen und meine volle Unterstützung.

- 3-

�15. Mai 1985

19

40 JAHRE FREIE WIRTSCHAFT - 40 JAHRE ERFOLG

- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein
zur Entwicklung der Weltwirtschaft: i n der Nachkriegszeit -

WASHINGTON -

(AD) - Das Handels- und Währungssystem der Nachkriegs-

z e i t , das im Frühjahr 1945 auf der

Wirtschafts- und Währungstagung von

Bretton Woods geschmiedet wurde, hat seine Teilnehmer i n den seither vergangenen 40 Jahren nicht nur zum Widerstand gegen die kommunistische Aggression

befähigt,

sondern ihnen auch einen w i r t s c h a f t l i c h e n

Aufstieg

sondergleichen ermöglicht: Dies betonte der ehemalige Unterstaatssekretär
im US-Finanzministerium und Forschungsdirektor

des I n t e r n a t i o n a l e n Wäh-

rungsfonds, Edward M. B e r n s t e i n , i n einem Interview mit einem V e r t r e t e r
des US-Informationsamtes i n Washington.
Edward M. Bernstein gehörte e i n s t als D i r e k t o r der Abteilung Geld im
US-Finanzministerium
Woods.

selbst

zu den Architekten des Systems von Bretton

"Aufgabe der Demokratien i s t es heute," so meinte B e r n s t e i n , " i h -

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�Bernstein,

"ihre

gesamte w i r t s c h a f t l i c h e ,

zu m o b i l i s i e r e n , und ihre

soziale und p o l i t i s c h e

Entschlossenheit

Starke

zu demonstrieren, sich

von

niemandem ihre Rolle i n der Wirtschaft von heute verwehren zu lassen.
Das Interview mit Edward M. Bernstein hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Die i n Europa siegreichen A l l i i e r t e n - die Vereinigten Staa-

t e n , Großbritannien und die

Sowjetunion -

waren bei Ende des

Zweiten

Weltkrieges das mächtigste M i l i t ä r b ü n d n i s , das die Welt j e gekannt hatte
- e i n Bündnis, das über die Stärke v e r f ü g t e , die nötig war, eine
l i c h e Vteltordnung zu begründen.
zustande?

Worin unterschieden

fried-

Hörum brachten sie diese dann doch nicht
sich die

sowjetischen Vorstellungen

von

der Nachkriegswelt so sehr von denen der westlichen Demokratien?

ANTOWRT:

Die Russen, die stärkste Macht auf dem europäischen K o n t i -

nent, wollten zum herzen des Kontinents werden, foäre ihnen nicht k l a r g e macht worden, daß man ihnen dies nie gestatten würde, so hätten sie ihren
Druck ü b e r a l l auf dem Kontinent zur Geltung bringen können.
ja genau das, was b e r e i t s Napoleon gewollt hatte

Denn das war

und was auch H i t l e r ge-

tan hat.
Dieser marschierte nach Westen und marschierte nach Osten.

Er suchte

sich zum Herren des Kontinents aufzuschwingen.
I n Bretton Woods und später zur Z e i t

des Marshall-Plans hatten wir

a u f r i c h t i g geglaubt, die starken Zerstörungen würden die Sowjetunion dazu
veranlassen, das Schwergewicht auf den Wiederaufbau i h r e r Produktion, die
Erhöhung des Lebensstandards
Wirtschaft

zu legen.

ihres Volkes und die Modernisierung

ihrer

Und das war bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch

t a t s ä c h l i c h eine der A l t e r n a t i v e n , die sie i n s Auge gefaßt h a t t e .
Sie nahm an der Konferenz von Bretton Yboös t e i l .

Und gegen Ende

jenes Jahres 1945 ersuchte Rußland die Vereinigten Staaten um einen Kred i t i n Höhe von zehn M i l l i a r d e n D o l l a r .
union einen Kredit

Wir boten daraufhin der Sowjet-

von einer M i l l i a r d e Dollar durch die

Export-Import-

�Export-Import-Bank i n Washington a n , der eine günstige I n t e r i m s h i l f e
zum Anlaufen des Marshall-Plans hätte sein können.
Sie

alle

wissen, der

Sowjetunion

bis

Und wir boten, wie

und den osteuropäischen Staaten

die

Teilnahme am Marshall-Plan an.
Wie ich vermute, war die Sowjetunion zu dem Schluß gelangt, sie würde
w i r t s c h a f t l i c h zu sehr unter den Einfluß der Vereinigten Staaten geraten,
wenn sie versuchte, i h r Land mit massiver amerikanischer H i l f e wiederaufzubauen.
FRAGE:

Wo stünde die Welt heute, wenn die Sowjets M a r s h a l l - P l a n - H i l -

fe angenommen hätten?
ANTWORT:

Ich glaube, wir hätten eine von Grund auf bessere Welt.

Allem voran wäre meines Erachtens der Lebensstandard i n der Sowjetunion heute v i e l , v i e l höher; s t a t t bei Wiederaufbau, Aufschwung, Produkt i o n und Einkommen h i n t e r

Westeuropa, der Bundesrepublik Deutschland und

Frankreich - und auch h i n t e r Japan - herzuhinken, hätte die

Sowjetunion

mit ihnen gleichziehen können.
Meiner Meinung nach wäre das gesamte Umfeld für

die Erhaltung des

Friedens e i n ganz anderes geworden.
FRAGE:

Welche Faktoren bewogen die W e s t a l l i i e r t e n , den Wiederaufbau

bei ihren Kriegsgegnern zu u n t e r s t ü t z e n , ihnen w i r t s c h a f t l i c h zu h e l f e n
und eine demokratische A l l i a n z mit ihnen einzugehen?
ANTWORT:

Ich glaube, uns wurde Folgendes k l a r :

Die Sowjetunion h a t -

te die M ö g l i c h k e i t , ihre gewaltige Militärmacht i n Europa zum Tragen zu
bringen - nicht durch einen Einmarsch oder dessen Androhung, sondern a l l e i n durch die Demonstration dieser Macht mit

dem Hinweis:

"Wenn i h r

nicht so oder so handelt, dann wißt i h r j a , wie die A l t e r n a t i v e aussehen
könnte'."
Dies aber

stellte

�Dies aber s t e l l t e

uns vor die Notwendigkeit, a l l e

jene Gebiete zu

stärken, i n denen der Sowjetunion andernfalls e i n Vordringen l e i c h t g e f a l l e n wäre.

Das waren Deutschland i n Westeuropa, und Japan im Fernen Osten.

FRAGE:

Wieso brachten die Demokratien den Willen a u f , sich der kom-

munistischen Aggression nach dem Krieg zu widersetzen, nachdem sie

sich

Jahre zuvor a l s unfähig erwiesen h a t t e n , gegen die faschistische Aggression zusammenzustehen?

ANTWORT:

Die wahre Antwort hierauf l a u t e t wohl, daß sich die Demo-

k r a t i e n i n den dreißiger
fühlt

Jahren allzusehr dem Frieden v e r p f l i c h t e t

h a t t e n , wenn man das so sagen kann;

ge-

das h e i ß t , sie werteten den

Frieden sehr v i e l höher als a l l e s andere - wie die Preisgabe von P o s i t i o n
um P o s i t i o n an H i t l e r j a s c h l i e ß l i c h gezeigt hat.

Chamberlains

Politik

war "Frieden i n unserer Z e i t . "

Erst a l s er sah, daß H i t l e r , der wie-

derholt

die l e t z t e Forderung, die wir

erklärt

hatte,

"das i s t

haben",

s c h l i e ß l i c h doch i n Polen einmarschierte, entschlossen sich Chamberlain,
die B r i t e n und die Franzosen zum Widerstand.
Als wir i n der Nachkriegszeit, i n den späten v i e r z i g e r Jahren, eine
ähnliche Gefahr erkannten, wie sie H i t l e r d a r g e s t e l l t hatte - daß nämlich
die stärkste Macht auf dem Kontinent diesen zu beherrschen t r a c h t e t e
und w i r , wie im F a l l e

-

H i t l e r , f e s t s t e l l t e n , daß deren Normen, Moralvor-

stellungen und p o l i t i s c h e n wie w i r t s c h a f t l i c h e n Ziele sich von den unseren so stark unterschieden, mußten wir uns ihrem Vordringen widersetzen.
Oder wir

mußten i h r

zumindest

klarmachen:

"Falls

du dich

in

Marsch

s e t z t , wird das nicht ohne Folgen b l e i b e n . "
FRAGE:

Wird das Bündnis der Demokratien, das den Stürmen der l e t z t e n

40 Jahre zu t r o t z e n vermochte, seine K r a f t und Stärke bewahren können?
ANTWORT:

Das wird es meiner Überzeugung nach.

meiner Meinung nach darüber

Wir müssen uns aber

im klaren s e i n , daß sich heute wohl jeder

wohlhabender und zufriedener f ü h l t a l s Ende des Zweiten Weltkrieges.

Und

Menschen, die sich zufrieden und wohlhabend fühlen - und das t r i f f t

für

- A -

�trifft

für Europa, Japan und auch für uns zu - , h o f f e n , daß nichts i h r e n

Frieden s t ö r t .

Wir sind a l l e zufrieden.

Wir freuen uns des Lebens.

Wir lehnen uns geruhsam zurück.

Und wir wollen keine Störungen - wir wollen

keine Störungen etwa durch die Entwicklung neuer Waffen. Wir wollen nicht
den Eindruck erwecken, wir bedienten uns gegenüber den Russen eines rüden
Umgangstones, auch wenn sie uns gegenüber eine solche Sprache sprechen.
FRAGE:

Welche neuen Aufgaben g i b t es f ü r die demokratische A l l i a n z ?

ANTWORT:

Ihr gesamte w i r t s c h a f t l i c h e , soziale und p o l i t i s c h e Stärke

zu m o b i l i s i e r e n und i h r e r

Entschlossenheit

Ausdruck zu v e r l e i h e n ,

sich

von niemandem ihre Rolle i n der Welt untergraben zu lassen.
FRAGE:

Können Sie uns einige der spezifischen Probleme nennen, vor

die sich die demokratische A l l i a n z i n naher und ferner Zukunft

gestellt

sehen wird?
ANTOWRT:

Eines der Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben,

i s t die Tatsache, daß das i n t e r n a t i o n a l e Währungssystem, das wir nach dem
Krieg geschaffen haben -

Internationaler

regionalen Entwicklungsbanken -

mit

Währungsfonds, Waltbank und die

neuen Problemen k o n f r o n t i e r t

sind.

Es g i l t , darüber nachzudenken, was sie i n der derzeitigen S i t u a t i o n tun
können. Und sie müssen auch mit mehr M i t t e l n ausgestattet werden.
Um es anders zu sagen:

Bei einem noch so bemerkenswert günstigen i n -

ternationalen w i r t s c h a f t l i c h e n und f i n a n z i e l l e n Aufschwung, Wachstum und
Wahlstand, die unsere Demokratien produzieren, müssen wir

jetzt

riarauf

bedacht s e i n , daß die Veränderungen, die i n der Weltwirtschaft e i n t r e t e n ,
konstruktiver Natur s i n d .
Wir haben z u l e t z t d r e i schlechte Jahre durchlebt.
l a r auf eine beträchtliche höhe steigen sehen.
Währungen der

Er i s t verglichen mit den

größeren europäischen Ländern und auch mit

d u r c h s c h n i t t l i c h über 80 Prozent mehr wert.
bewertet.

Wir haben den D o l dem Yen um

Damit i s t der D o l l a r

über-

Die Folge davon i s t , daß i n den Vereinigten Staaten i n d r e i

�i n d r e i V i e r t e l der Wirtschaft e i n Boom h e r r s c h t , während e i n V i e r t e l
einer Rezession s t e c k t .

Das t r i f f t

in

zu f ü r die Landwirtschaft, den Berg-

bau und jenen T e i l unserer F e r t i g u n g s i n d u s t r i e n , der exportabhängig

ist

und mit Einfuhren konkurrieren muß.
Und i n Europa war eine nur schleppende Erholung von der l e t z t e n Rezession zu beobachten.

Der Grund f ü r den schleppenden Verlauf der Erho-

lung i s t d a r i n zu suchen, daß die europäischen Währungen an Wert verloren
haben.

Man i s t i n Europa gegenüber dem Wechselkurs und dem Außenwert der

eigenen Währung sehr empfindlich.

Dort sieht man die Aufrechterhaltung

der Stärke der eigenen Währung a l s das Problem Nr. 1 an und schirmt die
eigene Volkswirtschaft

nach außen h i n sehr ab -

insbesondere, was den

Geldmarkt angeht.
Hierher gehört auch das Problem der hohen Verschuldung der Entwicklungsländer.

Das sind Probleme, die wir lösen müssen, und i c h b i n über-

zeugt , daß wir sie lösen werden.
sichten der

Weltwirtschaft

Ich b i n kein Pessimist, was die Aus-

angeht.

Ich glaube, die Vereinigten Staaten

werden i n den nächsten 15 Jahren, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, noch
mehr l e i s t e n , als sie i n den siebziger Jahren g e l e i s t e t haben.

Und wenn

es auch i n Europa nicht mehr ganz so rasant aufwärts gehen kann wie

in

der Vergangenheit - unmöglich i s t das deshalb schon, weil damals die Ausgangslage eine ganz andere war - , so werden die europäischen Länder - und
auch Japan - doch recht zufrieden sein können.

Und meines Erachtens werden wir eine konstruktive Lösung auch f ü r die
Probleme der Entwicklungsländer finden.
Deshalb b i n i c h , was die Wirtschaft angeht, o p t i m i s t i s c h .

Wir haben

Schwierigkeiten; aber es handelt sich doch um Schwierigkeiten, derer wir
Herr werden können.

Wir s o l l t e n uns a l l e r d i n g s z e i t i g an i h r e Überwin-

dung machen.
Ich kann nicht
sagen.

sehr v i e l zu diplomatischen und m i l i t ä r i s c h e n Fragen

Es besteht nach wie vor die hbffnung, daß wir eines Tages i r g e n d - 6 -

�Tages i r g e n d w i e zu einem E i n v e r s t ä n d n i s m i t der Sowjetunion gelangen werden.

Man h ö r t

immer wieder

einem neuen Kremlchef
bensstandards

sagen:

"Schließlich

haben w i r es j e t z t

zu t u n , der den Nachdruck a u f

des r u s s i s c h e n Volkes

legen w i r d .

die

mit

Hebung des L e -

Das wiederum

bedeutet,

daß e r mehr Ressourcen a u f d i e w i r t s c h a f t l i c h e E n t w i c k l u n g i n d e r S o w j e t u n i o n verwenden muß , und weniger a u f m i l i t ä r i s c h e Zwecke verwenden k a n n .
Und so könnte es s e i n , daß auch i h r e D i p l o m a t i e weniger Schärfe

Das bekomme i c h
Tages auch so s e i n .

FRAGE:

heute o f t

zu h ö r e n .

Und v i e l l e i c h t

zeigt."

w i r d das

eines

I c h h o f f e , womöglich i n den nächsten 15 J a h r e n .

Was s i n d d i e b l e i b e n d e n Lehren aus dem N a c h k r i e g s v e r s u c h , e i n

neues demokratisches

System i n

Europa

zu e r r i c h t e n

und es

gegen

seine

Gegner zu schützen?

ANTWORT:

Die

Menschen A r b e i t
geben muß.

erste

Lehre

besagt

meiner Meinung

n a c h , daß man den

zu einem g u t e n R e a l l o h n und d i e Hoffnung a u f

I c h g l a u b e , wenn s i e

beides

Fortschritt

haben, e n t w i c k e l n s i e

B e w u ß t s e i n , daß s i e etwas zu v e r t e i d i g e n haben.

auch das

Und genau darum geht es

heute.

Erzfeind

der Demokratie

der Demokratie i s t

ist

eine

die berechtigte

tiefe

Depression.

Stärkste

Stütze

H b f f r u n g a u f e i n hohes Maß an B e s c h ä f -

t i g u n g , gute Löhne und e i n anhaltendes

Wachstum.

Und d i e haben w i r

tat-

sächlich.

FRAGE:

Worin i s t

der

Hauptgrund f ü r

den F o r t b e s t a n d der A l l i a n z

zu

sehen?

ANTWORT:

Der Hauptgrund d a f ü r

ist,

daß s i e

so Gutes g e l e i s t e t

Wir s i n d a l s Verbündete und P a r t n e r insbesondere a u f dem Gebiet der
s c h a f t gut g e f a h r e n .
dem E r s t e n

Weltkrieg

hat.
Wirt-

Und wenn man diesen S a c h v e r h a l t m i t dem U n h e i l nach
und

der

k l a r , welcher Wandel e i n g e t r e t e n

großen

Depression

vergleicht,

dann

wird

ist.
Wenn i c h
- 7 -

sage ,

�Wenn i c h sage, die Realeinkommen haben sich s e i t

1944 v e r d r e i f a c h t

oder nahezu v e r d r e i f a c h t , bedeutet das, daß wir i n diesen 40 Jahren größere - doppelt so große - w i r t s c h a f t l i c h e F o r t s c h r i t t e gemacht haben wie
i n der bisherigen Geschichte der Menschheit i n M i l l i o n e n Jahren.

So ge-

w a l t i g war also das Wachstum.
Dennoch tauchen von Z e i t zu Z e i t Probleme a u f , die uns Sorgen machen.
Wir mußten uns wegen der I n f l a t i o n sorgen.
Arbeitslosigkeit
mern müssen.

sorgen.

Und wir müssen uns wegen der

Es g i b t soziale Probleme, um die wir uns küm-

Jedermann aber

ist

heutzutage

zuversichtlich,

daß

diese

Probleme lösbar sind.
So h ä l t die A l l i a n z meiner Auffassung nach i n e r s t e r L i n i e
zusammen, weil

sie

funktioniert.

wirtschaftlichem Gebiet.
sagen:

Besonders

bewährt

hat

sie

Auf diplomatischem Gebiet können wir

deshalb
sich

auf

immerhin

"Sie f u n k t i o n i e r t i n dem Sinne, daß keine echte Gefahr eines neu-

en Krieges b e s t e h t . "

Wir fühlen uns sicherer.

Wir haben somit auf w i r t s c h a f t l i c h e r Ebene gewaltigen E r f o l g und auf
d i p l o m a t i s c h - m i l i t ä r i s c h e r Ebene mindestens eine echte Leistung.
ben Frieden.

Wir sprechen miteinander.

Wir ha-

Niemand war bisher w i l l e n s , zu

e r k l ä r e n , er wäre b e r e i t , Gewalt anzuwenden, um seinen Willen durchzusetzen.

Das i s t w i c h t i g .
FRAGE:

»

Meinen S i e , wie Präsident Reagan, die Demokratie steht im Be-

g r i f f , die t o t a l i t ä r e Staatsformen zu überflügeln?
ANTWORT:

Es besteht meines Erachtens bei uns Übereinstimmung

dar-

über, daß sich die Demokratie, so wie wir sie verstehen - a l s den Willen
des Volkes, wie er
wird.

in

freien

Wahlen zum Ausdruck kommt - ,

durchsetzen

Denken wir dann noch an die Organisierung der Wirtschaft auf eine

Weise, daß sie nicht vom Staat selbst i n s t a a t l i c h e n Unternehmen gelenkt
wird - was ja s c h l i c h t gesagt Sozialismus i s t - , so sehen wir doch übera l l , daß die Regierungen jener Entwicklungsländer, die den russischen Wag
zur Entwicklung erprobt haben, gescheitert s i n d .
Und auf der

�Und auf der anderen Seite geht es den Ländern i n Lateinamerika und im
Fernen Osten, die e i n f r e i e s Wirtschaftssystem haben, bemerkenswert g u t .
Es i s t

schier u n g l a u b l i c h , was i n Formosa, Südkorea, Hongkong, Malaysia

und Singapur e r r e i c h t wurde.

Diese Länder haben i h r e Produktion v e r f ü n f -

und versechsfacht, so daß sie i n den l e t z t e n 20 Jahren zwischen 50 und
100 Prozent zugenommen - i h r reales Pro-Kopf-Einkommen sich im gleichen
Zeitraum verdoppelt bis verdreifacht hat.
Und i n Lateinamerika, wenn wir von Mexiko, B r a s i l i e n und Argentinien
sprechen, das eben e r s t - wie zuvor B r a s i l i e n - zur Demokratie zurückgekehrt
fache.

ist,

betragen die Produktionssteigerungen das Doppelte oder D r e i -

Das i s t eine große Leistung.

derne Volkswirtschaften.

Diese Länder haben heute sehr mo-

Sie befinden sich gegenwärtig i n Schwierigkei-

t e n ; aber das sind Schwierigkeiten, mit denen sich irgendwie fertigwerden
läßt.
Wir müssen uns klarmachen, daß i n weiten Teilen Lateinamerikas, wo
bisher M i l i t ä r r e g i m e bestanden, heute demokratische Regierungen die Macht
ausüben, die auf den Willen i h r e r

Völker hören.

Ich b i n w i r k l i c h

er-

s t a u n t , wie weit wir i n Lateinamerika auf dem Weg zu p o l i t i s c h e r Demokrat i e vorangekommen s i n d .
Selbst i n A f r i k a , wo noch immer extreme Armut h e r r s c h t , sind die Länd e r , denen es am besten geht, nicht s o z i a l i s t i s c h o r i e n t i e r t .

Und d i e j e -

nigen, die es mit dem Sozialismus versucht haben, kehren zu einer

freien

Weltwirtschaft zurück.
Somit bin i c h , was die w i r t s c h a f t l i c h e Seite angeht, sehr zuversichtlich,

daß die

Form der

staatlich

gelenkten

Wirtschaft

schwinden w i r d , daß man den Völkern gestatten w i r d , f r e i
und f r e i Handel zu t r e i b e n .

- 9 -

irgendwie

ver-

zu produzieren

�15. Mai 1985

KREUZZUG GEGEN DIE DROGENSUCHT
- Internationale Aktionen notwendiger denn je -

- (AD) - Die Drogenseuche, ein weltumspannendes Problem, gefährdet
jetzt immer mehr junge Menschen.

Ihnen und ihren Familien zu helfen,

aber auch dem Übel vorzubeugen und es, wo immer möglich, an der Wurzel zu
packen, hat sich Nancy Reagan zum Ziel gesetzt.

Der ungeheuren Schwie-

rigkeiten, die ihrem mit hohem persönlichen Einsatz geführten Kampf entgegenstehen, ist sich die Frau des amerikanischen Präsidenten durchaus
bewußt.

Aber sie weiß auch, daß die Eltern und Angehörigen der Opfer die

wichtigsten Verbündeten in diesem Kampf sind.

So nahm sie die Europareise und den Staatsbesuch Präsident Reagans
Anfang Mai in der Bundesrepublik als besondere Chance wahr, auch hier mit
Eltern Drogenabhängiger zusammenzutreffen.

Frau Marianne von Weizsäcker,

die Frau des Bundespräsidenten, hatte bereits für den ersten Tag in Bonn
Gespräche mit Angehörigen und mit Vertretern von Betreuungsorganisationen
arrangiert, die alle aus eigener schlimmer Erfahrung die Auswirkungen von
Drogen kennen.
Meinungs- und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern machte erneut
deutlich, was sich wenige Tage zuvor auf einer internationalen Konferenz
in Atlanta (Georgia) so eindrucksvoll gezeigt hatte:

Eltern und Angehö-

rige sind von allen, die sich bemühen, am ehesten in der Lage, ein Bollwerk gegen die Drogenflut zu schaffen.

Für sie bedeuten Drogen nicht we-

niger als für abhängig gewordene junge Menschen selbst eine Tragödie. Und
sie sind es zuallererst, die durch Aufklärung, Informieren und Überzeugen
versuchen, vorzubeugen.

Gut, wenn auch Schule und Organisationen mithel-

fen, junge Menschen zu motivieren, es gar nicht erst aufs "Probieren" ankommen zu lassen.

Dieses Probieren gilt nicht nur für Drogen, sondern

ebenso für den Alkohol - bei Jugendlichen häufig der "Einstieg" zu den
Suchtstoffen.

Auf der PRIDE-Konferenz in Atlanta (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug Education" - einer privaten Organisation
für Hilfe und Eltemberatung bei Drogenproblemen) zeigte sich eindrucksvoll, daß tatsächlich Hoffnung besteht, eine Art Immunbarriere zu schaffen.

Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die Arbeit an der Basis zum

Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten
paar Jahren mehr als 4000 Elternkreise als sehr aktive Arbeitsgruppen in
allen Bundesstaaten.

Erfolge beginnen sich abzuzeichnen:

sum unter Jugendlichen geht langsam zurück.

Der Drogenkon-

Viele machen sich Gedanken

über drogenabhängig gewordene Altersgenossen, möchten sich und ihre Familie frei halten von dem, was noch vor wenigen Jahren als "in" galt.

Die Tagung (24. - 27. April 1985) wurde von mehr als 3000 Personen
besucht, etwa die Hälfte von ihnen Jugendliche.
40 Ländern nahmen an ihr teil.

Auch 125 Delegierte aus

Während der zwei letzten Tage kam Nancy

Reagan mit prominenten Gästen hinzu.

Sie hatte die Frauen ausländischer

Staats- und Regierungschefs nach Washington und Atlanta zu Aussprachen
über Drogenprobleme eingeladen.
ihnen Frau von Weizsäcker.
formulierte:

17 waren der Einladung gefolgt, unter

Sie kamen, wie es Außenminister George Shultz

"... als Erste Damen, als Mütter und als Repräsentanten ih-

rer Völker und Kulturen, die einer internationalen Öffentlichkeit deutlich machen, daß es bei Drogenmißbrauch keine Grenzen, keine nationalen
Tagungen gibt".
Sprecher

der

�Sprecher der Elternkreise, aber auch von Jugendorganisationen, Behörden und Kirchen verwiesen darauf, daß noch in den achtziger Jahren durch
Mytholisierung, medizinische

Fehlinformationen

über Gesundheitsschäden,

aber auch falsche Behauptung über die psychogene Wirkung im Zusammenhang
mit Drogen dem Konsum

von Suchtstoffen viel Vorschub geleistet wurde.

Dr. Carlton Turner, zuständig im Weißen Haus für das Amt für Politik gegen Drogenmißbrauch, prangerte "Gewährenlassen und den Mangel an glaubwürdigen Informationen" in der zurückliegenden Zeit an.

Mrs. Reagan for-

derte allgemein von den Eltern, die "Mauer des Leugnens" von Drogenproblemen ihrer Kinder zu überwinden.

Nur dann seien sie zu tatkräftiger

Hilfe mit Liebe und Zuwendung, aufmerksamem Beobachten, Engagement und
fortdauernder Verpflichtung fähig - zu einer Hilfe, die Regierungsprogramm nie zu geben vermögen.

Drogen - ein Feind aller Nationen
Längst sei das Suchtproblem "kein amerikanisches Problem mehr, das
eine amerikanische Lösung fordere", sagte Jon Thomas, Unterstaatssekretär
im US-Außenministerium für internationale Rauschgiftfragen.
nationale Lösung sei dringend notwendig.

Eine inter-

Die jüngsten Entwicklungen in

Lateinamerika und Afrika in bezug auf Drogenmißbrauch verlangten unmittelbare Aufmerksamkeit.

Unter dem Druck von Altersgenossen habe sich, wie der Psychiater Dr.
Raul Jeri (Peru) berichtete, unter jungen Peruanern ebenso wie in Kolumbien, Ecuador und Bolivien neben dem Konsum von Alkohol der von Kokapaste
wie ein Buschfeuer ausgebreitet.
der Herstellung von Kokain.

(Kokapaste ist ein Zwischenprodukt bei

Sie enthält viele chemische Verunreinigun-

gen, die vom Körper aufgenommen werden und schwere Gesundheitsstörungen
verursachen.)

"Wir haben miterlebt,wie sich diese Epidemie vor unseren

Augen entwickelte, wie Hunderttausende von Menschen der Kokapaste verfielen", sagte er.

Ähnliches

berichtete

�Ähnliches berichtete Dr. Oluwolfe Famuyiwa aus Nigeria und aus anderen Teilen Afrikas, wo bis Mitte der sechziger Jahre nur Marihuana bekannt gewesen sei, und das eng begrenzt. Inzwischen werde es in großer
Menge konsumiert - einer kürzlich in Nigeria angestellten Erhebung zufolge rauche jeder vierte Oberschüler Marihuana.

Wie sehr die Regierung

über die Entwickung besorgt sei, zeige sich u.a. darin, daß Drogenhändlern die Todesstrafe drohe.

Auf Europa komme eine Kokainwelle zu, war sowohl von John Thomas als
auch von Charles Vella, dem Direktor eines Zentrums für Familienstudien
in Mailand, zu hören, als die Beobachtungen von Dr. Giuseppi Degennaro,
einem Beamten der Vereinigten Staaten, zur Sprache kamen.

In Italien

wiesen einige Studien darauf hin, daß dort mindestens 280 000 Jugendliche
drogenabhängig seien.

Auf einem von Bonn aus unternommenen Kurzbesuch in

Rom informierte sich Mrs. Reagan vor Ort über die dortige Situation.

Unter der Diktatur von Verbrechern

"Die Suchtstoffkette vom Erzeuger zum Verbraucher hinterläßt Opfer
entlang des gesamten Weges, den sie nimmt", erklärte Thomas.

Die Men-

schen an beiden Enden, die Produzenten wie die Verbraucher, seien in
Elend aneinandergekettet.

Die Bauern in den Bergen Thailands und Burmas,

die Schlafmohn für Opium anbauen, lebten in Armut, ausgebeutet von den
Händlerorganisationen.

Diesen Bauern sei nicht bewußt, daß ihr Produkt

Aufstände entlang der thailändisch-burmesischen Grenze mitfinanziere und
zum Tod zahlreicher Polizisten und Soldaten beider Länder im Einsatz gegen den Drogenhandel geführt habe.

Das Endprodukt, Heroin, ziehe seine

Spur von Südost- und Südwestasiens bis zu den Süchtigen in Europa, in den
USA und sonstwo.
zu kommen.

Und diese schreckten vor nichts zurück, um an den Stoff

Nichts anderes interessiere sie mehr - nicht die Familie,

nicht ihr Land, nicht einmal sie selbst, nur noch die Droge.

Alle Süchtigen, so Thomas, trügen direkte Mitverantwortung für Korruption, Gewalt und Tod im Zusammenhang mit dem Drogenhandel.
- 4 -

Das gelte

�Das gelte auch für jene, die Suchtstoffe "zur Erholung" konsumieren.
zitierte

Justizminister

Edwin Meese:

"Drogenkonsumenten

Er

leisten sich

nicht nur persönlichen Genuß... Sie unterstützen gleichzeitig jene, die
mit Terror, Folter und Tod Geschäfte machen."

Der Marihuana-Raucher wisse gewöhnlich nichts von den Bedingungen,
unter denen Marihuana in Mexiko, eine der Hauptquellen, angebaut werde.
Bei der Großaktion gegen den illegalen Anbau im mexikanischen Bundesstaat
Chihuahua stellte sich z.B. heraus, daß Kinder regelrecht als Sklaven zu
dieser Arbeit gezwungen werden.

Auch mache sich der Raucher keine Gedan-

ken darüber, daß er mit dem Kauf von neuem Stoff zu den Millionen der
Händlerbosse beitrage - von Leuten, deren Geld durch die "Waschanlagen"
von Geldinstituten gehe, um die illegale Herkunft zu verschleiern, sagte
Thomas.

Überall in der Welt setzten die Händler ihre verbrecherischen

Mittel ein, um im Geschäft zu bleiben, ja es noch auszuweiten.

Und da

derzeit die illegale Drogenherstellung umfangreicher sei als die Nachfrage, suchten sich die Händler zunehmend Absatzmärkte auch in den Erzeugerländern.

Ermutigung durch internationale Zusammenarbeit

Dennoch sähen sich die USA, wie Jon Thomas hervorhob, durch die Mitarbeit der Erzeugerländer bei der Zerstörung illegaler Anbauflächen sowie
durch die Anstrengungen vieler Staaten ebenso wie der Vereinten Nationen
ermutigt, anderen Nationen dabei zu helfen, dem Vertrieb und dem Weiterschleusen von Drogen Einhalt zu gebieten. Den politischen wie den gesellschaftlichen

Auswirkungen

von Drogenmißbrauch

und Drogenhandel

auch die Teilnehmer am Weltwirtschaftsgipfel in Bonn Rechnung.

trugen

Sie ver-

sicherten, alles in ihren Kräften stehende tun zu wollen, um vor allem
die Machenschaften der Händler zu unterbinden.

Das Programm der Reagan-Administration zielt Dr. Turner zufolge auf
folgende Punkte ab:

Aufhalten der Drogenflut so nahe wie möglich an der

Quelle, verschärfter Rechtsvollzug und härtere Strafen für verurteilte

�für verurteilte Drogenhändler, Abfangen von Drogen, bessere Therapieprogramme, Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Informations- und Erziehung sprog ramm.

Allerdings sei die Mitarbeit und das Engagement der Fami-

lien, von Menschen an der Basis das Wichtigste in diesem Kampf.

Die PRIDE-Zentrale in Atlanta unterstützt sie mit Informationen, mit
Anregungen und Anleitungen in ihrem Bemühen, der Drogengefährdung ihrer
Kinder wirksam vorzubeugen.

Dr. Thomas Gleaton, Mitgründer und Leiter

von PRIDE, versorgt die Eltern mit Material über Trends in der Drogenszene, über die Auswirkungen von Suchtstoffen, auch über die neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung.

Mark Gold, der einen landeswei-

ten telefonischen Beratungsdienst gegen die Kokainwelle eingerichtet hat,
berichtete in Atlanta beispielsweise, daß 14 Prozent der Hilfesuchenden
als Folge ihrer Abhängigkeit von Kokain unter Krämpfen und epileptischen
Anfällen litten und daß ihm neun Prozent sagten, Selbstmordversuche unternommen zu haben.

Als Gold im Jahr 1983 mit dem Beratungsdienst be-

gann, rechnete er mit etwa 10 000 Anrufen pro Jahr.
heute ca. 1000 Personen pro Tag Rat und Hilfe.

Statt dessen suchen

Kokain bezeichnete er als

"eine Droge, die geradezu teuflisch für die achtziger Jahre ersonnen ist".

Dr. Gleaton appellierte leidenschaftlich an die anderen Nationen,
doch aus den Erfahrungen Amerikas mit Drogen zu lernen.

"Leider werden

unsere schlimmsten Fehler in der Zeit der siebziger Jahre jetzt in vielen
Ländern noch einmal gemacht", sagte er.

Damit bezog er sich vor allem

auf die Diskussionen, die es zur Zeit in Australien, Dänemark und in den
Niederlanden darüber gibt, ob Marihuana "entkriminalisiert" werden solle.
Solche Kampagnen kämen de facto einer Legalisierung gleich - zum Schaden
junger Menschen, aber ebenso der betroffenen Familien.

* * * * *

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 15.05.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan zieht Fazit seiner Europareise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in Lissabon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: KVAE trägt zur Minderung der Spannungen in Europa bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zur Europäischen Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;40 Jahre freie Wirtschaft - 40 Jahre Erfolg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des US-Wirtschaftsexperten Edward M. Bernstein zur Entwicklung der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreuzzug gegen die Drogensucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Aktionen notwendiger denn je -&lt;/em&gt;</text>
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