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11. J u l i 1973

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Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli
-Wortlaut-

INFORMATION:
Aktion "Rettet die Meere"
-UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor«
Von Barrett McGurn

WIRTSCHAFT:
US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung
Von Eugene Brake
US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft
Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Industrie und Umweltschutz
US.Wissenschafts-und Energiepolitik:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen WissenschaftsstiftungMühlen im Golfstrom?
-Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
EnergiequelleImmunotherapie für schwere Lepra-Fälle

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1973

REDE DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER KSZE AM 5. JULI
- Wortlaut -

HELSINKI --(AD)— Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hielt
am 5. Juli auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Buropa
(KSZE) eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
"Ich möchte mich meinen Kollegen anschließen und den Dank der amerikanischen Regierung an die Regierung von Finnland für ihre vielfältigen
und wesentlichen Beiträge zum Ausdruck bringen, die das Zustandekommen
dieser Konferenz ermöglicht haben.
Diese Konferenz bietet den hier vertretenen Nationen eine historii

sehe Gelegenheit. Ob die Konferenz selbst jedoch historische Bedeutung
gewinnen wird, hängt davon ab, wie wir - die hier anwesenden Außenminister
und die 35 Regierungen, die wir vertreten - diese Gelegenheit nutzen.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Konferenz bisher unseren Erwartungen entsprochen hat. Wir sind auf freundliche und konstruktive Weise zusammengekommen und haben mit der - wie wir es bezeichnen . allgemeinen Debatte begonnen - eine Debatte jedoch mit nur sehr wenig Meinungsverschiedenheiten. Ich bin der 21. Redner, und wenn ich nicht etwas verpaßt habe,
dann hat jeder meiner Vorredner überlegt und respektvoll von den Gesichtspunkten anderer gesprochen, ohne streitsüchtige Formulierungen zu gebrauchen. Vielleicht sollten wir das nicht als einen Erfolg an sich bezeichnen
- aber sicherlich dürfen wir es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.
Aber

�Aber über das von Anfang an herrschende freundliche Klima hinaus
haben wir schon zu Beginn eine Entscheidung von bedeutsamen Ausmaßen getroffen - sozusagen routinemäßig. Nach sorgfältiger Prüfung durch unsere Regierungen nahmen wir einstimmig die •Schlußempfehlungen der Konsultationen
von Helsinki1 an.
Diese stellen in der Tat ein bemerkenswertes Dokument dar. Hierbei
handelt es sich nicht lediglich um die Tagesordnung für eine Konferenz. Es
enthält eine lange Liste vereinbarter Grundsätze sowie ein detailliertes
und sorgfältig entworfenes Arbeitsprogramm, das dazu dienen soll, die friedliche Entwicklung in Europa in den kommenden

Jahren zu fördern.

Dieses Dokument stellt eine Verpflichtung dar,neue und zivilisierte
Wege im Umgang miteinander zu finden. Ich möchte den Punkt unterstreichen,
daß die Zusagen, die wir hier gemacht haben, feierliche Verpflichtungen bedeuten, umfassende und spezifische Maßnahmen zur Förderung unserer Beziehungen in diesem Gebiete zu entwickeln.
Ich glaube, Präsident Kekkonen hat das Wesentliche unserer Entscheidung getroffen, als er sagte: »Sicherheit gewinnt man nicht, indem man
Zäune errichtet - Sicherheit gewinnt man, indem man Pforten öffnet.'
Ein Viertel Jahrhundert lang ist die Spaltung das dominierende Merkmal
Europas gewesen. Wir alle sind uns darüber im klaren, daß diese Konferenz
nicht die Schranken bestätigen darf, die Europa noch immer spalten. Wir
haben uns vielmehr durch unsere Unterstützung der Schlußempfehlungen ausdrücklich verpflichtet, diese Schranken abzubauen. Wir haben erklärt, Koexistenz alleine genüge nicht. Ja das Dokument, auf das wir uns geeinigt
haben, verlangt konstruktive Änderungen auf breiter Front, damit wir im Laufe
der Zeit in viele wahrhaft kooperative und beiderseits nützliche und friedliche Beziehungen eintreten können.
Die entscheidende Herausforderung für diese Konferenz wird also sein,
ob wir das durchhalten können.
Wir

•2-

�Wir haben hier über den zeitlichen Rahmen für die Lösung dieser Aufgabe
gesprochen. Mir scheint, daß wir die Entscheidung darüber noch später treffen können. Wenn wir Erfolg haben - und ich bin überzeugt, daß wir erfolgreich sein können - dann wird die Festlegung des zeitlichen Ablaufs keine
Schwierigkeiten bereiten. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann wird der zeitliche Ablauf ohnehin von geringer Bedeutung sein.
Zyniker haben erklärt, das Ziel einer internationalen Konferenz sei, sie
zum Abschluß zu bringen. Ich bin sicher, daß keine der hier vertretenen Nationen diese Auffassung hegt. Diese Konferenz sollte nach meiner Überzeugung
so rasch wie möglich vorankommen - jedoch ohne unziemliche Hast. Was wir
wollen, ist Fortschritt. Fortschritt resultiert aus praktischen Schritten.
Praktische Schritte sind nicht leicht - aber sie sind von entscheidender Bedeutung, da wir unsere Arbeit nicht einfach damit abschließen wollen, daß wir
bekannte Grundsätze wiederholen.
Wie schon einige meiner Vorredner festgestellt haben, kommt diese Konferenz zu einem günstigen Zeitpunkt. Viele der hier vertretenen Nationen haben in augerfälliger Weise dazu beigetragen, die Bedingungen zu schaffen, die
diese Konferenz ermöglicht haben.
Vor viereinhalb Jahren hat Präsident Nixon verbindlich erklärt, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sein werde, in allen Gebieten der Welt
von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Er hat prompt gehandelt,
um seine Politik zu verwirklichen, und als Ergebnis wird heute allgemein anerkannt, daß wir jetzt in einer viel friedlicheren Welt leben. Dieses neue
Klima des Friedens kommt der ganzen Menschheit zugute. Aber es bleibt noch
s

ehr viel mehr zu tun. Die weltweite Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden,

die diesen Saal erfüllt, kann durch die an dieser Konferenz teilnehmenden
Staaten wesentlich gestärkt werden. Wir vertreten die meisten Industriestaaten der Welt. Unsere Volkswirtschaften produzieren rund 75 Prozent der Güter
der Welt. Und auf uns alle entfallen insgesamt etwa 85 Prozent der militärischen Ausgaben der Welt. Es muß unser langfristiges Ziel sein, durch eine
gemeinsame Willenserklärung unsere riesigen Hilfsquellen zur Lösung der

�der gemeinsamen Probleme, vor denen wir stehen, wie auch für die Hilfe für
andere weniger vom Glück begünstigte Länder einzusetzen. Darüber hinaus
können wir jetzt unmittelbar zu einer verbesserten internationalen Atmosphäre beitragen, so daß ein Abbau der Rüstungen auf der Welt ganz gewiß im
Bereich des Möglichen liegt.
Wir alle wissen, und viele haben dies schon gesagt, daß die beiden Weltkriege in Europa begonnen haben. Wir alle haben aus diesen Konflikten gelernt. Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Erfahrung gelernt, daß die
Sicherheit Europas untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit verbunden ist.
Die Anwesenheit meiner Delegation hier unterstreicht diese grundlegende Tatsache - die Tatsache, wenn Sie so wollen, unseres Engagements in
Europa.
Die Amerikaner sind der Ansicht, daß wir während der letzten Generation
eine konstruktive und erfolgreiche Verpflichtung für Frieden und Stabilität in Europa übernommen haben. Und heute möchte ich hier namens meiner Regierung unterstreichen, daß wir fest entschlossen sind, sowohl diese Verpflichtung fortzusetzen als auch unsere Beziehungen zu allen hier vertretenen Staaten zu stärken.
Lassen Sie mich kurz auf einige der spezifischen Fragen eingehen, die
zu erörtern diese Konferenz vereinbart hat.
Nichts ist wichtiger als das Prinzip, daß die Länder sich jeder Anwendung oder Androhung von Gewalt enthalten. Dies ist der entscheidende Punkt
für jeden dauerhaften Frieden. Und wir haben dies als ein grundlegendes Prinzip für die Beziehungen zwischen den Ländern akzeptiert. Dies besagt natürlich, daß Grenzen nicht durch Gewalt oder Androhung von Gewalt verletzt
werden dürfen. Gleichzeitig schließt dies aber - und ich unterstreiche dies friedliche Änderungen von Grenzen nicht aus, wenn solche Änderungen sich
auf dem Willen der Bevölkerung begründen und im beiderseitigen Einvernehmen
der Staaten erfolgen. Ganz gewiß kann niemand rechtens etwas anderes be-

-4-

�behaupten, denn jede solche Behauptung wäre eine Verletzung der beiden zusammengehörenden Prinzipien: Souveränität und Recht auf Selbstbestimmung.
Ein weiteres Prinzip, das diese Konferenz bereits bekräftigt hat, ist
das Prinzip der weltweiten Achtung des Rechtes aller Länder auf Unabhängigkeit und auf eine eigenständige innenpolitische Entwicklung ohne jede ausländische Einmischung, ungeachtet seines politischen, wirtsehaftlichen oder
sozialen Systems. Wir haben praktisch erklärt, daß keinem Lande diese Rechte
aus irgendeinem Grunde verwehrt werden dürfen. Daher haben auch wir Außenminister dem Ausschuß das Mandat übertragen, daß 'er die Entschlossenheit der
Teilnehmerstaaten bekunden soll, diese Prinzipien zu respektieren und in allen ihren Aspekten gerecht und unvoreingenommen auf ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre Zusammenarbeit anzuwenden, um sicherzustellen, daß alle Teil nehmerstaaten.in den Genuß der Vorteile gelangen, die sich aus der Anwendung
dieser Prinzipien durch alle ergeben.•
Dieser von uns getroffene Beschluß ist ganz eindeutig, und es ist von
äußerster Wichtigkeit, daß dieses Mandat in internationalen Fragen strikt eingehalten wird.
Ein weiteres wichtiges Mandat in diesem Dokument besagt, daß wir Wege
und Möglichkeiten prüfen sollten,wie zwischen den Ländern sich ergebende
Probleme frühzeitig auf einer friedlichen Basis gelöst werden können, um
einen späteren Konflikt zu vermeiden. Der Ausschuß könnte bedeutsame Ergebnisse auf diesem Gebiet erreichen, wenn er sorgfäLtig Pläne für frühzeitige
Konsultationen und eine mögliche Schlichtung ausarbeitet, um Konfrontationen
zu vermeiden.
Der Ausschuß ist ferner angewiesen worden, der Konzeption einer Verminderung der Spannungen auf militärischem Gebiet besondere Bedeutung beizumessen, wie dies in Paragraph 23 der Schlußempfehlungen festgelegt ist.

Daher

�Daher unterstützen wir:
1) die Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver;
2) den Austausch von Beobachtern auf Einladung bei militärischen Manövern
zu allseits akzeptablen Bedingungen und
3) die Prüfung der Vorausbenachrichtigungen über größere militärische Bewegungen.

Wir haben diese Maßnahmen unterstützt, weil wir der Auffassung sind,
daß die Übermittlung solcher militärischen Informationen größeres Vertrauen
schaffen kann, so daß der Spielraum für Überraschungen wesentlich eingeengt
wird.
Ein grundlegender Aspekt unserer Verpflichtung ist in Teil III dargelegt. Ich meine damit den Abbau der Schranken für den freieren Fluß von Menschen, Informationen und Ideen zwischen den Teilnehmerstaaten. Dieser Aspekt
unserer Arbeit beruht auf der Bedeutung, die wir den Menschenrechten und
den grundlegenden Freiheiten beimessen. Es gibt nur wenige Worte, die so
voller Bedeutung sind - und von den Völkern überall so voller Ehrfurcht aufgenommen werden. Aber Teil III könnte zu einer traurigen Fußnote in den
künftigen Geschichtsbüchern werden, wenn der Ausschuß nicht konkrete Wege
zur Verwirklichung der in diesem Teil enthaltenen Konzeptionen findet, so
daß das tägliche Leben der Menschen positiv beeinflußt wird.
Ich denke hier zum Beispiel an Vorschläge für Vereinbarungen, die die
Wiederzusammenführung von Familien gestatten - an regelmäßigere Besuche
zwischen Angehörigen getrennter Familien; an neue Wege für einen Erfahrungsaustausch bei den auf verschiedenen praktischen und wissenschaftlichen Gebieten durchgeführten Programmen und an die Förderung engerer Beziehungen
zwischen unseren jungen Menschen - unsere Jugend sollte mehr über einander
und über die anderen Staaten und Systeme erfahren. Die künftige Entwicklung
unserer Beziehungen kann nur davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig
versteht.
Wir

-6-

�Wir haben hier ferner vereinbart, Reisen aus persönlichen oder beruflichen Gründen zu erleichtern. In verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel
dem unsrigen, steht es den Bürgern frei, ohne jede Beschränkung oder Einmischung überall in der Welt hinzureisen. Ich weiß natürlich, daß jedes
Land seine eigenen Bestimmungen hat. Aber dieses Mandat zielt in erster
Iinie darauf ab, die Staaten zu ermutigen, ja anzuspornen, ihre Reisebeschränkungen abzubauen und die menschlichen Kontakte zu fördern, die für
die Verständigung und die gegenseitige Achtung in der heutigen Welt so
wichtig sind.
Es wird ferner wichtig sein, unserer Vereinbarung spezifischen Inhalt
zu geben, die Weitergabe der von den verschiedenen Medien verbreiteten Informationen und den Zugang zu ihnen sowie die Bedingungen zu verbessern,
unter denen Journalisten ihren Beruf in unseren Ländern ausüben können.
Das Recht der Menschen, voll und ganz zu erfahren,was auf der Welt geschieht, gehört zu den grundlegenden Menschenrechten und ist ein Grunderfordernis für Verständigung und Wissen.
Wir haben ferner vereinbart, die Hindernisse für die Entwicklung des
Handels abzubauen, indem wir unter anderem spezifische Maßnahmen prüfen, um
geschäftliche Kontakte und den Austausch von Informationen über Handelsmöglichkeiten zu erleichtern.
Wir haben anerkannt, daß der Prozeß der Aussöhnung, unabhängig von
der Arbeit dieser Konferenz, auf einer breiteren Front voranschreiten muß.
In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß die sich immer
stärker zusammenschließende Europäische Gemeinschaft hier einen besonderen
Beitrag zu leisten hat, während sie die Mitgliedsstaaten, deren Streitigkeiten in der Vergangenheit häufig Ursache eines Krieges in Europa waren,
zu einer wirtschaftlichen und politischen Union zusammenschweißt. Und durch
die Schaffung engerer Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen Ländern
bauen die Mitglieder der Gemeinschaft und andere Westeuropäische Länder die
Schranken ab, die Europa zu lange geteilt haben.
Die

-7-

�Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit ihren Verbündeten in
der Atlantischen Allianz zusammenarbeiten, die nicht nur zur Sicherheit und
Unabhängigkeit ihrer Mitglieder beiträgt, sondern auch nach neuen Wegen zur
Verbesserung der Beziehungen in Europa sucht.
Mit den Ländern Osteuropas haben die Vereinigten Staaten eine neue Ära
verbesserter Beziehungen eingeleitet. Wir befassen uns mit jedem einzelnen
Land in Osteuropa gesondert - wir legen unsere Politik im Einklang mit der
spezifischen Politik und den spezifischen Maßnahmen jedes dieser Länder
fest, und wir rechnen mit umfassenderen und konstruktiveren Bindungen zu
allen Ländern dieses Raumes.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und kooperativen Europa zu leisten. So wie die Konfrontation zwischen unseren beiden Ländern zur Spaltung des Nachkriegseuropas beigetragen hat, so hilft die Verbesserung unserer Beziehungen in
jüngster Zeit mit, Europa wieder zusammenzubringen. Gleichzeitig sind wir
uns aber auch darüber klar, daß die Frage der europäischen Sicherheit und
Zusammenarbeit von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht allein
gelöst werden sollte und gelöst werden kann - und daß beide daher positiv
in dieser Konferenz mitarbeiten müssen.
Zum Abschluß ihres Treffens in Washington im letzten Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew bekräftigt, daß »die Gewährleistung
eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik
ist*. Das von ihnen unterzeichnete Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ist ein Meilenstein in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
und sollte sich ebenfalls positiv auf die europäische Sicherheit auswirken.
Und durch das Festlegen der Grundprinzipien für eine weitere Begrenzung der
strategischen Rüstungen sowie durch den Abschluß verschiedener anderer Abkommen über gemeinsame Programme haben die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten weiter zu dem Ziel beigetragen, das allen von uns auf dieser Konferenz gesetzt ist - der Stärkung der Stabilität und der Sicherheit in
Europa.
Die

�Die Vereinigten Staaten sind ferner erfreut über den Fortschritt, der i
den Gesprächen der verschiedenen Foren über die Begrenzung der Waffen und
Rüstungen gemacht wird. Wir sind besonders erfreut darüber, daß viele von
uns hier Übereinstimmung darüber erzielt haben, daß die Verhandlungen über
beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen sowie damit zusammenhängende Maßnahmen in Mitteleuropa am 30. Oktober beginnen werden. Diese
Gespräche werden in Wien zu der gleichen

Zeit stattfinden wie die zweite

Phase dieser Konferenz in Genf. Die Wiener Gespräche sollen unsere Bemühungen auf dieser Konferenz um eine Stärkung von Stabilität und Sicherheit in
Europa ergänzen.
Wenn jetzt die erste Phase der Konferenz zu Ende geht, dürfte es angebracht sein, kurz das zu umreißen, was, wie wir hoffen, während der zweiten
Phase erreicht werden kann.
Die Konferenz sollte:

1) Die vereinbarten allgemeinen Prinzipien so präzise ausarbeiten, daß
sie direkt und ganz speziell die Probleme der an der Konferenz teilnehmenden
Staaten ansprechen;
2) Übereinstimmung über spezifische militärische Fragen, unter anderem
über den Austausch bestimmter wichtiger militärischer Informationen und über
einen geeigneten Austausch von Beobachtern, erreichen, um so das Vertrauen
zu stärken und den Argwohn zu zerstreuen.
3) Verfahren für eine frühzeitige und friedliche Beilegung von Streitfällen, die möglicherweise zu einer Konfrontation zwischen irgendwelchen
Teilnehmerstaaten führen könnten, ausarbeiten;
4) Vorschläge zum Abbau der Schranken für eine Ausweitung des Handels
und für eine Verstärkung des Handelsaustausches, der industriellen Zusammenarbeit sowie der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vorlegen; und

1)

�»

l
5) was von überragender Wichtigkeit ist, spezifische und bedeutsame
Maßnahmen ausarbeiten, um menschliche Kontakte, die freiere Verbreitung von
Informationen und die Erweiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Kultur und des Bildungswesens zu erleichtern.
In der zweiten Pbase müssen wir die Ergebnisse unserer Arbeit in dynamische Programme umsetzen, die den von uns angestrebten Beziehungen spezifische Bedeutung verleihen, und die Vereinigten Staaten werden hierzu konkrete Vorschläge unterbreiten. Schließlich müssen wir uns während des ganzen
Prozesses in allen unseren Schritten an den Geist der Aussöhnung halten.
Denn dies ist der Geist, der all unsere Hoffnung auf eine neue Ära des Friedens in Europa und überall auf der Welt hat aufkommen lassen.
Unser Ziel sollte ein Kontinent sein, auf dem sich kein Land bedroht
fühlt; ein Kontinent, der für den freien Fluß von Menschen und Ideen offen
ist; und ein Kontinent, der durch seine politische und kulturelle Vielfalt
bereichert und nicht gespalten wird. Ein solches Europa läßt sich nicht da-

"

durch schaffen, daß man es lediglich herbeisehnt. Nur die Zeit wird zeigen,
ob wir etwas erreicht haben oder nicht. Aber etwas ist sicher: wir müssen

&gt;

in den kommenden Tagen mit großem Fleiß und großer Sorgfalt vorgehen und unser
Ziel in den kommenden Jahren geduldig, verständnisvoll und entschlossen verfolgen. Wenn in einem solchen Geiste Übereinstimmung zwischen uns besteht,
dann können wir stolz auf die wenigen Tage sein, die wir in dieser gastfreundlichen Stadt Helsinki verbracht haben."

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26/1973

AKTION "RETTET DIE MEERE"
UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor
Von Barrett McGurn

--(AD)- - Die vernünftige Erschließung und Nutzung der Weltmeere ist das
Thema der diplomatischen Gespräche, die Ende vergangener Woche in Genf begannen. Nur wenige internationale Konferenzen müssen sich mit einer so komplizierten Materie befassen und haben gleichzeitig so weitreichende Auswirkungen auf die friedlichen Beziehungen aller Länder untereinander. Der
Meeresbodenausschuß der Vereinten Nationen, in dem 90 Länder vertreten sind,
trifft derzeit weitere Vorbereitungen für die große Internationale Seerechtskonferenz, die im April und Mai 1974 in Santiago de Chile abgehalten
wird.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, ob die Weltmeere,
die ja zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken, rationell und von allen
Ländern gleichberechtigt genutzt werden, oder aber ob sie zu einem Tummelplatz unkontrollierten Ausbeutens werden, wo Ansprüche einzelner miteinander kollidieren. Sollte letzteres sich durchsetzen, ist es völlig klar, daß
alle Länder, reiche wie arme, Verlierer sein werden.
Die

-1-

�Die Gespräche von Genf sind das vorläufig jüngste Glied in einer ganzen
Kette von Konferenzen, von denen einige formell und auf diplomatischer Ebene
wie jetzt, andere informell und auf wissenschaftlicher Ebene durchgeführt
wurden. Für die letztgenannte Kategorie mag das "Seerechtsseminar" ein Beispiel sein, das während der letzten zwei Juniwochen 1973 von der Universität Rhode Island abgehalten wurde. Fachleute aus 40 Ländern, unter anderem
der Volksrepublik China und der Sowjetunion, nahmen daran teil.

Veraltetes Se3recht

i

Kernpunkt aller Schwierigkeiten ist die Tatsache, daß das Seerecht, so
wie es heute besteht, weder dem technischen Fortschritt noch den vielfältigen Bedürfnissen der Nationen gerecht wird. Beispielsweise erhielt durch
die Sonar-Technik die Fischerei ein ungemein wirksames Hilfsmittel an die
Hand, um Fischschwärme aufzuspüren und die Fangquoten zu erhöhen. Neue Bohrverfahren ermöglichen es, Öl in großer Entfernung von der Küste aus dem Meeresboden zu fördern. Verbesserungen der Bergbautechnik werden es bald zulassen, vom Boden der Tiefsee wertvolle Mineralien zu bergen. Das alles macht
vertragliche Regelungen darüber, wie die zweifellos enormen Reichtümer an
Nahrung und Rohstoffen in den Meeren aufgeteilt werden sollen, zu einer vordringlichen Angelegenheit.

Wenn es nicht zu einer allgemeinen Verständigung kommt, könnte sich
ein verheerender Wettlauf um Besitz an den Meeren entwickeln. Anstelle der
traditionellen Drei-Meilen-Zone in nationalen Hoheitsrechten wird bereits
von vielen Ländern die Zwölf-Meilen-Zone beansprucht. Manche Länder in Lateinamerika und Afrika wollen sogar einen Bereich der Landeshoheit unterstellen, der 200 Seemeilen oder gar noch weiter ins Meer hinausreicht.

Solche

�Solche Eigenmächtigkeiten müssen zu anarchischen Zuständen führen und
alle Bemühungen unterbinden, die Rohstoffe der Meere zum Vorteil aller zu
nutzen und der Verschmutzung der Meere entgegenzuwirken. Von nicht geringerer Bedeutung wäre die Gefährdung der traditionellen "Freiheiten der Meere"
wie unbehinderte Schiffahrt, Handel und Nachrichtenwesen. In der extremsten
Form, dem Bestehen auf der 200-Meilen-Zone, würde dies bedeuten, daß^ ein
Drittel Meeresraum von den Anliegerstaaten, d.h.den Küstenländern , gesperrt
werden könnte.
Verständigung über die maximale Hoheitszone ist deshalb auch einer der
Hauptpunkte auf der im November und Dezember dieses Jahres von den Vereinten
Nationen in New York veranstalteten Konferenz und auf der Seerechtskonferenz von Santiago. Die Vereinigten Staaten sind bereit, von der Drei-MeilenZone zur Zwolf-Meilen-Zone überzugehen, aber unter einer Bedingung: In diesem Fall muß es allen Hochseeschiffen und Flugzeugen gestattet werden, internationale Schiffahrtsstraßen und Meerengen ungehindert zu passieren. Es
gibt 116 solcher internationalen Straßen,von 10 bis 70 km Breite (auch Gibraltar, Dover und Singapur gehören dazu). Vor allem Entwicklungsländer mit Zugang zum Meer dürften auf zusätzlichen Seerechten in bezug auf Fischerei und
Rohstoffgewinnung bestehen, wenn es zu einer Einigung über die Zwölf-MeilenZone kommt. Die Konferenzteilnehmer von Genf und Santiago werden deshalb eine
Flut von Vorschlägen zu begutachten haben. Einer davon befürwortet die Schaffung einer neuen internationalen Behörde, die den marinen Bergbau in Bereichen jenseits der SchelfZonen am Kontinentalabfall überwacht. Wie allgemein
bekannt, gibt es dort große Mengen von Nickel, Kupfer, Kobalt und anderen Metallen. Die Internationale Ozeanbehörde könnte bestimmte Abschnitte der Hochsee für Zwecke der Exploration und Ausbeutung verpachten. Die Vereinigten
Staaten haben bereits vorgeschlagen, die daraus resultierenden Einkünfte,
die sich jährlich auf Millionen von Dollar belaufen dürften, für internationale Aufgaben, insbesondere für solche Projekte zu verwenden, die den Entwicklungsländern weiterhelfen.
Eine

-3

�Eine weitere Frage ist die des Anrechts auf Meeresgebiete zwischen der
Zwölf-Meilen-Zone oder anderen Hoheitsgrenzen und dem Ende bezw. Übergang
des Kontinentalabfalls zur Tiefsee. Bekanntlich ist gerade der Kontinentalabfall reich an Öl. Manche Experten sind der Meinung, daß dort nicht weniger Öl zu finden sei als auf dem Festland. Wie vor der Küste von Texas oder
des Iran zu beobachten ist, rücken die Bohrtürme immer weiter ins Meer
hinaus. In Genf und in Santiago wird man sich darum bemühen, über die Anrechte an der Schelf2one und den Zuständigkeiten der Küstenanliegerstaaten
einerseits und der neuen Ozeanbehörde andererseits eine Einigung zu erzielen.

Die UN-Vo11Versammlung hat sich den Grundsatz zu eigen gemacht, daß das
Meer jenseits der Hoheitsgrenzen allen gehört und somit jede Vereinbarung,
die getroffen wird, auch die Rechte der Binnenstaaten zu beachten habe. Entweder haben diese Länder, wie Bolivien oder Afghanistan, keinen eigenen Zugang zum Meer, oder ihre Hoheitsgewässer erstrecken sich, wie im Fall der
Niederlande oder von Singapur, nur auf Flachmeer.

Die Liste der Streitfragen ist lang. Auch das Problem fällt darunter,
wie die Durchführung weitreichender Forschungsprojekte und die Teilhabe an
wissenschaftlichen Ergebnissen garantiert und wie die Meere gegen ökologische Schäden und (Tberfischen geschützt werden können.

+++

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26/1973

US-NOTENBANK VERFÜGT ÜBER BETRÄCHTLICHE MITTEL ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)«- Während amerikanische Regierungskreise nach wie vor
jede Stellungnahme zu etwa möglichen Interventionen auf den Devisenmärkten
ablehnen, hat der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - am
10. Juli bekanntgegeben, daß sich die ihr für eine etwaige Stützung des
Dollar-Kurses verfügbaren Mittel beträchtlich erhöht haben.
Die auf der Sitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) am Wochenende in Basel getroffenen Vereinbarungen sehen eine Aufstockung der für eine mögliche Dollar-Stützung vorgesehenen Swap-Kredite
um 6 250 Millionen Dollar auf 17 980 Millionen Dollar vor. Darüber hinaus
könnten die USA aber auch Geld beim Internationalen Währungsfonds ausleihen
oder eigene Reserveguthaben wie Geld und IWF^Sonderziehungsrechte zur
Stützung des Dollar-Kurses einsetzen, falls eine solche Maßnahme erforderlich werden sollte. Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die
ausländischen Notenbanken, falls notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von
17 980 Dollar für etwaige Interventionen aufnehmen.
In den letzten Tagen ist von amtlichen amerikanischen Stellen weder
eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten ausgeschlossen worden,
noch ist angedeutet worden, daß Washington etwa zu intervenieren beabsichti-

�beabsichtige. Sprecher des US-Finanzministeriums wie auch des Federal Reserve Board erklärten lediglich, daß die auf der Tagung der Finanzminister
am 16. März niedergelegten Prinzipien weiterhin Gültigkeit hätten, Damals
hatten die Finanzminister festgestellt, daß offizielle Interventionen auf
den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein könnten, und jedes Land
hatte erklärt, daß es auf eigene Initiative zu Interventionen bereit sein
werde, falls dies notwendig und erwünscht sein sollte, und daß es dabei
flexibel entsprechend der Marktsituation und in enger Konsultation mit den
Währungsbehörden des Landes vorgehen werde, dessen Währung

angekauft

oder verkauft werden sollte.
Diese gleichen Prinzipien sind jetzt erneut in dem zum Abschluß der
BIZ-Tagung herausgegebenen Kommunique1 bekräftigt worden. In dem Kommunique1
haben die Notenbankpräsidenten ferner ausdrücklich festgestellt, daß die erforderlichen technischen Mittel zur Verwirklichung der am 16= März festgelegten Prinzipien zur Verfügung stehen.
Nach dem Stande vom 9. März dieses Jahres ~ also vor der jüngsten Auf=
Stockung der Swap-Kredite - standen den USA im Rahmen der bestehenden Swap-*
Vereinbarungen folgende Beträge - in Millionen Dollar umgerechnet - zur Verfügung:
Österreich

200

Belgien

600

Kanada

1 000

Dänemark

200

Großbritannien

2 000

Frankreich

1 000

Bundesrepublik Deutschland

1 000

Italien

1 250

Japan

1 000

Mexiko

130

Holland

300

Norwegen

200
Schweden
-2-

�Schweden

250

Schweiz

1 000

BIZ in Schweizer Franken

600

sonstige europäische Währungen

1 000

Gesamtbetrag am 9. März

11 730

Aufstockung am 10. Juli

6 250

Gesamtbetrag ab 10( Juli

17 980

Nach den neuesten Berichten des US-Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board haben die Vereinigten Staaten in der Zeit vom September 1972
bis zum 9. März 1973 lediglich Ende Januar und Anfang Februar, also kurz
vor der zweiten Dollar-Abwertung, mit geringen Beträgen auf den Devisenmärkten interveniert. So wurden für 318,6 Millionen Dollar Deutsche Mark
und außerdem für 20,4 Millionen Dollar Holländische Gulden verkauft..

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26/1973

US-HANDELSMINISTER UNTERSTREICHT STÄRKE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
NEW YORK --(AD)-- Die grundlegende Stärke der US-Wirtschaft hat der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent erneut unterstrichen. Auf
einer Pressekonferenz betonte Dent am 9. Juli in New York, daß die amerikanische Wirtschaft ständig weiter expandiere und sich selten zuvor in
einer besseren Verfassung befunden habe. Der Minister verwies in diesem
Zusammenhang auf die hohe Rate der Kapitalinvestitionen in der Industrie,
die ständig zunehmenden Ausstoßzahlen, den jetzt erreichten Rekord-Beschäftigtenstand sowie die rückläufige Arbeitslosenquote, die im Juni
den niedrigsten Stand seit Jahren zu verzeichnen hatte, und erklärte, daß
zahlreiche andere Länder eine weit höhere Inflationsrate als die USA aufwiesen.
Der Kursrückgang des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten
läßt sich nach Ansicht Dents nicht mit der derzeitigen Verfassung der amerikanischen Wirtschaft begründen, die völlig gesund sei. Hier handele es
sich, wie Dent betonte, vielmehr um psychologische Trugschlüsse. Der
Dollar sei seinerzeit abgewertet worden, um die Wettbewerbsposition der
USA auf den Weltmärkten zu stärken, und dies sei durch die Abwertung erreicht worden. Die US-Exporte in den ersten Monaten dieses Jahres hätten
das Ergebnis des Vergleichszeitraumes 1972 weit übertroffen, und die Handelsaussichten für den Rest des Jahres seien noch besser.
Trotz

-1-

�Trotz des Kursrückganges des US-Dollar, so betonte Dent, setze das Ausland ganz erhebliches Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Ausländische Geschäftsleute seien heute weit eher als früher zu Investitionen in den
USA geneigt. Die Beteiligungen ausländischer Firmen an amerikanischen Unternehmen stiegen ständig an, und vielfach würden ganze Produktionsanlagen von
ausländischen Unternehmen gekauft.
Dent verwies weiter auf die von der US-Regierung unternommenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung. So seien, wie der Minister betonte,
1973 über 16 Millionen Hektar Land neu in die Bestellung genommen worden,
und die diesjährige Ernte werde bei Anhalten der günstigen Witterung eine
ausreichende Versorgung der amerikanischen Bevölkerung sowie die Bereitstellung beträchtlicher Mengen von Agrarerzeugnissen für den Export gewährleisten. Auf diese Weise werde die Regierung in die Lage versetzt, dem Preisauftrieb bei Lebensmitteln zu begegnen.
Dent unterstrich die Notwendigkeit einer ständigen Ausweitung des Exportes und forderte die Unternehmen auf, sich nicht nur um den amerikanischen
Markt, sondern auch um die Auslandsmärkte verstärkt zu bemühen. Auf die Frage, ob die Regierung weitere Exportbeschränkungen wie bei Sojabohnen und
Baumwollsaaten im Sinne habe, meinte Dent lediglich, daß die Situation bei
Mais und auf dem Getreidesektor ganz allgemein beobachtet werde.

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26/1973

EBERLE RECHNET MIT TERMINGERECHTER VERABSCHIEDUNG DES NEUEN
HANDELSGESETZES

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, rechnet damit, daß das amerikanische
Repräsentantenhaus das neue Handelsgesetz noch vor der am 3. August beginnenden Sitzungspause des Kongresses verabschieden wird. Damit, so betonte
der Botschafter am 2. Juli in einem Interview, sei die Möglichkeit gegeben,
daß der Kongreß seine Beratungen über das Gesetz noch vor Ende des Jahres
abschließen und die endgültige Vorlage dem Präsidenten zur Unterschrift
vorlegen könne, so daß der ursprüngliche Zeitplan der Regierung eingehalten
werde.
Eberle zeigte sich hinsichtlich der Beratungen über das Gesetz optimistisch und meinte, wenn auch verschiedene Änderungen noch vorgenommen würden, so dürfte die Regierungsvorlage doch in ihren wesentlichen Punkten
erhalten bleiben. Selbst wenn das Repräsentantenhaus vor der Sitzungspause
die Vorlage nicht mehr verabschieden sollte, so werde dies die für den
10. September nach Tokio einberufene GATT-Ministertagung nicht davon abhalten, eine neue umfassende Runde von Handelsverhandlungen einzuleiten. Aller«
dings sei es sehr zu wünschen, wenn auch nicht absolut notwendig, daß zu
Beginn der Tagung in Tokio bereits die erforderlichen Vollmachten vorliegen,

-1-

�vorliegen, damit die amerikanische Delegation dort nicht Verfahren zustimme,
die dann mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren seien. Kernpunkt des neuen Handelsgesetzes sei die Ermächtigung, daß die Regierung an Verhandlungen über
Zollsenkungen teilnehmen und bei den nicht-tarifären Handelsschranken ad
referendum-Abkommen abschließen kann, die lediglich einer nachträglichen
Billigung durch den Kongreß bedürfen. Der US-Kongreß, so sagte Eberle, sei
sich darüber klar, daß wirklich bedeutsame Verhandlungen sich auch mit
den nicht-tarifären Handelsschranken befassen müssen. Seines Erachtens werde der Kongreß eine ähnliche Formel wie die der Nixon-Administration billigen, die ihm bei allen in den Verhandlungen erreichten Abkommen über nichttarifäre Handelsschranken ein Veto-Recht innerhalb von 90 Tagen einräumt.
Nach Ansicht Eberles werden die Aussichten auf schnelle Verabschiedung
des neuen Handelsgesetzes durch den Kongreß wesentlich durch das Ergebnis
der gegenwärtigen Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft über die
Auswirkungen der Erweiterung der EG auf den Welthandel beeinflußt werden. Er
sei, was die bisherige Haltung der Vertreter der EG anbetreffe, sowohl enttäuscht wie auch optimistisch. Bisher, so betonte Eberle, habe die EG der
amerikanischen Auffassung noch nicht öffentlich zugestimmt, daß sie den
Vereinigten Staaten für die durch die Erweiterung der Gemeinschaft entstandenen Handelsnachteile Kompensationen schulde. Sie bezeichne es vielmehr,
zumindest in ihren öffentlichen Erklärungen, als ihre Aufgabe, darzulegen,
wie durch einzelne Zollerhöhungen und Zollsenkungen das gegenwärtige Gleichgewicht beibehalten werde. Diese Auffassung könne von den USA so nicht akzeptiert werden, zumal zu viele Faktoren zu berücksichtigen seien. Trotzdem,
so betonte Eberle, sei er optimistisch, denn die Verhandlungen dauerten an
und die Unterhändler der EG begännen seines Erachtens zu begreifen, daß
die amerikanischen Besorgnisse berechtigt seien. Gleichzeitig gab der Botschafter der Hoffnung Ausdruck, daß der EG-Ministerrat auf seinen
Sitzungen im Juli seine Verhandlungsdelegation in Genf ermächtigen werde,
geeignete Konzessionen zu machen. Damit würden sich dann auch die Aussichten
auf eine schnelle Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes verbessern,
da sonst die protektionistischen Kräfte Auftrieb erhalten würden.
Eberle

�Eberle betonte weiter, daß die amerikanischen Kontrollen für den Export von Sojabohnen und Baumwollsaaten die Notwendigkeit von Verhandlungen
über den Agrarhandel noch unterstrichen. Die Pflichten der Käufer und der
Verkäufer von Agrarerzeugnissen müßten auf internationaler Ebene klargestellt
werden, und hierzu böten gerade die bevorstehenden Handelsverhandlungen eine
günstige Möglichkeit. Eberle bezeichnete die amerikanischen Kontrollen als
Teil der Bemühungen um eine Eindämmung der weltweiten Inflation und wies darauf hin, daß die Verknappung bei einzelnen Erzeugnissen die USA gezwungen
habe, vorübergehende Kontrollen einzuführen. Diese Kontrollen seien in jedem
Fall nur vorübergehender Natur und würden lediglich so lange beibehalten werden, bis die neue Ernte auf den Markt komme. Diese jüngsten Entwicklungen
zeigten jedoch, daß der amerikanische Standpunkt richtig sei, nämlich daß
die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der kommenden Verhandlungen
sein müsse und daß Wege gefunden werden müßten, um den internationalen Handel
mit Agrarerzeugnissen auszuweiten.

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26/1973
INDUSTRIE UND UMWELTSCHUTZ

--(AD)-- In Zusammenarbeit mit der "National Audubon Society", die sich
dem Naturschutz in allen seinen Aspekten verschrieben hat, wird in der
Umgebung von Detroit (Michigan) ein Komplex von drei Großkraftwerken gestaltet werden. Die Edison Company, eines der größten Elektrizitätsunternehmen der Vereinigten Staaten, errichtet in ca. 15 km Abstand vom HuronSee zwei neue Atomkraftwerke mit je 1 100 Megawatt und ein Heizölkraftwerk
mit 800 Megawatt Kapazität. Die Anlage, die den Namen "Greenwood Energy
Center" bekommt, soll bis 1981 auch als Erholungspark fertiggestellt sein.
Die Edison Company plant, ein völlig geschlossenes Kühlsystem zu
schaffen, das eine thermische "Verschmutzung" des Huron-Sees ausschließt.
Zu diesem Zweck wird ein umfangreiches Kanalnetz in Verbindung mit zwei
künstlichen Seen angelegt, um an Stelle der sonst üblichen Kühltürme, die
außerdem die Landschaft verschandeln, die Abwärme zu beseitigen. Anstatt
der für Kühltürme erforderlichen Wassermenge von 3 800 Tonnen pro Minute
werden nur 34 Tonnen pro Minute vom Huron-See erforderlich sein. Fußwege
um die künstlichen Seen, durch Marschland, Wiesen und Wald werden auf
einem insgesamt fast 100 Hektar großen Gelände angelegt, von wo aus die Besucher Gelegenheit haben, Wild und Wasservögel zu beobachten.

Die Edison

Company wird außerdem eine Forschungsstation einrichten, in der sich Wissenschaftler mit den Auswirkungen der Kraftwerke auf die Pflanzenwelt
befassen.
Die

-2-

�Die U.S.-Atomenergiekommission läßt diesen Aspekt der Atomtechnik besonders gründlich beobachten. Wie sie Ende 1973 bekanntgab, sind die
neuesten Erkenntnisse über die Toxizität von chemischen Verbindungen, die
beim Betrieb von Atomkraftwerken entstehen, für Flora und Fauna im Wasser
in dem Bericht "Toxicity of Power Plant Chemicals to Aquatic Life" zusammengefaßt. Der Bericht ist unter der Kennnummer WASH-1249 beim "Superintendent
of Documents" (U.S.Government Printing Office, Washington, D.C. 20502) zu
beziehen.

Abwasserreinigung
i

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,

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,.

Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts von Woods Hole
(Massachusetts) arbeiten an einem Reinigungsverfahren für städtische Abwässer, das gleichzeitig die Produktion von Muscheln, Garnelen und anderen
Meerestieren im Stil einer Meeresfarm ermöglicht. Zur Reinigung des Wassers
wird Phytoplankton, d.h. winzige pflanzliche Algen, benutzt, das seinerseits
dem Meerestier

zur Nahrung dient.

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26/1973
US-WISSENSCHAFTS-UND ENERGIEPOLITIK:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der
Nationalen Wissenschaftsstiftung-

--(AD)»- Die Einrichtung einer Abteilung für Wissenschafts-u.Technologie-Politik (Science and Technology Policy Office - STPO) innerhalb der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten wurde von Dr. H.Guyford
Stever bekanntgegeben. Gleichzeitig ernannte Dr. Stever, der Direktor der
NSF, Dr. Russell C. Drew zum Leiter der neugeschaffenen Abteilung, die
die Aufgaben des ehemaligen Präsidialamtes für Wissenschaft und Technik
übernimmt.
Dr. Drew, von Hause aus Physiker, war bereits von 1966 bis 1972 als
Beauftragter für Technik im Amt des Wissenschaftsberaters des US-Präsidenten tätig. In dieser Eigenschaft organisierte und leitete er eine Anzahl
von Gremien, die sich mit den verschiedensten Spezialthemen befaßten- von
der Überwachung des Luftverkehrs, Raumfahrtwissenschaft und -Technik über
biomedizinische Forschung und Entwicklung auf dem Raumfahrtsektor bis zur
Fernmeldetechnik. Für die Entwicklung von internationalen Projekten, insbesondere solchender Zusammenarbeit im Weltraum, arbeitete er außerdem eng
mit den zuständigen Stellen des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates zusammen.
Das

-1-

�I

l
Das neue Aufgabengebiet von Dr. Drew als Direktor der Abteilung
Wissenschafts-und Technologiepolitik, der ein Stab von Spezialisten verschiedener Fachgebiete zugeordnet ist, umfaßt u.a.:
- Beratung, Konsultation und Empfehlungen zu Fragen nationaler Politik auf dem zivilen Sektor von Wissenschaft und Technik;
- Entwicklung technischer Alternativen bei der Lösung nationaler
Probleme auf dem zivilen Sektor;
- Bewertung der allgemeinen Effektivität laufender nationaler Forschungs-und Entwicklungsprojekte, einschließlich solcher der Bundesregierung, und Empfehlung der einzuschlagenden Politik

und Programme, mit denen

nationale Ziele durch zivile Projekte von Wissenschaft und Technologie er«
reicht werden können;
- Funktion als zentrale Stelle für die Koordinierung von Bundesforschungs-und Entwicklungsprogrammen (die Abteilung STPO stellt u.a. dem Bundesbeirat für Wissenschaft und Technik - FCST - Spezialisten zur Verfügung);
- Zusammenarbeit, mit Wissenschaftlergruppen an Universitäten und in
der Industrie bei einem breiten Spektrum von Fragen der Wissenschaftspolitik, um deren Mitwirkung bei der Stärkung von Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten weiter zu fördern;
- Beratung und Unterstützung

zur Förderung internationaler Ziele der

US-Regierung auf den Gebieten Wissenschaft und Technik.
Dr. Russell C. Drew, der 1961 das Studium der Physik mit der Promotion
an der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) abschloß, arbeitete zunächst
bei Dr. Walter Gordy am Mikrowellen-Institut der Duke-Universität.Als Mitarbeiter einer amerikanisch-britischen Kommission befaßte er sich von 1963
bis 1966 mit Problemen des Wiedereintritts von Raumflugkörpern in die Erdatmosphäre im Zusammenhang mit dem POLARIS-Programm. Während seiner Tätigkeit im Präsidialamt für Wissenschaft und Technik war er maßgeblich an der

-2-

�der Vorbereitung und Ausarbeitung von Berichten zum APOLLO-Nachfolgeprogramm,
den biomedizinischen Grundlagen des bemannten Raumflugs und zu künftigen
Raumflugprojekten beteiligt. Bis zur Aufnahme seiner neuen Funktion in
Washington leitete

Dr. Drew zuletzt die Verbindungsstelle des US-Marine-

forschungsamtes in London, das Projekte technischer Zusammenarbeit mit ver~
bündeten Nationen in Westeuropa, Afrika und dem Nahen Osten entwickelt und
wissenschaftliche und technische Kontakte zu den entsprechenden Stellen im
Ausland unterhält.

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26/1973

MÜHLEN IM GOLFSTROM ?
Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
Energiequelle

— ( A D ) — Dr. Harris B. Stewart und Dr. John R. Apel von den Umwelt-Laboratorien des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmospährenforschung (NOAA)
sowie Dr. William S. von Arx (Woods Hole-Institut für Meeresforschung)
schlagen vor, daß sich Spezialisten der Meerestechnik, der Elektrotechnik und verwandter Gebiete zusammensetzen, um die wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten zur Nutzbarmachung der Energie des Golfstroms zu
sondieren. Die Wissenschaftler verweisen darauf, daß schon allein der
Florida-Strom vor Miami, der einen wesentlichen Teil des Golfstromes bildet, mehr als das 50fache der Wassermengen aller Süßwasserflüsse der Erde
transportiert.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen Florida und der südöstlich
vorgelagerten Insel Bimini beträgt durchschnittlich 3,2 km pro Stunde,
in oberflächennahen Wasserschichten jedoch bis zu 8,8 km/st. Berechnungen
hätten ergeben, wie Dr. Apel hervorhob, daß mit diesem Wasser pro Quadratmeter Fläche 0,8 Kilowatt Strom erzeugt werden könnten, wenn man technische Möglichkeiten fände»

diese Energiequelle anzuzapfen. Die Ausbeute

wäre zehnmal höher als bei der Verwendung von Sonnenzallen auf entsprechend
gleichgroßer Fläche (1 qm), um z.B. im Raum von Südflorida das Sonnenlicht
für die Energiegewinnung nutzbar zu machen.
Aus

-l-

�Aus ökologischen Gründen sei es jedoch nach Meinung der Wissenschaftler
nicht ratsam,die gesamte Strömungsenergie zu nutzen, die ca. 25 000 Megawatt
Strom ergeben könnte. Das entspricht der Leistung von 25 Großkraftwerken.
Vielmehr sollten die Energiewandler - große, langsame Turbinen, deren Blätter
ähnlich wie bei einem Windrad um einen zentralen Schaft arrangiert sind vorerst nur etwa vier Prozent der verfügbaren Strömungsenergie in elektrische Energie umsetzen. Andernfalls bestehe möglicherweise die Gefahr, daß
der Weg des GolfStromes verändert werde, was einschneidende klimatische Auswirkungen in anderen Teilen der Welt zur Folge haben könnte. Das müsse auf
jeden

Fall vermieden werden.

Um mit vier Prozent der Strömungsenergie ca. 1 000 Megawatt elektrischen Strom zu erzeugen, seien etwa 200 solcher "Windradu-Turbinen erforderlich. Sie würden in der Meerenge zwischen Florida und Bimini in 30 bis 130 m
Wassertiefe quer zur Strömung über einen etwa 20 km breiten Bereich stationiert. Jede Turbine, deren Gehäuse nur zur ankommenden Strömung offen ist,
hätte ihren eigenen Generator, wobei die Verankerung gleichzeitig als Kabelführung für den so erzeugten Strom zu dem am Boden verlegten Hauptkabel dienen
könnte. Der Schiffsverkehr würde bei einem solchen Arrangement nicht gestört,
und ebensowenig könnten die Wellenbewegungen des Oberflächenwassers an den
Ausrüstungen Schäden anrichten.
Die technischen und wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projektes
müßten, wie Dr, Apel hervorhebt, zuvor gründlich untersucht werden. Jedoch
sei die mit der Strömung verfügbare Energiemenge groß genug, um das Interesse
von Ingenieuren und Wirtschaftlern zu rechtfertigen. Falls der so erzeugte
Strom nicht direkt im Raum von Miami verbraucht werde, könne er zur Elektrolyse von Wasser benutzt werden. Die so gewonnenen Produkte Wasserstoff und
Sauerstoff sind transportabel und könnten - über Brennstoffzellen - andernorts Strom produzieren. Als Nebenprodukt fällt dabei sogar noch sauberes
Wasser an. Der besondere Vorteil einer Nutzbarmachung des Golfstromes ist
nach Dr. Apel in der Tatsache zu sehen, daß dieser Tag und Nacht, Sommer
wie Winter Energie liefern würde.
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26/1973

IMMUNOTHERAPIE FÜR SCHWERE LEPRA-FÄLLE

--(AD)-- Etwa zehn Millionen Menschen auf der Erde leiden an Lepra. Mit
Hilfe der modernen Chemotherapie ist es in vielen Fällen möglich,die

,

Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Bei den schweren Erkrankungsformen
jedoch, in denen durch Knoten-und Geschwürbildung nicht nur im Haut- und
Unterhautbereich, sondern auch an inneren Organen mehr und mehr Gewebe
zerstört wird, reicht diese Behandlung nicht aus. Der Körper ist nicht
mehr in der Lage, Abwehrkräfte gegen die Erreger (Mycobacterium leprae)
zu mobilisieren.
Diese Schwäche versuchen zwei Ärztegruppen in den USA, die für
ihre Studien erhebliche Zuschüsse der medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) erhielten, durch künstlich hervorgerufene immunologische
Reaktionen zu überspielen. Das Unvermögen des Körpers, Abwehrreaktionen
trot'z möglicherweise sogar vorhandener Antikörper in Gang zu setzen,
läßt sich durch einen Hauttest mit dem antigenhaltigen Lepromin an einer
gesunden Hautstelle leicht nachweisen.
Bei solchen Kranken fehlen, obgleich sie hohe Antikörperspiegel aufweisen, die Lymphozyten, die normalerweise der Körper auf Lepromin ansetzen würde. Außerdem findet sich eine enorm große Menge von Makrophagen,
die sehr viele Lepra-Bakterien enthalten. Aus noch ungeklärten Gründen
sind bei lepromatösen Kranken die Makrophagen, die die Mikroben aufnehmen und zerstören sollen, nicht in der Lage, Lepra-Bakterien zu"er-

-1-

�"erkennen" und zu vernichten.
Auffallend gute Erfolge hatte nun eine Reiztherapie, bei der die LepraKranken einmal pro Woche - und dies bis zu 16 Wochen lang - eine hochdosierte Lymphozyten-Infusion erhielten. Dafür wurden absichtlich Spenderzellen benutzt, die den bei Gewebeübertragungen üblichen Kompatibilitätsanforderungen nicht entsprachen. Die Kalkulation der Wissenschaftler, auf
diese Weise eine begrenzte Reaktion des Fremdgewebes gegen den Wirtsorganismus hervorzurufen, erwies sich als richtig. Diesen Überlegungen lag die
Theorie zugrunde,daß Immunzellen

von einem Spender, die nicht kompatibel

sind, nicht nur das Gewebe des Empfängers, sondern auch die Lepra-Bakterien als "fremd" erkennen müßten. Deshalb war zu erwarten, daß die Lymphozyten die Makrophagen soweit mobilisieren, daß diese ihre' Schmarotzer, die
Lepra-Bakterien, zerstören.
Diese Therapie, die Prof. Soo Duk Lim (Universität Seoul, z.Zt. Gastprofessor für Pathologie an der Staatsuniversität von Minnesota in Minneapolis) zusammen mit Dr. Robert A. Good, Präsident des Sloan=Kettering-Instituts für Krebsforschung in New York, entwickelt hatte, war bei allen 14 Pa- '
tienten, an denen sie erprobt wurde, erfolgreich. Die Bakterienkonzentration im Gewebe wurde immer stärker reduziert, und die äußeren, für die Krankheit

charakteristischen Läsionen bildeten sich zurück. Das traf nicht

nur für den Schweregrad, sondern auch für ihre Ausdehnung zu. Alle 14 Patienten konnten nach 16 Wochen auf die herkömmliche Chemotherapie umgestellt werden. Auch nach mehr als einem Jahr ist es bei keinem von ihnen zu
einem Rückfall gekommen.

i.

Prof. Lim macht allerdings darauf aufmerksam, daß weitere Versuche
und Überprüfungen erforderlich seien, ehe zur Behandlung hartnäckiger LepraFälle auf dieses Verfahren übergegangen werden könne, auch wenn es, wie die
bisherigen Ergebnisse zeigen, für solche Lepraformen und vielleicht auch andere Krankheiten, bei denen die konventionelle Chemotherapie versagt, angewandt werden könnte.
In

-2-

�In einer ausführlichen Studie beabsichtigt nun Prof. Lim, die Wirkung
der neuen Therapie unter den verschiedensten Aspekten mit jenen der Chemotherapie sowie einem zweiten neuen Verfahren zu vergleichen, das Dr. W.
Bullock, Dr. James P. Fields und Dr. Michael Brandriss von der Universität
Rochester (New York) ausgearbeitet haben. Die drei Wissenschaftler versuchen
dabei unter Ausnutzung des sogenannten Transfer-Faktors, durch sensibilisierte Lymphozyten von Gesunden bei lepromatösen Patienten eine Immunreaktion in Gang zu setzen. Bei den auf diese Weise behandelten Patienten war
die Reaktion allerdings nur relativ schwach und von kurzer Dauer. Das Verfahren beruht auf der Tatsache, daß die Fähigkeit zu Abwehrreaktionen auf
die dazu unfähigen Personen übertragen werden kann, wenn sie Lymphozyten
von einer Person bekommen, die gegen ein spezielles Antigen eine Überempfindlichkeit entwickelt hat.

+++

3-

�</text>
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                    <text>und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juli 1979

25
INHALT
DOKUMENTATION

Präsident Carters Erklärung zum Abschluß des Tokioter Gipfeltreffens
Erklärung Carters zur OPEC-Dlpreiserhöhung
WIRTSCHAFT
Die Ergebnisse des Tokioter Wirtschaftsgipfels aus amerikanischer Sicht
- Interview mit Sam Burks HINTERGRUNDMATERIAL
Kohleumwandlung vor Ort
US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer Kohlevergasung mit der Industrie
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Voyager 2: Rendezvous mit Jupiter
Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems
Pionier U-Besuch beim Planeten Saturn
Künftige Krisen:

sind sie zu verhindern?

Versuch zur Entwicklung eines Frühwarnsystems für schwerwiegende
gesellschaftliche Probleme

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Dokumcnlcilion

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juli 1979

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PRÄSIDENT CARTERS ERKLÄRUNG ZUM ABSCHLUSS DES TOKIOTER GIPFELTREFFENS

TOKIO - (AD) - Auf einer Pressekonferenz, die von den Staats- und
Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrieländer zum
Abschluß des Gipfeltreffens in Tokio abgehalten wurde, erklärte Präsident
Jimmy Carter am 29. Juni 1979:
Zunächst möchte ich ein paar Worte des Dankes richten an Ministerpräsident Ohira, an die Verantwortlichen in Japan, an seine Majestät, den
Kaiser, an das japanische Volk, an alle, die diese Konferenz ermöglicht
haben und die uns darüber hinaus zu einem offiziellen Staatsbesuch willkommen
geheißen haben.
Meiner eigenen Meinung nach wird die Geschichte zeigen, daß diese
Wirtschaftsgipfelkonferenz für die meisten Menschen auf der Erde historische
Bedeutung hatte. Wachsende Energieknappheit und rasch steigende Energiepreise, auf die wir uns zubewegen, stürzen uns in Schwierigkeiten. Aber wir
haben uns jeder für sich und alle zusammen entschieden, nicht zu verzweifeln,
sondern überlegt zu handeln und dadurch vielleicht andere zu ermutigen, uns

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Telex:08-85432

�uns in den Entscheidungen nachzueifern, die wir selbst getroffen haben.
Wir sind uns über den Ernst der Energiefrage im klaren,und wir sind
entschlossen, sowohl als einzelne Nationen als auch als Gruppe von Nationen
zu versuchen, diese Schwierigkeiten zu meistern - mit so wenig Nachteilen
wie möglich für die Völker, die wir vertreten.
Eine der schwierigsten Entscheidungen, die wir schließlich trafen,
war die Annahme individueller, nationaler Zielsetzungen zur Begrenzung der
öl einfuhren für die Jahre 1979, 1980 und bis ins Jahr 1985 hinein.
Diese Zielsetzungen ergehen sich nicht in Allgemeinplätzen. Sie
werden vielmehr eine präzise Sprache sprechen. Es handelt sich um recht
beträchtliche Verpflichtungen, fühlbare und einschränkende Verpflichtungen.
Zusätzlich haben wir uns einzeln und gemeinsam zu einer raschen Entwicklung
alternativer Energieversorgung verpflichtet; außerdem zu einer erhöhten
eigenen öl- und Erdgasförderung, soweit diese zur Verfügung stehen; zur
erhöhten Förderung und Verwendung von Kohle unter Beachtung des Umweltschutzes; zur Betonung der Entwicklung synthetischer Brennstoffe, wobei
öl aus Ölschiefer und Teersand gewonnen werden soll; zur Sonnenenergie
sowie zur Atomkraft mit besonderer Betonung der Sicherheit. Diese Art
von Verpflichtungen ist sorgfältig besprochen worden und in Zukunft für
uns bindend.
Wir behandelten darüber hinaus ein schwieriges Problem des Marktverfahrens, so daß nunmehr nach Festlegung des ölpreises an der Quelle
nur noch ein Mindestmaß an unnötigen öl Preiserhöhungen im Verlauf des Vermarktungs-und Verteilungsprozesses eintreten wird.
Ich glaube, daß zum ersten Mal eine Gruppe führender Vertreter der
Industrienationen öffentlich eindringlich ihre Meinung und Bedenken über
die jüngsten Schritte der OPEC-Länder zum Ausdruck gebracht hat.

Ich

zitiere nur einige wenige Worte aus dem Kommunique, die, wie ich denke,

�denke, bezeichnend sind:

"Wir bedauern die Entscheidungen, die auf der

jüngsten OPEC-Konferenz getroffen wurden".

Wir bezogen uns auf die unge-

rechtfertigten ülPreiserhöhungen und wiesen auf die ernsten wirtschaftlichen
und sozialen Folgen dieser Entscheidungen hin.

Wir betonten, daß dies

eine weltweite Inflation, weniger Wachstum, mehr Arbeitslosigkeit zur Folge
haben wird, daß es die Stabilität des Weltwirtscahftssystems gefährdet,
und betonten im besonderen, wie es der französische Präsident bereits
getan hat,die lachteilige Wirkung auf die Entwicklungsländer der Welt, die
den Reichtum mancher von uns nicht teilen.

Die Flüchtlingsfrage wurde aufmerksam diskutiert, mit Anteilnahme
und Mitleid für die Leidenden.

Gemeinsam haben wir Vietnam und die anderen

Länder, die die Ursache des Flüchtlingsproblems bilden, zum Versuch aufgerufen, bei der humanen und wirkungsvollen Behandlung dieses Problems mitzuhelfen.

Und wir alle haben besprochen, was wir als einzelne Länder tun

könnten,um dieses Problem zu

lindern.

Unser Land hat 220 000 Flüchtlinge aus Südostasien aufgenommen.
nehmen jetzt etwa 7 000 Menschen pro Monat auf.

Wir

Gestern habe ich mein Land

dazu verpflichtet, diese Rate zu verdoppeln und 14 000 pro Monat aufzunehmen.
In nahezu jeder Debatte haben wir uns auch - ziemlich im Gegensatz
zu meiner eigenen bisherigen Erfahrung bei anderen Konferenzen - auf die
mutigste Position, die konstruktive Position, die bestimmteste Position
und die greifbarste Position zubewegt.

Wir sind nicht in einen Kompromiß

ausgewichen, indem wir uns in AIIgemeinplätzen ergangen hätten.

Ich glaube, wenn man das Kommunique liest, wird man feststellen, daß
richtig ist, was ich gesagt habe. Aus diesen und anderen Gründen, betrachte
ich diese Gipfelkonferenz als erfolgreich.
+ + + + +

- 3 -

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71TFEi
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

11. Juli 1979

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR OPEC-ÖLPREISERHÖHUNG

TOKIO - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 29. Juni 1979 in
Tokio, wo er sich zum Weltwirtschaftsgipfel aufhielt, eine Erklärung zur
Erhöhung des ölpreises durch die Organisation der erdölfördernden Staaten
(OPEC) abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Die OPEC-Staaten haben soeben ihren Preis wiederum um einen außergewöhnlichen Betrag erhöht. Der kumulative Effekt dieser Erhöhungen ist
ein sechzigprozentiger Anstieg des ölpreises seit dem vergangenen September.
Dies verursacht einen wirtschaftlichen Umbruch für die Vereinigten Staaten
und auch für die übrige Welt. Niemand auf der Welt wird nicht unter diesen
außergewöhnlichen öl Preiserhöhungen zu leiden haben.
Bislang haben wir in den Vereinigten Staaten es versäumt, uns auf
diese Aktionen von Seiten der OPEC vorzubereiten. Zwischen 1973 und 1977
haben die Vereinigten Staaten keine Maßnahme getroffen, um mit diesen unausweichlichen ölpreiserhöhungen und dem unausweichlichen Rückgang der
öl lieferungen fertig zu werden. Im Jahre 1977 habe ich dem Kongreß einen

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�einen umfassenden Energieplan vorgeschlagen.

Bis zum heutigen Zeitpunkt

hat der Kongreß keine Gesetzesmaßnahme bezüglich des Öls verabschiedet.
Es ist ein unbedingtes Erfordernis, daß der Kongreß unverzüglich handelt,
um die Konjunkturgewinnsteuer zu verabschieden und den Energiesicherungsfonds einzurichten.
Ich habe mich entschlossen, meinen eigenen Besuch ausländischer Staaten
abzukürzen und nach Hause zurückzukehren, wo ich am Sonntagabend eintreffen
werde, um den Kongreß aufzufordern, in bezug auf die Gesetzesvorlage, die ich
soeben genannt habe, rascher zu handeln und auch das Gesetz zur Ermächtigung
der Produktion synthetischer Treibstoffe und anderer Energiequellen zu
verabschieden, um unser Land autarker und immuner gegen die schädigenden
Einflüsse auswärtiger Entscheidungen durch die OPEC und andere zu machen.
Außerdem will ich mit meinen eigenen Beratern zusammenkommen, um zu
sehen, was innerhalb der kommenden Monate unternommen werden kann, um unser
Land vor künftigen Aktionen der Art,wie ich sie soeben beschrieben habe,
zu schützen.
Die Energieerzeugung im eigenen Land muß verstärkt werden - öl, Erdgas, Kohle, synthetische Treibstoffe, Kohlenverflüssigung und -Vergasung und
Sonnenenergie.
weiteren Verzug.

Diese Maßnahmen müssen getroffen werden, und zwar ohne
Wir müssen buchstäblich Milliarden Dollar in diese

technologischen Fortentwicklungen stecken, und das Geld steht uns mit der
Konjunkturgewinnsteuer und der Einrichtung des Energiesicherungsfonds zur
VerfugungNach bisherigen Schätzungen werden die von der OPEC in den letzten
sechs Monaten vorgenommenen Preiserhöhungen unser Land bis Ende 1980
mit einem Inflationsanstieg von mindestens zwei Prozent und einer Abnahme
der Wachstumsrate der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von wenigstens
zwei Prozent belasten.
Unser

�Unser Land ist in der Lage, autark zu sein. Wir besitzen die
technischen Fähigkeiten, wir verfügen über die finanziellen Mittel,und wir
haben die Ressourcen.
Es ist unbedingt geboten, daß wir rasch handeln.

Und es ist genau

so unbedingt notwendig, daß wir miteinander zusammenarbeiten.

Wir müssen

entschlossen, kühn, zupackend und auch kreativ sein und als Amerikaner
die ungeheuren Ressourcen unseres Landes in der wirksamsten, effizientesten
und kooperativsten Weise mobilisieren.
Es gibt keine andere Bedrohung für unser Leben in Amerika, die so
ernst zu nehmen ist wie diese wirtschaftlichen Bedrohungen, die nicht nur
die Struktur unserer Nation, sondern auch unsere eigene
die Zukunft gefährden.

Sicherheit für

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk und

auch der Kongreß jetzt aufgebracht genug sind, um ohne Verzug zu handeln.
Dies wird mein Hauptziel sein, wenn ich in wenigen
zurückkehre.

+ + + + +

- 3 -

Tagen nach Amerika

�I

1
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Wift/chaft
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11. Juli 1979

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DIE ERGEBNISSE DES TOKIOTER WIRTSCHAFTSGIPFELS AUS AMERIKANISCHER SICHT
- Interview mit Sam Burks -

WASHINGTON - (AD) - Der kürzlich beendete Wirtschaftsgipfel in
Tokio, an dem die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten
Industriestaaten des Westens teilnahmen, hat nach amerikanischer Auffassung
zu einem besseren Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage
nach Erdöl beigetragen. In einem USICA-Interview betonte ein leitender
Mitarbeiter der Carter-Administration, Sam Burks, das Gipfeltreffen habe
einmal zu individuellen Höchstgrenzen der ölimporte für jedes Land und
zum anderen zu einer gemeinsamen internationalen Anstrengung geführt, um
die Mittel für die Entwicklung alternativer Energietechnologien bereitzustellen. Kein Land, so unterstrich Burks, habe "Sondervorteile" für sich
errungen, sondern "alle haben durch die Vereinbarung strikterer Importhöchstgrenzen gewonnen." Nachfolgend das Interview mit Sam Burks im
Wortlaut:
FRAGE:

Was waren die wichtigsten Ergebnisse des Gipfeltreffens in

Tokio?
Antwort

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�ANTWORT:

Das war einmal ein Übereinkommen über Einfuhrbeschränkungen

und zum andern ein Übereinkommen, die Produktion von alternativen Energiequellen zu erhöhen.
Die Teilnehmerländer kamen überein, ihre Einfuhren bis 1985 auf dem
gegenwärtigen Stand einzufrieren;

mit "gegenwärtigem Stand" meine ich das

reduzierte Niveau, das sie 1979 als Ergebnis der gegenüber der Internationalen
Energieagentur (IEA) eingegangenen Verpflichtungen erreichen werden, nämlich
den geplanten Verbrauch um 5 Prozent zu senken.

Alle teilnehmenden Länder

kamen außerdem überein, das Niveau des Jahres 1979 auch 1980 konstant zu
halten, die meisten kamen sogar überein, dies bis 1985 zu tun.

Das bedeutet,

daß das Wirtschaftswachstum zwischen heute und 1985 ohne erhöhte öl einfuhren
erreicht werden muß.

Dies ist eine wesentliche Verminderung gegenüber dem,

was sonst hinsichtlich Verbrauch und Einfuhren stattgefunden hätte.
Der zweite Hauptpunkt war die Verpflichtung der Staats- und Regierungschefs, erhöhte Mittel für die Erzeugung alternativer Energien bereitzustellen synthetische Energien, Sonnenenergie usw. Sie errichteten eine Internationale
Energietechnologie-Gruppe, um (a) zu beobachten, was die verschiedenen Länder
zu Hause tun, um dieser Verpflichtung nachzukommen und um (b) zu sehen, was
zusätzlich im Rahmen der internationalen Finanzierung getan werden kann, um
diese Verpflichtung zu erfüllen. Sowohl kurzfristig in der Importbeschränkung als auch langfristig in der erweiterten Erschließung anderer
Energiequellen half das Gipfel treffen,für die nächste Zukunft ein besseres
Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage bei Erdöl herbeizuführen.
FRAGE: Eine Reihe europäischer Kommentatoren glaubt, daß die Vereinigten
Staaten sich ihren Gipfel partnern gegenüber durchsetzen werden, indem sie
sicherstellen, daß sie auch weiterhin Zugang zu den internationalen ölmärkten haben, um ihre hohe Nachfrage nach Brennstoff zu befriedigen, Ist
dies eine genaue Beschreibung dessen, was sich auf dem Gipfeltreffen zugetragen hat?
Antwort

�ANTWORT: Nein, das ist es nicht. Die Importbeschränkungen, die auf
dem Treffen vereinbart wurden, waren für beide Seiten, die europäischen
Länder und die Vereinigten Staaten strikt, denn sowohl die europäischen
Länder als auch die Vereinigten Staaten kamen Liberein, die Importniveaus
beizubehalten, zu denen sie sich 1979 für die Zukunft verpflichtet hatten.
Deshalb besteht kein großer Unterschied zwischen den europäischen und den
amerikanischen Verpflichtungen hinsichtlich der zukünftigen öleinfuhren.
Der wirkliche Unterschied zwischen den europäischen Ländern und den Vereinigten
Staaten bei diesem Treffen betraf eine andere Frage: Ob die europäischen
Verpflichtungen hinsichtlich der Importhöchstgrenzen eine gemeinsame
Verpflichtung für die Europäische Gemeinschaft als ganzes sein sollten oder
nationale Einfuhrgrenzen. Die Vereinigten Staaten waren darauf bedacht,
daß es nationale Einfuhrgrenzen sein sollten, denn nur bei einer klaren
Verpflichtung zu nationalen Einfuhrgrenzen kann man einzelne Länder mit
der Verantwortung zur Erzielung solcher Begrenzungen belasten. Das war
der Punkt, der bei dem Treffen die größte Uneinigkeit schuf und der schließlich
auf eine Weise gelöst wurde, die meiner Meinung nach beide Seiten zufriedenstellte. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft kamen überein, daß die
Gemeinschaft nationale Einfuhrgrenzen angeben und überwachen würde und die
Vereinigten Staaten stimmten zu, daß die Beschränkung bei nationalen Einfuhrgrenzen nicht nur für die nächsten Jahre gelten soll, sondern bis 1985,
wie die europäischen Länder wünschten.

So wurde ein Kompromiß erreicht, bei dem beide Seiten mit ihren Vorschlägen zu strikterer Beschränkung den Sieg davontrugen.

Wir erhielten

die nationalen Einfuhrgrenzen und die europäischen Länder erhielten die
Verpflichtung bis 1985.
FRAGE:

War der Endplan fair für alle Teilnehmer des Gipfeltreffens

oder erreichten einige Länder mehr als andere?
Antwort

�ANTWORT:

Die einzigen Länder, die gemäß dem Gipfel abkommen höhere

Einfuhren haben dürfen, sind Kanada und Japan.
ständen gegenüber.
Produktionsrückgang.

Sie stehen besonderen Um-

Japan hat keine Inlandsproduktion;

Kanada hat einen

Daher würde ich nicht einmal diese beiden Länder als

besondere Gewinner betrachten.

Aber wenn man über die restlichen Teilnehmer-

länder spricht, vor allem die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten
Staaten, so würde ich sagen, daß es für kein einziges Land einen Sondervorteil
gab, sondern alle haben durch die Vereinbarung strikterer Importhöchstgrenzen
gewonnen, und es ist jetzt die Frage, ob diese Höchstgrenzen eingehalten
werden.
FRAGE:

Warum stimmten die Vereinigten Staaten dem EG-Plan von Straßburg

nicht zu, zukünftige öleinfuhren auf das Niveau zu begrenzen, das im Basisjahr 1978 erreicht wurde?
ANTWORT: Das Jahr 1978 war für uns ein außergewöhnliches Jahr. Es
war das Jahr, in dem die Produktion aus Alaska hereinströmte, was zum Ergebnis
hatte, daß unsere Einfuhren in diesem Jahr auf ein ungewöhnlich niedriges
Niveau sanken. Im Jahre 1977 betrugen unsere Einfuhren 8,6 Millionen
Barrel pro Tag; 1978 waren es 7,9 Millionen Barrel pro Tag; 1979 sind es
wieder 8,5 Millionen Barrel pro Tag. Deshalb also war 1978 für uns ein
Ausnahmejahr. Im Gegensatz dazu war es für die europäischen Länder ein sehr
normales Jahr. Wenn man Frankreich, Italien, Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland betrachtet, so war 1978 ein Jahr, in dem sie grob gesprochen die gleichen Einfuhrmengen wie in den anderen Jahren erreichten.
FRAGE: Wie war die Entstehung des abschließenden Übereinkommens auf dem
Tokioter Gipfeltreffen, und wie unterscheidet es sich im Vergleich zum
Straßburger Plan?
ANTWORT:

Es unterschied sich von dem Straßburger Plan hauptsächlich

dadurch, daß es klare nationale Importhöchstgrenzen beinhaltete, während

- 4 -

�während der Straßburger Plan lediglich eine Begrenzung für die Europäische
Gemeinschaft als ganzes vorsah - was wir als eine weniger strikte Verpflichtung
ansahen.

Die Entstehung des Abkommens beruhte auf der Bereitwilligkeit der

europäischen Länder, nationale Importhöchstgrenzen festzusetzen, solange dies
im Kontext der Gemeinschaftspolitik geschah, sowie auf der Bereitschaft der
Vereinigten Staaten, nationalen Importhöchstgrenzen zuzustimmen, die bis
1985 reichten, anstatt früher wegzufallen, wie wir es vorgeschlagen hatten.
So war dies, wie ich glaube, ein fairer Kompromiß.

Übereinstimmung gab es

auch hinsichtlich einer wirkungsvollen Beobachtung der europäischen Länder
innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, sodann innerhalb der Internationalen
Energieagentur für alle Länder außer Frankreich und schließlich innerhalb einer
besonderen neuen Gruppe von Vertretern der sieben Gipfel Staaten, die sich im
Rahmen der OECD organisieren wird.

Ich glaube deshalb, daß uns Aufsicht bald

"aus den Ohren kommen" wird.
FRAGE: Waren die Vereinigten Staaten in der Lage, ihre Partner davon
zu überzeugen, daß sie deutliche Fortschritte auf dem Gebiet des Energieverbrauchs machen?
ANTWORT: Zu Beginn des Treffens herrschte unter den europäischen
Ländern weitverbreitete Skepsis hinsichtlich dieses Punktes. Am Ende des
Treffens war diese Skepsis meiner Meinung nach weitgehend verschwunden.
Wir konnten ihnen zeigen, daß wir damit rechnen, unser Ziel einer fünfprozentigen Einschränkung des geplanten Verbrauchs im Jahr 1979 zu erreichen.
Wir konnten ihnen weiterhin zeigen, daß in den ersten vier Monaten des Jahres
1979 unsere öleinfuhren nur um 5 Prozent angestiegen waren, während die
Einfuhren der Bundesrepublik Deutschland, um nur ein Beispiel zu nehmen,
um 20 Prozent gestiegen waren. Deshalb glaube ich, daß die europäischen
Länder gegen Ende des Treffens damit zufrieden waren, daß der Präsident das
Ziel eines verminderten amerikanischen Ölverbrauchs und -imports nachdrücklicher angeht als sie bisher festgestellt hatten.
Ich

- 5 -

�Ich denke, die europäischen Länder glauben noch immer, und zu Recht,
daß wir, die Amerikaner, von einem höheren Niveau des Pro-Kopf-Energieverbrauchs ausgehen als sie. Das ist eine Tatsache. Was sie nunmehr erkennen
ist, daß wir unseren Verbrauch nachdrücklich und wirkungsvoll herabsetzen,
obwohl wir von einem höheren Niveau des Pro-Kopf-Energieverbrauchs ausgehen
als sie.
FRAGE: Welche Vorschläge machen die Vereinigten Staaten, um ihre
Verpflichtungen beim Gipfeltreffen zur Begrenzung künftiger öl einfuhren
einzulösen?
ANTWORT: Durch Inlandsmaßnahmen zur Dämpfung der Nachfrage und durch
Ihlandsmaßnahmen zur Produktionserhöhung - wie etwa Kohleförderung. Für
1979 sind diese Maßnahmen bereits im Gange und wir schätzen, daß diese
bereits ergriffenen Maßnahmen die Verminderung der öl einfuhren um 5 Prozent
mit sich bringen wird, die die IEA für 1979 fordert. Für 1980 werden wir
zusätzliche Maßnahmen ergreifen müssen.
FRAGE: Erwarten Sie von den anderen europäischen Ländern, daß sie
ihren Verpflichtungen nachkommen?
ANTWORT: Natürlich. Diese Verpflichtungen wurden von den Staatsund Regierungschefs im vollen Licht der Öffentlichkeit eingegangen. Es
wird einen wirkungsvollen monatlichen Beobachtungsmechanismus geben. Es
gibt genug Gründe, um anzunehmen, daß die europäischen Länder ihren Verpflichtungen nachkommen werden.
FRAGE:

Wie trägt all dies zu der Einheit der Gipfelländer bei?

ANTWORT: Es trägt dadurch zur Einheit der Teilnehmer an diesem
Gipfeltreffen bei, daß sie aus dem Treffen mit dem Gefühl kommen, daß es
ihnen gemeinsam gelungen ist, ein wichtiges Problem anzugehen. Wenn d_as

- 6

�das Gipfeltreffen in Meinungsverschiedenheit geendet hätte, d.h. wenn
der Gegensatz zwischen den nationale

Importhöchstgrenzen fordernden

Vereinigten Staaten und den sie ablehnenden europäischen Ländern nicht
überbrückt worden wäre, und die Teilnehmer aus diesem Treffen mit dem
Gefühl heimgegangen

wären, daß sie nicht in der Lage waren, gemeinsam

ein so dringendes wichtiges Problem wie die Energiekrise anzupacken, dann
hätte dies meiner Meinung nach die Beziehungen zwischen den wichtigsten
Industrieländern untergraben.

Statt dessen gingen sie mit dem Gefühl, daß

sie trotz Meinungsverschiedenheiten zu einem Konsens hinsichtlich der geforderten Aktion gekommen waren und dies wird in meinen Augen die Beziehungen
zwischen den wichtigsten Gipfelländern stärken.
FRAGE:

Welche Entscheidungen wurden auf dem Gipfel getroffen, die den

Energieverbrauch in den Entwicklungsländern beeinflussen?
ANTWORT: Ich hoffe, daß wir durch eingeschränkten Energieverbrauch,
durch eingeschränkte öleinfuhren in die Gipfelländer sicherstellen, daß die
Entwicklungsländer bei der Jagd nach den begrenzten ölvorräten nicht völlig
zur Seite gestoßen werden. Aber auf dem Gipfeltreffen wurde auch Übereinstimmung darüber erzielt, den Entwicklungsländern bei der Erhöhung ihrer
Energieproduktion zu helfen und zwar aus zwei Gründen: Einmal, weil wir
diesen Ländern helfen wollen, ihre Politik auf eine breitere Grundlage zu
stellen und zum anderen, weil ihre erhöhte Energieproduktion zu einem
besseren weltweiten Gleichgewicht zwischen Energieangebot und -nachfrage
beitragen wird. So behielten die Staats- und Regierungschefs in Tokio
auch die Auswirkung der Energiekrise auf die Entwicklungsländer genau im
Auge.
FRAGE: Welche Wirkung wird die kürzliche öl Preiserhöhung der OPECLänder auf die Entwicklungsländer haben?
ANTWORT:

Die Wirkung auf die Entwicklungsländer ist äußerst schwerwiegend.

Diese Länder werden für Energie mehr bezahlen müssen und sie werden auch

- 7 -

�auch für andere Einfuhren von ihren Handelspartnern mehr zu zahlen haben,
denn der Preis für diese Güter wird in dem Maße steigen, wie der Preis für
Energie steigt.

Da die höheren öl preise die wirtschaftliche Tätigkeit in

der industrialisierten Welt drücken werden, wird es dort weniger Nachfrage
nach Exporten aus den Entwicklungsländern geben. Daher werden teuere Einfuhren und weniger Ausfuhren die Entwicklungsländer in eine äußerst unangenehme
Lage bringen. Die Auswirkung auf die Industriestaaten wird, wenn auch etwas
weniger stark, immer noch ernst genug sein.

Das bedeutet weniger Wachstum

und höhere Inflation für alle in Tokio vertretenen Industrieländer,d.h.,
eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage.

+ + + + +

- 8-

�11. Juli 1979

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KOHLEUMWANDLUNG VOR ORT
US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer
Kohlevergasung mit der Industrie

- (AD) - Mitarbeiter des amerikanischen Energieministeriums erörterten
in einem viertägigen Seminar in Washington mit Vertretern der Industrie
die Aussichten und Möglichkeiten einer Kohleumwandlung unter Tage. Das
Verfahren der unterirdischen Gasproduktion - dort also, wo die Kohle liegt erscheint auf den ersten Blick plausibel und gar nicht so schwierig: Zwei
Schächte werden in die kohleführende Schicht niedergebracht, die nahe der
Basis durch künstliche Rißbildung durchlässig gemacht wird, damit sich eine
Verbindung von Schacht zu Schacht ergibt. Unter Luft- oder Sauerstoffzufuhr über den einen Schacht wird die Kohle an der Basis entzündet. Dadurch
geraten etwa 15 Prozent der Kohle in Brand. Diese erzeugt genug Wärme, um
die restlichen 85 Prozent zu vergasen. Das Gas entweicht durch den zweiten
Schacht und wird zur Weiterverwendung gesammelt.
Bei Anwendung dieses Verfahrens ließe sich vor allem solche Kohle verwerten, deren Abbau mit den herkömmlichen Verfahren z.Zt. unwirtschaftlich

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�unwirtschaftlich wäre.

Nach Ansicht von Cyril W. Draffin (Abteilung

Gasproduktion im US-Energieministerium)

bestünde mittels "unterirdischer

Kohleumwandlung" (UCC = Underground coal conversion) die Möglichkeit, auch
jene Kohle zu nutzen, die zu viele Beimengungen enthält, zu tief liegt und
zu naß ist, bei der die kohleführende Schicht zu schräg verläuft oder deren
Abbau mit herkömmlichen Verfahren auf grund der Beschaffenheit des Deckgebirges zu gefährlich wäre.
Theoretisch könnte ein "unterirdisches Gaswerk" auch Gas für Veredelungsprozesse zur Methanol- und Benzingewinnung liefern.
fällt als Nebenprodukt synthetisches Erdgas (SNG) an.

Bei Methanolproduktion
Der Transport von

Methanol und Bezin per Bahn zu den Verbrauchermärkten wäre wesentlich wirtschaftlicher als der Transport von Rohkohle. Außerdem könnte das Synthesegas
in Fernleitungen eingespeist werden, um die Versorgung mit einem Brennstoff
zu ergänzen, der heute als der sauberste und am einfachsten zu handhabende
gilt.
Erhebungen des US-Energieministeriums zeigen, daß in den Vereinigten
Staaten die Kohle 90 Prozent der Brennstoffreserven ausmacht, Erdgas ca.
vier Prozent, öl und nukleare Brennstoffe jeweils drei Prozent.

Aber der

amerikanische Energiebedarf wird jöchstens nur zu 19 Prozent mit Kohle gedeckt.

Bisher hielt man die unterirdische Kohlevergasung mangels praktischer

Erfahrungen technisch für zu schwierig, um sie in nennenswertem Umfang in
Angriff zu nehmen.
Es gab in den USA nur vereinzelte Forschungsprojekte in dieser Richtung.
Wade Watkins, stellvertretender Direktor der Abteilung für die Gewinnung
fossiler Brennstoffe (US-Energieministerium), verwies jedoch darauf, daß
die Sowjetunion auf diesem Gebiet bereits recht erfolgreich arbeite.

Für

die Kohlevergasung hätten in den Vereinigten Staaten bisher weder der
Kohlebergbau noch die Gewerkschaften oder die Politiker nennenswertes
Interesse gezeigt.

(Die Idee wurde in Amerika schon 1868 zum ersten Mal

�Mal erörtert, Versuche auf Kohlefeldern gibt es seit 1912. Die UdSSR
dagegen hat seit ca. 40 Jahren Feldprogramme laufen und betreibt seit
etwa 20 Jahren die unterirdische Vergasung auf halbkommerzieller Basis.)
Das Seminar vom 18. - 21. Juni 1979 sollte der US-Industrie Anregungen
geben, mehr für Forschung und Entwicklung auf diesem speziellen Sektor zu
investieren. Außerdem sollen durch die jetzt geschaffenen Kontakte die Wege
für die Anwendung einer Technologie geebnet werden, die die unterirdische
Kohlevergasung auf kommerzieller Basis Mitte bis Ende der achtziger Jahre
möglich macht. Wie Cyril Draffin erklärte, müsse sich das Programm zunächst auf minderwertige Kohle konzentrieren. Vermutlich wird es zwei
parallel laufende Projekte geben, um sowohl Erfahrungen in der UntertageVergasung mit Luftzufuhr (Gewinnung von Gas geringen Heizwertes, insbesondere
für Elektrizitätswerke geeignet) als auch unter Sauerstoffzufuhr (für die
Erzeugung von Gas mittleren Heizwertes) zu sammeln. Letzteres wird von
Mineralöl-, Gas- und Chemieunternehmen benötigt, die an der Weiterverarbeitung
des Gases für die Synthesegasgewinnung oder für die Herstellung von
chemischen Produkten interessiert sind.
Nach den Untersuchungen des US-Energieministeriums machen die
amerikanischen Kohlereserven bis in 1800 m Tiefe (was heute als maximale
Tiefe für den Abbau gilt) rund 6,3 Billionen Tonnen aus. Davon seien, so
Draffin, ca. 430 Milliarden Tonnen für den Abbau nach herkömmlichen Verfahren
zugänglich. Mittels einer unterirdischen Kohleumwandlung ließen sich jedoch zusätzliche 1,8 Billionen Tonnen erschließen. "Tatsächlich sind die
in Frage kommenden Reserven so umfangreich", meint der Bergbaufachmann
Paul R. Wieber vom Energieministerium, "daß man Kohle praktisch als unerschöpflichen Energierohstoff ansehen kann."
Große Bedeutung kommt laut Wieber auch dem Umstand zu, daß bei einer
Untertage-Vergasung mit angeschlossenem Veredelungsbetrieb alle Umweltprobleme auf einen begrenzten Bereich konzentriert seien. Umweltschutz-

- 3 -

�Umweltschutzmaßnahmen könnten daher effektiver durchgeführt werden.

Das

Produkt sei ein sauberer gasförmiger oder flüssiger Brennstoff, der so gut
wie keine Kontrolltechnologie benötige.
Als möglichen Standort für einen künftigen "Energiepark" in Verbindung
mit der Kohlevergasung unter Tage nannte Wieber ein Gebiet im Norden des
Bundesstaates Wyoming, wo im doden bis 660 m Tiefe nicht weniger als 12
kohleführende Schichten ausgemacht wurden.

Würde dort ein Feld von fünf

mal acht Kilometern Ausdehnung erschlossen (was für die Untertagevergasung
praktikabel ist), so enthielte dieses etwa 4,5 Milliarden Tonnen Kohle d.h. das Sechsfache der gegenwärtigen Jahresförderung der Vereinigten Staaten
(750 Millionen Tonnen).

Mit der Kohle des Energieparks könnten, so Wieber,

insgesamt 29 Kraftwerke von 1 000 Megawatt Leistung 20 Jahre lang betrieben
werden;

ebenso sei über einen Zeitraum von 20 Jahren die Produktion von

Synthesegas im Umfang von 50,4 Milliarden cbm pro Jahr denkbar - Möglichkeiten,
deren Verwirklichung man ernsthaft angehen sollte.
Einer Untersuchung der "Energy Information Administration" zufolge
wird
.

1) die Kohleproduktion bis zum Jahr 1990 auf 1,3 bis 1,6 Milliarden
Tonnen pro Jahr (1977:

695 Millionen Tonnen) ansteigen;

2) die Zuwachsrate für den Gesamtenergieverbrauch in den USA sich
in der Zeitspanne von 1977 bis 1990 zwischen 1,6 und 2,8 Prozent
bewegen (im Vergleich zu 2,6 Prozent Durchschnittswert für die
Zeit von 1962 - 1977);
•

3) die Kraftwerksmarktpreise für
gesetzes wieder
Bis 1990 dürfte

und übrige
öl und der
mehr Kohle
der Anteil

Industrie infolge der steigenden WeltBestimmungen des Nationalen Energiestatt öl und Erdgas in Anspruch nehmen.
der Kohle am industriellen Energiever-

- 4 -

�Energieverbrauch bis 23 Prozent ansteigen (1977:

17 Prozent)

Bei den Kraftwerken ist eine Steigerung des Kohleanteils auf
52 - 58 Prozent im Jahr 1990 zu erwarten (1977:

+ + + + +

45 Prozent).

�Uli//cn/choft
w\d Technik
International Communication Agency
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11. Juli 1979

25

VOYAGER 2: RENDEZVOUS MIT JUPITER
Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde VOYAGER 2, schon seit den
letzten Junitagen im Griff des gigantischen Magnetfeldes des Planeten
Jupiter, erreichte in der Nacht zum 10. Juli 1979 mit 640 000 km die
größte Annäherung an den Riesenplaneten.

Am 20. August 1977 am Kap

Canaveral gestartet, wird sie nach Abschluß der Messungen und Fernsehbeobachtungen am Jupiter Kurs zum Planeten Saturn nehmen.

Sie folgt

damit den Spuren ihrer Schwestersonde VOYAGER 1, die durch ihre Sondierungen
der Jupiterwelt während der Monate Februar, März und April 1979 - mit
Annäherung an den Riesenplaneten bis auf 277 000 km am 5. März - der
Forschung sensationelle neue Ergebnisse und Arbeitsmaterial für viele
Jahre lieferte.

VOYAGER 1 wird im November 1980, VOYAGER 2 im August 1981

den Saturn erreichen.

Nach Abschluß der Beobachtungen wird VOYAGER 2 dann

weiterfliegen zum Planeten Uranus, den die Sonde im Januar 1986 passiert,
Der Weg von VOYAGER 2 durch das "Jupiter System" - die Wissenschaftler
neigen immer mehr dazu, den größten Planeten unseres Sonnensystems als

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�als Zentrum einer eigenen Planetenwelt zu betrachten - verlief anders als
der von VOYAGER 1.

Die Sonde hatte u.a. die Aufgabe, bisher unbekannte

Regionen auf den für Beobachtungen zugänglichen Monden des Jupiter zu untersuchen sowie spezielle Untersuchungen vorzunehmen, um Erkenntnisse zu den
aufsehenerregenden Entdeckungen von VOYAGER 1 zu vertiefen.

So waren dieses

Mal die Instrumente auf die andere Hälfte der Oberflächen der Monde Ganymed
und Kallisto gerichtet, um auch von dort Aufnahmen mit hoher Bildauflösung
zu bekommen. Außerdem passierte VOYAGER 2 den Satelliten Europa, den mittleren
der inneren fünf Jupiter-Monde, in sehr viel geringerer Entfernung als
VOYAGER 1 (732 245 km). Dadurch ist dieses Mal die Bildauflösung etwa zehnmal
größer. Mit Spannung wird nun die Auswertung der Fotos samt Meßdaten erwartet.
VOYAGER 2 nahm den von VOYAGER 1 erstmals bestätigten, ca. 30 km dicken
Ring um den Planeten Jupter von verschiedenen Sichtwinkeln aus unter Beobachtung.

Frühere Untersuchungen hatten die Vermutung aufkommen lassen,

daß der Jupiter ein Ringsystem haben könne - bestehend aus Partikeln fester
und aus gasförmiger Materie. Aber dieser ist von Erdobservatorien aus nicht
wahrnehmbar.

So war die erste Bestätigung seiner Existenz als schwach

leuchtendes Band auf einem der VOYAGER 1-Bilder eine Sensation. Der Ring
umgibt den Planeten in ca. 130 000 km Abstand vom Jupiter-Zentrum.

Er

wird von manchen Wissenschaftlern als eine Art Statussymbol und Merkmal
einer eigenen Planetenwelt betrachtet.
Die Sonde VOYAGER 2 wurde so "nachprogrammiert", daß sie Vulkanausbrüche auf dem Monde Io, dem zweiten Satelliten des Jupiter-Systems, in
Zeitlupe aufnehmen konnte. Die völlig unerwarteten Eruptionen, die
VOYAGER 1 erfaßte, dauerten teilweise zwei Stunden und länger. Io umkreist
den Jupiter in 360 000 km Abstand und hat etwa die Größe oes Erdmondes. Er
ist übrigens der einzige bisher bekannte Körper im Sonnensystem, der, wie
die Erde, aktive Vulkane besitzt. Die Wissenschaftler vermuten, daß seine
Vulkane durch enorme Gezeitenkräfte sowohl vom "Mutterplaneten" Jupiter als

- 2 -

�als auch von den größeren Galilei sehen Monden, Ganymed und Kallisto, "aufgepumpt" werden.
Von der Erde aus hatte man bereits Natrium- und Schwefelwolken um den
Satelliten Io beobachtet, der ebenso wie sein Nachbar Amalthea
eine Gesteinsoberfläche besitzt. (Im Gegensatz dazu besteht bei Ganymed
und Kallisto die Oberfläche hauptsächlich aus Eis, in das Felsbrocken eingelagert sind.) Der orange, leuchtend rot und an manchen Stellen weiß gefärbte
Io besitzt eine junge Oberfläche. Sie scheint aus Natrium- Kalium- und
Schwefel salzen zu bestehen. Bei den "heißen Zentren" könnte es sich um
Lavaseen handeln. Einschlagkrater von Meteoriten, wie sie für "alte"
Oberflächen aus einer früheren Periode unseres Sonnensystems kennzeichnet
sind, findet man nicht auf Io. Das deute darauf hin, meint Projektwissenschaftler Dr. Edward Stone, daß die Oberfläche nur etwa 10 bis 100 Millionen
Jahre alt sein könne.
Io besitzt ein heißes Innere. Seine heftige vulkanische Aktivität aufgrund der Beobachtungen von VOYAGER 1 wurden Auswurfgeschwindigkeiten
von 1 000 m pro Sekunde errechnet - erklärt auch zum Teil die torusähnliche
Wolke magnetischer Partikel um den Jupiter. "Diese Wolke war viel dichter,
als wir vermuteten, und viel heißer", erklärte Stone. Es sei eine Wolke mit
Partikelbewegungen, die a'ner Temperatur von etwa 100 000 Grad Celsius entsprächen. Sie sei so heiß und dicht, daß sie oszilliert. Und in der Tat
konnte bereits VOYAGER 1 lange vor der Ankunft beim Jupiter die IonenVibration in Radiofrequenzbereichen zwischen 10 000 und 1 000 000 Hertz
"hören".
Der dritte Satellit, Europa, den VOYAGER 2 jetzt aus großer Nähe
unter die Lupe nahm, hat ein völlig anderes Gesicht.

Viele der kreuz und

quer laufenden langen sich vielfach überschneidenden dunklen Linien
reichen weit um den Mond herum.

Dabei könnte es sich um Verwerfungen

handeln, die die Oberfläche mit ihren hellen und dunklen Regionen aufgerissen haben.

Die Wissenschaftler nehmen an, daß dieser Mond zu 20 Prozent

�Prozent aus Wasser besteht und eine etwa 100 km dicke Eiskruste besitzt.
Von völlig anderer Beschaffenheit scheinen dagegen die äußeren zwei
Galileischen Monde zu sein.

Die Oberfläche des Ganymed sieht aus wie ein

gepflügtes Feld, bei dem sich gruppenweise parallel laufende Furchen überlagern oder mit anderen solchen "Gruppen" überschneiden.

Die kleinsten

Merkmale, die auf den Aufnahmen von VOYAGER 1 noch auszumachen waren, haben
in Wirklichkeit 3 000 m Durchmesser.

Auf den Fotos findet sich ein

Grabensystem, das bis etwa 50 km weit auseinandergerissen ist - so, als
hätten Bodenbewegungen das ursprüngliche Muster zerstört.

Es finden sich

Krater, Gestein und Anzeichen für - längst erstarrte - Driftbewegungen
entlang von Verwerfungslinien.

Dies läßt auf Kräfte schließen, die jenen

ähnlich sind, welche die Kontinentaldrift hier auf unserer Erde bewirken.
Kallisto

ist mit 1,8 Millionen Kilometern Abstand vom Jupiter der

äußerste der vier Galileischen Monde.

Er präsentiert die älteste Oberfläche -

übersät und zerpflügt von AufSturzkratern, die mehr als eine Milliarde Jahre
alt sein dürften.

Ein auffälliges Merkmal ist ein riesiges,von konzentrischen

Ringen umgebenes Becken - vergleichbar mit der erstarrten Oberfläche von
Wasser, in das man einen Stein geworfen hat.
In den letzten Tagen vor dem Rendezvous mit Jupiter funkte VOYAGER 2
u.a. zahlreiche Fotos von den Wolkenstrukturen in verschiedenen Regionen
des Riesenplaneten zur Erde. Während noch auf den VOYAGER 1-Bildern
Turbulenzzentren und auffällige kleinere Formationen an dem schon seit
mindestens 400 Jahren bekannten "Roten Fleck" zu erkennen waren, haben
sich einige dieser Wolkensysteme in der Zwischenzeit vom Roten Fleck entfernt.
Auch dieser selbst, ein gigantischer Wirbel, hat sich seit März dieses
Jahres verlagert.
Die Luftmassen dieses Wirbels bewegen sich, dem Urzeigersinn entgegengesetzt, mit einer Geschwindigkeit, bei der sie für eine komplette Rotation

�Rotation sechs Tage benötigen.

Die Temperaturen über dem Wirbel sind

entschieden niedriger als in den Nachbarregionen.

Und wie jetzt bestätigt

wurde, existiert auf der nördlichen Hemisphäre ein Jetstrom hoher Geschwindigkeit, der sich gleichlaufend zur Planetenrotation bewegt und offenbar auf bestimmte Breitengrade fixiert ist.

+ + + + +

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�I

UUi//cn/choft
und Technik
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11. Juli 1979

PIONIER-11-BESUCH BEIM PLANETEN SATURN

- (AD) - Die ersten Nahaufnahmen von Saturn und seinem Ringsystem
sind von der amerikanischen Raumsonde PIONIER 11 zu erwarten, wenn sie
am 1. September 1979 den Planeten passiert. Die im April 1973 am Kap
Canaveral gestartete Sonde erreichte im Dezember 1974 den Planeten Jupiter,
von dem sie seinerzeit Hunderte von Farbfotos und eine Flut von Meßdaten
zur Erde übermittelte.,
Unter Ausnutzung der Gravitationswirkung dieses größten Planeten
unseres Sonnensystems wurde PIONIER 11 damals auf eine Bahn katapultiert,
die - bei nur geringen zusätzlichen Kurskorrekturen durch kleine Bordtriebwerke - das Rendezvous mit Saturn ermöglicht. Die wichtigsten der
12 Instrumente sind noch intakt- Ein Photopolarimeter, das seit dem
Looping am Jupiter vor viereinhalb Jahren wegen Störungen bei den Navigationssensoren für die Kurskontrolle benutzt wurde, wird ca„ 100 Aufnahmen hoher
Bildauflösung übermitteln. Ein Infrarot-Radiometer (beide Instrumente
sind Entwicklungen einer Tochtergesellschaft der Hughes Aircraft Comp.)
nimmt Wärmebilder vom Planeten Saturn auf und untersucht die chemische

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�chemische Zusammensetzung seiner Atmosphäre.
Der Saturn ist mit 120 800 km Äquatordurchmesser (die,Polachse ist infolge
der hohen Rotationsgeschwindigkeii von nur 10 Stunden 14 Minuten um ca.
10 Prozent kleiner) der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems.

Sein

mittlerer Abstand zur Sonne beträgt 1,438 Milliarden Kilometer, seine Umlaufzeit 29,5 Jahre.

Die Entfernung zur Erde variiert zwischen 1,2 und

1,65 Milliarden Kilometern, so daß Funkbotschaften von Forschungssonden in
Saturn-Nähe von 67 bis 92 Minuten bis zu uns brauchen.
Ende 1973 war es den amerikanischen Astronomen Richard Goldstein und
George Morris (Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien) zum
ersten Mal gelungen, Saturn samt Ringsystem mit Radarstrahlen zu sondieren.
Vom Planeten selbst bekamen die Forscher nur schwache, von den flachen
"Scheiben" seiner Ringe um den Äquator dagegen sehr kräftige Echos. Die
zurückkommenden Signale wurden so interpretiert, daß das Ringsystem zum
größten Teil aus Brocken fester Materie mit rauher, stark unebener Oberfläche
bestehen müsse.
Die Helligkeit des Saturn, den, soweit man bisher weiß, zehn Monde
begleiten, ist größer als die des Planeten Jupiter. Da er noch stärker
leuchtet als z.B. weiße Wolken, wird angenommen, daß nicht nur Reflektion
von Sonnenlicht, sondern auch Vorgänge, die Eigenlicht erzeugen, dem
Leuchtphänomen zugrundeliegen. Es wird heute ähnlich wie Jupiter als eine
Art Mini-Sonnensystem betrachtet. Nach Berechnungen von John S. Lewis,
Professor der Geochemie und Chemie am MIT (Massachusetts Institute of
Technology in Boston),dürften bei Jupiter und Saturn wegen ihrer Größe
und ihrer Entfernung zur Sonne die Gase des Urnebels, aus dem unser Sonnensystem entstand, erhalten geblieben und die beiden Himmelskörper in Zusammensetzung der Sonnenmaterie recht ähnlich sein.
Weniger deutlich als bei Jupiter scheinen die Farbbänder der dichten

�dichten Wolkenhülle des Planeten Saturn gegeneinander abgegrenzt zu sein,
wobei der breite, sehr helle Äquatorgürtel einen starken Kontrast zu den
dunkelgrünen Polgebieten bildet.

Die Ergebnisse spektrographischer Unter-

suchungen deuten auf eine sehr tiefe Atmosphäre mit großen Anteilen von
Ammoniakgas und Methan, wobei - im Gegensatz zu Jupiter - Methan überwiegt.
Die enorme Beschleunigung, die PIONIER 11 im Schwerefeld des Jupiter
erfuhr, erzwangen bei der Sonde eine Kursänderung,die einem halben Looping
um die Jupiter-Pole vergleichbar ist. Die neue Bahn führte in die Heliosphäre
zurück. PIONIER 11 passierte nie zuvor erforschten Raum weit über der Ebene
der Ekliptik. In hohem Bogen führte ihn der durch die Swingby-Beschleunigung
eingeschlagene Kurs über Erdbahn und Sonne hinweg bis zur Umlaufbahn des
Saturn. Die Forschungssonde schneidet diese Bahn just zu dem Zeitpunkt, an
dem sich der Planet auf seinem Lauf um die Sonne in diesem Bereich befindet.
Schon 15 Monate später, im November 1980, wird VOYAGER 1 nach seinem spektakulären Vorbeiflug am Jupiter im März 1979 ebenfalls den Saturn erreichen
und dort erneut der Forschung als Ferninstrument dienen. Swingby-Manöver
machen es möglich, Anflugzeiten zu Zielen in den Außenbereichen unseres
Sonnensystems um Jahre zu verkürzen.

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�I

Uli//en/chofl
und'
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11. Juli 1979

KÜNFTIGE KRISEN: SIND SIE ZU VERHINDERN?
Versuch zur Entwicklung eines Frlihwarnsystems für schwerwiegende
gesellschaftliche Probleme

- (AD) - In einer über zwei Jahre laufenden Studie, die im Auftrag
des Wissenschaftsberaters von Präsident Carter durchgeführt wurde, hat
das "Stanford Research Institute (SRI) International" (Menlo Park, Kalifornien) den Versuch unternommen, ein "Frühwarnsystem" zur Identifizierung
schwerwiegender Probleme der Gesellschaft zu entwickeln. Die Forschergruppe
vom SRI-Zentrum für Gesell Schaftspolitik unter der Leitung von Peter Schwartz
befaßte sich in erster Linie damit, Probleme von nationaler oder internationaler Bedeutung zu identifizieren und zu analysieren, die heute schon
existieren, aber nicht genügend Beachtung finden und sich in den nächsten
Jahrzehnten zu schweren Krisen auswachsen könnten.
Komplexe wie Umweltverschmutzung, Beseitigung nuklearer Abfälle oder
Energieverknappung wurden nicht behandelt, weil sich Wissenschaftler,
Wirtschaftler und Politiker dieser Probleme bereits ausreichend annehmen.
Aus der Fülle des ausgewerteten Materials, das Veröffentlichungen zahl-

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�zahlreicher internationaler Organisationen, Meinungsumfragen unter Wissenschaftlern und Experten der verschiedensten Fachgebiete, Analysen technologischer
und gesellschaftlicher Neuentwicklungen, Studien zu gegenwärtigen Problemtrends und selbst Voraussagen in der Science-Fiction-Literatur umfaßte,
kristallisierten sich 41 mögliche Krisenherde heraus.

Schwartz verweist vor

allem auf folgende Probleme:
-

Wachsender Konflikt zwischen zentraler Kontrolle und individueller
Freiheit;

-

Unterernährung als primäre Ursache einer Beeinträchtigung der geistigen
Entwicklung, durch die das soziale Gleichgewicht gestört werden könnte;

-

Ausschluß der älteren Generation von kulturellen Aktivitäten;

-

Chronische Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung;

-

Nachteilige Auswirkungen der Technologie (z.B. von Fernsehen und
zunehmender Mechanisierung) auf die Psyche;

-

Katastrophenträchtige Experimente in Physik und Biologie;

-

Die Gefahren der Computer-Abhängigkeit.

"Die Probleme der Zukunft werden von jenen Problemen»mit denen wir
uns bisher erfolgreich auseinandersetzten, grundlegend verschieden sein",
meint Schwartz. "Früher konzentrierte der Mensch seine Energien auf die
Lösung von Problemen der Welt, wie er sie vorfand. Die kritischen Probleme
der Zukunft sind die Probleme einer Welt, wie wir sie gemacht haben."
Nach Meinung der SRI-Forschergruppe gibt es keine Patentlösungen für die
so vielschichtigen Komplexe.

Um so wichtiger sei es deshalb, Lösungsversuche

- 2 -

�Lösungsversuche seitens der Politiker, der Wirtschaft und der Wissenschaft
laufend zu überprüfen, anzupassen und beharrlich weiterzuverfolgen.

Mit

Gesetzen und neuen Technologien allein seien nur Teillösungen zu erhoffen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Erklärung zum Abschluss des Tokioter Gipfeltreffens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur OPEC-Ölpreiserhöhung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Ergebnisse des Tokioter Wirtschaftsgipfels aus amerikanischer Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Sam Burks -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohleumwandlung vor Ort&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer Kohlevergasung mit der Industrie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Voyager 2: Rendezvous mit Jupiter&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pionier 11-Besuch beim Planeten Saturn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Künftige Krisen: sind sie zu verhindern?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Versuch zur Entwicklung eines Frühwarnsystems für schwerwiegende gesellschaftliche Probleme&lt;/em&gt;</text>
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UftCl

Dokumcnlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

1 1 . J u l i 1984

INHALT
INFORMATION
Vereinigte Staaten akzeptieren Gesprächsvorschlag über Weltraumwaffen
- Äußerungen von Außenminister Shultz -

DOKUMENTATION
James Goodby sieht Grund für vorsichtigen Optimismus
- Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -

HINTERGRUNDMATERIAL
30 Jahre amerikanische Nahrungsmittelhilfe
Chemikalien für Industrie- und Wirtschaftszwecke
- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 2. Quartal 1984 Ziel: Zerschlagung der Händlerringe
- Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes
Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Studie zu Kombinationstherapie bei Psoriasis

Um Übcr/cndung von
ßcicgcxcmplorcn
wird gebeten

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�11. Juli 1984

28

VEREINIGTE STAATEN AKZEPTIEREN GESPRÄCHSVORSCHLAG ÜBER WELTRAUMWAFFEN
- Äußerungen von Außenminister Shultz -

Hongkong -(AD)- Außenminister George Shultz hat unterstrichen, daß
die Vereinigten Staaten den sowjetischen Vorschlag für Gespräche über
Weltraumwaffen

ohne

Vorbedingungen

akzeptieren. Die Gespräche

sollen

Mitte September in Wien aufgenommen werden.

Dies erklärte Shultz am 7. Juli vor Journalisten, die ihn an Bord
seiner Maschine auf dem Flug nach Hongkong begleiteten. Shultz befindet
sich gegenwärtig auf einer Rundreise durch Asien. Er wird an der Konferenz der ASEAN-Gruppe am 12. und 13. Juli in DJakarta und am Jahrestreffen der Staaten der ANZUS-Organisation, der Australien, Neuseeland und
die Vereinigten Staaten angehören, am 16. und 17. Juli in Wellington
teilnehmen. Weitere Stationen seiner Reise sind Hongkong, Malaysia, Singapur, Australien und Honolulu.

Wie Shultz weiter bemerkte, sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß auch offensive Waffensysteme, d.h., Interkontinentalraketen,
eine "Militarisierung des Weltraums darstellen." "Deshalb werden wir auch

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�wir auch verschiedene Typen von strategischen Systemen auf die Tagesordnung bringen," fuhr Shultz fort.

Er bemerkte, daß zwar verschiedene Äußerungen von sowjetischen Regierungsvertretern, darunter auch Außenminister Gromyko, darauf hindeuteten,
daß die Sowjets nicht bereit seien, über die von ihnen vorgeschlagene Tagesordnung, die nur die Weltraumwaffen umfasse, hinauszugehen, daß Moskau
aber andererseits auf die weitergehenden

amerikanischen Vorstellungen

bisher "nicht offiziell reagiert" habe. Shultz betonte, daß die Vereinigten Staaten nach wie vor bereit seien, "die Verhandlungen über strategische und nukleare Mittelstreckenwaffen wieder aufzunehmen."

Man geht davon aus, daß die Sowjets bei den von ihnen vorgeschlagenen
Gesprächen vor allem bestrebt sein werden, die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen Beschränkungen zu unterwerfen. Während das von den Vereinigten Staaten entwickelte System jetzt erst ins Erprobungsstadium eintritt, verfügen die Sowjets bereits über ein einsatzfähiges Anti-Satelliten-System.

"Wir sind nach wie vor der Meinung, daß Abkommen auf diesem Gebiet
äußerst

schwierige

Verifikationsprobleme

aufwerfen

würden",

meinte

Shultz. Er fügte jedoch hinzu: "Wir hätten uns aber nicht bereit erklärt,
nach Wien zu kommen, wenn wir nicht glaubten, daß es zumindest einige
verhandlungsfähige Aspekte gibt."

Er sagte weiterhin, daß die Vereinigten Staaten den sowjetischen Gesprächsvorschlag "ernst nehmen" und entsprechend reagieren. Er wies darauf hin, daß die Eröffnungsrunde der Gespräche im September prozeduraler
Natur sein und sich auf die Verhandlungs"modalitäten" konzentrieren werde. Zu den Themen, die zu erörtern sein werden, gehören u.a. die Zusammensetzung der beiden Delegationen und der politische Rang der Delegationsleiter.
Bereits am 6. Juli hatte Alan Romberg, der stellvertretende Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, erklärt, daß die Vereinigten Staa-

�Vereinigten Staaten den sowjetischen Vorschlag "ohne Vorbedingungen" akzeptiert hätten, und zwar noch "an dem gleichen Tag, an dem er unterbreitet wurde." Er fügte hinzu, daß "Einzelheiten der Gespräche weiterhin mit
den Sowjets über diplomatische Kanäle erörtert" würden.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Juli 1984

28

JAMES GOODBY SIEHT GRUND FÜR VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -

STOCKHOIM - (AD) - In einer Erklärung vor der Vollversammlung der
Konferenz

über

Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Ab-

rüstung in Europa

(KVAE) sagte der amerikanische Chefdelegierte James

Goodby am 6. Juli 1984 in Stockholm, bestimmte Staaten "kultivieren eine
Atmosphäre der Krise anstatt der Aussöhnung."

Gleichzeitig betonte er

jedoch, daß es Anlaß zu "vorsichtigem Optimismus" gebe, da viele der Delegationen - einschließlich jener, die für den mangelnden Fortschritt
verantwortlich seien - in eine tatkräftigere und analytischere Debatte
eingetreten seien.

Die Erklärung von Botschafter Goodby vor der KVAE-Vollversammlung hat
folgenden Wortlaut:
Von Beginn dieser Konferenz an hat meine Delegation auf das Ziel
hingearbeitet, eine gemeinsame Basis für die
schaffen, die uns unterbreitet wurden.

Ideen und Vorschläge zu

Wir haben in allen Einzelheiten

die Elemente unserer Vorschläge dargelegt und auf Fragen reagiert, die
bezüglich dieser Vorschläge an uns herangetragen wurden. Wir haben andere

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�haben andere Vorschlage geprüft und diskutiert und dargelegt, was wir als
Bereiche möglicher Übereinstimmung ansehen. Meine Delegation verzichtete
immer wieder darauf, Themen nachzugehen, die außerhalb des eigentlichen
Verhandlungsrahmens lagen, um so der Stockholmer Konferenz eine größere
Chance einzuräumen, jene Probleme zu lösen, die uns vorlagen.
Meine Regierung ist sehr aufmerksam den Ausführungen unserer Verhandlungspartner gefolgt und hat die besondere Bedeutung festgestellt, die
manche von ihnen dem beigemessen haben, was sie einmal das "Hauptproblem"
genannt haben - die Verpflichtung nämlich, bei unseren wechselseitigen
Beziehungen keine Gewalt anzuwenden.

Der Präsident der Vereinigten Staa-

ten hat die Bereitschaft seiner Regierung zum Ausdruck gebracht, dieses
zentrale Anliegen vieler Delegationen zu diskutieren, damit die Besorgnisse vieler weiterer Delegationen in einem konkreten Dialog angegangen
werden können.

Am 4. Juni sagte Präsident Reagan: "Falls Verhandlungen

über eine erneute Verpflichtung auf das Prinzip des Gewaltverzichts - ein
Prinzip, an das wir aus innerster Überzeugung heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen könnten, auch über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und konkrete Bedetung verleihen würden, so wären
wir gern bereit, solche Gespräche aufzunehmen."

Unsere Bemühungen wurden Teil der Bemühungen vieler anderer Delegationen hier in Stockholm. Was ich gerade über die amerikanische Haltung
gesagt habe, könnte auch von vielen anderen hier am Tisch bezüglich ihrer
eigenen Position gesagt worden sein.

Aber noch immer ist es nicht mög-

lich zu sagen, daß echte Verhandlungen begonnen hätten. Einer der Hauptgründe hierfür ist die Tatsache, daß einige wenige Delegationen die konzerierte Anstrengung unternommen haben, unsere Meinungsverschiedenheiten
eher zu übertreiben als hier für einen Ausgleich zu sorgen.

Sie haben

eher eine Atmosphäre der Krise denn des Kompromisses kultiviert.

Sie ha-

ben systematisch themenfremde Fragen aufgeworfen, die eigentlich in anderen Verhandlungsforen behandelt werden sollten, wo dies aber von einer
jener Delegationen verhindert wird.

Sogar die Qualität der Diskussionen

wurde durch Beschuldigungen beeinträchtigt, die oft genug die Fakten verdrehten.
Die

meisten

�Die meisten Delegationen haben indessen die Grundprobleme, um die es
uns geht, immer wieder auf konstruktive und bedachte Weise definiert und
diskutiert.

Dieser Prozeß ist ein notwendiger und wichtiger Vorläufer

der Verhandlungen.

Ich stelle mit vorsichtigem Optimismus fest, daß vie-

le Delegationen - einschließlich einiger derjenigen, auf die ich eben angespielt habe - angefangen haben, sich einer lebendigen Debatte zu stellen.

Daß dieser Meinungsaustausch in den letzten Wochen doch analyti-

scher und konkreter geworden ist, ist ein Zeichen des grundsätzlich guten
Zustandes dieser Konferenz und ihres Wertes als Kommunikationskanals. Die
Vereinigten Staaten begrüßen dieses lebhaftere Tempo unserer Gespräche.

Im Laufe dieses Meinungsaustausches wurde deutlich, daß es auf dieser
Konferenz eine solide Grundlage dafür gibt, die Aushandlung dynamischer
und praktischer Maßnahmen zum Aufbau von Vertrauen und Sicherheit zu unterstützen.

Ich glaube, die meisten von uns können nunmehr damit begin-

nen, eine gewisse gemeinsame Basis festzulegen, von der aus wir - sollte
es uns erlaubt sein - darauf hinarbeiten können, eine Reihe ergänzender
Maßnahmen einzuführen:

- Die meisten Delegationen haben die Notwendigkeit erkannt, bei den
Bestimmungen von Helsinki erhebliche Verbesserungen vorzunehmen, insbesondere
- scheinen sich die Meinungen dahingehend anzunähern, daß wir die bestehenden Maßstäbe der

in Helsinki

vereinbarten

Ankündigungsverfahren

verbessern sollten - etwa durch Standardisierung der in einer Ankündigung
enthaltenen Information, durch Verlängerung des Zeitraums einer Ankündigung und durch eine wirksamere Ankündigungsschwelle.

- Eine Annäherung der Meinungen gibt es auch hinsichtlich Verbesserung der derzeitigen Bedingungen in bezug auf die Einladung von Beobachtern.

- Es besteht Einverständnis darüber, daß wir die Ankündigung auch
- 3 -

�Ankündigung auch ausweiten sollten auf zusätzliche Arten militärischer
Aktivitäten; in dieser Hinsichtscheint ein gewisses Maß an Einverständnis
darüber zu bestehen, daß Landungsübungen für eine Ankündigung ausgewählt
werden sollten; möglicherweise könnte auch ein Konsens hinsichtlich der
Ankündigung von Alarmübungen erreicht werden.

Generelles Einverständnis herrscht dahingehend, daß wir weitere Maßnahmen erarbeiten sollten, die das Grundkonzept von Helsinki verstärken
und vervollkommnen würden. In diesem Zusammenhang

- ist die Anerkennung der Notwendigkeit angemessener Verifizierbarkeit jeder Maßnahme ein Punkt, den alle Vorschläge gemein haben.

- Der Gedanke des Austausches eines jährlichen Kataloges von Aktivitäten, die einer Ankündigung bedürfen, findet gewisse Unterstützung und soweit ich sehen kann - keine Gegner; schließlich

- scheint der Gedanke, die Kommunikation zwischen unseren 35 Staaten
zu verbessern, im Prinzip von allen Delegationen unterstützt zu werden.
Wir haben also den Punkt festgelegt, wo wir mit der nächsten Phase
unserer Arbeit fortsetzen könnten.

Die meisten von uns würden nunmehr

diese Arbeit ohne weitere unnötige Verzögerungen angehen.
Herr Vorsitzender, meine Delegation wird sich all den anderen dabei
anschließen, die angemessenen Formen und konkreten Methoden zu finden, um
für die in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen greifbare Konsequenzen
zu schaffen. Wir werden auch weiterhin für die von unseren Verhandlungspartnern vorgebrachten Besorgnisse Abhilfe zu schaffen suchen; und wir
erwarten das gleiche umgekehrt.

Herr Vorsitzender, die vor uns liegenden Probleme sind schwierig und
von komplexer Natur. Unsere Arbeit sollte nicht zusätzlich durch künstliche Abschweifungen belastet werden.

Ich hoffe zum Beispiel, daß diese

Konferenz bei der nächsten Runde nicht mehr jene Ausrede
- 4 -

: mangelnden

�für mangelnden Fortschritt erleben wird:

Die Aufspaltung zwischen dem

Politischen und dem Militärischen nämlich, die einige uns machen möchten.

Könnte irgend jemand leugnen, daß Rüstungskontrollvereinbarungen -

wie immer technisch und militärisch ihr Inhalt auch sein mag - bedeutsame
politische Auswirkungen haben? Könnte irgend jemand leugnen, daß wir genug politische Deklarationen ohne dauerhafte Folgen gehört haben?

Bei

unserer Arbeit hier können politische Entscheidungen zu Abkommen mit militärischer Bedeutung führen, die wiederum dauerhafte politische Folgen
haben können.

Diese Wechselseitigkeit wurde von jenen sehr wohl begrif-

fen, die die Schlußakte entwarfen - und sicherlich auch von denjenigen,
die dem Mandat für diese Konferenz zustimmten.

Die Durchführung der Maß-

nahmen, wie sie von den 16 Befürwortern des Dokuments SC. 1 vorgeschlagen
wurden, hätte ganz gewiß weitreichende politische Folgerungen - einschließlich besserer politi- scher Beziehungen, eines stabileren Sicherheitsumfeldes und einer Grund- läge für weitere kooperative Maßnahmen.
Herr Vorsitzender, Fortschritt wird dann möglich sein, wenn man es
dieser Konferenz erlaubt, ihre ganz besondere, eigene Aufgabe wahrzunehmen, die potentiell von so großer Bedeutung für die Stärkung des Friedens
in Europa ist.

Diese Aufgabe besteht darin, neue und praktische Formen

der Zusammenarbeit zwischen 35 Staaten im militärischen Bereich zu sondieren mit dem Ziel einer Verringerung der Gefahr militärischer Konfrontation und Konfliktes in Europa.

Dies ist ein ehrgeiziges und ungewöhn-

liches unterfangen, aber nichts weniger würde tatsächlich die historische
Aufgabe dieser Konferenz erfüllen.

Es ist die Zusammenarbeit, die die einzig echte Chance auf sinnvollen
Fortschritt hier in Stockholm sowie darauf bietet, daß man über Konfrontation hinaus zu Vereinbarungen gelangt, welche die Hindernisse überwinden, die Europa teilen. Die 16 Staaten des Atlantischen Bündnisses haben
sich dazu verpflichtet, alle nur möglichen Wege zu konkreter und wirksamer Zusammenarbeit zu prüfen; und wir sind uns des gemeinsamen Interesses zur aktiven Verfolgung der Sache des Friedens bewußt.

Damit diese

Konferenz ein Erfolg wird, müssen sich der großen Mehrheit der Delegationen, die für Zusammenarbeit und nicht für Konfronta ' -n sind, auch

�sind, auch jene anschließen, die sich bislang auf einem anderen Kurs befanden.

Herr Vorsitzender, wir haben in den vor uns liegenden Wochen Zeit für
Reflexion und für Konsultation.
erneut den

Und es sollte auch Zeit dafür sein, sich

Zielen zu verpflichten, wie sie das Mandat zum Ausdruck

bringt, sowie für eine neue Verpflichtung zu ernsthaften Verhandlungen.

Wir sollten die Vorstellung zurückweisen, derzufolge hier nicht viel
geschehen kann, solange es nicht auch außerhalb dieser Konferenz eine gewisse Verbesserung der Beziehungen gibt.
Paralyse.

Das wäre ein Rezept für eine

Auf der Stockholmer Konferenz sind 35 unabhängige Staaten ver-

treten, die alle Nutzen aus verstärkter Stabilität und größerer regionaler Sicherheit ziehen würden.

Fortschritt hier sollte nicht zur Geisel

anderer Ereignisse oder der Lösung von Fragen werden, die außerhalb des
Aufgabenbereiches dieser Konferenz liegen.

Der hervorragende Vertreter

Dänemarks faßte es, wie stets, in genau die richtigen Worte, als er sagte, daß "wir uns nicht passiv zurücklehnen dürfen, um darauf zu warten,
daß der Fortschritt automatisch kommt, wenn in Zukunft eine Verbesserung
der internationalen Beziehungen günstigere Bedingungen für unsere Unternehmungen geschaffen hat.

" Wirklich: In unseren Händen liegt die Ver-

antwortung für eine Verbesserung der derzeitig unbefriedigenden Beziehungen zwischen Ost und West in Europa.

Können wir uns dieser Herausfor-

derung nicht stellen? Und wird es denn eine noch günstigere Gelegenheit
geben als jetzt?

- 6 -

�28

11. Juli 1984

30 JAHRE AMERIKANISCHE NAHRUNGSMITTELHILFE

Washington - (AD) - Im Laufe der letzten 30 Jahre hat sich ein Programm, das ursprünglich dazu gedacht war, den amerikanischen Farmern beim
Absatz ihrer Überschüsse zu helfen, zu einem Instrument der amerikanischen Außenpolitik entwickelt und Millionen von Menschen überall auf der
Welt neue Hoffnung und neue Chancen der Existenzsicherung gegeben.

Seit seiner Verabschiedung im Juli 1954 sind im Rahmen des Programms
"Nahrungsmittel-für-den-Frieden" - auch unter der Bezeichnung "öffentliches Gesetz Nr. 480" bekannt - rund 327 Millionen Tonnen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Werte von mehr als 33 Milliarden Dollar an
über 1,8 Milliarden Menschen in 100 Ländern geliefert worden. Zusätzlich
haben die Vereinigten Staaten rund 4,9 Milliarden Dollar an Transportkosten aufgebracht.

Dieses Programm hat die Vereinigten Staaten zum größten Nahrungsmittelspender der Welt gemacht. Sie tragen zur Ernährung der Hungernden dieser Welt mehr bei, als alle anderen Nationen zusammen.

In

dem

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�In dem Haushaltsjahr, das am 30. September 1984 endet, werden die
Vereinigten Staaten im Rahmen des "Öffentlichen Gesetzes Nr. 480" etwa
1,5 Milliarden Dollar für den Ankauf und den Transport von rund sechs
Millionen Tonnen rund 25 verschiedener Arten von

landwirtschaftlichen

Erzeugnissen aufwenden, die in mehr als 80 Länder verschifft werden.

Der Großteil dieser Spenden wird an Länder Südostasiens, vor allem
aber in die afrikanischen Länder am Südrand der Sahara gehen, die sich
infolge einer Dürre und sinkender Nahrungsmittelerzeugung einer Hungersnot gegenübersehen, die Millionen von Menschenleben bedroht.

Abgesehen von seinem unmittelbaren Zweck besteht eines der Hauptziele
des amerikanischen Programms darin, den ärmsten Ländern dabei zu helfen,
ihre eigene Ernährung sicherzustellen. Amerikanische Fachleute sind der
Ansicht, daß man den Hunger zwar kurzfristig lindern kann, wenn man Nahrungsmittelhilfe in Länder mit zerrütteter Wirtschaft pumpt, daß man auf
diese Weise aber der Ursachen des Hungers nicht Herr wird.

Wie Präsident Reagan einmal sagte, ist "diese Art von Auslandshilfe
nichts weiter als Sozialfürsorge in weltweitem Maßstab und genauso unwirksam und letztlich demütigend, wie die entsprechenden

inländischen

Wohlfahrtsleistungen."

Deshalb wird im Rahmen des Programms "Nahrungsmittel für den Frieden"
versucht, die Hilfe so eng wie möglich mit einer übergreifenden Entwicklungsstrategie in den Empfängerländern zu verknüpfen. Man verwendet die
Nahrungsmittelhilfe nur, um den Menschen ihr Selbstvertrauen zurückzugeben, ist aber sorgsam darauf bedacht, der einheimischen Landwirtschaft
der Empfängerländer nicht den Anreiz zur Erzeugung zu nehmen. Das amerikanische Programm trägt außerdem dazu bei, die Wirtschaft der Empfängerländer zu entlasten, indem es sie der Notwendigkeit enthebt, Nahrungsmittel, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können, zu importieren und
damit ihre Zahlungsbilanz ins Defizit zu bringen.

In den Anfangsjähren konzentrierten sich die Leistungen des Programms
auf die von Kriege zerrütteten Länder Westeuropas und auf Japan. Seit den

- 2 -

�Seit den 60er Jahren kommen sie jedoch hauptsächlich den Entwicklungsländern zugute. Rund 80 Prozent aller Lieferungen im Rahmen des Programms
sind in die ärmsten Länder geflossen. Das Programm macht etwa 30 Prozent
der gesamten bilateralen Wirtschaftshilfe aus, die die Vereinigten Staaten den Entwicklungsländern nach 1954 geleistet haben.

Die

Hauptempfänger

amerikanischer

Nahrungsmittelhilfe

sind

Indien

(6,2 Milliarden Dollar), Ägypten (2,7 Milliarden Dollar), Pakistan
(2,3 Milliarden Dollar), Südkorea (1,9 Milliarden Dollar) und Indonesien
(1,7 Milliarden Dollar).

Obwohl viele der Armen dieser Welt immer noch unter Hunger und Unterernährung leiden, haben die Entwicklungsländer insgesamt seit 1965 ihre
Nahrungsmittelerzeugung nahezu verdoppelt, teilweise dank landwirtschaftlicher Programme, die von den Vereinigten Staaten gefördert wurden. Während des gleichen Zeitraums haben die Entwicklungsländer ihr Pro-KopfEinkommen mehr als verdreifacht und ihre landwirtschaftlichen Einfuhren
aus den Vereinigten Staaten verfünffacht.

Nahrungsmittelhilfe wird durch drei verschiedene Kanäle geleistet:
Konzessionsverkäufe (Titel I ) , Spenden im eigentlichen Sinne (Titel II)
und Entwicklungshilfe (Titel III).

Unter Titel I wird der Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen
an befreundete Länder von der amerikanischen Regierung finanziert. Die
Verkäufe werden von Privatunternehmen auf Ausschreibung der Einfuhrländer
hin getätigt. Sie werden durch langfristige Kredite finanziert, die auf
diplomatischem Wege ausgehandelt werden. Mehr als 70 Prozent aller Lieferungen im Rahmen des amerikanischen Hilfsprogramms fallen unter Titel I.

Unter Titel II werden Nahrungsmittelspenden gewährt, um die Folgen
von Hungersnöten und Naturkatastrophen zu lindern, die Unterernährung,
vor allem von Kindern, zu bekämpfen und gemeinnützige Schul- und Vorschulspeisungsprogramme im Ausland zu unterstützen. Unter diesen Titel
fallen auch Spenden, die von Regierung zu Regierung vergeben werden sowie
Spenden, die den Empfängern über internationale Organisat- ien und ameri-

- 3 -

�und amerikanische freiwillige Hilfsorganisationen zufließen.

Im Mittelpunkt von Titel III steht die Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder, d.h., an die mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 805 Dollar. Titel III ähnelt im Grunde Titel I, nur werden die
Zuwendungen nicht als Anleihe, sondern als verlorener Zuschuß vergeben.

Das Gesetz Nr. 480, das die Grundlage für das Nahrungsmittelprogramm
bildet, wurde im Juni 1954 vom Kongreß gebilligt und von Präsident Dwight
D. Eisenhower am 10. Juli 1954 unterzeichnet. Seit jener Zeit machen Nahrungs- und Futtergetreide annähernd die Hälfte der Gesamtaufwendungen für
die gelieferten landwirtschaftliche Erzeugnisse aus. Allein die Weizenlieferungen hatten einen Wert von 11,8 Milliarden Dollar. Die Lieferungen
von Futtergetreide haben einen Wert von fast 3,1 Milliarden Dollar erreicht. Die Lieferungen umfaßten auch Baumwolle (2,6 Milliarden Dollar),
Sojaöl (2,1 Milliarden Dollar) und Milchpulver (1,5 Milliarden Dollar).

Von den 10 Ländern, in die im Jahre 1983 die umfangreichsten amerikanischen Agrarexporte gingen, waren alle bis auf zwei - Kanada und die
Sowjetunion - zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit einmal Empfänger amerikanischer Nahrungsmittelhilfe. Die wichtigsten Beispiele bilden Japan (dessen Markt heute amerikanische Landwirtschaftserzeugnisse im
Wert von 6 Milliarden Dollar aufnimmt), Mexiko (heute ein 4,2-MilliardenDollar-Markt für die Vereinigten Staaten) und Südkorea (heute ein 1,5Milliarden-Dollar-Markt). Weiter sind Ägypten und Taiwan zu nennen, die
heute für jeweils eine Milliarde Dollar AgrarerZeugnisse aus den Vereinigten Staaten importieren. Zu den Ländern, die gegenwärtig dabei sind,
von Hilfsempfängern zu Handelspartnern der Vereinigten Staaten zu werden,
gehören die Dominikanische Republik, Marokko und Tunesien.

- 4 -

�11. Juli 1984

28

CHEMIKALIEN FÜR INDUSTRIE- UND WIRTSCHAFTSZWECKE
- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden -

GENF - (AD) - Der von den Vereinigten Staaten vorgelegte Vertragsntwurf zum Verbot chemischer Waffen wird die berechtigte Anwendung toxischer Chemikalien zu nicht-militärischen Zwecken nicht behindern.

Dies

erklärte Botschafter Louis G. Fields als Vertreter der Vereinigten Staaten am 28. Juni auf der Abrüstungskonferenz in Genf.

Zu dem von Vizeprä-

sident George Bush im April vorgelegten Entwurf sagte Field im Rahmen der
jetzt laufenden Diskussionsrunde:

"Erlaubte Aktivitäten

sollten auch

solche einbeziehen, die der friedlichen Anwendung von Chemikalien in unserer chemischen Industrie und Schutzmaßnahmen dienen."

Die zugelassenen

Aktivitäten seien im wesentlichen in den Artikeln II und III des amerikanischen Textes für den Vertragsentwurf behandelt.

In einer früheren Er-

klärung gegenüber den Konferenzteilnehmern erläuterte Fields die Grundbestimmungen (Artikel I), denen zufolge alles verboten werden soll, was mit
chemischen Waffen zu tun hat - einschließlich ihrer Entwicklung, Produktion, Bevorratung, Verlegung bzw. Weitergabe und Anwendung.

"Unter 'erlaubte

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�"Unter 'erlaubte Zwecke' verstehen wir in erster Linie industrielle,
landwirtschaftliche, medizinische Zwecke und Forschungsaufgaben oder andere friedliche Gebiete", sagte Fields.

"Die Anwendung von Chemikalien

für derartige Zwecke hat handgreifliche Vorteile
Menschheit.

für die ganze

So kann beispielsweise die Anwendung bestimmter Pestizide

die Erträge von Agrarland erheblich steigern und Möglichkeiten schaffen,
die Weltbevölkerung besser zu ernähren."

Gleichzeitig warnte Fields vor der Gefahr, daß Aktivitäten im Zusammenhang mit toxischen Chemikalien insgeheim zur Herstellung chemischer
Waffen genutzt werden könnten.

"Dies ist ein sehr ernstes Problem, da

viele in der Industrie benutzte Chemikalien auch in der chemischen Kriegführung wirksam eingesetzt werden können", meinte der Vertreter der USA.
Deshalb schlagen die Vereinigten Staaten "einen gewissen Grad der Regulierung zugelassener Aktivitäten für Zwecke vor, die direkt mit dem
Schutz gegen chemische Waffen, aber nicht direkt mit den Waffen selbst zu
tun haben.

Wenn beispielsweise ein Vertragspartner Senfgas nicht für

chemische Kriegführung herstellen darf, dürfte er dennoch eine geringe
Menge Senfgas produzieren, die für Tests mit Anzügen notwendig ist, welche seine Truppen gegen Angriffe mit chemischen Waffen schützen sollen."

Die Gesamtmenge hochtoxischer, tödlich wirkender Chemikalien und der
dafür erforderlichen Stoffe, die ein Vertragspartner zu Schutzzwecken
produzieren dürfte, wäre dem US-Vorschlag zufolge auf eine Tonne pro Jahr
begrenzt.

Für die Produktion dürfte nur, wie Fields hervorhob, eine ein-

zige Anlage mit begrenzter Leistungskapazität benutzt werden, die als
Herstellungsort angegeben und bestimmten Verifizierungsmaßnahmen unterworfen würde.

Botschafter Fields erwähnte als weitere zulässige Anwendungen u.a.
"jeden militärischen Gebrauch, bei dem das chemische Verhalten eines toxischen Stoffes nicht den Tod oder Verletzungen herbeiführen soll."

Dies

würde beispielsweise der Armee erlauben, eine toxische chemische Verbindung als Raketentreibstoff zu verwenden.

Weitere Punkte wären, einem

Vertragspartner die Möglichkeit zu geben, einen anderen Partner bei der
- 2 -

�bei der Zerstörung chemischer Waffen zu helfen oder toxische Chemikalien
und Ausrüstungen für friedliche Anwendungszwecke zur Verbesserung der
wirtschaftlichen und technischen Entwicklung und Zusammenarbeit auf dem
Gebiet nicht-militärischer chemischer Aktivitäten auszutauschen.

"Der

Vorschlag der Vereinigten Staaten würde keine ungebührlich Einmischung in
notwendige, zulässige Aktivitäten bedeuten, aber dennoch wirksam gewährleisten, daß ein Mißbrauch solcher Aktivitäten für verbotene Anwendungszwecke verhindert wird", sagte der Botschafter.

- 3 -

�11. Juli 1984

28

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 2. Quartal 1984 -

1. April 1984
Nach Auskunft von Sprechern der afghanischen Widerstandsgruppen, die
ihre Hauptquartiere in Peshawar in Pakistan haben, verstärkten die sowjetischen Besatzungstruppen und die Streitkräfte des Kabuler Regimes ihre
umfassenden Bombardements gegen Dörfer sowie gegen Nachschublinien der
Mujahedin. Die Angriffe dienten offenkundig der Vorbereitung der feindlichen Frühjahrsoffensive.

3. April

Der Beigeordnete UN-Generalsekretär und persönliche Afghanistan-Beauftragte des Generalsekretärs, Diego Cordovez, traf in Teheran ein, wo
er Konsultationen über die Möglichkeit einer dritten Runde der indirekten
Gespräche in Genf über eine politische Regelung für Afghanistan führen
wollte. Cordovez beabsichtigte, zu weiteren Konsultationen nach Kabul und
Islamabad weiterzureisen. Gemäß einer Resolution der UN-Vollversammlung

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�der UN-Vollversammlung von 1980 hatte Cordovez bereits in den Jahren 1982
und 1983 zwei Konsultationsrunden in den südasiatischen Hauptstädten geführt und an zwei Runden der indirekten Gespräche in Genf teilgenommen,
die zwischen Vertretern Pakistans und des Kabuler Regimes stattfanden.
(Der Iran nahm an den Genfer Gesprächen nicht teil, wurde aber auf dem
Laufenden gehalten.) Ungeachtet der Berichte über Fortschritte bei der
schriftlichen Formulierung einer politischen Regelung geht man davon aus,
daß das Kernproblem nach wie vor darin besteht, daß die Sowjetunion nicht
bereit ist, einem Zeitplan für den Abzug ihrer Streitkräfte aus Afghanistan zuzustimmen.

5. April
Im Zusammenhang eines Berichtes über eine Ansprache von Babrak Karmal, dem Chef des Kabuler Regimes, gab Bakhtar, die Presseagentur des Regimes, zu verstehen, daß Moskaus und Kabuls Haltung in der Frage einer
Verhandlungslösung für Afghanistan unverändert ist. Karmal sagte, Pakistan und Iran müßten sich zu direkten Gesprächen mit seinem Regime bereiterklären, sich verpflichten, von "weiterer" Einmischung in die Angelegenheiten seines Landes und von jeglicher Aggression gegen dasselbe
Abstand zu nehmen, und internationale Garantien hierüber akzeptieren.
"Danach wäre die Entscheidung über die Heimkehr des begrenzten Kontingents der sowjetischen Truppen aus der Demokratischen Republik Afghanistan ausschließlich eine Angelegenheit zwischen Afghanistan und der Sowjetunion," fügte Karmal hinzu.

9. April

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf berichtete, daß
die Zahl von Verwundeten, die aus Afghanistan ins Nachbarland Pakistan
verbracht worden seien, seit Ende 1983 beständig gestiegen sei. Im Januar
und Februar waren 2156 Afghanen in den Rotkreuzhospitälern in Peshawar
und Quetta ambulant behandelt worden; 717 hatten sich größeren Operationen unterziehen müssen.
11.

- 2 -

April

�11. April

Das Kabuler Regime gab bekannt, daß es die Ausweisung von Richard S.
Vandiver, dritter Sekretär an der Botschaft der Vereinigten Staaten, wegen "Spionage, Sammeins von Feindinformationen" und anderen Aktivitäten
veranlaßt habe. Das Außenministerium in Washington wies die Vorwürfe als
"unbegründet" zurück und vermerkte, daß sie "keinerlei Substanz enthalten." Im Jahre 1983 waren drei amerikanische Diplomaten aufgrund ähnlicher Anschuldigungen ausgewiesen worden.

15. April
Nach Abschluß der Konsultationen, die er am 3. April aufgenommen
hatte, informierte der Beigeordnete UN-Generalsekretär

Diego Cordovez

iranische Regierungsvertreter in Teheran über die Gespräche, die er in
Islamabad und Kabul über die Möglichkeit einer dritten Runde der Gespräche in Genf über eine umfassende Regelung für Afghanistan geführt hatte.
Cordovez hatte jede der beiden Hauptstädte dreimal besucht. Er sagte, daß
er dem Generalsekretär in New York Bericht erstatten werde, (vgl. den
Eintrag unter dem 12. Juni unten)

21. April

Die Sowjetunion eröffnete ihre siebente und bislang größte Offensive
zur Eroberung des strategische wichtigen Panjsher-Tals nördlich von Kabul
mit Flächenbombardements auf der gesamten Länge des 110 Kilometer langen
Tals. Nach späteren Berichten folgte den Bombenangriffen, die z.T. direkt
von sowjetischem Boden aus geflogen wurden, der Vormarsch einer Streitmacht von 15 - 20 000 Mann mit einigen Hundert Kampfpanzern und anderen
gepanzerten Fahrzeugen. Die Offensive im Panjsher-Tal ebenso wie auch andere im Gebiet von Herat im Nordwesten, bei Jalalabad im Osten und im
Norden im Grenzgebiet zur Sowjetunion sind als Teil des fortgesetzten Bemühens zu betrachten, der afghanischen Widerstandsbewegung

im fünften

Jahr der sowjetischen Besetzung des Landes eine entscheidende Niederlage
beizubringen.
24. April

- 3 -

�24. April

Radio Kabul meldete einen Sieg im Panjsher-Tal und behauptete, daß
"die völlige Sicherheit im Panjsher-Tal wiederhergestellt und die letzten
Überbleibsel der Streitmacht von Ahmad Shah Massoud gefangengenommen worden" seien. Massoud, der mehrere Tausend Mujahedin in dem Tal befehligte,
hatte sich im März 1983 zu einer sechsmonatigen, von sowjetischen Regierungsbeamten vorgeschlagenen Waffenruhe bereit erklärt, die inoffiziell
bis in die Zeit kurz vor der jüngsten Offensive verlängert worden war.

26. - 30. April

Aus Zeitungsberichten, in denen Sprecher der Mujahedin in Peshawar
und Islamabad zitiert wurden, wie auch aus Informationen aus westlichen
diplomatischen und nachrichtendienstlichen Quellen ließ sich entnehmen,
daß die Kämpfe im Panjsher-Tal im Gegensatz zu den Behauptungen des Kabuler Regimes keineswegs abgeschlossen waren. In den Berichten hieß es, daß
die sowjetischen Angreifer die untere, südwestliche Hälfte des Tals besetzt hätten und daß das Tal von den Bewohnern der in ihm gelegenen Dörfer vor dem Angriff weitgehend geräumt worden sei. Massouds Männer hatten
den Eindringlingen keinen direkten Widerstand geleistet, sondern sich in
Stützpunkte und Höhlen hoch in den Panjsher-Bergen und in den Seitentälern des Hindukush zurückgezogen. Nach Meinung von Fachleuten bestand die
Strategie Massouds, wie schon bei früheren Angriffen, darin, abzuwarten,
bis die Eindringlinge entlang des Panjsher-Tals isolierte Stützpunkte
einrichteten, und diese dann einzeln anzugreifen.

1. Mai
Aus westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete, daß
Massoud, der Befehlshaber im Panjsher-Tal, am 18. oder 19. April, also
zwei oder drei Tage vor Beginn der sowjetischen Offensive, aus dem Tal
entkommen sei. Inzwischen stand fest, daß es sich bei dieser Offensive um
die größte handelte, die seit mehr als vier Jahren stattgefunden hatte.
Nach Informationen aus Kabul gab es in dem Tal kaum wirkliche Kämpfe.
Sowjetische Truppen, die nach Norden das Tal hinauf vorrüc'

- 4 -

n, zerstör-

�vorrückten, zerstörten, wie berichtet wurde, systematisch Dörfer, Viehbestände und Ernten.

14. Mai
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, die im Rahmen der
Europäischen Politischen Zusammenarbeit tagten, verabschiedeten ein Kommunique, in dem sie erneut an die Sowjetunion appellierten, den Generalsekretär der Vereinten Nationen "bei seinen Bemühungen zu unterstützen,"
die Resolutionen der UN-Vollversammlung über eine Afghanistan-Regelung
durchzusetzen. Die Minister nahmen Kenntnis von den jüngsten sowjetischen
"Großoffensiven in mehreren Provinzen" und "besonders von den Flächenbombardements, die nur zu vermehrtem Leid und noch größeren Zerstörungen
führen können."

15. Mai
Nach Verlautbarungen aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad trat die sowjetische Offensive im Panjsher-Tal in den ersten Maitagen in eine neues Stadium. Angrenzende und Seitentäler waren einem intensiven Bombardement durch Jagdbomber und Kampfflugzeuge ausgesetzt. Wie
es hieß, hatten die Truppen der Sowjets und des Kabuler Regimes "erhebliche" Verluste erlitten, teilweise durch von den Mujahedin gelegte Minen.
Die sowjetischen Angriffe konzentrierten sich auf das Andarab-Tal, die
nördliche "Hintertür" zum Panjsher-Tal, und auf die südlichen Seitentäler, die sich zur Ebene von Bagram hin öffnen. Die Sowjets versuchten augenscheinlich, die Mujahedin im Panjsher-Tal einzuschließen. Mehrere Hundert Verwundete der kommunistischen Verbände waren in der vorhergegangenen Woche in die Krankenhäuser Kabuls verbracht worden; andere wurden Berichten zufolge zum Luftstützpunkt Bagram nördlich von Kabul und in die
Sowjetunion ausgeflogen.

22. Mai

Berichte aus Neu Delhi und Islamabad über die Offensive im PanjsherTal besagten, daß die sowjetischen Streitkräfte in dem Tal befestigte

- 5 -

�Tal befestigte Lager anlegten und daß sie das angrenzende Andarab-Tal
durchquert hätten. Es blieb unklar, wie tief die Sowjets in das Tal vorgestoßen waren und in welchem Umfang es zu Kämpfen gekommen war. Nach erheblichen Verlusten zogen sich die Sowjets am 10. oder 11. Mai aus dem
südlichen Hazara-Tal zurück; anschließend lag das Tal unter Bombenhagel
und schwerem Raketenbeschuß. Sprecher des afghanischen Widerstands in Peshawar behaupteten, eine Botschaft des Panjsher-Befehlshabers Massoud vom
17. Mai erhalten zu haben, in der er mitteilte, daß "wütende Kämpfe" entbrannt seien und in der er Munition, Verpflegung und Gasmasken anforderte.

23. Mai
JANE'S DEFENCE WEEKLY, London, berichtete, daß sowjetische Flugzeuge
die Mujahedin mit Bomben belegten, die mit "flüssigem Feuer" gefüllt seien, sowie mit Pressluftbomben, die bei der Explosion Schockwellen auslösen, die jeden im Umkreis einer Viertelmeile töten. In der Zeitschrift
hieß es weiter, die sowjetischen Streitkräfte setzten diese Waffen seit
dem Sommer letzten Jahres in Ost-Afghanistan im Rahmen eines großen Waffenerprobungsprogramms auf dem Schlachtfeld ein.
Nach Berichten aus Peshawar lief ein afghanischer Diplomat namens
Abdul Majid Mangal, der früher Charge d1Affaires an der Botschaft in
Moskau gewesen war, nach Pakistan über, wo er angab, daß er sich dem
Widerstand anschließen wolle. Als Beweggründe gab er Protest gegen die
Zerstörungen und den Völkermord an, die von sowjetischen Truppen in Afghanistan verübt würden.

27. Mai
In einer militärischen Analyse in der NEW YORK TIMES von Drew Middleton hieß es, daß die sowjetischen Streitkräfte nach Meinung von Nachrichtendienstexperten in Washington und anderen NATO-Hauptstädten sowie in
Pakistan mit ihrer Frühjahrsoffensive in Afghanistan einen "erheblichen,
aber keineswegs entscheidenden Erfolg" erzielt hätten, der sie aber "höhere Verluste gekostet habe, als erwartet." Nach einer von Middleton angeführten britischen Quelle lagen die sowjetischen Verla.ce im Panjsher-

- 6 -

�im Panjsher-Tal bei etwa 500 Mann; dazu kamen noch weitere 2 000 im übrigen Afghanistan.

12. Juni

Der Beigeordnete UN-Generalsekretär Diego Cordovez gab bekannt, daß
er Ende August in Genf eine weitere Verhandlungsrunde mit Vertretern Pakistans und des Kabuler Regimes über eine politische Regelung für Afghanistan führen werde. Die Gespräche werden erstmalig auf der Grundlage
"räumlicher Nähe" geführt werden, d.h., die Vertreter beider Seiten werden in angrenzenden Tagungssälen sitzen, während sie sich bei den früheren "indirekten" Gesprächen in verschiedenen Gebäuden aufhielten. Cordovez, der zwischen dem 3. und 15,. April Teheran, Islamabad und Kabul besucht hatte, sagte, die Verhandlungen befänden sich in einem "entscheidenden Stadium."
Wie Diplomaten in Islamabad und Neu Delhi sagten, kam es in der vorhergehenden Woche zu ausgedehnten sowjetischen Bombardements und Angriffen der Mujahedin. Das Kabuler Regime erklärte, daß in 14 der 29 Provinzen gekämpft werde. Im Süden wurden die Außenbezirke der zweitgrößten
Stadt Afghanistans, Kandahar, und nahegelegene Dörfer jeden Tag von sowjetischen Bombern angegriffen. Im Nordwesten konzentrierten sich die sowjetischen Operationen am Boden und in der Luft auf die drittgrößte Stadt,
Herat. In einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur IRNA vom 9. Juni hieß es, daß über 500 Dorfbewohner getötet oder verwundet worden seien, während Hunderte obdachlos geworden seien. Die Nachrichten aus dem
Panjsher-Tal blieben spärlich.

16. Juni

Professor Burhanuddin Rabbani, der Führer der Jamiat-i-Island (Islamische Gesellschaft Afghanistans), einer der großen Widerstandsorganisationen, sagte vor Journalisten in Peshawar, daß im Verlaufe der sowjetischen Operationen im Gebiet von Herat über 1 000 Zivilisten getötet und
1 500 Häuser zerstört worden seien. Radio Karatschi meldete, daß die
Kämpfe im Ostteil der Stadt weitergingen und daß die Muj. edin eine drei-

- 7 -

�eine dreitägige Belagerung durchbrochen und die sowjetischen Truppen sowie ihre afghanischen Verbündeten gezwungen hätten, sich aus dem Westteil
zurückzuziehen. Radio Kabul behauptete, daß eine Anzahl von "Konterrevolutionären" der Jamiat-i-Island und vier ihrer Führer "zermalmt" worden
seien.

19. Juni

Westlichen diplomatischen Quellen in Islamabad zufolge waren in die
Kämpfe um Herat sowjetische Truppen in Stärke bis zu 10 000 Mann mit 300
Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verwickelt. Die Kämpfe begannen
um den 4. Juni, als die Stadt umstellt und die Ausfallstraßen gesperrt
wurden. Daraufhin begannen sowjetische Truppen, die von Regierungssoldaten und Geheimpolizei begleitet wurden, in einer zweiwöchigen Aktion Haus
für Haus nach Mujahedin und ihren Sympathisanten zu durchsuchen. Während
die Suchaktion noch lief, wurden Dörfer in einem weiten Umkreis westlich
und südlich der Stadt bombardiert.

21. Juni
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen erhielt einen Brief des
ständigen Vertreters Pakistans, in dem der Vorwurf erhoben wurde, daß am
16. Juni zwei Flugzeuge mit afghanischen Hoheitskennzeichen den pakistanischen Luftraum nördlich von Landikotal in der Nähe des Khyber-Passes
verletzt hätten. Die Maschinen warfen mehrere Bomben ab, die sechs afghanische Flüchtlingskinder töteten und eine Frau verletzten. Es war die
28. Verletzung des pakistanischen Luftraums in diesem Jahr.

26. Juni

Wie Diplomaten in Neu Delhi und Islamabad berichteten, kehrte Massoud, der Befehlshaber des Panjsher-Tals, um den 12. Juni herum in das
Tal zurück und übernahm wieder die Leitung der Angriffe auf sowjetische
Stellungen und Patrouillen in dessen oberem Teil. Im Südteil des Tals
fuhren sowjetische Truppen und die Streitkräfte der Kahuler Regierung
damit fort, Militärlager, Schulen und Gesundheitsstationt * zu errichten.

- 8 -

�zu errichten. Nach den neuesten Schätzungen, die diplomatischen Quellen
vorliegen, blieb in Kandahar im Süden nur ein Viertel bis ein Drittel der
Vorkriegsbevölkerung von 134 000 Menschen zurück; die Hälfte der Gebäude
wurde zerstört. Tausende und Abertausende flohen vor den nahezu unausgesetzten Bombardements und Kämpfen in Flüchtlingslager in Pakistan. Obwohl
die Stärke der Mujahedin im Gebiet von Kandahar ungebrochen blieb, wird
die Stadt, die es schafft, unter nahezu anarchischen UnStänden zu überleben, weder von ihnen noch von den kommunistischen Verbänden beherrscht.

- 9 -

�28

11. Juli 1984

ZIEL:

ZERSCHLAGUNG DER HANDLERRINGE

Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes
Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -

- (AD) - Erfassung und Zerschlagung der Rauschgifthändlerringe in den
Vereinigten Staaten ist das Ziel eines von der amerikanischen Bundesregierung im Frühjahr 1983 aufgenommenen Sonderprogramms.

Drogenfahnder

und Spezialisten einer ganzen Anzahl von Bundesbehörden sind darin in Arbeitsgruppen vereint, denen die Ressourcen und Techniken sowohl des Bundesamtes für Drogenüberwachung

(DEA), des Bundeskriminalamtes

(FBI) als

auch der Finanz- und Zollbehörden sowie der einzelstaatlichen und lokalen
Polizei und einiger weiterer Bundesstellen zur Verfügung stehen.

Die

Bosse der Händlerringe sollen gefaßt, vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden.
von

Das Ergebnis des ersten Jahres ist ermutigend:

Hunderte

Drahtziehern des Rauschgifthandels sitzen inzwischen hinter Gittern,

große Mengen von Rauschgift, Verkaufsgewinne in Höhe vieler Millionen
Dollar und von Händlern erworbene Sachwerte, dazu für den Rauschgifttransport benutzte Fahrzeuge, Boote und Flugzeuge wurden beschlagnahmt.
Wie

ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wie ein hoher Beamter des BundesJustizministeriums erklärte, konzentrieren sich die Mitarbeiter des landesweit gezogenen Fahndungsnetzes auf
die Großverteiler, weniger auf Handler der "unteren Ebene".

Die Schaf-

fung der Arbeitsgruppen bilden den Kern des im Oktober 1982 von Präsident
Reagan agekündigten Acht-Punkte-Programms, mit dem Drogenhandel und organisiertes Verbrechen in den Vereinigten Staaten unter Einsatz aller Kräfte bekämpft werden sollen.

Modell für das jetzige Vorgehen auf dem Ge-

biet der Drogenkriminalität waren die erfolgreichen Maßnahmen, die zuvor
schon Sondereinheiten des Justizministeriums gegen das organisierte Verbrechen und Arbeitsgruppen aus Angehörigen verschiedener Behörden zur
Ausschaltung der Drogenschleuse Südflorida praktiziert hatten.

Das Landesweite Programm umfaßt 13 regionale Arbeitsgruppen, einschließlich des für Südflorida zuständige Teams.

Ca. 1200 Staatsanwälte

und Fahnder der beteiligten Bundesbehörden sind hauptamtlich dafür tätig.
Jede regionale Arbeitsgruppe entscheidet selbständig über das in ihrem
Gebiet geplante Vorgehen.

Diese Dezentralisierung macht es möglich, sich

auf Besonderheiten des organisierten Verbrechens und des Drogenhandels in
der betreffenden Region einzustellen und entsprechend zu handeln.

Sowohl

amtsbekannte Syndikate wie "La Casa Nostra", spezialisierte Drogenhändlerorganisationen und Motorrad- und Gefängnisbanden als auch mit Verbrechern aus der Drogenszene zusammenarbeitende Anwälte, Finanziers und Ärzte werden unter die Luge genommen.

Bis Mitte Juni 1984 waren im Rahmen

des neuen Programms 620 Fälle aufgenommen worden.

2624 Personen wurden

unter Anklage gestellt, 701 von ihnen inzwischen verurteilt.

Allein aus

den Syndikaten wurden 421 Personen gefaßt und vor Gericht gestellt (zum
Vergleich:

In dem nach Erlaß des verschärften Gesetzes von 1970 abgelau-

fenen Jahrzehnts waren es lediglich 85).

Die Paragraphen zur Bekämpfung

von "fortdauerndem organisiertem Verbrechen" ("continuing criminal enterprise - GCE") werden in besonders schwerwiegenden Fällen, u.a. schwerer
Drogenkriminalität, angewandt und können Verurteilungen zu langjähriger
bis lebenslanger Haft ohne Bewährung zur Folge haben.

Wie Dr. Lowell Jansen vom amerikanischen Justizministerium erklärte,

�Justizministerium erklärte, sind durch das neue Arbeitsgruppen-System,
das auf langfristige Tätigkeit ausgerichtet ist, auch mehr Fahndungserfolge im Zusammenhang mit den internationalen Verbindungen der Händlerringe zu erwarten.

Solche Verbindungen wurden bei etwa 40 Prozent der im

Jahr 1983 vor Gericht gebrachten Fälle offenbar.

Unter Hinweis darauf,

daß die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "eine Art von Montage" aus vielen
verschiedenen Einzelelementen sei, ist laut Jensen mit Fahndung allein
das Problem nicht zu lösen. "Wir müssen auch etwas in bezug auf die Nachfrage nach Rauschgift unternehmen", sagt er.

"Der Konsum ist ja auch ein

internationales Problem. Viele Länder, die bisher Rauschgifthandel als
amerikanisches Problem betrachteten, erkennen jetzt, daß es sich um ein
internationales Problem handelt.
zunehmend selbst betroffen.

Die Herkunfts- und Transitländer sind

Je stärker sich die Sucht weltweit ausbrei-

tet und Drogenmißbrauch zum internationalen Problem wird, desto mehr müssen wir international unternehmen, um sowohl die Nachfrage als auch das
Angebot an Rauschgiften zu reduzieren."

- 3 -

�11. Juli 1984

28

STUDIE ZU KQMBINATIONSTHERAPIE BEI PSORIASIS

- (AD) - Auf die Kombination von Medikamenten mit Laserstrahlung ist
eine Studie ausgerichtet, die jetzt von Wissenschaftlern der Universität
Kalifornien in Irvine (UCI) zur Entwicklung einer wirksamen Therapie für
Psoriasis-Kranke in Angriff genommen wurde.

Bei Psoriasis

(Schuppen-

flechte) handelt es sich um eine der häufigsten Hautkrankheiten.

Ca. ein

bis zwei Prozent der Bevölkerung sind davon befallen, über die Ursachen
ist so gut wie nichts bekannt. Sie hat viele Erscheinungsformen mit z. T.
schweren Krankheitsbildern und tritt u.a. auch in Verbindung mit rheumatoiden Gelenkveränderungen auf.

Psoriasis entwickelt sich meist zu einem

chronischen Leiden, dessen Behandlung erhebliche Schwierigkeiten bereitet.
Die Studie, für die das New Yorker Pharmazie-Unternehmen Photofrin
Medical Inc. 680 000 Dollar zur Verfügung stellte, wollen Assistenzprofessor Dr. Jerry L. McCullough, Dr. Gerald Weinstein, der Leiter des Departments für Dermatologie, und Dr. Michael Berns, Professor für Chirur-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für Chirurgie und Direktor des Laser-Mikrostrahlprogramms der Universität
von Irvine, in ca. zwei Jahren abschließen.

Sie konzentriert sich zu-

nächst auf Tierversuche und Zellkulturexperimente.

Die Forscher erhoffen

sich davon wichtige Informationen, um klinische Versuche zur sogenannten
fotochemischen Therapie für Psoriasis in Angriff nehmen zu können.

Eine Kombinationstherapie mit dem Medikament Psoralen und ultraviolettem Licht ist zwar vor einiger Zeit eingeführt worden, jedoch besteht
der Verdacht, daß bei Langzeit-Anwendung Hautkrebs entstehen könnte.

Die

UCI-Porscher hoffen, das Medikament Photofrin in Verbindung mit anderen
Formen von Licht so einsetzen zu können, daß die Gefahr von Nebenwirkungen verringert wird.

Laserlicht bestimmter Wellenlängen und Photofrin

werden bereits von Prof. Berns und Dr. Alan Wile am UCI-Klinikum in Orange

(Kalifornien) zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Für die Entwicklung

besserer Therapiemethoden für Psoriasis soll nun Photofrin zusammen mit
der Strahlung von Laserapparaten und anderen Lichtquellen erprobt werden.

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten akzeptieren Gesprächsvorschlag über Weltraumaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Äußerungen von Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James Goodby sieht Grund für vorsichtigen Optimismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;30 Jahre amerikanische Nahrungsmittelhilfe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chemikalien für Industrie- und Wirtschaftszwecke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 2. Quartal 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel: Zerschlagung der Händlerringe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie zu Kombinationstherapie bei Psoriasis</text>
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11. Juli 1990

27

VSBM

FESTIGUNG DER STABILITÄT DURCH
OFFENHEIT
Die Wiener VSBM-Verhandlungen

KSE

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE IN EUROPA
Die Wiener KSE-Verhandlungen

NATO-GIPFEL

SCHLUSSELINITIATIVEN DER LONDONER
ERKLÄRUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�VSBM
11. Juli 1990

FESTIGUNG DER STABILITÄT DURCH OFFENHEIT
Die Wiener VSBM-Verhandiungen

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Dokumentation der Wiener Verhandlungen über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) wurde am 3. Juli 1990 vom amerikanischen Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Auszüge aus einer Erklärung Präsident Bushs
vom 9. März 1989:
"... Die Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen werden das Problem des
Mi ßtrauens im militärischen und sicherheitspolitischen
Bereich sowie das aus Fehleinschätzungen resultierende Konfrontationsrisiko zum Gegenstand haben.
Unser Ziel ist es, den Schleier der Geheimhaltung, der
bestimmte militärische Aktivitäten und die Streitkräfte
umgibt, zu lüften und damit zu einem stabileren Europa
beizutragen... Natürlich sind diese Verhandlungen
Teil eines umfassenderen Prozesses, der sowohl die
Ursachen als auch die Symptome der gegenwärtigen
Spaltung Europas zum Thema hat. Fortschritte auf
militärischem Gebiet allein reichen nicht aus, um
dauerhaften Frieden zu sichern. Was wir brauchen, ist
eine echte Aussöhnung und ein Ende der Teilung
Europas. Echte Sicherheit kann ohne die Gerwährleistung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für
alle Menschen nicht Bestand haben...".
Erklärungen von Außenminister Baker:
"Mehr Offenheit ist der sicherste Weg zu größerer
Berechenbarkeit und einem niedrigeren Kriegsrisiko,
insbesondere dessen eines Krieges aus Versehen....
Offenheit in bezug auf die militärischen Kräfte und
Maßnahmen bildet das Kernstück der Gespräche über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
(VSBM), an denen alle europäischen Staaten teilnehmen." (Rede beim Commonwealth Club in San Francisco, 23. Oktober 1989).

AMERIKA DIENST 27

Zur Förderung des KSZE-Prozesses:
"Erstens kann der Korb Sicherheit durch die zur Zeit in
Wien stattfindenden Verhandlungen der 35 Nationen
über vertrauensbildende Maßnahmen an Bedeutung
gewinnen. Die erörterten Abkommen sollen dazu
beitragen, Gewalt oder die Androhung von Gewalt als
Mittel zur Einschüchterung einer europäischen Nation
zu verhindern. Abgesehen davon, daß sie das Risiko
eines Krieges weiter abbauen, können vertrauensbildende Maßnahmen ein berechenbares Schema militärischer Interaktion institutionell verankern - ein Schema, das praktisch nicht umkehrbar ist und eine neue
Grundlage für Vertrauen bildet." (Rede beim Berliner
Presseclub, 12. Dezember 1989).
Zu Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen:
"Die VSBM-Verhandlungen innerhalb der KSZE bieten ein Instrument für andauernde Bemühungen, die
Spannungen auf dem Kontinent zu reduzieren. ...
Darüber hinaus müssen wir Maßnahmen entwickeln,
die einem Einsatz militärischer Macht durch jeden
europäischen Staat gegen einen anderen Einhalt
gebieten würden. Ich schlage deshalb heute vor, daß
wir eine Erweiterung der VSBM-Tagesordnung in
Erwägung ziehen. So sollten wir zum Beispiel neue
Vorschläge zur Förderung größerer militärischer Transparenz zwischen Nachbarstaaten, insbesondere in
grenznahen Gebieten, sowie zur Offenlegung der
Militärhaushalte aller 35 KSZE-Teilnehmerstaaten
untersuchen." (Rede an der Prager Karls-Universität,
7. Februar 1990).

Seite 1

�Vorwort von Botschafter Maresca, Leiter der
amerikanischen Delegation bei den VSBM-Gesprächen
Die gegenwärtig stattfindende Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
(VSBM) wurden von den 35 Teilnehmerstaaten der
KSZE am 9. März 1989 aufgenommen. Diese Verhandlungen führen den bei der Stockholmer Konferenz von 1984-86 eingeleiteten Prozeß fort. Jene
Konferenz brachte ein bemerkenswertes Abkommen
hervor, das unter anderem das Recht zu kurzfristig
anberaumten Vor-Ort-Inspektionen einführte, wann
immer bestimmte militärische Aktivitäten Zweifel oder
Besorgnis auslösten.
Im Verlauf unserer Verhandlungen in Wien haben wir
grundlegende Veränderungen in Osteuropa und der
Sowjetunion erlebt. Der KSZE-Prozeß wird zunehmend als wichtiges Instrument zur Verbesserung der
Offenheit zwischen den Staaten Europas und Nordamerikas betrachtet. Die westlichen Staaten stimmen
darin überein, daß der KSZE-Prozeß gestärkt werden
und eine wirksame institutionelle Form bekommen
sollte. Darüber hinaus hat das Interesse daran zugenommen, dieses vertrauensbildende Forum von 35
Ländern zu nutzen, um in einer Zeit raschen Wandels
neue Wege zur Festigung der Stabilität in ganz Europa
zu finden.
Insbesondere in dieser Periode rascher Veränderungen bleibt die traditionelle Rolle der NATO als Organisation zur kollektiven Verteidigung westlicher Interessen und für die allgemeine Stabilität in Europa unerläßlich. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, die neuen
Demokratien Osteuropas in einen Rahmen einzubinden, der ihnen Vertrauen in ihre eigene Sicherheit gibt.
Wir müssen Stabilität in ganz Europa sicherstellen,
damit sich kein Staat durch die dramatische Entfaltung
der Ereignisse bedroht oder isoliert fühlt. Diese
Bemühungen können durch die Entwicklung des Vertrauensbildungsprozesses gestützt werden.
Seit Beginn des Jahres 1990 haben die Wiener VSBMVerhandlungen ihre Bemühungen in diese Richtung
konzentriert. Im Einklang mit der seit langem bestehenden Politik der NATO zur Förderung positiver OstWest-Beziehungen haben die westlichen Verbündeten die Führungsrolle dabei übernommen, neue Maßnahmen vorzuschlagen, die sich von den früheren
Konzepten für vertrauensbildende Maßnahmen qualitativ unterscheiden.
Im Januar haben die Teilnehmerstaaten das Seminar
über Militärdoktrinen abgehalten, das die Verbündeten
vergangenes Jahr vorgeschlagen hatten. Diese dreiwöchige Veranstaltung, an der auch Chefs der nationalen Verteidigungsstäbe teilnahmen, diente der eingehenden Erörterung von sicherheitspolitischen Konzepten und Einzelheiten der Streitkräfteplanung und

Seite 2

-struktur. Das Seminar war eine Pionierleistung zur
Förderung des Dialogs zwischen den militärischen
Körperschaften der Teilnehmerstaaten, um die Absichten hinter den Streitkräftestrukturen und -aktivitäten zu verstehen, um Veränderungen in den Militärdoktrinen der Staaten auszuloten und Vertrauen durch
direkte Gespräche über gemeinsame Probleme zu
bilden.
Neue westliche Vorschläge für verstärkte Kontakte
zwischen den Militärs, einen jährlichen Austausch von
Informationen über Militärhaushalte und militärische
Infrastruktur, und ein jährliches Treffen zur Überprüfung der Durchführung vereinbarter VSBM waren eine
unmittelbare Folge der Gespräche im Rahmen des
Seminars. Weitere neue Vorschläge spiegeln das
Klima der verringerten Konfrontation wider: ein Kommunikationssystem für den Austausch militärischer
Informationen zwischen den 35 Teilnehmerstaaten,
einen Mechanismus, der die Erklärung ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten erforderlich macht, und
Maßnahmen zum Informationsaustausch über potentiell gefährliche Vorfälle und zu deren Verhinderung.
Unsere Bemühungen bei den VSBM-Verhandlungen
sind lediglich Teil eines umfassenderen Prozesses.
Die Offenheit und das Vertrauen, die wir in militärischen Angelegenheiten anstreben, entsprechen den
Veränderungen, die in den Beziehungen zwischen
Regierungen und Regierten in ganz Europa stattfinden. Durch den KSZE-Prozeß, der diesen Veränderungen Schubkraft verlieh, bemühen wir uns, das
Versprechen der Schlußakte von Helsinki aus dem
Jahr 1975 auf alle Bereiche des Lebens in Europa
auszudehnen und Garantien für die Freiheiten zu
fixieren, die viele in Osteuropa heute zum ersten Mal
genießen.
Hintergrund: Die Wiener VSBM-Verhandlungen
Die Wiener Verhandlungen über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) dauern seit
Eröffnung der siebten Verhandlungsrunde im Mai 1990
an. Die Gespräche finden im Rahmen der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
statt. Ziel der Gespräche, die vom Mandat der Madrider KSZE-Folgekonferenz geleitet sind, ist es, auf den
VSBM des Stockholmer Dokuments aufzubauen und
diese weiterzuentwickeln.
Runde I
9 . - 2 3 . März 1989
Die erste Verhandlungsrunde wird von den
Außenministern der 35 KSZE-Staaten eröffnet.
Ost und West bringen Vorschläge ein. Das
östliche Paket enthält Beschränkungen und
VSBM im Hinblick auf unabhängige See- und

AMERIKA DIENST 27

�Luftaktivitäten. Der Westen betrachtet dies als
einseitig oder außerhalb des durch das Madrider Mandat gezogenen Rahmens liegend.
Eine Verhandlungsstruktur mit zwei Arbeitsgruppen wird beschlossen.

die Entwicklung bilateraler militärischer Kontakte fordert.
Runde V
16. Januar - 5. Februar 1990

Runde II

Das Seminar über Militärdoktrinen

5. Mai-14. Juli 1989

Drei Wochen lang nehmen die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten am ersten je veranstalteten multilateralen
zwischenstaatlichen Meinungsaustausch über Militärdoktrinen teil. Als integraler Bestandteil der Verhandlungen bietet das Seminar die Gelegenheit, Militärdoktrinen in Zusammenhang mit Einsatzkonzept, Struktur
und Aktivitäten der konventionellen Streitkräfte im
Gebiet vom Atlantik bis zum Ural zu erörtern. Hochrangige militärische Vertreter halten Vorträge über nationale Doktrinen und Sicherheitspolitik sowie über Einsatzkonzept und Strukturen der Streitkräfte, militärische Aktivitäten und Ausbildung sowie Verteidigungshaushalt und- planung. Die Vorträge und Diskussionen, darunter auch Kontakte zwischen den Militärs,
unterstreichen den Wert des Seminars beim Streben
nach dem gemeinsamen Ziel größerer Offenheit als
Schlüssel zur Stabilität.

Der Westen erhält die Zustimmung zur Erarbeitung der Tagesordnung und Modalitäten für ein
Seminar über Militärdoktrinen mit 35 Teilnehmerstaaten.
Im Bereich der Verbesserung der Stockholmer
Bestimmungen schälen sich allmählich Gemeinsamkeiten heraus.
Der Westen unterbreitet eine erweiterte Fassung seines Vorschlags vom März, der für ein
Schlußdokument geeignet ist.
Die östlichen Staaten präsentieren eine Reihe
informeller Papiere zu Fragen des Informationsaustauschs, der Beschränkungen sowie unabhängiger See- und Luftaktivitäten.
Die neutralen und blockfreien Staaten (NNA)
bringen einen eigenen Vorschlag ein, der zum
Teil die Zustimmung zum Prinzip eines regelmäßigen Austauschs militärischer Informationen signalisiert.
Runde III
4. September - 20. Oktober 1989
Die VSBM-Unterhändler konzentrieren ihre
Aufmerksamkeit auf die Vorbereitung des
Seminars über Militärdoktrinen.
Einigung über Modalitäten und Tagesordnung
des Seminars wird erzielt.
Die NNA-Staaten schlagen die Einführung informeller Arbeitsgruppen vor.
Runde IV
10. November - 22. Dezember 1989
Der Osten legt ein Papier vor, das im Prinzip auf
Stichproben basierende Auswertungen für einen militärischen Informationsaustausch akzeptiert. Obwohl sie sich eng am westlichen Vorschlag orientiert, erstreckt sich die Maßnahme
des Ostens auch auf Seestreitkräfte und deren
Ausrüstung.
Frankreich und Ungarn legen den ersten von
einem westlichen und einem östlichen Staat gemeinsam getragenen VSBM-Vorschlag vor, der

AMERIKA DIENST 27

5.-23. Februar 1990
Die VSBM-Unterhändler nehmen ihre Arbeit
wieder auf, jedoch in informellen Arbeitsgruppen unter dem Vorsitz neutraler Koordinatoren.
Die NNA-Staaten bringen eine Ergänzung zu
ihrem Vorschlag vom Juli ein, der weitere Einzelheiten über einen Informationsaustausch
enthältund das Prinzip der Auswertung beinhaltet.
Die westlichen Staaten schlagen zwei weitere
Maßnahmen zur Offenheit vor: einen Informationsaustausch über Militärhaushalte sowie ein
jährliches Treffen zur Beurteilung der Durchführung von VSBM.
Eine Gruppe westlicher, östlicher und neutraler
Staaten schlägt Optionen für ein VSBM-Kommunikationsnetz vor.
Runde VI
19. März-27. April 1990
Ein Konsens zur rechtzeitigen Fertigstellung
eines VSBM-Dokuments vor einem möglichen
KSZE-Gipfel im Jahr 1990 rückt in greifbare
Nähe.
Runde VII
18. Mai 1990
Der Westen schlägt sechs zusätzliche Maßnahmen vor, darunter eine, die den Staaten das

Seite 3

�•

Recht geben würde, Aufklärung über sie beunruhigende ungewöhnliche militärische Aktivitäten zu verlangen.

Verbesserte Information im jährlichen Terminkalender.
Verbesserte Information bei der Ankündigung.

Die Tschechoslowakei und Ungarn bringen einen
gemeinsamen Vorschlag ein, der zu bilateralen
vertrauensbildenden Maßnahmen ermutigt.
Die Tschechoslowakei und Polen legen einen
gemeinsamen Vorschlag vor, der die westliche
Maßnahme eines Informationsaustauschs über
Militärbudgets aufgreift.
Die Deutsche Demokratische Republik und
Ungarn bringen einen gemeinsamen Vorschlag
ein, der sich auf frühere Optionen zum Aufbau
eines VSBM-Kommunikationsnetzes stützt.

Verbesserung bei der Beobachtung.
Veränderungen bei den Mindeststärken.
Verbesserungen bei den Inspektionen.
Die Senkung der Mindeststärken, bei denen
eine längere Vorankündigung großangelegter
Aktivitäten erforderlich ist.
Verbesserter Zugang akkreditierten Personals
zur Behandlung militärischer Angelegenheiten.
Entwicklung eines Kommunikationsmittels.

Hintergrund: Wichtige Vorschläge
Gleichbehandlung von Medienvertretern.
Bei den Verhandlungen sind verschiedene Vorschläge
eingebracht worden. Im Einklang mit dem Mandat der
Madrider KSZE-Folgekonferenz sollen alle getroffenen Vereinbarungen militärisch bedeutsam, politisch
bindend, mit angemessenen, auf ihren Inhalt abgestimmten Verifikationsbestimmungen verbunden und
auf ganz Europa bis zum Ural anwendbar sein.
9. März 1989
Vorschlag des Westens
Belgien, Dänemark, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien,
Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen,
Portugal, Spanien, die Türkei und die Vereinigten
Staaten legen bei den Wiener VSBM-Verhandlungen
den ersten Vorschlag vor.
Diese 16 Staaten schlagen ein umfassendes Paket
vor, das sich um drei Themenbereiche gruppiert: 1.
Transparenz in der militärischen Organisation, 2.
Transparenz in militärischen Aktivitäten und 3. Kommunikation und Kontakte.
Mit dem Ziel der Weiterentwicklung und Erweiterung
der Stockholmer VSBM enthält das westliche Paket 12
konkrete Maßnahmen und einen Vorschlag für eine
Diskussion über Militärdoktrinen und militärische
Maßnahmen in "seminarähnlichem" Rahmen. Der
westliche Vorschlag fordert:
Einen Informationsaustausch über militärische
Organisation, Truppenstärken und Ausrüstung
in Europa.
Einen Informationsaustausch über Programme
zur Stationierung wichtiger konventioneller
Waffen.
Ein auf Stichproben aufgebautes Auswertungssystem.

Seite 4

Erörterung militärischer Doktrinen in Zusammenhang mit Einsatzkonzept und Struktur der
konventionellen Streitkräfte im Anwendungsgebiet in seminarähnlichem Rahmen.
9. März 1989
Vorschlag des Ostens
Bulgarien, die Deutsche Demokratische Republik, die
Tschechoslowakei und Ungarn legen (mit Unterstützung Polens, Rumäniens und der Sowjetunion) einen
Vorschlag mit folgenden Elementen vor:
Beschränkungen von Land-, Luft- und Seeaktivitäten.
VSBM für See- und Luftaktivitäten.
Erklärungen zur Verbesserung der Stockholmer VSBM.
Maßnahmen zur Einrichtung von Zonen in Europa, in denen Streitkräfte und Aktivitäten begrenzt werden sollen.
Informationsaustausch über Land-, See- und
Luftstreitkräfte.

»

Maßnahmen zur Einrichtung von Kommunika-

&gt;

tions- und Konsultationsmechanismen.
22. März 1989
Vorschlag Rumäniens
Rumänien bringt einen Vorschlag mit folgenden Elementen ein:
Errichtung von Sicherheitszonen und -korridoren in Europa.
Beschränkungen.

AMERIKA DIENST 27

�Begrenzungen für Streitkräftestationierung und
Errichtung neuer Militärstützpunkte in Europa.
Maßnahmen zur Verhütung nuklearer Unfälle.

Weitere Vorschläge des Westens

Maßnahmen zur Entwicklung eines Konsultations-/Kommunikationssystems.

Die beim Wiener Seminar über Militärdoktrinen gewonnenen Erfahrungen veranlassen den Westen, zwei
weitere Vorschläge zur Offenheit zu unterbreiten:

Ermutigung eines Dialogs mit dem Ziel, NATO
und Warschauer Pakt aufzulösen.

Informationsaustausch über die Militärhaushalte.

6. Mai 1989

•

23. Februar 1990

Jährliche Treffen zur Beurteilung der Durchführung von VSBM.

Vorschlag des Westens für ein Ad hoc-Vorbereitungsgremium

18. Mai 1990

Der Westen schlägt die Gründung eines Ad hocVorbereitungsgremiums vor, um die Modalitäten für

Überarbeitete und zusätzliche Maßnahmen des
Westens

ein Seminar über Militärdoktrinen festzulegen.

Unter Berücksichtigung der bisherigen Beiträge der
anderen Teilnehmerstaaten und Erwägung neuer Wege
zur Verbesserung von Offenheit und Vertrauensbildung schlagen die 16 westlichen Staaten folgende
Maßnahmen vor:

9. Juni 1989
Erweiterung des westlichen Vorschlags
Der Westen legt ein umfassendes Dokument vor, das
den vollständigen Wortlaut seiner 12 VSBM enthält.

Verbesserte militärische Kontakte.

12. Juli 1989

Entwicklung von Kommunikationsmitteln.

Vorschlag der neutralen und blockfreien Staaten

Besuch von Luftwaffenstützpunkten zur Beobachtung von Routineaktivitäten.

Neun neutrale und blockfreie Staaten (Finnland, Jugoslawien, Liechtenstein, Malta, Österreich, San Marino,
Schweden, die Schweiz und Zypern) legen eine Reihe
von Bestimmungen mit folgenden Elementen vor:
Informationsaustausch über Land-, See- und
Luftstreitkräfte.

Abbau des Risikos gefährlicher Zwischenfälle
und Berichterstattung darüber.
Austausch von Informationen über Verbesserung der Infrastruktur.

Informationsaustausch über die Einführung neuer
Waffensysteme bei den Streitkräften.

Angesichts der Möglichkeit von Instabilität als potentielle neue Bedrohung der Sicherheit Europas unterbreiten die 16 Staaten folgenden Vorschlag:

Ankündigung der friedlichen Durchfahrt von
Kriegsschiffen durch Hoheitsgewässer.

Einen Mechanismus zur Erörterung ungewöhnlicher Aktivitäten militärischer Natur.

Entwicklung eines VSBM-Systems zur raschen
Kommunikation.
Erwägung zusätzlicher Mittel für Konsultationen.
Detaillierte Verbesserungen des Stockholmer
Dokuments in den Bereichen Ankündigung, Beobachtung, jährlicher Terminkalender, Inspektion und einschränkende Bestimmungen.

25. Mai 1990
Tschechisch-ungarischer Vorschlag
Die Tschechoslowakei und Ungarn unterstützen einen
Vorschlag, der die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen den KSZE-Teilnehmerstaaten
fordert.
I.Juni 1990

15. Dezember 1989

Tschechisch-polnischer Vorschlag

Französisch-ungarischer Vorschlag

Die Tschechoslowakei und Polen bringen gemeinsam
einen eigenen Vorschlag über die Offenlegung der
Militärhaushalte und militärischen Aufwendungen ein.

Frankreich und Ungarn schlagen gemeinsam die Entwicklung bilateraler militärischer Kontakte zwischen
den KSZE-Teilnehmerstaaten vor. Eine Woche später
schließt sich Österreich diesem Vorschlag an.

AMERIKA DIENST 27

Seite 5

�8. Juni 1990
DDR-ungarischer Vorschlag
Die DDR und Ungarn unterstützen einen Vorschlag,
der die Errichtung eines VSBM-Kommunikationsnetzes befürwortet.
Hintergrund: Der VSBM-Prozeß
Helsinki 1975
Die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten, d.h., 33 europäische
Staaten, die Vereinigten Staaten und Kanada leiten mit
der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im
Jahr 1975 den Prozeß der VSBM ein. Die vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte von Helsinki
sehen folgendes vor: Ankündigung militärischer Manöver
mit über 25 000 Mann und zwar 21 Tage im voraus;
Einladungen an Beobachter und Ermutigung freiwilliger Ankündigung kleinerer Manöver. Diese und andere in der Schlußakte von Helsinki enthaltene Sicherheitsmaßnahmen bilden den Korb "Sicherheit" der
KSZE. Die beiden anderen KSZE-Körbe befassen
sich mit Wirtschaft, Menschenrechten und internationalen Verhaltensnormen. Der KSZE-Prozeß fordert
ausgewogene Fortschritte in allen der miteinander
verbundenen Körbe.
Madrid 1980-1983
Das Abschließende Dokument der Madrider KSZEFolgekonferenz enthält ein Mandat für die Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE). Als substantieller und integraler Bestandteil des KSZE-Prozesses
wird der KVAE das Mandat erteilt, etappenweise neue,
wirksame und konkrete Schritte im Bereich von Vertrauensbildung und Abrüstung zu unternehmen. Darüber hinaus sind folgende wichtige Übereinkünfte in
diesem Mandat enthalten:
Die KVAE ist für die Verhandlungen über ein
Paket einander ergänzender VSBM vorgesehen, die darauf gerichtet sind, die Gefahr einer
militärischen Konfrontation in Europa zu vermindern.
Die VSBM werden militärisch bedeutsam und
politisch verbindlich sein und von angemessenen Formen der Verifikation begleitet werden,
die ihrem Inhalt entsprechen.
Die VSBM werden ganz Europa sowie das
angrenzende Seegebiet und den angrenzenden
Luftraum umfassen. VSBM werden auf militärische Tätigkeiten in angrenzenden Seegebieten
und im angrenzenden Luftraum anwendbar sein,
soweit diese Tätigkeiten sowohl die Sicherheit
in Europa berühren als auch Teil meldepflichtiger Übungen der Landstreitkräfte sind.

Seite 6

Die erste Phase der Konferenz wird im Januar
1984 in Stockholm abgehalten.
Stockholm 1984-1986
Bei Beendigung der Stockholmer KVAE-Konferenz
verabschieden die KSZE-Teilnehmerstaaten einen Satz
konkreter VSBM, der weit über die in der Schlußakte
von Helsinki enthaltenen Maßnahmen hinausgeht.
Vornehmlich auf sechs Vorschläge des Westens
gegründet, enthält das Stockholmer Dokument folgende VSBM:
Benachrichtigung über militärische Aktivitäten
auf dem gesamten Territorium Europas, wenn
mindestens 13 000, als Division organisierte
Soldaten oder 300 Panzer oder mindestens
zwei Brigaden/Regimenter beteiligt sind und im
Falle luftgestützter Angriffe oder amphibischer
Landungen, wenn sie 3 000 Mann umfassen,
und zwar 42 Tage im voraus.
Obligatorische Einladungen an alle anderen
Teilnehmerstaaten zur Beobachtung meldepflichtiger militärischer Aktivitäten über der Obergrenze von 17 000 Mann und, im Falle luftgestützter Angriffe oder amphibischer Landungen,
wenn 5 000 Mann beteiligt sind.
Austausch jährlicher Prognosen über alle meldepflichtigen Aktivitäten.
Verbot militärischer Aktivitäten mit über 40 000
Mann, es sei denn, sie sind im Terminkalender
vorgemerkt, sowie militärischer Aktivitäten mit
über 75 000 Mann, es sei denn, sie sind zwei
Jahre im voraus angekündigt.
Das Recht zu Vor-Ort-Inspektionen aus der Luft
oder zu Lande oder beides, die nicht abgelehnt
werden können, als Mittel zur Verifikation der
Einhaltung der vereinbarten Maßnahmen. Kein
Staat muß jedoch mehr als drei Inspektionen
pro Kalenderjahr auf seinem Territorium oder
mehr als eine Inspektion pro Kalenderjahr irgendeines einzelnen Teilnehmerstaats akzeptieren.
Wien 1986-1989
Im März 1989 wird in Wien ein Abkommen zur Wiederaufnahme der VSBM-Verhandlungen auf der Grundlage des Madrider Mandats in das Schlußdokument des
Wiener KSZE-Folgetreffens einbezogen. Darüber
hinaus finden diese Verhandlungen statt, um auf den
bereits bei der Stockholmer Konferenz des Jahres
1986 erzielten Ergebnissen aufzubauen und diese zu
erweitern. Das Schlußdokument enthält ferner ein
Abkommen der 23 (westlichen und östlichen) Teilnehmerstaaten, Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa aufzunehmen, die im Rahmen der
KSZE stattfinden werden. Beide Verhandlungsrunden
werden im März 1989 in Wien eröffnet.
AMERIKA DIENST 27

�Bilanz der Durchführung des Stockholmer Dokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Dokuments traten am 1.
Januar 1987 in Kraft. Die Dreijahresbilanz zeigt, daß
viele KSZE-Teilnehmerstaaten aktiv an der Verwirklichung der Stockholmer VSBM beteiligt waren. Im
Geiste der Schlußakte von Helsinki haben einige Staaten solche militärischen Aktivitäten angekündigt oder
Beobachter dazu eingeladen, die unter die im Stockholmer Dokument enthaltenen Obergrenzen fallen.

Inspektionen
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil des Stockholmer Regimes.
Seit dem 15. Juni 1990 wurden insgesamt 40 Vor-OrtInspektionen durchgeführt: 21 vom Westen und 19
vom Osten. Teile amerikanischer Streitkräfte waren
an 15 der 19 vom Osten durchgeführten Inspektionen
beteiligt.
Vor-Ort-Inspektionen
Inspizierender

Inspizierter

Staat

Staat

USA

UdSSR

28.-30. Aug. 1987

GB

DDR

10.-12. Sept. 1987

UdSSR

Türkei

5.- 7. Okt. 1987

UdSSR

BRD

28.-30. Okt. 1987

DDR

BRD

11.-13. Nov. 1987

USA

Ungarn

4.-

UdSSR

Norwegen

13.-15. März 1988

GB

UdSSR

9. - 11. Apr. 1988

USA

DDR

10.- 12. Apr. 1988

Bulgarien

Italien

USA

Polen

25.- 27. Juli 1988

BRD

DDR

12. - 14. Aug. 1988

Türkei

UdSSR

23. - 25. Aug. 1988

UdSSR

BRD

7.- 9. Sept. 1988

UdSSR

GB

5.- 7. Okt. 1988

USA

UdSSR

14.-16. Okt. 1988

Polen

BRD

7.- 9. Nov. 1988

DDR

BRD

28.-30. Nov. 1988

Obwohl der Osten nur einige wenige seiner militärischen Aktivitäten angekündigt und seine gemäß den
Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki zu beobachtenden Aktivitäten nie allen KSZE-Teilnehmerstaaten zugänglich gemacht hat, war seine Durchführung
des Stockholmer Dokuments ermutigend.

BRD

DDR

9.- 11. Apr. 1989

Italien

UdSSR

15. -17. Apr. 1989

USA

DDR

1 9 . - 2 1 . Mai 1989

UdSSR

Italien

28. - 30. Mai 1989

Amerikanische Beobachter stellen anhaltende Bemühungen seitens einiger Staaten des Ostens fest, besseren Zugang und einen offeneren Ansatz bei der
Beantwortung von Fragen und Anträgen der Beobachter zu gewährleisten. Die Sowjetunion muß noch eine
offenere Haltung einnehmen, stellt jedoch die Mindestinformationen über die zu beobachtende Aktivität
sowie begrenzte Möglichkeiten für Kontakte mit den
beteiligten Soldaten zur Verfügung.

Kanada

CSSR

14.-16. Juni 1989

UdSSR

Dänemark

21.-23. Juni 1989

USA

UdSSR

11.-13. Aug. 1989

Italien

Bulgarien

13.-15. Aug. 1989

Frankreich

UdSSR

1 9 . - 2 1 . Aug. 1989

Terminkalender
Obwohl viele KSZE-Mitgliedstaaten Terminkalender
der vorgesehenen militärischen Aktivitäten vorgelegt
haben, zeichnet sich bei den westlichen wie östlichen
Staaten eine zunehmendene Tendenz ab, angekündigte Aktivitäten herunterzuschrauben oder abzusagen.
Ankündigung
Seit dem 15. Juni 1990 sind insgesamt 117 militärische
Aktivitäten gemäß dem Stockholmer Regime angekündigt worden. Auch sechs nicht meldepflichtige
Aktivitäten wurden angekündigt, wie beispielsweise
Bereitschaftsübungen, und zwar alle von westlichen
Staaten. Der Westen hat 47 Aktivitäten angekündigt;
die Benachrichtigung erfolgte zum Teil auf freiwilliger
Basis, da die Zahl der beteiligten Streitkräfte unterhalb
der Obergrenzen für obligatorische Benachrichtigung
lag. Der Osten hat 62 Aktivitäten angekündigt - auch
hier erfolgte die Benachrichtigung teilweise auf freiwilliger Basis. Die NNA-Staaten haben 8 Aktivitäten
angekündigt.
Beobachtungsprogramme
Insgesamt gab es 50 Beobachtungsprogramme militärischer Aktivitäten, zu denen KSZE-Staaten eingeladen wurden. Die westlichen Staaten haben 24 Beobachtungsprogramme durchgeführt, die des Ostens 21.
In den NNA-Staaten haben 5 Beobachtungsprogramme stattgefunden, von denen eins auf freiwilliger Basis
abgehalten wurde.

AMERIKA DIENST 27

Datum

2. -

6. Feb. 1988

4. Mai 1988

Seite 7

�GB

DDR

4. • 6. Sept. 1989

DDR

BRD

8. - 10. Sept. 1989

UdSSR

BRD

11. -13. Sept. 1989

DDR

Belgien

17. -19. Sept. 1989

UdSSR

Frankreich

23. -25. Sept. 1989

BRD

CSSR

30. Sept.-Okt. 1989

UdSSR

Türkei

18. -20. Okt. 1989

UdSSR

Belgien

6. • 8. Jan. 1990

USA

DDR

9. - H . F e b . 1990

UdSSR

Norwegen

14. -16. März 1990

BRD

UdSSR

20. -22. März 1990

GB

DDR

22. -24. April 1990

UdSSR

Italien

8. -10. Mai 1990

Auszüge aus dem Wiener Abschließenden Doku
ment
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
und bestimmte Aspekte der Sicherheit und Abrüstung in Europa
Stockholmer Konferenz:
Fortschritte

Beurteilung der erzielten

Die Teilnehmerstaaten,
beurteilen in Übereinstimmung mit den einschlägigen
Bestimmungen des Abschließenden Dokuments von
Madrid die auf der Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa, die vom 17. Januar 1984 bis 19. September
1986 in Stockholm tagte, erzielten Fortschritte.
Sie begrüßten die Annahme eines Satzes einander
ergänzender Vertrauens- und Sicherheitsbildender
Maßnahmen (VSBM) in Stockholm.
Sie stellten fest, daß diese Maßnahmen mit den Kriterien des Madrider Mandats übereinstimmen und eine
wesentliche Verbesserung und Ausweitung der in der
Schlußakte angenommenen vertrauensbildenden
Maßnahmen darstellen.
Sie stellten fest, daß die Annahme des Stockholmer
Dokuments ein politisch bedeutsames Ergebnis darstellt und daß dessen Maßnahmen ein wichtiger Schritt
bei den Bemühungen sind, die Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa zu vermindern. Sie sind
übereingekommen, daß das Ausmaß, in dem die
Maßnahmen in der Praxis zu mehr Vertrauen und
Sicherheit beitragen, von der Erfüllungsbilanz abhängt.
Sie zeigten sich von der begonnenen Durchführung
ermutigt und stellten fest, daß weitere Erfahrungen

Seite 8

und eine ausführliche Überprüfung erforderlich sind.
Sie bekräftigten ihre Entschlossenheit, alle Bestimmungen des Dokuments der Stockholmer Konferenz
strikt einzuhalten und nach Treu und Glauben anzuwenden.
Sie bekräftigten ihre Verpflichtung gegenüber den
Bestimmungen des Abschließenden Dokuments von
Madrid in bezug auf die Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa und kamen überein, die Arbeit der Konferenz
in der Absicht wiederaufzunehmen, weitere Fortschritte in Richtung auf ihr Ziel zu erreichen.
Neue Bemühungen um Sicherheit und Abrüstung
in Europa
Die Teilnehmerstaaten,
Eingedenk der einschlägigen Bestimmungen der
Schlußakte und des Abschließenden Dokuments von
Madrid, denen zufolge sie ihrer aller Interesse an
Bemühungen anerkennen, die auf die Verminderung
der militärischen Konfrontation und die Förderung der
Abrüstung gerichtet sind,
Unter Berücksichtigung ihrer in der Schlußakte bekundeten Entschlossenheit, das Vertrauen zwischen ihnen zu stärken und somit zur Erhöhung der Stabilität
und Sicherheit in Europa beizutragen,
Unter Betonung des komplementären Charakters der
Bemühungen im Rahmen des KSZE-Prozesses, die
auf die Bildung von Vertrauen und Sicherheit, die
Schaffung von Stabilität und die Erzielung von Fortschritten in der Abrüstung gerichtet sind, um die militärische Konfrontation zu vermindern und die Sicherheit
für alle zu erhöhen,
Unter Betonung, daß sie bei derartigen Bemühungen
die ihrer souveränen Gleichheit innewohnenden Sicherheitsinteressen aller KSZE-Teilnehmerstaaten
achten werden,
Ferner nach Prüfung von Wegen und geeigneten
Mitteln zur Fortsetzung ihrer Bemühungen um Sicherheit und Abrüstung in Europa,
Erzielten Übereinstimmung, diese Bemühungen wie
folgt zu strukturieren:
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
Die Teilnehmerstaaten sind übereingekommen, daß
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen stattfinden werden, um auf den
bereits bei der Stockholmer Konferenz erzielten Ergebnissen aufzubauen und sie zu erweitern, mit dem
Ziel, einen neuen Satz einander ergänzender Vertrauens- und Sicherheitsbildender Maßnahmen auszuarbeiten und anzunehmen, die darauf gerichtet sind, die
Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa zu

AMERIKA DIENST 27

�vermindern.
Diese Verhandlungen werden in Übereinstimmung mit
dem Madrider Mandat stattfinden.
Die Beschlüsse des vom 25. Oktober bis 11. November 1983 in Helsinki abgehaltenen Vorbereitungstreffens finden sinngemäß Anwendung (siehe Anhang II).
Diese Verhandlungen werden in Wien stattfinden und
in der Woche ab dem 6. März 1989 beginnen.
Das nächste Folgetreffen der KSZE-Teilnehmerstaaten, das ab 24. März 1992 in Helsinki stattfinden wird,
wird die in diesen Verhandlungen erzielten Fortschritte
beurteilen.
Auszüge aus dem Madrider Abschließenden Dokument
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa
Die Teilnehmerstaaten,
Eingedenk der Bestimmungen der Schlußakte, denen
zufolge sie ihrer aller Interesse an Bemühungen anerkennen, die auf die Verminderung militärischer Konfrontation und die Förderung der Abrüstung gerichtet
sind,
Sind übereingekommen, eine Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa einzuberufen.
Das Ziel der Konferenz ist es, als substantieller und
integraler Bestandteil des durch die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eingeleiteten multilateralen Prozesses unter Teilnahme aller
Unterzeichnerstaaten der Schlußakte etappenweise
neue, wirksame und konkrete Schritte zu unternehmen, die darauf gerichtet sind, Fortschritte bei der
Festigung des Vertrauens und der Sicherheit und bei
der Verwirklichung der Abrüstung zu erzielen, um der
Pflicht der Staaten, sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt in ihren gegenseitigen Beziehungen
zu enthalten, Wirkung und Ausdruck zu verleihen.

trauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen ganz
Europa sowie das angrenzende Seegebiet und den
angrenzenden Luftraum umfassen. Sie werden militärisch bedeutsam und politisch verbindlich sein und von
angemessenen Formen der Verifikation begleitet
werden, die ihrem Inhalt entsprechen.
In bezug auf die angrenzenden Seegebiete (in diesem
Zusammenhang ist der Begriff "angrenzendes Seegebiet" so zu verstehen, daß er sich auch auf an Europa
angrenzende ozeanische Gebiete bezieht) und den
angrenzenden Luftraum werden diese Maßnahmen
auf die dort stattfindenden Militärischen Tätigkeiten
aller Teilnehmerstaaten anwendbar sein, soweit diese
Tätigkeiten sowohl die Sicherheit in Europa berühren
als auch einen Teil von Tätigkeiten in ganz Europa, wie
oben angeführt, konstituieren, die anzukündigen sie
vereinbaren werden. Notwendige Spezifizierungen
werden durch die Verhandlungen über die
Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen auf
der Konferenz erfolgen.
Die vorstehend gegebene Definition der Zone mindert
in keiner Weise bereits mit der Schlußakte eingegangene Verpflichtungen. Die auf der Konferenz zu
vereinbarenden Vertrauens- und Sicherheitsbildenden
Maßnahmen werden auch in allen Gebieten anwendbar sein, die von irgendeiner der Bestimmungen der
Schlußakte betreffend Vertrauensbildende Maßnahmen und bestimmte Aspekte der Sicherheit und Abrüstung erfaßt werden.
Die von den Verhandlungspartnern festgelegten Bestimmungen treten in den Formen und nach dem
Verfahren in Kraft, die durch die Konferenz vereinbart
werden.
Unter Berücksichtigung des obengenannten Ziels der
Konferenz wird das nächste Folgetreffen der Teilnehmerstaaten der KSZE, das ab 4. November 1986 in
Wien stattfinden wird, die in der ersten Phase der
Konferenz erreichten Fortschritte beurteilen.

Die erste Phase der Konferenz wird ab 17. Januar
1984 in Stockholm abgehalten.

Unter Berücksichtigung der einschlägigen Bestimmungen der Schlußakte und nach Überprüfung der durch
die erste Phase der Konferenz erreichten Ergebnisse
sowie im Lichte anderer einschlägiger, Europa betreffender Verhandlungen über Sicherheit und Abrüstung
wird ein künftiges KSZE-Folgetreffen Wege und geeignete Mittel für die Teilnehmerstaaten zur Fortsetzung
ihrer Bemühungen um Sicherheit und Abrüstung in
Europa prüfen, einschließlich der Frage einer Ergänzung des gegenwärtigen Mandats für die nächste
Phase der Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa.

Auf der Grundlage der Gleichheit der Rechte, der
Ausgewogenheit und Gegenseitigkeit, der gleichen
Achtung der Sicherheitsinteressen aller Teilnehmerstaaten der KSZE und ihrer jeweiligen Verpflichtungen
betreffend Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa, werden diese Ver-

Ein Vorbereitungstreffen, das mit der Festlegung der
Tagesordnung, des Zeitplanes und anderer organisatorischer Modalitäten für die erste Phase der Konferenz betraut wird, wird ab 25. Oktober 1983 in Helsinki
abgehalten. Seine Dauer soll drei Wochen nicht
überschreiten.

Die Konferenz wird somit einen Prozeß einleiten, dessen
erste Phase der Verhandlung und Annahme eines
Satzes einander ergänzender Vertrauens- und Sicherheitsbildender Maßnahmen gewidmet sein wird, die
darauf gerichtet sind, die Gefahr einer militärischen
Konfrontation in Europa zu vermindern.

AMERIKA DIENST 27

Seite 9

�Die Verfahrens- und Arbeitsregeln sowie der Verteiler- vorstehenden Paragraphen erwähnte Vorbereitungsschlüssel für die Kosten, die für die KSZE gelten, treffen angewendet. Das technische Sekretariat wird
werden sinngemäß auf die Konferenz und auf das im vom Gastgeberland gestellt werden.

* * * *

*

AMERIKA DIENST 27

�KSE
11. Juli 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER
KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE IN EUROPA
Die Wiener KSE-Verhandlungen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Dokumentation der Wiener Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) wurde am 2. Juli 1990 vom amerikanischen Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Der Abschluß eines Abkommmens, mit dem ein Gleichstand der konventionellen Streitkräfte in Europa auf
einem niedrigeren Niveau erreicht wird, ist eine der
höchsten Sicherheitsprioritäten der Vereinigten Staaten. Seit der Eröffnung der Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) am 9.
März 1989 streben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten ein Abkommen an, mit dem die Sicherheit Europas gefestigt und nahezu 50 Jahre der destabilisierenden sowjetischen Überlegenheit bei konventionellen Rüstungen beendet werden sollen.
Vertreter der 16 Mitgliedstaaten der Organisation des
Nordatlantikvertrags (NATO) und der sieben Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts verhandeln in Wien
unter einem Mandat, das die geographische Region
vom Atlantik bis zum Ural abdeckt (ATTU). Die Ziele
der Verhandlungen sind Festigung der Stabilität und
Sicherheit in Europa durch die Schaffung eines stabilen und sicheren Gleichgewichts der konventionellen
Streitkräfte auf niedrigerem Niveau; die Beseitigung
von Ungleichgewichten bei konventionellen Streitkräften und Waffen, die nachteilig für Stabilität und Sicherheit sind und - als vorrangige Angelegenheit - die
Beseitigung der Fähigkeit zur Auslösung von Überraschungsangriffen und zur Einleitung großangelegter
offensiver Handlungen. Die Mitglieder der NATO
haben Vorschläge unterbreitet, um diese Ziele durch
Reduzierungen und Begrenzungen eines breiten
Spektrums konventioneller Rüstungen zu erreichen,
die wirksam verifiziert werden.
Der Umfang der KSE hebt sie von bisherigen konventionellen Abrüstungsverhandlungen ab, die nur einige

AMERIKA DIENST 27

Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts
einbezogen und sich ausschließlich auf Streitkräfteniveaus in Mitteleuropa konzentriert haben. Die Vorschläge des Westens bei den KSE-Verhandlungen
streben die Begrenzung wichtiger konventioneller
Waffensysteme an, die zur Auslösung offensiver militärischer Operationen unabdingbar sind sowie der
außerhalb ihres nationalen Territoriums stationierten
amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte. Um
Präsident Bush aus seiner Rede vom Mai 1990 zu
zitieren: "Der... Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa wäre das ehrgeizigste Abkommen
über konventionelle Rüstungskontrolle, das je geschlossen wurde".
Das von der NATO angestrebte KSE-Abkommen wird
eine wichtige Grundlage für eine neue politische und
militärische Ordnung in Europa darstellen. Es wird ein
grundlegendes Element von Sicherheit und Vertrauen
in einer Zeit rascher Veränderungen bieten. Ein wesentlicher Vorteil eines KSE-Vertrags besteht darin,
daß die gemäß der Vertragsgrenzen reduzierten
Ausrüstungen verschrottet werden und somit nicht
mehr in die Region vom Atlantik bis zum Ural zurückgeführt werden können. Die Verifikationsvorschläge,
die Datenaustausch ebenso beinhalten wie Vor-OrtInspektionen, gestatten uns nicht nur, die Vertragsbestimmungen zu überwachen und Verletzungen abzuschrecken, sondern tragen auch maßgeblich zur Vertrauensbildung bei. Nicht zuletzt wird nur ein KSEVertrag die sowjetischen Streitkräfte auf die westliche
Sowjetunion begrenzen und gleichzeitig das Vertrauen der Sowjetunion in die Respektierung ihrer legitimen Sicherheitsinteressen stärken.

Seite 1

�Die KSE-Verhandlungen haben rasche Fortschritte
erzielt, und wir hoffen auf Abschluß eines Vertrags
noch vor Ende 1990.
Elemente eines KSE-Vertrags
Panzer und Artillerie
Kernstück eines KSE-Vertrags ist die Reduzierung
und Beseitigung von zwei Hauptkategorien der gepanzerten Kräfte - Panzern und gepanzerten Kampffahrzeugen - sowie Artillerie, die zusammengenommen
das zentrale Element eines konventionellen Überraschungsangriffs oder anderer offensiver Handlungen
in Europa ausmachen.
Kampfpanzer bilden das Hauptelement einer
Offensive und stehen als solche im Brennpunkt
der Verhandlungen. Zur Zeit verfügt der Warschauer Pakt über nahezu drei Viertel aller
Panzer in Europa. Die 23 Teilnehmerstaaten
haben Einigung über eine Definition von Kampfpanzern erzielt und gleiche Obergrenzen von
20 000 Panzern für jede Seite vereinbart. Dies
würde die Verschrottung von Tausenden von
Panzern des Ostens erforderlich machen und
damit die Stabilität in der ATTU-Region maßgeblich festigen.
Gepanzerte Kampffahrzeuge (ACV), wie Mannschaftstransportwagen (APC), Schützenpanzer
(AIFV) und Kampffahrzeuge mit schwerer
Bewaffnung (HACV) gewährleisten Mobilität und
Unterstützung während des Kampfes und können bei Offensiven ein entscheidender Faktor
sein. Ihr Abbau geht daher Hand in Hand mit der
Notwendigkeit zur Reduzierung von Panzern.
Die westlichen und östlichen Unterhändler haben
sich auf Definitionen dieser Fahrzeuge geeinigt
und Obergrenzen von 30 000 ACV für jede
Seite festgelegt. Darüber hinaus wurden Zwischenobergrenzen von 18 000 AIFV und HACV
für jede Seite vereinbart, dabei darf die Zahl der
HACV 1 500 pro Seite nicht überschreiten.
Artillerie liefert die erforderliche Feuerkraft für
die Durchführung einer Offensive. Westen und
Osten haben sich auf eine Definition dieser
wichtigen Rüstungskategorie, einschließlich der
Entscheidung, welche Systeme abgebaut werden sollen, geeinigt. Die Wiener Verhandlungen konzentrieren sich jetzt auf die maximale
Zahl von Artilleriegeschützen, die jede Seite
beibehalten darf.
Truppenstärken, Flugzeuge und Hubschrauber
Beim NATO-Gipfeltreffen im Mai 1989 schlug Präsident Bush eine Initiative für die Einbeziehung dreier
zusätzlicher Waffenkategorien in die KSE-Verhandlungen vor: Truppenstärken, Kampfflugzeuge und
Kampfhubschrauber. Die Staats- und Regierungs-

Seite 2

chefs der NATO unterstützten diese Initiative, die dann
auch von Osten angenommen wurde. Diese Elemente
sind jetzt ein wesentlicher Aspekt der Verhandlungen.
Der Osten verfügt zur Zeit über eine destabilisierende
zahlenmäßige Überlegenheit in allen diesen Bereichen.
Truppenstärken: Im Februar 1990 einigten sich
die 23 Teilnehmerstaaten der KSE-Verhandlungen, die außerhalb ihres nationalen Territoriums stationierten sowjetischen und amerikanischen Mannschaften der Land- und Luftstreitkräfte auf eine Obergrenze von 195 000 Mann
in der Region Europa Mitte zu begrenzen; den
Vereinigten Staaten werden darüber hinaus
zusätzlich 30 000 Mann für das übrige, vom
Vertrag abgedeckte Europa gestattet.
Kampfflugzeuge: Angesichts der Flexibilität
und Mobilität von Flugzeugen vertritt der Westen die Ansicht, daß alle kampffähigen Flugzeuge in die Verhandlungen einbezogen werden sollten, unabhängig von ihrer derzeitigen
Rolle, Mission oder Bestimmung. Der Westen
unterbreitete im Februar 1990 einen neuen
Vorschlag, mit dem die Zahl landgestützter, in
der ATTU-Region erlaubter Kampfflugzeuge
begrenzt und das derzeitige Ungleichgewicht
zugunsten des Ostens beträchtlich abgebaut
würde. Die von der NATO vorgeschlagene
Obergrenze bezieht sich auf den gesamten
Bestand ständig stationierter, landgestützter,
gefechtsfähiger Flugzeuge der NATO und des
Warschauer Pakts. Die Sowjetunion hat mit
einem Vorschlag reagiert, der eine große Anzahl landgestützter Marine- und anderer Kampfflugzeuge aus den vereinbarten Obergrenzen
ausklammem würde, der demzufolge für den
Westen unannehmbar ist.
Kampfhubschrauber, die Feuerunterstützung,
Flexibilität und rasche Mobilität bieten, können
ebenfalls eine wichtige Rolle bei Offensivoperationen spielen. Der Westen hat Schritte unternommen, um die Zahl der in der ATTU-Region
erlaubten Kampfhubschrauber mit strikten
Obergrenzen zu belegen. In Wien erörtern der
Westen und Osten zur Zeit die Hubschrauberkategorien, die im Rahmen des Vertrags begrenzt werden sollen. Die Diskussionen konzentrieren sich auf die vom Westen im Februar
1990 und vom Osten im April 1990 vorgeschlagenen Hubschrauberdefinitionen.
Andere Vertragselemente
Verifikation und Einhaltung: Die Fähigkeit zur
wirksamen Verifikation der Reduzierungen von
Truppen und Rüstungen ist ein wesentlicher
Vorteil eines KSE-Vertrags. Der Westen hat
Bestimmungen für detaillierten Datenaustausch,

AMERIKA DIENST 27

�Bilanz der Durchführung des Stockholmer Dokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Dokuments traten am 1.
Januar 1987 in Kraft. Die Dreijahresbilanz zeigt, daß
viele KSZE-Teilnehmerstaaten aktiv an der Verwirklichung der Stockholmer VSBM beteiligt waren. Im
Geiste der Schlußakte von Helsinki haben einige Staaten solche militärischen Aktivitäten angekündigt oder
Beobachter dazu eingeladen, die unter die im Stockholmer Dokument enthaltenen Obergrenzen fallen.

Inspektionen
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil des Stockholmer Regimes.
Seit dem 15. Juni 1990 wurden insgesamt 40 Vor-OrtInspektionen durchgeführt: 21 vom Westen und 19
vom Osten. Teile amerikanischer Streitkräfte waren
an 15 der 19 vom Osten durchgeführten Inspektionen
beteiligt.
Vor-Ort-Inspektionen
Inspizierender

Inspizierter

Staat

Staat

USA

UdSSR

28.-30. Aug. 1987

GB

DDR

10.-12. Sept. 1987

UdSSR

Türkei

5.- 7. Okt. 1987

UdSSR

BRD

28.-30. Okt. 1987

DDR

BRD

11.-13. Nov. 1987

USA

Ungarn

4. - 6. Feb. 1988

UdSSR

Norwegen

13.-15. März 1988

GB

UdSSR

9. - 11. Apr. 1988

USA

DDR

10.- 12. Apr. 1988

Bulgarien

Italien

USA

Polen

25.- 27. Juli 1988

BRD

DDR

12.- 14. Aug. 1988

Türkei

UdSSR

23. - 25. Aug. 1988

UdSSR

BRD

7.- 9. Sept. 1988

UdSSR

GB

5.-

USA

UdSSR

14.-16. Okt. 1988

Polen

BRD

7.- 9. Nov. 1988

DDR

BRD

28.-30. Nov. 1988

Obwohl der Osten nur einige wenige seiner militärischen Aktivitäten angekündigt und seine gemäß den
Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki zu beobachtenden Aktivitäten nie allen KSZE-Teilnehmerstaaten zugänglich gemacht hat, war seine Durchführung
des Stockholmer Dokuments ermutigend.

BRD

DDR

9.- 11. Apr. 1989

Italien

UdSSR

15. -17. Apr. 1989

USA

DDR

1 9 . - 2 1 . Mai 1989

UdSSR

Italien

28. - 30. Mai 1989

Amerikanische Beobachter stellen anhaltende Bemühungen seitens einiger Staaten des Ostens fest, besseren Zugang und einen offeneren Ansatz bei der
Beantwortung von Fragen und Anträgen der Beobachter zu gewährleisten. Die Sowjetunion muß noch eine
offenere Haltung einnehmen, stellt jedoch die Mindestinformationen über die zu beobachtende Aktivität
sowie begrenzte Möglichkeiten für Kontakte mit den
beteiligten Soldaten zur Verfügung.

Kanada

CSSR

14.-16. Juni 1989

UdSSR

Dänemark

21. - 23. Juni 1989

USA

UdSSR

11.-13. Aug. 1989

Italien

Bulgarien

13.-15. Aug. 1989

Frankreich

UdSSR

1 9 . - 2 1 . Aug. 1989

Terminkalender
Obwohl viele KSZE-Mitgliedstaaten Terminkalender
der vorgesehenen militärischen Aktivitäten vorgelegt
haben, zeichnet sich bei den westlichen wie östlichen
Staaten eine zunehmendene Tendenz ab, angekündigte Aktivitäten herunterzuschrauben oder abzusagen.
Ankündigung
Seit dem 15. Juni 1990 sind insgesamt 117 militärische
Aktivitäten gemäß dem Stockholmer Regime angekündigt worden. Auch sechs nicht meldepflichtige
Aktivitäten wurden angekündigt, wie beispielsweise
Bereitschaftsübungen, und zwar alle von westlichen
Staaten. Der Westen hat 47 Aktivitäten angekündigt;
die Benachrichtigung erfolgte zum Teil auf freiwilliger
Basis, da die Zahl der beteiligten Streitkräfte unterhalb
der Obergrenzen für obligatorische Benachrichtigung
lag. Der Osten hat 62 Aktivitäten angekündigt - auch
hier erfolgte die Benachrichtigung teilweise auf freiwilliger Basis. Die NNA-Staaten haben 8 Aktivitäten
angekündigt.
Beobachtungsprogramme
Insgesamt gab es 50 Beobachtungsprogramme militärischer Aktivitäten, zu denen KSZE-Staaten eingeladen wurden. Die westlichen Staaten haben 24 Beobachtungsprogramme durchgeführt, die des Ostens 21.
In den NNA-Staaten haben 5 Beobachtungsprogramme stattgefunden, von denen eins auf freiwilliger Basis
abgehalten wurde.

AMERIKA DIENST 27

Datum

2. -

4. Mai 1988

7. Okt. 1988

Seite 7

�GB

DDR

4. • 6. Sept. 1989

DDR

BRD

8.

UdSSR

BRD

11. -13. Sept. 1989

DDR

Belgien

17. -19. Sept. 1989

UdSSR

Frankreich

23. -25. Sept. 1989

BRD

CSSR

30. Sept.-Okt. 1989

UdSSR

Türkei

18. -20. Okt. 1989

UdSSR

Belgien

6. - 8. Jan. 1990

USA

DDR

9. • H . F e b . 1990

UdSSR

Norwegen

14. -16. März 1990

BRD

UdSSR

20. -22. März 1990

GB

DDR

22. -24. April 1990

UdSSR

Italien

10. Sept. 1989

und eine ausführliche Überprüfung erforderlich sind.
Sie bekräftigten ihre Entschlossenheit, alle Bestimmungen des Dokuments der Stockholmer Konferenz
strikt einzuhalten und nach Treu und Glauben anzuwenden.
Sie bekräftigten ihre Verpflichtung gegenüber den
Bestimmungen des Abschließenden Dokuments von
Madrid in bezug auf de Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa und kamen überein, die Arbeit der Konferenz
in der Absicht wiederaufzunehmen, weitere Fortschritte in Richtung auf ihr Ziel zu erreichen.
Neue Bemühungen um Sicherheit und Abrüstung
in Europa
Die Teilnehmerstaaten,

8. - 10. Mai 1990

Auszüge aus dem Wiener Abschließenden DokuVertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
und bestimmte Aspekte der Sicherheit und Abrüstung in Europa
Stockholmer Konferenz:
Fortschritte

Beurteilung der erzielten

Die Teilnehmerstaaten,
beurteilen in Übereinstimmung mit den einschlägigen
Bestimmungen des Abschließenden Dokuments von
Madrid die auf der Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa, die vom 17. Januar 1984 bis 19. September
1986 in Stockholm tagte, erzielten Fortschritte.
Sie begrüßten die Annahme eines Satzes einander
ergänzender Vertrauens- und Sicherheitsbildender
Maßnahmen (VSBM) in Stockholm.
Sie stellten fest, daß diese Maßnahmen mit den Kriterien des Madrider Mandats übereinstimmen und eine
wesentliche Verbesserung und Ausweitung der in der
Schlußakte angenommenen vertrauensbildenden
Maßnahmen darstellen.
Sie stellten fest, daß die Annahme des Stockholmer
Dokuments ein politisch bedeutsames Ergebnis darstellt und daß dessen Maßnahmen ein wichtiger Schritt
bei den Bemühungen sind, die Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa zu vermindern. Sie sind
übereingekommen, daß das Ausmaß, in dem die
Maßnahmen in der Praxis zu mehr Vertrauen und
Sicherheit beitragen, von der Erfüllungsbilanz abhängt.
Sie zeigten sich von der begonnenen Durchführung
ermutigt und stellten fest, daß weitere Erfahrungen

Seite 8

Eingedenk der einschlägigen Bestimmungen der
Schlußakte und des Abschließenden Dokuments von
Madrid, denen zufolge sie ihrer aller Interesse an
Bemühungen anerkennen, die auf die Verminderung
der militärischen Konfrontation und die Förderung der
Abrüstung gerichtet sind,
Unter Berücksichtigung ihrer in der Schlußakte bekundeten Entschlossenheit, das Vertrauen zwischen ihnen zu stärken und somit zur Erhöhung der Stabilität
und Sicherheit in Europa beizutragen,
Unter Betonung des komplementären Charakters der
Bemühungen im Rahmen des KSZE-Prozesses, die
auf die Bildung von Vertrauen und Sicherheit, die
Schaffung von Stabilität und die Erzielung von Fortschritten in der Abrüstung gerichtet sind, um die militärische Konfrontation zu vermindern und die Sicherheit
für alle zu erhöhen,
Unter Betonung, daß sie bei derartigen Bemühungen
die ihrer souveränen Gleichheit innewohnenden Sicherheitsinteressen aller KSZE-Teilnehmerstaaten
achten werden,
Ferner nach Prüfung von Wegen und geeigneten
Mitteln zur Fortsetzung ihrer Bemühungen um Sicherheit und Abrüstung in Europa,
Erzielten Übereinstimmung, diese Bemühungen wie
folgt zu strukturieren:
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen
Die Teilnehmerstaaten sind übereingekommen, daß
Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen stattfinden werden, um auf den
bereits bei der Stockholmer Konferenz erzielten Ergebnissen aufzubauen und sie zu erweitern, mit dem
Ziel, einen neuen Satz einander ergänzender Vertrauens- und Sicherheitsbildender Maßnahmen auszuarbeiten und anzunehmen, die darauf gerichtet sind, die
Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa zu

AMERIKA DIENST 27

�Vor-Ort-Inspektionen und Überwachung der
Verschrottung eingebracht. Obwohl der Ansatz
des Ostens sich in einigen Punkten unterscheidet, war seine Reaktion auf die westlichen Verifikationsvorschläge im großen und ganzen positiv.
Verschrottung/Demobilisierung: Der Westen
vertritt die Ansicht, daß ein wesentliches Element, um seine Fähigkeit zur Überwachung der
Einhaltung und Verhinderung der Verlagerung
von vertraglich begrenzten Ausrüstungen in das
Gebiet außerhalb der Zone zu gewährleisten,
darin besteht, das Gerät zu verschrotten, um die
vereinbarten Obergrenzen zu erfüllen. Der
Westen hat darüber hinaus den Vorschlag zur
Demobilisierung der amerikanischen und sowjetischen abgezogenen Truppen unterbreitet.
Der Osten hat diesem Prinzip noch nicht ganz
zugestimmt.
Stabilisierende Maßnahmen: Der westliche
Vertragsentwurf enthält eine Reihe anderer Maßnahmen, die zu Vertrauen und Stabilität im
regionalen Bereich beitragen würden. Dazu
gehören ständiger Informationsaustausch,
Bestimmungen über die Lagerung von Gerät,
die Ankündigung von Truppenbewegungen sowie
Beschränkungen des Umfangs militärischer
Aktivitäten.
Regionale Differenzierung und Hinlänglichkeit:
Neben Begrenzungen der Zahl von Waffensystemen, die in jeder Kategorie und auf jeder
Seite in der gesamten ATTU-Region zulässig
sind, stimmen die Teilnehmer auch darin überein, daß regionale zahlenmäßige Begrenzungen erforderlich sind, um destabilisierende
Konzentrationen von Waffensystemen der
Landstreitkräfte in allen vertraglich erfaßten
Regionen zu verhindern. Beide Seiten sind sich
ferner einig, daß darüber hinaus Obergrenzen
für den verhältnismäßigen Anteil jedes Staates
an den Waffensystemen eingeführt werden
("Hinlänglichkeit"). Die regionalen Verteilungsschemata beider Seiten unterscheiden sich jedoch
ebenso wie die Hinlänglichkeitsquoten. Während der Osten einem Land gestatten würde,
35-40 Prozent der in der ATTU zulässigen
Gesamtmenge an Gerät zu besitzen, geht der
Westen davon aus, daß die von ihm vorgeschlagenen 30 Prozent der Stabilität eher förderlich
sind. Der Westen hat ferner vorgeschlagen,
daß jedes Bündnis über festgelegte Obergrenzen hinaus keine Truppen außerhalb seines nationalen Territoriums stationieren darf. Diese
Obergrenzen würden eine zusätzliche Vorkehrung gegen Bemühungen irgendeines Staates
sein, im Sicherheitsgefüge der Region eine
dominierende Stellung einzunehmen.
KSE-Chronologie
AMERIKA DIENST 27

10. Januar 1989. In Wien paraphieren die 23 Staaten
von NATO und Warschauer Pakt ein Mandat, in dem
Umfang und Form der Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) definiert werden.
9. März 1989. Die KSE-Gespräche zwischen den 23
Staaten von NATO und Warschauer Pakt werden in
Wien formell eröffnet. Der erste NATO-Vorschlag zielt
auf die Reduzierung und Begrenzung von Kampf panzern, gepanzerten Kampffahrzeugen und Artillerie ab.
23. März 1989. Runde I der KSE-Gespräche wird
beendet.
5. Mai 1989. Eröffnung von Runde II.
29. - 30. Mai 1989. Während eines Gipfeltreffens der
NATO unterstützen die Staats- und Regierungschefs
der NATO den Vorschlag Präsident Bushs, die KSEVerhandlungen auf Begrenzungen der Truppenstärken, Kampfflugzeuge und Hubschrauber auszudehnen und die Verhandlungen innerhalb eines Zeitraums
von sechs Monaten bis zu einem Jahr abzuschließen.
13. Juli 1989. Die NATO unterbreitet in Wien einen
umfassenden Vorschlag, der die beim NATO-Gipfeltreffen vom Mai vereinbarten Initiativen einbezieht.
13. Juli 1989. Runde II der KSE-Verhandlungen wird
beendet.
7. September 1989. Runde III wird eröffnet.
22. September 1989. Der Westen bringt einen Vorschlag über Informationsaustausch, stabilisierende
Maßnahmen, Nichtumgehung und Verifizierung ein.
19. Oktober 1989. Die Staaten des Warschauer Pakts
legen ihre Vorschläge zu Verifizierung, Informationsaustausch und stabilisierenden Maßnahmen vor, von
denen viele die Sprachregelungen der bereits von der
NATO unterbreiteten Vorschläge widerspiegeln.
19. Oktober 1989. Beendigung von Runde III der KSEGespräche.
9. November 1989. Eröffnung von Runde IV.
14. Dezember 1989. Sowohl die NATO als auch der
Warschauer Pakt legen Vertragsentwürfe vor.
21. Dezember 1989. Runde IV der KSE-Verhandlungen wird abgeschlossen.
12. Januar 1990. Runde V wird eröffnet.
8. Februar 1990. Die Staaten des Westens präsentieren neue Vorschläge zu Flugzeugen und Truppenstärken.
13. Februar 1990. In Ottawa einigen sich die Außenminister der 23 KSE-Teilnehmerstaaten darauf, die
außerhalb ihres nationalen Territoriums in der Zone
Europa Mitte stationierten amerikanischen und sowje-

Seite 3

�tischen Land- und Luftstreitkräfte auf je 195 000 Mann
zu begrenzen. Darüber hinaus dürfen die Vereinigten
Staaten 30 000 Mann außerhalb dieser Zone stationieren.

26. April 1990. Bei den KSE-Verhandlungen bringen
die Sowjets als nationalen Vorschlag den Entwurf
eines Zerstörungsprotokolls einschließlich der Modalitäten der Zerstörung ein.

22. Februar 1990. Die NATO schlägt ein detailliertes
Inspektionsprotokoll vor. Runde V der KSE-Verhandlungen wird abgeschlossen.

26. April 1990. Die NATO unterbreitet den Entwurf
eines Artikels über die Neueinstufung von Angriffshubschraubern sowie ein Protokoll über Verfahrensregeln
für die Neueinstufung von Angriffshubschraubem. Runde
VI der KSE-Gespräche wird abgeschlossen.

15. März 1990. Eröffnung von Runde VI. Die NATO
legt einen Protokollentwurf zur Zerstörung sowie einen
Vertragsartikel über Reduzierungen vor. Darüber hinaus
bringt die NATO auf Arbeitsebene einen Protokollentwurf zu Notifizierung und Informationsaustausch ein.
Der Westen hat nun Vorschläge für alle wichtigen
Elemente eines KSE-Vertrags vorgelegt.
29. März 1990. Der Osten schlägt eine neue Definition
für Kampfhubschrauber vor.
4. - 6. April 1990. Bei einem Treffen zwischen den
Außenministern Baker und Schewardnadse in Washington schlagen die Sowjets Begrenzungen der von
Amerikanern und Sowjets im KSE-Anwendungsbereich stationierten Flugzeuge vor. Die Vereinigten
Staaten lehnen diesen Vorschlag ab und betonen die
Bedeutung einer Einbeziehung der Flugzeuge aller 23
Teilnehmerstaaten. Beide Seiten kommen überein,
daß vertraglich begrenztes Gerät einen bestimmten
Prozeß durchlaufen muß, um auszuschließen, daß es
für militärische Zwecke wiederverwendet werden kann.
12. April 1990. Stellvertretend für den Warschauer
Pakt legt die DDR den östlichen Entwurf eines Inspektionsprotokolls als "Ergänzung" zum Entwurf des
Westens vor, anstatt einen Gegenvorschlag zu präsentieren.
24. April 1990. Die Sowjets machen bei den KSEGesprächen einen nationalen Vorschlag zur Begrenzung der gepanzerten Kampffahrzeuge auf 30 000 für
jedes Bündnis.

3. Mai 1990. Präsident Bush fordert für den Frühsommer einen NATO-Gipfel, auf dem eine umfassende
Überprüfung der NATO-Strategie für das umgestaltete
Europa der neunziger Jahre vorgenommen werden
soll. Er schlägt vor, daß eines der beim Gipfel zu
behandelnden Themen die künftige konventionelle
Verteidigung des Bündnisses sowie die nächsten Schritte
in der konventionellen Rüstungskontrolle sein sollten.
14. Mai 1990. Runde VII der KSE-Gespräche wird
eröffnet.
24. Mai 1990. Die Sowjets unterbreiten einen nationalen Vorschlag für eine Gesamtobergrenze von 4 700
für "taktische oder Fronf'-Kampfflugzeuge und mittlere Bomberfür jedes Bündnis. Bestimmte zu Kampfeinsätzen geeignete Ausbildungsflugzeuge würden durch
eine eigene Obergrenze auf unter 500 begrenzt.
Landgestützte Marineflugzeuge würden ausgenommen, und die Behandlung von Abfangjägern für die
Luftverteidigung würde bis zu Folgeverhandlungen
vertagt.
27. Juni 1990. Die Unterhändler der 23 Teilnehmerstaaten verständigen sich auf ein umfassendes Paket
im Hinblick auf Kampfpanzer und gepanzerte Kampffahrzeuge, darunter Definitionen für ACV, AIFV, APC
und HACV sowie Obergenzen für diese Art von Ausrüstungen.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 27

�NATO-GIPFEL
11. Juli 1990

SCHLÜSSELINITIATIVEN DER LONDONER
ERKLÄRUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht über die wichtigsten in der am 6. Juli 1990 von den Staats- und
Regierungschefs der NATO verabschiedeten Londoner Erklärung enthaltenen Initiativen wurde am 6. Juli 1990
von der Pressestelle des Weißen Hauses veröffentlicht.

Die Londoner Erklärung enthält 19 Initiativen, mit denen
ein neuer Kurs für die NATO eingeschlagen und ein
neues Europa geschaffen werden soll. Diese Initiativen fallen in folgende umfassende Kategorien:
1. Zugehen auf traditionelle Gegner
Versprechen, "niemals und unter keinen Umständen ... als erste Gewalt anzuwenden".
Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung der
Mitgliedstaaten von NATO und Warschauer Pakt
mit einer Nichtangriffs-Verpflichtung, die auch
anderen KSZE-Teilnehmern offensteht.
Einladung an Gorbatschow und andere
Staats- und Regierungschefs des Ostens, vor
dem Nordatlantikrat zu sprechen.
Einladung der Regierungen der WarschauerPakt-Staaten, reguläre diplomatische Kontakte
zur NATO aufzunehmen.
Intensivierung der Kontakte zwischen den Militärs, einschließlich von Besuchen der NATOMilitärbefehlshaber in östlichen Hauptstädten.
2. Änderung des Charakters der konventionellen
Verteidigung

Hinblick auf die Gesamttruppenstärke eines
vereinigten Deutschlands umfassen werden.
Weitere Verhandlungen über konventionelle
Rüstungskontrolle nach KSE, mit denen "in den
neunziger Jahren weitreichende einschneidende Verringerungen der Offensivfähigkeit der
konventionellen Streitkräfte in Europa" angestrebt werden, "damit kein Land über eine unverhältnismäßige Militärmacht auf dem Kontinent verfügt".
Abkehr von der "Vorneverteidigung" und Stationierung kleinerer und umstrukturierter aktiver
Streitkräfte, die flexibler sind, Senkung des Bereitschaftsgrads der aktiven Einheiten, Reduzierung der Manöverzahl und verstärkten Rückgriff auf die Fähigkeit, umfangreichere Streitkräfte dann wieder aufzustellen, wenn sie erforderlich werden.
Verstärkte Stützung auf multinationale Korps,
die sich aus nationalen Einheiten zusammensetzen.
3. Verabschiedung einer neuen nuklearen NATOStrategie

Fortsetzung der KSE-Verhandlungen bis zur
Fertigstellung eines Vertrags.

Vorschlag, alle nuklearen Artilleriegeschosse
der NATO in Europa im Gegenzug zu einem
gleichartigen Vorgehen der Sowjets zu beseitigen.

Zusage, daß Folgeverhandlungen Maßnahmen
zur Begrenzung der Truppenstärken in Europa
und - eingedenk dieses Ziels - bei Unterzeichnung des KSE-Vertrags eine Verpflichtung im

Modifizierung der Strategie der "flexiblen Reaktion", um die Abstützung auf Nuklearwaffen zu
verringern und eine neue Strategie zu beschlie-

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�ßen, die Nuklearkräfte wahrhaft zu Waffen des
Rückgriffs macht.

Zeitplan für Folgetreffen mindestens alle zwei
Jahre.

4. Unterstützung des Auf baus eines ungeteilten,
freien Europas durch Stärkung der KSZE

Einsetzung eines KSZE-Sekretariats, um diese
Treffen und Konferenzen zu koordinieren.

Die Gipfelteilnehmer stimmen überein, daß der
KSZE-Gipfel neue Maßstäbe für freie Gesellschaften im Hinblick auf freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Umweltschutz setzen sollte.

Etablierung eines Mechanismus zur Beobachtung von Wahlen.

Vereinbarung regelmäßiger Konsultationen auf
Ebene der Minister oder Staats- und Regierungschefs mindestens einmal im Jahr.

Bildung eines KSZE-Parlaments, der Europäischen Versammlung.

* *

Seite 2

Schaffung eines KSZE-Zentrums für Konfliktverhütung.

*

AMERIKA DIENST 27

�</text>
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                <text>Amerikadienst 11.07.1990</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. VSBM&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Festigung der Stabilität durch Offenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Wiener VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Wiener KSE-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO-Gipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlüsselinitiativen der Londoner Erklärung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimocion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
11. August 1982

31
INHALT
DOKUMENTATION

GRUSSADRESSE REAGANS AN DIE DELEGIERTEN DER UN-WELTRAUMKONFERENZ
INFORMATION
MARTIN S. FELDSTEIN ZUM NEUEN VORSITZENDEN DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN NOMINIERT
KOHLE - DIE BESTE ENERGIEQUELLE
- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongreß HINTERGRUND
KONGRESS UNTERSTÜTZT REAGANS RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith DAS BEHARRLICHE STREBEN DER USA NACH NUKLEARER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas GETREIDE UND TECHNOLOGIE - EIN ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas WELTKULTURKONFERENZ DER UNESCO BETONT WERT DER PRESSEFREIHEIT
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MELDEZENTRALEN IM WELTRAUM
- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen -

Um Über/endun9 von
ßck&lt;)cxcmplorcn
wird gebeten

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�Dokumentation

i
31

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11. August 1982

GRUSSADRESSE AN DIE DELEGIERTEN DER UN-WELTRAUMKONFERENZ

WIEN

- (AD) - Im Verlauf eines von den Vereinigten Staaten getragenen

Gala-Abends wandte sich der amerikanische Präsident Ronald Reagan am 10.
August 1982 per Videofilm an die Delegierten der UN-Weltraumkonferenz, an
der vom 9.-21. August Repräsentanten von fast 150 Staaten teilnehmen und
die sich mit den Problemen der Erforschung und der friedlichen Nutzung des
Weltraums beschäftigt. Dabei hatten die Teilnehmerstaaten auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Nationalabends als Gastgeber aufzutreten, wobei zu dem
amerikanischen Programm neben der Grußadresse Präsident Reagans auch eine
Lesung des Autors James Michener sowie Reden amerikanischer Astronauten
gehörten.
Die Grußadresse des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor dreizehn Jahren setzten zwei amerikanische Astronauten - Neil
Armstrong und Edwin Aldrin - als erste Menschen ihren Fuß auf den Mond.
Dort stellten sie eine Plakette auf, die die folgenden Worte trug: "We
Came In Peace For All Mankind"
heit).

(Wir kamen in Frieden für die ganze Mensch-

Diese Plakette steht noch heute auf der Mondoberfläche, um den Geist

des amerikanischen Weltraumprogramms zu symbolisieren - jetzt und auch in Zu-

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�in Zukunft.
Wir sind stolz auf unsere Leistungen bei der Erforschung des Weltalls.
In nur einem Viertel Jahrhundert haben wir eine Menge an neuem Wissen über
unser Sonnensystem, über die Sterne, über das Universum und über unsere
eigene zerbrechliche Erde zusammengetragen. Wir sind dabei, herauszufinden, woher wir kommen und was die Zukunft für unseren Planeten und für uns
alle bereithält, die wir auf ihm leben. Die zahllosen Vorteile, die sich
aus unserem Raumfahrtprogramm ergeben haben, sind allen Völkern dieser Welt

„,

zuteil geworden. Kommunikationssatelliten verbinden weitentfernte Erdteile
miteinander. Die Untersuchung der Erdatmosphäre und der Erdoberfläche vom
Weltraum aus hilft dabei, die Rohstoffe dieser Erde zum Vorteil aller zu
nützen. Und Wettersatelliten geben uns auf weltweiter Basis Informationen,
die uns in die Lage versetzen, die Naturelemente

vorherzusagen, die unser

Leben gestalten, - und uns auf sie einzustellen.
Seit Beginn des amerikanischen Raumfahrtprogramms haben wir die internationale Zusammenarbeit betont. Ich bin sehr stolz darauf, daß die meisten
unserer großen Raumfahrtprojekte unter der Beteiligung anderer Staaten durchgeführt wurden. Ja, die internationale Zusammenarbeit ist elementarer Bestandteil von Form und Wesen unseres zivilen Raumfahrtprogramms.
Diese Zweite UN-Konferenz über die friedliche Nutzung des Weltraums
bietet den Führungspersonen in der ganzen Welt die noch nie dagewesene Möglichkeit, den Kurs für größere Zusammenarbeit zwischen den Staaten bei der
Erforschung der letzten und endlosen Grenze der Menschheit abzustecken.
Der Dichter Archibald MacLeish hat es bered : in diese Worte gefaßt:
"Die Erde - sie trägt uns alle... Brüder sind wir auf diesem strahlenden
Wunder in der ewigen Kälte".
Entschließen wir

- 2 -

*

�Entschließen wir uns zur Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die
Wohltaten des Weltraums auch weiterhin zu einer leuchtenden und friedvollen
Zukunft auf Erden beitragen. Und stecken wir neue Wege zu den Sternen ab,
damit sie uns als Straßen der friedlichen Forschung und der Wagnisse für
unsere Generation wie auch für die kommenden Generationen dienen mögen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche und fruchtbare Konferenz. Ich
danke Ihnen, und Gott schütze Sie alle.

- 3 -

�31

11. August 1982

MARTIN S. FELDSTEIN ZUM NEUEN VORSITZENDEN DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Martin S. Feldstein, der am 6. August 1982 von Präsident
Reagan zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten nominiert
worden ist, wird - sobald der Senat die Ernennung bestätigt hat - Murray
Weidenbaum ersetzen, der seine akademische Lehrtätigkeit wieder aufnehmen wird.
Bei Bekanntgabe der Nominierung erklärte Larry Speakes, der stellvertretende
Pressesprecher des Weißen Hauses: "Der Präsident ist überzeugt, daß er (Feldstein)
der beste Mann für diese Aufgabe ist." Diese Ansicht wird auch von Feldsteins
Kollegen geteilt: "Ich freue mich über die Berufung von Marty Feldstein sehr",
erklärte Walter W. Heller, Wirtschaftsprofessor an der University of Minnesota
und unter den Präsidenten Kennedy und Johnson ebenfalls Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten. Heller zufolge vertritt Feldstein eine angebotsorientierte Wirtschaftstheorie, die die Angebotskapazitäten der Wirtschaft vor
allem durch Investitionen und Spartätigkeit fördern möchte. Außerdem unterstütze
er selektive Steuerermäßigungen und habe klare Vorstellungen darüber, wie die
Haushaltsdefizite verringert werden könnten.
Auch Herbert

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�Auch Herbert Stein, Wirtschaftsprofessor an der University of Virginia
und während der Nixon-Administration ebenfalls Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, bezeichnete Feldstein als einen Spezialisten, der "ungemein
qualifiziert" sei und den man in der Welt der Wirtschaftswissenschaft überaus
schätze: "Seine besondere Stärke ist die langfristige, empirische Analyse von
Wachstum, Produktivität und Effizienz. Daher glaube ich, daß er bestens für
die grundsätzlichen Interessen dieser Administration geeignet ist."
Der 42-jährige Feldstein gehört zu der einflußreichen Gruppe jüngerer
Wirtschaftswissenschaftler, die der Meinung sind, daß die Ideen und Rezepte von
John Maynard Keynes nicht mehr für die amerikanische Volkswirtschaft der achtziger
Jahre angemessen sind. Er verweist darauf, daß derzeit eine "umfassende Revolution
des wirtschaftlichen Denkens" stattfindet, die schließlich zu einer realistiscneren
Einstellung gegenüber Arbeitslosigkeit, höherer Spartätigkeit und der angemessenen
Rolle des Staates in der Volkswirtschaft führen werde.
Nach Bestätigung durch den Senat wird sich Feldstein von der Harvard-Universität beurlauben lassen, wo er seit 1967 als Professor für Wirtschaftswissenschaft tätig ist. Davor unterrichtete er von 1964 bis 1967 am Nuffield College
der Universität Oxford; derzeit ist er Präsident des "National Bureau of
Economic Research" - einer Privatorganisation für Wirtschaftsanalyse, die für
ihre Arbeit über die Untersuchung von Wirtschaftszyklen bekannt ist. Außerdem
ist er Mitglied zweier Regierungsinstitutionen, des nationalen Beratungsaussciusses
für Produktivität und eines Prüfungsausschusses, der die Lohn- und Preisentwicklung
des Privatsektors analysiert.
Im Jahr 1977 wurde Feldstein die John Bates Clark-Medaille der American
Economic Association verliehen - eine Ehre, die alle zwei Jahre einem Wirtschaftswissenschaftler zuteil wird, der jünger als vierzig Jahre ist und den jeweils bedeutsamsten Beitrag zur amerikanischen Wirtschaftswissenschaft geleistet hat..
Am 25. November 1939 in New York geboren, lebt Feldstein, der die HarvardUniversität absolviert und in Oxford promoviert hat, heute mit seiner Frau Kathleen,
ebenfalls eine Wirtschaftswissenschaftlerin, und zwei Kindern in Belmont im Staate
Massachusetts.

&gt;....:

�11. August 1982

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KOHLE - DIE BESTE ENERGIEQUELLE
- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongreß

WASHINGTON - (AD) - "Kohle ist die ergiebigste und sicherste Energiequelle, auf die für das künftige Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten
zurückgegriffen werden kann." Dies ist das Fazit der jüngsten Studie des von
Mitgliedern des Senats und Repräsentantenhauses gemeinsam besetzten Wirtschaftskomitees im US-Kongreß, das sich in einer Serie von Untersuchungen
mit den Möglichkeiten der Wirtschaftsentwicklung auf längere Sicht befaßt.
Die Studie trägt den Titel: "Case Studies in Public/Private Cooperation to
Revitalize America: Coal" (Fallstudien für die Zusammenarbeit zwischen dem
öffentlichen und privaten Sektor zur Wiederbelebung Amerikas - Beispiel
Kohle).
Das sinkende Angebot an Importöl in den nächsten zwanzig Jahren erfordere, so wird in der Studie geschätzt, die Verdoppelung des Weltverbrauchs
an Kohle bis zum Jahr 1990 und sogar die Verdreifachung bis zum Jahr 2000.
Es wird darauf verwiesen, daß die Vereinigten Staaten gegenwärtig 787 Millio-

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�787 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern. Eine Steigerung der Fördermenge
auf maximal 1,575 Milliarden Tonnen bis zur Jahrhundertwende sei denkbar.
"Wenn wir dieses Niveau erreichen", so der Ausschußvorsitzende Henry Reuss,
"könnten die USA um das Jahr 2000 bis zu 315 Millionen Tonnen jährlich exportieren". Europäische und ostasiatische Länder dürften zur Steigerung ihres Wirtschaftswachstums in den kommenden Jahrzehnten erheblichen Bedarf an
Importkohle haben.
Die Studie empfiehlt, Über gesetzliche Regelungen die Voraussetzungen
für den Bau von Kohleschlamm-Pipelines zu schaffen, um den Transport von
Kohle zu erleichtern. Außerdem solle die Bundesregierung zum weiteren Ausbau von Hafenanlagen für den Kohleexport ermutigen. Alles in allem fordert
die Studie für die Ausweitung der Kohleproduktion ein Programm, das den intensiven Anstrengungen der Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren für
die Durchführung der Landung von Menschen auf dem Mond vergleichbar sei.

+ + + + +

�T

Hintergrundmateriell
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31

11. August 1982

KONGRESS UNTERSTÜTZT REAGANS RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith -

WASHINGTON - (AD) - Die Abstimmung des amerikanischen Repräsentantenhauses,
durch die die Rüstungskontroll politik der amerikanischen Regierung im Bereich
der Kernwaffen bekräftigt wird, stellt nach den Worten des amerikanischen Präsidenten "eine wichtige Unterstützung" für die amerikanischen Unterhändler dar,
die in Genf mit den Sowjets Rüstungskontrollgespräche führen.
Mit einem Abstimmungsergebnis von 204 zu 202 stellte sich das Repräsentantenhaus am Abend des 5. August 1982 hinter die Rüstungskontrollpolitik der Regierung
- und gegen diejenigen, die sich für ein sofortiges Einfrieren der Kernwaffen
eingesetzt hatten.
Die vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution fordert die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion auf, ihre Kernwaffen zu reduzieren und ein ausgewogenes und verifizierbares Abkommen zu beschließen, das die strategischen Kernwaffen auf gleichem und beträchtlich vermindertem Niveau einfriert. Die

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�einfriert. Die Resolution ist jedoch nicht bindend und erfordert seitens des
Präsidenten keine zwingenden Maßnahmen.
In einer vom Weißen Haus kurz nach der Abstimmung veröffentlichten Erklärung
sagte Präsident Reagan:
•

"Ich beglückwünsche das Repräsentantenhaus zu seiner heutigen Bestätigung
einer Resolution zur Rüstungskontrolle, die der Sowjetunion die Entschlossenheit des amerikanischen Volkes signalisiert, Frieden durch solche Rüstungskontrolle
abkommen zu erreichen, die die nuklearen Arsenale auf beiden Seiten wirkungsvoll
vermindern. Die Verringerungsvorschläge der Vereinigten Staaten sind derzeit Teil
ernsthafter Verhandlungen mit den Sowjets in Genf. Die heutige Abstimmung stellt
eine wichtige Unterstützung für unsere Unterhändler, angeführt von Botschafter
Edward Rowny und Botschafter Paul Nitze, dar."
Die Abstimmung des Repräsentantenhauses kam nach achtstündiger Debatte
zwischen denjenigen, die sich für die Resolution einsetzten, die letztlich angenommen wurde, und den Befürwortern alternativer Maßnahmen, die ein rasches Einfrieren der Produktion und der Dislozierung der neuen amerikanischen und sowjetischen Kernwaffen forderten.
Clement Zablocki, der der demokratischen Fraktion angehörende Vorsitzende des
außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, erklärte bei der Einbringung der "Einfrierungs-Resolution", daß dieser Vorschlag "voll und ganz den
besten nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dient. ... Der
Wähler vor Ort hat gesprochen. Er möchte ein Ende dieser nuklearen Aufrüstung."
Der republikanische Kongreßabgeordnete William Broomfield, der sich für die
letztlich erfolgreiche Resolution eingesetzt hatte, konterte Zablockis Argument,
indem er die Resolution für ein Einfrieren der Kernwaffen "zeitlich äußerst
schlecht gewählt" nannte, da sie so rasch nach Eröffnung der Gespräche über eine
Verminderung der strategischen Rüstungen in Genf vorgelegt worden sei. "Ihre

�sei. "Ihre Verabschiedung würde die Position unseres Chefunterhändlers,
General Edward Rowny, untergraben - genau zu dem Zeitpunkt, da er unsere
Unterstützung und unsere Ermutigung erhalten sollte. ... Sollte sich die
Sowjetunion wirklich hinsetzen und in Genf ernsthaft mit einer Administration
verhandeln, deren Position vom Kongreß zurückgewiesen wurde?"
Der Außenpolitische Ausschuß des Senats hatte bereits zuvor eine Resolution
verabschiedet, die lediglich ihre Unterstützung des Präsidenten bei seinem
Kampf um die Verminderung der Kernwaffen zum Ausdruck bringt. Hierzu muß sich
jedoch noch das Plenum des Senats äußern.
Die vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution hat folgenden Wortlaut:
Gemeinsame Resolution, um die Unterstützung des Kongresses für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion zum Ausdruck zu bringen, damit diese sich zu beträchtlichen, verifizierbaren, ausgewogenen und militärisch bedeutsamen Verringerungen
ihrer Kernwaffen mit dem Resultat gleicher und wesentlich verringerter Streitkräfteniveaus verpflichten, wodurch ein Beitrag zu Frieden und Stabilität erbracht
würde.
Da die ernsthaftesten Herausforderungen, vor denen das amerikanische Volk,
welches ein friedliebendes Volk ist, steht, die Bewahrung der Freiheit und die
Verhinderung eines Krieges - insbesondere eines Atomkrieges durch Zufall, Fehleinschätzung oder Absicht - sind;
da die Folgen eines anhaltenden Wettrüstens und das damit in Zusammenhang
stehende erhöhte Risiko eines Atomkrieges unannehmbar sind und es von zwingender
Notwendigkeit ist, daß der erfolgreichen und baldmöglichen Beendigung der STARTVerhandlungen höchste Priorität eingeräumt wird;
da das amerikanische Volk das Verlangen der Völker dieser Welt nach einer
Verringerung der nuklearen Arsenale teilt;
da die Sowjetunion

- 3 -

�da die Sowjetunion durch ihre Maßnahmen in Polen und Afghanistan sowie
durch ihre Weigerung, sich an die internationalen Vereinbarungen über chemische
Waffen zu halten, Bedrohungen des Weltfriedens hervorgerufen hat;
da umfangreiche und verifizierbare beiderseitige Verringerungen der
sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen auf ein gleichmäßiges und weit geringeres Niveau die Stabilität und die Erhaltung des Friedens fördern würden;
da der Kongreß in dem Gesetz 92-448 sein Mandat zum Ausdruck gebracht hat,
daß die Vereinigten Staaten kein Atomwaffenabkommen abschließen sollten, das einen
Streitkräfteumfang vorsehen würde, der unter dem der Sowjetunion liegen würde;
da es erklärte Politik der amerikanischen Regierung ist, verifizierbare Verringerungen der Nukleararsenale sowohl der Vereinigten Staaten als auch der
Sowjetunion auf einen gleichen Umfang auszuhandeln;
da die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion 1981 in Genf mit formellen
Verhandlungen über die Begrenzung und Verringerung der nuklearen Mittel Streckensysteme begonnen haben;
da im Mai 1982 die Außenminister der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft den Vorschlag des Präsidenten, die Bestände an Atomraketen großer Reichweite zu beschneiden, als "ein weitreichendes aber realistisches Angebof'willkommen geheißen haben, das zu "fairen und wirksamen Abkommen" führen könnte;
da die Vereinigten Staaten Und die Sowjetunion am 29. Juni 1982 in Genf mit
formellen Verhandlungen über die Begrenzung und Verminderung der strategischen
Atomwaffen begonnen haben,
wird deshalb vom Senat und vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten
von Amerika, im Kongreß versammelt, beschlossen, daß
H l der Kongreß

�(1) der Kongreß die Aufnahme der Gespräche über eine Verringerung der
strategischen Rüstung unterstützt und die Sowjetunion darauf drängt, sich den
Vereinigten Staaten beim Abschluß eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens anzuschließen, das die strategischen Kernwaffen auf gleichem und beträchtlich vermindertem Niveau einfriert;
(2) der Kongreß erneut seine Unterstützung für das Gesetz 92-448 bekräftigt,
das besagt, daß die Vereinigten Staaten kein Rüstungsabkommen abschließen dürfen,
das einen Umfang ihrer Streitkräfte vorsieht, der unter dem der Sowjetunion liegt.
(3) die Vereinigten Staaten zur Förderung der Zurückhaltung und der Stabilität bei der Rüstung der Sowjetunion und anderen Staaten praktische Maßnahmen vorschlagen, um
(A) die Gefahr eines Atomkrieges durch Zufall oder Fehleinschätzung
zu verringern;
(B) den Einsatz von Kernwaffen durch Drittparteien, einschließlich
Terroristen, zu verhindern; und
(C) der weltweiten Proliferation von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
(4) der Kongreß darauf besteht, daß ein jegliches zentrales Rüstungsabkommen
in vollem Umfang verifizierbar sein muß, da unsere nationale Sicherheit nicht
auf Vertrauen allein gegründet werden kann.
+++++

- 5 -

�Hintergrund
materiell
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11. August 1982

DAS BEHARRLICHE STREBEN DER USA NACH NUKLEARER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

WASHINGTON - (AD) •• Freitag, der 6. August, war der 37. Jahrestag des
ersten Einsatzes einer nuklearen Waffe - abgeworfen von einem amerikanischen
Bomber in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges auf die japanische Stadt
Hiroshima.
Es dient keinem nützlichen Zweck, die tragischen Einzelheiten jenes Tages
zu wiederholen. Was jetzt wichtig ist, ist die unübersehbare Notwendigkeit, ein
verläßliches und verifizierbares Rüstungskontrollsystem für Nuklearwaffen zu entwerfen, das die Welt vor zukünftigen Katastrophen schützt.
Für die Vereinigten Staaten hatte diese Suche vom ersten Tag des Nuklearzeitalters an die höchste Priorität. Jene, die fälschlicherweise anderer Ansicht
sein mögen, sollten sich noch einmal die Höhepunkte der jahrzehntelangen Bemühungen der Vereinigten Staaten ins Gedächtnis zurückrufen, ein System nuklearer
Kontrollen zustandezubringen.
Wer sich

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�Wer sich an die unmittelbare Situation nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert,
wird daran denken, daß es die Vereinigten Staaten - obwohl als einziges Land im
Besitz von Nuklearwaffen - waren, die auf die Schaffung einer internationalen
Atomenergiebehörde drängten, die das Monopol für die nukleare Forschung und Entwicklung gehabt hätte.
Es handelte sich um den sogenannten Baruch-Plan. Er wurde von einer argwöhnischen Sowjetunion zurückgewiesen, die bestrebt war, ihr eigenes atomares
Arsenal aufzubauen. Eine historische Gelegenheit war ungenutzt vorübergegangen.
Die Vereinigten Staaten waren zu diesem Augenblick der Geschichte die
stärkste Macht auf Erden. Ihr Territorium war praktisch vom Krieg unberührt geblieben. Sie demobilisierte in raschem Tempo ihre Streitkräfte. Sie war bereit,
ihre nukleare Kapazität an die damals neugegründeten Veralten Nationen abzutreten.
Selbst angesichts der Ablehnung des Baruch-Plans durch die Sowjetunion
setzten die Vereinigten Staaten ihre Suche nach einem Weg, der aus diesem
Dilemma herausführen konnte, unbeirrt fort.
Im Laufe der folgenden Jahre legten die USA einen Vorschlag nach dem anderen
vor. Präsident Eisenhowers Plan der "offenen Himmel", an die Sowjetunion gerichtet,
war ein augenfälliges Beispiel hierfür. Im Rahmen dieses Planes hätten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion dem Austausch militärischer Informationen
zugestimmt und eine Beobachtung ihres Territoriums aus der Luft gestattet, um
Überraschungsangriffe zu verhüten. Die Antwort des Sowjetunion lautete: Nein.
Später drängten die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Großbritannien Moskau,
einem umfassenden nuklearen Versuchsverbot zuzustimmen. Das allerdings hätte die
Zustimmung zur Anwesenheit von Inspektoren auf sowjetischem Territiorium erforderlich gemacht, und die Sowjetunion sagte wiederum: Nein. Moskau wollte lediglich
einen Vertrag für ein Verbot von Tests in der Atmosphäre akzeptieren - überwacht
durch weitentfernte wissenschaftliche Apparaturen.
Die Liste

- 2 l

�Die Liste der amerikanischen Initiativen ist lang. Die meisten wurden von
der Sowjetunion zurückgewiesen. Und trotzdem haben die Vereinigten Staaten bis
auf den heutigen Tag ihre Bemühungen um sinnvolle Abkommen mit der Sowjetunion
fortgesetzt.
Wenn man auf diese historische Bilanz zurückblickt, dann ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß - beim Baruch-Plan für eine internationale Kontrolle der
Kernenergie angefangen - die strategischen Rüstungsbegrenzungen und -reduzierungen
eine amerikanische Idee waren - und ein amerikanisches Ziel.
Ja, es waren amerikanische Befürworter der Idee einer Rüstungskontrolle und
-reduzierung - und zwar innerhalb wie außerhalb der Regierung -, die in den
sechziger Jahren die sowjetische Führung davon überzeugen konnten, daß es sich
zumindest lohne, einmal über diese Idee zu sprechen.
Der Grundgedanke der amerikanischen Argumentation ist heute noch so gültig
wie zu Anfang: Beide Supermächte können aus durchsetzbaren Abkommen Nutzen ziehen.
Die heutige amerikanische Position, dargelegt von Präsident Reagan, ist genauso klar: Verifizierbare Verringerungen der Anzahl der Nuklearwaffen auf beiden
Seiten sind von lebenswichtiger Bedeutung.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn man sich beiderseits auf Reduzierungen, Hand in Hand mit einer wirksamen Verifizierung, einigen kann, dann
könnte der seit so langer Zeit schon blockierte Weg zum letztlichen Ziel der Beseitigung der Nuklearwaffen - endlich frei werden.
+++++

- 3 -

�T

Hintergrund
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11. August 1982

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GETREIDE UND TECHNOLOGIE - EIN ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED
- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -

WASHINGTON - (AD) - Bei aller Heftigkeit der Argumentationen sollte der
entscheidende Unterschied zwischen den beiden Geschäften - Getreideverkauf
und Technologietransfer - klar im Auge behalten werden.
Die Getreideverkäufe sind Handel - schlicht und einfach Handel. Moskau
erhält amerikanischen Mais und Weizen, dort dringend benötigt, und bezahlt
dafür mit Gold oder aus seinen begrenzten Vorräten an harter Währung "cash on the barrel head" sagt der Amerikaner dafür. Würde Moskau kein amerikanisches Getreide kaufen, so könnte es seine Einkäufe in Argentinien, Kanada
und bei anderen Anbietern erhöhen. Getreide ist kein knapper Rohstoff - und
der Getreidehandel bringt für Käufer wie Verkäufer gleichen Vorteil.
Das sowjetische Röhrengeschäft hingegen umfaßt große Mengen westeuropäischer Kredite. Ja, die Unterhändler des Kreml haben ein Geschäft vorgeschlagen, bei dem die künftigen Abnehmer des sibirischen Erdgases die gewaltigen

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�die gewaltigen Kosten eines gewaltigen Projektes bezahlen werden. Die Westeuropäer stellen durch ihre jetzigen Kredite praktisch die Röhren, die Turbinen
und andere Ausrüstung; dann, nach Fertigstellung der Gasleitung, kaufen die
Europäer als Abnehmer das Erdgas und stellen damit die Devisen zur Verfügung,
die Moskau zur Bezahlung seiner Schulden braucht.
Dann nämlich wird das sibirische Gas Moskau pro Jahr etwa 7 Milliarden
Dollar Devisen einbringen. Dieses Geld wird dem Kreml dabei helfen, seine Militärmaschinerie noch weiter auszubauen - und ihn bei jeder künftigen politischen oder militärischen Konfrontation in die Lage versetzen, an einem kalten
Wintertag den Hahn zuzudrehen.
Welche ökonomischen Vorteile das Röhrenprojekt also auch immer haben mag,
es hat ernste strategische Aspekte, die durch den Druck des Kreml auf Polen so
überaus deutlich geworden sind. Die schlimme Lage des polnischen Volkes heute nach dreieinhalb Jahrzehnten unter einem von der Sowjetunion sanktionierten System - ist keine Werbung für engere Bindungen an Moskau.
Und es ist Präsident Reagans Entschluß, daß der Bau der Leitung, wenn es
denn dazu kommen sollte, ohne die Vorteile amerikanischer Technologie erfolgen
sollte, solange kein Ende des Kriegsrechtes in Polen in Sicht ist. Diese Technologie aber, für die großen Rotoren etwa, die bei den Turbinen verwendet werden, die das Gas durch die Rohre transportieren, hat nicht ihresgleichen.
Die amerikanischen Gesetze für Exportkontrolle existieren, um Strafen
für solche ausländischen Firmen zu erzwingen, die Lizenzvereinbarungen brechen
und sich dem Exportverbot widersetzen. Reagan hat sich lediglich aus berechtigtem Grund auf diese Gesetze berufen - in einer Situation, die völlig anders ist als jene, die die amerikanischen Getreideverkäufe an die Sowjetunion
betrifft. Irgendwie gleicht dies dem Unterschied, der darin besteht, ob man
den Bären durchs Gitter hindurch füttert oder gleich in seinen Käfig steigt.
+ + + + +

- 2 -

�11. August 1982

WELTKULTURKONFERENZ DER UNESCO BETONT WERT DER PRESSEFREIHEIT
- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely -

MEXIKO CITY - (AD) - Die Weltkulturkonferenz der UNESCO bekräftigte in einer
bei Konferenzende veröffentlichten "Erklärung von Mexiko City" am 6. August 1982
ihr Eintreten für Rechte und Freiheiten im kulturellen Bereich, einschließlich des
Rechtes auf einen ungehinderten Informationsfluß.
Die meisten der amerikanischen Vorschläge über eine Anerkennung der
Freiheit des einzelnen, des gleichen Wertes aller Kulturen, des kulturellen
Pluralismus und der Dezentralisierung des kulturellen Lebens sind in dieser
Deklaration enthalten. Ursprünglich von Mexiko und Venezuela entworfen, soll
dieses Dokument als Grundlage für die künftige Kulturpolitik der UNESCO dienen.
Aufgrund des immer stärker bedrohten Friedens unterstreicht die Erklärung,
es sei von höchster Dringlichkeit, "eine engere Zusammenarbeit zwischen den
Nationen herzustellen, die Achtung vor den Rechten anderer zu garantieren und
sicherzustellen, daß die Grundrechte des einzelnen und der Staaten sowie ihr
Recht auf Selbstbestimmung ausgeübt werden können."
Die Erklärung

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�Die Erklärung stellt außerdem fest:
- Alle Kulturen bilden Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit;
- Kulturelle Identität und kulturelle Vielfalt sind unteilbar;
- Die Anerkennung des Vorhandenseins einer Vielfalt kultureller Identität
- wo immer unterschiedliche Traditionen nebeneinander bestehen - ist
Wesensmerkmal und -kern eines kulturellen Pluralismus;
- Die Tatsache muß anerkannt werden, daß allen Kulturen die gleiche Würde
eigen ist;

i

- Die Kultur stellt eine fundamentale Dimension des Entwicklungsprozesses dar;
- Es ist notwendig, eine geographische und administrative Dezentralisierung
des kulturellen Lebens herbeizuführen;
- Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fordert das Recht
eines jeden einzelnen, ungehindert am kulturellen Leben der Gemeinschaft
teilzunehmen;
- Das Gedeihen der Kultur ist untrennbar verbunden mit der Unabhängigkeit
der Völker und mit den Freiheiten des Einzelmenschen.
Die Erklärung betont außerdem: "Der ungehinderte Fluß und die möglichst
ausgewogene Verbreitung von Informationen, Ideen und Wissen - die beide zu den
Grundsätzen einer neuen Weltordnung im Informations- und Kommunikationsbereich
gehören - beinhalten für alle Nationen das Recht, kulturelle, erzieherische,
wissenschaftliche und technische Informationen nicht nur zu empfangen, sondern
auch selbst zu verbreiten."
Mehrere amerikanische Resolutionen wurden einstimmig von allen Delegierten
angenommen, einschließlich einer über Glaubensfreiheit.
i

Eine von den Vereinigten Staaten unterstützte Resolution zur Freiheit der
Presse, der sich die Staaten des Sowjetblocks widersetzten, wurde durch eine

�durch eine amerikanische Resolution über Kommunikation und Massenmedien ersetzt,
die einstimmig angenommen wurde.
Diese Resolution appelliert an die Mitgliedstaaten der UNESCO, diejenigen,
die im Bereich der kulturellen Entwicklung tätig sind, dazu zu ermutigen, "sich
bei ihrer Arbeit in vollem Umfang der zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel
&lt;•
1

zu bedienen, seien sie moderner oder traditioneller Art."
Sie fordert zudem eine engere Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und
Entwicklungsländern, um Kommunikationssysteme und -technologien auszubauen.
Die Resolution unterstreicht, daß "die Freiheit zur Schaffung und zur Verbreitung von Kulturgütern, Informationen und Ideen sowie die Teilhabe an und der
Zugang zu ihnen innerhalb und zwischen den Staaten allen Menschen gewährleistet
sein muß."
Die Mitglieder der amerikanischen Delegation zeigten sich "befriedigt" über
die abschließenden Positionen, wie sie von den Delegierten der Weltkonferenz
übernommen wurden, und brachten ihre Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß die
Konferenz sich nicht von ihren kulturellen Zielsetzungen hatte abbringen lassen.
+++++

- 3 -

�T

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. August 1982

MELDEZENTRALEN IM WELTRAUM
- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen

- (AD) - Nachrichtentechnik, Wetterbeobachtung und Fernerkundung der Erde
haben in den 25 Jahren seit Bs-ginn des Raumfahrtzeitalters am meisten profitiert.
Auf keinem anderen Gebiet warer, die Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technik
so zahlreich und so vielfältig, ?uf der "UN-Konferenz über die Erforschung und
friedliche Nutzung des Weltraums - UNISPACE '82" vom 9. bis 21. August in Wien
sind diesem Themenkreis zahlreiche Beiträge gewidmet.
Mehr als hundert Nachrichtensatelliten umkreisen gegenwärtig unsere Erde.
Bis Ende 1981 wurden vom US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) allein 48 kommerzielle Nachrichtensatelliten im Auftrag der amerikanischen halbstaatlichen Gesellschaft COMSAT sowie amerikanischer Unternehmen wie AT&amp;T, Western Union, RCA
und Standard Business gestartet. Im November 1982 wird der Raumtransporter
COLUMBIA bei seinem fünften Flug zwei kommerzielle Satelliten im Weltraum absetzen - einen für "Satellite Business Systems", den zweiten für "Telecast
Canada Ltd.".
Von 1958

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Von 1958 bis 1981 startete die NASA außerdem 44 Nachrichten-, Wetterbeobachtungs- und Navigationssatelliten für amerikanische Behörden sowie 62 künstliche Erdtrabanten im Rahmen internationaler Abkommen. Inzwischen ist auch das
Trägergerät ARIANE der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) einsatzbereit. Im
vergangenen Jahr wurden für die ESA ein Wetterbeobachtungssatellit und ein Satellit
für die Schiffahrt, für Indien ein Nachrichtensatellit in den Weltraum transportiert. Drei amerikanische Unternehmen - GTE, Southern Pacific, Western Union haben bei der zuständigen Organisation

ARIANESPACE, die Nutzlastplätze ver-

kauft, bereits Satellitenstarts gebucht.
Da bei den benutzten Frequenzen (Mikrowellen) die Funksignale keine Ablenkung durch die Erdatmosphäre erfahren, kann ein Satellit in seiner Funktion
als "Relaisstation am Himmel" Funksignale praktisch interferenzfrei empfangen
und weiterleiten. Zur überbrückung von Entfernungen von mehr als 800 bis 1 000 km
auf der Erde sind Satelliten, so Joseph Harcarufka von der Fernmeldekommission
der USA (die "Federal Communications Commission" - FCC - ist u.a. für das Inlandsfernmeldewesen mit Satelliten zuständig), wirtschaftlicher als andere Systeme
zur Funk- und Fernsehübertragung. Sie machen ein umfangreiches Kabel netz überflüssig.
Der 1965 für COMSAT gestartete erste kommerzielle Nachrichtensatellit
EARLY BIRD (er wird heute als INTELSAT I bezeichnet) hatte eine Kapazität von
240 Schaltkreisen für Telefongespräche oder für die Datenübertragung und nur
einen Fernsehkanal. Wurde dieser benutzt, waren die Sprechkreise blockiert. Sein "'
Gewicht betrug 60 kg, die aktive Lebensdauer drei Jahre. Wachsende Startkapazitäten der Trägerraketen in Verbindung mit enormen technischen Verbesserungen der
Satelliten haben jedoch deren Leistungen ganz wesentlich ausgeweitet: INTELSAT V
(das erste Gerät dieser Serie wurde im Dezember 1980 gestartet) wiegt 1870 kg, hat
eine aktive Lebensdauer von mindestens sieben Jahren und besitzt neben zwei
TV-Kanälen 12 000 Sprechkreise.

COMSAT (Gesellschaft

�COMSAT (Gesellschaft für Nachrichtensatelliten) wurde 1963 gegründet. Die
Organisation leistete Pionierarbeit für den Aufbau eines internationalen Satelliten-Fernmeldenetzes und die Schaffung des Internationalen Konsortiums für Nachrichtensatelliten (INTELSAT - International Telecommunications Satellite Consortium).
Heute gehören INTELSAT 106 Staaten als Mitglieder an, 150 Länder und
Territorien sind Nutznießer der Dienstleistungen dieser Organisation. Zwei
Drittel aller transozeanischen Nachrichtenverbindungen der Vereinigten Staaten
laufen über die INTELSAT-Systeme unter Einschaltung von acht Bodenstationen der
USA. Während COMSAT vor allem für die Kommunikation via Satelliten mit dem
Ausland zuständig ist, erbringen für den amerikanischen Inlandsverkehr acht verschiedene Satellitennetze solche Dienstleistungen: AMSAT (American Satellite
Company), COMSTAR (American Telephone and Telegraph), GALAXY (Hughes Communications),
G-STAR (GTE Satellite Corporation), SATCOM (RCA American Communications), SBS
(Satellite Business Systems), SPACENET (Southern Pacific Communications) und
WESTAR (Western Union). Alle diese Systeme bieten Fernseh- und Sprechübertragungen.
Nur "Standard Business Satellite Systems" übermittelt ausschließlich Digitalinformationen. Die Herstellung von Verbindungen mit dem Ausland ist diesen
Organisationen untersagt.
Für Nachrichtensatelliten ist ein Orbit in 36 000 km Abstand von der Erdoberfläche am besten geeignet. Denn dort ist ihre Umlaufgeschwindigkeit ebenso
groß wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde, so daß der Satellit für den Beobachter auf der Erdoberfläche "stillzustehen" scheint. Drei solcher geostationären "Relaisstationen am Himmel", über dem Äquator gleichmäßig verteilt, würden
theoretisch ausreichen, um jeden Punkt auf der Erde erreichen zu können. In der
Praxis aber muß dieser Orbit weitaus dichter besetzt werden, um den Anforderungen
an den Satellitenfunk gerecht zu werden.
Allein für den amerikanischen Inlandsverkehr sind gegenwärtig 12 Satelliten
im Einsatz. Sie "stehen" jeweils vier Längengrade weit auseinander. Da dieses
Stationierungsverfahren die Verwendung von Satelliten im Bereich der USA (für
eine viel benutzte Frequenz zwischen dem 57. und 147. Grad westlicher Länge)

- 3 -

�westlicher Länge) zahlenmäßig begrenzt, die Kommunikation über Satelliten jedoch
ständig umfangreicher wird, sucht man jetzt nach neuen Wegen, um Engpässe zu
vermeiden. Die FCC empfiehlt, den Abstand der Satelliten für den inneramerikanischen Verkehr auf drei Längengrade oder noch weniger zu verringern. Weitere
technische Verbesserungen hinsichtlich der Ausrüstung der Satelliten sowie ihre
Gruppierung entsprechend den jeweiligen Übertragungsaufgaben würden eine optimale
Nutzung des verfügbaren "Raums" ermöglichen.
Für die Stationierung internationaler Satelliten gibt es allerdings noch
keine Regelung. Wenn ein Land einen Satelliten starten will, braucht es dies
nur über die Internationale Fernmelde-Union (ITU) bekanntzugeben. Technische Erfordernisse, Parameter für die Übertragungen und die Gefahr von Störungen durch
Überlagerung mit anderen Sendebereichen sind Fragen, die die betreffenden Länder
oder Parteien untereinander zu lösen versuchen. Sam Fordyce, Chefingenieur der
Abteilung Fernmeldetechnik der NASA, verweist darauf, daß u.a. Technologien untersucht werden, durch die die Anzahl der Transponder (kombinierte Umsetzer und Verstärker) in Nachrichtensatelliten von gegenwärtig 24 auf ca. 60 erhöht werden
könnte. Damit ließe sich die Kapazität eines Satelliten für Sprech-, Fernseh- und
andere Übertragungen ganz erheblich steigern. Außerdem prüfe die NASA die Möglichkeiten für Direktverbindungen zwischen Satelliten als eine der Voraussetzungen
für den Aufbau von "Clusters", d.h. Satellitengruppen in einem Bereich, der derzeit
nur die Stationierung eines einzigen Satelliten zuläßt. Da bereits mit polarisierten Funkstrahlen gearbeitet wird, kann schon jetzt ein Satellit die gleiche
Frequenz viele Male immer wieder verwenden.
Eine Zukunftsaufgabe ist die Schaffung der technischen Voraussetzungen für
den Satelliten-Direktempfang über eine kleine Antennenstation am Haus zu annehmbaren Kosten. Sie macht den Empfänger von den bisher üblichen großen Bodenstationen
unabhängig. Diese Technik erfordert jedoch auch leistungsstärkere Nachrichtensatelliten mit anderen Sendefrequenzen. Laut Harcarufka hat bisher noch kein
Unternehmen die Entwicklung eines solchen Direkt-Sendesystems in Angriff genommen .
Seit 1962

- 4 -

�Seit 1962 startete die NASA 15 eigene Nachrichtensatelliten. Auch die ATSSerie zählt dazu, die in Verbindung mit entsprechenden Bodenanlagen über das USAmt für Internationale Entwicklung (AID) in Entwicklungsländern zur Unterrichtung
der Landbevölkerung in abgelegenen Regionen benutzt wurden. Was generell der
Satellitenfunk für die Dritte Welt bedeutet, erläuterte kürzlich in Washington
Rashmir Mayur, stellvertretender Vorsitzender der Repräsentanten der Dritten
Welt auf der UNISPACE-Konferenz in Wien: Noch vor 12 Jahren war ein Telefongespräch
von den USA nach Bombay erst nach einer Anmeldefrist von 26 bis 28 Stunden möglich.
Heute kommt die Verbindung meist innerhalb von Sekunden zustande.
Das NASA-Programm für die Erdbeobachtung, das 1960 mit den TIROS-Wettersatelliten begann, umfaßte mehr als 30 Starts von Geräten für die Wetterbeobachtung sowie für den Mehrzweckeinsatz (großräumige Wetterbeobachtung und Nachrichtenübermittlung), was z.B. mit ATS-Satelliten wahrgenommen wurde. Inzwischen ist
auch die Fernerkundung der Erde aus dem Weltraum in bezug auf Vegetation und Böden,
Schneebedeckung, Wasser- und Mineralienvorräte durch verfeinerte Techniken immer
weiter verbessert worden. Der im Juli 1982 gestartete amerikanische Satellit
LANDSAT D, das vierte Gerät der 1972 begonnenen LANDSAT-Serie, vermag z.B. sogar
zwischen Pflanzenarten zu unterscheiden, die eng miteinander verwandt sind. Erste
Auswertungen der zur Erde gefunkten Aufnahmen des "thematic mapper" zeigten, wie
ein NASA-Mitarbeiter erklärte, daß die Leistungsfähigkeit dieses neuen Instrumentes
alle Erwartungen übertreffe. So seien auf einer Aufnahme vom Gebiet Detroit sowohl
markante Gebäudekomplexe in der Stadt, Kleinflughäfen mit ihren Rollbahnen, kleine
Schiffe vor und auf dem Detroit-River als auch ganz deutlich Wassertrübungen
im St. Clair-See und Erie-See nahe dem Detroit-Fluß zu erkennen. Der Satellit
umkreist die Erde in 705 km Höhe.

+++++

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grußadresse Reagans an die Delegierten der Un-Weltraumkonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin S. Feldstein zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohle - die beste Energiequelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ergebnis einer Studie des Wirtschaftskomitees im US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress unterstützt Reagans Rüstungskontrollpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Mary C. Smith -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das beharrliche Streben der USA nach nuklearer Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Getreide und Technologie - ein entscheidender Unterschied&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltkulturkonferenz der UNESCO betont Wert der Pressefreiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Mildred Sola Neely -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meldezentralen im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Satelliten als Relais- und Erderkundungsstationen -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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^7-ioN ^

11. August 1993

32

WIRTSCHAFT

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR PLAN ZUR GESUNDUNG DER
WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH DER ABSCHAFFUNG
DES KOMMUNISMUS SOGAR NOCH
VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson

BOSNIEN

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLÄNE
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN DER
NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als
aktiver Vermittler

TERRORISMUS

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert

LANDMINEN

UNGERAUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE
KILLER UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums

MARTIN LUTHER KING

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG FÜR
PLAN ZUR GESUNDUNG DER WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Mit der Feststellung, daß es an der Zeit für "außergewöhnliche Aktionen" sei, richtete
Präsident Clinton einen dringenden Appel an die Nation, seinen umfassenden Haushaltsplan zu unterstützen,
der einen Abbau des Defizits um rund 500 Milliarden Dollar vorsieht.
"Wir müssen sehr viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu bewirken", erklärte Clinton in einer landesweit
übertragenen Fernsehansprache am 3. August 1993. "Wir haben jetzt die Chance zu Veränderungen. Wir
befinden uns an der Schwelle zu historischen Aktionen."
In seinem Appell an den Kongreß, sein Maßnahmenpaket zur Gesundung der Wirtschaft zu verabschieden,
vertrat Clinton die Auffassung, die Vereinigten Staaten stünden vorder Wahl: "Wir können den Weg zu höheren
Defiziten und geringerem Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung
der Wirtschaftslage unseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtschaftsplan zustimmen."
Der Plan sieht ihm zufolge den grö ßten Defizitabbau der Geschichte vor - nahezu 500 M illiarden Dollar - "mit mehr
Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Guten Abend. Ich möchte Ihnen heute über die von Auto zu kaufen, die Rechnungen zu bezahlen, die
uns erzielten Fortschritte berichten und um Ihre Unter- Ausbildung seiner Kinder zu gewährleisten und mit
Stützung bei der dringendsten Priorität unserer Nation Würde in den Ruhestand zu gehen,
bitten - der Wiederbelebung des Amerikanischen Traums
durch den Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft. Unsere Regierung hat diese Probleme zu lange nicht
in Angriff genommen. Uns wurde eine Politik des
Es ist mindestens 30 Jahre her, seit ein Präsident an Anspruchsdenkens geboten - Almosen seitens der
die Amerikaner appelliert hat, persönliche Verantwor- Regierung, ohne im Gegenzug etwas dafür zu verlantungfürdieZukunftdesLandeszuübernehmen. Esist gen. Und es wurde uns eine PolitikdesAlleingelassen25 Jahre her, seit unsere Regierung einen ausgegli- seins geboten - Steuersenkungen für die Wohlhabenchenen Haushalt hatte. Seit mindestens 20 Jahren den - ebenfalls ohne irgendeine Gegenleistung bei
stagniert das Einkommen der Mittelschicht nahezu, gleichzeitigen Steuererhöhungen für die Mittelschicht,
und zu viele Amerikaner arbeiten nachts, am Wochen- die an eben diese Regierung mehr bezahlen mußte,
ende und im Urlaub, nur um über die Runden zu statt in unsere Arbeitsplätze und unsere Zukunft zu
kommen.
investieren.
Seit mindestens zehn Jahren sind die Kosten unseres Die Resultate: Weniger Arbeitsplätze, stagnierende
Gesundheitswesens explodiert, während Millionen Einkommen, eine massive Verschuldung für uns und
Amerikaner jeden abend mit der Sorge zu Bett gehen, unsere Kinder, höhere Kosten und größere Unsicherdaß ihre Krankenversicherung gekündigt wird, wenn heit im Gesundheitswesen sowie ein Berg von schlicht
sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder ihre Kinder krank vernachläßigten Problemen,
werden.
Heute abend sind wir an dem Punkt, aus diesem alten
Und in den letzten Jahren hat unsere Volkswirtschaft Kreislauf von Steuern, Ausgaben und einer Wirtschaftskeine Arbeitsplätze geschaffen - Arbeitsplätze, bei entwicklung von oben nach unten auszubrechen,
denen man genug verdient, um sich ein Haus und ein zwischen Alleingelassensein und Anspruchsdenken;
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�an der Schwelle zu neuen Wegen, die Dinge in Angriff
zu nehmen und in unseren dauerhaftesten Werten
begründet - einer Philosophie, die lautet, Amerika
schuldet uns alle eine Chance, wenn wir die Verantwortung für uns, unsere Gemeinden und unser Land
übernehmen. Nicht länger irgend etwas umsonst. Wir
sitzen alle in einem Boot.
Das bedeutet, die Regierung muß für diejenigen funktionieren, die die Rechnungen bezahlen. Die gewaltige Macht des Mississippi, der über die Ufertrat und die
hinterlassene Zerstörung hat uns allen in den letzten
Wochen Furcht eingeflößt. Wir hatten jedoch auch
großen Respekt für den Mut der Opfer der Überschwemmung und das Mitgefühl der Amerikaner, die
ihnen bei der Bekämpfung der Ruten und der Wiederherstellung eines normalen Lebens behilflich waren.
Ich bin besonders stolz, daß dieses Mal die Bundesregierung gemeinsam mit den Betroffenen gekämpft hat.

gleichermaßen, daß das Wachstum rückläufig sein
wird, wenn wir nicht drastische Schritte unternehmen,
um dieses Defizit in den Griff zu bekommen und zwar
bald. Wenn soviel auf dem Spiel steht, wäre es
unverantwortlich, keine entschiedenen Maßnahmen
zu ergreifen.
Ist dieser Plan erst einmal in die Praxis umgesetzt, wird
Wirtschaftswachstum die Folge sein, und in den nächsten vier Jahren werden über acht Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen. Ohne diesen Plan setzen
wir unsere Volkswirtschaft und unseren Lebensstandard weiter aufs Spiel. Wenn wir diesen wichtigen
ersten Schritt jetzt unternehmen, werden wir langfristig
einen Abbau des Defizits und eine Zunahme von
Arbeitsplätzen beobachten.

Das zweite Prinzip dieses Plans ist Fairneß. Diejenigen, die am meisten haben, leisten die höchsten
Beiträge. Wie diese Graphik belegt, bitten wir die
Das müssen wir an allen Fronten tun. Wir müssen sehr Wohlhabenden, ihren fairen Anteil zu entrichten, unter
viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu der Prämisse, daß mindestens ßO Prozent der neuen
bewirken. Wir haben jetzt die Chance zu Veränderun- Steuerlast auf diejenigen entfallen, die über 200.000
gen. Wir befinden uns an der Schwelle zu historischen Dollar pro Jahr verdienen, und sehr wenig auf die
Aktionen. In dieser Woche wird der Kongreß die anderen Amerikaner. Das soll nicht heißen, daß die
Erfolgreichen bestraft werden, sondern bedeutet nur,
entscheidende Abstimmung über meinen Plan zur
etwas von denjenigen zu erbitten, deren Einkommen in
Gesundung der Wirtschaft abhalten.
den achtziger Jahren am meisten gestiegen sind und
In einem umfassenden Wirtschaftsplan ist immer Raum deren Steuern gesenkt wurden. Für Arbeitnehmerfafür Geben und Nehmen. Aber vom ersten Tag an habe milien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
ich fest zu bestimmten Ideen und Idealen gestanden,
Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödie das Kernstück dieses Plans bilden.
hung geben. Ich wiederhole: Für Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
Heute abend kann ich Ihnen berichten, das jedes Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödieser Prinzipien in der endgültigen Version des Plahung geben.
nes enthalten ist.
Das dritte Prinzip ist, daß wir ältere Amerikaner vor
schmerzlichen Kürzungen der Sozialleistungen, Medicare und der Vergütungen für Veteranen schützen
müssen, die von einigen vorgeschlagen wurden. Obwohl
alle Amerikaner ihren Beitrag leisten müssen, werde
ich einen ausgeglichenen Haushalt nicht auf Kosten
der älteren Amerikaner anstreben, während die Wohlhabenden geschützt werden. Jede von den Gegnern
des Wandels angebotene Alternative beginnt mit einschneidenden Kürzungen der Krankenversicherung
älterer Amerikaner. Meines Erachtens müssen wir
eine bessere Zukunft für unsere Kinder aufbauen,
ohne
die Sicherheit ihrer Großeltern zu opfern. Wir
Warum müssen wir jetzt außergewöhnliche Maßnahkönnen
die Kosten der Krankenversicherung kontrolmen ergreifen? Diese Graphik erläutert Ihnen, warum.
lieren,
aber
nur durch Reform des GesundheitsweDie Vereinigten Staaten stehen vor der Wahl. Wir
sens,
nicht
indem
wir einfach den Älteren weh tun.
können den Weg zu höheren Defiziten und geringerem
Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung der Wirtschaftslage Das vierte Prinzip lautet, daß wir unser Vertrauen in die
hart arbeitenden Mittelklassefamilien bewahren müsunseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtsen,
die das Kernstück und die Stärke unserer Nation
schaftsplan zustimmen.
sind. Wir haben hart an diesem Plan gearbeitet, um die
Es wird weder leicht sein noch schnell gehen. Aber es Steuern für die Mittelschicht so niedrig wie möglich zu
ist notwendig; ohne den Abbau des Defizits wird es halten. Der Plan sieht für eine arbeitenden Durchschnittsfamilie nicht mehr als 3 Dollar pro Monat an
kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum geben. Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer warnen uns zusätzlichen Steuern vor - also weniger als zehn Cent

Erstens der größte Defizitabbau der Geschichte nahezu 500 Milliarden Dollar- mit mehr Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen. Statt der Spiele und
Tricks der Vergangenheit enthält dieser Plan 200
spezifische Ausgabenkürzungen, und er reduziert die
staatlichen Ausgaben um über 250 Milliarden Dollar.
Wir streichen mehr als 100.000 Positionen in der
Regierung, ohne jemanden zu entlassen. Wir werden
die Ausgaben zur freien Verfügung für fünf Jahre
einfrieren. Wir werden Gehaltserhöhunen für Bundesbedienstete begrenzen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�pro Tag - bei einer Anhebung der Mineralölsteuer um Wir verwirklichen dies durch einen Einkommensteuer1,1 Cents pro Liter. Das ist die einzige neue Steuer, die abschlag, der die Steuern für 20 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als
von den Arbeitnehmern entrichtet werden muß.
27.000 Dollar pro Jahr senkt. Dies geschieht ohne
Ich möchte ganz offen sagen, woher der Defizitabbau neue staatliche Bürokratie, sondern nur durch die
kommt. Sehen Sie sich diese Graphik an. Pro 10 Anwendung des Steuerrechts.
Dollar für die Verringerung des Defizits kommen 5
Dollar, das heißt, tatsächlich sogar etwas mehr, aus Damit wird eine außerordentlich deutliche Botschaft
Ausgabenkürzungen; 4 Dollar kommen aus Einkom- an diejenigen übermittelt, die mit großen Unbilden zu
mensteuern für diejenigen, die über 200.000 pro Jahr kämpfen haben, um sich und ihre Familien voranzuverdienen, und nur 1 Prozent kommt von allen ande- bringen. Sie verleiht ihnen Macht. Sie sagt ihnen, wir
ren.
stehen auf der Seite der Menschen, die arbeiten und
sich um ihre Kinder kümmern. Es ist eine Botschaft
Dieser Plan ist fair. Er ist ausgewogen. Und er wird Pro Arbeit und Pro Familie. Und es ist ein erster
funktionieren.
entscheidender Schritt zu einer meiner wichtigsten
Prioritäten: Beendigung der Sozialhilfe in ihrer bisheWir müßen letztlich eine Volkswirtschaft haben, die
rigen Form.
Arbeitsplätze schafft und das amerikanische Volk
voranbringt.
Jedes Element dieses Plans ist eine Abkehr vom
In der Vergangenheit sind Bestrebungen zum Defizit- business as usual, und wenn es etwas gibt, das unser
Land benötigt, dann, business as usual überflüssig zu
abbau gescheitert, weil sie Initiativen für Unternehmachen.
menszuwächse und Investitionen vemachläßigten, um
die Amerikaner intelligenter, stärker und sicherer zu Ich bin mir voll und ganz bewußt, daß die Amerikaner
machen. Dieser Plan ist völlig anders. Er schafft sehr skeptisch gegenüber RegierungsverlautbarunArbeitsplätze. In der Tat kommen über 90 Prozent der gen sind. Sie müssen sich fragen, ob diese Kürzungen
mittelständischen Unternehmen in diesem Land für ernstgemeint sind und ob die Steuern wirklich dazu
Steuersenkungen in Frage, wenn sie in ihre Zukunft verwendet werden, das Defizit abzubauen. Nun, unser
investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.
Plan unterscheidet sich grundlegend vom business as
usual. Ich möchte Ihnen erläutern, warum.
Wenn Sie den Mut zu Investitionen in neue Firmen
haben und diese Investition für fünf Jahre tätigen, wird Erstens gründet sich der Plan auf konservative SchätIhre Kapitalertragssteuer durch diesen Plan um die zungen künftiger Einnahmen. Zeile um Zeile, Jahr um
Hälfte gesenkt. Wenn Ihr Unternehmen in Forschung Jahr enthält er spezifische Kürzungen der staatlichen
und Entwicklung investiert, wird Sie dieser Plan beloh- Ausgaben. Und er bietet neue Initiativen, damit die
nen. Wenn Ihr mittelständisches Unternehmen neue Wirtschaft expandieren kann und neue Arbeitsplätze
Arbeitsplätze schafft und neue Geräte anschafft, sieht geschaffen werden. Er reduziert die Belastung der
dieser Plan Wachstumsanreize vor, indem die Ab- Mittelklasse auf ein Minimum und fordert die Wohlhaschreibung für neue Investitionen nahezu verdoppelt benden auf, ihren gerechten Anteil zu entrichten. Und
wird.
schließlich schafft er zwei off enku ndige Schutzmechanismen, damit die künftigen Bundesausgaben sorgfälObwohl wir bei den Ausgaben einschneidende Kürtig beobachtet und gleichzeitig die durch diesen Plan
zungen vornehmen, schaffen wir auch Raum für benöerzielten Spareinlagen geschützt werden.
tigte Investitionen. Unser Plan investiert durch Head
Start, Nahrungsmittel für Schwangere und Impfungen Die Ersparnisse werden in einen Treuhandfonds zum
armer Kinder vor allem in unsere Kinder und Familien. Defizitabbau fließen, damit die Spareinlagen nicht für
All diese Maßnahmen machen sich durch gesunde, Lieblingsprojekte der Politiker ausgegeben werden.
wachsende, starke Kinder bezahlt.
Einige im Senat haben formalistische Einwände gegen
Senator
De Concinis Zusatzartikel zur Einrichtung
Wir werden das AusbikJungsförderungsprogramm für
eines
Treuhhandfonds
zum Defizitabbau vorgebracht
Studenten revolutionieren, damit alle Amerikaner sich
und
die
Bestrebungen
zahlreicher
anderer Senatoren
die Finanzierung einer College-Ausbildung besser leisowie
einer
eindeutigen
Mehrheit
im
Repräsentantensten können. Und wir unternehmen kühne Verändehaus
vereitelt,
die
den
Fonds
und
Kontrollen
der jährrungen bei der beruflichen Ausbildung von Arbeitnehlichen
Ausgaben
für
Förderungsprogramme
unterstütmern, damit High-School-Absolventen hochqualifizierzen. Aus diesem Grund werde ich morgen einen
te, gutbezahlte Arbeitsplätze finden können.
Präsidialerlaß für diese beiden Schutzmechanismen
unterzeichnen,
damit Sie wissen, daß das Geld für den
Am wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß dieser Plan
Defizitabbau
aufgewendet
werden muß. Wenn wir
Arbeit statt Sozialhilfe belohnt, indem alle Familien mit
unsere
Ziele
zum
Defizitabbau
in den nächsten fünf
Kindern aus der Armut geführt werden, wenn sie sich
Jahren
nicht
erreichen,
werde
ich
verpflichtet, einen
für eine Ganztagsbeschäftigung anstelle von SozialhilPlan
für
eine
Kurskorrektur
vorzulegen
um sicherzufe entscheiden.
AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�stellen, daß wir das verwirklichen, was wir Ihnen
gegenüber als unsere Absicht bekundet haben. Dies
ist jetzt eine neue Richtung.

gewartet und monatelang an diesem Projekt gearbeitet haben. Sie reden und reden, was zu tun sei, statt
das zu tun, was getan werden muß.

Der Plan ist von den konservativsten und skeptischten
Kritikern sorgfältig geprüft worden - denjenigen, die die
Finanzmärkte unseres Landes verwalten. Sie haben
den Plan studiert und sind zu dem Schluß gelangt, daß
die langfristige Behebung des Defizits gut für das Land
sein wird. Und während wir Fortschritte bei der Verabschiedung dieses Plans erzielten, haben die Kapitalmärkte die Zinssätze gesenkt. Niedrigere Zinssätze
erleichtem es insgesamt gesehen, ein Haus zu erwerben, ein Unternehmen zu finanzieren, ein Auto zu
kaufen, die Anschaffungen auf Kreidtkarte zu bezahlen und einen Kredit für die College-Ausbildung aufzunehmen.

Als ich Gouverneur von Arkansas war, hatte unser
Bundesstaat im landesweiten Vergleich mit die niedrigste Steuerbelastung. Ich habe dieses riesige Haushaltsdefizit ebenso wie Sie geerbt. Und ich mag
Steuern genausowenig wie Sie, aber unsere Nation
befindet sich wirtschaftlich in Gefahr, und jetzt müssen
wir dieses Problem - das Sie und ich geerbt haben - in
Angriff nehmen. Wir müssen die Verantwortung für
den Wandel übernehmen. Die Verabschiedung dieses
Plans wird ein kühner und der erste Schritt auf einer
längeren Reise sein, eine umfassende Wirtschaftsstrategie für unser Land zu erarbeiten.

Wenn Sie zum Beispiel zur Mittelklasse gehören und
eine Hypothek zu einem Zinssatz von 10 Prozent
aufgenommen haben, sollten Sie heute in der Lage
sein, die Hypothek mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent
neu zu finanzieren und ab sofort 175 Dollar pro Monat
zu sparen, wie es Millionen Amerikaner bereits getan
haben.
Die Vorstandsvorsitzenden der 80 erfolgreichsten Firmen unseres Landes - Republikaner und Demokraten
gleichermaßen - haben diesen Plan ebenfalls unterstützt. Dasselbe tun zahlreiche mittelständische Organisationen der nationalen Vereinigung mittelständischer Unternehmen, der nationale Verband der Selbstständigen, bis hin zum nationalen Verband der Spekulanten. Die Männer und Frauen, deren Aufgabe es ist,
Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen, haben dieses historische Unterfangen geschlossen unterstützt.
Warum sind viele in Washington in diesem außerordentlich vielversprechenden Moment so zurückhaltend, Sparmaßnahmen zu ergreifen? Warum ist es in
dieser Stadt so schwer, mit den schlechten Gewohnheiten der Vergangenheit zu brechen und die Schritte
zu unternehmen, die - wie wir alle wissen - in die Wege
geleitet werden müssen? Seit fünf Monaten hatten
unsere Kritiker die Chance, Alternativen anzubieten,
und alle wichtigen Pläne enthielten dasselbe: Einen
geringeren Defizitabbau und mehr Belastung für ältere
Amerikaner, oder beides; Schutzklauseln für die
Wohlhabenden, damit sie ihren gerechten Anteil der
Steuern nicht entrichten müssen und keine neuen
Unternehmensanreize, Arbeitsplätze zu schaffen oder
Investitionen in das amerikanische Volk zu tätigen.
Und jede dieser Alternativen wurde vehement im
Kongreß abgelehnt. Jetzt gibt es nur die Wahl: Unseren Plan oder keinen Plan.
Unsere Gegner wollen den Plan zu Fall bringen. Die
Hüter des Patts werden alles in Ihrer Macht Stehende
tun, um den Status quo zu erhalten, Lobbyisten zu
dienen und die ganze Sache zu verzögern. Sie praktizieren Parteigängertum, wenn wir Fortschritt benötigen. Sie fordern Vertagung, wenn wir seit 12 Jahren
Seite 4

Diese Wirtschaftsstrategie beginnt damit, daß wir unser
Haus in Ordnung bringen - damit ist sie jedoch nicht zu
Ende. Wir müssen auch den Mut zur Reform unseres
Gesundheitswesens aufbringen, damit nie wieder einer
Familie die Krankenversorgung verweigert wird oder
ein Unternehmen aufgrund der Kosten für die Krankenversicherung bankrott geht.
Ich möchte Ihnen die erste Graphik noch einmal zeigen. Wenn Sie sich dieses Defizit betrachten, so
können wir die Verschuldung mit unserem Plan fünf
Jahre lang beträchtlich senken. Wenn Sie wollen, daß
das Defizit auf Null reduziert wird - wie sicherlich die
meisten von Ihnen - müssen wir das Gesundheitswesen in Angriff nehmen. Es treibt den Privat- und den
öffentlichen Sektor in den Bankrott und Millionen
Amerikaner leben in Unsicherheit und konstanter Angst,
ihren Krankenversicherungsschutz zu verlieren.
Die Reform der Krankenversicherung ist also gut für
die Wirtschaft gut, für den weiteren Defizitabbau und
gut für die Amerikaner.
Wir müssen auch die Sozialhilfe in ihrer bisherigen
Form abschaffen. Wir können Millionen arbeitsloser
Amerikaner von der Sozialhilfe auf Gehaltslisten bringen, wenn wir das System ändern. Und wir müssen die
Regierung selbst revolutionieren - Aufräumarbeit leisten und die Korruption abschaffen, modernes Management einführen, dank dem die Steuerzahler mehr
Geld sparen. Die Regierung muß besser funktionieren
und sich wieder derjenigen annehmen, die die Rechnung bezahlen. Und wir müssen weiterhin auf die
Öffnung ausländischer Märkte hinarbeiten, um Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen.
All dies zusammengenommen wird eine Wirtschaftsstrategie ergeben, die jedem Amerikaner Chancen
bietet und von jedem Amerikaner Verantwortungsbewußtsein verlangt. Wir können jedoch keinen dieser
Schritte unternehmen, wenn wir nicht den ersten Schritt
tun.
Aus diesem Grund ist die vom Kongreß in dieser
Woche zu treffende Entscheidung so außerordentlich
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�wichtig. Wir können es uns nicht leisten, nicht zu
handeln. Ich benötige Ihre Hilfe. Sie müssen den
Vertretern des Volkes sagen, da ß sie sich der Belange
des Volkes annehmen müssen. Sagen Sie ihnen, sie
sollen den Kurs der Wirtschaft ändern und zwar jetzt,
damit die Wirtschaft wieder expandieren, Arbeitsplätze schaffen und unser Land wieder voranbringen
kann.
In den letzten sechs Monaten haben wir hier einige
wichtige Schlachten gewonnen: Ein neues Gesetz für
Mutterschafts- und Krankenurlaub, das jungen Eltern
gestattet, freizunehmen, um sich um ihr Baby, ein
krankes Kind oder kranke Eltern zu kümmern, ohne
ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist gerade in Kraft
getreten. Ein neuer nationaler Sozialdienst, der Zehntausenden junger Menschen hilft, das Geld für den
College-Besuch aufzubringen, indem sie einen Gemeindedienst für ihr Land leisten. Eine neue Richterin
am Obersten Bundesgericht, die heute ohne Parteigängertum oder Zwist bestätigt wurde. Neue Maßnahmen zur Schaffung hochtechnologischer Arbeitsplätze
und zur Konversion von Rüstungsindustrien für pro-

*

AMERIKA DIENST 32

duktive zivile Zwecke, womit mehr Arbeitsplätze und
Chancen geboten werden. Und von einem Gipfeltreffen in Vancouver zur Rettung der Demokratie in Rußland bis zu einem Gipfeltreffen in Tokio zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft gibt es jetzt neue Chancen
für Amerikaner und neuen Respekt für die amerikanische Führungsrolle.
Wir Amerikaner sind ein Volk mit Privilegien und Herausforderungen. Wir wurden in turbulenten Zeiten
geformt, und wir stehen jetzt an der Schwelle zu einem
neuen Zeitalter. Unsere Taten und Entscheidungen
können Amerika voranbringen, so daß wir in unserem
dritten Jahrhundert weiterhin die jüngste und optmistischte Nation sein werden. Ein Volk, das sich wieder
auf dem Marsch befindet, stark und furchtlos. Wenn
wir kühne Hoffnungen haben und unserer großen
Verantwortung gerecht werden, können wir dem Land,
das wir lieben, die besten Jahre geben, die es jemals
erlebt hat.
Auf Wiedersehen, und möge Gott Sie alle auf diesem
Weg beschützen.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WASHINGTON - (AD) - Ein von Präsident Clinton vorgelegter Gesetzentwurf zur massiven Reduzierung des
Haushaltsdefizits soll im Verlauf der nächsten fünf Jahre zu Einsparungen in Höhe von 496 Milliarden Dollar
führen.
Das sowohl Steuererhöhungen als auch Ausgabenkürzungen umfassende Paket wurde am 6. August 1993 im
Senat mit einer Stimme Mehrheit - der bei dem Gleichstand von 50-50 entscheidenden Stimme von Vizepräsident
Albert Gore - angenommen, wodurch monatelangen parlamentarischen Schachzügen und politischen Manövern
ein Ende gesetzt wurde.
Bereits einen Tag zuvor hatte das Repräsentantenhaus die Gesetzesvorlage mit 218 zu 216 Stimmen
angenommen. Ein Meinungsumschwung von nur einem Abgeordneten in einer der beiden Kammern des
Kongresses hätte ausgereicht, um das Kernstück von Präsident Clintons Wirtschaftsplan zum Scheitern zu
bringen.
Aus dem Weißen Haus verlautete, der Präsident werde das Gesetz am 10. August im Rahmen einer Feierstunde unterzeichnen.
Nach der Abstimmung im Senat erklärte ein strahlender Präsident Clinton vor Reportern, die Entscheidung
des Kongresses bedeute, daß "wir unsere Binnenwirtschaft in den Griff bekommen." Aber, so der Präsident,
"dies ist nur der Anfang, lediglich ein erster Schritt bei
unseren Versuchen, unsere Finanzen besser unter
Kontrolle zu bringen, in unsere Zukunft zu investieren
und unsere Wirtschaft anzukurbeln".
Der Präsident dankte Vizepräsident Gore für seine
Rolle bei der Entscheidung zugunsten einer äußerst
wichtigen Maßnahme, die er spaßeshalber als "Erdrutschsieg" bezeichnete. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten darf im Falle einer Pattsituation in
seiner Eigenschaft als Senatspräsident seine Stimme
abgeben. Gore hatte bereits einmal zuvor- am 25. Juni
1993 - von diesem Vorrecht Gebrauch gemacht, als
seine entscheidende Stimme die Gesetzesvorlage in
einem frühen Stadium rettete.
Als die Ergebnisse der Abstimmungen vom 5. und 6.
August vorlagen, hatte sich kein Republikaner der
beiden Kammern zugunsten der Gesetzesvorlage
entschieden. Die geschlossene Oppostion zwang
Clinton zu einer Reihe persönlicher Gespräche mit
unentschlossenen Mitgliedern seiner demokratischen

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Mehrheitspartei, die die möglicherweise ausschlaggebenden Stimmen hielten.
Der dramatische Augenblick für die entscheidende
Stimmabgabe von Gore war erst gekommen, als sich
Senator Robert Kerry aus Nebraska kurz vor der
letzten namentlichen Abstimmung aus dem Plenum
erhob, um seine Entscheidung zur Unterstützung des
Präsidenten bekanntzugeben, die er sich abgerungen
hatte.
Kerry, der im vergangenen Jahr als Präsidentschaftskandidat seiner Partei gegen Clinton angetreten war,
hatte seine Stimme zurückgehalten, weil die Maßnahmen seiner Ansicht nach nicht weitreichend genug
sind, um die gravierenden Wirtschaftsprobleme des
Landes in Angriff zu nehmen.
Letztlich entschied ersieh jedoch, füreinen Gesetzentwurf zu stimmen, "der die Amerikaner nicht genug
herausfordert", weil "ich nicht weiß, was meine Kollegen auf der anderen Seite des Ganges (die republikanischen Senatoren) tun werden, wenn ich 'Nein' sage",
erklärte Kerry.
Die Republikaner hatten die Werbetrommel gegen die
Maßnahme gerührt und sich beschwert, sie ginge mit
Seite 1

�den Steuererhöhungen zu weit und nehme nur unzureichende Kürzungen der staatlichen Ausgabenprogramme vor.

Steuer auf Auslandstätigkeit: Das Maßnahmenpaket umfaßt mehrere Bestimmungen in Zusammenhang mit der Besteuerung im Ausland tätiger USBürger, die darauf abzielen, die Besteuerung amerikanischer Unternehmen für im Ausland erzielte Einnahmen zu erhöhen. Insgesamt werden dadurch die
Einnahmen in den nächsten fünf Jahren um schätzungsweise 3,1 Milliarden Dollar erhöht werden.

Die Finanzmarkte schienen jedoch mit einer Hausse
auf die Maßnahme des Kongresses zu reagieren, als
der Handel nach dem Wochenende am 9. August
wiederaufgenommen wurde. Die Aktienkurse explodierten und der Dow Jones Index erreichte ein Rekordniveau. Auch die Wertpapierkurse schnellten in die Das Paket enthält eine Bestimmung, die die laufende
Hohe und folglich fielen die Renditen auf ein Rekordtief Besteuerung von Gewinnen und Profiten ausländi- ein gutes Zeichen für weitere Zinssenkungen.
scher Unternehmen erfordert, wenn diese nicht einen
bestimmten Anteil für neue Investitionen aufwenden.
Die wichtigsten Verfügungen des Maßnahmenpakets
Auch wird die Steuerpflicht für Dividenden und Zinseinnahmen aus Öl-, Gas- und Schiffsoperationen im
Das Gesamtpaket umfaßt 255 Milliarden Dollar an Ausland erhöht.
zusätzlichen Ausgabenkürzungen sowie Nettoeinnahmen von 241 Milliarden Dollar, vor allem durch neue Einkommensteuerfreibetrag: Während andere steuoder erhöhte Steuern für Wohlhabende sowie gewinn- erliche Bestimmungen die Einnahmen erhöhen, gleicht
bringende Unternehmen.
die Maßnahme einige dieser Zuwächse aus, indem der
Einkommensteuerfreibetrag stark angehoben wird, was
Steuern
Arbeitnehmerfamilien mit niedrigem Einkommen zuEinkommensteuer: Die bei weitem größte neue gute kommt. Die Erweiterung der Anzahl in Frage
Einkommensquelle in Höhe von ungefähr 115 Milliar- kommender Familien wird zusammen mit einer Aufden Mark resultiert aus der Anhebung des Spitzen- stockung des Familienfreibetrages in den nächsten
steuersatzes von 31 auf36 Prozent. DieserneueSatz, fünf Jahren schätzungsweise 20,8 Milliarden Dollar
der rückwirkend zum 1. Januar 1993 in Kraft tritt, gilt für kosten. Kinderlosen Familien wird zum ersten Mal ein
Jahreseinkommen von mehr als 115.000 Dollar für begrenzter Freibetrag eingeräumt.
Alleinstehende und 140.000 Dollar für gemeinsam
veranlagte Ehepaare. Zusätzlich werden Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen
von 250.000 Dollar mit einem Einkommensteuerzuschlag in Höhe von 10 Prozent belegt.
Sozialversicherung: Sozialhilfeempfänger mit einem Einkommen von mehr als 34.000 Dollar und bei
Ehepaaren von 44.000 Dollar werden ab dem Jahr
1994 85 Prozent ihrer Bezüge oder 85 Prozent ihrer
über der Bemessungsgrenze liegenden Bezüge versteuern müssen, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Bisher betrug der Satz 50 Prozent.

Investitionsanreize: Mehrere Bestimmungen zum
Zweck der Ankurbelung von Untemehmensinvestitionen, insbesondere von mittelständischen Unternehmen, führen zu einem weiteren Verlust von 15 Milliarden Dollar an staatlichen Einnahmen. Mittelständische Unternehmen werden beispielsweise in der Lage
sein, einen größeren Teil ihrer Anschubfinanzierung
für den Kauf neuer Geräte steuerlich abzusetzen. Für
Langzeitinvestoren in mittelständische Unternehmen
wird die Kapitalertragssteuer auf ihre Investitionserträge gesenkt. Auch soll der Steuerfreibetrag für Forschungstätigkeit dauerhaft gelten.

Körperschaftssteuer: Der Spitzensteuersatz auf Erziehungs- und Ausbildungsmaßnahmen: Im
Unternehmensgewinne für Unternehmen mit einem zu Einklang mit den Vorschlägen des Präsidenten geversteuernden Jahreseinkommen von über 10 Millio- währt das Paket bestimmte Steuerbefreiungen, die
nen Dollar wird rückwirkend zum 1. Januar 1993 von Bildung und Ausbildung fördern sollen und das Finanz34 auf 35 Prozent erhöht. Das neue Gesetz begrenzt ministerium im Laufe der nächsten fünf Jahre weitere
auch die Abschreibung von Vorstandsgehältern und 1,6 Milliarden Dollar kosten. Eine Verfügung verlängert bis zum Ende des Jahres 1994 eine Regelung, die
Werbekosten.
es Angestellten gestattet, von ihrem zu versteuernden
Mineralölsteuer: Ab dem 1 • Oktober 1993 wird durch Einkommen bis zu 5.250 Dollar für von ihrem Arbeitgedas neue Gesetz eine Steuer auf alle Treibstoffe, ber bereitgestellte Ausbildungshilfe abzusetzen. Eine
einschließlich Benzin, in Höhe von umgerechnet etwa weitere Bestimmung verlängert um denselben Zeit2 Pfennig je Liter erhoben. Flugzeugtreibstoffe sind für raum den Steuerfreibetrag für Arbeitgeber, die Angezwei Jahre von dieser Steuer ausgenommen, weitere hörige benachteiligter Gruppen jinstellen.
Ausnahmen umfassen Treibstoffe für Landwirtschaft,
Schiffahrt und internationale Luftfahrt. Die neue Abga- Ausgaben
be hebt die Steuer für Treibstoffe landesweit auf Medicare und Medicaid: Das Gesetz sieht starke
umgerechnet 9 Pfennig pro Liter.
Kürzungen beiden bisher vorgesehenen Ausgaben für
Medicare, der staatlichen Krankenversicherung für
Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�ältere Menschen vor, sowie bei Medicaid, der medizinischen Unterstützung der Armen. Die für Medicare
veranschlagten Ausgaben werden in den nächsten
fünf Jahren um 55,8 Milliarden Dollar gekürzt, mit
Ausnahme von 7,8 Milliarden Dollar, die sich ausschließlich durch Kürzungen der Zahlungen an Krankenhäuser, Ärzte und andere Anbieter medizinischer
Leistungen ergeben. Der Rest resultiert aus einer
Erhöhung der Versicherungsprämien für den Versicherten. Im Hinblick auf Medicaid werden die Ausgaben in den kommenden fünf Jahren um 7,1 Milliarden
Dollar gekürzt.
Programme zur Altersversorgung: Durch Änderungen der Rentenversicherung für militärische und zivile
Bundesbedienstete werden die Ausgaben in den nächsten fünf Jahren um 11,9 Milliarden Dollar gekürzt.
Rundfunk: Die Ausgabenseite umfaßt auch eine
Bestimmung, die den staatlichen Kommunikationsausschuß (Federal Communications Commission)
ermächtigt, ein Ausschreibungsverfahren einzurichten, durch das Lizenzen für die kommerzielle Nutzung
des Rundfunks erteilt werden, einschließlich neuer
Dienstleistungen im Kommunikationsbereich. Dank
dieser Bestimmung sollen Einnahmen in Höhe von
10,2 Milliarden Dollar erzielt werden.

auf der Grundlage der Importmenge und der Differenz
zwischen den Preisen für importierten und heimischen
Tabak.
Zusätzlich müssen diese Hersteller den heimischen
Tabakanbauem eine Menge Tabak abnehmen, die der
Quantität des über die 25-Prozent-Marge hinausgehenden importierten Tabaks entspricht.
Die Tabakimporteure sollen auch Gebühren für Inspektionen sowie Beiträge zum nationalen Tabakförderungsprogramm zahlen.
Das Gesetz verbietet jedoch Ausgaben der US-Regierung für die Förderung amerikanischer Tabakexporte
auf ausländischen Märkten.
Agrarhandel: Das Gesetz soll bis 1995 die Vereinbarungen des Haushaltsabkommens von 1990 abschaffen, denen zufolge ein Minimum an landwirtschaftlicher Nutzfläche für den Anbau von Getreidesirup und
Gerste bereitgestellt werden muß.
Damit würden solche Mindestanbauflächen für Weizen und Mais für den Fall wiedereingeführt, daß die
Vorräte unter ein bestimmtes Niveau fallen.

Das Gesetz würde nicht das Haushaltsabkommen von
1990 zur Erhöhung der staatlichen Ausgaben um 1
Kürzungen bei anderen Förderungsprogrammen - Milliarde Dollar für die Förderung von Agrarexporten
laufende Programme, die vom jährlichen Bewilligungs- ab Oktober 1993 für zwei Jahre ändern. Eine solche
verfahren des Kongresses ausgenommen sind und Anhebung würde nicht stattfinden, falls die seit langem
einer programmgebundenen Finanzierung unterliegen im Patt befindliche Uruguay-Runde multilateraler
- sollen zu Haushaltseinsparungen in dieser Kategorie Handelsgespräche vor diesem Zeitpunkt ein Abkomvon insgesamt schätzungsweise 88.000 Millionen Dollar men im Agrarbereich erzielt.
führen.
Weichhölzer: Durch das Gesetz werden die Steuern
Ungefähr 102 Milliarden an Einsparungen sollen aus für Exporte von unbearbeiteten Weichhölzern erhöht.
sogenannten Ausgabenprogrammen zur freien Verfü- Es soll den staatlichen Steuererlaß für unbearbeitete
gung resultieren, die einer jährlichen Bewilligung un- Weichhölzer aus im Privatbesitz befindlichen heimiterliegen. Ein Großteil dieser Gesamtsumme stammt schen und ausländischer Unternehmen abschaffen.
aus Einsparungen im Verteidigungsbereich in der Zeit
Das Gesetz der Vereinigten Staaten verbietet bereits
nach dem Kalten Krieg.
den Export von unbearbeitetem Holz aus dem im
Im Zusammenhang damit stehende Einsparungen, Besitz der Öffentlichkeit befindlichen Land im Westen
hauptsächlich in Form gesenkter Zinszahlungen für Amerikas.
die Staatsschulden, die geringer ausfallen werden als
ursprünglich prognostiziert, steuern weitere 65 Milliar- Weitere Handelsbestimmungen: Der Gesetzentwurf soll die vom Verbraucher zu entrichtende Importden Dollar zu den errechneten Ausgaben bei.
gebühr zur Bezahlung der Zollinspektion bis SeptemDie Summe dieser drei letztgenannten Beträge be- ber 1998 verlängern. Das Allgemeine Präferenzsywirkt geschätzte Ausgabenkürzungen in Höhe von 255 stem, ein Programm, das durch die Abschaffung der
Milliarden Dollar.
Zölle auf ausgewählte Importe aus Entwicklungsländern Vorteile gewährt, soll durch die Gesetzesvorlage
Die Haushaltsmaßnahmen umfassen auch eine Anbis September 1994 verlängert werden. Die vorherige
zahl von Verfügungen, die den Handel der Vereinigten
Genehmigung im Rahmen des Allgemeinen PräfeStaaten in bestimmten Sektoren betreffen:
renzsystems lief am 4. Juli aus. Das Gesetz soll
Tabak: Das Gesetz verpflichtet amerikanische Ta- rückwirkend zum 4. Juli gelten. Der Gesetzentwurf soll
bakwarenhersteller, die über 25 Prozent des von ihnen das Hilfsprogramm für die Anpassung des Handels,
zur Herstellung von Zigaretten verwendeten Tabaks das die Umschulung von Arbeitnehmern finanziert, die
importieren, zur Zahlung einer Strafe an die CCC- infolge von Importen ihren Arbeitsplatz verloren haKreditbürgschaften des US-Landwirtschaftsministeriums ben, bis September 1998 verlängern.
• *
* *
AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH
DER ABSCHAFFUNG DES KOMMUNISMUS SOGAR
NOCH VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson
Der Übergang von zentral gelenkten zu kapitalistischen Volkswirtschaften in der ehemaligen Sowjetunion wird
keinen Erfolg zeitigen, wenn dem einzelnen nicht der Schutz von Privateigentum und die Durchsetzung von
Verträgen gewährleistet wird, argumentiert der Verfasser.
Mancur Olson ist der Autor von The Rise and Decline of Nations, Vorsitzender des Center on Institutional
Reform and the Informal Sector und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Maryland.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. Copyright (c) 1993 Mancur
Olson.

Wenn der Staat alles kontrolliert, funktioniert die Wirtschaft nicht. Für eine erfolgreiche Volkswirtschaft
muß die Gesellschaft dem Markt eine größere - und
dem Staat eine kleinere - Rolle einräumen als es die
kommunistischen Länder getan haben. Diese Meinung wird inzwischen sowohl im Osten als auch im
Westen generell akzeptiert. Entsprechend haben sich
die Menschen in den ehemals kommunistischen Ländern zugunsten von Kapitalismus und Demokratie
entschieden und beschneiden die wirtschaftliche Rolle
des Staates.

man nahezu weltweit davon aus, daß die Volkswirtschaften Deutschlands und Japans Jahrzehnte benötigen würden, um sich von derZerstörung des Krieges,
veränderten Grenzen und totalitärer Kontrolle zu erholen, und dennoch erfreuten sie sich bald eines Wirtschaftswunders. Selbst der von den Sowjets aufgezwungene Übergang zum Kommunismus in Ostmitteleuropa wurde trotz all seiner Tragödien und Brutalität
nicht mit einer längeren Produktionsabnahme in Verbindung gebracht.

Unfähig, die Ernsthaftigkeit der Wirtschaftsprobleme
nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu
erklären, suchen viele in Metaphern Zuflucht: "Es ist
leicht genug, Fischsuppe aus dem Inhalt eines Aquariums zu machen, aber mit Fischsuppe kann man kein
Aquarium bevölkern." Warum sollte jedoch der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft schwieriger sein als umgekehrt? Die Binsenwahrheit lautet,
daß Märkte nicht mühevoll von Regierungen konstruiert werden müssen - sie entstehen spontan und
prosperieren unter dem Laisser-faire. Zweifelsohne
waren die Märkte früherer Zeiten wie die Marktwirtschaften, die der Industrialisierung von Westeuropa
Viele sind zu der Schlußfolgerung gelangt, der Über- und Nordamerika zur Blüte verhalfen, nicht das Ergebgang von einem Gefüge wirtschaftlicher Arrangements nis eines staatlichen Plans zur Gründung von Marktzu einem anderen reduziere zwangsläufig die Produk- wirtschaften. Im Gegensatz dazu müssen zur Schaftion. Dies trifft jedoch in Wirklichkeit nicht zu. Die von fung einer kommunistischen Volkswirtschaft detaillierDeng kurz nach dem Tod von Mao eingeleitete wirt- te Pläne und Bürokratien entwickelt werden.
schaftliche Liberalisierung hatte prompt einen großen
Produktionszuwachs zur Folge. Nach der Niederlage Daher reichen weder die vertrauten Schlußfolgerunder rechten Diktaturen des Zweiten Weltkriegs ging gen über das spontane Entstehen von Marktwirtschaf Während sich neue Märkte entwickelten und die Rolle
des Staates eingeschränkt wurde, hätte sich die Wirtschaftsleistung in den Gesellschaften sowjetischen
Typs verbessern sollen. In der Tat hat sie sich jedoch
verschlechtert - in der ehemaligen Sowjetunion sogar
erheblich. Warum? Wenn zuviel staatliche Kontrolle
der Wirtschaft zum Zusammenbruch der kommunistischen Volkswirtschaften geführt hat, warum hat sich
die Wirtschaftsleistung dann nicht verbessert, als der
Kommunismus aufgegeben und die staatliche Kontrolle eingeschränkt wurde?

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�ten noch die neuen Metaphern aus. Ebenso wie die
marxistischen Ideen nicht das Funktionieren des
Kommunismus bewirkten, konnten die vertrauten
westlichen Ideen nicht die Schwierigkeiten des Übergangs zu einer Marktwirtschaft erklären.

von einer unabhängigen Judikative verstanden wird)
und Entschädigungszahlungen zu berauben. Entsprechend sind auch Vertragsrechte nicht gesichert,
solange die Institutionen der Gesellschaft den Gegnern der derzeitigen politischen Führung - und ausländischen gleichermaßen wie inländischen Firmen - die
Die Wirtschaftsleistung während der Übergangsphase unparteiische Durchsetzung von Verträgen gewährist zum Teil deswegen gering, weil eine prosperierende leisten.
Marktwirtschaft im Gegensatz zu den Aussagen einiger nicht einfach das Ergebnis dessen ist, den "Kapi- Interessanterweise sind die einzigen Gesellschaften,
talismus geschehen zu lassen" und sich nicht spontan die das Recht des einzelnen auf Privateigentum und
aus dem Blauen heraus ergibt. Sie erfordert ein die Durchsetzung von Verträgen langfristig geschützt
besonderes Gefüge institutioneller Arrangements, die haben, Demokratien. Ein Diktator hat immer die
die meisten Länder der Welt nicht haben. Den wohlha- Macht, Besitz zu enteignen und die Entscheidungen
bendsten Ländern stehen diese institutionellen Arran- eines Gerichts außer Kraft zu setzen.
gements zur Verfügung, aber sie erachten sie als
selbstverständlich. Diese Arrangements werden für Unter dem Kommunimsus existierte das Recht des
gewöhnlich in der ideologischen Debatte und bei wis- einzelnen auf Eigentum und die Durchsetzung von
senschaftlicher Forschung übersehen, und daher wird Verträgen praktisch nicht, und es ist in den meisten im
ihre Bedeutung in den reifen Marktwirtschaften und Umbruch befindlichen Gesellschaften noch immer
den im Umbruch befindlichen Gesellschaften nicht unzulänglich definiert, unsicher oder unzugänglich.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Rechte des einzelentsprechend gewürdigt.
nen haben diese Gesellschaften keine großen und
Der Charakter dieser vernachlässigten Institutionen ist effektiven Märkte. Sie haben beispielsweise weder
offenkundig aus dem in Diskussionen über den Über- Zugang zu Kapitalmärkten, auf denen ihre Firmen
gang verwendeten Schlüsselbegriff "Privatisierung" durch die Ausgabe von Aktien langfristig Kapital aufabzuleiten. Die Bedeutung dieses Begriffes wird klar, nehmen oder aufbringen können, noch viele Märkte,
wenn er auf die industrialisierten Demokratien mit die ausländische Investitionen anziehen. Die Märkte
Marktwirtschaften angewandt wird, wie Großbritan- erzeugen daher nicht annähernd soviel neue Einnahnien, als Margaret Thatcher Premierministerin war. men, wie sie sollten.
Diese Gesellschaften haben klar definierte persönliche Rechte und hochentwickelte öffentliche Mecha- Und es gibt nicht genügend neue Einnahmen, um den
nismen zu deren Schutz. Wenn persönliche Rechte Niedergang - oder vielmehr den Zusammenbruch - der
klar und sicher sind, kann ein staatliches Unternehmen Produktion in Staatsbetrieben aufzufangen. Warum
unmißverständlich privatisiert werden; sind sie es nicht, fällt die Produktion im staatlichen Sektor? Vor allem,
sind Bedeutung und Konsequenzen der Privatisierung weil die Demokratien nicht soviel Produktion aus zentral gelenkten und Staatsbetrieben abschöpfen wie es
dubios.
die grausamen totalitären Diktaturen taten, obwohl sie
Wenn Einzelpersonen oder Firmen in den industriali- für die Aufrechterhaltung von Besitz und Vertragsrechsierten Demokratien mit Marktwirtschaften rechtmäßi- ten sowie Marktwirtschaften auf lange Sicht unerläßge Verträge abschließen, vertrauen sie darauf, daß lich sind.
diese Vereinbarungen vom Staat durchgesetzt werden und Meinungsverschiedenheiten über einen Ver- Um dies zu verstehen, muß man sich die Anreize vor
trag von Richtern entschieden werden, die kein per- Augen führen, die sich Stalin und anderen kommunistisönliches Interesse an der Kontroverse haben und schen Diktatoren in den ersten zehn oder zwanzig
deren Arbeitsplatz nicht von der derzeitigen politischen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg boten. Die totaFührung abhängt. Die Einzelpersonen und Firmen in litäre Kontrolle der Gesellschaften sowjetischen Typs
diesen Gesellschaften können auch darauf vertrauen, war damals so uneingeschränkt, daß ein Diktator mehr
daß ihr Recht auf Privateigentum von Beamten ge- oder weniger das gleiche Interesse an der Produktivischützt wird, die gegebenenfalls auf die zwingende tät der Gesellschaft hatte wie der Besitzer eines PrivatMacht des Staates zur Wahrung dieser Rechte zurück- unternehmens im Westen an der Produktivität der
greifen. In einer Anarchie kann eine Einzelperson Firma. Wenn die Produktivität der sowjetischen WirtBesitztümer haben • quasi wie ein Hund einen Kno- schaft zunehmen würde, konnte der Generalsekretär
chen besitzt -, aber es kann kein Privateigentum ohne der Kommunistischen Partei einen Großteil dieses
Zuwachses für seine eigenen Zwecke benutzen - für
den Staat geben.
militärische Stärke, internationalen Einfluß und politiIn der Tat ist Privateigentum generell nicht sicher, es sche Macht. Er hatte ein, wie ich es formuliere,
sei denn, es gibt einen Staat ganz besonderen Zu- "umfassendes" Interesse an dei Gesellschaft - einen
schnitts - in dem kein Regierungsvertreter die Macht mächtigen Anreiz, die ihm "gehörende" Domäne so
hat, eine Einzelperson oder eine Firma ihres Eigen- produktiv zu gestalten, wie er konnte.
tums ohne angemessenes Gerichtsverfahren (wie es
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AMERIKA DIENST 32

�Obwohl alle kommunistischen Regime durch ihre
Aversion gegenüber Märkten gehandikapt waren,
konnten Stalin und seine unmittelbaren Nachfolger
eine gewisse Zeitlang den Konkurrenzkampf unter
ihren Untergebenen ausbeuten, um einen beträchtlichen und zunehmenden Ertrag aus ihrer Domäne zu
schöpfen. Die Untergebenen, die die höchste Produktivität aus den von ihnen verwalteten Ressourcen
erzielten, wurden belohnt und die unwilligen bestraft.
Die Leistung der Produktionsleiters der jeweiligen Unternehmen in einem bestimmten Industriezweig konnte im großen und ganzen an dem Vergleich gemessen
werden, wieviel Produktivität jeder von ihnen in Relation zu den von ihm verwalteten Ressourcen erzielte.

vität der Wirtschaft insgesamt gewinnen und hatte
dementsprechend wenig oder keinen Grund, irgendetwas zur Effizienzverbesserung der Gesellschaft zu
unternehmen. Als Unternehmen wurden Standorte
und Koterien stärker, die Nomenklatura oder "neue
Klasse" privilegierter, die Zentralregierung weniger
mächtig, und die Wirtschaft verknöcherte Zusehens.

Diese Devolution hatte zur Folge, daß die Gesamteinnahmen eines Industriezweiges oder Sektors unter
allen Unternehmen aufgeteilt wurden, wobei diejenigen, die die Gesellschaft nur auszehrten, nahezu
ebensoviel erhielten wie diejenigen, die einen Überschuß erwirtschafteten. Neue Investitionen flössen
nicht in die Bereiche, wo sie am produktivsten geweSolange jeder Untergebene der Ansicht war, seinem sen wären, sondern in die Unternehmen mit dem
Fortkommen sei am besten durch Ausstechen seiner größten bürokratischen Einfluß. In den letzten Jahren
Kollegen gedient, indem er mehr Produktivität aus den des Kommunismus war das umfassende Interesse der
verfügbaren Ressourcen erwirtschaftete, dienten die Zentralregierung nicht annähernd so stark, um wie
zentral gelenkten Volkswirtschaften ihren diktatori- bisher Investitionen zu dirigieren und die Produktivität
schen Besitzern relativ gut. Die Gesellschaften sowje- auszuschöpfen.
tischen Typs wuchsen ziemlich schnell und viele erwarteten, sie würden letztlich die Vereinigten Staaten Als die kommunistischen Regierungen zusammenbrachen, wurden sie in den meisten Fällen durch relativ
übertreffen.
zersplitterte Demokratien ersetzt. Das umfassende
Mit der Zeit konnten die Untergebenen in allen Indu- Interesse der Zentralregierung verschwand praktisch
striezweigen oder Standorten Vorteile aus ihrem po- und die Fähigkeit, Produktivität aus der staatlich getentiellen Informationsmonopol über die Produktions- lenkten Wirtschaft abzuschöpfen, verschwand mit ihm.
prozesse ziehen, die sie verwalteten. Ohne Informa- Die neuen demokratischen Regieningen waren im
tionen dieser Untergebenen konnte die Zentralregie- allgemeinen schwach. Bei den jüngsten Wahlen in
rung nicht wissen, wieviel aus einer bestimmten Men- Polen erhielt die erfoglreichste Partei beispielsweise
ge an Ressourcen produziert werden konnte. Wenn weniger als 14 Prozent der Stimmen, und in den
alle Produktionsleiter eines Industriezweigs unauffällig Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind die Zentralrezusammenarbeiteten, um die Erwartungen ihrer Vor- gierungen praktisch machtlos. Die großen Staatsbegesetzten bezüglich des Produktionssolls zu senken, triebe sind andererseits jedoch weiterhin gut organiginge es allen Untergebenen besser. Wenn sie Situa- siert und haben politische Macht. In einer Demokratie
tionen vermieden, in denen jeder von ihnen einen können sie offener als vorher als Lobby funktionieren,
Anreiz hätte, den anderen bei der Produktivität auszu- und ihre Arbeiter können auch streiken. Als Teil der
stechen, wie es der Fall wäre, wenn einzelne Unter- Regierung sind die Produktionsleiter und Arbeitnehnehmen in einem riesigen bürokratischen Betrieb ohne mer von Staatsbetrieben immer noch Insider und sie
Konkurrenten oder Vergleichsstandard zusammenge- machen Ansprüche auf öffentliche Gelder gehend, die
faßt würden, wäre ihr Leben sehr viel leichter. Es denen von Beamten und Rentnern vergleichbar sind.
bedurfte einiger Zeit - und wahrscheinlich auch des Es gibt also praktisch keine Macht, die dem staatlichen
Endes der stalinistischen Säuberungen mittels Bestra- Sektor der im Umbruch befindlichen Gesellschaften
fung aufgrund eines Verdachts - bis es den Untergebe- kohärente Pläne aufzwingen oder Produktivität abvernen in einem Industriezweig oder Standort gelang, langen kann. Daher ist die Leistung des staatlichen
geheime Absprachen auf Kosten ihrer Vorgesetzten Sektors noch schlechter als in den letzten Jahren des
zu treffen. In vielen Industriezweigen, Standorten und Kommunismus.
Betriebshierarchien sowie in großen, fusionierten
Unternehmen dauerte es noch länger, bis wirklich Heute sind wir in der Lage zu erkennen, daß die
effektive, eigenständige Inskfer-Lobbies entstanden Binsenwahrheit, Privatisierung von Staatsbetrieben
sei das Kernstück des Übergangs vom Kommunismus
waren.
zu einer Marktwirtschaft, falsch ist. Sie ist falsch, weil
Als dies jedoch geschah, wurden die Gesellschaften Gesellschaften das Potential einer Marktwirtschaft
sowjetischen Typs zwangsläufig weniger produktiv - nicht freisetzen können, solange sie nicht die Institutikein Unternehmen, kein Standort und keine Koterie onen geschaffen haben, die das Recht auf Privateihatte ein solch umfassendes Interesse an der Produk- gentum und die Durchsetzung von Verträgen schüttivität der Wirtschaft wie der Diktator. Im Gegensatz zen. Ohne Institutionen, die persönliche Rechte defizum Diktator würde der Kreis der Untergebenen oder nieren und wahren, ist der Nutzen der Privatisierung
die Koterie wenig oder nichts durch größere Produkti- unsicher. Mit den richtigen Institutionen werden die im

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Sehe 3

�Umbruch befindlichen Gesellschaften riesige Gewinne aus den neuen Firmen sowie aus Auslandskapital
und Unternehmertum erzielen.
Die traditionelle Konzentration auf Privatisierung ist
also zum Teil falsch, weil sie davon ausgeht, daß
Staatsbetriebe und die enormen Summen des in sie
investierten Kapitals zwangsläufig kommerziell wertvoll sind. Zweifelsohne sind einige Staatsbetriebe
äußerst wertvoll, insbesondere diejenigen, die einen
Großteil der Rohstoffe kontrollieren. Wir wissen jedoch aus der Erfahrung mit Marktwirtschaften, daß
Firmen häufig geteilt, umstrukturiert, fusioniert oder
geschlossen werden müssen und das vor relativ kurzer Zeit investierte Kapital oftmals den Einsatz nicht
wert ist, weil es nicht den veränderten Bedingungen
entspricht. In den ehemals kommunistischen Ländern
waren zahlreiche Staatsbetriebe von Anfang an falsch
konzipiert und die in sie getätigten Kapitalinvestitionen
nicht durch die Marktkräfte dirigiert. Wie wir in den
letzten 10 oder 20 Jahren der kommunistischen Herrschaft beobachten konnten, war das Investitionsmuster in der Tat ebenso vom bürokratischen Einfluß der
Unternehmen geleitet wie vom umfassenden Interesse der Zentralregierung. Entsprechend sind viele der
großen Staatsbetriebe in den Gesellschaften im Übergang wertlos - und die Debatte über Privatisierung viel
Lärm um nichts.

Die Frage ist, wie man durch die Entwicklung eines
sozialen Netzes und großzügige Abfindungen die
Arbeitnehmer in diesen Firmen schützen und ihnen
eine Beschäftigung in produktiven neuen Unternehmen vermitteln kann. Angesichts der starken Lobby
von Großunternehmen besteht die schwierigste Aufgabe darin, den Schutz oderdie Subventionierung von
Firmen zu vermeiden, die die Ressourcen der Gesellschaft verschwenden - und das Mitgefühl der Gesellschaft erneut auf den einzelnen statt die Unternehmen
zu lenken.
Die Diskussion darüber, wer ein zu privatisierendes
Unternehmen besitzen sollte, ist ebenfalls per se
kontrovers und langwierig. Politische Meinungsverschiedenheiten und Verzögerungen sind schädlich,
selbst wenn sie gegenstandslos sind, weil sich das
Unternehmen am Ende als unnütz erweist.

Im Gegensatz dazu können alle von der Formulierung
des Rechts auf Eigentum und der Durchsetzung von
Verträgen sowie anderen Institutionen profitieren, die
der Privatsektor benötigt. Alle können auch davon
profitieren, wenn den 'bedürftigen" Unternehmen Schutz
oder Subventionen verweigert werden, die Ressourcen vergeuden, die mehr wert sind als die von ihnen
hergestellten Produkte und statt dessen bedürftigen
Einzelpersonen geholfen wird. Wenn die im Übergang
vom Kommunismus befindlichen Gesellschaften die
Als Lobby sind große Staatsbetriebe politisch mächtig, Verschwendung ihrer Ressourcen an Unternehmen
selbst wenn sie Ressourcen verbrauchen, die wertvol- verhindern können, die unter dem Strich die Geselller sind als das Produkt, und sie unter dem Strich die schaft ausbluten, und wenn sie auch sicherstellen
Gesellschaft auszehren. Ein Großteil der Diskussion können, daß das Recht des einzelnen auf Eigentum
über "Privatisierung" sollte daher in eine Debatte über und die Durchsetzung von Verträgen klar und sicher
"Liquidation" umfunktioniert - oder offen als solche ist, dann werden sie sich bald eines unvergleichlich
höheren Lebensstandards erfreuen, als sie je erlebt
anerkannt - werden.
haben.
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Seite 4

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AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN
11. August 1993

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLAN
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten begrüßen die Zustimmung der NATO zu einem "detaillierten
Operationsplan für Luftangriffe" gegen die bosnischen Serben, falls sie ihr "unerträgliches Verhalten" in BosnienHerzegowina nicht ändern, erklärte Außenminister Christopher in einer am 9. August 1993 veröffentlichten
Stellungnahme.
Christopher zufolge unterstützen die heute vom Nordatlantikrat ergriffenen Maßnahmen "die Initiative der
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos und
anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern."
Der Plan "enthält die Zielerfassungsverfahren sowie die Führungsarrangements für Luftangriffe" erläuterte der
Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten sind erfreut über die heute
vom Nordatlantikrat ergriffenen entscheidenden Maßnahmen. Diese Schritte unterstützen die Initiativeder
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos
und anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung
der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern. Beim Treffen des Nordatlantikrats
am 2. August hat sich die NATO einstimmig für die
Vorbereitung von Luftangriffen entschieden und eine
eindeutige Warnung an diejenigen ausgesprochen,
die für die Einkesselung Sarajevos und anderer ziviler
Gebiete verantwortlich sind. Heute hat das Bündnis
einstimmig einem detaillierten Operationsplan für Luftangriffe zugestimmt, der in der vergangenen Woche
vom Militärausschuß der NATO in Zusammenarbeit

mit der UNO-Schutztruppe UNPROFOR erarbeitet
wurde. Der Plan ist solide und umfassend. Er enthält
dieZielerfassungsverfahrensowiedieFührungsarrangements für Luftangriffe,
Mit der

heutigen Entscheidung stehen dem Bündnis
J e t z t a l , e erforderlichen Mittel für entschiedene Maßnahmen gegen die Serben zur Verfügung, falls sie ihr
unerträgliches Verhalten nicht andern. Die emstimmig e Entscheidung von heute signalisiert, daß die internationale Staatengemeinschaft die Belagerung von
Stadte
n und die andauernden Bombenangriffe auf
Zivilisten, die Verweigerung humanitärer Hilfe für die
Bedürftigen oder leere Versprechungen als Deckmantel
*&amp; Aggression nicht hinnehmen wird. Die Serben
s,nd
gewarnt - und der Einsatz von Luftstreitkräften
han
&amp; won l h r e m Vorgehen ab.

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�NAHER

OSTEN
11. August 1993

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN
DER NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als aktiver Vermittler
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
fühlt sich durch die Ergebnisse seiner Nahostreise in
der vergangenen Woche ermutigt. Im Verlauf seiner
Gespräche wurde ihm auch eine neue Rolle übertragen - die eines "aktiven Vermittlers" zwischen Israel
und Syrien.

Christopher berichtete, "es gibt einige Fortschritte und
viele Schwierigkeiten", räumte jedoch ein, es sei nicht
an der Zeit, bezüglich der Einzelheiten oder Substanz
der Verhandlungen ins Detail zu gehen.

In den Gesprächen mit Assad kam man dem Außenminister zufolge überein, "daß die Vereinigten Staaten
eine wichtige Rolle als aktiver Vermittler von Ideen
spielen und bei Formulierungen zur Überwindung der
Kluft behilflich sein können".

Infolge der Nahostreise des Außenministers in der
vergangenen Woche führten die Parteien Diskussionen darüber, wie die Gespräche am besten wiederaufgenommen werden könnten, so McCurry. 'Zweifelsohne wünschen wir eine Fortsetzung des Dialogs."

"Wir haben keinen Termin für die nächste Gesprächsrunde festgesetzt", stellte der Außenminister fest und
"Die Friedensgespräche sind wieder in Gang gekom- fügte hinzu, obwohl alle Parteien weiteren Gesprächen
men. Ich reise zuversichtlicher ab, als ich es bei erwartungsvoll entgegensehen, "besteht das Problem
meiner Ankunft in der Region erwarten konnte", erklär- darin, den richtigen Termin zu finden".
te Christopher bei einer Pressekonferenz in Damaskus am 6. August 1993, räumte jedoch ein, "viele In einer Pressekonferenz am 9. August 1993 zitierte
Probleme und viele Hindemisse sind noch zu bewälti- Außenamtssprecher Mike McCurry die Aussage des
gen. Wir werden sie in Angriff nehmen", versprach er. Außenministers: "In den kommenden Wochen und
Monaten bleibt zweifelsohne noch sehr viel zu tun.
Da sich die Parteien im Friedensprozeß mit schwer- Man hat jedoch auch das Gefühl, daß sich die Parteien
wiegenden politischen Entscheidungen zu Kernfragen jetzt in anderer Weise auf einige der Kernfragen kon-wie Land, Frieden und Sicherheit -konfrontiert sehen, zentrieren, und wir erachten dies als ermutigend."
werden die Verhandlungen im weiteren Verlauf schwieEine weitere Schwierigkeit wurde jedoch am 9. August
riger, nicht einfacher.
durch Berichte verursacht, daß Faisal Husseini, der
Dies ist einer der Gründe, warum Christopher in der palästinensische Delegationsleiter, mit Israel über
vergangenen Woche die Rolle eines aktiven Vermitt- Arrangements für die Selbstverwaltung der besetzten
lers übernahm und Botschaften - Fragen und Antwor- Territorien verhandelt habe und zwei seiner engsten
ten- zwischen dem israelischen Premierminister Rabin Vertrauten ihren Rücktritt beabsichtigten.
und dem syrischen Präsidenten Assad übermittelte.
Der Außenminister hat zwei getrennte Treffen mit McCurry betonte, es habe "widersprüchliche Berichte
über ihren Status innerhalb der Delegation" gegeben
jedem von ihnen abgehalten.
und erklärte, er überlasse den Palästinensern die
Am 5. August stellte Christopher vor Journalisten fest, Erörterung dieser Frage.
seine geplante Rückkehr nach Syrien sei "nur Teil des
derzeitigen Sondierungsprozesses - die Beantwor- "Während die Gespräche zwischen den Palästinentung von Fragen und die Formulierung von Fragen". sern und Israel in eine Phase gelangen, in der sie sich
Es sei eine "entscheidende Entwicklung", daß die mit einigen äußerst schwierigen Problemem auseinVereinigten "von den Parteien gebeten worden sind, andersetzen, führen sie zahlreiche Gespräche unterBotschaften zu übermitteln und als Vermittler zu fun- einander über die zu treffenden schweren und harten
Entscheidungen", erläuterte der Sprecher.
gieren", fügte er hinzu.

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�McCurry zufolge ist es unabdingbar, "auf die fruchtbaren Diskussionen aufzubauen", die der Außenminister
in der vergangenen Woche geführt hat. "Wir haben nur
noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen
getroffen". Laut McCurry bestehen "derzeit keine
Pläne", daß Dennis Ross, der Sonderkoordinator der
Vereinigten Staaten für den Nahost-Friedensprozeß,
in die Region zurückkehrt, und Christopher wird frühestens mit Herbstbeginn erneut in den Nahen Osten
reisen.
Es ist ebenfalls nicht klar, ob es in Washington eine
neue Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn - Syrien, Libanon
und Jordanien - sowie eine Fortsetzung des palästinensisch-israelischen Dialogs geben wird. Seitdem
der Friedensprozeß bei der Madrider Konferenz im
Oktober 1991 in die Wege geleitet wurde, haben zehn
Gesprächsrunden stattgefunden.
McCurry widersprach der Ansicht, Christophers Reise
habe sich auf die israelisch-syrische Alternative konzentriert. "Überall, auch in Damaskus, bestand starkes Interesse an den einzelnen Alternativen, die geprüft werden."
Während seiner Reise deutete der Außenminister
jedoch Reportern gegenüber an, daß bei der israelisch-syrischen Alternative "ein anderes Gefühl" vorherrsche, da Christopher als "aktiver Vermittler" zwischen Rabin und Assad fungiere.
Christopher war ebenfalls erfreut über die Reaktion der
palästinensischen Delegation während seiner Nahostreise. Bevor die letzte Gesprächsrunde am 1. Juli
*

Seite ö

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in Washington abgeschlossen wurde, legten die Vereinigten Staaten Israel und den Palästinensern ein
Arbeitspapier vor, von dem die Vereinigten Staaten
hoffen, daß die Parteien es als Ausgangsbasis für eine
Grundsatzerklärung über die Befugnis einer zwischenzeitlichen Selbstverwaltung benutzen werden. Die
Palästinenser "haben genau das getan, war wir von
ihnen erhofften und uns Zeile für Zeile Kommentare
oder eine Umformulierung des von uns unterbreiteten
Entwurfs übermittelt", stellte der Außenminister am 5.
August in Jerusalem fest.
Bei seiner Abreise am 6. August erklärte Christopher
freimütig vor Journalisten, er sei "ziemlich ängstlich
und besorgt" in die Region gereist, "daß der Friedensprozeß" aufgrund der jüngsten Kämpfe im Libanon und
Verzögerungen bei der Festsetzung eines Termins für
die Wiederaufnahme der Gespräche "entgleist sei".
"Ich reise voller Hoffnung und Enthusiasmus ab, daß
der Prozeß gerettet wurde und wieder in Gang gekommen ist und wir Fortschritte erzielen können, wenn wir
in den kommenden Monaten sorgfältig, gewissenhaft
und besonnen vorgehen", stellte der Außenminister
fest.
In seiner Abschiedsrede am 6. August würdigte der
israelische Außenminister Peres zwei Leistungen der
Reise Christophers - den Friedensprozeß wiederbelebt und ihm neuen Auftrieb verliehen zu haben. "Wir
hoffen, daß Sie so bald wie möglich zurückkommen,
um die ausgezeichnete Arbeit fortzusetzen, die Sie
begonnen haben", äußerte er Außenminister Christopher gegenüber.

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AMERIKA DIENST $2

�TERRORISMUS
11. August 1993

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert
WASHINGTON - (AD) - In der häßlichen Geschichte
des weltweiten Terrorismus könnte 1993 "das bisher
blutigste Jahr" werden, prognostiziert Professor Yonah Alexander, ein Fachmann für Terrorismusbekämpfung an der George Washington University.
Der Zerfall der Sowjetunion führe durch die "Weiterverbreitung von Waffen ... ethnische, rassische und religiöse Intoleranz" sowie nationalistischen und separatistischen "Extremismus" und nicht zuletzt grenzüberschreitende Konflikte zu einer Eskalation des Terrorismus weltweit, stellte Alexander bei einem am 3. August
1993 in Washington veranstalteten Seminar fest.
Alexander zufolge manifestiert sich Terrorismus heute
in vielfältiger Weise, unter anderem durch:
Gruppen mit extremistischen Ideologien wie
ausländerfeindliche "Skinheads" und linke Terroristen",
"theologischen Terrorismus" sowie Terrorismus unter verschiedenen Rassen, ethnischen
Gruppen und Stämmen",
"Nullsummennationalismus oder -extremismus",
bei dem eine Nation auf terroristische Taktiken
zurückgreift und Gewalt einem Kompromiß
vorzieht,
Drogenterrorismus,
gegen Regierungen gerichteten Terrorismus,
wie derzeit in Ägypten und Italien der Fall,

"Fanatiker" wie Tierschützer, die "biologische
Forschung" zerstören und Abtreibungsgegner
sowie diejenigen, die Kampagnen gegen "Universitätsprofessoren und Wissenschaftler" richten, deren Forschung ihren Überzeugungen
zuwiderläuft.
Kevin Giblin, ein Beamter für Terrorismusbekämpfung
beim FBI stellte fest, daß Drohungen gegen die Vereinigten Staaten immer noch außerhalb ihrer Grenzen
am häufigsten sind, weil das FBI "unzählige Male
erfolgreich die geplanten Terroranschläge im Land
abgewehrt hat".
Die Verhaftung eines Terroristen stellt ihm zufolge eine
"ausdrückliche Warnung" an Terrorgruppen dar, und
das FBI wird in "zunehmendem Maße Terroristen
weltweit verfolgen", wenn sie gegen die Vereinigten
Staaten operieren. Trotz der jüngsten Terroraktivitäten in New York sei das "Aufkommen terroristischer
Aktivitäten" in den Vereinigten Staaten nach wie vor
"bemerkenswert niedrig", weil "die US-Regierung in
den vergangenen Jahren dem Problem sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet hat".
Giblin äußerte die Ansicht, daß der Bombenanschlag
auf das World Trade Center "nicht als Auftakt" einer die
Vereinigten Staaten heimsuchenden Welle von Terror-akten angesehen werden sollte, obwohl die Nation
offenkundig gegen solche Anschläge "nicht immun"
sei.

Martin Mendelsohn, Assistent von Senator Alfonse
d'Amato, verwies darauf, daß d'Amato Morddrohun"Terrorismus im Mafiastil", bei dem Gangster gen wegen seiner offen geäußerten Ablehnung des
Tenoranschläge gegen Bezahlung verüben sowie Terrorismus erhalten und seine persönlichen Sicher'Terrorismus gegen Kinder", wie er aus einigen heitsvorkehrungen verschärft hat.
brasilianischen Städten berichtet wird. "Gegen
die Presse gerichteten Terrorismus", um diese "Terrorismus beginnt, in diesem Land zu gedeihen",
einzuschüchtern sowie "staatlich geförderten warnte Mendelsohn, in Ermangelung einer "geeigneTerrorismus" durch "neue Akteure wie den Sudan ten Abschreckung", wie etwa der Todesstrafe für
Terroristen, die d'Amato befürwortet.
und alte Akteure wie Nordkorea,

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�Mendelsohn fugte hinzu, "unsere offenen Grenzen"
und "durchlässige Visaverfahrenkönnten letztlich dazu
führen, daß die Vereinigten Staaten "ein uns fremdes
Land werden", wenn die Amerikaner nicht "wachsamer" sind.
Der Assistent eines Kongreßabgeordneten, Kenneth
Timmerman, stellte fest, die Einreise von Scheich
Omar Abdel-Rahman in die Vereinigten Staaten habe
"die Aufmerksamkeit des Kongresses erregt", und
dieses Gremium versuche, "strukturelle Mängel" bei
den Einreiseverfahren in die Vereinigten Staaten zu
beheben.

Timmerman bekräftigte, daß die Einreise des blinden
Geistlichen auf "groteske menschliche Fehlleistungen
und ein archaisches System" im amerikanischen
Konsulat in Khartoum zurückzuführen sei. Er verlieh
seiner Erwartung Ausdruck, daß das Außenministerium "Gebühren" für Visaantragsteller einführen wird,
um die Kosten für ein neues computergestütztes System
zu decken.
Timmerman nannte Iran, Syrien, Libyen, Irak und
Sudan als wichtigste Länder mit staatlich gefördertem
Terrorismus.

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 32

�LANDMINEN
11. August 1993

UNGERÄUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE KILLER
UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Schätzungsweise 150 Personen, darunter zahlreiche Kinder, werden jede Woche
von den über 85 Millionen ungeräumten Landminen
getötet oder verstümmelt, die in 62 Ländern der Welt
gelegt wurden.
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt ein 260 Seiten
umfassender Bericht des US-Außenministeriums mit
dem Titel: Hidden Killers: The Global Problem with
Uncleared Landmines (Versteckte Killer: Das weltweite Problem ungeräumter Landminen), der die eingehendste Studie zu diesem Thema ist. Der Bericht
wurde dem Kongreß am 4. August 1993 vorgelegt.

kurs für ausländische Dozenten an der School of the
Americas in Port Benning (Georgia). 15 Dozenten aus
mehreren lateinamerikanischen Ländern wurden in
Nicaragua für die Überwachung des Minenentschärfungsprogramms der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) ausgebildet. Pro Teilnehmer beliefen
sich die Kosten des Kurses auf rund 4.000 Dollar.

Obwohl die Vereinigten Staaten "ein enormes Ausbildungs- und technologisches Potential haben, das bei
dem Entschärfungsproblem zum Tragen kommen
könnte", so der Bericht des State Department, mu ß die
amerikanische Hilfe mit begrenzten Ressourcen und
anhand der von der Minenentschärfungs-KoordinieDem Bericht zufolge wurden in den vergangenen 15 rungsgruppe erarbeitenen Parameter durchgeführt
Jahren über 67 Millionen Landminen gelegt, und ihre werden. Amerikanisches Militär wird Landminen in
Zahl steigt täglich. Obwohl keine schnelle Lösung des anderen Ländern nicht räumen.
Problems in Sicht ist, unternehmen die Vereinigten
Staaten Schritte, um anderen Ländern bei der Bewäl- Die US-Regierung kann den größten Beitrag zur Lötigung ihrer Probleme mit Landminen behilflich zu sein. sung des weltweiten Problems ungeräumter Landminen leisten, "indem sie in vier generellen Bereichen
"Das Aufspüren ungeräumter Landminen ist eine ar- Hilfestellung bietet: Ausbildung, technischem Knowbeitsintensive, langwierige und gefährliche Operation, how, Geräten und Technologie sowie diplomatischen
bei der moderne Technologien kaum eingesetzt wer- Bestrebungen, um den Verkauf und Einsatz von Landden können", führt der Bericht aus, und das Verfahren, minen zu begrenzen", stellt der Bericht fest.
sie zu entschärfen, sei noch schwieriger und "außerordentlich gefährlich".
Die Vereinigten Staaten haben im laufenden Haushaltsjahr über 9 Millionen Dollar für MinenentschärUnter der Ägide des Außenministeriums wurde die fungsprojekte in Afghanistan, Mosambik, Somalia,
interministerielle Arbeitsgruppe zur Koordinierung der Kambodscha und Mittelamerika aufgewendet. In den
Minenentschärfung (Demining Coordination Group - nächsten 12 Monaten hofft das Außenministerium,
DCG) ins Leben gerufen, die die Bewohner vor Ort in mehr als 17 Millionen Dollar für Minenentschärfungsder Beseitigung und Zerstörung von Landminen aus- programme in 18 Ländern bereitstellen zu können.
bildet und ihnen die Geräte zur Verfügung stellt sowie
bei der Entwicklung neuer Minenabwehrtechnologien "Diese Mittel werden zur Finanzierung der Ausbildung
behilflich sein soll. Das US-Amt für internationale und für den Kauf von Geräten verwendet, die es den
Entwicklung (Agency for International Development - betroffen Nationen ermöglichen, die Räumung der
AID), das Büro des Verteidigungsministers, die Ge- Minen selbst durchzuführen", so der Bericht. Ein Teil
meinsamen Stabschefs und ausgewählte Landminen- des Geldes wird für die Einstellung von fachkundigen
Experten des Verteidigungsministeriums sind eben- Subunternehmern benutzt, die bestimmte spezifische
falls Mitglieder der Arbeitsgruppe.
Projekte wie etwa Straßennetze räumen.
Vor knapp vier Monaten beendete die US-Armee ihren Laut Bericht ist es nicht möglich, die genaue Anzahl
ersten einmonatigen Minenentschärfungs-Ausbildungs- ungeräumter Landminen weltweit festzustellen, weil
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�Minen per se außerordentlich schwierig zu lokalisieren
und viele Minen spezifisch entworfen sind, um unentdeckt zu bleiben.

fung konnten statt der geplanten 10.000 pro Woche
nur rund 1.000 kambodschanische Flüchtlinge pro
Woche in ihre Heimat zurückkehren, weil ein Großteil
des für sie vorgesehenen Agrarlandes wegen der
"Das wirklich Grausame an Landminen ist, daß sie das Minen unbenutzbar ist und dies noch auf Jahrzehnte
Land, von dem die Bevölkerung für ihren Lebensunter- hinaus der Fall sein kann, fährt der Bericht fort. Den
halt abhängig ist, für Jahre - wenn nicht Generationen vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bereit- unbewohnbar macht", erläutert der Bericht und ver- gestellten Daten zufolge gibt es in Kambodscha über
weist darauf, daß in den Niederlanden pro Jahr immer 30.000 Amputierte, von denen die meisten Minenopfer
noch 12 Personen durch Landminen aus dem Zweiten sind.
Weltkrieg verletzt werden.
In einer Bestandsaufnahme der gravierenden SituaObwohl das Legen von Minensperren seit langem eine tion in anderen Gebieten der Welt gelangt der Bericht
effektive militärische Strategie ist, haben in den ver- zu der Schlußfolgerung, daß in Afghanistan Zehntaugangenen 20 Jahren zunehmend Terroristen und sende durch Minen getötet oder verstümmelt wurden,
Guerrilla-Gruppen dieses Mittel als offensive Waffe die während des andauernden Konflikts in diesem
zur Störung der politischen und wirtschaftlichen Infra- Land von der ehemaligen Sowjetarmee - den Mudjahestruktur eines Staates angewandt. Regierungstrup- din - und der ehemaligen kommunistischen Regierung
pen setzen sie inzwischen zum Schutz oder zur Vertei- Afghanistans gelegt worden sind. Noch über 10 Milliodigung der Infrastruktur ein.
nen Minen befinden sich in Afghanistan, die das Haupthindernis für die Rückführung der noch 2 Millionen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen ungeräumter Landafghanischen Flüchtlinge in Pakistan und 1,5 Millionen
minen sind beträchtlich. Agrarland kann nicht bestellt
im Iran sind. Millionen sogenannter "Schmetterlingswerden, solange die Bevölkerung nicht sicher sein
minen" wurden während des afghanischen Konflikts
kann, daß die Minen von den Land- und Wasserwegen
abgeworfen. Diese kleinen, farbigen Plastikminen
geräumt worden sind. Ein paar Minen reichen aus, um
erregen häufig die Aufmerksamkeit von Kindern, die
die Transportwege und Kraftwerke lahmzulegen.
verstümmelt oder getötet werden, wenn sie sie aufhe"Landminen verhindern die Rückführung von Flüchtlin- ben wollen.
gen, behindern den wirtschaftlichen Wiederaufbau und
schaffen ein dauerhaftes Chaos in Ländern, die nach
politischer Stabilität streben", führt der Bericht aus.

In Somalia wurden Minen um Brunnen, Militärlager
und -einrichtungen sowie auf Haupt- und Nebenstraßen verstreut. Weil es wenige Karten oder andere
In den meisten Ländern sind die örtlichen Krankenhäu- Orientierungshilfen zur Lokalisierung der Landminen
ser nicht in der Lage, Minendpfer adäquat zu versor- gibt, wurden die humanitären Hilfsbestrebungen in
gen. I n Angola gibt es zur Zeit über 20.000 Amputier- Somalia ernsthaft behindert. Ein amerikanischer Solte, die Opfer von Landminen wurden", stellt der Bericht dat und ein ziviler Bauingenieur wurden verwundet, als
fest und fügt hinzu, "die in einem solchen Umfang ihr Lastwagen am 4. August auf einer Vorortstraße von
Mogadischu auf eine Landmine fuhr.
erforderlichen chirurgischen Einrichtungen und Medikamente zur Behandlung von Minenopfern existieren
Schätzungsweise 17 bis 24 Millionen Minen befinden
in vielen Ländern einfach nicht".
sich dem Bericht zufolge noch im Nahen Osten. Die
Dem Bericht zufolge gibt es in Afrika die meisten meisten davon in Kuwait, dem Irak und Iran sowie auf
Landminen - 1 8 bis 30 Millionen in 18 Ländern. Ein beiden Seiten der israelischen Grenzen mit Syrien,
Drittel der afrikanischen Länder haben Probleme mit Libanon und Jordanien. Kuwait sieht sich bei dem
ungeräumten Landminen, und in Angola, Mosambik, Versuch, die fast 7 Millionen von der irakischen BeSomalia und dem Sudan ist die Situation am schlimm- satzungsstreitmacht 1990 gelegten Minen aufzuspüsten. In Mosambik sind laut Zahlen der Vereinten ren und zu räumen, mit den weltweit gravierendsten
Nationen alle 28 wichtigsten Straßennetze des Landes Minenentschärfungsproblemen konfrontiert.
durch ungeräumte Landminen blockiert.
In Lateinamerika befinden sich auf 8 Länder verteilt
schätzungsweise
300.000 bis 1 Million Landminen,
Zwischen 15 und 23 Millionen Minen wurden in Ostgrößtenteils
in
den
mittelamerikanischen Ländern
asien gelegt, stellt der Bericht fest und fügt hinzu,
Nicaragua,
El
Salvador,
Honduras, Costa Rica und
Kambodscha sei wahrscheinlich das Land mit dem
Guatemala.
größten Problem ungeräumter Landminen. Das von
den Vereinten Nationen gegründete kambodschaniSchätzungen der Vereinten Nationen zufolge beläuft
sche Minenräumzentrum zur Koordinierung der Misich die Anzahl ungeräumter Minen in Bosnien-Hernenentschärfungsoperationen hat umfangreiche Mizegowina auf ungefähr 1,5 Millionen, und nach Ernensperren in über der Hälfte des Landes entdeckt.
kenntnissen des Berichts verschärft sich das Problem
Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Minenentschär- ständig.
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�MARTIN

LUTHER

KING
11. August 1993

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch
In dem nachfolgenden Artikel wird die Geschichte des von Martin Luther King, Jr. angeführten Marsches nach
Washington wiedergegeben, der "einen Wendepunkt in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung" markierte.
Im August wird Coretta Scott King diesen Marsch mit Anhängern wiederholen, um des 30. Jahrestages dieses
Ereignisses zu gedenken.
Der Verfasser ist freiberuflicher Journalist mit Sitz in Washington.
Der 28. August 1993 steht für einen Wendepu nkt in der
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung - den 30.
Jahrestag des Marschs nach Washington. Reverend
Martin Luther King, Jr. und andere Bürgerrechtler
führten eine Viertelmillion Menschen entlang der Mall
in das Zentrum der Bundeshauptstadt, um die breite
Unterstützung des Volkes bei den Bestrebungen zur
Beendigung der Rassentrennung zu demonstrieren.
In diesem August wird die Witwe von Dr. King, Coretta
Scott King, des Jahrestages gedenken, indem sie mit
Anhängern denselben Weg geht, der vor 30 Jahren
genommen wurde. Die enorme Teilnehmerzahl im
Jahr 1963, die hehren Ziele der Demonstranten und
Kings bewegende Ansprache am Ende des Tages
haben den positiven Effekt der Bewegung in den
Augen der Amerikaner außerordentlich gestärkt.
Als junger Baptistenpriester in Montgomery (Alabama)
sah sich King in die Führungsrolle des afroamerikanischen Boykotts des lokalen, nach Rassen getrennten
Bussystems gedrängt. Die Nachrichtenberichterstattung über den Boykott und die erfolgreiche Aufhebung
der Rassentrennung in den Bussen von Montgomery
katapultierten King auf die Titelseiten der Zeitungen
und Fernsehschirme.

Die Birmingham-Demonstrationen begannen im April
1963, nachdem die Verhand lu ngen mit U nternehmern
über die Beendigung der Rassentrennung in Imbißständen und anderen öffentlichen Lokalen sowie über
Diskriminierung bei der Einstellung gescheitert waren.
Die wirksamsten Taktiken waren der Boykott großer
Warenhäuser in der Innenstadt und "Sit-ins" in Restaurants und Imbißständen. Junge Afroamerikaner betraten Restaurants, setzten sich und weigerten sich, das
Restaurant zu verlassen, wenn sie nicht bedient wurden. Die Polizei verhaftete sie dann wegen unbefugten
Betretens. Die Festnahmen erfolgten für gewöhnlich
nachdem die Kellner und Besitzer des Restaurants sie
mit wüsten rassistischen Beschimpfungen bedacht
und sogar Speisen und Getränke nach den Protestierenden geworfen hatten. Die - von King angeführten jungen Leute leisteten weder Widerstand, noch übten
sie Vergeltung.

Dieser "passive Widerstand" kombinierte christlichen
Pazifismus mit den Methoden, die Mahatma Gandhi
beim Protest gegen die britische Kolonialherrschaft im
Indien der vierziger Jahre angewandt hatte. Die Idee,
erklärte King aus seiner Gefängniszelle in Birmingham, ist, daß "jemand, der ein ungerechtes Gesetz
bricht, es öffentlich tun muß ... und mit der BereitBirmingham (Alabama) hatte mit den schlechtesten schaft, die Strafe zu akzeptieren." Er fügte hinzu, "der
Ruf aller Städte in den Südstaaten. King schrieb, es amerikanische Neger... wurde zusammen mit seinen
"ist wahrscheinlich die am gründlichsten nach Rassen schwarzen Brüdern aus Afrika und seinen brauen und
getrennte Stadt in den Vereinigten Staaten. Ihre häß- gelben Brüdern aus Asien, Südamerika und der Kariliche Bilanz der Brutalität seitens der Polizei ist in bik ... vom Streben nach Gerechtigkeit erfaßt". Gejedem Teil dieses Landes bekannt. Es hat mehr werkschaften sowie schwarze und wei ße Anhänger im
unaufgeklärte Bombenanschläge auf Häuser von ganzen Land brachten die Kaution für King und seine
Schwarzen und Kirchen in Birmingham gegeben, als in Anhänger auf.
jeder anderen Stadt dieser Nation." Die städtische
Polizei unter Polizeichef "Bull" Connor hatte einen Der Einsatz von Polizeihunden und Wasserwerfern
äußerst schlechten Ruf, brutal gegen Gewerkschafts- zur Unterdrückung der Proteste in Birmingham machte
mitglieder und in jüngerer Zeit in ähnlicher Weise weltweit Schlagzeilen. Es war äußerst peinlich für die
gegen Bürgerrechtler vorzugehen.
Kennedy-Administration, die Reverend King ihrerseits
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�bat, die Sit-ins zu beenden und Druck auf die lokalen
weißen Regierungsvertreter ausübte, in gutem Glauben zu verhandeln. Schließlich entsandte Justizminister Robert F. Kennedy Emissäre nach Birmingham,
um den Disput zu schlichten. Im Mai gab die aus
Vertretern weißer und schwarzer Geschäftsleute und
Unternehmer, der Gemeindeverwaltung und Bürgerrechtlern zusammengesetzte Gruppe von Unterhändlern endlich eine Vereinbarung bekannt, mit der die
Proteste beendet wurden. Alle Seiten hielten sich an
die Lösung, selbst nachdem Bombenanschläge von
Weißen auf Häuser und Kirchen der Bürgerrechtler
beinahe einen Aufstand in der schwarzen Gemeinde
verursacht hätten.
Birmingham machte die Bürgerrechtsbewegung zum
Brennpunkt des Gewissens der Nation. Darüber hinauswurde eine Protestwelle gegen Rassentrennungsgesetze im gesamten Süden in Gang gesetzt. Nach
dem Sieg in Birmingham entschieden Martin Luther
King und seine neugegründete Soutern Christian
Leadership Conference, daß ein Marsch nach Washington die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiterhin
auf das Problem lenken und den Druck auf Präsident
Kennedy verstärken würde, einen Präsidialerlaß zur
Beendigung der Rassentrennung zu verfügen.
Der afroamerikanische Gewerkschaftsführer A. Philip
Randolph begrüßte Kings Interesse an einer Idee, die
er seit über 20 Jahren hegte. Randolph und sein
Kollege Bayard Rustin hatten zuerst während des
Zweiten Weltkriegs einen Marsch nach Washington
geplant. Sie sagten ihn ab, nachdem Präsident Roosevelt eine Richtlinie gegen Rassendiskriminierung
bei der Einstellung von Bundesbediensteten erlassen
hatte. Die beiden Männer begeisterten sich 1963
erneut für die Idee und machten sich an die Gründung
einer Koalition von Bürgerrechts-, Gewerkschafts- und
religiösen Gruppen, um den Marsch Realität werden
zu lassen.
Die beiden ältesten Bürgerrechtsorganisationen, die
Nationale Vereinigung für die Förderung von Farbigen
(National Association for the Advancement of Colored
People - NAACP) und die National Urban League
zogen es vor, sich an Prozesse und stilles Lobby ing zu
halten, womit sie bereits befaßt waren, stimmten jedoch schließlich zu. Eine neue, jüngere und militantere
Gruppe, das studentische gewaltlose Koordinationskomitee (Student Non-Violent Coordination Committee - SNCC) trat der Koalition trotz der Auffassung bei,
der Marsch sei irrelevant für die zur Beendigung der
Rassentrennung und Einschreibung neuer Wähler
erforderliche direkte Aktion. Der allgemein als ebenso
militant wie das SNCC angesehene, in Chicago ansässige Kongreß für rassische Gleichstellung (Congress
of Racial Equality • CORE) wurde ebenfalls Mitglied
der Koalition. Auch mehrere Gewerkschaften unterstützten die Idee, unter ihnen die Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW), de-

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ren Vorsitzender, Walter Reuther, einer der wenigen
weißen Organisatoren des Marsches war.
Das Weiße Haus unternahm den nächsten Schritt. Die
Proteste von Birmingham hatten die Administration
zutiefst beeindruckt, und besonders Vertreter des
Justizministeriums waren sich ihrer Unfähigkeit bewußt, legal im Namen der Bürgerrechtsgruppen zu
intervenieren. Präsident Kennedy, sein Bruder, Justiz
minister Kennedy, und Vizepräsident Lyndon B. Johnson entschieden sich für den Entwurf eines umfassenden Bürgerrechtsgesetzes, das der amerikanischen
Regierung die Befugnis verleihen würde, die Rechte
aller Bürger zu schützen. Der Mut und das Engagement der Demonstranten von Birmingham hatte das
Weiße Haus zu der Gesetzesvorlage veranlaßt, die
der Präsident in einer Femsehansprache am 11. Juni
1963 bekanntgab. Die Ermordung des NAACP-Vorsitzenden Medgar Evers aus Mississippi vor seinem
Haus unmittelbar nach der Rede des Präsidenten
unterstrich die Notwendigkeit für Gesetze.
Die Ermordung Evers rief der Öffentlichkeit die Ziele
der Bewegung in Erinnerung, und die Gesetzesvorlage des Präsidenten verlieh der Bewegung für den
Marsch ein definitives Ziel. Aber selbst unter diesen
Voraussetzungen war nicht jeder der Meinung, der
Marsch sei eine gute Idee. Die erwartete Beteiligung
von 200.000 bis 300.000 Menschen war größer als bei
jeder politischen Demonstration in der Geschichte des
Landes und verursachte große Besorgnis. Selbst
einige schwarze Mitglieder des US-Repräsentantenhauses warnten, der Kongreß könne negativ auf den
Marsch reagieren und gegen das neue Bürgerrechtsgesetz stimmen. Präsident Kennedy und Vizepräsident Johnson vertraten dasselbe Argument, als sie die
Organisatoren des Marschs ins Weiße Haus einluden.
Die Veranstalter verwarfen diese Warnungen. Reverend King verwies darauf, ähnliche Argumente seien
bereits vor Birmingham geäußert worden und erklärte,
daß er dort gar nichts erreicht hätte, wenn er auf sie
gehört hätte. Einige, darunter auch King selbst, bezweifelten, daß der Kongreß das Bürgerrechtsgesetz
überhaupt verabschieden würde.
Die Anführer des Marschs bemühten sich trotzdem
aktiv, alle Befürchtungen zu zerstreuen. Rustin kam
zu dem Schluß, daß die Kontrolle über die Menschenmassen wichtig sein würde und arrangierte, daß ein
aus schwarzen Polizisten aus New York zusammengesetztes Kontingent von Freiwilligen als Ordnungskräfte mitwirkten. Darüber hinaus veranstaltete er
Treffen mit Polizei und Regierungsvertretern in Washington, die danach trachteten, ihre eigenen Ängste
abzubauen, indem sie ihm bei logistischen und Sicherheitsproblemen halfen. Martin Luther King und Roy
Wilkins von der NAACP wurden Hauptsprecher des
Marschs und versicherten dem Land bei einem gemeinsamen Fernsehauftritt, es werde keinen zivilen

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�Ungehorsam geben. Die Besorgnis über den Marsch
begann zu schwinden, und sechs Wochen vor dem
festgesetzten Termin brachte Präsident Kennedy öffentlich seine Unterstützung dafür zum Ausdruck.
Die drückende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit von
Augustnachmittagen in Washington haben schon oft
Temperamente in Wallung gebracht, aber an jenem
28. August kam es nicht zu Ausbrüchen.
In einem Beitrag in der New York Times über die
"sanfte Armee", die in die Hauptstadt einmarschiert
war, bemerkte Russell Baker, daß ihre "Liebenswürdigkeit und Geduld... vielleicht eine Art von nationaler
Hochwassermarke für Massenanstand gesetzt haben
könnte". Der SNCC-Vorsitzende John Lewis erinnerte
sich später, "es war so friedlich, es bestand ein solches
Familien- oder Gemeinschaftsgefühl, daß man sich
wünschte, es würde nie aufhören. Es war Amerika von
seiner besten Seite." Die Stimmung der Teilnehmer
war besonders eindrucksvoll, wenn man bedenkt, daß
die meisten von ihnen eine schlaflose Nacht in Bussen
oder Zügen verbracht hatten.
In den frühen Morgenstunden hatte die Polizei "eine
nahezu geschlossene Schlange von Bussen" auf den
wichtigsten Autobahnen nach Washington gemeldet
und über 100 Busse pro Stunde gezählt, die den
Baltimore Harbor Tunnel nördlich der Hauptstadt
passierten. Die Menschen in diesen Bussen und in
den Zügen von weiter entfernten Orten wie Chicago
und Miami waren zu aufgeregt zum Schlafen und
verbrachten die Nacht mit Gesprächen und Gesang.
Als Fernsehteams aus mehreren Ländern am folgenden Tag das Ereignis über Satellit live in alle Welt
übertrugen, sangen die Teilnehmer weiterund wiederholten dabei oft das populärste Lied "We Shall Overcome", die inoffizielle Hymne der Bewegung mit dem
Refrain:

King sprach als Letzter. "Jetzt ist die Zeit gekommen,
die Versprechen der Demokratie in die Tat umzusetzen", erklärte er und forderte seine Zuhörer auf, "geht
zurück nach Mississippi, geht zurück nach Alabama...
Geht zurück in die Slums und Ghettos unserer Städte
im Norden." Sie sollten dies tun, auch wenn sie mit
Schwierigkeiten konfrontiert sein würden. Dann fuhr er
aus dem Stehgreif fort:
"Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im Amerikanischen Traum verwurzelt ist. Ich träume davon, daß sich diese
Nation eines Tages erheben und gemäß der
wahren Bedeutung ihres Bekenntnisses leben
wird: 'Wir halten diesen Grundsatz für selbstverständlich, daß alle Menschen gleich geschaffen worden sind.'"
"Ich träume davon, daß eines Tages in Alabama
... kleine schwarze Jungen und kleine schwarze
Mädchen den kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen die Hände als Brüder und Schwestern reichen können. Ich habe heute einen
Traum!"
"... und wenn wir die Freiheit wirklich erschallen
lassen ... werden wir dem Tag schnell näherkommen, an dem alle Kinder Gottes... einander
die Hände reichen und das alte Spiritual anstimmen: 'Free at last, free at last; thank God
Almighty, we are free at last.'"

Dr. Kings eindringliche Worte klingen den Amerikanern noch nach 30 Jahren im Ohr. John Lewis, der
heute einen Wahlkreis von Atlanta (Georgia) im USRepräsentantenhaus vertritt, erinnert sich an diesen
Tag als "einen der prägenden Augenblicke in der
modernen amerikanischen Geschichte... Diese unglaubliche Koalition aus schwarzen und weißen Amerikanern hatte grundlegende Auswirkungen auf den
Oh, deep in my heart, I do believe
Kongreß." Walter Reuthers Bruder Victor hat ähnliche
Erinnerungen: "Wir hatten das Gefühl, daß wir endlich
We shall overcome some day.
den Durchbruch geschafft hatten." Der Marsch beschleunigte den Wandel im politischen Klima gegenA. Philip Randolph war der erste Redner, der die über den Bürgerrechten, der in Birmingham begonnen
Teilnehmer vor der riesigen Statue von Präsident hatte, und vergrößerte enorm die Aussichten, daß der
Abraham Lincoln begrüßte, der 100 Jahre zuvor die Kongreß Kennedys Vorlage verabschieden würde.
Sklaven befreit hatte. Roy Wilkins gab in seiner Rede Der Kongreß brauchte nahezu ein Jahr, um den Widerbekannt, daß einer der Gründer der NAACP, W.E.B. stand aus dem Süden und von Konservativen zu
DuBois, ein Sohn von Sklaven, der im Jahr 1895 an der überwinden, aber er verabschiedete das Gesetz 1964
Harvard University promoviert hatte, an demselben und zusätzlich im Jahr 1965 ein Wahlrechtsgesetz.
Morgen in Akkra (Ghana) gestorben war. Walter
Reuther warnte den Präsidenten und den Kongreß, Diese Gesetze verlagerten den Kampf um die Bürger"wir können die Freiheit in Berlin nicht verteidigen, rechte schließlich von der Straße in die Gerichtssäle.
solange wir die Freiheit in Birmingham verweigern". Die Veränderung vollzog sich nicht auf einmal, und sie
John Lewis, dessen Rede mehr Applaus erhielt als geschah nicht ohne Opfer. Nur zwei Wochen nach
jede andere mit Ausnahme von Kings, erinnerte die dem Marsch forderte ein weiterer Bombenanschlag
Menge an die Amerikanische Revolution von 1776 und auf eine Kirche in Birmingham das Leben von fünf
rief sie auf, weiterzumarschieren, bis diese Revolution kleinen schwarzen Mädchen. Drei Monate nach dem
vollendet sei.
Marsch wurde Präsident Kennedy ermordet. Im turbu-

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Seite 3

�lenten Jahr 1968 wurde - nur wenige Wochen vor der
Ermordung von Senator Robert F. Kennedy - auch
King ermordet und die Bewegung ihres wirkungsvollsten Führers, das Land eines seiner wertvollsten Bürger
beraubt.
Seit dem Marsch von 1963 und dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 haben Afroamerikaner eine immer größere Rolle im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Amerikas übernommen. Der demokratische Abgeordnete Walter Tucker aus Kalifornien, ein
afroamerikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses, der zu jung ist, um sich an den Marsch von 1963
erinnern zu können, erklärt, "ohne die Opfer von Dr.
King und Hunderttausenden anderen wäre ich heute
nicht im Kongreß". Und doch erwies sich die Beseitigung die Rassen trennender juristischer Hindemisse
lediglich als Beginn der längeren und weit komplexe-

*

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*

ren Aufgabe, eine echte vielrassische Demokratie
aufzubauen. Die Anhänger, die Coretta Scott King im
August 1993 die Mall hinunterführen wird, werden die
Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre feiern
und einander auch daran erinnern, was noch zu tun
bleibt.
Vielleicht sind der Marsch von 1963, die von ihm
verkörperte Bewegung und die inhaftierten, geschlagenen und ermordeten Bürgerrechtsaktivisten, für die
er sprach, bereits dadurch am vielsagendsten gewürdigt worden, daß viele Sommer danach ihre Hymne in
Städten angestimmt wurde, die viele Tausend Meilen
von Washington und Birmingham entfernt sind. Nach
Demokratie verlangende chinesische Demonstranten
sangen sie 1989 auf dem Platz des Himmlischen
Friedens in Beijing, und 1991 wurde sie von ihren
Gefährten in Moskau vor dem russischen Weißen
Haus angestimmt: "We shall overcome."

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wissenschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blick in die subatomare Welt&lt;br /&gt;Die Erklärung der Materie gibt noch viele Rätsel auf&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Mr. B" und die Wandlung des Balletts&lt;br /&gt;Von Emily Coleman&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Welt der Frau&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mrs. Yul Brynner - Schauspielerin, Mutter und Zellforscherin&amp;nbsp;</text>
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Dokumentation

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\\m September 1974

j^g

Inhalt
INFORMATION:
Erklärung P r ä s i d e n t Fords zur Begnadigung Nixons

- Wortlaut Proklamation des Gnadenerlasses für Nixon
- Wortlaut Erklärung Nixons zu dem Gnadenerlaß
- Wortlaut US-Gemeinschaftsschau auf der Automechanika *74

WIRTSCHAFT:
Ford eröffnet die Reihe der wirtschaftlichen Gipfelkonferenzen
- Der Präsident fordert Schlachtplan gegen die Inflation Keine Patentrezepte gegen die Inflation
- Erste Runde der Wirtschaftsgipfelkonferenz Von Eugene Brake
HINTERGRUNDMATERIAL:

John Sherman Cooper
- US-Botschafter in der DDR
Amerikanisch-Ostdeutsche Beziehungen berühren nicht den Status Berlins
Von Marie König
Die Sommerpause ist vorbei
- Verhandlungen zwischen Ost und West gehen weiter Von Peter Karegeannes
Ölpolitik: Gemeinsame Ziele der Verbraucherländer
Von Thomas 0. Enders

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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19/1974

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FORDS ZUR BEGNADIGUNG NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Präsident Ford hat am 8. September von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch gemacht und dem früheren Präsidenten Nixon volle
Begnadigung für alle etwaigen strafbaren Handlungen während seiner Amtszeit
gewährt.
Präsident Ford gab dazu im Weißen Haus vor der Presse folgende Erklärung ab:

"Meine Damen und Herren
Ich bin zu einer Entscheidung gelangt, die ich Ihnen und meinen amerikanischen Mitbürgern so rasch wie möglich mitteilen möchte, nachdem ich mir
in meinem eigenen Denken und vor meinem eigenen Gewissen sicher geworden
bin, daß es das Richtige ist.

Ich habe in diesem Amt bereits die Erfahrung gemacht, daß es immer die
schwierigen Entscheidungen sind, die auf diesen Tisch kommen. Ich muß zugeben,

-1-

�zugeben, daß viele dieser Entscheidungen ganz anders aussehen als die hypothetischen Fragen, die ich früher so offen und vielleicht zu schnell beantwortet habe.

Mein übliches Verhalten besteht darin, alles zu versuchen und alle Fakten
zusammenzubekommen, die Meinungen meiner Landsleute in Rechnung zu stellen und
den Rat meiner am höchsten geschätzten Freunde zu suchen. Aber dabei herrscht
selten völlige Übereinstimmung und am Ende muß ich die Entscheidung treffen.
Die Dinge hinauszuziehen, sich zu quälen und auf eine günstigere Entwicklung
zu warten, die vielleicht niemals eintritt, oder auf zwingendere Einflüsse von
außen, die ebenso falsch wie richtig sein können, kann man wohl kaum als Entscheidung bezeichnen und höchstens als einen schwachen und gefährlichen Kurs
für einen Präsidenten.

Ich habe versprochen, die Verfassung zu wahren, zu tun, was Recht ist,
so wie mich Gott erkennen läßt, was Recht ist, und alles in meinen Kräften
stehende für Amerika zu tun. Ich habe Sie um Ihre Unterstützung und um Ihr Gebet ersucht - nicht nur,als ich Präsident wurde, sondern oftmals seither. Die
Verfassung ist das oberste Gesetz unseres Landes und bestimmt unser Handeln al
Bürger. Darüber stehen nur die Gebote Gottes, die unser Gewissen bestimmen.

So wie wir eine Nation unter Gott sind, so habe ich geschworen, unsere
Gesetze mit der

Hilfe Gottes zu wahren. Und ich habe solchen Rat gesucht und

mein Gewissen mit besonderem Eifer erforscht, um herauszufinden, was für mich
hinsichtlich meines Vorgängers in diesem Amte, Richard Nixon, und seiner
loyalen Frau und seiner loyalen Familie zu tun das Rechte wäre.
Diese

�erlebt»
Diese Menschen haben eine amerikanische Tragödie/ in der wir alle unsere Rolle gespielt haben. Sie könnte auf ewig weitergehen, oder es muß ihr jemand ein Ende setzen. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich der einzige bin,
der das tun kann, und daß ich, wenn ich es tun kann, auch tun muß.

Es gibt keine historischen oder juristischen Präzedenzfälle, auf die
ich in dieser Angelegenheit zurückgreifen könnte; es gibt keinen Fall, der
genau den Umständen eines privaten Bürgers entspräche, der von der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zurückgetreten ist. Aber es ist allgemein bekannt, daß ernste Vorwürfe und Beschuldigungen über dem Haupt unseres früheren Präsidenten schweben, die seine Gesundheit bedrohen, wenn er jetzt sein
Leben neu gestalten will, das er zu einem großen Teil im Dienste seines Landes und als Träger eines Mandates seines Volkes verbrachte.

Nach Jahren der bitteren Kontroverse und der spaltenden nationalen Debatte, so ist mir gesagt worden, und zu diesem Schluß muß ich kommen, würde
es viele weitere Monate, ja vielleicht Jahre, dauern, ehe Richard Nixon einen
fairen Prozeß im Rahmen der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten nach den
geltenden Entscheidungen des Obersten Bundesgerichtes bekommen könnte.

Ich glaube zutiefst an die Gleichheit aller Amerikaner vor dem Gesetz,
welche Position sie einnehmen mögen oder eingenommen haben mögen, Das Gesetz,
das menschliche wie das göttliche, kennt kein Ansehen der Person, sondern
nur das Ansehen der Tatsachen.
Die

-3-

�I
Die Tatsachen, so wie ich sie sehe, sind, daß ein früherer Präsident der
Vereinigten Staaten, statt sich der gleichen Behandlung zu erfreuen, wie irgendein anderer der Verletzung des Rechts angeklagter Bürger, in grausamer
und übertriebener Weise bestraft würde, entweder bei der Aufrechterhaltung
der Annahme seiner Unschuld bis zum Beweis des Gegenteils, oder eben dabei,
rasch den Beweis seiner Schuld erbracht zu bekommen, um eine rechtliche Schuld
an die Gesellschaft zu begleichen.
Während dieser langen Periode der Verzögerung und des möglichen Rechtsstreits würden erneut

häßliche Leidenschaften aufgerührt werden. Und unser

Volk würde erneut in seinen Meinungen polarisiert werden. Und die Glaubwürdig-keit unserer freien Regierungsinstitutionen würde im eigenen Land und im Ausland erneut in Frage gestellt.

Letztlich könnte es durchaus sein, daß die Gerichte feststellen würden,
daß Richard Nixon keinen fairen Prozeß bekommen habe und das Urteil der Geschichte wäre hinsichtlich der Anschuldigungen, die aus der Zeitspanne der
Präsidentschaft stammen, von denen ich gegenwärtig Kenntnis habe, noch weniger schlüssig.

Aber es ist letztlich nicht das Schicksal Richard Nixons, das mir am
meisten am Herzen liegt, obwohl es jeden anständigen und jeden mitfühlenden
Menschen tief berühren muß, sondern mein Anliegen ist die unmittelbare Zukunft
unseres großen Landes.
tfaa

�t
I

Was dies angeht, so wage ich es nicht, mich auf meine persönliche
Sympathie als langjähriger Freund des ehemaligen Präsidenten zu verlassen,
noch auf mein berufliches Urteil als Anwalt - und ich tue dies auch nicht.
Als Präsident muß mein oberstes Anliegen immer das höchste Wohl des ganzen
amerikanischen Volkes sein, dessen Diener ich bin. Als Mann ist meine erste
Überlegung, daß ich meinen eigenen Überzeugungen und meinem eigenen Gewissen
treu bleiben muß. Mein Gewissen sagt mir klar und deutlich, daß ich die bösen
Träume nicht verlängern darf, die immer wieder ein Kapitel aufschlagen, das
abgeschlossen ist. Mein Gewissen sagt mir, daß nur ich, als Präsident, die
verfassungsmäßige Macht habe, dieses Kapitel endgültig abzuschließen und das
Buch zu versiegeln. Mein Gewissen sagt mir, daß es meine Pflicht ist, die
Ruhe im Lande nicht nur zu proklamieren, sondern alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um sie zu gewährleisten.

Ich glaube, hier kann niemand die Entscheidung weiterschieben: ich kann
mich hier nicht auf öffentliche Meinungsumfragen verlassen, um mir sagen zu
lassen, was Recht ist. Ich glaube, daß Recht Macht setzt, und daß es, wenn
ich Unrecht habe, auch nichts mehr zu ändern würde, wenn zehn Engel schwören
würden, daß ich Recht hätte.

Ich glaube mit meinem ganzen Herzen und mit meinem ganzen Geiste, daß
ich - nicht als Präsident, sondern als bescheidener Diener Gottes - Gerechtigkeit ohne Gnade erfahren werde, wenn ich keine Gnade zeige.

Und schließlich bin ich der Überzeugung, daß Richard Nixon und seine
Lieben genug gelitten haben und weiterhin leiden werden, was auch immer ich

-5-

�i
ich tun werde und was auch immer wir als großes und gutes Volk zusammen tun
können, um ihn an sein Ziel des Friedens kommen zu lassen.
So habe ich, Gerald R. Ford, Präsident der Vereinigten Staaten, daher in
Ausübung des Begnadigungsrechtes, das mir nach Artikel II, Absatz 2 der Verfassung übertragen ist, Richard Nixon für alle Straftaten gegen die Vereinigten Staaten, die er, Richard Nixon, begangen hat oder begangen haben mag
oder an denen er im Zeitraum vom Juli (20. Januar) 1969 bis 9. August 1974
teilgehabt haben mag, volle, freie und absolute Begnadigung gewährt und gewähre sie mit dieser Proklamation."

Im Anschluß an diese Erklärung unterzeichnete Präsident Ford den Gnaden-

H44

«-D —

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19/1974

PROKLAMATION DES GNADENERLASSES FÜR NIXON

-Wortlaut-

WASHINGTON —(AD)-- Die Proklamation Präsident Fords über einen Gnadenerlaß
für den ehemaligen Präsidenten Nixon hat folgenden Wortlaut:
"Richard Nixon wurde am 20. Januar 1969 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten und wurde dann im Jahre 1972 durch die Wahlmänner von 49 der
50 Bundesstaaten für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Seine Amtszeit dauerte bis zu seinem Rücktritt am 9. August 1974.

Gemäß den Resolutionen des Repräsentantenhauses führte der Rechtsausschuß dieses Hauses eine Prüfung und Untersuchung in bezug auf die Amtsenthebung des Präsidenten durch, die sich über mehr als acht Monate erstreckte.
Die Hearings des Ausschusses und seine Beratungen, die über Fernsehen, Rundfunk und die Medien der Presse breiteste Publizität im Lande erhielten,
führten zu Abstimmungsergebnissen, die für Richard Nixon in bezug auf die
empfohlenen Artikel einer Amtsenthebung ungünstig waren.
Als

-1-

�«
Als Folge gewisser Handlungen oder Unterlassungen, die vor seinem Rücktritt vom Präsidentschaftsamt begangen wurden, stand Richard Nixon vor einer
möglichen Anklage und einem Gerichtsverfahren wegen Vergehens gegen die Vereinigten Staaten. Ob er einem solchen gerichtlichen Verfahren unterworfen werden soll oder nicht, hängt von dem Urteil des entsprechenden Geschworenengerichtes und dem Ermessen des beauftragten Staatsanwaltes ab. Sollte sich eine
Anklageerhebung ergeben, so wird dem Angeklagten das Recht auf einen fairen
Prozeß vor einem unparteiischen Gericht zustehen, wie es jedem Einzelnen durch
die Verfassung garantiert ist.

Man nimmt an, daß ein Prozeß gegen Richard Nixon, falls er notwendig würde, kaum vor Ablauf eines Jahres oder länger beginnen könnte. In der Zwischenzeit könnte die in unserer Nation durch die Ereignisse der letzten Wochen wiederhergestellte Ruhe unwiderbringlich durch die Aussicht verloren gehen, daß
ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten vor Gericht gestellt werden
würde. Die Aussicht auf einen solchen Prozeß wird eine

anhaltende und Zwie-

spalt hervorrufende Debatte darüber auslösen, ob es angemessen ist, einen Mann
noch weiterer Bestrafung und Erniedrigung auszusetzen, der bereits dadurch
eine noch nie dagewesene Buße geleistet hat, daß er das höchste Wahlamt in
den Vereinigten Staaten aufgab.

Daher habe ich, Gerald R. Ford, Präsident der Vereinigten Staaten, nunmehr in Ausübung des Begnadigungsrechtes, das mir nach Artikel II, Absatz 2
der Verfassung zusteht, Richard Nixon eine volle, freie und absolute Begnadi-

�Begnadigung gewährt und spreche sie hiermit aus, für alle Vergehen, die er
Richard Nixon, während des Zeitraums vom 20. Januar 1969 bis zum 9. August
1974 gegen die Vereinigten Staaten begangen hat oder begangen haben mag
oder an denen er beteiligt war.

Zum Zeichen dessen habe ich an diesem 8. September im Jahre des Herrn
neunzehnhundertvierundsiebzig und dem 199. Jahr der Unabhängigkeit der Ver
einigten Staaten meine Unterschrift unter dieses Dokument gesetzt.

gez. Gerald R. Ford".

-3-

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19/1974

ERKLÄRUNG NIXONS ZU DKM GNADENERLASS
- Wortlaut SAN CLEMENTE, Kalifornien — ( A D ) — Zu dem ihm von Präsident Gerald R. Ford
gewährten Gnadenerlaß hat der ehemalige Präsident Nixon folgende Erklärung
abgegeben:
"Ich bin davon unterrichtet worden, daß Präsident Ford mir die volle
und absolute Begnadigung für alle Anklagen gewährt hat, die gegen mich wegen
während meiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten begangenen
Handlungen erhoben werden könnten. Indem ich diese Begnadigung annehme,
hoffe ich, daß dieser Akt des Mitleids dazu beitragen wird, die Bürde von
Watergate von unserem Land zu nehmen.

Hier in Kalifornien erscheint mir Watergate unter einer ganz anderen
Perspektive als damals, als ich inmitten der Kontroverse im Kampf stand und
dabei noch den erbarmungslosen täglichen Anforderungen des Präsidentenamtes
selbst unterstand.

Wenn ich auf das zurückblicke, was in meinen Gedanken immer noch ein
kompliziertes und verwirrendes Labyrinth von Ereignissen, Entscheidungen,

�Entscheidungen, Zwängen und Personen ist, so ist das eine, was ich jetzt
klar erkennen kann, daß es falsch von mir war, nicht entschiedener und eindeutiger gehandelt zu haben, was Watergate anbetraf, vor allem, als es das Stadium juristischer Verfahren erreichte und sich von einem politischen Skandal
zu einer nationalen Tragödie auswuchs.

Es gibt keine Worte, die der Tiefe meines Bedauerns und meines Schmerzes über die Not und Pein Ausdruck zu geben vermöchten, die meine Irrtümer
über Watergate der Nation und dem Präsidentschaftsamt zugefügt haben - einer
Nation, die ich aus tiefstem Herzen liebe und eine Instititution, die ich so
hoch achte.

Ich weiß, daß viele fair denkende Menschen überzeugt sind, daß meine
Beweggründe und Handlungen in der Watergate-Affaire bewußt und absichtlich
meinen eigenen Zwecken dienten und illegal waren. Ich begreife jetzt, wie
meine eigenen Irrtümer und Fehlurteile zu dieser Überzeugung beigetragen
haben und sie zu unterstützen schienen. Diese Last ist die von allen am
schwersten zu tragende.

Daß die Art und Weise, wie ich versuchte, mit Watergate fertig zu werden, falsch war, ist eine Bürde, die ich an jedem Tag des mir noch verbleibenden Lebens tragen werde."

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US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF DER AUTOMECHANIKA »74

--(AD)-- Etwa 30 amerikanische Firmen beteiligen sich im Rahmen einer Gemeinschaftsschau unter dem Patronat des US-Department of Commerce an der
"Automechanika '74" vom 18. bis 22. Oktober 1974 auf dem Messegelände in
Frankfurt am Main.
Die Ausstellung bietet einen umfangreichen Einblick in den Bereich des
Automobilzubehörs

und der Automobilwartung - Gebiete, auf denen die ameri\
kanische Industrie besonders leistungsfähig ist.
Besonders für Firmen des Automobilservice und des Zubehörhandels dürfte
ein Besuch der US-Gemeinschaftsschau äußerst lohnend sein, da, abgesehen von
den vielen Neuigkeiten, die von der US-Industrie geboten werden, fast 80%
der Aussteller Vertretungen, Vertriebsfirmen und Importeure sowie Lizenzneh-

mer für die Bundesrepublik und andere europäische Länder suchen.
Das Spektrum der ausgestellten Erzeugnisse umfaßt - beinahe komplett den gesamten Zubehör-und Pflegebedarf und natürlich auch das "Do-it-Yourself"Hobby. So findet man unter anderem elektronische Motorprüfstände, Farbspritz-

-1-

�Farbspritzgeräte, Werkzeugmaschinen für die Motorreparatur, pneumatische
Handwerkzeuge, fahrbare Prüfservice-Einheit für Automobil-Klimaanlagen,
Kraftstoff-und Olzusatzmittel, hydraulische Geräte für Rahmen und KarosserieRichtarbeiten, Reparatur-Kits, Lüfter und Klimaanlagen, Rostschutzmittel,
Klebstoffe, Dichtungsmittel, Korrosionsschutzmittel, Hochdruck-Reinigungsgeräte und einen drahtlosen Fernstarter sowie eine völlig neue Einknicksicherung für Sattelfahrzeuge.

Weitere Informationen und Programme erhältlich durch:
US Trade Center, D-60OO Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4;
Telefon: 72 08 Ol; Telex: 41 65 35

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19/1974

FORD ERÖFFNET DIE REIHE DER WIRTSCHAFTLICHEN GIPFELKONFERENZEN
-Der Präsident fordert Schlachtplan gegen die Inflation -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Ford hat am 5. September die Reihe der Expertenkonferenzen im Weißen Haus eröffnet, die unter der Bezeichnung "Wirtschaftliche Gipfelkonferenz" die führenden Wirtschaftler der Vereinigten
Staaten zusammenführen soll, um einen "Schlachtplan gegen die Inflation",
den"nationalen Feind Nummer eins" zu entwerfen.

Nach einer Reihe von Vorkonferenzen wird am 27. und 28. September der
eigentliche "Gipfel" die Zusammenfassung aller Bemühungen bringen.

Vor den im Weißen Haus versammelten 28 Wirtschaftsexperten führte Präsident Ford zur Eröffnung unter anderem aus:

"... Dieses Treffen stellt den Beginn unserer Nationalen Konferenz über
Inflation dar. Ich habe diese Reihe von Arbeitskonferenzen auf eine überparteiliche Empfehlung des amerikanischen Senats hin und unter Mitwirkung von
interessierten Bürgern einberufen, die alle Elemente unserer amerikanischen
Gesellschaft repräsentieren.
Unser
-1-

�4
Unser Ziel besteht darin, Mittel und Wege zu finden, wie wir, das amerikanische Volk, mit unseren wirtschaftlichen Schwierigkeiten fertig werden und
sie überwinden können.
Das ist als Gipfelkonferenz

bezeichnet worden. Diese Bezeichnung ist

vielleicht etwas irreführend. Gipfelkonferenzen sind in jüngster Zeit zwischen
den führenden Vertretern internationaler Gegner in der Hoffnung abgehalten worden, ihre Meinungsverschiedenheiten abbauen zu können. Um diesen Tisch herum
sitzen keine Gegner. Wir kommen als Verbündete zusammen, um einen Schlachtplan,
wie ich sagen möchte, gegen einen gemeinsamen Feind, nämlich die Inflation,zu
entwerfen. Die Inflation ist unser nationaler Feind Nummer eins.
*

Die Strategie für Schlachten wird gewöhnlich im Geheimen entwickelt. Ich
habe darauf bestanden, daß dies eine typisch amerikanische, offene Konferenz
wird. Einige Skeptiker haben mich gewarnt. Wenn man 28 unserer hervorragendsten Wirtschaftler und acht Mitglieder des Kongresses - Demokraten und Republikaner - öffentlich am eingeschalteten Mikrophon präsentiert, so meinten sie,
könnte ein Spektakulum herauskommen, als ob Berufsringer Eishockey spielen.
Aber ich werde dem ersten Match schon als Schiedsrichter vorzustehen wissen.

Es ist relativ wenig bekannt, daß ich meine Studien mit einem sehr starken Interesse an Wirtschaftswissenschaft begonnen habe. Später habe ich auf
Jura umgewechselt, wohl deshalb, weil der Beruf des Anwalts für den Weg zum
Erfolg in der Politik besser geeignet zu sein schien.
Nachdem ich es soweit gebracht habe, kann ich verstehen, warum kein
Wirtschaftler auch nur im Traum wünschen würde, Präsident zu sein.
Wenn
-2-

�Wenn wir aber bei der uns gestellten Aufgabe Erfolg haben, dann kann
ich Ihnen versprechen, daß es für jeden von Ihnen eine Statue in allen
Stadtparks in ganz Amerika geben wird. Man wird die Wirtschaftswissenschaften dann niemals wieder als eine elende Wissenschaft bezeichnen und auch kein
Politiker wird - wenn wir Erfolg haben - jemals wieder wagen, sich hinter dem
alten Alibi zu verstecken, daß die Leute nun mal eben kein wirtschaftswissenschaftliches Verständnis hätten.
Die Leute verstehen die Wirtschaftswissenschaft sehr, sehr gut und sie
sind es müde und leid, daß die Politiker mit ihren Brieftaschen ihr Spiel
treiben.
Diese Konferenz über Inflation ist ein gemeinsames Unterfangen der Legislative und der Exekutive, das zu einem Monument für die Politik im besten
Sinne des Wortes werden kann. Es vereint Republikaner und Unabhängige und
Demokraten in einem Wahljahr im Kampf gegen einen tödlichen Feind, der keinen
Unterschied zwischen der einen oder anderen politischen Partei kennt.

Der Präsident kann die Inflation nicht besiegen. Auch der Kongreß allein
kann dies nicht. Die Unternehmer, die Gewerkschaften, die Landwirtschaft
und andere Segmente Amerikas können die Inflation nicht besiegen. Einzeln
und getrennt können wir sie nur noch schlimmer machen, zusammen aber können
wir sie in die Knie zwingen.

Diese Konferenzen werden nicht zu leeren Übungen in ökonomischer Rhetorik werden, aber sie werden auch keine raschen Wunderdinge erbringen. Es

�V

i
Es gibt kein Wundermittel gegen die Leiden, die unsere Wirtschaft plagen. Ich
meinerseits aber weigere mich, zu glauben, daß die besten Köpfe in Amerika
und die geschicktesten und am härtesten schaffenden Arbeiter der Welt nicht
imstande sein sollten, einen gangbaren Weg zu finden, um den Produktionsapparat dieses großen Landes wieder ins Gleis und auf volle Touren zu bringen.
Lassen Sie mich ein paar Grundregeln für den Beginn nennen - oder, wenn
Sie gestatten, vielleicht umreißen. Wir dürfen keine Zeit damit verlieren,daß
wir die Probleme wieder und wieder darlegen. Die Probleme sind offenkundig,
sie sind schmerzlich und bestürzend....
Was wir brauchen ist die Aktion, ein Handeln, das praktisch, das möglich .
und das in seiner Wirkung so schnell ist, wie wir es vernünftigerweise erwar•

ten dürfen.

Ich brauche Ihnen hier, die Sie alle Experten sind, nicht zu sagen, daß
es viele Antworten gibt, von denen die meisten auch bereits einmal zu irgendeiner geschichtlichen Stunde versucht worden sind. Aber ich möchte, daß vor
Beendigung dieser Konferenz dem amerikanischen Volk ein in sich geschlossenes
und wohlerwogenes Bündel der verheißungsvollsten Antworten, die Sie finden
können, vorgelegt werden kann, von denen einige oder alle zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität und zur Erhaltung des wirtschaftlichen
Wachstums in den Vereinigten Staaten beitragen werden.

Wenn unser Land wirtschaftlich gesund ist, dann wird die ganze Welt
wirtschaftlich gesünder sein. Wirtschaftliche Inflation ist eine weltweite

-4-

�weltweite Epidemie und wir werden in Zusammenarbeit mit unseren Freunden im
Ausland sie in Quarantäne bringen.

Wenn Sie Ihre Antworten an dem harten Gestein der Gesetze der Wirtschaft
erproben, wenn Sie auf alle raschen trügerischen Kuren für den Augenblick um
einer sicheren und zuverlässigen Therapie willen verzichten, wenn Sie mit
Ihrer Therapie auf die Ursache abzielen statt auf die Symptome, dann bitte
ich Sie, daran zu denken, daß es keine wirkliche Lösungen ohne eine Menge
Willenskraft und persönliches Opfer geben wird. Amerika hat von beiden sehr
viel - und auch die Kapazität für beide.
Es ist leicht, Opfer von anderen zu fordern. Es ist schwerer, sie von
uns selbst zu verlangen. Die Lasten verteilen sich niemals auf alle Schultern gleichmäßig, aber wir müssen bestrebt sein, sie in gleichem Maße so
weitgehend aufzuteilen, wie die Prosperität, die, wie wir hoffen, darauf
folgen wird. Die Lasten des Kampfes gegen die Inflation werden leichter sein,
wenn jeder Amerikaner, wenn alle 210 Millionen Amerikaner, mithelfen.

Im Verlaufe der nächsten Wochen werden wir zehn weitere Sonderkonferenzen abhalten, die dann ihren Höhepunkt in einer zweitägigen Abschlußsitzung
am 27. und 28. September finden werden. Danach wird es einige Dinge geben,
über die wir übereinstimmen.

Ich hoffe, daß diese Bereiche der Übereinstimmung größer sein werden als
die Bereiche, in denen wir zu keiner Übereinstimmung gelangen. Aber es ist

-5-

�ist nun mal ein Faktum, daß unser wirtschaftliches System, so wie unser politisches System, auf der Konkurrenz in einem offenen und ehrlichen Konflikt
zwischen verschiedenen Interessen und verschiedenen Meinungen beruht. Daher
wird es einige Dinge geben, über die wir nicht zu einer Übereinstimmung gelangen können.

Dies wäre ja auch ein trostloses Land, gäbe es niemand, der für seine
abweichende Meinung einträte. Glücklicherweise ist in diesem Fall mit einer
solchen Gefahr nicht zu rechnen. Wo unsere Meinungen auseinandergehen, wird
es

für den Präsidenten und für den Kongreß notwendig werden, einige sehr har-

te Entscheidungen zu treffen. Aber genau dafür ist unser politisches System ge-'
staltet, indem es sich am Ende auf den letztlich gesunden Sinn und Verstand
des amerikanischen Volkes verläßt ...".

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19/1974

KEINE PATENTREZEPTE GEGEN DIE INFLATION
- Erste Runde der Wirtschaftsgipfelkonferenz Von Eugene Brake

WASHINGTON —(AD)-- Die erste Runde der sogenannten Wirtschaftsgipfelkonferenz in Washington, die entscheidende Impulse für die Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten geben soll, hat gezeigt, daß nur ein
einziger der versammelten 28 Experten eine rasche Lösung des Problems Nummer
eins zu haben glaubt. Die anderen Wirtschaftsfachleute waren sich auf der
Tagung am 5. September im Weißen Haus praktisch einig, daß es langer und geduldiger Anstrengungen bedürfe, um mit der Inflation fertig zu werden, und
einige warnten mit allem Nachdruck vor dramatischen Eingriffen, die sich als
unklug und auf die Dauer als schädlich erweisen könnten.

Die Reihe der von Präsident Ford angesetzten Konferenzen wird am 27.
und 28. September in einem "Gipfel" ihren Höhepunkt finden.
Was

-l-

�Was die wirtschaftlichen Aussichten für die nächsten 12 Monate anbetrifft, so waren sich die versammelten Fachleute bemerkenswert einig. Man erwartet eine abgeflachte oder mäßig rückläufige Produktion mit einem gewissen
Nachlassen der Inflationsrate - von gegenwärtig über zehn Prozent auf etwa
sieben bis neun Prozent.

Da die Zahl der Arbeitsfähigen weiterhin steigen wird, dürfte nach Meinung der Wirtschaftler die Arbeitslosigkeit bis Ende 1975 auf etwa sechs Prozent zunehmen. Allerdings rechnete keiner der anwesenden Experten mit einer
Depression, die der der dreißiger Jahre vergleichbar wäre - und wie sie in
manchen Zeitungen an die Wand gemalt wird.

Der Kern jeder wirksamen Strategie gegen die Inflation muß nach Auffassung aller Experten eine disziplinierte Haushalts-und Geldpolitik der Regierung sein. Einige der Anwesenden hielten - im Widerspruch zu anderen - die
Zeit für gekommen, die sehr restriktive Geldpolitik der amerikanischen Bundesbank (Federal Reserve System) etwas zu lockern. Keiner sprach sich jedoch für
eine völlige Wende zu einer expansionistischen Politik aus. Aber fast jeder
der Redner unterstrich, daß Geld-und Haushaltspolitik allein nicht genug seien,
und praktisch alle traten dafür ein, die Wirtschaftspolitik "multidimensional"
anzupacken. So sprach man si,ch beispielsweise für eine Verbesserung der Arbeitslosenunterstützung und für andere Hilfsmaßnahmen für jene Mitglieder der
Gesellschaft aus, die von der Inflation und von antiinflationistischen Maßnahmen am härtesten betroffen werden.
Mehrere

-2-

�Mehrere der Experten forderten auch eine besondere Achtsamkeit bei Regierungsmaßnahmen, die zu höheren Preisen und Kosten beitragen. Dabei wurden
als Beispiele die Festlegung von Frachtraten, Einfuhrbeschränkungen und einige Maßnahmen der Landwirtschaftspolitik genannt. Ferner wurden Vorschläge unterbreitet, um ein echtes Konkurrenzverhalten amerikanischer Firmen zu gewährleisten und die Möglichkeit zu verringern, daß einige wenige Großfirmen den
Markt beherrschen.

Es ist nicht verwunderlich, daß in mehr als einem Referat anklang, wie
unvernünftig es wäre, wollte man von den amerikanischen Gewerkschaften erwarten, daß sie den fünfprozentigen Kaufkraftschwund im Lohn des durchschnittlichen Arbeiters einfach akzeptierten. Wenn die Versuche der Gewerkschaften,
mit den steigenden Preisen Schritt zu halten, nicht zu einer inflationären
Lohn-Kosten^Preis-Spirale führen sollen, dann müsse die Gewerkschaftsseite
überzeugt werden, daß die Kaufkraft

des Nettoarbeitslohnes nicht weiter aus-

gehöhlt werde. Auch Steuersenkungen für die Amerikaner am unteren Ende der
Einkommensskala wurden als Teil eines "Sozialpaktes" genannt, der Gewerkschaften von übermäßigen Lohnforderungen zurückhalten soll.

Kaum einer der Experten versäumte,auf die Interdependenz, d.h. auf die
wechselseitige Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft mit oder von der
übrigen Weltwirtschaft hinzuweisen. Es wurde immer wieder unterstrichen, daß
die USA gerade wegen des Einflusses ihrer Wirtschaft auf die übrige Welt verantwortungsbewußt handeln müssen - und daß sich die amerikanische Wirtschaft
von den wirtschaftlichen Umständen anderswo nicht länger isolieren kann.

3-

�1
\
kann. Die Forderung nach Koordinierung der Wirtschaftspolitik mit anderen

*

Ländern wurde von Präsident Ford auch aufgegriffen, der zusicherte, Wirtschaftsprobleme in Zusammenarbeit mit den Freunden Amerikas in der ganzen
Welt anzupacken.
Die eine Stimme, die sich von dem Chor abhob, war die von Professor
John Kenneth Galbraith, der sich als Autor und früherer Botschafter in Indien
einen internationalen Namen gemacht hat. Er sprach sich für drastische Maßnahmen aus. Zu seinem Programmen würden eine weiterhin ganz restriktive Geldpolitik und Steuererhöhungen gehören. Nach seiner Meinung könnte ein solches Programm die Inflationsrate innerhalb eines Jahres auf drei bis vier Prozent senken.

Alle anderen 27 Experten waren sich darin einig, daß es Jahre und nicht
Monate dauern wird, um die Inflationsrate auf einen annehmbaren Prozentsatz
zu senken.

Am weitesten gingen die Meinungen hinsichtlich der Frage direkter Eingriffe der Regierung zur Begrenzung von Preisen und Lohnerhöhungen auseinander. Während ein Teil der Experten die Befürchtung aussprach, der neue Lohnund Preis-Rat könnte zu weit gehen, setzten sich andere für eine Stärkung
seiner Vollmachten ein. Einige der Fachleute befürworteten sogar eine Rückkehr zu Lohn-und Preiskontrollen in einigen begrenzten Wirtschaftszweigen.
Der frühere Finanzminister George Shultz wandte sich jedoch nachdrücklich gegen alle derartigen Vorschläge, da solche Kontrollen während seiner Amtszeit

-4-

�I

Amtszeit in der Nixon-Administration nicht funktioniert hätten.

Die Gruppe wird am 23. September erneut zusammenkommen, um Detailfragen
zu erörtern, die jetzt angeschnitten wurden, und um dann dem Präsidenten konkrete Empfehlungen zu unterbreiten.

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19/1974
JOHN SHERMAN COOPER
-US-Botschafter in der DDR-

--(AD)-- John Sherman Cooper, der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Deutschen Demokratischen Republik, den Präsident Ford am
4. September nominiert hat, wurde am 23. August 1901 in Somerset im Staate
Kentucky geboren. Nach einem Studium am Centre College und an der Yale-Universität erwarb er 1923 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und
studierte bis 1925 an der Harvard-Universität Jura. Cooper ist Ehrendoktor
zahlreicher amerikanischer Universitäten, darunter der Yale-Universität, der
Universität von Kentucky und der Universität von Pittsburgh.
Von 1928 bis 1930 gehörte er dem Unterhaus des Parlaments des Staates
Kentucky an und amtierte von 1930 bis 1946 als Bezirks-und Distriktsrichter
in seinem Heimatstaat. Im Jahre 1946 wurde er für seinen Staat in den amerikanischen Senat gewählt, dem er bis 1948 angehörte, um dann 1952 erneut gewählt zu werden. Nach einer Unterbrechung von 1955 bis 1957 wurde er wiederum
von den Wählern für seinen Heimatstaat nach Washington entsandt. Im Senat gehörte er dem Außenpolitischen Ausschuß, dem Ausschuß für Öffentliche Arbeiten

-1-

�Arbeiten und Verwaltung sowie dem Sonderausschuß an, der über Verfahren und
Verhalten des Kongresses wacht.

Im Jahre 1950 wurde er von dem damaligen Außenminister Deach Acheson
zum Sonderberater mit dem Range eines Botschafters ernannt und gehörte von
1949 bis 1951 der amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen an.
Von 1955 bis 1956 war er amerikanischer Botschafter in Indien.

Neben seinem Beruf als Rechtsanwalt war Gooper auch als Berater der
amerikanischen Delegation auf der UNESCO-Konferenz im Jahre 1948 tätig und
gehörte der vom Präsidenten eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Ermordung von Präsident Kennedy an. Neben Ehrenämtern in zahlreichen Universitätsgremien ist Cooper Mitglied der amerikanischen Anwahtskammer sowie auch
zahlreicher privater Organisationen wie der American Legion.

Von 1942 bis 1945 diente Gooper in der amerikanischen Armee und war nach
dem Kriege maßgeblich am Neuaufbau des deutschen Rechtswesens beteiligt.

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19/1974

AMERIKANISCH-OSTDEUTSCHE BEZIEHUNGEN BERÜHREN NICHT DEN STATUS BERLINS

Von Marie König

WASHINGTON —(AD)«- Amerikanische Regierungsvertreter haben keinen Zweifel
daran gelassen, daß die Normalisierung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in wesentlichem Maße von
dem Fortschritt bei der Entschädigung von Naziverfolgten durch die Ostdeutschen abhängen wird. Die Vereinigten Staaten haben ferner zur Aufnahme der
Beziehungen am 4. September eine Erklärung herausgegeben, daß diese Maßnahme
"den besonderen rechtlichen Status des Gebietes von Berlin", wie er sich
nach dem zweiten Weltkrieg herausgebildet hat, nicht berührt.

Nach einjährigen, immer wieder unterbrochenen Verhandlungen haben am
4. September Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutschen
Demokratischen Republik im Rahmen einer einfachen Zeremonie im State Department ein kurzes Dokument unterzeichnet, mit dem die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen bewirkt wurde.
Nach

�Nach der Unterzeichnung verlas der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John King, im Rahmen einer Presseunterrichtung eine besondere
Berlin-Erklärung. "Bei der Herstellung der Beziehungen (zur DDR) geht die
amerikanische Regierung von der Grundlage aus, daß die Errichtung und die
Funktion einer amerikanischen Botschaft in Ostberlin, wo es den Regierungsstellen, mit denen sie zu tun haben wird, genehm ist, den besonderen rechtlichen Status des Gebietes von Berlin nicht berühren wird", so heißt es in
der Erklärung.

Andere Vertreter des State Department wiesen ausdrücklich darauf hin,
daß die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion
weiterhin im Rahmen der Nachkriegsabkommen

eine besondere Verantwortung für

Berlin tragen.

Der amerikanische Botschafter in der DDR, so wird im State Department
betont, werde sich nur mit Fragen bilateraler Natur zwischen beiden Ländern
befassen. Was Berlin-Fragen angeht, so werden die Vereinigten Staaten mit de
Sowjetunion verhandeln.

Im Zuge der Verhandlungen, die zur Herstellung der Beziehungen führten,
haben die Vereinigten Staaten von ostdeutschen Vertretern die Zusicherung er
halten, daß über eine Entschädigung für Opfer des Nazi-Regimes und über die
sich gemäß der üblichen Praxis ergebenden normalen Ansprüche verhandelt werde, die amerikanische Bürger, die amerikanische Regierung und amerikanische
Körperschaften gegen die DDR geltend machen.
Die

-2-

�Die amerikanische Federal Trade Commission wird die üblichen Ansprüche,
über die die amerikanische Regierung mit der DDR verhandeln wird, sammeln
und zusammenstellen. Was die Ansprüche von Nazi-Verfolgten angeht, so ziehen
es die Vereinigten Staaten vor, daß diese durch eine internationale Gruppe
in New York, die "Conference on Jewish Material Claims"in Verhandlungen mit
einer analogen privaten Gruppe in Ostdeutschland geltend gemacht werden.

Das letzte Stadium der amerikanisch-ostdeutschen Verhandlungen, die vom
15. bis 26. Juli in Washington stattfanden, wurde im wesentlichen durch die
Frage in Anspruch genommen, wie das Problem der Entschädigung für die Opfer
des Nazi-Regimes gelöst werden könne. Amtliche Kreise im amerikanischen Aussenministerium wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Vereinigten
Staaten gegenüber der DDR keinen Zweifel daran gelassen haben, daß eine Weigerung, die Ansprüche der Nazi-Opfer zu prüfen, für die amerikanische Seite
nicht akzeptabel gewesen wäre. Vertreter des State Department äußerten die
Überzeugung, daß die DDR diesen amerikanischen Standpunkt akzeptiere, daß
jedoch noch über das Ausmaß, in dem die DDR das Problem lösen werde, verhandelt werden müsse. Die DDR hat zwar zugestimmt, daß eine private ostdeutsche Organisation mit der genannten Organisation in New York in Kontakt
tritt, hat sich jedoch nicht verpflichtet, daß sie dafür sorgen wird, daß
private Organisationen die Entschädigung für Nazi-Opfer auch letztlich regeln.
Im State Department wurde ferner mitgeteilt, daß vor Ablauf eines Jahres
amerikanisch-ostdeutsche Gespräche über einen Handels-und Kulturaustausch

-3-

�7
i
Kulturaustausch beginnen werden. Auf Anfrage der Presse unterstrichen die
Vertreter des State Department jedoch, daß die Art und Weise, in der die DDR
das Entschädigungsproblem lösen wird, sich auf alle Aspekte der Beziehungen
auswirken werde.
Was ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten angeht, so ist man
im State Department der Auffassung, daß die DDR gerne möchte, daß ein solches Abkommen die Meistbegünstigungsklausel enthält, obwohl darüber im Detail
noch nicht gesprochen worden ist.

Im einzelnen wurden von Vertretern des amerikanischen Außenministeriums
folgende weitere Feststellungen getroffen:
Gegenwärtig ist es nicht möglich, die Ansprüche amerikanischer Bürger
und Nazi-Verfolgter gegen die DDR abzuschätzen.
Im Zuge der Verhandlungen wurde der Status der Berliner Mauer nicht
erörtert.
Die Vereinigten Staaten haben mit Ostdeutschland nicht über eine mögliche Entschädigung von Israelis, die Nazi-Opfer waren, gesprochen.
Ein Jahr nach dem Zeitpunkt der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen
werden die Vereinigten Staaten und Ostdeutschland Gespräche über die Einrichtung amtlicher Stellen im jeweils anderen Lande beginnen, die zusätzlich zu
den Botschaften eröffnet würden. Dabei dürfte es sich um Handelsvertretungen
und Konsulate handeln.

Im Anschluß an die Unterzeichnung der Protokolle am 4. September wurde
folgendes gemeinsame US-DDR-Kommunique herausgegeben:
"Die

-4-

�"Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutschen
Demokratischen Republik sind nach Verhandlungen, die vom 15. bis 26. Juli
1974 in Washington in einer herzlichen Atmosphäre geführt wurden, übereingekommen, mit dem heutigen Datum in Übereinstimmung mit der Wiener Konvention
über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961 diplomatische Beziehungen
herzustellen und die Ausführung dieser Beziehungen auf den Boden der Charta
der Vereinten Nationen zu stellen. Beide Regierungen werden diplomatische
Vertreter im Range eines Außerordentlichen Bevollmächtigten Botschafters
austauschen.

Beide Delegationen führten ferner einen Meinungsaustausch über die künftigen Entwicklungen der Beziehungen zwischen beiden Staaten.Es wurde vereinbart, daß, abhängig von dem Inkrafttreten eines umfassenden Konsularabkommens,
ihre konsularischen Beziehungen allgemein auf dem üblichen internationalen
Recht über konsularische Beziehungen basieren werden. Sie vereinbarten ferner,
in naher Zukunft über die Regelung von Ansprüchen und anderen finanziellen
Fragen, die zwischen ihnen bestehen, zu verhandeln.

Ferner wurde Übereinkunft über eine Reihe von praktischen Fragen bezüglich der Errichtung und der künftigen Funktion ihrer jeweiligen Botschaften
erreicht."

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19/1974

DIE SOMMERPAUSE IST VORBEI
-Verhandlungen zwischen Ost und West gehen weiterVon Peter Karegeannes

WASHINGTON —(AD)-- Zwei bedeutsame internationale Konferenzen, deren erfolgreicher Abschluß die Stabilität und Sicherheit für ganz Europa wesentlich
festigen würde, nehmen jetzt ihre Beratungen wieder auf, nachdem sie sich
während des Sommers vertagt hatten.
In Genf sind die Vertreter von 35 ost-und westeuropäischen Nationen sowie der Vereinigten Staaten am 9. September zu Beratungen im Rahmen der zweiten Stufe der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
wieder zusammengetreten.

In Wien werden am 16. September die Verhandlungen zwischen den Delegierten des Warschauer Paktes und denen der NATO-Mitgliedsstaaten erneut beginnen - mit dem Ziel, eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der
Streitkräfte in Mitteleuropa zu erreichen.
Und

�Und auch die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) werden am 18. September in Genf fortgesetzt. Die Leitung der amerikanischen Verhandlungsdelegation hat Botschafter U. Alexis Johnson, dem unter anderem der frühere Luftwaffenminister und
jetzige Präsident des California Institute of Technology, Dr. Harold Brown,
zur Seite steht. Dr. Brown gehört seit Beginn der SALT-Gespräche der amerikanischen Delegation an.

Die erste Stufe der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa fand bekanntlich im Sommer 1973 in Helsinki statt. Als sich diese weitgehend mit Verfahrensfragen befaßte Konferenz vertagte, hatten die Außenminister'
der Teilnehmerstaaten sich de facto auf eine Tagesordnung für die zweite Phase
der Verhandlungen geeinigt und Arbeitsgruppen begannen in Genf mit der Ausarbeitung eines konkreten Abkommens. Falls der von diesen Gruppen ausgearbeitete
Entwurf allen Partnern akzeptabel erscheinen sollte, würde damit eine dritte
und abschließende Phase der Beratungen bevorstehen.

Die während der zweiten Phase geleistete Arbeit hat jedoch nicht bei allen Konferenzpartnern Beifall gefunden. Vor allem von Seiten des Westens zeigte man sich enttäuscht über den "ungleichmäßigen" Fortschritt.

Nach sowjetischer Ansicht sollte das abschließende Stadiun dieser Verhandlungen auf der Ebene der Staatsoberhäupter stattfinden. Der Westen steht dieser
Idee mit einer gewissen Skepsis gegenüber.
So

�So erklärte der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger kürzlich,
daß "von einer Reihe unserer Verbündeten und auch von uns selbst die Ansicht
vertreten wird, daß nur dann, wenn die Ergebnisse der Phase II dies rechtfertigten, ein Gipfeltreffen stattfinden würde. Meines Wissens hat aber bis jetzt
noch niemand klar dargelegt, wie ein nach seiner Meinung befriedigendes Ergebnis der Phase II im einzelnen aussehen müßte, um ein Gipfeltreffen zu
rechtfertigen."

Außenminister Kissinger hat den Verbündeten gegenüber vorgeschlagen, man
sollte sich hierüber zu einigen versuchen. "Dabei geht es weder darum, diesen
Gedanken zu befürworten noch sich ihm zu widersetzen", erklärte er, "sondern
einfach darum, unsere Ideen klar zu fassen und von einer allgemeinen Formulierung zu einer spezifischen zu gelangen."

Nach all dem läßt sich erkennen, daß die Verhandlungen der Phase II von
entscheidender Bedeutung sein werden.

Was die Verhandlungen über eine beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) angeht, so hält der Westen an seinen ursprünglich aufgestellten
Zielen fest: Die Verhandlungen müssen einen Beitrag zu einer Stabilisierung
der Beziehungen und der Stärkung des Friedens und der Sicherheit in Europa
leisten.

Wie läßt sich das erreichen? Der Westen sieht die Antwort darauf in einem
Abkommen zwischen den Konferenzteilnehmern über eine ungefähre Parität in der

-3-

�der Stärke ihrer Landstreitkräfte zwischen Ost und West in Mitteleuropa.

Dies ließe sich durch Beseitigung des derzeitigen Ungleichgewichts in
der Mannschaftsstärke der Landstreitkräfte - wo der Warschauer Pakt ein Übergewicht von 150 000 Mann hat - erreichen, wenn dabei auch das zur Zeit bestehende Übergewicht der Panzerwaffe des Warschauer Paktes - der über 9 500
Panzer mehr als der Westen verfügt - verschwindet.

Zu diesem Zweck haben die westlichen Verbündeten ein Abkommen über eine
gemeinsame Höchststärke der gesamten Landstreitkräfte vorgeschlagen, die in
zwei Phasen zu erreichen wäre: erstens, durch eine erhebliche Reduzierung
der amerikanischen und sowjetischen Bodentruppen und der sowjetischen Panzer
und zweitens, durch weitere Truppenreduzierungen bis auf eine gemeinsame
Höchstgrenze. An dieser zweiten Phase wären außer den Vereinigten Staaten
auch die verbündeten Westmächte beteiligt.

Der Osten vertritt dagegen ein ganz anderes Konzept. Die Staaten des
Ostens wollen, daß die derzeitige Truppenstärke bei den Landstreitkräften bestehen bleibt. Das wäre für sie sehr günstig. Nach ihrem Vorschlag sollten
alle direkten Beteiligten der Konferenz ihre Truppen von Anfang an um die
gleiche Zahl oder den gleichen Prozentsatz reduzieren. Dabei würde sich diese Reduzierung auf alle Arten der Streitkräfte - auch die Luftwaffe und die
NuklearStreitkräfte-beziehen.
Von

-4-

�Von maßgeblicher westlicher Seite wurde dazu erklärt, daß man damit den
Status quo bei einem verminderten Niveau der Gesamtstärke beizubehalten versuche und nichts geschähe, was Aussicht auf eine Stärkung von Stabilität und
Sicherheit in Europa böte.

Trotz dieser bestehenden Unterschiede in den jeweiligen Auffassungen sind
die Teilnehmer an der Konferenz über eine beiderseitige, ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte weiterhin bemüht, sich in einem "konstruktiven und sachlichen Geist" auf einen mittleren Kurs zu einigen.

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19/1974

ÖLP0L1TIK: GEMEINSAME ZIELE DER VERBRAUCHERLÄNDER
Von Thomas 0. Enders
Unterstaatssekretär für Wirtschafts-und Handelsfragen im US-Außenministerium
--(AD)-- Der Energie-Koordinierungsausschuß, der nach der Energiekonferenz
vom Februar 1974 in Washington aus Vertretern der Länder USA, Kanada, Großbritannien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Norwegen, Italien, Belgien, Holland, Irland, Japan und Luxemburg gebildet wurde, hat die erste
Phase seiner Arbeit nahezu abgeschlossen und wird im September oder Oktober einen Bericht veröffentlichen. Dieser behandelt u.a. den gegenwärtigen
Stand der Zusammenarbeit auf zehn Hauptgebieten: Kohletechnik, Sonnenenergie, Behandlung radioaktiver Abfälle,

gesteuerte Kernfusion, Wasserstoff-

gewinnung aus Wasser, Sicherheit in der Kerntechnik, Nutzbarmachung von
Abwärme, allgemeine Möglichkeiten zur Einsparung von Energie, Nutzbarmachung
von Abfällen zur Energiegewinnung und Systemanalysen für Energiesysteme.
Darüber hinaus existieren breit angelegte neue Programme der Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Anreicherung von Kernbrennstoff; sie konzentrieren sich
vor allem auf die Frage der Wirtschaftlichkeit, die Entwicklung von Angebot

�Angebot und Nachfrage bei den bestehenden Anlagen und den Standort der Werke.

Der zweite große Fragenkomplex betrifft die Handelsbilanzen. Hauptziele
der Gespräche auf diesen Gebieten, die außerhalb des Energie-Koordinierungsausschusses behandelt werden, wird es sein, den Verbraucherländern von Öl und
damit den Industrieländern als Gruppe zu helfen, für den Ausgleich des Defizits keine Wirtschaftseinschränkungen vornehmen zu müssen.

Kurzfristige internationale Finanzmaßnahmen sollten dazu beitragen, die
Dollar-Rückflüsse aus dem Ölgeschäft besser zu kanalisieren. Als drittes muß
sich die Gruppe darum bemühen, die Hilfe für jene Entwicklungsländer auszubauen, die von der Energiekrise besonders hart betroffen werden.

Inzwischen wurden beachtliche Fortschritte zur Vermeidung von Handelsrestriktionen erzielt. Die Verpflichtung der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom Mai 1974, mindestens ein Jahr
lang keine restriktiven Handelsmaßnahmen als Folge der Energiekrise zu ergreifen, wurde in einem vorgeschlagenen Zusatzartikel zu den Statuten des
Internationalen Währungsfonds(IWF) bekräftigt. Dieser liegt gegenwärtig den
Regierungen zur Begutachtung und Ratifizierung vor. Für kurzfristige Kredite
hat der IWF einen Umlauffonds geschaffen. Die Zentralbanken haben ein hohes
Maß an Zusammenarbeit entwickelt, um die europäischen Währungen zu stärken
und die Fonds für revolvierende Kredite, an denen die Industrieländer partizipieren, auszuweiten.

Die Vereinigten Staaten befassen sich gegenwärtig mit einem umfangreichen Wirtschaftshilfeprogramm - auch auf dem Gebiet der Landwirtschaft - für
Länder, deren Wirtschaftswachstum von der Energiekrise besonders stark be-

�betroffen ist. In diesem Zusammenhang schlagen die USA die Schaffung eines
sogenannten Entwicklungsrates vor - eine dem IWF-Direktorium ähnliche Institution,

die die Entwicklungsprobleme der armen Länder in

sehr breit ange-

legten Zusammenhängen zu prüfen und sich auf die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen für diese Gruppe zu konzentrieren hätte.

Die beschleunigte Durchführung nationaler Energieprogramme, die auf der
Konferenz von Washington gefordert wurden, ist in den USA im Rahmen des
"Projekts Independence" in vollem Gange. Inzwischen wurde auch die Grundlage
dafür geschaffen, daß alle Länder über die Wirtschafts-und Preispolitik sowie die Investitionen der internationalen Olgesellschaften schneller und besser informiert werden.

Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Zusammenarbeit in Krisenzeiten.
Sie wurden in letzter Zeit in einer Reihe von Gesprächen zwischen Vertretern
Japans, Europas und Kanadas besonders eingehend erörtert. Man einigte sich
auf wichtige Grundsätze: alle Vertragspartner kommen überein, im Falle einer
neuen Krise gemeinsam Maßnahmen für die Einschränkung des Ölverbrauchs zu
treffen. Das heißt, jedes Land wäre bereit, seinen Ölverbrauch um den gleichen Prozentsatz wie die anderen zu reduzieren. Der Weg dazu steht jedem frei
Dies kann z.B. über eine zusätzliche Besteuerung von Ölprodukten, durch die
Zuteilung von Öl oder selbst über eine Ölrationierung geschehen. Außerdem
müßte jedes Land bestimmte Vorräte an Öl und Ölprodukten halten, die in Krisenzeiten nur nach ganz bestimmten Plänen eingesetzt werden dürfen. Grundprinzip dafür wäre, daß das gesamte verfügbare Öl - importiertes Öl, Öl aus
Vorräten sowie aus einheimischer Produktion - unter alle Partner aufgeteilt
würde. Das vorliegende Schema sorgt sowohl für einen allgemeinen Notstand

�Notstand vor, von dem der Verbrauch der Gruppe als ganzes betroffen ist,
als auch für ein Ölembargo der Lieferländer, das nur ein Partnerland oder
einige Partnerländer träfe.Der Energie-Koordinierungsausschuß strebt einen
zuverlässigen Mechanismus an, der allen Gegebenheiten im Interesse jedes
Partnerlandes gerecht wird.

Mit allen diesen Maßnahmen soll keinerlei Konfrontation zu den Ölförderländer geschaffen werden. Sie verkörpern einen defensiven Mechanismus, der
dazu bestimmt ist, die wichtigsten Verbraucherländer in erster Linie vor den
außergewöhnlichen Preissteigerungen zu schützen, die in der letzten Krise
infolge des Wettlaufs nach dem Öl auftraten. Er soll außerdem politische Span
nungen vermindern helfen wie sie sich z.B. einstellten, als Länder, die politisch und wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, sich plötzlich in der
Rolle von Konkurrenten um Öl sahen. Und drittens müssen Vorkehrungen für den
Fall getroffen werden, daß z.B. Naturkatastrophen oder andere Ereignisse,
die die Ölversorgung unterbrechen, die Wirtschaft nicht schwerwiegend beeinträchtigen. In den Vereinigten Staaten wurde errechnet, daß das Ölembargo,das
im Verlauf der letzten Krise über die USA verhängt wurde, einen Verlust von
20 Milliarden Dollar für das Bruttosozialprodukt
beitsplätzen gebracht hat.

+++

-4-

und von etwa 500 000 Ar-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Fords zur Begnadigung Nixons &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut- &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Proklamation des Gnadenerlasses für Nixon &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut- &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Nixons zu dem Gnadenerlaß&lt;br /&gt; &lt;em&gt;-Wortlaut- &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gemainschaftsschau auf der Automechanika '74 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford eröffnet die Reihe der wirtschaftlichen Gipfelkonferenzen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der Präsident fordert Schlachtplan gegen die Inflation - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Patentrezepte gegen die Inflation &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Runde der Wirtschaftsgipfelkonferenz -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugen Brake &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Sherman Cooper &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Botschafter in der DDR &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Ostdeutsche Beziehungen berühren nicht den Status Berlins &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie König&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sommerpause ist vorbei - Verhandlungen zwischen Ost und West gehen weiter &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Peter Karegannes&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ölpolitik: Gemeinsames Ziel der Verbraucherländer &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Thomas O. Enders&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>W^H

nrormotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

INHALT

INFORMATION
Regan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress DOKUMENTATION
Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA

HINTERGRUND
Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten
- Bericht des US-Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraumplattform für Industrie und Forschung
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

* * * * *

Um Ubei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. September L985

36

REAGAN KÜNDIGT MASSNAHMEN GEGEN SÜDAFRIKA AN
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongreß -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. September Maßnahmen gegen die Regierung von Südafrika angekündigt, die gegen die
Apartheid abzielen. Reagan unterzeichnete einen Präsidialerlaß, durch den
unter anderem die Lieferung von Computern, Nuklearexporte und Kredite an
die südafrikanische Regierung eingeschränkt werden. Auch die Einfuhr der
südafrikanischen Goldmünze Krügerrand
möglicherweise

in die Vereinigten Staaten soll

unterbunden werden. In einem Schreiben an den Kongreß

unterrichtete der Präsident diesen von den getroffenen Maßnahmen. Die
Politik der südafrikanischen Regierung, so heißt es in dem Schreiben,
"stellt

eine

außergewöhnliche

und

außerordentliche

Bedrohung

der

Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten dar".

Der Präsident betonte anläßlich der Unterzeichnung seines Erlasses,
daß er gegen ein Gesetz des Kongresses über Wirtschaftssanktionen - in
der vorliegenden Form - sein Veto einlegen würde, weil es genau den
Bevölkerungsgruppen

in Südafrika schaden würde, denen die Vereinigten

Staaten helfen wollten. Die von ihm angeordneten Maßnahmen dienten am
besten dem Ziel der Vereinigten Staaten, dort die Apartheid abzuschaffen

und zur Förderung

Hosttacn 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und zur Förderung von Frieden und Gerechtigkeit im Lande beizutragen.
Die Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Präsidialerlasses hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute morgen über Südafrika sprechen - über das, was Amerika tun kann, um dazu beizutragen, Frieden und Gerechtigkeit in jenem so
von rassischen Konflikten geplagten und heimgesuchten Land zu fördern.

Das System der Apartheid bedeutet bewußte, systematische und institutionalisierte rassische Diskriminierung, die der schwarzen Mehrheit ihre
gottgegebenen Rechte verweigert. Die Einstellung Amerikas zur Apartheid
ist einfach und klar: Wir glauben, daß sie falsch ist. Wir verurteilen
sie. Wir sind vereint in der Hoffnung, daß der Tag kommen wird, an dem es
keine Apartheid mehr gibt.

Unser Einfluß auf die südafrikanische Gesellschaft ist begrenzt. Aber
wir haben einigen Einfluß, und die Frage ist, wie wir ihn nutzen. Viele
Mfinschen guten Willens in diesem Lande haben andere Ansichten. Nach meiner Auffassung müssen wir auf friedliche Entwicklung und Reform hinarbeiten. Unser Ziel kann nicht sein, Südafrika mit wirtschaftlichen Sanktionen zu strafen, die nur genau jene Menschen treffen würden, denen wir
helfen wollen.
Ich glaube, daß wir all jenen helfen müssen, die sich friedlich der
Apartheid widersetzen, und wir müssen uns darüber im klaren sein, daß
jene Gegner der Apartheid, die Terror und Gewalt anwenden, nicht Freiheit
und Rettung, sondern noch mehr Leiden und noch größere Chancen für einen
erweiterten sowjetischen Einfluß in Südafrika und in der ganzen Region
bringen werden.

Was wir in Südafrika erleben, ist der Anfang eines Wandlungsprozesses. Die bisherigen Änderungen in der Politk sind unzureichend - aber
ironischerweise genügten sie, um Erwartungen zu wecken und Forderungen
nach

weiterreichendem

sofortigen

Wandel

hervorzurufen.

Es

ist

die

�hervorzurufen. Es ist die wachsende wirtschaftliche Macht der schwarzen
Mehrheit, die sie in die Lage versetzt hat, auf politischem Wandel zu
bestehen.

Südafrika ist kein totalitärer Staat. Es gibt eine heftige Oppositionspresse. Jeden Tag erleben wir deutliche Proteste und Zugang zu den
internationalen Medien, der in vielen Teilen Afrikas - oder im übrigen
auch in der Sowjetunion - niemals möglich wäre. Aber es ist unser aktives
Engagement - unsere Bereitschaft, es zu versuchen -, die uns Einfluß verleiht.

Jawohl, wir in Amerika haben - aufgrund dessen, was wir sind und für
was wir einstehen - Einfluß, um Gutes J:U tun. Wir haben auch gewaltige
Möglichkeiten, die Dinge zu verschlechtern. Bevor wir schicksalsschwere
Schritte unternehmen, müssen wir gut über die entscheidende Frage nachdenken: Tragen wir zur Änderung des Systems bei? Oder strafen wir die
Schwarzen, denen wir helfen wollen?

Seit vielen Administrationen bestand die amerikanische Politik darin,
unseren Einfluß und Hebelkraft gegen die Apartheid und nicht gegen unschuldige Menschen zur Geltung zu bringen, die selbst Opfer der Apartheid
sind.

Wenn wir unserem Erbe treu bleiben wollen, dann dürfen wir nicht
aufgeben, sondern müssen zupacken; unsere Hilfe für das Bildungswesen der
Schwarzen und die Gemeinschaftsentwicklung, die den politischen Dialog
erfordert, ausweiten; die Südafrikaner aller Rassen aufrufen, die Chance
für eine friedliche Anpassung zu nutzen, ehe es zu spät ist.

Ich achte und teile die Ziele, die viele Mitglieder des Kongresses
bewogen
Apartheid

haben, eine Botschaft der
auszusenden. Aber

amerikanischen

wenn wir

das

Besorgnis über die

tun, dann dürfen

wir

das

wirtschaftliche Wohlergehen von Millionen von Menschen in Südafrika und
im südlichen Afrika nicht schädigen. Wenn wir wirklich - wie ich es tue eine

überparteiliche

Basis

des

Konsenses

in

der

Unterstützung

der

�Unterstützung der amerikanischen Politik schaffen wollen, dann ist dies
die Basis, auf der wir aufbauen können.

Deswegen unterzeichne ich heute einen Präsidialerlaß, der ein Paket
von Maßnahmen

aulösen wird, die gegen die Maschinerie der Apartheid

gerichtet sind und ein klares Ziel haben, ohne wahllos jene Menschen zu
bestrafen, die selbst Opfer dieses Systems sind - Maßnahmen, die die
Vereinigten Staaten von der Apartheid distanzieren und uns positiv mit
friedlichem Wandel verbinden werden.

Zu diesem Schreiben gehören:

- ein Verbot aller Computer-Exporte, die mit der Durchsetzung der
Apartheid zu tun haben und an die Sicherheitskräfte;

- ein Verbot des Exportes von nuklearen Gütern oder Nukleartechnologie an Südafrika, außer zur Gewährleistung der Durchführung von Sicherheitsbestimmungen

der

Internationalen

Weiterverbreitung

(von

Kernwaffen)

oder

Atomenergiebehörde
soweit

sie

gegen

die

aus: humanitären

Gründen notwendig sind, um Gesundheit und Sicherheit zu schützen;,

- ein Verbot von Anleihen an die südafrikanische Regierung, außer
bestimmten Krediten, die die wirtschaftlichen Chancen oder Bildungs-,
Wohnungs- und Gesundheitseinrichtungen betreffen, die Südafrikanern aller
Rassen zugänglich sind.

Ich werde ferner den Außenminister und den Vertreter der Vereinigten
Staaten für Handelsfragen anweisen, sich mit unseren wichtigen Handelspartnern bezüglich des Verbotes der Einfuhr von Krügerrands zu konsultieren. Ich werde auch den Finanzminister anweisen, mir innerhalb von 60
Tagen über die Durchführbarkeit der Prägung einer amerikanischen Goldmünze zu berichten, die

für unsere Münzsammler

eine Alternative zum

Krügerrand darstellen würden.

Ich

möchte

die

�Ich möchte die laufenden Tätigkeiten unserer Regierung und privater
amerikanischer Bürger ermutigen, den Lebensstandard der schwarzen Mehrheit in Südafrika zu heben. Der Sullivan-Kodex - von einem geachteten
schwarzen Geistlichen aus Philadelphia, Reverend Leon Sullivan, ausgearbeitet - hat die höchsten Normen für die Behandlung von Arbeitskräften
für fortschrittliche Arbeitgeber in ganz Südafrika aufgestellt. Ich rufe
alle amerikanischen Unternehmen auf, sich an diese Normen zu halten, und
ich habe den amerikanischen Botschafter in Südafrika angewiesen, alle nur
möglichen Anstrengungen zu unternehmen, die Unternehmen, die sie - die
Sullivan-Prinzipien - noch nicht eingeführt haben, dies zu tun.

Darüber

hinaus wird

mein

Präsidialerlaß jegliche Exporthilfe für

amerikanische Firmen in Südafrika verbieten, die mehr als 25 Personen
beschäftigen und sich nicht bis Ende dieses Jahres an die umfassenden
Prinzipien für die faire Behandlung von Arbeitskräften halten, die im
Erlaß dargelegt sind.
Ich habe weiter den Außenminister angewiesen, die Mittel wesentlich
zu erhöhen, die wir als Stipendien für Südafrikaner bereitstellen, die
durch die Apartheid benachteiligt sind, sowie der Mittel, die unsere
Botschaft einsetzt, um Menschenrechtsprogramme in Südafrika zu fördern.

Und schließlich habe ich Außenminister Shultz angewiesen, einen Beratungsausschuß prominenter

Amerikaner

einzusetzen, um Empfehlungen

für

Maßnahmen auszuarbeiten, um den friedlichen Wandel in Südafrika zu ermutigen. Der Beratungsausschuß soll seinen ersten Bericht innerhalb von
12 Monaten vorlegen.

Ich bin überzeugt, daß die heute von mir verkündeten Maßnahmen unsere
Ziele am besten fördern werden. Wenn der Kongreß mir die Gesetzesvorlage
in der vom Vermittlungsausschuß gebilligten Form zur Unterzeichnung vorlegen sollte, dann wäre ich gezwungen, mein Veto einzulegen. Das braucht
nicht zu geschehen, ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die
überparteiliche Unterstützung der amerikanischen Politik gegenüber

�Politik gegenüber Südafrika zu fördern. Aus diesem Grunde habe ich heute
diesen Präsidialerlaß unterzeichnet.

Vor

drei

Monaten

habe

ich

unseren

Botschafter

in

Südafrika

zu

Konsultationen zurückberufen, damit er an der intensiven Überprüfung der
Lage im südlichen Afrika teilnehmen konnte, die wir durchgeführt haben.
Ich sende ihn jetzt wieder zurück mit einer Botschaft an Staatspräsident
Botha, in der unsere schweren Bedenken hinsichtlich der gegenwärtigen
Krise unterstrichen werden und die das enthält, was nach unserer Beurteilung notwendig ist, um das Vertrauen nach außen wiederherzustellen und im
eigenen Land von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Diese
Probleme Südafrikas sind nicht über Nacht entstanden, und sie werden
nicht über Nacht gelöst werden können, aber es ist keine Zeit zu verlieren. Sich aus diesem Drama zurückzuziehen - oder gar die Flammen zu
schüren -, wird weder unseren Interessen noch den Interessen des südafrikanischen Volkes dienen.

Wenn sich alle Amerikaner hinter ein gemeinsames Programm stellen,
dann können wir umso mehr Einfluß zum Guten iiusüben. Wollen wir also mit
klarer Sicht und offenem Herzen voranschreiten und für Gerechtigkeit und
Brüderlichkeit und Frieden arbeiten.

Das Schreiben des Präsidenten an den Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Artikel 204 (b) des Gesetzes über Vollmachten bei einem internationalen Wirtschaftsnotstand, 50 U.S.C. 1703 (b) informiere ich hiermit
den Kongreß darüber, daß ich meine gesetzliche Vollmacht zu der Erklärung
genützt habe, daß die Politik und die Handlungen der Regierung von Südafrika eine außergewöhnliche und außerordentliche Bedrohung der Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten darstellen sowie zu der
Ausrufung eines nationalen Notstandes, um dieser Bedrohung zu begegnen.

Gemäß dieser und anderer gesetzlicher Vollmachten habe ich bestimmte

�habe

ich

bestimmte

Transaktionen

-

einschließlich

der

folgenden

verboten:

(1) Gewährung

oder

Genehmigung

von Bankkrediten

an die

südafrika-

nische Regierung - mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(2) den Export von Computern und verwandten Gütern bzw. Technologien
an bestimmte Regierungsstellen und alle mit der Durchsetzung der Apartheid befaßten Dienststellen der südafrikanischen Regierung;

(3) alle Nuklearexporte sowie verwandte Transaktionen nach Südafrika
- mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(4) die Einfuhr von in Südafrika hergestellten Waffen, Munition oder
Militärfahrzeugen in die Vereinigten Staaten; und

(5) Verlängerung der Absatzhilfen an US-Unternehmen in Südafrika, die
mehr als 25 Beschäftigte haben und sich nicht an bestimmte faire Gewerkschaftsmaßstäbe halten.

Außerdem habe ich

(6)

den

Handelsfragen

Außenminister
angewiesen,

und
die

den

amerikanischen

Repräsentanten

anderen Vertragsparteien

des

für

Allgemeinen

Zoll- und Handelsabkommens in der Absicht zu konsultieren, den Import des
Krügerrand zu verbieten;

(7) den Finanzminister angewiesen, innerhalb von 60 Tagen eine Studie
hinsichtlich der Möglichkeit fertigzustellen, amerikanische Goldmünzen zu
prägen;

(8) den Außenminister angewiesen, die notwendigen Schritte zur Erhöhung der Mittel zu unternehmen, die als Stipendien für diejenigen in Südafrika zur Verfügung stehen, die durch das System der Apartheid benachteiligt sind und die Mittel zu erhöhen, die dem Menschenrechtsfonds für
Südafrika zugeteilt sind;

(9)

den

Außenmnister

�(9) den Außenmnister angewiesen, einen Beratungsausschuß ins Leben zu
rufen, der Empfehlungen hinsichtlich von Maßnahmen aussprechen soll, die
zu einem friedlichen Wandel in Südafrika ermutigen.

Schließlich belohnt dieser Erlass

(9) die Bemühungen jener amerikanischen Unternehmen in Südafrika, die
sich freiwillig an die Prinzipien gerechter Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der Nichtdiskriminierung halten und fordert
alle amerikanischen Unternehmen auf, ein Gleiches zu tun.

Ich füge eine Kopie des Präsidialerlasses bei, den ich mit Abgabe
dieser Erklärung und Ausübung meiner Amtsgewalt verkündet habe.

1. Ich habe diese Schritte in Reaktion auf die derzeitige Lage in
Südafrika verfügt. Es gehört zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten,
friedlichen Wandel in Südafrika anzustreben und hierbei insbesondere ein
Ende der widerlichen Praxis und Politik der Apartheid sowie die Bildung
einer

Regierung, die sich auf Zustimmung der Regierten gründet. Die

jüngsten Entwicklungen in Südafrika haben schwerwiegende Auswirkungen auf
die Aussicht auf friedlichen Wandel und auf Stabilität in der Region als
Ganzes - einer Region von strategischer Bedeutung für die Vereinigten
Staaten. Die vor kurzem erfolgte Ausrufung des Notstandes in 36 Verwaltungsbezirken durch die Regierung von Südafrika, die Massenfestnahmen und
-Verhaftungen sowie die darauffolgende Finanzkrise sind für die Außenpolitik

und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von unmittelbarer

Besorgnis. Das Tempo der Reform in Südafrika hat weder die Erwartungen
der

Staatengemeinschaft

noch

der Menschen

in Südafrika erfüllt. Die

jüngsten Maßnahmen der Regierung hinsichtlich von Verhandlungen über die
Beteiligung aller Südafrikaner an der Regierung dieses Landes haben nicht
in ausreichendem Maß die Spannungen abgebaut und dürften sogar die Lage
noch verschärft haben.

Es ist meiner Meinung nach unter derlei Umständen für dieses Land

�für dieses Land notwendig, zu der Einsicht zu gelangen, daß unsere Außenpolitik, die einen Wandel durch friedliche Mittel anstrebt, ernsthaft
gefährdet ist. Damit dieses Land erfolgreich die Ereignisse in jenem Land
beeinflussen kann, ist es für die Vereinigten Staaten notwendig, mit
einer Stimme zu sprechen und dadurch unsere Opposition zur Apartheid zu
demonstrieren, daß wir bestimmte Maßnahmen ergreifen, die speziell auf
die wichtigsten Aspekte der Politik der Apartheit und der mit ihrer
Durchführung befaßten Regierungsstellen abzielen.

2. Die oben dargelegten Maßnahmen, von denen viele auch die Überlegungen des Kongresses widerspiegeln, werden der südafrikanischen Regierung rasch den Ernst unserer Besorgnisse hinsichtlich der Lage in diesem
Land klarmachen. Zudem mobilisiert diese Erklärung den Einfluß des Privatsektors

zur

Schaffung

von mehr wirtschaftlichem Wohlergehen, mehr

Freiheit und mehr politischem Einfluß der Schwarzen und der anderen
Nichtweißen in Südafrika.

1985(Gezeichnet) RONALD REAGAN

* * * * *

- 9-

�11. September 1985

36

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUR SUDAFRIKAPOLITIK DER USA

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Dokumentation, am 9. September 1985
vom Weißen Haus herausgegeben, beschreibt die von Präsident Reagan in
einem Präsidialerlaß angekündigten Maßnahmen gegen die Apartheid in Südafrika:

—

Der Präsident sendet der südafrikanischen Regierung ein deutliches

Signal: Die Apartheid muß verschwinden; jetzt ist die Zeit für mutige
Schritte gekommen; diese Schritte unterstreichen seine starke Führung in
dieser Frage.

—

Die amerikanische Politik umfaßt schon seit langem Maßnahmen, die

uns von der Apartheid distanzieren.
—

Die Aktionen stehen in Einklang mit der Absicht des Präsidenten,

beim Drängen auf Wandel in Südafrika aktiv Präsenz und Einfluß auf amerikanische Unternehmen, Kirchen, Lehrer und Diplomaten aufrechtzuerhalten.

—

Der

Präsident

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�—

Der Präsident teilt die Sorge des amerikanischen Volkes über den

Rassismus; seine Maßnahmen haben den Zweck, für die ganze Nation zu sprechen und das amerikanische Volk bei dieser wichtigen Frage einig zu
wissen.

—

Die Maßnahmen des Präsidenten wurden nicht in der Absicht ge-

troffen, der südafrikanische Wirtschaft zu schaden und damit jenen, denen
wir

zu

helfen

suchen; sie

zielen

auf

ganz

bestimmte

Elemente

des

Regierungsapparates.

—

Der Präsident will mit dem Kongreß auf überparteilicher Basis zu-

sammenarbeiten, um positive und produktive Änderungen in der Politik der
südafrikanischen Regierung zu bewirken.

—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Vereinigten Staaten dazu, eine

starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten, unterstützt faire Beschäftigungspraktiken amerikanischer Unternehmen, erhöht die Mittel der
amerikanischen Regierung für Stipendien und Aktivitäten im Bereich der
Menschenrechte.
—

Der Präsidialerlaß verbietet es

amerikanischen Banken, der süd-

afrikanischen Regierung Darlehen zu gewähren - mit der Ausnahme von Darlehen, die das Wohlergehen aller Südafrikaner fördern würden.

—

Der Präsidialerlaß verbietet alle Exporte von Computern an mili-

tärische, polizeiliche und andere, die Apartheid durchsetzende, behördliche Stellen.
—

Der

Präsidialerlaß verbietet amerikanische Nuklearexporte nach

Südafrika, mit der Ausnahme von Produkten, die für Gesundheit und Sicherheit sowie für Sicherheitsprogramme der Internationalen Atomenergiebehörde benötigt werden.

Der

Präsidialerlaß

�—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Unternehmen, sich an Prin-

zipien zu halten, die jenen des freiwilligen Sullivan-Programms ähnlich
sind; Ziel ist es, Freiwilligkeit zu ermöglichen, doch denen Handelshilfen der amerikanischen Regierung zu verweigern, die sich nicht hieran
halten.

—

Der Präsidialerlaß fordert von der amerikanischen Regierung Kon-

sultierung ihrer GMT-Partner bezüglich eines Verbotes des Krügerrand.

—

Der Präsidialerlaß fordert den Finanzminister auf, die Möglichkeit

der Prägung und Ausgabe von eigenen Goldmünzen zu untersuchen.

—

Der Präsidialerlaß weist den Außenminister an, einen Beratungsaus-

schuß prominenter amerikanischer Bürger ins Leben zu rufen, der Empfehlungen hinsichtlich Maßnahmen geben kann, durch die friedlicher Wandel in
Südafrika ermutigt wird.

—

Der Präsidialerlaß wird die von den Vereinigten Staaten unter-

stützte Resolution der Vereinten Nationen
südafrikanischer Waffen ausführen.

- 3 -

über ein Verbot von Importen

�11. September 1985

36

DIE SANDINISTEN UND DIE RADIKALEN IM NAHEN OSTEN
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -(AD) - Die Untergrundverbindungen der Sandinisten in Nicaragua zu der Palästinensischen Befreiungsorganisaton PLO gehen bis auf
das Jahr 1969 - also zehn Jahre vor die Machtergreifung der Sandinisten
in Managua - zurück. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Aussenministeriums hervor, der am 3. September 1985 veröffentlicht wurde.
Der Bericht stützt sich auf Presseveröffentlichungen von Experten sowie
auf Studien unabhängiger amerikanischer Stiftungen, die sich mit nahöstlichen und lateinamerikanischen Angelegenheiten befassen. Danach wurden
Mitglieder der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) bereits
1969 in Ausbildungslagern der PLO und Kubas im Libanon und in Libyen als
Terroristen geschult. V7eiter werden Verbindungen zu der baskischen Terrororganisation ETA, der Roten Armeefraktion und den italienischen Roten
Brigaden nachgewiesen. Nachdem sie in Nicaragua an die Macht gekommen waren, versorgten die Sandinisten Radikale und Terroristen aus dem Nahen
Osten, Lateinamerika und Europa mit falschen Pässen, um ihre Untergrund-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihre Untergrundtätikgeit zu erleichtern.

Der Bericht des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut: (Fußnoten am Ende)

EINLEITUNG

Analytiker der Außenpolitik und der Medien haben Beziehungen der Sandinisten zu den Kubanern und den Sowjets sowie eine Abhängigkeit der Sandinisten von Unterstützung, Waffen und Beratern aus dem Ostblock festgestellt. Dieses Beziehungen sind unbestreitbar den Interessen der Vereinigten Staaten und der westlichen Hemispäre abträglich. Dieser Bericht
geht jedoch auf einen anderen, allerdings damit in einem Zusammenhang
stehenden Aspekt der Politik der Sandinisten ein:

die Beziehungen zwischen den Sandinisten und radikalen Gruppen und
Staaten im Nahen Osten, einschließlich terroristischer Elemente, die von
diesen Gruppen und Staaten unterstützt werden. Ihre Verbindungen zur PLO
bestanden bereits über zehn Jahre vor der Revolution in Nicaragua. Libyen
hat den Sandinisten vor und nach der Revolution Unterstützung zukommen
lassen - zunächst mit der oder durch die PLO und später durch eigene Vereinbarungen mit der sandinistischen Regierung. In jüngerer Zeit haben die
Sandinisten engere Beziehungen zum Iran hergestellt.

Die Beziehungen zwischen den Sandinisten und Radikalen im Nahen Osten
sind das Ergebnis jahrelanger, sorgfältig ausgebauter Kontakte zwischen
radikalen Kräften in Mittelamerika und im Nahen Osten. Der Bericht beschreibt, wie die Verbindungen zustande kamen, die gegenseitige Unterstützung, die sich die PLO und die FSLN geleistet haben und die Beziehungen der Sandinisten zu Libyen und dem Iran.

ERSTE KONTAKTE:

�ERSTE KONTAKE: AUSBILDUNG UND WAFFEN

Das internationale Debüt der PLO fand 1966 in Havanna auf der Ersten
Konferenz der Organisation der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas

statt

(auch

bekannt

als Drei-Kontinente-Konferenz).

Auf dieser Konferenz brachte Fidel Castro 500 Delegierte radikaler linker
Grupen aus der ganzen Welt zusammen, um eine Strategie für die sogenannte
(2)
globale revolutionäre Bewegung
zu entwickeln.

Die Ergebnisse dieser Konferenz begannen sich bald abzuzeichnen. In
den Monaten nach der Konferenz entstanden in verschiedenen Ländern Guerilla-Ausbildungslager, vor allem in Kuba, in der Sowjetunion, im Libanon
(3)
und in Libyen.
Zu den ersten, die in den kubanischen und sowjetischen Lagern ausgebildet wurden, gehörten dank der auf der Drei-Kontinen(4)
te-Konferenz entwicklten
engen Beziehungen auch Mitglieder der PLO.

Die Ausbildungskurse
Monate

und

schlössen

Sprengkörpern auch

in diesen Lagern dauerten

neben der

im allgemeinen sechs

praktischen Ausbildung mit Waffen und

ideologische Indoktrination ein. Diese Indoktrination

war nach den Theorien von Marx, Lenin und Stalin ausgerichtet. Zu den
vermittelten Themen gehörten "Die Beziehungen Rußlands zur Dritten Welt",
"Der Kampf gegen den Imperialismus", "Der Sowjetische Beitrag zur Befreiung der Palästinenser", "Die Verbindung des Zionismus zum Imperialismus"
und

"Die reaktionäre Natur Nordjemens und Saudi-Arabiens". Zur prakti-

schen Ausbildung gehörte unter anderem die Sprengung von Munitionslagern,
Brücken

und Fahrzeugen, das Verlegen von Landminen, Grundausbildung

biologischer

und

chemischer

Kriegsführung,

Scharfschießen

und

in

Tarnung,

taktischer Einsatz im Gelände sowie der Einsatz und die Wartung sowjeti(5)
sehen Geräts, wie Raketen und tragbare Raketenwerfer.

Nach bestandenen Lehrgängen gründeten die PLO-Terroristen eigene Ausbildungslager für Terroristen - zunächst im Libanon und später in Libyen.
Zu den

im Libanon ausgebildeten Nicaraguanern soll nach Berichten auch

Tomas Borge, der Innenminister und einer der neun Kommandanten des FSLN-Direktorats gehören.
Der Vertreter der

�Der Vertreter der Sandinisten, Benito Escobar, vereinbarte mit drei
Vertretern der PLO - auch schon 1969 - in Mexiko-Stadt eine gemeinsam von
der PLO und Kubanern durchgeführte Ausbildung im Libanon für ein Kontin(7)
gent von 50 bis 70 Sandinisten.
Später wurden weitere Grupen von
(8)
Sandinisten in PLO-Lager in Libyen geschickt.

Der derzeitige Stellvertretende Innenminister Rene Vivas, der verstorbene Minister

für das Fernmeldewesen, Enrique Schmidt, und Henry

Ruiz, Minister für Zusammenarbeit mit dem Ausland, wurden gleichfalls in
den Jahren 1969-70 von der PLO ausgebildet.

BETEILIGUNG DER SANDINISTEN AM TERRORISMUS DER SIEBZIGER JAHRE IM NAHEN
OSTEN
Die Investitionen in die Ausbildung von Nicaraguanern trugen für die
PLO unmittelbare Früchte. Als die PLO und ihre radikalen Gruppen, wie die
Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) im Jahre 1970 versuchten,
König

Hussein

von

Jordanien

zu

stürzen,

nahmen

auch

von

der

PLO

ausgebildete Sandinisten an dem Umsturzversuch teil.

Eine gemeinsame Operation der PLO und der Sandinisten wurde in einem
Interview des Sprechers der Sandinisten, Jorge Mandi, mit einer kuwaitischen Zeitung angesprochen: "Eine Gruppe von Sandinisten nahm an der Operation teil, um vier Flugzeuge zu entführen, die die PFLP erobert hatte
und auf einem WUstenflugplatz in Joradanien bereithielt. Einer unserer
Kameraden wurde bei einer weiteren EntfUhrungsaktion verwundet, an der
Leila Khaled teilnahm. Sie befehligte die Operation und unsere Kameraden
halfen ihr bei der Durchführung. Viele der Einheiten der Sandinistischen
Bewegung befanden sich auf Revolutionsstützpunkten der Palästinenser in
Jordanien.... Nicaraguanisches und palästinensisches Blut wurden bei den
Kämpfen des 'Schwarzen September' in Amman und anderswo gemeinsam vergossen"

. Bei der von Mandi angesprochenen "Entführungsoperation" han-

delte es sich um die Entführung eines Flugzeuges der Fluggesellschaft El

�Fluggesellschaft El AI auf dem Weg von Tel Aviv nach London am 6. September 1970.

Bei diesem Entführungsversuch wurde der Sandinist Patrick
(12)
Arguello getötet. Er war in einem PLO-Lager ausgebildet worden.
Arguello wird heute von den Sandinisten als Held verehrt und ein großer, im
Bau befindlicher Damm wird nach ihm benannt.

In diesem Zeitraum war nach Berichten Tomas Borge, einer der Gründer
der FSLN, der Hauptkontaktmann zwischen den Sandinisten und der PLO. Borge wurde in Damaskus und Beirut zu einer bekannten Figur, nicht nur, weil
er im Auftrag der Sandinisten reiste, sondern auch im Auftrag von Fidel
Castro. Borge war offensichtlich Anfang der siebziger Jahre so etwas wie
der Gesandte im Nahen Osten, weil er gute Beziehungen zur PLO hatte und
(13)
in diesem Gebiet ausgebildet worden war.

So begann die Symbiose zwischen den Sandinisten und der PLO. Von der
PLO erhielten die Sandinisten Ausbildung im Guerillakrieg sowie die Chance, ihre Fähigkeiten bei terroristischen Akten der PLO, wie etwa Flugzeugentführungen und im Kampf gegen König Hussein in Jordanien praktisch
zu erproben. Die PLO wurde von den Sandinisten bei Operationen unterstützt, die weltweit Schlagzeilen machten und zahllosen anderen Terroristen als Beispiel dienten.

DIE SANDINISTISCHE REVOLUTION UND DIE PLO-BETEILIGUNG IN DEN SIEBZIGER
JAHREN
Die in den PLO-Lagern im Nahen Osten ausgebildeten Sandinisten gewannen einen weiteren Vorteil, der genauso wertvoll war wie ihre Guerilla(14)
ausbildung: Kontakte zu Quellen an Hilfe und Waffen.
Auch hier war
Tomas Borge einer der Hauptvermittler, wenn es galt, Hilfe und Waffen zu
organisieren. In seiner doppelten Tätigkeit als Verbindungsmann zur PLO
und als Gesandter Castros konnte er eine Vielzahl von Kontakten im radikalen Nahen Osten herstellen, die ihm bei der Vorbereitung der sandinist ischen Revolution gute Dienste leisteten.

Borge

benutzte

�Borge benutzte die Hilfe der PLO, um Waffen aus Nordkorea und Vietnam
für die Sandinisten zu erlangen. Ein Teil dieser Waffen wurde mit liby(15)
schem Geld bezahlt.
. Nach Berichten kamen auch Nachschub- und Waffenlieferungen von der PLO selbst.
Im Juli 1979 wurde eine Flugzeugladung bei einer Zwischenlandung in Tunis abgefangen. Das von der PLO
gecharterte Flugzeug, das angeblich Medikamente aus Beirut für nicaraguanische Flüchtlinge transportierte, hatte in Wirklichkeit 50 Tonnen Waffen, darunter eine Flugabwehrkanone an Bord. Die tunesische Regierung
(17)
verweigerte den Weitertransport.

Gleichzeitig erhielten die Beziehungen der Sandinisten zu den radikalen Elementen der PLO formellere Gestalt. Benito Escobar, der früher Vereinbarungen mit der PLO für die Ausbildung von Sandinisten in PLO-Lagern
getroffen hatte, traf im Februar 1978 in Mexiko-Stadt mit Issam Ali, dem
Verbindungsmann der PLO in Lateinamerika und Mitglied der Demokratischen
Front für die Befreiung Palästinas (DFLP), zusammen. Die PLO und die Sandinisten veröffentlichten am 5. Februar 1978 ein gemeinsames Kommunique,
in dem sie "die Bande der Solidarität" bekräftigten, "die zwischen den
(18)
beiden revolutionären Organisationen bestehen".
Auf dieses Kommunique folgte am 6. März 1978 eine gemeinsame DFLP-FSLN-Erklärung, die eine
gemeinsame Kriegserklärung an "den Yankee-Imperialismus, das rassistische
(19)
Regime in Israel" und an die Regierung von Nicaragua enthielt.
Die Beziehungen zwischen der PLO und den Sandinsiten wurden im Jahre
1978 und Anfang 1979 immer enger, wobei eine wesentliche Unterstützung
von Libyen kam.

Im Jahre 1979 lud Ghaddafi die Führer der mittel-

amerikanischen Guerilla-Gruppen, einschließlich der Sandinisten, zu einem
Treffen in Bengasi ein, auf dem er ihnen finanzielle und politische Un(21)
terStützung zusicherte.

REVOLUTIONARE SOLIDARITÄT: MILITÄRISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE BINDUNGEN
Kurz nach ihrer Machtübernahme belohnten die Sandinisten die PLO für
deren Hilfe bei ihrer Revolution durch Gewährung einer Beziehung "von Re-

�"von Regierung zu Regierung", wie es eine solche bis dahin noch nicht gegeben hatte. (22) In den meisten Ländern war der PLO bestenfalls die Eröffnung eines "Büros" gestattet worden; in Managua durfte sie eine "Botschaft" einrichten, deren oberster Repräsentant den Titel

"Botschafter"

trägt. Dem PLO-Botschafter

und seinem Mitarbeiterstab wurden die vollen
(23)
diplomatischen Privilegien zuerkannt.

Im Juli

1980 kam Jassir Arafat zu einem viertägigen

"Staatsbesuch"

nach Nicaragua, um die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen der nicaraguanischen Regierung und der PLO auch formell zu bekräftigen. Am 22.
Juli pries Arafat auf einem Empfang, der ihm zu Ehren gegeben wurde, "die
strategischen

und militärischen

der palästinensischen

Bindungen

zwischen

den Sandinisten

Revolution." Innenminister Borge antwortete:

und
"Die

Bindungen zwischen uns sind nicht neu. Deine Genossen kamen nicht nur zur
Ausbildung in unser Land, sondern auch zum Kampf. Eure Feinde sind unsere
(24)
Feinde."
Arafat ging am gleichen Tag im Verlauf eines Interviews
mit Radio Sandino auf dieses Thema ein: "Der Sieg des nicaraguanischen
Volkes ist der Sieg der Palästinenser... Die Freiheit

in Nicaragua ist

die gleiche wie in Palästina... Deshalb ist der einzige Weg verstärkter
Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus und Zionismus." Er beschloß das
Interview mit der Wiederholung: "Gemeinsam gegen Imperialismus, Koloni(25)
alismus und Zionismus."
In einer Rede in der Cesar-Augusto-Silva-Halle

(gleichfalls am 22. Juli) erklärte Arafat, umgeben von Borge und

einigen der neun Komandanten: "Jeder, der Nicaragua bedroht, wird die palästinensischen Kämpfer gegen sich haben."v

Arafats

Hinweis

auf

"strategische

und

'

militärische

Bindungen"

war

nicht nur diplomatische Höflichkeit. Kurz nach seinem Besuch in Nicaragua
schickte er Hauptmann Mutglag Hamadan von der PLO als Chef eines Kontingents von 25 Militärtechnikern
brauch

von Waffen

zur Einweisung der Sandinisten beim Ge(27)
aus dem Ostblock.
im November 1980 stellte die

PLO den Sandinisten ein Darlehen von 12 Millionen Dollar zur VerfU(28)
gung.
Im Januar 1981 wurde eine Gruppe von PLO-Piloten nach Nicaragua geschickt, um den Sandinisten beim Einsatz von Hubschraubern und
(29)
Transportflugzeugen zu helfen.
Seit Mai 1981 war die PLO tief in
- 7 -

�PLO tief in Aktivitäten der Militär- und Guerillaausbildung in Nicaragua
verwickelt.

Berichte Mitte des Jahres 1982 signalisierten, daß PIX&gt;

-Offiziere an spezieller Guerillaausbildung in Nicaragua beteiligt wa-»
(31)
ren.v ' Obgleich der Zusammenbruch der Machtbasis der PLO im Libanon
im Jahr 1982 die Möglichkeiten der PLO verringerte, selbst aggressiv tätig zu sein und radikale Regime und Bewegungen in der ganzen Welt zu finanzieren, dauerten Präsenz, Ausbildung und andere Aktivitäten der PLO in
Nicaragua an.

Die antizionistische Rhetorik der Sandinisten, ihre engen Beziehungen
zu radikalen arabischen Gruppen sowie ihre Anstrengungen, Gesellschaft
und Wirtschaft Nicaraguas nach dem Muster marxistisch-leninistischer Rezepte zu organisieren, trugen dazu bei, daß fast die gesamte jüdische Gemeinschaft Nicaraguas bis 1981 das Land verlassen hatte.

DIE SANDINISTEN UND LIBYEN

Zwar hatte die PLO als Vermittler dabei geholfen, die ersten Beziehungen zwischen den Sandinisten und der libyschen Regierung zu entwikkeln, doch hatten diese zum Zeitpunkt ihrer Machtergreifung im Jahr 1979
schon enge direkte Beziehungen zu dem Regime Ghaddafis hergestellt. (33)
Bei der Zusammenarbeit mit Libyen waren Tomas Borge und Bauminister Moises Hassan die herausragenden Gestalten. Beide spielten eine entscheidende Rolle, als es darum ging, 1981 ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen
Dollar zu erhalten. Borge unternahm Ende 1980 eine Reise nach Libyen, die
in der Öffentlichkeit nicht bekannt wurde, um die Vereinbarungen für ein
Darlehen abzuschließen und über das libysche Angebot zu sprechen, in Nicaragua gemeinsam in der Landwirtschaft tätig zu werden.

Am 20. Juni 1981 begingen die Sandinisten in Managua glanzvoll den
11. Jahrestag jenes Momentes, da Ghaddafi die Luftwaffenstützpunkte der
Vereinigten Staaten auf libyschem Territorium geschlossen hatte. Das JunT
tamitglied Sergio Ramirez erklärte während der öffentlichen Feier in seiner Rede: "Die Bindungen zwischen dem libyschen und dem nicaraguanischen

�dem nicaraguanischen Volk sind nicht neu, sondern wurden nur noch verstärkt, als die Sandinistische Front auf dem Schlachtfeld kämpfte, um die
Freiheit für unsere Heimat zu erringen. Die Solidarität mit dem libyschen
Volk, der libyschen Regierung und mit Genosse Muammar Ghaddafi zeigte
sich immer wieder auf das Deutlichste. Diese Solidarität wurde seit dem
Triumph unserer Revolution nur noch realer, noch wirksamer und noch brü(35)
derlicher."
Der Repräsentant des libyschen "Volksbüros" (wie ihre
Botschaften genannt werden), Ibrahim Mohammed Frahat, gab diese Komplimente bei seiner Antwort an Borge in Anspielung auf Libyens "besondere
Freundschaft" zurück.
Wie bei der PLO war auch Libyens Unterstützung der Sandinisten nicht
rein wirtschaftlich. Die Libyer haben auch Waffen an die Sandinisten geliefert. Eine große Waffenlieferung wurde im April 1983 in Brasilien aufgedeckt. Vier libysche Flugzeuge waren aus technischen Gründen in Brasilien zwischengelandet. Die Besatzung behauptete, die Flugzeuge transportierten medizinische Güter nach Kolumbien. Die Brasilianer wurden mißtrauisch, als die Piloten keine Ladepapiere vorweisen konnten. Die Flugzeuge wurden von mißtrauischen brasilianischen Behördenvertretern durchsucht; sie fanden rund 84 Tonnen Waffen, Munition und andere militärische
Ausrüstung. Berichten zufolge enthielten die Flugzeuge - drei davon sowjetischer Bauart -: zwei zerlegte Kampfflugzeuge, ferngesteuerte Raketen,
Gewehre, Maschinengewehre, Mörser, Panzerfäuste, 90 mm-Geschütze, acht
Raketenstartgeräte zum Mehrfacheinsatz, fünf Tonnen Bomben, acht Flugabwehrkanonen, 600 leichte Artillerieraketen sowie weitere Kisten mit nicht
(37)
spezifiziertem militärischem Gerät.
Dabei war dies nur eine aus
einer ganzen Reihe von Lieferungen militärischesr Güter an die Sandini(38)
sten.v
Die erste Reaktion der Sandinisten auf die Aufdeckung dieser Waffenlieferung war fast genauso erwähnenswert wie die Lieferung selbst. Der
nicaraguanische Botschafter

in Brasilien, Ernesto Gutierrez, erklärte:

"Es war ein Geschenk unserer libyschen Genossen, aber ich weiß nicht, was
„(39)
es war."

Später
- 9 -

gestand

�Später

gestand

Nationalrates und

Rafael

Solis, damals

Sekretär

des

Nicaraguanischen

inzwischen Abgeordneter der FSLN bei der Nationalver-

sammlung, daß die Waffen für die sandinistische Armee bestimmt waren. Er
fügte hinzu, man solle nicht überrascht darüber sein, daß die sandinistische Regierung Waffen aus Libyen und den Staaten des Sowjetblocks erhielt; außerdem betonte er, solche Beziehungen zum Zweck der Waffenversorgung würden in Managua offen diskutiert. Auf die Frage, warum die Lieferung unter dem Etikett "Medizinische Güter" lief, erklärte Solis, hierauf müßten die Libyer eine Antwort geben.

'Ghaddafis Antwort war, daß

die Flugzeuge tatsächlich Waffen nach Nicaragua transportiert hätten und
er sich für alle Probleme entschuldige, die dieser Vorfall den brasilianischen Behörden verursacht habe.

Berichten zufolge hatten libysche Piloten und Mechaniker auch mit der
(42)
Ausbildung von Sandinisten zu tun.

DIE ACHSE SANDINISTEN-IRAN-LIBYEN

In der letzten Zeit hat sich das Verhältnis zwischen Libyen und Nica(43)
ragua sowohl in Worten als auch in Taten verdichtet.
So vertrat zum
Beispiel Tomas Borge am 1. September 1984 die sandinistische Regierung
zum 15. Jahrestag des Sturzes des libyschen Königs Idris durch Ghaddafi
(ein Ereignis, das von prominenten gemäßigten arabischen Führern

igno-

riert wurde). Ghaddafi erklärte unter Hinweis auf die Anwesenheit Borges:

"Die Kämpfer, die Waffen und die Unterstützung Libyens für das nicaraguanische Volk kamen dorthin, weil man dort mit uns kämpft. Sie bekämpfen
(44)
Amerika auf eigenem Boden."'
Ghaddafis Anspielung auf die "Kämpfer"
kann wörtlich genommen werden, da es Berichte gibt, denen zufolge Libyer
die Sandinisten im Kampf gegen den bewaffneten demokratischen Widerstand
unterstützen und auch als Berater und Ausbilder von Piloten dienen.

Auch die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Libyen und der sandinisti-

schen Regierung bestehen fort. Am 16. Januar 1985 kündigten die Sandinisten ein Handelsabkommen über libysches Erdöl an. Dieses Abkommen beläuft
- 10 -

�Abkommen beläuft sich auf 15 Millionen Dollar.

Die Beziehungen Nicaraguas zum Iran bestehen schon seit Jahren, wie
etwa der Besuch Ernesto Cardenals im Iran im Mai 1983 zeigt. Cardenal,
Kultusminister der Sandinisten, wurde von Ayatollah Khomeini in Privataudienz empfangen - etwas, das Besuchern aus dem Westen nur selten gelingt.
Im März 1984 kam das Juntamitglied Sergio Ramirez in den Iran, um Han(47)
delsfragen und andere Themen zu besprechen.
Ergebnis dieses Besuchs
war ein Handelsabkommen zwischen Nicaragua und dem Iran in Höhe von 23
Millionen Dollar.v

'

1985 verstärkten sich die Kontakte auf hoher Ebene noch weiter. Mohammed Mirmehdi, Irans Stellvertretender Außenminister, traf am 14. Janu(49)
ar 1985 mit dem Sandinistenführer Präsident Daniel Ortega zusammen.
Obgleich das Treffen nach außen nur dem Zweck diente, Ortega zu seiner
Amtseinführung zu gratulieren (der nicaraguanische Rundfunk spricht von
ihm noch immer als "Comandante Ortega"), war Thema der Gespräche mit
größter Wahrscheinlichkeit auch die Planung des Besuches des iranischen
Ministerpräsidenten, der eine Woche später stattfand.

Am 23. Januar 1985 kam Ministerpräsident Mirhussein Musavi nach Nicaragua und traf dort (zum dritten Mal) mit Daniel Ortega und anderen Mitgliedern der sandinistischen Regierung zusammen. Die Berichte über den
Inhalt des Treffens zwischen Ortega und Musavi gehen auseinander; die
meisten Beobachter sind der Meinung, die Lieferung von Handfeuerwaffen
aus dem Iran sowie ein ölabkommen wurden besprochen.

'Einem Bericht

von ABC News zufolge soll Ministerpräsident Musavi die Terroroperationen
des Iran kontrollieren.

Die Sandinisten bestätigen, daß mit dem Iran über ein Erdölabkommen
gesprochen wurde, bestreiten indessen eine Übereinkunft hinsichtlich Waffenlieferungen. Dennoch gab es Berichte, denen zufolge am 25. Januar 1985
zwei Schiffsladungen mit Waffen vom Iran aus in Richtung Nicaragua abgingen, um auf ihrem Weg von nicaraguanisehen Schiffen übernommen zu werden;
auch soll der Iran Mittel für internationale Terroristen bereitstellen,

�Terroristen bereitstellen, die sich in Nicaragua aufhalten.

'

EIN ZUFLUCHTSORT FÜR SUBVERSIVE ELEMENTE

Die FSLN-Regierung hat Radikalen und Terroristen aus anderen Staaten,
einschließlich Radikalen aus dem Nahen Osten, aus Lateinamerika und aus
Europa nicaraguanische Pässe ausgestellt und sie so in die Lage versetzt,
in die Länder des Westens zu reisen, ohne daß ihre eigentliche Identität
(53)
bekannt wird.
Agenten der PLO, in Mittelamerika und Panama aktiv,
benützen Nicaragua als Operationsbasis. Die Bereitschaft der Sandinisten,
neue Dokumente zur Verfügung zu stellen und eine Basis zu bieten, von der
aus Aktionen unternommen werden können, ist zweifellos ein Grund dafür,
daß Nicaragua für Terroristen und Radikale aus Europa wie auch aus Lateinamerika eine Anlaufstelle geworden ist. Zu den Gruppierungen, die bekanntermaßen in Nicaragua präsent sind, gehören die baskische Untergrundorganisation ETA, die deutsche Baader-Meinhof-Gruppe sowie die Roten Bri(54) •
gaden Italiens.

'Wie im Falle der PLO benützen einige Mitglieder die-

ser Gruppen Nicaragua als Basis, um regionale Aktivitäten ihrer Organisationen durchzuführen. Andere wiederum befinden sich aus "revolutionärer
Solidarität" in Nicaragua und nehmen an dem Kampf gegen die bewaffneten
Gruppen des demokratischen antisandinistIschen Widerstandes teil. Wieder
andere - meist ausgebildete Leute, die aufgrund der Tatsache, daß sie in
ihrer Heimat von den Behörden gesucht werden, dort keine Arbeit mehr finden können - kamen nach Nicaragua, um dort einen Arbeitsplatz zu erhalten
und ersetzen damit die Techniker- und Managerschicht, die vor dem Kommunismus aus Nicaragua geflohen ist.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Die Beziehungen der Sandinisten zur PLO und zu radikalen Staaten des
Nahen Ostens sind nunmehr über eineinhalb Jahrzehnte alt. Sandinisten erhielten im Libanon und in Libyen Ausbildung durch die PLO und kämpften
neben der PLO gegen König Hussein von Jordanien noch vor der Zeit, da die
- 12 -

�2. David J. Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO" (Washington, D.C:
The Cuban-American National Foundation, 1984), S.5.

3. Ciaire Sterling, "The Terror Network" (New York:

Holt, Rinehart

and Winston, 1981), S. 115; Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis: A Challenge

to the Free World"

(Washington, D.C:

Februar 1984), S. 2.
4. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base," S. 2.

5. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 279.

6. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S. 2.
7. Ebenda, auch erwähnt in Anti-Defamation League, "PLO Activities in
Latin America" (New York: Mai 1982), S. 9.
8. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.
9. Juan 0. Tamayo, "Sandinistas Attract a Who's Who of Terrorists",
The Miami Herald, 3. März 1985, S. 3.

10. Jorge Mandi, zitiert in "al-Watan" (Kuwait), 7. August 1979; zitiert von David Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO", S. 11.

11. Israeli Defense Forces Spokesman, "The PLO and International Terror", (März 1981), S. 7.
12. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
2, 15.

13. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business week, 3. Mai 1983, S. 52.
14.
- 13 -

Ebenda

�da die sandinistische Revolution begann. Beim Aufbau ihrer eigenen revolutionären Kapazitäten stützten sich die Sandinisten auf die PLO und auf
Libyen zwecks Waffen, zwecks Geld für Waffen und zwecks Hilfe beim Transport von Waffen.

Auch nach der Machtübernahme der Sandinisten bestanden diese Beziehungen fort. Die PLO schickte Gelder und militärische Ausbilder; die Libyer schickten Millionen Dollar an Finanzhilfe sowie Waffen, Piloten und
Militärberater. Die PLO erhielt vollen diplomatischen Status sowie die
Erlaubnis, an der Militär- und Guerillaausbildung in Lagern in Nicaragua
teilzunehmen. Die politischen Bindungen zwischen den Sandinisten und der
PLO sowie den Sandinisten und Libyen sind stark, und die politische Solidarität, die sich in Taten sowie bei Staatsbesuchen und Jahrestagen manifestiert, unterstreicht die Intensität dieser Beziehungen.

Zu der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
der Sandinisten mit den radikalen Staaten des Nahen Ostens und der PLO
kommt Nicaraguas Verstrickung

in den

internationalen Terrorismus. Die

Sandinisten konnten nicht die Tatsache verdecken, daß Nicaragua zu einem
sicheren Zufluchtsort für internationale Terroristengruppen wie die deutsche Baader-Meinhof-Bande, die italienischen Roten Brigaden und die baskische Untergrundsorganisation ETA geworden ist. Die Staaten und Gruppierungen des Nahen Ostens, mit denen Nicaragua in Beziehung steht - die
PLO, Libyen und der Iran - sind bekannt für ihre Beteiligung an Terroraktivitäten, einschließlich Planung, Ausbildung, Finanzierung und Durchführung von Terrorakten. Die Beziehungen der Sandinisten zu diesem Netz
stellen für die westliche Hemisphäre eine immer größere Gefahr dar.

FUSSNOTEN
1. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base" (Washington, D.C.: The Heritage Foundation, 2. August 1983), S. 2
2.

- 14 -

David

J.

�14. Ebenda
15. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

16. John J. Tierney, Jr., "Somozas and Sandinistas:

The U.S. and Ni-

caragua in the Twentieth Century" (Washington, D.C.: Council for Inter-American Security, 1982), S. 62.

17. Christopher Dickey, "Palestinians Challenging Israel for Influence in Central America", The Washington Post, 29. Mai 1982, S. Al4? siehe auch U.S. News and World Report, 23. Juli 1979.

18. Melech Ben-Moshe, "Nicaraguan Status as Israel's Friend May Be
Jeopardized by Latin-PLO Tie", The Detroit Jewish News, 29. Dezember
1978, S. 18.
19. Ebenda; ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9.

20. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

21. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 270.

22. Christopher

Dickey,

"Palestinians Challenging

Israel...", The

Washington Post, 29. Mai 1982, S. A14.

23. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
3.

24. Ebenda

25. Niederschrift von Arafat-Interview, Managua Domestic News Service, 4:00 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central America, 23. Juli 1980, S. P
7.

26.
- 15 -

San

Jose

�26. San Jose Radio Reloj, 17:30 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central
America, 23. Juli 1980, S. P 8.

27. ADL,

"PLO Activities

in Latin America", S. 10; Christopher

Dickey, "Palestinians Challenging Israel...", The Washington Post, 29,
Mai 1982, S. A14.

28. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", Swiss Review of
World Affairs, Juni 1982, S. 12.

29. "The PLO on the Wing in Nicaragua", Newsweek, 15. März 1982, S.
19; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 12; Rede von Arafat, 11. Januar 1982 Beirut Arab University gesendet über Voice of Palestine, 12. Janaur 1982, um 11:35 Uhr (Arafat unter "nom de guerre" "Abu
Ammar"), FBIS, Middle East, 13. Janaur 1982, S. A 1.

Siehe auch The Wall

Street Journal, 14. Januar 1982, S. 4.

30. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 122; "The Arab-Israeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai
1982, S. 52; Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream, Mai 1981, S. 5.

31. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai 1982; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America",
Swiss Review of World Affairs, Juni 1982.
32. Innerhalb von 18 Monaten nach der Revolution vom 19. Juli hatten
die Sandinisten die Synagoge von Managua beschlagnahmt, und die meisten
Mitglieder der

kleinen jüdischen Gemeinde das Landes hatten Nicaragua

verlassen. Juden aus Nicaragua haben

im Exil über ihr Verfolgung durch

die Sandinisten berichtet. Die Sandinisten behaupten, sie seien nicht
antisemitisch, aber die Juden Nicaraguas hätten eine "bürgerlicht Einstellung", die es ihnen unmöglich mache sich an eine sozialistische Revolution anzupassen. Ob es nun Antisemitismus oder die marxistisch-leninistische Ideologie der Sandinisten war, das Ergebnis war das gleiche:
- 16 -

�das gleiche: Verfolgung der Juden, Beschlagnahme ihres Besitzes und der
Synagoge und schließlich Auszug der jüdischen Gemeinde aus Nicaragua. Wie
die Sandinisten

die Juden behandelten ist folgenden Quellen zu entneh-

men: "The Jews and the Nicaraguan Issue", Erklärung von Jaime Daremblum
im Weißen Haus am 13. März 1985; "Nicaraguan Jews feels the Sting of
Ouster", The Miami Herald, 2. Juli 1982, S. 16A; "NJC Statement on Nicaragua", herausgegeben von 'The National Jewish Coalition', Capitol Hill
Office, März 1985; "Religious Repression in Nicarauga", Erklärungen von
Rabbi Morton Rosenthal und Mr. isaac Stavisky, Congressional Record, 4.
August 1983, S. E4021.

33. David J. Kopilow, "Castro, Israel and the PLO", S. 3; Christopher
Dickey, "Palestinians Challenging Israel....", The Washington Post, 29.
Mai 1982, S. Al4.
34. ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9. Aus einem Bericht
der Washington Post geht hervor, daß dieses Investitionsangebot eine
Höchstgrenze von 3 Milliarden Dollar hatte. Siehe Christopher Dickey,
"Arab States Help Nicaragua Avoid Ties to Superpowers", The Washington
Post, 19. Juli 1981, S. A18.

35. Christopher Dickey, "Arab States Help Nicaragua...", The Washington Post, 19. Juli 1981, S. A 18.

36. Ebenda
37. Richard House, "Brazilians Study Libyan Arms Cargo:

Reports Vary

on Contents", The Washington Post, 26. April 1983, S. Al4; Richard House,
"Brazil Acts to Wind Down Planes Affair; Libya Seeks to Fly Out Arms",
The Washington Post, 27. April 1983, S. Al7.

"Italians to Return Arms to

Libya from Brazil", The Washington Post, 1. Mai 1983, S. A24.

38. James Gerstenzang, "Libyan Arms, Bound for Nicaragua, Called 'Tip
of the Iceberg'", Buffalo News, 26. April 1983, S. A6. (AP)

39. "Brazil To Seize Arms from Libyan Planes",
- 17 -

Buffalo News, 21.

�News, 21. April 1983, S. A4 (UPI).

40. "Nicaraguan Aide Says Libyan Air Shipment En Route to the Army",
The Washington Post, 23. April 1983, S. A21.

1. "Bogota Denies Capturing Libyan Arms", Buffalo News, 22. April
1983, S. A4; Richard House, "Brazilians, After Search, Confirm Libyan
Planes Carried Arms", The Washington Post, 24. April 1983, S. A28.

42.

Department

of

State,

"The

Sandinista

Military

Build-up"

(Washington, D.C.: Mai 1985), S. 32.

43. Judith Miller, "Qaddafi Says He Has Sent Troops To Help Nicaragua
Against U.S.", The New York Times, 2. September 1984, S. 11.

44. Ebenda

45. Ebenda; David Lamb, "Khadafy:
Miami

Herald,

2. September

Libyans Aid Sandinistas", The

1984, Information

Service

Latin

America

(ISLA), S. 117.
46.

"15-Million Dollar Trade Agreement Signed With Libya", Panama

City ACAN, 16. Januar 1985, 18:33 GMT, FBIS, Central America, 17. Januar,
1985, S. P 4.
47. John Lantigua, "Iran Denies It Gives Arms to Nicaragua", The Washington Post, 26. Januar 1985, S. A20.
48. Ebenda
49. "Ortega Receives OAS, Iranian, Zambian Officials", Managua Radio
Noticias, 14. Januar 1985, 12:00 GMT, FBIS, Central America, 15. Januar
1985, S. 8.
50. David Hoffman, "Reagan Calls Iran, Libya and PLO A 'New Danger'
- 18 -

�'New Danger' in Central America", The Washington Post, 25. Januar 1985,
S. AI; "Tehran Reports Arrival", Tehran Domestic News Service, 24. Januar
1985, 4:30 GMT, FBIS, Central America, 24. Januar 1985, S. P 20.

51. "World New Tonight with Peter Jennings", ABC News 24. Januar
1985, 7:25 EST.
52. "World News Tonight with Peter Jennings", ABC News, 25. Januar
1985, 7:10 EST.
53.Zeugenaussage des Exdiplomaten Antonio Farach aus Nicaragua vor
dem Untersuchungsausschuß für Alkoholismus und Drogenmißbrauch des Senatsausschusses

für Arbeit

und menschliche Ressourcen, 98. Kongress,

zweite Sitzungsperiode, am 2. August 1984. Farach erklärte, daß er von
seinen

Vorgesetzten

die

Anweisung

erhielt,

Nichtnicaraguanern,

ein-

schließlich Personen aus dem Nahen Osten, Pässe auszustellen. Siehe auch
Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream,
S. 5.

54. Juan 0. Tamayo, "World's Leftists Find a Haven in Nicaragua", The
Miami Herald, 3. März 1985, S. 1.

* * * * *

- 19 -

�Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

WELTRAUMPLATTFORM FÜR INDUSTRIE UND FORSCHUNG
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

- (AD) - Über den Start der ersten kommerziellen Weltraumplattform im
Jahr 1989 von Bord eines amerikanischen Raumtransporters unterzeichnete
die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) eine Vereinbarung mit dem amerikanischen Privatunternehmen "Space Industries, Inc." in
Houston

(Texas). Die Außenstation soll für industrielle Zwecke und für

Aufgaben der Forschung verwendet werden. Es handelt sich, wie NASA-Administrator James Beggs auf einer Pressekonferenz erklärte, um die erste
von einem Privatunternehmen gebaute Einrichtung dieser Art, die eine bemannte Raumstation ergänzen und schließlich dem Aufbau eines "Industrieparks" im Weltraum dienen soll. Mitte der neunziger Jahre dürfte sie betriebsbereit sein.

Die Außenstation ist zwar nicht ständig besetzt, wird jedoch mit einem Druckmodul ausgestattet, in dem Astronauten wie auf der Erde wohnen
und arbeiten können. Dies wird dann erforderlich werden, wenn die Plattform an die benachbarte Raumstation angekoppelt ist oder wenn der Raum-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Raumtransporter anlegt. Um die zentrale Druckeinheit sind Fabrikations- und Labormoduln, Dockvorrichtungen und, zu beiden Seiten, zwei
große Solarzellen-Flügel gruppiert. Zusätzliche Moduln können jeweils als
komplette Einheit angebaut und "wie Eisenbahnwaggons" aneinandergereiht
werden. Die Baukosten für die erste Außenstation werden auf 250 bis 500
Millionen Dollar geschätzt.

Die erste ISF ("Industrial Space Facility" - Industriestation) soll
Firmen, die an Fabrikationsprozessen im Weltraum interessiert sind, die
Möglichkeit geben, damit zu beginnen, noch ehe die erste Raumstation für
solche Zwecke zur Verfügung steht. Den Betrieb der ISF übernimmt das Unternehmen "Space Industries, Inc.", das verfügbare Arbeitsflächen verpachtet. Die Produktionsprozesse

der ersten

Interessenten werden von

Astronauten aus dem Raumtransporter betreut. Später soll dies von einer
Raumstation aus geschehen. "Besonders geeignete Kandidaten für die ISF
wären Firmen, die die Schwerelosigkeit für kontinuierliche Prozesse nutzen wollen", sagte Beggs. "In solchen Fällen wäre nur einige Male im Jahr
eine fachmännische Kontrolle oder menschliche Intervention erforderlich."
Beggs sieht Möglichkeiten vor allem zur Herstellung pharmazeutischer
und biotechnischer Produkte, von Kristallen besonderer Reinheit und in
"idealer" Ausbildung, was unter irdischen Bedingungen äußerst schwer oder
überhaupt nicht zu erzielen ist. Für die Gewinnung neuartiger Werkstoffe,
insbesondere neuer Metalle und Legierungen, ergäben sich sehr gute Chancen.

Nach Ansicht von Max Faget, Präsident von "Space Industries, Inc.",
dürften Firmen, die im Weltraum verarbeiten und produzieren, ab Mitte der
neunziger Jahre Einkünfte in Milliardenhöhe pro Jahr aus solchen Prozessen erwarten können. Zu den neuen Produkten zählten beispielsweise Medikamente zur Behandlung von Diabetes, Emphysem und verschiedenen Blutkrankheiten. Außerdem bestehe großes Interesse für spezielle Kristalle,
die in Hochgeschwindigkeitscomputern und anderen Elektronik-Ausrüstungen
modernster Bauart gebraucht werden. Die Außenstation diene ferner der
NASA und anderen Regierungsbehörden als "Teststation" zur Entwicklung von

�Entwicklung von Ausrüstungen für den Weltraum sowie zur Durchführung von
Forschungsprojekten auf den Gebieten Biologie und Medizin. Vorläufig sollen Astronauten mit dem Raumtransporter ca. alle drei Monate an der
Plattform anlegen, Ausgangsstoffe für Fabrikationsprozesse anliefern und
Fertigprodukte mitnehmen, außerdem Wartungs- und Reparaturarbeiten ausführen und, soweit erforderlich, neue Ausrüstungen installieren.

Wie Beggs berichtete, erkennen immer mehr Unternehmen die einzigartigen Chancen für Forschungen und für die Produkte unter den Bedingungen
der Schwerelosigkeit. Die NASA habe mit 20 Firmen der Luft- und Raunn
fahrtindustrie und anderen Branchen bereits Vereinbarungen getroffen und
stehe mit weiteren 24 Unternehmen wegen kommerzieller Weltraumprojekte in
Verhandlung. Das erste Produkt - winzige Kügelchen aus Polystyren - sei
bereits in Gebrauch: Das amerikanische Bundesamt für Materialprüfung und
technische Normen gab die Genehmigung

für ihre Verwendung, um wissen-

schaftliche Instrumente zu eichen und um ein Standardmaß für Kleinpartikel wie rote Blutkörperchen und industrielle Schadstoffe zu haben.

- 3 -

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraumplattform für Industrie und Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1991

36

SOWJETUNION

BESUCH BAKERS IN DER SOWJETUNION
DIESE WOCHE
Pressekonferenz des US-Außenministers

USA-DEUTSCHLAND

PARTNER IN DER FUHRUNG:
DIE NOTWENDIGKEIT STÄRKEREN
ENGAGEMENTS
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Atlantik Brücke

VISUM FÜR USA

ZULASSUNGSBEDINGUNGEN FÜR DAS
VISUM PER LOSVERFAHREN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

GESELLSCHAFT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

SPATBERUFENE STUDENTEN STREBEN
IN DIE HOCHSCHULE
von Mary Jo Binker

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�SOWJETUNION
11. September 1991

BESUCH BAKERS IN DER SOWJETUNION
DIESE WOCHE
Pressekonferenz des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im US-Außenministerium bekräftigte Außenminister Baker
am 4. September 1991 die Hoffnung der Vereinigten Staaten, daß die gegenwärtige Revolution in der
Sowjetunion weiterhin demokratisch und friedlich verlaufen werde und bekundete seine Absicht, in dieser Woche
in Moskau am Treffen über Menschenrechte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
teilzunehmen und mit einer Reihe sowjetischer Politiker Gespräche zu führen.
Baker erläuterte ferner, in der Sowjetunion ein Vier-Punkte-Programm vorlegen zu wollen und in diesem
Zusammenhang den sowjetischen Spitzenpolitikern "die fünf Prinzipien (zu erläutern), die den Ansatz dieser
Regierung zu politischen Veränderungen bestimmen werden".
"Der Aufbau von Demokratie und freien Märkten in der ganzen Sowjetunion ist nach Jahrzehnten totalitärer
Herrschaft und Planwirtschaft keine leichte Aufgabe", konstatierte Baker. "Die Völker der Sowjetunion müssen
wissen, da ß sie gerade einen sehr schwierigen Weg eingeschlagen haben, aber sie müssen auch erkennen, daß
es keine Abkehr von demokratischen Prinzipien und Toleranz geben kann, wenn sie tatsächlich hoffen,... dem
demokratischen Staatenbund der Nationen beizutreten."
Der US-Außenminister versprach die Unterstützung der Vereinigten Staaten und erklärte: "Wir werden ihnen
auf ihrem Weg zu politischen und wirtschaftlichen Freiheiten helfen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Pressekonferenz in ihren wesentlichen Auszügen.

Baker: In den letzten zwei Wochen sind wir Zeuge
einer weiteren Revolution geworden, die mit voller
Kraft die Sowjetunion erfaßt hat. Natürlich wollen wir,
daß diese Revolution weiterhin demokratisch verläuft,
und wir wollen, daß sie friedlich bleibt. Der Aufbau von
Demokratie und freien Märkten in der ganzen Sowjetunion ist nach Jahrzehnten totalitärer Herrschaft und
Planwirtschaft keine leichte Aufgabe.
Die Arbeit an der Freiheit wird hart und der Übergang
schmerzlich sein. Die Völker der Sowjetunion müssen
wissen, daß sie gerade einen sehr schwierigen Weg
eingeschlagen haben, aber sie müssen auch erkennen, daß es keine Abkehr von demokratischen Prinzipien und Toleranz geben kann, wenn sie tatsächlich
hoffen, diesen Weg bis zum Ende zu verfolgen und
dem demokratischen Staatenbund der Nationen beizutreten.
Wir werden Ihnen auf ihrem Weg zu politischen und
wirtschaftlichen Freiheiten helfen.

AMERIKA DIENST 36

Als ersten Schritt hat mich der Präsident gebeten,
nächste Woche nach Moskau zu reisen, um am Treffen über Menschenrechte der KSZE teilzunehmen und
mit einer Reihe von Politikern Gespräche zu führen.
Ich fahre mit einem Vier-Punkte-Programm nach
Moskau.
Erstens werde ich den sowjetischen Spitzenpolitikern
und den Menschen in der Sowjetunion die fünf Prinzipien darlegen, von denen der Ansatz dieser Regierung
zu politischen Veränderungen in der Sowjetunion
bestimmt ist. Dennoch möchte ich zu diesem allgemeinen Problem eins klarstellen: Die Staaten des Baltikums waren und bleiben für die Vereinigten Staaten
ein Sonderfall. Wir haben ihre Eingliederung in die
Sowjetunion nie anerkannt. Für uns waren sie niemals
Republiken der Sowjetunion, sondern separate Staaten, für die wir dazu beigetragen haben, das Versprechen und die diplomatischen Symbole der Freiheit
lebendig zu halten.

Seite 1

�Der Präsident hat am Montag, (den 2. September)
einen wichtigen Schritt unternommen, um dieses
Versprechen und diese Symbole zu verwirklichen und
diplomatische Beziehungen zu den Regierungen Estlands, Lettlands und Litauens aufgenommen.
Um Amerikas anhaltendes Engagement für die dauerhafte Freiheit des Baltikums zu erhalten, möchte ich im
Rahmen meiner Reise auch diese Länder besuchen.
Was die Veränderungen in den Beziehungen zwischen der Führung und den Republiken anbelangt,
wird die Politik dieser Regierung im Hinblick auf die
Zukunft der Sowjetunion von folgenden fünf Prinzipien
bestimmt werden:
Erstens müssen die Menschen in der Sowjetunion
selbst ihre Zukunft bestimmen, und zwar auf friedlichem Wege und im Einklang mit demokratischen
Werten und Praktiken und den Prinzipien der Schlußakte von Helsinki. Wir fordern die sowjetischen Politiker auf allen Ebenen der Regierung, auch in den
Republiken, zur Unterstützung dieser weltweit akzeptierten Prinzipien auf. In diesem Prozeß kann es
keinen rechtmäßigen Raum für Bedrohungen, Einschüchterung, Zwang oder Gewalt geben.
Zweitens fordern wir alle auf, sowohl intern als auch
extern bestehende Grenzen zu respektieren. Jede
Grenzveränderung sollte nur rechtmäßig und im Einklang mit den KSZE-Prinzipien durch friedliche Maßnahmen und Konsens erfolgen.
Drittens unterstützen wir Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und fördern friedliche Veränderungen nur, wenn
sie durch ordentliche demokratische Prozesse erwirkt
werden, insbesondere durch den Wahlprozeß.

Viertens fordern wir die Garantie der Menschenrechte
auf der Basis des Respekts für den einzelnen und
einschließlich der Gleichbehandlung von Minderheiten.
Fünftens fordern wir die Befolgung des Völkerrechts
und internationaler Verpflichtungen, insbesondere die
Einhaltung von Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki und der Pariser Charta. Einer der ersten und
wichtigsten Schritte, die die Menschen und die Politiker in der Sowjetunion unternehmen müssen, ist die
genaue Klärung der Beziehungen zwischen den einzelnen Republiken und den Republiken und der Führung. Wir werden vorschlagen, daß diese Beziehungen auf eine Art und Weise geklärt werden, daß sie die
von mir soeben dargelegten fünf Prinzipien fördern.
Der zweite Punkt meiner Tagesordnung bei dieser
Reise wird unsere Unterstützung für grundlegende
wirtschaftliche Reformen und unmittelbare humanitäre Bedürfnisse sein. Die politische Revolution in der
Sowjetunion muß jetzt mit einer wirtschaftlichen Revolution gleichziehen.

Seite 2

In Moskau möchte ich mit Ministerpräsident Silajew
und den Mitgliedern der Wirtschaftskommission zusammentreffen, um in engen Konsultationen mit dem
IWF, der Weltbank und den anderen internationalen
Wirtschaftsinstitutionen die rasche Entwicklung einer
neuen umfassenden wirtschaftlichen Anpassung und
eines Reformplans zu erwirken. Das ist unserer Meinung nach der entscheidende nächste Schritt.
Darüber hinaus werde ich mit führenden sowjetischen
Politikern auf allen Ebenen die humanitären Bedürfnisse für den Winter erörtern. Diese Arbeit wird die bei der
Mission des Präsidenten unternommenen Anstrengungen ergänzen.
Und schließlich will ich überprüfen, wie unsere technische Hilfe beschleunigt werden kann, um sowohl die
humanitären Bedürfnisse abzudecken als auch den
Grundstein für eine langfristige Umstrukturierung zu
legen.
Der dritte Punkt auf meiner Tagesordnung wird die
sowjetische Außenpolitik sein. Insbesondere werde
ich weiterhin Bestrebungen zur Einberufung einer Friedenskonferenz unterstützen, um direkte Verhandlungen aufzunehmen und einen lebensfähigen Friedensprozeß im Nahen Osten zu erleichtern. Nach Konsultationen mit unseren japanischen Partnern hoffe ich
Maßnahmen zu den nördlichen Territorien beschleunigen zu können, indem ich auf die Notwendigkeit verweise, das letzte größere Relikt des Zweiten Weltkriegs zu beseitigen.
Als vierten und letzten Punkt auf meiner Tagesordnung hoffe ich Gespräche über sowjetische Sicherheitspolitik im allgemeinen führen zu können, um eine
angemessene Durchführung von Vertragsvereinbarungen über nukleare Sicherheit zu garantieren und
den Weg für echte und ausführliche Bestrebungen zur
Umwandlung der Rüstungsindustrie zu bereiten.
Frage: Sie haben das Verhältnis zwischen den Republiken und der Führung vorsichtig angesprochen. Sollte
es zum Wohl der Außenpolitik und der neuen Weltordnung, wie sie die Regierung befürwortet, eine einigermaßen starke zentrale Führung in der Sowjetunion
geben? Und wenn das der Fall ist, welche Funktionen
sollte diese Führung ausüben?
Antwort: Dazu möchte ich Sie wieder auf das erste
Prinzip verweisen, das meiner Ansicht nach sehr klar
darlegt, daß die Zukunft der Sowjetunion und damit
auch die Zukunft der Republiken und die damit zusammenhängenden Rechte, Verpflichtungen und Aufgaben eine Angelegenheit sind, die von den Völkern in
der Sowjunion zu entscheiden ist. Sie sind gerade jetzt
dabei, diese Entscheidungen zu treffen, und das wird
unter Umständen länger dauern als der Zeitraum meines
Gesuchs. Ich glaube tatsächlich, es wird viel länger
dauern.

AMERIKA DIENST 36

�Es ist also nicht unsere Aufgabe, zu diktieren oder zu
bestimmen, wie diese Beziehungen aussehen sollen wir können nur hoffen, daß sie im Einklang mit den von
mir erläuterten fünf Prinzipien erreicht, durchgeführt
und verankert werden.
Frage: Ich habe versucht, auch die Funktion der
Vereinigten Staaten zu betonen. Sie müssen Kontakte
in der Welt pflegen und mit der Sowjetunion umgehen.
Haben Sie eine bestimmte Präferenz im Hinblick auf
die auswärtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten?
Antwort: Wenn die Entwicklungen in der Sowjetunion
im Einklang mit den fünf Prinzipien erfolgen, werden
wirweiterhin eine Kooperation mit der Sowjetunion und
den Republiken anstreben. Ich erwarte zum Beispiel,
nochmals mit dem Außenminister der russischen
Republik zusammenzutreffen - das wäre dann das
fünfte Mal -, und ich erwarte auch ein Gespräch mit
dem neuen Außenminister der Sowjetunion. Wir sind
nicht in der Position, genau zu diktieren oder zu
bestimmen, wie diese Beziehungen aussehen sollen,
aber ich haben Ihnen heute die Prinzipien darlegt, von
denen wir überzeugt sind, daß sie die Entwicklung
dieser Beziehungen bestimmen sollten.
Frage: Sie haben erklärt, den Sowjets einen umfassenden Reformplan vorschlagen zu wollen. Denken
Sie dabei an einen speziellen Plan? Gibt es Punkte,
die Sie ihnen im einzelnen vorschlagen möchten oder
unterstützen Sie den Plan, wie sie ihn vorlegen?
Antwort: Wir denken an keinen besonderen Plan,
aber ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir die
Einrichtung der Wirtschaftskommission positiv bewerten. In dieser Kommission sehen wir einige Befürworter und Verfechter der freien Marktwirtschaft.
Ich habe ferner erklärt, die Ergebnisse des Londoner
Gipfels hätten anders ausgesehen, wenn sich die
Zentralregierung für den liberaleren der beiden Wirtschaftspläne entschieden hätte, die ihr vor dem Wirtschaftsgipfel vorlagen.
Was wir sehen wollen, sind Wirtschaftspläne, mit
denen sich die Sowjetunion und/oder die Republiken
für marktwirtschaftliche Reformen engagieren. Wie
sehen diese aus? Dazu zählen die Konvertierbarkeit
der Währungen, die Preise, Privatisierung, Privateigentum, Anreize, Wettbewerb - alles, was die Systeme
der freien Marktwirtschaft zu den besten der Welt
macht.
Frage: Werden Sie in den Nahen Osten reisen? In
welchem Stadium befinden sich die israelischen Kreditbürgschaften, und sind diese eng an die Aufgabe der
Siedlungspolitik gebunden?
Antwort: Ich habe immer die Meinung vertreten, daß
nach der Sommerpause im August mindestens eine
weitere Reise in den Nahen Osten erforderlich ist, um

AMERIKA DIENST 36

einige noch ausstehende Fragen im Hinblick auf die
Bürgschaften zu klären. Wir führen einen Dialog mit
Israel, den Palästinensern, den Jordaniern und werden sicherlich im Hinblick auf bestimmte Zusicherungen auch Gespräche mit den Syrern führen. Wir haben
viele Fortschritte erzielt, seit ich und die von uns
entsandte Delegation das letzte Mal im Nahen Osten
waren. Einige Fragen sind immer noch offen. Ich
hoffe, daß sich bei meiner Reise in den Nahen Osten
die eine oder andere Kluft ein wenig schließen läßt,
weil ich wirklich der Meinung bin, dort besteht die
Möglichkeit für einen aktiven Friedensprozeß - vielleicht die beste Möglichkeit, die wir seit langem hatten.
Im Hinblick auf die Frage der Bürgschaften möchte ich
zunächst erklären, daß die Regierung sich seit ihrem
Amtsantritt nachdrücklich dafür einsetzt, daß Israel
sowjetische Einwanderer aufnimmt. Und wir haben
entscheidend dazu beigetragen, daß viele Einwanderer nach Israel kommen konnten.
Ich erwarte durchaus, daß ich im Verlauf dieser Woche
noch vor meiner Abreise nach Mexiko am Sonntag ein
Ersuchen der Regierung Israels um bedeutende Hilfe
von den Vereinigten Staaten in Form von Bürgschaften erhalten werde. Nach Erhalt dieses Ersuchens
werden wir es sehr sorgfältig prüfen. Ich hoffe die
Gelegenheit zu haben, diese Frage in allen Einzelheiten mit Premierminister Schamir zu erörtern. Ich habe
bereits zwei Telefongespräche mit ihm über diese
Frage geführt. Wie die Administration als Ganzes
werde auch ich darüber hinaus die Gelegenheit haben,
eingehend mit dem Kongreß darüber zu beraten.
Wir hoffen, erwarten und glauben, daß der Kongreß
uns die notwendige Zeit gibt, um diese Anfrage zu
prüfen, weiter zu sondieren und in angemessener Art
und Weise zu behandeln.
Es handelt sich um ein sehr substantielles Ersuchen,
eine Summe von 10 Milliarden Dollar, und wir befinden
uns gerade inmitten äußerst sensibler diplomatischer
Bemühungen, die uns, wie ich soeben erwähnte, die
historische Chance bieten, etwas zu erreichen. Wir
möchten diese und alle anderen Fragen behandeln,
die sich uns von heute bis zu dem Zeitpunkt stellen, an
dem Araber und Israelis die Möglichkeit haben, sich zu
direkten Verhandlungen zutreffen. Wir möchten diese
Fragen in einer Art und Weise behandeln, die diese
Gelegenheit nicht gefährdet.
Ich möchte noch einmal bekräftigen, was ich bereits
eingangs gesagt habe. Wir engagieren uns intensiv
dafür, Israel bei der erfolgreichen Integration jüdischer
Einwanderer zu helfen.
Frage: Es ist darüber geredet worden, daß alle
Kernwaffen in der Sowjetunion letztlich in einer Republik, nämlich Rußland, stationiert werden sollten. Gehen
Sie davon aus, daß dies geschehen wird, und halten
Sie dies für eine gute Idee?

Seite 3

�Antwort: Nun, ich kann Ihnen nicht sagen, daß dies
so geschehen wird. Ich möchte wiederholen, daß die
Grundsätze, die unseres Erachtens all diese Veränderungen - einschließlich der von Ihnen erwähnten leiten sollten, die von mir soeben umrissenen fünf
Prinzipien sind. Ich werde die Frage der Kernwaffen in
Moskau erörtern. Wir möchten nicht, daß die in der
Sowjetunion stattfindende Umgestaltung Probleme der
Verbreitung von Kernwaffen schafft oder weiter verschärft. Meines Erachtens wäre es unter dem Strich
das Beste - nicht notwendigerweise die Stationierung
in einer Republik -, wenn sie letztlich einem zentralen
Kommando unterstehen. Ich glaube, dies wäre ratsam.
Frage:
sein?

Könnte dies jedoch die Republik Rußland

Antwort: Werweiß, ob eseine Republik oder mehr als
eine sein wird, denn man weiß heute wirklich nicht, ob
diese Funktion in einem lockerer strukturierten Zentrum erhalten bleibt. Da sich diese Veränderungen
noch vollziehen, ist all dies also noch sehr hypothetisch. Aber ein zentrales Kommando wäre meiner
Meinung nach hilfreich und ratsam.
Frage: Kann die Administration angesichts der Unsicherheiten, wie die Republiken ihre Beziehungen mit
der Zentrale gestalten werden und der von Ihnen
gerade erwähnten Unsicherheiten im Hinblick auf die
Befehlsgewalt über Waffen den Senat dazu auffordern, die KSE- und START-Abkommen in naher Zukunft
zu ratifizieren, oder halten Sie eine Art Pause für
erforderlich, während sich der Umbruch in der Sowjetunion vollzieht?
Antwort: Nun, ich meine, daß diese Verträge weiterhin im nationalen Sicherheitsinteresse und im allgemeinen nationalen Interesse der Vereinigten Staaten
liegen. Wir hätten sie nicht ausgehandelt, wir hätten
nicht so hart an ihrem Abschluß gearbeitet, wenn wir
dieser Meinung gewesen wären. Daran hat sich nichts
geändert. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf das
fünfte Prinzip lenken, das die Wahrung internationaler
Verpflichtungen fordert. Dazu möchte ich sagen, daß
die stattfindenden Veränderungen, so hoffen wir, sich
in einer Atmosphäre der Achtung des Völkerrechts und
internationaler Verpflichtungen vollziehen werden.
Es bestehen noch zahlreiche unbeantwortete Fragen,
die überhaupt nichts mit den Rüstungskontrollverträgen zu tun haben. Es sind aber gute Fragen, wie etwa
die, was mit den Schulden der Sowjetunion geschieht.
In welchem Ausmaß werden Republiken, die sich von
der Sowjetunion trennen, jegliche Verantwortung ablehnen? In welchem Ausmaß würden einige eine gewisse
Verantwortung übernehmen? Was bedeutet das für
die Kreditwürdigkeit der Zentrale, falls eine Zentrale
bestehen bleibt, die derjenigen vergleichbar ist, mit der
wir es in der Vergangenheit zu tun hatten oder die

Seite 4

heute existiert? Und was bedeutet dies für die Fähigkeiten derjenigen unter uns im Westen, deren Gesetze
bestimmte Bedingungen an die Vergabe von Krediten
knüpfen? Es gibt sehr viele Fragen, und es wird eine
Zeit dauern, bis wir darauf Antworten erhalten.
Frage: Daran anschließend, Herr Minister, wie können Sie den Senat im September und Oktober bitten,
ein Abkommen zu ratifizieren, das Waffen in acht
Republiken begrenzen würde, deren Zukunft Sie nicht
kennen - das acht Republiken betreffen würde, deren
Status Sie noch nicht einmal kennen?
Antwort: Wir sind nicht sicher, daß wir den Status
nicht kennen werden. Ich sage ja nur, daß die Verträge
weiterhin in unserem Interesse liegen. Und wir werden
die Nachfolgegebilde, wie immer sie beschaffen sein
werden, ob es sich um Republiken oder eine lockere
Konföderation souveräner Staaten oder ein Zentrum
handeln wird - ohne daß wir hier irgend etwas präjudizieren -, auffordern, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten und zu respektieren. Wenn wir zum
Zeitpunkt der Ratifizierung nicht zufriedengestellt sind,
so werden wir wahrscheinlich sagen, daß wir abwarten
sollten, bis wir zufriedengestellt sind. Aber interpretieren Sie dies heute nicht so, daß wir es nicht tun werden.
Frage: In den fünf von Ihnen heute erläuterten Prinzipien gab es einige Parallelen zu Ihren Äußerungen
über Jugoslawien zu Beginn dieses Sommers, indem
sie die Republiken zu friedlichen Verhandlungen aufforderten und so weiter.
Zwei Fragen: Erstens hat Herr Genscher heute angedeutet, daß Deutschland Kroatien und Slowenien in
Kürze anerkennen könnte. Welche Haltung vertreten
die Vereinigten Staaten dazu? Und zweitens, sind Sie
im Hinblick auf die Ergebnisse in der Sowjetunion
ebenso zuversichtlich wie bei Jugoslawien?
Antwort: Ich glaube, daß uns die Ereignisse der
vergangenen zweieinhalb Wochen in der Sowjetunion
bedeutende Chancen bieten und daß diese Ereignisse
unter dem Strich denjenigen von uns entgegenkommen, die an Demokratie und Freiheit sowie an freie
Märkte glauben. Es bestehen jedoch auch Risiken,
und wir sollten uns nicht scheuen, dies anzuerkennen.
Und das ist einer der Gründe, aus denen ich vorschlug,
diese Veränderungen mit diesen fünf Prinzipien im
Hinterkopf anzugehen und ein Grund, warum ich vorschlug, daß diese fünf Prinzipien unsere Haltung
gegenüber diesen Veränderungen leiten sollten.
Sie haben ganz recht. Wir haben im Hinblick auf die
Lage in Jugoslawien ähnliche Vorschläge gemacht.
Leider war unsere Haltung dort nicht von diesen fünf
Prinzipien geleitet. Sehen Sie, was geschehen ist. Im
Hinblick auf den ersten Teil Ihrer Frage, so haben wir
•jnsere Haltung zur Frage der Anerkennung nicht
verändert.

AMERIKA DIENST 36

�Wir unterstützen weiterhin die Forderung der Europäischen Gemeinschaft nach einer Friedenskonferenz.
Wie Sie wissen, wird eine solche am 7. September in
Den Haag stattfinden. Wir bedauern weiterhin die
anhaltende Gewalt dort, und wir sind weiterhin der
Ansicht, daß wir heute nicht diese tragische Situation
vorfinden würden, wenn diese fünf Prinzipien die Entwicklung der Situation dort geleitet hätten.

Frage: Aber könnten Sie uns einige ihrer vorläufigen
Gedanken darüber mitteilen, wie sich die amerikanische Außenpolitik kurzfristig verändern könnte?

Antwort: Wenn die Entwicklungen in der Sowjetunion
im Einklang mit diesen fünf Prinzipien vonstatten gehen,
dann bin ich ich voll und ganz davon überzeugt, daß
dies der Fall ist. Und das ist einer der Gründe, daß wir
den Vorschlag machen.

Antwort: Sie verändert sich bereits. Wenn Sie sich
noch einmal das ins Gedächtnis zurückrufen, was ich
eingangs erklärt habe, so erkennen wir Umfang und
Ausmaß dieses Wandels, seine Bedeutung und die
Tatsache, daß er in der Tat auf lange, lange Sicht die
Dinge verändern wird und daß es ziemlich lange
dauern wird, bis sich alles schließlich regelt und wir
genau wissen, wie sich die Beziehungen zwischen
Zentrale und Republiken gestalten werden. Wir verändern bereits unseren Ansatz - wir haben damit übrigens schon vor einem Jahr begonnen - bei den Leuten,
mit denen wir es zu tun haben und mit denen wir dort
über außenpolitische Fragen sprechen.

Frage: Sie haben die Sowjets in den vergangenen
Jahren aufgefordert, die Frage der nördlichen Territorien zu lösen. Fordern Sie auch die japanische Regierung auf, die Frage der nördlichen Territorien mit den
Sowjets zu lösen? Und falls ja, haben Sie mit der
Regierung in Tokio bereits etwas unternommen?

Frage: Entschuldigen Sie. Ich habe mich nicht klar
ausgedrückt. Ich meinte eigentlich, wie sie sich außerhalb der Sowjetunion verändern könnte - da wir jetzt
keine erste, zweite und dritte Welt mehr haben, wie
wird sie sich wahrscheinlich gegenüber der dritten
Welt, gegenüber Asien verändern?

Antwort: Wir unterstützen die Position der japanischen Regierung. Wir tun dies bereits seit langer Zeit.

Antwort: Es könnte zu erheblichen Veränderungen
kommen, aber darüber möchte ich heute nicht spekulieren oder Hypothesen anstellen. Wir haben heute
viel damit zu tun, diese Veränderungen in der Sowjetunion zu bewältigen.

Frage: Aber meinen Sie, daß das Ergebnis in Jugoslawien in der Sowjetunion vermieden werden kann?

Frage: Und haben Sie die Regierung in Tokio aufgefordert, etwas in dieser Richtung zu unternehmen einen neuen Ansatz zu finden?
Antwort: Nein. Wir unterstützen ihren Ansatz. Und
wir unterstützen ihn weiterhin.
Frage: Wie besorgt sind Sie über taktische Kernwaffen, die, wie Sie wissen, etwas weniger kontrolliert sind
als die strategischen Kernwaffen? Was liegt Ihrer
Entscheidung zugrunde, mit den Sowjets über Sicherheitspolitik zu sprechen?
Antwort: Ich bin der Meinung, daß wir aus einigen der
Gründe, die auch in Ihren heutigen Fragen eine Rolle
spielten, mit ihnen darüber sprechen müssen. Wie
gehen wir bei den bereits ausgehandelten Rüstungskontrollabkommen vor, die unserer Meinung nach im
besten Interesse liegen? Wer wird sie im Hinblick auf
die Verpflichtungen der sowjetischen Seite durchführen?
Es gibt also eine Reihe von Gründen, aus denen wir
zumindest einen Sicherheitsdialog mit ihnen aufnehmen sollten, der ein wenig umfassender ist als die
Frage der taktischen Kernwaffen.

Frage: In Ihrem zweiten Prinzip haben Sie Wirtschaftsrefomen mit humanitärer Hilfe verbunden. Wie
stark ist diese Verbindung? Mit anderen Worten:
Besteht die Chance, daß die Vereinigten Staaten
ihnen humanitäre Hilfe gewähren, wenn sie bei den
Wirtschaftsreformen oder Ihren fünf Prinzipien nicht
schnell genug handeln?
Antwort: Ja. Der Präsident hat meines Erachtens
deutlich gemacht, daß wir die Menschen nicht verhungern lassen würden. Wir haben humanitäre Hilfe in
eine andere Kategorie eingeordnet. Wir haben technische Hilfe in eine andere Kategorie eingeordnet. Für
humanitäre Hilfe könnte heute eine größere Notwendigkeit bestehen als noch unmittelbar nach dem Londoner Gipfel, und wir haben über technische Hilfe
gesprochen. Wir, die Vereinigten Staaten, sprechen
seit langem über technische Wirtschaftshilfe für die
Sowjetunion, ich glaube bereits seit über zwei Jahren,
denn dies ist unseres Erachtens die Antwort. Sie
müssen einen Weg finden, um dieses System zu
einem produktiven System umzugestalten.
* *

AMERIKA DIENST 36

*

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND
11. September 1991

PARTNER IN DER FÜHRUNG:
DIE NOTWENDIGKEIT STÄRKEREN ENGAGEMENTS
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt bei der Atlantik Brücke
BONN - (AD) - Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland, Robert M. Kimmitt,
der am 5. September 1991 Bundespräsident von Weizsäcker sein Beglaubigungsschreiben überreichte, hielt am
selben Tage bei der Atlantik Brücke in Bonn seine erste Rede in Deutschland. Nachfolgend veröffentlichen wir
die Rede des Botschafters im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.

Herr Leisler Kiep,
verehrte Gäste,
meine Damen und Herren,
ich freue mich, heute abend bei Ihnen zu sein. Für
mich ist dies der Höhepunkt eines sehr aufregenden
Tages. Ich finde es besonders angemessen, meine
erste Rede als Botschafter in Deutschland bei der
Atlantik Brücke zu halten.
Ein neuer Botschafter könnte sich kein besseres Forum wünschen als diese Organisation, die sich der
Aufgabe verschrieben hat, Brücke des Verständnisses und Wegbereiter für Kontakte über einen Ozean
hinweg zu sein, der in den Augen jedes überzeugten
Atlantikers eher verbindet als trennt.
Bevor ich meine Ausführungen beginne, möchte ich
Sie um Nachsicht bitten, falls ich Ihrer Sprache Gewalt
antun sollte. Ich habe seit 1967 nicht mehr regelmäßig
Deutsch gesprochen. Meine jüngsten Versuche zur
Auffrischung meiner deutschen Sprachkenntnisse haben
mich davon überzeugt, daß Mark Twain recht hatte, als
er bemerkte, man könne "Englisch in dreißig Stunden,
Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig
Jahren lernen". Ich hoffe, daß ich etwas schneller sein
werde und bitte Sie nochmals, heute abend Nachsicht
zu üben.
Ich fühle mich stolz und geehrt, von meiner Regierung
mit der Pflege der Beziehungen zwischen unseren
beiden Ländern betraut worden zu sein:
Ich fühle mich unter anderem stolz und geehrt, weil
Deutschland mir großartige persönliche Erfahrungen
und Erinnerungen beschert hat. Die Vorfahren meiner
AMERIKA DIENST 36

Mutter wanderten in der Mitte des 19. Jahrhunderts
aus der Gegend von Hannover in die Vereinigten
Staaten aus. Meine Eltern begegneten sich in Berlin
und heirateten dort im Jahr 1947. Genau neun Monate
später wurde ich in den Vereinigten Staaten geboren.
In gewissem Sinne kann ich also sagen, daß ich schon
"ein Berliner" war noch bevor Präsident Kennedy seine
berühmten Worte sprach. Später, von 1960-1964 war
mein Vater als Offizier des Heeres in Heidelberg und
Baumholder stationiert. Ich hatte damals Gelegenheit,
mit Deutschen Freundschaften zu schließen, die bis
zum heutigen Tag bestehen. Deutschland nimmt in
der Tat nicht nur in meiner Karriere, sondern auch in
meinem Herzen einen besonderen Platz ein.
Stolz und geehrt fühle ich mich aber auch, weil unsere
Beziehungen eine Schlüsselrolle bei der Förderung
von Frieden, Freiheit und demokratischen Werten in
der Nachkriegszeit gespielt und das Zeitalter der
Konfrontation zwischen Ost und West friedlich beendet haben. In diesem Zusammenhang wäre es eine
Nachlässigkeit meinerseits, zu Beginn meiner Amtszeit und dieser Rede nicht der entscheidenden Rolle
meine Reverenz zu erweisen, die mein Vorgänger
Dick Walters bei der Weiterentwicklung dieser Beziehungen gespielt hat. Ich weiß, daß Dick zahlreiche
Reden bei der Atlantik Brücke gehalten hat. Er ist ein
langjähriger Freund, in dessen Fußstapfen zu treten
ich mich nun bemühe. Ich weiß, wie stark es ihn
persönlich bewegte, als er seine 50jährige Karriere im
Dienst der amerikanischen Regierung damit krönen
durfte, daß er als amerikanischer Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland eintraf und diese als
amerikanischer Botschafter eines vereinten Deutschland verlassen konnte.

Seite 1

�Neben der Bedeutung, die mein Eintreffen in Deutschland in diesem Moment für mich persönlich hat, bin ich
besonders aus beruflichen Gründen über die Aussichten auf das, was vor uns liegt, erfreut. Trotz all der
Aufregungen und dramatischen Ereignisse der vergangenen zwei Jahre sehen wi r uns erst jetzt und in
Zukunft mit den wahren Herausforderungen konfrontiert.
Meine Aufgabe als Botschafter ist zum großen Teil
bereits von den politisch Verantwortlichen unserer
beiden Länder vorgezeichnet worden. Vor zwei Jahren, im Mai 1989, hielt Präsident Bush in Mainz eine
zukunftsweisende Rede, in der er vorschlug, die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten
sollten Partner in der Führung werden. Zwei Jahre
später, nach einer nahezu unvorstellbaren Serie von
Ereignissen, die zur Vereinigung dieses Landes führten, erweiterte Bundeskanzler Kohl in einer Rede in
Washington diesen Vorschlag. Er skizzierte drei vordringliche Bereiche der deutschen Außen- und Innenpolitik: die Vollendung des Vereinigungsprozesses in
all seinen Dimensionen, die Schaffung eines freien,
ungeteilten Europas sowie die Übernahme einer erweiterten deutschen Rolle bei der Errichtung einer
neuen Weltordnung.
Von diesen drei Bereichen ist die Vereinigung natürlich
ihrem Charakter nach mehr oder weniger eine Familienangelegenheit der Deutschen. Wir Amerikaner
möchten jedoch glauben, daß auch wir dabei eine
hilfreiche Rolle spielen können, die sich auf unser
aktives Engagement für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und die Jahre unserer sich entwickelnden Freundschaft stützt.
So wissen Sie selbst aus Ihren persönlichen Erfahrungen, daß Deutschland zwar seine politische Einheit
erlangt, der Prozeß der deutschen Vereinigung jedoch
erst begonnen hat. So schwierig es war, politisch die
Gleichheit aller Deutschen zu erlangen, so wird es
noch schwieriger sein, wirtschaftlich, sozial und auch
psychologisch eine Gleichstellung zu realisieren. Der
Mut und die Energie, mit denen der Wiederaufbauund Aussöhnungsprozeß durchgeführt wird, verdienen heute unsere Solidarität ebenso wie vor einem
Jahr der politische Prozeß. Ich engagiere mich persönlich für die Unterstützung dieses Prozesses in Wort
und Tat.
Ich habe die Absicht, Ostdeutschland häufig zu besuchen, und nächste Woche fahre ich bereits nach Berlin
und Brandenburg. Unsere Botschaft wird das im
Frühjahr aufgenommene Aktionsprogramm zur Unterstützung des Einigungsprozesses besonders energisch verfolgen und ausbauen.
Wir werden zu amerikanischen Investitionen in den
neuen Ländern ermutigen, die auf den Regeln des
Markts, der Stärke der deutschen Wirtschaft und dem
enormen Wachstumspotential in Mittel- und Osteuro-

Seite 2

pa beruhen. Dies ist der beste Weg, unserem Vertrauen in die Zukunft des vereinigten Deutschlands praktischen Ausdruck zu verleihen.
Wir erwarten jedoch, daß wir fair und ungehindert
Zugang zu dem sich öffnenden Markt nach wirtschaftlichen und nicht stark politischen Gesichtspunkten
erhalten. Die bürokratischen Hürden, denen sich
potentielle amerikanische Investoren bisweilen bei ihren
geschäftlichen Aktivitäten in der Bundesrepublik ausgesetzt sehen, widersprechen der Politik Deutschlands, ausländische Investitionen zu fördern. Während wir die geographischen Vorteile anderer Nationen
akzeptieren müssen, sollten alle anderen objektiven
Bedingungen so fair wie möglich sein.
Auch sind wir bestrebt, unsere Kultur- und Bildungsprogramme im Osten auszuweiten und zu intensivieren. Seit den fünfziger Jahren haben über 16.500
vielversprechende junge Bürger der Bundesrepublik
Deutschland an Besuchsprogrammen für Einzelpersonen und Gruppen teilgenommen. Ich könnte mir
vorstellen, daß mehrere der heute abend hier Anwesenden zu diesem Personenkreis gehörten. Wir werden natürlich auch in Zukunft Führungskräfte von
morgen aus den westlichen Bundesländern fördern,
aber gegenwärtig konzentrieren wir uns verständlicherweise auf den Osten.
Wir haben den neuen Bürgern des geeinten Deutschlands viel zu bieten - insbesondere im Hinblick auf die
Entwicklung demokratischer Institutionen und Traditionen - und müssen zahlreiche Fehlinformationen
korrigieren. Infolgedessen haben wir dieses Jahr
unsere Kontakt- und Austauschprogramme auf Deutsche in den neuen Bundesländern konzentriert, die
von einem persönlichen Aufenthalt in den Vereinigten
Staaten profitieren und so nach ihrer Rückkehr als
effektive Multiplikatoren dienen können. Im kommenden Jahr werden Tausende von Deutschen aus den
östlichen Bundesländern in die Vereinigten Staaten
reisen und an einer Vielzahl von öffentlichen und
privaten Austauschprogrammen teilnehmen, die in
den letzten Jahren erfolgreich waren. Mehrere hundert dieser Besucher kommen in den Genuß direkter
Unterstützung der US-Regierung, die von der Botschaft und den ihr angeschlossenen Stellen vergeben
wird.
Sicherheit und die euro-atlantische Gemeinschaft
Durch das Vermächtnis des Zweiten Weltkriegs und
die Zwänge des kalten Krieges stand die Sicherheit
stets im Mittelpunkt unserer Beziehungen. Der Kampf
gegen den Kommunismus und die Entschlossenheit,
die Teilung Europas zu überwinden, waren die Prinzipien unserer gemeinsamen Strategie und bestimmten
Prioritäten und Ziele.
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben
unseren Blickwinkel zum Thema Sicherheit fundamental verändert. Sicherheit im klassisch militäriAMERIKA DIENST 36

�sehen Sinn ist nach wie vor entscheidend während wir
versuchen, die wirtschaftlichen und politischen Reformen in Mittel- und Osteuropa sowie in der Sowjetunion
zu fördern und zu konsolidieren und Frieden durch
stabile Abschreckung aufrechtzuerhalten. Diese Ziele
finden in der derzeitigen Metamorphose der NATO
ihren Niederschlag. Das Bündnis hat seine Schlüsselfunktionen im Bereich der Sicherheit bekräftigt und
entwickelt eine neue Militärstrategie auf der Basis
flexiblerer, mobilerer und multinationaler Streitkräfte
mit erheblich geringerem Umfang. Gleichzeitig baut
die NATO ihre politischen Kontakte mit den Reformstaaten des Ostens aus.
Ich möchte an diesem Punkt auch darauf verweisen,
daß wir es anerkennen und begrüßen, daß in Deutschland stationierte US-Streitkräfte gemeinsame Ziele
verfolgen und daß sie auf Bitten Deutschlands hier
sind. Sie werden immer bedenken, daß es ihre Pflicht
ist, die deutsche Souveränität verteidigen zu helfen
und sie zu respektieren.
Wie die Außenminister Baker und Genscher jedoch in
ihrer Washingtoner Erklärung Anfang dieses Jahres
vereinbarten, umfaßt die Stabilität in Europa auch
andere Dimensionen der Sicherheit - politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische. Es wird unsere
gemeinsame Aufgabe sein sicherzustellen, daß beim
Aufbau der euro-atlantischen Gemeinschaft auf der
Basis der drei Säulen NATO, EG und KSZE all diesen
Elementen der Sicherheit Rechnung getragen wird.
Nirgendwo ist dies wichtiger als in der Sowjetunion, wo
wir erstaunt beobachtet und ermutigend reagiert haben, als sich das Land von einer revolutionären Macht,
die das marktwirtschaftliche System ablösen wollte, zu
einem von Krisen geschüttelten Vielvölkerstaat veränderte, der bestrebt ist, sich dieses System zu eigen zu
machen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen in
der Sowjetunion geben gleichermaßen Grund zu Hoffnung wie zu Sorge. Das Anschwellen des Widerstands im Volk gegen den Staatsstreich war letztlich
für dessen Scheitern verantwortlich und zeigt, wie
rasch die Idee der Demokratie Wurzeln in einer Gesellschaft schlug, die kaum Erfahrung damit sammeln
konnte.
Angesichts der jüngsten Ereignisse besteht kaum
Zweifel, daß die Abwendung vom alten totalitären
Staat unumkehrbar ist. Das Scheitern des kommunistischen Systems und dessen Unfähigkeit, sozial oder
wirtschaftlich für seine Bürger zu sorgen, sind offensichtlich. Die militärische Stärke und Solidarität des
Bündnisses hat den Kommunismus eingedämmt, und
erbärmliche wirtschaftliche Leistungen haben ihn diskreditiert. Aber was ihm über kurz oder lang vollends
den Garaus machen wird, ist eine Idee, die nicht
unterdrückt werden kann - ein un veräu ßerliches Recht
auf freie Entscheidung über das eigene politische und
wirtschaftliche Schicksal. Diese Idee hat im sowjetischen Volk eindeutig Fuß gefaßt.

AMERIKA DIENST 36

Die Tatsache des Putschversuchs ist jedoch ein
Warnzeichen für die Zerbrechlichkeit der demokratischen Institutionen der Sowjetunion. Außenminister
Baker hat gestern die Prinzipien dargelegt, von denen
die amerikanischen Beziehungen zur Sowjetunion in
dieser entscheidenden Phase geleitet werden. Bundeskanzler Kohl und Bundesaußenminister Genscher
haben gestern vor dem Bundestag wichtige Erklärungen zur deutschen Politik abgegeben. Davor sind
Vertreter der führenden Industrieländer vergangene
Woche zusammengekommen, um erneut unsere Absicht
zu bekräftigen, den Prozeß politischer und wirtschaftlicher Reformen in der Sowjetunion zu bestätigen. Wir
sind übereingekommen, unsere Aufmerksamkeit vor
allem darauf zu lenken, wie wir den Hilfsbedürftigen
humanitäre Hilfe leisten können, insbesondere in Form
von Nahrungs- und Arzneimitteln. Ferner haben wir in
Zusammenarbeit mit Weltbank und IWF die neue
sowjetische Wirtschaftskommission ermutigt, ihren Plan
zur Wirtschaftsreform zu erarbeiten - der Basis für
verstärkte westliche Hilfe. Und schließlich haben wir
vereinbart, umgehend technische Hilfe zu leisten, um
diese Bestrebungen zu unterstützen, insbesondere in
den Bereichen Nahrungsmittelverteilung, Energie und
Umwandlung der Rüstungsindustrie.
Andernorts in Europa werden unsere Nachbarn, Verbündeten und Freunde - insbesondere in den Staaten
Mittel-und Osteuropas - auf Deutschland und die
Vereinigten Staaten schauen, auf daß sie den Weitblick, den Mut und das Vertrauen demonstrieren, die
eine Führungsrolle ausmachen.
Ich möchte mich kurz dem Baltikum zuwenden. Präsident Bush hat Anfang der Woche erklärt, daß die
Geschichte uns danach beurteilen wird, wie Estland,
Lettland und Litauen sich als unabhängige Nationalstaaten entwickeln. Um diese Entwicklung zu unterstützen, haben die Vereinigten Staaten nicht nur Diplomaten, sondern auch Experten in die Länder des
Baltikums entsandt, um die unmittelbare Notwendigkeit von Nahrungsmittelhilfe und anderer humanitärer
Hilfe zu untersuchen.
Die Lage in Jugoslawien stellt weitere Anforderungen
an die internationale Führungskraft. Wir in den Vereinigten Staaten begrüßen die Bestrebungen der EG im
Rahmen der KSZE, insbesondere ihre Bemühungen
zur Einberufung einer Friedenskonferenz und für einen
effektiven Waffenstillstand. Wir werden weiterhin die
Entwicklungen in Jugoslawien genau verfolgen und die
Fortschritte der EG im Einklang mit der gemeinsamen
US-EG-Erklärung von 3. Juli beobachten.
Während die ehemaligen kommunistischen Staaten
Europas versuchen, ihre neuen frei gewählten Regierungen und freien Marktwirtschaften zu stabilisieren,
besteht die Gefahr, daß der Demokratie zu schnell zu
viel abverlangt wird. Ein Rückgriff auf erprobte Maßnahmen der Kommandowirtschaft könnte dann verlokkend erscheinen. Um diesen Rückfall zu verhindern,

Seite 3

�müssen wir zusammenarbeiten, um Sicherheit in all
ihren Dimensionen, auch der wirtschaftlichen, zu erreichen und dazu beizutragen, daß Demokratie für diejenigen, die sie erstmalig erleben, hält, was sie verspricht.
Deutschland stand an vorderster Front bei den Bestrebungen, Europa zu einigen. Es war bestrebt, die
Europäische Gemeinschaft zu stärken und zu erweitem und politische Probleme mit Hilfe europäischer
Institutionen zu lösen. Die deutsche Führungsrolle bei
der Hilfe der G-24 für Polen ist ein lobenswertes
Beispiel. Die Bundesrepublik Deutschland hat den
Ländern Mittel- und Osteuropas auf dem Weg zu
stabilen Demokratien und Marktwirtschaften Hilfe in
Höhe von über 12 Milliarden D-Mark gewährt. Bei den
Gesprächen, die innerhalb der Europäischen Gemeinschaft mit dem Ziel der Entwicklung sowohl einer
Wirtschafts- und Währungsunion als auch einer politischen Union Europas geführt wurden, war Deutschland der Wegbereiter.
Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Bestrebungen vorbehaltlos. Ein erfolgreiches, vereintes Europa
hat positiven Einfluß auf Stabilität, Demokratie und
Wohlstand auf der ganzen Welt. Es erübrigt sich zu
sagen, daß dieses Konzept auch ein in jeder Hinsicht
für die restliche Welt offenes und in seiner gemeinsamen Politik und Strategie nach außen orientiertes
Europa beinhaltet. Die Harmonisierung eines liberalen
europäischen Ansatzes zu freiem Handel, Investitionen und Finanzpolitik wird eine der großen Herausforderungen des Integrationsprozesses sein. Amerika,
dessen Ansichten zu diesen grundlegenden Fragen
denen der Bundesrepublik Deutschland so sehr gleichen, erhofft sich von Deutschland, daß es innerhalb
der Europäischen Gemeinschaft auf dem Weg zu
deren Ziel, einer wirtschaftlichen und politischen Union,
die Führung übernimmt.
Die zuerst von Bundesaußenminister Genscher angeregte Transatlantische Erklärung der EG und der USA
von November 1990 bietet den Rahmen dafür, daß die
Vereinigten Staaten eine aktive Rolle im europäischen
Integrationsprozeß spielen können. Die Erklärung
umreißt Bereiche der Zusammenarbeit und Konsultationen zu politischen, wirtschaftlichen und grenzüberschreitenden Fragen. Sie schafft den Rahmen zur
Erweiterung unseres Dialogs und unserer Beziehungen. Sie definiert die gemeinsamen Ziele unserer
transatlantischen Partnerschaft, unter anderem die
Unterstützung von Demokratie und Wohlstand weltweit sowie die Stärkung des multilateralen Handelssystems.
In dieser Hinsicht ist es wichtig, daß Deutschland seine
Führung im Welthandel unterstreicht, indem es gegenwärtige Hindernisse in der Uruguay-Runde des GATT
ausräumen hilft. Die Vereinigten Staaten engagieren
sich weiterhin voll und ganz für einen erfolgreichen
Abschluß der Uruguay-Runde. Leider haben unsere

Seite 4

Differenzen im Bereich der Landwirtschaft die Tatsache getrübt, daß wir bei diesen Verhandlungen grundsätzlich gemeinsame Interessen verfolgen. Als größte
Exportnationen der Welt haben Deutschland und die
Vereinigten Staaten bei einem Erfolg der Runde viel zu
gewinnen - und bei ihrem Scheitern viel zu verlieren.
Die wirtschaftliche - und damit vielleicht die
politische - Stabilität der Länder Osteuropas
und der dritten Welt, die sich durch Reformen
von der Planwirtschaft befreien, hängt zum großen
Teil von der Gelegenheit dieser Länder ab, ihre
Produkte - auch ihre Agrarerzeugnisse - auf die
größten und reichsten Märkte der Welt zu exportieren. Von Deutschland erhoffen wir uns,
daß es sowohl in seinem eigenen nationalen
Interesse als auch im Namen zahlreicher kleinerer Länder, die von Agrarexporten abhängig
sind, den Weg bereiten hilft, um Europas
Gemeinsame Agrarpolitik zu reformieren.
Es gibt viele Mißverständnisse über unsere
Agrarpolitik. Oft heißt es, die Vereinigten Staaten wollten die europäischen Landwirte ruinieren. Das ist ganz einfach falsch. Wir sind nicht
gegen die Unterstützung von Landwirten, sondern nur gegen eine Unterstützung, die Produktion und Handel verzerrt.
Was wir wollen, sind Schritte hin zu einem
Handelsregime, das die GATT-Regeln, die bei
Industriewaren so erfolgreich waren, auf die
Landwirtschaft anwendet. Die Tatsache, daß
die Landwirtschaft faktisch von den normalen
Regeln des Welthandels ausgenommen ist, hat
Regierungen und Verbraucher Milliarden D-Mark
gekostet und den leistungsfähigsten Herstellern
Märkte verschlossen.
Stärkeres Engagement über Europa hinaus
Die Uruguay-Runde ist ein Beispiel dafür, wie sehr wir
mit Deutschland zusammenarbeiten können, nicht nur
bei Fragen der transatlantischen Beziehungen, sondern auch bei Problemen, die die gesamte internationale Staatengemeinschaft betreffen. Und die Transatlantische Erklärung der EG und der USA kann einen
Rahmen für weltweite und europäische Fragen liefern.
Keine Nation mit so umfassenden Interessen auf den
Gebieten Wirtschaft, Handel, Kultur und Umwelt wie
Deutschland kann ein Engagement in der Weltpolitik
vermeiden. Selbst vor der Einigung war der deutsche
Einfluß in diesen Bereichen von Mittelamerika bis zum
Nahen Osten spürbar. Deutschland hat seit langem
zur wirtschaftlichen Stabilität der Welt beigetragen.
Bedauerlicherweise haben die Spannungen zwischen
Ost und West sowie das tragische Vermächtnis der
Nazi-Ära zusammengewirkt, eine entsprechende politische Rolle über Europa hinaus zu verhindern. Diese
Situation hat sich jetzt geändert.

AMERIKA DIENST 36

�Anfang dieses Jahres erklärte Bundeskanzler Kohl in
Edinburgh: "Für uns Deutsche gibt es keine Nische in
der Weltpolitik. Wir wollen unseren Beitrag leisten zu
einer Welt des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit."
Dies waren höchst willkommene Worte, denn die Welt
benötigt ein engagiertes, nach außen orientiertes
Deutschland. Es gibt zu wenige demokratische Nationen mit den Ressourcen und der Phantasie, wie sie
Deutschland zur Entwicklung einer neuen und besseren Weltordnung beitragen kann.
Bei allem gebührenden Respekt für diejenigen, die
vorgeben, einen Wiederaufstieg Deutschlands aufgrund seiner Geschichte zu fürchten: sie mißverstehen oder unterschätzen meines Erachtens dieses
Deutschland. Die Bundesrepublik hat ihren angestammten Platz unter den führenden Nationen der
freien Welt verdient. Sie hat dazu beigetragen, Europa
zu einer Ära von Frieden, Wohlstand und Sicherheit zu
führen, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Sie
ist ein Land, das Niederlage und Teilung kennengelernt hat und dennoch frei, wohlhabend und stark
daraus hervorgegangen ist. Sie kann daher zu Recht
zur Verteidigung der Freiheit und von der Verpflichtung
sprechen, eine helfende Hand auszustrecken.
Es gibt bereits unmißverständliche Anzeichen für
Deutschlands Engagement für diese Ziele innerhalb
der umfassenderen Konturen seiner Außenpolitik:
Als Land, das gerade seine Vereinigung erleben
durfte, hat Deutschland eine einzigartige Grundlage für Gespräche mit Nord- und Südkorea.
Darüber hinaus ist es eines der wenigen Länder
mit offiziellen Vertretungen in beiden Ländern.
Bei dem sich beschleunigenden Friedensprozeß in Kambodscha hat Deutschland eine einmalige Ausgangsbasis. Zwar sind die Bedingungen für eine amerikanische Vertretung in
Phnom Penh noch nicht reif. Aber wir verfolgen
gemeinsam mit Deutschland das Ziel, eine
umfassende Regelung innerhalb des von den
Fünf Ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats vorgegebenen Rahmens zu verwirklichen.
China hat eine wichtige, konstruktive Rolle in
Kambodscha gespielt. Bei anderen Problemen
bleibt jedoch noch viel zu tun. Wir hoffen, daß
sich Deutschland als ein führendes Land uns
dabei anschließen wird, die Chinesen für Grundsatzfragen wie Menschenrechte, freien Handel
und Nichtverbreitung zu gewinnen.
In Lateinamerika hat Deutschland wichtige Beiträge zur Wahlbeobachtung in Nicaragua und El
Salvador geleistet und fördert durch seine Entwicklungshilfepolitik den Umweltschutz.

AMERIKA DIENST 36

In Afrika stellt die Bundesregierung ihre Führungsrolle unter Beweis, indem sie humanitäre
Hilfsprogramme mit dem Ziel entwickelt, die
Hauptprobleme wie Armut, Hunger und Überbevölkerung zu bekämpfen. Darüber hinaus haben die politischen Stiftungen in Deutschland
mit einigen der umfangreichsten und kreativsten Programme, die es jemals im Privatsektor
gab, Ressourcen, Know-how und Informationen nach Afrika geleitet.
Die unerschütterliche politische Unterstützung
sowie die großzügige Finanzhilfe und logistische Unterstützung Deutschlands waren entscheidende Faktoren für die Befreiung Kuwaits
und den Schutz Israels während des Golfkriegs.
Durch die engen Beziehungen der Bundesrepublik zu Israel, dem Iran und den wichtigsten
arabischen Ländern leistet Bonn einen wertvollen Beitrag zum regionalen Dialog am Persischen Golf und im gesamten Nahen Osten.
Solche Aktivitäten liefern eine solide Basis für den
Ausbau der zukünftigen Rolle Deutschlands. Ich möchte
Ihnen dazu einige Beispiele möglicher künftiger Initiativen nennen, um Ihre Phantasie anzuregen:
Das deutsche Geschick für multilaterale Diplomatie könnte nützlich für die Zusammenarbeit
mit der Organisation für Afrikanische Einheit
(OAU) eingesetzt werden, um diese Institution
zu stärken, gemeinsame Märkte aufzubauen
und die afrikanischen Länder zur Selbsthilfe zu
führen. Die Bundesrepublik könnte sich femer
stärker an Bestrebungen zur Beilegung regionaler Konflikte in Afrika beteiligen. Obwohl
Deutschlands besonderes Interesse an Ländern wie Namibia und Südafrika nur natürlich
und positiv ist, bleibt noch viel Raum für größere
Aktivitäten.
Der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Carl-Dieter Spranger, fordert neue Kriterien bei der Entwicklungshilfe, die deutsche
Kredite an "überbewaffnete" Länder beschränken. Die Vereinigten Staaten und Deutschland
könnten ihre Zusammenarbeit bei der Vergabe
von Entwicklungshilfekrediten als Instrument
nutzen, um die Verbreiter solcher Waffen in der
dritten Welt von ihrem Kurs abzubringen. Gleichzeitig müßten wir jedoch die berechtigten Sicherheitsinteressen von Ländern wie Ägypten
und Israel bedenken, die im Friedensprozeß
des Nahen Ostens und im Golfkrieg eine schwierige Position hatten.
Es gibt viel Raum, um unsere bereits fruchtbare
Zusammenarbeit bei der Drogenbekämpfung in
den Andenstaaten ebenso auszubauen wie

Seite 5

�unsere Politik zur Terrorismusbekämpfung im
Nahen Osten. Zusammen mit der Verbreitung
von militärischer Technologie und Massenvernichtungswaffen bedeuten diese Bedrohungen
eine massive Herausforderung für unsere
gemeinsame Sicherheit. Dabei gibt Deutschlands neue Gesetzgebung für den Handel mit
militärischer Technologie ein gutes Beispiel.
Dennoch wird der Erfolg davon abhängen, inwieweit man andere - insbesondere EG-Länder
- ermutigen kann, ebenfalls solche Gesetze zu
verabschieden. Wir hoffen, Deutschland wird
gemeinsam mit uns alle Staaten ermutigen,
insbesondere Indien und Pakistan, um den Nichtverbreitungsvertrag zu unterzeichnen, wie China, Südafrika und Frankreich es entweder gerade getan oder angekündigt haben.
Wir erkennen vielversprechende Bereiche potentieller deutscher Zusammenarbeit mit Japan
auf bilateraler und multilateraler Ebene. Dazu
gehört vor allem die enge Koordinierung der
Politik gegenüber der Sowjetunion. Ferner sollen dort praktische Wege zur Förderung politischer Stabilität gesucht und der Reformprozeß
wieder in geordnete Bahnen gelenkt werden.
Darüber hinaus liegt es im gemeinsamen Interesse Deutschlands und Japans, eine größere
Rolle bei den Entscheidungen der Vereinten
Nationen zu spielen, was wir unterstützen.
Schlie ßlich gab Au ßenminister Baker zu verstehen, daß die Vereinigten Staaten zusammen
mit der Sowjetunion besondere Anstrengungen
in der Frage der nördlichen Territorien Japans
unternehmen wollen, die ein Relikt sowohl des
Zweiten Weltkriegs als auch des kalten Kriegs
ist. Wir würden deutsche Unterstützung bei
diesen Bemühungen begrüßen.
Die Bundesrepublik wird noch in diesem Monat
den Vorsitz derG-7, der Gruppe führender Industrienationen, übernehmen und auch im Sommer nächsten Jahres Veranstalter des Gipfels
der G-7 in München sein. Diese Gipfel verleihen
der Koordinierung weltweiter wirtschaftlicher und

politischer Fragen eine wichtige neue Dimension, und München wird ein bedeutendes Forum
für die deutsche Führungsrolle werden. Diese
Rolle steht im Einklang mit Präsident Bushs
Forderung nach einem verbesserten "Trialog"
zwischen Europa, Japan und Nordamerika.
Wie diese Beispiele verdeutlichen, hängt unsere
gemeinsame Zukunft von unserem gemeinsamen Willen
und Mut ab, neue Ansätze zu suchen. Solch weltweites Engagement ist jedoch keine leichte Aufgabe. Sich
zu engagieren, heißt sich vor der Weltmeinung zu
verantworten. Damit können Risiken und Kosten
verbunden sein, weil eine Führungsrolle und eine
Vision Kritik - manchmal irrig, manchmal eifersüchtig,
manchmal sogar boshaft - nach sich ziehen.
Aber als erfolgreiche Nationen sind wir verpflichtet,
denen Hoffnung zu geben, die immer noch den Erfolg
anstreben. Vernachlässigung und Verzweiflung sind
die Ursachen von Instabilität und Gewalt. Der Glaube
an die Zukunft kann bei der Bewältigung von Problemen stark motivieren.
Über 150 Jahre lang hat sich Amerika um seine
eigenen Angelegenheiten gekümmert und sich im
Grunde dem Sirenengesang des Isolationismus hingegeben. Schließlich haben wir kurz vor Mitte dieses
Jahrhunderts erkannt, daß es in unserem eigenen
Interesse liegt, die gemeinsamen Interessen wahrzunehmen und treu zu unseren zentralen Werten von
Freiheit und Demokratie zu stehen. Und wir haben die
Last der Führungsrolle auf uns genommen.
Wir haben einen Weg des anhaltenden Engagements
gewählt.
Es war ein lohnender, aber manchmal auch einsamer
Weg.
Wir freuen uns, einen treuen Freund und Verbündeten
wie die Bundesrepublik Deutschland an unserer Seite
zu haben, der mit uns einen neuen Weg geht: einen
Weg des stärkeren Engagements, dessen Ziel ganz
einfach eine bessere Welt für uns alle ist.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 36

�V I S U M FÜR

USA
11. September 1991

ZULASSUNGSBEDINGUNGEN FÜR DAS VISUM
PER LOSVERFAHREN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON-(AD)- Die nachfolgende Übersicht mit dem Titel "Zulassungsverfahren fürdasEinwanderungsvisa-Programm AA-1 - Paragraph 132 des Einwanderungsgesetzes von 1990, PL. 101-649" wurde am 6.
September 1991 von der Abteilung für konsularische Fragen im US-Außenministerium veröffentlicht.

Worum handelt es sich beim EinwanderungsvisaProgramm AA-1?

Wie und wann werden Anmeldungen für AA-1
entgegengenommen?

Im Rahmen dieses Einwanderungsvisa-Programms
werden in jedem der Haushaltsjahre 1992,1993 und
1994 Personen aus 34 Ländern, die durch Änderungen
im Einwanderungsreformgesetz von 1965 benachteiligt wurden, 40.000 Einwanderungsvisa erteilt. Dabei
wird in jedem Haushaltsjahr ein neues Anmeldeverfahren durchgeführt.

Die Anmeldefrist für den Antrag im Haushaltsjahr 1992
(Oktober 1991 bis September 1992) beginnt am 14.
Oktober 1991 um 00.01 Uhr (Washington D.C.-Zeit)
und endet am 20. Oktober 1991 um 23.59 Uhr. Anträge müssen an folgende Anschrift gerichtet werden:

Wie kann man am Programm AA-1 teilnehmen?
Um an dem Programm AA-1 teilzunehmen, müssen
sich Bürger der 34 unten genannten Länder (in denen
sie geboren sein oder wo sie "natives" sein müssen)
bei der im folgenden genannten Adresse anmelden.
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge ihres
Eingangs bearbeitet. Etwa die ersten 50.000 Bewerber werden informiert, daß sie ausgewählt wurden und
haben damit Gelegenheit, einen Visumantrag zu stellen.
Wer kann an AA-1 teilnehmen?
Personen, die in den folgenden Ländern geboren sind,
können sich bewerben:
Albanien, Algerien, Argentinien, Belgien, Bermuda,
Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Gibraltar, Großbritannien, Guadeloupe, Island,
Indonesien, Irland, Italien, Japan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Monaco, Neukaledonien,
Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, San Marino, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Tunesien und Ungarn.

AMERIKA DIENST 36

AA-1 Program
P.O. Box 60000
Arlington, Virginia 22218-0001
USA
Links oben auf dem Umschlag muß der Antragsteller
sein Heimatland angeben, zum Beispiel: Italien.
Die Anträge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs
während der Anmeldefrist bearbeitet. Sie können aus
den Vereinigten Staaten und aus dem Ausland mit
normaler Post oder Luftpost an die oben genannte
Anschrift geschickt werden.
Persönlich abgegebene Anträge, Telegramme oder
Anträge, die eine Eingangsbestätigung erfordern, werden
nicht angenommen. Anträge, die vor oder nach der
Anmeldefrist beim Postfach eingehen oder an eine
andere Adresse geschickt werden, werden nicht bearbeitet.
Welche Informationen muß der Antrag enthalten?
Es gibt kein besonderes Antragsformular. Antragsteller sollten die unten beschriebenen Angaben auf einen
normalen Briefbogen schreiben. Jeder Umschlag darf
nur einen Antrag enthalten. Der Briefumschlag sollte
eine Standardgröße für Briefe haben, eine Länge von

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�etwa 12,7 bis 26,7 cm und eine Breite von etwa 9 bis
16,5 cm. Die Größe ist für die automatische Bearbeitung des Posteingangs notwendig. Jeder Antrag muß
in englischer Sprache mit der Schreibmaschine oder in
deutlichen Druckbuchstaben geschrieben werden und
enthalten:
Folgende Angaben auf einem einfachen Briefbogen:
a)

Vollständiger Name des Antragstellers
Name, alle Vornamen

b)

Geburtsdatum und -ort des Antragstellers
Datum: Tag/Monat/Jahr
Ort : Stadt/Stadtteil; Bezirk/Provinz; Land

c)

Name, Geburtsdatum und -ort des Ehepartners
und der Kinder des Antragstellers

Der Ehepartner und die Kinder eines Antragstellers,
der sich für den AA-1 -Status beworben hat, haben als
Familienangehörige automatisch Anrecht auf denselben Status. Dabei müssen der Ehepartner oder das
Kind nicht in einem der aufgelisteten Länder geboren
sein. Um ein Visum für diese Mitqualifizierung als
Familienangehöriger zu erhalten, muß das Kind unter
21 und unverheiratet sein.
d)

Postanschrift des Antragstellers

Die Postanschrift muß klar und vollständig sein, weil
die Benachrichtigung über die Zulassung der Personen an diese Anschrift geschickt wird.
e)
Konsularische Vertretungen der Vereinigten
Staaten, an die eine Zulassung für ein Visum geschickt
werden soll.
Normalerweise ist dies die US-Botschaft oder das
Konsulat im Heimatland des Antragstellers. Wenn
sich der Antragsteller in den Vereinigten Staaten aufhält, ist die konsularische Vertretung in dem Land des
früheren Wohnsitzes außerhalb der Vereinigten Staaten anzugeben. An diese Stelle wird der Visumsantrag
in jedem Fall zur Bearbeitung weitergeleitet.
An die Vorlage des Antrags sind keine weiteren Bedingungen als die oben beschriebenen Angaben geknüpft. Photokopien werden akzeptiert, und eine
Unterschrift ist nicht erforderlich.
Wieviele Antragsteller werden zugelassen?
Insgesamt werden etwa 50.000 Antragsteller zugelassen. Darin sind sowohl die Hauptantragsteller als auch
ihre Ehepartner und Kinder als mitqualifizierte Familienmitglieder enthalten. Da einige der ersten 40.000
ausgewählten Personen ihren Antrag nicht bis zur
Ausstellung eines Visums verfolgen werden, gewährleistet diese größere Anzahl die Nutzung aller unter

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AA-1 vergebenen Nummern, heißt aber unter Umständen, daß ausgewählte Personen, die nicht schnell
handeln, kein Visum bekommen. Alle ausgewählten
Personen werden umgehend von ihrem Platz auf der
Liste informiert. Ausgewählte Antragsteller, die Visa
erhalten möchten, müssen umgehend alles weitere
veranlassen. Jeden Monat werden Visa in chronologischer Reihenfolge oder Auswahl an Antragsteller erteilt, auf die in diesem Monat die Wahl gefallen ist.
Wenn insgesamt 40.000 Visa ausgestellt wurden, ist
damit das Programm für das laufende Jahr beendet.
Das Gesetz sieht vor, daß mindestens 40 Prozent
(16.000) der AA-1 Visa jeden Jahres Antragstellern
aus dem Land ausgestellt werden müssen, in dem im
Rahmen des vorherigen Programms NP-5 die meisten
Visa erteilt wurden (Irland mit etwa 41 Prozent Visa
gemäß NP-5). Das heißt, mindestens 40 Prozent der
für AA-1 Visa zugelassenen Personen müssen aus
Irland stammen.
Wie werden die Fälle bearbeitet?
Die Anträge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs
im Zeitraum der Antragstellung bearbeitet, das heißt,
bis genug Personen für die im Haushaltsjahr 1992
verfügbaren Visa ausgewählt sind. Sobald ein Antragsteller zugelassen wurde, erhält er ein Benachrichtigungsschreiben. Ein Nachweis seiner Zulassung ergeht
gleichzeitig an die konsularische Vertretung, die den
Fall weiterbearbeiten wird.
Werden nicht zugelassene Antragsteller informiert?
Nein. Der Antrag nicht zugelassener Antragsteller wird
nicht beantwortet.
Kann jeder Antragsteller nur einen Antrag für AA1 stellen?
Es gibt keine Beschränkung für die Zahl der vorlegten
Anträge. Nur der zuerst eingehende Antrag eines
Antragstellers im Zeitraum der Antragstellung wird
erfaßt.
Können Ehegatten separat einen Antrag stellen?
Ja. Wenn einer von beiden zugelassen wird, ist der
andere als Familienmitglied mitqualifiziert.
Können Kinder unabhängig von ihren Eltern einen
Antrag stellen?
Grundsätzlich sind Kinder von der Antragstellung nicht
ausgeschlossen, aber die Bedingung einer festen
Arbeitsplatzzusage für jeden Hauptantragsteller zum
Zeitpunkt des Visumgesprächs wird jeden disqualifizieren, der gesetzlich noch nicht arbeitsberechtigt ist.
In jedem Fall können Eltern nicht aufgrund ihres Kindes zugelassen werden, aber ein Kind (unter 21 Jahren und unverheiratet) wird automatisch mit seinen
Eltern zugelassen.

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�Wie ist der Begriff "native" zu definieren? Gibt es
Grundlagen, infolge derer Personen, die nicht in
einem oben genannten Land geboren sind, trotzdem zugelassen werden können?
Im Rahmen des AA-1 -Programms bezeichnet "native"
sowohl eine Person, die in einem der bereits genannten Länder geboren ist als auch Personen, die einem
dieser Länder "zugerechnet" worden sind. Antragsteller für AA-1 können von unterschiedlichen Heimatländern profitieren, zum Beispiel kann ein Antrag dem
Geburtsland eines Ehepartners zugerechnet werden,
ein Kind dem Geburtsland eines Elternteils und ein
Antragsteller, der in einem Land geboren ist, in dem
keiner seiner Eltern zum Zeitpunkt seiner Geburt seinen ständigen Wohnsitz hatte, kann sich dem Geburtsland beider Elternteile zurechnen. Ein Antragsteller, der den Vorteil der alternativen Zurechnung in
Anspruch nehmen will, muß seinem Antrag eine entsprechende Erklärung beifügen und das alternative
Land auf dem Umschlag mit dem Antrag links oben
angeben.
Gesetzt den Fall, der Geburtsort einer Person war
zum Zeitpunkt seiner Geburt ein "AA-1 "-Land,
liegt aber aufgrund von Grenzveränderungen nicht
mehr in einem zugelassenen Land?
Wenn eine Person als in einem zugelassenen Land
geboren anerkannt werden will, muß der Geburtsort
innerhalb der Grenzen liegen, wie sie gegenwärtig von
den Vereinigten Staaten anerkannt werden.
Können Personen, die in den Vereinigten Staaten
leben, einen Antrag stellen?
Ja. Antragsteller können sich zum Zeitpunkt der Antragstellung entweder in den Vereinigten Staaten oder
im Ausland aufhalten.
Muß jeder Antragsteller seine(n) eigenen Antrag/
Anträge stellen, oder kann es jemand in seinem
Namen tun?
Beide Formen sind korrekt.
'

Ist ein Arbeitsangebot erforderlich, wenn man
sich für das AA-1-Programm bewirbt?

*

Nein. Ein Brief von einem künftigen Arbeitgeber in den
Vereinigten Staaten muß dem ersten Antrag für das
AA-1 Programm nicht beigefügt werden. Zum AA-1Programm zugelassene Personen müssen jedoch zum
Zeitpunkt ihres Interviews für ein Einwanderungsvisum den Beweis erbringen, daß sie einen Vollzeitarbeitsplatz in Aussicht haben. Mit zwei oder mehr
*

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Teilzeitarbeitsplätzen ist diese Voraussetzung ebenfalls erfüllt, wenn diese zusammengenommen eine
Vollzeitbeschäftigung ergeben, solange der Antragsteller von jedem Arbeitgeber Bestätigungen über das
Arbeitsangebot erbringt. Das Angebot kann von einem
Unternehmen oder jeder anderen Institution oder
Organisation in den Vereinigten Staaten oder von
einer Privatperson unterbreitet sein. Der Beweis einer
bestehenden freiberuflichen Tätigkeit kann die Bedingung des Arbeitsangebots erfüllen - der Plan zur
sofortigen Eröffnung eines eigenen Betriebs fällt jedoch nicht darunter.
Gibt es in der Kategorie AA-1 eine Zulassungsgebühr?
Bei der Unterbreitung des ersten Zulassungsantrags
wird keine Gebühr erhoben. Erfolgreiche Bewerber
zahlen zur Abdeckung der Bearbeitungskosten für AA1 -Zulassungen 25 Dollar. Diese Gebühr wird von der
konsularischen Vertretung erhoben, an die der Antrag
zu Bearbeitung weitergeleitet wird. Nicht zugelassene
Personen zahlen keine Gebühr.
Können Bewerber, die bereits für ein Einwanderungsvisum in einer anderen Kategorie zugelassen sind, sich um eine Zulassung in der AA-1Kategorie bewerben?
Ja.
Wird erfolgreichen Kandidaten, die sich bereits in
den Vereinigten Staaten aufhalten, gestattet, ihren
Status anzupassen?
Ja, solange die Person sich legal im Land aufhielt.
Sobald ein Antragsteller seine Nummer erhält, sollte er
sich mit der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (Immigration and Naturalization Service) in
Verbindung setzen, um sich über die Anpassung seines Status zu informieren.
Wie lange bleiben Antragsteller, die in diesem
Antragszeitraum ihren Antrag stellen, berechtigt,
Visa der AA-1-Kategorie zu beantragen?
Personen, die 1991 einen Antrag für AA-1 stellen,
können sich nur im Haushaltsjahr 1992, das heißt von
Oktober 1991 bis einschließlich September 1992, um
die Ausstellung eines Visums bewerben. Personen,
deren Antrag im Haushaltsjahr 1992 nicht bewilligt
wird, dürfen sich nicht erneut bewerben. In jedem Jahr
muß vor Beginn des Haushaltsjahrseine Bewerbungsfrist für die AA-1 Visa dieses Jahren eingeräumt werden.

* * *

*

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�GESELLSCHAFT
11. September 1991

SPÄTBERUFENE STUDENTEN STREBEN
IN DIE HOCHSCHULE
von Mary Jo Binker
Die Autorin ist Redakteurin der Zeitschrift American, die von der American University in Washington herausgegeben wird.
Copyright (c) 1990 The American University. Übersetzung mit Genehmigung.

Was haben sie gemeinsam - ein 35jähriger Aussteiger,
ein Ex-Entwicklungshelfer, ein pensionierter Geschäftsmann, eine arbeitslose Bürokraft, ein Einwanderer aus
Mittelamerika, ein aufstrebender Beamter, eine Hausfrau und ein erfolgreicher Politiker mit dem Wunsch,
Jura zu studieren?
Sie alle belegen eine steigende Tendenz an den
Hochschulen: Erwachsene gehen wieder zur Schule.
Dem College Board (der offiziellen Stelle für Informationen über Hochschulbildung in den Vereinigten Staaten) zufolge sind 45 Prozent der Collegestudenten
über 25 Jahre alt. In den nächsten zehn Jahren wird
diese neue Gruppe von Studenten - 60 Prozent davon
sind Frauen und 70 Prozent Vollzeitbeschäftigte - die
Mehrheit der Studenten in den Collegeklassen Amerikas stellen.
Einer der Hauptfaktoren für den Boom in der Erwachsenenbildung ist die Überzeugung, daß ein Collegeabschluß die Eintrittskarte für eine erfolgreiche Karriere
ist. "Bildung zahlt sich in nie dagewesenem Umfang
aus," erklärt Robert Lerman, Arbeitsökonom und Professorander American University (AU) in Washington.
"Arbeitnehmer mit Collegeausbildung verdienen mehr
Geld als je zuvor. Die Gehaltsunterschiede zwischen
Arbeitnehmern mit Schul- oder Universitätsabschlüssen waren noch nie so hoch wie jetzt." Dem Arbeitshistoriker Michael Kazin von der American University
zufolge wird diese Kluft noch größer werden. "Die
Strukturen auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt haben
sich in den letzten fünfzig bis sechzig Jahren verändert, "konstatiert der Professor. "Immer mehr Arbeitsplätze erfordern entweder einen hohen Ausbildungsgrad oder eine Minimalausbildung - eine Zwischenlö-

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sung gibt es nicht. Um eine gute Stelle zu bekommen,
benötigt man ein Bakkalaureat oder man sinkt auf eine
ganz niedrige Gehaltsstufe."
Diese Veränderung im Ausbildungsgrad der Arbeitnehmer macht Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen unsicher, wie der Arbeitsplatz von morgen
aussehen wird.
Der Arbeitsplatz von morgen wird unbeständig sein,
erklärt dazu Betsy Brand, Abteilungsleiterin für Berufsund Erwachsenenbildung im US-Bildungsministerium.
'Technische Fortschritte und die Veränderungen durch
Fusionen und Firmenaufkäufe unter US-Firmen zusammen mit den jüngsten politischen Entwicklungen
im Ausland machen Prognosen extrem schwierig,"
erklärt Brand. "Wir können nur mit Sicherheit sagen,
daß alles unsicher sein wird."
Der Arbeitsplatz von morgen wird darüber hinaus von
mehr Konkurrenz geprägt sein. "Firmen machen sich
heute schneller Veränderungen auf den In- und Auslandsmärkten zunutze", erklärt Lerman. "Sie müssen
ihre Geschäftstätigkeit ausweiten, stärker um qualitativ hochwertige Produkte bemüht sein und langfristiger
denken."
Darüber hinaus wird die Erwerbsbevölkerung in den
Vereinigten Staaten vielfältiger sein als je zuvor. "Im
Jahr 2000 werden mehr Frauen als Männer und mehr
Minderheiten als Weiße auf den Arbeitsmarkt strömen," erläutert die Leiterin der Berufsberatung an der
AU, Toby van der Vorm. "Unser traditionelles System
mit seiner Ausrichtung auf junge, weiße, männliche
Arbeitnehmer wird sich überlebt haben."

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�Die steigende Zahl von Frauen und Angehörigen von
Minderheiten wird unter Umständen jedoch nicht ausreichen, um alle Arbeitsplätze im Jahr 2000 zu besetzen. "Bis jetzt gibt es noch keinen eklatanten Mangel
an qualifizierten Arbeitskräften, aber er könnte eintreten," erklärt Jurg Siegenthaler, Soziologieprofessor an
der AU, der strukturelle Veränderungen bei den Beschäftigten in der Industrie erforscht hat, "insbesondere wenn die demographischen Prognosen der letzten
zehn Jahre stimmen und weniger junge Menschen
dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen."
Die Arbeitsplätze von morgen werden sich ebenfalls
verändern. "Wir erkennen bereits eine Verlagerung
von monotonen Arbeitsplätzen zu solchen, bei denen
komplexere Fähigkeiten und mehr Urteilsvermögen
gefragt sind," erklärt Brand. "Arbeitnehmer werden
gebeten, mehr Verantwortung dafür zu übernehmen,
was sie tun und warum sie es tun. Das heißt, der
einzelne Arbeitnehmer ist stärker gefordert."
Darüber hinaus prognostiziert Brand, daß sich der
Zeitraum zwischen technischen Innovationen verringern wird. "Mit einer zwei- oder dreijährigen Verzögerung zwischen Produktentwicklung und Umsetzung
sind manche Produkte bereits veraltet, wenn sie auf
den Markt kommen," beobachtet Brand. "Damit werden Betriebe einem immensen Stress ausgesetzt, ihre
eigenen Leute auf dem laufenden zu halten."
Das hei ßt, die Arbeitnehmer der Zukunft müssen flexibel und lernbereit sein. "Manche Firmen ziehen zum
Beispiel Geisteswissenschaftler Informatikern vor, weil
Informatiker als zu unbeweglich gelten," erklärt Siegenthaler. "Arbeitgeber möchten lieber jemanden mit
einer umfassenderen Ausbildung, der sich die Spezialkenntnisse über Computer am Arbeitsplatz aneignet."
Und als ob die Veränderungen in der amerikanischen
Arbeitswelt nicht ausreichten, müssen US-Firmen und
ihre Beschäftigten sich auch noch der ständig steigenden ausländischen Konkurrenz stellen.
Diese Veränderungen in der Geschäftsleitung und bei
den Mitarbeitern stoßen auf veränderte Einstellungen
der Arbeitnehmer. "Die Arbeitnehmer wollen eine
dauernde Herausforderung, die nur möglich ist, wenn
an ihrem Arbeitsplatz zunächst einmal Vielfalt, Komplexität und Entscheidungen gefragt sind", erklärt
Siegenthaler.
"Der anhaltende Trend zum frühen Ruhestand in den
Vereinigten Staaten ist ein Anzeichen für dieses Phänomen. Viele Frühpensionäre sagen jedoch auch, sie
hätten länger gearbeitet, wenn die Arbeitsstunden
flexibel und die Aufgaben interessant gewesen wären."
Dies bewertet van der Vorm als interessanten und
bedeutsamen Aspekt. "Im Gegensatz zu Menschen,
die vor der Depression aufwuchsen, als es wichtig war,
jede Art von Arbeitsplatz zu behalten, glauben die
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Arbeitnehmer von heute - insbesondere die Angehörigen geburtenstarker Jahrgänge (Arbeitnehmer im Alter von 40 - 49) - daß Arbeit sinnvoll sein sollte."
Die Ungewißheiten des freien Markts machen den
Entschluß, wieder die Schulbank zu drücken, zu mehr
als einer vernünftigen Alternative für die Arbeitnehmer
und 3erufsanfänger von heute. Die Rückkehr zur
Schule wird zwingend erforderlich. Die meisten Berufsberater sind sich darin einig, daß der Durchschnittsbürger heute bereit sein muß, während seines Arbeitslebens mehrere verschiedene Berufe auszuüben. Die
Amerikanische Gesellschaft für Ausbildung und Entwicklung (American Society for Training and Development) stellt dazu fest, daß 75 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer bis zum Ende dieses Jahrzehnts
eine Umschulung benötigen. "Die Erwerbstätigen
werden sich immer stärker der Tatsache bewu ßt, daß
der einzige Weg zur Beibehaltung des Arbeitsplatzes
oder zum beruflichen Aufstieg darin besteht, neue
Qualifikationen zu erwerben", erklärt Lerman.
Van der Vorm stimmt zu: "Die Tage der Arbeitsplatzsicherheit sind vorbei", räumt sie ein. Nach all den
Firmenaufkäufen durch Börsenspekulanten in den
achtziger Jahren wurden selbst Unternehmen, die für
ihre Beschäftigten ein sicherer Hafen waren, demontiert. Heute ist es ein normaler Vorgang, daß sich ein
langjähriger Mitarbeiter einer Firma plötzlich zum ersten Mal nach vielen Jahren einen neuen Arbeitsplatz
suchen muß.
Auch mit dem Konzept der Aufstiegsmöglickeiten ist
es heute vorbei. Besonders die geburtenstarken
Jahrgänge werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von
Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Karriere
betroffen, was schlicht und einfach schon aus der
Tatsache resultiert, daß sie einen solch großen Anteil
an der Erwerbsbevölkerung bilden. "Aufgrund ihrer
Zahl gibt es für sie geringere Möglichkeiten, sich
innerhalb ihres Berufsfeids zu verändern, außer horizontal", erklärt van der Worm. "Das Unvermögen zum
Aufstieg wirkt sich auf ihre Einkommen aus. Sie
werden wahrscheinlich nicht so früh in den Ruhestand
gehen können wie sie möchten, da sie länger arbeiten
müssen, um ein ausreichendes Einkommen nach dem

Arbeitsleben sicherzustellen."
Andere Erwachsene kehren auf die Schulbank zurück,
weil das Lernen, wenn man einmal damit begonnen
hat, eine nur schwer wieder einzustellende Gewohnheit ist. "Je gebildeter die Menschen sind, desto eher
werden sie auch weiter lernen", erklärt der stellvertretende Verwaltungsleiter für Lehrpläne an der American
University, Robert Norris, dessen Dienststelle die Aufsicht
über zahlreiche Erwachsenenbildungsprogramme der
American University führt. "Es ist nicht ungewöhnlich,
daß Menschen, die bereits eine sehr erfolgreiche
Karriere hinter sich haben, zurückkehren, um Jura
oder Literatur zu studieren, weil sie zu dem Schluß
gekommen sind, daß sie genau dies tun wollen."

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�Erwachsene, die das College nie abgeschlossen - oder
nie eines besucht - haben, bilden in der Erwachsenenbildung ein weiteres großes Segment. "Nur 50 Prozent
der Menschen, die ein College besuchen, schließen
ihre Ausbildung auch mit einem Examen ab", stellt
Norris fest. Diejenigen, die es nicht schaffen, empfinden dies laut Chris Lovell, einem Studenten der American University, der viel mit Erwachsenen an der
Universität gearbeitet hat, als "große Unzulänglichkeit
in ihrem Leben. Ob man will oder nicht, ein Bakkalaureat ist ein Aufnahmeritus, insbesondere für die Mittelschicht."

eher bereit, es zu hinterfragen und im Lichte ihrer
Erfahrungen zu verarbeiten", erklärt Bernard Hodinko,
ein Professor an der erziehungswissenschaftlichen
Fakultät der American University, der sich auf Beratung und Psychologie spezialisiert hat.

Welche Motivation auch immer dahintersteckt, der
Entschluß zur Rückkehr ins Klassenzimmer fällt nicht
immer leicht. "Die Literatur über Erwachsene, die
erneut die Schulbank drücken, stellt dazu fest, daß sie
dies zumeist in Umbruchphasen ihres Lebens tun nach einem grö ßeren Umzug, einer beruflichen Veränderung, einer Scheidung, dem Tod eines Ehepartners,
nachdem sie bei einer Beförderung übergangen wurden oder nach der Geburt eines Kindes - um nur
wenige Umstände zu nennen", sagt Norris.

Kent Baker, der in seiner 18jährigen Laufbahn als
Professor im Kogod College of Business Administration der American University über 15.000 erwachsene
Studenten unterrichtet und Berater zahlreicher Unternehmen war, stimmt dem zu: "Erwachsene Studenten
sind konzentrierter und zielstrebiger. Sie betrachten
die heutigen Gegebenheiten. Sie suchen die Situation, in der sie das Gelernte jetzt anwenden können
und nicht erst 15 Jahre später."

Der Entschluß zur Rückkehr kann durch die Furcht vor
unzureichenden Leistungen im Klassenzimmer noch
weiter kompliziert werden. "Die Leute machen sich
Sorgen darüber, ob sie die Arbeit leisten und die
Prüfungen bestehen können", erklärt der Geschäftsführer des Büros für Weiterbildung der American University, Richard Roughton. "Daneben machen Sie sich
Sorgen, welche Auswirkungen die Weiterbildung auf
ihren Arbeitsplatz, ihre Familie - und ihren Geldbeutel
haben wird."
Trotz häufig wenig idealer Bedingungen, die eine
Rückkehr auf die Schulbank mit sich bringt, bringen
erwachsene Schüler und Studenten enorme Energie
und großes Engagement in den Unterricht mit - sowie
reiche Lebenserfahrung, die sie für die Sache des
Lernens nutzen. "Sie engagieren sich im Unterricht
weit mehr als dies bei den eher traditionellen Studenten der Fall ist. Sie haben sich bewu ßt für die Rückkehr
entschieden, und sie stehen voll hinter diesem Entschluß. Wenn sie Material bekommen, dann sind sie

*

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Erwachsene werden wahrscheinlich auch anders lernen als jüngere Studenten im College-Alter. "Während
junge Menschen lernen, weil ihnen gesagt wird, daß
sie lernen sollen, ist Lernen für Erwachsene ein Bedürfnis", meint Lisa Levy, Direktorin des Zentrums für
berufliche Entwicklung der American University.

Darüber hinaus hat er festgestellt, daß erwachsene
Studenten zuverlässiger sind als Studenten im traditionellen College-Alter: "Sie lassen kaum einmal den
Unterricht ausfallen, und wenn sie dies - aufgrund einer
Reise oder auswärtigen Verpflichtung - tun müssen,
rufen sie an, informieren mich und treffen Arrangements, um ihre Arbeit einzureichen."
Aufgrund ihres Interesses, ihres Enthusiasmus' und
ihrer Entschlossenheit stellen erwachsene Studenten
fest, daß sie das nötige Rüstzeug besitzen, um in den
lebensverändernden Prozeß der Rückkehr zur Schule
einzusteigen. Und wenn sie ins akademische Leben
zurückkehren, sehen sie, daß ihr Bildungshorizont nur
von ihren Vorstellungen begrenzt wird.
"Mehr denn je werden sich die Menschen heute der
Tatsache bewußt, daß es nie zu spät ist, sich weiterzubilden", erklärt van der Vorm. Die heutige Doktorandin in Pädagogik an der American University erwarb
zehn Jahre nach ihrem Bakkalaureat den Magistergrad an der American University. "Wenn man einmal
zurückkehrt, wird man süchtig", sagt sie.

* * *

*

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