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amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

03

12. Februar 1997

LAGE DER NATION

CLINTON: USA BLEIBEN DIE UNERLÄSSLICHE
NATION
Bericht zur Lage der Nation

WIRTSCHAFT

VIER JAHRE WIRTSCHAFTSWACHSTUM
MACHEN DEN AMERIKANISCHEN TRAUM
ZUR REALITÄT
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

USA-DEUTSCHLAND

DIE ZUKUNFT DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum

ABRÜSTUNG

KREATIVE BESTREBUNGEN ZUR
RÜSTUNGSKONTROLLE UNERLÄSSLICH
Rede von ACDA-Direktor John Holum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�LAGE

DER

NATION

12. Februar 1997

Clinton: USA bleiben die unerläßliche Nation
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 4. Februar 1997 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Abgeordnete des
105. Kongresses, verehrte Gäste, liebe Mitbürger,
ich möchte mich zunächst dafür bedanken, daß Sie
mich wieder eingeladen haben. Heute Abend stehe
ich vor Ihnen mit einer so großen Herausforderung wie
alle Herausforderungen in unserer Geschichte zu
Friedenszeiten und einem Aktionsplan zur Bewältigung
dieser Herausforderung, um unser Volk auf die kühne
neue Welt des 21. Jahrhunderts vorzubereiten.
Wir haben viel, für das wir dankbar sein können. Dank
vier Jahren des Wachstums haben wir die grundlegende Stärke unserer Volkswirtschaft zurückerlangt.
Während die Verbrechensrate und die Zahl der
Sozialhilfeempfänger sinken, kehrt unser Optimismus
zurück - der beständige Glaube, daß wir jede Schwierigkeit meisten können. Der Kalte Krieg gehört
allmählich der Vergangenheit an, der globale Handel
befindet sich auf Rekordhöhe, und wir tragen zu
beispiellosem Frieden und Wohlstand auf der ganzen
Welt bei.
Meine amerikanischen Mitbürger, die Lage unserer
Nation ist sehr gut. Aber jetzt müssen wir den entscheidenden Augenblick nutzen, um eine Nation und
eine Welt zu schaffen, die besser sind als alles, was
wir bisher kannten. Die neuen Verheißungen der
Weltwirtschaft, das Informationszeitalter, unvorstellbare neue Arbeit, lebensverbessernde Technologie all dies müssen wir nutzen. Das ist unsere Pflicht und
unsere Herausforderung. Wir müssen die Ereignisse
gestalten, nicht nur Beobachter sein. Denn wenn wir
nicht handeln, wird der Augenblick verstreichen - und
wir werden die besten Chancen für unsere Zukunft
verpassen.

AMERIKA DIENST 03

Wir sehen uns nicht mit einer unmittelbaren Bedrohung
konfrontiert, aber wir haben einen Feind - der Feind
unserer Zeit ist Inaktivität. Deshalb rufe ich heute
Abend zu Aktivität auf - Aktivität dieses Kongresses,
Aktivität unserer Bundesstaaten, Aktivität unserer
Bürger, um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. Aktivität, um die Stärke unserer Volkswirtschaft und unserer Demokratie zum Wohle unseres
gesamten Volkes zu bewahren; Aktivität zur Verbesserung des Bildungswesens und zur Nutzung der
Kräfte von Technologie und Wissenschaft; Aktivität
zum Aufbau stärkerer Familien und stärkerer Gemeinden und einer saubereren Umwelt; Aktivität, um
Amerika als die stärkste Kraft für Frieden, Freiheit und
Wohlstand der Welt zu bewahren. Und vor allem,
Aktivität zum Aufbau einer perfekteren Union hier zu
Hause.
Die Geisteshaltung, die wir in unsere Arbeit einbringen,
wird den Unterschied bewirken. Wir müssen uns dem
Streben nach Chancen für alle Amerikaner und der
Verantwortung aller Amerikaner in einer Gemeinschaft
aller Amerikaner verpflichten. Und wir müssen uns zu
einer neuen Art von Regierung verpflichten - die nicht
alle Probleme für uns lösen soll, sondern unserem
Volk die erforderlichen Instrumente an die Hand gibt,
um das beste aus seinem Leben zu machen.
Und wir müssen zusammenarbeiten. Das Volk dieser
Nation hat uns alle gewählt. Es will unser Partner sein,
nicht Parteigänger. Es hat uns alle hier in dasselbe
Boot gesetzt, es hat uns allen Ruder gegeben und uns
gesagt, wir sollen rudern. Hier ist die Richtung, die wir
meines Erachtens einschlagen sollten.
Erstens müssen wir unverzüglich die noch unerledigte
Arbeit unseres Landes in Angriff nehmen - unseren

Seite 1

�Haushalt ausgleichen, unsere Demokratie erneuern
und die Sozialreform abschließen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir neues
Wirtschaftswachstum bewirkt, indem wir in unser Volk
investiert, unsere Exporte erweitert, unsere Defizite
verringert und über 11 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen haben - das ist ein vierjähriger Rekord.
Jetzt muß unsere Volkswirtschaft die stärkste der Welt
bleiben. Wir heute Abend hier Anwesenden haben
eine historische Chance. Dieser Kongreß soll der
Kongreß sein, der endlich den Haushalt ausgleicht.
In zwei Tagen werde ich einen detaillierten Plan zum
Ausgleich des Haushalts bis zum Jahr 2002 vorlegen.
Dieser Plan wird den Haushalt ausgleichen und in
unser Volk investieren und gleichzeitig Medicare,
Medicaid, die Bildung und die Umwelt schützen. Er
wird den Haushalt ausgleichen und auf die Bestrebungen des Vizepräsidenten aufbauen, unsere Regierung
bei geringeren Kosten effizienter zu machen. Er wird
den Haushalt ausgleichen und der Mittelschicht
Steuererleichterungen gewähren, damit Bildung und
Gesundheitsfürsorge bezahlt, Kinder aufgezogen und
ein Haus gekauft oder verkauft werden kann.
Der Ausgleich des Haushalts erfordert nur Ihre
Abstimmung und meine Unterschrift. Er erfordert nicht
von uns, unsere Verfassung zu ändern. Meines
Erachtens ist es sowohl unnötig als auch unklug, einen
Zusatz über einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden, der unser Land in Krisenzeiten lähmen
und unerwünschte Ergebnisse erzwingen würde, wie
etwa, daß Richter Sozialversicherungsschecks
sperren oder Steuern erhöhen. Lassen Sie uns
zumindest vereinbaren, keine Maßnahmen zu ergreifen, die die Sozialversicherung bedrohen. Was
immer Sie für eine Meinung zu diesem Thema haben,
wir alle müssen eingestehen, daß wir keinen Verfassungszusatz benötigen - wir benötigen Aktivität.
Unabhängig von unseren Differenzen sollten wir den
Haushalt jetzt ausgleichen. Und dann müssen wir für
die langfristige Gesundheit unserer Gesellschaft einem
überparteilichen Prozeß zustimmen, um die Sozialversicherung zu erhalten und Medicare auf lange Sicht
zu reformieren, damit diese grundlegenden Programme für unsere Kinder so solide sind wie für unsere
Eltern.
Ich möchte etwas sagen, das heute Abend nicht in
meiner Rede steht. Ich weiß, daß es nicht leicht sein
wird. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß einer
der Gründe, warum das amerikanische Volk mich für
eine zweite Amtszeit gewählt hat, war, daß ich in den
nächsten vier Jahren die harten Entscheidungen treffe,
die unser Land durch die nächsten 50 Jahre bringen
werden. Ich weiß, es ist leichter für mich als für Sie,
das zu sagen oder zu tun. Aber ein weiterer Grund,
warum ich gewählt wurde, ist die Unterstützung für Sie

Seite 2

alle - unabhängig von der Partei - um Ihnen das für die
Mitsprache an diesen Entscheidungen Notwendige zu
geben. Wir schulden es unserem Land und unserer
Zukunft.
Die zweite unerledigte Arbeit erfordert von uns, daß wir
uns heute Abend, vor den Augen Amerikas, endlich
zur Verabschiedung einer Reform der Wahlkampffinanzierung verpflichten.
Die Senatoren McCain und Feingold, die Abgeordneten des Repräsentantenhauses Shays und
Meehan haben über die Parteigrenzen hinweg eine
durchgreifende und faire Reform erarbeitet.
Ihr
Vorschlag würde die Ausgaben begrenzen, die Rolle
der Lobbyisten einschränken, gleiche Chancen für
Kandidaten und Amtsinhaber schaffen und die Beiträge von nichtamerikanischen Staatsbürgern, alle Unternehmenszuwendungen sowie die anderen hohen
Zahlungen verbieten, die beide Parteien erhalten.
Sie und ich wissen, daß man es verschieben kann.
Und Sie und ich wissen, daß die Vertagung den Tod
der Reform bedeuten wird. Lassen Sie uns daher
unsere eigene Frist setzen. Wir wollen zusammenarbeiten, um die überparteiliche Reform der Wahlkampffinanzierung gesetzlich zu verankern und das
McCain-Feingold-Gesetz an dem Tag verabschieden,
an dem wir den Geburtstag unserer Demokratie feiern
- dem 4. Juli.
Es gibt noch ein drittes Stück unerledigter Arbeit. In
den vergangenen vier Jahren ist es uns gelungen, eine
Rekordzahl von 2,25 Millionen Menschen unabhängig
von der Sozialhilfe zu machen. Im letzten Jahr
verabschiedete der Kongreß ein bahnbrechendes
Gesetz zur Sozialhilfereform, das fordert, daß alle
arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger die Verantwortung
übernehmen, arbeiten zu gehen.
Jeder Einzelne von uns muß seiner Verantwortung - in
der Tat unserer moralischen Verpflichtung - gerecht
werden sicherzustellen, daß Menschen, die jetzt
arbeiten müssen, arbeiten können. Wir müssen jetzt
handeln, um ein neues Ziel zu verwirklichen: Weitere
2 Millionen Menschen sollen bis zum Jahr 2000 nicht
mehr von Sozialhilfe abhängig sein.
Hier ist mein Plan: Steuerfreibeträge und andere
Anreize für Unternehmen, die Sozialhilfeempfänger
einstellen; Anreize für Arbeitsvermittlungsfirmen und
Bundesstaaten zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen
für Sozialhilfeempfänger; Ausbildung, Beförderung und
Kindertagesstätten, um den Menschen zu helfen, zur
Arbeit zu gehen.
Ich stelle jeden Bundesstaat vor die Herausforderung:
Verwandeln Sie diesen Sozialhilfescheck in einen
Gehaltsscheck des Privatsektors. Ich stelle jede
Kirchengemeinde, jede gemeinnützige Organisation,

AMERIKA DIENST 03

�jedes Unternehmen vor die Herausforderung, einen
Sozialhilfeempfänger einzustellen. Und ich möchte
insbesondere an jeden Arbeitgeber in unserem Land
gewandt sagen, wer je das alte Sozialhilfesystem
kritisiert hat, kann diesem alten System nicht mehr die
Schuld zuschreiben, weil wir es abgeschafft haben.
Jetzt müssen Sie das Ihre tun. Geben Sie einem
Sozialhilfeempfänger die Chance zu arbeiten.

Lehrplan so gestalten, daß er diese Standards verkörpert und Lehrer ausbilden, damit die Schüler ihnen
gerecht werden. Um den Schulen zu helfen, diese
Standards zu erfüllen und ihre Fortschritte zu beurteilen, werden wir in den nächsten beiden Jahren
Bestrebungen in die Wege leiten, um nationale
Prüfungen für die Leistungen der Schüler beim Lesen
und in der Mathematik zu erarbeiten.

Ich freue mich, heute Abend bekanntgeben zu können,
daß fünf große Firmen - Sprint, Monsanto, UPS,
Burger King und United Airlines - die ersten sein
werden, die sich an neuen nationalen Bestrebungen
zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den kleinen und
großen Unternehmen Amerikas beteiligen, damit
Sozialhilfeempfänger arbeiten können.

Heute Abend stelle ich die Nation vor eine Herausforderung: Jeder Bundesstaat sollte hohe nationale
Standards einführen, und bis zum Jahr 1999 sollte
jeder Bundesstaat jeden Viertklässler im Lesen und
jeden Achtklässler in Mathematik prüfen um sicherzustellen, daß sie diese Standards einhalten.

Wir haben die Sozialhilfereform verabschiedet. Und
Sie alle wissen, daß ich der Überzeugung bin, daß wir
das Richtige getan haben. Aber niemand kann diese
Kammer mit einem reinen Gewissen verlassen, wenn
er nicht zur Beendigung der Arbeit bereit ist.
Wir müssen gemeinsam auch noch etwas anderes in
Angriff nehmen - etwas, um das uns sowohl die
republikanischen als auch die demokratischen Gouverneure gebeten haben: Die Wiedereinführung der
grundlegenden Gesundheitsfürsorge und der Invaliditätsrente, wenn ein Unglück Einwanderer ereilt, die
legal in unser Land kamen, die hart arbeiten, Steuern
zahlen und das Gesetz befolgen. Etwas anderes wäre
einer großartigen Nation von Einwanderern einfach
unwürdig.
Mit Blick in die Zukunft ist der größte Schritt von allen die hohe Schwelle der Zukunft, die wir jetzt überqueren
müssen - und meine oberste Priorität für die nächsten
vier Jahre die Sicherstellung, daß alle Amerikaner die
beste Bildung der Welt erhalten.
Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um diese drei
Ziele zu verwirklichen: Jeder 8-jährige muß lesen,
jeder 12-jährige muß sich ins Internet einloggen, jeder
18-jährige muß ein College besuchen und jeder
erwachsene Amerikaner muß sein Leben lang lernen
können.
Mein ausgeglichener Haushalt sieht beispiellose
Zuweisungen für diese Ziele vor - 51 Milliarden Dollar
im nächsten Jahr. Aber es ist sehr viel mehr Geld
erforderlich. Ich habe einen Plan - einen Aktionsplan
für die amerikanische Bildung - auf der Grundlage der
folgenden 10 Prinzipien.
Erstens einen nationalen Kreuzzug für Bildungsstandards - nicht Standards der Bundesregierung, sondern
nationale Standards, die für das stehen, was alle
unsere Studenten wissen müssen, um in der Wirtschaft des Wissens des 21. Jahrhunderts Erfolg zu
haben. Jeder Bundestaat und jede Schule muß den

AMERIKA DIENST 03

Die Anhebung der Standards wird nicht leicht sein, und
einige unserer Kinder werden sie zunächst nicht
erfüllen können. Es geht nicht darum, daß unsere
Kinder schlechter werden, sondern besser. Gute
Prüfungen werden uns zeigen, wer Hilfe benötigt,
welche Veränderungen beim Unterricht vorgenommen
und welche Schulen verbessert werden müssen. Sie
können uns helfen, die "soziale" Versetzung zu
beenden. Denn kein Kind sollte von der Grundschule
zur Junior High School, oder von der Junior High
School zur High School gehen, wenn es nicht dazu
bereit ist.
Letzten Monat haben unser Bildungsminister Dick
Riley und ich Northern Illinois besucht, wo Achtklässler
aus 20 Schulbezirken in einem treffenderweise "Die
Ersten der Welt" genannten Projekt den dritten internationalen Mathematik- und Wissenschaftstest ablegten.
Diese Prüfung hat die Weltklassestandards, die unsere
Kinder für das neue Zeitalter einhalten müssen. Und
diese Schüler in Illinois belegten den ersten Platz
weltweit in Wissenschaft und den zweiten in Mathematik. Zwei von ihnen, Kristin Tanner und Chris
Getsla, sind heute Abend hier zusammen mit ihrer
Lehrerin, Sue Winski. Sie sind dort oben bei der First
Lady. Und sie beweisen, daß sie die Besten der Welt
sein werden, wenn wir uns hohe Ziele stecken und
unsere Schüler vor eine Herausforderung stellen. Ich
bitte um etwas Applaus. Stehen Sie bitte auf.
Zweitens müssen wir die besten Lehrer haben, wenn
wir die besten Schulen haben wollen. Die meisten von
uns in dieser Kammer wären ohne die Hilfe dieser
Lehrer heute Abend nicht hier. Ich weiß, daß ich nicht
hier wäre. Jahrelang haben viele unserer Pädagogen
unter der Führung des Gouverneurs von North Carolina, Jim Hunt, und dem nationalen Gremium für
professionelle Unterrichtsstandards sehr hart an der
Einführung national anerkannter Zeugnisse für herausragenden Unterricht gearbeitet.
Nur 500 Lehrer
erhielten seit 1995 diese Bescheinigung.
Mein
Haushalt wird weiteren 100.000 eine nationale Bescheinigung mit dieser besonderen Auszeichnung
ermöglichen.
Wir sollten unsere besten Lehrer

Seite 3

�auszeichnen und anerkennen. Und während wir sie
anerkennen, sollten wir rasch und in fairer Weise die
wenigen ausscheiden lassen, die nicht den Ansprüchen genügen, und wir sollten mehr von unseren
besten jungen Leuten auffordern, Lehren als Beruf in
Betracht zu ziehen.
Drittens müssen wir mehr tun, um allen unseren
Kindern beim Lesen zu helfen. 40 Prozent unserer 8jährigen können nicht alleine lesen. Aus diesem
Grund haben wir gerade die Initiative "Amerika liest"
ins Leben gerufen - um eine Bürgerwehr von einer
Million freiwilligen Tutoren aufzubauen und sicherzustellen, daß jedes Kind bis zum Ende der 3. Klasse
alleine lesen kann. Wir werden Tausende von
AmeriCorps-Freiwilligen zur Mobilisierung dieser
Bürgerwehr einsetzen. Wir möchten die Hilfe von
mindestens 100.000 Collegestudenten. Und heute
Abend freue ich mich, daß 60 Collegedirektoren
meinem Ruf gefolgt sind und zugesagt haben, daß
Tausende ihrer Studenten ein Jahr lang als Lesetutoren arbeiten werden.
Das ist auch eine Herausforderung für jeden Lehrer
und jeden Schuldirektor. Sie müssen diese Tutoren
einsetzen, um den Schülern beim Lesen behilflich zu
sein. Und es ist insbesondere eine Herausforderung
für unsere Eltern. Sie müssen jeden Abend mit Ihren
Kindern lesen.
Das führt zum vierten Prinzip: Das Lernen beginnt in
den ersten Tagen des Lebens. Wissenschaftler
entdecken jetzt, wie Kinder sich von ihren ersten
Tagen an emotional und intellektuell entwickeln und
wie wichtig es für die Eltern ist, sofort mit ihren Kinder
zu sprechen, zu singen und sogar zu lesen. Die First
Lady hat jahrelang über dieses Thema geschrieben
und es studiert. Sie und ich werden im Frühjahr im
Weißen Haus eine Konferenz über frühes Lernen und
das Gehirn einberufen um herauszufinden, wie Eltern
und Pädagogen diese verblüffenden neuen Erkenntnisse am besten nutzen können.
Wir wissen bereits, daß wir Kinder unterrichten sollten,
bevor sie in die Schule kommen. Aus diesem Grund
erweitert dieser ausgeglichene Haushalt Head Start
bis zum Jahr 2002 auf eine Million Kinder. Und aus
diesem Grund wird die jährliche Familienkonferenz von
Vizepräsident und Mrs. Gore im Juni sich damit
befassen, was wir tun können um zu gewährleisten,
daß die Eltern ein aktiver Teil des Lernens ihrer Kinder
während ihrer gesamten Schulzeit sind.
Sie haben sehr viel getan, um die Bedeutung der
Familie in unserem Leben zu unterstreichen und
wenden jetzt ihre Aufmerksamkeit den Eltern zu, damit
sie sich mehr für das Lernen ihrer Kinder während
ihrer Schulzeit engagieren. Ich danke Ihnen, Herr
Vizepräsident, und besonders Tipper für Ihre Arbeit.

Seite 4

Fünftens sollte jeder Bundesstaat den Eltern die
Entscheidung freistellen, die richtige öffentliche Schule
für ihre Kinder auszusuchen. Ihr Recht auf freie
Entscheidung wird Wettbewerb und Innovationen
fördern, die öffentliche Schulen besser machen
können. Wir sollten auch mehr Eltern und Lehrern die
Gründung von Schulen ermöglichen, die die höchsten
Standards setzen und erfüllen und nur solange
bestehen, wie sie dies tun. Unser Plan wird Amerika
helfen, bis zum nächsten Jahrhundert 3.000 dieser
Schulen zu gründen - nahezu siebenmal so viele wie
es heute im Land gibt - so daß die Eltern noch mehr
Wahlmöglichkeiten haben, ihre Kinder in die besten
Schulen zu schicken.
Sechstens muß in unseren Schulen Charakterbildung
gelehrt werden. Wir müssen unseren Kindern beibringen, gute Bürger zu sein. Und wir müssen weiterhin
Ordnung und Disziplin fördern, Gemeinden unterstützen, die Schuluniformen einführen, Ausgangssperren verhängen, Gesetze gegen Schulschwänzerei
durchsetzen, Störenfriede aus den Klassenzimmern
entfernen und Pistolen und Drogen in Schulen null
Toleranz entgegenbringen.
Siebtens können wir nicht erwarten, daß unsere Kinder
sich zu Höchstleistungen in Schulen antreiben, die
buchstäblich zusammenfallen. Mit Rekordschülerzahlen und Rekordzahlen von Schulen, die baufällig
werden, ist dies zu einem ernsthaften nationalen
Problem geworden. Aus diesem Grund enthält mein
Haushalt eine neue Initiative - 5 Milliarden Dollar für
die Gemeinden, um ihnen bei der Finanzierung von
Schulbauten in Höhe von 20 Milliarden Dollar in den
nächsten vier Jahren behilflich zu sein.
Achtens müssen wir das 13. und 14. Schuljahr mindestens zwei Jahre College - bis zum 21. Jahrhundert ebenso universell in Amerika einführen wie die
High School-Ausbildung heute, und wir müssen den
Amerikanern die Türen zum College öffnen.
Um das zu tun, schlage ich Amerikas HOPE-Stipendium auf der Grundlage des Pionierprogramms von
Georgia vor: Einen zweijährigen Steuerfreibetrag in
Höhe von 1.500 Dollar für die Collegegebühren genug, um für das typische Gemeindecollege zu
bezahlen. Ich schlage auch einen steuerlich absetzbaren Betrag von bis zu 10.000 Dollar pro Jahr für alle
Ausbildungsgebühren nach der High School vor, ein
erweitertes privates Rentenkonto, von dem man
steuerfrei Beträge für die Ausbildung abheben kann,
und die größte Erweiterung der Pell Grant-Stipendien
seit 20 Jahren. Dank dieses Plans müssen die
meisten Familien keine Steuern auf Gelder zahlen, die
sie für die Collegegebühren sparen. Ich bitte Sie, ihn
zu verabschieden - und jedem hart arbeitenden
Amerikaner die Chance eines Collegebesuchs zu
geben.

AMERIKA DIENST 03

�Neuntens müssen wir im 21. Jahrhundert die Grenzen
für lebenslangen Lernens erweitern. Alle unsere
Bürger, gleich welchen Alters, müssen eine Chance
haben, neue Fähigkeiten zu erwerben. Die meisten
Amerikaner leben in der Nähe eines Gemeindecollege.
Der Weg dorthin kann der Weg zu einer besseren
Zukunft sein. Mein Gl-Gesetz für die amerikanischen
Arbeitnehmer wird das Gewirr von Bundesausbildungsprogrammen zu einem einfachem Stipendium für
besondere Fähigkeiten machen, das der in Frage
kommende Arbeitnehmer direkt erhält. Dieses Gesetz
lag viel zu lange auf dem Schreibtisch, ohne daß etwas
geschah - ich bitte Sie, es jetzt zu verabschieden. Wir
wollen mehr Arbeitnehmern die Möglichkeit zu lernen
und für lebenslanges Lernen bieten.
Zehntens müssen wir die Macht des Informationszeitalters in alle unsere Schulen bringen. Im vergangenen
Jahr habe ich Amerika aufgefordert, jedes Klassenzimmer und jede Bibliothek bis zum Jahr 2000 ans
Internet anzuschließen, damit die Kinder in den
isoliertesten Dörfern, den komfortabelsten Vororten
und den Schulen in den ärmsten Innenstädten zum
ersten Mal in unserer Geschichte denselben Zugang
zu demselben Universum des Wissens erhalten. Das
ist mein Plan - ein Aktionsplan für die amerikanische
Bildung. Einige mögen sagen, es sei ungewöhnlich für
einen Präsidenten, der Bildung soviel Aufmerksamkeit
zu widmen. Einige mögen sagen, es sei nur, weil der
Präsident und seine wunderbare Frau seit mehr
Jahren von diesem Thema besessen sind, als sie
erinnern können. Das steht nicht hinter diesen
Vorschlägen.
Wir müssen die Bedeutung dieses Unternehmens
verstehen: Eine der größten Quellen unserer Stärke
während des Kalten Krieges war eine überparteiliche
Außenpolitik. Weil unsere Zukunft auf dem Spiel
stand, machte die Parteipolitik an unseren Grenzen
halt. Nun bitte ich Sie - alle Gouverneure unserer
Nation, die Eltern, Lehrer und Bürger in ganz Amerika um eine neue überparteiliche Verpflichtung zur
Bildung, weil Bildung eine entscheidende nationale
Sicherheitsfrage für unsere Zukunft ist, und Parteipolitik an der Schultür haltmachen muß.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die mächtigen Kräfte der Wissenschaft und
Technologie für alle Amerikaner nutzen. Das ist der
erste Bericht zur Lage der Nation, der auf Video im
Internet übertragen wird. Aber wir haben erst begonnen, die Vorteile einer technologischen Revolution zu
verbreiten, die das moderne Geburtsrecht jedes
Bürgers werden sollten.
Unsere Bestrebungen, jedes Klassenzimmer ans
Internet anzuschließen, sind nur der Anfang. Jetzt
sollten wir jedes Krankenhaus ans Internet anschließen, damit die Ärzte unverzüglich Daten über ihre
Patienten mit den besten Spezialisten austauschen

AMERIKA DIENST 03

können. Und heute Abend fordere ich den Privatsektor
auf, damit zu beginnen, jede Kinderklinik so bald wie
möglich ans Internet anzuschließen, damit ein Kind in
der Klinik in Verbindung mit der Schule, Familie und
den Freunden bleiben kann. Ein krankes Kind muß
nicht länger ein einsames Kind sein.
Wir müssen die zweite Generation des Internet bauen,
damit unsere führenden Universitäten und nationalen
Labors mit tausendmal schnellerer Geschwindigkeit
als heute kommunizieren, neue medizinische Behandlungsmethoden, neue Energiequellen und neue
Wege der Zusammenarbeit entwickeln können.
Aber wir können hier nicht haltmachen. Es wird nicht
länger ein Traum, sondern eine Notwendigkeit sein,
daß das Internet unser neuer Marktplatz wird - ein
Computer in jedem Heim, ein Lehrer aller Fächer, eine
Verbindung zu allen Kulturen. Und im nächsten
Jahrzehnt muß das unser Ziel sein.
Wir müssen weiterhin die Himmel erforschen - Fortschritte bei den Marssonden und der internationalen
Raumstation erzielen, die beide praktische Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben.
Wir müssen die bemerkenswerten Fortschritte in der
medizinischen Wissenschaft beschleunigen. Das
Projekt über das menschliche Genom entschlüsselt
jetzt die genetischen Mysterien des Lebens. Amerikanische Wissenschaftler haben Gene entdeckt, die mit
Brust- und Ovarialkrebs in Verbindung stehen sowie
ein Medikament, das einen Schlaganfall stoppt und
seine Auswirkungen umkehrt, und Medikamente, die
das Leben von HIV- und AIDS-Infizierten dramatisch
verlängern.
Seit meinem Amtsantritt sind die Mittel für die AIDSForschung an den nationalen Gesundheitsämtern
drastisch auf 1,5 Milliarden Dollar gestiegen. Mit
neuen Ressourcen werden die nationalen Gesundheitsämter jetzt zum mächtigsten Motor für die Entdekkung eines AIDS-Impfstoffs und arbeiten mit anderen
Wissenschaftlern zusammen, um endlich die Bedrohung durch AIDS zu beseitigen. Führen Sie sich
vor Augen, daß jedes Jahr, in dem wir die Erforschung
eines AIDS-Impfstoffs voranbringen, Millionen von
Leben auf der ganzenWelt gerettet werden. Wir
müssen unser Engagement für die medizinische
Wissenschaft verstärken.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Familien schaffen.
In den
vergangenen vier Jahren hat der Krankenurlaub aus
familiären Gründen Millionen Amerikanern geholfen
freizunehmen, um bei ihren Familien zu sein. Angesichts des neuen Drucks auf die Menschen in ihrem
Arbeits- und Privatleben müssen wir meines Erachtens
den Krankenurlaub aus familiären Gründen erweitern,
damit die Arbeitnehmer für Lehrerkonferenzen und die

Seite 5

�Vorsorgeuntersuchung eines Kindes freinehmen
können. Wir sollten Gleitzeit einführen, damit die
Arbeitnehmer entscheiden können, ob sie Überstunden mit Geld oder lieber mit Freizeit vergütet
haben wollen, damit sie bei ihrer Familie sein können.
Wir müssen weiterhin Schritt für Schritt mehr Familien
eine finanzierbare, qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge ermöglichen. 40 Millionen Amerikaner haben
noch immer keine Krankenversicherung. 10 Millionen
Kindern haben noch keine Krankenversicherung - 80
Prozent von ihnen haben arbeitende Eltern, die
Steuern zahlen. Das ist falsch.
Mein ausgeglichener Haushalt wird die Krankenversicherung auf bis zu 5 Millionen dieser Kinder
ausdehnen. Da nahezu die Hälfte aller Kinder ihre
Versicherung verliert, weil ihre Eltern ihren Arbeitsplatz
verlieren oder verändern, wird mein Haushalt auch
sicherstellen, daß sich Menschen, die ihren Arbeitsplatz vorübergehend verlieren, ihre Krankenversicherung immer noch leisten können. Kein Kind sollte nicht
zum Arzt gehen können, weil ein Elternteil keine Arbeit
hat.
Mein Medicare-Plan modernisiert Medicare, verlängert
die Lebensdauer des Trustfonds auf 10 Jahre und
bietet Unterstützung für eine Atempause für die vielen
Familien, deren Angehörige unter Alzheimer leiden.
Und zum ersten Mal würde jährlich eine Mammographie bezahlt.
Ebenso wie wir im vergangenen Jahr den nur 24stündigen Klinikaufenthalt bei einer Entbindung
abgeschafft haben, müssen wir jetzt die gefährliche
und erniedrigende Praxis beenden, Frauen nur
Stunden nach einer Brustamputation aus der Klinik
nach Hause zu schicken. Ich bitte um Ihre Unterstützung für ein überparteiliches Gesetz mit der Garantie,
daß eine Frau nach einer Brustamputation 48 Stunden
in der Klinik bleiben kann. Heute Abend ist Dr. Kristen
Zarfos anwesend, eine Chirurgin aus Connecticut,
deren Empörung über diese Praxis eine nationale
Bewegung auslöste und zu diesem Gesetz führte. Ich
möchte sie bitten aufzustehen, damit wir ihr für ihre
Bemühungen danken können. Vielen Dank, Frau Dr.
Zarfos.
In den vergangenen vier Jahren haben wir den Erhalt
von Unterhaltszahlungen für Kinder um 50 Prozent
erhöht. Jetzt sollten wir einen Schritt weitergehen und
es noch besser machen, indem wir es zum Verbrechen erklären, wenn ein Elternteil die Grenzen
eines Bundesstaates in dem Versuch überquert, sich
seiner heiligsten Pflicht zu entziehen.
Schließlich müssen wir unsere Kinder auch schützen,
indem wir fest zu unserem Entschluß stehen, die
Werbung und Vermarktung von Zigaretten zu verbieten, die ihr Leben gefährden.

Seite 6

Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir stärkere Gemeinden schaffen. Wir sollten
mit sicheren Straßen anfangen. Schwerverbrechen
haben fünf aufeinander folgende Jahre abgenommen.
Der Schlüssel dazu war die bürgernahe Polizei. Wir
müssen die Arbeit beenden, indem wir 100.000
bürgernahe Polizisten auf die Straßen der Vereinigten
Staaten entsenden. Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte von Opfern verabschieden.
Und ich bitte Sie, die Verbrechen Jugendlicher umfassend mit einem Gesetz in Angriff zu nehmen, das den
Gangs den Krieg erklärt, mehr Staatsanwälte und
härtere Strafen vorsieht, das Brady-Gesetz erweitert,
damit gewalttätige kriminelle Teenager keine Handfeuerwaffen mehr kaufen können; Kindersicherungen an
Handfeuerwaffen vorschreibt, um die unbefugte
Benutzung zu verhindern, und so dazu beiträgt, daß
unsere Schulen nach Schulschluß, an Wochenenden
und im Sommer offen bleiben können, damit unsere
jungen Leute einen Ort haben, an den sie gehen und
etwas haben, zu dem sie Ja sagen können.
Dieser ausgeglichene Haushalt enthält die umfassendsten Drogenbekämpfungsmaßnahmen der Geschichte:
Um den Drogenhandel bereits im Herkunftsland zu
stoppen, die Händler zu bestrafen und unsere jungen
Menschen zu lehren, daß Drogen falsch und illegal
sind und sie töten werden. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung dieser Bestrebungen.
Unsere wachsende Wirtschaft hat dazu beigetragen,
arme städtische und ländliche Gemeinden wiederzubeleben. Wir müssen ihnen jedoch noch mehr
Befugnisse zur Schaffung von Bedingungen verleihen,
unter denen alle Familien prosperieren und Arbeitsplätze durch Investitionen von Unternehmen und
Bankkredite geschaffen werden können.
Wir sollten die Zahl der Wirtschaftsförderungszonen
verdoppeln. Sie haben Gemeinden wie Detroit bereits
soviel Hoffnung gegeben, wo die Arbeitslosenquote in
vier Jahren um die Hälfte abgenommen hat. Wir
sollten kontaminierte städtische Grundstücke und
Gebäude wieder einer produktiven Nutzung zuführen.
Wir sollten das Netz von Gemeindeentwicklungbanken
erweitern. Und gemeinsam müssen wir uns heute
Abend verpflichten, daß wir diesen Wirtschaftsförderungsansatz - einschließlich Steueranreizen für den
Privatsektor - nutzen werden, um unsere Bundeshauptstadt zu erneuern, damit Washington ein hervorragender Ort zum arbeiten und leben und erneut
das stolze Gesicht ist, das Amerika der Welt zeigt.
Wir müssen unsere Umwelt in jeder Gemeinde
schützen. In den vergangenen vier Jahren haben wir
250 Giftmülldeponien gesäubert - das sind so viele wie
in den letzten 12 Jahren zusammengenommen. Jetzt
sollten wir 500 weitere säubern, damit unsere Kinder in
der Nähe von Parks, nicht Gift aufwachsen können.

AMERIKA DIENST 03

�Ich fordere Sie auf, meinem Vorschlag zuzustimmen,
daß die größten Verursacher nach einer einfachen
Regel leben müssen: Wenn Ihr unsere Umwelt
verschmutzt, dann solltet Ihr für ihre Säuberung
bezahlen.
In den letzten vier Jahren haben wir die Gesetze
unserer Nation für sichere Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser verbessert. Wir haben einige der
seltensten, schönsten Landstriche Amerikas in der
Region Red Rocks in Utah unter Naturschutz gestellt,
in der kalifornischen Wüste drei neue Nationalparks
geschaffen und begonnen, die Everglades in Florida
wiederherzustellen. Jetzt müssen wir mit unseren
Flüssen so wachsam sein wie mit unserem Land.
Heute Abend gebe ich bekannt, daß ich in diesem Jahr
10 Flüsse zum amerikanischen Erbe erklären werde,
um den Gemeinden bei der Sanierung ihrer an den
Ufern gelegenen Stadtbezirke und der Säuberung der
Flüsse behilflich zu sein und damit erneut unter Beweis
zu stellen, daß wir unserer Volkswirtschaft zu Wachstum verhelfen und gleichzeitig die Umwelt schützen
können.
Wir müssen auch die globale Umwelt schützen und auf
ein Verbot der schlimmsten toxischen Chemikalien und
die Verringerung der Treibhausgase hinarbeiten, die
unsere Gesundheit bedrohen und unser Klima verändern.
Wir alle wissen, daß es in allen unseren Gemeinden
Kinder gibt, die nicht das Erforderliche zur Verfügung
haben, um aufzuwachsen und bei sich zu Hause, in
der Schule oder der Nachbarschaft zu lernen. Und
das bedeutet, daß wir mehr tun müssen, denn sie sind
auch unsere Kinder. Aus diesem Grund werden
Präsident Bush, General Colin Powell und der ehemalige Wohnungsbauminister Henry Cisneros gemeinsam
mit dem Vizepräsidenten und mir im April das Gipfeltreffen des Präsidenten für Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit in Philadelphia veranstalten.
Unser Programm eines nationalen Sozialdienstes,
AmeriCorps, hat bereits 70.000 jungen Menschen
geholfen, sich das Geld für den Collegebesuch durch
einen Dienst an der Gemeinde zu verdienen. Jetzt
beabsichtigen wir, Millionen von Amerikanern zu
mobilisieren, damit sie in tausenderlei Arten ihren
Dienst leisten können. Der karitative Dienst ist eine
amerikanische Verantwortung, die alle Amerikaner
übernehmen sollten, und ich bitte um Ihre Unterstützung für dieses Unternehmen.
Ich möchte noch einen letzten Punkt zu unserer
nationalen Gemeinschaft anführen. Unsere Volkwirtschaft wird in Zahlen und Statistiken gemessen, und
das ist sehr wichtig. Aber der dauerhafte Wert unserer
Nation liegt in unseren gemeinsamen Werten und
unserem hochfliegenden Geist. Statt unsere bescheidenen Bestrebungen zur Unterstützung der Künste

AMERIKA DIENST 03

und Geisteswissenschaften
zurückzuschrauben,
sollten wir sie meiner Ansicht nach fördern und unsere
Künstler, Musiker und Schriftsteller, unsere Museen,
Bibliotheken und Theater und alle in der Kunst oder
den Geisteswissenschaften tätigen Amerikaner
auffordern, gemeinsam mit unseren Mitbürgern das
Jahr 2000 zu einer nationalen Feier des amerikanischen Geistes in jeder Gemeinde zu machen - eine
Feier unserer gemeinsamen Kultur in dem zu Ende
gehenden Jahrhundert sowie in dem neuen Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend, damit wir
weiterhin nicht nur das Symbol der Freiheit in der Welt
bleiben, sondern auch der Kreativität, lange nachdem
das Feuerwerk verloschen ist.
Um Amerika auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten,
müssen wir die Kräfte des Wandels in der Welt
meistern und eine starke und sichere amerikanische
Führungsrolle für eine unerforschte Zeit bewahren.
Vor fünfzig Jahren übernahm ein weitblickender
Amerikaner die Führungsrolle bei der Gründung der
Institutionen, die zum Sieg im Kalten Krieg führten und
baute eine wachsende Weltwirtschaft auf. Infolgedessen haben sich heute mehr Menschen als je zuvor
unseren Idealen und Interessen verschrieben. Wir
haben bereits viele der Blöcke und Schranken niedergerissen, die die Welt unserer Eltern teilten. Zum
ersten Mal leben mehr Menschen in einer Demokratie
als einer Diktatur, darunter alle Nationen in unserer
Hemisphäre mit Ausnahme einer - und auch deren Tag
wird kommen.
Jetzt stehen wir erneut vor einer Zeit des Wandels und
der Entscheidungen - und wiederum einer Zeit des
Weitblicks, um Amerika weitere 50 Jahre der Sicherheit und des Wohlstands zu bescheren. Bei
diesem Unternehmen besteht unsere wichtigste
Aufgabe im Aufbau eines zum ersten Mal ungeteilten
und demokratischen Europas. Wenn Europa stabil,
wohlhabend und im Frieden ist, ist Amerika sicherer.
Zu diesem Zweck müssen wir die NATO bis 1999
erweitern, damit die Länder, die einst unsere Gegner
waren, unsere Verbündeten werden können. Bei dem
NATO-Gipfeltreffen im Sommer werden wir damit
beginnen. Wir müssen die Partnerschaft für den
Frieden der NATO mit Verbündeten der Nichtmitgliedstaaten stärken. Und wir müssen eine stabile Partnerschaft zwischen der NATO und einem demokratischen
Rußland aufbauen. Eine erweiterte NATO ist gut für
Amerika. Und ein Europa, in dem alle Demokratien
ihre Zukunft nicht im Hinblick darauf definieren, was sie
einander antun können, sondern in Bezug auf das,
was sie gemeinsam zum Wohle aller tun können - ein
solches Europa ist gut für Amerika.
Zweitens muß Amerika ebenso nach Osten blicken,
wie es nach Westen blickt. Unsere Sicherheit erfordert
es. Amerika hat in diesem Jahrhundert drei Kriege in

Seite 7

�Asien geführt. Unser Wohlstand erfordert es. Über
zwei Millionen amerikanischer Arbeitsplätze hängen
vom Handel mit Asien ab.
Auch hier tragen wir dazu bei, eine asiatisch-pazifische
Gemeinschaft der Kooperation, nicht des Konflikts zu
schaffen. Unsere Fortschritte dort dürfen nicht die
verbleibenden Gefahren verschleiern. Gemeinsam mit
Südkorea müssen wir die Friedensgespräche mit
Nordkorea voranbringen und die letzte Trennlinie des
Kalten Krieges überbrücken. Ich fordere den Kongreß
auf, die Mittel für unseren Teil des Abkommens
bereitzustellen, gemäß dem Nordkorea sein Nuklearwaffenprogramm weiterhin einfrieren und dann
beseitigen muß.
Wir müssen einen intensiveren Dialog mit China
verfolgen - um unserer Interessen und Ideale willen.
Ein isoliertes China ist nicht gut für Amerika. Ein
China, das die ihm angemessene Rolle in der Welt
spielt, ist gut für Amerika. Ich werde nach China
reisen, und ich habe den chinesischen Präsidenten zu
einem Besuch hier eingeladen, nicht weil wir in allem
einer Meinung sind, sondern weil die Einbeziehung
Chinas der beste Weg zur Bewältigung unserer
gemeinsamen Herausforderungen wie der Beendigung
der Atomtests und zum offenen Umgang mit unseren
grundlegenden Differenzen bei Menschenrechten ist.
Das amerikanische Volk muß in der Weltwirtschaft
prosperieren. Wir haben hart gearbeitet, um Handelshemmnisse im Ausland abzubauen, damit wir im Inland
gute Arbeitsplätze schaffen können. Ich bin stolz,
sagen zu können, daß Amerika heute erneut die
konkurrenzfähigste Nation und die Nummer eins der
Welt bei Exporten ist.
Wir müssen jetzt handeln, um unsere Exporte zu
erweitern, insbesondere nach Asien und Lateinamerika - den zwei am schnellsten wachsenden
Regionen auf der Welt - oder wir werden hinterherhinken, wenn diese aufstrebenden Volkswirtschaften
neue Bande mit anderen Nationen knüpfen. Aus
diesem Grund benötigen wir jetzt die Befugnis zum
Abschluß neuer Handelsabkommen, die Märkte für
unsere Waren und Dienstleistungen öffnen, während
wir unsere Werte bewahren.
Wir dürfen nicht vor den Herausforderungen der
Weltwirtschaft zurückschrecken. Schließlich haben wir
die besten Arbeitnehmer und die besten Produkte. Auf
einem wirklich offenen Markt können wir jeden überall
auf der Welt ausstechen.
Aber es geht um mehr als um die Wirtschaft. Indem
wir den Handel erweitern, können wir die Sache der
Freiheit und Demokratie auf der ganzen Welt verbreiten. Es gibt kein besseres Beispiel dieser Wahrheit als Lateinamerika, wo Demokratie und offene
Märkte gemeinsam auf dem Vormarsch sind. Aus

Seite 8

diesem Grund werde ich Lateinamerika im Frühjahr
besuchen, um unsere wichtigen Bande zu stärken.
Wir sollten stolz sein, daß Amerika die Bestrebungen
zur Rettung unseres Nachbarn Mexiko aus der
Wirtschaftskrise des Landes angeführt hat. Und wir
sollten alle stolz sein, daß Mexiko im vergangenen
Monat - drei Jahre vor Ablauf der Frist - den Vereinigten Staaten seine Schulden mit einem Gewinn
von einer halben Milliarde Dollar für uns zurückgezahlt
hat.
Amerika muß weiterhin die unerschütterliche Kraft für
Frieden sein - vom Nahen Osten bis nach Haiti, von
Nordirland bis nach Afrika. Weil wir vernünftige
Risiken für Frieden auf uns nehmen, werden wir später
nicht in sehr viel kostspieligere Konflikte hineingezogen. Dank der amerikanischen Führungsrolle wurde
das Töten in Bosnien beendet. Jetzt müssen die
Gewohnheiten des Friedens Fuß fassen. Die neue
NATO-Streitmacht wird den Wiederaufbau und die
Aussöhnung beschleunigen. Heute Abend bitte ich
den Kongreß um die weitere starke Unterstützung
unserer Truppen. Sie leisten dort beachtliche Arbeit
für Amerika, und Amerika muß ihnen fest zur Seite
stehen.
Fünftens müssen wir vehement gegen neue Bedrohungen unserer Sicherheit vorgehen. In den
vergangenen vier Jahren haben wir die Führungsrolle
bei einem weltweiten Abkommen über das Verbot von
Atomtests übernommen. Rußland und Amerika haben
ihre Nukleararsenale drastisch reduziert, und wir
haben aufgehört, unsere Waffen auf die Bürger des
jeweils anderen Landes zu richten. Wir unternehmen
Schritte, damit Nuklearmaterial nicht in die falschen
Hände gelangt und die Welt von Landminen befreit
wird. Wir arbeiten mit neuer Intensität mit anderen
Nationen zusammen, um die Drogenhändler zu
bekämpfen, Anschläge von Terroristen zu vereiteln
und sie zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie einen
Anschlag verüben.
Jetzt müssen wir uns einer neuen Probe unserer
Führungsrolle stellen: Der Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Ich möchte eindeutig klarstellen:
Sie wird unsere Truppen sicherer vor einem Angriff mit
Chemiewaffen machen, und sie wird uns bei der
Bekämpfung des Terrorismus helfen. Wir haben keine
wichtigere Pflicht - insbesondere nach dem, was wir
jetzt über den Golfkrieg wissen. Dieser Vertrag war
von Anfang an überparteilich, wurde von republikanischen und demokratischen Administrationen sowie
republikanischen und demokratischen Kongreßabgeordneten unterstützt und bereits von 68 Nationen
verabschiedet.
Aber wenn wir nicht bis zum 29. April handeln - dem
Tag, an dem diese Konvention mit oder ohne uns in
Kraft tritt - werden wir die Chance verpassen, daß

AMERIKA DIENST 03

�Amerikaner eine Führungsrolle dabei übernehmen und
diese Bestrebungen umsetzen. Gemeinsam müssen
wir der Chemiewaffenkonvention Gesetzeskraft verleihen, damit wir endlich damit beginnen können,
Giftgas von der Erde zu verbannen.
Schließlich müssen wir die Instrumente zur Bewältigung all dieser Herausforderungen haben. Wir
müssen ein starkes und einsatzbereites Militär beibehalten. Wir müssen die Finanzierung für die Modernisierung der Waffen bis zum Jahr 2000 aufstocken und
uns gut um unsere Männer und Frauen in Uniform
kümmern. Sie sind die Besten der Welt.
Wir müssen auch unsere Verpflichtung zur Diplomatie
der Vereinigten Staaten erneuern und unsere Schulden und Beiträge zu internationalen Finanzinstitutionen
wie der Weltbank und den sich reformierenden
Vereinten Nationen bezahlen. Jeder Dollar, den wir für
die Verhinderung von Konflikten, Förderung der
Demokratie und zur Bekämpfung von Krankheiten und
Hunger aufwenden, bringt eine sichere Dividende an
Sicherheit und Einsparungen. Dennoch machen die
Ausgaben für internationale Angelegenheiten heute
nur ein Prozent des Bundeshaushalts aus - einen
Bruchteil dessen, was Amerika in die Diplomatie
investiert hat, um sich zu Beginn des Kalten Krieges
für die Führungsrolle statt Eskapismus zu entscheiden.
Wenn Amerika weiterhin die Welt anführen soll,
müssen wir hier, die Amerika anführen, einfach den
Weg finden, die Kosten dafür aufzubringen.
Ein weitblickendes Amerika hat die Welt in diesen
vergangenen 50 Jahren zu einem besseren Ort
gemacht. Und so kann es für weiter 50 Jahre sein.
Aber ein kurzsichtiges Amerika wird schnell feststellen,
daß es überall auf der Welt auf taube Ohren stößt.
Vor fast genau 50 Jahren, im ersten Winter des Kalten
Krieges, stand Präsident Truman vor einem republikanischen Kongreß und forderte unser Land auf, seiner
Verantwortung zu einer Führungsrolle gerecht zu
werden. Seine Warnung lautete: "Wenn wir scheitern,
könnten wir den Weltfrieden gefährden, und wir
werden zweifelsohne den Wohlstand dieser Nation
gefährden." Dieser von Republikanern wie Senator
Arthur Vandenberg angeführte Kongreß antwortete
Präsident Trumans Appell. Gemeinsam gingen sie
Verpflichtungen ein, die unser Land seit 50 Jahren
stärken.
Lassen Sie uns jetzt das Gleiche tun. Lassen Sie uns
das Erforderliche tun, damit wir eine unerläßliche
Nation bleiben - damit Amerika für weitere 50 Jahre
stark, sicher und wohlhabend bleibt.
Schließlich erwächst unsere weltweite Führungsrolle
vor allem aus der Macht unseres Beispiels hier im
Inland und aus unserer Fähigkeit, als ein Amerika
stark zu bleiben.

AMERIKA DIENST 03

Auf der ganzen Welt werden die Menschen durch
rassische, ethnische und religiöse Konflikte auseinandergerissen, die Fanatismus und Terror schüren.
Wir sind die vielfältigste Demokratie der Welt, und die
Welt blickt auf uns für den Beweis, daß es möglich ist,
über diese Differenzen hinweg gemeinsam zu leben
und voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten waren immer eine Nation von
Einwanderern. Von Anfang an hat ein stetiger Strom
von Menschen auf der Suche nach Freiheit und
Chancen sein Land verlassen, um dieses Land zu
seiner Heimat zu machen. Wir begannen als ein von
den Europäern inspiriertes Experiment in Demokratie.
Wir sind zu einem durch Offenheit und Versprechen
inspirierten Experiment in demokratischer Vielfalt
geworden.
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen niemals
glauben, daß unsere Vielfalt eine Schwäche ist - sie ist
unsere größte Stärke. Die Amerikaner sprechen jede
Sprache, kennen jedes Land. Menschen auf jedem
Kontinent können auf uns blicken und die Widerspiegelung ihres eigenen großen Potentials sehen und sie werden es immer tun, solange wir danach
streben, allen unseren Bürgern, unabhängig von ihrem
Hintergrund, eine Chance zu geben, ihre eigene Größe
zu erlangen.
Wir sind noch nicht da. Wir sehen immer noch
Beispiele von Bigotterie und Intoleranz, in häßlichen
Worten und schrecklicher Gewalt, in niedergebrannten
Kirchen und zerbombten Gebäuden. Wir müssen in
unserem Land und in unseren Herzen dagegen
ankämpfen.
Nur wenige Tage vor meiner zweiten Amtseinführung
schlug einer der bekanntesten Pastoren des Landes,
Reverend Robert Schuller, vor, ich solle Jesaja 58:12
lesen. Der Vers lautet folgendermaßen: "Du wirst die
Fundamente fortdauernder Generationen aufrichten.
Und du wirst tatsächlich der Ausbesserer der Bresche,
der Wiederhersteller von Wegen, an denen man
wohnt, genannt werden." Ich legte meine Hand auf
diesen Vers, als ich im Namen aller Amerikaner den
Amtseid ablegte. Denn unabhängig von unseren
Unterschieden - in unserem Glauben, unserem
Hintergrund, unserer Politik - müssen wir alle Ausbesserer der Bresche sein.
Ich möchte etwas über zwei andere Amerikaner sagen,
die uns zeigen, wie es geht. Der Kongreßabgeordnete
Frank Tejeda wurde gestern beerdigt, ein stolzer
Amerikaner, dessen Familie aus Mexiko kam. Er war
erst 51 Jahre alt. Er wurde mit dem Silver Star, dem
Bronze Star und dem Purple Heart ausgezeichnet, weil
er in Vietnam für sein Land kämpfte. Und er hat weiter
für Texas und Amerika gekämpft - für die Zukunft
dieser Kammer. Wir sind dankbar für seine Dienste
und fühlen uns geehrt, daß seine Mutter, Lillie Tejada,

Seite 9

�und seine Schwester, Mary Alice, von Texas hierhergekommen sind, um heute Abend bei uns zu sein.
Herzlich willkommen!
Gary Locke, der neugewählte Gouverneur des Bundesstaates Washington, ist der erste amerikanische
Gouverneur chinesischer Abstammung in der Geschichte unseres Landes. Er ist der stolze Sohn von
zwei der Millionen Einwanderer asiatischer Herkunft,
die Amerika mit ihrer harten Arbeit, ihren Familienwerten und als gute Staatsbürger gestärkt haben.
Vielen Dank, Herr Gouverneur, daß Sie heute Abend
hier sind.
Reverend Schuller, der Kongreßabgeordnete Tejada
und Gouverneur Locke sind ebenso wie Kristin Tanner
und Chris Getsla, Sue Winski und Dr. Kristen Zarfos
Amerikaner mit unterschiedlichen Wurzeln, deren
Leben das Beste widerspiegelt, was wir werden
können, wenn wir ein Amerika sind. Wir haben
vielleicht keine gemeinsame Vergangenheit, aber wir
haben zweifelsohne eine gemeinsame Zukunft.
Der Aufbau eines Amerika ist unsere wichtigste
Mission - "die Fundamente fortdauernder Generationen" legen, der Stärke, die wir für dieses neue Jahr-

*

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hundert benötigen. Mit Geld kann man sie nicht
kaufen. Mit Macht kann man sie nicht erzwingen. Mit
Technologie kann man sie nicht schaffen. Sie kann
nur aus dem menschlichen Geist erwachsen.
Amerika ist sehr viel mehr als ein Ort. Es ist eine Idee,
die mächtigste Idee in der Geschichte der Nationen.
Und wir alle in dieser Kammer sind jetzt die Träger
dieser Idee, die ein großartiges Volk in eine neue Welt
geleitet. Ein heute Nacht geborenes Kind wird praktisch keine Erinnerung an das 20. Jahrhundert haben.
Alles, was dieses Kind über Amerika weiß, wird es
aufgrund dessen wissen, was wir jetzt für ein neues
Jahrhundert tun.
Wir dürfen keine Minute verschwenden. Morgen sind
es nur noch etwas mehr als 1.000 Tage bis zum Jahr
2000. Tausend Tage, um unser Volk vorzubereiten.
Eintausend Tage, um zusammenzuarbeiten. Eintausend Tage, um eine Brücke zu einem Land neuer
Versprechen zu bauen. Liebe Mitbürger, vor uns liegt
Arbeit. Lassen Sie uns diese Tage und das Jahrhundert nutzen.
Ich danke Ihnen.
Amerika.

* * *

Gott segne Sie, und Gott segne

*

AMERIKA DIENST 03

�WIRTSCHAFT
12. Februar 1997

Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen
den Amerikanischen Traum zur Realität
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den am 10. Februar 1997 herausgegebenen Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten für den Kongreß.

Vor vier Jahren traten wir an, den Kurs der amerikanischen Wirtschaft zu ändern. Wir wollten, daß dieses
Land als Nation ins 21. Jahrhundert geht, in der jeder
arbeitswillige Amerikaner eine Chance hat - keine
Garantie, aber eine echte Chance - zur Verwirklichung
des Amerikanischen Traums. Wir haben hart gearbeitet, um dieses Ziel zu erreichen, und heute ist
unsere Wirtschaft stärker als sie es seit Jahrzehnten
war.

größte Senkung innerhalb von zwei Jahren in über 20
Jahren. Die Armutsgrenze unter den Älteren und den
Afroamerikanern ist auf dem niedrigsten Niveau seit
den ersten statistischen Erhebungen im Jahr 1959.
Ein reales mittleres Familieneinkommen ist um 1.600
Dollar gestiegen - das ist die größte Zuwachsrate seit
der Administration von Präsident Johnson.

Die Wirtschaftsbilanz

Unsere umfassende wirtschaftliche Tagesordnung hat
dazu beigetragen, die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
Diese Tagesordnung enthält folgende Punkte:

Die Herausforderung des Jahres 1993 bestand darin,
die Wirtschaft auf einen neuen Kurs haushaltspolitischer Verantwortung bei weiteren Investitionen in
unsere Zukunft zu bringen. In den vergangenen vier
Jahren ist die Arbeitslosenquote um nahezu ein Drittel
gesunken: von 7,5 Prozent auf 5,4 Prozent. Die
Volkswirtschaft hat 11,2 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen, und über zwei Drittel des jüngsten Beschäftigungszuwachses entfallen auf die Berufsgruppen in der Industrie mit überdurchschnittlichen
Löhnen und Gehältern. In den letzten vier Jahren
betrug die Inflationsrate im Durchschnitt 2,8 Prozent
und war damit die niedrigste seit der Amtszeit von
Präsident John F. Kennedy. Die Arbeitslosen- und
Inflationsrate zusammengenommen ist die niedrigste
seit drei Jahrzehnten. Und die Unternehmensinvestitionen haben um über 11 Prozent pro Jahr zugenommen - mit dem schnellsten Tempo seit Anfang der
sechziger Jahre.
Mit dem Wirtschaftswachstum werden die Früchte
dieses Wachstums gerechter unter allen Amerikanern
aufgeteilt. Zwischen 1993 und 1995 sank die Armutsgrenze von 15,1 Prozent auf 13,8 Prozent - das ist die

AMERIKA DIENST 03

Die wirtschaftliche Tagesordnung

Historischer Defizitabbau. Seit dem Haushaltsjahr 1992 wurde das Defizit des Bundeshaushalts um 63 Prozent verringert - von
290 Milliarden Dollar auf 107 Milliarden Dollar
im Haushaltsjahr 1996. Als Prozentsatz des
Bruttoinlandsprodukts der Nation ist das
Defizit in demselben Zeitraum von 4,7 Prozent
auf 1,4 Prozent gefallen und jetzt das niedrigste seit über 20 Jahren. 1992 war das Haushaltsdefizit auf allen Ebenen der Regierung
höher im Verhältnis zu unserer Wirtschaft als
das von Japan und Deutschland zu deren
Wirtschaft. Gemessen daran ist dieses Defizit
jetzt geringer als das aller führenden Industrienationen. Und diese Administration hat einen
Plan vorgelegt, der den Haushalt bis zum Jahr
2002 ausgleicht und gleichzeitig entscheidende Investitionen in die Zukunft Amerikas
sichert.

Seite 1

�Investitionen in Bildung und Technologie.
Der Defizitabbau ist weiterhin eine Priorität,
aber kein Selbstzweck. Der Ausgleich des
Haushalts durch die Kürzung von Investitionen
in die Bildung oder mangelnde Unterstützung
für Wissenschaft und Technologie könnten
das Wirtschaftswachstum in der Tat verlangsamen. Um in der neuen Weltwirtschaft Erfolg
zu haben, müssen unsere Kinder eine Bildung
von Weltklasse erhalten. Jedes Kind in
Amerika sollte bis zum Alter von 8 Jahren
lesen, sich bis zum Alter von 12 Jahren ins
Internet einloggen können und mindestens 14
Jahre lang eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten: 2 Jahre College sollten so
universell werden wie es die High School
heute ist. Und wir müssen sicherstellen, daß
jedes Kind, das ein College besuchen möchte,
die erforderlichen Ressourcen dafür hat.
Erweiterung der Märkte. Wir streben aggressiv die Expansion von Exporten und die
Öffnung von Märkten im Ausland an. In den
vergangenen vier Jahren haben wir zwei
wichtige Handelsabkommen abgeschlossen:
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen der Uruguay-Runde, mit dem die
Welthandelsorganisation gegründet wurde.
Die Mitglieder des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und die
vorgesehene gesamtamerikanische Freihandelszone haben sich zur Gründung einer
Freihandelszone zwischen ihren Ländern bis
zum Jahr 2020 beziehungsweise 2005 verpflichtet. Und wir haben mit der Unterzeichnung von über 200 weiteren wichtigen Handelsabkommen neue Märkte im Ausland
eröffnet. Infolgedessen konnten die amerikanischen Exporte einen Boom verzeichnen, der
höhere Löhne und Gehälter für amerikanische
Arbeitnehmer in der Exportindustrie bedeutet die häufig 13 bis 16 Prozent höher sind als die
der übrigen Erwerbsbevölkerung.

Umstrukturierung der Regierung.
Die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft liegt in
der Energie, Kreativität und Entschlossenheit
unserer Bürger. In den vergangenen vier
Jahren haben wir hart an der Schaffung eines
Umfelds gearbeitet, in dem Unternehmen
prosperieren können. Und während der
Privatsektor expandierte, hat die Bundesregierung ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit
verbessert. Wir haben energisch Bestimmungen in Schlüsselsektoren der Wirtschaft
reformiert, darunter im Telekommunikationsund Elektrizitätssektor, Bankwesen und der
Umwelt. Und wir haben den Umfang der
Bundesregierung als Prozentsatz der Erwerbsbevölkerung reduziert und sie zur
kleinsten seit den dreißiger Jahren gemacht.
Eine Wirtschaft für das 21. Jahrhundert
Die amerikanischen Arbeitnehmer arbeiten wieder und
unsere Fabriken sind in höchstem Maße aktiv. Wieder
einmal führt Amerika die Welt in der Automobilherstellung an. Unsere Hightechindustrien sind die
konkurrenzfähigsten der Welt. Die Armut hat sich
verringert und die Reallöhne beginnen endlich zu
steigen. Und wir haben die Grundlage für künftiges
langfristiges Wirtschaftswachstum durch den Abbau
des Defizits und Investitionen in die Bildung geschaffen.
Während der letzten vier Jahre haben wir darauf
hingearbeitet, alle Amerikaner auf die Herausforderungen und Chancen der neuen Weltwirtschaft des 21.
Jahrhunderts vorzubereiten. Wir streben die Wiederherstellung der haushaltspolitischen Disziplin in
unserer Regierung an, um die Chancen für Bildung
und Ausbildung für unsere Kinder und Arbeitnehmer zu
verbessern, die Sozialhilfe zu reformieren, Arbeit zu
ermutigen und die Grenzen des freien Handels zu
erweitern. Es muß jedoch noch mehr getan werden.
Wir müssen unseren Bürgern weiterhin die Instrumente an die Hand geben, damit sie das Beste aus ihrem
Leben machen können und der Amerikanische Traum
für jeden Amerikaner in greifbare Nähe rückt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 03

�USA-DEUTSCHLAND
12. Februar 1997

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von Abteilungleiter John Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von John Kornblum, dem Abteilungsleiter für europäische
und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, zum 10. Jahrestag der "Initiative Berlin-USA" am 12.
Dezember 1996 im Amerika Haus Berlin gehaltene Rede.

Ich möchte heute Abend über die Zukunft der deutschamerikanischen Beziehungen sprechen.
Unsere
Diskussion sollte mit der Gründung dieser Initiative vor
zehn Jahren beginnen, weil sie uns den Geist vermittelt, der unsere Beziehungen meines Erachtens in
Zukunft leiten sollte. Wir sollten uns jedoch genau an
die Situation erinnern, in der wir zusammenkamen, um
über diese Initiative zu sprechen. Erstens gab es
natürlich eine geteilte Stadt, und es gab die Mauer. Es
waren ungefähr 10.000 britische, französische und
amerikanische alliierte Soldaten in der Stadt - häufig
ziemlich sichtbar. Weniger sichtbar waren die 400.000
sowjetischen Soldaten, die im Umkreis von 100
Kilometern von Berlin stationiert waren.
1986 bestand die Berliner Mauer 25 Jahre, und einige
von Ihnen werden sich daran erinnern, daß es viele
Diskussionsrunden und Fernsehprogramme gab, an
denen ich häufig beteiligt war. Kurze Zeit später
erklärte Erich Honecker, die Mauer würde weitere 100
Jahre oder länger stehen. Wie wir alle wissen, war sie
etwas mehr als drei Jahre später verschwunden. Aber
selbst dann hatten wir hier ein Gefühl der Bedrohung.
In Europa waren massive Armeen stationiert, darunter
200.000 amerikanische Soldaten in Deutschland.
Ich komme gerade aus Brüssel, wo die Außenminister
der NATO mit ihrem russischen Amtskollegen Primakow zusammengekommen sind und die Aufnahme von
Verhandlungen über die besonderen Beziehungen
zwischen Rußland und der NATO vereinbart haben.
Wir einigten uns ferner auf ein NATO-Gipfeltreffen vom
8. bis 9. Juli in Madrid. Zu diesem Zeitpunkt werden
einige ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts
wahrscheinlich zum NATO-Beitritt eingeladen. Und
natürlich wissen wir alle, daß ganz Deutschland und

AMERIKA DIENST 03

Berlin wiedervereinigt sind. Wir stehen jetzt am Beginn
einer Phase, in der wir hoffentlich zum ersten Mal in
der Geschichte eine wirklich demokratische Friedensstruktur in Europa aufbauen können.
Die "Initiative Berlin-USA" wurde von einer Gruppe
weitblickender Menschen ins Leben gerufen. Bedauerlicherweise weilen einige von ihnen nicht mehr unter
uns. Ich kann mich sehr gut an die ersten von uns
geführte Gespräche erinnern und daß jeder glaubte,
die Dinge würden sich in Berlin sehr schnell ändern.
Daß die wirklich besonderen Bande, die zwischen
Amerikanern und Berlinern gewachsen waren, sicherlich fortbestehen würden - was sie taten - jedoch neue
Bestrebungen erforderlich wären um sicherzustellen,
daß diese Beziehungen nicht verschleißen oder
stagnieren.
In jenen Tagen fürchteten wir eine Stagnation der
Beziehungen eben weil sie so sehr auf die militärische
Präsenz der Alliierten konzentriert waren und nicht all
die neuen Ereignisse berücksichtigen würden, die in
der Welt stattfanden. Wir konnten uns nicht vorstellen,
daß die alliierten Streitkräfte 10 Jahre später verschwunden sein und die von uns allen erwarteten
neuen Entwicklungen sich in einem völlig anderen
Berlin vollziehen würden - aber all das geschah.
Es erübrigt sich zu sagen, daß die von der "Initiative
Berlin-USA" geleistete Arbeit heute noch sehr viel
wichtiger ist als damals. Es ist jetzt eine Gruppe wie
diese, die diese umfassenden Kontakte unterhält, wie
ich Ihnen in meinen Ausführungen darlegen möchte.
Sie spiegeln auch das wider, was die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Zukunft sein werden.

Seite 1

�Wie wird die Zukunft aussehen? Genau das fragen wir
uns in diesen Tagen und können offensichtlich nicht
klarsehen. Ich möchte Ihnen jedoch meine Eindrücke
von den Dingen wiedergeben, die von Bedeutung sein
werden, ein bißchen darüber reden, was die Vereinigten Staaten in diesem Zusammenhang unternehmen werden, aber Ihnen auch einige Gedanken
darüber vermitteln, was wir alle tun können und wie
sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen entwickeln werden.
Erstens ein vielleicht offensichtlicher Punkt, der jedoch
nützlich ist: Definitionen und Lösungen der Vergangenheit werden in Zukunft nicht sehr viel Gültigkeit besitzen. Selbst Begriffe und Konzepte wie "Westeuropa"
oder "Osteuropa" oder die atlantische Gemeinschaft
an sich beschreiben die Beziehungen nicht mehr
genau genug, die sich über den Atlantik hinweg und in
Europa entwickeln werden. Das Westeuropa der
Nachkriegszeit, das wir alle so gut kannten und zu
dem natürlich Berlin gehörte, existiert beispielsweise
nicht mehr. Die gut definierte Insel demokratischen
Wohlstands wurde durch ein Mosaik von Ländern
ersetzt, die auf verschiedene Weise mit einer unterschiedlichen Geschichte und in verschiedenen
Entwicklungsstadien handeln.
Sie wurde durch
Regionen ersetzt. Manchmal überqueren wir nationale
Grenzen - selbst Grenzen zwischen dem ehemaligen
Osten und Westen - die durch ein weltweites Netz von
Verbindungen ersetzt wurden, die manchmal Tausende von Meilen entfernte Verbindungen, Interessen und
Bande wichtiger machen als die in unmittelbarer Nachbarschaft.
Als die baltischen Staaten und die Ukraine unabhängig
wurden, waren es beispielsweise die "Europäer" in
Nordamerika, auf die sie wegen der ersten Unterstützung blickten. Und es waren diese Europäer, von
denen offensichtlich viele ihren Ursprung in diesen
Ländern haben, die dorthin zogen, die Arbeit aufnahmen und beim Aufbau dieser Gesellschaften
behilflich waren. Es gab übrigens viele Deutsche, die
das gleiche taten. Deutschland hat einen ausgeprägten Sinn für die Unterstützung dieses Teils der Welt.
Aber ohne Namen zu nennen, ist es meiner Ansicht
nach offensichtlich, daß es in Teilen Europas eine
Reihe von Menschen gab, die nicht an dem Geschehen interessiert war.
Und so ist das Europa der Ukraine, Litauens oder
Estlands ein Konglomerat seiner Nachbarn - zweifelsohne Deutschland, aber auch Chicago, Detroit und
Nebraska. Das ist auch für diese Länder Europa. Dort
erhalten sie ihre Unterstützung. Und das gilt übrigens
auch für die baltischen Staaten, deren Kultur während
der über 50-jährigen Besetzung bewahrt wurde.
Die Dinge verändern sich so sehr, daß wir darüber
nachdenken müssen, was wir eigentlich meinen, wenn
wir von Beziehungen über den Atlantik hinweg spre-

Seite 2

chen. Sie sind völlig anders als noch vor 10 Jahren.
Es ist nicht mehr ein starkes Amerika, das Europa
irgendwie vor den letzten Wellen des Zweiten Weltkriegs schützt. Jetzt ist es eine Reihe integrierter
Gesellschaften, von denen einige mehr integriert sind
als andere, eine Reihe kultureller und psychologischer
Verbindungen, die im Kopf der Menschen ein Bild
dessen formen, wer sie sind und wo sie sind. Dieses
Bild steht jedoch immer weniger in Kontext von
Territorium oder Geographie. Es steht vielmehr im
Kontext einer Reihe von Perzeptionen und Interessen.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind zwei der
fortschrittlichsten Länder im Hinblick auf die Definition
und Handhabung dieser Perzeptionen und Interessen.
Im Flugzeug habe ich heute gelesen, daß man jetzt
sogar die "Tagesschau" auf dem Internet in den
Vereinigten Staaten abrufen kann. Ob die Vereinigten
Staaten allerdings schon bereit für die "Tagesschau"
sind, ist eine andere Frage. Ich habe Jahre gebraucht,
um die Wetterkarte zu verstehen, ganz zu schweigen
von den Nachrichten! Aber ich bin sicher, daß das ein
Schritt nach vorne ist. Ich habe keinen Zweifel. Wenn
also all diese Schranken fallen und all diese Definitionen sich ändern, dann werden neue Gemeinden
und Interessengruppen entstehen mit neuen Verbindungen und neuen Definitionen ihrer selbst.
Wenn wir über die atlantischen Beziehungen sprechen, sind wir in der Vergangenheit häufig von der
Perspektive ausgegangen, "hier ist Nordamerika, hier
ist Europa und hier ist der Atlantik", und wir sollten
Brücken über das bauen, was häufig als Trennlinie
angesehen wurde. Dieses Konzept war meines
Erachtens von Anfang an falsch. Zumindest in der
Geschichte meines Landes war der Atlantik im 18. Und
19. Jahrhundert keine Trennlinie. Wir schöpften
unsere Stärke und unsere intellektuelle Unterstützung,
und in vielen Fällen unsere Universitätsausbildung,
aus Europa. Und es gab kein Gefühl, kulturell irgendwie von Europa getrennt zu sein. Das änderte sich im
20. Jahrhundert vor allem aufgrund von Kriegen, und
wir hatten in der Tat nach dem zweiten Weltkrieg viel
zu tun, Brücken über den Atlantik zu bauen. Und
meiner Ansicht nach hatten wir Erfolg, wie die Geschichte gezeigt hat.
Wenn wir jedoch jetzt über Trennlinien zwischen
Völkern und Gesellschaften sprechen (und sie existieren, wie wir wissen), dann sind diese Trennlinien sehr
viel komplizierter geworden. Und der Atlantik ist nicht
ihre Definition. Manchmal sind diese Trennlinien der
Norden und Süden in Europa, manchmal liegen sie in
den Vereinigten Staaten, wo manche nach Süden
blicken und andere über den Pazifik hinweg. In
Europa selbst gibt es Regionen. Es gibt Wirtschaftsgemeinschaften. Eines der wichtigsten in Europa
erörterten Themen ist, daß es bereits eine um die
Deutsche Mark herum gebildete Gemeinschaft gibt, die
zunehmend in eine subregionale Gemeinschaft inte-

AMERIKA DIENST 03

�griert wird. Eines der Ziele ist natürlich, die subregionale Gemeinschaft zu einer umfassenderen Gemeinschaft zu machen. Aber wenn wir beginnen zu
definieren, wer wir sind und was wir sind, müssen wir
berücksichtigen, daß diese Trennlinien wirklich ganz
andere sind: Die schlichte Trennlinie des Atlantiks hier ist Amerika, hier ist Europa - funktioniert einfach
nicht mehr. In vielen Fällen kann man Asien dieser
Gleichung hinzufügen.
Das führt mich zu meiner nächsten Schlußfolgerung,
die lautet, wenn das alles so ist, dann hat sich die
Rolle der Vereinigten Staaten in dieser neuen atlantischen Gemeinschaft natürlich beträchtlich verändert.
Unsere militärische Stärke ist immer noch wichtig, wie
sich im Falle Bosniens gezeigt hat. Gleichzeitig
müssen wir Europa nicht mehr vor irgendetwas
schützen, und wir sind nicht mehr in irgendeiner Weise
dort, um einer wackeligen Nachkriegsordnung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wir fügen dem Geschehen
Geschicklichkeit und Talent hinzu. Das ist meines
Erachtens eines der faszinierendsten Themen dieses
Zeitalters - wie sich die Rolle der Vereinigten Staaten
langsam (oder vielleicht schnell) von der einer großen,
starken Macht - die wir einige Zeit gewesen sind - zu
einem Land gewandelt hat, das fast der Werkzeugkasten für die übrige Welt ist: Eine Gesellschaft, die
Menschen aufnimmt, ihre Talente nutzt, Lösungen
erarbeitet und die Menschen wieder hinaus in die Welt
schickt. Es ist faszinierend.
Diese Rolle wird nicht von allen positiv gesehen.
Denken Sie beispielsweise an die Klagen, es würde
zuviel amerikanische Popmusik im Radio gesendet
oder die Bestrebungen, den europäischen Anteil am
europäischen Fernsehen zu erhöhen.
Aber zu
anderen Zeiten bieten die Vereinigten Staaten Impulse
und Lösungen, die in der Tat von vielen Menschen als
ihre eigenen adoptiert werden, häufig ohne zu wissen,
daß sie aus den Vereinigten Staaten kamen.
Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen. Als ich vor 10
Jahren in Berlin lebte, war der amerikanische Kapitalismus für eine bestimmte Bevölkerungsschicht einschließlich der Presse wahrscheinlich der größte
Feind, den es gab. Auch sehr viele populäre Publikationen befaßten sich damit. Ich muß zugeben, daß es
mich heute mit einer gewissen Befriedigung erfüllt,
diese Publikationen aufzuschlagen und festzustellen,
daß sie nur darüber sprechen, wie wichtig amerikanische Lösungen sind. Wie machen die Amerikaner
das? Wie schaffen sie Arbeitsplätze? Wie bewahren
sie den technologischen Aufschwung?
Ich versuche nicht, Ihnen zu sagen, die Vereinigten
Staaten hätten alle Antworten parat oder unsere
Antworten seien die besseren. Aber wir sind zu einer
Art Impuls für die Welt geworden. Und dieser Impuls
unterscheidet sich völlig von der Schutzrolle, die wir
vorher gespielt haben. Das heißt, es ist auch sehr

AMERIKA DIENST 03

wichtig, durch Gruppen wie die "Initiative" nicht nur aus
Spaß (was es häufig ist) Kontakte zu kultivieren.
Indem wir die Rolle Deutschlands gegenüber Amerika
- und Amerikas Rolle gegenüber Deutschland definieren, definieren wir auch das neue Zeitalter, in
das wir eintreten.
Dieses neue Zeitalter wird raschen und manchmal
destabilisierenden Wandel mit sich bringen. Dieser
Wandel wird Deutschland ebenso wie alle anderen
betreffen. Es ist auch ein Wandel, der von großem
Vorteil für Deutschland sein wird, und indem wir in
Kontakt bleiben und einen Dialog aufbauen, werden
wir diesen Wandel besser bewältigen können.
Meine letzte These, die viele von Ihnen überraschen
wird, lautet, daß Deutschland von allen wichtigen
Ländern in Europa das Land ist, das am besten für die
Bewältigung dieses Wandels geeignet ist. Das ist zur
Zeit keine populäre Einstellung, vor allem nicht in der
amerikanischen Presse, und ich weiß, auch in der
deutschen Presse nicht. Wenn wir uns den äußerst
langsamen Prozeß leicht verlängerter Ladenöffnungszeiten betrachten - soweit ich weiß, wurde eine
Stunde auf die Gefahr einer nationalen Revolution
hinzugefügt - könnte man sich fragen, ob diese
Aussage auch nur das kleinste bißchen Logik enthält.
Aber ich glaube immer noch, daß es zutrifft und
Deutschland und Amerika in der Tat bestimmt sind, der
Motor des Wandels in dem neuen Europa zu sein.
Amerika in der gerade von mir beschriebenen Rolle;
aber Deutschland als ein Land im Zentrum des
Kontinents, der mit all seiner bekannten Stabilität und
dem Festhalten an einer bestimmten Art und Weise,
Dinge zu tun, auch eine der offensten, produktivsten
und weitblickendsten Gesellschaften in Europa
entwickelt, die sehr viel weniger Traditionen und der
alten Art, Dinge zu tun, verhaftet ist als nahezu jede
andere Gesellschaft.
Ein Teil dessen ist ein tragischer Unfall der Geschichte
- das heißt, hier hat es im 20. Jahrhundert soviel
Aufruhr gegeben, daß viele alten Muster einfach
zerstört und die Menschen umgesiedelt wurden. In
den vielen Jahren, die ich in Deutschland gelebt habe,
fand ich es immer interessant, Menschen von überallher zu treffen, oder Menschen zu treffen, deren Eltern
von überallher kamen. Deutschland ist wirklich wie
kein anderes europäisches Land vermischt worden.
Aber Teil dessen ist auch die Tatsache, daß Deutschland ein Land ist, das noch im Werden begriffen ist.
Das heißt, es findet immer noch heraus, was es ist.
Die Definition Deutschlands war - wie ich den meisten
hier Anwesenden nicht sagen muß - stets eine unsichere. Das hat immer Probleme verursacht. Aber ich
glaube, in dem Europa, das wir jetzt mit den starken
institutionellen Verbindungen, mit sehr starker Demokratie sowie Ihrem starken und offenen Wirtschaftssystem haben, wird diese Suche nach einer Definition

Seite 3

�und Rolle etwas sein, das Deutschland sehr dynamisch macht und nicht zu einem Land, das gegen
Wandel ist.
Man kann es bereits bei einigen Aspekten sehen, aber
während wir vorankommen, wird diese Fähigkeit und
beinahe schon dieser Elan, sich selbst zu definieren
und die noch ungelösten Probleme insbesondere im
Osten zu bewältigen, Deutschland zum wichtigsten
Partner der Vereinigten Staaten für Wandel in Europa
machen. Wenn dies alles zutrifft - und es erübrigt sich
zu sagen, daß man darüber diskutieren kann - dann
gibt es einiges, das wir uns vor Augen halten müssen,
wenn wir in diese Periode eintreten, und ich werde
auch ein bißchen darüber sprechen, was die Vereinigten Staaten denken und zur Bewältigung der
Probleme beizutragen hoffen.
Das erste Korollar folgt aus dem, was ich gerade über
den Wandel gesagt habe. Es ist die Frage der Stabilität. Es mag sich wiederum wie ein Widerspruch
anhören, daß ich nach all den Lobeshymnen über den
Wandel jetzt über Stabilität spreche. Aber hinter all
den in Europa während der ungefähr 75 Jahre erzielten Fortschritten lauert auch ein Gespenst über dem
Kontinent, und das ist die Angst vor Instabilität. Man
kann meines Erachtens argumentieren, daß es seit
1914 kein Jahr gegeben hat, in dem Europa vollständig im Frieden mit sich war. Das Ende des Kalten
Krieges beendete 50 Jahre völlig inakzeptabler
Stabilität - aber es war Stabilität. Dies hat jetzt zum
ersten Mal in der Geschichte Europas die Chance zu
einem wirklich demokratischen Frieden und Stabilität
eröffnet. Ich glaube nicht, daß es eine Zeit gab, in der
Demokratie in der von uns verstandenen Weise als die
Grundlage der Gesellschaft in ganz Europa akzeptiert
wurde. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie in ganz
Europa praktiziert wird, aber sie wurde zweifelsohne
als die Grundlage akzeptiert. Das ist eine Chance, die
ergriffen werden muß. In erster Linie entspricht sie der
Bedeutung des Wortes: Demokratie. Der Aufbau von
Demokratie in den seit kurzem freien Teilen Europas
ist die uns alle heute konfrontierende wichtigste
Aufgabe. Sie ist die Grundlage des Friedens.
Zweitens bedeutet es die Suche nach einer Grundlage
für Stabilität, die einerseits praktisch und funktionsfähig, andererseits dynamisch ist. Präsident Clinton
hat von Anfang seiner Amtszeit an eine Vision dieser
Art verfolgt. Die erste detaillierte Definition dieser
Vision gab er in einer Rede, die er im Januar 1994 in
Brüssel gehalten hat, in der er über die Integration
ganz Europas - aller Demokratien in Europa - in eine
demokratische Gemeinschaft des Friedens sprach.
Seit damals haben wir mit unseren Verbündeten, mit
den Zentraleuropäern und auch mit Rußland, auf eine
Definition funktionsfähiger Strukturen für die Schaffung
dieser Art von demokratischer Integration in Europa
hingearbeitet.

Seite 4

Für die Vereinigten Staaten und für Europa gleichermaßen ist ein zentraler Aspekt dieser Vision die NATO.
Die NATO ist zuallererst die Grundlage für eine starke
und positive Präsenz der Vereinigten Staaten in
Europa. Sie ist auch die fähigste und erfolgreichste
gemeinsame Militärstruktur, die je existiert hat. Sie hat
sich ferner als eine Organisation bewiesen, die im
Gegensatz zu den Erwartungen vieler seit 1990 eine
dramatische Umstrukturierung vollzog und nicht mehr
ein rein defensives Bündnis mit massiven, im Zentrum
Europas stationierten Armeen ist, die gegen massive
russische Armeen gerichtet waren. Sie ist zu einer
flexiblen Plattform für die Schaffung von Frieden in
ganz Europa geworden. Die NATO wird auch zunehmend der Rahmen für die Schaffung von mehr Verantwortung und Fähigkeiten in Europa, und ich bin
glücklich und stolz, daß die Entscheidung hierzu vor
sechs Monaten beim NATO-Ministertreffen im Juni hier
in Berlin getroffen wurde.
Diesen Entscheidungen wurde in der Presse sehr viel
Aufmerksamkeit gewidmet, und sie werden immer
noch erörtert. Es wird jedoch vielleicht immer noch
nicht richtig verstanden, wie weitreichend sie waren.
Sie strebten eine zweite Phase der Umstrukturierung
der NATO auf der Grundlage einer größeren europäischen Rolle im Bündnis an.
Die in dieser Berlin-Entscheidung definierten drei
Bereiche waren: Erstens die innere Umstrukturierung
des Bündnisses, was die Rückkehr Frankreichs in die
integrierte militärische Struktur einbezieht. Zweitens
die externe Projektion des Bündnisses, was die
Aufnahme neuer Mitglieder und auch eine besondere
Beziehung zu Rußland beinhaltet. Und drittens neue
Rollen und Missionen, von denen die dramatischste
die Mission in Bosnien ist. Jeder dieser Bereiche ist
für den Aufbau dieser Stabilität und Berechenbarkeit,
von der ich spreche, gleich wichtig. Durch die innere
Umstrukturierung wird der NATO zum ersten Mal ein
rein europäisches Element hinzugefügt. Es gestattet
der Allianz die Bereitstellung von Ressourcen, Gerät
und auch Personal für Operationen, die ausschließlich
von Europäern auf einer europäischen Grundlage
organisiert werden. In der Tat haben die Vereinigten
Staaten zugestimmt, daß amerikanische Soldaten an
diesen Operationen unter europäischem Kommando
teilnehmen können, wenn dies entschieden werden
sollte. Die externe Projektion wird häufig nur als die
NATO-Erweiterung angesehen - das heißt, welche
Länder der NATO beitreten werden. Das ist sehr
wichtig. Wie ich bereits erwähnte, wird die NATO in
dieser Woche die Entscheidung treffen, das Gipfeltreffen am 8. und 9. Juli in Madrid abzuhalten, und bei
diesem Gipfel werden die Verhandlungen mit einer
Reihe von Ländern aufgenommen - wir wissen noch
nicht, wie vielen - die zum Beitritt in das Bündnis
eingeladen werden.

AMERIKA DIENST 03

�Man muß sich jedoch vor Augen führen, daß die
Projektion der NATO nach Osten nicht nur in der
Aufnahme neuer Mitglieder besteht. Es gibt auch eine
jetzt zwei Jahre alte äußerst wichtige Initiative, genannt
Partnerschaft für den Frieden (PFF), die 26 Mitglieder
hat, von Schweden und Finnland bis zu Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan. Es ist eine
unglaubliche Vereinigung. Ich war gestern beim
Treffen der Vertreter dieser Länder in Brüssel anwesend, und wenn man sich die Geschichte der NATO
betrachtet, ist es wirklich erstaunlich, in das NATOHauptquartier in Brüssel zu gehen und neben einer
usbekischen Delegation zu sitzen - was der Fall ist. Sie
wissen: "Usbekistan, Vereinigte Staaten". Es ist auch
erstaunlich, in einer anderen Besprechung neben dem
russischen Außenminister zu sitzen und ihn über das
sprechen zu hören, was er mit der NATO zu tun
beabsichtigt. Die Partnerschaft für den Frieden ist also
ein enormer Erfolg. Wir haben vorgeschlagen - und es
wurde gestern bei der NATO vereinbart - daß dies mit
der Gründung des sogenannten Atlantischen Partnerschaftsrats einen Schritt weitergeführt wird, der der
NATO die Arbeit an gemeinsamen Projekten mit
Partnerländern, politische Konsultationen und zunehmend gemeinsame Entscheidungen gestattet.
Wie ich bereits erwähnte, sind ein weiterer Aspekt die
Beziehungen der NATO zu Rußland. Wir beabsichtigen die Erarbeitung einer gemeinsamen Vision und
gemeinsamer Strukturen für eine friedliche Zusammenarbeit mit Rußland. Wir haben bereits damit
begonnen. Ein Kontingent russischer Soldaten ist an
der IFOR-Operation (Implementation Force) in Bosnien
beteiligt. Wir arbeiten auf gemeinsame Übungen und
gemeinsame Verteidigungsgespräche hin. Und jetzt
erzielen wir Fortschritte bei der Charta mit Rußland,
die Konsultationen und Entscheidungsfindung bei
bestimmten Angelegenheiten enthalten wird. Die
NATO wird mit der Ukraine ein ähnliches, etwas
weniger ehrgeiziges Projekt verfolgen, die wiederum
eines der entscheidenden Länder beim Aufbau von
Zusammenarbeit nach Osten ist.
Morgen wird im Bundestag die Abstimmung über ein
Thema stattfinden, das sich aus dem dritten Aspekt der
Veränderung der NATO ergibt, den sogenannten
Rollen und Missionen. Von einer statischen Verteidigungsstreitmacht hat die NATO sich zu einer aktiven
friedenssichernden und konfliktverhütenden Streitmacht umstrukturiert. Das Engagement der NATO in
Bosnien ist das dramatischste Beispiel dafür und war
der Grund für den Frieden in Bosnien - darüber sollte
kein Zweifel bestehen. Nach einer langen Debatte in
Deutschland wurde die Entscheidung getroffen, sich
an der SFOR (Stabilization Force) zu beteiligen, und
das wird ein historischer Schritt - das muß ich niemandem in diesem Raum erzählen. Dies wird meines
Erachtens auch symbolisch für die veränderte Rolle
der Streitkräfte in Europa sein.

AMERIKA DIENST 03

Der Aufbau von Stabilität durch politische Kooperation
und die militärische Vorgehensweise der NATO ist
entscheidend, weil sie Regierungen und Bürgern den
Mut zu Veränderungen gibt. Mehr als andernorts auf
der Welt könnte in Europa die Zukunft ohne diesen Mut
zu Veränderungen in der Tat durch die Furcht vor
Instabilität vereitelt werden. Es gibt jedoch noch einen
anderen wichtigen Aspekt während wir jetzt diese
Veränderungen durchlaufen, und das ist Flexibilität.
Ich habe bereits über einige der seit langem vertretenen Einstellungen gesprochen, die wir meiner
Ansicht nach aufgeben müssen. Wir müssen auch die
Einstellungen zum Leben und den bedeutenden
politischen Ziele aufgeben, die von unseren Gesellschaften vorgegeben werden. Häufig tendiert die
Politik dazu, in vielen Bereichen sozialen Wandel mit
sich zu bringen.
Sowohl in unseren Gesellschaften als auch zwischen
den Ländern basieren unsere Beziehungen jetzt
wieder sehr viel mehr auf dem, was Unternehmen,
Einzelpersonen, Gemeinden, Gruppen wie die "Initiative Berlin-USA" und zwangsläufig Menschen wie ich
tun. Wir haben noch eine gewisse Funktion und
werden vermutlich noch eine Weile da sein. Aber was
die Menschen in einem Zeitalter miteinander machen,
in dem die "Tagesschau" auf dem Internet in Kansas
City empfangen werden kann, wird sehr viel bedeutender und sehr viel weniger kontrollierbar sein als das,
was jede einzelne Regierung tun kann. Das heißt, wir
müssen uns vor Augen führen, daß Stabilität nur eine
Grundlage für Veränderung und nicht die Ausrede
dafür sein kann, neue Herausforderungen zu umgehen.
Wir sind der Garant für Stabilität in Europa, das steht
außer Frage. Unsere Präsenz bietet Deutschland
auch eine glaubwürdige Grundlage für eine stärkere
Rolle in Europa. Wir sind jedoch ebenfalls der wichtige
Motor für Wandel und eine der wichtigsten Rollen
Deutschlands wird - wie ich bereits ausführte - in der
Zusammenarbeit beim Verständnis dessen, was
Wandel ist, beim Verdauen dieser Veränderungen und
ihrer Umsetzung in praktische Lösungen für Europa
bestehen. Offensichtlich bedeutet es nicht, daß alles
in unseren Gesellschaften identisch sein wird. Unsere
Geschäfte werden 24 Stunden lang geöffnet sein,
unabhängig davon, was der Bundestag entscheidet.
Aber die amerikanische Definition des Wandels wird
eine europäische Interpretation benötigen sowie die
Fähigkeit und Stärke zu ihrer Durchführung.
Und hier in Deutschland, einem Land mit einer Tradition des Wandels im 20. Jahrhundert, mit einer starken
bildungs- und industriellen Basis, mit einer nur 80
Kilometer von hier entfernten Grenze nach Polen, mit
einem starken Impuls zu Veränderungen, weil es
Länder an seinen Grenzen hat, die mit dem Status quo
nicht einverstanden sind, die sich rasch entwickeln und
auf Deutschland als Partner bei diesem Wandel

Seite 5

�blicken, wird die Fähigkeit zur Bewältigung dieses
Wandels der Schlüssel sein. Auch bei Ihnen ist
natürlich ein Drittel Ihres Landes, das aus derselben
Geschichte entstanden ist wie diese Länder, nicht
zufrieden mit dem Status quo, und daher wird das
Drängen nach neuen Lösungen in Deutschland größer
sein als andernorts in Europa. Und fügen Sie diesen
starken Banden, die wir bereits haben, sowie unseren
starken kulturellen und familiären Wurzeln die große
Zahl von Menschen in den Vereinigten Staaten hinzu,
die auf eine deutsche Abstammung zurückblicken,
sowie eine große Zahl amerikanischer Soldaten, die
hier gedient haben.
Sie sehen, daß die neue Partnerschaft, die wir haben,
in einer Weise gleichberechtigt ist, die wir noch vor
zehn Jahren nicht vorhersahen, als diese Organisation
gegründet wurde. Sie wird und sollte weder bei
militärischer Stärke gleichberechtigt sein, noch bei
Bevölkerungsdichte oder Gebieten. Sie wird jedoch
gleichberechtigt sein im Hinblick auf den Beitrag, den
jeder von uns zur Definition einer neuen Synthese in
Europa leisten kann, zur Definition, wie Europa und
Nordamerika die uns konfrontierenden dramatischen
Veränderungen bewältigen werden, und letztlich zur
Definition, wie unsere Völker erfolgreich in der neuen
Welt zusammenleben können, an deren Schwelle sie
stehen.

* *

Seite 6

Wenn diese Rede wie eine Werbekampagne für die
"Initiative Berlin-USA" klingt, dann war das natürlich
beabsichtigt. Denn ich strebe genau die grundlegenden, persönlichen Kontakte an der Basis an, die immer
die starken Bande zwischen den Vereinigten Staaten,
Europa und Deutschland ausgemacht haben, von
denen viele jedoch manchmal sagen, sei seien nicht
länger nötig wegen des Internet, wegen der Flugzeuge
und wegen der großen Umwälzungen der Geschichte,
die uns erfassen. Ich glaube, wir alle wissen, daß
große Umwälzungen der Geschichte gut sind. Das
Problem ist, sie erfassen uns und schleudern uns
manchmal durch die Tür, wenn man nicht weiß, was
vor sich geht. Und man weiß nur, was vor sich geht,
wenn man miteinander spricht und zu verstehen
beginnt, wie beispielsweise ethnische Konflikte,
Computer, Viren oder was immer täglich bewältigt
werden. Und das tun Organisationen wie diese.
Wir sollten also beide äußerst optimistisch bezüglich
der Zukunft unserer Partnerschaft und - es erübrigt
sich zu sagen - der "Initiative Berlin-USA" sein. Am
optimistischsten sollten wir jedoch meiner Ansicht nach
- und einige mögen überrascht sein, daß ich das sage
- bezüglich der Fähigkeit unserer beiden Gesellschaften zu Veränderungen sein, um die vor uns
liegenden großen neuen Herausforderungen zu
meistern. Ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 03

�ABRÜSTUNG
12. Februar 1997

Kreative Bestrebungen zur
Rüstungskontrolle unerläßlich
Rede von ACDA-Direktor John Holum

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA), John Holum, am 9. Januar 1997 beim Seminar
über Rüstungskontrolle des Forschungsdienstes des Kongresses gehaltene Rede in Auszügen.

Ich sehe Rüstungskontrolle als nationale Sicherheitsangelegenheit. Wichtige Rüstungskontrollverhandlungen mit Rußland über strategische Waffen sind
noch nicht abgeschlossen - dem Land, das, wie Sie
wissen, eine überwältigende nukleare Zerstörung über
die Vereinigten Staaten bringen könnte.
Wir beginnen erst, die Bestimmungen der STARTVerträge zu nutzen, indem wir Tausende von Waffensystemen beseitigen. Das Inkrafttreten von START I
zwang die Ukraine, Kasachstan und Belarus zur
offiziellen Aufgabe ihre nuklearen Option und der nach
den Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem
Territorium verbliebenen Waffen. Das taten sie Ende
1994 - und die letzten Waffen wurden im vergangenen
Monat aus Belarus abgezogen. Vor uns liegen jedoch
noch sechs weitere Jahre harter Arbeit an der Umsetzung von START I - der Verifizierung, daß Raketen
zerlegt und Silos aufgefüllt sowie Verhandlungen über
die Auslegung des Vertrags und seine Einhaltung
geführt werden.
START II - die Beendigung des Abbaus der Arsenale
um zwei Drittel und die Beseitigung der letzten SS-ISRaketen - muß von Rußland noch ratifiziert werden.
Mehrere Duma-Mitglieder beschweren sich, daß der
Vertrag von Rußland die Beseitigung von Raketen mit
Mehrzweckgefechtsköpfen und dann den Bau neuer
Raketen mit einem Gefechtskopf fordert, um die Parität
mit uns zu wahren.
Aber sie müssen die realistischen Optionen Rußlands
berücksichtigen. Ohne START II werden die Vereinigten Staaten 6.000 Waffen im Rahmen von START I

AMERIKA DIENST 03

beibehalten, wobei Rußland nur mit ruinösen Ausgaben gleichziehen könnte - und es gäbe praktisch
keine Aussicht auf Verhandlungen über einschneidendere Reduzierungen. Mit START II wird Rußland eine
tatsächliche Parität mit 3.000 bis 3.500 Gefechtsköpfen
haben und - wie Präsident Clinton erklärte - wir
könnten unverzüglich Verhandlungen über weitere
Begrenzungen und Reduzierungen aufnehmen, die
das Aufrüstungsproblem vermeiden könnten. Wir
haben Rußland gegenüber klargestellt, daß START II
die Tür zu START III ist, und daran geht kein Weg
vorbei.
Gleichzeitig wurde unsere Rüstungskontrollagenda mit
Rußland erweitert und bezieht jetzt das sogenannte
"loose nukes"-Problem mit ein. Führen Sie sich vor
Augen, daß das größte Hindernis für jemanden, der
eine Atomwaffe bauen will, nicht die Technologie,
sondern das Material ist - das hochangereicherte Uran
oder Plutonium.
Dieses entscheidende Material und die damit in
Zusammenhang stehende Intelligenz werden aus dem
Waffenprogramm Rußlands freigesetzt, um vielleicht
über durchlässige Grenzen an den falschen Ort zu
gelangen. Die Antwort besteht offensichtlich nicht in
der Beendigung der Reduzierungen - das hieße,
dieses Material in auf Raketen montierten Waffen zu
belassen, die die Vereinigten Staaten erreichen
könnten - sondern vielmehr im Einsatz aller erforderlichen diplomatischen, technischen, Strafverfolgungsund anderen Ressourcen um sicherzustellen, daß die
Experten anderweitig beschäftigt werden und das

Seite 1

�Material gesichert ist, bis es verbraucht oder unbrauchbar gemacht werden kann.
In der Zwischenzeit werden diese amerikanischrussischen Fragen von einer nicht geringeren Gefahr
überschattet: Der Verbreitung von - nuklearen, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und ihren Trägerraketen an verbrecherische
Staaten und Terroristen auf der ganzen Welt.
Über 40 Länder haben jetzt die technische
und materielle Fähigkeit zur Entwicklung von
Nuklearwaffen, sollten sie sich dafür entscheiden.
Über 15 Nationen haben zumindest Kurzstreckenraketen - und viele von ihnen wollen
Massenvernichtungswaffen beschaffen.
Ungefähr 20 Länder - von denen viele uns
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme, weitere 15 verfügen über
die Fähigkeit und Motivation dazu. Und
chemische Waffen wurden erst kürzlich in
einem Krieg vom Irak und von Terroristen in
der Tokioter U-Bahn eingesetzt.
Der Fall des Irak erinnert uns daran, daß
biologische Waffen auch für geächtete Regierungen und Gruppen attraktiv sind.
Und wenn wir uns an die Bombenanschläge
auf das World Trade Center und in Oklahoma
City erinnern, müssen wir uns fragen, um
wieviel schrecklicher das Leid wäre, wenn
auch nur primitive nukleare, chemische oder
biologische Waffen je in die falschen Hände
geraten würden.
Unser wichtigstes Instrument gegen die Verbreitung
von Nuklearwaffen ist der Nichtverbreitungsvertrag oder N W - gemäß dem Nichtnuklearwaffenstaaten
vollständig auf Atomwaffen verzichten und dies
bestätigen, indem sie ihre Nuklearprogramme zu
friedlichen Zwecken internationalen Sicherheitsvorschriften unterstellen. Der N W war die Grundlage für
mögliche internationale Aktionen gegen das nicht
bekanntgegebene Nuklearprogramm Nordkoreas - und
für andauernde Verifizierungen vor Ort, daß es wie
vereinbart weiter eingefroren ist.
1995 gelang es der Welt, den N W auf unbegrenzte
Zeit zu verlängern. Er nimmt auch an Universalität zu
und hat jetzt 184 Mitgliedstaaten - nur sechs Länder
sind nicht beigetreten. Eine wichtige Priorität - die wir
im März in die Praxis umsetzen wollen - ist jetzt die
weitere Stärkung seiner Sicherheitsbestimmungen. Es
sollen neue Technologien und der Zugang hinzugefügt
werden, wie etwa die Überwachung der Umwelt nicht
nur in unmittelbarer Nähe der bekanntgegebenen

Seite 2

Einrichtungen um sicherzustellen, daß Nuklearprogramme nicht vor den Inspektoren geheimgehalten
werden.
Der Name des Programms hierfür - "93 plus 2" - läßt
erkennen, daß wir nicht im Zeitplan liegen. Die
Entscheidung zur Verbesserung der Sicherheitsbestimmungen wurde 1993 getroffen, nachdem das
geheime Nuklearprogramm des Irak aufgedeckt
worden war. Und "plus 2" bedeutete, daß es bis 1995
abgeschlossen sein sollte. Wir üben weiterhin großen
Druck aus, vor allem gegen den Widerstand einiger
unserer Verbündeten, die anscheinend Probleme
haben, das richtige Gleichgewicht zwischen den durch
die Nuklearwaffen verbrecherischer Staaten entstehenden Gefahren und möglichen Unannehmlichkeiten für ihre Nuklearanlagen zu finden.
Der im vergangenen Jahr abgeschlossene und
demnächst dem Senat vorzulegende Vertrag über ein
umfassendes Verbot von Atomtests (Comprehensive
Test Ban Treaty - CTBT) wird ein weiteres Hindernis
für die Verbreitung von Nuklearwaffen darstellen.
Die Vereinigten Staaten haben weit über 1.000
Kernversuche durchgeführt - Hunderte mehr als jedes
andere Land. Jedes kleine bißchen weiteren Wissens,
das wir durch weitere Tests erlangen könnten, ist sehr
wenig wert verglichen mit dem Wert, den die Verhinderung weiterer Tests durch andere Staaten besitzt,
einschließlich verbrecherischer Staaten, die aus nur
wenigen Explosionen Quantensprünge an Fähigkeiten
erwerben könnten. Je mehr Nationen wir bei der
Lernkurve über Nuklearwaffen verzeichnen können,
desto sicherer sind wir.
Als ein weiteres Hindernis hat Präsident Clinton
angeordnet, daß wir unsere Bestrebungen in diesem
Jahr intensivieren, um die vollständige Einstellung der
Produktion von waffenfähigem spaltbarem Material
auszuhandeln. Diese vollständige Produktionseinstellung ist unsere beste Hoffnung, das Nuklearwaffenpotential von Nichtmitgliedstaaten des N W , einschließlich Indiens und Pakistans, zu beschneiden.
Eine weitere unmittelbare Priorität bei der Nichtverbreitung sind die Chemiewaffenkonvention (Chemical
Weapons Convention - CWC), die noch vom Senat
ratifiziert werden muß, und die Gesetze für ihre
Durchführung, denen beide Kammern zustimmen
müssen.
Die Uhr läuft - die Konvention muß bis zum 29. April
1997 ratifiziert werden, wenn die Vereinigten Staaten
Gründungspartei sein und ihre energische Umsetzung
beeinflussen wollen.
Überlegen Sie sich, warum wir diesen Vertrag benötigen. Mindestens 20 Länder - von denen uns viele
feindlich gesinnt sind - besitzen Chemiewaffen oder

AMERIKA DIENST 03

�streben ihre Beschaffung an. Sie sind auch für
Terroristen attraktiv, wie wir in der Tokioter U-Bahn
gesehen haben. Die Chemiewaffenkonvention wird
uns mehr Informationen über diese Bedrohungen an
die Hand geben - nicht zuletzt durch kurzfristig anberaumte Inspektionen verdächtiger öffentlicher oder
privater Einrichtungen - und sie wird diese Informationer einklagbar machen, weil schon der Besitz von
Chomiewaffen illegal sein wird, wohingegen er heute
völ, g erlaubt ist.
Die chemische Industrie der Vereinigten Staaten, die
die größte Last der routinemäßigen Bekanntgabe und
Inspektionen trägt, befürwortet den Vertrag vehement.
Auch unsere Militärs befürworten ihn in dem Wissen,
daß wir uns in einem Krieg weniger wahrscheinlich mit
Chemiewaffen konfrontiert sehen werden. Unsere
Strafverfolgungsbehörden möchten seine neuen
Instrumente gegen Terroristen im In- und Ausland
einsetzen. Und er verringert unsere eigenen militärischen Optionen nicht maßgeblich, weil wir bereits
ein 10 Jahre altes Gesetz anwenden, das die einseitige Beseitigung unserer Chemiewaffenarsenale
vorschreibt. Die reale Frage lautet also, ob wir die
übrige Welt zwingen sollten, das zu tun, was wir
bereits tun.
Die Chemiewaffenkonvention ist ein wertvolles Werkzeug. Und wenn wir in einer Welt mit vielen gefährlichen Nachbarn leben, sollten wir uns nicht die
vernünftigen Schutzmittel vorenthalten. In der Tat,
wenn die Vereinigten Staaten, die eine Führungsrolle
bei den Verhandlungen über diesen Vertrag übernommen haben, ihn jetzt aufgeben würden, würden wir uns
nicht nur seiner Vorteile berauben, sondern verbrecherischen Staaten Deckung geben und unsere
Führungsrolle bei der Eindämmung der Verbreitung
aller Massenvernichtungswaffen unterminieren gerade dann, wenn sie am meisten benötigt wird.
Diese Führungsrolle ist beispielweise auch bei biologischen Waffen erforderlich. Sie werden für gewöhnlich
in dieselbe Gruppe wie Chemiewaffen eingeordnet.
Gemessen an den potentiellen Auswirkungen auf das
menschliche Leben würden sie besser mit Nuklearwaffen verglichen.
Chemiewaffen werden weniger
todbringend, wenn sie verstreut sind. Aber biologische
Organismen sind lebende Dinge; in der richtigen
Umgebung können sie sich multiplizieren. Sie können
auch mutieren und der Behandlung widerstehen.
Die Konvention über biologische Waffen datiert von
1972. Aber sie hat einen wichtigen Mangel - sie ist
praktisch machtlos im Hinblick auf die Gewährleistung
der Einhaltung. Deshalb verhandeln wir jetzt in Genf,
um die Fortschritte bei der Technologie und den
Rüstungskontrolltechniken zu nutzen, damit auch
dieser Vertrag ein effektives Instrument wird. Präsident Clinton hat das zu einer weiteren Priorität in der
Rüstungskontrolle gemacht.

AMERIKA DIENST 03

Obwohl sie vornehmlich gegen Länder gerichtet sind,
können diese Verträge - und insbesondere die Gesetze zu ihrer Durchführung - einen wichtigen Effekt für
die Terrorismusbekämpfung haben. 1995 bestellte
beispielweise ein Mitglied einer Haßgruppe in Ohio auf
betrügerische Weise den Beulenpestbazillus per Post
von einem spezialisierten Anbieter in Rockville (Maryland). Der Auftrag wurde ausgeführt. Aber der
Anbieter benachrichtigte auch die Strafverfolgungsbeamten, die wiederum die Wohnung des MöchtegernTerroristen durchsuchten und die von ihm ausgebrüteten bösartigen Pläne vereitelten. Das geschah teilweise aufgrund eines Gesetzes - dem Gesetz zur Bekämpfung von Terrorismus mit biologischen Waffen -,
das wegen der Konvention über biologische Waffen in
den Geschäftsbüchern liegen muß.
Abschließend möchte ich kurz auf ein anderes Thema
eingehen. Wenn Sie sich das Potential von Waffen,
Schaden anzurichten, betrachten, denkt man offensichtlich zuerst an Massenvernichtungswaffen, die mit
einem Schlag ganze Städte ausradieren können.
Wenn man sich jedoch die tatsächlichen Auswirkungen betrachtet, muß man an konventionelle Waffen
denken, die routinemäßig ganze Städte ausradieren,
mit einigen wenigen Menschen auf einen Schlag.
Ein Weg, dieses Thema in Angriff zu nehmen, ist,
spezifische Waffen anzusprechen, die außerordentliche Auswirkungen haben - wie die Antipersonenminen,
die auf der ganzen Welt verstreut sind und jedes Jahr
ungefähr 25.000 Zivilisten töten oder zum Krüppel
machen, vor allem spielende Kinder oder Bauern, die
zu ihren Feldern zurückkehren wollen lange nachdem
der Krieg vorüber ist. Im vergangenen Jahr führten die
Vereinigten Staaten erfolgreiche internationale Verhandlungen über die Kontrolle von Minen an, die nicht
aufgespürt werden können oder sich nicht selbstzerlegen oder selbstdeaktivieren. Diese Zusätze zur
Konvention über konventionelle Waffen müssen
ratifiziert werden. Und in diesem Jahr werden wir
Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von
Antipersonenminen als weitere wichtige Rüstungskontrollpriorität aufnehmen.
Ein weiteres vorrangiges Instrument - für konventionelle Waffen sowie für Massenvernichtungswaffen - ist die
rigorose Kontrolle der Exporte.
Die Vereinigten
Staaten haben die schärfsten Kontrollen aller Länder
der Welt für konventionelle Waffen - und wir haben
vom Beratungsgremium des Präsidenten für die Politik
zur Verbreitung von Waffen sehr gute Ratschläge
erhalten. In einem der vielen Bereiche, in dem das
Gremium Empfehlungen aussprach, bauen wir zum
ersten Mal - in dem Wassenaar-Abkommen - eine
multilaterale Struktur auf, um konventionelle Waffen
anzusprechen, mit Konzentration auf den Waffentransfer in den Iran, Irak, nach Libyen und Nordkorea.

Seite 3

�Es ist jedoch meine feste Überzeugung, daß wir auf
der Nachfrageseite die größten Fortschritte bei
konventionellen Waffen erzielen. Zwischen 1988 und
1994 sanken die weltweiten Waffenlieferungen um 70
Prozent - von fast 70 Milliarden Dollar auf etwas unter
20 Milliarden Dollar. Das geschah nicht, weil die
Exporteure aufgehört hatten zu verkaufen, sondern
weil die Kunden nicht kauften. Und langfristig besteht
unsere effektivste Arbeit, selbst wenn sie nicht am
dramatischsten ist, in der Verstärkung dieses Trends durch regionale Kontrollregime wie den Vertrag über
konventionelle Streitkräfte in Europa (Conventional
Forces in Europe Treaty - CFE), vertrauensbildende
und Transparenzmaßnahmen, die die von regionalen
Spannungen ausgehende Gefahr eindämmen können.
Die Welt strotzt immer noch von der Überrüstung aus
den Zeiten des Kalten Krieges. Wir können nicht
hoffen, uns von dem leichteren potentiellen Zugang zu
zunehmend mächtigen Waffen isolieren zu können -

*

Seite 4

durch den die kriegerischen Herrscher verbrecherischer Staaten hoffen, dieses Land, unsere Interessen
und unsere Menschen zu gefährden.
Denn so weit wir in die Zukunft blicken können, wird
dies eine einzigartige Verteidigung der Vereinigten
Staaten erfordern. Und aus eben diesen Gründen wird
es beharrliche und kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle erfordern. Denn wir haben in einem
hart erkämpften Abkommen nach dem anderen
demonstriert, daß wir mit Rüstungskontrolle unser
Schicksal meistern, unsere Freiheit untermauern sowie
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand verbessern
können.
Ebenso wie zu jeder Zeit in der Vergangenheit muß
Rüstungskontrolle ein zentrales Element der Art von
Außenpolitik sein, die einer Großmacht in einer
gefährlichen Welt zukommt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 03

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA bleiben die unerlässliche Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Jahre Wirtschaftswachstum machen den amerikanischen Traum zur Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kreative Bestrebungen zur Rüstungskontrolle unerlässlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

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Information

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Information
und
Dokumentation

T e l e x : 0 8 - 8 5 4 32

Nummer 5

12. März 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

HINTERGRUNDMATERIAL
Der Erfolg von Wladiwostok
Von Gerard C. Smith

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ultraschallsonde für Herzdiagnostik

Neuartige Mikroskope

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

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Wirtschaft

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5/1975

NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

FRANKFURT - (AD) - Der bekannte amerikanische Finanzfachmann und Mitglied
des Gouverneurrates des amerikanischen Federal Reserve Systems (US-Bundesbank),
Henry C. Wallich, hat am 6. März 1975 im Amerika Haus Frankfurt einen Vortrag
über "neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem" gehalten. Die
Ausführungen von Wallich haben folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, im Amerika Haus Frankfurt über das
Internationale Währungssystem sprechen zu dürfen.

Durch die Nachrichten von

den Devisenmärkten wird uns fast täglich die Arbeitsweise dieses Systems vor
Augen geführt. Flexible Wechselkurse (floating rates) haben gute und weniger
gute Resultate gezeitigt.

Ein kurzer Rückblick erscheint angebracht, bevor wir

die Entwicklung des Weltwährungssystems in einem umfassenderen Rahmen untersuchen.

Flexible Wechselkurse

In einer Zeit ernster Zahlungsbilanzstörungen - durch die weltweite Inflation, die Öl-Situation, eigene spezifische Probleme der einzelnen Länder sowie
andere Faktoren hervorgerufen - waren flexible Wechselkurse wahrscheinlich der

�}

der einzige Weg, wie immer wieder auftretende Währungskrisen vermieden werden
konnten.

In dieser äußerst schwierigen Zeit haben der internationale Handel

und die internationalen Investitionen trotzdem prosperiert und vor allem der
Euro-Dollar-Markt hat beim Recycling der OPEC-Gelder Großes geleistet.

Flexible

Wechselkurse ließen ferner der Binnenwirtschaftspolitik einen weiteren Spielraum.

Aber es hat auch eine Anzahl schmerzlicher Nebenwirkungen, vor allem

einige sehr starke Schwankungen der Wechselkurse, gegeben.

Heute muß sich das System der flexiblen Wechselkurse einer neuen Bewährungsprobe unterziehen - es muß sich in einer weltweiten Hochkonjunktur und Inflation
bewähren.

Eine der bedeutsamen Erfahrungen aus der früheren Zeit war, daß

selbst Länder mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten die Flexibilität
der Wechselkurse nicht zu einer Senkung ihres eigenen Wechselkurses nutzten.
Die Besorgnis wegen der Inflation, die Erleichterung des Exports und ferner die
relative Leichtigkeit, mit der Zahlungsbilanzdefizite finanziert werden konnten,
ließen es ratsam erscheinen, den Wechselkurs hoch zu halten.

Erst die weiteren

Entwicklungen werden uns zeigen, wie die flexiblen Wechselkurse in einem neuen
i

Wirtschaftsklima funktionieren,

Wje werden sich die Defizite entwickeln?
I

Ein weiterer wichtiger Aspekt des internationalen Währungsbildes war das
Verhalten der Zahlungsbilanzen, vor allem ihrer laufenden Konten.

Für die Erd-

öl importierende Welt als Ganzes bildet der Überschuß der öl exportierenden
Länder einen Maßstab für das unabwendbare Gesamtdefizit in den laufenden Konten.
Es ist nicht länger angebracht, dies unter dem Gesichtspunkt eines Öl-Defizits
zu betrachten.

Das aus dem Ansteigen der Ölpreis,e resultierende ursprüngliche

Öl-Defizit ist modifiziert worden, und zwar nach unten durch eine Zunahme der
OPEC-Importe, durch die Einsparung von Erdöl sowie durch die Aussicht auf Produktionsstätten außerhalb des OPEC-Gebietes, und nach oben durch die wachsenden
Einkünfte aus den OPEC-Investitonen.

Aber es trifft immer noch zu, daß der

Überschuß der OPEC in den laufenden Konten das Defizit der öl importierenden
Länder in den laufenden Konten bestimmt.
Einzelne

�Einzelne Importländer können natürlich ihr Defizit in den laufenden Konten
verringern oder sogar einen Ausgleich oder einen Überschuß erzielen.

Von den

größeren Ländern haben Deutschland und Japan und in geringerem Maße auch die
Vereinigten Staaten es vermieden, in das Gesamtdefizit - im Falle der Vereinigten
Staaten sehr beträchtlich in das Gesamtdefizit - einbezogen zu werden, das 1974
wahrscheinlich eine Größenordnung von 60 Milliarden Dollar erreicht haben dürfte.
Dementsprechend hatten andere Länder einen sehr hohen Anteil.

Man kann unterschiedliche Kriterien dafür

festsetzen, was als optimale

Verteilung des unabwendbaren Gesamtdefizits gelten könnte. Die Wirtschaft lehrt
uns, daß das Kapital dahin geht, wo es am produktivsten arbeitet.

Daher sollten

solche Länder Defizite haben und diese durch Kapitalimporte finanzieren, die das
Geld am produktivsten einsetzen können.

Hiermit sagt uns die Wirtschaft nicht

viel.

Man kann dies einmal unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Länder
es sich - gemessen an ihrem Lebensstandard und anderen Bedingungen - am wenigsten leisten können, ihr öl mit Exporten zu bezahlen.

Daraus würde sich er-

geben, daß diesen Ländern eine Möglichkeit eingeräumt werden sollte, den tatsächlichen Transfer der Hilfsquellen durch Kreditaufnahmen hinauszuschieben.
Gemäß diesen Kriterien helfen die Länder, die Überschüsse oder nur geringe Defizite ausweisen, den anderen Ländern indem sie einen größeren Teil der Kosten
für die Beschaffung von OPEC-Öl auf sich nehmen.

Dies setzt natürlich voraus,

daß die Länder mit großen Defiziten eine Finanzierung - durch Recycling oder
durch die OPEC-Länder - finden können.

Aber die Finanzierung kann, zumindest für einige Länder, leicht zum Hauptproblem werden.

In diesem Falle wäre der bessere Weg für die Aufteilung des Ge-

samtdefizits, wenn die Länder, die nur schwer eine Finanzierung finden können,
Maßnahmen zur Verringerung des Defizits treffen würden.

Eine Anpassung in der

entgegengesetzten Richtung wäre für solche Länder angebracht, die eine Finanzierung übernehmen können oder über Reserven verfügen.

Sollte sich gar heraus-

stellen, daß in diese letzteren Länder ebenfalls in bedeutendem Ausmaß OPECInvestitionsgelder einfließen, so würde ihnen die möglicherweise schwierige Wahl
- 3-

�1

I
Wahl zwischen einem Recycling dieser Gelder und einem Ansteigen ihrer Wechselkurse leichter fallen.

Management der Zahlungsbilanzen

Das Management der Zahlungsbilanzen kann sich auf zahlreiche Techniken
stützen, mit denen die Industriestaaten einige der wenige? wünschenswerten Techniken, wie Handelskontrollen, verhältnismäßig erfolgreich vermieden haben.

In zahlreichen Ländern bestehen weiterhin Kapitalkontrollen und sie sind
hier und da noch verstärkt worden, manchmal mit dem Ziel, Geldzuflüsse zu begrenzen.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr die Kapitalabflußkontrollen

aufgehoben, die Anfang der sechziger Jahre zum Schutz des Dollar eingeführt worden
waren.

•

Ein Management der Zahlungsbilanzen durch Wechselkursanpassungen, die markt-,
orientierte Alternative zu direkten Kontrollen, ist seltsamerweise ebenfalls
weitgehend ausgeblieben.

Aus Gründen, die ich bereits untersucht habe, haben

es Länder mit schwerwiegenden Ungleichgewichten in ihren laufenden Konten vorgezogen, ihre Wechselkurse nicht frei auspendeln zu lassen.

In einigen Fällen

hat dies massive staatliche Interventionen oder entsprechende Maßnahmen auf den
Devisenmärkten notwendig gemacht.

Die Richtlinien für eine Intervention bilden einen wichtigen Bestandteil
der "Interimsmaßnahmen" für eine Reform des internationalen Währungssystems, die
vom Zwanzigerausschuß ausgearbeitet und von den Exekutivdirektoren des internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlen worden sind.

Die Beziehungen zwischen

den "IWF-Richtlinien für ein Floaten" und der gegenwärtigen Interventionstätigkeit auf den Devisenmärkten verdienen es daher, untersucht zu werden.

Die "Richtlinien für ein Floaten" fordern, daß die Mitgliedstaaten durch
tägliche und wöchentliche Interventionen einen geordneten Markt aufrechterhalten.
Sie gestatten den Ländern ferner Zielzonen für die Wechselkurse und die Reserven
- 4 -

�Reserven festzulegen.

Die einzelnen Länder haben ein beträchtliches Maß an

Aktivität, was die erste Art anbetrifft, entwickelt, um geordnete Märkte aufrechtzuerhalten.

Die Regeln haben sich in dieser Beziehung seit den Tagen

starrer Wechselkurse etwas geändert und tägliche Wechselkursveränderungen von
einem Prozent sind keine große Seltenheit mehr.

Die Märkte haben jedoch weiter-

hin Transaktionen durchgeführt und unter diesem System im allgemeinen gut
funktioniert.

Zonen für Wechselkurse oder für Reserven, die in Konsultationen mit dem
IWF festgelegt werden müßten, sind bisher noch von keinem Land vorgeschlagen
worden.

Einige Länder haben jedoch auf dem Devisenmarkt in einer Weise

operiert, die sich nicht mehr allzu sehr von dem unterscheidet, was als Operieren unter einem Zonenverfahren gelten könnte.
Staatliche Kreditaufnahmen, auf dem Euro-Dollar-Markt, beim IWF, bei der
OPEC und bei anderen Stellen, bildeten eines der Mittel, um eine solche Interventionspolitik zu ermöglichen.

Angesichts der Größenordnung der heutigen

internationalen Kapitalflüsse müßten Interventionen, so lange keine Beschränkungen für die internationalen Kapitalflüsse bestanden, in einem sehr großen
Umfang erfolgen.

Die für wirksame Interventionen erforderlichen Beträge dürften

ferner je nach dem Zustand des Marktes ebenfalls sehr unterschiedlich sein.
Wenn an der Auffassung über Wechselkurse festgehalten wird, dann können die
auf Grund solcher Ansichten in Bewegung gesetzten Geldmengen sehr groß sein
und kleine Interventionen werden wahrscheinlich einfach untergehen. Wenn der
Markt in seinen Ansichten unsicher ist, kann ein Zeichen der intervenierenden
Stelle bereits genügen, um eine sich selbst tragende Bewegung in der von der
betreffenden Behörde gewünschten Richtung in Gang zu setzen.

Es ist ganz klar,

daß Interventionen, sollen sie Aussicht auf Erfolg bieten, nicht gegen allgemein
bekannte Trends erfolgen sollten und können. Langfristig sind es gerade diese
grundlegenden Aspekte, heute vor allem die Inflationsrate, die die Oberhand
behalten dürfte.

Die "Richtlinien für ein Floaten" müssen unter diesen Ge-

sichtspunkten gelesen werden.

Irgendwo
- 5-

�»

Irgendwo zwischen den täglichen Schwankungen und den fundamentalen Trends
gibt es bei den Wechselkursen Bewegungen, die temporäre Faktoren reflektieren.
Es könnte dies ein Unterschied in der Intensität oder, wie dies häufig schon
der Fall war, ein Unterschied in der Phase des internationalen Wirtschaftszyklus sein.

Nach der Auffassung des alten Bretton Woods Systems hätten sol-

che zyklischen Ungleichgewichte eine Änderung des Wechselkurses nicht gerechtfertigt, solange mit einer Umkehr dieser Bewegung gerechnet werden konnte. Von
den Ländern wurde erwartet, daß sie ihre Währungsreserven einschließlich der
IWF-Ziehungsrechte einsetzen und notfalls binnenwirtschaftliche Instrumente der
Wahrungs- und Haushaltspolitik mobilisieren, um eine solche Zeit zu überbrücken.

Unter einem System flexibler Wechselkurse ist dieses Problem keineswegs
entfallen, wie wir dies heute sehen können. Wir sind jedoch unter anderem gerade deshalb zu flexiblen Wechselkursen übergegangen, weil man erkannt hat, daß
die binnenwirtschaftliche Wahrungs- und Haushaltspolitik einen größeren Spiel- ,
räum braucht, als dies beim Bretton Woods System unter den Bedingungen möglich
war, wie sie Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre bestanden. Somit wäre der Einsatz von Währungsreserven für Interventionen das Hauptmittel,
um zyklische Wechselkursschwankungen zu vermeiden, es sei denn, daß die betroffenen Länder es als in ihrem Interesse erachten, starke Wechselkursbewegungen durch eine entsprechende Währungspolitik zu verhindern.

Unter dem alten System der starren Wechselkurse, als noch Vertrauen in
diese Wechselkurse bestand, würden die privaten Marktteilnehmer den Behörden
bei den Bemühungen geholfen haben, die Spekulation zu stabilisieren.

Heute be-

steht die gleiche Möglichkeit, aus der Stärke oder Schwäche einer Währung, die
für temporär erachtet wird, Nutzen zu ziehen. Aber Ansichten dieser Art sind
heute weniger fest und die Unsicherheiten sind größer, als dies früher der Fall
war.

Eine Stabilisierung der Spekulation dürfte daher nicht mehr so wirksam

durchzuführen sein, wie früher.
lichen Reserven.

Damit erhöht sich die Bedeutung der staat-

Aber dies gibt uns keinen Hinweis dafür, inwieweit diese

Reserven eingesetzt werden, um Wechselkursschwankungen auszugleichen, die ihrer
Art nach für zyklisch gehalten werden.

Das Dollar-Problem heute ist meines Er-

�Erachtens in erster Linie von solcher zyklischer Natur.

Die Position des Dollar

Bisher ist der Dollar weiterhin die Hauptreserve- und Interventionswährung.
Der Dollar wird von ausländischen Zentralbanken entsprechend ihrer eigenen
Wechselkursziele gekauft, verkauft und gehalten.

Für die Vereinigten Staaten ruft

dies eine Situation hervor, die nicht gänzlich verschieden ist von der, wie sie
vor Beginn des Floating existierte.

Andere Länder bestimmen weitgehend den Wechsel

kurs des Dollar in dem Maße, in dem dieser Kurs durch Intervention beeinflußt
wird.

Eines der amerikanischen Ziele in der internationalen Währungsreform
besteht darin, ein größeres Maß an Einfluß auf den Wechselkurs des Dollar zu
gewinnen.

Ein Weg, um einen solchen Einfluß auszuüben, ist die Intervention

in einem System der flexiblen Wechselkurse.

Die weltweite Verwendung des Dollar

zur Intervention durch andere Währungsbehörden, um den Wert ihrer eigenen Währungen zu beeinflussen, tendiert jedoch dahin, die Wirkung der Intervention im
Sinne der Beeinflussung des Dollarwertes weitgehend aufzuheben.

Darüber hinaus

kann die Intervention heute ganz neue Formen annehmen, Regierungen oder politische Untergruppierungen oder amtliche Einheiten können auf dem Euro-DollarMarkt Geld aufnehmen, mit dem letztlichen Ziel, die Wechselkurse zu beeinflussen.
Es ist nicht notwendig, daß die so aufgebrachten Mittel an die Zentralbank gehen.
Wenn die aufnehmende Institution sie direkt auf dem Markt verkauft, so ist die
Wirkung mehr oder weniger die gleiche wie die eines Verkaufes durch die Zentralbank.

Damit wird die Geldaufnahme zu einem der Hauptaspekte der Währungspolitik.

Als mittelfristige oder langfristige Kapitalimporte betrachtet, werden diese
Geldaufnahmen ein Teil der Gesamtzahlungsbilanz-Eingänge und gleichen damit
laufende Kontodefizite aus.
importen.

Ihr Hauptzweck ist heute die Finanzierung von öl-

Aber diese Bewegungen stellen gleichzeitig eindeutig eine Komponente

der Währungs- und Interventionspolitik dar und sind damit zu einem wichtigen
neuen Charakteristikum des neuen Währungssystems geworden.
Das
- 7-

�i

Das Ziel derartiger Dollarinterventionen durch Drittländer braucht nicht
darin zu bestehen, den Kurs zwischen dem Dollar und der fraglichen Währung zu
beeinflussen.

Die Intervention kann in erster Linie darauf abzielen, den Kurs

zwischen dieser Währung und dritten Währungen zu beeinflussen, wie beispielsweise
jener der Schlange oder anderer Währungen der Europäischen Gemeinschaft. Wenn
man jedoch

Dollar auf den Markt bringt - oder sie aus dem Markt zieht - dann

muß dies den Kurs des Dollar im Verhältnis zu allen Währungen verändern. Wenn
Dollar verkauft werden, dann wird das Angebot an Dollar-Aktiva in der Welt erhöht und, wenn Dollar gekauft werden, dann wird es verringert.

Das hat die

üblichen Folgen, die sich aus jeder Veränderung im Verhältnis von Angebot und
Nachfrage ergeben.

Der Umfang der Aktiva auf den Geldmärkten der Welt ist sehr groß und man
müßte daher eigentlich annehmen können, daß die Verwendung von Dollar zu Interventionszwecken das weltweite Verhältnis von Angebot und Nachfrage an Dollar
nicht sehr stark verändern würde.

Das ist in der Tat so, wie sich aus den

relativ mäßigen Schwankungen des Dollar an seinem handelsgewichteten Effektivkurs gegenüber den Währungen der großen Industrieländer ablesen läßt.

Im Jahre 1974 schwankte der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar - an
einem gewichteten Durchschnitt des Dollarpreises im Verhältnis zu zehn großen
Ländern gemessen - von einem Hoch von 11,5 Prozent Abwertung im Januar gegenüber Wechselkursen im Mai 1970 und einem Tief im Mai von 18,3 Prozent Abwertung,
was eine Schwankung von etwa 8 Prozent im handelsgewichteten Wechselkurs des
Dollar gemessen an diesem besonders gewichteten Durchschnittsmaßstab ausmacht.
Im Jahre 1975 ist der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar bisher um etwa
3,5 Prozent zurückgegangen.

Die Veränderungen des Dollarwertes gegenüber be-

stimmten europäischen Währungen sind jedoch in der letzten Zeit sehr viel größer
gewesen.

Im Jahre 1974 lag der Höchstkurs des Schweizer Franken gegenüber dem

Dollar etwa 29 Prozent über seinem Tiefstkurs und der höchste Dollarpreis für
die Deutsche Mark lag in jenem Jahr fast 15 Prozent über dem Tiefstkurs.

Dieses

Jahr haben die Schweizer Franken und die Deutsche Mark bisher gegen den Dollar
um etwa jeweils 5 Prozent und 4 Prozent gewonnen.
Das

�Das Auftreten von sehr viel größeren Schwankungen als jenen des handelsgewichteten Kurses oder jener des Dollar gemessen an den Sonderziehungsrechten
wird durch die Tatsache verstärkt, daß einer der Hauptdevisenmärkte für die
Dollarintervention der Markt für Deutsche Mark ist.

Es wird ferner durch die

Art und Weise intensiviert, in der Wechselkurse in der öffentlichen Diskussion
und vor allem in der Presse behandelt werden.

Es liegt vielleicht in der Natur

der Sache, daß jedes Land eine Einstellung einnimmt, die man vielleicht als
ptolemäische Schau seiner Währung im Verhältnis zu den übrigen Währungen bezeichnen kann.

Die eigene Währung wird als feststehend betrachtet und die

anderen Währungen einschließlich des Dollar werden in Auf- und Abbewegungen gesehen.

So kommen die bekannten Schlagzeilen zustande, daß der Dollar heute

um x-Prozent gefallen - oder gestiegen - sei. Eine kopernikanische Schau der
Devisenmärkte würde davon ausgehen, daß die eigene Währung als sich auf- und
abbewegend angesehen wird - nicht so sehr gegenüber dem Dollar allein, sondern
gegenüber der Gesamtheit der anderen Währungen, das heißt, gemessen an ihrem
handelsgewichteten Kurs oder gegenüber den Sonderziehungsrechten.

Die koperni-

kanische Schau scheint jedoch hauptsächlich nur in der amerikanischen Presse
vertreten zu sein, wenn die Korrespondenten ihre Berichte über die Devisenmärkte
im Ausland mit solchen Schlagzeilen versehen wie:

Dollar fällt - oder steigt -

in Zürich.

Während also die übliche Form der Registrierung von Kursbewegungen auf
den Devisenmärkten das Auftreten von Schwankungen in einem stärkeren Licht erscheinen läßt, so ist es doch ohne Frage richtig, daß die Schwankungen des
Dollar ein ernstes Problem darstellen.

Es ist einfach nicht möglich, wie dies

manche wissenschaftliche Verfechter der flexiblen Kurse fordern, die Kursbewegung zu ignorieren und die amerikanische Regierung hat dies auch niemals getan.
Unter den gegenwärtigen Umständen wird die Notwendigkeit einer bewußteren Politik seitens der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Dollar immer deutlicher.
Eine solche Politik müßte natürlich auf ein Gleichgewicht ausgerichtet sein und
nicht auf zwecklose Versuche, die fundamentalen Trends zu bekämpfen.
sich um eine Politik der Kooperation handeln.

Es müßte

Vor allem in einer Zeit, in der

die umfangreiche Verwendung des Dollar zu Interventionszwecken den Dollarkurs
in einer Weise verzerren könnte, die niemand wünscht, müßte eine solche Politik
- 9 -

�Politik zur Erreichung eines besseren Gleichgewichts für alle Länder beitragen.

Die Dollarpolitik

Eine solche Politik muß mit grundsätzlichen Dingen anfangen.

Die Ver-

einigten Staaten unternehmen gegenwärtig eine gleichlaufende Anstrengung, um
eine Rezession zu überwinden, die im vorigen Jahr begann, und einer Inflation
ein Ende zu setzen, deren Ursprung schon ein Jahrzehnt zurückliegt.

Die Welt

kann schwerlich gedeihen, wenn nicht die Vereinigten Staaten ihre Prosperität
zurückgewinnen.

Auf den Devisenmärkten der Welt kann schwerlich wieder Ver-

trauen und Stabilität einziehen, solange die Aussichten für die Vereinigten
Staaten als ungewiß angesehen werden.

Aber ebensowenig werden diese Märkte

zu solide begründeten Wechselkursen zurückkehren können, solange die Inflation
nicht besiegt ist.

Die Vereinigten Staaten haben eine große Anstrengung unter- .

nommen, um ihre Inflation zu überwinden, und große Opfer an Produktion und Beschäftigung gebracht.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese

Opfer durch einen höheren Stand der Wirtschaftstätigkeit und des Wachstums in
einer inflationsfreien Wirtschaft wiedergutgemacht werden.

Gegenwärtig wird

die Hauptanstrengung zur Überwindung der Rezession an der Fiskalfront gemacht,
wo die geringste Gefahr besteht, einen negativen Druck auf die Zahlungsbilanz
zu erzeugen.

Die Schwere der Rezession hat die amerikanische Zahlungsbilanz in eine
negative Richtung gelenkt, wie dies bei den meisten anderen Rezessionen der
Fall war.

Während in der bisherigen Geschichte die laufenden Konten in einer

Rezession einen besseren Stand erreichten, haben die Kapitalabflüsse wegen der
niedrigen Zinssätze diese Wirkung oft aufgewogen und die Gesamtzahlungsbilanz
in das Defizit gedrängt. Bei der gegenwärtigen Rezession haben die steigenden
Kosten der Ölimporte und die scharf rückläufigen Auslandsprofite der ölgesellschaften trotz der bremsenden Wirkung auf Importe durch die Rezession ein steigendes Defizit der laufenden Konten hervorgerufen.

Die auf ein gemäßigtes

Wachstum der Geldaggregate ausgerichtete Politik der amerikanischen Bundesbank
hat in der Zwischenzeit zu einer Abwärtsbewegung der Zinssätze geführt, da das
- 10 -

�das Geldangebot in dem Maße stagnierte, wie die Wirtschaft ihre Nachfrage nach
Transaktionen verringerte.

Diese im wesentlichen zyklischen Entwicklungen haben

zur Schwäche des Dollar beigetragen.

Während der letzten Monate verlangsamte sich die Inflation deutlich.

Der

Verbraucherpeis bewegte sich in den letzten Monaten mit einer nachlassenden
Jahresrate, die im Januar 8 Prozent erreichte.

Der Großhandelspreisindex ist

seit zwei Monaten praktisch stabil. Dies sind wichtige Meilensteine auf dem
Wege zu einem besseren Preisverhalten.

In den Vereinigten Staaten und im Ausland sind Besorgnisse laut geworden,
daß die fiskalische Expansion exzessiv werden und daß dies zu erneuter Inflation und Schwächung des Dollar führen werde. All jene, die an diesem pessimistischen Bild festhalten, sollten jedoch nicht vergessen, daß die unmittelbare Auswirkung exzessiver Regierungsdefizite darin bestehen würde, die Zinssätze hoch zu treiben, was wiederum die Gefahr brächte, den Wiederaufschwung
abzuwürgen. Während neuerliche Inflation dazu führen könnte, den Dollar zu
drücken, wäre dies bei höheren Zinssätzen und einem gedämpften Wiederaufschwung
nicht der Fall.

Ich halte jedoch einen Verlauf der Dinge für sehr viel wahr-

scheinlicher, der die Vereinigten Staaten mit einer ständig sinkenden Inflationsrate zur Prosperität zurückführt.

In dieser Situation wäre der Dollar in

einer Position, seine fundamentale Stärke zu demonstrieren.

In der Zwischenzeit schreitet die Entwicklung des internationalen Währungssystems zu neuen Strukturen und Institutionen fort.

Es ist ein Fonds zur finan-

ziellen Unterstützung geschaffen worden, um den dringenden Bedarf von Ländern
zu decken, die keinen Zugang zu Krediten haben oder diese nur zu unannehmbaren
Bedingungen bekommen könnten.

Es ist Übereinstimmung darüber erzielt worden,

den Umfang des Internationalen Währungsfonds zu vergrößern.

Es ist einiger Fort-

schritt in Richtung auf eine bessere Definition der Verpflichtungen jener Länder
erzielt worden, deren Währungen floaten, sowie ihrer Rechte, eine solche Regelung

zu wählen - eine Definition gemäß den IWF-Richtlinien für ein Floaten -

die die Vereinigten Staaten angesichts der weltweiten Benutzung des Dollar,
über die der IWF keine Kontrolle ausüben kann, als entscheidend wichtig be- 11 -

�betrachten. Eine bessere Einigung über die Mittel und Wege zur Verringerung
der Rolle des Goldes, wie im Zwanziger-Ausschuß vereinbart, ist ebenfalls im
Gange.

All dies zusammengenommen läuft nach meiner Überzeugung auf einen Be-

richt des Fortschritts hinaus.

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5/1975

DER ERFOLG VON WLADIWOSTOK
Von Gerard C. Smith

Gerard C. Smith, der heute als Anwalt in
Washington tätig ist, war von Anfang 1969
bis Anfang 1973 Direktor des amerikanischen
Amtes für Abrüstung und Rüstungskontrolle
(ACDA) und leitete in dieser Zeit auch die
Delegation der Vereinigten Staaten bei den
Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit der Sowjetunion.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
"Wall Street Journal"
Copyright 1975 Dow Jones and Company, Inc.

Es gibt Leute, die das Übereinkommen von Waldiwostok über strategische
Rüstungen kritisiert haben, weil es in seinen Begrenzungen der Zahl der Abschußeinrichtungen für ICBM (Interkontinentalraketen zu Lande), SLBM (unterseebootgestützte Raketen) und schwere Bomber nicht weitgehend genug sei, weil
es nur teilweise verifizierbar sei und weil es solche qualitativen Begrenzungen
wie die Nutzlast (throw-weight) nicht einschließe.

Worauf es in Wladiwostok vor allem ankam, war, die Sowjets dazu zu bringen,
daß sie auf die von ihnen gestellte Bedingung verzichteten, - nämlich daß ihnen
- 1 -

�«

^

ihnen mehr strategische Abschußeinrichtungen zugestanden werden müßten als den
Vereinigten Staaten, weil die USA in Europa und im Fernen Osten bestimmte Nuklearsysteme in vorgeschobener Position disloziert hätten ("forward based
Systems") - und einer gleichen Zahl von strategischen Abschußeinrichtungen für
beide Seiten zuzustimmen.

Die Sowjets gingen dabei wahrscheinlich von der

Überlegung aus, daß bei der relativ hohen Gesamtzahl (2400) der zugestandenen
Abschußeinrichtungen die große Anzahl der in Europa und im Fernen Osten dislozierten taktischen Nuklearwaffen der USA keine besondere strategische Bedeutung
hätte.

Vielleicht haben sie sich aber auch überlegt, daß es für sie in psy-

chologischer Hinsicht weniger schmerzhaft wäre, bei der auf 2400 Abschußeinrichtungen festgesetzten Höchstzahl zu verbleiben, indem sie veraltete Abschußeinrichtungen nach und nach durch moderne ersetzten, sobald diese einsatzbereit wären, als für die Vereinigten Staaten, die diese Höchstgrenze durch neue
Konstruktionen erreichen müssen.

Die Sowjets beurteilen allem Anschein nach die Aussichten günstig, daß
die Vereinigten Staaten während der verhältnismäßig kurzen achtjährigen Dauer
des Vertrages den Ausbau der Abschußeinrichtungen nicht bis zu der festgesetzten Höchstgrenze bringen würden und damit der zahlenmäßige Vorteil der
Sowjets erhalten bleibt. Diese Vermutungen würden sich bestätigen, wenn die
Sowjets künftig jegliche weiteren Reduzierungen mit erneuten Ausgleichsforderungen
an die vorgeschobenen amerikanischen Nuklearsysteme koppeln würden.

Welche Mo-

tive die Sowjets auch immer bewogen haben mögen, so ist doch die Tatsache, daß
sie das Prinzip der Gleichwertigkeit für die strategischen Abschußeinrichtungen
akzeptiert haben, sehr bemerkenswert.

Was die festgesetzte Höchstgrenze für die Abschußeinrichtungen anbetrifft,
so ist vielleicht bemerkenswert, daß die Zahl 2400 etwa der Größenordnung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte vor rund zehn Jahren entspricht.
Diese Zahl kommt der von den Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen
vorgeschlagenen ziemlich nahe, so daß man vermuten darf, sie wäre, wenn die
Sowjets sie bei jenen Verhandlungen zum Vorschlag gebracht hätten, akzeptabel
gewesen.

Sie würde Reduzierungen von seiten der Sowjetunion von den im SALT

I-Interimsabkommen vereinbarten Höchstwerten erfordern - und dies wären damit

�*

damit die ersten Reduzierungen, die man mit der Sowjetunion jemals ausgehandelt
hat.

Schließlich liegt diese Zahl, wie berichtet wird, wesentlich unter den

nach Angaben des amerikanischen Nachrichtendienstes für die Streitkräfte der
UdSSR für das Jahr 1985 in Aussicht genommenen Werten, wobei sich diese Angaben noch nicht einmal auf den "ungünstigsten Fall" beziehen.

Der Hauptvorteil dieses Abkommens besteht nach meiner Überzeugung darin,
daß es den Vereinigten Staaten eine ziemlich sichere Gewähr für die Höchstzahl
sowjetischer Abschußeinrichtungen für die nächsten zehn Jahre gibt.

Damit wird

es möglich sein,bei der Verteidigungsprogrammierung der Vereinigten Staaten
nicht ganz und gar von den Fällen ausgehen zu müssen, in denen "die Gefahren
größer wären als erwartet".

Und dies dürfte einen stabilisierenden Faktor in

das amerikanisch-sowjetische strategische Verhältnis einbringen.
Was die festgesetzte Höchstzahl (1320) für Abschußeinrichtungen für Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) angeht, so sollte man sich erinnern, daß
die Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen ein umfassendes und zeitlich unbegrenztes Abkommen über Offensivsysteme vorgeschlagen hatten, in dem es
hinsichtlich der MIRVs gar keine Begrenzung gab.

Wenn auch der zahlenmäßige Stand der MIRV-Abschußeinrichtungen das Problem
der ICBM-Anfälligkeit seiner Lösung nicht näher bringt, so ist man doch heute
in amtlichen Kreisen Amerikas der Auffassung, daß dieses Problem nicht ganz so
dringend sei, als man geglaubt hatte. Natürlich werden die Besorgnisse in
dieser Richtung nicht verschwinden, und die Lösung des Problems der ICBM-Anfalligkeit sollte ein vordringliches Anliegen von SALT-III sein.

Bis dahin

scheint die amerikanische Politik, wie sie Verteidigungsminister Schlesinger
in seinem kürzlichen Lagebericht dargelegt hat, darauf hinauszulaufen, den
Sowjets eine stillschweigende Vereinbarung anzubieten:

Wenn die Sowjets Zurück-

haltung üben, indpm sie nicht so viele große, mit MIRV bestückte ICBMs dislozieren, wie ihnen nach der Formel von Wladiwostok zustünden, dann werden die
Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen, eine neue Generation von ICBMs zu
dislozieren.
Eine
- 3-

�Eine Frage, die sich ganz allgemein im Zusammenhang mit der SALT-Abkommen
stellt, ist di- :
halten?"

"Darf man darauf vertrauen, daß die Sowjets ihre Zusagen

Diese Abkommen sollten nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen, son-

dern ständig verifiziert werden können, um zu beweisen, daß Zusagen eingehalten
werden.

Nachdem die Verpflichtungen im Rahmen von SALT immer weitreichender

werden, wird diese Frage der Verifizierung große Beachtung verdienen.

Das erforderliche Maß an Genauigkeit bei der Verifizierung variiert je
nach den vereinbarten Begrenzungen.

Ein Ungenauigkeitsgrad von lOO Einheiten

mag bei einer Höchstgrenze von 2400 Einheiten durchaus tragbar sein, bei einer
Höchstgrenze von 5Ö0 Einheiten sicherlich nicht.

Natürlich gibt es auch Fälle,

in denen eine nicht verifizierbare Zusage besser ist als überhaupt kein Abkommen.

Das gilt beispielsweise für das kürzlich ausgehandelte Abkommen über

das Verbot biologischer Kriegführung.

Obwohl hier einige der Zusagen nicht

genau nachprüfbar sind, wurde argumentiert, daß einer Aggression mit biologischen
Kampfmitteln ohnehin r.ü t Abschreckung oder Abwehr durch Kernwaffen begegnet
würde, sodaß ein kleines Risiko der nur einseitigen Einhaltung der Verpflichtungen tragbar wäre.

Um das Rahmenabkommen von Wladiwostok mit Materie auszufüllen, wird es
vielleicht neuer Verifizierungsüberlegungen bedürfen.

Wenn beispielsweise unter-

seebootgestützte Abschußeinrichtungen für Flugkörper mit Luftstrahlantrieb,
wie sie die Vereinigten Staaten zur Zeit entwickeln, einer Begrenzung unterliegen
sollen, wie stellt man dann die Zahl der tatsächlich dislozierten Einrichtungen
fest?

Wenn Abschußeinrichtungen für ballistische Raketen auf Überwasserschiffen

verboten werden, wie läßt sich dann dies Verbot erzwingen?

Wenn landgestützte,

mobile ICBMs erlaubt, aber in ihrer Zahl begrenzt werden sollen, wie kann man
diese Zahl verifizieren?

Letztlich dürfte dieses ganze Problem wohl doch auf

die Frage hinauslaufen, ob der Sicherheit der Vereinigten Staaten besser mit
einer Begrenzung irgendeiner Art, auch wenn diese keine sehr genaue Verifizierung erlaubt, gedient ist als mit einem Verzicht auf jede Begrenzung.

Was die Frage der Verifizierung anbetrifft, so besteht hier eine beträchtliche Asymmetrie zugunsten der UdSSR.

Da die Vereinigten Staaten eine offene

�offene Gesellschaft sind, in der die Waffensysteme in der Phase ihrer Erforschung und technischen Entwicklung bis zu ihrer schließlichen tatsächlichen
Dislozierung einer ständigen genauen Beobachtung durch die Öffentlichkeit
unterliegen, kann die Sowjetunion in hohem Maße darauf vertrauen, daß die USA
den Begrenzungsbestimmungen der Abkommen nachkommen werden.

Infolgedessen

tragen die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen die ganze Last, immer wieder
auf ein Abkommen über Verifizierungsmaßnahmen drängen zu müssen.

Das aber gibt den Sowjets wiederum mehr Spielraum bei anderen Aspekten
des Abkommens, die für sie von besonderem Interesse sind.

Wegen dieses Unter-

schieds zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Gesellschaftssystem
sollten die Vereinigten Staaten künftig doch wohl besser von der in Wladiwostok
befolgten Technik Abstand nehmen, daß man - wie es die Briten nennen würden zuerst einmal einen allgemeinen

"Vorvertrag"

schließt, der die führenden

Männer der USA dann weitgehend verpflichtet, auch zu dem sich daraus ergebenden
Abschlußabkommen zu gelangen.

Bei solcherart geführten Verhandlungen könnte

auf amerikanischer Seite die Tendenz vorhanden sein, weniger fest auf jenen
Punkten der Verifizierung zu beharren, die nicht von so zentraler Bedeutung zu
sein scheinen.

Anders gesagt, könnten sich die Sowjets vielleicht eher geneigt

zeigen, gemeinsame Techniken der Verifizierung auszuarbeiten, wenn diese nötig
wären, um zu einem abschließenden Abkommen, was seine Begrenzung betrifft, zu
gelangen als in dem Falle, in dem dieses Abkommen in bezug auf seine Grenzen,
bereits im Grundsatz erreicht worden ist.

Von Zeit zu Zeit haben

sich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitalter

der Nuklearwaffen besorgt gezeigt, sie könnten im strategischen Rüstungswettlauf zurückfallen - man denke an die Bomber- und Raketenlücken.

Eine solche

Besorgnis ist verständlich, da es schließlich um nichts geringeres als die
Sicherheit der Nation geht.

Aber eine öffentliche Debatte über solche angeb-

lichen Lücken und Mängel im strategischen Arsenal der USA, weckt bei unseren
Freunden wie bei unseren Rivalen im Ausland Vorstellungen und Ideen, die sich
auf die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung auswirken.

Und so kommt es

zu dem seltsamen Resultat, daß der Redeschwall der Amerikaner manchmal dahin
tendiert, den Wert der eigenen strategischen Streitkräfte herabzusetzen.

- 5-

Ganz

�Ganz allgemein gesprochen könnte sich dieses Verhalten nachteilig auf unser
Vertrauen auswirken, daß die Vereinigten Staaten nicht in eine Krise hineingezwungen werden können und daß wir nicht vorzeitig und übereilt zu Nuklearwaffen
greifen müssen.

Manche Leute haben sich wegen der "Nutzlast-Lücke" besorgt geäußert und
das Abkommen von Wladiwostok kritisiert, weil es diese Lücke weder verkleinert
noch beseitigt hat. Wenn auch die Gesamtnutzlast, die von den drei Komponenten
der amerikanischen strategischen Streitkräfte - ICBMs, SLBMs und schweren
Bombern - bewältigt werden kann, der der sowjetischen Streitkräfte zumindest
gleichkommt, so besitzt die sowjetische Raketenstreitmacht doch eine weitaus
größere Nutzlast als die Raketenstreitkräfte der USA.

Diese Tatsache resultiert

nicht aus einem Fehler in der amerikanischen Programmierung, sondern aus einer
vor 15 Jahren bewußt getroffenen Entscheidung, keine weiteren großkalibrigen
Raketen, wie die Atlas und Titan, die zur ersten Generation unserer ICBMs gehören, zu dislozieren.

Stattdessen

entschied man sich, Raketen zu dislozieren,

die» Weil sie aus verkleinerten Komponenten bestanden,

ein weniger massiges

Volumen zu haben brauchten.

Besorgnisse hinsichtlich der Nutzlast drehen sich weniger um Überlegungen,
daß aus militärischen Gründen eine größere Nutzlast der Raketen gebraucht werde,
sondern vielmehr darum, daß sich im Ausland falsche Vorstellungen dahingehend
entwickeln könnten, daß die Vereinigten Staaten hier der UdSSR etwas unterlegen
seien.

Und was vielleicht noch wichtiger ist, es besteht die Befürchtung, daß

im Falle einer Krise eine künftige amerikanische Regierung

"kneifen" könnte,

weil sie wegen eines Rückstandes in der Nutzlast das Vertrauen verloren hätte.
Solche Besorgnisse sollten nicht leichtfertig abgetan werden, schon weil sie
sich erfüllen könnten.

Die unmittelbare Lösung sollte auf eine große Anstrengung auf dem Gebiet
der Information hinauslaufen, um allen Interessierten zu demonstrieren, daß die
militärische und psychologische Macht der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten mehr als ausreichend ist und entsprechend aufrechterhalten wird.
Wenn in den kommenden Jahren ein Nutzlast-Minderwertigkeitskomplex auftreten
- 6 -

�auftreten und gefährlich werden sollte, dann kann die Nutzlast der amerikanischen Raketen innerhalb der Grenzen des Übereinkommens von Wladiwostok stark
erhöht werden.

Abschließend zu sagen stellt das Übereinkommen von Wladiwostok offensichtlich einen Fortschritt in dem langen Prozeß der Kontrolle der strategischen
Rüstungen dar. Es kommt, was seine "Griffigkeit" der Begrenzungen und seine
Geltungsdauer anbetrifft, dem ABN-Vertrag nicht gleich.

Es sieht mehr wie ein

neues "Interims"-Abkommen aus, das das "Einfrieren" von 1972 verlängert.
Aber es mag sich sehr wohl als Grundlage für weitere Verhandlungen über qualitative Begrenzungen und Verringerungen erweisen.
Erfolg.

- 7-

Und das ist kein kleiner

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ULTRASCHALLSONDE FÜR HERZDIAGNOSTIK

- (AD) - Die Methoden, mit denen heute Ausmaß und Schwere eines Herzinfarkts oder mögliche Ursachen einer erheblichen Dekompensation des Herzens
bestimmt werden können, sind noch wenig präzise.
sprechend unzureichenden

Um das Risiko einer dement-

Behandlung oder auch einer unnötigen Operation zu

verringern, entwickelte Dr. Padmakar P. Lele, Professor für experimentelle
Medizin am MIT-Department für Apparatebau (Technische Universität Massachusetts
in Boston, USA) eine Sonde, die es erlaubt, funktionsfähiges Gewebe von absterbenden bzw. infolge der Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffzufuhr abgestorbenem Gewebe zu unterscheiden.

Die Sonde arbeitet mit Ultraschall.

Dem System liegt die schon fast vier

Jahre zurückliegende Entdeckung von Prof. Lele und dem jungen Elektronikingenieur
Jerry Namery zugrunde, daß lebendes und abgestorbenes Gewebe am Herzen unterschiedliche Mengen von Ultraschallenergie bei verschiedenen Frequenzen absorbieren.

Diesen Effekt glaubt Prof. Lele so erklären zu können, daß die Eiweiß-

moleküle im Gewebe bei Unterversorgung oder der Unterbrechung der Versorgung mit
Sauerstoff ihre Gestalt verändern.

Gegenwärtig wird die Erprobung der Apparatur in Experimenten an Hunden vorbereitet.

Gleichzeitig wollen Prof. Lele und seine Mitarbeiter die Computer-

programme verbessern, mit denen die Meßdaten analysiert werden.

- I -

Ziel des Pro-

�Projekts, das das "Nationale Institut für Herz- und Lungenforschung" der amerikanischen "National Institutes of Health" in Bethesda (Maryland) finanziert, ist
die Entwicklung einer Ultraschall-Sonde, die innerhalb von 15 Minuten eine komplette Übersicht über die Schädigung der Vorderwand und Hinterwand des Herzens
gibt und einfach zu bedienen ist.

Für eine Reihe technischer Probleme, u.a. Meßstörungen wegen der ständigen
Veränderung des Auftreffwinkels für die Ultraschallimpulse durch die Bewegung
des schlagenden Herzens, wurden inzwischen zufriedenstellende Lösungen gefunden.
Aber nach Meinung der Beteiligten dürften die Entwicklungen erst in ca. 1 Jahr
abgeschlossen sein.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Lele würde es begrüßen, wenn

sich qualifizierte graduierte Studenten beteiligten, die - in einer seltenen
Kombination - sowohl an speziellen biomedizinischen Problemen als auch an
Computertechnik und Instrumentenbau interessiert sind.

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NEUARTIGE MIKROSKOPE

- (AD) - Ein Ultraschallmikroskop, mit dem buchstäblich in lebende Zellen
hineingesehen werden kann, wird jetzt auf Grund einer von der Stanford-Universität an die Firma American Opticas, Co., in Buffalo (New York) vergebenen Lizenz für kommerzielle Zwecke gebaut.

Das "akustische Rastermikroskop", wie

seine beiden Erfinder, Prof. Calvin F. Quate und Dr. Ross Lemons (Department
für Physik und elektronische Apparate der Stanford-Universität) dieses Instrument nennen, erzeugt Ultraschallwellen mit Frequenzen zwischen 500 und 100 Megahertz (500 Millionen - 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde).

Das Auflösungs-

vermögen liegt bei ca. 1 Mikron, d.h. im Bild sind noch Objekte von 1/1000 mm
Durchmesser auszumachen.
Die zu untersuchende Probe wird auf einen dünnen Plastikfilm aufgebracht
und in Wasser zwischen zwei Saphirkristallstäben placiert.
schickt die Schallwellen aus, der andere nimmt sie auf.
sind konkav geschliffen.

Einer der Stäbe

Die Enden der Stäbe

In Verbindung mit dem in der Vertiefung gehaltenen

Wassertropfen wird es auf diese Weise möglich, den Schallwellenstrahl an der
Eintrittsstelle in die Probe auf einen winzigen Punkt zu zentrieren. Der
Kristallstabempfänger, der die Impulse nach deren Durchgang durch das zu untersuchende Objekt aufnimmt, leitet sie zu einem Transducer, wo die je nach der
Absorptionsfähigkeit der geprüften Materie veränderten Uberschallwellen in
elektrische Signale zur Sichtbarmachung auf einem Bildschirm umgesetzt werden.
Die Probe wird horizontal und vertikal abgetastet.
Das
- 1 -

�Das Auflösungsvermögen bei diesem Verfahren reicht aus, um z.B. menschliche Zellen im Detail zu studieren.

Da auf dem Schallbild Merkmale in Er-

scheinung treten, die bei einer Untersuchung mit dem optischen Mikroskop niemals sichtbar werden, können Vergleiche zwischen Aufnahmen nach beiden Verfahren dem Diagnostiker helfen, sich mehr Einsichten in Zellfunktionen und
deren Störungen zu verschaffen.

An der Stanford-Universität bemüht sich jetzt ein Wissenschaftlergruppe
darum, dem akustischen Rastermikroskop ein noch größeres Auflösungsvermögen
zu geben und einen Weg zu finden, es mit einem Lichtmikroskop zu kombinieren.
Das neue Verfahren hat sich übrigens auch für die Materialprüfung bei mikrominiaturisierten Schaltkreisen außerordentlich bewährt.

Diese winzigen elek-

tronischen Bauelemente werden vor allem für Herzschrittmacher, Hörgeräte und
Minicomputer verwendet.

Ein Zwei-Stufen-Mikroskop für 500millionenfache Vergrößerungen haben
Dr. Lawrence S. Bartell, Prof. der Chemie an der Universität von Michigan,
und Charles L. Ritz, einer seiner Doktoranden, konstruiert.

Die Mittel für

diese neuartige Entwicklung stellte die "National Science Foundation" (NSF Amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung) zur Verfügung.

Das Gerät ist eine Kombination von Elektronen- und Lichtmikroskop, wobei jedoch nicht gewöhnliches "Mischlicht" verschiedenster Frequenzen, sondern
einfarbiges und in einem Wellenzug schwingendes Laserlicht verwendet wird. In
der ersten Stufe wird durch einen extrem kurzwelligen Elektronenstrahl ein
Hologramm erzeugt.

In der zweiten Stufe kann eine stark vergrößerte Abbildung

des Objekts rekonstruiert werden, indem man einen Laserstrahl durch das Hologramm schickt.

Die beiden Chemiker weisen jedoch darauf hin, daß ihr In-

strument in seiner gegenwärtigen Ausführung nur bestimmte Arten von Atomen und
Molekülen sichtbar machen könne.

Dabei sei aber das Auflösungsvermögen zehn-

mal größer als jenes von Spezialmikroskopen, die noch Objekte bis zu 1 Angström
(l/lO 000 000 mm) Durchmesser erfassen.

+ + + + +
- 2 -

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

\*Ä

finül

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations Vance beantwortet Fragen zur Weltlage

WIRTSCHAFT
US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

PRÄSIDENT CARTER LEGT BERICHT ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE VOR
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. März 1980 dem amerikanischen Kongreß seinen Jahresbericht über die Rüstungskontrolle unterbreitet
und in diesem Zusammenhang die Überzeugung seiner Regierung unterstrichen, daß
die Rüstungskontrolle einen echten Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten
könne.
In einem Begleitschreiben zu dem 200 Seiten umfassenden Bericht erklärte
der Präsident, er glaube mit Sicherheit, daß bei der Behandlung des SALT II-Vertrages durch das Plenum des Senats "diejenigen, die sich um unsere nationale
Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt
unterstützen werden".
Das Begleitschreiben Carters hat folgenden Wortlaut:

An

;

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�An den Kongreß der Vereinigten Staaten.
Ich freue mich, Ihnen den Jahresbericht 1979 des amerikanischen Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung unterbreiten zu können.

Während der letz-

ten Jahre hat SALT unser Denken über die Rüstungskontrollmaßnahmen der Vereinigten Staaten mehr oder weniger beherrscht.

SALT ist eine der vielen

Rüstungskontroilbemühungen, die in diesem Bericht beschrieben werden.

Im

Juni vorigen Jahres unterzeichnete ich gemeinsam mit dem sowjetischen Staatsund Parteichef Breschnew in Wien den SALT II-Vertrag und unterbreitete ihn dem
Senat mit der Bitte um Rat und Zustimmung zur Ratifizierung.
war SALT Gegenstand einer intensiven nationalen Debatte
von Anhörungen durch drei Ausschüsse des Senats.

Seit dieser Zeit

sowie auch Gegenstand

Im November unterbreitete

der Außenpolitische Ausschuß den Vertrag befürwortend dem Plenum des Senats.
Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuchte ich den Senat jedoch, die Erörterung des SALT II-Vertrags im Plenum aufzuschieben, damit der
Kongreß und die Exekutive ihr Hauptaugenmerk auf legislative und andere Angelegenheiten richten könne, die als Reaktion auf diese Krise erforderlich sind.
Ich habe jedoch die Absicht, den Senat um Behandlung des Vertrages zu ersuchen,
nachdem diese dringenderen Angelegenheiten erledigt sind. In meiner Botschaft
über die Lage der Nation erklärte ich hier vor Ihnen: "Gerade jetzt in einer
Zeit großer Spannung wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren." Wenn das Plenum des Senats mit der Aussprache über SALT II beginnt, dann bin ich überzeugt, daß
diejenigen, die sich um unsere nationale Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt unterstützen werden.
Meine Administration ist weiterhin der Überzeugung, daß die Rüstungskontrolle
echte Beiträge zu unserer nationalen Sicherheit leisten kann.

Wir bleiben dem

Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle zutiefst verpflichtet, vor allem auch dem Bemühen, die Verbreitung und Weiterentwicklung
nuklearer Waffen zu verhindern.
Diejenigen
- 2 -

�Diejenigen von Ihnen, die die Gelegenheit haben, den beigefügten Bericht zu lesen, und sich darüber Gedanken machen, werden zwingende Beweggründe für die Bedeutung der darin beschriebenen Arbeit feststellen - für
uns, für unsere Verbündeten und für diejenigen, die von uns in der Welt eine
führende Rolle erwarten.

Wir müssen sorgfältig ausgehandelte, verifizier-

bare Lösungen für das Wettrüsten anstreben, auf das sich einige Länder jetzt
eingelassen haben. Wir müssen bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten,
um der Welt Frieden und Stabilität zu bringen.
Wenn wir uns nun darauf verlassen, daß das Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung, das Verteidigungsministerium sowie andere Behörden hinsichtlich ihrer Aufgaben und Pflichten wachsam sind, so sollte doch keiner von
uns die Gefahr übersehen, der wir uns alle - einzeln und gemeinsam - gegenübersehen und die uns als souveräne Nation und als Teil der Staatengemeinschaft der Welt bedroht.

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT REAKTION AUF AFGHANISTAN-KRISE
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -

NEW YORK

- (AD) - Verteidigungsminister Harold Brown ging am

6. März 1980 vor dem "New York Council on Foreign Relations", einer Privatorganisation von Bürgern, deren Interesse der Außenpolitik gilt, auf die
amerikanische Reaktion gegenüber der sowjetischen Invasion Afghanistans
ein.
Die Rede des Verteidigungsministers hat

folgenden Wortlaut:

Die siebziger Jahre gingen mit der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu Ende.

Die achtziger Jahre begannen - in diesem Land und in der ganzen

Welt - mit der sich daran anschließenden Debatte darüber, wie auf diese
Invasion zu reagieren sei.

Diese Debatte - zeitweise konfus, zeitweise

ärgerlich, zeitweise scharfsinnig - ist noch nicht abgeschlossen.
Ich möchte in meinen Amerkungen heute übe die amerikanischen Interessen - von denen einige lebenswichtig sind - in jenem Teil der Welt

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Welt sprechen, über die Natur der Herausforderung, die die sowjetische
Bedrohung dort darstellt, über unsere Antwort auf diese Herausforderung
und insbesondere darüber, wie unsere militärischen Kapazitäten sich in
einen sicherheitspolitischen Gesamtrahmen für diese Region einfügen und zu
dieser Antwort beitragen.
Obgleich die jüngsten Ereignisse in Afghanistan von entscheidender
Bedeutung sind, so machen sie dennoch bei weitem nicht das gesamte Problem
aus.

Jede Diskussion über die angemessene amerikanische Antwort muß damit

beginnen, diese besonderen Ereignisse - die Invasion und deren Folgen in den weiteren Kontext vergangener und möglicher oder wahrscheinlichter
zukünftiger Entwicklungen zu stellen.
Der vollständige Kontext der sowjetischen Invasion umfaßt die historischen
Ambitionen Rußlands in dieser Region, umfaßt 20 Jahre Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte, umfaßt die jüngere Entwicklung der sowjetischen
Fähigkeii. zur Machtdarstellung und schließlich die allerjüngsten Umwälzungen
in der islamischen Welt.
Die Erklärungen für die Gründe der sowjetischen Invasion sind unterschiedlich.

Es bleibt die einfache Tatsache bestehen, daß ihre Motive

höchstwahrscheinlich gemischter Natur sind und wir die genaue Mischung
nicht kennen.

Aber Politiker kommen nicht darum herum, sich sowohl mit

dem besonderen Vorfall - der Invasion - als auch mit der langfristigen
Frage zu beschäftigen, wie man in Zukunft vor solchen Schritten abschrecken
kann.
In Überlegung dessen vollzog sich die amerikanische Antwort seit
der Dezember-Invasion auf zwei Ebenen:
-

Zum ersten wurde den Sowjets für diesen besonderen Fall direkter
Aggression ein echter Preis abgerungen.
Zum
- 2 -

�Zum zweiten wurde damit forgefahren, eine Strategie zu entwerfen,
und eine Reihe wirtschaftlicher, politischer, diplomatischer und
militärischer Maßnahmen entwickelt, um vor ähnlichen sowjetischen
Schritten in Zukunft abzuschrecken oder solche zu vereiteln Schritte, die noch unmittelbarer amerikanische Interessen bedrohen
könnten.

Die amerikansichen Interessen
Die amerikanischen Interessen hinsichtlich der Region um den Persischen
Golf im sü'dwestasiatisehen Raum konzentrieren sich kurzfristig sicherlich
auf die sichere und schnelle Freilassung der Amerikaner, die in Teheran
als Geiseln festgehalten werden; längerfristig können unsere Interessen
ziemlich schlicht so dargestellt werden:
1) den Zugang zur angemessenen Ölversorgung sicherzustellen;
2) der sowjetischen Expansion zu widerstehen;
3) die Stabilität in dieser Region zu fördern und
4) den Friedensprozeß im Nahen Osten voranzutreiben sowie gleichzeitig
die weitere Sicherheit des Staates Israel sicherzustellen (und gerade
bei dieser Sicherstellung zu helfen).
Betrachten wir diese einzelnen Punkte der Reihe nach.
öl ist der Lebenssaft der modernen Industriegesellschaften.
des importierten Erdöls der ganzen Welt kommen aus diesem Gebiet:

60 Prozent
etwa

13 Prozent des in den Vereinigten Staaten verbrauchten Öls und viel höhere
prozentuale Anteile unserer Verbündeten - 45 Prozent des Öls der Bundesrepublik Deutschland, 75 Prozent des Öls für Frankreich und für Japan.
Der
- 3 -

�Der Verlust dieses Öls würde für die Volkswirtschaften des Westens
und des industrialisierten Fernen Ostens ein Schlag katastrophalen Ausmaßes
darstellen.
Sogar bei einem Erfolg in der so notwendigen Anstrengung zur Verminderung
der amerikanischen Abhängigkeit von importierten Erdöl

würde der Verlust

der Lieferungen aus dem Persischen Golf unseren Verbündeten und Freunden
irreparablen Schaden zufügen.

Tatsächlich würde eine sowjetische Kontrolle

dieses Gebietes große Teile der industrialisierten Welt und der Entwicklungsländerpraktisch zu wirtschaftlichen Vasallen machen.

Die UdSSR würde noch

nicht einmal den ölfluß auch wirklich zu unterbrechen brauchen.
•

'

Die russischen Träume und Pläne von Expansion und Herrschaft in dieser
Region gehen noch auf zaristische Tage zurück.

Aber unseren langfristigen

Interessen und denjenigen dieses Gebietes ist am besten gedient, wenn die
Staaten dieser Region die Freiheit haben, sich in ihrer eigenen Weise
zu entwickeln, ohne ausländischem Druck oder Herrschaft zu unterliegen.
Sitzt die Sowjetmacht erst auf den ausgedehnten ölreserven, so würde der
Sowjetstaat zum erstenmal einen internationalen ökonomischen Hebel besitzen,
der seiner militärischen Macht entspräche.
Stabilität in dieser Region bedeutet nicht, daß keine Veränderungen
stattfinden. Es bedeutet starke Sicherheitsmaßnahmen bei jedem dieser
Staaten sowie Gelegenheiten für gewaltlose Lösung örtlicher Spannungen
und Unterschiede. Die Einflüsse sowohl des industrialisierten Westens
als auch des islamischen Fundamentalismus werden auch weiterhin das Leben
des einzelnen und die Zukunft der Nationen in dieser Region unmittelbar
berühren. Aber wir können dort eine Rolle beim Aufbau individueller und
kollektiver Sicherheit spielen und gleichzeitig solch destabilisierende
Entwicklungen wie die Proliferation von Kernwaffen verhindern.

�Der Friedensprozeß im Nahen Osten ist grundlegender Teil der amerikanischen
Politik - genauso wie unsere Verpflichtung zur Sicherheit von Israel.
Aspekte des Strebens nach einem stabilen und sicheren Nahen

Diese

Osten haben in

der Folge der kürzlichen Ereignisse im Iran und in Afghanistan neue Bedeutung
gewonnen.
Der Weg hin zum Frieden im Nahen Osten ist lang, steinig und gefährlich.
Aber Fortschritt auf diesem Weg ist - insgesamt gesehen - eine der großen
Erfolgsmeldungen der internationalen Politik gewesen. Noch im Jahre 1973
lagen Israel und Ägypten miteinander im Krieg. Als diese Regierung ihr Amt
antrat, kam der einzige internationale Austausch zwischen diesen beiden
Staaten aus den Läufen der Gewehre bei Grenzangriffen. In dem kurzen Zeitraum von drei Jahren sind wir Zeugen der Vereinbarungen von Camp David
geworden, des Rahmenwerks eines umfassenden Friedens und der offenen
Grenzen und des Austausches von Botschaftern. Bei der Verfolgung des
Friedens werden wir auch weiterhin unserer nationalen Verpflichtung zur
Sicherheit Israels nachkommen. Wir werden auch mit unseren arabischen
Freunden bei der Erstellung eines Sicherheitsrahmens zusammenarbeiten, der
dazu beiträgt, diese Region von dem sowjetischen Expansionismus und jeder
sich daraus ergebenden Bedrohung des freien ölflußes zu schützen, der für
sie und die übrige Welt so wichtig ist.
Beim Versuch der Förderung dieser vier Interessen wird unsere Entschlossenheit zur Beantwortung jeder Bedrohung dieser Interessen deutlich.
Präsident Carter formulierte es in seiner Botschaft über die Lage der
Nation so: "Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persichen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden. Und
solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Internationale

�Internationale Komplikationen für die Sowjets
Bevor ich auf unsere Strategie und unsere Fähigkeit im einzelnen zu
sprechen komme, in Zukunft eine solche Bedrohung abzuwenden, möchte ich
einige andere Faktoren darlegen, die in die sowjetischen Überlegungen in
diesem Gebiet einfließen und die zur Lösung unserer dortigen Probleme
beitragen könnten.
An deren erster Stelle steht der Wiederaufstieg des Islam, der eine
historische Bewegung hin zum Nationalismus in diesem Teil der Welt verstärkt.

Im Gegensatz zur Sowjetunion versuchen wir nicht, eine starke

islamische Bevölkerung von den Einflüssen ihrer religiösen Tradition zu
trennen.

Wir versuchen nicht, religiösen Aktivismus in der islamischen

Welt zu unterdrücken.

Und dies gilt auch hinsichtlich des Iran.

Wie wir

im Verlauf der andauernden Geiselkrise oft klargestellt haben, kommt eine
äußere Bedrohung der islamischen Revolution des Iran - sollte es eine
solche Bedrohung geben -, von der Sowjetunion, nicht von den Vereinigten
Staaten.
Der zweite Faktor - und mit dem ersten verwandt - ist der aktive
Widerstand von Völkern voller Nationalgefühl gegen äußere Beherrschung.
Die kürzlichen Ereignisse in Afghanistan erinnern uns - und zweifellos
noch unmittelbarer die Sowjets - an die zeitlose Wahrheit der Beschreibung,
die uns Toynbee vom klassischen Problem der Eindringlinge gegeben hat:
...Ein anmaßendes Selbstvertrauen, geboren aus diesem falsch verstandenen Glauben an ihre eigene Unbesiegbarkeit, führt sie in die Katastrophe durch unbesonnenen Angriff auf noch immer ungebrochene Völker,
deren Geist und Fähigkeit zum Widerstand sie völlig überrascht.
Ich möchte damit nicht sagen, daß die Sowjets sich nicht in
Afghanistan durchsetzen können. Sie können es - aber nur zu einem bestimmten

�bestimmten Preis, einem hohen Preis.
Und welche Probleme die Kräfte der Religion und der Unabhängigkeit, die
über dieses Gebiet hinwegstürmen, uns auch immer bringen:

vergessen wir

nicht, daß sie uns letztlich dabei helfen können, den sowjetischen Expansionismus zu behindern.
Die Bedenken der Dritten Welt haben im Nachklang der sowjetischen
Invasion eine - für manche Beobachter überraschende - Rolle gespielt.
Afghanistan gab sich freundlich, ja, prosowjetisch. Als unterentwickeltes
Land ist es in der Geschichte ein Pufferstaat zwischen den rivalisierenden
Großmächten gewesen. Die rasche Verlegung sowjetischer Panzer, Kampfhubschrauber und Zehntausender Soldaten zur Unterdrückung des "befreiten"
Afghanistan schockierte zu Recht einen großen Teil der Dritten Welt.
Unsere Verbündeten und die anderen industrialisierten Demokratien
(sowie, um ein weiteres Beispiel zu nehmen, auch China) teilen unser
Interesse und unsere Bedenken in diesem Gebiet - sowie, im großen und ganzen,
unsere Beurteilung der Gefahren, auch wenn sie nicht jedes Element unserer
Formeln zur Behandlung der Lage übernehmen. Westeuropa und Japan hängen
noch stärker als wir von den ülVorräten der Region ab. Viele unserer Verbündeten haben mit den Ländern dort historische Bindungen. Während wir die
Unterstützung der Verbündeten in diesem Gebiet suchen, müssen wir indessen
erkennen, daß direkte Beiträge nicht der einzige Weg sind, auf dem sie
helfen können. Zum Beispiel geben uns die Beiträge der Verbündeten zu
ihrer eigenen Sicherheit größere Beweglichkeit bei den Maßnahmen, die wir
ergreifen müssen, um unsere militärischen Kapazitäten zu stärken, damit wir
uns den Bedrohungen des Friedens und unserer gemeinsamen Interessen im
Persischen Golf und in Südwestasien stellen können.
Diese verschiedenartigen Faktoren können uns dabei helfen, der von den
Sowjets gestellten Herausforderung entgegenzutreten, ja, sie sind unabdingbarer

�unabdingbarer Bestandteil einer umfassenden Antwort.

Dennoch gibt es

keinen Zweifel darüber, daß die Vereinigten Staaten die Führung bei der
Organisierung einer solchen umfassenden Antwort auf die sowjetische
Aggression in Afghanistan und einer wirkungsvollen Abschreckung vor noch
gefährlicheren Schritten übernehmen müssen, die die Sowjets ansonsten
in Zukunft zu ergreifen versucht sein könnten.

Diese umfassende Antwort

muß vielseitig - militärisch und nichtmilitärisch - sein.

Die nichtmilitärischen Komponenten der Abschreckung
Der erste nichtmilitärische Bestandteil ist eine wirkungsvolle, langfristige Energiepolitik zur Verminderung unserer Abhängigkeit von importiertem
Erdöl.
Es muß jedoch Klarheit darüber herrschen, daß kein vorstellbarer
Maßnahmenkatalog - Einsparung, Lagerung oder alternative Energiequellen das kurzfristige Sicherheitsproblem eliminieren kann, das durch die Bedrohungen des Golfs und seines Öls geschaffen wurde. Die harte Tatsache
ist, daß die Vereinigten Staaten oder unsere Partner in der industrialisierten
Welt oder die Entwicklungsländer im kommenden Jahrzehnt oder wahrscheinlich
sogar im darauffolgenden nichts tun können, um schweren Schaden von sich
zu wenden, wenn der Großteil der Ölversorgung aus dem Persischen Golf für
einen längeren Zeitraum abgeschnitten würde.
Es handelt sich bei diesem Problem hier nicht darum - wie manche
behaupten -, ob es wegen der OPEC Krieg geben wird, oder darum, Schlangestehen vor den Zapfsäulen zu vermeiden.
nötig.

Einsparung ist in jedem Fall

Aber hierfür einzutreten als Ersatz für amerikanische Führung

bei der Stärkung der Sicherheit der Golfregion bedeutet lediglich, den
Ernst der wirklichen Lage nicht zu erfassen oder ihn zu verdrängen - denn

- 8 -

�denn dies betrifft nicht nur uns, sondern auch unsere Verbündeten und Freunde.
Sogar für ein energieunabhä'ngiges Amerika gäbe es keine Sicherheit in einer
Welt, in der Westeuropa oder Japan, die Türkei oder Brasilien im Energiebereich zu Geiseln einer freindlichen Macht würden.
Der zweite nichtmilitärische Aspekt betrifft die Wirtschaftshilfe
für jene Länder in dieser Region, die mit den Problemen der Entwicklung
ringen. Ein besonders wichtiges Beispiel bietet der Fall unseres Verbündeten
Türkei. Wirtschaftliche Unsicherheit läuft darauf hinaus, politische
Instabilität zu fördern. Hilfe für ein Land zur Lösung seiner internen
Probleme ermöglicht es diesem, sich wirkungsvoller mit der gemeinsamen
Sicherheit und anderen regionalen Belangen zu befassen. Wir erwarten von
unseren Freunden in der industrialisierten Welt und den reichen Olförderla'ndern in diesem Gebiet, ihren vollen Anteil auf dieser Seite der Aufgabe
zu übernehmen.

Militärische Komponenten der Abschreckung
Ich möchte mich nun den militärischen Komponenten zuwenden. Bei
unseren militärischen Planungen für den Persischen Golf und Südwestasien
- wie überhaupt insgesamt - ist unser oberstes Ziel die Abschreckung.
Das bedeutet, wir versuchen klarzumachen, daß mit einer Aggression große
Risiken und Strafen verbunden sind. Wir müssen notfalls in der Lage sein,
eine Aggression auf verschiedenen Ebenen niederzuschlagen. Ohne Frage
stellen eine solche Fähigkeit und der Wille zur Tat die wirkungsvollste
Abschreckung dar.
Bevor ich zur Erörterung der Arten von Streitkräften übergehe, die
zur Durchführung dieses Operationsziels notwendig sind, möchte ich noch
vier allgemeine Überlegungen zu den militärischen Komponenten unserer

�unserer Antworten anstellen.
Erstens, obgleich die Ausdrücke "Schnelle Eingreiftruppen" ("Rapid
Deployment Forces") und "Machtdarstellung" ("Power Projection") relativ
neue Schöpfungen der Fachsprache sind, so sind die militärischen Aufgaben,
die sie bedeuten, überhaupt nicht neu. Die Vereinigten Staaten betreiben
schon seit ziemlich langer Zeit dieses Geschäft des schnellen Dislozierens
und der Machtdarstellung.

Wer daran zweifelt, sollte die Angehörigen des

Marinekorps fragen, die vor fünf Jahren ihren 200. Jahrestag feierten.
In beiden Weltkriegen, in Korea und später in Vietnam zeigten wir,
daß wir in der Lage waren, Streitkräfte in sehr bedeutenden Größenordnungen
weit von unseren Küsten entfernt zu unterhalten.

Was immer auch unsere

anderen Schwierigkeiten in jenen Fällen waren, so waren die logistischen
Kapazitäten, die die Vereinigten Staaten zeigten, doch in der Tat eindrucksvoll.

Darüber hinaus ist es seit langer Zeit Teil unserer Militärdoktrin,

bereit und im Stande zu sein, in Krisenfällen auch in räumlich entfernten
Gebieten einzugreifen, ohne dadurch unsere Fähigkeit zur Abschreckung und
Verteidigung auf anderen Schauplätzen zu gefährden.
Zweitens, ich lehne schlechthin die These ab, daß wir die Kapazität
zu einem wirksamen Einsatz von Streitkräften gar nicht entwickeln sollten,
da wir sonst versucht sein könnten, sie unklug einzusetzen. Ich glaube,
das amerikanische Volk und seine politische und militärische Führung sind
klug genug - und wie man hinzufügen könnte, erfahren genug - um einige
einfache Wahrheiten zu begreifen und zu akzeptieren:
•. &gt; -.

-

Daß nämlich Streitkräfte allein nicht alle Probleme der Welt
zu lösen vermögen;
•

-

daß ihr Einsatz eine sehr schwerwiegende Sache ist;
daß
- 10 -

�-

daß derartige Streitkräfte und der Wille zu ihrem Einsatz, fall dies
notwendig sein sollte, wesentlich für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen sind; und

-

daß diese Interessen sorgfältig definiert werden müssen.

Wir müssen uns von den Lehren der Geschichte leiten, aber nicht von
ihren Gespenstern bedrücken lassen.
Drittens, in der Presse ist verschiedentlich berichtet worden, daß
die Vereinigten Staaten sich angeblich für eine Strategie des "Stolperdrahts"
entschieden hätten, bei der wir - aus eigener Wahl oder durch Notwendigkeit
gezwungen - rasch zu taktischen Kernwaffen greifen würden, um uns gegen
einen sowjetischen Angriff in dem Gebiet zu verteidigen. Hier sind verschiedene Punkte zu klären. Jeder direkte Konflikt zwischen amerikanischen
und sowjetischen Streitkräften trägt das Risiko einer Intensivierung und
geographischen Ausbreitung des Konflikts in sich. Wir können nicht zulassen, daß die Sowjets allein über Schauplatz und Aktionen entscheiden.
Das bedeutet keinesfalls, daß die Eskalation bis zum Einsatz von
Kernwaffen die unbedingte Konsequenz eines amerikanisch-sowjetischen
Zusammenpralls in Südwestasien sein wird. Teils um ein solches Resultat
weniger wahrscheinlich zu machen, ist ein großer Teil unserer Anstrengungen
in dieser Region darauf gerichtet, die konventionelle Stärke zu verbessern,
die wir dort zum Tragen bringen können. Geht man von den amerikanischen
Kapazitäten und denen der anderen aus, deren Interessen durch eine sowjetische
Aggression gefährdet werden, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, die
mit allen sowjetischen militärischen Aktionen über die Grenzen des eigenen
Landes hinaus in schwierigem Terrain und gegenüber einer feindseligen
Bevölkerung verbunden sind und nimmt man dazu den weiten Bereich unserer
Optionen, sowohl andere verwundbare Stellen der Sowjets für uns zu nutzen
und uns gegen den Angriff zu verteidigen, so sind konventionelle Abschreckung

- 11 -

�Abschreckung und Verteidigung durchaus realisierbare Ziele.
Viertens aber vertrete ich ganz generell die Ansicht, daß die Gesamtreaktion eine multilaterale ist und sein muß, die örtliche Streitkräfte,
amerikanische Verbände und Streitkräfte anderer
liegender Länder einschließt.

außerhalb der Region

So bemühen wir uns beispielsweise bei

verschiedenen Ländern der Region um einen stärkeren amerikanischen Zugang
zu örtlichen Anlagen und Einrichtungen.

Wir führen Gespräche sowohl mit

potentiellen Geber- wie potentiellen Empfängerländern über Programme für
Wirtschaftshilfe und Sicherheitsbeistand, die notwendige Ergänzungen zu
unseren anderen Anstrengungen darstellten.

Und wir stehen in Konsultationen

sowohl mit Ländern innerhalb wie außerhalb dieser Region über eine militärische
Zusammenarbeit in diesem Gebiet.
Trotz der Schwierigkeiten, die in einer von unabhängigen Staaten
getragenen multilateralen Aktion liegen, sind wir insgesamt bei unseren
Bemühungen bisher ganz erfolgreich gewesen und rechnen damit, dies auch
weiterhin zu sein.

Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, daß wir in

vielen Fällen nicht um formelle, öffentliche Garantien und Abkommen bemüht
sind, sondern vielmehr um die Schaffung eines Systems besonnener Konsultation
und paralleler Verfolgung gemeinsamer Sicherheitsziele.
•

Um zum Ziel der Abschreckung zu gelangen, wird eine Kombination von
örtlichen Streitkräften für die Selsbtverteidigung von in dem Gebiet
präsenten amerikanischen Streitkräften und - soweit angebracht - von
amerikanischen und anderen Streitkräften erforderlich sein, die rasch disloziert
werden können, um bedrohte Gebiete zu verstärken.
•

In den meisten Fällen - ja,wohl beinahe in allen Fällen - würden
die örtlichen Streitkräfte in dem Land, das einem Angriff ausgesetzt ist
oder direkt bedroht wird, mobilmachen, um sich zu verteidigen.

Wir können

nicht hoffen, und es ist auch keinesfalls unsere Absicht, Völker in dieser

- 12 -

�dieser Region zu verteidigen, die nicht mithelfen wollen, sich selbst zu
verteidigen.

Genauso aber erwarten wir, daß wir dort, wo wir uns engagieren,

nicht allein stehen.

Weil die Aggression gegen einen sich zu einer Gefahr

für alle ausweiten könnte, dürften wohl andere in der Region sich der kollektiven
Verteidigungsanstrengung anschließen,und sicherlich sollten sie es tun.
Die Hilfe, die sie leisten könnten, würde von Fall zu Fall in ihrer Art
sehr unterschiedlich sein, von der Verfügbarmachung der notwendigen Zugangswege und Nachschubeinrichtungen bis zur Mobilisierung von Streitkräften,
die an unserer Seite stehen würden, um den Gegner abzuschrecken und zu
bekämpfen.
Die Abschreckung braucht außer den einheimischen Streitkräften sowohl
die militärische Präsenz der USA in dem Unruhegebiet als auch weitere amerikanische Streitkräfte, die rasch dahin gebracht werden können. Wichtig
dabei ist die Fähigkeit, Streitkräfte schnell in das Gebiet bringen zu
können und zwar mit der Stärke, Mobilität und Kampfkraft, die die Vorausverbände des Gegners daran hindern, lebenswichtige Punkte zu erreichen.
Es ist nicht notwendig, daß unsere ersten Kampfeinheiten imstande sind,
die gesamte Streitmacht zu schlagen, die ein Gegener schließlich ins Feld
führen kann. Es ist für uns genauso wenig notwendig, zu warten, bis der
erste Schuß fällt oder die ersten feindlichen Streitkräfte im Land sind.
Viele unserer Truppen können auf eine strategische Warnung hin in Marsch
gesetzt werden und einige schon nach Erhalt selbst sehr frühzeitiger und
durchaus noch nicht eindeutiger Anzeichen.
Eine wirksame amerikanische Antwort auf eine Aggression in diesem oder
anderen Unruhegebieten besteht aus verschiedenen Elementen. Beim ersten
Bestandteil - einer verstärkten kontinuierlichen Präsenz in Friedenszeiten werden vor allen die Seestreitkräfte ins Spiel treten. Unsere derzeigen Seestreitkräfte in der Region sind denen der Sowjetunion in diesem Gebiet
weit überlegen. Sie bieten uns eine taktische Luftstreitmacht, die sofort
eingreifen kann. Ich möchte hinzufügen, daß auch die Franzosen starke

- 13 -

�starke Seestreitkräfte im Indischen Ozean haben.

Außerdem machen wir

weiterhin ständige Fortschritte bei dem vor mehreren Jahren begonnenen
Ausbau unserer Anlagen auf Diego Garcia.

Unsere ständige Präsenz in dieser

Region wird um vieles größer sein als noch vor einem Jahr.
Die Vorausbereitstellung von Gerät ist der zweite lebenswichtige
Bestandteil.

Wir haben ein Programm in Angriff genommen, um eine Reihe

von Vorausbereitstellungsschiffen der US-Marine zu beschaffen, die uns
eine größere Flexibilität verleihen und uns der Probleme großer ständiger
amerikanischer Stützpunkte in Übersee in sensitiven Gebieten entheben werden.
Als kurzfristige Option stellen wir derzeit aktiv eine Flotte von
sieben Schiffen zusammen, die aus Schiffstypen besteht, wie sie in der
Handelsmarine verwandt werden, einschließlich von Roll-on/Roll-off- Schiffen
(Schiffe mit einer eigenen Laderampe, auf die Fahrzeuge ohne Hilfe von
Ladekränen oder sonstigen Ladeeinrichtungen direkt fahren können, Anm.
des Übersetzers), Großraumfrachtern und Tankern, um uns schon in den
nächsten Monaten mit dieser Kapazität auszustatten.

Diese Schiffe werden

mit der Ausrüstung ganzer Einheiten, Nachschubgütern, Brennstoff und Wasser
beladen werden - Mengen,die eine Landungsbrigade des amerikanischen Marinekorps in Stärke von etwa 10 000 Mann sowie mehrere Staffeln von Kampfflugzeugen der amerikanischen Luftwaffe in die Lage versetzen würden,
unabhängig zu operieren bis weiterer Nachschub aus den Vereinigten Staaten
eintreffen kann.
•

Die beladenen Schiffe werden Vorauspositionen beziehen, die nur
wenige Tagereisen vom Seegebiet des Persischen Golfes und des Arabischen
Meeres entfernt sind. Im Ernstfall könnten sie in einen vorbestimmten
Hafen nahe des Zielgebietes einlaufen und sich dort mit Flugzeugen und
Mannschaften treffen, die direkt von Stützpunkten in den Vereinigten
Staaten eingeflogen werden. Diese Einrichtung wird uns die Fähigkeit verleihen, innerhalb von Tagen statt von Wochen auf eine Krise in dem Gebiet

- 14 -

*

�Gebiet zu reagieren.
Mobilität - vor allem Luft- und Seebrückenkapazität - ist der dritte
Bestandteil. Wir stehen heute nicht ohne eine solche Kapazität da. So
könnten beispielsweise die ersten landgestützten taktischen Flugzeuge
innerhalb von Stunden in der Region sein, und größere Einheiten unterstützt
von dem fliegenden Frühwarn- und Leitsystem AWACS innerhalb weniger Tage.
Das erste Bataillon der 82. Luftlandedivision könnte innerhalb 48 Stunden
nach dem Marschbefehl eintreffen, die gesamte Division etwa innerhalb von
zwei Wochen. Eine volle Landungsstreitmacht des Marinekorps (eine Division
und ein Luftgeschwader)könnte in vier Wochen disloziert werden.
Darüber hinaus haben wir wichtige Verbesserungen unserer Kapazität
für einen raschen Einsatz (Soforteinsatzkapazität) vorgesehen. Vor einigen
Jahren begannen wir mit der Beschaffung von Maschinen des Typs KC-10 zur
Betankung aus der Luft (Tankflugzeugen), und wir beschleunigen jetzt
diese Anschaffungen. Wir haben ferner ein langfristiges Beschaffungsprogramm
für ein neues Transportflugzeug vom Typ "CX" begonnen (das entweder nach
einem neuen Entwurf oder auf der Grundlage eines vorhandenen Flugzeuges
gebaut wird), das für die Dislozierung überdimensionaler Lasten über große
Entfernungen hinweg geeignet ist. Wir sind schließlich, als Interimsmaßnahme,
dabei, schnelle Handelsschiffe zu erwerben, die ein unmittelbares militärisches
Seebrückenpotential darstellen.
Der vierte Bestandteil betrifft die Zugangs- und Durchgangsrechte, auf
die ich bereits abgehoben habe. Wir stehen in intensiven - und meinem Urteil
nach erfolgreichen - Verhandlungen über verbesserten Zugang zu See-, Luftund anderen Stützpunkten, um unsere Fähigkeit zur Versorgung von Schiffsund Flugzeugdislozierungen zu erhöhen. Lassen Sie mich noch einmal den
Unterschied zwischen der Suche nach Zugang und der Suche nach ständigen
Stützpunkten unterstreichen. Im wesentlichen ersuchen wir verschiedene
Länder in der Region, uns in die Lage zu versetzen, ihnen wirkungsvollere

- 15 -

�wirkungsvollere Unterstützung zu gewähren, sofern sie uns brauchen und uns
wollen.

Dies ist etwas ganz anderes als sie aufzufordern, ständige

amerikanische Stützpunkte zu beherbergen.
•

Häufige Dislozierung und Übungen in dem Gebiet enthalten einen
anderen wesentlichen Bestandteil.

Wir haben den Umfang und das Tempo der

regelmäßigen Dislozierungen unserer Seestreitmacht in dem Gebiet ausgeweitet.
Um zum Beispiel einen bestimmten Zeitpunkt herauszugreifen:

Vorigen

Oktober führte die Kampfgruppe unseres Flugzeugträgers "Midway" zusammen
mit Flotteneinheiten Großbritanniens und Australiens ein Manöver durch.
Außerdem waren vier Schiffe der amerikanischen Mittelost-Streitmacht im
Persischen Golf stationiert.

Eine zweite Flugzeugträger -, Kampfgruppe

erreichte außerdem im Dezember ? vom Westpazifik kommend - das Arabische
Meer.

Seit dieser Zeit stehen über 150 trägergestützte taktische Flugzeuge

und 14 Kriegsschiffe im Persischen Golf und im Arabischen Meer in ständiger
Bereitschaft, um eine sichtbare Präsenz der USA zu unterhalten.
Unsere Fähigkeit zur Darstellung von Luftmacht über große Entfernungen
wurde außerdem durch drei B-52 Seeüberwachungs- und drei fliegende

Früh-

warn- und Kontrollmissionen demonstriert, die im Gebiet des Indischen Ozeans
geflogen wurden.

Schließlich wird eine Landungseinheit des Marinekorps

gegen Ende dieses Monats im Arabischen Meer eintreffen.

Und schon vorher

haben wir dort taktische Flugzeuge disloziert - zum Beispiel F-15 und Frühwarnsysteme (AWACS) in Saudiarabien als Teil unserer Antwort der Bedrohung
des Nordjemen.
In der Debatte, die aus der Krise um den Persischen Golf erwachsen
ist, scheinen wir manchmal gegen den Angriff einer seltsamen Kombination
von Kritikern zu kämpfen.

Auf der einen Seite sind jene, die auf das Rede-

pult hämmern und nach schlecht definierten harten Maßnahmen schreien (oft,

�(oft, um Probleme zu lösen, für die es keine militärische Lösung gibt),
während sie gleichzeitig unsere militärischen Fähigkeiten verhöhnen.

Auf

der anderen Seite erklären unterschiedliche Stimmen, daß wir vor keinerlei
Problemen stehen, ausgenommen derer, die wir durch unsere eigene Überreaktion
schaffen und daß wir uns daher über unsere militärischen Kapazitäten überhaupt keine Sorgen zu machen brauchten.
Jede dieser Einstellungen - zur nationalen Politik erhoben - würde
unsere Sicherheit großen Gefahren aussetzen und würde der Sowjetunion ein
auf ernste und gefährliche Weise falsches Signal geben.

Schlußfolgerung
Die Politiken und die Methoden, die ich dargelegt habe, sind keine
Schritte in Richtung Krieg.
Krieg zu verhindern.

Sie sind dazu entworfen, stark zu machen und

Was wir tun, stellt eine notwendige und vernünftige

Antwort auf konkrete Erfordernisse dar.
Militärkapazitäten ist ein Faktum.

Der massive Zuwachs der sowjetischen

Ihre Bereitschaft, Stellvertreter und

sogar Einheiten der Roten Armee zu benutzen, um militärische und politische
Macht außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auszuüben, wurde demonstriert.
Die Vereinigten Staaten und die Staaten, mit denen wir am engsten verbunden
sind, sind derzeit - und noch für eine lange Zeit - durch eine überaus
verwundbare Lebensader mit dem Nahen Osten und dem Persischen Golf verbunden.
Vielleicht werden die Sowjets diese Lebensader niemals bedrohen.
Vielleicht sind die "milderen" Interpretationen ihrer Invasion Afghanistans
- sofern man das Wort "mild" überhaupt gebrauchen kann - korrekt.

Aber als

Politiker, als verantwortungsbewußte Bürger und als Weltmacht können wir
dies nicht gefahrlos sagen.

Tatsächlich sind die Schritte, die wir unter-

nehmen müssen, um uns vor den Folgen der unmittelbaren Bedrohung durch das

- 17 -

�das kürzliche aggressive sowjetische Verhalten zu schlitzen, wahrscheinlich
der wirkungsvollste Weg, um langfristig die künftigen sowjetischen Unternehmungen einzudämmen.
Wir sagen zu den Sowjets nicht, daß Wettstreit der einzige Weg für
uns Ist. Wir sind auch weiterhin gewillt, auf den Gebieten zusammenzuarbeiten, wo sich unsere Interessen decken - wie dies bei SALT der Fall
ist.

Aber dort, wo sie unsere Interessen bedrohen, werden wir uns ihnen

auch auf dieser Grundlage entgegenstellen.
-

Wir müssen der Sowjetunion zeigen:
-

daß die Invasion Afghanistans in dem Teil der Welt, der nicht von
Moskau beherrscht wird, durchweg als rohe Verletzung der Normen
internationalen Verhaltens angesehen wird;

-

daß ihre dafür abgegebene Rechtfertigung weltweit als eine durchsichtige Verdrehung angesehen wird; und

-

daß die internationale Gemeinschaft der Ansicht ist, daß ähnliche
Schritte in der Zukunft die ernsthaftesten Gefahren sowohl für die
Sowjets als auch für die übrige Welt mit sich bringen würden.

Damit die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre angemessene Rolle bei
der Abschreckung vor einer solchen Aggression spielen können, müssen wir
die angemessene militärische Kapazität und den Willen haben, sie zu gebrauchen, sollte dies notwendig sein.
Wenn wir die Absicht haben, eine Supermacht zu bleiben und unser
eigenes pluralistisches politisches und wirtschaftliches System zu schützen,
müssen wir uns langfristig verpflichten zu
wirtschaftlichem

- 18 -

�1) wirtschaftlichem Wiederaufbau,
2) einem Programm der Verminderung unserer Abhängigkeit von importierter
Energie und - nicht minder wichtig 3) einer Erhöhung unserer militärischen Kapazität, einschließlich
der Fähigkeit, Streitkräfte in Gebiete zu dislozieren, die weit
weg, aber lebenswichtig für uns sind - in einem Sicherheitsrahmen,
der bei der Stabilisierung solcher Gebiete hilft.
Diese Aufgaben werden nicht leicht sein. Sie können nicht als einmaliges Sofortprogramm durchgeführt werden. Aber wenn wir bei ihrer Durchführung versagen, wird das 21. Jahrhundert wahrscheinlich gefährlich werden für unsere Ideale, für unsere Sicherheit und für unsere Kinder.

+ + + + +

- 19 -

�Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

VANCE BEANTWORTET FRAGEN ZUR WELTLAGE

CHICAGO - (AD) - Im Anschluß an seine Rede vor dem "Rat für
außenpolitische Beziehungen" (Chicago Council on Foreign Relations) am
3. März 1980 in Chikago stellte sich der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance den Fragen seiner Hörer. Die Fragen und Antworten hatten
folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sie bezogen sich (in Ihrer Rede) auf Ihre Gespräche mit
dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing und Bundeskanzler
Helmut Schmidt, die später, nach der Invasion Afghanistans, eine energische
Erklärung zur Unterstützung der Einheit des Bündnisses veröffentlichten.
Dennoch haben viele Beobachter über die Reibungen innerhalb des Bündnisses
in den letzten Monaten gesprochen,und die Frage ist, wie einig unsere
europäischen Verbündeten hinter Ihnen und Ihrer Politik im Nahen Osten
und Südwestasien stehen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Lassen Sie mich zunächst sagen, daß wir über eine Reihe

gemeinsamer Zielsetzungen, eine Reihe gemeinsamer Ziele sprechen.
Der Hauptzweck meiner Reise war es, mit den Staatschefs der vier
Länder, die ich besucht habe, über unsere Beurteilung der Bedrohung, vor
der wir stehen, sowie die kurzfristigen und langfristigen Ziele zu sprechen,
so wie wir sie sehen.

Drüber hinaus erörterten wir die Frage, welche

Schritte unternommen werden könnten, um diese Ziele zu erreichen.
Was die Beurteilung dieser Bedrohung anging sowie kurz- und langfristige Ziele, fand ich, daß es ein hohes Maß an Übereinstimmung gab ja, daß wir auf derselben Linie lagen.
Als wir zur Frage der konkreten Schritte kamen, gab es Meinungsunterschiede bei einigen Punkten. Ich meine, das ist verständlich - es ist
für mich verständlich. Wir werden unsere Konsultationen fortführen bei
der gemeinsamen Arbeit, diese gemeinsamen Ziele und Zielsetzungen in die
Tat umzusetzen; und wir werden versuchen, sowohl gemeinsame Schritte als
auch parallele Schritte zu finden, durch die wir diese unsere gemeinsamen
Ziele erreichen werden. Ich bin der Ansicht, daß es im Gegensatz zu vielem,
wovon man von Zeit zu Zeit hört, unter uns Einigkeit gibt.
FRAGE: Herr Minister, eine Reihe von Fragen wird sich natürlich
mit den verschiedenen Aspekten der Lage im Iran und in Afghanistan beschäftigen» eine Reihe davon sind Beschwerden darüber, warum uns unsere
Verbündeten angeblich nicht mehr Unterstützung gewährt haben, andere fragen
wegen der Olympischen Spiele: Werden wir den Boykott tatsächlich durchziehen?
Inwieweit läßt sich die gegenwärtige Situation mit den Olympischen
Spielen im Nazi-Deutschland des Jahres 1936 vergleichen? Tun wir unseren
Sportlern und uns selbst mehr weh als den Sowjets?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Lassen Sie mich mit dem letzteren beginnen und erinnern

Sie mich dann noch einmal an die anderen Fragen.
Was die Olympischen Spiele angeht, so haben wir hierzu unsere Entscheidung getroffen:

Wir haben gesagt, wir würden nicht an Olympischen

Spielen teilnehmen, die in der Hauptstadt eines Landes stattfinden, das in
ein anderes Land einfällt.
Entscheidung.

Diese Entscheidung wurde getroffen, es ist unsere

Und es ist die Entscheidung, der wir folgen werden.

FRAGE: Unter den Kritikern der harten Reaktion der Regierung auf die
Invasion Afghanistans waren Ronald Reagan und George Kennan. Kennan stellte
fest, daß sich vom geopldtitischen Standpunkt aus die Meinung vertreten ließe die angeblich Mr. Reagan geäußert haben soll -, daß es vernünftiger wäre,
energische Schritte gegen Kuba, das nur 90 Meilen von unserer Küste entfernt
liegt, zu unternehmen, als zu versuchen, das sowjetische Verhalten 5000
Meilen weit weg zu beeinflussen, in einem Land, das an der sowjetischen
Grenze liegt.
Was ist Ihre Antwort?
ANTWORT:

Meine Antwort lautet, daß es für mich schwierig ist, diese

Eingebung von Mr. Kennan zu verstehen.

Der Vorschlag, wir sollten über

Kuba in diesem Moment eine Blockade verhängen, mit all den Gefahren, die
das mit sich bringen würde - und wir erinnern uns ja noch daran, was
damals, 1962, geschah -, ist meinem Urteil nach zu dieser Zeit nicht sehr
sinnvoll.
Ich meine, es ist ganz deutlich, daß unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen sowie diejenigen unserer Verbündeten durch den Schritt bedroht
sind, den die Sowjets in Afghanistan getan haben, indem sie Zehntausende
ihrer Soldaten in dieses Land schickten und dabei nicht nur alle Regeln
der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts verletzten,sondern

- 3 -

�sondern auch die Menschenrechte der Menschen dieses Landes, und gleichzeitig zur Bedrohung der umliegenden Länder wurden

sowie zu einer potentiellen

Bedrohung - ich erwähnte es eben schon - der lebenswichtigen Interessen,
die wir alle am Fluß des Erdöls aus dieser wichtigen Region haben.
Aus diesem Grund, so will es mir scheinen, sollten wir unsere Aufmerksamkeit hierauf konzentrieren; und unsere Verbündeten teilen diese
Ansicht.
FRAGE:

Eine Anzahl von Fragen unserer Zuhörer geht

darauf ein, was

Sie über die Notwendigkeit einer starken Verteidigung gesagt haben.

Die

Leute machen sich besonders Gedanken über das Problem der Freiwilligenstreitkräfte.

Werden die Vorschläge zur Registrierung junger Männer und

Frauen zur Wehrdienstpflicht führen?

Und

inwieweit sollten Ihrer Meinung

nach auch Frauen bei Kampfeinheiten dienen?
ANTWORT: Was die Registrierung angeht, so habe ich sehr klare persönliche Ansichten. Und ich vertrete sie schon lange, auch wenn sie oft
nicht mit den Ansichten anderer Leute übereinstimmen.
Ich bin der Ansicht, daß es ein Fehler war, die Wehrdienstpflicht
abzuschaffen und zur Freiwilligenarmee überzugehen. Meiner Überzeugung
nach sollte es nicht nur Wehrdienstpflicht geben, sondern allumfassenden
Dienst, und jeder sollte seiner Regierung dienen müssen.
Ich meine nicht, daß dieser Dienst notwendigerweise Militärdienst
sein muß; aber man sollte zumindest ein Jahr irgendeiner Art Dienst für
das eigene Land widmen.

(Beifall!)

FRAGE: Herr Minister, hier ist eine Frage, die sich auf eine Umfrage
des "Chicago Council ori Foreign Relations" vor einem Jahr bezieht, als die
Mehrheit der Befragten große Bedenken über die immer schwächer werdende

- 4 -

�werdende Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt zum Ausdruck brachte.
Nach der Hauptursache für diesen Niedergang befragt, führten es die meisten
der Befragten auf den verminderten Wert des US-Dollar zurück, nicht auf die
wachsende militärische Macht der Sowjetunion.
Die Frage ist:

Was hat die Regierung Carter getan, bzw. was tut sie,

um den Niedergang des Dollar aufzuhalten?
ANTWORT:

Eines der entscheidenden Dinge, die die Regierung im Zu-

sammenhang mit dem Problem des Dollar tun muß,ist es, die notwendigen Schritte
an der Energiefront zu unternehmen, wie ich es schon besprochen hatte.
Dies steht im Zentrum der zu ergreifenden Maßnahmen, denn das hat entscheidende
Auswirkung darauf, was mit dem Wert des Dollar geschieht.
Außerdem müssen wir, das ist offensichtlich, hier zu Hause Schritte
unternehmen, um die Inflation in den Griff zu bekommen;

denn das ist das

zentrale innenpolitische Thema in diesem Augenblick, ein Thema, dem diese
Regierung und der Kongreß jetzt und in den kommenden Monaten ihre Aufmerksamkeit widmen müssen.
FRAGE: Eine Reihe von Fragen zielt auf verschiedene Aspekte der Energieprobleme und unsere internationalen Beziehungen in diesem Zusammenhang. Wie
groß sind die Chancen, die Internationale Energieagentur (IEA) innerhalb
eines vernünftigen Zeitraums zu einem wirkungsvollen Verbraucherkartell
oder zu einem Bündnis der Verbraucher zu machen, um der OPEC entgegenzutreten?
ANTWORT:

Meinem Urteil nach wird die Internationale Energieagentur

im großen und ganzen auch weiterhin so arbeiten,wie sie das im Moment tut,
das heißt, sie dient als Körperschaft, die zu Zeiten zum Handeln aufgerufen
wird, da die Preise über den Gefahrenpunkt hinausgehen und es dann für sie
- nämlich die 20 Staaten, die der IEA angeschlossen sind - notwendig wird,

- 5 -

�wird, die Last zu teilen, die ihnen auferlegt wird.

Ich glaube, sie

wird eher dabei bleiben.als eine andere Gestalt anzunehmen.
FRAGE:

Herr Minister, da dies hier im Mittleren Westen ein land-

wirtschaftliches Gebiet ist, gibt es noch eine Reihe von Fragen über den
Getreideboykott.

Dies zeigt deutlich, daß viele sich über die Auswirkungen

des Getreideembargos auf die Herstellung und Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln Gedanken machen.

Der Londoner "Economist" hat die These aufgestellt,

daß es den amerikanischen Farmern und Steuerzahlern möglicherweise mehr
Schmerz bereiten könnte als der Sowjetunion.
Welches sind die wirtschaftlichen Folgen in den Vereinigten Staaten,
und wie weh können wir der Sowjetischen Regierung durch dieses Embargo tun?
ANTWORT: Was die letztere Frage angeht, so glaube ich, daß das
Getreideembargo über 17 Millionen Tonnen, die die Vereinigten Staaten nicht
verschiffen werden, seine Wirkung hat und auch weiterhin seine Wirkung auf
die Sowjetunion haben wird. Ich bin der Ansicht, daß es außerdem Wirkung
auf einige der Länder haben wird, die in diesem Bereich von der Sowjetunion
abhängig sind, und ich glaube daher, daß das Getreideembargo in seiner
kombinierten Wirkung bedeutungsvoll sein wird.
Es ist ein Schritt, der Opfer fordert. Aber wie ich bereits gesagt
habe: andere werden Opfer bringen müssen und bringen sie. Dies ist notwendig, wenn wir die Schritte unternehmen wollen, die unsere Entschlossenheit
und unsere Standhaftigkeit angesichts der Lage zeigen, vor der wir stehen und
die in der Tat eine kritische Lage ist.
FRAGE:Es

bleibt uns noch Zeit für zwei weitere Fragen.
•

.

•

Interessant ist, daß sich eine Reihe von Fragen eher mit Südostasien
als mit Südwestasien beschäftigt.

In Kambodscha und auch in anderen Bereichen

�Bereichen dieser Region haben die Vietnamesen große Verwüstung angerichtet.
Außerdem wurde da gestern in einem Artikel des "New York Times Magazine"
die bohrende Frage nach Kindern amerikanischer Soldaten gestellt, die in
Vietnam zurückgelassen wurden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir

in absehbarer Zukunft diplomatische Beziehungen mit Vietnam aufnehmen - wie
auch immer geartete diplomatische Beziehungen?

Und

inwieweit droht die

vietnamesische Armee, auch weiterhin in dieser Region umfangreiche Gewinne
zu erzielen?
ANTWORT:

Ich glaube, es ist unwahrscheinlich, daß wir in absehbarer

Zeit Beziehungen zu Vietnam aufnehmen werden.

Zu Beginn der Regierung Carter

wiesen wir darauf hin, daß wir zu einem Schritt in dieser Richtung bereit
seien, falls die andere Seite entsprechend reagiert.
Zuerst stellten die Vietnamesen uns gegenüber die Forderung nach
"Reparationen", wie sie das nannten. Wir sagten, daß dies unter keinen
Umständen geschehen würde; und dies bildete ein Hindernis auf dem Weg zu
jeder Art Forschritt, bis sie es zurücknahmen. Etwa gleichzeitig aber
begannen sie mit dem Programm, Zehntausende von Menschen ins Meer zu treiben die "boat people". Und zur gleichen Zeit bereiteten sie sich auf die Invasion
Kambodschas vor.
Damals sagten wir ihnen, daß wir keinen Fortschritt auf eine Normalisierung
hin machen könnten, solange diese beiden Maßnahmen ihrerseits fortgesetzt
würden. Hinsichtlich der "Bootsmenschen" gab es einigen Fortschritt; es
gab ein Moratorium über einen Zeitraum der Vertreibung der "Bootsmenschen"
aus Vietnam. Aber was Kambodscha angeht, so stehen vietnamesische Truppen
noch immer dort und wurden nicht abgezogen; deshalb bleibt dies auch weiterhin ein Hindernis.
Langfristig erstreben wir eine Normalisierung der Beziehungen, aber
wir müssen uns um diese drängenden Fragen kümmern,und diese Art Probleme

- 7 -

�Probleme muß erst überwunden sein, bevor wir zu jenem Punkt kommen können.
FRAGE:

Eine letzte Frage:

Der Fragesteller weist darauf hin, daß der

Ansicht mancher Leute nach die Weltstabilitä't stärker durch die Instabilität
bedroht wird, die auf Präsident Titos Tod folgen könnte.
Wird die Sowjetunion eine Krisenlage ausnützen, die sich vielleicht
nach Titos Tod entwickelt,und versuchen, das Machtgleichgewicht der Welt
zu ändern?
ANTWORT: Die Führung in Jugoslawien ist fähig, stark und entschossen;
und wir vertrauen darauf, daß sie in der Zeit nach Tito ihren Staat mit
Stärke und Weisheit führen kann.
Was uns anbelangt, so unterstützen wir voll und ganz ihre unerschütterliche Haltung hinsichtlich der Bedeutung ihrer Unabhängigkeit, ihrer
Souveränität und ihrer territorialen Integrität.
Was unsere eigenen Beziehungen angeht, so sind unsere Beziehungen
zu Jugoslawien gut, ja,ich glaube, sie sind tief und stark.

Ich glaube

nicht, daß für Jugoslawien in der Zeit nach Tito Gefahr besteht.

Die

Führung ist gut und stark, und sie wird in der Lage sein, ihr Land gut und
weise zu führen.

+ + + + +

�a
I 3

e

Wift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-INDUSTRIE: PRODUKTIONSSTEIGERUNG MIT WENIGER ENERGIE

- (AD) - Angesichts der steil ansteigenden Energiekosten versucht die
amerikanische Industrie öl ,zu sparen, wo immer ihr dies möglich erscheint.
Und dabei stellt sie fest, daß dennoch die Produktion keineswegs absinken
muß, sondern sogar erheblich gesteigert werden kann. Der Wirkungsgrad der
Energienutzung sollte von 1972 bis 1980 um 17 Prozent verbessert werden
- ein Ziel, das bereits 1978 erreicht wurde. Die Bemühungen der Industrie,
Energie immer rationeller zu nutzen, gehen weiter, teilweise mit staatlicher
Förderung, teilweise auch unter staatlichem Druck: 1) Industrie-Investitionen
für energiesparende Ausrüstungen werden mit einem zehnprozentigen Steuerkredit
honoriert; 2) neue Kesselanlagen und Industrieöfen müssen mit Kohle befeuert,
bereits vorhandene Großanlagen,wo immer möglich, von ül- auf Kohlebefeuerung
umgestellt werden; 3) für die zehn größten Sektoren der Industrie wurden für
1980 spezielle Richtwerte für den Wirkungsgrad der Energienutzung festgesetzt.
Alles in allem entfallen zur Zeit auf die amerikanische Industrie etwa
35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und 20 Prozent des Ölverbrauchs in
den Vereinigten Staaten.

Da früher Energie reichlich vorhanden und billig

war, hatte man sich zunächst wenig um energie-effiziente Produktionsprozesse
gekümmert.

Dies ist aber in den letzten paar Jahren anders geworden. Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die jährliche Zuwachsrate des Energieverbrauchs ging erheblich zurück.

Beim

öl betrug sie 1979 noch drei Prozent gegenüber sieben Prozent vor vier Jahren.
Beamte des US-Energieministeriums schätzen, daß der Ölverbrauch der amerikanischen Industrie von nun an ständig weiter sinken wird.
Zum Teil sind die öleinsparungen auf den verstärkten Einsatz von Kohle
zurückzuführen - der Kohleverbrauch der amerikanischen Industrie lag trotz
der damit verbundenen Umweltprobleme im vergangenen Jahr um vier Prozent höher
als 1978, nachdem er in den Jahren davor ständig weiter abgesunken war. Ungeachtet der reichlich vorhandenen Vorräte ging gleichzeitig der Verbrauch an
Erdgas sprunghaft zurück - eine Spätfolge der 1973 sich abzeichnenden Tendenz
zu unzureichender Erdgasversorgung aus amerikanischen Quellen, was die Regierung veranlaßt hatte, eine Umstellung auf ölfeuerung zu empfehlen.

Die Mineral-

öl gesell Schäften hatten dadurch, wie sie sagen, eine Absatzeinbuße von mehr
als 85 Milliarden cbm; der Verkauf von 28,3 Milliarden cbm sei ihnen für immer
verloren gegangen, weil die Kunden kostspielige Umrüstungen auf ölbefeuerte
Kessel vornahmen.
Heute versuchen sie, ehemalige Abnehmer zurückzugewinnen und neu hinzukommende Verbraucher für die Verwendung von Gas zu interessieren. Zum einen,
so argumentieren sie, seien künftige Verknappungen nicht zu befürchten. Zwar
sei in der Gasproduktion in den USA ein langsamer Rückgang zu verzeichnen, jedoch würde aus Kanada und Mexiko sowie - in der Form von verflüssigtem Erdgas - aus Algerien und Indonesien ständig mehr geliefert. Und schließlich
sei Gas noch immer billiger als öl. Außerdem werde man in Zukunft aus Ölschiefer, Kohle, Torf und Abfall Gas auf synthetischem Wege gewinnen. Als eine
weitere Quelle kämen extrem tief liegende natürliche Vorkommen in Frage, sofern die notwendige Technik für ihre Ausbeutung zur Zufriedenheit entwickelt
werden könne.

Industriebranchen

�Industrieb ra n c h en yerfo1ge n ehr g ei z i g e Spar z i e 1 e

Die riesige chemische Industrie hatte sich 1972 zum Ziel gesetzt, den
Energieverbrauch um eine Menge zu drosseln, die knapp 43 000 Tonnen öl pro
Tag bzw. einer Verbesserung der Energienutzung um 14 Prozent gegenüber 1972
entsprach.

Im Jahr 1978 (das z. Zt. letzte Jahr, für das vollständige Sta-

tistiken vorliegen) jedoch war der entsprechende Wert bereits auf 17 Prozent,
drei Prozent über den Richtwert, geklettert.

Dies wurde durch Ersetzen al-

ter, wenig wirtschaftlicher Fabrikationsanlagen, das Verbrennen flüssiger
und gasförmiger Prozeß-Abfallprodukte in neuartigen Kesselanlagen und die Installierung von Kesselreglern für wirtschaftliche Energienutzung erreicht.

Einige Unternehmen geben hohe Summen dafür aus, um beispielsweise Phosphatgestein naß zu mahlen und auf die normalerweise vorangehende Trocknung zu verzichten.

Andere sind jetzt in der Lage, mit Wasser geschlämmte Kohle anstatt

öl zu verbrennen.

Die Mineralöl- und Kohleindustrie sind selbst die drittgrößten Energieverbraucher bei der Herstellung ihres "Produkts" - nämlich Energie.

Sie hatten

sich vorgenommen, bis 1980 eine Energiemenge einzusparen, die 28 600 Tonnen öl
pro Tag entspricht.

Ähnlich wie die chemische Industrie haben sie dieses Ziel

bereits 1978 erreicht, und zwar durch bessere Isolation und neue, hochmoderne
Wärmeaustauscher.

Außerdem verwenden sie unter hohem Druck stehende flüssige

und gasförmige Prozeßprodukte, um damit Turbinen anzutreiben, Strom zu erzeugen oder mechanische Arbeiten zu verrichten.

Rauchgas wird in Kohlendioxid

umgewandelt, um Dampf für Generatoren zu produzieren.

Die größten Energieverbraucher in der Industrie sind die Rohmetallhersteller.

Die Produzenten von Eisen, Stahl und Aluminium hatten sich eine neun-

prozentige Verbesserung der Energieausnutzung vorgenommen (dies entspricht mehr
als 28 600 Tonnen öl pro Tag)5ein Ziel, das 1978 erreicht war.

Alte und ver-

altete Anlagen waren stillgelegt und leistungsfähigere Elektroofen installiert
worden; pro Tonne Roheisen verbrannte man weniger Koks, und Abwärme wurde in

- 3 -

�in den Prozeß zurückgeführt.
Den Fahrzeugherstellern war es gelungen, bis 1978 ihren Richtwert für verbesserte Energienutzung von 16 Prozent auf 21 Prozent zu bringen und ihn seitdem noch weiter zu erhöhen.

Vertreter der Branche berichten, daß beispiels-

weise der Ersatz von Metallteilen durch Kunststoffteile, Konstruktionsänderungen an bestimmten Teilen zur Verringerung der Wärmebehandlungszeit und die Einführung elektrischer Induktionserhitzung dazu verholfen hätten.
Bei der Textilindustrie, bei Fertigfabrikaten in der Metallindustrie sowie in den Branchen Steine und Glas gab es 1978 noch Rückstände zu den für 1980
gesetzten Zielen, jedoch war mehr erreicht worden, als zunächst vorhergesagt.
Textilfirmen kümmerten sich um bessere Isolier- und Kühl verfahren, leistungsfähigere Kessel anlagen, Abwärmerückführung, Verringerung der Prozeß-Temperaturen,
generelle Verkürzung der Produktionsverfahren und Reduzierung der Trocknungszeiten auf ein Minimum.
Ziegelwerke berichten über bessere Isolierung der Brennöfen.

Die Herstel-

ler von Portland-Zement verwenden einen Trocken-Prozeß-Ofen, der, wie sie sagen, 18 Prozent weniger Energie verbrauche.

Umgebaute und besser isolierte

Öfen in Metall betrieben der weiterverarbeitenden Industrie brachten eine um
22 Prozent bessere Energieausnutzung.
Nur die Papierindustrie kämpft noch darum, die angestrebten 20 Prozent
besserer Energieverwertung zu erreichen.

Bis 1978 hatte sie 14 Prozent er-

reicht - in erster Linie durch Umstellung der Kesselbefeuerung von öl auf das
bei ihnen reichlich anfallende Abfallholz.

Einer der Betriebe deckt derzeit

80 Prozent seines Energiebedarfs aus dieser Quelle.
Allgemein gesehen wird es aber immer schwieriger, die Energienutzung weiter
zu rationalisieren.

"Von jetzt an ist harte Technik notwendig, das Warten auf

den Verschleiß alter Ausrüstungen
leute.

und Innovation im Prozeß", meinen die Fach-

Ganze Betriebe müssen möglicherweise aufgegeben, die Belegschaften um-

- 4 -

�umgeschult werden.

Dennoch zeichnen sich immer wieder neue Wege ab, wie die

Aluminiumindustrie demonstriert:

Sie Verbrauchterbeispielsweise im Jahr 1978

für die Gewinnung von einem Kilogramm Aluminium 17 Kilowatt Strom.

Neue Pro-

duktionsverfahren, auf die sie gegenwärtig umstellt, dürften diese Strommenge
bis zum Ende des Jahrhunderts - vielleicht auch schon früher - auf 11 oder
gar weniger als neun Kilowatt verringern.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance beantwortet Fragen zur Weltlage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

10

1 2 . März 1986

t*.
I N H A L T

Dokumentation
Die Empfehlungen der Kommission zur Bekämpfung des
Terrorismus
- Vizepräsident Bush legt Bericht vor -

USA zur weiteren Bekämpfung des Terrorismus entschlossen
- Botschafter Oakiey vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses(Auszüge)

Wissenschaft und Technik
Die Umwelt wurde sauberer
- Aber mehr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken
erforderlich -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'%r,oN$&lt;

Dokumentation

12. März 1986

10

DIE EMPFEHLUNGEN DER KOMMISSION ZUR BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS
- Vize-Präsident Bush legt Bericht vor -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vize-Präsident Bush
hat anläßlich der Vorstellung des Berichts der Kommission zur
Bekämpfung des Terrorismus in Washington folgende Erklärung
abgegeben:
Amerikanische Mitbürger!
Am Ende des Jahres 1985 wurde die Welt durch einen neuen
brutalen Akt des Terrorismus schockiert. Bei den Anschlägen
ajf die Flughäfen von Rom und Wien gab es 114 Verletzte und 18
Tote, fünf davon Amerikaner. Eines der Opfer war ein elfjähriges amerikanisches Mädchen.
Vor diesen Anschlägen wurden wir im gleichen Jahr Zeugen
d=r Entführung des TWA-Fluges 847 und der Kaperung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro. Bei beiden Gelegenheiten wurden
Amerikaner von internationalen Banditen brutal ermordet. Sold e schlimmen Anschläge sind Beispiele für einen wachsenden
Trend zum internationalen Terrorismus, wie er sich im letzten
Jahrzehnt entwickelt hat.
Besorgt über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Besorgt über die zunehmende Zahl amerikanischer Todesopfer
und über die wiederholten Drohungen von Terroristen gegen unsere Bürger, hat mich der Präsident im letzten Juli gebeten,
den Vorsitz einer Kommission zur Bekämpfung des Terrorismus
auf Kabinettsebene zu übernehmen.
Diese Kommission, die sich aus 14 hohen Regierungsbeamten
mit besonderer Verantwortung für unser nationales Programm der
Terrorismusbekämpfung zusammensetzt, hat während des letzten
halben Jahres eine Überprüfung und Auswertung der gegenwärtigen Politik und der Programme der Vereinigten Staaten vorgenommen .
Eine der erste n vo n uns entdec kten Tats achen beste ht darin, daß Amer ikaner den Terr orismus als eine s der schwe rwiegend sten Pro bleme für unser e Regierung anse hen, v on de rselben
Bede utun g wi e Haushalt sdefi zit und Rüstungs kontro lle. Sie
mcichten eine Bestä tigu ng da für, da ß die Ver einigt en St aaten
mit der wach senden Bed rohun g durch den Terr orismu s fertigwerden könn en, daß wi r eine Po litik u nd einen Reakti onsme chanismus besi tzen und d aß w ir da ran arb eiten, un ser Sy stem zu verbess ern. Di e Sorg e un serer Mitbür ger ist b erecht igt, denn der
Terr oris mus ist mi t al armie render Geschwind igkeit ange wachsen
Alle in i m Ja hr 198 5 haben s ich in der Welt 812 Zw ische nfälle
dies er A rt e r e i g n et, b ei de nen 926 Menschen getöt et wu rden,
daru nter 23 Amerik aner
Es ist klar, daß die wachsende terroristische Bedrohung
gegen amerikanische Bürger und Interessen im Ausland nach einer Stärkung unserer eigenen Programme sowie nach verstärkter
Zusammenarbeit mit ausländischen Regierungen verlangt. Obwohl
er. in den Vereinigten Staaten im vorigen Jahr lediglich sieben
terroristische Anschläge gab, besteht auch hier ein Potential
für zukünftige Probleme, und wir müssen deshalb gut darauf
vorbereitet sein.
Als Präsident Reagan unsere Kommission beauftragte, das
anerikanische Programm zur Terrorismusbekämpfung zu überprüfen, bedeutete dies nicht in erster Linie ein Mandat zur Korrektur bestimmter Mängel, sondern zur Neubewertung amerikanischer Prioritäten und Strategien, um sicherzustellen, daß die
gegenwärtigen Programme die zur Verfügung stehenden Mittel
bestmöglich ausnützen und um zu ermitteln, ob unser nationales
Programm zweckmäßig koordiniert wird, um die effektivsten Resultate zu erzielen.
Unsere Kommission hat sich von über 25 Regierungsbehörden
informieren lassen, hat 14 Operationszentren besucht, um unsere Fähigkeiten aus erster Hand zu studieren, ist mit über 100
Politikern, Militärs, Wissenschaftlern und Gesetzesvertretern

�und Gesetzesvertretern zusammengetroffen und hat Botschaften
und militärische Kommandobehörden in der ganzen Welt besucht,
wo Gespräche mit amerikanischen und ausländischen Beamten
durchgeführt wurden.
Ich persönlich habe mich mit vielen Mitgliedern des Kongresses, Spitzenvertretern von Fluggesellschaften und Medien
sowie früheren Kabinettsbeamten und Diplomaten getroffen.
Wir sind zu fo Igen dem Schi uß gekommen: die Politik und
das Prog ramm der V erei nigt en S taaten in der Terrorismusbekämp funa sind hart und ent schl ossen. Wir stellen uns standhaft all en Fo rmen des Terr oris mus entgegen, wo immer er sich
auch zut ragen mag. Wi r sind b ereit, zusammen mit anderen
Staa ten oder allei n zu han dein , um terroristische Akte zu verhjnd ern oder auf s ie z u re agie ren. Wir werden an Terroristen
kein erle i Zug estän dnis se m ache n. Gleichzeitig werden wir all
unse re M it.tel dafü r ei nset zen, um die sichere Heimkehr aller
Arier ikan er zu erre iche n, d ie a ls Geiseln festgehalten werden.
Unser nationales Programm ist gut geplant und es funktioniert. In fast jeder Bundesbehörde der Vereinigten Staaten
werden zur Zeit Antiterror-Aktivitäten durchgeführt. Bestimmte Behörden sind angewiesen worden, auf jede Drohung oder jeden Anschlag gegen unsere Mitbürger zu reagieren, sei es im
Ausland oder hier, in der Luft oder zur See.
Auf diesen gegenwärtig bestehenden Sicherungen aufbauend,
hat unsere Kommission dem Präsidenten im Dezember 1985 eine
Reihe von Empfehlungen vorgelegt. Der folgende Bericht für
die Öffentlichkeit beinhaltet diese nichtgeheimen Vorschläge,
die eine verbesserte Koordinierung zwischen Regierungsbehörden
zum Gegenstand haben sowie die Schaffung einer hauptamtlichen
Stelle im Stab des Nationalen Sicherheitsrates und eines Vereinigten Nachrichtenzentrums für Terrorismus fordern.
Die Kommission empfiehlt außerdem der Administration, mit
Nachdruck ein Gesetz zur Einführung der Todesstrafe für jeden
Terroristen zu unterstützen, der eine amerikanische Geisel tötet. Zusätzliche Vorschläge erstrecken sich auf verstärkte
Zusammenarbeit mit anderen Regierungen und skizzieren erweiterte Kommunikationsprogramme mit Familien von Geiseln, den
Medien und der Öffentlichkeit im allgemeinen.
Obwohl der Terrorismus eine komplexe und gefährliche Bedrohung darstellt, gegen die es keine schnelle oder einfache
Lösung gibt, glaube ich doch, daß die Empfehlungen unserer
Kommission zu einer bedeutenden Verbesserung von Amerikas Fähigkelten zur Terrorismusbekämpfung führen werden. Solange
sich solche schlimmen Anschläge ereignen, wird der Terrorismus
eine der höchsten Prioritäten dieser Administration bleiben.
Es folgen Auszug
- 3 -

�Es folgen Auszuge aus den Empfehlungen der Kommission:
GEGENWÄRTIGE POLITIK
Die amerikanische Position gegenüber dem Terrorismus ist
eindeutig: feste Gegnerschaft zum Terrorismus in all seinen
Formen, wo immer er sich auch abspielt. Mehrere Direktiven
zur nationalen Sicherheit sowie Erklärungen des Präsidenten
und leitender Beamter bestätigen diese Politik:
- Die amerikanische Regierung lehnt nationalen und internationalen Terrorismus ab und ist bereit, zusammen mit anderen Nationen oder^ wenn nötig, allein zu handeln, um Terrorakte zu verhindern oder auf sie zu reagieren.
- Die Regierung der Vereinigten Staaten betrachtet von einzelnen Personen oder Gruppen verübten Terrorismus als potentielle Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit und wird
sich dem Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln entgegenstellen.
- Staaten, die Terrorismus praktizieren oder aktiv unterstützen, v/erden dies nicht tun, ohne dafür die Konsequenzen zu tragen. Wenn es Beweise dafür gibt, daß ein Staat
einen terroristischen Akt gegen dieses Land inszeniert
oder plant, werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen treffen, um ihre Bürger, ihren Besitz und ihre Interessen zu
schützen.
- Die amerikanische Regierung wird Terroristen keine Zugeständnisse machen. Sie wird keine Lösegelder zahlen oder
Gefangene freilassen, ihre Politik nicht ändern oder etwa
anderen Maßnahmen zustimmen, durch die weiterer Terrorismus ermutigt werden könnte. Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel
nutzen, um die sichere Heimkehr der amerikanischen Staatsbürger zu erreichen, die von Terroristen als Geiseln festgehalten v/erden.
- Die Vereinigten Staaten werden hart gegen Terroristen vorgehen, ohne Grundrechte aufzugeben oder demokratische
Prinzipien zu gefährden, und sie ermutigen andere Regierungen, einen ähnlichen Standpunkt einzunehmen.
Die amerikanische Politik ist auf die Überzeugung gegründet, daß die Erfüllung der Forderungen von Terroristen noch
mehr Amerikaner einer Gefährdung aussetzen würde. Diese Politik der Konzessionsverweigerung ist der beste Weg, um die Sicherheit einer größtmöglichen Zahl von Menschen zu garantieren,
Unsere Prinzipien
- 4 -

�Unsere Prinzipien von Gerechtigkeit werden keine wahllosen
Vergeltungsschläge gegen Gruppen oder Länder zulassen. In allen Fällen, in denen die terroristischen Täter identifiziert
und aufgespürt werden können, wird unsere Politik jedoch darin
bestehen, gegen den Terrorismus vorzugehen, ohne Grundrechte
preiszugeben oder demokratische Werte zu gefährden. Wir sind
bereit, zusammen mit anderen Staaten oder, wenn nötig, allein
zu handeln, um terroristische Akte zu verhindern oder zu beantworten. Für eine erfolgreichen Abschreckungsstrategie mag
der wohlüberlegte Einsatz militärischer Gewalt zur Beilegung
eines Zwischenfalls ein notwendiger Bestandteil sein.
Die Gesetzgebung der jüngsten Vergangenheit hat die strafrechtliche Zuständigkeit des Bundes für internationale terroristische Zwischenfälle, von denen Amerikaner betroffen sind,
eiheblich erweitert. Terroristische Gewaltakte sind Verbrechen. Deshalb werden die Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um gegen Terroristen zu ermitteln, sie festzunehmen und als Kriminelle strafrechtlich zu verfolgen.
EMPFEHLUNGEN ZU POLITIK UND PROGRAMM AUF NATIONALER EBENE
Nationales Programmdokument
Zur Zeit sind eine Reihe von Behörden und Dienststellen
innerhalb der Exekutive für die verschiedenen Elemente unseres
nationalen Programms zur Terrorismusbekämpfung verantwortlich.
Obzwar dies ein vernünftiger und angemessener Ansatz ist,
sollten diese verschiedenen Elemente jedoch in einem einzigen
Piogrammdokument dargestellt werden. Solch eine umfassende
Liste würde die schnelle Identifizierung derjenigen Behörden
und ihrer Mittel ermöglichen, die für bestimmte Aspekte des
Terrorismus verantwortlich sind.
Die Kommission ist überzeugt, daß solch ein Dokument notwendig ist, um ein Höchstmaß an Effektivität bei der Koordinierung der Aktivitäten von Dienststellen und Behörden sicherzustellen, die Bestandteil unseres nationalen Programms sind.
Zusammen mit dem Amt für Verwaltungs- und Haushaltswesen und
den Ministerien für Äußeres und Justiz würde der Stab des Nationalen Sicherheitsrates dieses nationale Programmdokument
durchführen.
Politische Kriterien für Reaktionen auf Terroristen
Da sich Akte des Terrorismus durch Zeitpunkt, Ort, Rechtshoheit und Motivation erheblich unterscheiden, ist eine durchgsngige Reaktion fast unmöglich. Die behördenübergreifende
- 5 -

�Die behördenübergreifende Gruppe für Terrorismus sollte jedoch
politische Kriterien aufbereiten und dem Nationalen Sicherheitsrat zur Genehmigung vorlegen, um zu entscheiden, ob und
wie Gewalt zur Vorbeugung, Reaktion oder Vergeltung eingesetzt
sollte. Durch diesen Rahmen werden den entscheidungstragenden
Gremien brauchbare Normen zur Verfügung gestellt, mit denen
jede terroristische Drohung und jeder Zwischenfall bewertet
werden kann. Die Benutzung dieses Rahmens würde außerdem für
die amerikanische Bevölkerung sicherstellen, daß die Antwort
der Regierung widerspruchsfrei formuliert wird.
Einführung einer neuen Position im Nationalen Sicherheitsrat
Im Nationalen Sicherheitsrat muß eine hauptamtliche Position mit Unterstützungsstab geschaffen werden, um die Koordinierung unseres nationalen Programms zu stärken. In enger Zusammenarbeit mit den für eine Führungsrolle bestimmten Behörden wird diese Stelle verantwortlich sein für:
- Teilnahme an allen behördenübergreifenden Gruppen
- Führen des nationalen Programmdokuments
- Unterstützung bei der Koordinierung von Forschung und Entwicklung
- Hilfe bei der Entwicklung von Reaktionsmöglichkeiten
- Überwachung der Durchführung der von der Kommission unterbreiteten Empfehlungen
Sprechen mit einer Stimme
Eine ein deut iqe K ommun ikat lon durc h er nann te Sprecher und
Koor dini erun g von öff entli chen Erk läru ngen wäh rend eines terrcri stis chen Zwi sehen falls sin d lebens wich tig. Im Hinblick
auf di e Koor dini erung öffe ntli eher Erk läru ngen sollten alle
Spre eher dur eh b ehörd enübe rgre if ende A rbei tsgr uppen mit besondere n Or ient ieru ngshi lfen vers orgt wer den. Oh ne Koordinierung
kenn ten sich ung enaue Info rmat ione n er gebe n, n achrichtendi enstli che Quel len k ompro mitt iert wer den und Freunde und Verbünd ete über all in de r Welt in Bed rang nis gera ten - und dies
zu e iner Zei t, i n der inte rnat iona le Z usam mena rbeit lebensrettend sei n ka nn.
Die Auswahl von Sprechern und die Richtlinien für öffentliche Reaktionen sind besonders wichtig, wenn man den durch
informationshungrige Medien während terroristischer Zwischen- 6 -

�terroristischer Zwischenfälle ausgeübten Druck in Betracht
zieht. Ein falsches Statement oder das Versäumnis, vor einem
Kommentar an Nachrichtenmedien rechtliche Probleme zu beachten, könnten die polizeilichen Ermittlungen oder eine mögliche
strafrechtliche Verfolgung gefährden.
Überprüfung der amerikanischen Personalbedarfs in besonders
bedrohten Gebieten
Es sind bereits Schritte unternommen worden, um die Sicherheit amerikanischer Anlagen zu verstärken und Personal in
gefährlichen Gebieten abzubauen. Bis heute sind diese Bemühungen jedoch noch nicht zwischen allen beteiligten Dienststellen umfassend koordiniert worden. Das Außenministerium
sollte die Botschafter in allen als besonders bedroht ausgewiesenen Gebieten anweisen, zu untersuchen, ob ein weiterer
Personalabbau bei amerikanischen Einrichtungen in Übersee möglich ist. Diese Überprüfung sollte gleichzeitig die physische
Verwundbarkeit der den Botschaften angeschlossenen Einrichtungen eingehend berücksichtigen. Das Verteidigungsministerium
sollte gleichermaßen eine ähnliche Untersuchung für seine militärischen Kommandos im Ausland durchführen.
EMPFEHLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN ZUSAMMENARBEIT
Internationale Zusammenarbeit ist für die langfristige
Ausschaltung des Terrorismus von entscheidender Bedeutung.
Sie kann durch multilaterale sowie bilaterale Abkommen erreicht werden. Obwohl beim Abschluß multilateraler Abkommen
nur langsam Fortschritte erzielt wurden, sollten wir unsere
Bemühungen auf diesem Gebiet fortsetzen, um zu zeigen, daß
viele Nationen sich dem Kampf gegen den Terrorismus als einem
internationalen Verbrechen gegen die Gesellschaft verpflichtet
fühlen.
In Ermangelung eines multilateralen Abkommens sollte das
Außenministarium sich weiterhin intensiv um internationale Zusammenarbeit bemühen durch:
- allgemeine Resolutionen oder Abkommen in den Vereinten Nationen und anderen spezialisierten Organisationen auf den
Gebieten der Zivilluftfahrt, der Seeschiffahrt und des
Tourismus,
- verstärkte und auf größerer Basis ratifizierte internationale Konventionen zu Problemen wie Flugzeugentführung,
Geiselnahme und Schutz von Diplomaten,
weniger formelle
- 7 -

�weniger formelle Absprachen, mit denen der internationale
Konsens zu effektiven Aktionen gegen den Terrorismus veranschaulicht wird,
verbesserte Durchführung bestehender Abkommen zur Terrorismusbekämpfung.
Schließung von Lücken in Auslieferungsvereinbarungen
Die Vereinigten Staaten selbst werden bisweilen als sicherer Hafen für Terroristen benutzt. Die bestehenden Auslieferungsverträge mit anderen Staaten schließen eine Auslieferung
von Flüchtigen aus, die wegen "politischer Straftaten" gesucht
werden. Diese Klausel bildet augenscheinlich ein Schlupfloch
für Terroristen. Das Außenministerium sollte sich um Korrekturen der Auslieferungsverträge mit denjenigen Ländern bemühen, die demokratische und faire Rechtssysteme besitzen, um
sicherzustellen, daß Terroristen an das rechtlich zuständige
Land ausgeliefert werden.
Der Prozeß zur Schließung solcher Schlupflöcher hat in der
Form von Änderungsvorschlägen bezüglich des amerikanischbritischen Zusatzvertrages begonnen. Das Außenministerium
sollte sich energisch um die Zustimmung des Senats zu diesem
Vertrag bemühen und den Prozeß der Überprüfung von Verträgen
mit anderen Ländern fortführen, um zu gewährleisten, daß Terroristen der Prozeß gemacht wird.
Verhängung von Sanktionen bei Verletzung der Wiener Konvention
Es i st ei ne Ta tsac he, d aß b estimmt e Regierunge n de n Terrori smus akti v unt erst ützen . Diese La nder n utzen manc hmal ihre d iplo matis chen Vert retun gen als sie heren Hafen für Terroriste n od er al s Verstec k für der en Mate rial - eine dire kte Verletz ung der W iener Kon venti on. Das Au ßenmin isteri um s ollte
weit erhi n zus ammen mit ande ren Regieru ngen d aran a rbei ten,
Verl etzu ngen der W iene r Kon vent ion zu verhin d e m u nd a ufzudeck en. Eine Reso luti on de r Generalve rsamml ung de r Vereinten
Nati onen , die den Schu tz vo n Te rrorist en in diplom atis chen
Vert retu ngen verur teil t, kö nnte zu den Bemüh ungen der Vereinigt en S taate n bei trag en, d iese n Mißbr auch z u bekä mpfe n.
Bewertung und Verstärkung der Sicherheit von Flug- und
Seehäfen
Das Durchleuchten von Passagieren und Handgepäck vor dem

�vor dem Abflug sind grundlegende Faktoren unseres nationalen
Sicherheitsprogramms. Seit 1972 sind durch diese Maßnahmen
über 30 000 Schußwaffen entdeckt und 13 000 Verhaftungen vorgenommen worden. Die jüngsten Terrorakte gegen internationale
Luft- und Seefahrteinrichtungen zeigen aber die Notwendigkeit
für eine andauernde Überwachung und auf den neuesten Stand gebrachte Sicherheitsmaßnahmen. Dies gilt besonders für Häfen
und an Bord von Schiffen, wo keine internationalne oder bundesgesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen existieren.
Die behördenübergreifende Arbeitsgruppe für Sicherheit auf
See, die dem Verkehrsministerium untersteht, soll die Sicherheitsmaßnahmen und die potentielle Bedrohung für Schiffe, Passagiere und Mannschaften überwachen. Sie soll auch den gesetzlichen Rahmen überprüfen. Wenn es keinen angemessenen
Rahmen gibt, sollen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden
Behörden Empfehlungen für eine neue Gesetzgebung gemacht werden. Darüber hinaus müssen Gesetze geschaffen werden, die eine eingehende Überprüfung von Personen, die auf Flughäfen oder
Terminals in Sperrbereichen arbeiten, auf frühere Straffälligkeit erlaubt. Schließlich sollten das Außenministerium und
die Küstenwache weiterhin durch die Internationale Seefahrtsorganjsation IMO an der Entwicklung international gültiger Abkommen arbeiten, um die Passagiere und Mannschaften der jeweiligen Schiffe zu schützen.
NACHRICHTENDIENSTLICHE EMPFEHLUNGEN
Aufbau eines Vereinten Nachrichtenzentrums für den Terrorismus
Die Sammlung, Auswertung und Verbreitung von Nachrichten
spielt bei der Bekämpfung des Terrorismus eine zentrale Rolle. Zur Zeit gewinnen einige Bundesministerien und Behörden
irnerhalb ihrer Kompentenzbereiche Nachrichtenmaterial; es
gibt aber kein vereintes Zentrum, das die Quelleninformationen
ais all jenen Dienststellen sammelt und auswertet, die sich
mit Aktivitäten zur Bekämpfung des Terrorismus befassen. Das
Hinzufügen solch einer zentralen Einrichtung würde unsere Fähigkeit verbessern, künftige terroristische Bedrohungen zu
verstehen und vorherzusehen, das nationale Krisenmanagement zu
unterstützen und eine gemeinsame Datenbank zur Verfügung zu
stellen, die den einzelnen Behörden leicht zugänglich ist.
Möglicherweise könnte dieses Zentrum ein Mittelpunkt für die
Entwicklung eines behördenübergreifenden Stabes von Nachrichtenexperten sein, die auf Terrorismus spezialisiert sind.
Verstärkte Sammlung

�Verstärkte Sammlung des von Einzelpersonen zusammengetragenen
Nachrichtenmaterials
Das mit Hilfe technischer Mittel gesammelte Material ist
ausreichend und wird zweckmäßig zusammengetragen. Gleichzeitig gibt es aber ganz klar einen Bedarf an bestimmten Informationen, die nur von Einzelpersonen erbracht werden können.
Eine Zunahme der von Einzelpersonen zusammengetragenen Informationen ist unerläßlich, um terroristische Vereinigungen und
deren Unterstützungssysteme zu durchdringen.
Austausch von Informationen zwischen Regierungen
Die nationalen Bemühungen um nachrichtendienstliche Information bauen sehr auf Vereinbarungen zu deren Sammlung und auf
Verbindungen mit vielen befreundeten Regierungen. Ein solcher
Austausch mit gleichgesinnten Regierungen und Polizeibehörden
im Ausland war äußerst nützlich und sollte zur Unterstützung
unserer eigenen Bemühungen um Informationen ausgeweitet werden.
EMPFEHLUNGEN ZUR GESETZGEBUNG
Die Ermordung von US-Bürgern außerhalb ihres Landes sollte zu
einem Bundesverbrechen erklärt werden
Im Augenblick ist es nach dem amerikanischen Gesetz kein
Verbrechen, einen amerikanischen Bürger außerhalb unserer
Grenzen zu ermorden - die Ausnahme bilden Diplomaten und einigt; Regierungsvertreter. Der Rechtsschutz für Diplomaten sollte erweitert werden und alle amerikanischen Staatsbürger einschließen, die Opfer des internationalen Terrorismus werden.
Das Außen- und das Justizministerium sollte den Kongreß auffordern, eine Gesetzgebung anzunehmen, wie z. B. das Gesetz
zur Verfolgung von Terroristen von 1985, die dieser Zielsetzung gerecht wird.
Anwendung der Todesstrafe für Geiselmörder
Qbowohl es Gesetze gibt, die die Anwendung der Todesstrafe
erlauben, wenn ein Todesfall bei einer Flugzeugentführung eintritt, so gibt es keine spezielle Gesetzgebung, die die
gleiche Strafe für Geiselmörder in anderen Situationen vorsieht. Das Justizministerium sollte Gesetze erarbeiten, durch
die bei jeder Person, die eine Geisel, unter welchen Umständen
auch immer, tötet, die Todesstrafe angewendet wird.
Bildung eines
- 10 -

�Bildung eines gemeinsamen nachrichtendienstlichen Komitees
Verfahrensweisen, denen die Exekutive folgen muß, um die
Geheimdienstausschüsse über nachrichtendienstliche Tätigkeiten
zu informieren, müssen gestrafft werden. Die Annahme einer im
vergangenen Jahr vom Kongreßabgeordneten Henry J. Hyde vorgeschlagenen gemeinsamen Resolution würde einen gemeinsamen Geheimdienstausschuß ins Leben rufen. Diese Resolution würde
die Anzahl der Personen beschränken, die Zugang zu heiklen Informationen haben und einen einzigen sicheren Verwahrungsort
für Geheimmaterial zur Verfügung stellen.
Bereitstellung zusätzlicher Anreize für Informationen über
Terroristen
Das Gesetz zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus
von 1984 sieht die Zahlung von bis zu 500 000 Dollar für Informationen vor, die den nationalen und internationalen Terrorismus betreffen. Manche glauben, daß diese Gesetzg?^
nicht ausreicht.
Das Außenministerium sollte zusammen mit dem Justizministerium und der CIA einen behördenübergreifenden Anstoß für
die Entwicklung eines unilateralen und/oder bilateralen Programms geben, um Einzelpersonen zu Informationen über die
Identität oder den Aufenthalt von Terroristen zu ermutigen.
Zusätzlich zu finanziellen Belohnungen umfassen weitere Anreize Strafverfolgungsfreiheit für frühere Vergehen und amerikanische Staatsbürgerschaft für die betreffende Person und ihre
engsten Familienangehörigen.
Ausgesetzte Belohnungen sollten sowohl an ausländische als
auch an amerikanische Personengruppen vergeben werden, und man
sollte in Betracht ziehen, die momentane Höchstsumme von
500 000 Dollar auf eine Million Dollar anzuheben.
Verbot von Ausbildungslagern für Söldner
Die internationalen Regeln für den Waffenhandel sind dahingehend verschärft worden, daß nun eine Lizenz notwendig
ist, um Ausländer im Gebrauch von Waffen auszubilden; auf nationaler Ebene gibt es dennoch eine Reihe von legalen Ausbildungslagern für Söldner und für Uberlebenstraining. Entsprechende Behörden sollten das Ausmaß, in dem Nicht-Amerikaner in
den Vereinigten Staaten im Gebrauch von Handfeuerwaffen und
Sprengstoffen ausgebildet werden, strenger überwachen und wenn
n'jtig, eine zusätzliche Gesetzgebung fordern.
Beendigung des
- 11 -

�Beendigung des Mißbrauchs des Gesetzes über Informationsfreiheit durch Terroristen
Mitglieder terroristischer Vereinigungen könnten das Gesetz über Informationsfreiheit benutzt haben, um Informanten
des FBI zu identifizieren, die Nachforschungen des FBI zu behindern und Regierungsmittel durch Anfragen zu blockieren.
Dies wäre eine eindeutige Verletzung des Gesetzes, die vom
Justizministerium überprüft und, wenn er sich bestätigt, von
der Legislative behandelt werden sollte, um das Schlupfloch zu
schließen.
Studium des Verhältnisses zwischen Terrorismus und dem
nationalen und internationalen Rechtssystem
Internationales und nationales Rechtssystem sind angemessen, wenn es um die Behandlung von konventionellem Krieg und
Verbrechen geht. Bei bestimmten Gelegenheiten tauchen jedoch
Fragen der Gesetzgebung und Zuständigkeit auf, wenn es um den
Terrorismus geht. Zum Beispiel gibt es Zweifelsfälle bei den
Umständen, bei denen militärisches Eingreifen bei der Bekämpfung des Terrorismus angemessen ist. Dieser Mangel an Klarheit bei den Beziehungen zwischen der Anwendung internationaler Gesetze und Rechtssysteme könnte die Macht der Regierungen
einschränken, schnell und wirksam zu handeln. Das Außen- und
auch das Justizministerium sollte die private und die akademische Forschung unterstützen, um herauszufinden, wie internationale Gesetze benutzt werden können, um Bemühungen zu beschleunigen - und nicht zu behindern -, einen Terrorakt zu beantworten.
Untersuchung darüber, ob bestimmte privatwirtschaftliche
Aktivitäten illegal sind
In einigen Fällen haben Einzelpersonen und Firmen Terroristen Lösegeld für die Übergabe entführter Personen oder gestohlener Gegenstände gezahlt. Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zur nationalen Politik, die sich dagegen wendet, Zugeständnisse an Terroristen zu machen oder ihnen Lösegelder zu
zahlen. Das Justizministerium sollte erwägen, ob Gesetze geschaffen und angewandt werden sollten, die solche Zahlungen an
terroristische Vereinigungen für rechtswidrig erklären.
EMPFEHLUNGEN ZUR VERSTÄNDIGUNG
Aufgrund des starken Drucks bei einer Geiselnahme bedrängen manche Familienmitqlieder von Geiseln höchste Regierungs- 12 -

�höchste Regierungsstellen um Informationen. So sehr dies verständlich ist, beinhaltet solch ein Verhalten die Möglichkeit,
die Rückkehr der Geiseln zu verzögern, indem man Terroristen
so die gewünschte Aufmerksamkeit der Medien zukommen läßt oder
sie in den Glauben versetzt, daß ihre Forderungen erfüllt werden. Darüber hinaus könnte die unbeabsichtigte Enthüllung
prekärer Informationen alle Bemühungen um die Freilassung von
Geiseln gefährden.
Die im Zuständigkeitsbereich der Konsularabteilung des Außenministeriums liegende Verbindungsstelle für Familien sollte
ein weitreichenderes Programm zur Verfügung stellen, das Besuche, Telefon-Standleitungen, Informationen über private Beratungsdienste und eine Kontaktperson für jede Familie, auch
wenn es nichts Neues zu berichten gibt, einschließt. Solch
ein erweitertes Kontaktprogramm wird den Familien helfen, zu
verstehen, daß seitens der Regierung den Interessen der Geiseln höchste Priorität zukommt.
Beginn einer Aufklärungskampagne für die Öffentlichkeit
Wege n de s Mangels a n Ve rstä ndni s und gegenwa rtig erhältlj chen I nf ormatione n üb er u nser nat ional es Progr amm z ur Bekf'mp fung des Terror ismu s so U t e n br eit a ngelegte Bemü hungen
unte rnom men werden, um die amer ikan ische Öffentl ichke it sowohl
über uns ere Maßnahm en u nd V orsc hläg e zu informie ren a ls auch
über die zah lreiche n Au swir kung en d es Ge brauchs von G ewalt gegen den Terr orismus , einsch ließ lieh des Todes un schul diger
Pers onen , der Zerst örun g vo n Ei gent um, E ntfremdu ng vo n Verbündete n un d mö glicher ter rori stis eher Verg eltungsa kte. Die Aufklär ungs bemü hungen würd en m it H ilfe von Publikat ionen , wie zum
Beis piel mit diesem Ber icht , sowie Semin aren und Ansp rächen
von Regi erun gsvertr eter n du rchg efüh rt.
Zusammenarbeit mit den Medien
Terroristen erzeugen absichtlich Sensationen, um die
Hauptaufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken - ein Trick,
der sich häufig die amerikanische Pressefreiheit zunutze
macht. Dieses Vorgehen kann durch enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Medien ausgeschlossen werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte den Medien während einer
Krise durch den Terrorismus rechtzeitig Informationen liefern.
D:e Medien sollten im Gegenzug dazu sicherstellen, daß ihre
Reportagen den höchsten professionellen und ethischen Maßstäben entsprechen.

* * *

* *

13 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. März 1986

IC

USA ZUR WEITEREN BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS ENTSCHLOSSEN
- Botschafter Oakley vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Robert Oakley, Botschafter zur besonderen Verwendung und im amerikanischen Außenministerium mit
dem Problem der Bekämpfung des Terrorismus betraut, informierte am 28. Februar 1986 den für Rechtsfragen zuständigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses in einer vorbereiteten Erklärung über die Maßnahmen der amerikanischen Regierung in
diesen Bereich: "Die Reagan-Administration ist entschlossen,
damit fortzufahren und die uns zur Verfügung stehenden Instrumente zu vermehren und zu verbessern."
Er betonte zugleich, daß in diesem Rahmen "alle unsere Bemühungen um internationale Zusammenarbeit und internationale
H:lfestellung von Bedeutung sind." Die vorbereitete Erklärung
von Botschaftor Oakley hat in ihren wesentlichsten Auszügen
folgenden Wortlaut:
Ein erster Blick auf die Statistiken zeigt, daß es im Jahr
IT'85 nehr als 800 Akte des internationalen Terrorismus gab.
Es gab 2 223 Opfer - 23 der Getöteten und 139 der Verletzten
waren Amerikaner. In den vergangenen zwei Jahren nahm der internationale Terrorismus - im Vergleich zu einem Jahresdurch-

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�einem Jahresdurchschnitt von rund 500 in der Zeit zwischen
1978 und 1933 - erheblich zu (um 60 Prozent).

Die terroristische Bedrohung im Ausland
Für dieser beunruhigenden Trend gibt es eine Reihe von Ursachen und Gründen. Eine Hauptursache für diesen Anstieg bildet der Terroiismus, der seinen Nährboden im Nahen und Mittleren Osten hat - hier stieg die ;'ahl der Vorfälle von 109 im
Jshr 1983 auf 378 im Jahr 1985. Innerhalb dieser Kategorie
gibt es eine Vielzahl von Fakto r en und Akteuren, nie israeiIsch-palä5t;nensische Frage Ist nur eine Komponente und umfaßt den lerrcr ismus, der von r &lt;dikalen Palästinensergruppen
ausgeht, die ((en Versuch unternahmen, den Friedensprozeß zu
störer'.
D?;neben g b t es den Terrorismus, der von dem politisch-religiösen Fanatismus Khomeinischer Prägung sowie von den Mordkcmpaanen Ghacafis gegen libysche Dissidenten ausgeht.
E J n i g e dei Ter rora kte wäre n Ve rsuche von Terr oris ten, die
Fi eil c i S S U P g vf.n Ge sinn ungs geno ssen oder Verw andte n zu erzwingen, d i e v&gt; eqen frü here r Ve rgeh en v erhaft et w urden . Die einzig
di rch cjängi ge P'orde rung der bei sein ehmer von Ameri kane rn im Libe non i s t die Frei lass ung von 17 d urch d en I ran i nspi rierten
Tr- rror i s t e n , i!ie i n Ku wait weg en d er dor tige n blu tige n Terrorangri ffe i m De zemb er 1 984 veru rtei lt wur den, bei dene n fast
100 M ensch en w erwu ndet ode r ge töte t wurd en. Ande re T erroris ten i wie etv a Ab u Ab bas, des sen Gruppe die Achi lle Lauro kapf rte , v e r such ten, pol itis ch g egen die V erei nigte n St aaten und
Ifr rae] St.i mmun g zu mac hen und glei chzeit ig d ie Fr eila ssung inh&amp;fti erter
innu ngsg enos sen zu e rreich en.
D:.e t c idlic hsten T erro rangri ffe de s Mittl eren Ost ens kamen
vcn de r A b u-N: dal-Gru ppe, die d as Zen trum ih rer Oper atio nen
1983 v orn I rak nach Sy rien verle gte. Anfang 1985 kon zent rierte
Abu N;.dal sein e Angri ffe gegen Jordan ische u nd gemäß igte pau st in ensi sehe Politi ker. Als dann M itte de s Jahres Syr ien
und Je rdan ien Gespräc he a uf höh er Ebe ne mite inander bega nnen,
wurd e Liby en ::u seine m wi chtigs ten He lfer un d seine Ziel e wandelt en sie h e:?neut. Die Entfüh rung d es ägyp tischen Flug zeuges
ne-ch M alta , WD bei zum ers tenmal auch weiblic he Passa gier e ar er ik anis che : und is rael ischer Staat sangehö rigkeit - he rausgesu ch t wu rden , um getöte t zu w erden, sowie die Ansc hläg e auf
den Fl ughä fen von Rom und Wien waren die ers ten groß eren Operat!on en H er \bu-Nida 1-Or ganisa tion, seit si e erhebl iche Unte T S tn tzun o vo n Libye n be kommt.
Auch westeuropäische
- 2 -

�Auch v/esteuropä ische Gru ppen wäre n aktiv. Die Rot e Armee
Frak tion gri ff amer i k a n isehe und NATO -Anlagen in d er B undesre;pu b.lik Deu t s c h 1 a nd an - wo bei mehre re Ameri kaner umk amen und ihre Ges innungs genos sen in F rankr eich und Belg ien führten
In Ita lien gab es geraauch in dies en Land ern A nsch läqe aus.
de; e rst in d iesem M onat eine Wie derbe lebung d er Ro ten Brigaden, nac hdem die Gr uppe dort erh eblic he Rucks chläg e ha tte hinnehm en m üsse n. In Spani en s etzt en di e baskis chen Sepa ratisten
ihre Kam pagn e fort. Im verg anae nen J ahr wurd e ein ame rikanisch er G esch ä ftsman n get ötet , äls ein e Autobo mbe i n Ma drid exp?.od iert e un d auch mehr als ein Dutze nd spani scher Ziv ilgardist en v erwu n d e t e.
In Lateinamerika stieg die Zahl der Terrorangriffe von 81
in Jahr 1984 auf 132 im Jahr 1985. 86 dieser Vorfälle betrafen auch die /ereinigten Staaten, einschließlich vier getöteter Marines und zweier Geschäftsleute in San Salvador.
Die L i ste ist kei nesw egs vo llst ändi g, ab er l ch z itiere
diese Vor komm niss e, u m di e Type nvie lfal t der Ter rori sten zu
AI lerd ings gibt es e inen gerne insa men Nenner,
i.'.lustrie ren.
Keiner vo n ih nen - gl eich , was sie oder ihre Hei fer vorgeben
Iche rom anti sehen Frei heit skämp fer, der en Ans n d i r g ndwe
e
schlage m an m it d em A rgum ent en tsch uldi qen k önnt e, s ie kämpften für e ine poli tisc h "g erecht e Sa che" . Was si e tu n, sind
kriminell e Ak te, wöbe i in viele n Fä llen absi chtl ich versucht
wird, so v i e 1e Un schu ldig e wie nur mögl ich - ein schl ießlich
jener, di e in kei ner 1 ei d irekte r Be zieh ung z u ih ren Klagen
stehen - zu t oten ode r zu verle tzen
Bedrohung der Vereinigten Staaten durch den internationalen
Terrorismus?
Man fragt uns oft: "Wird der Terrorismus im Ausland sich
auch hierher ausbreiten?" Es ist schwer, hierauf eine eindeut ge Antwort zu geben, weil es eine solche Vielfalt des Terrnrismus im Ausland gibt; aber alle damit beschäftigten Stellen der amerikanischen Regierung nehmen die Bedrohung sehr
ernst - insbesondere das Außen-, Justiz- und Finanzministerium.
Erst kürzlich stand Libyens Gadhafi erneut in den Schlagzeilen, drohte er doch wieder damit, den Terrorismus in die
Vereinigten Staaten zu tragen. Obgleich wir davon ausgehen,
daß dies eine Übertreibung ist, sollte man es nicht ignorieren.
Es gibt ein deutliches Vorgehensmuster, wie libysche
Aiienten im Ausland ihre eigenen Landsleute umbrachten, die
Gadhafi nicht mochte. Die neue Abu-Nidal-Verbindung bietet
L'.byen noch mehr Möglichkeiten.
Im vergangenen Jahr machte

�Jahr nachte das FBI erfolgreich den Plan einer Gruppe von
Libyern in unserem Land z u n i c h t e , und ein Mitglied der
libyschen Mission bei den Vereinten Nationen wurde aufgrund
seiner Verwicklung in terroristische Aktivitäten des Landes
verwiesen.
Plötz lic h taue hten S i k h - Terr oris ten, di e bis vor zw ei Jahwese n wa r e n , a u ß e " in Indien auch i n den Vereiren inakt i v
nigt en St aat en und ih Kanada auf . Wie bere its Mr . Webster
la ng e s dem F B I , gen lant e Sikh-Operat ionen hier zu
ai'ss atjte,
D:.e im ver gangen en J ahr in zwei Verke hrsflu gzeugen
vere iteln
aus Kanad e d ep onie rten Bombe n du toni erten a llerdi ngs be reits
in u nsere r N Ih e. Die Tragöd ie 1 er A ir Indi a-Masc hine w ar
n.i cht die e in;*.ige Rata stroph e dl eser Art de s Jahres 198 5. Der
Abst urz 1 et? tfin Ju n i , bei de m a l le H inweise auf e ine Bo mbe von
Sikh -"e er or lSt en s chli eßen 1 asse n, k ostete 329 Me nschen leben.
Die Verei nig tl!n St aate n, Kan ada, Gro ßbritan n i e n und Ind ien untern ehmen al In Ans tren gungen , um mög liehen Terror anschl äqen
drr Slkhs zu vn rzuk omme n.
Es gibt aber noch andere Gruppen, die in der Vergangenheit
amerikanischen Boden nutzten, um durch Aktionen gegen Vertreter eines anderen Landes ihren Anliegen Geltung zu verschaffen
- so etwa armenische Terroristen, die türkische Diplomaten angriffen und Angehörige der Jüdischen Verteidigungsliga, die
sowjetische D.plomaten angriffen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit jedoch auf die Tatsache lenken, daß es in diesem Land zu
keinem Vorfall kam, in den ausländische Gruppen oder Regierungen verwickel; gewesen wären.
Ich moc hte auße rdem auf den U nter schi ed zwis chen t atsä ehlic her und po :e ntie H e r Bedr ohung sei tens Gruppe n, Bür gern r e n ,
ode c da uern d In die sem Land Ans äs sige n mi t stark en fam iliä O b eth nisc hen oder rel igiö sen B indun gen im A usland hinwei sen.
gle ich es e ine klei ne Z ahl v on Vo rfäl len gab, in die V ertr eter
die se~? Grup pen verw icke lt wa r e n , so h at d och ein e Komb inat ion
aus wir ksam er S traf verf olgun g und Dru ck s eitens dieser Gru Ppie rung en s elbs t, v on d erlei abzu sehe n, d azu bei getrag en, daß
s 01ch e ine te :r oris tisc he Ak t i v i tät b zw. deren F ortfüh rung
ver bind ert we cd en k onnt e. D iese Grup pen setzen sich z u ei nem
übe rwäl tige nden Tei 1 aus fri edlie bend en, Patriot ischen Bür gern
zus amme n. E s wä re e in F ehler und in g roße m Maß u n f a i r , wen n
die ame rika nisc he Ö ffen tlich k e i t , der Kon greß od er die Med ien
d i e eth nisc hen Grup pen in di esem Land als potent ielle Brut
st 8 tten des Ter rori smus vert euf el n wü rden
Es gibt eine Reihe von Gründen dafür, daß Terroristen aus
dem Ausland hier nicht aktiver sind. Einer besteht natürlich
in der hervorragenden Arbeit des FBI sowie anderer S t r a f v e r fnlgunosbebörJen. Ein zweiter ist die gute Arbeit der CIA und
- A -

�CIA und anderer Ä'mter, wenn es darum geht, im Ausland Informationen über potentielle Bedrohungen dieses Landes zu sammeln.
Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, daß die geistige, politische und psychologische Atmosphäre, die einige der ideologisch motivierten Terroristen Europas zu nähren scheint, hier
nicht verbreitet ist. Schließlich ist auch ein Grund die gute
Arbeit, die e1wa beim Zoll und im Außenministerium geleistet
wird, potentielle Terroristen vnn unserem Land fernzuhalten.
Ein Resjl'pt dieser guten Arbeit ist allerdings, daß es
für Ter;oi i stc n einfacher ist, die Amerikaner im Ausland angieifen wollen. Millionen von Amerikanern arbeiten und reisen
ZL jerer zeit im Ausland. Die "ebäude, in denen wir arbeiten,
die Füughffen. die wir benutzen, all dies ist für Terroristen
leicht zueäng." ich, die symbolisch Uncle Sam selbst oder aber
irgencwelr.h3 tmerikanIschen Zivilisten treffen wollen. Die
Sicherheit in einigen Ländern läßt zu wünschen übrig. Es ist
schwer }b2uwäcien, ob sich die Situation hierzulande ändern
würde, wenn die amerikanische Regierung im Ausland stärkere
ArtitercormaGnahmen ergreifen würde. Wir haben zum Beispiel
eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Maßnahmen gegen
Gsdhafi ergriffen, da die Vereinigten Staaten und Israel schon
seit, langem seine Ziele sind. Die Vereinigten Staaten sind
ai.cn Haupt.z le." einer ganzen Anzahl anderer Gruppen im Nahen
Osten und in l.ateinamerika.
Während es nicht ausgeschlossen werden kann, daß eine härtere Gangert rjegen Gaihafi oder andere Terroristen diese in
Urem Wunsch nach Durchführung von Aktionen gegen die Vereinigter- Staaten innerhalb unseres Landes bestärken könnte, gibt
er die oben erwähnten grundlegenden Hindernisse, die selbst
von dem irrat onalsten Terroristen beachtet werden müßten.
Ein Verlangen nach Rache verändert nicht notwendigerweise die
Grundbedingunnen: relative Schwierigkeiten für Terroristen, in
die Vereinigten Staaten einzureisen und dort zu operieren sow^e unsere Fähigkeiten, sie abzufangen.
Jedenfalls hat diese Administration eine noch energischere
Kampagne gegen den Terrorismus beschlossen, und sie wird sich
vr. m R; siko der Vergeltung im eigenen Land nicht davon abschreeken lassen. Dies ist der wichtigste Schluß aus dem von
der Kommission des Vize-Präsidenten zur Bekämpfung des Terrorismus vorgelegten Bericht, der vom Präsidenten gebilligt worden Ist und der bald der Öffentlichkeit präsentiert werden
wird. Er sch.'.ägt Maßnahmen zur Stärkung unserer Fähigkeiten
zi r Bekämpfung des Terrorismus im Ausland und in den Vereinigten Staaten sowie eine Fortsetzung der Politik der Verweigerung »on Zugeständnissen vor. Vor dem Terrorismus wird es
ktin Zurückwe chen geben.
Natürlich ist

�N a t ü r l i ch i st in d lesem Gesch äft ni chts s icher , und die
Terro eisten bes itzen d en Vo rteil der Üb errasc hung und der
8 ei de r Abwä gung u nserer Reak tion en auf
w e c h s e l n d e n Tak tik.
eine bestim Ute Situati on ve rsuche n wir deshal b, al le F aktoren
in Be tracht zu ziehen. Abe r wir können uns n icht zur Untätigkeit verdam men lassen aus F urcht, unser e Akti onen könn ten zu
weite ren 1:e rror istisch en An schlag en füh ren.
Im Ge gent eil, der
Preis des N icht stuns i st me istens höher als d er Pr eis dafür,
e t. w a s zu tu n. Viele e uropä ische Regier ungen haben lan ge gezög e t t , sich un:;e ren Akt Ionen gegen Libye n anzu schli eßen und dabei s ogar e in ? a che Kon troll en der in ih re Län der e In- oder
a u s r e isende n Pe rsonen zurüc kgewle sen, w eil si e siefi üb er den
m ö g l i chen V e r l ust von Gesch äften mit de n Arab ern s orgt en.
Vt.Tsp ätet i st i hnen je tzt k lar ge worden , daß sie n icht versr:hon 1; werd en u nd daß sie d urch d ie fal lenden Tour ismu seinkünft e, ges klag enen Si cherh eitsko sten u nd äng stlic hen potentiell en luv es :oren sow ie ei nen Ve rtraue nsverl ust i n ih rer eige^nen Offen tl ichkeit t euer für de n Terr orismu s bezahle n.
Internationale Zusammenarbeit
D ie Be kämpfu ng de s T e r r o r i s m u s in Ü b e r s e e wird k o m p l i z i e r t
durch solo he wir tscha f t l i c h e n Fak toren und durch u n t e r s c h i e d 1 i c h e allg emein polit ische und au ß e n p o l i t i s c h e S t a n d p u n k t e und
d i e s s o g a r im Fa 11 vo n A n s c h l ä g e n , bei denen A m e r i k a n e r d a s
Wir soll ten uns daran e r i n n e r n - und
H e u p t angri ffs/ie 1 sin d.
di es :. s E e
t w a s , das v on den M e d i e n und der Ö f f e n t l i c h k e i t o f t
übers ehen wird - , daß die p r i m ä r e p o l i t i s c h e und r e c h t l i c h e
Veran t w o r t lichke it fü r die B e k ä m p fung des T e r r o r i s m u s bei d e n
Re gie runge n der Lände r l i e g t , in denen t e r r o r i s t i s c h e A n s c h l ä ge st attfJ nden k önnen
Unsere Macht ist r e c h t l i c h w i e auch p o l i t i s c h b e g r e n z t .
Wir können zun B e i s p i e l m i l i t ä r i s c h e s W a c h p e r s o n a l i n n e r h a l b
u n s e r e s B o t s c h a f t s g e l ä n d e s oder a n d e r e r A n l a g e n s t a t i o n i e r e n .
W&amp;s die äußere S i c h e r h e i t a n g e h t , sind wir jedoch a u f die R e gierung des G a s t l a n d e s a n g e w i e s e n , genau so wie es im V e r a n t wortungsbereich dieser Regierung liegt, Reisende auf Flughäf e n , in G e s c h ä f t s - oder a n d e r e n Z e n t r e n i n n e r h a l b ihrer r e c h t lichen Z u s t ä n d i g k e i t zu s c h ü t z e n .
Wir k ö n n e n u n s e r e S t r e i t k r ä f t e zu S c h l ä g e n gegen T e r r o r isten m o b i l i s i e r e n .
U n s e r e F ä h i g k e i t , sie in b e f r e u n d e t e n
ocer n e u t r a l e n L ä n d e r n e i n z u s e t z e n , h ä n g t von der Z u s t i m m u n g
der G a s t r e g i e r u n g a b . Die A n w e n d u n g u n s e r e r r e c h t l i c h e n M ö g l i c h k e i t e n , T e r r o r i s t e n im Ausland zu v e r f o l g e n , wird e b e n s o
stark von der Haltung der d o r t i g e n R e g i e r u n g e n b e e i n f l u ß t . In
d i e s e n Z u s a m m e n h a n g sind A u s l i e f e r u n g s v e r t r ä g e w i c h t i g , die so
eng gefasst sein m ü s s e n , d a ß es für T e r r o r i s t e n keine S c h l u p f - 6 -

�keine Schlupflöcher mehr gibt.
Der Auslieferungsvertrag zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, der dem S e nst g e g e n w ä r t i g z u r R a t i f i z i e r u n g v o r l i e g t , ist e i n B e i s p i e l
de f ü r .
W : r k r n ner: m i t viel en a nder an La n d e r n zusa mmen arbe iten und
tun d i e s c uch. um deren V e r teid 'gung gege n den Ter rori smus zu
och S ache der ande ren souv f r b e £ serr . letzt endli ch i st e '- jed
ve. r ä n e n R e g Leiunge n, zu ent sehe : den - o d er bisweil en n icht zu
er t s c h e '.den -. w i e in e iner bes timmt en Si tuati on z u ve rfahren
i s t . U id e s liegt of fe n s i c htli ch in u n s e rem I nter esse , daG
s i e sc oes t imnt un d w i r ksam han 'lein wie m öglic h, u m di e Bedroh i n g j m Aus land zu b e k ä mpfe n, a nstat t ihr Über grei fen auf die
Bei dpr Bekam pfun g de s TerVK r e i n i gten S1qate n z • J ulas
sen.
z
rc r i s m u s s in d u n s ere An stre ngun nen z ur Ve rwirk lieh ung internat i o n a ] er 7u s a n m e n s rbe Lt und Ber ;itst ellun g int erna tion aler
H i l f e v on e Tiinente r W i e '-itigkeit
JLE§ ATA-Programm
E;n w^cht ner Teil unserer 'usammenarbeit mit anderen
Staaten besteht in dem Hilfspro iramm zur Terrorismusbekämpfung
ff r zivile ^o .izeibehorden befreundeter Regierungen. Das Progi a:nm wird von Außenministerium durchgeführt, und während der
fest ;:wei Jahre seines Bestehens haben über 1800 Beamte aus 32
Ländern daran teilgenommen.
D e m eist en Le hrgän ge di eses Pro gram ms, das eine sehr
w&gt; rt volle Str uktur für die E ntwi eklu ng e ines bes sere n Arb e i t s •
v rh 83 tnis s e s mit ander en La nder n, d ie d er g leic hen Bedro hung
n , h i e t e t, we rden von Poli z e i behör den des Bunde s,
unte r! iegeIsta
oten und d er Ge mein den sowi e vo n pr of es s i o n ellen
E:.
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du r c h g e führ t. Das Just izmi nist erium und
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Pnli zeive sluf oung en
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rde F AA h aben Unt erst ützu ng f ür di e s e s
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Eine e rste Pha se, das Semi nar f ür
Prog ramm b e r e tges fähig t. die
Führungsk r ä f t i?, b e Austa usch Ver eini gten Sta aten und das teilvon Idee n un d Ei nsic hten . Die
nehm ende Land zum
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en b e n ü t zt, um s pezi f ische B e dürfzweitu un d dr Ltte
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Ausb ildu ngsm aßna hmen für Beam te
n s s e z u \den :ifiz
s
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den
V
ere inigt en S taat en d urch zuf üh r e n .
dt.'S Enpfä nger ^ande
M:t der B e w i l l i g u n g d e s A T A - P r o g r a m m s hat der K o n g r e ß
a u ß e r d e m eine B e d i n g u n g a u f g e s t e l l t , nach der t e i l n e h m e n d e
Länder im H i n b l i c k auf d i e E i n h a l t u n g d e r M e n s c h e n - u n d B ü r gerrechte überprüft werden sollen.
Der K o n g r e ß h a t das R e c h t ,
vorgesehene Teilnehmerstaaten abzuweisen.
D a s Büro für M e n s c h e n r e c h t e und H u m a n i t ä r e A n g e l e g e n h e i t e n ü b e r p r ü f t und b e s t ä t i g t j e d e s .and, bevor d e r K o n g r e ß durch d a s A u ß e n m i n i s t e r um über die T e i l n a h m e d i e s e s L a n d e s am A T A - P r o g r a m m in
- 7 -

�ATA-Programm in Kenntnis gesetzt wird. Sowohl das Außenministerium als auch der Kongreß sind bestrebt, Länder mit zweifelhaften Haltungen zu den Menschenrechten herauszufiltern.
In Fällen, bei denen die Interessen der Vereinigten Staaten
dies gebieten, haben wir außerdem die Möglichkeit, das Ausmaß
der Ausbildung auf diejenigen ausländischen Behörden oder bestimmten Tätigkeitsgebiete zu beschränken, die für die Sicherheit und den Schutz amerikanischer Bürger direkt und unmittelbar relevant sind.
In all unseren Lehrgängen spielen die Anerkennung und der
Schutz der Merschenrechte eine dominierende und vordringliche
Rclle, und wii wählen ausbildende Behörden - wie z. B. städtische Polizeiräfte - aus, die den ausländischen Teilnehmern
durch Worte urd Beispiele demonstrieren, daß ethische Normen,
Professionalismus und effektive Terrorismusbekämpfung Hand in
Hsnd gehen körnen und müssen.
Die Schritte der letzten beiden Jahre
Das Tempo unserer gemeinsamen internationalen Programme
urd anderer Initiativen beschleunigt sich.
- Wir haben die gegenseitigen Beziehungen zu unseren Freunden auf der ganzen Welt intensiviert und damit begonnen,
bilaterale; Bemühungen zur Bekämpfung des Terrorismus mit
denjenigen Ländern zu diskutieren, zu denen wir bisher
keine engen Verbindungen unterhielten,
- Wir haben zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt und
der Sammlung, Auswertung und Verbreitung von nachrichtendienstlichem Material über terroristische Vereinigungen
und ihre Aktivitäten im Ausland eine noch größere Priorität eingeräumt.
- Wir haben die Sicherheit unserer Botschaften und Konsulate
verstärkt und das Sicherheitsbewußtsein unseres Personals
verbesser-;; wir haben begonnen, enger mit dem Privatsektor
beim Austausch von Informationen über Bedrohungen im Ausland und Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten. Das InmanGremium legte einen wichtigen und umfassenden Bericht darüber vor, was noch getan werden könnte, um die Sicherheit
zu erhöhen und gab einen zusätzlichen Anstoß, um eine Aufstockung der notwendigen Mittel zu erreichen.
- Präsident Reagan wies drauf hin, daß die verbesserte Sammlung nachrichtendienstlichen Materials, eine bessere Sicherheit und engere internationale Zusammenarbeit uns dabei geholfen haben, im vergangenen Jahr mehr als 100 ter-

�als 100 terroristische Aktionen abzuschrecken oder ihnen
vorzubeugen. Diese kommen zu den 23 verhinderten Anschlägen im Iniand hinzu, auf die Mr. Webster hingewiesen hat.
Wir sind in eine neue, positivere Phase eingetreten, indem
wir die staatliche Unterstützung des Terrorismus bekämpfen, zum Beispiel durch die Entscheidung des Präsidenten,
sowohl alle wirtschaftlichen als auch alle politischen
Kontakte ;:u Libyen einzustellen, andere Regierungen davon
zu überzeugen, sich uns anzuschließen und uns die Möglichkeit weiterer scharfer Maßnahmen für den Fall vorzubehalten, daß es durch diese gemeinsame Initiative nicht gelingen sollte, Gadhafi zu stoppen.
W:.r heben hart und erfolgreich in internationalen Organisationen wie z.B. in der Generalversammlung und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gearbeitet und dabei festgestellt, daß der Terrorismus für alle Nationen eine große
Bedrohung darstellt und als Verbrechen angesehen werden
sollte. :n den entsprechenden Behörden bereiten Luftfahrt- und Marineexperten neue Sicherheitsmaßstäbe vor.
Wir ha ben von jung sten g esetzl iche n Ha ndhaben Geb rauch gemacht wie zum Bei spiel von de n Pr ogra mmen zu r Au ssetzung
von Be lohn unge n, d em Str afgese tz v on 1 984 und dem Auslandsh ilfß gese tz. Wir g lauben , daß es nützli ch i st, mehr
recht 1i che Han dhab en für Bemüh unge n ge gen den Ter rorismus
zu hab en. Wir unt erstüt zen zu m Be i s p iel die Vorl age S.
1429, die kürz lieh vom S enat v erab schi edet wu rde und die
Ermord ung oder and ere te r r o r i stisc he G ewaltta ten gegen
anerik anis che Bürg er im A u s l a n d zu Bun desverb rech en erklärt, W.ir unters tützen natür lieh auc h sehr die Verabschied ung der Ergä nzung zum Au slie feru ngsvert rag zw Ischen
den Ve rein igte n St aaten und Gr oßbr itan nien.
Präsident Reagan hat die Arbeit der von Vizepräsident Bush
geleiteten Kommission befürwortet, die alle Aspekte unserer Maßnahmen und Praktiken zur Bekämpfung des Terrorismus
überprüft und eine Reihe von Verbesserungen vorgeschlagen
hat.
Sj :hlußfolgerui ig_
Wir nehmen an, daß die Bedrohung durch den Terrorismus auf
internationaler Ebene wahrscheinlich noch ansteigen und uns
noch mindestens ein Jahrzehnt lang beschäftigen wird. Es gibt
zu viele Fälle, zu viele verschiedene handelnde Personen und
zu viele polirische, religiöse, soziale und nationale Brennpur:&lt;te auf de: Welt, die Individuen hervorbringen, welche be-

�welche bereit sind, Terroristen zu werden. Zu viele Gruppierungen glauben, daß sie einen für ihre jeweilige Sache günstigen politischen Einfluß nehmen können - was von den Medien auf
der ganzen Weit heftig hochgespielt wird - und es gibt Regierungen, die der Versuchung nicht widerstehen können, Terrorismus als eine hillige Art der Kriegsführung zu benutzen. Wir
sollten uns dadurch nicht entmutigen oder in Panik versetzen
lfssen, sondern einen klaren Kopf und auch unsere Entschlossenheit bewahren. Dies wird ein langer Prozeß sein; es gibt
keine Wunclerlnsungen oder -abhilfen. Während die Terroristen
je:doch ihre Aktivitäten verstärken, bauen wir auch unsere aus
und versuchen verstärkt, ihnen entweder allein oder mit anderen Regierungen zuvorzukommen.
Wir können bei der großen Anzahl terroristischer Anschläge, d:'.e im AusTand verhindert werden, über das niedrige Niveau
des Terrorismus in diesem Land beruhigt sein. Aber das große
Arwachsen der Zahl und der Brutalität internationaler terroristischer Zwischenfälle, das noch größere Anwachsen der Anzahl
von Toten und Verletzten, die durch Terroristen hervorgerufen
w:ird und die "atsache, daß die Vereinigten Staaten das Hauptargriff szäel bleiben, zeigt ganz klar, daß der Kampf sich verschärft, und wir können es uns nicht leisten, lässig zu sein.
Die Reagan-Administration ist entschlossen, dieses Problem
weiterzuverfo!gen, unsere Instrumente zu verbessern und zu erweitern. Die starke Unterstützung des Kongresses war und wird
auch weiterhin bei diesen Bemühungen extrem wichtig sein.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. März 1986

10

Die Umwelt wurde sauberer
Aber me'nr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken erforderlich -

WASHING TOIJ - (AD) - Die amerikanischen Bundesgesetze zur
Verbesserun g der Luft- und Wasserqualität haben sich als wirkSeim erwiese n: Durch sie wurden die größten Probleme in bezug
auf Luft- u nd Wasserverschmutzung, wie sie in den siebziger
Jahren best anden, beseitigt. Zu diesem Schluß kommt der Jahresbericht 1935 des Präsidialbeirats für Umweltqualität (CEQ •
Council on Environmental Quality). Anläßlich der Veröffentlichung des Borichts am 18. Februar 1986 verwiesen jedoch Beiratsmitglie de' auf die Tatsache, daß sich eine Reihe neuer
Fragen erge ben hätten, für die noch in diesem Jahrzehnt befriedigende Antworten gefunden werden müßten.
Es gehe u.a. darum, wie Umweltprobleme in den Griff zu bekommen seien, die die Folge von Aktionen verschiedenster Art
von Einzelpersonen und von kleinen Firmen sind und sich ständig verstärken. Auch frage man sich, wie Risiken zu entschärfen seien, die sich aus der Einführung neuer chemischer und
biologischer Substanzen sowie neuer Technologien ergeben könnten. A. Alan Hill, der Vorsitzende des CEQ, befürchtet ferner, daß heute vorhandene Bestimmungen womöglich die Entwicklung von Produkten behindern, die moderner, sauberer, billiger

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Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sauberer, billiger und sicherer als die heute gebräuchlichen
wären. Bei manchen Bundesvorschriften und Subventionsprogrammen sei die Gefahr gegeben, daß sie Initiativen für technologische Fortschritte blockierten, die auch mehr Sicherheit bedeuteten und so dem Umweltschutz besser dienen würden.
Das CEQ-Gremium hat im Rahmen des Gesetzes zur nationalen
Umweltpolitik die Aufgaben, Veränderungen im Zustand von Luft,
Wasser und Boden sowie der natürlichen Hilfsquellen als unabhängige Körperschaft zu überwachen und Empfehlungen zur Verbesserung laufender Programme und Maßnahmen, die Umwelt und
Ressourcennut'^ung betreffen, auszuarbeiten.
Als wichtigste Themen behandelt der Bericht folgende
Punkte:
Luftqualität
- Auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sprechen alle
Anzeichen für eine weitere Verbesserung der Luftqualität
in den Vereinigten Staaten. Bei vier der sechs als "Kriterien" eingestuften Luftschadstoffen, für die gesetzlich
Höchstwerte festgelegt sind und eingehalten werden müssen,
wurden die bundesweit gültigen Normen erreicht. Es handelt sich um Staubpartikel in der Luft, Schwefeldioxyd,
Stickstoffdioxyd und Blei.
- Zwei Schadstoffe sind nach wie vor problematisch: Kohlenmonoxyd (CO), das allerdings mit Ausnahme einiger Großstädte nur ein Randproblem darstellt, und Ozon. Die Bundesprogranme zur Verminderung von Motorabgasen, welche
diese Schadstoffe enthalten, trugen merklich zu einer
ständigen Senkung dieser Art von Emissionen bei. Bis Ende
der achtziger Jahre dürften, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die nationalen Ziele in bezug auf alle sechs kritischen Schadstoffe ohne zusätzliche Bundeskontrollprogramme
erreicht werden.
- Die Anwendung des "Glockenprinzips", mit dem die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency)
Firmen erlaubt, sich über Industrieemissionen innerhalb
eines bestimmten Bereichs untereinander zu verständigen
und anteilmäßig zur Gesamtverringerung beizutragen, führte
bis Oktober 1984 bereits zu Einsparungen von schätzungsweise 200 Millionen Dollar bei Umweltschutzmaßnahmen. Bis
dahin waren schon 37 "Emissionsglocken" genehmigt, neun
weitere vorgesehen. Dieser Modus verlangt allerdings mehr
Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Betreibern
der Emissionsquellen.
Die neuen

�- Die neuen EPA-Bestimmungen über den hochstzulässigen Bleigehalt in Benzin, die ab 1. Januar 1986 gelten, verringern
diesen von 0,289 g auf 0,026 g pro Liter. Die günstigen
Auswirkungen der neuen Vorschrift auf den Gesundheitszustand von Kindern, die allgemeine Verminderung von Schadstoffen, v/erminderte Wartung und wirtschaftlicherer Betrieb von Kraftfahrzeugen werden für die Zeit von 1986 bis
1992 wertmäßig mit 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr.veranschlagt. Dies entspricht etwa 1 Milliarde Dollar netto
pro Jahr, wenn man die höheren Kosten der Mineralölindustrie bei der Ölverarbeitung berücksichtigt.
- In Frühjahr 1985 kündigte die EPA ihre Absicht an, möglicherweise ab 1. Januar 1988 den Zusatz von Blei zu Benzin ganz ':u untersagen.
Wasserqualität
- Die Wasserqualität hat sich zwar seit 1972, d.h. seit Erlaß der Bundesgesetze zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung, in Oberflächengewässern nicht mehr verschlechtert.
Jedoch wurde noch nicht überall das erklärte Ziel erreicht, die Qualität wieder so zu verbessern, daß das Wasser zum Fi-schen und Baden geeignet ist.
- Für mehr als 193 000 km fließender Gewässer gelten noch
strengere Qualitätsansprüche, weil sie für Trinkwasser und
Nahrungsm .ttelproduktion benutzt werden. Alles in allem
entspricht die Qualität bei 84 Prozent der Seen und Rückhciltebecken sowie 64 Prozent der Wasserläufe den Anforderungen, ttechnet man Teilnutzung der Gewässer hinzu, erhöhen sich diese Zahlen auf 86 Prozent für fließende Gewässer sowie auf 94 Prozent für Seen.
- Wasserverschmutzung durch organische Schadstoffe aus kommunalen Abwässern ist dramatisch zurückgegangen. Der
meistverwondete Maßstab dafür ist das Ausmaß, in dem die
behandelten Abwässer noch organische Stoffe enthalten, die
nach dem Einleiten in freies Gewässer den darin gelösten
Sauerstoff reduzieren und so das Sauerstoffangebot für
Fische und andere Wasserlebewesen vermindern. Die Möglichkeit zur Abwasserbehandlung wurden stärker ausgeweitet
als es dein Bevölkerungswachstum entspräche. Von 1972 bis
1982 ging der Anteil der Sauerstoff konsumierenden Schadstoffbestandteile in den aus Kläranlagen in Wasserläufe
eingeleiteten Wassermengen um 46 Prozent zurück. Der
Fischbestand für die Sportfischerei kann in 23 Prozent der
Gewässer als reichlich, in 41 Prozent als normal bezeichnet werden. Gegenwärtig ist die Mehrzahl (67 Prozent) der

�(67 Prozent) der Wasserläufe für die Sportfischerei geeignet.
Die Verschmutzung von Grundwasser wird mit ein bis zwei
Prozent angenommen. Die größte Aufmerksamkeit findet dieses Problem bei Grundwasser in der Nähe von Deponien mit
gefählichen Abfällen, da die Auswirkungen auf die in der
Nähe lebende Bevölkerung und auf die Umwelt schwerwiegend
sein können. In mindestens 34 amerikanischen Bundesstaaten wurde Grundwasserverschmutzung durch giftige Chemikalien aus solchen Deponien festgestellt. Jedoch tragen
auch ungefährliche Abfälle und ganz andere Quellen, als
Abfälle es sind, zur Grundwasserverschmutzung bei.
Gefährliche Chemikalien
- Nach den Bestimmungen des 1984 erweiterten Gesetzes über
den Umgang mit gefährlichen und festen Abfällen ist die
EPA verpflichtet, auch "Verursacher kleiner Mengen" in das
Bundesprogramm einzubeziehen. Zuvor waren in den meisten
Fällen kleine Unternehmen (z.B. Tankstellen, Photostudios,
Lackierereien und Autoreparaturwerkstätten) sowie kommunale Behörden, Krankenhäuser und andere Institutionen, bei
denen nur kleine Mengen gefährlicher Stoffe anfallen, von
den Vorschriften des Bundeskatalogs ausgenommen.
- Unter dem "Superfonds"-Programm sieht die amerikanische
Regierung die Räumung der Deponien oder andere Notstandsmaßnahmen vor, sofern die Gefahr besteht oder droht, daß
gefährliche Substanzen in die Umwelt gelangen. Von der
Einführung dieses Programms im Jahr 1980 bis Ende 1984 unternahm die EPA 420 kurzfristig anberaumte Aktionen, um
von der Gesundheit und dem Wohlergehen der Bevölkerung
Schaden abzuwenden oder Umweltschäden zu verhindern. Die
Kosten beliefen sich auf ca. 95 Millionen Dollar. Im Jahr
1985 allein wurden 202 Räumaktionen mit einem Gesamtkostenaufwand von ca. 40 Millionen Dollar durchgeführt.
- Von zuständiger privater Seite durchgeführte Räumaktionen
müssen dem von der EPA vorgeschriebenen Vorgehen entsprechen und gewährleisten, daß sie für die öffentliche
Gesundheit und für die Umwelt zum mindesten das gleiche
Ausmaß an Schutz bedeuten wie Räumaktionen und korrektive
Maßnahmen, die durch das Superfonds-Programm finanziert
werden. Bis Ende 1984 beliefen sich die Gesamtkosten für
Übereinkommen, die mit verantwortlichen Parteien erzielt
wurden, auf 407 Millionen Dollar.
Die Effektivität

�Die Effektivität der aufgrund der EPA-Bestimmungen unternommenen Aktionen ließe sich, wie es in dem Bericht heißt,
möglicherweise noch erhöhen, wenn die vorhandenen kommerziellen Substanzen und neue Chemikalien, in bestimmten
Klassen eingeteilt, in ein integriertes Rahmenwerk von
Verordnungen eingebaut würden.
Die Verfahren zur Toleranzfestsetzung für alle Pestizide
werden gegenwärtig ganz erheblich verbessert. Als Toleranzwert gilt die höchstzulässige Menge eines chemischen
Stoffes, den Rohprodukte aus der Landwirtschaft noch enthalten dürfen, wenn sie den Weg von der Farm auf den Markt
nehmen. l'DB (Äthylendibromid) und einige andere Chemikalien werden von der Liste für Stoffe gestrichen, bei denen
bisher ke.ne Toleranzwerte vorgeschrieben waren.

* * * * * *

- 5-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Empfehlung der Kommission zur Bekämpfung des Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vizepräsident Bush legt Bericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA zur weiteren Bekämpfung des Terrorismus entschlossen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Oakley vor Unterausschuss des Repräsentantenhauses -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Auszug)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Umwelt wurde sauberer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aber mehr Wachsamkeit gegenüber neuen Risiken erforderlich -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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aniGrika
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Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States ot America

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Z12462 C

05

12. März 1997

U SA-DEUTSCHLAND

DIE JUDISCHE DIMENSION DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von J.D. Bindenagel

POLITIK

IST DER LIBERALISMUS IN AMERIKA TOT?
von Robert Earle

OSZE

OSZE MUSS ANPASSUNGSFÄHIG UND
KREATIV BLEIBEN
Rede von John Kornblum

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG NUR MIT
AKTIVER BETEILIGUNG DER BEVÖLKERUNG
MÖGLICH
von Botschafter Bill Richardson

DATENAUTOBAHN

DER BAU EINES NEUEN AMERIKA HAUSES
IM WEB
von Robert Earle

TELEKOMMUNIKATION

AUF DER SUCHE NACH EINEM STABILEN
TELEKOMMUNIKATIONSMARKT
von Larry Irving

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-DEUTSCHLAND

12. März 1997

Die jüdische Dimension
der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von J.D. Bindenagel

BERLIN - (AD) - Der Charge d'Affaires der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland, J.D. Bindenagel, hielt am 3. März 1997 vor dem American Jewish Committee im Amerika Haus
Berlin nachfolgende Rede.

Herr Regierender Bürgermeister, Herr Bubis, Herr
Ramer, liebe Freunde.
Herzlich willkommen im
Amerika Haus Berlin.
Die heutigen deutsch-amerikanischen Beziehungen
wurden auf der Grundlage demokratischer Prinzipien
vor dem Hintergrund einer Mischung tragischer und
hoffnungerweckender Ereignisse geknüpft.
Die
verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs
und die Schrecken des Holocaust können nur als
große Tragödie bezeichnet werden.
Vor dem Hintergrund dieser Geschichte weckte unser
Engagement für Demokratie jedoch große Hoffnungen.
Dies fand seinen Niederschlag in George Marshalls
Plan für wirtschaftlichen Wiederaufbau, der Deutschland zu Wohlstand verhalf; in der Berliner Luftbrücke,
die die Sicherheit der Bundesrepublik bewahrte; und in
Präsident Kennedys stolzem Ausruf eines freien
Mannes: "Ich bin ein Berliner." Auf dieser historischen
Grundlage faßte die Demokratie in Deutschland Fuß
und brachte eine der größten friedlichen Revolutionen
in der europäischen Geschichte hervor.
Während der 25 Jahre, die ich beruflich mit drei
Deutschlands zu tun hatte, insbesondere während der
Revolution von 1989, unterstützte die Politik der
Vereinigten Staaten die Vereinigung Deutschlands
uneingeschränkt. Unsere Unterstützung und Ermutigung basierten auf unseren Erfahrungen mit einem
demokratischen Westdeutschland. Und sie fanden
ihre Bestätigung in der demokratischen Revolution in
Ostdeutschland vor acht Jahren.

AMERIKA DIENST 05

Dieser massive und friedliche Ausdruck des Volkswillens demonstrierte, wie berechtigt die Vision der
Hoffnung von US-Außenminister James F. Byrnes war,
über die er 1946 in Stuttgart sprach. Damals verlieh
Byrnes dem Engagement der Vereinigten Staaten für
Deutschland und seine politische und wirtschaftliche
Einigung Ausdruck, und zum damaligen Zeitpunkt bot
Amerika denjenigen seine entschiedene Unterstützung
an, die an eine bessere Zukunft für Deutschland und
Europa glaubten.
Wir Amerikaner wissen, daß der Preis der Freiheit
ständige Wachsamkeit ist. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß diese neue Berliner Republik zur Sicherung
von Frieden und Wohlstand in einem ungeteilten
Europa beitragen wird. Anstatt von der Vergangenheit
verfolgt zu werden, kann Deutschland sich seine in
mehr als einem halben Jahrhundert gemachten
Erfahrungen mit der Ablehnung von faschistischem
und kommunistischem Totalitarismus und dem Aufbau
von Demokratie zunutze machen.
Die Demokratie in Deutschland hat ihre eigene
Geschichte. Sie kann bis 1832 zum Hambacher
Schloß oder dem Parlament in der Frankfurter Paulskirche zurückverfolgt werden. Die moderne, neue
Tradition begann 1949 und fand ihre Legitimation in
der Revolution von 1989. Unsere Herausforderung
besteht darin, den Beziehungen Amerikas zu diesem
souveränen Deutschland eine neue Gestalt zu verleihen, während dieses sich an das neue Umfeld in
einem zunehmend integrierten Europa anpaßt.

Seite 1

�Einige sind zu der Schlußfolgerung gelangt, die
amerikanische Präsenz in Europa sei nicht länger von
elementarer Bedeutung für die nationalen amerikanischen Interessen, weil unser großartiges transatlantisches Projekt zur Beendigung des Kalten
Krieges abgeschlossen ist.

Öffentlichkeit zur Nutzung der historischen Chancen
veranlassen, die durch die Revolutionen geschaffen
wurden, die in Europa den Kommunismus beendeten
und den Weg zur Erweiterung von Frieden, Wohlstand
und demokratischen Prinzipien ebneten?
Ich möchte hierzu einige Gedanken anbringen.

Sie haben Unrecht. Amerika bleibt eine europäische
Macht. Zwar haben sich die "alten Hasen" im Kongreß, den Denkfabriken, den Medien und sogar dem
Außenministerium anderen Projekten gewidmet oder
sind im Ruhestand, aber in den deutsch-amerikanischen Beziehungen entstehen neue Institutionen und
neue Gebiete der Zusammenarbeit.
Diese Veränderung hat unserer Außenpolitik eine
andere Betonung gegeben. Viele prägende Erfahrungen renommierter europäischer Experten entstanden
durch die Appeasementpolitik und ihre katastrophalen
Auswirkungen sowie die Konfrontation des Kalten
Krieges. Die Erfahrungen meiner Generation wurden
durch den Vietnamkrieg sowie die Ereignisse von 1972
und 1973 in Europa geprägt. Der Terroranschlag auf
israelische Sportler bei der Münchner Olympiade war
eine dramatische Demonstration der Nähe des
Nahostkonflikts zu Europa. Dieser Vorfall sowie der
Jörn Kippur-Krieg brachten den arabisch-israelischen
Konflikt vor meine Türschwelle. Als Leutnant der
dritten amerikanischen Infanteriedivision half ich bei
der Verteidigung Deutschlands an der zentralen Front
des Kalten Krieges. Plötzlich hörten wir vom Kriegsausbruch in Israel, und das amerikanische Militär
wurde in Alarmbereitschaft versetzt, um zur Verteidigung Israels entsandt zu werden. Wir stellten unsere
Ausrüstung zusammen, bereiteten uns auf den Einsatz
vor und warteten auf den Marschbefehl in den Nahen
Osten. Der Krieg von 1973 war bald beendet, aber
nach diesen intensiven Kriegsvorbereitungen in den
Wäldern von Unterfranken war ich überzeugt, daß
Europa und der Nahe Osten eng mit den Vereinigten
Staaten verbunden sind. Seitdem erachte ich diese
Dimension der deutsch-amerikanischen Beziehungen
als eines der Grundelemente in unserem Verhältnis zu
Deutschland.
Dieser Aspekt unserer gemeinsamen Interessen ist ein
äußerst geeignetes Thema für unsere Konferenz. Sie
trägt zu unserem Verständnis für das Engagement des
American Jewish Committee für Europa und insbesondere Deutschland und Berlin bei. Wir begrüßen
die Initiative des Committee und seinen Wunsch, diese
bedeutende Dimension der Beziehungen Amerikas zu
Deutschland und Europa zu stärken.
Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der ideologische
Konflikte und Gefahren aus der Zeit des Kalten Krieges
politische Leidenschaften für die Mobilisierung nationaler Ressourcen entfachen. Aber wie können wir
an der Schwelle zu dem neuen Jahrhundert unsere

Seite 2

Erstens müssen wir die Erinnerung an die historischen
Ereignisse schützen und bewahren, auf deren Grundlage unsere Beziehungen geknüpft wurden. Daran
kann kein Zweifel bestehen.
Die Tatsache, daß Amerika Europa nach dem Ersten
Weltkrieg im Stich gelassen hat, lehrte uns, daß die
Vereinigten Staaten hier engagiert bleiben müssen.
Tragödien einschließlich des Holocaust hätten vermieden werden können, wenn sich die Vereinigten Staaten
nach dem Ersten Weltkrieg weiterhin engagiert hätten.
Unsere Verpflichtung zu Deutschland und Europa nach
dem Zweiten Weltkrieg lehrt uns, was durch aktives
amerikanisches Engagement erreicht werden kann.
Zweifelsohne kann jeder Besucher im Haus der
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn
sehen, wie die Amerikaner der Bundesrepublik beim
Wiederaufbau und der Einführung von Demokratie
geholfen haben.
Zweitens müssen wir unsere politische Analyse
revolutionieren. Wir müssen uns von dem ideologischen Muster des Ost-West-Konflikts befreien, das bis
zum Fall der Berliner Mauer vor acht Jahren unsere
eigenen politischen Erfahrungen maßgeblich beeinflußte. Die Öffnung von Institutionen wie der NATO,
der Europäischen Union und der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für neue
Mitglieder ist absolut unerläßlich für unseren Erfolg.
Es ist jetzt an der Zeit, den Ländern Freundschaft,
Partnerschaft und Unterstützung anzubieten, die den
Wunsch geäußert haben, dem Westen beizutreten,
ebenso wie es Deutschland vor einem halben Jahrhundert getan hat. In der NATO arbeiten wir hart auf
die Schaffung eines neuen, umgestalteten Bündnisses
hin, das neue Mitglieder aufnehmen, seinen Dialog mit
anderen durch den neuen Atlantischen Partnerschaftsrat stärken und die Prinzipien besonderer Beziehungen
zu Rußland ausarbeiten kann.
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen der letzten
Jahrzehnte sind ein praktisches Beispiel für das gute
Funktionieren des Modells der Erweiterung der
Interessengemeinschaft. Trotz der Ängste, die sich vor
einigen Jahren zur Zeit der deutschen Vereinigung
breit machten, daß die tiefgreifenden Veränderungen
eine Katastrophe für Deutschland und Europa bedeuten könnten, hat sich diese nicht ereignet. Trotz der
durch die Vereinigung herbeigeführten manchmal
schmerzlichen Veränderungen hat Deutschland

AMERIKA DIENST 05

�Grund, stolz auf seinen Platz in Europa und der Welt
zu sein. Der Geist der Demokratie hat Fuß gefaßt.
In meinem dritten Gedankengang möchte ich hervorheben, wie wichtig es ist, mehr Deutsche und
Amerikaner zusammenzubringen. Keine MultimediaTechnologie - so modern oder interaktiv sie auch sein
mag - kann persönliche Kontakte, Verbindungen und
Freundschaften ersetzen. Es ist die menschliche
Dimension der Kontakte, die dauerhafte Ergebnisse
zeitigt.
Die erneuerte transatlantische Gemeinschaft wird auf
dem jahrhundertealten Vermächtnis kultureller und
familiärer Bande aufgebaut. Und sie gründet auf der
jüngeren Geschichte. Unser Erbe gibt uns ein Gefühl
für unsere Identität und für unsere gemeinsamen
Wurzeln in der menschlichen Dimension, die uns
verbindet. Wir sollten unser Erbe, unser Selbstverständnis nicht verlieren, es aber auch nicht zur
Verzerrung der historischen Wahrheit einsetzen.
Wir in den Vereinigten Staaten werden unsererseits
getreu unserem Erbe als Einwanderernation handeln
und die Verbindung zu den 60 Millionen Amerikanern
aufrechterhalten, die deutscher Herkunft sind. Ich bin
der Nachfahre eines preußischen Musketiers, der nach
einer in Königgrätz beendeten früheren historischen
Epoche emigrierte.
Ein Punkt, der in unseren heutigen Diskussionen nicht
vergessen werden sollte, ist, daß die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine von den Schrecken des
Holocaust beeinflußte, aber auch darüber hinausgehende Dimension haben.
Millionen Amerikaner
jüdischen Glaubens können kulturelle und historische
Verbindungen zu Deutschland entdecken, die tausend
Jahre zurückreichen. Die jüdische Dimension der
deutsch-amerikanischen Beziehungen ist vielleicht
weniger offensichtlich, bleibt aber ein wichtiger Aspekt
der historischen Bande, die unsere Beziehungen
definieren helfen.
Mit anderen Worten - Deutsche und Amerikaner haben
gleichermaßen in den vergangenen Jahren intensive
Bestrebungen in die Wege geleitet, um die Verbindungen zwischen Deutschland und Europa zu erweitern.
Wir haben mit dem amerikanischen Holocaust Memorial, der Gedenkstätte Topographie des Terrors, dem
Alliierten Museum und dem Haus der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland historischer Ereignisse
gedacht.
Es ist jedoch nicht genug, sich auf Geschichte und
Erbe zu konzentrieren. Wir müssen auch die Aktivitäten verstärken, die uns zusammenbringen und sich auf
die Zukunft konzentrieren.

AMERIKA DIENST 05

Programme wie der Austausch zwischen dem amerikanischen Kongreß und dem Deutschen Bundestag
haben großes Interesse erweckt. Seit seiner Gründung im Jahr 1983 haben bis heute ungefähr 10.000
Deutsche und Amerikaner am Parlamentarischen
Patenschaftsprogramm
Kongreß/Bundestag
teilgenommen.
Das Aspen Institute Berlin hat eine Generation von
Kontakten hervorgebracht und vertieft seine Bande in
Berlin mit Amerikanern sowie Zentral- und Osteuropäern.
Die 1987 gegründete Studiengruppe Deutschland des
Kongresses unterhält reguläre Kontakte zwischen dem
Kongreß und dem Bundestag.
Von der Bundesregierung eingerichtete Universitätszentren für herausragende Studenten in Harvard,
Georgetown und Berkeley stellen sicher, daß sich die
akademische Dimension weiterentwickelt.
Die RIAS Kommission fördert herausragende Leistungen im journalistischen Bereich zum Gedenken an die
Beiträge des Radiosenders während des Kalten
Krieges.
Kongreßdelegationen und führende Politiker kommen
nach Bonn, um die politischen Verbindungen zwischen
unseren beiden Ländern zu Beginn der zweiten
Amtszeit der Clinton-Administration wiederzubeleben.
Es gibt auch bereits Pläne für die Erweiterung der
Kontakte. Die amerikanische Akademie für Gelehrte
der schönen Künste und Geisteswissenschaften wird
in Berlin gegründet.
Die Besuche von Millionen Beschäftigten und Familienangehörigen amerikanischer und deutscher Unternehmen im jeweils anderen Land sind ein Anreiz für
unsere nächste Generation, neue und gemeinsame
Erfahrungen zu sammeln.
Und schließlich fügt die Entscheidung des American
Jewish Committee zur Öffnung eines ständigen Büros
in Berlin eine wichtige Dimension hinzu. Sie bereichert
die kulturelle, historische und familiäre Tradition.
Wir begrüßen Ihre Entscheidung, Ihren amerikanischen Beitrag in die deutsch-amerikanischen
Beziehungen einzubringen und das zu schaffen, was
wir gerne als "Neue Tradition" in Berlin, Deutschland
und Europa bezeichnen.
Ich danke Ihnen.

Seite 3

�POLITIK
12. März 1997

Ist der Liberalismus in Amerika tot?
von Robert Earle

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von Robert Earle, dem Gesandten-Botschaftsrat für öffentliche
Angelegenheiten bei der US-Botschaft Bonn, verfaßten Artikel über die Bedeutung des Wortes "liberal" in der
amerikanischen Politik.

Amerika kann nur sich selbst die Schuld geben, wenn
irgend jemand im In- oder Ausland zu der Schlußfolgerung gelangt, der Liberalismus in Amerika sei tot. Das
Wort "liberal" selbst hat in unseren öffentlichen Diskursen ein trauriges Schicksal erlitten. Es ist ein Unwort,
ein Begriff, der besser vermieden wird. Das ist nichts
Neues. Seit 1980 wurden in jedem Jahr von Präsidentschaftswahlkämpfen eindrucksvolle Trauerfeierlichkeiten abgehalten.
Das Problem dabei ist, daß man - wenn man sorgfältig
hinhört - wie in einer Geschichte von Edgar Allen Poe
ein beunruhigendes Klopfen aus dem Sarg vernehmen
kann. Denn vor wenigen Tagen hat die politische
Partei, mit der Liberalismus amerikanischen Stils am
engsten in Verbindung gebracht wird, wieder ihren
Platz im Weißen Haus eingenommen. Das legt die
Vermutung nahe, daß das, was wir als liberal bezeichnen, einer Überprüfung unterzogen oder zumindest in
einen breiteren Kontext gestellt werden sollte, wenn
die Amerikaner die geringste Hoffnung haben wollen,
auf der Welt verstanden zu werden.
Die Herausforderung besteht darin, zwischen amerikanischem Liberalismus, Parteipolitik und -taktik zu
differenzieren und ihn nicht nur als die Grundlage,
sondern den instinktiven Stil amerikanischen politischen Denkens zu sehen. Das geht weit über Demokraten und Republikaner hinaus.
Der Aufstieg des parteipolitischen Liberalismus im 20.
Jahrhundert ist eng mit Franklin D. Roosevelt verknüpft, einem Demokraten, dessen Maßnahmen des
New Deal das Zeitalter eines aufgeblähten Regierungsapparats - 'big government' - und des Sozialstaats einleiteten. Der Niedergang des parteipoliti-

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schen Liberalismus - so mögen einige argumentieren kam an dem Tag, als Präsident Clinton, ebenfalls ein
Demokrat, erklärte: "Das Zeitalter des 'big government'
ist vorüber."
Unter FDR begannen die Amerikaner Liberalismus als
Instrument des Staates zu sehen, auf die Bedürfnisse
der Verarmten und Benachteiligten zu reagieren. In
den dreißiger Jahren trafen diese Begriffe auf viele
Amerikaner zu. Liberalismus ergab Sinn und war gute
Politik. Bis zur Zeit der Präsidentschaft von Lyndon
Johnson, als es uns wirtschaftlich gut ging, war der
Liberalismus des 'big government' zum weitverbreiteten Credo und Markenzeichen der Demokraten
geworden. Sozialstaatsprogramme waren nicht dazu
gedacht, die Mehrheit vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten, sondern vielmehr, eine
Minderheit in das Wirtschaftswachstum einzubeziehen.
In parteipolitischer Hinsicht kümmerten sich die
Demokraten um die Arbeiterklasse und die Armen,
während sich die Republikaner um die Unternehmer
und die Reichen kümmerten.
Bedauerlicherweise verursachten diese spezifischen
taktischen Anwendungen liberaler Ideen und diese
groben parteipolitischen Stereotypen den allmählichen
Tod des "Liberalismus" als bedeutungsvollem Begriff
im amerikanischen politischen Diskurs.
Liberalismus wurde schließlich auf beiden Seiten des
Atlantiks als Mittel geboren, um die Souveränität von
wenigen auf die vielen zu übertragen - vom einzelnen
Souverän auf den souveränen Einzelnen. Das war
eine strategische Verlagerung in der westlichen Politik,
an der sich alle Demokraten beteiligten und stand für
eine enorme Erweiterung der menschlichen Freiheit -

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�daher der Begriff Liberalismus. Die amerikanische
Verfassung mit ihrem Schutz des Einzelnen und der
Einschränkung der Regierung ist ein liberales Dokument. Die Vereinigten Staaten waren und sind ein
liberales Land.
Aber lange bevor spezifische politische Anwendungen
und Parteipolitik die Bedeutung von "Liberalismus"
zunichte machten, war ein anderer Faktor - Pragmatismus - der amerikanischen Erfahrung inhärent. Pragmatismus war in praktischer Hinsicht von ebenso
großer Bedeutung wie Liberalismus in konzeptioneller
Hinsicht. Er entwickelte sich als politischer Instinkt,
weil der Triumph des ideologischen Liberalismus im
Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine nichtideologische Instrumentalisierung erforderte, wenn eine
funktionelle Republik von dreizehn oder mehr Einzelstaaten gegründet werden sollte. Keiner dieser
Staaten war stark genug, um ein klassisches Kräftegleichgewicht anzustreben, das eine Herausforderung
für die liberalen Prinzipen des Unabhängigkeitskrieges
dargestellt hätte, wenn das möglich gewesen wäre. Im
Gegenteil - die Verteilung amerikanischer Macht und
amerikanischen Einflusses war so unklar (und rangierte vom riesigen New York bis zum winzigen Delaware),
daß ein anderes operatives Prinzip entstehen mußte,
um befriedigende politische Lösungen zu erzielen.
Hundert Jahre nach seiner Geburt wurde dieses
operative Prinzip als Pragmatismus bezeichnet und
von amerikanischen Philosophen wie Charles Pierce,
William James und insbesondere John Dewey studiert.
Pragmatismus ist nicht Opportunismus - weit gefehlt.
Er ist vielmehr ein auf Herumprobieren, Experimente
und Gültigkeit gegründeter politischer (und philosophischer) Ansatz, oder - in weniger erhabenen Formulierungen - eine Einstellung, die besagt: "Laß' es uns
versuchen und sehen, ob er gute Ergebnisse erzielt."
Ironischerweise war es Bertram Russell, ein britischer
Philosoph, nicht ein amerikanischer, der die Verbindung zwischen Liberalismus und Pragmatismus am
präzisesten erfaßte: "Das Wesen der liberalen Sichtweise liegt nicht darin begründet, welche Meinungen
man vertritt, sondern wie man sie vertritt: Statt sie
dogmatisch zu vertreten, werden sie vorläufig vertreten
und mit dem Bewußtsein, daß neue Tatsachen jeden
Augenblick dazu führen können, sie aufzugeben."
Ohne Pragmatismus zu erwähnen, akzeptiert Russell
ihn uneingeschränkt als die Praxis im Ethos des
Liberalismus. Mehr als Liberalismus ist es Pragmatismus, der das Verständnis der amerikanischen Politik
so erschwert, weil Pragmatismus ebenso wie die
Wissenschaft dazu neigt, die operativen Prämissen
des vergangenen Jahres mit den Zeitungen von
gestern auszurangieren.
Stellen Sie sich vor (weil es wahr ist): Trotz der
Weltwirtschaftskrise hatte FDR keine ideologischen
Vorbehalte, zu Beginn seiner Administration einen

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ausgeglichenen Bundeshaushalt vorzulegen, und
dennoch endete er als Prototyp des amerikanischen
Liberalen. Bill Clinton hat ebenfalls den Ausgleich des
Bundeshaushalts vorgeschlagen. Dafür wurde er
bezichtigt, letztlich doch kein Liberaler zu sein. Also,
wer ist der wirkliche Liberale? Um diese Frage zu
beantworten, muß man sich eine grundlegende
Tatsache vor Augen führen: Fast alle amerikanischen
Präsidenten tendieren dazu, liberale Pragmatiker zu
sein, unabhängig davon, ob sie in Bürgerkriegen,
Weltkriegen, Wirtschaftskrisen oder Ost-West-Konflikten verhaftet waren. Sie sind liberal in dem Sinne,
daß sie um den Schutz und die Erweiterung demokratischer Freiheiten besorgt sind, und sie sind pragmatisch in dem Sinne, daß die amerikanische Geisteshaltung, die nicht nur während der liberalen, sondern
auch während der wissenschaftlichen Revolution
entstand, eher experimentell als dogmatisch ist. Durch
das verfassungsmäßige Recht der freien Rede
geschützte freie Nachfrage ist der intellektuelle
Wirkstoff, der alle Konzepte von Hegemonie oder
Kräftegleichgewicht in der amerikanischen Politik
verbrennt. Daher stehen amerikanische Politiker
gerne breitbeinig, um ihr eigenes Gleichgewicht in der
sich wandelnden Szene offener demokratischer
Debatte zu bewahren.
Der Republikaner Dwight Eisenhower erklärte einmal:
"Ich bin vermutlich in geschäftlicher Hinsicht ein
Konservativer und im Umgang mit Menschen ein
Liberaler." Welches von beiden war er nun? Der
Präsident, der aufhörte, solche Gedanken zu äußern
und der Liberalismus zu einem Schimpfwort machte,
war natürlich Ronald Reagan. Reagan stellte in der
amerikanischen Politik gerade deswegen eine außerordentliche Kraft dar, weil er die auf breiter Basis
ruhende pragmatische Tradition mit einer auf kleinerer
Basis gestützten moralistischen Tradition herausforderte.
Reagan war der echte Amerikaner des 17. Jahrhunderts, ein Emblem der puritanischen Wurzeln
Amerikas, die in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts bereits verdorrten. Er war - zumindest in
rhetorischer Hinsicht - ein Absolutist. Er schuf Einfachheit aus der Komplexität moderner Kommunikation, aber tatsächlich brach er mit dem Pragmatismus,
nicht mit dem Liberalismus. Er war ein absolut verfassungstreuer Liberaler. Und er war der Überzeugung,
daß pragmatische Ansätze zum Liberalismus einen
moralischen Ausverkauf darstellten. Diese Nachricht
wollte er nicht nur den Demokraten, sondern auch den
Anhängern seiner republikanischen Vorgänger Ford
und Nixon übermitteln. Moralischer Liberalismus - ein
Liberalismus, der in das eingebettet war, was von
einigen konservativen Denkern als "gottgegebenes
Naturgesetz" bezeichnet wurde - stellte die Quintessenz des Reaganismus dar.

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�Reagan wurde 1980 in seinem Wahlkampf der moralischen Erneuerung von mächtigen Kräften unterstützt.
Der durch Henry Kissinger verkörperte Pragmatismus
Nixons hatte in gewisser Weise nicht funktioniert.
Trotz Detente stellte die Sowjetunion immer noch eine
Bedrohung dar, China war immer noch kommunistisch,
und dasselbe galt für Vietnam, Kuba und schließlich
Afghanistan. Ferner ging es der unter der Ölkrise
leidenden Wirtschaft unter Carter schlecht, was noch
durch die Nachwirkungen der durch den Vietnamkrieg
hervorgerufenen Inflation verschlimmert wurde.
Amerika erschien Reagan und seinen Anhängern im
Wahlkampf 1980 tatsächlich wie Nixons "bedauernswerter Riese". Und diese Anhänger gehörten zu den
talentiertesten politischen Aktivisten seit den Braintrustern von Franklin D. Roosevelt.
Mitte der achtziger Jahre wurde die Reagan-Revolution schwächer und verlor an Glanz. Vertreter von
Pragmatismus und Skeptizismus in Amerika sahen,
wie bestimmte Dinge im nationalen Leben Amerikas
nicht funktionierten, wobei das explodierende Haushaltsdefizit an erster Stelle stand. Die Republikaner
nahmen schnell eine Kurskorrektur vor. Die folgenden
beiden Präsidentschaftskandidaten der Republikaner
waren dieselbe Art von liberalen Pragmatikern wie es
Ford und Nixon gewesen waren.
Nixon - ein liberaler Pragmatiker? Die nachfolgende
Reagan-Revolution stellte ihn in diesem Licht dar. Es
stimmt, daß Nixon sich zum Zweck der Inflationsbekämpfung weigerte, bestimmte vom Kongreß
bewilligte Gelder auszugeben. Reagan hätte wohl
dasselbe getan, wenn der Kongreß es zugelassen
hätte. Aber Nixon machte Lyndon Johnson's Regierung größer denn je. Unter anderem gründete er das
Umweltschutzamt, weil er die Regierung für ein
legitimes Instrument hielt, das den Interessen der
Öffentlichkeit dienen kann und sollte - wenn es
funktioniert.
Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt: 'Big government' ist nicht der Maßstab für die Lebensfähigkeit
des Liberalismus in Amerika und auch kein Glaube
und keine Ideologie um seiner oder ihrer selbst willen,
nicht einmal für die Demokraten. Ein aufgeblähter
Regierungsapparat, der nicht die gewünschten Ziele
erreicht, ist ein Feind des Liberalismus, nicht sein
Freund.
Es ist extrem schwierig, diese Idee zu vermitteln, weil
wir 'big government' lange Zeit mit Liberalismus
assoziierten und die ganze Frage damit so parteipolitisch wurde. Zudem sind mit der Fortsetzung
spezifischer staatlicher Ansätze und Programme
machtvolle Interessen verbunden. Unter Franklin
Roosevelt waren die Amerikaner verzweifelt. Sie
hätten praktisch alles versucht. Jetzt sind die Amerika-

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ner zwar pragmatisch, aber alles andere als verzweifelt. Sie würden nicht alles versuchen. Wir sahen
das an ihrer Reaktion auf die Debatte über die Gesundheitsreform, die den Demokraten zum Nachteil
gereichte, und wir sahen das an ihren Reaktionen auf
die Vorschläge zu Kürzungen der Sozialleistungen und
auf die Zahlungsunfähigkeit der Regierung, die den
Republikanern zum Nachteil gereichten.
In diesem Sinn ist die amerikanische Wählerschaft bei
ihrem Experiment mit einer geteilten Regierung republikanische Mehrheit im Kongreß, Demokrat im
Weißen Haus - zunehmend aktivistisch geworden.
Nicht Parteizugehörigkeit und Ideologie sind von
Bedeutung, wichtig ist die Mischung politischer Kräfte,
die den Amerikanern bessere Dienstleistungen
bereitstellen - vorzugsweise (aber nicht notwendigerweise) zu geringeren Kosten.
Wir haben es hier keinesfalls mit einem Toten zu tun dieses Geräusch im Sarg ist der amerikanische
Liberalismus, der sich räuspert, um wieder das Wort
ergreifen zu können. Er weiß, daß er sich in einer
engen Kiste befindet. Die pragmatische Frage lautet wie kommt er heraus? Wie benutzt ein liberaler
Präsident aus den Reihen der Demokraten die Regierung nicht nur zur Bereitstellung notwendiger Leistungen und Durchführung von Veränderungen im Dienste
des amerikanischen Volkes, sondern auch für neue
Anreize, die von Unternehmen und nichtstaatlichen
Organisationen finanziert und umgesetzt werden?
Das erfolgt wahrscheinlich nicht durch eine neue
Doktrin oder ein Dogma, obwohl die Fähigkeit des
Reaganismus zu doktrinärer Denkweise Tradition
bleibt. Vielmehr geschieht es wahrscheinlich durch
kunstvoll gestaltete Initiativen, denen man am besten
erst nach ihrer Umsetzung einen Namen gibt. Das
wird in der Innenpolitik und in der Außenpolitik geschehen. Einige werden uns den Vorwurf der Inkonsequenz machen, aber das bleibt unsere größte Stärke,
während wir den liberal-demokratischen Überzeugungen treu bleiben - mit vielen pragmatischen Drehungen
und Wendungen auf dem Weg.
Ein demokratischer Präsident, der behauptet, die
Regierung könne nicht für alles sorgen und das
Zeitalter des 'big government' sei vorüber, mag ein
ungewöhnlicher Demokrat sein, aber er ist ein typischer Amerikaner auf der Suche nach dem, was
funktioniert und was erfüllt. Darüber hinaus verfügt er
über einen Haushalt von 1,6 Billionen Dollar. Als
Vermittler spielt die US-Regierung eine wichtige Rolle
im amerikanischen Leben und auf der internationalen
Bühne - und der Liberalismus bestimmt weiterhin die
nationalen Ziele Amerikas, ebenso wie der Pragmatismus unsere bevorzugte politische Vorgehensweise
definiert.

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�OSZE

12. März 1997

OSZE muß anpassungsfähig und kreativ bleiben
Rede von John Kornblum

WIEN - (AD) - Der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium,
John Kornblum, hielt am 6. März 1997 vor dem Ständigen Rat der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die nachfolgende Rede.

Es ist mir eine große Freude, zu einer Zeit hierher
zurückzukehren, in der die OSZE eine neue Bedeutung erlangt hat. Wer von uns 1992 in Helsinki dabei
war, als wir ein Aktionsprogramm für die OSZE
entwarfen, hätte sich nicht vorstellen können, wieviele
Fortschritte die OSZE in fünf kurzen Jahren machen
würde.

des Gefühls der Instabilität, das für viele Teile Europas
immer noch eine Belastung darstellt. Und im neuen
Zeitalter demokratischer Zusammenarbeit heißt das
vor allem, den Menschen und Nationen unserer
Gemeinschaft die Initiative für die Schaffung von
Sicherheit zu überlassen.
Wenn wir unseren Menschen das Gefühl geben

Die OSZE gewinnt jeden Tag an Glaubwürdigkeit und
Einfluß. Als die einzige Organisation, die sich vollständig der Schaffung von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über den Atlantik hinweg widmet,
ist die OSZE prädestiniert, eine zentrale Rolle bei
unseren gemeinsamen Bestrebungen zum Aufbau
einer demokratischen Sicherheitsordnung in Europa zu
übernehmen.
Ich kann Ihnen versichern, daß diese Lektion auch in
den Vereinigten Staaten beherzigt wird. Die Bosnienmission und die Mission von Felipe Gonzalez haben
der OSZE mehr Anerkennung denn je verschafft.
Außenministerin Albright ist eine besonders entschiedene Befürworterin der OSZE, wie viele von
Ihnen in ihrer Anhörung vernommen haben. Wenn wir
in Washington nach Mitteln zur Lösung drängender
Probleme suchen, wenden wir uns in immer stärkerem
Maße der OSZE zu. Die Vereinigten Staaten betrachten die OSZE als elementaren Aspekt unserer Hoffnung auf ein - wie Präsident Clinton es formulierte wahrhaft integriertes Europa.
Integration ist für uns keine spezifische organisatorische Lösung oder ein gut durchdachter Vertrag. Sie
bedeutet Integration aller Aspekte der Zusammenarbeit
innerhalb und zwischen Gesellschaften und Regierungen auf allen Ebenen. Sie beinhaltet die Überwindung

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können, daß wir in unsere gegenseitige Sicherheit
investieren und daß sie offen und positiv miteinander
umgehen können, dann haben wir unser Ziel echter
Integration erreicht.
Die OSZE ist der beste, vielleicht der einzige Ort, an
dem diese komplexen Aspekte debattiert, definiert und
in konkrete Aktionen umgesetzt werden können.
Die OSZE ist von Natur aus ein Organ, das ständig
verbessert und umstrukturiert wird. Wir haben in
diesem Saal und andernorts zahllose Debatten über
die richtige Gestaltung der OSZE geführt. Viele von
Ihnen kennen die Überzeugung der Vereinigten
Staaten, daß die OSZE eine einzigartige Einrichtung
ist. Sie ist eine werteorientierte, politische Organisation, die genau deswegen stark ist, weil sie keine
formalrechtliche Struktur hat.
Diesem Konzept schließen sich nicht alle Mitgliedstaaten an. Es gibt andere legitime Visionen für die Zukunft
der OSZE. Aber es gibt auch Zeiten, in denen wir nicht
zulassen sollten, daß die Debatte über Visionen den
Aktionen im Weg steht - und dies ist eine solche Zeit.
Der Lissabonner Gipfel hat einen wesentlichen Beitrag
zu unserer Arbeit geleistet. Jetzt besteht unsere
Aufgabe darin, den Entscheidungen unserer führenden
Politiker Substanz zu verleihen.

Seite 1

�Es ist offensichtlich, daß wir diese Organisation stark,
kreativ und einsatzbereit halten müssen. Wir haben
mehrere Institutionen ins Leben gerufen, die jetzt als
Modelle für innovative Diplomatie angesehen werden.
Unsere ständigen Implementierungstreffen sind ein
Ausgangspunkt für unsere Aktionen. Die OSZE ist
auch eine der beiden Organisationen, die nach Ansicht
der NATO und der WEU ein Mandat für Operationen
zur Friedenssicherung und Konfliktverhütung haben.
Dies ist ein wichtiger Moment um sicherzustellen, daß
die OSZE weiterhin an vorderster Front der Bestrebungen zur Förderung von Sicherheit, Demokratie und
Wohlstand auf ihrem gesamten Gebiet steht.
Eine andere wichtige Frage für die OSZE lautet, wie
sie zu dem Ort werden kann, an dem wir die Sicherheitsagenda für die ganze Region bestimmen.
Aufgrund ihrer umfassenden Mitgliedschaft können alle
Nationen und Völker in der OSZE das Gefühl haben,
daß sie in der zu schaffenden Sicherheitsgemeinschaft
vertreten sind. Dieser gemeinsame Sicherheitsraum
bietet Platz für viele verschiedene Bestrebungen. Die
NATO wird weiterhin eine wesentliche Rolle spielen ebenso wie die Europäische Union, der Europarat und
die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen zahlreichen regionalen Bestrebungen. Letztlich wird unsere
Zukunft jedoch von den demokratischen Grundlagen
der Sicherheit bestimmt.
Durch die Stärkung der Fähigkeit der OSZE zu
handeln und auf dieser Grundlage unser Sicherheitsmodell für das 21. Jahrhundert zu definieren, können
wir sicherstellen, daß die OSZE wirklich die führende
Institution für Sicherheitszusammenarbeit in dem
neuen Zeitalter ist. Aber Worte sind nicht genug. Es
müssen Taten folgen. Aus diesem Grund möchte ich
heute einen Aktionsplan für das kommende Jahr
vorschlagen, der der wichtigen Arbeit zusätzliche
Substanz verleiht, die wir bereits leisten:
Verstärkte Konzentration auf die andauernde
Instabilität auf dem Balkan. Kritische Themen
müssen bewältigt werden. Darunter natürlich
die aktuelle Krise in Albanien, wo die OSZE in
einer einzigartigen Position ist, einen unverzüglichen und dauerhaften Beitrag zu
leisten. Ich fordere die albanische Regierung
auf, die guten Dienste der OSZE uneingeschränkt zu nutzen, damit sie zur Behebung
der Instabilität beitragen kann, die das Land
bedroht.
Es gibt auch eine Reihe anderer drängender Probleme
auf dem Balkan, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.
Die Verstärkung unserer Bestrebungen für Kommunalwahlen müssen eine Priorität sein. Jeder teilnehmende
Bundesstaat muß maximale Anstrengungen unternehmen, damit diese Wahlen ungestört ablaufen.

Seite 2

Darüber hinaus sollten wir unseren Einsatz für Menschenrechte und die Demokratisierung in Bosnien
zielgerichteter gestalten, die Einhaltung von Artikel II
und IV der Rüstungskontrollabkommen prüfen, den
Weg für demokratische Wahlen in Serbien ebnen, den
Dialog im Kosovo fördern, den Konflikt in Albanien
ansprechen und die Rolle der OSZE nach UNTAES in
Ostslavonien festlegen.
Ein ausgezeichnetes Forum für die gründliche
Erörterung dieser Probleme wäre ein Treffen
des Hohen Rats. Wie Sie wissen, haben wir
ein solches, im Budapester Dokument von
1994 vorgeschriebenes Treffen seit nahezu
einem Jahr nicht mehr abgehalten. Ein gut
besuchtes und gut organisiertes Treffen des
Hohen Rats würde nicht nur unsere Arbeit auf
das Ziel ausrichten, sondern auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die entscheidende Rolle lenken, die die OSZE jetzt
bei der Stabilisierung dieser Region spielt.
Wir sollten auch die Zusammenstellung von
"Demokratisierungsteams"
in
Erwägung
ziehen, damit sich die instabilen Demokratien
erfolgreicher entwickeln können.
Diese
Teams wären mehr als die isolierten Konsultationsbesuche hochrangiger OSZE-Vertreter
und etwas weniger als eine Langzeitmission.
Sie könnten aus Experten, Diplomaten und Politikern
bestehen, die eine Reihe von Besuchen machen oder
mehrere Wochen bleiben würden, um den Regierungen bei der Erarbeitung von Strategien zur Bewältigung von Problemen wie wirtschaftlicher oder ethnischer Instabilität, Planung effektiver Wahlen oder
Förderung der zivilen Kontrolle des Militärs behilflich zu
sein. Die Zusammenstellung dieser Teams, möglicherweise unter der Schirmherrschaft des Büros für
demokratische Institutionen und Menschenrechte
(BDIMR) wäre ein weiteres Instrument, das flexibel
zum Abbau von Spannungen eingesetzt werden
könnte.
Wir sollten auch dem Arbeitsprogramm für das
Sicherheitsmodell verstärkte Aufmerksamkeit
widmen. Im Einklang mit unseren Lissabonner Vereinbarungen möchten wir die "neuen
Verpflichtungen" definieren, die wir in diesem
Zusammenhang eingehen können.
Am
wichtigsten wird das Sondieren neuer Wege
für gemeinsame Aktionen sein, damit wir
unverzüglich und effektiv handeln können,
wenn OSZE-Prinzipien und -Verpflichtungen
verletzt werden. Unsere Arbeit an dem Sicherheitsmodell sollte vor allem sehr viel mehr
als eine Maßnahme sein, nur eine weitere
Deklaration zu entwerfen.

AMERIKA DIENST 05

�Meines Erachtens müssen wir auch die Art und Weise
eingehend prüfen, wie wir die uns jetzt zur Verfügung
stehenden Handlungsmechanismen entschiedener
einsetzen können. So aktiv die OSZE ist, können wir
doch noch effektivere Überwacher unserer eigenen
Standards sein. Sobald wir diese praktische Seite des
Programms umgesetzt haben, können wir überlegen,
wie wir am besten damit arbeiten - durch eine Charta
oder andere Mittel.
Wir haben den wichtigen wirtschaftlichen,
umweltpolitischen und wissenschaftlichen
Aspekten der OSZE nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Die wirtschaftliche Dimension
wurde der Schlußakte hinzugefügt, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß demokratische Institutionen ohne eine solide Grundlage des Wohlstands nicht prosperieren können.
Die Vereinigten Staaten und Rußland haben
Initiativen in die Wege geleitet, um die wirt-

schaftliche Dimension zu beleben. Wie die
dramatischen Ereignisse der vergangenen
Wochen demonstrieren, ist der wirtschaftliche
Aspekt der Sicherheit von zentraler Bedeutung
für uns. Es ist an der Zeit, daß alle Teilnehmerstaaten auch ihrer Verantwortung in
diesem Bereich gerecht werden.
Dies sind nur einige wenige Bereiche, in denen wir
meiner Ansicht nach in den kommenden Wochen und
Monaten Entscheidungen treffen können. Ich möchte
hier die andauernde Notwendigkeit unterstreichen, daß
die OSZE weiterhin anpassungsfähig und kreativ
bleibt. Unsere Standards und Werte sind konstant sie sind die unveränderliche Grundlage unserer
Zusammenarbeit. Aber ihre Umsetzung sollte noch
innovativer sein. Auf diese Weise wird sich die
Einzigartigkeit und Relevanz der OSZE entsprechend
der Ereignisse weiterentwickeln, statt statisch zu
werden.

* * * * *

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�UMWELT
12. März 1997

Nachhaltige Entwicklung nur mit aktiver
Beteiligung der Bevölkerung möglich
von Botschafter Bill Richardson

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Bill Richardsen, dem
Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, über die Überprüfung und Bewertung
der Umsetzung von Agenda 21: Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Kommission für nachhaltige Entwicklung bei den
Vereinten Nationen, 24. Februar 1997.

Herr Vorsitzender, es ist mir eine Freude und Ehre, zu
Beginn meiner zweiten Woche als Ständiger Vertreter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen
diese Chance zu haben, über ein für uns alle so
wichtiges Thema zu sprechen. Ich möchte auch
unsere Kovorsitzenden zu ihrer Wahl beglückwünschen, die unsere Staatengemeinschaft bei der
Vorbereitung der Sondersitzung der UN-Generalversammlung über die Agenda 21 im Frühjahr leiten.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind das globale
Jahrhundert, die Deklaration von Rio und das Aktionsprogramm der Agenda 21 für nachhaltige Entwicklung
bahnbrechende Leistungen, die einer einfachen
Wahrheit Rechnung tragen. In der interdependenten
Welt von heute können Probleme und Aktionen überall
auf der Welt die Menschen überall auf der Welt
betreffen. Wir gelangen immer mehr zu der Erkenntnis, daß Armut, die Umwelt, soziale Gerechtigkeit, die
Wirtschaft und Sicherheit auf globaler Ebene untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Faktoren
haben wir in das Zentrum unserer Außenpolitik gestellt,
während wir gleichzeitig diese Herausforderungen hier
in den Vereinigten Staaten in Angriff nehmen.
Bei der Vorbereitung auf die Überprüfung der seit dem
Erdgipfel vergangenen fünf Jahre ist es daher von
Bedeutung, daß das Streben nach nachhaltiger
Entwicklung weiterhin eine der obersten Prioritäten
und gemeinsamen Missionen für alle Nationen im
nächsten Jahrtausend bleibt.

AMERIKA DIENST 05

Meine Regierung vertritt die Ansicht, daß die Ergebnisse der Sondersitzung zur Erlangung unserer Ziele
sowohl zielgerichtet als auch durchführbar sein sollten.
Unser Programm muß eindeutig die Tatsache berücksichtigen, daß nachhaltige Entwicklung über Umweltfragen hinausgeht und wirtschaftliche sowie soziale
Entwicklung umfaßt.
In Kopenhagen haben wir
bekräftigt, daß dies sich gegenseitig verstärkende
Komponenten unserer Bestrebungen sind, allen
Menschen eine höhere Lebensqualität zu bieten. Im
Juni sollten unsere Staats- und Regierungschefs in
New York eine politische Erklärung abgeben, die sich
auf folgendes konzentriert:
Die Umsetzung der Agenda 21 auf nationaler
und lokaler Ebene
Die sektoralen Probleme des Umweltschutzes
und die sektorenübergreifenden Probleme
nachhaltiger Entwicklung
Die erforderlichen Institutionen zur Koordinierung und Durchführung dieser Bestrebungen
bis ins nächste Jahrhundert
Während wir mit der Überprüfung von Agenda 21
beginnen, kann die Sondersitzung unseres Erachtens
die Fortschritte im einzelnen hervorheben und einen
Anreiz für weitere Aktionen zu mehreren entscheidenden Themen bieten. Dazu zählen:

Seite 1

�Der Vertrag über den Klimawandel
Stratosphärisches Ozon und der Prozeß des
Montrealer Protokolls
Schädliche und toxische Substanzen
Internationale Wälder
Die Konvention über Artenvielfalt und das
Protokoll über Biosicherheit
Verschmutzung der Meere
Fischereiwesen
Versteppung
Trinkwasserfragen
Herr Vorsitzender, nachhaltige Entwicklung funktioniert, wenn der Ansatz integriert und die Beteiligung
umfassend ist sowie der Prozeß von unten nach oben
initiiert und weiterentwickelt wird.
In regierungsunabhängigen Foren können wir uns auf
Normen und Standards sowie optimale Praktiken und
Maßnahmen einigen. Die Durchsetzung kann jedoch
nur auf möglichst dezentralisierter Ebene erfolgen - sei
es auf nationaler, subnationaler oder lokaler Ebene.
Durch kollektive zwischenstaatliche Zusammenarbeit
können wir ein unseren Zielen förderliches Umfeld
gestalten. Aber die Schaffung von Arbeitsplätzen und
die Bekämpfung der Armut erfordern umfassendes und
nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das auf solider
nationaler Politik basiert. Umweltschutz setzt in
Entwicklungs- und Industrieländern gleichermaßen
eine durchdachte und allgemein umgesetzte Staatspolitik voraus. Und Kindererziehung sowie Gesundheit
und Wohlergehen unserer Menschen hängen von
Humankapital und Einrichtungen auf nationaler Ebene
ab.
Eine der großen Errungenschaften von Rio war die
Partnerschaft zwischen Staaten und der bürgerlichen
Gesellschaft,

die

bestimmte

Interessenvertreter

entsandte.
Ein wesentliches Element in diesem
Prozeß, das wir in der Kommission für nachhaltige
Entwicklung bislang vielleicht vernachlässigt haben
und dem wir bei der Sondersitzung vollständig Rechnung tragen müssen, ist gute Regierungsführung.
Damit meinen wir eine repräsentative, rechenschaftspflichtige, transparente und zurückhaltende Regierung.
Nur eine solche Regierungsführung gestattet die
Einbeziehung aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft in die Politik der Kommunal- und Zentralregierung zur Erlangung nachhaltiger Entwicklung.
Die bürgerliche Gesellschaft ist die Grundlage für
nachhaltige Entwicklung auf kommunaler und na-

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tionaler Ebene. Es ist offensichtlich, daß Regierungen
Programme für nachhaltige Entwicklung nicht im
Alleingang erfolgreich durchführen können. Und es ist
selbstverständlich, daß die Regierungen, die sich
keinen Praktiken für gute Regierungsführung verschreiben und sie befolgen, weder wirksam regieren
noch umweltfreundliches, umfassendes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern können.
Herr Vorsitzender, bei unserer Arbeit an sektorenübergreifenden Fragen muß die Erklärung der Sondersitzung nicht nur die Fortsetzung und Stärkung der
Agenda 21, sondern auch die Leistungen und Vereinbarungen der in Rio begonnenen Serie großer internationaler Konferenzen hervorheben.
Wir müssen uns sowohl mit der Finanzierung als auch
dem Technologietransfer befassen und in diesem
Zusammenhang unseren Dialog erweitern, damit er
über die Finanzierung des öffentlichen Sektors und die
offizielle Entwicklungshilfe hinausgeht und auch die
Nutzung der enormen Macht von in- und ausländischem Privatkapital und Investitionen einbezieht. Die
Sondersitzungen der Kommission für nachhaltige
Entwicklung haben den Rahmen für Gespräche über
Finanzierungsfragen derart gestaltet, daß folgenden
Tatsachen Rechnung getragen wird: Die private
Finanzierung geht bereits weit über die externe Hilfe
hinaus, und der Schwerpunkt bei den Finanzdiskussionen sollte auf der verbesserten Nutzung bestehender
Ressourcen, der Ermutigung von Privatinvestitionen
zur Förderung nachhaltiger Entwicklung sowie der
Prüfung innovativer Finanzmechanismen liegen.
Bei der Vorbereitung der Sondersitzung müssen wir
auch die Nachhaltigkeit von Produktion und Verbrauch
erneut berücksichtigen. Auf diesem Gebiet sowie bei
sektoralen Umweltfragen besteht eine dringende
Notwendigkeit sicherzustellen, daß die Kosten internalisiert werden, damit der Markt Signale senden und
Anreize für die Förderung von Nachhaltigkeit in allen
Ländern geben kann.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten sehen der
Zusammenarbeit mit allen Ländern und den Interessenvertretern der bürgerlichen Gesellschaft erwartungsvoll entgegen um zu gewährleisten, daß unsere
Arbeit in diesem Kreis, bei der fünften Sitzungsperiode
der Kommission für nachhaltige Entwicklung im April
sowie bei der Sondersitzung im Juni erfolgreich und
produktiv wird. Es muß unser Ziel sein, die Agenda 21
und das für Millionen von Menschen daraus resultierende Versprechen im nächsten Jahrhundert fortzuführen. Wir müssen versuchen, uns nicht durch das
wiederholte Lesen und Aushandeln einzelner Zeilen
und Kapitel behindern zu lassen. Vielmehr sollten wir
mit dem lohnenden Ziel im Blick die Foren aufbauen
und die Mechanismen ausfeilen, die für den Erfahrungsaustausch vor Ort sowie auf kommunaler und
nationaler Ebene bei der Erlangung nachhaltiger

AMERIKA DIENST 05

�Entwicklung benötigt werden. In Rio einigten wir uns
darauf, die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen
zu decken, ohne das Wohlergehen unserer Kinder und
Enkel aufs Spiel zu setzen. Das ist unsere Heraus-

forderung, und ich sehe unserer Zusammenarbeit in
den kommenden Wochen und Monaten erwartungsvoll
entgegen.

* * * * *

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�D A T E N A U T O BAHN
12. März 1997

Der Bau eines neuen Amerika Hauses im Web
von Robert Earle

Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Gesandten-Botschaftsrat bei der Amerikanischen Botschaft in
Bonn, Robert Earle.

"The times they are changing" - Bob Dylan

Hamburg auszuziehen und unsere kulturellen und
Informationsprogramme statt dessen von den Konsulaten aus durchzuführen.

Anfang der sechziger Jahre, als Bob Dylan seine
besten Lieder schrieb, geschah etwas, das noch
andauert. Wir alle begannen, unser Leben um das
Konzept des Wandels herum aufzubauen. Unmittelbar
nach dem Zweiten Weltkrieg wollten viele von uns die
Dinge wieder so handhaben, wie sie es in Friedenszeiten getan hatten. Das war der Geist der fünfziger
Jahre. Aber die sechziger Jahre leiteten radikale
Innovation als den kulturellen Stil der westlichen Welt
ein. Bürgerrechte, Feminismus, Umweltschutz, die
sexuelle Revolution und andere Bewegungen begannen, die jahrhundertealten kulturellen Praktiken zu
verändern. Der Impuls zu Wandel war menschlich.
Die Methode des Wandels nahm gelegentlich technologische und sogar chemische Dimensionen an.

Während wir in den vergangenen Jahren über diese
Entscheidungen berieten, nahmen wir parallel auch
Gespräche über die Entwicklung neuer Dimensionen
in den deutsch-amerikanischen Beziehungen auf.
Eine Frage, die wir uns stellten, war, ob wir eine neue
Art von Amerika Haus im World Wide Web aufbauen
könnten. Wenn die historische Prämisse der Amerika
Häuser lautete, daß die Deutschen ungehindert
Amerika entdecken sollten, indem sie unsere Schwelle
überschritten, könnte dann dieses Ziel in einer anderen, phantasievollen Weise erreicht werden, die von
kulturellem und technologischem Wandel profitierte,
statt sich ihm zu widersetzen?

Heute, in den neunziger Jahren, hat der kulturelle Tanz
der Menschheit und Technologie den hitzigen Rhythmus eines Tangos angenommen. Sogar die seriöse
Diplomatie, von der selbst die Diplomaten manchmal in
Kategorien wie gestärkten Kragen und endlosen
offiziellen Empfängen denken, wurde vom Fieber des
Wandels ergriffen. Aber Fieber kann, wie wir alle
wissen, Anfälle von Delirium, Halluzinationen und
Unsicherheiten bewirken. Werden solche Träume je
Realität?
In Deutschland ist eines unserer erfolgreichsten
diplomatischen Programme - einige würden es als das
erfolgreichste bezeichnen - das Amerika Haus. In den
fünfziger Jahren gab es 50 Amerika Häuser. Verschiedene Faktoren, nicht zuletzt der Haushalt, haben
diese Zahl auf sechs verringert, und wir haben jetzt
Pläne, aus den Amerika Häusern in München und

AMERIKA DIENST 05

Wir glauben, wir haben es jetzt geschafft - nach drei
Jahren Arbeit und sehr hohen Investitionen in Mitarbeiter und Technologie. Noch während wir die
Schmerzen ertrugen, unsere uns lieb gewordenen
Amerika Häuser schließen zu müssen und uns mit
unseren deutschen Freunden sorgten, daß dies als
amerikanisches Disengagement oder ein Zusammenbruch des kulturellen Dialogs angesehen werden
würde, haben wir ein erfolgreiches, voll funktionierendes Amerika Haus im Web aufgebaut, das eine neue
Generation Deutscher offenkundig zu schätzen weiß.
Natürlich hat das World Wide Web keine Fenster,
durch die die Sonne auf Sie scheint, während Sie eine
Ausgabe von Huckleberry Finn in der Hand halten,
aber deutsche Buchgeschäfte haben Fenster, und sie
haben Huckleberry Finn und außerdem Tausende
anderer klassischer und zeitgenössischer amerikanischer Titel. Darüber hinaus benutzen Tausende von

Seite 1

�Deutschen jede Woche unser Amerika Haus im Web
für Zwecke, die weit über Literatur hinausgehen. In der
Tat kommen jetzt jede Woche mehr Deutsche zu
unserem Amerika Haus im Web als je zu einem
unserer Amerika Häuser in Deutschland gekommen
sind, und sie finden Antworten auf ihre dringendsten
Fragen. Die USIS-Germany Homepage (die unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html zu finden ist) hat
über 10.000 Besucher pro Woche. Sie funktioniert
uneingeschränkt, obwohl sie immer noch weiterentwickelt wird, während wir sie verbessern und
erweitern. Beispielsweise lesen 1.500 Menschen
wöchentlich politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche
und kulturelle Texte, die wir auf Deutsch im Amerika
Dienst veröffentlichen - einer teuren Publikation, die
wir bisher nur gedruckt per Post an ein ausgewähltes
Publikum verschickten. Weitere 1.000 Menschen
konsultieren unsere Homepage jede Woche für
detaillierte Informationen über ein Studium in den
Vereinigten Staaten. Und mehrere Hunderte zusätzlich lesen auf der Homepage die U.S. Policy Quotes, in
denen die Aussagen hochrangiger Politiker zu Themen
von NATO bis zu Bevölkerungspolitik wörtlich wiedergegeben sind. Konsularische und Visainformationen sind ein weiteres populäres Element unseres
neuen elektronischen Amerika Hauses. Und 1.000
Deutsche benutzen jede Woche unsere Homepage,
um direkt zur USIA-Homepage in Washington zu
gelangen, die wiederum mit den meisten Ministerien
der US-Regierung verbunden ist, einschließlich des
Weißen Hauses.
Man kann unterschiedlich auf all das reagieren,
angefangen mit: "Es ist nicht dasselbe!" Und man
kann sich fragen, wer diese deutschen Nutzer sind und
was sie davon haben, unser Amerika Haus im Web zu
besuchen. Im Augenblick können wir das nicht in Erfahrung bringen, aber diese Deutschen von heute sind

für uns im modernen Informationszeitalter ebenso
wichtig wie ihre Eltern (und Großeltern!) es in den
vergangenen Jahrzehnten waren. Darüber hinaus
wissen wir, daß die von uns angebotenen Informationen so spezifisch sind, daß nur Leute, die sich wirklich
für den deutsch-amerikanischen Dialog engagieren, sie
nutzen. Amerika D/ensf-Artikel sind keine leichte Kost,
ebensowenig wie U.S. Policy Quotes. Viele Anwender
sind offensichtlich Journalisten, Forscher sowie
Politiker und Regierungsvertreter. Aber auch Studenten kommen. Jeden Monat sehen wir steigende
Zahlen, und wir passen unser Angebot entsprechend
an. Eines unserer nächsten Angebote wird eine
Zeitschrift über die Reform des Energiemarktes sein,
die dem letztes Jahr von uns veröffentlichten erfolgreichen telecommunications newsletter folgt. Solche
elektronischen Publikationen sprechen die drängendsten Probleme an, mit denen sich hochentwickelte
Nationen wie die Vereinigten Staaten und Deutschland
in den neunziger Jahren konfrontiert sehen.
Unser Amerika Haus im Web wird sich weiterentwikkeln. Wir sehen es als eine elektronische Struktur, die
konstant modifiziert werden kann, während ihre Türen
den Deutschen in ganz Deutschland (und der Welt) 24
Stunden lang geöffnet sind. Unserer Ansicht nach wird
diese neue Dimension des deutsch-amerikanischen
Dialogs sich noch vergrößern, und zwar exponentiell.
Das rechtfertigt weitere Investitionen in ein Forschungs-/Technologie-/lnformationsteam, das sich an
den Prozeß des Wandels anpassen und ihn vielleicht
anführen kann. Wenn unsere Aufgabe darin besteht,
Amerika so zu repräsentieren wie wir sind, dann ist
diese Art von Amerika Haus im Web ein unerläßlicher
Bestandteil des Engagements der Vereinigten Staaten
für den deutsch-amerikanischen Dialog in den neunziger Jahren.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 05

•HtfW •

�TELEKOMMUNIKATION
12. März 1997

Auf der Suche nach einem stabilen
Telekommunikationsmarkt
von Larry Irving

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Abteilungsleiter für Kommunikation und Information im USWirtschaftsministerium, Larry Irving, verfaßten Artikel über die Einführung des Wettbewerbs auf dem
Telekommunikationsmarkt.

Wir suchen einen stabilen Markt. Und das wird von
uns jetzt auch erwartet. Auf diesem Markt erfordert der
Übergang von gesetzlich geregelten Monopolen für
viele Telekommunikationsdienste zu uneingeschränktem Wettbewerb Zeit. Wie Vizepräsident Gore erklärte, ist dies "das erste Jahr eines Veränderungsprozesses, der gewisse Zeit benötigt".

Im Hinblick auf die Förderung des Wettbewerbs
zwischen Netzbetreibern müssen wir Vorschriften für
Vernetzung und Anschlußgebühren einführen, die den
richtigen Anreiz bieten und tatsächlich ein Umfeld für
Wettbewerb schaffen, der wiederum die Preise für
Unternehmen und Verbraucher senkt. Wir müssen die
Anschlußgebühren senken, damit wir den Firmen die
richtigen wirtschaftlichen Signale senden, die sich um
den Aufbau neuer Netze und die Bereitstellung neuer
Dienstleistungen bemühen.

Wir befinden uns in einer Übergangszeit und sollten
nicht vergessen, daß ein Übergang normalerweise
nicht einfach ist. Gewöhnlich ist er von einem hohen
Maß an Unsicherheit und Störung gekennzeichnet.
Damit werden wir auch jetzt auf dem Telekommunikationsmarkt konfrontiert.

Die gute Nachricht lautet, daß die amerikanischen
Bundesstaaten bereits Übergangsregelungen getroffen
und in einigen Fällen endgültige Vorschriften für
Vernetzung und Wiederverkaufsrabatte erlassen
haben. Landesweit werden derzeit mehr als 250
Vereinbarungen geprüft.

Es ist, als würde man Schwimmer beobachten, die
vom Meer zur Küste schwimmen. Manche werden von
den tosenden Wellen auf den Strand geworfen, andere
von einem Sog erfaßt; wieder andere überraschen
uns, indem sie auf den Wellen reiten und elegant
angeglitten kommen.

Die Auswirkungen der jüngsten oder geplanten
Fusionen von Telekommunikationsanbietern auf den
Wettbewerb sind unklar. Fusionen waren zweifelsohne die große Neuigkeit des Jahres 1996 - Bell Atlantic
mit Nynex, PacTel mit SBC Corporation, MCI mit
British Telecom. Die Vorteile solcher Fusionen für die
Öffentlichkeit bestehen in der Möglichkeit, daß sie den
jeweiligen Unternehmen gestatten, die durch das
Telekommunikationsgesetz geschaffenen Wettbewerbsherausforderungen anzugehen und den Wettbewerb zu erhöhen. Die Gefahr solcher Fusionen ist,
daß diese Unternehmen ihre neue Größe und ihre
Mittel zum Schutz ihres Marktanteils und zur Behinderung weiteren Wettbewerbs einsetzen. In diesem
Bereich müssen wir wachsam sein und sicherstellen,

Wo stehen wir ein Jahr nach der Verabschiedung des
Telekommunikationsgesetzes von 1996?

Der Telekommunikationsmarkt
Unsere Suche nach einem soliden Markt hat drei
Dimensionen. Erstens möchten wir einen pulsierenden Markt, der uneingeschränkten Wettbewerb unter
den Anbietern von Telekommunikationsdienstleistungen ermöglicht. Der wichtigste Aspekt dieses Ziels
besteht im Ausbau der Kommunikationsnetze.

AMERIKA DIENST 05

Seite 1

�daß Fusionen sich nicht als wettbewerbsschädigend
erweisen.

Markt, deren Besitzer oder Betreiber Angehörige von
Minderheiten und Frauen waren.

Wettbewerb ist nicht vorhersehbar.
Tatsächlich
machen drahtlose Dienstleistungen den Telefongesellschaften einen Großteil der Konkurrenz, den viele eher
von Seiten des Kabelfernsehens erwartet hätten.
Vergangenes Jahr gewannen die drahtlosen Dienste
10 Millionen neue Kunden. Derzeit gibt es in den
Vereinigten Staaten 38 Millionen Kunden drahtloser
Dienste - das sind fast 15 Prozent aller Amerikaner.
Die Arbeitnehmer haben Vorteile durch diesen Wettbewerb: Die Industrie für drahtlose Kommunikationsdienste ist stolz darauf, daß sie jeden Monat 1.000
neue Arbeitnehmer einstellt.

Es war auch in gutes Jahr für Kabelgeschäfte. Die
führende Maklerfirma für Kabelunternehmen berichtete
von 47 kabelbezogenen Transaktionen mit Fusionen
und Firmenübernahmen im Wert von 2,6 Milliarden
Dollar.

Das Aufkommen drahtloser Dienste als lebhafter
Konkurrent wird zu einem weltweiten Phänomen. In
Japan hat ein neuer drahtloser Dienst, genannt
Personal Handyphone System (P.H.S.), in den ersten
anderthalb Jahren nach seiner Einführung 4,3 Millionen Kunden gewonnen. Das enorme Wachstum von
P.H.S. zusammen mit der Deregulierung und der
darauf folgenden Preissenkung für Funktelefone haben
den japanischen Markt zu einem der am schnellsten
wachsenden Märkte der Welt für Mobiltelefone
gemacht. Heute unterschreiben jeden Monat mehr als
eine Million Japaner Verträge für diese Dienstleistung alle zwei Sekunden ein neuer Kunde.
In Finnland besitzt nahezu ein Drittel der fünf Millionen
Einwohner des Landes ein Mobiltelefon, und die Zahl
steigt jährlich um 27 Prozent. Darüber hinaus haben
die Finnen Handys, mit denen man elektronische Post
verschicken und sich ins Internet einloggen kann.

Darüber hinaus schlägt die FCC jetzt eine weitere
Lockerung der Eigentumsbestimmungen vor. Die
Vorschläge der FCC würden den gemeinsamen Besitz
von zwei UHF-Sendern oder eine Kombination von
UHF/UKW-Frequenzen auf einem Markt gestatten.
Meines Erachtens ist das eine äußerst schlechte Idee.
Die Unterscheidung zwischen UHF und UKW ist
praktisch irrelevant. Jetzt ist digitales Fernsehen im
Geschäft. Das bedeutet eine enorme Konzentration an
Eigentum.
Viele dieser Veränderungen ergeben wirtschaftlich
Sinn, aber zu welchen Kosten für die Vielfalt der
Inhaberschaft? Geht es unserer Nation nur um
wirtschaftliche Effizienz? Oder wird der Gewährleistung einer Fülle von Gesichtspunkten für Verbraucher immer noch die Priorität beigemessen, die
sie historisch hatte? Die nächsten Jahre werden
entscheidend für die Lösung dieser Fragen sein.
Verbraucher und der Telekommunikations- und
Informationsmarkt
Die dritte Dimension eines stabilen Marktes ist die
uneingeschränkte Beteiligung der Verbraucher. Der
Schlüssel dazu sind verbesserte Auswahl und verringerte Kosten.

Der Ideenmarkt
Zweitens sucht die Clinton-Administration einen
stabilen Ideenmarkt. Das Telekommunikationsgesetz
führte zur Abschaffung oder zum Abbau vieler Eigentumsbeschränkungen für Sendelizenzen. Als Reaktion
auf das Gesetz schaffte die amerikanische Fernmeldebehörde (Federal Communications Commission FCC) die Obergrenze von 12 für den Besitz von
Fernsehsendern ab und setzte die Begrenzung für
Zuschauerzahlen von 25 auf 35 Prozent der Bevölkerung herauf. Das führte zu einem Kaufrausch Fernsehtransaktionen im Wert von 10 Milliarden Dollar
im Jahr 1996 verglichen mit 4,7 Milliarden Dollar 1995.
Nach der Fusionswelle von 1996 - Aufkauf von
CapCities/ABC durch Walt Disney Co., von CBS durch
Westinghouse sowie der verbliebenen 80 Prozent von
New World Communications Group Inc. durch News
Corp/Fox Television Stations Inc. - ist die ClintonAdministration weiterhin über die Konzentration der
Medien besorgt. Besondere Sorgen machen wir uns
über das potentielle Verschwinden jener Sender vom

Seite 2

Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher von der
größeren Auswahl auf dem Telekommunikations- und
Informationsmarkt profitiert. Den Verbrauchern stehen
jetzt neue drahtlose Dienste zur Verfügung.
Zu diesem Zeitpunkt stellt die Frage der Kosten die
große Herausforderung für den Verbraucher dar.
Während die Kosten für Telefondienste mit der Inflation
Schritt hielten, schnellten die Kabelgebühren für
Basisdienstleistungen 1996 um 7,8 Prozent in die
Höhe.
Kostenerwägungen führen auch zu dem wichtigen
Thema universeller Dienstleistungen. Unsere nationalen Fortschritte bei Telefondiensten für 94 Prozent
der Amerikaner und 40 Prozent der Haushalte, die
einen PC besitzen, sind bewundernswert, verschleiern
jedoch gravierende Ungleichgewichte. Heute haben
ungefähr jeder vierte Haushalt der Amerikaner,
Indianer, Eskimos und auf den Aleuten sowie über die
Hälfte - 53 Prozent - der Haushalte von Amerikanern
indianischer Abstammung in Reservaten und 12
Prozent der Afroamerikaner und Hispanier kein

AMERIKA DIENST 05

�Telefon. Verglichen damit haben vier Prozent der
Weißen und zwei Prozent der Inselbewohner im
asiatisch-pazifischen Raum kein Telefon.

sowie Hardware, Software und Ausbildung bereitzustellen, wird dies zur dauerhaften Vernetzung aller
Schulen und Bibliotheken beitragen.

Das Telekommunikationsgesetz enthält eine Bestimmung, die sicherstellt, daß Schulen, Bibliotheken,
Kliniken und ambulante Einrichtungen finanzierbaren
Zugang zu modernen Telekommunikationsdiensten
haben werden. Im Herbst vergangenen Jahres
kündigte Präsident Clinton seine Unterstützung für
einen Vorschlag des Kongresses an, bei Telekommunikationsdiensten in Schulen einen "B-Tarif" genannten
"Bildungstarif" einzuführen.

Schlußbemerkung

Im November letzten Jahres gaben das gemeinsame
Telekommunikationsgremium der bundesstaatlichen
und kommunalen Verwaltungen der FCC der Behörde
ihre Empfehlung zu diesem Thema bekannt, die viele
Vorschläge der Administration enthielt, einschließlich
des Zugangs zum Internet, hoher Rabatte für über
geringste Mittel verfügende Schulen und Bibliotheken,
einer konkurrenzfähigen Ausschreibungsstruktur sowie
eines technologisch neutralen Unterstützungssystems,
das Schulen die Flexibilität des Zugangs zu den von
ihnen benötigten Diensten bietet.
Im Rahmen der Empfehlung des gemeinsamen
Gremiums wird Schulen mit den geringsten Mitteln
unter anderem ein 90-prozentiger Preisnachlaß auf
ihre Monatsrechnung für Verbindungen zu modernen
Netzen, Internet-Zugang und Vernetzung innerhalb
des Schulgebäudes gewährt. Zusammen mit maßgeblichen Bestrebungen des Privatsektors und
anderer Finanzquellen, in Schulen Kabel zu verlegen

*

AMERIKA DIENST 05

*

Es ist leicht, ungeduldig zu werden und zu sagen, das
Telekommunkationsgesetz habe Deregulierung versprochen und zu beklagen, daß sie bisher nicht
eingeführt wurde. Dies ist die Zeit für Fortschritte in die
richtige Richtung mit den richtigen Bestimmungen - zu
uneingeschränktem
und
hartem
Wettbewerb.
Schlimmstenfalls könnten wir unregulierte Monopole
schaffen. Wir müssen uns auf den realen Wert und die
Ziele des Gesetzes konzentrieren - niedrigere Kosten,
größere Auswahl und eine Vielfalt von Gesichtspunkten für die Verbraucher sowie die Ankurbelung
von Innovation.
Das Telekommunikationsgesetz hat den Weg für
große Chancen in diesem Bereich geebnet. Wir alle
müssen die Initiative ergreifen und uns durch die
schwierigen Themen arbeiten.
In seinem Bericht zur Lage der Nation erklärte Präsident Clinton: "Die neuen Verheißungen der Weltwirtschaft, das Informationszeitalter, unvorstellbare neue
Arbeit, lebensverbessernde Technologie - all dies
müssen wir nutzen. Das ist unsere Pflicht und unsere
Herausforderung. Wir müssen die Ereignisse gestalten, nicht nur Beobachter sein. Denn wenn wir nicht
handeln, wird der Augenblick verstreichen - und wir
werden die besten Chancen für unsere Zukunft
verpassen."

*

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die jüdische Dimension der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist der Liberalismus in Amerika tot?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. OSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;OSZE muss anpassungsfähig und kreativ bleiben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachhaltige Entwicklung nur mit aktiver Beteiligung der Bevölkerung möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Bill Richardson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Bau eines neuen Amerika Hauses im Web&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Earle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Telekommunikation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf der Suche nach einem stabilen Telekommunikationsmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Larry Irving&lt;/em&gt;</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

19-3240

Nummer

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

12. April 1972

15

INFORMATION:

Inhalt

Vertrag über das Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel
unterzeichnet
-Präsident Nixon würdigt Bedeutung des AbkommensDOKUMENTATION:
Die Einstellung der Bombardierung Nordvietnams 1968 und die Warnungen
der USA
-Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-PolitikerWIRTSCHAFT:
Der amerikanische Dollar 1972
Von Dorothy Crook
Erweiterung des Gemeinsamen Marktes erschwert US-Getreideexporte
Von Sam W. Morris
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO-Nachrichten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�( a m e r i k a dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

19-3240

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 08 - 8 5432

15/1972

VERTRAG ÜBER DAS VERBOT DER ANWENDUNG BAKTERIOLOGISCHER KAMPFMITTEL UNTERZEICHNET

-Präsident Nixon würdigt Bedeutung des Abkommens-

WASHINGTON --(AD)-» Im Beisein von Präsident Nixon sowie von mehr als 70 diplomatischen Missionschefs ist am 10. April in Washington der Vertrag über ein
Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel unterzeichnet worden.
Gleichzeitig lag diese Konvention in London und Moskau zur Unterschrift aus.
Der 15 Artikel umfassende Vertrag tritt in Kraft, wenn er von 22 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, ratifiziert worden ist. In Washington unterzeichneten Vertreter von über 70 Ländern das Abkommen, das den offiziellen Titel trägt: "Der Vertrag über das Verbot der Entwicklung, der Herstellung und der Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung". Die Konvention
war 1971 auf der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und mit überwältigender Mehrheit von der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Unterschrift
empfohlen worden..
In einer kurzen Ansprache würdigte Präsident Nixon die Bedeutung dieses
Abkommens, wobei er erklärte, daß jede Großmacht den Grundsatz verfolgen müsse,
weder direkt noch indirekt irgendeine andere Nation zur Anwendung von Gewalt zu
ermutigen.
In
-1-

�In New York forderte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kurt
Waldheim, alle Länder auf, diesen neuen Vertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Er bezeichnete das Abkommen als eine bedeutende Leistung auf dem Gebiet der Abrüstung.
Präsident Nixon führte in seiner Ansprache unter anderem aus:
".... Der sowjetische Botschafter hat (in seiner Ansprache) auf die Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen hingewiesen. Wir arbeiten
auf dieses Ziel hin - auf ein Ziel, das, wie der Botschafter gesagt hat, nicht
nur den Interessen des Friedens zwischen unseren beiden Ländern, sondern auch
den Interessen des Friedens der gesamten Welt dienen wird.
Wenn wir jedoch auf diese verschiedenen Abkommen blicken, dann müssen wir
uns darüber klar sein, wieviel sie bedeuten, und was immer noch getan werden
muß, damit wir unser Endziel erreichen. Was diese Abkommen anbetrifft, so sind
sie grundsätzlich kein Selbstzweck. Sie begrenzen die Rüstungen, aber sie bedeuten noch nicht das Ende des Krieges. Sie sind Mittel zur Erreichung eines
Zieles, und dieses Ziel ist der Friede«
Das Abkommen, das hier heute unterzeichnet wird, hat eine sehr große Bedeutung. Es bedeutet, daß alle Wissenschaftler der Welt - eine wahrhaft weltweite
Gemeinschaft - ungeachtet ihrer Sprache, ihrer Rasse und ihrer Herkunft nunmehr
ihre ganze Energie auf den Kampf gegen den Feind der gesamten Menschheit, nämlich die Krankheit, richten können, statt an der Entwicklung biologischer Waffen zu arbeiten, die die eine Nation gegen die andere einsetzen könnte.
Aus diesem Grunde ist dieses Abkommen von so enormer Bedeutung für alle
diejenigen, die seine Entstehung mitverfolgt haben. Aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß diese Abkommen nur ein Mittel zur Erreichung eines Zieles
sind; wir müssen uns ebenfalls darüber im klaren sein, daß mehr getan werden
muß, um unser Ziel zu verwirklichen: nicht nur die Begrenzung der Rüstungen,sondern die Beendigung der Kriegsdrohung, die über der Welt schwebt.
Was

-2-

i

�Was dieses Ziel anbetrifft, so sehen wir es als Aufgabe an, daß jedes Land
der Welt auf die Anwendung von Gewalt, auf die Anwendung der Aggression gegen
andere Nationen verzichten muß. Wir müssen uns ferner über eine weitere Aufgabe
im klaren sein, nämlich, daß eine große Verantwortung insbesondere auf den Großmächten ruht, daß jede Großmacht den Grundsatz verfolgen muß, weder direkt noch
indirekt irgendeine andere Nation zu ermutigen, Gewalt oder bewaffnete Aggression
gegen einen ihrer Nachbarn anzuwenden.
Dies sind die großen Prinzipien, die wir letztlich verwirklichen müssen, wenn
wir wirklich eine Welt des Friedens haben wollen, und ich bin überzeugt, daß jeder von uns auf diese großen Prinzipien hinarbeiten wird, wo wir heute diesen
Schritt ergreifen."
In Washington wurde der Vertrag von den Vertretern folgender Länder unterzeichnet :
Afghanistan, Äthiopien,Australien, Belgien, Bolivien, Botswana, Brasilien,
Bulgarien, Bundesrepublik Deutschland, Burma, Burundi, Ceylon, Chile, Costa Rica,
Dahome, Dominikanische Republik, El Salvador, Finnland, Ghana, Großbritannien,
Haiti, Honduras, Iran, Irland, Island, Italien, Japan, Jordanien, Jugoslawien,
Kambodscha, Kanada, Kolumbien, Laos, Lesotho, Libanon, Liberia, Malawi, Mali,
Malaysia, Mauritius, Mexiko, Mongolische Volksrepublik, Nepal, Neuseeland,
Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Österreich, Pakistan, Peru, Philippinen, Polen,
Republik China, Republik Korea, Republik Vietnam, Rumänien, Rwanda, Schweiz,
Senegal, Sowjetunion, Spanien, Südafrika, Togo, Tschechoslowakei, Türkei, Tunesien, Ungarn, Venezuela, Vereinigte Staaten, Yemen, Zaire, Zentralafrikanische
Republik, Zypern.
I I II IIII

-3-

�amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
T e

|.

I n f o r m a t i o n

Godesbergl,

19-3240

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

08-85432

15/1972

DIE EINSTELLUNG DER BOMBARDIERUNG NORDVIETNAMS 1968 UND
DIE WARNUNGEN DER USA
-Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-Politiker-

WASHINGTON --(AD)-- Angesichts der Tatsache, daß die gegenwärtige nordvietnamesische Invasion Südvietnams über die entmilitarisierte Zone zwischen den
beiden Ländern eine eindeutige Verletzung der grundlegenden Verständigung
ist, die am 31. Oktober 1968 zu der Einstellung der amerikanischen Bombenangriffe auf den Norden führte, dürften die nachfolgenden Auszüge aus Erklärungen maßgebender amerikanischer Politiker ein klares Bild über die seitherigen Entwicklungen und die ständigen Bemühungen der USA um den Frieden geben.

Rede Präsident Johnsons an das amerikanische Volk vom 31. Oktober 1968
"Am letzten Sonntagabend und während des Montag erhielten wir dann die
Bestätigung der grundlegenden Verständigung, um die wir uns bei den Nordvietnamesen seit einiger Zeit hinsichtlich der entscheidenden Fragen bemüht hatten.
Ich verbrachte den größten Teil des Dienstag damit, jede Einzelheit dieser
Angelegenheit mit dem Kommandeur unserer Truppen in Vietnam zu erörtern, mit
General Abrams

Als Ergebnis all dieser Entwicklungen habe ich nunmehr

angeordnet, daß alle Bombardierungen Nordvietnams aus der Luft, von See her
und durch Artillerie ab Freitagmorgen 0800 Uhr Washingtoner Zeit (1400 Uhr
deutscher Zeit) eingestellt werden.... Was wir nunmehr erwarten - und was wir

�wir mit Recht erwarten können - sind sofortige, produktive, ernsthafte und
intensive Verhandlungen in einer Atmosphäre, die zum Fortschritt beiträgt. Wir
haben das Stadium erreicht, wo produktive Gespräche beginnen können. Wir haben
der anderen Seite klargemacht, daß solche Gespräche nicht andauern können, wenn
sie daraus militärischen Vorteil zieht. Es kann keine produktiven Gespräche in
einer Atmosphäre geben, wo die Städte beschossen und die entmilitarisierte Zone
mißbraucht wird.
Ich glaube, ich sollte Sie, meine amerikanischen Mitbürger, warnen, daß
Arrangements dieser Art niemals hundertprozentig sicher sind. Auch formelle
Verträge sind niemals hundertprozentig sicher, wie die Erfahrung uns gelehrt
hat... Wir könnten irregeführt worden sein - und wir sind auch auf einen solchen
Fall vorbereitet. Wir beten zu Gott, daß dieser Fall nicht eintritt."

Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers Dean Rusk vom 1. November 1968
"Frage: Herr Außenminister, welche direkten Zusicherungen, wenn überhaupt,
haben die Vereinigten Staaten, daß Nordvietnam keine Eskalation des Krieges betreiben oder die entmilitarisierte Zone verletzen und unsere Truppen in Gefahr
bringen wird?
Antwort: Nordvietnam weiß genau, was von ihm in dieser Situation verlangt
wird. Sie wissen, was wir in Bezug auf die Gespräche erwarten, und sie wissen,
was wir in Bezug auf die Gegebenheiten erwarten, unter denen ernsthafte Gespräche vorankommen können. Sie wissen, daß wir für die Sicherheit unserer eigenen
und die unserer verbündeten Kampfgruppen sorgen werden. Es gibt kein Mißverständnis in dieser Beziehung. Die Situation ist für sie ganz klar, und auch nach
unserer Ansicht. Ich kann die genauen Einzelheiten nicht darlegen, aber die
kommenden Tage und Wochen, so glaube ich, werden zeigen, worum es geht.
Frage: Herr Außenminister, dies ist möglicherweise die gleiche Frage,
aber Sie sagten in Ihrer Erklärung, daß wir - abgesehen davon, was dritte uns
gesagt haben - unsere eigenen Gründe für die Annahme haben, daß unsere Maßnahme
-2-

�Maßnahme einen konstruktiven Schritt darstellt. Können Sie uns irgendwelche Hinweise dafür geben, warum wir dies für einen konstruktiven Schritt halten?
Antwort: Ich glaube, wir haben Ihnen gegenüber angedeutet, daß sich die
Dinge über das Wochenende in einer solchen Weise zu entwickeln begannen, daß wir
guten Grund für die Annahme hatten, daß es im Falle der Einstellung der Bombardierung ernsthafte Gespräche geben würde, an denen die Regierung Südvietnams
teilnehmen würde,und daß diese Gespräche unter förderlichen Bedingungen voranschreiten könnten - das heißt, unter Bedingungen an der Front, was die tatsächliche Situation im Kampfgebiet anbetrifft.
Jetzt hat der Präsident gestern abend gesagt, daß die Dinge auch verkehrt
verlaufen können. Er hat erklärt, selbst formelle Verträge sind niemals hundertprozentig. Wir könnten also enttäuscht werden, aber es gibt keinen Zweifel nicht
nur über unsere Erwartungen, sondern auch darüber, daß die andere Seite unsere
Erwartungen kennt.
Frage: Wir gehen also von mehr als nur einer Annahme aus?
Antwort: Wir gehen von mehr als einer reinen Annahme aus."

Interview des Staatssekretärs für die US-Luftstreitkräfte, Dr. Harold Brown,
mit der National Broadcasting Company (NBC) vom 4. November 1968
"Die Stabschefs der US-Streitkräfte haben dem Präsidenten ihre Empfehlungen
vorgelegt und ihm gegenüber erklärt, daß dies ein durchaus akzeptables militärisches Risiko ist und daß dieser Schritt ihres Erachtens zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Hinblick auf die militärische Lage, die Verbesserung der militärischen
Lage und die Tatsache unternommen werden sollte, daß wir weiterhin Aufklärungsflüge durchführen werden und daß General Abrams ermächtigt ist, bei jeder Gefährdung seiner Truppen Gegenmaßnahmen zu ergreifen."
Pressekonferenz
-3-

�Pressekonferenz von Verteidigungsminister Clark Clifford vom 12. November 1968

"Frage: Würden Sie zu den von mehreren Journalisten erhobenen Vorwürfen
Stellung nehmen, daß die Regierung schon vor dem Bombardierungsstopp und der Bekanntgabe der grundlegenden Verständigung am 31. Oktober wußte, daß die südvietnamesische Regierung sich nicht an den Gesprächen in Paris beteiligen würde, und
würden Sie uns sagen, ob die südvietnamesische Regierung sich unseren Diplomaten
gegenüber unhöflich verhalten hat?
Antwort: .... Saigon war über die anderen Vereinbarungen, auf die wir hinarbeiteten, voll unterrichtet - also über die grundlegende Verständigung bezüglich der entmilitarisierten Zone und die Verständigung in Bezug auf die Städte.
Wir führten lange Gespräche bezüglich der Aufklärung. Sie wurden voll auf dem
laufenden gehalten."

Interview des amerikanischen Verteidigungsministers Clark CLifford mit der
Amerikanischen Broadcasting Company (ABC) vom 24. November 1968
"Frage: Herr Minister, die Nordvietnamesen behaupten, wir verletzten die
grundlegende Verständigung, weil wir unsere Aufklärungsflüge fortsetzten. Haben
wir die Absicht, diese Flüge einzustellen?
Antwort: Nein. Es ist für den Präsidenten äußerst wichtig zu wissen, was
in Nordvietnam vorgeht. Wenn es dort irgendeine ungewöhnliche Massierung gibt,
sei es an Truppen oder an Kriegsmaterial, so muß er sofort davon unterrichtet
sein. In den Pariser Verhandlungen ist in all diesen Monaten den Vertretern
Nordvietnams klar gemacht worden, daß wir die Aufklärungsflüge fortsetzen werden.
Wir tun dies Tag für Tag, die ganze Zeit schon. Wir verfolgen sehr genau, was vor
sich geht, da wir, falls es zu irgendwelchen Entwicklungen kommt, die die Gefahr
für unsere Truppen erhöhen, möglicherweise Maßnahmen ergreifen müssen.
Wenn

-4-

�Wenn Hanoi seinen guten Willen beweisen will, indem es die Voraussetzungen
für diese Gespräche erfüllt, und sich an die grundlegende Verständigung hält,
dann ist er (der Präsident) bereit, voranzugehen. Wenn sie uns irgendwann zeigen, daß es ihnen nicht ernst ist und daß sie nicht guten Willens vorangehen,
so zweifle ich nicht im geringsten daran, daß der Präsident zu unserer früheren
Konzeption zurückkehren muß, und das bedeutet, den Gegner unter Druck zu halten,
und das würde notfalls auch Bombardierungen einschließen."

Presseunterrichtung durch den amerikanischen Chefdelegierten bei den Pariser
Vietnam-Gesprächen, W. Averall Harriman, vom 4. Dezember 1968 im Weißen Haus
"Die grundlegende Verständigung war insofern ganz eindeutig, daß wir klargestellt hatten, daß ernsthafte Gespräche und genausowenig auch der Bombardierungsstopp nicht fortdauern können, wenn sie nicht die entmilitarisierte Zone
respektierten und die wahllose Bombardierung der großen Städte unterließen."

-Präsident Nixons Warnungen an Hanoi bezüglich des Einsatzes amerikanischer
LuftstreitkräftePressekonferenz vom h. März 1969
Frage: Herr Präsident, die kommunistische Offensive in Vietnam hat Spekulationen ausgelöst, die besagen, daß Ihre Regierung getestet werden soll, besonders in Bezug auf die grundlegende Verständigung vom 1. November vergangenen
Jahres, die zur Einstellung der Bombardierungen führte. Würden Sie uns dazu Ihre
Meinung sagen?
Antwort: Wenn wir von der kommunistischen Offensive reden, so ist es
meiner Ansicht nach wichtig, zunächst zu analysieren, was diese Offensive
bedeutet und welches ihre Ziele sind im Vergleich zu der Offensive vom vergangenen

-5-

�vergangenen Jahr. Dann müssen wir überlegen, was diese Offensive in Bezug auf
eine Verletzung der grundlegenden Verständigung zur Zeit des Bombenstopps bedeutet... Diese Absprache lief darauf hinaus, daß ein weiterer Beschuß oder weitere Angriffe auf die Städte, die großen Städte in Südvietnam, nicht mit produktiven Friedensgesprächen in Paris zu vereinbaren sein würden. Wir prüfen diese
spezielle Offensive - und wir prüfen sie sehr sorgfältig - daraufhin, ob ihr
Ausmaß eine Verletzung dieser grundlegenden Verständigung darstellt. In technischer Hinsicht könnte man sie als eine Verletzung bezeichnen.. Ob wir jedoch
zu dem Schluß kommen, daß diese Verletzung so erheblich ist, daß sie Maßnahmen
unsererseits erfordert, das ist eine Entscheidung, die wir sehr bald treffen
werden, wenn diese Angriffe in ihrem gegenwärtigen Ifafang andauern
Ein anderer Aspekt sollte noch erwähnt werden: Ich möchte mit dieser Analyse nicht den Ernst dieser Angriffe herabsetzen, denn die amerikanischen Verluste haben sich, wie ich festgestellt habe, während dieser Angriffe verdoppelt.
Daher ist es notwendig, daß der amerikanische Präsident bei der Bewertung dieser
Angriffe diese grundlegende Verständigung nicht nur im Zusammenhang mit den Angriffen auf die Städte, sondern auch im Zusammenhang mit seiner Pflicht sieht,
die in Vietnam kämpfenden amerikanischen Soldaten zu schützen.
Wir haben nicht überstürzt gehandelt, aber die Tatsache, daß wir Geduld
und Nachsicht üben, sollte auch nicht als ein Zeichen der Schwäche ausgelegt
werden. Wir werden die fortgesetzte Verletzung einer Absprache nicht dulden. Darüber hinaus werden wir aber auch keine Angriffe hinnehmen, die zu höheren Verlusten unter unseren Soldaten zu einer Zeit führen, da wir uns aufrichtig darum
bemühen, am Konferenztisch in Paris Frieden zu schaffen. Falls diese Angriffe
fortdauern, wird eine entsprechende Erwiderung erfolgen
Frage: Herr Präsident, würde von Ihnen eine angemessene Reaktion in Betracht gezogen, falls die Angriffe in Südvietnam anhalten? Würde eine solche
angemessene Reaktion die Wiederaufnahme der Bombardierungen des Nordens einschließen?
Antwort:

�Antwort: .... Um die Frage zu beantworten, möchte ich nur sagen, die Vereinigten Staaten besitzen eine Reihe von Möglichkeiten, um zu reagieren. Es
existieren verschiedene EventualpLäne, die in die Tat umgesetzt werden können.
Alle diese Pläne werden von mir geprüft. Wir werden uns des Planes bedienen, der
unserer Meinung nach den Aktionen der anderen Seite angemessen ist. Ich werde
nicht vorzeitig andeuten, ich werde nicht öffentlich bekanntgeben und ich werde
nicht drohen - das würde uns meiner Ansicht nach nicht helfen - daß wir den
Norden bombardieren oder etwas anderes unternehmen werden."

Pressekonferenz vom 14. März 1969
"Der Präsident: Es wird meine Politik als Präsident sein, nur einmal
eine Warnung auszusprechen, und ich will sie jetzt nicht wiederholen. Alles, was
in der Zukunft getan werden muß, wird getan werden. Es wird keine weitere Warnung mehr geben... Wir haben eine Warnung erteilt. Wir werden nicht noch einmal
eine Warnung aussprechen. Wenn wir zu dem Schluß kommen, daß die Verlustziffer
höher ist, als wir sie hinnehmen können, dann werden Maßnahmen folgen."

Fernsehansprache zur Vietnam-Politik vom 3. November 1969
"Sollten das Ausmaß der Infiltration oder unsere Verluste zunehmen, während
wir uns um eine Reduzierung der Kampfhandlungen bemühen, so wird dies die Folge
einer bewußt getroffenen Entscheidung des Gegners sein.
Hanoi könnte keinen größeren Fehler begehen, als anzunehmen, daß eine Zunahme der Gewalttätigkeit zu seinem eigenen Vorteil gereichen würde. Wenn ich
zu dem Schluß kommen sollte, daß verstärkte gegnerische Aktionen unsere in
Vietnam verbleibenden Truppen gefährden, dann werde ich nicht zögern, nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Situation zu begegnen.
Dies ist keine Drohung. Dies ist eine politische Erklärung, die ich als
Oberbefehlshaber unserer Streitkräfte abgebe, um meiner Pflicht nachzukommen,
die amerikanischen Soldaten, wo immer sie stehen, zu schützen."
Fernsehansprache
-7-

�Fernsehansprache vom 15. Dezember 1969
"Ich habe jedoch immer gesagt, daß wir Risiken für den Frieden auf uns
nehmen müssen. In diesem Zusammenhang möchte ich die Führer in Hanoi daran erinnern, daß sie ebenfalls ein Risiko eingehen, wenn die Infiltration und das
Ausmaß der Feindtätigkeit anwachsen, während wir unsere Streitkräfte reduzieren.
Ich wiederhole die Erklärung, die ich in meiner Rede vom 3. November gemacht
habe:
Hanoi könnte keinen größeren Fehler begehen, als anzunehmen, daß eine Zunahme der Gewalttätigkeit zu seinem eigenen Vorteil gereichen würde. Wenn ich
zu dem Schluß kommen sollte, daß verstärkte gegnerische Aktionen unsere in
Vietnam verbleibenden Truppen gefährden, dann werde ich nicht zögern, nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Situation zu begegnen '

Pressekonferenz vom 30. Januar 1970
"Wir beobachten weiterhin die Situation und wir werden darauf vorbereitet
sein, entsprechend zu handeln. Ich möchte jedoch alle, und besonders den Gegner,
an das erinnern, was ich am 3. November gesagt und am 15. November wiederholt
habe. Wenn wir in einer Zeit, in der wir versuchen, die Kämpfe in Vietnam zu
deeskalieren, feststellen, daß der Gegner aus unserem Truppenabzug Vorteil
zieht, um durch eine Eskalation der Kämpfe unsere verbleibenden Truppen zu gefährden, dann verfügen wir über die Mittel - und ich werde bereit sein, von
diesen Mitteln Gebrauch zu machen -, um entsprechend dieser Situation nachdrücklich zu handeln - nachdrücklicher, als wir dies in der Vergangenheit getan haben."

Fernsehansprache vom 20. April 1970
"Ich möchte jedoch die Führer Nordvietnams erneut daran erinnern, daß sie
ein ernstes Risiko eingehen, falls sie versuchen sollten, die Gelegenheit zu
benutzen, um die Sicherheit unserer verbleibenden Streitkräfte in Vietnam durch

�durch verstärkte militärische Tätigkeit in Vietnam, in Kambodscha oder in Laos
zu gefährden, während wir diese Risiken für den Frieden auf uns nehmen.
Ich wiederhole, was ich am 3. November und am 15. Dezember erklärt habe.
Wenn ich zu dem Schluß komme, daß eine verstärkte Feindtätigkeit unsere verbleibenden Streitkräfte in Vietnam gefährdet, dann werde ich nicht zögern, harte und
wirksame Maßnahmen zu ergreifen,um mit dieser Situation fertig zu werden.11

Fernsehansprache vom 30. April 1970

"In meinem Vietnam-Bericht an die Nation vor zehn Tagen gab ich die Entscheidung bekannt, im Laufe der nächsten 12 Monate weitere 150 000 amerikanische
Soldaten abzuziehen. Ich sagte damals, daß ich diese Entscheidung trotz unserer
Sorge über die zunehmende Feindtätigkeit in Laos, Kambodscha und Südvietnam
träfe.
Ich warnte damals, daß ich nicht zögern würde, feste und wirksame Maßnahmen
zu treffen, wenn ich zu dem Schluß käme, daß die erhöhte Feindtätigkeit in
einem dieser Gebiete das Leben der in Vietnam verbleibenden Amerikaner gefährden
würde.
Trotz dieser Warnung hat Nordvietnam seine militärische Aggression in allen
drei Gebieten - vor allem in Kambodscha - verstärkt."

Pressekonferenz vom 8. Mai 1970
"Ich will keine Spekulationen darüber anstellen, was die Nordvietnamesen
möglicherweise tun. Ich will lediglich sagen, daß ich es, wenn die Nordvietnamesen das tun, was sie nach Meinung einiger Leute tun könnten, nämlich mit
massierten Kräften von 250 000 oder 300 000 Mann über die entmilitarisierte
Zone hinweg gegen unsere dort stehenden Marinekorpseinheiten anzutreten,
-9-

�anzutreten, sicherlich nicht zulassen würde, daß unsere Männer dort niedergemetzelt werden, ohne stärkere und wirksamere Kräfte gegen Nordvietnam einzusetzen.
Ich glaube, daß wir die Führer Nordvietnams in dieser Hinsicht mehrfach gewarnt haben. Und weil wir sie gewarnt haben, glaube ich nicht, daß sie über die
entmilitarisierte Zone vorrücken werden."

Fernsehinterview vom 1. Juli 1970
"Um nun auf Ihre Frage zurückzukommen - wenn Sie zunächst einmal von ReEskalation sprechen, so planen wir nicht, erneut nach Kambodscha vorzustoßen.
Wir planen jedoch - und ich werde diese Macht einsetzen, ich werde sie soweit
notwendig einsetzen - , durch die Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten den
Nachschub von Menschen und Material, den ich als gegen Südvietnam gerichtet erachte, zu unterbinden. Das ist Teil meiner Aufgabe des Schutzes amerikanischer
Soldaten.
Nun wollen wir einmal die anderen Möglichkeiten einer Eskalation betrachten.
Zum Beispiel haben wir, wie Sie wissen, die Bombardierung im Norden eingestellt.
Und wie Sie auch wissen, war einer der Punkte der sogenannten Absprachen zu dem
Zeitpunkt, als wir die Bombardierung einstellten, der, daß amerikanische Aufklärungsflüge über Nordvietnam stattfinden könnten, um festzustellen,ob der Gegner
einen

neuen Angriff plane. Und diese Aufklärungsflüge sollten keinen Angriffen

ausgesetzt sein.
Jetzt wird von den Nordvietnamesen ständig auf diese Flugzeuge geschossen.
Ich habe darum, als wir am 30. April mit unserer Operation begannen, einige Angriffe auf Stellungen in Nordvietnam angeordnet, von denen aus unsere Flugzeuge
beschossen wurden.
Sollten diese Angriffe sich wiederholen, werde ich natürlich unsere Luftmacht auf die nordvietnamesischen Stellungen ansetzen, von denen aus unsere Flugzeuge angegriffen werden. Dies ist meine Pflicht, um die amerikanischen Soldaten,
unsere jungen Männer, zu verteidigen, wenn sie angegriffen werden."
Pressekonferenz
-10-

�Pressekonferenz vom 10. Dezember 1970
"Wenn unsere Flugzeuge beschossen werden, dann werde ich nicht nur anordnen, daß sie das Feuer erwidern, sondern ich werde auch anordnen, daß die Raketenstellung zerstört wird und daß der militärische Komplex um diese Stellung
herum ebenfalls durch Bomben zerstört wird.
Darüber hinaus gibt es eine weitere grundlegende Verständigung hinsichtlich
der Bombenangriffe auf Nordvietnam. Auf einer Reihe von Pressekonferenzen sowie
in meiner Rede vom 3- November und in vier Fernsehansprachen an das amerikanische
Volk habe ich dies erklärt, und ich erkläre es heute abend erneut: zu einer Zeit,
da wir uns aus Südvietnam zurückziehen, ist es von lebenswichtiger Bedeutung,
daß der Präsident der Vereinigten Staaten als Oberbefehlshaber die Maßnahmen ergreift, die zum Schutze unserer verbleibenden Truppen notwendig sind, weil die
Zahl unserer Erdkampftruppen beständig zurückgeht.
Sollte ich zu dem Schluß kommen, daß die Nordvietnamesen durch ihre Infiltration unsere verbleibenden Truppen gefährden, sollten sie dadurch eine bestimmte Kapazität gewinnen und darangehen, diese Kapazität möglicherweise einzusetzen, um die Kampfhandlungen in Südvietnam zu verstärken, dann werde ich die
Bombardierung militärischer Anlagen in Nordvietnam, der Pässe, die von Nordvietnam nach Südvietnam führen, der militärischen Komplexe und der militärischen
Nachschublinien anordnen. Das wird die Reaktion sein, die dann von mir erfolgt."

Fernsehinterview vom 4. Januar 1971
"Ich hege nicht den Wunsch, die Bombardierung von Nordvietnam wieder aufzunehmen. Wir wollen nicht zu der Bombardierung der strategischen Ziele in Nordvietnam zurückkehren, ja wir wollen nicht einmal militärische Ziele bombardieren, wenn es nicht notwendig wird - und das ist der entscheidende Faktor -, um
amerikanische Truppen zu schützen.
Was

.11-

�Was nun die grundlegende Verständigung anbetrifft, so wollen wir diese einmal näher untersuchen.
Erstens, es gab eine grundlegende Verständigung,. Präsident Johnson hat dies
gesagtj Dean Rusk hat dies gesagt, Clark Clifford hat dies gesagt und Harriman
hat dies gesagt. Es bestand eine grundlegende Verständigung, daß nach Einstellung
der Bombardierung unbewaffnete Aufklärungsflugzeuge über Nordvietnam fliegen könnten, ohne angegriffen zu werden. Wir mußten darauf bestehen, denn sonst hätten wir
keinerlei Aufklärung darüber gehabt, ob sie etwa einen Angriff gegen uns planten.
Wenn sie also jene Kampfflugzeuge beschießen, dann, so habe ich Anweisung
erteilt, werden wir die Sam-Raketenstellungen - oder was immer es war, das auf
unsere Flugzeuge geschossen hat - herausgreifen. Wir werden das auch weiterhin
tun, und wenn sie (die Kommunisten) behaupten, es gäbe keine grundlegende Verständigung in dieser Richtung, dann gibt es auch für uns keinerlei Einschränkungen; das dürfen wir nicht vergessen. Nun, die andere grundlegende Verständigung
ist eine, die von mir ausging. Es ist eine neue Verständigung, die parallel zu
unserem Vietnamisierungsprogramm und zu unserem Abzugsprogramm läuft.... Der
Präsident der Vereinigten Staaten trägt als Oberbefehlshaber die Verantwortung
dafür, daß sich diese (in Vietnam verbleibenden amerikanischen) Soldaten nicht
einem überwältigenden Angriff aus dem Norden ausgesetzt sehen. Darum müssen wir
die Aufklärung fortsetzen und darum werde ich auch als Oberbefehlshaber Bombenangriffe gegen Schlüsselgebiete befehlen müssen, wenn der Gegner in einer Zeit,
da wir deeskalieren, in einer Zeit, da wir uns zurückziehen, seine Infiltration
zu verstärken beginnt - Truppen und Nachschub über den Mu-Gia-Pass und über andere
Pässe zu bewegen beginnt.
Das war einer der Gründe für diesen Schlag, und wir werden

es erneut tun,

wenn unsere in Vietnam verbleibenden Truppen weiterhin bedroht werden - aber
nur gegen militärische Ziele, und nur, wenn es notwendig ist.
Ich habe das nicht erst vor einem Monat, sondern schon im November klargemacht. Sie werden sich an den 3.

November erinnern, ich meine meine Rede vom

3. November, als ich die Nordvietnamesen warnte, daß ich zurückschlagen würde.

�würde, wenn sie in einer Zeit, da wir unsere Truppen abziehen, ihre Infiltration
verstärkten und unsere verbleibenden Truppen bedrohten.
Ich habe das bei acht verschiedenen Gelegenheiten im Fernsehen und im Rundfunk erklärt. Ich habe das auch in anderen Botschaften an sie (die Nordvietnamesen) gesagt, die bei ihnen sehr laut und sehr deutlich angekommen sind. Es kann
also keine Frage bezüglich der grundlegenden Verständigung geben - und darum
haben wir dies getan.

Pressekonferenz vom 4. März 1971
"Ich habe bei zehn verschiedenen Anlässen erklärt...... daß wir in zweifacher Hinsicht unsere Luftmacht gegen den Norden einsetzen würden. Erstens,
daß wir jene Raketenstellungen angreifen würden, von denen her unsere Flugzeuge
beschossen werden; das ist gesehen, und wir werden dies fortsetzen. Zweitens,
daß ich Angriffe auf die Nachschubwege, die Infiltrationswege und die militärischen Komplexe anordnen würde - wie das bereits in der Vergangenheit der Fall
war - wenn nach meiner Feststellung eine verstärkte Infiltration aus Nordvietnam unsere in Südvietnam verbleibenden Truppen zu einer Zeit, da wir abziehen,
gefährdet. Ich werde das auch in Zukunft tun, wenn ich feststelle, daß eine
derartige Aktivität seitens Nordvietnams unsere verbleibenden Truppen in Südvietnam, insbesondere im Verlaufe unseres Abzuges, gefährden könnte. Die dritte
Frage ist nun, ob die Vereinigten Staaten durch den Einsatz ihrer Luftmacht
eine südvietnamesische Operation gegen Nordvietnam unterstützen könnten oder
nicht. Und die Frage darauf ist, daß ein solcher Plan in dieser Regierung nicht
erwogen wird."

Fernsehinterview

�Fernsehinterview mit dem Columbia Broadcasting System (CBS) vom 2. Januar 1972

"Frage: ... Jeder denkt an die Wiederaufnahme der ausgebreiteten Bombardierung von Nordvietnam. Können Sie uns über das, was wir bereits von den Behörden in Saigon und aus den Erklärungen von Verteidigungsminister Laird wissen, hinaus etwas über den militärischen Nutzen dieser Aktion sagen?
Antwort: Was den militärischen Nutzen anbetrifft, so lassen Sie mich zunächst erklären, warum wir es getan haben. Sie waren im Pressesaal des Weißen
Hauses wie immer anwesend, als ich die letzte Bekanntgabe über einen Truppenabzug machte, der die Zahl unserer Soldaten bis zum 1. Februar auf 139 000 Mann
senken wird. Und ich habe damals erklärt, daß ich für den Fall, daß der Gegner
seine Infiltration -verstärken oder andere Tätigkeiten beginnen würde, die nach
meiner Auffassung unsere verbleibenden und geringer werdenden Streitkräfte gefährden würden, Maßnahmen treffen würde , um mit dieser Situation fertig zu werden.
Die meisten von Ihnen haben darüber berichtet, und die meisten Korrespondenten haben darüber geschrieben. Ich habe genau das gemeint, was ich gesagt
habe. Der Gegner hat seine Infiltration verstärkt. Er hat die Absprache von
1968 verletzt, als man sich über die Einstellung der Bombardierung einigte,
und auf unsere unbewaffneten Aufklärungsflugzeuge geschossen. Der Gegner hat am
19. Dezember Saigon beschossen.
Unter diesen Umständen hatte ich keine andere Wahl, als in diesem Falle
ausgewählte militärische Ziele und Nachschubbasen zu bombardieren. Dies waren
die einzigen Gebiete, die getroffen wurden."
•Miinm

-14-

�amerika dienst
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15/1972
DER AMERIKANISCHE DOLLAR 1972
Von Dorothy Grook
WASHINGTON --(AD)— Die Unterzeichnung des Dollargesetzes durch Präsident
Nixon, durch das der Goldpreis von 35 auf 38 Dollar pro Unze Feingold heraufgesetzt wird, hat in der amerikanischen Öffentlichkeit wie auch in der Presse
kaum Beachtung gefunden.
Eine Änderung der offiziellen Dollarparität wirkt sich auf die Binnenwirtschaft praktisch nur wenig, wenn überhaupt, aus, denn Außenhandel und
sonstige Auslands-Transaktionen machen nur einen verhältnismäßig kleinen Teil
des Bruttosozialproduktes aus. Auch ist es den Amerikanern seit 1934 durch
Gesetz verboten, Goldmünzen oder Goldbarren zu besitzen. Der Wert des USDollar - wie auch jeder anderen Währung - liegt in seiner Kaufkraft. So interessiert sich denn der Amerikaner mehr für das Auf und Ab der Preise auf
dem Binnenmarkt und weit weniger für Änderungen der Devisenkurse.
Da jedoch der Dollar seit vielen Jahren die Basis für die Bewertung der
meisten ausländischen Währungen bildet, ist das Interesse an dem neuen offiziellen Goldpreis im Ausland weit größer. Der Außenhandel, der USA macht
zwar nur einen kleinen Teil des US-Bruttosozialproduktes aus, doch ist sein
Anteil am Welthandel - etwa ein Sechstel - weitaus größer.

Charakteristisch

-1-

�Charakteristisch für den US-Dollar heute ist, daß sein Goldwert zwar offiziell festgelegt, daß er jedoch nicht frei in Gold konvertierbar ist. Damit ist
der US-Dollar in dieser Hinsicht praktisch den meisten anderen Währungen gleichgestellt. Von maßgebender amerikanischer Seite ist darauf hingewiesen worden,
daß eine Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold von dem

Ergebnis der Verhand-

lungen über ein neues internationales WährungsSystem abhängig sei, das für alle
beteiligten Länder zufriedenstellend sein müsse.
Bei der Unterzeichnung des neuen Dollargesetzes hat Präsident Nixon betont,
er rechne mit dem Beginn solcher umfassenden Verhandlungen noch in diesem Jahr,
bei denen nicht nur Handelsfragen, sondern auch die Konvertierbarkeit der Währungen erörtert werden sollten. "Die Dollaranpassung", so erklärte der Präsident,
"bildet einen grundlegenden Ausgangspunkt bei den Bemühungen um eine neue Stabilität der Weltwirtschaft."
Auf der jüngsten Tagung der Finanzminister der Zehnergruppe bestand allgemeine Übereinstimmung, daß der amerikanische Dollar - wie. auch die Volkswirtschaften der westlichen Länder ganz allgemein - seit der Neufestsetzung der Wechselkurse am 18. Dezember "echte Fortschritte" zu verzeichnen hatten. Dabei wurde
auch hervorgehoben, daß die Spekulation gegen den Dollar auf den internationalen
Devisenmärkten so gut wie aufgehört habe. Als weiteres positives Zeichen wurde
die Zinsentwicklung in Europa und in den Vereinigten Staaten, die zu einer Annäherung der Zinssätze geführt habe, sowie die Entschlossenheit der Notenbanken aller
Länder gewertet, die im Dezember getroffene Übereinkunft zu unterstützen. Und es
herrschte Übereinstimmung darüber, daß die amerikanische Wirtschaft 1972 mit einem
Wachstum von fünf bis sechs Prozent, bei einer wesentlich größeren Stabilität von
Kosten und Preisen, rechnen könne.
Der Dollar und die weitere Entwicklung des Dollarkurses dürften auch ein Gesprächsthema auf der jetzt in Santiago beginnenden Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen sein, wobei den Interessen der einzelnen Entwicklungsländer im
besonderen Rechnung getragen werden dürfte. Wie bei allen Währungs- und Handelsproblemen geht es hier um wirtschaftliche Fragen, die für diese Länder von grundlegender Bedeutung sind.

„ ., .,
Zweifellos
-2-

�Zweifellos wird es eine gewisse Zeit - vielleicht bis 197A - dauern, um
die voneinander abweichenden nationalen Interessen anzugleichen, so daß alle
zufriedengestellt sind. Die gegenwärtigen Vereinbarungen sind jedoch lebensfähig und führen zu wirtschaftlichen Verbesserungen. Auch die Aussichten sind
günstig, daß die jetzt entwickelte Form der internationalen Gespräche, Verhandlungen und Zusammenarbeit zu weiteren positiven Vereinbarungen führen wird
Das Ziel ist, wie Präsident Nixon es bezeichnet hat, nicht Flickwerk, sondern
ein neues Währungssystem, das sich auf lange Zeit hinaus bewähren wird.

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3-

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15/1972

ERWEITERUNG DES GEMEINSAMEN MARKTES ERSCHWERT US-GETREIDEEXPORTE
Von Sam W.Morris

WASHINGTON —(AD)--. Die Erweiterung des Gemeinsamen Marktes im Jahre 1973,
der dann mit zehn Mitgliedsstaaten der größte regionale Handelsblock der
Welt ist, dürfte erhebliche nachteilige Auswirkungen für die amerikanischen
Agrarexporte, vor allem bei Weizen und Futtergetreide, nach Europa haben.
Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) betreibt eine gemeinsame
Agrarpolitik, die erstmals 1962 Anwendung fand und die auf einem protektionistischen System variabler Abschöpfungen sowie einer Stützung hoher Binnenpreise basiert. Die Abschöpfungen schwanken von Tag zu Tag und sollen verhindern, daß billigere Getreideimporte das Niveau der Binnenpreise stören. Die
Preisstützung der EWG beträgt zum Beispiel bei Weizen etwa drei Dollar pro
Bushel.
Da die Europäische Gemeinschaft keine offizielle Anbaukontrollen hat und
den Bauern hohe Preise garantiert, suchen diese natürlich durch Anbauerweiterung ihr Einkommen zu steigern. Diese Anbauausweitung und das Bestehen der

-1-

�der Gemeinschaft auf einem Abschöpfungsbetrag von 60 Dollar pro Tonne amerikanischen Weizens trifft den amerikanischen Export hart.
Seit 1957 unterlagen die amerikanischen Weizenverkäufe an

die Europäische

Gemeinschaft starken Schwankungen. 1957 waren es noch 188 Millionen Dollar,
1965 nur 35 Millionen Dollar. Im darauffolgenden Jahr war ein Anstieg auf 102
Millionen Dollar zu verzeichnen, doch dieser Betrag ging dann ständig wieder
zurück, bis er 1970 bei 47 Millionen Dollar lag. 1971 konnten die USA aufgrund
der schlechten siebziger Weizenernte in den EWG-Ländern wieder für 82 Millionen
Dollar Weizen dorthin ausführen.
Der Anbau von Weizen und Futtergetreide hat in der EWG so stark zugenommen,
daß die Exportabhängigkeit dieser Länder immer mehr zurückgegangen ist. Im Gegenteil hat der durch hohe Preise stimulierte Anbau bei Weizen zum Beispiel zu
beträchtlichen Überschüssen geführt, die nunmehr exportiert werden müssen.
Damit die Getreideexporte der EWG auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig sind,
wurde der Export dieser Überschüsse stark subventioniert. Ohne solche Subventionen würden sich die Getreideüberschüsse der EWG auf den Auslandsmärkten nicht absetzen lassen, da der Binnenpreis der EWG bei Weizen weit über dem Weltmarktpreis
liegt. Die Mittel für die Exportsubventionierung werden weitgehend durch die variablen Abschöpfungen aufgebracht. Einer direkten Exportsubventionierung der EWG
bei Weizen von 1,65 Dollar pro Bushel steht eine solche der USA von lediglich
13 cent pro Bushel gegenüber. Und bei Futtergetreide gibt es überhaupt keine amerikanischen Exportsubventionierungen.
Die Vereinigten Staaten sind natürlich über die Ausweitung des Getreideanbaus in der EWG beunruhigt. Und wenn die EWG auf zehn Länder erweitert ist, die
Handelspräferenzen auf sieben weitere europäische Länder ausgedehnt werden und
die gemeinsame EWG-Agrarpolitik trotz aller Einwände unverändert bleibt, dann
befürchtet man in Washington, daß der Gemeinsame Markt bis 1980 bei allen Getreidearten nahezu autark sein wird. Dies würde für die Vereinigten Staaten den
Verlust eines ihrer wichtigsten Exportmärkte bedeuten.
Vor
-2-

�Vor einigen Wochen hat die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft den Importzoll für amerikanischen Mais um 11 Prozent erhöht, was von dem amerikanischen
Landwirtschaftsminister Earl L. Butz scharf kritisiert worden ist. Rund 40 Prozent der amerikanischen Maisexporte gehen in die EWG-Länder. Butz hatte diesen
Schritt der EWG als eine schwere Enttäuschung und einen Rückschlag für den Welthandel bezeichnet und betont, daß diese 11 prozentige Zollerhöhung noch zu der
Mehrbelastung für amerikanischen Mais von 20 bis 30 Prozent aufgrund der Neufestsetzung der Wechselkurse hinzukomme.
Eine kürzliche amerikanische Studie deutete an, daß der Bedarf der EWG an
Importgetreide bis zum Jahre 1980 - gegenüber 1970/71 - um fast 20 Millionen
Tonnen zurückgehen wird. Die zu erwartenden großen Überschüsse der EWG bei einzelnen Getreidearten, so heißt es in der Studie, seien eine ernste Herausforderung für die traditionellen Exportländer wie die USA, Kanada, Argentinien und
Australien und würden zu einem zusätzlichen Druck auf die Weltmärkte und einem
hieraus resultierenden Preisverfall führen.
Die Rekordweizenernte des Jahres 1971 hatte die EWG bereits gezwungen, die
Überschüsse durch zusätzliche Exporte abzubauen. Die Vereinigten Staaten, aber
auch Kanada, Argentinien und Australien, hatten sich nachdrücklich gegen dieses
ungewöhnlich starke "Dumping" verwahrt. In den jüngsten Handelsgesprächen konnten dann die amerikanischen Vertreter die EWG dazu bewegen, freiwillig einen
größeren Teil ihrer Überschüsse einzulagern, statt sie zu Dumpingpreisen auf
die Weltmärkte zu werfen.
Aber nicht nur die Nachfrage nach amerikanischem Weizen hat in Europa nachgelassen, sondern auch

bei Futtergetreide hat die EWG ihre Selbstversorgung

von rund 80 Prozent im Jahre 1956 auf 85 Prozent im Jahre 1970 steigern können,
obwohl der Futtergetreidebedarf der EWG-Länder in dieser Zeit um rund 58 Prozent zugenommen hat. Ja, seit 1966, dem letzten Jahr vor Inkrafttreten der
genieinsamen EWG-Agrarpolitik konnten die Vereinigten Staaten aus dem ständig
steigenden Futtergetreidebedarf der EWG-Länder aufgrund des Protektionismus

�Protektionismus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft keinen Nutzen mehr
ziehen.
Während infolge der ständig steigenden Einkommen auf der Welt und der
hieraus resultierenden qualitativen Verbesserung der Ernährung der weltweite Bedarf an Futtergetreide laufend zunimmt, dürften die hohen Binnenpreise der erweiterten EWG und die ausbleibende Umstrukturierung der Landwirtschaft dieser
Länder das künftige Wachstum ihrer Futtermittelimporte einschränken. Allerdings
könnte der wachsende Futtermittelbedarf in Japan und in Asien diesen Ausfall
für den amerikanischen Export zum Teil wieder wettmachen. Auch rechnen die Vereinigten Staaten damit, künftig mehr Futtergetreide nach der Sowjetunion, nach
Osteuropa und vielleicht auch nach der Volksrepublik China exportieren zu kennen.
Da die Bauern in den EWG-Ländern für ihr Getreide infolge der Subventionen
einen höheren Preis als auf dem Weltmarkt erzielen und aufgrund der variablen
Abschöpfungen gegen den Importwettbewerb abgeschirmt sind, ist es für die USA
schwer, in Europa ins Geschäft zu kommen. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Zoll-und Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, hat erst kürzlich
wieder darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten von der EWG eine Reorganisation ihrer Agrarpolitik wünschten, damit die vollen Kosten von den Bauern
dieser Länder selbst getragen werden und nicht noch die Bauern anderer Länder
die Kosten und Schwierigkeiten der Anpassungen mit übernehmen müssen. Wörtlich
sagte Eberle: "Wenn Länder unrationell erzeugte Überschüsse aufweisen, dann
sollte es eine multilaterale Zusammenarbeit hinsichtlich der Einlagerung und
der Verwendung geben. Ist jedoch die EWG der Ansicht, sie müsse aus politischen
Gründen bestimmte Methoden zur Stützung des Agrareinkommens verfolgen, dann sollte sie auch Schritte unternehmen, um sicherzustellen, daß die Auswirkungen auf
andere Länder neutralisiert werden."
In der letzten Verhandlungsrunde mit der EWG haben die Vereinigten Staaten
versucht, diese zu einer Senkung ihrer grundlegenden Preisstützung und zu einer
stärkeren Zurückhaltung bei der Preissubventionierung zu bewegen. Die Vereinigten

-4-

�Vereinigten Staaten würden anstelle der Preisstützung direkte Zuwendungen an
die Bauern lieber sehen. In diesem Zusammenhang wird amerikanischerseits darauf
verwiesen, daß die Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren eine ähnliche
Preisstützung für die Landwirtschaft hatten, wie es sie jetzt in der EWG gibt,
daß die USA diese jedoch dann zugunsten direkter Zuwendungen an ihre Farmer aufgegeben haben. Auf diese Weise würden die amerikanischen Farmer heute veranlaßt,
ihren Anbau besser der tatsächlichen Nachfrage anzupassen.
Während die von der EWG angewandte Preisstützung zu einer Stimulierung des
Anbaus führe, benutzten die Vereinigten Staaten diese direkten Zuwendungen dazu,
die Farmer zu einer Einschränkung des Anbaus zu bewegen; hier liege, so wird
betont, der entscheidende Unterschied.
Die Handhabung der Zoll-und der nicht zollursächlichen Handelsschranken
durch die EWG behindere, so wird von amerikanischen Experten betont, den US-Handel und verhindere den Zugang amerikanischer Agrarexporte zum Europäischen Markt
zu solchen Bedingungen, wie sie den europäischen Exporten nach den USA eingeräumt werden. Die USA gestatteten fast allen ausländischen Agrarimporten einen
völlig unbehinderten Zugang zum amerikanischen Markt. Allerdings sei die EWG
nicht die einzige regionale Handelsorganisation, die protektionistische Maßnahmen aufweise und eine Handelsliberalisierung behindere, so wird weiter erklärt. Der Welthandel werde vielmehr heute in einer Atmosphäre abgewickelt, in
der durch Subventionen die Binnenpreise hoch und die Verbraucherpreise niedrig
gehalten, während die Importe durch Restriktionen eingeschränkt und Anreize
für die Ausweitung des Exports gewährt würden. Das Ergebnis seien im Gegensatz
zueinander stehende nationale Preis-und Handelsstrukturen, von denen viele im
Hinblick auf die Weltmarktpreise für Getreide völlig unrealistisch seien.

-5-

�t

I

&gt; a m e r i k a dienst
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53

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300

Technik

08-85432

15/1972
APOLLO-NACHRICHTEN
—(AD)-- Kurz vor Antritt des Rückflugs zur Erde am 25. April wird die
Besatzung von APOLLO 16 einen kleinen Forschungssatelliten freisetzen. Er
ist genau so gebaut und ausgerüstet wie der Kunsttrabant des Mondes, den
die APOLLO 15-Besatzung am 4. August 1971 im Mondorbit zurückließ. Etwa
sechs Monate lang übermittelte er Meßdaten über Magnetfeld, Schwerefeld
sowie die Dichte von Elektronen und Protonen.
Der 36 kg schwere neue "Subsatellit", wie ihn die Weltraumbehörde
NASA bezeichnet, soll den Mond in Höhen zwischen 102 und 139 km umkreisen.
Der größte Teil der Instrumente befindet sich in einem sechseckigen Behälter
von 79 cm Länge und 36 cm Durchmesser, dessen Außenflächen mit Sonnenzellen
besetzt sind. Sie liefern den Betriebsstrom und laden die Batterien immer
wieder auf, so daß nicht nur im Sonnenlicht, sondern auch auf der Nachtseite des Mondes fortlaufend beobachtet werden kann.
Der Subsatellit rotiert in seiner Umlaufbahn mit 12 Umdrehungen pro
Minute. Da das Magnetometer an einem eineinhalb Meter langen Ausleger angebracht ist, wurden zum Ausgleich dafür zwei weitere Ausleger von gleicher
Länge eingebaut, um die Flugstabilität zu sichern. Die bei einem Umlauf gesammelten Meßdaten werden in regelmäßigen Abständen zur Erde gefunkt und
im Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien) ausgewertet.

+
Expeditionen

�Expeditionen zum Mond in Zahlen
APOLLO-Flug
Jahr
Datum
Flugdauer
(Stund.:Min )

11

12

14

15

16

1969

1969

1971

1971

1972
(geplant)

16.-24.7.

14.-24.11.

31.1.-9.2.

26.7.-7.8.

16.4.-28.4.

195:18

244:36

216:02

295:12

290:36

43 900

43 945

44 550

46 818

46 786

550

558

-1
Gewicht des Raumschiffs mit Mondfähre (in kg)
auf dem Mond abgesetzte Nutzlast
(in kg)

104

166

209

21:36

31:31

33:31

66:54

72:58

Aufenthalt außerhalb der Mondfähre
(Stund.:Min.)

2:24

7:29

9:23

18:33

21:00

im Gelände zurückgelegte Strecken
(in km)

0,25

2,0

3,3

27,9

25,7

20,7

34,1

42,8

76,6

88,6

30

45

34

74

75

Aufenthaltsdauer
auf dem Mond
(Stund.:Min.)

zurückgebrachte Boden-und Gesteinsproben (in kg) »
Mondumkre i sungen
insgesamt

�Das Magnetfeld des Mondes ist für die Forschung noch immer ein Rätsel.
Vor der ersten Landung von Menschen auf dem Mond war angenommen worden, daß die
in Mondnähe (vor allem durch EXPLORER 35) ermittelten Meßwerte in erster Linie
auf interplanetare Magnetfelder zurückzuführen seien und der Mond - wenn überhaupt - nur ein äußerst schwaches Magnetfeld haben könne. Aber die ersten Messungen an Ort und Stelle, die Untersuchung der Bodenproben und die Signale von den
Magnetometern, die am Landeplatz von APOLLO 12 und 15 von den Astronauten zurückgelassen wurden, zeigen deutlich, daß auch an der Oberfläche des Mondes zwar
schwache, aber doch eindeutig feststellbare magnetische Feldstärken vorhanden
sind.
Die Reaktionen des Mondmagnetfeldes mit dem Sonnenwind sind jedoch völlig
andere als die Wechselwirkungen zwischen diesem Wind, d.h. dem

von der Sonne

ständig abströmendem Plasma, und dem Tausendmal stärkeren irdischen Magnetfeld.
Dieses wird unter dem "Druck" des Sonnenwindes auf der Tagseite gestaucht (auf
ca. 60 000 km zusammengepresst), auf der Nachtseite dagegen mehr als 700 000 km
weit in den Raum hinaus verlängert. In der Randzone der "magnetischen Schale"
der Erde kommt es zu Turbulenzen, dann folgt im Übergangsbereich zum Eigenmagnetfeld der Erde, zur sogenannten Magnetosphäre, eine magnetisch neutrale Zone.
Auf dem Mond dagegen dringt der Sonnenwind auf der Tagseite bis zur Oberfläche
vor - sofern sich der Mond auf seiner 28-Tage-Wanderung nicht gerade auf der
Nachtseite der Erde innerhalb von deren Magnetosphäre befindet - und verstärkt
vermutlich das Eigenmagnetfeld, so daß im "Windschatten" auf der Nachtseite niedrigere Werte gemessen werden. Diese entsprechen jedenfalls dem Eigenmagnetfeld
des Mondes, das Rückschlüsse auf physikalische Eigenschaften des Mondinnern zuläßt.
Die magnetische Feldstärke ist jedoch örtlich verschieden. Am Landeplatz
von APOLLO 12 beträgt sie 38 Gamma, während die APOLLO 14-Mannschaft mit einem
tragbaren Magnetometer z.B. an einem Punkt 103 Gamma, 1 200 m entfernt davon
jedoch nur 43 Gamma ermittelte (Erdmagnetfeld zum Vergleich: ca. 60 000 Gamma

-3-

�Gamma an den Polen, 30 000 Gamma am Aequator). Die APOLLO 16-Astronauten
Young und Duke werden wiederum ein stationäres Magnetometer installieren und bei
Exkursionen ein ortsbewegliches Instrument mitführen, um örtliche Veränderungen
der Feldstärke an der Oberfläche zu registrieren. Darüberhinaus nehmen sie eine
Gesteinsprobe vom APOLLO 12-Landeort für die Dauer ihres Aufenthaltes mit auf
den Mond und bringen sie wieder zur Erde zurück. Die vier Gramm

schwere Probe,

die in den letzten zwei Jahren gründlich untersucht wurde, besaß anfangs eine
"weiche" und eine "harte" Magnetisierungskomponente. Die weiche Komponente
wurde durch Behandlung im elektrischen Wechselfeld entfernt, die harte Komponente dagegen blieb erhalten. Ist die Probe nach der Rückkehr vom Mond wieder
mit einer "weichen" Magnetisierungskomponente aufgeladen, so wird das als Anzeichen dafür gewertet, daß diese ursprünglich gar nicht vom Mond, sondern aus
interplanetaren Magnetfeldern oder von der Erde stammte. Fehlt die weiche Komponente jedoch, so dürfte sie, als sie zum ersten Mal ermittelt wurde, tatsächlich
lunaren Ursprungs gewesen sein.

I I I I M I I I I l-l 1 4 1

-4-

�</text>
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                <text>Amerikadienst 12.04.1972</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertrag über das Verbot der Anwendung bakteriologischer Kampfmittel unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Nixon würdigt Bedeutung des Abkommens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Einstellung der Bombardierung Nordvietnams 1968 und die Warnungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenstellung von Erklärungen maßgebender US-Politiker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Dollar 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dorothy Crook&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erweiterungen des Gemeinsamen Marktes erschwert US-Getreideexporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam W. Morris&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO-Nachrichten</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

12. A p r i l 1989

15
INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Leichter Anstieg terroristischer Gewalttaten im Jahr 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

Kontrollen für amerikanische Exporte
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums

Hills begrüßt Durchbrüche in vier Bereichen des GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

'

Unschuldige Opfer mütterlichen Fehlverhaltens
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft Grundstoffe für Drogenproduktion künftig streng kontrolliert

* * * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'^7

^

&lt;Ä&lt;

Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

LEICHTER ANSTIEG TERRORISTISCHER GEWALTTATEN IM JAHR 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Einem neuen Bericht des amerikanischen Außenministerium zufolge stieg die Zahl terroristischer Gewalttaten in aller Welt im Jahr
1988 um lediglich drei Prozent von 832 Anschlägen im Jahr 1987 auf 856. Der
am 11. April 1989 vom Büro für Terrorismusbekämpfung des Ministeriums veröffentlichte Bericht mit dem Titel "Globale Muster des Terrorismus: 1988"
stellt fest, daß erneut der Nahe Osten Zentrum terroristischer Aktivitäten
war. 313 Anschläge oder 36 Prozent aller weltweit begangenen terroristischen
Gewalttaten wurden in dieser Region verübt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung zu diesem Bericht im Wortlaut :

Das Jahr im Überblick
Der Umfang der weltweiten terroristischen Aktivitäten blieb im Jahr
1988 nahezu unverändert und stieg gegenüber dem Jahr 1987, in dem 832
terroristische
Gewalttaten
verübt
worden waren, um drei Prozent auf 856
(i) Vorfälle an.
Erneut lag der
Schwerpunkt
internationaler
terroristischer Aktivität im Nahen Osten,
wo 313 Anschläge verübt wurden - 36
Prozent aller weltweit verübten Verbrechen dieser Art. Wenn man die vom
Nahen
Osten
ausgehenden
Anschläge
hinzuzählt, steigt der Anteil der mit
dieser Region verbundenen
Vorfälle
sogar auf 41 Prozent (ein Rückgang um
15
Prozent
gegenüber
1987).
Den
zweiten Platz mit 194 Anschlägen oder
22 Prozent nahm wiederum Asien ein,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

was hauptsächlich auf die hohe Zahl
afghanischer Terroranschläge auf Ziele in Pakistan zurückzuführen ist.
Westeuropa
lag mit 150 Anschlägen
wiederum an dritter Stelle, und Lateinamerika belegte mit 146 Vorfällen
den vierten Platz.
Afrika blieb an
fünfter Stelle mit 52 Anschlägen oder
sechs Prozent.
In Osteuropa wurden
im Jahr 1988 keinerlei Anschläge international operierender Terroristen
verzeichnet.
Drei
"spektakuläre"
Anschläge
wurden im Jahr 1988 von Terroristen
ausgeführt - die Entführung einer kuwaitischen Passagiermaschine im April, der Anschlag auf ein griechisches Ausflugsschiff vor der Küste
Griechenlands im Juli sowie höchstwahrscheinlich der Bombenanschlag auf

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Pan Am-Flug 103 über Schottland im
Dezember.
Bei den Großoperationen
setzte sich jedoch der schon 1987
verzeichnete Trend nach unten weiter
fort.
Die Hauptfaktoren für das
schwächere Anwachsen des internationalen Terrorismus im Jahr 1988 waren:
- Anhaltende
Verbesserungen
beim
physischen Schutz staatlicher und
privater Einrichtungen erschwerten die Zielauswahl für Terroristen.
- Westliche und andere Staaten profitierten von ihrer Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung der vergangenen Jahre und
konnten weitere Terroristen festnehmen.
- Einige staatliche Förderer des
Terrorisraus, zum Beispiel Syrien
und Irak, scheinen ihre direkte
Beteiligung
am Terrorismus im
Jahr 1988 erheblich verringert zu
haben, obwohl beide Staaten weiterhin terroristischen Organisationen Unterschlupf und Ausbildung zur Verfügung stellen.
(i) Der Borabenanschlag auf den
Pfa Am-Flug 103 vom 21. Dezember 1988
wurde in diese Statistik einbezogen,
well alle bis zu diesem Zeitpunkt
vorhandenen Beweise auf einen terroristischen Anschlag hindeuten.
Ein
krimineller Sabotageakt kann jedoch
nicht völlig ausgeschlossen werden.
Die Ermittlungen dauern an, und bis
heute konnten noch keine definitiven
Schlußfolgerungen
gezogen
werden.
Durch den Anschlag wurden 270 Menschen getötet, darunter 189 Amerika:ier.
Die Aktivitäten von Milizionären
im Libanon wirkten sich weiterhin
schwächend auf die Fähigkeiten interna r.ional operierender terroristischer
Grippen aus, Operationen in Übersee
durchzuführen.
Der iranische Beschluß zur Beendigung des Krieges gegen den Irak und
zur Ausweitung der Beziehungen mit

dem Westen führte zu einer zumindest
zeitweisen Verringerung der iranischen Beteiligung am Terrorismus, obwohl Teheran weiterhin den Terrorismus als Mittel seiner Politik einsetzt - möglicherweise auch durch die
Ausübung erheblichen Einflusses auf
diejenigen, die amerikanische Bürger
im Libanon als Geiseln halten. Wir
können jedoch nicht ausschließen, daß
der Iran seine Unterstützung des Terrorismus wieder ausweiten wird, um
damit zu versuchen, angesichts des
Rückschlags im Golfkrieg sein revolutionäres Gesicht in Übersee zu wahren.

»

Trotzdem erreichte die Gesamtzahl
der terroristischen Anschläge im Jahr
1988 eine neue Rekordhöhe. Terroristen haben weiterhin das Potential,
Umfang und Wirkungsweise ihrer Aktivitäten aufrechtzuerhalten. überdies
wurde durch den höchstwahrscheinlich
von Terroristen verübten Anschlag auf
Pan Am-Flug 103 erneut die Fähigkeit
der Terroristen mit aller Schärfe
verdeutlicht, Sicherhe3 tsvorkehrungen
durch sorgfältige Planung zu überwinden. Streitigkeiten unter Rivalen im
Nahen Osten - von denen viele in der
Vergangenheit
den
internationalen
Terrorismus als politisches Instrument gegen ihre Nachbarn benutzt haben - könnten zu einem Wiederaufleben
der Gewalttätigkeiten führen.
Die Provisional Irish Republican
Army (PIRA) war erneut eine der aktivsten separatistischen Gruppen in
Europa.
Bei den separatistischen
Gruppen in Europa waren keinerlei Anzeichen festzustellen, die auf ein
Nachlassen des Einsatzes terroristischer Gewalt hindeuteten, obwohl ihre Fähigkeiten durch wirksame polizeiliche
Maßnahmen
stark
eingeschränkt wurden. Andere westeuropäische Organisationen, wie etwa die
Rote Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland und die Roten
Brigaden (BR) bildeten weiterhin eine
Bedrohung, während die Gruppe 17. November in Griechenland ihre Aktivitäten ausweitete und unter anderem den
amerikanischen
Verteidigungsattache
ermordete. Rebellen in Lateinamerika

- 2 -

1

�und dem Fernen Osten wandten sich
verstärkt dem städtischen Terrorismus
zu.
Afghanistan scheint weiterhin
willens zu sein, den Terrorismus gegen Pakistanis zu benutzen.
Bei den im Jahr 1988 verzeichneten 856 Anschlägen international operierender Terroristen wurden 658 Personen getötet und 1 131 verletzt,
einschließlich der verletzten Terroristen. Bei der Zahl der Todesopfer
bedeutet dies gegenüber 633 im Jahr
1987 eine Zunahme, für die hauptsächlich der Bombenanschlag auf den Pan
Am-Flug 103 verantwortlich ist. Die
Zahl der Verletzten nahm jedoch gegenüber den 2 272 Personen im Jahr
1987 ab. Abgesehen von der Pan AmKatastrophe ging die Zahl der Opfer
zurück, was auf die Abnahme der Anschläge nahöstlicher Terroristen und
der von Afghanistan ausgehenden Anschläge in Pakistan zurückzuführen
ist. Obwohl nur ein vergleichsweise
geringer Anteil von Anschlägen dort
begangen wurde, erlebte Afrika bei
der Zahl der Opfer eine der höchsten
Zuwachsraten - fast 60 Prozent gegenüber der Gesamtzahl des Jahres 1987,
von 163 auf 259 Getötete und Verletzte. Der Terrorismus im Nahen Osten
und die von ihm ausgehenden Anschläge
in der übrigen Welt verursachte den
Ton von 356 Personen und Verletzungen
von 319.
Die Vereinigten Staaten mußten im
Jahr 1988 im Ausland erheblich mehr
terroristische Anschläge und Todesopfer hinnehmen, was darauf hindeutet, daß sie weiterhin ein bevorzugtes Ziel für den internationalen Terrorismus darstellen.
Die Zahl der
Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen nahm in allen Regionen zu
und stieg von 149 im Jahr 1987 auf
185, insgesamt gab es 192 Tote und 47
Verwundete. 1987 wurden sieben Amerikaner getötet und 47 verwundet.
Wie schon 1987 fanden die meisten Anschläge gegen amerikanische Bürger
und Einrichtungen - 60 Prozent - in
Lateinamerika statt. Etwa 20 Prozent
der gegen die Vereinigten Staaten gerichteten Anschläge wurden in Asien,

zehn Prozent im Nahen Osten und neun
Prozent in Westeuropa verübt. In Afrika wurde ein Anschlag ausgeführt.
In insgesamt 68 Ländern wurden
Bürger und Einrichtungen aus 79 Ländern Zielscheibe des internationalen
Terrorismus. Terroristen verüben ihre Anschläge zumeist - 77 Prozent aller Anschläge weltweit - weiterhin
auf die am wenigsten geschützten Ziele, wie Geschäfte und Touristen. Die
Übergriffe auf Regierungseinrichtungen und andere staatliche Ziele nahmen in nur geringem Umfang ab - von
25 Prozent aller Anschläge im Jahr
1987 auf 23 Prozent im Jahr 1988.
Viele Anschläge wurden auf Personen
verübt und betonen damit die Notwendigkeit besserer Kenntnis von persönlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Terroristische Anschläge richteten sich
in geringerem Umfang gegen zivile
Einrichtungen der Streitkräfte (ii),
38 Mal im Jahr 1988 gegenüber 88 Mal
im Jahr 1987 - was zum Teil auf die
stark verschärften Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen ist und auch
einen Wandel in der ideologischen
Ausrichtung vieler Gruppen widerspiegelt, der ihr Interesse an solchen
Zielen abklingen läßt.
(ii) Dies sind terroristische Anschläge, da das angegriffene Personal
oder die Einrichtungen der Streitkräfte sich nicht im Kampf befinden.
Ein Beispiel hierfür ist die Ermordung des amerikanischen Verteidigungsattaches Captain William Nordeen
in Athen im Juni 1988, der Bombenanschlag auf eine Fernmeldeeinrichtung
der US-Air Force in Spanien im April
1988 und die Ermordung von vier USMarines außer Dienst in einem Strassencafe in San Salvador im Juni 1985.
Die Anzahl der Anschläge variierte nach Art und Weise gegenüber 1987
nur wenig. Terroristen verübten zumeist Bombenattentate (48 Prozent aller Übergriffe), den zweiten Platz
nahmen Brandanschläge ein (28 Prozent),
dahinter
lagen
bewaffnete
Übergriffe (15 Prozent). Terroristen
bedienten sich 1988 in geringerem Um-

- 3 -

�fang (vier Prozent) der Entführung
als ihrem Mittel zum Zweck, die meisten Entführungen (12 von 32 insgesamt weltweit) wurden in Lateinamerika durchgeführt, eine Veränderung gegenüber 1987, wo der Nahe Osten an
erster Stelle stand (mit 30 von 53
Entführungen).
Der
internationale
Terrorismus
wird weiterhin in erheblichem Umfang
staatlich gefördert. 1988 war jedoch
hier ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Einige wichtige Länder im
Nahen Osten, die Anschläge terroristischer Vereinigungen in hohem Maße
gefördert haben, suchen ihre Beteiligung mit Stellvertretern und anderen
Mitteln zu verbergen. Anschläge mit
nachweislicher staatlicher Beteiligung gingen von 189 im Jahr 1987 auf
177 im Jahr 1988 zurück und nahmen
somit um sieben Prozent ab. Von Afghanistan unterstützte internationale
Terroranschläge machten dabei 1988
mit 124 den größten Teil aus, gegenüber 125 im Jahr 1987 und 29 im Jahr
1986.
Unserer Ansicht nach gingen internationale Terroranschläge dreier
Länder, die sich am stärksten internationalem Druck ausgesetzt sahen Tran, Libyen und Syrien - zurück.
1983 wurden dem Iran 32 Anschläge zugeschrieben, gegenüber 45 im Jahr
1.987, was hauptsächlich auf das Ende
des Krieges mit dem Irak und Bemühungen um westliche Wirtschaftshilfe zurückzuführen ist. Libyen soll 1988
an sechs Anschlägen beteiligt gewesen
sein und unterstützt weiterhin Extremisten und terroristische Vereinigungen. Über eine direkte Beteiligung der syrischen Regierung an Anschlägen dieses Jahres liegen keine
Beweise vor. Wir wissen noch nicht,
welche Rolle sie unter Umständen beim
Absturz des Pan Am-Fluges 103 gespielt haben könnten.
Zehn Länder waren Schauplätze von
etwa 75 Prozent aller Anschläge des
Jahres 1988. Gestaffelt nach Häufigkeit sind dies Israel, der GazaStreifen
und
das
West-Jordanland

(insgesamt 29 Prozent), Pakistan (15
Prozent), Kolumbien (zehn Prozent),
Spanien
(sieben Prozent), Libanon
(drei
Prozent),
Bundesrepublik
Deutschland
(drei
Prozent)
sowie
Zimbabwe, Südkorea, Peru und Frankreich (jeweils zwei Prozent).
Die Zahl der vom Nahen Osten aus
verübten Anschläge außerhalb dieser
Länder ging 1988 auf 45 zurück (gegenüber 50 im Jahr 1987) - wenn jedoch das Bombenattentat auf den Pan
Am-Flug 103 dem Nahen Osten zugeschrieben werden kann, steigt damit
die Zahl der Todesopfer erheblich.
In Westeuropa wurden 30 Anschläge
verübt, die meisten davon in Ländern,
in denen Gruppen aus dem Nahen Osten
seit mehreren Jahren aktiv sind.
Acht Anschläge wurden in der Türkei
verübt,
jeweils
vier
in Zypern,
Frankreich
und
der Bundesrepublik
Deutschland, drei in Großbritannien,
jeweils einer in der Schweiz, in Dänemark, Griechenland, Italien, Norwegen, Spanien und Portugal. Bei den
Anschlägen in Westeuropa gab es 291
Tote - einschließlich der 189 amerikanischen Bürger auf dem Pan Am-Flug
103 - und 147 Verwundete. Im Jahr
1987 wurden in der Region von Terroristen aus dem Nahen Osten 19 Personen getötet und 47 verwundet. Vier
Anschläge in Lateinamerika fielen mit
dem zweiten Jahrestag des amerikanischen Luftangriffs auf Libyen zusammen. Die Hauptverdächtigen wurden
bereits in der Vergangenheit von Libyen unterstützt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

KONTROLLEN FÜR AMERIKANISCHE EXPORTE
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die im April vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Richtlinien dienen als Leitfaden für außenpolitische Entscheidungen der Vereinigten Staaten.
Die Bush-Administration hat sich
der Förderung amerikanischer Exporte
verschrieben.
Exporte schaffen Arbeitsplätze und Gewinne und dank der
Exporte können wir lebenswichtige Güter zur Befriedigung der Binnennachfrage importieren.
Die Vereinigten
Staaten verhängen jedoch bestimmte
Kontrollen, um sicherzustellen, daß
die Exporte im Einklang mit ihrer
Außenpolitik
stehen.
Die meisten
Kontrollen erstrecken sich auf Geräte
und Technologie, die für die Volkswirtschaft des importierenden Landes
von Bedeutung sind. Sie machen dem
Wert nach weniger als fünf Prozent
der derzeitigen amerikanischen Exporte aus.

von 1979 weltweit und/oder landesweit
auf zehn Zielbereiche Anwendung.

Kontrollen für Gerät, das für
Terroranschläge verwendet werden kann
Im Rahmen der ihm gemäß Abschnitt
6 (j) des EAA verliehenen Befugnis
hat der Außenminister Kuba, Iran,
Libyen, Nordkorea, Syrien und die
Volksrepublik Jemen zu Ländern erklärt, die wiederholt den internationalen Terrorismus unterstützt haben.
Über für sie bestimmte Produkte sind
umfangreiche, landesspezifische Exportkontrollen verhängt worden.

Diese außenpolitischen Kontrollen
finden gemäß dem Export-Gesetz (EAA)

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Kontrollen für Gerät, das bei
Verbrechen elgesetzt werden kann
Diese Kontrollen regeln den Export von Instrumenten und Gerät zur
Verbrechenskontrolle
und -ermittlung
und der damit verbundenen Technologie
weltweit, mit Ausnahme der NATO-Mitgliedstaaten sowie Japan, Australien
und Neuseeland. Im allgemeinen werden Lizenzen vergeben, es sei denn,
Bedenken liegen gegen die Regierung
des importierenden Landes bezüglich
einer Verletzung der Menschenrechte
vor
(zum Beispiel Südafrika und
Chile).

Kontrolle der regionalen Stabilität
Exporte von zur Herstellung von
Waffen und militärischem Gerät verwendeten Produkten werden überprüft,
im sicherzustellen, daß solche Exporte die Stabilität der Region oder des
Bestimmungslandes nicht unterminieren.

Kontrollen für die Bekämpfung der
Apartheid
Die Vereinigten Staaten verbieten
den Export von Ausrüstungsgegenstände
für Militär und Polizei nach Südafrika und Namibia, ferner den Export von
Computern an Regierungsbehörden, die
eine Politik der Apartheid durchführen, Einrichtungen für Herstellung
und Verwendung von nuklearem Material
und alle Güter, die unter das obligatorische Waffenembargo der Vereinten
Nationen fallen. (Das Finanzministerium verbietet den Import von 13 Warenkategorien aus Südafrika, einschließlich landwirtschaftlicher Produkte, Eisen, Stahl, Uran und Gold in
allen Erscheinungsformen).

Kontrolle von Raketentechnik
Die Vereinigten Staaten helfen
anderen Länder bei der friedlichen
Nutzung und Erforschung des Weltraums, suchen aber die Entwicklung
von Trägersystemen für Waffen einzu-

dämmen. Die Vereinigten Staaten beschränken weltweit den Export von
vielseitig verwendbaren Ausrüstungsgegenständen und Materialien, die ihrem Chrakter nach kommerziell sind,
aber auch der Entwicklung von Raketensystemen dienen könnten.

Kontrollen der Vorläufer chemischer
und biologischer Waffen
Die Vereinigten Staaten kontrollieren gemeinsam mit ihren Verbündeten den weltweiten Export von neun
chemischen Verbindungen, die bei der
Herstellung chemischer Waffen Anwendung finden können. Zusätzlich wird
der Export von 31 chemischen Verbindungen in genau bezeichnete Bestimmungsländer kontrolliert.
Gegenwärtig ist der Export aller 40 chemischen Verbindungen in den Iran, Irak,
nach Libyen und Syrien verboten.
Ähnliche Kontrollen gelten für viele
Arten von Bakterien, Pilzen, Einzellern, Toxinen, Viren und Giften.

Kontrolle von Atomenergie
Die Vereinigten Staaten leisten
anderen Ländern bei der friedlichen
Nutzung ihrer Kernenergie aktive Hilfestellung, suchen aber gleichzeitig
die Verbreitung von Kernwaffen einzudämmen. Aus diesem Grunde kontrollieren die Vereinigten Staaten Exporte von Waren oder Technologie, die
bei mißbräuchlicher Verwendung im Importland zur Herstellung von nuklearen SprengsäLzen
verwendet werden
könnte. Das Gesetz zur Atomenergie
mit seiner Zusatzklausel über nukleare Nicht-Weiterverbreitung
schreibt
diese Kontrolle vor. Bevor die Vereinigten Staaten den Export gestatten, wird überprüft, wie das Exportgut möglicherweise verwendet wird, ob
die Regierung des Käuferlandes den
Vertrag über die Nicht-Weiterverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet hat
und ob angemessen gewährleistet werden kann, daß die Güter oder das daraus hergestellte atomare Material
nicht etwa zur Entwicklung von Kernwaffen benutzt werden.

2 -

�Kontrollen für knappe Güter

Kontrollen des Finanzministeriums

Kontrollen sind gelegentlich notwendig, um die Binnenwirtschaft vor
einem übermäßigen Abfluß knapper Materialien zu schützen. Der Kongreß
hat per Gesetz dem Export von Rohöl
und Erdgas, raffinierten Mineralölund Gasprodukten, von Helium, Ammonium und unverarbeiteten Rotzedernstämmen aus dem Westen sowie dem Export von Pferden auf dem Seeweg (um
die nichtgenehmigte Schlachtung im
Ausland zu verhindern) Beschränkungen
auferlegt.

Die meisten Handels- und Finanztransaktionen mit Kambodscha, Cuba,
Libyen, Nordkorea und Vietnam unterliegen vom Finanzministerium verhängten Embargos.
Dieses kontrolliert
den direkten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Nicaragua sowie
einen Teil der finanziellen Transaktionen mit Panama und Südafrika.
Ferner regelt es bestimmte Importe
aus dem Iran und Südafrika.

Leitlinien für Exporteure
Kontrollen für Supercomputer
Aus außenpolitischen Gründen verlangen die Vereinigten Staaten weltweit die individuelle Genehmigung für
Exporte \ron Supercomputern.

Exporteure sollten die einschlägigen Exportrichtlinien (U.S. Export
Administration Regulations) in der
Ausgabe von 1988-89 studieren. Informationen über die Handels- und Finanzkontrollen für Kambodscha, Cuba,
Iran, Libyen, Nicaragua, Nordkorea,
Panama und Vietnam sind beim Office
of Foreign Assets Control des amerikanischen Finanzministeriums erhältlich.

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

**

12. April 1989

15

HILLS BEGRÜSST DURCHBRÜCHE IN VIER BEREICHEN DES GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen WASHINGTON - (AD) - Nach Beendigung der Genfer GATT-Zusammenkunft erklärte die amerikanische Handelsbeauftragte, Botschafterin Carla Hills, in einer
am 8. April 1989 von ihrem Büro veröffentlichten Stellungnahme, der starke
Wunsch aller Teilnehmerstaaten bei den Handelsgesprächen der Uruguay Runde in
Genf zu deren erfolgreichem Abschluß habe zu einem Durchbruch bei "Rahmen"Vereinbarungen in den Bereichen Landwirtschaft, geistiges Eigentum, Textil und
Bekleidung sowie Importschutzklauseln geführt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text von Hills Stellungnahme sowie
eine Zusammenfassung der vier Vereinbarungen:

Die amerikanische Handelsbeauftragte Carla Hills kündigte heute
eine Vereinbarung über die Grundlagen
für abschließende Maßnahmen im Rahmen
der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche an, die im Dezember
1990 abgeschlossen sein soll.
In
dieser Woche sind Unterhändler aus
über 100 Ländern im Sitz des GATT in
Genf zusammengetreten, um ein Paket
von "Rahmenvereinbarungen" auszuarbeiten, die in der Endphase dieser
wichtigen Handelsgespräche zur Stärkung der Regeln im Welthandel als
Leitlinien dienen sollen.
Die Zusammenkünfte zwischen hochrangigen Ländervertretern zielten auf
Abschlüsse in Teilbereichen des Zwischenbilanzprozesses ab, die bei Beendigung
der Ministergespräche im

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Embassy of the United States of America

vergangenen Dezember in Montreal offen geblieben waren. Bei den diese
Woche stattfindenden Gesprächen wurden die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten in vier Teilvereinbarungen - Landwirtschaft, geistiges
Eigentum
und
Importschutzklauseln
beigelegt.
Die Unterhändler haben
sich auf elf weitere Rahmenvereinbarungen geeinigt, die in Montreal ausgearbeitet wurden, die Resolution zu
den vier Abschlußvereinbarungen jedoch "bis auf weiteres" vertagt.
Zum Ergebnis der Zusammenkünfte
äußerte sich Botschafterin Hills wie
folgt:
"Wir freuen uns, daß der tote
Punkt der Zwischenrunde überwunden
ist. Aufgrund des starken Wunsches

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Telex: 8-85432

�aller Länder, hier Erfolge zu erzielen, ist uns ein Durchbruch gelungen
(...)
Vor uns liegen schwierige Verhandlungen, aber wir haben jetzt einen Rahmen geschaffen, der intensivere Verhandlungen zulassen wird, die
den von den Vereinigten Staaten in
der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen förderlich sind. (...)
Wenn
wir in jedem der 15 Verhandlungsbereiche ein Schlußabkommen erzielen
können, wird das Welthandelssystem
erheblich gestärkt werden. Dies erfordert aber bindende Verpflichtungen
unserer Handelspartner, keine einseitigen Konzessionen der Vereinigten
Staaten. (...)
In der Landwirtschaft
muß das Schlußabkommen grundlegende
Reformen in allen Ländern hervorbringen.

multilateralen
unterbreiten.

Die in dieser Woche erzielten
vier Vereinbarungen enthalten folgende Punkte:

Dieses Abkommen ist insofern von
Bedeutung, als es die Verhandlungen
über handelsbezogene Rechte an geistigem Eigentum (TRIPS) aus der verfahrensmäßigen Sackgasse geführt hat,
in der sie seit Anbeginn steckten.
Der Rahmen bietet eindeutige Richtlinien für die Unterhändler, daß Verhandlungen in Richtung auf ein umfassendes Abkommen über TRIPS folgendes
beinhalten sollten: 1. angemessene
und umfangreiche Normen für geistiges
Eigentum, 2.
wirksame Mittel zur
Durchsetzung dieser Normen und 3.
wirksame und unverzügliche Schlichtungsverfahren.

Landwi rt schaf t
Das Agrarabkommen umreißt Umfang
und Verfahren für die in den kommenden 18 Monaten stattfindenden Verhandlungen.
Das langfristige Ziel
dieser Verhandlungen besteht in einem
stufenweisen maßgeblichen Abbau der
Agrarsubventionen und protektionistischen Maßnahmen, der Restriktionen
und Verzerrungen der internationalen
Agrarmärkte beheben und verhindern
wird.
Alle Maßnahmen, die direkt
oder indirekt Importzugang und Exportwettbewerb betreffen, müssen während der letzten Sitzungsrunden auf
den Verhandlungstisch gelegt werden.
Vor Ablauf dieses Jahres werden die
Teilnehmer Vorschläge unterbreiten,
um ein faires und marktorientiertes
Agrarhandelssystem sowie die vorgeschlagenen Bestimmungen und Verfahrensweisen zur Regelung des neuen Systems zu verwirklichen. Die Teilnehmer werde bis zu diesem Zeitpunkt
ferner ihre Vorschläge zur Harmonisierung der Hygienevorschriften für
pflanzliche und tierische Produkte
und der vorgeschlagenen Methoden zur
Verbesserung des damit verbundenen

Schlichtungsverfahrens

Die Minister verständigten sich
außerdem darauf, im Jahr 1991 mit der
Verwirklichung der langfristigen Reform zu beginnen.
Kurzfristig besteht Einigung dahingehend, die Subventionen und protektionistischen Maßnahmen im Inland
und für Exporte auf dem Niveau von
1989 oder darunter zu halten. Bis
Oktober dieses Jahres werden die Minister Einzelheiten des beabsichtigten Subventionsabbaus und der Schutzmaßnahmen für 1990 vorlegen.

Geistiges Eigentum

Diese Verhandlungen sind für die
Vereinigten Staaten ein Schlüsselelement der Verhandlungen der UruguayRunde.
Unser Ziel besteht darin,
durch ein solches Abkommen die durch
das Fehlen von angemessenem und wirksamem Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum auf der ganzen Welt verursachten Verzerrungen und Behinderungen des internationalen Handels anzusprechen.
Wirtschaftliche Verluste
aufgrund des Fehlens solcher Schutzmaßnahmen beliefen sich einer Studie
der
amerikanischen
internationalen
Handelskommission aus dem Jahr 1988
zufolge im Jahr 1986 auf schätzungsweise 43 bis 61 Milliarden Dollar.

�Die Bestrebungen der Vereinigten
Staaten, diese Verhandlungen voranzubringen, wurden durch das aktive Interesse und die Beteiligung von Kongreß und Privatsektor vehement unterstützt. Aufgrund dieser gemeinsamen
Bemühungen nimmt das Bewußtsein für
die Bedeutung von angemessenem und
wirksamem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum in den Vereinigten
Staaten und im Ausland zu. Das Beharren der Vereinigten Staaten, dieses Thema im GATT anzusprechen, wird
jetzt von einer maßgeblichen Zahl
ihrer Verhandlungspartner unterstützt.

Textilien und Bekleidung
Der vereinbarte Text zu Textilien
und Bekleidung erkennt die Bedeutung
dieses Sektors in der Uruguay-Runde
an und spiegelt die Übereinkunft aller Teilnehmer wider, substantielle
Verhandlungen über Modalitäten zu
führen, die letzten Endes die Integration dieses Bereichs gemäß der
Vereinbarung von Punta del Este im
Jahr 1986 in das GATT gestatten könnten.
Jegliche Integration dieser Art
müßte eine erhebliche Stärkung der
GATT-Regelungen und Ordnungen enthalten, wenn diese von Handelspraktiken
im
Textilbereich
betroffen
sind.
Solche Regelungen und Ordnungen sollen zusätzlich in der Uruguay-Runde
ausgehandelt werden.

Mitleidenschaft gezogen wurden. Seit
vielen Jahren wird von den Vertragsparteien des GATT anerkannt, daß die
Verfügungen von Artikel XIX eindeutiger gefaßt werden müssen.
Die zu den Schutzmaßnahmen vereinbarte Sprachregelung erlaubt Fortschritte bei der Arbeit dieser Verhandlungsgruppe ohne die Position der
Teilnehmer im Hinblick auf das Hauptthema der Verhandlungen zu präjudizieren. Die Vereinbarung sieht eine
Frist für die Erstellung eines Textentwurfs bis Juni vor, der während
der Restdauer der Uruguay-Runde als
Verhandlungsgrundlage
dienen
soll.
Die Delegationen werden ermuntert, so
bald wie möglich ihre eigenen Vorschläge zu unterbreiten, möglichst
bis Ende April.
Das Rahmenabkommen unterstreicht
die Bedeutung, die dem Abschluß einer
Gesamtvereinbarung zur Schaffung multilateraler Kontrolle über Schutzklauseln zukommt, darunter sogenannte
"Grauzonen-Maßnahmen", die zur Zeit
keiner multilateralen Kontrolle unterliegen. Das Ziel der Verhandlungen besteht darin, solche Maßnahmen
entweder multilateraler Kontrolle zu
unterwerfen oder sie zu beseitigen.

Die Teilnehmer bekräftigten, daß
Verhandlungen in diesem Bereich zur
weiteren Liberalisierung des Handels
beitragen und sich alle Teilnehmer
(Industrie- und
Entwicklungsländer)
um eine Verbesserung der Situation im
Handel bemühen sollten.

Schutzklauseln
Artikel XIX des GATT enthält Verfahren zur Gewährung befristeter Maßnahmen gegen Importe, um diejenigen
heimischen Industriezweige zu schützen, die von Importen ernsthaft in
- 3 -

* * * * * *

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Ott

VON

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. April 1989

15

UNSCHULDIGE OPFER MÜTTERLICHEN FEHLVERHALTENS
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft -

WASHINGTON - (AD) - Über die schädlichen Auswirkungen von Marihuana- und
Kokain-Konsum während der Schwangerschaft auf das Baby gibt es mittlerweile
Informationen genug - von der katastrophalen Wirkung von Herion gar nicht zu
reden. Aber woran liegt es, daß die Appelle der Mediziner an die Verantwortung der Schwangeren in den Wind gesprochen scheinen?

Hochgerechnet aus den Ergebnissen
von Untersuchungen in 36 amerikanischen Kliniken dürften in den USA
jährlich etwa 375 000 Babies zur Welt
kommen, die daran leiden müssen, daß
ihre Mütter Kokain nahmen, Marihuana
und Zigaretten rauchten und nicht auf
Alkohol verzichteten. Und nur selten
sind diese Gifte einzeln wirksam.
Die Regel ist vielmehr die Kombination, noch verstärkt durch den Umstand, daß solche Schwangere meist
nicht auf ordnungsgemäße Ernährung
achten. Und da die Kokainwelle inzwischen Europa erreicht hat, ist
hier mit ähnlichen Problemen zu rechnen.
Die Ergebnisse der bisher umfassendsten, mit wissenschaftlichen Untersuchungen auch zu den variablen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Faktoren aufs Beste belegten amerikanischen Studie zu diesem Komplex wurden im renommierten "New England
Journal of Medicine" (Ausgabe 23.
März 1989) veröffentlicht. In einem
telefonischen Interview von USIA (USInformationsamt, Washington) mit Dr.
Barry Zuckerman (Boston) plädierte
der Forscher für spezielle Hilfeprogramme, die es suchtstoffabhängigen
Schwangeren leichter machen, auf Drogen und für das Kind gefährliche Genußmittel zu verzichten. Zuckerman,
Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Abteilung Entwicklungsund Verhaltenspädiatrie am "Boston
City Hospital", hatte diese Studie
geleitet. Insgesamt waren 1226 Frauen während der Schwangerschaft und
nach der Geburt des Kindes sowie besonders gründlich - die Babies in

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�die Untersuchungen einbezogen.
Durch Befragen der werdenden Mütter und die Analyse von Urinproben
wurde ermittelt und nachgewiesen, ob
sie Marihuana oder Kokain konsumierten.
Außerdem waren Zigarettenrauchen und Alkohol wichtige Punkte.
Mit den Urinuntersuchungen wurden
auch jene Frauen erfaßt, die Drogenkonsum nicht zugeben wollten. Die
Stoffwechselprodukte
von
Marihuana
können sieben bis zehn Tage, die von
Kokain bis zu drei Tage nach Aufnahme
der Drogen im Urin nachgewiesen werden. Das fettlösliche Kokain schadet
dem Fötus auf ganz besondere Weise:
Es überwindet mit Leichtigkeit die
Plazenta, aus der der Fötus ernährt
wird. Sein wasserlösliches Nebenprodukt aus dem fetalen Stoffwechsel,
Norcocain, verbleibt
über längere
Zeit in der Amnionflüssigkeit und
wird vom Fötus aufgenommen, ausgeschieden und von neuem aufgenommen.
Geringeres
Gewicht,
geringere
Körpergröße und, bei Kokainmißbrauch,
auch kleinerer Schädelumfang des Kindes sind jetzt erwiesen. Zuckerman
und Mitarbeiter fanden durchschnittliche Minus-Werte bei Babies, deren
Mütter Marihuana genommen hatten, von

79 Gramm für Gewicht und 0,5 Zentimeter für die Körperlänge, bei Kindern
von
Kokain-Konsumentinnen
von
93
Gramm beim Gewicht und 0,7 Zentimeter
bei der Körpevlänge, dazu von 0,43
Zentimeter bei der Kopfgröße.
In der letztgenannten Gruppe seien bereits unmittelbar nach der Geburt Auswirkungen auf die neurologischen Funktionen zu erkennen, sagte
Prof Zuckerman. Die Babies scheinen
sehr leicht irritierbar zu sein, was
die Pflegeperson und damit auch deren
Beziehung zum Kind stark belasten
könne.
Verhaltensstörungen in der
weiteren Entwicklung seien zu befürchten. Die Sterblichkeitsrate untergewichtiger Babies sei größer, der
plötzliche Kindstod häufiger.
Die
Gefahr von Mißbildungen an den Genital- und Harnwegsorganen einschließlich der Nieren ist bei Kokainbabies
erhöht.
Neurologische Ausfälle und
Anomalien sind jedoch besonders häufig. Bei einer der zahlreichen Einzelstudien zeigte sich, daß mit einer
entsprechenden vom Arzt und von Eltern angewandten Therapie Verhaltensstörungen und motorische Probleme etwas gemildert werden können.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

12. April 1989

15

GRUNDSTOFFE FÜR DROGENPRODUKTION KÜNFTIG STRENG KONTROLLIERT

WASHINGTON - (AD) - Mit Inkrafttreten der neuen Durchführungsbestimmungen
zum Chemikalien-Gesetz von 1988 drei Monate nach deren Veröffentlichung Ende
April dürfte die illegale Drogenherstellung erheblich schwieriger werden.
Chemiefirmen sind dann verpflichtet, über Lieferungen Buch zu führen und bestimmte Transaktionen der DEA (U.S. Drug Enforcement Administration - US-Bundesbehörde für Strafverfolgung von Drogendelikten) zu melden.
Die Bestimmungen sollen das Abzweigen legaler chemischer Stoffe für
die Produktion illegaler Drogen verhindern. Sie verpflichten Verteiler,
Importeure und Exporteure von 20 bestimmten Chemikalien dazu, über den
Verkauf bei Überschreiten einer bestimmten Menge Buch zu führen, ihre
Kunden zu nennen, verdächtige oder
ungewöhnliche Aufträge dem Justizministerium zu melden und im voraus
Einfuhren und Exporte anzumelden.
Der Justizminister, der dem DEA untersteht, kann Importe und Exporte
stornieren, wenn er zu der Schluß
kommt, "daß solche Lieferungen zur
heimlichen Herstellung einer der Kontrolle unterliegenden Substanz abgezweigt werden können".
Die Buchführung

über Transaktio-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen erleichtert es den Mitarbeitern
der Strafverfolgungsbehörden, den Weg
gewisser Chemikalien zur ursprünglichen Quelle zurückzuverfolgen und
Beweismaterial für Gerichtsverfahren
zu sichern. Drogenhändler verschaffen sich solche Chemikalien von Lieferanten, die möglicherweise die wahren Motive ihrer Kunden nicht kennen
oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen. Außerdem gebe es, wie Gene R.
Haislip von der DEA sagte, eine kleine Zahl "wilder Chemiefirmen", die
nur die Aufgaben haben, Chemikalien
an Drogenproduzenten zu verkaufen.
Diese Transaktionen werden auf ganz
ähnliche Weise getarnt - man könnte
auch sagen: 'gewaschen' - wie Gewinne aus dem Rauschgifthandel.
'Bis jetzt gab es in den USA kein

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�Bundesgesetz für Kontrollen über chemische Grundstoffe oder Chemikalien,
die für bestimmte Prozesse wichtig
sind", sagte Robert Angarola, ein Anwalt, der sich auf die Rechtslage im
Zusammenhang mit Lebensmitteln und
Suchtstoffen spezialisiert hat. Zwar
erwägen einige Bundesstaaten entsprechende Gesetze, jedoch hat bisher nur
Kalifornien eine solche Regelung in
Kraft gesetzt.
Die DEA-BeStimmungen gehen laut
Angarola auch weit über das hinaus,
was die USA im Rahmen der Konvention
von Wien der Vereinten Nationen (vom
Dezember 1988) zur Bekämpfung des
Handels mit Suchtstoffen zu unternehmen hätten. Artikel 12 der Konvention verpflichtet jedes Land, alle
Maßnahmen zu ergreifen, "die es für
angemessen hält", um das Abzweigen
von Chemikalien für die illegale Herstellung von Suchtstoffen zu verhindern. Die USA sollten andere Signatarstaaten auch künftig drängen, dieser Verpflichtung nachzukommen. Als
größter Konsument solcher illegalen
Produkte müßten sie konkret demonstrieren, daß sie selbst aktiv sind.
Auf der anderen Seite könnten sich
daraus jedoch Einschränkungen für die
amerikanische
Industrie ergeben
Einschränkungen, die andere Staaten
möglicherweise scheuen würden.

Um die Chemiefirmen nicht mit bürokratischer Arbeit zu überlasten,
setzte die DEA, die für die praktische Durchführung
des Programms
verantwortlich "'-3t, eine Art Schwellenwert fest - d.h. höchstzulässige
Mengen, über die nicht Buch geführt
werden muß. Auch können Firmen weiterhin mit "regulären Kunden" nach
Abgabe nur eines Berichtes Geschäfte
tätigen. Die Vertraulichkeit in bezug auf Geschäftsgeheimnisse und finanzielle Informationen bleibt bei
Anwendung des Gesetzes gewahrt. Um
es voll auszuschöpfen, müsse jedoch
auch der Zoll mitarbeiten, um unvollständig ausgefüllte Dokumente ausfindig zu machen und jene herauszufinden, die sich dem Gesetz entziehen
wollen.
Haislip verlangte außerdem
den Auf- und Ausbau internationaler
Kontrollen in anderen Ländern ähnlich
jenen, die in den USA entwickelt werden.

* * * * * *

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                <text>Amerikadienst 12.04.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leichter Anstieg terroristischer Gewalttaten im Jahr 1988&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kontrollen für amerikanische Exporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hills begrüßt Durchbrüche in vier Bereichen des GATT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der GATT-Vereinbarungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unschuldige Opfer mütterlichen Fehlverhaltens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grundstoffe für Drogenproduktion künftig streng kontrolliert</text>
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V I O N **

Herausgeber: U.S. Information Service ^ 1
Embassy of the United States of America

l ^ ^ ^ ^ ^ r "

"
Z12462 C

14

12. April 1995

.

NW

KEIN EINSATZ VON NUKLEARWAFFEN
GEGEN NICHTATOMWAFFENSTAATEN DES
NW
Erklärung des Präsidenten, Außenministers
und Übersicht
N W SOLLTE BESTANDTEIL DES INTERNATIONALEN SICHERHEITSSYSTEMS SEIN
von John Holum

UMWELT

DIE ENTSCHEIDENDE ROLLE DER WISSENSCHAFT BEI DER LÖSUNG VON UMWELTPROBLEMEN
Rede von Vizepräsident AI Gore

TAG DER ERDE

COLLEGESTUDENTEN WERBEN FÜR DEN
25. TAG DER ERDE
Neue Umweltschutzgesetzgebung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�NW
12. April 1995

Clinton: Kein Einsatz von Nuklearwaffen gegen
Nichtatomwaffenstaaten des N W
Erklärung des Präsidenten, Außenministers und Übersicht
WASHINGTON - (AD) - In einer am 5. April 1995 herausgegebenen Erklärung bekräftigte Präsident Clinton,
die Vereinigten Staaten würden keine Nuklearwaffen gegen nicht im Besitz von Atomwaffen befindliche Staaten
einsetzen, die dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) angehören.
Die einzige Ausnahme wäre dem Präsidenten zufolge eine Invasion oder ein Angriff auf die Vereinigten
Staaten, ihre Territorien, ihre Streitkräfte oder andere Truppen, ihre Verbündeten oder auf einen Staat,
gegenüber dem sie eine Sicherheitsverpflichtung haben, die von einem solchen Nichtatomwaffenstaat im
Bündnis mit einem Atomwaffenstaat durchgeführt werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine von US-Außenminister Warren Christopher abgegebene Erklärung, die
die Erklärung des Präsidenten sowie eine Übersicht des Außenministeriums enthält.

Aus der Sicht der Vereinigten Staaten stellen der
universelle Beitritt zu internationalen Abkommen und
Verträgen zur Verhinderung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen sowie ihre Einhaltung einen Eckpfeiler globaler Sicherheit dar. Der
Vertrag über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen
ist zentraler Bestandteil dieses Regimes. Am 1.
März 1995 hielt Präsident Clinton in Washington aus
Anlaß des 25. Jahrestages des N W am 5. März
1995 eine Rede. Am 17. April beginnt in New York
eine Konferenz über die Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags. Die Vereinigten Staaten erachten
die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung
des Vertrags über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen als oberste nationale Priorität und werden
weiterhin alle entsprechenden Bestrebungen zu
deren Erlangung unternehmen.
Es ist von Bedeutung, daß alle Parteien des Nichtverbreitungsvertrags ihre Vertragsverpflichtungen
erfüllen. In diesem Zusammenhang müssen die
Unterzeichnerstaaten des Nichtverbreitungsvertrags
im Einklang mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts diese Verpflichtungen
erfüllen, um Anspruch auf jegliche aus der Unterzeichnung des Vertrags resultierende Vorteile zu
haben.
Als Atomwarfenstaat haben die Vereinigten Staaten
ihre mit dem Vertrag einhergehenden Pflichten sowie

AMERIKA DIENST 14

die Notwendigkeit konsequent anerkannt, den besonderen Bedürfnissen der Nichtatomwaffenstaaten des
N W durch Maßnahmen Rechnung zu tragen, die
ihren legitimen Sicherheitsanliegen entsprechen. Zu
diesem Zweck ordnete der Präsident die Überprüfung
der amerikanischen Politik über Sicherheitszusagen
für solche Nichtatomwaffenstaaten an und verfügte,
daß mit anderen Nichtatomwaffenstaaten Konsultationen über dieses wichtige Thema geführt werden.
Unter Berücksichtigung des oben genannten gibt der
Präsident folgende Erklärung ab:
Die Vereinigten Staaten bekräftigen erneut, daß sie
ihre Atomwaffen nicht gegen Nichtatomwaffenstaaten
des Nichtverbreitungsvertrags einsetzen, außer im
Fall einer Invasion oder eines Angriffs auf die Vereinigten Staaten, ihre Territorien, ihre Streitkräfte oder
andere Truppen, ihre Verbündeten oder auf einen
Staat, gegenüber dem sie eine Sicherheitsverpflichtung haben, die von einem solchen Nichtatomwaffenstaat im Bündnis mit einem Atomwaffenstaat durchgeführt werden.
Aggression mit Hilfe von Kernwaffen oder die Androhung solch aggressiver Akte gegenüber einem
Nichtatomwaffenstaat des N W würden eine qualitativ
neue Situation scharfen, in der die im Besitz von
Atomwaffen befindlichen Ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats im Rahmen des Sicherheitsrats

Seite 1

�und im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen umgehend handeln müßten, um die zur Eindämmung einer solchen Aggression oder Abwendung der Androhung einer solchen Aggression
erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Jeder
Staat, der vom Einsatz nuklearer Waffen begleitete
aggressive Akte begeht oder damit droht, muß sich
bewußt sein, daß seinen Aktionen durch im Einklang
mit der UN-Charta stehende wirksame Maßnahmen
begegnet wird, um die Aggression zu unterdrücken
oder ihre Androhung abzuwenden.
Die Nichtatomwaffenstaaten des N W haben einen
berechtigten Wunsch nach Zusicherungen, daß der
UN-Sicherheitsrat und vor allem seine im Besitz von
Atomwaffen befindlichen Ständigen Mitglieder
umgehend im Einklang mit der Charta handeln, falls
diese Nichtatomwaffenstaaten Opfer einer Aggression oder Objekt einer Androhung von Aggression
sind, bei der Kernwaffen eingesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Absicht, im
Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen
jedem Nichtatomwaffenstaat des N W umgehend
Hilfe oder Unterstützung zukommen zu lassen, der
Opfer einer Aggression oder Objekt einer Androhung
von Aggression ist, bei der Kernwaffen eingesetzt
werden.
Zu den dem UN-Sicherheitsrat bei der Unterstützung
eines solchen Nichtatomwaffenstaats des N W zur
Verfügung stehenden Mitteln gehören die Prüfung
der Situation sowie der Einsatz angemessener Mittel
zur Schlichtung der Streitigkeiten sowie zur Wiederherstellung von Weltfrieden und Sicherheit.
Die UNO-Mitgliedstaaten sollten angemessene
Maßnahmen als Reaktion auf ein Ersuchen um
technische, medizinische, wissenschaftliche oder
humanitäre Hilfe durch einen Nichtatomwaffenstaat
des N W durchführen, der Opfer einer Aggression
mit Nuklearwaffen ist, und der Sicherheitsrat sollte
erwägen, welche Maßnahmen im Falle eines solchen aggressiven Akts erforderlich sind.
Der Sicherheitsrat sollte Empfehlungen für ein
entsprechendes Verfahren als Reaktion auf jegliches
Ersuchen durch einen Nichtatomwaffenstaat des
N W geben, der Opfer eines solchen aggressiven
Akts ist, wie eine Entschädigung entsprechend dem
Völkerrecht für aus diesem aggressiven Akt resultierende Verluste, Schäden oder Verletzungen erfolgen
kann.
Die Vereinigten Staaten bekräftigen das in Artikel 51
der Charta der Vereinten Nationen anerkannte
naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur

Seite 2

Wahrung des Weltfriedens und der internationalen
Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat.
Übersicht des Außenministeriums
In einer am 1. März 1995 gehaltenen Rede erklärte
der Präsident, nichts sei in diesem für Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung entscheidenden Jahr
wichtiger als die unbegrenzte und bedingungslose
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags.
In
diesem Zusammenhang überprüften die Vereinigten
Staaten im vergangenen Jahr ihre Politik der Gewährung von Sicherheitszusagen an Nichtatomwaffenstaaten des N W und begannen Konsultationen
mit den anderen Atomwaffenstaaten des N W , um
eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Am heutigen Tag gab der Außenminister eine Erklärung über
Sicherheitszusagen ab, welche die erste umfassende
Erklärung eines Präsidenten der Vereinigten Staaten
zu diesem wichtigen Thema umfaßt und unseres
Erachtens einen bedeutenden Fortschritt darstellt.
Die Veröffentlichung der Erklärung des Präsidenten
wurde heute nachmittag von Außenminister Christopher bekanntgegeben.
Hintergrund
Seit Aufnahme der Verhandlungen über den N W in
den sechziger Jahren haben viele Nichtatomwaffenstaaten deutlich gemacht, daß sie im Gegenzug zum
Verzicht auf Nuklearwaffen bestimmte Zusagen von
Seiten der Atomwaffenstaaten erwarten. Es war nicht
möglich, eine solche Bestimmung in den N W aufzunehmen, aber 1968 verkündeten die Vereinigten
Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, sie
würden unverzügliche Aktionen des Sicherheitsrats
anstreben, um jedem Nichtatomwaffenstaat des N W ,
der mit Nuklearwaffen bedroht wird oder Opfer einer
solchen Aggression ist, im Einklang mit der UNCharta Hilfe zu gewähren.
Diese sogenannten
positiven Sicherheitszusagen wurden vom Sicherheitsrat in seiner am 19. Juni 1968 angenommenen
Resolution 255 "begrüßt".
Im Zusammenhang mit weiteren Anliegen auf diesem
Gebiet gaben die Vereinigten Staaten, Großbritannien
und die Sowjetunion 1978 eine gegen den Einsatz
von Nuklearwaffen gerichtete Politik gegenüber den
Nichtatomwaffenstaaten des N W bekannt. Rußland
machte 1993 eine neue negative Sicherheitszusage,
die der von Großbritannien und den Vereinigten
Staaten verfolgten Politik inhaltlich näherstand.
Frankreich und China traten dem N W 1992 bei, und
vor ungefähr einem Jahr begannen sich alle fünf
Atomwaffenstaaten des N W bei am Rande der
Genfer Abrüstungskonferenz abgehaltenen Konsultationen mit der Frage von Sicherheitszusagen zu

AMERIKA DIENST 14

�befassen. Ein Ergebnis dieser Bestrebungen war
die Übereinkunft, daß jeder Staat eine nationale Erklärung abgeben würde, deren Veröffentlichung für
diese Woche geplant ist.
Erklärung des Präsidenten
Die Erklärung des Außenministers beginnt mit einer
Bekräftigung der Verpflichtung der Administration
zum N W und seiner unbegrenzten bedingungslosen
Verlängerung. Ferner unterstreicht sie die Bedeutung einer Einhaltung des N W sowie der Notwendigkeit, sich mit Möglichkeiten für den Umgang mit
den berechtigten Sicherheitsanliegen der Nichtatomwaffenstaaten des N W zu befassen. Sie stellt
fest, daß der Präsident eine Überprüfung der amerikanischen Politik über Sicherheitszusagen anordnete
und leitet die Erklärung ein.
Der Präsident erklärt, daß die Vereinigten Staaten
außer unter bestimmten Bedingungen keine Atomwaffen gegen Nichtatomwaffenstaaten des N W einsetzen. Diese Erklärung ist eine Bekräftigung der
seit langer Zeit bestehenden Politik der Vereinigten
Staaten auf diesem Gebiet und steht vollkommen im
Einklang mit ihren Bündnisverpflichtungen. Die
Sprachregelung dieser negativen Sicherheitszusage
ist praktisch identisch mit derjenigen, die heute von
Großbritannien, Frankreich und Rußland herausgegeben werden soll. Viele Nichtatomwaffenstaaten
des N W haben die Atomwaffenstaaten seit langem
gedrängt, eine gemeinsame Formel für negative
Sicherheitszusagen zu finden. Die Tatsache, daß
vier der fünf Atommächte das bereits getan haben,
ist eine bedeutende Leistung. China wird seine
eigene Erklärung abgeben.

Der Präsident erklärt ferner, daß die Vereinigten
Staaten im Einklang mit der Charta der Vereinten
Nationen sofortige Hilfe oder Unterstützung für jeden
Nichtatomwaffenstaat des N W leisten, dem eine
Aggression mit Nuklearwaffen angedroht wird oder
der Opfer einer solchen Aggression ist.
Diese
Erklärung bekräftigt erneut die 1968 erstmals von den
Vereinigten Staaten eingegangene Verpflichtung und
ist expliziter. Diese revidierte positive Sicherheitszusage der Vereinigten Staaten unterstreicht das
1968 abgegebene Versprechen durch Präzisierung
der Art von Hilfe, die der UN-Sicherheitsrat unter
solchen Umständen in Erwägung ziehen würde.
Einige Nichtatomwaffenstaaten des N W haben seit
langem auf eine solche Präzisierung gedrängt, um
diese Zusagen glaubwürdiger zu gestalten. Die
Sprachregelung für diese positive Sicherheitszusage
ist in einem von allen fünf Atommächten unterstützten
Resolutionsentwurf des UN-Sicherheitsrats enthalten,
der in New York geprüft wird. Frankreich und China
geben in nationalen Erklärungen, die diese Woche
veröffentlicht werden sollen,
erstmals ebenfalls
positive Sicherheitszusagen ab.
Schlußfolgerung
Die Administration vertritt die Ansicht, daß die von
allen fünf Atommächten abzugebenden nationalen
Erklärungen, ihre gemeinsame Unterstützung einer in
New York zu erörternden Resolution des Sicherheitsrats über Sicherheitszusagen sowie die gemeinsame, von vier oder fünf Atommächten erzielte
negative Sicherheitszusage zusammengenommen
eine substantielle Reaktion auf den Wunsch vieler
Nichtatomwaffenstaaten des N W nach gestärkten
Sicherheitszusagen darstellen.
Dieses Ergebnis
bekräftigt das internationale nukleare Nichtverbreitungsregime und verdient die Unterstützung aller
Parteien des N W .

* *

AMERIKA DIENST 14

*

Seite 3

�NW
12. April 1995

N W sollte Bestandteil des internationalen
Sicherheitssystems sein
von John Holum
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S.
Arms Control and Disarmament Agency - ACDA).

Die internationale Staatengemeinschaft sollte der
unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrags (NW) oberste Priorität
bei der Rüstungskontrolle einräumen.
Die im
April/Mai bevorstehende Entscheidung ist die historischste, mit der sich die meisten von uns je konfrontiert sahen.
Der N W dient zwei sich gegenseitig verstärkenden
Zielen - nuklearer Nichtverbreitung und Abrüstung durch das Abwägen positiver sowie negativer Rechte
und Pflichten. Wie Sie wissen, ist der N W gleichzeitig ein Abkommen über den Verzicht auf Nuklearwaffen, ein Abkommen, das Nukleareinrichtungen für
friedliche Zwecke internationale Sicherheitsvorschriften auferlegt, ein Abkommen zur Beendigung
des Wettrüstens und über das Streben nach nuklearer Abrüstung sowie ein Abkommen, das technische
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung von
Atomenergie fördert.
Ich möchte zu Beginn meiner Ausführungen erläutern, warum wir dem Vertrag so hohen Wert beimessen. Mit seinem Inkrafttreten im Jahr 1970 wurde
das Entstehen eines Atomwaffenstaats von einem
Akt des National stolzes zu einer Verletzung des
Völkerrechts. Und dieses Gesetz besitzt noch heute
Gültigkeit.
Während der sechziger Jahre, als der N W ausgehandelt wurde, prognostizierten viele, bis heute
würde es 20 bis 30 erklärte Atomwaffenstaaten
geben. Zuverlässigen Schätzungen zufolge sind
jetzt über 40 Staaten im Besitz der erforderlichen
technischen und wirtschaftlichen Ressourcen.
Aber es gibt noch immer nur fünf Nuklearwaff enstaaten - die gleiche Anzahl wie zu Inkrafttreten des N W
- und drei "Schwellenländer".

Das NW-System wurde in den vergangenen Jahren
durch den Beitritt von Argentinien, Algerien, China,
Frankreich, Südafrika, dem Baltikum und nahezu
allen neuen unabhängigen Staaten, darunter Belarus,
Kasachstan und die Ukraine, sowie den Verzicht auf
Atomwaffen der Länder Chile und Brasilien erheblich
erweitert. Mit bis heute über 170 Vertragsparteien
erfreut sich der N W der umfassendsten Mitgliedschaft aller Rüstungskontrollabkommen der Geschichte.
Der N W bietet auch unerläßliche Unterstützung für
die friedliche Nutzung von Atomenergie unter effektiven internationalen Sicherheitsvorschriften. Ohne ihn
könnte ein Großteil der inzwischen zur Routine
gewordenen Zusammenarbeit unmöglich werden.
Da der N W globale Reichweite hat, setzt er die
grundlegenden rechtlichen Normen und den politischen Rahmen für alle Fälle, die der internationalen
Staatengemeinschaft größte Sorge bereiten.
Der wirkliche Wert des N W findet jedoch in der
Gruppe von Staaten seinen Niederschlag, die in den
NW-Diskussionen nahezu vollständig ignoriert
werden - den Staaten, für die Nuklearwaffen kein
Thema sind, weil sie nukleare Nichtverbreitungsverpflichtungen eingegangen sind und eingehalten
haben.
Die größten Leistungen des N W sind
unsichtbar und bestehen darin, daß Schlimmes
verhindert, Nuklearmaterial nicht umgeleitet wird und
Waffen nicht produziert werden.
Ohne den N W müßte man davon ausgehen, daß mit
der Zeit viele dieser schlimmen Dinge geschehen
würden - und Dutzende Staaten versuchen könnten,
sich mit ihren Nuklearvorhaben vor einer unsicheren
Zukunft zu schützen.
Einige Staaten beschweren sich, der N W sei "diskriminierend", weil er fünf Nuklearmächte akzeptiert

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�und alle anderen ausschließt. Der Vertrag schafft
jedoch keine "Begünstigten" und "Habenichtse" im
Hinblick auf Nuklearwaffen. Er reflektierte nur diese
ererbte Realität - und trug zur Beendigung eines
tödlichen Trends in diese Richtung bei - während er
gleichzeitig alle Parteien einschließlich der Atomwaffenstaaten zum Streben nach nuklearer Abrüstung
verpflichtet.
Das Gewicht von Rüstungskontroll-, Nichtverbreitungs- und Abrüstungsabkommen liegt nicht in ihrem
Egalitarismus, sondern ihrem Beitrag zur internationalen Sicherheit.
Tatsache ist, wenn die Welt heute auf einer reflexiven nuklearen Gleichberechtigung bestehen würde,
wäre das Resultat wahrscheinlich eine Nivellierung
nach oben, nicht nach unten: Nicht eine von Nuklearwaffen befreite Welt, sondern eine Welt vieler
Nuklearwaffenstaaten.
Ein weiteres Argument lautet, die unbegrenzte
Verlängerung würde Nuklearwaffen für alle Zeit
legitimieren. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
In den vergangenen Jahren haben wir und die
ehemalige Sowjetunion im Rahmen des NW
über 2.500 Mittelstreckenraketen beseitigt und
eine ganze Klasse von Waffensystemen außer
Dienst gestellt,
einseitig die Verlegung und Zerstörung von
weiteren Tausenden taktischer Nuklearwaffen
beschlossen,
im Vertrag über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) und im START Il-Abkommen
vereinbart, über 17.000 Nuklearwaffen von
Raketen und Bombern zu entfernen.
Die Forderung des NW nach einem Ende des
Wettrüstens wurde erfüllt. Der Wettlauf besteht jetzt
darin, die Streitkräfteniveaus so schnell, sicher und
zuverlässig wie möglich zu verringern.
Die Überprüfung des nuklearen Einsatzkonzepts der
Vereinigten Staaten bestätigt, daß Nuklearwaffen
heute eine kleinere Rolle in unserer Sicherheitsstrategie spielen als je zuvor seit ihrer Erfindung.
Seit 1988 haben wir unser gesamtes aktives Arsenal
um 59 Prozent, unsere strategischen Gefechtsköpfe
um 47 Prozent und die nichtstrategischen Gefechtsköpfe um bemerkenswerte 90 Prozent reduziert. Die
Vereinigten Staaten zerlegen ungefähr 2.000 Nuklearwaffen pro Jahr - die höchste Rate, die technische
Begrenzungen gestatten.

Seite 2

Beim Gipfeltreffen in Washington im September 1994
wiesen die Präsidenten Clinton und Jelzin ihre
Experten an, ihren Dialog über die Entwicklung
konkreter Schritte zur Anpassung der Nuklearstreitkräfte und Praktiken beider Seiten an die veränderte
internationale Sicherheitssituation zu intensivieren,
einschließlich der Möglichkeit weiterer Reduzierungen
der Nuklearstreitkräfte nach der Ratifizierung von
START II. Sie vereinbarten ferner die Beschleunigung des Inkrafttretens von START und die Deaktivierung aller im Rahmen von START zu reduzierenden strategischen Trägersysteme nach der Ratifizierung von START II.
Die Vereinigten Staaten und Rußland befassen sich
intensiv mit einer Vielzahl anderer bedeutender
Schritte. Dazu zählen Kooperation zur Verhinderung
von Nuklearschmuggel und verstärkte Kontrollen von
Nuklearmaterial, der Bau einer Lagereinrichtung für
spaltbares Material aus zerlegten Nuklearwaffen in
Rußland sowie die Verbesserung der Sicherheit,
Transparenz und Unumkehrbarkeit der Reduzierungen von Nuklearwaffen.
Die beiden führenden Nuklearmächte der Welt gehen
von einer Begrenzung der Träger- und Waffensysteme zu einer offenen und irreversiblen Verringerung
der Zahl atomarer Gefechtsköpfe über. Präsident
Clinton bekräftigte in einem gemeinsamen Kommunique mit dem indischen Ministerpräsidenten Rao,
daß wir letztlich eine atomwaffenfreie Welt anstreben.
Kernstück der Erfüllung von Artikel VI des NW bilden
zwei zusätzliche multilaterale Bestrebungen: Der
Abschluß der laufenden Aushandlung des Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) sowie eines Vertrags
über die Einstellung der Produktion spaltbaren
Materials.
Der Abschluß des CTB-Vertrags stellt für die Vereinigten Staaten ein zwingendes Gebot dar. Wir tun
alles in unserer Macht Stehende, damit das erste
halbe Jahrhundert von Nuklearexplosionen auch das
letzte ist. Wie ich im vergangenen Sommer bei der
Genfer Abrüstungskonferenz äußerte, sind wir bereit
für die Schlußfolgerung, die Vereinigten Staaten
hätten bereits ihren letzten Atomtest durchgeführt.
Ein Vertrag über die Einstellung der Produktion
spaltbaren Materials würde die Menge des für Nuklearexplosionen zur Verfügung stehenden Materials
begrenzen. Er könnte den ungesicherten Nuklearprogrammen einiger nicht dem NW angehörender
Staaten erstmals ein gewisses Maß an internationalen Beschränkungen auferlegen. Und er würde jede
weitere separate Produktion von Plutonium und

AMERIKA DIENST 14

�hochangereichertem Uran für waffenfähige Zwecke
in den fünf erklärten Atomwaffenstaaten verhindern.
Es ist eine Tatsache, daß die Aussichten auf weitere
Rüstungskontrolle schwinden, wenn die Zukunft des
N W in Gefahr ist. Wird die Zukunft des N W gesichert, kann der steile Trend eines Abbaus letztlich
mit dem Ziel fortgesetzt werden, Atomwaffen auf
Dauer zu verbieten. Die unbegrenzte Verlängerung
des N W wird uns diesem Ziel näherbringen - alles
andere würde es in weitere Ferne rücken. Mit
anderen Worten:
Weitere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle hängen von einer Verlängerung
des N W ab.
Es wird argumentiert, man sollte den N W aufrechterhalten oder lediglich für kurze Zeit verlängern, um
die Nuklearwaffenstaaten zu mehr Fortschritten zu
zwingen. Bisweilen wird angedeutet, die Verlängerung des N W sollte als Pfand für den Abschluß des
CTB-Vertrags dienen und erst anschließend dauerhaft gestaltet werden.
Wer den N W als Objekt zum Feilschen ansieht,
mißachtet eine Faustregel: Man sollte nicht mit
etwas spielen, dessen Verlust man sich nicht erlauben kann.
Auch aus geographischen Gründen sind die Länder,
die am stärksten von den Atomwaffen verbreitenden
Staaten gefährdet werden, ihre direkten und regionalen Nachbarn - nicht die Vereinigten Staaten. Wir
unterstützen den N W natürlich aus eigenem Interesse. Er liegt jedoch noch stärker im Interesse der
Staaten, die in den Spannungsregionen liegen.
Der N W bietet allen Mitgliedstaaten die Gewißheit,
daß ihre Nachbarn und regionalen Rivalen nicht zu
einer wirksamen Verfolgung ihrer Atomwaffenambitionen in der Lage sein werden - nicht nur aufgrund
ihrer eigenen Zusage, sondern auch wegen der
Existenz eines globalen Verifikationssystems. Er
bietet die steuerlichen Einsparungen und physische
Sicherheit, die aus der Vermeidung eines regionalen
atomaren Rüstungswettlaufs resultieren.
Wir sind uns auch klar der Bedeutung bewußt, die
viele Staaten der Frage von Sicherheitszusagen
gegen den Einsatz oder die Androhung eines
Einsatzes von Nuklearwarfen beimessen. Die fünf
Atommächte führen hierüber ernsthafte und konstruktive Gespräche.
Die Vereinigten Staaten
werden sich auch in Zukunft um Fortschritte zur
Erlangung des Ziels einer weiteren Erhöhung der
Sicherheit dem N W angehörender nichtnuklearer
Staaten bemühen.

AMERIKA DIENST 14

Für alle, deren Votum über das Schicksal des N W
entscheidet, ist dieser keine Quelle der Macht,
sondern der Sicherheit. Er hat für jedes Land denselben Wert - nicht als Druckmittel auf die Nuklearstaaten, sondern als Schutz vor regionalem Rüstungswettlauf und atomaren Gefahren.
Die Behauptung, die unbegrenzte Verlängerung des
N W könnte aufgeschoben werden, ist besonders
gefährlich, weil sie so verführerisch plausibel klingt und so falsch ist.
Der Vertrag enthält drei Optionen für eine Verlängerung: unbegrenzte Verlängerung, Verlängerung für
einen bestimmten Zeitraum oder Verlängerung für
bestimmte Zeiträume. Jede Option mit Ausnahme
der ersten beinhaltet die Gefahr einer Verstümmelung
des Vertrags - entweder wegen der mit einer Reihe
stückweiser Verlängerungen einhergehenden rechtlichen Unsicherheit, oder aufgrund der praktischen
Unmöglichkeit einer sofortigen oder späteren Abänderung.
Wer Szenarien zur Umgehung dieser grundlegenden
Wahrheit erfindet, hat nicht seinen Teil der Last
getragen um zu beweisen, daß eine unbegrenzte
Verlängerung nicht ohne die ernsthafte Gefahr
aufgeschoben werden kann, daß sie verweigert wird.
Um Mißverständnissen vorzubeugen:

Die einzige

Möglichkeit, die Fortdauer des N W sicherzustellen,

besteht in seiner unbegrenzten Verlängerung in
diesem Jahr.
Eine häufige Kritik am N W lautet, daß bestimmte
Staaten ihm nicht beigetreten sind.
Es sollte kein Zweifel daran bestehen, daß die
Vereinigten Staaten die universelle Einhaltung des
N W unterstützen. Die Vergrößerung der Möglichkeit,
daß der N W zu einem bestimmten Zeitpunkt ausläuft, macht es unwahrscheinlicher, nicht wahrscheinlicher, daß Staaten wie Israel, Indien und Pakistan
ihm schließlich beitreten. Die größte Chance für
ihren Beitritt liegt in einem starken Vertrag, der ein
dauerhafter Bestandteil des internationalen Sicherheitssystems ist.
Dasselbe Prinzip gilt für jede Region: Der N W bietet
den essentiellen weltweiten Rahmen für den Umgang
mit Problemen der Weiterverbreitung und der Förderung von Stabilität.
Die wirkliche Frage lautet nicht, ob der N W selbst für
seine Einhaltung sorgen und jedes Problem selbst
lösen kann, sondern ob er für die Welt von Vorteil ist
oder nicht.

Seite 3

�Niemand kann eine definitive Prognose über die
Natur einer Welt ohne NW abgeben. Jeder von uns
muß jedoch konkret über den massiven Weiterverbreitungsdruck nachdenken, der bedauerlicherweise
freigesetzt würde, falls der Vertrag je auslaufen
würde - und darüber, welche Auswirkungen ein
solcher Druck auf unsere eigenen Länder haben
würde.
In Japan gibt es folgendes Sprichwort: "Ein herausstehender Nagel wird mit dem Hammer eingeschlagen." Alle Staaten spüren die Hammerwirkung des
NW gegen nukleare Weiterverbreitung. In einer
Welt ohne den Nichtverbreitungsvertrag könnten die
Staaten ein Herausstehen vermeiden - nicht durch

Widerstand gegen den Druck, Nuklearwaffen zu
besitzen, sondern indem sie vor ihnen weichen.
Die Konferenz über die Überprüfung und Verlängerung des NW, die vom 17. April bis zum 12. Mai
1995 in New York anberaumt ist, stellt unsere einzige
realistische Chance dar, den NW dauerhaft zu
gestalten. Jetzt, da die Nuklearwaffenarsenale der
Supermächte abgebaut werden und die Aussichten
auf einen CTB-Vertrag steigen - und die größten
Nuklearwaffenstaaten endlich in der Lage sind, bei
ihrer Verteidigungsplanung weniger Wert auf Atomwaffen zu legen - ist nicht der Zeitpunkt, das Abkommen aufzugeben, das uns gestattet, den Rüstungswettlauf umzulenken.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 14

�UMWELT
12. April 1995

Die entscheidende Rolle der Wissenschaft
bei der Lösung von Umweltproblemen
Rede von Vizepräsident AI Gore
WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge spielen Wissenschaft und Technologie für den modernen
Menschen eine entscheidende Rolle beim Umgang mit beispiellosen Herausforderungen wie der
Bevölkerungsexplosion und dem globalen Klimawandel.
Der Vizepräsident äußerte am 30. März 1995 in einer Rede vor einem politischen Forum, das vom
Wissenschafts- und Technologiebüro des Weißen Hauses gefördert wird, es wäre ein Fehler anzunehmen,
Probleme wie der Treibhauseffekt könnten im Handumdrehen mit Hilfe der Technologie gelöst werden.
Wissenschaft und Technologie können ihm zufolge jedoch die Entwicklung neuer Ansätze für den Umgang mit
solchen Problemen beschleunigen - Ansätze, die keine unheilbringenden Konsequenzen für gefährdete Teile
des Ökosystems der Erde haben.
Gore fügte hinzu, die Beziehungen zwischen der menschlichen Zivilisation und dem Ökosystem der Erde hätten
sich radikal gewandelt.
Ein Grund für diese veränderten Beziehungen sei die wissenschaftliche und technologische Revolution, die
neue Technologien für die Nutzung der Erde bereitstellte. Ein anderer Grund - der heikelste, aber auch
wichtigste - sei die im Zusammenhang mit dem Modernismus stehende veränderte Denkweise, die viele dazu
verleitet hat, "die Bedeutung der künftigen Konsequenzen gegenwärtiger Aktionen außer acht zu lassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Vizepräsident Gore in wesentlichen Auszügen.

Ich danke der National Academy of Sciences, daß
sie uns diese Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.
Wir sehen der im Gefolge dieser Konferenz zu
leistenden Arbeit erwartungsvoll entgegen. Ich darf
Ihnen versichern, daß Ihre Bestrebungen nicht
umsonst sein werden. Wir sind äußerst gespannt
auf die Ideen, Vorschläge und Empfehlungen, die
aus Ihren Beratungen hervorgehen werden.
Ich erinnere mich an das, was ich über den herausragenden Physiker LI. Rabi las. Er schrieb über den
Einfluß, den seine Mutter auf seinen Wissensdrang
hatte. Ebenso wie andere Mütter stellte sie Fragen,
wenn die Kinder aus der Schule kamen. Während
andere Eltern ihre Kinder jedoch oft fragten "Gibt es
etwas Neues in der Schule?" oder "Was hast Du
heute gelernt?", fragte Dr. Rabis Mutter "Was für
gute Fragen hast Du heute gestellt?". Ich habe mir
das gemerkt, denn meines Erachtens ist das für
Eltern sehr interessant und auch bei Konferenzen
wie dieser ein guter Ansatz. Es geht nicht immer
nur darum, Antworten zu finden. Manchmal ist es
auch eine Leistung, die richtigen Fragen zu stellen.

AMERIKA DIENST 14

Und in den letzten beiden Tagen haben Sie eine
Vielfalt von Fragen erörtert, die im Zusammenhang
mit der Rolle von Wissenschaft und Technologie für
den Schutz unserer nationalen Sicherheit und die
Erlangung globaler Stabilität stehen.
Heute möchte ich eine der Fragen ansprechen, mit
denen sich diese Administration in den zwei Jahren
und zwei Monaten ihrer Amtszeit befaßt hat. Welche
Beziehungen bestehen zwischen Wissenschaft und
Technologie einerseits und nationaler Sicherheit
andererseits? Um auch nur den Versuch einer
Beantwortung dieser Frage zu machen, müssen wir
eine Definition von nationaler Sicherheit vornehmen.
Im letzten halben Jahrhundert war diese Definition
natürlich relativ einfach.
Der Schutz unserer nationalen Sicherheit bedeutete
Sicherheit vor einem militärischen Angriff sowie
Vermeidung all jener vorbereitenden Entwicklungen,
die die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Angriffs
erhöhten statt zu verringern. Der Kalte Krieg ist
vorüber, und obwohl wir keineswegs in unserer Ent-

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�schlossenheit nachlassen sollten, die besten und
fähigsten Streitkräfte auf der Erde aufrechtzuerhalten, ist sich jeder bewußt, daß es an der Zeit ist,
nationale Sicherheit in einem weiteren Sinn zu
sehen.

baren Aktivposten mobilisierte: militärische, wirtschaftliche, psychologische, kulturelle (Siegesgärten),
die alle in den Dienst eines kohärenten nationalen
Ansatzes gestellt wurden, um den strategischen
Konflikt zu gewinnen.

Wir haben die unseres Erachtens erforderlichen
neuen Ansätze definiert und in drei Kategorien
eingeteilt: Militärische Sicherheit und Beibehaltung
der Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte, Wiederbelebung der Wirtschaft und die Förderung
tragfähiger Entwicklung. Meiner Meinung nach ist es
jedoch wichtig, daß wir zu verstehen versuchen, wie
sich der Kontext unserer nationalen Sicherheit
verändert hat. Oftmals verstehen wir die Welt mit
Hilfe von Metaphern. Und der Ausdruck nationale
Sicherheit ist eine Metapher, durch die wir die neuen
Bedrohungen in der neuen Welt zu begreifen versuchen. Es ist eine militärische Metapher.

Nachdem wir ein halbes Jahrhundert mit dieser
Metapher gelebt haben, kommt sie natürlich bei
unseren Bestrebungen zum Tragen, die Bedrohungen
der nationalen Sicherheit im Zeitalter nach dem
Kalten Krieg neu zu beurteilen. Aber wie alle anderen Metaphern hat auch diese ihre Beschränkungen.
Sie geht implizit von einer externen, separaten
Bedrohung aus, auf die wir umfassend und energisch
reagieren. Einige der derzeit stattfindenden Veränderungen betreffen den Kontext, in dem wir den
Herausforderungen begegnen. Ich möchte nochmals
die eingangs aufgeführten drei Kategorien ansprechen - wirtschaftliche Wiederbelebung, militärische
Einsatzbereitschaft und tragfähige Entwicklung - und
zu illustrieren versuchen, was ich unter verändertem
Kontext verstehe.

Wissenschaft und Technologie haben ebenso zur
Schaffung vieler neuer Herausforderungen beigetragen wie sie uns bei der Suche nach vielen der
erforderlichen Lösungen unterstützen. Das galt zu
Beginn des Atomzeitalters und während des Kalten
Krieges ebenso wie heute. Während wir jedoch die
Natur der militärischen Metapher untersuchen, die
unsere Diskussionen über nationale Sicherheit im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg leitet, wäre es
hilfreich, einige der Aspekte der Metapher zu identifizieren, die den neuen Herausforderungen angemessen sind, sowie andere, bei denen das nicht der Fall
ist.
Zu Beginn des Atomzeitalters wurde offensichtlich,
daß eine neue wissenschaftliche Entdeckung der
Menschheit eine neue Macht verliehen hatte, um
diese alten Aktivitäten zu verfolgen. Unter einem
Atomkrieg verstand man daher etwas ganz anderes
als nur einen Krieg. Krieg ist eine uralte Gewohnheit
der menschlichen Zivilisation, aber durch die mit
Hilfe der Nuklearphysik hergestellten neuen Technologien wurden die Konsequenzen eines totalen
Krieges plötzlich verändert und erforderten somit ein
neues Nachdenken über diese uralte, jetzt aber
folgenschwere Gewohnheit.
Ein zweiter Aspekt der militärischen Metapher ist ihre
globale Dimension. Vor den Weltkriegen dieses
Jahrhunderts - dem Ersten Weltkrieg, dem Zweiten
Weltkrieg, dem Kalten Krieg - waren Kriege meistens
regional begrenzt, und die Militärhistoriker teilten
Konflikte gewöhnlich in drei Kategorien ein: Lokale
Konflikte, regionale oder kriegsschauplatzgebundene
Konflikte sowie strategische Konflikte mit globaler
Dimension. Strategisch wurde zur Bezeichnung für
einen Krieg, der die Existenz einer Nation betraf und
eine Antwort erforderte, die alle einer Nation verfüg-

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Wenn wir wirtschaftliche Wiederbelebung anstreben,
reicht es nicht aus, eine externe Bedrohung zu
identifizieren, auf die wir mit neuen Werkzeugen und
neuen Ansätzen reagieren können, um den Kampf
mit ihr zu gewinnen. Protektionisten definieren die
Welt der Wirtschaft über diese Metapher, was jedoch
vollkommen unzulänglich ist. Die Märkte sind heute
globaler Natur. Der Nutzen von Instrumenten nationaler Wirtschaftspolitik wird eingeschränkt durch die
Interaktion mit von anderen Nationalstaaten eingesetzten Instrumenten. Betrachten Sie sich beispielsweise die Kontrolle der Zinssätze, die früher fast
ausschließlich im Zuständigkeitsbereich nationaler
Politiker lag, jetzt jedoch von den Entscheidungen
beeinflußt wird, die morgen auf den Märkten von
London bis Singapur gefällt werden. Schauen Sie
sich die Unternehmen an, die früher im nationalen
Kontext definiert wurden, jetzt aber multinationaler
Natur sind.
Wenn wir uns um die Ankurbelung unserer Volkswirtschaft durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze
bemühen, müssen wir den Kampf in Betracht ziehen,
den jetzt alle Industrienationen in dem Bemühen um
die Schaffung neuer Arbeitsplätze führen. Und jeder
Versuch, einfach die neuen, durch die neue Wissenschaft entwickelten Technologien anzuwenden, um
verbesserte Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen,
wird direkt zu einer Vielfalt von Komplikationen
führen.
Um einen Vergleich anzustellen: Die industrielle
Revolution führte zu einer drastischen Abnahme von
Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, der Hauptbeschäftigungsquelle unserer Nation. Während eines

AMERIKA DIENST 14

�Zeitraums von 100 bis 130 Jahren führte die rückwirkende Anwendung der Früchte der industriellen
Revolution auf die landwirtschaftliche Arbeit zur
einem Ausbluten der Beschäftigungsmöglichkeiten in
der Landwirtschaft. Zu Zeiten des amerikanischen
Bürgerkriegs waren 50 Prozent der Arbeitsplätze in
der Landwirtschaft, jetzt sind es nur noch etwas über
2 Prozent.
Erneut nutzen wir die industrielle Revolution als
Metapher, um die Informationsrevolution zu verstehen. In mancherlei Hinsicht kann sie angewendet
werden, in anderer nicht. In diesem Zusammenhang
ist die Metapher aufschlußreich, denn ebenso wie
die Früchte der industriellen Revolution rückwirkend
auf die mechanisierte Landwirtschaft angewendet
wurden, die wiederum massive Verluste an Beschäftigungsmöglichkeiten auf den Bauernhöfen auslöste,
führen in ähnlicher Weise die Früchte der Informationsrevolution bei rückwirkender Anwendung auf
numerisch kontrollierte Maschinen, computergestützte Fertigung und die Automatisierung aller Fabrikprozesse zu einer schnellen Ausdünnung verschiedener Beschäftigungskategorien im Fertigungsbereich.
Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
arbeiteten 34 Prozent der arbeitenden Bevölkerung
Amerikas in der Fabrik. Heute, 50 Jahre später,
sind weniger als 17 Prozent der amerikanischen
Erwerbsbevölkerung in Fabriken beschäftigt. Um
nochmals die Metapher anzuwenden: Die industrielle Revolution führte nicht nur zum Verlust älterer
Arbeitsplätze, sondern schuf eine große Zahl neuer,
vorher unbekannter Arbeitsplätze. Auf dieselbe Art
und Weise eröffnet die Informationsrevolution,
obwohl sie zum Verlust vieler Arbeitsplätze in der
Fabrik führt, eine Vielzahl neuer Beschäftigungsmöglichkeiten, von deren Existenz wir noch vor 10
Jahren nichts wußten. Diese besondere Metapher
kann nicht angewendet werden, da die kurze Zeit
des Übergangs sich stark von der langen, die
industrielle Revolution begleitenden Anpassungszeit
unterscheidet.
Die Bestrebungen zur Anwendung von Wissenschaft
und Technologie auf unser strategisches Ziel einer
Wiederbelebung der Wirtschaft müssen die umfassenden Änderungen in Betracht ziehen, die eine
Begleiterscheinung wissenschaftlicher und technologischer Veränderungen sind. Wie stets sind mehr
Wissen, mehr Forschung und mehr Investitionen
besser und werden uns bei der Schaffung neuer
Arbeitsplätze, der Ankurbelung unserer Wirtschaft
und beim Umgang mit den Veränderungen helfen.
Eine rückwirkende Investition von Glaube und
Vertrauen bei diesem Ansatz kann an sich schon
kontraproduktiv sein, wenn wir nicht klug vorgehen.

AMERIKA DIENST 14

Aus diesem Grund sehen wir Ihren Empfehlungen für
den Umgang mit dieser besonderen Herausforderung
erwartungsvoll entgegen. Wir brauchen Ihre Hilfe,
um in Wissenschaft und Technologie die besten
Mittel und Wege zu prüfen, die uns bei der Erlangung
dieses strategischen Ziels helfen können, ohne daß
lediglich auf mehr Investitionen in Wissenschaft und
Technologie gedrängt wird. Wie sind die tiefergehenden Beziehungen?
Das zweite Ziel: Militärische Einsatzbereitschaft.
Wieder kommen wir zur üblichen Art des Umgangs
mit dieser Frage zurück und gehen davon aus,
Wissenschaft und Technologie sollten uns darin
bestätigen, daß wir an der Schnittstelle jeder neuen
Entwicklung stehen, die im militärischen Bereich
Anwendung finden kann - es sei denn, wir werden
davon überrumpelt. Gleichzeitig sollten sie uns über
Gegenmaßnahmen und defensive Schritte informieren, deren wir noch vor einem potentiellen Aggressor
gewahr werden müssen. Das muß getan werden.
Derzeit wird die Welt vom Gespenst der Morde in
Burundi heimgesucht, die allzusehr an die Frühstadien des schrecklichen Massakers im benachbarten Ruanda erinnern, und Wissenschaft und
Technologie können nur sehr wenig tun, die Streitkräfte für den Umgang mit diesem schrecklichen
Verlust an Menschenleben auszurüsten. Was hätten
wir in Somalia anders machen können? Welches
sind die neuen weltweiten Herausforderungen, auf die
das Militär reagieren muß?
Wir kommen wieder zu dem Gedanken zurück, daß
wir die größte Angst vor einer aggressiven Ideologie
haben, die einen Nationalstaat dazu führt, seine
Waffen gegen uns zu richten. Und ohne die Bedeutung dieser Bedrohung herabzuwürdigen, müssen wir
auch die Frage stellen: Wie können uns Wissenschaft und Technologie beim Umgang mit den neuen
Herausforderungen helfen, die oftmals einen vielschichtigen Angriff auf die Integrität einer Gesellschaft
darstellen und zu einem schnellen Verfall und Abgleiten ins Chaos führen? Mir gefällt das Wort
"Chaos" nicht besonders, da es oft zur Beschreibung
der außenpolitischen Herausforderung verwendet
wird, für die Ruanda, Bosnien oder Somalia stehen.
Es steht jedoch außer Frage, daß das Wort angemessen ist, da es sich über die traditionelle, schrittweise, logische Analyse hinwegsetzt.
Es ist ein Symbol für einen Komplex von Problemen,
für deren Verständnis wir die Hilfe von Wissenschaft
und Technologie benötigen - mit komplexer Theorie,
dem Einsatz neuer analytischer Techniken, die uns
die Identifizierung dieser Herausforderungen gestatten, die für die Zukunft entscheidend sind. Und mit
einer Präventionsstrategie können wir uns mit den
Gründen für den Zusammenbruch der Gesellschaft

Seite 3

�befassen, bevor sie ein Stadium erreichen, bei dem
das Militär reagieren muß.
Während der harten Auswirkungen der industriellen
Revolution schrieb William Butler Yeats die berühmten Worte: "Dinge, die in der Mitte auseinanderfallen, können nicht halten. Bloße Anarchie machte
sich auf der Welt breit. Die blutige Flutwelle braust
heran, und überall wird die Unschuld ertränkt. Den
Besten ermangelt es an jeglicher Überzeugung,
während die Schlechtesten voll leidenschaftlicher
Intensität sind." Diese Worte scheinen anschaulich
einige der neuen Herausforderungen zu beschreiben, mit denen unser Militär jetzt manchmal konfrontiert wird.
Mit der dritten Herausforderung unter dem Titel
"nachhaltige Entwicklung" habe ich mich ziemlich
eingehend befaßt. Ich bin zu der Überzeugung
gelangt, daß das von uns als globaler Klimawandel
bezeichnete Problem, das jetzt in Berlin erörtert wird,
und das Problem des Verlusts von Arten in so
beispiellosem Tempo - beispiellos zumindest seit
dem Aussterben der Dinosaurier - der Verlust von
Regenwäldern, die Verschmutzung von Luft und
Wasser sowie andere Herausforderungen dieser
Größenordnung alle Symptome einer tief erliegenden
Krise im Kontext unserer Beziehungen zur Umwelt
sind.
Meines Erachtens hat während unseres
Lebens ein radikaler Wandel in diesen Beziehungen
aufgrund des Zusammenwirkens dreier Faktoren
stattgefunden. Einer dieser Faktoren ist die wissenschaftliche und technologische Revolution selbst.
Um wieder zur Methapher der Nuklearwaffen zurückzukommen - ebenso wie Nuklearwaffen die Konsequenzen eines totalen Krieges veränderten, haben
neue Instrumente zur Ausbeutung der Erde die
Konsequenzen einer totalen Ausbeutung verändert.
Fischen mit einem Angelhaken oder einem kleinen
Netz hat triviale Konsequenzen. Das Übertischen
der Ozeane mit über 60 Kilometer langen Treibnetzen und hochmodernem elektronischem Gerät
zur präzisen Lokalisierung der Fischschwärme hat
völlig andere Konsequenzen. Keine der neuen
Technologien zur Nutzung der Erde für den Lebensunterhalt ist auch nur entfernt so dramatisch wie
Nuklearwaffen, aber zusammengenommen haben
sie die Konsequenzen der totalen Ausbeutung
vollständig verändert.
Mein Freund Sherwood Rowland, der heute mit
seiner Frau Joan anwesend ist, hat vor zwei Jahrzehnten zusammen mit Mario Molina den Zusammenhang zwischen Fluorchlorkohlenwasserstoffen
und dem Abbau der stratosphärischen Ozonschicht
entdeckt.
Es gab enormen Widerstand gegen
Sherry Rowlands Behauptung, weil es den meisten -

Seite 4

selbst den Wissenschaftlern - unvorstellbar erschien,
daß die Verwendung einer neuen chemischen
Verbindung so gravierende Konsequenzen haben
könnte. Und dennoch - die Luft, die wir in diesem
Augenblick in diesem Auditorium bei jedem Atemzug
einatmen, enthält aufgrund der Fluorchlorkohlenwasserstoffe sechsmal soviele Chloratome wie vor 50
Jahren. Soweit wir wissen, beeinträchtigt dies unsere
Gesundheit nicht, aber wie Dr. Rowland ausführte,
stellt es eine strategische Bedrohung für die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt dar. Die
Beweise gaben Rowland natürlich recht, und dennoch
sehen wir uns jetzt mit ähnlichen Konsequenzen
konfrontiert, die man immer noch nicht wahrhaben
will. Eine in Berlin erneut geführte Debatte setzt sich
mit den Auswirkungen der raschen Ansammlung von
Treibhausgasen, vor allem C0 2 , aber auch Methan,
Stickoxiden und anderen Spurengasen auseinander.
Ich habe gesagt, es gibt drei Faktoren, die einen
radikalen Wandel in den Beziehungen zwischen der
menschlichen Zivilisation und dem ökologischen
System der Erde bewirkt haben. Und die aus der
sich beschleunigenden wissenschaftlichen und
technologischen Revolution entstehenden neuen
Kräfte sind ein Faktor. Ich möchte kurz auf die
anderen beiden eingehen.
Der zweite Faktor ist die Bevölkerungsexplosion. Alle
10 Jahre nimmt die Weltbevölkerung entsprechend
der Einwohnerzahl Chinas zu. Das ist beispiellos und
brandneu. Es dauerte über 10.000 Generationen,
bevor wir gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine
Bevölkerung von 2 Milliarden Menschen erreichten.
Und in den 47 Jahren meines Lebens ist die Bevölkerung von etwas mehr als 2 Milliarden auf 5,5
Milliarden angestiegen. Wenn ich noch 47 Jahre
lebe, so Gott will, werden wir 9, vielleicht 10 Milliarden zählen. Wenn es 10.000 Generationen dauert,
um 2 Milliarden zu erreichen und dann die Dauer nur
eines Menschenlebens, um von 2 Milliarden auf 10
Milliarden hochzuschnellen, ist dies ein radikaler
Wandel.
Die dritte Ursache dieser veränderten Beziehungen
ist die heikelste, aber wichtigste - eine Änderung
unserer Denkweise im Zusammenhang mit dem
Modernismus, die viele dazu verleitet hat, die Bedeutung der künftigen Konsequenzen gegenwärtiger
Aktionen außer acht zu lassen. Ich gebe nicht vor zu
verstehen, warum dies geschehen ist, aber es wurde
vielfach kommentiert, und einige haben Ursachen
dafür angeführt.
Die Kartesianische Revolution brachte trotz all ihrer
Verdienste auch die implizite Annahme mit sich, daß
wir als Menschen getrennt von der Umwelt sind, in
der wir leben. Dies vermittelte viele nützliche Ein-

AMERIKA DIENST 14

»

�blicke, verschleierte aber auch einige grundlegende
Wahrheiten. Ich bin ebenfalls der Ansicht, daß der
Anbruch des Nuklearzeitalters in geringerem Maße
zu einer gewissen fatalistischen Einstellung beitrug,
die ausschlaggebend für viele war, die stets mit der
Notwendigkeit kämpfen, die Zukunft zu berücksichtigen, wenn sie mit dem kollidiert, was wir in der
Gegenwart tun wollen. Und viele waren eher bereit,
die Zukunft außer acht zu lassen.
Um auf diese dritte Herausforderung unserer nationalen Sicherheit reagieren zu können, müssen wir
meines Erachtens alle drei miteinander in Verbindung stehenden Ursachen ansprechen. Wir müssen
Anstrengungen zur Stabilisierung der Weltbevölkerung unternehmen, und unter der Führung von
Präsident Clinton haben die Vereinigten Staaten in
Kairo die Welt zur Formulierung eines neuen Konsenses geleitet, der vermehrte Machtbefugnisse für
Frauen, verbesserte Bildung und die Bekämpfung
des Analphabetentums, das Angebot kulturell
geeigneter Formen der Empfängnisverhütung sowie
die Behebung der Kindersterblichkeit betont, um den
Eltern das Vertrauen zu vermitteln, daß ihre Kinder
überleben werden und sie so von der Entscheidung
zu einer kleineren Familie überzeugen zu können.
Zweitens benötigen wir Ihre Hilfe beim Verständnis,
wie Wissenschaft und Technologie uns bei der
Beschleunigung der Entwicklung neuer Ansätze zur
Ausbeutung der Erde für den Lebensunterhalt förderlich sein können, die nicht dieselben Konsequenzen
für die gefährdeten Teile des Ökosystems der Erde
wie die Atmosphäre haben, aber nicht nur auf diese
begrenzt sind. Und wir benötigen Ihre Hilfe, damit
wir nicht wieder dem Irrglauben verfallen, es gäbe
eine technologische Patentlösung für dieses Problem. Das wäre nicht Teil der Lösung, sondern
würde noch größere Probleme verursachen. Aber
Wissenschaft und Technologie müssen eine absolut
entscheidende Rolle spielen. Wir müssen jedoch
auch diesen dritten Faktor ansprechen - unsere
Sichtweise bezüglich unserer Beziehungen zur Erde

*

AMERIKA DIENST 14

und den Kontext, in dem wir alle unsere Ziele verfolgen: den politischen, sozialen und kulturellen
sowie den umweltpolitischen Kontext.
Wir benötigen Ihren spezifischen Rat zu Maßnahmen,
die Sie in den Unterlagen erläutert finden, die die
Administration Ihnen und dem Kongreß zur kooperativen Verringerung der Bedrohung, Sicherheit von
Nuklearwaffen, zu spezifischen Programmen wie der
Initiative Korallenriff und unserem Aktionsplan zum
Klimawandel vorlegt. Vor allem benötigen wir jedoch
Ihre Hilfe beim Verständnis des von uns zu wählenden Ansatzes.
Der große Wissenschaftler Archimedes machte die
berühmte Äußerung: "Gebt mir einen Platz, an dem
ich stehen kann, und ich werde die Erde bewegen."
Er wurde vor die Herausforderung gestellt, seine
Worte in die Tat umzusetzen, und den Historikern
zufolge gelang es ihm mit Hilfe eines Flaschenzugs
und Rollen,ein Schiff der syrakusischen Flotte aus
dem Wasser an den Strand zu ziehen. Bei der
Erörterung der Beziehungen von Wissenschaft und
Technologie zur nationalen Sicherheit müssen wir
heute als kooperatives Team operieren, das versucht,
"die Erde zu bewegen" - und zwar zu Freiheit,
Gerechtigkeit, Chancen und nachhaltiger Entwicklung.
Um Erfolg zu haben, müssen wir gemeinsam vorgehen und bei unseren Bestrebungen von einem klaren
Gefühl für die moralische Dimension geleitet sein, die
diesem Kampf ein Gefühl der Dringlichkeit verleiten
sollte.
Viele haben das deutliche Gefühl, daß wir in einer
Zeit leben, in der die von uns beobachteten Veränderungen sich so schnell vollziehen, daß sich die
Fehlerquote verringert und die Notwendigkeit für neue
Antworten verbessert. Aus eben diesem Grund hat
Präsident Clinton Sie alle aufgefordert, soviel Zeit und
Mühe in diese Konferenz zu investieren. Wir sehen
Ihrem Rat und Ihren Empfehlungen erwartungsvoll
entgegen und sind Ihnen für Ihre Teilnahme außerordentlich dankbar.

* * *

*

Seite 5

�TAG

DER

ERDE
12. April 1995

Collegestudenten werben für den 25. Tag der Erde
Neue Umweltschutzgesetzgebung
WASHINGTON - (AD) - Ebenso wie ihre rund 100
Kommilitonen stellten auch Celina Smith und Bion
Curtis Bartning ein Exponat zum Thema Umwelt aus.
Ihres erläuterte, warum fossile Brennstoffe höher
besteuert werden sollten.

nische Führung sehe sich Angriffen ausgesetzt, so
Vento.

"Wenn wir den Verbrauch von fossilen Brennstoffen
reduzieren, könnten wir die Energieeffizienz verbessern und den Schaden für unsere Umwelt verringern", stellt Smith, 21, anläßlich der Vorbereitungen
zum 25jährigen Bestehen des Tags der Erde am
22. April 1995 fest. Sie studiert im 4. Semester
Geologie am Occidental College in Los Angeles.

Die neue republikanische Mehrheit im Kongreß
erklärt, sie habe von den Wählern im November ein
Mandat zur drastischen Reduzierung der Last von
Umweltgesetzen und Bestimmungen erhalten. Die
Unternehmen trügen eine enorme Bürde bei der
Übernahme der Kosten von häufig unnötigen Vorschriften zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, die
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen, argumentiert
die Mehrheit im Kongreß.

Bartning, 22, Student der Wirtschaftswissenschaften
im 8. Semester am Occidental, meint, er sei ein
politischer Realist. Er ist sich bewußt, daß es in
Washington eine massive Lobby gegen weitere
Steuern gibt und argumentiert, jede Erhöhung der

Energiesteuer könnte durch eine Verringerung des
Energieverbrauchs ausgeglichen werden.
Alle Vertreter von Campus Green Vote, dem Organisator der Veranstaltung vom 1. bis 3. April in einem
Bürogebäude des Repräsentantenhauses, schienen
sich der Tatsache bewußt, daß die Sache stärkeren
Angriffen ausgesetzt war als je zuvor, seit der Tag
der Erde vor 25 Jahren zum ersten Mal gefeiert
wurde und die moderne Umweltbewegung ins Leben
rief.
Chris Fox, Leiter der Organisation, forderte die über
120 Studenten aus 40 Colleges auf, noch härter zu
arbeiten, damit sich die jungen Menschen für den
politischen Prozeß engagieren.

"Wir müssen zurückschlagen, wir müssen uns wehren", sagte er unter donnerndem Applaus.

Gesetzesvorlagen wie die Verhängung eines vorläufigen Moratoriums für den Erlaß neuer Umweltbestimmungen, eine künftigen Umweltgesetzen vorauszuschickende Kosten-Nutzen-Analyse
sowie
Entschädigungen für Grundbesitzer, wenn diese ihr
Land aus Gründen des Umweltschutzes nicht erschließen dürfen, wurden vom Repräsentantenhaus
verabschiedet und liegen dem Senat zur Prüfung vor.
Man erwartet, daß im Vorfeld des Tags der Erde und
an diesem Tag selbst Tausende von Veranstaltungen
unter Beteiligung von Millionen Menschen stattfinden.
Earth Day USA, eine der Organisationen, die für
Tausende an diesen Feierlichkeiten teilnehmende
lokale nichtstaatliche Organisationen und Schulen als
Clearinghaus für Informationen dient, beschäftigt sich
mit den Vorgängen im Kongreß.

Er warnte ungenannte Politiker, die studentischen
Umweltschützer würden zu einem entscheidenden
Teil der amerikanischen Wählerschaft. "Studenten
kommen vom Recyclingcontainer zur Wahlurne",
stellte er fest.

Laut Bruce Anderson, Präsident von Earth Day USA,
besteht der Wunsch nach einer kleineren, weniger
aktivistischen Regierung sowie nach größerer Betonung der Verantwortung des einzelnen und der
Zusammenarbeit.
Dies sei "der angemessene
Schwerpunkt für Earth Day 1995".

Bruce Vento, Mitglied des Repräsentantenhauses,
äu ßerte an einem sonnigen Frühlingstag der Gruppe
gegenüber, im Kongreß "ist es nicht angenehm".
Die für den Schutz der Umwelt eintretende amerika-

Zu den von verschiedenen Gemeinden durchgeführten Programmen gehören ein "Energiefasten", das
den Energiebedarf auf ein Minimum reduziert, ein
"Marsch für die Parks" zur Aufbringung von Geldern

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�für den Kauf und die Pflege von Parkgelände, ein
Konzert auf der Mall in Washington, die Konzentration auf erneuerbare Energiequellen wie die
Sonne sowie eine Parade für den Planeten in New
York mit gigantischen Flaggen aus Deutschland,
Rußland und Kanada, auf denen die Erde abgebildet
ist.
Innerhalb der Umweltbewegung gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie der 25. Tag der Erde
begangen werden sollte. Earth Day USA geht
vornehmlich auf die Initiative von Anderson und
Gaylord Nelson zurück, die 1970 die ersten Feiern
organisierten. Sie beschlossen, daß die zur Ausweitung der Aktivitäten erforderlichen Fonds durch

*

Seite 2

Sponsoren aus der Industrie bereitgestellt werden
sollten.
Andere Umweltschutzgruppen weigerten sich jedoch,
Geld von Unternehmen anzunehmen und schufen ein
eigenes Netz, um Organisationen vor Ort bei der
Planung ihrer eigenen Veranstaltungen zu helfen. Es
scheint aber zwischen allen Gruppen auf lokaler
Ebene viel Zusammenarbeit zu geben.
Auch die Clinton-Administration hat umfassende
Pläne für den Tag der Erde. Sie veranstaltet ein
Aufklärungsprogramm über Umweltfragen für die
Öffentlichkeit unter dem Namen Project Earthlink.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

�</text>
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                <text>&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;strong&gt;1. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erbitterter Kampf gegen den Krebs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Aspekte für Forschung und Therapie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Heimstudien machen Schule&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eineinhalb Millionen Amerikaner sind Kursteilnehmer einer Fernschule&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kritikerpreis für Werke moderner Musik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA nehmen an Moskauer Film-Festival teil&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hemingway und seine Kritiker&lt;/div&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
U n i t e d
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I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

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Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer 8

1 2 . Mai 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Kissinger umreißt Programm zur Lösung der Nord-Südprobleme
-Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6.Mai 1976-

INF0RMATI0N:
Mit Energie sparsamer wirtschaften
-US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren VerbrauchInternationale Verpackungs-Fachmesse in USA

HINTERGRUNDMATERIAL:
UN-Konferenz "Habitat"

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
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8/1976

KISSINGER UMREISST PROGRAMM ZUR LÖSUNG DER NORD-SÜDPROBLEME
- Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6. Mai 1976 -

NAIROBI --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat am
6. Mai vor der Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in einer
wirtschaftspolitischen Grundsatzerklärung ein umfassendes Programm zur Lösung
der Nord-Südprobleme entwickelt. Der wohl wichtigste der amerikanischen Vorschläge sieht die Errichtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor,
die mit einem Stammkapital von einer Milliarde Dollar ausgestattet und die
Förderung gesunder Ressourcenprojekte in den Entwicklungsländern zu für diese
tragbaren Bedingungen übernehmen soll. Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte, meine
Damen und Herren:
Wir sind hier zusammengekommen, um eines der wichtigsten Unterfangen in
der Geschichte voranzutreiben - es handelt sich um die Anstrengungen unabhängiger Länder zur Förderung der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung und
zur Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen auf der Erde. Unser Ziel
ist kein Geringeres, als ein System internationaler Zusammenarbeit zu gestalten, das von Bestand ist und allen Völkern Frieden und Wohlstand, gleiche
Möglichkeiten und Würde verheißt.
Die
- 1 -

�Die Menschen haben sich ^

nach Frieden und e i n e r g e r e c h t e n Weltord.

nung gesehnt. In unserer Zeit sind diese beiden miteinander verflochtenen
Ziele zu einer realistischen Möglichkeit geworden. Ihre Verwirklichung fordert
von uns, daß wir Aufgaben bewältigen, deren Umfang das Vermögen einzelner
Länder übersteigt, deren Komplexität die Schlagworte und Lösungen der Vergangenheit Lügen straft und deren Tempo das der traditionellen Diplomatie
in den Schatten stellt.
Wir alle müssen uns mit dem zwingenden Gebot einer weltweiten Stabilität
befassen wie auch mit der Aufgabe, Konflikte beizulegen, Spannungen abzubauen
und dem Aufflackern eines neuen Imperialismus, neuer Unterdrückungen und
neuer Gefahren entgegenzutreten. Hier haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit den übrigen Ländern eine schwere Verantwortung auf sich genommen.
Unsere positiven Bestrebungen gehen aber noch über das hinaus. Das amerikanische Volk ist ein humanes Volk. Wir wissen, daß Stabilität nicht genug
ist; der Friede muß die Menschen einem besseren Leben näher bringen. In der
Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, dem Dokument, das unsere
nationale Existenz begründete, heißt es, daß "alle Menschen gleich geschaffen sind" und daß sie ein Recht auf "Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück" haben. Diese Bestrebungen haben mich nach Nairobi geführt - um im Namen
von Präsident Ford und der amerikanischen Regierung diese große Sache, die wir
alle

gemeinsam verfolgen, zu fördern.
Im großen geschichtlichen Rahmen gesehen wird die Zukunft von Frieden und

Fortschritt möglicherweise ganz eindeutig dadurch bestimmt werden, wie wir
auf die Erfordernisse reagieren, die sich für uns durch unsere wirtschaftliche
Interdependenz zwingend ergeben. Dies ist die Aufgabe, deretwegen wir hier
zusammengekommen sind - die dringende Notwendigkeit, kooperative Lösungen für
die neuen globalen Probleme der Weltwirtschaft zu finden. Diese Fragen bestimmen die Thematik der sich entwickelnden Beziehungen zwischen Nord und
Süd, zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
- Es

�- Es handelt sich um Fragen wirtschaftlicher Natur - die Schaffung eines
wirksamen Systems für Handel, Währungsbeziehungen und Entwicklungshilfe und
um Maßnahmen, die sicherstellen, daß die Prosperität einiger Länder nicht auf
Kosten der übrigen geht.
- Es handelt sich um Fragen politischer Natur - wie die Länder sich zueinander verhalten und wie wir eine Weltordnung schaffen können, die dem Frieden dient.
- Es handelt sich um Fragen der Moral - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Macht nicht Recht schafft.
- Und es handelt sich um Fragen der Gerechtigkeit - die Einsicht, daß der
Wohlstand unserer Väter von einem internationalen System abhängig ist, das
für alle fair und offen ist.
Das moderne Zeitalter, unsere gemeinsame Moral und unsere ständigen Beteuerungen setzen die Achtung vor der Menschenwürde und die Entfaltung der
menschlichen Persönlichkeit voraus. Aber eine Welt, in der ungezählte Millionen weiter in Armut und Elend leben, würde diesen Forderungen Hohn sprechen.
Die Männer und Frauen wären tagtäglich vor die harte Notwendigkeit des bloßen
Überlebens gestellt; die ganze Kraft der Völker würde in Haß und Rivalität verbraucht werden. Wir müssen stattdessen eine Welt der Zusammenarbeit und immer
größerer Möglichkeiten für die Menschen errichten, die der grundlegenden Interdependenz unseres Schicksals Rechnung trägt.
Heute binden die immer schneller wirkenden Kräfte der Modernisierung
- technologische, wirtschaftliche, soziale und politische - die Völker der
Welt enger aneinander als jemals zuvor. Diese Kräfte können die Konflikte
verschärfen oder sie können uns noch nie dagewesene Möglichkeiten in die
Hand geben, um unsere gemeinsamen Ziele zu fördern. Alle Nationen sind Teil
eines weltweiten Wirtschaftssystems. Wenn dieses System blühen soll, dann
muß es auf der festen Grundlage von Sicherheit, Fairneß und gleichen Mög-

- 3 -

�Möglichkeiten für alle, die sich an ihm beteiligen wollen - für Reiche und
Arme, für Nord und Süd, für Verbraucher und Erzeuger - basieren. Es muß die
Interessen aller wahrnehmen, wenn es von allen unterstützt werden soll. Präsident Ford hat mich mit dem Auftrag hierher gesandt, konstruktive und kooperative Beziehungen zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern für
den Rest dieses Jahrhunderts zu schaffen.
Die UNCTAD- Ministertagung ist die erste ihrer Art, die in Afrika abgehalten wird. Dies ist besonders deshalb angebracht, weil die Bedeutung Afrikas
in der Weltpolitik ständig zunimmt. Und die afrikanischen Länder haben ein
besonders großes Interesse an einer erfolgreichen Konferenz, die zu konkreten
Fortschritten führt. Kein Kontinent war anfälliger für die weltweite wirtschaftliche Instabilität. Kein Kontinent hat so schwer darunter zu leiden,
wenn es aufgrund mangelnder Niederschläge zu Mißernten kommt. Kein Kontinent
hat größere Belastungen zu ertragen, wenn die Rohstoffpreise starken Schwankungen unterliegen. Und kein Kontinent hat mehr zu gewinnen von der organisierten Zusammenarbeit aller Länder, die den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt fördern und sicherstellen soll, daß die Entwicklungsländer bei den
wirtschaftlichen Planungen der Welt eine größere Rolle spielen.
i

Afrika ist ein Kontinent stolzer Traditionen und junger Nationen, wachsender Erwartungen und steigender Entschlossenheit angesichts einer wahrhaft
monumentalen Herausforderung. Hier kann - und in der Tat muß - gezeigt werden, daß Menschen aller Rassen und Hautfarben in Frieden mit gleichen Rechten
und unter gegenseitiger Achtung zusammen leben und zu Wohlstand gelangen können.
......

,

In den letzten beiden Wochen hatte ich die Ehre, Gast Afrikas sein und
mich der ungewöhnlich großzügigen Gastfreundschaft seiner Völker und seiner
Staatsmänner erfreuen zu dürfen. Ich habe aus meinen Gesprächen mit den
afrikanischen Staatsmännern großen Nutzen gezogen und ich habe vieles über die
Sorgen und Hoffnungen der Völker Afrikas gelernt. Die Nationen dieses Kontinents können zuversichtlich sein, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,mit

�mit ihnen in ihrem großen Kampf um Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Fortschritt und Freiheit von ausländischer Intervention zusammenzuarbeiten.

Heute stehen wir alle in einem ganz besonderen Maße in der Schuld der
Republik Kenia und ihres in der ganzen Welt hochgeschätzten Führers, des Präsidenten Kenyatta, der diese herrliche Stadt als Konferenzort zur Verfügung gestellt hat. Die amerikanische Delegation ist nach Nairobi gekommen, um gemeinsam mit den Vertretern der anderen Nationen einen wichtigen Schritt vorwärts
in Richtung auf eine internationale Zusammenarbeit zu tun.

Wir treten in diese Konferenz in einem Augenblick großer Möglichkeiten
ein. Die Welt erholt sich gegenwärtig von einer schweren Rezession, mein eigenes Land vielleicht am raschesten. Die wachsende amerikanische Nachfrage nach
Erzeugnissen anderer Länder wird einen wesentlichen Beitrag zur Wiedererholung
überall auf der Welt leisten. Zahlreiche Hindernisse für ein stetiges Wirtschaftswachstum bestehen weiter; aber es gibt überzeugende Anzeichen dafür,
daß wir den schlimmsten Teil der Wirtschaftskrise Verstanden haben und daß
vor uns, wenn wir klug und energisch handeln, die Möglichkeit für eine neue
und lange Zeit des Wohlstandes liegt.

Daher ist dies vielleicht ein entscheidender Augenblick, der uns eine
kurze, aber ganz besondere Gelegenheit bietet, das internationale Wirtschaftssystem der Welt zu festigen und zu verbessern. Jetzt ist der Augenblick gekommen, um die Welt von den zersetzenden Zyklen von Hochkonjunktur und wirtschaftlichem Niedergang zu befreien und die Möglichkeiten für die Entwicklungsländer zu stärken.
Die Vereinigten Staaten könnten - besser fast als jedes andere Land eine Periode der Wirtschaftskriege überstehen. Wir können Konfrontationen und
rhetorischen Angriffen begegnen, falls andere Staaten sich, für diesen Weg entscheider, sollten.'Ind wir können unrealistische Vorschläge und ungerechtfertig-

- 5 -

�ungerechtfertigte Forderungen ignorieren. Aber die sich jetzt bietende histori-*sche Gelegenheit würde uns entgleiten. Es liegt bei uns als den Sprechern der
Länder, die auf diesem Forum der Welt zusammengekommen sind, unbeeinflußt von
den Zweifeln und Versuchungen des Augenblicks die ständigen internationalen
Interessen von uns allen anzusprechen, Wenn wir dies tun, können wir Mut aus
der Erkenntnis schöpfen, daß die Mittel zur Verwirklichung einer schöneren Zukunft vorhanden sind. Es liegt im Bereich unserer Macht, eine Welt zu gestalten, in der alle Menschen in Würde leben und nach Fortschritt trachten können.
So wollen wir uns als Ziel dieser Konferenz und dieses Dialogs zwischen
Industriestaaten und Entwicklungsländern das Motto der Republik Kenia vor
Augen halten: "Harambee - arbeitet zusammen zum Wohle aller".
. . . .

t

.

.

So wollen wir auf den positiven Ergebnissen der 7." Sondersitzung der UNVollversammlung im letzten September aufbauen. Auf dieser Tagung haben Industriestaaten und Entwicklungsländer in einer ermutigenden Demonstration der Übereinstimmung die ideologische Konfrontation beiseite geschoben, es als ihr gemeinsames Ziel erklärt, Fortschritte durch Kooperation zu erreichen, und
einen gemeinsam vereinbarten Aktionsplan verabschiedet.
Im Namen von Präsident Ford appelliere ich an diese Konferenz, die Anstrengungen zu beschleunigen und i'n dem kooperativen Geist von damals weiterzuarbeiten. Ich werde neue Vorschläge zu all den vorrangigen Anliegen dieser Konferenz unterbreiten, die dem Rechnung tragen, was wir von Ihren Vorstellungen
und Bestrebungen in der Mänila-Deklration und in anderen Foren - dies schließt
auch die Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
ein - vernommen haben.
Diese Vorschläge sind ein Beitrag aller zuständigen Ämter und Behörden der
amerikanischen Regierung, die der Weisung des Präsidenten unterstehen. Ich habe
bei der Formulierung dieses-von uns vorgelegten Programms besonders eng mit
meinem Kollegen, Finanzminister Simon, zusammengearbeitet.
Die

�Die nachhaltige Unterstützung unseres Programms durch beide politische
Parteien ist darauf zurückzuführen, daß wochenlang enge Konsultationen zwischen der Exekutive und den beiden Häusern unseres Kongresses stattgefunden
haben. Dies wird auch dadurch demonstriert, daß zwei geschätzte Senatoren
an dieser Konferenz hier teilnehmen, die unsere beiden politischen Parteien
vertreten. Weitere Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses werden
hierherkommen, sobald unsere Arbeit voranschreitet.
Die Vereinigten Staaten versichern feierlich, daß sie sich voll und ganz
für eine Zusammenarbeit in den kommenden Jahrzehnten einsetzen werdpn und hierzu bereit sind. Wir tun dies in aller Aufgeschlossenheit. Wir wollen Ihre
Vorstellungen und Vorschläge hören. Wir sind hier, um Gedanken auszutauschen
und eine erneute Obereinstimmung zu erreichen.

Wo stehen wir mit unseren Anstrengungen?

Zunächst möchte ich einen Überblick über das geben, was unsere Länder gemeinsam seit dem September letzten Jahres erreicht haben:
- Wir haben auf der 7. Sondersitzung Maßnahmen vereinbart, die dazu beitragen sollen, eine grundlegende wirtschaftliche Sicherheit gegen Zyklen zu
gewährleisten, durch die unsere Exporterlöse ausgehöhlt und die wirtschaftliche Entwicklung untergraben werden könnten. Im Januar hat der Internationale
Währungsfonds (IWF) die von uns vorgeschlagene kompensierende Finanzierungsfazilitat aufgestockt, um mehrere Milliarden Dollar zur Stabilisierung der
Exporterlöse verfügbar zu machen.
- Im September hatten wir zugesagt, das Wirtschaftswachstum durch verbesserten Zugang für die Entwicklungsländer zu den Kapitalmärkten und zu neuen
Technologien zu beschleunigen. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten

- 7 -

�Staaten, andere Industriestaaten und mehrere Erdölförderländer, damit begonnen, vermehrt Kapital, technologisches Wissen und Arbeitskräfte zur Förderung
der wirtschaftlichen Entwicklung bereit zu stellen,, Wir stehen gegenwärtig in
Verhandlungen über eine Erhöhung des Kapitals der Weltbank um 8 Milliarden
Dollar; wir werden unseren fairen Beitrag zu einer Aufstockung der Mittel der
Interamerikanischen Entwicklungsbank um 6 Milliarden Dollar leisten; wir werden einen Beitrag zur Aufstockung des Afrikanischen Entwicklungsfonds leisten;
wir beteiligen uns aktiv an den Gesprächen über eine Wiederauffüllung der Mittel des Asiatischen Entwicklungsfonds und der Asiatischen Entwicklungsbank.
•

•

- Auf der Sondersitzung ist die Völkergemeinschaft der Welt dafür eingetreten, Handel und Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu verbessern.
Bei verschiedenen wichtigen RohstoffProblemen sind bereits internationale Lösungen erreicht worden; so waren die Verhandlungen über Kaffee- und Zinnabkommen erfolgreich. Fortschritte sind ferner bei einer besseren Versorgung der
Welt mit ihrem wichtigsten Rohstoff - mit Nahrungsmitteln - erzielt worden.
- Und schließlich hat die Völkergemeinschaft der Welt auf der Sondersitzung
die Verpflichtung übernommen, den besonderen Erfordernissen der ärmsten Länder
zu entsprechen, die am stärksten unter der jüngsten Wirtschaftskrise zu leiden
hatten. Wir haben wesentliche Fortschritte bei der Bereitstellung finanzieller
und technischer Hilfe zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung sowie bei der
Einführung neuer Verfahren erzielt, die zu einer Milderung der erdrückenden Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Staaten beitragen sollen»
Diese Erfolge sind lediglich der Anfang dieses Prozesses, Wir stehen dieses
Jahr in der Mitte der wohl umfassendsten Serie internationaler Verhandlungen
auf den Gebieten des Handels, der Finanzierung, der Rohstoffe und der Wirtschaftsentwicklung der Geschichte - bei diesen Verhandlungen sind mehr Länder
beteiligt, werden mehr Fragen angesprochen und von ihnen werden mehr Völker betroffen denn jemals zuvor in der Geschichte- Diese Konferenz hat eine wichtige
Rolle zu spielen. Im besonderer, können wir unsere Arbeit auf vier Schlüssel -

- 8 -

�Schlüssel gebieten vorantreiben:
Erstens müssen wir erneute Anstrengungen bei den Rohstoffprob lernen unternehmen; dies schließt auch die Probleme der Investitionen bei und des Handels
mit Rohstoffen ein. Rohstoffe - Energie, Nahrungsmittel und andere Primärerzeugnisse - sind die Bausteine, auf denen Wachstum und Prosperität sich begründen. Für zahlreiche Länder bildet die Erschließung der Ressourcen den
Schlüssel zur Industrialisierung, zu höherer Beschäftigung, angemessenen Einkommen und gesunder Ernährung. Alle Länder brauchen eine ausreichende Versorgung mit Primärerzeugnissen und eine faire Kompensierung für ihre Erzeugung.
Die Lösung des Komplexes all dieser Fragen ist ein entscheidender Test dafür,
ob wir in der Lage sind, gemeinsam systematisch auf eine Steigerung des Wohlstandes der Welt zum Wohle aller hinzuarbeiten*
Zweitens müssen wir ein weitreichendes, langfristiges Programm zur Beschleunigung des technologischen Transfers entwickeln. Der Umfang der Kapitalinvestitionen an sich gewährleistet noch keine stetige wirtschaftliche Entwicklung. Es müssen genauso stetige Steigerungen der Produktivität erzielt
werden, die nur neue Technologien und ausgebildete einheimische Arbeitskräfte
bringen können. Umfassende Anstrengungen sind entscheidend wichtig: diese Frage verdient hohe Priorität und wird umfassende Anstrengungen erfordern.
Drittens müssen wir uns mit schwerwiegenden Zahlungsbilanz- und Schuldenproblemen befassen, denen sich eine Reihe von Entwicklungsländern gegenübersieht. Wachsende Importkosten, zum gr0-3ten Teil durch höhere ölpreise verursacht, und geringere Exporterlöse, die auf die Rezession in den Industriestaaten zurückzuführen sind, haben noch nie dagewesene Zahlungsbilanzprobleme geschaffen. Eine Besserung der Weltwirtschaftslage wird das Problem automatisch
für zahlreiche Länder mildern. Trotzdem müssen wir weiter nach Wegen suchen, wie
angesichts der besonderen Probleme bestimmter Entwicklungsländer geholfen werden kann.
Viertens

�Viertens müssen

w&gt; weiterhin den besonderen und dnnnenden Erfordernis-

sen der ärmsten Länder Rechnung tragen. Die Unterstützung dieser Länder wird
nicht nur zeigen, daß die Weltwirtschaft in der Lage ist, allen Ländern gleich
zu dienen; sie wird auch Ausdruck unseres kollektiven Verantwortungsbewußtseins sein.
Lassen Sie mich jetzt spezifische neue Wege vorschlagen, wie jedem dieser
vier Probleme begegnet werden kann:
Die Rohstoffexporte sind für die wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Wichtigkeit. Die Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen sind bei
ihren Exporterlösen fast zu zwei Dritteln auf Primärerzeugnisse angewiesen.
Produktion und Export dieser Rohstoffe werden jedoch durch die Launen des Wetters, die Fluktuationen der weltweiten Nachfrage sowie die neuen Technologien
beeinflußt. Die Zyklen von Verknappung und Überfluß, von zu geringer Investitionstätigkeit und Überkapazitäten wirken sich nachteilig auf die wirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungsländern wie auch in den Industriestaaten
aus.
Es ist in den letzten Jahren klar geworden, daß ein schrittweises Anpacken
dieser Probleme nicht ausreicht. Das UNCTAD-Sekretariat hat mit seinem integrierten Rohstoffprogramm einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Probleme
geleistet. Die Vereinigten Staaten können zwar nicht alle seine Elemente akzeptieren, doch sind sie zu einer Erörterung zahlreicher Aspekte bereit.

Auf dieser Konferenz unterbreiten die Vereinigten Staaten einen eigenen
umfassenden Plan zur Lösung der Rohstoffprobleme. Er trägt zahlreichen Zielen
des integrierten Programms wie auch unserem Wunsch nach konstruktiven Maßnahmen
auf allen Bereichen dieser Herausforderung Rechnung. Der Plan enthält folgende
Punkte:

�- Er soll eine ausreichende Finanzierung der Erschließung von Ressourcen
und eine gerechte Beteiligung des Gastlandes an den Erträgen sicherstellen;
- er soll die Bedingungen für den Handel mit und Investitionen bei den
einzelnen Rohstoffen verbessern und bei zu starken Preisschwankungen mildernd
wirken;
- er soll die Gesamtexporterlöse der Entwicklungsländer stabilisieren;
- er soll den Entwicklungsländern einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten für verarbeitete Erzeugnisse geben und gleichzeitig den Verbrauchern eine zuverlässige Belieferung gewährleisten.
Lassen Sie mich jetzt zu jedem dieser Punkte Stellung nehmen:

Ausreichende Investitionen
Der größte Teil der Gewinnung von Rohstoffen auf der Welt findet in der
Tat in den Industriestaaten statt. Wenn jedoch die wirtschaftliche Entwicklung voranschreiten soll, müssen besondere Anstrengungen zur Steigerung der
Gewinnung und des Exports von Primärerzeugnissen in den Entwicklungsländern gemacht werden. Ein solches Programm muß die folgenden Probleme lösen:
Erstens: wir müssen die politischen und wirtschaftlichen Probleme realistisch angehen,durch die Investitionen aus Entwicklungsländern in Industriestaaten abgeleitet werden. Paradoxerweise suchen gerade die Länder von einer
Erschließung von Ressourcen abzuraten, die ihrer am meisten bedürfen. Nationalisierung und erzwungene Veränderung der Konzessionsbedingungen in einigen
Entwicklungsländern haben das allgemeine Klima für Ressourceninvestitionen in
der unterentwickelten Welt verschlechtert. Soziale und politische Unsicherheit
haben die Aussichten für Investitionen weiter kompliziert. Infolgedessen sind
wirtschaftlich lebensfähige Projekte hinausgeschoben, aufgegeben oder andernorts durchgeführt worden. Kapital Überschüsse, Management und Technologie sind
für eine teurere Erschließung von Rohstoffen in der industrialisierten Welt
verwandt worden.

Zweitens:

�Zweitens: Schon im nächsten Jahrzehnt wird der weltweite Gesamtbedarf
an Investitionen zur Erschließung von Ressourcen gewaltig sein. Einzelne Projekte werden Kapital summen in bisher unbekannter Größenordnung und komplizierte.finanzielle Arrangements erfordern. Auch wird die Zeitspanne zwischen
dem Beginn eines Projekts und seiner Vollendung zwangsläufig immer größer.
Alle diese Faktoren vermehren die politischen Unsicherheiten und wirken sich
als weiteres Hemmnis für rationelle Investitionen aus.
Drittens: Es gibt keine Institution, die sich in umfassender Weise dafür
einsetzen kann, daß die Erschließung von Ressourcen - vor allem auf dem Gebiet der Energie und der Mineralien - erleichtert oder eine faire Beteiligung
an ihrer Nutznießung gefördert wird.
Wenn die derzeitigen Trends weiter anhalten, dann sind schwerwiegende
Fehlleitungen von Kapital, Management und Technologie unvermeidbar» Die Kosten
für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte werden explodieren. Viele potentielle Produzenten werden nicht in der Lage sein, das erforderliche Kapital
zu erhalten. Alle Länder werden den Preis dafür in Form beschleunigter Inflation und verlangsamten Wachstum zahlen - wobei die ärmsten Länder am meisten
darunter zu leiden haben.
Um diese Probleme zu überwinden

schlagen die Vereinigten Staaten die Ein-

richtung einer Internationalen Ressourcenbank (IRB) vor. Diese neue Institution würde der Förderung einer rationelleren, systematischeren und faireren
Erschließung von Ressourcen in den Entwicklungsländern dienen. Sie würde die
technologische Entwicklung und die unternehmerische Ausbildung in den Entwicklungsländern erleichtern. Sie würde mithelfen, den Rohstoffbedarf sicherzustellen, damit die Expansion der Weltwirtschaft aufrechterhalten werden kann, und
sie würde zu einer Abschwächung der Fluktuationen bei den Grundstoffpreisen
beitragen.

�Die Internationale Ressourcenbank würde Kapital für gesunde Projekte zur
Erschließung von Ressourcen durch Unterstützung einzelner Ressourcenprojekte
mobilisieren, um eine Direktfinanzierung sicherzustellen, und sie würde Bonds
herausgeben, für die der betreffende Rohstoff als Sicherheit dienen könnte.
Eine Alternative wäre, daß die Bonds mit Lieferung eines bestimmten Rohstoffes
eingelöst würden. Rohstoff-Bonds dieser Art könnten die Bedingungen für Lieferung und Marktzugang wesentlich verbessern und den Entwicklungsländern bei
der Stabilisierung ihrer Exporterlöse helfen.
Um das Vertrauen sowohl der Gastregierungen als auch der Investoren zu
stärken, würde die Internationale Ressourcenbank ihre Tätigkeit mit einem Kapitalfonds von einer Milliarde Dollar beginnen. Sie würde zusammen mit den
ausländischen Investoren und den Gastregierungen an den Abkommen für die Projekte beteiligt sein, in denen die Bedingungen für die Investition auf einer
für alle Parteien akzeptablen Basis genau festgelegt werden. Ein solches Abkommen könnte eine Formel für die Aufteilung der Produktion sowie Zusagen des
Investors einschließen, bei der Entwicklung des Manager-, Technologie- und
Vertriebspotentials des Gastlandes zu helfen. Die Bank würde hinter der Garantie stehen, daß sowohl der Investor als auch das Gastland sich gemäß den Bedingungen verhalten, die in dem Projektabkommen festgelegt worden sind.
Um eine wirksame Koordinierung mit anderen öffentlichen Institutionen zu
gewährleisten, könnte die Internationale Ressourcenbank mit der Weltbankgruppe
assoziiert werden, und zwar in einer Form, die von den Mitgliedsstaaten festzulegen wäre. Sie könnte in enger Zusammenarbeit - und zwar weit wirksamer mit anderen Institutionen wie der Weltbank und der mit dieser assoziierten Internationalen Finanzierungsgesellschaft, der Interamerikanischen Entwicklungsbank wie auch mit dem Revolvingfonds der Vereinten Nationen für die Mineralexploration ihre Tätigkeit durchführen.
Der IRB-Vorschlag bietet zahlreiche Vorteile und neue Konzeptionen:
- Ihre

- 13 -

�- Ihre Förderrolle als dritte Partei neben dem Gastland und dem ausländischen Investor würde Bedingungen für die Projektentwicklung schaffen,
die den international anerkannten Normen der Gleichberechtigung entsprechen.
- Das IRB-System gibt eine multilaterale Garantie dafür, daß sich sowohl das Gastland als auch der ausländische Investor so verhalten, wie dies
in dem Projektabkommen festgelegt worden ist - dadurch werden die nichtkommerziellen Risiken verringert. Dies muß praktisch zu einem verstärkten
Fluß von Investitionskapital für Ressourcenprojekte zu tragbaren Bedingungen
führen.
- Der Vorschlag sieht Vereinbarungen über die Aufteilung der Produktion
vor, die dem ausländischen Investor einen festen Prozentsatz der Gesamtproduktion zusichern,während

das Gastland die freie Verfügung über den Rest

hat. Das Gastland wird so von Anfang an an der Produktion beteiligt und verfügt
damit über eine Basis für die Weiterverarbeitung des Rohstoffes, sofern sich
dies als wirtschaftlich möglich erweisen sollte.
- Rohstoff-Bonds wären ein nützliches neues internationales Instrument,
um Vorauskäufe von Rohstoffen zu ermöglichen. Sie könnten zu einer Stabilisierung der Erlöse beitragen, und - unter bestimmten Bedingungen - zur Finanzierung von Ausgleichsbeständen. Sie würden dem Gastland zusätzlich Gewähr für
den Zugang zu den Märkten und dem Verbraucher für den Zugang zu den Rohstoffen geben.
- Schließlich würden über
lungsländer kommen. Die beiden
liche Entwicklung - Management
Investor direkt in einer neuen

die IRB moderne Technologien in die Entwickwichtigsten Voraussetzungen für eine wirtschaftund Technologie - werden von dem ausländischen
Form der Kapitalinvestition eingebracht. Das

tri-laterale Abkommen könnte Bestimmungen für einen schrittweisen Erwerb von
Technologien durch das Gastland einschließen und so wesentlich zu dem Prozeß
des technologischen Transfers beitragen.
Wir

�Wir betrachten die Internationale Ressourcenbank als eine grundsätzliche,
neuartige und bedeutsame Antwort auf die grundlegenden Erfordernisse der Entwicklungsländer und der internationalen Völkergemeinschaft. Sie stellt einen
bedeutenden Fortschritt dar bei der Aufteilung der Gewinne und der Verantwortungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. Sie wird dazu beitragen, den erforderlichen Fluß von Kapital, Management und Technologien in
die Erschließung von Ressourcen unter Bedingungen sicherzustellen, die für
die Gastländer akzeptabel sind. Und sie wird die Möglichkeiten genauer Voraussagen stärken, die notwendig sind, um Investitionskapital anzuziehen. Wir
hoffen, daß andere Länder sich uns in den nächsten Monaten anschließen werden, um dieser weltweiten Institution Form zu geben und sie aufzubauen.

Bessere Bedingungen für Handel und Investitionen bei den einzelnen Rohstoffen

Wir sind alle mit den Problemen vertraut, denen die Weltwirtschaft auf
diesem Gebiet sich in den letzten Monaten gegenübersah. Innerhalb von nur
zwei Jahren folgte auf die angespannte Versorgungslage und die astronomischen
Preise bei zahlreichen wichtigen Rohstoffen eine Zeit nachgebender Preise. Zahlreiche Volkswirtschaften wurden schwer erschüttert und verschiedene Länder
mußten Zahlungsbilanzkrisen durchstehen. Drastische Preisänderungen treffen
die Entwicklungsländer besonders hart und führen zu einem Chaos bei ihren Devisenerlösen und Entwicklungsplänen. Und weil Projekte für die Gewinnung von
Rohstoffen Jahre für ihre Entwicklung brauchen und hohe Risiken einschließen,
führen schwankende Preise zu ungleichmäßigem Investitionsverhalten.
Es gibt verschiedene Wege zur Stärkung der Rohstoffmärkte - langfristige
Kontrakte, besserer Austausch von Marktinformationen, bessere Verteilung, wirksamere Produktionsverfahren sowie bessere Bevorratung und Transporteinrichtungen.
Wir

�Wir pflichten dem UNCTAD-Sekretariat bei, daß Ausgleichsvorräten besondere Beachtung geschenkt werden sollte. Bei den Rohstoffen, bei denen Ausgleichsvorräte möglich sind, lassen sich starke Preisschwankungen durch Anlegen von Vorräten in einer Zeit mildern, in der die Märkte schwach sind. Und
eine ausreichende Versorgung kann durch Freigabe von Vorräten sichergestellt
werden, wenn die Marktlage angespannt ist.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Ausgleichsvorräte durch eine
Kombination von Mitteln finanziert werden können - direkte Beiträge der Teilnehmerländer; Exportsteuern;kommerzielle Anleihen, die durch die an den Ausgleichsvorräten beteiligten Länder garantiert werden,ode

über die bestehenden

Einrichtungen der internationalen Institutionen. Sollten sich die vorhandenen
Mittel als unzureichend erweisen, wären wir auch bereit, die IRB als zusätzliche Quelle für die Finanzierung eines bestimmten Ausgleichsvorratslagers in
Erwägung zu ziehen. Wir sind überzeugt, daß auf diese Weise eine ausreichende
internationale Finanzierung der Ausgleichsvorräte im Rahmen des jeweiligen
Rohstoffabkommens sichergestellt werden kann, unter dem die Vorräte angelegt
worden sind. Natürlich wollen die Vereinigten Staaten nicht, daß eine Ausgleichsbevorratung, für die wir eine Beteiligung zugesagt haben, mangels einer
ausreichenden Finanzierung nicht zustandekommt.

Die Vereinigten Staaten haben eine konstruktive Haltung zu anderen Aspekten des Rohstoffproblems eingenommen:
- Wir haben gemeinsam mit den Erzeugern und Verbrauchern der wichtigsten
Rohstoffe einer Vereinbarung über Maßnahmen zugestimmt, um die Märkte zu verbessern und zu stabilisieren.
- Wir haben bei Kaffee und bei Zinn Rohstoffabkommen unterzeichnet

und

wir werden uns an den Verhandlungen über Zucker beteiligen,, Wir meinen, daß sich
Kakao für ein Abkommen über Ausgleichsvorräte gut eignet. Wir sind jedoch über
das vor einigen Monaten ausgehandelte Abkommen enttäuscht, das unseres Erach-

�Erachtens kaum zu einem besseren Funktionieren der Kakao-Märkte beitragen
wird. Falls andere Parteien interessiert sind, so stehen wir für neue Verhandlungen über dieses Abkommen bereit.
- Die Vereinigten Staaten haben kürzlich an der ersten Zusammenkunft der
Erzeuger und Verbraucher von Kupfer teilgenommen. Wir hoffen auf die Einsetzung einer ständigen Erzeuger-Verbrauchergruppe.
- Die landwirtschaftlichen Rohstoffe bedürfen ebenfalls eingehender Beachtung. Denen, die von einem Rückgang an Absatzmärkten aufgrund wachsenden
Wettbewerbs durch Erzeuger, die zu niedrigeren Kosten produzieren, und durch
synthetische Produkte bedroht werden, kann durch Marktförderung, Forschung,
Steigerung der Produktivität und bessere Vermarktung oder Ausweichen auf andere Erzeugnisse geholfen werden. Wir empfehlen, daß die Erzeuger-Verbrauchergremien, die sich mit den einzelnen Rohstoffen befassen, ihr Augenmerk auf
solche Möglichkeiten richten. Wir fordern, daß die Weltbank und die regionalen
Entwicklungsbanken der Finanzierung von Projekten für solche Zwecke hohe Priorität einräumen.
Heute schlagen die Vereinigten Staaten folgende zusätzliche Maßnahmen
vor:
- Erstens: Wir wollen ein Abkommen über einen festen Zeitplan zur Untersuchung der spezifischen Rohstoffprobleme, die für die Entwicklungsländer von
Interesse sind, erreichen. Wir sind bereit, gemeinsame Beratungen in diesem
Jahr mit den Erzeuger-Verbrauchergremien über Maßnahmen aufzunehmen, um Stabilität, Wachstum und Funktionsfähigkeit der Absatzmärkte für alle wichtigen
Rohstoffexporte aus den Entwicklungsländern zu verbessern. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Einsetzung solcher Gruppen für Bauxit und für Eisenerz gegeben werden.
- Zweitens:

- 17 -

�Zweitens: Da viele der ärmsten Länder bei ihren Exporterlösen von diesen Erzeugnissen abhängig sind, fordern wir, daß Weltbank und regionale Institutionen Projekte zur Verbesserung der Produktionseinrichtungen und der
Absatzmärkte für Jute, Sisal und andere Hartfasern fördern - oder daß sie ein
Ausweichen auf andere Erzeugnisse erleichtern, so daß diese Länder nicht
mehr in so hohem Maße von diesen Produkten abhängig sind.
- Schließlich sollte jedes Programm zur Erschließung von Ressourcen die
beiden wichtigsten internationalen Ressourcen - Nahrungsmittel und Energie herausstellen.
Voraussagen über gute Ernten dürfen uns nicht dazu verführen, daß wir
den auf der Welternährungskonferenz begonnenen Fortschritt uns wieder entgleiten lassen. Auf dieser Konferenz haben die Länder beschlossen, auf ein
System internationaler Getreidereserven hinzuarbeiten, um die Sicherstenung
der Ernährung besser gewährleisten zu können. Sie haben ferner vereinbart,
die landwirtschaftliche Forschung stärker zu unterstützen, Programme zur Verbesserung der Ernährung zu entwickeln und die Entwicklung der Landwirtschaft
in Ländern mit Niedrigeinkommen zu verstärken.
Wir rufen die anderen Länder auf, gemeinsam mit uns darauf hinzuarbeiten,
damit die Konzeption internationaler Lebensmittelreserven verwirklicht wird,
die Unterstützung der Entwicklung der Landwirtschaft in

den ärmeren Ländern

zu verstärken und die erforderliche Nahrungsmittelhilfe zu gewähren.
Auf dem Energiesektor unterstützen wir nachdrücklich die Bemühungen der
Erdölerzeuger und -Verbraucher sowohl aus den Industriestaaten als auch aus
den Entwicklungsländern,auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit gemeinsame Lösungen zu erreichen. Wir fordern, uaß unser Vorschlag für ein Internationales Energieinstitut - das den Entwicklungsländern
helfen würde, ihre einheimischen Energiequellen vermehrt zu nutzen - in den
kommenden Monaten mit Vorrang behandelt wird.
Stabilisierung

�Stabilisierung der Exporterlöse der Entwicklungsländer

Auf der 7. Sondersitzung haben die Vereinigten Staaten betont, daß die
Notwendigkeit, den Entwicklungsländern wirtschaftliche Sicherheit zu geben,
für sie oberste Priorität hat. Wir sind weiterhin der Auffassung, daß das
Wirtschaftssystem der Welt den Entwicklungsländern größere Sicherheit vor
den schlimmen Auswirkungen schwankender Preise, einer Rezession, Inflation
oder anderer Wirtschaftskrisen geben muß, die sie nicht verhindern oder denen
sie nicht ausweichen können.
Wir begrüßen die schnelle Verwirklichung unserer Vorschläge auf der
Sondersitzung für eine weitgehende Erweiterung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Neufestsetzungen machen Milliarden Dollar für neue Finanzierungen frei, um starke Rückgänge bei den Exporterlösen auszugleichen. Der
wohl wichtigste Schritt voran war die Zusage des IWF, seine kompensierende
Finanzierungsfazilität zu liberalisieren. Bis jetzt sind aus dieser verbesserten Fazilität rund 800 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Wenn
diese Rate anhält, wird von dieser Fazilität in diesem Jahr mehr Geld ausgeliehen worden sein als in den letzten 12 Jahren insgesamt zur Verfügung gestellt wurde.
Ein weiterer wichtiger Fortschritt war die Errichtung eines IWF-Treuhandfonds, um den ärmsten Ländern zu helfen, den Zahlungsbilanzerfordernissen zu entsprechen. Obwohl zahlreiche Entwicklungsländer beträchtliche
Zuwendungen von der kompensierenden Finanzierungsfazilität erhalten haben,
benötigen die Länder mit Niedrigeinkommen, deren Exporteinnahmen von einem
oder zwei Rohstoffen abhängig sind, oftmals zusätzliche finanzielle Hilfe, um
ihre Zahlungsbilanzprobleme lösen zu können. Um diesen ärmsten Ländern zu
helfen, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß der Treuhandfonds
den ärmeren Ländern eine konzessionelle Finanzierung gewährt, um Erlösrückgänge bei einer vereinbarten Liste besonders wichtiger Rohstoffe auszugleichen.
Weiter

- 19 -

�Weiter wären die Vereinigten Staaten bereit, gemeinsam mit anderen nach
Wegen zu suchen, um die Mittel des Treuhandfonds aufzufüllen, falls sie sich
für die Stabilisierung der Erlöse der Entwicklungsländer mit Niedrigeinkommen
als unzureichend erweisen sollten. Wir fordern besonders die ölerzeugerlander
mit starken Reserven auf, zu dem Kreditpotential des Treuhandfonds beizutragen.

Ausweitung des Handels mit Ressourcen und weiterverarbeiteten Erzeugnissen
Handel ist für alle Länder ein Motor des Wachstums gewesen; für zahlreiche Entwicklungsländer ist er das wohl wichtigste Mittel zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen zur Deckung des besonderen Kapitalbedarfs der Entwicklungsländer ergriffen. Wir haben die weltweiten Handelsschranken abgebaut, vor allem die
für weiterverarbeitete Erzeugnisse; wir haben zahlreichen Exporten aus den
Entwicklungsländern bevorzugt Zugang zu unserem Markt gewährt; wir haben bei
den multilateralen Handelsverhandlungen in Genf auf einen Abbau der Handelsschranken für tropische Erzeugnisse hingearbeitet und wir haben in unserer Handelspolitik generell den besonderen Handelsbedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen.
Wir stehen jetzt vor folgenden Aufgaben:
- Wir müssen das Tempo beim Abbau der internationalen Handelsschranken
beibehalten.
- Wir müssen unser Augenmerk ganz besonders auf den Abbau der Handelsschranken für weiterverarbeitete Erzeugnisse konzentrieren, die die Industrialisierungsbemühungen der Entwicklungsländer verzögern.
- Wir brauchen zusätzliche internationale Vereinbarungen, um die Zuverlässigkeit der Versorgung zu gewährleisten, denn ein stetiger Fluß von neuen
Rohstoffen ist für jedes Land entscheidend wichtig.

.._

�Um das Tempo beim Abbau der Handelsschranken beizubehalten, haben die
Industriestaaten der OECD, trotz der Belastungen ihrer Volkswirtschaften
durch die gestiegenen Energiekosten und die Rezession, feierlich zugesagt,
restriktive Handelsmaßnahmen zu unterlassen. Die Vereinigten Staaten werden
gemeinsam mit den anderen Industriestaaten auf der nächsten OECD-Ministertagung im Juni diese feierliche Zusage erneuern.
Darüber hinaus werden wir bei den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen den Interessen der Entwicklungsländer besondere Aufmerksamkeit widmen, vor allem auf Gebieten wie dem Export von weiterverarbeiteten Erzeugnissen, tropischen Erzeugnissen und nicht-tarifären Handelsschranken.
Die Einführung eines allgemeinen Präferenzsystems (GSP) durch die Vereinigten Staaten hat im Verein mit den Präferenzsystemen der anderen Industriestaaten den Entwicklungsländern bedeutsame Handelschancen eröffnet. Unser
eigenes Präferenzsystem erstreckt sich bereits auf über 2 700 Handelsartikel
aus fast hundert Ländern. Der jährliche Handelswert dieser Produkte liegt bei
ungefähr 2,5 Milliarden Dollar. Wir prüfen die Möglichkeit einer Aufnahme weiterer Produkte in dieses System.

Die Vereinigten Staaten gewähren dem UN-Entwicklungsprogramm zur Finanzierung eines gemeinsamen GATT/UNCTAD-Programms für technische Hilfe an die
Entwicklungsländer vorrangige Unterstützung. Das Programm wird diesen Ländern
helfen, die sich ihnen mit den Präferenzssystemen der Industriestaaten bietenden Vorteile dadurch voll auszuschöpfen, daß sie die produktivsten Gebiete
für neue und vermehrte Exporte herausfinden sowie die besten Techniken für den
Verkauf ihrer Produkte in Anwendung bringen können.
Außerdem werden zur Zeit im MTN intensive Verhandlungen über die Frage
der Zölle bei solchen tropischen Produkten, einschließlich der weiterverarbeiteten Produkte und Fertigerzeugnisse, geführt, die für die Entwicklungsländer
von besonderem Interesse sind. Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, auf

- 21 -

�auf diesem Gebiet so bald wie möglich zu vereinbarten Zollsenkungen zu gelangen, nachdem über den Gesamtkomplex der tropischen Produkte Einigung erzielt worden ist.
Die Vereinigten Staaten sind im Einklang mit der Deklaration von Tokio
der Überzeugung, daß die MTN-Verhandlungen über Bestimmungen für die nichttarifären Zoll-und Handelsschranken den Erfordernissen

der Entw4ck1«ngslander

größere Beachtung schenken müssen. So glauben die Vereinigter Staaten beispielsweise, daß ein Kodex über die Anwendung von Ausgleichszöllen bei Exportsubventionen die besonderen Bedingungen berücksichtigen sollte, denen
sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Wir werden darauf dringen, daß
die besonderen Erfordernisse der Entwicklungsländer in Rechnung gestellt werden, wenn neue internationale Regeln über Ausgleichsmaßnahmen aufgestellt werden.
Was die neuen Bestimmungen über Sicherheitsmaßnahmen bei Importschäden
anbetrifft, so werden wir für die Entwicklungsländer, die nur geringe Mengen
exportieren oder als neue Partner zum amerikanischen Markt finden, eine Sonbehandlung in Erwägung ziehen.

Wir sind uns auch darüber im klaren, daß Entwicklungsländer noch an anderen Reformen des Handelssystems interessiert sind, die derzeit nicht zur Verhandlung stehen. Wir werden auf die von ihnen vertretenen Ansichten mit aller
Aufgeschlossenheit eingehen. Wir sind zuversichtlich, daß bei gutem Willen auf
allen Seiten ein konstruktives Abkommen über spezielle Reformprobleme innerhalb des zeitlichen Rahmens der multilateralen Handelsverhandlungen erreicht
werden kann.

Die Senkung der Zölle für den Export von weiterverarbeiteten Rohstoffen
aus den Entwicklungsländern ist besonders wichtig. Ein Abbau dieser Zollschranken würde neue Möglichkeiten für eine Ausweitung und Diversifizierung
des Exports schaffen, vor allem dort, wo die derzeitigen Zölle entsprechend

�entsprechend dem Grad der Weiterverarbeitung sprungartig in die Höhe schnellen. Dementsprechend wird der Vorschlag zu einer Zoll Senkung, den die Vereinigten Staaten bei den MTN gemacht haben, nicht nur zu einer erheblichen Reduzierung der Zölle führen, sondern auch eine Eskalation des Zolls abbremsen.
Wir glauben, daß die Entwicklungsländer hierin einen Anreiz zu einer positiven Zusammenarbeit bei den derzeitigen Verhandlungen sehen werden.

Wenn ein offenerer Zugang zu den Märkten die eine Säule eines expandierenden internationalen Handelssystems ist, so ist die größere Sicherheit und
Zuverlässigkeit bei der Rohstoffversorgung die andere. Ohne angemessene Zusicherungen seitens der Erzeugerländer, nicht willkürlich störend in die Exporte einzugreifen, müßten sich die Importländer nach anderen Lieferquellen
umsehen. Die Verbraucher würden dann die Kosten einer weniger effizienten
Produktion, die unzuverlässigen Produzenten aber die Kosten für verlorene
Märkte und verringerte ausländische Investitionen zu tragen haben.
Es besteht ein dringendes Bedürfnis für eine Analyse der Methoden zur
Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Rohstofflieferungen. Wir
fordern nachdrücklich, daß im GATT unverzüglich mit Untersuchungen begonnen
wird, die feststellen sollen, ob ein internationaler Kodex über Exportkontrollen durchführbar ist. Ein solcher Kodex sollte in klarerer Form die Umstände
definieren, unter denen Länder legitimerweise Exportkontrollen zur Anwendung
bringen können. Dies würde die Unsicherheiten für die Verbraacher und für die
Exporteure reduzieren und es würde den politischen Schaden in den Beziehungen
zwischen den Ländern etwas verringern, wenn den Exporten Restriktionen auferlegt werden.
Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin um bindende Zusagen für
eine zuverlässige Belieferung mit Rohstoffen im Rahmen der spezifischen Abkommen bemühen, die für einzelne Rohstoffe ausgehandelt sind.
Herr

- 23 -

�Herr Präsident, hochverehrte Delegierte, dieses Vier-Punkte-Programm
- eine neue Internationale Ressourcenbank; Bemühungen,

'VÖli Fall zu Fall die

Bedingungen für Handel und Investitionen bei Primärerzeugnissen zu verbessern;
Stabilisierung der Exporterlöse und verbesserte Markt-und Lieferungsbedingungen - dieses Programm erkennt an, daß diese Fragen mvceinander zusammenhängen;
es erlaubt jedoch eine pragmatische und flexible Behandlung spezifischer Probleme. Der von mir beschriebene Weg ist ein von den Vereinigten Staaten unternommener großangelegter Versuch, mit den RohstoffProblemen auf umfassender
Basis fertig zu werden. Er ist praktisch durchführbar und realisierbar; es ist
ein Programm, das den Erfordernissen von Entwicklungsländern und Industriestaaten in gleichem Maße gerecht wird. Wir bitten um günstige Aufnahme unserer Vorschläge und rasche gemeinsame Maßnahmen.

Technologie für die Entwicklung
i

•

i*"

Lassen Sie mich auf ein anderes Gebiet von großer Bedeutung zu sprechen
kommen: die Anwendung der Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Technologie ist der wesentliche Kern des Entwicklungsprozesses; sie
ermöglicht es dem Menschen, seine Horizonte über den bloßen Kampf um die Erhaltung der Existenz auszuweiten. Die Technologie holt aus den begrenzten
Ressourcen unseres Erdballs das Äußerste heraus, Sie spannt die Intelligenz
des Menschen und die Kräfte der Natur ein, um die menschlichen Bedürfnisse
zu befriedigen.'
Seit zwei Jahrhunderten hat der technische Fortschritt das Fundament für
rasches industrielles Wachstum abgegeben. Eine zentrale Aufgabe unserer Zeit
ist es, die Segnungen der Technologie aller Ländern zugänglich zu machen
Es gibt eine Reihe von Hindernissen, die einem raschen und wirksamen
Transfer von Technologie aus den Industriestaaten in die Entwicklungsländer
im Wege stehen.
Erstens,

- 24 -

�Erstens, in vielen Fällen dürfte die Technologie aus den Industriestaaten nicht den wirklichen Erfordernissen der Entwicklungsländer entsprechen.
Ganz allgemein besteht die Aufgabe nicht in der Übertragung einer getreuen
Kopie der bestehenden Technologie, sondern in der Entwicklung einer neuen Technologie und neuer technologischer Institutionen, die den Bedingungen der einzelnen Entwicklungsländer besser entsprechen.
Zweitens, den Entwicklungsländern fehlt es oft an entsprechenden Informationen und der Sachkunde, um die Technologie zu bestimmen, die ihren Erfordernissen am besten gerecht wird.
Drittens, oft besteht ein Mangel an ausgebildetem Personal, das gebraucht
wird, um die Technologie auszuwählen, anzupassen und wirksam in Betrieb zu
halten.
Viertens, Technologie läßt sich oft nicht von Kapital und Management
trennen. Daher ist sie eines der Elemente des gesamten Investitionsprozesses.
Um erfolgreich zu sein, muß die Technologie innerhalb reines Rahmens der Regierungspolitik angewandt werden, der den Prozeß des technologischen Transfers erleichtert und fördert.
Die Aufgabe besteht daher nicht einfach darin, Formeln oder Konstruktionspläne zu übergeben. Wir müssen nach einer umfassenderen Methode vorgehen, die
uns einen weiten Bereich von Programmen und Anreizen an die Hand gibt, um
beides, Technologie und das fundamentale Wissen und Können, zu übertragen, damit es Wurzel schlagen und sich wirksam entfalten kann.
Um dies zu unterstützen und zu fördern schlagen die Vereinigten Staaten
vor, nach einem Fünf-Punkte-Konzept vorzugehen:
Erstens, um die Technologie den Erfordernissen der Entwicklungsländer anzupassen, treten die Vereinigten Staaten dafür ein, ein Netz von Forschungsund Entwicklungsinstitutionen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene
- 25 -

�Ebene einzurichten. Wir müssen die globalen Forschungskapazitäten für die Entwicklung und zur Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen
stärken.
Daher unterbreiten wir folgende Vorschläge:
- Es sollte ein internationales Industrialisierungsinstitut zur Förderung
von Forschung und Entwicklung industrieller Technologien, die sich für Entwicklungsländer eignen, geschaffen werden. Eine Konferenz der Gründer, die
alle interessierten Länder einschließt, sollte spätestens im Herbst dieses
Jahres abgehalten werden.
- Die Energiekommission der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit sollte ein internationales Energieinstitut errichten, das die
Energieforschung und die Anwendung energiebezogener Technologien entsprechend
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer fördern sollte.
Wir sollten das bestehende Netz für angewandte Forschung auf den Gebieten
der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens und der Ausbildung ausweiten. Die
Schaffung neuer Institutionen muß von Maßnahmen begleitet sein, die den Prozeß des technologischen Transfers unterstützen. Zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern schlagen die Vereinigten Staaten neue Programme auf drei Gebieten der fortgeschrittenen Wissenschaften vor, auf denen wir wesentliche Beiträge an Wissen und Erfahrungen leisten
können;
bei der Satellitentechnologie
bei der Erschließung der Wasserressourcen und
bei der Meerestechnologie.
- Die Satellitentechnologie ist als Instrument der wirtschaftlichen Entwicklung ganz besonders vielversprechend. Hochempfindliche Satellitensonden
können zur Ortung von Ressourcen, zur Erntevoraussage und zur verbesserten
Landnutzung in den Entwicklungsländern eingesetzt werden. Sie können dazu bei•

- 26 -

�beitragen, Naturkatastrophen vorherzusagen und zu analysieren. Moderne Kommunikationstechnologien, unter Einschluß von Satelliten, bieten ein großes,
noch nicht ausgeschöpftes Potential zur Verbesserung des Schulwesens, der
Ausbildung, des Gesundheitswesens, der Nahrungsmittelerzeugung sowie anderer
für die wirtschaftliche Entwicklung notwendiger Projekte.
Daher werden die Vereinigten Staaten von Juli bis Oktober dieses Jahres
für interessierte Entwicklungsländer Vorführungen über die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten veranstalten, die der experimentelle ATS-6 Kommunikationssatellit,

die Landsat-Satellitensonde und Satellitenkameras mit Hoch-

leistungsoptik für die wirtschaftliche Entwicklung bieten. Wir sind bereit,
mit den Entwicklungsländern bei der Einrichtung von Zentren, der Ausbildung
von Personal und, wo möglich, der Ausrichtung unserer zivilen Satellitenprogramme auf ihre Erfordernisse zusammenzuarbeiten.
- Die Vereinigten Staaten werden eine führende Rolle bei der Anwendung
der technologischen ERkenntnisse auf dem Gebiet der Wasserressourcen für
Aufgaben wie die Verbesserung von Qualität und Produktivität der Landwirtschaft
sowie die Entwicklung neuer Industrien übernehmen. Wir werden uns aktiv an
der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen, die im März kommenden Jahres
stattfinden soll, beteiligen und Programme zur Weitergabe unseres Wissens
und unserer Erfahrungen vorlegen.
- Die erforderlichen Technologien für die Erschließung der Ressourcen
im Meeresboden, für das Fischereiwesen sowie die Nutzbarmachung des riesigen
Potentials der Ozeane werden gegenwärtig rasch entwickelt. Die Vereinigten
Staaten haben wesentliche Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt.
Wir beabsichtigen, Wissenschaftler, Manager und Techniker aus den verschiedenen Ländern zur Teilnahme an unseren wissenschaftlichen Projekten einzuladen. Und wir unterstützen nachdrücklich die Bestimmungen des Seerechtsabkommens, die Anreize für die Weitergabe der Tiefseetechnologie bieten, soweit diese den Erfordernissen eines Entwicklungslandes entsprechen.
- Schließlich
- 27 -

�- Schließlich besteht ein dringender Bedarf für die Entwicklung von
Verfahren, um die Technologie zur Verbesserung der fundamentalen Existenz der
A^men anzuwenden. Die Vereinigten Staaten verstärken gegenwärtig die technische Komponente ihrer Entwicklungsprogramme, um die Grundnahrungsmittel, Gesundheitsdienst und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Das zweite Element unseres Programmes ist die Verbesserung von Umfang
und Qualität der technologischen Informationen, die den Entwicklungsländern
zugänglich gemacht werden, sowie die bessere Auswahl der Technologien entsprechend ihrem Bedarf. Wir unterstützen die Bemühungen des internationalen Zentrums für den Austausch technologischer Informationen der Vereinten Nationen,
umfassende Informationen über Potential und Einrichtungen der nationalen und
regionalen Informationsdienste zu sammeln. Die Vereinigten Staaten ihrerseits
werden ihre nationalen technologischen Informationsquellen inventarisieren
und den Entwicklungsländern sowie der UN-Zentrale Berater und andere Dienstleistungen zur Verfugung stellen, um ihnen einen besseren Zugang zu unseren nationalen Informationseinrichtungen zu gewähren. Dies schließt die Nationale
Medizinische Bibliothek, die Abteilung Wissenschaftliche Informationen der
Amerikanischen Stiftung der Wissenschaften, die Nationale Landwirtschaftsbibliothek sowie den Smithsonian Informationsdienst ein„
Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner den vorgeschlagenen UNCTADBeratungsdienst, der die Entwicklungsländer besser in die Lage versetzen soll,
die für ihren Bedarf am besten geeigneten Technologien festzustellen, auszuwählen und zu erwerben. Wir unterstützen die Konzeption eines unter de»"
UNCTAD arbeitenden regionalen Beratungsdienstes. Der für den technologischen
Bedarf bestimmter Gebiete und Länder Unternehmen und Ressourcen bereit stellen soll. Diese regionalen Zentren könnten als Leitstelle für die Aktivitäten
anderer Programme und Institutionen zur Nutzbarmachung von Technologie für
die Entwicklungsländer dienen.
Drittens

�Drittens schlagen die Vereinigten Staaten zur Heranbildung neuer Generationen von Technologen und technologischen Managern vorrangige Anstrengungen
für die Ausbildung von Personen vor, die für den Bedarf der Entwicklungsländer
geeignete Technologien entwickeln, abgrenzen und anwenden können. Hierzu
Folgendes:
- Die Ausbildung kompetenter Manager künftiger Technologien sollte Hauptziel des vorgeschlagenen internationalen Industrialisierungsinstituts und
des Internationalen Energieinstituts sein.
- Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden Universitäten, Forschungsinstitute und Ausbildungsschulen der Industrie in den Vereinigten Staaten ermutigen, besondere Institute und Studienpläne für die technologische Ausbildung
in den Entwicklungsländern einzurichten; wir werden ihre Schwesterinstitutionen in den Entwicklungsländern unterstützen. Wir laden andere Industriestaaten ein, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen.
- Schließlich schlagen die Vereinigten Staaten die Entwicklung geeigneter Anreize und Maßnahmen vor, um die Abwanderung hochspezialisierter Arbeitskräfte aus den Entwicklungsländern zu unterbinden. Denn wenn die ausgebildeten
Technologiemanager ihre Heimatländer verlassen, so haben die Entwicklungsländer
keinen Nutzen mehr von ihnen„
In diesem Zusammenhang wird die amerikanische Regierung die Bildung eines
technologischen Korps fördern, das, was Organisation und Tätigkeit anbetrifft,
unserem Verwaltungskorps entsprechen wird. Es wird sich hier um eine private,
gemeinnützige Organisation handeln, zu der Wirtschaftsunternehmen und Universitäten hochspezialisierte Fachkräfte abstellen würden, die über besondere Erfahrungen in der Leitung wissenschaftlicher und technischer Programme verfügen. Sie werden mit den einheimischen Arbeitskräften bei bestimmten Entwicklungsprojekten zusammenarbeiten und an ihrer Ausbildung mitwirken.
Das

- 29-

�Das vierte Element unserer Initiative betrifft den Prozeß des Transfers
vorhandener Technologien, der wirksamer und gerechter werden soll.
In den Industriestaaten sind neue Technologien in erster Linie im privaten Wirtschaftssektor anzutreffen. Private Unternehmen sind am ehesten in der
Lage, Management, Technologie und Kapital als zusammengehöriges Ganzes zur
Verfügung zu stellen. Um diesen Beitrag zu ermöglichen, müssen Industriestaaten wie auch Entwicklungsländer ein für einen technologischen Transfer förderliches Klima schaffen,, Die Vereinigten Staaten empfehlen die Entwicklung
freiwilliger Richtlinien, die die Bedingungen und Normen des technologischen
Transfers festlegen und die einen ordnungsgemäßen Transfer von Technologien
ermutigen, erleichtern und optimal gestalten sollen.
Die vorgeschlagene Internationale Ressourcenbank bietet ebenfalls Möglichkeiten, die Fähigkeit der Entwicklungsländer auf dem Gebiet des technologischen Managements zu stärken und dadurch den technologischen Transfer zu
fördern. In dem tri-lateralen Abkommen zwischen dem Gastland und der Internationalen Ressourcenbank würde der ausländische Investor in der Regel Management und Technologie zur Verfügung stellen. Das Investmentprojekt könnte im
beiderseitigen Einvernehmen die Verpflichtung für einen schrittweisen Transfer eines Teiles der Technologie an das Gastland nach Auslaufen des Abkommens
einschließen und das Entwicklungsland so schneller in die Lage setzen, solche
Technologien selbst zu verwalten.
Der Fluß von Technologien in die Kanäle des Welthandels kann durch restriktive Praktiken umgeleitet werden. Einige Praktiken könnten den technologischen Transfer direkt einengen; darüber hinaus könnten dort, wo ein technologischer Transfer erfolgte, restriktive Bestimmungen für den Handel mit
technologischen SpezialProdukten die Vorteile dieses Transfers für andere begrenzen. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die internationale Aufmerksamkeit auf den gesamten Bereich dieser Praktiken gelenkt wird

mit dem

Ziel ihres Abbaus oder ihrer Beseitigung.
Das

�Das fünfte Element des amerikanischen Programms ist die Festsetzung von
Zielen, die vor und während der jetzt für das Jahr 1979 vorgeschlagenen Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden sollen. Die Vereinigten Staaten unterstützen nachdrücklich diese Konferenz und ihre Ziele. Die Vorbereitungen
für diese Konferenz bieten den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern eine große Chance, ihre Verantwortung für die Weitergabe und Anwendung
von Technologien zu überprüfen.
Zur Beschleunigung unserer Vorbereitungen werden die Vereinigten Staaten
im kommenden Jahr auf einer nationalen Konferenz unsere besten Wissenschaftler
aus Universitäten, Stiftungen und Privatunternehmen zusammenbringen. Ihre
Aufgabe wird es sein, den weiten Rahmen der technologischen Fragen zu erörtern,
die für die Entwicklungsländer von Interesse sind. Man wird sie bitten, zur
Mobilisierung der amerikanischen Ressourcen beizutragen, um den Entwicklungsländern bei der Deckung ihres Forschungsbedarfs zu helfen. Man wird sie ermutigen, detaillierte amerikanische Vorschläge für die von mir erwähnten Konferenzen und Institute auszuarbeiten.
Wir empfehlen ferner, daß die OECD-Länder vordringlich die Möglichkeiten
eines größeren Beitrages aller Industriestaaten prüfen, um die Probleme des
technologischen Transfers zu lösen.

Dieses fünf Punkte-Programm verkörpert die umfassendsten Anstrengungen,
die von den Vereinigten Staaten jemals unternommen wurden, um die Aufgabe zu
meistern, die Technologie für die wirtschaftliche Entwicklung nutzbar zu
machen. Wir hoffen, daß die UNCTAD-Konferenz diese Initiativen ernsthaft
prüft. Wir bitten um Ihre Ideen und Vorschläge. Durch gemeinsames Vorgehen
können wir dafür sorgen, daß unser technologisches Zeitalter die Lebensqualität aller Völker in einer Weise verbessern wird, wie sie frühere Generationen
sich niemals erträumt haben.
Zahlungsbilanzen
- 31 -

�Zahlungsbilanzen und Schuldenproblemr

Die weitgehend durch die höheren ölpreise verursachten steigenden Importkosten und die aufgrund der Rezession in den Industriestaaten zurückgegangenen
Exporterlöse haben noch nie dagewesene internationale Zahlungsbilanzschwierigkeiten ausgelöst. Obwohl eine weltweite wirtschaftliche Wiedererholung eingesetzt hat, werden sich zahlreiche Länder in diesem Jahr hartnäckigen Defiziten
gegenübersehen.
Es müssen große institutionelle Anstrengungen unternommen werden, wenn
diese Länder ernste Rückschläge bei ihren Importen und daraus resultierende
Rückgänge ihres Wirtschaftswachstums vermeiden sollen. Folgende drei Gebiete
sind hier vorrangig:
- Wir müssen sicherstellen, daß der Fluß von Geldern für Entwicklungsprojekte weder verringert noch aufgrund kurzfristiger wirtschaftlicher Probleme
abgeleitet wird. Darüber hinaus muß die langfristige Finanzierung erhöht und
ihre Qualität verbessert werden.
- Wir müssen die privaten Märkte in die Lage versetzen, weiterhin eine
wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Entwicklungskapital zu spielen. Denn
für zahlreiche Länder ist der Fluß privaten Kapitals die Hauptquelle für die
Entwicklungsfinanzierung und wird es auch weiterhin sein.
- Wir müssen darauf achten, daß die Binnenwirtschaftspolitik aller Länder
gesund ist. Sie darf nicht einen ungebührlichen Druck auf die Zahlungsbilanzpositionen ausüben, indem unnötig Schulden angehäuft werden. Wir müssen den
Ländern besondere Aufmerksamkeit schenken, die nicht in der Lage sind, kritische Schuldenprobleme zu vermeiden.
Erstens: Der Fluß von Ressourcen. Die ungeheuren Anstrengungen, die seit
der 7. Sondersitzung gemacht worden sind, um eine ausreichende Zahlungsbilanz-

�Zahlungsbilanzfinanzierung für die Entwicklungsländer sicherzustellen, haben
uns sehr ermutigt. Besonders wichtig war die Ausweitung der Kreditfazilitäten
des Internationalen Währungsfonds. Diese Anstrengungen sollten mit sicherstellen, daß eine ausreichende Zahlungsbilanzfinanzierung auf einer kumulierenden Basis für die Entwicklungsländer zur Verfügung steht.
Krisenkredite können jedoch kein Ersatz für eine wirksame und qualitativ
hochwertige Auslandshilfe sein. Obwohl der größte Teil der Auslandshilfe der
Vereinigten Staaten und der anderen Geberländer zu äußerst entgegenkommenden
Bedingungen gewährt wird, kann noch viel zur Verbesserung der Qualität des
Flusses an Ressourcen getan werden. In vielen Fällen wird die Wirkung der
Hilfe in bezug auf Finanzierung und Entwicklung durch ihre Bedingungen eingeschränkt: ein Beispiel ist die Bindung der Hilfe «n nn schaffungskäufe im Geberland, die ihren Wert herabsetzen kann. Die Vereinigten Staaten werden daher den OECD-Entwicklungshilfeausschuß auffordern, Vereinbarungen für die
gegenseitige Aufhebung von Bindungen der Entwicklungshilfeauszuarbeiten.
Zweitens: Privatkapital. Bei zahlreichen Entwicklungsländern, vor allem
solchen, die sich mitten in ihrem Industrialisierungsprozeß befinden, wird der
Hauptteil des Entwicklungskapitals von privaten Stellen zur Verfügung gestellt.
Von den 35 Milliarden Dollar an Zahlungsbilanzdefiziten der nichl CT produzierenden Entwicklungsländer war fast die Hälfte über private Kapitalflüsse
finanziert worden. Ohne diesen Beitrag wären die Folgen dieses Mammutdefizits
nicht mehr zu bewältigen gewesen. Der IWF/IBRD Entwicklungsausschuß prüft geT
genwärtig ein weites
eld von Maßnahmen, um sicherzustellen, daß die internationalen Kapitalmärkte weiterhin großzügig dem Bedarf der Entwicklungsländer
entsprechen.
Weiter sind die Verhandlungen über die Wiederauffüllung der Mittel der
Internationalen Finanzierungsgesellschaft (IFC), die wir auf der 7. Sondersitzung vorgeschlagen hatten, wesentlich vorangekommen. Die IFC prüft derzeit
aktiv den amerikanischen Vorschlag für einen internationalen Investmenttrust,
der Portfolio-Kapital für Investitionen in einheimischen Unternehmen mobili-

- 33 "

�mobilisieren soll. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Bemühungen
nachdrücklich.
Drittens: Schuldenprobleme. Zahlreiche Länder müssen bei der Finanzierung ihrer Defizite zu kurzfristigen Kapital aufnahmen im Ausland schreiten.
Die Belastung durch die Schuldenbedienung wächst; verschiedene Länder haben
ernste Schwierigkeiten, ihren Schuldenverpflichtungen nachzukommen.
Eine allgemeine Umschul düng ist nicht die Lösung. Dadurch würde die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmerländer auf den privaten Kapitalmärkten untergraben. Durch Bindung der Schuldenfinanzierung werden die wesentlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern verwischt und wird verhindert, daß die
am meisten bedürftigen Länder entsprechend berücksichtigt werden. Das wäre
auch nicht fair gegenüber den Ländern, die einschneidende politische Maßnahmen zum Abbau ihrer Verpflichtungen ergriffen haben.
Das Schuldenproblem muß in Relation zu der spezifischen Position und
dem spezifischen Bedarf jeden einzelnen Landes gesehen werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, den Ländern, die am meisten unter

Schuldenbedie-

nungsproblemen zu leiden haben, durch dem jeweiligen Fall angemessene Maßnahmen zu helfen. Die Verfahren müssen für den Geldgeber und für den Schuldner
in gleicher Weise annehmbar sein. Ein Kreditorenklub könnte ein flexibles Instrument für Verhandlungen sein.
Zur Stärkung des Rahmens für die Verhandlungen zwischen Debitoren und
Kreditoren haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß die Schaffung
eines geeigneten Gremiums vereinbart wird, das die Probleme bei akuten Finanzierungs-und Schuldenbedienungsschwierigkeiten auf Seiten der Entwicklungsländer prüfen soll. Es sollte seine Empfehlungen noch in diesem Jahr vorlegen.
Die

34 -

�Die ärmsten Länder
Die Bedürfnisse vieler Entwicklungsländer sind groß; die besonderen Bedürfnisse der ärmsten Länder aber sind gewaltig. Diese Konferenz hat eine
kollektive moralische Verantwortung, auf diese Herausforderung zu reagieren.
Wir müssen erhebliche Anstrengungen auf die Verbesserung der Programme für
die ärmsten Länder verwenden und dort, wo dies notwendig ist, neue Programme
aufstellen, weil die ärmsten Länder ohne ausreichende Hilfe zu fortgesetzter
Armut und Hilflosigkeit verurteilt wären. Wir müssen den Zustrom von Ressourcen verstärken, die Bedingungen hierfür verbessern und qualitativ mehr bieten.
Die Hilfe muß zu günstigeren Bedingungen gewährt werden, weil die ärmsten
Länder per definitionem nicht in der Lage sind, den Schuldendienst zu
leisten, es sei denn, man räumt ihnen äußerst günstige Sonderbedingungen
ein.
Der Zustrom von Ressourcen nach den ärmsten Ländern muß von den Restriktionen bezüglich der Lieferquelle und der Finanzierung örtlicher Kosten befreit werden, die die Planung von Projekten verzerren, Ressourcen vergeuden
und eine übermäßige Verwendung importierter Ausrüstungen verursachen.
Der IWF-Treuhandfonds, der nunmehr errichtet wird, dürfte die unmittelbaren Zahlungsbilanzprobleme der ärmsten Länder erheblich lindern.
Bei längerfristiger Betrachtung ist eine beträchtliche Aufstockung der
Mittel der Internationalen Entwicklungsgesellschaft eine dringende Notwendigkeit. Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verpflichtung gegenüber dieser
wichtigen Quelle zur Vergabe von Hilfe wie immer nachkommen. Wir erwarten
großzügige Unterstützung dieser wichtigen Institution auch von Seiten der
OPEC-Länder.
Somit haben die Vereinigten Staaten bereits eine Reihe von Schritten
unternommen, die Hilfsbedürftigsten unter den Ländern zu unterstützen. Wir
werden noch mehr tun:
- Um
- 35-

�- Um den dringendsten Bedürfnissen der Sahel-Region Genüge zu tun, beteiligen wir uns aktiv an den

Beratungen des Club des

Amis du Sahel. Darüber

hinaus haben wir vorgeschlagen, umgehend eine Studie über die Methoden anzustrengen, nicht nur der Dürre entgegenzuwirken, sondern die Wasserknappheit
durch Mobilisierung der Wasser der großen afrikanischen Ströme zu beseitigen,
um die Hilfe nicht zu verewigen, sondern grundlegende Reformen einzuleiten.
- Der amerikanische Kongreß hat bereits einen Beitrag von bis zu 200
Millionen Dollar für den Internationalen Fond zur Entwicklung der Landwirtschaft bereitgestellt; wir warten nunmehr auf die Bevollmächtigtenkonferenz,
die für Juni zur Unterzeichnung dieser Vereinbarung einberufen wurde; und
wir fordern andere Länder dringend auf, ihrerseits einen großzügigen Beitrag
zu leisten, damit das Ziel, die Aufbietung von 1 Milliarde Dollar, erreicht
wird.
- Wir haben im Rahmen unseres Auslandshilfegesetzes die Befugnis erhalten, alle örtlichen Kosten für Hilfsprojekte in den am wenigsten weit entwickelten Ländern zu finanzieren, sofern dies für ihren Erfolg notwendig ist.
- 70 Prozent unserer bilateralen Entwicklungshilfe sind nunmehr für Länder mit einem Bruttosozialprodukt von 300 Dollar pro Kopf oder weniger "3serviert. Was die Länder angeht, deren Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt unter 500
Dollar liegt, setzen wir uns nachdrücklich für den Vorschlag ein, ihren Anteil an den nichtrückzahlbaren Zuschüssen aus dem Entwicklungsprogramm der
Vereinten Nationen auf über 80 Prozent zu erhöhen. Ein Drittel hiervon wiederum
sollte den am geringsten entwickelten Länder innerhalb dieser Kategorie zugutekommen.
- Wir verpflichten uns, unsere Anstrengungen zur Entwicklung integrierter Systeme für die wichtigsten kommunalen Gesundheitsdienste zu verstärken.
Hierzu gehören ärztliche Betreuung, Familienplanung, Informationen über richtige Ernährung sowie der Einsatz örtlich ausgebildeter medizinischer Hilfskräfte.
- Auf

�-

Auf der Seerechtskonferenz, die gegenwärtig in New York stattfindet,

haben die Vereinigten Staaten einen detaillierten Vorschlag unterbreitet, demzufolge Einkünfte aus dem Abbau von Lagerstätten der Tiefsee und aus der Ausbeutung anderer Meeresressourcen unter der Völkergemeinschaft - unter der besonderen Berücksichtigung der ärmsten Länder - aufgeteilt werden sollen.
Das sind erhebliche Anstrengungen. Sie müssen jedoch auch von einer Verbesserung der Bedingungen der bilateralen Hilfe für die ärmsten Länder begleitet sein. Zu diesem Zweck schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß sich
alle Geberländer darauf einigen, die gesamte Entwicklungshilfe an die relativ
am wenigsten fortgeschrittenen Länder auf der UNCTAD-Liste in der Form von Zur
Schüssen zu gewähren.
Die amerikanische Regierung wird den Kongreß um die Vollmacht ersuchen,
die gesamte Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder auf dieser Basis gewähren
zu dürfen. Sie besitzt bereits die Vollmacht, einen Teil der Rückzahlungsverbindlichkeiten aus unseren Krediten gemäß Public Law 480 unter gewissen Bedingungen in nichtrückzahlbare Zuschüsse umzuwandeln. Zusammen werden diese
beiden Schritte den Anteil solcher Zuschüsse an unseren bilateralen Hilfsprogrammen

merklich steigern.

Menschliches Leid und menschliche Not sind keine Fragen der Ideologie
oder der Blockpolitik. Sie berühren die elementaren Bedürfnisse des Menschen
und die grundlegenden Gebote universeller moralischer Werte. Wir dürfen hier
nicht versäumen, unsere Pflicht zu tun.

Schlußfolgerungen:

- 37-

�Schlußfolgerungen

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte: Wirtschaftliche Entwicklung ist eine Aufgabe mit vielen Dimensionen. Wie unterschiedliche Standpunkte wir untereinander auch immer einnehmen mögen, die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine Reihe von Schlußfolgerungen
klar hervorgetreten sind:
- Entwicklung ist ein Unterfangen, dessen Anstrengungen zu gegenseitiger
Stärkung führen. Die Unterscheidung zwischen entwickelten und in Entwicklung
begriffenen Ländern ist nicht permanent.
Entwickelte Länder gedeihen dann am sichersten und machen dann die größten Fortschritte, wenn die internationale Wirtschaft kräftig und stetig
wächst. Wenn die Vereinigten Staaten sehen, wie sich andere Länder entwickeln
und industrialisieren, fühlen sie sich in ihrem Vertrauen in das Weltwirtschaftssystem und in die eigene wirtschaftliche Zukunft bestärkt. Anhaltendes
Wachstum und anhaltende Entwicklung machen es notwendig, daß wir kooperativ
zusammenarbeiten.
Entwicklung erfordert gemeinsame Verantwortung. Die internationale Zusammenarbeit kann nicht einseitig sein. Die Stärke der Industriestaaten muß als
ein Treuhandgut zum Fortschritt aller angesehen werden; die Entwicklungsländer
schaden sich selbst, wenn sie diese Stärke durch künstliche Verknappungen,
Kartelle, Embargos oder willkürliche Enteignungen schwächen. Gleichzeitig
haben die Industriestaaten eine Verpflichtung, alles zu tun, was in ihren
Kräften steht, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Unsere
diesbezüglichen Anstrengungen müssen die Sorgen und die Beiträge aller Länder
berücksichtigen: der Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer, der
Erzeuger- wie der Verbraucherländer, der Länder in Ost und West, der Länder
in Nord und Süd.
Entwicklung

- 38 -

�Entwicklung ist ein Prozeß des ''andels und der Neuerung. Er muß nicht
nur einer sich rasch verändernden Technologie Rechnung tragen, sondern auch
der Evolution politischer Auffassungen. Die alten Beziehungen von Geber- und
Empfängerländer werden von den Empfängern in zunehmendem Maße als paterna1 istisch und anachronistisch empfunden;

sie können auch einigen Ländern,die

seit langer Zeit als Geber fungieren, als eine einseitige Last erscheinen.
Wir müssen einen neuen Geist der Zusammenarbeit erwecken, der sich auf
der Selbstachtung und der souveränen Gleichheit aller Nationen gründet. Jedes
Land muß seinen Weg zur wirtschaftlichen Entwicklung finden, der es ihm gestattet, seine Selbstachtuno und seine Identität, seine Kultur und seine
ideologischen Neigungen beizubehalten. Wirtschaftliche Entwicklung als solche aber ist keine Funktion der Ideologie - sie muß vielmehr praktische Lösungen und den Geist der internationalen Zusammenarbeit in sich vereinen. Sie
erwächst nicht aus Doktrinen der Konfrontation und nicht aus der Ausbeutung
der Verzweiflung.
Entwicklung ist ein menschliches Unterfangen. Es sind die Tüchtigkeit
und die Anstrengungen von Individuen, die die Entwicklung zu einer Realität
machen, und sie sind es auch, die ihre eigentlichen Nutznießer sind. Unser
erstes Ziel ist die Gewährleistung eines Minimums an den Lebensnotwendigkeiten - Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf - und die Beseitigung
von menschlichem Leid und von Monotonie, von Krankheiten mit bleibenden Schäden, von Unwissenheit und von erzwungener Knechtschaft durch Dritte. Somit
muß die Entwicklung über das reine überleben hinausgreifen und Chancen für
Bildung, größere persönliche Freiheit und die Würde und Selbstachtung des
Individuums schaffen. Schließlich muß die Entwicklung auch die Qualität des
Lebens erfassen: die Würde des Individuums, seine persönliche Freiheit und
die Gleichheit der Chancen aller ohne Ansehen von Rasse, Religion, Geschlecht
oder politischer Überzeugung.
Herr

- 39 -

�Herr Präsident, die Größe der vor uns liegenden Aufgaben wird ein bisher
unbekanntes Maß an internationaler Zusammenarbeit erforderlich machen. Keine
Nation kann für sich allein mit den gegebenen Schwierigkeiten fertig werden
- und nur gemeinsam können alle Nationen meistern, was als eine unausweichliche weltweite Herausforderung historischen Ausmaßes zu betrachten ist.
Wir sehen uns jedoch nicht mit einem Übermaß an negativen Vorzeichen und
auch nicht mit unüberwindlichen Hindernissen konfrontiert. Es steht in unserer
Macht, in unserer Generation ein Maß an wirtschaftlichem Fortschritt zu erreichen, das ohnegleichen in der gesamten Erfahrung der Menschheit da steht.
Noch in jedem Zeitalter haben Männer und Frauen größere Prosperität und
mehr Gerechtigkeit und Würde angestrebt. Dennoch gab es in der Vergangenheit
immer wieder Rückschläge: die Geschichte verzeichnet ein Übermaß an Not und
Verzweiflung.

Unser Zeitalter ist das erste, in dem wir die Wahl haben, es

anders zu machen. Und wir müssen diese Wahl treffen.

Sofern wir Erfolg haben, wird man sich dieses Jahrzehnts als eines Wendepunktes in der wirtschaftlichen und politischen Evolution des Menschen erinnern.
Die neuen Institutionen und Mechanismen, die wir schaffen, könnten als die Bausteine der internationalen Zusammenarbeit angesehen werden, die das Gemeinschaftsgefühl der Welt gestärkt haben. Die sich hieraus für den Weltfrieden
und für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ergebenden Implikationen sind gewaltig.
Die Vereinigten Staaten gehen von der Überzeugung aus, daß Moral und praktische Interessen in dieselbe Richtung weisen, nämlich in die Richtung auf
ein von Hingabebereitschaft diktiertes gemeinschaftliches Unterfangen.
Wenn man uns in kooperativem und realistischem Geiste entgegenkommt, sind
wir bereit, unsere nationalen Kapazitäten zur Unterstützung einer historischen
Ausweitung der Wirtschaft und Entwicklung auf der gesamten Welt anzubieten.
Somi t
•

- 40 -

i

—

—

�Somit wollen wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Laßt uns dieser
Aufgabe die Priorität eines mit allen Mitteln der Außenpolitik anzustrebendes
Zieles einräumen. Laßt uns über der Sache stehen, aber gleichzeitig wollen wir
uns davor hüten, daß unser Streben nach dem Ideal die Verwirklichung des
tatsächlich Erreichbaren blockiert. Laßt uns zu einer Einigung über praktische Schritte kommen, die das Los unserer Mitmenschen verbessern. Wir schulden
unserem Volk Taten, nicht Schlagworte; Ergebnisse, nicht schöne Reden.
Die Vereinigten Staaten strecken jenen die Hand entgegen, die mit uns den
Weg in eine menschlichere und reichere Zukunft einschlagen wollen. Wir müssen
diesen Weg gemeinsam gehen, und wir müssen auf dieser Konferenz einen weiteren
Schritt auf ihm gehen.
Ich danke Ihnen.

XXX

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8/1976

MIT ENERGIE SPARSAMER WIRTSCHAFTEN
US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren Verbrauch

- (AD) - Wichtiger als alle kurzfristigen Programme, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl verringern sollen, ist nach Ansicht von ERDA-Chef Dr. Robert Seamans die rationellere und sparsame Verwendung von Energie. Unter diesem Gesichtspunkt wurde der Nationale Energieplan, den die amerikanische Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA
Ende Juni 1975 veröffentlichte, noch einmal überarbeitet und teilweise revidiert. Die neue Fassung liegt nunmehr dem US-Kongreß zur Stellungnahme vor.
Industrie, Bauwesen, Verkehrswesen sowie Produktion und Verbrauch von
elektrischem Strom seien, wie Dr. Seamans auf einer Pressekonferenz in
Washington erklärte, die wichtigsten Sektoren für ein wirksames Sparprogramm,
das schon in den nächsten fünf Jahren den öl bedarf um ca. 140 000 Tonnen pro
Tag, bis zum Jahr 2000 sogar um 1,4 Millionen Tonnen täglich, reduzieren
könnte.

Bei der Neuorientierung der kurzfristigen Programme ergäben sich wei-

tere Vorteile dadurch, daß die Umweltbelastung und der Kapitalbedarf geringer
wären und die Technologien, die schon in kurzer Zeit Energie einsparen helfen
könnten, nicht erst neu entwickelt werden müssen.

Somit würden für das kurz-

fristige Programm auch weniger Staatsgelder benötigt.

Der ERDA-Plan hebt im

einzelnen hervor:
Industrie

-1 -

�Industrie - Diese verbraucht gegenwärtig 40 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion.

Der Nutzeffekt des Energieverbrauchs könnte aber

um mehr als 30 Prozent erhöht werden, wenn der Anwendungsbereich bestimmter
Technologien erweitert würde.

Darunter fällt in erster Linie die Anwendung

von Wärmepumpen zur Reduzierung des Verbrauchs an Primärenergie, von Turbogeneratoren zur Stromerzeugung aus der Abwärme von Aluminium- und Glasschmelzöfen,
Methoden der Übertragung und der Speicherung von Wärmeenergie für Versorgungssysteme innerhalb der Industrie, Hochtemperatur-Isolierung sowie der Einsatz
von Rekuperatoren und Regeneratoren zur Speicherung von Abwärme.
Der Energieverbrauch der Industrie könnte auf diese Weise so rationell
gestaltet werden, daß bis 1985 Einsparungen möglich würden, die 250 000 bis
400 000 Tonnen öl pro Tag entsprächen.
Bauwesen - Energie im Äquivalent von weiteren 400 000 Tonnen öl pro Tag
könnten durch Schalenbauweise und verbesserte Isolierung, Ventilation, Heizund Klimatechnik sowie eine effektivere Müll Verwertung bis zum Jahr 1985 eingespart werden.

Gegenwärtig beanspruchen in den USA kommerzielle Bauten und

Wohnbauten allein schon 28 Prozent der Energieproduktion.
Verkehrswesen - 31 Prozent der gesamten amerikanischen Energieproduktion
werden 1m Transport- und Verkehrswesen verbraucht.

Auch auf diesem Sektor

wären bis 1985 Einsparungen in der Größenordnung von 72 000 - 100 000 Tonnen
öl/Tag möglich, wenn z.B. durch spezielle Blechverkleidungen an schweren Lastkraftwagen und zwischen den Güterwagen der Eisenbahn der Luftwiderstand beim
Fahren verringert würde.

Die PS-Leistung von Personenwagen ließe sich erhöhen,

wenn bei der Formgebung und Ausstattung die Strömungsverhältnisse stärker als
bisher berücksichtigt würden und man auf Verzierungen, die Fahrenergie kosten,
verzichtete.

Außerdem sollte sich die Autoindustrie um eine Gewichtsreduzierung

bei Motoren bemühen .
Kraftwerke und Stromverbrauch

- Hier sind sowohl in bezug auf die Bean-

spruchung von Landflächen und Kapital als auch den Bedarf an Betriebsenergie
- 2 -

�Betriebsenergie Einsparungen möglich.

Sie könnten im letztgenannten Fall

das Äquivalent von 215 000 Tonnen öl pro Tag erreichen, wenn verbesserte Ausrüstungen für Kraftwerke und für den Stromtransport verwendet würden, Elektrogeräte effektiver arbeiteten und der Verbraucher sparsamer mit Strom umginge.
Die Bemühungen um eine intensivere Nutzbarmachung der reichen amerikanischen Kohlevorkommen, den Ausbau der Atomkraft, den Einsatz von Sonnenenergie
und Erdwärme und die Erschließung der ölschiefervorkommen gehen weiter. Jedoch
sei, so Dr. Seamans, erst nach 1985 mit der großtechnischen Produktion von
synthetischen Brennstoffen aus Kohle und Ölschiefer und mit der verstärkten
Nutzung von Sonnenkraft zum Heizen und Kühlen, von Erdwärme sowie von Abwärme
zu rechnen. Auf weite Sicht jedoch, d.h. gegen Ende dieses Jahrhunderts und
später, müßten immer stärker erneuerungsfähige Energiequellen herangezogen
werden - Brutreaktoren, Fusionsreaktoren sowie Sonnenenergie, die über Wind-,
Heiz- und Lichtkraftwerke zur Stromerzeugung genutzt wird. Dann dürfte man
auch soweit sein, die thermische Energie der Meere und Wasserstoff für die
Energieerzeugung einzusetzen.
Die Atomkraftwerke, die in den USA heute in Betrieb sind, haben eine
Gesamtkapazität von 39,6 Millionen eKW. Der ERDA-Plan sieht vor, bis zum
Jahr 2000 die nukleare Kapazität auf 450 Millionen bis 800 Millionen eKW auszuweiten. Die Verwirklichung dieses Programms hängt jedoch von der Lösung einer
Reihe von Problemen ab - u.a. einer genaueren Erfassung der amerikanischen Uranvorkommen, der Ausweitung der Kapazität zur Urananreicherung und der Entwicklung verbesserter Verfahren zur Fabrikation und Aufarbeitung von Kernbrennstoff
sowie zur Endlagerung der radioaktiven Abfallprodukte.

+ + + + +

- 3 -

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8/1976

INTERNATIONALE VERPACKUNGS-FACHMESSE IN USA

— ( A D ) - - Vom 25. bis 29. Oktober 1976 findet in Chicago, Illinois, die "USA
National Packaging Week International Exposition And Assembly" statt. Die
Veranstaltung gehört zu den führenden Fachmessen auf dem Gebiet der Verpakkungstechnologie und umfaßt nahezu alle wichtigen amerikanischen Hersteller
von Verpackungsmaschinen und Packmitteln- Sie ist entstanden aus dem Zusammenschluß der "PMMI-Pack Expo" und der "Ama National Packaging Exposition",
die früher von den einschlägigen Fachverbänden getrennt durchgeführt wurden.
Ungefähr 450 Aussteller werden auf der neuen vergrößerten Messe auf
einer Fläche von mehr als 100 000 Quadratmetern über 2 000 Verpackungs- und
verpackungsverwandte Maschinen zeigen. Hinzu kommt ein vollständiges Sortiment von Verpackungsmaterialien. Während der Ausstellung werden führende Vertreter der amerikanischen Verpackungsindustrie und deren Organisationen Fachvorträge halten, die sich mit den Problemen, Möglichkeiten und dem neuesten
Stand der Verpackungstechnologie in den USA befassen. Die Veranstaltung konzentriert sich in der Hauptsache auf die Interessen und Bedürfnisse aller Verpacker von Lebensmitteln, Getränken, Konsumgütern, Pharmazeutika und industriel
len Erzeugnissen.
Vertreter

�Vertreter des amerikanischen Handelsministeriums stehen auf der Messe
ausländischen Besuchern zur individuellen Beratung zur Verfügung. Auf Wunsch
können Werksbesichtigungen in Chicago und der näheren Umgebung arrangiert
werden. Im Auftrage des amerikanischen Handelsministeriums bereiten die Botschaft der Vereinigten Staaten in Bonn und die U.S. Generalkonsulate in der
Bundesrepublik in Zusammenarbeit mit dem "American Express"-Reisebüro in
Bremen eine Gruppenreise zum Besuch dieser Fachmesse vor. Interessenten werden gebeten, sich wegen weiterer Einzelheiten an ihren Fachverband, ihre zuständige Industrie-und Handelskammer oder direkt an das American ExpressReisebüro, Am Wall 128-134, 2800 Bremen 1, zu wenden.

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8/1976
UN-KONFERENZ "HABITAT"
Fernziel: Menschenwürdiger Lebensraum für die Erdbevölkerung

VANCOUVER — ( A D ) — Unter Beteiligung von 2 000 Delegierten der Regierungen von
135 Ländern tagt vom 31. Mai bis 11. Juni 1976 in Vancouver (Kanada) die UNKonferenz "Habitat". Die Veranstaltung ging aus der ersten Umweltkonferenz
der Vereinten Nationen vom Jahre 1972 in Stockholm hervor. Programm und Aufgabenstellung für "Habitat" ("Menschliches Siedeln", wie der Titel der Tagung
in der deutschen Fassung lautet) kristallisierte sich jedoch erst nach den UNKonferenzen über Bevölkerungs- und Nahrungsprobleme im Jahre 1974 sowie der
Konferenz über Frauenrecht und Probleme der Frau im Jahre 1975 heraus. Es
war nicht einfach, die vielschichtigen und regional so unterschiedlichen Nöte
und Themenstellungen unter dem Generalnenner "Habitat" zu vereinigen. Dem
kleinen Organisationsstab unter der Leitung von Generalsekretär Enrique
Panalosa (Kolumbien) ist es jedoch gelungen, ein Programm auszuarbeiten, das
zur Ausgangsbasis für die "Verbesserung der Lebensqualität im Dasein des einzelnen und der Gemeinde, in Dorf und Stadt, in jeder Nation und geographischen Region" werden könnte.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten basiert auf dem Bericht Präsident
Fords von 1976 über "Wachstum und menschliche Entwicklung". Ein wesentlicher
Teil befaßt sich mit Wohnen und Wohnungsbeschaffung, mit dem Einsatz von
Satelliten für Aufgaben des täglichen Lebens, mit Geburtenkontrolle und der
Erschließung ländlicher Regionen. Niemand erwarte, wie ein Sprecher der US-

- 1 -

�US- Delegation betonte, daß "Habitat" schwerwiegende Probleme über Nacht zu
lösen vermöchte. Die USA vertrauen jedoch darauf, daß die Konferenz den Menschen in aller Welt die jeweiligen Situationen der anderen klar und eindringlich vor Augen führt und wichtige Anregungen gibt.
Das Dasein in einem menschenwürdigen Lebensraum zu verbringen,wird künftig ein Problem von immer größerer Bedeutung sein. Denn überall in der Welt
strömen die Menschen vom Lande in die Städte - mit seinen riesigen Landmassen
steht selbst Afrika jetzt vor dieser Situation. Elendsviertel, Jugendkriminalität, Verbrechen, Armut und Entwurzelung der Menschen sind zwangsläufig die
Folge, wenn eine Integration nicht möglich ist. Deshalb ist es so wichtig, die
daraus resultierenden Aufgaben in der Gesamtschau zu analysieren und anzugehen
und,wie die bekannte amerikanische Anthropologin Margaret Mead fordert, "die
bisher praktizierte Aufsplitterung zu beenden... Umwelt, Hunger, Übervölkerung,
unwürdiges Wohnen, Benachteiligung der Frauen, Kinderelend - alle diese Probleme dürfen nicht einzeln betrachtet werden".

In einem von Generalsekretär Penalosa ausgearbeiteten Deklarationsentwurf
sind die Arbeitsgrundsätze für "Habitat"

und die geplante künftige Zusammen-

arbeit internationaler Institutionen nach den Vorschlägen einer Expertengruppe
zusammengefaßt. Ein Hauptziel der Konferenz ist es, Vorschläge für wirksame
nationale Maßnahmen zu finden, die die spezielle Situation in den einzelnen
Ländern und Regionen berücksichtigen. Zur Dokumentation "Habitat" werden 121
Länder u. a. mit eigener Präsentation von Kurzfilmen und Diapositiv-Serien
aus ihrer Sicht beitragen.

XXX

- 2 -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 12.05.1976</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger umreißt Programm zur Lösung der Nord-Südprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers auf der Welthandelskonferenz am 6. Mai 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit Energie sparsamer wirtschaften&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Energiebehörde ERDA fordert Maßnahmen für rationelleren Verbrauch -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Verpackungs-Fachmesse in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Konferenz "Habitat"</text>
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