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                    <text>Amerikadienst&#13;
&#13;
Herausgeben U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
'OtfS^hßt'j-&#13;
&#13;
03&#13;
&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
HAUSHALT&#13;
&#13;
DER HAUSHALTSBERICHT DES&#13;
PRÄSIDENTEN&#13;
Etat für 1999 baut auf bisherigen Programmen auf&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
DAS NEUE EUROPA&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
DIE EUROATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
EINE EINZIGARTIGE PARTNERSCHAFT&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
DEUTSCHLAND UND AMERIKA: ALTE&#13;
FREUNDE VOR NEUEN HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
SUMMERS FORDERT REAKTION AUF&#13;
ASIATISCHE FINANZKRISE&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�HAUSHALT&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Der Haushaltsbericht des Präsidenten&#13;
Etat für 1999 baut auf bisherigen Programmen auf&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Haushaltsbericht des Präsidenten, den er dem&#13;
Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika am 2. Februar 1999 vorgelegt hat.&#13;
&#13;
Der Etat für 1999, den ich Ihnen zusammen mit diesem&#13;
Bericht vorlege, ist ein ausgeglichener Bundeshaushalt. Es ist der erste ausgeglichene Haushalt seit 30&#13;
Jahren, der eine Ära explodierender Defizite beendet.&#13;
Durch diesen Ausgleich stellt mein Haushalt eine&#13;
bemerkenswerte Kehrtwendung in unserer Haushaltspolitik der vergangenen fünf Jahre dar. Er beendet&#13;
drei Jahrzehnte des Steuerchaos - eine Periode, in der&#13;
die Amerikaner das Vertrauen in ihre Regierung und&#13;
die Fähigkeit ihrer Politiker verloren hatten, die&#13;
Geschäfte des Volkes zu führen.&#13;
Dieser Haushalt ist nicht nur ausgeglichen - er ist in&#13;
der richtigen Weise ausgeglichen. Er beendet nicht&#13;
nur das Defizit - er spiegelt die Werte wider, die&#13;
Amerikaner schätzen: Chancen, Verantwortungsbewußtsein und Gemeinschaft. Der Haushalt spiegelt&#13;
meine Verpflichtung zu weiterer Hilfe für Arbeitnehmerfamilien bei ihren Grunderfordernissen wider - ihre&#13;
Kinder großzuziehen, sie aufs College zu schicken und&#13;
die Krankenversicherung zu bezahlen.&#13;
Der Haushalt investiert in Bildung, Ausbildung und&#13;
Forschung, um den Lebensstandard für den Durchschnittsamerikaner zu erhöhen. Er investiert in die&#13;
Umwelt und Strafverfolgung, um die Lebensqualität in&#13;
unserer gesamten Nation zu erhöhen. Er investiert in&#13;
unsere Gemeinden zu Hause und stellt gleichzeitig die&#13;
Mittel für eine starke Verteidigung und die Pflege der&#13;
internationalen Beziehungen bereit, die für unsere&#13;
Zukunft so wichtig geworden sind.&#13;
Im öffentlichen und im Privatsektor bringen die Aussichten auf einen Haushaltsüberschuß ein breites&#13;
Spektrum von Ideen darüber hervor, wie dieser&#13;
ausgegeben werden kann.&#13;
Zum gegenwärtigen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Zeitpunkt hat die Regierung den Meilenstein des&#13;
Überschusses noch nicht erreicht, und ich bin weiterhin der festen Überzeugung, daß wir einen Überschuß&#13;
nicht ausgeben sollten, den wir noch nicht erwirtschaftet haben.&#13;
Konkret gesagt, finde ich, daß es keinen Grund gibt,&#13;
aus dem die Administration und der Kongreß einen&#13;
Haushaltsüberschuß ausgeben sollten, bis wir eine&#13;
Lösung für das langfristige Finanzierungsproblem bei&#13;
der Sozialversicherung haben. Vor diesem Hintergrund schlägt mein Haushalt eine Rücklage der für&#13;
1999 und darüber hinaus prognostizierten Überschüsse vor.&#13;
Vorbereitung der Nation auf ein neues amerikanisches Jahrhundert&#13;
Vor fünf Jahren trat meine Administration ihr Amt mit&#13;
der Entschlossenheit an, den Amerikanischen Traum&#13;
für jeden Amerikaner wiederherzustellen. Wir waren&#13;
entschlossen, einen Konjunkturumschwung herbeizuführen, einen Haushalt zu zügeln, der außer Kontrolle geraten war und eine Regierung zu schaffen, die&#13;
sich wieder auf ihre Kunden - das amerikanische Volk konzentriert.&#13;
Fünf Jahre später haben wir enorme Fortschritte&#13;
erzielt. Unsere Wirtschaft ist stark, unser Haushalt ist&#13;
auf einen Ausgleich ausgerichtet, und unsere Regierung macht bemerkenswerte Fortschritte dabei, den&#13;
Amerikanern bessere Dienstleistungen anzubieten.&#13;
Wir beginnen, die Amerikaner wieder zusammenzubringen und das soziale Gefüge zu reparieren, das&#13;
in den letzten Jahrzehnten stark strapaziert wurde. In&#13;
ganz Amerika sind die Verbrechensrate, die Armut und&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Zahl der Sozialhilfeempfänger gesunken. Die&#13;
Einkommen steigen auf allen Ebenen, und ein neuer&#13;
Optimismus macht sich in vielen unserer städtischen&#13;
und ländlichen Gemeinden breit, die auf Jahrzehnte&#13;
verlorener Arbeitsplätze und verlorener Hoffnung&#13;
zurückblicken.&#13;
Jetzt, da wir einen Konjunkturumschwung herbeigeführt haben, besteht unsere Aufgabe in der Ausdehnung der Vorteile unseres wirtschaftlichen Wohlergehens auf mehr Amerikaner um sicherzustellen,&#13;
daß jeder Amerikaner die Chance hat, seine Träume&#13;
zu verwirklichen. Während wir als Nation voller&#13;
Vertrauen Fortschritte machen, wollen wir gewährleisten, daß niemand zurückgelassen wird.&#13;
Vor einen Jahrhundert verlagerte sich die Wirtschaft&#13;
von der Landwirtschaft auf den Fertigungsbereich und&#13;
veränderte die Art, in der die Amerikaner lebten,&#13;
arbeiteten und miteinander umgingen. Heute verlagert&#13;
sich die Wirtschaft erneut - dieses Mal von der Fertigung zu Dienstleistungen, Information, Technologie&#13;
und globalem Handel.&#13;
Wir können sicherstellen, daß jeder Amerikaner sich&#13;
der Vorteile dieses aufregenden neuen Zeitalters&#13;
erfreut, aber nur, wenn wir weiterhin den Menschen die&#13;
erforderlichen Instrumente an die Hand geben und die&#13;
Bedingungen schaffen, unter denen sie prosperieren&#13;
können. Darauf ist mein Haushalt ausgerichtet.&#13;
Schaffung einer vielversprechenden wirtschaftlichen Zukunft&#13;
Als meine Administration ihr Amt antrat, steckte die&#13;
Nation in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.&#13;
Die&#13;
Wirtschaft war vier Jahre lang kaum gewachsen und&#13;
hatte wenig Arbeitsplätze geschaffen. Die Zinssätze&#13;
waren hoch. Die Einkommen stagnierten bei allen mit&#13;
Ausnahme der Wohlhabendsten. Das Haushaltsdefizit, das Anfang der achtziger Jahre explosionsartig&#13;
zugenommen hatte, erreichte eine Rekordhöhe von&#13;
290 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. Die Nation&#13;
benötigte eindeutig einen neuen Kurs.&#13;
Wir leiteten eine Wirtschaftspolitik mit drei zentralen&#13;
Merkmalen in die Wege, die nie zuvor zusammen&#13;
ausprobiert worden waren: Wir machten uns daran,&#13;
das Defizit zu reduzieren, in das amerikanische Volk&#13;
zu investieren und Märkte im Ausland zu öffnen. Nur&#13;
indem wir alle drei Elemente umsetzten, konnten wir&#13;
die Wirtschaft wiederbeleben und für die Zukunft&#13;
Vorsorge tragen.&#13;
Mein Haushaltsplan für 1993, das Kernstück unserer&#13;
Wirtschaftsstrategie, war ein ausgewogener Plan, der&#13;
Hunderte Milliarden Dollar an Ausgaben des Bundes&#13;
kürzte und gleichzeitig die Einkommensteuer nur für&#13;
1,2 Prozent der Amerikaner mit Spitzeneinkommen&#13;
erhöhte. Durch die Kürzung unnötiger und weniger&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
wichtiger Ausgaben erhielten wir die Mittel zu Steuersenkungen für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien und&#13;
investierten gleichzeitig in Bildung und Ausbildung, die&#13;
Umwelt und andere Prioritäten.&#13;
Fünf Jahre später haben wir das Defizit drastisch&#13;
gesenkt, und dieser Haushalt wird die Arbeit beenden,&#13;
indem er einen Ausgleich herstellt und den Haushalt in&#13;
absehbarer Zukunft ausgeglichen hält. Wir haben in&#13;
die Bildung und Qualifikationen unserer Menschen&#13;
investiert und ihnen die erforderlichen Instrumente&#13;
gegeben, um ihre Kinder großzuziehen und einen&#13;
guten Arbeitsplatz in einer zunehmend konkurrierenden Wirtschaft zu finden. Wir haben den Handel durch&#13;
globale und bilaterale Abkommen erweitert und&#13;
Exporte in Rekordhöhe erzielt, die hochbezahlte&#13;
Arbeitsplätze für Millionen Amerikaner schaffen.&#13;
Die Wirtschaft hat fast sofort auf unsere Maßnahmen&#13;
reagiert. Als ich meinen Haushaltsplan für 1993&#13;
bekanntgab, fielen die Zinssätze, und sie fielen noch&#13;
weiter, als ich mit dem Kongreß zusammen erfolgreich&#13;
auf die gesetzliche Verankerung des Plans hinarbeitete. Diese niedrigeren Zinssätze halfen, das&#13;
stetige Wirtschaftswachstum und die hohen betrieblichen Investitionen anzukurbeln, deren wir uns in den&#13;
vergangenen fünf Jahren erfreuten. Unsere Maßnahmen haben zur Schaffung von über 14 Millionen&#13;
Arbeitsplätzen beigetragen, während die Zinssätze&#13;
niedrig blieben und die Inflation unter Kontrolle gehalten wurde.&#13;
Während wir Fortschritte machen, bin ich entschlossen&#13;
sicherzustellen, daß wir die funktionierenden Maßnahmen beibehalten. Wir müssen weiterhin haushaltspolitische Disziplin üben, damit wir nicht nur einen&#13;
Haushaltsausgleich erzielen, sondern den Haushalt&#13;
auch ausgeglichen halten.&#13;
Verbesserung der Leistung durch besseres Management&#13;
Wir gleichen den Haushalt auf richtige Weise aus,&#13;
indem wir die Größe und den Umfang unserer Regierung verringern.&#13;
Wir haben mehr getan als nur Hunderte von Programmen und Projekten des Bundes abzuschaffen. Wir&#13;
haben die Stellen für zivile Mitarbeiter der Bundesbehörden um über 316.000 gekürzt und haben damit die&#13;
kleinste Zahl von Mitarbeitern seit 35 Jahren. Als&#13;
Prozentsatz unserer Gesamtbeschäftigung im zivilen&#13;
Bereich haben wir in der Tat die kleinste Belegschaft&#13;
seit 1931.&#13;
Aber wir wollten mehr als nur die Regierung zu&#13;
verkleinern. Unter der Leitung des Vizepräsidenten&#13;
führten wir eine nationale Leistungsüberprüfung durch,&#13;
haben die Arbeitsweise unserer Regierung verbessert&#13;
und eine Regierung geschaffen, die effizienter und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�effektiver ist - eine Regierung, die sich auf ihre Kunden, das amerikanische Volk, konzentriert.&#13;
Wir haben echte Fortschritte erzielt, aber wir müssen&#13;
noch sehr viel tun. Wir haben Teile der Ministerien und&#13;
Behörden umstrukturiert, aber jetzt sind wir entschlossen, unsere Behörden von Grund auf umzukrempeln. Für das Jahr 1999 wird der Vizepräsident&#13;
Bestrebungen zur Verbesserung der Leistung der&#13;
Behörden leiten, die am meisten mit dem amerikanischen Volk zu tun haben. Wir möchten, daß die&#13;
Amerikaner nicht nur schnell bessere Dienstleistungen&#13;
unserer Regierung erhalten, sondern auch das&#13;
Vertrauen in die Regierung wiedergewinnen.&#13;
Gleichzeitig bin ich entschlossen, daß wir die uns&#13;
konfrontierende reale Herausforderung an die Verwaltung meistern. Ein gutes Beispiel ist die Herausforderung zu gewährleisten, daß unsere Computersysteme die Zeitumstellung auf das Jahr 2000 richtig&#13;
bearbeiten. Ich habe meine Administration angewiesen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das&#13;
Problem frontal in Angriff zu nehmen.&#13;
Vorbereitung auf das 21. Jahrhundert&#13;
Nichts ist wichtiger für unsere Zukunft als Bildung. Sie&#13;
ist zur Trennlinie zwischen denen geworden, die&#13;
vorankommen, und denen, die hinterherhinken. Aus&#13;
diesem Grund habe ich so große Anstrengungen&#13;
unternommen um sicherzustellen, daß wir ein&#13;
Bildungs- und Ausbildungssystem von Weltklasse für&#13;
alle Amerikaner haben. In den letzten fünf Jahren&#13;
haben wir hart gearbeitet um zu gewährleisten, daß&#13;
jeder Junge und jedes Mädchen bereit ist zu lernen,&#13;
daß unsere Schulen sich auf hohe Standards und&#13;
Leistung konzentrieren, daß jeder, der aufs College&#13;
gehen möchte, die finanzielle Hilfe für den Collegebesuch erhält, und daß diejenigen, die eine zweite&#13;
Chance in der Bildung oder Ausbildung oder eine&#13;
Chance zur Verbesserung oder Erlernung neuer&#13;
Qualifikationen benötigen, diese erhalten.&#13;
Mein&#13;
Haushalt sieht eine beträchtliche Aufstockung der&#13;
Mittel für Kinder vor, insbesondere die in den ärmsten&#13;
Gemeinden, damit sie hohe akademische Standards&#13;
erreichen, und macht weitere Fortschritte bei der&#13;
Einführung landesweiter freiwilliger Tests. Er schlägt&#13;
den Bau weiterer Klassenzimmer und die Einstellung&#13;
von weiteren 100.000 Lehrern vor, damit wir die&#13;
Klassen verkleinern können. Für weiterführende Ausund Fortbildung sieht mein Haushalt eine Zunahme der&#13;
Pell- und anderer College-Stipendien vor, obwohl wir&#13;
bereits eine Rekordhöhe erreicht haben; er erweitert&#13;
das Programm "Arbeit für Studiengebühren" auf eine&#13;
Rekordzahl von einer Million Studenten; verbessert die&#13;
Kreditvergabe, senkt die Gebühren für Studenten und&#13;
erweitert den Zugang zu Arbeitvermittlungen, Ausbildung und damit in Zusammenhang stehenden&#13;
Dienstleistungen für umgesetzte Arbeitnehmer und&#13;
andere. Jetzt kann jeder, der ein College besuchen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
möchte, die Mittel dafür über ein HOPE-, ein PellStipendium und andere Hilfsprogramme erhalten, an&#13;
deren Verabschiedung wir so hart gearbeitet haben.&#13;
Ich möchte denjenigen dieselben universellen Chancen für berufliche Ausbildung und Umschulung bieten,&#13;
die sie benötigen.&#13;
In den vergangenen fünf Jahren haben wir hart&#13;
gearbeitet, um Arbeitnehmerfamilien zu helfen. Wir&#13;
haben die Steuern für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien gesenkt; einen Steuerfreibetrag eingeführt, um&#13;
Familien behilflich zu sein, ihre Kinder großzuziehen;&#13;
sichergestellt, daß 25 Millionen Amerikaner pro Jahr&#13;
ihren Arbeitsplatz wechseln können, ohne ihre Krankenversicherung zu verlieren; es für Selbständige und&#13;
Menschen mit einer medizinischen Vorgeschichte&#13;
leichter gemacht, in eine Krankenversicherung aufgenommen zu werden; Krankenversicherungsschutz für&#13;
bis zu fünf Millionen unversicherter Kinder bereitgestellt; den Mindestlohn angehoben und die garantierte Möglichkeit freizunehmen für Arbeitnehmer eingeführt, die sich um ein Neugeborenes oder die Gesundheitsprobleme eines Familienangehörigen kümmern&#13;
müssen. Ich bin entschlossen, mit meiner neuen&#13;
Kinderbetreuungsinitiative die Hilfe bereitzustellen, die&#13;
Familien benötigen, wenn sie sichere, hochqualifizierte&#13;
und finanzierbare Kindertagesstätten benötigen. Die&#13;
Eltern sollten wissen, daß ihre Kinder in einem sicheren, gesunden Umfeld sind, wenn sie zur Arbeit gehen.&#13;
Ich schlage ferner vor, die Probleme anzugehen,&#13;
denen sich eine besondere Gruppe von Arbeitnehmerfamilien ausgesetzt sieht - legale Einwanderer. Als ich&#13;
der Sozialreform von 1996 Gesetzeskraft verlieh, sagte&#13;
ich, ich würde versuchen, die Kürzung der Leistungen&#13;
für legale Einwanderer wieder rückgängig zu machen,&#13;
die nicht nur hart und unnötig waren, sondern auch&#13;
nichts mit dem grundlegenden Ziel der Sozialreform zu&#13;
tun hatten - Menschen von der Sozialhilfe unabhängig&#13;
zu machen, indem sie arbeiten gehen und gleichzeitig&#13;
ihre Kinder zu schützen. Mein Haushalt führt Lebensmittelmarken für 730.000 legale Einwanderer wieder&#13;
ein und erlaubt den Bundestaaten, eine Krankenversicherung für die Kinder von legalen Einwanderern&#13;
anzubieten.&#13;
Vergangenes Jahr verbesserten wir die Gesundheitsfürsorge für Millionen von Amerikanern. Wir stärkten&#13;
Medicare durch die Verlängerung des Treuhandfonds&#13;
bis mindestens 2010, während wir gleichzeitig in&#13;
Präventionshilfen investierten, die Wahlmöglichkeiten&#13;
bei Krankenversicherungen verbesserten und das&#13;
Spektrum unserer Aktivitäten zur Bekämpfung von&#13;
Betrug und Mißbrauch vergrößerten. Wir weiteten die&#13;
Gesundheitsfürsorge auf bis zu fünf Millionen nicht&#13;
krankenversicherte Kinder aus. Wir gründeten den&#13;
Beratungsausschuß für Verbraucherschutz und&#13;
Qualität bei der Gesundheitsfürsorge und unterstützten&#13;
später dessen Gesetzentwurf für den Schutz der&#13;
medizinischen Versorgung der Verbraucher.&#13;
Mit&#13;
diesem Haushalt schlage ich vor, daß wir an vielen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�wichtigen Fronten auf unseren bisherigen Leistungen&#13;
aufbauen. Ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um ein überparteiliches nationales Rauchergesetz zu erlassen. Nichts ist wichtiger für die Gesundheit unserer Bürger, insbesondere der Kinder.&#13;
Ferner sieht mein Haushalt vor, die Gesundheitsfürsorge für einige der bedürftigsten Amerikaner zwischen 55 und 65 auszuweiten, mehr Kindern ein&#13;
Anrecht auf Medicaid zu geben, beispiellose Investitionen in die Gesundheitsforschung zu tätigen,&#13;
den Zugang zu wirksamen AIDS-Therapien und zu&#13;
neuen Behandlungsmethoden bei Krebs zu erhöhen,&#13;
die Gelder für die Behandlung und Prävention von&#13;
Suchtmittelmißbrauch aufzustocken und zum Abbau&#13;
von Ungleichgewichten zwischen rassischen und&#13;
ethnischen Gruppen im Hinblick auf gesundheitliche&#13;
Belange beizutragen.&#13;
Das vergangene Jahr war für die Umwelt sehr wichtig,&#13;
und ich bin entschlossen, auf unseren Fortschritten&#13;
aufzubauen. Unter der Führung des Vizepräsidenten&#13;
gelang der Administration in Kyoto der Abschluß einer&#13;
historischen internationalen Übereinkunft, die einen&#13;
Abbau der Treibhausgasemissionen fordert. Wir&#13;
führten auch neue, strengere Maßstäbe zur Reinhaltung der Luft ein, um die Gesundheit der Menschen&#13;
verstärkt zu schützen, und wir verbesserten das Recht&#13;
unserer Bürger, über die Freisetzung giftiger Chemikalien informiert zu werden. Wir schützen auch in&#13;
Zukunft die Schönheit unserer Natur, beispielsweise&#13;
den Nationalpark Yellowstone und die Everglades in&#13;
Florida, und machen weitere Fortschritte zur Erlangung&#13;
meines Ziels, im Rahmen des Superfonds Ende des&#13;
Jahres 2001 900 Giftmülldeponien zu säubern. Mit&#13;
diesem Haushalt schlage ich die Einrichtung eines&#13;
Umweltfonds für Amerika vor, der die Aufstockung&#13;
vieler wichtiger Umweltprogramme unterstützen soll.&#13;
Er sieht verstärkte Einrichtung und Pflege von Nationalparks, Wäldern, Naturschutzgebieten und&#13;
anderem öffentlichen Gelände und den Ankauf von&#13;
mehr Land dafür vor - für eine Verbesserung der&#13;
Qualität unseres Wassers, unseres Trinkwassers und&#13;
unserer Wasseraufbereitungsanlagen sowie für die&#13;
weitere Reinigung nicht mehr genutzter Giftmülldeponien. Mein Haushalt beinhaltet auch ein neues&#13;
Fünfjahresprogramm in Höhe von 6 Milliarden Dollar&#13;
zur Verhinderung der globalen Erderwärmung sowie&#13;
mehr Mittel zum Schutz gefährdeter Arten, zur Kontrolle der Verschmutzung und zum Schutz der globalen&#13;
Umwelt.&#13;
Ich schlage einen Verkehrsfonds für Amerika vor. Er&#13;
reflektiert meine Verpflichtung zur Bereitstellung von&#13;
Mitteln um zu gewährleisten, daß unsere Infrastruktur&#13;
sicher, integriert und effizient genug bleibt, um unseren&#13;
wachsenden Bedarf zu decken. Investitionen in die&#13;
Infrastruktur sind gut für Amerika, denn sie tragen zu&#13;
Wirtschaftswachstum, der Verbesserung von Sicherheit und öffentlicher Gesundheit, der Stärkung&#13;
unserer Konkurrenzfähigkeit im Ausland, dem Erhalt&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
unserer nationalen Sicherheit sowie der Erhöhung von&#13;
Mobilität, Zugangs- und Wahlmöglichkeiten für Amerikaner bei, die reisen müssen. Wir müssen auf unserem riesigen Netz von Straßen, Autobahnen und&#13;
Brücken aufbauen, um die Anforderungen des nächsten Jahrhunderts an ein System zu erfüllen, das&#13;
unsere verschiedenen Beförderungsmittel verbindet,&#13;
sauberer und sicherer ist und dazu beiträgt, städtische&#13;
und ländliche Gemeinden einander näher zu bringen&#13;
und sie zu unterstützen. Mein Haushalt bewahrt&#13;
weiterhin ein Höchstmaß an Unterstützung der Administration für den Verkehr, und der Fonds erstreckt&#13;
sich auf alle Programme des Verkehrsministeriums für&#13;
Autobahnen, Autobahnsicherheit, Transportwege und&#13;
Luftverkehr.&#13;
Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt&#13;
hat eine Welt geschaffen, die sich stark von der&#13;
unserer Großeltern unterscheidet. Er führte zu einer&#13;
sprunghaften Zunahme der Geschwindigkeit und&#13;
Wirtschaftlichkeit des Verkehrs, einem enormen&#13;
Anstieg der landwirtschaftlichen Produktivität, blitzschnellem grenzüberschreitendem Fluß von Informationen und Dienstleistungen sowie Fortschritten bei der&#13;
Behandlung und Prävention von Krankheiten und dem&#13;
Umweltschutz. Da ich mich für eine weitere Führungsrolle der Vereinigten Staaten in Wissenschaft und&#13;
Technologie engagiere, schlage ich einen Forschungsfonds für Amerika vor, der viele bedeutende Investitionen hervorbringen wird. Das beinhaltet eine beispiellose Aufstockung der Mittel für die nationalen&#13;
Gesundheitsinstitute, die nationale Stiftung für Wissenschaft, neue Mittel zur Bekämpfung des globalen&#13;
Klimawandels und eine Vielzahl von Investitionen in&#13;
Grundlagen- und angewandte Forschung. Diese&#13;
Investitionen sind von lebenswichtiger Bedeutung; sie&#13;
bringen neues Wissen hervor, bilden mehr Arbeitnehmer aus, schaffen neue Arbeitsplätze und Industriezweige, nehmen unsere gesundheitspolitischen&#13;
Herausforderungen in Angriff, erhöhen unser Verständnis für Umweltprobleme, verbessern die Erziehung unserer Kinder und halten eine starke nationale&#13;
Verteidigung aufrecht.&#13;
Unsere Strategie zur Verbrechensbekämpfung&#13;
funktioniert. Die Zahl schwerer Verbrechen sinkt seit&#13;
fünf aufeinander folgenden Jahren, und 1996 erlebten&#13;
wir die stärkste Abnahme von Gewaltverbrechen seit&#13;
35 Jahren. Da die Verbrechensrate jedoch weiterhin&#13;
inakzeptabel hoch ist, müssen wir noch mehr unternehmen.&#13;
Mein Haushalt sieht eine Ausweitung&#13;
unseres Programms einer bürgernahen Polizei vor,&#13;
das im Rahmen meines Ziels, bis zum Jahr 2000 die&#13;
Zahl der Polizisten um 100.000 zu erhöhen, bereits&#13;
83.000 neue Polizisten eingestellt hat. Der Haushalt&#13;
sieht auch eine neue Initiative für bürgernahe Staatsanwälte vor, um diesen zu helfen, Verbrechen von&#13;
vornherein zu verhindern, anstatt Verbrecher nach der&#13;
Tat nur strafrechtlich zu verfolgen. Und er stellt die&#13;
erforderlichen Mittel zu Verfügung, um Gewalt gegen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Frauen zu verhindern, beim Bau von Gefängnissen in&#13;
Bundesstaaten und Indianerreservaten zu helfen und&#13;
die sich zuspitzende Krise der Strafverfolgung auf&#13;
indianischem Gebiet beizulegen. Zur Verstärkung der&#13;
Kontrolle illegaler Einwanderung sind Mittel zur&#13;
Verbesserung des Grenzschutzes im Süden und&#13;
Westen, zur Abschiebung illegaler Einwanderer und&#13;
Ausweitung der Überprüfung vorgesehen, ob neu&#13;
eingestellte Nichtamerikaner Anspruch auf einen&#13;
Arbeitsplatz haben. Zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, insbesondere unter jungen Menschen,&#13;
erweitert mein Haushalt Programme mit den Schwerpunkten Therapie und Prävention, strafrechtliche&#13;
Verfolgung, internationale Unterstützung und Beschlagnahmung von Drogen an der Grenze. Er baut&#13;
auf unserer innovativen Initiative für die Einrichtung&#13;
von Gerichten für Drogendelikte auf, schlägt Koordinatoren zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch an&#13;
unseren Schulen vor, unterstützt örtliche Anstrengungen zur Bekämpfung der Beschaffungskriminalität,&#13;
weitet Drogenkontrollen aus und macht unsere Häfen&#13;
und Grenzen sicherer vor Drogen, während gleichzeitig Drogenschmugglerringe im Ausland gesprengt&#13;
werden.&#13;
Die meisten Amerikaner profitieren von unserer&#13;
starken Volkswirtschaft.&#13;
Aber obwohl es vielen&#13;
städtischen und ländlichen Gebieten besser geht,&#13;
haben allzu viele andere den Bezug zu unseren&#13;
Werten Chancen, Verantwortungsbewußtsein und&#13;
Gemeinschaft verloren. Ich bin entschlossen, in&#13;
Zusammenarbeit mit den Regierungen der Bundesstaaten, der Kommunen und dem Privatsektor vernachlässigte Gebiete zu sanieren und Hoffnung an die&#13;
Stelle von Verzweiflung treten zu lassen. Mein&#13;
Haushalt weitet mein Programm eines nationalen&#13;
Sozialdienstes aus, der mehr Amerikanern die Chance&#13;
gibt, ihrem Land zu dienen und zur Lösung von&#13;
Problemen auf lokaler Ebene beizutragen, während sie&#13;
gleichzeitig Geld für den Collegebesuch verdienen.&#13;
Ich schlage die Einrichtung von mehr Wirtschaftsförderungszonen&#13;
vor, die steuerliche Anreize und&#13;
Direktfinanzierung bieten, um Arbeitsplätze schaffende&#13;
Privatinvestitionen zu ermutigen und mehr Kapital zur&#13;
Gewährung von Darlehen im Rahmen meines Programms für Finanzinstitutionen zur Gemeindeentwicklung bereitzustellen. Mein Haushalt vergrößert auch&#13;
die Chancen für Eigenheimbesitz, verstärkt die Mittel&#13;
zur Durchsetzung der Bürgerrechtsgesetze der Nation,&#13;
hält das Engagement aller Bundesregierungen für die&#13;
Indianer aufrecht und stärkt unsere Partnerschaft mit&#13;
dem District of Columbia.&#13;
Weil Amerika weiterhin ein enormes Interesse an&#13;
internationalen Angelegenheiten hat, enthält mein&#13;
Haushalt die erforderlichen Mittel für die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit, die Durchführung&#13;
unserer diplomatischen Aktivitäten, die Förderung von&#13;
Demokratie und freien Märkten im Ausland sowie die&#13;
Steigerung unserer Exporte. Im vergangenen Jahr&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
setzte sich die Administration mit dem Kongreß für eine&#13;
Erhöhung der Ausgaben für internationale Angelegenheiten ein. Der Kongreß muß sich jedoch noch damit&#13;
befassen, im Einklang mit den Verpflichtungen der&#13;
Vereinigten Staaten die finanzielle Unterstützung für&#13;
verschiedene internationale Organisationen bereitzustellen, die unsere Wirtschaft und unsere Ziele&#13;
fördern, einschließlich des Internationalen Währungsfonds, des Systems der Vereinten Nationen und der&#13;
multilateralen Entwicklungsbanken.&#13;
Der Kongreß&#13;
sollte sich weiterhin für die entscheidenden Aktionen&#13;
des IWF sowie unsere Führungsrolle in dieser Institution einsetzen, indem er einem von der Administration angestrebten Zusatzkontingent von Finanzmitteln&#13;
für den IWF zustimmt und die grundlegenden Finanzmittel des IWF aufstockt. Ferner sollte der Kongreß&#13;
dem Präsidenten das traditionelle Verhandlungsmandat für Handelsgespräche geben, damit unsere&#13;
Exporte im kommenden Jahrhundert weiter ansteigen&#13;
können. Zur Förderung der nationalen Sicherheit&#13;
enthält mein Haushalt einen großen Posten zur&#13;
Finanzierung des Friedensprozesses im Nahen Osten,&#13;
zur Fortsetzung der Unterstützung Bosniens bei der&#13;
Umsetzung des Daytoner Abkommens, zur Förderung&#13;
der NATO-Erweiterung und zur Verbesserung der&#13;
Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bei der Entwicklung von Demokratie&#13;
und freier Marktwirtschaft. Ich schlage eine weitreichende Initiative vor, um den afrikanischen Ländern&#13;
die entscheidende, gezielte Hilfe bei ihren schwierigen&#13;
Wirtschaftsreformen zu geben. Und mein Haushalt&#13;
sieht mehr Geld für die Drogenbekämpfung in lateinamerikanischen Staaten vor und unterstützt den&#13;
gesamtamerikanischen Gipfel.&#13;
Unser Militär ist das Rückgrat unserer nationalen&#13;
Sicherheitsstrategie, und ich verpflichte mich zur&#13;
Aufrechterhaltung eines starken, fähigen Militärs zum&#13;
Schutz unserer Freiheiten und unserer globalen&#13;
Führungsrolle am Vorabend des 21. Jahrhunderts.&#13;
Der Haushalt beinhaltet die weitere Durchführung des&#13;
Plans der Administration für eine sorgfältige Umstrukturierung unserer Streitkräfte, ständige Einsatzbereitschaft, Verbesserung der Lebensqualität unserer&#13;
Soldaten und mehr Gelder für eine Modernisierung&#13;
unserer Streitkräfte, wenn nach der Jahrtausendwende&#13;
neue Technologien verfügbar sind. Mein Haushalt&#13;
spiegelt die Empfehlungen zur Umstrukturierung des&#13;
Verteidigungsapparats und die jüngste Initiative des&#13;
Verteidigungsministeriums zur Verteidigungsreform&#13;
wider, durch verbesserte Management- und Geschäftspraktiken eine schlankere, effizientere und&#13;
kostengünstigere Organisation zu schaffen.&#13;
Zur&#13;
Umsetzung dieser Verbesserungen wird das Verteidigungsministerium dem Kongreß in Verbindung mit&#13;
diesem Haushalt Gesetzesvorschläge zusenden,&#13;
einschließlich eines Antrags auf zwei weitere Runden&#13;
von Schließungen und Umstrukturierungen von&#13;
Stützpunkten.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Investitionen in das Gemeinwohl&#13;
Unser Engagement für einen auch in Zukunft ausgeglichenen Haushalt bedeutet, daß Administration und&#13;
Kongreß das Geld des Steuerzahlers möglichst klug&#13;
verwenden müssen. Wenn wir die Finanzierung&#13;
staatlicher Programme fortsetzen, müssen wir unter&#13;
Beweis stellen, daß sie ihre gesteckten Ziele erreichen. Das heißt, wir müssen zeigen, daß sie gut&#13;
funktionieren und Ergebnisse hervorbringen können.&#13;
1993 unterstützte ich aktiv das Gesetz über staatliche&#13;
Leistungen und Ergebnisse und sah seiner Unterzeichnung erwartungsvoll entgegen. Ich freue mich, dem&#13;
Kongreß mit diesem Haushalt zusenden zu können,&#13;
was das Gesetz vorsah - den ersten umfassenden&#13;
Leistungsplan für die ganze Regierung.&#13;
&#13;
Bei der Ausarbeitung dieses Budgets konnte sich die&#13;
Administration erstmals auf leistungssteigernde&#13;
Maßnahmen und jährlich zu erreichende Ziele stützen,&#13;
die jetzt in die Jahresleistungspläne für Behörden&#13;
einbezogen sind. Wir haben bei dem Prozeß einen&#13;
guten Anfang gemacht, den Administration und&#13;
Kongreß mit der Inkraftsetzung des Gesetzes 1993 in&#13;
Gang brachten.&#13;
Während der Umsetzung dieses Gesetzes wird sich&#13;
meine Administration in zunehmendem Maße auf die&#13;
Fragen konzentrieren, wie Programme funktionieren,&#13;
ob sie ihre Ziele erreichen und was wir zu ihrer&#13;
Verbesserung unternehmen sollten. Wir sehen der&#13;
Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei unserem&#13;
gemeinsamen Ziel der Verbesserung der Regierungsarbeit erwartungsvoll entgegen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Das neue Europa&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in leicht gekürzter Form die Rede, die der Stellvertretende&#13;
Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Strobe Talbott, am 21. Januar 1998 vor der PaasikiviGesellschaft in Helsinki hielt. Die Rede entspricht im wesentlichen den Ausführungen Talbotts vom 19. Januar&#13;
1998 im Nobel Institute in Oslo.&#13;
&#13;
Heute Nachmittag möchte ich über die Perspektive&#13;
und Rolle meines Landes sprechen. Zuerst werde ich&#13;
die Strategie der Vereinigten Staaten gegenüber&#13;
Gesamteuropa, anschließend die gegenüber der&#13;
nordischen und baltischen Region erläutern.&#13;
Die Prämisse der amerikanischen Politik könnte nicht&#13;
einfacher sein. Sie lautet folgendermaßen: Sicherheit&#13;
und Wohlergehen des amerikanischen Volkes hängen&#13;
in nicht unwesentlichem Ausmaß von Frieden und&#13;
Wohlstand Europas ab. Wir haben diese grundlegende Wahrheit mühsam gelernt. Zweimal während des&#13;
Lebens unserer älteren Bürger brachen in Europa&#13;
Weltkriege aus, in denen mehr als eine halbe Million&#13;
Amerikaner fielen. Auch der Kalte Krieg begann auf&#13;
diesem Kontinent und kostete die Vereinigten Staaten&#13;
umgerechnet mehr als 13 Billionen Dollar. Darüber&#13;
hinaus haben die Berlin- und die Kubakrise uns alle an&#13;
den Rand eines nuklearen Holocaust gebracht.&#13;
Bill Clinton trat sein Amt in dem Bewußtsein an, daß er&#13;
der erste amerikanische Präsident war, der nach dem&#13;
Ende des Kalten Krieges gewählt wurde. Daher&#13;
betrachtet er es nicht nur als Chance, sondern auch&#13;
als Verpflichtung sicherzustellen, daß die Vereinigten&#13;
Staaten alles in ihrer Macht Stehende zum Aufbau&#13;
eines geeinten, freien und erstmals in seiner&#13;
Geschichte ungeteilten Europas unternehmen.&#13;
Das ist unser Ziel. Die Mittel zu seiner Erlangung sind&#13;
großenteils institutioneller oder - wie bereits oft gesagt&#13;
- architektonischer Natur. Wir schaffen eine Struktur,&#13;
in der wir, unsere Kinder und Enkelkinder eine Heimat&#13;
finden. Grundlagen dieser Struktur sind das gemeinsame Engagement für demokratische Regierungsführung, eine bürgerliche Gesellschaft, tragfähige&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Entwicklung durch die Dynamik freier Märkte, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, die Prinzipien gegenseitigen Respekts und die friedliche Beilegung von&#13;
Konflikten.&#13;
Die Aufgabe der Schaffung eines neuen Europas&#13;
erfordert von uns die Anpassung bestehender Strukturen, wenn möglich, und den Aufbau neuer, wenn nötig.&#13;
Dazu zählen reife Institutionen, die bereits das würdige&#13;
mittlere Alter erreicht haben, beispielsweise der&#13;
Europarat und die OECD, die seit Jahrzehnten bestehen. Andere wie der Euroatlantische Partnerschaftsrat&#13;
wurden erst im letzten Jahr ins Leben gerufen.&#13;
Die Vereinigten Staaten gehören einigen dieser&#13;
Organisationen an und haben bei anderen Beobachterstatus. Bei wieder anderen sind wir an deren Erfolg&#13;
interessiert. Diese Institutionen variieren im Hinblick&#13;
auf Größe, Umfang, Arbeitsbereich und Mitgliedschaft,&#13;
ihre Missionen und Zusammensetzung überlappen&#13;
sich aber oft. In einigen wesentlichen Bereichen&#13;
stärken sie sich gegenseitig. Gemeinsam machen sie&#13;
die Suprastruktur des neuen Europas aus.&#13;
Ich möchte mich auf einen Schlüsselbestandteil der&#13;
europäischen Architektur konzentrieren - die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die&#13;
auf sehr reale Weise vor 23 Jahren hier in Helsinki&#13;
erwachsen wurde.&#13;
Die OSZE ist nicht nur die umfassendste unserer&#13;
euroatlantischen Institutionen - sie ist auch der erste&#13;
Mechanismus für die Verhütung von Konflikten, bevor&#13;
sie überhaupt entstehen können, für die Bewältigung&#13;
und Beilegung von Konflikten, wenn sie stattfinden,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�sowie für die Versöhnung, nachdem Konflikte aufgetreten sind.&#13;
Die OSZE ist in Bosnien und andernorts im ehemaligen Jugoslawien sehr aktiv, wo finnische und amerikanische Soldaten Seite an Seite mit Truppen aus 37&#13;
anderen Nationen Dienst tun. Finnland stellt auch&#13;
einen Großteil des nordischen Bataillons, das dazu&#13;
beiträgt sicherzustellen, daß der Konflikt in Makedonien nicht wieder aufflammt.&#13;
Die erfolgreiche Zusammenarbeit ehemaliger Feinde&#13;
auf dem Balkan illustriert ein grundlegendes Prinzip,&#13;
das für den Aufbau eines neuen Europas als Leitlinie&#13;
dienen sollte: Nur durch ständige, tägliche, praktische&#13;
Zusammenarbeit können wir das nötige Vertrauen&#13;
schaffen, um Feindschaft und Mißtrauen der Vergangenheit zu überwinden.&#13;
Demzufolge müssen wir bei unserem Ansatz zu&#13;
praktisch allen Strukturen des neuen Europas eine&#13;
Prämie auf Einbeziehung aussetzen. Oder dasselbe&#13;
Prinzip anders ausgedrückt vertreten: Wir müssen&#13;
darauf achten, weder Ausschluß noch Diskriminierung&#13;
zu praktizieren - seien sie unbeabsichtigt oder nicht.&#13;
Das Ende des Kalten Krieges gibt uns die Chance, alte&#13;
Trennungen zu überwinden. Wir müssen gewährleisten, daß wir keine neuen schaffen.&#13;
Lassen Sie mich diesen Punkt im Hinblick auf zwei&#13;
Schlüsselinstitutionen - die EU und die NATO - näher&#13;
ausführen.&#13;
Erstens, die EU:&#13;
Der Beitritt Finnlands zur Europäischen Union vor drei&#13;
Jahren war nicht nur für Ihr Land ein historischer&#13;
Schritt - er war für die EU selbst ein bedeutender,&#13;
bahnbrechender Schritt, weil dadurch alle Nationen in&#13;
dieser Region zu der Annahme ermutigt werden, daß&#13;
es in den großen paneuropäischen Institutionen einen&#13;
Platz für sie gibt.&#13;
Was ich hier jedoch besonders betonen möchte, ist die&#13;
Tatsache, daß der Beitritt zur EU Finnlands eigene&#13;
Entscheidung war. Und die Tür zur EU stand offen, als&#13;
Sie sich entschlossen, hindurch zu gehen. Diese Türe&#13;
ist das vielleicht wichtigste Merkmal der europäischen und transatlantischen - Architektur.&#13;
Hieraus resultiert der feste Glaube der Vereinigten&#13;
Staaten an die Ausweitung und Vertiefung der EU.&#13;
Und hierin ist insbesondere unser Eintreten für den&#13;
Wunsch der Türkei nach einer EU-Mitgliedschaft&#13;
begründet. Ich bin mir bewußt, daß es sich hier um ein&#13;
sehr kontroverses Thema handelt, insbesondere bei&#13;
einigen Ihrer Nachbarn. Das macht es um so bedeutsamer, daß alle unsere europäischen Partner den&#13;
amerikanischen Standpunkt verstehen.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Im Lauf der Jahrhunderte hat sich Europa in seinen&#13;
besten, friedlichsten und wohlhabendsten Zeiten durch&#13;
universelle Werte definiert, nicht durch künstliche&#13;
Hindernisse - hier ein Fluß, dort eine Bergkette, drüben&#13;
eine Wand aus Beton und Stacheldraht.&#13;
Die Türkei ist seit mehr als 400 Jahren ein Bestandteil&#13;
des europäischen Systems. Es ist wahr, daß die&#13;
Türkei vom übrigen Europa durch Wasser getrennt ist.&#13;
Aber dasselbe gilt auch für ganz Großbritannien.&#13;
Die derzeitige Debatte über die Natur - und die&#13;
Grenzen - der "europäischen Berufung" der Türkei hallt&#13;
wider von Hinweisen auf "Kultur" und "Zivilisation".&#13;
Diese Worte sind oftmals ein Euphemismus für&#13;
Religion. Derzeit ist eine Theorie in Mode, daß die&#13;
Rivalitäten des Kalten Krieges zwischen Kommunismus und Kapitalismus einem globalen "Zusammenprall der Zivilisationen" gewichen sind, einschließlich&#13;
dem zwischen der jüdisch-christlichen und der islamischen Welt.&#13;
Diese Idee macht kurzen Prozeß mit der großen&#13;
Vielfalt innerhalb dieser angeblich getrennten Zivilisationen und mit ihren Gemeinsamkeiten. Sie unterschätzt die ethnische und religiöse Vielfalt der Vereinigten Staaten, Kanadas und in zunehmendem Maße&#13;
auch Europas.&#13;
Erst vergangene Woche wurden wir daran erinnert,&#13;
daß die Türkei um eine Definition ihrer Identität, ihrer&#13;
Orientierung und ihrer demokratischen Institutionen&#13;
kämpft. Sie versucht noch, ein Gleichgewicht zwischen dem Säkularismus des Staates und dem&#13;
vorherrschenden Glauben ihrer Bürger zu finden zwischen den Werten von Toleranz und Ordnung.&#13;
Einfach ausgedrückt: Die Türkei wird wahrscheinlich&#13;
eher die richtigen Entscheidungen über ihre Zukunft&#13;
treffen, wenn wir deutlich machen, daß ihre Zukunft bei&#13;
uns liegt.&#13;
Etwas anderes wäre ein großer Fehler unsererseits.&#13;
Wenn wir die Bestrebungen irgendeiner europäischen&#13;
Nation vereiteln, die zur Übernahme der Maßstäbe und&#13;
Pflichten unserer demokratischen Gemeinschaft bereit&#13;
ist, oder wenn wir den "europäischen Charakter" eines&#13;
Dorfes auf der Grundlage dessen definieren, ob sein&#13;
Bild durch Kirchtürme oder Minarette bestimmt wird,&#13;
schaffen wir Gefahren für das 21. Jahrhundert, die&#13;
allzu sehr an die Dummheiten und Tragödien des 20.&#13;
Jahrhunderts erinnern.&#13;
Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten&#13;
weiterhin darauf drängen, daß Europa sich so einbeziehend, groß und umfassend wie möglich definiert.&#13;
Unserer Ansicht nach kann die NATO der Motor sein,&#13;
der dazu beiträgt, Europa in diese Richtung zu bewegen. Vor diesem Hintergrund hat die NATO ihre Türen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�geöffnet. Wir machen keinen Hehl aus unserer&#13;
Hoffnung, daß die NATO-Erweiterung einen Anreiz zur&#13;
Erweiterung der EU geben wird.&#13;
Die NATO ist und bleibt im Grunde genommen ein&#13;
Militärbündnis und ein kollektiver Verteidigungspakt.&#13;
Sie ist aber auch eine politische Organisation mit einer&#13;
nützlichen - ich würde sogar sagen, einzigartigen Rolle bei der Förderung von Einbeziehung und&#13;
Integration in die größere Staatengemeinschaft, deren&#13;
Frieden und Sicherheit das Bündnis untermauert.&#13;
Bei der Verfolgung ihres Ziels, der NATO beizutreten,&#13;
haben verschiedene zentraleuropäische Staaten&#13;
bereits ihre internen Reformen beschleunigt und ihre&#13;
gegenseitigen Beziehungen verbessert. Die NATOErweiterung wird weiterhin diese positiven Auswirkungen haben, während der Prozeß sich auf eine&#13;
offene und nichtdiskriminierende Art und Weise&#13;
fortsetzt.&#13;
Beim Madrider Gipfel im Juli vergangenes Jahr haben&#13;
die Staats- und Regierungschefs der NATO deutlich&#13;
gemacht, daß die ersten drei Länder, die zum Beitritt&#13;
eingeladen sind, nicht die letzten sein werden.&#13;
Insbesondere beschloß das Bündnis eine erneute&#13;
Überprüfung des Erweiterungsprozesses beim&#13;
nächsten Gipfel 1999 und stellte fest, daß Rumänien,&#13;
Slowenien und die baltischen Staaten bei der Erfüllung&#13;
der Aufnahmekriterien Fortschritte gemacht haben.&#13;
Die NATO verpflichtete sich damit, in den kommenden&#13;
Jahren im Norden und Süden nach geeigneten&#13;
Mitgliedern Ausschau zu halten.&#13;
Zu den Anwärtern für zukünftige Erweiterungsrunden&#13;
werden zweifelsohne die Staaten zählen, die bereits&#13;
einen Antrag gestellt haben, aber nicht für die erste&#13;
Runde ausgewählt wurden.&#13;
Zusätzlich könnten&#13;
weitere Runden eine Reihe von Ländern beinhalten,&#13;
die bislang noch kein Interesse an einer Mitgliedschaft&#13;
gezeigt haben.&#13;
In diesem Zusammenhang möchte ich auf Finnland&#13;
und Schweden - das Land, in dem ich die letzten&#13;
beiden Tage verbracht habe - zu sprechen kommen.&#13;
Diese beiden europäischen Staaten haben eine lange&#13;
Tradition unabhängiger, blockfreier Verteidigung. Die&#13;
Vereinigten Staaten respektieren den von Ihnen und&#13;
Ihren schwedischen Nachbarn eingeschlagenen Kurs,&#13;
und wir werden das auch in Zukunft tun. Wir werden&#13;
kein Land zu einer Veränderung seines Status oder&#13;
seiner Haltung drängen.&#13;
Gleichzeitig werden wir das Recht jedes souveränen&#13;
Staates verteidigen, selbst zu entscheiden, wie er&#13;
seine Sicherheit gewährleisten will. Dieser Grundsatz&#13;
ist fest verankert und hat seine Wurzeln in der Schlußakte von Helsinki. Seitdem wurde er von den OSZEMitgliedstaaten bei zahlreichen Gelegenheiten wie-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
derholt - zuletzt beim Ministertreffen in Kopenhagen&#13;
vergangenen Monat.&#13;
Schweden und Finnland bleiben nicht nur Nichtmitglieder des Bündnisses, sondern auch Nichtantragsteller. Sie beteiligen sich jedoch - das ist ihr Verdienst&#13;
und gereicht allen zum Vorteil - aktiv an der sogenannten NATO-Familie der Institutionen und Unternehmen.&#13;
Ich meine den Euroatlantischen Partnerschaftsrat, die&#13;
SFOR im ehemaligen Jugoslawien und die Partnerschaft für den Frieden. Wir wissen besonders zu&#13;
schätzen, wie Finnland unermüdlich mit der Partnerschaft für den Frieden zusammenarbeitet, um die&#13;
Differenzen zwischen Partnern und Verbündeten zu&#13;
verringern und Interoperabilität zwischen allen Militäreinrichtungen der Partner zu erreichen.&#13;
Meine Damen und Herren, die NATO und alle anderen,&#13;
von mir bislang erwähnten Institutionen sind regionale&#13;
Organisationen. Jetzt möchte ich auf die subregionalen Organisationen zu sprechen kommen. Sie sind für&#13;
die Stabilität der europäischen Architektur ebenfalls&#13;
von entscheidender Bedeutung.&#13;
Gestern hatte ich Gelegenheit, eine dieser Organisationen in Aktion zu erleben. Zusammen mit Ihrem&#13;
Außenminister, meinem Freund Tarja Halonen, war ich&#13;
beim euroarktischen Barentsrat in Luleaa in Schweden. Dort war ich noch nie gewesen, und nachdem&#13;
ich dort war, finde ich, daß Helsinki im Januar geradezu ein mildes Klima hat - fast wie Santa Monica. Ich&#13;
erhole mich immer noch - wenn ich so ehrlich sein darf&#13;
- von der erfrischenden Erfahrung, die ich vor 24&#13;
Stunden hatte, als meine Gastgeber in Luleaa für mich&#13;
eine Fahrt im Hundeschlitten vom Konferenzzentrum&#13;
zum Flughafen organisierten. Ich hoffe sehr, daß das&#13;
Programm für den Abend hier in Helsinki sowohl einen&#13;
Saunabesuch als auch ein bißchen Finlandia vorsieht und sei es nur, damit ich mich von dieser Erfahrung&#13;
erholen kann.&#13;
Der Barentsrat ist eine ernsthafte Organisation, die&#13;
außerordentlich beeindruckende praktische Arbeit&#13;
leistet. Sie leistet durch die Bekämpfung von Tuberkulose und anderen Epidemien, den Abbau von Handelsschranken wo immer möglich, die Förderung der&#13;
Gründung von Kleinunternehmen, die Bekämpfung des&#13;
organisierten Verbrechens und die Beseitigung von&#13;
Atommüll ihren eigenen Beitrag zur Überbrückung der&#13;
Trennlinien des Kalten Krieges.&#13;
Die Vereinigten Staaten befürworten Innovationen wie&#13;
den Barentsrat uneingeschränkt. Aus diesem Grund&#13;
hat mich Außenministerin Albright mitten im tiefsten&#13;
Winter nach Luleaa geschickt. Nachdem ich das&#13;
gesagt habe, möchte ich eine kleine Einschränkung zu&#13;
unserer Unterstützung für den Rat und andere subregionale Initiativen vornehmen: Trotz all der von ihnen&#13;
geschaffenen Verbesserungen stellen sie unserer&#13;
Ansicht nach keine Alternative zu paneuropäischen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�oder transatlantischen Organisationen dar. Unseres&#13;
Erachtens müssen wir wachsam gegenüber jeder geplanten oder anderen - Entwicklung sein, die den&#13;
Effekt hätte, Nachbarstaaten in einen Topf zu werfen,&#13;
so daß sie vom Hauptstrom und der Möglichkeit einer&#13;
Mitgliedschaft in größeren Gremien ausgeschlossen&#13;
werden oder die impliziert, daß sie auf sich alleine&#13;
gestellt sind und sich ohne unsere Hilfe an den&#13;
anderen wenden müssen.&#13;
Aus diesem Grund steht die Unterstützung der Vereinigten Staaten für subregionale Integration hier und&#13;
andernorts auf der Welt stets im Kontext unserer&#13;
Unterstützung für übergreifende regionale, transregionale und globale Integration. Was uns anbetrifft,&#13;
ist dies das Grundprinzip einer strukturell soliden&#13;
Architektur.&#13;
Und mit eben diesem Prinzip im Kopf haben die&#13;
Vereinigten Staaten die sogenannte NordosteuropaInitiative ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative&#13;
besteht in der Zusammenarbeit mit bestehenden&#13;
Institutionen und Strukturen, um die Integration unter&#13;
den Nationen der nordischen und baltischen Region zu&#13;
ermutigen, dies jedoch in einer Weise, die die Verbindungen der Region zur Europäischen Union, zu&#13;
wichtigen nahegelegenen Ländern wie Deutschland&#13;
und Polen und auch zu Nordamerika stärkt.&#13;
Die Initiative verfolgt drei Ziele: Erstens die Verstärkung der Verbindungen der Vereinigten Staaten zu&#13;
den Ländern dieser Region; zweitens die Unterstützung der neuen Demokratien, damit sie stärkere&#13;
Kandidaten für die Mitgliedschaft in europäischen&#13;
Institutionen werden; und drittens die zunehmende&#13;
Zusammenarbeit mit Rußland und seine Integration.&#13;
&#13;
Januar scheint hier der Monat für Verlobungen zu sein&#13;
- ich vermute, das ist eine weitere Art und Weise, sich&#13;
warm zu halten).&#13;
Ich möchte mich jetzt dem dritten Element unserer&#13;
Nordosteuropa-Initiative - der russischen Dimension zuwenden.&#13;
Dieser Aspekt unserer Strategie ist&#13;
unerläßlich. Ohne ihn werden sich unsere anderen&#13;
Ziele als sehr viel schwieriger, vielleicht unmöglich zu&#13;
erreichen erweisen. Wenn sich Rußland einerseits&#13;
reibungslos in diese strategisch und wirtschaftlich&#13;
lebenswichtige Region integriert, wird es sich sehr viel&#13;
wahrscheinlicher reibungslos in das übrige Europa&#13;
integrieren.&#13;
Aber das ominöse Gegenteil trifft ebenfalls zu: Wenn&#13;
Rußland versagt oder sich weigert, starke Verbindungen auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt&#13;
und gegenseitigen Vorteilen für diese Region aufzubauen, wird es sehr viel schwieriger für das Land,&#13;
seinen Platz innerhalb des neuen Europas zu finden.&#13;
Darüber hinaus wird es für Europa insgesamt sehr viel&#13;
schwieriger, das durch das Ende des Kalten Krieges&#13;
entstandene Potential umzusetzen.&#13;
Wie Ihre Politiker mich in der Vergangenheit häufig&#13;
erinnert haben und wie Ministerpräsident Lipponen&#13;
heute erneut klarmachte, spielt Finnland bei diesen&#13;
Bestrebungen eine besondere Rolle. Sie sind das&#13;
einzige derzeitige Mitglied der EU, das eine gemeinsame Grenze mit Rußland hat. Ministerpräsident&#13;
Lipponens Initiative nördliche Dimension schlägt&#13;
Kapital aus der Chance sicherzustellen, daß Ihre&#13;
Grenze zu Rußland - die auch die Grenze der EU zu&#13;
Rußland ist - vereint statt zu teilen; daß sie immer&#13;
mehr zu einer Linie der Zusammenarbeit statt zu einer&#13;
Trennlinie der Konfrontation wird.&#13;
&#13;
Die baltischen Staaten sind offensichtlich der Schlüssel zu diesen Bestrebungen. In der vergangenen&#13;
Woche unterzeichneten Präsident Clinton und die&#13;
Präsidenten von Estland, Lettland und Litauen in&#13;
Washington eine wichtige Charta der Partnerschaft.&#13;
Sie stellt einen wichtigen Teil des Plans für ein neues&#13;
ungeteiltes Deutschland dar. Wie Präsident Clinton&#13;
den baltischen Präsidenten am Freitag letzter Woche&#13;
sagte, formalisiert die Charta die Verpflichtung der&#13;
Vereinigten Staaten zur Schaffung der Gegebenheiten,&#13;
die es den baltischen Ländern eines Tages gestatten&#13;
werden, durch die offenen Türen der sich erweiternden&#13;
Institutionen Europas zu gehen.&#13;
&#13;
Um auf die Lektion zurückzukommen, die Jukka&#13;
Valtasaari mich vor neun Jahren beim Mittagessen&#13;
lehrte: Sie als Finnen blicken aus einer Position der&#13;
Souveränität und Unabhängigkeit bei der geschickten&#13;
Handhabung Ihrer Beziehungen zu einem großen und um es milde zu formulieren, häufig problematischen - Nachbarn auf viele Jahrzehnte der Praxis&#13;
zurück . Die Balten haben diese Chance erst kürzlich&#13;
wiedererhalten. Daher müssen Sie ihnen viel beibringen, und nach meinen Gesprächen mit ihnen am&#13;
Freitag vergangener Woche habe ich das Gefühl, daß&#13;
sie das wissen.&#13;
&#13;
In diesem Zusammenhang beglückwünscht meine&#13;
Regierung die Mentorrolle Finnlands für den neu&#13;
entstandenen Grenzschutz und die Streitkräfte der&#13;
baltischen Staaten. Ich möchte meiner Bewunderung&#13;
für die Initiative von Ministerpräsident Lipponen&#13;
Ausdruck verleihen, die er in Luxemburg unterbreitete,&#13;
um die - wie er es bezeichnete - nördliche Dimension&#13;
der EU zu akzentuieren. (Ich möchte meine Glückwünsche zu seiner bevorstehenden Heirat hinzufügen.&#13;
&#13;
Wir alle sind uns bewußt, daß die Beziehungen der&#13;
baltischen Staaten zu Rußland zu den akutesten&#13;
Herausforderungen zählen, denen wir uns bei unseren&#13;
gemeinsamen Bestrebungen zur Erweiterung von&#13;
Frieden, Stabilität und Sicherheit in der gesamten&#13;
Region gegenübersehen. Die Balten ihrerseits hegen&#13;
tiefsitzende Ängste und sind mißtrauisch gegenüber&#13;
den russischen Motivationen. Wie bei den Finnen sind&#13;
ihre Gefühle echt. Was die Russen anbetrifft, so&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�hegen sie ihre eigenen Ängste, insbesondere über die&#13;
Aussicht, daß die Balten ihren völlig legitimen Wunsch&#13;
nach einem Beitritt zur Europäischen Union und der&#13;
NATO verwirklichen.&#13;
Präsident Clinton und Außenministerin Albright&#13;
vertreten ziemlich offen die Ansicht, daß es im eigenen&#13;
Interesse Rußlands liegt, dieses besondere Problem&#13;
zu überwinden. Daß die Russen die baltische Region&#13;
als Pfad für ausländische Armeen oder als Pufferzone&#13;
ansehen, ist bestenfalls ein Anachronismus, da es&#13;
keine Möchtegernaggressoren mehr gibt, die zurückgeschlagen werden müssen.&#13;
Letztlich wird Rußland diese psychologische und&#13;
politische Anpassung seinen Fähigkeiten entsprechend, aus seinen eigenen Gründen und im Einklang&#13;
mit seinem eigenen sich entwickelnden Konzept seiner&#13;
nationalen Interessen selbst vornehmen müssen.&#13;
Aber wir und unsere europäischen Partner können&#13;
helfen. Das können wir durch die Anwendung des&#13;
allgemeinen Prinzips der Einbeziehung bei jeder&#13;
möglichen Gelegenheit. Das bedeutet die größtmögliche Einbeziehung Rußlands in die wirtschaftlichen, politischen, umweltpolitischen und anderen&#13;
Formen der Zusammenarbeit, die wir unter den&#13;
Staaten entlang der Ostseeküste entwickeln. Der&#13;
Barentsrat und der Rat der Ostseeanrainerstaaten sind&#13;
Modelle dessen, was erforderlich ist, und die Vereinigten Staaten werden sich in angemessener Weise&#13;
an beiden beteiligen.&#13;
Wir werden auch versuchen, in unserem eigenen&#13;
direkten Dialog mit Rußland zur Förderung der&#13;
nordisch-baltischen Zusammenarbeit beizutragen. Im&#13;
Grunde sagen wir zu Rußland: Wenn Ihr Russen&#13;
darauf besteht, für auf das 21. Jahrhundert anzuwendende Modelle auf das 13. Jahrhundert zu blicken,&#13;
dann solltet Ihr Euch weniger mit dem Bild von Alexander Nevsky befassen, der die schwedischen Ritter&#13;
auf dem Eis der Neva bekämpft, sondern vielmehr an&#13;
das denken, was man als "hanseatische" Bedingungen&#13;
bezeichnen könnte. Das heißt, denkt an das Baltikum&#13;
nicht als Invasionsroute nach innen, sondern als Tor&#13;
nach außen.&#13;
Mein heute hier anwesender Kollege Ron Asmus hat&#13;
dieses Konzept im Oktober bei einem von der Amerikanischen Botschaft und der Zeitschrift Nordicum&#13;
gemeinsam veranstalteten Seminar im einzelnen&#13;
dargelegt.&#13;
Allgemein gesprochen fanden unsere baltischen&#13;
Freunde den Bezug zur Hanseatischen Liga nützlich&#13;
und begrüßenswert, weil er an eine Zeit erinnert, in der&#13;
ihre Vorfahren fest in Europa integriert waren - und in&#13;
Frieden mit Rußland lebten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Das hanseatische Konzept sollte auch den Russen&#13;
gefallen - zumindest den Russen, die, wie wir hoffen,&#13;
den im Augenblick in diesem Land stattfindenden&#13;
Kampf um das Wesen und die Zukunft ihrer Nation&#13;
überleben; das heißt, den Russen, die an Integration&#13;
statt an eine Rückkehr zur Isolation glauben.&#13;
Zusätzlich zu der Ermutigung durch uns können sie&#13;
auch Kraft aus ihrer eigenen Vergangenheit schöpfen,&#13;
insbesondere aus dem Vermächtnis von Peter dem&#13;
Großen, der selbst ein Meisterarchitekt des modernen&#13;
Europas war. Schließlich öffnete er vor nahezu 300&#13;
Jahren für Rußland ein Fenster - und eine Tür - nach&#13;
Westen. Tatsächlich ist St. Petersburg ein offensichtlicher Kandidat für die Beteiligung an der Wiederbelebung des hanseatischen Konzepts.&#13;
Das könnte auch auf Novgorod und Kaliningrad, das&#13;
ehemalige Königsberg, zutreffen, die beide mit der&#13;
ursprünglichen Hanseatischen Liga verbunden waren.&#13;
In der Tat ist Kaliningrad zumindest historisch ein&#13;
besonders schwieriger Fall. Diejenigen von uns, die&#13;
sich durch das Dickicht der Gespräche über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) hindurcharbeiten,&#13;
tendieren dahin, an Kaliningrad als das Hauptquartier&#13;
des 11. russischen Garderegiments mit seinen 850&#13;
Panzern und 100 Kampfflugzeugen zu denken. Aber&#13;
es ist auch ein Teil des heutigen Rußlands, der die&#13;
Aufklärung erfahren hat. Dort lebte und lehrte Emmanuel Kant und machte mehrere Prinzipien des Völkerrechts bekannt, die gleichgesinnte demokratische&#13;
Republiken in eine Gemeinschaft "bürgerlicher Staaten" einbinden sollten, die sich des - wie er es bezeichnete - "ewigen Friedens" erfreuen könnten.&#13;
Dieses Ideal ist immer noch genau das - ein Ideal, eine&#13;
Bezugsgröße, anhand der eine äußerst unzulängliche&#13;
Realität gemessen wird. Aber diese Realität entwickelt&#13;
sich vielversprechend. Heute ist es für Europäer und&#13;
Amerikaner leichter als zu jeder anderen Zeit in&#13;
unserer Geschichte, sich die Erfüllung dieses Ideals&#13;
vorzustellen. Zum ersten Mal haben wir den Anreiz,&#13;
den politischen Willen und die praktischen Mittel, um&#13;
den Kern Europas herum eine Gemeinschaft von&#13;
Nationen - und genauer gesagt, eine Gemeinschaft&#13;
bürgerlicher und politischer Werte - zu schaffen, die&#13;
sich nach Westen über den Atlantik, nach Osten über&#13;
den Ural, nach Südosten über den Bosporus und nach&#13;
Nordosten über das Nordkap hinweg erstreckt.&#13;
In sehr viel mehr als nur geografischer Hinsicht steht&#13;
Finnland an der Schwelle zu diesem großen Abenteuer. In der Tat hilft Finnland in vielfältiger Weise, den&#13;
Weg anzuführen. Und die Vereinigten Staaten sind&#13;
froh, an Ihrer Seite zu stehen. Gemeinsam haben wir&#13;
Grund, stolz auf das von uns in diesem zu Ende&#13;
gehenden Jahrhundert Erreichte zu sein. Genauer&#13;
gesagt, wir haben Grund, optimistisch bezüglich des&#13;
Jahrhunderts zu sein, das in 1 Jahr, 11 Monaten, 10&#13;
Tagen, 6 Stunden und 20 Minuten beginnt.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�'&#13;
&#13;
Das läßt uns kaum Zeit für die sicherlich angeregte&#13;
Diskussion - also fangen wir besser an.&#13;
&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Die euroatlantischen Beziehungen eine einzigarige Partnerschaft&#13;
von Botschafter John C. Kornblum&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das das Manuskript für die Rede von US-Botschafter John C.&#13;
Kornblum bei der Konferenz über die transatlantischen Beziehungen der Sozialdemokratische Partei,&#13;
Arbeitsgruppe Außenpolitik, am 19. Januar 1998.&#13;
&#13;
Die Geschichte der vergangenen zehn Jahre belegt,&#13;
daß es sehr viel leichter war, die alte Ordnung zu&#13;
zerstören, als eine neue zu schaffen. Viele der&#13;
Herausforderungen, mit denen wir uns in den transatlantischen Beziehungen konfrontiert sehen, leiten&#13;
sich aus dem Prozeß des Aufbaus unserer Welt nach&#13;
dem Kalten Krieg her. Und viele der Herausforderungen, mit denen wir uns in unseren Ländern konfrontiert&#13;
sehen, leiten sich aus den Veränderungen her, die&#13;
zusammen mit der Verlagerung von Bipolarität zu&#13;
Multipolarität stattfanden.&#13;
Daher stehen wir vor einer doppelten Herausforderung: Wie können wir die vielfältigen Veränderungen&#13;
bewältigen, die Teil der Verlagerung zu der sogenannten "Neuen Weltwirtschaft" sind, und was können wir&#13;
tun, damit die transatlantische Partnerschaft dynamisch bleibt und auf die Erfordernisse unserer Gesellschaft reagiert?&#13;
Die Antworten liegen in der Geschichte dessen, wo wir&#13;
stehen und der Vision dessen, wohin wir gehen. In&#13;
diesem Jahr feiern wir den 50. Jahrestag der Berliner&#13;
Luftbrücke. Sie erinnert uns an die Stärke und den&#13;
Mut, die wir während einer Zeit bewiesen, in der "die&#13;
Welt um uns herum aus den Fugen geriet und unkontrollierbar wurde", wie es der damalige Außenminister&#13;
Dean Acheson formulierte. Dennoch war die Überzeugung, daß Westberlin frei bleiben müsse, fest genug,&#13;
um die Luftbrücke durchzuführen und die Stadt und die&#13;
Demokratie am Leben zu erhalten.&#13;
Während der Luftbrücke und während der Härten der&#13;
darauf folgenden Jahre charakterisierten Dramen und&#13;
Heldentum unsere Welt. Unsere Optionen waren&#13;
eindeutig: Die Freiheit zu unterstützen oder sich der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Aggression zu beugen; den demokratischen Lebensstil&#13;
zu verteidigen oder seinen Zerfall zuzulassen.&#13;
Die Themen, mit denen wir uns heute konfrontiert&#13;
sehen, erscheinen vergleichsweise prosaisch. Die&#13;
Demokratie in Europa ist nicht länger in Gefahr, durch&#13;
brutale Aggression ausgelöscht zu werden. Die&#13;
transatlantische Partnerschaft ist nicht länger von den&#13;
Maßnahmen zur Verhinderung eines Krieges in&#13;
Europa beherrscht. Das Spektrum politischer Fragen&#13;
hat sich erweitert und scheint ein beispielloses Maß an&#13;
Komplexität zu beinhalten.&#13;
Das Programm für diese Konferenz stellt folgende&#13;
These in den Mittelpunkt: "Die euroatlantischen&#13;
Beziehungen garantieren die weltweit einzigartige&#13;
friedliche Stabilität der nordatlantischen Region.&#13;
Irritationen können Zeichen des Prozesses der&#13;
Anpassung an die veränderten Bedingungen nach&#13;
dem Ost-West-Konflikt sein, sie können aber auch eine&#13;
dauerhafte Gefährdung der transatlantischen Beziehungen ankündigen." Gestatten Sie mir eine Prüfung&#13;
dieser These im Zusammenhang mit den vier Diskussionsforen der heutigen Konferenz: Politik, Sicherheit,&#13;
Wirtschaft und Kultur.&#13;
Politik&#13;
Amerika und Europa - und insbesondere Amerika und&#13;
Deutschland - teilen eine Reihe grundlegender&#13;
politischer Überzeugungen, die sowohl unsere innenpolitischen Regierungssysteme als auch unsere&#13;
Beziehungen zueinander untermauern: Freiheit,&#13;
Demokratie, Schutz der Menschenrechte, Pluralismus,&#13;
Rechenschaftspflicht der Regierung usw. Der Bereich&#13;
gemeinsamer politischer Ziele ist so umfassend, daß&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�es beinahe schwierig ist, von zwei verschiedenen&#13;
Körperschaften zu sprechen. Wir haben ein großes&#13;
Potential zur Koordinierung unserer Maßnahmen mit&#13;
dem Ziel der Ausdehnung unseres gemeinsamen&#13;
Einflusses auf der Welt, um Demokratie und Freiheit&#13;
aufzubauen und zu stärken.&#13;
Das Ausmaß des amerikanischen Einflusses ist in&#13;
Europa und in den Vereinigten Staaten gleichermaßen&#13;
ein Diskussionsthema. Die Kolumnistin der New York&#13;
Times, Flora Lewis, verwies auf die "Einsamkeit, die&#13;
einzige Supermacht zu sein" - eine Aussage, die&#13;
Gefühle in Washington sowie ein objektives Paradoxon&#13;
in der globalen Rolle der Vereinigten Staaten widerspiegelt. Wir suchen und brauchen Partner. Ebenso&#13;
wie die Vereinigten Staaten sich beispielloser Macht im&#13;
Hinblick auf den globalen Einflußbereich erfreuen,&#13;
ziehen wir Multilateralismus und die Einbeziehung&#13;
internationaler Organisationen, der Bürger und des&#13;
Privatsektors in höchstmöglichem Maße vor. Zbigniew&#13;
Brzezinski beschrieb die Situation mit folgenden&#13;
Worten: "Amerika schafft ein bahnbrechendes neues&#13;
Muster der globalen Politik, dessen inhärentes Charakteristikum nicht nur die progressive Auflösung der&#13;
souveränen Integrität des Nationalstaats ist, sondern&#13;
auch die Verringerung der Fähigkeit eines Superstaats&#13;
zur Ausübung der entscheidenden globalen Macht."&#13;
Er gelangt zu der Schlußfolgerung, daß die Macht der&#13;
Vereinigten Staaten sowohl eine Realität als auch eine&#13;
Illusion ist.&#13;
Die Macht der Vereinigten Staaten ist in der Tat&#13;
paradox. Die Geschichte belegt, daß die Vereinigten&#13;
Staaten die Rolle auf der Weltbühne sehr widerwillig&#13;
übernahmen, da sie es vorzogen, Einfluß auf der Welt&#13;
eher durch die Macht des Beispiels als durch Machtprojektion auszuüben. Obwohl die Vereinigten Staaten&#13;
heute eher bereit sind, eine globale Rolle zu spielen&#13;
als zu verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit,&#13;
besteht in meinem Land ein Konsens: Es gibt viel zu&#13;
viele Krisen, als daß die Vereinigten Staaten darauf&#13;
reagieren könnten. Wir brauchen Partner.&#13;
Es gab eine Diskussion in den Vereinigten Staaten und&#13;
hier in Europa über die zunehmende Anwendung von&#13;
Wirtschaftssanktionen als Instrument der amerikanischen Außenpolitik. Es gibt Beweise, daß Sanktionen funktioniert haben (im Fall Südafrikas unter der&#13;
Apartheid, im Fall des Irak im Hinblick auf seine&#13;
verringerte Fähigkeit zum Wiederaufbau des militärischen Potentials oder der Beschaffung von&#13;
Massenvernichtungswaffen, ganz zu schweigen von&#13;
Libyen, Serbien usw.) Aber nicht alle Fälle waren so&#13;
erfolgreich. Das US-Außenministerium hat vor kurzem&#13;
ein Sanktionsteam zur Erarbeitung einer Reihe von&#13;
Prinzipien und politischen Optionen eingerichtet. Das&#13;
Team wird mit dem amerikanischen Kongreß, Nichtregierungsorganisationen und anderen Ländern&#13;
zusammenarbeiten. Künftige Sanktionen sollten im&#13;
Idealfall von vier Prinzipien geleitet sein: Sanktionen&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
sollten nur verhängt werden, nachdem andere diplomatische Optionen vollständig ausgeschöpft wurden&#13;
und gescheitert sind; die internationale Unterstützung&#13;
für alle Sanktionsregime und die Beteiligung daran&#13;
sollte angestrebt werden, bevor unilaterale Maßnahmen ergriffen werden; wir sollten der Erkenntnis&#13;
Rechnung tragen, daß internationale oder multilaterale&#13;
Sanktionen - selbst wenn sie nicht so streng sind, wie&#13;
wir es vorziehen würden - sich tatsächlich als effektiver&#13;
erweisen als eine einschneidendere unilaterale&#13;
Maßnahme der Vereinigten Staaten; die Sanktionen&#13;
sollten sorgfältig ausgearbeitet werden, damit das&#13;
Zielland den Schmerz fühlt und unnötige Härten für die&#13;
Unschuldigen vermieden werden.&#13;
Je mehr die Vereinigten Staaten und ihre Partner&#13;
miteinander darüber kommunizieren, wie man das&#13;
Problem von Staaten bewältigt, die Terrorismus&#13;
unterstützen, Menschenrechte mißachten und generell&#13;
nicht innerhalb der von uns in diesem Jahrhundert&#13;
festgesetzten Normen einer internationalen Gesellschaft leben, desto besser sind die Chancen, Irritationen in unseren Beziehungen zu verhindern. Schließlich besteht Übereinstimmung in der transatlantischen&#13;
Welt, daß die Regierungen von Iran, Irak, Libyen und&#13;
Kuba eine Politik verfolgen, die den Prinzipien des&#13;
Völkerrechts widerspricht. Deswegen müssen wir&#13;
härterauf Maßnahmen hinarbeiten, die dieses gemeinsame Terrain widerspiegeln. Vor allem müssen wir&#13;
Mißverständnisse und Fehleinschätzungen vermeiden.&#13;
Ein anhaltendes Mißverständnis ist, daß das&#13;
Helms-Burton-Gesetz Handel und Investitionen in&#13;
Kuba bestraft. Das ist nicht richtig. Das Gesetz findet&#13;
nur auf die Unternehmen Anwendung, die direkt mit&#13;
enteignetem Besitz handeln, der amerikanischen&#13;
Staatsbürgern von der Castro-Regierung abgenommen wurde. Mißverständnisse wie diese haben uns&#13;
von dem Hauptthema abgelenkt: Wie können Demokratie und Menschenrechte in Kuba ermutigt werden?&#13;
Sicherheit&#13;
Die transatlantische Partnerschaft kann durch stärkere&#13;
europäische Integration und durch die Erweiterung der&#13;
Verteidigungsfähigkeit unserer Verbündeten gestärkt&#13;
werden. Wir wollen sicherstellen, daß ein europäischer Verteidigungspfeiler im Atlantischen Bündnis&#13;
eine zunehmende Rolle spielt. Wir haben die Grundlagen für diese Bestrebungen 1995 geschaffen, als wir&#13;
vereinbarten, daß die NATO und die WEU gemeinsam&#13;
von den europäischen Verbündeten erarbeitete und&#13;
geleitete Missionen planen sollten, bei denen der&#13;
Hauptteil der Truppen aus europäischen Nationen&#13;
kommen würde. Die Vereinigten Staaten haben sich&#13;
ihrerseits verpflichtet, solche Missionen mit Logistik,&#13;
Kommunikationseinrichtungen und Nachrichtendiensten zu unterstützen.&#13;
Die NATO hat nicht die Identitätskrise durchgemacht,&#13;
die ihr vor einigen Jahren vorhergesagt wurde: Wie der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Fall Bosnien zeigt, könnte die NATO heute keine&#13;
geeignetere Organisation sein. Wie das Interesse und&#13;
die Begeisterung für den NATO-Beitritt zeigen, dient&#13;
die NATO heute im Großen und Ganzen demselben&#13;
Zweck wie bei ihrer Gründung: Der Förderung von&#13;
Integration, Stabilität und Wohlstand in Europa.&#13;
Die Rolle der NATO ist einzigartig - und das gilt auch&#13;
für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Mit 54 Mitgliedern und der Flexibilität&#13;
zur Entwicklung kreativer Mechanismen zur Konfliktverhütung hat die OSZE eine glänzende Zukunft. Aber&#13;
sie kann nicht sein, was sie nicht ist. Sie ist ein&#13;
flexibles Instrument für die Erlangung eines Konsenses. Sie kann nicht die alleinige Struktur für Europa&#13;
sein und kann die NATO aus einem einfachen Grund&#13;
nicht ersetzen: Sie kann den Frieden nicht durchsetzen&#13;
oder von irgend jemandem die Einhaltung erzwingen.&#13;
Wir wünschten uns, daß Zwangsmaßnahmen am Ende&#13;
des 20. Jahrhunderts für unsere europäischen Sicherheitsstrukturen nicht erforderlich sind, aber&#13;
Wünsche lassen Gebietseroberungen und ethnische&#13;
Konflikte nicht verschwinden. Unser konzertierter&#13;
politischer Wille, solche Aktionen abzulehnen, muß&#13;
glaubwürdig bleiben und durch militärische Instrumente untermauert werden.&#13;
Wirtschaft&#13;
Sicherheit hat jetzt viele Facetten und ist nicht mehr&#13;
nur die Domäne von Rüstungskontrollexperten. In&#13;
unseren Volkswirtschaften und Gesellschaften erleben&#13;
wir schnellen Wandel - Wandel, der ebenso konstant&#13;
wie komplex ist. Er kann sowohl beunruhigend als&#13;
auch belebend sein. Der Ausdruck "Neue Weltwirtschaft" reflektiert den veränderten Kontext, in dem wir&#13;
Geschäfte tätigen und Handel treiben sowie die&#13;
Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben&#13;
der Menschen.&#13;
Diese Konferenz befaßt sich mit der Frage, "wie&#13;
wünschenswert und wie realistisch" eine transatlantische Freihandelszone (TAFTA) ist. In den knapp drei&#13;
Jahren, seit Außenminister Kinkel diese Idee vorbrachte, haben wir Fortschritte bei der Erlangung der&#13;
Vorteile einer TAFTA ohne eine förmliche Übereinkunft&#13;
gemacht. Beim Madrider Gipfel im Juni 1995 schnitt&#13;
Außenminister Warren Christopher mehrere Problembereiche an, denen vorrangig Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Ich freue mich, berichten zu&#13;
können, daß wir bereits die meisten Punkte auf dieser&#13;
Liste bewältigt haben.&#13;
Unsere Abkommen über "Offene Himmel"&#13;
haben Reisen über den Atlantik hinweg einfacher und schneller gemacht.&#13;
Dadurch&#13;
wurden Investitionsanreize gegeben und&#13;
Arbeitsplätze geschaffen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Unser Informationstechnologieabkommen hat&#13;
den Marktzugang erweitert und Innovationen&#13;
in Informationstechnologie auf einem der&#13;
dynamischsten Sektoren der Weltwirtschaft&#13;
verstärkt.&#13;
Unsere im vergangenen Jahr geschlossenen&#13;
Abkommen über gegenseitige Anerkennung&#13;
(Mutual Recognition Agreements - MRAs)&#13;
bauten Handelshemmnisse ab, die aus unterschiedlichen Produktnormen und -tests resultieren - ohne die Gesundheit oder Sicherheit&#13;
aufs Spiel zu setzen. Es wird erwartet, daß&#13;
die MRAs Verbrauchern und Industrie Einsparungen in Höhe von jährlich etwa 1,37&#13;
Milliarden Dollar an überflüssigen Produktkosten bringen und eine Liberalisierung des&#13;
Handels in beide Richtungen im Umfang von&#13;
ungefähr 40 Milliarden Dollar bewirken. Die&#13;
Tatsache, daß die Hauptnutznießer kleine und&#13;
mittelständische Unternehmen sind (die&#13;
normalerweise kein eigenes Labor besitzen&#13;
und sich auf Tests durch Dritte verlassen&#13;
müssen) bedeutet, daß eine Vielzahl neuer&#13;
Unternehmen am transatlantischen Handel&#13;
teilnehmen kann.&#13;
Schließlich stellt unser jüngstes Abkommen&#13;
über internationale Bestechung einen wichtigen Fortschritt bei der Bekämpfung von&#13;
Praktiken dar, die gegen grundlegende Prinzipien unserer Länder verstoßen.&#13;
Wir können uns zu unserer Arbeit beglückwünschen,&#13;
aber ein Punkt auf der Liste bleibt offen: Wir benötigen&#13;
noch ein umfassendes Investitionsregime zur Aufstellung gemeinsamer Grundregeln für das riesige&#13;
Gebiet von Honolulu bis Helsinki. Damit können wir&#13;
die Risiken transnationaler Investitionen beträchtlich&#13;
verringern.&#13;
Ein Großteil dessen, was im Rahmen eines transatlantischen Freihandelsabkommens hätte erreicht&#13;
werden können, ist durch unser Drängen auf eine&#13;
weitere Liberalisierung des Handels geschehen. Ein&#13;
wesentlicher Teil dieser Dynamik kommt aus dem&#13;
Privatsektor. Der transatlantische Wirtschaftsdialog&#13;
(Transatlantic Business Dialogue - TABD) ist ein&#13;
Beispiel für diese neue und äußerst effektive Form von&#13;
Unternehmensdiplomatie - der Privatsektor erledigt die&#13;
Arbeit der Regierung zum Wohle unserer Bürger in&#13;
einem Bruchteil der Zeit.&#13;
In Deutschland findet heute eine umfassende Gewissensprüfung über den Wandel und die Geschwindigkeit des Wandels in diesem Land statt. Als jemand,&#13;
der erst kürzlich nach zehnjähriger Abwesenheit nach&#13;
Deutschland zurückgekehrt ist, habe ich den Eindruck&#13;
gewonnen, daß das Land sich sehr schnell verändert&#13;
hat. Natürlich wird es noch mehr Reformen geben.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Als Exportland muß sich Deutschland an die Herausforderungen der Globalisierung anpassen. Ich habe&#13;
Vertrauen in die Fähigkeit Deutschlands zum Wandel,&#13;
weil es sich in diesem Jahrhundert so erfolgreich&#13;
verändert hat und unter anderem die historische und&#13;
komplexe Aufgabe der Wiedervereinigung so gut&#13;
gemeistert hat. Kürzlich las ich, daß bei einer Umfrage&#13;
unter 13 bis 30-Jährigen in Sachsen 71 Prozent der&#13;
Befragten angaben, sie seien glücklich oder sehr&#13;
glücklich mit ihrem Leben - 11 Prozent mehr als im&#13;
Vorjahr. Dies ist möglicherweise eine der überzeugenderen Statistiken des bisherigen Erfolgs der Wiedervereinigung.&#13;
Auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten erlebte im&#13;
letzten Jahrzehnt außerordentliche Veränderungen.&#13;
Nachdem wir Haushaltsdefizite gehabt hatten, die&#13;
unsere europäischen Partner so beanstandenswert&#13;
fanden, daß sie sich bei G-7-Treffen darüber beschwerten, prognostizieren die Vereinigten Staaten&#13;
jetzt ein Haushaltsdefizit für 1998 von 5 Milliarden&#13;
Dollar beziehungsweise weniger als 0,1 Prozent des&#13;
Bruttoinlandsprodukts. Dies wäre der niedrigste Stand&#13;
seit 1970.&#13;
Der Erfolg der Vereinigten Staaten bei der Umgestaltung ihrer Wirtschaft basiert auf der hohen Bereitschaft&#13;
des Einzelnen, Risiken einzugehen, auf der Flexibilität&#13;
der Arbeitnehmer, Deregulierung und der dynamischen Rolle des Dienstleistungssektors. Ferner&#13;
besteht in Amerika ein Konsens, daß dieser Ansatz die&#13;
beste Strategie für die Bewältigung der mit der Globalisierung einhergehenden Herausforderungen darstellt.&#13;
Kultur&#13;
Gleichzeitig gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen&#13;
Deutschland und den Vereinigten Staaten, insbesondere im Bereich der Kultur. Angesichts von 60 Millionen Amerikanern deutscher Herkunft überrascht das&#13;
nicht. Deutschland hat die amerikanische Identität auf&#13;
historische Weise geprägt. Amerika wiederum hat&#13;
Deutschlands Identität durch seinen Beitrag zur&#13;
deutschen Demokratie und zur Verteidigung der&#13;
Souveränität Deutschlands geprägt.&#13;
Im Zeitalter des Satellitenfernsehen und des Internet&#13;
interagieren unsere Kulturen auf neue Art und Weise.&#13;
Wie haben mehr Zugang zueinander als je zuvor. Es&#13;
ist schwer, sich jetzt vorzustellen, daß bei meinem&#13;
ersten Deutschlandaufenthalt als Diplomat in Hamburg&#13;
meine englischsprachigen Zeitungen mit dreitägiger&#13;
Verspätung erschienen.&#13;
Menge und Geschwindigkeit der Informationen reichen&#13;
jedoch nicht aus. Sie verändern unser Leben, sind&#13;
aber keine Garantie für Interaktion. Die Leistungsfähigkeit des Menschen ist weiterhin das Entscheidende. Die Bestrebungen des Einzelnen oder einer&#13;
Organisation, sich deutsch-amerikanische Aktivitäten&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
auszudenken oder ein Programm für Bücherspenden&#13;
ins Leben zu rufen, machen das Wesen unserer&#13;
Kulturbeziehungen aus.&#13;
Meines Erachtens haben wir diesem Wesen entsprochen, als wir einen Wandel der kulturellen Präsenz der Vereinigten Staaten in Deutschland eingeleitet haben. Es ist nicht mehr erforderlich, daß die&#13;
Amerika Häuser amerikanische Kultur und Kunst nach&#13;
Deutschland bringen. Der Bedarf wird durch private&#13;
Kanäle mehr als gedeckt. Jetzt haben wir die Chance,&#13;
mit neuen Formen von Dialog und Austausch zu&#13;
experimentieren. Amerikanische Ideen und Modelle&#13;
sind in ausreichender Zahl vorhanden, und auf&#13;
deutscher Seite besteht großes Interesse, neue Foren,&#13;
beispielsweise das Bayerisch-Amerikanische Zentrum&#13;
in München, zu erproben.&#13;
Der Privatsektor und der Einzelne können einen&#13;
wichtigen Beitrag zu unserem Kulturdialog leisten.&#13;
Anfang dieses Monats hatte ich das Vergnügen, an&#13;
einer Feierstunde teilzunehmen, in der die Vereinigten&#13;
Staaten Schulen in den neuen Bundesländern Bücher&#13;
spendeten. Im Rahmen des Projekts "100 Meter&#13;
Amerika" erhält jede Schule einen Meter Bücher,&#13;
CD-Roms und anderes Informationsmaterial. Bezeichnenderweise wird dieses Projekt nicht von der&#13;
US-Regierung, sondern von den Freunden des&#13;
Amerika Hauses Berlin finanziert. In unseren beiden&#13;
Gesellschaften haben wir den Wert und die Erfolgsaussichten von Privatinitiativen zu schätzen gelernt.&#13;
Das gilt insbesondere für die Vereinigten Staaten.&#13;
Amerikaner fühlen sich aufgrund ihrer Kultur - nicht so&#13;
sehr durch Steuern - dazu veranlaßt, in Form von Zeit,&#13;
Wohltätigkeitsarbeit oder Mäzenatentum einen Beitrag&#13;
zur Gesellschaft zu leisten. Anstatt darauf zu warten,&#13;
daß die Regierung tätig wird, zeigt der Einzelne Sinn&#13;
dafür, was erreicht werden kann, wenn man sich&#13;
gemeinsam für eine gute Sache einsetzt.&#13;
Die Zukunft&#13;
Im nächsten Jahrhundert sollten wir versuchen, im&#13;
Rahmen der euroatlantischen Partnerschaft sogar&#13;
noch mehr zu erreichen. Amerika ist eine wahrhaft&#13;
europäische Macht. Aber Europa ist auch integraler&#13;
Bestandteil der amerikanischen Realität. Es gibt keine&#13;
getrennte Zukunft.&#13;
Unsere in den letzten 50 Jahren erzielten Erfolge&#13;
lehren uns eine Lektion, die uns in Zukunft große&#13;
Dienste erweisen wird: Die erste Lektion liegt vielleicht&#13;
auf der Hand. Demokratie und Vielfalt, Offenheit und&#13;
Pluralismus sind die wesentlichen Elemente erfolgreicher Gesellschaften. Das 20. Jahrhundert war in&#13;
vielerlei Hinsicht ein Kampf gegen den Totalitarismus.&#13;
Das 21. Jahrhundert wird erleben, wie sich der&#13;
Pluralismus endgültig behauptet. Das moderne Leben&#13;
kann nicht kontrolliert werden. Frieden und Wohlstand&#13;
müssen auf Demokratie fußen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Auch die Solidarität sollte eine entscheidende Rolle&#13;
spielen. Damit meine ich nicht nur Solidarität innerhalb&#13;
von Gesellschaften oder zwischen Partnern wie den&#13;
Vereinigten Staaten und Deutschland. Ich meine auch&#13;
Solidarität mit denen, die sich um den Aufbau von&#13;
Demokratie bemühen, wo immer sie auch leben&#13;
mögen, sowie mit denjenigen, die eine Diktatur&#13;
bekämpfen, selbst wenn sie weit von unseren Küsten&#13;
entfernt sind. Solidarität bedeutet die Übernahme von&#13;
Verantwortung, auch wenn das nicht einfach ist.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Schließlich möchte ich die Bedeutung von Visionen&#13;
hervorheben. Das Leben kann nicht auf die Aufgaben&#13;
beschränkt werden, die auf der Tagesordnung stehen.&#13;
Visionen müssen dargelegt und entwickelt werden.&#13;
Wir arbeiten auf empfehlenswerte Weise zusammen,&#13;
um ihnen Form und Inhalt zu geben. Aber es gibt noch&#13;
viel mehr zu tun.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
11. Februar 1998&#13;
&#13;
Summers fordert Reaktion auf asiatische Finanzkrise&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die der Stellvertretende&#13;
Finanzminister, Lawrence Summers, am 4. Februar 1998 vordem Finanzausschuß des Senats hielt.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, ich freue mich sehr über diese&#13;
Gelegenheit, die jüngsten Ereignisse auf den asiatischen Finanzmärkten und das eng damit zusammenhängende Thema einer adäquaten Finanzierung des&#13;
Internationalen Währungsfonds (IWF) erörtern zu&#13;
dürfen. Ich weiß, daß beide Fragen für diesen Ausschuß und andere Kongreßabgeordnete von großem&#13;
Interesse sind.&#13;
Heute möchte ich über die Instabilität in Asien und die&#13;
möglichen Gefahren einer anhaltenden Krise für die&#13;
Vereinigten Staaten sprechen. Ferner werde ich die&#13;
Stategie der Administration zur Wiederherstellung der&#13;
Stabilität sowie die dringende Notwendigkeit einer&#13;
Unterstützung des IWF darlegen, damit wir nicht nur&#13;
auf diese Krisen, sondern in Zukunft auch auf weitere&#13;
mögliche Krisen wirksam reagieren können.&#13;
I. Die Gefahren von Instabilität in Asien&#13;
Wie der Präsident in seinem Bericht zur Lage der&#13;
Nation feststellte, sind die asiatischen Volkswirtschaften unsere Kunden, unsere Konkurrenten und&#13;
unsere Verbündeten. Turbulenzen im Finanzsystem&#13;
der Region haben Auswirkungen auf das Wachstum&#13;
der amerikanischen Wirtschaft, das Wohlergehen der&#13;
amerikanischen Arbeitnehmer, Unternehmen und&#13;
Farmer. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß diese Auswirkungen so gering wie möglich&#13;
sind.&#13;
Nahezu ein Drittel unserer Exporte geht nach Asien mehr als nach Europa. Die in der von Fortune erstellten Liste der 500 größten Unternehmen aufgeführten&#13;
Konzerne wie Microsoft, General Motors und Boeing&#13;
haben bereits vor einer verringerten Nachfrage nach&#13;
unseren Exporten aufgrund der Instabilität in Asien&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
gewarnt - wobei verringerte Nachfrage weniger&#13;
Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer bedeuten kann.&#13;
Unsere Wirtschaft ist stark und kann diesen und&#13;
anderen kurzfristigen Auswirkungen bisheriger Krisen&#13;
standhalten. Die potentiellen Kosten werden jedoch&#13;
ansteigen, wenn diesen Volkswirtschaften die Wiederherstellung von Stabilität nicht gelingt und die&#13;
Krisen auf entstehende Märkte in anderen Regionen&#13;
übergreifen - Märkte, die derzeit Abnehmer von mehr&#13;
als 40 Prozent unserer Exporte sind. Anhaltende&#13;
Instabilität auf den asiatischen und anderen Märkten&#13;
könnte amerikanische Exporte und davon&#13;
abhängige Arbeitsplätze gefährden und zu&#13;
einem Kreislauf kostspieliger Abwertungen&#13;
sowie einer Behinderung des offenen Handels&#13;
führen;&#13;
könnte Auswirkungen auf unsere Finanzmärkte und damit auf alle Bereiche haben - von&#13;
Investitionen in Werkzeuge und Geräte für&#13;
Arbeitnehmer bis zu neuen Hypotheken für&#13;
den Wohnungsbau;&#13;
könnte Anlaß zur Besorgnis um die nationale&#13;
Sicherheit geben, da Finanzkrisen Konflikte&#13;
größeren Ausmaßes auslösen können.&#13;
Staatssekretär Eizenstat wird sich mit Einzelheiten dieser Frage befassen.&#13;
Mit anderen Worten: Die Gefahren, wenn wir nicht auf&#13;
diese Krisen reagieren - Gefahren für unsere Wirtschaft, die Stabilität unserer Finanzmärkte und unsere&#13;
nationale Sicherheit im allgemeinen - übersteigen bei&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�weitem die Gefahren, die entstehen können, wenn wir&#13;
handeln.&#13;
Wir können und müssen mit der internationalen&#13;
Gemeinschaft zusammenarbeiten, um so bald wie&#13;
möglich Vertrauen und Wachstum wiederherzustellen,&#13;
damit diese Nationen starke Märkte und dauerhafte&#13;
Verbündete der Vereinigten Staaten bleiben können.&#13;
II. Der Ansatz der Vereinigten Staaten&#13;
Unser Ansatz zu diesen Ereignissen basiert auf vier&#13;
Grundsätzen:&#13;
Erstens. Die Hauptverantwortung für die&#13;
Beilegung dieser Krisen liegt bei den Ländern&#13;
selbst und den Maßnahmen, die sie zu ergreifen bereit sind.&#13;
Zweitens. Die internationale Gemeinschaft&#13;
sollte den Ländern temporäre, gebundene&#13;
Finanzhilfen zur Förderung ihrer wirtschaftlichen Erholung gewähren.&#13;
Drittens. Vor dem Hintergrund dieser Krisen&#13;
müssen die großen Industriestaaten, insbesondere Japan, sowie die Volkswirtschaften&#13;
der Region ihr eigenes Wirtschaftswachstum&#13;
fördern, um Vertrauen und Wachstum wiederherzustellen.&#13;
Viertens. Wir sollten nicht nur die derzeitigen&#13;
Krisen im Blick haben, sondern auch das&#13;
internationale Finanzsystem, das wir für die&#13;
Zukunft schaffen wollen. Daher müssen wir&#13;
weltweit Maßnahmen fördern, die das Risiko&#13;
einer Ausweitung von Krisen verringern und&#13;
weitere verhindern.&#13;
Lassen Sie mich kurz auf diese Grundsätze eingehen&#13;
und dabei meinen Schwerpunkt auf die beiden ersten&#13;
legen, die eng mit dem IWF in Verbindung stehen.&#13;
1. Nationale Politik&#13;
Eine entschiedene inländische Reaktion ist die absolute Vorbedingung für die Wiederherstellung von Stabilität. Die von uns unterstützten Reformprogramme in&#13;
Thailand, Indonesien und Korea verpflichten diese&#13;
Länder zu konkreten Aktionen zur Wiederherstellung&#13;
von Stabilität und der Schaffung einer sichereren&#13;
Grundlage für langfristiges Wachstum.&#13;
Obwohl jedes Programm auf die spezifischen Gründe&#13;
für die Krise des jeweiligen Landes zugeschnitten ist,&#13;
haben alle den Schwerpunkt, die Wirtschaft marktorientierter zu gestalten, die Kapitalzuweisung zu&#13;
verbessern und die Kräfte des Marktes wirken zu&#13;
lassen.&#13;
In der Struktur dieser Volkswirtschaften&#13;
müssen wichtige, seit langem überfällige Veränderun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
gen durchgeführt werden - Veränderungen, die in&#13;
vielen Fällen von den Regierungsvertretern dieser&#13;
Länder begrüßt werden. Die wichtigsten Reformen&#13;
erstrecken sich auf folgende Bereiche:&#13;
Maßnahmen zur Stärkung des heimischen&#13;
Finanzsystems durch eine Umstrukturierung&#13;
des Finanzsektors, verbesserte Transparenz&#13;
und Überwachung, die Abschaffung der&#13;
wechselseitigen Abhängigkeit von Regierung&#13;
und Wirtschaft sowie die Öffnung der heimischen Kapitalmärkte.&#13;
Strukturreformen zum Aufbrechen von Rohstoffmonopolen und zur Öffnung geschützter&#13;
Sektoren für ausländische Konkurrenten.&#13;
Wiederherstellung&#13;
einer&#13;
angemessenen&#13;
Währungs- und Finanzpolitik und längerfristig&#13;
die Vereinbarung stabiler, transparenter&#13;
Vorschriften für die Politiker.&#13;
Angesichts des starken Interesses dieses Ausschusses an den handelspolitischen Aspekten der Programme möchte ich dieses Thema noch etwas ausweiten.&#13;
Das Stabilisierungspaket für Indonesien verpflichtet die&#13;
Regierung zur Beseitigung einer Reihe offiziell sanktionierter Import- und Exportmonopole, Abschaffung von&#13;
Ausfuhrsteuern für Rohstoffe, Reform des staatlichen&#13;
Beschaffungssystems und zur Beschleunigung des&#13;
Privatisierungsprozesses. Zölle auf Nahrungsmittelimporte wurden mit sofortiger Wirkung auf höchstens 5&#13;
Prozent gesenkt. In ähnlicher Weise konzentriert sich&#13;
das Programm für Thailand stärker auf die Privatisierung, auf Maßnahmen zur Kürzung von Subventionen&#13;
für staatliche Unternehmen und die Lockerung von&#13;
Beschränkungen von ausländischem Besitz und&#13;
Devisenkontrollen.&#13;
Die koreanische Regierung hat sich ihrerseits unter&#13;
anderem verpflichtet, eine Reihe unfairer Subventionen für koreanische Exporteure abzuschaffen, die&#13;
Vergabe von Importlizenzen und lästige Zollverfahren&#13;
zu erleichtem, die unter staatlicher Kontrolle stehende&#13;
unwirtschaftliche Kreditvergabe einzustellen und die&#13;
Restriktionen für koreanische Unternehmen in ausländischem Besitz erheblich zu verringern.&#13;
Herr Vorsitzender, es lohnt sich, über die Bedeutung&#13;
dieser Veränderungen nachzudenken. Die engen und&#13;
privilegierten Beziehungen zwischen den "Chaebols",&#13;
den Banken und der Regierung sind seit Jahren eines&#13;
der hervorstechenden Merkmale der koreanischen&#13;
Volkswirtschaft. Sie sind die Wurzel der hartnäckigen&#13;
Probleme bei unserem Handel mit diesem Land, die zu&#13;
schlechtem Marktzugang, unwirtschaftlichen Investitionen, übermäßiger Konzentration und überschüssigen Kapazitäten in Schlüsselindustrien führen.&#13;
Gleichzeitig ist es sehr schwierig, diese Praktiken mit&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�traditionellen handelspolitischen Instrumenten zu&#13;
bekämpfen.&#13;
Die im IWF-Programm enthaltenen&#13;
Reformen zielen darauf ab, diese Vorzugsbehandlung&#13;
ein für allemal abzuschaffen.&#13;
2. Internationale Hilfe&#13;
Falls die Länder sich zur Ergreifung dieser entschiedenen Maßnahmen verpflichten - und nur dann - hat die&#13;
internationale Gemeinschaft unter der Führung der&#13;
Vereinigten Staaten großes Interesse, ihnen Hilfe zur&#13;
Selbsthilfe zu gewähren. Durch die Bereitstellung&#13;
temporärer Finanzhilfe können wir diesen Volkswirtschaften eine Atempause geben, während diese&#13;
lebenswichtigen Reformen durchgeführt werden.&#13;
Ohne diese Unterstützung könnten sich selbst die&#13;
Länder, die sich wirklich für Reformen engagieren,&#13;
außerstande sehen, ihre Verpflichtungen - auf&#13;
Regierungs- oder privatwirtschaftlicher Ebene - zu&#13;
erfüllen, was verheerende Auswirkungen auf ihre&#13;
eigene Wirtschaft haben und die Gefahr eines Übergreifens auf andere Märkte beträchtlich erhöhen&#13;
könnte.&#13;
Der IWF ist und bleibt die wichtigste Organisation für&#13;
die Gewährung dieser Hilfe, wobei er von der Weltbank und den regionalen Entwicklungsbanken unterstützt wird. Es sollte darauf hingewiesen werden, daß&#13;
der IWF bei der Reaktion auf die jüngsten Krisen in&#13;
Asien das Instrument für umfassende multilaterale&#13;
Bestrebungen zur Wiederherstellung von Stabilität war&#13;
- was ein beispielloses Ausmaß internationaler Lastenteilung widerspiegelt. In krassem Gegensatz zu der&#13;
Situation in Mexiko haben die internationalen Finanzinstitutionen jetzt den Großteil der Hilfe bereitgestellt was eine nur sehr begrenzte direkte finanzielle&#13;
Gefährdung der Vereinigten Staaten bedeutete.&#13;
Gemeinsam mit anderen Industriestaaten haben wir&#13;
unserer Bereitschaft zur Gewährung zusätzlicher&#13;
vorübergehender Hilfe in Situationen Ausdruck&#13;
verliehen, in denen ein Land seine Reformen fortsetzt,&#13;
unerwartete Entwicklungen jedoch zusätzliche Mittel&#13;
erfordern. Bis heute wurden keine Gelder aus dieser&#13;
"zweiten Verteidigungslinie" ausgezahlt, und tatsächlich erfolgende Zahlungen wären sehr kurzfristiger&#13;
Natur und garantiert.&#13;
&#13;
dels und Wettbewerbs haben die größten Volkswirtschaften in der asiatisch-pazifischen Region eine&#13;
besondere Verantwortung zur Verfolgung einer soliden&#13;
Politik, die auf die Förderung ihres gemeinsamen&#13;
Interesses an Währungsstabilität und stabilem Wachstum abzielt.&#13;
Die US-Regierung trägt mit ihrem ausgeglichenem&#13;
Haushalt das Ihre beit, weil jetzt jährlich 200 Milliarden&#13;
Dollar für Investitionen in die Weltwirtschaft frei&#13;
werden. Eine Fortsetzung durchgreifender Reformen&#13;
in China ist ebenfalls von zunehmender Bedeutung.&#13;
Als wir in Peking mit dem chinesischen Vizepremier&#13;
Zhu Rhongij sprachen, haben wir uns gefreut, daß er&#13;
Chinas Engagement für stabile Wechselkurse und eine&#13;
effektive Bewältigung der das Land konfrontierenden&#13;
wirtschaftlichen Herausforderungen erneut bekräftigte.&#13;
In den kommenden Wochen und Monaten wird jedoch&#13;
auch Japan auf der Bildfläche erscheinen müssen indem es sich aktiv für die Förderung des Wachstums&#13;
einsetzt und die Probleme in seinem Finanzsektor löst.&#13;
Die Industriestaaten können auch direkter auf Krisen&#13;
reagieren, indem sie den Handelsfluß in der Region&#13;
unterstützen. Es besteht eine ernsthafte Gefahr, daß&#13;
die Rezession in diesen Volkswirtschaften durch einen&#13;
Mangel an kurzfristiger Handelsfinanzierung in die&#13;
Länge gezogen wird. Das Finanzsystem hat aufgrund&#13;
der enormen Schuldenlast in manchen Fällen einfach&#13;
aufgehört zu funktionieren - wodurch es Unternehmen&#13;
unmöglich wurde, Darlehen für Importe elementarer&#13;
Güter und Materialien zu erhalten.&#13;
Unsere Export-Import Bank war weltweit führend,&#13;
indem sie Korea eine beträchtlich erhöhte kurzfristige&#13;
Exportversicherung angeboten hat und jetzt Wege&#13;
sondiert, dieses Programm auf andere asiatische&#13;
Märkte auszuweiten.&#13;
Die Bereitstellung dieser Unterstützung ist für die&#13;
Vereinigten Staaten nur von Vorteil: Sie gibt amerikanischen Exporten und Arbeitsplätzen neuen Schwung&#13;
und beschleunigt langfristig die Erholung dieser&#13;
wichtigen Märkte. Die Eximbank wirbt jetzt im Rahmen&#13;
einer multilateralen Initiative bei anderen Exportkreditorganisationen um Unterstützung für den bedeutenden Importfinanzierungsbedarf der Region.&#13;
4. Die langfristige Reformagenda&#13;
&#13;
3. Aktionen der Industriestaaten und der Länder&#13;
der Region&#13;
Entschlossene innenpolitische Maßnahmen der am&#13;
stärksten betroffenen Länder sind der Schlüssel für die&#13;
Wiederherstellung der Stabilität in diesen Volkswirtschaften.&#13;
Im Zeitalter miteinander verflochtener&#13;
Märkte spielen andere Länder jedoch eine Rolle bei&#13;
der Unterstützung der schnellen Wiederherstellung&#13;
von Wachstum - und der fortgesetzten Ausweitung des&#13;
Handels. Angesichts des lebhaften regionalen Han-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, die jüngsten Ereignisse in Asien&#13;
hinterlassen der internationalen Gemeinschaft eine&#13;
bedeutende langfristige Agenda. Dies wird nicht die&#13;
letzte Finanzkrise sein. Wir müssen jedoch darauf&#13;
hinarbeiten, die Risiken solcher Ereignisse zu verringern und ihnen wirksamer zu begegnen, wenn sie&#13;
auftreten. Wir benötigen, mit den Worten von Finanzminister Rubin, eine internationale Finanzarchitektur,&#13;
die "so modern wie die Märkte" ist.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Präsident Clinton begann die diesbezüglichen Bestrebungen vor vier Jahren beim G-7-Treffen in Neapel.&#13;
Beim darauf folgenden Gipfel in Halifax 1995 leiteten&#13;
wir umfassende internationale Bemühungen in die&#13;
Wege, um die Schutzmaßnahmen im globalen Finanzsystem zu stärken. Zwei wesentliche Bestandteile&#13;
dieser Initiative sind ein internationales Programm zur&#13;
Stärkung der Offenlegung und Entwicklung von&#13;
Grundprinzipien für die Überwachung der Finanzsysteme entstehender Märkte.&#13;
&#13;
ren, umfassende Reformen durchzusetzen, bevor die&#13;
Konsequenzen sorgfältig erwogen worden sind - und&#13;
bevor diese Fragen gelöst sind, können wir es uns&#13;
auch nicht leisten zuzulassen, daß der IWF unzureichend darauf vorbereitet ist, auf diese und andere&#13;
mögliche Krisen zu reagieren. Es ist jedoch wichtig&#13;
festzustellen, daß wir in den letzten Monaten - sogar&#13;
mitten in der Krise - bedeutende Fortschritte zur&#13;
Erlangung einiger dieser langfristigen Reformziele&#13;
gemacht haben:&#13;
&#13;
Zur Modernisierung unserer Instrumente für die&#13;
Krisenbewältigung haben die Vereinigten Staaten eine&#13;
Führungsrolle bei der Entwicklung eines neuens&#13;
Ansatzes zur Bereitstellung externer Finanzierung&#13;
übernommen. Tatsächlich ist eine Folgeerscheinung&#13;
dieses Prozesses - der Soforthilfefinanzierungsmechanismus des IWF - ein Schlüsselelement der Programme zur finanziellen Unterstützung in Asien.&#13;
&#13;
Bei der Förderung von Transparenz und als&#13;
Vorbedingung für finanzielle Unterstützungsleistungen an Thailand, Indonesien und Korea&#13;
haben wir entschlossen und erfolgreich darauf&#13;
gedrängt, daß die Regierungen einen "Letter&#13;
of Intent" veröffentlichen, in dem die mit dem&#13;
IWF vereinbarten Reformmaßnahmen dargelegt werden.&#13;
&#13;
Auf Initiative Präsident Clintons werden die Vereinigten&#13;
Staaten Ende des Frühjahrs ein Treffen der Finanzminister aus aller Welt einberufen, um diese Anstrengungen fortzusetzen und mit der Ausarbeitung&#13;
eines Konsenses über Maßnahmen zur Bewältigung&#13;
der neuen Herausforderungen des internationalen&#13;
Finanzsystems zu beginnen.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben erneut die&#13;
Führungsrolle übernommen um sicherzustellen, daß die Hilfsmittel situationsgerecht sind.&#13;
Die jüngsten Programme basierten auch auf&#13;
dem Konzept zusätzlicher Finanzierungsreserven mit günstigen Zinssätzen - wobei das&#13;
Ziel in der Gewährung der erforderlichen&#13;
Soforthilfegelder und der Maximierung der&#13;
Initiative des Privatsektors liegt, selbst Finanzmittel aufzubringen.&#13;
&#13;
Diese Agenda muß die folgenden Punkte beinhalten:&#13;
Förderung von Maßnahmen für ein besseres&#13;
Funktionieren der Weltmärkte, beispielsweise&#13;
durch verstärkte Überwachung und verbesserte nationale Kontrolle und Vorschriften;&#13;
Erhöhung von Transparenz und Offenlegung,&#13;
beispielsweise aller Belastungen ausländischer Währungsreserven;&#13;
Stärkung vernünftiger Standards, sowohl auf&#13;
globaler Ebene als auch in den einzelnen&#13;
Volkswirtschaften;&#13;
verbesserte Handhabung der Innenpolitik&#13;
sowie die Sondierung von Maßnahmen zur&#13;
Vermeidung und Bewältigung von Krisen;&#13;
Stärkung der Rolle internationaler Finanzinstitutionen in Finanzkrisen um sicherzustellen, daß die internationale Gemeinschaft&#13;
schnell und angemessen auf Probleme reagieren und ihr Wiederauftreten verhindern&#13;
kann;&#13;
Gewährleistung adäquater Lastenteilung mit&#13;
dem Privatsektor bei der Beilegung von&#13;
Krisen.&#13;
&#13;
Durch die Einbeziehung ausländischer Gläubigerbanken in die Beilegung der koreanischen&#13;
Krise haben wir eine wichtige Innovation beim&#13;
Ansatz der internationalen Gemeinschaft zu&#13;
Krisen dieser Art unterstützt und dazu beigetragen, umfassende Bestrebungen des&#13;
Privatsektors als Katalysator für die Wiederherstellung von Stabilität einzusetzen.&#13;
Wir haben nicht nur Druck auf eine Stärkung&#13;
des wichtigen Finanzsektors in den Unterstützungsprogrammen des IWF ausgeübt, sondern auch ein Abkommen mit den asiatischen&#13;
Regierungen über die Entwicklung regionaler&#13;
Überwachungsmechanismen zur Förderung&#13;
von Finanzstabilität in Asien und Erhöhung der&#13;
Transparenz der Finanzmärkte auf regionaler&#13;
Ebene geschlossen.&#13;
Um es noch einmal zu wiederholen: Diese und andere&#13;
Schritte müssen als Teil einer Agenda für permanente&#13;
Reformen angesehen werden - einer Agenda, die&#13;
praktisch nie abgeschlossen wird.&#13;
Solange die&#13;
Weltwirtschaft sich verändert, müssen wir sicherstellen, daß sich die internationale Finanzarchitektur&#13;
mit ihr verändert.&#13;
&#13;
Diese Themen sind ebenso komplex wie wichtig. Da&#13;
sehr viel auf dem Spiel steht, können wir nicht riskie-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�III. Unterstützung des IWF&#13;
Jetzt möchte ich mich der unmittelbaren Notwendigkeit&#13;
zuwenden, in dieser entscheidenden Zeit eine adäquate Finanzierung des IWF sicherzustellen. Am&#13;
Montag unterbreitete der Präsident dem Kongreß&#13;
einen Zusatzantrag für eine Unterstützung des IWF auf&#13;
zwei wichtige Arten: Erstens durch eine Erhöhung&#13;
unserer Quotenzeichnungen und zweitens durch einen&#13;
Beitrag zu einer aufgestockten Soforthilfefazilität, den&#13;
neuen Darlehensvereinbarungen, um die Mittel des&#13;
IWF für die Bewältigung solcher Krisen aufzustocken.&#13;
Herr Vorsitzender, wir haben auf diese Krisen reagiert,&#13;
weil sie eine große Gefahr für unsere elementaren&#13;
Wirtschafts- und nationalen Sicherheitsinteressen&#13;
darstellen - eine Gefahr, die immer größer wird, je&#13;
länger die Instabilität andauert und je mehr sie sich&#13;
ausbreitet. Wir müssen den IWF während dieser&#13;
Krisen unterstützen und gewährleisten, daß er auf die&#13;
Bewältigung weiterer Krisen vorbereitet ist. Denn das&#13;
ist, um es einfach auszudrücken, für uns der billigste&#13;
und effektivste Weg zur Förderung dieser elementaren&#13;
amerikanischen Interessen.&#13;
Fünfzig Jahre überparteiliche Unterstützung für den&#13;
IWF hat den amerikanischen Steuerzahler keinen Cent&#13;
gekostet, weil es nie einen längeren Zahlungsverzug&#13;
gegeben hat und die Darlehensgewährung durch&#13;
beträchtliche Goldreserven gestützt ist. Der IWF hat&#13;
derzeit ausstehende Darlehensrückzahlungen in Höhe&#13;
von 65 Millliarden Dollar - und Reserven von 40&#13;
Milliarden Dollar. Er funktioniert wie eine internationale&#13;
Kreditunion. Wir bieten gemeinsam mit anderen&#13;
Ländern eine Kreditlinie, und wenn der IWF unsere&#13;
Mittel in Anspruch nimmt, erhalten wir im Gegenzug&#13;
einen liquiden, verzinslichen Verrechnungsanspruch&#13;
an den IWF. Aus diesem Grund entstehen keine&#13;
direkten Haushaltskosten. Aus diesem Grund erhöht&#13;
unser Beitrag nicht das Defizit und hat keine Auswirkungen auf andere Ausgabenprioritäten.&#13;
Indem er Bedingungen stellt, unterstützt der IWF die&#13;
richtige Politik. Durch kurzfristige Finanzspritzen&#13;
verhindert er eine weitere Abwertung und unterstützt&#13;
die Rückkehr zu langfristigem Wachstum. Er fördert&#13;
Veränderungen, die in unserem langfristigen Interesse&#13;
liegen, beispielsweise indem er diese Volkswirtschaften offener für Außenhandel macht und ihre&#13;
heimischen Subventionen kürzt. Und er gibt uns&#13;
maximalen Einfluß: Mit jedem Dollar, den wir beitragen,&#13;
werden fünf aus der übrigen Welt freigesetzt. Selbst&#13;
mit diesen neuen Geldern betragen die Mittel des IWF&#13;
noch weniger als ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts - wenig mehr als die Hälfte dessen, was&#13;
sie vor 20 Jahren ausmachten.&#13;
Der IWF muß besser geführt werden. Seine Transaktionen müssen transparenter werden, und er muß&#13;
über seine Entscheidungen Rechenschaft ablegen,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
wenn er das Vertrauen der Steuerzahler und Investoren behalten will. Das sind Aspekte des IWF, die&#13;
zu Recht einer Überprüfung durch den Kongreß&#13;
unterzogen werden.&#13;
Und ich möchte eindeutig&#13;
klarstellen: Das sind Aspekte, die wir zu ändern&#13;
beabsichtigen.&#13;
Es wurde eine gewisse Besorgnis über unsere weitere&#13;
Unterstützung des IWF geäußert. Ich möchte darauf&#13;
im Einzelnen eingehen.&#13;
Zu viele Sparmaßnahmen?&#13;
Es gab die berechtigte Sorge, daß die Stabilisierungsprogramme des IWF in Asien zu einschränkend waren&#13;
und sich zu wenig auf die Notwendigkeit konzentrierten, das Vertrauen wiederherzustellen und für&#13;
steigende individuelle Einkommen und Chancen in&#13;
diesen Ländern zu sorgen.&#13;
Diese Programme konzentrieren sich vor allen auf den&#13;
strukturellen Aspekt - auf die Unterstützung von&#13;
Maßnahmen, die Wachstum fördern, indem sie den&#13;
Märkten und den Kräften des Marktes gestatten zu&#13;
operieren. Die makroökonomischen Aspekte dieser&#13;
Programme sollen ein Gleichgewicht zwischen den&#13;
Geboten herstellen, einerseits einen weiteren Verfall&#13;
der Märkte und frei fallende Währungen und andererseits weitere Rückschläge für die Binnennachfrage zu&#13;
verhindern. Es gibt keine Garantie, daß dieses&#13;
schwierige Gleichgewicht richtig hergestellt wird. Und&#13;
während wir Fortschritte erzielen, werden die Vereinigten Staaten sorgfältig darauf achten, daß das&#13;
richtige Gleichgewicht hergestellt wird, während die&#13;
Bedingungen sich verändern und sich das Vertrauen&#13;
verbessert. Seien Sie sich jedoch bewußt, daß diese&#13;
Programme einzig und allein auf ein Ziel ausgerichtet&#13;
sind: die schnellstmögliche Wiederherstellung des&#13;
Wachstums zu erreichen.&#13;
Wo eine Krise stattgefunden hat und Anpassungen&#13;
vorgenommen werden müssen, ist es von entscheidender Bedeutung für uns alle, sich vor Augen zu&#13;
halten, daß diese Veränderungen effektiv durchgeführt&#13;
werden müssen - und ebenso entscheidend ist, daß&#13;
sie auf die Förderung einer ausgewogenen Rückkehr&#13;
zu Wachstum ausgerichtet sind. In der Tat waren alle&#13;
jüngsten Programme darauf ausgerichtet sicherzustellen, daß die notwendigen Anpassungen nicht auf&#13;
Kosten der Armen erfolgen:&#13;
Bei den Programmen für Indonesien und&#13;
Thailand wurden die Ausgaben für Gesundheitsfürsorge, Bildung und Sozialprogramme&#13;
ausdrücklich vor jeder Haushaltskonsolidierung geschützt und nach Möglichkeit die&#13;
Bestrebungen intensiviert, die Ausgaben auf&#13;
die ärmsten Schichten der Gesellschaft zuzuschneiden. In Korea verpflichtet das Programm die Regierung zur Stärkung des&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Arbeitssicherungssystems und zur Förderung&#13;
von aktiven Arbeitsmarktmaßnahmen, um die&#13;
Erschütterung des Arbeitsmarkts aufgrund der&#13;
Krise abzumildern.&#13;
Beim Entwurf von Ergänzungsprogrammen&#13;
zum IWF-Programm sind sich die Weltbank&#13;
und die asiatische Entwicklungsbank der&#13;
Notwendigkeit bewußt, sich auf die Auswirkungen der Maßnahmen auf die am ehesten Betroffenen zu konzentrieren - sowohl bei&#13;
der neuen Kreditgewährung an diese Länder&#13;
als auch bei der Umstrukturierung der bestehenden Kreditvergabeprogramme zur Förderung der Beschäftigung und der grundlegenden Gesundheitsversorgung in den städtischen und ländlichen Gebieten. Die Kredite&#13;
der Weltbank für Thailand und Indonesien&#13;
sehen bis zu 600 Millionen Dollar an neuen&#13;
Krediten zur Verbesserung des sozialen&#13;
Sicherheitsnetzes in diesen beiden Ländern&#13;
vor.&#13;
Und schließlich sollten wir uns vor Augen führen, daß&#13;
sich diese Programme auf die dringende Notwendigkeit der Wiederherstellung des Vertrauens in die&#13;
Finanzmärkte konzentrieren - weil das der kritische&#13;
erste Schritt zu einer Erholung des Wachstums und&#13;
der Investitionen ist. In diesem Sinne sind sie gezielt&#13;
auf die Förderung der langfristigen Interessen der&#13;
Arbeitnehmer in diesen Ländern ausgerichtet.&#13;
Ungenügende Berücksichtigung der grundlegenden Arbeitnehmerrechte?&#13;
Eine eng damit in Zusammenhang stehende Sorge&#13;
über diese Programme ist, daß sie die Notwendigkeit&#13;
einer Verbesserung der Arbeitnehmerrechte in diesen&#13;
Ländern nicht explizit einbeziehen.&#13;
Die Einführung grundlegender Arbeitnehmerrechte und&#13;
die Sicherstellung der Menschenrechte sind unerläßlich für eine erfolgreiche Entwicklung; sie sind und&#13;
werden eine entscheidende Priorität des Finanzministeriums sein. In den vergangenen Jahren haben&#13;
wir wichtige Fortschritte dabei gemacht, diese Probleme bei der Weltbank und anderen internationalen&#13;
Finanzinstitutionen vordringlich zu behandeln, und wir&#13;
sind zu weiteren Fortschritten verpflichtet. Ich möchte&#13;
nur zwei jüngste Beispiele nennen:&#13;
Wir haben umfassende Bestrebungen der&#13;
Weltbank zur Bekämpfung von Zwangs- und&#13;
Kinderarbeit eingeleitet und die Weltbank&#13;
erfolgreich aufgefordert, ein detailliertes&#13;
Grundsatzpapier zu dem Thema zu veröffentlichen sowie ihre Partnerschaften mit der&#13;
internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und&#13;
anderen Arbeitsorganisationen zu stärken.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Wir haben den IWF überredet, einen Grundsatzdialog mit der ILO und ein Pilotprogramm&#13;
von landesinternen Konsultationen über&#13;
Arbeitsmarktfragen und Arbeitnehmerrechte&#13;
einzuleiten.&#13;
In Indonesien hat der Exekutivdirektor der Vereinigten&#13;
Staaten bei der Weltbank das Thema Arbeitnehmerrechte in einer Überprüfungen der Hilfsstrategie für&#13;
Indonesien des Vorstands ausdrücklich angesprochen&#13;
und darauf gedrängt, daß die Weltbank grundlegende&#13;
Arbeitnehmerprobleme erörtert und besser in ihre&#13;
Indonesien-Programme und -Operationen integriert.&#13;
Unser Exekutivdirektor beim IWF hat im Zusammenhang mit dem jüngsten Finanzpaket auch die Frage&#13;
der indonesischen Arbeitsmarktgepflogenheiten angeschnitten. Und in der vergangenen Woche hat die&#13;
Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten das&#13;
Thema Arbeitnehmerrechte mit Regierungsvertretern&#13;
in Indonesien angesprochen, einen Aktionsplan für&#13;
Fortschritte dargelegt und Bezugspunkte für Versammlungs- und Koalitionsfreiheit festgelegt.&#13;
In Korea hat die Regierung mit großer Unterstützung&#13;
durch den IWF während der offiziellen Verhandlungen&#13;
- und zusätzlich zu der Verpflichtung einer Stärkung&#13;
der bereits erwähnten Arbeitssicherungsprogramme einen aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der&#13;
Regierung zusammengesetzten Dreier-Ausschuß&#13;
gebildet, um die Bedingungen für die Umstrukturierung&#13;
des koreanischen Chaebol-Konglomerats auszuhandeln. Das ist eine bahnbrechende Leistung, mit&#13;
der die Arbeitnehmer direkt in die Gestaltung der&#13;
Zukunft der koreanischen Wirtschaft einbezogen&#13;
werden.&#13;
Es ist jedoch auch wichtig, wie Finanzminister Rubin&#13;
erklärt hat, sich vor Augen zu führen, daß es bei dieser&#13;
Art von Notsituationen nicht möglich - und ziemlich&#13;
sicher unklug - ist, die äußerst komplexen Probleme&#13;
gleichzeitig mit allen erforderlichen Schritten zur&#13;
Wiederherstellung der Finanzstabilität anzusprechen.&#13;
Um effektiv zu sein, müssen sich diese Programme auf&#13;
die unmittelbaren Ursachen des Problems konzentrieren. Sie können nicht als Instrument zur Inangriffnahme des gesamten Spektrums anderer Probleme&#13;
benutzt werden, die uns besonderen Anlaß zur Sorge&#13;
bereiten, so verlockend diese Möglichkeit auch&#13;
erscheinen mag - und noch viel weniger für die der&#13;
rund 180 anderen IWF-Mitglieder.&#13;
Moralische Risiken schüren?&#13;
Im Zusammenhang mit diesen Programmen wurde die&#13;
große Sorge geäußert, daß der IWF - und damit die&#13;
Vereinigten Staaten - mit der Bereitstellung der&#13;
finanziellen Unterstützung für diese Volkswirtschaften&#13;
ein unverantwortliches Verhalten der Regierungen und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
�Investoren in der Zukunft ermutigt haben könnten (das&#13;
Problem "moralischer Risiken").&#13;
Was die Regierungen anbetrifft, sehen sich alle&#13;
Volkswirtschaften, die in den vergangenen Monaten&#13;
die Unterstützung des IWF beanspruchen mußten, mit&#13;
Monaten gravierender wirtschaftlicher Härten und der&#13;
Durchführung schwieriger Reformen zur Wiederherstellung des Vertrauens konfrontiert. Die Gesamtkosten der Krise werden zweifelsohne die flüchtigen&#13;
Vorteile der Nothilfe bei weitem übertreffen.&#13;
Im Falle der Investoren ist die Situation weniger&#13;
eindeutig.&#13;
Die Gläubigerbanken und andere Institutionen können und haben im Gefolge dieser Krisen&#13;
beträchtliche Verluste hinnehmen müssen, und&#13;
insbesondere in Korea haben die Gläubiger einen&#13;
guten Teil der Last für die Wiederherstellung der&#13;
Stabilität übernommen. Einer Schätzung der Bundeszentralbank zufolge könnten sich die Investoren&#13;
nach dem Zusammenbruch der Aktienmärkte in diesen&#13;
Volkswirtschaften Verlusten in Höhe von 700 Milliarden&#13;
Dollar gegenübersehen. Drei große amerikanische&#13;
Banken - J.P. Morgan, Chase und Citibank - berichten,&#13;
daß die Entwicklungen in Asien beträchtliche negative&#13;
Auswirkungen auf ihre Gewinne hatten.&#13;
Und ein Artikel in der Financial Times von dieser&#13;
Woche zitierte eine Marktprognose - die sich als richtig&#13;
erweisen kann oder nicht - nach der allein die europäischen Banken aufgrund der Krise Verluste von 20&#13;
Milliarden Dollar bei ihrer Kreditgewährung an Asien&#13;
machen könnten.&#13;
Es trifft jedoch zu, daß die Bereitstellung von Hilfe für&#13;
die Länder in bestimmten Situationen den unvermeidbaren und unerwünschten Nebeneffekt haben kann,&#13;
die Investoren und Banken von den vollen Konsequenzen ihrer Aktionen abzuschirmen. Das Problem ist,&#13;
daß die Alternative, diese Gläubiger zu Verlusten zu&#13;
zwingen, noch größere Risiken für die langfristige&#13;
Stabilität bergen würde - nicht nur in diesen Ländern,&#13;
sondern auf der ganzen Welt. Die Banken könnten&#13;
sich aus diesen Volkswirtschaften - und vielleicht sehr&#13;
vielen anderen Märkten - zurückziehen, den kontinuierlichen Fluß von Investitionen in aufstrebende&#13;
Volkswirtschaften und damit möglicherweise die&#13;
Stabilität unserer eigenen Finanzmärkte unterminieren.&#13;
Wir können und müssen auf die Förderung des&#13;
Verantwortungsbewußtseins der Investoren in dieser&#13;
neuen Weltwirtschaft hinarbeiten. Wir müssen es&#13;
jedoch in einer Weise tun, die die langfristige finanzielle Stabilität eher unterstützt als bedroht, an der&#13;
amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen so ein&#13;
enormes Interesse haben. In der Zwischenzeit können&#13;
wir es uns nicht leisten, daß der IWF nicht in der Lage&#13;
ist, auf eine weitere Woge der Instabilität in Asien oder eine künftige andere Krise - zu reagieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
Abhilfe von außen?&#13;
Und schließlich gab es weitverbreitete Unsicherheit,&#13;
daß der IWF - unter Leitung der Vereinigten Staaten bei der Gestaltung dieser Programme tiefgreifende&#13;
Reformen aufzwingt, ohne die Ansichten und Sorgen&#13;
der Regierungen zu berücksichtigen, die sie durchführen müssen.&#13;
Wenn überhaupt, dann traf diese Beschreibung nur auf&#13;
wenige der zu den jüngsten Reformprogrammen&#13;
führenden Verhandlungen zu. In der Tat stammten die&#13;
Entwürfe der Programme - und ein Großteil der&#13;
spezifischen Reformmaßnahmen - fast immer von den&#13;
Regierungsvertretern in den Ländern selbst, von&#13;
denen viele die Gelegenheit zu seit langem angestrebten Reformen begrüßten. Kim Dae Jung, der neue&#13;
koreanische Präsident, veröffentlichte 1996 ein Buch,&#13;
in dem er zwingende Gründe für die Beendigung der&#13;
von der Regierung gelenkten Kreditgewährung an die&#13;
Industrie, für die Förderung einer nichtinflationären&#13;
Geldpolitik, die Kontrolle der Haushalte, die Reform&#13;
des Chaebol und die Öffnung der Finanzsysteme&#13;
dieser Volkswirtschaften vorbrachte - alles Reformen,&#13;
bei deren Einführung das IWF-Programm ihm jetzt&#13;
behilflich sein wird.&#13;
Herr Vorsitzender, es besteht immer die Möglichkeit zu&#13;
Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Maßnahmen die richtigen sind. Und die Vereinigten&#13;
Staaten werden immer ein Interesse daran haben, auf&#13;
Programme zu drängen, die unsere Grundwerte&#13;
widerspiegeln: Die Bedeutung von Transparenz,&#13;
Bekämpfung von Korruption, Förderung des Umweltschutzes und Schutz unserer grundlegenden Arbeitnehmerrechte. Aber nur wenn wir das Unsere tun um&#13;
sicherzustellen, daß der IWF angemessen finanziert&#13;
wird, werden wir im IWF eine effektive Stimme haben&#13;
um zu gewährleisten, daß er die richtigen Maßnahmen&#13;
fördert - und nur dann wird der IWF in der Lage sein,&#13;
die Finanzstabilität zu schützen, an der wir interessiert&#13;
sind.&#13;
IV. Schlußbemerkung&#13;
Herr Vorsitzender, die Krisen, die wir in Asien erlebt&#13;
haben, sind ernsthaft. Selbst wenn die Stabilität jetzt&#13;
wiederhergestellt ist, sind die Auswirkungen der&#13;
Krisen auf die Vereinigten Staaten bis heute real.&#13;
Wenn sich die Instabilität verbreiten oder intensivieren&#13;
sollte, könnten die potentiellen Risiken für amerikanische Arbeitsplätze, amerikanische Finanzmärkte und&#13;
unsere nationale Sicherheit in der Tat gravierend sein.&#13;
Wir sind in einer starken Position, den Auswirkungen&#13;
dieser Krisen standzuhalten: Unsere wirtschaftliche&#13;
Bilanz ist die beste seit einer Generation und unter den&#13;
führende Industrienationen unbestritten. Die Unsicherheiten der Situation sind groß: Es kann keine&#13;
Garantie dafür geben, daß unsere Anstrengungen zur&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�Wiederherstellung der Stabilität und Minimierung der&#13;
Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft Erfolg haben&#13;
werden. Aber angesichts der damit einhergehenden&#13;
Risiken haben wir die Verantwortung, alles in unserer&#13;
Macht Stehende zum Schutz der grundlegenden&#13;
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen&#13;
der Vereinigten Staaten zu tun, indem wir auf diese&#13;
Krisen reagieren und mit den effektivsten uns zur&#13;
Verfügung stehenden Mechanismen auf die Wiederherstellung der Stabilität hinarbeiten.&#13;
In einer solchen Zeit nicht die adäquaten Mittel für den&#13;
IWF bereitzustellen, hieße, ein echtes Risiko einzugehen. Es hieße, unsere Möglichkeit aufs Spiel zu&#13;
setzen, mit angemessener finanzieller Unterstützung&#13;
zu reagieren, falls sich die Krise ausweitet.&#13;
&#13;
Und es würde eine weitere Aushöhlung des Vertrauens der internationalen Investoren in einer Zeit&#13;
beträchtlicher Labilität des Marktes bedeuten. Diese&#13;
Risiken sollten wir nicht eingehen. Der amerikanische&#13;
Steuerzahler möchte nicht, daß wir solche Risiken&#13;
eingehen - insbesondere, wenn wir in den Schutz des&#13;
IWF mit Null Nettokosten für den Haushalt investieren&#13;
können.&#13;
Herr Vorsitzender, ich sehe der Zusammenarbeit mit&#13;
Ihnen, den anderen Mitgliedern dieses Ausschusses&#13;
und den Abgeordneten des Kongressen erwartungsvoll entgegen, wenn wir auf die Gewährleistung&#13;
hinarbeiten, daß der IWF in den kommenden Monaten&#13;
und Jahren weiterhin unsere grundlegenden Interessen fördert. Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
Seite 8&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 03&#13;
&#13;
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                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>11.03.1981</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan nimmt zu außen- und innenpolitischen Fragen Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehinterview des Präsidenten mit Walter Cronkite -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview des US-Außenministers mit dem französischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haig begrüßt Gesprächsbereitschaft der Sowjets und kündigt Konsultationen mit Verbündeten an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA gegen rechten und linken Terror in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unterstützung für die Regierung Duarte wird verstärkt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Zugang zu Meeresbodenmineralien muss gewährleistet sein&amp;nbsp;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN^
1 1 . März 1987

10

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle
ein "großer Durchbruch"
- Ansprache vor der National Newspaper Association Weinberger; Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen
"begrüßenswerte Entwicklung"
- Verteidigungsminister Weinberger in Boston

INFORMATION
Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus
- Kurzbiographie von William Webster -

WIRTSCHAFT
Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan; Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag
- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba
- Worldnet mit Walters und Valladares -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation
11. März 1987

10

REAGAN: VERÄNDERUNG DER SOWJETISCHEN POSITION ZUR RÜSTUNGSKONTROLLE EIN
"GROSSER DURCHBRUCH"
- Ansprache vor der National Newspaper Association -

WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor der National Newspaper Association bezeichnete Präsident Reaqan am 5. März 1987 die Veränderunq der sowjetischen Position bei den Rü'stunqskontrollqesprächen als "qroßen Durchbruch",
der zeiqe, "daß sich bei den Bemühunqen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen". Er begrüße die sowjetische Zustimmunq, über Mittelstreckenraketen (INF) zu verhandeln ohne weiter auf der
Preisqabe der Strateqischen Verteidiqunqsinitiative als Voraussetzunq für ein
Abkommen über INF zu bestehen.
Die Ansprache des Präsidenten hat folqenden Wortlaut:

Wie Sie wissen, habe ich qestern
abend in meiner Ansprache an das amerikanische Volk zur Iran-Initiative
Stellunq
qenommen.
Eine Tatsache,
die unsere Republik so qroßartiq qemacht hat, besteht darin, daß wir uns
nicht vor unseren Fehlern verstecken.
Wir lernen aus ihnen.
Dann machen
wir weiter und tun unsere Arbeit besser als vorher.
Wir haben in den letzten Monaten
qenuq Zeit mit Insider-Informationen
über
politische
Vorqänqe
in
Washinqton verbracht.
Wer oben und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wer unten durch sei. Wer dazu qehört
und wer nicht. Die Ermittlunqen werden und sollten weiterqehen. Und die
zuständiqen
Ausschüsse
werden
und
sollten weiter zusammentreten.
Ich
habe zuqesaqt, daß die Administration
ihnen
jede
Unterstützunq
qewähren
wird, und dies wird sie auch tun.
Was mich jedoch anqeht, so hat
das amerikanische Volk mich hierhin
qeschickt, um meine Arbeit zu tun,
und es bleiben dafür nur noch zwei
Jahre.
Und ein Teil meiner Arbeit
besteht darin, die Grundlage für den

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�Frieden in der Welt zu stärken. Nie
war ich in bezuq auf die Erfolgsaussichten in diesem Bereich optimistischer als heute. Und das rührt daher, daß wir in der vergangenen Woche
einen bedeutenden Durchbruch auf dem
Weq zu einem Abkommen über gegenseitige und verifizierbare Waffenreduzierungen zwischen uns und der Sowjetunion erlebt haben.

Zunächst wurde uns erklärt, daß
wir ein Rüstungskontrollabkommen unwahrscheinlicher
machten, wenn wir
die Verteidigung Amerikas wiederherstellen und wenn wir die Bereitschaft
unserer
Bündnisse
erhöhen
würden.
Die Sowjets erklärten, sie würden
sich von den Genfer Abrüstungsgesprächen zurückziehen, wenn wir unsere INF-Raketen stationierten.

Wie ich schon zu Beginn der Woche
verkündet habe, haben sich die Sowjets
endlich
bereiter klärt,
über
eine weltweite Reduzierung der amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckensysteme
längerer
Reichweite
oder, wie wir sie nennen, INF-Flugkörper zu verhandeln.
Das Reduzierungsabkommen, daß als Ergebnis der
sowjetischen
Erklärung
jetzt
in
Reichweite ist, leitet sich von meinem Vorschlag einer "Null-Lösung" aus
dem Jahr 1981 ab.
Dieser Vorschlag
fordert den Abbau aller INF-Flugkörper. Diese Verhandlungen werden ohne
Vorbedingungen geführt.
Die Sowjets
haben ihre Forderung nach Aufgabe der
Strategischen Verteidigungsinitiative
als Vorbedingung für eine Einigung zu
INF fallengelassen, und ich begrüße
diese Entwicklung.

Aber wir und unsere Verbündeten
wußten, daß, während der Westen untätig geblieben war, die Sowjets ihre
eigenen
INF-Systeme
mehrere
Jahre
lang mit einer Rate von einem System
pro Woche stationierten und damit
eine neue und grundlose Bedrohung unserer Freunde und Verbündeten in Europa und Asien geschaffen haben.

Diese Veränderung in der sowjetischen Position ist ein großer Durchbruch, und sie zeigt, daß sich bei
den Bemühungen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen.
Nun, dies sollten die drei Binsenwahrheiten sein - daß sowohl Bereitschaft wie auch Geduld und Festigkeit sich auszahlen.
Doch im
Verlauf der letzten Jahre mußte ich
diese Binsenwahrheiten ständig verteidigen, um die Politik zu schützen,
die uns zu diesem Augenblick der
Hoffnung geführt hat.

Wir wußten, daß dies den Frieden
nicht
sicherer, sondern
unsicherer
machen würde. Und wir waren uns darüber im klaren, daß wenn wir jemals
über ein Abkommen zur Reduzierung der
sowjetischen
INF-Systeme
verhandeln
wollten, wir etwas Substantielles besitzen mußten, das wir als Gegenleistung aufgeben müßten. wir und unsere Verbündeten beschlossen deshalb,
zum Ausgleich für die neue Bedrohung
durch die sowjetische Aufrüstung in
diesem Bereich in vernünftigem Maß
selbst INF-Systeme zu stationieren.
Nachdem die Sowjets sich geweigert
hatten, darauf am Verhandlungstisch
konstruktiv
zu reagieren, begannen
wir mit der Stationierung.
Wir waren bereit und zudem geduldig. Ja, die Sowjets verließen den
Verhandlungstisch.
Dies
war
Teil
eines ausgeklügelten Schauspiels, das
auf die öffentliche Meinung hier und
in Europa abzielte. Aber trotz einiger abweichenden Meinungen auf beiden
Seiten des Atlantiks blieben das amerikanische Volk und die Bevölkerung
Europas auf unserer Seite.

�Gemeinsam
hatte
das
westliche
Bündnis einen ebenso lanqen Atem wie
die Sowjets. Und als es schließlich
klar qeworden war, daß nicht nur die
politisch
Verantwortlichen,
sondern
auch die Bevölkerung der Bündnisstaaten warten konnten und würden und daß
weder die Menschen noch ihre Politiker klein beiqeben würden, kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Geduld.
Sie wissen, was danach geschah zwei Jahre der Treffen, Hoffnunqen,
Erfolge
wie
auch
Enttäuschungen.
Nachdem sie bereits das Gegenteil erklärt hatten, verbanden die Sowjets
die INF-Frage mit anderen Bereichen,
wozu auch ihre Bemühungen zur Erledigung unseres SDI-Programm gehörten.
Aber wiederum blieben wir und unsere
Verbündeten fest. Wir bewahrten unsere Festigkeit, weil SDI auf dem Weq
zu einer sichereren Welt für alle
eine
entscheidende
Rolle
spielen
wird. Durch SDI wird unser Ziel einschneidender, gleichgewichtiger
und
veri fizierbarer
waffenreduzierunqen
unterstützt.
Es verringert das Kriegsrisiko
und die Bedrohunq durch ballistische
Fluqkörper.
Ich
habe
jedenfalls
nicht die Absicht, den Traum des Menschen von einer sichereren Welt zur
Verhandlunq zu stellen.
Und wir sind noch auf andere Weise fest qeblieben.
Wir haben erklärt, daß unser ziel in einem weltweiten Verbot aller INF-Systeme länqerer
Reichweite
bestehen
sollte.
Als ich dies vor sechs Jahren zu unserem
Ziel
erklärte, wurde
diese
Null-Lösunq mit großer Skepsis aufgenommen. Einige behaupteten, ich könne es nicht ernst meinen, ich schlüge
die Null-Lösung nur deshalb vor, weil
ich wüßte, daß die Sowjets ihr nie-

mals zustimmen würden oder weil ich
so einfältig sei, daß ich es nicht
besser wüßte.
Nun, nach mehreren
Jahrzehnten in Hollywood war es ein
ganz neues Gefühl für mich, als einfältig bezeichnet zu werden.
Ich war und bin entschlossen, daß
das Vermächtnis dieses Jahrzehnts für
den Weltfrieden besser sein wird als
lediglich ein weiter Haltepunkt bei
der Regelung des Wettrüstens.
Das
amerikanische Volk und die Völker der
Welt wollen keine Arsenale, die nur
einen Bruchteil so schnell wachsen
wie zuvor.
Sie wollen einen Abbau
der Arsenale, und vielleicht befinden
wir uns bei einer entscheidenden Waffenkategorie zur Zeit an der schwelle
zur Erreichung genau dieses Ziels weil wir fest geblieben sind.
Ja, Bereitschaft, Geduld und Festigkeit zahlen sich nun aus.
Und
deshalb sind sie zur rechten Zeit gekommen.
Morgen werde ich die Botschafter Max Kampelman, Ron Lehman
und Mike Glitman treffen, die ich aus
Genf einberufen habe. Ich werde mit
ihnen die amerikanische Reaktion auf
die sowjetische Erklärung besprechen.
Ich habe unser Verhandlungsteam
schon damit beauftragt, unseren Entwurf für ein Abkommen auf den Verhandlungstisch zu legen.
Dies ist
ein großer Augenblick der Hoffnung
für die Menschheit - Hoffnung, ja,
für diese Übereinkunft, Hoffnunq auch
auf andere Abkommen, Abkommen, durch
die unsere Sicherheit erhöht und die
Grundlaqen des Friedens qestärkt werden.
Die Flamme
dieser
Hoffnung
brennt heute, weil wir bei den ersten
Anzeichen der sowjetischen Kampagne
in der Öffentlichkeit nicht nachgegeben haben.
Dies ist die Lehre der
vergangenen Jahre: wir und
unsere
Verbündeten
haben
und
werden
uns
nicht zu einem Abkommen drängen las-

- 3 -

�sen.
Ich werde die Hoffnung auf
einen echten Frieden nicht vorbeigehen lassen.
Manchmal nehmen uns die Ereignisse der Tagespolitik so sehr gefangen,
daß wir das große Versprechen verqessen, das von unserer Nation und unserer Zukunft verkörpert wird. Wir leben in einem Zeitalter der Hoffnung,
in einer Zeit, in der die Träume der
Menschheit von einem Ende der großen
Kriege und der Ausdehnung der Freiheit auf alle Länder und Völker endlich
verwirklicht
werden
können,
einer Zeit, in der wir einer neuen
Epoche der Möglichkeiten entgegensehen.
Dies heißt aber nicht, daß alle
Probleme qelöst wären. Bei den INFGesprächen bleiben noch einige wichtige Fragen ungeklärt.
Wir müssen
uns auf gleichgewichtige Beschränkungen für INF-Systeme kürzerer Reichweite verständigen. Dies ist notwendig, damit den Sowjets keine Möglichkeit zur Umgehung eines Abkommens zu
INF längerer Reichweite durch die
Aufrüstunq mit INF kürzerer Reichweite erhalten bleibt. Um außerdem sicherzugehen, daß die Sowjets Wort
halten, müssen wir weiterhin darauf
bestehen, daß alle Abkommen wirksam
verifizierbar sind. Ich bin eigentlich kein Linguist, aber bei dem
Treffen von Reykjavik gab es ein russisches Sprichwort, das ich Herrn
Gorbatschow
in
russischer
Sprache
übermitteln konnte, was ich auch tat:
"Dowerial no prowerial" - vertraue,
aber prüfe nach.
Er lächelte und
wechselte das Thema.
Schließlich bleiben drei wichtige
Bereiche des Ungleichgewichts, nämlich bei den Kurzstreckenwaffen, den
chemischen Waffen und den konventionellen Streitkräften in Europa. Wir
und unsere Verbündeten beschäftigen

uns mit all diesen Problemen.
Und während wir uns mit ihnen beschäftigen, können wir heute zu träumen beginnen, was vor nur weniqen
Jahren die Menschheit kaum zu träumen
wagte, vom wirklichen Ende des nuklearen Terrors.
Wir
können
von
einer Welt dauerhaften Friedens träumen.
Wir können von Hoffnung und
Möglichkeiten sowie von Freiheit für
die ganze Menschheit träumen.
Niemand sollte denken, daß unsere
Bestrebungen für eine sicherere Welt
sich in einem Augenblick oder nur
aufgrund des Wunsches verwirklichen
lassen. wir sind so weit gekommen,
weil wir stark, geduldig und fest waren. Und wir benötigen diese Eigenschaften auch während des Rests der
Wegstrecke zu echtem Frieden.
wir
wissen heute jedoch, daß diese Reise
einmal ein Ende haben wird.
Wir haben den Anfang dieses Endes
noch
nicht
erreicht.
Aber,
wie
Churchill
bei
anderer
Gelegenheit
sagte, stehen wir vielleicht am Ende
des Anfangs. wir sind einen langen
und schwierigen Weg gegangen.
Aber
unser Volk besitzt eine große Stärke.
In den Beziehungen zwischen Amerika
und seinen Verbündeten besteht eine
große Stärke in bezug auf das gemeinsame Ziel.
Laßt uns also zusammen
auf dem Weg zu unserem gemeinsamen
Traum voranschreiten.
Ich kann nicht daran glauben, daß
die Sicherheit
der Welt
und der
Menschheit weiterhin auf einer Politik beruhen soll, die als MAD (Mutual
Assured
Destruction),
beiderseitig
gesicherte
Vernichtung,
bezeichnet
wird, auf einer Idee, die besagt,
daß, wenn wir genug Raketen besitzen,
um die anderen von der Erde zu blasen
und die anderen genug besitzen, um
uns von der Welt zu blasen, wir hier

�ruhig mit dem Wissen sitzen können,
daß
irqendwann
irqendjemand
einen
Knopf drücken könnte, was den Anfanq
der Zerstörung der Welt bedeuten würde. Das ist nicht meine Vorstellunq
von einer Garantie des Friedens, wenn
ich mir so die Geschichte der Welt
anschaue. Und ich bin der Uberzeuqung, daß die von uns entwickelte
Antwort zur Beseitiqunq dieser furchbaren
Waffen
führen
wird.
und
qleichzeitiq können wir eine Verteidiqunq qeqen solche Waffen aufrechterhalten.
Da wir wissen, daß wir
diese Waffen irqendwo und irqendwann
herstellen können, könnte ja ein Verrückter kommen und anfanqen, solche
Waffen wieder zu produzieren.
Als wir nach dem Ersten Weltkrieq
versprachen, Gas als Waffe abzuschaffen, hat trotzdem jeder seine Gasmasken behalten. Und das ist alles, was
wir vorschlaqen.
und wir qlauben,
daß die Möqlichkeit zur Erreichunq
eines solchen Abkommens besteht.

- 5

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
11. März 1987

10

WEINBERGER:

SOWJETISCHER VORSCHLAG ZU MITTELSTRECKENRAKETEN
"BEGRÜSSENSWERTE ENTWICKLUNG"

- Verteidiqunqsminister Weinberqer in Boston -

BOSTON - (AD) - Im Verlauf einer Pressekonferenz erklärte der amerikanische Verteidiqunqsminister Caspar Weinberqer am 5. März 1987 in Boston, der
sowjetische Vorschlaq zu einem Abkommen über Mittelstreckensysteme länqerer
Reichweite sei eine "beqrüßenswerte Entwicklunq". Zuqleich betonte er jedoch
auch die Notwendigkeit der Verifizierunq und Inspektionen vor Ort für die Verwirklichunq eines wirksamen Abkommens zur Reduzierunq dieser Waffen.
Nachfolqend brinqen wir die wichtiqsten Auszüqe aus Weinberqers Pressekonferenz:

Frage:
Würden Sie den Bericht
von den Genfer Verhandlungen kommentieren, wonach die Sowjetunion in den
INF-Gesprächen Inspektionen vor Ort
zuqestimmt hat?
Antwort:
wahr ist.

Ich

hoffe,

daß

dies

Frage:
Und
daß
sie
bereit
sind, auch die Besorqnisse der WestEuropäer über die Kurzstreckensysteme
ernst zu nehmen?
Antwort:

Wir

hoffen,

daß

das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stimmt. Ich habe bis jetzt noch keinen formell unterbreiteten Vorschlaq
der Sowjetunion
für einen Vertraq
oder
eine
Sprachreqelunq
qesehen,
aber ich hoffe sehr, daß dies wahr
ist.
Wir bemühen uns seit lanqem,
einschneidende Reduzierunqen bei Waffen aller Art zu erzielen, bei Atomraketen mittlerer Reichweite und bei
Lanqstreckenraketen.
Damit
meinen
wir einschneidende Reduzierunqen, die
uns auf beiden Seiten zu Parität verhelfen würden und umfassend zu verifizieren wären. Und ohne Inspektionen vor Ort kann man solche Abkommen

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�einfach
nicht
verifizieren.
Und
selbst dann kann man sich nicht völliq sicher sein.
Inspektionen vor
Ort sind jedoch für jede Art von
nützlicher
Verifizierunq
notwendig.
Ich hoffe also, daß der Bericht der
Wahrheit entspricht.
Fraqe:
Könnten
Sie
etwas
zu
den Aussichten saqen.
Könnten sie
einem zeitlichen Rahmen von sechs Monaten bei INF zustimmen?
Antwort:
Es ist schwer, qenau
abzuschätzen, wieviel Zeit dafür benötiqt wird. Wenn beide Seiten ein
Abkommen erreichen wollen, und wir
wollen dies sicherlich, dann qlaube
ich nicht, daß es sehr lanqe dauern
wird. Sechs Monate scheinen mir mehr
als qenuq, um in der Laqe zu sein,
ein Abkommen zusammenzustellen, nachdem die Sowjets einmal ihren echten
Wunsch nach Abschluß eines solchen
Abkommens zum Ausdruck qebracht haben. Wenn dies existiert, wenn dies
anhält, wenn es mehr ist als nur der
Versuch, die Weltmeinunq
für sich
einzunehmen, dann sollten wir in der
Laqe sein, ein solches Abkommen ziemlich bald zu erreichen.
Fraqe: (unverständlich)
Antwort:
Nein,
ich
denke
nicht, daß dies etwas damit zu tun
hat.
Es ist immer schwieriq auszumachen, welche Ideen die Sowjets qerade verfolqen.
Es ist mit schon
seit lanqem klarqewesen, daß sie ein
Rüstungskontrollabkommen
wollen
und
brauchen.
Ich war mir darüber im
klaren, daß sie ihr Möglichstes tun
würden, um uns zur Einstellunq der
Arbeiten an der strateqischen Verteidiqunq zu veranlassen, um ihre eiqenen Bemühunqen verfolqen zu können
und das Monopol aufrechtzuerhalten,
das sie in diesem Bereich besaßen.
Ich qlaube, daß mit dem zunehmenden
- 2

Bewußtsein darüber, daß sie den Präsidenten nicht zur Aufqabe der strateqischen
Verteidiqunq
überreden
konnten,
sie
dann
ihren
zweiten
Wunsch weiterverfolgten, nämlich die
Erzielunq
eines
Rüstunqskontrollabkommens. Ich denke, ihr Hauptwunsch
besteht darin, die Pershinq-Raketen
aus Europa zu entfernen. Um dies zu
erreichen, erklären sie jetzt, sie
seien bereit, bei ihren Mittelstrekkenraketen einschneidende Reduzierunqen vorzunehmen, in Europa bis auf
Null, und Arranqements zu erarbeiten,
die ein höheres Maß an Parität und
eine weit stärkere Abschreckunqsfähiqkeit bei den Kurzstreckenraketen
erlauben werden.
Ich hoffe, daß dies stimmt. Ich
bin sicher, man kann mit zehn Leuten
sprechen und zehn verschiedene Theorien darüber erhalten, warum die Sowjets zu irgendeiner Zeit irgendetwas
tun.
Ich hoffe, sie werden dabei
bleiben. Ich hoffe, daß sie bei diesem Abkommen angemessenen und wirksamen Inspektionen vor Ort zustimmen
werden. Man kann solch ein Abkommen
nicht ohne dies unterzeichnen.
Meiner Meinung nach sollte dies das erste sein, worüber wir verhandeln müssen.
Frage:
Was
ist Ihrer Meinung
nach das größte Hindernis bei (unverständlich) ....
Antwort:
Das Bestehen der Sowjets auf der Tatsache, daß sie in
einer qroßen Anzahl von Kategorien
die Überlegenheit haben müssen, haben
wollen und auch tatsächlich haben.
Und daß sie niemals bereit waren,
eine angemessene Verifizierung zuzulassen, die angesichts ihrer Täuschungsmanöver in der Vergangenheit
absolut unerläßlich ist. Wir wollen
Abkommen und zwar solche, die einschneidende Reduzierunqen qewährlei-

�sten. Wir wollen Abkommen, die beiden Seiten wieder einen Gleichstand
verschaffen. Wir müssen Übereinkünfte erzielen, die
vollständig
und
gründlich verifizierbar sind.
Wenn
diese drei Bedingungen erfüllt werden, werden wir dem Abschluß von Abkommen mit Freude entgegensehen. Es
ist die Unfähigkeit, solch eine Art
von Abkommen herbeizuführen, die den
Prozeß verlangsamt hat.
Es ist immer wieder überraschend,
zu lesen, daß der Präsident dafür
kritisiert wird, daß er kein Rüstungskontrollabkommen
erzielt.
Er
möchte und wird auch kein Abkommen
bekommen, das für unser Land ein
schlechtes Abkommen wäre. Er möchte
kein Abkommen, das nicht wirkungsvoll
verifizierbar ist. Was er drinqend
möchte und auch bereits seit seiner
Amtseinführung zu bekommen versucht
hat, sind Abkommen, die einschneidende Reduzierungen vorsehen, uns wieder
auf einen Gleichstand bringen und verifizierbar sind.
Frage:
Premierminister in
Thatcher hat erklärt, daß ein INF-Abkommen an ein Abkommen über Kurzstreckenwaffen gekoppelt sein sollte.
Stimmen Sie dem zu?
Antwort:
Ja, das tue ich.
Es
muß nicht qekoppelt oder verknüpft
sein.
Was wir brauchen, sind Reduzierungen in allen Bereichen.
Man
kann keine Reduzierung vornehmen, die
den Vereinigten Staaten, den NATOVerbündeten
oder
dem
Westen
eine
wirksame
Abschreckung
entziehen.
Gleichzeitig zu den vorgenommenen Reduzierungen muß entweder eine ausreichend
wirkungsvolle
Abschreckung
erhalten oder sichergestellt werden,
daß
sowjetische
Reduzierungen
in
gleichem Umfang vorqenommen werden.
Die Abschreckung muß aufrechterhalten
bleiben.

Frau Thatchers Hinweis ist sehr
wertvoll, es gibt eine große Anzahl
von sowjetischen Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite, es
gibt
LRINF und SRINF.
Wenn es gelingt,
die SS-20 als LRINF abzuschaffen,
bietet das große Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets immer noch Anlaß
zur Besorgnis im Bereich der Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite,
der SCALEBOARD-Raketen und der SS-23.
Es ist daher wichtig, auch daran zu
denken.
Es geht nicht darum, eine
Waffenkategorie abzuschaffen und Europa gegenüber einer anderen verwundbar zu machen.
Frage:
Wenn
es
uns
gelingt,
Abkommen zum Abbau der Mittelstrekkenwaffen zu erlangen, was können wir
bei den konventionellen Streitkräften
tun?
Dort gibt es ein Ungleichgewicht,
(unverständlich) unsere militärische Präsenz?
Antwort:
Diesen Punkt habe ich
gerade versucht zu beantworten. Wir
können eine wirkungsvolle Abschrekkung nicht aufgeben. Es ist genauso
wichtig, einen
konventionellen Anqriff abzuschrecken wie einen Nuklearanqriff. Konventionelle Waffen haben eine schreckliche Wirkung und
können mit allen möglichen verbesserten
Sprenqstoffen
enormen
Schaden
hervorrufen, so daß auch dieses Problem angegangen werden muß. Es ist
notwendig, ebenso wie im strategischen auch im konventionellen Bereich
ein abschreckendes Gleichgewicht herzustellen.
Es ist sehr wichtig, daß es sich
um kein sehr gutes Abkomen handeln
kann, wenn es uns erlaubt, unsere
Streitkräfte zu erweitern.
Die Sowjets stellen unseren 14 000 Panzern
etwa 44 000 geqenüber. Es wäre kein
gutes Abkommen, das es uns erlauben

- 3 -

�würde, unseren Bestand ebenfalls auf
44 000 zu erhöhen. Es wäre aus dem
Grund kein gutes Abkommen, weil es
den Waffenbestand
erweitern würde.
Es wäre ein besonders schlechtes Abkommen, weil die Sowjets sehr wohl
wissen, wie leicht es für sie ist,
ihre Militärausqaben zu erhöhen und
wie schwieriq für uns.
In der Sowjetunion qibt es keine
öffentliche Meinung. Ihre Lebensqualität, die niemand von uns auch nur
mehr als ein oder zwei stunden ertragen wollte, spielt dabei überhaupt
keine Rolle. Und sie können soviel
sie wollen in ihre Verteidigung investieren, weil dort das System anders
ist. Einzelne Männer im Kreml können
solche
Entscheidungen
über
Nacht
treffen und diese können zehn bis
zwölf Jahre gültig sein. Für uns ist
das wesentlich schwieriger. Die Sowjets wissen genau, was sie in sechs
oder sieben Jahren ausgeben werden.
Ich kann das nicht für zwei oder drei
Jahre im voraus bestimmen.
Das ist
der Unterschied zwischen den Systemen, und daran sollten wir denken,
wenn wir über Abkommen sprechen, die
uns zu einer Aufrüstung führen können.
Das Abkommen erlaubt uns die
Aufrüstung, aber es stellt keine Mittel dafür bereit. Es ist daher unerläßlich, Abkommen zu erlangen, die
Reduzierungen bis auf einen Gleichstand zulassen und die durchweg verifizierbar sind, und genau das versuchen wir.

* * * *

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^

Information

C$-

11. März 198 7

10

REAGANS MANN AN DER SPITZE DES CIA GEHT DER RUF DER INTEGRITÄT VORAUS
- Kurzbioqraphie von William Webster -

WASHINGTON
(AD)
William
Websters Jahre im öffentlichen Dienst
haben ihm den Ruf absoluter und kompromißloser
Inteqrität
einqetraqen,
die sich als unschätzbar
erweisen
wird, wenn er erwartunqsqemäß Direktor des CIA wird und damit zu einer
Belebunq
der Reaqan Administration
beiträqt.
Webster war seit 1978 Direktor
des Federal Bureau of Investiqation,
aber am 3. März 1987 ersuchte ihn
Präsident Reaqan, seinen Posten beim
FBI aufzuqeben und die Central Intel-

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Embassy of the United States of America

liqence Aqency zu übernehmen.
Die Wahl fiel auf ihn, nachdem
der
amtierende
Direktor
des
CIA,
Robert Gates, seine Kandidatur als
der von Reaqan nominierte Nachfolqer
des ehemaliqen Leiters des Nachrichtendienstes, William Casey, zurü'ckzoq, der nach einer Operation weqen
eines Gehirntumors aus dem Amt ausschied.
Als Reaqan die Nominierunq bekanntqab, nannte er Webster "einen
Mann von Ehre und Inteqrität, der

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�sich
der
Rechtsstaatlichkeit
pflichtet fühlt".

ver-

Am 4. März im Weißen Haus kommentierte Webster seine Besprechunq mit
dem Präsidenten mit der Bemerkunq,
Präsident Reaqan habe ihm "keinen besonderen Auftraq" erteilt, ihm jedoch
"sein Vertrauen in meine Fähiqkeit
zur Ausübunq des Amtes" ausqesprochen.
Auf die Fraqe, wie er seine zukünftige Rolle und Verantwortunq beim
CIA sehe, antwortete Webster: "Eine
Sache, die ich machen muß, ist sicherzustellen, daß die Orqanisation
hinter mit steht und wir alle zusammenarbeiten" .
Webster wurde qebeten, den Schaden einzuschätzen, den die Rüstunqskontroverse
um
den
Iran und
die
Contras der Glaubwürdiqkeit der Reqierunq und der des Präsidenten zuqefüqt hat.
"Ich bin kein Meinunqsforscher",
saqte er, füqte jedoch hinzu, daß es
unkluq von ihm wäre, das durch sie
auf
nationaler
und
internationaler
Ebene ausqelöste Problem zu verleuqnen.
"Aber wir haben sehr viel schwieriqere Probleme bewältiqt", betonte
er. "Und ich bin der Uberzeuqung, daß
es sich hierbei um ein lösbares Problem handelt" .
Auf die Fraqe, ob er besorqt über
die Vorqänqe beim CIA im Zusammenhanq
mit der Iran-Contra-Affäre sei, saqte
Webster: "Ich qlaube, ich muß noch
sehr viel mehr darüber in Erfahrunq
brinqen".
Webster antwortete einem Fraqensteller, daß Gates seines Wissens als
stellvertretender Direktor des CIA im
Amt bleiben würde.
"Ich heqe qroße
- 2

Bewunderunq für Mr. Gates und hoffe,
daß dies der Fall sein wird", saqte
er.
Nach seinem Nachfolqer beim FBI
befraqt, brachte Webster seine Hoffnunq zum Ausdruck, daß es jemand sein
wird, "der das Prinzip der fachlichen
Qualifikation im FBI und die Unabhänqiqkeit von parteipolitischer
Einflußnahme fortführen wird - und der
Rechtsstaatlichkeit tief erqeben ist.
Ich qlaube, das ist das Wichtiqste".
Auf die Fraqe nach den zukünftiqen Beziehunqen zwischen FBI und CIA
antwortete Webster: "Meiner Meinunq
nach sollten es eiqenständiqe Behörden sein. Sie werden weiterhin eiqenständiq sein, aber sie werden auch
weiterhin zusammenarbeiten".
Vor der Abstimmunq durch den qanzen Senat wird Websters Nominierunq
vom Geheimdienstausschuß des Senats
qeprüft.
Der Vorsitzende des Ausschusses, der Demokrat David Boren,
und William Cohen, der ranqälteste
Republikaner, qaben am 4. März eine
qemeinsame Erklärunq ab.
"Die
Entscheidunq
für
Richter
Webster als Direktor der Central Intelliqence Aqency ist eine qute Entscheidunq", stellten sie fest.
"Er
wird in weiten Kreisen weqen seines
hohen Maßes an persönlicher Inteqrität und weqen seiner beruflichen Fähiqkeiten respektiert.
Seine Erfahrunqen als Bundesrichter haben ihn
mit den Feinheiten der Gesetzqebunq
und der entsprechenden Rolle der Reqierunqsbehörden
vertraut
qemacht.
Für dieses Amt brinqt er außerdem Erfahrunq und Wissen auf dem Gebiet des
Nachrichtenwesens
mit,
insbesondere
in bezuq auf Terrorismus und Spionaqeabwehr".
"Der

Geheimdienstausschuß

wird

�über seine Nominierunq so schnell wie
möqlich beraten, unter Berücksichtiqunq unserer Verpf1ichtunq, sorqfältiq und qründlich vorzuqehen.
Die
öffentliche Anhörunq über die Nominierunq wird stattfinden, sobald das
qesamte Hinterqrundmaterial über den
Kandidaten
zusammenqestellt und an
den Ausschuß weiterqeleitet worden
ist".
Cohen füqte hinzu: "Vorbehaltlich
irqendwelcher unvorherqesehener Enthüllunqen,
erwarte
ich...
eine
schnelle Bestätiqunq" .
Der
Vorsitzende
der
demokratischen Fraktion
im Senat, Robert
Byrd, nannte Webster "einen hochqeschätzten Experten, der dem CIA die
drinqend
erforderliche
Glaubwürdiqkeit verschaffen wird".
Die Wahl William Websters bedeutet, daß ein wirklicher Experte das
Amt beim CIA innehaben wird" , saqte
saqte der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert Dole. Er füqte
hinzu, daß Webster "die Materie des
Geheimdienstes in allen seinen Feinheiten beherrscht und die Behörde mit
sicherer
und
starker
Hand
leiten
wird".

zirksqericht und beförderte ihn später an ein Schwurqericht der Vereiniqten Staaten.
Im Jahr
1978 wählte Präsident
Carter Webster an die Spitze des FBI.
Webster lehnte die Ernennunq zunächst
ab, nahm sie jedoch an, als Reqierunqsbeamte ihn ersuchten, seine Entscheidunq aufqrund "patriotischer Erwägunqen" zu überdenken. Das FBI war
durch die Enthüllunq unzulässiqer Aktivitäten seiner Aqenten erschüttert
worden und Webster qelanq es, den quten Ruf des FBI schnell wiederherzustellen und es in den Bereich der modernen Anwendunq des Gesetzes zurückzuführen.
Als seine Frau Drusilla im Jahr
1984 starb, kursierten Berichte, daß
Webster vor der Beendiqunq seiner 10jähriqen Amtszeit aus dem FBI ausscheiden wollte.
Die Gerüchte verstummten jedoch, als er anküniqte,
daß er bis zum Abschluß der Untersuchungen über das Waffenqeschäft mit
dem Iran im Amt bleiben würde.
Webster hat einen Sohn, William,
Jr.r und zwei Töchter, Drusilla und
Kather ine.

Webster wurde im Jahr 1924 in St.
Louis, Missouri, qeboren.
Während
des Zweiten Weltkrieqs und der Auseinander setzunq um Korea diente er in
der U.S. Marine. Im Jahr 1947 beendete er sein Studium am Amherst Colleqe und leqte 1949 sein Jura-Examen
an der Washington Universität in St.
Louis ab. Bis 1960 war er als Jurist
tätiq und wurde dann zum Staatsanwalt
für den Bezirk Ost-Missouri benannt.
1961 kehrte er in seine private Kanzlei zurück, wurde jedoch im Jahr 1964
Mitqlied der Rechtsprüfunqskommission
von Missouri. Präsident Nixon berief
ihn 1971 an ein amerikanisches Be- 3 -

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•"^ION

Wirtschaft

*

11. März 1987

10

STUDIE DES KONGRESSES BEZEICHNET ERHOLUNG DER WIRTSCHAFT ALS INSTABIL
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

WASHINGTON - (AD) - Dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß beider Häuser
des Konqresses zufolqe qelten sowohl
die Volkswirtschaft der Vereiniqten
Staaten wie auch die internationale
Wirtschaftslaqe als entspannt, aber
dahinter verberqen sich eine Reihe
von ernstlichen Bedrohunqen für eine
anhaltende Stabilität.
Der von den Demokraten kontrollierte Ausschuß verleiht in seinem
Bericht vom 5. März 1987 der Uberzeuqunq Ausdruck, daß den Vereiniqten
Staaten nur in beschränktem Umfanq

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Embassy of the United States of America

Steuern und Geldmittel zur Verfüqunq
stehen, derer sie sich bei einer aufkommenden Rezession bedienen könnten.
"Eine einqehende überprüfunq der
Volkswirtschaft zeiqt, daß die qeqenwärtiq stattfindende Gesundunq, obwohl sie lanq andauert, instabil ist
und wir uns auf einer dünnen Eisdecke
beweqen", so heißt es in der von dem
Vorsitzenden, Senator Paul Sarbanes,
einem Demokraten aus Maryland, verfaßten Einleitunq zu dem Bericht.
Die dem Ausschuß anqehörenden Re-

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�publikaner verfolgen eine in ihren
Ansätzen optimistischere Haltunq in
einem kleineren Bericht, in dem sie
einiqe Unsicherheitsfaktoren in der
Volkswirtschaft
anerkennen,
aber
qleichzeitiq erklären, diese befinde
sich auf dem "Weq hin zu einem stabilen Wachstum.
"Wir sind mit der qeqenwärtiq
niedriqen
Inflationsrate
zufrieden
und hoffen, daß die Zinssätze weiter
fallen werden. Ferner sind wir optimistisch, daß sich die Möglichkeiten
bei den Arbeitsplätzen weiter verbessern werden und haben Vertrauen in
die unverwüstliche, innovative und
vielfältiqe
Wirtschaft
dieser
Nation", so der Bericht der Republikaner .
Im
internationalen
Zusammenhanq
betrachtet der Bericht das RekordHandelsbilanzdefizit der Vereiniqten
Staaten im verqanqenen Jahr als "ein
drinqliches Zeichen ernsthafter Probleme in der amerikanischen Volkswirtschaft
und
Wirtschaftspolitik,
das nicht außer acht qelassen werden
sollte".
Als
besondere
Problembereiche
qelten die starke Abhänqiqkeit der
Vereiniqten Staaten von importiertem
öl, die drohende Preisschocks und Inflation für die Zukunft in sich birqt
wie auch die erheblichen Schulden von
Ländern der Dritten Welt.
Maßnahmen der Reqierunq zur Förderunq des Wachstums in den Entwicklungsländern seien zwar ein Schritt
in die richtiqe Richtung, hätten sich
aber als unanqemessen erwiesen, wie
dem Bericht der Mehrheit zu entnehmen
ist.
Da eine ordentliche Anpassunq
an ein rückläufiqes Handelsbilanzdefizit der Vereiniqten Staaten die Zunahme einer starken Auslandsnachfraqe
erfordert "müssen Maßnahmen entwik-

kelt werden, die sowohl den Abfluß
von Mitteln aus den Entwicklunqsländern abbauen wie auch den Zufluß von
Kapital
steiqern.
Ferner
sollten
neue Maßnahmen erarbeitet werden, um
den Bedürfnissen der Gläubiqer und
Schuldner in qleichem Maße qerecht zu
werden und um die Rolle der Länder,
die Überschüsse erwirtschaften, bei
der Finanzierunq der Entwicklunq in
der Welt zu erweitern.
Der Ausschuß unterbreitet folqende
Vorschläqe
auf
internationaler
Ebene:
- Das amerikanische Handelsqesetz,
das "von einer sich schnell wandelnden
und
zunehmend
wettbewerbsstarken Weltwirtschaft einqeholt
wurde",
muß
qründlich
überarbeitet werden, um ausländische Märkte zu öffnen, den Welthandel auszuweiten und die Wettbewerbsfähiqkeit der Vereiniqten
Staaten zu erhöhen.
- Die Administration
sollte verstärkt ihr Auqenmerk auf die momentan
stattfindende
Verhandlunqsrunde des Allqemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT), das
zentrale internationale Forum zur
Erarbeitunq
von Reqelunqen
für
den Handel, richten. GATT sollte
zu einem "wichtigen Garanten für
die "Öffnung von Märkten und die
Ausweitunq des Welthandels werden" .
- Bis James Baker
Finanzminister
wurde und sich mit dieser Frage
beschäftiqte, hat sich die Reqierunq nur
unzureichend mit dem
Wechselkurs
des Dollar
befaßt.
Jetzt soll sie dem Konqreß halbjährliche Berichte über ihre Währunqspolitik auf internationaler
Ebene vorleqen.

�- Bemühunqen
sollten
stattfinden
zur Koordination der inländischen
Steuer- und
Währungspolitik
der
Haupthandelsländer, um zur Stabilisierung
der
internationalen
Wechselkurse beizutragen.
- Die Administration
sollte
die
Sammlung von Daten über den internationalen Kapitalfluß verbessern, der als äußerst wichtig anzusehen ist, wenn es um die Bestimmung von Währungswerten und
den Einfluß auf den bilateralen
Handel geht.
Der Ausschuß hat seinen Jahresbericht erstellt, nachdem er den Wirtschaftsbericht des Präsidenten durchgesehen und bei verschiedenen Anhörungen die Aussagen einer Reihe von
Wirtschaftswissenschaftlern
der
Regierung und des Privatsektors geprüft
hat.
Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß spielt bei der Gesetzqebung
keine Rolle, stellt aber seine Analysen anderen Ausschüssen des Kongresses zur Verfügung.

stum, wenn sie nicht angeaangen werden, die Aussichten auf eine gesunde
und wettbewerbsfähige Wirtschaft trüben und die Aussichten auf einen
niedrigeren
Lebensstandard
in
den
Vereinigten Staaten erhöhen", so der
Bericht.
Sarbanes und der Ausschuß sehen
besonderen Grund zur Besorgnis in der
Tatsache,
daß
das
jüngste
Wirtschaf tswachtum
fast
ausschließlich
abhängig war vom Konsum, der wiederum
in erheblichem Maße durch Schulden
getragen wurde.
"Sarbanes schreibt
in seiner Einleitung, "der rapide Zuwachs bei der Schuldenaufnahme aller
Sektoren hat deren finanzielle Verwundbarkeit bei einem möqlichen zukünftigen
Konjunkturrückgang
erheblich erhöht".

Die demokratische Mehrheit nennt
sowohl die von der Reagan-Administration
prognostizierten
kurzfristigen
als auch die weitgehend von den Republikanern angenommenen langfristige
Aussichten für das Wirtschaftswachstum unrealistisch und "erheblich optimistischer als diejenigen privater
Prognosen".
Der Bericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses bezeichnet das gegenwärtig langsame Wachstum des nun
in sein fünftes Jahr gehenden Aufschwungs als "eine verpaßte Gelegenheit für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten", die besonders die Armen
und die Arbeitslosen hart trifft.
"Mittelfristig werden die Ursachen für das träge gegenwärtige Wach- 3 -

* * * * *

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VION

Hintergrundmaterial

4

11. März 1987

10
REAGAN:

SOWJETS VERLETZEN WAHRSCHEINLICH ABM-VERTRAG

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstunqskontrollabkommen -

WASHINGTON - (AD) - In seinem dem Konqreß am 10. März 1987 vorqeleqten Bericht über Moskaus Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen erklärte Präsident Reaqan, die Sowjetunion "könnte ein Verteidiqunqssystem zur Raketenabwehr auf ihrem Territorium errichten" und somit die Bestimmunqen des ABM-Vertraqes verletzen.
Reaqan wies weiter darauf hin, daß der "unausqesetzte Aufbau und fehlende
qlaubwürdiqe alternative Erklärunqen" seine Schlußfolqerunq aus dem Jahre 1985
bestätiqten, wonach die qroße Radaranlaqe mit phasenqesteuerter Abtastunq in
Krasnojarsk "eine Verletzunq" des ABM-Vertraqes von 1972 darstelle, da "sie in
ihrer Verbindunq von ort der Stationierunq, Orientierunq und Fähigkeit durch
diesen Vertraq verboten ist".
Nachfolqend drucken wir den vollen Text
Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen".
Auf Wunsch des Konqresses habe
ich ihm in den verqanqenen drei Jahren vier Berichte über die sowjetische Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen vorqeleqt.
Zu diesen Berichten zählen die Berichte der
Administration von Januar 1984, Februar und Dezember 1985 wie auch der
für mich vom unabhänqiqen Beratunqsausschuß über Rüstunqskontrolle und
Abrüstunq erstellte Bericht über die
sowjetische
Nichteinhaltunq.
Jeder
dieser Berichte hat detailliert die
Probleme der sowjetischen Nichteinhaltunq aufqelistet und dokumentiert,

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Embassy of the United States of America

des Berichts

"Die sowjetische

deren qeqenteiliqe Auswirkunqen auf
unsere nationale Sicherheit und unsere Versuche zur Lösunq dieser Probleme.
Zusammenqenommen
erqibt
diese
Berichtsreihe
ein klares Bild des
fortqesetzten
Musters
der
sowjetischen Verletzunqen und die Grundlaqe
unserer anhaltenden Besorqnis.
In meinem Bericht
1985 habe ich erklärt:

von

Dezember

Die jünqsten Studien der Administration unterstützen die hier darqeleqte Schlußfolqerunq, daß es ein

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�Verhaltensmuster sowjetischer Nichteinhaltunq qibt. Wie in diesem und
in bisheriqen Berichten dokumentiert
wird, hat die Sowjetunion ihre rechtlichen und politischen Verpflichtungen verletzt, und zwar beim SALT I
ABM-Vertraq
und
Zwischenabkommen,
beim SALT II Abkommen, dem Vertraq
über
ein beqrenztes Versuchsverbot
von 1963, der Konvention über bioloqische und toxische Waffen, dem Genfer Protokoll über chemische Waffen
und
der
Schlußakte
von Helsinki.
Darüber hinaus hat die Sowjetunion
wahrscheinlich
Bestimmunqen
des
Schwellenvertraqes verletzt.
Ich habe weiterhin ausqeführt:
Während die Administration ihre
Sorqen und Erkenntnisse dem Konqreß
vortruq, hatten die Vereiniqten Staaten
qleichzeitiq
einen
intensiven
Austausch mit der Sowjetunion bezüqlich der sowjetischen Nichteinhaltunq
im Rahmen des Ständiqen Konsultativausschusses (SCC) , in dem SALT-relevante Probleme (einschließlich Problemen mit ABM) diskutiert werden,
sowie durch andere qeeiqnete diplomatische Kanäle.
Ich habe außerdem Generalsekretär
Gorbatschow während meiner
Treffen
mit ihm sowohl 1985 in Genf und dann
noch einmal im verqanqenen Oktober in
Reykjavik
persönlich
meine
Sorqen
vorqetraqen.
Ein weiteres Jahr ist verqanqen
und trotz all dieser intensiven Bemühunqen hat es die Sowjetunion versäumt, Handlungen zur Korrektur bestehender
Verletzunqen
vorzunehmen
und sie hat auch nichts unternommen,
um ausreichende Erklärunqen zu liefern, um unsere Besorqnis bei anderen
Problemen der Nichteinhaltunq auszuräumen.

Die Einhaltunq ist ein Grundpfeiler des Völkerrechts; alle Staaten
müssen die von ihnen freiwilliq einqeqanqenen
Verpflichtunqen
beachten
und einhalten.
Im Dezember 1985 hat die Generalversammlunq
der Vereinten Nationen
die Bedeutunq der Einhaltunq von Verträqen für eine zukünftiqe Rüstunqskontrolle anerkannt und mit 131 zu 0
Stimmen (bei 16 Enthaltunqen) eine
Resolution verabschiedet.
Die Resolution
- dränqt
alle
Parteien
der
Rüstunqsbeqrenzunqs- und
Abrüstunqsabkommen, sich an die Bestimmunqen zu halten;
- fordert all diese Parteien auf,
die Auswirkunqen einer Nichteinhaltunq
auf die
internationale
Sicherheit und Stabilität und auf
die Aussichten für weiteren Fortschritt im Bereich der Abrüstunq
in Betracht zu ziehen;
- appelliert an alle Mitqlieder der
Vereinten Nationen, Probleme der
Nichteinhaltunq zu lösen "im Hinblick auf die Förderunq einer
strikten Beachtunq der einqeqanqenen
Verpflichtungen
und
die
Aufrechterhaltunq oder Wiederherstellunq der Inteqrität von Abkommen
zur
Rüstunqsbeqrenzunq
oder Abrüstunq".
Der Konqreß hat wiederholt seiner
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq Ausdruck verliehen.
Der
amerikanische Senat verabschiedete am
17. Februar 1987 mit 93 zu 2 Stimmen
eine Resolution (No. 94), die... erklärt, daß ein wichtiqes Hindernis
für die Erlanqunq akzeptabler Rüstunqskontrollabkomen mit der Sowjetunion in deren Verletzunq bestehender
Abkommen
bestand,
sie
auffordert,

�Schritte zu unternehmen, um ihre Verletzunq solcher Abkommen einzustellen
und
besonders
die
in Krasnojarsk
(UdSSR) neu aufgestellte Radaranlaqe
abzubauen, da diese eine eindeutige
Verletzung der Bestimmungen des ABMVertrages darstellt...
Eine Einhaltung von in der Vergangenheit
eingegangenen
Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle ist eine unerläßliche Voraussetzung für zukünftige Rüstungskontrollabkommen.
Wie ich bereits erklärt habe:
Um

der Rüstungskontrolle Bedeutung
zu verleihen
und damit
sie
glaubwürdig zur nationalen Sicherheit
und weltweiter oder regionaler Stabilität beitragen kann, ist es unerläßlich, daß alle ein entsprechendes Abkommen
schließende
Parteien
sich
vollständig daran halten. Die strikte Einhaltung aller Bestimmungen der
Rüstungskontrollabkommen ist unerläßlich, und die Administration wird
hier keine Kompromisse akzeptieren.
Ich habe weiterhin erklärt:
Die
sowjetische
Nichteinhaltung
ist eine ernste Angelegenheit.
Sie
stellt wichtige aus der Rüstungskontrolle erwachsende Vorteile für die
Sicherheit in Frage und könnte neue
Sicherheitsrisiken
schaffen.
Sie
höhlt das für einen wirkungsvollen
Rüstungskontrollprozeß in der Zukunft
wichtige Vertrauen aus. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat in
der Vergangenheit auf diplomatischem
Wege bei der Sowjetunion diese Fragen
der Einhaltung mit Nachdruck verfolgt
und wird dies auch in Zukunft tun.

Der ABM-Vertrag
Heute muß

ich berichten, daß wir

weiterhin tiefgreifend und anhaltend
über die sowjetische Nichteinhaltung
des ABM-Vertrages besorgt sind.
Aus
verschiedenen
Gründen bereitet
uns
das Radar
von Krasnojarsk Sorgen,
dessen Außenanlagen
allem Anschein
nach 1986 fertiggestellt wurde. Die
Radaranlage zeigt, daß es die Sowjets
auf eine künftige Verletzung des ABMVertrages angelegt und diese geplant
haben, auch wenn sie gleichzeitig mit
den Vereinigten Staaten ein neues Abkommen über strategische Offensivwaffen aushandelten.
Die
einzig
erlaubte
Funktion
einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter
Abtastunq
(LPAR) , mit
einer
Art
der
Stationierung
und
Orientierung, wie sie das Radar von
Krasnojarsk besitzt, wäre die Verfolgung von Objekten im Weltraum und
Nutzung
als nationales
technisches
Mittel (NTM) zur Verifizierung.
Der
eindeutigen Beweislage nach sind wir
der Ansicht, daß dieses Radar vordringlich zur Zielauffindung und Verfolgung
ballistischer
Raketen
und
nicht zur Verfolgung von Objekten im
Weltraum und NTM verwandt wird, wie
die Sowjets behaupten.
Darüber hinaus schließt das Radar von Krasnojarsk die verbliebene Lücke im sowjetischen Schirm der Zielauffindung
und Verfolgung, sein Standort erlaubt
es ihm, Datenmaterial zur Beschreibung eines Angriffs zu sammeln, mit
dessen Hilfe die Kampfführunq sowjetischer Verteidigungsstreitkräfte geplant und über eine zeitgerechte offensive Reaktion entschieden werden
kann - eine Standardrolle solcher Radaranlagen.
Alle LPARs haben genau wie das
Radar von Krasnojarsk die Fähigkeit,
eine große Anzahl von Objekten zielgenau zu verfolgen. Daher können sie
nicht zur Zielauffindung und Verfolgung ballistischer Flugkörper einge-

- 3 -

�setzt werden, sondern haben auch, je
nach
Ort
oder
Stationierung
und
Orientierunq, die Fähigkeit, zur Führunq einer Raketenabwehr beizutragen.
LPARs wurden immer als die Bestandteile betrachtet, die die notwendige Vorbereitunqszeit
für eine
möqliche
territoriale
Verteidiqunq
sicherstellen.
Zusammengenommen geben uns das Radar von Krasnojarsk und
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhang
stehende Aktivitäten Anlaß
zur Besorgnis, daß die Sowjetunion
eine ABM-Verteidiqunq
ihres eiqenen
Territoriums errichten könnte. Einiqe der Aktivitäten, wie etwa die Errichtunq neuer LPARs in den Randqebieten der Sowjetunion und die Modernisierunq des Raketenabwehrsystems um
Moskau scheinen im Einklanq mit dem
ABM-Vertraq zu stehen. Die Konstruktion
des
Radars
von
Krasnojarsk
stellt jedoch eindeutiq eine Verletzung des ABM-Vertrages dar, während
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhanq stehende Aktivitäten möqliche
oder wahrscheinliche sowjetische Verletzungen
oder
andere
zweifelhafte
Aktivitäten umfassen. Andere Probleme, die im Verlauf des Berichts eingehender behandelt werden, sind:
- die Erprobunq und Entwicklunq von
Komponenten, wie sie für ein ABMSystem erforderlich sind, das innerhalb von Monaten anstatt von
Jahren aufqestellt werden könnte;
- der
qleichzeitiqe
Betrieb
von
Luftverteidiqunqs- und ABM-Komponenten;
- die Entwicklunq
eines
modernen
Luftverteidiqungsystems,
das
eventuell
ABM-Fähigkeiten
besitzt; und
- die Demonstration der Fähigkeit,
ABM-Abschußeinrichtungen
nachzu-

laden und die Abwehrflugkörper in
kürzerer
Zeit abzuschießen
als
man bisher annahm.
Die im verqangenen Jahr unternommenen sowjetischen Aktivitäten haben
zu
unserer
Besorgnis
beigetragen.
Die Sowjets haben mit der Konstruktion dreier zusätzlicher LPARs begonnen, die dem Radar von Krasnojarsk
ähnlich sind. Diese neuen Radaranlagen sind im Einklang mit den Bestimmungen des ABM-Vertraqes über Frühwarnradars für ballistische Fluqkörper stationiert und orientiert, aber
durch sie würde die Anzahl sowjetischer LPARs um 50 Prozent erhöht.
Der durch diese neuen Radaranlaqen
qewährleistete Überfluß an Abdeckunq
weist darauf hin, daß es ihre primäre
Aufqabe ist, ballistische Fluqkörper
aufzufinden und zu verfolqen.
Die in diesem Jahr erfolqte Uberprüfunq sowjetischer, mit ABM in Zusammenhang
stehender
Aktivitäten
zeigt, daß die Sowjets bei ihrer hervor Stechenster
Vertragsverletzung,
dem Radar von Krasnojarsk, keine Korrekturen vorqenommen haben.
Es ist
die Gesamtheit dieser sowjetischen,
mit ABM in Zusammenhanq stehenden Aktivitäten im Jahr 1986 wie auch in
früheren Jahren, die uns Anlaß zu anhaltender Besorqnis qibt, daß die
UdSSR eine ABM-Verteidiqunq ihres nationalen
Territoriums
plant.
Der
ABM-Vertraq verbietet die Stationierunq eines ABM-Systenms zur Verteidigung des nationalen Teritoriums der
Parteien und untersaqt ihnen, eine
Grundlaqe für solch eine Verteidiqunq
zur Verfüqunq zu stellen. Wie ich in
meinem Bericht vom verqanqenen Dezember ausgeführt habe:
Dies hätte grundlegende Auswirkungen für das Gleichgewicht zwischen
Ost und West. Eine einseitiqe, den
ABM-Vertraq verletzende Fähiqkeit der

�Sowjets, Raketen von ihrem Territorium abzuwehren, könnte die Abschrekkunq unterhöhlen und Zweifel über ihre Glaubwürdiqkeit aufkommen lassen.

Chemische,
Waffen

biologische

und

toxische

Die Integrität des Rüstunqskontrollprozesses wird ebenfalls qeschädiqt durch sowjetische Verletzungen
des Genfer Protokolls über chemische
Waffen von 1925 und der Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
von 1972. Im verqanqenen Jahr erworbene Informationen bestätiqen unsere
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq dieser wichtiqen Abkommen.
Fortschritte bei einem Abkommen zum
Verbot chemischer Waffen werden durch
die sowjetische Nichteinhaltunq der
Konvention über bioloqische und toxische Waffen beeinträchtiqt.
Weqen
der anhaltenden sowjetischen Nichteinhaltunq
bisheriqer
Rüstunqskontrollabkommen sind wir der Ansicht,
daß Bestimmunqen
zur Verifizierunq
von erheblicher Bedeutunq für unsere
Bemühungen sind, diese abscheulichen
Waffen aus der Welt zu schaffen - dem
Völkerrecht zufolqe sind dies Massenvernichtunqswaffen.
Die
Sowjets erhalten
weiterhin
eine verbotene Fähiqkeit der offensiven bioloqischen Krieqführunq
aufrecht.
Wir sind in besonderem Maße
besorqt, weil dies moderne bioloqische Stoffe umfassen könnte, über die
wir weniq wissen und qeqen die wir
uns nicht verteidiqen können.
Die
Sowjets
erweitern
ihre Fähigkeiten
zur chemischen und toxischen Krieqführunq.
Weder
Verqeltunqs- noch
Verteidiqunqsproqramme der NATO können mit diesen sowjetischen Bemühunqen gleichziehen. obwohl es seit Anfang 1984 keine bestätigten Berichte
über
tödliche Angriffe qab, haben

voraufqeqanqene Aktivitäten den Sowjets wertvolle Erkentnisse über die
Erprobunq, Entwicklunq und Handhabunq
qeliefert.
Die
sowjetische
Nichteinhaltunq
der Verträqe über Atomtests qibt zu
Besorqnis im rechtlichem und militärischen Bereich Anlaß. Seit Abschluß
des Vertrages
zur
Begrenzunq
von
Atomtests (LTBT) vor über 20 Jahren
hat die Sowjetunion ihr Testproqramm
von Nuklearwaffen auf eine Art und
Weise durchgeführt, die mit den in
dem
Vertrag
niederqeleqten
Zielen
nicht vereinbar ist und reqelmäßiq
über die Grenzen der Sowjetunion hinaus zur Abgabe nuklearer Rückstände
in der Atmosphäre führt. Trotz der
Tatsache, daß die Rückstände dieser
sowjetischen Tests keine berechenbaren Risiken für die Gesundheit, Sicherheit oder die Umwelt bedeuten und
auch keine militärische Bedeutunq haben, wurden unsere wiederholten Versuche, diese Vorkommnisse mit den Sowjets zu besprechen, dauernd zurückqewiesen. Die sowjetische Weigerung,
diese Angeleqenehit
zu besprechen,
hat ihre Aufrichtiqkeit im qesamten
Bereich der Rüstunqskontrollabkommen
in Fraqe qestellt.
Während ihres Testmoratoriums haben die Sowjets zweifellos ihr Versuchsqelände weiter betrieben, weil
die Sowjets sofort nach Ankündigung
eines Tests einen solchen auch durchgeführt haben. Darüber hinaus qab es
in diesem Zeitraum eine Reihe ehrgeiziqer Projekte, die weder mit beobachteten sowjetischen Aktivitäten zu
Atomtests in Verbindung qebracht noch
können davon ausqenommen werden können.
Sowjetische
Tests
mit
Detonationswerten
oberhalb
der
150
Kt
Schwelle würden die Entwicklunq moderner
Atomwaffen
erlauben,
deren

- 5 -

�Sprenqkreft unqleich höher wäre als
die derjenigen Waffen, welche die
Vereiniqten Staaten nach diesem Vertraq entwickeln könnten.
Die Vereiniqten Staaten und die
Sowjetunion haben im verqanqenen Jahr
vier Expertentreffen zur Besprechunq
des breiten Spektrums von Fraqen abqehalten, die mit den Atomtests im
Zusammenhanq stehen. Bei diesen Ge»wj-V-j. ••;, sprächen war es stets unser Ziel,
jSvW
eine Übereinkunft zur wirksamen Verifizierunq von TTBT und PNET zu erreichen.
Ich hoffe weiterhin, daß wir
dieses Ziel verwirklichen können.

Die Schlußakte von Helsinki
Im Jahr 1981 hielt die Sowjetunion ein militärisches Großmanöver
ab, ohne den Zweck des Manövers oder
die Anzahl der teilnehmenden Truppen
vorher anzukündiqen.
Dies stand im
Widerspruch zu den von ihr eingeganqenen
politischen
Verpflichtungen,
die
Verfü'qunqen
von
Korb I
der
Schlußakte von Helsinki einzuhalten.

gänglich gemacht.
Es wurde jedoch
entschieden, daß aufgrund dieser Daten keine Änderung der hier vorgestellten
Erkenntnissen
erforderlich
sei.
Dies rührte teilweise daher,
daß diese Informationen zu jener Zeit
noch nicht endgültig feststanden und
daß sie nicht ganz eindeutig waren.
Zudem nahm die Sowjetunion am 26.
Februar
1987
ihre
unterirdischen
Atomtests wieder auf.

SALT II und das Zwischenabkommen zu
SALT I
Die
Sowjetunion
hat wiederholt
den SALT II-Vertrag verletzt und weitere
Handlungen
vorgenommen,
die
nicht im Einklang mit den Bestimmungen dieses Vertrages standen.
In
keinem Fall der von uns festgestellten Vertragsverletzungen hat die Sowjetunion irgendetwas unternommen, um
dies zu korrigieren. In den vergangenen drei Jahren haben wir diese
Fragen im Ständigen Konsultativausschuß und über diplomatische Kanäle
zur Sprache qebracht.

Im Verlauf des verqanqenen Jahres
haben wir bei der Stockholmer Konferenz
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen eine Übereinkunft erzielt, die neue Normen für
Notifizierunq, Beobachtunq und Verifizierunq
militärischer
Aktivitäten
enthält, darunter auch Inspektionen
vor ort. Wir werden die sowjetische
Einhaltung dieser neuen Normen, die
am 1. Januar 1987 in Kraft traten,
einqehend überprüfen.

Die Sowjets haben ihre politische
Verpflichtung
zur
Einhaltung
von
SALT II auf vierfache Weise wie folgt
verletzt:

Jünqste Entwicklungen

Verschleierung
der
Verbindung
zwischen einer Rakete und der dazugehörigen Abschußvorrichtung bei Tests
sowie

Ende 1986 und in den ersten Wochen des Jahres 1987 wurden uns neue
Informationen über einiqe der in diesem Bericht angesprochenen Fragen zu-

Entwicklung und Stationierung der
SS-25 Rakete, eines verbotenen zweiten Typs von ICBM;
umfassende Verschlüsselung telemetrischer Daten im Verlauf von Testflügen
strategischer
ballistischer
Raketen;

Überschreitung

der zulässigen An-

�' $ärc* ^ u k ü h f t i c ^ P &amp; E ^ t s ^ e i ö t f m k h
n ^ r
v e r e i n i g t e n slS&amp;*en ^ # ^ ? - a H l I « a i « | Q P l l
•ynfnrj'sa v.&gt;nu, t-j,
i.iiaa wii-sw^i n\^ 'Lictft^ri'de§
so*-j*tl«Ühen9^rha*WM»s
:
e'n tscHiÄ3eÄ i - wgt'&amp;gn. &lt; ^s&amp;MA? £&amp;!*#** n
' e i n e mit" u r i s e ^ f - U i y e r i ^ H ' PMUfclW^UÖtqleidhbäre
Z u r ü c k h a l t u n g ; v , £ i n 3 Tstofcwahrscheinlich
das
Verbot
der
1
r e k t u r i h r e r Nic'hte'i-nharturtqs ! p^*iPÄ&gt;k t
Stationierunq der Interkontinentalrad i e Abkehr' •••v©n?'uiHreY'-f-'itttli«t&lt;Stfi'BfcHen
kete SS-16 verletzt;
- J . . ' 1 •.
.'•'.•
Auf rüstüriq 1 ;ur/ö*&gt;la'ä's^%rri&gt;s»thaPefe'fM £ t e « ; ben nach q lefl&amp;ftf^^t-iiffchV jfldrltMkfcpLHandlunaen n vorqenommen, die im
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f izierbaren
l^fctüricfeköheroll'v4l*'*^HWfe_ Gegensatz zu ihrer politischen Verr
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Der B e r i c h t vom- 2 3 . Dez^Vnb^ni¥gaB5
taloperationen durch Stationierunq in
z e i q t e S daß d i e S o w j e t s
riichtS^^r
arktischen Stutzpunkten zu verschaffen „und
Korrektur
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NichteinhaH*jn*P d A*bn
-01098 i
Rüstunqskontrollvereinbarunqen
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Im Mai s w 19Ö3 o E q^4anqte
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ich zu dem S c h l u ß , - daß 1 ä S ^ ^ f o W ^ s
_v^O(iiiktionßquoten
überschritten,
ink e i n e r l e i w i r k l i c h e ^ '^fttg6Hi*4f£ n i £\ir
.dem , s i e ' b i s ' 1984 e t w a s über der zuBerücksichtiqunq
u n t r e r *fclSorcft^n m ß i n
n s l ^ l q e n n ' Q u o t e v o n 3 0 BACKFIRE-Bombezuq auf
i h r e N i cH£#F#i a F t t e f t J " g e ,bern pro j'ahr l a q e n .
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macht h a t t e n , insbesonfl6'?^%4 v { s d ^ j ^ noinuJerwcf. ,ai
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n*WWjfra*iafh$
P o l i t i k der Zurückhalich d i e S c h l u ß f o l q e r u n q , daß d i e S o saiHßS, 39b
dbn3
w j e t s s e i t dem i Ö{pfe d l i ¥l:e &lt; r , "f!fi B ^n No- n e i a l l o v n i r i i a j h i , d-- . . ,
vember 1985 d i e von G e n e r ^ f c S ^ t Y ä r
,
Am I ß . J u n i 1985 h a b e ich meine
m9b ne, , ixhuali
...
f?
,
G o r b a t s c h o w und mir e i n q e q a n q e n e V e r -Besorgnis darüber
zum Ausdruck
qetiuT l a d m o a , n &gt; i u .
,
,
. ,
p f l i c h t u n g nichV i 'fc:'Sn9 , AflWte&amp; n t f e i t e r . b r a c h t , daß d i e a n d a u e r n d e N i c h t e i n -ripsSßM l e j s . t i ' i
v e r f o l q t hatteh•, r , '-aü¥ i : %eft 1 4fei ns^fißöön. h a l t j n q , durch d i e Sowjets u n s e r e na9 x d . . ri9h itM .n-.t w ,.
,
. .
fer
Verhandluri4*rl'^fel^itellt^Vi'S^e„tionale
Sicherheit
zunehmend
beein. 8S ./iiß , Biddmoä . , ,'
,
meinsamen
irit^re^s'i'err^^ilffn 9Jl§?j!ut r a c h t i g t . , i c h habe der S o wJ j e t u n i o n
-nÄ 9 l I o v 3 i b c j . •:
.
bauen, einsch l i e M i c ^ C ^ ^ e r n ^ s c f l f ^ u d a m a l s mehr Z e i t a n g e b o t e n , um d i e s
n
i q u n q der A r ^ i % 3 L f n
^fl^#'4448aÄ%nzu k o r r i a i e r e ' n und' zur v o l l s t ä n d i g e n
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abkommen
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aber

~

geqenseiverfolqen.
erklärt,
-

In
Revkjavik'n^b^fbGöA^Va9ls@Riet ä r Gorbatschöw^i-hd PfllchIß'dfl49;,C!a^rb
s c h i e d l i c h e n Ptii&amp;P8Sä&amp;n\in3$i$t
Wi7 -

�den Länder zu Fragen der Rüstungskontrolle stark einander anqena*hert.
Aber
die
Sowjets
machten
einen
Schritt zurück, indem sie auf einer
Verbindung von Fortschritten auf allen Gebieten der atomaren Rüstungskontrolle in einem Gesamtpaket bestanden« dessen Hauptziel in der Beseitigung der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative lag.
Außerdem wurde deutlich, daß die Sowjets beabsichtigten, den ABM-Vertraq
restriktiver
zu qestalten, als er
•einen Bestimmungen nach ist, um unsere SDI-Forschungsarbeiten auf das
Labor su beschränken.
Jedoch war das von mir oben beschriebene Muster sowjetischer Nichteinhaltung der Hauptqrund, warum ich
am 27. Mai 1986 beschloß, die amerikanische Beachtunq der Bestimmungen
des Zwischenabkommens zu SALT I und
SALT II einzustellen.
Der Entschluß
zur Beendiqunq der amerikanischen Politik einer Beachtunq der Bestimmunqen des Zwischenabkommens (das abgelaufen war) und des SALT II-Vertraqes
(der niemals ratifiziert wurde und am
31. Dezember 1985 abgelaufen wäre)
wurde nicht leichten Herzens getroffen. Die Vereinigten Staaten können
und werden keine doppelte Moral bei
der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen hinnehmen.
Deshalb habe ich am 27. Mai 1986
verkündet:
In Zukunft müssen die Vereinigten
Staaten ihre Entscheidungen über die
Struktur ihrer strategischen Streitkräfte auf Art und Größenordnung der
von
den sowjetischen
strategischen
Streitkräften
ausgehenden
Bedrohung
gründen, nicht aber auf die Maßstäbe,
wie sie in der SALT-Struktur enthalten sind, die durch die sowjetische
Nichteinhaltung unterqraben wurde und hier insbesondere durch den feh- 8

lerhaften SALT n-vertraq, der niemals ratifiziert wurde und der mittlerweile selbst bei einer Ratifizierung abqelaufen wäre und der von der
Sowjetunion verletzt worden ist.
Aufqrund einer sowjetischen Bitte
erklärten sich die Vereinigten Staaten bereit, im Juli 1986 eine Sondersitzung des ständigen Konsultativausschusses abzuhalten, um meine Entscheidung zu diskutieren. Im Verlauf
dieser Sitzung stellten die Vereinigten Staaten klar, daß wir weiterhin
äußerste Zurückhaltung üben würden.
Wir erklärten weiterhin, daß, falls
sich bei der uns betreffenden Bedrohung keine einschneidenden Veränderungen ergäben, die Vereinigten Staaten nicht mehr strategische Trägersysteme oder Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen stationieren würden
als die Sowjetunion. Außerdem wurde
meine Einladung an die Sowjetunion
vom 27. Mai wiederholt, zusammen mit
den Vereinigten Staaten bis zum Abschluß eines verifizierbaren Abkommens über tiefe und gleichgewichtige
Reduzierungen atomarer Offensivwaffen
bei der Schaffung eines Zwischenrahmens echter gegenseitiger Zurückhaltung zusammenzuarbeiten. Die sowjetische Reaktion war negativ.
In meiner Erklärung vom 27. Mai
sagte ich, die Vereinigten Staaten
würden bis gegen Ende des Jahres
SALT II technisch weiterhin vollständig einhalten, dem Zeitpunkt, an dem
wir unseren 131. schweren Bomber für
den Transport luftgestützter Marschflugkörper stationieren würden.
Die
Stationierung dieses Bombers am 28.
November 1986 bedeutete die volle Anwendung dieser Politik.
Nachdem wir nun das Zwischenabkommen und den SALT II-Vertrag hinter
uns gelassen haben, werden die sowjetischen Handlungen in bezug auf

�diese Vereinbarunqen, die in der Verqanqenheit
in
detaillierter
Form
überprüft und dem Kongreß berichtet
wurden, in dem vorliegenden Bericht
nicht weiter erörtert werden.
Das
heißt nicht, daß die Bedeutunq der
sowjetischen Vertraasverletzunqen in
irgendeiner Weise abqenommen hätte.
Wir sind weiterhin über die zunehmende militärische Bedrohunq durch die
Sowjets besorqt.
Eine Reihe von Aktivitäten in bezuq auf SALT II bedeuteten Verletzungen des Kernstücks oder zentraler Bestimmungen dieses Vertraqes, die von
den Befürwortern von SALT II qerne
als Hauptqründe für die Unterstützunq
dieses Abkommens anqeführt werden.
Diese Verletzungen betreffen sowohl
die
wesentlichen
Bestimmungen
wie
auch
die entscheidenden Verifizierungsregelungen des Vertrages. Durch
Verletzung der von SALT II festgesetzten
Begrenzung
auf
den
einen
"neuen Typ" von ICBM sind die Sowjets
im Begriff, vertragswidrige Ergänzungen ihrer Streitmacht in Stellung zu
bringen, die ihnen noch größere strategische Fähigkeiten verleihen.
Die
sowjetischen
Verschlüsselungs- und
Verschleierungshandlungen
haben sich in der Vergangenheit als
besondere Hindernisse für die Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen erwiesen.
Die umfangreiche Verschlüsselung telemetrischer
Daten
ballistischer
Raketen
durch die Sowjets hat die amerikanische Fähiqkeit zur Verifizierunq von
Schlüsselbestimmunqen
des
SALT IIVertraqes behindert. Was ebenso bedeutend ist: diese sowjetischen Aktivitäten
unterqraben
das
politische
Vertrauen, das für den Abschluß neuer
Verträqe erforderlich ist und unterstreichen
die
Notwendiqkeit
einer
wirksamen Verifizierunq jedes neuen
Abkommens.

Die sowjetische Nichteinhaltung
neue Rüstungskontrollabkommen

und

Die sowjetische Nichteinhaltung,
wie sie in dem vorliegenden und früheren Berichten dieser Administration
dokumentiert ist, hat Verifizierung
und Einhaltung zu den bestimmenden
Elementen der Rüstungskontrolle von
heute gemacht. Seit den ersten Tagen
meiner Administration habe ich mich
um einschneidende und verifizierbare
Reduzierungen der atomaren Offensivpotentiale
der Vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion bemüht und habe
bei meinen Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow persönlich Wege vorgeschlagen, um dies zu erreichen.
Wenn wir Vereinbarungen dieser Traqweite und Bedeutunq einqehen sollen,
dann ist die wirksame Verifizierung
unverzichtbar und Betrug einfach unannehmbar .
Ich erwarte weitere enge Konsultationen mit dem Kongreß, während wir
uns darum bemühen, Fortschritte bei
der Lösung der Fragen der Vertragseinhaltung und bei der Aushandlung
solider
Rüstungskon trollVereinbarungen zu erreichen.
Nachfolgend werden die Erkenntnisse zur sowjetischen Nichteinhaltung
von
Rüstungskontrollabkommen
dargestellt.

DIE ERKENNTNISSE

Der ABM-Vertrag
Vertragsstatus
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierunq von ABM-Systemen, ausqenommen

- 9 -

�ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners
oder,
alternativ dazu, um ein Stationierunqsqebiet von ICBMs. Der ABM-Vertraq ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertraq stellen
deshalb Verletzungen einer rechtlichen Verpflichtung dar.

1. Das Radar von Krasnojarsk
Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radar Systeme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen
und daß sie nach außerhalb orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter
Abtastung
zum Zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
technisches Mittel zur Verifizierung
der Einhaltgung von Rüstungskontrollvereinbar unqen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob das Radar von Krasnojarsk den Best immunqen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasenqesteuerter Abtastung entspricht. Wir haben diese
Frage erneut untersucht.
Erqebnis:
Die amerikanische Reqierunq bestätiqt den Schluß des Berichts vom Dezember 1985, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasenqesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
- 10

darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist,
Die anhaltende
Bautätigkeit
und
die
Abwesenheit
qlaubwürdiqer anderweitiqer Erklärunqen haben unsere Beurteilunq seines
Zwecks erhärtet.
Trotz amerikanischer Aufforderunqen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen qetroffen worden.
Diese und andere sowjetische Aktivitäten bezüglich ABM deuten an, daß
die UdSSR mit Arbeiten an einer ABMVerteidigung ihres nationalen Territoriums beschäftigt sein könnte.

2. Mobilität
ten

von

ABM-Systemkomponen-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersaqt
die Entwicklunq, Erprobunq oder Stationierunq von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtunqen aus
dem ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten
für ein solches System entwickelt
hat.
Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Reqierung der Vereinigten Staaten bestätigt das Urteil
des Berichts vom Dezember 1985, wonach die Beweislage hinsichtlich sowjetischer Aktivitäten in bezug auf
die
Mobilität
von
ABM-Komponenten
verschwommen ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötiqt werden, eine po-

�tentielle Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtungen qemäs dem ABMVertraq darstellen. Dies, sowie weitere ABM-relevante sowjetische Aktivitäten deuten darauf hin, daß die
UdSSR
mit Arbeiten
zur
Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
beschäftigt sein könnte.

3. Gleichzeitige Erprobung von ABMund Luftverteidigunqskomponenten
Verpflichtung:
Durch den ABMVertraq und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsqebiet
auferlegt.
Zusätzlich zu den ABM-Systemen und
-Komponenten in diesem einen stationierunqsqebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und -Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den verabredeten Erprobungsqebieten befinden.
Der Vertraq untersagt außerdem, Komponenten, die nicht zum ABM-System
qehören, die Fähiqkeit zu verleihen,
"strateqische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitiqe Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985"über die Einhaltung untersuchte die Frage, ob die Sowjetunion gleichzeitig Elemente der SAM
und ABM-Systeme getestet hat, was
eine Verletzunq ihrer geqenteiliqen
rechtlichen Verpflichtung
von 1978
darstellt. Diese Verpflichtung hatte
zum Ziel, die Erprobunq von Luftverteidigungssystemen in ABM-Form weiter
zu begrenzen. Wir haben diese Fragestellung erneut überprüft.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten bestätiqt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, daß die Beweise für sowjetische
Aktivitäten auf dem Gebiet gleichzeitiger Operationen unzureichend sind,
um die Einhaltung der sowjetischen
Verpflichtungen im Rahmen des ABMVertrages umfassend bewerten zu können. Die Sowjetunion hat jedoch Versuche unter Einbeziehung von Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten
Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und anhaltenden Vorfälle gleichzeitiqer Operationen von
ABM- und
SAM-Komponenten
sowie die
mangelnde
sowjetische
Berücksichtigung
der
amerikanischen
Besorgnis
sind ein Zeichen dafür, daß die Sowjetunion das Verbot der Erprobung
von SAM-Komponenten in ABM-Form wahrscheinlich verletzt hat. In mehreren
Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten deuten darauf hin, daß
die UdSSR mit der Vorbereitung einer
landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt
sein könnte.

4. ABM-Fähiqkeit moderner SAM-Systeme
Verpflichtunq: Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des ABM-Vertraqes verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertraq definierte Abfanqraketen,
Abschußvorrichtunqen oder Radarsysteme auch nicht mit "Fähiqkeiten auszustatten, um strateqische ballistische
Raketen oder deren Elemente im Fluq
abzuwehren, und diese nicht in ABMForm zu testen..."
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer
rechtlichen Verpflichtunqen
im
Rahmen des ABM-Vertraqes ein SAM-Svstem oder eine Komponente in ABM-Form
getestet oder
sie mit Fähiqkeiten

- 11 -

�ausgestattet hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren.
Dieser Bericht
untersucht eneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen zur Verbesserung von
SAM unzureichend sind, um die Einhaltung der sowjetischen Verpflichtung
im Rahmen des ABM-Vertrages zu bewerten. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten der Sowjets deuten jedoch
darauf hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

5. Schnelles Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen für Abfangraketen und von dislozierten Abfangrakten auf 100.
Er beschränkt
nicht die Anzahl der Abfangraketen,
die gebaut und gelagert werden können. Paragraph 2, Artikel V des Vertrages verbietet die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von "automatischen oder halbautomatischen oder
anderen
ähnlichen
Systemen
zum
schnellen Nachladen" der
erlaubten
AbschußVorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjetunion in Verletzung ihrer rechtlichen Verpflichtungen aus
dem ABM-Vertrag automatische, halbautomatische oder ähnliche Systeme zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
entwickelt,
erprobt
oder disloziert hat. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist der Überzeugung,
daß auf der Grundlage des zur Verfügung
stehenden Beweismaterials
die
Handlungen der UdSSR in bezug auf das
schnelle Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen gemäß ihrer rechtlichen
Verpflichtungen aus dem ABM-Vertrag
zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben.
Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit ernster Besorgnis. Diese und andere ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin,
daß die UdSSR mit der Vorbereitung
einer
landesweiten
ABM-Verteidigung
befaßt sein könnte.

6.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobunqsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet jedoch
die Dislozierung
eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen..
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjets ein ABM-System zur
Verteidigung
ihres
Staatsgebietes
disloziert oder einen Stützpunkt für
eine solche Verteidigung zur Verfügung gestellt haben. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse des Berichts vom Dezember
1985, daß im Ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick

- 12 -

�auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten
(z.B. Bau von Radaranlaqen, gleichzeitiqe Erprobunq, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM und
ABM-Mobilität) darauf hindeuten, daß
die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
befaßt sein könnte. Unsere Besorqnis
dauert an.

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische, biologische und toxische Waffen
Vertraqsstatus:
Die
Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
aus dem Jahr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträqe, bei denen sowohl
die Vereiniqten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertraqsparteien
sind.
Sowjetische Handlunqen, die nicht im
Einklanq mit diesen Verträqen und dem
völkerrechtlichen
Brauch qemäß dem
Genfer
Protokoll
von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher Verpf lichtunqen.
Verpflichtunqen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklunq, Produktion, Lagerunq oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen bioloqischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Menqen zu prophylaktischen, Verteidiqunqs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhanq
stehenden
Regeln
des
völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieq sowie von allen entsprechenden Flüssiqkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakterioloqi-

scher Methoden der Krieqführunq.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die Sowjets Bestimmunqen
verletzt haben,
die Entwicklunq, Produktion, Tansfer,
Besitz
und Verwendunq
biologischer
und toxischer Waffen verbieten und ob
sie für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser Bericht untersucht erneut diese
Frage.
Ergebnis: Die Regierunq der Vereiniqten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1986 in vermuteten Einrichtungen für bioloqische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Proqramm jetzt die Prüfunq
neuer Arten von Wirkstoffen zur bioloqischen
Verteidiqunq
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom Dezember 1985 bestätigen,
wonach die Sowjetunion! in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der bioloqischen Krieqführunq
aufrechterhält.
Beschuldiqunqen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kamputschea, Laos oder Afqhanistan im Jahr 1986 konnten qemäß
der strenqen Richtlinien unserer Beweisführunq nicht bestätiqt werden.
Obwohl in der Verqanqenheit mehrere
Analysen der Berichte über ihren Einsatz vorqenommen wurden, haben diese
Studien bisher keine positiven Erqebnisse aezeitiqt. Daher gibt es keine
Grundlage für eine Erweiterung der
Schlußfolgerung
vom Dezember
1985,
wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
dem Völkerrecht, wie dies im Genfer
Protokoll von 1925 und in der Konven-

- 13 -

�tion über bioloqische und toxische
Waffen aus dem Jahr 1972 kodifiziert
ist, Produktion, Transfer und Einsatz
von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen Zwecken in Laos, Kamputschea und Afghanistan betrieben hat.

Schwellenvertraq
Atomversuche
nen-Grenze

und die 150-Kiloton-

Vertraqsstatus:
Der
Schwellenvertraq wurde im Jahr 1974 unterzeichnet.
Der Vertrag wurde nicht
ratifiziert, aber keine Vertragspartei hat die Absicht bekundet, ihn
nicht zu ratifizieren.
Deshalb unterliegen beide Vertragsparteien der
Verpflichtung, gemäß dem Völkerrecht
Akte zu unterlassen, die zu Ziel und
Zweck dieses Vertrags im Widerspruch
stünden.
Maßnahmen, die Ziel und
Zweck
des
Vertrags
zuwiderliefen,
wären daher Verletzungen der rechtlichen
Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind bemüht, für den
Vertrag verbesserte Verifizierungsbedingungen auszuhandeln.
Beide Vertragsparteien haben unabhängig voneinander erklärt, die 150-KilotonnenSchwelle des Vertrags einzuhalten.
Verpflichtung:
Der Vertrag verbietet alle unteriridischen Atomwaffenversuche über 150 Kilotonnen hinaus an jedem der Gesetzgebung oder
Kontrolle der Vertragsparteien unterliegenden Ort und dies ab dem 31.
März 1976.
Angesichts der technischen Ungenauigkeiten bei der exakten
Einschätzung
der
Sprengkraft
von
Atomwaffenversuchen kamen beide Seiten überein, daß ein oder zwei kleine
unbeabsichtigte
Vertragsbrüche
im
Jahr nicht als Verletzung des Vertrages angesehen würden.
Fragestellunq:

Der

Bericht

vom
- 14

Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjets Atomversuche über 150
Kilotonnen hinaus durchqeführt haben.
Dieser Bericht überprüft erneut diese
Fraqe.
Erqebnis:
Im verqanqenen Jahr
hat die Reqierunq der Vereiniqten
Staaten die Atomversuche der Sowjetunion vor dem selbstauferleqen Moratorium vom 6. Auqust 1985 überprüft
und die amerikanischen Methoden zur
Einschätzung der Sprengkraft von sowjetischen
Atomversuchen
überarbeitet. Diese Arbeit ist noch nicht beendet. Im Dezember 1985 stellte die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten
fest, daß: "sowjetische Atomversuche
bei eine Reihe von Versuchen wahrscheinlich eine Verletzung der rechtlichen
Verpflichtungen
gemäß
dem
Schwellenvertrag darstellen".
Diese
Erkenntnis behält angesichts unseres
umfassenden Wissens über diesen Themenkomplex
seine Gültiqkeit.
Wenn
die derzeit in Arbeit befindlichen
Studien abqeschlossen sind, wird sie
auf den neuesten Stand qebracht werden.
Die Studien sollten eine verbesserte Grundlaqe für die Einschätzunq der bisheriqen sowjetischen Einhaltung enthalten. Die Ungenauigkeiten bei der Einschätzung von Art und
Umfang
der bisherigen
sowjetischen
Versuche und beträchtliche Schwierigkeiten bei der Verifizierung werden
fortbestehen und auf diesem technisch
schwierigen Gebiet bleibt noch viel
zu tun. Diese Unqenauiqkieten machen
die Notwendigkeit wirksamer Verifizierungsmaßnahmen deutlich, mit denen
die Unzulänglichkeiten bei der Verifizierung gemäß dem schwellenvertrag
und der ihn begleitenden Vereinbarung, dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken, ausgeglichen werden sollen.

Vertrag über ein begrenztes Ver-

�Suchsverbot
Abgabe nuklearer Rückstände an
die Umwelt nach unterirdischen Atomversuchen
Vertraqsstatus: Der Vertraq über
ein beqrenztes Verbot von Atomversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum
und unter Wasser ist ein multilateraler Vertraq, der für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion im Jahr
1963
in Kraft
trat.
Sowjetische
Schritte, die nicht mit diesem Vertraq in Einklanq stehen, sind Verletzunqen einer rechtlichen Verpflichtunq.
Verpflichtunq:
Dieser
Vertraq
verbietet speziell Atomexolosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umqebunq,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesqrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzqebunq oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchqeführt wird".
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR
dazu führten, daß radioaktive Rückstände außerhalb ihrer Landesqrenze
anfielen.
Dieser Bericht untersucht
erneut diese Fraqe.
Die
Reqierunq
der
Vereiniqten
Staaten
bestätiqt die Erkenntnisse
des Berichts vom Dezember 1985, nach
denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Geleqenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzunq der rechtlichen Verpflichtunqen
qemäß des beqrenzten Teststoppvertraqes auch außerhalb des Territoriums
der Sowjetunion qelanqten.
Die So-

wjetunion traf nicht die notwendiqen
Vorkehrunqen, um die Verseuchunq der
Umwelt durch radioaktive Substanzen
so qerinq wie möqlich zu halten und
dies trotz zahlreicher amerikanischer
Schritte und Forderunqen nach Korrektivmaßnahmen .

Die Schlußakte von Helsinki
Benachrichtigung bei Manövern gemäß der Schlußakte von Helsinki
Rechtlicher Status:
Die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa wurde im
Jahr 1975 in Helsinki unterzeichnet.
Dieses Dokument stellt eine politische Verpflichtung dar und wurde von
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammen mit 33 anderen
Staaten
unterzeichnet.
Sowjetische
Aktivitäten, die nicht im Einklanq
mit diesem Dokument stehen, sind Verletzungen
ihrer
politischen
Verpf lichtunq.
Verpflichtung:
Alle Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki sind verpflichtet, im voraus Informationen über anstehende größere
Manöver - als Manöver definiert, an
denen mehr als 25.000 Soldaten teilnehmen - sowie diesbezügliche Einzelheiten zur Verfügunq zu stellen.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Benachrichtiqunq bezüqlich des
sowjetischen Manövers "ZAPAD-81" unzureichend und deshalb eine Verletzunq der
politischen Verpflichtung
der Sowjetunion qemäß der Schlußakte
von Helsinki war. Dieser Bericht untersucht erneut diese Fraqe.
Erqebnis: Die Reqierunq der Vereiniqten Staaten kam bereits zu dem
Urteil und ist auch weiterhin der An-

- 15 -

�Sicht, daß die Sowjetunion im Jahr
1981
ihre politische Verpflichtung
verletzte,
die
Bestimmungen
von
Korb I der Schlußakte von Helsinki
einzuhalten, indem sie keine Vorausbenachrichtiqunq
des
Manövers
"ZAPAD-81" vornahm.
Seit 1981 haben
die
Sowjets
die
Verfüqunqen
der
Schlußakte
von
Helsinki
zwar
den
Buchstaben, aber
selten dem Geist
nach befolqt. Die Sowjetunion nimmt
eine sehr restriktive Interpretation
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der
Schlußakte von Helsinki vor und die
Anwendunq freiwilliqer vertrauensbildender Maßnahmen durch die Sowjetunion war bisher eher die Ausnahme
als die Reqel. Die Sowjets haben alle Ubunqen anqekündiqt, bei denen die
vorheriqe Benachrichtiqunq erforderlich ist (z.B. diejeniqen mit 25 000
oder mehr Soldaten), haben jedoch
keine
freiwilliqe
Benachrichtiqunq
vorqenommen (z.B. bei Ubunqen mit weniqer als 25 000 Soldaten). Ihre Benachr ichtiqunqen enthielten nur ein
Minimum an Informationen.
Weiterhin
haben sie die freiwilliqen Verfüqunqen nur im qerinqstmöqlichen Umfanq
einqehalten, nach denen Beobachter zu
den Manövern einqeladen werden sollen
und Beobachter nur zu 5 0 Prozent der
anqekündiqten Ubunqen einqeladen.

* * * * * *
- 16

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

11. März 1987

10

ANDAUERNDE MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN KUBA
- Worldnet mit Walters und Valladares -

WASHINGTON - (AD) - In einem am 6. März 1987 über Worldnet ausqestrahlten
Interview mit Journalisten in fünf europäischen Ländern leqten der amerikanische UN-Botschafter Vernon Walters und der kubanische Schriftsteller Armando
Valladares, der 22 Jahre in kubanischen Gefänqnissen verbrachte, ihre Beweqqründe dafür dar, daß sie die UN-Menschenrechtskommission zur Überprüfung der
Zustände auf der Karibikinsel zu beweqen suchen.

Die Vereiniqten Staaten brachten
in der verqanqenen Woche eine Resolution mit diesem Ziel ein. Im Falle
ihrer Annahme wird Kuba den Beweis
für die Respektierunq der Rechte seiner Bürqer
erbringen müssen.
Die
Kommission könnte eine unparteiische
Untersuchunq
durchführen
und
ihren
Bericht
während der
nächstjährigen
Sitzungsperiode vorleqen.

"Nach Castro", saqte Valladares,
"ist die politische Zukunft meines
Landes die Freiheit.
Das Abtreten
Castros wird ein enormes Vakuum hinterlassen. Er wird von niemandem ersetzt werden. Es qibt in Kuba keine
Persönlichkeit,
die
diese
Lücke
schließen könnte. Castro ist in Kuba
allmächtiq."

"Die
politischen
Gefänqnisse
Kubas...
sind, wie wir alle wissen,
Orte
des
Schreckens,"
erklärte
Walters auf eine Fraqe.

Beide äußerten Spekulationen, wonach Castro der Liberalisierunqspolitik des sowjetischen Generalsekretärs
Gorbatschow folqen könnte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Walters verqlich Castros Kuba mit
der
Laqe
in Chile
unter
General
Pinochet.
Beide Länder hätten eine
Bevölkerunq von etwa elf Millionen,
aber "es qibt 3 800 Chilenen im politischen Exil, während die Zahl der
Zolitischen
Flüchtlinqe
aus
Kuba
1 400 000 beträqt.
Ich denke, das
spricht für sich selbst, wenn man
darüber spricht, ob es in Kuba ein
Problem qibt oder nicht."
Walters erklärte, die Probleme im
Zusammenhanq
mit
Rechtsdiktaturen
seien nicht so schwer zu bewältiqen
wie die Probleme in bezuq auf Linksdiktaturen:
"Der qroße Unterschied
besteht wirklich in der Tatsache, daß
man es in Chile und Paraguay mit autoritären Staaten zu tun hat.
In
Kuba und Nicaragua hat man es mit totalitären Staaten zu tun."
Walters
fügte hinzu, daß Menschenrechtsgruppen
in Chile
Zuqanq
qewährt worden sei, während Kuba dem
Internationalen Roten Kreuz Besuche
in den Gefänqnissen verweiqert habe.
Dabei bezeichnete er die Menschenrechtssituation in Kuba als eine
Fraqe, die "man wahrscheinlich schon
vor lanqer Zeit hätte aufwerfen sollen.
In all den Jahren haben wir
einen konstanten Zustrom kubanischer
Flüchtlinqe erlebt.
Und eqal, wie
qefährlich die Flucht aus Kuba auch
sein maq, kommen immer noch weitere
hinzu. Die jüngsten Flüchtlinqe haben uns erzählt, daß die von Armando
Valladares in seinem außergewöhnlichen Buch beschriebenen Zustände dort
immer noch herrschen."
"Ich hoffe, daß diejeniqen Menschen, die die Freiheit lieben, mit
ihrer stimme Castros stillen Gefangenen ein Zeichen der Hoffnunq geben,"
erklärte er. "Die von uns verfolgte

grundlegende Politik, diese Resolution bei der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen einzubringen,
(bedeutet), den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild
zu machen".
"Wir haben hier eine Reihe von
Zeugen geladen", berichtete Walters,
"es handelt sich dabei um Menschen,
die in Castros Gefängnissen verstümmelt und gefoltert wurden, Menschen,
die für ihr Leben verkrüppelt sind
und Menschen, die jede nur mögliche
menschliche Demütigunq erfahren haben".
In Beantwortung einer Frage zu
Nicaragua
kritisierte
Walters
die
Sandinisten dafür, daß sie Grundrechte wie etwa die Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit außer Kraft setzen.
Er wies ferner auf die frühe Militarisierung der Sandinisten hin. "Nicaragua hatte bereits 250 gepanzerte
Kampffahrzeuge
erworben, bevor
die
ersten Contras einen Fuß auf nicaraquanischen Boden qesetzt hatten".
Valladares erklärte, er habe sein
Buch qeschrieben, um seine Erfahrunqen
als
Gefanqener
weiterzugeben.
Vor der Kommission der Vereinten Nationen könne er "die Missetaten Kubas
im Bereich der Menschenrechte mit Namen und Daten beleqen". "wir können
zweifellos Beweise liefern, die nicht
einmal die kubanische Delegation widerlegen konnte, daß in den vergangenen 29 Jahren in Kuba Folter und Verletzung der Menschenrechte an der Tagesordnung waren", so Valladares.
Er beschrieb "Zwanqsarbeit, Isolation, Lebensmittelentzuq,
Dunkelheit, verwehrten Kontakt zu den Familien, Schläqe und alle Arten von physischem und psychischem Druck" als
Hauptcharakteristika kubanischer Gefänqnisse.

�"Wir haben in unseren Gefänqnissen Experten
für Repressalien und
Folter aus den sowjetischen Ländern"
behauptet Valladares. "Wir haben Sowjets qesehen.
Wir haben Tschechen
qesehen. Wir haben Ostdeutsche beobachtet und Mitqlieder der sowjetischen Polizei, die sogar ihre Uniformen truqen".

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle ein "großer Durchbruch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor der National Newspaper Association -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen "begrüßenswerte Entwicklung"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verteidigungsminister Weinberger in Boston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie von William Webster -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet mit Walters und Valladares -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the LJrflflSd States of America
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10

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NACC

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11. März 1992

#0°
NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim
Nordatlantischen Kooperationsrat

USA-EUROPA

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem
Streitkräfteausschu ß

GUS-WISSENSCHAFTLER

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in
falsche Hände geben

VSBM

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca

WAHLEN '92

GESETZE FORDERN FAIREN WETTBEWERB
BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel,
Ausgabenüberwachung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NACC
11. März 1992

NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Am 10. März 1992 forcierte Außenminister Baker alle neuen Mitglieder des Nordatlantischen
Kooperationsrats (North Atlantic Cooperation Council - NACC) auf, "baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten
dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einzuhalten".
In seiner Rede beim NACC-Ministertreffen in Brüssel hieß Baker die neuen Staaten der früheren Sowjetunion
im Kooperationsrat willkommen. Georgien ist die einzige ehemalige Sowjetrepublik, der keine Mitgliedschaft
gewährt wurde.
Baker verwies darauf, die Anwesenheit der neuen Mitglieder "erweitert zwar unseren Horizont, aber unsere Ziele
bleiben unverändert: Vertrauen und konkrete Kooperation unter uns zu schaffen, mit denen sich eine euroatlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt".
Zu den Krisen in Jugoslawien und Nagorny-Karabach erklärte Baker, sie betonten die Notwendigkeit, daß die
NATO- und NACC-Mitglieder überlegen, wie die beiden Organisationen "zur Vermeidung und zum Abbau des
Risikos künftiger Konflikte in Europa beitragen können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.
Vor nur sechs Monaten, als die Einrichtung dieses
Rats erstmals vorgeschlagen wurde, hat niemand von
uns geahnt, daß wir heute in einer Gruppe von 35
Ländern zusammenkommen würden, entschlossen,
die Teilungen der Vergangenheit zu heilen und eine
neue Zukunft aufzubauen. Heute begrüßen wir die
neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion im NACC.
ihre Anwesenheit erweitert zwar unseren Horizont,
aber unsere Ziele bleiben unverändert: Vertrauen und
konkrete Zusammenarbeit unter uns zu schaffen, mit
denen sich eine euro-atlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt.
Seit Generationen, ja seit Jahrhunderten, standen
einige der 16 NATO-Verbündeten in ständigem Wettstreit miteinander, der in Konflikte, Kriege und Zerstörung ausartete. Die NATO hat dem ein Ende bereitet.
Jetzt müssen wir auf dieses Modell der Zusammenarbeit zurückgreifen, um sowohl alte als auch neue
Konflikte unter den Nachbarn im Osten zu schlichten.
Die Bedürfnisse der aufstrebenden Demokratien sind
zahlreich und vielfältig. Es gibt Raum für sich ergänzende Aktionen einer Reihe von Organisationen und
all unserer Regierungen. Durch den NACC werden die
NATO-Mitglieder ihr einzigartiges und erfolgreiches
AMERIKA DIENST 10

Know-how auf eine Weise teilen, die unseren Partnern
bei der Lösung von Problemen hilft, die für die Umgestaltung ihrer Gesellschaften und Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Rahmen der KSZE entscheidend sind.
In der Tat sollten Kooperationsrat und KSZE sich
gegenseitig verstärken. Anstatt uns in theoretischen
Debatten über vorherbestimmte institutionelle Rollen
zu ergehen, sollten wir eine pragmatische Haltung zur
Lösung der bestehenden Probleme einnehmen. So
wird der Sicherheitsdialog des NACC gemeinsam mit
der Zusammenarbeit bei der Verifizierung und Durchführung von Rüstungskontrollmaßnahmen die Effektivität des KSZE-Sicherheitsforums nach Helsinki fördern. Der Nordatlantische Kooperationsrat könnte
ferner KSZE-Bemühungen zur Verhinderung und
Bewältigung von Konflikten unterstützen.
Der von uns heute verabschiedete bescheidene Arbeitsplan ist nur ein Anfang. Wir müssen die Dynamik
beibehalten, um auf künftig sich entwickelnde Bedürfnisse zu reagieren. In den kommenden Monaten
sollten wir unsere Arbeit verstärken. Wir ermutigen die
Regierungen unserer neuen Partner sowie unsere
Verbündeten in der NATO, zusätzliche Vorhaben zu
entwickeln.

Seite 1

�Auf unserem weiteren Weg sollte die Reaktion der
NATO auf einzelne Liaison-Partner im Einklang mit
Tempo und Ausmaß von Demokratisierung, Wirtschaftsreformen, Demilitarisierung und der Erfüllung von
Verpflichtungen stehen, die im Hinblick auf Kernwaffen und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie der dazugehörigen Technologie
eingegangen wurden. Fortschritte bei der Verwirklichung demokratischer Ideale sollten für unsere Reaktion eine wichtige Meßlatte sein.
Die jüngsten Ereignisse unterstreichen für die NATO
und die Mitglieder des Kooperationsrats die Notwendigkeit zu überlegen, wie diese Institutionen effektiver
mit neuen Herausforderungen umgehen können.
Ich möchte einige davon erörtern.
Erstens können regelmäßige Konsultationen Vertrauen und Sicherheit in ganz Europa aufbauen. Unsere
hier bei der NATO in vielen Jahren gewonnenen Erfahrungen bestätigen dies. Erst unlängst hat die Arbeit
der High Level Working Group zur KSE spezielle für
den gesamten euro-atlantischen Raum gültige Vereinbarungen zur Ratifizierung des Vertrags hervorgebracht, der das Sicherheitsfundament eines neuen
Europas bilden wird. Jetzt müssen wir auch den Rest
des Weges zurücklegen - von der politischen Verpflichtung zur praktischen Realität -, damit der KSEVertrag bis zum Gipfel von Helsinki im Juli in Kraft
treten kann.
Im nuklearen Bereich haben wir seit Präsident Bushs
Initiative vom vergangenen September große Fortschritte gemacht. Jetzt ist es von entscheidender
Bedeutung, daß alle neuen Mitgliedstaaten dieses
Rats baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten dem
Nichtverbreitungsvertrag beitreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einhalten.
Zweitens müssen wir uns dem drängenden Problem
der Konversion der Rüstungsindustrie widmen. Bei
meinem jüngsten Besuch in Tscheljabinsk konnte ich
feststellen, wie immens und dringend die Aufgabe der
Rüstungskonversion nicht nur in physischer, sondern
auch in menschlicher Hinsicht ist. Die NATO kann bei
dem vielschichtigen Problem der Rüstungskonversion
einzigartiges Fachwissen einbringen. Wir sollten uns
erneut überlegen, ob der Nordatlantische Kooperationsrat diese Aufgabe besser unterstützen kann, indem
er eine Arbeitsgruppe zur Rüstungskonversion einsetzt, die sich auf spezielle Programme konzentriert,
die nach dem zur Zeit geplanten Seminar entwickelt
werden könnten.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Gründung des Internationalen Wissenschaftsund Technologiezentrums hinweisen. Das Zentrum
wird in der Rüstungsindustrie beschäftigten Wissenschaftlern und Ingenieuren Möglichkeiten eröffnen,
ihre Talente für nichtmilitärische Projekte einzusetzen,

Seite 2

und Anreize minimieren, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie anderer moderner Militärtechnik
führen könnten. Obwohl es sich hierbei nicht um eine
Initiative dieses Gremiums handelt, ist das Zentrum
ein Beispiel für die Vorteile gemeinsamer Maßnahmen
zur Lösung schwieriger Probleme.
Drittens müssen wir alle Wege sondieren, um den
Ausbruch ethnischer und regionaler Konflikte zu verhindern. Noch bevor das erste zarte Gras auf den
frischen Gräbern in Kroatien wachsen konnte, hören
wir von blutigen Fehden in Bosnien. Wir haben jedoch
die Chance, den Circulus vitiosus zu durchbrechen,
wenn wir einvernehmlich unsere diplomatischen und
anderen Ressourcen nutzen. Die NATO hat die Bestrebungen der KSZE-Berichterstattermission und der
Vereinten Nationen zur Entsendung von Friedenstruppen uneingeschränkt unterstützt. Das Bündnis hat alle
Parteien aufgefordert, im Rahmen der von der EG
geförderten Carrington-Kommission auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die Mitglieder des Bündnisses werden weiterhin enge Konsultationen mit der NATO über die Jugoslawien-Krise führen.
In Nagorny-Karabach haben die Vereinigten Staaten
die von der EG unterstützten andauernden Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in
diesem Konflikt ermutigt. Bei weiterer Gewaltanwendung wird es keine Sieger geben - weder in Armenien,
Aserbaidschan noch sonst irgendwo. Es ist nicht
ruhmreich, Witwen und Waisen den Aufbau der demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu überlassen, dem oberste Priorität eingeräumt
werden sollte. Die Parteien müssen jetzt ihre Anstrengungen zur Durchführung der Bestimmungen des
russisch-armenischen-aserbaidsnhanischen Kommuniques und der Entscheidungen des KSZE-Ausschusses hochrangiger Beamten vom 28. Februar verdoppeln. Zusätzliche Schritte von uns und seitens der
internationalen Staatengemeinschaft könnten als
Reaktion auf die Gewalt und deren Beendigung erforderlich sein.
Diese beiden Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit für die NATO und die Mitglieder des Nordatlantischen Kooperationsrats zu erwägen, wie diese beiden
Gremien zur Verhinderung und Minderung des Risikos
zukünftiger Konflikte in Europa beitragen können. Wir
müssen die von unseren niederländischen Kollegen im
Hinblick auf die Arbeitsteilung der Institutionen bei der
Friedenssicherung unterbreiteten konstruktiven Gedanken weiterverfolgen. Wir stimmen überein, daß
Infrastruktur, Ressourcen und operative Erfahrungen
der NATO gut geeignet sind, die Bestrebungen zur
Friedenssicherung zu unterstützen, die in Zukunft von
der KSZE oder den Vereinten Nationen sanktioniert
werden könnten. Darüber hinaus könnten die praktischen Formen der Zusammenarbeit, die die NATO mit

AMERIKA DIENST 10

�unseren Partnern im Nordatlatischen Kooperationsrat
bis hin zum Austausch auf Militärebene und dem
Treffen der Verteidigungsminister am 1. April entwickelt, die höchst wünschenswerte umfassendere Beteiligung an solchen Operationen erleichtern.
Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat kann die
NATO konkret Fachwissen und operative Erfahrungen

*

AMERIKA DIENST 10

*

zu verteidigungs- und sicherheitspolitischen Belangen beisteuern, die unseren Liaison-Partnern den
Übergang zu dauerhaften demokratischen Systemen
erleichtern werden. Durch Zusammenarbeit mit unseren neuen Partnern können wir ein erfolgreiches Programm des Nordatlantischen Kooperationsrats verwirklichen, das zur Sicherheit und Stabilität in der
ganzen euro-atlantischen Gemeinschaft beitragen wird.

*

*

Seite 3

�USA - E U R O P A
11. März 1992

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem Streitkräfteausschuß
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuß des Senats erklärte der Oberbefehlshaber
der US-Streitkräfte in Europa, General John R. Galvin, es liege voll und ganz im Interesse der Vereinigten
Staaten, sich weiterhin in Europa zu engagieren und dort Einfluß zu nehmen.
"Dazu benötigen wir (jedoch) eine leistungsfähige, glaubwürdige und einsatzfähige Streitmacht in Europa, die
für eine große Bandbreite von Missionen bereit steht," erklärte Galvin. "Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht verschwunden."
Galvin zufolge ist die NATO am besten in der Lage, auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren, die in
den nächsten Jahren auf Europa zukommen. "Unsere Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa," konstatiert Galvin.
Im Hinblick auf den Abbau der US-Streitkräfte in Europa verwies Galvin darauf, die Vereinigten Staaten hätten
am 30. Januar 182 Einrichtungen geschlossen. Ihm zufolge stellt dies einen Abbau um 13 Prozent des USEigentums in Europa dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir General Galvins Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder,
der Umfang und das Tempo der Veränderungen in der
politischen Landschaft Europas setzen sich in nie
dagewesenem Ausmaß fort. Die wichtigste jüngste
Veränderung ist die politische Umgestaltung der
Sowjetunion. Die überwältigende militärische Bedrohung der Sowjets gegenüber Europa ist verschwunden. An Stelle der früheren Sowjetunion sind zwölf
unabhängige Staaten getreten - einige mit Atomwaffen
-, die alle eine Lösung ihrer massiven politischen und
wirtschaftlichen Probleme anstreben. Trotz der Hilfe
anderer Länder besteht ein hohes Potential für Unruhen.
Das Verschwinden der sowjetischen Bedrohung ist
keine Garantie für Frieden und Stabilität in Europa.
Andere beunruhigende Kräfte sind in den Vordergrund
getreten. Regionale Spannungen bestehen weiterhin,
und sie haben sich in einigen Fällen - in Jugoslawien
und im Transkaukasus - zu offenen Konflikten ausgeweitet. Vielen dieser Konflikte auf dem Kontinent liegt
eine traditionelle Völkerfeindschaft zugrunde, und neue
Freiheiten infolge der Beseitigung totalitärer Regime
hauen a!tc F?&gt;ndschften Wiederaufflammen lassen.
Trotz der Vermittlung der Vereinigten Staaten bei den

AMERIKA DIENST 10

laufenden Friedensverhandlungen zwischen Israel und
seinen Nachbarn bleiben die Grundprobleme ungelöst. In den vergangenen zehn Jahren sind stärkere
fundamentalistische Tendenzen zu beobachten. Der
Drogenhandel, ein weltweites Problem, hat in Afrika
zugenommen, zum Teil infolge der stärkeren Überwachung und der verstärkten Unterbindung des Nachschubs in Süd- und Mittelamerika.
Die Welt im allgemeinen und Europa im besonderen
befinden sich in einem Zeitabschnitt grundlegenden
Wandels: dem Übergang vom Bekannten und Berechenbaren zum Unsicheren und Unberechenbaren.
Die Ereignisse der letzten drei Jahre hätten sich Anfang 1989 nicht vorhersagen lassen. Was 1995 bringen wird, ist schwer einzuschätzen. Es gibt weiterhin
Bedrohungen für US-Interessen, aber sie sind unklarer und vielfältiger. Unser Verständnis der neuen Situation basiert nicht auf einem Schlagwort, sondern
auf einem durchdachten Prozeß. Der Sicherheitsbedarf der Vereinigten Staaten hat eine neue und größere Dimension erhalten. Wir müssen mit einer unerwarteten Krise oder einem unerwarteten Krieg fertigwerden können. Unsere neue nationale Militärstrategie
wurde vor diesem Hintergrund konzipiert.

Seite 1

�In früheren Anhörungen dieses Jahres hat der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs vier Grundsätze der
amerikanischen Sicherheitsstrategie dargelegt: strategische Abschreckung, Vorneverteidigung, Reaktion
im Konflikt und Neuorganisation.
Aus meinem Blickwinkel als Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte in Europa ist die Vorneverteidigung der
US-Streitkräfte der Schlüssel fürunsere Strategie. Wir
haben nach wie vor vitales Interesse an Frieden,
Stabilität und Wohlstand in Europa. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben uns Konflikte und
Instabilität in Europa veranlaßt, Hunderttausende
amerikanischer Soldaten zu entsenden, damit sie in
zwei blutigen Kriegen für die Wiederherstellung des
Friedens kämpfen. In der Wirtschaft sind wir ein
wichtiger Handelspartner der Länder Europas und
verfügen 1991 über einen steigenden und umfangreichen Handelsüberschuß von etwa 17 Milliarden Dollar.
Ein Gro ßteil unserer Kultur und unseres Erbes stammt
aus Europa, und etwa 1,7 Millionen US-Bürger leben
und arbeiten dort. Kurzum: die Sicherheit Amerikas ist
von der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Stabilität in Europa nicht zu trennen.
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelten wir eine isolationistische Haltung und wandten uns von Europa
ab. Damit hinterließen wir eine instabile und potentiell
explosive Situation. Das Fehlen einer zusammenhaltenden Struktur oder eines entsprechenden Forums
zur Lösung nationaler Streitigkeiten zusammen mit
starkem politischen und wirtschaftlichem Nationalismus führten letztlich zum Krieg. Trotz einiger Widerstände kamen wir zurück, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Interessen zu schützen, aber zu
einem hohen Preis für die amerikanischen Bürger und
unsere Ressourcen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterließ dasselbe Potential für weitere Instabilität. Die militärische Macht und die zunehmenden
Ambitionen der Sowjetunion mit ihrer dominanten
Position in Osteuropa haben uns zum Bleiben veranlaßt und zur Bildung des Nordatlantischen Bündnisses
geführt. Unsere Präsenz der letzten 40 Jahre hat dazu
beigetragen, daß eine weitere sowjetische Expansion
verhindert wurde, und sie hat den westeuropäischen
Ländern ein Umfeld geschaffen, in dem sie gemeinsam wachsen und gedeihen konnten. Dieses durch
eine Vornepräsenz dokumentierte Engagement der
Vereinigten Staaten hat sich ausgezahlt. Die zweite
Hälfte dieses Jahrhunderts ist von Frieden und Stabilität gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen dem
Krieg in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und dem
Frieden in der zweiten kann zum großen Teil auf einen
wichtigen Faktor zurückgeführt werden... auf das
Engagement der Vereinigten Staaten, dokumentiert
durch die kontinuierliche Präsenz der US-Streitkräfte
in Europa.
Jetzt befinden wir uns in einer ähnlichen Situation nach
einem anderen Krieg. Der kalte Krieg ist vorbei, und
unsere früheren Gegner betrachten uns in ihren schwieSeite 2

rigen Zeiten als Freunde und Helfer. Obwohl sich viel
verändert hat, ist die Welt zu klein, unsere Wirtschaft
zu international, und unsere Ressourcen sind zu begrenzt, um sich aus Europa in eine "Festung Amerika"
zurückzuziehen. Die Geschichte zeigt eindeutig, daß
unsere militärische Präsenz einen stabilisierenden Effekt
auf Europa und darüber hinaus Vorteile für unsere Sicherheit hat. Unsere Verbündeten sind sicn dieser
Tatsache bewußt. Beim Gipfeltreffen in Rom im
November vergangenen Jahres sind sie übereingekommen: "die Präsenz nordamerikanischer konventioneller Streitkräfte und nuklearer Streitkräfte der
Vereinigten Staaten bleibt lebenswichtig für die Sicherheit Europas, die untrennbar mit der Sicherheit Nordamerikas verbunden ist". Seit über 43 Jahren ist unser
Engagement in der NATO der Stützpfeiler des Bündnisses.
Die NATO ist die erfolgreichste Sicherheitsorganisation der Geschichte. Die nordatlantische Solidarität
und die kollektive Verteidigung haben den kalten Krieg
erfolgreich beendet. Wir müssen jetzt die NATO aus
einem neuen und breiteren Blickwinkel betrachten.
Während die Westeuropäer die Sicherheitsimplikationen infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion in
den Griff bekommen, suchen die Osteuropäer nach
neuen Strukturen, an denen sie ihre Sicherheit verankern können. Die NATO verfügt über die Erfahrung,
Infrastruktur und die Mechanismen, um sich dem
veränderten Sicherheitsumfeld erfolgreich anzupassen. In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis
bei seinen Zusammenkünften in London, Kopenhagen
und Rom ein neues Strategisches Konzept entwickelt
und verabschiedet, um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das Konzept schlägt kleinere Streitkräfte vor, ferner
größere Mobilität, bestimmte Grade der Einsatzfähigkeit, multinationale Streitkräfte, Aufwuuliäfjotential,
militärische Kontakte mit früheren Gegnern und eine
Betonung des Krisenmanagements. Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat bietet die NATO den
Demokratien Osteuropas und den Ländern der früheren Sowjetunion ein Forum für ihre Sicherheitsprobleme. Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn und sogar
Rußland haben um ihre Aufnahme in die NATO gebeten. Diese Länder haben erkannt, daß die NATO die
beste Möglichkeit bietet, ihren Bedarf an Sicherheit zu
befriedigen und darüber hinaus die einzige Alternative
zu neuen nationalen Verteidigungsstrukturen ist.
Zusätzlich zu verstärktem Dialog und der Zusammenarbeit mit früheren Gegnern ist die NATO auch an
anderen Fronten aktiv.
In den vergangenen 20 Monaten sind Streitkräfte der
NATO-Länder unter der Schirmherrschaft von sechs
verschiedenen Organisationen mindestens achtmal
zum Einsatz gekommen. Im Golf krieg wurden Aufk'ärungsflugzeuge der NATO und Teile der mobilen Eingreiftruppe in die Türkei entsandt, während andere

AMERIKA DIENST 10

�NATO-Streitkräfte die Kommunikationswege am Mittelmeer sicherten. Marineeinheiten der NATO-Länder
wurden unter der Kontrolle der Westeuropäischen
Union eingesetzt. Streitkräfte von 15 NATO-Staaten
haben an der Operation Wüstensturm teilgenommen.
NATO-Länder einer anderen Koalition haben mit der
Operation Provide Comport auf die Leiden der Kurden
reagiert. Patriot-Raketen aus den NATO-Ländern
wurden nach Israel geschickt. Einige der NATO zugeteilte Streitkräfte haben Ausländer aus Zaire evakuiert,
manche NATO-Mitglieder haben unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Streitkräfte als
Beobachter nach Jugoslawien entsandt und werden
weitere Soldaten zu Friedensmissionen dorthin schikken. Heute werden die Möglichkeiten und die Infrastruktur der NATO bei der Aktion Hoffnung eingesetzt.
In jedem dieser Fälle wurde mit Hilfe von Streitkräften
reagiert, die der NATO zugeteilt waren - für ihre
Mission personell ausgestattet, ausgerüstet und ausgebildet von NATO-Ländern unter verschiedenen
Kommandos.
Die amerikanische Führungsrolle in der NATO basiert
auf der Präsenz unserer Streitkräfte in Europa. Die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Beeinflussung
von Ereignissen in Europa ergibt sich durch unser
sichtbares und kontinuierliches Engagement für das
Bündnis. Um dem Sicherheitsbedarf der Vereinigten
Staaten auf einem europäischen Gefechtsfeld Rechnung zu tragen, haben wir in Europa Basisstreitkräfte
entwickelt und damit dem neuen Sicherheitsumfeld
und der angespannten Finanzlage Rechnung getragr; i. Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die
unsichere Zukunft sind wir bestrebt, nicht zu schnell zu
weit zu gehen. Zusätzlich zu ihren militärischen Fähigkeiten demonstrieren die in Europa stationierten Basisstreitkräfte unseren Verbündeten in Europa, daß wir
bereit sind, weiterhin bei den europäischen SicherheitsentscJ-.cidungen eine Führungsrolle zu übernehmen. Folgende Streitkräfte wird es im Haushaltsjahr
1995 noch geben:
Eine erheblich geringere, aber glaubwürdige kriegsschauplatzgebundene nukleare Abschreckung.

Unterstützung für Einsätze im Mittelmeer;
unseren Betrag zur NATO-Luftverteidigung;
Eine Gruppe Flugzeugträger im Mittelmeer, die folgendes bietet:
Überlegenheit auf See;
Übertragung von Macht;
Kontrolle auf See.
Eine amphibische Einsatztruppe mit Marineinfanteristen, die auf dem gesamten Kriegsschauplatz im
Eventualfall einsatzbereit sind.
Zusätzlich zu diesen Streitkräften verfügen die Basisstreitkräfte in Europa über ausreichende Nachrichtendienste, Kommunikationseinrichtungen, Luftverteidigung und Logistik, einschließlich der damit zusammenhängenden Infrastruktur, um die Ankunft der
Verstärkungseinheiten aus den Vereinigten Staaten
oder die Stationierung von Einheiten außerhalb des
Bündnisgebietes zu unterstützen.
Diese Streitkräfte im Umfang von insgesamt 150.000
Soldaten (Heer: 92.200, Luftwaffe:44.800 und Marine:
13.000) sind um die Hälfte kleiner als unsere Streitkräfte vor zwei Jahren. Wir haben diese erheblich kleineren Streitkräfte konzipiert, um unser Engagement für
die NATO zu demonstrieren, regionale Stabilität zu
gewährleisten, einen Schutz gegen Unsicherheit zu
bieten sowie die Infrastruktur und logistische Unterstützung für die Verstärkung der Einsätze andernorts
aufrechtzuerhalten.
Sie werden in der Lage sein, jeglicher Bedrohung
unserer kriegsschauplatzgebundenen Interessen entgegenzutreten und verleihen den Vereinigten Staaten
eine Kampffähigkeit, die gegebenenfalls auch zur
Unterstützung strategischer Ziele andernorts eingesetzt werden kann. Eine solch vielseitige Streitmacht,
die auf Konflikte sämtlicher Intensitätsstufen reagieren
kann, ist darauf ausgerichtet, sich die Fähigkeiten
jeder Teilstreitkraft zunutze zu machen und die Fähigkeiten unserer Verbündeten in der NATO zu ergänzen.

Ein fähiges Heereskorps mit
der kleinsten Einheit, die zur Kampfführung
fähig ist,
dem niedrigsten Bereitschaftsgrad, um eine
optimale Luft-Boden-Schnittstelle zu erreichen,
einem Beitrag zu den multinationalen NATOStreitkräften.
Drei bis vier Jagdgeschwader, davon eines in der
Südregion: Diese Geschwader bieten:
ausreichende Streitkräfte für die Überlegenheit
in der L «ift und Luftunterstützung für Landstreitkräfte;

AMERIKA DIENST 10

Um diese erheblich kleinere europäische Streitmacht
aufrechtzuerhalten, wird eine wesentlich geringere
Zahl an Personal, Ausrüstung, Einrichtungen und finanziellen Mitteln erforderlich sein als im kalten Krieg.
Um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu
bewältigen, haben wir mehrere Schlüsselbereiche
ausgewählt, in denen unsere Resourcen konzentriert
werden sollten. Wir haben unsere Erfahrungen aus
dem kalten Krieg und der Operation Wüstensturm
genommen, diese mit dem Wissen um die knappen zur
Verfügung stehenden Mittel verbunden und eine Liste
von Prioritäten erstellt, die unserer Meinung nach
erforderlich sind, um unsere Planung zum Truppenabbau vollständig zu verwirklichen und gleichzeitig eine
glaubwürdige Kampftruppe in Europa zu bewahren.
Seite 3

�Unsere wichtigste Priorität im Hinblick auf die Mittelanforderungen des European Command gilt weiterhin
unserem Personal, das angemessene Wohn- und
Arbeitsbedingungen, eine Gemeinde, die ihre Grundbedürfnisse erfüllt, und eine vernünftige medizinische
Versorgung verdient. Im vergangenen Jahr haben
vom Kongreß beschlossene Einsparungen für den
Unterhalt von Liegenschaften, den Betrieb der europäischen Stützpunkte, Betrieb und Erhaltung (O&amp;M)
sowie Ortskräfte unsere Fähigkeit verringert, unsere
Truppen und deren Familien zu unterstützen und die
Kosten für Instandsetzung und Unterhalt unserer Einrichtungen erhöht.
Unsere zweite Priorität ist die Einsatzbereitschaft und
Ausbildung unserer bestehenden Streitkräfte. Das
breite Spektrum von Aufträgen, zu deren Ausführung
unsere künftige Streitmacht in der Lage sein müßte,
erfordert von uns die Stationierung kampfbereiter
Einheiten. Wir bemühen uns weiterhin um die Verfeinerung dessen, was ich als den "richtigen Mix" an
Ausbildungsaktivitäten bezeichne. Zu diesem Mix
gehören der Einsatz von Computersimulationen,
Manöver und Stabsrahmenübungen sowie Verbundmanöver der verschiedenen Teilstreitkräfte. Die Integration dieser unterschiedlichen Methoden gestattet
es uns, wichtige und unverzichtbare Ausbildungselemente zu geringeren Kosten und mit knapperen Mitteln
zu verwirklichen. Der Schlüssel zu Qualität und Realismus in der Ausbildung ist das "Warrior Preparation
Center". Als gemeinsame Einrichtung der Teilstreitkräfte erlaubt es uns die Durchführung der operativen
Ausbildung mittels realistischer Computersimulation
und verringert somit die Notwendigkeit von Großmanövern.
Meine dritte Priorität ist die Erhaltung unserer Investitionen in die amerikanische Infrastruktur in Europa.
Auch bei Abzug, Konsolidierung und Verlegung von
Einheiten sowie der Schließung von Stützpunkten
werden weiterhin Mittel für Instandhaltung sowie O&amp;M
benötigt. Auf verbleibenden Stützpunkten müssen
eine Reihe von Bauvorhaben vollendet werden. Unser
Antrag für dieses Jahr ist bescheiden: nur fünf Projekte in Gesamthöhe von 43 Millionen Dollar. Diese
Projekte in Grafenwöhr, Hohenfels, Rhein-Main und
Souda Bay sind erforderlich, um Lebens- und Umweltqualität auf diesen Stützpunkten aufrechtzuerhalten.
Wegen der Streichung des Infrastrukturprojekts Crotone untersucht die NATO eine Reihe von Alternativen,
um einen geeigneten Standort für die amerikanischen
Flugzeuge zu finden, der den Haushaltsengpässen
der Vereinigten Staaten und des Gastlandes Rechnung trägt. Wir werden mit der Prüfung dieser Optionen voraussichtlich im April beginnen, und die NATO
plant, dieses Thema beim nächsten Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses im Frühjahr erneut
aufzugreifen. Das NATO-Infrastrukturprogramm wurde
von Gast- und Benutzerstaaten gründlich überprüft,
um sicherzustellen, daß nur stichhaltige Vorhaben

Seite 4

finanziert werden. Der Haushaltsantrag des Verteidigungsministeriums in Höhe von 221,2 Millionen Dollar
für Infrastrukturvorhaben der NATO im Haushaltsjahr
1993 stellt das Mindestmaß für die Instandsetzung
bestehender NATO-Einrichtungen, Projekte der nuklearen Sicherheit sowie die Nutzung vorfinanzierter
Projekte dar.
Strategische Mobilität ist meine vierte Priorität. Unsere Streitkräfte müssen einsatz- und reaktionsfähig sein,
und dies gilt insbesondere angesichts der Reduzierung unserer Vornepräsenz. Die Fähigkeit zur Verlegung von Kampftruppen in jede Region wird auch in
den kommenden Jahren eine strategische Priorität
sein. Die Operationen in Südwestasien haben gezeigt,
daß der erste Teil der Mobilitätsgleichung in Stationierungs- und Überflugrechten bei befreundeten Nationen besteht. Unsere Fähigkeit zur Stationierung von
Truppen in vielen Teilen der Welt hängt von unseren
Verbündeten ab. Für den Rest der Gleichung benötigen wir für die Projektion amerikanischer Machtmittel
ausreichende Luft-und Seetransportkräfte im Verbund mit land- und seegestützter vorgelagerter Ausrüstung. Die Kombination aus Unterstützung durch die
Verbündeten, strategischer Luftbrücke und voreingelagertem Gerät hat es uns erlaubt, die für den erfolgreichen Verlauf der Mission enscheidende Kampfkraft
herzustellen. Die ungewisse Zukunft wird uns zwingen, dasselbe Niveau an strategischer Flexibilität
aufrechtzuerhalten.
Meine fünfte Priorität ist die selektive Modernisierung.
Die Kommandeure der Kampftruppen benötigen Systeme, die den besten Mix von Mobilität, Führung,
Feuerkraft und Kommunikation gewährleisten. Eine
kluge Auswahl zur Verfügung stehender und hochmoderner Systeme gewährleistet die größtmögliche
Kampffähigkeit. Der Schlüssel zum Erfolg auf dem
modernen und künftigen Gefechtsfeld isi Jiw Fähigkeit
der Kommandeure, gegnerische Kräfte zu orten, identifizieren, auszumanövrieren und an Feuerkraft zu
übertreffen. Einige dieser Systeme, die ihren Wert im
Golfkrieg bewiesen haben, sind das gemeinsame
Aufklärungs/Zielangriffsradarsystem (Joint Surveillance/Target Attack Radar System), moderne Mehrzweckkampfflugzeuge und -hubschrauber, moderne Mehrzweckmarineeinheiten und moderne amphibische Kräfte.
Schließlich bitte ich um Ihre Unterstützung für die
Militärhilfeprogramme, insbesondere in Afrika. Die
etablierten und aufstrebenden Demokratien bedürfen
der Unterstützung. Sie sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter soziale, wirtschaftliche und Umweltprobleme, die durch Armut, AIDS,
Dürre und Hungersnöte noch komplizierter werden.
Wir können ihnen mit Programmen wie dem African
Regional Military Assistance Program helfen, das eine
Anzahl von Leistungen zum staatlichen Aufbau bereitstellt. Eine kleine Investition heute wirH !n den kommenden Jahren erhebliche Dividenden einbringen.

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�Die nächsten Jahre werden unsere Fähigkeit auf die
Probe stellen, bisher unbekannten Herausforderungen zu begegnen. In den vergangenen 24 Monaten
haben wir über 40 krisenhafte Vorgänge erlebt und auf
30 reagiert, indem wir irgendeine Dimension unserer
vorne stationierten Militärmacht eingesetzt haben. Die
Reaktionen erstreckten sich über das gesamte Spektrum militärischer Aktivitäten: humanitäre Hilfe für den
Nordirak über die Türkei, Evakuierungsoperationen in
Liberia und Zaire und Kampfoperationen in Südwestasien. In Europa stationierte Patriot-Flugabwehreinheiten wurden nach Saudi-Arabien und Israel verlegt,
und Streitkräfte des European Command sind weiterhin aktiv an der Operation Provide Comfort beteiligt
und unterstützen heute die Aktion Hoffnung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Im vergangenen Jahr haben wir unsere europäische
Streitkräftestruktur weiter gestrafft. Obwohl der Golfkrieg den Schwerpunkt unserer Bemühungen zeitweise verlagerte, hat sich die Intensität nicht verändert.
Wir haben das VII. Korps vom Golf nur zurückgeführt,
damit Tausende von Soldaten und deren Familienangehörige ihre Sachen packen und in die Vereinigten
Staaten zurückkehren konnten. Wir haben den Truppenabbau dort forgesetzt, wo wir stehengeblieben
waren, und haben in einigen Fällen das Tempo sogar
beschleunigt. In den vergangenen zwei Jahren haben
wir über 230.000 Soldaten, Zivilisten und Familienangehörige aus Europa in die Vereinigten Staaten zurückgeführt, während wir über 90.000 Soldaten nach
Südwestasien verlegten. Wir haben ferner erhebliche
Fortschritte bei der Reduzierung unserer europäischen
Stützpunkte gemacht. Bis zum 30. Januar 1992 hatten
wir 182 Einrichtungen geschlossen und damit unseren
Bestand in Europa um 13 Prozent reduziert. Darüber
hinaus arbeiten wir unermüdlich an der Verwirklichung
der Kernwaffeninitiative des Präsidenten, indem wir
unsere landaestützten Kernwaffen abziehen und die
amerikanischen chemischen Waffen in Europa bereits
beseitigt haben.

Interessen berühren, und unseren Truppenabbau in
Europa fortzusetzen, erfordert ein Engagement seitens der Vereinigten Staaten. Wir müssen unsere
Streitkräftestruktur so planen, daß eine glaubwürdige
Abschreckung gewährleistet, regionale Stabilität gefördert und eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion auf
Krisen gesichert sind. Um unsere neue Strategie zu
verwirklichen, müssen wir weiterhin den Bedürfnissen
unseres Personals größte Aufmerksamkeit schenken
und ihm angemessene Wohn- und Arbeitsbedingungen, den besten Mix modernisierter Ausrüstung und
die realistischste Ausbildung geben, die wir entwickeln
können.
Das Ende des kalten Kriegs und die politische Umgestaltung der ehemaligen Sowjetunion stellen eine historische Zäsur dar, die uns eine enorme Chance zur
Entwicklung eines stabilen und dauerhaften Friedens
in Europa bietet. Zentrale Voraussetzung für die
Erlangung dieses Ziels ist das Prinzip der kollektiven
Sicherheit. Als Organisation mit über 40 Jahren der
Zusammenarbeit und Erfahrung ist die NATO in der
besten Position, um auf das breite Spektrum der
Herausforderungen zu reagieren, mit denen Europa in
den kommenden Jahren konfrontiert sein wird. Unsere
Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
beste Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Sicherheit und
Stabilität Europas mit unserer eigenen untrennbar
verbunden sind. Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht
verschwunden. Unsere Vomepräsenz in Europa schützt
die Vereinigten Staaten und amerikanische Interessen
und liefert ein Bindeglied, das uns die Möglichkeit gibt,
wichtige, unsere gemeinsame Verteidigung betreffende Entscheidungen zu beeinflussen. Es liegt in unserem besten Interesse, in den europäischen Angelegenheiten engagiert und einflußreich zu bleiben. Dazu
benötigen wir eine leistungsfähige, glaubwürdige und
einsatzfähige Streitmacht in Europa, die für eine gro ße
Bandbreite von Missionen bereit steht.

Das Problem der Ungewißheit in den Griff zu bekommen, auf Krisen zu reagieren, die unsere nationalen

*

AMERIKA DIENST 10

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Seite 5

�GUS-WISSENSCHAFTLER
11. M I R 1982

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in falsche Hände geben

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge
stehen die Vereinigten Staaten an vorderster Front bei
den Bemühungen, in Rußland ein internationales
Zentrum ins Leben zu rufen, das Nuklearwissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion dabei helfen soll,
Versuchungen zu widerstehen, ihr Wissen an Staaten
zu verkaufen, die nach dem Besitz von Kernwaffen
trachten.

Obwohl das internationale Zentrum in Rußland eingerichtetwürde, könnten laut Baker Wissenschaftler aus
allen GUS-Staaten dort arbeiten. Die von den Vereinigten Staaten zugesagten 25 Millionen Dollar würden
einem im vergangenen Jahr für die Unterstützung
sowjetischer nuklearer Abrüstungsbemühungen eingerichteten Sonderfonds des US-Verteidigungsministeriums von 400 Millionen Dollar entnommen.

Die Vereinigten Staaten haben zunächst 25 Millionen
Dollar für die Gründung dieses Zentrums angeboten.
Weitere Beiträge sind von Deutschland und Japan
zugesagt worden, so Baker am 3. März 1992 in einer
Frklärung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhausesfür Haushaltsfragen. Baker begründete
mit seiner Erklärung den Haushaltsantrag des USAußenministeriums für das Haushaltsjahr 1993.

"Es würde als Clearing-Stelle für Projekte dienen, die
von diesen Personen verwirklicht werden könnten und
sie auf interessante, befriedigende und geistig anregende Weise beschäftigen würden. Sie wären dann
nicht mehr versucht, ihr Know-how über Kernwaffen
auf dem schwarzen Markt anzubieten", stellte Baker
fest. Der amerikanische Privatsektor werde ermutigt,
"sich für dieses Zentrum zu engagieren, es zu unterstützen und sich daran zu beteiligen".

"Ich glaube nicht, daß es irgendeine Garantie dafür
gibt, daß «*«s "'cht geschehen wird", räumte der
Minister auf die Frage ein, ob die Gefahr einer Weitergabe kernwaffentechnischen Wissens an den instabilen Nahen Osten bestehe. "Wenn Sie sich anschauen,
wie diese Wissenschaftler bezahlt wurden, und welche
Summen ihnen für die Weitergabe ihre Wissens angeboten werden könnten... ist es schwer vorstellbar, jede
Abwanderung auszuschließen."
"Diese Personen haben uns jedoch ausdrücklich versichert, daß sie eigentlich nur eine interessante TätigI-Qit sowie die Möglichkeit suchen, ihr Wissen in einer
intellektuell anregenden Art und Weise und so anzuwenden, daß sie damit ihre Familie ernähren können",
erklärte Baker.
Der Außenminister war im Rahmen einer Reise durch
einige Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im vergangenen Monat in Tscheljabinsk,
einer ehemals streng geheimen atomaren Forschungseinrichtung der früheren Sowjetunion, mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zusammengetroffen.

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Das Wissenschaftszentrum wird diese Woche eines
der wichtigsten Themen der Erörterungen im Rahmen
eines Treffens des Nordatlantischen Kooperationsrats
in Brüssel sein. Baker nimmt als Leiter der amerikanischen Delegation an diesem Treffen teil, bei dem
Vertreter der NATO, des ehemaligen Warschauer
Pakts und der aus der früheren Sowjetunion hervorgegangenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zugegen sein werden.
Die Vereinigten Staaten haben mit den Führungen
einiger der neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bereits Gespräche über Probleme in
Zusammenhang mit Kernwaffen geführt, so über deren sichere Lagerung und Transport sowie die Konversion kernwaffentechnischen Materials, das bei Demontage und Zerstörung sowjetischer Kernwaffen
zurückbleibt. Baker war nicht sicher, ob das gesamte
Nuklearmaterial für friedliche Zwecke umgerüstet werden
kann, da es viel mehr waffenfähiges Material gebe als
in Kernreaktoren allein verwendet werden könne.

Seite 1

�"Wir sind bestrebt, insbesondere mit den Russen bei
der Entwicklung eines Buchführungs- und Kontrollsystems zusammenzuarbeiten, um über den Verbleib
des Materials in Rußland auf dem Laufenden zu bleiben", erklärte Baker und fügte hinzu: "Wir haben das
Problem auch mit einigen unserer Partner und Verbündeten in der NATO erörtert." Er wisse jedoch "bis heute
von keinen Bemühungen, dies im Rahmen irgendeines multilateralen Abkommens zu institutionalisieren".
In Beantwortung einer Frage erklärte der Außenminister, die letzte Woche abgeschlossene Aktion Hoffnung sende den neuen Staaten der früheren Sowjetunion "ein Signal der Hoffnung", daß "der Rest der Welt
und insbesondere die Vereinigten Staaten, ihnen helfen will". Die auf Initiative der Vereinigten Staaten
zustandegekommene Luftbrücke umfaßte 65 Einsätze mit einer großen Menge dringend benötigter Nahrungs- und Arzneimittel für alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien.

des Sicherheitsrats hat der Irak "die Resolutionen
gebrochen und wurde über die ernsthaften Konsequenzen einer kontinuierlichen Nichteinhaltung gewarnt", erklärte Baker und fügte hinzu, es "besteht
immer die Möglichkeit, gegebenenfalls das Inspektionsregime zu stärken". Er konstatierte, "es hat keine
Abnahme oder Auflösung der Entschlossenheit" der
Mitgliedstaaten stattgefunden, "eine vollständige Erfüllung" der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch
den Irak sehen zu wollen.

Naher Osten. Baker erklärte, die Vorteile eines erfolgreichen Friedensprozesses im Nahen Osten wären
nicht nur für die Länder in der Region, sondern auch für
viele Länder auf der ganzen Welt "von Bedeutung".
"Offen gesagt berührt uns die Tatsache, daß die
Parteien sich zum ersten Mal seit vierzig Jahren an
einem Tisch zusammensetzen und miteinander reden
und daß - zumindest bis jetzt - niemand die Verhandlungen verlassen hat," erklärte der Außenminister.
"Unserer Meinung nach fangen sie an, sich auf das
Baker erklärte anläßlich seines Besuches der Republi- Wesentliche zu konzentrieren... und wir hoffen, daß
ken Zentralasiens, "es vermittle den Menschen in einer dies anhält."
Region einen guten Eindruck, in der die Vereinigten
Staaten sich engagieren sollten und wo für uns wich- Kreditbürgschaften für Israel. Der Außenminister
tige Interessen auf dem Spiel stehen". Auf die Luft- bekräftigte, es liegt an der israelischen Regierung",
brücke müssen weitere Aktionen folgen, unter ande- die "volle Finanzierung" der Kreditbürgschaften für
rem Lieferungen von Getreide und weiteren Medika- Siedlungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar zu erhalmenten, die Baker zufolge in allen neuen Staaten ten. Letzte Woche erklärte Baker, die Regierung
"dringend benötigt werden". Baker erklärte femer, die werde die Gesamtforderung unterstützen, wenn Israel
Vereinigten Staaten würden mit ihren engen Verbün- alle Besiedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten
deten über die Fortführung der humanitären Hilfe in aufgibt. "Meiner Ansicht nach ist es nur vernünftig, daß
größerem Umfang sprechen.
die Vereinigten Staaten nicht direkt oder indirekt etwas
finanzieren wollen, das sie ablehnen", erklärte Baker.
Der Außenminister erörterte eine Reihe weiterer The- Alternativ würde die Regierung Kreditbürgschaften für
menkreise.
einen niedrigeren Betrag übernehmen, mit dem Israel
die im Januar 1992 noch andauernden Bauarbeiten
China. Baker bekräftigte, die Bush-Regierung sei abschließen könnte.
weiterhin dagegen, die Meistbegünstigungsklausel für
China vom Verhalten des Landes bei den Menschen- USIA und Stimme Amerikas. "Meines Erachtens
rechten und Chinas Einhaltung der Richtlinien des spielen sie nach wie vor eine wichtige Rolle bei der
Kontrollregimes für Raketentechnologie abhängig zu Durchführung unserer Außenpolitik", erklärte Baker.
machen. "Zwischen uns bestehen grundlegende "Wir messen der Stärkung des internationalen RundMeinungsverschiedenheiten im Hinblick darauf... wie funkwesens eine hohe Priorität bei und wollen die Botwir es schaffen, daß China tut, was wir wollen", erklärte schaften der Prinzipien und Werte - Demokratie und
Baker gegenüber der Kongreßabgeordneten Nancy Freiheit beispielsweise - verbreiten, an die wir glauben.
Pelosi. Baker fügte hinzu, die Vereinigten Staaten Auch angesichts all der Veränderungen, die stattgeseien "nicht zufrieden mit den Reaktionen" der chine- funden haben, sehe ich nicht, daß die Rolle unserer
sischen Behörden auf die Menschenrechtsfragen sowie Informationsdienste abnimmt. Sie werden neue Ziele
das Problem der Ausreisefreiheit und hätten sie auf definieren müssen. Das sollten sie tun. Zum Beispiel
diese Frage "noch einmal angesprochen".
liegt es jetzt verstärkt in unserem Interesse, unsere
Irak. Baker verwies darauf, der UN-Sicherheitsrat Botschaft in Zentralasien zu verbreiten. Wir sind
habe kürzlich energisch erklärt, "das Versagen des beispielsweise daran interessiert, bis ins kommunistiIraks bei der Offenlegung aller Aspekte seiner Waffen- sche Asien vorzudringen", erklärte der Au ßenminister.
programme und bei der Zerstörung einiger Geräte zur Die Forderung für das Haushaltsjahr 1993 beläuft sich
Herstellung von Raketen" untersuchen und verurteilen auf 1,14 Millionen Dollar für das US-Informationsamt
zu wollen, wie es im Rahmen des Waffenstillstands für und 220 Millionen Dollar für den Internationalen Rundden Persischen Golf vereinbart wurde. Nach Ansicht funkrat.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Schließung von Vertretungen. Baker erklärte, das
Avtenministeriuni möchte einige diplomatische Vertretungen schließen, verwies aber darauf, entsprechende Vorschläge in cer Vergangenheit seien immer
am Widerstand des Kongresses gescheitert. "Wir
stehen gegenwärtig in engen Konsultationen mit dem

Kongreß über die Schließung von Konsulaten in Porto,
Antwerpen und Lyon und erwägen die Möglichkeit der
Schließung auch in Genua und Amsterdam", erklärte
Baker. Darüber hinaus möchte das Au ßenministerium
einen Abbau bei anderen Vertretungen vornehmen,
die er nicht im einzelnen nannte.
* *

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�VSBM
11. März 1992

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca
WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Leiter der US-Delegation bei den Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John J. Maresca, am 4. März 1992 in
Wien gegebene Pressekonferenz im Wortlaut.

Botschafter Maresca: Ich danke Ihnen, daß Sie so
zahlreich erschienen sind. Ich hielt dies für eine gute
Gelegenheit, Sie wieder auf den neuesten Stand unserer
Aktivitäten zu bringen und werde heute morgen auf
verschiedene Aspekte unserer Arbeit eingehen. Der
eine sind die VSBM-Verhandlungen, der zweite die
kontinuierliche Arbeit an dem neuen, nach Helsinki ins
Leben gerufenen Sicherheitsforum, der dritte Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums (CPC) einschließlich der heute nachmittag beginnenden, und dann
möchte ich kurz die vom Komitee hochrangiger Beamter in Prag Ende letzter Woche im Hinblick auf Nagorny-Karabach entschiedene Vorgehensweise erörtern.
Ebenfalls anwesend ist Brigadegeneral Burt Davitte,
unser militärischer Vertreter bei diesen Verhandlungen, falls technische Fragen bezüglich des VSBMDokuments auftauchen sollten.
Ich möchte zunächst mit dem VSBM-Dokument beginnen, das im Augenblick verabschiedet wird. Ich denke,
man wird in Kürze eine Einigung erzielen. Wir befassen uns wie gewöhnlich mit den in letzter Minute
vorgenommenen unterschiedlichen Interpretationen,
und wenn wir das hinter uns gebracht haben, wird das
Dokument verabschiedet. Wahrscheinlich haben Sie
bereits Informationen hierüber erhalten. Das Dokument selbst wird Ihnen später zur Verfügung gestellt.
Ich möchte einige Aspekte dieses neuen VSBM-Dokurppnts hervorheben, die von Interesse sind.
Zunächst ein paar Anmerkungen über das Klima, oder
wenn Sie so wollen, Beweise dafür, wie sehr sich die
Dinge verändert haben. Heute morgen führt Litauen
den Vorsitz über die abschließende Plenarsitzung, und
das zur Abstimmung vorgelegte Papier wurde von
Polen unterbreitet. Wie die meisten von Ihnen wissen,
die diese Verhandlungen in der Vergangenheit verfolgt
haben, war Polen bisher ein neutraler Koordinator, der
die Rolle ub«i nommen hat, das Schlußdokument vorzulegen. In diesem Fall wurde die abschließende
AMERIKA DIENST 10

Arbeit von Polen vorgenommen, und zusammen mit
dem Vorsitz Litauens belegt dies meines Erachtens,
wie sehr sich die Lage bei der KSZE gewandelt hat. Sie
werden im weiteren Verlauf meiner Ausführungen
zusätzliche Beispiele hierfür erhalten.
Dem VSBM-Dokument wurden eine Reihe neuer Elemente hinzugefügt. Das Dokument selbst umfaßt all
die bisher im VSBM-Prozeß vereinbarten Aspekte
zusammen mit den neuen Elementen, die seit der
Unterzeichnung des letzten VSBM-Dokuments hinzugefügt wurden. Ich werde sie kurz erwähnen.
Erstens natürlich die erweiterte Mitgliedschaft. Die
Mitgliederzahl beträgt jetzt 48, und dies wurde als
erstes im Dokument festgehalten. In den Anhängen
finden sich ferner Sprachregelungen über die Anwendung von VSBM auf das Territorium der neuen Mitgliedstaaten.
Im Hinblick auf die neuen Maßnahmen selbst wurden
Vorkehrungen für einen relativ umfassenden Austausch technischer Daten einschließlich Photographien neuer wichtiger Waffensysteme getroffen, die in
Zukunft eingeführt werden. Die Absätze 12 und 13
befassen sich mit diesem Thema, und Sie können dies
im Dokument nachlesen, sobald Sie es erhalten haben.
Zweitens sind in Absatz 35 Verfügungen enthalten,
daß die neuen Waffenssysteme bei der ersten Gelegenheit nach ihrer Einführung demonstriert werden.
Drittens enthält das Dokument die Bestimmung zur
Berichterstattung über Einheiten, die vorübergehend
auf bestimmten Niveaus aktiviert werden. Zum ersten
Mal ist so etwas enthalten. Hierbei handelt es sich um
den Versuch, ein Problem anzugehen, mit dem sich
die militärischen Planer seit einiger Zeit im Hinbilck auf
den Streitkräfteaufwuchs befassen. Absatz 11 behandelt diesen Aspekt.
Seite 1

�Die nächste Verfügung ist auch für Laien interessant.
Sie hat den Titel "Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen". Wie Sie wissen, gibt es bereits eine Bestimmung
über ungewöhnliche militärische Aktivitäten. Diese
Maßnahme über Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen, ist ein Zusatz zu ungewöhnlichen militärischen
Aktivitäten. Der zugrundeliegende Gedanke ist, daß
ein Land Vertreter anderer Staaten zum Besuch eines
Gebiets einladen kann, das Besorgnis auslöst, um sich
selbst zu vergewissern, ob es Anlaß zu solcher Besorgnis gibt. Wenn Sie sich im einzelnen damit befassen wollen, finden Sie diese Bestimmungen in Absatz
19.
Soweit ich weiß, wurden zum ersten Mal echte VSBMBeschränkungen bei Aktivitäten von Landstreitkräften
vorgenommen. Dies ist ein kompliziertes Thema. Ich
möchte Sie nicht in alle Details einweihen - Sie können
es selbst nachlesen. Praktisch bedeutet es jedoch,
daß nur noch eine Übung großen Umfangs - 40.000
Soldaten oder 900 Panzer - alle zwei Jahre abgehalten
werden darf. In Absatz 71 sind die Einzelheiten
enthalten, und dies ist das erste Mal, daß tatsächlich
eine Begrenzung der Art von Aktivitäten vorgenommen wurde, die durchgeführt werden können.
Um die letzte dieser neuen Maßnahmen zu erwähnen
- es gibt eine Bestimmung, daß Inspektionen, die im
Rahmen des letzten VSBM-Dokuments bereits möglich waren, durch multinationale Inspektionsteams
durchgeführt werden können. Wenn ein Land die
Durchführung einer Inspektion entscheidet, kann es
andere Länder zur Teilnahme an dieser Inspektion
einladen. Eine solche Verfügung ist zum ersten Mal
enthalten und findet sich in Absatz 96.
Dies sind die wesentlichen neuen Bestimmungen, auf
die ich Ihr Augenmerk lenken wollte. Dies wird natürlich die letzte Sitzung der VSBM-Verhandlungen sein.
Die Verhandlungen wurden in Stockholm aufgenommen und haben bisher einschließlich diesem drei
Dokumente hervorgebracht. Ich denke, Sie wissen
über den Verhandlungsverlauf Bescheid. Ich möchte
jedoch hinzufügen, daß das VSBM-Konzept - das
Konzept der Vertrauensbildung - nicht mit diesen
Verhandlungen endet. Parallel dazu arbeiten wir hart
an der Vereinbarungen für ein neues Sicherheitsforum
- um die verwendete Sprachregelung zu benutzen -,
das nach dem Folgetreffen in Helsinki gegründet werden
soll. Man geht wohl im großen und ganzen davon aus,
daß es hier abgehalten werden und den Rahmen für
die Fortsetzung der Gespräche und Verhandlungen
über eine Reihe von Bereichen der Sicherheit einschließlich diesem Konzept der Vertrauensbildung bieten
soll. Wir erwarten also die Fortsetzung des VSBMKonzepts in diesen neuen Verhandlungen. Die Vereinbarungen für dieses neue Forum werden hier bis zum
Beginn des Nachfolgetreffens in Helsinki erörtert, und
alle dazu getroffenen Beschlüsse werden an das Treffen in Helsinki weitergeleitet und gegebenenfalls in

Seito 2

Helsinki weiterverfolgt, so daß das Forum sobald wie
möglich nach dem Treffen in Helsinki eröffnet werden
kann.
Im Hinblick auf die Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums möchte ich nur zwei Aspekte erwähnen. Als
ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, erwähnte ich die
Planungen zu zwei sogenannten Miniseminaren. Das
erste wurde vor einigen Wochen in Bratislava über die
Konversion der Verteidigungsindustrie auf zivile Produktion abgehalten. Unseres Erachtens war es sehr
erfolgreich. Da es sich vom Charakter her um ein
Seminar handelte, zielte es nicht auf vereinbarte Ergebnisse ab. Wir hatten jedoch das Gefühl, daß der
Austausch von Erfahrungen und Ansichten außerordentlich erfolgreich war. Dieses Thema wird zweifelsohne in diesem Forum und andernorts weiter erörtert
werden.
Heute nachmittag beginnen wir unser zweites Miniseminar unter der Schirmherrschaft des Konfliktverhütungszentrums. Es befaßt sich mit der Rolle der
Streitkräfte in einer demokratischen Gesellschaft. Dies
wurde von Polen als mögliches Diskussionsthema
vorgeschlagen. Das letzte Thema wurde von der
Tschechoslowakei eingebracht. Unseres Erachtens
waren diese beiden Themen sehr wichtig für die Weiterentwicklung des heute nachmittag stattfindenden
Seminars. Ich erwarte, daß die Gespräche sich darauf
konzentrieren werden, wie militärische Organisationen von zivilen Regierungen in einem demokratischen
Land und damit einhergehenden Aspekten kontrolliert
werden können. Es gibt eine Tagesordnung, und wenn
Sie Interesse daran haben, kann ich die einzelnen
Punkte der Tagesordnung mit Ihnen durchgehen.
Grundsätzlich ist jedoch dies das Thema und wird es
wohl im weiteren Verlauf der Woche bleiben - heute
nachmittag, den ganzen Donnerstag und Freitag.
Zahlreiche Delegationen haben Experten und Sprecherentsandt, die über Erfahrungen in diesem Bereich
verfügen und speziell für dieses Seminar hier sind - uns
inbegriffen. Die Gespräche finden vorwiegend zwischen Menschen statt, die sich direkt mit diesen Themen befassen und diesbezügliche Erfahrungen gesammelt haben.
Schließlich möchte ich Ihnen noch über das Treffen
des Ausschusses ranghoher Beamter in Prag in der
vergangenen Woche berichten. Natürlich wurde die
Presse dort schon informiert, aber ich glaube, daß es
auch für Sie hier von Interesse ist. Deshalb haben wir
in diesem Raum zwei Dokumente für Sie ausgelegt.
Das eine ist der Bericht des Sonderberichterstatters,
der von der KSZE nach Nagorny-Karabach entsandt
wurde, das andere ist das Entscheidungspapier des
Ausschusses ranghoher Beamter im Hinblick auf diesen Bericht. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen
einige Punkte dieses Entscheidungspapiers erläutern,
da sie meines Erachtens nicht nur im Hinblick auf die
Lage in Nagorny-Karabach, sondern auch als Demon-

AMERIKA DIENST 10

�stration dessen interessant sind, wie die KSZE heutzutage kontinuierlich danach strebt, eine positive Rolle
bei diesen fortschreitenden Entwicklungen zu spielen
und auf diese Art von Krisen einzugehen. Sicherlich
haben wir im vergangenen Sommer bereits einschlägige Erfahrungen in Jugoslawien gesammelt. Wir
haben dabei gewiß einige Lektionen gelernt. Einige
derselben Ideen finden sich auch hier wieder und
werden auf verschiedene Art und Weise weiterentwikkelt.
Ich möchte hier nur einige Dinge erwähnen. Im zweiten Absatz wird von der KSZE das Waffenstillstandsabkommen unterstützt, das unter der Führung Rußlands und Kasachstans zustandegekommen ist. Das
war eine ganz normale Vorgehensweise, da jener
Waffenstillstand unlängst vereinbart worden war, obwohl
ich einräumen muß, daß er nicht eingehalten wurde.
Absatz 4 enthält eine Sprachregelung über ein Embargo für Waffenlieferungen an Streitkräfte, die sich in
diesem Gebiet an Kampfhandlungen beteiligen sowie
eine Bitte, daß die Staaten das Konfliktverhütungszentrum darüber informieren, welche Schritte sie in diesem Zusammenhang eingeleitet haben. Jeder, dermit
der Frage vertraut ist, weiß, daß der Munitionsnachschub eines der großen Probleme in diesem Konflikt
ist.
Der fünfte Absatz gilt den Bemühungen zur Entwicklung humanitärer Hilfe. Auch hier findet sich wieder
eine neuer Schritt. Der amtierende Vorsitzende der
KSZE wird aufgefordert, direkten Kontakt mit Organisationen aufzunehmen und diese zur Bereitstellung
humanitärer Hilfe zu ermutigen.
Auch Absatz 6 enthält einen Bereich, den die KSZE
bisher nicht berücksichtigt hatte. Wir unterstützen
darin das Konzept von Korridoren für die Lieferung
humanitärer Hilfsgüter. Der Gedanke an sich ist für
dieses Papier nichts Neues, aber daß die KSZE versuchen solle, bei der Schaffung solcher Korridore mitzuwirken, ist eine neue Aktivität der KSZE. Das gleiche
gilt für den Austausch von Geiseln und die Rückführung von Toten, was in diesem Gebiet ein äußerst
sensibles Thema ist.
Auf Seite 3 werden in Absatz 15 die Vermittlungsbemühungen Rußlands und Kasachstans grundsätzlich
unterstützt. Damit erfährt dieser Prozeß Rückhalt bei
Jcr KSZE, einen Rückhalt dieser gesamten Staatengemeinschaft für diese Vermittlungsbemühungen. Wir
betrachten dies grundsätzlich als vielversprechendsten Weg, der bereits besteht und deshalb in diesem
Dokument von uns unterstützt wird.
Der nächste Absatz enthält Aussagen über die Einbeziehung der Behörden und Vertreter von NagornyKarabach. Damit soll sichergestellt werden, daß die
Ansichten der ortsansässigen Bevölkerung in diesen
Diskussionen zum Tragen kommen.

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Absatz 17 schlägt vor, daß der amtierende Vorsitzende der KSZE an diesen Diskussionen teilnehmen
sollte. Wenn dies nützlich und notwendig wäre, könnten sie auch unter der Schirmherrschaft der KSZE
fortgesetzt werden. Auch hier gibt es wiederum
Möglichkeiten, die bereits in der Vergangenheit von
der KSZE untersucht wurden.
Absatz 18 ist besonders interessant, weil darin vorgeschlagen wird, da ß der amtierende Vorsitzende grundlegende Sondierungen durchführen sollte, um festzustellen, ob sich innerhalb der KSZE-Gruppe Staaten
befinden, die zu einer Beobachtungs- oder Überwachungsgruppe beitragen könnten, falls es zu einem
echten Waffenstillstand kommen sollte.
Dies sind meiner Ansicht nach die wichtigsten Punkte,
die zeigen, daß sich die KSZE hier darum bemüht, auf
eine äußerst sensible und schwierige Lage zu reagieren.
Nach dieser Einführung möchte ich nun gerne Ihre
Fragen zu diesen oder anderen von mir erwähnten
Aspekten beantworten oder weitere Erläuterungen
abgeben.
Frage: Könnten Sie uns mehr Informationen darüber
geben, was nach Helsinki stattfinden soll? Wird es
eine Zusammenlegung der KSE- und VSBM-Verhandlungen geben, oder was sonst?
Botschafter Maresca: Daran arbeiten wir gerade,
und ich kann Ihnen nicht viel sagen, weil noch nichts
vereinbart wurde. Wir erwarten, daß es zu einem
weitreichenden Sicherheitsforum kommen wird, das
natürlich alle KSZE-Mitgliedstaaten einbeziehen und
ein breites Themenspektrum erörtern wird, darunter
weitere Abrüstungsmaßnahmen. Alles, was sich aus
jeder dieser hier stattfindenden Verhandlungen ergeben könnte, kann in diesem Forum als weiterem Verhandlungsgremium für Rüstungskontrolle behandelt
werden. Meines Erachtens besteht jedoch auch die
starke Überzeugung, daß sich die Lage in einem
solchen Ausmaß verändert hat, daß wir auch über
einen tiefergehenden Dialog über Sicherheitsfragen
nachdenken sollten, durch den wir einander über
Probleme informieren und versuchen könnten, gemeinsame Wege zu deren Bewältigung zu finden.
Darüber hinaus läßt sich kaum etwas sagen, weil noch
nichts vereinbart wurde. Aber dies wäre ein Forum, um
beide Konzepte zu behandeln.
Frage: Könnten Sie etwas über das Zielgebiet sagen,
auf das das Wiener Dokument von 1992 künftig angewendet werden soll, insbesondere jenseits der östlichen Seite des Urals. Nach dem Zerfall der Sowjetunion befinden sich ja einige Staaten in deren ehemaligen
ost- und mittelasiatischen Teilen. Sind diese Länder in
diesem Dokument vertreten? Oder in welcher Form
haben sie den anzuwendenden Vereinbarungen zugestimmt?

Seite 3

�Antwort: Wir sprechen eigentlich nicht von einem
Zielgebiet. Wir benutzen einen anderen Begriff - den
der Anwendungszone (zone of application). Zielgebiet
hat einen anderen Sinnzusammenhang. Dies wird in
den Anhängen zum Dokument erläutert. Grundsätzlich war es so, daß die neuen Teilnehmerstaaten
zugestimmt haben, die VSBM-Bestimmungen auf ihr
Staatsgebiet anzuwenden. Dazu gehören die asiatischen Republiken. Die Frage der Ausweitung der
Zone über den Ural hinaus an sich wurde hier nicht
angesprochen. Der Begriff der Zone bleibt im früheren
Sinn bestehen. Das heißt, es wird von Europa gesprochen. Dieses Konzept ist das Grundkonzept. Darüber
hinaus haben sich die neuen Staaten bereiterklärt, die
VSBM auf ihr Territorium anzuwenden. All dies ist in
Anhang I enthalten. Wenn Sie sich näher damit
beschäftigen, so werden Sie feststellen, daß dies das
Endergebnis ist. All diese Länder haben dem Dokument auf der Grundlage unserer Konsensverfahren
zugestimmt. Das Konsensprinzip lautet, daß fehlender Widerspruch eine Zustimmung darstellt. Das ist
unsere Regel.
Frage: Ich stelle fest, daß in dem Prager Dokument
der hochrangigen Beamten der Begriff des amtierenden Vorsitzenden der KSZE benutzt wird. Können Sie
das erläutern? Ist das der Vorsitzende des Rats, und
gibt es ein Rotationsprinzip? Wer ist zur Zeit dieser
Vorsitzende? Besteht eine Perspektive, daß ein bestimmter Außenminister oder sein Büro KSZE-Funktionen wahrnimmt?
Antwort: Der gegenwärtige amtierende Vorsitzende
wird von der Tschechoslowakei gestellt. Die Verfahrensweise folgt der in der Pariser Charta vereinbarten
Sprachregelung. Der Vorsitz wechselt auf der Grundlage dessen, wer zuletzt Gastgeber des Ministerrats
war. Der letzte Ministerrat der KSZE fand in Prag statt.
Die Tschechoslowakei erhielt damals den Vorsitz. Der
Außenminister der Tschechoslowakei war der Vorsitzende bei diesem Treffen, und er bleibt bis zum
nächsten Ministerrat amtierender Vorsitzender. Der
nächste Ministerrat wird Anfang Dezember in Schweden stattfinden. Infolgedessen wird dann Schweden
den Vorsitz übernehmen.

Frage: Erstens, bei der Vollversammlung sind nur 40
Delegationen anwesend. Welche Delegationen sind
nicht hier? Zweitens, welches ist der letzte Termin für
die Mandatsvorbereitung? Ist es der 24. März? Und
wenn das Mandat bis dahin nicht steht, werden die
Verhandlungen in Helsinki oder Wien stattfinden?
Welches ist der letzte Termin für die Vorbereitung des
Mandats?
Antwort: Bei der ersten Frage habe ich die Anwesenden nicht gezählt. Aber einige neue Staaten der
früheren Sowjetunion sind heute wohl abwesend. Es
ist verständlich, daß sie eine Weile benötigen, bis sie
sich an den Rhythmus dieser Zusammenkünfte gewöhnen und Mitarbeiter dafür abstellen. Daher sind

Seite 4

einige von ihnen abwesend. Im Hinblick auf die zweite
Frage ist den Formulierungen der Zusammenfassung
des Prager Dokuments der Minister in Prag zu entnehmen, daß die Schlußfolgerungen der inoffiziellen
Konsultationen - wie wir unsere Gespräche im Forum
nach Helsinki beschreiben - der Zusammenkunft in
Helsinki übermittelt werden. Demgemäß gehen wir
davon aus, daß jede weitere Arbeit beim HelsinkiFolgetreffen geleistet wird, falls diese Schlußfolgerungen nicht endgültig und vollständig sind. Am Ende
dieses Treffens ist dann der endgültige Termin.
Frage: Delegationen gehen mit einem Programm zu
dieser Konferenz. Gab es aus amerikanischer Sicht
etwas, das hier in Wien nicht erzielt worden ist, oder
was wünschen Sie sich für die nächsten zwei oder drei
Jahre?
Antwort: Erstens ist dies ein laufender Prozeß. Unserer
Meinung nach ein sehr breitgefächerter Prozeß, der
die Sicherheitslage in vielerlei Hinsicht verbessert. Es
ist schwer zu sagen, daß es bei dem einen oder
anderen Punkt eine klare Zielsetzung gibt. Es ist ein
laufender Prozeß, und unserer Ansicht nach trägt
diese Art von Prozeß einfach durch Dialog und Gedankenaustausch und regelmäßige Vereinbarung spezifischer Maßnahmen dazu bei, daß mißtrauischen Ländern ihr Mißtrauen genommen wird und die Möglichkeiten für echte Konflikte verringert werden. Wenn Sie
eine spezielle Zielsetzung genannt haben wollen, dann
ist es diese. Wir wollen in Europa eine Situation der
Stabilität und Sicherheit, und jedes Land soll seinen
Sicherheitsbedarf erfüllt wissen. Der Prozeß ist Teil
der Zielsetzung. Ich könnte es nicht eingehender
beschreiben, weil es ein so langer und breitgfächerter
Ansatz ist, daß man schwerlich an irgendeinem Punkt
von bestimmten Zielen sprechen kann. Wir betrachten
es als laufenden Prozeß.
Frage: Vielleicht könnte der Brigadegeneral uns etwas darüber berichten, welche Bedeutung Sie diesen
vertrauensbildenden Maßnahmen in militärischer Hinsicht beimessen. Welchen Wert hat die Erweiterung
der bestehenden Bestimmungen in den beiden früheren Dokumenten?
Brigadegeneral Davitte: Wie der Botschafter bereits
ausgeführt hat, ist eine der wichtigsten kürzlich vereinbarten Maßnahmen die sogenannte Einschränkungsmaßnahme. Es ist das erste Mal, daß militärische
Aktivitäten in der Anwendungszone tatsächlich begrenzt werden. Das ist ein Schritt von großer Bedeutung. Der nächste militärisch wichtige Punkt wäre die
Einführung neuen Geräts in der Anwendungszone und
Offenheit und Transparenz über dieses Gerät im Hinblick auf Demonstrationen und den Austausch technischer Informationen über qualitative Parameter dieses
Geräts, die für andere KSZE-Staaten von Interesse
sind. Insgesamt sind dies zwei der wichtigsten Merkmale der sieben oder acht unterschiedlichen, spezifischen Maßnahmen, die wir in dieser jüngsten Ver-

AMERIKA DIENST 10

�handlung vereinbart haben. Insgesamt sind sie für uns
sehr befriedigend, militärisch von Bedeutung, und sie
stehen im Einklang mit den Prinzipien der Verizif ierung
und militärischen Bedeutung, wie sie im Mandat von
Madrid verankert sind.
Frage: Welche Bestimmungen gibt es für den Fall
einer anderen militärischen Übung, die die Grenze von
40.000 überschreitet?
Bridagegeneral Davitte: Nun, es ist verboten, mehr
als eine Übung mit über 40.000 Soldaten im Jahr
abzuhalten. Die Länder, die dieses Dokument verabschiedet haben, haben auch vereinbart, dies nicht zu
tun.
Botschafter Maresca: Das heißt, jede Übung über
einer bestimmten Grenze muß vorher gemeldet werden. Im ersten Fall, daß eine Benachrichtigung über
eine solche Übung stattfindet, fände darüber ein
Gespräch statt, bei dem Einwände vorgebracht werden könnten. Dasselbe würde bei einer Verletzung der
Bestimmung gelten. Das heißt, wenn eine Übung über
dieserGrenzeläge oder das vereinbarte Maß übersteigen würde. Wir haben bereits eine Bestimmung für
Gespräche über die Durchführung, sowohl auf jährlicher Basis als auch jederzeit im CPC. Das wäre also
das Forum für Einwände im Falle einer Verletzung.
Frage: Ist bereits entschieden worden, wann diese
Maßnahmen in Kraft treten - im Mai, Juni oder Juli?
Antwort: Ja, es gibt schon einen Termin - den 1. Mai.
Frage: Zwei Fragen zu Nagorny-Karabach. Erstens,
haben die hochrangigen Beamten bereits eine Reaktion oder einen Hinweis der Parteien in NagornyKarabach im Hinblick auf ihre Forderungen? Zweitens
haben Sie bereits darauf hingewiesen, daß die Unterhändler ihre Erfahrungen aus der Krise in Jugoslawien
verarbeitet haben. Könnten Sie das bitte noch näher
ausführen? Was hat man aus dem Konflikt in Jugoslawien gelernt, das sich auf Nagorny-Karabach anwenden ließe?
Antwort: Zur ersten Frage möchte ich sagen, daß sie
in den humanitären Bereich fällt. Wie Sie vielleicht
wissen, hält sich eine französische Gruppe dort auf,
um genau das zu tun, was wir in diesem Dokument tun,
im Hinblick auf die Gewährung von humanitärer Hilfe
v;nd Einrichtung humanitärer Korridore. Während wir
darüber sprechen, versuchen sie heute, genau das zu
tun. Das wäre ein erster Hinweis auf eine Reaktion,
wenn es möglich wäre, dies zu tun. Wir würden dies als
entscheidenden Schritt nach vorn betrachten. Ich bin
dort gewesen und kann Ihnen versichern, daß die Lage
verzweifelt ist und sie diese Art Hilfe benötigen. Zweitens
zu den Lektionen aus der Jugoslawienkrise. Eine
wichtige Lektion ist meiner Ansischt nach, daß es sich
bei der KSZE um ein Forum handelt, das in dieser Art
Krisen das Mandat hat, um eine Vermittlerrolle zu
spielen. Im Falle Jugoslawiens hat im wesentlichen die
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KSZE die Bestrebungen verfügt, unterstützt und anerkannt, die dann von der Europäischen Gemeinschaft
durchgeführt wurden. Tatsächlich wurde die Beobachtergruppe, die nach Jugoslawien reiste, später eine
KSZE-Gruppe, weil mehrere KSZE-Länder, nicht Länder
der Gemeinschaft, daran teilnahmen. In diesem Fall
tun wir dasselbe im Hinblick auf eine Vermittlerrolle,
was Ru ßland in Kasachstan tut. Wir wenden dasselbe
Muster an. Die KSZE ist eine große Organisation, und
es ist für sie sehr schwierig, eine solche Operation
ohne einen Mittler durchzuführen, der in ihrem Auftrag
handelt. Das war ein Beispiel für die Art von Lehre, die
gezogen worden ist. Daraus würde ich schließen, daß
die KSZE eine Stärke in dieser Situation hat - sie
verfügt in einer solchen Situation über das Urteil der
großen Familie europäischer und nordamerikanischer
Länder und kann ein Land oder eine Ländergruppe
auffordern, in ihrem Namen als Vermittler bei einem
solchen Konflikt aufzutreten. Das ist eine gute Lektion,
wie die KSZE in einer solchen Situation einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Ich denke, ich werde eine
weitere Frage beantworten.
Frage: Meine Frage betrifft das Verhältnis zwischen
öffentlicher Meinung, wissenschaftlicher Analyse und
vertrauensbildenden Maßnahmen. Wenn Sie das
Wiener Dokument von 1990 und auch das neue Dokument in erweiterter Form lesen, werden Sie merken,
daß ein Großteil des Datenaustauschs zwischen den
Teilnehmerländern in vielen militärischen Bereichen
eine einmalige Offenheit schafft. Mein Eindruck ist
jedoch, daß die Daten immer noch ausschließlich in
Regierungskreisen zirkulieren, und der Öffentlichkeit
nicht zugänglich gemacht werden. Die öffentliche
Meinung wird sich der Bedeutung dieses Prozesses
nicht bewußt. Denken Sie, dies sollte geändert werden, und wie kann man es ändern?
Antwort: Im Kontext des Konfliktverhütungszentrums
erörtern wir seit einiger Zeit die Möglichkeit einer
Datenbank, die all diese Informationen sammelt und
mit deren Hilfe ein Jahrbuch zusamengestellt werden
könnte, in dem all diese Informationen veröffentlicht
werden. Sie haben recht, daß wir über eine einmalige
Fülle von Informationen verfügen, die jetzt ausgetauscht werden. Diese Bestimmungen im Hinblick auf
Daten über neue Waffensysteme, die übrigens zum
großen Teil auf einen polnischen Vorschlag zurückgehen, machen viele Daten zugänglich, die wir niemals
zuvor hatten. Ein Großteil dessen ist sehr technisch
und besteht aus Photos etc. Allein diese Fülle macht
eine Auswahl der Informationen für die Öffentlichkeit
erforderlich. Und es gibt bei einigen Ländern Empfindlichkeiten im Hinblick auf die Veröffentlichung solcher
Informationen. Deshalb streben wir nach einem Weg,
um eine Datenbank einzurichten, die all diese Informationen sammelt, so daß sie in einem Jahrbuch veröffentlicht werden können. Das ist ein Projekt für die
Zukunft und wird meiner Ansicht nach weiter erörtert
werden. Ich danke Ihnen.

Seite 5

�WAHLEN '92
11. März 1992

GESETZE FÖRDERN FAIREN
WETTBEWERB BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel, Ausgabenüberwachung

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten
wurde bei den nationalen Wahlen 1988 etwa 1 Milliarde
Dollar von den oder für die Kandidaten ausgegeben,
die ein Amt in der Bundesregierung anstrebten - den
Präsidenten, den Vizepräsidenten und etwa 500 neu
zu besetzende Sitze im Kongreß.
In einem Land von der Grö ße der Vereinigten Staaten,
das dem demokratischen Wahlprozeß so stark verpflichtet ist, verwundert es nicht, daß ein großer Teil
des Geldes für Kampagnen ausgegeben wird, um in
ein Amt gewählt zu werden. Aber es gibt Gesetze, die
einen fairen Wettbewerb der Kandidaten sicherstellen
und gewährleisten, daß wohlhabende Bürger und Interessengruppen sich mit ihren Mitteln keinen unfairen
Vorteil verschaffen. Ferner gibt es eine unabhängige
Regierungsbehörde, die Bundeswahlkommission
(Föderal Elections Commission - FEC), die diese
Gesetze zur Finanzierung von Wahlkampagnen durchführt.
Die Gesetze gelten nur für Kandidaten für ein Amt
innerhalb der Bundesregierung - den Präsidenten, den
Vizepräsidenten, die Senatoren und Abgeordneten
des Repräsentantenhauses sowie die sie unterstützenden Komitees. Sie decken drei umfassende Bereiche ab: die öffentliche Finanzierung der Präsidentschaftswahlen, Beiträge und Ausgaben zur Beeinflussung dieser Wahlen und die Offenlegung der von den
politischen Komitees unterbreiteten Informationen über
die Finanzierung der Wahlkampagne. Nachfolgend
ein Überblick, wie die Gesetze und die Kommission
funktionieren.
Öffentliche Finanzierung
Beim System der öffentlichen Finanzierung müssen
die Präsidentschaftskandidaten und die Parteiversammlungskomitees verschiedene Bedingungen erfüllen.
Wenn die FEC zu dem Schluß kommt, daß diese
Bedingungen erfüllt sind, vergibt sie den Betrag aus

AMERIKA DIENST 10

öffentlichen Mitteln, auf den der Kandidat oder das
Komitee Anspruch hat. Diese Mittel ergeben sich aus
den Dollars, die Steuerzahler im Rahmen ihrer Einkommenssteuer freiwillig entrichten.
Die FEC überwacht darüber hinaus alle Empfänger
öffentlicher Mittel, um sicherzustellen, daß die Mittel im
Einklang mit dem Gesetz ausgegeben werden und
kann von den Komitees deren Rückzahlung verlangen, wenn dies nicht der Fall ist.
Die öffentliche Finanzierung ist in drei Bereiche eingeteilt: Ausgleichsfonds für die Vorwahlen, Zuschüsse zu
den Parteiversammlungen und den allgemeinen Wahlen.
Ausgleichsfonds für die Vorwahlen
Den Präsidentschaftskandidaten werden bei den Vorwahlen zum Teil öffentliche Mittel in Form von Ausgleichszahlungen zur Verfügung gestellt. Erfolgreiche
Kandidaten erhalten für Spenden bis zu 250 Dollar den
entsprechenden Betrag aus dem staatlichen Wahlkampffonds. Nur Spenden von Einzelpersonen werden aufgestockt, obwohl der Präsidentschaftskandidat bei den Vorwahlen Spenden politischer Komitees
annehmen darf.
Nur Kandidaten, die die Nominierung als Präsidentschaftskandidat durch ihre Partei anstreben, stehen
Ausgleichszahlungen zu. Ein Kandidat muß sich dafür
ualifizieren, indem er die Unterstützung der breiten
Iffentlichkeit für sich gewinnt: Er muß in mindestens
20 Bundesstaaten über 5.000 Dollar an ausgleichbaren Spenden aufbringen. Jeder Kandidat muß zustimmen:

2

Die Wahlkampfausgaben für alle Vorwahlen auf
10 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich (COLA)
zu begrenzen. Dies wird als nationales Ausgabenlimit bezeichnet. 1988 belief sich der Betrag
auf 27,7 Milliarden Dollar.

Seite 1

�Die Wahlkampfausgaben in jedem Bundesstaat
auf einen bestimmten von der FEC anhand der
gesetzlich verankerten einwohnerspezifischen
Formel festgesetzten Betrag zu beschränken.

Kandidaten kleinerer und neuer Parteien können sich
für öffentliche Zuschüsse zu ihren allgemeinen Wahlkampfkosten qualifizieren, wenn sie oder ihre Partei
einen Stimmenanteil von mindestens 5 Prozent erzielen. Während die Kandidaten kleinerer oder neuer
Die Ausgaben aus persönlichen Mitteln auf 50.000 Parteien die öffentlichen Mittel durch private Spenden
Dollar zu begrenzen.
ergänzen können und ein Teil der Kosten für die
Wahlkampffinanzierung nicht auf ihr Ausgabenlimit
Ausgabenlimits und Begrenzungen der Ausgaben des
angerechnet werden, unterliegen sie ansonsten denKandidaten aus persönlichen Mitteln sind nur für öfselben Ausgabenbegrenzungen und anderen Vorschriffentliche Zuschüsse eine Voraussetzung. Die Beteiliten wie die Kandidaten der großen Parteien.
gung an dem Programm zur Vergabe öffentlicher
Mittel ist freiweillig - entscheidet sich ein Kandidat Spenden und Ausgaben
gegen öffentliche Zuschüsse, braucht er sich nicht an
die Ausgabenobergrenzen halten.
Die FEC ist darüber hinaus für die Anwendung des
Gesetzes über Spenden und Ausgaben zur BeeinflusKommt der Präsidentschaftskandidat für die Ausgleichs- sung bundesweiter Wahlen zuständig. Dem Wahlgezahlungen in Frage, stehen ihm öffentliche Mittel in setz zufolge können diese Spenden in Form von Geld,
Höhe der von Einzelpersonen entrichteten Beträge bis Darlehen sowie Geschenken in Form von Waren und
zu 250 Dollar pro Einzahlung zu.
Dienstleistungen erbracht werden, nicht jedoch in Form
von freiwilliger Arbeit. Zu den Ausgaben gehören
Selbst wenn ein Kandidat nicht mehr aktiv an den
Ankäufe und Zahlungen, die zur Beeinflussung bunVorwahlen teilnimmt, kann er öffentliche Zuschüsse
desweiter Wahlen erfolgen.
zur Rückzahlung von nachweislich für den Wahlkampf
gemachten Schulden beantragen. Jeder in Frage Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen und lankommende Kandidat kann öffentliche Mittel erhalten, desweit tätigen Banken ist es untersagt, Spenden oder
die bis zu 50 Prozent des nationalen Ausgabenlimits Ausgaben zu tätigen, sie können jedoch politische
für den Vorwahlkampf ausmachen.
Komitees gründen. Das Gesetz untersagt femer
Spenden
von staatlichen Auftragnehmern sowie solFinanzierung des Parteitags
che Spenden, die von einer Person im Namen einer
Jeder größeren politischen Partei stehen 4 Millionen anderen Person erbracht werden. Ausländische StaatsDollar plus der COLA zur Finanzierung ihres Bundes- bürger dürfen ebenfalls keine Spenden in Zusammenparteitags zur Nominierung des Präsidentschaftskan- hang mit irgendeiner Wahl in den Vereinigten Staaten
didaten zu. 1988 erhielten die Demokratische und die tätigen - dies gilt für Bundes-, Bundesstaats- und
Republikanische Partei jeweils 9,2 Milliarden Dollar für Gemeindewahlen gleichermaßen.
die Nominierungsparteiversammlungen. Eine kleinere Partei kann ebenfalls für Zuschüsse zum Parteitag Eine Einzelperson darf pro Wahl bis zu 1.000 Dollar an
in Frage kommen, die sich aus dem Stimmenanteil des das Komitee eines Bundeskandidaten spenden. Da
Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen diese Obergrenzen für jede einzelne W?hl gelten,
könnte eine Einzelperson 1.000 Dollarfüreine Vorwahl
errechnen.
sowie weitere 1.000 Dollar für die allgemeine Wahl
spenden. Beiträge von Einzelpersonen unterliegen
Die Finanzierung der allgemeinen Wahlen
ebenfalls einer jährlichen Obergrenze: ein einzelner
Die von den Parteien offiziell nominierten Präsident- kann pro Jahr bis zu 25.000 Dollar an Komitees für
schaftskandidaten kommen für eine direkte öffentliche Bundeswahlkämpfe spenden.
Beihilfe von 20 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich
in Frage. Im Jahr 1988 erhielten die Republikanische Auch die Beiträge der politischen Komitees unterlieund die Demokratische Liste je 46,1 Millionen Dollar. gen Obergrenzen. Von besonderem Interesse sind
Um sich für diese öffentlichen Mittel zu qualifizieren, Beiträge der politischen Aktionskomitees, kurz "PACs
muß der Kandidat die Ausgaben auf die Höhe der genannt.
Beihilfe beschränken. Er darf darüber hinaus keine
privaten Wahlkampfspenden annehmen. Private Es gibt zwei Arten von PACs. Bei der ersten handelt
Spenden dürfen jedoch im Rahmen bestimmter Ober- es sich um politische Komitees, die von Unternehmen,
grenzen angenommen werden, wenn sie auf ein Arbeitnehmerorganisationen oder eingetragenen MitSonderkonto eingezahlt werden, das nur zur Beglei- gliedsorganisationen gegründet werden. Während
chung bestimmter juristischerund Verwaltungskosten das Gesetz solchen Gruppen die Auszahlung von
verwendet werden darf. Jeder Kandidat kann femer Spendengeldern aus ihren Haushalten untersagt,
bis zu 50.000 Dollar aus seinem persönlichen Vermö- gestattet es ihnen ausdrücklich, separate Fonds einzurichten, zu verwalten und dafür um Beiträge zu
gen ausgeben.
werben, die dann Spenden vergeben können.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Bei der zweiten Art von PAC handelt es sich um ein Offenlegungspflicht
unabhängiges Gremium, ein Komitee, das nicht direkt
mit einem Kandidaten oder einer Partei, einem Unter- Politische Komitees müssen Berichte über Einnahmen
nehmen oder einer Arbeitnehmerorganisation verbun- und Ausgaben vorlegen. Das Hauptwahlkampfkomiden ist. Unabhängige Komitees sind häufig ideologi- tee eines Kandidaten, der sich nach dem Gesetz
sche Organisationen oder Gruppen, die sich auf ein qualifiziert hat, muß sich registrieren lassen und
Wahlkampffinanzierungsberichte einreichen. Das
Hauptanliegen konzentrieren.
Komitee muß seine Gesamteinnahmen und -ausgaDie Obergrenze für Spenden der PACs an das autori- ben offenlegen und darüber hinaus alle Spenden von
sierte Wahlkampfkomitee eines Kandidaten beträgt anderen politischen Komitees sowie Spenden von
entweder 5.000 Dollar pro Wahl (bei einem qualifizier- Einzelpersonen an das Komitee, die 200 Dollar im
ten Mehrkandidatenkomitee) oder 1.000 Dollar pro Kalenderjahr übersteigen, einzeln aufführen. AusgaWahl (bei anderen Komitees). Im Gegensatz zu ben müssen ebenfalls einzeln aufgeführt werden.
Einzelpersonen unterliegen politische Komitees keinem jährlichen Spendenlimit.

* *

AMERIKA DIENST 10

* *

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NACC&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue NACC-Mitglieder sollen dem Nichtverbreitungsvertrag beitreten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker beim Nordatlantischen Kooperationsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Galvin: weiterhin Interesse der USA an Engagement in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;General Galvin vor dem Streitkräfteausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GUS-Wissenschaftler&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Ziele des internationalen Wissenschaftszentrums &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kernwaffen-Know-how nicht in falsche Hände geben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. VSBM&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maresca zu VSBM-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit Botschafter Maresca&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesetze fördern fairen Wettbewerb bei den Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vergabe öffentlicher Mittel, Ausgabenüberwachung&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

11. März 1998

05

USA-DEUTSCHLAND

BESUCH VON MADELEINE ALBRIGHT
IN BONN
Erklärung der US-Außenministerin

ZUSAMMENARBEIT IM ENERGIE-, WISSENSCHAFTS- UND TECHNOLOGIEBEREICH
Presseerklärung des Energieministeriums

IRAK

JETZT LIEGT ES AM IRAK
von Madeleine Albright

NATO

DIE BEWAHRUNG VON FLEXIBILITÄT
BEI DER NATO-ERWEITERUNG
Rede von Außenministerin Albright

SICHERHEIT

GLOBALISIERUNG UND INTERNATIONALISIERUNG - HERAUSFORDERUNG UND
ANPASSUNG
Rede von Michael C. Polt

WELTWIRTSCHAFT

WACHSENDE AKZEPTANZ VON MARKTWIRTSCHAFTLICHEM KAPITALISMUS
Rede von Alan Greenspan

FRAUEN

PROGRAMME ZUR FORDERUNG DER FRAU
Übersicht des Amts für internationale Entwicklung
Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DeichmannsAue29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-DEUTSCHLAND
11. März 1998

Besuch von Madeleine Albright in Bonn
Erklärung der US-Außenministerin

BONN - (AD) - Am 8. März 1998 traf US-Außenministerin Madeleine Albright in Bonn mit ihrem deutschen
Amtskollegen, Dr. Klaus Kinkel, zusammen und erörterte mit ihm im Vorfeld des Treffens der internationalen
Kontaktgruppe in London die Lage im Kosovo sowie weitere gemeinsame Belange wie den Irak und den
Friedensprozeß im Nahen Osten. Im Anschluß an ihr Gespräch gaben Außenministerin Albright und
Außenminister Kinkel im Auswärtigen Amt eine gemeinsame Pressekonferenz. Nachfolgend veröffentlichen wir
die von Außenministerin Albright bei dieser Pressekonferenz abgegebene Erklärung.

Vielen Dank. Ich freue mich außerordentlich über
diese Gelegenheit, mit meinem Freund, Außenminister
Klaus Kinkel, zusammenzutreffen. Wie er bereits
äußerte, führen wir einen andauernden Dialog, und ich
freue mich, daß wir ihn heute fortsetzen können. Wie
stets haben wir drängende Fragen im Hinblick auf ein
breites Spektrum von Angelegenheiten zu erörtern,
und ich danke dem Außenminister ganz besonders,
daß er sich an einem Sonntag Zeit für mich genommen
hat, damit wir diese ausgezeichneten Arbeitsbeziehungen fortsetzen können.
Heute sprachen wir über unser gemeinsames Interesse an einer intensiveren Partnerschaft der Vereinigten Staaten mit einem umfassenderen Europa.
Das beinhaltet den Aufbau noch engerer Handels- und
Investitionsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa, einschließlich Deutschlands. Es
erfordert die Ausweitung unserer Institutionen auf die
neuen europäischen Demokratien. Und es setzt die
Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen europäischer Stabilität, insbesondere auf dem Balkan, voraus.
Wir sprachen über unsere gemeinsamen Bestrebungen, der wahllosen Gewalt der serbischen Sicherheitskräfte im Kosovo ein Ende zu setzen. Wir stellten die
Weichen für ein hoffentlich erfolgreiches Treffen der
Kontaktgruppe am morgigen Tag in London. Ich habe
betont, daß die Gewalt bereits Auswirkungen auf
Albanien und die ehemals jugoslawische Republik
Makedonien hatte. Jetzt ist es an der Zeit, dem
Morden ein Ende zu setzen, bevor es sich ausweitet.
Der Weg hierzu sind sofortige Aktionen gegen das
Regime in Belgrad um sicherzustellen, daß es den
Preis für den bereits von ihm angerichteten Schaden

AMERIKA DIENST 05

zahlt und um es zu ermutigen, die Probleme im Kosovo
durch Dialog und Versöhnung zu lösen.
Ich möchte heute auch den Dank der Vereinigten
Staaten für Bundeskanzler Kohls nachdrückliche,
unverzügliche Aussage zum Ausdruck bringen, in der
er die internationalen Bestrebungen im Hinblick auf
den Irak unterstützt sowie für Außenminister Kinkels
Rede zum Irak vor dem Bundestag. Darüber hinaus
sind wir äußerst dankbar für das Angebot der Bundesrepublik, Luftstützpunkte für einen möglichen militärischen Einsatz zur Verfügung zu stellen.
Wir haben heute die jüngsten Entwicklungen im Irak
erörtert. Wie bei jedem Besuch auf dieser Reise habe
ich unterstrichen, daß es noch nicht vorbei ist. Wir
haben eine Verpflichtung des Irak, uneingeschränkten
und ungehinderten Zugang zu allen verdächtigen
Anlagen zu gestatten. Aber diese Verpflichtung wird
jetzt erst auf die Probe gestellt. Und die Inspektionen
selbst sind das einzige Mittel, um die vollständige
Einhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrats durch
den Irak sicherzustellen. Sowohl die Vereinigten
Staaten als auch Deutschland bevorzugen eine
friedliche Lösung, aber aufgrund der bisherigen
Erfahrungen wäre es naiv anzunehmen, daß das
jüngste Abkommen eine solche Lösung garantiert. Wir
werden unsere Streitkräfte am Golf stationiert lassen
und zählen auf die weitere Unterstützung Deutschlands, sollten sich militärische Aktionen als notwendig
erweisen.
Ich danke Ihnen und werde jetzt gerne mit Außenminister Kinkel Ihre Fragen beantworten.

Seite 1

�USA-DEUTSCHLAND

11. März 1998

Zusammenarbeit im Energie-, Wissenschaftsund Technologiebereich
Presseerklärung des Energieministeriums

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Energieministerium herausgegebene
Presseerklärung zu dem deutsch-amerikanischen Abkommen über Zusammenarbeit auf den Gebieten
Wissenschaft, Technologie und Energiepolitik sowie gemeinsame Forschungs- und Entwicklungstätigkeit im
Bereich verschiedener nuklearer und nichtnuklearer Energietechnologien.
Das Abkommen wurde am 20. Februar 1998 von US-Energieminister Federico Pena und Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers unterzeichnet.

Vereinbarung zur Förderung von Energiesicherheit

Das Abkommen fordert Beratungen über ein breites

und Umweltzielen

Spektrum wissenschaftlicher,

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten heute
ein Abkommen über erweiterte energiepolitische
Zusammenarbeit zur Förderung von Energiesicherheit
und Umweltzielen. Der amerikanische Energieminister
Federico Pena und der Bundesminister für Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Technologie, Jürgen
Rüttgers, unterzeichneten die Vereinbarung während
einer Zusammenkunft in Washington.
"Unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Entwicklung
effizienter und umweltfreundlicher Energietechnologien
werden dazu beitragen sicherzustellen, daß der
zukünftige weltweite Energieverbrauch den Zielen des
Klimaschutzes entspricht", erklärte Energieminister
Pena. "Dieses Abkommen bietet einen Rahmen für
den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse zur
Entwicklung und Beschleunigung der Vermarktung von
Technologien."

technologischer

und

energiepolitischer Fragen sowie Zusammenarbeit bei
Forschung und Entwicklung verschiedener nuklearer
und nichtnuklearer Energietechnologien. Im Rahmen
des Abkommens können Organisationen aus Wissenschaft, Technologie und Industrie der beiden Länder
Informationen austauschen und an gemeinsamen
Projekten auf den Gebieten Umweltmanagement,
Kernspaltung und Kernfusion, Energieeffizienz und
erneuerbare Energien arbeiten.
Die Projekte sollen auch die Zusammenarbeit beim
Transport und der Entsorgung von Atommüll sowie die
Entwicklung von Computerausrüstung und Datenbanken zur Förderung der Bestrebungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen umfassen.
Im Rahmen des Abkommens wird ein gemeinsamer
Lenkungsausschuß die Aktivitäten koordinieren und
regelmäßig die bei der Erlangung der gemeinsamen
Ziele der beiden Länder gemachten Fortschritte
auswerten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 05

Seite 1

�IRAK
11. März 1998

Jetzt liegt es am Irak
von Madeleine Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von US-Außenministerin Madeleine Albright
verfaßten Artikel, der erstmals Ende Februar in der Zeitschrift Newsweek erschien.

Letzte Woche war ich auf dem Campus mehrerer
Colleges, um mit dem amerikanischen Volk über die
Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Irak zu
diskutieren. Diese Erfahrung erinnerte mich an meine
Zeit als Collegeprofessorin. In Ohio kamen wir in einer
Basketballhalle zusammen. Nach meiner Lehrtätigkeit
in Georgetown hätte ich mich erinnern sollen, wie laut
es in einer Basketballhalle sein kann!
Während meiner Reisen stellte ich große Unterstützung für unsere Irak-Politik fest, aber ich hörte auch
gute, ernsthafte Fragen. Mir scheint, daß es zwei
allgemeine Sorgen gibt: Erstens den großen Wunsch
nach einer friedlichen Beilegung der Krise. Zweitens
wünschen viele, falls sich eine friedliche Lösung als
unmöglich erweisen sollte, daß ein militärisches
Vorgehen zur Entmachtung Saddam Husseins führt.
Lassen Sie mich jeden dieser Punkte erörtern.
Präsident Clinton und sein gesamtes für die nationale
Sicherheit zuständiges Team wünschen eine friedliche,
diplomatische Lösung.
Die Vereinigten Staaten
arbeiten seit langem intensiv an der Erlangung dieses
Ziels. Letzte Woche unterstützten wir die Mission von
UN-Generalsekretär Kofi Annan in Bagdad. Wir
müssen eins jedoch ganz deutlich machen: Eine
friedliche Lösung liegt allein bei Saddam Hussein.
Unsere an eine Lösung geknüpften Bedingungen
waren und sind sehr einfach: Der Irak muß die 1991
nach dem Golfkrieg von ihm eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Saddam muß seinen Widerstand
gegen den UN-Sicherheitsrat beenden und den UNWaffeninspektoren den für ihre Arbeit erforderlichen
ungehinderten Zugang gewähren.

AMERIKA DIENST 05

Warum ist uns der Zugang für die Waffeninspektoren
so wichtig? Weil Saddam eine lange Vorgeschichte
von Aggression und Täuschung hat. Im Gegensatz zu
allen anderen Staatsmännern von heute hat er chemische Waffen gegen andere Länder und sogar gegen
sein eigenes Volk eingesetzt. Er hat zwei Kriege
angezettelt. Und er hat im Zusammenhang mit dem
irakischen Waffenprogramm immer wieder gelogen.
Wir benötigen ein strenges Inspektionsprogramm um
sicherzustellen, daß Saddam Bau und Entwicklung
dieser Waffen nicht fortsetzen kann.
Wenn Saddam sich weigert, den UN-Inspektoren
uneingeschränkten Zugang zu gewähren, sind wir zum
Einsatz militärischer Gewalt bereit, um die Bedrohung
durch ihn und seine Massenvernichtungswaffen
einzudämmen. Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern, werden wir einen schweren Schlag
ausführen, der die durch Saddams Massenvernichtungswaffen dargestellte Bedrohung beträchtlich
verringern und seine Fähigkeit zur Bedrohung seiner
Nachbarn einschränken wird.
Zweitens. Wenn die diplomatischen Bemühungen
scheitern, warum setzen wir Saddam dann nicht mit
Hilfe militärischer Gewalt ab? Die Antwort lautet: Die
durch Saddam verkörperte Bedrohung ist die Bedrohung eines mit chemischen und biologischen
Waffen ausgerüsteten Diktators, der diese Waffen in
der Vergangenheit bereits eingesetzt hat. Der Sturz
Saddams würde jedoch einen weitaus umfassenderen
Einsatz militärischer Gewalt erfordern und ein weitaus
größeres Risiko für das Leben von Amerikanern
darstellen als für die Eindämmung dieser Bedrohung
nötig ist.

Seite 1

�Manche haben vorgeschlagen, anstelle von Militärschlägen sollten wir die irakische Opposition bewaffnen und zu einem Bürgerkrieg ermutigen. Diese
Option hört sich einfach an, ist es jedoch nicht. Wir
haben in der Vergangenheit bereits mit irakischen
Gegnern Saddam Husseins zusammengearbeitet und
sind bereit, das in Zukunft noch effektiver zu tun. Die
Opposition ist derzeit jedoch gespalten, und es wäre
ein Fehler, falsche oder unhaltbare Erwartungen zu
wecken, die zu Blutvergießen und einer Niederlage
führen könnten.
Wenn Präsident Clinton Militärschläge gegen den Irak
anordnet, werden wir alles in unserer Macht Stehende
unternehmen, um den Schaden für die Zivilbevölkerung möglichst gering zu halten. Das irakische Volk
liegt uns am Herzen. Wir waren führend bei den
Bestrebungen der Vereinten Nationen, dem Irak
Ölverkäufezu gestatten, damit das Land Nahrungs-

mittel und Medikamente kaufen kann: Letzten Freitag
stimmten wir für die Verdoppelung des Umfangs
dieses Programms. Saddam ist dafür verantwortlich,
daß die Mittel des Irak für Massenvernichtungswaffen
und Paläste verschwendet wurden.
Worum geht es? Wir wollen eine friedliche Lösung,
aber sie muß von Prinzipien geleitet sein und den
Waffeninspektoren uneingeschränkten und ungehinderten Zugang gewähren. Wenn Saddam das verhindert, werden wir handeln, um der von ihm verkörperten
Bedrohung die Stirn zu bieten. Wir werden das in
einer Weise tun, die die Gefahren für das Leben von
Amerikanern und der irakischen Zivilbevölkerung so
gering wie möglich hält, und wir werden die Unterstützung von vielen Nationen auf der ganzen Welt erhalten.
Jetzt liegt es an Saddam Hussein.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 05

�NATO
11. März 1998

Die Bewahrung von Flexibilität
bei der NATO-Erweiterung
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Die NATO sollte sich ihre Flexibilität im Hinblick auf die Zahl ihrer Mitglieder und das
Tempo der Aufnahme neuer Mitglieder bewahren, erklärte US-Außenministerin Madeleine Albright am 24.
Februar 1998 bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten, die wir nachfolgend
veröffentlichen.

Herr Vorsitzender Helms, Senator Biden, verehrte
Ausschußmitglieder, es ist mir eine große Ehre, Ihnen
die Beitrittsprotokolle zum 1949 geschlossenen
Nordatlantikvertrag vorzulegen, die zu einer Aufnahme
Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik in
das Atlantische Bündnis führen werden. Wir erachten
die Ratifizierung dieser Protokolle als wesentlichen
Bestandteil einer umfassenderen Strategie zum
Aufbau eines ungeteilten, demokratischen und friedlichen Europas. Unserer Ansicht nach liegt dieses Ziel
in Amerikas ureigenem Interesse und verdient Ihre
entschiedene Unterstützung.
Wir nähern uns dem Höhepunkt eines bemerkenswerten Prozesses. Er begann vor vier Jahren, als
Präsident Clinton und seine Amtskollegen in der NATO
beschlossen, daß die Frage nicht lautet, ob die NATO
neue Mitglieder willkommen heißen wird, sondern
wann und wie das geschehen soll. Der Prozeß wurde
in Madrid fortgesetzt, wo das Bündnis nach monatelangen Untersuchungen und Beratungen übereinkam,
daß Polen, Ungarn und die Tschechische Republik die
NATO stärken werden und diese Länder alle Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllen. Er entwickelte sich vor zwei Wochen weiter, als Präsident
Clinton dem Kongreß die Dokumente vorlegte, die
diese drei Nationen mit Ihrer Zustimmung zu Amerikas
neuesten Verbündeten machen.
Herr Vorsitzender, ich möchte heute unterstreichen,
daß die Entscheidungen der Administration von Anfang
an von unseren Konsultationen mit Ihnen, diesem und
anderen Ausschüssen, der Beobachtergruppe der

AMERIKA DIENST 05

NATO sowie Ihren Kollegen in beiden Häusern des
Kongresses und beiden Parteien beeinflußt worden
sind. Während der letzten Jahre und insbesondere der
letzten Monate haben Sie dem Beratungs- und Abstimmungsprozeß echte Ratschläge gegeben. Unsere
Diskussionen sind ein Modell für die ernsthaften,
überparteilichen Gespräche, die wir mit dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk über die Rolle unserer
Nation in der Welt führen müssen.
Natürlich sprechen wir nicht zum ersten Mal über die
NATO-Erweiterung. Es ist auch nicht das erste Mal,
daß wir als Nation die Aufnahme neuer Mitglieder in
unser Bündnis in Erwägung ziehen.
Vor fast 50 Jahren übergab mein Vorgänger, Außenminister Dean Acheson, Präsident Truman das Original
des Nordatlantikvertrags. Er wies darauf hin, daß die
NATO, wenn sie wirklich effektiv sein will, offen für alle
Länder sein muß, "die demokratische Prinzipien - auf
denen der Vertrag basiert - fördern, zur Sicherheit im
nordatlantischen Raum beitragen und ... die erforderlichen Pflichten erfüllen können".
In den darauf folgenden Jahren stimmte der Senat der
Aufnahme Griechenlands, der Türkei, Deutschlands
und Spaniens in die NATO zu. Jedes Mal wurde das
Bündnis stärker. Jedes Mal wurden alte Trennlinien
überwunden. Jedes Mal wurden neue Nationen ein für
alle Mal in der Gemeinschaft der Demokratien verankert, zu deren Einigung und Schutz die NATO
besteht. Und dieses Mal wird es nicht anders sein.

Seite 1

�Dieser Augenblick ist jedoch auf eine andere Art
historisch: Wenn der Senat zustimmt, wird die NATO
erstmals die Trennlinie überschreiten, zu deren
Verteidigung und Überwindung sie gegründet wurde die Linie, die Europa einst auf so grausame und
willkürliche Weise in Ost und West teilte.
Ich bin sicher, daß einige von Ihnen während des
Kalten Krieges die befremdliche Erfahrung machten,
diese Trennlinie aus der Nähe zu sehen. Dort waren
Bunker und Stacheldraht, Minenfelder und Soldaten in
Wachtürmen, die einen ins Fadenkreuz nahmen. Auf
der einen Seite waren die Menschen frei und lebten in
souveränen Ländern. Auf der anderen waren Menschen, die frei sein wollten und in Ländern lebten, die
vom Kommunismus unterdrückt wurden.
Wenn man heute im Zentrum Europas ist, braucht man
seine ganze Fantasie, um diese Bilder der jüngsten
Vergangenheit heraufzubeschwören. Es gibt natürlich
immer noch Grenzen, aber sie dienen dazu, den Strom
von Lastwagen und Reisebussen zu lenken, nicht um
Truppen oder Panzern Einhalt zu gebieten. Auf beiden
Seiten haben die Menschen das Wahlrecht und
Redefreiheit, können frei kaufen und verkaufen.
Regierungen arbeiten zusammen. Soldaten üben und
dienen zusammen. Das Erbe der Vergangenheit ist
östlich der alten Trennlinie immer noch sichtbar, aber
bei den wichtigen Dingen unterscheiden sich die
neuen Demokratien nicht mehr von ihren westlichen
Nachbarn.
Wir sind heute hier, weil der Status quo in Europa
durch das geopolitische Äquivalent eines Erdbebens
erschüttert wurde. Dieses Erdbeben konfrontierte uns
mit einer doppelten Herausforderung: Erstens, ein
günstiges Sicherheitsumfeld für das nächste Jahrhundert zu bewahren und zweitens, die Chance zum
Aufbau eines ungeteilten und freien Europas zu
ergreifen.
Bei der Bewältigung dieser Herausforderung sah sich
die NATO mit einer eindeutigen Entscheidung konfrontiert: Würde unser Bündnis die letzte Institution in
Europa sein, die dem Eisernen Vorhang Bedeutung
beimißt? Oder würde es die Wiedervereinigung und
Erneuerung Europas unterstützen? Würde es eine
ganze Gruppe beitrittsfähiger Demokratien aus seinen
Reihen ausschließen, nur weil diese in der Vergangenheit unterdrückt wurden? Oder würde es offen für die
freien Nationen sein, die zur Übernahme der Pflichten
einer Mitgliedschaft willens und bereit sind und zu
unserer Sicherheit beitragen?
Meines Erachtens hat die NATO die richtige Entscheidung getroffen. Ihr Beschluß über die Aufnahme
neuer Mitglieder wird Amerika sicherer, das Bündnis
stärker und Europa stabiler und geeinter machen.

Seite 2

Wir sind uns bewußt, Herr Vorsitzender, daß die
Entscheidung für die Erweiterung der NATO Auswirkungen auf unsere Sicherheit hat, die sorgfältig
erwogen werden müssen. Sie beinhaltet feierliche
Verpflichtungen. Sie ist nicht kostenlos. Sie ist nur
gerechtfertigt, wenn sie die strategischen Interessen
Amerikas fördert.
Vergangenen Oktober hatte ich die Gelegenheit, Ihnen
Gründe vorzulegen, warum eine erweiterte NATO
unseren Interessen dient. Ich werde heute versuchen,
diese kurz zusammenzufassen und mich dann auf die
noch bestehenden Fragen und Anliegen zu konzentrieren.
Erstens wird eine erweiterte NATO Amerika sicherer
machen, indem sie das Gebiet in Europa vergrößert, in
dem es keine Kriege gibt. Indem wir deutlich machen,
daß wir notfalls zur Verteidigung unserer neuen
Verbündeten kämpfen werden, machen wir es weniger
wahrscheinlich, daß wir dies je müssen.
Ist Zentraleuropa heute in unmittelbarer Gefahr? Das
ist nicht der Fall. Können wir jedoch mit Sicherheit
sagen, daß unser Interesse an seiner Sicherheit nie
bedroht wird? Die Geschichte und die Erfahrung
erlauben uns diese Aussage nicht.
Schließlich besteht ganz offensichtlich das Risiko
ethnischer Konflikte. Verbrecherische Staaten mit
gefährlichen Waffen stellen eine wachsende Gefahr
dar. Es gibt immer noch Fragen über die Zukunft
Rußlands. Was die Zukunft auch bereithalten mag,
liegt es wohl kaum in unserem Interesse, daß es im
Herzen Europas eine Gruppe angreifbarer und
ausgeschlossener Staaten gibt. Es ist in unserem
Interesse, ein lebendiges und erweitertes Bündnis mit
den europäischen Demokratien zu schließen, die
unsere Werte und unsere Entschlossenheit zu ihrer
Verteidigung teilen.
Ein zweiter Grund ist, daß die bloße Aussicht auf eine
größere NATO den Nationen Zentral- und Osteuropas
einen Anreiz zur Lösung ihrer Probleme gegeben hat.
Um der NATO beitreten zu können, haben beitrittswillige Verbündete ihre demokratischen Institutionen
gestärkt, die Respektierung von Minderheitenrechten
verbessert, die zivile Kontrolle über das Militär verstärkt und praktisch alle alten Grenz- und ethnischen
Streitigkeiten in der Region beigelegt. Diese Art von
Fortschritt kann gewährleisten, daß außenstehende
Staaten nie wieder in Konflikte in dieser Region
hineingezogen werden. Diese Art von Fortschritt wird
anhalten, wenn der Senat Ja zu einer erweiterten
NATO sagt.
Ein dritter Grund, warum die Erweiterung erwiesenermaßen im nationalen Interesse liegt, ist, daß sie Stärke
und Zusammenhalt der NATO erhöht. Unsere potentiellen Verbündeten engagieren sich entschlossen für

AMERIKA DIENST 05

�die NATO. Die Erfahrung hat sie gelehrt, an eine
starke Rolle der Vereinigten Staaten in Europa zu
glauben. Ihre Streitkräfte haben vom Golfkrieg bis
Bosnien an der Seite unserer Truppen ihr Leben
riskiert. Sie werden dem Bündnis zusätzliche strategische Stärke verleihen, ganz zu schweigen von den
mehr als 200.000 Soldaten.
Vor zwei Wochen war der polnische Außenminister
Geremek mit seinen tschechischen und ungarischen
Amtskollegen in Washington, wo er gefragt wurde, ob
sein Land der NATO beitreten möchte. Er erwiderte,
Polen wolle endlich in den Institutionen der transatlantischen Gemeinschaft verankert werden. Er
erklärte: "Wir verdanken Amerika diese Wiederbelebung der Bindung Polens an den Westen... Mit
anderen Worten, wir verdanken den Vereinigten
Staaten unsere Freiheit."
Herr Vorsitzender, wir wollen nicht vergessen, daß
diese Länder der Übernahme schwerer Pflichten der
NATO-Mitgliedschaft nicht als Belastung, sondern als
Chance entgegensehen. Sie betrachten dies als eine
Möglichkeit, der Welt zu zeigen, daß sie jetzt reife,
fähige Demokratien sowie willens, bereit und in der
Lage sind, der Gemeinschaft der Freiheit etwas
zurückzugeben, die ihnen in den Jahren der Dunkelheit zur Seite stand.
Dieser Punkt sollte für uns heute besonders wichtig
sein. Unsere Nation beteiligt sich derzeit an den
Bestrebungen, die Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats durch den Irak sicherzustellen. Wir
haben in dieser gerechten Sache die Unterstützung
anderer Nationen gewonnen. Als ich vor zwei Wochen
mit den Außenministern unserer angehenden Verbündeten zusammentraf, bat ich sie, uns zur Seite zu
stehen. Ihre Antwort kam umgehend und überzeugt.
Wenn wir militärische Maßnahmen ergreifen müssen,
werden sie uns zur Seite stehen.
Das Wichtigste ist, daß sich Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik bereits wie loyale Verbündete
verhalten. Ich habe keinen Zweifel, daß sie sich in
Zukunft als gute Verbündete erweisen werden.
Dennoch bin ich mir bewußt, daß es immer noch
ernsthafte Kritiker gibt, die legitime Fragen über unsere
Politik stellen. Wir haben uns bereits mit diesen
Fragen befaßt, und ich möchte heute einige davon
ansprechen.
Manche dieser Anliegen betreffen die möglichen
Kosten einer erweiterten NATO. Als ich das letzte Mal
hier war, Herr Vorsitzender, konnten wir nur von
Schätzungen sprechen, denn die NATO hatte sich in
dieser Frage noch nicht geeinigt. Jetzt haben sich alle
16 Mitgliedstaaten auf die Zahlen verständigt und sie
durch Verpflichtungen untermauert. Wir wissen heute,

AMERIKA DIENST 05

daß die Kosten real sind, aber bewältigt werden
können, daß sie gedeckt und gerecht geteilt werden.
Einige dieser Kosten werden von unseren drei neuen
Verbündeten getragen. Ich weiß, daß manche argumentiert haben, diese neuen Demokratien sollten nicht
um die Übernahme zusätzlicher militärischer Lasten
gebeten werden, während sie noch schwierige wirtschaftliche Veränderungen vornehmen. Aber diese
Nationen werden ihre Streitkräfte auf jeden Fall
modernisieren, und ihren eigenen Aussagen zufolge ist
das langfristig innerhalb der NATO billiger als außerhalb.
Letztlich können nur die Bürger dieser Länder entscheiden, was für ihre Zukunft das Beste ist. Heute
wird in allen drei Ländern die NATO-Mitgliedschaft
durch eine solide Mehrheit in der Öffentlichkeit und
jede große Partei unterstützt. Alle drei Nationen haben
wachsende Volkswirtschaften. Alle drei bauen stärkere, schlankere, professionellere Streitkräfte auf. Sie
sagen uns, daß sie keinen Widerspruch zwischen
Sicherheit und Wohlstand sehen, und wir sollten ihnen
nicht unsere Ansichten aufdrängen.
Manche machen sich Sorgen, die Kosten einer
erweiterten NATO würden sich für uns und unsere
Verbündeten als weitaus höher erweisen als das
Bündnis prognostizierte.
Diese Angst gründet teilweise auf der natürlichen
Überzeugung, daß Regierungen zu einer manchmal
gravierenden und bisweilen absichtlichen Unterschätzung der Kosten neigen. Das ist bei der NATO jedoch
nicht der Fall. Unser Beitrag zur NATO ist ein fester
Haushaltsposten, kein zeitlich unbegrenzter Anspruch.
Die Finanzierung erfolgt jedes Jahr neu und untersteht
unserer Kontrolle. Die NATO ist noch nie durch einen
Nachtragshaushalt finanziert worden.
Diese Angst gründet teilweise auch auf der Annahme,
daß wir irgendwann auf eine militärische Bedrohung
unserer neuen Verbündeten reagieren müssen. Wenn
wir zur Verteidigung unserer neuen Verbündeten
Truppen entsenden müssen, werden die Kosten
zweifelsohne ansteigen. Sollte eine solche unheilvolle
Bedrohung entstehen, werden die Kosten unseres
gesamten Verteidigungshaushalts steigen, ob wir die
NATO erweitern oder nicht. Wenn Sie ebenso wie ich
der Überzeugung sind, daß wir ein Sicherheitsinteresse am Schicksal dieser Länder haben, dann besteht
der effektivste - und kostengünstigste - Weg zum
Schutz dieser Interessen darin, diese Länder jetzt zu
unseren Verbündeten zu machen. Der tschechische
Präsident Havel erklärte zu Recht: "Selbst die teuerste
präventive Sicherheit ist billiger als der billigste Krieg."
Eine andere Sorge, die ich heute ansprechen möchte,
ist, daß die Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO die
Effektivität des Bündnisses verringern und die Ent-

Seite 3

�scheidungsfindung erschweren könnte - mit anderen
Worten, daß sie die NATO schwächen könnte. Wir
betreiben die NATO-Erweiterung jedoch so, daß sie
das Bündnis stärkt, nicht schwächt.
Aus diesem Grund bestehen wir darauf, daß jede
Nation, die der NATO beitreten möchte, die vom
damaligen Verteidigungsminister Perry 1995 formulierten strengen Bedingungen erfüllen muß: Die Nationen
müssen marktwirtschaftliche Demokratien mit einer
zivilen Kontrolle des Militärs sein, gute Beziehungen zu
ihren Nachbarn unterhalten und über die Fähigkeit
verfügen, einen Beitrag zur NATO-Mission kollektiver
Verteidigung zu leisten. Aus diesem Grund bestand
Präsident Clinton beim NATO-Gipfel vergangenen
Juli in Madrid darauf, daß nur die stärksten Kandidaten
zu dieser ersten Beitrittsrunde eingeladen werden.
Wie Sie wissen, war der Präsident sowohl im In- als
auch im Ausland Druck ausgesetzt, seine Zustimmung
zu vier oder fünf neuen Verbündeten zu geben. Er
stimmte für die Aufnahme von drei Mitgliedern, weil wir
zur Wahrung von Integrität und Stärke der NATO
entschlossen sind.
Letzten Endes kommt es auf die Wirksamkeit der
NATO-Aktionen an. Wir müssen zuversichtlich sein,
daß unsere Verbündeten uns entschlossen zur Seite
stehen, wenn es hart auf hart kommt. Wir wollen eins
nicht vergessen: Als wir Polen, Ungarn und die
Tschechische Republik um Beistand in der Golfregion
baten, zögerten sich nicht. Als wir sie baten, ihre
Soldaten in Bosnien einem Risiko auszusetzen,
zögerten sie nicht. Als wir Ungarn um die Öffnung
seiner Militärstützpunkte für amerikanische Truppen
baten, damit diese sicher nach Bosnien entsandt
werden konnten, zögerte das Land nicht.
Die NATO ist ein Militärbündnis, kein gesellschaftlicher
Club. Aber sie ist auch keine durch Inzucht erzeugte
Aristokratie. Wir müssen klug genug sein, ausgewählte neue Mitglieder aufzunehmen, aber auch klug
genug, solche Mitglieder aufzunehmen, die unsere
eigene Sicherheit erhöhen. Bei diesen drei Ländern ist
das der Fall. Bei anderen könnte das in Zukunft
zutreffen.
Das wirft wiederum eine andere Frage auf, die meines
Wissens eine Reihe von Senatoren beschäftigt: Wohin
wird uns dieser Prozeß führen, und was geschieht mit
den Ländern, die jetzt nicht zum Beitritt eingeladen
werden?
Ein Teil der Antwort findet sich im NATO-Programm
Partnerschaft für den Frieden sowie im neuen EuroAtlantischen Partnerschaftsrat.
Durch diese Einrichtungen kann praktisch jede Nation von Armenien
bis Finnland gemeinsam mit der NATO handeln und an
der Gestaltung der Übungen und Missionen mitwirken,
die wir zusammen mit ihnen durchführen.

Seite 4

Ein ebenso wichtiger Teil der Antwort findet sich in der
Verpflichtung der NATO, ihre Tür für weitere Mitglieder
offen zu halten. Dies ist der Kern der Logik einer
erweiterten NATO. Schließlich verfolgen wir eine
solche Politik, weil wir der Überzeugung sind, daß die
NATO willkürliche Trennlinien in Europa nicht respektieren kann und nicht fortbestehen lassen darf. Es
nützt uns nichts, ein Land als künftigen Verbündeten
abzulehnen, wenn es wichtig für unsere Sicherheit ist
und unter Beweis stellt, daß es willens und bereit ist,
einen Beitrag zu unserer Sicherheit zu leisten.
Ich möchte ganz klar sagen, daß wir keine Entscheidung getroffen haben, wer die nächsten neuen NATOMitglieder sein sollten oder wann sie beitreten dürfen.
Wir sollten der Zukunft gegenüber jedoch eine gewisse
Bescheidenheit an den Tag legen.
Wieviele Menschen hätten 1949 vorausgesagt, daß
Deutschland bald der NATO angehören würde? Wer
hätte 1988 wissen können, daß in nur 10 Jahren die
Mitglieder des Warschauer Pakts dem Bündnis
beitreten können? Wer kann heute sagen, wie Europa
in einigen Jahren aussehen wird? Dies ist nur ein
Grund, warum wir unsere Flexibilität bewahren wollen und die derjenigen, die das Bündnis in den kommenden Jahren führen werden.
Manche machen jetzt den Vorschlag, den Erweiterungsprozeß für beliebig viele Jahre einzufrieren.
Einige sagten ganz offen, ihr wirkliches Ziel sei es, den
Prozeß für immer einzufrieren. Ich möchte mich ganz
klar ausdrücken: Diese Administration ist gegen
jegliche Bestrebungen des Senats, eine künstliche
Pause des NATO-Erweiterungsprozesses vorzuschreiben.
Im Juli vergangenen Jahres machten Präsident Clinton
und ich die außergewöhnliche Erfahrung, ganz Zentralund Osteuropa zu bereisen. In diesen Ländern, die
nicht zum NATO-Beitritt eingeladen wurden, trafen wir
auf begeisterte Menschenmengen und führende
Politiker, die die vom Bündnis in Madrid getroffenen
Entscheidungen unterstützen. Sie wissen, daß sie vor
einem möglichen Beitritt noch einen langen Weg vor
sich haben. Aber allein die Aussicht auf einen Beitritt
veranlaßte sie zur Beschleunigung von Reformen,
Einbeziehung ihrer Nachbarn und Ablehnung des
destruktiven Nationalismus der Vergangenheit ihrer
Region.
Eine Zwangspause würde von Tallinn im Norden bis
Sofia im Süden wie das Zuschlagen einer Türe
vernommen. Sie würde wie ein Mißtrauensvotum
gegen die reformorientierten Regierungen vom
Baltikum bis zum Balkan erscheinen. Sie würde als
Anzeichen dafür ausgelegt, daß wir diese Länder
abgeschrieben haben und den Anreiz für sie verringern, mit ihren Nachbarn und der NATO zusammenzuarbeiten. Sie würde den von der NATO erreichten

AMERIKA DIENST 05

�Konsens zerstören, ihre Tür offen zu lassen. Sie wäre
gleichermaßen gefährlich und völlig unnötig, da der
Senat auf jeden Fall die Aufnahme sämtlicher neuer
Mitglieder billigen müßte. Sie würde das Ziel der
NATO-Erweiterung zunichte machen.

Eine beunruhigendere Perzeption ist, daß der russische Widerstand gegen die Erweiterung - sei er
gerechtfertigt oder nicht - unseren Beziehungen zu
Moskau schadet. Aber um es nochmals zu wiederholen - die Realität sieht anders aus.

Herr Vorsitzender, ich möchte noch kurz auf ein
wichtiges Anliegen zu sprechen kommen - die Auswirkungen einer erweiterten NATO auf Rußland und
unsere Beziehungen zu diesem Land. Ich betone, daß
dieses Anliegen sich vornehmlich auf Perzeptionen
bezieht, nicht auf die Realität. Und obwohl Perzeptionen wichtig sind, muß unsere Politik sich an dem
orientieren, was unseres Wissens wahr ist.

Ich habe im vergangenen Jahr viel Zeit damit verbracht, mit meinem russischen Amtskollegen, Außenminister Primakow, und anderen russischen Politikern
zu reden. Ich kann Ihnen versichern, daß das Thema
der Erweiterung diese Diskussionen nicht überschattet.
Meines Erachtens entwickeln sich unsere Beziehungen entsprechend ihrem eigenen Rhythmus und ihren
eigenen Prioritäten, und wir haben in einigen Schlüsselbereichen beträchtliche Fortschritte erzielt.

Beispielsweise ist es eine weit verbreitete Auffassung,
daß wir die NATO, ihre Panzer, Bomber und sogar ihre
Nuklearwaffen direkt an Rußlands Grenze verlagern
und Rußland daher Grund hat, sich durch eine erweiterte NATO bedroht zu fühlen. Die Realität sieht
ganz anders aus.
Es geht hier nicht um Nähe. Rußland und die NATO
haben seit 1949 eine gemeinsame Grenze - das ist
weder für Rußland noch für Norwegen etwas Neues.
Es gibt keine Spannungen an der Grenze zwischen
Polen und der russischen Enklave Kaliningrad an der
Ostseeküste. Ungarn und die Tschechische Republik
liegen mittlerweile näher an Frankreich als am nächsten Punkt russischen Bodens.
Was die Waffen betrifft, hat die NATO bekanntgegeben, daß sie im derzeitigen und vorhersehbaren
Sicherheitsumfeld weder den Plan noch die Notwendigkeit oder Absicht hat, Nuklearwaffen in den neuen
Mitgliedstaaten zu stationieren und auch keine dauerhafte Stationierung einer beträchtlichen Zahl von
Kampftruppen in Betracht zieht. Ebenso wichtig ist,
daß die Aussicht auf eine NATO-Mitgliedschaft
unseren zukünftigen Verbündeten das Vertrauen
gegeben hat, Aufrüstung zu vermeiden und konstruktiv
an niedrigeren Obergrenzen für konventionelle
Streitkräfte zu arbeiten. Ihre Beziehungen zu Rußland
sind heute normaler und kooperativer als zu jedem
anderen Zeitpunkt der Geschichte.
Wenn wir die NATO nicht erweitern, könnte genau das
Gegenteil passieren. Die zentraleuropäischen Nationen würden sich isoliert und unsicher fühlen. Sie
würden zweifelsohne mehr für die Verteidigung
ausgeben und könnten regionale Rüstungskontrolle
ablehnen. Wie Senator Biden ausgeführt hat, würden
sie wahrscheinlich ihre eigenen gegenseitigen Sicherheitsarrangements treffen, die sehr gut antirussisch sein könnten. Ironischerweise sind die Probleme, die eine erweiterte NATO Rußlands Befürchtungen zufolge schaffen würde, genau die Probleme,
die eine erweiterte NATO vermeiden wird.

AMERIKA DIENST 05

Der neue Ständige Gemeinsame NATO-Rußland-Rat
wurde gegründet und hat seine Tätigkeit aufgenommen. Rußland beteiligt sich an der Partnerschaft für
den Frieden. Unsere Soldaten und Diplomaten
arbeiten in Bosnien zusammen. Rußland war beim
Gipfel der Acht im vergangenen Jahr in Denver ein
vollwertiger Partner, und wir sind dem Land bei den
Vorbereitungen für die Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation behilflich. Mit unserer Unterstützung hat Rußland den Weg zu wirtschaftlichen und
demokratischen Reformen fortgesetzt.
Auch bei der Rüstungskontrolle erzielen wir Fortschritte: Rußland ist mit der Zerlegung von Nuklearwaffen gemäß dem START I-Vertrag ein Jahr voraus. Wir
unterzeichneten das START Il-Protokoll, das den Weg
zur nächsten Phase der Reduzierung strategischer
Waffen ebnet und, wie wir hoffen, die Ratifizierung des
Vertrags durch Rußland beschleunigt.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin haben sich auf die Grundzüge eines START Ill-Vertrags geeinigt, der die
strategischen Arsenale mit Inkrafttreten von START II
um 80 Prozent ihres Höchststands im Kalten Krieg
verringern würde. Rußland ist unserem Beispiel beim
Verbot von Atomtests ebenso gefolgt wie bei der
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Wir haben
mit der Anpassung des Vertrags über konventionelle
Streitkräfte in Europa begonnen.
Wir arbeiten ferner mit Rußland bei der Verbesserung
der Sicherheit von Nuklearwaffen und -material
zusammen und nutzen die Programme, die im NunnLugar-Gesetz erstmals festgeschrieben wurden. Wir
sind Rußland bei der Einstellung der Produktion von
waffenfähigem Plutonium behilflich. Und während wir
sprechen, helfen unsere Experten beim Bau sicherer
und gesicherter Lagereinrichtungen für Tonnen von
spaltbarem Material und bei der Verbesserung der
Sicherheit von Nuklearwaffenlagern in ganz Rußland.
Ich möchte hier nicht vorgeben, alles sei perfekt bei
unseren Beziehungen zu Rußland. Wir sind offen
gesagt besorgt über die langsame Ratifizierung von
START II. Wir machen uns ernste Sorgen über

Seite 5

�Rußlands Beziehungen zum Iran. Unsere Perspektiven bezüglich des Irak unterscheiden sich ebenfalls,
obwohl wir hinsichtlich des grundlegenden Ziels der
vollständigen Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak völlig übereinstimmen.
Wir sollten jedoch folgendes eindeutig klarstellen: Es
ist ein großer Fehler zu denken, daß uns Rußland
jedes Mal, wenn es etwas tut, was uns nicht gefällt,
dafür "bestrafen" will, daß wir Ungarn oder Polen in die
NATO aufnehmen.
Unsere Meinungsverschiedenheiten mit Rußland,
insbesondere im Hinblick auf den Nahen Osten und
den Golf, sind aufgrund der Art und Weise entstanden,
in der Rußland seine nationalen Interessen in diesem
Teil der Welt definiert. Diese Differenzen bestanden
lange vor der Entscheidung der NATO für die Erweiterung. Wenn der Senat die Erweiterung ablehnt,
würde das unsere Differenzen nicht aus dem Weg
räumen. Wir würden jedoch drei Nationen den Rücken
kehren, die uns im Fall von Irak, Iran und bei einer
Reihe von Sicherheitsproblemen zur Seite standen, die
für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind.
Herr Vorsitzender, meiner Ansicht nach steht hier sehr
viel mehr auf dem Spiel. Die Kritiker, die sich auf
Rußlands Widerstand gegen die Erweiterung konzentrieren, gehen davon aus, daß Rußland seine nationalen Interessen stets auf eine unsere Interessen
schädigende Weise definiert. Diese Stimmen nehmen
an, daß Rußland immer durch den Wunsch seiner
ehemaligen Satelliten bedroht und gedemütigt wird,
ihren eigenen Weg zu gehen und das Land nie über
das Ende seines Imperiums hinwegkommt. Sie sagen,
wir sollten realistisch sein und dies akzeptieren. Sie
möchten, daß wir Rußlands Nachbarn bitten, ihre
rechtmäßigen
Bestrebungen
zugunsten
der
amerikanisch-russischen Zusammenarbeit auf unbegrenzte Zeit aufzugeben.
Meines Erachtens werden diese Annahmen Rußland
nicht gerecht. Meines Erachtens ignorieren sie die
Fortschritte, die wir erzielt haben und die Rußland
dabei erzielt hat, eine radikal veränderte Welt zu
akzeptieren.
Ich bin zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten eine
echte Partnerschaft mit einem neuen Rußland aufbauen können. Aber die von uns angestrebte Partnerschaft kann nicht erkauft werden, indem man einem
Dutzend europäischer Länder das Recht zur NATOMitgliedschaft verweigert. Eine auf einem unrechtmäßigen moralischen Kompromiß aufgebaute Partnerschaft wäre nicht echt und hätte keinen Bestand.
Ich bin auch zuversichtlich, daß Rußland bei seinen
Bestrebungen Erfolg haben kann, eine wohlhabende,
stabile Demokratie zu werden - daß das Land eine
normale Macht wird, die ihrer Größe durch Zusammen-

Seite 6

arbeit mit anderen bei der Gestaltung einer gerechteren und rechtmäßigen Welt Ausdruck verleiht. Diese
Umgestaltung wird nur verzögert, wenn wir Rußland
Grund zu der Annahme geben, daß es seine Größe
immer noch auf Kosten seiner Nachbarn in Zentraleuropa behaupten kann. Fortschritte sind sehr viel
leichter möglich, wenn Rußland erkennt, daß dieselben
Regeln für jeden Teil Europas gelten; daß Polen sich
nicht von Portugal unterscheidet, wenn es um das
Recht geht, sein Schicksal selbst in die Hand zu
nehmen.
Herr Vorsitzender, aus all diesen und anderen
Gründen glaube ich, daß die vor uns liegende Entscheidung sehr viel beinhaltet - sehr viel mehr als die
unmittelbare Zukunft Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik. Sie beinhaltet die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten, die Zukunft eines
ungeteilten Europas, die Zukunft Rußlands und den
Charakter unserer Beziehungen zu diesem Land.
In gewisser Weise beinhaltet sie die grundlegendste
Frage unserer Außenpolitik: Wie vermeiden wir Krieg
und bewahren einen von Prinzipien geleiteten Frieden?
Für einige scheint sich die Antwort um Schlagworte wie
Globalisierung und die naive Hoffnung zu drehen, daß
Menschen, die Handel treiben und E-mails austauschen, nicht kämpfen. Aber ich glaube nicht, daß wir
unsere Zukunft auf eine solche Annahme setzen
können. Dies ist immer noch eine gefährliche Welt.
Wir müssen weiterhin wachsam und stark sein militärisch und wirtschaftlich. Wir müssen auf die
Bewahrung der herzlichen Beziehungen zwischen den
Großmächten hinarbeiten, die den Versprechungen
unseres Zeitalters Glanz verleihen.
Gleichzeitig
können wir nicht davon ausgehen, daß die Diplomatie
der Großmächte allein in Zukunft die friedlichen
Bedingungen herbeiführen wird, die sie in der Vergangenheit so häufig nicht schaffen konnte.
Aus diesem Grund müssen wir auch die bewährten
Bündnisse und Institutionen stärken, die für große und
kleine Nationen gleichermaßen Ordnung und Sicherheit auf der Grundlage von Realismus und
Rechtsstaatlichkeit bieten.
Institutionen, die Aggression abschrecken und uns die Mittel an die Hand
geben, Unterstützung zu mobilisieren, wenn Abschreckung versagt.
Das tut die NATO. Aus diesem Grund entschieden wir
uns für ihre Beibehaltung nach dem Ende des Kalten
Kriegs. Aus diesem Grund entschieden wir uns für ihre
Erweiterung. Aus diesem Grund danke ich Ihnen, Herr
Vorsitzender, und den Ausschußmitgliedern heute für
die Zusammenarbeit mit uns, um diesen Tag Möglichkeit werden zu lassen.

AMERIKA DIENST 05

�Ich danke Ihnen und dem Ausschuß für die Zeit und
die Anstrengungen, die Sie für diese elementare
Entscheidung aufgewandt haben. Die Debatte über
die NATO-Erweiterung stand nicht immer im Rampenlicht. Es geht nicht darum, auf die augenblickliche
Krise zu reagieren, es geht um das weniger attraktive,
weniger Schlagzeilen machende Geschäft der Verhinderung zukünftiger Krisen.
Diese Entscheidung
erfordert die ungeteilte Aufmerksamkeit für die langfristigen Herausforderungen, mit denen sich unser

Land konfrontiert sieht. Und das haben Sie getan - mit
der Betonung auf Patriotismus, nicht Parteilichkeit.
Ich danke Ihnen dafür, daß Sie diesen Ausschuß und
den Senat insgesamt zu unserem vollwertigen Partner
bei der Schaffung einer größeren, stärkeren, besseren
NATO gemacht haben. Ich sehe Ihren Fragen heute
und in den kommenden Tagen erwartungsvoll entgegen.

* * *

AMERIKA DIENST 05

Seite 7

�SICHERHEIT
11. März 1998

Globalisierung und Internationalisierung Herausforderung und Anpassung
Rede von Michael C. Polt

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, bei der Wehrtechnik-Konferenz am 5. März
1998 in Bonn.

Ich freue mich über die Gelegenheit, heute an diesem
Forum teilnehmen zu dürfen und bin besonders
dankbar, daß Sie mir sozusagen das letzte Wort
gegeben haben.
Ich werde nicht versuchen, den heutigen Nachmittag
zusammenzufassen, an dem Sie eine Vielzahl sehr
interessanter Gedanken und Ideen über einige der
detaillierten Fragen transatlantischer Sicherheit
spezifisch zum Thema Rüstung und Rüstungsmarkt
gehört haben.
Im Prinzip möchte ich von diesem Thema etwas
abweichen und den größeren Kontext betrachten, in
dem wir die gesamte Palette globaler Sicherheitsfragen am Vorabend des neuen Jahrhunderts angehen. In dieser Palette steckt natürlich auch die
Frage der zukünftigen Rüstung und ihrer Kosten. Wie
Sie wissen hat das Ende des Kalten Krieges die
Trennlinien zwischen politischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Fragen verwischt. Es wird
immer schwieriger, ein Thema vom anderen zu
trennen oder Probleme auszuklammern und separat
zu lösen. Solche Unterteilungen sind zweifelsohne
immer weniger angebracht.
Die sogenannte Paradigmenverlagerung bedeutet, daß
wir unsere Vorgehensweise verändern. Tatsächlich
schaffen wir einen Rahmen für die Art und Weise, wie
wir im nächsten Jahrhundert vorgehen müssen. Sie
haben vielleicht von den Memoiren Dean Achesons
gehört, der am Ende des Zweiten Weltkriegs
US-Außenminister war. Er gab ihnen den Titel "Present at the Creation" (ungefähr: Ich war von Anfang an
dabei), denn zur damaligen Zeit wurde der Rahmen für
die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gestaltet.

AMERIKA DIENST 05

Im Augenblick durchleben wir eine ähnliche Zeit der
Erneuerung. Wir sehen uns einem völlig anderen
Kontext gegenüber als vor 20 oder auch nur 10
Jahren. Sie können das spüren, wenn in den Nachrichten von freien Wahlen in einer der neuen Demokratien berichtet wird. Dieser neue Kontext ist womöglich
noch greifbarer, wenn man sich die schrumpfenden
Mittel der Verteidigungsministerien betrachtet. Ich
persönlich spüre das an der Art, wie sich meine Arbeit
verändert hat. Ich befasse mich mit immer mehr
Themen, die früher den "Experten" auf so "exotischen"
Gebieten wie Umweltschutz, Telekommunikation oder
Gentechnologie vorbehalten waren.
Es entsteht ein Mosaik von Themen. Damit dieses
Mosaik Sinn ergibt, müssen die Themen strukturiert
und geordnet werden.
Ich habe bereits eines dieser Themen erwähnt "creation". Zweifelsohne brachte das Ende des Kalten
Krieges weitaus mehr mit sich als die Zerstörung
totalitärer Systeme und die Beendigung der
Ost-West-Konfrontation.
Sie machte viele neue,
positive Dinge möglich.
Marktwirtschaften überwanden die Trägheit
zentralistischer Planung.
Die Tyrannei einer einzigen Partei wurde
durch den Marktplatz von Ideen ersetzt - die
Demokratie.
Das Konzept von Europa wurde bereichert
und ausgebaut, um seit Jahrzehnten ausgeschlossene Kulturen und Völker einzubeziehen.

Seite 1

�All diese Dinge schufen ein neues Gesamtbild - eine
engagiertere transatlantische Gemeinschaft in einem
größeren Europa.
Dieser größere Kontext ist von Bedeutung, wenn wir
Fragen wie die Erweiterung der NATO und der Europäischen Union erörtern. Ihr Altbundespräsident
Richard von Weizsäcker formulierte es treffend, als er
sagte, wir sollten nicht von einer Erweiterung dieser
Institutionen sprechen, sondern von der "Vollendung
Europas".
Die Vollendung Europas ist in vielerlei Weise ein
zeitlich unbegrenztes Konzept.
Obwohl sie auf
Sicherheitsebene bedeutet, neue Mitglieder zum
NATO-Beitritt einzuladen und die Tür offen zu lassen,
steht sie auch für ein neues Verständnis zwischen der
NATO und Rußland. Sie beinhaltet die Schaffung
einer besonderen Partnerschaft mit der Ukraine, die
die strategische Bedeutung dieses Landes in dem
neuen Europa reflektiert. Die Vollendung Europas ist
natürlich auch in hohem Maße der von der EU unternommene revolutionäre Schritt zur Wirtschafts- und
Währungsunion, zu verstärkter regionaler Zusammenarbeit in Nordosteuropa bei der Bekämpfung des
organisierten Verbrechens und die Gewährleistung,
daß die Türkei fest in Europa verankert ist.
Unsere gemeinsame Vision ist ein wahrhaft integriertes transatlantisches Sicherheitssystem, dem alle
Demokratien Europas angehören, einschließlich
derjenigen, die keine NATO-Mitgliedschaft anstreben
oder die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen. Aus
diesem Grund haben wir das Programm Partnerschaft
für den Frieden erweitert, um es stärker an die Verteidigungsplanung des Bündnisses anzupassen. Ferner
gründeten wir den Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat
als dynamischeres Forum für die Koordinierung
gemeinsamer Aktionen von NATO-Mitgliedstaaten und
-Nichtmitgliedstaaten. Diese von der NATO unternommenen Schritte werden natürlich sowohl durch die
Entscheidung der Europäischen Union zur Erweiterung
verstärkt als auch durch unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Stärkung der Rolle der OSZE.
Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der europäischen Verbündeten ist ein weiteres wichtiges Ziel.
Wann und wie das geschehen soll, ist eine der komplexesten Debatten der vergangenen 20 Jahre
gewesen.
Eine Schlüsselaufgabe besteht darin
sicherzustellen, daß eine europäische Verteidigungssäule eine wachsende Rolle im Atlantischen Bündnis
spielt.
Im Juni 1995 einigte man sich auf die Grundlagen für
diese Bestrebungen. Das Berlin-Kommunique der
NATO sieht vor, daß die NATO und die WEU gemeinsam Missionen planen, die von den europäischen
Verbündeten ausgearbeitet und geleitet werden und zu
denen die europäischen Nationen den größten

Seite 2

Truppenbeitrag leisten. Noch wichtiger ist, daß die
Vereinigten Staaten sich der Unterstützung von
Missionen auf Gebieten wie Logistik, Kommunikation
und Nachrichtendienste verpflichtet haben.
Das war ein revolutionärer Schritt. Er kombinierte die
europäische und atlantische Vision auf eine Weise, die
beide elementaren Säulen unserer Partnerschaft
stützt. Damit er erfolgreich ist, muß sich jeder beteiligen, und die NATO und die WEU müssen beide
weiterhin funktionieren. Beispielsweise muß die WEU
eine Entscheidungsbefugnis haben, die von den
nichtsicherheitspolitischen Aspekten der EU unabhängig ist.
Die Art und Weise, wie die transatlantische Gemeinschaft jetzt und in Zukunft funktioniert, verändert sich.
Flexibilität ist ein Schlüsselmerkmal - nicht nur, weil wir
eingeschränkte Mittel haben, sondern auch, weil der
neue Kontext das erfordert. Sie konzentrieren sich
darauf, Ihre Streitkräfte mobiler zu machen und mit
mehr Hightech auszurüsten, weil dies die beste
Reaktion auf das veränderte Sicherheitsumfeld ist.
Besondere Betonung legen wir auf Interoperabilität bei
Gerät, Doktrin und Personal, weil wir alle nach dem
besten Weg suchen, unsere beschränkten Mittel
effizienter und sich gegenseitig ergänzend einzusetzen. Die gestiegene Zahl der an einer Beteiligung an
NATO-Missionen interessierten Beitrittskandidaten und
NATO-Partner bedeutet, daß Interoperabilität wichtiger
ist denn je. Daher ist es von elementarer Bedeutung,
daß wir die wichtigsten Anforderungen kooperativer
Programme ausmachen und Teamabsprachen treffen.
Die entscheidenden Merkmale dieses neuen transatlantischen Kontextes ähneln in vielerlei Weise den
neuen Merkmalen unseres globalen Umfelds. Flexibilität, Transparenz, die abnehmende Bedeutung internationaler Grenzen und die schnelle Informationsübermittlung - das alles sind allgemeine und miteinander
verbundene Merkmale.
Um die enge Verflechtung dieser Charakteristika
unserer neuen, hochtechnisierten Welt der Globalisierung zu erläutern, möchte ich einen Moment abschweifen und über das Europa des späten 18. und
frühen 19. Jahrhunderts sprechen. Damals war die
Welt für die meisten unvorstellbar groß. Sie war
vorwiegend ländlich geprägt. Verkehrsverbindungen
in dem Sinne, daß Menschen oder Waren von einem
Ort zum anderen befördert werden, waren zeitweilig
unterbrochen. Was man hörte, wie man lebte und was
man tat, hing großenteils davon ab, wo man war. Der
Historiker Eric Hobsbawm formulierte es einmal
folgendermaßen: "In Reichweite eines Hafens zu leben
bedeutete, in Reichweite der Welt zu leben."
Die heutige Situation ist vergleichbar, unterscheidet
sich aber auch in wesentlicher Hinsicht. Unsere Welt

AMERIKA DIENST 05

�ist unglaublich geschrumpft. Die Tatsache, daß sie nur
einen Mausklick entfernt liegt, beeinflußt jedoch die Art,
wie wir hören, wie wir leben und was wir tun. Das
bedeutet, daß die Informationsexplosion nicht von der
zunehmenden Transparenz, den Veränderungen der
Interaktion unserer Gesellschaften und der neuen Art
der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern
getrennt werden kann. Das schnelle Tempo technologischer Innovationen kann nicht von Handel und
Wirtschaft getrennt werden. Die Art, wie wir Geschäfte
tätigen, beeinflußt in zunehmendem Maße unser
Privatleben.
Information ist zweifelsohne die treibende Kraft dieser
neuen Globalisierung und der sogenannten neuen
Weltwirtschaft. Das Informationszeitalter hat völlig
neue Industriezweige und neue Arbeitsplätze hervorgebracht.
Der Managementguru Peter Drucker
machte das Konzept des "Wissensarbeiters" bekannt
- eines Menschen, dessen wichtigster Aktivposten
nicht darin liegt, wieviele Schrauben er am Fließband
festzieht, sondern einfach darin, was er weiß. Die
Produktionsmittel befinden sich in den Köpfen der
Arbeitnehmer.
Die Auswirkungen des Informationszeitalters auf die
Politik sind ebenfalls sehr real. Sozialwissenschaftler
pflegten von einer Revolution von oben und einer
Revolution von unten zu sprechen. Jetzt sprechen sie
von einer Revolution "von außen".
Angeblich soll sich der gesamte Bestand an menschlichem Wissen alle fünf Jahre verdoppeln. Präsident
Clinton hat das kürzlich mit den Worten anschaulich
illustriert, daß die Wissenschaftler 1980 neun Jahre
brauchten, um das Gen für cystische Fibrose zu
entdecken, aber letztes Jahr benötigten Wissenschaftler nur neun Tage zur Entdeckung des Gens,
das die Parkinsonsche Krankheit verursacht.
Aber ebenso wie die neue Offenheit und der Abbau
von Barrieren unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften bereichern können, können diese neuen
Merkmale auch auf eine Weise genutzt werden, die
unseren demokratischen Gesellschaften schaden
kann. Die Technologie ließ sich stets schwer eindämmen; jetzt machen das Internet, der Hochleistungscomputer und das Modem ihre Verbreitung noch
leichter.
Wie die durch die Weigerung des Irak, das Inspektionsregime der Vereinten Nationen einzuhalten,
hervorgerufene Krise klarmachte, sind verbrecherische
Staaten und ihre Versuche zur Beschaffung von
Massenvernichtungswaffen sehr reale Bedrohungen.
Diese Staaten haben ihre Produktion vom konventionellen militärischen Truppenaufbau und den Bestrebungen zur Beschaffung einer Nuklearfähigkeit
erweitert. Jetzt streben sie chemische und biologische
Waffen sowie die Raketentechnologie für ihre Träger-

AMERIKA DIENST 05

systeme an. Die Verbreitung von einigen dieser
Bestandteile und Technologien - die auch für zivile
Zwecke genutzt werden können - machen die Bedrohung noch gefährlicher und die Aufgabe der
Exportkontrolle noch schwieriger.
Die Vereinigten Staaten verbessern angesichts der
sich verändernden internationalen Sicherheitslage ihre
Exportkontrollen weiterhin und arbeiten eng mit ihren
Partnern in den multilateralen Regimen zusammen, um
gemeinsame Praktiken zu gewährleisten, die zu
Stabilität und Frieden beitragen, ohne den rechtmäßigen Handel zu unterbinden. Exportkontrollen
entwickeln sich weiter, während wir bewerten, in
welchem Maße sie zu Nichtverbreitung und nationaler
Sicherheit beitragen. Sehr viel wird von der Arbeit in
den multilateralen Regimen und der Erarbeitung neuer
Gesetze abhängen.
Wir haben uns fest vorgenomen, den Einsatz von
Krankheitserregern als Waffe des Kriegs und Terrors
zu verhindern. Die Konvention über biologische
Waffen ist jetzt seit 23 Jahren in Kraft. Die Bestimmungen sind gut, aber die Durchsetzung ist unzureichend.
Wir müssen sie mit einem neuen internationalen
Inspektionssytem stärken, um Betrug aufzudecken und
abzuwenden.
Verbrecherische Staaten sind ein wichtiges Thema,
weil es auf eine zentrale Frage bei der Gestaltung
unserer transatlantischen Welt im nächsten Jahrhundert verweist. Die Geschichte belegt, daß die
Herausforderungen von außerhalb Europas zu den
schwierigsten zählten, die das Bündnis meistern
mußte. Wir würden unsere Vision jedoch drastisch
einschränken, wenn wir die gemeinsame Bewältigung
dieser globalen Themen nicht aufgreifen würden.
Das Kernprinzip lautet, daß verbrecherische Staaten
den gesamten Druck der internationalen Gemeinschaft
spüren müssen. Europa und die Vereinigten Staaten
haben die Verantwortung, diese Bestrebungen anzuführen.
Ich möchte aber auch die Rolle der neuen Demokratien bei der Unterstützung dieser Grundprinzipien
besonders hervorheben. Die Bürger dieser Staaten
haben unter unrechtmäßigen Systemen gelitten.
Tschechen, Polen, Ungarn und all diejenigen, die sich
gegen die kommunistische Tyrannei erhoben, wurden
auf eine andere Weise als die meisten von uns in die
Demokratie eingeführt. Als Mitglieder der euroatlantischen Gemeinschaft werden sie die Prinzipien
mit neuem Enthusiasmus unterstützen, für die wir - und
vor kurzem sie - eingetreten sind.
Wenn es heute noch irgendein anderes Hauptthema
gibt, nehme ich an, es ist, wie in so vielen unserer
Diskussionen, der Wandel. Wandel ist manchmal
erschreckend und schmerzlich. Er kann jedoch auch

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�für neue Chancen und Synergien stehen. Dieser
Prozeß findet überall um uns herum statt, nicht nur in
spezifischen Wirtschaftssektoren wie der Rüstungsindustrie, sondern in unseren Gesellschaften insgesamt. So viele der Themen, die hier in Deutschland
in den Schlagzeilen sind, sind auch in den Vereinigten
Staaten in den Schlagzeilen: Rentenreform, Bildungsreform, Einwanderung, Privatisierung des Telekommunikationswesens - all das sind gemeinsame Herausforderungen.
Der Hauptgegenstand Ihrer Debatte heute war, wie
sich die amerikanische Wirtschaft von der schwierigen
Lage vor zehn Jahren erholt hat und welchen Einfluß
diese Veränderungen auf die amerikanische und auch
die europäische Rüstungsindustrie hatten. Ohne
Zweifel hat die Kürzung der Verteidigungsausgaben
als Reaktion auf das Ende des Kalten Kriegs zu
tiefgreifenden Veränderungen in der amerikanischen
Rüstungsindustrie geführt. In den vergangenen 13
Jahren hat die Rüstungsbeschaffung in den Vereinigten Staaten kontinuierlich abgenommen. Unternehmen, die auf der Höhe des Kalten Kriegs hohe
Gewinne erzielten, existieren heute überhaupt nicht
mehr. Es gibt jetzt - oder in Kürze - nur noch drei
Megarüstungsunternehmen in den Vereinigten Staaten.
Die sogenannte Revolution bei Geschäftspraktiken neue und innovative Wege, Geschäfte zu tätigen - geht
Hand in Hand mit dieser Konsolidierung. Beispielsweise haben alle fusionierten Unternehmen bei der
Vergabe von Verträgen der Rüstungsindustrie Teams
gebildet. Die Industrie ist flexibler geworden und kann
die Bedürfnisse der Kunden besser vorhersehen.
Auch die Regierung ist Teil dieses Prozesses. Aus
Vertretern der Regierung und der Industrie zusammengesetzte Teams wurden eingerichtet, um bessere
Wege zur Lösung von Problemen zu finden. Kosten
sind ein besonders wichtiges Element des Beschaffungsprozesses. Der herkömmliche Beschaffungsprozeß, bei dem Leistungsstandards festgesetzt
wurden, die eingehalten werden müssen, während
man die Kosten eskalieren läßt, ist nicht länger tragbar.
Beim Joint Strike Fighter Program wurden die Kosten
beispielsweise zu einer unabhängigen Variablen
erklärt. Das bedeutet, wenn bestimmte Kostengrenzen
überschritten werden, dann werden die Leistungserfordemisse modifiziert, um das Programm in seinem
Kostenrahmen zu halten. Der Kauf von kommerziellen
Standardgütern zur Erfüllung des Rüstungsbedarfs ist
eine weitere Kostensenkungsmaßnahme, die Auswirkungen auf kommerzielle Forschung und Entwicklung hatte.
Die US-Regierung fordert den besten Gegenwert für
den amerikanischen Steuerzahler. In einigen Fällen
bedeutet das den Kauf von im Ausland hergestellten
Systemen, wie zur Sonargerät-Kampfwertsteigerung

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des SH-60-Hubschraubers Romeo der US-Marine
oder der AV-8B Harrier der US-Marineinfanteristen.
Darüber hinaus suchte die amerikanische Industrie
nach Möglichkeiten zur Kostenreduzierung durch das
Engagement auf dem internationalen Markt. In der
Vergangenheit haben die amerikanischen Firmen
manchmal darauf bestanden, der Hauptlieferant zu
sein. Heute beteiligen sie sich jedoch bereitwillig als
Subunternehmer an Projekten. Wie der Vertreter eines
führenden amerikanischen Rüstungsunternehmens
kommentierte: "Ich habe lieber 30 Prozent von etwas
als 100 Prozent von nichts."
Als Reaktion auf die unausgesprochene - und manchmal ausgesprochene - Angst vor dem amerikanischen
Gewicht in der globalen Rüstungsindustrie kann ich
entschieden sagen, daß es keinen Sinn machen
würde, europäische Unternehmen "zu schlucken". In
der heutigen Welt brauchen amerikanische Rüstungsunternehmen europäische Partner für den Zugang zum
europäischen Markt ebenso wie europäische Firmen
amerikanische Partner für den Zugang zu unserem
Rüstungsmarkt. Die Ausschaltung entscheidender
europäischer Partner liegt einfach nicht in unserem
Interesse. Was wir möchten, ist eine pulsierende
industrielle Basis in Europa, die mit amerikanischen
Partnern konkurriert und kooperiert. Wettbewerb hält
die Preise niedrig und paßt die Produkte an den Bedarf
unserer Regierungen an. Zusammenarbeit tut dasselbe.
Ein offener Dialog zwischen Regierungen und Industrie
ist unerläßlich. Er wird entscheidende Bedeutung
erhalten, wenn wir von speziellen Rüstungsunternehmen zu Unternehmen übergehen, die Mehrzweckprodukte mit militärischer Anwendung herstellen, die
"standardmäßig" zur Verfügung stehen. Das ist bereits
im wichtigsten Bereich von allen - der Informationstechnologie - der Fall.
Die umfassendere Perspektive ist natürlich, daß sich
die Vereinigten Staaten für Europas Position als
starker und konkurrenzfähiger Mitspieler in der
Weltwirtschaft engagieren, nicht nur in diesem Sektor,
sondern in allen Sektoren. Das ist sicherlich nichts
Neues. Neu ist der Kontext, in dem wir arbeiten und
leben. Aus diesem Grund ist es unerläßlich, daß wir
uns konstant daran erinnern, auf neue Weise zu
denken und alten Reflexen zu widerstehen.
Abschließend möchte ich sagen, ich bin optimistisch,
daß Deutschland und Amerika die Herausforderungen
meistern, von denen wir heute gehört haben und die
ich in meinen Ausführungen erwähnte. Der Wandel
birgt enorme Chancen. Ich bin zuversichtlich, daß
diejenigen von uns, die dieses Mal von Anfang an
dabei sind, die Art von weitblickenden und kreativen
Entscheidungen treffen werden, die unsere Vorgänger
fällten, und die uns so gut gedient haben.
Ich danke Ihnen.

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�WELTWIRTSCHAFT
11. März 1998

Wachsende Akzeptanz von
marktwirtschaftlichem Kapitalismus
Rede von Alan Greenspan

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung des Vorsitzenden des Zentralbankrats,
Alan Greenspan, vor dem Bewilligungsunterausschuß des Senats für Transaktionen im Ausland vom 3. März
1998.

Das globale Finanzsystem hat sich in den vergangenen Jahren rasch entwickelt. Neue Technologien
haben die Kosten von Kreditaufnahme und -vergäbe
über herkömmliche nationale Grenzen hinweg drastisch verringert und die Entwicklung neuer Instrumente sowie die Einbeziehung neuer Akteure erleichtert.
Informationen werden augenblicklich auf der ganzen
Welt übermittelt, und enorme Verlagerungen bei
Angebot und Nachfrage nach Finanzmitteln sind eine
natürliche Folge und führen zu einer massiven Zunahme der Kapitalflüsse.
Dieses aufstrebende globale System hat sich als
äußerst effiziente Struktur erwiesen, die den Handel
mitWaren und Dienstleistungen über Grenzen hinweg
beträchtlich erleichtert und entsprechend einen
maßgeblichen Beitrag zum Lebensstandard weltweit
leistet. Seine Effizienz deckt jede mögliche wirtschaftliche Unvorsichtigkeit rasch und entschieden auf
und bestraft sie. Bedauerlicherweise scheint es auch
die Übertragung von finanziellen Turbulenzen sehr viel
effektiver als je zuvor erleichtert zu haben.
Vor drei Jahren war die Krise in Mexiko die erste
dieser Episoden in Verbindung mit unserem neuen
hochtechnologischen internationalen Finanzsystem.
Die derzeitige Krise in Asien ist die zweite.
Wir verstehen die Dynamik des Systems noch nicht
ganz. Wir lernen schnell und müssen unsere Institutionen und Praktiken modernisieren und modifizieren, um die dem neuen System inhärenten Risiken zu
verringern. In der Zwischenzeit müssen wir die
derzeitige Krise mit den uns zur Verfügung stehenden
Institutionen und Techniken in Angriff nehmen.

AMERIKA DIENST 05

Viele argumentieren, die derzeitige Krise solle ohne
Unterstützung des internationalen Währungsfonds
(IWF) oder die bilaterale finanzielle Unterstützung
anderer Nationen ihren Lauf nehmen. Sie behaupten,
wenn man der Krise ihren Lauf läßt, hätte dies zweifelsohne zusätzliche negative Auswirkungen auf das
Wachstum in Asien und würde auf die übrige Welt
übergreifen, hätte jedoch wahrscheinlich keine großen
oder dauerhaften Auswirkungen auf die Vereinigten
Staaten und die Weltwirtschaft.
Ihrer Einschätzung nach könnte das sehr wohl zutreffen. Es gibt jedoch eine kleine aber nicht außer Acht
zu lassende Wahrscheinlichkeit, daß die Turbulenzen
in Asien unerwartet große negative Auswirkungen auf
Japan, Lateinamerika sowie Ost- und Zentraleuropa
und wiederum Rückwirkungen andernorts, einschließlich der Vereinigten Staaten, haben könnten. Obwohl
die Wahrscheinlichkeit eines solchen Resultats klein
sein mag, sollten ihre Konsequenzen dennoch meiner
Ansicht nach nicht ausschließlich dem Zufall überlassen bleiben. Wir haben beobachtet, daß globale
Finanzmärkte, so wie sie zur Zeit organisiert sind, nicht
immer das angemessene Gleichgewicht erzielen oder
zumindest Zeit zur Stabilisierung benötigen.
Gegner der IWF-Unterstützung von Mitgliedstaaten mit
internationalen Finanzschwierigkeiten argumentieren
ferner, daß eine so beträchtliche finanzielle Unterstützung übermäßige Risiken ermutigen könnte, indem sie
die Verluste unkluger Investoren auffängt. Das trifft
zweifelsohne in gewissem Maße zu, obwohl möglicherweise die Erwartung staatlicher Unterstützung
ihrer Finanzsysteme der offenkundigere Sündenbock
ist - zumindest im Fall Asien. Jedenfalls wurden alle
Erwartungen umfassender
Sicherheitsleistungen

Seite 1

�enttäuscht. Viele, wenn nicht sogar die meisten
Investoren in den asiatischen Volkswirtschaften haben
bis heute beträchtliche Verluste erlitten. Schätzungen
zufolge belaufen sich die Verluste bei Anteilsrechten in
Asien mit Ausnahme japanischer Unternehmen von
Juni 1997 bis Ende Januar 1998 weltweit auf über 700
Milliarden Dollar, von denen mehr als 30 Milliarden
Dollar von amerikanischen Investoren verloren
wurden. Beträchtliche weitere Verluste wurden bei
Wertpapieren und Immobilien verzeichnet.
Darüber hinaus trägt die Bindung der IWF-Kreditvergabe an politische Bedingungen, die Wirtschaftsund Finanzdisziplin sowie Strukturwandel vorschreiben, dazu bei, einige der unzumutbaren Risiken
abzumildern. Solche Bedingungen sind auch entscheidend für den Erfolg der allgemeinen Stabilisierungsbestrebungen. Die Wurzel des Problems ist
schlechte Öffentlichkeitsarbeit, die zu fehlgeleiteten
Investitionen und sehr schwachen Finanzsektoren
geführt hat. Eine souveräne Nation zur Veränderung
ihrer destruktiven Politik zu veranlassen, die ihre
eigene Leistung beeinträchtigt und auch ihre Nachbarn
zu schädigen droht, ist eine Aufgabe, die am besten
von einer internationalen Finanzinstitution wie dem
IWF erfüllt werden kann. Die uns heute zur Verfügung
stehenden Instrumente zur Krisenbewältigung sollten
weiterentwickelt werden, während wir an der Verbesserung dieser Mechanismen und Institutionen
arbeiten.
Einige Beobachter haben auch die besorgte Frage
gestellt, ob wir sicher sein können, daß IWF-Programme für bestimmte Länder, insbesondere die ostasiatischen, zu einer entscheidenden und dauerhaften
Veränderung der Volkswirtschaften dieser Länder
führen werden. Meines Erachtens erhöht die derzeitige Finanzkrise in Asien unter anderem das
Bewußtsein in der Region, daß marktwirtschaftlicher
Kapitalismus, wie er im Westen und insbesondere in
den Vereinigten Staaten praktiziert wird, das beste
Modell ist; das heißt, daß er mehr Aussichten auf
steigenden Lebensstandard und kontinuierliches
Wachstum bietet.
Obwohl die ostasiatischen Volkswirtschaften viele
Aspekte der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus befürworten, gibt es dennoch eine ausgeprägte
Tendenz zu staatlich gelenkten Investitionen, zu deren
Finanzierung das Bankensystem eingesetzt wird.
Angesichts von nahezu 10-prozentigen jährlichen
realen Wachstumsraten über einen längeren Zeitraum
hinweg ist es nicht erstaunlich, daß es schwierig ist,
irgend jemanden zu überzeugen, daß das in Ostasien
praktizierte Wirtschaftssystem nicht unendlich lange
positive Ergebnisse zeitigen kann. Nach dem Zusammenbruch machte sich in der Region das Bewußtsein breit, das bei manchen fast einen Schock auslöste, daß ihr Wirtschaftsmodell bestenfalls unvollständig ist.

Seite 2

Folglich sind viele führende Politiker dieser Länder und
ihre Wirtschaftsberater bestrebt, ihre Volkswirtschaften
schneller der Art von Wirtschaftssystem anzunähern,
das wir in den Vereinigten Staaten haben. Was immer
man über die politischen Ratschläge des IWF in der
Vergangenheit sagen kann, er versucht jetzt, in diesem
Prozeß eine entscheidende Rolle zu übernehmen und
gibt Ratschläge und Anreize zur Förderung solider
Währungspolitik und langfristiger Stabilität.
Der
derzeitige Ansatz des IWF in Asien unterstützt voll und
ganz die Ansichten von Vertretern des Westens, die
um die Bedeutung von Bestrebungen wissen, vermehrt
auf die Kräfte des Marktes zurückzugreifen, staatliche
Kontrollen zu verringern, staatlich gelenkte Investitionen zurückzuschrauben und mehr Transparenz zu
fördern - die Offenlegung aller Daten, die für die
Aktivitäten der Zentralbank, der Regierung, der
Finanzinstitutionen und der Privatwirtschaft wichtig
sind.
Die Frage ist berechtigt, wie lange dieser Übergang
zum marktwirtschaftlichen Kapitalismus in allen
Einzelheiten in den Ländern dauern wird, wenn erst die
vorübergehende Unterstützung des IWF nicht mehr
notwendig ist.
Schließlich sind dies souveräne
Nationen mit einer langen Tradition, die nicht immer mit
Marktwirtschaft und Kapitalismus vereinbar ist. Es gibt
keine Garantien, aber ich habe den Eindruck, daß
Verständnis für die Vorteile von marktwirtschaftlichem
Kapitalismus, wie wir ihn praktizieren, und seine
Anerkennung wachsen - daß die in den IWF-Programmen enthaltenen Bestimmungen den Eigeninteressen
dieser Länder dienen.
Der koreanische Präsident, der gerade erst sein Amt
angetreten hat, ist sich - soweit ich das beurteilen kann
- der Fehler im koreanischen System bewußt, die zur
Krise seines Landes beigetragen haben. Er scheint
sich entschlossen dafür einzusetzen, Volkwirtschaft
und Gesellschaft seines Landes in Richtung freierer
Märkte und einer flexibleren Wirtschaft zu bewegen.
Bei diesen Bestrebungen haben er und andere
gleichgesinnte Politiker in der Region die Unterstützungzahlreicherjunger Menschen, von denen viele im
Westen ausgebildet wurden, die die Vorteile des
marktwirtschaftlichen Kapitalismus sehen und bald in
Führungspositionen kommen werden.
Vor diesem Hintergrund unterstütze ich voll und ganz
den Antrag der Administration zur Aufstockung der
Finanzmittel des IWF durch die möglichst schnelle
Zustimmung zur Beteiligung der Vereinigten Staaten an den neuen Kreditvergabevereinbarungen sowie
eine Erhöhung der amerikanischen Quote im IWF.
Weder das eine noch das andere werden sich hoffentlich als nötig erweisen, und es werden hoffentlich keine
Gelder in Anspruch genommen. Es ist jedoch besser,
sie bereitzustellen, falls sich eine schnelle Reaktion auf
eine bevorstehende Krise als notwendig erweisen
sollte.

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�FRAUEN
11. März 1998

Programme zur Förderung der Frau
Übersicht des Amts für internationale Entwicklung

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 4. März 1998 vom Direktor des Amts für
internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) aus Anlaß des internationalen Tags der
Frau herausgegebene Übersicht über die Programme von AID zur Verbesserung der Lage der Frau in acht
Ländern.

AID-Programme fördern Frauen weltweit
Die Vereinigten Staaten setzen sich für die Verbesserung des Status von Frauen und Mädchen in
Entwicklungsländern ein und werden das auch
weiterhin tun. Die Vereinigten Staaten haben durch
AID im gesamten Spektrum der Entwicklungshilfe auf
Gebieten wie Bildung und Ausbildung, Verleihung von
mehr wirtschaftlichen und sozialen Befugnissen,
Gesundheit von Müttern und Bekämpfung der Kindersterblichkeit Programme finanziert, die Frauen in den
ärmsten Teilen der Welt die Chance geben, ein
längeres, gesunderes und wirtschaftlich erträglicheres
Leben zu führen.
Bildung für Frauen und Mädchen
Im März 1995 gab First Lady Hillary Rodham Clinton
die Bildungsinitiative des Amts für internationale
Entwicklung für Mädchen und Frauen bekannt. Dieses
Programm wird in den kommenden Jahren große
Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben.
Bildung verleiht Frauen mehr Befugnisse, erhöht ihr
potentielles Einkommen und versetzt sie in die Lage,
bessere Familienplanung zu betreiben. Die Kinder
gebildeter Mütter haben eine größere Überlebenschance, sind gesünder und haben eine höhere
Wahrscheinlichkeit, die Schule abzuschließen insbesondere Mädchen. 70 Prozent aller Analphabeten weltweit sind Frauen. Die Bildungsprojekte von
AID unterstützen wirksame Strategien zur Verbesserung der Schulausbildung von Mädchen, einschließlich
Stipendien für Mädchen, zur Bereitstellung örtlicher
Schulen durch die Gemeinden, Ausbildung von
Lehrern, Einstellung von Lehrerinnen und zielen darauf

AMERIKA DIENST 05

ab, die Besorgnis der Eltern über die Sicherheit von
Mädchen in der Schule zu zerstreuen.
In Nepal, einem der ärmsten Länder der Welt,
beträgt die Analphabetenrate 60 Prozent.
1991 konnten 22 Prozent der Frauen dort
lesen und schreiben. Mit Hilfe verschiedener,
von AID veranstalteter Kurse für Frauen in
ländlichen Gebieten haben seit 1991 260.000
Frauen lesen und schreiben gelernt - ein
Anstieg auf 32 Prozent, Tendenz steigend.
In Malawi unterstützte AID 1993 soziale
Mobilisierungskampagnen und die Abschaffung des Schulgelds, was zu einem Anstieg
des Schulbesuchs von Mädchen von 55
Prozent im Jahr 1992 auf 95 Prozent 1995
führte.
In Bangladesch stellte AID 6.000 Stipendien
für Mädchen an weiterführenden Schulen zur
Verfügung. Innerhalb von drei Jahren stieg
die Einschulung von Mädchen um nahezu 60
Prozent, und die Zahl der Schulabbrecherinnen sank innerhalb von fünf Jahren von 15
auf 3,5 Prozent.
Wirtschaftliche Befugnisse
Wenn Frauen die Chance zum Geldverdienen erhalten, hat ihr Einkommen enorme Vorteile für die ganze
Familie. Das Einkommen der Frau wird oft in Gesundheit und Bildung ihrer Kinder investiert, was diesen ein
besseres Leben ermöglicht. Das AI D-Programm für
Kleinbetriebe stellt sehr kleine Darlehen für einzelne,

Seite 1

�meistens weibliche Unternehmer zur Verfügung - der
durchschnittliche Umfang 1996 betrug 309 Dollar.
1997 stellte AID 310 Kleinbanken in 28 Ländern mit
mehr als fünf Millionen Kunden 140 Millionen Dollar zur
Verfügung - mehr als jeder andere bilaterale Geber auf
der Welt.
Die Rakyat-Bank in Indonesien verwaltet
derzeit 13 Millionen Sparbücher und hat zwei
Millionen Kreditnehmer - die Mehrheit sind
Frauen, die jeweils weniger als 500 Dollar
ausleihen.
Zwischen 1994 und 1996 wurden in Südafrika
50.340 Darlehen an Kleinunternehmen vergeben. Die Investitionen von AID in Höhe von
3,5 Millionen Dollar setzten Mittel des Privatsektors im Umfang von 7 Millionen Dollar
frei, und mehr als 1.000 Geschäftsdarlehen
wurden ausgelegt.
In Bangladesch kamen 162.000 Frauen in
Form von Krediten, Ausbildung und technischer Hilfe für die Aktivitäten ihrer Kleinunternehmen in den Genuß des Projekts für
die Entwicklung der von Frauen geleiteten
Unternehmen. 1994, nach nur drei Jahren,
bediente BancoSol 305.000 Kunden - meistens Inderinnen - mit Krediten von durchschnittlich 400 Dollar. Die Bank vergibt jeden
Monat mehr Darlehen als die übrigen bolivianischen Banken zusammengenommen.
Die 1996 von AID unterstützten Programme
zur Förderung von Kleinunternehmen hatten
weltweit eine Rückzahlungsrate der Darlehen
von 95 Prozent.
Gesundheit von Müttern und Bekämpfung der
Kindersterblichkeit. Die Gesundheit von Müttern und
Kindern ist eng miteinander verbunden. Wenn eine
Frau während der Geburt oder kurz danach stirbt, sind
die Überlebenschancen ihres Babys und anderer
kleiner Kinder geringer. Seit über drei Jahrzehnten
haben die Familienplanungs- und Gesundheitsprojekte
von AID einen dramatischen Unterschied im Leben
von Millionen Frauen und Kindern auf der ganzen Welt
bewirkt. Heute wird aufgrund der lebensrettenden
Gesundheitsdienste von AID jährlich der Tod von über
vier Millionen Babys und Kindern verhindert.
In den sechziger Jahren war ein einfacher Fall
von Diarrhöe eine Hauptursache für Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern. Die
Entwicklung und der Einsatz der oralen Rehydrationstherapie allein rettet jedes Jahr das
Leben von Millionen Kindern, und sie wird als
einer der wichtigsten medizinischen Fortschritte des Jahrhunderts angesehen.

Seite 2

Vor zwanzig Jahren waren weniger als fünf
Prozent der Kinder aus den Entwicklungsländern gegen Masern, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tuberkulose geimpft. Dank des AI D-Programms zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit sind heute über 80
Prozent der Kinder weltweit gegen diese durch
Impfung zu verhindernden Krankheiten geschützt.
Dank AID und anderer Geldgeber traten seit
1977 keine Fälle von Pocken mehr auf. Heute
sparen die Amerikaner 200 Millionen Dollar
jährlich, weil Kinder nicht mehr gegen die
Krankheit geimpft werden müssen. AID und
andere Geldgeber haben sich zum Ziel gesetzt, Kinderlähmung bis zum Jahr 2000
auszurotten. Sobald dieses Ziel erreicht ist,
müssen amerikanische Kinder nicht mehr
gegen Polio geimpft werden, wodurch ihre
Familien 230 Millionen Dollar jährlich sparen.
Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion
gab es praktisch keine Familienplanung für
sowjetische Ehepaare, und Abtreibung war
das Mittel der Familienplanung, wobei viele
Frauen mehrere Abtreibungen in ihrem Leben
hatten. Die Familienplanungsprogramme von
AID haben in den ehemaligen Sowjetrepubliken eine Vielzahl von freiwilligen Familienplanungsdiensten eingerichtet und die Zahl
von Abtreibungen erheblich reduziert. In
Kasachstan, Kirgistan, Turkmenistan und
Usbekistan allein benutzten von 1993 bis
1994 50 Prozent mehr Frauern erstmals
Kontrazeptiva, und die Zahl der Abtreibungen
fiel im gleichen Zeitraum um 30 Prozent.
Demokratie und Regierungsführung. Bei der 4.
Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen gab die
damalige Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Madeleine Albright, eine neue
Initiative von AID bekannt. Die AID-Initiative "Politische
Beteiligung und verfassungsmäßige Rechte der
Frauen" spricht wichtige Probleme an, die Frauen von
der vollständigen Beteiligung an demokratischen
Regierungen abhalten und gewährleistet, daß ihr
rechtlicher Status dem der Männer in ihren Gesellschaften gleichgestellt ist.
In Nepal unterstützte eine Gruppe von Frauenorganisationen, die im Rahmen dieser
Initiative Ausbildung durch AID erhalten
hatte.eine verfassungsmäßige Anfechtung des
Erbrechts im Obersten Gericht des Königreichs. Einer der Hauptgründe für die andauernde Armut der Frauen in Nepal ist die
Tatsche, daß sie kein Eigentum erben können.
Als das Gericht das Gesetz für ungültig er-

AMERIKA DIENST 05

�klärte und die Verabschiedung eines neuen
anordnete, hatten sie ihren Kampf gewonnen.
In der Mongolei erklärten zwei der fünf neuen
weiblichen Abgeordneten des Parlaments, ihre
Entscheidung, für das Amt zu kandidieren,
stehe in direktem Zusammenhang mit ihren
bei einem AID-Workshop gemachten Erfahrungen über die Schärfung des politischen
Bewußtseins von Frauen. Alle sieben weiblichen Abgeordneten des Parlaments gehören
einer bei dem Workshop gegründeten überparteilichen Koalition an.

AMERIKA DIENST 05

In Bangladesch wurde über drei Millionen in
Frage kommenden Wählerinnen grundlegende Wahlerziehung vermittelt, was zu einer
Beteiligung von 77 Prozent der in Frage
kommenden Wählerinnen bei den Wahlen des
Landes führte - ihre Wahlbeteiligung lag damit
höher als die der Männer. Das AID-Wahlerziehungsprojekt kostet weniger als einen
Pfennig pro Wähler.

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Besuch von Madeleine Albright in Bonn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der US-Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit im Energie-, Wissenschafts- und Technologiebereich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Presserklärung des Energieministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jetzt liegt es am Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bewahrung von Flexibilität bei der NATO-Erweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sicherheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Globalisierung und Internationalisierung - Herausforderung und Anpassung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Michael C. Polt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Weltwirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Akzeptanz von marktwirtschaftlichem Kapitalismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Alan Greenspan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Programme zur Förderung der Frau &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Amts für internationale Entwicklung&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Theorie über Viren als Krebserreger weiter erhärtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse einer internationalen Wissenschaftlertagung in New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krypton-85 zur Diagnose von Herzkammertrennwandschäden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Antibiotikum zur Bekämpfung von Staphylokokken&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika auf dem Wege zu einer eigenen bodenständigen Oper&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Howard Taubmann, Musikkritiker der "New York Times"&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Broadway Hit: "Schau heimwärts, Engel"&lt;br /&gt;Thomas Wolfes erster Roman als Bühnenstück&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mahalia Jackson als Bessie May im Paramount-Film&lt;br /&gt;"St. Louis Blues"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstung - ein amerikansiches Anliegen&lt;br /&gt;(&lt;em&gt;Hintergrundmaterial&lt;/em&gt;)</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

1 1 . A p r i l 1973

15

Inhalt
DOKUMENTATION:
Rush erläutert Osteuropa-Politik der USA
-Auszüge-

INFORMATION:
Nixon nominiert neuen Direktor der amerikanischen Abrüstungsbehörde

WIRTSCHAFT:
Jasey legt US-Wirtschaftspolitik gegenüber der Europäischen Gemeinschaft dar
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
USA proklamieren "Woche der Erde"
-Jahresbilanz beim UmweltschutzDie Atmung der Meere
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren.
Hormone und Muskeldystrophe
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

15/1973

RUSH ERLÄUTERT OSTEUROPA-POLITIK DER USA

- Auszüge -

ANNAPOLIS, Maryland - (AD) - Der stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Rush hat am 4. April

in einer Rede vor der US-Marineaka-

demie in Annapolis die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Osteuropa
umrissen. Dazu erklärte Rush wörtlich:

"Während der letzten drei Tage haben Sie sich hier mit Europa befaßt.
Wenn man auf die vor uns liegenden Monate blickt, dann dürfte es wahrscheinlich sein, daß das Jahr 1973 ein Jahr wesentlichen Fortschrittes sowohl innerhalb Europas als auch in den Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten sein wird.

- Es sollte eine anhaltende Verbesserung im Hinblick auf die Situation
Berlins geben, eine Weiterentwicklung des Dialoges zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Aufnahme der
beiden Staaten in die Vereinten Nationen.

- Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind bereits Verhandlungen im Gange mit dem Ziel, die strategischen Offensivwaffen für ständig
zu begrenzen.

- Die Vereinigten Staaten und die jüngst erweiterte Europäische Gemeinschaft werden neue Methoden der wirtschaftlichen und politischen Zusammenar-

- 1 -

�Zusammenarbeit sondieren, die zu einer Stärkung unserer Verbundenheit führen
soll.
- Es wird Verhandlungen über den Abbau der Streitkräfte geben, die einander immer noch in Mitteleuropa gegenüberstehen.

- Und es wird eine Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

stattfinden, die die Bewegung zur Entwicklung normalerer Kontakte zwischen Ostund Westeuropa sowie zwischen den Staaten Osteuropas und den Vereinigten Staaten
beschleunigen könnte.

All diese Schritte werden wichtig sein. Ich möchte jedoch heute mit Ihnen
über die Aussichten sprechen, die dafür bestehen, daß wir in diesem Jahr vielleicht eine bedeutende Erweiterung unserer Bindungen mit Osteuropa und eine
entscheidende Verbesserung in den Beziehungen zwischen allen euroDäischen Staaten
erreichen können ...

Schon sehr bald, während seiner ersten Amtszeit stellte Präsident Nixon
klar, daß wir bereit seien, eine neue Ära in unseren Beziehungen zu Osteuropa
einzuleiten. Unser Ziel war, normale und beiderseitig nützliche Beziehungen,
wo immer möglich, zu entwickeln, wobei jedes Land für sich behandelt wurde.
Schon im Frühsommer (jenes Jahres) hatten wir damit begonnen, konkrete Maßnahmen
hinsichtlich der Durchführung dieser Politik zu ergreifen. Sie führten zu dem
Besuch Präsident Nixons in Bukarest im August 1969 - dem ersten Besuch, den
jemals ein amerikanischer Präsident einer kommunistischen Hauptstadt abgestattet hatte -. In Rumänien betonte der Präsident, daß 'wir bereit sind, die
Bemühungen eines je^en Landes, das normale Beziehungen zu uns anstrebt, zu
erwidern.'

Dieser Besuch verlieh unseren bilateralen Beziehungen eine Schwungkraft,
die dann niemals mehr verlorenging. Präsident Ceaucescu besuchte die Vereinigten Staaten im Oktober 1970. Unser beiderseitiger Handel hat sich mehr
als verdreifacht. Wir haben unsere bilateralen Kontakte auch auf anderen Gebieten vertieft, und während seines Besuches in Bukarest im Juli letzten Jahres

�Jahres unterzeichnete Außenminister Rogers das erste Konsularabkommen zwischen Rumänien und den Vereinigten Staaten seit 1881.

Anfang 1970 gab es einen zweiten Besuch des Präsidenten in einer kommunistischen Hauptstadt; dieses Mal besuchte er das blockfreie Jugoslawien. Unsere
Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit mit Jugoslawien reichen über 20
Jahre zurück. Der Besuch des Präsidenten war also weniger eine Sache der Absteckung neuer Wege als vielmehr eine Unterstreichung der Tatsache, daß Bindungen über die politischen Grenzen hinweg von Dauer sein können ... Wir
möchten, daß unsere Bindungen zu Jugoslawien zu einem Modell der Zusammenarbeit werden, die zwischen Staaten mit völlig unterschiedlichen sozialen Systemen
bestehen können. Der Erfolg eines solchen Vorhabens hängt natürlich von beiden
Ländern ab.

Im Frühjahr 1972 unternahm der Präsident einen dritten wesentlichen Schritt
hinsichtlich unserer Beziehungen zu Osteuropa - er besuchte Polen. Wir unterzeichneten ein Konsularabkommen in Warschau und werden in diesem Jahr in New
York sowie in der alten Universitätsstadt Krakau, dem Zentrum der polnischen
Auswanderung nach den Vereinigten Staaten»Konsulate eröffnen.

Auch in bezug auf ein viertes osteuropäisches Land - Ungarn - zeichnet
sich eine Verbesserung der Beziehungen ab. Im Juli besuchte Außenminister
Rogers Budapest; es war der erste Ungarn-Besuch, den jemals ein amerikanisches
Kabinettsmitglied gemacht hat. Der stellvertretende Ministerpräsident

Valyi

war im vergangenen Monat in Washington; er war der höchste ungarische Regierungsvertreter, der die Vereinigten Staaten seit 25 Jahren besucht hat. Ungarn hat
nunmehr zugestimmt, 22 Millionen Dollar für durch den Krieg beschädigtes und
verstaatlichtes amerikanisches Eigentum zu zahlen, und wir haben zugesagt,
den Kongreß um die Vollmacht zu ersuchen, ein Handelsabkommen einschließlich
der Meistbegünstigtenklausel auszuhandeln. Ferner sprechen wir mit den Ungarn
über ein Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch ...

Die Fortschritte, die während der ersten Amtszeit Präsident Nixons in

�in bezug auf die osteuropäischen Länder erzielt worden sind, sind beträchtlich. Ich weiß von meinen eigenen kürzlichen Reisen nach Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn her, daß in unseren Beziehungen ein wesentlicher Wandel
zum Besseren eingetreten ist. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, daß sich
die Besuche aus Osteuropa im Rahmen unserer Austauschprogramme 1972 um 40 Prozent erhöht haben.

Wenn nun die zweite Amtszeit des Präsidenten beginnt, dann bietet der
beiderseitige Wunsch nach kontinuierlichen Fortschritten

die Hoffnung auf

noch größerere Erfolge in dieser Richtung. Zu diesem Zweck ist die Politik
der Vereinigten Staaten darauf gerichtet, die osteuropäischen Länder in einem
sich erweiternden Rahmen enger und individueller Beziehungen mit uns und mit
ihren Nachbarn im Westen zu verflechten.

Wir haben die Absicht, diese Politik der Verflechtung sorgfältig und umsichtig zu verfolgen. Wir werden nicht bestrebt sein, das Tempo zu forcieren,
wir werden uns allerdings darum bemühen, einen Prozeß zu fördern, der unserer
Ansicht nach dem Weltfrieden dienlich sein wird.

Bei der Verfolgung dieser Politik beabsichtigen wir, uns auf drei Prinzipien zu stützen.

Das erste ist, daß wir jedes osteuropäische Land als einen unabhängigen
souveränen Staat behandeln werden, der ein Recht darauf hat, frei von jeglicher
Einmischung von außen zu sein. Diese Einstellung beseelte die Politik Woodrow
Wilsons; dies ist auch heute unsere Einstellung.
In Moskau setzten Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew im vergangenen Frühjahr ihre Unterschriften unter die Verpflichtung, die souveräne
Gleichheit aller Staaten anzuerkennen, keinen Anspruch auf irgendwelche Sonderrechte oder Vorteile in weltpolitischen Angelegenheiten zu erheben und Verhältnisse zu fördern, unter denen kein Land einer Einmischung in seine inneren
Angelegenheiten von außen her ausgesetzt ist.
Diese

�»

Diese Verpflichtungen spiegeln eine seit langem gültige amerikanische
Politik wider. Die gemeinsame Annahme dieser Verpflichtungen durch die beiden
Länder kann zur Förderung der Entspannung beitragen, die von so vielen jetzt
gewünscht wird. Das Recht eines Landes, sich gemäß seiner eigenen Wünsche zu
entwickeln, ist fundamental für die friedlichen Beziehungen zwischen den
Staaten. Einem Land darf das Recht auf volle Souveränität nicht verwehrt
werden, nur weil es ein kleines Land ist. Ihm darf dieses Recht auch nicht
verwehrt werden, nur weil es aus rein geographischen Gründen neben einem
größeren Land liegt. Ihm darf dieses Recht nicht verwehrt werden, nur weil es
das gleiche politische und soziale System mit einer stärkeren Macht teilt.
Vielmehr müssen die Prinzipien der Nicht-Einmischung und der Respektierung der
nationalen Souveränität, wie Ministerpräsident Kossygin und der norwegische
Ministerpräsident Bratteli in einem Kommunique im vergangenen Jahr bekräftigten,
konsequent verwirklicht werden, ungeachtet der politischen und sozialen Systeme
der betroffenen Staaten.

Auf unserer Seite besteht gewiß nicht der Wunsch, uns in die inneren Angelegenheiten der osteuropäischen Staaten einzumischen. Wir sind nicht nur zur
Koexistenz, sondern auch zur Zusammenarbeit mit ihnen in bilateralen Bemühungen
um Frieden und Verständigung sowie um umfassendere Kontakte und Verbindungen
zwischen unseren Völkern bereit.

In diesem Geiste werden wir die Bande zu den Ländern zu konsolidieren
suchen, bei denen wesentliche Fortschritte zu verzeichnen waren.
Wir werden uns aber auch weiter um Verbesserungen bei solchen Ländern bemühen, bei denen nur geringer oder überhaupt kein bilateraler Fortschritt erzielt worden ist.

In ihren Gesprächen mit Außenminister Rogers in den Vereinten Nationen im
vergangenen Oktober haben sowohl der tschechoslowakische wie auch der bulgarische
Außenminister den festen Wunsch ihrer Regierungen bekundet, konkrete Verbesserungen

in unseren Beziehungen zu erreichen. Wir begrüßen diesen Wunsch, wir

teilen ihn und wir erwidern ihn.
Mit

�I

Mit der Tschechoslowakei haben wir Verhandlungen über eine Konsularkonvention aufgenommen und wir hoffen, noch in diesem Jahr Gespräche über ein
Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch beginnen zu
können und später dann auch über die Lösung der seit langem anstehenden Finanz- und Handelsfragen.

Von allen unseren diplomatischen Beziehungen zu kommunistischen Regierungen

waren unsere Beziehungen zu Bulgarien am wenigsten umfassend. Wir

haben kürzlich die Verhandlungen über eine Konsularkonvention wieder aufgenommen. Wir bereiten uns darauf vor, zusammen mit der bulgarischen Regierung
auf die Lösung einer Reihe bilateraler kultureller und wirtschaftlicher Probleme hinzuarbeiten, die unsere Beziehungen getrübt haben. Unser Wunsch nach
besseren Beziehungen spiegelt sich auch in unserer Bereitschaft wider, den
stellvertretenden bulgarischen Ministerpräsidenten dieses Jahr in den Vereinigten Staaten zu begrüßen.

Nur in bezug auf Albanien hat es keinen sichtbaren Fortschritt gegeben.
Angesichts unserer sich ausweitenden Beziehungen zu allen übrigen osteuropäischen Ländern erscheint es wie ein Anachronismus, wenn Albanien weiterhin
den Wunsch haben sollte, in einer solchen Isolierung zu verharren. Albanien
spricht über uns immer noch in den aggressiven Worten einer vergangenen Zeit.
Ob es diplomatische Beziehungen aufzunehmen wünscht, wissen wir nicht. Wenn
- und wann immer es dies aber will, wird es uns bereit finden, darauf zu reagieren.

Bei allen osteuropäischen Ländern werden wir ihre Bereitschaft zur Verbesserung der Beziehungen uns gegenüber aber auch in einem umfassenderen Zusammenhang bewerten. Wir alle müssen in den Vereinten Nationen und in anderen
internationalen Foren Zurückhaltung in unseren Worten gegenüber dem anderen
sowie einen Geist der Zusammenarbeit und nicht der Konfrontation zeigen. Wir
erwarten im besonderen von Ungarn und Polen, daß sie eine verantwortungsbewußte
Rolle in der internationalen Kontroll- und Überwachungskommission für Vietnam
spielen.
ID.

- 6-

�In dem Maße, wie sich unsere Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen
Ländern verbessern, werden wir das zweite Grundprinzip unserer Politik anstreben - durch Ausweitung unseres Handels und Förderung ihrer wachsenden
Aufnahmefähigkeit für ausländische Investitionen dauerhafte Beziehungen zu
den osteuropäischen Ländern zu schaffen.

In den letzten vier Jahren hat sich unser Handel mit Osteuropa ständig
ausgeweitet, wenn auch in einem bescheidenen Maße. Im Jahre 1968 belief sich
der gesamte Handel auf wertmäßig rund 450 Millionen Dollar; die Zahl für 1972
liegt bei 800 Millionen Dollar - eine gesunde Zunahme um über 75 Prozent. Wir
rechnen damit, in den nächsten vier Jahren, den Handel zumindest verdoppeln
zu können. Im Herbst letzten Jahres haben wir unsere Botschafter in Osteuropa
angewiesen, die Förderung des Handels an die Spitze unserer politischen Prioritätenliste in diesem Raum zu setzen.

Die osteuropäischen Länder stellen Handelsfragen stets an die Spitze
der bilateralen Probleme. Sie behaupten, daß die amerikanischen Handelsbestimmungen in bezug auf diesen Bereich noch aus der Vergangenheit her Elemente
der Diskriminierung enthalten.

Um mitzuhelfen, ein wesentlich höheres Handelsvolumen zu erreichen, beabsichtigen wir, eine Reihe dieser Beschränkungen schrittweise abzubauen.

- Wir haben die strategische Bedeutung der Güter, deren Export nach Osteuropa immer noch untersagt ist, angesichts der veränderten Gegebenheiten überprüft. Eine Reihe von Änderungen sind bereits vorgenommen worden. In naher Zukunft werden wir die Zahl der amerikanischen Erzeugnisse auf der Verbotsliste
weiter wesentlich verringern.

- Wir sind gewillt, die Bereitstellung von Krediten und Ausfallbürgschaften
der amerikanischen Export-Importbank für den Verkauf amerikanischer Erzeugnisse
in einem erweiterten Rahmen zu erwägen, so wie sich die Beziehungen zu einzelnen
Ländern weiter verbessern.
- Wir

�'

- Wir beabsichtigen ferner, wenn sich die Beziehungen weiter verbessern,
den 'Meistbegünstigtenstatus' auf die Exporte einer größeren Zahl osteuropäischer Länder auszudehnen. Bisher wird dieser Status nur Erzeugnissen aus
Jugoslawien und Polen gewährt, doch haben wir seit einem Jahr ein ähnliches
Gesetz für Rumänien gefordert. In dieser Sitzungsperiode des

Kongresses wird

der Präsident ein allgemeines Gesetz unterbreiten, das uns die Einräumung des
Meistbegünstigtenstatus an die osteuropäischen Länder gestattet, wenn der
Stand unserer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dies rechtfertigt,
und seine baldige Verabschiedung fordern. Die Normalisierung unserer Handelsbeziehungen ist notwendig, wenn die Vereinigten Staaten die wirtschaftlichen und
politischen Vorteile eines erweiterten Handels voll realisieren sollen.

Obwohl die Politik der osteuropäischen Länder dem Handel oberste Priorität eingeräumt hat, so haben Jugoslawien, Rumänien, Polen und Ungarn ebenfalls ein Interesse an ausländischen Investitionen in ihren einheimischen
Unternehmen gezeigt. Selbst bei der zurückhaltenden Einstellung der Kommunisten
gegenüber privaten Investitionen dürfte eine Ausweitung der gemeinsamen Unternehmungen in diesem Raum für alle Beteiligten konkrete Vorteile bringen.

Wenn wir jetzt dem Wunsch der Osteuropäer nach engeren Wirtschaftsbeziehungen nachzukommen suchen, können wir es uns nicht länger mehr leisten,
die Vorteile für unsere eigene Binnenwirtschaft einfach zu ignorieren, die das
Handelspotential Osteuropas bietet. In einer Zeit, in der wir gegenüber den
meisten Gebieten der Welt ein Handelsdefizit haben, ist unser Zahlungsbilanzüberschuß gegenüber Osteuropa besonders willkommen.

Wir würden es gerne sehen, wenn mehr amerikanische

Geschäftsleute ge-

winnbringende Geschäfte mit Ungarn, mit Bulgarien, mit Polen zu machen beginnen, wie sie es mit Belgien, mit Norwegen oder mit Uruguay tun. Wir ermutigen sie, so, wie die Möglichkeiten dies gestatten und im Vertrauen darauf,
daß Geschäfte mit Osteuropa voll und ganz im Einklang mit den nationalen Interessen der USA stehen, an diese Länder zu verkaufen, in ihnen zu investieren
und von ihnen zu kaufen. Wir verstärken unsere Handelsmissionen und im letzten
Monat haben wir in Wien ein neues Ost-Westhandelszentrum eröffnet. Eine solche
- 8-

�solche Politik zielt ab auf den Tag, da der Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und den osteuropäischen Ländern so normal verläuft, wie dies zwischen
den Vereinigten Staaten und Ländern mit einem ähnlichen wirtschaftlichen und
sozialen System wie dem unsrigen der Fall ist.

Genauso wie wir unsere eigenen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen
zu Osteuropa zu vertiefen wünschen, möchten wir auch die wachsende Verflechtung
der osteuropäischen Länder in Europa als ganzem fördern. Die Förderung einer
solchen Verflechtung ist das dritte Grundprinzip unserer Politik. Wir sind in
der Tat der Auffassung, daß es für uns genauso wichtig ist, eine Vertiefung
der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern Ost- und
Westeuropas zu fördern, wie Beziehungen zwischen Osteuropa und uns zu entwickeln.
Dies darf aber nicht unsere enge und notwendige Partnerschaft mit unseren
atlantischen Verbündeten schmälern.
Es ist nur natürlich, daß alle europäischen Länder nach einer solchen
Gemeinschaft trachten, die Europa in den Höhepunkten seiner langen Geschichte
ausgezeichnet hat. Die künstlichen Schranken des kalten Krieges haben den
Kontinent eine Generation lang getrennt. Das ist bereits viel zu lange.

Dieses Jahr werden wir zwei Ereignisse erleben, die bei gutem Willen auf
beiden Seiten zur Wiederherstellung dieser Art von Gemeinschaft beitragen können.

Im Januar begannen vorbereitende Gespräche für Verhandlungen über Wege
zur Reduzierung der Streitkräfte der NATO-Länder und der Länder des Warschauer
Paktes, die einander immer noch im Herzen Europas gegenüberstehen. Eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung dieser Streitkräfte könnte die Spannungen
beträchtlich vermindern und einen echten Beitrag zur Sicherheit Europas leisten.
Es ist wichtig, daß die substantiellen Verhandlungen plangemäß im kommenden
Herbst beginnen und daß sie zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.

Wenn wir jetzt im Begriffe stehen, Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung der Truppen in Europa aufzunehmen, ist es völlig sinnlos, plötzlich und einseitig die amerikanischen Truppen dort zu halbieren. Einige Kritiker

�1

Kritiker unserer Verteidigungspolitik im Kongreß und anderswo befürworten,
daß wir einen solchen Kurs einschlagen. Es ist klar, daß die Sowjetunion
keinen Anreiz haben würde, ihre Truppenpräsenz in Osteuropa abzubauen, wenn
wir diesen Rat annähmen. Und nichts könnte mehr den von uns geschaffenen Auftrieb für die Errichtung einer stabileren und friedlicheren Welt gefährden.
Ich möchte hier heute Abend die feste Entschlossenheit dieser Administration
erneut bekräftigen, unsere Verpflichtungen unseren NATO-Verbündeten gegenüber
durch Aufrechterhalten der amerikanischen Truppenstärke in Europa zu erfüllen.

Seit November letzten Jahres sind in Helsinki vorbereitende Gespräche im
Gange, um den Weg für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa zu ebenen, die, wie wir hoffen, Anfang des Sommers beginnen kann. Eine
solche Konferenz muß zu einem Werkzeug für konkrete Fortschritte in Richtung
auf eine stärkere Einigkeit zwischen den Völkern Europas werden. Spezifische
Schritte zur Verstärkung der Kontakte - durch vermehrte Bewegungsfreiheit der
Bevölkerung, durch einen freieren Fluß von Gedanken und Gütern auf dem gesamten Kontinent - sind der sicherste Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Dieses Vorgehen bereitet der Sowjetunion gewisse Sorge. Aber die zahlreichen kürzlich ausgehandelten amerikanisch-sowjetischen Abkommen beweisen
bereits, daß stärkere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte bei weitem keine
Bedrohung der Sicherheit eines Landes darstellen und zum Wohle aller beitragen
können. Natürlich sind wir hier in den USA überzeugt, daß offenere Grenzen und
normalere menschliche Kommunikationen die Spannungen vermindern und nicht erhöhen und die Menschen und Völker ermutigen werden, in Freundschaft miteinander zu leben.

Ein Europa, das auf Spaltung basiert, kann niemals wirklich sicher sein.
Das letzte ViertelJahrhundert war eine Zeit der Spaltung; es war nicht eine
Zeit der Sicherheit. So erklärte Präsident Nixon 1970, 'Stabilität und Frieden
in Europa werden gestärkt werden, sobald seine Spaltung überwunden ist'. Das
kommende Viertel]ahrhundert sollte für alle europäischen Länder zu einer Zeit
werden, in der sie sich nach ihren eigenen Wünschen entwickeln können. Es sollte
für die Völker Europas zu einer Zeit werden, in der sie untereinander freiere
- 10 -

�freiere Kommunikationen pflegen können. Es wird eine Zeit der Zusammenarbeit
sein - und des Wettbewerbs - eine Zeit des Friedens und eines Gefühls der
Zusammengehörigkeit.

Wenn wir unsere enge Verbundenheit mit Europa aufrechterhalten wollen und nach unserer festen Überzeugung ist die Sicherheit Europas untrennbar von
unserer eigenen Sicherheit - dann müssen wir in Amerika auch ein Europa wünschen, das mit unserem eigenen Lande in Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden ist. Diese beiden miteinander zusammenhängenden Ziele werden die Grundsätze unserer Politik gegenüber Europa in den kommenden vier Jahren bestimmen."

- 11 -

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15/1973
NIXON NOMINIERT NEUEN DIREKTOR DER AMERIKANISCHEN ABRÜSTUNGSBEHÖRDE

San demente, Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon will den bisherigen Leiter der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation, Dr. Fred
C. Ikle, zum neuen Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung nominieren. Er soll die Nachfolge von Gerard C. Smith antreten, der Anfang Januar seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hierzu erklärte, wird Dr. Ikle nicht an der Phase II der SALT-Gespräche teilnehmen,
die derzeit in Genf geführt werden. Die Leitung der amerikanischen Delegation bei den Genfer SALT-Gesprächen hat der amerikanische Sonderbotschafter
U. Alexis Johnson.
Dr. Ikle steht seit 1967 an der Spitze der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation in Santa Monica, Kalifornien, eines Privatunternehmens, das auf Kontraktbasis Forschungsprogramme auf dem Gebiet der
Außenpolitik für die amerikanische Bundesregierung durchführt. Außer für
den Nationalen Sicherheitsrat ist Dr. Ikle auch als Berater für das amerikanische Außenministerium und das Verteidigungsministerium tätig gewesen.
Dr. Ikle wurde am 21. August 1924 in Samaden (Schweiz) geboren und kam
1946 nach den Vereinigten Staaten. Er promovierte 1950 an der University
of Chicago zum Dr. phil. und arbeitete anschließend vier Jahre im Institut

�Institut für angewandte Sozialforschung an der Columbia-Universität. Von
1955 bis 1961 war er bei der Rand Corporation tätig und arbeitete dann von
1962 bis 1963 am Harvard-Center für Internationale Politik. Von 1964 bis
1967 lehrte Dr. Ikle als Professor für Politische Wissenschaften an der
Harvard-Universität. Dr. Ikle hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel sowie
drei Bücher veröffentlicht: "The Social Impact of Bomb Destruction" (1958);
"How Nations Negotiate" (1964) und "Every War Must End" (1971).
Dr. Ikle ist Mitglied des Internationalen Instituts für Strategische
Studien; der Amerikanischen Soziologischen Gesellschaft; der Amerikanischen
Gesellschaft für Politische Wissenschaften und des Los Angeles Komitees für
Außenpolitische Beziehungen.

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15/1973

CASEY LEGT US-WIRTSCHAFTSPOLITIK GEGENÜBER DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFT DAR
- Wortlaut -

WASHINGTON -_(AD)-- Der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, William Casey, hat am 5. April vor den Unterausschüssen für Europa und für Aussenwirtschaftspolitik des amerikanischen Repräsentantenhauses die Politik der USA gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft dargelegt. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, an Ihren Anhörungen über "Die Vereinigten Staaten
und die Europäische Gemeinschaft" teilnehmen zu dürfen. Sie haben für Ihre
Anhörungen den richtigen Zeitpunkt gewählt, denn unsere Beziehungen zu der
erweiterten Gemeinschaft befinden sich in einem wichtigen Gestaltungsprozeß. Was mich persönlich anbetrifft, so finden diese Anhörungen ebenfalls
zu einem richtigen Zeitpunkt statt, denn ich bin soeben von umfassenden Konsultationen in Europa zurückgekehrt. Ich möchte Ihnen heute morgen einige
der Eindrücke und Gedanken über diese Konsultationen und die Richtung vermitteln, die unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft nehmen und
über die ich Außenminister Rogers bereits in dieser Woche berichtet habe.

Zunächst

�Zunächst möchte ich jedoch versuchen, diese Beziehungen in eine umfassende Perspektive zu setzen. Vier Entwicklungen haben in ihrer Gesamtheit
unsere Beziehungen grundlegend verändert und sie viel komplexer gestaltet.
- Erstens haben die im allgemeinen besseren Beziehungen zu den kommunistischen Mächten die internationalen Spannungen vermindert und eine neue
Flexibilität in die politischen Beziehungen gebracht.
- Zweitens haben Westeuropa, Kanada und Japan eine relativ größere wirtschaftliche Stärke erlangt, und für uns hat sich damit die Notwendigkeit ergeben, mit ihnen auf der Basis der Gleichberechtigung zu verhandeln. Sie
sind nicht nur unsere besten Handelspartner, sondern auch unsere schärfsten
Konkurrenten.
- Drittens haben zwei Jahrzehnte amerikanischer Handelsbilanzdefizite
unser wirtschaftliches Wachstum wie auch das der Welt finanziert, aber
schließlich führten immer wieder auftretende Krisen zu der Erkenntnis, daß
das Nachkriegssystem einer wesentlichen Revision bedarf.
- Viertens haben wir eine noch nie dagewesene Interdependenz mit anderen demokratischen Industriestaaten erlangt - eine Interdependenz, die für
uns alle eine einzigartige Prosperität, aber auch neue Probleme gebracht
hat, die neue Initiativen für die Formulierung unserer Außenpolitik erfordern.
Die nächsten Jahre werden eine Zeit der Bewährung für unsere Bindungen
zu allen demokratischen Industriestaaten sein, wenn wir jetzt neue Beziehungen entwickeln, um dieser neuen Komplexität gerecht zu werden. Dies ist ganz
eindeutig keine Zeit für Selbstgefälligkeiten. Aber es ist ganz eindeutig
auch keine Zeit, um den Rat derer anzunehmen, die verzweifeln oder die an
die Unvermeidbarkeit einer Konfrontation glauben. Denn unsere gemeinsamen
Interessen und unsere gemeinsame Vision von der Welt wiegen weit schwerer als
unsere spezifischen und vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten.
Präsident

-2-

�Präsident Nixon hat immer wieder unterstrichen, daß wir auch weiterhin
an die Notwendigkeit starker Bindungen zu Europa glauben. Diese Bindungen
bilden einen unerläßlichen Bestandteil seiner Strategie für einen Weltfrieden. Die "Nixon-Doktrin" stellt klar, daß andere heute das Potential und
auch die Pflicht haben, das Ihre dazu beizutragen. So erklärte der Präsident in seinem ersten außenpolitischen Bericht an den Kongreß: "Amerika
kann nicht - und will nicht - alle die Pläne ausarbeiten, alle die Programme aufstellen, alle die Entscheidungen ausführen und die gesamte Verteidigung der freien Welt übernehmen." Und er führte weiter aus: "Amerika kann
nicht in Isolierung leben, wenn es erwartet, in Frieden zu leben. Wir haben
nicht die Absicht, uns aus der Welt zurückzuziehen."
Diese Administration hat im besonderen ganz eindeutig klargestellt,
daß sie unsere Beziehungen zu Europa als "den Eckstein der gesamten Struktur
des Friedens" betrachtet.
Die europäische Einheit verleiht unseren transatlantischen Beziehungen
mehr Stärke und ermöglicht es uns, von einer Position größerer Stärke im
atlantischen Bereich aus in Richtung auf eine neue Ära der Entspannung mit
dem Osten zu schreiten. Aus diesem Grunde hat der Präsident im Oktober vergangenen Jahres bekräftigt, daß er die auf der Gipfelkonferenz der Europäischen
Gemeinschaft verkündete Absicht nachdrücklich unterstützt, den gesamten Komplex der Beziehungen zwischen ihren Mitgliedsstaaten bis zum Jahre 1980 in
eine europäische Union umzuformen, und ich zitiere hier: "Es ist - und war
immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern."
Wir sind weiterhin der Auffassung, daß die Zusammenarbeit mit Europa auf
dem Gebiet der Politik und der Verteidigung zur Verwirklichung der europäischen
Einheit führen wird. Zwei starke Mächte im Westen würden der westlichen DiplomaU-j
vermehrte Flexibilität verleihen und die Verantwortung für Entscheidungen in
wachsendem Maße teilen.
Die

-3-

�Die europäische Einheit muß jedoch zuerst auf wirtschaftlichem Gebiet
erreicht werden. Diese wachsende Einheit hat Vorteile erbracht und die Möglichkeiten für eine wachsende Zusammenarbeit geschaffen. Sie hat aber auch
Probleme der Anpassung an die neuen Beziehungen gebracht. Der Präsident hat
die Initiative ergriffen, um mit der Gestaltung der neuen Beziehungen zu beginnen und so die Vorteile für uns zu vergrößern, die Möglichkeiten für eine
erweiterte Zusammenarbeit zu nutzen und die Anpassungsprobleme zu lösen.
Überläßt man diese Probleme sich selbst, so könnten sie in der Tat zu einer
Konfrontation führen, die weder wir noch die Europäer wünschen,
Knapp einen Monat nach seiner ersten Amtseinführung hat Präsident
Nixon durch einen Besuch Westeuropas symbolisch die Bedeutung unterstrichen,
die er diesem Punkt beimißt. Bei diesem Besuch traf er mit dem Präsidenten
und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zusammen. Spätere, mehr
Aufsehen erregende Besuche in Peking und in Moskau sollten diese Tatsache
nicht verdunkeln noch sollten sie vergessen lassen, daß seit 1969 ständig
auf hoher Ebene Konsultationen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft stattgefunden haben.
Im Jahre 1970 haben wir die Praxis halbjährlicher Zusammenkünfte mit
der Europäischen Gemeinschaft aufgenommen. Ich habe gerade erst als Leiter
unserer Delegation an der 6. Runde dieser Konsultationen teilgenommen, die
immer offener und in einem größeren Rahmen geführt wurden und immer nützlicher waren. In den letzten Monaten hat der Dialpg zwischen den USA und der
Europäischen Gemeinschaft ein noch nie dagewesenes Maß an Intensität und Substanz erreicht. Im Dezember traf Außenminister Rogers in Brüssel mit der Kommission zusammen. Mitte Februar hat das neue Kommissionsmitglied für außenpolitische Fragen, Sir Christopher Soames, Washington zu einer Reihe informeller Gespräche besucht. Er traf mit dem Präsidenten und maßgebenden Mitgliedern des Kabinetts zusammen und führte mit mir und anderen hohen Regierungsbeamten ausgedehnte Gespräche über die Beziehungen wischen den USA

_4-

�i

USA und der Europäischen Gemeinschaft. Im Februar hat der Präsident Peter
Peterson nach Europa entsandt, wo dieser mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinschaft sowohl in Brüssel wie auch in den einzelnen Hauptstädten
der Länder zusammentraf, um mit ihnen den gesamten Bereich unserer Beziehungen zu Westeuropa zu erörtern. Im März hat Finanzminister Shultz die wichtigen westeuropäischen Hauptstädte besucht und dort mit der Kommission und den
maßgebenden nationalen Politikern über unsere Wirtschaftspolitik und vor
allem über die Reform des Währungssystems sowie die Handelsverhandlungen gesprochen. Im Oktober vergangenen Jahres hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Rahmen des Prozesses einer
Intensivierung des Dialogs mit Westeuropa und anderen Industriestaaten und
weitgehend auf Initiative der USA hin eine neue Art von Exekutivausschuß geschaffen, der es den für die Gestaltung der Politik Verantwortlichen auf hoher Ebene ermöglichen soll, sich häufiger mit der ganzen Vielzahl von Fragen
zu befassen, denen das Interesse der wirtschaftlich hoch entwickelten Länder
gilt. Und auf meiner letzten Reise habe ich unsere Delegation auf dem zweiten
dieser Treffen geführt.
Der NATO-Generalsekretär Joseph Luns hat erst in der vergangenen Woche
auf der europäisch-amerikanischen Konferenz erklärt: "Ich kann mich an keine
Zeit erinnern, in der es eine so starke diplomatische Aktivität, so zahlreiche Gespräche und Konferenzen gegeben hat."
Wir begrüßen besonders die von diesem Gremium ergriffenen Maßnahmen,um
den amerikanischen Dialog mit Europa zu vertiefen. Die Ausweitung unserer Beziehungen zum Europäischen Parlament und zur Europäischen Gemeinschaft ist
in hohem Maße wünschenswert. Wir sind bereit, diesen Prozeß auf jede Weise
zu erleichtern, die Sie für nützlich halten.
Denn es ist klar, daß wir ohne Unterstützung und Mitwirkung
sowohl des Kongresses wie auch des amerikanischen Volkes unser Ziel
dieses Jahr nicht erreichen können, so dauerhafte Bindungen

-5-

�Bindungen zu schaffen, daß unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft
gleich denen zur NATO einen festen und dauerhaften Pfeiler der amerikanischeuropäischen Verbundenheit und Zusammenarbeit bilden.
Diese gesamte Aktivität ist Teil des Prozesses, der sich mit unseren
gesamten Beziehungen zu Westeuropa befaßt und den der Präsident in den Vordergrund gerückt hat. Ich möchte unterstreichen, daß nach seiner Auffassung
das Problem, unsere neuen wirtschaftlichen Beziehungen zu formen, untrennbar
verbunden ist mit der Erhaltung und Verstärkung unserer politischen und
unserer Sicherheitsbeziehungen.
Und während meines letzten Besuches in Europa habe ich festgestellt,
daß die Bedeutung unserer gesamten politischen und Sicherheitsbeziehungen für
die erfolgreiche Behandlung unserer wirtschaftlichen Probleme schnell und
bereitwillig anerkannt worden ist. Ihre erfolgreiche Lösung bedingt auf lange
Sicht eine grundlegende Umstrukturierung des internationalen WirtschaftsSystems, um es offener, gerechter und flexibler zu gestalten und es besser
geeignet für die Lösung solcher Probleme zu machen, denen sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Kurzfristig erfordert dies eine bessere Lösung
der spezifischen Probleme mit der Gemeinschaft, so wie sie auftreten.
Wie Sie wissen, arbeiten wir im Zwanziger-Ausschuß bereits an der Umstrukturierung des internationalen Wirtschaftssystems durch Reform des internationalen Währungssystems sowie durch Vorbereitungen auf die umfassenden
multilateralen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT, die im kommenden September beginnen sollen. Weiter haben wir in der OECD eine Prüfung der Probleme der internationalen Investitionen in Angriff genommen, um damit sicherzustellen, daß dieses Gebiet nicht zu einem Streitobjekt zwischen den Regierungen wird, wenn wir jetzt in Richtung auf neue Übereinkommen auf den Gebieten des Handels und der Währungen voranschreiten. In allen diesen Fragen
spielt Westeuropa eine entscheidend wichtige Rolle. Wenn wir mit Erfolg das
internationale Wirtschaftssystem umstrukturieren wollen, um es offener und

-6-

�und gerechter zu machen, dann wird sich die amerikanisch-europäische Zusammenarbeit als unerläßlich erweisen.
Wenn wir uns jetzt immer stärker auf die offiziellen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT im kommenden September vorbereiten, dann wird es als
erstes notwendig sein, sicherzustellen, daß wir, wie auch die Europäische
Gemeinschaft, dem gemeinsamen Wachstum Vorrang gegenüber dem individuellen
Schutz einräumen, daß wir die Handelsschranken weiter abbauen und nicht neue
Präferenzabkommen eingehen

Der rapide anwachsende Handel war in den letzten

25 Jahren ein wesentlicher Antrieb für das wohl bedeutendste globale Wirtschaftswachstum in der Geschichte der Menschheit. Durch den Abbau der Handelsschranken wurde dieser Beitrag möglich. Wir haben an diesem Prozeß mitgewirkt und aus ihm Vorteile gezogen.
Eine weitere wesentliche Handelsliberalisierung ist notwendig, wenn wir
unseren Wohlstand erhalten und steigern wollen. Aber der politische Aspekt
der künftigen Handelsverhandlungen ist von gleich großer Bedeutung. Ihren
größten Fortschritt in Richtung auf Einheit hat die Europäische Gemeinschaft
auf dem Gebiet des Handels gemacht. Sir Christopher Soames, der "Außenminister" der Gemeinschaft, ha£ klargestellt, daß die Handelsverhandlungen im
Mittelpunkt der künftigen Beziehungen der Gemeinschaft zu den USA stehen und
von entscheidender Bedeutung für diese Beziehungen sein werden. Er hat die
Gemeinschaft aufgefordert, nicht zu vergessen, daß die Verhandlungen in den
weiteren politischen Rahmen der Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gestellt werden müssen.
Ich möchte gerade diesen Punkt vor den beiden Unterausschüssen unterstreichen, die sowohl an den politischen wie auch an den wirtschaftlichen
Aspekten unserer Beziehungen zu Europa interessiert sind. Die Verabschiedung
des Handelsgesetzes, das der Präsident dem Kongreß in einigen Tagen unterbreiten will, wird von entscheidender Wichtigkeit für die. Verwirklichung der
Strategie des Präsidenten sein, die auf eine Verbesserung der Beziehungen zu
Europa abzielen.
Auf

-7-

�•

Auf meiner Reise nach Europa habe ich den von Finanzminister Shultz eingeleiteten Prozeß fortgesetzt, die maßgebenden europäischen Staatsmänner
über die Grundzüge des Gesetzes zu unterrichten, das der Präsident vorzulegen beabsichtigt. Ich fand im allgemeinen eine positive Reaktion auf unser
Vorhaben. Ich habe allerdings auch gewisse Befürchtungen hinsichtlich der Importabgabe und der Schutzaspekte unseres vorgeschlagenen Handelsgesetzes festgestellt. Doch im allgemeinen schien diese gewisse Empfindlichkeit sich zu
begeben, sobald hervorgehoben wurde, daß wir lediglich für den Präsidenten die
gleichen umfassenden VerhandlungsvolLmachten anstreben, wie sie die europäischen Regierungen bereits besitzen. Die Reaktionen auf die Schutzmaßnahmen
waren weniger scharf, wenn sie als eine liberalisierende Kraft dargelegt wurden. Gibt man den empfindlichen Industrieen nicht genug Zeit zur Anpassung
an die veränderten Handelsgepflogenheiten, dann werden die Regierungen kaum
den Willen aufbringen, den Handel offener zu gestalten. Ich habe ferner darauf
hingewiesen, daß Form und Verwirklichung unseres Gesetzes in den kommenden Monaten wesentlich dadurch beeinflußt würden, ob wir einige der kurzfristigen
Handelsprobleme mit der Europäischen Gemeinschaft befriedigend lösen können;
dies gilt im besonderen für die GATT-Verhandlungen über die Beeinträchtigung
unseres Handels, die sich aus der Erweiterung der Gemeinschaft ergibt.
Ich stellte ferner einige Besorgnisse in Europa fest - die ich mich zu
zerstreuen bemühte -, daß die Vereinigten Staaten versuchen könnten, die Gemeinschaft in einigen spezifischen und fundamentalen Fragen zu spalten. Beispielsweise weist die europäische Presse immer wieder hartnäckig auf ein ihrer
Meinung nach mögliches gemeinsames Interesse der Vereinigten Staaten und Großbritanniens an einem Zusammenbruch der gemeinsamen Agrarpolitik hin. Unsere
Ansicht ist - und das habe ich immer wieder erläutert -, daß wir nicht bestrebt sind, diese gemeinsame Agrarpolitik zu Fall zu bringen, sondern daß wir
nur eine Liberalisierung auf dem Agrarsektor erreichen wollen, die sich im
beiderseitigen Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch Europas auswirken würde. Statt auf eine Spaltung der Gemeinschaft zu hoffen, erwarten wir
eine Zusammenarbeit mit ihr in jedem bedeutsamen Bereich wirtschaftlichen

-8-

�.

wirtschaftlichen Bemühens, an dem die Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten ein gemeinsames Interesse haben.
Was die Landwirtschaft anbetrifft, so möchte ich hinzufügen, daß in
Westeuropa die Erkenntnis wächst, der Kampf um die Lösung des ernsthaften
Inflationsproblems werde eine Modifizierung des hohen Grades an Protektionismus erfordern, der zur Zeit dort gegeben ist. Selbstverständlich würden
wir jeden Schritt ihrerseits auf dem Getreide- und dem Fleischsektor begrüßen, durch den sie (die Westeuropäer) billigere Getreideerzeugnisse und
billigeres Fleisch erhalten würden und der gleichzeitig die Aussichten für
die amerikanischen Getreide-und Futtermittelexporte verbessern würde. Wir
haben vor kurzem in den Vereinigten Staaten seit langem bestehende Beschränkungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung abgebaut. Wir hoffen, daß die
Europäer - um ihre Preise niedrig zu halten - Schritte zu einer wesentlichen
Liberalisierung ihres überaus protektionistischen Agrarsystems ergreifen werden, wir wollen den Agrarhandel als wichtigen Punkt in die bevorstehenden
multilateralen Handelsverhandlungen einbeziehen und auf der Basis der Gegenseitigkeit sinnvolle Erleichterungen der Restriktionen anstreben.
Ich habe ferner in Europa für unsere gemeinsame Sorge über das sich entwickelnde Energieproblem eine gemeinsame Basis festgestellt. Die Europäer
sehen der bevorstehenden Energiebotschaft des Präsidenten mit großem Interesse entgegen. Sie erörtern diese Frage untereinander mit Vorrang, und die
maßgebenden Staatsmänner der Europäischen Gemeinschaft haben auf ihrem Gipfeltreffen in Paris die unverzügliche Formulierung einer gemeinsamen Energiepolitik der Gemeinschaft gefordert. Vom Standpunkt der Binnenwirtschaft und
der Zahlungsbilanz her gesehen scheinen Energie und Landwirtschaft sich als
zwei der kritischsten Gebiete der künftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa zu entwickeln.
Westeuropa und die Vereinigten Staaten stehen ferner vor der gemeinsamen
Aufgabe, wirksame Lösungen für die Probleme der Entwicklungsländer zu finden.

-9-

�finden. Wir haben mit beträchtlicher Befürchtung die ständige Zunahme der
Präferenzhandelsabkommen der Gemeinschaft mit denjenigen Entwicklungsländern
in Afrika und im Mittelmeerraum beobachtet, mit denen sie in der Vergangenheit enge Bindungen unterhalten haben. Diese Abkommen könnten sich in Kürze
auch auf die Commonwealthländer in Afrika sowie im karibischen Raum ausdehn

6n. Wir unterstützen die besonderen Beziehungen zwischen der Gemeinschaft

und diesen Ländern und sind ebenfalls der Ansicht, daß sie Stabilität und
Frieden in den betreffenden Gebieten stärken. Wir können jedoch keine Rechtfertigung für die diskriminierenden Handelsaspekte dieser Beziehungen, vor
allem für die Gegenpräferenzen, sehen, die zur Bildung geschlossener NordSüdhandelsblöcke führen könnten. Wenn wir jetzt unser eigenes Handelsgesetz
ausarbeiten, sehen wir keine Möglichkeit, die Ausdehnung der allgemeinen
Handelspräferenzen seitens der Vereinigten Staaten auf die Entwicklungsländer
zu rechtfertigen, die uns zu Gunsten von Importen aus anderen Industriestaaten diskriminieren. Zweifellos müssen wir nach einer gemeinsamen Lösung dieses Problems suchen, die den Entwicklungsländern zum Vorteil gereicht. Dies
ist ein Problem, das ich bereits angeschnitten habe und das wir in naher Zukunft im einzelnen mit der Gemeinschaft erörtern werden.
Auf allen diesen Gebieten müssen wir sicherstellen, daß ausreichende Möglichkeiten für einen umfassenden und offenen Dialog mit der Europäischen Gemeinschaft vorhanden sind. Eine Reihe maßgebender europäischer Persönlichkeiten hat von einem umfassenderen und stärker institutionalisierten Mechanismus für einen Dialog zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gesprochen, aber die Gemeinschaft muß sich noch über eine Formel einigen. Wir
haben den Europäern gesagt, daß wir jeden von ihnen gemachten Vorschlag ernsthaft prüfen werden und daß unsere Sorge dem Inhalt und nicht der Form des
Dialoges gilt.
Mein

-10-

�Mein Gesamteindruck ist, daß sich unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft in der richtigen Richtung bewegen, aber daß sie ständiger Aufmerksamkeit bedürfen und daß eine wirksame Zusammenarbeit bei unseren großen gemeinsamen Interessen in den Bereichen von Politik und Sicherheit, bei unseren gemeinsamen Problemen auf den Gebieten der Energie und der Entwicklung
sowie im gesamten wirtschaftlichen und finanziellen Bereich notwendig ist.
Daß zwischen uns Probleme bestehen, ist eine Folge unserer wachsenden Interdependenz wie auch der besonderen, sich aus der Notwendigkeit ergebenden Umstände, grundlegende und längst überfällige Reformen auf dem Handels-und dem
Währungssektor auszuarbeiten, die den veränderten wirtschaftlichen

Gegeben-

heiten voll und ganz Rechnung tragen.
Die neuen maßgebenden Persönlichkeiten der Kommission haben mich sehr
positiv beeindruckt und wir führen einen freien und offenen Dialog mit ihnen.
Wie wir erkennen a uch sie an, daß die gemeinsamen Bindungen zwischen den USA
und der Gemeinschaft bei weitem stärker sind als unsere Meinungsverschiedenheiten und daß wir den richtigen Sinn für die Proportionen in unseren Beziehungen behalten müssen. Ich bin sicher, daß wir bei gutem Willen auf beiden
Seiten die vor uns liegenden gemeinsamen Aufgaben erfolgreich lösen werden.
Wie der Präsident unterstrichen hat, ist es von höchster Wichtigkeit, daß die
Vereinigten Staaten und Europa eng zusammenarbeiten.

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15/1973

USA PROKLAMIEREN "WOCHE DER ERDE"
-Jahresbilanz beim Umweltschutz-

--(AD)-- In den Vereinigten Staaten wird vom 8.-14.April 1973 die
"Woche der Erde" begangen. Man zieht Bilanz, möchte feststellen, was mit
den Kampagnen gegen Umweltverschmutzung und UmweltSchädigung bereits erreicht wurde und wo künftig die AktionsSchwerpunkte liegen sollen.
Die Luftqualität ist zweifellos in vielen Regionen besser geworden.
Im Verlauf des letzten Jahres - genauer gesagt seit dem 1. März 1972 wurden z.B. weitere 2000 Stadtmüll-Deponien geschlossen, weil sie Quellen
für Rauch-und Geruchsbelästigungen waren oder die Gegend verschandelten.
Schwefeloxide und Staub in der Luft gingen in zahlreichen Städten merklich
zurück. Allerdings entsprechen die jetzt gemessenen Konzentrationen noch
nicht den höchstzulässigen Werten, die nach dem Bundesgesetz von 1970
zur Luftreinhaltung ab 1976 den Maßstab abgeben und nicht mehr überschritten werden dürfen.
Das Gesetz, das Schadstoffe

wie Staub, Schwefeloxide, Kohlenmonoxid,

Kohlenwasserstoffe, Stickstoffoxide und photochemisch wirksame Aerosole
stark verringern helfen soll, begrenzt z.B. Schwefeldioxid auf 0,14

-l-

�0,14 Anteile SO

in 1 000 000 Teilen Luft. Durch die Verwendung schwefel-

armer Brennstoffe und die strengen Kontrollmaßnahmen ist nach den Angaben
der Bundesuraweltschutzbehörde EPA die SO -Konzentration in den Großstädten
im Vergleich zu den sechziger Jahren tatsächlich schon erheblich zurückgegangen. Sie sank in einigen Gebieten bereits um 75 Prozent - d.h. sie liegt
schon 5 Prozent unter der ab 1976 gültigen Obergrenze.
Aus den Unterlagen des EPA-Überwachungszentrums in Nordkarolina, bei
dem die Meßdaten von 247 regionalen Stationen gesammelt werden, geht aber u.a.
hervor, daß z.B. Städte wie Atlanta, Detroit und St. Louis gegen Staub-,
Schwefeldioxid und Stickstoffoxide weitere Kontrollmaßnahmen ergreifen müssen,
um den Auflagen zur Ausschaltung gesundheitsgefährdender Abgase gerecht werden zu können. Von New York wird berichtet, daß die Emissionen an Schwefeldioxid in den letzten acht Jahren um 25 Prozent zurückgingen, in der Stadt
Buffalo (New York) um 50 Prozent. In der Bucht von San Francisco stellt der
Smog im Sommer und Herbst noch immer ein Problem dar, jedoch ist in bezug auf
Staubemissionen ein Rückgang zu verzeichnen.
Aufgrund neuer Ergebnisse, die Wissenschaftler des EPA-Forschungszentrums
in Durham (Nordkarolina) bei atmosphärischen Untersuchungen und Tierversuchen
erzielten, ist es jedoch zweifelhaft geworden, ob die für 1976 angestrebten
"Sicherheitsgrenzen", insbesondere der für Schwefeldioxid noch zulässige
Höchstwert,überhaupt sicher genug sind. Denn die Anzeichen häufen sich, daß
weniger das Schwefeldioxid in der Luft als vielmehr die daraus entstehenden
Tochterprodukte wie Schwefelsäure (bei Verbindung mit Sauerstoff und Feuchtigkeit) und bestimmte Sulfate (Salzeaus Schwefel und anderen Substanzen wie
die Verbindung mit Metallen und Ammoniak) viel gefährlicher sind als die
"Muttersubstanz" Schwefeldioxid. Sie behindern z.B. bei Meerschweinchen die
Atmung viermal bezw. zwanzigmal stärker als die Ausgangsverbindung, das
Schwefeldioxid. Inwieweit diese Resultate allerdings für den Menschen zutreffen, vermag man noch nicht zu sagen. Jedenfalls ist höchste Wachsamkeit
geboten.
-Gewässer

�i

- Gewässer werden sauberer Das Bundesgesetz von 1972 zur Reinhaltung der Gewässer demonstriert,
daß die Regierung auf diesem Gebiet nicht minder entschlossen vorgeht. Die
einzige Kontroverse ergibt sich aus den dabei anzuwendenden Methoden und
dem Tempo. Aus preis-und konjunkturpolitischen Gründen lehnte es Präsident
volle
Nixon bisher ab, jetzt schon die/Hälfte der vom Kongreß bewilligten 24 Milliarden Dollar für den Bau von Kläranlagen freizugeben. Die dafür zur Verfügung gestellten Bundesmittel stiegen von 214 Millionen Dollar im Jahre 1969
auf zwei Milliarden im Jahre 1972, und sie werden im kommenden Haushaltsjahr
drei Milliarden Dollar erreichen.
Ziel des Wasserschutzprogramms der EPA, das in erster Linie durch den
Bau oder die Verbesserung von Kläranlagen erreicht werden soll, ist es,
bis 1977 die Entfernung von 85 Prozent der biologischen Abfälle aus dem
Wasser zu gewährleisten. Von der Industrie, der 34 Prozent der Wasserverschmutzung angelastet werden, wird bis 1977 die Anwendung der "bestmöglichen" Technik der Abwasserreinigung und bis 1985 eine - vorläufig allerdings vielfach als hypothetisch angesehene - völlige Einstellung des Einleitens von Abwässern in Flüsse und Seen verlangt. In den Vereinigten Staaten gibt es z.Zt. etwa 12 000 Anlagen zur Abwasserbehandlung. Bei der EPA
liegen derzeit Gesuche und finanzielle Zuschüsse zum Bau von weiteren
9 000 Anlagen vor.
Schon jetzt ist das Einleiten von Industrieabwässern in offene Gewässer scharfen Kontrollen und Beschränkungen mit Auflagen zur Vorbehandlung unterworfen. Es wird in zahlreichen Fällen von Sondergenehmigungen seitens der EPA abhängig gemacht. Gegenwärtig sind 600 solcher Anträge in
Bearbeitung bezw. bereits bewilligt; man erwartet, daß die Zahl schon im
Juni auf 3 500 angestiegen sein wird. Weitere 1 000 Anträge, die durch ein

-3

�ein neues Gesetz notwendig wurden, betreffen die Beseitigung von Industrieabfällen im Meer. Auch Motorboote und VergnügungsJachten bedürfen jetzt
im Interesse des Umweltschutzes einer besonderen Betriebserlaubnis.
Für die Beseitigung von Schrottfahrzeugen wurde im letzten Jahr viel
getan. Die Zahl der Schredderanlagen stieg von 90 auf 120 an. Sie können
pro Jahr acht Millionen Schrottfahrzeuge zerkleinern. Die Stahlwerke sind
in der Lage, den Eisenschrott in die Produktion wieder einzuschleusen.

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15/1973

DIE ATMUNG DER MEERE
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren-

--(AD)--

Nach neunmonatiger Forschungsfahrt, die von den Gewässern um

Grönland bis in die Antarktis führte, machte die KNORR, ein schwimmendes
Laboratorium des Ozeanographischen Instituts Woods Hole (Massachusetts)
Anfang April im Hafen von New York fest. Fast 26 000 Seemeilen (ca. 48 000
km) hatte sie auf dieser ersten Atlantik-Expedition für GEOSECS" (Geochemical Oceans Section Study - Erforschung der geochemischen Vorgänge
in den Weltmeeren) zurückgelegt. Im kommenden Jahr wird das Schwesteischiff
der KNORR, die MELVILLE vom Scripps-Institut in La Jolla (Kalifornien), mit
den gleichen Ausrüstungen und Meßverfahren im Pazifik und im Indischen Ozean
operieren. Ein japanisches Forschungsschiff, das bereits Teile des Pazifik
sondierte, schließt sich der MELVILLE an, während von Wissenschaftlern der
Bundesrepublik und Frankreichs noch in diesem Jahr bestimmte Gebiete des
atlantischen Ozeans im Rahmen des GEOSECS-Programms erkundet werden.
An dem von der amerikanischen "National Science Foundation" (Nationalstiftung für die Wissenschaft) finanzierten Projekt sind außerdem 15 amerikanische Universitäten und Laboratorien sowie Institute in Kanada, Indien

-l-

�I

Indien und Italien mit Untersuchungen beteiligt, die vom Festland aus durchgeführt werden können. Man möchte nicht nur eine allgemeine Übersicht, sondern möglichst exakte Kenntnisse von Temperaturen, Zirkulation, Salzgehalt,
Sauerstoffkonzentrationen, Nährstoffen, Druckverhältnissen, Radioaktivität
und anderen physikalischen Faktoren bekommen, die jenseits der Schelfzonen
in der Tiefsee anzutreffen sind.
Es liegt auf der Hand, daß alle diese Faktoren praktische Auswirkungen
auf wirtschaftswichtige Aktivitäten und Entwicklungen haben - Fischerei,
langfristige Wettervorhersagen, neue Hilfsquellen und, was vielleicht am bedeutsamsten ist, die Kontrolle der Meeresverschmutzung. Sie beeinflussen
den Stoffaustausch zwischen Tiefsee-und Oberflächenwasser, die biologische
Aktivität in verschiedenen Tiefenregionen und in einzelnen Meeresgebieten
und schließlich den Austausch von Wasser und Gasen zwischen Meer und Atmosphäre. Der erste Schritt zur Anwendung der mit GEOSECS erworbenen und
vertieften Kenntnisse wäre, wie Dr. Wallace Broecker von der Columbia-Universität (New York) in diesem Zusammenhang erklärte, die Ausarbeitung eines
Computer-Modells für den Stoff-und Energiehaushalt der Meere.
Die Wissenschaftler an Bord der KNORR sammelten Daten, die über die
Dynamik des Atlantik Aufschluß geben sollen. Die Reise begann am Polarkreis
und führte den westlichen Atlantik entlang bis zum Kap Hörn. Von dort aus
ging die Expedition weiter zur Küste der Antarktis, an dieser entlang und
schließlich zur Westküste Afrikas und wieder in Richtung Norden. Das Schiff
ist mit den wohl modernsten Anlagen ausgestattet, über die ein Forschungsschiff nur verfügen kann. Automatische Laboranlagen sind ebenso wie empfindliche neue Meßgeräte direkt an einen Bordcomputer angeschlossen, der nicht
nur die Daten speichert, sondern auch einen großen Teil der Operationen
steuert.
An

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�I

An mehr als 120 verschiedenen Stationen auf hoher See wurde das glockenförmige Tiefenmeß-Instrumentarium (die Wissenschaftler nennen es "Rosette")
so und so oft abgesenkt, stellenweise bis 7 000 m unter dem Wasserspiegel.
Obgleich es noch Monate, vielleicht Jahre dauern wird, bis die Daten ausgewertet sind, stehen bereits einige Ergebnisse fest. Man hatte z.B. befürchtet, daß die gegenwärtig ständig steigende Emission von Kohlendioxid auf
der nördlichen Halbkugel der Erde die Fähigkeit der Meere, Kohlendioxid zu
absorbieren, bereits übersteige, was zu einer Übersättigung der Atmosphäre
mit CO

und schließlich zu Klimaänderungen führen muß. Auf der KNORR-Expe-

dition wurde jedoch nachgewiesen, daß der Nordatlantik nach wie vor Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, der Südatlantik dagegen Kohlendioxid an die
Atmosphäre abgibt. Nach Dr„ Haro Takahashi, einem der Chefwissenschaftler
für das Unternehmen GEOSECS, sei dies ein Anzeichen dafür, daß die Meere
noch in der Lage sind, Gase aus den Regionen mit den stärksten Verschmutzungsgraden aufzunehmen. Allerdings bedeute dies, wie er betonte, keine Lösung des
Problems der atmosphärischen Belastung mit Industrieabgasen.
Die Wissenschaftler entdeckten außerdem, daß in den Tiefen der Weltmeere
sehr viel stärkere und ausgedehntere Turbulenz herrscht als bisher angenommen. Sie berichten z.B. von eindeutigen Anzeichen für "eine starke Wechselwirkung zwischen Grundströmungen und Meeresboden, wobei Material vom Meeresgrund durch die gesamten Weltmeere umverteilt wird."

Ein besonders wichti-

ger Teil der Forschungen entfiel auf die Entnahme und Messung radioaktiver
Isotope im Meer, weil diese ein sehr genaues Bild von der horizontalen und
vertikalen Zirkulation und den Auswirkungen der Verschmutzung ergeben können. Mit Hilfe der auf der KNORR praktizierten Methoden ist es möglich, bessere Vorhersagen für künftige Entwicklungen in den Weltmeeren zu machen.
"Sie verändern sich viel schneller, als wir bisher annahmen", meinte
Dr. Takahashi.

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15/1973
HORMONE UND MUSKELDYSTROPHE
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

--(AD)--Die biochemischen Prozesse, die der Muskeldystrophie zugrundeliegen,
konnten trotz intensiver Forschung bisher nicht geklärt werden. In einer
Reihe von Instituten in aller Welt bemühen sich Wissenschaftler darum, der
offenbar genetisch bedingten, in einigen typischen Hauptformen auftretenden Krankheit auf die Spur zu kommen. Bei einem Erfolg dieser Bemühungen
könnte es zum mindesten möglich werden, die Prozesse, die den Stoffwechsel
der Muskelzellen entgleisen

lassen, zu beeinflussen und die fortschrei-

tende Degeneration der Muskulatur zu stoppen.
Die "Muscular Dystrophy Associations of America, Inc." (MDAA), eine
private Vereinigung zur Bekämpfung dieser Krankheit, stellte kürzlich
Instituten in Kalifornien den Betrag von 200 000 Dollar zur Verfügung. Ein
Teil der Mittel geht an Dr.Hanna Friedman, Assistenzprofessorin für Biologie an der Universität Kalifornien in San Diego, die sich mit den Vorgängen an der Oberflächenmembran von gesunden und kranken Muskelzellen befaßt. Diese Trennschicht zwischen dem Zellinnern und der Umgebung der Zelle,
über die der Stoffaustausch vonstatten geht, macht im Verlauf der Austauschvorgänge selbst Veränderungen durch. Der Mechanismus, nach dem diese
Veränderungen ablaufen, ist jedoch noch unbekannt. Dr. Friedman hofft,

-l-

�hofft, durch ihre Untersuchungen mehr Licht in die Vorgänge zu bringen, die
vielleicht auch bei der Verschlimmerung des Zustandes von Patienten mit
Muskeldystrophie eine Rolle spielen.
Als eine mögliche Ursache der Muskeldystrophie werden enzymatische
Fehlreaktionen vermutet. Interessant in diesem Zusammenhang sind Erfahrungen,
die kürzlich Wissenschaftler des Klinikums der Emory-Universität in Atlanta
(Georgia) machten. Dr. Samuel B. Chyatte und Dr. Daniel Rudman gaben im Rahmen ein er kurzfristigen Studie Patienten mit Muskeldystrophie menschliches
Wachstumshormon (human growth hormon - HGH). Bei zwei Formen der Erkrankung
- nämlich der sogenannten myotonen Dystrophie und der Schultergürtel-Form zeigte sich bald eine ermutigende Reaktion. Das Hormon hatte offenbar einen
gewissen aufbauenden Effekt und wirkte als Anabolikum. Das Muskelgewebe nahm
an Substanz zu. Allerdings war in der noch relativ kurzen Zeit der Anwendung
keine entsprechende Kräftigung der Muskulatur zu beobachten. Deshalb wurde
jetzt ein längerfristiges Programm für die HGH-Therapie eingeleitet, bei dem
die Patienten unter diesem Gesichtspunkt besonders sorgfältig beobachtet werden.
Entgegengesetzt war jedoch die Reaktion bei der dritten und häufigsten
Form, der progressiven Muskeldystrophie (Typ Duchenne), auf die fast 90 Prozent aller Erkrankungen entfallen und von der meist nur Knaben betroffen
sind. Bei diesen Patienten kam es zu einer verstärkten Atrophie des Muskelgewebes. Man beobachtete unter anderem, daß aus den Muskelzellen Enzyme aussickern, was auf eine ernste Zellschädigung schließen ließ.
Dieses Ergebnis veranlaßte Chyatte und Rudman, Diaethylstilbestrol anzuwenden, ein synthetisch gewonnenes weibliches Sexualhormon. Es hatte bei den
Patienten mit progressiver Muskeldystrophie einen ähnlichen aufbauenden
Effekt wie HGH bei den anderen beiden Dystrophie-Formen. Nach Meinung der
Wissenschaftler liegt die Bedeutung dieser Ergebnisse allerdings weniger in

�in der therapeutischen Wirkung als vielmehr in der Tatsache, daß menschliches Wachstumshormon bei den verschiedenen Formen der Muskeldystrophie
konträre Wirkungen zeigt. Weder bei Tierversuchen noch beim Menschen war
zuvor der zeilabbauende (katabole) Effekt von HGH beobachtet worden. Es se
zu vermuten, so Dr.

Chyatte, daß bei Muskeldystrophie vom Typ Duchenne di

biologische Aktivität dieses Hormons überhaupt eine Schlüsselrolle spielt.
Diese Dystrophie-Form scheine eine Art "seitenverkehrtes Spiegelbild" der
anderen beiden Erkrankungsformen zu sein. Die bisherigen Forschungsergebnisse weisen auf spezifische bio-chemische Defekte hin, die man nun weiter
eingrenzen möchte und im Detail ausfindig zu machen hofft.

-3-

�</text>
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                    <text>11. April 1984

15/A

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan erläutert Grundlagen der amerikanische Außenpolitik
- Rede vor der Georgetown-Universität Reagan: USA werden Vertrag über weltweites Verbot chemischer Waffen
vorschlagen
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April Shultz: Macht und Diplomatie gehören zusammen
- Rede des US-Außenministers vor der Triiateralen Kommission -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. April 1984

15

PRÄSIDENT REAGAN ERLÄUTERT GRUNDLAGEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
— Rede vor der Georgetown-Universität —

WASHINGTON -(AD)- In einer Rede vor dem Zentrum für Strategische und
Internationale Studien der Georgetown-Universität erklärte Präsident
Reagan am 6. April 1984, daß die Verminderung der Gefahr eines Atomkriegs
von allen Aufgaben, vor denen die USA heute stehen, die wichtigste sei.
Reagan wiederholte die von den USA unterbreiteten Abrüstungsvorschläge
und versicherte, daß die USA sowohl bei der START- als auch bei der
INF-Thematik flexibel bleiben. Er äußerte sich auch zur amerikanischen
Politik in Mittelamerika, im südlichen Afrika und im Nahen Osten.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihr Thema des überparteilichen Konsens unter dem Aspekt
der außenpolitischen Herausforderungen abhandeln, denen sich Amerika in
den 80er Jahren gegenübersieht.
Idealismus und Realismus

Alle Amerikaner teilen zwei große außenpolitische Ziele: eine
sicherere Welt und eine Welt, in der die Rechte des Individuums
respektiert werden und in der die Werte, die uns am Herzen liegen,
gedeihen können.
Diese Werte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Diese Werte machen das Wesen des traditionellen Idealismus Amerikas
aus und leiten uns in unserem Streben nach Frieden in der Welt. So sehr
wir uns diesen Zielen verpflichtet fühlen, so sind wir doch nicht die
einzigen, denen sie etwas bedeuten. Sie wurden nicht "in Amerika
erfunden." Sie werden von Menschen überall auf der Welt geteilt.

Tragischerweise ist die Welt, in der diese grundlegenden Ziele von so
vielen geteilt werden, von Krisen geschüttelt. Während wir und unsere
Verbündeten uns des Friedens und des Wohlstandes erfreuen, leben viele
Bürger in den Industriestaaten weiterhin in Angst vor Konflikten und vor
dem drohenden Atomkrieg. Überall auf der Welt werden unschuldige Menschen
und die Werte der Zivilisation von Terroristen bedroht. Und in den
Entwicklungsländern sind die Träume von menschlichem Fortschritt nur
allzu oft durch gewaltsame Revolutionen oder Diktaturen zerstört worden.

Es ist ganz offenkundig, daß der verbreitete Wunsch nach einer
sicheren und menschlicheren Welt für sich allein noch nicht ausreicht, um
eine solche Welt auch tatsächlich zu schaffen. Was bei der Verfolgung
dieser wichtigen Ziele zählt, sind nicht nur ehrenwerte Absichten und
guter Wille, sondern auch die praktischen Mittel. Von folgenden
Grundprinzipien müssen wir uns leiten lassen:

Realismus. Die Welt ist nicht so, wie wir sie gern hätten. Die
Wirklichkeit ist oftmals rauh. Wir können das nicht ändern, wenn wir sie
nicht zunächst einmal so nehmen, wie sie ist.
Stärke. Wir wissen, daß Stärke nicht alles ist, aber ohne sie gibt es
keine wirksame Diplomatie und keine Verhandlungen und auch keine stabile
Demokratie und gesicherten Frieden. Umgekehrt führt sich eine Politik der
Schwäche, des Hoffens und des Die-Hände-in-den-Schoß-Legens selbst ad
absurdum, denn sie fordert genau die Aggression und Instabilität heraus,
der sie ja gerade zu entgehen sucht.

Wir tschaftswachstum.

Dies ist die Grundlage, auf der unsere Stärke ruht

und die den Menschen in die Lage versetzt, seine in ihm schlummernden
Möglichkeiten zu entfalten. Ohne Wirtschaftswachstum können sich in der
Innen- wie

�Innen- wie in der Außenpolitik Stärke und Kreativität weder entwickeln
noch entfalten.

Hintergrundwissen. Unsere politischen Maßnahmen können nicht wirksam
sein, wenn die Informationen, auf denen sie beruhen, nicht korrekt,
rechtzeitig verfügbar und vollständig sind.

Teilung der Verantwortung mit Verbündeten. Unsere Freunde und
Verbündeten haben Teil an der schweren Verantwortung für die Verteidigung
der Freiheit. Wir wünschen und brauchen ihre Partnerschaft, damit wir bei
der Verfolgung unserer gemeinsamen Ziele die Lasten, die dies mit sich
bringt, teilen können.

Gewaltverzicht. Wir stellen keine Gebietsansprüche. Wir halten kein
fremdes Territorium besetzt. Wir benötigen unsere Machtmittel nur aus
Gründen der Abschreckung und um unsere Interessen zu wahren, falls die
Abschreckung versagt.

Dialog mit dem Gegner. Obwohl wir uns hinsichtlich des Bestehens
grundlegender Gegensätze zwischen uns und dem Gegner nichts vormachen
dürfen, müssen wir doch stets bereit sein, diese Gegensätze mit
friedlichen Mitteln aufzulösen.

Überparteilicher Konsens im eigenen Land.

In unserer

Zwei-Parteien-Demokratie muß am Anfang einer erfolgreichen Außenpolitik
der überparteiliche Konsens stehen, denn die gemeinsame Verantwortung für
eine sicherere und menschlichere Welt muß daheim beginnen.

Die Erneuerung Amerikas
Während der letzten drei Jahre haben wir uns beständig bemüht,
Amerika seinen außenpolitischen Zielen näherzubringen, indem wir diesen
lebenswichtigen Grundsätzen wieder zu mehr Beachtung verholfen haben.
Viele Bedrohungen bleiben bestehen, und der Friede mag manch einem immer
noch gefährdet erscheinen. Tatsächlich jedoch ist es um den Schutz und
die Sicherheit Amerikas heute besser bestellt, weil die Bevölkerung
dieses großen
- 3-

�dieses großen Landes die Grundlagen seiner Stärke wieder gefestigt hat.

Wir sind mit neuem Realismus angetreten, mit einem klarsichtigen
Verständnis der Welt, in der wir leben, und im Bewußtsein unserer
weltweiten Verantwortung. Unsere Industrie ist auf Importe von Energie
und Bodenschätzen aus weit entfernten Ländern angewiesen. Unser
wirtschaftliches Wohlergehen erfordert ein intaktes internationales
Finanzsystem und freie und offene Märkte. Und unsere Sicherheit ist
untrennbar mit der unserer Freunde und Nachbarn verbunden.

Ich meine, die Haltung der Amerikaner gegenüber der Welt ist heute
geprägt von Realismus und Reife. Die große Mehrheit unseres Volkes ist
nicht der Meinung, daß die krassen Unterschiede zwischen Demokratie und
Totalitarismus von selbst verschwinden, wenn man es sich nur stark genug
wünscht. Es ist ihnen klar, daß die erste Voraussetzung der Sicherheit
Amerikas darin besteht, daß man die Stärke und Freiheit Amerikas bewahren
muß.

Als wir 1981 die Amtsgeschäfte übernahmen, trieb die Sowjetunion
bereits seit 20 Jahren das massivste Aufrüstungsprogramm der Geschichte
voran. Ihr Ziel war eindeutig nicht, mit uns gleichzuziehen, sondern uns
zu überholen. Dennoch beschränkten sich die Vereinigten Staaten in den
70er Jahren praktisch auf die Rolle eines Zuschauers. Dies war ein
Jahrzehnt der Versäumnisse, das in besorgniserregender Weise an unserer
Verteidigungskraft gezehrt hat.

Mit der Unterstützung beider Parteien brachten wir unverzüglich ein
umfassendes Programm zur Wiederherstellung unserer Wehrkraft in Gang. Wir
haben beachtliche Fortschritte erzielt bei der Wiederherstellung der
Einsatzmoral unserer Männer und Frauen in Uniform, bei der Wiederauffüllung der Bestände an Ersatzteilen und Munition, beim Ersatz
veralteter Einrichtungen und Geräte, bei der Verbesserung der Grundausbildung und der Einsatzbereitschaft und bei der zügigen Abwicklung
überfälliger Rüstungsprogramme.
Die schlichte

�Die schlichte Wahrheit ist, daß wir in der zweiten Hälfte der 70er
Jahre nicht mehr zur Abschreckung imstande waren, wie die Ereignisse von
Angola bis Afghanistan gezeigt haben. Heute sind wir wieder dazu imstande, und diese Tatsache hat die Zukunftsaussichten von Millionen von
Menschen fundamental gewandelt. Die Zeiten sind vorbei, als die Vereinigten Staaten für eine steuerlose Supermacht oder eine hilflose Geisel der
Weltpolitik gehalten wurden. Amerika führt wieder. Frieden durch Stärke
ist nicht nur ein Schlagwort, sondern vielmehr eine erfahrbare Tatsache
—

und wir werden nicht zurückfallen in die Zeit des Händeringens, des

Defätismus, des Niedergangs und der Verzweiflung.

Wir haben auch unsere nachrichtendienstlichen Mittel in erheblichem
Maße verbessert, indem wir die Einsatzmoral der Nachrichtendienste wiederhergestellt und unsere Möglichkeiten zur Entdeckung, Erforschung und
Abwehr der Aktionen feindlicher Dienste verbessert haben.

Unsere Wirtschaftskraft, die die Grundlage unserer Rüstungsanstrengungen bildet, hat seit 1981 einen dramatischen Aufschwung
erfahren. Was wir vorgefunden haben, war eine stagnierende Wirtschaft,
die, bedingt durch fehlende Anreize, eine zweistellige Inflationsrate,
einen Zinssatz von 21,5 Prozent, Investitionsunlust, rapide sinkende
Produktivität und einen schwachen Dollar, am Boden lag. Was wir daraus
gemacht haben, ist eine dynamische Wirtschaft im Aufschwung, die sich auf
neue Anreize, stabile Preise, niedrigere Zinssätze, neuerliche Produktivität und wiederhergestelltes Vertrauen in unsere Währung stützen kann.

Diese Wiederherstellung der inländischen Grundlagen unserer Stärke
ging einher mit einer Intensivierung der Partnerschaft mit den Freunden
und Verbündeten unseres Landes. Sowjetische Einschüchterungsversuche sind
an der Einheit des NATO-Bündnisses wirkungslos abgeprallt, und die Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials geht voran. Das
Staatsoberhaupt von Amerikas ältestem Bündnispartner, der französische
Präsident Mitterrand, erinnerte uns unlängst daran, daß "Friede — wie
auch Freiheit —

nichts ist, was man ein für allemal besitzt ... Das

Streben nach beidem ist eine bleibende Aufgabe ... In den turbulenten
Zeiten, die wir erleben, ist Solidarität unter Freunden wesentlich."
Unsere Prinzipien
- 5 -

�Unsere Prinzipien gebieten nicht nur die Wiederherstellung unserer
Stärke; wir können aus ihnen auch Maximen für den Gebrauch dieser Stärke
herleiten. Wir bleiben dem Grundsatz der Gewaltfreiheit verpflichtet. In
einem Falle, in dem die Vereinigten Staaten auf Ersuchen von Nachbarländern hin dennoch Gewalt angewandt haben — nämlich in Grenada — haben
wir entschlossen gehandelt, aber erst, nachdem klar war, daß ein blutdürstiges Regime eine unmittelbare Gefahr für das Leben amerikanischer
wie grenadischer Staatsbürger und darüber hinaus für die Sicherheit
benachbarter Inseln heraufbeschworen hatte. Wir sind wieder abgerückt,
sobald Stabilität und Freiheit auf der Insel wiederhergestellt waren. Die
Sowjetunion kann für ihre massive Invasion in Afghanistan vor vier Jahren
keine derart legitime Rechtfertigung geltend machen. Bis zum heutigen
Tage sind Besatzungstruppen in Stärke von 100 000 Mann dort verblieben.
In eindeutigem Gegensatz dazu halten die Vereinigten Staaten keinen
fremden Boden besetzt und streben dies auch nicht an.Obwohl wir und die
Sowjetunion uns in tiefgreifender Weise unterscheiden, ist es ein
zwingendes Erfordernis des Lebens im Atomzeitalter, miteinander zu
sprechen. Wenn der neuen sowjetischen Führung wirklich ernsthaft an der
Schaffung einer sichereren und menschlicheren Welt gelegen ist, und nicht
daran, mit Waffengewalt weitere Eroberungen zu machen, wird sie im Westen
einen verständnisvollen Partner finden.

Während wir uns von diesen Lebensgrundsätzen leiten Hessen, haben
wir stets versucht, den Geist wiederzubeleben, in dessen Zeichen unsere
Außenpolitik in der Nachkriegsära gestanden hat —

parteiübergreifende

Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und der Legislative.
Viel ist erreicht worden, aber es bleibt auch noch viel zu tun. Wenn
sich die Republikaner und die Demokraten mit vereinten Kräften bemühen,
vier großen Herausforderungen zu begegnen, denen sich die amerikanische
Außenpolitik in den 80er Jahren gegenüber sieht, dann können und werden
wir große Fortschritte in Richtung auf eine sicherere und menschlichere
Welt machen.
Vier große

- 6-

�Vier große Herausforderungen

Die erste Herausforderung besteht darin, das Risiko eines Atomkriegs
zu vermindern und die atomare Rüstung in einer Weise zu verringern, die
gewährleistet, daß auch die Wahrscheinlichkeit, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden, verringert wird. Es gibt keine dringlichere Aufgabe,
denn ein Atomkrieg ist nicht zu gewinnen und darf deshalb niemals geführt
werden. Um aber einen Atomkrieg zu verhüten, reicht es nicht aus, einfach
nur gegen ihn zu sein.

Seit 35 Jahren beruht die Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten und ihrer NATO-Verbündeten auf einer einfachen Prämisse: Wir
fangen keinen Krieg an. Wir erhalten unsere konventionelle und strategische Schlagkraft nur deshalb aufrecht, um vor einer Aggression dadurch
abzuschrecken, daß wir jedem möglichen Aggressor klarmachen, daß ihm ein
Krieg nichts einbringen würde außer einem völligen Desaster. Abschreckung
war und bleibt der Eckstein unserer nationalen Sicherheitspolitik, die
auf die Verteidigung der Freiheit und die Erhaltung des Friedens gerichtet ist.

Aber wie ich bereits ausführte, waren die 70er Jahre durch eine
Vernachlässigung unserer Verteidigungsmittel gekennzeichnet, und die
Sicherheit unseres atomaren Potentials bildet in dieser Beziehung keine
Ausnahme. Zu viele vergaßen John F. Kennedys warnenden Hinweis, daß wir
nur dann, wenn die Sicherheit unserer Waffen außer Zweifel steht, gewiß
sein können, daß sie nie zum Einsatz kommen werden. Zu Beginn dieses
Jahrzehnts sahen wir uns drei wachsenden Problemen gegenüber: dem sowjetischen SS-20-Monopol in Europa und Asien, der Verwundbarkeit all unserer
landgestützten Interkontinentalraketen und der Tatsache, daß die geschlossenen Rüstungskontrollabkommen sich als untauglich zur Verlangsamung des
Gesamtwachstums der strategischen Waffenarsenale erwiesen hatten. Die
Carter-Administration, wie eigentlich fast jedermann, war sich dieser
Probleme bewußt.

Die Auffassung, daß Rüstungsabkommen automatisch zu Rüstungskontrolle
führen, ist weit verbreitet, aber falsch. 1969, als die Verhandlungen
über SALT I
- 7 -

�über SALT I begannen, hatte die Sowjetunion 1 500 strategische Nukleargefechtsköpfe. Heute könnte das sowjetische nukleare Arsenal auf 15 000
Atomgefechtsköpfe und mehr anwachsen und dabei doch im Rahmen aller
geschlossenen Rüstungskontrollabkommen bleiben, die Richtlinien von SALT
I und II eingeschlossen.

Die Eindämmung der Gefahr eines Atomkriegs muß daher auf zwei
parallelen Wegen angegangen werden: glaubwürdige Abschreckung und
wirkliche Rüstungsverminderungen bei wirksamer Verifikation. Das ist die
Grundlage, von der aus wir uns mit den beschriebenen Problemen auseinandergesetzt haben. Deshalb haben wir mit der Ausführung des NATODoppelbeschlusses von 1979 begonnen, während wir gleichzeitig die Zahl
der Atomgefechtsköpfe in Europa verringert haben. Deshalb haben wir auch
versucht, uns der Unterstützung beider Parteien für die Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und das "Abbau-Konzept" zu versichern, und ebenfalls
deshalb haben wir —

zum ersten Mal überhaupt —

bei den Gesprächen über

die Verringerung strategischer Waffen eine drastische Verminderung der
Zahl solcher Waffen vorgeschlagen.

Die Rüstungskontrollvorschläge, die wir unterbreitet haben, sind ohne
Ausnahme geeignet, den Aufrüstungstrend umzukehren und zur Errichtung
eines stabileren Gleichgewichts auf niedrigerem Rüstungsniveau beizutragen. Bei den START-Gesprächen sind wir bestrebt, die Zahl der Raketengefechtsköpfe in maßgeblichem Umfang zu vermindern, die Zerstörungskraft von Atomraketen herabzusetzen und Bomber und Marschflugkörper
Höchstgrenzen zu unterwerfen, die unter denen von SALT II liegen sollten.
Bei den Gesprächen über nukleare Mittelstreckenwaffen haben unsere Unterhändler vier VorSchlagspakete auf den Tisch gelegt, deren Zweck es ist,
sowjetischen Anliegen Rechnung zu tragen und die Aussichten auf ein
faires und gerechtes Abkommen zu verbessern, mit dem eine ganze Kategorie
von Atomwaffen reduziert oder überhaupt beseitigt werden könnte. Unsere
Flexibilität bei den START- und den INF-Verhandlungen haben wir durch
zahlreiche Abänderungen unserer Positionen bewiesen. Alles, was wir zur
Antwort bekommen haben, war Stille im Verhandlungssaal nach dem Auszug
der sowjetischen Delegation. Bei den Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen haben wir und unsere
NATO-Partner

�NATO-Partner einen Vertragsentwurf vorgelegt, der dafür sorgen könnte,
daß bei den konventionellen Streitkräften ein Gleichstand auf niedrigerem
Niveau erzielt wird. Um das Risiko eines Kriegsausbruchs in Krisenzeiten
zu verringern, haben wir der Sowjetunion wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der direkten Kommunikation und zur Erhöhung des beiderseitigen
Vertrauens vorgeschlagen. Und erst kürzlich habe ich Vizepräsident Bush
angewiesen, sich zur Genfer Abrüstungskonferenz zu begeben, um dort eine
neue amerikanische Initiative vorzustellen: ein weltweites Verbot der
Herstellung, des Besitzes und der Anwendung chemischer Waffen.

Unsere Maßnahmen im Bereich der Strategie bilden eine wohlerwogene
Antwort auf einen Komplex nuklearpolitischer Probleme, in dessen Einschätzung sogar unsere Kritiker mit uns übereinstimmten. Viele, die dazu
neigen, sich über diesen überparteilichen Konsens hinwegzusetzen, indem
sie behaupten, zu wissen, wie ein größeres Maß an Sicherheit erlangt
werden könnte, lassen augenscheinlich die wahrscheinlichen Konsequenzen
ihrer eigenen Vorschläge außer Betracht.

Jene, die noch in letzter Minute ein Moratorium bei der Stationierung
von nuklearen Mittelstreckenwaffen wollten, hätten unsere Verbündeten
verraten und die Chancen für mehr Sicherheit für Europa verschlechtert.
Jene, die die Rüstung einseitig "einfrieren" möchten, würden bald merken,
daß ein solches Konzept nicht verifizierbar und darüber hinaus destabilisierend ist, weil es die Wiederherstellung eines stabilen und daher
friedenserhaltenden Gleichgewichts verhindern müßte. Jene schließlich,
die für eine einseitige Aufgabe des Projekts der Friedenswahrer-Rakete
(Peacekeeper) eintreten, würden damit eine zentrale Empfehlung der überparteilichen Scowcroft-Kommission außer acht lassen und den Sowjets
nahezu jeden Anreiz nehmen, über echte Rüstungsverminderungen zu verhandeln. Die Sowjets würden auf diese Weise ja förmlich dafür belohnt, daß
sie den Verhandlungstisch verlassen haben.

Solche Lösungen, die auf einer grob vereinfachenden Sicht der Dinge
beruhen, wie auch andere, die von unseren Kritikern vorgeschlagen werden,
würden ernstzunehmende Abkommen und ein höheres Maß an Sicherheit wohl
vollends unerreichbar machen. Unsere Kritiker könnten uns bei unserem
Hinarbeiten auf

�Hinarbeiten auf die Ziele, die wir alle teilen, am besten helfen, indem
sie sich bereit zeigen, auch die praktischen Maßnahmen, die zur Verwirklichung dieser Ziele erforderlich sind, mitzutragen. Es ist natürlich
einfach, für eine starke Landesverteidigung zu sein, aber es ist schon
wesentlich schwerer, auch für einen entsprechend hohen Wehretat einzutreten. Und es ist natürlich einfach, Rüstungsabkommen zu fordern, aber
es ist viel schwieriger, für geduldiges, unerschütterliches und faires
Verhandeln mit einem Gegner zu sein, der stets zunächst einmal abwartet,
wieviele Kompromisse wir uns wohl untereinander abtrotzen. Überparteilicher Konsens kann nur funktionieren, wenn beide Seiten den realen
Problemen ins Auge sehen —

und ihnen mit realen Lösungen begegnen.

Aber unsere Sicherheit hängt von mehr ab als von glaubwürdiger
Abschreckung und Verringerung der Kernwaffen. Von entscheidender
Bedeutung ist auch eine konstruktive regionale Entwicklung. Daher
besteht unsere zweite große Herausforderung in einer Stärkung der Basis
für Stabilität in unruhigen und strategischen sensitiven Regionen.

Regionale Spannungen haben ihren Ursprung oft in althergebrachten
sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten sowie in
ethnischen und religiösen Streitigkeiten.

Doch im Verlauf der 70er Jahre

haben verstärkte sowjetische Unterstützung von Terrorismus, Aufruhr und
Aggression in Verbindung mit einer Vorstellung von sich abschwächender
amerikanischer Macht und Entschlossenheit diese Spannungen noch um ein
Vielfaches verstärkt.

Die Ergebnisse waren nicht überraschend: Die Massaker in Kamputschea
nach der vietnamesischen Invasion; die sowjetische Invasion Afghanistans;
der Aufstieg des iranischen Extremismus und die Geiselnahme der Amerikaner; der libysche Druck in Afrika; militärische Einmischung der Sowjets
und Kubaner in Angola und Äthiopien; ihre subversive Tätigkeit in Mittelamerika und der Anstieg des staatlich unterstützten Terrorismus.

Zusammengenommen lassen diese Ereignisse ein Muster zunehmender
Instabilität und Gewalt erkennen, das die Vereinigten Staaten nicht
ignorieren können. Und wir ignorieren es nicht. Genau wie hinsichtlich
der Verteidigung,

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�der Verteidigung, so gab es vom Beginn der achtziger Jahre an in diesem
Land auch zunehmenden Konsens darüber, daß wir mehr dafür tun müßten, die
Probleme in den Griff zu bekommen, die unsere lebenswichtigen Interessen
berühren.

Es ist offenkundig, daß keine abstrakte Politik für sich genommen
erfolgreich mit allen Problemen in allen Regionen fertigwerden könnte.
Aber generell gesehen, erfordert eine wirksame regionale Stabilisierung
eine ausgewogene Politik - eine Mischung aus Wirtschafthilfe, Sicherheitshilfe und diplomatischer Vermittlung -, die den Bedürfnissen einer
jeden Region angepaßt sein muß. Es ist desgleichen offenkundig, daß wir
allein keine bedrohten Regierungen retten oder den Terrorismus unter
Kontrolle bringen können. Aber Nichtstun würde uns nur noch weit größere
Probleme in der Zukunft bescheren. Daher bemühen wir uns darum, die
Zusammenarbeit mit Staaten auszuweiten, die unsere gemeinsamen Interessen
unterstützen, und die großen Gelegenheiten zur Wahrung des Friedens zu
ergreifen.

Das vielleicht beste Beispiel für diese umfassende Politik ist der
Bericht und sind die Empfehlungen der Nationalen überparteilichen Mittelamerika-Kommission.

Denn diesem Bericht entnahmen wir die Vorschläge,

Mittelamerika friedliche Entwicklung zu bringen. Sie liegen derzeit dem
Kongreß vor und werden dort eingehend diskutiert werden.

Ich begrüße die Debatte. Aber wenn sie produktiv sein soll, dann
müssen wir das Mythen-Schaffende und das Uninformiert-Rhetorische beiseite lassen. Etwa, wenn einige darauf bestehen, daß die Wurzel der
Gewalt in der Region die Armut sei, nicht aber der Kommunismus. Nun,
drei Viertel unserer Haushaltsanforderungen und unserer laufenden Programme gilt der Wirtschafts- und der humanitären Hilfe. Amerika ist ein
gutes und ein großzügiges Land. Aber die Wirtschaftshilfe allein kann
die kubanischen und von den Sowjets unterstützten Guerillas nicht aufhalten, die dazu entschlossen sind, zu terrorisieren, Brände zu legen und
alles - von Brücken bis Fabriken, von Elektrizitätswerken bis Transportmöglichkeiten - zu zerstören. Und wenn die Stabilität nicht gesichert ist, dann können weder die Rechte des einzelnen, noch die wirtschaftliche Gesundheit
- 11 -

�schaftliche Gesundheit gefördert werden.

Andere Kritiker wiederum sagen, wir sollten die Probleme dieser oder jeder anderen - Region nicht als Ausdruck des Ost-West-Gegensatzes
sehen. Unsere Politik in Mittelamerika und andernorts ist ja aber gerade
darauf angelegt, eine Ausbreitung der Ost-West-Spannungen zu verhindern
und nicht zuzulassen, daß sie in das Leben von Staaten eindringen, die
sich mit gewaltigen eigenen Problemen auseinanderzusetzen haben. Die
Ereignisse im südlichen Afrika zeigen, was beständige Vermittlung und die
Fähigkeit, mit allen Seiten zu sprechen, erreichen können. Die Staaten
dieser Region waren jahrzehntelang in Krieg verstrickt, aber jetzt
herrscht neue Hoffnung auf Frieden. Südafrika, Angola und Mosambik sind
dabei, Abkommen zu schließen, um dem Kreislauf der Gewalt Einhalt zu
gebieten. Unsere Administration ist an diesem Prozeß aktiv beteiligt
gewesen, und wir werden dies auch weiterhin sein in dem Versuch, ein
unabhängiges Namibia ins Leben zu rufen, der ausländischen militärischen
Einmischung ein Ende zu bereiten und die Region aus dem Ost-West-Konflikt
herauszuhalten.

Ich hege die Hoffnung, daß sich alle Menschen des süd-

lichen Afrika des Friedens und der demokratischen Reform erfreuen werden.

Auch in Mittelamerika sind wir Zeuge von Forschritt. Die Präsidentschaftswahl in El Salvador ist Ausdruck des Wunsches dieser Nation,
sich in Frieden selbst zu regieren. Doch bleibt die Zunkunft der Region
auch weiterhin offen. Wir stehen vor der Wahl: Entweder helfen wir den
Freunden Amerikas dabei, sich selbst zu verteidigen, und geben der Demokratie eine Chance; oder aber wir entziehen uns unserer Verantwortung und
überlassen es der Sowjetunion und Kuba, das Geschick unserer Hemisphäre
zu gestalten. Sollte dies geschehen, würde der Ost-West-Konflikt nur
noch umfassender und noch viel gefährlicher.

Wenn wir uns mit dieser regionalen Instabilität befassen, dann müssen
wir verstehen, in welchem Verhältnis sie zu anderen Problemen steht.
Unsicherheit und regionale Gewalt gehören zu den Triebkräften der nuklearen Proliferation. Bewahrung des Friedens in unruhigen Regionen und die
Stärkung der Barrieren gegenüber nuklearer Proliferation sind zwei Seiten
derselben Münze. Stabilität und Sicherheitsmaßnahmen gehen Hand in Hand.
Niemand sagt,
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�Niemand sagt, daß diese Politik billig, rasch erfolgreich oder leicht
ist. Aber die Kosten einer solchen Verpflichtung stehen in keinem Vergleich zu den gewaltigen Opfern, die wir zu erbringen hätten, würden wir
nichts oder nur zu wenig tun. Die Kissinger-Kommission warnte davor, daß
die Errichtung von Regimen kubanischen Stils in Mittelamerika die Subversion und den Alptraum von Millionen entwurzelter Flüchtlinge, die in Verzweiflung nordwärts treiben würden, näher an unsere eigenen Grenzen herantrügen.

Im Nahen Osten, der so selten Zeiten des Friedens erlebt hat, streben
wir eine ähnliche Mischung aus Wirtschaftshilfe, diplomatischer Vermittlung sowie militärischer Hilfe und Zusammenarbeit an. Dies wird

- das

ist unsere Überzeugung - den Einsatz amerikanischer Streitkräfte unnötig
machen und das Risiko eines Ost-West-Konflikts verringern. Aber angesichts der Bedeutung der Region müssen wir auch zum Handeln bereit sein,
wenn die Präsenz amerikanischer Macht sowie die unserer Freunde dazu
beitragen kann, der Ausbreitung von Gewalt Einhalt zu gebieten. So habe
ich zum Beispiel gesagt, daß wir die Straße von Hormus offen halten
werden - jenen lebenswichtigen Seeweg, durch den so viel Öl in Richtung
Vereinigte Staaten und andere Industriestaaten fließt. Wird dies von
vornherein deutlich - und glaubwürdig - gemacht, so wird dadurch eine
Krise weit weniger wahrscheinlich.

Wir müssen mit stiller Beharrlichkeit und ohne Illusionen vorgehen.
Wir mögen Rückschläge erleiden, aber wir dürfen uns nicht zu der Schlußfolgerung verleiten lassen, daß wir unsere Interessen verteidigen können,
ohne jemals eine Verpflichtung einzugehen. Und auch andere Staaten sollten nicht glauben, einfache Rückschläge würden dazu führen, daß sich Amerika wieder nach innen kehrt. Wir kennen unsere Verantwortung, und wir
werden uns ihr stellen.

Da eine wirksame Lösung der regionalen Probleme einer ausgewogenen
und geduldigen Politik bedarf, ist es von entscheidender Bedeutung, daß
der Kongreß seine volle - und nicht nur stückweise - Unterstützung gibt.
Denn wo wir bei der regionalen Stabilisierung gescheitert sind, geschah
es deshalb, weil

- 13 -

�es deshalb, weil der Kongreß nicht in der Lage war, uns diese Unterstützung zu gewähren. Halbe Maßnahmen - die Weigerung, die Verantwortung
für Mittel zu übernehmen -, produzieren die schlimmstmöglichen Ergebnisse.

Ich werde mich diesem Punkt zuwenden, wenn ich gleich über die

vierte Herausforderung spreche.

Mehr Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung und persönliche Freiheit sind unsere dritte große Herausforderung.

Das amerika-

nische Konzept von Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg.
Wir sind für ein gedeihliches Wirtschaftswachstum und für individuelle
Freiheit in einer Welt des Friedens. Auch dies ist ein Ziel, dem sich
die meisten Amerikaner verschrieben haben. Unsere politischen Führer
müssen danach beurteilt werden, ob die Mittel, die sie hierfür bieten,
uns auch dabei helfen, es zu erreichen.

Unser Glaube an die Freiheit und die Chancen des einzelnen wurzelt in
praktischer Erfahrung: Freie Menschen schaffen freie Märkte, die wiederum
eine dynamische Entwicklung für jedermann herbeiführen. Und in Amerika
erwecken wirtschaftliche Anreize, Risikobereitschaft und Unternehmertum
erneut den Geist des Kapitalismus und stärken die wirtschaftliche Expansion und den Fortschritt der Menschen überall in der Welt. Unser Ziel
war stets die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung eines nichtinflationären weltweiten Wachstums, um dadurch für immer die Stagflation der
siebziger Jahre aus der Welt zu schaffen, die eine drastische Schwächung
der Struktur der Weltwirtschaft mit sich brachte.

Wir nehmen unsere Führungsverantwortung ernst, aber wir allein können
die Wirtschaft dieser Welt nicht in Ordnung bringen.

In Williamsburg

festigten die Industriestaaten ihre Einstellung hinsichtlich der Wirtschaftspolitik. Beweis hierfür sind nicht das Kommunique, sondern die
Ergebnisse.

In Frankreich geht die Inflation zurück, und man strebt

größere Flexibilität in der Volkswirtschaft an; Japan liberalisiert sicher langsam, aber, wie wir meinen, beständig - seinen Handel und seine
Kapitalmärkte; die Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien bewegen
sich auf einem beständigen Kurs der niedrigen Inflation und des moderaten, anhaltenden Wachstums voran.
So wie wir
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�So wie wir glauben, daß Anreize der Schlüssel zu einem stärkeren
Wachstum in Amerika und in der ganzen Welt sind, so müssen wir auch dem
mit Zucker überzogenen Gift des Protektionismus widerstehen, wo immer es
auftaucht. Hier in unserem Lande wehren wir uns gegen inflationäre und
im Ende das Gegenteil bewirkende Gesetze wie Vorschriften über einheimische Anteile an Erzeugnissen. Ich hoffe, daß wir auf dem Wirtschaftsgipfel im Juni in London den Boden für eine neue Verhandlungsrunde bereiten können, die Märkte für unsere Exporte an Waren und Dienstleistungen
öffnen und stärkeres Wachstum, größere Leistungsfähigkeit und mehr
Arbeitsplätze für alle herbeiführen wird.

Und wir unterbreiten weitere entscheidende Initiativen, um ein
stärkeres weltweites Wachstum zu fördern, indem wir die Handels- und
Investitionsbeziehungen ausweiten. Das dynamische Wachstum der Länder
des Pazifischen Beckens hat sie zu rasch expandierenden Märkten für
unsere Waren, Dienstleistungen und Investitionen gemacht. Heute wird
mehr Handel über den Pazifik abgewickelt als über den Atlantik. Im
vorigen Jahr besuchte ich Japan und Korea, zwei der wichtigsten Verbündeten Amerikas, um eine engere Partnerschaft herzustellen. Und in diesem
Monat werde ich die Volksrepublik China besuchen, eine weitere immer wichtiger werdende Verbindung im Pazifik.

Ich betrachte Amerika und seine

pazifischen Nachbarn als Länder der Zukunft, die zusammen vorangehen in
einer mächtigen Unternehmung, um dynamisch wachsende Volkswirtschaften
und eine sicherere Welt aufzubauen.

Wir helfen den Entwicklungsländern bei ihrem Wachstum, indem wir eine
neue Auffassung von Entwicklung präsentieren - das Wunder des Marktes -,
um ein stärkeres Wachstum und eine stärkere Beteiligung an der internationalen Wirtschaft zu erreichen.

Im vorigen Jahr haben die Entwick-

lungsländer doppelt so viel aus Exporten nach den Vereinigten Staaten
erlöst, wie sie von allen anderen Ländern zusammen an Unterstützung erhielten. Und praktische Vorschläge, wie die Initiative für das Karibische Becken, werden den privaten Sektor von rund 20 Nachbarstaaten in der
Karibik stärken und gleichzeitig eine fairere Behandlung amerikanischer
Firmen und Bürger sowie verstärkte Nachfrage nach amerikanischen Exporten
sichern.

Wir haben

- 15 -

�Wir haben dem Kongreß kürzlich eine neue wirtschaftspolitische Initiative für Afrika zugeleitet. Auch sie soll dazu dienen, das Wachstum
privater Unternehmen in afrikanischen Ländern zu fördern, indem strukturelle wirtschaftliche Veränderungen und der internationale Handel
gefördert werden. Wir haben den Kongreß ferner um eine Erhöhung der
humanitären Hilfe für Afrika ersucht, um die verheerenden Auswirkungen
der Trockenheit zu bekämpfen.

Beim Aufbau eines starken weltweiten Wiederaufschwungs ist natürlich
nichts wichtiger, als daß wir die Räder des Welthandels in Gang halten
und ohne eine neuerliche Beschleunigung der Inflationsspirale neue Arbeitsplätze schaffen. Der Internationale Währungsfonds ist ein Dreh- und
Angelpunkt unserer Bemühungen um die Wiederherstellung einer gesunden
Weltwirtschaft und die Lösung des Schuldenproblems vieler Entwicklungsländer. Mit überparteilicher Unterstützung haben wir eine starke Aufstockung der Mittel des IWF vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit dem IWF

versuchen wir, abzuwenden, daß die Probleme einzelner Schuldnerländer die
Stabilität und die Stärke des gesamten internationalen Finanzsystems
sprengen. Es war dieses Ziel, das die Länder des Nordens und des Südens
zusammengeführt hat, um zur Lösung der Schwierigkeiten der neuen demokratischen Regierung Argentiniens beizutragen.

Weil wir wissen, daß demokratische Regierungen die besten Garanten
der Menschenrechte sind und daß wirtschaftliches Wachstum immer dort
gedeiht, wo Menschen frei sind, erstreben wir nicht nur materielle Produkte, sondern fördern wir auch die Werte des Glaubens und der Menschenwürde, für die Amerika und alle demokratischen Länder einstehen - Werte,
die den Höhepunkt der 5000jährigen westlichen Kultur bilden.
Als ich im Juni 1982 vor dem britischen Parlament sprach, forderte
ich eine kühne und dauerhafte Anstrengung, um Menschen zu helfen, die um
ihre Menschenrechte kämpfen. Wir haben die Nationalstiftung für Demokratie eingerichtet - eine Partnerschaft von Menschen aus allen Lebensbereichen, die sich der Verbreitung der positiven Botschaft der Demokratie verschrieben haben. Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir
der doppelzüngigen

- 16 -

�der doppelzüngigen totalitären Propaganda entgegentreten.

Daher moder-

nisieren wir die "Stimme Amerikas" und andere Sendeeinrichtungen, und wir
arbeiten an der Einrichtung von Radio Marti, einer Stimme der Wahrheit
für die eingesperrten Menschen auf Kuba.

Amerikaner haben sich immer die Ausbreitung demokratischer Institutionen gewünscht, und dieses Ziel rückt näher.

In unserer eigenen Hemi-

sphäre sind 27 Länder Lateinamerikas und der Karibik entweder demokratisch oder auf dem Wege zur Demokratie. Dort leben 90 Prozent der Bevölkerung der Region - gegenüber 50 Prozent noch vor einen Jahrzehnt.

Vertrau dem Volk, das ist die entscheidende Lehre der Geschichte und
die Botschaft Amerikas an die Welt. Wir dürfen in unserer Überzeugung
nicht nachlassen, daß Freiheit nicht Besitz einiger weniger Auserwählter
ist, sondern das universelle Recht von Männern und Frauen überall. Präsident Truman sagte einmal: "Wenn wir nur ein Lippenbekenntnis für anfeuernde Ideale ablegen würden und dann der einfachen Gerechtigkeit
Gewalt antun, dann würden wir den bitteren Zorn noch ungeborener Generationen auf uns ziehen". Wollen wir gemeinsam voranschreiten als treue
Freunde der Demokratie und demokratischer Werte, auf unsere Überzeugung
vertrauend, daß die Woge der Zukunft die Woge der Freiheit ist.

Aber laßt uns in praktischen Dingen voranschreiten.

Das bringt mich auf unsere vierte große Herausforderung: Wir müssen
den überparteilichen Konsens in der Unterstützung der amerikanischen
Außenpolitik wiederherstellen. Wir müssen die ehrenhafte Tradition Amerikas wiederherstellen, daß Parteipolitik an einer bestimmten Grenze endet und Republikaner und Demokraten vereint in Patriotismus mit einer
Stimme als verantwortungsbewußte Treuhänder des Friedens, der Demokratie,
der Freiheit des einzelnen und der Herrschaft des Rechts sprechen.

In den 70er Jahren erlebten wir eine Fülle von Initiativen des Kongresses, die Vollmachten des Präsidenten auf den Gebieten des Handels,
der Menschenrechte, der Waffenverkäufe, der Auslandshilfe, der Geheimdiensteinsätze

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�diensteinsätze und der Entsendung von Truppen in Krisenzeiten einzuschränken. Über 100 verschiedene Verbote und Einschränkungen der Vollmachten der Exekutive, die Außenpolitik zu formulieren und durchzuführen,
wurden verabschiedet.

Die weitestreichende Konsequenz der Kongreßtätigkeit im letzten
Jahrzehnt ist die: Die Schaffung eines überparteilichen Konsens ist eine
zentrale Aufgabe der Kongreßführung wie auch der Führung der Exekutive
geworden. Wenn wir eine Außenpolitik haben wollen, die sich durchhalten
läßt, dann muß der Kongreß auch die praktischen Details der Politik
unterstützen, nicht nur die allgemeinen Ziele.

Wir haben die Fähigkeit für eine solche gemeinsam verantwortliche
Führung auf bestimmten Gebieten unter Beweis gestellt. Aber wir haben
auch Rückschläge der Überparteilichkeit erlebt.

Ich glaube, daß -

nachdem wir ein überparteiliches Übereinkommen über unseren Kurs im
Libanon erzielt hatten -, unser Hin und Her in der Frage, ob wir unsere
Soldaten dort stationiert lassen sollten, unsere Politik stark untergraben hat. Es behinderte die Möglichkeiten unserer Diplomaten zu verhandeln, ermutigte die Syrer zu noch mehr Unnachgiebigkeit und verlängerte die Gewalttätigkeit.

In ähnlicher Weise kann, wenn sich der Kon-

greß in seiner Unterstützung des Jackson-Planes schwankend zeigt, der den
Empfehlungen der überparteilichen Mittelamerikakommission entspricht,
dies nur die Feinde der Demokratie ermutigen, die entschlossen sind, uns
aufzureiben.
Um dieses Problem der gemeinsamen Verantwortung verstehen und lösen
zu können, müssen wir über die bekannte Frage hinauskommen, wer stärker
sein soll: der Präsident oder der Kongreß? Das grundlegendere Problem
ist dies: In der "Nachvietnam-Aera" hat der Kongreß noch nicht die Fähigkeiten für ein kohärentes, verantwortungsbewußtes Handeln entwickelt,
das für die Verwirklichung der neuen außenpolitischen Macht notwendig
ist, die er sich genommen hat. Um die Herausforderungen dieses Jahrzehnts zu bestehen, brauchen wir einen starken Präsidenten und einen
starken Kongreß.

Leider scheinen
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�Leider scheinen viele im Kongreß der Meinung zu sein, daß sie noch
immer in den unruhigen Zeiten von Vietnam lebten und es ihre einzige
Aufgabe sei, lautstarke Kritiker statt verantwortungsbewußte Partner in
der Ausarbeitung positiver, praktischer Programme zur Lösung realer Probleme zu sein.

Wir haben aus Vietnam viel gelernt - die Lehren reichen von der
verstärkten Einsicht in die Notwendigkeit sorgfältiger Abwägung des
Einsatzes amerikanischer Streitkräfte oder Militärhilfe bis zur verstärkten Einsicht in die Notwendigkeit der innenpolitischen Unterstützung
eines jeden militärischen Elements einer solchen Politik. Militärische
Macht - ob direkt oder indirekt - muß ein verfügbarer Teil der amerikanischen Außenpolitik bleiben. Aber es ist eindeutig so, daß der Kongreß sich nicht ganz wohl fühlt sowohl hinsichtlich der Notwendigkeit
eines militärischen Elements der Außenpolitik als auch hinsichtlich
seiner eigenen Verantwortung, mit diesem Element umzugehen.

Präsidenten müssen den Kongreß als einen wichtigeren Partner in der
Gestaltung der Außenpolitik anerkennen, und, wie wir das versucht haben,
neue Mittel und Wege suchen, um einen überparteilichen Konsens zwischen
Exekutive und Legislative zu finden. Aber die Gesetzgeber müssen erkennen, daß auch sie Partner sind. Sie haben die Verantwortung, über die
bloße Kritik hinauszugehen zur Schaffuang eines Konsens, der ein positives, praktisches und wirksames Handeln hervorbringt.

Überparteilicher Konsens ist kein Selbstzweck.

Eine gesunde und

erfahrene Führung der amerikanischen Außenpolitik muß immer eine tiefe
Erkenntnis der fundamentalen amerikanischen Interessen, Werte und
Prinzipien erkennen lassen.

Ein Konsens über die allgemeinen Ziele einer sichereren und menschlicheren Welt ist leicht zu erreichen. Schwerer ist es, bei der Ausarbeitung konkreter, realistischer Mittel und Wege zur Erreichung dieser
Ziele einen Fortschritt zu erzielen. Wir haben einige Fortschritte erzielt. Aber der Kongreß zögert immer noch, die Verantwortung für positives, überparteiliches Handeln zu übernehmen, das seinen neu geforderten
Machtansprüchen
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�Machtansprüchen entsprechen würde.

Wir haben ausgezeichnete Beispiele geliefert mit der überparteilichen
Scowcroft-Kommission, der überparteilichen Genehmigung von Mitteln für
den IWF und mit der überparteilichen Arbeit der Kissinger-Kommission.
Aber es ist an der Zeit, daß wir unsere Anstrengungen auf eine höhere
Ebene der Zusammenarbeit übertragen: Es ist an der Zeit, daß wir mit
Realismus und Idealismus zusammen den großen Herausforderungen Amerikas
in den 80er Jahren begegnen.

Wir haben das Recht, große Träume zu träumen; die Chance, in einer
Welt in Frieden, bereichert durch Menschenwürde, zu leben; und die
Aufgabe, als Partner zusammenzuarbeiten, damit wir unseren Kindern und
unseren Kindeskindern diese segensreichen Gaben hinterlassen können.

Wir sollten uns an einen Parlamentarier erinnern, der in einer besonders turbulenten Zeit lebte, an Henry Clay. Abraham Lincoln bezeichnete
ihn als "mein schönes Ideal von einem Staatsmann". Er wußte, daß Clays
hehrer Geist und großer Weitblick niemals die Interessen seines Landes
aus den Augen verlor und daß, ob Wahljahr oder nicht, Clay die Liebe zu
seinem Lande über parteipolitische Überlegungen stellen würde.

Das, worum es für Amerika, für den Frieden und für die Freiheit geht,
fordert heute, 1984 und darüber hinaus, alles von uns - das ist unsere
Herausforderung.
+ + + + +

- 20 -

�1TlIERlIKh
DI El 513

p

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. April 1984

15

REAGAN: USA WERDEN VERTRAG ÜBER WELTWEITES VERBOT
CHEMISCHER WAFFEN VORSCHLAGEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April -

Washington - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. April 1984 angekündigt, daß er in zwei Wochen Vizepräsident Bush nach Genf entsenden
werde, um ein umfassendes, weltweites Verbot chemischer Waffen vorzuschlagen. Der amerikanische Vorschlag würde die Produktion, den Besitz
und den Einsatz chemischer Waffen untersagen. Andere außenpolitische
Themen der landesweit übertragenen Pressekonferenz des amerikanischen
Präsidenten waren die Weltraumwaffen, der Libanon, die Situation in
Mittelamerika und die gegenwärtig stattfindenden sowjetischen Flottenmanöver .

Die Eingangserklärung des Präsidenten sowie die wichtigsten Fragen
und Antworten zu außenpolitischen Themen haben folgenden Wortlaut:

Präsident Reagan:
Ich habe eine wichtige Erklärung abzugeben.

In zwei Wochen werde ich

Vizepräsident Bush nach Genf entsenden, um dort der sich aus 40 Ländern
zusammensetzenden Abrüstungskonferenz eine kühne amerikanische Initiative
für ein umfassendes, weltweites Verbot chemischer Waffen zu
unterbreiten.

Unser Vorschlag

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Unser Vorschlag würde die Produktion, den Besitz und den Einsatz
chemischer Waffen verbieten.

Die Mängel früherer Verträge über chemische Waffen sind in den
letzten Jahren in tragischer Weise deutlich zu Tage getreten. Diese
Waffen wurden gegen hilflose Völker in Afghanistan, in Südostasien sowie
im Konflikt zwischen dem Iran und dem Irak eingesetzt. Die Anwendung
dieser schrecklichen Waffen hat auch ernsthafte Auswirkungen auf unsere
eigene Sicherheit.

Das überaus große Arsenal der Sowjetunion an chemischen Waffen
bedroht die amerikanischen Streitkräfte. Es macht erforderlich, daß die
Vereinigten Staaten über eine begrenzte eigene Vergeltungskapazität
verfügen, bis ein wirksames Verbot erreicht worden ist. Wir müssen in
der Lage sein, vor einem chemischen Angriff auf uns oder unsere Verbündeten abzuschrecken. Und ohne eine moderne und glaubhafte Abschreckung
wären die Aussichten auf die Erreichung eines umfasssenden Verbotes
gleich Null.

Unser umfassender Vorschlag kann uns dem Tag näherbringen, da die
Welt alle chemischen Waffen verbieten wird. Allerdings wird die Verifizierung eines Verbotes chemischer Waffen nicht einfach sein. Nur ein
effektives Paket von Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen kann internationales Vertrauen in ein solches Abkommen schaffen. Die Vereinigten
Staaten entwickeln daher kühne und vernünftige Verifizierungsverfahren.
Diese jüngste Initiative spiegelt meine anhaltende und starke Verpflichtung zur Rüstungskontrolle wider. Meine Regierung strebt Fortschritte
auf verschiedenen Gebieten an. So bin ich zum Beispiel froh darüber, daß
sich die Vereinigten Staaten auch an einer vielversprechenden neuen
multilateralen Verhandlungsrunde beteiligen, die sich mit vertrauensbildenden Maßnahmen in Europa befaßt, sowie an den kürzlich wiederaufgenommenen Ost-West-Verhandlungen über eine Verminderung der konventionellen Truppen in Europa.

Wir arbeiten eng mit unseren Verbündeten zusammen in dem Versuch,
Fortschritte auf all diesen Gebieten zu erreichen.

Ich kann allerdings
nicht von

�nicht von diesen vielversprechenden Entwicklungen berichten, ohne mein
tiefes, persönliches Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß die
Sowjetunion immer noch nicht zu den beiden Verhandlungen über eine
Verminderung der nuklearen Rüstungen zurückgekehrt ist - zu den STARTund INF-Verhandlungen, aus denen sie sich Ende letzten Jahres zurückgezogen hat.

Die Vereinigten Staaten sowie zahlreiche andere Länder haben immer
wieder darauf gedrängt, daß die Sowjets zu diesen Verhandlungen zurückkehren. Bisher haben sie den Willen der Welt ignoriert.

Ich hoffe, daß

die sowjetische Führung auf unsere neuen Initiativen eingeht - nicht nur,
indem sie ernsthaft über chemische Waffen verhandelt, sondern auch, indem
sie sich uns in der dringenden Aufgabe anschließt, eine echte Verminderung der nuklearen Rüstungen zu erreichen. Die Mission des Vizepräsidenten ist wichtig, und wir wünschen ihm alles Gute.

Chemische Waffen
FRAGE: Herr Präsident, hinsichtlich Ihres Vorschlages für ein Verbot
chemischer Waffen: Wollen Sie nicht auf diese Weise den Kongreß zu etwas
bringen, was er während der drei letzten Jahre nicht getan hat, nämlich
Gelder für chemische Waffen zu bewilligen? Und was antworten wir denn,
wenn unsere Gegner uns beschuldigen, zwar vom Frieden zu reden, aber uns
auf einen Krieg vorzubereiten?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß eine derartige Beschuldigung aufrechterhalten werden könnte, sollte sie erhoben werden. Die Situation ist
doch die, daß wir 15 Jahre lang keinerlei solcher Waffen hergestellt
haben. Die Sowjetunion verfügt über ein massives Arsenal und ist uns auf
vielen Gebieten, die mit der chemischen Kriegsführung zu tun haben,
voraus.

Wenn es ein Gebiet gibt, das beispielhaft für die Macht der
Abschreckung ist, dann ist es das Gebiet der chemischen Waffen.

Ich

verweise in diesem Zusammenhang auf den Zweiten Weltkrieg, wo alle Länder
über solche Waffen verfügten und kein einziges sie anwandte - selbst in
verzweifeltsten Augenblicken nicht, da die Niederlage so nahe war. Sie
wußten nämlich,

�wußten nämlich, daß die anderen diese Waffen auch besaßen und sie
ihrerseits dann einsetzen könnten

Und die zweite Sache ist, daß man zur Erreichung eines Verbotes der
chemischen Kriegsführung oder eines Vertrages, der diese Waffen ächten
würde, etwas zum Aushandeln haben muß. Deshalb ist es hier dasselbe wie
bei den anderen Waffen. Sie müssen einfach wissen, daß die Alternative
zu einem Verbot solcher Waffen ist, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß
wir eine Abschreckung schaffen werden.

Weltraumwaffen

FRAGE: Herr Präsident, Außenminister George Shultz tritt für eine
weitergehende, größere Anwendung der militärischen Macht, für einen
stärkeren Hinweis auf die eigene Stärke überall in der Welt sowie für
Präventivschläge gegen potentielle Terroristen ein. Wenn Sie nun die Tür
zu Verhandlungen über Killer-Satelliten zuschlagen, könnte dies dann
nicht zu einem Wettrüsten im Weltraum führen? Meine Frage ist: Wie
können solche Maßnahmen der Sache des Friedens dienen, und glauben Sie,
daß unser Land wirklich zu einer größeren Verwicklung, militärischen
Verwicklung, in aller Welt bereit ist?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß Außenminister Shultz so etwas
implizieren oder zum Ausdruck bringen wollte, daß wir militanter oder so
etwas werden sollten. Was er meiner Meinung nach jenen Leuten sagen
wollte, die so besorgt sind über Waffen und ein eventuelles Wettrüsten,
ist, daß unsere militärische Stärke ein definitiver Bestandteil der
Diplomatie ist. Das hat er meiner Ansicht nach zum Ausdruck bringen
wollen. Was nun die Weltraumwaffen anbetrifft, so befinden wir uns in
einer Situation, in der die Sowjetunion uns voraus ist und bereits über
eine solche Waffe verfügt.

Wir befinden uns noch in dem Stadium, wo wir so etwas prüfen. Unser
Problem ist: Wir sind sehr bereit, uns an einem Vertrag über das Verbot
solcher Waffen zu beteiligen - nur, bisher scheint es fast unmöglich oder ist es tatsächlich unmöglich -, eine solche Waffe zu verifizieren.
Und wenn

�Und wenn das richtig ist, dann müssen wir wiederum eine Abschreckung
haben.

FRAGE: Herr Präsident, Sie gehören zu jenen Leuten, die immer wieder
sagen, nichts sei unmöglich.

Jetzt wollen Sie es mit den chemischen

Waffen versuchen. Warum tun Sie es denn nicht mit den Killer-Satelliten?

ANTWORT: Nun, wir versuchen es ja auf beiden Gebieten. Nur, wir
müssen uns einfach darüber im klaren sein, daß - bevor man zu einem
solchen Vertrag Vertrauen haben kann - man von dem Vorhandensein einer
Sache überzeugt sein muß - und dies zuzugestehen haben die Sowjets in
allen Verträgen, die wir mit ihnen hatten oder noch haben, überaus
verzögert: nämlich ein Verifizierungsverfahren.

Libanon

FRAGE: Herr Präsident, im Oktober vorigen Jahres erklärten Sie, die
Präsenz amerikanischer Marineinfanteristen im Libanon sei von entscheidender Bedeutung für unsere Glaubwürdigkeit weltweit. Und nun haben Sie
sie abgezogen und unsere Präsenz in der multinationalen Friedenstruppe
beendet.

In welchem Ausmaß haben wir an Glaubwürdigkeit verloren?

ANTWORT: Vielleicht haben wir bei einigen Leuten etwas davon
verloren.

Dies stimmte alles, als ich es damals so erklärte.

Ich denke,

ich kann das erläutern, und ich will versuchen, es so kurz wie möglich zu
tun, wie nämlich die Dinge damals standen und welche Möglichkeiten wir
hatten. (An dieser Stelle gab Präsident Reagan einen Überblick über die
Ereignisse und Entwicklungen im Libanon während der letzten Jahre und
fuhr dann fort:) Als dann die terroristischen Angriffe einsetzten, die
eine solche Tragödie mit sich brachten, gruben unsere Soldaten sich ein.
Nachdem dies geschehen war, hatten sie zwar Schutz vor derartigen
Angriffen, aber sie traten nicht mehr als jene Friedenstruppe in
Erscheinung, als die sie eigentlich gedacht waren. Daher haben wir sie
in Übereinstimmung mit unseren Verbündeten zurückverlegt, einige in
andere Gebiete verlegt. Als die Friedensbemühungen dann vorangingen,
kamen die vier Regierungen überein, daß es keinen Grund mehr gab, die
Truppen dort

zu behalten

�zu behalten, und wir zogen uns zurück. Mit allem uns zur Verfügung
Stehenden sind wir immer noch bemüht, auf diplomatischem Wege zu helfen.
Es gibt Leute in diesem Gebiet, die Zweifel daran haben, daß ohne unsere
Hilfe irgendeine Lösung oder der Friede erreicht werden können. So
werden wir dies also weiterhin tun.

FRAGE: Darf ich noch einmal darauf zurückkommen? Sie begannen Ihre
Antwort mit der Feststellung, daß wir etwas an Glaubwürdigkeit verloren
hätten. Geben Sie sich die Schuld dafür, oder geben Sie, wie
Außenminister Shultz, dem Kongreß dafür die Schuld?

ANTWORT: Ich will noch das eine dazu sagen, und dann werde ich mich
einem anderen Thema zuwenden.

Ich muß sagen, daß er (der Kongreß) eine

Verantwortung dafür übernehmen muß. Wenn man in einer solchen
diplomatischen Bemühung engagiert ist, wenn man Truppen dort hat und die
Anstrengung gemacht wird, diese von dort zu verdrängen, ist eine
derartige öffentliche Debatte wie die im Kongreß, in der verlangt wird:
"Bring unsere Soldaten nach Hause, nimm sie dort heraus" eine
Stimulierung für die Terroristen und geradzu eine Aufforderung zu
weiteren Angriffen, weil sie darin eine Erfolgsmöglichkeit sehen, die
Truppe loszuwerden, die sie an der Erreichung ihrer Ziele hindert. Jeder
Regierungsapparat sollte verstehen, daß eine solche Truppe unwirksam
gemacht worden ist, wenn eine solche Debatte in der Öffentlichkeit
geführt wird.

Nicaragua

FRAGE: Herr Präsident, vor kurzem sind die von den USA gestützten
Gegner des Regimes der Sandinisten über ihre Kriegsoperation im Lande
hinausgegangen und haben Häfen vor der Küste Nicaraguas vermint. Sind
Sie besorgt darüber, daß diese Minen, auf die neutrale Frachter oder
andere Schiffe laufen könnten, die Gefahr einer Ausweitung des Krieges in
Mittelamerika mit sich bringen? Und glauben Sie, daß es irgendetwas
gibt, bei dem wir versuchen sollten, den Aktivitäten der Contras Einhalt
zu gebieten?
ANIVORT: Nein

- 6 -

�ANTWORT: Nein, unsere Interessen in Nicaragua - Ich werde hier weder
so noch so Stellung nehmen und auch nicht zu den Taktiken, die in dieser
Art von Krieg angewandt werden. Wir haben nur ein einziges Interesse in
Nicaragua.

Die gegenwärtige Regierung von Nicaragua exportiert die

Revolution nach El Salvador, ihrem Nachbarn, und hilft, bewaffnet und
unterstützt ausbildungsmäßig die Guerilla, die eine ordnungsgemäß
gewählte Regierung zu stürzen versucht. Und solange sie dies tun, werden
wir der nicaraguanischen Regierung lästig fallen, bis sie diese Art von
Aktionen einstellt.
FRAGE: Wenn ich hieran anschließen darf. Wir bilden Truppen in
Honduras aus. Sehen Sie von Ihrem Standpunkt aus darin eine Gefahr der
Ausweitung des Krieges in Mittelamerika?

ANTWORT: Nein, solche Manöver haben wir auch schon früher
abgehalten. Sie sind keineswegs ungewöhnlich und richten sich gegen
niemanden dort. Es handelt sich um kombinierte Übungen, an denen
Einheiten von uns zu Ausbildungszwecken beteiligt sind. Es sind ganz
einfach Manöver.

Sowjetische Flottenmanöver

FRAGE: Herr Präsident, die Sowjetunion hält gegenwärtig ihre
vielleicht größten Manöver im Atlantik ab - eine Übung, an der etwa 40
Schiffe, darunter Unterseeboote und Zerstörer teilnehmen. Was steckt
nach Ihrer Ansicht dahinter?

ANTWORT: In Rußland ist es ebenso Frühling wie in den Vereinigten
Staaten, und das ist eben die Zeit, wo man Manöver abhält. Wir
veranstalten ja selber welche. Wir kündigen den Zeitpunkt immer an, und
wir wünschten, sie würden es auch tun.

Aber ich glaube, um mehr geht es nicht. Solche Manöver - wer auch
immer sie durchführt - stützen sich praktisch auf den Vorstellungen,
welche Notfälle in einer eventuellen Krisensituation auftreten könnten.
Und dann geht man eben daran, entsprechende Übungen abzuhalten. Ich
weiß, etwa

�weiß, etwa 40 Schiffe - das klingt nach einer ganzen Menge, aber wenn man
sich dann vorstellt, daß es sich um eine Marine von fast 1 000 Schiffen
handelt, dann wird dies doch wohl wieder in die richtige Perspektive
gerückt. Nein, ich meine, es sind reguläre und routinemäßige Manöver,
die für die meisten von uns eben im Frühling beginnen.

+ + + + +

�flmERiKb
DlElriSU
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. April 1984

15

SHULTZ: MACHT UND DIPLOMATIE GEHÖREN ZUSAMMEN
- Rede des US-Außenministers vor der Trilateralen Kommission -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
am 3. April 1984 in einer Rede vor der Trilateralen Kommission - einer
privaten Organisation, der nordamerikanische, europäische und japanische
Geschäftsleute und ehemalige Regierungsmitglieder angehören - die Auffassung vertreten, daß Macht und Diplomatie keine Alternativen seien,
sondern zusammenwirken müßten, wenn man in der heutigen Welt etwas
erreichen wolle. Shultz warnte vor einer einseitigen und zu vereinfachten Sicht des Ost-West-Verhältnisses, das auch in Zukunft vielerlei
Herausforderungen bringen werde. Der Erfolg von Rüstungskontrollverhandlungen hänge davon ab, was man unter militärischem Gleichgewicht
verstehe, so sagte er.

Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Vor über 20 Jahren versprach Präsident John F. Kennedy, daß die
Vereinigten Staaten "jeden Preis bezahlen, jede Last auf sich nehmen,
jede Mühe tragen, jeden Freund unterstützen, jedem Feind widerstehen
würden, um

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�würden, um den Fortbestand und den Erfolg der Freiheit zu gewährleisten". Wir wissen heute, daß diese Verpflichtung zu weit gefaßt ist obwohl das Selbstvertrauen und der Mut, die aus diesen Worten sprechen,
typisch amerikanisch und höchst bewundernswert sind.

In jüngerer Zeit

hat eine andere Administration die Auffassung vertreten, daß unsere
Furcht vor dem Kommunismus "übermäßig" sei und daß in der Welt sehr
komplizierte gesellschaftliche, wirtschaftliche, religiöse und andere
Faktoren am Werk seien, die wir wenig beeinflussen könnten. Das ist nach
meiner Ansicht ein Rat der Hilflosigkeit, der die Vereinigten Staaten und
ihre Fähigkeit zur Beeinflussung der Ereignisse wesentlich unterschätzt.

Irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt der natürliche und vernünftige Bereich der amerikanischen Außenpolitik. Wir wissen, daß wir
nicht allmächtig sind und daß wir Prioritäten setzen müssen. Wir können
nicht "jeden Preis bezahlen" und "jede Last auf uns nehmen". Wir müssen
unterscheiden; wir müssen klug und vorsichtig sein; wir müssen in angemessener Weise auf die Herausforderung reagieren und unsere Macht nur
einsetzen, wenn es um sehr wichtige strategische Dinge geht. Nicht jede
Situation kann durch amerikanische Bemühungen gerettet werden, selbst
wenn es um wichtige Werte oder Interessen geht.

Gleichzeitig wissen wir aus der Geschichte, daß Mut, Weitblick und
Entschlossenheit die Wirklichkeit zu verändern vermögen. Wir können den
Lauf der Dinge beeinflussen, und wir alle wissen es. Das amerikanische
Volk erwartet das von seinen Führern. Und die Zukunft der freien Welt
hängt davon ab.

Amerikaner wollen - da sie ein moralischses Volk sind -, daß ihre
Außenpolitik die Werte widerspiegelt, die wir als Nation hochhalten.
Aber Amerikaner wollen auch - da sie ein praktisches Volk sind -, daß
ihre Außenpolitik wirksam ist. Wenn uns wirklich etwas an unseren Werten
liegt, dann müssen wir auch bereit sein, sie zu verteidigen und sie zu
fördern. Und so fragen wir uns als Nation ständig, wie wir unseren
moralischen Anspruch und unser Gefühl für das Praktische vereinbaren
können; wie wir in einer komplexen und unvollkommenen Welt unsere hohen
Ziele verfolgen

- 2 -

�Ziele verfolgen können; wie wir unsere Stärke zu unseren Zielsetzungen in
Bezug setzen können - kurz gesagt, wie wir Macht und Diplomatie in Bezug
setzen.
Wir sind heute abend inmitten der Aufregung über die, alle vier Jahre
stattfindende, Selbsterneuerung Amerikas zusammengekommen, in der wir uns
als Land selbst und unsere internationalen Ziele überprüfen. Das ist ein
nie endender Prozeß - fast so endlos wie der Kampf um die Präsidentschaft. Aber es gibt einige Konstanten in unserer Politik, wie unser
Bündnis mit den demokratischen Industriestaaten, das in dieser illustren
Versammlung zum Ausdruck kommt. Gerade diese Partnerschaft - der Eckpfeiler unserer Außenpolitik seit 35 Jahren - bringt unsere Fähigkeit zum
Ausdruck, unsere moralische Verpflichtung zur Demokratie und unsere praktische Erkenntnis, daß die Aufrechterhaltung eines globalen Gleichgewichts der Macht von entscheidender Bedeutung ist, unter einen Hut zu
bringen.

Ich betrachte diese Versammlung als das geignete Forum, sich

gemeinsam einige Gedanken über das Verhältnis von Macht und Diplomatie in
den letzten zwanzig Jahren unseres Jahrhunderts zu machen

Unsere heutige Welt
Durch einen Zufall der Geschichte fiel die Rolle der Weltführung den
Vereinigten Staaten gerade in dem Augenblick zu, als die alte internationale Ordnung durch zwei Weltkriege zerstört worden war, aber sich
noch kein stabiles System entwickelt hatte, um an ihre Stelle zu treten.
Vor einem Jahrhundert drehte sich das internationale System um Europa,
und es gab nur einige wenige große Mitspieler. Heute sind, nach militärischer Stärke gemessen, die beherrschenden Länder die beiden Großmächte,
die damals in gewissem Sinne am Rande oder gar außerhalb der europäischen
Diplomatie lagen. Die wirtschaftliche Macht ist heute jedoch weit verstreut. Asien gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die früheren Kolonial-

reiche sind aufgelöst worden, und heute gibt es auf der Weltbühne über
160 unabhängige Länder. Ein Großteil der Entwicklungsländer selbst ist
zerrissen durch einen ständigen Kampf zwischen den Kräften der Mäßigung
und den Kräften des Radikalismus. Die meisten der großen internationalen
Konflikte haben

- 3-

�Konflikte haben dort stattgefunden - von Korea über Vietnam und den Nahen
Osten bis Mittelalterika. Darüber hinaus versucht die Sowjetunion weiterhin, die Angst vor einem Atomkrieg als politische Waffe zu benutzen und
Instabilitäten für sich auszunutzen, wo immer eine Möglichkeit dazu
besteht.

Auf einem Planeten, der wegen der globalen Kommunikationsmittel
kleiner und wegen der Streuung der Macht turbulenter geworden ist - all
das unter dem dunklen Schatten der Kernwaffen - ist die Aufgabe, Stabilität, Sicherheit und Fortschritt zu erreichen, eine gewaltige Herausforderung für die ganze Menschheit.

In einem Jahrhundert, das von der

Ausbreitung der Kernwaffen und staatlich gefördertem Terrorismus bedroht
ist, müssen Tendenzen zur Anarchie eine Quelle echter Gefahr darstellen.

Es ist absurd zu glauben, Amerika könne vor diesen Problemen davonlaufen. Dies ist eine Welt großer politischer Instabilität und großer
potentieller Gefahren.

Isolationismus bringt keine Sicherheit. Wir

haben ein unmittelbares und großes Interesse an der Gesundheit der Weltwirtschaft. Unsere Prosperität, unsere Sicherheit und unsere Bündnisse
können von Bedrohungen der Sicherheit in vielen Teilen der Welt berührt
werden. Und das Schicksal unserer Mitmenschen berührt immer unser moralisches Gewissen. Sicherlich sind die Vereinigten Staaten nicht der Weltpolizist. Aber wir sind die stärkste freie Nation der Welt, und deshalb
ruht die Erhaltung unserer Werte, unserer Grundsätze und unserer Hoffnungen auf eine bessere Welt unausweichlich zu einem großen Teil auf
unseren Schultern.

Macht und Diplomatie
In dieser Umwelt ist unser oberstes Ziel das, was Präsident Reagan
bezeichnet hat als "die grundlegendste Pflicht, die jeder Präsident und
jedes Volk gemeinsam haben - die Pflicht, den Frieden zu schützen und zu
stärken". Die Geschichte lehrt jedoch, daß Frieden nicht allein dadurch
erreicht wird, daß man sich ihn wünscht. Hohe Erwartungen erfüllen sich
nicht von selbst. Unser Ziel muß immer sein, Ereignisse zu gestalten,
und nicht, ihr Opfer zu werden.
In dieser

�In dieser schnellebigen und turbulenten Welt bedeutet eine abwartende
Haltung das Risiko, überwältigt zu werden - oder anderen, die uns vielleicht nicht wohl wollen, zu erlauben, die Zukunft der Welt zu bestimmen.

Das große Siegel der Vereinigten Staaten zeigt, wie Sie wissen, den
amerikanischen Adler, wie er im einen Fang ein Bündel Pfeile und im
anderen den Ölzweig hält. Manche von Ihnen mögen das große Siegel auf
dem Porzellan oder anderen antiken Stücken im Weißen Haus oder in den
Empfangsräumen im achten Stock des Außenministeriums gesehen haben. Auf
einigen der älteren Stücke blickt der Adler auf das Bündel Pfeile; auf
anderen auf den Ölzweig. Es war Präsident Truman, der dafür gesorgt hat
und es richtigstellte: Er sorgte dafür, daß der Adler immer auf den
Ölzweig blickt - was zeigt, daß Amerika Frieden sucht. Aber der Adler
hält auch noch immer ein Bündel Pfeile.

Das soll nichts anderes besagen, als daß unsere Vorväter sehr wohl
begriffen, daß Macht und Diplomatie immer zusammengehören. Heute liegt
es noch viel deutlicher auf der Hand, daß eine Welt des Friedens und der
Sicherheit nicht kommen wird, ohne daß man etwas dafür tut oder ohne daß
man sich schweren Entscheidungen stellt. Sicherlich muß Macht immer
zweckgebunden sein, aber die harte Wirklichkeit ist die, daß Diplomatie,
hinter der keine Stärke steht, unwirksam ist. Das ist der Grund, warum
die Vereinigten Staaten beispielsweise mit ihrer Vermittlungstätigkeit so
oft Erfolg hatten, wenn viele andere wohlmeinende Vermittler versagt
haben. Man braucht Hebelwirkung ebenso wie guten Willen.

Bisweilen tendierten wir Amerikaner zu der Vorstellung, Macht und
Diplomatie seien zwei unterschiedliche Alternativen. Um nur ein Beispiel
aus der jüngsten Zeit zu nehmen: Der Bericht der Long-Kommission über den
Bombenangriff auf die Unterkünfte unserer Marineinfanteristen in Beirut
setzte sich dringlich dafür ein, daß wir mit Entschlossenheit etwas
betreiben sollten, was er "diplomatische Alternativen" im Gegensatz zu
"militärischen Optionen" nannte. Dies spiegelt ein grundlegendes Mißverständnis wider - nicht nur hinsichtlich unserer intensiven diplomatischen Bemühungen während all dieser Zeit, sondern auch hinsichtlich des
Verhältnisses

- 5 -

�Verhältnisses zwischen Macht und Diplomatie. Bisweilen - bedauerlich wie
dies auch sein mag - artet politischer Konflikt in eine Machtprobe der
jeweiligen Stärke aus. Problematisch war ja im Libanon gerade unsere
militärische Rolle, nicht unsere diplomatische Anstrengung. Unsere
militärische Rolle war gelähmt durch legislative und durch andere Behinderungen; die Syrer waren an einem diplomatischen Kompromiß so lange
nicht interessiert, wie die Aussichten auf Hegemonie dadurch nicht ausgeschlossen waren. Sie konnten den Diskussionen in unserem Land entnehmen, daß unser Stehvermögen begrenzt war.

Auch bei der Rüstungskontrolle hängen erfolgreiche Verhandlungen von
der Vorstellung eines militärischen Gleichgewichts ab. Nur wenn die
sowjetische Führung die Entschlossenheit des Westens zur Modernisierung
seiner eigenen Streitkräfte erkennt, wird sie auch einen Anreiz zur Aushandlung von Abkommen haben, durch die ausgeglichene, verifizierbare und
niedrigere Rüstungsniveaus zustande kommen.

Die Lehre ist also die: Macht und Diplomatie sind keine Alternativen. Sie müssen zusammenwirken, oder wir werden in der heutigen Welt
nur sehr wenig erreichen. Das Verhältnis zwischen beiden ist sehr
komplexer Natur, und wir stehen hierbei sowohl vor praktischen als auch
moralischen Fragen. Lassen Sie mich etwas zu diesen Fragen sagen. Eine
davon ist die Vielfalt der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Eine
zweite ist die moralische Komplexität unserer Reaktion. Und eine dritte
ist das Problem, mit diesem Prozeß in einer Demokratie fertigzuwerden.

Die Bandbreite der Herausforderungen
Vielleicht wegen unserer langen Isolierung von den Unruhen der
Weltpolitik tendieren wir Amerikaner zu der Überzeugung, auch Krieg und
Frieden seien zwei völlig unterschiedliche Phänomene: Wir lebten entweder
in einem gesegneten Zustand des Friedens oder aber - wie etwa im Ersten
und Zweiten Weltkrieg - es ginge darum, den totalen Sieg zu erringen, um
uns danach nur wieder in unsere eigene Unschuld zurückzuziehen und die
"Machtpolitik", mit all dem , was sie repräsentierte, zu vermeiden.
Während des

- 6 -

�Während des Zweiten Weltkriegs schenkten wir - konzentriert allein auf
die bedingungslose Kapitulation unserer Feinde - dem sich abzeichnenden
Mächtegleichgewicht der Nachkriegszeit zu wenig Aufmerksamkeit.

Ähnlich war es seit 1945: Bis dahin gab es für uns einen klar
umrissenen Zeitraum des Krieges, gefolgt von einer Periode scheinbarer
Entspannung, die in gewissen Kreisen zu übertriebenen Erwartungen
führte.

Heute müssen wir das Ost-West-Verhältnis komplexer ansehen: Da

sind zwei Seiten, die miteinander Handel treiben und sich um Rüstungskontrolle bemühen - sogar in dem Moment, da sie Ziele verfolgen, die
miteinander nicht vereinbar sind. Es ist dies kein krisenschwangeres
oder von Konfrontationen beherrschtes Verhältnis wie früher beim kalten
Krieg; aber es ist auch kein normales Verhältnis des Friedens und der
angenehmen Koexistenz.

Daher werden wir in den achtziger Jahren und darüber hinaus
höchstwahrscheinlich niemals einen Zustand des totalen Krieges - aber
auch niemals einen Zustand des totalen Friedens haben. Wir stehen
stattdessen vor einer Vielfalt der oftmals ungewissen Herausforderungen
unserer Interessen.

Für die Abschreckung eines umfassenden Krieges oder eines sowjetischen Angriffs auf unsere westeuropäischen Verbündeten sind wir
verhältnismäßig gut gerüstet; und aus diesem Grund sind dies auch die
unwahrscheinlichtsten Möglichkeiten. Aber tagtäglich werden wir auch
weiterhin Zeuge einer ganzen Reihe von Konflikten sein, die in der
Grauzone zwischen großem Krieg und tausendjährigem Frieden angesiedelt
sind. Wir können sicher sein, daß die kommenden Jahre ihr Teil an Krisen
und örtlichen Ausbrüchen von Gewalt hervorbringen werden. Manche davon nicht alle - werden unsere Interessen angehen. Der Terrorismus insbesondere der von Staaten unterstützte Terrorismus - ist bereits eine
Waffe dieser unserer Zeit, die gegen Amerikas Interessen, gegen Amerikas
Werte und gegen Amerikas Verbündete gerichtet ist. Wir müssen
sichergehen, daß wir für diesen Mittelbereich von Herausforderungen gut
vorbereitet und organisiert sind.
Wenn wir

- 7 -

�Wenn wir unsere Interessen, Werte und Verbündeten schützen wollen,
dann müssen wir uns auch engagieren. Und unsere Macht muß zum Tragen
gebracht werden.

Man hat oft gesagt, die Lehre von Vietnam bestehe darin, daß die
Vereinigten Staaten an keinem militärischen Konflikt mehr teilnehmen
sollten ohne eine klare und präzise militärische Mission, solide
öffentliche Unterstützung und genug Mittel, um die Sache zu einem Ende zu
bringen. Das ist ohne Frage richtig. Aber bedeutet das auch, daß es
keine Situationen gäbe, wo ein diskreter Hinweis auf Macht notwendig oder
angemessen wäre - zu einem begrenzten Zweck? Das kann wohl kaum sein.
Ob es sich um Krisenmanagement oder um Darstellung von Macht, um einen
Hinweis auf die eigene Stärke, um Friedenserhaltung oder um eine lokal
begrenzte militärische Aktion handelt: Es wird immer Fälle geben, wo es
um weniger geht als die totale nationale Verpflichtung im Umfang etwa des
Zweiten Weltkriegs. Die Notwendigkeit, Situationen zu vermeiden, in
denen man nicht gewinnen kann, kann wiederum auch nicht bedeuten, daß man
sich automatisch von Situationen abwendet, wo es sich nur schwer gewinnen
läßt und wo kluge Beteiligung gefordert ist. Solche Situationen werden
immer Risiken beinhalten; wir werden uns nicht immer den Luxus gönnen
können oder in der Lage sein, uns die vorteilhaftesten Umstände auszuwählen. Und wir müssen davon ausgehen, daß unsere Gegner ein hartes Spiel
spielen.

Die Sowjets haben Clausewitz studiert, der lehrte, der Krieg sei eine
Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß wir auf Grauzonen-Herausforderungen reagieren können, ohne
unsere Macht den politischen Verhältnissen anzupassen - und dies auf
einer psychologisch befriedigenden, keinesfalls aber Alles-oder-NichtsGrundlage. Denn dies ist eben nicht jene Art von Realität, vor der wir
in den achtziger, den neunziger Jahren und darüber hinaus stehen werden.
In nur wenigen Fällen wird es so schnell gehen wie in Grenada. Im
Gegenteil: In den meisten anderen Fällen wird es um einiges rauher
zugehen.
Wir haben

�Wir haben zudem keine andere Wahl, als uns mutig der Herausforderung
des Terrorismus zu stellen. Staatlich geförderter Terrorismus ist im
Grund ja eine Art von Kriegsführung. Motiviert durch Ideologie und
politische Feindseligkeit, ist er eine Waffe des unkonventionellen
Krieges gegen die demokratichen Gesellschaften, wobei er seinen Vorteil
aus der Offenheit dieser Gesellschaften zieht. Wie begegnen wir dieser
Herausforderung?

Gewiß müssen wir Sicherheitsvorkehrungen treffen, um

Menschen und dingliche Objekte zu schützen; sicher müssen wir unsere
nachrichtendienstlichen Fähigkeiten noch verstärken, um unsere Wachsamkeit gegenüber derlei Bedrohungen zu erhöhen. Aber es ist in immer
größerem Maß zweifelhaft, ob eine rein passive Strategie auch nur ansatzweise mit diesem Problem fertig werden kann. Das aber wirft für eine
Gesellschaft eine Vielfalt von Fragen auf: Unter welchen Umständen - und
wie - sollten wir reagieren? Wann - und wie - sollten wir präventive oder
vorkehrende Maßnahmen gegen bekannte Terroristengruppen ergreifen? Welche
Beweise verlangen wir, bevor wir solcherlei Schritte unternehmen?

Mit der Zunahme der Bedrohung und mit der immer deutlicher werdenden
Verwicklung von Staaten wie Iran, Syrien, Libyen und Nordkorea wird es
nur noch umso angemessener, daß die Staaten des Westens sich der Notwendigkeit einer aktiven Verteidigung gegen den Terrorismus bewußt werden.
Wird erst einmal klar, daß der Terrorismus funktioniert - daß er seine
politischen Ziele erreicht -, dann werden die Ausführenden noch dreister
werden, und die Gefahr für uns wird nur noch um so größer sein.

Die moralischen Aspekte

Jegliche Anwendung von Gewalt wirft natürlich moralische Probleme
auf. Amerika sollte nur dann auf seine militärischen Machtmittel zurückgreifen, wenn die Sache, um die es geht, dies rechtfertigt und wenn
andere Mittel nicht verfügbar sind — und auch dann nur in einer Art und
Weise, die dem gesetzten Ziel entspricht. Wir können die Anwendung militärischer Machtmittel jedoch nicht von vornherein ausschließen. Wenn wir
dies täten, würde die Zukunft der Erde von anderen bestimmt —

und zwar

sehr wahrscheinlich von denen, die am brutalsten und am skrupellosesten
sind und

�sind und die den Grundsätzen, denen wir uns zutiefst verbunden fühlen, am
feindseligsten gegenüberstehen. Die Zeitschrift "New Republic" brachte
dies vor einigen Wochen recht gut zum Ausdruck:

"Das amerikanische Volk ist sich der Tatsache bewußt, daß Gewalt und
die Androhung von Gewalt grundlegende Wesenszüge der Außenpolitik
unserer Gegner sind, und es erwartet von seinem Präsidenten, daß er
im Stande ist, den Gegner von der Anwendung solcher Taktiken
abzuschrecken bzw. ihnen gegebenenfalls wirksam zu begegnen."

Wie wir gerade jetzt wieder in der Debatte über Militärhilfe für
Mittelamerika erleben, finden die, die vor einem Engagement zurückscheuen
immer ein Alibi für ihre Untätigkeit. Oftmals versuchen sie, sich eines
zu verschaffen, indem sie moralisch fragwürdige Seiten des Freundes oder
Verbündeten, dem wir gern Hilfe leisten würden, wie durch ein Vergrößerungsglas betrachten. Oder es wird argumentiert, daß der Konflikt, um
den es geht, tiefliegende soziale und wirtschaftliche Gründe habe, mit
denen wir uns zunächst einmal auseinandersetzen müßten, bevor wir das
Recht hätten, irgendetwas anderes zu unternehmen. Aber anstatt engagiert
bei der Sache zu bleiben, um die Probleme in den Griff zu bekommen - wie
wir das versuchen -, benutzen einige Leute solche Bedenken als
Ausflüchte, um die Hände in den Schoß legen zu können, - ein Verhalten,
das zur Folge haben kann, daß die Feinde der Freiheit die Oberhand
bekommen.

Ich für meinen Teil halte es für in hohem Maße unmoralisch

zuzulassen, daß Freunde, die sich auf uns verlassen, mit brutaler Gewalt
unterworfen werden, obwohl es in unserer Macht stünde, dies zu verhindern.

Es gibt darüber hinaus noch ein anderes häßliches Überbleibsel
unserer Vietnam-Debatte: die in gewissen Kreisen verbreitete Vorstellung,
daß Amerika der Missetäter sei, daß der Einsatz unserer Machtmittel von
Übel sei und daß die außenpolitische Hauptaufgabe deshalb darin bestehen
müßte, Amerikas Handlungsfreiheit zu beschränken.

Ich kann mir nicht vor-

stellen, daß das amerikanische Volk so etwas glaubt. Mit Präsident
Reagans Vorstellungen von der Welt steht dies mit Sicherheit nicht in
Einklang.
Das amerikanische

- 10 -

�Das amerikanische Volk weiß, daß sein Land stets ein machtvoller
Verfechter des Guten in der Welt gewesen ist; dies hat nichts mit
Prahlerei oder Arroganz zu tun. Wir haben Europa und Asien - und sogar
unseren besiegten Feinden dort - beim Wiederaufbau nach dem Kriege
geholfen, und wir haben auch geholfen, einen sicheren Wall zu errichten,
in dessen Schutz sich nicht nur Demokratie und Freiheit, sondern auch
Wohlstand entfalten konnten.

Die Amerikaner haben für die Freiheit

anderer oftmals Opfer gebracht; sie sind sogar dafür gestorben. Wir
haben den Entwicklungsländern Wirtschaftshilfe in Höhe von rund 165
Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Wir haben bei der Förderung
des Friedensprozesses im Nahen Osten eine entscheidende Rolle gespielt,
ebenso bei den jetzt in Gang gekommenen diplomatischen Bemühungen im
südlichen Afrika und bei vielen anderen diplomatischen Aktivitäten in der
ganzen Welt.

Wir haben unsere Macht für gute und wertvolle Ziele eingesetzt. In
Grenada haben wir dabei geholfen, dem Volk dieses Landes die Selbstbestimmung zurückzugeben, so daß es selbst über seine Zukunft entscheiden
kann. Es hat Versuche gegeben, das, was wir in Grenada getan haben, mit
der sowjetischen Invasion in Afghanistan zu vergleichen. Wir begrüßen
solche Vergleiche. Man betrachte beispielsweise einmal die Aussichten
auf freie Wahlen in diesen beiden Ländern.

In Grenada werden solche

Wahlen noch in diesem Jahr stattfinden - aber wann in Afghanistan? Oder
man vergleiche die Anzahl amerikanischer Kampftruppen, die sich heute,
fünf Monate nach Abschluß der Operation, noch in Grenada befinden, mit
der Anzahl der sowjetischen Truppen, die sich 55 Monate nach der Invasion
immer noch in Afghanistan aufhalten. Die Zahl für Grenada ist Null, die
Zahl für Afghanistan beläuft sich hingegen auf über 100 000.

In den meisten Fällen geht es ja gar nicht um den direkten Einsatz
amerikanischen Militärs, sondern um Militärhilfe für Freunde, die in die
Lage versetzt werden sollen, sich selbst zu verteidigen. Sicherheitspolitische Unterstützung für unsere Freunde ist in der ganzen Welt ein
Mittel der Krisenverhütung, da sie unseren Freunden eine Stärke verleiht,
die geeignet ist, Herausforderungen abzuschrecken.

Auf diese Weise kann
auch die

- 11 -

�auch die Verwicklung amerikanischer Streitkräfte vermieden werden, denn
nur dann, wenn die Selbstverteidigung unserer Freunde im Begriff ist,
zusammenzubrechen, stehen wir vor der quälenden Entscheidung, ob wir uns
in einer direkteren Art und Weise engagieren sollen. Sicherheitspolitische Unterstützung ist daher ein wesentliches Hilfsmittel der
Außenpolitik.

Sie ist ein Instrument, das dazu dienen kann, diejenigen

abzuschrecken, die andernfalls versuchen würden, ihren Willen mit Gewalt
durchzusetzen, und auch dazu, politische Lösungen möglich zu machen.
Dies Instrument wird in unserem Land weitaus weniger geschätzt als
angebracht wäre.

Mittelamerika ist ein gutes Beispiel. Die moralische Frage, um die
es in Mittelamerika wirklich geht, lautet nicht: Glauben wir an militärische Lösungen, sondern vielmehr: Glauben wir an uns selbst? Glauben
wir, daß unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Nachbarn moralisch
von Belang ist? Haben wir Zutrauen in unsere demokratichen Werte?
Glauben wir, daß marxistisch-leninistische Lösungen undemokratisch sind
und daß wir das moralische Recht haben, denen Einhalt zu gebieten, die
versuchen, solche Lösungen gewaltsam durchzusetzen? Es ist richtig, daß
vielen dieser Konflikte soziale und wirtschaftliche Probleme zu Grunde
liegen - aber in El Salvador führt die kommunistische Guerilla unmittelbar Krieg gegen die Wirtschaft, indem sie Brücken und Kraftwerke in die
Luft sprengen und ganz bewußt versuchen, die Wirtschaft des Landes zu
Grunde zu richten.

Bei dem Konflikt in Mittelamerika handelt es sich nicht um eine
Auseinadersetzung zwischen Gesellschaftstheoretikern.

Vielmehr handelt

es sich um eine Situation von der Art, wie ich sie beschrieben habe, wo
es in hohem Maße von dem militärischen Kräfteverhältnis abhängen wird,
wie die politische Auseinandersetzung ausgeht.

In El Salvador unter-

stützen die Vereinigten Staaten gemäßigte Kräfte, die an die Demokratie
glauben und rechts- wie linksextremistischen Feinden der Demokratie
Widerstand leisten. Wenn wir unsere Unterstützung einstellen, werden die
Gemäßigten, die solcherart im Kreuzfeuer stehen, die ersten Opfer sein und mit ihnen die Sache der Menschenrechte und die Aussichten auf wirtschaftlichen

- 12 -

�schaftlichen Fortschritt. Alle, die glauben, daß Militärhilfe für unsere
Freunde nicht entscheidend für einen gerechten Ausgang der Dinge ist,
leben in einer Traumwelt. Und jeder, der glaubt, daß Militärhilfe selbst
dann wirksam sein könnte, wenn sie nicht nach verläßlichem Plan gewährt
wird, versäumt es, den Tatsachen ins Auge zu blicken.

Uneingeschränkte Zuverlässigkeit

Bei dem dritten Thema, das ich anschneiden möchte, handelt es sich um
die Frage, wie unser Land, eine Demokratie, sich angesichts solcher
Herausforderungen verhält.

Die Entwicklung des internationalen Systems in den letzten 35 Jahren
mußte zwangsläufig die beherrschende Position, der sich die Vereinigten
Staaten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erfreuten, unterminieren.
Aber mir scheint, daß - gerade weil Amerika seine Vorherrschaft verloren
hat - Beständigkeit, Entschlossenheit und eine in sich schlüssige Außenpolitik in dieser gefährlichen, ungeordneten neuen Welt dringlicher geboten sind denn je. Wir können uns heute Irrtümer weniger leisten als
früher.

Dieser Wandel in unserem internationalen Umfeld fiel jedoch
historisch zusammen mit einer Art Kulturrevolution in unserem eigenen
Lande, die es uns erschwert, die Beständigkeit, Entschlossenheit und
innere Schlüssigkeit, die geboten ist, zu gewährleisten. Was die letzten
15 Jahre uns hinterlassen haben, ist ein Dauerstreit zwischen der
Exekutive und der Legislative und eine permamente Einengung des Handlungsspielraums der Regierung durch ein Geflecht gesetzlich verankerter
Beschränkungen. Gleichzeitig hat sich im Kongreß eine Machtverteilung
ergeben, die es dem Präsidenten sehr schwer macht, mit dem Kongreß zu
verhandeln, weil dessen Führer das Heft nicht mehr in der Hand haben und
oft nicht in der Lage sind, einen Konsens herbeizuführen; manchmal
bringen sie nicht einmal eine Entscheidung zustande. Was dabei herauskommt, ist, wie Sie wissen, ein enormes Problem für die amerikanische
Außenpolitik, nämlich die Einbuße ihrer inneren Stimmigkeit und immer
wieder Ungewißheit

- 13 -

�wieder Ungewißheit im Bewußtsein unserer Freunde und Feinde über die
Ziele und die Beständigkeit der Vereinigten Staaten.

Besonders auf dem Gebiet der Kriegsermächtigung, wo es um den
unmittelbaren Einsatz unserer Machtmittel geht, steht viel auf dem
Spiel. Die Resolution über die Ermächtigung des Einsatzes von Streitkräften (War Powers Resolution) setzt jedoch eine willkürliche Frist von
60 Tagen, was einen Gegner praktisch dazu einlädt, es einfach darauf
ankommen zu lassen. Unser Oberbefehlshaber ist zu Hause durch Auseinandersetzungen in Anspruch genommen, während er gleichzeitig versucht,
auf auswärtigen Schauplätzen wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Wegen
dieses Gesetzes kann sich der Präsident sogar durch einfache Untätigkeit
des Kongreßes gezwungen sehen, amerikanische Streitkräfte aus einem
Brennpunkt des Weltgeschehens abzuziehen — was, wie Präsident Ford dies
einmal formulierte, den Präsidenten sogar dann in eine schwache Position
versetzt, wenn der Kongreß sich nicht dazu aufraffen kann, Stellung zu
beziehen. Wenn rechtzeitiges Handeln derartigen Beschränkungen unterworfen wird, dann kann dies von unseren Gegnern nur als Einladung verstanden werden, uns herauszufordern. Im Libanon wurden die Aussichten auf
erfolgreiche Verhandlungen dadurch zunichte gemacht, daß unsere Gegner zu
der Auffassung gelangten, daß es uns an Durchhaltevermögen mangele. Wie
Senator Howard Baker, der Sprecher der Mehrheitsfraktion, vor vier Wochen
vor dem Plenum des Senats sagte, "kann es in Zukunft nicht dabei bleiben,
daß wir jegliches militärisches Engagement im Ausland mit langen, ermüdenden und zwietrachtstiftenden Verhandlungen zwischen der Exekutive und der
Legislative einleiten. Die Weltlage und die vielfältigen Gefahren für
unsere Interessen erlauben uns einen solchen Luxus ganz einfach nicht."

Ich schlage keine Änderungen unseres Verfassungssystems vor. Einige
Veränderungen in der Gesetzgebung könnten jedoch erforderlich sein. Das
mindeste, was ich vorschlagen möchte, ist, daß wir alle, d.h., sowohl der
Kongreß als auch die Administration, bei der Wahrnehmung unserer verfassungsmäßigen Rechte in gebührender Weise die Tatsache im Blick behalten,
daß unsere Nation eine funktionierende Außenpolitik braucht. Der Kongreß
hat das Recht, ja sogar die Pflicht, zu debattieren und zu kritisieren,
Mittel zu

- 14 -

�Mittel zu bewilligen und zuzuweisen und bei der Gestaltung der Grundzüge
der Politik mitzuwirken. Wenn aber eine Körperschaft von 535 Einzelpersönlichkeiten, von denen eine jede ihre ganz eigenen Vorstellungen
hat, versucht, den Gang der Dinge bis in die Einzelheiten mitzubestimmen,
dann ist dies eine äußerst ineffiziente und unwirksame Art und Weise,
wichtige Unternehmungen zu leiten. Tatsache ist, daß man unser Land
schwächt, wenn man dem Präsidenten seinen Handlungsspielraum nimmt. Nun
sind in unsere Gesetze und Bestimmungen aber eine ganze Menge von Regelungen eingebaut, die die Handlungsfähigkeit des Präsidenten beeinträchtigen. Es muß für den Präsidenten und für den Kongreß einen besseren
Weg geben, ihre verfassungsmäßigen Rechte wahrzunehmen, ohne unserem Land
die Hände zu binden, während die Interessen der freien Welt Anfechtungen
von außsen ausgesetzt sind. Es muß so etwas wie uneingeschränkte Zuverlässigkeit geben. Die traurige Wahrheit ist doch, daß viele der Schwierigkeiten, die wir in den letzten 15 Jahren hatten, selbstverschuldet waren.

Es geht um etwas Grundsätzliches. Wenn der Zweck unserer Macht darin
besteht, Krieg oder Unrecht zu verhüten, dann ergibt es sich aus der
Natur der Sache, daß wir eher bestrebt sind, dem Auftreten dieser Dinge
durch Abschreckung entgegenzuwirken, als unsere Macht tatsächlich
physisch einzusetzen. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn sichergestellt ist, daß unsere Macht eben doch zum Einsatz kommen würde, wenn
dies notwendig sein sollte.
Als verläßlich zu gelten ist daher ungemein wichtig, denn damit
vermitteln wir unseren Freunden ein Gefühl der Sicherheit und halten
unsere Gegner zur Vorsicht an. Wenn alle Welt davon überzeugt ist, daß
wir zu unseren Verpflichtungen stehen, dann vermindert dies die Wahrscheinlichkeit dafür, daß wir unsere Hilfsversprechen tatsächlich einmal
wahrmachen müssen. Krisenmanagement ist dann am erfolgreichsten, wenn die
Dinge zu einem guten Ende gebracht werden können, ohne daß auch nur ein
einziger Schuß abgefeuert werden muß. Glaubwürdigkeit ist etwas nicht
Greifbares aber dennoch durchaus Wirkliches. Das gleiche gilt für den
Verlust von Glaubwürdigkeit. Wenn man es versäumt, seinem Freund zu Hilfe
zu kommen, so hat dies immer seinen Preis. Wenn man seine Glaubwürdigkeit
erst einmal verloren hat, dann muß man sie sich erst wieder neu
verdienen.

Ausblick auf
- 15 -

�Ausblick auf die Zukunft

Dieses Dilemma und diese harten Alternativen werden nicht von selbst
wieder verschwinden, ganz gleich, wie der Präsident im Amt heißt. Es
handelt sich dabei nicht um parteipolitische Probleme. Wer behauptet, daß
er eine einfache Antwort auf diese Fragen parat hat, der redet Unsinn.

Die Vereinigten Staaten gehen einer Zeit entgegen, die Herausforderungen bringen wird, die denen der jüngeren Vergangenheit in nichts
nachstehen werden. Wir haben eine Diplomatie, die uns dem Frieden durch
Verhandlungen näherzubringen sucht. Wir haben unsere Stärke so weit
wiedererlangt, daß wir in der Lage sind, unsere Interessen zu verteidigen
und anderen den Einsatz von Gewalt unratsam erscheinen zu lassen. Wir
haben Verbündete, die wir schätzen und respektieren. Was wir tun müssen,
ist, sowohl den Umfang unserer Machtmittel als auch die Herausforderung,
der wir gegenüberstehen, zu erkennen.

Die Amerikaner sind kein zaghaftes Volk. Eine Außenpolitik, die
Amerikas würdig sein soll, kann nicht von Isolationismus oder Schuldgefühlen geprägt sein, sondern muß im Zeichen aktiven Engagements stehen.
Wir können stolz sein auf unser Land, auf das, wofür es steht, und auch
auf seine Errungenschaften. Aus der Moral sollten wir Mut schöpfen, wenn
es darum geht, harte Entscheidungen zu treffen. Keinesfalls sollten wir
aus ihr Vorwände zur Selbstlähmung ableiten.

Vor fast zwei Jahren erklärte Präsident Reagan in einer Rede vor dem
britischen Parlament: "Wir müssen in unserer Überzeugung standhaft sein,
daß die Freiheit kein ausschließliches Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale Recht aller." So
lange die Amerikaner an dieser Überzeugung festhalten, werden wir in der
Welt aktiv engagiert bleiben. Wir werden unsere Macht und die Kunst
unserer Diplomatie im Dienste des Friedens und unserer Ideale einsetzen.
Der Weg, den wir gehen müssen, ist uns vorgezeichnet. Wir werden vor
unserer Verantwortung nicht zurückweichen.

+ + + + +

- 16 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan erläutert Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Georgetown-Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden Vertrag über weltweites Verbot chemischer Waffen vorschlagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 4. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Macht und Diplomatie gehören zusammen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Trilateralen Kommission -&lt;/em&gt;</text>
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11. April 1984

INHALT

HINTERGRUND
Programm für strategische Verteidigung
- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 1. Quartal 1984 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Passiver Experimententrä'ger
- 10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum
abgesetzt -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�15

11. April 1984
PROGRAMM FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNG
- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde -

Washington - (AD). - Generalleutnant James Abrahamson, der Direktor des
amerikanischen Raumtransporterprogramms, wurde von US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger zum Direktor der neuen Behörde für strategische Verteidigung im US-Verteidigungsministerium berufen. Er wird am
15. April, nach Beendigung des für den 6. - 12. April 1984 vorgesehenen
elften Raumtransportunternehmens, sein neues Amt antreten.
James Abrahamson, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
studierte, gehört seit fast 30 Jahren den US-Luftstreitkräften an, wo ihn
sowohl fliegerische Aufgaben als auch technische Führungsaufgaben übertragen wurden. Der Verteidigungsminister sieht in ihm die geeignete
Persönlichkeit für die Leitung eines "hochtechnischen Programms, das für
die nationale Sicherheit von größter Bedeutung ist". Ziel des von
Präsident Reagan vor einem Jahr geforderten Programms sei die Verteidigung gegen ballistische Nuklearraketen.
Zwei Expertengremien wurden unabhängig voneinander mit der Durchführung von Studien beauftragt, deren zentrale Fragen lauteten:
"Schaffen Verteidigungstechnologien echte Chance, der Bedrohung durch
ballistische Raketen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ballistische Raketen ein Ende zu setzen, und wenn ja, wäre eine Welt, in
der solche Technologien angewandt würden, sicherer und stabiler als die
Welt, in der wir heute leben?"

Beide Expertengruppen seien nach mehreren

Monaten intensiver Untersuchungen zu dem Schluß gekommen, daß beide
Fragen mit "Ja" zu beantworten sind.

Auf Grund der Studien und der

Konsultationen mit führenden Persönlichkeiten aus Kreisen des atlantischen Bündnisses und des US-Kongresses seien die Vereinigten Staaten,
wie Verteidigungsminister Weinberger auf einer Pressekonferenz erklärte,
zur Durchführung eines Programms für strategische Verteidigung entschlossen.

Vor einigen Wochen wurde es dem US-Kongress unterbreitet; im

Haushaltjähr 1985 sind dafür zwei Milliarden Dollar veranschlagt.
Um die Zusammenarbeit der einzuschaltenden Organisationen, die ganz
verschiedenartige Aufgaben haben, zu gewährleisten, habe,so Weinberger,
Präsident Reagan entschieden, daß im US-Verteidigungsministerium eine
Behörde für das zentrale Management einzurichten sei, deren Leiter dem
Verteidigungsminister direkt untersteht.

Das Programm verfolge nach wie

vor die Verteidigung gegen jede Art nuklearer Waffen - Marschflugkörper
ebenso wie ballistische Raketen.

"Was wir wollen", erklärte Weinberger,

"ist ein durch und durch zuverlässiges System ... gegen nukleare Waffen
..., das wir jetzt ganz eindeutig nicht haben".
Mit diesem Programm solle die Welt von dem dunklen Schatten befreit
werden, der seit der Einführung nuklearer Waffen über ihr liegt. "Und
ich glaube, es ist das einzige, das wirklich der Welt echte Hoffnung
gibt, die Lage zu verbessern, in der wir uns befinden", sagte
Weinberger. Einer der Gründe, weshalb es entwickelt werden müsse, sei
die Tatsache, daß die Sowjets bereits seit 1967 daran arbeiteten und
"wesentliche Fortschritte erzielt haben".
Auf die Frage, ob die Notwendigkeit einer Modernisierung strategischer nuklearer Waffensysteme angesichts dieses neuen Programms
weniger dringend einzuschätzen sei, sagte Weinberger: "Keineswegs, weil
wir ganz eindeutig dieses System, von dem wir sprechen, jetzt nicht
haben". Es werde viel Mühe und Arbeit kosten, es zu erreichen. Man
wisse nicht,

�wisse nicht, wieviel Zeit es erfordere, und so könne man die schon längst
überfällige Modernisierung zur Aufrechterhaltung eines sicheren Abschrekkungsgleichgewichts nicht noch weiter hinausschieben.

Erst wenn sich das

neue System als voll effektiv erweise, könne man entscheiden, was mit
anderen Waffen zu geschehen habe.
Nach Ansicht Weinbergers kann das neue Programm für strategische
i Verteidigung auf Verträge zur Rüstungskontrolle wie SALT I keine
Auswirkung haben, "weil wir gegenwärtig über Forschung und die Arbeit
• sprechen, die notwendig ist, um herauszufinden, ob wir ein solches System
wirksam und erfolgreich stationren können. Im Vertrag über Raketen Abwehrraketen (ABM) geht es um Stationierung". Darauf angesprochen, daß
der ABM-Vertrag sowohl Erprobung und Entwicklung als auch die Stationierung einschränke und wann damit zu rechnen sei, dass die Arbeit in
Verbindung mit der strategischen Verteidigungsinitiative mit dem Vertrag
kollidiere, sagte Weinberger: "Das weiß ich wirklich nicht. Es hängt
davon ab, wie rasch wir vorankommen, wie erfolgreich wir sind, wie bald
wir in der Lage sind, Wege zu finden, die die besten Aussichten bieten
..." Einen festen Terminplan für die Entwicklung des Systems könne es
heute angesichts der raschen Veränderung in der Technologie-Praxis nicht
geben.
+++++

- 3 -

�11. April 1984

15

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 1. Quartal 1984 -AD- Der vierte Jahrestag der sowjetischen Invasion Afghanistans und der
Einsetzung des Regimes von Babrak Karmal stand im Zeichen öffentlicher
Protestdemonstrationen und -kundgebungen in Bangkok, Bonn, Neu Delhi,
Paris, Rom, Teheran und Washington, an denen auch afghanische Flüchtlinge
und ihre moslemischen Glaubensgenossen teilnahmen.
Die zehn Staaten der Europäischen Gemeinschaft gaben eine Erklärung
ab, in der sie die Sowjets zum Abzug aus Afghanistan aufforderten. Die
Zehn erklärten, daß sie "die fortgesetzte Verletzung der Menschenrechte
ebenso verurteilen, wie die Angriffe, die von sowjetischen Streitkräften
auf afghanische Zivilisten geführt werden, um die Entschlossenheit des
afghanischen Volkes zur Wiedergewinnung seiner Unabhängigkeit und zum
Widerstand gegen die Fremdherrschaft in seinem Land zu brechen." In
London erklärte der britische Außenminister Sir Geoffrey Howe, daß "die
britische Regierung die sowjetische Führung auffordert, ihren internationalen Verpflichtungen gemäß der Charta der Vereinten Nationen
nachzukommen und ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen."
In einer Erklärung, die der amerikanische Präsident Ronald Reagan
anläßlich des Jahrestages in Washington abgab, sagte er, daß es "unser
Ziel ist,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ziel ist, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um eine Friedensregelung herbeizuführen, die die sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan herausbringt, der Not und den Verwüstungen, die das afghanische Volk ertragen muß, ein Ende setzt und die Unabhängigkeit und
Blockfreiheit des Landes wiederherstellt ...

Wir sind davon überzeugt,

daß eine Regelung möglich ist, und wir sind froh, daß die Konsultationen, die im Rahmen indirekter Gespräche unter der Schirmherrschaft
der UN stattfinden, fortgeführt werden."
1. Januar 1984
Die vom sowjetischen Verteidigungsministerium herausgegebene Zeitung
"Roter Stern" ("Krasnaja Swesda") teilte mit, daß Moskau den Streitkräften des Regimes in Kabul eine unbestimmte Anzahl von "Flugabwehrraketeneinheiten", d.h. Boden-Luft-Raketen, geliefert hat. Aus dem
Zeitungsartikel ging nicht hervor, wozu diese Batterien benötigt werden,
sondern lediglich, daß sie in den "Gebirgsregionen" Afghanistans stationiert worden sind.
Über Radio Kabul wurde ein neuer Einberufungserlaß des Regimes
verkündet, der besagt, dass alle wehrtauglichen Männer ab 18 Jahren sich
zum Dienst zu melden oder strafrechtliche Verfolgung zu gewärtigen
haben. Befreit seien nur die, die bei höheren Bildungsanstalten beschäftigt oder mit der Verrichtung bestimmter Arbeiten betraut seien.
4. Januar
Wie aus westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete,
führten die Mujahedin der afghanischen Widerstandsbewegung Tag für Tag
militärische Operationen in Kandahar, der zweitgrößten Stadt des Landes, '
durch, die der Herrschaft der sowjetischen und der Regierungstruppen
"praktisch völlig entglitten" sei. Kandahar, die Hauptstadt der gleichnamigen an Pakistan angrenzenden Südprovinz, hatte nach Schätzungen vor
der sowjetischen Invasion im Jahre 1979 etwa 135 000 Einwohner, von denen
allerdings Tausende vor den nahezu ununterbrochenen Kämpfen geflüchtet
sind.
9. Januar

�9. Januar
Nach Informationen von Bakhtar, der Nachrichtenagentur des Regimes,
wird Kabul gemäß einem neu abgeschlossenen Vertrag im Jahre 1984 2,4
Milliarden Kubikmeter Erdgas nach der Sowjetunion ausführen.

Wie die

Agentur meldete, hatte eine Delegation des Regimes während eines Besuchs
in der Sowjetunion auch Gespräche über "eine Erweiterung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bergbau und Industrie" geführt.
Wie diplomatische Quellen in Neu Delhi mitteilten, wurden am 31.
Dezember in Rawza-i-Sultan und am 14. Dezember in Godal-i-Ahangaran,
beides Städte in der Provinz Ghasni, bei sowjetischen Luft- und Raketenangriffen Dutzende von afghanischen Zivilisten getötet. Die Angriffe
waren offenbar als Vergeltung für Aktionen der Mujahedin in diesen
Städten gedacht. Bei wiederholten sowjetischen Luftangriffen in der
gesamten Provinz in dem Zeitraum vom 1. bis zum 3. Januar wurden über 100
Zivilisten getötet und 11 Brücken zerstört. Wie aus den Quellen ebenfalls verlautete, war es in der vorhergehenden Woche in der südlichen
Provinzhauptstadt Kandahar zu andauernden schweren Kämpfen gekommen, in
deren Verlauf schätzungsweise 100 sowjetische und Regierungssoldaten
getötet und zwei sowjetische MiGs abgeschossen wurden.
11. Januar
Wie es in einer Rundfunkmeldung aus Karatschi hieß, hat die Sowjetunion mit der Einfuhr von Uran begonnen, das man im Gebiet der KhvajahRawash-Berge in der Gegend um Kabul entdeckt hatte. Diese Information
stammt von Nur Zaman Mohammad, dem unlängst übergelaufenen ehemaligen
Chefingenieur des Kabuler Ministeriums für Geologische Forschung, Bergbau
und Industrie. Er sagte, daß afghanische Ingenieure und anderes Personal
in diesem Gebiet durch sowjetische Kräfte ersetzt worden seien.
12. Januar

�12. Januar
Wie Radio Karatschi meldete, dementierte ein Sprecher des
pakistanischen Außenministeriums in Islamabad westliche Presseberichte,
denen zufolge die Sowjetunion im April 1983 den Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan innerhalb von 18 Monaten angeboten hatte.

(In der Los

Angeles Times vom 9. Januar hieß es unter Berufung auf Moskauer Quellen,
daß der Kreml dies Angebot unterbreitet habe, weil ihm klar geworden sei,
daß eine politische Regelung, die die Neutralität Afghanistans sicherstelle, den besten Ausweg aus der bestehenden Pattsituation biete.)

Der

pakistanische Sprecher sagte, Moskau habe niemals ein derartiges Angebot
gemacht.

Er fügte hinzu, daß die Frage eines Zeitplans für einen Truppen-

abzug nach wie vor eines der gewichtigsten Themen bei den indirekten Verhandlungen bilde, die von Diego Cordovez, dem persönlichen Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs, geführt würden.
Radio Kabul meldete, daß in den jüngsten Kämpfen in sechs Provinzen
106 Mujahedin-Kämpfer getötet worden seien, die meisten in der an
Pakistan angrenzenden Provinz Paktia.
17. Januar
Wie aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete, ist Kandahar,
die zweitgrößte Stadt des Landes, nach mehrwöchigen, ununterbrochenen
Kämpfen in der Hand der Mujahedin. In der südöstlichen Provinz Paktia
dauerten die Kämpfe um die Stadt Orgun an, die von den Widerstandskämpfern Ende Dezember genommen wurde. (Am 21. Januar behauptete Radio
Kabul, daß die Mujahedin aus Orgun vertrieben worden seien.)
24. Januar
Nach Meldungen aus Islamabad, die sich auf diplomatische Quellen
beriefen, wurden am 8. Januar im Anschluß an eine Konferenz auf höchster
Regierungsebene der stellvertretende Verteidigungsminister, der Chef des
Generalstabs und

- 4 -

�Generalstabs und der Operationschef des Kabuler Regimes ihrer Ämter
enthoben.

Diesen Berichten zufolge hatte der Regimechef Babrak Karmal

sich tadelnd über das Unvermögen der Armee geäußert, mit den Mujahedin
fertig zu werden, der Desertion von Soldaten Einhalt zu gebieten und neue
Mannschaften zu rekrutieren.
28. Januar
In einem offiziellen pakistanischen Kommunique, das in Islamabad
veröffentlicht wurde, hieß es, der Markt von Angur Adda in der westlichen
Grenzprovinz Wasiristan sei am 27. Januar von zwei aus Afghanistan
kommenden Militärflugzeugen mit Bomben und Raketen belegt worden, wobei
40 pakistanische Zivilisten getötet und etwa 60 verwundet worden seien.
(Am 31. Januar teilte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums
mit, daß es seit der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahre 1979
zu 411 Verletzungen des pakistanischen Luftraums gekommen sei und daß
hierbei 55 Menschen getötet und 104 verwundet worden seien.)
31. Januar
Nach Berichten diplomatischer Quellen in Neu Delhi und Islamabad
wurden in der Zeit vom 19. bis zum 27. Januar in den in der ShomaliRegion nördlich von Kabul gelegenen Dörfern Ghaza und Karez-e-Mir durch
wiederholte Luftangriffe und Artilleriebeschuß Hunderte von Zivilisten
getötet.
7. Februar
Wie aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad verlautete,
unternahmen sowjetische Bodentruppen am 2. und 3. Februar einen
überraschenden Vergeltungsangriff auf die historische Stadt Istalef in
der Shomali-Region. Der Angriff stellte einen neuerlichen Versuch dar,
den Mujahedin die Unterstützung durch die dort ansässige Bevölkerung zu
entziehen. Nachdem sich die sowjetischen Truppen wieder zurückgezogen
hatten, wurde die Stadt von Artillerie, Raketenwerfern und Panzern
beschossen.
10. Februar

�10. Februar
In seinem Jahresbericht über die weltweite Verletzung der Menschenrechte stellte das amerikanische Außenministerium fest: "1983 hat es in
der Lage der Menschenrechte in Afghanistan kaum Veränderungen gegeben.
Am beharrlichsten und systematischsten werden die Menschenrechte in den
vom Regime beherrschten Gebieten von der 20 000 Mann starken, unter dem
Namen Khad bekannten Geheimpolizei verletzt ...

In den ländlichen Gei

bieten, die sich der Herrschaft des Regimes teilweise oder ganz entziehen, wurden die Menschenrechte in großem Umfang von sowjetischen oder
sowjetisch geführten Truppen verletzt.

Im Verlaufe des Jahres 1983

dauerten die sowjetischen Vergeltungsangriffe gegen die Zivilbevölkerung
an und nahmen an Häufigkeit sogar zu ..."
15. Februar
Diplomatische Quellen in Islamabad melden, daß das Regime in Kabul
die intensivsten Bemühungen seit der sowjetischen Invasion von 1979
unternimmt, um die gelichteten Reihen seiner Armee aufzufüllen.
Angeblich bedient man sich dabei sogar solcher Methoden wie der Zwangsrekrutierung willkürlich aufgegriffener Straßenpassanten, der erneuten
Einberufung von überführten Fahnenflüchtigen und des Aussetztens von
Prämien für Soldaten, die sich weiterverpflichten.
16. Februar
Auf einer Sitzung in Straßburg verabschiedete das Europa-Parlament
eine Resolution, in der es erneut die "sowjetische Besetzung Afghanistans
verurteilt", den "Rückzug der sowjetischen Truppen fordert" und den
"sowjetischen Angriff auf Angur Adda" (vgl. den Eintrag unter dem Datum
des 28. Januar oben) ebenso "vorbehaltlos verurteilt" wie "die ständig
wachsende Brutalität der Maßnahmen, die gegen die afghanische
Zivilbevölkerung angewandt werden."
21. Februar

�21. Februar
Die Vereinigten Staaten legten dem Generalsekretär der Vereinten
Nationen einen neuen Bericht über den Einsatz von chemischen und
organischen Giftstoffen durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten in
Afghanistan, Laos und Kambodscha vor. Im Hinblick auf Afghanistan
erklärten die Vereinigten Staaten, daß ihnen mehrere Berichte über den
Einsatz chemischer Waffen durch die Sowjets im Jahre 1983 vorlägen, daß
es ihnen bislang aber nicht möglich gewesen sei, diese Berichte zu bestätigen. Diese Situation steht in deutlichem Gegensatz zu der von 1982,
als die USA "schwerwiegende Indizien für den dutzendfachen Einsatz
chemischer Waffen in Afghanistan mit über 300 Todesopfern" vorgelegt
hatten.
20. Februar
Zum fünften Mal seit der sowjetischen Invasion von 1979
verabschiedete die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in
Genf eine Resolution, in der sie den Abzug aller ausländischen Truppen
aus Afghanistan forderte. In der Resolution, die mit 31 zu 8 Stimmen bei
4 Enthaltungen angenommen wurde, brachte die Kommission ihre "zutiefst
empfundene Sorge" darüber zum Ausdruck, daß dem afghanischen Volk das
Recht auf Selbstbestimmung vorenthalten wird, insbesondere das Recht,
"seine Regierungsform selbst zu bestimmen und sich ohne Eingriffe,
Unterwanderung, Zwang oder sonstige Repressalien von außen für ein
wirtschaftliches, politisches und soziales System seiner Wahl zu
entscheiden."
In einer Rede vor dem Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei Afghanistans in Kabul hob Babrak Karmal, wie die
Nachrichtenagentur seines Regimes in einem zusammenfassenden Bericht
meldete, "zwei Aufgaben von besonderer Wichtigkeit" hervor: "die
Intensivierung des Kampfes gegen die Konterrevolution und die beständige
Stärkung der Staatsmacht." Von diplomatischen Quellen in Neu Delhi wurde
später im

- 7 -

�später im Wortlaut sein Eingeständnis zitiert, daß "die Wahrheiten
unserer Revolution der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung
Afghanistans erst noch vermittelt werden müssen."
6. März
Diplomatische Quellen in Neu Delhi und Islamabad sind der Auffassung,
daß sich häufende Berichte aus Afghanistan über die Zusammenziehung
sowjetischer Truppen und gepanzerter Verbände in drei verschiedenen
Gebieten auf eine unmittelbar bevorstehende Frühjahrsoffensive hindeuten. Bei den Gebieten, von denen in den Berichten die Rede ist,
handelt es sich um das strategisch wichtige Panjsher-Tal, das sowjetiche
und Regierungsstreitkräfte bereits sechsmal ohne Erfolg zu erobern versucht hatten, um Gardez in der an Pakistan angrenzenden Provinz Paktia
und um die südliche Provinzhauptstadt Kandahar, die sich seit Januar in
der Hand der Mujahedin befindet.
13. März
Wie diplomatische Quellen in Neu Delhi berichten, löste eine
Ankündigung vom 8. März, daß die Militärdienstzeit verlängert werden
solle, in der Armee des Kabuler Regimes eine Welle von Desertionen und
Meutereien aus. Innerhalb weniger Stunden nach der Ankündigung kam es im
Hauptquartier der 8. Division in Kargha, sieben Kilometer nordwestlich
von Kabul zur Meuterei. In Kabul konnte man zwei Stunden lang den von
dort herüberziehenden Gefechtslärm von Artillerie, Raketen und anderen
Waffen vernehmen.
15. März
Zum Abschluß einer sechswöchigen Sitzungsperiode in Genf beschloß die
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, erstmalig einen
Sonderberichterstatter zu ernennen und ihn mit der Untersuchung von
Klagen über Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan zu betrauen.
Dieser Beschluß wurde gefaßt in Zusammenhang mit der Verabschiedung einer
Resolution

�Resolution (die mit 27 zu 8 Stimmen bei 6 Enthaltungen angenommen wurde),
in der die Kommission ihre "Sorge und Befürchtungen über die fortdauernde
Anwesenheit ausländischer Truppen in Afghanistan und über die Berichte
über Verletzungen der Menschenrechte in erheblichem Umfang" zum Ausdruck
brachte.

Der Berichterstatter ist gehalten, der Kommission während der

Sitzungsperiode 1985 einen umfassenden Bericht vorzulegen.
21. März
In einer Erklärung, in der der 21. März zum "Afghanistan-Tag"
proklamiert wird, gab US-Präsident Reagan seiner Überzeugung Ausdruck,
daß "es eine politische Verhandlungslösung dann geben kann, wenn die
Sowjetunion einem Abzug ihrer Streitkräfte zustimmt." Reagan hob hervor,
daß eine solche Lösung den Bedingungen, die fünfmal in Resolutionen der UN-Vollversammlung niedergelegt worden seien, gerecht werden
müsse. Der Präsident fügte hinzu: "Alle freiheitsliebenden Menschen auf
der ganzen Welt sollten inspiriert werden von dem Kampf des afghanischen
Volkes um Freiheit und von den schweren Opfern, die es für die Freiheit
auf sich nimmt."
+ + + + +

- 9 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15

11. April 1984

PASSIVER EXPERIMENTENTRÄGER
10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum abgesetzt

- (AD) - Die Einflüsse der Umwelt jenseits der Erdatmosphäre mit kosmischem
Staub und Mikrometeoriten, Strahlung, magnetischen und elektrischen Feldern auf
Experimentiermaterialien verschiedenster Art wollen Wissenschaftler aus neun
Ländern mit Hilfe der "Long-Duration Exposure Facility" studieren (LDEF passiver Trägersatellit für Langzeitversuche). Mehr als zehn Monate wird der
am 7. April 1984 aus der Raumfähre CHALLENGER in 461 km Höhe mit dem ROBOTARM
abgesetzte passive Satellit, auf dem 57 Versuchsausrüstungen installiert sind,
die Erde umkreisen. Dann soll er wieder "eingefangen" und an Bord eines Raumtransporters zur Erde zurückgebracht werden. Er ist wiederverwendbar und könnte,
je nach den Versuchsaufgaben, auch erheblich länger im Orbit verbleiben.
"Passiv" heißt, daß er nicht über eigene Antriebsaggregate verfügt. Experimente,
die zur Durchführung Strom benötigen, sind mit eigenen Energiequellen versehen.
Leer wiegt der neun Meter lange Satellit, der die Form eines 12kantigen
Zylinders hat, 9 707 kg. Die 12, regalähnlich unterteilten Segmente enthalten
86 Aluminiumbehälter, von denen jeder ein»- Versuchausrüstung von 80 kg, z.T.
auch mit noch mehr Masse, aufnehmen kann. Es gibt keine Vibrationen, die
Reaktionen an den der irdischen Schwerkraft entzogenen Materialien stören
könnten.
Neben Experimenten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Neben Experimenten des US-Amtes für

Luft- und Raumfahrt (NASA) und ameri-

kanischer Universitäten befinden sich wartungsfreie, relativ einfache Versuchsanlagen aus der Bundesrepublik Deutschland (Max-Planck-Institut für Kernphysik,
Heidelberg, und Technische Universität München), aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kanada, den Niederlanden und der Schweiz an Bord.

Sie lassen

sich in vier Hauptgruppen unterteilen: Werkstoffe und Kühlsysteme, Energie und
Antriebe, Grundlagenforschung, Elektronik und Optik.
Hier einige Beispiele:
- Beim Interstellaren Gasexperiment werden kosmische Gase an Metallfolien
gesammelt. Man erhofft sich von der Untersuchung dieses Materials neue Einblicke
in die nuklearen Prozesse, die sich im Raum unserer Milchstraße abspielen, und
möglicherwiese auch Erkenntnisse zur Entstehung des Universums. (USA, Schweiz)
- Kristallwachstum in der Schwerelosigkeit könnte die Produktion größerer
und praktisch fehlerfreier Kristalle zur Verwendung in Elektronik und Optik
ermöglichen. Unter irdischen Bedingungen sind derart perfekte Kristalle nicht
zu züchten. (USA, Dänemark)
- Solarzellentest im Vakuum und unter Einwirkung der verschiednen Arten von
Weltraumstrahlung, um das bestgeeignete Material für Kollektorplatten herauszufinden.

In den Zellen entsteht unter der Einwirkung des Sonnenlichts elektrische

Energie, die zur Versorgung des Satelliten mit Betriebsstrom verwendet wird. (USA)
- Mehr als 14 Millionen Pflanzensamen werden der kosmischen Umwelt ausgesetzt.
Sobald sip zur Erde zurückgebracht sind, werden Proben davon im ganzen Land an
Schulen sowie an Hochschullaboratorien verteilt, wo man s»e zum Keimen bringen,
das Wachstum beobachten sowie eventuell auftretende Mutationen ausfindig machen
wird. (USA)
- Dichte und Energie

i

- 2 -

�- Dichte und Energie von Mikrometeoriten werden mit Hilfe dünner Mehrschichtfolien ermittelt.

Außerdem will man die Kraterwirkung von Mikrometeoriten

auf der Oberfläche verschiedener Materialien - Metallen, Gläsern, keramischen
Stoffen - untersuchen und die chemische Zusammensetzung des kosmischen Materials
ermitteln. (Großbritannien und Frankreich)
- Verbundwerkstoffe mit polymerisierten Komponenten werden auf Veränderungen
ihrer physikalischen Eigenschaften wie Festigkeit und Zähigkeit, Beschichtungsstoffe und Konstruktionswerkstoffe auf die Erhaltung ihrer thermischen Eigenschaften bzw. ihrer Festigkeit untersucht. (Kanada und Frankreich)
- Auswirkung von Weltraumstrahlung auf besonders leistungsfähige Infrarotfilter, auf Werkstoffe für Bau und Ausrüstung von Satelliten und auf Beschichtungsmaterialier, (Großbritannien)
- Die verschiedensten Komponenten modernster optischer Instrumente werden
nach Rückkehr eingehend auf ihre Leistungsbeständigkeit geprüft. (Frankreich)
- Leistungsabfall von Solarzellen und Beschichtungsmaterialien unter Weltraumstrahlung und "Verschmutzung" durch Materie im Weltraum; Auswirkungen kosmischer Strahlung, einschließlich schwerer Ionen, auf biologisches Material.
(Bundesrepublik Deutschland)
- Physikalische Prozesse bei der Bildung und Beschleunigung ultraschwerer
Kerne in der kosmischen Strahlung im interstellaren Raum. (Irland und Niederlande)

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Programm für strategische Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Generalleutnant Abrahamson, Leiter der neuen Zentralbehörde -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 1. Quartal 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Passiver Experimententräger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 10-Tonnen-Satellit von CHALLENGER für Langzeitversuche im Weltraum abgesetzt -&lt;/em&gt;</text>
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