<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=55&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T06:44:57+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>55</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1418" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1429">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/01ad16e473b13b5795c9dc30d2f655c8.pdf</src>
        <authentication>6a58d6c3682125a2cda91b09c3d7ee2e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7518">
                    <text>amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

41

11. Oktober 1972

Inhalt

DOKUMENTATION:
Pressekonferenz Präsident Nixons am 5, Oktober 1972
-Auszüge-

*

WIRTSCHAFT:
Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbez iehungen
-Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in KalifornienAussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich
gebessert
Von Eugene Brake
Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz
Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

41/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 5. OKTOBER 1972
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 5. Oktober auf einer kursfristig
einberufenen Pressekonferenz, die vorwiegend innenpolitischen Themen gewidmet
war, auch zur Frage einer Friedensregelung für Vietnam Stellung genommen. Die
Vietnam betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:

Frage: Herr Präsident, sehen Sie eine Möglichkeit für eine ausgehandelte
Vietnam-Regelung noch vor den Wahlen?

Antwort: Die Regelung wird so bald kommen, wie wir eine Regelung erreichen
können, die gerecht ist - gerecht für die Südvietnamesen, für die Nordvietnamesen
und für uns. Es wird eine Regelung sein, die unser Ziel berücksichtigt, nämlich
die gewaltsame Einsetzung einer kommunistischen Regierung in Südvietnam zu verhindern, und natürlich ein Ziel, das uns besonders am Herzen liegt - in humanitärem
Sinne - nämlich die Rückkehr unserer Kriegsgefangenen.

Ich möchte jedoch betonen, daß unter keinen Umständen der Zeitpunkt einer
Regelung, zum Beispiel das mögliche Aushandeln einer Waffenruhe, das mögliche
Aushandeln einer Einstellung der Bombenangriffe oder diesbezügliche einseitige
Maßnahmen - daß unter keinen Umständen solche Maßnahmen durch die Tatsache beeinflußt werden, daß hier in den USA am 7. November eine Wahl stattfindet.
Wenn

�Wenn wir eine richtige Regelung vor der Wahl erreichen können, so werden
wir das tun. Wenn nicht, so werden wir nicht eine falsche Regelung vor der Wahl
eingehen. Wir befanden uns in einer ähnlichen Lage im Jahre 1968, als Politiker
mit den besten Absichten einen sehr, sehr großen Fehler begingen, indem sie die
Bombenangriffe ohne ausreichende Zusagen der anderen Seiten einstellten.

Ich übe hier natürlich keine Kritik, was ihre Motive anbetrifft. Ich erkläre
lediglich, daß wir diesen Fehler nicht noch einmal machen, nachdem wir erlebt
haben, was dann geschah.

Die Wahl, und ich wiederhole dies, wird in keiner Weise das beeinflussen,
was wir am Verhandlungstische tun.

Zweitens ..., die Verhandlungen sind, wie Sie wissen, sehr eingehend über
private Kanäle geführt worden. Wir haben vereinbart, daß keine Seite über den Inhalt dieser Verhandlungen sprechen wird. Ich werde weder in der einen noch in der
anderen Weise darüber sprechen. Ich möchte nur sagen,daß sich die Verhandlungen
in einem sensitiven Stadium befinden. Ich kann nicht voraussagen, und ich werde
dies auch nicht tun, daß sie Erfolg oder keinen Erfolg haben werden. Ich kann
und werde nicht voraussagen, wann sie Erfolg haben werden.

Ich möchte jedoch betonen, daß jeder Kommentar meinerseits zu der Frage, wie
der Verlauf der Verhandlungen ist, nur abträgliche Auswirkungen auf das von uns
angestrebte Ziel haben kann - und dieses Ziel ist eine möglichst baldige Regelung
dieses langen und schwierigen Krieges auf dem Verhandlungswege.

Frage.: Herr Präsident, es ist gesagt worden, daß Hanoi vielleicht mit einer
Regelung bis nach der Wahl wartet, weil es von der Theorie ausgeht, daß es, wenn
ein Demokrat gewählt wird, bessere Bedingungen für sich herausholen kann. Was
können Sie uns darauf antworten?

Antwort: Dies könnte ihr Motiv sein. Es gibt Leute, die der Ansicht sind,
daß sie auch 1968 bis zu einem gewissen Ausmaß von politischen Erwägungen ge- 2-

�r

geleitet wurden, als sie einer Einstellung der Bombardierungen vor der Wahl zustimmten aus dem Gedanken heraus, daß meine Niederlage mehr in ihrem Interesse
liege als die Wahl meines Gegners.

Ich behaupte nicht, daß dies so war. Ich muß sagen, daß sowohl Senator
Humphrey als auch ich uns meines Erachtens recht verantwortungsbewußt im Wahlfeldzug verhielten, indem wir uns jeder Stellungnahme zu dem enthielten, was
damals lediglich vorbereitende Verhandlungen waren, und zwar aus dem Bewußtsein
heraus, daß jede Stellungnahme durch jemand, der Präsident werden könnte, den
Erfolg der Verhandlungen gefährden könnte.

Wenn nun Hanoi alles auf diese Karte setzt, dann besagt dies nur, daß niemand
über das politische Bild in den USA eine Voraussage machen kann. Trotz allem, was
die Meinungsumfragen ergeben haben, und trozt mancher Hinweise auf unserer Seite,
daß wir glauben, gute Siegeschancen zu haben, gibt es viele in den USA und auch
im Ausland, die glauben, daß auch die andere Seite eine Siegeschance hat.

Unter diesen Umständen könnten sie mit einer gewissen Berechtigung zu dem
Schluß gelangen, daß mein Festhalten an dem Vorsatz, niemals einer Regelung zuzustimmen, durch die dem südvietnamesischen Volk direkt oder indirekt eine
kommunistische Regierung aufgezwungen würde, verglichen mit den gegenteiligen
Erklärungen unserer (politischen) Gegner zu diesem besonderen Punkt, eventuell
von Einfluß auf sie sein würde.

Auf der anderen Seite sprechen wir miteinander. Wenn wir die Möglichkeit
dazu haben, werden wir die Gespräche vor dieser Wahl fortsetzen, und wir werden
Hanoi zu überzeugen suchen, daß ein Warten bis nach der Wahl keine gute Taktik
wäre.

Frage: Herr Präsident, unter Ihren Kritikern sind einige, die erklären, die
Bombenangriffe dienten wirklich keinem guten Zweck und seien unnötig.

Welchem

Zweck dienen die Bombenangriffe jetzt angesichts der Tatsache, daß die Verhandlungen nicht zu einer Regelung geführt haben, und angesichts der Tatsache, daß
- 3-

�daß es immer noch ein beträchtliches Maß an militärischer Aktivität im Süden
gibt?

Antwort: Ich glaube, Sie könnten noch weiter gehen. Da gibt es Leute, die
erklären, Bombenangriffe und Verminung dienten überhaupt keinem nützlichen Zweck,
und so sei es auch in diesem Fall. Diese gleichen Kritiker ... waren auch zu
dem Schluß gekommen, daß Südvietnam am Ende sei. Time, Newsweek, die New York
Times, die Washington Post, die Kommentatoren der drei großen Rundfunk- und
Fernsehgesellschaften - ich beziehe mich nicht auf Sie meine Damen und Herren,
die Sie Reporter sind - sie alle haben in unterschiedlicher Lautstärke von dem
Gespenst einer Niederlage sowie von der Hoffnungslosigkeit der südvietnamesischen
Sache geschrieben und gesprochen.

Am 8. Mai handelte ich, um eine solche kommunistische Machtübernahme zu verhindern, die die gleichen Kritiker damals alle voraussagten. Nachdem ich diese
Verminung und Bombardierung angeordnet hatte, sagten die gleichen Kritiker voraus, das (Moskauer) Gipfeltreffen würde dadurch torpediert werden. Einige gingen
sogar so weit, zu erklären, wir riskierten einen dritten Weltkrieg.

Diese Vorhersagen haben sich als falsch erwiesen. Nun erklären diese
gleichen Kritiker, die Bombenangriffe und die Verminung wären nicht notwendig,
sie hätten nichts erreicht und seien künftig nicht mehr nötig. Unter Berücksichtigung ihrer Vorhersagen möchte ich meinen, daß ich dem, was die Kritiker erklärt
haben, nicht viel Glauben schenken würde.

Ich möchte nur sagen, daß die Bombenangriffe und die Verminung notwendig
waren, um eine potentiell verheerende Situation in Südvietnam grundlegend zu
ändern. Das Rückgrat der gegnerischen Offensive ist gebrochen worden. Die Nordvietnamesen halten jetzt überhaupt keine Provinzhauptstädte mehr.

Dies alles hätte nicht erreicht werden können ohne die Bombenangriffe und
die Verminung - und die Verminung und die Bombenangriffe werden fortgesetzt
werden, bis wir auf dem Verhandlungswege irgendwelche Abkommen erreicht haben.
+ + + + +
- 4 -

�amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Wirtschaft

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

41/1972

PETERSON ERLÄUTERT STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN
- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer von Kalifornien -

SAN FRAN«';iSi:o - (AD) - Der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
hat am 3. Oktober vor der Handelskammer von Kalifornien zu dem Thema "Der
amerikanisch-sowjetische Handel - Was bringt er für uns" gesprochen. Die Rede
des Ministers hat folgenden Wortlaut:

"Sie alle wissen sicher, daß die Regierung in den letzten sechs Monaten
fast ständig in Verhandlungen mit der Sowjetunion gestanden hat - Verhandlungen,
von denen wir erwarten, daß sie bald zu Abkommen führen werden, die unseren
beiden Ländern die Wiederaufnahme der vor fast 30 Jahren ausgesetzten normalen
Handelsbeziehungen ermöglichen.

Als Handelsminister und als Leiter der amerikanischen Delegation bei der
amerikanisch-sowjetischen Handelskommission habe ich in den letzten Monaten einen
beträchtlichen Teil meiner Kraft auf diese Verhandlungen verwandt.

Wir machen äußerst ermutigende Fortschritte. Gegenwärtig treffen sich amerikanisch-sowjetische Arbeitsgruppen auf der Ebene der Ministerstellvertreter in
Washington, um die gegenwärtig noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über
ein Seefahrtsabkommen, in der Frage der Pacht- und Leihschulden sowie in Kreditfragen und in bezug auf Handelskonditionen zu beseitigen.
Sofern

- 1 -

�Sofern es zu keinen unvorhergesehenen Ereignissen kommt, möchte ich annehmen,
daß noch vor dem von uns ursprünglich für das Jahresende gesetzten Termin ein
Abkommen erreicht wird. Das soll jedoch nicht bedeuten, daß wir nun unbedingt
nach dem Kalender gehen müssen. Das Hauptziel des Präsidenten bleibt weiterhin,
ein umfassendes Abkommen sicherzustellen, das von vornherein jedem nur denkbaren
Problem Rechnung trägt - und eine Lösung aufzeigt -, das sich im Zusammenhang
mit der Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion ergeben könnte,.
Sollte das einen Monat oder ein Jahr länger dauern, so wäre dies die dafür aufgewandte Zeit durchaus wert.
Es wäre in höchstem Maße unverantwortlich, der politischen Versuchung zu
erliegen, rasch ein Abkommen zu erreichen, das Meinungsverschiedenheiten ignoriert
oder über sie hinweggeht, die sich später als politische Probleme von internationaler Tragweite erweisen könnten. Zur Wiederherstellung normaler Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt bedarf es einer
festen, technisch gut durchkonstruierten Brücke. Was wir nicht gebrauchen können,
ist ein Laufsteg.

Bei einer Reihe von Anlässen und vor den verschiedensten Gremien habe a.ah
darzulegen versucht, was wir uns vom Handel mit den Sowjets erhoffen und warum
gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen Abbau der Schranken ist, die uns
seit Ende des zweiten Weltkrieges getrennt haben.

Das Auditorium hört meist höflich zu, aber nach fünf oder zehn Minuten setzt
eine vorhersehbare Reaktion ein. Die Augen werden schwer und ein merkliches Desinteresse macht sich breit.

Das kommt einfach daher, daß für den Durchschnittsamerikaner und selbst für
den amerikanischen Durchschnittsgeschäftsmann die Aussicht, aus der Erschließung
eines so weit entfernten und so unbekannten Marktes, wie dies die Sowjetunion ist,
große Vorteile ziehen zu können, wenig überzeugend ist. Verstandesmäßig wird der
Gedanke zwar akzeptiert, aber nur zu oft verbindet sich damit die apathische
Frage: 'Was bringt mir das ein'.
Gerade

�Gerade das ist es, worüber ich heute zu Ihnen sprechen möchte - nicht nur,
was es Ihnen einbringt, sondern was für jeden einzelnen Amerikaner dabei herauskommt.
Lassen Sie mich zuerst auf zwei Befürchtungen eingehen, die gelegentlich geäußert worden sind. Die eine ist die offensichtliche Furcht auf Seiten einiger
amerikanischer Arbeiter, für sie könnte dies zu einem Verlust von Arbeitsplätzen,
ausgelöst durch eine Flut billiger sowjetischer Importwaren, führen.
Dafür besteht jedoch nicht die geringste Wahrscheinlichkeit. Als ich im
Juli in der Sowjetunion war, tat ich das, was jeder neugierige Geschäftsmann tun
würde: ich machte einen Bummel durch mehrere sowjetische Läden und Warenhäuser,
um zu sehen, was an Waren angeboten wurde. Wer das gesehen hat, was ich sah, kann
kaum glauben, daß die Sowjetunion eine große Gefahr für amerikanische Produzenten
sein kann, zumindest was den Verbrauchsgütersektor anbetrifft. Charakteristisch
für die in Moskau zum Verkauf angebotenen Waren, waren die geringe Wettbewerbsfähigkeit und die extrem hohen Preise.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen in der Fotoartikelbranche interessierte
ich mich besonders für die zum Verkauf ausgestellten Kameras. Sie waren nicht nur
groß und unhandlich, sondern sie glichen auch den Kameras, wie sie in den USA vor
zehn oder mehr Jahren angeboten wurden. Ich kann Ihnen mit voller Überzeugung versichern, daß sie in den Vereinigten Staaten nicht einmal für einen Bruchteil des
in Moskau geforderten Preises verkauft werden könnten.

Unser Problem wird meines Erachtens nach höchstwahrscheinlich keineswegs
eine Flut von Importen sein, sondern im Gegenteil ein Mangel an sowjetischen
Importen. Ich meine es nicht scherzhaft, wenn ich das als ein Problem bezeichne,
denn es ist wichtig für die Sowjets, daß sie in der Lage sind, nach den Vereinigten
Staaten zu exportieren, damit sie die notwendigen Devisen verdienen, um bei uns
kaufen zu können.

Im Handel mit der Sowjetunion werden für den amerikanischen Arbeiter Vorteile liegen, die über jene hinausgehen, die dem Verbraucher aus der unbehinderten
- 3-

�unbehinderten Anwendung der Gesetze des Wettbewerbsvorteils zufließen. Die Produkte, die die Vereinigten Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach an die Sowjets
verkaufen werden - Werkzeugmaschinen, Maschinen und Ausrüstungen sowie Getreide haben einen beträchtlich höheren Arbeitsanteil als die Rohstoffe, die den Großteil unserer Importe aus der Sowjetunion ausmachen werden. Selbst wenn unser
Handel mit der Sowjetunion ausgeglichen sein wird, dann werden die Vereinigten
Staaten in ganz echtem Sinne Arbeitsplätze importieren. In den ersten Jahren, in
denen wir mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß mit den Sowjets rechnen,
werden die günstigen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze des amerikanischen Arbeiters selbstverständlich noch größer sein. Wir werden also nicht nur einen
Handelsüberschuß haben, sondern auch einen Arbeitsplatzüberschuß.

Eine berechtigte Befürchtung der amerikanischen Arbeiter ist die, daß der
Handel mit der Sowjetunion zu Verzerrungen auf den einheimischen Märkten für
gewisse Erzeugnisse führen könnte, wenn nicht vorher entsprechende Lösungen
ausgearbeitet würden.

Kommerzielle Beziehungen zu einem staatlichen Handelsmonopol werfen einige
schwierige Fragen auf, wie beispielsweise die Anwendung unserer AntidumpingGesetze. In der Sowjetunion steht der Verkaufspreis einer Ware nicht unbedingt
in derselben Beziehung zu den Produktionskosten wie in unserem Lande. Die Möglichkeit des Staates, Preise willkürlich festzusetzen, macht den Test bezüglich
des 'fairen Wertes' bedeutungslos. Die gleichen Faktoren komplizieren die Anwendung unserer Zollausgleichsgesetze, die normalerweise unsere einheimische
Industrie gegen subventionierte ausländische Exporte schützen.

Es sind gerade solche Probleme, die ich meine, wenn ich davon spreche,
daß der Präsident auf einem umfassenden Abkommen besteht.

Die zweite Befürchtung, die ich gelegentlich höre, ist die, daß unser Land
durch die Wiedereröffnung von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion seine
nationale Sicherheit untergraben könnte. Auch diese Befürchtung ist grundlos.
Strategisch wichtige Industriezweige und durch Importe gefährdete Industriezweige werden weiterhin den gleichen Schutz erhalten wie bisher. Wir haben ferner
- 4-

�ferner gegenüber der Sowjetunion deutlich erklärt, daß wir nicht bereit sind,
über eine Beseitigung unserer Exportbeschränkungen für Güter zu sprechen, die
als militärisch wichtig angesehen werden. Kurz gesagt, die Sicherheit unserer
Nation ist nie Gegenstand von Verhandlungen gewesen und wird es auch nie sein.

Es i$t

meiner Meinung nach sogar so, daß einer der größten Gewinne, die

dem Durchschnittsamerikaner aus der Wiedereröffnung des Handels mit der Sowjetunion erwachsen, darin bestehen wird, daß seine Sicherheit größer sein wird,
Länder, die sich einer für beide Seiten gewinnbringenden kommerziellen Beziehung
erfreuen, haben ein begründetes Interesse daran, Maßnahmen zu vermeiden, die
diese Gewinne in Frage stellen könnten. Handelspartner messen die Kosten von
Feindseligkeiten nämlich nicht nur in militärischen Ausgaben, sondern auch in
ausgefallenen kommerziellen Gewinnen.

Diese begründeten Interessen sind darüber hinaus nicht nur nationaler,

sondern auch persönlicher Natur. Die Bürokratie, die für die verschiedenen Gebiete der gewinnbringenden

Beziehungen verantwortlich sind, haben ein echtes

Interesse daran, daß sie nicht abreißen. Das gilt in unserem System, und das
gilt in noch höherem Maße in der Sowjetunion, wo die Macht und damit die direkte
Verantwortung der amtlichen Stellen noch größer ist. Wenn Sie der Minister für
Schiffahrtsangelegenheiten, für Landwirtschaft, für Technologie, für die Gasversorgung oder für sonst etwas sind und verantwortlich für Erfolg oder Mißerfolg
bei der Erreichung eines verkündeten Zieles, dann werden Sie es sich zweimal
überlegen, bevor Sie etwas tun, was eine Beziehung bedrohen könnte, die Ihnen
bei der Erreichung des Zieles hilft.

Die Welten der internationalen Politik und des internationalen Handels
stehen somit in engem Zusammenhang zueinander. Die Minderung der politischen
und der kommerziellen Spannungen liegt im Sinne beider und wirkt sich auf die
beiderseitigen Beziehungen aus. In dem Maße, wie sich die politischen Beziehungen
verbessern, weiten sich auch die kommerziellen Beziehungen aus. Und in dem Maße,
wie sich die kommerziellen Beziehungen ausweiten, nimmt auch der Anreiz zur Beilegung politischer Meinungsverschiedenheiten zu.
Verbesserte

�Verbesserte Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion werden somit dem Durchschnittsamerikaner auf dreifache Weise Vorteile bringen. Sie werden ihn zum
Nutznießer eines Arbeitsplatzüberangebots machen. Sie werden seine Sicherheit
erhöhen. Und dadurch wird es der amerikanischen Regierung möglich sein, den Prozentsatz öffentlicher Gelder für die Verteidigung zu verringern und die eingesparten Mittel

anderen Aufgaben zuzuführen, die den Lebensstandard des Arbeiters

verbessern.

Während die sowjetischen Verbrauchsgüter für den amerikanischen Arbeiter
kaum eine Gefahr bedeuten, kann dieser wesentlichen Nutzen aus dem Import sowjetischer Rohstoffe ziehen.

Wie Sie wissen, müssen die USA im nächsten Jahrzehnt mit einer ernsten
Energieverknappung rechnen. Aufgrund der jüngsten Maßnahmen steigt der Energiebedarf in den USA so rasch, daß die zur Deckung des Bedarfs erforderlichen Hilfsquellen alle 15 Jahre um das Doppelte steigen. Bei Berücksichtigung unserer gesamten verfügbaren Energiequellen stellte sich unser Energieverbrauch 1970 auf
ungefähr 68 Billiarden BTU's (1 Britisch-Thermal-Unit = 252 Kalorien). Im Jahre
1985 wird sich der Bedarf wahrscheinlich auf fast 125 Billiarden BTU's stellen.

Während die Kapazitäten unserer Industrie wesentlich über denen der Sowjetischen liegen, sind die Rohstoffvorkommen und vor allem die Energiequellen der
Sowjetunion weitaus größer als die unsrigen. Es ist bedauerlich, aber - wie ich
befürchte - wohl unvermeidlich, daß der Bedarf an Energie und Rohstoffen in den
USA im nächsten Jahrzehnt weitaus schneller steigen wird als unsere derzeitigen
Versorgungsquellen. Dieses Ungleichgewicht kann zumindest teilweise ausgeglichen
werden, wenn wir Zugang zu diesen riesigen sowjetischen Vorkommen erhalten.

Die Sowjetunion wird, wenn die jetzt im Stadium der Erörterung befindlichen
Projekte zum Tragen kommen, den Nahen Osten und Venezuela als Lieferquelle für
Erdgasimporte übertreffen. Selbst wenn man Algerien zu diesen beiden Ländern als
Erdgaslieferant hinzunimmt, wird die Sowjetunion immer noch an der Spitze liegen.
Aber noch auf absehbare Zeit hinaus werden wahrscheinlich nicht mehr als 5 oder

- 6-

�oder 7 Prozent unseres Bedarfs, der sich geographisch über ganz Amerika verteilt, von der Sowjetunion gedeckt werden - einfach um die Möglichkeit einer
zu starken Abhängigkeit von der Sowjetunion oder irgendeinem anderen ausländischen
Lieferanten auf ein Minimum zu beschränken.

Die Kosten des Energieverbrauchs treffen vielleicht alle Bürger der USA
gleichmäßiger als die Kosten für andere Güter und Dienstleistungen. Sie treffen
Reiche und Arme in gleicher Weise. Der Durchschnittsbürger kann seinen Energieverbrauch weit weniger einschränken als den Verbrauch anderer Güter. Es liegt
daher ganz eindeutig im Interesse aller, daß der Anstieg der Energiepreise auf
ein Minimum beschränkt bleibt und daß natürlich die Versorgung unseren Bedarf
deckt.

Der Zugang zu den sowjetischen Energiequellen ist auch aus zwei anderen
Gründen ratsam. Er wird unsere Abhängigkeit von den immer unsicherer werdenden
Versorgungsquellen in den OPEC-Ländern verringern. Wenn wir von der Sowjetunion
im Rahmen gemeinsamer Handelsabkommen und nicht in den OPEC-Ländern kaufen, so
wird dies ferner unsere Zahlungsbilanz verhältnismäßig günstig beeinflussen,
denn in diesen Abkommen könnte festgelegt werden, daß die sowjetischen Kredite
in den Vereinigten Staaten auszugeben sind.

Neben diesen Vorteilen für die Bevölkerung im allgemeinen gibt es verschiedene Teile der amerikanischen Bevölkerung, die besonders von einem Handel
mit der Sowjetunion profitieren werden.
Einmal ist dies ganz offensichtlich die Landwirtschaft. Wie die jüngsten
sowjetischen Getreidekäufe zeigen, kaufen die Sowjets, wenn sie das tun, gleich
große Mengen. Angesichts der sowjetischen Getreidekäufe erzielen die Farmer im
Mittleren Westen jetzt Rekordeinkünfte für ihre Ernte.

Aufgrund dieser neuen Auslandsverkäufe wird das Nettofarmeinkommen in den
Vereinigten Staaten dieses Jahr eine Rekordhöhe von 18,4 Milliarden Dollar erreichen. Das sind 14 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und über eine Milliarde
Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 1947.
Ich
- 7-

�Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß die Farmer nicht die einzigen
Nutznießer dieser Ausweitung des Handels sind. Das Geld fließt wieder in die
Läden und Ausrüstungsbetriebe in unseren Landgemeinden und bringt neues Leben
in manche bisher wirtschaftlich darniederliegende Stadt.

Auswirkungen lassen sich aber auch in verwandten Wirtschaftssektoren feststellen. Die Verkäufe von Traktoren liegen um 31 Prozent höher als vor einem
Jahr, und bei Mähdreschern und Heupressen sind sie um 15 Prozent gestiegen.
Nehmen wir ein anderes Glied in der Kette von Transaktionen, so lassen sich
ebenfalls Auswirkungen erhöhter Gewinne in der Landwirtschaft auf andere Wirtschaftszweige feststellen. Auf die Farmer, die nur einen verhältnismäßig kleinen
Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen, entfällt bei Stahl, Kautschuk und
Erdöl ein unverhältnismäßig großer Prozentsatz des Binnenmarktes. Und diese Industrien beginnen ebenfalls die neue Prosperität der Landwirtschaft zu spüren.

Wenn auch die Feststellung nur fair ist, daß die derzeitig

ungewöhnlich

hohe sowjetische Weizennachfrage auf eine schlechte Ernte zurückzuführen ist, so
möchte ich doch damit rechnen, daß die Verkäufe von Futtergetreide an die Sowjetunion auch künftig anhalten.werden, wenn diese ihr Versprechen wahrzumachen
sucht, den Fleischkonsum ihrer Bevölkerung zu steigern.

Ein anderer Grund, warum ich mit weiteren Exporten rechne, ist der starke
Kontrast zwischen der Produktivität in der sowjetischen und der amerikanischen
Landwirtschaft. Im Jahre 1971 betrug die durchschnittliche Erzeugung eines
sowjetischen Bauern nur ein Neuntel dessen, was ein amerikanischer Farmer produzierte. Dies war trotz der Tatsache so, daß die Sowjetunion beträchtliche Kapitalinvestitionen während der letzten Jahre in ihrer Landwirtschaft vorgenommen
hat.

Ein weiterer spezifischer Sektor, auf dem wir uns gerade von einem Handel
mit den Sowjets Vorteile erhoffen, ist der Maschinenbau und die Produktion von
Ausrüstungsgütern. Wenn die Sowjets Maschinen und Ausrüstungen kaufen, so kaufen
sie gleichzeitig auch Dienstleistungen wie technisches Wissen, Installation und
Wartung. Hier handelt es sich für die Vereinigten Staaten um zu 100 Prozent
arbeitsintensive Exporte.
DG IT

- 8-

�Der Export von Maschinen und Ausrüstungen in die Sowjetunion dürfte wesentlich zunehmen. Amerikanische Firmen haben Exportlizenzen für Ausrüstungen
im Werte von über einer Milliarde Dollar beantragt in der Erwartung, daß sie
bei den Ausschreibungen im Zusammenhang mit dem Bau des großen Lastwagenwerkes
an der Kama erfolgreich sein werden. Informierte Geschäftsleute schätzen, daß
amerikanische Gesellschaften bei diesem Projekt Aufträge für Ausrüstungen im
Werte zwischen 250 und 500 Millionen Dollar - je nachdem ob eine Exportfinanzierung zur Verfügung steht - hereinbringen können.

Gegenwärtig sind die Exporte von elektrischen und anderen Maschinen in
die Sowjetunion mit 60 Millionen Dollar oder 37 Prozent unseres Gesamtexports
im Jahre 1971 dorthin nur sehr gering. Die gesamten amerikanischen Maschinenexporte nach allen Ländern stellten sich 1971 auf 11,6 Milliarden Dollar„ Verschiedene große Gemeinschaftsprojekte sind gegenwärtig im Gespräch oder es
wird darüber verhandelt. Hierzu gehören Industrieanlagen für die Produktion von
Polystren, Autogetrieben, Düngemitteln, für die Metallgewinnung und - geht man
etwas in die Zukunft - die Gewinnung und Weiterleitung von Naturgar.

Insgesamt bestehen glänzende Aussichten für unseren Maschinenexport nach
der Sowjetunion in der nächsten Zeit. Wenn wir die Verhandlungen über ein Handelsabkommen erfolgreich abschließen und in der Lage sind, Exportkredite zu gewähren,
können wir wesentlich mehr Maschinen und Ausrüstungen exportieren.

Eine der Fragen, die häufig an mich gerichtet werden, ist, warum wir, wenn
beide Seiten wirklich den Willen haben und die Vorteile für beide so offensichtlich sind, nicht schon viel früher ein Abkommen erreicht haben. Die Antwort
lautet, Bereitschaft und Wissen um die Vorteile machen noch lange kein Abkommen
aus.

Es wäre für den Präsidenten und Herrn Breschnew relativ einfach, ein allgemeines Abkommen über das Prinzip zu erreichen, daß zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion wieder normale Handelsbeziehungen hergestellt werden.
Ich möchte annehmen, wir könnten ein solches Abkommen schon morgen haben. Es
wäre vielleicht sogar politisch nützlich. Aber es wäre nur dann politisch nütz- 9 -

�nützlich, wenn wir, wie ich bereits gesagt habe, eine Vielzahl spezifischer
Fragen einfach ignorieren, die gelöst werden müssen, wenn das Abkommen von wirklicher und dauerhafter Bedeutung sein soll.

Wenn nicht diese Einzelheiten im Rahmen eines Abkommens gelöst sind, würde
die erste Begeisterung über normale Handelsbeziehungen bald Unsicherheit, Enttäuschung und vielleicht noch Schlimmerem weichen.
Ich habe bereits gesagt, daß in einer Welt, in der Wirtschaft und Politik
eng miteinander verbunden sind, verbesserte Handelsbeziehungen zu besseren
politischen Beziehungen führen können. Leider ist es umgekehrt auch so. Handelsprobleme, sofern sie nicht vorhergesehen und abgewendet werden, können zu
politischen Problemen führen.
Daher ist der Präsident der Auffassung, daß im Falle der Sowjetunion nur
ein umfassendes Handelsabkommen angebracht ist, das die Rechte der Partner und
die grundlegenden Rechtsnormen genau definiert und ganz allgemein solche Probleme
ausschließt, die, falls sie nicht jetzt gelöst werden, in ein oder zwei Jahren
zu immer stärkeren Meinungsverschiedenheiten führen könnten.

Lassen Sie mich einige Beispiele dafür geben, was unseres Erachtens vorher
geregelt sein muß.

Da ist einmal die Frage der Kreditbedingungen. Es wäre eine grausame
Täuschung, wenn wir dem amerikanischen Exporteur sagen würden, es stehe ihm
frei, Geschäfte mit der Sowjetunion abzuschließen, und wenn er dann feststellen
würde, daß seine Auffassung von angemessenen Kreditbedingungen und die der
Sowjetunion so weit auseinanderliegen, daß tatsächliche Verkäufe unmöglich
sind. Die Sowjetunion hat, wenn das Gespräch auf Zinssätze und Kreditbedingungen kommt, eine bestimmte Zahl im Auge. Sie wünscht 2 Prozent und 10
Jahre. Mir gefallen diese Zahlen auch. Noch besser wären 1 Prozent und 20 Jahre.

Betrachtet man die ideologische Basis ihres Wirtschaftssystems, so ist
es leicht verständlich, warum sie nicht gerne viel für Kapital zahlen wollen. Es
- 10 -

�Es ist weiter richtig, daß 2 Prozent der Zins sind, den sowjetische Bürger
bei zahlreichen Verbrauchsgütern zahlen müssen. Aber das ist weder ein Zinssatz, der einen Anreiz für eine private Exportfinanzierung in dieses Land
bietet, noch kann die amerikanische Regierung Kredite zu einem solchen Satz
gewähren, ohne daß dies diskriminierend für unsere Verbündeten - und praktisch
auch für unsere Steuerzahlen - wäre.

Exportfinanzierung ist äußerst wichtig, wenn unser Abkommen mit der Sowjetunion mehr als nur ein Stück Papier sein soll. Der Rubel ist eine weiche
Währung, und die sowjetischen Reserven an konvertierbaren Währungen sind äußerst
begrenzt. Außerdem deuten unsere Pläne darauf hin, daß die Vereinigten Staaten
in der nächsten Zeit im Handel mit der Sowjetunion einen beträchtlichen Handelsüberschuß haben werden. Wenn das der Fall ist, werden die Vereinigten Staaten
natürlich auf absehbare Zeit hinaus die Aufgabe übernehmen werden, einen großen
Teil ihrer Exporte zu finanzieren.

Die Kreditfrage ist auch für die voraussichtlichen amerikanischen Importe
an sowjetischen Rohstoffen von besonderer Bedeutung. Einige der hier angeschnittenen
Energieabkommen würden enorme Kredite erfordern. Ich denke nur an zwei Projekte,
die zusammen einen Kapitalbetrag von weit über 5 Milliarden Dollar erfordern
würden. Um Ihnen einen Vergleich zu geben: 5 Milliarden Dollar sind fast ein
Drittel der gegenwärtigen Gesamtausleihungen der Export-Importbank. Das ist
mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Betrages für Direktkredite. Und es ist
fast das Vierfache der Verbindlichkeiten, die die Export-Importbank gegenüber
einem einzelnen Lande eingegangen ist.

Die Kreditfrage wird aber noch durch einen anderen Faktor kompliziert.
Die Sowjetunion ist immer noch das einzige große Land, das seine Pacht- und Leihschulden an die Vereinigten Staaten noch nicht zurückgezahlt hat.

Der Präsident hat den Standpunkt eingenommen, daß die Vereinigten Staaten
der Sowjetunion keine neuen Kredite gewähren werden, bevor die alten Kredite zurückgezahlt sind. Die Pacht- und Leihfrage ist für die Sowjetunion in hohem
Grade emotionell. Sie hat im zweiten Weltkrieg über 20 Millionen Menschen ver-

- 11 -

�verloren und nimmt den Standpunkt ein, daß sie mit Blut bezahlt hat, wofür
wir mit Kriegsmaterial bezahlt haben. Wir verstehen diesen Standpunkt und
stehen ihm mitfühlend entgegen. Aber hier geht es um ein wichtiges Prinzip
der Außenpolitik. Wir können die Bücher über ihre Pacht- und Leihschulden
nicht abschließen, ohne andere Empfänger von Pacht- und Leihilfe zu diskriminieren, von denen viele ebenfalls riesige Verluste erlitten und die alle ihre
Kredite zurückgezahlt haben.

Hier in San Franzisko brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß es ohne Öffnung
der Schiffahrtswege kaum Handel geben kann. Wir führen gegenwärtig intensive
Verhandlungen über ein Schiffahrtsabkommen, in denen wir die wenigen noch verbliebenen Probleme zu lösen suchen. Wenn wir Erfolg haben, wird der wichtige
Hafen von San Franzasko natürlich großen Nutzen daraus ziehen.

Eine andere Frage,die jetzt geregelt werden muß, wenn ein Handelsabkommen
wirklich Bedeutung haben soll, ist die Bereitstellung von Geschäftseinrichtungen.
Wir erhalten häufig von amerikanischen Geschäftsleuten, die mit der Sowjetunion
Handel treiben wollen, Klagen. Sie sind enttäuscht, nicht nur über das ihnen
fremde System als Ganzes, sondern auch über die für sie verfügbaren kärglichen
und unsicheren Einrichtungen. Unzureichender Büroräume, schlechter Telefondienst,
die Unmöglichkeit, Kontakte zu Kunden aufzunehmen, und ungünstige Geschäftslagen
sind einige der Punkte, über die am häufigsten geklagt wird. Selbst wenn man alle
rechtlichen Beschränkungen beseitigt, so bedeutet dies für den amerikanischen
Geschäftsmann nicht viel, solange diese Hindernisse für wirkliche Geschäfte bestehen bleiben.

Ein von uns unterbreiteter Vorschlag ist, in irgendeiner Form neue Einrichtungen zu schaffen, die dem amerikanischen Geschäftsmann den Zugang zu
sowjetischen Handelsbüros, die Benutzung von Telefoneinrichtungen, Büros, Ausstellungsräumen und Hotels erleichtern. Wir wollen ganz bestimmte allgemeine
Regeln, die sicherstellen, daß dem amerikanischen Geschäftsmann auch bei Geschäftseinrichtungen eine entsprechende Meistbegünstigtenbehandlung zuteil wird.
Schließlich gibt es noch eine Reihe rechtlicher Probleme, die im Rahmen eines
umfassenden Abkommens gelöst werden müssen. Die Sowjetunion gehört keiner der
- 12 -

�der Welthandelsorganxsationen an, denen wir angehören. Daher bestehen hier viele
der konventionellen rechtlichen Einschränkungen für den Handel nicht. Nehmen wir
zum Beispiel die Frage der Schlichtung. Wir halten uns traditionell an eine internationale Schlichtung durch eine dritte Partei. Die Sowjets hingegen haben ihre
eigenen Schiedsgerichte. Hier muß irgendeine beiderseits akzeptable Regelung
ausgearbeitet werden, oder wir könnten uns leicht in einem Jahr in einem unerfreulichen und möglicherweise politisch gefährlichen Streit befinden. Genauso
gibt es Meinungsverschiedenheiten in bezug auf Patente, Besteuerung, Lizenzen
und Abdruckrechte.

Dies sind noch längst nicht alle Probleme, die gelöst werden müssen, bevor
ein Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet werden kann, aber ich glaube, sie
vermitteln Ihnen einen Eindruck von dem, was ich meine, wenn ich von einem umfassenden Abkommen spreche.
Dies sind notwendige Schritte, wenn wir unseren Erfolg sichern wollen. Und
es liegt im Interesse aller unserer Bürger, daß er gesichert ist. Denn wenn Sie
die Auswirkungen eines Abkommens mit der Sowjetunion in ihrer Gesamtheit betrachten, dann wird klar, daß es hier um mehr als begrenzte Interessen, um mehr
als einfache Geschäftsfragen geht. Hier geht es um einen Vorschlag, der die Arbeitsplätze, das Wohlergehen und die Sicherheit aller Amerikaner berührt."

- 13 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

Telex:08-85432

41/1972

AUSSICHTEN AUF REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS
HABEN SICH GEBESSERT

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Der Optimismus, mit dem die diesjährige Jahrestagung
des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank schloß, beruhte zu
einem guten Teil auf der echten und bedeutsamen Annäherung in den Meinungsverschiedenheiten darüber, wie bei einer Reform des internationalen WährungsSystems
vorgegangen werden sollte.

Natürlich bleiben immer noch zahlreiche schwierige Fragen ungelöst - wegen
ihrer Komplexität, weil es hier um wichtige nationale Interessen geht und weil
die Auffassungen in einigen Fällen doch noch recht weit auseinandergehen. Niemand
bestreitet, daß in dem neu gebildeten Zwanziger-Ausschuß des IWF noch hart verhandelt werden muß, wenn das Ziel erreicht werden soll, in den nächsten 18 Monaten
oder zwei Jahren ein neues internationales Währungssystem zu schaffen.

Die Hoffnungen auf allseits akzeptable Lösungen, so läßt sich feststellen,
sind größer geworden, was allein schon die Tatsache zeigt, daß die Regierungen
bereits ein weites Stück voran in Richtung auf die Beilegung einiger besonders
großer Schwierigkeiten gekommen sind.

Noch zu Beginn der fünftägigen Konferenz am 25. September hatte es den Anschein, als ob das Beharren der USA darauf, daß die Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem mit den Verhandlungen über einen Abbau der Handels-

�Handelsschranken verbunden sein müßten, sich als eine besonders umstrittene
Frage erweisen würde. Zahlreiche Länder widersetzten sich dem nachdrücklich.

Bei der Vorlage der amerikanischen Vorschläge für eine Reform des internationalen WährungsSystems am 26. September jedoch regte der amerikanische Finanzminister Shultz ein Vorgehen an, das für die meisten übrigen Länder akzeptabel
erschien.

Shultz begrüßte die von den großen Ländern bereits eingegangene
tung zur Aufnahme

Verpflich-

detaillierter HandelsVerhandlungen im kommenden Jahr, die im

Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens(GATT) geführt werden sollen.
Aber er fügte hinzu, daß diese Verhandlungen, die sich mit bestimmten Erzeugnissen und bestimmten Beschränkungen befassen, nicht bis zu einer Reform des
internationalen WährungsSystems zu warten brauchten, genauso wie eine solche
Währungsreform nicht auf die Ergebnisse solcher spezifischen Handelsverhandlungen
warten müsse.

Der amerikanische

Finanzminister wies darauf hin, daß einige Handelsfragen

- wie Bestimmungen über die Anwendung von Importzuschlägen bei temporären Zahlungsbilanzungleichgewichten - in einem so engen Zusammenhang mit den monetären
Fragen stehen, daß sie direkt von dem Zwanziger-Ausschuß behandelt werden müssen.

Bestimmte andere, Handel und Investitionen berührende Praktiken stehen nicht
in einem so engen Zusammenhang mit den Währungsverhandlungen und werden wahrscheinlich auch nicht in den bevorstehenden GATT-Verhandlungen behandelt werden, auch
wenn sie bei Handel und Investitionen genauso zu Verzerrungen führen, wie dies
Handelsschranken und Währungsungleichgewichte tun. Shultz schlug vor, daß der
Zwanziger-Ausschuß sich zwar nicht direkt mit diesen Fragen befassen sollte, aber
als Katalysator dienen könnte, um Bestrebungen in anderen Gremien, sich damit
zu befassen, zu fördern.

Und mit einem Blick in die Zukunft schlug Shultz eine "Harmonisierung" der
Statuten des Internationalen Währungsfonds und des GATT vor, so daß enge Arbeitsbeziehungen zwischen den beiden internationalen Organisationen geschaffen werden.
Ein
- 2-

�Ein anderer Punkt der amerikanischen Erklärung, der zahlreiche Tagungsteilnehmer beruhigte, war die Zusage, daß die Vereinigten Staaten bei einer
Einigung über ein annehmbares internationales Währungssystem den Dollar wieder
in andere Reserveguthaben konvertierbar machen würden. Dies bedeutet, daß die
Vereinigten Staaten Sonderziehungsrechte des IWF oder andere international
akzeptierbare Guthaben gegen bei ausländischen Zentralbanken liegende Dollarguthaben eintauschen würden.

Die Rückkehr zur Konvertierbarkeit des Dollar würde jedoch nur nach einer
entsprechenden Übergangsperiode erfolgen, in der die amerikanische Zahlungsbilanzposition und die amerikanischen Währungsreserven gestärkt worden wären. Die
anderen Länder verstehen und akzeptieren die Notwendigkeit einer solchen Übergangsperiode. Noch vor der Rede des amerikanischen Finanzministers war keineswegs klar, ob die Vereinigten Staaten jemals wieder zu einer Rückkehr zu dem
System bereit sein würden, das eine volle Konvertierbarkeit des Dollar beinhaltet.

Die Vereinigten Staaten waren keineswegs das einzige Land, das bedeutsame
Schritte in Richtung auf eine Anpassung unternommen hat. Die auf der diesjährigen
IWF-Tagung gehaltenen Reden zeigen, daß die meisten Länder jetzt das Prinzip
akzeptieren, daß die Wiederherstellung des Gleichgewichts der internationalen
Zahlungsbilanzen ein zweiseitiger Prozeß sein muß und daß Länder mit einem
ständigen Zahlungsbilanzüberschuß Maßnahmen zum Abbau dieses Überschusses ergreifen müssen, genauso wie Länder mit ständigen Zahlungsbilanzdefiziten diese
Defizite korrigieren müssen. Selbst Länder mit solchen Zahlungsbilanzüberschüssen
wie Japan akzeptieren jetzt die Tatsache, daß zu hohe Überschüsse irgendwie eingeengt werden müssen.

Aber es bestehen natürlich auch noch Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel
über die Anwendung von Indikatoren, die automatisch anzeigen, wann ein Überschußland zu handeln verpflichtet ist und die Verhängung von Sanktionen das letzte
Mittel gegen Überschuß- wie auch Defizitländer

wäre, die sich den vereinbarten

Bestimmungen zu beugen weigern.

Trotzdem

�Trotzdem ist es ein großer Fortschritt, wenn das Prinzip akzeptiert
worden ist, daß Überschußlander in gewissem Maße verpflichtet sind, zur
Wiederherstellung des internationalen Wirtschaftsgleichgewichts beizutragen.
In der Vergangenheit haben einige Länder darauf bestanden, daß die gesamte
Last der Anpassung dem Land auferlegt werden soll, das ein Zahlungsbilanzdefizit hat.

- 4 -

�amerika dienst
k

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

41/1972

GÜNSTIGERE AUSSICHTEN FÜR DIE AMERIKANISCHE HANDELSBILANZ
-Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates-

WASHINGTON — ( A D ) — Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge hängt die Stabilität der internationalen Devisenmärkte noch immer in sehr großem Maße von
der Stärke des US-Dollar und den dieser Stärke zu Grunde liegenden Entwicklungen ab, obwohl allgemeine Übereinstimmung herrscht, daß der Dollar in
Zukunft nicht mehr die herausragende Rolle spielen soll wie in der Vergangenheit. Aus diesem Grunde sind die Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz ein entscheidend wichtiger Bestandteil der Stabilität der internationalen
Devisenmärkte und der künftigen Gestaltung des Weltwährungssystems.
Das Smithsonian-Abkommen bot die Grundlage für eine Verbesserung der
amerikanischen Wettbewerbsposition und eine Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanz. Aber obwohl Wirtschaftsgeschichte und politische Realität Anlaß
genug zu der Annahme boten, daß die Wende erst mit beträchtlicher Verzögerung
eintreten werde, sind viele Leute enttäuscht gewesen, wie langsam sich dieser
Umschwung zu verwirklichen scheint. Einige wenige bringen sogar laut ihre Verwunderung zum Ausdruck, ob er je überhaupt eintreten wird oder ob die Regeln
der Wirtschaft durch Entwicklungen in der modernen Welt außer Kraft gesetzt

-1-

�gesetzt worden sind.
Auf kurze Sicht gesehen mußte man natürlich damit rechnen,daß die Abwertung
des Dollar zu einer weiteren Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz
führen würde. Das kommt daher, daß eine Abwertung unmittelbar die Erhöhung der
Dollarpreise für importierte Waren zur Folge hat und damit den Dollarwert eines
unveränderten Volumens von Importen erhöht. Erst später beginnt der echte Handelsfluß auf die relativen Preisveränderungen zu reagieren. Dieser negative
Effekt auf die Handelsbilanz ist offensichtlich eingetreten. Im ersten Halbjahr
1972 stiegen die amerikanischen Importpreise -in Dollar- um 7,0 Prozent, während unsere Exportpreise nur um 2,3 Prozent anstiegen.
Abweichende zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern haben ebenfalls zur Verschlechterung unserer Handelsbilanz beigetragen.
In den Vereinigten Staaten sind die Einkommen weiter rasch gestiegen, da die
Regierung eine Politik verfolgte, die auf einen Anreiz des echten Wachstums
und der Beschäftigung ausgerichtet war. Das Anwachsen der persönlichen Verbraucherausgaben mit einer Jahresrate von 8,6 Prozent vom ersten Quartal 1971 bis
zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage nach importierten Verbrauchsgütern, während die beschleunigte Wiederbelebung auch die Nachfrage nach
importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte.
Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland
zögernd gewesen, da Bemühungen zur Dämpfung des inflatorischen Drucks in einer
Reihe anderer Industriestaaten zu einer wirtschaftlichen Stagnation geführt haben. Diese zyklischen Einflüsse auf die amerikanische Handelsbilanz sind einer
Entwicklung aufgesetzt worden, die sich offensichtlich in einem spektakulären
Anwachsen des Wunsches der Amerikaner ausdrückte, importierte Waren zu konsu
mieren.
Aufgrund

-2-

�Aufgrund dieser verschiedenen Belastungen stieg das Defizit in der Warenbilanz mit einer Jahresrate von 7,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972,
verglichen mit einem Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1.971, und das
amerikanische Defizit in Gütern und Dienstleistungen stieg entsprechend. Diese
Verschlechterung war, wie bereits erwähnt, zu einem Teil ohne Frage auf den negativen Preiseffekt der Veränderung des Wechselkurses des Dollar zurückzuführen.
Ein erster Überblick deutet darauf hin, daß sich das Handelsdefizit zwischen dem
erstenund zweiten Quartal 1972 zwar wertmäßig steigerte, daß jedoch real eine
gewisse Einengung eintrat.
In den letzten Monaten hat sich jedoch das Handelsdefizit auch wertmäßig
zumindest auf seinem Stand gehalten. Das August-Defizit war sogar das kleinste,
das die Vereinigten Staaten seit Januar zu verzeichnen hatten. Und es gibt eine
Reihe von Gründen für die Annahme, daß im zweiten Halbjahr 1972 eine gewisse
Verbesserung eintritt. Die Veränderung der relativen Preise von ausländischen
und einheimischen Waren, die die Smithsonian-Anpassung herbeigeführt hat,wird
durch das hervorragende Verhalten der amerikanischen Wirtschaft auf dem Sektor
der Preisstabilität verstärkt, wenn man es mit dem Verhalten der meisten der
wichtigen Handelspartner Amerikas vergleicht. Da Erzeuger und Verbraucher voll
auf diesen relativen Anstieg der Preise ausländischer Güter im Vergleich zu amerikanischen Gütern reagieren, dürfte sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich der Zuwachs der Exporte beschleunigen dürfte. Und schließlich gibt es Hinweise für eine Neubelebung der Nachfrage in einer Reihe von
Amerikas Partnerländern, vor allem in Deutschland und in Japan, was zu einem
weiteren Aufschwung für die amerikanischen Exporte führen dürfte.
Man darf also, alles in allem,

im Laufe des Jahres eine gewisse Verbes-

serung der amerikanischen Handelsbilanz erwarten. Aber selbst dann werden die
Vereinigten Staaten mit ziemlicher Sicherheit dieses Jahr mit einem Handelsdefizit abschließen, das das Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1971 über-

�übertrifft„ Nicht zuletzt wegen des Standes der amerikanischen Warenbilanz wird
auch wahrscheinlich die amerikanische Position der laufenden Kosten - Regierungszuwendungen ausgeschlossen - in diesem Jahr weniger günstig sein als
1971, als das Defizit weniger als eine Milliarde Dollar betrug.
Die Auswirkungen der Abwertung dürften zusammen mit den Investitionschancen,
die das rasche reale Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im Jahre 1972 bietet, das Klima für eine Verringerung des Nettoabflusses langfristiger Gelder
aus den Vereinigten Staaten begünstigen. Es gibt Hinweise dafür, daß dies tatsächlich der Fall ist, obwohl schwer vorauszusehen ist, in welchem Umfang sich
das in einer Verbesserung der amerikanischen Kapitalkonten-Bilanz niederschlagen wird.
Es besteht ferner wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen Verbesserungen
der Handelsbilanz und der Verbesserung der Kapitalkonten-Bilanz.Wenn die Handelsbilanz definitive Anzeichen bietet, daß man aus der Klemme heraus ist, dann
werden sich ausländische Investoren sicherer fühlen, in den Vereinigten Staaten
Anlagewerte zu kaufen. Jede Verbesserung der Zahlungsbilanz dürfte daher eine
vervielfachende Wirkung auf die grundlegende Zahlungsbilanzposition haben, die
sowohl laufende als auch langfristige Kapitaltransaktionen einschließt.
Die ermutigendste Entwicklung in der amerikanischen Zahlungsbilanz ist die
verbesserte Gesamtzahlungsposition gewesen, vor allem im zweiten Quartal.
Während die grundlegende Zahlungsbilanz-Position weiterhin ein beträchtliches
Defizit aufwies, hat ein bedeutender Rückfluß von kurzfristigen Geldern aus
dem Ausland stattgefunden. Wirtschaftler betrachten solche Rückflüsse gewöhnlich als ein Vertrauensvotum der internationalen Geldmanager in die Stärke des
Dollar.

Über

�Über diesen Punkt hinaus läßt sich eine klare Voraussage nicht machen.
Ohne Frage haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, bevor wir uns sicher fühlen
können, daß der Dollar keinem weiteren spekulativen Druck mehr ausgesetzt sein
wird. Wenn der Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten

einen ausgewogenen

Stand erreichen soll, wird es für die Vereinigten Staaten nötig sein, nicht
nur einen Ausgleich ihrer Position der laufenden Konten zu erzielen, sondern
einen Überschuß zu erreichen, der groß genug ist, um den Abfluß von Zuwendungshilfe und langfristigem Kapital sowie die Rückzahlung von Schulden bei ausländischen Geldinstituten abzudecken.

I i-H 1-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7515">
                <text>11.10.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7516">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7517">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14490">
                <text>Amerikadienst 11.10.1972</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14491">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 5. Oktober 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in Kalifornien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich gebessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1473" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1484">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/de2d49e95b9aa5b343ee9077152af227.pdf</src>
        <authentication>32842c30743ef2eb3971340236072150</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7753">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x •. 0 8 - 8 54 3 2

11.Oktober 1973

39

Inhalt

DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 3. Oktober
•Auszüge-

Dr. Henry Kissinger vor der Pacem in Terris»Konferenz
-Programmatische Rede des US-Außenministers-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�k

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

39/1973

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 3. OKTOBER
=. Auszüge -

WASHINGTON ~~(AD)»= Präsident Nixon hat auf einer Pressekonferenz am 3.
Oktober 1973 zu zahlreichen inno-und außenpolitischen Fragen Stellung genommen und unter anderem angekündigt, daß eine Europa-Reise in den nächsten
drei bis vier Monaten - vielleicht sogar etwas früher, auf jeden Fall nicht
viel später - stattfinden werde.
Die außenpolitische Einleitung des Präsidenten und die Fragen und Antworten zur Außenpolitik haben folgenden Wortlaut:
"Wie Sie aus einer vor etwa einer halben Stunde in Peking veröffentlichten Ankündigung wissen, wird Dr. Kissinger vom 26. bis 29. Oktober
Peking besuchen. Dies gehört zur Fortsetzung des Dialogs zwischen der
Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten, der mit meinem Besuch in
China im vorigen Jahr begann.
Zu den Themen, die besprochen werden, gehören die bereits bei früheren
Gelegenheiten behandelten Fragen, wie beispielsweise der Handel, wobei es
interessant ist, heute festzustellen, daß der Umfang des bilateralen Handels zwischen beiden Ländern, der sich 1971 auf rund sechs Millionen Dollar
belief, für 1973 auf 800 Millionen Dollar geschätzt wird. Ferner werden

-1-

�werden der wissenschaftliche und der kulturelle Austausch ein Hauptge°&gt;
sprächsthema sein - und natürlich andere Fragen von beiderseitigem Interesse
für beide Länder.
Ferner ist Dr. Kissinger vom japanischen Außenminister, Ohira, eingeladen worden, auf seiner Reise nach dem Fernen Osten in Japan Station zu
machen. Er wird dies tum Der genaue Zeitpunkt dieses Besuches ist jedoch
noch nicht vereinbart worden und wird bekanntgegeben werden, sobald wir
von den Japanern Näheres hören."

Frage: Können Sie uns angesichts Ihrer Bemerkung über Ihre Reisepläne
von neulich abend etwas Genaueres über den Zeitpunkt Ihrer Reise nach Europa
sagen?
Antwort: Es ist schwierig, den Zeitpunkt der Reise nach Europa genau
anzugeben; damit Sie aber besser planen können: Die Europa=Reise wird in
den nächsten Monaten stattfinden. Der Zeitpunkt basiert auf folgenden Faktoren: erstens auf dem Fortschritt, der bei den gegenwärtig stattfindenden
Gesprächen über eine Grundsatzdeklatation hinsichtlich des Bündnisses und
auch hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen erzielt wird. Was das letztere angeht, so habe ich diese Angelegenheit - wie Sie wissen = mit Herrn Ortoli
anläßlich seines Aufenthaltes hier erörtert. Übrigens hält dieser Fortschritt
an, ja, wie Dr. Kissinger sagt, ist er sogar noch rascher als erwartet. So»
bald diese ersten Verhandlungen beendet sind, und sobald auf beiden Seiten
des Atlantik klar ist, daß diese Reise nicht zu protokollarischen Zwecken
stattfindet, sondern daß es eine Reise ist, die wirkliche Substanz haben wird
werden wir ein Datum festlegen.
Nun gibt es jedoch noch einen zweiten Faktor, der hier ins Spiel kommt*
nämlich das Arbeitsprogramm des Kongresses. Ich kann zu einem Zeitpunkt, da
sich der Kongreß mit sehr wichtigen Fragen befaßt, weder eine Reise nach
Europa noch irgendwo anders hin unternehmen. Deshalb kann ich mich in dieser

�dieser Frage nicht genau festlegen, indem ich eben sage, daß wir nach Europa
reisen werden, sobald die Europäer dort bereit sind.
Sollten die Europäer zu einem Zeitpunkt bereit sein, da hier im Kongreß
ein großes Arbeitspensum vorliegt, dann werde ich diese Reise auf später verschieben müssen.
Ich möchte jedoch sagen, daß ich dabei an die nächsten drei oder vier
Monate denke; es kann jedoch schon früher sein, vermutlich nicht viel später.
Was nun Japan anbetrifft, so bin ich mit Ministerpräsident Tanaka während seines Besuches in Washington übereingekommen, daß ich Japan vor Ende
1974 besuchen werde, Wir werden natürlich diese Pläne wiederum mit den bilateralen Entwicklungen in Übereinstimmung bringen und einen Zeitpunkt wählen müssen, an dem es nach unserer Auffassung wirklich substantielle Fragen
zu erörtern gibt, sowie einen Zeitpunkt, der mit meinen Pflichten und Aufgaben hier in den USA in Einklang gebracht werden kann.
Frage: Ich möchte noch einen Punkt klären0
Antwort: Ja, bitte
Frage: Im Zusammenhang mit der Erörterung der Grundsatzdeklaration bestand die Absicht, Japan ebenso einzuschließen wie die Europäischen Gemeinschaften, Ist dies immer noch der Fall oder ist das geändert worden?
Antwort: Lassen Sie mich Ihnen erläutern, was wir im Hinblick auf einen
Einschluß Japans denken. Ich habe allen meinen ausländischen Besuchern wie
Bundeskanzler Brandt und natürlich Premierminister Heath sowie Staatspräsident Pompidou erklärt, daß es von entscheidender Bedeutung sei, daß Japan
- das gegenwärtig die zweite wichtige Wirtschaftsmacht in der Welt und natürlich für Frieden und Stabilität im Pazifik eine potentiell sehr große Macht
ist - daß Japan nicht außerhalb dieses Klubs stehen darf.
Sie

�Sie alle stimmen mir darin zu, daß die Schwierigkeit darin besteht,
eine Deklaration bezüglich des Atlantischen Bündnisses zu formulieren, die
auch auf Japan paßt; die Schwierigkeit besteht ferner darin, eine Deklaration bezüglich der Europäischen Gemeinschaft zu formulieren, die ebenfalls
auf Japan paßt.
Wir denken also gegenwärtig an drei Deklarationen: eine für das Atlantische Bündnis, eine für die Wirtschaftliche Gemeinschaft und dann an
eine

allgemeinere Deklaration, die die Japaner vielleicht bereit wären zu

unterschreiben. Ich bin jetzt über das hinausgegangen, was bereits ausgearbeitet worden ist, aber so etwas können wir wohl erwarten.
Lassen Sie mich schließlich in dieser Hinsicht noch folgendes sagen:
Ich weiß, daß diese Deklarationen angesichts der innenpolitischen
Probleme, die uns gegenwärtig bedrängen, vielleicht nicht allzu wichtig erscheinen mögen. Aber zu einem Zeitpunkt, da wir mit den Sowjets und der Volksrepublik China Verhandlungen führen, ist es wesentlich, daß wir das amerikanisch-atlantische Bündnis und die freie Welt, zu der auch Japan gehört, mit
neuem Leben, mit neuen Zielsetzungen und mit einem neuen Geist erfüllen.
Wenn wir das nicht tun, und wenn beispielsweise das Atlantische Bündnis
nicht auf unsere Zeiten eingestellt wird, sondern auf der Zeit vor 25 Jahren
stehen bleibt, dann wird es zerbröckeln. Unsere europäischen Freunde sind
sich darüber im klaren, und ich freue mich, feststellen zu können, daß die
Wirtschaftsexperten wie Ortoli sich ebenfalls darüber im klaren sind.

�' amerika dienst
;

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

39/1973

DR. HENRY KISSINGER VOR DER PACEM IN TERRIS-KONFERENZ
- Programmatische Rede des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat am 8. Oktober vor der Konferenz "Pacem in Terris" (Frieden auf Erden) programmatische Leitlinien der Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgezeigt.
Die private Organisation Pacem in Terris hält vor allem Seminare über Fragen
der Außenpolitik ab, an denen in diesem Jahr rund 80 führende Persönlichkeiten
aus der Politik und aus dem Geistesleben der Verinigten Staaten teilnahmen.

Die von Dr. Kissinger für diesen Anlaß ausgearbeitete Rede hat folgenden
Wortlaut:

Die Natur des nationalen Dialogs
Wir begehen heute einen wichtigen Jahrestag. Heute vor einem Jahr - am
8. Oktober - kam es bei den Pariser Verhandlungen zu dem Durchbruch, der dann
bald darauf zur Beendigung des militärischen Engagements Amerikas in Vietnam
führte. Es bietet eine eigenartige Schwierigkeit, sich heute wieder die Gefühle
der Hoffnung und der Ungewißheit deutlich zu machen, die in jenem Moment
herrschten, da plötzlich Jahre des Leidens und der Spaltung neuen Möglichkeiten
der Versöhnung wichen.

Auch

- 1 -

�Auch heute kommen wir wieder in einem Augenblick zusammen, an dem uns
der erneute Konflikt im Nahen Osten daran erinnert, daß die internationale
Stabilität immer empfindlich ist und niemals als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Pacem in

Terris - Frieden auf Erden - bleibt immer etwas,

was uns leider nicht in den Schoß fällt. Wie gut wir auch mit dieser jetzigen
Krise fertig werden - und mit anderen fertig geworden sind - so müssen wir uns
doch fragen, was wir über die Krisenbeherrschung hinaus eigentlich wirklich
wollen.

Die Notwendigkeit eines Dialogs über nationale Zielsetzungen ist nie
dringender und keine Versammlung wäre je geeigneter gewesen, ein solches Gespräch zu führen, als die heute abend hier zusammengekommene.

Dramatische Veränderungen in den letzten Jahren haben die Position und
die Rolle Amerikas in der Welt verwandelt:

- Fast während der ganzen Nachkriegsperiode hat sich Amerika einer Vorherrschaft an physischen Mitteln und politischer Macht erfreut. Heutestellen
wir wie die meisten anderen Völker in der Geschichte fest, daß unsere schwierigste Aufgabe darin besteht, begrenzte Mittel zur Erreichung sorgfältig festgelegter Ziele zu nutzen. Wir können unsere Probleme nicht mehr im großen
Bogen vom Tisch fegen; wir müssen sie mit Einfallsreichtum, Einsicht und Geduld meistern.
- Eine Generation lang hatten wir fast nichts anderes im Sinn, als zu verhindern, daß sich der kalte Krieg zu einem heißen Krieg auswuchs. Heute, da
die Gefahr eines globalen Konfliktes geringer geworden ist, stehen wir vor dem
tiefgreifenden Problem, genau zu definieren, was wir eigentlich unter Frieden
verstehen, und festzulegen, was das letztliche Ziel verbesserter internationaler
Beziehungen sein soll.

- Zwei Jahrzehnte lang

schien die Solidarität unserer Bündnisse so

konstant zu sein wie die Bedrohungen unserer Sicherheit. Heute haben unsere Verbündeten wieder Stärke und Selbstvertrauen gewonnen, und die Beziehungen zu

- 2-

*-

�zu Gegnern haben sich verbessert. All das gab Anlaß zur Ungewißheit bezüglich
der Verteilung der Lasten mit Freunden und der Auswirkung von verringerten
Spannungen auf den Zusammenhalt von Bündnissen.

- Wenn wir also die Kunst zwar gemeistert haben, mit Krisen fertig zu
werden, so ist doch die Frage, wie eine dauerhaftere internationale Ordnung
aussehen soll, zu einem immer größeren Anliegen geworden. Fragen, die einst
hinter den unmittelbareren Erfordernissen zurücktraten, verlangen heute unsere
unmittelbare Aufmerksamkeit: Was ist wirklich nationales Interesse? Wie ist
das Verhältnis von Frieden und Gerechtigkeit?

Es ist für Perioden des Umbruchs charakteristisch, daß sie denjenigen,
die sie durchleben, als eine Aneinanderreihung von zufälligen Ereignissen erscheinen. Grundfragen und Verlauf der Geschichte werden von den Symptomen überschattet. Es besteht die Neigung, die dringenden Aufgaben über die wichtigen
zu stellen. Nur zu oft werden Ziele als abstrakte Utopien, als Schutzhäfen vor
drängenden Ereignissen dargestellt.

Wenn aber eine Debatte fruchtbar sein soll, dann muß definiert werden,
was man vernünftigerweise von der Außenpolitik erwarten und in welchem Tempo
ein Fortschritt erreicht werden kann. Sonst kommt man dazu, Kataloge des
Wünschenswerten zu vergleichen, statt aus der Sachkenntnis heraus Vergleiche
des Möglichen anzustellen. Der Dialog würde dann in ein taktisches Geplänkel
abgleiten.

Die gegenwärtige öffentliche Auseinandersetzung läßt einige interessante
und wichtige Veränderungen des Blickwinkels erkennen:

- Eine Außenpolitik, die einst als übertrieben moralisch angesehen wurde,
wird heute von manchen als übertrieben pragmatisch betrachtet.

- Die Regierung wurde im Jahre 1969 kritisiert, weil sie den Ost-WestHandel mit bestimmten Ländern zurückhielt, bis ein Fortschritt in ihrer Außenpolitik eingetreten wäre. Heute werden wir kritisiert, weil wir den Ost-West- 3-

�Ost-West-Handel nicht zurückhalten, bis Änderungen in der Innenpolitik eben
dieser gleichen Länder eingetreten sind.

- Die Außenpolitik der Administration, die einst als zu sehr am kalten
Krieg orientiert verschrieen wurde, wird heute angegriffen, weil sie sich zu
wenig um den tiefgreifenden moralischen Antagonismus zwischen Kommunismus und
Freiheit kümmere. Eine Folge dieser geistigen Gewichtsverlagerung ist eine
Kluft zwischen Vorstellung und Verwirklichung in einigen wichtigen politischen
Fragen:

- Daß Frieden und Entspannung erwünscht sind, steht fest, aber sowohl
der Antrieb zum Fortschritt als auch die Nachteile der Konfrontation sind
gesetzlich eingegrenzt.

- Der Ausdruck der Sorge um menschliche Werte in anderen Ländern ist verbunden mit der Ablehnung gerade der Programme, die dazu dienen sollen, Entwicklungsgebieten dabei zu helfen, ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu verbessern.
- Das erklärte Ziel der Aufrechterhaltung einer verantwortlichen Rolle
Amerikas in der Weltpolitik kollidiert mit nationalistischen Forderungen in
Handels- und Währungsverhandlungen und mit Rufen nach einem einseitigen Rückzug aus Bündnisverpflichtungen.
Es liegt auf der Hand, daß wir vor echten moralischen Dilemmas und vor
wichtigen politischen Entscheidungen stehen. Aber es liegt auch auf der Hand,
daß wir den Rahmen unseres Dialogs klarer und verständlicher definieren müssen.

Die widersprüchlichen Elemente der Außenpolitik

Außenpolitik muß mit der Erkenntnis beginnen, daß es hier um das Verhältnis
zwischen souveränen Staaten geht. Souveränität ist als ein Wille definiert
worden, der von anderen nicht kontrolliert wird. Dadurch erhält die Außenpolitik

�Außenpolitik ihren ungewissen und immer unvollkommenen Charakter.

Streitigkeiten zwischen souveränen Staaten können also nur durch Verhandlung oder durch Macht beigelegt werden, durch Kompromiß oder durch Zwang.
Welche dieser Methoden die Oberhand behält, hängt von den Werten, der Stärke
und den innenpolitischen Systemen der betroffenen Länder ab. Die Werte einer
Nation bestimmen, was gerecht ist; ihre Stärke entscheidet darüber, was möglich ist; ihre innenpolitische Struktur bestimmt, welche Politik praktisch
durchgeführt und aufrechterhalten werden kann.

Die Außenpolitik umfaßt also zwei sich teilweise widersprechende Bemühungen:
Einmal gilt es die Interessen, Zielsetzungen und Werte einer Gesellschaft zu definieren, und zum anderen sie in Beziehung zu den Interessen, Zielsetzungen
und Werten anderer zu setzen.

Der Gestalter der Politik muß daher ein Gleichgewicht herstellen zwischen
dem, was wünschenswert ist, und dem, was möglich ist. Der Fortschritt wird
immer in Teilschritten sowie an der relativen Befriedigung alternativer Ziele
gemessen. Spannung ist unvermeidlich zwischen Werten, die auf unveränderliche
Maximalbedingungen ausgerichtet sind, und den Bemühungen, diese Werte durchzusetzen -, was notwendigerweise auf einen Kompromiß hinausläuft. Außenpolitik
wird im Inland mit den Begriffen der Gerechtigkeit motiviert. Was aber im Inland als Gerechtigkeit definiert wird, wird im Ausland zum Gegenstand von Verhandlungen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß viele Länder, darunter auch
wir, die internationale Ära als ein Forum sehen, in dem Ausländer durch ge-schickte Praktiken die Tugend zu Fall bringen.

In einer Gemeinschaft souveräner Staaten enthält das Streben nach Frieden
ein Paradoxon: Der Versuch einer Seite, absolute Gerechtigkeit durchzusetzen,
wird von allen anderen als absolute Ungerechtigkeit angesehen werden; das
Streben nach totaler Sicherheit für einige wendet sich zur totalten Unsicherheit für die übrigen. Stabilität hängt von der relativen Zufriedenheit und
deshalb also auch von der relativen Unzufriedenheit der verschiedenen Staaten
ab. Das Streben nach Frieden muß daher mit der pragmatischen Konzeption der
- 5-

�der Koexistenz beginnen - insbesondere in einer Zeit des ideologischen Konfliktes.
Wir müssen natürlich vermeiden, von Stabilität besessen zu sein. Eine
übertrieben pragmatische Politik ist bar jeder Phantasie und jeder Menschlichkeit.
Es fehlt ihr nicht nur die Richtung, sie hat auch keine Wurzeln und kein Herz.
General de Gaulle schrieb in seinen Memoiren, daß "Frankreich ohne Größe nicht
Frankreich" sein könne. Genau so kann Amerika sich nicht selber treu sein ohne
moralische Zielsetzung. Unser Land hat immer ein Sendungsbewußtsein besessen.
Die Amerikaner waren immer der Ansicht, daß Amerika für etwas eintrat, was über
und jenseits seiner materiellen Leistungen steht. Eine rein pragmatische Politik
bietet kein Kriterium, nach dem andere Länder unsere Leistungen bewerten können
und setzt keine Normen, an die die Amerikaner sich halten können.

Wenn jedoch eine Politik übertrieben moralistisch wird, dann kann sie
sich als weltfremd

oder gefährlich erweisen. Wenn man sich so gibt, als habe

man ein Monopol an der Wahrheit, dann behindert dies Verhandlung und Ausgleich.
Man verzichtet auf gute Ergebnisse, nur weil man nach unerreichbaren Ideallösungen strebt. Die Politik könnte dann wirkungslosem Zurschaustellen oder abenteuerlichen Kreuzzügen zum Opfer fallen.

Die Voraussetzung für eine fruchtbare nationale Debatte besteht darin,
daß der Gestalter der Politik und der Kritiker die Perspektiven des jeweils
anderen würdigen und die Zielsetzungen des anderen respektieren. Der Gestalter
der Politik muß verstehen, daß der Kritiker verpflichtet ist, auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen, um Postulate in Frage zu stellen und zum Handeln anzuregen.
Aber in gleicher Weise sollte der Kritiker die Komplexität und die in der Sache
liegende Ungewißheit der Wahl der Entscheidung des Politikers anerkennen. Es
muß ein Anliegen des Gestalters der Politik sein, das Beste zu erreichen, was
erreicht werden kann und nicht nur das Beste erreichen zu wollen, was man sich
vorstellen kann. Er muß in einem Nebel unvollständiger Kenntnis der Dinge agieren
und ohne die Information, die später dem Analytiker zur Verfügung steht. Er weiß
- oder sollte doch wissen -, daß er für die Konsequenzen der Katastrophe ebenso verantwortlich ist wie für die Früchte des Erfolgs. Möglicherweise muß er
manche Ziele einschränken, nicht weil sie - wenn erreicht - unerwünscht wären,

�wären, sondern weil die Risiken eines Fehlschlages die potentiellen Gewinne
überwiegen würden. Er muß sich oft auf ein schrittweises Vorgehen einstellen,
wenn er auch viel lieber sofort sein Ziel erreicht hätte. Er muß mit anderen
Kompromisse schließen, und das bedeutet auch in einem gewissen Ausmaße, Kompromisse
mit sich selbst zu schließen.
Der Außenstehende beweist seine Moralität durch die Präzision seiner Vorstellungen und durch die Erhabenheit seiner Ideale. Der Gestalter der Politik
bringt seine Moralität dadurch zum Ausdruck, daß er in Verfolg seiner Ideale,
eine Reihe von Unvollkommenheiten und Teillösungen verwirklichen muß.

Ebenso muß man sich über die entscheidend wichtige Bedeutung des richtigen
Augenblicks im klaren sein. Günstige Gelegenheiten kann man nicht horten; nachdem sie einmal verstrichen sind, sind sie gewöhnlich unwiederbringlich dahin.
Neue Beziehungen in einer fließenden Zeit des Übergangs wie heute sind empfindlich und leicht verletzbar; sie müssen gehegt und gepflegt werden, wenn sie gedeihen sollen. Man kann junge Schößlinge nicht immer wieder aus der Erde herausnehmen, um nachzusehen, ob die Wurzeln noch vorhanden sind, oder um zu prüfen,
ob es nicht nebenan einen besseren Platz für sie gäbe.

Wir leben jetzt in einer solchen Zeit des behutsamen Beginnens. Westeuropa
und Japan haben sich uns in dem Bemühen angeschlossen, unsere Beziehungen neu
zu beleben. Die Sowjetunion hat damit begonnen, zumindest teilweise Außenpolitik
als eine Beziehung zwischen Staaten zu praktizieren, statt darin ein Instrument
des internationalen Bürgerkrieges zu sehen. Die Volksrepublik China hat sich
aus zwei Jahrzehnten der Isolation gelöst. Die Entwicklungsländer streben ungeduldig nach wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen. Eine neue Dimension
noch nicht dagewesener großer Aufgaben - auf dem Nahrungsmittelsektor, im Bereich der Meere, auf dem Gebiet der Energie und der Umwelt - verlangen eine
globale Zusammenarbeit.

Entspannung

- 7-

�Entspannung mit der Sowjetunion

Nirgends zeigt sich diese dringende Notwendigkeit deutlicher als in unserer
Beziehung zur Sowjetunion.
Diese Administration hat sich nie

irgendwelchen Illusionen über das

sowjetische System hingegeben. Wir haben stets darauf bestanden, daß Fortschritt auf technischen Gebieten - wie etwa im Handel - auf einen Fortschritt
in Richtung auf stabilere internationale Beziehungen folgen und ihn widerspiegeln müsse. Wir haben ein starkes militärisches Gegengewicht und eine flexible
Verteidigungsposition als Stützpfeiler der Stabilität beibehalten. Wir haben
darauf bestanden, daß die Abrüstung auf beiden Seiten erfolgen müsse. Wir haben
die Auflockerung in unseren Beziehungen zur Sowjetunion nicht danach beurteilt,
ob eine Verbesserung des allgemeinen politischen Klimas zu verzeichnen sei,
sondern danach, wie konkrete Probleme ihre Lösung finden und ob man ein verantwortungsbewußtes weltpolitisches Verhalten vorfindet.

Koexistenz hat für uns auch weiterhin eine sehr präzise Bedeutung:

- Wir werden uns dem Versuch eines jeden Landes widersetzen, eine Stellung
der Vorherrschaft - sei es in globalem oder regionalem Bereich - zu erlangen.

- Wir werden jedem Versuch widerstehen,die Entspannungspolitik zur Schwächung
unserer Bündnisse auszunutzen.
- Wir werden entsprechend reagieren, falls die Entspannungsbemühungen als
ein Tarnschild benutzt werden, um dahinter an den internationalen Krisenpunkten
Konflikte zu schüren.

Die Sowjetunion kann sich in keinem Gebiet der Welt über diese Prinzipien
hinwegsetzen, ohne dadurch das gesamte Gefüge ihrer Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu gefährden.

Auf
- 8-

�Auf dieser Grundlage haben wir bei der Umgestaltung der amerikanischsowjetischen Beziehungen in mancherlei bedeutsamer Weise Erfolg gehabt. Unsere
beiden Länder haben ein historisches Abkommen zur Begrenzung der strategischen
Rüstungen geschlossen. Wir haben das Risiko einer direkten sowjetisch-amerikanischen Konfrontation in Krisengebieten erheblich verringert. Das Berlin-Problem ist durch Verhandlungen gelöst worden. Wir und unsere Verbündeten haben
die Sowjetunion zu Verhandlungen über wichtige Fragen der europäischen Sicherheit - unter anderem auch über eine Reduzierung der militärischen Streitkräfte
in Mitteleuropa - gebracht. Wir haben eine Reihe bilateraler Abkommen über eine
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Gesundheit, der Umwelt, des Weltraums, der
Wissenschaft und Technologie sowie des Handels zustandegebracht. Diese Abkommen dienen dazu, ein festgefügtes Interesse an einer Zusammenarbeit und
gegenseitiger Zurückhaltung zu schaffen.

Bis vor kurzem bildeten die Ziele der Entspannung kein Problem. Die
Notwendigkeit, von der Konfrontation weg zu Verhandlungen zu gelangen, schien
von so überragender Bedeutung, daß Ziele, die jenseits der Beilegung der internationalen Streitfälle lagen, überhaupt nicht zur Sprache kamen. Jetzt aber
ist ein Fortschritt erzielt - und auch bereits als gegeben angesehen worden.
Wir befinden uns nunmehr in einer intensiven Debatte über das Problem, ob wir
Veränderungen im sowjetischen Gesellschaftssystem zu einer Vorbedingung für
weiteren Fortschritt machen sollten - oder selbst für die Beibehaltung der bereits eingegangenen Verpflichtungen. Das Problem in seiner ganzen Schärfe zeigt
sich in den Bemühungen des Kongresses, anderen Ländern den Meistbegünstigungsstatus im Handel nur unter der Bedingung von Veränderungen in ihrem eigenen politischen System einzuräumen.

Hier ergibt sich ein echtes moralisches Dilemma. Es gibt echte moralische
3edenken - sowohl dafür als auch dagegen. Daher sollten wir diese Angelegenheit
nicht als eine Debatte zwischen solchen ansehen, die in moralischer Hinsicht empfindsam

sind und anderen,die es nicht sind - oder gar solchen,denen es um Recht

und Gerechtigkeit geht,und anderen, die für die Werte des Humanen blind sind.
Die Haltung des amerikanischen Volkes und der amerikanischen Regierung ist bei
zahllosen Gelegenheiten mit allem Nachdruck klar bezeugt worden, und zwar in

- 9 -

�f
in einer Weise, die zu effektiven Resultaten geführt hat. Die Auswanderungssteuer für Auswanderer wird nicht mehr eingezogen, und wir haben die Zusicherung
erhalten, daß sie auch nicht wieder eingeführt werden wird;

Härtefälle, die

der sowjetischen Regierung vorgetragen wurden, werden jeweils mit Sorgfalt geprüft; die Zahl der jüdischen Auswanderer geht heute in die Tausende, während
es früher nur verschwindend wenige waren. Wir werden uns auch weiterhin in
allen diesen Fragen nachdrücklich bemühen.

Die wirkliche Debatte aber geht weit darüber hinaus mit der Frage: Sollen
wir jetzt Forderungen, die während der Verhandlungen nie gestellt wurden, an Abkommen knüpfen, die bereits geschlossen sind? Sollen wir die Forderung nach
innenpolitischen Veränderungen, die wir bisher in einer evolutionären Weise zu
fördern suchten, als eine formelle Bedingung stellen?

Wir sollten uns daran erinnern, was die Frage der Meistbegünstigungsklausel
eigentlich bedeutet. Der Ausdruck "meistbegünstigter Staat" als solcher ist
insoweit irreführend, als er eine Vorzugsbehandlung impliziert. Worüber wir im
Grunde reden, ist, ob wir die Entwicklung normaler wirtschaftlicher Beziehungen
zulassen wollen - von Beziehungen der Art, wie wir sie mit über hundert anderen
Ländern unterhalten und deren sich die Sowjetunion bis zum Jahre 1951 auch
erfreute. Es geht darum, ob die diskriminierenden Handelsbeschränkungen, die
auf dem Höhepunkt des kalten Krieges erlassen wurden, aufgehoben werden sollen.
Ja, zu der damaligen Zeit entmutigte die sowjetische Regierung sogar jeden
Handel, weil sie die innenpolitischen Auswirkungen normaler Handelsbeziehungen
mit dem Westen auf ihr eigenes Gesellschaftssystem fürchtete.

Die Forderung, daß Moskau als Vorbedingung für den Meistbegünstigtenstatus
oder die Entspannung seine Innenpolitik modifiziere, ist, während wir verhandelten, nie erhoben worden; sie wird jetzt vorgebracht, nachdem beide Seiten
sorgfältig aus vielen Teilen ein Gesamtbild gestaltet haben. Damit aber wirft
sie Fragen und Probleme hinsichtlich unseres gesamten bilateralen Beziehungsgefüges auf.

Schließlich
- 10 -

�Schließlich betrifft diese Frage nicht nur unsere Beziehung zur Sowjetunion, sondern auch unsere Beziehungen zu vielen anderen Staaten, deren innere
Strukturen wir mit unserer eigenen für unvereinbar halten. Bedingungen, die
man dem einen Land auferlegt, könnten die sich ausweitenden Beziehungen zu
anderen Ländern, wie zum Beispiel der Volksrepublik China, hemmen.

Wir werden niemals die Unterdrückung der fundamentalen menschlichen Freiheiten gutheißen. Wir werden mit Nachdruck für humane Grundsätze eintreten
und unseren Einfluß geltend machen,um Recht und Gerechtigkeit zu fördern. Aber
das Problem läuft letztlich darauf hinaus, daß diesen unseren Bemühungen Grenzen
gesetzt sind. Wie weit kann unser Druck gehen, ohne daß wir die sowjetische
Führung provozieren, zu Praktiken ihrer Außenpolitik zurückzukehren, durch die
die internationale Spannung vermehrt wird? Sind wir bereit, den Krisen und
dem erhöhten Verteidigungsbudgets ins Auge zu sehen, die mit der Rückkehr zu
den Verhältnissen des kalten Krieges auf uns zukommen würden? Und würde dadurch
eine Auswanderung in vollem Umfang begünstigt oder das Wohlergehen der Menschen
gefördert oder die Hoffnung auf Freiheit für die Völker Osteuropas und der
Sowjetunion gestärkt werden? Hat die Entspannung zur Repression geführt - oder
hat sie nicht vielmehr das Ferment erzeugt und die Forderung nach Aufgeschlossenheit erweckt, deren Zeugen wir heute sind?

Ein halbes Jahrhundert lang haben wir uns den kommunistischen Bestrebungen
widersetzt, die innenpolitischen Strukturen anderer Länder zu verändern. Während
einer ganzen Generation des kalten Krieges waren wir bestrebt, die durch miteinander im Widerstreit liegende Ideologien hervorgerufenen Risiken zu vermindern. Wollen wir jetzt gewissermaßen einen Kreis schlagen und auf der Vereinbarkeit der innenpolitischen Systeme als Bedingung für den Fortschritt bestehen?

Auf diese Fragen gibt es keine leichten Antworten. Es kann sein, daß die
Regierung das Ausmaß der Konzessionen, die wir erlangen können, unterschätzt.
Aber eine faire Debatte muß einräumen, daß es sich hier um echte Probleme handelt, deren Beantwortung Auswirkungen auf das Schicksal von uns allen haben kann.

- 11 -

Unsere

�Unsere Politik im Hinblick auf die Entspannung ist klar: Wir werden,
einer aggressiven Außenpolitik entgegentreten. Die Entspannung kann ein verantwortungsloses Verhalten in irgendeinem Gebiet - dazu gehört auch der
Nahe Osten - nicht überleben. Was die Innenpolitik der geschlossenen Systeme
anbetrifft, so werden die Vereinigten Staaten es nie vergessen, daß der Antagonismus zwischen der Freiheit und ihren Feinden nun einmal zur Realität unseres
modernen Zeitalters gehört. In diesem Kampf sind wir nicht neutral. So lange
wir stark und mächtig bleiben, werden wir unseren Einfluß geltend machen, um
die Freiheit zu fördern - so wie wir dies immer getan haben. Aber im nuklearen
Zeitalter müssen wir auch einsehen, daß es bei Frage von Krieg und Frieden auch
um menschliches Leben geht, und daß die Erhaltung des Friedens ein tiefes
moralisches Anliegen ist.

Die Welt,wie sie ist und die Welt,die wir anstreben

In meiner Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vor
zwei Wochen habe ich als unser Ziel eine Welt dargestellt, in der Machtblöcke
und Machtverhältnisse nicht mehr relevant sind; in der wir uns in erster Linie
mit Gerechtigkeit befassen können statt mit Stabilität; in der die Länder die
Zusammenarbeit im Weltinteresse als in ihrem eigenen nationalen Interesse
liegend betrachten.

Aber wir können der Welt der Zukunft nicht näher kommen, ohne zunächst
einmal den Frieden in unserer heutigen Welt zu wahren. Gerade in diesen Tagen
werden wir nur zu deutlich daran erinnert, daß dies Wachsamkeit und ständige
Bereitschaft erfordert.

Unsere Reise muß naturgemäß dort beginnen, wo wir heute stehen. Und das
ist eine Periode verringerter Spannungen, größeren Gleichgewichts und zerfließender Macht. Aber wenn die Welt auch besser ist, als wir befürchtet
haben, so bleibt sie doch weit hinter unseren Hoffnungen zurück. Daß wir uns
der Gegenwart zuwenden, heißt noch lange nicht, daß wir mit ihr zufrieden
sind.
Das

�Das hervorstechendste Charakteristikum unserer heutigen Zeit - ein Merkmal, das Schwierigkeit und Hoffnung gleichzeitig verbreitet - ist der radikale
Wandel im Wesen der Macht.In unserer ganzen Geschichte ist Macht fast immer
homogen gewesen. Das militärische, das wirtschaftliche und das politische Potential hingen eng miteinander zusammen. Um mächtig zu sein, mußte eine Nation
in all diesen Kategorien stark sein. Heute ist das Vokabular der Stärke vielfältiger geworden. Ein militärischer Bizeps garantiert

noch keinen politischen

Einfluß. Wirtschaftsgiganten können militärisch schwach sein, und militärische
Stärke kann unter Umständen eine wirtschaftliche Schwäche nicht verbergen. Und
Länder können einen politischen Einfluß ausüben, selbst ohne militärisch oder
wirtschaftlich stark zu sein.

Es ist falsch, von nur einem Kräfteverhältnis zu sprechen, denn es gibt
deren mehrere, die in Bezug zueinander gesetzt werden müssen. In der militärischen Sphäre gibt es zwei Supermächte. Was die Wirtschaft angeht, so
existieren zumindest fünf große Gruppierungen. In politischer Hinsicht haben
sich noch viel mehr Einflußzentren entwickelt. Seit Ende des zweiten Weltkrieges sind etwa 80 neue Nationen entstanden, und regionale Gruppen gewinnen
einen wachsenden Einfluß.

Aber was auch immer der Maßstab der Macht sein mag, so hat sich vor allem
ihr politischer Nutzen geändert. Immer wieder konnte im Verlauf der Geschichte
ein Zuwachs an militärischer Macht - und war er auch noch so klein - für spezifische politische Vorteile benutzt werden. Angesichts der überwältigenden
Arsenale des Nuklearzeitalters ist jedoch das Streben nach marginalen Vorteilen
sowohl sinnlos als auch möglicherweise selbstmörderisch geworden. Wenn einmal
die Sättigung erreicht ist, läßt sich ein weiterer Zuwachs an Macht nicht in
anwendbare politische Stärke umsetzen; und Versuche, taktische Gewinne zu
erzielen, können zur Katastrophe führen.

Diese Gegebenheiten lassen der Stabilität eine besondere Bedeutung zukommen
und machen es zugleich schwierig, diese aufrechtzuerhalten. Das heutige Streben
nach einem Gleichgewicht sollte nicht mit dem Gleichgewicht der Kräfte früherer

- 13 -

�V

früherer Zeiten verglichen werden. Allein schon der Gedanke, ein Gleichgewicht der Kräfte im klassischen Sinne "zu bewirken", fällt in sich zusammen,
wenn die Veränderung, die erforderlich ist, um das Gleichgewicht aus den
Angeln zu heben, so groß ist, daß sie nicht mit begrenzten Mitteln zu erreichen
ist.

Genauer gesagt, es gibt keine Parallele zum 19. Jahrhundert. Damals hatten
die wichtigsten Länder im wesentlichen gleichartige Vorstellungen von der Legitimität und akzeptierten die Grundstruktur der bestehenden internationalen
Ordnung. Kleine GewichtsVeränderungen in der Stärke waren bedeutsam. Das
"Gleichgewicht" wurde in einem relativ begrenzten geographischen Bereich bewirkt. Keiner dieser Faktoren ist heute gegeben.

Wenn wir von Gleichgewicht sprechen, meinen wir auch kein allzu einfaches
mechanisches Modell ohne Ziel und Zweck. Die sich ständig ändernden Bündnisse,
die in früheren Jahrhunderten das Gleichgewicht aufrechterhielten, sind in
unserer Zeit weder angebracht noch möglich. In einem Zeitalter ideologischer
Schismen ist die Unterscheidung zwischen Freund und Gegner eine objektive Realität. Mit unseren Freunden haben wir Ideale und Interessen gemeinsam, und wir
wissen, daß die Stärke unserer Freundschaft entscheidend wichtig für den Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern ist.

Wenn wir von fünf oder sechs oder sieben Hauptzentren der Macht sprechen,
dann soll das nicht heißen, daß andere ausgeschlossen sind, sondern daß noch
vor einigen wenigen Jahren jeder der Meinung war, daß es nur zwei gäbe. Der
Abbau der Spannungen sowie das Entstehen neuer Machtzentren bedeutete größere
Handlungsfreiheit und größere Bedeutung für alle anderen Nationen.

Angesichts dieser Gegebenheiten war es unser Nahziel, ein festes Netz
von Beziehungen zu schaffen, das die Hoffnung darauf bietet, daß der Menschheit
die Geißel des Krieges erspart bleibt. Eine interdependente Weltgemeinschaft
kann weder Konfrontationen der Großmächte noch immer wiederkehrende regionale
Krisen hinnehmen.

Aber
- 14 -

�Aber Frieden muß mehr sein als Nichtexistenz von Konflikt. Wir sehen
Stabilität als die Brücke zur Verwirklichung der Bestrebungen und Hoffnungen
der Menschen an und nicht als Selbstzweck. Wir haben manches über die Eindämmung von Krisen gelernt, aber wir haben die Wurzeln dieser Krisen nicht beseitigt. Wir haben damit begonnen, unsere Differenzen auszugleichen, aber
wir haben unsere Gemeinsamkeit nicht bestärkt. Wir haben vielleicht die Beherrschung des Gleichgewichtes verbessert, aber wir haben noch keine Gerechtigkeit erreicht.

In der Enzyklika, nach der diese Konferenz benannt ist, hat Papst Johannes
eine größere Vision umrissen. Er sah voraus, "daß keine politische Gemeinschaft
in der Lage ist, in der Isolation ihre Interessen zu verfolgen und sich weiter
zu entwickeln", denn !'unter allen Menschen wächst die Erkenntnis, daß sie Mitglieder einer Weltgemeinschaft sind."

Die Chancen der Menschheit gehen jetzt über den Nationalismus hinaus,und
sie können nur verwirklicht werden, wenn die Länder der Welt gemeinsam handeln:

- Zum ersten Mal seit Generationen ist die Menschheit in der Lage, eine
neue und friedliche internationale Ordnung zu schaffen. Aber besitzen wir die
''Drstellungskraft und die Entschlossenheit, diese sich noch in einem gefährdeten Stadium befindliche Aufgabe voranzubringen?

- Zum ersten Mal in der Geschichte dürften wir das technische Wissen besitzen, um die Grundbedürfnisse der Menschheit zufriedenzustellen. Die großen
Erfordernisse der modernen Welt machen nicht vor nationalen Grenzen halt und
müssen unvermeidlicherweise alle Gesellschaften für die sie umgebende Welt öffnen.
Aber besitzen wir den politischen Willen,uns zusammenzuschließen, um dieses
große Ziel zu erreichen?

Wenn diese Vision verwirklicht werden soll, dann ist die aktive Beteiligung Amerikas unerläßlich. Die Geschichte wird uns nach unseren Taten,
nicht nach unseren guten Absichten beurteilen.
Aber
- 15 -

�Aber dies kann nicht die Aufgabe eines Landes allein sein. Und es kann
auch nicht die Aufgabe einer Administration allein oder eines Zweiges einer
Regierung allein oder einer Partei allein sein. Wenn wir wahrhaft etwas
schaffen wollen, dann müssen wir einen Kurs einschlagen, der auch von zukünftigen führenden Politikern fortgesetzt wird, weil dieser Kurs die kontinuierliche Unterstützung des amerikanischen Volkes hat.
Lassen Sie uns also nach einem neuen Konsens suchen. Lassen Sie uns einen
Geist der Verständigung wiederherstellen zwischen der Legislative und der
Exekutive,zwischen der Regierung und der Presse, zwischen dem Volk und seinen
öffentlichen Bediensteten. Lassen Sie uns erneut lernen, über unsere Methoden
und nicht über unsere Motive zu streiten, uns auf das zu konzentrieren,was
unser Schicksal ist und nicht auf das, was uns spaltet. Lassen Sie uns alle
unsere verschiedenen Ansichten und Auffassungen beisteuern, aber lassen Sie
uns erneut von dem Gesichtspunkt ausgehen, daß wir in einem gemeinsamen Vorhaben engagiert sind. Wenn wir eine Weltgemeinschaft

formen wollen, dann

müssen wir zuerst die Gemeinschaft im eigenen Land wiederherstellen.

Wenn die Amerikaner zusammenarbeiten, dann kann Amerika mit anderen für
das ewige Ziel der Menschheit arbeiten: Pacem in Terris - Frieden auf Erden Frieden im Ausland, Frieden im eigenen Land und Frieden mit uns selbst.

- 16 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7750">
                <text>11.10.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7751">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7752">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14410">
                <text>Amerikadienst 11.10.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14411">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 3. Oktober&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Henry Kissinger vor der Pacem in Terris-Konferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Programmatische Rede des US-Außenministers -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2115" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2126">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f8f8006d37fc5eb88259df96a0dfeef7.pdf</src>
        <authentication>26f2553eede6fd41756aad5db3eafeca</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10669">
                    <text>AMERIKA DIENST
%

r

"v"

Ä&lt;

37

1 1 . Oktober 1989

4

INHALT

DOKUMENTATION

Mosbacher; Verstärkte Kontrolle für Chemieexporte
- Rede des U.S.-Handelsministers Präsident Bushs Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1989
Bush würdigt bundesdeutsche Unterstützung für die DDR-Flüchtlinge
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

HINTERGRUND

Die Sozialversicherung; Grundlage des "Sozialen Netzes" in den USA
- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V,ON

Dokumentation

4

37

11. Oktober 1989

MOSBACHER:

VERSTÄRKTE KONTROLLE FÜR CHEMIEEXPORTE

- Rede des US-Handelsministers -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsminister Robert Mosbacher
zufolge beabsichtigen die Vereinigten Staaten, Exportkontrollen für 10 zusätzliche bei der Herstellung chemischer Waffen verwendete Grundstoffe einzuführen
und bei drei Chemikalien zu verschärfen, die er in seiner Rede vor dem auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 5. Oktober 1989 jedoch nicht im
einzelnen benannte. Wenn das Handelministerium diese Maßnahmen verabschiedet,
werden die Vereinigten Staaten alle 50 von den westlichen Nationen vereinbarten Chemikalien kontrollieren, so Mosbacher.
Nachfolgend veröffentlichen
cher im Wortlaut.

wir die Erklärung von Handelsminister Mosba-

Herr Vorsitzender, ich möchte in
der heutigen Anhörung das außenpolitische Programm der Vereinigten Staaten
zur Exportkontrolle
erläutern.
Bevor ich dieses Programm mit Ihnen
im einzelnen erörtere, möchte ich
kurz auf den globalen Zusammenhang
zwischen Exportkontrollen und wirtschaftlicher Sicherheit eingehen.
Von Zeit zu Zeit wurden Vorwürfe
laut, dem Handelsministerium sei das
Handelsdefizit wichtiger als die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten
und
unsere
Entscheidungen
über Ausfuhrgenehmigungen ließen einen Hang zur Exportförderung erkennen. Das trifft nicht zu. Das Handelsministerium nimmt die Rolle außerordentlich ernst, die wir bei der
nationalen Sicherheit spielen. Kraft

Gesetzes gehen wir bei Exportkontrollen sehr umsichtig vor. Gemäß diesem
Gesetz müssen wir wirtschaftliche und
nationale
Sicherheitsfaktoren
sorgfältig gegeneinander abwägen.
Dem
Gesetz zufolge ist die Aufrechterhaltung einer gesunden und wettbewerbsfähigen
Wirtschaft
integraler Bestandteil der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Unser Mandat lautet,
Exportkontrollen
auf Güter in den
Vordergrund zu stellen, die zu rein
strategischen Zwecken eingesetzt werden können, um unnötige negative Auswirkungen auf den rechtmäßigen Handel
im zivilen Bereich so gering wie möglich zu halten.

ten
daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mit anderen Worten, die VereinigStaaten
sollten gewährleisten,
Exportkontrollen für Güter und

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Technologie
angemessen
angewendet
werden, so daß sie nicht entscheidend
zum militärischen Potential unserer
Gegner beitragen.
Die weitere Kontrolle dieser Produkte oder die Kontrolle von Gütern oder Technologien,
die unseren Gegnern in anderen Ländern frei zugänglich sind, würde nur
zu einer unnötigen Schädigung amerikanischer Geschäftsinteressen führen
ohne unserer nationalen Sicherheit zu
dienen. Auf lange Sicht würden solche Kontrollen unsere wirtschaftliche
Sicherheit unterhöhlen, was wiederum
unserer nationalen Sicherheit abträglich wäre.
Aus diesem Grund müssen der Kongreß und die Regierung meiner Ansicht
nach eng bei der Verhinderung von
Maßnahmen zusammenarbeiten, die den
amerikanischen
Handel bei geringer
Gegenleistung
unverhältnismäßig
und
einseitig einschränken. Da die Vereinigten Staaten den Weltmarkt für
technologische Innovationen und militärisch sensible Güter nicht vollständig unter Kontrolle haben, müssen
unsere Bestrebungen zum Schutz unserer Sicherheit und anderer Interessen
in Zusammenarbeit mit anderen freundlich
gesinnten
Nationen
erfolgen.
Ich beabsichtige, alles in meiner
Macht Stehende zu tun, um diese Zusammenarbeit sicherzustellen und zu
gewährleisten, daß wir unsere Kontrollen soweit wie möglich auf multilateraler Basis durchführen.

Außenpolitisch
trollen

motivierte

Exportkon-

Wir haben die am 20. Januar 1989
in Kraft getretenen
außenpolitisch
motivierten Exportkontrollen bis zum
20. Januar 1990 verlängert. Mit Ihrer
Erlaubnis,
Herr
Vorsitzender,
möchte ich zur Aufnahme in das Sitzungsprotokoll eine Kopie des Jahresberichts über außenpolitisch motivierte Exportkontrollen vorlegen, den
das Handelsministerium an den Kongreß
weitergeleitet hat.
Außenpolitisch

motivierte

Kon- 2

trollen können aus einer Reihe von
Gründen erfolgen. Außenpolitisch motivierte Kontrollen können zum Beispiel aus einem spezifischen Grund,
wie dem kontrollierten Export einer
bestimmten Chemikalie in eine besondere Region ausgeübt werden, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern. Darüber hinaus können
außenpolitisch motivierte Kontrollen
auch zur Verwirklichung umfassenderer
politischer Ziele wie der Abkoppelung
der Vereinigten Staaten von einem bestimmten Land verwendet werden, wie
es bei Kuba und Vietnam der Fall war.
Außenpolitisch
motivierte
problemorientierte Kontrollen finden aus
Gründen statt, die mit Menschenrechten, terroristischen Aktivitäten, regionaler Stabilität, chemischer und
biologischer Kriegführung, der sowjetischen
Invasion in Afghanistan
und der Verbreitung von Raketen in
Verbindung stehen.
Wir üben länderspezifische Kontrollen aus, indem wir Handelsembargos gegen Libyen, Kuba, Nordkorea,
Vietnam und Kambodscha verhängt haben.
Gegen von Südafrika gelenkte
Polizei- und
Militäreinheiten
haben
wir außenpolitisch motivierte Kontrollen vorgenommen, und wir kontrollierren den Export von Computern an
pro Apartheid eingestellte Behörden,
um unsere anhaltende Opposition gegen
die südafrikanische Apartheidpolitik
unter Beweis zu stellen.
Länderspezifische
Kontrollen
spiegeln generell die von den Vereinigten Staaten gegenüber dem jeweiligen Land verfolgte Außenpolitik wider.
In einigen Fällen zielen sie
darauf ab, Druck auf bestimmte Volkswirtschaften oder Regierungen auszuüben, indem der Zugang zu einer Vielzahl amerikanischer Produkte eingeschränkt wird. In anderen Fällen haben sie die Distanzierung der Vereinigten Staaten von der Politik eines
bestimmten Landes zum Ziel.
Das Allgemeine Handelsgesetz verfügt, daß außenpolitisch motivierte

�Exportkontrollen für Ersatzteile nur
dann aufrechterhalten werden dürfen,
wenn der Handelsminister ihre Kontrolle
definitiv
beschlossen
hat.
Wir haben einen solchen Beschluß gefaßt und außenpolitisch
motivierte
Kontrollen von Ersatzteilen für Produkte eingeführt, die aus Gründen der
Menschenrechte
oder
Terrorismusbekämpfung kontrolliert werden.
Die im Rahmen von Abschnitt 309
(c) des Gesetzes über die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen aus
dem Jahr 1978 angewandten Kontrollen
bleiben weiterhin In Kraft ebenso wie
die gemäß dem
Anti-Apartheidgesetz
von 1988 gegen Südafrika gerichteten
Kontrollen.
Herr
Vorsitzender,
mit
großer
Sorge beobachten wir die jüngste Verbreitung todbringender Technologien,
insbesondere in Regionen der Welt,
die von Instabilität gekennzeichnet
sind.
Abgesehen von der Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen, die ein
langfristiges Anliegen
ist, können
diese Technologien in zwei Kategorien
aufgeteilt werden: 1. chemische und
biologische Waffen und 2. nuklearfähige Trägersysteme und andere Massenvernichtungswaffen.
Die Vereinigten
Staaten haben sehr viel Zeit und Mühe
darauf verwandt, das wirksamste Mittel gegen die weitere Verbreitung
dieser Waffensysteme zu entwickeln.
Unsere
außenpolitisch
motivierten
Kontrollen in diesen beiden Bereichen
sind aus einem wichtigen Grund bemerkenswert:
ihre
Entwicklung
und
Durchführung basiert auf multilateraler
Zusammenarbeit.
Multilaterale
Bestrebungen
sind
für erfolgreiche
Kontrollen unabdingbar.
Ich möchte
jetzt besonders auf diese beiden entscheidenen Bereiche und unsere außenpolitisch motivierten Kontrollen im
Hinblick auf sie eingehen.

Chemische und biologische Waffen
Die

Vereinigten

Staaten

nehmen

eine Führungsrolle bei den multilateralen Bestrebungen ein, die Verbreitung und den Einsatz chemischer und
biologischer Waffen zu unterbinden,
von denen die Sicherheit weltweit bedroht ist.
In seiner Abschiedsrede
vor den Vereinten Nationen im September 1988 forderte Präsident Reagan
die Einberufung einer internationalen
Konferenz über chemische Waffen, die
im Januar 1989 in Paris stattfand.
Bei dieser Konferenz wurde die im
Genfer Protokoll von 1925 vereinbarte
internationale
Verpflichtung
gegen
den Einsatz chemischer Waffen erneut
bekräftigt. In seiner ersten Ansprache als Präsident vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterstrich Präsident Bush die Notwendigkeit der "Zusammenarbeit aller Nationen, um die Welt von der Geißel
chemischer Waffen zu befreien".
Er
kündigte eine neue Initiative zu chemischen Waffen an, die drastische Reduzierungen
der amerikanischen
und
sowjetischen Arsenale an chemischen
Waffen und verbesserte Techniken zur
Überwachung
und
Verifizerung
des
weltweiten
Bestands
an
chemischen
Waffen fordert - die bei unseren Verhandlungen über ein umfassendes Vei—
bot chemischer Waffen als vertrauensbildende Maßnahme dienen soll.
Die Vereinigten Staaten sind aktives Mitglied der "Australien-Gruppe" chemieverarbeitender Länder mit
dem gemeinsamen Anliegen, die Vei—
breitung und den Einsatz von Chemiewaffen aufzuhalten.
Die AustralienGruppe ist ein informelles und unabhängiges Gremium, in dem die Regierungen der Vereinigten Staaten und 19
anderer Länder mit dem
Ziel
der
Nichtwei terverbrei tung
chemischer
Waffen zusammenarbeiten. Die Australien-Gruppe hat eine schwarze Liste
von 50 chemischen Grundstoffen erai—
beitet, die bei der Waffenherstellung
Anwendung finden.
Das Handelsministerium war in der
amerikanischen
Delegation
bei
der
jüngsten
Regierungs-Industriekonferenz gegen chemische Waffen in Canberra im September stark vertreten.

�Die Delegierten des Handelsministeriums haben eine Reihe bilateraler
Gespräche mit Abordnungen anderer Regierungen über Probleme der Exportkontrolle geführt.
Darüber hinaus
haben wir Gesetzentwürfen über den
Handel mit chemischen Grundstoffen
und
biologischen Organismen große
Aufmerksamkeit gewidmet.
Diese außenpolitisch motivierten Exportkontrollen und die damit verbundenen
Maßnahmen spiegeln das amerikanische
Engagement wider, das sich in der Zusammenarbeit bei multilateralen Exportkontrollbestrebungen ebenso zeigt
wie in der Beachtung der im Genfer
Protokoll von 1925 und der Konvention
über biologische Waffen von 1972 eingegangenen internationalen Verpflichtungen sowie in den Bemühungen um ein
weltweit verifizierbares Verbot aller
chemischen und biologischen Waffen.
Das Handelsministerium
hat im
Rahmen seiner Mitarbeit in der Australien-Gruppe seine außenpolitisch
motivierten
Kontrollmaßnahmen
für
chemische Grundstoffe verschärft und
neue verhängt. Am 22. Februar 1989
habe ich dem Kongreß im Einklang mit
Abschnitt 8 des Außenwirtschaftsgesetzes einen Bericht vorgelegt, der
Exportkontrollen für 23 mehrfach einsetzbare chemische Grundstoffe vorsieht, die als Basis für chemische
Waffen sowie für bestimmte Organismen
dienen können. Vor dieser Maßnahme
sah das Handelsministerium Exportkontrollen für 17 chemische Grundstoffe
vor, die nachweislich zur Herstellung
chemischer Waffen genutzt werden können.
Die
betroffenen
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffe unterlagen bisher einseitigen
nationalen Sicherheitskontrollen, die
am 23. Februar dieses Jahres dem Allgemeinen Handelsgesetz von 1988 zufolge Ihre Gültigkeit verlieren. Die
neue Grundlage außenpolitisch motivierter
Exportkontrollen
gestattet
dem Ministerium, seine Kontrollbestrebungen auf solche Länder zu konzentrieren, an die Weiterverbreitung
als problematisch gilt: Iran, Irak,
Syrien und Libyen.
Zum Zweck der
besseren Kontrolle überarbeiten wir

die außenpolitisch motivierten Exportbestimmungen, um Wiederausfuhrkontrollen
auf
diese
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffen mit dem Bestimmungsort Iran,
Irak, Syrien und Libyen zu verhängen.
Wir gestehen Schwierigkeiten bei
der Kontrolle dieser "Mehrzweck"-Chemikalien ein. Einige sind sehr gebräuchlich und werden sowohl in der
Forschung als auch kommerziell vielfach eingesetzt, etwa bei der Herstellung von Verdünnern, Emulsionsund Düngemitteln.
Tatsächlich kann
jedes Land mit einer Ölraffinerie
oder einer Düngemittelfabrik diese
Verbindungen herstellen. Leider können diese Chemikalien in anderen Verbindungen zur Herstellung chemischer
Waffen genutzt werden. Darüber hinaus ist die Technik zur Herstellung
dieser chemischen Verbindungen nicht
geschützt.
Ich werde dem Kongreß ferner einen Bericht über die Ausweitung der
Exportkontrollen auf drei chemische
Grundstoffe und die Einführung solcher Kontrollen für 10 zusätzliche
Chemikalien vorlegen.
Mit dieser
Maßnahme werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen westlichen
Ländern alle 50 der mehrfach verwendbaren chemischen Grundstoffe kontrollieren.
Diese Kontrolle mehrfach
einsetzbarer und kommerziell genutzter Chemikalien findet zusätzlich zur
Kontrolle chemischer und biologischer
Waffen, ihrer Bestandteile und Trägersysteme statt, die bereits im Rahmen des Gesetzes zur Kontrolle von
Waffenexporten vom Außenministerium
eingeführt wurde.

Kontrollmechanismus
technik

für die Raketen-

Schon seit langem wenden sich die
Vereinigten Staaten gegen die Verbreitung von Trägersystemen. Am 16.
April 1987 haben wir eine neue Maßnahme verkündet, um die Verbreitung
von Raketen zu begrenzen, die Nuklearwaffen als Träger dienen können.

- 4 -

�Die
Vereinigten
Staaten
schlössen
sich mit der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien,
Italien, Japan und Kanada zusammen,
um einen Kontrollmechanismus für die
Raketentechnik
(Missile
Technology
Control Regime - MTCR) zu schaffen,
mit dem die Verbreitung nuklearfähiger ballistischer Raketen
begrenzt
werden kann.
Die Mitglieder haben
vereinbart, den Export der zur Entwicklung und Stationierung von Raketen mit der Fähigkeit zum Abschuß nuklearer Gefechtsköpfe erforderlichen
Anlagen und Techniken zu kontrollieren.
Das Außenministerium kontrolliert
die Mehrzahl - etwa 80 Prozent - der
Handelsware, die in direktem Zusammenhang mit Raketen steht. Das Handelsministerium kontrolliert hingegen
mehrfach einsetzbare Posten, deren
Kontrolle unter dem MTCR vereinbart
wurde.
In Übereinstimmung mit dem
Außenministerium hat das Handelsministerium die außenpolitisch motivierten
Exportkontrollen
auf
mehrfach
einsetzbare Waren erweitert, die im
Anhang zum MTCR genannt sind.
Die
Erweiterung dieser Kontrollen hat jedoch keine neuen Genehmigungsverfahren für Anlagen zur Folge gehabt,
weil sie lediglich für Waren eingefügt wurde, die bereits nationalen
Sicherheitskontrollen unterliegen.
Gegenwärtig werden alle Anträge
auf Ausfuhrgenehmigung für Waren, die
Kontrollen für Raketentechnik unterliegen, sorgfältig überprüft, um sicherzustellen, daß der beabsichtigte
Export nicht entscheidend zu einem
Raketenentwicklungsprogramm
beiträgt.
Folgende Kriterien sind im
Handelsministerium für die Genehmigung der Ausfuhranträge ausschlaggebend:
ob die Ware der außenpolitisch
motivierten
Exportkontrolle
für
Raketen unterliegt,
ob das Bestimmungsland die Fähigkeit
zur Herstellung ballistischer Raketen entwickelt,

ob der Endverbraucher ein für uns
besorgniserregendes
Projekt
durchführt,
ob die Ware einen entscheidenden
Beitrag zum Raketenentwicklungsprogramm des Landes leisten würde,
der Ruf, in dem das Importland im
Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung steht und die Art und
Weise der Garantie einer Nichtweiterverbreitung.
Gegenwärtig im Rahmen von MTCR
erörterte Probleme betreffen Vorbereitungen für ein Gesetz über Sanktionen bei "Verletzungen" des MTCR
und Zusatzartikel zum Gesetz über die
Kontrolle von Waffenexporten und das
Außenwirtschaftsgesetz von 1979, um
die Weiterverbreitung von Raketen,
Raketenteilen und Raketentechnik zu
begrenzen.
Um die Wirkung des Kontrollmechanismus zu erhöhen und Übertretungen abzuschrecken, sehen die
Gesetzentwürfe folgendes vor:
Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten
und ausländische Körperschaften, die
Verhä'ngung stärkerer einseitiger amerikanischer
Technologiekontrollen,
Berichte über die Wirksamkeit des
Kontrollmechanismus
(MTCR) und zusätzliche Überprüfungen von Exportanträgen für mehrfach verwendbare Waren
durch das Außen- und Verteidigungsministerium.
Aller Wahrscheinlichkeit
nach wird eine solche Gesetzgebung
aber eher negative Auswirkungen haben
und
multilaterale
Betrebungen
zur
Nichtweiterverbreitung
von
Raketen
schwächen. Sie würde die weitere Zusammenarbeit und den Informationsaustausch behindern und die Regeln, nach
denen der Kontrollmechanismus aufgestellt wurde, einseitig verändern.
Darüber hinaus werden Fragen der
Erweiterung
des
Kontroilmechanismus
erwogen, so daß er zusätzliche Länder
einbezieht.
Der MTCR bildet
eine
wirksame Sperre gegen Programme zur
Weiterverbreitung nuklearfähiger Raketen.
Er liefert ein ausgezeichnetes Beispiel für die Vorteile multi-

�lateraler Zusammenarbeit im Gegensatz
zu einseitigen Kontrollen. Wir wollen ihn so erweitern, daß er auch
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung und Ausfuhr nuklearfähiger Raketen und ihrer Teile einbezieht.

Andere außenpolitische Probleme
Im Hinblick auf Nordkorea haben
außenpolitisch motivierte Kontrollen
tatsächlich zu einem Handelsembargo
zwischen diesem Land und den Vereinigten Staaten geführt. Am 20. Januar 1988 hat der Außenminister Nordkorea als ein Land bezeichnet, das den
internationalen Terrorismus bei seinen Aktionen wiederholt unterstützt
hat und in diesem Zusammenhang auch
den Abschuß der KAL-Maschine im November 1987 zitiert.
Im Oktober 1988 entschied die Administration, Nordkorea aus seiner
Isolation herauszuhelfen und das Land
zur Abkehr von terroristischen Aktivitäten zu bewegen. Diese politische
Entscheidung führte zu einer sehr bescheidenen Liberalisierung der amerikanischen
Exportkontrollpolitik
gegenüber Nordkorea. Diese Veränderung
läßt nunmehr die Lieferung von Handelswaren und Spenden an Nordkorea
zu, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken.
Wie bereits ausgeführt, sind außenpolitisch motivitierte Exportkontrolen für Anlagen und technische Daten in Kraft, die zur Herstellung von
Lastwagen an der Kama und in der
Zil-LKW-Fabrik
in
der
Sowjetunion
dienen. Diese Politik wurde als Reaktion auf den Einsatz der in der Fabrik an der Kama hergestellten LKWs
beim Einmarsch in Afghanistan eingeführt.
Gegenwärtig
verfolgen
die
Vereinigten Staaten die Politik, Anträge auf Export dieser Anlagen abzulehnen. Angesichts des nunmehr abgeschlossenen Abzugs sowjetischer Truppen aus Afghanistan wird die Administration insbesondere diese Bestimmung neu überprüfen.

Zusammenfassung
Wir investieren viel Zeit und Mühe, um Realitätsbezug und Effektivität
außen- und
sicherheitspolitisch
motivierter Kontrollen zu gewährleiten. Ich versichere Ihnen, das Handelsministerium wird weiterhin alles
in seiner Macht Stehende tun, um sicherzustellen, daß unser Exportkontrollprogramm amerikanischen sicherheits- und
außenpolitischen
sowie
wirtschaftlichen Interessen dient.

* * * * *

�•fcD S T &gt;

%r,DN

AMERIKA DIENST

4

Dokumentation

11. Oktober 1989

37

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER 1989

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des
Präsidenten zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" am 6. Oktober 1989 im Wortlaut.
Im Jahr 1683 verließ eine kleine
Gruppe Männer, Frauen und Kinder ihre

Heimat Deutschland, um in der Neuen
Welt ihre Religion frei ausüben zu
können. Diese 13 Familien, die vor
über 300 Jahren in der Nähe von Philadelphia an Land gingen, waren die
ersten von sieben Millionen deutschen
Einwanderern in Amerika. Heute können nahezu 60 Millionen Amerikaner
ihre. Wurzeln zu diesen mutigen und
fleißigen Menschen zurückverfolgen.
Ihr stolzes kulturelles Erbe ist
nicht nur eine von Generation zu Generation weitergegebene Kostbarkeit,
sondern auch ein nicht versiegender
Quell der Stärke und des Stolzes für
die Vereinigten Staaten von Amerika.
In gesamten Verlauf der Geschichte unseres Landes standen die Deut-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen mit ihren Angehörigen an vorderster Front bei der Verteidigung
der Freiheit. Von den heroischen Bestrebungen unter General Friedrich
von Steuben während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bis zu
General Eisenhower im Zweiten Weltkrieg standen Ihr Mut und Patriotismus außer Zweifel.
In Zeiten des
Friedens wie in Zeiten des Kampfes
haben Generationen von Deutsch-Amerikanern getreu die Prinzipien verteidigt, auf die diese Nation gegründet
wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit
Ihren Verbündeten dazu bei, die Bedingungen wiederherzustellen. unter
denen die deutsche Demokratie, geführt von Politikern wie Konrad Ade-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nauer, wurzeln und gedeihen konnte.
Heute besteht kein Zweifel daran, daß
Europa stärker - und die Welt sicherer - ist, weil die Bundesrepublik
Deutschland
frei, demokratisch und
souverän ist.
Während
wir
stolz
zu unserer
Freundschaft mit den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland stehen, müssen wir gleichzeitig mit Betroffenheit feststellen, daß vielen Deutschen
immer
noch
das
Recht
auf
Selbstbestimmung
verweigert
wird.
Die Vereinigten Staaten sind daher
nach wie vor der Förderung von Freiheit und demokratischer Regierung in
ganz Deutschland und ganz Osteuropa
verpflichtet. Wir werden in unserer
Bestrebungen nicht ruhen, überall in
Osteuropa die Wahrung der Menschenrechte zu fördern, politische Reformen voranzutreiben und die Barrieren
abzubauen, die Berlin immer noch teilen.
Unsere große Nation ist stark,
weil wir Amerikaner in unserem gemeinsamen Glauben an die. Freiheit des
einzelnen und die Rechtsstaatlichkeit
ebenso wie durch Vertrauen und Familienbande vereint sind. Während wir
heute die zahlreichen Beiträge würdigen, die Amerikaner deutscher Herkunft für unser Land geleistet haben,
wollen wir uns erneut der Förderung
derselben Einheit im Land ihrer Vorfahren verpflichten.
Zu Ehren aller Deutsch-Amerikaner
hat der Kongreß mit der gemeinsamen
Entschließung 118 den 6. Oktober 1989
zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zum Gedenken an diesen
Tag eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit
Freitag, den 6. Oktober 1989, zum Tag
der Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte
alle Amerikaner, mehr über den Beitrag der deutschen Einwanderer zu Leben und Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und die-

sen Tag mit angemessenen Feiern
Veranstaltungen zu begehen.

und

Unterzeichnet am 5. Tag des Oktober, im Jahr des He rrn 1989 und im
214. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Oktober 1989

37

BUSH WÜRDIGT BUNDESDEUTSCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE DDR-FLÜCHTLINGE
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

WASHINGTON - (AD) - Bei einer Feierstunde anläßlich der Unterzeichnung
der Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner erklärte Präsident Bush am 5.
Oktober 1989: "Ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern, alles zurücklassen, um ihren Weg in einen Westen zu finden,
der Freiheit und Möglichkeiten verpricht." "Amerika steht zu den treibenden
Kräften des Wandels", erklärte Bush. "Wir haben unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, des Präsidenten Im Wortlaut.

Alle, die wir heute hier zusammengekommen sind, werden Zeuge eines
entscheidenden Wendepunkts in der Geschichte.
Die Länder Osteuropas befinden sich im Umbruch, und ihr Kampf
um Freiheit ist in eine neue Phase
der Hoffnungen eingetreten, die jetzt
stärker sind als jemals zuvor.
In
Polen
ist eine
nichtkommunistische
Regierung gebildet worden. In Ungarn
wird der totalitären Ideologie eine
Absage erteilt.
Ich habe bereits in Hamtramck,
Warschau, Danzig und Budapest erklärt. Amerika stehe zu den treibenden Kräften des Wandels. Wir haben
unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert.
Die polnische Regierung

hat ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gangene Woche angesichts der Aussicht
schmerzhafter
Anpassungen
bei
der
Einführung
ihrer drastischen Wirtschaftsreformen vom Westen eine Milliarde Dollar Direkthilfe erbeten.
Und deshalb habe ich gestern (am 4.
Oktober) den Kongreß gebeten, Polen
zusätzlich 200 Millionen Dollar zur
Verfügung zu stellen, wenn das Land
einen Vertrag mit dem Internationalen
Währungsfonds unterzeichnet, um unseren Beitrag zur Erfüllung Ihrer Bitte
zu leisten. Darüber hinaus entsende
Ich eine Delegation nach Polen, die
mit den Polen über den besten Einsatz
dieser und anderer Mittel
beraten
soll.
Wir sind gebannt, und ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�alles zurücklassen, um ihren Weg in
einen Westen zu finden, der Freiheit
und Möglichkeiten verspricht.
Und ich habe heute von Tausenden
von Menschen gelesen, die zehn Jahre
gewartet haben, um ein Auto zu kaufen
und es dann ganz einfach auf der
Straße zurücklassen und die Schlüssel
jemandem schenken.
Sie nahmen nur
das mit, was sie tragen konnten und
kletterten über einen Botschaftszaun,
um auf einen Zug in die Freiheit zu
warten.
Angesichts unserer Feier zum Tag
der Deutsch-Amerikaner möchte ich die
Maßnahmen der Bundesrepublik Deutschland würdigen, die sich den mit diesen Ereignissen stellenden ungeheuren
Herausforderungen
gewachsen
zeigt.
Und ich freue mich auf den Tag, an
dem die Deutschen keine Zäune mehr
überwinden, nicht mehr in Botschaftsgärten frieren oder Kugeln ausweichen
müssen, um die Vorzüge einer freien
Gesellschaft genießen zu können.
Ich muß Ihnen nicht erzählen,
welch wichtige Rolle alle DeutschAmerikaner in den letzten 200 Jahren
in den Vereinigten Staaten - einzeln
und auch gemeinsam - gespielt haben.
Deutsch-Amerikaner bilden einen entscheidenden Bestandteil unseres Erbes. Und, wie Sie wissen, wurden wir
uns zu Beginn der achtziger Jahre der
Notwendigkeit
bewußt, die Kontakte
zwischen der Bundesrepublik und den
Vereinigten
Staaten
zu
vertiefen.
Und seit der Zeit haben unsere Länder
gemeinsam am Fortbestand unserer Werte und Pflichten gearbeitet.
Unser
US-Informationsamt
(USIA)
hat bei vielen dieser Initiativen die
Führungsrolle übernommen.
USIA hat
eine wichtige Rolle bei der 300-JahrFeier zum Gedenken an die deutschen
Einwanderer
gespielt, an der
ich
teilzunehmen die Ehre hatte. Und in
jüngster Zeit hat sich USIA an der
Einrichtung des Gartens der DeutschAmerikanischen
Freundschaft
beteiligt, die Sie heute hier feiern.

Aus diesem Grunde freue ich mich,
Ihnen heute mitteilen zu können, daß
unser USIA-Direktor, Bruce Gelb, eine
neue Aufgabe übernehmen und Amerikanischer Koordinator für Deutsch-Amerikanische Kontakte werden wird.
Er
möchte gemeinsam mit Ihnen dazu beitragen, daß junge deutsche und amerikanische
Führungskräfte
Kontakte
knüpfen. Dies liegt auch im Interesse Bundeskanzler Kohls.
In Regierung, Industrie, im Journalismus, den
Geisteswissenschaften
- wir wollen
Kontakte knüpfen, um Perspektiven zu
eröffnen, Freundschaften zu erhalten
und das Verständnis zwischen unseren
Ländern zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

11. Oktober 1989

37

DIE SOZIALVERSICHERUNG:

GRUNDLAGE DES "SOZIALEN NETZES" IN DEN USA

- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische
Sozialwesen Ist ein sich ständig
fortentwickelndes Geflecht von etwa
40 000
eigenständigen
öffentlichen
und privaten sozialen Diensten, die
zusammengenommen das "soziale Netz"
in den Vereinigten Staaten bilden,
das die meisten Amerikaner vor den
wie Präsident Franklin D. Roosevelt
es nannte "Launen und Wechsel fällen
des Lebens" schützt.
Schätzungen des Amerikanischen Verbands für Wohlfahrtspflege (American
Public Weifare Association) zufolge
belaufen sich die Ausgaben für die
Aufrechterhaltung dieses Netzes der
sozialen Sicherheit heute auf über 1
Billion Dollar pro Jahr oder etwa 20%
des amerikanischen Bruttosozialprodukts im Jahr 1989. Circa zwei Drit-

tel dieser Mittel werden von der Bundesregierung vergeben. Aber auch die
Bundesstaaten sowie Städte und Gemeinden geben etwa ein Prozent ihrer
Steuereinnahmen, ungefähr 300 Milliarden Dollar, für Programme aus,
die Armen, Arbeitslosen und Benachteiligten helfen sollen.
Der Rest
wird vom Privatsektor finanziert, zumeist in Form von Renten und Krankenversicherungsbeiträgen sowie Spenden
für wohltätige Zwecke. Das Spendenaufkommen belief sich im Jahr 1988
auf über 100 Milliarden Dollar, 20
Prozent davon wurden für Gesundheits- und Pflegedienste gespendet.

Ursprünge der Sozialversicherung
Eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reihe

von

Sozialverslcherungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Programmen wurden während der Großen
Depression von Präsident Roosevelt
und dem Kongreß als Teil des historischen Sozialversicherungsgesetzes von
1935 zum Schutz amerikanischer Arbeitnehmer in Handel und Industrie
gegen Einkommensverlust aufgrund unverschuldeter Arbeitslosigkeit, Ruhestand oder Tod geschaffen. Sie bilden die Grundlage des amerikanischen
sozialen Netzes.
Roosevelt zufolge sollten diese Programme dazu beitragen, die Auswirkungen
künftiger
Wirtschaftseinbrüche
abzuschwächen, indem sie dem amerikanischen Arbeitnehmer ein Grundeinkommen sicherten, das "die Höhen und
Tiefen von Deflation und Inflation
ausgleichen" würde.
Eines dieser Programmpakete - Rentenversicherung,
Hinterbliebenen- und
Invaliditätsversicherung - wurden unter dem Begriff "Sozialversicherung"
bekannt.
Die Sozialversicherung sollte nicht
die einzige Einkommensquelle für Arbeitnehmer nach Eintritt in den Ruhestand sein.
Sie sollte eher eine
Grundversorgung
sicherstellen, die
durch eigene Ersparnisse, private
Renten und Familienvermögen ergänzt
werden könnte.
Die Sozialversicherung, das bei weitem wichtigste Element des amerikanischen sozialen Netzes, hat seit ihrer
Schaffung
erhebliche
Veränderungen
erfahren. Ihre Grundsätze - Zwangsmltgliedschaft, Anspruchsberechtigung
aufgrund von Arbeit in den erfaßten
Berufen,
Beitragsbezogenhelt
sowie
Finanzierung durch gehaltsabhängige
Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber - haben jedoch Bestand gehabt.
Bei Inkrafttreten der Sozialversicherung im Jahr 1937 erfaßte sie weniger
als 60 Prozent der Arbeitsplätze in
den Vereinigten Staaten. Sie wurde
seither auf etwa 95 Prozent aller Arbeitnehmer erweitert. Viele freiberuflich Tätigen, Saison- und Teilzettarbeitnehmer in kleinen Unterneh-

men sind nicht erfaßt oder möchten
sich nicht beteiligen.
Auch die
Langzeitarbeitslosen werden per definitionem den Erwerbstätigen zugerechnet, können aber nicht teilnehmen.

Höhe der Renten
Im Lauf der Zeit wurden auch Familienangehörigen und Hinterbliebenen von
Rentnern sowie Erwerbsunfähigen und
deren Familien Renten zugebilligt.
Die Zwangsmitgliedschaft wurde auf
Beschäftigte in Land- und Hauswirtschaft, Freiberufler, Angehörige der
Streitkräfte, Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Mitarbeiter gemeinnütziger
Organisationen
ausgedehnt. Ferner wurde die Möglichkeit
einer Vorruhestandsregelung für Männer und Frauen eingeführt.
Heute belaufen sich die Ausgaben für
die Sozialversicherung auf jährlich
etwa 23 Prozent aller Ausgaben aus
dem Bundeshaushalt, und ungefähr einer von sechs Amerikanern bekommt jeden Monat eine Rente ausbezahlt.
Im Jahr 1940, dem ersten Jahr, in dem
Renten gezahlt wurden, waren die Altersrenten auf einen Höchstbetrag von
41 Dollar pro Monat für einen alleinstehenden Arbeitnehmer und auf 62
Dollar für einen anspruchsberecbtigten Arbeitnehmer mit einem nicht berufstätigen
Ehepartner begrenzt
selbst zu jener Zeit sehr bescheidene
Beträge.
Bis heute sind diese Renten auf
durchschnittlich folgende Monatswerte
angestiegen:
(Tabelle: siehe letzte
Seite)
Während das normale Rentenalter bei
65 Jahren liegt, kann ein Arbeitnehmer schon mit 62 Jahren in den Ruhestand treten, falls er voll versichert ist (nach mindestens zehn Arbeitsjahren an einem der Versicherung
unterliegenden
Arbeitsplatz).
Die
monatlichen Rentenzahlungen an Vorruheständler betragen jedoch auf Dauer
nur 80 Prozent der Vollrente, die an

- 2 -

f

i

�diejenigen gezahlt wird, die mit 65
oder später in den Ruhestand treten.
Ab dem Jahr 2000 wird das Alter, mit
dem die volle Rente bezogen werden
kann, schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
Eine reduzierte Rente wird
immer noch ab 62 Jahren möglich sein,
jedoch wird die Reduzierung höher
ausfallen als heute.
Zur Berechnung der Bezüge für Ruhestand
und Berufsunfähigkeit
werden
beim im gesamten Berufsleben erarbeiteten Nettoverdienst des Arbeitnehmers Anpassungen vorgenommen, die den
Veränderungen der Durchschnittslöhne
seit 1951 Rechnung tragen. Von diesen angepaßten Einkünften wird der
Durchschnittswert errechnet, von dem
dann mittels einer Formel die Leistungen abgeleitet werden.
Die Sozialversicherung ist nicht vermögensabhängig, das heißt, die Leistungen
richten sich nicht nach dem Umfang
anderweitig erzielter Einkünfte oder
dem
Privatvermögen des Antragstellers.
Dennoch begünstigt die Formel
Arbeitnehmer mit geringerem Einkommen
aufgrund der Annahme, daß sie nicht
wie höhere Einkommensgruppen über finanzielle Mittel verfügen, um ihre
Sozialleistungen aufzubessern.

Finanzierung
Um die gegenwärtig gewährten Leistungen beibehalten und in den nächsten
Jahren neue finanzieren zu können,
mußte der Kongreß die - jeweils zur
Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlte - Lohnsummensteuer erhöhen. Die von Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils auf ein Jahreseinkommen unter 3 000 Dollar gezahlte Lohnsummensteuer ist von 1 Prozent seit
der Einführung des Programms 1937 auf
7,51
Prozent
für Einkommen
unter
48 000 Dollar im Jahr 1989 (einschließlich
1,45
Prozent
für
MEDICARE-KrankenhausVersicherung) gestiegen. Das ergibt einen maximalen
Arbeitgeber/Arbeitnehmeranteil
von
jährlich 7 210 Dollar. Ein selbständiger Erwerbstätiger muß 13,2 Prozent
seines Einkommens unter 48 000 Dollar

als
Sozial Versicherungsbeitrag
entrichten und damit einen etwas geringeren Satz, als er und sein Arbeitgeber in einem Angestelltenverhältnis
zu zahlen hätten.
Diese Einnahmen werden zusammen mit
geringfügigen durch die Besteuerung
einiger
Sozialleistungen
erzielten
Einkünften in vier einzelnen Treuhandfonds
unabhängig
von
anderen
staatlichen Konten verwaltet.
Die
nicht zur Zahlung unmittelbarer Leistungen
und
Verwaltungsaufwendungen
benötigten Mitteln werden in Staatsanleihen der Vereinigten Staaten angelegt, wobei durch Zinsgewinne wiederum Einnahmen erzielt werden.

Rückgang
bürgern

der Armut

bei

älteren

Mit-

Heute haben 130 Millionen Amerikaner
sozialversicherungspflichtige
Arbeltsplätze, und
1989 werden 38,9
Millionen Menschen daraus Leistungen
im Umfang von 228 Milliarden Dollar
in Anspruch nehmen.
Die Sozialversicherungszahlungen werden in diesem
Jahr etwa 27 Millionen Rentnern und
ihren Ehepartnern, 5,3 Millionen Witwen, 3,5 Millionen
berufsunfähigen
Arbeitnehmern und ihren Ehepartnern
und 3,2 Millionen Kindern pensionierter, verstorbener oder arbeitsunfähiger Arbeitnehmer gewährt.
Untersuchungen haben ergeben, daß die
Sozialversicherung
für die meisten
Amerikaner im Ruhestand die wichtigste Einkommensquelle
ist.
Bei 62
Prozent der über 65jährigen macht sie
wenigstens die Hälfte des verfügbaren
Einkommens aus. bei 26 Prozent sind
es 90 Prozent, und für 15 Prozent der
älteren Mitbürger ist sie einzige
Einkommensquelle.
Ein Drittel aller
sozialversicherten Rentner hat eine
private Altersversorgung von durchschnittlich
260
Dollar
im Monat.
Darüber hinaus erhalten viele Pensionäre zusätzliche Leistungen in Form
von Steuerfreibeträgen, Fahrpreisermäßigungen, preiswerter medizinischer
Versorgung und Rabatt für Nahrungs-

- 3 -

�und Arzneimittel.
über die Hälfte der 124 Millionen zivilerwerbstätigen
Amerikaner
haben
eine private Altersversorgung, die im
Falle des Ruhestands oder der Berufsunfähigkeit des Arbeitnehmers eine
monatliche Rente zahlt. Diese Leistungen werden zusätzlich zu den Versicherungsleistungen der Bundesregierung oder der Einzelstaaten gewährt.
Heute gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr als 1,7 Millionen private Altersversicherungspläne mit einem
Gesamtvermögen von über 1,6 Milliarden Dollar.
Die Beteiligung, Mitgliedsbedingungen und Leistungen weichen stark voneinander ab. Ihre Mitglieder arbeiten in der Regel in großen Privatunternehmen und haben höhere Einkommen als Nichtmitglieder.
Im Jahr 1987 erhielten mehr als neun
Millionen Amerikaner und ihre Familien Leistungen aus einer privaten Rentenversicherung, einschließlich einmaliger Zahlungen, im Gesamtumfang
von 117,4 Milliarden Dollar.
Wenn man die Bezüge aus allen Quellen
zusammenrechnet - Rente, Ersparnisse,
Gewinne aus Investitionen und Teilzeitarbeit - ergibt sich für einen
etwa 65jährigen Amerikaner für 1985
ein mittleres Einkommen von 11.833
Dollar. Im gleichen Jahr bewohnten
13,8 Millionen oder 73,2 Prozent aller Haushalte mit einem Haushaltsvorstand in diesem Alter ihr eigenes
Haus.
Der amerikanische Verband der Ruheständler hält der Sozialversicherung
zugute, daß sie mehr geleistet hat,
um ältere Amerikaner vor Armut zu bewahren als jede andere Einzel initiative.
Dem Statistischen Bundesamt
der Vereinigten Staaten zufolge lag
der Anteil der über 65jährigen Amerikaner, die 1959 - bei Einführung dieser Statistik - an oder unter der offiziellen "Armutsgrenze" lebten, bei
33,1 Prozent und war damit doppelt so
hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Bis 1987 fiel die Zahl auf 12,
2 Prozent und war damit nur noch halb

so hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Die Armutsgrenze lag 1987 für
einen über 65jährigen bei 5 447 Dollar (sie ist etwas niedriger als bei
einem unter 65jährigen).
Eine ähnliche Untersuchung der Forschungsabteilung des Kongresses kam
vor einigen Jahren zu dem Schluß, daß
die an ältere Mitbürger gezahlten
Leistungen der Bundesregierung "der
Hauptgrund" für den allgemeinen Rückgang der Armutsgrenze bei den über
65jährigen ist. Der Untersuchung zufolge war die Sozialversicherung "am
wirkungsvollsten".

�Alleinstehender Rentner über 65

537 Dollar

Rentnerehepaar, beide mit Rentenanspruch

921 Dollar

Hinterbliebener mit zwei Kindern

1 112 Dollar

Witwe oder Witwer im Rentenalter

492 Dollar

Erwerbsunfähiger mit Familie

943 Dollar

Erwerbsunfähiger, alleinstehend

529 Dollar

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10664">
                <text>11.10.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10665">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10666">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10667">
                <text>Amerikadienst 11.10.1989</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10668">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: verstärkte Kontrolle für Chemieexporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des U.S.-Handelsministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Präsident Bushs Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1989&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush würdigt bundesdeutsche Unterstützung für die DDR-Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sozialversicherung; Grundlage des "Sozialen Netzes" in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2417" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2428">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/05d533c25e2a8c9ee9ff2a20d3b00995.pdf</src>
        <authentication>acbaa220e94489f8a30a2a54ed46f3a5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12507">
                    <text>Ä^

cimGrikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

SroN ^

Z 12462 C
29

11. Oktober 1995

NATO

ÜBERLEGUNGEN ZUR
BÜNDNISERWEITERUNG
NATO-Übersicht

NAHER OSTEN

WEITERE UNTERSTÜTZUNG FÜR DEN
NAHOSTFRIEDENSPROZESS GEFORDERT
Ansprache von Präsident Clinton

MARSHALLZENTRUM

REGIONALE KONFLIKTE - DIE NEUE
GEFAHR FÜR DEN WELTFRIEDEN
Rede von Verteidigungsminister Perry

USA-DEUTSCHLAND

KAPITAL, ENGAGEMENT UND
VERTRAUEN - SYNERGIEN AMERIKANISCHER
INVESTITIONEN
Chancen für den Mittelstand
in den neuen Bundesländern

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG IST
"ZENTRALE HERAUSFORDERUNG" UNSERER
ZEIT
Rede von Vizepräsident Gore

HANDEL

USA KÖNNEN KEIN VOLLKOMMEN
MERKANTILISTISCHES LAND SEIN
Ansprache von Staatssekretär Garten

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.
Tel. 0228 - 339 23 72
Deichmanns Aue 29
Um Übersendung von
Fax 0228 - 33 31 38
D 53170 Bonn
Belegexemplaren
Internet bbsbonn@usia.gov
wird gebeten

�NATO
11. Oktober 1995

Überlegungen zur Bündniserweiterung
NATO-Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Hauptquartier des Nordatlantischen
Bündnisses am 28. September 1995 in Brüssel herausgegebene Übersicht, in der die wichtigsten Punkte einer
Studie über eine mögliche NATO-Erweiterung zusammengefaßt werden.

Die Staats- und Regierungschefs der 16 Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses bekräftigten bei einem Gipfeltreffen im Januar 1994 in
Brüssel die Offenheit des Bündnisses und erklärten,
sie würden eine Osterweiterung der NATO als Teil
eines evolutionären Prozesses erwarten und begrüßen, der den politischen und sicherheitspolitischen
Entwicklungen in Gesamteuropa Rechnung trägt.
Die Außenminister des Bündnisses leiteten im
Dezember 1994 einen Überprüfungsprozeß innerhalb der NATO ein, um das Wie einer NATO-Erweiterung, die Grundsätze dieses Verfahrens und die
Auswirkungen der Mitgliedschaft festzulegen.

Es

wurde beschlossen, den interessierten Partnern die
Ergebnisse dieser Studie noch vor dem nächsten
Ministertreffen im Dezember 1995 in Brüssel vorzulegen.
Die Ausarbeitung der Studie dient einer Klärung des
"Warum und Wie" einer Erweiterung sowie dessen,
was die NATO und ihre potentiellen neuen Mitglieder
zur Vorbereitung einer Erweiterung unternehmen
müssen. Das "Wer und Wann" einer Erweiterung
wurde noch nicht erörtert und ist Gegenstand
weiterer Diskussionen und Entscheidungen.
Das Warum einer Nato-Erweiterung
Nach dem Ende des Kalten Krieges besteht sowohl
die Notwendigkeit als auch die einzigartige Gelegenheit, im gesamten euroatlantischen Raum eine
verbesserte Sicherheitsstruktur zu schaffen, ohne
erneut Trennlinien zu ziehen. Die NATO-Erweiterung wird ein weiterer Schritt in Richtung auf das
grundlegende Ziel des Bündnisses einer Erhöhung
der Sicherheit und Ausweitung der Stabilität im
gesamten euroatlantischen Raum sein - im Kontext
einer umfassenden europäischen Sicherheitsarchitektur auf der Grundlage echter Zusammenarbeit.
Die NATO-Erweiterung wird den neuen Mitgliedern
die Vorteile gemeinsamer Verteidigung und Integra-

AMERIKA DIENST 29

tion in die europäischen und euroatlantischen Institutionen bieten. Die NATO-Erweiterung stellt für
niemanden eine Bedrohung dar. Die NATO ist und
bleibt ein rein defensives Bündnis, dessen grundlegendes Ziel die Wahrung des Friedens im euroatlantischen Raum sowie der Sicherheit ihrer Mitglieder ist.
Die NATO-Erweiterung trägt durch folgende Maßnahmen zu mehr Stabilität und Sicherheit für alle Länder
im euroatlantischen Raum bei: Ermutigung und
Förderung demokratischer Reformen, einschließlich
ziviler und demokratischer Kontrolle über das Militär;
Unterstützung von gewohnheitsmäßiger Zusammenarbeit, Konsultationen und Konsensbildung, die
bereits die Beziehungen zwischen den jetzigen
Mitgliedstaaten charakterisieren; Förderung gutnachbarlicher Beziehungen im gesamten euroatlantischen
Raum; Erhöhung von Transparenz bei Verteidigungsplanung und Verteidigungshaushalt und somit des
Vertrauens zwischen den Staaten; Bekräftigung der
Tendenz zu Integration und Kooperation in Europa;
Stärkung der Fähigkeit des Bündnisses, einen Beitrag
zu europäischer und internationaler Sicherheit zu
leisten und Friedenssicherung unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen oder der OSZE zu
unterstützen sowie Stärkung und Erweiterung der
transatlantischen Partnerschaft.
Grundsätze der Erweiterung
Die Erweiterung des Bündnisses findet durch Beitritt
der neuen Mitgliedstaaten zum Washingtoner Vertrag
im Einklang mit Artikel 10 des Vertrages statt. Alle
neuen Mitglieder genießen unter dem Washingtoner
Vertrag alle Rechte und übernehmen alle Pflichten
einer Mitgliedschaft. Vom Zeitpunkt ihres Beitritts an
akzeptieren sie seine Grundsätze, Maßnahmen und
Verfahren, die von allen Bündnismitgliedern beschlossen wurden und richten sich danach. Der Wille
und die Fähigkeit zur Einhaltung dieser Verpflichtungen - nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der

Seite 1

�Praxis - stellen bei jeder Entscheidung über den
Beitritt eines Landes einen wichtigen Faktor dar.
Das Bündnis gründet sich auf gemeinsame Überzeugungen und die Verpflichtung, sich für Konsens
einzusetzen. Teil der Überprüfung der Qualifikationen für eine mögliche neue Mitgliedschaft ist das
sichtbare Engagement eines Landes für diesen
Prozeß und diese Werte. Insbesondere will das
Bündnis eine Situation vermeiden, in der ein neues
Mitglied die Tür hinter sich schließt und den Beitritt
anderer Länder verhindert, die ebenfalls eine Mitgliedschaft anstreben.
Staaten mit ethnischen
Konflikten oder externen Gebietsstreitigkeiten, einschließlich irredentistischer Forderungen, oder mit
internen juristischen Streitigkeiten, müssen diese auf
friedliche Weise im Einklang mit den Prinzipien der
OSZE lösen. Die Beilegung solcher Streitigkeiten
wäre ein Faktor bei der Entscheidung, welche
Staaten zur Mitgliedschaft aufgefordert werden.
Letztlich wird die Fähigkeit potentieller Mitglieder,
einen militärischen Beitrag zur kollektiven Verteidigung, Friedenssicherung und anderen neuen Missionen des Bündnisses zu leisten, ein Faktor bei der
Entscheidung sein, ob sie aufgefordert werden, dem
Bündnis beizutreten.
Das Bündnis engagiert sich für die Wahrung der
Bedeutung, Lebensfähigkeit und Glaubwürdigkeit
des Nordatlantischen Kooperationsrates (NAKR) und
der Partnerschaft für den Frieden (PFF). Im Zuge
der Erweiterung werden die beiden kooperativen
Rahmen ein wichtiges Element für die Stärkung der
Beziehungen zu den Partnern sein, die dem Bündnis
erst zu einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht

beitreten. Obwohl die Partnerschaft für den Frieden
interessierten Partnern bei der Vorbereitung einer
eventuellen Mitgliedschaft hilft, ist sie weder ein
Ersatz für Mitgliedschaft noch eine Garantie für eine
automatische Mitgliedschaft.
Entscheidung über die Erweiterung
Die Entscheidung über die Erweiterung liegt bei der
NATO.
Die Erweiterung wird ein allmählicher,
überlegter und transparenter Prozeß sein, der Dialog
mit allen interessierten Parteien beinhaltet. Es gibt
keine feste oder starre Kriterienliste dafür, neue
Mitglieder zum Beitritt aufzufordern.
Über die
Erweiterung wird von Fall zu Fall entschieden, und
einige Nationen könnten vor anderen Mitglied
werden. Neue Mitglieder sollten nicht aufgrund ihrer
Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Kategorie
aufgenommen oder abgelehnt werden. Letztlich
werden die Verbündeten die Aufnahme eines neuen
Mitglieds im Einklang mit ihrer Entscheidung beschließen, ob dieser Beitritt zu dem Zeitpunkt, an
dem eine solche Entscheidung gefällt wird, Sicher-

Seite 2

heit und Stabilität im nordatlantischen Raum erhöht.
Kein Land außerhalb des Bündnisses sollte in diesem
EntScheidungsprozeß ein Vetorecht oder ein droit de
regard haben.
Kollektive Verteidigungsarrangements
Vor dem Hintergrund bestehender Arrangements als
Beitrag zur kollektiven Verteidigung werden die
Bündnispartner wissen wollen, wann mögliche neue
Mitglieder einen Beitrag zur kollektiven Verteidigung
der NATO leisten wollen und werden alle Aspekte
dieser Frage im Detail durch einen bilateralen Dialog
vor den Beitrittsverhandlungen sondieren.
Neue Mitglieder sollten die NATO-Doktrin und Maßnahmen annehmen, die auf die Gewährleistung der
Interoperabilität der Streitkräfte ausgerichtet sind. Für
die Truppenstruktur der NATO ist es von Bedeutung,
daß die Streitkräfte der Verbündeten - wenn und falls
es angemessen ist - auf dem Territorium neuer
Mitglieder stationiert werden können. Das Bündnis
hat keinen a priori Bedarf für die Stationierung der
Bündnistruppen auf dem Territorium neuer Mitglieder.
Der in Artikel 5 des Washingtoner Vertrags vorgesehene Schutz - einschließlich der nuklearen
Komponente - wird auf die neuen Mitglieder Anwendung finden. Es gibt keinen a priori Bedarf für die
Stationierung von Nuklearwaffen auf dem Territorium
neuer Mitglieder. In absehbarer Zukunft wird das
derzeitige nukleare Einsatzkonzept der NATO die
Anforderungen eines erweiterten Bündnisses erfüllen.
NATO-Erweiterung und die OSZE, EU und WEU
Eine gestartete OSZE, eine erweiterte NATO, ein
aktiver NAKR und eine aktive PFF würden zusammen
mit anderen Foren ergänzende Teile einer umfassenden, einbeziehenden europäischen Sicherheitsarchitektur bilden, die das Ziel eines ungeteilten Europas
unterstützt.
Die Verpflichtung der NATO, von Fall zu Fall und im
Einklang mit den Verfahren des Bündnisses friedenssichernde Aktivitäten unter der Schirmherrschaft der
OSZE und friedenssichernde Operationen unter der
Vollmacht des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen,
behält auch nach der Erweiterung ihre Gültigkeit. Ein
erweitertes Bündnis hätte größere Fähigkeiten zur
Unterstützung solcher friedenssichernden Aktivitäten
und Operationen.
Die Erweiterung der NATO verläuft parallel und
ergänzend zur Europäischen Union. Beide Erweiterungsprozesse werden maßgeblich zur Ausweitung
der Sicherheit, Stabilität und des Wohlstands der

AMERIKA DIENST 29

�Bündnismitglieder auf andere, gleichgesinnte, demokratische europäische Staaten beitragen.
Alle Vollmitglieder der WEU sind auch Mitglieder der
NATO. Die Aufrechterhaltung dieses Junktims ist
wegen der kumulativen Auswirkungen der Sicherheitsvorschriften der beiden Organisationen unerläßlich. Die Erweiterung beider Organisationen sollte
daher kompatibel sein, und sie sollten sich gegenseitig unterstützen.
Eine letztlich umfassende Übereinstimmung der
europäischen Mitgliedschaft in der NATO, EU und
WEU hätte positive Auswirkungen auf die europäische Sicherheit. Die Studie über die NATO-Erweiterung stellt fest, daß das Bündnis daher zum gegebenen Zeitpunkt die Länder mit einer Perspektive für
eine EU-Mitgliedschaft und Interesse am NATOBeitritt besonders berücksichtigen sollte, damit
erwogen werden kann, wie sie im Rahmen des
Washingtoner Vertrags zur transatlantischen Sicherheit beitragen können und um herauszufinden,
ob man sie zum NATO-Beitritt auffordern sollte.

Die Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
müssen auf Wechselseitigkeit, gegenseitigen Respekt
und Vertrauen gründen und "überraschende" Entscheidungen jeder Seite vermeiden, die die Interessen des anderen betreffen könnten. Die Umsetzung des individuellen Partnerschaftsprogramms im
Rahmen der Partnerschaft für den Frieden sowie
unser Dialog und die Zusammenarbeit mit Rußland
über die PFF hinaus werden wichtige Schritte in
diese Richtung sein. Die NATO möchte ungefähr
parallel zur NATO-Erweiterung die Beziehungen
zwischen der NATO und Rußland noch weiter stärken.
Das Bündnis spricht die von Rußland geäußerten
Bedenken im Hinblick auf die NATO-Erweiterung im
Rahmen der Entwicklung seiner umfassenderen
Beziehungen zu Rußland an. Wie bereits festgestellt,
dürfen Nichtmitgliedstaaten weder ein Veto gegen
NATO-Entscheidungen einlegen oder ein droit de
regard ableiten, noch kann das Bündnis einer anderen europäischen Sicherheitsinstitution unterstellt
werden.

Die Beziehungen zu Rußland

Nächste Schritte

Die NATO-Erweiterung bedroht niemanden und ist
nicht gegen Rußland oder einen anderen Staat
gerichtet. Die Bündnispartner sind der Auffassung,
daß der Beitritt neuer Mitglieder zum Bündnis zur
erweiterten Sicherheit ganz Europas beitragen wird,
was auch im Interesse Rußlands liegt. Ebenso wie
die NATO hat Rußland einen wichtigen Beitrag zur
europäischen Stabilität und Sicherheit zu leisten.
Stärkere Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland sollten den Eckpfeiler einer neuen, integrierenden und umfassenden Sicherheitsstruktur in
Europa bilden.

Im Anschluß an kollektive Informationsveranstaltungen für interessierte Partner am 28. September 1995
und individuelle Briefings in Brüssel oder den Hauptstädten der Partnerländer in den folgenden Wochen
auf Bitte der interessierten Partner werden die NATOAußenministerdie Studie über die NATO-Erweiterung
und die Reaktionen der Partnerländer vorliegen
haben, wenn sie am 5. Dezember 1995 in Brüssel
zusammenkommen und Konsultationen über den
weiteren Weg abhalten.

* *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 3

�NAHER

OSTEN
11. Oktober 1995

Weitere Unterstützung für den
Nahostfriedensprozeß gefordert
Ansprache von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - "Wenn wir im Nahen Osten Frieden schaffen können, wenn wir den dort lebenden
Menschen helfen können, ihren eigenen Frieden zu schaffen, hat das eine besondere Bedeutung für uns und
die Welt im 21. Jahrhundert", erklärte Präsident Clinton bei einem Empfang für die Staats- und Regierungschefs nach der Unterzeichnung des erweiterten Autonomieabkommens für das Westjordanland durch den
israelischen Ministerpräsidenten Rabin und den PLO-Vorsitzenden Arafat am 28. September 1995.
In seiner Ansprache in der Corcoran Gallery äußerte der Präsident, die übrigen Länder sollten zur
Unterstützung von Israelis und Palästinensern gemeinsam mit ihnen den Terrorismus bekämpfen und nach den
mit dem Frieden einhergehenden Vorteilen streben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Ich danke Ihnen. Die First Lady und ich, der Vizepräsident und Frau Gore sowie Außenminister
Christopher freuen sich, heute Besucher aus aller
Welt hier begrüßen zu dürfen, insbesondere die
Ministerpräsidenten und Außenminister aus dem
Nahen Osten, Frau Rabin, Frau Arafat sowie Frau
Mubarak und ihre Majestät Königin Noor.
Es ist uns eine außerordentliche Freude, daß wieder
die vier großen Staatsmänner hier sind, die gerade
das Wort ergriffen haben. Als seine Majestät König
Hussein erklärte, er sei fast 60 Jahre alt, kam mir in
den Sinn, daß er bereits seit über 40 Jahren auf
dem Thron sitzt. Ich dachte bei mir, ich habe nichts
gegen Beschränkungen der Amtszeit, aber ich freue
mich sehr, daß er ihnen nicht unterliegt, denn der
Nahe Osten hat sich dadurch, daß König Hussein
sich während dieser Jahrzehnte für den Frieden
eingesetzt hat, völlig verändert.
Ich danke Präsident Mubarak für das von ihm
gegebene Beispiel und seine dauerhafte Entschlossenheit. Vor nicht allzulanger Zeit beteten meine
Familie und ich ebenso wie viele andere Amerikaner
für seine Sicherheit. Wir freuen uns, daß es ihm gut
geht und er eine führende Rolle übernommen hat,
die Welt zum Frieden zu führen.
Ich stimme mit Ministerpräsident Rabin darin überein, daß der PLO-Vorsitzende Arafat eine gute - und
leidenschaftliche - Rede gehalten hat. Sein Leben
hat eine interessante Wende genommen, und wir

AMERIKA DIENST 29

alle können uns glücklich schätzen, daß er sich entschlossen hat, für den Frieden Risiken einzugehen.
Herr Ministerpräsident, Sie haben selber eine gute
Rede gehalten. Ich glaube, sie war so gut, weil allen
offensichtlich war, daß jedes von Ihnen geäußerte
Wort von Herzen und Verstand gleichermaßen
kommt. Wir danken Ihnen.
Und meinen amerikanischen Mitbürgern und allen
hier Anwesenden möchte ich sagen: Wir haben
heute viele wunderbare Worte gehört. Ich möchte
abschließend drei Punkte ansprechen, die meines
Erachtens betont werden sollten. Erstens möchte ich
den Verhandlungspartnern - Außenminister Peres,
Herrn Abu Mazin, Herrn Uri Savir und Herrn Abu Alaa
- und ihren Teams danken. Sie haben dieses Abkommen herbeigeführt, und ihnen gebührt unser
Applaus.
Ich war heute im Kabinettszimmer dabei, als der
Ministerpräsident und der Vorsitzende Arafat dieses
Dokument paraphierten, zu dem 26 verschiedene
Landkarten gehören und das Tausende von beiden
Seiten getroffene Entscheidungen beinhaltet. Nach
langen und mühsamen Verhandlungen fanden sie
eine gemeinsame Basis. Es war eine erstaunliche
Leistung: Die von ihnen bewiesene Mühe, Sorgfalt
und Rücksicht sowie die für den Abschluß des
Abkommens erforderlichen Anstrengungen waren
wirklich außerordentlich. Ich möchte nicht, daß das
irgend jemandem entgeht.

Seite 1

�Zweitens möchte ich darauf hinweisen, daß dieses
Abkommen für die Amerikaner unter uns die Dinge
verkörpert, an die wir am meisten glauben, denn
dieses Abkommen erfordert neben der Übernahme
von Verantwortung auch die Bekräftigung von
Freiheit und Unabhängigkeit.
Dieses Abkommen verlangt von den Menschen, sich
über die Interessen ihrer Kinder und die von ihren
Eltern gebrachten Opfer Gedanken zu machen.
Dieses Abkommen erforderte große Mühe, um auf
der Grundlage von Prinzipien Kompromisse zu
schließen, Gemeinsamkeiten und übergeordnete
Ziele zu finden. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Dieses Abkommen erforderte von den Entscheidungsträgern Dinge, die kurzfristig vielleicht
unpopulär sind. Sie wissen jedoch, daß sie in 10,
20 oder 30 Jahren für die Menschen, die sie lieben,
den einzigen Weg in die Zukunft darstellen.
Das führt mich zu einem zweiten Aspekt, den ich
ansprechen möchte: Welche Pflichten haben die
übrigen von uns? Wir können diesen Staatsmännern applaudieren. Aber sie müssen morgen zurück
an die Arbeit. Wenn der Glanz verblaßt und der
Applaus abgeebbt ist, haben sie wieder harte Arbeit
vor sich. Wir können jedoch zweierlei für sie tun.
Das Allerwichtigste ist, uns mit ihnen dem Terrorismus entgegenzustellen, denn er ist überall der Feind
des Friedens.
Wir in Amerika wissen, was es heißt, wenn Eltern
den Tod ihrer Kinder beklagen, Kinder den ihrer
Eltern, weil manche glauben, Terrorismus sei nur
Politik mit anderen Mitteln. Uns brach es das Herz,
und jetzt wissen wir es besser. Wir müssen uns
jetzt gemeinsam mit ihnen dem Terrorismus entgegenstellen.
Zweitens müssen wir mit ihnen zusammenarbeiten,
um die Vorteile des Friedens zu erlangen, denn der
Friede muß den Menschen die Chance geben, in
Würde zu arbeiten, ihre Kinder aufzuziehen, ihre
Umwelt zu schützen und in ihre Zukunft zu investieren. Hunderte und Aberhunderte von Amerikanern

*

Seite 2

*

arabischer und jüdischer Abstammung haben die
Fähigkeit, partnerschaftlich mit diesen Menschen an
der Gestaltung der Zukunft des Nahen Ostens zu
arbeiten. Und ich wiederhole nochmals: Wir wollen
das Unsrige tun.
Schließlich möchte ich allen Kongreßabgeordneten
hier und denjenigen, die heute nachmittag dabei
waren, für ihre Anwesenheit und ihre Unterstützung
dieses Prozesses danken.
Wir wissen, daß in diesem Zeitalter, in dem die
bipolare Welt des Kalten Krieges von einem Weltdorf
mit vielfältigen neuen und veränderten Bedrohungen
unserer Sicherheit abgelöst wurde, nur die Vereinigten Staaten weltweit für die Sache der Freiheit,
Demokratie und Chance stehen können. Wir sind
uns dessen bewußt und müssen auch weiterhin so
handeln - nicht nur um der Menschen im Nahen
Osten, sondern auch um unserer selbst willen.
Denn wenn wir uns für den Frieden in Nordirland,
Südafrika, Haiti und in Bosnien einsetzen, wenn wir
uns um die Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges und die Bekämpfung des Terrorismus bemühen, tun wir das auch für uns selbst und für die
Zukunft unserer Kinder.
Aber ich möchte nochmals wiederholen, was ich
heute gesagt habe: Wenn wir im Nahen Osten
Frieden schaffen können, wenn wir den dort lebenden
Menschen helfen können, ihren eigenen Frieden zu
schaffen, hat das eine besondere Bedeutung für uns
und die Welt im 21. Jahrhundert - aus dem einfachen
Grund, daß die Anhänger der drei großen Weltreligionen von der Überzeugung ausgehen, daß wir von
einem Gott erschaffen wurden, der über uns wacht
und uns letztlich für unsere Taten zur Rechenschaft
zieht - und wir alle haben das im Koran, in der Thora,
in der Heiligen Schrift gelesen. Wenn sie ihre
Differenzen beilegen, können wir der ganzen Welt
Frieden bringen.
Ich danke Ihnen und Gott schütze Sie alle.

*

*

AMERIKA DIENST 29

�MARSHALLZENTRUM
11. Oktober 1995

Regionale Konflikte - die neue Gefahr für den Weltfrieden
Rede von Verteidigungsminister Perry
GARMISCH-PARTENKIRCHEN - (AD) - Verteidigungsminister William J. Perry erklärte am 22. September 1995
in einer Rede im Marshallzentrum, die Zunahme regionaler Konflikte stelle eine neue Bedrohung für den
Weltfrieden dar.
"Um regionale Konflikte zu verhindern, benutzen wir zahlreiche der uns vom Kalten Krieg hinterlassenen
Instrumente sowie einige neue", erklärte er. Zwei der wichtigsten Instrumente sind ihm zufolge die
Verringerung der nuklearen Bedrohung sowie die Bewahrung und Stärkung der im Kalten Krieg geschaffenen
Bündnisse.
Perry erinnerte an die Bestrebungen General George C. Marshalls nach dem Zweiten Weltkrieg zum Aufbau

eines von Haß und Mißtrauen befreiten Europas und verglich sie mit dem derzeitigen Streben der Vereinigten
Staaten nach Versöhnung zwischen den ehemaligen Gegnern der Zeit des Kalten Krieges.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister Perry in Garmisch-Partenkirchen gehaltene Rede
im Wortlaut.

In diesem Jahr begehen wir den 50. Jahrestag der
Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Wir ehren die
Helden, trauern um die Toten, feiern den Frieden,
den sie uns gaben und sind uns bewußt, wie zerbrechlich er ist. Niemand war sich der Zerbrechlichkeit des Friedens bewußter als General George C.
Marshall, nach dem dieses Zentrum benannt ist.
Zwei Tage vor Kriegsende sandte Marshall dem
amerikanischen Kongreß einen Bericht, in dem er
äußerte: "Wenn der Mensch die Lösung für den
Weltfrieden findet, wird das die revolutionärste
Umkehrung dieser Leistungen sein, die es je gab."
Man kann Marshall nicht dafür verurteilen, daß er
pessimistisch war.
Der Zweite Weltkrieg war
schrecklich: Mehr als 50 Millionen Tote, in Schutt
und Asche liegende Städte, zerstörte Gesellschaften
und Volkswirtschaften. Aber so entsetzlich schon
der Zweite Weltkrieg war - in der Zukunft könnte ein
Weltkrieg die Menschheit vernichten. Auf dem
Höhepunkt der nuklearen Konfrontation während des
(weltweiten) Kalten Krieges erklärte der russische
Nuklearphysiker Andreij Sacharow: "Die Verringerung des Risikos einer Vernichtung der Menschheit
durch einen Atomkrieg hat absolute Priorität vor
allem anderen." Das traf damals zu und tut es auch
heute noch. Heute stellt die Verringerung dieses
Risikos ebenso wie im Kalten Krieg bei der nationa-

AMERIKA DIENST 29

len Sicherheitsplanung der Vereinigten Staaten die
oberste Priorität dar.
Bei Ihren Studien haben Sie sich auch damit befaßt,
wie die nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten
Staaten formuliert ist. Heute soll dieses Thema mit
Leben erfüllt werden, insbesondere durch Konzentration auf die Formulierung der amerikanischen
Sicherheitsstrategie zur Verringerung der Konfliktgefahr. Der erste und beste Weg zur Verringerung der
Gefahr eines Konflikts ist eindeutig die Verhinderung
der Bedingungen, die zu Konflikten führen - vergleichbar mit der Präventivmedizin. In dieser Hinsicht ist
die Geschichte nicht sehr inspirierend. Nach dem
Ersten Weltkrieg wurde ein Versuch zur Verhinderung
der Bedingungen unternommen, die zu einem zweiten Weltkrieg führen könnten. Aber die Sieger in
Europa waren mehr an Rache und Reparationszahlungen interessiert als an Versöhnung und Wiederaufbau. Und die Versuche zur Schaffung einer
weltweiten Sicherheitsorganisation scheiterten, als die
Vereinigten Staaten dem Völkerbund nicht beitraten.
Und somit führte die nächste Generation einen
weiteren Weltkrieg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden entschiedenere
Bestrebungen zur Verhinderung eines dritten Weltkrieges unternommen.
Die Vereinigten Staaten
reichten ihren ehemaligen Gegnern die Hand der

Seite 1

�Versöhnung und der Wirtschaftshilfe: Deutschland,
Italien und Japan. Die Besetzung dieser Länder war
gekoppelt mit dem Bestreben, die Volkswirtschaften
von Gegnern und Freunden gleichermaßen wiederaufzubauen.
George Marshall steckte seine beträchtliche Energie
in den Aufbau eines neuen Europa - eines Europa,
das von Haß und Mißtrauen befreit war, die es
während des vorigen Jahrhunderts dominiert hatten,
eines durch die Bande gegenseitiger Sicherheit,
Stabilität und Demokratie geeinten Europa. Er
erreichte diese Ziele und rettete Europa durch die
später als Marshallplan bekanntgewordenen Mechanismen. Es war ein außerordentlicher Erfolg, der zu
einem friedlichen, demokratischen und wohlhabenden Westeuropa führte. Aber die Sowjetunion lehnte
den Marshallplan für Ost- und Mitteleuropa ab - er
blieb somit unvollständig, und Europa wurde vom
Kalten Krieg heimgesucht. Während des gesamten
Kalten Krieges waren wir mit der Bedrohung eines
nuklearen Holocaust und der Gefahr eines Blitzkrieges in Mitteleuropa konfrontiert. Nachdem es
uns nicht gelungen war, die Bedingungen für einen
Konflikt zu verhindern, griffen wir auf die Strategie
der Abschreckung zurück. Nukleare Abschreckung
im Westen basierte auf dem von den Vereinigten
Staaten entwickelten riesigen Nuklearwaffenarsenal.
Die konventionelle Abschreckung im Westen gründete auf dem Atlantischen Bündnis. Die Abschreckung
funktionierte, und der Kalte Krieg eskalierte nicht zu
einem dritten Weltkrieg.
Jetzt ist der Kalte Krieg glücklicherweise beendet.
Und wieder fördern die Vereinigten Staaten die
Versöhnung mit ehemaligen Gegnern, dieses Mal
mit ehemaligen Gegnern aus dem Kalten Krieg.
Unser Ziel besteht darin zu verhindern, daß die Saat
des Konflikts erneut sprießt. Daher ist die Hauptstrategie für den Umgang mit der Gefahr eines
weltweiten Konflikts nicht mehr Abschreckung,
sondern Verhinderung.
Kern unserer Verhinderungsstrategie ist der Aufbau
einer pragmatischen

Partnerschaft

mit

Rußland,

unserem Hauptgegner während des Kalten Krieges.
Ein Element dieser Partnerschaft ist das NunnLugar-Programm, das Rußland beim Abbau seiner
überschüssigen Nuklearwaffen hilft und Belarus,
Kasachstan und die Ukraine dabei unterstützt,
atomwaffenfrei zu werden. Die Mittel für das NunnLugar-Programm stammen aus dem amerikanischen
Verteidigungshaushalt. Aus der Waffenproduktion
abgezogene Dollars werden für die Zerlegung von
Waffen verwendet. Wir bezeichnen das als Verteidigung mit anderen Mitteln. Ein weiteres Element
ist die Gore-Tschernomyrdin-Kommission, deren
gemeinsamen Vorsitz der amerikanische Vizepräsi-

Seite 2

dent und der russische Ministerpräsident innehaben.
Sie fördert die amerikanisch-russische Zusammenarbeit zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung in Rußland. Sie zielt auf Joint-ventures zwischen russischen und amerikanischen Unternehmen
zum Zwecke der Rüstungskonversion, der Schaffung
neuer Weltraumprogramme und der Entwicklung
neuer Energiesysteme ab. Diese Bestrebungen sind
von Vorteil für unsere beiden Nationen. Durch ihre
Zusammenarbeit in diesen und anderen Bereichen
haben die Vereinigten Staaten und Rußland Geschäftsbeziehungen, Sicherheitsverbindungen und
sogar persönliche Beziehungen entwickelt, die uns
allesamt beim Umgang mit Sicherheitsproblemen
helfen können, wenn diese auftreten.
Während sich das Risiko eines dritten Weltkriegs
verringert hat, ist das Risiko regionaler Konflikte auf
der Welt jedoch gestiegen. Diese regionalen Konflikte können enorme Opfer an Menschenleben und
Gütern erfordern, wie durch den Koreakrieg, den
Vietnamkrieg und Operation Wüstensturm unter
Beweis gestellt wurde. Und heute bergen solche
Konflikte das zusätzliche Risiko des möglichen
Einsatzes von Massenvernichtungswaffen.
Wie
gehen wir damit um? Während des Kalten Krieges
konzentrierten wir uns auf die Bewältigung der
Bedrohung eines konventionellen und atomaren
Krieges mit der Sowjetunion. In diesem Zeitraum
erachteten wir alle anderen Bedrohungen, alle
regionalen Bedrohungen, als "geringere, aber dennoch berücksichtigte Bedrohungen". Das heißt, wir
planten oder bauten unsere Streitkräfte nicht so auf,
als ob sie auf die Bedrohung eines regionalen
Konfliktes reagieren sollten. Statt dessen wurden
unsere Streitkräfte strukturiert, um auf die sowjetische
Bedrohung zu reagieren, und wir gingen dann davon
aus, daß solche Streitkräfte in der Lage sein würden,
alle anderen geringeren Bedrohungen zu meistern.
Da sich die Bedrohung eines weltweiten Konflikts
heute verringert hat, wurde unsere Streitkräftestruktur
entsprechend angepaßt. Aber die Bedrohung regionaler Konflikte ist weder geringer noch ist sie berücksichtigt. Unsere Verteidigungsstrategie konzentriert
sich heute daher vornehmlich auf die Vorbereitung
der Bewältigung der Bedrohung durch regionale
Konflikte. Das heißt, regionale Konflikte, die unsere
Verbündeten bedrohen oder die Bedrohungen für
lebenswichtige amerikanische Interessen darstellen,
zu verhindern, abzuschrecken und gegebenenfalls zu
bekämpfen und zu überwinden.
Um regionale Konflikte zu verhindern, benutzen wir
zahlreiche der uns vom Kalten Krieg hinterlassenen
Instrumente sowie einige neue.

AMERIKA DIENST 29

�Das wichtigste Instrument ist die Verringerung der
nuklearen Bedrohung, um den Einsatz oder den
angedrohten Einsatz von Nuklearwaffen bei regionalen Konflikten zu vermeiden. Unsere Bestrebungen
zur Abschreckung der Aggression seitens des Irak
würden beispielsweise außerordentlich verkompliziert, wenn der Irak ein Nukleararsenal besäße.
Aus diesem Grund wurden die Sanktionen gegen
den Irak verhängt. Wegen des Risikos, daß regionale Konflikte zu nuklearen eskalieren, war die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags
ein historischer Schritt zu Frieden in der Zeit nach
dem Kalten Krieg. Diese diplomatischen Maßnahmen stehen nicht isoliert da - sie sind integraler und
entscheidender Bestandteil unserer Sicherheitsstrategie.
Die zweite Art und Weise, in der wir zur Verhinderung regionaler Konflikte beitragen, besteht in der
Beibehaltung und Stärkung der während des Kalten
Krieges aufgebauten Bündnisse. Hier in Europa
haben die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten die NATO auf die Chancen der
Zeit nach dem Kalten Krieg konzentriert, indem sie
Europa und Zentralasien in die Unterstützung des
Aufbaus von Demokratie und Stabilität einbezogen.
Das ist der Grund, warum wir Sie alle ins Marshallzentrum eingeladen haben. Im Marshallzentrum
kann unser ziviles und militärisches Personal Sicherheitsbeziehungen auf persönlicher Ebene
praktizieren. Und deswegen haben wir im Januar
1994 die Partnerschaft für den Frieden ins Leben
gerufen. Diese Partnerschaft ist zu einer dynamischen Kraft für die Bildung von Vertrauen und
Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen geworden. Heute wehen die Fahnen Ihrer Länder und die
Fahnen der NATO-Mitgliedstaaten gemeinsam über
der Partnerschaftskoordinierungszelle in Belgien.
Diese Fahnen stehen für 40 Länder, die mit dem
Aufbau einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa
begonnen haben, gegründet auf die beiden Pfeiler
NATO und Partnerschaft für den Frieden.
Während der in den vergangenen beiden Jahren
unter der Schirmherrschaft der Partnerschaft für den
Frieden abgehaltenen gemeinsamen Übungen
konnten wir einen Großteil dieses Engagements und
der harten Arbeit beobachten. Vor nur sechs
Wochen nahm ich an den Eröffnungsfeierlichkeiten
für die erste dieser Übungen auf amerikanischem
Boden, genannt Cooperative Nugget, teil.
Die
Truppen von 17 Nationen waren beteiligt - 3 aus
NATO-Mitgliedstaaten und 14 aus Ländern der
Partnerschaft für den Frieden. Wir sahen Armeen,
die Jahrzehnte mit dem Aufbau eines Gleichgewichts
des Schreckens verbracht hatten, die jetzt ein
Gleichgewicht des Vertrauens aufbauten. Vertrauen,

AMERIKA DIENST 29

das letztlich zur Verhinderung von Konflikten in
Europa führen kann.
Wir werden jedoch nie sicherstellen können, daß
regionale Konflikte nicht stattfinden. Und wenn wir
regionale Konflikte nicht verhindern können, müssen
wir sie abschrecken können. Die erste Anforderung
an Abschreckung sind starke Streitkräfte, sowohl der
NATO als auch der Vereinigten Staaten.
Heute gründen sich die amerikanischen Streitkräfte
auf die Notwendigkeit, in zwei größeren regionalen
Konflikten gleichzeitig zu kämpfen und zu siegen.
Wenn wir tatsächlich einen Kampf führen müssen,
wollen wir, daß unsere Streitkräfte entschieden,
schnell und mit minimalen Verlusten gewinnen
können. All diese Anforderungen, insbesondere die
minimaler Verluste, bedingen, daß unsere Streitkräfte
in einem Zustand hoher Bereitschaft stehen. Sie
bedingen Vornepositionierung, einschließlich 100.000
Soldaten in Europa und weitere 100.000 auf dem
pazifischen Gefechtsfeld. Sie bedingen die weitere
Voreinlagerung von Gerät in Europa, am Persischen
Golf und in Korea. Und sie bedingen FlugzeugträgerEinsatzverbände und Marine-Expeditionseinheiten,
die rasch zu jedem Krisenherd gelangen können.
Und schließlich bedingen sie, daß wir in den Vereinigten Staaten Streitkräfte in hoher Bereitschaft
haben zusammen mit Luft- und Seetransportfähigkeiten, die sie rasch in jede Konfliktregion transportieren
können.
Das sind die Anforderungen, die mit der Strategie
einhergehen, in zwei größeren regionalen Konflikten
kämpfen und gewinnen zu können. Unsere Streitkräfte von heute erfüllen diese Anforderungen. Aber
obwohl die Fähigkeit, zu kämpfen und zu siegen eine
notwendige Voraussetzung für Abschreckung ist,
reicht sie nicht aus.
Abschreckung entstammt
militärischer Fähigkeit gekoppelt mit politischem
Willen. Dieser politische Wille muß sowohl real als
auch erkennbar sein. 1990 beispielsweise versagte
die Abschreckung, als der Irak unseren politischen
Willen zur Verteidigung Kuwaits und Saudi-Arabiens
bezweifelte. Daher mußten wir einen Krieg führen,
um die irakischen Streitkräfte aus Kuwait zu vertreiben. Im Gegensatz dazu hatte die Abschreckung
im vergangenen Jahr, im Oktober 1994, Erfolg, als
der Irak erneut seine Streitkräfte an die kuwaitische
Grenze verlegte. Dieses Mal wurde unser politischer
Wille durch die rasche Stationierung amerikanischer
Streitkräfte an den Golf demonstriert. Binnen weniger
Tage nach der Bewegung der irakischen Streitkräfte
an die kuwaitische Grenze hatten wir 200 Jagdflugzeuge, eine Panzerbrigade, eine Marine-Expeditionseinheit und einen gemischten Fugzeugträgerverband an den Kriegsschauplatz disloziert. Diese
Streitkräfte schufen in wenigen Tagen die militärische

Seite 3

�Präsenz, die im Jahr 1990 zahlreiche Wochen
erforderte. Und mit dieser Präsenz konfrontiert,
schickte Saddam Hussein seine Brigaden in die
Kasernen zurück. Weil wir starke, einsatzbereite
Streitkräfte hatten - und ihre rasche Dislozierung
bewies unzweifelhaft politischen Willen - konnten wir
diesen Konflikt abschrecken.

Verschwendung. Kampfhandlungen hinterlassen ein
unauslöschliches Mal an denen, die gezwungen sind,
ihn durchzumachen. (Aber) bis das Jahrtausend
kommt und die Länder aufhören zu versuchen,
andere zu versklaven, wird es notwendig sein, seine
Verantwortung zu übernehmen."

Viele glaubten, das Ende des Kalten Krieges würde
zu einer Beendigung militärischer Konflikte führen und dem Ende der Geschichte, sozusagen. Aber
Geschichte wird weiterhin jeden Tag geschrieben in den Wüsten von Kuwait, in den Bergen von Korea
und in den Straßen von Sarajevo. Wir dürfen also
nicht selbstgefällig sein.

Heute haben wir die Verantwortung, die brutale,
unrühmliche und schreckliche Verschwendung des
Krieges zu verhindern und abzuschrecken. Diese
Pflicht findet sich in der Hauptstädten unserer Nationen, in den Worten unserer Politiker, in der Arbeit
unserer Diplomaten, in den Kursen unserer Zentren
des Lernens wie diesem und in den Herzen unserer
Bürger, einschließlich aller der heute hier in diesem
Raum Versammelten.

Vor einigen Jahren schrieb ein amerikanischer
Veteran des Zweiten Weltkriegs in seinen Memoiren:
"Krieg ist brutal, unrühmlich und eine schreckliche

Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 29

�USA-DEUTSCHLAND
11. Oktober 1995

Kapital, Engagement und Vertrauen - Synergien
amerikanischer Investitionen
Chancen für den Mittelstand in den neuen Bundesländern
ERFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Ansprache, die J.D. Bindenagel, Gesandter der
Amerikanischen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland, am 7. Oktober 1995 bei der American
Business Conference in Erfurt hielt.

Einleitung
Zunächst einmal möchte ich den Mitgliedern der
American Chamber of Commerce - mittels ihres
Vorsitzenden Fred Irwin - für ihre Zusammenarbeit
danken, die diese Konferenz ermöglicht hat. Diese
Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Regierung
ist ein gutes Beispiel für das Wort "Synergie" "gemeinsame Aktionen oder Organisation". Und
Synergie ist das Thema unserer nächsten Diskussionsrunde: "Synergien amerikanischer Investitionen
in den neuen deutschen Bundesländern".
Vor etwas mehr als fünf Jahren, am Vorabend der
deutschen Vereinigung, war ich amerikanischer
Gesandter in der DDR, einem den Vereinigten
Staaten von Amerika auf allen Gebieten - politisch,
sozialpolitisch und im Investitionsbereich - feindlich
gesinnten Land. Jetzt sind die Vereinigten Staaten
hier der größte Investor, und wir sind stolz darauf,
zur wirtschaftlichen Wiederbelebung dieses Teils von
Deutschland beitragen zu können. Heute bin ich
wieder amerikanischer Gesandter - in einem neuen
und geeinten Deutschland - und freue mich, daß wir
zwei hochrangige Experten begrüßen dürfen, die
über ihre Investitionen berichten.
Synergie
Die Globalisierung der Märkte, die Intensivierung des
Wettbewerbs, die Betonung von Qualität, Kundendienst, auf den Kundenbedarf zugeschnittener
Produkte und Kosteneffizienz auf dem Weltmarkt
beherrschen die Debatte über den Standort Deutschland. Aber die Produktionsvergabe nach außen,
nachgelagerte Produktion und die Produktentwicklung in Zusammenarbeit mit den Verkäufern - die
allesamt unter den Begriff "Synergie" fallen - gewinnen zunehmend an Bedeutung.

AMERIKA DIENST 29

Ebenso wie das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit wird das Wirtschaftswunder in den neuen Bundesländern vom Mittelstand
und seiner Synergie mit großen Investitionen abhängen. Der Mittelstand ist von einer prosperierenden industriellen Basis abhängig. Deutschland
kann nicht lediglich als Dienstleistungsgesellschaft
überleben, und ohne Industrie werden die neuen
Bundesländer niemals unabhängig. Erforderlich ist
eine Wiedergeburt existierender Industriezweige
sowie die Entwicklung neuer Industrien unter Beteiligung von Unternehmen jeder Größenordnung.
Amerikanisches Engagement In den neuen Bundesländern
Die amerikanischen Unternehmen warten nicht
einfach nur darauf, daß dies alles geschieht. Sie sind
bereits fast überall in der Wirtschaft dieser Region am
Werke: Von Treuhand-Akquisitionen bis zu Investitionen in unerschlossenen Gebieten, von Joint-ventures
bis zu Verkaufsvertretungen bieten sie Unterhaltung,
High-Tech, Autos, Trinkwasseraufbereitung, Hamburger und vieles mehr an.
Sie sind fast überall zu sehen - von der Vielzahl der
Baukräne in der Friedrichstadt-Passage in Berlin,
Europas größter Baustelle, bis zur hocheffizienten
Fabrikanlage der Opel AG in Eisenach; von den
riesigen Kohlebergwerken in Sachsen bis zu einer
nach dem neuesten Stand der Technik ausgerüsteten
Halbleiterfabrik in Frankfurt an der Oder. Nahezu
300 verschiedene amerikanische Unternehmen sind
bereits in den neuen Bundesländern tätig. Die
amerikanischen Gesamtinvestitionen in der Region
belaufen sich auf nahezu 8 Milliarden Dollar oder 12
Milliarden DM.
Diese Unternehmen sind im gesamten Spektrum
aktiv, einschließlich Investitionen in existierende

Seite 1

�Betriebe, Grundstückserschließung und Bauwirtschaft, Fertigung, Unternehmensberatung und
Handel. Unseren Schätzungen zufolge wurden als
Ergebnis dieser amerikanischen Investitionen zwischen 50.000 und 55.000 Arbeitsplätze gesichert
oder geschaffen.
Die gesamten bilateralen Investitionsverbindungen
wurden in den letzten Jahren dramatisch verstärkt.
Die Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten in
Deutschland beliefen sich 1994 auf insgesamt 40
Milliarden Dollar - im Vergleich zu 1993 eine Erhöhung um 3 Milliarden. Seit 1992 sind die amerikanischen Investitionen in Deutschland um 18 Prozent
angestiegen. Die meisten Neuinvestitionen der
Vereinigten Staaten in Deutschland werden auf den
Gebieten Fertigung und Großhandel getätigt - und
zwar in den fünf neuen Bundesländern.
Die amerikanischen Importe aus Deutschland
stiegen in demselben Zeitraum um aufsehenerregende 19 Prozent auf ungefähr 18 Milliarden Dollar an.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin einen 7,4
prozentigen Anteil am gesamten deutschen Importmarkt.
Führend bei Investitionen - Synergie
Neue Synergien führen zu neuen Arbeitsplätzen.
Die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes
in der Europäischen Union und Deutschland wird
unweigerlich riesige neuen Chancen für den Mittelstand mit sich bringen. Eine Anzahl großer amerikanischer Unternehmen sind Partnerschaften mit
deutschen Firmen eingegangen - zuerst beim
Mobilfunk, anschließend bei der grundlegenden
Sprach- und Netzwerkinfrastruktur. Diese Unternehmen wiederum hängen von Tausenden amerikanischer und deutscher Zulieferer ab, um die Größe
und Vielfalt des deutschen Telekommunikationsmarktes auszuweiten. Im Zuge des Informationszeitalters nehmen auch die neuen Telekommunikationswege zu, ebenso wie die Nachfrage nach neuen
Ausrüstungsgegenständen und Dienstleistungen des

Gewährleistung fairer und transparenter Beschaffungspraktiken bei den Versorgungsunternehmen
erlassen werden. Wir werden weiterhin Kaufgebote
amerikanischer Unternehmen bei Projekten in
Deutschland unterstützen.
Die Sponsoren dieser Konferenz sind ein wichtiger
Bestandteil dieses Prozesses. Beispielsweise unterzeichnete Dow Chemical kürzlich ein Abkommen über
eine Übernahme von 4 Milliarden DM zur Mehrheitsbeteiligung an drei Chemieunternehmen in den neuen
Bundesländern. Coca Cola investierte bereits mehr
als eine Milliarde Mark in ihre verschiedenen Abfüll-,
Vertriebs- und Verkaufszentren in der gesamten
Region. Und die Investitionen der Opel AG in ihre
hochmoderne Automobilfertigung in Eisenach werden
als ein Modell für das Wirtschaftspotential der Region
angesehen.
Am heutigen Nachmittag geht es aber natürlich
vorwiegend um die direkten und sichtbaren Vorteile
dieser Investitionen für den Mittelstand. Als Beispiel
dafür möchte ich ein Unternehmen anführen, das ich
kürzlich in Apolda, im "Optical Valley" in der Gegend
von Jena besucht habe. Ein tatkräftiger amerikanischer Investor bei Fresnel Optics - ein Kleinunternehmer - kombiniert seine Energien und Talente zur
Herstellung von Linsen für den europäischen Markt.
In kurzer Zeit eroberte er eine wichtige Marktnische,
und sein spezielles Fachwissen stellt eine Ergänzung
zur Massenproduktion und Vermarktung der Industriegiganten dar. Darum geht es bei Synergien.
Schlußbemerkung
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden
auch in Zukunft zu den wichtigsten der Welt gehören.
Ich bin stolz darauf, daß amerikanisches Fachwissen,
Innovationen und Betriebe diesen wunderbaren
Unternehmungsgeist widerspiegeln. Mit Hilfe von
Kapital, Engagement und Vertrauen in den Markt
helfen sie nicht nur bei der Sanierung dieser Region,
sondern tragen auch zur Schaffung eines neuen,
stärker integrierten Europas bei.

Mittelstandes - und seine Chancen.
Der Energiebereich ist ein weiterer Sektor, auf dem
verstärkte Liberalisierung und Wettbewerb zu neuen
Chancen für den Mittelstand führen. Da dieser
Markt komplexer und schwieriger zu erschließen ist,
scheinen größere amerikanische Investitionen und
Verkäufe von Ausrüstungsgegenständen erforderlich,
um die Chancen für Lieferanten zu erhöhen. Wir
hoffen, daß in Deutschland und andernorts in der
Europäischen Union neue Richtlinien über die
*

Seite 2

*

Ich sehe unseren Diskussionen erwartungsvoll
entgegen. Jetzt möchte ich David Herman von der
Adam Opel AG das Wort erteilen. Anschließend wird
Norbert von Koczian von Dow Europe Plastics zu uns
sprechen. Beide Unternehmen haben eine große
Erfolgsgeschichte über ihre beträchtlichen Investitionen hier zu vermelden.
Ich danke Ihnen.

*

*

AMERIKA DIENST 29

�UMWELT
11. Oktober 1995

Nachhaltige Entwicklung ist
"zentrale Herausforderung" unserer Zeit
Rede von Vizepräsident Gore
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede bei der Konferenz der Weltbank über "effektive Finanzierung
umweltverträglicher Entwicklung" in der National Academy of Sciences erklärte US-Vizepräsident AI Gore am
4. Oktober 1995, nachhaltige Entwicklung stelle die zentrale Herausforderung unserer Zeit dar. Er rief alle
Einzelpersonen, multilateralen Organisationen, den Privatsektor, nichtstaatliche Organisationen und
Regierungen auf, zur Erlangung dieses Ziels zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Vizepräsidenten im Wortlaut.

Durch Ihre Anwesenheit hier engagiert sich jeder
einzelne von Ihnen für eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit - das Streben nach umweltverträglicher Entwicklung. Zweifellos bringen die
hier Versammelten unterschiedliche Erfahrungen,
viele verschiedene Fähigkeiten und viele verschiedene Ansätze ein. Wir sind jedoch geeint in unserer
Sorge, unserem Interesse an dieser lebenswichtigen
Frage sowie unserem Engagement dafür.
Welche Rolle können Sie bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung spielen? Eine zentrale Rolle.
Die Menschen hier können Ideen realisieren und
Träume in Projekte umsetzen, die das Leben der
Menschen verändern. Nachhaltige Entwicklung wird
durch die Aktionen von Einzelpersonen, multilateralen Organisationen, des Privatsektors, nichtstaatlicher Organisationen und Regierungen erreicht.
Jeder spielt eine wesentliche Rolle. Nachhaltige
Entwicklung ist eine gewaltige Aufgabe. Aber es ist
ein Ziel, das wir anstreben und erreichen müssen.
Wir leben in einer Welt großer Gegensätze. Obwohl
Millionen Menschen weltweit in der Geschichte der
Menschheit einzigartigen Wohlstand genießen, lebt
mehr als eine Milliarde Bürger der Erde in bitterer
Armut, und ungefähr zwei Milliarden Menschen
haben keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsfürsorge und sanitären Einrichtungen. Obwohl
einige Teile der Welt beträchtliche Fortschritte beim
Umweltschutz gemacht haben, sind entscheidende
Probleme wie Luft- und Wasserverschmutzung,
Zerstörung der Wälder oder Abnahme der Fischbestände noch weit verbreitet. Wie Sie heute
morgen von einer herausragenden Gruppe von
Wissenschaftlern hörten, stellen der Verlust der

AMERIKA DIENST 29

Artenvielfalt und der Klimawandel große neue Herausforderungen für die Gesellschaft dar.
Ich habe vorher über die radikalen Veränderungen
der Umwelt gesprochen, die allein während meines
bisherigen Lebens stattfanden. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß dieser tiefgreifende Wandel in
den Beziehungen zwischen der Menschheit und der
Erde auf den Zusammenfluß dreier Faktoren zurückzuführen ist.
Der erste dieser Faktoren ist die Bevölkerungsexplosion. Die Weltbevölkerung brauchte 10.000 Generationen - ungefähr 200.000 Jahre - um die 2 Milliarden-Marke zu erreichen. Die Zunahme um weitere
zwei Milliarden dauerte weniger als 50 Jahre. Heute
beläuft sich die Weltbevölkerung auf 5,6 Milliarden
und wird in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu 9
oder 10 Milliarden anwachsen.
Die zweite Veränderung ist die wissenschaftliche und
technologische Revolution, die im Durchschnitt den
Einfluß jedes einzelnen der Milliarden auf der Erde
lebenden Menschen auf die Umwelt dramatisch
vergrößert hat.
Die Industrialisierung und ihre
zahlreichen Nebenprodukte haben viele Facetten
unseres Planeten verändert.
Der dritte Faktor ist subtiler, vielleicht jedoch der
wichtigste. Unsere Ansichten über unsere Pflicht, die
zukünftigen Konsequenzen unserer derzeitigen
Aktionen in Betracht zu ziehen, haben sich verändert.
Bisweilen hören wir sogar, unser Handeln könnte gar
keine bedeutsamen Auswirkungen auf die Umwelt der
Erde haben.

Seite 1

�Die Umweltprobleme werden noch durch die Beschränkungen unseres Wirtschaftssystems verschärft. Unser Wirtschaftssystem ist manchmal
blind. Es mißt und kontrolliert sorgfältig den Wert
einiger Dinge wie Nahrungsmittel, Kleidung oder
Fertigwaren. Aber seine ausgeklügelten Kalkulationen unterschätzen oder ignorieren sogar oft den
Wert anderer Dinge, die schwieriger zu kaufen oder
zu verkaufen sind: Trinkwasser, saubere Luft, die
Schönheit der Berge, die Vielfalt des Lebens und die
Beschaffenheit der Welt, die wir zukünftigen Generationen hinterlassen.
Oft werden diese dem Wirtschaftssystem immanenten Beschränkungen auch noch durch politische
Fehler verschärft. Aus diesem Grund freue ich mich
außerordentlich, daß die Weltbank jetzt den wahren
Wert einer Nation nicht nur anhand ihres industriellen Outputs, sondern auch anhand des natürlichen
Kapitals, sozialen Kapitals und Humankapitals mißt.
Unsere nächste Herausforderung besteht darin, von
Messungen zu Aktionen überzugehen. Ein Land,
das seiner Umwelt keine Beachtung schenkt, kann
auch seine Menschen nicht von der Armut befreien.
Ein verarmtes Land kann seine Umwelt nicht sauberhalten.
Betrachten Sie sich Haiti, das ärmste Land in dieser
Hemisphäre. Die Menschen dort haben Staatsstreiche und Diktaturen durchlebt und leiden immer
noch unter großer Armut. Ihre Bestrebungen, sich
vom Joch der Armut zu befreien, werden jedoch
durch die fast vollständige Zerstörung der Wälder
dieser einst üppig bewachsenen Insel behindert.
Von den Böden, die früher ein hungriges Volk
ernähren konnten, sind jetzt nur noch Sand und
Lehm übrig. Aber der Wandel zeichnet sich bereits
ab. Die Menschen auf Haiti haben schon die ersten
Schritte zur Förderung von Demokratie unternommen. Weder Autokratie noch Tyrannei waren je dem
menschlichen Geist oder der Umwelt freundlich
gesinnt.
Die Menschen müssen wissen, daß sie die Zukunft
bestimmen - und sie ihnen nicht einfach vorgesetzt
wird. Bevor sie bereit zum Schutz der Ressourcen
sind, von denen sie eines Tages leben, müssen sie
erkennen, daß ihre Zukunft auf dem Spiel steht. Ich
hoffe, in Haiti diese Botschaft übermitteln zu können,
wenn ich in zwei Wochen dorthin reise. Und diese
Idee trifft nicht nur auf Haiti, sondern auf die ganze
Welt zu. Aus diesem Grund ist Demokratie ein solch
integraler Bestandteil von nachhaltiger Entwicklung.
Bei der Förderung von nachhaltiger Entwicklung
steht die Finanzierung an vorderster Front. Es ist
gut, über nachhaltige Entwicklung zu sprechen -

Seite 2

aber es reicht nicht aus. Nachhaltige Entwicklung
erfordert reale Projekte, reale Unternehmen und reale
Programme. Sie benötigt kreative und engagierte
Menschen.
Menschen wie Dr. Mohammed Yunus. In der Finanzwelt gibt es kein inspirierenderes Beispiel für Kreativität und Engagement als Dr. Yunus. Wie viele von
Ihnen wissen, ist Dr. Yunus der Gründer der Grameen Bank, die vor über 17 Jahren im ländlichen
Bangladesch ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. Die
Grameen Bank verfolgt ein einfaches Ziel: Armen
Menschen Zugang zu Krediten zu verschaffen, damit
sie ein Geschäft eröffnen können. Die Darlehen
belaufen sich im Durchschnitt auf 100 Dollar und
erfordern keine Bürgschaft. Die überwältigende
Mehrheit der Kunden sind Frauen. Heute hat die
Grameen Bank über zwei Millionen Kreditnehmer,
mehr als 1.000 Geschäftsstellen und eine Rückzahlungsquote von 98 Prozent. Sie trug dazu bei,
zahllose Menschen von der Armut zu befreien. Noch
außergewöhnlicher ist vielleicht die Art und Weise, in
der die einfache Idee von Dr. Yunus sich von Bangladesch auf die ganze Welt ausbreitete. Daher ist
es mir eine besondere Freude, daß Dr. Yunus heute
hier ist.
Ein weiterer kreativer und innovativer Ansatz zur
Förderung nachhaltiger Entwicklung ist die Globale
Umweltfazilität (Global Environment Facility - GEF).
Die GEF wurde 1991 ins Leben gerufen, um den
Entwicklungsländern bei der Bewältigung der weltweiten Umweltprobleme Klimawandel, Verlust der
Artenvielfalt, Abnahme der Ozonschicht und weltweite
Wasserverschmutzung zu helfen. Bis heute hat die
GEF über 2 Milliarden Dollar für die Finanzierung von
Projekten auf der ganzen Welt mobilisiert. Es gibt
bereits wichtige Erfolgsgeschichten. Beispielsweise
werden im Rahmen des "hocheffizienten Lichtprojekts" in Mexiko durch den Austausch von Glühbirnen
gegen Leuchtstoffröhren Treibhausgasemissionen
und die lokale Verschmutzung verringert. Dieses
Projekt wird die institutionelle Kapazität für technologischen Wandel und Energieeinsparung erhöhen und
die Fähigkeiten stärken, tragfähiges nachfrageorientiertes Management zu praktizieren.
Die GEF ist eine vielversprechende Entwicklung.
Aber obwohl sie in gewisser Weise über viele Mittel
verfügt, verblassen diese neben den gesamten
Ressourcen der multilateralen Entwicklungsbanken.
1994 stellte die Weltbankgruppe den Entwicklungsländern Kredite in Höhe von mehr als 25 Milliarden
Dollar zur Verfügung. Diese Institutionen haben
starken Einfluß auf weltweite nachhaltige Entwicklung.
In den letzten Jahren hat die Weltbank wichtige
Schritte zur Förderung nachhaltiger Entwicklung

AMERIKA DIENST 29

�unternommen. Die Darlehensgewährung für Umweltprojekte ist ebenso angestiegen wie die für
Bevölkerungsprogramme, die Entwicklung menschlicher Ressourcen und die Bekämpfung der Armut
insgesamt. Kredite für Projekte auf allen Gebieten
unterliegen jetzt einer verstärkten Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Maßnahmen auf dem Energieund Forstwirtschaftssektor werden verbessert. Die
Bank leistet zunehmend Beistand bei der Erkennung
und Beseitigung wirtschaftlicher Verzerrungen, die zu
einer Verschwendung natürlicher Ressourcen führen.
Besonders wichtig sind die Bestrebungen zur Verbesserung von Transparenz und Einbeziehung
betroffener Gemeinden in den Entscheidungsprozeß.
Die Informationspolitik der Weltbank sowie die
Gründung ihres Inspektionsgremiums sind beides
bedeutende und positive Entwicklungen. Ich begrüße die jüngste Überprüfung der Informationspolitik
des Kreditrahmens für den Privatsektor bei der
Asiatischen Entwicklungsbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Diese revidierten Maßnahmen sind gute Beispiele, die eine eingehende
Untersuchung durch die Bankgruppe als Ganzes
verdienen.
Natürlich bleiben Herausforderungen bestehen. Die
Durchsetzung der Maßnahmen wird harte Arbeit und
Hartnäckigkeit erfordern. Die Konzentration auf die
Qualität - und nicht die Quantität - der Investitionen
ist von entscheidender Bedeutung. Umweltpolitische
Überlegungen müssen in politisch basierte Kreditvergabe einbezogen werden. Um effektiv zu sein,
müssen die Mitglieder der Weltbankgruppe den
Aufbau von Partnerschaften mit allen Teilen der
Gesellschaft anstreben.
Ich möchte ein Beispiel für die konstruktive Rolle
geben, die eine Entwicklungsbank bei der Förderung
nachhaltiger Entwicklung übernehmen kann: Die
jüngste Arbeit der Interamerikanischen Entwicklungsbank zugunsten von Suriname. Surinames Regenwälder sind eine seltene und außerordentliche
Kostbarkeit. Die derzeit dem Parlament Surinames
vorliegenden Vorschläge würden jedoch mehr als ein
Drittel des gesamten Landes zur Abholzung freigeben. Dank des weitblickenden Enrique Iglesias, des
Präsidenten der Interamerikanischen Entwicklungsbank, sowie des costaricanischen Präsidenten Jos§
Maria Figueres werden die Menschen in Suriname
glücklicherweise zusätzliche Optionen erhalten, wenn
sie über die Nutzung ihrer Regenwälder entscheiden. Sie werden jetzt eine Vielzahl tragfähiger
Ansätze zur Nutzung ihrer Regenwälder in Erwägung ziehen, einschließlich einer Untersuchung der
Gegend auf das Vorhandensein von Lagerstätten,
Ökotourismus und Abkommen zur Verringerung von
Kohlenstoff.

AMERIKA DIENST 29

Sogar die Mittel der multilateralen Banken werden
von denen des Privatsektors in den Schatten gestellt,
auf den die meisten der weltweiten Investitionen
entfallen. Infolgedessen können Veränderungen des
privaten Verhaltens einen großen Unterschied bewirken, während wir uns auf eine umweltverträgliche
Welt zubewegen.
Die Integration umweltpolitischer Belange in Unternehmensbilanzen sowie die Schaffung von Wettbewerbsvorteilen bei verbessertem Umweltverhalten
und sozialem Verantwortungsbewußtsein verbreiten
sich immer stärker.
Ich möchte folgendes betonen:
Unsere größte
Chance zur Erzielung nachhaltiger Entwicklung sind
Investitionen in umweltverträgliche Praktiken und
Technologien, die für die Privatwirtschaft und für
Privatinvestitionen attraktiv sind. Die Bereitstellung
dieser Gelder muß für die Weltbankgruppe eine
Herausforderung darstellen, einschließlich der internationalen Finanzierungsgesellschaft (International
Finance Corporation - IFC) und der mulitlateralen
Behörde für Investitionsgarantien (Mulitlateral Investment Guarantee Agency - MIGA), um die Welt
wirklich zu nachhaltiger Entwicklung zu führen. Einer
neuen Untersuchung zufolge beläuft sich die Nachfrage nach Umweltgütern und -dienstleistungen
weltweit auf ungefähr 400 Milliarden Dollar jährlich,
was die Weltmärkte für pharmazeutische Produkte,
Luftfahrt, Plastik, Papier oder Zellstoffprodukte
übertrifft. Und diese Zahlen beinhalten nicht den
Weltmarkt für Energieeinsparung und Stromerzeugung, der jährlich mehrere Milliarden Dollar beträgt
und im Wachstum begriffen ist.
Wir werden jedoch mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Erstens sehen wir selbst
angesichts hochentwickelter Kapitalmärkte weltweit,
daß Umwelttechnologieunternehmen Schwierigkeiten
haben, Privatkapital aufzubringen.
Zweitens deuten die Marktschätzungen klar darauf
hin, daß die Möglichkeit eines erweiterten Kapitalmangels langfristige nachhaltige Entwicklung bedroht.
Schätzungen des Erdgipfels von Rio im Jahr 1992
zufolge werden im verbleibenden Jahrzehnt zwischen
500 und 625 Milliarden Dollar zur Erlangung der Ziele
der Agenda 21 benötigt. Die Entwicklungsländer
haben den weitaus größten Bedarf.
Zur Deckung dieser Bedürfnisse muß der Löwenanteil
der Gesamtkosten vom Privatsektor gedeckt werden.
Das bedeutet, daß die Entwicklungsinitiativen für die
Finanzierung des Privatsektors - und die Ermutigung
effektiver Investitionen der Gastregierung - von
essentieller Bedeutung sind.

Seite 3

�Ein Anbieter von Risikokapital äußerte mir gegenüber kürzlich: "Kapital führt nicht an, sondern folgt
nach. Es ist ziemlich einfach: Wenn wir kein Geld
machen können, kommen wir nicht." Wir in der
Regierung und den internationalen Finanzinstitutionen müssen dafür sorgen, daß das Kapital in nachhaltigere Lösungen fließt.
Wir alle müssen uns Maßnahmen entgegenstellen,
die der Bekämpfung von Armut und Umweltverschmutzung im Weg stehen. Eine Politik zur Subventionierung einer Verschwendung von Ressourcen
- wie das Unterbieten der Preise für Energie und
Wasser - muß beendet werden. Dasselbe gilt für
makroökonomische Maßnahmen und eine restriktive
Handelspolitik, die Wachstum behindern, lebenswichtige ausländische Investitionen sowie die Verbreitung neuer Technologie abschrecken und die
exzessive Nutzung verfügbaren natürlichen Kapitals
anregen. Kontraproduktive gesetzliche und soziale
Maßnahmen haben ebenfalls schädliche Auswirkungen auf Wachstum und Umwelt, indem sie die
Bildungsmöglichkeiten einschränken, Investitionsrisiken erhöhen und keinen Schutz für Rechte geistigen Eigentums bieten.
Was können wir zum Schutz nachhaltiger Entwicklung unternehmen?
Wir können uns Informations- und Telekommunikationstechnologien zunutze machen, um die
Märkte effizienter zu gestalten, indem wir Informationen über nachhaltige Praktiken und neue
Marktchancen verbreiten.
Wir können bei der Prüfung und Vorstellung
neuer Ideen helfen, dadurch die Glaubwürdigkeit
neuer, nachhaltiger Ansätze erhöhen und sowohl
für Investoren als auch für Verbraucher die
Risiken reduzieren.
Wir können die oft schwierigen, aber notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung wirtschaftlicher
Verzerrungen und zur Förderung von Chancen
für Handel und Investitionen durchführen und
damit zur Verringerung von Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung beitragen.
Wir können sicherstellen, daß bei Kreditprogrammen auf politischer Grundlage umweltpolitische
Erwägungen vollständig in die Entscheidungen
einbezogen werden.
Schließlich können wir durch unser Beispiel eine
Führungsrolle übernehmen. Die Regierungen
können ihre Macht beispielsweise im Beschaffungswesen dazu einsetzen, Fahrzeuge mit
sparsamem Kraftstoffverbrauch, Energieeinspa-

Seite 4

rung fördernde Gebäude und andere umweltfreundliche Produkte zu kaufen.
Ich fordere die hier Anwesenden dazu auf, auf diesen
Optionen aufzubauen und innovative Wege zu
entwickeln, umweltverträgliche Investitionen in nachhaltige Entwicklung zu tätigen.
Jetzt möchte ich noch zwei weitere Punkte ansprechen.
Erstens: Humankapital, der Schlüssel zur Erhöhung
des Wohlstands einer Nation. Für Präsident Clinton
und mich stehen Bildung, Ausbildung und lebenslanges Lernen oben auf unserer Prioriätenliste. Wer
an der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung teilnahm, hat erkannt, daß die Ausbildung von Frauen und Mädchen und mehr Befugnisse für sie von entscheidender Bedeutung sind,
wenn wir die Wachstumsrate der Bevölkerung verringern wollen, wodurch auch die wirtschaftlichen
Chancen erhöht werden, die eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung sind. In den
letzten Wochen gab die Weltbank die Gründung einer
Stiftung zu Ehren von Lew Preston bekannt, um in
Entwicklungsländern Stipendien und andere Programme zu finanzieren, damit mehr arme Mädchen Grundund weiterführende Schulen besuchen und dort einen
Abschluß machen können.
Zweitens möchte ich ausdrücklich betonen, daß die
Clinton-Administration sich dazu verpflichtet, unsere
Nation auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung
voranzubringen. Wir sind besonders stolz auf die von
unserem Land in der letzten Generation gemachten
Fortschritte beim Schutz unserer Umwelt. Wir
unterstützen entschieden langfristige Umweltforschung, Energieforschung und Entwicklung, die
Verringerung der Treibhausgasemissionen, Pflege
des Ökosystems und Verhinderung von Verschmutzung, um nur wenige wichtige Bereiche zu nennen.
Wir setzen uns entschlossen dafür ein, unseren
gerechten Anteil am Montrealer Treuhandfonds, der
Globalen Umweltfazilität und den multilateralen
Entwicklungsbanken als Ganzem zu zahlen.
Bedauerlicherweise bemüht sich der amerikanische
Kongreß, wie viele von Ihnen wissen, derzeit um eine
Umkehr des großartigen Fortschritts, den wir in
diesem Land beim Schutz unserer Umwelt und der
Förderung von nachhaltiger Entwicklung erzielt
haben. Der Kongreß versucht, die von uns angeforderten Beiträge zu den multilateralen Entwicklungsbanken um die Hälfte zu kürzen. Aber die extremen
Elemente, die auf diese Agenda dringen, lernen
etwas: Sie werden nicht vom amerikanischen Volk
unterstützt.

AMERIKA DIENST 29

�Einige Kongreßabgeordnete setzen sich leidenschaftlich für die Bekämpfung des staatlichen
Haushaltsdefizits ein - eine Leidenschaft, die Präsident Clinton und ich mit ihnen teilen. Was ich nicht
verstehe ist jedoch, daß diese Republikaner bereit
sind, ihren Kindern und Enkeln ein ökologisches
Defizit zu hinterlassen. Meines Erachtens ist es
unmoralisch, unseren Kindern riesige Schulden seien sie finanzieller oder umweltpolitischer Art - zu
hinterlassen.
Meine Damen und Herren, ich bin davon überzeugt,
daß ein neues Zeitalter anbricht. Meines Erachtens
können wir alle zum Schutz der Umwelt, zur Bekämpfung der Armut und zur Schaffung von Wohlstand zusammenarbeiten.

wissen, steht in der Schöpfungsgeschichte, daß Gott,
nachdem er die Erde geschaffen hatte, sah, "es war
sehr gut". Allen unseren jüdischen Freunden wünsche ich an diesem Versöhnungstag "L'Shana Tova"
- ein frohes neues Jahr.
Zudem haben Präsident Clinton und ich diese Woche
die Ehre, mit seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul
II., zusammenzutreffen. Viele von Ihnen werden
wissen, daß der Papst sich stark für Umweltschutz
ausgesprochen hat. Ich möchte heute mit einem
Zitat von ihm schließen:
"Angesichts der weitverbreiteten Zerstörung
der Umwelt kommen die Menschen überall zu
der Erkenntnis, daß wir nicht weiter so mit den
Gütern der Erde umgehen können wie bisher.
Die Öffentlichkeit und die Politiker machen sich
über dieses Problem Sorgen, und Experten
einer Vielzahl von Disziplinen beschäftigen sich
mit seinen Ursachen. Es entsteht ein neues
Umweltbewußtsein, das ... ermutigt werden
sollte, damit es sich zu konkreten Programmen
und Initiativen entwickelt."

Abschließend möchte ich kurz auf die wichtige Rolle
religiöser Werte beim Streben nach nachhaltiger
Entwicklung eingehen. Die Achtung der Erde und
der Natur ist den meisten Weltreligionen gemeinsam.
In meiner eigenen religiösen Erfahrung und Erziehung - ich bin Baptist - ist die Pflicht zum Schutz der
Erde in der grundlegenden Beziehung zwischen
Gott, der Schöpfung und der Menschheit verwurzelt.
Ich möchte die Rolle religiöser Werte für nachhaltige
Entwicklung aus zwei Gründen ansprechen. Erstens
ist heute Yom Kippur, nach der jüdischen Religion
der heiligste Tag im Jahr. Wie viele auf der Welt

Ein neues Umweltbewußtsein entsteht. Jetzt ist der
Zeitpunkt für konkrete Initiativen.
Gemeinsam
können wir die vor uns liegenden Herausforderungen
bewältigen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 29

Seite 5

�HANDEL
11. Oktober 1995

Die USA können kein vollkommen
merkantilistisches Land sein
Ansprache von Staatssekretär Garten
WASHINGTON - (AD) - Die Handelspolitik der Vereinigten Staaten fördert multilaterale Lösungen - wie die
Welthandelsorganisation (WTO) - und wendet sich nur von ihnen ab, wenn das zur Stärkung des multilateralen
Systems beiträgt, erklärte der Staatssekretär tür Welthandel im US-Wirtschaftsministerium, Jeffrey Garten, am
2. Oktober 1995 in einer Ansprache bei der Konferenz des Rats für Wirtschaft und Technologie der USA und
des Verbands Südostasiatischer Nationen (Association of South-East Asian Nations - ASEAN).
Der Staatssekretär äußerte sich auch zu seiner jüngsten Reise in verschiedene ASEAN-Staaten und erklärte,
in der Region habe es große Besorgnis wegen bestimmter Aspekte der amerikanischen Handelspolitik
gegeben. Garten bezeichnete die amerikanische Politik als "völlig richtig" und vertrat die Ansicht, die
Vereinigten Staaten könnten kein vollkommen merkantilistisches Land sein, sondern würden auch weiterhin
Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Umweltschutz in ihre handelspolitischen Überlegungen einbeziehen,
unabhängig davon, welche Regierung gerade in den USA regiert.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der von Staatsekretär Garten bei der Konferenz gehaltenen
Ansprache.

So optimistisch wir auch hinsichtlich des Wachstumspotentials in der ASEAN-Region sowie der Ausweitung des Handels sein mögen, sehen sich
amerikanische Firmen doch außerordentlichem
Wettbewerb gegenüber. Ihre Konkurrenten sind die
Europäer, andere asiatische Länder wie Taiwan und
Korea und insbesondere Japan, das Milliarden Dollar
an Auslandshilfe in die Region pumpt, während wir
praktisch nichts unternehmen. Bemerkenswert fand
ich beispielsweise die Diskrepanz zwischen Japans
Hilfe für die Philippinen, die sich jährlich auf ungefähr eine Milliarde Dollar beläuft, wovon das meiste
Geld für die Entwicklung der Infrastruktur aufgewendet wird, und den weniger als 50 Millionen Dollar,
die wir ausnahmslos zur Deckung grundlegender
menschlicher Bedürfnisse geben. Oder betrachten
Sie sich ein Land wie Indonesien, in das die Japaner
jährlich 2 Milliarden Dollar stecken, wir hingegen
weniger als 100 Millionen, wobei ihr Geld wiederum
für wirtschaftliche, unseres für humanitäre Zwecke
eingesetzt wird.
Bemerkenswert fand ich auch die Aggressivität
einiger japanischer Unternehmen, die amerikanische
Firmen - insbesondere auf dem Energiesektor anscheinend um bis zu 50 Prozent unterbieten. Ich
höre das nicht zum ersten Mal. Mir kam das schon
vor einigen Monaten zu Ohren, als ich in der Türkei

AMERIKA DIENST 29

war. In bezug auf den Wettbewerb ist also einiges in
Bewegung, das uns dazu veranlassen sollte, aufzuhorchen und uns einige Fragen darüber zu stellen,
wie wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern
können.
In der Region bestand ferner große Besorgnis über
bestimmte Aspekte der amerikanischen Handelspolitik. Natürlich hört man die üblichen Klagen, die
Vereinigten Staaten gingen bilateral oder unilateral
vor, anstatt im Rahmen der WTO. Aber die Gemüter
erregen sich noch viel mehr, wenn es um Arbeitnehmerrechte und Menschenrechte geht, oder um
Handel, der Aspekte des Umweltschutzes tangiert.
Ich habe alles getan, um unsere Politik zu verteidigen, die in meinen Augen völlig richtig ist. Ich habe
dargelegt, daß wir den Multilateralismus hundertprozentig unterstützen und nur aus einem ganz
speziellen Grund davon abweichen, jedoch immer mit
dem Ziel einer Stärkung des multilateralen Systems
vor Augen. Im Zusammenhang mit den Werten
Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte lautete die
Antwort, die sie vielleicht nicht gerne hörten, daß die
Vereinigten Staaten einfach kein vollkommen merkantilistisches Land sein können, und wir - ungeachtet
dessen, welche Administration regiert - bei unserer
Wirtschaftspolitik auch in Zukunft Menschen- und

Seite 1

�Arbeitnehmerrechte sowie Umweltschutz berücksichtigen werden.
Ich entdeckte große Besorgnis über vergangene
oder bestehende Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie den Vereinigten
Staaten und China. Das war tür mich sehr interessant, denn man sieht die Welt auf ganz andere
Weise, wenn man auf den Philippinen, in Singapur
oder Malaysia ist. Und wenn die Giganten Kämpfe
austragen, oder es auch nur so scheint, sind die
Spannungen in dieser Region spürbar. Und natürlich habe ich alles mir Mögliche getan, um zu
erklären, daß unser Ziel in bezug auf Japan in der
Aufrechterhaltung eines möglichst engen Bündnisses
besteht und wir versuchen, die Elemente dieses
Bündnisses besser als vorher ins Gleichgewicht zu
bringen. Im Hinblick auf China war unser Ziel die
Handelsdiplomatie, die zu mehr, nicht zu weniger
Engagement führen soll. Ich stellte fest, daß immer
noch starke Besorgnis wegen des amerikanischen
Engagements in Asien besteht. Das hat mich etwas
überrascht, denn die Clinton-Administration hat zumindest aus meiner Sicht - sehr viel unternommen, um die Länder in der Region unseres umfassenden Engagements zu versichern. Ich versuchte, unser starkes militärisches Engagement zu
betonen und erklärte, daß unser Ziel in der möglichst
starken Ausweitung unserer wirtschaftlichen Bande
sowie unserer Präsenz in der Region besteht.
Ich war wirklich beeindruckt von der enormen
Vielfalt, die ich zu sehen bekam. Wir können über
ASEAN sprechen, über die Fortschritte zu stärkerer
Liberalisierung. Tatsache ist jedoch, daß jedes der
ASEAN-Mitgliedstaaten einen ganz anderen Rhythmus hat: Die Philippinen kommen erstmals mit sich
selbst ins reine, und der Fortschritt liegt bei ihnen in
der Luft. Wenn Sie dann nach Malaysia gehen - es
ist nur ein Katzensprung - macht man sich Sorgen
über eine neue Industriepolitik, Mangel an Arbeitskräften, weiteres Anspruchsdenken. Und kommt
man dann nach Singapur, hört man etwas über die
innovativste Wirtschaftspolitik, die man sich vorstellen kann, einschließlich der Exporte Singapurs in
die Industrieparks und -Städte Chinas und wahrscheinlich bald auch Vietnams.
Diese Unterschiede beziehungsweise Vielfalt wurden
in einer Diskussion mit 20 jungen - ich vermute, sie
waren alle unter 40 - Führungskräften in Singapur
deutlich. Es ging um asiatische Werte.
Im Zusammenhang mit der Vielfalt taucht die Frage
auf, ob - und wie - die ASEAN-Staaten neue Mitglieder aufnehmen: Vietnam, Laos und andere Län-

Seite 2

der, die zusätzliche Komplikationen bringen und
Staaten, die in wirtschaftlicher Hinsicht noch weit
hinter den fortschrittlicheren ASEAN-Mitgliedern
zurückliegen. In diesem Kontext möchte ich kurz
etwas zu Vietnam sagen. Wir waren noch nicht in
Vietnam. Eine Delegation des Wirtschaftsministeriums wird bald dorthin reisen. Das ist natürlich für die
Administration von großer Bedeutung. Nach der
Normalisierung der Beziehungen müssen wir unser
Augenmerk jetzt auf die wirtschaftlichen Aspekte
richten. Das wird nicht einfach sein. Viele gesetzliche Hindernisse müssen beseitigt werden. Wir
brauchen eine Normalisierung unserer Handelsbeziehungen zu Vietnam, die wir in enger Abstimmung mit dem Kongreß erreichen müssen. Es kann
einiges getan werden, und wir werden uns in naher
Zukunft darauf konzentrieren.
Jetzt, da ASEAN ein großer, aufstrebender Markt und
Vietnam ein Teil davon ist, verfügen wir bereits über
einen Rahmen für unsere Wirtschaftsbeziehungen.
Wenn wir Handelsemissäre in die ASEAN-Staaten
entsenden, wenn wir Delegationen schicken, die sich
mit Telekommunikation, Verkehr oder Umwelttechnologie befassen, können sie auch in Vietnam haltmachen. Wenn wir über Ausbildungsprogramme sprechen, können wir diese in allen ASEAN-Staaten und
auch in Vietnam durchführen. Das Bündnis für
gegenseitiges Wachstum mit seiner Betonung von
Verbindungen zwischen kleinen und mittelständischen
Betrieben kann auch in Vietnam direkte Anwendung
finden. Unser Programm zur Förderung von Exporten in die ASEAN-Staaten kann auch direkt in Vietnam angewandt werden. Wir haben bereits entsprechende Bestrebungen eingeleitet.
Ich bin der Ansicht, daß die nächsten zwölf Monate
für die amerikanische Handelsförderung das Jahr des
ASEAN sein sollten. Die Größe des Marktes, die
Dynamik der Liberalisierung, die problemlose Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und
diesen Ländern lassen das natürlich erscheinen. In
anderen großen, aufstrebenden Märkten Asiens ist
großes Potential vorhanden, aber offen gesagt
werden die Fortschritte in China, Indien und Korea
weitaus langsamer vonstatten gehen. In diesen
Ländern und auf diesen Märkten werden wir bestenfalls zwei Schritte vor und einen Schritt zurück
beobachten. Aber wenn wir engere Wirtschaftsbeziehungen zu den ASEAN-Staaten schmieden
können, werden meines Erachtens alle Seiten - nicht
nur unser Land, sondern auch die Staaten der
ASEAN-Region - sowohl kurz- als auch langfristig
echte Ergebnisse sehen.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 29

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12502">
                <text>11.10.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12503">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12504">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12505">
                <text>Amerikadienst 11.10.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12506">
                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Nato&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Überlegungen zur Bündniserweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nato Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Weitere Unterstützungen für den Nahostfriedensprozess gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Marshallzentrum&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Regionale Konflikte - die neue Gefahr für den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Deutschland&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Kapital, Engagement und Vertrauen – Synergien amerikanischer Investitionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chancen für den Mittelstand in den neuen Bundesländern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nachhaltige Entwicklung ist "zentrale Herausforderung" unserer Zeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Handel&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;USA können kein vollkommen merkantilistisches Land sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Staatssekretär Garten&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2963" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2803">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c15065279a01b06587c3b11ca412b3d3.pdf</src>
        <authentication>d3b3d590130b83719adc978fc8d325a0</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15760">
                <text>Amerikadienst 11.11.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15761">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15762">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15763">
                <text>11.11.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15764">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20419">
                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Impfen - bester Schutz gegen Kinderlähmung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Großaktionen mit Lebendvakzin nach Dr. Sabin 1961 in den USA&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schach dem Kopfschmerz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Röntgenologische Diagnose von Brustkrebs erleichtert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immunmilch gegen rheumatische Erkrankungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Agrarpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommunisten missbrauchen Bodenreform zur Enteignung der Bauern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sechs Frauen ausgezeichnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Architektonische Moderne und ihre Interpreten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="4149" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="3607">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/625f4e4daf71e36c2844b6bccf42ebc0.pdf</src>
        <authentication>059ed8a411f6f506913c617e37ade2de</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19897">
                <text>Amerikadienst 11.11.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19898">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19899">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19900">
                <text>11.11.1981</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="19901">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20257">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman fordert Einhaltung der Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Delegierten auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Null-Option wäre Ideallösung der Abrüstungsgespräche&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem ZDF-Interview via Satellit mit dem amerikanischen Verteidigungsminister -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Afghanischer Nationalist: Ein ganzes Volk kämpft gegen Sowjets&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nukleartechnische Zusammenarbeit in amerikanischer Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Harry Marshall -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2272" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2283">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/199bc6538c1044d0623639df84f9d2d7.pdf</src>
        <authentication>a304e017c0cad73bf85a60974957a77d</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11616">
                    <text>cimGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
45

11. November 1992

8 W e i ^
fsmerioa
Embassy oi w c i c e s
Deichmanns Aue ^
5300 Bonn 2

ÜBERGANGSTEAM

VERNON JORDAN, WARREN CHRISTOPHER
LEITEN ÜBERGANGSTEAM
Unterstützten Clinton bei Auswahl des
Vizepräsidentschaftskandidaten

PORTRAT

BÜRGERRECHTSAKTIVIST UND RECHTSANWALT LEITET CLINTONS ÜBERGANGSTEAM
Porträt von Vernon Jordan
ALTGEDIENTER DIPLOMAT UND RECHTSANWALT AN DER SPITZE DES ÜBERGANGSTEAMS
Porträt von Warren Christopher

WAHLEN '92

RENNEN UM SENATSSITZE: MEHR FRAUEN
UND MEHR ETHNISCHE VIELFALT
IM KONGRESS
Größerer Vorsprung der Demokraten;
die meisten Amtsinhaber gewinnen
NEUE GESICHTER IM REPRÄSENTANTENHAUS
ABER GLEICHE KONTROLLE DER
DEMOKRATEN
Große Parteimehrheit hilft Clinton
AMTSZEITBEGRENZUNG FÜR GEWÄHLTE
AMTSTRÄGER WEITGEHEND GEBILLIGT
Abstimmungen über Abtreibung,
Homosexualität und Sterbehilfe
DIE AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Amerikanische Pressestimmen

GATT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

USA VERHÄNGEN HANDELSSANKTIONEN
GEGEN EG
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UBERGANGSTEAM
11. November 1992

VERNON JORDAN, WARREN CHRISTOPHER
LEITEN ÜBERGANGSTEAM
Unterstützten Clinton bei der Auswahl des
Vizepräsidentschaftskandidaten
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill "Die erste Priorität" besteht ihm zufolge darin, "einen
Clinton hat den Washingtoner Rechtsanwalt Vernon an dem Vorbild des Auswahlprozesses für den VizeJordan und den ehemaligen Stellvertretenden US- präsidentschaftskandidaten orientierten geordneten
Außenminister, Warren Christopher, in Schlüsselfunk- Prozeß für die Auswahl der Kabinettsmitglieder und
anderer entscheidender Funktionsträger zu schaffen."
tionen seines Übergangsteams benannt.
Jordan wird Vorsftzender des Clinton-Gore-Übergangs- Auf die Frage, welche Ämter zuerst besetzt werden
vorstands und Christopher der Leiter des Übergangs- sollten, antwortete Christopher: "Aus dem Wahlkampf
teams, gab der Kommunikationsdirektor des Clinton- ist eindeutig ersichtlich, daß die Wirtschaftsthemen
Gore-Wahlkampfes, George Stephanopoulos, in einer Vorrang haben... Ich gehe davon aus, daß Gouverim Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 6. neur Clinton die Betonung auf diese Themen legen
wird."
November 1992 in Little Rock (Arkansas) bekannt.
Sowohl Jordan, ein Bürgerrechtler, als auch der Rechtsanwalt Christopher gehörten dem Ausschuß für die
Auswahl des Vizepräsidenten an, der den Gouverneur
von Arkansas Clinton Anfang dieses Jahres beriet,
bevor er sich für Senator Albert Gore als seinen
Vizepräsidentschaftskandidaten entschied.

Im Hinblick auf den Sittenkodex stellte er fest: "Meines
Erachtens werden Sie den strengsten Sittenkodex
sehen, der jemals für unser Land formuliert wurde."

Auf die Frage, ob Jordan oder irgendein anderes
Mitglied des Übergangsteams später von einer Position im Kabinett ausgenommen würde, antwortete
"Mitglieder des Clinton-Gore-Stiftungsvorstands für Christopher: "Mit Blick auf die anderen Mitglieder des
die Planung des Übergangs werden in den Clinton- Vorstandes hoffe ich aufrichtig, daß sie nicht ausgeGore-Übergangsvorstand übernommen. Die anderen schlossen werden. Was mich persönlich anbetrifft, so
Mitglieder werden zu einem späteren Zeitpunkt be- habe ich Gouverneur Clinton gegenüber erklärt, ich sei
davon ausgegangen, daß ich mit der Übernahme
nannt", erklärte Stephanopoulos.
dieser Aufgabe in der Zukunft keine größere VerantZu den Mitgliedern der vor einigen Wochen von Clinton wortung zu tragen hätte. Ich denke, dies bietet eine
gegründeten Planungsstiftung zählen der Vorsitzende bessere Gewährleistung der Objektivität meinerseits."
der Clinton-Gore-Wahlkampagne, Mickey Kantor, der
ehemalige Bürgermeister von San Antonio, Henry Indem er seine und Jordans Aufgaben erläuterte,
Cisneros, die ehemalige Gouverneurin von Vermont, stellte Christopher fest, er werde "aktiv, auf täglicher
Madelaine Kunin, und Mack McLarty, der Vorsitzende Basis" im Hauptquartier in Little Rock tätig und "immer
der Arkansas-Louisiana Gas Company.
dort sein, wo Gouverneur Clinton ist. Wenn er nach
Washington geht, beabsichtige ich, ihn zu begleiten."
Indem er die Ziele des Übergangsteams definierte, Christophers Erwartungen zufolge wird er 'täglich die
stellte Christopher Journalisten gegenüber fest, "der operative Kontrolle" der Übergangsbestrebungen
Übergang ist eine besonders wichtige Zeit... Meine wahrnehmen.
Kollegen und ich werden alles in unserer Macht Stehendetun, um den gewählten Präsidenten Clinton und Jordan wird eine aktive Rolle als VorstandsvorsitzenSenator Gore bei der Bildung ihrer Regierung zu der übernehmen, so Christopher, und "eine bedeutenunterstützen und ihr zu einem lebhaften Start zu ver- de Rolle im Zusammenhang mit unserem Washingtohelfen."
ner Büro spielen, das nächste Woche eröffnet wird".

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�Christopher erläuterte, daß Clinton die Bekanntgabe
des Übergangsteams nicht selbst vorgenommen habe,
weil der gewählte Präsident noch immer Probleme mit
seiner Stimme hat und versucht, die durch einen
langen und kräftezehrenden Wahlkampf verursachten
Stimmprobleme zu überwinden. Clinton "wird das
Wochenende freinehmen", um zu sehen, ob eine "etwas
verlängerte Ruhepause den Zustand verbessert", stellte
Christopher fest.
Christophers diplomatische und juristische Fähigkeiten haben sich bereits drei vorherige demokratische
Administrationen zunutze gemacht. Der 67jährige
Rechtsanwalt diente unter der Carter-Administration
als Stellvertretender US-Au ßenmini st er und wurde der
amerikanische Chefunterhändler zur Beendigung des
Geiseldramas im Iran.

de, indem er einen zivilen Ausschuß leitete, der nach
den Unruhen in Los Angeles im Anschluß an das
Verfahren gegen Rodney King gegen das Polizeipräsidium der Stadt ermittelte.
Jordan war 10 Jahre lang geschäftsführender Direktor
der National Urban League, einer Art Städtetag und
eine der führenden sozialen und Bürgerrechtsorganisationen des Landes. Er wurde als "eines der prominentesten und einflußreichsten Sprachrohre für die
schwarzen Amerikaner" beschrieben.

Jordan, 57, ist derzeit Sozius der in Texas und Washington ansässigen Rechtsanwaltskanzlei Akin, Gump,
Strauss, Hauer und Feld. Anfang der sechziger Jahre
war er Assistent in der Kanzlei des renommierten
Bürgerrechtsanwalts Donald Hollowell. Femer war er
Leiter des Projekts zur Wählererziehung für den SouWährend der Johnson-Administration war Christopher thern Regional Council (1964-1970) und geschäftsfühvon 1967 bis 1969 Stellvertretender Justizminister und render Direktor des United Negro College Fund (1970davor Handelsberater der Kennedy-Administration.
1971).
Als ehemaliger Assistent von Richter William Douglas
am Obersten Bundesgericht war Christopher mit
Ausnahme seiner Zeit in der Regierung seit 1950 in der
Anwaltskanzlei O'Melveny and Myers in Los Angeles
tätig. Vor kurzem diente er dem Wohl seiner Gemein-

Nach einer Rede vor dem Ortsverband des Städtetages in Fort Wayne (Indiana) wurde Jordan 1980 von
einem mit einem Jagdgewehr bewaffneten Heckenschützen in den Rücken geschossen. Er lag drei
Monate im Krankenhaus und wurde fünfmal operiert.

* * * * *
i

• • :

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�PORTRAT
11. November 1992

BÜRGERRECHTSAKTIVIST UND RECHTSANWALT
LEITET CLINTONS ÜBERGANGSTEAM
Porträt von Vernon Jordan
WASHINGTON - (AD) - Als ein Mann, der wegen
seines Charmes und politischen Geschicks gerühmt
wird, istderWashingtonerlnsiderVernon E. JordanJr.
eine geeignete Wahl als Vorsitzender des Übergangsteams des gewählten Präsidenten Clinton.
Der 56jährige Jordan ist Seniorpartner in der Washingtoner Kanzlei von Akin, Gump, Hauer and Held, die
ihren Hauptsitz in Texas hat und der auch der gegenwärtige amerikanische Botschafter in Rußland, Robert
S. Strauss, angehörte. Nahezu ein Jahrzehnt lang war
Jordan Präsident der National Urban League, einer
Organisation, deren Schwerpunkt die Verbesserung
der sozialen Lage der Schwarzen in den amerikanischen Städten ist.
Jordan und der ehemalige Stellvertretende Außenminister Warren Christopher, der sich um die täglichen
Geschäfte in der Übergangszeit kümmern wird, waren
beide an dem allgemein gelobten Prozeß zur Auswahl
eines Vizepräsidenten beteiligt. Die beiden Politiker
werden dazu beitragen, die Vergabe von Kabinettsund anderen wichtigen Posten in der neuen Administration zu steuern.
Jordan wird die Eigenschaft zugeschrieben, bei kontroversen Themen äußerst geschickt und effektiv mit
Mitgliedern beider Parteien umgehen zu können. So
traf er zum Beispiel häufig auf freundschaftlicher Basis
mit Präsident Bush zusammen, obwohl beide sehr
unterschiedliche Auffassungen zum Bürgerrechtsgesetz von 1990 vertraten. Der Präsident legte einmal
sein Veto gegen die Gesetzesvorlage ein, die er als
Quotengesetz bezeichnete.

In seinen Sozietät wird Jordan als äußerst geschickt in
Vorstandspolitik, als Vertrauter von Spitzenmanagern
und fähiger Aquisiteur von Klienten unter den Großunternehmern des Landes angesehen.
"Das letzte, was man wünschen könnte, ist, daß Vernon seine Zeit mit juristischen Routinefragen verbringt", meinte der ehemalige Seniorpartner David
Hardee. "Er gleicht mehr einem Seniorpartner in einer
New Yorker Anwaltskanzlei. Er berät Rechtsanwälte
in Vorstandsangelegenheiten."
Zu den Unternehmen,förderenVorstände er tätig ist,
gehören American Express, Bankers Trust, RJR
Nabisco, Revlon, Sara Lee, Xerox und Union Carbide.
Jordan wurde 1935 in Atlanta (Georgia) geboren und
wuchs in dem ersten für Schwarze gebauten Sozialwohnungskomplex auf. Sein Vater war Kontrolleur bei
der Post und seine Mutter führte einen Partyservice.
Sein Großvater war Tagelöhner. In der High School
spielte er Basketball - ein Sport, den er auch an der
DePauw University in Indiana ausübte, wo er ein
Bakkalaureat in Politologie erwarb. Sein Juraexamen
legte er 1960 an der Howard University ab.
"Ich arbeitete, um für das College zu bezahlen", erklärt
er. "Ich war zwei Sommer lang Busfahrer bei den
Chicagoer Verkehrbetrieben ... verdiente 2,45 Dollar
pro Stunde und arbeitete manchmal 16 Stunden am
Tag."

Nach dem College war Jordan 12 Jahre aktiv in der
Bürgerrechtsbewegung tätig, teilweise als Rechtsanwalt und Organisator der National Association for the
Mary Frances Berry von der amerikanischen Bürger- Advancement of Colored People (Nationale Vereinirechtskommission zufolge ist Jordan "ein alter Hase" in gung zur Förderung der Farbigen - NAACP) im Süden.
Er führte persönlich Boykotts und Demonstrationen an
Bürgerrechtsfragen.
und beteiligte sich an der Aufhebung der Rassentren"Er kennt die Themen ... (und) die politischen Proble- nung an der University of Georgia. Da er überzeugt
me", erklärte sie der Washington Post. "Er kennt die davon war, daß der Schlüssel zu mehr Einfluß der
Menschen, die Erfahrung haben, und er dürfte in der Schwarzen im Süden in der Beteiligung an Wahlen lag,
Lage sein, Clinton dabei zu helfen, ein Gleichgewicht war er von 1964 - 68 als Leiter des Voter Education
zwischen diesen wichtigen Fragen herzustellen."
Project (Wählererziehungsprojekt) für den Südlichen
AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�Regionalrat tätig. Darüber hinaus war er ein Jahr lang
Vorstandsmitglied des United Negro College Fund,
bevor er 1972 in die National Urban League eintrat.
Jordan leitete die Eröffnung von 17 neuen Zweigstellen der Urban League und verwaltete schließlich einen
Haushalt von 100 Millionen Dollar, von denen ein
großer Teil durch die Bundesregierung bereitgestellt
wurde. Einige Schwarze kritisierten seinen Lebensstil,
darunter seine Vorliebe für teure Anzüge und Zigarren,
sowie seine engen Beziehungen zu führenden weißen
Politikern. Jordan erklärte dem Magazin Ebony (eine
Zeitschrift für Schwarze, Anm. d. Red.), daß "nicht nur
die Schwarzen davon profitieren, wenn ich hier gute
Arbeit leiste, sondern auch das Land. Es liegt im
ureigenen Interesse des Landes, daß es den Schwarzen gut geht. Es trifft wirklich zu, daß die Kette so stark
ist, wie ihr schwächstes Glied... Diejenigen von uns,
die in der Führung der schwarzen Gemeinde tätig sind,

tragen eine enorme Last, um die Probleme zu verdeutlichen und definieren."
Jordan verließ die League 1981, kurz nachdem er - im
Auto sitzend - von einem Heckenschützen verwundet
worden war. Jordan verwies später darauf, daß im
Gegensatz zur Vergangenheit, als viele Schwarze "auf
der Autobahn starben", man ihn umgehend ins Krankenhaus brachte, wo er von schwarzen Ärzten behandelt wurde. "Das deutet doch darauf hin, daß es
Fortschritte (in der Rassenfrage) in Amerika gegeben
hat", erklärte er.
Darüber hinaus verdeutlichte er, daß er die Urban
League nicht wegen des Attentats verlassen habe, und
versprach: "Ich werde als Rechtsanwalt nicht vor
Bürgerrechtsfällen weglaufen." In der Folge trat er in
die Kanzlei Akin, Gump ein, wo er seit über zehn
Jahren als Sozius tätig ist.

* * * *

*

-.

•

Seite 2

•

•

•

-

.

,

AMERIKA DIENST 45

�PORTRAT
11. November 1992

ALTGEDIENTER DIPLOMAT UND RECHTSANWALT
AN DER SPITZE DES ÜBERGANGSTEAMS
Porträt von Warren Christopher
WASHINGTON - (AD) - Warren Christopher - Rechtsanwalt, altgedienter Diplomat und geschickter Verhandlungsführer - bringt in Bill Clintons Übergangsteam eine Vorgeschichte herausragender Leistungen
im Dienst von drei ehemaligen demokratischen Regierungen ein.

Der als 'Vollblutdiplomat" bezeichnete 67jährige Christopher wird allgemein respektiert und ist bekannt für
einen Führungsstil, der von Ruhe und Rationalität
anstatt Zwang und Einschüchterung geprägt ist.

Ende 1980 bediente sich Christopher einer intensiven
Reisediplomatie und flog nach Algerien, um die Freilassung der amerikanischen Botschaftsgeiseln im Iran
auszuhandeln. Die Geiseln wurden erst kurz nach der
Amtseinführung Ronald Reagans im Januar 1981 freigelassen.

Bryce Nelson, Professor für Publizistik an der University of Southern California, der während der Polizeibefragung Christophers Sprecher war, wird in der New
York Times folgendermaßen zitiert: "Christopher ist
keiner, der Geschäfte macht oder manipuliert. Er ist
mehr als eine politische Figur. Er ist ein Mann der Tat,

Vor etwa sechs Monaten wurde Christopher von Clinton gebeten, ein Team zu leiten, dessen Aufgabe die
Christopher, der die Tagesgeschäfte während des Überprüfung der Liste möglicher VizepräsidentschaftsÜbergangs leiten wird, ist gegenwärtig Vorsitzender kandidaten war und das ihm helfen sollte, einen Kanvon O'Melveny and Myers, einer Anwaltskanzlei mit didaten auszuwählen. Dieser Prozeß führte schließüber 500 Rechtsanwälten in Los Angeles. Er war unter lich zur Wahl des Senators aus Tennessee, AI Gore,
der Carter-Administration Stellvertretender Außenmi- der sich als starke Ergänzung der demokratischen
nister, Stellvertretender Justizminister in der Johnson- Liste erwies.
Administration und Verhandlungsführer der KennedyPolitische Beobachterverweisen darauf, daß ChristoAdministration bei Handelsgesprächen.
phers Ernennung als Leiter der Bemühungen des
In den letzten Monaten der Amtszeit von Präsident gewählten Präsidenten zum Aufbau einer neuen
Carter war Christopher Chefunterhändler bei den Regierung Clinton erwartungsgemäß eine Periode der
Bemühungen, die Freilassung der amerikanischen Ruhe verschaffen wird, während Wahlkampfhelfer und
Geiseln im Iran zu erwirken. Carter charakterisierte andere Clinton-Anhänger um Positionen in der künftiChristopher als Regierungsvertreter, der ihn mehr als gen Administration konkurrieren.
jeder andere beeindruckt habe, und der ehemalige
Präsident verlieh ihm am 16. Januar 1981 die Medal of Christopher führte unlängst den Vorsitz der BürgerFreedom - die höchste zivile Auszeichnung der Verei- kommission, die das Verhalten der Polizei von Los
Angeles während und nach den auf einem Videofilm
nigten Staaten.
aufgezeichneten Schlägen von Polizeibeamten gegen
Nach seiner Vereidigung als Stellvertretender Außen- Rodney King im Jahr 1991 untersuchte. Die Kommisminister am 26. Februar 1977 erwarb sich Christopher sion wurde gegründet, als der Freispruch der Beamten
den Ruf einer raschen Auffassungsgabe in der Außen- von den meisten der ihnen zur Last gelegten Anklagepolitik und spielte eine entscheidende Rolle als Chef- punkten in diesem Frühjahr in Los Angeles zu schweunterhändler der Administration bei den Verträgen ren Ausschreitungen führte.
über den Panamakanal.
Bürgermeister Tom Bradley ernannte Christopher in
Im Außenministerium wurde er zum Koordinator von das Gremium, dasspäteralsChristopher-Kommission
Carters Menschenrechtspolitik im Ausland sowie zum bekannt wurde. Sie empfahl tiefgreifende Reformen
Vorsitzenden einer interministeriellen Kommission innerhalb der Polizei, und die Wähler von Los Angeles
ernannt, die die Menschenrechtsbilanz für jedes Land sprachen sich in einem Volksentscheid für die Reformen aus.
getrennt beurteilte.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�nicht der Worte... Ich würde ihm jedes Geheimnis
anvertrauen. Clinton weiß, was er mit Warren alles
erreichen kann."
Der am 27. Oktober 1925 in Scranton (North Dakota)
geborene Chnstopher schloß 1945 an der Universrty of
Southern California seine Collegeausbildung ab. Von
Juli 1943 bis September 1946 war er in der Marinereserve und kam als Leutnant zur See auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Von 1946 bis
1949 besuchte er die juristische Fakultät der Stanford
University.

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr
1981 kehrte Christopher zu O'Melveny and Myers
zurück - einer Anwaltskanzlei, mit der er nahezu sein
ganzes Berufsleben verbunden war, außer während
s e i n e r Regierungstätigkeit. In den vergangenen 11
J a h r e n w a r Christopher Vorsitzender der Unternehmensleitung und damit in der Praxis für die Tagesgeschäfte zuständig,
Als ehemaliger Präsident des Anwaltsvereins im Landkreis Los Angeles war Christopher 1959 Sonderberater des kalifornischen Gouverneurs Edmund Brown.
Er war Direktor des Los Angeles World Affairs Council
und Mitglied der TrilateralCommission. Von 1961 -65
war er Sonderberater von Staatssekretär George Ball
für auswärtige Wirtschaftsprobleme.

* * * *

*

;.l
.

Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�WAHLEN

'92
11. November 1992

RENNEN UM SENATSSITZE: MEHR FRAUEN
UND MEHR ETHNISCHE VIELFALT IM KONGRESS
Größerer Vorsprung der Demokraten; die meisten Amtsinhaber gewinnen
WASHINGTON - (AD) - Die Senatswahlen in den
Bundesstaaten im ganzen Land haben die parteipolitische Zusammensetzung dieser Institution nur wenig
geändert, ihre Vielfalt jedoch aufgrund einer größeren
Anzahl von Frauen und Angehörigen ethnischer Minderheiten erhöht.
Die von vielen erwartete "Säuberung" von Amtsinhabern fand bei den Wahlen vom 3. November für 34
Sitze der aus 100 Mitgliedern bestehenden gesetzgebenden Körperschaft nicht statt. Tatsächlich verloren
nurdrei Senatoren - ein Demokrat und zwei Republikaner - die Wiederwahl.

hätte, um einen eventuellen Filibuster zu verhindern die manchmal von einer Minderheitsfraktion benutzte
Verschleppungstaktik durch Dauerreden zur Verzögerung oder Verhinderung einer Abstimmung über eine
umstrittene Angelegenheit.
Der Durchbruch der Frauen verspricht, neue Standpunkte in den traditionell praktisch fast nur aus Männern bestehenden Senat einzuführen.

Die Gewinnerinnen gehörten zu der Rekordzahl von
insgesamt 12 Kandidatinnen, von denen viele aufgrund ihres Ärgers über die Anhörungen im Senat im
Jahr 1991 zur Bestätigung von Clarence Thomas, dem
Die Wähler entschieden sich fürvier Frauen, diezu den Richterdes Obersten Gerichtshofes, zu ihrer Kandidabereits im Senat vertretenen zwei Frauen hinzukom- tur veranlaßt wurden. Thomas war der sexuellen
men. Darunter sind die erste Schwarze in dieser Belästigung der Juraprofessorin Anita Hill beschuldigt
Institution, die aus Illinois stammt, und zwei Jüdinnen worden, aber ihre Aussage wurde schließlich von dem
aus Kalifornien, wodurch dieser Bundesstaat der ein- nur aus Männern bestehenden Rechtsausschuß des
zige ausschließlich durch Frauen vertretene ist.
Senats verworfen, der seine Bestätigung empfahl.
In Colorado wurde der erste Indianer in den Senat
gewählt.
Mit Hilfe der guten Wahlergebnisse ihres Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton, der an oberster Stelle
auf dem Wahlzettel stand, werden die Demokraten
voraussichtlich die Zahl ihrer Sitze im Senat um einen
erhöhen und damit einen Vorsprung von 58 zu 42
erzielen. Dabei geht man davon aus, daß der Demokrat Wyche Fowler seinen Vorsprung behält und die
Stichwahl in Georgia in dem einzigen noch nicht entschiedenen Wahlkampf gewinnt.
Zusammen mit einem demokratischen Präsidenten
und einer Mehrheit von Demokraten im Repräsentantenhaus verschaffen diese Resultate der Partei eine
äußerst starke Position in der Legislative.

Der demokratische Fraktionsführer der Mehrheitspartei im Senat, George Mitchell, begrüßte die neuen
weiblichen Abgeordneten mit den Worten: "Ich glaube,
alle Institutionen benötigen ständig Wandel und Erneuerung, und der hier stattfindende Wandel ist meiner Meinung nach sehr gesund."
Die Siegerin aus Illinois und erste Schwarze im Senat
ist Carol Moseley Braun, eine Landkreisbeamtin aus
der Region Chicago, die den Republikaner Richard
Williamson besiegte, der unter den Reagan- und BushAdministrationen ernannt worden war. Sie hatte sich
für das Rennen qualifiziert, indem sie bei den Vorwahlen der Demokraten einen überraschenden Sieg über
den Amtsinhaber Senator Alan Dixon davontrug.

In Kalifornien schlug die ehemalige Bürgermeisterin
von San Francisco, Dianne Feinstein, den republikaniDie Demokraten verfehlten jedoch knapp die Gesamt- schen Senator John Seymour, und die Abgeordnete
zahl von 60 Sitzen, die ihnen dank der erforderlichen Barbara Boxer besiegte den konservativen KommenStimmen die unangefochtene Führung eingeräumt tator Bruce Herschensohn.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�Feinstein sprach in Anlehnung an die beiden Hauptdarstellerinnen der beliebten Krimiserie Cagney-Lacey von einem Erfolg des schlagkräftigen Duos aus
Kalifornien. "Ob Washington bereit ist oder nicht - wir
kommen!"
Sowohl Feinstein als auch ihr besiegter Gegner Seymour werden allgemein als gemäßigt eingestuft. Die
Kontrahenten Boxer-Herschensohn hingegen boten
dem Land den deutlichsten ideologischen Wettkampf.
Boxer, eine traditionelle Liberale, sprach sich in der
Wahlkampagne für einschneidende Kürzungen im
Verteidigungshaushalt, Umweltschutz, das Recht auf
Schwangerschaftsabbruch, für Rechte der Homosexuellen und gegen die Todesstrafe aus; Herschensohn
hatte zu praktisch jeder dieser Fragen entgegengesetzte Ansichten. Er verringerte Boxers Vorsprung in
den letzten Wochen vor der Wahl, indem er ihr vorwarf,
eine der Hauptnutznießerinnen der Vorzugsbehandlung von Abgeordneten durch die Kongreßbank gewesen zu sein.

D'Amato hat den Ruf, sich auf die praktischen Fragen
im Bundesstaat zu konzentrieren. In den letzten
Jahren mußte er sich wiederholt Beschuldigungen
sittenwidriger Verfehlungen stellen. Die beiden Kandidaten hielten eine Reihe lebhafter Debatten, in denen
sie sich gegenseitig neue Namen verpaßten; D'Amato
bezeichnete Abrams als "hofflungslos liberal", während Abrams den Senator einmal ärgerlich "Faschist"
nannte.
Der einzige demokratische Amtsinhaber, der nicht
wiedergewählt wurde, war Terry Sanford aus North
Carolina, der vermutlich aufgrund seiner ernsthaften
gesundheitlichen Probleme in den letzten Monaten
Verluste erlitt. Er wurde nur wenige Tage vor dem
Wahltermin aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem er sich wegen einer Herzklappeninfektion einer
Operation unterzogen hatte.

Sanford unterlag dem Republikaner D.M. Faircloth,
einem vom Congressional Club unterstützten konservativen Geschäftsmann, einer von dem altgedienten,
ultrakonservativen Senator Jesse Helms gegründeten
In Kalifornien fanden Wahlen für zwei Sitze im Senat Organisation. Faircloth, ein ehemaliger Demokrat,
statt, da Seymourdie noch nicht ausgelaufene Amts- war früher ein enger Freund von Sanford. Er forderte
zeit des ehemaligen Senators Pete Wilson zu Ende die Einstellung der gesamten Auslandshilfe, mit Ausführte, der vor zwei Jahren ausschied, um Gouverneur nahme der Hilfe für humanitäre Zwecke, verlangte,
des Bundesstaates zu werden.
daß die Amerikaner arbeiten mü ßten, bevor sie Sozialhilfe erhalten könnten und ist ein Befürworter des
Die vierte neue Senatorin ist die Demokratin Patty
Schulgebets.
Murray aus dem Bundesstaat Washington, die als
"Mutti in Tennisschuhen" gegen den seit fünf Amtszei- Auf republikanischer Seite war abgesehen von Seyten amtierenden republikanischen Abgeordneten des mour in Kalifornien der zweimal gewählte Senator aus
Repräsentantenhauses, Rod Chandler, antrat. S«* Wisconsin, Robert Kasten, der einzige nicht wiedergewird dem Demokraten Brock Adams ablösen, der in wählte Amtsinhaber. Kasten verlor gegen den Demoden Ruhestand trm.
kraten Russell Feingold, einen jungen Senator des
In Maryland erreichte die demokratische Amtsinhabe- Bundesstaates, der erstaunlicherweise bei den Vorwahlen (tor Dsmokratischen Partei 70 Prozent der
rin Barbara Mikulski mühelos ihre Wiederwahl.
Stimme" aegen seme Deidcn bekannteren und finanzEine andere hochkarätige Kandidatin, die Demokratin kräftigeren v- "ner gewonnen hatte.
Lynn Yeakel, verlor knapp gegen Allen Specter, den
1
republikanischen Amtsinhaber aus Pennsylvania. Yeakel Feingold, 39, bezeichnete s** ' selbst als einen Außenbaute ihre Kampagne auf Specters aggressive Befra- seiter. Er sprach sich gegen so populäre Maßnahmen
gung von Frau Hill während der Anhörungen zur Bestä- wie einen Zusatzartikel zur Verfassung über einen
tigung von Thomas auf. Specter, der im Hinblick auf ausgeglichenen Haushalt, eine Begrenzung der Amtssoziale Fragen einschließlich des Rechts auf Schwan- zeiten von Kongreßabgeordneten und Steuersenkungerschaftsabbruchs als liberal eingestuft wird, gelang gen für die Mittelschicht aus.
es jedoch, sie als Schmalspurkandidatin hinzustellen. Das Rennen in Georgia endete mit einer Stichwahl, als
es Amtsinhaber Fowler nicht gelang, die nach den
In Colorado wurde Ben Nighthorse Campbell, ein
Farmer und väterlicherseits Cheyenne-indianischer Gesetzen des Bundesstaates für einen glatten Sieg
Abstammung, zum Kongreßabgeordneten gewählt. erforderlichen 50 Prozent auf sich zu vereinigen. Nach
Auszählung von 99 Prozent der Stimmen hatte Fowler
Er wird der einzige Indianer im Senat sein.
49,11 Prozent gegenüber 47,78 Prozent fürden RepuEine der schmutzigsten Kampagnen im Land endete blikaner Paul Coverdell, den ehemaligen Leiter des
mit einem der knappsten Rennen, als Alphonse Peace Corps. Ein dritter Kandidat, Jim Hudson, LiberD'Amato, der republikanische Kongreßabgeordnete tarian, schöpfte ungefähr 3 Prozent der Wählerstimaus New York, seinen demokratischen Herausforde- men ab.
rer, den Justizminister des Bundesstaate Robert AbZu den demokratischen Amtsinhabern, die ihre Sitze
rams, schlug.
behielten, gehören neben Mikulski auch Richard Shel-

Seite2

AMERIKA DIENST 45

�by aus Alabama, Dale Bumpers aus Arkansas, Christopher Dodd aus Connecticut, Bob Graham aus Florida, Daniel Inouye aus Hawaii, Wendell Ford aus
Kentucky, Harry Reid aus Nevada, John Glenn aus
Ohio, Ernest Hollings aus South Carolina, Tom
Daschle aus South Dakota, Patrick Leahy aus Vermont und John Breaux aus Louisiana, der keinen Gegenkandidaten hatte.

heitspartei im Senat, Robert Dole aus Kansas, sowie
Frank Murkowski aus Alaska, John McCain aus Arizona, Dan Coats aus Indiana, Charles Grassley aus
Iowa, Kit Bond aus Missouri, Don Nickles aus Oklahoma und Bob Packwood aus Oregon.
Senatoren haben eine Amtszeit von sechs Jahren; alle
zwei Jahre wird ungefähr ein Drittel von ihnen neu
gewählt.

Zu den wiedergewählten Republikanern zählen neben
Specter und D'Amato der Fraktionsführer der Minder* * * *

AMERIKA DIENST 45

*

Seite 3

�WAHLEN

'92
11. November 1992

NEUE GESICHTER IM REPRÄSENTANTENHAUS
ABER GLEICHE KONTROLLE DER DEMOKRATEN
Große Parteimehrheit hilft Clinton
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill
Clinton erhofft sich eine gute parlamentarische Zusammenarbeit mit dem Repräsentantenhaus, das im
103. Kongreß die gleiche parteipolitische und ideologische Zusammensetzung aufweisen wird wie der scheidende 102. Kongreß.

teausschuß, Lee Hamilton, der wahrscheinlich Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten wird und der Wahlkampf manager der Demokraten, Vic Fazio.

Entgegen der weitverbreiteten Annahme, daß die Wähler
zur Abwahl ihrer Abgeordneten bereit waren, wurden
Die republikanische Minderheitsfraktion erreichte bei die meisten Amtsinhaber beider Parteien wiedergeden Wahlen am 3. November nicht die erhofften Gewinne, wählt. Durch die Abwahl von nur 24 Abgeordneten
so daß die demokratische Partei wie schon seit 1956 wurden somit 93 Prozent von ihnen wiedergewählt,
die überwältigende Mehrheit und uneingeschränkte wenn auch die meisten mit knapperen Wahlergebnissen nach Washington zurückkehren als je zuvor. Den
Kontrolle im Repräsentantenhaus behält.
größten Umbruch gab es vor den allgemeinen Wahlen
Das Haus weist jedoch eine neue demographische Zu- durch Niederlagen bei den Vorwahlen, Rücktritte im
sammensetzung mit mehr Frauen und Angehörigen Zuge von Skandalen und durch Eintritt in den Ruhevon Minderheiten auf als jemals zuvor. Dies bedeutet stand. Insgesamt wird es im Repräsentantenhaus 105
nicht zwangsläufig, daß es darauf vorbereitet ist, die neue Gesichtergeben. Und diese vielen neuen AbgeWirtschafts- und Haushaltsprobleme anzugehen, die ordneten wurden gewählt, ohne die Parteienlandschaft
als ausschlaggebende Gründe für die Wahlniederlage im Repräsentantenhaus großartig zu verändern.
von George Bush angesehen werden. Im Gegenteil,
dieser Wechsel im Kongreß kann zu einem vollständig Die demographische Zusammensetzung des Repräneuen Ausgabenprogramm führen, mitbestimmt von sentantenhauses hat sich jedoch verändert. Durch
Frauen und der Wählerschaft von Minderheiten mit den Umschwung ist die Zahl der weiblichen Abgeordlangfristigen Programmen für Gesundheitswesen, Aus- neten von 28 auf die Rekordzahl von 47 angestiegen.
Auch bei der Zahl der Afroamerikaner, die bald dem
bildung und Arbeitsplatzreformen.
Repräsentantenhaus beitreten werden, wurde ein
Die drei Demokraten, die im Repräsentantenhaus Rekord gebrochen - 38 im Gegensatz zu bisher 25.
führende Positionen einnehmen, wurden am 3. No- Das Gleiche gilt für Hispanoamerikaner: verglichen
vember alle wiedergewählt: der Sprecherdes Hauses, mit bisher 11 wurden 17 gewählt. Und schließlich geThomas Foley, der Fraktionsführer Richard Gephardt wannen vier Amerikaner asiatischer Abstammung
und sein Stellvertreter David Bonior. Foley erklärte am Mandate; falls der kalifornische Demokrat Mark Taka4. November, daß er das Haus zur Kooperation mit no siegt werden es sogar fünf sein. Eines der neuen
dem neuen Präsidenten veranlassen werde. "Ich bin Mitglieder ist der kalifornische Republikaner Jay Kim,
sehr zufrieden, daß wir... mit der Clinton-Administra- der erste aus Korea stammende Amerikaner im Kontion zusammenarbeiten", stellte der Sprecher fest. greß.
Robert Michel, der Fraktionschef der Republikaner,
wurde ebenso wiedergewählt wie sein Stellvertreter Anders als im Senat, in den jeder Bundesstaat zwei
Newt Gingrich.
Vertreter entsendet, ist die Vertretung im Repräsentantenhaus mit seinen 435 Mandaten streng proportioFührende demokratische Ausschußvorsitzende ha- nal und wird von den Parlamenten der Bundesstaaten
ben ebenfalls die Wahlen gewonnen: Jamie Whitten alle zehn Jahre den Ergebnissen der Volkszählungen
vom Bewilligungsausschuß, Les Aspin vom Streitkräf- angepaßt.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�Die wachsende Kontrolle der Parlamente durch die
Republikaner führte in den letzten Jahren dazu, daß
Bezirksgrenzen zugunsten der republikanischen Kandidaten für das Repräsentantenhaus gezogen wurden. Zusätzlich zur Neufestsetzung der Bezirksgrenzen wurde in diesem Jahr eine sogenannte Neueinteilung vorgenommen, bei der einige Staaten, die einen
relativ größeren Bevölkerungsanteil dazugewonnen
haben, mehr Vertreter zugeteilt bekommen. Die meisten der dazugewonnenen Mandate wurden Staaten
im Süden und Westen zugesprochen, Gebiete, in
denen die Republikaner in der letzten Zeit gute Wahlergebnisse erziehen. Die Republikaner glaubten, daß
diese Neufestsetzung und Neueinteilung die Demokraten mindestens 25 Sitze ihrer bisherigen Mehrheit
im Repräsentantenhaus von 100 Sitzen kosten würde.

Die Demokraten werden im nächsten Jahr über 259
Mandate verfügen, die Republikaner über 175. Der
einsame Unabhängige, Vermonts einziger Abgeordneter, wurde wiedergewählt. Fünf Delegierte aus
Territorien in Übersee und Vertreter der Bundeshauptstadt Washington haben ebenfalls Sitze im Repräsentantenhaus, besitzen aber, außer in Ausschüssen,
kein Stimmrecht.

Die sichere Kontrolle der Mehrheit ist femer gewährleistet durch strenge Verfahrensregeln im Repräsentantenhaus, die dem Sprecher der Kammer große Vollmachten verleihen und der Minderheit jedes Recht
verweigern, die Verabschiedung von Gesetzen zu verzögern. Selbst wenn sich die Parteizugehörigkeit um
25 Sitze zugunsten der Republikaner verändert hätte,
wäre die demokratische Mehrheit immer noch so groß
Der wahre Mandatsverlust der Demokraten scheint gewesen, daß die Republikaner praktisch nur gegen
sich jedoch auf neun Mandate zu reduzieren, was zum den Willen der Mehrheit hätten protestieren können.
Teil in Clintons Popularität begründet ist, die die
Demokraten im Repräsentantenhaus in der Wahlkabi- Darüber hinaus wird sich die Frage des Überst immens
ne unterstützt. Diese "Sogwirkung" kompensierte die eines Vetos des Präsidenten nicht stellen. Das Weiße
Neufestsetzung der Wahlbezirksgrenzen und gab der Haus und der Kongreß werden von derselben Partei
neuen Administration praktisch eine Garantie, daß ihre geführt. In den nächsten vier Jahren wird es wohl nicht
Anträge vom Repräsentantenhaus genehmigt wer- zu der Pattsituation kommen, die von einem demokraden. Dies ist besonders bei Ausgaben- und Steueran- tischen Kongreß und einem republikanisch geführten
trägen wichtig, die im Repräsentantenhaus initiiert Weißen Haus ausgeht - eine Pattsituation, die die
Präsidentschaften von Ronald Reagan und George
werden.
Bush bestimmte.
Selbst Skandale der Poststelle und der Bank des von
Demokraten geleiteten Repräsentantenhauses während des letzten Jahres haben sich nicht in Gewinne für
die Republikaner ummünzen lassen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�WAHLEN

'9 2
11. November 1992

AMTSZEITBEGRENZUNG FÜR GEWÄHLTE
AMTSTRÄGER WEITGEHEND GEBILLIGT
Abstimmungen über Abtreibung, Homosexualität und Sterbehilfe
WASHINGTON - (AD) - Bei den Wahlen vom 3.
November sprachen sich die Wähler mit überwältigender Mehrheit für eine Begrenzung der Amtszeit ihrer
Abgeordneten auf nationaler und bundesstaatlicher
Ebene aus und stimmten fürdas Recht auf Abtreibung,
lehnten jedoch in einer großen Anzahl von Initiativen
und Volksabstimmungen die Sterbehilfe ab.

In zwei Bundesstaaten wurde über das umstrittene
Recht auf Abtreibung abgestimmt. In Arizona wurde
der Vorschlag, einen Schwangerschaftsabbruch nur
dann zu erlauben, wenn das Leben der Mutter in
Gefahr ist, mit 69 gegenüber 31 Prozent zurückgewiesen. In Maryland sprachen sich die Wählergegen eine
Einmischung des Staates in das Recht der Frau, eine
Abtreibung vorzunehmen, aus.

Bei den Wahlen in 15 der 50 Bundesstaaten sollte die
Anzahl der Jahre, die Abgeordnete und Senatoren
künftig im Amt bleiben dürfen, begrenzt werden. Die
gebilligten Beschränkungen fürden Kongreß betragen
zwölf Jahre für die Senatoren und sechs bis zwölf
Jahre für die Abgeordneten des Repräsentantenhauses, abhängig vom jeweiligen Bundesstaat.

Der Antrag 161 aus Kalifornien, der unheilbar Kranken
eine vom Arzt unterstützte Sterbehilfe ermöglichen
sollte, wurde mit 54 gegenüber 46 Prozent zurückgewiesen. Die Gegner der kalifornischen "Gesetzesvorlage über einen Tod in Würde", von denen viele Ärzteverbänden und kirchlichen Vereinigungen angehören,
vertreten die Ansicht, daß der Vorschlag nicht die zur
Für die Begrenzung der Amtszeit sprachen sich die Verhinderung einer übereilten Entscheidung aufgrund
Wähler in den Staaten Arizona, Arkansas, Kalifornien, einer falschen Diagnose oder einer Depression nötiFlorida, Michigan, Missouri, Montana, Nebraska, North- gen Vorsichtsmaßnahmen enthält.
Dakota, Ohio, Oregon, Rhode Island, South-Dakota,
Washington und Wyoming aus. Einzig im Staat Colo- Am Wahltag wurde in Bundesstaaten im ganzen Land
rado waren vorher schon Gesetze über Amtszeitbe- über insgesamt 232 Fragen abgestimmt. Wichtige
grenzungen für die beiden Häuser des Kongresses Fragen betrafen u.a. die Todesstrafe, die Rechte
erlassen worden, aber diese werden erst im Jahr 2002 Homosexueller, die Umwelt, das Glücksspiel, Mitsprain Kraft treten. Die Bundesstaaten Oklahoma und che im Erziehungswesen, Steuern und GleichberechKalifornien hatten einer Begrenzung der Amtszeit von tigung.
Kongreßabgeordneten im Jahr 1990 zugestimmt.
In zwei Bundesstaaten und in der Bundeshauptstadt
Washington
wurde über die Todesstrafe abgestimmt.
Die Befürworter der Amtszeitbegrenzung vertreten die
In
Arizona
sprachen
sich die Wähler fü r die TodesspritAnsicht, daß gewählte Volksvertreter nicht so leicht
ze
anstelle
der
Gaskammer
bei der Vollstreckung der
von Interessengruppen und Sorgen um ihre WiederTodesstrafe
aus.
In
New
Jersey
wurde die Todesstrawahl beeinflußt werden, wenn ihre Amtszeit begrenzt
fe
für
Verbrechen
ohne
Tötungsvorsatz
gebilligt. Die
ist. Ralph Nader vom Verbraucherschutz lobte die
Wähler
in
der
Bundeshauptstadt
Washington
spraAmtszeitbegrenzung als eine Möglichkeit, die "bequechen
sich
mit
überwältigender
Mehrheit
gegen
einen
men Beziehungen zwischen Lobbyisten bestimmter
Interessengruppen und Politikern auf Lebenszeit" zu Vorschlag zur Wiedereinführung der Todesstrafe für
Mord aus, der bei den Afroamerikanern auf heftigen
beenden.
Widerstand gestoßen war.
Einige Kritiker behaupteten jedoch, daß es gegen die
Verfassung verstoße, wenn die Bundesstaaten die Die Initiativen zu den Rechten Homosexueller fanden
Dauer der Amtszeit vorschrieben, und regten an, daß während der Wahlen ein gemischtes Echo. Die Wähler
die Angelegenheit vor den Obersten Gerichtshof ge- in Oregon lehnten es mit 56 gegenüber 44 Prozent ab,
Homosexualität als "anormal, schlecht, unnatürlich
bracht werden solle.

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�oder pervers" zu bezeichnen und staatliche Gelder zu
sperren, die "Homosexualität, Pädophilie, Sadismus
oder Masochismus fördern, bestärken oder erleichtem." In Portland im Bundesstaat Maine unterstützten
die Wähler einen Erlaß, der Homosexuelle vor Diskriminierung im Wohnungswesen, auf dem Arbeitsmarkt,
bei der Vergabe von Darlehen und öffentlichen Geldern schützt. Die Wähler in Colorado sprachen sich für
ein Verbot von Gesetzen auf bundesstaatlicher oder
kommunaler Ebene zum Schutz der Rechte Homosexuellerund gegen zuvor in Aspen, Boulderund Denver
beschlossene Schutzmaßnahmen aus. In Florida
setzten Bürger aus Tampa einen Erlaß über die Rechte Homosexueller außer Kraft.

gegen eine nicht rechtsverbindliche Volksbefragung,
um das Glücksspiel in Spielkasinos zu verbieten. Utah
sprach sich gegen Totoveranstaltungen auf Rennplätzen aus. South-Dakota jedoch stimmte gegen eine
Maßnahme zum Verbot von Videolotteriespielen,
Missouri billigte Glücksspiel auf den Flußdampfem.
Sowohl in Kentucky als auch in Oklahoma stimmten
die Wähler für eine Erlaubnis von Glücksspiel für
wohltätige Zwecke. In Mississippi wurde eine Aufhebung des Verbots von Lotteriespiel befürwortet und
Nebraska sprach sich für das Lotteriespiel aus. Man
erwartete, daß die Maßnahmen in Georgia für ein
staatliches Lotteriespiel angenommen würden.

Weitere wichtige von den Wählern in den Vereinigten
Auch über Umweltfragen wurde in einigen Staaten Staaten angenommene Beschlüsse:
abgestimmt. In Massachusetts sprach man sich gegen
Arizona war der letzte der 50 Bundesstaaten, in
die Verpflichtung zur Verwendung wiederverwertbarer
dem man sich für die Einhaltung eines staatliVerpackungen und gegen eine Verbrauchssteuer auf
chen Feiertages und des Bürgerrechtstages
giftige Chemikalien und einige Mineralölprodukte aus.
zum Gedenken an Martin Luther King ausIn Ohio stimmte man gegen die Forderung, Giftstoffe
sprach.
mit Warnetiketten zu versehen und die Nachbarn vor
möglichen Gefahren durch Giftstoffhersteller in ihrer
Die Wähler in Massachusetts beschlossen, die
Nähe zu warnen. Die Wähler in Oregon stimmten
Tabaksteuer von 25 auf 51 Prozent anzuheben,
gegen die Schließung des einzigen Kernkraftwerks
womit sie die höchste Tabaksteuer im ganzen
des Bundesstaates. In Alabama wurde beschlossen,
Land haben.
ein staatliches Programm für den Ankauf und Schutz
von natürlichen Lebensräumen ins Leben zu rufen und
In New Mexico wurde eine Gesetzesvorlage
in South-Dakota beschloß man eine Beschränkung
über die Beteiligung von Verbrechensopfern an
der Ausbeutung der Gold- und Silbervorkommen an
der strafrechtlichen Verfolgung der Täter angeder Erdoberfläche in den Black Hills.
nommen. Auch Illinois, Kansas und Missouri
billigten Vorlagen zum Schutz der Opfer von
In einigen Staaten befaßte man sich mit dem GlücksVerbrechen.
spiel. In Idaho wurde ein Verbot von Spielkasinos
beschlossen. Auf den Jungferninseln stimmte man
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�WAHLEN

'92
11. November 1992

DIE AMERIKANISCHEN PRASIDENTSCHAFTSWAHLEN
Amerikanische Pressestimmen
Eine Reihe amerikanischer Zeitungen befaßte sich in Leitartikeln mit den Präsidentschaftswahlen vom 3.
November. Nachfolgend einige Auszüge aus den Kommentaren.

New York Times
In der amerikanischen Öffentlichkeit wurde gestern vor
allem der Ruf nach einer Wende laut. Durch ihr
zahlenmäßiges Aufgebot sandten die Wähler eine
eindrucksvolle Botschaft. Die Flutwelle, die in all die
Kirchen und Schulen schwappte, war die Verkörperung der Ungeduld der Öffentlichkeit, sogar ihres Ärgers,
über den von Wirtschaft und Regierung eingeschlagenen Kurs.
All das läuft auf einen Sieg gewaltigen, aber dennoch
unbedeutenden Ausmaßes hinaus. Der Test jetzt wird
sein, wie schnell es dem gewählten Präsidenten gelingt, sein Mandat in neue Impulse umzusetzen.
Wenn ihn nicht dasselbe Schicksal ereilen soll wie
Jimmy Carter, den letzten Präsidenten der Demokratischen Partei, der die Nachfolge einer gescheiterten
Administration der Republikaner antrat, dann wird er
sich ein paar ganz klare Ziele setzen und schnell
handeln müssen, um sie zu erreichen, bevor es zu spät
ist...
Los Angeles Times
Die Kraft des Wandels machte sich letzte Nacht mit
dem Knall eines Überschallflugzeugs bemerkbar.
Plötzlich waren 12 Jahre Ronald Reagan und George
Bush - und ihr Anteil an bemerkenswerten Erfolgen
und Fehlschlägen - Geschichte geworden. Plötzlich
wird eine neue Persönlichkeit, die relativ jung, außerhalb von Arkansas relativ unbekannt, aber zweifellos
intelligent, talentiert, scharfsinnig und außerordentlich
entschlossen ist, der neue Oberkommandierende der
Streitkräfte, führende Politiker der westlichen Welt und
42. Präsident der Vereinigten Staaten...

de amerikanische Wirtschaft... Clinton wird einen
kühnen Wirtschaftsplan mit genau festgelegten Prioritäten ausarbeiten und dafür Unterstützung gewinnen
müssen, um das Haushaltsdefizit zu bewältigen, eine
neue Politik der Reindustrialisierung auszuarbeiten,
sich mit der Gesundheitsfürsorge zu befassen und bei
der Freihandelszone mit Mexiko und ähnlichen Gelegenheiten Fortschritte zu erzielen. Präsident Clinton
wird auch helfen müssen, Amerika wieder zusammenzubringen.
Wall Street Journal
Die Wirtschaft stand während der Wahlkampagne an
erster Stelle, und sie wieder in Gang zu bringen wird für
Präsident Clinton an erster Stelle stehen. Was auch
immer die gestrigen Wahlen bewirkt haben, sie haben
vielleicht den Bann des Fiaskos mit den Spar- und
Darlehensbanken gebrochen und werden der in den
letzten Zügen liegenden Wirtschaft wieder Luft zum
Atmen verschaffen.
Baltimore Sun
Er (Clinton) wird zu einem Zeitpunkt ins Weiße Haus
einziehen, an dem sich der Übergang von einer Kriegswirtschaft zu einer Friedenswirtschaft in einer schmerzlichen Rezessionsphase befindet. Sein Instinkt - der
Instinkt seiner Demokratischen Partei - sagt ihm, daß
seine Regierung zur Wiederherstellung der Lebensfähigkeit des Landes eine aktive Politik betreiben muß.
Jedoch wird die enorme Staatsverschuldung Clinton in
seinen Möglichkeiten einschränken. Seine Aufgabe
besteht in nichts Geringerem als der Wiederherstellung des Vertrauens der Amerikaner in ihre eigenen
Fähigkeiten.
Miami Herald

Die stärkste Kraft bei dieser Wahl waren nicht etwa die
Persönlichkeit oder der Charakter von Clinton oder
Bush, sondern die in großen Schwierigkeiten stecken-

AMERIKA DIENST 45

Bill Clinton wurde gestern unter der Prämisse zum 42.
Präsidenten der Vereinigten Staaten gewährt, daß

Seite 1

�man vor einem Wechsel nicht nur keine Angst zu qualitäten werden erforderlich sein. Wirtschaftliche
haben braucht, sondern daß er stattfinden muß, wenn Fortschritte müssen erzielt werden. Wir müssen unser
der amerikanische Traum weiterbestehen soll.
Haushaftsdefizit reduzieren. Unser Bildungssystem
muß unbedingt verbessert und ein bezahlbares GeAber versteht das amerikanische Volk, das mit der sundheitssystem zugänglich gemacht werden...
Wahl von Bill Clinton von dieser Prämisse ausging, Angesichts der Tragweite der wirtschaftlichen und
daß auch Ross Perot recht hatte, als er sagte, der sozialen Herausforderungen muß es Clinton gelingen,
Amerikanische Traum könne nicht ohne Schmerzen die Aktivitäten der Amerikaner freizusetzen.
und ohne Opfer aller wiederbelebt werden? Man kann
nur hoffen, daß es so ist. Wenn das der Fall ist, und Times-Dispatch aus Richmond (Virginia)
sich Bill Clinton mit Weitsicht und Engagement der
Werkzeuge bedient, die die Amerikaner ihm gegeben George Bush ist der letzte Präsident seiner Generahaben, dann könnte seine Präsidentschaft zu einer tion. Amerika wird nie wieder einen Präsidenten
Zeit der nationalen Neuentdeckung, Neuorientierung haben, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat... Warum
verlor Bush die Wahlen? "Hier handelt es sich wohl um
und der Neudefinition werden.
einen Mangel an Kommunikation'', sagte schon der
Star-Telegram aus Fort Worth
Wächter in dem Film 'Cool Hand Luke'. Mit Ausnahme
der angespannten Wochen vor der Operation WüstenUm des gewählten Präsidenten Clinton willen, und sturm gelang es Bush nicht, das Grundprinzip seiner
mehr noch um unserer selbst willen, müssen wir alle Präsidentschaft darzulegen. Die Einzelteile der Politik
beten, daß sein Selbstvertrauen begründet ist. Wir seiner Administration waren größer als die Gesamtmüssen hoffen, daß seine Ideen zur Verbesserung der summe. Aber Bush präsentierte sie nie als ein zusamwirtschaftlichen Situation auf einer festen Grundlage menhängendes Ganzes.
stehen. Wir müssen wirklich hoffen, daß es ihm
gelingen wird, Amerika wieder Vertrauen an sich selbst Philadelphia Daily News
als einen Motor für den Wohlstand und eine Bastion
Bill Clinton ist bemerkenswert schnell und intelligent
der Gerechtigkeit zu geben.
und auf praktisch jedes Thema voll und ganz vorbereitet.
Er kann die Menschen auf eine Art und Weise
Press Herald aus Portland (Maine)
erreichen, wie es nur den talentiertesten Politikern
Clinton wird nach 16 Jahren wieder der erste Präsident gelingt.
sein, der im Einvernehmen mit einem von seiner
eigenen Partei kontrollierten Kongreß regiert.
Er weiß, daß die vor uns liegenden Fragen komplexe,
verworrene und schwierige Probleme beinharten, wie
Das ist ein bedeutsamer Wandel, der das Potential für zum Beispiel den Übergang von einer Kriegswirtschaft
eine starke Führungsrolle beinhaltet. Und Führungs- zu einer Wirtschaft, die nützliche Dinge produziert...
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 45

l

�GATT
11. November 1992

USA VERHÄNGEN HANDELSSANKTIONEN GEGEN EG
Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Der folgende Text ist eine am 5. November 1992 vom Büro der amerikanischen
Handelsbeauftragten herausgegebene Übersicht, die darlegt, warum die Vereinigten Staaten infolge des
ungelösten Handelskonflikts mit der Europäischen Gemeinschaft über deren Ölsaatensubventionen bestimmte
Produkte der EG mit Strafzöllen belegen werden.
Als Reaktion auf die Weigerung der Europäischen
Gemeinschaft, sich bei ihren Ölsaatensubventionen
an die Regeln des GATT zu halten, hat die amerikanische Handelsbeauftragte Carla Hills heute angekündigt, daß die Vereinigten Staaten Handelskonzessionen zurückziehen und Importe von Weißwein, Rapsöl
und Weizenkleber aus der EG mit Strafzöllen belegen
werden.

Die amerikanische Regierung schätzt, daß sich der
den amerikanischen Ölsaatenproduzenten aufgrund
der EG-Subventionen zugefügte Schaden auf jährlich
ungefähr 1 Milliarde US-Dollar beläuft. Sollten weitere
Schritte erforderlich sein, könnten die Vereinigten Staaten
Waren sowohl von der heute herausgegebenen als
auch von der am 12. Juni veröffentlichten Liste mit
Strafzöllen belegen.

Diese Produkte haben in den USA einen durchschnittlichen jährlichen Importwert von ungefähr 300 Millionen Dollar und wurden von einer Warenliste im Gesamtwert von 2 Milliarden Dollar ausgewählt, die am
12. Juni 1992 im amerikanischen Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Die amerikanische Zollbehörde wird
die Produkte ab dem 5. Dezember 1992 mit einem
Strafzoll von 200 Prozent belegen.

Ein Gremium des GATT hat zweimal festgestellt, daß
die Ölsaatensubventionen der Europäischen Gemeinschaft die Vergünstigungen beeinträchtigen, die den
Vereinigten Staaten unter den ihnen von der EG
garantierten Bestimmungen über Zollfreiheit für Ölsaaten zustehen. Die Vereinigten Staaten haben ihren
Willen bekundet, die Festsetzung des ihnen geschuldeten Betrages einer Schiedsinstanz zu überlassen;
die EG hat ein solches Verfahren jedoch zurückgewiesen.

"Wir bedauern, daß wir zu solchen Maßnahmen gezwungen wurden", erklärte Hills. "Die EG hat sich fünf
Jahre lang geweigert, sich den Vereinigten Staaten
gegenüber an die internationalen Handelsbestimmungen zu halten. Hier stehen die Glaubwürdigkeit und die
Funktionsfähigkeit des GATT auf dem Spiel."

Auf dem gestrigen Treffen des GATT-Rates in Genf
hat die EG ein Ersuchen der Vereinigten Staaten
zurückgewiesen, dem GATT die Aufhebung von Zollvergünstigungen, die uns im Rahmen der GATT-Bestimmungen zusteht, zu überlassen. Die Vereinigten
"Wir haben au ßerordentliche Geduld gezeigt und sind Staaten haben die EG erneut aufgefordert, einen
in den 30 Tagen vor Verhängung der Strafzölle für Schiedsspruch über den dem amerikanischen Handel
weitere Verhandlungen offen", so Hills. "Angesichts zugefügten Schaden zu akzeptieren, aber diese weider Handelsnachteile für die Vereinigten Staaten sehen gerte sich erneut.
wir uns jedoch zu weiteren kompensatorischen MaßDie Vereinigten Staaten hatten die Verhandlungen mit
nahmen gezwungen."
der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des GATT
Hills gab heute auch eine Liste mit zusätzlichen Pro- im Jahr 1988 aufgenommen, nachdem die Amerikanidukten der EG frei, die die USA mit Strafzöllen belegen sche Sojabohnenvereinigung gemäß Paragraph 301
werden, falls die Verhandlungen mit der EG nicht zu der EG vorgeworfen hatte, ihre Ölsaatensubventionen
angemessenen Reformen führen. Diese Produkte schadeten den amerikanischen Exporteuren und verhaben einen durchschnittlichen jährlichen Importwert letzten die Bestimmungen über Zollfreiheit.
von ungefähr 1,7 Milliarden Dollar. Die Liste sowie eine
Bitte um Stellungnahme der Öffentlichkeit werden am Nachdem ein GATT-Ausschuß im Jahr 1989 eine
10. November 1992 im Bundesregister veröffentlicht. Entscheidung zugunsten der Vereinigten Staaten

AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�etroffen hatte, stimmte die EG einer Änderung ihrer
Hsaatenpolitik zu, um sich an die Empfehlungen des
BGATT-Ausschusses
zu halten. Derselbe Ausschuß

- Die EG ergriff nicht die für das Erntejahr 1991
erforderlichen Maßnahmen. Am 24. Mai 1991 gab die
EG bekannt, sie würde die Empfehlungen des Ausstellte im März diesen Jahres fest, daß die von der EG schusses in ihrer neuen öisaatenpolitik ab dem 31.
vorgenommenen Abänderungen die Beeinträchtigun- Oktober 1991 umsetzen und die Reformen würden
gen nicht beseitigten und empfahl der EG eine unver- sich auf alle im Jahr 1992 und danach geernteten
zügliche Änderung ihrer Öisaatenpolitik.
Ölsaaten beziehen.
Seitdem haben die Vereinigten Staaten sowohl in
direkten Verhandlungen als auch im Rahmen des
GATT mit der EG zusammen nach einer Lösung
gesucht. Die EG war jedoch nicht bereit, die für die
Befolgung der Entscheidungen des GATT-Ausschusses notwendigen Schritte einzuleiten.
"Diese Maßnahmen werden nicht unsere entschiedenen Bemühungen beeinträchtigen, zu einer Einigung
im Rahmen der Uruguay-Runde zu gelangen", stellte
Frau Hills fest. "Die Vereinigten Staaten bleiben
weiterhin einem starken und funktionierenden GATTSystem verpflichtet. Tatsächlich würde die Glaubwürdigkeit des GATT in Frage gestellt, wenn wir diese
Maßnahmen nicht ergreifen würden."

- Nach Überprüfung der vorgeschlagenen neuen Regime
kamen die Vereinigten Staaten zu dem Schluß, daß
die Reformen nicht den Entscheidungen des Ausschusses Genüge leisteten. Daraufhin schlugen sie
vor, daß der ursprüngliche Ausschuß nochmals zusammenkommen sollte, um festzustellen, ob die von
der EG vorgeschlagene Politik die Entscheidungen
des Ausschusses in die Tat umsetzen würde.
- Am 16. März 1992 stellte der nochmals zusammengetretene Ausschuß seinen Bericht vor, in dem bestätigt wird, daß das neue Regime der EG weiterhin die
Zugeständnisse über Zollvergünstigungen für Ölsaaten verletzt.

- Der erneut zusammengetretene Ausschuß empfahl
Die heutige Ankündigung wird am 10. November 1992 der EG, unverzüglich diese Beeinträchtigung entweim Bundesanzeiger veröffentlicht.
der durch eine Änderung ihres neuen Beihilfesystems
oder durch Neuverhandlungen über ZollvergünstigunÜbersicht der amerikanischen Handelsbeauftrag- gen für Ölsaaten unter Artikel XXVIII zu beseitigen.
ten: Ölsaaten
- Auf dem Treffen des GATT-Rates im April 1992 wies
- Am 16. Dezember 1987 reichte die amerikanische die EG darauf hin, daß sie noch nicht bereit sei, auf die
Sojabohnenvereinigung gemäß Paragraph 302 des eine oder andere Art zu handeln. Aus diesem Grund
Handelsgesetzes von 1974 ein Gesuch ein, in dem sie veröffentlichten die Vereinigten Staaten eine Meldung
vorbrachte, daß die Öisaatenpolitik der Europäischen im Bundesanzeiger, in der sie um Stellungnahme der
Gemeinschaft den Vereinigten Staaten die ihnen unter Öffentlichkeit zu dem Vorschlag baten, die Zölle auf
dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) Warenimporte aus der EG in die USA zu erhöhen.
zustehenden Rechte und Vergünstigungen streitig
machte.
- Auf dem Treffen des GATT-Rates im Juni 1992 bat
d«* EC um die Genehmigung, ihre Zollvergünstigun- Am 5. Januar 1988 leitete die Handelsbeauftragie gen für ^'saaten unter Artikel XXVIII Absatz 4 der
eine Untersuchung dieser Praktiken ein.
GATT-Bestimmungen neu zu verhandeln, die sie auch
- Nachdem der Disput auch durch umfassende Konsul- erhielt.
tationen nicht beigelegt werden konnte, baten die
Vereinigten Staaten um die Einsetzung eines Schlichtungsausschusses im Rahmen des GATT.

- Zwischen den Vereinigten Staaten und der EG fanden gemäß den Bestimmungen von Artikel XXVIII
Absatz 4 vier Treffen statt. Die EG versäumte es
jedoch,
ein Angebot zu untenbreiten oder zu akzeptie- Der GATT-Ausschuß stellte im Jahr 1989 fest, daß
ren,
das
ihren Verpflichtungen im Rahmen des GATT
die ölsaatensubventionen der EG die Vergünstigunentsprechen
oder die Vereinigten Staaten für die fortgen beeinträchtigen, die den Vereinigten Staaten unter
gesetzte
Beeinträchtigung
entschädigen würde.
den ihnen von der EG im Rahmen des GATT garantierten Bestimmungen über Zollfreiheit auf Ölsaaten zu- - Auf dem Treffen des GATT-Rates im September
stehen. Der Ausschuß empfahl der EG, sich an die 1992 bat die EG um die Einsetzung eines ArbeitsausGATT-Bestimmungen zu halten und die Verletzung schusses zur Überprüfung der Verhandlungen von
der Zollzugeständnisse einzustellen.
Artikel XXVIII Absatz 4. Die Vereinigten Staaten und
- Am 25. Januar 1990 nahm der GATT-Rat den Bericht andere Exporteure von Ölsaaten wiesen den Vordes Ausschusses übereinstimmend an und der Vertre- schlag der EG zurück, da er nur zu weiteren Verzögeter der EG bekräftigte die Absicht der EG, sich an die rungen ohne konkrete Ergebnisse geführt hätte.
Empfehlungen des Ausschusses zu halten. Die EG
ließ verlauten, daß die notwendigen Maßnahmen im
Emtejahr 1991 ergriffen würden.

Seite 2

- Auf demselben Treffen des GATT-Rates ersuchten
die Vereinigten Staaten die EG, einer bindenden
Schiedsentscheidung über die Festsetzung des den
AMERIKA DIENST 45

�Amerikanern aufgrund der europäischen ölsaatensubventionen zugefügten Schadens zuzustimmen. Die
EG wies diesen Vorschlag der Vereinigten Staaten
zurück.

Schiedsinstanz verbindlich festsetzen zu lassen. Die
EG ging hierauf nicht ein. Die Vereinigten Staaten
beantragten eine Genehmigung des GATT für eine
Zurücknahme der Vergünstigungen, was ihr Recht ist,
aber die EG gab keine Unterstützung für die übereinstimmende Erteilung einer solchen Genehmigung.

- Nach dem Treffen des GATT-Rates im September
führten die Vereinigten Staaten intensive Verhandlungen mit der EG über das Problem der Ölsaaten. Der - Die Vereinigten Staaten schätzen, daß sich der
EG ist es noch nicht gelungen, eine akzeptable Lösung weltweit aufgrund der Politik der EG entstandene
anzubieten.
Schaden auf ungefähr 2 Milliarden Dollar beläuft; die
amerikanische Industrie verliert jährlich ungefähr 1
- Auf dem Treffen des GATT-Rates am 4. November Milliarde Dollar. Nach den Schätzungen der EG be1992 wiederholten die Vereinigten Staaten ihr Ersu- läuft sich der Schaden weltweit auf weniger als 400
chen, die Höhe des entstandenen Schadens von einer Millionen Dollar.

*

AMERIKA DIENST 45

*

*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11611">
                <text>11.11.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11612">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11613">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11614">
                <text>Amerikadienst 11.11.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11615">
                <text>&lt;strong&gt;1. Übergangsteam&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vernon Jordan, Warren Christopher leiten Übergangsteam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstützen Clinton bei Auswahl des Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bürgerrechtsaktivist und Rechtsanwalt leitet Clintons Übergangsteam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Vernon Jordan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Altgedienter Diplomat und Rechtsanwalt an der Spitze des Übergangsteams&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Warren Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rennen um Senatssitze: mehr Frauen und mehr ethnische Vielfalt im Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Größerer Vorsprung der Demokraten; die meisten Amtsinhaber gewinnen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Gesichter im Repräsentantenhaus aber gleiche Kontrolle der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Große Parteimehrheit hat Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amtszeitbegrenzung für gewählte Amtsträger weitgehend gebilligt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abstimmungen über Abtreibung, Homosexualität und Sterbehilfe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA verhängen Handelssanktionen gegen EG&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2905" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2770">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/d5bb7d2549724eacc3560dd4f58910b0.pdf</src>
        <authentication>8bd9d668697e56d88c7543512be53830</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15595">
                <text>Amerikadienst 11.12.1959</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15596">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15597">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15598">
                <text>11.12.1959</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15599">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20379">
                <text>&lt;strong&gt;1. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Städtebauliche Neugestaltung in Philadelphia&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veraltetes Stadtviertel weichen großzügigen Neubausiedlungen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Raumflug&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ebbe und Flut im Strahlengürtel der Erde&lt;br /&gt;Neue Erkenntnisse durch Explorer VI&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kleinreaktor für Raumflugkörper&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;WEGA-Raketen in Auftrag gegeben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltraumexperimente mit fliegender Startrampe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mars-Atmosphäre im Laboratorium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Windkanal für neunfache Schallgeschwindigkeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stahlensicherheit in Luftfahrt und Raumflug&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Provinzgastspiele sind wieder modern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Alter Theaterbrauch findet neue Anhänger&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Frieden und Freundschaft in Freiheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 4. Dezember 1959, kurz vor dem Aufbruch zu seiner Weltreise&lt;/em&gt;&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1937" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1948">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/343e3fb8f19296665c17368036a66b95.pdf</src>
        <authentication>d23105200a7ed57669d034f0f6973542</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9697">
                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 1 . Dezember 1985

49

I N H A L T

INFORMATION
John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt
DOKUMENTATION
Abschreckung, Stabilität, Abrüstung; Ziele von SDI
- Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger in
Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungszusammenarbeit im Atlantischen Bündnis
- Von David M. Abshire, Ständiger Vertreter der Vereinigten
Staaten im Nordatlantikrat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Wissenschaftler gelingt Durchbruch in der Agrarforschung
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

* * * * *

Um Übcr/cnduno von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. December 1985

49

John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt

- (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Dezember 1985
Vize-Admiral John Poindexter zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt.
Der am 12. August 1936 geborene Nachfolger
von Robert McFarlane wurde an der Marineakademie in Annapolis
ausgebildet, die er 1958 als Klassenbester verließ.
In der
Folge promovierte er in Nuklearphysik und diente als Assistent
in den Stäben dreier Marineminister.
Während seiner Marinelaufbahn fuhr Poindexter auf einer
Reihe von Kriegsschiffen.
Unter anderem kommandierte er den
Lenkwaffenkreuzer USS ENGLAND und das 31. Zerstörergeschwader.
Nachdem er dem Stab des Nationalen Sicherheitsrates schon
als militärischer Berater angehört hatte, war John Poindexter
am 17. Oktober 1983 zum Stellvertreter des Nationalen Sicherheitsberaters ernannt worden.
Während der öffentlichen Vorstellung des neuen Sicherheitberaters im Weißen Haus bezeichnete Präsident Reagan dessen
Leistungen in seiner vorherigen Funktion als "beispielhaft".
Er habe seit seiner Ernennung zum militärischen Berater des Nationalen Sicherheitsrates eine "Schlüsselrolle" gespielt. Mit
der Ernennung von Admiral Poindexter für diese "Schlüsselposition in unserer Nationalen Sicherheitsorganisation" habe er
dessen in der Vergangenheit geleisteten "wichtigen Beitrag zur
Formulierung und Ausführung unserer bedeutenden außenpolitischen Ziele" honoriert und gleichzeitig den "großen Wert", den
er selbst als Präsidentder "Kontinuität unserer Außenpolitik"
beimesse unterstrichen.
John Poindexter ist verheiratet und
hat fünf Söhne.
* * * * *

Postfach 20 03 00 rel W2Ö-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1985

49

ABSCHRECKUNG, STABILITÄT, ABRÜSTUNG:

ZIELE VON SDI

Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger
in Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table -

BONN
- (AD)
- Der
amerikanische
Verteidigungsminister
Caspar W. Weinberger nahm im Rahmen des 8. NATO Round Table am
5. Dezember 1985 in Bonn ausführlich zu den Zielen der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten
Stellung. An der von der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion nahm unter anderem auch der Bundesminister der Verteidigung, Manfred Wörner, teil.

Die Ausführungen des amerikanischen
haben folgenden Wortlaut:

Verteidigungsministers

Vielen Dank, Herr Vorsitzender.
Es ist eine Freude für
mich, hier zu sein, und insbesondere, das Podium mit meinem guten Freund Manfred Wörner zu teilen, der solch ein fähiger und
außergewöhnlich brillianter Vertreter der Bundesrepublik ist,
und der dies vor ein paar Tagen gerade erst wieder in Brüssel

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in Brüssel gezeigt hat. Es ist deshalb eine besondere Ehre und
Freude, von Ihnen eingeladen zu sein, um einige dieser höchst
wichtigen Dinge mit Ihnen zu besprechen, und deshalb freue ich
mich besonders auf die anschließende Fragestunde, eine Gelegenheit bei der ich sicher sein kann, daß ich wenigstens einer
Person etwas Interessantes sagen kann - der des Fragenden. Und
darauf freuen wir uns ebenfalls.
Ich glaube, daß der Ausgang des Genfer Gipfels ein extrem
positiver war, und daß es nun neue Hoffnung auf eine bessere
Zukunft gibt, die auf einem wesentlich gesünderen Verhältnis
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion basiert.
Bis dahin ist noch harte Arbeit zu leisten. Es war nicht beabsichtigt, und es wurden ja auch wirklich keine definitiven EntSchlüsse bei diesem Treffen erreicht, aber den Sowjets boten
sich viele Gelegenheiten zu erkennen, was für eine Art von
Mensch der Präsident ist und selbst zu entscheiden, wie tief
und aufrichtig sein Friedenswille und wie fest er entschlossen
ist, die Maßnahmen zu treffen, die nach seiner Ansicht die besten zur Erreichung des Friedens sind.
Sie konnten außerdem
feststellen daß seine Ungeduld, ein Abkommen zu erreichen,
nicht irgendwelchen Motiven entspringt - daß sie sich nicht,
wie es leider schon oft geschehen ist, auf ihre Fähigkeit verlassen können, eine Entscheidung ungeduldiger Demokratien einfach auszusitzen, wie sie es auszudrücken pflegen.
Im Hinblick auf vergangene Probleme wurde während dieses
Treffens der Notwendigkeit von tiefgreifenden Verringerungen
der offensiven atomaren Waffen und der Uberprüfbarkeit breiter
Raum eingeräumt und es gab, wie ich glaube, am Ende bei den Sowjets ein klares Verständnis der Entschlossenheit des Präsidenten mit den Forschungsarbeiten für eine strategische Verteidigung fortzufahren.
Diese Forschung geht ohne Einschränkungen
weiter und es ist, wie ich glaube, sehr wichtig, daß die Sowjets im direkten Kontakt mit dem Präsidenten verstehen, welch
enorm hohe Priorität er diesem Programm beimißt, und seine
Gründe dies zu tun - welche sehr einfach sind. Nach der festen
Überzeugung des Präsidenten, bietet SDI der Menschheit mehr
Hoffnung als irgend etwas, was in der Vergangenheit vorgeschlagen wurde. Manche Leute haben es als das einzig wirklich neue
strategische Prinzip der letzten 40 Jahre bezeichnet. Ob dies
nun wahr ist oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht so wichtig wie die Hoffnung, die es bietet, falls die Forschung die
Machbarkeit eines vollkommen zuverlässigen Verteidigungssystems
beweist - die Hoffnung, die es der Welt bietet, um dem Schatten
dieser furchtbaren Waffen zu entkommen, der seit ihrer Entdekkung über der Welt liegt.
Zusätzlich zu den Geschehnissen in Genf ist es meiner Meinung nach wichtig zu sehen, was in Brüssel geschehen ist. Unmittelbar nach dem Genfer Treffen begab sich der Präsident
dorthin, um die Regierungschefs über die Ereignisse von Genf zu
- 2 -

«
*•

r

�Genf zu unterrichten. Außerdem ist es wichtig zu beachten, was
sich vor ein paar Tagen in Brüssel zugetragen hat, als Manfred,
ich und die anderen Verteidigungsminister uns dort trafen, und
nicht nur die starke Unterstützung für die Verhandlungsführung
in Genf zu erleben, sondern auch die Einigkeit, den Zusammenhalt und die Stärke, die daraus für das Atlantische Bündnis erwachsen. Es war einmal eine populäre Behauptung - und in einigen Lagern mag dies immer noch zutreffen -, daß die NATO sich
in einer sehr schwierigen Lage befinde, daß sie von der Sowjetunion unter Druck gesetzt werden mit Versuchen, die Demokratien
über Problemen wie Abrüstung und strategische Verteidigung zu
spalten, und daß sie andererseits unter einer Vielzahl von natürlichen Meinungsverschiedenheiten leide, wie sie in einer Familie oft vorkommen. Pessimisten sagen uns, daß unsere 40jährige Verpflichtung zur kollektiven Sicherheit sich dem Ende nähert. Und sie sagen außerdem, daß durch die beispiellose sowjetische Aufrüstung die traditionellen Verpflichtungen überflüssig geworden sind, und daß das Bündnis gespalten sei, und
so weiter.
Glücklicherweise ist, wie ich meine, nichts davon
wahr.
Wir haben einige Kritiker in den Vereinigten Staaten die,
weil sie wissen wie unpopulär der Begriff des "Isolationismus"
ist, nun von Unilateralismus sprechen.
Nach dieser Theorie
können die Vereinigten Staaten irgendwie ihren Status als Weltmacht aufrechterhalten, ohne diese Bündnisse zu brauchen, die
sowieso immer von irgendwelchen Leuten zu Hause abgelehnt werden. Das ist selbstverständlich Unsinn. Es ist ein sehr gefährlicher Unsinn. Es ist ein Rückschritt hin zum Isolationismus, der in meinem Leben schon zweimal gründlich diskreditiert
worden ist. Und außerdem ist diese Meinung gänzlich unwahrhaftig, weil das Bündnis sehr stark und sehr einig ist, und weil
das NATO-Bündnis zur Zeit vielleicht stärker ist als je zuvor.
Diese Analyse - dieser isolationistische Versuch - mißversteht
gründlich die Wurzeln der westlichen kollektiven Verteidigung.
Ich habe dies schon mehrmals in meinem Lande und bei NATO-Treffen betont, daß die Vereinigten Staaten nicht aus rein altruistischen Gründen Mitglied der NATO sind. Es ist wahr, daß wir
die Freiheit verteidigen und daß wir mit unserer Mitgliedschaft
in der NATO zur Verteidigung Europas beitragen wie alle anderen
NATO-Partner. Aber es ist ebenso wahr, daß wir die Vereinigten
Staaten verteidigen, und mit unserer Präsenz verteidigen wir
auch die Freiheit. Wir verteidigen unseren gemeinsamen Glauben
an die Prinzipien der westlichen Zivilisation und daran, daß
das Bündnis einer Sache dient, die alle kurzfristigen Interessen überdauert. Die NATO verteidigt die westliche Welt und all
ihre erhabenen Traditionen wie Selbstregierung, die Traditionen
der Menschenrechte und der freien Wirtschaft. Wenn dies kein
gemeinsamer Glaube wäre, dann wäre die NATO wirklich ein hohles
Bündnis, das meiner Meinung nach schon vor Jahren zusammengebrochen wäre. Nach dem Brüsseler Treffen kam es auf der darauffolgenden Pressekonferenz übrigens zu einem interessanten klei-

�interessanten kleinen Vorfall: Aus dem Gefühl der Enttäuschung
heraus, daß es auf dem Treffen keine Konflikte gegeben hatte,
über die man hätte schreiben können, und weil demzufolge auf
die Journalisten eine uninteressantere Aufgabe wartete, fragte
mich ein Reporter in offensichtlicher Frustration, ob ich nicht
auch der Meinung sei, daß die NATO zu einer rein administrativen Institution geworden sei, die nur noch automatisch Kommuniques verabschiede. Nach mehr als 20 NATO-Treffen, die ich bislang mitgemacht hatte, mußte ich ihm jedoch sagen, daß die NATO
eine Gruppe absolut souveräner Staaten sei, und daß die Einigkeit, die sich aus den zwei letzten Treffen in Form unangefochtener Kommuniques und gemeinsam verabschiedeter Resolutionen
zur Unterstützung der Position des Präsidenten in Genf sowie
unserer Position bei der Rüstungsverringerung und ähnlichem gezeigt habe, nur ein umso deutlicherer Beweis für das Maß an Einigkeit sei, das derzeit im Bündis herrscht.
Natürlich sind
wir absolut souveräne Staaten und es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber ich glaube, unsere gemeinsame Hingabe an die demokratischen Werte und Entscheidungsprozesse des
Westens war nie deutlicher zu erkennen, als bei unserer derzeitigen Einigheit hinsichtlich der vielen politischen Beschlüsse,
die von so entscheidender Bedeutung sind. Dabei ist das deutlichste Beispiel für die Stärke der NATO und ihre Einigkeit die
Verwirklichung des Doppelbeschlusses, bei dem trotz des gewaltigen
Propagandadruckes, den die Sowjets seit 1979, als der
Doppelbeschluß gefaßt worden war, ausübten, die Dislozierung
begann und weiter fortgesetzt wird. Dabei gingen die Sowjets
sogar so weit, daß sie die Verhandlungen in Genf mit dem Hinweis Verliesen, sie würden nie mehr dahin zurückkommen.
Sie
kamen aber zurück und die Abrüstungsverhandlungen werden fortgesetzt, das Bündis ist stärker denn je und die Dislozierungen
gehen weiter.
Zusätzlich wurde die Solidarität des Bündnisses gestärkt
durch Beschlüsse, wie den der Bundesrepublik Deutschland, die
Wehrpflicht von 15 auf 18 Monate zu verlängern. Dies lässt den
Schluß zu, daß die Bündnismitglieder mutige politische Schritte
zur Sicherung der kollektiven Verteidigung unternehmen werden.
Es ist eine interessante Sache, es erinnert mich stark an die
Frühzeit in der politischen Karriere des Präsidenten, als er
als Gouverneur von Kalifornien einige schwierige, aber seiner
Meinung nach richtige, Schritte vorschlug und einige seiner Berater ihre Hände über dem Kopf zusammenschlugen und sagten:
"Aber Herr Gouverneur, wenn Sie das tun, werden Sie niemals
wiedergewählt."
Aber Präsident Reagan antwortete auf solche
Bemerkungen nur: "Aber ich bin doch nicht hier, um wiedergewählt zu werden." Und es ist nicht so, daß die Wähler politisch mutigen Entscheidungen nicht zustimmen würden. Die Karriere des Präsidenten beweist dies, und ich glaube, daß es
wichtig ist, festzustellen, daß in jedem der NATO-Länder, in
denen seit der Stationierung der neuen Mittelstreckenraketen
Wahlen stattgefunden haben, die Wähler Regierungen bestätigten,

�Regierungen bestätigten, die diese Stationierung unterstützt
hatten, in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Italien und Belgien.
Ende Oktober beendete die Nukleare Planungsgruppe der NATO
ein Treffen, das wieder einmal, wie ich sagte,von Solidarität
und der Bereitschaft zur Vertretung einer gemeinsamen Position
bestimmt war.
Zusätzlich zur eindeutigen Unterstützung der
strategischen atomaren Abschreckung stellten die NATO-Minister
gemeinsam ernste Verletzungen von existierenden Rüstungskontrollabkommen durch die Sowjets fest - zum Beispiel die Stationierung der mobilen Interkontinentalrakete SS-25 nachdem die
SS-24 als von diesem Abkommen, das sie angeblich weiterhin einhalten, zugelassene Rakete notifiziert worden war,und der Bau
einer nicht zulässigen Raketenabwehr-Radarstation in Krasnojarsk.
Als sich Präsident Reagan mit Generalsekretär Gorbatschow
in Genf traf, tat er dies mit dem vollen Vertrauen des Atlantischen Bündnisses. Mit den Worten von Botschafter Abshire befindet sich das westliche Bündnis wieder "in Bewegung".
Ich schlage vor, daß sich die Unilateralisten noch einmal
mit den Gründen für die Schaffung des Bündnisses befassen. Die
Einheit des Atlantischen Bündnisses basiert auf der Nachkriegserkenntnis, daß in großem Maßstab die Welt durch zwei fundamental verschiedene politische Lehren gespalten wurde. Die fortdauernde Freiheit und der potentielle Wohlstand der westlichen
Welt hängen von der Pflege der politischen Bande zwischen Staaten mit gleichartigen Überzeugungen ab, wie den Vereinigten
Staaten und Westeuropa. Es ist nicht nur die Zukunft Europas,
die vom NATO-Bündnis gesichert wird, sondern das gleiche trifft
auch für die Vereinigten Staaten zu. Es wird allgemein anerkannt, daß die aggressive Natur der Sowjetunion eine möglichst
feste Antwort verlangt, wie sie nur ein enges Bündnis zu geben
in der Lage ist. Und nur ein enges Bündnis wird offene und offensichtliche Differenzen über einzelne Angelegenheiten haben
und wird diese ungestüm und lebhaft ausdiskutieren, wie wir es
tun, und zu der Einsicht gelangen, daß unsere Einmütigkeit und
Einigkeitein integraler Bestandteil unserer Stärke sind.
Ich kann während der letzten 40 Jahre keine Veränderung erkennen, durch welche das Bündnis seine Bedeutung oder Daseinsberechtigung verloren hätte. Es sind ja auch gerade die Unilateralisten, die, wie ich meine, uns als erste an die ideologische Kluft zwischen Ost und West erinnern.
Trotzdem möchten
sie, daß wir unsere stärkste Waffe und beste Hoffnung zur Sicherung der westlichen Demokratien aufgeben.
Das Bündnis ist gegenwärtig mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, und es gibt zwei oder drei Möglichkeiten, sie
anzupacken. Die Methode des Warschauer Pakts, nach der unwil-

�der unwillige Staaten oft durch wirtschaftlichen und militärischen Druck dazu gezwungen werden, Positionen einzunehmen, die
sie eigentlich ablehnen - oder die freiheitliche Methode des
NATO die, natürlich, viele lebhafte politische Debatten und
Diskussionen und manchmal auch längere Treffen, als unser letztes in Brüssel, zur Folge hat, um diese Art von Übereinstimmung
zu erzielen.
Aber ich glaube, daß die größte Herausforderung der Zukunft
nicht nur die Einigkeit des Bündnisses ist, die wir sicherlich
brauchen, sondern die Frage, wie wir unsere atomare Abschrekkung stärken können; was wir tun können, um die NATO darin zu
unterstützen, ihre Ziele zu erreichen und ihren Erfolg fortzuführen. Ich führe nämlich die Tatsache, daß wir in den vergangenen Jahren die längste Friedensperiode der jüngeren Vergangenheit erlebten, ganz wesentlich auf die Stärke, Einigkeit und
gemeinsamen Ziele der NATO zurück. Eine Möglichkeit zur Stärkung der atomaren Abschreckung besteht meiner Meinung nach in
der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Unsere Strategie
der flexiblen Antwort ist Teil eines Versuchs, Kriege über die
ganze Skala eines Konflikts zu verhindern. Wir haben die wichtige Stationierung der Mittelstreckenraketen.
Wir haben Möglichkeiten vor konventionellen und atomaren Konflikten, abzuschrecken, indem wir einen potentiellen Angreifer mit der Aussicht auf die von ihm selbst eingeschätzten Verluste konfrontieren - und das ist natürlich das Schwierige an der Abschrekkung. Man muß sich in die Köpfe der Sowjets hineinversetzen.
Es geht nicht darum, was uns abschrecken würde - es geht darum
was sie abschrecken würde. Ein möglicher Angreifer muß davon
überzeugt werden, daß seine Verluste zweifellos jedwede möglichen Gewinne übersteigen würden. Aber selbst im Hinblick auf
unsere extrem wichtige konventionellen Streitkräfte ist unsere
gegenwärtige Abschreckung letztlich in strategischen nuklearen
Arsenalen verankert. In den siebziger Jahren und davor meinten
wir, man könne die strategische Abschreckung durch die Aufrechterhaltung gegenseitiger Verwundbarkeit stabilisieren, eine
Bedingung, die angeblich ein fester Bestandteil des ABM-Vertrags von 1972 ist.
Bis vor kurzem herrschte die weitverbreitete Überzeugung,
daß diese Doktrin der vereinbarten gegenseitigen Verwundbarkeit
ein Naturgesetz sei - eine unveränderliche Tatsache des Lebens.
Es ist aber so, daß mukleare Strategien den Stand der Technik
reflektieren - die sichere gegenseitige Zerstörung (MAD) war
keine Strategie der NATO in den ganzen vierzig Jahren ihrer
Existenz - die menschliche Überlegungen spielen auch eine große
Rolle in der Auswahl von Strategien.
Strategische Doktrinen
ändern sich.Deshalb wurde sogar im ABM-Vertrag selbst festgestellt, daß der Stand der defensiven Technologie von 1972 keinen Bestand haben könnte, und es wurde ausdrücklich auf weitere
Verhandlungen verwiesen, falls eine strategische Verteidigung
durch die Technik ermöglicht würde.
Die
Technologie

�Die Technologie und der innovative Geist wurden weder von
der Entdeckung der Kernspaltung noch von der der Kernverschmelzung aufgehalten.
Gegenwärtig haben wir eine starke Abschrekkung, die auf starken Offensivwaffen beruht, und dies muß so
bleiben, bis etwas besseres oder anderes möglich ist. Aber wir
können deshalb nicht ohne weiteres annehmen, daß die Technologien, die heute zu einer Dominanz der Offensive führen, nicht
irgendwann in der Zukunft von Technologien abgelöst werden, die
einer defensiven Strategie zum Durchbruch verhelfen.
Tatsächlich ist unser SDI-Forschungsprogramm Monat für Monat rasch vorangeschritten, und es hat uns viele Beispiele für
bedeutende Fortschritte geliefert.
Interessanterweise bezog
sich dieser Fortschritt nicht nur auf das Ziel herauszufinden,
ob eine wirklich zuverlässige Verteidigung machbar ist, sondern
sie erbrachte auch eine Menge von enorm wertvollen Vorteilen
für die Menschen insgesamt, auf wirtschaftlichem Gebiet, wenn
Sie so wollen, und zusätzlich ergaben sich Möglichkeiten zur
Verbesserung unserer konventionellen Verteidigung.
Es gibt da ein oder zwei Beispiele die zeigen, wie schnell
dies alles voranschreitet.General Abrahamson, der unser Programm leitet, hatte vorher die Aufsicht über unser Raumfährenprogramm, mit dem wir die gleiche Erfahrung der Entwicklung von
anderen Technologien, quasi als Nebenprodukt, machten. General
Abrahamson beschrieb den Fortschritt bei der Strategischen Verteidigungsinitiative als eine Situation, in der Barrieren, von
denen wir in der Vergangenheit angenommen hatten, daß sie für
verschiedene bestimmte Ziele viel zu hoch seien, nun mit fortschreitender Forschung in sich zusammenfallen, und zwar viel
schneller als wir es für möglich gehalten hatten.
Ein kürzlich auf Hawaii durchgeführtes Experiment ergab,
daß wir die abschwächende Wirkung der Atmosphäre auf einen Laserstrahl ganz ausschalten können. In der Vergangenheit wurden
Laserstrahlen durch verschiedene Arten von Wetterstörungen negativ beeinflußt. Nun aber glauben wir, daß ein bodengestützter Laser einen hochwertigen Laserstrahl in den Weltraum projizieren kann. Dieser sowie andere Durchbrüche haben uns überzeugt, daß ein bodengestütztes Laser-Raketenabwehrsystem mit
raumgestützten Elementen bis zur Mitte der neunziger Jahre
machbar sein könnte.
Übrigens wird damit auch ein beliebtes
Argument der SDI-Gegner zunichte gemacht, daß dieses System
nämlich nur bei gutem Wetter funktionieren würde, und wir glauben, daß dies nicht der Fall ist. Jedenfalls bedeutet es ein
ziemlich wirkungsvolles Argument dagegen.
In einem weiteren bemerkenswerten, an einer unserer Universitäten, der Auburn-Universität erzielten Durchbruch wurde ein
neuartiger Kondensator mit einer hundertfachen Gewichtsverringerung entwickelt, um eine bestimmte Menge Energie zu speichern. Dies hat enorme Rückwirkungen für raumgestützte Vertei- 7 -

�raumgestützte Verteidigungselemente, und
reichende zivile Anwendungen finden.

es könnte

auch weit-

Als demokratische Staaten, so scheint es mir, sind wir verpflichtet, die bestmögliche Abschreckung zu entwickeln. In den
Worten von Bundeskanzler Kohl verdient "jede Möglichkeit, sich
vom düsteren Drohbild eines nuklearen Holocaust als letztem
Mittel der Kriegsverhinderung zu entfernen, gewissenhafte Prüfung" .
Und dies ist g enau d as, was wir mit der stra tegischen Ver
Es ist eine gewissen haft
teid igung im Begri ff sirid zu tun.
Prüf ung der Möglicl"ikeit, die Abschreckung durch verstärkt e Be
tonung und größere Verla ßlichkeit de fensiver Sys;teme zu erhö
hen.
Gleichzeitig geben wir jedoch unsere Offisnsive at omar
Absc hreckung nicht auf, sondern wir stärken und modernisiere
sie im notwendigen Maß. Ebenso versuchen wir, d ie Sowjet unio
in D iskussionen über einen gut d urchg eführten Übergang zu eine
stab ileren Welt einzubind en.
Ich glaube, daß es während der intensiven Diskussionen der
letzten Monate eine Menge Mißverständnisse über die strategische Verteidigung gegeben hat.
Es ist meiner Meinung nach
wichtig zu erkennen, was SDI nicht darstellt: Unsere Forschung
ist kein Versuch, nur die Vereinigten Staaten vor sowjetischen
Interkontinentalraketen abzuschirmen. Tatsache ist, daß, falls
die Strategische Verteidigungsinitiative Früchte trägt, es nach
Meinung der Wissenschaftler einen Schutz gegen ballistische Raketen strategischer sowie mittlerer Reichweite bieten wird.
Übrigens wird es etwas einfacher sein, mit den Mittelstreckenraketen fertig zu werden wegen ihrer spezifischen Flugbahnen.
Es würde jedenfalls die Abschreckung vergrößern und die Verteidigung Europas und der Vereinigten Staaten stärken.
Wegen des breiten Abschreckungspotentials hat Präsident
Reagan von Anfang an zu einer europäischen Teilnahme an der
Entwicklung dieser Technologien ermutigt.
Das wissenschaftliche und technologische Können der NATO-Verbündeten kann eine
überaus wertvolle Komponente des ganzen SDI-Forschungsprogramms
sein, und wir würden daher jede Art von Beteiligung, die die
Nutzung ihrer Fähigkeiten zu unser aller Verteidigung ermöglicht, begrüßen.
Manchmal wird auch behauptet, daß die einzigen Technologien, die sich aus diesem Programm ergeben würden, diejenigen
wären, die zur Abschreckung auf nuklearem Niveau beitrügen.
Aber wir sind, wie ich schon sagte, der Meinung, daß es überaus
wertvolle Nebenprodukte geben wird, die dem Studium der Lasertechnologie und den erheblich verbesserten Möglichkeiten im
Computerbereich entspringen werden, und die wir ohnehin benötigen, wenn die Forschung Früchte tragen soll. All dies könnte
einen erheblichen Beitrag sowohl zur konventionellen Abschrek- 8 -

�konventionellen Abschreckung wie auch zu unser aller Lebensqualität leisten. Von all diesen Beiträgen und den potentiellen
Beiträgen zu einer robusteren westlichen Abschreckung abgesehen, ist diese Forschung unserer Meinung nach aus zwei sehr
einfachen Gründen sehr stabilisierend - zwei Gründe, die uns in
unserer Überzeugung bestärken, daß die Forschung fortgesetzt
werden muß. Erstens betreiben die Sowjets selbst seit mindestens zwei Jahrzehnten mit größtem Nachdruck Forschung im Bereich der strategischen Verteidigung - und ich kann mir nichts
destabilisierenderes vorstellen als ein sowjetisches Monopol
bei verteidigungsbezogener Forschung.
Wir haben Bücher über
alles veröffentlicht, was unsere Geheimdienste uns über diese
Programme zu sagen erlauben. Sie sind uns, offen gesagt, auf
erschreckende Weise in manchen Bereichen voraus - in der Forschung der neutralen Teilchenstrahlen und der bodengestützten
Laser arbeiten sie schon lange Zeit. Mir scheint, ganz gleich,
was wir selbst über die strategische Verteidigung denken - ein
fortdauerndes sowjetisches Monopol in diesem Bereich kann jeden
nur mit der allergrößten Sorge erfüllen, zumindest all jene,
die an das Überleben der Freiheit glauben.
Der zweite Grund dafür, daß SDI die Stabilität erhöhen
kann , liegt seiilicht darin, daß die Ab schreckung, die sich auf
die Fähigkeit stützt, Leben zu retten und einen Angriff abzuschwächen, wei t stabiler ist als eine Abschreckung, die sich
auf das stützt., was Bundeskanzler Kohl das "düstere Drobild eines nuklearen Holocaust" nennt. Eine Stra tegie der Verteidigung ist wirkl ich glaubwürdiger als eine, die sich lediglich
auf Vergeltung oder auf das stützt, was d er Präsident häufig
einen "gegensei tigen Selbstmordpakt" nennt.
Ein Hauptziel der Genfer Strategie von Herrn Gorbatschow
bestand darin, das Programm dadurch aufzuhalten oder zu beschneiden, daß er die Vereinigten Staaten beschuldigte, den
Frieden durch - wie er es nennt - "Militarisierung des Weltraums" zu bedrohen. Die Wahrheit ist jedoch, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative in Wirklichkeit eine strategische Verteidigungsreaktion auf das Potential der Sowjets bei
dem System ihrer Art wie auch auf ihre gewaltigen Investitionen
im ABM-Bereich ist.
- Die Sowjetunion verfügt über das einzige einsatzbereite Antisatellitensystem der Welt.
- Die Sowjetunion besitzt das einzige einsatzbereite ABM-System. Es schützt Moskau und ist ein System, das immer wieder weiter verbessert wird.
- Seit Jahren betreiben die Sowjets intensive Forschung im
Bereich fortgeschrittener weltraumgestützter strategischer
Technologien, einschließlich Teilchenstrahlwaffen, Radiofrequenzwaffen, Waffen auf der Grundlage kinetischer Energie und Hochenergielaser.
Mehr als 10 000

�- Mehr als 10 000 sowjetische Wissenschaftler betreiben Forschung im Laserbereich; die Sowjets haben bodengestützte
Laser, die schon jetzt unsere Satelliten stören könnten,
und Ende der achtziger Jahre könnten sie Prototypen von bodengestützten Lasern haben, die in der Lage sind, ballistische Raketen zu treffen.
- Sie haben ein Radarsystem, das über die Fähigkeit verfügt,
als Teil eines landesweiten ABM-Systems verwendet zu werden.
Wir haben kürzlich im einzelnen diesen Teil der sowjetischen Bemühungen dokumentiert und wir haben auch, wie ich erwähnt habe, in unserer Publikation "Soviet Strategie Defense
Programs" alles dargelegt, was wir über ihre Forschung sagen
können.
Deswegen glauben wir, es ist unverantwortlich und es wäre
gefährlich, die Frage der strategischen Verteidigung außerhalb
des Kontextes der umfangreichen offensiven Aufrüstung der Sowjetunion, ihres aktiven ABM-Programms und ihres Forschungsprogramm der strategischen Verteidigung zu diskutieren.
Dr. Velikow, einer der führenden Experten in der Sowjetunion auf dem Gebiet der Hochenergie-Laserwaffen, der selbst
für einen Großteil ihres Verteidigungsprogramms zuständig ist,
ist der Mann, den sie einsetzen, um unsere Programme als aus
ihrer Natur heraus unerreichbar wie auch als unerwünschbar anzuprangern, und ihm ist die Aufgabe zugewiesen worden, sie in
die Lage zu versetzen, ihr Monopol aufrechtzuerhalten.
Einige Europäer brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, daß
unsere SDI-Bemühungen Amerika von Europa "abkoppeln" könnten.
Ich denke, daß dies völlig unbegründet ist. Nichts stünde mehr
unseren Interessen entgegen. Nichts würde oder sollte Amerika
von Europa abkoppeln, denn die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist nicht von der Sicherheit unserer Verbündeten zu trennen.
Neben der Stärkung der Abschreckung würde die strategische Verteidigung dazu beitragen, eine konventionelle Aggression abzuschrecken.
Dies dadurch, daß sie die Fähigkeit der
sowjetischen Mittelstreckenraketen vermindert - sowohl der konventionellen als auch der nuklearen -, Ziele in Westeuropa zu
zerstören, die natürlich für unsere gesamte konventionelle Verteidigung von entscheidender Bedeutung sind. Wenn wir die Fähigkeit der Sowjets einschränken, diese zu zerstören, dann haben wir, wie ich meine, auch die konventionelle Abschreckung
gestärkt.
Schließlich bietet die strategische Verteidigung den Sowjets einen echten Anreiz zu bedeutsamen Rüstungsverringerungen.
Viele von uns sind enttäuscht von dem langsamen Fortschritt bei dem Rüstungsabbau. Dies rührt zu einem großen Teil
davon her, daß die Sowjets immer der Meinung waren, wie ich
- 10 -

�wie ich schon sagte, daß sie uns nicht nur durch Abwarten überholen könnten, sondern daß auch unsere Entschlossenheit, genügend Offensivstärke zu erhalten, schwach sei; daß wir den langen Atem nicht haben würden, die finanziellen und anderen notwendigen Opfer hierzu nicht bringen würden - insbesondere nachdem Amerika durch ein Jahrzehnt ging, in dem wir unsere Mittel
für die Verteidigung verringerten und sie keinerlei Anreiz hatten, eigene Verringerungen zu vollziehen, jedoch allen Anreiz,
einfach abzuwarten und Verringerungen auszuschlagen, wodurch
die Verhandlungen über Rüstungsverringerungen in den letzten
Jahren nicht sehr ertragreich waren. Bei einem echten Anreiz
glaube ich jedoch, daß auch echte Rüstungsverringerungen möglich sind, wenn wir mit ihnen in eine offene Diskussion über
eine Abschreckung eintreten, die sich auf Verteidigung gründet.
Sie hätten dann keinen Grund, mit ihren gewaltigen Investitionen bei den Offensivwaffen fortzufahren. Es ist ziemlich offenkundig, daß sie gern eine Rechtfertigung hätten, um damit
aufzuhören, damit sie in der Lage wären, einen größeren Teil
ihrer Mittel auf den Versuch zu verwenden, ihre katastrophale
wirtschaftliche Lage im Lande selbst zu verbessern. Wir müssen
erneut betonen, wie wir das schon mehrfach getan haben und wie
es auch der Präsident in Genf tat, daß die strategische Verteidigung kein neues Wettrüsten bedeutet. SDI ist nicht kein neuer Versuch, einen Vorteil in der Offensive anzustreben. Es ist
kein System, das Waffen aus dem Weltraum auf Ziele auf der Erde
richten wird. Es ist kein System, das dazu dienen soll, Menschen zu töten. bEs ist ein System, das dazu dienen soll, nur
Waffen zu vernichten.
Daher liegt eine große Ironie in der Tatsache, daß die
freien Staaten der Welt die wahre Hoffnung energischer Kreativität und technologischer Erfindungsgabe sind. All die Dinge,
die wir bereits geschaffen haben in Form von Computern, Laserschallplatten, Krebsheilmitteln, Geräten, die Rechenvorgänge,
für die es früher Wochen und Monate bedurfte, auf Sekunden zusammendrängen, Routineflügen zum Mond - all diese anderen Dinge, die wir tun können - sind Beweis dafür, daß unsere Staaten
und die Staaten, die die Rechte des einzelnen schützen, wirtschaftlichen Unternehmergeist fördern und belohnen und die den
Ausdruck der eigenen Persönlichkeit schätzen, bei der Technologie im Vorteil sind.
Und doch gibt es viele unter uns, die vor der größten aller
Herausforderungen zurückschrecken - einer Herausforderung, die
nach der Vereinigung von kreativer Technologie und kluger politischer Tat ruft: Die Herausforderung, die schreckliche Drohung eines Atomkriegs zu überwinden. Ist es nicht seltsam, daß
es noch freie Männer und Frauen gibt, die voller Furcht vor
dieser Herausforderung sind und so bestrebt, vor dem Fortschritt in Richtung auf etwas zurückzuschrecken, was der Präsident stets als ein edles Ziel beschrieben hat?
Sicher
wird
- 11 -

�Sicher wird unsere Strategische Verteidigungsinitiative,
selbst wenn sie sich als über unsere größten Erwartungen hinaus
als erfolgreich erweisen sollte, nicht alle unsere Probleme lösen.
Sie wird die Menschheit nicht für immer von der Furcht
vor Kriegen befreien. Aber sie kann eine haltbarere und weniger schreckliche Basis für die Abschreckung bieten und ungeheuer wichtige Wege der Zusammenarbeit zwischen den westlichen
Verbündeten - und sogar mit unseren Gegnern - eröffnen.
Und
sie kann die Welt erneut mit reichen technischen Wundern überhäufen, um unser aller Leben zu verbessern.
Die Menschen cles Westens - und insbesondere für die des
westlichen Amerika - sind von Natur aus voller Optimismus, und
vie lleicht ist es nur diese Tatsach e, die mich dazu führt, zu
sag en, daß wir - eher als die meist en denken - die vollkommen
ver läßliche Verteid igung h aben werdeii, die unsere Stra tegie erfordert. Aber ich glaube eigentlich , es ist mehr als OptimisUnd wenn ich recht h abe, dann liegt eine 1"lochst aufrec|enmus
und
eine, um ein vieles sich erere Zukunft vor uns.
de
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 12 -

�Hintcrgrundmaterial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Dezember 1 9 8 5

49

RÜSTUNGSZUSAMMENARBEIT

IM ATLANTISCHEN

BÜNDNIS

Von David M. Abshire
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten im N o r d a t l a n t i k r a t

Der Stä ndige Ver treter der V e r einigte n Sta aten von Am erika im
Nordatl antik rat, Botsch after
David M . Abshire , hat in einemlängere n Art ikel in der Z e i t schrift der amer ikanisc hen
Streitk räfte "Ar med For ces
Journal " in der Dezembe rausgabe
1985 au sführ lieh zu der R ü stungsz usamm enar beit im Atlant
ischen Bündn is S tellung g e n o m m e n . D er Na chdr uck in deutscher
Uberset zung erfo Igt mit f r e u n d licher Geneh migu ng von "Armed
Forces Journ al I nternat i o n a 1" .
Copyright (c) 1985 Army and Navy
Journal Inc.

Seit über 35 Jahren hat das N o r d a t l a n t i s c h e Bündnis v e r s u c h t , durch R ü s t u n g s z u s a m m e n a r b e i t
kollektive
konventionelle
Streitkräfte a u f z u s t e l l e n .
Bereits im Jahr 1950 kam der Nordatlantikrat unter dem damaligen Vorsitz des a m e r i k a n i s c h e n A u ßenministers Dean Acheson ü b e r e i n , daß alle unnötigen
Über-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unnötigen Überschneidungen
seitigt werden müßten.

in der industriellen Produktion be-

Das ist nie gelungen. Heute gibt es in Westeuropa zu viel
Überschneidung statt konstruktivem Wettbewerb:
- elf Firmen in sieben Bundesländern stellen Panzerabwehrwaffen her;
- 18 Firmen in
Luft-Waffen;

sieben

Ländern

entwerfen

und

bauen

Boden-

- 16 Firmen in sieben Ländern arbeiten an Luft-Boden-Waffen.
Im Fernmeldewesen, das von entscheidender Bedeutung ist,
wenn es darum geht, ein Bündnis zu einer kollektiven Streitmacht statt einer Kollektion von Streitkräften zu machen, entwickeln und dislozieren sieben Länder des Bündnisses sechs neue
taktische Fernmeldesysteme.
Keines kann mit dem anderen in
Verbindung treten und keines kann mit dem Integrierten Fernmeldesystem der NATO (NICS) in Verbindung treten.
Aus diesem
Grunde müssen diese sieben Länder jetzt noch zusätzliche Summen
ausgeben, um eine wenigstens begrenzte Verbindung unter ihren
Systemen zu entwickeln und herzustellen. Diese Situation wird
sicherlich nicht bereinigt durch die kürzliche Entscheidung der
amerikanischen Armee, das französische Gefechtsfeld-Fernmeldesystem RITA zu beschaffen, weil dies zwar ein wichtiger Schritt
aber im wesentlichen doch darauf angelegt ist, die interne
Fernmeldekapazität zu verbessern und nicht, eine Verbindung zu
anderen Streitkräften herzustellen.
Diese Art von Überschneidung stellt eine schändliche Verschwendung von Mitteln dar und trägt dazu bei, die militärische
Kapazität des Bündnisses zu schmälern.
So etwas könnte man
sich vielleicht leisten, wenn die Vereinigten Staaten noch einen Haushaltsüberschuß oder eine nukleare Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion hätten - aber das ist nicht der Fall. Bei
einer nuklearen Parität können unnötigerweise schwache konventionelle Streitkräfte die NATO-Strategie der flexiblen Antwort
praktisch zunichte machen. Die Antwort der NATO auf eine Aggression soll aus einer bew.ußten und kalkulierten Eskalation zu
nuklearen Gefechtsfeldwaffen, nuklearen Mittelstreckensystemen
und dann zu nuklearen Interkontinentalwaffen bestehen - und
nicht in einer panischen Ausflucht zu nuklearen Kampfmitteln
angesichts einer bevorstehenden
konventionellen
Niederlage.
Der Oberste Alliierte Befehlshaber, General Bernard W. Rogers,
hat wiederholt davor gewarnt, daß im Falle eines Angriffs des
Warschauer Paktes die gegenwärtige Verteidigungsposition der
NATO ihn dazu zwingen würde, die Freigabe von Kernwaffen "in
Tagen, nicht in Wochen" zu fordern. Seit Anfang der siebziger
Jahre müssen wir mit dieser schrecklichen Aussicht leben. Damals war man sich jedoch einig, daß man dagegen nicht viel tun
- 2 -

�viel tun könne.
Heute herrscht Übereinstimmung darüber, daß
wir etwas tun müssen, können und werden. Was hat diesen Sinneswandel bewirkt?
I.

Schaffung eines neuen Konsenses - ein langer, schwerer Weg

Es ist interessant, diesen langen und schwierigen Prozeß
einmal aufzuzeigen.
Mein persönliches Engagement in diesen
Sinneswandel begann im Jahr 1973, als ich von meinem Posten als
Unterstaatssekretär für die Verbindungen zum Kongreß zurücktrat, um die Leitung des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) an der Georgetown-Universität zu übernehmen.
Das unglückselige Europa-Jahr hatte gezeigt, daß mit
dem transatlantischen Verhältnis wirklich etwas nicht stimmte.
Der damals neugewählte Senator Sam Nunn aus Georgia, der kürzlich dem Beratungsausschuß des CSIS beigetreten ist, schrieb
1974 einen Bericht über "Politik, Truppen und das NATO-Bündnis", in dem das Problem zusammengefaßt wurde:
"Die Nuklearschwelle in Europa ist ziemlich niedrig... Unser Plan, taktische Kernwaffen 'so bald wie nötig' einzusetzen,
steht sehr im Vordergrund - aber der zweite Teil, 'so spät wie
möglich' findet nicht sehr viel Aufmerksamkeit.
Ich bin der
Überzeugung, daß mehr Nachdruck auf den zweiten Teil gelegt
werden sollte."
Nach seiner Auffassung waren sowohl Europa als auch die
Vereinigten Staaten so abhängig von der "nuklearen Krücke" geworden, daß die konventionellen Streitkräfte der NATO praktisch
zu einem Stolperdraht geworden waren.
Im gleichen Jahr wurde uns der Bericht über "Amerikanischeuropäische wirtschaftliche Zusammenarbeit in Militär- und Ziviltechnologie" des Verteidigungsexperten
und Beraters des
SCIS, Tom Callaghan, vorgelegt.
Er zeigte, daß schädliche
Überschneidungen
konventionelle
Streitkräfte
hervorgebracht
hatten, die nur über eine begrenzte Fähigkeit verfügten, sich
gegenseitig beim Auftanken, Munitionieren, Verstärken oder bei
Reparaturen zu helfen, geschweige denn miteinander in Fernmeldekontakt zu treten.
Callaghan schlug eine Rückkehr zu dem
Zwei-Pfeiler'Konzept des Bündnisses und einer standardisierten
Bewaffnung sowie die Schaffung einer Zweibahnstraße im transatlantischen Rüstungshandel vor.
Er lenkte die Aufmerksamkeit
bereits damals auf etwas, was später als "strukturelle Abrüstung" bekannt wurde, d.h. die Beschaffung von immer weniger
Waffen mit immer mehr Geld bei ständig steigenden Stückkosten
und einer immer begrenzteren Kampfkraft.
Fortschritt Mitte

�Fortschritt Mitte der siebziger Jahre
Mitte der siebziger Jahre wuchs das Interesse an Fragen der
Rüstungszusammenarbeit.
Im Jahr 1975 erklärte Präsident Ford
auf dem dritten NATO-Gipfel in Brüssel, daß "wir unsere Verteidigungsmittel wirksamer und besser nutzen müssen. Wir müssen
unser seit langem gestrecktes Ziel gemeinsamer Verfahren und
gemeinsamen Geräts erreichen.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen müssen mehr sein als nur die Summe aller
Einzelanstrengungen.
In jenem Jahr forderten auch die Verteidigungsminister der EUROGROUP eine neue Institution, die zum
europäischen Endpunkt der Zweibahnstraße werden sollte.
Im Februar 1976 wurde die Unabhängige Europäische Programmgruppe (IEPG) ins Leben gerufen, um eine wirksame Nutzung der
europäischen Mittel für Forschung, Entwicklung und Beschaffung,
eine verstärkte Standardisierung und Interoperabilität des Geräts, die Aufrechterhaltung einer gesunden europäischen Verteidigungsindustriebasis und die Einrichtung einer realistischen
Zweibahnstraße zwischen Europa und Nordamerika zu erreichen.
Die Culver-Nunn-Gesetzeszusätze von 1975 und 1976 erklärten es
zur gesetzlich gebundenen Politik der Vereinigten Staaten, daß
unsere Waffen standardisiert oder zumindest mit jenen unserer
NATO-Verbündeten interoperabel sein sollten. Diese Zusätze ermutigten auch unsere europäischen Verbündeten, das Zweibahnstraßen-Konzept der militärischen Beschaffung funktionsfähiger
zu machen, indem sie ihre Verteidigungsindustriebasis zu einer
"vereinten und kollektiven Basis" gestalteten.
Aus der Überzeugung heraus, daß es zu den wichtigsten Problemen jener Tage gehörte, die Stärke und den Zusammenhalt des
Bündnisses zu festigen schrieb ich damals:
"Es fehlt nicht an Mitteln.
Die Herausforderung an die
Völker des Nordatlantischen Bündnisses besteht darin, diese
Mittel in Friedenszeiten zu mobilisieren, um den Führern des
Warschauer Paktes die Sinnlosigkeit dieses Wettbewerbs zu demonstrieren ..."
Nach meiner Auffassung sollte ein privates Gremium gegründet werden, um den europäischen und nordamerikanischen Standpunkten Ausdruck zu verleihen, wie das verwirklicht werden
könnte, und im Jahr 1976 gründete das CSIS eine Arbeitsgruppe
für transatlantische Politik, in dessen Vorsitz sich der frühere Chef des Gemeinsamen Stabes der amerikanischen Streitkräfte,
Admiral Tom Moorer und der britische Abgeordnete Alan Lee
Williams teilten; als vom amerikanischen Verteidigungsministerium beurlaubt und abgestellt wirkte Gerry Sullivan. Die Mitgliedschaft
der
Arbeitsgruppe
war
eindrucksvoll:
Manfred
Wörner, General Mitterrand, die Senatoren Bartlett, Culver und
Nunn, die Abgeordneten Bennet, Edwards und Whitehurst, bedeutende Vertreter der europäischen und amerikanischen Industrie

�amerikanischen Industrie sowie der Gewerkschaften und anderer
Die Arbeitsgruppe ging auf den Kern des ProOrganisationen
vor
dem
das Bündnis damals stand - und heute noch
blems ein,
steht. Sie stellte fest:
"Um den transatlantischen Fortschritt anzutreiben, ist eine
Tagesordnung des politischen Handelns notwendig.
Das politische Handeln ist notwendig, weil der Mangel an Erfolg in der
Vergangenheit auf das Versagen der führenden Politiker und Parlamente und gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Länder
zurückzuführen war, den Dingen die notwendige Aufmerksamkeit
zukommen zu lassen, oder auf eine Uberbetonung der eigenen unmittelbaren Interessen."
Die Carter-Administration
Nachdem er im Wahlkampf von der Notwendigkeit der Standardisierung der Waffen gesprochen hatte, zeigte Präsident Carter
den Weg zu einer weit stärkeren Zusammenarbeit im Bündnis auf.
Botschafter Bob Komer wurde zum NATO-Berater von Verteidigungsminister Harold Brown ernannt und zusammen mit Staatssekretär
Bill Perry gab er der Sache neuen Auftrieb.
Auf dem
Carter eine
er, daß die
den, und an

vierten NATO-Gipfel 1977 in London hielt Präsident
wirklich mitreißende Ansprache. Er hoffe, so sagte
Europäer die Zusammenarbeit weiter verstärken würdie Amerikaner gewandt erklärte er:

"Die Vereinigten Staaten müssen bereit sein, einen echten
zweibahnigen transatlantischen Handel in Verteidigungsgerät ins
Leben zu rufen. Die Entscheidungen meiner Administration bezüglich Entwicklung, Produktion und Beschaffung von Verteidigungsgerät werden unter sorgfältiger Berücksichtigung der Interessen aller Mitglieder des Bündnisses getroffen werden...
Ich werde mit dem Kongreß der Vereinigten Staaten in diesem
Sinne zusammenarbeiten.
Er tat es dann nicht, Präsident Carter ist auf das Thema
der Rüstungszusammenarbeit in der NATO niemals wieder zurückgekommen - nicht einmal als er vor dem 5. NATO-Gipfel sprach, der
einberufen wurde, um das in seinem Namen entwickelte langfristige Verteidigungsprogramm zu verabschieden.
Eine vom CSIS
herausgegebene und einige Monate vorher zu dem Zweck ins Leben
gerufene Publikation, die Transatlantische Arbeitsgruppe zu unterstützen, sprach von diesem NATO-Gipfel in Washington als von
einer "verpaßten Gelegenheit".
Etwa zu der Zeit der "verpaßten Gelegenheit" begann der Unterausschuß für das Repräsentantenhaus für Standardisierung,
Interoperabilität und Einsatzbereitschaft der NATO - ein Unterausschuß des Militärausschusses - unter dem Vorsitz von Dan

�von Dan Daniels seine Anhörungen. Ursprünglich ins Leben gerufen, um dem Kongreß und der Öffentlichkeit den Wert einer Zweibahnstraße schmackhaft zu machen, verlor der Unterausschuß während einer Europareise im Sommer 1978 seine Begeisterung für
die Idee. In jedem Gespräch mit europäischen Ministern und Regierungsvertretern wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, daß
die Vereinigten Staaten mehr Waffen von Europa kaufen müßten.
Von einer Verbesserung der konventionellen Kapazität der NATO
war nie die Rede. Gespräche mit führenden Militärs zeigten jedoch, daß die Munitionsreserven der NATO weit unter akzeptablen
Normen lagen.
Gründlich desillusioniert kehrte der Unterausschuß nach Washington zurück und setzte seine Anhörungen fort
und legte 1979 einen Bericht vor, in dem eigentlich kein besonderer politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Sinn in
einer Zweibahnstraße mit Europa gesehen wurde. Dies warf einen
Schatten auf das ganze Programm der Carter-Administration, das
auch niemals richtig in Gang kam. Rüstungszusammenarbeit war,
wie ein französischer Regierungsvertreter ausdrückte, "ein toter Fisch".
Von 1979 an nahm die Stationierung von PERSHING II und
Marschflugkörpern die Aufmerksamkeit der führenden amerikanischen, kanadischen und europäischen Politiker ganz und gar in
Anspruch.
Rüstungszusammenarbeit stand weiterhin im Hintergrund bis zum Frühjahr 1982 als der Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz mit 87 gegen eins Stimmen vom Senat verabschiedet wurde.
Dieser Gesetzeszusatz forderte die Regierungschefs des Bündnisses auf, sich auf eine Strategie und eine Struktur für die Verbesserung der Rüstungszusammenarbeit im Bündnis zu einigen, sowie auf eine Politik, die schädliche Überschneidungen abschaffte und die finanziellen Lasten und wirtschaftlichen Vorteile
der NATO-Verteidigung gerechter verteilte.
Mit der Stationierung der nuklearen Mittelstreckensysteme
war die Zeit gekommen, sich wieder auf den Roth-Glenn-Nunn-Gesetzeszusatz zu besinnen. Das erforderliche Ausmaß der Zusammenarbeit lag eindeutig außerhalb der Zuständigkeit der Technokraten und Bürokraten. Es bedurfte einer politischen Tagesordnung und eindeutiger Handlungsanweisungen.
Die Politik der Reagan-Administration 1981-1983
Die Reagan-Administration wandte ihre Aufmerksamkeit ebenfalls den Problemen der Rüstungszusammenarbeit zu.
Im April
1982 forderte Richard De Lauer, Unterstaatssekretär für Forschung und Technik im Verteidigungsministerium, den Wissenschaftsausschuß des Ministeriums auf, eine Arbeitsgruppe für
den Bereich der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der Rüstungsindustire ins Leben zu rufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe
unter dem Vorsitz von Malcolm Currie war es, Wege für die amerikanische Industrie ausfindig zu machen, um wirkungsvoller mit

�wirkungsvoller mit Industriezweigen in den verbündeten Ländern
bei Programmen der Rüstungskooperation zusammenzuarbeiten. Der
"Currie-Bericht" kam zu dem Schluß, daß die amerikanische Führungsposition im Technologiebereich sich verschlechtern und
letztlich verlorengehen werden, und daß zur Stärkung der Wirtschafts- und Verteidigungskraft die Investitionen für langfristige Forschung und Entwicklung erhöht werden müßten.
Dies
würde die meisten Bedenken der amerikanischen Industrie hinsichtlich der Auswirkungen verstärkter industrieller Zusammenarbeit verringern. Der Bericht verwies allerdings darauf, daß
dies einen Ausgleich zwischen dem gestärkten Bündnis, zu dem
verstärkte technologische Beteiligung führen dürfte, und dem
dadurch unvermeidlichen Wettbewerbsdruck für die amerikanische
Industrie beinhalten müßte.
Zur Zeit der Fertigstellung des Currie-Berichtes war ich
mit den Vorbereitungen zur Übernahme meiner Pflichten als neuer
Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten beim Nordatlantikrat beschäftigt. Bei den Anhörungen zu meiner Bestätigung betonte ich die Notwendigkeit verbesserter Zusammenarbeit im Rüstungsbereich als eine meiner vier Prioritäten.
Im Oktober
1983 unternahm die amerikanische NATO-Mission eine Anstrengung
in diese Richtung, die von Bob Callaway und Oberst Gerry
Wetzel, Mitarbeiter der Rüstungsgruppe der Mission, geleitet
wurden. In unserer Analyse, die wir nach Washington schickten,
umriß die Mission vier entscheidende Punkte:
1) Trends im Kräfteverhältnis der konventionellen Streitkräfte zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt waren zum
Hauptproblem der NATO geworden.
2) Die in zunehmendem Maß unzureichenden Kapazitäten bei
der konventionellen Verteidigung und die Frustration der Vereinigten Staaten, die sich aus ihrem Eindruck ergab, Europa sei
nicht gewillt, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen,
schufen ein schwieriges politisches und militärisches Problem.
3) Als Folge dessen wurden die Verbesserungen der konventionellen Verteidigung zu einem transatlantischen Gebot.
4) Angesichts der begrenzten Mittel zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung mußte eine erheblich verbesserte
Zusammenarbeit im Rüstungsbereich ein entscheidender Aspekt
sein.
Die Mission unterbreitete zwei Hauptempfehlungen:
a) Schaffung eines Koordinierungsmechanismus für die Exekutive, um mit einer Stimme sprechen zu können; und
b) Einrichtung eines weitergefaßten Ausschusses, einer Korn-

�einer Kommission oder einer Beratergruppe, um um Unterstützung
bei Kongreß und Öffentlichkeit zu werben. Hinsichtlich dieser
letzten Empfehlung wurde ich durch meine Erfahrung mit dem
CSIS-Ausschuß als einem bescheidenen Prototyp beeinflußt.
Sowohl im Pentagon als auch im Außenministerium gab es Leute, die hinsichtlich dieses neuen Vorschlags nicht sehr begeistert waren; manche davon waren alte NATO-Kenner, die davon
überzeugt waren, daß diese neuen Anstrengungen genau wie die
der Vergangenheit zum Scheitern verurteilt wären. Dann wieder
gab es andere, die die Ideen der Mission unterstützten, wobei
der wichtigste Verbündete Minister Weinberger war.
Es wurde
einem ganz neuen Plan zugestimmt, der zu einigen raschen Erfolgen bei der transatlantischen Rüstungszusammenarbeit führen
würde, um dann längerfristige Kooperationsfragen anzugehen.
Die Mission verwies dabei auch darauf, daß ohne eine solche
Methode es dem Bündnis an Mitteln fehlen würde, um den schwindenden Konsens in vielen NATO-Staaten hinsichtlich der Verteidigung wiederherzustellen. Die Öffentlichkeit in den verschiedenen Ländern würde die Bündnispolitik nur dann unterstützen,
wenn sie davon überzeugt würde, daß Forderungen nach vermehrten
Verteidigungsausgaben mit einer militärischen und politischen
Strategie verbunden werden würden, die auch wirklich sinnvoll
war.
Im November 1983 ging ich in einer Rede vor der Vereinigung
der Atlantischen Gesellschaften (ATA) näher auf dieses Konsept
ein. Ich erklärte, das Bündis brauche vor allem eine "Ressourcenstrategie", die sich auf die klassischen Konzepte einer
Strategie stützte, die die Beziehung zwischen Mittel und Zielen
betont. Das Ziel einer solchen Strategie ist einfach: Verbesserung der militärischen Effizienz der NATO durch wirksameren
Einsatz ihrer Mittel. Ein zentraler Aspekt einer jeden derartigen Strategie muß dabei eine bessere Zusammenarbeit im Rüstungsbereich sein.
Nach der Rede bemerkte mein Vorgänger bei der NATO, Bob
Ellsworth, mir gegenüber, daß einige der Zuhörer verwirrt darüber waren, daß ich nicht einfach bei der "Zweibahnstraßen"Terminologie geblieben sei. Meine neue Methode gründete sich
darauf, zu sehen, welche Erfolge die verschiedenen Administrationen bei der Rüstungszusammenarbeit gehabt hatten.
Ich bin
davon überzeugt, daß sowohl politisch als auch strategisch die
Rüstungskooperation in einen größeren Zusammenhang der besseren
Verwendung der Gesamtmittel zum Ausgleich des Ungleichgewichts
bei der konventionellen Verteidigung gestellt werden muß, anstatt lediglich den Verkehr auf dreizehen "Zweibahnstraßen" mit
den europäischen Verbündeten zu regeln zu suchen.
Die
- 8 -

Ministertagung

�Die Ministertagung
des
Verteidigungs-Planungsausschusses
vom Dezember 1983 war ein Meilenstein auf dem Wege zur Änderungen der Haltung im Bündnis. Auf diesem Treffen kamen die Verteidigungsminister
der NATO hinsichtlich der Notwendigkeit
überein, eine besondere Anstrenung zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte der NATO zu unternehmen. Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner empfahl einen konzeptionellen
Rahmen zur Strukturierung der vielen innovativen Ideen (wie etwa AirLand Battle, Follow-on Forces Attack, die Bemühungen im
Bereich neuer Technologien etc.), die vorgeschlagen worden waren, um das Leistungsvermögen der Streitkräfte des Bündisses zu
verbessern. Gleichzeitig waren sich die Minister der finanziellen und anderer Restriktionen bewußt, die die Fähigkeit der
NATO beeinträchtigen, die notwendigen konventionellen Verbesserungen in die Wege zu leiten, und mehrere Minister griffen die
Idee einer Ressourcenstrategie der NATO auf. Alle waren sich
der Tatsache bewußt, daß eine solche Strategie eine erhebliche
Verbesserung bei der Rüstungszusammenarbeit erforderlich machen
würde.
Schaffung klarer Verhältnisse

(1983-1985)

Die zwei Jahre seit diesem wichtigen Ministertreffen brachten wichtige Entwicklungen, die den institutionellen Rahmen für
verstärkte Rüstungszusammenarbeit festigten - und zu denen es
auf beiden Seiten des Atlantik kam.
In den Vereinigten Staaten erkannte Minister Weinberger,
daß ein Stab notwendig sein würde, um die Aktivitäten des
Pentagon im Bereich der Rüstungszusammenarbeit zu koordinieren.
Dies war ein zentraler Punkt der Empfehlungen unserer Mission
vom Oktober 1983 gewesen.
Demzufolge schuf der Minister die
Steuerungsgruppe des Verteidigungsministerium für Waffenkooperation im NATO-Rahmen unter der Leitung des Stellvertretenden
Verteidigungsministers (für kurze Zeit Paul Thayer, dann mit
sehr viel Geschick Will Taft). Erfahrene Mitarbeiter aus allen
Bereichen des Pentagon wurden einbezogen. Das Ziel der Gruppe
ist einfach:
die amerikanische Verpflichtung zur Rüstungszusammenarbeit mit Leben zu erfüllen.
Die energische Art und Weise, in der der Verteidigung sminister und sein Stellvertreter die Frage einer verbesserten Rüstungszusammenarbeit verfolgten, fiel mit einer neuerli chen
Aufmerksamkeit zusammen, die der Kongreß dieser Frage zu teil
werden ließ. Obwohl die ursprüngliche Empfehlung unserer Mission zur Schaffung einer Kommission, die die Unterstüt zung
durch Kongreß und Öffentlichkeit gewinnen sollte, nicht verwirklicht wurde, kam es dennoch zu dieser Unterstützung, Die
von den Senatoren Sam Nunn, William Roth und John Garner ei ngebrachten Gesetzesvorschläge stellen einen Meilenstein auf dem
Weg zu verstärkter Rüstungszusammenarbeit dar.
Die Entwick lung
- 9 -

�Die Entwicklung dieser Gesetze demonstriert, wie sich die
Haltung des Kongresses in ganz entscheidend positiver Weise
veränderte. Anfang Sommer 1984 hatte Senator Nunn seine Geduld
wegen des Gegensatzes verloren, der zwischen den Forderungen
der NATO-Strategie nach flexibler Antwort und der tatsächlichen
Fähigkeit der Verbündeten bestand, diesen Forderungen gerecht
zu werden.
Infolgedessen schlug er einen Gesetzeszusatz vor,
der den Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Europa androhte, falls die konventionelle Verteidigung der NATO nicht
verbessert würde. Obgleich der Zusatz schließlich zurückgewiesen wurde, stellte er dennoch eine Maßnahme dar, der die Enttäuschung im Kongreß gegenüber dem Bündnis und seine Ansichten
bezüglich der mangelnden Bereitschaft der Verbündeten zur Lösung grundlegender Probleme zum Ausdruck brachte.
Als Senator Nunn die NATO im März 1983 besuchte, war er von
den Veränderungen in der Haltung des Bündnisses und von dem
Elan beeindruckt, der inzwischen in der NATO zu finden war, um
zu einer Lösung ihrer Probleme zu gelangen.
Er konnte nicht
nur konkrete Ergebnisse, wie etwa die Verdopplung des Infrastrukturbudgets der NATO, sehen, sondern auch erkennen, daß die
NATO auf einen konzeptionellen Rahmen für den militärischen Bereich und eine Ressourcenstrategie hinarbeitete. Anstatt einen
weiteren Gesetzeszusatz bezüglich eines Truppenabzugs zu verlangen, schlug Seantor Nunn vor, der NATO bei ihren Bemühungen
behilflich zu sein, die konventionelle Verteidigung zu verbessern und ihre Mittel besser zu verwenden.
Unsere Mission erarbeitete zusammen mit den Mitarbeitern
von Senator Nunn ein erstes Konzept. Der Stellvertretende Verteidigungsminister Taft verkürzte den bürokratischen Weg und
gab dem von den Senatoren Nunn, Roth und Warner vorgelegten Gesetzeszusatz seine nachdrückliche Unterstützung, signalisierte
dieser doch einen neuen Weg. Er stellt gesondert 200 Millionen
Dollar für kooperative Entwicklungsprojekte zwischen den NATOStaaten bereit und ruft einen formellen Mechanismus zur Erörterung solcher Projekte schon in den frühen Stadien des Beschaffungsprozesses im Verteidigungsministerium ins Leben.
Senator Nunn sah, daß angesichts weniger zur Verfügung stehender Mittel eine Möglichkeit zur effizienteren Verwendung der
NATO-Ressourcen darin bestand, die ganze Aufmerksamkeit auf die
Ausgabenseite zu legen und die Verwendung der Mittel frühzeitig
festzulegen. Durch Konzentration auf die Forschungs- und Entwicklungsebene versuchte der Gesetzeszusatz, die Wirkung jener
Ressourcen zu verstärken.
Der andere Aspekt der Rüstungsentwicklung - Käufe von Fertigerzeugnissen - wurde ebenfalls angepackt, indem
dem Direktor der Abteilung für operationeile Versuche und Bewertung im
Verteidigungsministerium für Vergleichstests amerikanischer und
ähnlicher europäischer Systeme weitere 50 Millionen Dollar zur
Verfügung gestellt wurden.
Unter
der
_ 10 -

�Unter der Führung von Les Aspin wurde der Gesetzeszusatz
vom Repräsentantenhaus angenommen und danach von beiden Häusern
des Kongresses gebilligt.
Der Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz war nicht die einzige
positive Entwicklung für diejenigen im Kongreß, die der NATO
ihre Unterstützung angedeihen lassen. Eine weitere waren die
Gesetzesvorschläge der Senatoren Quayle und Roth, die sich auf
Gesetzeszusätze des Repräsentantenhauses stützten, die im vergangenen Jahr von Sam Stratton und Maajorie Holt in der Absicht
eingebracht worden waren, die bürokratischen Schwierigkeiten zu
überwinden, vor denen Projekte der Rüstungskooperation stehen.
Die Bedeutung dieser Gesetzeszusätze geht über das Finanzielle hinaus; dahinter steht auch das, was Senator Ted Stevens
eine Partnerschaft mit dem Kongreß zur Lösung der Probleme der
NATO genannt hat.
War der vorgeschlagene Truppenabzug ein Jahr zuvor noch eine negative Herausforderung der europäischen NATO-Mitgliedstaaten, so diesmal eine positive. In Europa gab es zudem auch einigen Fortschritt in Richtung auf einen besseren institutionellen Rahmen für verstärkte Rüstungszusammenarbeit. Die vielversprechendste Entwicklung in dieser Hinsicht ist die Unabhängige
Europäische Programmgruppe (IEPG). Unter der tatkräftigen Führung des niederländischen Staatssekretärs Jan van Houwelingen
wurde die IEPG zu einer wirkungsvollen Kraft in der europäischen Rüstungskooeration.
Sie hat rund 30 Programme benannt,
die verfolgt werden könnten; fünf davon sind bereits über das
Anfangsstadium hinausgediehen.
Erst zweimal hat sich die IEPG
bisher auf Verteidigungsministerebene betroffen, und doch wird
schon deutlich, daß Europa erkannt hat, daß politischer Wille
der entscheidende Faktor für echten Fortschritt ist.
Europa hat andere Ressourcen, auf die es zurückgreifen
kann. Obgleich nicht unmittelbar mit der Verteidigung in bezug
stehend, bietet die Gesamtheit der Hochtechnologieprogramme der
Europäischen Gemeinschaft doch eine Grundlage zur Analyse neuer
Technologien, die offenkundige militärische Relevanz haben:
ESPRIT: Europäisches Strategisches Programm
und Entwicklung in der Informationstechnologie;

für

Forschung

JET: Joint European TORUS;
BRITE: Grundlagenforschung
Europa;

in industrieller Technologie für

RACE: Forschung und Entwicklung in modernster Kommunikation
für Europa; und
EUREKA: Das von Frankreich

initiierte

Technologieprogramm,

�initiierte Technologieprogramme, in dem manche die europäische
Antwort auf die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten sehen.
Die Westeuropäische Union (WEU) und der Unterausschuß für
Rüstungszusammenarbeit der Nordatlantischen Versammlung sind
zwei weitere Foren, wo die Themen der europäischen Zusammenarbeit in größerem Maßstab von denjenigen bewertet werden, die
über die Verwendung von nationalen Mitteln zu entscheiden haben.
Da auf beiden Seiten des Atlantik Fortschritte erzielt wurden, ist es keine Überraschung, daß sich dies auf die Institutionen der NATO auswirkte.
In den ersten sechs Monaten von
1985 wurden in der NATO besondere Anstrengungen zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung des Bündnisses in jeder
Beziehung unternommen.
Als Teil dieser Anstrengungen erhielt
die Konferenz der Nationalen Rüstungsdirektoren (CNAD), der
zentrale Mechanismus der NATO für Rüstungszusammenarbeit, unter
der neuen Leitung des früheren Kongressabgeordneten und jetzigen Beigeordneten Generalsekretärs Robin Beard neuen Auftrieb.
Die CNAD hat damit begonnen zu untersuchen, ob sie ihre Tätigkeit so effektiv wie möglich durchführt und wie man den Prozeß
verbessern könnte.
Ein kürzlich fertigestellter CNAD-Bericht
stellte fest, daß es in Wirklichkeit kein Rüstungsplanungssystem im Bündnis gibt, und daß alle Verbündeten sich bemühen
müssen, ihre begrenzten Ressourcen besser zu nutzen, um sich
den von den Ministern aufgezeigten kritischen konventionellen
Mängeln zu widmen.
Die CNAD kam überein, einen gemeinsamen
Ausschuß zur Untersuchung von Möglichkeiten im Zusammenhang mit
der Bekämpfung der Folgestaffeln des Warschauer Pakts (Followon-Forces-Attack) und zur Verdoppelung der Finanzmittel für das
Vorstudienprogramm der Industrieberatungsgruppe der NATO zu
bilden.
Lord Carrington und andere führende Mitglieder haben die
Rüstungskooperation jedoch nicht nur den Experten überlassen.
Das Bündnis hat erkannt, daß dieses Thema auf der politischen
Ebene behandelt werden muß, auf der diejenigen, die in den Regierungen harte Entscheidungen zu treffen haben, mit der Dringlichkeit des Problems konfrontiert werden. Deshalb haben sich
sich die stellvertretenden Verteidigungsminister der NATO-Länder, übrigens zum erstenmal seit 1950, Mitte November getroffen
um über die Rüstungszusammenarbeit zu sprechen.
II. Die Leistungen der letzten beiden Jahre - Grund zum Optimismus
Nachdem mit einer Reihe von möglichen Kooperationsformen
experimentiert wurde, ist die NATO jetzt meßbar stärker. Um
weitere Fortschritte zu erzielen, werden jedoch alle dieser
Formen benötigt.
Kooperative Forschung
- 12 -

�Kooperative Forschung und Entwicklung
Dies stellt die wünschernswerteste Form der Zusammenarbeit
dar, wie im Nunn-Roth-Warner-Gesetzeszusatz festgestellt wurde. Die Teilnehmer profitieren von Beschäftigungsmöglichkeiten
von einem Ende des Spektrums bis zum anderren - vom Wissenschaftler bis zum Soldaten. Ein besonders erwähnenswertes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die gegenwärtig laufende Entwicklung eines endphasengesteuerten Gefechtskopfes für
das Mehrfachraketen-Abschußsystem.
Nach intensivem Wettbewerb
zwischen drei internationalen Konsortien wurde dieses Jahr ein
Vertrag mit einem multinationalen Konsortium abgeschlossen, das
aus den Firmen Thomson-Brandt (Frankreich), Martin-Marietta
(USA), Thorn EMI (Großbritannien) und Diehl GmbH (Bundesrepublik Deutschland) besteht.
Am Wettbewerb beteiligten sich transatlantische Gruppen und
nicht etwa die Vereinigten Staaten gegen eine oder mehrere europäische Firmen. Überdies existiert eine umfassende Zusammenarbeit von vier Industrien aus vier verbündeten Ländern in allen Phasen der Entwicklung und Produktion eines Systems, das
von allen Staaten des Bündnisses eingeführt werden wird.
Das größte gemeinsame Rüstungsprogramm in der Geschichte
des Bündnisses steht am Horizont: Die Entwicklung und der Bau
von 50 Fregatten mit einem geschätzten Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar. Acht Nationen sind an diesem ersten koopoerativen Programm beteiligt, daß von den Marinen des Bündnisses begeistert unterstützt wird.
Es liegt auf der Hand, daß gemeinsame Programme dieser Art
sehr attraktiv für die Bündnisstaaten und ihre Industrien sind.
Gemeinsame Forschung und Entwicklung bedeuten geringere Entwikklungskosten für jede beteiligte Nation, und der größere Markt
für das Endprodukt bedeutet längere Produktionslaufzeiten und
geringere Stückkosten.
Die Vorteile der Standardisierung behalten ihre Wirkung lange nach der Einführung eines Waffensystems: Ersatzteile und -komponenten können in grösserer Stückzahl eingekauft werden; die Ausbildung des Bedienungs- und Wartungspersonals kann in einer effizienteren und kostenwirksameren Weise durchgeführt werden; logistische Systeme werden vereinfacht.
Im Ernstfall schließlich ist es ein unbezahlbarer
Vorteil sich auf die logistische Unterstützung durch die Bündnispartner verlassen zu können.
Gegenwärtig laufen in der NATO 59 Programme für gemeinsame
Forschung und Entwicklung.
Zusätzlich existiert noch eine
Vielzahl von weiteren gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen in bilateralem Rahmen außerhalb der formalen Mechanismen der NATO.
In einem sehr logischen Bericht, der Ende
1984 veröffentlicht wurde, stellte die EG fest, daß die Zukunft
Europas von dieser Art der Zusammenarbeit abhängt, sowohl auf
dem zivilen als auch auf dem militärischen Sektor.
Gemeinsame Produktion
- 13 -

�Gemeinsame Produktion
Viele der Vorteile gemeinsamer Forschung
und Entwicklung
werden auch von der gemeinsamen Produktion verwirklicht, jedoch
sind an letzterer keine Forschungsgemeinschaften von teilnehmenden Staaten beteiligt.
Vom ökonomischen und politischen
Standpunkt aus betrachtet ist sie deshalb weniger wünschenswert, da die beteiligten Länder nicht von der breiteren Wirkung
- über den militärischen Sektor hinaus - profitieren, der in
der Erforschung und Entwicklung neuer Technologien und ihrer
Verfahren besteht.
Das bekannteste Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit
auf diesem Gebiet ist der F-16 Uberlegenheitsjäger.
Der F-16
wurde von der General Dynamics Corporation entworfen und entwickelt. Um die Vorteile des Zugangs zu einem größeren Markt
zu gewinnen, wurde der F-16 in Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und den Vereinigten Staaten koproduziert. Ein
weiteres umfangreiches F-16 Koproduktionsprogramm wird demnächst in der Türkei anlaufen. Selbstverständlich ergaben sich
aus diesem Projekt erhebliche wirtschaftliche Vorteile in Gestalt von Arbeitsplätzen und industrieller Erfahrung für die
produzierenden Länder. Gleichzeitig bringt diese Methode eine
substantielle Verbesserung der Fähigkeiten des Bündnisses.
Sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für das Bündnis
war das F-16-Programm vorteilhaft, da es durch die europäische
Koproduktion dem Ziel der Erschließung eines größeren Marktes
für ein Hochleistungsflugzeug diente.
In diesem Zusammenhang
ist es interessant, daß die Europäer auf einer Kooperationsvereinbarung bestanden, mit der der Entwurf des Flugzeugs festgeschrieben wurde, wodurch wir zur Produktion einer relativ einfachen Maschine gezwungen wurden. Als Nebenprodukt dieser Zusammenarbeit erwarb das Bündnis ein Flugzeug, daß den Finanzierungsrahmen und den Zeitplan nicht überschritt.
Lizenzherstellung
Wenn das Bündnis mit Defiziten in seiner konventionellen
Verteidigung konfrontiert ist, gibt es oft den einen oder anderen Partner, der ein relativ ausgereiftes Modell präsentiert.
In solchen Fällen bietet sich ein Lizenzbau geradezu an, wodurch die Kosten von Entwurf und Waffentests durch das Verfahren der Herstellung nach einem Standardentwurf eingespart werden können.
Ein Beispiel für Lizenzherstellung ist die Kanone für den
amerikanischen Kampfpanzer. Sie wurde in den sechziger Jahren
als Lizenzbau der Royal Ordnance aus Großbritannien in den Vereinigten Staaten hergestellt. Auch die neue 120 mm Kanone für
unseren Abrams Kampfpanzer wird in den Vereinigten Staaten als
-14-

�Staaten als Lizenzbau der Rheinmetall GmbH aus der Bundesrepublik Deutschland hergestellt.
Selbstverständlich werden auch amerikanische Entwürfe in
Europa produziert: Beispiele sind die Boden-Luft-Rakete HAWK,
die Luft-Luft-Rakete AIM 9-L (SIDEWINDER) , das 155-mm Artilleriegeschütz für Streumunition M483 und viele andere mehr.
Käufe "von der Stange"
Im letzten Jahrzehnt tendierten die europäischen Staaten
generell dazu, mehr Rüstungsgüter von den Vereinigten Staaten
zu kaufen als umgekehrt.
Die Zeitschrift "Armed Forces Journal" hat das Problem dieser "Zweibahnstraße" in hervorragender
Weise beleuchtet. Logischerweise sollten wir uns der Tatsache
bewußt sein, ohne jedoch beunruhigt zu sein, daß es eine
scheinbar "unfaire" Handelsbilanz auf diesem Sektor unserer internationalen Handelsbeziehungen gibt.
Gleichzeitig sollten
wir jedoch auch sehen, daß dieser Handel in einem wirtschaftlichen Kontext stattfindet, in dem die Gesamthandelsbilanz sehr
zum Vorteil Europas ausfällt.
Verständlicherweise würden es die europäischen Staaten vorziehen, in der Produktion von Rüstungsgütern unabhängig zu
sein. In dieser Beziehung sind eine Reihe Reihe von Vereinbarungen getroffen worden, um die wirtschaftliche und politische
Akzeptanz direkter Käufe von in den Vereinigten Staaten hergestellter Ausrüstung zu erleichtern.
Eines der spektakulärsten Beispiele für direkte Einkäufe
besteht in der kürzlichen Wahl des französischen Kommunikationssystems RITA als Basis für das amerikanische Mobile Teilnehmersystem im Wert von 4,3 Milliarden Dollar. Dies bedeutet einen wirklichen Meilenstein, da der Wettbewerb zwischen zwei europäischen Entwürfen ausgetragen wurde. Die Industrie der Verbündeten wird Aufträge im Wert von über einer Milliarde Dollar
erhalten ohne irgendwelche Verrechnungszwänge.
Diese Leistung
signalisiert einen klaren Wandel in der amerikanischen Einstellung und könnte der Vorläufer für verstärkten Verkehr in östlicher Richtung auf dieser Zweibahnstraße sein.
Während des vergangenen Jahres haben sich die Vereinigten
Staaten auch für die Einführung des Waffensystems PATRIOT in
Europa eingesetzt, einem von der Firma Raytheon p roduzierten
Waffensystem. Die Bundesrepublik Deutschland und It alien haben
beschlossen, dieses System zu kaufen und einzuführen , genau wie
die Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben auch
zugestimmt, von Deutschland und Italien produzierte Kurzstrekken-Flugabwehrsysteme zu kaufen und diese bei den St reitkräften
der Herstellerstaaten einzuführen. In diesen Fällen profitiert
jede Seite.
Eine
trad itionellere
- 15 -

�Eine traditionellere Form des Ausgleichs gibt es mit den
Niederlanden, wo die PATRIOT Rakete gleichfalls in naher Zukunft stationiert werden wird.
In diesem Fall hat sich der
amerikanische Produzent dazu verpflichtet, eine bestimmte Menge
von niederländischen Waren zu kaufen, als Kompensation für den
Aufwand an niederländischen Mitteln in den Vereinigten Staaten
für das PATRIOT System.
Finanzielle Unterstützung
Es gab eine Zeit, in der das Bündnis relativ weitgehend
standardisiert war, da der größte Teil seiner Ausrüstung in den
Vereinigten Staaten hergestellt und den Verbündeten entweder
zur Verfügung gestellt oder an sie verkauft wurde. Ein aktives
Rüstungsverkaufsprogramm bildet eine zusätzliche und oft übersehene Form von Rüstungskooperation im Bündnis. Im Rahmen dieses Programms werden bisweilen finanzielle Hilfen bereitgestellt in Fällen, in denen amerikanische Interessen eine Verstärkung des militärischen Potentials eines bestimmten Landes
gebieten.
Diese finanzielle Unterstützung ist der Schlüssel
für verbündete Staaten mit weniger entwickelten Rüstungsindustrien und Volkswirtschaften.
Ein gutes Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit ist die
kürzlich verkündete Vereinbarung zwischen Bonn und Lissabon, in
der sich die Bundesrepublik zur Bereitstellung von 490 Millionen DM für den Bau von drei portugiesischen Fregatten auf deutschen Werften verpflichtet hat. Andere Bündnispartner beteiligen sich ebenfalls an diesem Programm. Zum Beispiel tragen die
Vereinigten Staaten mit ca. 300 Millionen Dollar zu dieser
Stärkung von Portugals Fähigkeit, Europas südwestlichen Zipfel
zu sichern, bei.
Am Ende einer Bestandsaufnahme von mehr als einem Jahrzehnt
von Initiativen, Hoffnungen und Enttäuschungen ist es ein positives Erlebnis, definitive Verbesserungen feststellen zu können.
Appelle an die Notwendigkeit der Zusammenarbeit gehen
nicht länger in der massiven Bürokratie unter. Wir diskutieren
die Probleme intensiv und regelmäßig in den höchsten Gremien
der NATO.
Es muß jedoch ein Mittel gefunden werden, um aus dieser Besorgnis auf höchster Ebene Nutzen zu ziehen, bevor diese Aufmerksamkeit durch Ereignisse in der Welt auf andere Gebiete abgelenkt wird.
Heute benötigen wir eine Ressourcenstrategie
mehr denn je. Die politischen Elemente einer solchen Strategie, die ich an anderer Stelle behandelt habe, scheinen den
richtigen Platz einzunehmen. Jetzt müssen die NATO-Partner die
Herausforderung ehrlich annehmen und positiv lösen, wenn wir
unsere politischen Chancen nutzen wollen.

* * * * *

- 16 -

�Wi/scn/chott
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

11. December 1985

US-WISSENSCHAFTLER GELINGT DURCHBRUCH IN DER AGRARFORSCHUNG
- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -

- (AD) - Zwischen 50 und 70 Prozent mehr Wachstum erreicht
man im Zeitraum von drei Wochen bei Orchideen, wenn sie Licht
mit einem größeren Anteil von Blau erhalten. Das Phänomen der
Wachstumssteigerung unter der Einwirkung von Licht bestimmter
Wellenlängen ist bei vielen Pflanzenarten zu beobachten. Aber
welcher Mechanismus liegt dem zugrunde?
Dr. Eduardo Zeiger,
Professor für Biologie an der Stanford-Universität (Kalifornien), befaßte sich zusammen mit einigen Mitarbeitern eingehend
mit dieser Frage. Es gelang ihm, die "Sensoren" ausfindig zu
machen, die auf blaues Licht reagieren und bestimmte Zellen der
Blattoberflache so aktivieren, daß sich winzig kleine Poren
öffnen.
Diese lichtabhängige Pumpe erwies sich als eine zentrale Komponente für Prozesse, bei denen Zellreaktionen im Zusammenhang mit einer Anzahl biologischer Funktionen in Gang gesetzt werden. Das Wachstum der Pflanzen ist nur ein Teil davon.
Der Vorgang der Absorption von Licht und der Umwandlung der
Lichtenergie in Signale für den Stoffwechsel wird als "sensorische Transduktion" bezeichnet.
Dieser Mechanismus zur Übertragung von Energie, so erklärt Prof. Zeiger, erlaube Pflanzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erlaube Pflanzen die Wahrnehmung von Informationen aus ihrer
Umwelt, ähnlich dem Vorgang des Sehens bei Tieren.
Im tierischen Auge wird Licht von einem lichtempfindlichen Stoff, dem
Rhodopsin, absorbiert.
Dieses Pigment setzt, sobald es aktiviert wird, ganze Reaktionsketten in Gang, was schließlich Neuronen im Gehirn anregt, das Licht zu "sehen".

Der Lichtrezeptor auf den Blättern g:ibt Zeiger zufo Ige den
Anstoß zu einer Reaktionskette , in deren Verlauf winzig e Poren
auf der Blattoberfläche, sog. Stomata, schließlich veranlaßt
werden, sich zu öffnen. Um we lche chemische Verbindung es sich
bei dem Blaulic ht-Rezeptor handelt , konnte noch nicht geklärt
werden. Man weiß bisher nur, daß er innert"lalb der Deckzellen
liegt, clie jede dieser Poren umgeben und ihr Öffnen und Schließen regu lieren.
Pflanzen nehmen beispielsweise das für die Photosynthese so
wichtige Kohlendioxyd durch die Stomata-Poren aus der Luft auf.
"Wir wissen, daß sich diese Poren in Reaktion auf Licht öffnen", sagt Prof. Zeiger.
"Wir wissen ferner, daß Photorezeptoren vorhanden sein müssen, wenn wir eine 'Lichtreaktion1 beobachten".
Durch blaues Licht, das den Photorezeptor aktiviert, werde offenbar eine Pumpe in der Zellmembran "angeworfen", die Protonen, d.h. Wasserstoffionen mit positiver elektrischer Ladung, aus der Zelle treibt.
Dadurch entstehe ein
elektrochemisches Gefälle über die Zellmembran hinweg, was bewirke, daß nun Kaliumund Chlorionen in die Zelle wandern können.
Bei dieser Veränderung der Ionenkonzentration zwischen
Außenund Innenseite der Zelle ströme Wasser in die Deckzellen
ein. Sie beginnen zu schwellen. Und weil, wie Zeiger erklärt,
dabei die Zellwände radial, d.h. rundum versteift werden, öffnen sich die winzigen Poren. Ist die Pumpe mangels BlaulichtAnregung wieder stillgelegt, verschwindet auch das elektrochemische Gefälle. Überschüssige Ionen sickern durch die Zellwand
wieder nach außen, ebenso Wasser. Die Zellen schrumpfen, und
damit werden die Poren geschlossen.
In den Deckzellen findet sich aber, wie Prof. Zeiger erklärt, noch ein weiterer Photorezeptor, und zwar der in Chloroplasten enthaltene grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll.
Die
Deckzellen sind Teil der epidermalen Zellschicht, welche über
die gesamte Zelloberfläche ausgebreitet ist.
"In der Regel
handelt es sich bei ihnen um den einzigen Zelltyp, der in diesem Gewebe Chloroplasten besitzt", sagt Zeiger.
Chlorophyll absorbiert vor allem Licht aus dem roten und
blauen Spektralbereich.
Im Verlauf seiner Experimente machte
Prof. Zeiger eine interessante Beobachtung: Wenn bei isolierten Deckzellen oder intakten Blättern die Aufnahmefähigkeit für
Licht erschöpft, das Chlorophyll mit rotem Licht "gesättigt"
ist und man anschließend noch eine winzige Dosis von blauem
Licht hinzugibt, schwellen die Deckzellen erneut für ein paar
- 2 -

�ein paar Minuten an.
Zeiger schließt daraus, daß nicht nur
Chloro phyll, sondern auch ein weiterer Photorezeptor auf dieses
blaue Licht reag iert.
Die V erfeinerung der Untersuchungsmethode gab Zeiger und Mitarbei tern die Möglichkeit, die Reaktionsweise der St omata bei Einwirkung von blauem Li cht aufzuklären
Dies wie derum führte zur Entd eckung der "Protonenpumpe".
Manche Kollegen bezweifeln, so Zeiger, daß den DeckzellenChloroplasten überhaupt eine Funktion zukäme. Vielmehr würden
sie nur als Überbleibsel aus einer sehr frühen Periode der Evolution betrachtet. Prof. Zeiger meint jedoch, daß sie nach wie
vor eine wichtige Funktion zu erfüllen haben, eben weil sie in
den Deckzellen erhalten geblieben sind. Vor kurzem gelang ihm
und seiner Mitarbeitergruppe der Nachweis, daß Deckzellen-Chloroplasten mit absorbierter
Lichtenergie
ATP(Adenosintriphosphorsäure) produzieren.
Diese Verbindung, die sich in allen
pflanzlichen und tierischen Zellen sowie in Mikroorganismen
findet, ist ein wichtiger Überträger von Energie für Stoffwechsel- und Aufbauprozesse - eine Art "Zellbrennstoff".
Zeiger
vermutet, daß die Funktion des Deckzellen-Chlorophylls darin
besteht, Energie für den elektro-chemischen Pumpmechanismus zu
liefern.
Die bisherigen Ergebnisse ihrer Forschungen wendet die
Gruppe Zeiger gegenwärtig bei Experimenten mit hawaiianischem
Zuckerrohr an, um einen höheren Ertrag zu erzielen.
Wissenschaftliche Berichte zu diesem Thema erscheinen in Kürze in den
Protokollen
der "National Academy of Science" sowie in der
Zeitschrift "Nature".

* * * * *

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9694">
                <text>11.12.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9695">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9696">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13557">
                <text>Amerikadienst 11.12.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13558">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Poindexter zum neuen US-Sicherheitsberater ernannt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschreckung, Stabilität, Abrüstung: Ziele von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen von US-Verteidigungsminister Weinberger in Bonn anläßlich des 8. NATO Round Table -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungszusammenarbeit im Atlantischen Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von David M. Abshire, Ständiger Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wissenschaftler gelingt Durchbruch in der Agrarforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Blaues Licht fördert Pflanzenwachstum -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2225" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2236">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/78ee853b4c1931be662109d5944cd8bd.pdf</src>
        <authentication>924e7486c647d78d3efac4eae669e279</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11332">
                    <text>^ e 2ofV

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

49

SS O l

America

11. Dezember 1991

'•-...rviCO*:

Oeichmanns Aus 29

5300 Bonn 2

PEARL HARBOR

BUSH ERTEILT ABSAGE AN ISOLATIONISMUS
UND PROTEKTIONISMUS
Rede vor Kriegsveteranen in Pearl Harbor

OSTEUROPA

WETTBEWERB UNVERZICHTBAR FÜR
FORTSCHRITTE IN OSTEUROPA UND
DER SOWJETUNION
Rede von Notenbankchef Greenspan

OSTEUROPAER BEURTEILEN KAPrTALISMUS
ZURÜCKHALTEND
Meinungsumfrage von Times Mirror

JUGOSLAWIEN

USA VERHANGEN SANKTIONEN GEGEN
JUGOSLAWIEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

UMWELT

REILLY: OECD MUSS ENTWICKLUNGSHILFE
AN UMWELTPROGRAMME KNÜPFEN
Rede des EPA-Leiters vor der OECD

PORTRAT

SKINNER GESCHICKTER KRISENMANAGER
Porträt des neuen Stabschefs im Weißen Haus

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�PEARL

HARBOR
11. Dezember 1991

BUSH ERTEILT ABSAGE AN ISOLATIONISMUS
UND PROTEKTIONISMUS
Rede vor Kriegsveteranen In Pearl Harbor
PEARL HARBOR - (AD) - Präsident Bush hat Japan dazu aufgerufen, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten
"an einer von freien Märkten und freien Menschen beherrschten Zukunft" zu arbeiten. Stimmen des
Isolationismus und Protektionismus erteilte der Präsident in diesem Zusammenhang eine Absage.
In einer Rede vor Kriegsveteranen aus Anlaß des 50. Jahrestags des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor in
Hawaii erklärte Bush am 7. Dezember 1991 darüber hinaus, es ist an der Zeit für "die amerikanischen
Handelspartner in Europa und Asien sowie weltweit zu erkennen, daß wirtschaftlicher Isolationismus falsch ist".
"Im nächsten Monat werde ich in Asien mit unseren pazifischen Freunden und Verbündeten über deren Pflicht
sprechen, gemeinsam mit uns die Herausforderungen und Lasten der Führung in der Zeit nach dem kalten Krieg
zu teilen..."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Ich möchte die heute hier anwesenden Mitglieder
meines Kabinetts begrüßen, insbesondere Dick Cheney, unseren fähigen Verteidigungsminister, der so
viel für die Streitkräfte getan und eine solch wichtige
Führungsrolle für unsere Nation gespielt hat. Ich
möchte General Powell begrüßen, den Vorsitzenden
der Vereinigten Stabschefs, und die Gelegenheit an
diesem historischen Tag ergreifen, um ihm erneut für
seine begeisternde Führung all der Männer und Frauen zu danken, die in den Streitkräften dienen.
Ich möchte dem Kommandeur der Pazifikflotte, Admiral Larson, meinen Dank aussprechen, und ich möchte
besonders all die hier anwesenden Mitveteranen
begrüßen - vor allem die Überlebenden dieses historischen Tages.
Ich glaube, wenn wir hier durch den Raum gehen
würden, würden wir alle uns erinnern. Ich erinnere
mich noch genau daran, wie ich die Nachricht über
Pearl Harbor erfuhr. Ich war 17 Jahre alt und ging über
den Schulrasen, und meine Gedanken kreisten damals nicht um weltpolitische Ereignisse sondern um
viel schlichtere, prosaischere Dinge, etwa, ob ich in die
Basketball-Mannschaft oder das College aufgenommen würde. Jener Spaziergang über den Campus
bedeutete für mich das Ende der Unschuld. Und als
die Amerikaner die Nachricht erfuhren, waren sie
zunächst vom Schock wie gelähmt, kamen aber ebenso rasch wieder zur Besinnung.
AMERIKA DIENST 49

Wie alle jungen Amerikaner dieser Zeit wurde ich von
den Ereignissen mitgerissen. An jenem Tage beschloß ich, in die Marine einzutreten und Marineflieger
zu werden. An meinem 18. Geburtstag, dem 12. Juni
1942, wurde ich als Matrose zweiter Klasse in der
Marine vereidigt. Und ich war schockiert. Ich war
schockiert bei meiner ersten Begegnung mit Pearl
Harbor im April 1944. Wir liefen mit einer CBL-30 an
Bord des Flugzeugträgers San Jacinto den Hafen an,
und in der Nähe lag immer noch die Utah mit Schlagseite, und Teile der Arizona ragten immer noch aus
dem Wasser. Überall erhoben sich Schiffswracks
über der Wasseroberfläche, als wollten sie uns zur
Mahnung dienen und uns an unsere eigene Sterblichkeit erinnern.
Über 2.000 Männer starben vor einem halben Jahrhundert an diesem Ort innerhalb von Minuten. Viele
mehr ließen am gleichen Tag ihr Leben, als die japanischen Streitkräfte die Philippinen, Guam, Wake Island, Midway, die malayische Halbinsel, Thailand,
Singapur und Hongkong angriffen. An diesem Tag der
Schande warf Pearl Harbor jeden von uns in jenen
Titanenkampf um die Zukunft der Menschheit. Wie nie
zuvor schweißte dieses Ereignis den amerikanischen
Geist zu der zielstrebigen Entschlossenheit zusammen, die nur ein Ergebnis hervorbringen konnte: den
Sieg.

Seite 1

�Churchill wußte es, sobald er die Nachricht erfuhr. Er
hatte die Eroberung Europas durch die Nazis erlebt,
die Bombenangriffe auf London, den Schrecken der UBoote. Als jedoch Amerika angegriffen wurde, erklärte
er, es gebe keinen Zweifel über den Ausgang. Er
wu ßte damals, daß der amerikanische Geist die Sache
der Freiheit nicht verraten würde.
Der Gegner mißverstand unsere Vielfalt, die Vielfalt
dieses Landes als Schwäche. Aber Pearl Harbor
wurde zum Schlachtruf für Männer und Frauen aller
Schichten der Gesellschaft, aller Hautfarben und Religionen, und am Ende machte uns diese Geschlossenheit im Krieg ebenso unbesiegbar wie sie uns heute
im Frieden sicher macht.
Am nächsten Tag verkündete Präsident Roosevelt das
einzige amerikanische Kriegsziel: "Im Vertrauen auf
unsere Streitkräfte, mit der grenzenlosen Entschlossenheit unseres Volkes, werden wir den unvermeidlichen Triumph erringen, so wahr uns Gott helfe." Es
war die Standhaftigkeit des amerikanischen Volkes,
die den Krieg und den darauffolgenden Frieden gewinnen sollte.
Wir triumphierten in beidem, trotz der Tatsache, daß
das amerikanische Volk nicht in den Konflikt hineingezogen werden wollte. Der ungewollte Krieg, so ist er
bezeichnet worden. Ironischerweise versammelten
sich genau zu dem Augenblick, als die ersten Amerikaner hier in Pearl Harbor einen gewaltsamen Tod fanden, Isolationisten in Pittsburgh unter dem Schlagwort
jener Tage, "Amerika zuerst". Die Isolationisten sahen
nicht, da ß die Saat für Pearl Harbor im Jahr 1919 gesät
worden war, als ein siegreiches Amerika beschloß,
wegen des Fehlens eines bedrohlichen Feindes im
Ausland all seine Energie nach innen zu richten.
Dieses isolationistische Selbstverständnis bildete den
Begleitschutz für die Bomber, die vor 50 Jahren unsere
Männer angriffen. Im Jahr 1945 forderte manch einer
erneut die Rückkehr Amerikas zum Isolationismus, als
ob die Abkehr von einer weltweiten Führungsrolle
Voraussetzung für die Bewältigung drängender innenpolitischer Probleme sei. Und sie wurden rüde wachgerüttelt von der brutalen Wirklichkeit des Eisernen
Vorhangs, der sowjetischen Blockade Berlins und der
kommunistischen Invasion Südkoreas.
Heute triumphieren wir zum dritten Mal in diesem
Jahrhundert, dieses Mal am Ende des kalten Kriegs.
Wie in den Jahren 1919 und 1945 stehen wir keinem
Gegner gegenüber, der unsere Sicherheit bedroht.
Aber wir stehen heute hier am Ort einer Tragödie, der
durch Isolationismus ausgelösten Tragödie. Und es ist
dieser Ort, an dem wir lernen und dieses Mal die
Gefahren des Isolationismus von heute und seines
wirtschaftlichen Komplizen, des Protektionismus, vermeiden müssen.

Seite 2

Etwas anderes zu tun, zu glauben, wenn wir uns von
der Welt abwendeten, würden wir unser Schicksal im
Inland verbessern, hieße, die tragischen Lehren des
20. Jahrhunderts zu ignorieren. Tatsache ist, daß
Wachstum und Sicherheit dieses Landes dann am
längsten währten, als wir den politischen und wirtschaftlichen Isolationismus zugunsten von Engagement und Führung verwarfen.
Wir sind eine pazifische Nation. Im kommenden Monat
werde ich in Asien mit unseren pazifischen Freunden
und Verbündeten über deren Pflicht sprechen, gemeinsam mit uns die Herausforderungen und Lasten
der Führung in der Zeit nach dem kalten Krieg zu teilen.
Es ist an der Zeit für die amerikanischen Handelspartner in Europa und Asien sowie weltweit zu erkennen,
daß wirtschaftlicher Isolationismus falsch ist. Vor
allem den politisch Verantwortlichen in Japan möchte
ich sagen, dieser feierliche Anlaß sollte unsere Entschlossenheit bekräftigen, gemeinsam an einer von
freien Menschen und freien Märkten beherrschten
Zukunft zu arbeiten. Daher werde ich mich nach wie
vor gegen Isolationismus und Protektionismus im
In- und Ausland verwahren.
Vor fünfzig Jahren haben wir einen hohen Preis für
Selbstgefälligkeit und übermäßiges Selbstvertrauen
bezahlt. Auch dies ist eine Lektion, die wir niemals
vergessen werden. Denjenigen, die unser Land von
den Küsten Guadalcanals bis zu den Hügeln Koreas,
vom Dschungel Vietnams bis zur Wüste Kuwaits verteidigt haben, sage ich folgende Worte: Wir werden
uns stets erinnern. Wir werden immer vorbereitet sein
- auf Aggression zu reagieren, Schritte zur Aussöhnung zu unternehmen und den Frieden zu sichern.
Wenn wir Rückschau halten, ist Vergangenenheitsbewältigung unabdingbar. Keine Nation kann sich ganz
verstehen oder ihren Platz in der Welt einnehmen,
wenn sie nicht offenen Auges auch auf all die Höhen
und Tiefen der Vergangenheit blickt. Wir in den
Vereinigten Staaten sind uns einer solchen Ungerechtigkeit in unserer Geschichte bewußt. Die Internierung
von Amerikanern japanischer Abstammung war eine
große Ungerechtigkeit, und sie wird sich niemals wiederholen. Heute sollten alle Amerikaner das öffentlich
bekundete tiefe Bedauern des japanischen Ministerpräsidenten Miyazawa über den Angriff auf Pearl Harbor
würdigen. Es war eine denkwürdige und schwierige
Geste, die das Volk der Vereinigten Staaten sehr zu
schätzen wußte.
Die Werte, die wir als Nation hochhalten - Qualität der
Chancen, freie Religionsausübung, Rede- und Versammlungsfreiheit, freie und lebendige Wahlen - werden heute von vielen Nationen geachtet. Unser größter Erfolg im Zweiten Weltkrieg fand nicht auf dem
Schlachtfeld statt, sondern in den Nationen, die wir
einst als Gegner angesehen hatten. Die Ideale von

AMERIKA DIENST 49

�Demokratie und Freiheit haben in einer Welt triumphiert, die einst mit der Erorberung durch Tyrannei und
Despotismus bedroht war.

Vaters steht für die der Vereinigten Staaten: Tue
Deine Pflicht und erziehe die nächste Generation
dazu, ihre zu tun."

Heute, da wir die Evolution der Welt zur Freiheit feiern,
gedenken wir der gefallenen Helden der Demokratie,
der Verteidiger der Freiheit und der Opfer der Diktatur,
die niemals das Licht der Freiheit erblickten. Anfang
dieses Jahres, als ehemalige Gegner mit uns gemeinsam die Aggression am Persischen Golf abwehrten,
bekräftigten wir die Werte, die von den Helden von
Pearl Harbor hochgehalten wurden. Die Freunde, die
ich verloren habe, die wir alle verloren haben, lie ßen ihr
Leben für eine große und edle Sache. Aufgrund ihres
Opfers genießt die Welt heute mehr Freiheit und
Frieden als je zuvor.

Ich verstehe Bills Gefühle. Ich habe mich gefragt, wie
ich mich bei diesem Treffen mit Ihnen - den Veteranen,
den Überlebenden von Pearl Harbor - an diesem
denkwürdigen Tag fühlen würde. Und ich fragte mich,
ob ich diesen abgrundtiefen Haß empfinden würde,
den wir alle vor 50 Jahren dem Feind entgegenbrachten. Ich habe an jenen schändlichen Tag und den
Verlust von Freunden zurückgedacht und mich gefragt, wie meine Reaktion sein würde, wenn ich nach
Pearl Harbor zurückkomme. Wie wird die Reaktion der
anderen alten Veteranen an diesem Ort sein, insbesondere derjenigen, die diesen schrecklichen Tag
überlebten?

Zu Recht sind wir alle heute hier versammelt, und zu
Recht benutzen wir dies als Ausgangspunkt. Wie Sie
wissen, habe ich gerade die Gedenkstätte der USS
Arizona besucht, wo alles begann. Und hinter uns liegt
die USS Missouri, wo alles beendet wurde. Aber die
Missouri war auch ein Anfang.
Kurz danach stattete Kaiser Hirohito General MacArthur einen Besuch ab, der später feststellte, der Kaiser
habe eine führende Rolle bei der geistigen Erneuerung
Japans gespielt. Ihr Treffen machte Geschichte, und
eine vielversprechende Zukunft für ein demokratisches Japan begann Gestalt anzunehmen.
Ich dachte an dieses Treffen mit MacArthur, als ich
1989 an der Beerdigung des Kaisers teilnahm. Ich
habe auch heute morgen daran gedacht, am Nationalfriedhof und dann bei der Arizona-Gedenkstätte. Wenn
man sich sein Leben vor Augen hält und die unternommenen Schritte zurückverfolgt, sind es die Wendepunkte, die entscheidenden Momente, die zählen.
Nach all den Jahren steht Pearl Harbor noch immer als
Teil meines Ichs. Für jeden hier anwesenden Veteranen und in der Tat für alle Amerikaner steht Pearl
Harbor als Teil ihres Selbst.
Vor kurzem erhielt ich einen Brief von dem Sohn eines
Seemanns mit Namen Bill Lew, der Pearl Harbor
überlebt hat und heute hier anwesend ist. Sein Sohn
schreibt aus Tokio, wo er heute lebt, folgende Worte:
"Vor einem halben Jahrhundert drehten sich die Gedanken meines Vaters darum, den Angriff zu überleben und den Krieg zu gewinnen. Er konnte sich keine
Zukunft vorstellen, in der sein Sohn in Japan studieren
und arbeiten würde. Aber er erkannte, daß sich die
Welt verändert hat und die Herausforderungen für
Amerika anders gelagert sind. Die Haltung meines
*

AMERIKA DIENST 49

Ich möchte Ihnen sagen, was ich fühle. Ich hege
keinen Groll gegen Deutschland oder Japan in meinem
Herzen - überhaupt keinen. Und ich hoffe, daß Sie
trotz der erlittenden Verluste keinen in Ihrem Herzen

hegen. Dies ist nicht die Zeit für gegenseitige Schuldzuweisungen. Der Zweite Weltkrieg ist vorüber, er ist
Geschichte. Wir haben gewonnen. Wir haben den
Totalitarismus vernichtet. Und als dies getan war,
haben wir unseren Gegnern geholfen, die Demokratie
aus der Wiege zu heben.
Wir haben sowohl Europa als auch Asien unsere Hand
gereicht. Wir haben unsere Feinde zu Freunden
gemacht. Wir haben ihre Wunden geheilt und uns
damit selbst geholfen. Die Lektionen des Kriegs
werden zu Recht Bestand haben: Bereitschaft, Stärke, Anstand und Ehre, Mut, Opferbereitschaft, Bereitschaft, für sein Land - Amerika, das Land der Freien
und Mutigen - zu kämpfen und sogar zu sterben.
Wenn ich nur für mich selbst spreche - ich hege keinen
Groll in meinem Herzen. Ich sehe immer noch die
Gesichter der gefallenen Kameraden, und ich bin
sicher, auch Sie sehen noch die Gesichter Ihrer gefallenen Kameraden oder Ihrer Familienmitglieder vor
sich. Aber glauben Sie nicht, daß sie sagen: "Fünfzig
Jahre sind vergangen. Unser Land ist der unumstrittene Führer der freien Welt und wir leben im Frieden."
Glauben Sie nicht, jeder sagt: "Ich bin nicht umsonst
gestorben."
Möge Gott Sie alle schützen, die Opfer gebracht und
gedient haben, und möge Gott seinen gütigen Schutz
über dieses, das großartigste Land auf dieser Erde die Vereinigten Staaten von Amerika - ausbreiten.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * *

*

Seite 3

�OSTEUROPA
11. Dezember 1991

WETTBEWERB UNVERZICHTBAR FÜR FORTSCHRITTE
IN OSTEUROPA UND DER SOWJETUNION
Rede von Notenbankchef Greenspan
WASHINGTON - (AD) - Der Wettbewerbsdruck einer Marktwirtschaft ist unerläßlich, um in der ehemaligen
Sowjetunion und Osteuropa wirtschaftliche Flexibilität und Reformen zu erzielen. "Sicherlich wird der Öffentlichkeit durch eine wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft auf vielfältige Weise gedient, "erklärte Alan Greenspan,
der Chef der amerikanischen Zentralbank, in einer am 3. Dezember 1991 in Washington gehaltenen Rede.
Darüber hinaus habe die marxistische Ideologie als ehemalige volkswirtschaftliche Grundlage in der Sowjetunion
und Osteuropa Wettbewerb als destruktiven Faktor betrachtet.
"Heute, da die ehemalige Sowjetunion nach Integration in die Weltwirtschaft strebt, ist offensichtlich, daß
zahlreiche Staatsbetriebe überflüssig und nicht wettbewerbsfähig sind", warnte er. "Mit der Zeit werden sie
geschlossen und ersetzt werden müssen. Welche Fabriken sofort und welche nach und nach geschlossen
werden, ist eine schwierige Entscheidung. Zweifellos sollten die Fabriken offenbleiben, deren Ertrag - in
Marktpreisen - höher ist als der Wert des verarbeiteten Materials und der anfallenden Arbeitskosten. Die
Notwendigkeit einer Rendite auf Fabrik und Ausrüstung kann unter diesen Bedingungen außer acht gelassen
werden."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Alan Greenspan im Wortlaut.

Meine Freunde, ich fühle mich geehrt, heute abend
hier sprechen zu dürfen. Ich möchte mich einem
wichtigen Thema widmen: den Wirtschaftsreformen in
der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa.
In einer Welt, die sich so rasch verändert wie die
unsrige, kann man bei gewissen Ereignissen leicht den
Maßstab verlieren. Wir sollten jedoch nicht die Tatsache außer acht lassen, daß wir in den vergangenen
Jahren eine der bemerkenswertesten Entwicklungen
dieses Jahrhunderts erlebt haben: den Zerfall der
kommunistischen Systeme in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa. Obgleich die marxistischen
Systemen immanenten Widersprüche seit langem
bekannt waren und die Enttäuschung ihrer Bevölkerung über ihre sinnlosen Entbehrungen zunehmend
offen zutage trat, war das Tempo dieses Zerfalls noch
vor drei Jahren unvorstellbar.
Während wir uns mit den Menschen in diesem Teil der
Welt über diese dramatische und hoffnungsvolle
Wendung der Ereignisse freuen, müssen wir feststellen, daß sie den leichten Teil bereits hinter sich haben.
Was vor ihnen liegt, ist die außerordentlich schwierige
Aufgabe, gesunde, stabile und faire politische und
Rechtssysteme sowie lebensfähige WirtschaftsunterAMERIKA DIENST 49

nehmen zu schaffen. Darüber hinaus wird ein erfolgreicher Wiederaufbau dieser Volkswirtschaften die
Mobilisierung großer Mengen an Privatkapital und
Know-how erfordern, was wiederum gut durchdachte,
auf dem Vertragsrecht beruhende wirtschaftliche
Rechtssysteme notwendig macht. Das letztere Element wird nur selten erwähnt, ist jedoch unverzichtbar
für den Erfolg der Bemühungen, ein marktwirtschaftliches System einzuführen und die Beteiligung enormer
Mittel des Privatsektors im In- und Ausland zu gewinnen.
Im allgemeinen wird politischer und wirtschaftlicher
Erfolg von folgenden Faktoren abhängen: der Klugheit
der Architekten der neuen Ordnung in diesen Ländern;
der Geduld ihrer Bevölkerungen, die vielleicht derjenigen Hiobs gleichkommen muß; der Bereitschaft von
Menschen in unserem Teil der Welt, Hilfe in zahlreichen verschiedenen Bereichen zu leisten.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind die ehemalige Sowjetunion und viele ihrer früheren Verbündeten in Osteuropa
mit extrem schwierigen Zeiten konfrontiert. Produktion und Einkommen schrumpfen, während das zentralisierte Kommandosystem zur Lenkung der Ressourcen zusammengebrochen ist. Ersatz für dieses
Seite 1

�System wird jedoch nur langsam geschaffen. Dies
erfordert nicht nur Marktsignale sondern auch Unternehmen, die auf diese Signale reagieren.
Gleichzeitig steigt der inflationäre Druck, und die
Hyperinflation ist eine echte Bedrohung, da die Regierungen mit steigenden Haushaltsdefiziten zu kämpfen
haben - teilweise zur Deckung der Verluste staatlicher
Unternehmen - und zur Druckerpresse greifen, um
diese Fehlbeträge zu finanzieren. In der Tat scheint
der Zerfall der Sowjetunion einen zerstörerischen
Wettbewerb der Geldproduktion zwischen den Republiken nach sich zu ziehen, der ohne weiteres zu einer
Hyperinflation führen könnte. Dies sind Bedingungen,
die sozialen und politischen Unruhen den Weg bereiten können, die letztlich Hoffnungen und Träume zunichte
machen würden, wenn neue repressive Regime dieses Vakuum ausfüllen. Zweifellos haben wir großes
Interesse an einem positiven Ergebnis.
Das große Potential des Gebiets, das vormals die
Sowjetunion ausmachte, gründet sich hauptsächlich
auf seine ungeheuren Bodenschätze. Seine massiven
Reserven an Erdöl und-gas sowie verschiedenen
Mineralien sind ebenso bekannt wie die riesigen Flächen fruchtbaren Ackerlandes. Überdies besitzt es
große Humanressourcen - insbesondere einen sehr
umfangreichen Kader äußerst fähiger Wissenschaftler
und Ingenieure.
Die Ausstattung mit Ressourcen weist jedoch ein
erhebliches Mißverhältnis auf. Was fehlt, ist die große
Anzahl von Wirtschaftspraktikern, die im Westen dazu
beitragen, den Privatsektor und die Märkte in Gang zu
halten. Das sind die Buchhalter, Rechnungsprüfer,
Marketing-Fachleute, Kreditberater und so weiter, die
das "Fußvolk" einer Marktwirtschaft bilden. Sie sind
diejenigen, die Unternehmen in die Lage versetzen,
kontinuierlich auf die Millionen von Marktsignalen zu
reagieren, die letztlich die Ressourcen in einer dezentralisierten Marktwirtschaft ihrem nützlichsten Zweck
zuführen. Sie liefern die notwendigen Informationen
an die Entscheidungsträger, die nach neuen Wegen
Ausschau halten, um die Produktivität zu verbessern
und die Kosten zu senken, kalkulierte Risiken einzugehen und gesundes Urteilsvermögen bei der Vergabe
von Krediten anzuwenden. Die Aus- und Fortbildung
von Leuten mit solchen Fähigkeiten ist offenkundig
eine Priorität, und wir im Westen haben bei der Ausbildung solcher Fachleute viel zu bieten und müssen
unseren Teil dazu beitragen.
Eine ebensolche Herausforderung wird sicherlich die
Umstrukturierung von Industrien sein. Für den Erfolg
der Marktwirtschaften waren Wettbewerb und - in
gewissem Maß - industrieller Überschuß bedeutende
Elemente. In Marktwirtschaften gibt es traditionell
verschiedene Unternehmen und zahlreiche Fabriken,
die ähnliche oder identische Produkte herstellen sowie
sich überschneidende Transportsysteme. Die Exi-

Seite 2

stenz von Rivalen auf dem Markt führt zu einer konstruktiven Spannung, bei der Anbieter ständig danach
streben, ihre Lage zu verbessern, indem sie der Öffentlichkeit neue und bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten, ihre Kosten durch bessere Effizienz
senken und attraktivere Preise und Bedingungen
gewähren.
Infolgedessen hat überdies die Schließung einzelner
Fabriken, die sich aus Streiks oder Betriebsstörungen
ergeben kann, selten gesamtvolkswirtschaftliche
Auswirkungen. Es ist der Wettbewerbsdruck innerhalb einer Marktwirtschaft, der diesen Überschuß und
damit auch Flexibilität hervorbringt. Sicherlich wird der
Öffentlichkeit durch eine wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft auf vielfältige Weise gedient.
Im Gegensatz dazu betrachtet die marxistische Ideologie, einstmals die Grundlage der Volkswirtschaften
der Sowjetunion und ihrer osteuropäischen Verbündeten, Wettbewerb als zerstörerisch. Demgemäß war
die Produktion durch Staatsmonopole organisiert.
Darüber hinaus setzten die sowjetischen Planer offensichtlich voraus, daß Kostensenkungen automatisch
zum Tragen kämen - das heißt, mit Expansion des
Unternehmens fallen die Stückkosten. Dies verstärkte
ihre Bevorzugung einzelner Produzenten noch.
Die in den westlichen Marktwirtschaften gesammelten
Erfahrungen lassen solch große Rationalisierungsgewinne als äußerst zweifelhaft erscheinen, deuten sie
doch eher darauf hin, daß die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern wahrscheinlich zu Ineffizienz beigetragen hat. In der Tat weisen die Schwierigkeiten insbesondere bei der Leitung großer Unternehmen die
Tendenz auf, sich mit zunehmender Größe des Unternehmens zu multiplizieren. Im Grunde genommen
wird die Fähigkeit, auf veränderte Marktsignale zu
regieren, durch zuviel Bürokratie und Trägheit behindert. Das Aufbrechen zahlreicher Konglomerate im
Westen in den achtziger Jahren hat solcher Ineffizienz
und dem damit einhergehenden Mangel an Flexibilität
Rechnung getragen.
Die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern in zentral
gelenkten Wirtschaftssystemen bedeutete, daß bei
jeder Betriebsstörung in einem einzelnen Produktionsbetrieb das gesamte Wirtschaftssystem mit Anpassungsproblemen zu kämpfen hatte. Tatsächlich ist
wahrscheinlich dieses außergewöhnlich schlecht strukturierte System einer der wichtigsten Gründe dafür,
daß Energie und Kapital in der ehemaligen Sowjetunion so unwirtschaftlich eingesetzt wurden. Diese Ineffizienz wurde anscheinend noch verstärkt, weil Stalin,
der sich über die Möglichkeit der wirtschaftlichen
Unabhängigkeit einzelner Republiken Sorgen machte,
einzelne voneinander abhängige Fabriken so in der
gesamten Sowjetunion verteilte, daß die Abhängigkeit
der Republiken voneinander verstärkt wurde. Denken
Sie nur an die enorme Verschwendung von Energie,

AMERIKA DIENST 49

�Kapital und Arbeitskräften in Zusammenhang mit dem
Transport unfertiger Waren von einem Produktionsabschnitt zum nächsten über weite Strecken.
Die Probleme des Übergangs werden durch die notwendige Umrüstung von militärischer zu ziviler Produktion noch verstärkt. Eine Reihe von Städten in der
Sowjetunion sind nahezu ausschließlich in der Rüstungsproduktion tätig: Dies bedeutet, daß die Kürzung der militärischen Produktion den in diesem Sektor Beschäftigten Schwierigkeiten dabei verursacht, in
der Umgebung einen zivilen Arbeitsplatz zu finden.
Die Konversion von Fabriken ist deshalb ein wesentlich schwierigeres Problem als in den Vereinigten
Staaten, wo andere Beschäftigungsmöglichkeiten in
städtischen Ballungsgebieten vorhanden sind. Überdies könnten sich beträchtliche Umzugs- und Umschulungsprobleme für wissenschaftliches und technisches Personal ergeben, da die erforderliche Zusammensetzung der zivilen Erwerbsbevölkerung wahrscheinlich weniger dem in der militärischen Spitzentechnologie tätigen Personal entspricht. Dies ist besonders unangenehm, weil der militärisch-industrielle
Komplex in der ehemaligen Sowjetunion den Großteil
der führenden Wissenschaftler und Techniker beschäftigt. Diese erstklassigen Fachkräfte sollen marktorientierten Wirtschaftssystemen wichtige Unterstützung
leisten.
Heute, da die ehemalige Sowjetunion nach Integration
in die Weltwirtschaft strebt, ist offensichtlich, daß
zahlreiche Staatsbetriebe überflüssig und nicht wettbewerbsfähig sind. Mit der Zeit werden sie geschlossen und ersetzt werden müssen. Welche Fabriken
sofort und welche nach und nach geschlossen werden,
ist eine schwierige Entscheidung. Zweifellos sollten
die Fabriken offenbleiben, deren Ertrag - in Marktpreisen - höher ist als der Wert des verarbeiteten Materials
und der anfallenden Arbeitskosten. Die Notwendigkeit
einer Rendite auf Fabrik und Ausrüstung kann unter
diesen Bedingungen außer acht gelassen werden.
Diejenigen, die nicht die zur Deckung der Betriebskosten erforderlichen Einnahmen zu Marktpreisen erzielen können, sollten geschlossen werden, es sei denn,
diese Kosten können ziemlich bald gesenkt werden.
Leider besteht noch große Unsicherheit im Hinblick auf
die Umsetzung dieser Grundsätze in dem, was von der
Wirtschaft der ehemaligen Sowjetunion noch übrig ist,
da die Preise nicht den Marktwert widerspiegeln und
Kostensenkungsmaßnahmen äußerst suspekt erscheinen. In diesem Bereich wären erfahrene Kostenfachleute besonders hilfreich und ein System von Marktpreisen für Produktion und Einsatz unerläßlich. Ohne
solche Bedingungen können zahlreiche lebenswichtige Entscheidungen nur aufgrund von Anhaltswerten
gefällt werden, und die Ergebnisse dürften in den
meisten Fällen nicht die optimale Wirkung erreichen.
Aufgrund der wenigen nützlichen Fabriken und Maschinen erscheint es als wahrscheinlich, daß in den
AMERIKA DIENST 49

Frühstadien der Entwicklung einer Marktwirtschaft auf
dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion das Hauptaugenmerk Industrien mit niedrigen Kapitalanforderungen gelten wird - im allgemeinen der mittelständischen Wirtschaft und der Leichtindustrie. Diese werden durch Unternehmen der Spitzentechnologie ergänzt, die sich das große Reservoir von Fachkräften
zunutze machen.
Die vielleicht größte Herausforderung wird die Veränderung kultureller Einstellungen sein, die durch die
nahezu 75jährige Herrschaft des Marxismus hervorgebracht wurden. Obgleich sich zahlreiche sowjetische Politiker von der marxistischen Wirtschaftstheorie abgewandt haben und unter der Bevölkerung nur
noch wenig Unterstützung dafür besteht, wurde die
marxistische Ideologie und deren Ablehnung von
Profiten, Kapitalismus und Wettbewerb einem Großteil der Bevölkerung durch das Bildungssystem eingeimpft. Profit wurde so gleichermaßen zum Synonym
für die Ausbeutung von Arbeitern und Verbrauchern.
Der Kapitalismus wurde als System betrachtet, das
sich auf solche Profite gründet.
Mit diesen Einstellungen geht die fehlende Konzentration auf Chancen für persönlichen Gewinn einher, die
denjenigen vergleichbar sind, mit denen wir aufgewachsen sind und die wir für selbstverständlich halten.
In Amerika hat jedes Kind, das schon einmal an einem
Limonadenstand gearbeitet hat, gelernt, nach Marktchancen Ausschau zu halten. Darüber hinaus hat
dieses Kind die Notwendigkeit erkannt, einen Preis
festzusetzen, der sich nicht zu weit von dem der
örtlichen Konkurrenz absetzt und gleichzeitig die Kosten
deckt. Diese Art von Konzentration auf die Entdekkung von und Suche nach Chancen zur Erfüllung
wirtschaftlicher Bedürfnisse existiert in der Bevölkerung jenes Teils der Welt kaum, den wir als die UdSSR
gekannt haben.
Es wird unmöglich sein, eine erfolgreiche Marktwirtschaft aufzubauen, wenn diese Initiative nicht gefördert wird und, was noch wichtiger ist, wenn es innerhalb des kulturellen Wertesystems keine politisch
bedeutsame, philosophische Unterstützung für eine
solche Organisation der Gesellschaft gibt. Ferner
müssen gewisse Einkommensunterschiede toleriert
werden. Die Bereitschaft muß vorhanden sein, höhere
Einkommen für diejenigen zu akzeptieren, die grö ßere
Anstrengungen unternehmen und höhere Risiken
eingehen.
Auf einer konkreteren Ebene müssen sich die Bemühungen zur Einführung marktwirtschaftlicher Reformen in der ehemaligen Sowjetunion auf den Aufbau
einer soliden gesetzlichen Infrastruktur konzentrieren.
Der Eckpfeiler jeder gut funktionierenden Marktwirtschaft ist das Vertragsrecht. Das Vertragsrecht in
solchen Systemen trägt der Tatsache Rechnung, daß
die Menschen nur ungern Wertgegenstände austauschen, wenn ihnen nicht klar ist, was sie als GegenleiSeite 3

�stung erhalten. Das Verlagsrecht erkennt ferner an,
daß die Parteien in einem Tauschgeschäft vernünftige
Zusicherungen einer solchen Rendite sowie von Regreßansprüchen haben müssen, falls die Gegenpartei
den Vertrag nicht einhält.
Ein System mit einem soliden Vertragsrecht fördert
deshalb die Integrität und das Vertrauen in eine Marktwirtschaft. Wo es Integrität und Vertrauen gibt, sind
die Menschen eher bereit, Verpflichtungen einzugehen, insbesondere solche langfristiger Natur, und sie
benötigen keine hohen Prämien als Ausgleich für
Ungewißheiten bezüglich der Vertragserfüllung. Solches Vertrauen spielt eine Schlüsselrolle bei der
Kanalisierung knapper Mittel zu ihrem nützlichsten
Einsatz sowie bei der Erleichterung von Innovationen.
Die Integrität der Märkte ist besonders wichtig im
Finanzsektor, wo Ressourcen durch den Kapitalbildungsprozeß dirigiert werden, um künftigen wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht zu werden und die Produktivität der Erwerbsbevölkerung zu erhöhen. Wenn
die Investoren kein Vertrauen in das Vertragswesen
haben, verlangen sie große Unsicherheitszuschläge,
um das Risiko möglicher Vertragsverletzungen abzudecken, was zu Verzerrungen des Kapitalbildungsprozesses führt. Mit anderen Worten: eine solide, auf
einem fest verankerten Vertragsrecht gegründete
gesetzliche Infrastruktur führt so weit wie möglich zur
Reduzierung von Risiken und damit auch zur Verringerung der effektiven Kapitalkosten, indem sie es den
Kapitalressourcen erlaubt, ihrer bestmöglichen und
vorteilhaftesten Verwendung zugeführt zu werden.
Bei der Erwägung von Reformen für die Wirtschaftssysteme in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa müssen wir der Annahme widerstehen, man benötige dort jetzt vor allem hochentwickelte Finanzsysteme, die mit den unseren vergleichbar sind. Man
benötigt dort kein Füllhorn an Finanzinstrumenten und
Produkten zur Risikoverlagerung, die von den neuesten Datenverarbeitungs- und Telekommunikationstechnologien unterstützt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre man dort besser beraten, sich auf die
Grundlagen zu konzentrieren und mit Reformen des
Banksystems zu beginnen, die effiziente und zuverlässige Zahlungssysteme bereitstellen und eine solide
Kreditbeurteilung in die Systeme einführen, damit knappe
Kreditmittel zur Finanzierung der aussichtsreichsten
Projekte eingesetzt werden können. Dies setzt natürlich die parallele Entwicklung von Marktpreissystemen
voraus, damit - wie ich bereits früher erwähnte - die
produzierten Waren für den Verbraucher mehr Wert
haben als die zu ihrer Herstellung eingesetzten Mittel.
Wenn die mit jenem größeren Wert einhergehende
Rendite tatsächlich höher ist als die Kapitalkosten
haben wir wahrscheinlich ein kreditwürdiges Projekt
vor uns.
Die Einführung eines Marktes für Staats- und Industrieobligationen ist ebenfalls eine Priorität für die

Seite 4

ehemalige Sowjetunion und Osteuropa. Die Entwicklung eines solchen Rentenmarkts kann einen wichtigen Beitrag zur Abschöpfung überschüssiger Liquidität haben, die aufgrund der zur Finanzierung explosionsartig wachsender Haushaltsdefizite übermäßig
erhöhten Geldmenge entstanden ist. Sind diese Defizite erst einmal unter Kontrolle gebracht worden, kann
ein Rentenmarkt die nichtinflationäre Finanzierung
sämtlicher noch verbleibender Defizite der öffentlichen
Hand erleichtern. Darüber hinaus erleichtert ein Binnenmarkt für die Staatsschuld die Einführung einer
gesunden Geldpolitik, indem ein effektives Mittel für
Vermehrung oder Verringerung der Liquidität des
Bankensystems geschaffen wird. Ein Markt für Industrieanleihen ermöglicht es Staatsunternehmen ferner, sich von Zentralbankkrediten abzunabeln und
gleichzeitig den Unternehmensleitungen mehr Marktdisziplin aufzuerlegen. Rentenmärkte können einen
sehr starken disziplinierenden Einfluß auf Unternehmensführungen ausüben, indem sie diese zu soliden
und erfolgversprechenden Strategien anhalten. Dies
geschieht dadurch, daß Unternehmer die Kreditgeber,
die Risikokapital zur Verfügung stellen, davon überzeugen, daß die Unternehmensleitung Produkt- und
Kostenbegrenzungsstrategien verfolgt, die Zinszahlungen sowie die Rückzahlung der Kreditsumme sicherstellen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben die Ungewißheiten bezüglich vertraglicher Rechte und damit einhergehender Risiken für nahezu alle Investoren prohibitive Wirkung. Es ist schwierig, einen Investor dazu zu
veranlassen, für wenige Jahre, geschweige denn für
20 oder 30 Jahre die für zahlreiche sinnvolle Projekte
erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, wenn
die Ertragsaussichten ungewiß und die Entschädigungsverfahren im Falle von Zahlungsunfähigkeit
schwammig definiert sind. Wie ich jedoch bereits
feststellte, lassen sich diese prohibftiven Risiken grundlegend verringern. Die umgehende Einführung sorgfältig ausgearbeiteter Vertragsgesetze sowie einer
ergänzenden Aufsichtsstruktur, die gewährleistet, daß
die Spielregeln eingehalten werden, sind für den Erfolg
der Reformbemühungen in diesem Teil der Welt unerläßlich.
Zum Abschluß möchte ich darauf verweisen, daß der
Übergang zu politischer Demokratie und Marktwirtschaften in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa eine äußerst delikate Aufgabe ist, deren Weg mit
zahlreichen Hindernissen gepflastert ist. Wir im Westen
können uns der Tatsache nicht entziehen, daß wir
großes Interesse an diesem Ergebnis haben und viel
dazu beitragen können, insbesondere im Bereich technischer Hilfe. Dennoch tragen die Entscheidungsträger in den ehemaligen sowjetischen Republiken und
den neuen unabhängigen Nationen Osteuropas die
Hauptlast bei der Entwicklung glaubwürdiger, umfassender Programme für eine rasche Annäherung an ein
Marktsystem, in dem die Ressourcen von Marktsigna-

AMERIKA DIENST 49

�len geleitet werden können. Darüber hinaus müssen
sie ihre Völker eingehend über die Schwierigkeiten
eines solchen Übergangs und die Notwendigkeit informieren, gegebenenfalls die Einstellung zu Wettbewerb, Profit und Eigeninitiative radikal zu verändern.
Die Reformen werden keinen Erfolg haben und der
Rest der Welt wird keinen substantiellen Beitrag leisten , bevor nicht eine glaubwürdige, auf dem Vertragsrecht basierende gesetzliche Infrastruktur eingeführt
* *

AMERIKA DIENST 49

wird. In der Zwischenzeit muß der Eindämmung der
Inflation und der Verhinderung einer Hyperinflation
vordringlich Aufmerksamkeit gewidmet werden. Vieles muß korrekt ablaufen, wenn ihr Ziel - das wir so
eindeutig teilen - verwirklicht werden soll, und zwar auf
eine Art und Weise, die menschliches Leid und die
Risiken für die sozialen und politischen Systeme
möglichst gering hält.

*

*

Seite 5

�OSTEUROPA
11. Dezember 1991

OSTEUROPÄER BEURTEILEN
KAPITALISMUS ZURÜCKHALTEND
Meinungsumfrage von Times Mirror

Nach Jahrzehnten unter einem kommunistischen
Wirtschaftssystem befürworten die Osteuropäer einen
raschen Übergang zum Kapitalismus - jedoch eher
nach dem schwedischen als dem amerikanischen
Modell.
Diese Bevorzugung eines sozialdemokratischen Ansatzes, bei dem der Staat weiterhin eine wichtige Rolle
in der Gesellschaft spielt, gegenüber einer geringeren
staatlichen Präsenz wie in den Vereinigten Staaten ist
eines der wichtigsten Ergebnisse einer umfassenden
Erhebung, die vom zur Los Angeles Times gehörenden Times Mirror Center for the People &amp; the Press
durchgeführt wurde.
Die Untersuchung setzt sich aus 13.000 persönlichen
Gesprächen mit Einwohnern neun europäischer Staaten und drei sowjetischer Republiken sowie 34 in
diesen Ländern durchgeführten Zielgruppendiskussionen und Analysen von Wissenschaftlern und Meinungsforschern zusammen. Die von Ende April bis
Ende Juni veranstalteten Befragungen deckten ein
breites Spektrum sozialer, politischer und wirtschaftlicher Einstellungen bei Ost- und Westeuropäern ab.
Die Fragen zur Wirtschaft zeigten, daß die Befragten
in ganz Osteuropa durchweg den Gedanken einer
freien Marktwirtschaft befürworteten.
Diese Unterstützung war am stärksten in der ehemaligen DDR, wo 86 Prozent einem solchen System
zustimmten, während es von nur 9 Prozent abgelehnt
wurde. In der Tschechoslowakei, Ungarn und Polen
sowie in Litauen - zu diesem Zeitpunkt noch eine
Sowjetrepublik - waren die Mehrheiten ähnlich deutlich.

AMERIKA DIENST 49

Weniger große Mehrheiten befürworteten marktwirtschaftliche Systeme in den Republiken Rußland und
Ukraine - 54 zu 33 in Rußland sowie 53 zu 34 in der
Ukraine.
Bei der Frage, welchen Typ von Volkswirtschaft sie als
bestes Modell für ihre Gesellschaft betrachteten, entschieden sich große Mehrheiten der Befragten für
"sozialdemokratischen Kapitalismus" gegenüber einem strengeren kapitalistischen Ansatz. Tatsächlich
bewegte sich die Unterstützung einer "streng kapitalistischen" Volkswirtschaft zwischen lediglich 23 Prozent in Ungarn und Polen und nur 14 Prozent in der
Tschechoslowakei.
In den sowjetischen Republiken wurden ähnliche
Ergebnisse verzeichnet. In Rußland, der Ukraine und
Litauen war die Unterstützung für einen amerikanisch
geprägten Kapitalismus größer als für das alte kommunistische System - jedoch schwächer als für die
Kategorien "demokratisch-sozialistisch" und "kapitalistisch nach schwedischem Modell".
Ungarn, Bulgaren und Russen - sowie in geringerem
Maß Ukrainer und Litauer - zeigten sich ungeduldig
über das Tempo des Wandels zu einer freien Marktwirtschaft. In Ostdeutschland, der Tschechoslowakei
und Polen hielten sich die Aussagen die Waage zwischen denjenigen, die der Meinung waren, der Wandel
vollziehe sich zu rasch und denjenigen, die das Tempo
für zu langsam hielten. Nur in der Tschechoslowakei
meinte die größte Gruppe, das Tempo sei in etwa
richtig.
Die Untersuchung erbrachte erhebliche Unterschiede
aufgrund von Alter, Bildungsgrad und Geschlecht.

Seite 1

�Ein von Times Mirror erstellter Bericht gab dafür folgende Erklärung: "Wie zu erwarten war, ist Ungeduld
eher bei der Jugend vertreten. Das gleiche gilt für die
Marktwirtschaft. Die Osteuropäer unter 25 stehen
einer freien Marktwirtschaft wesentlich enthusiastischer gegenüber... und möchten sie in ihren Ländern
wesentlich schneller verwirklicht sehen."

und Litauer möchten die Landwirtschaft dem Privatsektor überlassen. Das ist aber auch schon alles",
stellt der Bericht fest.

Weniger leicht zu erklären waren die eindeutigen und
konstanten geschlechtsspezifischen Meinungsunterschiede: "In allen untersuchten Ländern stehen Frauen einer freien Marktwirtschaft wesentlich weniger
aufgeschlossen gegenüber als Männer", berichtet Times
Mirror.

Kleinere aber immer noch erhebliche Mehrheiten befürworten eine exklusive Rolle des Staates im Telekommunikations- und Verkehrswesen. Dabei gibt es
nur eine Ausnahme: die Befragten in der Tschechoslowakei befürworten mit der knappen Mehrheit von 49 zu
43 Prozent die Privatisierung des Verkehrswesens.

Die Ergebnisse sind am deutlichsten im Bereich der
Schwerindustrie. Hier variieren die Mehrheiten für
ausschließliche Staatskontrolle zwischen 86 Prozent
in der Ukraine und 70 Prozent in Ungarn und Polen.
Im Hinblick auf den Bildungsgrad fanden die Mei- Die größte Unterstützung für die Beteiligung des Prinungsforscher heraus, daß Menschen mit zunehmen- vatsektor in der Schwerindustrie wurde in Litauen
dem Bildungsgrad auch eher bereit sind, eine freie verzeichnet - verschwindend geringe acht Prozent der
Befragten.
Marktwirtschaft zu unterstützen.

Der Bericht verweist ferner darauf, daß die in der
Meinungsumfrage zum Ausdruck kommenden Einstellungen zur Privatisierung ein mögliches Hindernis
für den raschen Übergang zu freien Marktwirtschaften
sind.

Das dem Kapitalismus immanente Profitmotiv wurde
von den Befragten mit gemischten Gefühlen beurteilt.
Mehrheiten in der Tschechoslowakei, Polen, Rußland
und Litauen unterstützen ein unbeschränktes Profitpotential, während starke Minderheiten in allen vier Staaten staatlich festgesetzte Grenzen für Gewinne forder"Obgleich die meisten Osteuropäer den Gedanken ten. Eine Mehrheit der befragten Bulgaren wünschte
einer freien Marktwirtschaft unterstützen, haben sie staatliche Obergrenzen, während bei Ungarn und
bezüglich ihrer Ausgestaltung kein Vertrauen in den Ukrainern die Meinung nahezu gleichmäßig geteilt
Privatsektor. Der Staat soll ihrer Meinung nach Schwer- war.
industrie, Verkehrswesen und Telekommunikation
betreiben und eine Rolle in Gesundheits- und Bank- Die meisten Deutschen, Tschechen und Slowaken,
wesen, Landwirtschaft, Herstellung von Konsumgü- Ungarn, Polen und Bulgaren meinten, die Betreiber
tern, Zeitungswesen, Radio und Fernsehen spielen", privater Unternehmen hätten einen guten Einfluß "auf
faßt der Bericht zusammen.
die Entwicklung" in ihren Ländern. Russen, Ukrainer
und Litauer waren der Auffassung, daß Unternehmer,
"Tschechen und Slowaken, Ungarn, Polen und Litauer "die Kooperativen besitzen", einen schlechten Einfluß
neigen eher dazu, Geschäfte und Restaurants dem haben, und sie wurden ebenso negativ gesehen wie
Privatsektor anzuvertrauen. Polen, Russen, Ukrainer Schwarzmarkthändler.

*

Seite 2

*

* *

AMERIKA DIENST 49

�JUGOSLAWIEN
11. Dezember 1991
•

USA VERHÄNGEN SANKTIONEN
GEGEN JUGOSLAWIEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die folgende Übersicht zu den amerikanischen Sanktionen gegen Jugoslawien wurde am 6. Dezember 1991 vom
US-Au ßenministerium veröffentlicht.

Die amerikanischen Sanktionen gegen Jugoslawien

Einleitung
Die am 6. Dezember 1991 verkündeten Maßnahmen
sind mit den von der Europäischen Gemeinschaft
veranlaßten Schritten vergleichbar und dienen dazu,
Druck auf die Parteien in Jugoslawien zum Abschluß
eines echten Waffenstillstands und zur sinnvollen
Beteiligung an einer politischen Regelung im Rahmen
der Haager Konferenz auszuüben.
Diese Sanktionen untersagen nicht den Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien. Ein
Handelsembargo würde Importe und Exporte stoppen,
während diese Sanktionen auf die Aussetzung von
Zollvergünstigungen für Importe aus Jugoslawien
begrenzt sind.
Die Sanktionen werden dem jugoslawischen Volk keine Waren vorenthalten und es nicht an der Entfaltung
wirtschaftlicher Aktivitäten hindern. Die eigentliche
Ursache für die dem Volk auferlegten Härten war die
Unfähigkeit der Parteien, eine friedliche Beilegung
ihrer Differenzen anzustreben.

Von Januar bis September 1991 gingen die amerikanischen Exporte im Vergleich zum selben Zeitraum
des Vorjahres um 23 Prozent, und die Importe aus
Jugoslawien um 13 Prozent zurück.
Unsere wichtigsten Exporte sind landwirtschaftliche
Produkte (Mais, Sojabohnen), aber auch Kohle und
Computer haben Bedeutung. Unsere wichtigsten
Importe aus Jugoslawien sind Schuhe, Textilien, Möbel
und Fleisch.
Hilfsprogramme
Jugoslawien fällt unter das SEED-Programm, das
amerikanische Hilfen für Mittel- und Osteuropa vorsieht. Die Sicherheitsbedingungen in dem Land haben
seit Juni die Mehrzahl dieser Programme eingeschränkt
oder unterbrochen; wir waren weiterhin an der Durchführung eines begrenzten Privatisierungsprogramms
beteiligt.
Das Allgemeine Präferenzsystem

Vor dem Konflikt betrug der Handel mit den Vereinigten Staaten fünf Prozent des jugoslawischen Gesamthandelsverkehrs. Europa und die UdSSR sind die
führenden Handelspartner Jugoslawiens.

Dem Allgemeinen Präferenzsystem zufolge gewähren
die Vereinigten Staaten sowie 27 weitere Staaten
Entwicklungsländern bei bestimmten Produkten Abgabenfreiheit. Die Aussetzung dieses Systems bedeutet, daß jugoslawische Exporte in die Vereinigten
Staaten künftig dem Zollsatz nach dem Meistbegünstigungsstatus unterliegen.

Im Jahr 1990 erreichten die amerikanischen Exporte
nach Jugoslawien 565 Millionen Dollar und die Importe
aus Jugoslawien 776 Millionen Dollar.

Im Jahr 1990 hat Jugoslawien im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems Waren im Wert von 280
Millionen Dollar in die Vereinigten Staaten exportiert.

Handel

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Die wichtigsten Güter im Rahmen dieses Programms
waren Möbel, Kühlschränke, Aluminiumprodukte,
Autoteile und Sanitärzubehör.
Textillen
Die Textilvisum-Vereinbarung ist eine Methode, nach
der Exportländer ihre Textil- und Bekleidungsexporte
in die Vereinigten Staaten ausweisen und überwachen. Die Nichtanerkennung jugoslawischer Visa
bedeutet, daß Beamte der jugoslawischen Bundesregierung Republiken bei der Vergabe dieser Visa nicht
diskriminieren können.
Wir haben Berichte erhalten, wonach es für Exporteure einiger nichtserbischer Republiken immer schwieriger geworden ist, Textilvisa für ihre Lieferungen zu
erhalten. Die jugoslawischen Textilexporteure werden
nicht länger verpflichtet sein, für Exporte in die Vereinigten Staaten eine Erlaubnis aus Belgrad zu erhalten.

Die Kündigung der Visavereinbarung wird nicht die
Gültigkeit des bilateralen Textilabkommens mit Jugoslawien aufheben, demzufolge zahlreiche Textil- und
Bekleidungswaren Quoten unterliegen. Dieses bilaterale Abkommen gestattet uns darüber hinaus, die
Gefahr künftiger Marktstörungen oder von Bestrebungen zur Umgehung unserer Textilvereinbarungen zu
bewältigen.
Sanktionen
Die Sanktionen betreffen lediglich jugoslawische Exporte in die Vereinigten Staaten, nicht amerikanische
Exporte nach Jugoslawien.
Einigen amerikanischen Importeuren werden durch
die Aufhebung der Vorteile des Allgemeinen Präferenzsystems höhere Kosten entstehen.
Die Verfügungen treten 15 Tage nach ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�UMWELT
11. Dezember 1991

REILLY: OECD MUSS ENTWICKLUNGSHILFE
AN UMWELTPROGRAMME KNÜPFEN
Rede des EPA-Leiters vor der OECD
PARIS - (AD) - Dem Leiter des amerikanischen Bundesumweltamts EPA, William Reilly, zufolge sollten die
Industrienationen ihre Auslandshilfeprogramme auf die Förderung dauerhafter und umweltverträglicher wirtschaftlicher Fortschritte in den Entwicklungsländern zuschneiden. In seiner Rede vor den Ministern für Umwelt
und wirtschaftliche Zusammenarbeit der OECD zeigte Reilly am 2. Dezember 1991 in Paris Wege dafür auf.
Er drängte die Mitgliedstaaten zur Einhaltung der neuen OECD-Richtlinien, die sicherstellen sollen, daß
Entwicklungshilfe stets der Umwelt Rechnung trägt und schlug vor, die Geberländer sollten vermehrt solche
Mittel wie "Schuldenerlaß im Gegenzug zur Erhaltung der Umwelt" zum Schutz von Ressourcen einsetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reillys Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, die Tagung
über "Technologische Zusammenarbeit und Aufbau
von Kapazitäten" eröffnen zu dürfen. Zunächst möchte ich feststellen, daß ich diesem historischen Treffen
der OECD-Minister für Umwelt und wirtschafltiche
Zusammenarbeit erwartungsvoll entgegengesehen
habe. Meines Erachtens bietet sich den hier versammelten Ministern die einmalige Chance, weltweit eine
Führungsrolle bei der Förderung dauerhafter und umweltverträglicher Entwicklung zu übernehmen.
Dauerhafte Entwicklung! Dieser Begriff kann ungeachtet seiner hehren Ziele nicht präsize definiert werden. Der ehemalige Präsident Theodore Roosevelt
erfaßte den Wesensgehalt dauerhafter Entwicklung in
seiner Philosophie des Naturschutzes. Er erklärte:
"Naturschutz bedeutet gleichermaßen Entwicklung und
Schutz. Ich erkenne das Recht und die Pflicht dieser
Generation an, die natürlichen Ressourcen unseres
Landes zu entwickeln und einzusetzen. Sie hat jedoch
nicht das Recht, sie zu verschwenden oder nachfolgende Generationen durch verschwenderischen Einsatz dieser Ressourcen zu berauben." Dauerhafte
Entwicklung ist also Entwicklung, die sich im Einklang
mit dem Ökosystem vollzieht. Die Vereinigten Staaten
wenden zur Zeit 115 Milliarden Dollar - rund 2 Prozent
ihres BSP - für Umweltschutzmaßnahmen auf. Dieser

AMERIKA DIENST 49

Betrag wird sich bis zum Jahr 2000 voraussichtlich auf
3 Prozent ihres BSP erhöhen, allein, um bereits verabschiedete Gesetze in die Praxis umzusetzen.
Technologische Zusammenarbeit und Aufbau von
Kapazitäten - wie die einzelnen Länder ihr Wissen zur
Verwirklichung gemeinsamer umweltpolitischer und
wirtschaftlicher Ziele kombinieren -, diese Themen
bilden das Kernstück jedes Programms zur Förderung
dauerhafter Entwicklung. Für die Entwicklungsländer
ist es am wichtigsten - ganz abgesehen von den
rhetorischen Wortgebilden der Kommuniques - wie sie
selbst ihre Instrumente, ihr Know-how und ihre finanziellen Ressourcen zur Schaffung wirtschaftlichen
Wohlstands einsetzen können, um ihren Völkern eine
bessere Lebensqualität zu verschaffen und die Ökosysteme zu schützen, die die Grundlage für Wirtschaftswachstum bilden.
Die OECD und ihre Mitgliedstaaten haben angesichts
ihrer Ressourcen und Erfahrung die einzigartige Fähigkeit, diese realen internationalen Herausforderungen anzusprechen. Obwohl die OECD-Länder bei
technischer Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle
zu spielen haben, sind die Entwicklungsländer selbst
für die Durchführung geeigneter Maßnahmen und
Programme verantwortlich. Dennoch können wir sehr
viel tun.

Seite 1

�Erstens, indem wir die OECD als Institution nutzen.
Diese Organisation verfügt über umfassendes Wissen
in solchen Bereichen wie saubere Technologien, Vermeidung von Umweltverschmutzung, Kontrolle von
Chemikalien und Abfällen, Biotechnik, Energie, wirtschaftlichen Instrumenten und Umweltindikatoren.
Zweitens kann jeder von uns als Mitglied der OECD in
den Entwicklungländern etwas bewirken, indem er
unsere bilaterale und multilaterale Hilfe besser koordiniert. Wir unterstützen und verwirklichen die neuen
OECD-Richtlinien über Umwelt und Entwicklungshilfe,
die sicherstellen werden, daß Entwicklungshilfe stets
der Umwelt Rechnung trägt. Darüber hinaus können
wir den Einsatz von Umweltaktionsplänen durch die
Entwicklungsländer ermutigen, um Prioritäten zu setzen und den Konsultationsprozeß zwischen diesen
Ländern mit uns und internationalen Organisationen
zu fördern.
Drittens ist die OECD sehr wohl in der Lage, die
Entwicklung marktorientierter Ansätze zu unterstützen, die wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz
verknüpfen. Wie ich beim Treffen der OECD-Minister
für wirtschaftliche Zusammenarbeit im letzten Januar
ausgeführt habe, können wir innovative Finanzierungsmechanismen fördern, wie etwa Schuldenerlaß im
Gegenzug zur Erhaltung der Umwelt und eine Handelspolitik erarbeiten, die Umweltbelangen besser
Rechnung trägt. Präsident Bushs Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Länder Amerikas
vernetzt Handel, Schuldenerlaß, Investitionen, wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz - und dies
sind genau die Verbindungen, die man sicherstellen
muß, wenn man in den Volkswirtschaften der Entwicklungsländer praktisch etwas bewirken will. Im Rahmen
der Initiative soll mit den lateinamerikanischen Ländern neu über Schulden bei den Vereinigten Staaten in
Höhe von rund 7 Milliarden Dollar verhandelt werden,
um Geld für die Erhaltung der Umwelt bereitzustellen.
Dank der Initiative könnten mehrere Hundert Millionen
Dollar pro Jahr zur Erhaltung von Wäldern, besserer
Verwaltung von Naturschutzparks sowie dem Schutz
des Ökosystems zur Verfügung gestellt werden.
Die Hauptfunktion der öffentlichen Hand besteht femer

darin, den Entwicklungsländern bei der Schaffung der
Konditionen zu helfen, die Investitionen des Privatsektors in effizientere und sauberere Technologien fördern - beispielsweise durch eine liberale Politik im
Handel und bei Privatinvestitionen, Vergabe und Schutz
der Rechte an Privateigentum, konsequente Rahmenbestimmungen, die Umweltnormen harmonisieren sowie
ergänzende öffentliche Investitionen in Infrastruktur
und Bildung.
Wir können den Privatsektor auch ermutigen, umweltfreundliche Technologien an die Gegebenheiten vor
Ort anzupassen. Im Bundesumweltamt haben wir
festgestellt, daß ein freiwilliges, energiesparendes,
"Green Lights" genanntes Elektrizitätsprogramm bei-

Seite 2

spielsweise beträchtliche Einsparungen finanzieller Mittel
und Energieressourcen zur Folge hat. Schätzungen
des EPA zufolge könnten die Kosten für elektrisches
Licht halbiert werden, wenn energiesparende Lichtquellen überall dort in den Vereinigten Staaten eingesetzt würden, wo sich dies als profitabel erweist. Dies
würde landesweit zu einer Verringerung des Jahresenergieverbrauchs von 11 Prozent führen. Auf internationaler Ebene hat das US-Amt für internationale Entwicklung eine Initiative für Energiesparmaßnahmen in
die Wege geleitet. Ein Pilotprogramm in Costa Rica
wird als Modell für andere Länder dienen. Das Programm konzentriert sich auf bessere Ausnutzung durch
den Endverbaucher, Energiesparen und erneuerbare
Energiequellen.
Ein weiteres mächtiges Instrument zur Förderung
umweltfreundlicher Technologien ist der freie Informationsfluß. In den Vereinigten Staaten haben unsere
Gesetze über die Freisetzung von Schadstoffen und
das Recht der Gemeinde auf Information darüber die
Art und Weise revolutioniert, in der wir Umweltbelastungen angehen. Während die Unternehmen eigene
Kontrollmessungen durchführen und detaillierte Aufstellungen ihrer gesamten Emissionen an Schadstoffen verfügbar machen, sind viele über das gesamte
Ausmaß ihrer Schadstoffemissionen überrascht. Die
Strategie von 3M "Umweltschutz macht sich bezahlt"
hat dem Unternehmen seit 1975 über 500 Milliarden
Dollar durch veränderte Herstellungsverfahren eingespart, mit denen die Produktion von Abfällen vermieden wurde, die wiederaufbereitet hätten werden müssen. Diese Art von Informationen über die Freisetzung
von Schadstoffen wird zweifelsohne Fortschritte im
Bereich der Umwelt ankurbeln und wirtschaftliche Profite
zeitigen. Bis zum Jahr 2000 werden Luftschadstoffe in
den Vereinigten Staaten gesetzlich um 75 Prozent
reduziert. Freiwillige Verpflichtungen werden bis 1995
zu einem 50prozentigen und bis 1992 zu einem
33prozentigen Abbau der größten Schadstoffquellen
führen. Es ist die Verfügbarkeit genauer Informationen
über die Freisetzung von Schadstoffen - Chemikalie
für Chemikalie und Betrieb für Betrieb - die dieses zu
einem festen und überprüfbaren Engagement macht.
Viertens können wir verstärkt Anstrengungen unternehmen, um den Entwicklungsländern bei der Verbesserung ihrer Fähigkeiten zur Förderung des Wirtschaftwachstums so behilflich zu sein, daß der Schutz
ihrer Umwelt und der Gesundheit ihrer Bevölkerung
gewährleistet ist. Der Aufbau von Kapazitäten ist die
Hauptkomponente des wirtschaftlichen Entwicklungshilfeprogramms der Vereinigten Staaten in Höhe von
gut 5 Milliarden Dollar, und dies gilt auch für die
Zukunft. Wir können die Entwicklung und Verabschiedung besserer Umweltindikatoren unterstützen, die
das Niveau der nationalen Rechenschaftspflicht erhöhen. Wir können diesen Ländern bei der Einführung
von Maßnahmen helfen, die sicherstellen, daß die
Preise den gesamten Kosten der Verwendung von
Ressourcen Rechnung tragen. Wir können lokale
AMERIKA DIENST 49

�nichtstaatliche Organisationen unterstützen, die höchst
wirksam Initiativen an der Basis in die Wege leiten
können. In der Tat fließen insgesamt 25 Prozent des
für Empfängerländer bestimmten Budgets des USAmts für internationale Entwicklung über nichtstaatliche Organisationen, da diese große Erfahrung und
Erfolge bei der Zusammenarbeit vor Ort zur Förderung
umweltfreundlicher Entwicklung aufzuweisen haben.
Bei diesem Ministertreffen - der ersten Vollversammlung der OECD-Minister für Umwelt und wirtschaftliche
Zusammenarbeit - bietet sich uns die Chance zur
Erarbeitung einer Strategie für dauerhafte Entwicklung
bis zum nächsten Jahrhundert - eine Strategie, die die
vordringlichsten Herausforderungen für die Entwicklungsländer anspricht und im Einklang mit diesen
Nationen entwickelt wurde. Damit können wir ein
deutliches Signal setzen, daß wir uns dem Erfolg der
UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in nächsten Juni in Brasilien verschrieben haben.
Zu diesem Zweck sollten wir uns jetzt den wichtigsten

vor uns liegenden Fragen über technologische Zusammenarbeit und den Aufbau von Kapazitäten zuwenden:

*

AMERIKA DIENST 49

Welche Art von Hilfe seitens der OECD und
ihren Mitgliedstaaten war am wirksamsten? Was
hat wirklich funktioniert?
Welche Art von Hilfe wird jetzt und in Zukunft am
dringendsten benötigt?
Welche Programme können wir unterstützen,
die den gemeinsamen Anliegen der Entwicklungs- und Industrienationen dienen?
Wenn wir diese Fragen offen angehen und uns einig
sind, zur nächsten Phase - Handeln - überzugehen,
dann kann dieses Ministertreffen seinen ursprünglichen Zweck erfüllen, einen Zweck, der realistisch ist
und hier verwirklicht werden kann: Minister zusammenzubringen, die für gewöhnlich nicht zusammengearbeitet haben sowie eine Möglichkeit der Zusammenarbeit zu bieten, die die lebenswichtige Verbindung zwischen Umwelt und Wirtschaft sicherstellt. Am
Ende dieses Tages ist dies die Quintessenz der Entwicklung, die wir alle anstreben - eine Entwicklung, die
die wirtschaftlichen Möglichkeiten aller verbessert und
gleichzeitig die produktiven Ökosysteme erhält, von
denen alle menschlichen Aktivitäten einschließlich der
wirtschaftlichen abhängen.

* * *

*

Seite 3

�PORTRAT
11. Dezember 1991

SKINNER GESCHICKTER KRISENMANAGER
Porträt des neuen Stabschefs im Weißen Haus
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verkehrsminister Samuel Skinner, der von Präsident Bush am 5.
Dezember 1991 zum Nachfolger von John Sununu als Stabschef des Weißen Hauses ernannt wurde, wird
weithin für seine geschickte Handhabung einer Reihe von schlagzeilenträchtigen Vorfällen gelobt.

Während seiner fast dreijährigen Amtszeit im Kabinett
wurde Skinner - ein langjähriger Vertrauter des Präsidenten - wiederholt gebeten, in Krisenzeiten im Namen
der Regierung Stellungnahmen abzugeben und Schritte in die Wege zu leiten.

Skinner, 53, ist ein ehemaliger Anwalt aus Chicago,
und hat eine Fluglizenz als Pilot. Er begann seine
politische Karriere als Protege des ehemaligen Gouverneurs von Illinois, James Thompson, einem langjährigen Vertrauten und Anhänger des Präsidenten.

Als Vertreter des Präsidenten begutachtete Skinner
die durch die Exxon Valdes in Alaska verursachte
verheerende Ölverschmutzung. Ebenfalls im Namen
des Präsidenten reiste er nach dem Erdbeben in San
Franscisco nach Kalifornien und an die Atlantikküste
im Südosten, um die durch den Hurrikan Hugo angerichteten Verwüstungen in Augenschein zu nehmen.

Bevor er 1989 ins Kabinett Bush berufen wurde, war
Skinner vier Jahre lang Vorsitzender der Northeastern
Illinois Transportation Authority, eine Funktion, die er
neben seiner Anwaltstätigkeit als Seniorpartner einer
Chicagoer Kanzlei ausübte.

Der Minister, dem auch die Bundesluftfahrtbehörde
und die US-Küstenwache unterstehen, spielte eine
führende Rolle beim Kampf gegen den illegalen Drogenhandel und war stets ein starker Verfechter der
internationalen Flugsicherheit.
Angesichts der zahlreichen zu bewältigenden Problembereiche hat Skinner häufig in Femseh- und Zeitungsinterviews Stellung bezogen und sich das Renomme eines der prominentesten und wertvollsten
Mitglieder des Beraterstabes des Präsidenten erworben.
Das Magazin Washingtonian würdigte ihn 1989 und
1990 als herausragendes Kabinettsmitglied, und die
Chicago Tribüne beschrieb in kürzlich als "fähigen
Politiker, der um Konsens bestrebt ist und Köpfe nur im
äußersten Notfall rollen läßt".
Gemeinhin als gemäßigter Pragmatiker eingeschätzt,
hat Skinner zahlreiche Freunde in Washington gewonnen und wird in seiner Funktion als Stabschef erwartungsgemäß sehr viel weniger Kontroversen auslösen
als Sununu.

Der Minister leitete Bushs Wahlkampagne 1988 in den
Vorwahlen und allgemeinen Wahlen in Illinois und war
1980 maßgeblich an dem Vorwahlkampf des Präsidenten in diesem Bundesstaat gegen den ehemaligen
Präsidenten Reagan beteiligt.
Geboren in Springfield (Illinois), machte er seinen
Abschluß als Wirtschaftsprüfer an der University of
Illinois und wurde einer der besten Verkäufer von IBM
in Chicago, bevor er ein Jurastudium an der De Paul
University aufnahm und ins Justizministerium eintrat.
1975 wurde er von Präsdident Ford zum US-Staatsanwalt von Chicago ernannt und im Anschluß daran zum
Leiter der regionalen Verkehrsbehörde der Stadt berufen, bevor der den Posten als Verkehrsminister des
Bundesstaats annahm.
Skinner spielt gern Golf und ist Golfpartner von Präsident Bush und Vizepräsident Quayle. Ferner war er
Gast im Sommerhaus des Präsidenten in Maine.
Skinner und seine Frau Mary - ebenfalls Anwältin haben drei Kinder. Die beiden Söhne sind Rechtsanwälte, die Tochter ist Rundfunkjournalistin.

* * * *
AMERIKA DIENST 49

*

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11327">
                <text>11.12.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11328">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11329">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11330">
                <text>Amerikadienst 11.12.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11331">
                <text>&lt;strong&gt;1. Pearl Harbor&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erteilt Absage an Isolationismus und Protektionismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Kriegsveteranen in Pearl Harbor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wettbewerb unverzichtbar für Fortschritte in Osteuropa und der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Notenbankchef Greenspan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Osteuropäer beurteilen Kapitalismus zurückhaltend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Meinungsumfrage von Times Mirror&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA verhängen Sanktionen gegen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reilly: OECD muss Entwicklungshilfe an Umweltprogramme knüpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des EPA-Leiters vor der OECD&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Skinner geschickter Krisenmanager&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Stabschefs im Weißen Haus&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
